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	<title>China Studies Wiki - User contributions [en]</title>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 110</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_105|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;105&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_106|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;106&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_107|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;107&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_108|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;108&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_109|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;109&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;110&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_111|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;111&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_112|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;112&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_113|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;113&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_114|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;114&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_115|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;115&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百十回 / Kapitel 110 =&lt;br /&gt;
== 史太君寿终归地府 ==&lt;br /&gt;
=== 王凤姐力诎失人心 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 110 =&lt;br /&gt;
== Die alte Fürstin stirbt und kehrt ins Totenreich zurück; ==&lt;br /&gt;
== Phönixglanz verliert ihre Kraft und das Vertrauen der Menschen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, daß die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 (Jiǎ Mǔ), auch „Alte Fürstin&amp;quot;. Oberhaupt der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; sich aufsetzte und sprach: „Ich bin nun schon über sechzig Jahre in eurer Familie. Von meiner Jugend bis ins hohe Alter habe ich das Glück bis zur Neige genossen. Seit eurem Vater angefangen, waren Söhne und Enkel allesamt tüchtig. Nur Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 (Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade&amp;quot;. Protagonist des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; — den habe ich umsonst geliebt …&amp;quot; Bei diesen Worten ließ sie ihren Blick über alle im Raum schweifen. Frau König&amp;lt;ref&amp;gt;Frau König: Chin. 王夫人 (Wáng Fūrén). Ehefrau von Aufrecht Kaufmann, Mutter von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; schob Schatzjade zum Bett. Die Herzoginmutter streckte die Hand unter der Decke hervor und ergriff Schatzjades Hand: „Mein Kind, du mußt dich zusammennehmen!&amp;quot; Schatzjade antwortete, doch ihm wurde das Herz schwer, und die Tränen wollten fließen. Er wagte aber nicht zu weinen und stand nur da, während die Herzoginmutter weitersprach: „Ich möchte noch einen Urenkel sehen, dann bin ich beruhigt. Wo ist mein Lan'er?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Frau Li: Chin. 李纨 (Lǐ Wán). Witwe von Zhu Kaufmann, Mutter von Lan Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; schob Lan Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Lan Kaufmann: Chin. 贾兰 (Jiǎ Lán), wörtl. „Orchidee&amp;quot;. Sohn von Zhu Kaufmann und Frau Li, Enkel von Aufrecht Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach vorn. Die Herzoginmutter ließ Schatzjades Hand los und ergriff die von Lan Kaufmann: „Deine Mutter ist eine pflichtbewußte Frau. Wenn du einmal etwas geworden bist, laß auch deine Mutter in Ehren erstrahlen! — Wo ist mein Phönixmädchen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 (Wáng Xīfèng), wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;. Ehefrau von Kette Kaufmann, Haushälterin des Rong-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte die ganze Zeit neben der Herzoginmutter gestanden und trat nun eilig vor: „Hier bin ich.&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte: „Mein Kind, du warst nur allzu klug. Von nun an solltest du Gutes tun und dir Verdienste sammeln. Auch ich habe nicht viel Gutes getan — nur ein aufrichtiges Herz gehabt, das mir Verluste einbrachte. Was das Fasten und Beten angeht, habe ich auch nicht viel davon gehalten. Nur voriges Jahr habe ich einige Abschriften des Diamant-Sutra herstellen und verteilen lassen — sind die alle verteilt?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Noch nicht.&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte: „Man hätte sie längst verteilen sollen. — Unser ältester Herr und Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 (Jiǎ Zhēn). Herr des Ning-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; sind wohl draußen? Am ärgerlichsten ist, daß die Xiang-Schwester kein Herz hat — warum kommt sie mich gar nicht besuchen?&amp;quot; Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 (Yuānyāng), wörtl. „Mandarinenten-Paar&amp;quot;. Engste Dienerin der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen, die den wahren Grund wohl kannten, sagten kein Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter blickte noch einmal zu Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 (Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange&amp;quot;. Ehefrau von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; hinüber und seufzte. Da sah man, daß ihr Gesicht sich rötete. Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 (Jiǎ Zhèng), wörtl. „Aufrecht/Rechtschaffen&amp;quot;. Vater von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; erkannte sofort, daß es das Aufleuchten vor dem Ende war, und flößte ihr eilig Ginsengbrühe ein — doch die Herzoginmutter hatte die Zähne bereits fest zusammengebissen. Sie schloß die Augen für einen Augenblick, öffnete sie wieder und blickte im ganzen Zimmer umher. Frau König und Schatzspange stützten sie sanft von oben, während Frau Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Frau Strafe: Chin. 邢夫人 (Xíng Fūrén). Ehefrau von Begnadigung Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Phönixglanz ihr eilig die Sterbekleider anlegten. Unten hatten die alten Frauen bereits das Totenbett aufgestellt und mit Decken belegt. Da hörte man im Hals der Herzoginmutter ein leises Rasseln, und über ihr Gesicht glitt ein letztes Lächeln — sie war dahin. Sie wurde dreiundachtzig Jahre alt. Die alten Frauen legten sie eilig auf das Totenbett.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin knieten Aufrecht Kaufmann und die anderen Herren auf der einen Seite, Frau Strafe und die anderen Frauen auf der anderen, und alle brachen gemeinsam in lautes Wehklagen aus. Draußen hatten die Diener alles vorbereitet; als die Nachricht aus dem Inneren kam, wurden vom großen Tor des Rong-Palastes bis zu den Innentüren sämtliche Türflügel weit aufgerissen und mit weißem Papier bezogen. Die Trauerzelte ragten empor, und vor dem großen Tor wurde der Trauerbogen sogleich errichtet. Das gesamte Personal legte unverzüglich Trauerkleidung an. Aufrecht Kaufmann meldete seine Trauerzeit beim Amt &amp;lt;ref&amp;gt;„Ding You&amp;quot; — nach konfuzianischem Ritus mußte ein Beamter bei Tod der Eltern sein Amt für eine bestimmte Zeit niederlegen&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das Ritenministerium erstattete dem Thron Bericht. Der gnädige Kaiser, eingedenk der Verdienste der Familie über Generationen und da die Herzoginmutter zudem die Großmutter der kaiserlichen Gemahlin Frühlingsbeginn war, schenkte tausend Tael Silber und befahl dem Ritenministerium, die Haupttrauerfeier auszurichten. Die Diener verbreiteten die Todesnachricht an alle Verwandten und Bekannten. Obwohl alle wußten, daß die Kaufmann-Familie in Ungnade gefallen war, kamen sie angesichts der kaiserlichen Ehren in großer Zahl zum Trauerbesuch. Zu einem günstigen Zeitpunkt wurde der Leichnam in den Sarg gelegt und im Hauptsaal aufgebahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Begnadigung Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Begnadigung Kaufmann: Chin. 贾赦 (Jiǎ Shè), wörtl. „Begnadigung&amp;quot;. Älterer Bruder von Aufrecht Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht daheim war, war Aufrecht Kaufmann der älteste Anwesende. Schatzjade, Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 (Jiǎ Huán). Jüngerer Halbbruder von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Lan Kaufmann waren leibliche Enkel und noch jung — sie mußten am Sarg wachen. Kette Kaufmann war zwar auch ein leiblicher Enkel, konnte aber zusammen mit Hibiskus Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Hibiskus Kaufmann: Chin. 贾蓉 (Jiǎ Róng). Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Diener einteilen und die Geschäfte führen. Obwohl man einige Verwandte beiderlei Geschlechts zur Hilfe herangezogen hatte, mußten im Inneren Frau Strafe, Frau König, Frau Li, Phönixglanz und Schatzspange am Sarg klagen. Dame Sonders hätte zwar helfen können, doch seit Herrlichkeit Kaufmanns Abwesenheit lebte sie im Rong-Palast und hatte sich stets zurückgehalten; zudem war sie mit den Angelegenheiten des Prunkwille-Anwesenes nicht sonderlich vertraut. Von Hibiskus Kaufmann' junger Frau ganz zu schweigen. Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 (Xīchūn), wörtl. „Den Frühling bewahren&amp;quot;. Vierte Tochter der Familie Kaufmann, aus dem Ning-Palast.&amp;lt;/ref&amp;gt; war noch jung; zwar war sie hier aufgewachsen, doch von den Haushaltsangelegenheiten verstand sie gar nichts. So war im Inneren wahrhaftig niemand, der alles zusammenhielt. Nur Phönixglanz konnte die inneren Angelegenheiten leiten, zumal Kette Kaufmann draußen die Fäden in der Hand hielt — die beiden zusammen ergänzten sich ganz gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hatte anfangs im Vertrauen auf ihr Talent erwartet, daß sie nach dem Tod der Herzoginmutter groß auftrumpfen könnte. Frau Strafe und Frau König wußten, daß sie schon die Trauerfeierlichkeiten für Frau Qin des Ning-Palastes organisiert hatte und gewiß alles tadellos erledigen würde. So übertrugen sie Phönixglanz abermals die Gesamtleitung der inneren Angelegenheiten. Phönixglanz konnte natürlich nicht ablehnen und nahm an. Sie dachte bei sich: „Die Angelegenheiten hier habe ich ohnehin immer geführt; die Dienstboten sind meine Leute. Die Leute der Herrschaften und der Schwägerin aus dem Ning-Palast, die schwer zu handhaben waren, sind alle fort. Zwar gibt es keine Kontrollplaketten mehr für das Geld, doch das Geld selbst ist vorhanden. Und draußen hat unser Mann alles in der Hand. Auch wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht — ich denke, es wird keine Kritik geben; es muß besser werden als damals im Ning-Palast.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerlich gefaßt, wollte sie zunächst den dritten Tag abwarten &amp;lt;ref&amp;gt;„jie san&amp;quot; — die Zeremonie am dritten Tag nach dem Tod&amp;lt;/ref&amp;gt;, um am übernächsten Morgen die Aufgaben zu verteilen. Sie ließ der Frau von Zhou Rui ausrichten, das Personalverzeichnis heraufzubringen. Phönixglanz sah es sorgfältig durch: Insgesamt gab es nur einundzwanzig männliche und neunzehn weibliche Dienstboten. Die übrigen waren nur Mägde, zusammen mit den Mägden aus allen Gemächern nicht mehr als dreißig Personen — viel zu wenig, um alle Dienste zu besetzen. Sie dachte: „Bei dieser Trauerfeier haben wir weniger Personal als damals beim Ning-Palast.&amp;quot; Sie ließ noch einige vom Landgut kommen, doch auch das reichte nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie nachrechnete, kam ein kleines Mädchen und sagte: „Schwester Mandarinenente läßt die Zweite Herrin bitten.&amp;quot; Phönixglanz ging hinüber. Da sah sie Mandarinenente, die wie ein Tränenmeer aussah, und Mandarinenente ergriff Phönixglanz' Hand und sagte: „Zweite Herrin, bitte setzt Euch, ich will Euch einen Kotau machen. Zwar verneigt man sich in der Trauerzeit nicht, aber diesen Kotau muß ich machen.&amp;quot; Damit kniete Mandarinenente nieder. Phönixglanz erschrak und hielt sie fest: „Was soll das? Sag, was du zu sagen hast.&amp;quot; Mandarinenente kniete noch, und Phönixglanz zog sie hoch. Mandarinenente sagte: „Die Angelegenheiten der Herzoginmutter, innen wie außen, liegen bei dem Zweiten Herrn und der Zweiten Herrin. Das Geld dafür hat die Herzoginmutter hinterlassen. Die Herzoginmutter hat ihr ganzes Leben lang nie Geld verschwendet, und nun, bei dieser letzten großen Angelegenheit, bitte ich die Zweite Herrin, es würdig und angemessen zu erledigen. Vorhin habe ich den Herrn etwas von ‚so sagt der Meister, so stehen die Lieder' sagen hören — ich habe nichts davon verstanden. Dann sagte er etwas von ‚Trauerriten sollen eher schlicht als aufwendig, eher von echter Trauer als von äußerem Prunk sein' &amp;lt;ref&amp;gt;Zitat aus den „Gesprächen des Konfuzius&amp;quot; (Lunyu)&amp;lt;/ref&amp;gt; — das habe ich noch weniger begriffen. Ich habe die Zweite Herrin Schatzspange gefragt, und sie sagte, der Herr meine: Die Trauerfeier solle aufrichtig traurig sein, das sei wahre Pietät; man brauche nicht verschwenderisch und auf äußeren Schein bedacht zu sein. Ich denke aber — wie sollte eine solche Person wie die Herzoginmutter es nicht verdienen, würdig bestattet zu werden? Ich bin nur eine Sklavin und Magd; was wage ich schon zu sagen? Nur hat die Herzoginmutter die Zweite Herrin und mich so sehr geliebt — soll man sie im Tod nicht in Glanz und Ehren entlassen? Ich weiß, daß die Zweite Herrin große Dinge bewerkstelligen kann, deshalb habe ich Euch hergebeten, damit Ihr entscheidet. Im Leben gehörte ich der Herzoginmutter, und im Tode gehöre ich auch ihr. Wenn ich nicht sehe, daß ihre Angelegenheit gut erledigt wird — wie soll ich der Herzoginmutter in der anderen Welt gegenübertreten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hörte diese seltsamen Worte und sagte: „Sei unbesorgt. Die Würde zu wahren ist nicht schwer. Auch wenn der Herr von Sparsamkeit spricht — die Form muß stimmen. Selbst wenn wir das ganze Geld für die Herzoginmutter ausgeben, ist das nur recht und billig.&amp;quot; Mandarinenente sagte: „Die Herzoginmutter hat in ihrem letzten Willen gesagt, alles, was übrig ist, solle uns gehören. Wenn die Zweite Herrin das Geld nicht reichen sollte, nehmt ruhig davon und setzt es ein. Selbst wenn der Herr etwas dagegen sagt — man kann doch den letzten Willen der Herzoginmutter nicht mißachten. Zudem hat der Herr die Verteilung doch selbst mit angehört.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Du bist doch sonst die Klügste — warum diese Aufregung?&amp;quot; Mandarinenente sagte: „Ich bin nicht aufgeregt, sondern besorgt. Die Erste Herrin [Frau Strafe] kümmert sich um nichts. Der Herr fürchtet Aufsehen. Wenn nun auch die Zweite Herrin so denkt wie der Herr — wenn sie sagt: ‚Eine Familie, die schon durchsucht wurde, wie kann die noch eine prunkvolle Trauerfeier abhalten, sonst wird man abermals durchsucht' — und man deshalb die Herzoginmutter vernachlässigt, was dann? Ich als Magd habe nichts zu verlieren, aber es geht um den Ruf der Familie.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Ich verstehe. Sei ganz beruhigt — ich bin ja da!&amp;quot; Mandarinenente bedankte sich tausendmal und vertraute alles Phönixglanz an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz ging hinaus und dachte: „Mandarinenente ist ein merkwürdiges Geschöpf — was hat sie sich nur in den Kopf gesetzt? Vernünftig betrachtet, sollte die Trauerfeier natürlich würdig sein. Ach! Lassen wir das, ich erledige es einfach so, wie es unserer Familie früher entsprach.&amp;quot; So ließ sie die Frau von Wang'er kommen und sagte, man solle den Zweiten Herrn hereinbitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf kam Kette Kaufmann und sagte: „Warum suchst du mich? Du brauchst nur innen auf alles zu achten. Letztlich entscheiden der Herr und die Herrschaften; was die sagen, das tun wir.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Jetzt redest du auch schon so — da hat Mandarinenente also recht behalten.&amp;quot; Kette Kaufmann fragte: „Was hat Mandarinenente gesagt?&amp;quot; Phönixglanz erzählte ihm alles. Kette Kaufmann sagte: „Was schert mich deren Gerede? Vorhin hat mich der Zweite Herr gerufen und gesagt: ‚Die Trauerfeier für die Herzoginmutter soll zwar ordentlich sein, aber wer Bescheid weiß, wird sagen, die Herzoginmutter hat sich selbst versorgt. Wer es nicht weiß, wird sagen, wir hätten Vermögen versteckt und lebten in Wahrheit im Überfluß. Das übriggebliebene Geld der Herzoginmutter — wer will es denn? Es soll für die Herzoginmutter verwendet werden: Die Herzoginmutter stammt aus dem Süden; zwar gibt es dort eine Grabstätte, doch noch keine Grabanlage. Ihr Sarg soll in den Süden überführt werden, und mit dem Geld sollen auf dem Ahnenfriedhof Gebäude errichtet werden. Was übrig bleibt, soll als Opferland angelegt werden. Wenn wir zurückkehren, ist es gut; und wenn nicht, können die armen Verwandten dort wohnen und zu den rechten Zeiten Weihrauch brennen und die Gräber pflegen.' Findest du das nicht vernünftig? Willst du etwa alles auf einmal ausgeben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fragte: „Ist das Geld denn schon ausgegeben worden?&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: „Wer hat je Geld gesehen? Ich habe gehört, daß unsere Herrin [Frau Strafe], als sie die Worte des Zweiten Herrn hörte, eifrig Frau König und den Zweiten Herrn bestärkt hat: ‚Das ist eine gute Idee!' Was soll ich da machen? Draußen braucht man für die Trauerzelte und Sargträger einige hundert Tael, und noch immer ist nichts ausgezahlt worden. Wenn ich hingehe, sagen alle, es sei vorhanden, man solle erst draußen anfangen, die Abrechnung komme später. Denk doch nur: Von den Dienern sind die, die Geld haben, längst verschwunden. Wenn man sie nach dem Verzeichnis rufen läßt, sagen die einen, sie seien krank, die anderen, sie seien aufs Landgut gefahren. Die wenigen, die nicht mehr laufen können, verstehen sich aufs Geldverdienen, aber nicht aufs Drauflegen!&amp;quot; Phönixglanz hörte das und war eine Weile wie versteinert: „Wie soll man da noch etwas ausrichten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie das sagte, kam ein Mädchen und richtete aus: „Die Erste Herrin läßt fragen: Es ist der dritte Tag; drinnen herrscht noch das Chaos. Die Speisen sind aufgetragen, aber sollen die Verwandten noch warten? Man hat eine halbe Ewigkeit gerufen, endlich kamen die Speisen — aber der Reis fehlt. Was ist das für eine Art, Dinge zu erledigen?&amp;quot; Phönixglanz eilte hinein und trieb die Leute an, das Frühstück notdürftig abzuwickeln. Doch an diesem Tag kamen besonders viele Gäste. Die Dienerinnen standen mit toten Augen da. Phönixglanz mußte persönlich eine Weile alles überwachen. Zugleich mußte sie an die Diensteinteilung denken. Sie kam eilig heraus, ließ die Frau von Wang'er alle Dienerinnen zusammenrufen und verteilte die Aufgaben einzeln. Die Leute sagten alle ja, rührten sich aber nicht. Phönixglanz fragte: „Was ist das für eine Zeit — warum werden die Speisen nicht aufgetragen?&amp;quot; Die Leute sagten: „Speisen auftragen ist leicht — aber erst müssen die Sachen von drinnen herausgegeben werden, dann können wir aufpassen.&amp;quot; Phönixglanz rief: „Ihr dummen Dinger! Wenn ihr eingeteilt seid, bekommt ihr auch alles.&amp;quot; Die Leute fügten sich widerwillig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz ging sogleich in die oberen Gemächer, um die benötigten Gegenstände zu holen. Sie wollte Frau Strafe und Frau König um Erlaubnis bitten, doch es waren zu viele Leute da, um frei zu reden. Die Sonne neigte sich schon gen Westen. Schließlich fand sie Mandarinenente und bat um das Tafelgeschirr, das die Herzoginmutter aufbewahrt hatte. Mandarinenente sagte: „Das fragst du mich? In dem Jahr, als der Zweite Herr es versetzt hat — ist es denn je ausgelöst worden?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Nicht die silbernen oder goldenen — nur das gewöhnliche Geschirr.&amp;quot; Mandarinenente sagte: „Was meint Ihr, woher das Geschirr kommt, das die Erste Herrin und die Schwägerin aus dem Ning-Palast gerade benutzen?&amp;quot; Phönixglanz sah ein, daß sie recht hatte, drehte sich um und ging. Sie mußte schließlich zu Frau König gehen, wo sie mit Hilfe von Yuchuan und Farbwölkchen ein Garnitur auftrieb, ließ Caiming alles in eine Liste eintragen und verteilte es an die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente sah, wie aufgelöst Phönixglanz war, und konnte sie auch nicht zurückrufen. Sie dachte bei sich: „Früher erledigte sie alles so forsch und umsichtig — wie kommt es, daß man ihr jetzt so die Hände bindet? Seit zwei, drei Tagen kommt sie zu gar nichts — da hat die Herzoginmutter sie wohl umsonst geliebt!&amp;quot; Doch sie wußte nicht, daß Frau Strafe, als sie Aufrecht Kaufmanns Worte hörte, damit ganz auf ihrer Linie lag, die für die Zukunft sparen wollte, und es ihr nur recht war, wenn man etwas zurückhielt. Zudem war die Trauerfeier eigentlich Sache des ältesten Sohnes; da Begnadigung Kaufmann nicht da war, sagte Aufrecht Kaufmann bei allem: „Man frage die Erste Herrin.&amp;quot; Frau Strafe aber kannte Phönixglanz' verschwenderische Art und Kette Kaufmanns Hang zum Leichtsinn, und so hielt sie die Zügel straff und gab nichts frei. Mandarinenente aber glaubte, das Geld sei bereits ausgegeben worden, und als sie sah, wie Phönixglanz behindert wurde, argwöhnte sie, Phönixglanz gebe sich nicht genug Mühe. So jammerte und klagte sie unablässig vor dem Sarg der Herzoginmutter. Frau Strafe und die anderen hörten, daß ihre Worte Anspielungen enthielten, dachten aber nicht daran, daß sie selbst es waren, die Phönixglanz nicht frei handeln ließen, sondern sagten: „Phönixglanz gibt sich wirklich keine rechte Mühe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend rief Frau König Phönixglanz zu sich und sagte: „Unsere Familie mag zwar nicht mehr so wohlhabend sein, aber den äußeren Anstand muß man wahren. Diese zwei, drei Tage, mit all dem Kommen und Gehen — die Leute werden nicht richtig versorgt; vermutlich hast du keine Anweisungen gegeben. Du mußt dir schon etwas mehr Mühe geben.&amp;quot; Phönixglanz hörte das und erstarrte. Sie wollte das Problem mit dem fehlenden Geld ansprechen, doch das Geld lag in der Hand der Männer, und Frau König sprach von mangelhafter Versorgung — da wagte Phönixglanz nicht zu widersprechen und schwieg. Frau Strafe, die daneben stand, sagte: „Eigentlich sollten wir Schwiegertöchter uns kümmern, nicht die Enkelschwiegertochter. Aber da wir uns nicht rühren können, haben wir dich beauftragt — du darfst die Hände nicht in den Schoß legen.&amp;quot; Phönixglanz lief purpurrot an und wollte gerade erwidern, als draußen die Trauermusik einsetzte — es war die Zeit des abendlichen Papierverbrennens. Alle brachen in Wehklagen aus, und Phönixglanz kam nicht mehr zu Wort. Sie hatte vorgehabt, später darauf zurückzukommen, doch Frau König schickte sie hinaus: „Hier sind wir. Geh schnell und kümmere dich um die Vorbereitungen für morgen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz wagte nicht mehr zu widersprechen. Mit verhaltenen Tränen und unterdrücktem Schluchzen ging sie hinaus, ließ alle zusammenrufen und gab abermals Anweisungen: „Liebe Frauen und Tanten, habt Erbarmen mit mir! Ich bin oben tüchtig gescholten worden, weil ihr nicht ordentlich arbeitet und man sich blamiert. Morgen strengt euch bitte an!&amp;quot; Die Leute antworteten: „Die Zweite Herrin hat schon öfter Dinge erledigt, das ist ja nichts Neues — würden wir es wagen, uns zu widersetzen? Nur ist es diesmal oben besonders umständlich. Allein das Essen: Manche essen hier, manche wollen zu Hause essen; man lädt diese Dame ein, aber jene kommt nicht — wie soll man es allen recht machen? Wir bitten nur die Zweite Herrin, den Mädchen zu sagen, sie sollen weniger mäkeln.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Das Schwierigste sind die Mägde der Herzoginmutter — die sind schwer zu handhaben. Und die Mägde der Herrschaften sind auch nicht einfach. Wen soll ich denn zur Ordnung rufen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute sagten: „Als die Zweite Herrin damals die Trauerfeier im Ning-Palast leitete — da war sie doch nur die Stellvertreterin, und trotzdem: prügeln und schimpfen, wie entschlossen war sie da! Wer hätte es gewagt, ihr zu widersprechen? Und jetzt kann sie die Mädchen nicht mehr bändigen?&amp;quot; Phönixglanz seufzte: „Im Ning-Palast wurde mir die Aufgabe zwar übertragen, aber die Herrschaften waren dort nur Gäste und mischten sich nicht ein. Jetzt ist es unsere eigene Angelegenheit, und es geht um gemeinsames Geld — da kann jeder mitreden. Außerdem kommt von draußen das Geld nicht. Wenn man für das Trauerzelt etwas braucht und es bestellt — es kommt einfach nicht. Was soll ich da machen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute sagten: „Der Zweite Herr ist doch draußen zuständig — sollte er nicht liefern?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Fragt mich nicht. Er hat es auch schwer. Erstens hat er das Geld nicht in der Hand; für jede Kleinigkeit muß er erst bitten, und das dauert.&amp;quot; Die Leute sagten: „Ist das Geld der Herzoginmutter denn nicht in den Händen des Zweiten Herrn?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Fragt die Verwalter — die werden es euch sagen.&amp;quot; Die Leute sagten: „Kein Wunder! Draußen beschweren sich die Männer: ‚Bei einem so großen Anlaß kriegen wir keinen Pfennig — nur die Drecksarbeit.' Da soll man sich wundern, daß niemand mit dem Herzen dabei ist?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Jetzt reicht es. Was vor Augen liegt, darauf achtet bitte. Wenn es oben Ärger gibt, lasse ich euch nicht davonkommen!&amp;quot; Die Leute sagten: „Die Zweite Herrin kann befehlen, was sie will — wir wagen nicht zu maulen. Nur daß oben jeder eine andere Meinung hat — das macht es uns wirklich schwer.&amp;quot; Phönixglanz sah ein, daß nichts zu machen war, und bat: „Gute Frauen, morgen helft mir wenigstens einen Tag. Wenn ich mit den Mädchen alles geklärt habe, reden wir weiter.&amp;quot; Die Leute gehorchten und gingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hatte den Bauch voller Kummer. Je mehr sie nachdachte, desto zorniger wurde sie. Erst bei Tagesanbruch mußte sie wieder hinauf. Sie wollte die Leute aller Gemächer in Ordnung bringen, fürchtete aber den Zorn von Frau Strafe. Sie wollte mit Frau König reden, doch Frau Strafe hetzte dagegen. Die Mägde, die sahen, daß Frau Strafe und die anderen Phönixglanz nicht den Rücken stärkten, benahmen sich erst recht unverschämt. Zum Glück vermittelte Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 (Píng'ér), wörtl. „Friedliches Kind&amp;quot;. Nebenfrau und treue Gehilfin von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; und sagte: „Die Zweite Herrin würde es ja gern gut machen, aber der Herr und die Herrschaften haben draußen angeordnet, daß nicht verschwendet werden darf. Deshalb kann unsere Zweite Herrin nicht alles befriedigen.&amp;quot; Erst nach mehrmaligem Erklären kehrte etwas Ruhe ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Mönche Sutren rezitierten und Priester Bußzeremonien hielten, Trauerbesuche und Opfermähler einander ablösten, wurde wegen der Knauserei mit dem Geld niemand zum Eifer angetrieben, und alles geschah nur notdürftig. An den folgenden Tagen kamen nicht wenige kaiserliche Gemahlinnen und hohe Damen, doch Phönixglanz konnte nicht hinaufgehen und sie empfangen; sie mußte unten improvisieren. Hatte sie die eine gerufen, lief die andere weg; bald wurde sie unwirsch, bald mußte sie flehen; kaum hatte sie eine Sache hinter sich gebracht, kam die nächste. Nicht nur Mandarinenente und die anderen fanden es unwürdig — selbst Phönixglanz konnte es in ihrem Herzen nicht verantworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Strafe, obwohl sie als Erste Herrin die Hauptverantwortung trug, berief sich auf die vier Worte „Aufrichtige Trauer ist wahre Pietät&amp;quot; und kümmerte sich um nichts. Frau König konnte nur Frau Strafe folgen; die übrigen taten noch weniger. Nur Frau Li durchschaute Phönixglanz' Not, wagte aber nicht, für sie zu sprechen. Sie seufzte nur bei sich: „Wie das Sprichwort sagt: ‚Die Pfingstrose mag noch so schön sein — sie braucht grüne Blätter, die sie stützen.' Wenn die Herrschaften Phönixglanz im Stich lassen, wer hilft ihr dann? Wenn die Dritte Schwester noch da wäre, ginge es. Jetzt hat Phönixglanz nur ihre eigenen wenigen Leute, die kopflos herumrennen und sich hinter ihrem Rücken beschweren, daß sie keinen Pfennig zu sehen bekommen und auch keine Ehre einlegen können. Der Herr denkt nur an die Pietät und versteht von praktischen Dingen nichts. Bei einem so großen Anlaß — wie soll man das ohne Geld bewerkstelligen? Die arme Phönixglanz — jahrelang hat sie sich abgemüht, und ausgerechnet bei der Sache der Herzoginmutter wird sie wohl ihr Gesicht verlieren.&amp;quot; Dann rief sie bei Gelegenheit ihre eigenen Leute zusammen und wies sie an: „Schaut nicht auf die anderen und behandelt die Zweite Herrin Kette schlecht. Denkt nicht, daß Trauerkleider tragen und am Sarg wachen schon alles sei — man muß nur ein paar Tage durchstehen. Wenn ihr seht, daß die Leute nicht zurechtkommen, helft ein wenig — es ist ja das Gemeinwohl, und alle sollten sich einsetzen.&amp;quot; Ihre Leute, die Frau Li von jeher gehorchten, stimmten zu und sagten: „Die Erste Herrin hat ganz recht; wir würden so etwas nicht wagen. Nur hören wir aus dem Ton der Schwester Mandarinenente heraus, als ob man der Zweiten Herrin Kette die Schuld gäbe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li sagte: „Auch Mandarinenente habe ich es gesagt. Ich sagte: Die Zweite Herrin Kette gibt sich bei der Sache der Herzoginmutter durchaus Mühe. Nur hat sie kein Geld in der Hand — soll sie als kluge Frau auch noch Brei aus Nichts kochen? Jetzt versteht Mandarinenente es auch und gibt ihr nicht mehr die Schuld. Nur ihr Benehmen ist seltsam — nicht mehr wie früher. Damals, als die Herzoginmutter sie noch liebte, hat sie nie ihre Macht ausgespielt; jetzt, da die Herzoginmutter tot ist und niemand mehr hinter ihr steht — da scheint mir ihr Wesen verändert. Vorher habe ich mir Sorgen um sie gemacht — zum Glück ist der Erste Herr nicht zu Hause, so ist sie davongekommen; sonst — was hätte sie tun können?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie sprach, kam Lan Kaufmann herein und sagte: „Mutter, geh schlafen. Den ganzen Tag Gäste empfangen — du bist erschöpft, ruh dich aus. Ich habe seit Tagen kein Buch angerührt. Heute hat der Großvater gesagt, ich könne zu Hause schlafen. Ich bin ganz froh und möchte ein, zwei Bücher durchgehen, sonst habe ich nach der Trauerzeit alles vergessen.&amp;quot; Frau Li sagte: „Braves Kind, Bücher lesen ist natürlich gut. Aber heute ruh dich erst aus — lies, wenn die Herzoginmutter bestattet ist.&amp;quot; Lan Kaufmann sagte: „Wenn Mutter schlafen will, schlafe ich auch, und denke im Bett über den Stoff nach.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lobten: „Was für ein braver junger Herr! In seinem Alter und denkt sofort an die Bücher! Ganz anders als der Zweite Herr Schatzjade: ein verheirateter Mann und noch immer so kindisch. Diese Tage kniet er neben dem Herrn, und man sieht ihm an, wie unwohl es ihm ist. Kaum bewegt sich der Herr, läuft er zur Zweiten Herrin und tuschelt mit ihr. Wenn die ihn nicht mehr beachtet, sucht er Fräulein Kostbarzither Schnee auf. Kostbarzither Schnee weicht ihm aus, und die Xing-Schwester redet auch nicht viel mit ihm. Dagegen unsere eigene Cousine Xi und die Vierte Schwester — die nennen ihn ‚großer Bruder' hier und ‚großer Bruder' da und halten sich gern bei ihm auf. Wir meinen: Der Zweite Herr Schatzjade tut außer dem Umgang mit Damen und Fräulein wohl gar nichts. Die arme Herzoginmutter hat ihn umsonst geliebt. Wo reicht er auch nur an ein Zehntel des jungen Herrn Lan heran? Die Erste Herrin wird sich eines Tages nicht zu sorgen brauchen.&amp;quot; Frau Li sagte: „Selbst wenn er tüchtig wird — er ist noch klein. Und bis er groß ist, wer weiß, wie es dann um unsere Familie steht. Und wie findet ihr den jungen Herrn Huan?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute sagten: „Der ist noch schlimmer! Seine Augen sind wie die eines lebhaften Affen — sie schweifen hierhin und dorthin. Zwar heult er mit den anderen, aber sobald eine Dame oder ein Fräulein kommt, lugt er hinter dem Trauervorhang hervor und glotzt sie an.&amp;quot; Frau Li sagte: „Er ist eigentlich auch nicht mehr so jung; neulich hieß es, man wolle ihm eine Braut suchen. Jetzt muß man damit wieder warten. Ach! Noch etwas: Die Leute in unserer Familie — das läßt sich auch nicht so leicht klären. Aber lassen wir das Gerede. Übermorgen wird die Beisetzung gefeiert — wie steht es mit den Wagen für die einzelnen Gemächer?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute sagten: „Die Zweite Herrin Kette ist in den letzten Tagen ganz von Sinnen; sie hat noch nichts nach draußen bestellt. Gestern haben wir die Männer draußen sagen hören: Der Zweite Herr hat den Zweiten Herrn Qiang mit den Vorbereitungen beauftragt. Unsere eigenen Wagen reichen nicht, und Kutscher sind auch zu wenig — man muß bei Verwandten borgen.&amp;quot; Frau Li lachte: „Man kann auch Wagen borgen?&amp;quot; Die Leute sagten: „Die Herrin scherzt. Warum sollte man keine Wagen borgen können? Nur ist an dem Tag bei allen Verwandten auch Bedarf an Wagen — da wird es schwer, welche zu borgen. Man wird wohl auch mieten müssen.&amp;quot; Frau Li sagte: „Für die niederen Dienstboten mag man mieten — aber auch die weißen Trauerwagen für die Herrschaften?&amp;quot; Die Leute sagten: „Nehmt nur die Erste Herrin, die Schwägerin aus dem Ning-Palast und die junge Frau Hibiskus — die haben alle keine Wagen mehr. Wenn man nicht mietet, wo sollen sie herkommen?&amp;quot; Frau Li seufzte: „Früher, wenn Verwandte unserer Familie in gemieteten Wagen kamen, haben wir sie ausgelacht. Jetzt trifft es uns selbst. Sagt morgen euren Männern: Unsere Wagen und Pferde sollen rechtzeitig bereitstehen — damit es kein Gedränge gibt.&amp;quot; Die Leute bejahten und gingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird berichtet, daß Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Xiangfluss-Wolke: Chin. 史湘云 (Shǐ Xiāngyún), wörtl. „Wolken über dem Xiang-Fluss&amp;quot;. Cousine von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt;, weil ihr Mann krank lag, nach dem Tod der Herzoginmutter nur einmal gekommen war. Da übermorgen die Beisetzung stattfand, konnte sie nicht fernbleiben. Zudem hatte sich die Krankheit ihres Mannes als Schwindsucht erwiesen, die vorläufig nicht lebensbedrohlich war. So kam sie am Abend vor der Totenwache. Sie dachte an die Liebe, die ihr die Herzoginmutter immer erwiesen hatte, und an ihr eigenes bitteres Schicksal — kaum hatte sie einen Mann geheiratet, der schön und begabt war und einen guten Charakter hatte, da mußte er ausgerechnet an dieser Krankheit leiden, und es war nur noch ein Dahinschleppen von Tag zu Tag. So wurde ihr Schmerz nur noch größer, und sie weinte eine halbe Nacht, ohne daß Mandarinenente und die anderen sie trösten konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade blickte sie an und war von Trauer überwältigt, doch wagte er nicht vorzutreten und sie zu trösten. Er sah, wie sie leicht geschminkt und in schlichtem Gewand — ohne Rouge und Puder — noch schöner war als vor ihrer Heirat. Dann blickte er zu Kostbarzither Schnee und den anderen, die ebenfalls schlicht gekleidet waren und doch von strahlender Anmut. Und als er Schatzspange ansah, in voller Trauer, war diese besondere Eleganz noch eindrucksvoller als in farbiger Kleidung. Er dachte: „Die Alten sagten: ‚Unter Tausend von Rot und Purpur gebührt der Pflaumenblüte der erste Rang.' Nun sehe ich: Das liegt nicht nur daran, daß die Pflaume früh blüht — nein, die vier Worte ‚Rein, weiß, klar, duftend' sind wahrhaft unerreicht. Nur — wenn jetzt auch Schwester Lin so gekleidet wäre, wie unvergleichlich wäre ihre Anmut erst!&amp;quot; Bei diesem Gedanken wurde ihm schwer ums Herz, die Tränen rollten herab, und er nutzte den Anlaß der Trauerfeier, um hemmungslos zu weinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute trösteten gerade Xiangfluss-Wolke, als draußen plötzlich ein weiteres Schluchzen ertönte. Alle dachten, er trauere um die Herzoginmutter, die ihn so geliebt hatte. Doch in Wahrheit hatte jeder von beiden seine eigenen Tränen. Dieses gemeinsame große Weinen rührte alle Anwesenden zu Tränen. Erst Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 (Xuē Yímā). Mutter von Schatzspange und Becken Schnee.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Frau Li, die Tante, konnten sie beruhigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag, der Nacht der Totenwache, ging es noch lebhafter zu. Phönixglanz konnte sich an diesem Tag kaum noch auf den Beinen halten und hatte kein Mittel mehr. Sie gab ihr Letztes und schrie sich die Kehle heiser, um den halben Tag zu überstehen. Am Nachmittag kamen noch mehr Verwandte und Bekannte, die Geschäfte häuften sich, und sie konnte vorn nicht aufpassen und gleichzeitig hinten alles regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade in ihrer größten Not kam ein kleines Mädchen gelaufen und sagte: „Hier ist die Zweite Herrin also! Kein Wunder, daß die Erste Herrin sagt, es seien drinnen zu viele Leute und man komme nicht zurecht — die Zweite Herrin hat sich verkrochen, um es sich bequem zu machen!&amp;quot; Als Phönixglanz diese Worte hörte, stieg ihr eine Woge der Wut hoch, würgte sie im Hals, die Tränen schossen ihr in die Augen; es wurde ihr schwarz vor Augen, der Hals wurde süß — und sie spie leuchtend rotes Blut. Ihre Beine gaben nach, und sie sackte zu Boden. Zum Glück eilte Friedchen herbei und stützte sie. Phönixglanz spuckte einen Schwall Blut nach dem anderen und hörte nicht auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob sie leben wird oder sterben — das wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_104|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;104&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_105|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;105&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_106|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;106&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_107|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;107&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_108|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;108&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;109&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_110|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;110&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_111|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;111&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_112|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;112&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_113|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;113&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_114|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;114&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百九回 / Kapitel 109 =&lt;br /&gt;
== 候芳魂五儿承错爱 ==&lt;br /&gt;
=== 还孽债迎女返真元 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 109 =&lt;br /&gt;
== Wu'er empfängt fälschlich Zuneigung im Namen eines duftenden Geistes; ==&lt;br /&gt;
== Im Kreislauf der Vergeltung kehrt Willkommensfrühling ins Wahre zurück ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, daß Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 (Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange&amp;quot;. Ehefrau von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 (Xírén), wörtl. „Den Menschen überraschend duftend&amp;quot;. Erste Kammerzofe von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; beauftragt hatte, den wahren Grund herauszufinden. Aus Sorge, Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 (Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade&amp;quot;. Protagonist des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; könnte vor Kummer krank werden, sprach sie mit Dufthauch absichtlich im Plauderton über Kajaljades letzte Worte vor ihrem Tod, so daß Schatzjade es mithören konnte. Sie sagte: „Solange ein Mensch auf der Welt ist, hat er Gefühle und Empfindungen. Doch nach dem Tode geht jeder seiner eigenen Wege, und es ist keineswegs so wie im Leben. Die Toten sind nicht mehr so, wie sie zu Lebzeiten waren. Die Lebenden mögen noch so sehr an ihnen hängen — die Verstorbenen wissen nichts davon. Zudem hat Fräulein Lin doch gesagt, sie gehe zu den Unsterblichen; sie betrachtet die Sterblichen als unreine, trübe Wesen — wie sollte sie sich noch in der irdischen Welt aufhalten wollen? Nur der eigene Argwohn der Menschen ruft allerlei Dämonen und böse Geister herbei, die einen dann heimsuchen.&amp;quot; Obwohl Schatzspange mit Dufthauch sprach, waren die Worte für Schatzjades Ohren bestimmt. Dufthauch verstand und sagte ebenfalls: „So etwas gibt es nicht. Wenn Fräulein Lins Seele wirklich noch im Garten weilte — wir waren doch auch befreundet, warum habe ich dann nicht ein einziges Mal von ihr geträumt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte draußen zu und dachte sorgfältig nach: „Es ist wirklich seltsam! Ich weiß, daß Schwester Lin tot ist, und denke jeden Tag unzählige Male an sie — warum habe ich nie von ihr geträumt? Gewiß ist sie in den Himmel aufgestiegen und blickt auf mich gewöhnlichen Sterblichen herab, der nicht mit den Göttern verkehren kann — deshalb habe ich nicht einen einzigen Traum gehabt. Wenn ich heute nacht draußen im Vorzimmer schlafe, oder wenn ich aus dem Garten zurückkomme, wird sie vielleicht mein Herz kennen und mir im Traume erscheinen wollen. Ich muß sie unbedingt fragen, wo sie wirklich hingegangen ist, dann werde ich ihr auch regelmäßig Opfer darbringen. Wenn sie sich aber tatsächlich um dieses trübe Wesen nicht kümmert und kein einziger Traum kommt, dann werde ich auch aufhören, an sie zu denken.&amp;quot; Sein Entschluß stand fest, und er sagte: „Ich werde heute nacht draußen im Vorzimmer schlafen. Ihr braucht euch nicht um mich zu kümmern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange drängte ihn nicht, sondern sagte nur: „Du brauchst nicht so wirre Gedanken zu haben. Hast du nicht gesehen, wie aufgeregt die Mutter war, als du in den Garten gegangen bist, so daß sie kaum ein Wort herausbrachte? Wenn du jetzt noch nicht auf deine Gesundheit achtest und die Großmutter davon erfährt, wird sie wieder sagen, wir kümmerten uns nicht genug.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Es wird schon nichts sein, ich sitze noch ein Weilchen und komme dann herein. Du bist auch müde, leg dich zuerst schlafen.&amp;quot; Schatzspange rechnete damit, daß er ohnehin hereinkommen würde, und sagte zum Schein: „Ich gehe schlafen. Laß die Schwester Dufthauch dich bedienen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte das und fand es gerade passend. Als Schatzspange sich niedergelegt hatte, ließ er Dufthauch und Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Moschusmond: Chin. 麝月 (Shèyuè), wörtl. „Moschusmond&amp;quot;. Dienstmädchen von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein weiteres Bett aufschlagen und schickte ständig jemanden hinein, um nachzusehen, ob die Zweite Herrin schon eingeschlafen sei. Schatzspange tat absichtlich so, als schliefe sie, war aber die ganze Nacht unruhig. Schatzjade glaubte, Schatzspange schlafe, und sagte zu Dufthauch: „Geht alle schlafen, ich bin gar nicht traurig. Wenn du mir nicht glaubst, bediene mich, bis ich eingeschlafen bin, und geh dann hinein; du brauchst mich nur nicht zu wecken.&amp;quot; Dufthauch bediente ihn tatsächlich bis zum Einschlafen, stellte Tee bereit, schloß die Tür und ging ins Innenzimmer, um nach dem Rechten zu sehen, legte sich dann selbst hin und döste nur, bereit, wieder herauszukommen, falls Schatzjade sich regen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade sah, daß Dufthauch hineingegangen war, schickte er die beiden Nachtwache haltenden alten Weiber nach draußen. Dann setzte er sich leise auf, murmelte im Stillen einige Gebetsworte und legte sich erst dann nieder. Anfangs konnte er durchaus nicht einschlafen, doch nachdem er sein Herz beruhigt hatte, schlief er unversehens ein und ruhte die ganze Nacht friedlich. Erst als es hell wurde, erwachte er, rieb sich die Augen, saß da und dachte nach — doch er hatte keinen Traum gehabt. Er seufzte und sprach: „So ist es denn: ‚Seit langem trennt der Tod uns voneinander, und doch ist ihre Seele nie im Traum erschienen.'&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Zitat aus Bai Juyis „Lied von der ewigen Sehnsucht&amp;quot;, in dem der Kaiser Tang Xuanzong vergeblich auf den Traum seiner toten Geliebten Yang Guifei wartet.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange hingegen hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan. Als sie hörte, wie Schatzjade draußen diese beiden Verse murmelte, erwiderte sie: „Da hast du dich unbedacht ausgedrückt — wenn Schwester Lin noch am Leben wäre, würde sie sich wieder ärgern.&amp;quot; Als Schatzjade das hörte, wurde es ihm verlegen zumute, und er stand auf, kam verlegen herein und sagte: „Eigentlich wollte ich hereinkommen, doch weiß ich nicht, wie es kam — ich bin einfach eingenickt.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Ob du hereinkommst oder nicht, was geht mich das an!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Dufthauch hatte nicht geschlafen. Als sie die beiden reden hörte, stand sie eilig auf und brachte Tee. Da kam ein kleines Mädchen von der Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 (Jiǎ Mǔ), auch „Alte Fürstin&amp;quot;. Oberhaupt der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; herüber und fragte: „Hat der Zweite Herr Schatzjade letzte Nacht ruhig geschlafen? Wenn ja, soll er sich bald mit der Zweiten Herrin frisieren und herüberkommen.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Geh und melde der Herzoginmutter, daß Schatzjade letzte Nacht sehr ruhig geschlafen hat; er kommt gleich.&amp;quot; Das kleine Mädchen ging. Schatzspange machte sich eilig zurecht, und Oriole, Dufthauch und die anderen folgten ihr. Zuerst ging sie zur Herzoginmutter und erwies ihr die Ehre, dann zu Frau König&amp;lt;ref&amp;gt;Frau König: Chin. 王夫人 (Wáng Fūrén). Ehefrau von Aufrecht Kaufmann, Mutter von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt;, danach zu Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 (Wáng Xīfèng), wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;. Ehefrau von Kette Kaufmann, Haushälterin des Rong-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; — allen machte sie ihren Besuch. Dann kehrte sie zur Herzoginmutter zurück und traf auch ihre Mutter an. Alle fragten: „Geht es Schatzjade abends gut?&amp;quot; Schatzspange sagte: „Er hat sich gleich hingelegt und geschlafen, es gab nichts.&amp;quot; Alle waren beruhigt und plauderten noch ein wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam ein kleines Mädchen herein und sagte: „Die Zweite Herrin Schwägerin will zurückfahren. Es heißt, daß von Schwager Suns Seite Leute gekommen sind und bei der Ersten Herrin einiges besprochen haben. Die Erste Herrin hat zum Quartier der Vierten Herrin schicken lassen und sagen lassen, man brauche sie nicht mehr aufzuhalten, sie solle gehen. Jetzt weint die Zweite Herrin Schwägerin bei der Ersten Herrin; wahrscheinlich kommt sie gleich, um sich von der Herzoginmutter zu verabschieden.&amp;quot; Als die Herzoginmutter und alle es hörten, waren sie äußerst betrübt und sagten: „Willkommensfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Willkommensfrühling: Chin. 迎春 (Yíngchūn), wörtl. „Den Frühling willkommen heißen&amp;quot;. Zweite Tochter von Begnadigung Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist doch eine so feine Person — warum muß das Schicksal ihr ausgerechnet solch einen Menschen bescheren? Ihr ganzes Leben lang kann sie den Kopf nicht heben — wie soll das nur enden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch redeten, trat Willkommensfrühling herein, das Gesicht voller Tränenspuren. Da es Schatzspanges Geburtstag war, schluckte sie die Tränen hinunter, verabschiedete sich von allen und wollte gehen. Die Herzoginmutter kannte ihr Leid und versuchte sie nicht gewaltsam zurückzuhalten, sondern sagte nur: „Geh nur zurück, aber sei nicht traurig. Einen solchen Menschen zu treffen, dagegen ist kein Kraut gewachsen. In ein paar Tagen schicke ich jemanden, der dich wieder abholt.&amp;quot; Willkommensfrühling sagte: „Die Großmutter hat mich von Anfang an geliebt, doch jetzt kann sie nichts mehr für mich tun. Die Ärmste, ich habe keine Gelegenheit mehr, wiederzukommen.&amp;quot; Dabei strömten ihr die Tränen. Alle trösteten sie: „Was soll denn daran sein, daß du nicht wiederkommen könntest? Du bist doch nicht wie deine Dritte Schwester, die so weit weg ist, daß ein Wiedersehen schwierig wäre.&amp;quot; Als die Herzoginmutter und die anderen an Willkommensfrühlings Dritte Schwester dachten, begannen unwillkürlich alle zu weinen. Da es Schatzspanges Geburtstag war, rissen sie sich zusammen und sagten: „So schwierig ist das auch nicht — wenn die Küstenprovinzen befriedet sind und die dortigen Anverwandten in die Hauptstadt versetzt werden, dann kann man sich wiedersehen.&amp;quot; Alle sagten: „Ja, so wird es wohl sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling mußte trauernd Abschied nehmen. Alle geleiteten sie hinaus und kehrten dann zur Herzoginmutter zurück. Von morgens bis abends war wieder ein ganzer Tag vergangen. Als die Leute sahen, daß die Herzoginmutter erschöpft war, zerstreuten sich alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 (Xuē Yímā). Mutter von Schatzspange und Becken Schnee.&amp;lt;/ref&amp;gt; verabschiedete sich von der Herzoginmutter und ging zu Schatzspange hinüber. Sie sagte: „Dein Bruder hat dieses Jahr hinter sich; man muß bis zu einer kaiserlichen Amnestie warten, bis seine Strafe gemildert und er ausgelöst werden kann. Diese paar Jahre — wie soll ich das allein und verlassen aushalten? Ich möchte deinen Zweiten Bruder verheiraten — was meinst du?&amp;quot; Schatzspange sagte: „Mutter hat Angst bekommen wegen der Heirat des älteren Bruders und zweifelt deshalb auch an der Sache des zweiten Bruders. Meiner Meinung nach sollte man es unbedingt tun. Die Xing-Schwägerin kennt Mutter ja — sie hat es hier auch recht schwer. Wenn man sie heiratet, mögen wir auch arm sein, aber es ist allemal besser, als bei fremden Leuten unterzukommen.&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Wenn du Gelegenheit hast, geh und sag es der Herzoginmutter — sag ihr, daß unser Haus niemanden hat und wir einen günstigen Tag wählen wollen.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Mutter soll nur mit dem Zweiten Bruder besprechen und einen guten Tag wählen, dann herüberkommen und es der Herzoginmutter und der Ersten Herrin sagen, sie heimführen, und damit ist die Sache erledigt. Die Erste Herrin hier kann es auch kaum erwarten, daß sie geheiratet wird.&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Heute habe ich gehört, daß auch die Xiang-Schwägerin bald zurückkehren wird. Die Herzoginmutter möchte, daß deine Schwester noch ein paar Tage hierbleibt, deshalb ist sie geblieben. Ich denke, auch sie wird nicht mehr lange bleiben — ihr Schwestern solltet noch ein paar Tage miteinander plaudern.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Ganz recht.&amp;quot; Daraufhin saß Tante Schnee noch eine Weile, verabschiedete sich von allen und ging heim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird erzählt, daß Schatzjade am Abend in sein Zimmer zurückkehrte und bei sich dachte: „Letzte Nacht ist Kajaljade mir wirklich nicht im Traum erschienen. Vielleicht ist sie schon zur Unsterblichen geworden und will sich deshalb einem so trüben Wesen wie mir nicht zeigen — das ist durchaus möglich. Oder aber ich war zu ungeduldig — auch das kann sein.&amp;quot; Er ersann einen Plan und sagte zu Schatzspange: „Ich bin gestern zufällig draußen eingeschlafen, und es scheint, als hätte ich draußen ruhiger geschlafen als drinnen. Heute morgen fühlte ich mich auch klarer im Kopf. Ich möchte noch zwei Nächte draußen schlafen, aber ihr werdet mich wohl wieder daran hindern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange hörte es und wußte genau, daß die Verse, die er am Morgen gemurmelt hatte, natürlich Kajaljades wegen gewesen waren. Da sie bedachte, daß sein eigensinniges Naturell nicht umzustimmen war, hielt sie es für besser, ihn zwei Nächte schlafen zu lassen, damit er sich die Sache vielleicht von selbst aus dem Kopf schlage; zudem hatte sie gehört, daß er in der vergangenen Nacht durchaus ruhig geschlafen hatte. Sie sagte: „Was für ein Unsinn! Schlaf nur, wir halten dich doch nicht auf. Nur denk dir nicht lauter wirres Zeug aus und ruf damit Dämonen und Spukgestalten herbei.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Wer denkt denn an so etwas?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: „Ich rate dem Zweiten Herrn, doch lieber im Zimmer zu schlafen. Draußen kann man nicht gleich nach dem Rechten sehen, und wenn Ihr Euch erkältet, ist das auch nicht gut.&amp;quot; Schatzjade wollte gerade antworten, da machte Schatzspange Dufthauch ein Zeichen mit den Augen. Dufthauch verstand und sagte: „Na gut, dann laß wenigstens jemanden bei dir sein, der dir nachts Tee und Wasser bringen kann.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Wenn schon, dann komm du mit mir.&amp;quot; Dufthauch wurde es peinlich zumute, augenblicklich errötete sie bis über beide Ohren und sagte kein Wort. Schatzspange kannte Dufthauchs gesetztes Wesen und sagte: „Sie ist es gewohnt, bei mir zu sein — laß sie nur bei mir. Moschusmond und Wu'er können sich um dich kümmern. Außerdem hat sie heute den ganzen Tag mit mir herumgewirtschaftet und ist müde — laß sie ein wenig ausruhen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging lachend hinaus. Schatzspange wies Moschusmond und Wu'er an, für Schatzjade im Vorzimmer wieder ein Bett aufzuschlagen, und ermahnte die beiden: „Schlaft mit einem offenen Auge; ob Tee, ob Wasser — seid aufmerksam.&amp;quot; Die beiden sagten ja und kamen heraus. Da sahen sie Schatzjade aufrecht auf dem Bett sitzen, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet — wahrhaftig wie ein Mönch. Die beiden wagten nicht zu sprechen und konnten ihn nur anblicken und kichern. Schatzspange schickte Dufthauch noch hinaus, um nach dem Rechten zu sehen. Als Dufthauch ihn so sah, mußte sie auch lachen und rief leise: „Es ist Zeit zu schlafen — was sitzt du denn da und meditierst?&amp;quot; Schatzjade öffnete die Augen, sah Dufthauch und sagte: „Geht nur alle schlafen, ich sitze noch ein Weilchen und lege mich dann hin.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Weil du gestern so warst, hat die Zweite Herrin die ganze Nacht nicht geschlafen. Wenn du so weitermachst, was soll denn das werden?&amp;quot; Schatzjade merkte, daß niemand schlafen würde, solange er selbst nicht schlief, und legte sich gehorsam nieder. Dufthauch ermahnte Moschusmond noch mit einigen Worten und ging dann hinein, schloß die Tür und schlief. Hier räumten Moschusmond und Wu'er ihre Betten zusammen und warteten, bis Schatzjade eingeschlafen war, dann legten sie sich selbst hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Schatzjade wollte schlafen und konnte nicht. Als er sah, wie die beiden ihre Betten richteten, fiel ihm plötzlich ein: „In jenem Jahr, als Dufthauch nicht zu Hause war, bedienten mich Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Heitermuster: Chin. 晴雯 (Qíngwén), wörtl. „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;. Verstorbene Kammerzofe von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Moschusmond. Nachts ging Moschusmond hinaus, und Heitermuster wollte sie erschrecken; weil sie nichts übergezogen hatte, erkältete sie sich, und schließlich ist sie an eben dieser Krankheit gestorben.&amp;quot; Bei diesem Gedanken wandten sich alle seine Gedanken Heitermuster zu. Dann fiel ihm ein, daß Phönixglanz gesagt hatte, Wu'er sei Heitermuster wie ein Ebenbild, und er übertrug seine Sehnsucht nach Heitermuster auf Wu'er. Er tat so, als schliefe er, und beobachtete Wu'er verstohlen — je länger er schaute, desto mehr glich sie Heitermuster. Unwillkürlich regte sich wieder sein eigensinniges Wesen. Er lauschte und hörte, daß es im Innenzimmer still geworden war — dort schlief man also. Doch er wußte nicht, ob Moschusmond schon schlief, und rief absichtlich zwei Mal — doch niemand antwortete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu'er hörte, daß Schatzjade nach jemandem rief, und fragte: „Was wünscht der Zweite Herr?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ich möchte mir den Mund ausspülen.&amp;quot; Wu'er sah, daß Moschusmond bereits schlief, und stand widerwillig auf, putzte die Kerze, goß eine Tasse Tee ein und hielt mit der anderen Hand die Spülschale. Da sie eilig aufgestanden war, trug sie nur ein dünnes pfirsichrotes Seidenjäckchen und hatte das Haar lose hochgesteckt. Als Schatzjade hinblickte, war es wahrhaftig, als sei Heitermuster wiedererstanden. Da fielen ihm Heitermusters Worte ein: „Hätte ich gewußt, daß ich den Ruf ohne die Tat trage, hätte ich auch gleich zur Tat geschritten&amp;quot; — und er starrte sie geistesabwesend an, ohne den Tee zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jene Wu'er hatte, seit Duftköpfchen fortgegangen war, eigentlich kein Herz mehr gehabt, hierher zu kommen. Später, als sie hörte, daß Phönixglanz sie hereinbeordert hatte, um Schatzjade zu bedienen, war sie noch ungeduldiger als Schatzjade selbst, der auf ihr Kommen wartete. Doch als sie dann wirklich da war und sah, wie Schatzspange und Dufthauch gleichermaßen vornehm und gesetzt waren, empfand sie in ihrem Herzen aufrichtige Bewunderung. Zudem bemerkte sie, daß Schatzjade sich verrückt und töricht benahm, nicht mehr so anmutig wie früher. Und sie hatte gehört, daß Frau König alle Mädchen, die mit Schatzjade gescherzt hatten, hinausgeworfen hatte. Deshalb legte sie ihre mädchenhafte Zärtlichkeit und ihre frühere schwärmerische Zuneigung ganz beiseite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch an diesem Abend behandelte der eigensinnige junge Herr sie wie Heitermuster und begann sie zu umhegen. Wu'er war längst vor Scham über beide Wangen errötet, wagte aber nicht laut zu sprechen und sagte nur leise: „Zweiter Herr, spült Euch doch den Mund.&amp;quot; Schatzjade nahm lächelnd die Tasse in die Hand — ob er sich den Mund gespült hatte oder nicht, war unklar — und fragte dann grinsend: „Du warst doch mit Schwester Heitermuster befreundet, nicht wahr?&amp;quot; Wu'er wußte nicht, wovon er sprach, und sagte: „Wir waren alle Schwestern, es gab nichts, was nicht gut gewesen wäre.&amp;quot; Schatzjade fragte leise weiter: „Als Heitermuster schwer krank war und ich sie besuchte — warst du da nicht auch dabei?&amp;quot; Wu'er lächelte leicht und nickte. Schatzjade fragte: „Hast du gehört, was sie gesagt hat?&amp;quot; Wu'er schüttelte den Kopf: „Nein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war bereits ganz entrückt und ergriff Wu'ers Hand. Wu'er erschrak und errötete, ihr Herz klopfte wild, und sie sagte leise: „Zweiter Herr, wenn Ihr etwas zu sagen habt, sagt es ruhig, aber bitte kein Zerren und Ziehen.&amp;quot; Schatzjade ließ sie erst dann los und sagte: „Sie hat zu mir gesagt: ‚Hätte ich gewußt, daß ich den Ruf ohne die Tat trage, hätte ich auch gleich zur Tat geschritten.' Wie kannst du das nicht gehört haben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu'er hörte das und merkte deutlich, daß diese Worte auf sie selbst abzielten, wagte aber nichts zu erwidern und sagte: „Das war doch ihr eigenes schamloses Gerede — können wir Mädchen so etwas sagen?&amp;quot; Schatzjade rief aufgeregt: „Wieso bist auch du so ein Moralprediger? Ich sehe, daß du ihr aufs Haar gleichst, deshalb sage ich dir diese Dinge — wie kannst du sie mit solchen Worten beschmutzen?&amp;quot; Wu'er wußte in diesem Augenblick nicht, was Schatzjade eigentlich meinte, und sagte: „Es ist spät in der Nacht, Zweiter Herr, legt Euch schlafen. Sitzt nicht die ganze Zeit auf, Ihr könntet Euch erkälten. Was haben die Herrin und Schwester Dufthauch vorhin gesagt?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Mir ist nicht kalt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle fiel ihm plötzlich ein, daß Wu'er keinen Mantel anhatte, und er fürchtete, sie könnte sich wie Heitermuster erkälten. Er fragte: „Warum bist du herübergekommen, ohne dir etwas überzuziehen?&amp;quot; Wu'er sagte: „Der Herr hat so dringend gerufen, wo hätte ich Zeit gehabt, mich erst ordentlich anzuziehen? Hätte ich gewußt, daß wir so lange reden, hätte ich mich auch angezogen.&amp;quot; Schatzjade nahm sogleich seinen eigenen mondweißen Seidenwattejacke, die über ihn gebreitet lag, und reichte sie Wu'er, damit sie sich darin einwickle. Wu'er weigerte sich anzunehmen und sagte: „Der Zweite Herr soll sich zudecken, mir ist nicht kalt; wenn mir kalt ist, habe ich meine eigenen Sachen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ging sie zu ihrem Bett zurück und zog eine lange Jacke über. Sie horchte — Moschusmond schlief tief und fest. Dann kam sie langsam herüber und sagte: „Wollte der Zweite Herr heute nacht nicht den Geist beruhigen?&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ich sage es dir ehrlich — was ‚Geist beruhigen', ich wollte eigentlich Unsterblichen begegnen.&amp;quot; Wu'er wurde immer mißtrauischer und fragte: „Welchen Unsterblichen begegnen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Wenn du es wissen willst, das ist eine lange Geschichte. Setz dich neben mich, dann erzähle ich es dir.&amp;quot; Wu'er errötete und lachte: „Ihr liegt da im Bett — wie soll ich mich denn setzen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Was macht das schon? In jenem kalten Winter spielten deine Schwester Heitermuster und Schwester Moschusmond miteinander. Ich fürchtete, sie könne frieren, und nahm sie sogar mit unter eine Decke. Was ist schon dabei? Im allgemeinen soll man sich nicht so affig und heuchlerisch anstellen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu'er hörte es, und Satz für Satz klangen Schatzjades Worte wie Schmeichelei — doch wußte sie nicht, daß dieser eigensinnige junge Herr jedes Wort von Herzen meinte. Wu'er wußte in diesem Augenblick weder, ob sie gehen, stehen oder sich setzen sollte, und war ganz ratlos. Sie blickte ihn aus den Augenwinkeln an, preßte die Lippen zusammen und kicherte: „Hört auf, solches Zeug zu reden — wenn jemand das hört, was soll der denken? Kein Wunder, daß die Leute sagen, Ihr wendet Eure ganze Mühe nur an die Mädchen. Ihr habt doch die Zweite Herrin und Schwester Dufthauch, die wie Göttinnen sind — und mißt Euch lieber mit anderen herum. Wenn Ihr morgen wieder so redet, gehe ich zur Zweiten Herrin und sage es — dann schauen wir mal, wie Ihr den Leuten ins Gesicht blickt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie das sagte, hörten sie draußen ein dumpfes Poltern, und beide erschraken. Im Innenzimmer hustete Schatzspange. Schatzjade hörte es und legte hastig den Finger auf die Lippen. Wu'er löschte eilig die Lampe und legte sich leise hin. In Wahrheit hatten Schatzspange und Dufthauch, da sie in der vergangenen Nacht nicht geschlafen und tagsüber den ganzen Tag geschuftet hatten, so fest geschlafen, daß sie ihr Gespräch gar nicht gehört hatten. Als es im Hof polterte, fuhren sie jäh aus dem Schlaf, lauschten eine Weile und hörten nichts mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lag im Bett und grübelte: „Sollte Schwester Lin gekommen sein, unser Gespräch gehört und uns absichtlich erschreckt haben?&amp;quot; Er wälzte sich hin und her, in wirren Gedanken, und erst nach der fünften Nachtwache fiel er in einen leichten Schlummer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird erzählt, daß Wu'er, die Schatzjades alberne Reden eine halbe Nacht lang über sich hatte ergehen lassen, überdies durch Schatzspanges Husten ein schlechtes Gewissen bekam, weil sie fürchtete, Schatzspange könnte alles gehört haben. Sie grübelte vor und zurück und schlief die ganze Nacht nicht. Am nächsten Morgen stand sie früh auf und sah, daß Schatzjade noch in tiefem Schlummer lag. Leise räumte sie das Zimmer auf. Inzwischen war Moschusmond wach geworden und sagte: „Warum bist du so früh aufgestanden? Hast du etwa die ganze Nacht nicht geschlafen?&amp;quot; Als Wu'er das hörte, glaubte sie, Moschusmond wüßte Bescheid, und konnte nur verlegen lächeln, ohne zu antworten. Bald standen auch Schatzspange und Dufthauch auf und öffneten die Tür. Als sie sahen, daß Schatzjade noch schlief, wunderten sie sich: „Wie kommt es, daß er draußen zwei Nächte lang so ruhig geschlafen hat?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade erwachte und sah, daß alle schon auf waren, sprang er hastig auf. Er rieb sich die Augen und dachte sorgfältig nach — auch letzte Nacht hatte er nicht geträumt; die Wege der Unsterblichen und Sterblichen waren also wirklich getrennt. Langsam stieg er aus dem Bett und erinnerte sich an Wu'ers gestrige Worte, daß Schatzspange und Dufthauch wie himmlische Göttinnen seien — das war eigentlich gar nicht falsch. So starrte er Schatzspange geistesabwesend an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sah sein Starren und wußte, daß es wegen Kajaljade war, doch sie konnte nicht sicher sein, ob er geträumt hatte oder nicht. Nur daß sein Starren sie selbst verlegen machte. Sie sagte: „Bist du gestern nacht einer Unsterblichen begegnet?&amp;quot; Schatzjade hörte es und glaubte, Schatzspange habe das Gespräch von gestern abend gehört. Er lachte verlegen und sagte gezwungen: „Was für ein Unsinn!&amp;quot; Als Wu'er das hörte, wurde sie nur noch nervöser, wagte aber nichts zu sagen und beobachtete nur Schatzspanges Miene. Schatzspange fragte Wu'er lächelnd: „Hast du gehört, ob der Zweite Herr im Schlaf geredet hat?&amp;quot; Schatzjade hörte das, konnte nicht mehr sitzen bleiben und schlüpfte verlegen davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu'er errötete tief und sagte nur vage: „In der ersten Nachthälfte hat er ein paar Sätze gesagt, ich habe nicht genau zugehört. Etwas von ‚einen falschen Ruf getragen' und ‚keinen ordentlichen Entschluß gefaßt' — ich habe es nicht verstanden und den Zweiten Herrn zum Schlafen ermahnt. Danach bin ich auch eingeschlafen und weiß nicht, ob der Zweite Herr noch weiter geredet hat.&amp;quot; Schatzspange senkte den Kopf und überlegte: „Diese Worte beziehen sich eindeutig auf Kajaljade. Doch wenn ich ihn ständig draußen schlafen lasse, könnte sein Geist sich verirren und allerlei Blumen- und Weidengespenster herbeirufen. Zudem lag sein altes Leiden ja immer in seiner tiefen Zuneigung zu den Schwestern. Man muß einen Weg finden, seine Zuneigung auf mich zu lenken, dann wird es vielleicht Ruhe geben.&amp;quot; Bei diesem Gedanken errötete sie unwillkürlich, und auch ihr wurde es verlegen zumute. So ging sie linkisch ins Zimmer, um sich frisieren und waschen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird berichtet, daß die Herzoginmutter an den beiden festlichen Tagen etwas zuviel gegessen hatte und sich am Abend unwohl fühlte. Am nächsten Tag hatte sie ein Völlegefühl in der Brust. Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 (Yuānyāng), wörtl. „Mandarinenten-Paar&amp;quot;. Engste Dienerin der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen wollten Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 (Jiǎ Zhèng), wörtl. „Aufrecht/Rechtschaffen&amp;quot;. Vater von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; benachrichtigen, doch die Herzoginmutter verbot es ihnen und sagte: „Ich war in den letzten Tagen etwas gierig und habe zuviel gegessen. Wenn ich eine Mahlzeit auslasse, wird es schon besser. Macht nur ja keinen Lärm!&amp;quot; So sagten Mandarinenente und die anderen niemandem Bescheid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend dieses Tages kehrte Schatzjade in sein Zimmer zurück. Schatzspange war gerade von ihrem Besuch bei der Herzoginmutter und Frau König zurückgekommen. Schatzjade dachte an die peinliche Angelegenheit vom Morgen und schämte sich. Schatzspange sah ihn so und wußte, daß es ihm unangenehm war. Da sie bedachte, daß er ein leidenschaftlicher Mensch war, mußte man seine Krankheit wohl mit Leidenschaft heilen. Sie überlegte und fragte Schatzjade dann: „Willst du heute abend wieder draußen schlafen?&amp;quot; Schatzjade fühlte sich beschämt und sagte: „Drinnen oder draußen, das ist alles dasselbe.&amp;quot; Schatzspange wollte noch etwas sagen, aber es kam ihr nicht über die Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: „Laßt doch, was soll das für eine Ordnung sein? Ich glaube nicht, daß er so ruhig geschlafen hat.&amp;quot; Wu'er hörte das und warf schnell ein: „Wenn der Zweite Herr draußen schläft, gibt es weiter nichts — nur redet er gern im Schlaf, man versteht kein Wort, und man traut sich auch nicht, ihm zu widersprechen.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Heute nacht werde ich draußen auf dem Bett schlafen und nachsehen, ob er im Schlaf redet oder nicht. Bringt einfach das Bettzeug des Zweiten Herrn ins Innenzimmer, dann ist es erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange hörte das und sagte nichts. Schatzjade schämte sich — wie hätte er da noch widersprechen können? Also fügte er sich und zog wieder ins Innenzimmer. Zum einen wollte Schatzjade sein Vergehen gutmachen und Schatzspanges Herz beruhigen; zum anderen fürchtete Schatzspange, Schatzjade könnte vor Grübelei krank werden, und zeigte ihm lieber etwas Zärtlichkeit und Nähe — eine List, um die Blume zu verpflanzen und den Stamm zu wechseln &amp;lt;ref&amp;gt;„yihua jie mu&amp;quot; — die Zuneigung von Kajaljade auf sich selbst zu lenken&amp;lt;/ref&amp;gt;. So schlief Dufthauch tatsächlich an diesem Abend draußen. Schatzjade hatte natürlich die Absicht, sein Vergehen abzubüßen, und Schatzspange war natürlich nicht abgeneigt, den Gast zu empfangen. Von der Hochzeitsnacht bis zum heutigen Tage war es erst jetzt so weit, daß Regen und Wolken sich süß vereinten und Dunst und Nebel sich harmonisch vermischten &amp;lt;ref&amp;gt;poetische Umschreibung der ehelichen Vereinigung&amp;lt;/ref&amp;gt;. Fortan „verbanden sich Yin und Yang, die fünf Wandlungsphasen fügten sich wunderbar zusammen und verdichteten sich&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Zitat aus Zhou Dunyis „Erklärung zum Taiji-Diagramm&amp;quot; — ein Hinweis darauf, daß Schatzspange schwanger wurde&amp;lt;/ref&amp;gt;. Doch dies ist eine spätere Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen standen Schatzjade und Schatzspange gemeinsam auf. Schatzjade machte sich zurecht und ging als erstes zur Herzoginmutter hinüber. Die Herzoginmutter, die Schatzjade liebte und auch an Schatzspanges Pietät dachte, fiel plötzlich ein bestimmter Gegenstand ein. Sie ließ Mandarinenente eine Truhe öffnen und ein von den Vorfahren vererbtes Jadestück aus der Han-Dynastie herausnehmen — ein Jade-Jue &amp;lt;ref&amp;gt;ein ringförmiges Jadeschmuckstück mit einer Öffnung, Symbol für Entschluß und Trennung&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zwar kam es nicht an Schatzjades eigenen Jadestein heran, doch am Körper getragen war es durchaus kostbar. Mandarinenente fand es und reichte es der Herzoginmutter, wobei sie sagte: „Dieses Stück habe ich anscheinend noch nie gesehen. Die Herzoginmutter erinnert sich nach all den Jahren noch so genau — sie sagte, in welcher Truhe, in welchem Kästchen es lag, und ich brauchte nur hinzugreifen. Wozu läßt die Herzoginmutter es jetzt heraussuchen?&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte: „Das weißt du nicht. Dieses Jadestück hat mein Urgroßvater meinem Großvater gegeben. Mein Großvater liebte mich, und als ich heiratete, ließ er mich zu sich kommen und gab es mir eigenhändig. Er sagte noch: ‚Dieses Jade stammt aus der Han-Dynastie und ist sehr kostbar. Wenn du es trägst, ist es, als sähest du mich.' Damals war ich noch klein; ich nahm es und machte mir nichts daraus — warf es einfach in die Truhe. Als ich hierherkam, sah ich, daß unsere Familie ohnehin viele Schätze besaß; was war das schon? Ich habe es nie getragen und über sechzig Jahre lang vergessen. Heute, da Schatzjade so voller Pietät ist und seinen Jadestein verloren hat, dachte ich daran, es herauszuholen und ihm zu geben — ganz im Sinne meines Großvaters, der es mir einst schenkte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade seine Aufwartung gemacht hatte, sagte die Herzoginmutter freudig: „Komm her, ich zeige dir etwas.&amp;quot; Schatzjade trat ans Bett, und die Herzoginmutter reichte ihm das Han-Jade. Schatzjade betrachtete es: Es war etwa drei Zoll im Umfang, melonenförmig, rötlich schimmernd und äußerst fein gearbeitet. Schatzjade pries es in den höchsten Tönen. Die Herzoginmutter fragte: „Gefällt es dir? Mein Urgroßvater hat es mir gegeben — ich vererbe es dir.&amp;quot; Schatzjade lachte, machte eine tiefe Verbeugung zum Dank und wollte es seiner Mutter zeigen. Die Herzoginmutter sagte: „Wenn deine Mutter es sieht und es deinem Vater erzählt, wird er wieder sagen, ich liebte die Enkel mehr als die Söhne. Die haben es noch nie gesehen.&amp;quot; Schatzjade ging lachend davon. Schatzspange und die anderen wechselten noch ein paar Worte und verabschiedeten sich ebenfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an nahm die Herzoginmutter zwei Tage lang keine Nahrung zu sich. Die Brust war immer noch aufgebläht, und sie fühlte Schwindel und Husten. Frau Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Frau Strafe: Chin. 邢夫人 (Xíng Fūrén). Ehefrau von Begnadigung Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Frau König, Phönixglanz und andere kamen, um nach ihr zu sehen. Da die Herzoginmutter noch bei gutem Geist war, ließen sie nur Aufrecht Kaufmann informieren, der sogleich kam und nach ihr sah. Aufrecht Kaufmann ging hinaus und rief sofort einen Arzt. Nach kurzer Zeit kam der Arzt, untersuchte den Puls und sagte, es handle sich bei einer betagten Person um eine Verdauungsstörung mit leichter Erkältung; ein wenig verdauungsanregende und schweißtreibende Medizin, und alles werde gut. Er schrieb ein Rezept. Aufrecht Kaufmann sah es sich an, erkannte gewöhnliche Kräuter und ließ die Medizin kochen und verabreichen. Danach kam Aufrecht Kaufmann morgens und abends, um nach der Herzoginmutter zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Tage vergingen ohne Besserung. Aufrecht Kaufmann befahl Kette Kaufmann: „Erkundige dich nach einem guten Arzt und hole ihn schnell, um die Herzoginmutter zu untersuchen. Die Ärzte, die wir gewöhnlich rufen, scheinen mir nicht besonders gut zu sein — deshalb schicke ich dich.&amp;quot; Kette Kaufmann überlegte und sagte: „Ich erinnere mich, daß in jenem Jahr, als Bruder Schatzjade krank war, ein Arzt gerufen wurde, der gar nicht praktizierte, und der hat ihn geheilt. Warum suchen wir nicht ihn?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Die Heilkunst ist in der Tat äußerst schwierig; gerade die Ärzte, die nicht in Mode sind, haben oft die größte Begabung. Schick sofort Leute, ihn zu suchen.&amp;quot; Kette Kaufmann ging eilig und kam zurück mit der Nachricht: „Dieser Doktor Liu ist kürzlich aufs Land gezogen, um als Lehrer zu arbeiten, und kommt nur alle zehn Tage in die Stadt. Jetzt können wir nicht so lange warten. Ich habe einen anderen bestellt, der kommt gleich.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann hörte es und mußte sich damit abfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter krank lag, kamen alle Frauen des Hauses täglich, um nach ihr zu sehen. Eines Tages, als alle versammelt waren, kam die alte Frau, die die Gartenpforte bewachte, herein und meldete: „Die ehrwürdige Meisterin Miao&amp;lt;ref&amp;gt;Meisterin Miao: Chin. 妙玉 (Miàoyù), wörtl. „Wunderbare Jade&amp;quot;. Buddhistische Nonne im Grünlack-Kloster.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Grünlack-Kloster im Garten hat von der Krankheit der Herzoginmutter erfahren und kommt eigens, um nach ihr zu sehen.&amp;quot; Die Leute sagten: „Sie kommt sonst nicht oft herüber; wenn sie heute eigens kommt, bittet sie schnell herein.&amp;quot; Phönixglanz ging zum Bett und meldete es der Herzoginmutter. Höhlennebel Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Höhlennebel Strafe: Chin. 邢岫烟 (Xíng Xiùyān), wörtl. „Nebelwolke am Felsgipfel&amp;quot;. Nichte von Frau Strafe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Meisterin Miao von früher kannte, ging als erste hinaus, um sie zu empfangen. Sie sah Meisterin Miao mit der Miaochangguan-Haube auf dem Kopf &amp;lt;ref&amp;gt;benannt nach der Figur Chen Miaochang aus dem Theaterstück „Der Jadehaarschmuck&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;, in einem mondweißen Seidenhemd, darüber eine lange Weste aus wasserblauem Atlas mit eingefaßtem Rand, mit einer herbstgelben Seidenkordel gegürtet, darunter einen weißen Seidenrock mit blasser Tuschmalerei. In der Hand hielt sie einen Fliegenwedel und einen Rosenkranz, und eine Dienerin folgte ihr — so kam sie herangeschwebt. Höhlennebel Strafe begrüßte sie und sagte: „Als ich noch im Garten wohnte, konnte ich dich oft besuchen. Seit weniger Leute im Garten wohnen, kommt man als einzelne Frau nicht leicht heraus, und außerdem ist unsere Gartenpforte meist geschlossen — deshalb habe ich dich in letzter Zeit nicht gesehen. Welch glückliches Treffen heute!&amp;quot; Meisterin Miao sagte: „Früher wart ihr alle in eurer lebhaften Gesellschaft, und obwohl du auch im äußeren Garten wohntest, schickte es sich für mich nicht, ständig zu kommen. Nun weiß ich, daß es hier nicht mehr so gut steht; ich habe gehört, daß die Herzoginmutter krank liegt; ich denke an dich und will auch Fräulein Schatzspange sehen. Ob ihr die Türen sperrt oder nicht — wenn ich kommen will, komme ich; und wenn ich nicht kommen will, könnt ihr mich auch nicht herbeirufen!&amp;quot; Höhlennebel Strafe lachte: „Du hast noch immer dein altes Temperament.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie sprachen, gelangten sie ins Zimmer der Herzoginmutter. Alle begrüßten sich. Meisterin Miao trat ans Bett der Herzoginmutter und erkundigte sich nach ihrem Befinden, wobei sie einige Höflichkeitsfloskeln sagte. Die Herzoginmutter sprach: „Du bist eine weibliche Bodhisattva — sag mir, ob meine Krankheit zu heilen ist oder nicht.&amp;quot; Meisterin Miao sagte: „Ein so gütiger Mensch wie die Herzoginmutter hat gewiß noch viele Lebensjahre. Eine vorübergehende Erkältung — ein paar Rezepte, und es wird schon besser. Bei betagten Personen kommt es nur darauf an, sich nicht zu viele Sorgen zu machen.&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte: „Mir geht es gar nicht um solche Dinge — ich suche von jeher gern das Vergnügen. Diese Krankheit spüre ich kaum, nur die Brust ist mir beklemmt. Vorhin sagte der Arzt, es komme von Kummer und Ärger. Du weißt doch selbst — wer wagte es, mir Ärger zu bereiten? Ist das nicht ein Beweis, daß der Arzt den Puls nur mittelmäßig liest? Ich habe zu Kette Kaufmann gesagt, der erste Arzt, der Erkältung und Verdauungsstörung diagnostizierte, lag richtig — morgen soll er ihn wieder holen.&amp;quot; Dann rief sie Mandarinenente: „Sag der Küche, sie soll ein rein vegetarisches Mahl zubereiten — die ehrwürdige Meisterin Miao soll hier zu Mittag essen.&amp;quot; Meisterin Miao sagte: „Ich habe schon zu Mittag gegessen; ich esse nichts mehr.&amp;quot; Frau König sagte: „Dann setz dich wenigstens noch ein Weilchen, und wir plaudern.&amp;quot; Meisterin Miao sagte: „Ich habe euch schon lange nicht gesehen; heute kam ich, um nach euch zu sehen.&amp;quot; Sie unterhielt sich noch eine Weile und wollte dann gehen. Da sah sie Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 (Xīchūn), wörtl. „Den Frühling bewahren&amp;quot;. Vierte Tochter der Familie Kaufmann, aus dem Ning-Palast.&amp;lt;/ref&amp;gt; stehen und fragte: „Warum ist die Vierte Schwester so mager geworden? Du solltest nicht so viel malen und dein Herz anstrengen.&amp;quot; Bedauerfrühling sagte: „Ich habe schon lange nicht mehr gemalt. Die Räume, in denen ich jetzt wohne, sind nicht so hell wie im Garten — deshalb habe ich keine Lust mehr zu malen.&amp;quot; Meisterin Miao fragte: „Wo wohnst du denn jetzt?&amp;quot; Bedauerfrühling sagte: „Gleich östlich von der Pforte, durch die du eben gekommen bist. Wenn du mich besuchen willst, ist es ganz nah.&amp;quot; Meisterin Miao sagte: „Wenn mir danach ist, komme ich dich besuchen.&amp;quot; Bedauerfrühling und die anderen geleiteten sie hinaus. Als sie zurückkamen, hörten sie die Mägde sagen, der Arzt sei bei der Herzoginmutter, und alle zerstreuten sich vorläufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krankheit der Herzoginmutter verschlimmerte sich jedoch von Tag zu Tag. Die ärztliche Behandlung zeigte keine Wirkung, und es kam noch Durchfall hinzu. Aufrecht Kaufmann war sehr besorgt, wußte, daß die Krankheit schwer zu heilen war, und ließ seinen Urlaub vom Amt melden. Tag und Nacht pflegte er zusammen mit Frau König die Kranke persönlich und reichte ihr die Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, als die Herzoginmutter ein wenig gegessen hatte und Aufrecht Kaufmanns Sorge etwas nachließ, sah er eine alte Frau vor der Tür herumspähen. Frau König schickte Farbwölkchen nachsehen, wer es sei. Farbwölkchen erkannte die Begleiterin, die Willkommensfrühling zum Hause Sun begleitet hatte, und sagte: „Was willst du hier?&amp;quot; Die alte Frau sagte: „Ich bin schon eine halbe Ewigkeit hier, konnte aber keine der Fräulein finden. Ich wagte nicht, mich vorzudrängen, und bin doch so in Sorge.&amp;quot; Farbwölkchen fragte: „Was hast du für Sorgen? Hat der Schwiegersohn die Herrin wieder mißhandelt?&amp;quot; Die alte Frau sagte: „Der Herrin geht es schlecht! Vorgestern gab es wieder einen schrecklichen Streit, die Herrin weinte die ganze Nacht. Gestern hat Schleim ihr die Atemwege verstopft. Die haben auch keinen Arzt geholt, und heute ist es noch schlimmer.&amp;quot; Farbwölkchen sagte: „Die Herzoginmutter ist krank — mach hier keine Aufregung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König hatte drinnen alles gehört und fürchtete, die Herzoginmutter könnte es hören und sich aufregen. Eilig ließ sie Farbwölkchen die Frau nach draußen bringen. Doch die Herzoginmutter, deren Geist in der Krankheit besonders wach war, hatte jedes Wort gehört und fragte: „Will Willkommensfrühling sterben?&amp;quot; Frau König sagte: „Nein, nein. Die alten Weiber kennen kein Maß; sie sagen nur, sie sei seit einigen Tagen ein wenig krank und werde wohl nicht so schnell gesund. Sie kommen hierher, um nach dem Arzt zu fragen.&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte: „Dann schickt unseren Arzt hin. Beeilt euch!&amp;quot; Frau König ließ Farbwölkchen die alte Frau zur Ersten Herrin [Frau Strafe] schicken. Die alte Frau ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da begann die Herzoginmutter zu weinen und sagte: „Meine drei Enkeltöchter — eine hat das Glück bis zum Ende genossen und ist gestorben &amp;lt;ref&amp;gt;Urfrühling / Frühlingsbeginn, die kaiserliche Gemahlin&amp;lt;/ref&amp;gt;; die Dritte ist weit fortgeheiratet und läßt sich nicht mehr sehen; Willkommensfrühling hat es zwar schwer, aber vielleicht übersteht sie es — doch daß ein so junges Mädchen schon sterben soll, damit habe ich nicht gerechnet. Wozu lebe ich Alte noch?&amp;quot; Frau König, Mandarinenente und die anderen trösteten sie eine ganze Weile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit waren Schatzspange, Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Frau Li: Chin. 李纨 (Lǐ Wán). Witwe von Zhu Kaufmann, Mutter von Lan Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen nicht im Zimmer; Phönixglanz war seit kurzem selbst krank. Frau König, die fürchtete, die Herzoginmutter könnte vor Trauer noch kränker werden, ließ sie alle herbeiholen. Sie selbst ging in ihr Zimmer zurück und schalt Farbwölkchen: „Diese dumme Alte! Von jetzt an, wenn ich bei der Herzoginmutter bin, braucht ihr mit nichts zu kommen!&amp;quot; Die Mägde gehorchten und sagten nichts mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch kaum war die alte Frau bei Frau Strafe eingetroffen, brachten die Leute von draußen die Nachricht: „Die Zweite Herrin Schwägerin ist gestorben.&amp;quot; Als Frau Strafe es hörte, weinte sie eine ganze Weile. Da Willkommensfrühlings Vater nicht daheim war, ließ sie nur Kette Kaufmann hingehen, um nachzusehen. Da die Herzoginmutter schwer krank war, wagte niemand, es ihr zu sagen. Ach, die arme Willkommensfrühling — blumenschön und mondgleich, kaum ein Jahr verheiratet, vom Hause Sun zu Tode gequält! Und da die Herzoginmutter im Sterben lag, konnte niemand fortgehen; man ließ die Familie Sun die Beerdigung notdürftig erledigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Krankheit der Herzoginmutter nahm von Tag zu Tag zu. Sie dachte ständig an ihre Enkeltöchter. Einmal dachte sie an Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Xiangfluss-Wolke: Chin. 史湘云 (Shǐ Xiāngyún), wörtl. „Wolken über dem Xiang-Fluss&amp;quot;. Cousine von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; und schickte Leute, nach ihr zu sehen. Der Bote kam zurück und suchte leise Mandarinenente; da diese aber am Bett der Herzoginmutter saß und auch Frau König dabei war, traute er sich nicht hinauf. Er ging nach hinten und fand Hupo&amp;lt;ref&amp;gt;Hupo: Chin. 琥珀 (Hǔpò), wörtl. „Bernstein&amp;quot;. Dienerin der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; und erzählte ihr: „Die Herzoginmutter vermißt die Xiang-Schwester und hat mich losgeschickt, Erkundigungen einzuziehen. Wer hätte gedacht, daß die Xiang-Schwester bitter weint! Sie sagt, ihr Mann sei plötzlich schwer erkrankt, alle Ärzte hätten ihn gesehen, und man fürchtet, er werde nicht gesund. Wenn es sich in eine Schwindsucht verwandelt, könne er vielleicht noch vier, fünf Jahre hinschleppen. Die Xiang-Schwester macht sich große Sorgen. Sie weiß auch von der Krankheit der Herzoginmutter und kann nur nicht zur Aufwartung kommen. Sie bittet, es vor der Herzoginmutter nicht zu erwähnen, und falls die Herzoginmutter fragen sollte, sollen wir uns eine Ausrede einfallen lassen.&amp;quot; Als Hupo das hörte, seufzte sie nur und sagte lange nichts. Dann sagte sie: „Geh nur.&amp;quot; Hupo wagte es auch nicht, es zu berichten; sie wollte Mandarinenente informieren und sie lügen lassen. Als sie an das Bett der Herzoginmutter trat, sah sie, daß sich die Gesichtsfarbe der Herzoginmutter stark verändert hatte. Im Zimmer standen die Leute dicht an dicht und flüsterten: „Es sieht nicht gut aus.&amp;quot; Da wagte sie nicht mehr zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann winkte Kette Kaufmann leise zu sich und flüsterte ihm einige Worte ins Ohr. Kette Kaufmann antwortete leise, ging hinaus, versammelte alle im Hause anwesenden Leute und sagte: „Was die Angelegenheit der Herzoginmutter betrifft — sowie es so weit ist, geht schnell und verteilt die Aufgaben. Erstens: Laßt den Sarg herausschaffen und prüft, ob die Auskleidung in Ordnung ist. Zweitens: Geht schnell zu allen und nehmt die Maße für die Kleidung auf, schreibt alles genau auf und laßt die Schneider sofort die Trauerkleider nähen. Drittens: Die Trauerzelte, die Sargträger und das Geleit müssen bestellt werden. Viertens: Die Küche braucht mehr Personal.&amp;quot; Laide und die anderen fragten: „Zweiter Herr, um all das braucht Ihr Euch nicht zu sorgen — wir haben alles schon vorbereitet. Nur eins: Woher kommt das Geld dafür?&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: „Dieses Geld braucht nicht von außen zu kommen — die Herzoginmutter hat es selbst zurückgelegt. Der Herr hat es gerade so bestimmt: Es soll gut gemacht werden. Ich denke, auch nach außen soll es ansehnlich sein.&amp;quot; Laide und die anderen antworteten und gingen, die Aufgaben zu verteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann kehrte in sein eigenes Zimmer zurück und fragte Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 (Píng'ér), wörtl. „Friedliches Kind&amp;quot;. Nebenfrau und treue Gehilfin von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Wie geht es deiner Herrin heute?&amp;quot; Friedchen deutete mit einer Lippenbewegung nach innen und sagte: „Sieh selbst.&amp;quot; Kette Kaufmann trat ein und sah Phönixglanz, die sich gerade anziehen wollte, aber nicht mehr konnte und sich vorläufig auf den Kangtisch lehnte. Kette Kaufmann sagte: „Du wirst wohl nicht durchhalten können. Die Sache mit der Herzoginmutter — heute oder morgen wird es so weit sein. Kannst du dich noch aufraffen? Laß schnell das Zimmer aufräumen und dann geh hinauf. Wenn es soweit ist, können wir dann noch hierher zurückkommen?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Was gibt es hier noch aufzuräumen? Es sind nur noch diese paar Dinge, was soll man da fürchten? Geh du zuerst und sieh nach, ob der Herr dich braucht. Ich ziehe mich um und komme gleich.&amp;quot; Kette Kaufmann ging zurück zum Zimmer der Herzoginmutter und berichtete Aufrecht Kaufmann leise: „Alles ist verteilt und geregelt.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann nickte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von draußen wurde gemeldet: „Der Leibarzt ist da.&amp;quot; Kette Kaufmann empfing ihn und ließ ihn den Puls fühlen. Der Arzt ging hinaus und sagte leise zu Kette Kaufmann: „Der Puls der Herzoginmutter ist ungünstig. Seid darauf gefaßt.&amp;quot; Kette Kaufmann verstand und informierte Frau König und die anderen. Frau König gab Mandarinenente sogleich ein Zeichen, sie solle die Sterbekleider der Herzoginmutter heraussuchen und bereitlegen. Mandarinenente ging, um alles vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter öffnete die Augen und verlangte nach Tee. Frau Strafe reichte ihr eine Tasse Ginsengbrühe. Die Herzoginmutter setzte gerade die Lippen an und sagte: „Das will ich nicht. Bringt mir eine Tasse Tee.&amp;quot; Die Leute wagten nicht zu widersprechen und brachten ihn sogleich. Sie trank einen Schluck und wollte noch mehr, trank einen zweiten Schluck und sagte dann: „Ich möchte mich aufsetzen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann und die anderen sagten: „Wenn die Herzoginmutter etwas wünscht, soll sie es nur sagen — aber bitte nicht aufstehen.&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte: „Ich habe einen Schluck Wasser getrunken, und mein Herz fühlt sich etwas besser. Ich möchte mich nur anlehnen und ein wenig mit euch reden.&amp;quot; Perle und die anderen richteten sie vorsichtig auf, und man sah, daß die Herzoginmutter in diesem Augenblick etwas mehr Lebenskraft hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob sie leben oder sterben wird — das wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 108</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百八回 / Kapitel 108 =&lt;br /&gt;
== 强欢笑蘅芜庆生辰 ==&lt;br /&gt;
=== 死缠绵潇湘闻鬼哭 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 108 =&lt;br /&gt;
Unter erzwungenem Lachen feiert man im Haselwurz-Park Schatzspanges Geburtstag. In schmerzlicher Sehnsucht hört man in der Xiaoxiang-Bambushain-Fluss Geisterweinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 (Jiǎ Zhèng), wörtl. „Aufrecht/Rechtschaffen&amp;quot;. Vater von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Familienbesitz und den Garten der Großen Anschauung beim Hof zur Einziehung angeboten hatte, doch der Palast lehnte ab, und da niemand dort wohnte, ließ man den Garten verschließen. Da er an die Wohnungen der Schwägerin Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Schwägerin Sonders: Chin. 尤氏 (Yóu Shì). Ehefrau von Herrlichkeit Kaufmann aus dem Ning-Palast.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Bedauerfrühlings grenzte und das Gelände allzu weitläufig und menschenleer war, wurde Bao Yong zur Strafe als Gartenwächter abgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann führte den Haushalt nach den Anweisungen der Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 (Jiǎ Mǔ), auch „Alte Fürstin&amp;quot;. Oberhaupt der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, reduzierte die Dienerschaft und sparte an allem. Dennoch reichten die Mittel kaum. Zum Glück war Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 (Wáng Xīfèng), wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;. Ehefrau von Kette Kaufmann, Haushälterin des Rong-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; der Herzoginmutter Liebling, und obwohl Frau König und die anderen sie nicht besonders mochten, konnte sie bei der Haushaltsführung immerhin noch helfen. Doch seit der Durchsuchung lief alles schwierig, und das Geld war ständig knapp. Die Dienerschaft, die Wohlstand gewohnt war, musste nun mit einem Zehntel des Früheren auskommen – Beschwerden waren unvermeidlich. Phönixglanz wagte nicht, sich zu weigern, und unterhielt trotz Krankheit die Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einiger Zeit hatten Begnadigung Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Begnadigung Kaufmann: Chin. 贾赦 (Jiǎ Shè), wörtl. „Begnadigung&amp;quot;. Älterer Bruder von Aufrecht Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 (Jiǎ Zhēn). Herr des Ning-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihre Straforte erreicht und schrieben nach Hause, alles sei erträglich – die Herzoginmutter und die anderen waren etwas beruhigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages kam Xiangji, die inzwischen geheiratet hatte, zum Besuch bei ihrer Patin, der Herzoginmutter. Man sprach darüber, dass ihr Mann ein guter Mensch sei, und Xiangji berichtete von der Ruhe im neuen Haushalt. Als die Rede auf Kajaljades Tod kam, vergossen alle Tränen. Die Herzoginmutter dachte auch an Willkommensfrühlings Leid und wurde nur noch trauriger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji tröstete sie eine Weile und besuchte dann die verschiedenen Haushalte. Zurück bei der Herzoginmutter erwähnte sie die Situation der Familie Schnee: „Becken Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Becken Schnee: Chin. 薛蟠 (Xuē Pán). Älterer Bruder von Schatzspange, wegen Totschlags verurteilt.&amp;lt;/ref&amp;gt; hat seine Familie in den Ruin getrieben. Dieses Jahr wurde sein Urteil aufgeschoben, aber ob nächstes Jahr eine Milderung kommt, weiß niemand.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Du weißt noch nicht das Neueste! Gestern starb Becken Schnees Frau unter ungeklärten Umständen – beinahe hätte es wieder einen Skandal gegeben. Zum Glück hat ihr eigenes Mädchen die Wahrheit gestanden, und diese Frau Xia konnte nichts mehr anrichten. Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 (Xuē Yímā). Mutter von Schatzspange und Becken Schnee.&amp;lt;/ref&amp;gt; hat sich gerade noch herausgewunden. Jetzt lebt sie mit Xue Ke zusammen. Der Junge hat ein gutes Herz – er sagt, solange sein Bruder im Gefängnis ist, will er nicht heiraten. Deine Xing-Schwester lebt bei der Ersten Gnädigen Frau und hat es auch schwer. Qin-Mädchen wartet noch auf das Ende der Trauerzeit, bevor die Familie Mei sie abholt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann seufzte sie: „Wahrhaftig – alle Verwandten teilen dasselbe Schicksal! Die Xues sind so; Frau Königs Bruder, der Erste Onkel, ist gestorben; Phönixglanz' Bruder taugt nichts; der Zweite Onkel ist geizig und hat Schulden bei der Staatskasse; und von der Familie Echt hat man seit der Beschlagnahme nichts mehr gehört.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji fragte: „Hat die Dritte Schwester Erkundefrühling seit ihrer Heirat geschrieben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Seit sie verheiratet wurde, hat dein Onkel Aufrecht nur berichtet, es gehe ihr gut am Meer. Aber kein Brief. Und Bedauerfrühling hat noch niemand einen Bräutigam vorgeschlagen. Unheil Kaufmann? Wer denkt an den? Unser Haushalt ist jetzt noch ärmer als zu deiner Zeit hier. Die Ärmste ist Schatzspange – seit sie eingeheiratet hat, hat sie keinen einzigen guten Tag gehabt. Und Schatzjade ist immer noch halb verrückt. Was soll nur werden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji sagte: „Ich bin hier aufgewachsen und kenne alle. Diesmal ist alles anders – nicht weil sie mich vergessen hätten, sondern weil jedes Gespräch im Kummer endet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Mir ist es egal. Aber die jungen Leute – das ist nicht auszuhalten! Ich möchte ihnen noch einen fröhlichen Tag bereiten, habe nur nicht die Kraft dazu.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji sagte: „Mir fällt ein: Ist nicht übermorgen Schatzspanges Geburtstag? Ich bleibe einen Tag länger und gratuliere ihr – dann wird es lustig!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Tatsächlich! Ich hatte es ganz vergessen. Morgen nehme ich Geld heraus und richte ihr einen Geburtstag aus. Früher haben wir mehrmals gefeiert, aber seit der Hochzeit kein einziges Mal.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji sagte: „Laden wir doch alle Schwestern ein – dann können wir uns wie früher amüsieren.&amp;quot; Die Herzoginmutter stimmte zu und ließ hundert Liang Silber ausgeben, um für zwei Tage Wein und Essen vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag wurden Einladungen verschickt: Willkommensfrühling wurde abgeholt, Tante Schnee, Kostbarzither Schnee mit Duftkastanie&amp;lt;ref&amp;gt;Duftkastanie: Chin. 香菱 (Xiānglíng), wörtl. „Duftende Wasserkastanie&amp;quot;. Nebenfrau von Becken Schnee.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Tante Li mit Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume – alle kamen. Als Schatzspange erfuhr, dass ihre Mutter da sei, eilte sie hinüber. Sie sah auch ihre Schwester Kostbarzither Schnee und Duftkastanie, dazu die Li-Schwestern. „Sie kommen bestimmt, weil sie von unseren Schwierigkeiten gehört haben&amp;quot;, dachte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji rief: „Jetzt verneigen sich alle Schwestern vor der Schwester zum Geburtstag!&amp;quot; Schatzspange war verblüfft – dann fiel ihr ein, dass ja morgen ihr Geburtstag war. Sie wollte abwehren, doch Schatzjade kam dazu und freute sich: „Genau! Ich wollte es der Ahnherrin gerade sagen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte zu Tante Schnee: „Das arme Kind hat seit der Hochzeit keinen Geburtstag gefeiert. Heute gebe ich ihr einen, damit wir alle zusammen plaudern.&amp;quot; Schatzspange senkte beschämt den Kopf. Schatzjade dachte bei sich: „Xiangji ist nach der Heirat gar nicht anders geworden – sie ist wie früher. Warum ist meine Frau so viel verschlossener geworden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wurde gemeldet: „Die Zweite Herrin Willkommensfrühling ist da!&amp;quot; Alle begrüßten einander. Willkommensfrühling erzählte, ihr Mann habe sie anfangs nicht herkommen lassen wollen: „Er sagte, unsere Familie bringe Unglück. Erst als er hörte, dass der Zweite Onkel wieder in Amt und Würden sei, ließ er mich kommen.&amp;quot; Dabei weinte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Ich habe euch eingeladen, um aufzuheitern, nicht um zu trauern!&amp;quot; Alle verstummten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz bemühte sich um Scherze, war aber nicht mehr so schlagfertig wie früher. Die Herzoginmutter wollte Schatzspange aufheitern und neckte Phönixglanz absichtlich. Phönixglanz gab sich Mühe und sagte: „Seht nur, wie lange wir nicht alle beisammen waren – und heute sind alle da!&amp;quot; Doch als sie sich umdrehte und sah, dass ihre Schwiegermutter Frau Strafe und die Schwägerin Sonders fehlten, verstummte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter ließ Frau Strafe und You herbeibitten. Die kamen widerwillig – sie fanden es unangemessen, bei der desolaten Lage Geburtstag zu feiern. Frau Strafe behauptete, Höhlennebel Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Höhlennebel Strafe: Chin. 邢岫烟 (Xíng Xiùyān), wörtl. „Nebelwolke am Felsgipfel&amp;quot;. Nichte von Frau Strafe.&amp;lt;/ref&amp;gt; sei krank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man stellte Wein und Obst auf. Die Herzoginmutter sagte: „Heute feiern nur wir Frauen.&amp;quot; Schatzjade saß neben der Herzoginmutter und schenkte Schatzspange abwechselnd ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter ließ Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 (Yuānyāng), wörtl. „Mandarinenten-Paar&amp;quot;. Engste Dienerin der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Pirol, Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 (Xírén), wörtl. „Den Menschen überraschend duftend&amp;quot;. Erste Kammerzofe von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 (Píng'ér), wörtl. „Friedliches Kind&amp;quot;. Nebenfrau und treue Gehilfin von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Hinterzimmer trinken. Dann begann ein Würfelspiel mit Bonmots. Tante Schnee würfelte vier Einsen – „Die vier Weisen vom Shangshan-Berg&amp;quot; – und sagte: „Im Alter noch unter Blumen wandeln.&amp;quot; Die Herzoginmutter antwortete mit einem Vers: „Man dachte, ich stähle mir Muße und lerne den Jungen nach.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging es reihum. Schatzjade wartete ungeduldig. Als er an der Reihe war, würfelte er schlecht, musste einen Strafbecher trinken und erneut würfeln. Mandarinenente rief lachend: „Zhang Chong malt seiner Frau die Augenbrauen!&amp;quot; – eine Anspielung auf das Ehepaar Schatzjade und Schatzspange. Beide wurden rot. Schatzjade konnte keinen passenden Spruch finden und trank die Strafe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann würfelte Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Frau Li: Chin. 李纨 (Lǐ Wán). Witwe von Zhu Kaufmann, Mutter von Lan Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Die Zwölf Goldenen Haarnadeln.&amp;quot; Schatzjade sah die rot-grünen Würfel und erstarrte. „Zwölf Haarnadeln&amp;quot; – das erinnerte ihn an seinen Traum im Land der Großen Leere. Er schaute Xiangji und Schatzspange an – beide noch da, aber Kajaljade fehlte. Tränen stiegen ihm auf. Er murmelte eine Entschuldigung und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji fand das Spiel langweilig. Die Herzoginmutter sagte: „Lasst es gut sein. Essen wir.&amp;quot; Man rief nach Schatzjade – ein Mädchen kam zurück und sagte, er fühle sich unwohl und wolle nicht essen. Die Herzoginmutter ließ ihn ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war hinausgegangen, voller Wehmut. Dufthauch fand ihn und fragte, was los sei. „Mir ist bedrückt&amp;quot;, sagte er. „Gehen wir zur Schwägerin Sonders hinüber.&amp;quot; Sie gingen bis zum Gartentor. Schatzjade wollte hineingehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch hielt ihn zurück: „Der Garten ist nicht mehr sicher – es spukt dort!&amp;quot; Schatzjade, vom Wein mutig, sagte: „Ich fürchte mich nicht.&amp;quot; Die alten Wächterinnen sagten: „Seit der Daoist die Geister vertrieben hat, gehen wir wieder allein hinein. Mit so vielen Leuten braucht der junge Herr sich nicht zu fürchten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade betrat den Garten. Überall Trostlosigkeit – verwelkte Blumen, abblätternde Farben. In der Ferne sah er grünen Bambus, noch immer üppig. „Ist das nicht die Xiaoxiang-Bambushain-Fluss?&amp;quot;, fragte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch wollte ihn ablenken: „Du hast dich verlaufen – wir sind am Hof der Roten Freude vorbeigegangen. Das dort drüben ist die Xiaoxiang-Herberge.&amp;quot; Sie zeigte in die falsche Richtung, um ihn von Kajaljades ehemaligem Quartier fernzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Schatzjade ging zielstrebig weiter. Plötzlich blieb er stehen. „Hörst du das?&amp;quot;, fragte er. „In der Xiaoxiang-Herberge weint jemand!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: „Einbildung! Du hast dort immer Fräulein Lin weinen hören – jetzt bildest du es dir ein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wächterinnen kamen herbei: „Junger Herr, gehen wir zurück! Seit Fräulein Lins Tod hört man dort oft Weinen – niemand wagt sich dorthin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade brach in Tränen aus: „Lin-Schwester, Lin-Schwester! Ich habe dich ins Verderben gestürzt! Sei mir nicht böse – die Eltern haben entschieden, nicht ich!&amp;quot; Er weinte hemmungslos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Herbstmuster&amp;lt;ref&amp;gt;Herbstmuster: Chin. 秋纹 (Qiūwén), wörtl. „Herbstliches Muster&amp;quot;. Dienstmädchen von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit mehreren Dienerinnen angerannt: „Dufthauch, was fällt dir ein, den jungen Herrn hierher zu bringen? Die Ahnherrin und die Gnädige Frau suchen ihn überall!&amp;quot; Schatzjade weinte noch immer. Dufthauch und die anderen zerrten ihn fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück bei der Herzoginmutter, schimpfte diese: „Dufthauch, ich habe dir Schatzjade anvertraut, weil du vernünftig bist. Wie konntest du ihn in den Garten bringen? Wenn er wieder krank wird!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch senkte den Kopf und schwieg. Schatzspange war zutiefst erschrocken über Schatzjades Zustand. Schatzjade selbst verteidigte Dufthauch: „Am helllichten Tag gibt es nichts zu fürchten. Ich wollte nach langer Zeit einmal im Garten spazieren gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz, die im Garten einst selbst Schreckliches erlebt hatte, bekam eine Gänsehaut: „Schatzjade ist zu waghalsig!&amp;quot; Xiangji neckte: „Nicht waghalsig – nur aufrichtig. Wer weiß, ob er die Hibiskusgöttin besuchen wollte oder eine Unsterbliche suchte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Genug! In Zukunft nimm mehr Leute mit. Geht schlafen, und morgen feiern wir weiter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle verabschiedeten sich. Tante Schnee schlief bei Frau König, Xiangji bei der Herzoginmutter, Willkommensfrühling bei Bedauerfrühling. Schatzjade ging in seine Gemächer, seufzte vor sich hin. Schatzspange kannte den Grund, sagte aber nichts. Sie fürchtete nur, sein Kummer könnte die alte Krankheit zurückbringen, und fragte Dufthauch unter vier Augen, was genau im Garten geschehen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Dufthauch berichtete, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 107</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_102|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;102&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_103|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;103&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_104|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;104&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_105|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;105&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_106|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;106&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;107&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_108|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;108&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_109|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;109&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_110|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;110&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_111|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;111&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_112|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;112&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百七回 / Kapitel 107 =&lt;br /&gt;
== 散馀资贾母明大义 ==&lt;br /&gt;
=== 复世职政老沐天恩 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 107 =&lt;br /&gt;
== Aus weiser Großzügigkeit verteilt die Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; ihren persönlichen Besitz ==&lt;br /&gt;
== Dank kaiserlicher Gunst empfängt Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾政&amp;lt;/ref&amp;gt; den erblichen Titel seines Bruders ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits erzählt, ging Aufrecht Kaufmann in den Palast hinein, wo er die verschiedenen Würdenträger des Geheimen Staatsrates und die Fürsten vorfand. Der Fürst von Beijing sagte: &amp;quot;Wir haben Euch heute auf kaiserlichen Befehl rufen lassen, um Euch zu befragen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann kniete sogleich nieder. Die Würdenträger fragten: &amp;quot;War Euch bekannt, dass Euer älterer Bruder mit auswärtigen Beamten konspirierte, seine Macht missbrauchte und Schwächere schikanierte, dass er seinen Sohn zum Glücksspiel anstiftete und gewaltsam die Ehefrau eines ehrbaren Bürgers als Nebenfrau nahm und sie in den Tod trieb, als sie sich weigerte?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann antwortete: &amp;quot;Der Angeklagte wurde durch die Gnade Seiner Majestät zum Bildungskommissar ernannt. Nach Ablauf der Amtszeit inspizierte er Hilfsmaßnahmen, kehrte gegen Ende des vergangenen Winters nach Hause zurück und wurde dann von seinen Vorgesetzten mit Bauarbeiten beauftragt. Danach wurde er als Getreide-Intendant nach Jiangxi berufen, von dort unter Anklage in die Hauptstadt zurückbeordert und versieht seither wieder seinen Dienst im Ministerium für Öffentliche Arbeiten. Tag und Nacht wagte er nicht, nachlässig zu sein. Um die Familienangelegenheiten hat er sich in keiner Weise gekümmert und ist in der Tat völlig ahnungslos gewesen. Dass er es versäumt hat, die Söhne und Neffen zu erziehen, ist sein Vergehen gegen die kaiserliche Gnade. Er bittet nur darum, dass Seine Majestät ihn streng bestrafe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fürst von Beijing trug dies dem Thron vor. Nach kurzer Zeit wurde der kaiserliche Erlass übermittelt. Der Fürst von Beijing verlas ihn: &amp;quot;Seine Majestät hat erwogen: Bezüglich der Anklage des Zensors, Begnadigung Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾赦&amp;lt;/ref&amp;gt; habe mit auswärtigen Beamten konspiriert und seine Macht missbraucht, um Schwächere zu schikanieren: Der Zensor nannte den Präfekten von Pingan als Komplizen. Bei strenger Vernehmung gab Begnadigung Kaufmann zu Protokoll, der Präfekt von Pingan sei ein angeheirateter Verwandter, mit dem man lediglich persönlichen Umgang gepflegt habe, ohne sich in Amtsgeschäfte einzumischen. Auch der Zensor konnte diesen Punkt nicht beweisen. Lediglich die Anklage, er habe unter Ausnutzung seiner Stellung einen gewissen Shi Daizi zur Herausgabe antiker Fächer genötigt, wurde bestätigt. Doch handelt es sich um Spielzeug und Sammelstücke, was nicht mit der gewaltsamen Aneignung von Gut ehrlicher Bürger zu vergleichen ist. Dass Shi Daizi sich daraufhin das Leben nahm, liegt an dessen eigener Verrücktheit und ist nicht gleichzusetzen mit einem Freitod durch Nötigung. Daher wird Begnadigung Kaufmann gnädig zu Strafdienst an einem Grenzposten verurteilt, wo er seine Schuld durch treuen Dienst tilgen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Anklage gegen Herrlichkeit Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾珍&amp;lt;/ref&amp;gt; betrifft, er habe gewaltsam die Ehefrau eines ehrlichen Bürgers als Nebenfrau genommen und sie durch Zwang in den Tod getrieben: Nach Prüfung der Originalakten beim Zensorat stellte sich heraus, dass die besagte Dame Zweitschwester Sonders tatsächlich von einem gewissen Zhang Hua durch ein Verlöbnis im Mutterleib zur Frau bestimmt worden war. Da dieser in Armut lebte, wünschte er selbst die Auflösung der Verlobung. Die Mutter von Zweitschwester Sonders war einverstanden, ihre Tochter als Nebenfrau zu geben, und zwar nicht an Herrlichkeit Kaufmann selbst, sondern an dessen jüngeren Vetter. Von 'gewaltsamer Aneignung' kann also keine Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Fall der Drittschwester Sonders, die sich selbst erdolchte und heimlich beerdigt wurde, ohne dass der Tod den Behörden gemeldet wurde: Bei näherer Untersuchung ergab sich, dass Drittschwester Sonders die jüngere Schwester von Herrlichkeit Kaufmanns Ehefrau war. Es lag ursprünglich in seiner Absicht, eine passende Heirat für sie zu vermitteln. Doch die Forderung nach Rückgabe der Brautgeschenke durch den Verlobten und die verbreiteten Gerüchte über ihr unehrbares Verhalten führten bei ihr zu solcher Scham und Empörung, dass sie sich das Leben nahm. Eine Nötigung durch Herrlichkeit Kaufmann lag nicht vor. Gleichwohl hat Herrlichkeit Kaufmann als Träger eines erblichen Amtes die Gesetze missachtet und einen Todesfall verheimlicht, wofür er schwer bestraft werden müsste. In Anbetracht dessen, dass er Nachkomme verdienter Vorfahren ist, wird von der vollen Strafe abgesehen. Er wird gnädig seines erblichen Titels enthoben und an die Küste entsandt, um dort durch pflichtgetreuen Dienst seine Schuld zu tilgen. Rong Kaufmann ist zu jung, um in die Sache verwickelt zu sein, und wird freigesprochen. Aufrecht Kaufmann hat über viele Jahre in auswärtigen Ämtern pflichtbewusst und gewissenhaft gedient und wird von der Verantwortung für die mangelhafte Haushaltsführung entbunden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Aufrecht Kaufmann das hörte, war er zu Tränen der Dankbarkeit gerührt und verneigte sich hastig vor dem Thron. Dann bat er den Fürsten, seine demütigste Ergebenheit zu übermitteln. Der Fürst von Beijing sagte: &amp;quot;Dankt dem Himmel für die Gnade. Was gäbe es noch vorzubringen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Der Angeklagte ist überwältigt von der Gnade Seiner Majestät, die ihm nicht nur keine schwere Strafe auferlegt, sondern auch noch das Familienvermögen zurückgegeben hat. In tiefster Beschämung möchte er den gesamten von seinen Ahnen ererbten Besitz und alle angesammelten Güter dem Thron überlassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fürst von Beijing sagte: &amp;quot;Seine Majestät ist human und mitfühlend gegenüber seinen Untertanen, weise und gerecht in seinen Urteilen, unfehlbar bei Belohnung und Bestrafung. Nachdem Euch das Vermögen durch eine so große Gnade zurückgegeben wurde, bedarf es keiner weiteren Geste Eurerseits.&amp;quot; Die anderen Würdenträger bestätigten dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So dankte Aufrecht Kaufmann abermals der kaiserlichen Gnade und dem Fürsten und verließ den Palast. Da er wusste, wie besorgt die Herzoginmutter wartete, eilte er nach Hause. Alle Hausbewohner, Männer wie Frauen, standen draußen und warteten bange auf Nachrichten. Als sie Aufrecht Kaufmann wohlbehalten zurückkehren sahen, atmeten alle etwas auf, doch wagte niemand zu fragen. Aufrecht Kaufmann eilte direkt zu den Gemächern der Herzoginmutter und berichtete ihr die Einzelheiten des kaiserlichen Erlasses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter war zwar erleichtert, doch dass zwei erbliche Titel eingezogen worden waren und Begnadigung Kaufmann an einen Grenzposten und Herrlichkeit Kaufmann an die Küste entsandt werden sollten, betrübte sie zutiefst. Die Frau Strafe &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 邢夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame Sonders brachen sofort in lautes Weinen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Die gnädige Mutter möge sich beruhigen. Auch wenn der ältere Bruder an einem Grenzposten dienen muss, dient er doch dem Staat und wird nicht leiden müssen. Wenn er sich bewährt, kann er seinen Titel zurückerhalten. Und Juwel ist noch jung und sollte durchaus seinen Dienst leisten. Hätten wir es nicht so weit kommen lassen, hätten wir den Segen unserer Ahnen ohnehin nicht ewig genießen können.&amp;quot; Er fügte noch weitere tröstende Worte hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hatte Begnadigung Kaufmann ohnehin nie besonders gemocht, und Herrlichkeit Kaufmann vom Stillfriede-Anwesen war eine Stufe entfernt. Nur die Frau Strafe und Dame Sonders weinten ohne Unterlass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau Strafe dachte bei sich: &amp;quot;Das gesamte Vermögen ist weg, und mein Mann muss in seinem Alter in die Ferne ziehen. Zwar habe ich Kette als Sohn, aber der hat sich schon immer mehr zu seinem Onkel Aufrecht hingezogen. Jetzt, wo wir alle von Aufrecht abhängen, werden er und seine Frau sich natürlich noch mehr jener Seite zuwenden. Da bleibe ich ganz allein — einsam und verlassen. Was soll nur aus mir werden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders ihrerseits hatte im Stillfriede-Anwesen stets allein den Haushalt geführt und war nach Herrlichkeit Kaufmann die angesehenste Person gewesen. Zudem waren sie und Herrlichkeit Kaufmann ein harmonisches Ehepaar gewesen. Nun wurde er in Schande fortgeschickt, das gesamte Vermögen war beschlagnahmt, und sie mussten im Prunkwille-Anwesen um Aufnahme bitten. Auch wenn die Herzoginmutter sie liebevoll behandelte, lebte sie doch unter fremdem Dach. Dazu musste sie Peifeng und Xieluan versorgen, und das junge Paar Rong Kaufmann und seine Frau konnten kaum einen eigenen Haushalt gründen. Sie dachte weiter: &amp;quot;Die Zweite und die Dritte Schwester — ihr Unglück war letztlich Kette Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾琏&amp;lt;/ref&amp;gt;s Schuld. Und trotzdem kommen er und seine Frau ungeschoren davon und bleiben als Ehepaar beisammen, während uns nur ein elendes Dasein bleibt. Wie soll man da weiterleben?&amp;quot; Bei diesem Gedanken brach sie in bitteres Weinen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter konnte es nicht mit ansehen und fragte Aufrecht Kaufmann: &amp;quot;Der Fall deines Bruders und Juwels ist nun entschieden. Dürfen sie nach Hause kommen? Rong hat nichts verbrochen, der müsste doch freigelassen werden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann antwortete: &amp;quot;Nach den Vorschriften dürfte der ältere Bruder eigentlich nicht nach Hause kommen. Doch ich habe bereits um eine persönliche Gunst gebeten, damit er zusammen mit dem Neffen heimkehren kann, um die Reisevorbereitungen zu treffen. Das Gericht hat gnädig zugestimmt. Rong dürfte zusammen mit seinem Großvater und seinem Vater herauskommen. Bitte mache dir keine Sorgen, gnädige Mutter. Ich werde alles regeln.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte ferner: &amp;quot;Ich bin in den letzten Jahren zu alt und gebrechlich geworden und habe mich überhaupt nicht mehr um die Familienfinanzen gekümmert. Nun ist im Stillfriede-Anwesen alles beschlagnahmt, das Haus einbezogen. Auf unserer Seite wurde bei deinem Bruder und bei Kette auch alles genommen. Sag mir besser jetzt: Wie viel haben wir noch in der Schatzkammer und wie viel sind die Ländereien in der östlichen Provinz noch wert? Wenn die beiden aufbrechen müssen, sollten wir ihnen doch einige tausend Silbertael mitgeben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann steckte in der Klemme. Als die Herzoginmutter so fragte, dachte er: &amp;quot;Wenn ich ihr die Wahrheit sage, wird sie einen Schock bekommen. Wenn ich es aber verschweige, wie sollen wir dann unsere derzeitigen Probleme lösen, von der Zukunft ganz zu schweigen?&amp;quot; Nach kurzem Überlegen antwortete er: &amp;quot;Hätte die gnädige Mutter nicht gefragt, hätte ich es nicht gewagt zu sagen. Da die gnädige Mutter aber nun fragt und Kette auch hier ist: Gestern habe ich die Konten geprüft. Die alte Schatzkammer ist seit langem völlig leer. Nicht nur ist alles aufgebraucht, wir haben auch noch erhebliche Schulden draußen. Für die Angelegenheit des älteren Bruders müssen wir dringend Geld aufbringen, um die Beamten zu besänftigen. Denn trotz der großzügigen Gnade Seiner Majestät könnte es Vater und Sohn schlecht ergehen, wenn wir nicht eingreifen. Nur weiß ich nicht, woher das Geld kommen soll. Auf die Ländereien in der östlichen Provinz können wir uns nicht verlassen — die Pachteinnahmen des kommenden Jahres sind schon für Schulden aus dem laufenden Jahr verplant und können nicht so schnell flüssig gemacht werden. Uns bleibt nur, die Kleidung und den Schmuck, die uns glücklicherweise gelassen wurden, zu verkaufen und den Erlös dem älteren Bruder und Juwel als Reisegeld mitzugeben. Wie wir danach selbst über die Runden kommen, ist wieder ein anderes Problem.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter brach erneut in Tränen aus: &amp;quot;Wie? Ist es wirklich so weit mit uns gekommen? So etwas habe ich nie erlebt. Wenn ich an meine eigene Familie in früheren Zeiten denke — die waren noch zehnmal wohlhabender als wir. Auch sie haben einige Jahre lang eine leere Fassade aufrechterhalten. Aber selbst ohne ein solches Unglück brach schließlich alles zusammen, und in ein, zwei Jahren war es vorbei. Aber nach dem, was du sagst, werden wir nicht einmal ein bis zwei Jahre durchhalten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Hätten wir noch die beiden erblichen Besoldungen, könnte man anderswo Mittel auftreiben. Aber jetzt, wo wir nichts mehr als Sicherheit bieten können, wird uns niemand Geld leihen.&amp;quot; Auch ihm liefen die Tränen über die Wangen. &amp;quot;Was die Verwandten betrifft: Die, bei denen wir in der Schuld stehen, sind selbst arm geworden. Und die, die uns nie etwas schuldeten, wollen uns nicht helfen. Gestern habe ich die Konten nicht im Detail geprüft, aber ich habe die Personalliste durchgesehen. Von oben kommt keinerlei Einkommen, und unten können wir die vielen Diener auch nicht mehr ernähren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter grämte sich immer mehr. Da kamen Begnadigung Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann und Rong Kaufmann herein und begrüßten sie. Die Herzoginmutter sah die drei: Mit der einen Hand ergriff sie Begnadigung Kaufmann, mit der anderen Herrlichkeit Kaufmann, und brach in lautes Schluchzen aus. Die beiden schämten sich zutiefst, und als sie die Herzoginmutter weinen sahen, fielen sie auf die Knie und riefen weinend: &amp;quot;Wir unwürdigen Söhne und Enkel haben die Verdienste unserer Ahnen verspielt und die gnädige Mutter in Kummer gestürzt. Wir verdienen es nicht einmal, nach dem Tod begraben zu werden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin brach der ganze Raum in Wehklagen aus. Aufrecht Kaufmann mahnte: &amp;quot;Wir sollten zunächst die Reisevorbereitungen der beiden besprechen. Sie können höchstens ein bis zwei Tage zu Hause bleiben, sonst werden die Behörden ungeduldig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hielt ihre Tränen mühsam zurück und sagte: &amp;quot;Geht, ihr beiden, und sprecht mit euren Ehefrauen.&amp;quot; Dann wies sie Aufrecht Kaufmann an: &amp;quot;Diese Sache duldet keinen Aufschub. Ich sehe, dass Anleihen von außen nichts nützen werden. Wenn wir die Frist verstreichen lassen, was dann? Ich muss wohl selbst etwas unternehmen. Bei dem Durcheinander im Haus kann es auch nicht so weitergehen.&amp;quot; Dabei rief sie Mandarinenente &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 鸳鸯&amp;lt;/ref&amp;gt; herbei und gab ihr Anweisungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann und die anderen gingen hinaus und sprachen noch einmal weinend mit Aufrecht Kaufmann. Sie drückten ihr Bedauern über ihren früheren Eigensinn aus, klagten über die bevorstehende Trennung und gingen dann zu ihren Frauen, um dort zu trauern. Begnadigung Kaufmann war schon älter und konnte sich leichter damit abfinden. Herrlichkeit Kaufmann und Dame Sonders dagegen — wie sollten sie die Trennung ertragen! Kette Kaufmann und Rong Kaufmann hielten ihren Vater an den Händen und weinten. Obwohl die Strafe milder war als Verbannung oder Zwangsarbeit, war es doch ein Abschied, bei dem man nicht wusste, ob man einander jemals wiedersehen würde. Es war, wie es war, und sie mussten sich mit zusammengebissenem Herzen fügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ließ die Herzoginmutter die Damen Xing und Wang zusammen mit Mandarinenente und den Mägden alle Truhen und Kisten öffnen. Alles, was sie seit ihrer Eheschließung im Laufe der Jahre angesammelt hatte, wurde hervorgeholt. Sie rief Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann und alle anderen herbei und verteilte alles einzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann erhielt dreitausend Silbertael. Sie sagte: &amp;quot;Von dem hier vorhandenen Silber nimmst du zweitausend als Reisegeld mit und lässt eintausend für die ältere gnädige Frau zum täglichen Gebrauch zurück. Diese dreitausend sind für Juwel: Du darfst nur eintausend mitnehmen und lässt deiner Frau zweitausend. Sie sollen weiterhin ihre eigenen Angelegenheiten regeln, auch wenn sie hier bei uns wohnen. Die Mahlzeiten möge jeder für sich bestreiten. Um Bedauerfrühlings künftige Heirat kümmere ich mich selbst. Die arme Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; hat sich ihr ganzes Leben lang abgemüht, und nun hat sie nichts mehr. Auch ihr gebe ich dreitausend Tael, und sie soll sie selbst verwahren. Kette darf nichts davon anrühren. Da sie gerade todkrank ist, soll Friedchen &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 平儿&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen und es in Empfang nehmen. Hier sind Gewänder, die dein Großvater hinterlassen hat, und Kleider und Schmuck, die ich als junge Frau getragen habe — ich brauche sie nicht mehr. Die Männerkleider sollen der ältere Herr Begnadigung, Juwel, Kette und Rong unter sich aufteilen; die Frauenkleider sollen die ältere gnädige Frau, Juwels Frau und Phönixglanz unter sich teilen. Diese fünfhundert Silbertael sind für Kette, um nächstes Jahr den Sarg der jungen Dai-yü in den Süden überführen zu lassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Verteilung abgeschlossen war, rief sie Aufrecht Kaufmann zu sich: &amp;quot;Du sagtest, es gäbe noch Außenstände. Die müssen unbedingt beglichen werden. Nimm dafür dieses Gold und lass es eintauschen. Dass es so weit gekommen ist, haben sie verschuldet, nicht ich. Aber du bist ebenfalls mein Sohn, und ich begünstige niemanden. Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; ist nun verheiratet. Was mir an Gold und Silber noch bleibt, ist noch einige tausend Tael wert — das alles gehört ihm. Zhus Witwe war mir immer eine pflichtbewusste Schwiegertochter, und der kleine Lan ist brav. Auch ihnen gebe ich etwas ab. Damit ist meine Angelegenheit erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Aufrecht Kaufmann und die anderen sahen, wie klar und umsichtig die Herzoginmutter alles geregelt hatte, knieten sie alle weinend nieder und sagten: &amp;quot;Die gnädige Mutter in ihrem hohen Alter — wir Söhne und Enkel haben nicht das Geringste zu ihrer Pflege beigetragen und empfangen nun solche Großzügigkeit von unserer Ahnherrin. Wir schämen uns so, dass wir am liebsten im Boden versinken würden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: &amp;quot;Redet keinen Unsinn! Wäre dieses Durcheinander nicht gekommen, hätte ich alles für mich behalten. Aber nun zum Ernst der Lage: Wir haben zu viele Diener. Du bist der Einzige mit einem Amt, Aufrecht. Ein paar Diener genügen. Lass die Verwalter alle zusammenrufen und alles ordentlich regeln. Jeder Haushalt soll mit so wenig Dienern wie möglich auskommen. Stellt euch vor, alles wäre konfisziert worden — was dann? Auch in den Frauengemächern muss aufgeräumt werden: Manche Mägde sollen verheiratet werden, andere freigelassen. Auch wenn uns das Anwesen geblieben ist, solltest du den Garten an den Staat übergeben. Kette soll die ländlichen Güter prüfen: Was verkauft werden muss, wird verkauft, was behalten werden kann, wird behalten. Aber Schluss mit dem leeren Gepränge und der falschen Fassade! Und noch etwas muss ich erwähnen: Die Familie Echt in Jiangnan hat noch etwas Silber bei uns stehen. Die Frau des Zweiten Herrn verwahrt es. Schickt jemanden und bringt es ihnen zurück. Sollte uns noch etwas zustoßen, ziehen wir sie nur noch tiefer in den Schlamassel — wir müssen nicht vom Regen in die Traufe kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann, der sich seiner Unfähigkeit in Haushaltsdingen durchaus bewusst war, murmelte zu jeder Anweisung demütig &amp;quot;Ja, gnädige Mutter&amp;quot; und dachte bei sich: &amp;quot;Die gnädige Mutter ist wirklich eine geborene Verwalterin! Und was für ein Versager bin ich im Vergleich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sah, dass die Herzoginmutter erschöpft war, und bat sie, sich auszuruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte noch: &amp;quot;Das Wenige, was mir noch bleibt, soll nach meinem Tod für mein Begräbnis verwendet werden. Was dann noch übrig ist, geht an meine Dienerinnen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Aufrecht Kaufmann und die anderen das hörten, wurden sie noch trauriger und knieten erneut nieder: &amp;quot;Möge die gnädige Mutter sich beruhigen! Wenn wir Söhne mit der Gunst der gnädigen Mutter in einiger Zeit die Gnade Seiner Majestät wiedererlangen, werden wir uns mit aller Kraft dem Aufbau der Familie widmen, unsere früheren Fehler gutmachen und die gnädige Mutter bis ins hundertste Lebensjahr umsorgen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: &amp;quot;Wenn das nur gelänge, könnte ich nach dem Tod unseren Ahnen mit Stolz entgegentreten. Denkt ja nicht, ich wäre jemand, der nur Reichtum genießen und keine Armut ertragen kann! So ist es nicht. In den letzten Jahren habt ihr so prunkvoll gelebt, und ich habe mich gefreut, mich nicht einzumischen, habe geplaudert und gelacht und mich gepflegt. Dass das Familienglück so tief fallen würde, hätte ich nie gedacht. Dass hinter der schönen Fassade Leere herrschte, habe ich schon früh erkannt. Nur ist es so: 'Der Wohnort verändert das Wesen, die Pflege verändert den Körper' — man kann eben nicht so schnell von seinem hohen Ross herunter. Jetzt ist die richtige Zeit, sich zu bescheiden und den Familiennamen zu bewahren, damit man nicht zum Gespött der Leute wird. Aber was die beiden, Vater und Sohn, für Dinge getrieben haben — das wisst ihr noch gar nicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Herzoginmutter noch in ihrer langen Rede war, kam Feng'er aufgeregt hereingelaufen und wandte sich an Frau König &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt;: &amp;quot;Heute Morgen hat unsere gnädige Herrin die Nachrichten von draußen gehört und heftig geweint. Jetzt bekommt sie kaum noch Luft. Friedchen hat mich geschickt, um es der gnädigen Frau zu melden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feng'er hatte noch nicht ausgesprochen, als die Herzoginmutter es schon gehört hatte und fragte: &amp;quot;Wie geht es ihr denn jetzt?&amp;quot; Frau König antwortete für Feng'er: &amp;quot;Es geht ihr wohl gar nicht gut.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter erhob sich: &amp;quot;Ach! Diese Plagegeister wollen mich noch ins Grab bringen!&amp;quot; Sie ließ sich stützen und wollte selbst nach Phönixglanz sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann hielt sie eilig zurück und sagte: &amp;quot;Die gnädige Mutter hat sich lange gegrämt und so viele Anordnungen getroffen. Jetzt sollte sie sich dringend ausruhen. Wenn die Schwiegertochter etwas hat, kann meine Frau nach ihr sehen. Warum muss die gnädige Mutter persönlich hingehen? Wenn sich die gnädige Mutter noch mehr aufregt und ihr selber etwas zustößt, wie sollen wir Söhne das verantworten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: &amp;quot;Geht alle hinaus. Kommt später noch einmal, ich habe noch etwas zu sagen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann wagte nicht zu widersprechen und ging hinaus, um die Reisevorbereitungen für seinen Bruder und seinen Neffen zu überwachen. Er wies Kette Kaufmann an, Begleiter für die Reise auszuwählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierauf ließ die Herzoginmutter durch Mandarinenente die Geschenke für Phönixglanz hinüberbringen. Phönixglanz war gerade ohnmächtig geworden. Friedchen hatte sich die Augen rot und die Wangen geschwollen geweint. Als sie hörte, dass die Herzoginmutter mit Frau König und den anderen im Anmarsch war, eilte sie hastig hinaus, um sie zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte: &amp;quot;Wie geht es ihr jetzt?&amp;quot; Friedchen, die die Herzoginmutter nicht erschrecken wollte, sagte: &amp;quot;Es geht ihr etwas besser.&amp;quot; Sie führte die Gesellschaft hinein, eilte zum Bett vor und hob behutsam den Bettvorhang. Phönixglanz öffnete die Augen und sah die Herzoginmutter eintreten. Tiefe Scham ergriff sie. Zuvor hatte sie geglaubt, die ganze Familie zürne ihr und niemand kümmere sich mehr um sie, ob sie lebe oder sterbe. Dass nun die Herzoginmutter persönlich an ihr Bett kam, ließ ihr Herz sich weiten, und der Druck in ihrer Brust löste sich ein wenig. Sie wollte sich sogar aufrichten, doch die Herzoginmutter ließ Friedchen sie zurückhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Beweg dich nicht&amp;quot;, sagte sie zu Phönixglanz. &amp;quot;Geht es dir etwas besser?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz antwortete mit Tränen in den Augen: &amp;quot;Seit ich als junge Braut in dieses Haus kam, haben die gnädige Mutter und die gnädige Frau König mich so liebevoll behandelt! Doch das Schicksal hat mich verfolgt, Geister und Dämonen haben mich um den Verstand gebracht, und ich habe es nicht geschafft, der gnädigen Mutter und der gnädigen Tante auch nur einen Funken Dankbarkeit zu erweisen. Trotzdem habt ihr mich wie einen Menschen behandelt und mich den Haushalt führen lassen. Doch ich habe alles drunter und drüber gebracht. Wie kann ich der gnädigen Mutter und der gnädigen Tante noch ins Gesicht sehen? Dass die gnädige Mutter heute persönlich kommt, ist mehr, als ich verdiene. Ich fürchte, wenn mir noch drei Tage zum Leben bestimmt waren, sind jetzt zwei davon abgezogen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schluchzte erbärmlich. Die Herzoginmutter tröstete sie: &amp;quot;Den ganzen Ärger haben andere angezettelt, was hat das mit dir zu tun? Dass man deine Sachen genommen hat — das ist doch nicht so schlimm! Ich habe dir allerhand Gutes mitgebracht, schau einmal!&amp;quot; Sie ließ die Geschenke vor ihr ausbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz war von Natur aus habgierig, und der plötzliche Verlust all ihres Besitzes hatte ihr einen schweren Schlag versetzt. Zudem fürchtete sie die Vorwürfe der anderen und war dem Tode nahe. Dass nun die Herzoginmutter sie immer noch liebte und auch Frau König ihr keinen Vorwurf machte, sondern sie tröstete, und dass auch Kette Kaufmann nichts geschehen war — all das erleichterte sie sehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verneigte sich vom Kissen aus vor der Herzoginmutter und sagte: &amp;quot;Die gnädige Mutter möge sich beruhigen. Wenn ich durch den Segen der gnädigen Mutter genese, will ich freiwillig als einfache Dienstmagd arbeiten und mit ganzem Herzen und ganzer Seele der gnädigen Mutter und der gnädigen Tante dienen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese demütige Dankbarkeit ging der Herzoginmutter ans Herz, und sie brach in Tränen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade, der noch nie eine solche Krise erlebt hatte und immer nur Frieden und Freude gekannt hatte, sah nun, wohin er blickte, nur Kummer und Leid. Wenn er jemanden weinen sah, weinte er automatisch mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sah, wie niedergeschlagen alle waren, und raffte sich auf, ein paar tröstende Worte für die Herzoginmutter zu finden. Sie bat: &amp;quot;Die gnädige Mutter und die gnädige Tante mögen nach Hause gehen. Wenn es mir etwas besser geht, komme ich persönlich, um meinen Kotau zu machen.&amp;quot; Dabei hob sie schwach den Kopf vom Kissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter wies Friedchen an: &amp;quot;Pflege sie gut! Wenn es euch an etwas fehlt, kommt zu mir.&amp;quot; Dann machte sie sich mit Frau König auf den Rückweg in ihre eigenen Gemächer. Unterwegs hörte sie aus zwei, drei Ecken Weinlaute. Das war mehr, als sie ertragen konnte. Sie schickte Frau König fort und wies Schatzjade an: &amp;quot;Geh und verabschiede dich von deinem Onkel und deinem Vetter, dann komm sofort zurück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein ließ sie sich auf ihr Ruhebett fallen und weinte. Mandarinenente versuchte mit allen erdenklichen Worten, sie zu trösten, und schließlich schlief die Herzoginmutter ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Abschied von Begnadigung Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann war voller Schmerz. Die zu ihrer Begleitung bestimmten Diener wollten allesamt nicht gehen und beklagten laut ihr Schicksal. Im Leben verlassen zu werden ist wahrlich noch schmerzhafter als durch den Tod getrennt zu werden, und die Zuschauer litten noch mehr als die Betroffenen selbst. Das einst so glanzvolle Prunkwille-Anwesen war nun von Menschengeheul und Geisterweinen erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann, stets ein Mann der Formen und der Pflichterfüllung, erwies seinem älteren Bruder den gebührenden Respekt. Sie reichten sich zu Hause die Hände, und dann ritt Aufrecht Kaufmann voraus vor die Stadtmauer, wo er rituell den Abschiedswein darreichte. Er ermahnte Begnadigung Kaufmann, an die Erwartungen zu denken, die der Staat an die Nachkommen verdienter Vorfahren stelle, und sich diesen durch treuen Dienst würdig zu erweisen. Begnadigung Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann wischten sich die Tränen ab und machten sich in verschiedene Richtungen auf den Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann kehrte mit Schatzjade nach Hause zurück. Noch bevor sie das Tor erreichten, sahen sie draußen eine Menschenmenge, die laut durcheinanderrief: &amp;quot;Heute ist ein kaiserlicher Erlass ergangen: Das erbliche Amt des Herzogs von Prunkwille wird Aufrecht Kaufmann übertragen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute verlangten ein Trinkgeld für die gute Nachricht, doch die Pförtner stritten mit ihnen: &amp;quot;Es ist ein Titel, der schon immer in unserer Familie war, und jetzt hat unser Herr ihn geerbt. Was gibt es da zu feiern?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute riefen: &amp;quot;Die Ehre eines erblichen Amtes ist höher als alles andere! Euer älterer Herr hat den Titel verspielt, und den wiederzubekommen war unmöglich. Jetzt hat Seine Majestät in seiner Gnade, die größer ist als der Himmel, den Titel dem Herrn Aufrecht verliehen. So etwas kommt nur einmal in tausend Jahren vor — wie soll das kein Trinkgeld wert sein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie sich stritten, kam Aufrecht Kaufmann nach Hause. Die Pförtner berichteten ihm. Obwohl es eine freudige Nachricht war, verdankte er sein Glück letztlich der Schande seines Bruders, und so waren seine Gefühle eher von Dankbarkeit und Tränen geprägt als von Freude. Er eilte nach drinnen und berichtete der Herzoginmutter. Sie freute sich natürlich und ermahnte ihn, sich der Gnade durch treuen Dienst würdig zu erweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König kam gerade, um die Herzoginmutter zu trösten, und als sie von der Wiederherstellung des Titels erfuhr, war auch sie erfreut. Nur die Frau Strafe und Dame Sonders waren innerlich bitter, doch sie konnten es nicht zeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die opportunistischen Verwandten und Freunde, die sich in schlechten Zeiten ferngehalten hatten, erfuhren nun, dass Aufrecht Kaufmann den Titel erhalten hatte, und schlossen daraus, dass die Familie immer noch die Gunst Seiner Majestät genieße. Sie kamen in Scharen, um ihre Glückwünsche darzubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Aufrecht Kaufmann war von Natur ein durch und durch aufrichtiger Mann. Dass er den Titel seines Bruders erhalten hatte, bereitete ihm eher Unbehagen als Freude, und er dachte vor allem daran, wie er seine Dankbarkeit gegenüber dem Thron unter Beweis stellen könnte. Am nächsten Tag ging er in den Palast, um formell zu danken, und ging so weit, in einem Antrag um Rückgabe des verschonten Anwesens und des Gartens der Großen Betrachtung an den Staat zu bitten. Ein kaiserlicher Erlass lehnte dies als unnötig ab. Aufrecht Kaufmann kehrte beruhigt nach Hause zurück und widmete sich fortan pflichtbewusst seinem Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Familienfinanzen waren in desolatem Zustand: Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen bei weitem. Aufrecht Kaufmann war nicht der Mann für gesellschaftliche Beziehungspflege. Die Diener sahen seine Redlichkeit; Phönixglanz war krank und konnte den Haushalt nicht führen; Kette Kaufmanns Schulden wuchsen von Tag zu Tag, und es schien unvermeidlich, weiteres Eigentum und Land zu veräußern. Die wohlhabenderen unter den Dienern fürchteten, Kette Kaufmann könnte sie um Geld bitten, taten arm, mieden den Dienst und suchten sich anderweitige Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur einer war eine Ausnahme: Bao Yong. Obwohl er erst kurz vor der Krise als Neuling eingetreten war, erwies er sich als aufrichtig und pflichtbewusst. Es empörte ihn, wie die anderen Diener ihren Herrn hintergingen. Da er aber ein Neuankömmling war, konnte er kein Wort mitreden. So aß er seinen Reis und legte sich verdrossen schlafen. Die anderen mochten ihn nicht, weil er nicht mitmachte, und beschwerten sich bei Aufrecht Kaufmann: Er sei den ganzen Tag betrunken, stifte Unruhe und drücke sich vor der Arbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Lasst ihn. Er wurde von der Familie Echt empfohlen, da können wir nicht so streng sein. Wir sind zwar arm, aber ein Esser mehr oder weniger fällt nicht ins Gewicht.&amp;quot; Er ließ Bao Yong nicht fortjagen. Die Diener gingen mit ihren Klagen auch zu Kette Kaufmann, doch der wagte selbst nicht mehr autoritär aufzutreten und ließ die Sache auf sich beruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages hielt Bao Yong es nicht mehr aus. Er trank einige Becher Wein und bummelte auf der Straße vor dem Prunkwille-Anwesen, wo er zwei Männer miteinander reden hörte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eine sagte: &amp;quot;Sieh dir dieses große Haus an! Neulich wurde es durchsucht. Ich frage mich, wie es ihnen jetzt geht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der andere antwortete: &amp;quot;Die werden schon zurechtkommen! Ich habe gehört, eine ihrer Töchter war kaiserliche Nebengemahlin. Auch wenn sie tot ist, solche Verbindungen lösen sich nicht so schnell auf. Außerdem sieht man ständig Fürsten und Adlige bei ihnen ein- und ausgehen. Die werden schon jemanden finden, der ihnen hilft. Der jetzige Präfekt, der frühere Kriegsminister — die sind alle aus derselben Sippe. Mit solchen Leuten wird alles gut gehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste erwiderte: &amp;quot;Du wohnst hier und hast doch keine Ahnung! Von den anderen Freunden weiß ich nichts, aber dieser hohe Beamte Jia, den du erwähnst — der ist der Schlimmste! Ich habe ihn oft in den beiden Kaufmann-Anwesen ein- und ausgehen sehen, also stand er früher gut mit ihnen. Als dann der Zensor die Anklage einreichte, befahl Seine Majestät dem Präfekten, die Tatsachen zu untersuchen. Und was hat der getan? Weil er den beiden Häusern einiges schuldig war und fürchtete, man könnte ihm vorwerfen, seine Verwandten zu decken, hat er umso schärfer gegen sie ausgesagt. Erst dadurch kam es zur Beschlagnahmung beider Häuser. Ist das nicht entsetzlich, wie die Leute heutzutage ihre Freunde behandeln?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden plauderten arglos dahin, ohne zu ahnen, dass jemand neben ihnen alles mithörte. Bao Yong dachte empört: &amp;quot;Dass so ein Schuft frei herumläuft! Ich wüsste gern, in welcher Beziehung er zu unserem Herrn steht. Wenn ich den zu fassen bekomme, prügle ich ihn tot, und die Folgen trage ich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bao Yong war gerade in seinem Weinrausch dabei, wilde Rachepläne zu schmieden, als er von der anderen Seite die Rufe von Vorlaufboten hörte. Er blieb stehen und beobachtete aus der Ferne. Die beiden Männer flüsterten einander zu: &amp;quot;Da kommt er ja — der hohe Beamte Jia, von dem wir gerade sprachen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bao Yong hörte das, und der Wein gab ihm den nötigen Mut. Er brüllte laut: &amp;quot;Gewissenloser Kerl! Wie kannst du die Güte unserer Familie Kaufmann vergessen?&amp;quot; Regendorf Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾雨村&amp;lt;/ref&amp;gt; hörte in seiner Sänfte das Wort &amp;quot;Kaufmann&amp;quot; und blickte aufmerksam hinaus. Er sah nur einen Betrunkenen und kümmerte sich nicht weiter darum. Die Sänfte zog weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bao Yong stolperte betrunken und zufrieden mit sich nach Hause, erkundigte sich bei seinen Kameraden und erfuhr, dass jener hohe Beamte seinen gesamten Aufstieg tatsächlich der Gunst der Familie Kaufmann verdankte. &amp;quot;So ein undankbarer Schuft! Ich habe ihm meine Meinung gesagt, und er hat nicht gewagt, mir zu widersprechen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen Diener, die Bao Yong allesamt nicht leiden konnten, hatten bisher Aufrecht Kaufmann nicht überzeugen können, ihn loszuwerden. Nun hatten sie den perfekten Vorwand. Sie nutzten die Gelegenheit, während Aufrecht Kaufmann frei war, und berichteten ihm, Bao Yong habe betrunken auf der Straße Unruhe gestiftet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann, der große Angst hatte, erneut Schwierigkeiten mit den Behörden zu bekommen, war sehr erzürnt, als er davon hörte. Er ließ Bao Yong rufen und schalt ihn gehörig aus. Da er ihn wegen der Empfehlung durch die Familie Echt nicht zu hart bestrafen konnte, versetzte er ihn zur Strafe als Wächter in den Garten und verbot ihm, sich draußen herumzutreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bao Yong war ein aufrichtiger, geradliniger Mensch. Hatte er einmal einen Herrn angenommen, diente er ihm mit ganzem Herzen. Dass Aufrecht Kaufmann den Verleumdungen der anderen geglaubt und ihn ausgescholten hatte, betrübte ihn zutiefst. Doch er sagte kein Wort des Protests. Er packte nur seine Sachen und ging in den Garten, um dort seine Aufgaben als Wächter und Gärtner zu versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was danach geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= 第一百六回 / Kapitel 106 =&lt;br /&gt;
== 王熙凤致祸抱羞惭 ==&lt;br /&gt;
=== 贾太君祷天消祸患 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 106 =&lt;br /&gt;
== Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; bringt Unheil über die Familie und schämt sich zutiefst ==&lt;br /&gt;
== Die Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; betet zum Himmel, um das Unglück abzuwenden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits erzählt, hatte Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾政&amp;lt;/ref&amp;gt; erfahren, dass es der Herzoginmutter schlecht ging, und eilte sofort hinein, um nach ihr zu sehen. Er fand sie in einem Zustand des Schreckens, völlig außer Atem. Frau König &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt;, Mandarinenente &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 鸳鸯&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen hatten sie wieder zu Bewusstsein gebracht. Man gab ihr sogleich Pillen zur Beruhigung und zur Lösung des stockenden Atems, und allmählich ging es ihr etwas besser, doch sie vergoss unaufhörlich Tränen der Verzweiflung. Aufrecht Kaufmann stand neben ihr und versuchte sie zu trösten. Er sagte immer wieder: &amp;quot;Es ist die Schuld eurer unwürdigen Söhne, die dieses Unglück herbeigeführt und der gnädigen Mutter solchen Schrecken eingejagt haben. Wenn die gnädige Mutter sich nur etwas beruhigen könnte, können die Söhne draußen die Angelegenheiten noch in Ordnung bringen. Wenn der gnädigen Mutter aber etwas zustößt, wird die Schuld der Söhne nur noch schwerer wiegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: &amp;quot;Ich habe über achtzig Jahre gelebt. Von meiner Mädchenzeit an, über die Zeit deines Vaters hinweg, haben wir stets unter dem Segen unserer Ahnen gelebt, und nie habe ich von solchen Dingen gehört. Nun, da ich alt bin, muss ich mit ansehen, wie ihr womöglich bestraft werdet — wie soll ich das nur ertragen? Am liebsten würde ich die Augen für immer schließen und euch eurem Schicksal überlassen!&amp;quot; Damit weinte sie erneut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann war zu diesem Zeitpunkt äußerst beunruhigt, als von draußen die Nachricht kam: &amp;quot;Der Herr wird gebeten herauszukommen, es gibt Nachrichten vom Inneren Hof.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann eilte hinaus und sah den Haushofmeister des Fürsten von Beijing, der ihm sogleich entgegenrief: &amp;quot;Große Freude!&amp;quot; Aufrecht Kaufmann dankte und bat den Haushofmeister, sich zu setzen, und fragte: &amp;quot;Welche Botschaft hat der Fürst?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Haushofmeister berichtete: &amp;quot;Unser Fürst ist zusammen mit dem Fürsten von Xiping in den Palast gegangen, um Bericht zu erstatten. Er hat dem Thron all Eure Furcht und Eure Dankbarkeit für die kaiserliche Gnade vorgetragen. Seine Majestät zeigte großes Mitgefühl und gedachte auch des kürzlichen Ablebens der Edlen Gemahlin. Er wollte die Strafe nicht verschärfen und verfügte gnädig, dass Ihr weiterhin als Außerordentlicher Beamter im Ministerium für Öffentliche Arbeiten Dienst tun sollt. Was das beschlagnahmte Familienvermögen betrifft: Nur der Besitz von Begnadigung Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾赦&amp;lt;/ref&amp;gt; wird eingezogen, alles Übrige wird zurückgegeben. Ferner erging der kaiserliche Befehl, pflichtbewusst den Dienst zu versehen. Lediglich die bei der Durchsuchung gefundenen Schuldscheine sollen von unserem Fürsten geprüft werden: Wo verbotene Wucherzinsen erhoben wurden, wird alles gemäß der Vorschriften eingezogen; was zu den erlaubten Zinssätzen verliehen wurde, wird mitsamt den Urkunden für Grundbesitz vollständig zurückgegeben. Kette Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾琏&amp;lt;/ref&amp;gt; wird seines Ranges und Titels enthoben, doch von der Strafe befreit und freigelassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Aufrecht Kaufmann dies vernommen hatte, erhob er sich sogleich, kniete nieder und dankte für die kaiserliche Gnade. Dann verneigte er sich vor dem Fürsten und bat: &amp;quot;Ich bitte den Herrn Haushofmeister, zunächst meinen demütigsten Dank zu übermitteln. Morgen früh werde ich am Hofe persönlich danken und anschließend dem Fürsten meinen Kotau erweisen.&amp;quot; Der Haushofmeister ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf wurde der kaiserliche Erlass übermittelt. Die zuständigen Beamten befolgten die Anordnungen und prüften alles einzeln: Was einzuziehen war, wurde eingezogen, was zurückzugeben war, wurde zurückgegeben. Kette Kaufmann wurde freigelassen. Sämtliche Diener und Dienerinnen, die unter Kaufmann Begnadigings Namen standen, wurden registriert und in den Staatsdienst überführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der arme Kette Kaufmann! Abgesehen von den Dokumenten, die gemäß den Vorschriften freigegeben wurden, war alles aus seinen Gemächern verschwunden. Was nicht offiziell eingezogen worden war, hatten die Durchsuchungsbeamten bereits an sich gerissen. Übrig geblieben waren nur Möbel und Hausrat. Kette Kaufmann war zunächst voller Angst vor Bestrafung gewesen, und seine Freilassung war schon ein großes Glück. Doch wenn er daran dachte, dass die über die Jahre angehäuften Schätze und Phönixglanz' persönliches Vermögen zusammen nicht weniger als fünfzig- bis siebzigtausend Goldstücke betrugen und nun über Nacht dahin waren, wie hätte ihn das nicht schmerzen sollen? Zudem war sein Vater noch im Gefängnis der Kaiserlichen Garde festgehalten, und Phönixglanz lag todkrank darnieder. Kummer und Schmerz überwältigten ihn gleichzeitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da rief ihn Aufrecht Kaufmann mit Tränen in den Augen zu sich und fragte: &amp;quot;Weil ich mit meinen Amtspflichten beschäftigt war, habe ich mich wenig um die Haushaltsangelegenheiten gekümmert und daher euch, dich und deine Frau, mit der Gesamtverwaltung betraut. Was dein Vater getrieben hat, war gewiss schwer zu unterbinden. Aber die Wucherzinsen und Ausbeuterei — wer hat das betrieben? Zudem ist so etwas einer Familie wie der unseren ganz und gar unwürdig. Dass es nun eingezogen wurde — beim Geld ist das nicht so schlimm, aber was für ein Ruf geht da hinaus in die Welt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann kniete nieder und sagte: &amp;quot;Als ich die Familiengeschäfte führte, habe ich nicht den geringsten eigennützigen Gedanken gehegt. Alle Ein- und Ausgaben wurden von Lai Da, Wu Xindeng, Dai Liang und den anderen verbucht. Der Herr Onkel mag sie rufen und befragen. In den letzten Jahren ist aus der Schatzkammer mehr Silber hinausgegangen als hereingekommen. Obwohl ich nichts aus eigener Tasche zugeschossen habe, habe ich an vielen Stellen Löcher mit leeren Versprechungen gestopft. Der Herr Onkel braucht nur die gnädige Tante zu fragen, dann wird er es wissen. Was die ausgeliehenen Gelder betrifft — selbst ich weiß nicht, woher das Silber stammte. Da müsste man Zhou Rui und Wang'er fragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Wenn ich dich so höre, weißt du nicht einmal, was in deinem eigenen Haushalt vorgeht, geschweige denn in der übrigen Familie. Ich werde dich jetzt nicht weiter ausfragen. Du bist ein freier Mann — solltest du nicht schleunigst herausfinden, wie es um die Angelegenheiten deines Vaters und deines Vetters Herrlichkeit Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾珍&amp;lt;/ref&amp;gt; steht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann war voller Bitterkeit, hielt die Tränen zurück, antwortete mit einem &amp;quot;Ja&amp;quot; und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann seufzte immer wieder und dachte bei sich: &amp;quot;Mein Großvater hat sich treu und rastlos für den Staat eingesetzt und große Verdienste erworben, wodurch unsere Familie zwei erbliche Ämter erhielt. Nun haben beide Häuser Verfehlungen begangen, und beide Titel wurden eingezogen. Ich sehe unter all diesen Söhnen und Neffen keinen einzigen, der etwas taugt. Oh Himmel, oh Himmel! Wie konnte es mit der Familie Kaufmann nur so weit kommen! Zwar bin ich durch die außerordentliche Gnade Seiner Majestät begünstigt worden und man hat mir das Familienvermögen zurückgegeben, doch die Ausgaben beider Häuser müssen nun von einem zusammengelegt werden. Wie soll ich das allein stemmen? Was Kette vorhin sagte, hat mich noch mehr erschreckt: Nicht nur ist die Schatzkammer leer, es gibt sogar Schulden! Die ganze Pracht dieser Jahre war nur leerer Schein. Ich kann mir nur selbst Vorwürfe machen, wie konnte ich nur so blind sein! Hätte mein Zhu noch gelebt, hätte ich wenigstens einen starken Arm an meiner Seite. Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; ist zwar herangewachsen, aber er ist ein völlig nutzloser Mensch.&amp;quot; Bei diesem Gedanken konnte er die Tränen nicht zurückhalten, die ihm über die Kleider liefen. Dann dachte er weiter: &amp;quot;Die Herzoginmutter ist so hochbetagt, und wir Söhne haben sie keinen einzigen Tag pflegen können. Im Gegenteil, wir haben der alten Dame solchen Schrecken eingejagt, dass sie halb tot war. All diese Sünden — wem kann ich sie anlasten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er allein vor sich hin trauerte, meldeten die Diener: &amp;quot;Verschiedene Verwandte und Freunde sind gekommen, um ihre Aufwartung zu machen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann dankte einem nach dem anderen. Er sagte: &amp;quot;Unsere Familie ist vom Unglück getroffen. Es ist meine Schuld, dass ich die Söhne und Neffen nicht richtig erzogen habe, und so ist es zu all dem gekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige sagten: &amp;quot;Ich wusste schon lange, dass der ältere Herr Begnadigung nicht recht handelte, und drüben der junge Herrlichkeit Kaufmann war noch schlimmer mit seinem übermütigen Treiben. Wenn es nur um Fehler bei Amtsgeschäften gegangen wäre, hätte man sich nichts vorzuwerfen. Aber dass sie es selbst verschuldet haben und nun den Herrn Aufrecht mit hineinziehen — das ist wirklich bedauerlich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere meinten: &amp;quot;Solche Dinge kommen in vielen Familien vor, und trotzdem wird nicht jeder vom Zensor angeklagt. Hätte der junge Herrlichkeit Kaufmann seine Freunde nicht verärgert, wäre es nicht so weit gekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder andere sagten: &amp;quot;Man kann auch dem Zensor keinen Vorwurf machen. Wir haben gehört, dass es Diener aus eurem Haushalt und einige Bauernkerle waren, die draußen den Lärm gemacht haben. Der Zensor fürchtete, seine Anklage könnte unbegründet sein, und hat deshalb Leute von hier hergelockt, die dann alles ausgeplaudert haben. Ich dachte immer, eure Familie behandele ihre Diener besonders großzügig. Warum kam es trotzdem zu solchen Dingen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch andere sagten: &amp;quot;Im Grunde kann man keinem Diener trauen. Heute sind wir unter guten Freunden, deshalb wage ich es zu sagen: Selbst Ihr als Beamter in der Provinz — ich kann bezeugen, dass Ihr selbst nicht bestechlich seid. Aber Euer Ruf draußen ist trotzdem nicht gut, und das liegt alles an Euren Dienern. Ihr solltet besser auf der Hut sein. Auch wenn man Euch diesmal das Familienvermögen gelassen hat — wenn Seine Majestät einmal Verdacht schöpft, wird es übel für Euch ausgehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Aufrecht Kaufmann das hörte, wurde er unruhig und fragte: &amp;quot;Was habt ihr denn über meinen Ruf gehört?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen antworteten: &amp;quot;Wir haben zwar keine Beweise gesehen, aber man hört draußen sagen, dass auf Eurem Posten als Getreide-Intendant Eure Pförtner Geld von den Leuten verlangt hätten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Das kann ich vor dem Himmel bezeugen: Niemals habe ich auch nur einen solchen Gedanken gehabt. Aber wenn die Diener draußen Unheil treiben und angeben, dann bin ich es, der dafür geradestehen muss.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen sagten: &amp;quot;Jetzt Angst zu haben nützt auch nichts mehr. Am besten lasst Ihr die derzeitigen Verwalter streng überprüfen. Wenn sich Diener finden, die ihrem Herrn widersetzt haben, solltet Ihr sie streng bestrafen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann nickte. Da kam ein Pförtner herein und meldete: &amp;quot;Der Schwiegersohn Sun hat jemanden geschickt, um zu sagen, dass er selbst zu beschäftigt sei, um zu kommen, aber jemanden zum Nachschauen geschickt habe. Er sagt, der ältere Herr Begnadigung schulde ihm eine Summe Silber, und die wolle er nun vom Herrn Aufrecht einfordern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann war innerlich bedrückt und sagte nur: &amp;quot;Ich habe es zur Kenntnis genommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gäste sagten alle mit einem kalten Lachen: &amp;quot;Man sagt ja, der Schwiegersohn Sun Shaozuo sei ein Schandkerl, und so ist es tatsächlich. Jetzt, wo dem Schwiegervater alles genommen wurde, kommt er nicht nur nicht, um nach ihm zu sehen und ihm zu helfen, sondern fordert auch noch hastig Geld ein. Das ist wirklich unverschämt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Reden wir jetzt nicht von ihm. Diese Verbindung war von Anfang an eine Fehlentscheidung meines Bruders. Meine Nichte hat schon genug gelitten, und jetzt kommt er auch noch zu mir.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie so sprachen, kam Xue Ke herein und sagte: &amp;quot;Ich habe erfahren, dass der Vorsitzende Zhao vom Kaiserlichen Garde-Gericht unbedingt nach dem Antrag des Zensors verfahren will. Ich fürchte, der ältere Herr Begnadigung und der junge Herrlichkeit Kaufmann werden das nicht durchstehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle sagten: &amp;quot;Herr Aufrecht, Ihr solltet den Fürsten um Intervention bitten. Wenn man das nicht irgendwie abwendet, sind die beiden Familien erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte seine Hilfe zu und dankte. Die Gäste gingen alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war inzwischen Abend geworden. Aufrecht Kaufmann ging hinein, um der Herzoginmutter einen guten Abend zu wünschen, und fand sie etwas besser. Er kehrte in seine eigenen Gemächer zurück und machte Kette Kaufmann und seiner Frau Vorwürfe, dass sie nicht wüssten, was sich gehört. Dass nun die Sache mit den Wucherkrediten herausgekommen war, brachte der ganzen Familie Schande. Er war innerlich sehr aufgebracht. Doch da Phönixglanz schwer krank war und ihr gesamter Besitz beschlagnahmt worden war, konnte sie das natürlich nur bedrücken. Er konnte es ihr im Augenblick nicht vorwerfen und schwieg vorerst. Die Nacht verlief ohne weitere Vorkommnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen ging Aufrecht Kaufmann in den Palast, um sich für die kaiserliche Gnade zu bedanken. Dann fuhr er zum Palast des Fürsten von Beijing und zum Palast des Fürsten von Xiping, um sich dort zu bedanken, und bat die beiden Fürsten, sich um seinen Bruder und seinen Neffen zu kümmern. Beide Fürsten sagten ihre Hilfe zu. Aufrecht Kaufmann sprach auch bei befreundeten Amtskollegen vor, um deren Fürsprache zu erbitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen hatte Kette Kaufmann erfahren, dass die Angelegenheiten seines Vaters und seines Vetters nicht gut standen. Er wusste keinen Rat und kehrte nach Hause zurück. Friedchen &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 平儿&amp;lt;/ref&amp;gt; saß weinend bei Phönixglanz, während Qiutong im Nebenzimmer über Phönixglanz schimpfte. Kette Kaufmann ging an ihr Bett und sah Phönixglanz im Todeskampf liegen. So viele Vorwürfe er auch haben mochte, in diesem Augenblick konnte er kein Wort herausbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte weinend: &amp;quot;Was geschehen ist, ist geschehen. Was weg ist, kommt nicht wieder. Aber die Herrin ist in diesem Zustand — wir sollten doch wenigstens noch einmal einen Arzt rufen!&amp;quot; Kette Kaufmann spuckte verächtlich aus: &amp;quot;Pah! Ob ich selber überlebe, weiß ich noch nicht, und da soll ich mich noch um sie kümmern?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hörte das, öffnete die Augen und blickte ihn an. Obwohl sie kein Wort sagte, liefen ihr die Tränen über die Wangen. Als sie sah, dass Kette Kaufmann hinausging, sagte sie zu Friedchen: &amp;quot;Du solltest nicht so weltfremd sein. Wo wir jetzt stehen, was kümmerst du dich noch um mich? Am liebsten würde ich heute noch sterben. Wenn du nur ein wenig Mitgefühl für mich hast und nach meinem Tod die kleine Pfiffigmädchen &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 巧姐&amp;lt;/ref&amp;gt; großziehst, werde ich dir selbst aus dem Totenreich dankbar sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen weinte nur noch heftiger. Phönixglanz sagte: &amp;quot;Du bist nicht dumm. Obwohl sie es mir nicht ins Gesicht sagen, geben sie mir bestimmt die Schuld. Die Sache hat zwar draußen angefangen, aber hätte ich nicht Geld verliehen, hätte ich damit nichts zu tun gehabt. Nun waren all meine Pläne und Ränke umsonst. Mein ganzes Leben habe ich gekämpft, um an der Spitze zu stehen, und am Ende bin ich allen hintendran. Und dann habe ich noch dunkel gehört, dass Herrlichkeit Kaufmann angeklagt wird, sich die Ehefrau eines ehrlichen Bürgers als Nebenfrau genommen zu haben und sie in den Tod getrieben zu haben, als sie sich weigerte. Da soll ein gewisser Zhang verwickelt sein. Überlege einmal, wer das sonst sein könnte. Wenn diese Sache vor Gericht kommt, wird unser Zweiter Herr nicht davon freikommen. Wie soll ich dann jemals wieder jemandem ins Gesicht blicken? Am liebsten würde ich sofort sterben, aber ich bringe es nicht über mich, Gift zu schlucken oder Gold zu trinken. Wenn du jetzt einen Arzt rufst, ist das nicht Fürsorge, sondern du schadest mir damit!&amp;quot; Friedchen hörte zu und wurde immer verzweifelter. Da die Lage wirklich aussichtslos war und sie fürchtete, Phönixglanz könnte sich etwas antun, wich sie nicht mehr von ihrer Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glücklicherweise wusste die Herzoginmutter nichts von den Einzelheiten. Da sie sich in den letzten Tagen etwas besser fühlte und Aufrecht Kaufmann nichts zugestoßen war und Schatzjade und Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr täglich zur Seite standen und sie keinen Moment allein ließen, war sie etwas beruhigt. Da sie Phönixglanz von jeher am meisten liebte, rief sie Mandarinenente: &amp;quot;Nimm etwas von meinen persönlichen Dingen und bringe es Phönixglanz. Und gib Friedchen auch etwas Silbergeld und sage ihr, sie solle sich gut um Phönixglanz kümmern. Ich werde später alles weitere anordnen.&amp;quot; Ferner wies sie Frau König an, sich um die Frau Strafe &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 邢夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; zu kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit war das Stillfriede-Anwesen bereits in Staatsbesitz übergegangen. Sämtlicher Besitz, Grundstücke und Dienerschaft waren registriert und eingezogen worden. Die Herzoginmutter ließ eine Kutsche schicken, um Dame Sonders mit ihrer Schwiegertochter herüberzuholen. Das einst so stolze Stillfriede-Anwesen — es waren nur noch die beiden Frauen übrig geblieben, dazu Peifeng und Xieluan, ohne einen einzigen Diener. Die Herzoginmutter wies ihnen ein Haus neben Bedauerfrühlings Wohnung zu, stellte vier ältere Dienerinnen und zwei junge Mägde zu ihrer Bedienung ab. Mahlzeiten und täglicher Bedarf wurden aus der großen Küche geliefert. Kleidung und sonstige Dinge schickte die Herzoginmutter ebenfalls. Für kleinere Ausgaben wurde ein Budget aus der Haupt-Kassenstelle bewilligt, berechnet nach dem monatlichen Satz jedes Mitglieds des Prunkwille-Anwesens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann und Rong Kaufmann waren im Gefängnis der Kaiserlichen Garde, und für ihren Unterhalt dort konnte die Kassenstelle tatsächlich nichts aufbringen. Phönixglanz besaß inzwischen nichts mehr, und Kette Kaufmann war von Schulden erdrückt. Aufrecht Kaufmann verstand nichts von Haushaltsangelegenheiten und sagte nur: &amp;quot;Ich habe bereits Fürsprecher beauftragt, man wird sich schon kümmern.&amp;quot; Kette Kaufmann wusste keinen Rat. Er dachte an die Verwandten: Die Familie der Tante Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛姨妈&amp;lt;/ref&amp;gt; war bereits ruiniert, Onkel König Ziteng war tot. Die übrigen Verwandten gab es zwar, aber keiner konnte helfen. So musste er heimlich jemanden aufs Land schicken, um einige Ländereien für ein paar tausend Goldstücke zu verkaufen, damit die Gefängniskosten gedeckt werden konnten. Bei diesem Treiben sahen die Diener, dass die Herrschaft am Ende war, und trieben selbst ihr Unwesen. Auch die Pachteinnahmen vom Ostgut wurden unter allerlei Vorwänden angezapft. Doch davon wird später erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sah, wie die erblichen Titel der Ahnen eingezogen worden waren, wie ihre Söhne und Enkel im Gefängnis saßen und verhört wurden. Die Frau Strafe und Dame Sonders weinten Tag und Nacht, und Phönixglanz lag im Sterben. Zwar waren Schatzjade und Schatzspange an ihrer Seite, doch die konnten sie nur trösten, nicht aber ihre Sorgen teilen. Tag und Nacht fand sie keine Ruhe, grübelte vor und zurück, und die Tränen trockneten nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Abends schickte sie Schatzjade fort. Sie richtete sich mühsam auf und befahl Mandarinenente, in allen Buddhahallen Weihrauch anzuzünden. In ihrem eigenen Hof ließ sie eine große Weihrauchschale aufstellen, stützte sich auf ihren Stock und ging hinaus in den Hof. Hupo wusste, dass die Herzoginmutter Buddha anbeten wollte, und legte ein großes, scharlachrotes Filzkissen zum Knien aus. Die Herzoginmutter steckte Räucherstäbchen an, kniete nieder, machte zahllose Verbeugungen, betete eine Weile zu Buddha und sprach dann unter Tränen zum Himmel und zur Erde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Erhabener Himmel und barmherziger Buddha, hört mich an! Ich, Shi aus dem Hause Kaufmann, bete in aufrichtiger Demut und flehe um die Barmherzigkeit des Buddha. Seit Generationen hat unsere Familie niemals Gewalt geübt oder andere tyrannisiert. Ich habe meinem Mann geholfen und meine Söhne unterstützt, und wenn ich auch nicht immer Gutes tun konnte, so habe ich doch nie Böses getan. Es muss an der jüngeren Generation liegen, die in Hochmut und Verschwendung, in Ausschweifung und Vergeudung lebte, bis schließlich das ganze Haus durchsucht und beschlagnahmt wurde. Nun sitzen Söhne und Enkel im Gefängnis, und es steht schlimm um sie. All dies geschieht wegen meiner Sünden allein, weil ich die Jüngeren nicht erzogen habe. So ist es dahin gekommen. Ich flehe den erhabenen Himmel an, uns zu beschützen: Mögen die Gefangenen dem Unheil entkommen und in Glück gewandelt werden; mögen die Kranken bald genesen. Alle Sünden der Familie will ich allein auf mich nehmen; ich bitte um Gnade für Söhne und Enkel. Wenn der erhabene Himmel meine aufrichtige Demut erhört, so gewähre mir einen baldigen Tod und verschone meine Nachkommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie in ihrer stillen Andacht diese Worte sprach, konnte sie die Tränen nicht mehr halten und begann bitterlich zu schluchzen. Mandarinenente und Zhenzhu versuchten sie zu trösten und führten sie behutsam in ihr Gemach zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kamen Frau König, Schatzjade und Schatzspange herein, um der Herzoginmutter eine gute Nacht zu wünschen. Als sie die Herzoginmutter so in Trauer sahen, brachen auch sie drei in lautes Weinen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange trug noch eine weitere Last der Trauer: Ihr Bruder saß draußen im Gefängnis und stand vor der Hinrichtung, und ob sein Urteil gemildert werden konnte, war ungewiss. Die Schwiegereltern waren zwar nicht in Gefahr, doch der Niedergang der Familie war offensichtlich. Schatzjade war immer noch halb verrückt und ohne jeden Ehrgeiz. Wenn sie an ihr weiteres Leben dachte, weinte sie noch bitterer als die Herzoginmutter und Frau König.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Schatzjade hatte, als er Schatzspange so sah, seinen eigenen Kummer. Er dachte: &amp;quot;Die Herzoginmutter ist alt und findet keine Ruhe. Vater und Mutter sind bei diesem Anblick untröstlich. Die Schwestern sind wie Wolken zerstreut, von Tag zu Tag werden es weniger. Wenn ich an die fröhlichen Tage im Garten denke, als wir Gedichte schrieben und Dichterversammlungen abhielten — was für ein fröhliches Treiben war das! Seit Schwester Dai-yü gestorben ist, bin ich in tiefer Schwermut versunken. Nun habe ich zwar Schwester Schatzspange an meiner Seite, und so kann ich nicht ständig weinen. Zudem sorgt sie sich selbst um ihren Bruder und ihre Mutter und zeigt nur selten ein Lächeln. Und heute, da ich sie so untröstlich sehe, bricht mir das Herz noch mehr.&amp;quot; Und er begann laut zu schluchzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente, Farbwölkchen, Yinger, Dufthauch &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 袭人&amp;lt;/ref&amp;gt; schauten zu, und jede hatte ihre eigenen traurigen Gedanken; auch sie begannen schluchzend zu weinen. Die übrigen Mägde wurden von dem Anblick ergriffen und weinten ebenfalls. Niemand tröstete mehr, und aus dem ganzen Raum drang Wehklagen zum Himmel empor. Die Nachtwächterinnen draußen erschraken und meldeten es eilig Aufrecht Kaufmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann grübelte gerade in seinem Arbeitszimmer, als die Nachricht von den Leuten der Herzoginmutter kam. Voller Sorge sprang er auf und eilte in die inneren Gemächer. Schon von Weitem hörte er viele weinende Stimmen und fürchtete, der Herzoginmutter sei etwas Schlimmes zugestoßen. Halb von Sinnen vor Angst stürzte er hinein, doch als er sah, dass sie aufrecht saß und nur weinte, fiel ihm ein Stein vom Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sagte: &amp;quot;Wenn die Herzoginmutter traurig ist, solltet ihr sie trösten! Wie könnt ihr alle zusammen losweinen?&amp;quot; Daraufhin hörten alle hastig auf und starrten sich gegenseitig verdutzt an. Aufrecht Kaufmann trat vor, um die alte Dame zu beruhigen, und sagte auch den anderen ein paar Worte. Alle dachten bei sich: &amp;quot;Wir wollten doch die Herzoginmutter aufmuntern und trösten. Wie konnten wir uns nur so vergessen und das Weinen noch schlimmer machen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch ganz durcheinander waren, führte eine alte Dienerin zwei Frauen aus dem Haushalt der Familie Shi herein. Nachdem sie der Herzoginmutter ihren Respekt erwiesen und alle Anwesenden begrüßt hatten, sagten sie: &amp;quot;Unser Herr, unsere Herrin und unser Fräulein haben uns geschickt, um zu sagen: Sie haben von den Ereignissen in Ihrem Hause gehört — es ist wirklich keine große Sache, nur ein vorübergehender Schreck. Sie fürchten, die Herzoginmutter, der Herr und die gnädige Frau könnten sich Sorgen machen, und lassen ausrichten, dass der Herr Aufrecht außer Gefahr ist. Unser Fräulein wollte selbst kommen, aber da ihre Hochzeit in wenigen Tagen bevorsteht, kann sie leider nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fand es etwas unbeholfen, sich bei Dienerinnen zu bedanken, und sagte: &amp;quot;Richtet meinen Gruß aus, wenn ihr zurückkehrt. Es ist das Schicksal unserer Familie, dass es so kommen musste. Wir sind ihrem Herrn und ihrer Herrin für die Anteilnahme sehr dankbar. An einem anderen Tag werde ich persönlich meinen Dank aussprechen. Euer Fräulein heiratet — der Bräutigam braucht sicher nicht extra vorgestellt zu werden. Wie steht es um seine familiären Verhältnisse?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Frauen antworteten: &amp;quot;Die Familie ist nicht besonders wohlhabend, aber der junge Herr ist sehr gut aussehend und von freundlichem Wesen. Wir haben ihn mehrmals gesehen, und er ähnelt fast eurem Herrn Schatzjade. Man hört auch, dass sein literarisches Talent vortrefflich sei.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hörte das mit Freude und sagte: &amp;quot;Wenn es so ist, dann ist das wunderbar, das ist das Glück eurer Fräulein. Nur halten wir in unserer Familie noch an den Sitten des Südens fest, deshalb haben wir den Bräutigam noch nicht gesehen. Neulich musste ich an meine eigene Familie denken. Ich habe die junge Xiangfluss-Wolke immer am meisten geliebt. Von den dreihundertsechzig Tagen im Jahr hat sie früher mehr als zweihundert bei mir verbracht. So ist sie bei mir aufgewachsen, und ich wollte ihr eigentlich selbst einen guten Ehemann suchen. Aber da ihr Onkel nicht zu Hause war, konnte ich die Sache nicht in die Hand nehmen. Nun, da das Glück ihr einen guten Bräutigam beschert hat, bin ich beruhigt. Sie heiratet noch in diesem Monat, und ich hatte vorgehabt, dabei ein Glas Hochzeitswein zu trinken. Doch nun, mit all dem Ärger bei uns, ist mein Herz wie ein kochender Kessel — wie könnte ich da zu einer Hochzeit gehen? Richtet bei eurer Rückkehr meine besten Grüße aus und sagt: Alle bei uns lassen grüßen. Und richtet eurem Fräulein aus, sie solle sich meinetwegen keine Sorgen machen. Ich bin über achtzig — selbst wenn ich sterbe, kann man nicht sagen, ich hätte kein gesegnetes Leben gehabt. Ich wünsche mir nur, dass sie nach der Hochzeit mit ihrem Mann in Eintracht und Frieden hundert Jahre alt werden. Dann kann ich beruhigt sterben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesen Worten kamen ihr unwillkürlich die Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau sagte: &amp;quot;Die gnädige Herrin möge sich nicht grämen. Wenn das Fräulein verheiratet ist und nach dem Neunten Tag zurückkehrt, wird sie gewiss mit ihrem Gemahl kommen, um der Herzoginmutter ihren Respekt zu erweisen. Dann wird sich die gnädige Herrin freuen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter nickte. Die Frauen gingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die anderen nicht weiter darauf achteten, hatte allein Schatzjade zugehört und war in Gedanken versunken. Er dachte bei sich: &amp;quot;Warum müssen Mädchen, wenn sie erwachsen werden, unbedingt verheiratet werden? Kaum sind sie verheiratet, werden sie zu einem ganz anderen Menschen. Schwester Xiangfluss-Wolke, so ein Mensch, und ihr Onkel hat sie einfach in eine Ehe gedrängt. Wenn sie mich in Zukunft sieht, wird sie sich bestimmt nicht mehr um mich kümmern. Wenn man so weit ist, dass sich niemand mehr um einen kümmert, wozu dann noch leben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesem Gedanken überkam ihn erneut der Kummer. Da die Herzoginmutter sich gerade erst beruhigt hatte, wagte er nicht zu weinen und saß nur stumm und bedrückt da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile kam Aufrecht Kaufmann noch einmal herein, um nach der Herzoginmutter zu sehen. Es ging ihr etwas besser, und er ging wieder hinaus. Er ließ den Verwalter Lai Da rufen und trug ihm auf, das vollständige Personalregister aller verantwortlichen Familiendiener zu bringen. Er ging alles durch. Abgesehen von den unter Begnadigung Kaufmann eingezogenen Personen waren noch über dreißig Familien aufgeführt, zusammen zweihundertzwölf Personen beiderlei Geschlechts. Aufrecht Kaufmann ließ die einundvierzig männlichen Diener, die derzeit im Dienst standen, vortreten und befragte sie zu den jährlichen Ein- und Ausgaben des Haushalts. Der Hauptverwalter legte die Kontobücher der letzten Zeit vor. Als Aufrecht Kaufmann hineinschaute, sah er, dass die Ausgaben die Einnahmen bei weitem überstiegen. Zudem kamen über Jahre hinweg Kosten für den kaiserlichen Palast hinzu, und in den Büchern fanden sich zahlreiche von außen aufgenommene Schulden. Dann prüfte er die Pachteinnahmen aus den Ländereien in der östlichen Provinz: In den letzten Jahren betrugen sie nicht einmal die Hälfte von dem, was zu Großvaters Zeiten hereinkam, während die Ausgaben um das Zehnfache gestiegen waren. Aufrecht Kaufmann war entsetzt und stampfte wütend mit dem Fuß auf: &amp;quot;Das ist ja ungeheuerlich! Ich dachte, Kette führe den Haushalt und habe alles im Griff. Nun erfahre ich, dass wir schon seit Jahren weit über unsere Verhältnisse leben und nur den schönen Schein wahren. Die erblichen Titel und Besoldungen hat man für nebensächlich gehalten — wie hätte das nicht zum Ruin führen sollen? Wenn ich jetzt anfange zu sparen, ist es längst zu spät.&amp;quot; Damit ging er mit den Händen auf dem Rücken auf und ab und fand keinen Ausweg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diener wussten, dass Aufrecht Kaufmann nichts von der Haushaltsführung verstand und sich vergeblich sorgte. Sie sagten: &amp;quot;Der Herr braucht sich nicht so aufzuregen. Allen Familien geht es so. Wenn man alles zusammenrechnet, haben selbst die Fürstenhäuser nicht genug. Man wahrt eben den Anschein und wurstelt sich durch. Immerhin hat der Herr durch die kaiserliche Gnade wenigstens dieses bisschen Familienvermögen behalten dürfen. Wenn alles eingezogen worden wäre, würde der Herr doch trotzdem weiterleben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann fuhr sie zornig an: &amp;quot;Redet keinen Unsinn! Ihr Knechte seid die gewissenlosesten Kreaturen: Wenn es eurem Herrn gut ging, habt ihr nach Belieben herumgewirtschaftet. Wenn alles aufgebraucht ist, lauft ihr einer nach dem anderen davon. Kümmert ihr euch, ob euer Herr lebt oder stirbt? Ihr sagt, es sei nicht alles beschlagnahmt worden — aber wisst ihr denn: Draußen steht unser Ruf so schlecht, dass wir nicht einmal das Grundkapital retten können. Und ihr prahlt noch draußen herum, gebt an und betrügt die Leute? Wenn dann Ärger kommt, schiebt ihr alles auf den Herrn. Was die Sache des älteren Herrn Begnadigung und des Herrn Juwel betrifft — es heißt, ein Familiendiener namens Bao Er hat den Lärm gemacht. Ich sehe aber in diesem Register keinen Bao Er. Wie ist das zu erklären?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diener antworteten: &amp;quot;Dieser Bao Er steht nicht in unserer Personalliste. Früher war er im Register des Stillfriede-Anwesens geführt. Weil der Zweite Herr ihn für verlässlich hielt, hat er ihn mitsamt seiner Frau herübergeholt. Nachdem seine Frau gestorben war, ging er zurück ins Stillfriede-Anwesen. Als der Herr damals mit seinen Amtsgeschäften beschäftigt war und die Herzoginmutter, die gnädigen Frauen und die jungen Herren zum Mausoleum gereist waren, übernahm der Herrlichkeit Kaufmann die Haushaltsaufsicht und holte Bao Er mit herüber. Danach ging der auch wieder. Der Herr hat sich seit Jahren nicht um solche Angelegenheiten gekümmert und kann davon natürlich nichts wissen. Der Herr denkt vielleicht, dass nur die Personen im Register existieren. In Wirklichkeit hat aber jeder seine eigenen Verwandten — sogar Diener haben wieder Diener.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann rief: &amp;quot;Unerhört!&amp;quot; Er sah ein, dass sich das alles nicht auf die Schnelle klären ließ, und schickte die Diener fort. Er hatte sich bereits fest vorgenommen, zunächst den Ausgang der Verfahren gegen Begnadigung Kaufmann und die anderen abzuwarten und dann zu entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages saß er in seinem Arbeitszimmer und rechnete, als ein Bote hereingestürzt kam und rief: &amp;quot;Der Herr wird gebeten, sofort zum Inneren Hof zu kommen, man wünscht ihn zu befragen!&amp;quot; Aufrecht Kaufmann erschrak zutiefst und machte sich auf den Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob Glück oder Unglück, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Root</name></author>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 105</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_100|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;100&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_101|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;101&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_102|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;102&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_103|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;103&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_104|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;104&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;105&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_106|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;106&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_107|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;107&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_108|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;108&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_109|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;109&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_110|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;110&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百五回锦衣府（实指刑部）番役突至荣国府，由西平郡王传旨查抄贾赦财产，但锦衣府赵堂官指挥番役连贾政也一并查抄。等到北静郡王再传圣旨不可查抄贾政财产时，已经来不及了，贾琏、王熙凤的财产已被查抄一空，故称“音信迟”。​ / Kapitel 105 =&lt;br /&gt;
== 讼宜和，婚再议——讼：争斗，争吵，矛盾。 婚再议：第二次说亲或商议婚事。 这两句隐寓第一百十八回至一百二十回贾环、王仁因恨王熙凤，乘贾政、贾琏不在家的空当，阴谋将巧姐儿卖与外藩王爷作妾，阴谋败露未果，贾政、贾琏饶恕了贾环，故说“讼宜和”；刘老老救巧姐儿至乡下，并作媒将巧姐儿许配与本村周财主之子为妻，故说“婚再议”。​ ==&lt;br /&gt;
===  ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 105 =&lt;br /&gt;
== Die Kaiserliche Garde durchsucht den Ning-Herzogspalast ==&lt;br /&gt;
== Der Zensor auf dem Apfelschimmel klagt den Präfekten von Ping'an an ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾政&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade ein Bankett gab, als plötzlich Lai Da hastig in die Ehrenglücks-Halle gelaufen kam und Aufrecht Kaufmann meldete: &amp;quot;Der Amtsvorsteher Zhao von der Kaiserlichen Garde ist mit mehreren Beamten eingetroffen und sagt, er komme zu einem Besuch. Euer Diener wollte seine Visitenkarte holen, doch Herr Zhao sagte: 'Wir sind die besten Freunde, das ist nicht nötig.' Er ist bereits aus der Kutsche gestiegen und hereinspaziert. Der Herr und die jungen Herren mögen ihm bitte schnell entgegengehen.&amp;quot; Als Aufrecht Kaufmann dies hörte, dachte er bei sich: 'Mit dem alten Zhao habe ich keinerlei Umgang, warum kommt er ausgerechnet jetzt? Wir haben bereits Gäste, ihn dazubehalten wäre unpassend, ihn abzuweisen ebenso.' Während er noch überlegte, sagte Kette Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾琏&amp;lt;/ref&amp;gt;: &amp;quot;Onkel, geh schnell! Wenn du noch länger nachdenkst, ist er schon drinnen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch während er sprach, meldete ein Diener vom zweiten Tor: &amp;quot;Herr Zhao ist bereits durch das zweite Tor eingetreten.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann und die anderen eilten ihm in schnellen Schritten entgegen. Amtsvorsteher Zhao trug ein breites Lächeln im Gesicht, sagte aber nichts und ging geradewegs in die Halle hinauf. Hinter ihm folgten fünf oder sechs Beamte, manche davon bekannt, andere nicht, doch keiner von ihnen sprach ein Wort. Aufrecht Kaufmann und die anderen wussten nicht, was sie davon halten sollten, und konnten nur hinterhergehen und Plätze anbieten. Unter den Verwandten und Freunden erkannten einige Amtsvorsteher Zhao; sie sahen, wie er mit erhobenem Gesicht kaum jemanden beachtete und nur Aufrecht Kaufmann bei der Hand nahm, lächelnd ein paar Höflichkeitsfloskeln wechselte. Als die Anwesenden merkten, dass nichts Gutes im Anzug war, zogen sich manche in die hinteren Räume zurück, andere standen mit gesenkten Händen dabei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann wollte gerade mit aufgesetztem Lächeln ein Gespräch beginnen, als ein Diener aufgeregt hereinplatzte und meldete: &amp;quot;Der Prinz von Xiping ist eingetroffen!&amp;quot; Aufrecht Kaufmann eilte in großer Hast hinaus, um ihn zu empfangen, doch der Prinz war bereits eingetreten. Amtsvorsteher Zhao drängte sich vor, grüßte den Prinzen ehrerbietig und sagte: &amp;quot;Da der Prinz nun hier ist, sollten die mitgekommenen Beamten sogleich mit den Gardisten die vorderen und hinteren Tore bewachen lassen.&amp;quot; Die Beamten gehorchten und gingen hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann und die anderen wussten nun, dass etwas Schlimmes bevorstand, und fielen sofort auf die Knie, um den Prinzen zu empfangen. Der Prinz von Xiping stützte sie mit beiden Händen und sagte lächelnd: &amp;quot;Ohne triftigen Grund würde ich nicht zu kommen wagen. Ich bin im Auftrag des Kaisers hier, um eine Angelegenheit zu erledigen, und benötige Herrn Begnadigung zur Entgegennahme des kaiserlichen Erlasses. Da die Tafeln noch nicht abgeräumt sind und wohl Verwandte und Freunde anwesend sind, was unbequem wäre, bitte ich alle Gäste des Hauses, sich zu verabschieden. Nur die Mitglieder des eigenen Haushalts mögen bleiben und weitere Anweisungen abwarten.&amp;quot; Amtsvorsteher Zhao warf ein: &amp;quot;Der Prinz ist zwar gnädig, doch was das östliche Anwesen betrifft — der andere Prinz geht bei seinen Aufgaben sehr gründlich vor, die Tore dort dürften längst versiegelt sein.&amp;quot; Die Anwesenden begriffen, dass beide Herzogspaläste betroffen waren, und hätten sich am liebsten in Luft aufgelöst. Der Prinz lächelte und sagte: &amp;quot;Meine Herren, gehen Sie nur ruhig. Ich lasse Sie hinausbegleiten und sage den Beamten der Kaiserlichen Garde, dass es sich um Verwandte und Freunde handelt, die nicht behelligt werden sollen — lasst sie sofort passieren.&amp;quot; Als die Verwandten und Freunde dies hörten, verschwanden sie wie der Rauch, einer schneller als der andere. Nur Begnadigung Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾赦&amp;lt;/ref&amp;gt;, Aufrecht Kaufmann und ihre engsten Angehörigen blieben zurück, totenbleich im Gesicht und am ganzen Leib zitternd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf strömten unzählige Gardisten herein, besetzten alle Tore, und keiner im Haus durfte auch nur einen Schritt tun. Amtsvorsteher Zhao setzte nun eine völlig andere Miene auf, wandte sich an den Prinzen und sagte: &amp;quot;Möge der Prinz den kaiserlichen Erlass verlesen, damit wir zur Tat schreiten können.&amp;quot; Die Gardisten schoben die Ärmel hoch und machten die Arme frei, bereit zum Zugriff. Der Prinz von Xiping sprach bedächtig: &amp;quot;Ich, der Prinz, handle im kaiserlichen Auftrag und habe den Leiter der Kaiserlichen Garde, Zhao Quan, mitgebracht, um das Vermögen von Begnadigung Kaufmann zu inspizieren.&amp;quot; Als Begnadigung Kaufmann und die anderen dies hörten, warfen sie sich alle zu Boden. Der Prinz stand oben und verkündete: &amp;quot;Es ergeht folgender kaiserlicher Erlass: 'Begnadigung Kaufmann hat sich mit Provinzbeamten verschworen, seine Macht missbraucht und Schwächere drangsaliert, Unsere kaiserliche Gnade hintergangen und die Ehre seiner Ahnen besudelt. Sein erblicher Titel wird hiermit aberkannt. So befehlen Wir.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amtsvorsteher Zhao rief unablässig: &amp;quot;Nehmt Begnadigung Kaufmann fest! Alle anderen unter Bewachung!&amp;quot; Zu diesem Zeitpunkt waren Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann, Kette Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾珍&amp;lt;/ref&amp;gt;, Hibiskus Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾蓉&amp;lt;/ref&amp;gt;, Kette Kaufmann, Zhi Kaufmann und Lan Kaufmann anwesend; einzig Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte sich mit dem Vorwand einer Krankheit bei der Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; verkrochen, und Unheil Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾环&amp;lt;/ref&amp;gt; ließ sich ohnehin selten blicken — so wurden nur die Anwesenden festgesetzt. Amtsvorsteher Zhao befahl seinen Leuten: &amp;quot;Versammelt alle Beamten, nehmt die Gardisten mit und durchsucht systematisch Raum für Raum, inventarisiert und protokolliert alles.&amp;quot; Dieses eine Wort jagte Aufrecht Kaufmann und seinem ganzen Haushalt einen solchen Schrecken ein, dass sie einander nur fassungslos anstarrten; die Gardisten und Amtsdiener hingegen rieben sich freudig die Hände und wollten sich sogleich überall ans Werk machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prinz von Xiping sagte: &amp;quot;Soweit ich weiß, kochen Herr Begnadigung und Herr Aufrecht zwar unter einem Dach, aber mit getrennten Küchen. Es ist nur recht, gemäß dem Erlass das Vermögen von Herrn Begnadigung zu inspizieren. Alles Übrige soll nach Räumen versiegelt werden, bis wir dem Thron Bericht erstattet haben und weitere Anweisungen vorliegen.&amp;quot; Amtsvorsteher Zhao erhob sich und sagte: &amp;quot;Ich melde dem Prinzen: Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann haben den Besitz nie geteilt. Zudem verwaltet, wie ich höre, der Neffe Kette Kaufmann den gesamten Haushalt — da muss alles restlos durchsucht werden.&amp;quot; Der Prinz von Xiping schwieg dazu. Amtsvorsteher Zhao fuhr fort: &amp;quot;Die Quartiere von Kette Kaufmann und Begnadigung Kaufmann müssen von mir persönlich durchsucht werden.&amp;quot; Der Prinz von Xiping erwiderte: &amp;quot;Keine Eile. Lasst zuerst ins Hinterhaus Nachricht geben und die Damen sich zurückziehen, dann ist es nicht zu spät für die Durchsuchung.&amp;quot; Kaum hatte er ausgesprochen, hatten Zhaos Diener und Gardisten bereits die Hausleute des Anwesens als Führer gepackt und waren aufgeteilt in alle Richtungen zur Durchsuchung losgestürmt. Der Prinz donnerte: &amp;quot;Kein Durcheinander! Ich werde persönlich die Inspektion vornehmen!&amp;quot; Dann stand er langsam auf und ordnete an: &amp;quot;Keiner meiner Begleiter rührt sich. Alle bleiben hier stehen und warten. Wenn ich zurückkomme, werden wir gemeinsam die Gegenstände zählen und protokollieren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er noch sprach, kam ein Beamter der Kaiserlichen Garde auf den Knien und meldete: &amp;quot;Im Inneren wurden Hofgewänder und zahlreiche verbotene Gegenstände gefunden. Wir wagten nicht, sie eigenmächtig zu bewegen, und bitten den Prinzen um Anweisung.&amp;quot; Kurz darauf erschien eine weitere Gruppe und hielt den Prinzen von Xiping auf, mit der Meldung: &amp;quot;Im östlichen Seitentrakt wurden zwei Kisten mit Grundstücks- und Hausurkunden sowie eine Kiste mit Schuldscheinen beschlagnahmt — alles Wucherzinsen.&amp;quot; Der alte Zhao rief: &amp;quot;Was für eine schamlose Wucherei! Das muss alles beschlagnahmt werden! Der Prinz möge sich setzen und mich alles konfiszieren lassen, dann können wir weitersehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam der Haushofmeister des Prinzen und meldete: &amp;quot;Die Torwache hat ausrichten lassen: Seine Majestät hat eigens den Prinzen von Beijng hierher entsandt, um einen Erlass zu verkünden. Der Prinz möge ihm bitte entgegengehen.&amp;quot; Als Amtsvorsteher Zhao dies hörte, dachte er bei sich: 'So ein Pech! Ausgerechnet dieser nachsichtige Prinz. Jetzt, wo er kommt, kann ich meine Autorität erst recht nicht mehr ausspielen.' Gleichwohl ging auch er hinaus, um ihn zu empfangen. Der Prinz von Beijng war bereits in der großen Halle eingetroffen und stand nach außen gewandt. Er verkündete: &amp;quot;Es ergeht ein kaiserlicher Erlass. Zhao Quan von der Kaiserlichen Garde, höre und gehorche.&amp;quot; Er sprach: &amp;quot;Kaiserlicher Erlass: 'Die Kaiserliche Garde soll lediglich Begnadigung Kaufmann zum Verhör vorführen. Alles Weitere wird dem Prinzen von Xiping überlassen, der gemäß dem Erlass verfahren soll. So befehlen Wir.'&amp;quot; Der Prinz von Xiping nahm den Erlass entgegen und war hocherfreut. Er setzte sich mit dem Prinzen von Beijng zusammen und befahl Amtsvorsteher Zhao, Begnadigung Kaufmann zum Verhör in sein Amt zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Durchsuchungstrupps im Inneren hörten, dass der Prinz von Beijng eingetroffen war, und kamen allesamt heraus. Als sie erfuhren, dass Amtsvorsteher Zhao abgezogen war, standen sie verdutzt und lustlos herum und warteten auf Anweisungen. Der Prinz von Beijng wählte zwei zuverlässige Beamte und etwa zehn ältere Gardisten aus und wies alle übrigen hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prinz von Xiping sagte: &amp;quot;Ich habe mich gerade über den alten Zhao geärgert. Wie gut, dass der Prinz mit dem kaiserlichen Erlass gekommen ist! Sonst hätten wir hier schweren Schaden erlitten.&amp;quot; Der Prinz von Beijng erwiderte: &amp;quot;Als ich bei Hofe erfuhr, dass der Prinz den Auftrag zur Durchsuchung des Kaufmann-Anwesens erhalten hatte, war ich beruhigt und rechnete nicht damit, dass es hier zu Übergriffen kommen würde. Dass der alte Zhao sich so rücksichtslos benommen hat, war nicht vorherzusehen! Aber wo sind Herr Aufrecht und Schatzjade jetzt? Wie sieht es drinnen aus?&amp;quot; Die Beamten meldeten: &amp;quot;Aufrecht Kaufmann und die anderen werden in einem Nebenraum bewacht. Im Inneren ist bereits alles durcheinandergeworfen.&amp;quot; Der Prinz von Beijng befahl den Beamten: &amp;quot;Bringt Aufrecht Kaufmann schnell her, ich möchte ihn befragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beamten gehorchten und führten ihn herein. Aufrecht Kaufmann fiel auf die Knie und bat unter Tränen um Gnade. Der Prinz von Beijng erhob sich, nahm ihn bei der Hand und sagte: &amp;quot;Beruhigen Sie sich, Herr Aufrecht.&amp;quot; Dann teilte er ihm den kaiserlichen Erlass mit. Aufrecht Kaufmann war so dankbar, dass ihm die Tränen strömten. Er wandte sich nach Norden und dankte dem Kaiser für seine Gnade, dann trat er wieder vor und wartete auf Anweisungen. Der Prinz sagte: &amp;quot;Herr Aufrecht, als vorhin der alte Zhao noch hier war, haben die Gardisten verbotene Gegenstände und Wucherschuldscheine gemeldet — das können wir nicht einfach vertuschen. Die verbotenen Gegenstände waren ursprünglich für die Edle Gemahlin angeschafft worden; das können wir erklären, daran ist nichts Bedenkliches. Doch die Schuldscheine — da müssen wir einen Weg finden. Gehen Sie jetzt bitte mit den Beamten und legen Sie das Vermögen von Herrn Begnadigung ehrlich und vollständig vor, dann ist die Sache erledigt. Auf keinen Fall darf noch etwas verheimlicht werden, sonst laden Sie sich selbst Schuld auf.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann antwortete: &amp;quot;Das würde der Verurteilte niemals wagen. Nur ist das Erbe unseres Großvaters nie aufgeteilt worden. Jeder besitzt lediglich, was sich in seinen jeweiligen Wohnräumen befindet.&amp;quot; Die beiden Prinzen sagten: &amp;quot;Das macht nichts. Übergeben Sie einfach alles, was sich in Herrn Begnädigungss Räumen befindet.&amp;quot; Dann befahlen sie den Beamten, gemäß den Anweisungen vorzugehen und nichts willkürlich durcheinanderzuwerfen. Die Beamten gehorchten und gingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen hatten die Damen bei der Herzoginmutter ebenfalls ein Festmahl aufgetischt. Frau König &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; sagte gerade: &amp;quot;Schatzjade geht nicht hinaus zu den Gästen — pass nur auf, dass dein Vater nicht böse wird.&amp;quot; Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; ächzte trotz ihrer Krankheit: &amp;quot;Ich glaube nicht, dass Schatzjade sich vor den Leuten scheut. Er sieht, dass vorne genügend Leute die Gäste bewirten, und bleibt hier, um aufzupassen — das hat durchaus seinen Sinn. Falls der Herr bemerkt, dass hier drinnen jemand zur Aufsicht fehlt, kann die gnädige Frau Bruder Schatzjade einfach hinausschicken — wäre das nicht gut?&amp;quot; Die Herzoginmutter lachte: &amp;quot;Die Phönixglanz! Krank bis auf die Knochen, aber das spitze Mundwerk ist immer noch dasselbe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als die Stimmung heiter war, stürzten plötzlich Leute von Frau Strafe &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 邢夫人&amp;lt;/ref&amp;gt;s Seite schreiend herein: &amp;quot;Gnädige Herrin, gnädige Frauen, es ist ... es ist furchtbar! Lauter Leute mit Stiefeln und Hüten — Räuber sind gekommen! Sie wühlen in den Truhen und Kästen und nehmen alles mit!&amp;quot; Die Herzoginmutter und die anderen erstarrten. Dann kam Friedchen &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 平儿&amp;lt;/ref&amp;gt; herein, mit aufgelöstem Haar, die kleine Pfiffigmädchen &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 巧姐&amp;lt;/ref&amp;gt; an der Hand, weinend und schluchzend: &amp;quot;Es ist furchtbar! Ich aß gerade mit dem Fräulein zu Mittag, als Lai Wang hereingeführt wurde, gefesselt, und rief: 'Fräulein, schnell, benachrichtigt die gnädigen Frauen, sie sollen sich zurückziehen! Draußen kommt der Prinz, um das Haus zu durchsuchen!' Ich bin fast vor Schreck gestorben. Ich wollte noch ins Zimmer, um die wichtigsten Sachen zu holen, aber eine Gruppe Männer hat mich hinausgedrängt und weggejagt. Was man anziehen und mitnehmen muss — packt schnell zusammen!&amp;quot; Als die Damen Xing und Wang dies hörten, fuhren ihnen die Seelen aus dem Leib, und sie wussten nicht, was sie tun sollten. Phönixglanz hatte zunächst mit weit aufgerissenen Augen zugehört, warf dann den Kopf zurück und stürzte bewusstlos zu Boden. Die Herzoginmutter hatte den Bericht noch nicht zu Ende gehört, da strömten ihr bereits vor Schreck Tränen über das Gesicht, und sie brachte kein Wort mehr heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Augenblick zerrten und stießen die Leute im Zimmer einander hin und her, es ging drunter und drüber, als erneut Rufe ertönten: &amp;quot;Die Damen im Inneren sollen sich zurückziehen! Der Prinz kommt herein!&amp;quot; Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt; und Schatzjade wussten sich nicht zu helfen. Inmitten der Verwirrung, als die Mägde und alten Dienerinnen am Boden einander hin und her zerrten, kam Kette Kaufmann keuchend hereingelaufen und rief: &amp;quot;Alles ist gut, alles ist gut! Der Prinz hat uns gerettet!&amp;quot; Alle wollten ihn befragen, doch Kette Kaufmann war selbst zu aufgelöst. Zuerst sah er Phönixglanz reglos am Boden liegen und schrie weinend um Hilfe. Dann sah er, dass auch die Herzoginmutter erblasst war und kaum noch atmen konnte, und geriet noch mehr in Panik. Glücklicherweise gelang es Friedchen, Phönixglanz wachzurufen und sie von anderen stützen zu lassen. Auch die Herzoginmutter kam wieder zu sich, weinte aber so heftig, dass ihr der Atem versagte und sie benommen auf dem Ofenbett lag. Seidenweiß Pflaume &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 李纨&amp;lt;/ref&amp;gt; tröstete sie wieder und wieder. Dann fasste Kette Kaufmann sich und berichtete von der Güte der beiden Prinzen. Da er fürchtete, die Herzoginmutter und Frau Strafe könnten vor Schreck sterben, wenn sie von der Verhaftung Kaufmann Begnädigungss erführen, wagte er vorläufig nicht, es offen zu sagen. Er ging hinaus, um nach seinen eigenen Gemächern zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum durch die Tür, sah er Truhen aufgebrochen und Schränke zertrümmert, die Hälfte aller Gegenstände geraubt. Er stand da mit starrem Blick, Tränen rannen ihm über das Gesicht. Als man ihn von draußen rief, musste er hinausgehen. Er sah Aufrecht Kaufmann mit den Beamten die Gegenstände registrieren, wobei einer vorlas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Langlebigkeits-Buddhafigur aus Agarholz; eine Guanyin-Statue aus Agarholz; ein Buddhapodest; zwei Gebetsketten aus Agarholz; ein Ensemble goldener Buddhafiguren; neun vergoldete Spiegeleinfassungen; drei Buddhafiguren aus Jade; ein Ensemble von Langlebigkeitsgott und den Acht Unsterblichen aus Jade; je zwei goldene und jadene Ruyi-Zepter aus Agarholz; siebzehn antike Porzellanvasen und Räuchergefäße; vierzehn Kisten antiker Kostbarkeiten und empfindlicher Gegenstände; ein Jadebecken; zwei kleine Jadebecken; zwei Paar Jadeschalen; zwei große Glaswandschirme; zwei Ofenbett-Schirme; vier Glasteller; vier Jadeteller; zwei Achatteller; vier Teller aus blassem Gold; sechs Paar Goldschüsseln; acht Schüsseln mit Goldgravur; vierzig Goldlöffel; je sechzig große Silberschüsseln und Silberteller; vier Paar dreifach goldgefasste Elfenbeinstäbchen; zwölf vergoldete Henkelkannen; drei Paar Ausgussschüsseln; zwei Teeuntersetzer; hundertsechzig Silbertellerchen und Silberbecher; achtzehn Schwarzfuchsfelle; sechsundfünfzig Zobelfelle; je vierundvierzig Gelb- und Weißfuchsfelle; zwölf Luchsfelle; fünfundzwanzig Wolkenfuchs-Pelzrohlinge; sechsundzwanzig Seeotterfelle; drei Seehundfelle; sechs Tigerfelle; drei Buntfuchsfelle; achtundzwanzig Fischotterfelle; vierzig dunkelrote Schaffelle; dreiundsechzig schwarze Schaffelle; zwanzig Moschusratten-Pelzrohlinge; vierundzwanzig Quadrate Zwergmausfell; vier Rollen Samt; zweihundertdreiundsechzig Graumausfelle; zweiunddreißig Längen japanischer Seidensatin; dreißig Längen ausländisches Wollgewebe; dreiunddreißig Längen Sergegewebe; vierzig Längen feinstes Wollgarn; hundertdreißig Rollen Seidensatin; hundertachtzig Rollen Gaze und Seide; zweiunddreißig Rollen feiner Seidenkrepp; je zweiundzwanzig Rollen Federsatin und Federgaze; dreißig Rollen tibetisches Yakwollgewebe; achtzehn Rollen Zeremoniensatin mit Pythonmuster; dreißig Bündel verschiedenfarbiger Stoffe; hundertzweiunddreißig Pelz- und Lederkleidungsstücke; dreihundertvierzig Kleidungsstücke aus Seide mit Watte-, Zwischen- und einfacher Gaze- oder Seidenfütterung; neun Gürtelbeschläge; über fünfhundert Gegenstände aus Kupfer, Zinn und dergleichen; achtzehn Uhren; neun Audienz-Perlenketten; dreizehn Perlenketten; hundertdreiundzwanzig Schmuckstücke aus Feingold, allesamt mit vollständigem Perlen- und Edelsteinbesatz; drei Garnituren kaiserliche gelbe Satin-Armstützen und Rückenlehnen; acht Garnituren Hofgewänder; zwei Gürtel mit Jadespange; zwölf Rollen gelber Satin; siebentausend Liang Feinsilber; hundertzweiundfünfzig Liang blasses Gold; siebentausendfünfhundert Schnüre Kupfermünzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sämtliche Gebrauchsgegenstände und das kaiserlich gestiftete Anwesen des Rong-Herzogspalastes wurden einzeln aufgelistet; Grundstücksurkunden und Personalverträge der Dienerschaft wurden allesamt versiegelt und verwahrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann hatte von der Seite gelauscht. Als er bemerkte, dass nichts von seinem eigenen Besitz aufgeführt wurde, war er verwundert. Da hörte er die beiden Prinzen fragen: &amp;quot;Unter dem beschlagnahmten Vermögen befinden sich Schuldscheine, die eindeutig Wucherzinsen beinhalten. Wer ist dafür verantwortlich? Herr Aufrecht, sagen Sie die Wahrheit.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann hörte dies, kniete nieder und schlug den Kopf auf den Boden: &amp;quot;Der Verurteilte kümmerte sich wahrlich nicht um die Haushaltsführung und wusste von diesen Dingen überhaupt nichts. Fragen Sie meinen Neffen Kette Kaufmann, der wird es wissen.&amp;quot; Kette Kaufmann eilte herbei, fiel auf die Knie und sagte: &amp;quot;Da diese Kiste mit Dokumenten in meinen Gemächern beschlagnahmt wurde, wie könnte ich ihre Kenntnis leugnen? Ich flehe die Prinzen nur um Gnade an. Mein Onkel wusste wirklich nichts davon.&amp;quot; Die beiden Prinzen sprachen: &amp;quot;Euer Vater ist bereits des Verbrechens schuldig befunden worden. Dieser Fall wird zusammen verhandelt. Dass Ihr es eingesteht, ist nur recht und billig. So sei es: Kette Kaufmann wird unter Bewachung gestellt, alle Übrigen verbleiben im Hause. Herr Aufrecht, warten Sie aufmerksam den nächsten kaiserlichen Erlass ab. Wir kehren nun an den Hof zurück, um Bericht zu erstatten. Wachen bleiben hier zur Bewachung.&amp;quot; Sie bestiegen ihre Sänften und verließen das Tor. Aufrecht Kaufmann und die anderen knieten am zweiten Tor zum Abschied. Der Prinz von Beijng streckte ihm im Vorübergehen die Hand entgegen und sagte: &amp;quot;Beruhigen Sie sich.&amp;quot; In seinem Gesicht zeigte sich aufrichtige Betroffenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann kam erst jetzt wieder einigermaßen zu Sinnen, war aber immer noch wie betäubt. Lan Kaufmann sagte: &amp;quot;Großvater, bitte geh zuerst hinein und sieh nach der Herzoginmutter!&amp;quot; Als Aufrecht Kaufmann dies hörte, sprang er auf und eilte ins Innere. An jeder Tür begegneten ihm aufgelöste Dienerinnen und Mägde, die alle nicht wussten, was sie tun sollten. Ohne sich aufzuhalten, ging er geradewegs zu den Gemächern der Herzoginmutter. Dort saßen alle mit tränennassen Gesichtern — Frau König, Schatzjade und die anderen umringten die Herzoginmutter in stummer Trauer, jeder vergoss still seine Tränen. Nur Frau Strafe weinte hemmungslos. Als Aufrecht Kaufmann eintrat, riefen alle: &amp;quot;Dem Himmel sei Dank!&amp;quot; Und sie sagten der Herzoginmutter: &amp;quot;Der Herr ist wohlbehalten zurück! Bitte beruhige dich, Großmutter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter öffnete mit letzter Kraft die Augen ein wenig und sagte: &amp;quot;Mein Kind! Ich hätte nicht gedacht, dich noch einmal wiederzusehen!&amp;quot; Kaum hatte sie ausgesprochen, brach sie in lautes Schluchzen aus, und im ganzen Zimmer konnte niemand die Tränen zurückhalten. Aufrecht Kaufmann fürchtete, seine alte Mutter könnte sich krank weinen, unterdrückte seine eigenen Tränen und sagte: &amp;quot;Mutter, beruhige dich. Die Sache ist zugegebenermaßen schwerwiegend. Doch dank der himmlischen Gnade Seiner Majestät und der großen Güte der beiden Prinzen wurde uns mit äußerstem Mitgefühl begegnet. Der ältere Bruder wurde lediglich vorübergehend zum Verhör mitgenommen. Wenn die Angelegenheit geklärt ist, wird Seine Majestät weitere Gnade walten lassen. Im Haus ist jetzt nichts mehr angerührt worden.&amp;quot; Als die Herzoginmutter ihren älteren Sohn Begnadigung Kaufmann nirgends erblickte, durchfuhr sie erneut ein Stich ins Herz, und erst nach langem Zureden Aufrecht Kaufmanns beruhigte sie sich etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand wagte sich fortzubewegen. Nur Frau Strafe ging zu ihren eigenen Gemächern zurück und fand sämtliche Türen mit Papierstreifen versiegelt und verschlossen, ihre Mägde und Dienerinnen darin eingesperrt, ohne jeden Ausweg. Sie schrie vor Verzweiflung auf. Dann konnte sie nur zu Phönixglanz' Gemächern zurückkehren. Auch dort klebten Papierstreifen zu beiden Seiten der Tür, doch die Tür stand noch offen, und von drinnen war leises Schluchzen zu hören. Frau Strafe trat ein und sah Phönixglanz mit geschlossenen Augen auf dem Diwan liegen, das Gesicht aschfahl. Friedchen stand daneben und weinte still. Frau Strafe glaubte, Phönixglanz sei bereits gestorben, und begann wieder zu weinen. Friedchen kam ihr entgegen und sagte: &amp;quot;Gnädige Frau, bitte weint nicht. Wir haben die Herrin gerade herübergetragen, und sie war dem Tode nahe. Nachdem sie ein Weilchen geruht hatte, kam sie wieder zu sich und weinte ein paarmal. Jetzt hat sie sich ein wenig beruhigt. Bitte fasst auch Ihr Euch, gnädige Frau. Aber wie geht es der Herzoginmutter?&amp;quot; Frau Strafe antwortete nicht, sondern ging zurück zu den Gemächern der Herzoginmutter. Dort sah sie sich umringt von Aufrecht Kaufmanns Angehörigen. Ihr eigener Ehemann und Sohn waren verhaftet, ihre Schwiegertochter lag todkrank darnieder, ihre Tochter litt in ihrer Ehe — und nun hatte sie selbst nirgends mehr ein Zuhause. Wie hätte sie ihren Schmerz zurückhalten können? Alle trösteten sie. Seidenweiß Pflaume und die anderen ließen Räume herrichten und baten Frau Strafe, vorläufig dort zu wohnen. Frau König schickte Dienerinnen, um sie zu bedienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann saß draußen in seinem Arbeitszimmer, das Herz klopfte ihm bis zum Hals, er drehte nervös an seinem Bart und rieb sich die Hände, während er voller Unruhe auf den kaiserlichen Bescheid wartete. Da hörte er draußen die Wachsoldaten schreien: &amp;quot;Zu welchem Teil des Hauses gehörst du eigentlich? Da du hier aufgetaucht bist, tragen wir dich in unser Register ein! Fesselt ihn und bringt ihn zu den Leuten von der Kaiserlichen Garde!&amp;quot; Aufrecht Kaufmann ging hinaus und sah, dass es Jiao Da war. &amp;quot;Was verschlägt dich hierher?&amp;quot;, fragte er. Jiao Da weinte laut und stampfte auf den Boden, den Himmel als Zeugen anrufend: &amp;quot;Ich habe diese nichtsnutzigen jungen Herren immer wieder gewarnt, doch sie behandelten mich wie einen Feind! Der Herr weiß doch, was Jiao Da an der Seite des alten Herrn durchgestanden hat! Und jetzt ist es so weit gekommen! Herrlichkeit Kaufmann und der junge Herr Hibiskus sind beide von irgendeinem Prinzen in Ketten gelegt worden. Drinnen haben die Amtsdiener den Herrinnen die Haare zerzaust und sie in einen leeren Raum gesperrt. Das ganze Gesindel, Männer wie Frauen, wird zusammengepfercht wie Schweine und Hunde! Alles Inventar wurde herausgeschafft und auf die Seite geworfen, Holzmöbel in Stücke geschlagen, Porzellan zu Scherben zerdeppert. Und dann wollten sie auch noch mich fesseln! Ich bin an die neunzig Jahre alt und habe mein ganzes Leben lang nur im Auftrag des alten Herrn andere gefesselt — wann hat es das je gegeben, dass man mich fesselt? Ich sagte ihnen, ich gehöre zum Westpalast, und bin hinausgelaufen. Doch sie wollten mir nicht glauben und zerrten mich hierher. Und nun muss ich sehen, dass es hier genauso schlimm steht. Mein Leben ist mir nichts mehr wert — dann will ich lieber gegen sie kämpfen!&amp;quot; Bei diesen Worten rannte er mit der Stirn gegen die Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Amtsdiener sahen sein hohes Alter und wagten aus Respekt vor den Anordnungen der beiden Prinzen nicht, Gewalt anzuwenden. Sie sagten: &amp;quot;Beruhige dich, alter Mann. Wir führen einen kaiserlichen Befehl aus. Ruh dich erst einmal aus und warte ab, was Seine Majestät anordnet.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte zwar nichts, doch was der alte Mann berichtet hatte, traf ihn wie ein Messer ins Herz. 'Es ist aus, es ist aus!', sagte er schließlich zu sich selbst. 'Ich hätte nie gedacht, dass wir so vollständig zugrunde gehen würden!'&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er in größter Unruhe auf Nachrichten vom Hof wartete, kam plötzlich Xue Ke atemlos hereingelaufen und rief: &amp;quot;Endlich bin ich drin! Wo ist der Herr Schwiegervater?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Du kommst gerade recht. Aber wie haben sie dich hereingelassen?&amp;quot; Xue Ke antwortete: &amp;quot;Ich habe wieder und wieder gebettelt und ihnen Geld versprochen, erst dann ließen sie mich passieren.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann erzählte ihm von der Hausdurchsuchung und bat ihn, Erkundigungen einzuziehen: &amp;quot;Mit unseren anderen Verwandten und Freunden können wir in dieser kritischen Lage unmöglich Nachrichten austauschen, das wäre zu gefährlich. Du bist der Einzige, der für uns Informationen beschaffen kann.&amp;quot; Xue Ke erwiderte: &amp;quot;Was hier geschieht, hätte ich nicht erwartet. Aber die Sache mit dem östlichen Palast habe ich bereits gehört.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann fragte: &amp;quot;Was genau wird ihnen vorgeworfen?&amp;quot; Xue Ke antwortete: &amp;quot;Ich war heute wegen der Urteilsverkündung meines Bruders beim Strafministerium und erfuhr dort, dass zwei Zensoren Anklage erhoben haben. Gerüchteweise hat der ältere Vetter Juwel Söhne aus vornehmen Familien zum Glücksspiel verleitet — das ist die geringere Anklage. Schwerer wiegt der Vorwurf, er habe die Ehefrau eines einfachen Bürgers gewaltsam zur Nebenfrau genommen, und als sie sich weigerte, habe er sie durch Gewalt in den Tod getrieben. Um die Anklage zu stützen, hat der Zensor unseren Diener Bao Er verhaften lassen und außerdem einen gewissen Herrn Zhang als Zeugen herbeigeholt. Selbst dem Obersten Zensorat drohen Schwierigkeiten, weil dieser Herr Zhang seine Klage schon früher dort eingereicht hatte.&amp;quot; Noch bevor Xue Ke zu Ende gesprochen hatte, stampfte Aufrecht Kaufmann mit dem Fuß auf: &amp;quot;Wie weit ist es gekommen! Es ist aus, es ist aus!&amp;quot; Er seufzte tief, und die Tränen strömten ihm über die Wangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke sprach ihm ein paar tröstende Worte zu und ging dann wieder hinaus, um Neuigkeiten in Erfahrung zu bringen. Nach einem halben Tag kehrte er zurück und berichtete: &amp;quot;Es steht schlecht! Ich habe beim Strafministerium nachgefragt, aber nichts über den Bericht der beiden Prinzen an den Thron erfahren. Nur habe ich gehört, dass der Zensor Li heute Morgen eine weitere Anklage eingereicht hat: Der Präfekt von Ping'an habe den Hauptstadtbeamten nach dem Mund geredet, sich bei seinen Vorgesetzten eingeschmeichelt und das einfache Volk unterdrückt — gleich mehrere schwere Anklagepunkte.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann fragte erschrocken: &amp;quot;Was gehen uns anderer Leute Angelegenheiten an? Was ist denn mit unserer Sache?&amp;quot; Xue Ke sagte: &amp;quot;Wenn von Ping'an die Rede ist, sind wir unmittelbar betroffen — der angeklagte Hauptstadtbeamte ist kein anderer als der ältere Herr Begnadigung. Es geht um die Einmischung in Gerichtsverfahren — das gießt erst recht Öl ins Feuer. Selbst seine Kollegen bei Hofe ziehen sich alle zurück und wollen ihre Hände reinhalten, keiner ist bereit, uns auch nur eine Nachricht zukommen zu lassen. Ebenso die Verwandten und Freunde, die vorhin vom Bankett geflohen sind: Manche sind geradewegs nach Hause gegangen, andere haben sich irgendwo in der Nähe verkrochen, um abzuwarten. Und die entfernten Verwandten aus dem Clan reden bereits auf der Straße: 'Die Errungenschaften der Ahnen — nun ist es so weit! Mal sehen, wem die Titel und Ämter zufallen, da kann sich jeder Hoffnungen machen!'&amp;quot; Noch bevor Xue Ke zu Ende gesprochen hatte, stampfte Aufrecht Kaufmann erneut mit dem Fuß auf: &amp;quot;Das alles ist die Schuld unseres älteren Bruders, seiner grenzenlosen Dummheit! Und das Stillfriede-Anwesen hat sich ebenso unmöglich aufgeführt! Aber genug davon. Ob die Herzoginmutter und Kettes Frau noch am Leben sind, wissen wir nicht einmal. Geh und erkundige dich weiter. Ich werde nach der Herzoginmutter sehen. Sobald es Neuigkeiten gibt, lass es mich so schnell wie möglich wissen.&amp;quot; Noch während er sprach, drangen wirre Schreie aus dem Inneren: &amp;quot;Der Herzoginmutter geht es schlecht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann eilte in größter Aufregung hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sich weiter zutrug, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百四回 / Kapitel 104 =&lt;br /&gt;
== 醉金刚小鳅生大浪 ==&lt;br /&gt;
=== 痴公子馀痛触前情 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 104 =&lt;br /&gt;
== Der Betrunkene Diamant — ein kleiner Fisch wirbelt hohe Wellen auf ==&lt;br /&gt;
== Der verliebte junge Herr rührt schmerzlich an vergangene Gefühle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung knüpft dort an, wo Regendorf Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾雨村&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade den Fluss überqueren wollte, als jemand auf ihn zugerannt kam und rief: &amp;quot;Herr, der Tempel, in dem Ihr vorhin wart, steht in Flammen!&amp;quot; Regendorf wandte sich um und sah lodernde Flammen, die gen Himmel schlugen, und wirbelnde Asche, die die Sonne verdunkelte. Regendorf dachte bei sich: 'Wie seltsam! Ich bin gerade erst herausgekommen und noch nicht weit gelaufen. Woher kommt dieses Feuer? Sollte Wahrheitsverberger hier ein schlimmes Schicksal ereilt haben?' Er wollte zurückgehen, fürchtete aber, die Fähre zu verpassen; ging er jedoch nicht zurück, war sein Herz unruhig. Nach kurzem Nachdenken fragte er: &amp;quot;Hast du vorhin den alten Daoisten herauskommen sehen?&amp;quot; Der Mann antwortete: &amp;quot;Euer Diener folgte dem Herrn, bekam aber Bauchschmerzen und musste kurz austreten. Als ich mich umdrehte, sah ich das Feuer und erkannte, dass der Tempel brannte. Ich bin sofort hergeeilt, um es dem Herrn zu melden. Einen Menschen habe ich nicht herauskommen sehen.&amp;quot; Obwohl Regendorf von Zweifeln geplagt wurde, war er im Grunde ein Mann, dem Ruhm und Karriere über alles gingen, und so hatte er keine Neigung zurückzukehren. Er befahl dem Mann: &amp;quot;Warte hier, bis das Feuer erloschen ist, geh dann hinein und sieh nach, ob der alte Daoist noch da ist oder nicht, und komm sofort zurück, um mir Bericht zu erstatten.&amp;quot; Der Mann gehorchte. Regendorf überquerte den Fluss und setzte seine Inspektionsreise fort. Nach einigen Stationen fand er eine Herberge und legte sich zur Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag reiste er weiter und betrat die Hauptstadt. Zahlreiche Amtsdiener empfingen ihn, und er zog, umgeben von lautem Geschrei, durch die Straßen. In seiner Sänfte sitzend, hörte Regendorf, wie die Vorhut auf der Straße einen Streit hatte. Er fragte, was los sei. Der Wegmacher zerrte einen Mann herbei und ließ ihn vor der Sänfte niederknien. Er meldete: &amp;quot;Dieser Mann ist betrunken und hat nicht Platz gemacht. Stattdessen ist er direkt auf uns zugetorkelt. Als ich ihn anbrüllte, ließ er sich betrunken auf die Straße fallen und behauptete, ich hätte ihn geschlagen.&amp;quot; Regendorf sprach: &amp;quot;Ich bin der zuständige Beamte dieser Gegend, und ihr alle seid meine Untertanen. Wenn du weißt, dass der Herr Präfekt hier durchkommt, dir nach dem Trinken nicht aus dem Weg gehst und dann auch noch die Frechheit besitzt, Lügen zu verbreiten!&amp;quot; Der Mann erwiderte: &amp;quot;Den Wein habe ich von meinem eigenen Geld gekauft, und betrunken liege ich auf dem Boden des Kaisers. Da hat selbst der Herr Beamte nichts dreinzureden.&amp;quot; Regendorf war wütend: &amp;quot;Dieser Mensch kennt weder Gesetz noch Ordnung! Wie heißt er?&amp;quot; Der Mann antwortete: &amp;quot;Ich heiße Ni Er, der Betrunkene Diamant.&amp;quot; Regendorf wurde noch wütender und befahl: &amp;quot;Schlagt diesen Kerl! Mal sehen, ob er wirklich ein Diamant ist.&amp;quot; Seine Leute warfen Ni Er zu Boden und verabreichten ihm tüchtig Peitschenhiebe. Ni Er, vom Schmerz gequält und nun nüchtern geworden, bettelte um Gnade. Regendorf lachte laut aus seiner Sänfte: &amp;quot;Also das ist so ein Diamant! Ich will ihn vorerst nicht weiter schlagen. Nehmt ihn mit ins Amt, dort können wir ihn in aller Ruhe befragen.&amp;quot; Die Amtsdiener gehorchten, banden Ni Er fest und zerrten ihn fort. Sein Betteln nützte nichts. Regendorf erstattete im Palast Bericht und kehrte in sein Amt zurück, wobei er sich um diese Angelegenheit nicht weiter scherte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Straße verbreiteten die Schaulustigen in kleinen Gruppen die Nachricht: &amp;quot;Ni Er hat sich auf seine Körperkraft verlassen und betrunken Ärger gesucht. Heute ist er dem Herrn Kaufmann in die Hände gefallen — da wird er wohl nicht so leicht davonkommen.&amp;quot; Diese Nachricht gelangte bald zu seiner Frau und Tochter. Als Ni Er in jener Nacht tatsächlich nicht nach Hause kam, suchte seine Tochter in allen Spielhallen nach ihm. Die Spieler bestätigten die Geschichte, und seine Tochter weinte. Die Leute sagten: &amp;quot;Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Dieser Herr Kaufmann ist mit den Prunkwille-Kaufmanns verwandt. Im Prunkwille-Anwesen gibt es einen gewissen zweiten Herrn, der mit deinem Vater befreundet ist. Geh mit deiner Mutter zu ihm und bitte ihn um Fürsprache, dann wird er freigelassen.&amp;quot; Ni Ers Tochter überlegte: &amp;quot;Es stimmt, Vater hat immer gesagt, der zweite Herr Kaufmann von nebenan sei sein guter Freund. Warum sollten wir ihn nicht aufsuchen?&amp;quot; Sie eilte nach Hause, besprach sich mit ihrer Mutter, und Mutter und Tochter gingen zu Efeu Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾芸&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Efeu Kaufmann war an jenem Tag zufällig zu Hause. Als er Mutter und Tochter kommen sah, bat er sie herein und ließ Tee servieren. Die Ni-Frauen erzählten, wie Ni Er vom Herrn Präfekten Kaufmann festgenommen worden war, und baten: &amp;quot;Wir bitten den zweiten Herrn, ein gutes Wort für ihn einzulegen und ihn freizubekommen.&amp;quot; Efeu Kaufmann sagte sofort zu: &amp;quot;Das ist doch keine große Sache! Ich gehe zum Westanwesen und sage ein Wort, dann wird er freigelassen. Dieser Herr Präfekt Kaufmann verdankt seinen hohen Posten ganz dem Westanwesen. Man braucht nur jemanden hinzuschicken, und die Sache ist erledigt.&amp;quot; Die Ni-Frauen waren erfreut, gingen ins Amt und teilten Ni Er mit, er solle sich keine Sorgen machen, der zweite Herr Kaufmann habe ohne Zögern zugesagt und werde ihn durch seine Fürsprache bald freibekommen. Ni Er hörte es und freute sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch leider wagte Efeu Kaufmann, seit Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; sein Geschenk abgelehnt hatte, nicht mehr, sich dort blicken zu lassen, und kam kaum noch ins Prunkwille-Anwesen. Die Torhüter des Prunkwille-Anwesens richteten sich stets nach dem Willen der Herrschaft: Wer eingeladen war und willkommen, den ließen sie sofort ein und meldeten ihn an; wer aber bei der Herrschaft in Ungnade gefallen war — ob Verwandter oder Familienmitglied —, den meldeten sie gar nicht erst an und schickten ihn unverrichteter Dinge weg. Als Efeu Kaufmann an jenem Tag am Tor erschien und sagte: &amp;quot;Ich möchte dem zweiten Herrn Kette meine Aufwartung machen&amp;quot;, erwiderten die Torhüter: &amp;quot;Der zweite Herr ist nicht zu Hause. Wenn er zurückkommt, werden wir es ihm ausrichten.&amp;quot; Efeu Kaufmann hätte gern auch die zweite junge Herrin begrüßt, fürchtete aber, die Torhüter noch weiter zu verärgern, und musste nach Hause zurückkehren. Dort drängten ihn die Ni-Frauen wieder: &amp;quot;Der zweite Herr hat immer gesagt, im Anwesen braucht man nur ein Wort zu sagen, und kein Amt wagt zu widersprechen! Nun gehört Ihr selbst zur Familie, es ist keine große Sache, und Ihr bekommt nicht einmal diese kleine Gefälligkeit hin? Da ist unser zweiter Herr wohl umsonst!&amp;quot; Efeu Kaufmann schämte sich, sprach aber tapfer: &amp;quot;Gestern waren wir zu Hause beschäftigt und konnten niemanden hinschicken. Heute wird er bestimmt freigelassen. Was ist schon dabei?&amp;quot; Die Ni-Frauen mussten sich damit zufriedengeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Efeu Kaufmann kam in diesen Tagen nicht einmal mehr durch das Haupttor. Er versuchte es über den Hintereingang und wollte durch den Garten zu Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; gelangen, doch das Gartentor war verschlossen. Niedergeschlagen musste er unverrichteter Dinge zurückkehren. Er dachte bei sich: 'Damals hat mir Ni Er Geld geliehen, ich kaufte Moschus und Kampfer und schenkte es Phönixglanz, und daraufhin bekam ich den Auftrag, Bäume zu pflanzen. Jetzt, wo ich kein Geld zum Bestechen habe, wird mir die Tür vor der Nase zugeschlagen. Aber das ist nicht ihre eigene Leistung: Sie nimmt das Geld der Vorfahren aus der Familienkasse und verleiht es zu Wucherzinsen draußen, während wir als arme Verwandte nicht einmal einen Tael leihen können. Sie bildet sich ein, für immer reich zu bleiben, aber draußen hat sie einen sehr schlechten Ruf. Wenn ich nichts sage, mag es gut sein; aber wenn ich rede, gibt es wer weiß wie viele Mordsachen!'&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So grübelnd kam er nach Hause, wo die Ni-Frauen schon auf ihn warteten. Efeu Kaufmann wusste nicht mehr, was er sagen sollte, und behauptete: &amp;quot;Das Westanwesen hat bereits jemanden geschickt, aber der Herr Präfekt Kaufmann gibt nicht nach. Ihr müsstet besser Zhou Rui, unseren Diener, bitten — sein Verwandter Leng Zixing hätte mehr Erfolg.&amp;quot; Die Ni-Frauen sagten: &amp;quot;Wenn ein so vornehmer Herr wie Ihr nichts ausrichten kann, was soll dann ein Diener bewirken?&amp;quot; Efeu Kaufmann, in die Enge getrieben, sagte hastig: &amp;quot;Das wisst ihr nicht — heutzutage sind die Diener einflussreicher als ihre Herren!&amp;quot; Die Ni-Frauen sahen, dass nichts zu machen war, lachten bitter und sagten: &amp;quot;Da haben wir den zweiten Herrn wohl umsonst so viele Tage bemüht. Wenn unser Mann herauskommt, wird er sich bestimmt noch selbst bedanken.&amp;quot; Damit gingen sie und fanden auf anderem Wege jemanden, der Ni Er herausholte. Er hatte nur ein paar Schläge bekommen und war ansonsten nicht weiter bestraft worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ni Er kam nach Hause, und seine Frau und Tochter erzählten ihm, wie die Familie Kaufmann nicht bereit gewesen war, für ihn Fürsprache einzulegen. Ni Er trank gerade Wein und wurde wütend. Er wollte Efeu Kaufmann aufsuchen und ihm eine Lektion erteilen: &amp;quot;Dieser kleine Bastard! Undankbares Vieh! Als er nichts zu essen hatte und im Anwesen nach einer Beschäftigung suchte, habe ich, Ni Er, ihm geholfen. Jetzt, wo ich Ärger habe, kümmert er sich nicht. Na schön! Wenn ich, Ni Er, erst richtig loslege, werden beide Anwesen nicht ungeschoren davonkommen!&amp;quot; Seine Frau und Tochter versuchten ängstlich, ihn zu beruhigen: &amp;quot;Ach! Du hast wieder getrunken und redest, als gäbe es weder Himmel noch Erde! Hast du nicht gerade neulich im Rausch die ganze Sache angefangen? Die Prügel sind noch nicht verheilt, und du willst schon wieder Ärger machen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ni Er sagte: &amp;quot;Soll mich die Tracht Prügel etwa einschüchtern? Mir fehlt nur der richtige Anlass. Im Gefängnis habe ich ein paar anständige Kameraden kennengelernt. Von denen habe ich erfahren, dass es nicht nur in der Stadt viele Kaufmanns gibt, sondern auch in den Provinzen. Vor ein paar Tagen wurden sogar mehrere Diener der Familie Kaufmann ins Gefängnis gebracht. Ich sagte noch, die jüngere Generation der hiesigen Kaufmanns mitsamt ihren Dienern sei zwar schlecht, aber die Älteren seien doch anständig — wie können die denn straffällig geworden sein? Als ich mich näher erkundigte, erfuhr ich, dass es dieselbe Familie Kaufmann ist, die alle in den Provinzen leben und nach Abschluss der Untersuchung zur Bestrafung in die Hauptstadt gebracht wurden. Da war ich beruhigt. Aber dieser kleine Yun, der ist ein undankbarer Schuft! Ich brauche nur meinen Freunden zu erzählen, wie seine Familie andere schikaniert, zu Wucherzinsen verleiht und anderen Männern die Frauen wegnimmt. Wenn das an die Ohren des Hauptzensors gelangt und ein Skandal daraus wird, dann werden sie endlich erfahren, wer der Betrunkene Diamant Ni Er ist!&amp;quot; Seine Frau sagte: &amp;quot;Geh schlafen, du bist betrunken. Wem haben die denn die Frau weggenommen? So ein Unsinn! Hör auf, dummes Zeug zu reden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ni Er sagte: &amp;quot;Ihr hockt den ganzen Tag zu Hause, was wisst ihr schon von den Dingen draußen? Vorvorletztes Jahr bin ich in der Spielhalle dem kleinen Zhang begegnet. Der erzählte mir, seine Frau sei von den Kaufmanns entführt worden. Er hat mich sogar um Rat gefragt, und ich habe ihn beschwichtigt und die Sache unterdrückt. Ich weiß nicht, wo der kleine Zhang jetzt ist, seit zwei Jahren habe ich ihn nicht mehr gesehen. Wenn ich ihn treffe, werde ich, der große Ni Er, ihm einen Rat geben, der den kleinen Efeu Kaufmann fertigmacht! Dann soll er mich, den großen Ni Er, schön brav hofieren!&amp;quot; Damit ließ er sich aufs Bett fallen, murmelte noch eine Weile vor sich hin und schlief ein. Seine Frau und Tochter hielten es für Säufergeschwätz und schenkten dem keine Beachtung. Am nächsten Morgen ging Ni Er wieder in die Spielhalle. Davon wollen wir nicht weiter berichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenden wir uns nun Regendorf zu. Er kam nach Hause, ruhte sich eine Nacht aus und erzählte seiner Frau von der Begegnung mit Zhen Wahrheitsverberger auf der Reise. Seine Frau machte ihm Vorwürfe: &amp;quot;Warum bist du nicht zurückgegangen, um nachzusehen? Wenn er verbrannt ist, liegt das doch auf unserem Gewissen!&amp;quot; Dabei liefen ihr die Tränen übers Gesicht. Regendorf sagte: &amp;quot;Er ist ein Mensch jenseits der weltlichen Dinge und will nicht mit uns zusammen sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie sprachen, kam ein Bote mit der Meldung: &amp;quot;Der Mann, den der Herr beauftragt hatte, nach dem Brand im Tempel zu sehen, ist zurückgekehrt.&amp;quot; Regendorf ging gemächlich hinaus. Der Amtsdiener begrüßte ihn kniend und berichtete: &amp;quot;Euer Diener folgte dem Befehl des Herrn und ging zurück. Ohne auf das Erlöschen des Feuers zu warten, wagte ich mich durch die Flammen und schaute nach dem Daoisten. Doch wo er gesessen hatte, war alles verbrannt. Ich dachte, der Daoist müsse verbrannt sein: Die brennenden Mauern waren nach hinten eingestürzt, und von dem Daoisten war keine Spur mehr zu sehen. Nur eine Gebetsmatte und ein Trinkkürbis waren noch unversehrt. Ich suchte überall nach seiner Leiche, fand aber nicht einen einzigen Knochen. Aus Sorge, der Herr könnte mir nicht glauben, wollte ich die Matte und den Kürbis als Beweis mitbringen. Doch als ich sie anfasste, zerfielen sie augenblicklich zu Asche.&amp;quot; Regendorf verstand sofort: Wahrheitsverberger war als Unsterblicher gen Himmel gefahren. Er schickte den Diener fort und kehrte in seine Gemächer zurück, wo er seiner Frau nichts von Wahrheitsverbergers Auflösung im Feuer erzählte, aus Furcht, sie als Frau verstünde es nicht und würde nur traurig werden. Er sagte lediglich, es sei keine Spur gefunden worden; vermutlich sei er vorher entkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf ging in sein Arbeitszimmer und setzte sich nachdenklich hin, um über Wahrheitsverbergers Worte nachzusinnen. Da kam ein Diener mit der Meldung: &amp;quot;Es ist ein kaiserlicher Befehl eingetroffen, Akten zu prüfen.&amp;quot; Regendorf eilte sofort mit seiner Sänfte zum Palast. Dort hörte er jemanden beiläufig sagen: &amp;quot;Heute ist Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾政&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Getreideintendant von Jiangxi, nach einer Anklage zurückgekehrt und bittet bei Hofe um Verzeihung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf eilte ins Kabinett, begrüßte die versammelten Großminister und besichtigte den kaiserlichen Erlass bezüglich der schlecht verwalteten Küstenverteidigung. Dann suchte er sogleich Aufrecht Kaufmann auf, drückte zunächst sein Mitgefühl wegen der Anklage aus, gratulierte ihm dann aber doch und fragte, wie die Reise gewesen sei. Aufrecht Kaufmann berichtete ausführlich über die Ereignisse seit ihrer Trennung. Regendorf fragte: &amp;quot;Ist die Bittschrift um Verzeihung schon eingereicht?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann antwortete: &amp;quot;Ja, sie ist eingereicht. Nach der Mittagstafel erwarten wir die kaiserliche Entscheidung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie sprachen, kam von drinnen der Befehl, Aufrecht Kaufmann vorzulassen. Aufrecht Kaufmann eilte hinein. Die Beamten, die ihm nahestanden, warteten drinnen voller Sorge. Nach geraumer Zeit kam Aufrecht Kaufmann heraus, schweißüberströmt. Alle drängten sich um ihn und fragten: &amp;quot;Was hat der Kaiser gesagt?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann streckte die Zunge heraus: &amp;quot;Zu Tode erschrocken! Zu Tode erschrocken! Dank der Anteilnahme aller Herren ist zum Glück nichts Schlimmes geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen fragten: &amp;quot;Was genau hat der Kaiser gefragt?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann berichtete: &amp;quot;Der Kaiser fragte nach dem Fall des Waffenschmuggels in Yunnan. In der Akte stand, es sei ein Diener des früheren Großpräzeptors Jia Hua gewesen. Der Kaiser erinnerte sich an den Namen unserer Vorfahren und fragte nach. Ich warf mich sofort nieder und erklärte, der Name des Vorfahren sei Daihua. Der Kaiser lachte darüber. Dann fragte er weiter: 'Ist nicht derjenige, der erst zum Militärministerium berufen und dann zum Präfekten degradiert wurde, auch ein Kaufmann namens Hua?'&amp;quot; Regendorf, der zufällig dabeistand, erschrak zutiefst, denn sein eigentlicher Name war ja Hua. Er fragte Aufrecht Kaufmann hastig: &amp;quot;Was habt Ihr darauf geantwortet, verehrter Herr?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Ich antwortete bedächtig: 'Der frühere Großpräzeptor Jia Hua stammt aus Yunnan, der amtierende Präfekt Kaufmann stammt aus Zhejiang.' Dann fragte der Kaiser: 'Ist der Fan Kaufmann, den der Präfekt von Suzhou angeklagt hat, auch aus eurer Familie?' Ich warf mich wieder nieder und sagte: 'Ja.' Der Kaiser wurde zornig und sprach: 'Wenn man seinen Dienern erlaubt, die Frauen und Töchter unschuldiger Bürger zu rauben — ist das noch hinnehmbar?' Ich wagte kein Wort zu erwidern. Der Kaiser fragte weiter: 'In welchem Verwandtschaftsverhältnis steht Fan Kaufmann zu dir?' Ich antwortete eilig: 'Er ist ein entfernter Verwandter.' Der Kaiser schnaubte verächtlich und entließ mich. Ist das nicht eine beunruhigende Sache?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen sagten: &amp;quot;Das ist allerdings ein merkwürdiger Zufall, dass gleich zwei solche Fälle zusammentreffen!&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Die Fälle selbst sind nicht das Problem, aber dass alle den Namen Kaufmann tragen, ist ungünstig. Unsere Familie ist eben groß, über die Generationen hat sie sich überall verbreitet. Zwar ist im Moment noch nichts vorgefallen, aber wenn sich der Kaiser den Namen 'Kaufmann' einmal eingeprägt hat, ist das nicht gut.&amp;quot; Die anderen sagten: &amp;quot;Wahr ist wahr, falsch ist falsch — was gibt es da zu fürchten?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Am liebsten würde ich gar kein Amt mehr bekleiden, aber ich wage nicht, um meinen Abschied zu bitten. Wir haben in der Familie zwei erbliche Titel — daran lässt sich nichts ändern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf sagte: &amp;quot;Da der Herr jetzt wieder im Bauministerium tätig ist, dürfte es als Hauptstadtbeamter wohl ruhiger zugehen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann antwortete: &amp;quot;Ein Amt in der Hauptstadt ist zwar friedlicher, aber ich habe schließlich zwei Mal in der Provinz gedient — da ist nichts sicher.&amp;quot; Die anderen sagten: &amp;quot;Die Rechtschaffenheit des zweiten Herrn bewundern wir alle. Auch Euer älterer Bruder ist ein guter Mann. Nur bei den Neffen und der jüngeren Generation solltet Ihr strenger sein.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Ich war zu wenig zu Hause und habe die Angelegenheiten meiner Neffen kaum beaufsichtigt. Das beunruhigt mich sehr. Da die Herren das Thema ansprechen und mir wohlgesonnen sind — habt ihr vielleicht von Unregelmäßigkeiten im östlichen Anwesen bei meinem Neffen gehört?&amp;quot; Die anderen antworteten: &amp;quot;Wir haben nichts Bestimmtes gehört, nur dass einige Vizepräsidenten nicht ganz einverstanden sind und auch bei den Eunuchen im Palast etwas im Argen liegt. Es dürfte aber nichts Ernstes sein. Achtet nur darauf, dass Euer Neffe drüben in allem vorsichtig ist.&amp;quot; Nach diesen Worten verabschiedeten sich alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach kehrte Aufrecht Kaufmann nach Hause zurück. Alle Söhne und Neffen kamen ihm entgegen. Aufrecht Kaufmann erkundigte sich zuerst nach der Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dann begrüßten ihn alle Söhne und Neffen, und man betrat gemeinsam das Anwesen. Frau König &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen Damen warteten bereits in der Halle des Blühenden Glücks. Aufrecht Kaufmann besuchte zuerst die Herzoginmutter und berichtete von der Zeit der Trennung. Die Herzoginmutter fragte nach Erkundefrühling &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 探春&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aufrecht Kaufmann erzählte alles über Erkundefrühlings Verheiratung und fügte hinzu: &amp;quot;Ich musste überstürzt aufbrechen und konnte das weite Meer nicht überqueren. Ich habe sie also nicht persönlich gesehen, aber die Verwandten des Schwiegersohns berichteten, es gehe ihr ausgezeichnet. Die Schwiegereltern lassen die alte Herzoginmutter grüßen. Sie sagten, diesen Winter oder nächsten Frühling könne man sie vielleicht in die Hauptstadt versetzen — das wäre sehr erfreulich. Allerdings gibt es jetzt Unruhen an der Küste, und ich fürchte, so bald wird daraus nichts.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter war zunächst betrübt über Aufrecht Kaufmanns Degradierung und den Gedanken, dass Erkundefrühling in weiter Ferne sei, ohne Verwandte und Freunde. Doch als Aufrecht Kaufmann ihr die Amtsangelegenheiten erklärte und versicherte, dass es Erkundefrühling gut gehe, verwandelte sich ihre Trauer in Freude. Sie lächelte und entließ Aufrecht Kaufmann. Danach sahen sich die Brüder, die Neffen begrüßten ihn, und man vereinbarte, am nächsten Morgen den Ahnentempel aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann zog sich in seine Gemächer zurück. Frau König und die anderen kamen zum Empfang. Schatzjade und Kette Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾琏&amp;lt;/ref&amp;gt; begrüßten ihn gesondert. Aufrecht Kaufmann sah, dass Schatzjades Gesicht voller und gesünder war als bei seiner Abreise und dass er ruhiger wirkte — er wusste freilich nicht, dass es im Innern bei ihm wirr aussah —, und freute sich sehr, ohne an seine eigene Degradierung zu denken. Er dachte: 'Zum Glück hat die alte Herzoginmutter alles gut geregelt.' Als er sah, dass Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt; noch besonnener und reifer wirkte als zuvor und der kleine Orchidee anmutig und geistvoll war, strahlte er vor Freude. Nur Unheil war immer noch derselbe wie früher und fand nicht seine besondere Zuneigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer halben Weile fiel ihm plötzlich ein: &amp;quot;Warum fehlt heute eine Person?&amp;quot; Frau König wusste, dass er an Kajaljade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 黛玉&amp;lt;/ref&amp;gt; dachte. Da man es ihm brieflich noch nicht mitgeteilt hatte und er gerade erst angekommen und froh gestimmt war, mochte sie es ihm nicht direkt sagen und erklärte nur, sie sei krank. Schatzjade aber fühlte sich innerlich wie mit Messern zerfleischt. Da sein Vater gerade heimgekehrt war, musste er sich zusammennehmen und ihn bedienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König richtete ein Willkommensfest aus. Die Söhne und Enkel schenkten Wein ein. Phönixglanz, obwohl sie nur die Frau eines Neffen war, verwaltete den Haushalt und reichte zusammen mit Schatzspange und den anderen den Wein. Aufrecht Kaufmann ließ eine Runde kreisen und sagte dann: &amp;quot;Geht alle zur Ruhe.&amp;quot; Er befahl den Dienern, sich zurückzuziehen; am nächsten Morgen nach dem Besuch des Ahnentempels könnten sie vorgelassen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem alles geregelt war, sprach Aufrecht Kaufmann mit Frau König über die Zeit der Trennung. Alle anderen Themen wagte Frau König nicht anzusprechen. Es war Aufrecht Kaufmann selbst, der zuerst König Ziteng erwähnte; Frau König wagte nicht, ihre Trauer zu zeigen. Aufrecht Kaufmann sprach auch über den jungen Becken Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛蟠&amp;lt;/ref&amp;gt;; Frau König sagte nur, er habe es sich selbst zuzuschreiben. Bei dieser Gelegenheit teilte sie ihm auch mit, dass Kajaljade gestorben sei. Aufrecht Kaufmann erschrak zutiefst und konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Er seufzte mehrmals hintereinander. Auch Frau König konnte sich nicht mehr beherrschen und weinte. Die Zofen Farbwölkchen und die anderen zupften schnell an Frau Königs Kleid. Frau König hielt inne, man sprach wieder von erfreulicheren Dingen und ging dann zur Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen begab man sich früh zum Ahnentempel für die Zeremonie. Alle Söhne und Neffen begleiteten ihn. Aufrecht Kaufmann setzte sich in eine Kammer neben dem Tempel, ließ Herrlichkeit Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾珍&amp;lt;/ref&amp;gt; und Kette Kaufmann kommen und fragte nach den Familienangelegenheiten. Herrlichkeit Kaufmann erzählte nur, was sich erzählen ließ. Aufrecht Kaufmann sagte: &amp;quot;Ich bin gerade erst zurückgekehrt und will nicht gleich alles bis ins Einzelne nachforschen. Aber ich habe draußen gehört, dass es in deiner Familie schlechter steht als früher. Du musst in allen Dingen vorsichtiger sein. Du bist nicht mehr jung, die jungen Leute musst du besser erziehen und sie nicht draußen Leute beleidigen lassen. Auch Kette sollte sich das zu Herzen nehmen. Ich sage euch das nicht, weil ich gerade erst nach Hause gekommen bin, sondern weil mir Dinge zu Ohren gekommen sind. Ihr müsst noch vorsichtiger sein.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann und die anderen liefen rot an im Gesicht und sagten nur leise &amp;quot;Ja&amp;quot;, ohne weitere Worte zu wagen. Aufrecht Kaufmann beließ es dabei. Er kehrte ins Westanwesen zurück, die Diener machten ihren Kotau, dann ging er wieder nach innen, wo die Dienstmädchen ihre Ehrenbezeigung darbrachten. Das braucht nicht weiter ausgeführt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erzählen nur, wie Schatzjade, weil Aufrecht Kaufmann gestern nach Kajaljade gefragt und Frau König geantwortet hatte, sie sei krank, sich insgeheim grämte. Er wartete, bis Aufrecht Kaufmann ihn entließ, und auf dem ganzen Rückweg vergoss er Tränen. In seinem Zimmer sah er Schatzspange und Dufthauch &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 袭人&amp;lt;/ref&amp;gt; miteinander sprechen. Er setzte sich schweigend in den äußeren Raum und grübelte. Schatzspange ließ Dufthauch ihm Tee bringen und dachte, er fürchte sich wohl vor seinem Vater, der ihn über seine Studien ausfragen würde. So ging sie zu ihm, um ihn zu trösten. Schatzjade nutzte die Gelegenheit und sagte zu Schatzspange: &amp;quot;Geh heute Nacht schon schlafen. Ich muss meine Gedanken sammeln. Mein Gedächtnis ist noch schlechter geworden als früher — drei Worte höre ich, zwei vergesse ich. Wenn Vater das sieht, wird es übel. Geh schlafen, lass Dufthauch noch ein wenig bei mir sitzen.&amp;quot; Schatzspange hielt es nicht für ratsam, ihn zu bedrängen, nickte und stimmte zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging hinaus und flüsterte Dufthauch zu: &amp;quot;Bitte ruf mir Purpurkuckuck &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 紫鹃&amp;lt;/ref&amp;gt; her, ich muss sie etwas fragen. Aber Purpurkuckuck zieht immer ein finsteres Gesicht, wenn sie mich sieht. Du musst erst mit ihr reden und sie besänftigen, dann kann sie kommen.&amp;quot; Dufthauch sagte: &amp;quot;Du sagtest, du wolltest deine Gedanken sammeln, und ich freute mich schon. Und jetzt sammelst du dich auf diese Art? Was du sie fragen willst, kann doch bis morgen warten!&amp;quot; Schatzjade sagte: &amp;quot;Gerade heute Abend habe ich Zeit. Morgen wird mich Vater vielleicht zu irgendetwas rufen, und dann habe ich keinen Moment mehr. Liebe Schwester, bitte ruf sie her!&amp;quot; Dufthauch sagte: &amp;quot;Sie kommt nicht, wenn nicht die zweite junge Herrin nach ihr schickt.&amp;quot; Schatzjade sagte: &amp;quot;Deshalb musst du ja erst mit ihr reden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch fragte: &amp;quot;Was soll ich ihr denn sagen?&amp;quot; Schatzjade antwortete: &amp;quot;Kennst du nicht mein Herz und ihres? Es geht um Fräulein Kajaljade. Sag ihr, dass ich nicht treulos bin. Man hat mich heutzutage zum Treubrecher gemacht!&amp;quot; Er blickte zum inneren Zimmer und deutete mit dem Finger: &amp;quot;Sie ist nicht die, die ich wollte. Das haben die alte Herzoginmutter und die anderen eingefädelt. Sie haben die gesunde Schwester Kajaljade in den Tod getrieben. Selbst wenn sie sterben musste, hätte man mich zu ihr lassen sollen, damit ich mich erklären konnte. Dann hätte sie mir im Tode nichts vorgeworfen! Du hast doch selbst gehört, was die dritte Schwester Erkundefrühling erzählte: Im Sterben verfluchte und beklagte Kajaljade mich. Und Purpurkuckuck hasst mich um ihrer Herrin willen grenzenlos. Denkst du, ich sei ein gefühlloser Mensch? Denk an Heitermuster &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 晴雯&amp;lt;/ref&amp;gt; — sie war letztlich nur ein Dienstmädchen und hat mir keine großen Dienste erwiesen. Aber als sie starb, ehrlich gesagt, habe ich sogar eine Trauerode für sie geschrieben und ihr ein Opfer gebracht. Kajaljade hat es mit eigenen Augen gesehen. Und jetzt, da Kajaljade tot ist, soll sie weniger als Heitermuster gelten? Ich darf ihr nicht einmal ein Opfer darbringen? Zumal Kajaljade im Tode noch geisterhaft wirkt — wird sie mir das nicht noch mehr verübeln?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: &amp;quot;Wenn du opfern willst, dann opfere doch. Wer hindert dich daran?&amp;quot; Schatzjade sagte: &amp;quot;Seit ich wieder gesund bin, wollte ich eine Trauerode verfassen, aber mein Geist ist mir abhanden gekommen. Für jemand anderen könnte ich etwas Ungefähres hinschreiben, aber für sie — da darf nicht die geringste Nachlässigkeit sein. Deshalb will ich Purpurkuckuck befragen, um zu erfahren, was ihre Herrin im Herzen trug. Vor meiner Krankheit hätte ich das alles noch gewusst, aber seither habe ich alles vergessen. Du sagtest mir, Kajaljade sei wieder gesund gewesen — wie konnte sie dann plötzlich sterben? Als es ihr gut ging und ich sie nicht besuchte, was sagte sie da? Als ich krank war und sie nicht zu mir kam, was sagte sie da? Alle ihre Sachen habe ich herübergebracht, aber die zweite junge Herrin lässt mich nichts davon anrühren. Ich verstehe nicht, warum.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: &amp;quot;Die zweite junge Herrin fürchtet nur, du könntest traurig werden, das ist alles.&amp;quot; Schatzjade sagte: &amp;quot;Das glaube ich nicht. Wenn Kajaljade an mich dachte, warum hat sie dann vor ihrem Tod ihre Gedichtmanuskripte verbrannt und mir nichts als Andenken hinterlassen? Und die Himmelsmusik, die man bei ihrem Tod gehört haben will — dann muss sie eine Gottheit geworden oder zu den Unsterblichen aufgestiegen sein. Ich habe zwar den Sarg gesehen, aber ob sie wirklich darin lag, weiß ich nicht.&amp;quot; Dufthauch sagte: &amp;quot;Du redest immer wirrer. Wie soll denn jemand, der nicht gestorben ist, in einen Sarg gelegt werden, als wäre er tot?&amp;quot; Schatzjade sagte: &amp;quot;Nein, so meine ich es nicht! Bei Menschen, die Unsterblichkeit erlangen, gibt es zwei Wege: Entweder sie gehen leibhaftig, oder sie lassen ihren Körper zurück und ihr Geist steigt empor. Liebe Schwester, bitte ruf Purpurkuckuck her!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: &amp;quot;Lass mich erst gründlich mit ihr über dein Anliegen sprechen. Wenn sie bereit ist zu kommen, ist es gut. Wenn nicht, muss ich sie noch lange überreden; und selbst wenn sie kommt, wird sie dir nicht alles erzählen wollen. Mein Vorschlag: Warte bis morgen. Wenn die zweite junge Herrin zur Herzoginmutter geht, werde ich in Ruhe mit Purpurkuckuck sprechen. Vielleicht erfahre ich dann mehr. Sobald ich eine freie Minute habe, erzähle ich dir alles.&amp;quot; Schatzjade sagte: &amp;quot;Du hast wohl recht. Aber du weißt nicht, wie ungeduldig ich bin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie sprachen, kam Moschusmond &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 麝月&amp;lt;/ref&amp;gt; heraus und sagte: &amp;quot;Die zweite junge Herrin lässt sagen, es ist schon vier Uhr morgens. Der zweite junge Herr möge bitte hereinkommen und schlafen. Schwester Dufthauch hat sich wohl festgeredet und die Zeit vergessen.&amp;quot; Dufthauch sagte: &amp;quot;Ja, es ist wirklich Zeit zum Schlafen. Was noch zu sagen ist, kann bis morgen warten.&amp;quot; Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als hineinzugehen. An Dufthauchs Ohr flüsterte er noch: &amp;quot;Vergiss morgen auf keinen Fall!&amp;quot; Dufthauch lächelte: &amp;quot;Ich weiß!&amp;quot; Moschusmond grinste hinter vorgehaltener Hand: &amp;quot;Ihr zwei treibt wieder euer Spiel. Warum sagst du nicht einfach der zweiten jungen Herrin, dass du bei Dufthauch schlafen willst? Dann könnt ihr die ganze Nacht reden, und wir werden euch nicht stören.&amp;quot; Schatzjade winkte ab: &amp;quot;Kein Wort mehr!&amp;quot; Dufthauch schalt: &amp;quot;Du kleines Biest! Musst du immer mit der Zunge klappern? Pass auf, morgen reiße ich dir den Mund!&amp;quot; Dann wandte sie sich an Schatzjade: &amp;quot;Siehst du, was du angerichtet hast? Bis vier Uhr morgens geredet!&amp;quot; Damit geleitete sie Schatzjade ins Zimmer, und alle gingen schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jene Nacht fand Schatzjade keinen Schlaf. Am nächsten Tag dachte er immer noch an dieselbe Sache. Da kam von draußen eine Meldung: &amp;quot;Die Verwandten und Freunde wollen dem Herrn zu Ehren seiner Rückkehr eine Theateraufführung schenken. Der Herr hat wiederholt abgelehnt und gesagt: 'Es braucht kein Theater. Ich werde zu Hause einen schlichten Umtrunk vorbereiten und die Verwandten und Freunde einladen, damit wir uns in Ruhe unterhalten können.' So wurde der Übermorgen für das Festessen festgelegt, und man kommt es melden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer eingeladen war, erfährt man im nächsten Kapitel.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
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== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 103</title>
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= 第一百三回 / Kapitel 103 =&lt;br /&gt;
== 施毒计金桂自焚身 ==&lt;br /&gt;
=== 昧真禅雨村空遇旧 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 103 =&lt;br /&gt;
== Ein Giftanschlag geht fehl — Goldosmanthus &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 金桂&amp;lt;/ref&amp;gt; verbrennt sich selbst ==&lt;br /&gt;
== Wahre Zen-Erkenntnis bleibt verborgen — Regendorf begegnet vergeblich einem Alten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung greift den Faden dort auf, wo Kette Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾琏&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Frau König &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; gegangen war und ihr alles ausführlich berichtet hatte. Am nächsten Tag begab er sich ins Ministerium, erledigte die nötigen Bestechungen und kehrte dann wieder zu Frau König zurück, um ihr von den Absprachen im Personalministerium zu berichten. Frau König sagte: &amp;quot;Hast du dich auch genau erkundigt? Wenn es wirklich so ist, wird auch der Herr zufrieden sein, und die ganze Familie kann aufatmen. Dieser Provinzposten war doch ohnehin nicht das Richtige! Wäre die Sache nicht so gelaufen, hätten diese nichtsnutzigen Kerle den Herrn womöglich um sein Leben gebracht!&amp;quot; Kette Kaufmann fragte: &amp;quot;Woher weiß Tante das?&amp;quot; Frau König erwiderte: &amp;quot;Seit dein Onkel diesen Außenposten angetreten hat, hat er keinen einzigen Heller nach Hause geschickt, dafür aber etliches aus dem Haushalt mitgenommen. Schau dir nur mal die Leute an, die mit dem Herrn gegangen sind: Ihre Männer waren noch nicht lange draußen, da schmückten sich deren Nebenfrauen schon mit goldenem und silbernem Kopfputz. Haben die etwa nicht hinter dem Rücken des Herrn Geld gemacht? Dein Onkel ließ sie einfach gewähren. Wenn daraus eine Affäre entsteht, verliert er nicht nur sein eigenes Amt, sondern womöglich werden auch die Verdienste der Vorfahren ausgelöscht.&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: &amp;quot;Tante hat völlig recht. Als ich vorhin hörte, dass er angeklagt worden sei, erschrak ich furchtbar und beruhigte mich erst, als ich die Einzelheiten in Erfahrung gebracht hatte. Ich wünsche mir auch, dass der Herr ein Amt in der Hauptstadt bekommt, wo er einige Jahre in Ruhe und Frieden arbeiten kann, um seinen guten Ruf ein Leben lang zu bewahren. Wenn die alte Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; davon erfährt, wird auch sie beruhigt sein — nur sollte Tante es ihr möglichst schonend beibringen.&amp;quot; Frau König sagte: &amp;quot;Das weiß ich. Geh du nur und erkundige dich weiter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann stimmte zu und wollte sich gerade verabschieden, als eine alte Dienerin aus dem Hause der Tante Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛姨妈&amp;lt;/ref&amp;gt; völlig aufgeregt hereingestürzt kam. Sie lief direkt in Frau Königs inneres Zimmer, ohne sich überhaupt zu verbeugen, und rief: &amp;quot;Unsere Herrin schickt mich, der Tante hier Bescheid zu sagen: Bei uns zu Hause ist etwas Furchtbares passiert! Es gibt schon wieder Ärger!&amp;quot; Frau König fragte: &amp;quot;Was für Ärger denn?&amp;quot; Die Alte sagte wieder: &amp;quot;Furchtbar, furchtbar!&amp;quot; Frau König schnaubte: &amp;quot;Du dummes Ding! Wenn es so dringend ist, dann rede endlich!&amp;quot; Die Alte sagte: &amp;quot;Unser zweiter Herr ist nicht zu Hause, kein einziger Mann ist da. Bei dieser Sache — was sollen wir bloß tun? Wir bitten die gnädige Frau, ein paar Herren zu schicken, die sich der Sache annehmen.&amp;quot; Frau König verstand nicht und drängte ungeduldig: &amp;quot;Was sollen die Herren denn machen?&amp;quot; Die Alte sagte: &amp;quot;Unsere große Schwiegertochter ist tot!&amp;quot; Frau König spuckte verächtlich aus: &amp;quot;Pfui! Dieses Frauenzimmer — wenn sie tot ist, dann ist sie eben tot. Ist das etwa ein Grund für solch ein Theater?&amp;quot; Die Alte sagte: &amp;quot;Sie ist nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern bei einem wüsten Streit umgekommen. Bitte schickt schnell jemanden, der sich darum kümmert!&amp;quot; Damit wollte sie schon wieder gehen. Frau König war halb verärgert, halb amüsiert und sagte: &amp;quot;Diese alte Frau ist wirklich unmöglich! Kette, geh du lieber selbst hinüber und sieh nach — auf dieses verwirrte Geschöpf ist kein Verlass.&amp;quot; Die Alte hatte nicht gehört, dass jemand geschickt wurde, sondern nur den Satz &amp;quot;kümmert euch nicht darum&amp;quot; aufgeschnappt und lief wütend davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee wartete drüben voller Sorge, doch es kam und kam niemand. Endlich kehrte die Alte zurück. &amp;quot;Wen schickt die Tante?&amp;quot;, fragte sie. Die Alte seufzte: &amp;quot;Man sollte nie in Not geraten. Was nützen einem die besten Verwandten? Die Tante will uns nicht nur nicht helfen, sie hat mich auch noch beschimpft und dumm genannt!&amp;quot; Tante Schnee war gleichermaßen wütend und verzweifelt: &amp;quot;Wenn die Tante sich nicht kümmert — was hat denn meine Schwiegertochter gesagt?&amp;quot; Die Alte antwortete: &amp;quot;Wenn die Tante schon nicht hilft, wird sich unser Fräulein natürlich erst recht nicht darum kümmern. Ich bin gar nicht erst hingegangen.&amp;quot; Tante Schnee spuckte aus: &amp;quot;Die Tante ist eine Fremde, aber das Fräulein ist meine eigene Tochter! Wie sollte sie sich nicht kümmern?&amp;quot; Die Alte besann sich: &amp;quot;Ach ja, natürlich! Dann gehe ich noch einmal hin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie dies sagten, kam Kette Kaufmann herein, begrüßte Tante Schnee, sprach sein Beileid aus und sagte: &amp;quot;Meine Tante hat von dem Tod der jungen Schwiegertochter erfahren, aber die alte Dienerin konnte sich nicht verständlich ausdrücken, und Frau König war ganz verzweifelt. Sie hat mich hergeschickt, um Näheres zu erfahren, und ich soll hier auch bei der Abwicklung helfen. Was immer nötig ist, Tante Schnee braucht es nur zu sagen.&amp;quot; Tante Schnee, die vor Kummer geweint hatte, ohne dass Tränen kamen, sagte, als sie Kette Kaufmanns Worte hörte, schnell: &amp;quot;Wie gut, dass der zweite Herr sich die Mühe macht! Ich wusste doch, dass die Tante uns am meisten zugetan ist. Diese dumme Alte konnte sich nur nicht verständlich machen und hätte fast alles verdorben. Bitte setzt Euch, ich will Euch die Sache der Reihe nach erzählen.&amp;quot; Dann fuhr sie fort: &amp;quot;Es geht um nichts anderes, als dass meine Schwiegertochter keines natürlichen Todes gestorben ist.&amp;quot; Kette Kaufmann fragte: &amp;quot;Hatte sie sich etwa wegen der Verurteilung meines Vetters aus Verzweiflung das Leben genommen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: &amp;quot;Wenn es so wäre, wäre es noch einfach. Vor ein paar Monaten tobte sie jeden Tag barfuß und mit zerzausten Haaren wie eine Wahnsinnige herum. Als sie dann erfuhr, dass euer Vetter zum Tode verurteilt worden war, weinte sie zwar einmal bitterlich, danach aber begann sie sich wieder zu schminken und herauszuputzen. Wenn ich sie zurechtweisen wollte, gab es jedes Mal einen fürchterlichen Streit, also ließ ich sie in Ruhe. Eines Tages kam sie aus irgendeinem Grund und verlangte, dass Duftkastanie &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 香菱&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr Gesellschaft leiste. Ich sagte: 'Du hast doch Schatzkröte &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝蟾&amp;lt;/ref&amp;gt;, wozu brauchst du Duftkastanie? Außerdem kannst du sie ohnehin nicht leiden, warum willst du dir Ärger einhandeln?' Aber sie bestand darauf. Mir blieb nichts anderes übrig, als Duftkastanie in ihr Zimmer zu schicken. Die arme Duftkastanie wagte nicht, sich meiner Anweisung zu widersetzen, und ging trotz ihrer Krankheit hin. Zu meiner Überraschung behandelte Goldosmanthus sie dann sehr freundlich, worüber ich mich freute. Eure älteste Schwester aber, als sie davon erfuhr, sagte: 'Das ist bestimmt nicht gut gemeint.' Ich schenkte dem keine Beachtung. In den ersten Tagen, als Duftkastanie krank daniederlag, kochte Goldosmanthus ihr eigenhändig Suppe. Doch das Glück war Duftkastanie nicht hold: Gerade als sie ihr die Schale reichte, verbrühte sie sich die Hand, und die Schale zerschellte am Boden. Ich dachte, sie würde ihren Zorn bestimmt an Duftkastanie auslassen, aber sie wurde gar nicht böse, nahm selbst den Besen und kehrte auf, wischte den Boden mit Wasser und war weiterhin freundlich zu Duftkastanie. Gestern Abend nun ließ sie Schatzkröte wieder zwei Schalen Suppe zubereiten und sagte, sie wolle sie zusammen mit Duftkastanie trinken. Nach einer Weile hörten wir Lärm aus ihrem Zimmer, Schatzkröte schrie wild durcheinander. Dann schrie auch Duftkastanie und kam, sich an der Wand abstützend, heraus, um Hilfe zu rufen. Ich eilte hin und sah, wie meiner Schwiegertochter Blut aus Nase und Augen strömte, sie wälzte sich auf dem Boden, die Hände krallten sich in die Brust, die Füße strampelten wild — ich war zu Tode erschrocken! Man konnte sie nichts mehr fragen, sie konnte nicht mehr sprechen, und nach kurzem war sie tot. Es sah ganz so aus, als hätte sie Gift genommen. Schatzkröte kam weinend angerannt und zerrte an Duftkastanie und behauptete, sie habe die Herrin vergiftet. Aber Duftkastanie ist nicht die Art von Mensch, die so etwas tut; außerdem war sie so krank, dass sie sich kaum aufrichten konnte — wie sollte sie jemanden vergiften können? Aber Schatzkröte behauptete es steif und fest. Ach, mein guter Herr, was soll ich nur tun? Mir blieb nichts anderes übrig, als mir ein Herz zu fassen, Duftkastanie von den alten Dienerinnen fesseln zu lassen und sie Schatzkröte zu übergeben, dann sperrte ich die Zimmertür von außen ab. Zusammen mit eurer zweiten Schwester hielt ich die ganze Nacht Wache, und erst als heute Morgen die Tore des Anwesens geöffnet wurden, schickte ich die Nachricht los. Zweiter Herr, Ihr seid ein verständiger Mann — was sollen wir bloß tun?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann fragte: &amp;quot;Weiß die Familie Xia schon Bescheid?&amp;quot; Tante Schnee antwortete: &amp;quot;Erst muss die Sache aufgeklärt werden, dann können wir es melden!&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: &amp;quot;Meiner Meinung nach muss die Sache amtlich untersucht werden, sonst bekommen wir sie nicht in den Griff. Wir würden natürlich Schatzkröte verdächtigen, aber andere Leute könnten fragen: Warum sollte Schatzkröte ihre eigene Herrin vergiften? Wenn man den Verdacht auf Duftkastanie lenkt, ließe sich das schon eher begründen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie noch sprachen, kamen Dienstmädchen aus dem Prunkwille-Anwesen herein und meldeten: &amp;quot;Unsere zweite junge Herrin ist da.&amp;quot; Kette Kaufmann war zwar Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt;s Schwager, aber da sie seit der Kindheit miteinander verkehrten, wich er nicht aus. Schatzspange kam herein, begrüßte ihre Mutter und Kette Kaufmann und ging dann ins innere Zimmer, um sich zu Kostbarzither Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛宝琴&amp;lt;/ref&amp;gt; zu setzen. Tante Schnee folgte und erzählte auch ihr die ganze Geschichte. Schatzspange sagte daraufhin: &amp;quot;Wenn wir Duftkastanie fesseln, sieht es doch so aus, als würden auch wir behaupten, dass Duftkastanie die Mörderin sei! Mama sagte doch, die Suppe habe Schatzkröte gekocht — dann sollte man Schatzkröte fesseln und verhören! Gleichzeitig müssen wir die Familie Xia benachrichtigen und die Behörden einschalten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee fand das einleuchtend und fragte Kette Kaufmann um seine Meinung. Kette Kaufmann sagte: &amp;quot;Die zweite Schwester hat völlig recht. Für die Meldung an die Behörden sollte ich besser persönlich zu jemandem im Strafministerium gehen, damit bei der Leichenschau und den Verhören alles in geordneten Bahnen verläuft. Nur Schatzkröte zu fesseln und Duftkastanie freizulassen, das könnte schwierig werden.&amp;quot; Tante Schnee sagte: &amp;quot;Ich wollte Duftkastanie ja gar nicht fesseln, ich fürchtete nur, sie könnte sich in ihrer Krankheit und ihrem unverschuldeten Elend vor Verzweiflung etwas antun und wir hätten noch eine Tote zu beklagen. Deshalb habe ich sie fesseln und Schatzkröte übergeben lassen — das war eine Vorsichtsmaßnahme.&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: &amp;quot;Das mag sein, aber wir haben damit Schatzkröte in die Hände gespielt. Wenn wir jemanden freilassen, müssen wir alle freilassen; wenn wir jemanden fesseln, müssen wir alle fesseln. Die drei waren zusammen im Raum. Wir brauchen nur jemanden zu schicken, der Duftkastanie beruhigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee ließ die Tür öffnen. Schatzspange befahl den mitgebrachten Dienerinnen, Schatzkröte zu fesseln. Duftkastanie hatte sich fast zu Tode geweint. Schatzkröte dagegen war ganz selbstzufrieden; als sie sah, dass man auch sie fesseln wollte, fing sie an zu schreien. Aber gegen die Leute aus dem Prunkwille-Anwesen, die sie anfuhren, kam sie nicht an und wurde ebenfalls gefesselt. Die Tür ließ man diesmal offen, damit die beiden bewacht werden konnten. Gleichzeitig war der Bote zur Familie Xia bereits unterwegs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Familie Xia hatte ursprünglich nicht in der Hauptstadt gewohnt. Da ihre Verhältnisse in den letzten Jahren ärmlicher geworden waren und sie sich um ihre Tochter sorgten, waren sie kürzlich in die Stadt gezogen. Der Vater war bereits verstorben, nur die Mutter lebte noch. Dazu hatten sie einen adoptierten Sohn aufgenommen, einen Nichtsnutz, der das verbliebene Familienvermögen durchgebracht hatte und ständig die Familie Schnee besuchte. Goldosmanthus war eine leichtfertige Natur und konnte das leere Bett unmöglich hüten. Zudem dachte sie Tag und Nacht an Xue Ke und war so hungrig geworden, dass sie nicht mehr wählerisch war. Leider war ihr adoptierter Stiefbruder ein Dummkopf — er mochte zwar gewisse Regungen verspüren, war aber noch nicht zum Ziel gelangt. Darum ging Goldosmanthus oft nach Hause und steckte ihm auch etwas Geld zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Tagen wartete man bei den Xias gerade sehnsüchtig auf Goldosmanthus' Besuch. Als die Leute von der Familie Schnee kamen, dachte der Stiefbruder: &amp;quot;Was bringen sie uns diesmal wohl mit?&amp;quot; Doch als man ihm sagte, das Fräulein habe Gift genommen und sei tot, geriet er außer sich und fing an, wild zu toben und zu schimpfen. Goldosmanthus' Mutter brach erst recht in Geschrei und Geheul aus: &amp;quot;Meine kerngesunde Tochter, in deren Haus — warum hat sie Gift genommen?&amp;quot; Heulend und schreiend nahm sie ihren Sohn mit, wartete nicht einmal auf eine Kutsche und machte sich zu Fuß auf den Weg. Die Familie Xia stammte aus einer Kaufmannsfamilie und hatte jetzt kein Geld mehr, da kümmerte man sich wenig ums Gesicht. Der Sohn lief voraus, die Mutter folgte mit einer hinkenden alten Dienerin, verließ weinend und jammernd das Tor, mietete auf der Straße einen schäbigen Karren und fuhr geradewegs zum Haus der Familie Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum durch die Tür, sprach sie kein Wort der Begrüßung, sondern begann sogleich fürchterlich zu heulen und zu schreien. Kette Kaufmann war zum Strafministerium gegangen, um Hilfe zu holen. Zu Hause waren nur Tante Schnee, Schatzspange und Kostbarzither Schnee — die hatten so etwas noch nie erlebt und waren vor Angst ganz verstummt. Als Tante Schnee versuchte, vernünftig mit ihr zu reden, hörte die Xia gar nicht hin, sondern schrie: &amp;quot;Was hat meine Tochter in eurer Familie je Gutes erfahren? Von früh bis spät geschlagen und beschimpft, das ging so eine ganze Weile. Dann habt ihr sie nicht einmal mehr mit ihrem Mann zusammen sein lassen. Ihr habt hinter ihrem Rücken meinen Schwiegersohn ins Gefängnis gebracht! Ihr Mutter und Tochter habt euch dank eurer feinen Verwandtschaft ein schönes Leben gemacht, und meine Tochter war euch noch ein Dorn im Auge! Ihr habt sie vergiften lassen und behauptet, sie habe Gift genommen! Warum sollte sie denn Gift nehmen?&amp;quot; Damit stürzte sie direkt auf Tante Schnee los. Tante Schnee musste zurückweichen und rief: &amp;quot;Liebe Gevatterin! Schau dir doch erst einmal deine Tochter an, frag Schatzkröte, und dann kannst du immer noch böse Reden führen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange und Kostbarzither Schnee konnten nicht nach draußen kommen, um Tante Schnee zu schützen, denn draußen lauerte der Sohn der Xia-Familie. So konnten sie nur drinnen ängstlich warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Glück hatte Frau König Frau Zhou hergeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Kaum durch die Tür, sah sie eine alte Frau, die mit dem Finger auf Tante Schnees Gesicht zeigte und sie heulend beschimpfte. Frau Zhou erkannte sofort, dass es Goldosmanthus' Mutter sein musste, und trat vor: &amp;quot;Ist das die Gevatterin Xia? Die junge Herrin hat sich selbst vergiftet, was hat das mit unserer Tante Schnee zu tun? Man muss doch nicht so ausfällig werden!&amp;quot; Goldosmanthus' Mutter fragte: &amp;quot;Wer bist du denn?&amp;quot; Tante Schnee, deren Mut durch diese Unterstützung etwas gewachsen war, antwortete für sie: &amp;quot;Das ist jemand von unseren Verwandten, der Familie Kaufmann.&amp;quot; Goldosmanthus' Mutter höhnte: &amp;quot;Wer kennt nicht eure mächtigen Verwandten! Nur dank deren Macht konntet ihr meinen Schwiegersohn ins Gefängnis bringen. Und jetzt soll meine Tochter einfach so umsonst gestorben sein?&amp;quot; Damit packte sie Tante Schnee und schrie: &amp;quot;Wie habt ihr meine Tochter umgebracht? Zeigt sie mir!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Zhou versuchte zu beruhigen: &amp;quot;Geht nur hin und seht sie euch an, aber hört auf zu zerren und zu reißen!&amp;quot; Mit einer leichten Handbewegung schob sie die Xia-Frau zur Seite. Da rannte der Sohn der Familie Xia herein und empörte sich: &amp;quot;Willst du etwa meine Mutter schlagen, nur weil du von den Kaufmanns kommst?&amp;quot; Er warf einen Stuhl nach ihr, traf sie aber nicht. Die Dienerinnen, die drinnen bei Schatzspange gewesen waren, hörten den Tumult, eilten herbei und drängten sich, teils beschwichtigend, teils drohend, vor. Mutter und Sohn Xia aber ließen sich auf keine Kompromisse ein und gerieten völlig außer sich: &amp;quot;Wir kennen ja die Macht eurer Prunkwille-Familie! Unsere Tochter ist schon tot, jetzt ist uns auch alles egal!&amp;quot; Damit stürzten sie sich erneut auf Tante Schnee. Obwohl genug Leute da waren, konnte man sie nicht aufhalten. Wie das alte Sprichwort sagt: &amp;quot;Wenn einer sein Leben aufs Spiel setzt, können ihm Zehntausend nicht standhalten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade in diesem kritischen Moment kehrte Kette Kaufmann mit sieben oder acht Dienern zurück. Als er die Lage sah, ließ er den Sohn der Xia-Familie sofort hinausziehen und rief: &amp;quot;Hört auf zu toben! Wenn ihr etwas zu sagen habt, sagt es in Ruhe. Räumt hier schnell auf — die Herren vom Strafministerium kommen gleich zur Leichenschau!&amp;quot; Goldosmanthus' Mutter war mitten in ihrem Tobsuchtsanfall, als sie einen Beamten eintreten sah, dem mehrere Untergebene vorauseilten und Befehle brüllten, während die anderen mit hängenden Armen respektvoll dastanden. Die Mutter wusste nicht, wer aus der Familie Kaufmann das war; dann sah sie, wie ihr Sohn von den Leuten gepackt wurde; und als sie hörte, dass das Strafministerium zur Leichenschau kommen würde — sie hatte eigentlich vorgehabt, zuerst die Leiche zu sehen, dann ein furchtbares Spektakel zu veranstalten und danach selbst die Behörden einzuschalten — hatte sie nicht damit gerechnet, dass die Behörden bereits verständigt waren, und ihr Kampfgeist ließ deutlich nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee war vor Schreck ganz benommen. Es war Frau Zhou, die berichtete: &amp;quot;Sie sind hereingekommen und haben, ohne auch nur einen Blick auf ihre Tochter zu werfen, sofort Tante Schnee angegriffen. Als ich versuchte, sie zu beruhigen, kam ein wilder Kerl hereingerannt und schlug mitten unter den Damen um sich — hat das Gesetz denn gar keine Geltung mehr?&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: &amp;quot;Es hat jetzt keinen Sinn, mit ihnen zu vernünfteln. Später werden wir ihn unter Schlägen befragen: Was hat ein Mann bei den Damen verloren? Zumal hier lauter Fräulein und junge Frauen sind. Außerdem hätte seine Mutter doch nach der Tochter sehen können. Dass er hereingestürmt ist — sieht das nicht aus, als wollte er rauben und plündern?&amp;quot; Die Diener hielten ihn mit guten und weniger guten Worten in Schach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Zhou, durch die vielen Leute ermutigt, sagte: &amp;quot;Gevatterin Xia, Ihr versteht gar nichts von der Sache. Da Ihr schon einmal hier seid, solltet Ihr erst die Umstände klären. Eure Tochter hat sich selbst vergiftet, oder aber Schatzkröte hat ihre Herrin vergiftet. Warum klärt Ihr das nicht erst auf, ohne die Leiche auch nur angesehen zu haben, und wollt uns gleich erpressen? Meint Ihr, wir lassen eine junge Frau einfach so umsonst sterben? Schatzkröte ist gefesselt. Da Eure Tochter etwas kränklich war, hat Duftkastanie sie auf Bitten Eurer Tochter begleitet und war mit ihr in einem Zimmer. Deshalb werden beide dort bewacht. Wir warten auf Euch, damit Ihr bei der Leichenschau des Strafministeriums dabei seid und die Wahrheit ans Licht kommt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus' Mutter war nun allein und hilflos und folgte Frau Zhou in das Zimmer ihrer Tochter. Sie sah das Gesicht ganz mit schwarzem Blut bedeckt, die Tote lag steif auf dem Kang, und sie brach in lautes Weinen aus. Schatzkröte, als sie die Leute ihrer Familie kommen sah, heulte los: &amp;quot;Unsere Herrin war so gut zu Duftkastanie, ließ sie bei sich wohnen, und die hat die erstbeste Gelegenheit genutzt, um unsere Herrin zu vergiften!&amp;quot; Da riefen alle Leute der Familie Schnee wie aus einem Mund: &amp;quot;Unsinn! Die Herrin hat Suppe getrunken und ist daran gestorben — und diese Suppe, wer hat die gekocht?&amp;quot; Schatzkröte sagte: &amp;quot;Die Suppe habe ich gemacht, ich habe sie hereingebracht, aber dann musste ich etwas erledigen und ging hinaus. Bestimmt hat Duftkastanie sich aufgerafft und etwas hineingetan!&amp;quot; Goldosmanthus' Mutter wollte, bevor Schatzkröte noch zu Ende gesprochen hatte, schon auf Duftkastanie losgehen, wurde aber von allen festgehalten. Tante Schnee sagte: &amp;quot;Das sieht nach einer Arsenvergiftung aus. Solch ein Gift gibt es in unserem Haus bestimmt nicht. Ob es nun Duftkastanie war oder Schatzkröte — irgendjemand muss es für sie besorgt haben. Bei der Untersuchung wird die Wahrheit zweifellos ans Licht kommen. Jetzt legt die Leiche erst einmal ordentlich zurecht, damit die Beamten sie untersuchen können.&amp;quot; Die alten Dienerinnen richteten die Leiche her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: &amp;quot;Hier sind überall Männer. Räumt die Frauensachen zusammen und bringt sie in Ordnung!&amp;quot; Unter der Matratze auf dem Kang fand man ein zerknülltes Papierpäckchen. Goldosmanthus' Mutter sah es und hob es auf. Es war leer, und sie warf es weg. Schatzkröte aber rief: &amp;quot;Da ist der Beweis! Dieses Päckchen kenne ich: Vor ein paar Tagen waren die Ratten unerträglich, und die Herrin hat bei einem Besuch zu Hause ihren Bruder gebeten, Rattengift zu besorgen. Als sie zurückkam, legte sie es in ihr Schmuckkästchen. Bestimmt hat Duftkastanie es gesehen und damit die Herrin vergiftet. Wenn ihr mir nicht glaubt, schaut im Schmuckkästchen nach, ob es noch dort ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus' Mutter tat, was Schatzkröte sagte, und holte das Kästchen hervor. Es enthielt nur ein paar silberne Haarnadeln. Tante Schnee fragte: &amp;quot;Wo ist der ganze Schmuck geblieben?&amp;quot; Schatzspange ließ die Schränke und Truhen öffnen — alles war leer. Sie fragte: &amp;quot;Wo sind die Sachen der Schwägerin hin? Da müssen wir wohl Schatzkröte befragen.&amp;quot; Goldosmanthus' Mutter wurde innerlich unsicher, und als Tante Schnee Schatzkröte ins Verhör nahm, warf sie ein: &amp;quot;Von den Sachen meiner Tochter versteht sie doch nichts!&amp;quot; Frau Zhou sagte: &amp;quot;Gevatterin, so geht das aber nicht. Fräulein Schatzkröte war Tag und Nacht bei der jungen Herrin. Wie kann sie da nichts wissen?&amp;quot; Schatzkröte, in die Enge getrieben, musste die Wahrheit sagen: &amp;quot;Die Herrin hat die Sachen immer selbst nach Hause mitgenommen. Was konnte ich schon dagegen tun?&amp;quot; Da riefen alle: &amp;quot;Was für eine feine Gevatterin! Hinterrücks die Sachen der Tochter einheimsen, und wenn nichts mehr da ist, sie zum Selbstmord treiben und uns erpressen! Schön! Bei der Untersuchung wird das genau so dargestellt!&amp;quot; Schatzspange ließ nach draußen ausrichten, man solle dem zweiten Herrn Kette sagen, die Leute der Familie Xia dürften auf keinen Fall gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus' Mutter geriet in Panik und beschimpfte Schatzkröte: &amp;quot;Du freches Ding! Hör auf zu lügen! Wann hat meine Tochter jemals Sachen zu mir nach Hause gebracht?&amp;quot; Schatzkröte erwiderte: &amp;quot;Die Sachen sind Nebensache, aber für das Leben des Fräuleins muss jemand geradestehen.&amp;quot; Kostbarzither Schnee sagte: &amp;quot;Wenn wir die Sachen finden, finden wir auch den Schuldigen. Schnell, fragt den zweiten Herrn Kette, ob der Sohn der Xia-Familie den Arsenkauf zugibt — das brauchen wir für die Untersuchung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus' Mutter geriet in große Aufregung: &amp;quot;Diese Schatzkröte ist doch vom Teufel besessen, so einen Unsinn zu erzählen! Wann hat meine Tochter jemals Arsen gekauft? Wenn schon, dann hat Schatzkröte sie vergiftet!&amp;quot; Schatzkröte schrie empört: &amp;quot;Andere mögen mir die Schuld zuschieben, aber dass ihr mir auch noch die Schuld gebt! Habt ihr nicht immer zu eurem Fräulein gesagt, sie solle sich nicht alles gefallen lassen, die Familie Schnee zugrunde richten, dann alles zusammenpacken und sich davonmachen und einen besseren Mann suchen? Stimmt das oder nicht?&amp;quot; Bevor Goldosmanthus' Mutter antworten konnte, fiel Frau Zhou ein: &amp;quot;Von der eigenen Dienerin angezeigt! Was gibt es da noch zu leugnen?&amp;quot; Goldosmanthus' Mutter, vor Wut mit den Zähnen knirschend, schalt Schatzkröte: &amp;quot;Habe ich dich etwa schlecht behandelt? Warum verrätst du mich? Bei der Untersuchung werde ich sagen, dass du sie vergiftet hast!&amp;quot; Schatzkröte starrte sie wütend an: &amp;quot;Lasst bitte Duftkastanie frei, gnädige Frau. Es ist nicht nötig, eine Unschuldige zu quälen. Vor dem Richter werde ich schon meine Aussage machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange hatte den Kern der Sache begriffen und ließ Schatzkröte sogleich losbinden. Sie sagte: &amp;quot;Du warst immer eine aufrichtige Person. Warum solltest du dich in solche Machenschaften hineinziehen lassen? Du wirst nur darunter leiden. Wenn du etwas zu sagen hast, dann sag es uns jetzt! Sag die Wahrheit, und die Sache ist aus der Welt!&amp;quot; Schatzkröte fürchtete sich davor, bei der Untersuchung gefoltert zu werden, und gab nach: &amp;quot;Jeden Tag klagte die Herrin: 'Wie konnte mir meine blinde Mutter das nur antun, statt mich mit dem zweiten Herrn zu verheiraten, hat sie mich an diesen Nichtsnutz verkuppelt! Wenn ich auch nur einen Tag mit dem zweiten Herrn verbringen könnte, würde ich gern dafür sterben.' Und dann verfluchte sie immer Duftkastanie. Zuerst habe ich nicht darauf geachtet. Später, als ich sah, wie gut sie plötzlich zu Duftkastanie war, dachte ich, Duftkastanie habe sie irgendwie besänftigt. Ich ahnte nicht, dass die Suppe von gestern böse gemeint war!&amp;quot; Goldosmanthus' Mutter warf ein: &amp;quot;Das ergibt doch keinen Sinn! Wenn sie Duftkastanie vergiften wollte, warum hat sie sich dann selbst vergiftet?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange wandte sich an Duftkastanie: &amp;quot;Duftkastanie, hast du gestern von der Suppe getrunken?&amp;quot; Duftkastanie antwortete: &amp;quot;Vor ein paar Tagen, als ich so krank war, dass ich den Kopf nicht heben konnte, bot die Herrin mir Suppe an. Ich wagte nicht, nein zu sagen. Gerade als ich mich mühsam aufrichten wollte, hatte sie sich die Hand verbrüht, und die Schale zerschellte am Boden. Das bereitete der Herrin viel Umstände, und ich fühlte mich sehr schuldig. Gestern nun wurde mir wieder Suppe angeboten. Ich konnte nichts herunterbringen, aber ich konnte nicht anders — gerade als ich trinken wollte, wurde mir plötzlich schwindelig. Ich sah, wie Schwester Schatzkröte die Schale wegtrug, und war erleichtert. Kaum hatte ich die Augen geschlossen, kam die Herrin selbst mit der Suppe und forderte mich auf, sie zu probieren. Sie trank selbst davon und ich zwang mich, auch zwei Schlucke zu nehmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte ließ sie kaum ausreden und sagte: &amp;quot;So war es! Jetzt will ich die Wahrheit sagen. Gestern befahl mir die Herrin, zwei Schalen Suppe zu kochen, angeblich für sie und Duftkastanie zusammen. Ich ärgerte mich und dachte: 'Was bildet sich Duftkastanie ein, dass ich ihr Suppe kochen soll?' Ich gab absichtlich in eine Schale eine Extra-Portion Salz und machte ein geheimes Zeichen daran — die war für Duftkastanie gedacht. Kaum hatte ich die Suppe gebracht, da schickte mich die Herrin hinaus, ich solle die Burschen eine Kutsche bestellen lassen, sie wolle heute noch nach Hause fahren. Ich ging hinaus und erledigte den Auftrag. Als ich zurückkam, stand die versalzene Schale vor der Herrin. Ich fürchtete, sie würde das Salz schmecken und mich beschimpfen. Zum Glück ging die Herrin gerade kurz nach hinten. Als sie nicht hinsah, tauschte ich schnell die Schalen aus. Es muss wohl Schicksal gewesen sein: Als die Herrin zurückkam, nahm sie die Suppe und brachte sie an Duftkastanies Bett, forderte sie auf zu trinken, und trank selbst aus der anderen Schale. Duftkastanie schien das Salz nicht zu bemerken, und beide tranken ihre Schalen leer. Ich lachte innerlich und dachte, was für einen stumpfen Gaumen Duftkastanie haben müsse. Ich wusste nicht, dass die Herrin vorhatte, Duftkastanie zu vergiften, und das Arsen hineingestreut hatte, als ich draußen war. Und sie wusste nicht, dass ich die Schalen vertauscht hatte. Das ist wahrhaftig himmlische Gerechtigkeit — sie hat sich selbst gerichtet!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle dachten genau nach über Baoschans Schilderung, und es stimmte alles haargenau. So ließ man Duftkastanie frei und half ihr zurück ins Bett.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wollen wir nicht weiter von Duftkastanie berichten, sondern uns Goldosmanthus' Mutter zuwenden, deren Gewissen schlecht war. Sie versuchte noch, die Vorwürfe zu entkräften. Tante Schnee und die anderen warfen ihr mal dies, mal jenes vor und verlangten schließlich, dass ihr Sohn für Goldosmanthus' Tod zur Verantwortung gezogen werde. Als der Streit auf dem Höhepunkt war, rief Kette Kaufmann von draußen: &amp;quot;Genug geredet! Macht alles fertig, der Herr vom Strafministerium ist gleich da!&amp;quot; Da bekamen es nur Mutter und Sohn Xia mit der Angst zu tun. Sie sahen ein, dass sie in jedem Fall den Kürzeren ziehen würden, und baten am Ende kleinlaut Tante Schnee: &amp;quot;Tausend Fehler, zehntausend Fehler — es ist alles die Schuld meiner toten Tochter, die vom rechten Weg abgekommen ist. Das hat sie sich selbst eingebrockt. Wenn die Leichenschau des Strafministeriums stattfindet, sieht es auch für Eure Familie nicht gut aus. Bitte lasst die Sache auf sich beruhen!&amp;quot; Schatzspange sagte: &amp;quot;Das geht nicht. Es ist bereits gemeldet, wie soll man das jetzt noch zurücknehmen?&amp;quot; Frau Zhou und die anderen versuchten, einen Kompromiss zu finden: &amp;quot;Wenn die Sache beigelegt werden soll, dann müsste die Gevatterin Xia selbst den Beamten entgegentreten und um Einstellung des Verfahrens bitten. Dann würden wir keine Anschuldigungen mehr erheben.&amp;quot; Kette Kaufmann draußen hatte auch dem Sohn gedroht, und der erklärte sich bereit, den Beamten des Strafministeriums entgegenzugehen und eine schriftliche Bitte um Einstellung der Untersuchung vorzulegen. Alle stimmten zu. Tante Schnee ordnete den Kauf eines Sarges und die Bestattung an. Doch davon wollen wir nicht weiter berichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wenden wir uns Regendorf Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾雨村&amp;lt;/ref&amp;gt; zu, der zum Präfekten der Hauptstadt befördert worden war und zusätzlich die Steuerverwaltung übernahm. Eines Tages verließ er die Hauptstadt, um neu erschlossenes Ackerland zu inspizieren. Sein Weg führte ihn durch den Kreis Erkenntnis an den Strom der reißenden Furt. Als er gerade übersetzen wollte, ließ er die Sänfte am Ufer halten und wartete auf seine Gefolgsleute. Am Dorfrand bemerkte er einen kleinen Tempel mit halb eingestürzten Mauern, durch die einige alte Kiefern hervorragten — ein Bild urtümlicher Würde. Regendorf stieg aus der Sänfte und schlenderte gemächlich in den Tempel. Die Vergoldung blätterte von den Götterstatuen, die Hallen standen schief. Daneben lag eine zerbrochene Steintafel, deren verwitterte Inschrift kaum noch lesbar war. Als er zur hinteren Halle weitergehen wollte, sah er im Schatten einer Zypresse eine strohgedeckte Hütte, in der ein daoistischer Mönch mit geschlossenen Augen meditierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf trat näher und betrachtete sein Gesicht — es kam ihm eigenartig bekannt vor, als habe er den Mann schon einmal irgendwo gesehen, doch er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, wo. Seine Begleiter wollten den Daoisten anbrüllen, doch Regendorf hielt sie zurück, trat langsam vor und rief: &amp;quot;Ehrwürdiger Meister!&amp;quot; Der Daoist öffnete leicht die Augen und lächelte schwach: &amp;quot;Was führt Euch her, Herr Beamter?&amp;quot; Regendorf antwortete: &amp;quot;In amtlicher Mission unterwegs, kam ich hier vorbei. Als ich Euch, ehrwürdiger Meister, in stiller Versenkung sah und Eure tiefe Gelehrsamkeit erahnte, wagte ich, Euch um eine Belehrung zu bitten.&amp;quot; Der Daoist sprach: &amp;quot;Woher man kommt, hat seinen Grund; wohin man geht, hat seine Richtung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf erkannte an diesen Worten, dass der Mann tiefgründig war. Mit einer tiefen Verbeugung fragte er: &amp;quot;Welcher Schule gehört Ihr an, Meister? Wie heißt dieser Tempel? Wie viele leben hier? Wenn Ihr wahre Einkehr sucht — wäre da ein berühmter Berg nicht besser geeignet? Wenn Ihr gute Werke tun wollt — wäre dann nicht eine belebte Straße angemessener?&amp;quot; Der Daoist antwortete: &amp;quot;In einem Flaschenkürbis lässt sich leben — wozu eine Hütte auf berühmtem Berg? Der Tempelname ist längst vergessen, doch die zerbrochene Steintafel zeugt noch davon. Gestalt und Schatten gehen stets zusammen — wozu Almosen sammeln? Ich bin nicht jener, der 'die Jade im Kasten feilbietet und auf den rechten Käufer wartet, oder die Haarnadel im Kästchen, die auf ihre Zeit zum Fliegen harrt'.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf war stets ein aufgeweckter Geist gewesen. Beim Wort &amp;quot;Flaschenkürbis&amp;quot; und dem Paar &amp;quot;Haarnadel&amp;quot; und &amp;quot;Jade&amp;quot; erinnerte er sich sofort an den alten Zhen Wahrheitsverberger. Er betrachtete den Daoisten noch einmal genau und erkannte sein unverändertes Gesicht. Er entließ seine Begleiter und fragte vertraulich: &amp;quot;Seid Ihr nicht der alte Herr Zhen?&amp;quot; Der Daoist lächelte leise: &amp;quot;Was ist wahr? Was ist falsch? Ihr müsst verstehen: 'Wahr' ist 'falsch', und 'falsch' ist 'wahr'.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Regendorf das Wort &amp;quot;Kaufmann&amp;quot; heraushörte — denn &amp;quot;falsch&amp;quot; klang wie der Familienname Kaufmann — war er sich nun völlig sicher. Er verbeugte sich erneut und sagte: &amp;quot;Seit Ihr mir damals so großzügig den Weg in die Hauptstadt ermöglicht habt, bestand ich dank Eures Segens die Prüfung und wurde in die Nähe Eures Wohnortes berufen. Dort erfuhr ich, dass Ihr die Erleuchtung erlangt und der Welt entsagt hattet, um in die Sphäre der Unsterblichen aufzusteigen. Obwohl ich Euch sehnlichst suchte, fürchtete ich als staubbefleckter Beamter, Euer heiliges Antlitz nicht noch einmal erblicken zu dürfen. Wie glücklich bin ich, Euch hier wieder zu begegnen! Ich flehe Euch an, heiliger Meister, mich von meiner Unwissenheit zu befreien. Wenn Ihr Euch herablasst, lade ich Euch ein, mit in meine nahe Residenz zu kommen, damit ich täglich von Eurer Weisheit lernen kann.&amp;quot; Der Daoist erhob sich und erwiderte die Verbeugung: &amp;quot;Jenseits meiner Gebetsmatte weiß ich nichts von der Welt. Von dem, was Ihr soeben gesprochen habt, habe ich kein einziges Wort verstanden.&amp;quot; Damit setzte er sich wieder hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf begann wieder zu zweifeln. 'Wenn er nicht Wahrheitsverberger ist', dachte er, 'warum gleicht ihm dann Gesicht und Stimme so sehr? Neunzehn Jahre sind vergangen, und sein Aussehen ist fast unverändert. Gewiss hat er einen hohen Grad der Kultivierung erreicht und will seine frühere Identität nicht preisgeben. Doch er ist mein Wohltäter; jetzt, da ich ihn gefunden habe, darf ich die Gelegenheit nicht verpassen. Mit Reichtum kann ich ihn nicht locken, und von Frau und Tochter zu sprechen, wäre erst recht zwecklos.' Nach kurzem Nachdenken sagte er: &amp;quot;Wenn der unsterbliche Meister die Vergangenheit nicht preisgeben will — könnte er dann nicht wenigstens seinem Schüler ein Zeichen der Anerkennung geben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wollte sich gerade niederwerfen, als seine Begleiter hereinkamen und meldeten: &amp;quot;Es wird dunkel, bitte überquert schnell den Fluss!&amp;quot; Regendorf zögerte unschlüssig. Da sprach der Daoist: &amp;quot;Gelangt schnell ans andere Ufer, Euer Gnaden! Wir werden uns wiedersehen. Wartet Ihr zu lange, kommt ein Sturm auf. Wenn Ihr wirklich wiederkommt, warte ich hier an der Furt auf Euch.&amp;quot; Er schloss die Augen und versank wieder in Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Regendorf verabschiedete sich widerwillig und verließ den Tempel. Er hatte gerade das Flussufer erreicht, als er jemanden auf sich zurennen sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer diese Person war, erfährt man im nächsten Kapitel.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 102</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_97|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;97&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_98|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;98&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_99|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;99&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_100|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;100&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_101|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;101&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;102&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_103|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;103&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_104|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;104&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_105|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;105&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_106|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;106&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_107|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;107&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百二回 / Kapitel 102 =&lt;br /&gt;
== 宁国府骨肉病灾祲 ==&lt;br /&gt;
=== 大观园符水驱妖孽 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 102 =&lt;br /&gt;
Im Ning-Herzogspalast werden Familienmitglieder von Krankheit und Unheil befallen. Im Garten der Großen Anschauung werden mit Weihwasser Dämonen vertrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Frau König jemanden schickte, um Schatzspange zu rufen. Schatzspange kam eilig und begrüßte sie. Frau König sagte: „Deine dritte Schwägerin Erkundefrühling steht jetzt vor der Heirat. Als Schwägerinnen solltet ihr sie ein wenig aufmuntern und ermutigen – das ist die Zuneigung unter Schwestern. Sie ist übrigens ein verständiges Kind, und ich sehe, dass ihr euch gut versteht. Außerdem habe ich gehört, dass Schatzjade vor Kummer geweint hat, als er erfuhr, dass seine dritte Schwester heiratet. Du solltest ihm auch zureden. Ich selbst bin ständig krank und schwach, und deine zweite Schwägerin Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 (Wáng Xīfèng), wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;. Ehefrau von Kette Kaufmann, Haushälterin des Rong-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist auch mehr krank als gesund. Du hast noch den klarsten Verstand – was geregelt werden muss, da schluck nicht alles hinunter, nur um niemanden zu kränken. Die Führung des Haushalts wird in Zukunft ganz auf deinen Schultern lasten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange stimmte zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König fuhr fort: „Noch etwas: Deine zweite Schwägerin hat gestern ein Mädchen der Frau Liu mitgebracht und gesagt, es solle als Ergänzung in euren Gemächern dienen.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Heute hat Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 (Píng'ér), wörtl. „Friedliches Kind&amp;quot;. Nebenfrau und treue Gehilfin von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; sie herübergebracht und gesagt, es sei der Wunsch der Gnädigen Frau und der Zweiten Herrin.&amp;quot; Frau König sagte: „Ja, so ist es. Deine Schwägerin hat es mir vorgeschlagen, und ich dachte, es sei nicht wichtig genug, um abzulehnen. Nur eines: Ich finde, das Mädchen hat etwas im Blick, das mir nicht ganz geheuer ist. Damals musste ich wegen der Mädchen in Schatzjades Zimmer, die sich aufführten wie Füchse, einige hinauswerfen. Das weißt du sicher noch – zu der Zeit bist du erst zurück ins Elternhaus gezogen. Jetzt, wo du da bist, ist es natürlich anders als früher. Ich sage dir nur: Pass ein wenig auf. Von allen Mädchen in eurem Gemach ist nur Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 (Xírén), wörtl. „Den Menschen überraschend duftend&amp;quot;. Erste Kammerzofe von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; wirklich zu gebrauchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange stimmte zu, wechselte noch ein paar Worte und ging dann. Nach dem Essen besuchte sie Erkundefrühling und sprach ihr mit warmherzigen, tröstenden Worten Mut zu. Das braucht hier nicht im Einzelnen beschrieben zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag, kurz vor Erkundefrühlings Aufbruch, kam sie noch einmal, um sich von Schatzjade zu verabschieden. Schatzjade konnte sich natürlich nur schwer von ihr trennen. Doch Erkundefrühling sprach so überzeugend von den Pflichten und dem großen Zusammenhang der familiären Ordnung, dass Schatzjade anfangs schweigend den Kopf senkte, dann aber von Trauer zu Freude überging und eine Art Erkenntnis zu spüren schien. Beruhigt verabschiedete sich Erkundefrühling von allen, stieg in ihre Sänfte und brach auf – zu Wasser und zu Land reiste sie in die Ferne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher hatten alle Schwestern im Garten der Großen Anschauung gewohnt. Doch nach dem Tod der Edlen Gemahlin Urfrühling wurden keine Reparaturen mehr vorgenommen. Nach Schatzjades Hochzeit und Kajaljades Tod war Xiang-Flusswolke Geschichte fortgezogen, und Kostbarzither Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Kostbarzither Schnee: Chin. 薛宝琴 (Xuē Bǎoqín), wörtl. „Kostbare Zither&amp;quot;. Jüngere Cousine von Schatzspange.&amp;lt;/ref&amp;gt; lebte wieder zu Hause. Es waren nur noch wenige Menschen im Garten, und bei der kalten Witterung waren Seidenweiß Pflaume&amp;lt;ref&amp;gt;Seidenweiß Pflaume: Chin. 李纨 (Lǐ Wán). Witwe von Zhu Kaufmann, Mutter von Orchidee Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Erkundefrühling, Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 (Xīchūn), wörtl. „Den Frühling bewahren&amp;quot;. Vierte Tochter der Familie Kaufmann, aus dem Ning-Palast.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen alle in ihre alten Wohnungen zurückgekehrt. An Fest- und Feiertagen verabredeten sie sich zwar noch zum gemeinsamen Vergnügen, doch seit Erkundefrühlings Abschied und Schatzjades Krankheit fehlte es gänzlich an heiterer Gesellschaft. Der Garten lag verlassen da; nur noch ein paar Familien von Gartenwächtern wohnten dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages kam die Schwägerin Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Schwägerin Sonders: Chin. 尤氏 (Yóu Shì). Ehefrau von Herrlichkeit Kaufmann aus dem Ning-Palast.&amp;lt;/ref&amp;gt; herüber, um Erkundefrühling zu verabschieden. Da es spät wurde und sie sich das Anspannen der Kutsche ersparen wollte, ging sie durch jene Verbindungstür, die vor zwei Jahren zwischen den Gärten der beiden Paläste geöffnet worden war. Überall bot sich ein trostloser Anblick: Die Terrassen und Pavillons standen noch, aber die Mauern waren ringsum zu Gemüsegärten umgewandelt worden. Ihr Herz wurde schwer, als hätte sie etwas verloren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Hause angekommen, begann sie Fieber zu bekommen. Sie quälte sich noch ein, zwei Tage, dann lag sie flach. Tagsüber war das Fieber erträglich, doch nachts brannte der Körper vor Hitze, und sie phantasierte in einem fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 (Jiǎ Zhēn). Herr des Ning-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; ließ sofort einen Arzt kommen. Der diagnostizierte eine Erkältung, die sich auf den Fuß-Yangming-Magenmeridian geschlagen habe, weshalb sie im Delirium liege, als sähe sie Dinge. Sobald der Stuhlgang komme, werde sie sich bessern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch nach zwei Dosen Medizin war keine Besserung eingetreten, im Gegenteil – sie begann im Fieberwahn herumzuschlagen. Herrlichkeit Kaufmann wurde besorgt und sagte zu Hibiskus Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Hibiskus Kaufmann: Chin. 贾蓉 (Jiǎ Róng). Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Erkundige dich nach einem guten Arzt, wir brauchen weitere Meinungen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann erwiderte: „Der Arzt von neulich ist der angesehenste, den es gibt. Ich fürchte, Mutters Krankheit lässt sich nicht mit Medizin heilen.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann schimpfte: „Unsinn! Wenn man keine Medizin gibt, soll man es laufen lassen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann sagte: „Ich sage ja nicht, wir sollten nicht behandeln. Nur – Mutter ging neulich durch den Garten zum Westpalast und bekam sofort nach ihrer Rückkehr Fieber. Vielleicht ist sie einem Geist begegnet? Draußen gibt es einen gewissen Halbweisen Mao, einen Südchinesen, dessen Orakel sehr treffsicher sein sollen. Warum bitten wir ihn nicht, ein Hexagramm zu stellen? Wenn er etwas findet, richten wir uns danach. Wenn nicht, holen wir einen anderen guten Arzt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann stimmte zu und ließ den Mann sofort kommen. Im Arbeitszimmer trank der Wahrsager Tee und fragte: „Wofür soll ich das Orakel befragen?&amp;quot; Hibiskus Kaufmann sagte: „Meine Mutter ist krank. Ich bitte um ein Hexagramm.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Halbweise Mao sagte: „Dann wäscht Eure Hände mit reinem Wasser, stellt einen Weihrauchaltar auf, und ich werde ein Hexagramm aufstellen.&amp;quot; Bald war alles bereitgestellt. Er zog den Orakelbecher hervor, trat vor den Altar, verneigte sich ehrfürchtig, schüttelte den Becher und murmelte eine Beschwörungsformel. Dann warf er die Münzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem alle sechs Linien bestimmt waren, setzte er sich und erklärte: „Dies ist das Hexagramm ‚Noch nicht vollendet'. Das Weltzeichen ist die dritte Linie – Mittagsfeuer, Bruder, Räuber des Reichtums: ein Unglücksomen steht fest. Für die Mutter ist die erste Linie maßgebend – das Elternzeichen verwandelt sich in ein Amtsgeist-Zeichen. Auf der fünften Linie steht ebenfalls ein Amtsgeist. Ich sehe, die Krankheit der gnädigen Frau ist nicht leicht. Aber es gibt Hoffnung: Derzeit ist das Kind-Wasser im Zustand der Schwäche, das Tigerbaum-Holz bewegt sich und nährt das Feuer. Auf dem Weltzeichen erscheint ein Kindessohn – der bezwingt den Geist. Zudem stützen Sonne und Mond den Körper. In zwei Tagen wird das Kind-Wasser als Amtsgeist in die Leere fallen, und am Hundetag wird es besser. Allerdings – das Elternzeichen verwandelt sich in einen Geist, daher könnte auch der gnädige Herr in Mitleidenschaft gezogen werden. Und das Weltzeichen selbst zeigt zu viel ‚Bruder-Raub': An Tagen, wo Wasser zunimmt und Erde abnimmt, sieht es ebenfalls ungünstig aus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann hatte anfangs innerlich gelacht über das Hokuspokus, doch die Deutung klang logisch. Als er hörte, dass auch sein Vater gefährdet sei, fragte er: „Das Hexagramm ist sehr aufschlussreich. Aber was genau ist die Krankheit meiner Mutter?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wahrsager sagte: „Nach diesem Hexagramm ist das Weltzeichen Mittagsfeuer, das sich in Wasser-Gegenwirkung verwandelt – das muss ein Kälte-Feuer-Stau sein. Für eine genauere Deutung wäre die Schafgarben-Methode auch nicht viel besser; nur mit der ‚Großen Sechs-Ren'-Methode lässt sich ein präzises Urteil fällen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann fragte: „Beherrscht Ihr die auch?&amp;quot; Der Wahrsager sagte: „Ein wenig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann bat um eine Deutung. Der Wahrsager zeichnete ein Diagramm und ordnete die Göttergeneräle an. „Auf der Hunde-Position steht der Weiße Tiger – das ist die ‚Seelenwandlungs-Figur'. Der Weiße Tiger ist ein Unglücksgott. Wenn er in starker Position und unter Kontrolle steht, kann er keinen Schaden anrichten. Aber jetzt, wo er von Tod und Verfall begleitet wird, ist er ein ‚hungriger Tiger' – der verletzt gewiss jemanden. Die Seele des Menschen wird erschreckt und zerstreut – daher der Name ‚Seelenwandlung'. Wer dieses Hexagramm erhält, dem drohen: körperlicher Verfall, Kummer auf Kummer, Krankheit und Tod, Rechtsstreitigkeiten und Schrecken. Nach dem Bild ‚Tiger in der Abenddämmerung' muss die Krankheit am Abend eingetreten sein. Für Männer bedeutet der Tiger auf der Yang-Seite Gefahr, für Frauen auf der Yin-Seite – dieses Hexagramm ist höchst bedrohlich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann wurde bleich vor Schreck: „Eure Deutung trifft zu! Aber widerspricht sie nicht dem früheren Hexagramm? Gibt es wirklich Gefahr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wahrsager sagte: „Keine Panik. Lasst mich weiter nachschauen.&amp;quot; Er murmelte eine Weile, dann sagte er: „Gut – es gibt einen Retter! Auf der Schlangen-Position steht ein Edelgott zur Rettung bereit, das nennt man ‚Seelenwandlung und Seelenrückkehr': Erst Sorge, dann Freude. Es ist keine Gefahr – nur Vorsicht ist geboten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann zahlte das Orakelhonorar und begleitete ihn hinaus. Dann berichtete er Herrlichkeit Kaufmann: „Mutters Krankheit kommt daher, dass sie abends durch den alten Garten ging und dort einem ‚verborgenen Tiger-Dämon' begegnete.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Du sagtest doch, sie sei durch den Garten zurückgekommen. Erinnerst du dich, wie damals deine Tante Phönixglanz im Garten war und danach krank wurde? Sie selbst hat zwar nichts gesehen, aber die Mädchen und Mütterchen sagten alle, auf dem Felshügel sei ein zottiges Wesen mit Augen so groß wie Laternen gewesen, das sogar sprechen konnte und die Zweite Herrin verjagte!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann sagte: „Wie sollte ich das vergessen! Ich habe sogar von Schatzjades Burschen Beiming gehört, Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Heitermuster: Chin. 晴雯 (Qíngwén), wörtl. „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;. Verstorbene Kammerzofe von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; sei zur Göttin der Hibiskusblüten im Garten geworden. Und als Fräulein Lin starb, erklang Musik in den Lüften – sie muss auch irgendeine Blumengöttin geworden sein. Mit all diesen Geistern im Garten – das kann ja nicht gutgehen! Früher, als noch viele Menschen dort waren und das Yang stark war, ging es; aber jetzt, wo es leer und kalt ist, ist Mutter von dort hindurchgegangen und hat wohl auf eine Blume getreten – oder sie ist einem dieser Wesen begegnet. Das Orakel scheint zu stimmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Hat er gesagt, ob es gefährlich wird?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann sagte: „Am Hundetag soll es besser werden. Ich hoffe nur, es wird ein paar Tage früher oder ein paar Tage später.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann: „Was soll das heißen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann: „Wenn der Wahrsager so treffsicher ist, könnte auch der gnädige Herr selbst etwas bekommen...&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da rief jemand von drinnen: „Die Herrin will aufstehen und in den Garten gehen, die Mädchen können sie nicht halten!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann eilte hinein. Die Schwägerin Sonders phantasierte: „Eine Rotgekleidete ruft mich, eine Grüngekleidete jagt mich!&amp;quot; Die Dienerinnen waren erschrocken und belustigt zugleich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann ließ Papiergeld kaufen und im Garten verbrennen. Tatsächlich schwitzte die Schwägerin Sonders in jener Nacht und wurde ruhiger. Am Hundetag besserte sich ihr Zustand allmählich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an verbreitete sich das Gerücht: Im Garten der Großen Anschauung gibt es Dämonen! Die Gartenwächter pflegten weder Blumen noch Bäume mehr. Anfangs trauten sie sich nachts nicht mehr hinaus, so dass Vögel und Tiere überhandnahmen; schließlich gingen sie selbst am Tag nur noch in Gruppen und bewaffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Zeit später erkrankte tatsächlich auch Herrlichkeit Kaufmann. Man holte keine Ärzte, sondern verbrannte im Garten Opferpapier und hielt Sternzeremonien ab. Kaum war Herrlichkeit Kaufmann genesen, erkrankten nacheinander Hibiskus Kaufmann und andere. Monatelang ging das so weiter, bis beide Paläste in Angst und Schrecken versetzt waren. Bei jedem Windhauch und jedem Kranichruf glaubte man Geister zu hören, jeder Grashalm und jedes Blatt schien ein Dämon zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gartenerträge fielen ganz weg, stattdessen mussten die Monatsgelder für alle Häuser wieder erhöht werden – die Finanzen des Rong-Palastes wurden noch knapper. Die Gartenwächter, die keinen Gewinn mehr sahen, wollten alle weg. Sie erfanden Geschichten von Blumengeistern und Baumdämonen und drängten darauf, auszuziehen. Die Gartentore wurden versiegelt, und kein Mensch wagte sich mehr hinein. Die herrlichen Turmbauten, die Jadehallen und Perlenterrassen wurden zum Aufenthaltsort von Vögeln und Tieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun lebte Heitermusters Vetter Wu Gui mit seiner Frau genau am Gartentor. Seit Heitermuster Tod und den Gerüchten, sie sei Blumengöttin geworden, traute sich seine Frau abends nicht mehr vor die Tür. Eines Tages kam Wu Gui spät vom Einkaufen zurück. Seine Frau hatte sich erkältet und eine falsche Medizin eingenommen; als er nach Hause kam, lag sie tot auf dem Bett. Die Leute draußen, die ohnehin misstrauisch waren, sagten sofort, ein Dämon sei über die Mauer gestiegen und habe ihr die Lebenskraft ausgesaugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 (Jiǎ Mǔ), auch „Alte Fürstin&amp;quot;. Oberhaupt der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; war außer sich vor Sorge und ließ eine Schar Wächter um Schatzjades Wohnung postieren, die Runden gingen und die Nachtwache hielten. Die kleinen Mädchen behaupteten, die eine habe ein rotes Gesicht gesehen, die andere eine wunderschöne Frau – es gab kein Ende des Geschreis. Schatzjade hatte jeden Tag Angst. Zum Glück bewahrte Schatzspange die Ruhe: Wenn die Mädchen wirres Zeug redeten, drohte sie mit Prügel, und so ließen die Gerüchte etwas nach. Aber in den anderen Häusern waren alle aufgeregt und stellten zusätzliche Nachtwachen auf, was die Ausgaben weiter erhöhte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzig Begnadigung Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Begnadigung Kaufmann: Chin. 贾赦 (Jiǎ Shè), wörtl. „Begnadigung&amp;quot;. Älterer Bruder von Aufrecht Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; wollte den Gerüchten nicht glauben: „In einem ganz normalen Garten – woher sollen da Geister kommen?&amp;quot; An einem windstillen, sonnigen Tag ging er mit mehreren bewaffneten Dienern in den Garten, um nach dem Rechten zu sehen. Alle rieten ab, doch er bestand darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Garten war die Atmosphäre unheimlich drückend. Begnadigung Kaufmann ging tapfer voran, doch seine Begleiter streckten nur zaghaft die Köpfe vor. Ein junger Diener, innerlich schon halb tot vor Angst, hörte plötzlich ein Flattern, drehte sich um und sah etwas Schillerndes in fünf Farben vorbeisspringen. Vor Schreck schrie er „Au!&amp;quot; und sackte zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann fragte, was los sei. Der Bursche keuchte: „Ich habe mit eigenen Augen ein Ungeheuer gesehen – gelbes Gesicht, roter Bart, grüne Kleidung – es ist in die Höhle hinter den Bäumen verschwunden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann bekam es nun selbst mit der Angst. „Habt ihr es auch gesehen?&amp;quot;, fragte er. Ein paar der Diener, die gern mit dem Strom schwammen, sagten: „Wie sollten wir es nicht gesehen haben? Nur weil der gnädige Herr voranging, wagten wir nicht, Alarm zu schlagen.&amp;quot; Das reichte, um Begnadigung Kaufmann endgültig einzuschüchtern. Er wagte nicht weiterzugehen und kehrte eilig um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wies die Burschen an: „Kein Wort darüber! Sagt nur, wir hätten alles durchsucht und nichts gefunden.&amp;quot; Doch insgeheim glaubte er es nun selbst und wollte Daoisten von einer angesehenen Abtei holen, um die Dämonen auszutreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich taten die Diener das Gegenteil: Sie erzählten die Geschichte weiter und schmückten sie kräftig aus, so dass jedermann die Zunge herausstreckte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann blieb nichts anderes übrig, als Daoisten zu beauftragen, im Garten eine Exorzismus-Zeremonie abzuhalten. Man wählte einen günstigen Tag und richtete in der Haupthalle des kaiserlichen Empfangspavillons eine Kultstätte ein: Oben die Bildnisse der Drei Reinen, daneben die Achtundzwanzig Sternbilder und die vier Großen Generäle Ma, Zhao, Wen und Zhou, darunter die Bildnisse der Sechsunddreißig Himmelsgeneräle. Weihrauch, Blumen, Kerzen und Lampen füllten den ganzen Saal, Glocken und Ritualgegenstände standen zu beiden Seiten, die fünf Richtungsfahnen waren aufgepflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daoistische Kanzlei stellte neunundvierzig Daoisten ab. Nach einem Tag der Altarreinigung begannen die drei Obermeister mit der Zeremonie: Weihwasser und Weihrauch, dann das Ritual. Die Meister trugen Sieben-Sterne-Kronen, Neun-Palast-Acht-Trigramm-Gewänder und Wolkensteigeschuhe, hielten Elfenbein-Tafeln und verlasen die Gebete. Dann rezitierten sie einen ganzen Tag lang das ‚Mystische Sutra zur Abwehr von Unheil', bevor sie die Bannsprüche zur Anrufung der Generäle verkündeten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An jenem Tag strömten alle Familienmitglieder beider Paläste herbei, um den Meistern beim Dämonenfang zuzusehen. „Ein gewaltiges Ritual! Mit solcher Macht können auch noch so viele Dämonen vertrieben werden!&amp;quot;, sagten alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinen Daoisten hoben die Fahnen, stellten sich nach den fünf Himmelsrichtungen auf und warteten auf die Befehle der Meister. Die drei Obermeister – einer mit Schwert und Weihwasser, einer mit der Sieben-Sterne-Fahne, einer mit der Dämonenpeitsche aus Pfirsichholz – stellten sich vor den Altar. Die Ritualgegenstände verstummten, dreimal schlug das Kommandotäfelchen, und die Meister begannen die Beschwörung. Die fünf Fahnen wirbelten, die Meister stiegen vom Altar herab und ließen sich vom Hausherrn durch alle Gebäude, Hallen, Pavillons, Berge und Teiche führen, besprengten alles mit Weihwasser und zeichneten mit dem Schwert Bannzeichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück am Altar schlugen sie die Kommandotäfelchen, schwangen die Sieben-Sterne-Fahne, die Daoisten sammelten die Fahnen, und die Dämonenpeitsche schlug dreimal in die Luft. Die Zuschauer drängten sich vor, überzeugt, dass Dämonen gefangen worden seien. Doch als sie nachschauten, war nichts zu sehen. Die Meister ließen lediglich Gefäße und Krüge herbeibringen, „versiegelten die Dämonen&amp;quot; mit Bannzetteln und ließen sie in den Tempel bringen, wo sie unter einer Pagode eingemauert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hibiskus Kaufmann und die jüngeren Vettern kicherten hinter vorgehaltener Hand: „Was für ein Aufwand! Ich dachte, wir bekämen die Dämonen zu sehen – und dann so eine Vorstellung! Sind die Dämonen nun gefangen oder nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann schimpfte: „Dummköpfe! Dämonen nehmen Gestalt an, wenn sie sich sammeln, und werden zu Luft, wenn sie sich zerstreuen. Bei so vielen Göttergenerälen wagen sie doch nicht, sich zu zeigen! Die Meister haben nur die Dämonenluft eingesammelt – dann gibt es keine Spukerscheinungen mehr. Das ist die Kraft des Rituals!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle waren halb überzeugt. Man beschloss abzuwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstleute, die glaubten, die Dämonen seien gefangen, beruhigten sich. Tatsächlich sprach danach niemand mehr davon. Herrlichkeit Kaufmann und die anderen erholten sich, und alle priesen die Kraft der Daoisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ein Bursche sagte lachend: „Die früheren Spukerscheinungen kenne ich nicht. Aber an dem Tag, als ich mit dem Ersten Herrn in den Garten ging, war das eindeutig ein großer wilder Fasan, der vorbeiflog! Ratschi hat vor Schreck so getan, als hätte er einen Dämon gesehen, und wir haben seine Lüge gedeckt. Der Erste Herr hat es ernst genommen – und wir bekamen diese hübsche Zeremonie zu sehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Leute hörten es zwar, wollten es aber nicht glauben. Keiner traute sich, im Garten zu wohnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, als Begnadigung Kaufmann gerade vorhatte, einige Diener in den Garten zu schicken, um dort als Wächter zu wohnen – er fürchtete, nachts könnten sich Verbrecher dort verstecken –, kam Kette Kaufmann herein, begrüßte ihn und berichtete: „Heute war ich beim ersten Onkel und habe ein beunruhigendes Gerücht gehört: Der zweite Onkel soll vom Gouverneur wegen Nachlässigkeit in der Aufsicht über Untergebene und überhöhter Getreideabgaben angeklagt und auf kaiserlichen Erlass hin seines Amtes enthoben worden sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann erschrak: „Das ist doch wohl nur ein Gerücht? Neulich hat dein Onkel Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 (Jiǎ Zhèng), wörtl. „Aufrecht/Rechtschaffen&amp;quot;. Vater von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschrieben, Erkundefrühling sei wohlbehalten an ihrem Bestimmungsort angekommen und die Hochzeit am Meer sei glücklich verlaufen. Der Gouverneur habe sogar als neuer Verwandter ein Festmahl gegeben. Wie kann ein frischgebackener Verwandter eine Anklage erheben? Sag vorerst niemandem davon, fahr sofort zum Amt und erkundige dich – dann komm zurück und berichte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann eilte hinaus und kam nach einem halben Tag zurück: „Im Amt hat sich bestätigt: Onkel Aufrecht wurde angeklagt. Die Anklageschrift wurde dem Kaiser vorgelegt. Dank der kaiserlichen Gnade wurde kein Verfahren eröffnet. Der Kaiser hat verfügt: Nachlässigkeit in der Aufsicht, überhöhte Abgaben und Unterdrückung des Volkes – eigentlich Amtsenthebung, doch in Anbetracht, dass es sein erstes auswärtiges Amt ist und er von der Verwaltung wenig versteht, weil seine Beamten ihn betrogen haben, wird er um drei Ränge herabgestuft, darf aber gnädigerweise als Sekretär im Bauministerium weiterarbeiten und soll sofort in die Hauptstadt zurückkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während ich im Amt war, kam ein Kreisbeamter aus Jiangxi zur Audienz, der Onkel Aufrecht sehr dankbar ist. Er sagt, Onkel sei ein guter Vorgesetzter, nur habe er die falschen Leute eingesetzt. Seine Hausdiener hätten draußen angegeben und betrogen, die Untergebenen eingeschüchtert, und so seinen guten Ruf ruiniert. Der Gouverneur habe schon länger davon gewusst und Onkel persönlich für einen guten Mann gehalten. Warum er ihn dennoch anklagte, ist unklar – vielleicht war das Treiben so schlimm geworden, dass er fürchtete, es könne ein größeres Unglück daraus entstehen, und deshalb eine geringere Sache als Anlass nahm. Gewissermaßen das Schwere vermeidend und das Leichte anklagend.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann hörte nicht einmal ganz zu und sagte: „Geh sofort zu deiner Tante und sag ihr Bescheid. Aber der Ahnherrin sagt vorerst noch nichts.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann ging, um Frau König zu informieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was dann besprochen wurde, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_96|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;96&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_97|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;97&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_98|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;98&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_99|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;99&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_100|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;100&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;101&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_102|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;102&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_103|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;103&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_104|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;104&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_105|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;105&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_106|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;106&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第一百一回 / Kapitel 101 =&lt;br /&gt;
== 大观园月夜警幽魂 ==&lt;br /&gt;
=== 散花寺神签惊异兆 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 101 =&lt;br /&gt;
== Im Garten der Großen Anschauung erschreckt ein Geist in der Mondnacht, ==&lt;br /&gt;
== Im Sanhua-Tempel verkündet ein Orakelstab ein beunruhigendes Omen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 (Wáng Xīfèng), wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;. Ehefrau von Kette Kaufmann, Haushälterin des Rong-Palastes.&amp;lt;/ref&amp;gt; kehrte in ihr Zimmer zurück. Da Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 (Jiǎ Liǎn). Sohn von Begnadigung Kaufmann, Ehemann von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; noch nicht heimgekehrt war, erteilte sie den mit Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 (Tànchūn), wörtl. „Den Frühling erspüren&amp;quot;. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Reisegepäck und Aussteuer betrauten Leuten Anweisungen. Nach der Abenddämmerung fiel ihr plötzlich Erkundefrühling ein, und sie wollte nach ihr sehen. So befahl sie Feng'er und zwei Dienstmädchen, sie zu begleiten, während ein Mädchen vorausging und eine Laterne trug. Als sie aus der Tür traten, stand der Mond bereits hoch am Himmel und übergoß alles mit seinem Licht wie mit klarem Wasser. Phönixglanz befahl der Laternenträgerin: „Geh zurück.&amp;quot; Als sie am Teehaus vorbeikam, hörte sie durch das Fenster leises Tuscheln drinnen — halb weinend, halb lachend, als würde etwas besprochen. Phönixglanz wußte, daß es nur die alten Weiber des Hauses sein konnten, die wieder irgendwelchen Klatsch verbreiteten. Höchst ungehalten, befahl sie Xiaohong: „Geh hinein und tue so, als ob nichts wäre, aber horche alles genau aus und bringe mit geschickten Worten die wahren Umstände zutage.&amp;quot; Xiaohong gehorchte und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz nahm nur Feng'er mit und ging zum Gartentor. Es war noch nicht geschlossen, sondern stand nur angelehnt. So traten Herrin und Dienerin ein. Im Garten erschien ihnen das Mondlicht noch heller als draußen, und am Boden lagen viele Schatten von Bäumen. Kein Menschenlaut war zu hören; alles war einsam und trostlos. Sie wollte gerade den Weg zum Qiushuang-Haus einschlagen, als ein Windstoß durch die Bäume fuhr, die herabfallenden Blätter im ganzen Garten rascheln ließ und die Zweige zum Pfeifen brachte. Erschrockene Krähen und nächtigende Vögel flogen auf. Phönixglanz hatte Wein getrunken, und der Wind ließ sie frösteln. Feng'er hinter ihr zog den Kopf ein und rief: „Wie kalt!&amp;quot; Auch Phönixglanz konnte es nicht mehr aushalten und sagte zu Feng'er: „Lauf schnell zurück und bring mir die silberfuchsbesetzte Jacke. Ich warte bei der Dritten Schwester.&amp;quot; Feng'er war nur zu froh, denn auch sie wollte sich wärmer anziehen, rief schnell: „Jawohl!&amp;quot; und rannte davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz war kaum ein paar Schritte gegangen, als sie hinter sich ein Schnaufen und Schnüffeln hörte. Unwillkürlich sträubten sich ihr die Haare. Sie konnte nicht umhin, sich umzudrehen — und da war ein großes, schwarzglänzendes Etwas hinter ihr, das mit ausgestreckter Nase an ihr schnupperte, die Augen leuchtend wie Laternen. Phönixglanz erschrak zu Tode und stieß unwillkürlich ein „Ha!&amp;quot; aus — es war ein großer Hund. Das Tier riß den Kopf zurück, drehte sich um und rannte mit seinem buschigen, besenartigen Schwanz den großen Erdhügel hinauf, wo es stehen blieb und sich umdrehte, noch immer die Pfoten in Phönixglanzs Richtung erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz zitterte am ganzen Leib und eilte zum Qiushuang-Haus. Gerade als sie die Tür erreichte und um den künstlichen Felsen herumkam, huschte ihr von vorn ein Schatten entgegen. Phönixglanz war argwöhnisch, dachte aber, es müsse ein Mädchen aus irgendeinem Hause sein, und fragte: „Wer ist da?&amp;quot; Obwohl sie zweimal fragte, kam niemand zum Vorschein. Schon begann ihr Geist zu schweben. In einem schemenhaften Zustand glaubte sie, hinter sich eine Stimme zu hören: „Erkennt die Tante mich denn nicht?&amp;quot; Phönixglanz drehte sich hastig um und erblickte eine Person von anmutiger Gestalt und eleganter Kleidung, die ihr sehr bekannt vorkam — nur konnte sie sich nicht erinnern, aus welchem Hause die junge Frau stammte. Da sprach die Person erneut: „Die Tante hat nur Sinn für Ruhm und Reichtum und hat alles, was ich ihr dereinst sagte — 'eine Grundlage für zehntausend Jahre' — den Wogen des Ostmeeres preisgegeben.&amp;quot; Phönixglanz senkte nachdenklich den Kopf, konnte sich aber partout nicht erinnern. Die Person lächelte kühl: „Wie zärtlich war die Tante damals zu mir! Und jetzt hat sie alles vergessen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da fiel es Phönixglanz ein: Es war die erste Gattin Hibiskus Kaufmanns — Qin-shi! Sie rief: „Ach! Du bist doch eine Tote! Wie kommst du hierher?&amp;quot; Sie spuckte aus und wollte sich umwenden und gehen, als sie über einen Stein stolperte und hinfiel. Wie aus einem Traum erwacht, war sie am ganzen Leib in Schweiß gebadet. Obwohl sich ihr die Haare noch immer sträubten, war ihr Verstand wieder klar. Schon sah sie Xiaohong und Feng'er in der Ferne näherkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fürchtete, von den Leuten geredet zu werden, sprang eilig auf und sagte: „Was habt ihr so lange gemacht? Gebt schon her, ich ziehe mich an.&amp;quot; Feng'er trat vor und half ihr in die Jacke. Xiaohong kam und stützte sie, als sie vorwärts gehen wollte. Phönixglanz sagte: „Ich war schon dort, aber sie schlafen alle schon. Gehen wir zurück.&amp;quot; So kehrten sie eilig zu dritt ins Haus zurück. Kette Kaufmann war bereits daheim. Phönixglanz bemerkte, daß sein Gesicht ganz anders aussah als sonst. Sie wollte ihn fragen, aber da sie sein Temperament kannte, wagte sie es nicht und ging zu Bett.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen um fünf Uhr stand Kette Kaufmann auf, um den Obereunuchen Qiu Shi'an aufzusuchen und sich nach den Angelegenheiten zu erkundigen. Da es noch zu früh war, nahm er den Amtsboten-Bericht vom Vortag und blätterte ihn durch. Der erste Punkt betraf eine Eilauswahl von Abteilungsleitern im Personalministerium — genehmigt wie üblich. Der zweite war ein Bericht des Strafministeriums über den Militärgouverneur von Yunnan, König Zhong: Er hatte den Fall der illegalen Ausfuhr von „göttlichen Gewehren&amp;quot; und Schießpulver über die Grenze entdeckt; unter den achtzehn Angeklagten stand an erster Stelle ein gewisser Bao Yin, Diener des Großlehrers und Herzogs Jia Hua. Kette Kaufmann dachte nach und las weiter. Der dritte Punkt: Ein Bericht des Präfekten Li Xiao von Suzhou über einen Angestellten, der sich zugelassen hatte, daß sein Hausdiener unter Ausnutzung seiner Stellung die Frau eines Soldaten vergewaltigen wollte und sie, als sie sich wehrte, in den Tod trieb. Der Verbrecher hieß Shi Fu und gab sich als Diener des erblichen Titularadligen dritten Ranges Jia Fan aus. Kette Kaufmann war beunruhigt. Er wollte weiterlesen, fürchtete aber, zu spät zu kommen, um Qiu Shi'an zu treffen. So kleidete er sich an, aß nichts, trank nur zwei Schluck Tee, den Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 (Píng'ér), wörtl. „Friedliches Kind&amp;quot;. Nebenfrau und treue Gehilfin von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihm brachte, und ritt davon. Friedchen räumte die abgelegte Kleidung fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit war Phönixglanz noch nicht aufgestanden. Friedchen sagte: „Heute Nacht hat die Herrin kaum geschlafen. Lassen Sie mich Ihnen den Rücken klopfen, damit Sie ein wenig ruhen können.&amp;quot; Phönixglanz schwieg. Friedchen deutete dies als Zustimmung, kletterte auf das Ruhebett und klopfte ihr sanft den Rücken. Gerade als Phönixglanz einzunicken begann, fing drüben die kleine Da-jie zu weinen an, und Phönixglanz riß die Augen wieder auf. Friedchen rief zum Nebenraum: „Li-Amme! Was soll das? Die Kleine weint — tätscheln Sie sie doch wenigstens! Sie schlafen wirklich zu gern!&amp;quot; Die Li-Amme fuhr aus dem Schlaf hoch, und bei Friedchens Worten brodelte es in ihr. Wütend klatschte sie dem Kind ein paarmal aufs Hinterteil und brummelte: „Du verfluchtes kleines Ding! Leg dich hin und stirb! Mitten in der Nacht so einen Höllenlärm machen!&amp;quot; Dabei kniff sie das Kind in den Arm. Darauf fing die Kleine erst recht laut an zu brüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hörte es und sagte: „So geht es nicht! Hörst du? Sie quält schon wieder das Kind. Geh hin und verpasse der schwarzherzigen Alten ein paar ordentliche Schläge und bring das Mädchen her.&amp;quot; Friedchen lachte: „Gnädige Frau, regen Sie sich nicht auf. Die wird doch nicht das Kind quälen! Wahrscheinlich hat sie es nur versehentlich angestoßen. Wenn Sie sie jetzt schlagen, dann reden die Leute morgen hinter Ihrem Rücken, man schlage bei uns nachts die Dienstboten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz schwieg lange, seufzte dann tief und sagte: „Sieh nur — jetzt bin ich noch bei bester Gesundheit. Wenn ich eines Tages sterbe und dieses kleine Unglückswurm zurücklasse — wer weiß dann, wie es ihm ergehen wird!&amp;quot; Friedchen lachte: „Was reden die Herrin da? Es ist gerade erst fünf Uhr morgens — wozu solche Worte?&amp;quot; Phönixglanz erwiderte kalt: „Das weißt du nicht. Ich habe es längst begriffen. Auch ich habe nicht mehr lange. Obwohl ich erst fünfundzwanzig bin — was andere nicht gesehen haben, habe ich gesehen; was andere nicht gegessen haben, habe ich gegessen; an Kleidung und Nahrung hat es mir nie gemangelt; alles, was die Welt zu bieten hat, habe ich besessen; meinen Stolz habe ich ausgelebt, meine Kämpfe habe ich alle gewonnen. Wenn es nur am Schriftzeichen für 'Langlebigkeit' an einem Strich fehlt — so sei es denn.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen konnte die Tränen nicht zurückhalten. Phönixglanz lachte: „Jetzt brauchst du nicht so zu tun, als hättest du Mitleid. Wenn ich tot bin, werdet ihr euch alle nur freuen. Dann lebt ihr zusammen einträchtig und in Frieden — und ich bin euch kein Dorn im Auge mehr. Nur eines: Wenn ihr Verstand habt, dann kümmert euch um mein Kind.&amp;quot; Friedchen weinte nun erst recht. Phönixglanz lachte: „Reiß dich zusammen! Ich bin doch noch nicht tot, und du heulst schon! Wenn ich nicht sterbe, heulst du dich noch zu Tode!&amp;quot; Friedchen trocknete hastig die Tränen: „Die Herrin sagt so betrübliche Dinge.&amp;quot; Dann klopfte sie weiter, und Phönixglanz döste endlich ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen stieg leise vom Bett, als sie draußen Schritte hörte. Kette Kaufmann war zu spät gekommen; der Eunuch war bereits zur Audienz gegangen. Verärgert kam er zurück und fragte Friedchen: „Sind sie immer noch nicht auf?&amp;quot; Friedchen antwortete: „Noch nicht.&amp;quot; Kette Kaufmann stürmte herein und höhnte: „Wunderbar! Um diese Stunde noch im Bett — ihr führt einen richtigen Streik, und niemand will arbeiten!&amp;quot; Er verlangte lautstark Tee. Friedchen brachte schnell eine Schale. Da die Mägde sich, nachdem Kette Kaufmann ausgegangen war, wieder hingelegt hatten, ohne mit seiner Rückkehr zu rechnen, war der Tee nur lauwarm. Kette Kaufmann, wütend, warf die Schale zu Boden, wo sie in tausend Stücke zerbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz schreckte auf, kalt überlief es sie. Sie stöhnte, schlug die Augen auf und sah Kette Kaufmann wutschnaubend neben sich sitzen, während Friedchen, gebückt, die Scherben aufsammelte. Phönixglanz fragte: „Warum bist du so früh zurück?&amp;quot; Erst auf die zweite Frage bekam sie zur Antwort: „Willst du etwa, daß ich draußen krepiere?&amp;quot; Phönixglanz lachte: „Was hat das für einen Sinn? Sonst kommst du auch nicht so schnell zurück. Ich frage dich nur, und schon wirst du böse.&amp;quot; Kette Kaufmann schimpfte: „Ich habe ihn nicht angetroffen — warum soll ich dann nicht schnell zurückkommen?&amp;quot; Phönixglanz beschwichtigte: „Wenn du ihn nicht getroffen hast, mußt du eben morgen etwas früher gehen, dann triffst du ihn schon.&amp;quot; Kette Kaufmann brüllte: „Ich esse mein eigenes Essen und jage für andere die Rehe! Ich habe selbst einen Haufen Dinge zu erledigen, und keiner rührt sich. Warum soll ich mich für anderer Leute Sachen abrackern? Die, die es eigentlich angeht, sitzen gemütlich zu Hause und wissen weder, ob ich lebe oder tot bin; aber Feuerwerk und Theater sollen gespielt werden, um Geburtstag zu feiern! Mir renn ich die Beine ab!&amp;quot; Er spuckte auf den Boden und schimpfte auch auf Friedchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz war so wütend, daß ihr die Kehle zuschnürte. Sie wollte streiten, überlegte es sich aber und beherrschte sich: „Warum bist du so aufgebracht? Was soll das Geschrei so früh am Morgen? Wer hat dich denn gebeten, dir fremde Angelegenheiten aufzuhalsen? Wenn du es einmal zugesagt hast, mußt du dich eben gedulden und es erledigen. Ich verstehe auch nicht, wie jemand, der selbst Probleme hat, trotzdem Theater und Festessen veranstalten kann.&amp;quot; Kette Kaufmann: „Da hast du recht! Du solltest ihn selbst mal fragen!&amp;quot; Phönixglanz: „Wen?&amp;quot; Kette Kaufmann: „Wen? Deinen Bruder!&amp;quot; Phönixglanz: „Ihn?&amp;quot; Kette Kaufmann: „Wen sonst?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fragte rasch, was denn ihr Bruder angestellt habe, und Kette Kaufmann berichtete: Seit seiner Ankunft in der Hauptstadt habe König Ren unter dem Namen des verstorbenen Onkels eine Trauerfeier veranstaltet und dabei mehrere tausend Silbertael erschwindelt. Als der zweite Onkel ihn deswegen rügte, habe er sich einen neuen Trick ausgedacht — nämlich unter dem Vorwand des Geburtstags des zweiten Onkels Geschenke einzutreiben. Nun habe der Zensor einen Bericht über die Schulden des verstorbenen Generals eingereicht, und König Zisheng und König Ren sollten den Fehlbetrag erstatten. Vater und Sohn hätten ihn, Kette Kaufmann, um Hilfe angefleht, und da es auch die Familie seiner Tante und Phönixglanzs betreffe, habe er zugesagt. Aber früh am Morgen sei er vergeblich zu Qiu Shi'an gerannt, und bei denen zu Hause würden fröhlich Theateraufführungen vorbereitet — das sei doch zum Rasendwerden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz begriff nun erst, wie König Ren sich benommen hatte. Doch da sie stets ihren Stolz wahrte und ihre Familie verteidigte, sagte sie: „Wie er sich auch benimmt — er ist immerhin dein leiblicher Schwager. Und außerdem werden der verstorbene Onkel und der lebende zweite Onkel dir dankbar sein. Ich bitte dich kniefällig, damit nicht andere meinetwegen leiden und hinter meinem Rücken schimpfen.&amp;quot; Tränen liefen ihr über die Wangen; sie richtete sich auf und begann, sich die Haare zu ordnen. Kette Kaufmann beruhigte sich ein wenig: „So war es nicht gemeint. Dein Bruder hat sich schlecht benommen, das ist alles. Du brauchst nicht aufzustehen — du bist doch krank.&amp;quot; Er ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz trocknete ihre Tränen und sagte: „Es ist ohnehin Zeit aufzustehen. Wenn du es schon so sagst, dann kümmere dich bitte um die Sache. Das wäre ein Zeichen deiner guten Gesinnung. Außerdem betrifft es nicht nur mich — auch die Tante wird sich freuen.&amp;quot; Kette Kaufmann brummte: „Ist gut, ist gut. Eine große Rübe braucht man nicht mit Jauche zu düngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen bemerkte: „Warum steht die Herrin so früh auf? An anderen Tagen haben Sie doch Ihre feste Zeit! Der Herr weiß nicht, woher er seine schlechte Laune hat, und läßt es an uns aus. Die Herrin hat genug für ihn geleistet — bei allem steht sie an vorderster Front. Nun hat er ein bißchen etwas getan, und schon tut er so wichtig — als ob die Herrin das nicht verdient hätte!&amp;quot; Auch sie hatte Tränen in den Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann hatte ohnehin schlechte Laune — wie hätte er den schmeichlerischen und zugleich scharfen Worten seiner hübschen Gattin und Nebenfrau widerstehen können? Er lachte: „Genug, genug. Schon eine allein reicht aus, da braucht sie keine Verstärkung. Ich bin ja der Außenseiter — wenn ich erst tot bin, habt ihr Ruhe.&amp;quot; Phönixglanz entgegnete: „So rede du auch nicht. Wer weiß, wie es einem ergeht? Wenn du nicht stirbst, sterbe ich vielleicht — je eher, desto besser.&amp;quot; Und sie weinte erneut. Friedchen besänftigte sie eine Weile. Es war mittlerweile heller Tag geworden, und Kette Kaufmann ging hinaus, ohne ein weiteres Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz begann sich zu frisieren. Da kam ein Mädchen von Frau König: „Die Gnädige Frau läßt fragen, ob die Zweite Herrin heute zum Onkel hinübergeht. Wenn ja, soll sie zusammen mit der Zweiten Schwiegertochter Schatz gehen.&amp;quot; Phönixglanz war durch den Streit am Morgen entmutigt und ärgerte sich über ihre Verwandten; zudem hatte ihr das Erlebnis im Garten letzte Nacht einen Schrecken eingejagt. So sagte sie: „Sag der Gnädigen Frau, ich habe noch ein paar Dinge zu erledigen und kann heute nicht mitkommen. Außerdem ist das bei denen ohnehin keine ernsthafte Angelegenheit. Wenn die Zweite Schwiegertochter Schatz gehen will, mag sie allein gehen.&amp;quot; Das Mädchen überbrachte die Nachricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz überlegte nach dem Ankleiden: „Auch wenn ich selbst nicht gehe, sollte ich doch einen Gruß bestellen. Außerdem ist Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 (Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange&amp;quot;. Ehefrau von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; als frischverheiratete junge Frau zum ersten Mal unterwegs — ich sollte hinübergehen und nach dem Rechten sehen.&amp;quot; So stattete sie Frau König einen Besuch ab, hielt sie mit einer Sache hin und ging dann zu Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 (Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade&amp;quot;. Protagonist des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Gemach. Dort lag Schatzjade angekleidet quer auf dem Ruhebett und starrte Schatzspange mit leeren Augen an, während sie sich frisierte. Phönixglanz blieb in der Tür stehen. Schatzspange bemerkte sie erst, als sie sich umdrehte, und bat sie sogleich herein. Auch Schatzjade setzte sich auf. Phönixglanz setzte sich lächelnd nieder. Schatzspange rügte Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Moschusmond: Chin. 麝月 (Shèyuè), wörtl. „Moschusmond&amp;quot;. Dienstmädchen von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Ihr seht die Zweite Herrin hereinkommen und sagt kein Wort!&amp;quot; Moschusmond lachte: „Die Zweite Herrin hat doch gleich beim Eintreten die Hand gehoben, daß wir still sein sollen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sprach zu Schatzjade: „Warum bist du noch nicht losgegangen? Was wartest du? Du bist ein erwachsener Mann und benimmst dich immer noch wie ein Kind. Deine Frau frisiert sich, und du liegst daneben und gaffst — das sieht man doch den ganzen Tag! Schämst du dich nicht vor den Mädchen?&amp;quot; Sie kicherte und schüttelte den Kopf. Schatzjade war zwar etwas verlegen, kümmerte sich aber nicht weiter darum. Schatzspange errötete vor Verlegenheit, wußte aber nichts zu sagen. Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 (Xírén), wörtl. „Den Menschen überraschend duftend&amp;quot;. Erste Kammerzofe von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; brachte Tee, worauf Schatzspange ablenkte und Phönixglanz eine Pfeife reichte. Phönixglanz nahm sie lachend entgegen: „Schwägerin, laß mich und kleid dich lieber an.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade suchte zerstreut nach diesem und jenem. Phönixglanz sagte: „Geh du vor — es gehört sich nicht, daß ein Herr auf die Damen wartet.&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „Mein Gewand ist mir nicht gut genug; besser war das Goldfasanbrokat-Kleid, das mir die Großmutter vor zwei Jahren schenkte.&amp;quot; Phönixglanz neckte ihn: „Warum trägst du es denn nicht?&amp;quot; Schatzjade: „Es ist noch zu früh in der Saison.&amp;quot; Phönixglanz fiel plötzlich ein, daß sie einen Fauxpas begangen hatte — denn an das Kleid knüpfte sich die Erinnerung an Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Heitermuster: Chin. 晴雯 (Qíngwén), wörtl. „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;. Verstorbene Kammerzofe von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zum Glück war Schatzspange auch mit den Wangs verwandt, aber vor den Mädchen war es ihr bereits peinlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch griff das Thema auf und erzählte, warum Schatzjade das Kleid nicht mehr tragen wollte: Seinerzeit, als das Kleid an jenem Geburtstag verbrannt wurde und Heitermuster, obwohl krank, es die ganze Nacht hindurch genäht hatte — und wie Schatzjade dann bei der Erinnerung an Heitermuster geschworen hatte, das Kleid nie wieder zu tragen und es für immer aufzubewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz unterbrach: „Da du Heitermuster erwähnst — wie schade um das Mädchen! Hübsch und geschickt, nur die Zunge war scharf. Nun, wo ich gerade daran denke: Neulich sah ich in der Küche die Tochter der Liu — Wu'er heißt sie, das Mädchen sieht Heitermuster wie aus dem Gesicht geschnitten! Eigentlich wollte ich sie herüberholen, aber Friedchen sagte, die Gnädige Frau habe befohlen, keine Mädchen, die so aussehen, mehr zu Schatzjade zu schicken. Also habe ich es gelassen. Doch jetzt ist Schatzjade verheiratet — was gibt es noch zu befürchten? Ich lasse sie einfach kommen. Was meinst du, Schatzjade — wärst du einverstanden? Wenn du dich nach Heitermuster sehnst, brauchst du nur Wu'er anzusehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade, der eigentlich gerade gehen wollte, stand da wie angewurzelt. Dufthauch sagte: „Er möchte es längst! Nur wegen der Gnädigen Frau hat er es nicht zu sagen gewagt.&amp;quot; Phönixglanz: „Dann lasse ich sie morgen kommen. Der Gnädigen Frau gegenüber stehe ich gerade.&amp;quot; Schatzjade war überglücklich und ging endlich zu seiner Großmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier half sich Schatzspange beim Ankleiden. Phönixglanz beobachtete die Ehegatten in ihrer zärtlichen Verbundenheit, mußte an Kette Kaufmanns Auftreten von heute morgen denken und war traurig. Sie erhob sich und ging mit Schatzspange zu Frau König hinüber. Dort verabschiedete sich Schatzjade von seiner Großmutter, die ihm einschärfte: „Trink nicht zuviel Wein und komm früh zurück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging hinaus, kehrte aber im Hof nochmals um und flüsterte Schatzspange etwas ins Ohr. Schatzspange lachte: „Ist gut, nun geh schon!&amp;quot; Und scheuchte ihn fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum waren drei Worte zwischen der Großmutter, Phönixglanz und Schatzspange gewechselt, als Herbstmuster hereinkam und meldete: „Der Zweite Herr hat Beiming zurückgeschickt. Er hat eine Nachricht für die Zweite Herrin vergessen.&amp;quot; Schatzspange fragte: „Was hat er denn nun wieder vergessen?&amp;quot; Herbstmuster sagte: „Beiming sagte: 'Der Zweite Herr bittet die Herrin: Wenn sie mitkommt, möge sie sich beeilen; wenn sie nicht mitkommt, soll sie nicht im Wind herumstehen.'&amp;quot; Alle lachten — die Großmutter, Phönixglanz und die Dienerinnen. Schatzspange errötete und schalt Herbstmuster: „Was für ein dummes Ding! Das ist doch keine Botschaft, für die man so aufgeregt angelaufen kommen muß!&amp;quot; Die Großmutter sagte lächelnd zu Schatzspange: „Geh nur, sonst gibt er keine Ruhe.&amp;quot; Schatzspange ging, von Phönixglanzs Neckereien begleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da erschien die Nonne Da-liao vom Sanhua-Tempel, begrüßte die Großmutter und Phönixglanz und setzte sich zum Tee. Die Großmutter fragte, warum sie so lange nicht mehr gekommen sei. Die Nonne erzählte von Zeremonien im Tempel für eine adlige Dame, deren Haus von Geistern heimgesucht wurde. Sie fragte, ob die Großmutter Lust habe, morgen an einer Zeremonie teilzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz, die solche Dinge stets verabscheut hatte, war nach dem gestrigen Erlebnis im Garten empfänglich geworden. Sie fragte neugierig nach dem Sanhua-Bodhisattva. Die Nonne erzählte eine phantastische Geschichte von einem dreiköpfigen, vieräugigen, acht Fuß großen Kind, das von einem alten, erleuchteten Affen auf einem Eisberg aufgezogen und unterrichtet wurde, bis er, nach tausend Jahren der Meditation, zum Himmel auffuhr. Wo er gepredigt hatte, regneten himmlische Blüten — daher der Name „Sanhua&amp;quot; — „Himmlische Blütenstreuung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fragte: „Gibt es dafür Beweise?&amp;quot; Die Nonne erwiderte: „Gnädige Frau, was für Beweise kann es bei einem Buddha geben? Seit alten Zeiten hat der buddhistische Weihrauchkult niemals aufgehört — und das nur, weil er den Staat schützt und das Volk stärkt und es Zeichen seiner Wunderkraft gibt.&amp;quot; Phönixglanz fand das überzeugend und sagte: „Dann will ich es morgen selbst versuchen. Gibt es in eurem Tempel Orakelstäbe? Wenn das Orakel meine innersten Gedanken errät, werde ich von nun an glauben.&amp;quot; Die Nonne versicherte, ihre Stäbe seien äußerst wirkungsvoll. Die Großmutter schlug vor, bis zum Ersten des Monats zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ersten zog Phönixglanz sich zusammen und fuhr zum Sanhua-Tempel. Die Nonne empfing sie. Nach dem Tee wusch Phönixglanz die Hände, ging in die große Halle und entzündete Weihrauch. Ohne den heiligen Bildern einen Blick zu schenken, kniete sie mit aufrichtigem Herzen nieder, kowtaute und schüttelte den Orakelbehälter, wobei sie stumm um Erhellung der Geistererscheinung und ihrer Krankheit bat. Nach dreimaligem Schütteln sprang klappernd ein Stab heraus. Sie hob ihn auf und las: „Nummer dreiunddreißig, höchstes Glück.&amp;quot; Die Nonne schlug die Deutung nach: „Phönixglanz kehrt in Brokat gekleidet in die Heimat zurück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz erschrak: „Gab es im Altertum auch jemanden namens Phönixglanz?&amp;quot; Die Nonne lachte: „Die gnädige Frau kennt doch gewiß die Geschichte des Phönixglanz aus der Han-Zeit, der um ein Amt bat?&amp;quot; Zhou Ruis Frau erinnerte sich: „Voriges Jahr hat der Geschichtenerzähler Li diese Episode vorgetragen. Wir haben ihm gesagt, er dürfe nicht den Namen der Herrin verwenden!&amp;quot; Phönixglanz lachte: „Stimmt ja, das hatte ich vergessen.&amp;quot; Dann las sie die Verse:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwanzig Jahre fern von der Heimat lebend,&lt;br /&gt;
Kehrt sie heute, in Brokat gekleidet, in den Garten heim.&lt;br /&gt;
Die Biene sammelt hundert Blumen und macht daraus den Honig —&lt;br /&gt;
Doch für wen die Mühe, für wen die Süße?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann las sie weiter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gerichtsdiener kommt, doch die Nachricht verspätet sich.&lt;br /&gt;
Den Streit soll man schlichten, die Heirat neu verhandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz verstand nicht recht. Die Nonne deutete freudig: Da der Herr in eine Provinz versetzt sei, werde die Herrin gewiß bald in die Heimat Nanjing zurückkehren — das sei die „Heimkehr im Brokat&amp;quot;. Phönixglanz war halb überzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nonne ließ ein vegetarisches Mahl auftragen. Phönixglanz nippte nur und brach auf. Zu Hause deuteten alle das Orakel als vielversprechend: Vielleicht habe der Herr tatsächlich die Absicht, sie alle nach Nanjing mitzunehmen. Phönixglanz glaubte es nun auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Nachmittag erwachte Schatzjade von seinem Mittagsschlaf und vermißte Schatzspange. Als sie hereinkam und von dem Orakelstab erzählte, meinte sie: „Alle sagen, es sei gut. Aber meiner Meinung nach verbirgt sich hinter den Worten 'Heimkehr im Brokat' noch etwas anderes. Wir werden sehen.&amp;quot; Schatzjade widersprach: „Diese Worte sind seit alters als Glückszeichen bekannt. Was soll da verborgen sein?&amp;quot; Schatzspange wollte gerade erklären, als ein Mädchen kam und sie zu Frau König rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es war, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 96</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第九十六回 / Kapitel 96 =&lt;br /&gt;
== 瞒消息凤姐设奇谋 ==&lt;br /&gt;
=== 泄机关颦儿迷本性 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechsundneunzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
Die Nachricht verheimlichend, schmiedet Phönixglanz einen listigen Plan; das Geheimnis aufgedeckt, verliert das Stirnrunzelmädchen den Verstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Kette Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾琏&amp;lt;/ref&amp;gt; die falsche Jade nahm und wutentbrannt nach draußen ging, bis er das Arbeitszimmer erreichte. Der Betrüger sah Kette Kaufmanns finstere Miene und erschrak zuinnerst. Eilig stand er auf, um ihm entgegenzugehen. Er wollte gerade etwas sagen, da lachte Kette Kaufmann schon kalt und herrschte ihn an: „So eine Dreistigkeit! Du elender Taugenichts! Weißt du überhaupt, was dies für ein Ort ist? Wie kannst du es wagen, hier solche Spielchen zu treiben!&amp;quot; Er drehte sich um und rief: „Wo sind die Diener?&amp;quot; Draußen antworteten, donnernd wie ein Gewitter, mehrere Diener im Chor. Kette Kaufmann befahl: „Holt Stricke und fesselt ihn! Wenn der Herr zurückkehrt, werde ich ihm Bericht erstatten und diesen Burschen zum Yamen schicken lassen.&amp;quot; Die Diener antworteten wieder im Chor: „Alles schon bereit!&amp;quot; Sie sagten es zwar, rührten sich aber nicht von der Stelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrüger war vor Schreck bereits wie gelähmt. Als er diese Zurschaustellung von Macht sah und wusste, dass er der Strafe nicht entgehen konnte, blieb ihm nichts anderes übrig, als vor Kette Kaufmann niederzuknien und den Kopf auf den Boden zu stoßen. Unablässig flehte er: „Gnädiger Herr, erzürnt Euch nicht! Ich war in meiner Armut so verzweifelt, dass mir kein anderer Ausweg einfiel als dieses schändliche Gewerbe. Die Jade habe ich auf Pump anfertigen lassen, ich wage nicht mehr, Geld dafür zu verlangen. Betrachtet sie als bescheidenes Geschenk für den jungen Herrn zum Spielen!&amp;quot; Damit sprach er und stieß wieder und wieder den Kopf auf den Boden. Kette Kaufmann spuckte verächtlich aus: „Du weißt ja nicht einmal, ob du leben oder sterben sollst! Als ob dieses Haus auf deinen wertlosen Plunder angewiesen wäre!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als der Tumult andauerte, trat Lai Da ein und wandte sich mit aufgesetztem Lächeln an Kette Kaufmann: „Zweiter Herr, ärgert Euch doch nicht. Was ist so einer schon wert? Lasst ihn laufen, sagt ihm, er soll sich scheren!&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: „Er ist wirklich unerträglich!&amp;quot; Lai Da und Kette Kaufmann wechselten zwischen Drohung und Beschwichtigung, während die Leute draußen allesamt riefen: „Du dämlicher Dummkopf! Willst du dem Herrn und dem Herrn Lai nicht endlich den Kotau machen? Los, mach dich davon, oder willst du einen Tritt in die Magengrube!&amp;quot; Der Betrüger stieß hastig noch zwei Mal den Kopf auf den Boden, legte die Hände auf seinen Hinterkopf und flüchtete wie eine verschreckte Ratte. Von da an machte die Geschichte auf der Straße die Runde: „Schatzjade Kaufmann hat eine ‚falsche Schatzjade' hervorgebracht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird berichtet, dass Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾政&amp;lt;/ref&amp;gt; an jenem Tag von einem Besuch zurückkehrte. Die Hausleute dachten, da gerade Laternenfest war und die Angelegenheit ohnehin vorüber, sei es besser, Aufrecht Kaufmann nicht zu verärgern, und so berichtete ihm niemand davon. Wegen der Angelegenheiten um die Edle Gemahlin &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 元妃&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte man sich lange abgemüht, und da Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; obendrein krank war, hatte trotz des üblichen Neujahrsbankett niemand Lust zum Feiern. Es gab nichts Nennenswertes zu berichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am siebzehnten Tag des ersten Monats, als Frau König &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade die Ankunft ihres Bruders König Ziteng in der Hauptstadt erwartete, kam Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; herein und berichtete: „Heute hat der Zweite Herr draußen ein Gerücht gehört: Unser Onkel sei eilig auf dem Weg in die Hauptstadt gewesen, nur noch zweihundert Meilen von der Stadt entfernt, da sei er unterwegs gestorben. Hat die Gnädige Frau das schon gehört?&amp;quot; Frau König erschrak und sagte: „Nein, das habe ich nicht gehört. Der Herr hat gestern Abend auch nichts dergleichen erwähnt. Wo genau hat er das gehört?&amp;quot; Phönixglanz antwortete: „Angeblich im Haus des Staatsrats Zhang.&amp;quot; Frau König erstarrte für eine halbe Ewigkeit, und die Tränen flossen ihr bereits über die Wangen. Sie wischte sich die Tränen ab und sagte: „Wenn Kette Kaufmann zurückkommt, sag ihm, er soll die Sache gründlich in Erfahrung bringen und mir dann berichten.&amp;quot; Phönixglanz stimmte zu und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König konnte nicht umhin, im Stillen zu weinen: Sie trauerte um ihre Tochter und beweinte ihren Bruder und sorgte sich zudem um Schatzjade. So kam eines zum anderen, alles lief gegen sie, und schließlich begann sie, Schmerzen in der Herzgrube zu spüren. Dann kam Kette Kaufmann zurück, nachdem er alles in Erfahrung gebracht hatte, und berichtete: „Der Onkel war von der Anstrengung der Reise erschöpft und hatte sich zufällig erkältet. Als sie den Ort Zehn-Meilen-Dorf erreichten, wurde ein Arzt gerufen, doch leider gab es an diesem abgelegenen Ort keinen guten Arzt. Es wurde das falsche Mittel verschrieben, und schon nach einer einzigen Dosis war er tot. Ich weiß allerdings nicht, ob seine Familie schon dort angekommen ist.&amp;quot; Frau König überkam bittere Trauer, und die Schmerzen in der Herzgrube wurden so heftig, dass sie nicht mehr sitzen konnte. Sie ließ Farbwölkchen und die anderen sie auf das Ofenbett helfen und erteilte mit letzter Kraft Kette Kaufmann den Auftrag, es Aufrecht Kaufmann zu berichten: „Pack sofort deine Sachen, reise dorthin und hilf der Familie bei den Vorbereitungen. Komm sofort zurück und berichte uns, damit deine Frau sich beruhigen kann.&amp;quot; Kette Kaufmann wagte nicht zu widersprechen und verabschiedete sich von Aufrecht Kaufmann, um aufzubrechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann hatte bereits selbst davon erfahren und war zutiefst betrübt. Er wusste auch, dass Schatzjades Geist seit dem Verlust der Jade umnachtet war und keine Medizin half, und nun kamen auch noch Frau Königs Herzschmerzen hinzu. In jenem Jahr stand gerade die Inspektion der Hauptstadtbeamten an. Das Bauministerium stufte Aufrecht Kaufmann in die erste Klasse ein, und im zweiten Monat führte ihn das Ministerium für bürgerliche Angelegenheiten einer Audienz beim Kaiser vor. Da Seine Majestät Aufrecht Kaufmann als fleißigen, bescheidenen und gewissenhaften Beamten kannte, ernannte er ihn sofort zum Kornaufseher der Provinz Jiangxi. Noch am selben Tag dankte Aufrecht Kaufmann für die Gnade und meldete dem Thron seinen Abreisetag. Obwohl Freunde und Verwandte eifrig gratulierten, war ihm nicht nach Geselligkeit zumute. Er dachte nur an die Unruhe in seiner Familie und wagte doch nicht, seinen Aufbruch hinauszuzögern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als er keinen Rat mehr wusste, hörte er, dass die Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; nach ihm schicken ließ: „Bittet den Herrn zu mir.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann eilte sogleich zu ihr und sah, dass auch Frau König trotz ihrer Krankheit dort war. Er erwies der Herzoginmutter seinen Respekt. Sie hieß ihn sich setzen und begann: „In wenigen Tagen wirst du deinen Posten antreten. Ich habe dir so vieles zu sagen, und ich weiß nicht, ob du es anhören wirst.&amp;quot; Dabei flossen ihr die Tränen herab. Aufrecht Kaufmann stand eilig auf und sagte: „Mutter, sprich nur, was immer du zu sagen hast! Wie könnte dein Sohn es wagen, deinem Wort nicht zu gehorchen?&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte schluchzend: „Ich bin dieses Jahr einundachtzig Jahre alt, und du gehst auf einen Posten in der Ferne. Ausgerechnet dein älterer Bruder ist hier, sodass du keinen Rücktritt wegen alter Eltern beantragen kannst. Wenn du fort bist, bleibt mir nur noch Schatzjade, an dem mein Herz hängt — und ausgerechnet er ist derart krank, dass man nicht weiß, was aus ihm wird! Gestern schickte ich die Frau von Lai Sheng hinaus, um jemanden Schatzjades Schicksal berechnen zu lassen. Der Wahrsager war erstaunlich treffsicher und sagte: Man müsse für ihn eine Person mit dem Schicksal des Goldmetalls heiraten, die ihm hilft; durch eine Freudenhochzeit könne man das Glück wenden, sonst sei kaum Hoffnung. Ich weiß, dass du an solche Dinge nicht glaubst, deshalb habe ich dich herbitten lassen, um es zu bereden. Deine Frau ist auch hier — beratet euch: Wollen wir, dass Schatzjade gesund wird, oder lassen wir ihn dahinsiechen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann lächelte verlegen und sagte: „Mutter, du hast deinen Sohn einst so innig geliebt — wie könnte der Sohn seinen eigenen Sohn nicht lieben? Nur weil Schatzjade keine Fortschritte machte, war ich stets streng mit ihm, doch das war nur, weil man ein Stück Eisen hasst, das kein Stahl werden will. Wenn Mutter ihn verheiraten will, so ist das ganz in der Ordnung. Wie könnte ich Mutter widersprechen und ihn nicht lieben? Auch ich mache mir große Sorgen um Schatzjades Krankheit. Nur weil Mutter ihn von mir ferngehalten hat, wagte ich nichts zu sagen. Lasst mich ihn einmal sehen — was für eine Krankheit hat er eigentlich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König sah, dass auch Aufrecht Kaufmanns Augenränder sich röteten, und wusste, dass sein Herz vor Sorge brannte. Sie befahl Dufthauch &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 袭人&amp;lt;/ref&amp;gt;, Schatzjade herbeizuführen. Als Schatzjade seinen Vater erblickte, wies ihn Dufthauch an, seinen Respekt zu erweisen, und er gehorchte. Aufrecht Kaufmann sah, wie abgemagert sein Gesicht war, wie leblos seine Augen blickten, und dass er ganz wie ein Geistesgestörter wirkte. Er ließ ihn wieder hinausführen und dachte bei sich: „Ich bin selbst bald sechzig und übernehme nun einen Posten in der Ferne, ohne zu wissen, wie viele Jahre es dauern wird, bis ich zurückkehre. Wenn es mit diesem Jungen wirklich schlimm ausgeht — erstens stünde ich im Alter ohne Erben da, und obwohl ich einen Enkel habe, ist das doch nicht dasselbe; zweitens ist Schatzjade der Liebling der Herzoginmutter, und sollte ihm etwas zustoßen, würde meine Schuld nur noch schwerer wiegen.&amp;quot; Er blickte auf Frau König, deren Gesicht tränennass war, und dachte auch an ihren Kummer. Er stand wieder auf und sagte: „Wenn Mutter in ihrem hohen Alter Mittel und Wege findet, ihrem Enkelsohn zu helfen, wie könnte der Sohn da widersprechen? Mutter soll entscheiden, und was sie beschließt, das geschehe. Nur — weiß Tante Schnee schon Bescheid?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König antwortete: „Meine Schwester hat schon längst zugestimmt. Nur weil Becken Schnees Prozess noch nicht abgeschlossen ist, hat man in letzter Zeit nicht davon gesprochen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte darauf: „Das ist die erste Schwierigkeit: Wenn der Bruder im Gefängnis sitzt, wie kann die Schwester da heiraten? Außerdem verbietet der Tod der Edlen Nebenfrau zwar nicht ausdrücklich eine Heirat, doch Schatzjade müsste für eine bereits verheiratete ältere Schwester neun Monate Trauerkleidung tragen, und in dieser Zeit ist eine Hochzeit kaum angemessen. Überdies habe ich meinen Abreisetag dem Thron bereits gemeldet und darf nicht zögern — wie soll das in diesen wenigen Tagen gehen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter überlegte eine Weile: „Was er sagt, ist in der Tat richtig. Aber wenn wir warten, bis all diese Dinge vorüber sind, wird sein Vater bereits fort sein, und was, wenn die Krankheit von Tag zu Tag schlimmer wird? Wir müssen einige Regeln übertreten und die Sache rasch erledigen.&amp;quot; Als sie sich entschieden hatte, sprach sie: „Wenn du die Hochzeit ausrichten willst, so habe ich einen Plan, mit dem nichts im Wege steht. Was Frau Xue betrifft: Deine Frau und ich werden persönlich zu ihr gehen und sie bitten. Was Becken Schnee angeht: Ich werde den jungen Xue Ke zu ihm schicken, um ihm zu erklären, dass es darum geht, Schatzjades Leben zu retten, und alles möglichst einfach zu halten — er wird sicher einwilligen. Was das Heiraten während der Trauerzeit betrifft: Das geht freilich streng genommen nicht, und außerdem ist Schatzjade krank und kann eigentlich keine richtige Hochzeit feiern. Es geht nur darum, das Glück zu wenden. Beide Familien sind einverstanden, und da die Kinder den Bund von ‚Gold und Jade' haben, brauchen wir keine Horoskope zu vergleichen. Wir wählen einfach einen guten Tag und tauschen die Geschenke nach unserem Familienbrauch aus. Dann bestimmen wir einen Hochzeitstag, verzichten ganz auf Musikkapellen und folgen stattdessen dem Palastbrauch: zwölf Paar Laternen mit langen Stangen und eine Acht-Mann-Sänfte. Nach südlichem Brauch wird die Zeremonie abgehalten — Verbeugung, Sitzen auf dem Brautbett, Werfen von Trockenfrüchten — und damit ist die Hochzeit vollzogen. Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt; ist ein verständiges Mädchen, um sie braucht man sich keine Sorgen zu machen. Und dann ist da noch Dufthauch, auch sie ist zuverlässig und besonnen. Noch eine verständige Person, die auf ihn einredet — umso besser. Außerdem kommt sie gut mit Schatzspange aus. Und noch etwas: Frau Xue hat einmal erzählt, auch ein Mönch habe zu Schatzspanges goldenem Schloss gesagt, sie solle nur jemanden mit einer Jade heiraten, dann sei die Ehe bestimmt. Wer weiß — vielleicht bringt Schatzspanges goldenes Schloss seine verschollene Jade zurück, das kann man nicht ausschließen. Von da an wird es von Tag zu Tag besser, und wäre das nicht ein Segen für die ganze Familie! Jetzt müssen nur sofort die Zimmer hergerichtet und alles vorbereitet werden. Um die Zimmerzuweisung musst du dich kümmern. Verwandte und Freunde werden nicht eingeladen, und ein Bankett gibt es auch nicht. Wenn Schatzjade wieder gesund ist und die Trauerzeit vorüber, dann erst laden wir Gäste und feiern. So schaffen wir alles rechtzeitig, du kannst die beiden jungen Leute verheiratet sehen und sorgenfrei in dein Amt ziehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann war innerlich alles andere als einverstanden, doch da die Herzoginmutter die Entscheidung traf, wagte er nicht zu widersprechen. Er lächelte gezwungen und sagte: „Mutter hat das alles sehr umsichtig durchdacht. Wir müssen nur dem Hauspersonal einschärfen, dass niemand davon nach außen plaudert — das könnte uns in Schwierigkeiten bringen. Ob Frau Xue einverstanden sein wird, weiß ich nicht. Aber wenn sie tatsächlich zustimmt, dann handeln wir nach Mutters Anweisung.&amp;quot; Die Herzoginmutter sagte: „Um Frau Xue kümmere ich mich. Geh nur!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann verabschiedete sich und ging, zutiefst unbehaglich. Da ihn die Vorbereitungen für den Amtsantritt in Beschlag nahmen — Abholung der Ernennungsurkunde, Empfehlungen von Freunden und Verwandten, unaufhörliche gesellschaftliche Verpflichtungen —, überließ er die Sache ganz der Herzoginmutter, die sie an Frau König und Phönixglanz weitergab. Er wies lediglich eine Zimmerflucht von über zwanzig Räumen hinter der Ronghalle neben den Privatgemächern der Frau König für Schatzjade an und kümmerte sich um nichts weiter. Die Herzoginmutter ließ ihm ihren Beschluss mitteilen, und Aufrecht Kaufmann antwortete nur: „Sehr gut.&amp;quot; Doch davon später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wird erzählt, dass Schatzjade, nachdem er seinen Vater gesehen hatte, von Dufthauch auf das Ofenbett im inneren Zimmer zurückgebracht wurde. Da Aufrecht Kaufmann im Nebenzimmer war, wagte niemand mit Schatzjade zu sprechen, und dieser döste bald in dumpfem Schlaf dahin. Von dem gesamten Gespräch zwischen seinem Vater und der Herzoginmutter hatte Schatzjade kein einziges Wort gehört. Dufthauch und die anderen hingegen hatten alles in der Stille deutlich mitgehört. Vorher hatten sie zwar schon Gerüchte vernommen, aber es war alles noch vage gewesen; einzig dass Schatzspange nie mehr vorbeikam, hatte ihren Verdacht bestärkt. Nun, da sie alles mit eigenen Ohren gehört hatten, fiel ihnen ein Stein vom Herzen, und Dufthauch freute sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie dachte bei sich: „Die Herrschaften haben doch ein gutes Auge! Diese Verbindung passt wirklich. Und auch für mich ist es ein Glück — wenn sie erst da ist, wird mir vieles abgenommen. Nur hat dieser Herr in seinem Herzen einzig und allein das Fräulein Lin. Zum Glück hat er nichts gehört. Wenn er davon wüsste, will ich mir gar nicht ausmalen, was für Schwierigkeiten es gäbe.&amp;quot; Bei diesem Gedanken schlug ihre Freude in Sorge um. Sie dachte: „Wie soll das nur gehen? Die Herzoginmutter und die Gnädige Frau wissen nichts von den Gefühlen, die zwischen ihm und dem Fräulein Lin bestehen! Wenn sie ihm nun in einem Moment der Begeisterung davon erzählen und meinen, es werde ihn heilen — doch wenn sein Herz noch dasselbe ist wie damals, als er beim ersten Anblick des Fräulein Lin seine Jade zu Boden schleudern und zertrümmern wollte! Und dann jenen Sommer im Garten, als er mich für das Fräulein Lin hielt und mir sein Herz ausschüttete! Und als Purpurkuckuck damals einen Scherz machte, da weinte er sich fast zu Tode! Wenn man ihm nun sagt, er solle das Fräulein Schnee heiraten und das Fräulein Lin vergessen — dann ist das nicht nur kein Glückswechsel, sondern sein Todesurteil! Wenn er allerdings völlig bei Sinnen wäre, ginge es auch nicht. Wenn ich jetzt nicht alles offenlege, bringe ich drei Menschen ins Unglück!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch hatte ihren Entschluss gefasst. Sobald Aufrecht Kaufmann die Damen verlassen hatte, wies sie Herbstmuster &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 秋纹&amp;lt;/ref&amp;gt; an, auf Schatzjade aufzupassen, und ging hinaus in das äußere Zimmer. Sie trat neben Frau König und bat sie leise um ein privates Gespräch in dem Hinterzimmer hinter den Gemächern der Herzoginmutter. Die Herzoginmutter dachte, es ginge um etwas wegen Schatzjades, und schenkte dem keine Beachtung. Sie war noch mitten in ihren Überlegungen, wie man die Geschenke überreichen und die Hochzeit ausrichten solle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch folgte Frau König in das hintere Zimmer, fiel auf die Knie und weinte. Frau König wusste nicht, was los war. Sie nahm ihre Hand und sagte: „Was soll das denn? Hat dir jemand etwas angetan? Steh auf und sag es mir.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Eigentlich sollte ich das nicht sagen, aber ich sehe keinen anderen Weg mehr.&amp;quot; Frau König: „Dann sprich. Lass dir Zeit.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Schatzjades Heirat — die Herzoginmutter und die Gnädige Frau haben das Fräulein Schnee gewählt, und das ist natürlich eine ausgezeichnete Wahl. Nur frage ich mich, Herrin: Wie seht Ihr das — steht Schatzjade dem Fräulein Schnee näher oder dem Fräulein Lin?&amp;quot; Frau König antwortete: „Da sie von klein auf zusammengelebt haben, ist Schatzjade wohl dem Fräulein Lin etwas näher.&amp;quot; Dufthauch erwiderte: „Nicht nur etwas.&amp;quot; Und sie erzählte Frau König ausführlich alles, was sich zwischen Schatzjade und Kajaljade zugetragen hatte, und fügte hinzu: „All diese Dinge hat die Gnädige Frau mit eigenen Augen gesehen. Nur das Vorkommnis im Sommer habe ich bisher keiner Menschenseele erzählt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König zog Dufthauch an sich und sagte: „Ich hatte von außen schon einiges bemerkt, und was du jetzt erzählst, bestätigt meine Beobachtungen. Aber gerade eben hat der Herr alles besprochen — du hast es gehört. Wie hat Schatzjade reagiert?&amp;quot; Dufthauch antwortete: „So wie die Dinge jetzt liegen, lächelt er jeden an, der mit ihm spricht, und schläft, wenn niemand da ist. Von dem Gespräch eben hat er nichts mitbekommen.&amp;quot; Frau König fragte: „Aber was sollen wir dann nur tun?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Ich habe mein Wort gesagt. Die Gnädige Frau sollte es der Herzoginmutter mitteilen und gemeinsam einen sicheren Plan ausarbeiten.&amp;quot; Frau König sagte: „Gut, dann geh du nur. Jetzt gerade sind zu viele Leute im Raum, es ist nicht der richtige Moment. Ich werde eine Gelegenheit abwarten, es der Herzoginmutter zu erzählen, und dann beraten wir, was zu tun ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darauf kehrte Frau König zu den Gemächern der Herzoginmutter zurück. Die Herzoginmutter war gerade im Gespräch mit Phönixglanz. Als sie Frau König hereinkommen sah, fragte sie: „Was wollte das Mädchen Dufthauch? Was sollte das heimliche Getuschel?&amp;quot; Frau König nutzte die Gelegenheit und berichtete der Herzoginmutter ausführlich von Schatzjades Liebe zu Kajaljade, so wie Dufthauch es ihr erzählt hatte. Nachdem sie geendet hatte, schwieg die Herzoginmutter lange. Weder Frau König noch Phönixglanz wagten ein Wort zu sagen. Schließlich seufzte die Herzoginmutter und sagte: „Alles andere ließe sich irgendwie regeln. Es liegt nicht am Fräulein Lin. Aber wenn Schatzjade wirklich so empfindet, dann stehen wir vor einem kaum lösbaren Problem.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz überlegte eine Weile und sagte dann: „Unlösbar ist es nicht. Ich habe nur eine Idee, und ich weiß nicht, ob die Gnädige Frau einverstanden wäre.&amp;quot; Frau König sagte: „Was auch immer deine Idee ist, sag es der Herzoginmutter, und wir beraten uns gemeinsam.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „So wie ich es sehe, gibt es nur eine Lösung: einen Tausch.&amp;quot; Die Herzoginmutter fragte: „Was für einen Tausch?&amp;quot; Phönixglanz antwortete: „Ob Schatzjade bei Verstand ist oder nicht — wir lassen unter den Leuten das Gerücht verbreiten, der Herr habe ihn mit dem Fräulein Lin verlobt, und beobachten seine Reaktion. Wenn er völlig gleichgültig bleibt, brauchen wir den Tausch gar nicht. Aber wenn er sich darüber freut, dann wird die Sache wirklich schwierig.&amp;quot; Frau König fragte: „Angenommen, er freut sich — wie willst du dann vorgehen?&amp;quot; Phönixglanz ging zu Frau König hinüber und flüsterte ihr eine Weile etwas ins Ohr. Frau König nickte mehrmals, lächelte und sagte: „Das könnte gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter rief: „Ihr zwei Verschwörerinnen! Verratet mir endlich, was ihr ausheckt!&amp;quot; Phönixglanz fürchtete, die Herzoginmutter würde ihren Plan nicht sofort begreifen und ihn versehentlich verraten, und flüsterte auch ihr alles ins Ohr. Die Herzoginmutter verstand es zunächst tatsächlich nicht. Phönixglanz lächelte und fügte einige erklärende Worte hinzu. Schließlich sagte die Herzoginmutter lachend: „Das klingt nicht schlecht. Aber tut es dem armen Fräulein Schnee nicht zu viel Leid an? Und was, wenn das Fräulein Lin davon erfährt?&amp;quot; Phönixglanz erwiderte: „Das wird nur Schatzjade gesagt. Niemand sonst darf es erwähnen. Wer soll es also erfahren?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade in diesem Moment meldete ein Dienstmädchen: „Der Zweite Herr Kette Kaufmann ist zurück.&amp;quot; Frau König befürchtete, die Herzoginmutter könnte nach den traurigen Neuigkeiten fragen, die den Anlass seiner Reise gebildet hatten, und warf Phönixglanz einen bedeutungsvollen Blick zu. Phönixglanz ging hinaus, Kette Kaufmann entgegen, und gab ihm mit einer Lippenbewegung zu verstehen, er solle mit ihr zu Frau Königs Gemächern gehen und dort warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile kam Frau König herein und fand Phönixglanz bereits mit rotgeweinten Augen vor. Kette Kaufmann machte Frau König seine Aufwartung und berichtete ausführlich über die Bestattungsvorbereitungen für König Ziteng am Zehn-Meilen-Dorf. Dann fuhr er fort: „Auf kaiserlichen Beschluss wurde posthum der Rang eines Großsekretärs verliehen und der Titel ‚Fürst Wenqin'. Der Hof hat befohlen, dass die Familie den Sarg in die Heimat begleite, und die örtlichen Beamten entlang der Strecke sind angewiesen, für sie zu sorgen. Gestern sind sie aufgebrochen und ziehen nach Süden zurück. Die Tante bat mich, Grüße auszurichten. Sie sagte, sie habe so vieles zu erzählen, könne aber jetzt nicht nach Peking kommen. Sie hat gehört, dass mein Schwager nach Peking kommt; wenn ich ihm unterwegs begegne, solle ich ihm sagen, er möge hierherkommen und alles berichten.&amp;quot; Frau König nahm all dies mit einem Kummer auf, der keiner Worte bedarf. Phönixglanz tröstete sie eine Weile und sagte: „Möge die Gnädige Frau sich ein wenig ausruhen. Am Abend kommen wir wieder und besprechen Schatzjades Angelegenheit.&amp;quot; Damit nahm sie Kette Kaufmann mit in ihre eigenen Gemächer, berichtete ihm alles, was beschlossen worden war, und wies ihn an, die neuen Wohnräume herrichten zu lassen. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, nach dem Frühstück, nahm Kajaljade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 林黛玉&amp;lt;/ref&amp;gt; Purpurkuckuck &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 紫鹃&amp;lt;/ref&amp;gt; mit, um die Herzoginmutter zu besuchen — zum einen, um ihr die Aufwartung zu machen, zum anderen, um sich selbst ein wenig Zerstreuung zu verschaffen. Kaum hatte sie den Xiaoxiang-Pavillon verlassen und einige Schritte getan, fiel ihr ein, dass sie ihr Taschentuch vergessen hatte. Sie schickte Purpurkuckuck zurück, es zu holen, und ging selbst langsam weiter, um auf sie zu warten. Gerade hatte sie die Stelle hinter den Felsen an der Qinfang-Brücke erreicht — eben jenen Ort, an dem sie einst mit Schatzjade Blüten begraben hatte —, als sie plötzlich jemanden bitterlich schluchzen hörte. Kajaljade blieb stehen und lauschte, konnte aber weder die Stimme erkennen noch verstehen, was die Person durch ihr Schluchzen hindurch sagte. Im Herzen sehr verwundert, ging sie vorsichtig näher. Als sie an der Stelle ankam, sah sie ein Mädchen mit großen Augen und dicken Augenbrauen, das dort saß und weinte. Bevor sie das Mädchen erblickt hatte, hatte Kajaljade vermutet, eines der großen Dienstmädchen des Hauses habe irgendein unaussprechliches Herzensleid und komme hierher, um sich auszuweinen. Als sie nun aber dieses Mädchen sah, musste sie fast lachen: „So ein plumpes Geschöpf — was wüsste die schon von Gefühlen! Das muss eine der Mägde sein, die schwere Arbeit verrichten, und sie wird wohl von einem der älteren Mädchen gescholten worden sein.&amp;quot; Sie sah genauer hin, konnte das Mädchen aber nicht einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Mädchen Kajaljade kommen sah, hörte es auf zu weinen, stand auf und wischte sich die Tränen ab. Kajaljade fragte: „Was machst du denn hier, dass du so traurig bist?&amp;quot; Das Mädchen hörte diese Worte und brach erneut in Tränen aus: „Fräulein Lin, urteilt selbst, ob das gerecht ist! Die haben da etwas besprochen, und ich habe davon nichts gewusst, und nur weil ich ein falsches Wort gesagt habe — muss meine Schwester mich deshalb gleich schlagen?&amp;quot; Kajaljade verstand nicht, wovon sie sprach, lächelte und fragte: „Wer ist deine Schwester?&amp;quot; Das Mädchen antwortete: „Die Schwester Zhenzhù.&amp;quot; Kajaljade wusste nun, dass sie zu den Gemächern der Herzoginmutter gehörte, und fragte weiter: „Und wie heißt du?&amp;quot; Das Mädchen sagte: „Ich heiße Sha Dajie, das Dummerchen.&amp;quot; Kajaljade lachte. Dann fragte sie: „Warum hat sie dich geschlagen? Was hast du Falsches gesagt?&amp;quot; Das Mädchen antwortete: „Es ging um die Hochzeit unseres Zweiten Herrn Schatzjade mit dem Fräulein Schnee.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kajaljade diese Worte hörte, traf es sie wie ein Donnerschlag, und ihr Herz schlug wild. Nachdem sie sich einen Moment gesammelt hatte, sagte sie dem Mädchen, es solle ihr folgen. Das Mädchen folgte Kajaljade zu jener abgelegenen Ecke, wo einst die Pfirsichblüten begraben worden waren — ein stiller Ort. Kajaljade fragte: „Dass der Zweite Herr Schatzjade das Fräulein Schnee heiratet — warum hat sie dich deswegen geschlagen?&amp;quot; Das Dummerchen antwortete: „Unsere Herzoginmutter und die Gnädige Frau und die Zweite Herrin haben beraten: Weil unser Herr bald abreist, wollen sie schnell zu Tante Schnee gehen und das Fräulein Schnee herholen lassen. Erstens soll es dem Zweiten Herrn Glück bringen, und zweitens ...&amp;quot; Sie hielt inne, sah Kajaljade kichernd an und fuhr dann fort: „... wollen sie rasch alles erledigen, damit man auch für das Fräulein Lin einen Ehemann suchen kann.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade war wie versteinert. Das Mädchen plapperte munter weiter: „Ich weiß ja auch nicht, was die da untereinander besprochen haben. Niemand soll darüber reden, weil man fürchtet, das Fräulein Schnee könnte sich schämen. Da habe ich doch nur ganz beiläufig zu der Schwester Dufthauch im Zimmer des Zweiten Herrn gesagt: ‚Na, bei uns wird es ja nun noch lebhafter — erst das Fräulein Schnee, und dann ist sie auch noch die Zweite Herrin, wie soll man sie dann ansprechen?' Fräulein Lin, sagt selbst: Hat Schwester Zhenzhù einen Grund, mich dafür zu schlagen? Sie kam her und verpasste mir eine Ohrfeige und sagte, ich rede Unsinn und befolge nicht die Anweisungen von oben und würde hinausgeworfen! Woher sollte ich denn wissen, dass die Herrschaften nicht wollen, dass man darüber spricht? Mir hat es ja keiner gesagt, und dann wird man einfach geschlagen!&amp;quot; Und sie fing wieder an zu weinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade fühlte sich in diesem Augenblick, als hätte man ihr Öl, Sojasoße, Zucker und Essig zugleich ins Herz geschüttet — süß, bitter, sauer, salzig, alles durcheinander, und sie hätte nicht sagen können, welcher Geschmack überwog. Nach einer Weile sagte sie mit zitternder Stimme: „Hör auf, solchen Unsinn zu reden. Wenn du so weiter schwatzt, wirst du wieder geschlagen. Geh jetzt!&amp;quot; Dann wandte sie sich um, um zum Xiaoxiang-Pavillon zurückzugehen. Doch ihr Körper schien tausend Pfund zu wiegen, und ihre Füße waren weich, als trete sie auf Watte. Sie konnte nur noch ganz langsam, Schritt für Schritt, vorwärts gehen. Nach einer halben Ewigkeit hatte sie die Qinfang-Brücke noch immer nicht erreicht: Ihre Füße waren so weich, dass sie nur kriechend langsam vorankam, und in ihrer Benommenheit und Verwirrung war sie einen Umweg gelaufen, so dass sich ihr Weg um zwei Bogenschussweiten verlängert hatte. Als sie endlich die Qinfang-Brücke erreichte, ging sie plötzlich, ohne es zu bemerken, am Ufer entlang in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck hatte das Taschentuch geholt und Kajaljade nicht vorgefunden. Sie sah sich gerade suchend um, als sie Kajaljade erblickte — schneeweiß im Gesicht, schwankend, mit starrem Blick, wie sie dort hin und her irrte. In der Ferne entfernte sich auch ein Mädchen, aber sie konnte nicht erkennen, wer es war. Verwirrt und besorgt, beschleunigte sie ihren Schritt und fragte leise: „Fräulein, warum geht Ihr zurück? Wohin wollt Ihr?&amp;quot; Kajaljade hörte die Frage nur wie durch einen Nebel und antwortete unwillkürlich: „Ich gehe Schatzjade fragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck verstand nicht, was das bedeuten sollte, und konnte sie nur stützend zu den Gemächern der Herzoginmutter bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Eingang zu den Gemächern der Herzoginmutter schien Kajaljades Geist plötzlich etwas klarer zu werden. Sie drehte sich um, sah, dass Purpurkuckuck sie stützte, blieb stehen und fragte: „Was machst du hier?&amp;quot; Purpurkuckuck lächelte verlegen: „Ich bin mit dem Taschentuch zurückgekommen. Vorhin sah ich das Fräulein drüben bei der Brücke, und ich bin hinübergeeilt und habe gefragt, aber das Fräulein hat mich gar nicht beachtet.&amp;quot; Kajaljade lächelte: „Ich dachte, du kommst hierher, um den Zweiten Herrn Schatzjade zu besuchen — weshalb solltest du sonst hierher gehen?&amp;quot; Purpurkuckuck sah an der Verwirrung in ihren Augen, dass Kajaljade von dem Mädchen irgendetwas gehört haben musste. Sie konnte nur nicken und leicht lächeln. Doch in ihrem Inneren machte sie sich große Sorgen: Wenn Kajaljade auf Schatzjade träfe — der eine schon ganz von Sinnen, die andere nun so benommen —, würden womöglich Dinge gesagt, die das Anstandsgefühl verletzten, und was dann? So dachte sie bei sich, wagte aber nicht zu widersprechen und führte Kajaljade hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade aber verhielt sich nun seltsam: Sie wirkte nicht mehr so kraftlos wie zuvor, ließ auch Purpurkuckuck nicht den Vorhang heben, sondern hob ihn selbst und trat ein. Drinnen war es totenstill: Die Herzoginmutter schlief gerade ihren Mittagsschlaf, und von den Dienstmädchen waren manche zum Spielen weggelaufen, andere dösten, wieder andere warteten bei der Herzoginmutter im Schlafzimmer. Es war Dufthauch, die das Rascheln des Vorhangs hörte und aus dem Zimmer kam. Als sie Kajaljade sah, begrüßte sie sie höflich: „Fräulein, bitte tretet ein und setzt Euch.&amp;quot; Kajaljade lächelte und fragte: „Ist der Zweite Herr zu Hause?&amp;quot; Dufthauch, die nichts ahnte, wollte gerade antworten, als sie sah, wie Purpurkuckuck hinter Kajaljades Rücken mit den Lippen auf ihre Herrin zeigte und warnend mit der Hand winkte. Dufthauch verstand nicht, was das bedeutete, und wagte nichts zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade kümmerte sich nicht darum und ging von selbst in das Zimmer. Sie sah Schatzjade auf dem Bett sitzen. Er stand nicht auf, um sie zu begrüßen, sondern starrte sie nur dümmlich grinsend an. Kajaljade setzte sich unaufgefordert hin und starrte Schatzjade ebenfalls lächelnd an. Die beiden fragten sich nicht nach dem Befinden, sagten kein Wort, machten keinerlei Höflichkeitsbezeugungen, sondern saßen einander nur gegenüber und grinsten sich wie zwei Narren an. Dufthauch stand daneben, sah dieses Schauspiel und war völlig ratlos. Plötzlich sagte Kajaljade: „Schatzjade, warum bist du krank geworden?&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ich bin wegen des Fräulein Lin krank geworden.&amp;quot; Dufthauch und Purpurkuckuck erbleichten vor Schreck und versuchten hastig, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Die beiden aber antworteten nicht und grinsten sich wie zuvor dumm an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Dufthauch sah, dass Kajaljade ebenso verwirrt war wie Schatzjade, flüsterte sie Purpurkuckuck zu: „Das Fräulein hat sich gerade erst erholt. Ich rufe die Schwester Herbstmuster, die soll dir helfen, das Fräulein zurückzubringen. Sie sollte sich ausruhen.&amp;quot; Dann wandte sie sich an Herbstmuster: „Geh mit der Schwester Purpurkuckuck und begleite das Fräulein Lin zurück. Und unterlasst jedes unnötige Gerede!&amp;quot; Herbstmuster lächelte wortlos und trat hinzu, um Purpurkuckuck zu helfen. Sie fassten Kajaljade unter den Armen. Kajaljade stand sofort auf, starrte Schatzjade unverwandt an, lächelte und nickte. Purpurkuckuck drängte: „Fräulein, gehen wir nach Hause, Ihr müsst Euch ausruhen!&amp;quot; Kajaljade sagte: „Ja, gewiss, es ist Zeit für mich zu gehen.&amp;quot; Damit wandte sie sich lächelnd um und ging hinaus, ließ sich von den Mädchen nicht stützen und lief doppelt so schnell wie sonst. Purpurkuckuck und Herbstmuster eilten ihr nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade verließ das Tor der Gemächer der Herzoginmutter und ging geradewegs in die falsche Richtung. Purpurkuckuck fasste sie hastig am Arm und rief: „Fräulein, hier entlang!&amp;quot; Kajaljade lächelte noch immer und folgte Purpurkuckuck zum Xiaoxiang-Pavillon. Als sie nicht mehr weit vom Eingang entfernt waren, rief Purpurkuckuck: „Dem Himmel sei Dank! Endlich zu Hause!&amp;quot; Doch kaum hatte sie den Satz beendet, da kippte Kajaljade nach vorn, schrie laut auf, und ein Schwall Blut schoss ihr aus dem Mund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob sie dies überlebte, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 95</title>
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&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_90|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;90&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_91|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;91&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_92|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;92&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_93|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;93&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_94|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;94&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;95&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_96|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;96&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_97|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;97&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_98|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;98&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_99|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;99&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_100|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;100&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第九十五回 / Kapitel 95 =&lt;br /&gt;
== 因讹成实元妃薨逝 ==&lt;br /&gt;
=== 以假混真宝玉疯癫 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünfundneunzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer Lüge wird Wirklichkeit: Die Edle Gemahlin stirbt,&lt;br /&gt;
Wahres wird mit Falschem vertauscht: Schatzjade verfällt dem Wahnsinn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, stand Beiming vor dem Tor und sagte dem kleinen Mädchen, es gebe Nachricht über Schatzjades &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; Jade. Das Mädchen eilte hinein, um es Schatzjade mitzuteilen. Als alle es hörten, schoben sie Schatzjade nach draußen, damit er Beiming befragen könne, und standen selbst lauschend in der Galerie. Auch Schatzjade fühlte sich erleichtert, ging hinaus zum Tor und fragte: „Wo hast du sie bekommen? Bring sie schnell her!&amp;quot; — Beiming antwortete: „Mitnehmen kann ich sie nicht, man braucht erst einen Bürgen.&amp;quot; — Schatzjade sagte: „Erzähl schnell, wie du es erfahren hast, dann schicke ich jemanden, sie zu holen.&amp;quot; — Beiming sagte: „Ich war draußen und hörte, dass der alte Lin zum Zeichendeuter gegangen war. Da folgte ich ihm. Als ich hörte, man solle in den Pfandhäusern suchen, wartete ich gar nicht erst ab, bis er zu Ende gesprochen hatte, und lief zu mehreren Pfandhäusern. Ich beschrieb ihnen die Jade, und einer sagte, er habe eine. Ich sagte: ›Gebt sie mir.‹ Der Pfandleiher verlangte aber einen Pfandschein. Ich fragte: ›Für wieviel ist sie versetzt?‹ Er sagte: ›Für dreihundert Käsch gibt es eine, für fünfhundert auch. Neulich brachte jemand so ein Jadestück und versetzte es für dreihundert Käsch; heute brachte wieder jemand eines und versetzte es für fünfhundert Käsch.‹&amp;quot; — Schatzjade ließ ihn gar nicht ausreden und sagte: „Nimm schnell dreihundert und fünfhundert Käsch mit und hole sie beide, dann sehen wir, welche die richtige ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von drinnen rief Dufthauch &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 袭人&amp;lt;/ref&amp;gt; verächtlich: „Der Herr soll sich nicht mit ihm abgeben! Als ich klein war, hat mein Bruder mir oft erzählt, manche Leute kaufen solche kleinen Jadestückchen, und wenn sie kein Geld haben, versetzen sie die. In jedem Pfandhaus gibt es wahrscheinlich welche.&amp;quot; — Die anderen, die erst gespannt zugehört hatten, dachten nach Dufthauchs Worten kurz nach und mussten dann alle lachen: „Ruft den Herrn schnell wieder herein! Kümmert euch nicht um diesen Narren. Was er da beschreibt, ist bestimmt nicht die echte.&amp;quot; — Schatzjade lachte gerade noch, als Höhlennebel Strafe eintraf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe war zum Kloster Geborgen im Grün &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 栊翠庵&amp;lt;/ref&amp;gt; gegangen und hatte Wunderjade aufgesucht. Ohne Umschweife bat sie Wunderjade um eine Geisterschrift-Séance. Wunderjade lachte kalt und sagte: „Ich pflege den Umgang mit Euch, Fräulein, weil Ihr nicht zu den weltlich Gesinnten gehört. Wie kommt Ihr heute dazu, auf irgendwelche Gerüchte zu hören und mich damit zu belästigen? Überdies verstehe ich gar nichts von Geisterschrift.&amp;quot; — Damit wollte sie sich abwenden. Höhlennebel Strafe bereute, hierher gekommen zu sein. Sie kannte Wunderjades schwieriges Wesen. Doch nun, da sie die Sache einmal angesprochen hatte, konnte sie nicht gut mit leeren Händen zurückkehren, und es wäre auch nicht schicklich gewesen, Wunderjade gegenüber darauf zu beharren, dass sie sehr wohl der Geisterschrift kundig war. So blieb ihr nichts, als zu lächeln und ihr zu erzählen, dass es für Dufthauch und die anderen um Leib und Leben ging. Als sie sah, dass Wunderjade etwas nachgiebiger wurde, erhob sie sich und verbeugte sich mehrmals demütig vor ihr. Wunderjade seufzte: „Muss man denn für alle die Brautschuhe nähen? Seit ich nach Peking gekommen bin, hat es niemand gewusst. Wenn ich heute für dich eine Ausnahme mache, wird man mich in Zukunft nie mehr in Ruhe lassen.&amp;quot; — Höhlennebel Strafe antwortete: „Auch mir tat es im Augenblick nur leid um sie. Ich wusste, Ihr seid barmherzig. Wenn andere Euch künftig bitten, liegt es an Euch, ob Ihr wollt oder nicht — niemand wird Euch dazu zwingen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wunderjade lächelte, rief eine Klostermagd und ließ Räucherwerk anzünden. Aus einer Truhe holte sie den Sandteller und das Geisterschreibgestell hervor und schrieb Talismane. Sie bat Höhlennebel Strafe, den Ritus der Verneigung und des Gebets zu vollziehen, und dann hielten beide zusammen das Gestell. Alsbald fuhr das Geisterschreibgestell rasch über den Sand und schrieb:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O weh! Ohne Spur kommt es, ohne Spur geht es fort.&lt;br /&gt;
Am Fuß des Grünkamm-Gipfels lehnt es an einer uralten Kiefer.&lt;br /&gt;
Willst du es suchen — zehntausend Berge türmen sich.&lt;br /&gt;
Tritt ein durch mein Tor, und ein Lächeln wird dich empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schrift endete, das Gestell kam zur Ruhe. Höhlennebel Strafe fragte: „Welcher Unsterbliche wurde gerufen?&amp;quot; — Wunderjade antwortete: „Der Krücken-Unsterbliche.&amp;quot; — Höhlennebel Strafe schrieb den Spruch ab und bat Wunderjade um eine Deutung. Wunderjade sagte: „Das kann ich wirklich nicht. Selbst ich verstehe es nicht. Nimm es mit — dort drüben gibt es genug kluge Köpfe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe musste sich also auf den Rückweg machen. Als sie in den Hof trat, bestürmten sie alle mit Fragen: „Was ist herausgekommen?&amp;quot; — Höhlennebel Strafe hatte keine Zeit für ausführliche Erklärungen und reichte den notierten Spruch direkt an Seidenweiß Pflaume weiter. Die Schwestern und Schatzjade drängten sich heran, um zu lesen. Man kam überein, die Deutung sei: Man könne die Jade gerade nicht finden, aber verloren sei sie auch nicht; irgendwann, wenn man nicht mehr danach suche, werde sie von selbst auftauchen. Nur — wo war der Grünkamm-Gipfel? — Seidenweiß Pflaume sagte: „Das muss eine verborgene Andeutung sein. Woher sollte in unserem Garten ein Grünkamm-Gipfel kommen? Bestimmt hat jemand aus Angst vor der Entdeckung die Jade weggeworfen, und nun liegt sie unter einem Felsstein mit Kiefern in einem der Steingärten. Nur das ›Tritt ein durch mein Tor‹ — was soll das heißen? Durch wessen Tor?&amp;quot; — Kajaljade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 林黛玉&amp;lt;/ref&amp;gt; fragte: „Welcher Geist wurde gerufen?&amp;quot; — Höhlennebel Strafe antwortete: „Der Krücken-Unsterbliche.&amp;quot; — Erkundefrühling &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 探春&amp;lt;/ref&amp;gt; sagte: „Wenn es das Tor eines Unsterblichen ist, wird es schwer sein, es zu durchschreiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch war in großer Hast und suchte blindlings drauflos, jeden Stein umdrehend — aber vergeblich. Als sie in den Hof zurückkehrte, fragte Schatzjade nicht einmal, ob sie etwas gefunden habe, sondern grinste nur albern vor sich hin. Moschusmond &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 麝月&amp;lt;/ref&amp;gt; rief verzweifelt: „Mein kleiner Herr! Sag uns doch endlich, wo du sie verloren hast! Selbst wenn wir dafür leiden müssen, wollen wir wenigstens wissen, woran wir sind!&amp;quot; — Schatzjade lachte: „Ich habe doch gesagt, dass ich sie draußen verloren habe, aber ihr wolltet es nicht glauben. Wenn ihr mich jetzt fragt — woher soll ich es noch wissen?&amp;quot; — Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling sagten: „Seit heute früh haben wir gesucht, und es ist schon gegen Mitternacht. Seht, Schwester Kajaljade hat es nicht mehr ausgehalten und ist schon nach Hause gegangen. Wir sollten uns auch ausruhen und morgen weitermachen.&amp;quot; — So löste sich die Versammlung auf. Schatzjade legte sich sofort schlafen. Die arme Dufthauch und die anderen weinten eine Weile, grübelten eine Weile, und keine schloss in jener Nacht ein Auge. Aber lassen wir sie einstweilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenden wir uns Kajaljade zu: Als sie nach Hause kam, musste sie an die alte Geschichte vom „Bund aus Gold und Jade&amp;quot; denken, und seltsamerweise war sie darüber erfreut. Im Stillen sagte sie sich: „Die Worte der Mönche und Priester verdienen wirklich keinen Glauben. Wenn ›Gold‹ und ›Jade‹ tatsächlich füreinander bestimmt wären, wie hätte Schatzjade dann seine Jade verlieren können? Vielleicht wird meinetwegen der Bund aus Gold und Jade aufgelöst — wer weiß?&amp;quot; — Nach langem Grübeln fühlte sie sich immer beruhigter. Die Erschöpfung des Tages ließ sie unbeachtet und nahm erneut ein Buch zur Hand. Purpurkuckuck &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 紫鹃&amp;lt;/ref&amp;gt; hingegen war todmüde und drängte ihre Herrin mehrmals, sich hinzulegen. Kajaljade legte sich zwar hin, dachte aber wieder an die Begonienblüte: „Diese Jade wurde im Mutterleib mitgebracht, kein gewöhnliches Ding — ihr Kommen und Gehen hat tiefe Bedeutung. Wenn die Blüte eine frohe Botschaft verkündet, hätte die Jade nicht verlorengehen dürfen! Es scheint, dass diese Blüte ein unheimliches Zeichen ist — sollte ihm etwa ein Unglück bevorstehen?&amp;quot; — Trauer stieg in ihr auf. Dann aber dachte sie wieder an ein freudiges Ereignis — dann sollte die Blüte blühen und die Jade verlorengehen. So wechselten Trauer und Freude einander ab, bis sie erst gegen die fünfte Nachtwache einschlief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen schickte Frau König Diener aus, um in den Pfandhäusern nachzufragen. Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; ließ insgeheim auf eigene Faust suchen. Mehrere Tage vergingen, doch keine Spur. Zum Glück wussten die Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; und Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾政&amp;lt;/ref&amp;gt; noch nichts davon. Dufthauch und die anderen lebten in täglicher Angst. Auch Schatzjade ging mehrere Tage nicht zur Schule, saß nur starr da, sprach nicht und war ohne Sinn und Verstand. Frau König dachte, es komme nur vom Verlust der Jade, und machte sich nicht allzu viele Sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages saß sie in Gedanken versunken, als Kette Kaufmann hereinkam, seine Aufwartung machte und lächelnd berichtete: „Heute hat Regendorf jemanden geschickt, um unserem Herrn mitzuteilen, dass der Herr Onkel zum Großen Akademiker des Inneren Kabinetts befördert wurde. Auf kaiserlichen Befehl kehrt er nach Peking zurück. Die offizielle Ernennung ist für den zwanzigsten des ersten Monats des nächsten Jahres festgesetzt, und ein Eilkurier mit dreihundert Meilen Fahrstrecke ist schon unterwegs. Wenn der Herr Onkel Tag und Nacht reist, dürfte er in gut zwei Wochen hier sein. Ich komme eigens, um der Gnädigen Frau dies mitzuteilen.&amp;quot; — Frau König war hocherfreut. Sie hatte gerade daran gedacht, wie wenige Verwandte sie um sich hatte: Die Familie der Tante Schnee war in Verfall geraten, ihr Bruder im fernen Amt konnte ihr nicht beistehen. Nun hörte sie plötzlich, dass ihr Bruder zum Kanzler ernannt war und nach Peking zurückkehrte — das Ansehen der König-Familie würde wieder erstrahlen, und auch Schatzjades Zukunft wäre gesichert. So ließ sie die Sorge um die verlorene Jade etwas ruhen und wartete Tag für Tag sehnsüchtig auf die Ankunft ihres Bruders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages kam Aufrecht Kaufmann herein, mit tränennassem Gesicht und außer Atem, und sagte: „Geh schnell und sage es der Herzoginmutter — sie muss sofort in den Palast! Es brauchen nicht viele mitzugehen, du allein begleitest sie. Die Edle Gemahlin ist plötzlich schwer erkrankt. Draußen wartet schon ein Eunuch. Er sagt, die Kaiserliche Ärzteakademie habe dem Thron bereits gemeldet, es handle sich um einen Schleimanfall mit Erstickungsgefahr, der nicht mehr behandelt werden könne.&amp;quot; — Frau König brach sofort in Tränen aus. Aufrecht Kaufmann sagte: „Jetzt ist nicht die Zeit zum Weinen! Geh schnell und rufe die Herzoginmutter. Sag es ihr behutsam, damit die alte Dame nicht zu sehr erschrickt.&amp;quot; — Damit ging Aufrecht Kaufmann hinaus und gab dem Gesinde Anweisungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König trocknete die Tränen, ging zur Herzoginmutter und sagte nur, die Edle Gemahlin sei krank, und man müsse in den Palast, um ihr seine Aufwartung zu machen. Die Herzoginmutter murmelte ein Buddhagebet: „Was, schon wieder krank? Beim letzten Mal habe ich mich furchtbar geängstigt, und dann stellte sich heraus, dass es ein Irrtum war. Wenn es doch nur auch diesmal wieder ein Irrtum wäre!&amp;quot; — Frau König antwortete beruhigend und drängte zugleich Mandarinenente &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 鸳鸯&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen, die Truhen zu öffnen, Hofgewänder und Schmuck herauszusuchen und die Herzoginmutter anzukleiden. Dann eilte Frau König in ihr eigenes Zimmer, kleidete sich gleichfalls um und kam zurück, um der Herzoginmutter zu helfen. Bald trat man in die Halle, stieg in die Sänften und fuhr zum Palast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urfrühling &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 元春&amp;lt;/ref&amp;gt; war, seit sie für den Phönixalgenpalast auserwählt worden war, in der besonderen Gunst des Kaisers gestanden und hatte an Gewicht zugenommen, sodass jede Bewegung ihr Mühe machte. Die tägliche Anstrengung des Hoflebens verursachte immer wieder Schleimleiden. Vor einigen Tagen war sie nach einem Gastmahl im Palast einer leichten Erkältung erlegen, die ihr altes Leiden anfachte. Doch diesmal war es außerordentlich schwer: Der Schleim verstopfte die Atemwege, die Gliedmaßen waren kalt und steif. Man meldete es dem Thron und rief sofort die kaiserlichen Ärzte. Doch die Arznei ging nicht hinunter, und selbst die stärksten schleimlösenden Mittel zeigten keine Wirkung. Die Eunuchen des Inneren waren höchst besorgt und baten den Kaiser, die letzten Vorbereitungen treffen zu dürfen. Daher erging der Befehl, die Verwandten der Edlen Gemahlin in den Palast zu rufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter und Frau König folgten dem Befehl und betraten den Palast. Sie fanden die Edle Gemahlin, den Schleim im Mund, unfähig zu sprechen. Als Urfrühling die Herzoginmutter erblickte, nahm ihr Gesicht einen Ausdruck tiefsten Kummers an, als wolle sie weinen, doch es kamen keine Tränen. Die Herzoginmutter trat vor, machte ihre Aufwartung und sprach einige tröstende Worte. Kurz darauf wurden die Visitenkarten von Aufrecht Kaufmann und den anderen hereingebracht, und eine wartende Hofdame gab sie der Gemahlin. Doch Urfrühling konnte die Augen nicht mehr darauf richten, und ihr Gesicht verfärbte sich zusehends. Die Eunuchen wollten dem Kaiser sogleich Bericht erstatten. Da zu erwarten stand, dass andere Gemahlinnen zum Abschied kommen würden, baten sie die Verwandten, in einem Vorzimmer zu warten. Die Herzoginmutter und Frau König konnten sich kaum losreißen, doch die Hofregeln zwangen sie. Sie gingen hinaus, wagten nicht zu weinen, und trugen ihren Schmerz nur im Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Palastpforte warteten Beamte auf Nachricht. Kurz darauf kam ein Eunuch heraus und ließ sofort den kaiserlichen Astronomierat rufen. Die Herzoginmutter wusste, was das bedeutete, wagte aber noch nicht, sich zu bewegen. Nach einem Augenblick kam ein junger Eunuch heraus und verkündete den Erlass: „Die Edle Gemahlin Jia ist verschieden.&amp;quot; Es war das Jahr Jia-Yin, der achtzehnte Tag des zwölften Monats war Frühlingsanfang gewesen. Die Gemahlin starb am neunzehnten des zwölften Monats, der bereits dem Monat Yin des folgenden Mao-Jahres zuzurechnen war. Sie wurde einunddreißig Jahre alt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter erhob sich, ihren Schmerz verbergend, verließ den Palast, stieg in die Sänfte und fuhr nach Hause. Auch Aufrecht Kaufmann und die anderen hatten die Nachricht erhalten und machten sich trauernd auf den Heimweg. Zu Hause empfingen Frau Strafe, Seidenweiß Pflaume, Phönixglanz, Schatzjade und die anderen sie in der Halle, teilten sich in zwei Reihen, machten ihre Aufwartung vor der Herzoginmutter, dann vor Aufrecht Kaufmann und Frau König. Alle weinten — davon sei nicht weiter berichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen machten alle Familienmitglieder mit amtlichem Rang gemäß dem Zeremoniell für Edle Gemahlinnen ihre Traueraufwartung im Palast. Aufrecht Kaufmann als Beamter des Bauministeriums musste die Zeremonien nach Vorschrift leiten, wurde aber auch von Amtskollegen um Rat gefragt, sodass er an beiden Seiten zu tun hatte und ungleich beschäftigter war als bei den früheren Trauerfeiern für die Kaiserinwitwe und Gemahlin Zhou. Da Urfrühling keine Nachkommen hatte, wurde ihr posthum der Titel „Tugendreiche und Sittsame Edle Gemahlin&amp;quot; verliehen. Das war nach Hofbrauch so und braucht nicht weiter erörtert zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hause Kaufmann fuhren Männer und Frauen Tag für Tag zum Palast, und es herrschte größte Geschäftigkeit. Glücklicherweise ging es Phönixglanz in letzter Zeit etwas besser, und sie konnte aufstehen und den Haushalt führen. Gleichzeitig musste der Empfang für König Ziteng vorbereitet werden, der nach Peking zurückkehrte. Phönixglanz' eigener Bruder König Ren, der erfahren hatte, dass sein Onkel ins Kabinett aufgenommen worden war, kam ebenfalls mit seiner Familie in die Hauptstadt. Phönixglanz freute sich darüber. Trotz ihrer Leiden hatte sie nun ihre Verwandten um sich, und so ging es ihr gesundheitlich sogar etwas besser. Frau König, die sah, dass Phönixglanz wie früher die Geschäfte führte, legte die Hälfte ihrer Last ab. Und mit dem nahenden Eintreffen ihres Bruders in Peking fühlte sie sich in allem beruhigter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur Schatzjade hatte keinen amtlichen Rang und nahm nicht an den Trauerzeremonien teil. Er ging auch nicht zur Schule. Lehrmeister Dai Ru wusste, dass es in seiner Familie Trauerfall gab, und kümmerte sich nicht weiter um ihn. Aufrecht Kaufmann war viel zu beschäftigt, um sich um ihn zu kümmern. Man hätte meinen können, Schatzjade würde diese Gelegenheit nutzen, um sich mit den Schwestern täglich zu vergnügen. Doch seit dem Verlust der Jade saß er nur träge herum, sprach wirr und war zu nichts zu gebrauchen. Wenn die Herzoginmutter oder andere vom Palast zurückkehrten und man ihn rief, seine Aufwartung zu machen, ging er hin; rief ihn niemand, rührte er sich nicht. Dufthauch und die anderen hatten ein schlechtes Gewissen und wagten nicht, ihn zu reizen, aus Angst, er könnte zornig werden. Tee und Mahlzeiten — wenn man es ihm hinstellte, aß er; kam nichts, forderte er auch nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sah, dass sein Zustand nicht wie Verärgerung war, sondern wie eine echte Krankheit. Sie stahl sich zur Xiaoxiang-Pavillon und sagte zu Purpurkuckuck: „So steht es um den Herrn. Bitte bittet das Fräulein, mit ihm zu reden und ihn aufzuheitern.&amp;quot; — Purpurkuckuck richtete es Kajaljade sofort aus. Doch Kajaljade war überzeugt, dass die Verlobung mit ihr beschlossene Sache sei, und empfand es als unschicklich, ihn zu sehen: „Wenn er zu mir kommt, kann ich ihn als Kindheitsfreund schwerlich abweisen. Aber dass ich zu ihm ginge, das kommt auf keinen Fall in Frage.&amp;quot; — So weigerte sich Kajaljade zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch ging auch heimlich zu Erkundefrühling. Doch Erkundefrühling wusste genau, dass die Begonienblüte ein unheimliches Zeichen war, der Verlust der Jade noch unheimlicher, und nun war auch noch ihre Schwester, die Edle Gemahlin, gestorben. Sie ahnte, dass es mit der Familie bergab ging, und grübelte Tag für Tag. Wie hätte sie die Gemütsverfassung haben sollen, Schatzjade aufzuheitern? Zudem waren Bruder und Schwester schließlich Mann und Frau, und sie konnte ihn nicht ständig besuchen. Ein- oder zweimal kam sie vorbei, doch Schatzjade blieb immer nur teilnahmslos, und so kam sie nicht mehr oft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt; wusste vom Verlust der Jade. Denn an jenem Tag, als Tante Schnee der Verlobung mit Schatzjade zugestimmt hatte, war sie nach Hause gegangen und hatte es Schatzspange erzählt. Tante Schnee hatte noch gesagt: „Zwar hat deine Tante Wang es vorgeschlagen, aber ich habe noch nicht endgültig zugesagt. Ich sagte, wir sollten warten, bis dein Bruder zurückkommt, um es zu entscheiden. Willst du oder willst du nicht?&amp;quot; — Schatzspange hatte mit ernster Miene geantwortet: „Mutter, diese Worte sind nicht richtig. In Angelegenheiten einer Tochter entscheiden die Eltern. Da Vater nicht mehr lebt, muss Mutter entscheiden, oder wenn nicht, dann der Bruder. Warum fragt Ihr mich?&amp;quot; — Tante Schnee hatte sie dafür nur noch mehr geschätzt und gesagt, obgleich sie von klein auf verwöhnt worden sei, besitze sie doch angeborene Tugendhaftigkeit und Besonnenheit. Fortan erwähnte sie Schatzjades Namen nicht mehr vor ihr. Schatzspange ihrerseits nahm die zwei Silben „Schatzjade&amp;quot; seitdem erst recht nicht mehr in den Mund. Obwohl sie nun vom Verlust der Jade hörte und insgeheim bestürzt war, konnte sie nicht danach fragen. Sie begnügte sich mit dem, was andere erzählten, und tat, als ginge es sie nichts an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur Tante Schnee schickte mehrmals ein Mädchen herüber, um nach Neuigkeiten zu fragen. Sie machte sich aber auch Sorgen um ihren eigenen Sohn Becken Schnee und wartete sehnsüchtig auf die Ankunft ihres Bruders, der ihm aus seiner Schuld heraushelfen könnte. Sie wusste, dass die Edle Gemahlin gestorben war und das Haus Kaufmann in Aufruhr war, aber da es Phönixglanz besser ging und sie den Haushalt führte, kam Tante Schnee nicht mehr so oft herüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am meisten litt die arme Dufthauch, die vor Schatzjade demütig aufwartete und tröstete, doch Schatzjade verstand nichts. Dufthauch konnte nur im Stillen bangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Tage vergingen. Urfrühlings Sarg wurde in den kaiserlichen Ruhetempel überführt, und die Herzoginmutter und die anderen begleiteten das Begräbnis einige Tage lang. Schatzjade aber wurde von Tag zu Tag stumpfsinniger: kein Fieber, keine Schmerzen, nur aß er ohne zu essen und schlief ohne zu schlafen, und wenn er sprach, waren seine Worte wirr und zusammenhangslos. Dufthauch, Moschusmond und die anderen gerieten in Panik und berichteten Phönixglanz mehrmals. Phönixglanz kam oft vorbei. Anfangs dachte sie, er sei nur verärgert, weil die Jade nicht gefunden worden sei. Doch als sie seinen verstörten Zustand sah, ließ sie täglich einen Arzt kommen. Die Arzneien, die er verschrieben bekam, machten die Krankheit nur schlimmer, statt sie zu lindern. Wenn man ihn fragte, wo er sich unwohl fühle, konnte Schatzjade es nicht sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst als die Trauerzeremonien für die Edle Gemahlin beendet waren, dachte die Herzoginmutter wieder an Schatzjade und kam persönlich in den Garten, um nach ihm zu sehen. Frau König begleitete sie. Dufthauch und die anderen sagten Schatzjade eilig, er solle hinausgehen und seine Aufwartung machen. Obwohl Schatzjade krank war, stand er jeden Tag auf und bewegte sich. Heute, als man ihn bat, die Herzoginmutter zu empfangen, machte er wie gewohnt seine Verbeugung, nur dass Dufthauch ihm dabei an der Seite stehen und jede Bewegung einflüstern musste. Die Herzoginmutter sagte: „Mein Kind, ich dachte, du wärst bettlägerig, und bin deshalb gekommen, nach dir zu sehen. Aber du siehst aus wie immer — da bin ich doch sehr erleichtert.&amp;quot; — Auch Frau König war beruhigt. Doch Schatzjade antwortete nicht und grinste nur albern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter und die anderen traten ein und setzten sich. Wenn man ihm etwas fragte, sprach Dufthauch es ihm vor, und er wiederholte es Wort für Wort — ganz und gar nicht wie früher, wie ein reiner Trottel. Je genauer die Herzoginmutter hinsah, desto mehr erschrak sie und sagte: „Als ich eben hereinkam, schien ihm nichts zu fehlen. Aber wenn ich genau hinschaue, ist die Krankheit tatsächlich schwer — es sieht aus, als hätte er seinen Geist verloren. Was ist die Ursache?&amp;quot; — Frau König wusste, dass es sich nicht länger verheimlichen ließ. Als sie Dufthauchs erbarmungswürdigen Anblick sah, hielt sie sich an Schatzjades frühere Ausrede und erzählte der Herzoginmutter leise, er habe die Jade verloren, als er beim Markgrafen von Lin'an zum Theaterschauen war. Sie war selbst voller Angst, die Herzoginmutter könne sich zu sehr aufregen, und fügte hinzu: „Man lässt überall danach suchen. Wir haben Orakel und Wahrsager befragt, und alle sagen, man solle in den Pfandhäusern suchen. Sicher wird sie sich finden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hörte es, sprang auf, und Tränen strömten ihr übers Gesicht: „Wie kann man nur so ein Ding verlieren! Ihr seid ja alle ohne Verstand! Hat denn auch der Herr sich nicht darum gekümmert?&amp;quot; — Frau König sah, wie zornig die Herzoginmutter war, ließ Dufthauch und die anderen niederknien, verneigte sich selbst demütig und sagte: „Die Schwiegertochter fürchtete, die Herzoginmutter könnte sich aufregen und der Herr zürnen, und wagte daher nicht, es zu melden.&amp;quot; — Die Herzoginmutter seufzte: „Diese Jade ist Schatzjades Lebenskern. Weil er sie verloren hat, ist er so von Sinnen. Das darf doch nicht wahr sein! Die ganze Stadt kennt diese Jade. Wenn sie jemand aufgehoben hat, wird er sie euch wohl zurückgeben? Schickt sofort jemanden, um den Herrn zu holen. Ich will mit ihm sprechen.&amp;quot; — Da flehten Frau König, Dufthauch und alle anderen in größter Angst: „Wenn die Herzoginmutter so zürnt, wird der Herr umso schrecklicher! Schatzjade ist krank; überlasst es uns, die Jade mit aller Kraft zu suchen!&amp;quot; — Die Herzoginmutter sagte: „Ihr fürchtet den Zorn des Herrn? Dafür bin ich da.&amp;quot; — Sie befahl Moschusmond, jemanden zum Herrn zu schicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf kam die Nachricht: „Der Herr ist zu einem Besuch ausgegangen.&amp;quot; — Die Herzoginmutter sagte: „Auch ohne ihn geht es. Richtet in meinem Namen aus: Vorerst sollen keine Diener bestraft werden. Ich lasse Lian kommen. Er soll eine Belohnung ausschreiben und die Ausschreibung an den Stellen anbringen, die Schatzjade an jenem Tag passiert hat. Es heißt: ›Wer die Jade findet und bringt, erhält zehntausend Tael Silber. Wer weiß, dass jemand sie gefunden hat, und Nachricht bringt, die zum Auffinden führt, erhält fünftausend Tael.‹ Wenn sie wirklich auftaucht, spart nicht am Silber! So finden wir sie bestimmt. Wenn wir uns nur auf unsere eigenen Leute verlassen, suchen wir ein ganzes Leben lang und finden nichts.&amp;quot; — Frau König wagte keinen Widerspruch. Die Herzoginmutter ließ Kette Kaufmann die Nachricht überbringen und hieß ihn, es sofort in die Wege zu leiten. Dann befahl sie: „Bringt Schatzjades Habseligkeiten in meine Gemächer. Nur Dufthauch und Herbstmuster begleiten ihn; die übrigen bleiben im Garten und hüten das Haus.&amp;quot; — Schatzjade hörte alles, sagte aber kein Wort und grinste nur albern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter nahm Schatzjade an der Hand, stand auf, und Dufthauch und die anderen stützten ihn aus dem Garten heraus. Zurück in ihren Gemächern, ließ die Herzoginmutter Frau König sich setzen und überwachte die Einrichtung des inneren Zimmers. Dann sagte sie zu Frau König: „Weißt du, warum ich ihn hergebracht habe? Im Garten sind wenig Leute, und die Blumen und Bäume im Hof der Roten Freude welken und blühen so sonderbar. Früher konnte die Jade böse Einflüsse abwehren; nun, da sie verloren ist, fürchte ich, dass böse Mächte leichter eindringen. Darum habe ich ihn hergeholt, damit wir zusammen wohnen. Er soll die nächsten Tage nicht hinausgehen; wenn der Arzt kommt, kann er ihn hier untersuchen.&amp;quot; — Frau König sagte sogleich: „Die Herzoginmutter hat natürlich recht. Wenn Schatzjade jetzt bei der Herzoginmutter wohnt, wird deren großes Glück alles Böse niederhalten.&amp;quot; — Die Herzoginmutter sagte: „Was für ein Glück! Bei mir ist es nur sauberer, und es gibt viele Sutren, die er lesen kann, um seinen Geist zu beruhigen. Frag ihn, ob es ihm recht ist.&amp;quot; — Als man Schatzjade fragte, lächelte er nur. Dufthauch flüsterte ihm zu, er solle „gut&amp;quot; sagen, und Schatzjade sagte „gut&amp;quot;. Frau König konnte bei diesem Anblick die Tränen nicht zurückhalten, wagte aber in Gegenwart der Herzoginmutter keinen Laut. Die Herzoginmutter sah Frau Königs Sorge und sagte: &amp;quot;Geh zurück. Ich kümmere mich um ihn. Wenn der Herr heute Abend nach Hause kommt, sage ihm, er brauche nicht zu mir zu kommen, und er soll kein Wort darüber verlieren.&amp;quot; — Nachdem Frau König gegangen war, ließ die Herzoginmutter Mandarinenente ein beruhigendes Mittel suchen. Schatzjade nahm es ein — davon sei nicht weiter berichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann kam am selben Abend nach Hause. Aus seiner Kutsche hörte er, wie Leute auf der Straße sagten: „Wer reich werden will, hat es leicht!&amp;quot; — Ein anderer fragte: „Wie das?&amp;quot; — Der erste sagte: „Heute habe ich gehört, dass im Prunkwille-Anwesen irgendeinem jungen Herrn eine Jade verlorengegangen ist. Man hat Ausschreibungen angeschlagen mit Größe, Form und Farbe. Wer sie findet und bringt, bekommt zehntausend Tael Silber, und wer nur eine Nachricht gibt, bekommt noch fünftausend!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann hatte zwar nicht jedes Wort verstanden, war aber erschrocken. Er eilte nach Hause und rief den Pförtner, um ihn über die Sache zu befragen. Der Pförtner sagte: „Euer Diener wusste auch nichts davon. Erst heute Mittag gab der Zweite Herr Lian die Anweisung der Herzoginmutter weiter, Ausschreibungen aufzuhängen.&amp;quot; — Aufrecht Kaufmann seufzte: „Die Familie ist zum Verfall bestimmt, und dann zieht man auch noch so ein Unglückskind groß! Als er geboren wurde, war das ganze Viertel voller Gerüchte. Nach über zehn Jahren hatte es sich etwas beruhigt. Und jetzt muss man es wieder in alle Welt hinausposaunen, wegen einer Jade! Was soll das!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ging eilig hinein und befragte Frau König, die ihm alles haarklein erzählte. Aufrecht Kaufmann wusste, dass es die Idee der Herzoginmutter war, und wagte nicht, offen zu widersprechen. Er machte Frau König Vorwürfe, ging dann wieder hinaus und ließ — ohne dass die Herzoginmutter es erfuhr — die Ausschreibungen still wieder abnehmen. Doch einige Müßiggänger und Taugenichtse hatten sie längst abgerissen und mitgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Tage später erschien tatsächlich ein Mann am Haupttor des Prunkwille-Anwesen und behauptete, die Jade zu bringen. Die Diener am Tor waren überglücklich: „Her damit! Wir bringen sie hinein und melden es.&amp;quot; — Der Mann zog die Ausschreibung aus seinem Gewand und zeigte sie ihnen: „Ist das nicht der Aushang eures Hauses? Hier steht: Wer die Jade bringt, erhält zehntausend Tael Silber. Meine Herren, ihr mögt mich heute für arm halten, aber wenn ich mein Geld habe, bin ich ein gemachter Mann. Behandelt mich also nicht so gleichgültig.&amp;quot; — Die Pförtner hörten, dass er fordernd auftrat, und sagten: „Dann lasst mich wenigstens kurz einen Blick darauf werfen, damit ich es melden kann.&amp;quot; — Zuerst weigerte sich der Mann, aber dann ließ er sich überreden, holte die Jade hervor, hielt sie auf der Handfläche hoch und sagte: „Ist es die oder nicht?&amp;quot; — Die Diener am Tor, die nur Außendienst taten, wussten zwar von der Jade, hatten sie aber nie aus der Nähe gesehen. Jetzt sahen sie zum ersten Mal, wie die Jade aussah. Sie liefen eilig nach drinnen, als gelte es, den Kopfpreis davonzutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An jenem Tag waren Aufrecht Kaufmann und Begnadigung Kaufmann beide ausgegangen; nur Kette Kaufmann war zu Hause. Man meldete es ihm. Kette Kaufmann fragte: „Ist sie echt?&amp;quot; — Die Pförtner schworen: „Mit eigenen Augen gesehen! Nur will er sie nicht hergeben. Er will den Herrn selbst sehen: Hand gegen Hand, Silber gegen Jade.&amp;quot; — Kette Kaufmann war ebenfalls erfreut. Er eilte hinein, um Frau König zu informieren, und meldete es sogleich auch der Herzoginmutter. Dufthauch war so glücklich, dass sie die Hände faltete und Buddha anrief. Die Herzoginmutter blieb bei ihrem Wort und rief aufgeregt: „Lian soll den Mann sofort in das Studierzimmer bitten! Bringt die Jade herein, und sobald sie begutachtet ist, gebt ihm das Silber.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann tat wie geheißen, bat den Mann herein, behandelte ihn als Gast, dankte ihm mit freundlichen Worten und sagte: „Wenn ich die Jade kurz hineinsenden darf, damit der Besitzer sie sieht, wird das vereinbarte Silber ohne jeden Abzug gezahlt.&amp;quot; — Der Mann gab schließlich ein kleines Päckchen in roter Seide heraus. Kette Kaufmann öffnete es — war das nicht jene strahlend schöne Jade? Kette Kaufmann hatte nie sonderlich darauf geachtet, doch heute wollte er genauer hinschauen. Er betrachtete sie lange. Die Inschrift war undeutlich, aber erkennbar — „Vertreibt Unheil&amp;quot; und ähnliche Zeichen. Kette Kaufmann war überglücklich, rief einen Diener herbei und eilte, die Jade der Herzoginmutter und Frau König zur Begutachtung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachricht hatte sich im ganzen Haus verbreitet, und alle drängten sich, um die Jade zu sehen. Phönixglanz sah Kette Kaufmann hereinkommen, riss ihm das Päckchen aus der Hand, wagte aber nicht, selbst zuerst hinzusehen, und legte es in die Hand der Herzoginmutter. Kette Kaufmann lachte: „Nicht einmal bei so einer Kleinigkeit lässt du mich die Ehre einheimsen!&amp;quot; — Die Herzoginmutter öffnete das Päckchen und sah, dass die Jade viel matter war als zuvor. Sie rieb sie mit den Fingern. Mandarinenente brachte die Brille, und die Herzoginmutter setzte sie auf, betrachtete die Jade und sagte: „Merkwürdig! Es sieht schon aus wie sie, aber der Glanz von früher ist ganz verschwunden.&amp;quot; — Frau König betrachtete sie eine Weile, konnte sie aber auch nicht sicher erkennen, und bat Phönixglanz, sie sich anzusehen. Phönixglanz sagte: „Ähnlich sieht sie schon aus, nur die Farbe stimmt nicht ganz. Am besten zeigen wir sie Bruder Schatzjade selbst, dann wissen wir es.&amp;quot; — Dufthauch stand daneben. Auch ihr kam der Stein nicht wie der richtige vor, doch sie sehnte sich so sehr danach, ihn wiederzuhaben, dass sie ihre Zweifel nicht auszusprechen wagte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz nahm die Jade aus den Händen der Herzoginmutter und ging mit Dufthauch zu Schatzjade, der gerade aufgewacht war. Phönixglanz sagte: „Deine Jade ist gefunden!&amp;quot; — Schatzjade, noch schlaftrunken, nahm sie in die Hand, ohne sie richtig anzusehen, und warf sie auf den Boden: „Ihr wollt mich wieder zum Narren halten!&amp;quot; — Dabei lächelte er kalt. Phönixglanz hob sie eilig auf und sagte: „Das ist doch seltsam — woher weißt du das, ohne sie auch nur angesehen zu haben?&amp;quot; — Schatzjade antwortete nicht und lachte nur. Frau König war inzwischen auch ins Zimmer gekommen. Als sie ihn so sah, sagte sie: „Da gibt es nichts mehr zu reden. Seine Jade ist mit ihm zur Welt gekommen, ein übernatürliches Ding — natürlich erkennt er es. Jemand muss die Ausschreibung gelesen und eine Fälschung angefertigt haben.&amp;quot; — Allen ging ein Licht auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann, der im äußeren Zimmer alles hörte, sagte: „Wenn sie falsch ist, gebt sie mir schnell zurück! So einem Betrüger werde ich es zeigen! In einer so ernsten Angelegenheit wagt er es, uns an der Nase herumzuführen!&amp;quot; — Die Herzoginmutter rief dazwischen: „Lian! Gib sie ihm zurück und lass ihn gehen. Der Ärmste hat sicher keinen anderen Ausweg mehr und wollte sich ein paar Tael verdienen, als er von unserer Ausschreibung hörte. Nun hat er für sein Geld eine Fälschung besorgt, und wir haben sie durchschaut. Ich sage: Macht es ihm nicht schwer. Gebt ihm die Jade zurück, sagt, sie sei nicht die unsere, und schenkt ihm ein paar Tael Silber dazu. Wenn die Leute draußen das hören, werden sie die echte Jade eher bringen. Wenn wir diesen Mann bestrafen, wird sich niemand mehr trauen, auch wenn er die echte hätte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann ging hinaus. Der Mann wartete noch draußen. Er hatte lange niemanden kommen sehen und wurde schon unruhig. Da sah er Kette Kaufmann wütend herausstürzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es weiterging, erzählt das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 91</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_86|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;86&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_87|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;87&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_88|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;88&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_89|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;89&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_90|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;90&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;91&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_92|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;92&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_93|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;93&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_94|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;94&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_95|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;95&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_96|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;96&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第九十一回 / Kapitel 91 =&lt;br /&gt;
== 纵淫心宝蟾工设计 ==&lt;br /&gt;
=== 布疑阵宝玉妄谈禅 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einundneunzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
Die lüsterne Schatzkröte &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝蟾&amp;lt;/ref&amp;gt; spinnt geschickt ihre Intrige; Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; schwatzt töricht über Chan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Xue Ke gerade noch voller Zweifel war, als er draußen am Fenster ein Lachen hörte und zusammenschrak. Er dachte bei sich: „Das ist entweder Schatzkröte oder Goldosmanthus &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 金桂&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ich werde sie einfach ignorieren — mal sehen, was sie dann tun.&amp;quot; Er lauschte eine Weile, doch es blieb totenstill.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wagte nicht, das Obst und den Wein anzurühren, und schloss die Tür. Gerade als er sich entkleiden wollte, hörte er das Fensterpapier leise knistern. Nachdem Schatzkröte ihn so verwirrt hatte, war er ganz durcheinander und wusste nicht, wie ihm geschah. Als er genauer hinsah, rührte sich nichts mehr. Misstrauisch setzte er sich im Lampenlicht hin und überlegte. Er nahm ein Stück Obst und drehte es hin und her. Da bemerkte er, dass das Fensterpapier an einer Stelle feucht war. Er ging näher und kniff die Augen zusammen — da blies plötzlich jemand von draußen hinein, und er erschrak fürchterlich. Er hörte ein unterdrücktes Kichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eilig blies er die Lampe aus und legte sich reglos hin. Von draußen sagte eine Stimme: „Warum hat der Zweite Herr weder getrunken noch gegessen und sich gleich schlafen gelegt?&amp;quot; Es war Schatzkrötes Stimme. Xue Ke rührte sich nicht und stellte sich schlafend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile hörte er draußen jemanden verärgert sagen: „Wo gibt es nur so einen glücklosen Menschen?&amp;quot; Es klang wie Schatzkröte, aber auch wie Goldosmanthus. Jetzt erst verstand er, worauf die beiden es abgesehen hatten. Er wälzte sich hin und her und schlief erst nach der fünften Nachtwache ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war es hell, klopfte jemand an die Tür. Xue Ke fragte: „Wer ist da?&amp;quot; Keine Antwort. Er musste aufstehen und öffnen — es war Schatzkröte, das Haar nur lose zusammengesteckt, den Mantel nur übergeworfen. Sie trug ein eng anliegendes Jäckchen mit goldenem Saum und Pipa-Kragen, darüber ein kiefernblütengrünes, halbneues Schweißtuch; unten keinen Rock, so dass die granatapfelrote geblümte Hose und die frisch gestickten roten Schuhe zu sehen waren. Offenbar war Schatzkröte noch ungeschminkt und ungekämmt und war in der Frühe gekommen, bevor jemand sie sehen konnte, um die Sachen von gestern Abend abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke sah sie so hereinkommen, und sein Herz zuckte unwillkürlich. Doch er fasste sich und fragte lächelnd: „Wie kommt es, dass du so früh aufstehst?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte wurde rot und antwortete nichts. Sie schüttete wortlos das Obst auf einen Teller und ging damit hinaus. Xue Ke erkannte: Das war die Verärgerung von gestern Abend. Er dachte: „Umso besser. Wenn sie beleidigt sind, lassen sie mich vielleicht endlich in Ruhe.&amp;quot; Er beruhigte sich, ließ sich Waschwasser bringen und beschloss, ein paar Tage still zu Hause zu bleiben: erstens um sich auszuruhen, zweitens weil er fürchtete, dass man ihn draußen belästigen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn die Leute, die mit Becken Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛蟠&amp;lt;/ref&amp;gt; befreundet gewesen waren, hatten bemerkt, dass die Familie Schnee nun ohne Mann dastand und nur der junge Xue Ke die Geschäfte führte. Da kamen allerlei habgierige Gedanken auf: Einige wollten sich als Laufburschen einschleichen; andere prahlten, sie könnten Klageschriften verfassen und kennten ein, zwei Amtsschreiber, mit denen man die Sache „regeln&amp;quot; könne; wieder andere drängten ihn, Geld herauszurücken; manche versuchten es mit einschüchternden Gerüchten. Xue Ke wich ihnen aus und wagte nicht, ihnen offen abzusagen, aus Furcht vor unberechenbaren Folgen. Also blieb er zu Hause und wartete auf Nachrichten von der Behörde. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun zu Goldosmanthus: Am vergangenen Abend hatte sie Schatzkröte mit Obst und Wein zu Xue Ke geschickt, um ihn auszukundschaften. Schatzkröte hatte ihr alles berichtet. Goldosmanthus sah, dass die Sache nicht gut anlief, und fürchtete, sich lächerlich zu machen und von Schatzkröte verachtet zu werden. Sie hätte die Sache gern mit ein paar Worten abgetan und vertuscht, konnte aber andererseits den Mann nicht vergessen. So saß sie ratlos und starrte vor sich hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte ihrerseits rechnete damit, dass Becken Schnee schwerlich nach Hause zurückkehren würde, und suchte selbst nach einem Ausweg. Sie fürchtete zwar Goldosmanthus, wagte aber nicht, ihre eigenen Absichten zu verraten. Da Goldosmanthus nun den Anfang gemacht hatte, dachte sie sich: Umso besser — ich nutze den Wind und treibe das Boot voran! Wenn ich Xue Ke erst in der Hand habe, muss Goldosmanthus sich fügen. Also stachelte sie Goldosmanthus mit Worten an. Zwar schien Xue Ke nicht ganz abgeneigt, aber er nahm den Köder auch nicht recht an. Nachdem er die Lampe ausgeblasen und sich schlafen gelegt hatte, war Schatzkröte höchst enttäuscht. Sie berichtete Goldosmanthus und wartete ab, ob jene vielleicht einen besseren Plan hätte. Da Goldosmanthus aber ebenfalls ratlos dasaß, gingen die beiden schließlich schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Nacht lag Schatzkröte wach und ersann einen Plan: „Morgen früh stehe ich zeitig auf, hole die Sachen ab und ziehe mir ein, zwei Kleidungsstücke in zarten Farben an. Ohne Schminke und Frisur, in schläfriger Anmut — das wird seine Aufmerksamkeit erregen. Dann spiele ich die Beleidigte und ignoriere ihn. Wenn er Reue zeigt, kommt er von selbst zu mir.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch als sie am Morgen Xue Ke gegenüberstand, war er genau wie am Abend — ohne die geringste unlautere Regung. So tat sie, als wäre sie wirklich beleidigt, nahm den Obstteller und ging — ließ aber absichtlich den Weinkrug da, um einen Vorwand für einen weiteren Besuch zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus fragte: „Hat dich jemand gesehen, als du die Sachen geholt hast?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte sagte: „Nein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus: „Hat der Zweite Herr dich etwas gefragt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte: „Nein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus hatte die ganze Nacht wach gelegen, ohne eine Idee zu finden. Schließlich dachte sie: „Wenn ich diese Sache anstelle, kann ich es vor allen verbergen — nur nicht vor Schatzkröte. Am besten schneide ich sie ein Stück vom Kuchen ab, dann hat sie nichts zu sagen. Außerdem kann ich ja nicht selbst hingehen — ich brauche sie als Botin. Also bespreche ich die Sache offen mit ihr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lächelnd fragte sie: „Was meinst du, was für ein Mensch ist der Zweite Herr eigentlich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte sagte: „Er wirkt wie ein Dummkopf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus lachte: „Wieso beleidigst du die Herren?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte lachte ebenfalls: „Er verschmäht die Güte der Herrin — da darf ich ihn doch wohl so nennen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus sagte: „Worin verschmäht er meine Güte? Erkläre das mal.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte sagte: „Die Herrin gibt ihm gute Sachen zu essen, und er rührt sie nicht an — ist das kein Verschmähen der Güte?&amp;quot; Dabei warf sie Goldosmanthus einen vielsagenden Blick zu und lachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus sagte: „Denk dir nichts Falsches! Ich schicke ihm nur etwas, weil er sich wegen des Ersten Herrn so viel Mühe macht. Ich wollte mich nur bedanken und fürchtete, die Leute könnten Unsinn reden. Deshalb frage ich dich. Was du da sagst, verstehe ich nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte lachte: „Herrin, seid nicht empfindlich! Ich bin doch Eure Dienerin — hätte ich zwei Herzen? Nur muss die Sache geheim bleiben. Wenn es herauskommt, ist nicht zu spaßen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus wurde rot und sagte: „Du unverschämtes Ding! Ich glaube, du hast selbst ein Auge auf ihn geworfen und benutzt mich als Vorwand, stimmt's?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzkröte sagte: „Das denkt sich die Herrin so! Ich leide ja für die Herrin mit. Wenn die Herrin den Zweiten Herrn wirklich mag, hätte ich eine Idee. Welche Maus stiehlt nicht Öl? Er hat nur Angst, dass die Sache auffliegt und ein Skandal entsteht. Meiner Meinung nach sollte die Herrin sich nicht übereilen. Tut ihm hier und da eine kleine Aufmerksamkeit, kümmert Euch ein wenig um ihn. Er ist der jüngere Schwager und unverheiratet — wenn die Herrin sich etwas mehr um ihn kümmert und sich bei ihm beliebt macht, kann kein Mensch etwas dabei finden. Nach ein paar Tagen wird er der Herrin dankbar sein und sich revanchieren wollen. Dann bereite die Herrin ein paar Sachen in unseren Räumen vor. Ich helfe der Herrin, ihn betrunken zu machen — dann kann er nicht mehr entkommen! Und wenn er sich trotzdem weigert, machen wir Lärm und behaupten, er habe die Herrin belästigt. Aus Angst wird er sich fügen. Und wenn er dann immer noch nicht will, ist er kein Mensch — und wir haben wenigstens nicht umsonst unser Gesicht verloren. Was meint die Herrin?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus war bei diesen Worten schon über beide Wangen gerötet und schimpfte lachend: „Du kleines Luder! Du tust ja, als hättest du schon unzählige Männer verführt. Kein Wunder, dass der Erste Herr nicht von dir loskam, als er noch zu Hause war.&amp;quot; Schatzkröte verzog die Lippen und sagte lachend: „Ach was! Ich ziehe für die Herrin die Fäden, und die Herrin redet so mit mir!&amp;quot; Von da an konzentrierte sich Goldosmanthus ganz darauf, Xue Ke für sich zu gewinnen, und hatte keine Lust mehr, Streit zu suchen. Im Haus wurde es merklich ruhiger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am selben Tag holte Schatzkröte den Weinkrug ab, ganz gefasst und mit würdevoller Miene. Xue Ke beobachtete sie verstohlen und bereute plötzlich: „Vielleicht habe ich ihnen Unrecht getan. Wenn dem so ist, habe ich ihre guten Absichten verschmäht, und womöglich werden sie mir in Zukunft Schwierigkeiten machen — wäre das nicht selbst verschuldet?&amp;quot; Zwei Tage vergingen in aller Ruhe. Wenn Xue Ke auf Schatzkröte traf, senkte sie den Kopf und ging vorbei, ohne auch nur den Blick zu heben; traf er auf Goldosmanthus, überschüttete sie ihn mit feuriger Herzlichkeit. Bei diesem Anblick bekam Xue Ke ein schlechtes Gewissen. Doch davon soll hier vorerst nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Mutter bemerkten, dass Goldosmanthus seit einigen Tagen ruhig war und plötzlich freundlich zu allen. Die ganze Familie hielt dies für ein Wunder. Tante Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛姨妈&amp;lt;/ref&amp;gt; war hocherfreut und dachte: „Als Becken Schnee diese Frau heiratete, muss irgendetwas Unheilvolles aufgestört worden sein, das all die Jahre Ärger gebracht hat. Nun ist diese schlimme Sache passiert — doch dank unseres Geldes und der Hilfe der Kaufmanns besteht noch Hoffnung. Dass die Schwiegertochter plötzlich friedlich geworden ist, deutet vielleicht darauf hin, dass sich Beckens Schicksal zum Guten wendet.&amp;quot; So hielt sie es für ein äußerst seltenes Wunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages nach dem Essen kam Tante Schnee, gestützt auf ihre Dienerin Tonggui, um Goldosmanthus in ihrem Zimmer zu besuchen. Schon im Hof hörte sie eine Männerstimme mit Goldosmanthus sprechen. Tonggui, geistesgegenwärtig, rief laut: „Erste Herrin, die alte Gnädige kommt!&amp;quot; Sie waren schon an der Tür, als ein Schatten sich hinter der Zimmertür verbarg. Tante Schnee erschrak und wich zurück. Goldosmanthus sagte: „Bitte tretet ein, Schwiegermutter, es ist kein Fremder. Das ist mein Adoptivbruder; er lebt auf dem Lande und ist nicht an Gesellschaft gewöhnt. Er hat Euch noch nie gesehen und ist heute zum ersten Mal gekommen, wollte Euch aber noch seinen Gruß darbringen.&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Wenn es der Herr Schwager ist, kann man ihn ja begrüßen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldosmanthus rief ihren Bruder heraus. Er machte vor Tante Schnee eine Verbeugung und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Tante Schnee erwiderte den Gruß, und sie setzten sich zum Plaudern. Tante Schnee fragte: „Wann ist der Herr Schwager in die Hauptstadt gekommen?&amp;quot; Jener Xia San antwortete: „Letzten Monat hat meine Mutter mich in die Familie aufnehmen lassen, weil niemand den Haushalt führte. Vorgestern erst bin ich in der Hauptstadt eingetroffen und besuche heute meine Schwester.&amp;quot; Tante Schnee fand den Mann nicht unsympathisch und blieb noch ein Weilchen sitzen, dann erhob sie sich: „Der Herr Schwager möge sich nicht stören lassen.&amp;quot; Dann wandte sie sich an Goldosmanthus: „Der Herr Schwager ist eben erst angereist — behaltet ihn doch zum Essen hier.&amp;quot; Goldosmanthus stimmte zu, und Tante Schnee ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Schwiegermutter gegangen war, sagte Goldosmanthus zu Xia San: „Bleib ruhig sitzen. Heute bist du offiziell eingeführt — nun braucht unser Zweiter Herr nicht mehr nachzuforschen. Ich möchte, dass du mir einige Dinge besorgst, aber lass dich dabei von niemandem sehen.&amp;quot; Xia San sagte: „Überlass das mir. Was immer du willst — solange Geld da ist, kann ich es beschaffen.&amp;quot; Goldosmanthus sagte: „Prahle nicht zu früh — wenn du Schund kaufst, nehme ich es nicht an.&amp;quot; Die beiden scherzten noch eine Weile, dann aß Goldosmanthus mit Xia San zu Abend, trug ihm auf, was er besorgen solle, und ermahnte ihn nochmals. Dann ging Xia San.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an kam und ging Xia San ohne Unterlass. Der alte Pförtner wusste, dass er der Schwager war, und meldete ihn nicht jedes Mal. Dies sollte in der Folge zu endlosen Verwicklungen führen — doch davon später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages traf ein Brief von Becken Schnee ein. Tante Schnee öffnete ihn und ließ Schatzspange lesen. Es stand geschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Euer Sohn leidet im Kreis keine Not — Mutter möge unbesorgt sein. Doch gestern teilte der Amtsschreiber des Kreises mir mit, dass die Präfektur den Bericht bereits gebilligt hat — gewiss hat unsere Fürsprache gewirkt. Doch die Dao-Behörde hat den Bericht zurückgewiesen! Zum Glück war der Kreisschreiber uns wohlgesinnt und reichte sogleich eine Gegendarstellung ein, woraufhin die Dao-Behörde den Kreisrichter rügte. Nun will der Dao-Beamte mich persönlich vorladen. Komme ich erst einmal dorthin, droht mir neues Leid. Es muss sein, dass bei der Dao-Behörde noch niemand vorgesprochen hat. Mutter, bitte bestelle sofort jemanden, der beim Dao-Beamten vorspricht! Und schickt meinen Bruder umgehend her — sonst werde ich an die Dao-Behörde überstellt! An Silber darf es nicht fehlen. Eilt! Eilt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee weinte bitterlich. Schatzspange und Xue Ke trösteten sie und drängten: „Es duldet keinen Aufschub.&amp;quot; Tante Schnee sah keinen anderen Weg und schickte Xue Ke dorthin. Man packte eilig das Gepäck, wechselte Silber ein, und Xue Ke brach noch in der Nacht zusammen mit einem Gehilfen aus dem Pfandhaus auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Durcheinander halfen zwar die Diener beim Packen, doch Schatzspange traute ihnen nicht zu, an alles zu denken, und half selbst, bis in die vierte Nachtwache hinein. Ein reiches Mädchen, das verwöhnt aufgewachsen war — die Aufregung und die nächtliche Plackerei machten sie krank. Am nächsten Morgen bekam sie hohes Fieber und konnte weder Suppe noch Wasser zu sich nehmen. Ying'er meldete es eilig Tante Schnee. Als diese herbeistürzte, sah sie Schatzspange mit hochrotem Gesicht und einem Leib wie in Glut — sie konnte kein Wort mehr sprechen. Tante Schnee geriet außer sich und weinte haltlos. Kostbarzither Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 薛宝琴&amp;lt;/ref&amp;gt; stützte sie und versuchte sie zu beruhigen. Duftkastanie &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 香菱&amp;lt;/ref&amp;gt; brach ebenfalls in Tränen aus und schluchzte an ihrer Seite. Schatzspange konnte weder sprechen noch die Hände bewegen; Augen und Nase waren verstopft. Man holte den Arzt, und nach und nach kam sie wieder zu sich. Tante Schnee und die anderen atmeten ein wenig auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald war die Nachricht im Prunkwille-Anwesen und im Stillfriede-Anwesen bekannt. Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; schickte als Erste jemanden mit „Zehnduft-Seelenwiederkehr-Pillen&amp;quot;; darauf ließ Frau König &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; „Höchst-kostbare Pillen&amp;quot; bringen. Die Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾母&amp;lt;/ref&amp;gt;, Frau Strafe &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 邢夫人&amp;lt;/ref&amp;gt;, Frau König und Frau Sonders &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 尤氏&amp;lt;/ref&amp;gt; schickten alle ihre Mägde, um sich zu erkundigen. Doch vor Schatzjade hielt man es geheim. Sieben, acht Tage lang behandelte man sie, ohne Besserung. Schließlich erinnerte sich Schatzspange selbst an ihre „Kaltduftpillen&amp;quot;, nahm drei davon, und erst dann wurde sie gesund. Später erfuhr auch Schatzjade davon, aber da sie schon genesen war, besuchte er sie nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen war wieder ein Brief von Xue Ke eingetroffen. Tante Schnee las ihn, verschwieg ihn aber vor Schatzspange, um sie nicht zu beunruhigen. Sie ging zu Frau König, bat um Hilfe und erzählte auch von Schatzspanges Krankheit. Nach Tante Schnees Besuch wandte sich Frau König an Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 贾政&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der sagte: „Bei den oberen Stellen lässt sich Fürsprache einlegen, bei den unteren ist es schwieriger — da muss man schmieren.&amp;quot; Frau König brachte dann die Rede auf Schatzspange und sagte: „Das Kind hat es auch schwer. Da sie nun einmal zu unserer Familie gehören soll, sollten wir sie bald heimholen, ehe sie sich ganz zugrunde richtet.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Das denke ich auch. Doch bei denen herrscht gerade Durcheinander, und es ist bald Jahresende — jeder hat seinen eigenen Haushalt zu besorgen. Diesen Winter tauschen wir die Verlobungsgeschenke aus, im Frühjahr folgen die Brautgaben. Nach dem Geburtstag der Alten Ahnin legen wir den Hochzeitstag fest. Teile das zunächst der Frau Tante Schnee mit.&amp;quot; Frau König stimmte zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag richtete Frau König Tante Schnee die Worte Aufrecht Kaufmanns aus. Tante Schnee fand es einleuchtend. Nach dem Mittagessen begleitete Frau König sie in die Gemächer der Herzoginmutter. Man bot einander Plätze an. Die Herzoginmutter fragte: „Ist die Frau Tante gerade erst gekommen?&amp;quot; Tante Schnee antwortete: „Ich bin schon gestern gekommen, doch es war zu spät, um der Alten Ahnin noch meine Aufwartung zu machen.&amp;quot; Frau König trug nun vor, was Aufrecht Kaufmann am Vorabend gesagt hatte. Die Herzoginmutter war hocherfreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eben sprachen sie noch, als Schatzjade hereinkam. Die Herzoginmutter fragte: „Hast du schon gegessen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ich bin gerade von der Schule zurück und habe gegessen. Ich wollte nochmals zur Schule, doch erst die Alte Ahnin sehen. Als ich hörte, dass die Tante da ist, wollte ich ihr meinen Gruß darbringen.&amp;quot; Dann fragte er: „Geht es Schwester Schatzspange viel besser?&amp;quot; Tante Schnee lächelte: „Es geht ihr gut.&amp;quot; Alle hatten gerade noch geplaudert, doch als Schatzjade eintrat, verstummten sie plötzlich. Schatzjade blieb ein Weilchen sitzen und bemerkte, dass Tante Schnee nicht so herzlich war wie sonst. „Auch wenn sie gerade keine gute Stimmung hat — warum schweigen denn gleich alle?&amp;quot; Voller Argwohn ging er zur Schule zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend kehrte er heim, machte bei allen seine Aufwartung und begab sich dann zum Xiaoxiang-Pavillon. Er hob den Vorhang und trat ein. Purpurkuckuck &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 紫鹃&amp;lt;/ref&amp;gt; empfing ihn. Das innere Zimmer war leer. Schatzjade fragte: „Wo ist das Fräulein hin?&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Sie ist nach oben gegangen. Sie hat gehört, dass die Frau Tante da ist, und wollte ihren Gruß darbringen. Ist der Zweite Herr nicht oben gewesen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Doch, ich war dort, aber euer Fräulein habe ich nicht gesehen.&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Nicht dort?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Nein. Wo ist sie denn nur hin?&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Das kann ich dann auch nicht sagen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wollte gerade hinausgehen, als Kajaljade &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 黛玉&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Schneegans &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 雪雁&amp;lt;/ref&amp;gt; gemächlich daherkam. Schatzjade rief: „Schwester, du bist zurück?&amp;quot; Und trat zurück ins Innere. Kajaljade kam herein, ging ins innere Zimmer und bat Schatzjade, sich drinnen zu setzen. Purpurkuckuck brachte ihr einen Überwurf zum Wechseln. Dann setzte Kajaljade sich und fragte: „Warst du oben? Hast du die Tante gesehen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ja.&amp;quot; Kajaljade fragte: „Hat die Tante mich erwähnt?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Nicht nur, dass sie dich nicht erwähnt hat — auch mir gegenüber war sie nicht so herzlich wie früher. Als ich nach Schwester Schatzspanges Krankheit fragte, lächelte sie nur und antwortete nicht. Ist sie vielleicht böse, weil ich sie die letzten Tage nicht besucht habe?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte leise: „Hast du sie denn besucht?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Die ersten Tage wusste ich nichts davon, und die letzten Tage, als ich es wusste, bin ich auch nicht gegangen.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Na also!&amp;quot; Schatzjade sagte: „Aber ehrlich: Die Alte Ahnin hat es mir nicht erlaubt, die Gnädige Frau hat es mir nicht erlaubt, der Gnädige Herr hat es mir nicht erlaubt — wie hätte ich es da wagen sollen? Früher, als die kleine Pforte noch offen war, hätte ich sie zehnmal am Tag besuchen können. Jetzt, wo die Pforte zugemauert ist und man den weiten Weg außen herum nehmen muss, ist es natürlich schwierig.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Das weiß sie doch nicht.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Schwester Schatzspange versteht mich so gut wie niemand sonst.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Da irrst du dich vielleicht. Gerade Schwester Schatzspange dürfte da wenig Verständnis haben — es ist ja nicht die Tante, die krank war, sondern sie selbst! Früher im Garten: Gedichte schreiben, Blumen bewundern, Wein trinken — welch fröhliches Beisammensein! Jetzt seid ihr getrennt; du siehst, dass ihre Familie in Schwierigkeiten steckt; sie war todkrank — und du tust, als ginge dich das nichts an. Wie soll sie da nicht gekränkt sein?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Soll das heißen, Schwester Schatzspange will nicht mehr mit mir befreundet sein?&amp;quot; Kajaljade sagte: „Ob sie es will oder nicht, weiß ich nicht. Ich spreche nur so, wie es der Vernunft entspricht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade starrte sie mit großen Augen an und blieb lange stumm. Kajaljade beachtete ihn nicht weiter, ließ Räucherwerk nachlegen und holte ein Buch hervor, in dem sie las. Da runzelte Schatzjade die Stirn, stampfte mit dem Fuß auf und rief: „Wozu ist dieser Mensch überhaupt geboren? Wäre ich nicht auf der Welt, wäre alles sauberer!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „So ist es: Wo ein Ich ist, da sind auch die anderen; wo andere sind, entstehen unzählige Sorgen — Angst, Verwirrung, Träume und tausend Verstrickungen. Was ich eben sagte, war doch nur ein Scherz. Du hast bloß gesehen, dass die Tante niedergeschlagen war — wie kommst du gleich darauf, dies auf Schwester Schatzspange zu beziehen? Die Tante ist wegen des Prozesses hier; ihr Herz ist voll Unruhe — da hat sie keine Muße, mit dir zu plaudern. Das ist alles nur dein eigenes wirres Grübeln — du hast dich in einen Irrweg verrannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ward plötzlich erleuchtet und lachte: „Ganz recht, ganz recht! Dein Geist ist dem meinen weit überlegen. Kein Wunder, dass du mir vor zwei Jahren, als ich so aufgebracht war, ein paar Chan-Worte sagtest, auf die ich nichts zu erwidern wusste. Obwohl ich einen ‚anderthalbklafter großen goldenen Buddhaleib' besitze, bedarf ich doch deiner Lotosblüte zur Erleuchtung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade nutzte die Gelegenheit und sagte: „Dann stelle ich dir eine Frage — was wirst du antworten?&amp;quot; Schatzjade setzte sich im Schneidersitz hin, legte die Hände zusammen, schloss die Augen, spitzte die Lippen und sagte: „Nur zu.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sprach: „Schwester Schatzspange hat dich gern — was tust du? Schwester Schatzspange hat dich nicht gern — was tust du? Früher hatte sie dich gern, jetzt nicht mehr — was tust du? Heute hat sie dich gern, morgen nicht mehr — was tust du? Du hast sie gern, doch sie hat dich partout nicht gern — was tust du? Du hast sie nicht gern, doch sie hat dich partout gern — was tust du?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade starrte eine halbe Ewigkeit vor sich hin, dann brach er plötzlich in Lachen aus: „Mag das Schwache Wasser auch dreitausend Li lang sein — ich trinke nur einen einzigen Schöpfer daraus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Der Schöpfer treibt auf dem Wasser davon — was dann?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Nicht der Schöpfer treibt mit dem Wasser — das Wasser fließt für sich, und der Schöpfer treibt für sich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Das Wasser steht still und die Perle sinkt — was dann?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Mein Chan-Herz ist längst wie nasse Weidenwolle am Lehm — lass den Rebhuhnruf nicht im Frühlingswind ertönen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Im Chan-Buddhismus ist das erste Gebot, nicht zu lügen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Bei den Drei Juwelen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade senkte den Kopf und schwieg. Draußen unter der Dachtraufe krächzte eine Krähe ein paarmal und flog nach Südosten davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte: „Was mag das wohl bedeuten — Glück oder Unglück?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Ob Glück, ob Unglück eines Menschen — im Ruf der Vögel liegt es nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Herbstmuster &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 秋纹&amp;lt;/ref&amp;gt; herbeigelaufen und sagte: „Der Zweite junge Herr wird gebeten heimzukommen. Der Gnädige Herr hat jemanden in den Garten geschickt, um zu fragen, ob der Zweite junge Herr von der Schule zurück sei. Schwester Dufthauch &amp;lt;ref&amp;gt;Chinesisch: 袭人&amp;lt;/ref&amp;gt; hat gesagt, Ihr seid schon da. Beeilt Euch!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade erschrak, sprang auf und eilte hinaus. Auch Kajaljade wagte nicht, ihn aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was dann geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 90</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第九十回 / Kapitel 90 =&lt;br /&gt;
== 失绵衣贫女耐嗷嘈 ==&lt;br /&gt;
=== 送果品小郎惊叵测 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das arme Mädchen verliert sein Wattenjäckchen und erträgt den Tumult mit Geduld. Der junge Herr bekommt Obst geschickt und ist aufs Äußerste erschrocken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, seit sie aufgehört hatte zu essen, von Tag zu Tag schwächer wurde. In den ersten zehn und mehr Tagen waren die Herzoginmutter und die anderen abwechselnd bei ihr gewesen, und sie hatte zuweilen noch ein paar Worte gesagt. In den letzten zwei Tagen jedoch sprach sie fast gar nicht mehr. Obwohl sie zeitweise das Bewusstsein verlor, war sie zu anderen Zeiten noch bei Sinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter und die anderen erkannten, dass diese Krankheit nicht grundlos entstanden sein konnte, und hatten Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Schneegans zweimal befragt, doch die beiden wagten nichts zu sagen. Purpurkuckuck hätte gern bei Shishu Neuigkeiten erfragt, fürchtete aber, je mehr Aufsehen man mache, desto schneller werde Kajaljade sterben. Daher erwähnte sie bei Begegnungen mit Shishu kein Wort. Schneegans war es gewesen, die durch ihr unbedachtes Weitererzählen die ganze Sache verursacht hatte — nun hätte sie sich am liebsten hundert Münder gewünscht, um zu beteuern: „Ich habe nichts gesagt!&amp;quot; Natürlich konnte auch sie die Sache nicht erwähnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag nun, als Kajaljade aufgehört hatte zu essen und Purpurkuckuck erkannte, dass es keine Hoffnung mehr gab, weinte sie eine Weile an ihrem Bett und ging dann hinaus, um Schneegans heimlich zu sagen: „Geh ins Zimmer und pass gut auf sie auf! Ich gehe zur Ahnherrin, zur Gnädigen Frau und zur Zweiten Herrin, um Bescheid zu sagen. Heute sieht es ganz anders aus als sonst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans gehorchte, und Purpurkuckuck ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans saß nun allein bei Kajaljade im Zimmer. Sie sah, wie sie in tiefer Bewusstlosigkeit lag. Das junge Mädchen hatte so etwas noch nie erlebt und dachte, so müsse es aussehen, wenn jemand stirbt. Ihr Herz war zugleich voll Schmerz und Angst, und sie wünschte sich nur, Purpurkuckuck käme bald zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie sich am meisten fürchtete, hörte sie draußen am Fenster Schritte. Schneegans wusste, es war Purpurkuckuck, die zurückkehrte, und atmete auf. Eilig stand sie auf und hob den inneren Vorhang, um sie hereinzulassen. Doch die Person, die durch den äußeren Vorhang trat, war nicht Purpurkuckuck, sondern Shishu. Erkundefrühling hatte sie geschickt, um nach Kajaljade zu sehen. Als Shishu Schneegans den Vorhang halten sah, fragte sie: „Wie geht es dem Fräulein?&amp;quot; Schneegans nickte nur und winkte sie herein. Shishu folgte ihr und sah, dass Purpurkuckuck nicht da war. Als sie einen Blick auf Kajaljade warf und sah, dass sie nur noch schwach atmete, erschrak sie zutiefst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wo ist Schwester Purpurkuckuck?&amp;quot;, fragte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans sagte: „Sie ist hinüber gegangen, um den Herrschaften Bescheid zu sagen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans glaubte zu diesem Zeitpunkt, Kajaljade sei in einem Zustand, in dem sie nichts mehr wahrnehme. Da Purpurkuckuck nicht da war, zog sie leise Shishu am Ärmel und fragte: „Was du mir neulich erzählt hast — dass ein Herr Wang für den zweiten jungen Herrn hier eine Heirat vorgeschlagen hat — war das wirklich wahr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shishu sagte: „Wie sollte es nicht wahr sein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans fragte: „Wann wurde die Verlobung besiegelt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shishu sagte: „So weit ist es gar nicht gekommen! An dem Tag, als ich dir davon erzählte, hatte ich es von der kleinen Rot gehört. Danach ging ich zur Zweiten Herrin hinüber, und die sprach gerade mit Schwester Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedliche&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; darüber: ‚Das sind alles nur die Höflinge, die diese Geschichte aufbauschen, um dem gnädigen Herrn zu schmeicheln und sich bei ihm einzuschmeicheln. Ganz abgesehen davon, dass die Erste Gnädige Frau es nicht gut findet — selbst wenn sie einverstanden wäre und das Mädchen lobte, was versteht die Erste Gnädige Frau schon von Menschen? Außerdem hat die Ahnherrin längst jemanden im Sinn — und die lebt in unserem Garten! Die Erste Gnädige Frau hat keine Ahnung, woran sie mit der Ahnherrin ist. Die Ahnherrin hat nur wegen der Worte des gnädigen Herrn ein paar höfliche Fragen gestellt, weiter nichts.' Dann hörte ich die Zweite Herrin noch sagen: ‚Bei Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Heirat besteht die Ahnherrin darauf, dass es eine Verbindung innerhalb der Verwandtschaft wird. Wer auch immer eine Braut vorschlägt — es wird nichts daraus.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans vergaß vor Erstaunen alles andere und sagte: „Was soll das heißen! Dann hätten wir unserer Herrin völlig umsonst das Leben genommen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shishu fragte: „Wie meinst du das?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans sagte: „Du weißt es ja gar nicht! Neulich haben Schwester Purpurkuckuck und ich davon geredet, und unsere Herrin hat es gehört — und seither ist es so weit gekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shishu sagte: „Sprich leiser! Pass auf, dass sie es nicht hört!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans sagte: „Sie ist doch nicht mehr bei Bewusstsein. Schau sie dir an — es dauert höchstens noch ein, zwei Tage.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie das sagte, kam Purpurkuckuck herein, hob den Vorhang und rief: „Das ist ja unerhört! Wenn ihr etwas zu besprechen habt, warum geht ihr nicht hinaus? Müsst ihr es ausgerechnet hier sagen? Wollt ihr sie geradewegs in den Tod treiben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shishu sagte: „Ich kann nicht glauben, dass es so etwas Seltsames gibt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte: „Liebe Schwester, nimm es mir nicht übel, aber du verstehst eben manche Dinge nicht. Wenn du es verstanden hättest, hättest du nicht solchen Klatsch weitergetragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die drei so redeten, hörten sie plötzlich, wie Kajaljade hustete. Purpurkuckuck eilte sofort an den Bettrand. Shishu und Schneegans verstummten. Purpurkuckuck beugte sich über sie und fragte leise: „Fräulein, möchtet Ihr einen Schluck Wasser trinken?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade antwortete mit einem kaum hörbaren Laut. Schneegans goss eilig eine halbe Tasse heißes Wasser ein. Purpurkuckuck nahm sie entgegen und hielt sie ihr hin. Shishu trat ebenfalls näher, doch Purpurkuckuck schüttelte den Kopf, damit sie nicht sprach. Shishu schluckte ihre Worte hinunter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile hustete Kajaljade erneut. Purpurkuckuck nutzte die Gelegenheit und fragte: „Fräulein, wollt Ihr Wasser?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade antwortete wieder schwach. Ihr Kopf schien sich heben zu wollen, doch sie hatte nicht die Kraft dazu. Purpurkuckuck kletterte aufs Bett, legte sich neben Kajaljade, prüfte die Temperatur des Wassers und führte die Tasse an ihre Lippen. Sie stützte Kajaljades Kopf, und Kajaljade trank einen Schluck. Purpurkuckuck wollte die Tasse gerade wegnehmen, doch Kajaljade wollte noch einen Schluck. Purpurkuckuck hielt die Tasse still. Kajaljade trank noch einmal, schüttelte dann den Kopf — genug. Sie atmete einmal tief durch und legte sich wieder hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach langer Zeit öffnete sie leicht die Augen und sagte: „Vorhin — war das nicht Shishus Stimme?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck bestätigte: „Ja.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shishu, die noch nicht gegangen war, eilte herbei und erkundigte sich nach ihrem Befinden. Kajaljade öffnete die Augen, sah sie an und nickte leicht. Nach einer Weile sagte sie: „Geh zurück und grüß dein Fräulein von mir.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shishu dachte, Kajaljade fühle sich gestört, und zog sich leise zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich war Kajaljade, obwohl schwer krank, bei vollem Bewusstsein gewesen. Als Shishu und Schneegans vorhin gesprochen hatten, hatte sie einzelne Worte aufgefangen, doch so getan, als wüsste sie nichts, denn sie hatte wirklich keine Kraft zu antworten. Erst als sie Schneegans' und Shishus Worte hörte, wurde ihr klar, dass die frühere Angelegenheit nur diskutiert, aber nie beschlossen worden war. Zudem hatte Shishu gesagt, Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; habe erklärt, die Ahnherrin bestehe darauf, dass es eine Verbindung innerhalb der Verwandtschaft werde — und die Person lebe im Garten. Wer konnte das sein, wenn nicht sie selbst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesem Gedanken war es, als würde am tiefsten Punkt der Finsternis ein Licht aufgehen. Ihr Geist klärte sich augenblicklich auf. Deshalb hatte sie zwei Schluck Wasser getrunken und wollte Shishu noch etwas fragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kamen die Herzoginmutter, Dame König, Frau Li und Phönixglanz, die von Purpurkuckuck gehört hatten, alle eilig herüber, um nach ihr zu sehen. Kajaljade, deren Todeswunsch sich nun aufgelöst hatte, war natürlich nicht mehr so wie zuvor. Obwohl sie körperlich schwach und kraftlos war, brachte sie doch mühsam ein oder zwei Antworten hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz rief Purpurkuckuck beiseite und fragte: „So schlecht steht es doch nicht um das Fräulein! Was soll das, dass du uns so erschreckst?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte: „Vorhin sah es wirklich schlecht aus, deshalb wagte ich es zu melden. Als ich zurückkam, ging es ihr auf einmal viel besser — ich verstehe es selbst nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Glaub ihr nicht! Was versteht sie schon? Wenn sie sieht, dass es schlecht steht, meldet sie es — das zeigt wenigstens, dass sie aufpasst. Ein Kind, das den Mund nicht zu faul hat und die Beine nicht zu zart, ist gut genug.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem man eine Weile geplaudert und festgestellt hatte, dass keine Gefahr mehr bestand, gingen die Herzoginmutter und die anderen wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrlich heißt es:&lt;br /&gt;
Herzkrankheit braucht Herzensmedizin zur Heilung;&lt;br /&gt;
Wer die Glocke band, der muss sie auch lösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljades Zustand besserte sich allmählich. Schneegans und Purpurkuckuck sprachen hinter ihrem Rücken ein Dankgebet. Schneegans sagte zu Purpurkuckuck: „Zum Glück geht es ihr besser! Nur war die Krankheit ebenso seltsam wie die Genesung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte: „Das Erkranken war nicht seltsam — nur die Genesung ist seltsam. Schatzjade und unser Fräulein sind bestimmt füreinander bestimmt. Man sagt: ‚Gute Dinge haben viel Mühsal.' Und auch: ‚Was vom Schicksal bestimmt ist, lässt sich selbst mit Knüppeln nicht auseinandertreiben.' So gesehen sind die beiden wahrlich vom Himmel füreinander geschaffen. Denk nur daran, wie ich vor ein paar Jahren sagte, Fräulein Lin wolle in den Süden zurückkehren — da ist Schatzjade fast vor Angst gestorben, und das ganze Haus stand Kopf! Und jetzt reicht ein Wort, und unsere Herrin schwebt zwischen Leben und Tod. Wenn das nicht beweist, dass die Verbindung schon vor hundert Jahren auf dem Stein der drei Geburten geschrieben stand!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden kicherten eine Weile hinter vorgehaltener Hand. Dann sagte Schneegans: „Zum Glück ist es gut ausgegangen! Ab morgen dürfen wir kein Wort mehr darüber verlieren. Selbst wenn Schatzjade ein Mädchen aus einer fremden Familie heiraten sollte und ich mit eigenen Augen bei der Hochzeit zusähe — kein Wort mehr über meine Lippen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Das ist vernünftig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur Purpurkuckuck und Schneegans sprachen unter sich darüber — auch die anderen wussten, dass Kajaljades Erkranken ebenso seltsam wie ihre Genesung war. Zu zweit und zu dritt steckten sie die Köpfe zusammen und tuschelten. Es dauerte nicht lang, bis auch Phönixglanz davon erfuhr. Dame Strafe und Dame König hatten gewisse Vermutungen, aber nur die Herzoginmutter hatte die Wahrheit zu acht oder neun Zehnteln erraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade saßen Dame Strafe, Dame König und Phönixglanz bei der Herzoginmutter und plauderten, als das Gespräch auf Kajaljades Krankheit kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Ich wollte es euch ohnehin sagen. Schatzjade und Kajaljade sind von klein auf zusammen gewesen. Ich dachte immer, kleine Kinder — was kann da schon passieren? Aber in letzter Zeit wurde Kajaljade plötzlich krank, plötzlich wieder gesund — alles, weil bei ihr ein Bewusstsein entstanden ist. Deshalb denke ich, wenn man die beiden dauernd zusammenlässt, wird daraus kein gutes Ende. Was meint ihr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König war einen Moment lang wie erstarrt und sagte dann: „Fräulein Lin hat einen feinfühligen Verstand. Was Schatzjade angeht — er ist tollpatschig und gedankenlos und achtet nicht auf Anstand, das stimmt. Äußerlich wirkt er noch immer wie ein Kind. Wenn wir jetzt plötzlich eine von beiden aus dem Garten herausnehmen, wäre das nicht gerade ein Hinweis auf etwas? Wie man seit alters sagt: ‚Junge Männer müssen heiraten, junge Frauen müssen heiraten.' Wäre es nicht am besten, Ahnherrin, ihre Sache schnell zu regeln?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter runzelte die Stirn und sagte: „Kajaljades Eigensinn — das ist zwar auch ihre Stärke, aber gerade deswegen will ich sie nicht mit Schatzjade verheiraten. Und Kajaljade ist so schwach — ich fürchte, sie ist nicht für ein langes Leben bestimmt. Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; wäre am geeignetsten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König sagte: „Das denken wir auch. Aber für Fräulein Kajaljade muss dann ebenfalls eine Verbindung gefunden werden. Sonst — welches Mädchen, das erwachsen wird, hat nicht Gedanken im Herzen? Wenn sie erfährt, dass Schatzjade mit Schatzspange verlobt ist, könnte alles aus dem Ruder laufen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Natürlich müssen wir zuerst Schatzjade verheiraten und dann für Kajaljade jemanden suchen. Es wäre doch nicht recht, zuerst die Fremde zu bedenken und dann erst die Eigene! Außerdem ist Kajaljade am Ende noch zwei Jahre jünger als Schatzjade. Wenn ihr so denkt, dann darf Schatzjades Verlobung ihr auf keinen Fall zu Ohren kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz befahl den Dienstmädchen sogleich: „Habt ihr gehört? Von der Verlobung des Zweiten jungen Herrn darf kein Wort nach draußen dringen! Wenn jemand schwatzt, ziehe ich ihm das Fell über die Ohren!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter wandte sich wieder an Phönixglanz: „Phönixglanz, seit du selbst nicht ganz gesund bist, kümmerst du dich auch nicht mehr so sehr um die Angelegenheiten im Garten. Ich sage dir: Du musst ein wenig mehr achtgeben. Nicht nur in dieser Sache — denk an das Trinken und Glücksspielen vor ein paar Jahren, das war auch nicht in Ordnung. Sei etwas gewissenhafter, halt sie strenger — denn sie gehorchen dir noch am ehesten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz stimmte zu. Man plauderte noch eine Weile, dann ging jede ihres Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von nun an kam Phönixglanz häufig in den Garten, um nach dem Rechten zu sehen. Eines Tages, kaum hatte sie den Garten der Großen Anschauung&amp;lt;ref&amp;gt;Garten der Großen Anschauung (大观园, Dàguān Yuán): Der prachtvolle Garten der Kaufmann-Familie, in dem die jungen Herren und Damen wohnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; betreten und war ans Ufer der Purpurwasserlinsenbucht gelangt, hörte sie eine alte Dienerin laut schimpfen. Als Phönixglanz näher kam, erblickte die Alte sie erst jetzt, stand sofort mit gesenkten Händen stramm und machte ihre Verbeugung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fragte: „Was lärmt du hier?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte sagte: „Die gnädigen Frauen haben mich zum Bewachen von Blumen und Früchten hierher abgestellt, und ich habe keinen Fehler gemacht. Aber das Mädchen von Fräulein Xing sagt, wir seien Diebe!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fragte: „Warum denn?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte sagte: „Gestern war mein Enkel Heier mit mir hergekommen und hat ein Weilchen gespielt. Ohne dass ich es wusste, ist er zu Fräulein Xings Quartier hinübergelaufen und hat sich dort ein wenig umgesehen. Ich habe ihn sofort zurückgerufen. Heute Morgen hörte ich dann, dass die Mädchen sagten, es sei etwas verschwunden. Ich fragte, was verschwunden sei — und da fragten sie mich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Wenn sie dich einmal gefragt haben, ist das doch kein Grund, so wütend zu werden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte sagte: „Dieser Garten gehört doch den Herrschaften und nicht ihnen! Wir sind alle von den Herrinnen eingesetzt. Wie können wir den Namen ‚Dieb' auf uns sitzen lassen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz spuckte ihr ins Gesicht und fuhr sie scharf an: „Hör auf, vor mir herumzuplappern! Wenn dir hier das Aufpassen anvertraut ist und dem Fräulein etwas abhanden kommt, dann ist es an euch, danach zu fragen! Was sind das für unverschämte Reden? Ruft den alten Lin her und werft sie raus!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Höhlennebel Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Höhlennebel Strafe (邢岫烟): Nichte der Dame Strafe, verlobt mit Xue Ke; ein bescheidenes Mädchen aus armen Verhältnissen.&amp;lt;/ref&amp;gt; eilig heraus und sagte lächelnd: „Das geht nicht! Es war gar nichts! Die Sache ist längst erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Fräulein, es geht nicht um die Sache selbst. Es geht um den Respekt — und den hat sie gründlich verletzt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe sah, dass die Alte auf den Knien lag und um Gnade bettelte, und bat Phönixglanz dringend hinein. Phönixglanz sagte: „Solche Leute kenne ich — vor mir haben sie Respekt, vor allen anderen nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe legte wiederholt Fürsprache ein und schob die Schuld auf ihr eigenes Dienstmädchen. Phönixglanz sagte: „Dir zuliebe, Fräulein Xing, verschone ich sie diesmal.&amp;quot; Die Alte erhob sich, machte einen Kotau vor Phönixglanz und noch einen vor Höhlennebel Strafe und trollte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden nahmen Platz, und Phönixglanz fragte lächelnd: „Was ist dir denn abhanden gekommen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe lachte: „Nichts Wichtiges — ein kleines rotes Wattenjäckchen, schon ziemlich abgetragen. Ich hatte die Mädchen gebeten, danach zu suchen, und wenn sie es nicht finden, sei es eben weg. Mein dummes kleines Mädchen hatte aber die Alte gefragt, und die war natürlich empört. Es war das Mädchen, das so unbedacht gehandelt hat — ich habe sie schon gescholten. Die Sache ist erledigt, reden wir nicht mehr davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz musterte Höhlennebel Strafe von oben bis unten: Ein paar Kleider aus Pelz und Watte, schon halb abgetragen, schwerlich warm genug. Ihre Bettdecken waren dünn. Was an Einrichtungsgegenständen auf dem Tisch stand, waren alles Stücke, die die Ahnherrin ihr geschickt hatte — peinlich sauber gehalten, nichts angerührt. Phönixglanz fasste große Zuneigung zu ihr und sagte: „Ein Kleidungsstück ist zwar nicht wichtig, aber bei dieser Kälte, und noch dazu etwas, das man direkt auf der Haut trägt — wie konnte man nicht danach fragen? Diese freche Magd, die ist ja nicht mehr zu bändigen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile stand Phönixglanz auf, machte noch einige Besuche im Garten und ging dann nach Hause. In ihren Räumen ließ sie von Friedchen ein rotes Wattenjäckchen aus feinem Krepp, ein kiefernblütengrünes Pelzjäckchen aus bestickter Seide mit Perlenverzierung, einen saphirblauen Brokatrock mit Blumenstickerei und einen dunkelblauen Silberfuchsmantel hervorholen, einpacken und hinüberschicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe, die von der Alten zwar durch Phönixglanz' Eingreifen geschützt worden war, kam innerlich nicht zur Ruhe. Sie dachte: „All die Schwestern hier — keine einzige Dienerin wagt es, sie zu beleidigen. Nur bei mir erlauben sich die Leute solche Dreistigkeiten. Dass Phönixglanz gerade zufällig dazukam...&amp;quot; Je mehr sie nachdachte, desto bedrückter wurde sie. Sie konnte es niemandem sagen und schluckte nur still ihre Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da erschien Fenger von Phönixglanz mit den Kleidern. Höhlennebel Strafe nahm sie in Augenschein und lehnte sofort ab. Fenger sagte: „Die Herrin lässt ausrichten: Wenn dem Fräulein die gebrauchten Kleider nicht gut genug sind, schickt sie neue.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe dankte lächelnd: „Ich bin der Herrin sehr dankbar. Aber nur weil ich ein Kleid verloren habe, kann ich doch keine Geschenke annehmen. Bring sie bitte zurück und danke der Herrin herzlich. Ihre Güte rechne ich mir als empfangen an.&amp;quot; Sie schenkte Fenger ein Beutelchen. Fenger musste die Kleider wieder mitnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht lange darauf kamen Friedchen und Fenger zusammen zurück. Höhlennebel Strafe empfing sie, bot Platz an. Friedchen sagte lachend: „Unsere Herrin sagt, das Fräulein sei gar zu förmlich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe sagte: „Es ist keine Förmlichkeit — es ist mir wirklich zu viel.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte: „Die Herrin sagt: Wenn das Fräulein die Kleider nicht annimmt, heißt das entweder, sie seien zu alt, oder das Fräulein verachte unsere Herrin. Eben wollte ich sie zurückbringen, aber die Herrin war nicht einverstanden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Höhlennebel Strafe wurde rot und sagte lächelnd: „Wenn Ihr so sagt, wage ich nicht, sie abzulehnen.&amp;quot; Man trank noch eine Tasse Tee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen und Fenger gingen zurück. Kurz bevor sie Phönixglanz' Quartier erreichten, trafen sie auf eine alte Dienerin der Familie Xue, die grüßte. Friedchen fragte: „Wohin des Wegs?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte sagte: „Die Herrin und das Fräulein schicken mich, um den Damen, Herrinnen und Fräulein einen Gruß zu bestellen. Ich habe eben nach Euch gefragt und gehört, dass Ihr im Garten seid. Kommt Ihr von Fräulein Xing?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen fragte: „Woher weißt du das?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte sagte: „Eben erst gehört! Die Zweite Herrin und die Fräulein — wie sie mit den Menschen umgehen, das verdient wirklich Dankbarkeit!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen lächelte und sagte: „Wenn du zurückkommst, ruh dich aus.&amp;quot; Die Alte ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen kehrte zu Phönixglanz zurück und berichtete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Familie Xue hatte die Schwiegertochter Jin Gui inzwischen alles auf den Kopf gestellt. Als die Alte zurückkam und von Höhlennebel Strafes Angelegenheit berichtete, vergossen Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Schatzspange ein paar Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Alles nur, weil der Bruder nicht zu Hause ist! Deshalb muss Fräulein Xing so viel erdulden. Zum Glück ist Phönixglanz recht anständig zu ihr. Wir müssen auch aufpassen — sie gehört schließlich zu unserer Familie.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Xue Ke herein und sagte: „Was für Leute hat der Bruder die letzten Jahre draußen kennengelernt! Kein einziger anständiger Mensch darunter. Eine ganze Bande ist aufgetaucht — mir scheint, die sind nicht hier, weil sie sich Sorgen machen, sondern um auszukundschaften. In den letzten zwei Tagen habe ich sie alle hinausgeworfen. Von jetzt an darf die Pforte solche Leute nicht mehr hereinlassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee fragte: „Schon wieder dieser Jiang Yuhan und Konsorten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke sagte: „Jiang Yuhan ist nicht dabei — andere.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee wurde traurig und sagte: „Ich habe zwar einen Sohn, aber es ist, als hätte ich keinen. Selbst wenn die Behörden ihn begnadigen — er ist ein gebrochener Mensch. Du, Neffe, bist zwar nur mein Neffe, aber mir scheint, du hast mehr Verstand als dein Bruder. Auf dich setze ich meine ganze Hoffnung. Lerne von nun an Gutes! Außerdem — das Mädchen, das für dich ausgesucht wurde: Die Familienverhältnisse sind nicht mehr, was sie waren. Wenn ein Mädchen heiratet, hat sie nur den einen Wunsch, dass der Bräutigam tüchtig ist, dann hat sie gute Tage. Wenn das Xing-Mädchen so wäre wie die da&amp;quot; — sie zeigte mit der Hand nach drinnen — „dann sage ich lieber nichts. Aber Fräulein Xing ist wirklich ein Mädchen mit Anstand und Verstand, das Armut ertragen und Wohlstand genießen kann. Sobald unsere Sache vorbei ist, solltet ihr eure Hochzeit bald feiern — das wäre mir eine Sorge weniger.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke sagte: „Schwester Qin ist noch nicht verheiratet — das ist doch die eigentliche Sorge der Tante. Unsere Sache ist dagegen nichts.&amp;quot; Man plauderte noch eine Weile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke ging in sein Zimmer zurück, aß zu Abend und dachte bei sich: „Höhlennebel Strafe lebt im Garten der Familie Kaufmann — letztlich unter fremdem Dach. Dazu noch arm — ihren Alltag kann man sich vorstellen. Damals, als wir zusammen reisten, habe ich ihr Aussehen und ihren Charakter kennengelernt. Der Himmel ist wahrlich ungerecht: Jemand wie Jin Gui, dem gibt er Geld, und verwöhnt, wird sie maßlos und wild. Jemand wie Höhlennebel Strafe aber lässt er so viel leiden. Wie der König der Unterwelt die Schicksale verteilt, weiß wohl niemand.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen Gedanken bedrückt, wollte er ein Gedicht schreiben, um seinem Herzen Luft zu machen, aber da ihm die rechte Muße fehlte, kritzelte er einfach nieder:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ein Fisch auf dem Trockenen liegt der Drache ohne Wasser,&lt;br /&gt;
an zwei Orten sehnt sich das Herz im einsamen Verbleib.&lt;br /&gt;
Gemeinsam im Schlamm erdulden wir so viel Leiden –&lt;br /&gt;
Wer weiß, wann wir einst zum klaren Himmel aufsteigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er betrachtete das Gedicht, wollte es an die Wand kleben, schämte sich aber. Er murmelte: „Besser nicht, sonst lacht man mich aus.&amp;quot; Las es noch einmal, sagte dann: „Egal — ich klebe es einfach hin und schaue es mir an, wenn mir die Gedanken zu viel werden.&amp;quot; Sah es noch einmal an, fand es doch nicht gut und klemmte es in ein Buch. Dann dachte er: „Ich bin auch nicht mehr so jung. Zu Hause trifft uns dieses Unglück — wer weiß, wann es ein Ende hat? Und unterdessen leidet ein zartes Mädchen so viel Not und Einsamkeit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als er in Gedanken versunken war, stieß Baochan die Tür auf, trat ein und stellte lächelnd ein Kästchen auf den Tisch. Xue Ke stand auf und bot ihr einen Platz an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baochan sagte lächelnd zu Xue Ke: „Das sind vier Schälchen Obst und ein kleiner Krug Wein. Die Erste Herrin schickt sie dem Zweiten Herrn.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke erwiderte lächelnd: „Die Erste Herrin ist zu freundlich. Aber es hätte gereicht, ein kleines Mädchen zu schicken — warum musste sich die Schwester selbst bemühen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baochan sagte: „Ach was. Wir sind doch eine Familie, Zweiter Herr — wozu solche Förmlichkeiten? Außerdem — wegen der Angelegenheit unseres Ersten Herrn haben Zweiter Herr sich wirklich Mühe gemacht. Die Erste Herrin wollte sich schon lange persönlich bedanken, fürchtete aber, andere könnten es falsch verstehen. In unserer Familie ist es so: Man sagt das eine und meint das andere. Wenn man ein paar Sachen schickt, ist es harmlos — aber man redet sich trotzdem den Mund fusselig darüber. Deshalb hat die Erste Herrin heute heimlich ein paar Kleinigkeiten herrichten lassen und mich geschickt, sie persönlich und leise herüberzubringen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann warf sie Xue Ke noch einen Blick zu und lachte: „Morgen sagt der Zweite Herr besser nicht solche Sachen — das ist einem ja peinlich! Wir sind doch alle nur Dienstleute. Wenn wir dem Ersten Herrn aufwarten, können wir auch dem Zweiten Herrn aufwarten — was ist denn dabei?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke war erstens von aufrichtiger Natur und zweitens noch jung. Da er es nicht gewohnt war, dass Jin Gui und Baochan ihm so begegneten, dachte er an Baochans Worte über Becken Schnees Angelegenheit und fand es nachvollziehbar. Er sagte: „Das Obst behalte ich. Aber den Wein nimm bitte wieder mit, Schwester. Ich trinke wirklich fast nie — nur gelegentlich ein Gläschen in Gesellschaft. Ohne Anlass trinke ich nicht. Das müssten die Erste Herrin und die Schwester doch wissen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baochan sagte: „Über alles andere kann ich entscheiden — nur darüber nicht. Die Erste Herrin hat ein Temperament, das der Zweite Herr kennt. Wenn ich den Wein zurückbringe, heißt es nicht, der Zweite Herr trinke nicht, sondern dass ich nicht sorgfältig genug war.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke blieb nichts anderes übrig, als den Wein ebenfalls anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baochan wollte gerade gehen, trat aber an die Tür, schaute hinaus, drehte sich dann zu Xue Ke um, lachte und zeigte mit dem Finger nach drinnen: „Sie will womöglich noch selbst kommen, um sich bei Euch zu bedanken!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke verstand nicht, was sie meinte, und war verlegen. Er sagte: „Die Schwester möge der Ersten Herrin danken. Es ist kalt draußen — sie soll sich nicht erkälten. Zwischen Schwager und Schwägerin sind solche Förmlichkeiten unnötig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baochan antwortete nicht, lachte nur und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke hatte anfangs geglaubt, Jin Gui fühle sich wegen Becken Schnees Angelegenheit verpflichtet und wolle sich mit Obst und Wein bedanken — das wäre durchaus möglich. Doch als er Baochans heimlichtuerisches, zweideutiges Benehmen sah, durchschaute er einiges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er überlegte bei sich: „Sie ist immerhin meine Schwägerin dem Namen nach — da kann es doch nichts Ungehöriges geben. Vielleicht ist es Baochan, die auf eigene Rechnung handelt, sich aber nicht traut, es offen zu sagen, und deshalb Jin Guis Namen vorschiebt.&amp;quot; Dann dachte er weiter: „Aber Jin Guis Benehmen ist ja bekannt — ohne jede Sitte und Moral. Und wie sie sich manchmal herausputzt, kokett und aufreizend — wer sagt, dass sie nicht Hintergedanken hat? Oder vielleicht hat sie mit Schwester Qin irgendeinen Streit gehabt und will mich mit dieser Falle ins trübe Wasser ziehen, damit mein Ruf ruiniert wird?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesem Gedanken bekam er geradezu Angst. Gerade als er noch unentschlossen war, hörte er draußen am Fenster ein unterdrücktes Lachen — und erschrak heftig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer dort lachte, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 89</title>
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&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_84|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;84&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_85|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;85&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_86|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;86&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_87|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;87&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_88|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;88&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;89&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_90|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;90&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_91|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;91&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_92|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;92&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_93|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;93&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_94|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;94&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第八十九回 / Kapitel 89 =&lt;br /&gt;
== 人亡物在公子填词 ==&lt;br /&gt;
=== 蛇影杯弓颦卿绝粒 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verstorbene ist fort, doch die Dinge sind noch da — der junge Herr dichtet ein Lied,&lt;br /&gt;
Schlangenspiegelung im Becher — Fräulein Pin hört auf zu essen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, saß Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade grübelnd da, als sie die Nachricht des kleinen Mädchens erschreckte. Hastig fragte sie: „Was für eine Amtssache?&amp;quot; Das Mädchen sagte: „Ich weiß es nicht. Eben kam ein Diener vom zweiten Tor herein und meldete dem gnädigen Herrn etwas Dringendes.&amp;quot; Phönixglanz hörte, dass es das Ministerium für Öffentliche Arbeiten betraf, und beruhigte sich ein wenig. Sie sagte: „Geh zurück und bestelle der Gnädigen Frau, dass der Zweite Herr gestern Abend Geschäfte außerhalb der Stadt hatte und nicht zurückgekommen ist. Man möge zunächst den Ersten Herrn Zhen rufen.&amp;quot; Das Mädchen ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam, sprach mit dem Ministerialbeamten und berichtete dann Frau König: „Das Ministerium meldet: Gestern ging eine Eingabe des Oberflussinspektors ein — in Henan ist der Fluss an mehreren Stellen durchgebrochen und hat einige Präfekturen und Kreise überschwemmt. Es werden Staatsgelder benötigt, um Deiche und Stadtmauern zu reparieren. Die Beamten des Ministeriums müssen nun alles überwachen und schickten deshalb einen Boten zum gnädigen Herrn.&amp;quot; Damit zog er sich zurück. Als Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach Hause kam, wurde ihm alles berichtet. Von da an bis in den Winter hatte Aufrecht Kaufmann täglich zu tun und war oft im Ministerium. Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Studien wurden allmählich nachlässiger, doch aus Furcht, Aufrecht Kaufmann könnte es bemerken, wagte er nicht, der Schule fernzubleiben, und ging auch zu Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; seltener.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Mitte des zehnten Monats. Schatzjade stand auf und wollte zur Schule. Das Wetter war plötzlich kalt geworden. Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte bereits ein Bündel Kleidung bereitgelegt und sagte: „Es ist heute sehr kalt — nimm morgens und abends lieber etwas Wärmeres.&amp;quot; Sie holte ein Stück heraus und half Schatzjade hinein. Ein weiteres wickelte sie ein und gab es einem kleinen Mädchen, die es Beiming übergab: „Wenn der Zweite Herr sich umziehen will, halte alles bereit.&amp;quot; Beiming sagte zu und folgte Schatzjade mit dem Filzbündel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schule erledigte Schatzjade seine Aufgaben, als plötzlich ein Windstoß gegen die Papierfenster klatschte. Dairu sagte: „Das Wetter schlägt schon wieder um.&amp;quot; Er öffnete die Windtür — im Nordwesten türmten sich Wolkenberge und wälzten sich nach Südosten. Beiming kam herein: „Zweiter Herr, es wird kalt — zieht Euch etwas über.&amp;quot; Schatzjade nickte. Beiming brachte ein Kleidungsstück herein. Schatzjade schaute hin — und erstarrte. Auch die kleinen Schüler rissen die Augen auf. Es war der Goldbrokat-Fasanenpelz, den Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Heitermuster: Chin. 晴雯 Qíngwén, wörtl. „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; einst geflickt hatte. Schatzjade fragte: „Warum hast du ausgerechnet den mitgebracht? Wer hat ihn dir gegeben?&amp;quot; Beiming: „Die Mädchen drinnen haben ihn eingepackt.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Mir ist nicht so kalt — ich ziehe ihn lieber nicht an. Pack ihn wieder ein.&amp;quot; Dairu dachte, Schatzjade wolle das Kleidungsstück schonen, und freute sich über seine Sparsamkeit. Beiming bat: „Zieht ihn doch an, Zweiter Herr. Wenn Ihr Euch erkältet, bin ich schuld. Tut es mir zuliebe.&amp;quot; Schatzjade musste ihn widerwillig anziehen und saß dann reglos und geistesabwesend vor seinen Büchern. Dairu dachte, er lese, und ließ ihn in Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend bat Schatzjade Dairu um einen Tag Urlaub wegen Unwohlsein. Dairu, selbst ein alter Mann, der nur der Gesellschaft einiger Kinder wegen Schule hielt und selbst oft kränkelte, ließ sich gern einen Schüler weniger sorgen; zumal er wusste, dass Aufrecht Kaufmann beschäftigt und die Herzoginmutter nachsichtig war — so nickte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade kehrte direkt nach Hause zurück, begrüßte die Herzoginmutter und Frau König mit der gleichen Erklärung — natürlich glaubte man ihm. Er saß kurz und ging dann in den Garten. Im Hof der Roten Freude&amp;lt;ref&amp;gt;Hof der Roten Freude (怡红院): „Hof der Roten Freude&amp;quot;, Schatzjades Wohnsitz im Garten der Großen Anschauung.&amp;lt;/ref&amp;gt; war er nicht so heiter und gesprächig wie sonst, sondern legte sich angezogen auf den Kang. Dufthauch fragte: „Das Abendessen ist fertig — willst du jetzt essen oder später?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ich esse nichts, mir ist unwohl. Esst ihr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: „Dann solltest du wenigstens das Kleid ausziehen. Das Stück verträgt keine grobe Behandlung.&amp;quot; Schatzjade: „Muss nicht sein.&amp;quot; Dufthauch: „Es geht nicht nur um den feinen Stoff — sieh dir die Näharbeit an! Die sollte man nicht ruinieren!&amp;quot; Diese Worte trafen Schatzjades wunden Punkt. Er seufzte: „Dann nimm es und verwahre es gut. Ich werde es nie wieder tragen.&amp;quot; Er stand auf und zog es aus. Als Dufthauch es nehmen wollte, hatte er es bereits selbst zusammengelegt. Dufthauch fragte verwundert: „Seit wann ist der Zweite Herr so sorgfältig?&amp;quot; Schatzjade antwortete nicht. Als er fertig war, fragte er: „Wo ist das Tuch, in das es eingewickelt war?&amp;quot; Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; reichte es eilig herüber und ließ ihn selbst einpacken, wobei sie Dufthauch hinter seinem Rücken zuzwinkerte und kicherte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade beachtete es nicht und saß niedergeschlagen da. Die Uhr auf dem Regal schlug; er sah auf seine Taschenuhr — schon Viertel nach fünf. Bald brachte ein Mädchen Licht. Dufthauch sagte: „Wenn du nicht essen willst, trink wenigstens eine halbe Schale heiße Reissuppe. Hungern ist nicht gut — wenn sich Leerlaufhitze einstellt, müssen wir es ausbaden.&amp;quot; Schatzjade schüttelte den Kopf: „Ich habe noch keinen richtigen Hunger — wenn ich mich zwinge, wird mir nur schlecht.&amp;quot; Dufthauch: „Dann geh lieber gleich schlafen.&amp;quot; Dufthauch und Moschusmond richteten das Bett, und Schatzjade legte sich hin. Er wälzte sich hin und her und konnte nicht einschlafen. Erst gegen Morgen döste er kurz ein, doch nach nicht mehr als der Dauer einer Mahlzeit war er schon wieder wach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch und Moschusmond waren ebenfalls aufgestanden. Dufthauch sagte: „Ich habe gehört, wie du dich bis zum fünften Nachtwächtersignal gewälzt hast. Ich wagte nicht zu fragen. Dann bin ich selbst eingeschlafen — hast du schließlich doch geschlafen?&amp;quot; Schatzjade: „Kurz. Ich weiß nicht, warum ich so früh aufgewacht bin.&amp;quot; Dufthauch: „Fehlt dir etwas?&amp;quot; Schatzjade: „Nein, ich bin nur unruhig im Herzen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch fragte: „Gehst du heute in die Schule?&amp;quot; Schatzjade: „Ich habe gestern schon einen Tag Urlaub genommen. Heute möchte ich im Garten spazieren und mich ein wenig zerstreuen, aber es ist so kalt. Richtet mir ein Zimmer her, mit einem Räuchergefäß, Papier, Tusche, Pinsel und Tuschstein. Ihr könnt eure Sachen machen — ich möchte einen halben Tag still für mich sitzen. Schickt mir niemanden herein.&amp;quot; Moschusmond sagte: „Wenn der Zweite Herr in Ruhe arbeiten will, wer würde ihn stören?&amp;quot; Dufthauch meinte: „Das ist sehr gut — so erkältest du dich auch nicht, und ein wenig Stille sammelt den Geist.&amp;quot; Dann fragte sie: „Wenn du keine Lust auf Essen hast — was soll die Küche machen? Sag es früh.&amp;quot; Schatzjade: „Etwas Einfaches, kein großes Aufheben. Legt nur ein paar Früchte in das Zimmer — ihres Duftes wegen.&amp;quot; Dufthauch: „Welches Zimmer soll es sein? Die meisten sind nicht sauber genug. Nur das, wo Heitermuster früher wohnte — da kommt niemand hin, es ist noch sauber, nur etwas kalt.&amp;quot; Schatzjade: „Macht nichts — stellt den Kohleofen hinüber.&amp;quot; Dufthauch sagte zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie sprachen, brachte ein kleines Mädchen eine Schale auf einem Tablett und reichte sie Moschusmond: „Die Blumen-Schwester hat das eben bestellt — die Köchin hat es geschickt.&amp;quot; Moschusmond nahm es entgegen — eine Schale Schwalbennestersuppe. Sie fragte Dufthauch: „Hast du das bestellt?&amp;quot; Dufthauch lachte: „Gestern Abend hat der Zweite Herr nichts gegessen und sich die ganze Nacht gewälzt — heute Morgen muss er sich doch leer fühlen. Deshalb habe ich die Mädchen in die Küche geschickt.&amp;quot; Dufthauch ließ ein Tischchen aufstellen; Moschusmond half Schatzjade beim Trinken und Mundspülen. Da kam Herbstmuster: „Das Zimmer ist fertig — wartet aber, bis die erste Kohlehitze verflogen ist, ehe der Zweite Herr hineingeht.&amp;quot; Schatzjade nickte; sein Herz war voll, doch er mochte nicht reden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile kam ein kleines Mädchen und meldete: „Pinsel und Tusche sind aufgestellt.&amp;quot; Schatzjade: „Gut.&amp;quot; Ein anderes Mädchen: „Das Frühstück ist fertig — wo soll es serviert werden?&amp;quot; Schatzjade: „Bringt es einfach her, ohne Umstände.&amp;quot; Das Mädchen ging, und bald wurde aufgetragen. Schatzjade lächelte Moschusmond und Dufthauch an: „Mir ist so schwer ums Herz — allein essen, fürchte ich, bringe ich nichts hinunter. Esst ihr beide mit mir, vielleicht bekomme ich dann auch mehr Appetit.&amp;quot; Moschusmond lachte: „Das ist der Wunsch des Zweiten Herrn — wir wagen es nicht.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Eigentlich geht das schon — wir haben ja auch zusammen Wein getrunken. Nur wenn du dich einmal aufheitern willst, ist es vertretbar; aber aus Gewohnheit wäre es gegen alle Ordnung.&amp;quot; Die drei setzten sich: Schatzjade oben, Dufthauch und Moschusmond an den Seiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Essen brachte ein Mädchen Spültee; die beiden räumten ab. Schatzjade hielt seine Teetasse und versank in Gedanken. Nach einer Weile fragte er: „Ist das Zimmer fertig?&amp;quot; Moschusmond: „Das habe ich doch vorhin schon gemeldet — und du fragst noch einmal.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade saß noch einen Moment, dann ging er in das Zimmer hinüber. Er zündete persönlich eine Räucherstange an, stellte Obst auf und schickte alle hinaus. Er schloss die Tür. Draußen verhielten sich Dufthauch und die anderen mucksmäuschenstill. Schatzjade nahm einen Bogen rosa Briefpapier mit goldenen Eckverzierungen hervor, murmelte einige Worte des Gebets, dann schrieb er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Herr des Hofes der Roten Freude verbrennt dies zur Kenntnis der Schwester Heitermuster: Tee und Duft seien dir dargebracht, auf dass du kommst und dich daran erfreust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Gedicht lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Treue Gefährtin — einsam sinne ich dir nach.&lt;br /&gt;
Wer hätte gedacht, ein Sturm bricht über ebener Erde los,&lt;br /&gt;
Und jählings wird dein Lebenslicht gelöscht!&lt;br /&gt;
Wer flüstert nun zarte Worte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Osten fließt das Wasser — nie kehrt es gen Westen.&lt;br /&gt;
Selbst im Traum kann ich dein Bild nicht mehr schaffen;&lt;br /&gt;
Doch beim Aufhängen des Pelzes seh ich das Brokat der Regenwolken.&lt;br /&gt;
Stille Sehnsucht — sie macht mich traurig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er fertig geschrieben hatte, hielt er das Papier an den Weihrauch und verbrannte es. Still wartend, bis die Räucherstange herabgebrannt war, öffnete er die Tür und trat hinaus. Dufthauch fragte: „Schon fertig? War dir wohl wieder langweilig?&amp;quot; Schatzjade lächelte und log: „Ich hatte es nur im Herzen, und wollte ein stilles Plätzchen. Jetzt ist mir besser. Ich möchte noch ein wenig draußen spazieren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon und rief im Hof: „Ist Schwester Lin zu Hause?&amp;quot; Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; antwortete: „Wer ist da?&amp;quot; Sie hob den Vorhang und lachte: „Der Zweite Herr Bao! Das Fräulein ist drinnen — bitte herein.&amp;quot; Schatzjade ging mit Purpurkuckuck hinein. Kajaljade war im Hinterzimmer und rief: „Purpurkuckuck, lass den Zweiten Herrn hereinkommen.&amp;quot; Schatzjade sah an der Tür zum Hinterzimmer ein neues Paar Spruchbänder aus purpurschwarzer Goldwolken-Drachenseide hängen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grünes Fenster, heller Mond — sie sind noch da;&lt;br /&gt;
Die alten Weisen in den Annalen — sie sind nur noch Leere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte, trat ein und fragte: „Was macht die Schwester?&amp;quot; Kajaljade stand auf, kam ihm zwei Schritte entgegen und bot ihm lächelnd einen Platz an: „Ich bin beim Sutra-Abschreiben — nur noch zwei Zeilen. Wenn ich fertig bin, plaudern wir.&amp;quot; Sie rief Schneegans, Tee zu bringen. Schatzjade sagte: „Beweg dich nicht, schreib nur weiter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sah ein Rollbild an der Wand hängen: darauf eine Chang'e mit einer Dienerin und eine weitere Göttin mit einer Dienerin, die einen langen Kleiderbeutel trug. Um beide Gestalten zog sich leichte Wolkenwatte, sonst war kein Schmuck zu sehen — ganz im Stil der weißen Tuschezeichnungen des Li Longmian. Darüber stand in eleganter Kanzleischrift: „Bild des Frostgefechts&amp;quot;. Schatzjade fragte: „Schwester, dieses ‚Bild des Frostgefechts' — hast du es erst kürzlich aufgehängt?&amp;quot; Kajaljade: „Ja. Gestern beim Aufräumen fiel es mir ein, und ich ließ es aufhängen.&amp;quot; Schatzjade: „Was ist die Vorlage?&amp;quot; Kajaljade lachte: „Das kennst du doch bestens — und fragst noch!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Mir fällt es gerade nicht ein — sag es mir.&amp;quot; Kajaljade: „Kennst du nicht den Vers: ‚Reiffee und Mondgöttin trotzen beide der Kälte, im Mond und im Frost wetteifern sie an Schönheit'?&amp;quot; Schatzjade rief: „Ja, richtig! Das ist wirklich originell und geschmackvoll — und genau zur rechten Jahreszeit aufgehängt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schaute sich noch ein wenig um. Schneegans brachte Tee. Schatzjade trank und wartete, bis Kajaljade fertig geschrieben hatte. Sie stand auf: „Verzeiht die Unhöflichkeit.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Immer noch so förmlich, Schwester.&amp;quot; Er betrachtete Kajaljade: Sie trug ein weißes, mit Blumen besticktes Pelzjäckchen und darüber eine Weste aus Silberfuchsfell; das Haar war in einem einfachen Wolkenknoten hochgesteckt, mit nur einer schlichten Goldnadel und keinem Blumenschmuck; um die Hüften einen rosafarbenen bestickten Wattrock. Wahrlich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ein Jadebaum, schlank im Winde stehend,&lt;br /&gt;
Wie eine duftende Lotosblüte, sanft im Tau sich öffnend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte: „Hast du in den letzten Tagen Zither gespielt?&amp;quot; Kajaljade: „Seit zwei Tagen nicht. Vom Schreiben allein werden die Hände schon kalt — wo soll da noch Zither gespielt werden?&amp;quot; Schatzjade: „Vielleicht ist es auch besser so. Die Zither mag ein erhabenes Instrument sein, aber kein gutes: Noch nie hat jemand sich Reichtum, Rang und langes Leben erspielt — nur Kummer, Sehnsucht und Leid. Außerdem muss man sich die Noten merken, was anstrengend ist. Du bist ohnehin zart — erspare dir die Mühe.&amp;quot; Kajaljade lächelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade deutete auf die Wand: „Ist das deine Zither? Warum ist sie so kurz?&amp;quot; Kajaljade lachte: „Sie ist nicht kurz. Als ich klein war und spielen lernte, reichten meine Arme für gewöhnliche Zithern nicht aus, deshalb ließ man diese anfertigen. Zwar ist es kein verkohltes Paulownia-Holz, aber der Kranichberg und der Phönixschwanz sind gut proportioniert, und der Drachenteich und die Gänsefüße passen in der Höhe zusammen. Sieh dir die Risse an — sehen sie nicht aus wie Yakhaare? Deshalb ist auch der Klang klar und rein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte: „Hast du in letzter Zeit Gedichte geschrieben?&amp;quot; Kajaljade: „Seit der Dichtergesellschaft kaum.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Täusch mich nicht. Ich habe gehört, wie du etwas sangst von ‚nicht zu erschrecken, das reine Herz — wie der Mond am Himmel'. Du hast es in die Zithermelodie eingebettet, und der Klang war besonders durchdringend. Stimmt das?&amp;quot; Kajaljade fragte: „Wie hast du das gehört?&amp;quot; Schatzjade: „Neulich kam ich von der Liaofeng-Veranda und hörte es. Ich wollte deine klare Melodie nicht stören und lauschte still eine Weile, dann ging ich. Nur eines wollte ich fragen: Die ersten Strophen standen im ebenen Ton, und am Ende wechseltest du plötzlich in den schrägen — was bedeutet das?&amp;quot; Kajaljade: „Das ist der natürliche Klang des Herzens. Man dichtet, wohin der Geist einen führt — eine feste Regel gibt es nicht.&amp;quot; Schatzjade: „Ach so. Schade, dass ich kein musikalisches Ohr habe — da habe ich umsonst zugehört.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Seit alten Zeiten — wie viele wahre Kenner hat es je gegeben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade merkte, dass seine Worte wieder unbedacht waren, und fürchtete, Kajaljades Herz zu verletzen. Er saß eine Weile; tausend Worte lagen ihm auf der Zunge, doch er fand nichts mehr zu sagen. Auch Kajaljade bereute ihren Satz — er war ihr entschlüpft und klang im Nachhinein zu kühl. Schatzjade vermutete, Kajaljade hege einen Vorbehalt, und stand verlegen auf: „Schwester, bleib sitzen. Ich möchte noch bei der Dritten Schwester vorbeischauen.&amp;quot; Kajaljade: „Wenn du sie siehst, grüß sie von mir.&amp;quot; Schatzjade sagte zu und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade kehrte an die Tür zurück und setzte sich grübelnd hin: „In letzter Zeit redet Schatzjade so halb und halb, bald kalt, bald warm — was meint er nur?&amp;quot; Da kam Purpurkuckuck: „Fräulein, schreibt Ihr nicht weiter? Soll ich die Schreibsachen wegräumen?&amp;quot; Kajaljade: „Ich schreibe nicht mehr — räum es weg.&amp;quot; Sie ging ins Hinterzimmer und legte sich aufs Bett, um in aller Stille nachzudenken. Purpurkuckuck kam herein: „Fräulein, trinkt eine Schale Tee.&amp;quot; Kajaljade: „Ich möchte nicht. Ich ruhe mich nur ein wenig aus — geht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck trat hinaus und sah Schneegans allein vor sich hin starren. Sie trat neben sie: „Hast du jetzt auch etwas, das dich beschäftigt?&amp;quot; Schneegans hatte sie nicht kommen sehen und erschrak. Dann sagte sie: „Psst! Heute habe ich etwas gehört — ich erzähl es dir, es ist wirklich merkwürdig! Aber sag kein Wort.&amp;quot; Sie wies mit dem Kinn zur Tür, ging voraus und winkte Purpurkuckuck mit, hinauszukommen. Auf der Terrasse vor der Tür flüsterte sie: „Schwester, hast du gehört? Schatzjade ist verlobt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck erschrak: „Woher kommt das? Ist das auch wahr?&amp;quot; Schneegans: „Und ob! Alle wissen es anscheinend, nur wir haben nichts gehört.&amp;quot; Purpurkuckuck: „Von wem hast du es?&amp;quot; Schneegans: „Von Shishu. Es soll eine Präfektenfamilie sein — wohlhabend, das Mädchen schön.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck wollte mehr hören, als Kajaljade drinnen hustete, als stünde sie auf. Purpurkuckuck fürchtete, sie könnte herauskommen, zog Schneegans am Ärmel und legte den Finger auf die Lippen. Sie spähte hinein — nichts rührte sich. Leise fragte sie weiter: „Was hat Shishu genau gesagt?&amp;quot; Schneegans berichtete: „Neulich schickte mich das Fräulein zum Dritten Fräulein, um sich zu bedanken. Das Dritte Fräulein war nicht da, nur Shishu. Wir saßen herum und kamen zufällig auf Schatzjades Ungezogenheit zu sprechen. Shishu sagte: ‚Was soll aus dem Zweiten Herrn Bao werden? Er spielt nur und benimmt sich nicht wie ein Erwachsener — und dabei ist er schon verlobt und trotzdem noch so verträumt.' Ich fragte, ob es feststehe. Sie sagte ja — ein gewisser Herr Wang habe vermittelt. Dieser Herr Wang sei ein Verwandter des Osthauses, und so habe man nicht lange fragen müssen — auf den ersten Antrag sei es schon beschlossen gewesen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck legte den Kopf schief und überlegte: „Merkwürdig!&amp;quot; Dann fragte sie: „Warum hat bei uns zu Hause niemand davon gesprochen?&amp;quot; Schneegans: „Shishu hat das auch erklärt: Es sei der Wille der Alten Ahnin. Wenn man darüber rede, könnte Schatzjade vor lauter Aufregung verrückt spielen; deshalb schweigen alle. Shishu hat es mir erzählt und mich dringend ermahnt: ‚Lass ja nichts verlauten — sonst heißt es, ich plaudere.' &amp;quot; Sie wies auf die Tür: „Deshalb habe ich auch vor ihr nichts gesagt. Heute hast du gefragt — da konnte ich es dir nicht verschweigen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade da schrie der Papagei: „Das Fräulein ist zurück! Schnell, bringt Tee!&amp;quot; Purpurkuckuck und Schneegans erschraken. Sie blickten sich um — niemand war da. Sie schimpften den Papagei aus, gingen hinein und sahen Kajaljade keuchend auf einem Stuhl sitzen. Purpurkuckuck versuchte unbefangen nach Tee und Wasser zu fragen. Kajaljade fragte: „Wo wart ihr beide? Man ruft und ruft, und keine Menschenseele kommt.&amp;quot; Damit ging sie zum Kang, ließ sich fallen, drehte sich zur Wand und rief: „Lasst den Vorhang herunter.&amp;quot; Purpurkuckuck und Schneegans taten es. Beide ahnten, dass Kajaljade ihr Gespräch belauscht haben könnte, doch keine wagte, das Thema zu berühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich hatte Kajaljade, die ohnehin voller Sorgen war, das geflüsterte Gespräch der beiden teilweise aufgeschnappt. Zwar hatte sie nicht alles verstanden, doch sieben oder acht Zehntel reichten aus: Es war, als hätte man sie in ein tiefes Meer geworfen. Sie dachte hin und her — es stimmte genau mit der Weissagung ihres Traums überein. Tausend Sorgen, zehntausend Groll türmten sich in ihr auf. Sie überlegte: „Lieber früh sterben, als mitansehen zu müssen, wie das Unerwartete geschieht — das wäre noch bitterer.&amp;quot; Dann dachte sie an ihre Verwaistheit: „Von heute an werde ich meinen Körper Tag für Tag zugrunde richten. In einem Jahr oder einem halben ist der reine Himmel erreicht.&amp;quot; Mit diesem Entschluss deckte sie sich nicht zu, legte keine zusätzliche Kleidung an, schloss die Augen und tat, als schliefe sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck und Schneegans kamen mehrmals herein, doch nichts regte sich, und sie wagten nicht zu rufen. Auch das Abendessen blieb unberührt. Nachdem die Lampen angezündet waren, schob Purpurkuckuck den Bettvorhang beiseite: Kajaljade schien zu schlafen, doch die Decke war ans Fußende getreten. Aus Angst vor Erkältung legte Purpurkuckuck sie behutsam wieder auf. Kajaljade rührte sich nicht. Kaum war Purpurkuckuck hinaus, streifte Kajaljade die Decke wieder ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck fragte Schneegans immer wieder: „War das heute die Wahrheit oder nicht?&amp;quot; Schneegans: „Natürlich!&amp;quot; Purpurkuckuck: „Woher weiß Shishu das?&amp;quot; Schneegans: „Von Xiaohong.&amp;quot; Purpurkuckuck: „Ich fürchte, das Fräulein hat unser Gespräch gehört — hast du ihr Verhalten eben gesehen? Da steckt etwas dahinter. Von heute an dürfen wir das Thema nicht mehr erwähnen.&amp;quot; Beide machten sich fertig zum Schlafen. Purpurkuckuck ging noch einmal nachsehen — die Decke war schon wieder abgetreten. Leise legte sie sie wieder auf. Der Rest der Nacht verging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen war Kajaljade ganz früh aufgestanden und saß allein und stumm da. Purpurkuckuck wachte auf und erschrak: „Fräulein, warum so früh?&amp;quot; Kajaljade: „Kein Wunder — ich bin früh eingeschlafen, also wache ich früh auf.&amp;quot; Purpurkuckuck weckte Schneegans, und beide halfen bei der Morgentoilette. Kajaljade saß vor dem Spiegel und starrte ihr Spiegelbild an. Nach einer Weile flossen die Perlentränen unaufhörlich und durchtränkten das Seidentuch. Wahrlich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der hagere Schatten spiegelt sich im Frühlingswasser:&lt;br /&gt;
Du solltest mich bemitleiden — ich bemitleide dich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck wagte nicht zu trösten, aus Furcht, durch beiläufige Worte alte Wunden aufzureißen. Erst nach langer Zeit machte sich Kajaljade flüchtig zurecht; doch die Tränenspuren in ihren Augen trockneten nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder saß sie eine Weile, dann rief sie: „Purpurkuckuck, zünd Weihrauch an.&amp;quot; Purpurkuckuck: „Fräulein, Ihr habt kaum geschlafen — wozu jetzt Weihrauch? Wollt Ihr Sutras abschreiben?&amp;quot; Kajaljade nickte. Purpurkuckuck: „Das Fräulein ist heute so früh aufgewacht und will jetzt auch noch Sutras schreiben — ist das nicht zu anstrengend?&amp;quot; Kajaljade sagte: „Keine Angst — je früher ich fertig bin, desto besser. Eigentlich geht es mir gar nicht um die Sutras — ich möchte mir durch das Schreiben die Zeit vertreiben. Wenn ihr später meine Schriftzüge seht, ist es, als säht ihr mich selbst.&amp;quot; Bei diesen Worten liefen ihr die Tränen ungehindert herunter. Purpurkuckuck konnte nun nicht mehr trösten; sie selbst konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Tat hatte Kajaljade ihren Entschluss gefasst: Von nun an würde sie ihren Körper absichtlich zugrunde richten. Essen und Trinken nahm sie kaum noch zu sich und verringerte beides täglich. Wenn Schatzjade von der Schule kam, erkundigte er sich zwar regelmäßig, doch Kajaljade wusste tausend Dinge zu sagen und wagte doch nichts — sie war älter geworden und konnte nicht mehr wie als Kind mit zärtlichem Scherz locken. Alles, was sie auf dem Herzen hatte, blieb unausgesprochen. Schatzjade wiederum wollte ihr die Wahrheit sagen und sie beruhigen, fürchtete aber, Kajaljade könnte zornig werden und die Krankheit verschlimmern. So beschränkten sich beide bei ihren Treffen auf oberflächliche Trostworte — wahrhaftig: je inniger verbunden, desto entfremdeter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar sorgten sich die Herzoginmutter, Frau König und andere um Kajaljade und ließen Ärzte kommen, doch sie dachten nur an ihre üblichen Beschwerden und ahnten nichts von ihrer Herzkrankheit. Purpurkuckuck und die anderen durchschauten es, wagten aber nichts zu sagen. So verringerte Kajaljade ihr Essen Tag für Tag. Nach einem halben Monat wurde ihr Verdauungsvermögen immer schwächer, und schließlich konnte sie nicht einmal mehr Reisbrei zu sich nehmen. Alles, was Kajaljade tagsüber hörte, schien ihr von Schatzjades Heirat zu handeln; jeder aus dem Hof der Roten Freude, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, schien ihr so auszusehen, als bereiteten sie Schatzjades Hochzeit vor. Wenn Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Besuch kam und Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mitbrachte, steigerte sich Kajaljades Argwohn noch mehr. Sie lehnte jeden Besuch ab, wollte keine Medizin nehmen und wünschte sich nur, schnell zu sterben. Im Schlaf hörte sie ständig jemanden „Zweite Herrin Bao&amp;quot; rufen. Ein einziger Argwohn wuchs zum Schlangenspiegelbild. Eines Tages hörte sie gänzlich auf zu essen — nicht einen Reiskorn nahm sie mehr zu sich. Kraftlos und fast atemlos lag sie dem Tode nahe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es um Kajaljades Leben stand, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 88</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_83|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;83&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_84|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;84&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_85|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;85&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_86|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;86&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_87|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;87&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;88&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_89|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;89&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_90|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;90&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_91|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;91&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_92|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;92&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_93|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;93&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第八十八回 / Kapitel 88 =&lt;br /&gt;
== 博庭欢宝玉赞孤儿 ==&lt;br /&gt;
=== 正家法贾珍鞭悍仆 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; erfreut die Großmutter und lobt den Waisenknaben,&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; stellt die Hausordnung her und lässt den frechen Diener peitschen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, studierte Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrter Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade ein Go-Lehrbuch, als im Hof jemand nach Caiping rief — es war niemand anders als Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Caiping ging hinaus und kam mit Mandarinenente herein. Diese hatte ein kleines Mädchen bei sich, das ein gelbes Seidenpäckchen trug. Bedauerfrühling fragte lachend: „Was gibt es?&amp;quot; Mandarinenente erklärte: „Die Alte Ahnin wird nächstes Jahr einundachtzig — eine ‚verborgene Neun'. Sie hat gelobt, eine neun Tage und neun Nächte dauernde Andacht abzuhalten und dreitausendsechshunderteinundfünfzig Abschriften des Diamant-Sutra&amp;lt;ref&amp;gt;Diamant-Sutra (金刚经, Jīngāng Jīng): Eines der wichtigsten Sutras des Mahāyāna-Buddhismus, häufig als Verdienst für Verstorbene oder zum Schutz abgeschrieben.&amp;lt;/ref&amp;gt; schreiben zu lassen. Diese werden bereits draußen abgeschrieben. Doch man sagt, das Diamant-Sutra sei wie die äußere Hülle eines daoistischen Talismans, und das Herz-Sutra&amp;lt;ref&amp;gt;Herz-Sutra (心经, Xīnjīng): Das kürzeste und am häufigsten rezitierte Sutra des Mahāyāna-Buddhismus.&amp;lt;/ref&amp;gt; sei erst der eigentliche Kern. Darum muss in jedes Diamant-Sutra ein Herz-Sutra eingelegt werden — das bringt noch mehr Verdienst. Da die Alte Ahnin das Herz-Sutra für besonders wichtig hält und Guanyin zudem eine weibliche Bodhisattva ist, möchte sie, dass die weiblichen Verwandten und Fräulein des Hauses dreihundertfünfundsechzig Abschriften schreiben — das ist zugleich frommer und sauberer. Außer der Zweiten Herrin — erstens hat sie als Haushälterin keine Zeit, zweitens kann sie auch nicht so gut schreiben — soll jede, die schreiben kann, nach Vermögen beitragen: die Erste Herrin Zhen vom Osthaus, die Nebenfrauen, und natürlich erst recht alle hier im Haus.&amp;quot; Bedauerfrühling nickte: „Anderes kann ich nicht, aber Sutras abschreiben — dafür brenne ich! Leg es hin und trink Tee.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente legte das Päckchen auf den Tisch und setzte sich zu Bedauerfrühling. Caiping brachte Tee. Bedauerfrühling fragte lachend: „Schreibst du auch?&amp;quot; Mandarinenente sagte: „Das Fräulein scherzt! In den letzten drei, vier Jahren — hat das Fräulein mich jemals einen Pinsel in die Hand nehmen sehen?&amp;quot; Bedauerfrühling sagte: „Es wäre ein großes Verdienst.&amp;quot; Mandarinenente erwiderte: „Ich habe allerdings etwas anderes: Seit ich die Alte Ahnin zur Nachtruhe gebettet habe, spreche ich jedes Mal meine Reisgebete — schon seit über drei Jahren. Den Reis hebe ich sorgfältig auf, und wenn die Alte Ahnin ihre Andacht hält, will ich ihn als Opfergabe für den Buddha beifügen — das ist mein aufrichtiger Beitrag.&amp;quot; Bedauerfrühling sagte: „So gesehen ist die Alte Ahnin die Guanyin, und du bist das Drachenmädchen.&amp;quot; Mandarinenente sagte: „So weit reiche ich nicht! Nur weiß ich: Außer der Alten Ahnin könnte ich niemandem dienen — was für ein Schicksal aus einem früheren Leben mich an sie bindet, weiß ich nicht.&amp;quot; Sie wollte gehen und ließ das kleine Mädchen das Seidenpäckchen öffnen: „Dieser Stapel reines Papier ist zum Abschreiben des Herz-Sutra.&amp;quot; Dann hielt sie ein Bündel tibetischen Weihrauch hoch: „Den soll man beim Schreiben anzünden.&amp;quot; Bedauerfrühling nahm alles an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente verabschiedete sich und ging mit dem kleinen Mädchen zur Herzoginmutters Gemächern zurück, wo sie Bericht erstattete. Die Herzoginmutter spielte gerade mit Seidenweiß Pflaume&amp;lt;ref&amp;gt;Seidenweiß Pflaume: Chin. 李纨 Lǐ Wán, wörtl. „Frau im Schleiertuch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Backgammon. Mandarinenente schaute von der Seite zu. Seidenweiß Pflaume hatte Glück mit dem Würfel und schlug der Großmutter gleich mehrere Steine herunter. Mandarinenente musste lachen und hielt sich den Mund zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Schatzjade herein, in jeder Hand einen kleinen Käfig aus feinem Bambus, in denen einige Grashüpfer saßen. Er sagte: „Ich habe gehört, die Großmutter schläft nachts schlecht — da bringe ich ihr diese zur Unterhaltung.&amp;quot; die Herzoginmutter lachte: „Nur weil dein Vater nicht zu Hause ist, erlaubst du dir solche Streiche!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ich habe doch gar keine Streiche gemacht!&amp;quot; die Herzoginmutter fragte: „Wenn du keine Streiche machst, warum bist du dann nicht in der Schule beim Lesen, sondern bringst solches Zeug?&amp;quot; Schatzjade erklärte: „Die habe ich nicht selbst gefangen! Neulich hat der Lehrer Huan und Lan Gegenpaare bilden lassen. Huan konnte es nicht, und ich habe ihm heimlich eingeflüstert. Als er die Antwort vortrug, lobte der Lehrer ihn. Aus Dankbarkeit hat er mir diese Grashüpfer gekauft, und ich bringe sie der Großmutter.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Lernt er denn nicht jeden Tag? Warum kann er kein Gegenpaar finden? Wenn nicht, soll der Großonkel Ru ihm auf den Mund schlagen — ob ihm das nicht peinlich wäre! Du hast es auch nicht leicht gehabt — erinnerst du dich, wie du dich gefürchtet hast wie ein Gespenst, wenn dein Vater dich Gedichte und Lieder aufsagen ließ? Und jetzt sprichst du große Worte! Dieser Huan ist noch unfähiger — lässt sich die Arbeit von anderen machen und besticht sie dann dafür. So ein kleiner Junge treibt schon solche Ränke und schämt sich nicht — wer weiß, was aus dem noch wird!&amp;quot; Das ganze Zimmer lachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte weiter: „Und der kleine Lan? Hat er seine Aufgabe geschafft? Jetzt hätte Huan ihm helfen müssen — Lan ist ja jünger. Nicht wahr?&amp;quot; Schatzjade lachte: „Er hat keine Hilfe gebraucht — er hat es selbst gemacht.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Das glaube ich nicht — wenn, dann hast du auch da nachgeholfen. Du bist mir einer! Aus der Hammelherde ragt ein Kamel hervor — du bist der Größte und schreibst nun auch schon Aufsätze!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Er hat es wirklich selbst gemacht! Der Lehrer hat ihn sogar gelobt und gesagt, aus dem werde einmal etwas Großes. Wenn die Großmutter mir nicht glaubt, lass ihn doch herkommen und prüfe ihn selbst.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Wenn das stimmt, freue ich mich wirklich. Ich fürchte nur, dass du schummelst. Wenn er es wirklich selbst geschrieben hat, kann aus dem Jungen etwas werden.&amp;quot; Dabei blickte sie Seidenweiß Pflaume an und dachte an Herrlichkeit Kaufmann. Sie fuhr fort: „Dann ist dein älterer Bruder nicht umsonst gestorben, und deine ältere Schwägerin hat ihn nicht umsonst großgezogen. Eines Tages wird er das Haus seines Vaters stützen und ehren.&amp;quot; Dabei konnte sie die Tränen nicht zurückhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume war von diesen Worten tief gerührt, doch da die Großmutter schon traurig war, hielt sie sich zurück und tröstete lächelnd: „Das ist alles der gesammelte Segen der Alten Ahnin. Wir stehen unter ihrem Schutz. Wenn der Junge den Erwartungen der Alten Ahnin gerecht wird, ist das unser Glück. Warum trauert die Alte Ahnin, statt sich zu freuen?&amp;quot; Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Onkel Bao, lob ihn morgen nicht so überschwänglich. Er ist noch ein kleines Kind — was weiß er schon? Du meinst es nur gut, aber er versteht das nicht. Mit der Zeit wird er übermütig, und dann kann er keine Fortschritte mehr machen.&amp;quot; die Herzoginmutter nickte: „Deine Schwägerin hat recht. Er ist noch so klein — treib ihn nicht zu hart an. Kleine Kinder sind scheu; wenn man sie zu sehr bedrängt, werden sie noch krank, und dann war all deine Mühe umsonst.&amp;quot; Bei diesen Worten konnte Seidenweiß Pflaume ihre Tränen nicht mehr halten und wischte sie eilig weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kamen Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil/Plage&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Orchidee Kaufmann herein, um die Großmutter zu begrüßen. Orchidee Kaufmann grüßte auch seine Mutter und stellte sich neben die Herzoginmutter. Die Großmutter sagte: „Ich habe gerade von deinem Onkel gehört, dass du ein gutes Gegenpaar gemacht hast und der Lehrer dich gelobt hat.&amp;quot; Orchidee Kaufmann sagte nichts und lächelte nur verschämt. Mandarinenente kam und meldete: „Das Abendessen ist angerichtet.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Holt die Tante.&amp;quot; Hupo schickte sogleich jemanden zu Frau König, um Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu bitten. Schatzjade und Unheil Kaufmann zogen sich zurück. Suyun und die kleinen Mädchen räumten das Backgammonbrett weg. Seidenweiß Pflaume wartete, um der Großmutter beim Essen aufzuwarten; Orchidee Kaufmann stand neben seiner Mutter. Die Herzoginmutter sagte: „Ihr beiden esst mit mir.&amp;quot; Seidenweiß Pflaume sagte zu. Man trug auf. Ein Mädchen kam zurück und meldete: „Die Gnädige Frau lässt der Alten Ahnin ausrichten: Die Tante kommt und geht in letzter Zeit und konnte sich nicht melden; heute ist sie nach dem Essen nach Hause gefahren.&amp;quot; die Herzoginmutter ließ Orchidee Kaufmann neben sich Platz nehmen, und alle aßen gemeinsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter gerade mit dem Essen fertig war und, den Mund gespült, auf dem Bett lag und plauderte, kam ein kleines Mädchen und flüsterte Hupo etwas zu. Hupo meldete: „Der Erste Herr aus dem Osthaus lässt einen guten Abend wünschen.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Sagt ihm: Er ist von der Hausverwaltung erschöpft; er soll sich ausruhen. Ich weiß Bescheid.&amp;quot; Über die Mädchen und Dienerinnen wurde Herrlichkeit Kaufmann informiert, und er zog sich zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag ging Herrlichkeit Kaufmann hinüber, um verschiedene Angelegenheiten zu regeln. Die Pförtnerdiener meldeten nacheinander einige Dinge. Einer meldete: „Der Gutsverwalter hat Obst gebracht.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Wo ist die Liste?&amp;quot; Der Diener reichte sie eilig herein. Es waren Saisonfrüchte, dazu einiges Gemüse und Wild. Herrlichkeit Kaufmann las die Liste und fragte: „Wer verwaltet das normalerweise?&amp;quot; Man antwortete: „Zhou Rui.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann rief Zhou Rui: „Zähl alles nach der Liste durch und lass es nach drinnen bringen. Ich mache eine Kopie der Lieferliste für den Abgleich.&amp;quot; Dann befahl er: „Sag der Küche, sie soll den Speiseplan um einige Posten ergänzen und dem Gutsverwalter wie üblich eine Mahlzeit und Geld geben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhou Rui sagte zu. Während man die Lieferung in Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Hof brachte und die Bücher mit dem Obst ordnungsgemäß übergab, ging Zhou Rui hinaus und kam bald zurück zu Herrlichkeit Kaufmann: „Das vorhin gelieferte Obst — hat der Erste Herr die Menge überprüft?&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Wann hätte ich Zeit, das zu zählen? Ich habe dir die Liste gegeben — zähl du nach.&amp;quot; Zhou Rui sagte: „Ich habe nachgezählt: es fehlt nichts, aber es ist auch nichts übrig. Da der Erste Herr die Kopie behalten hat, sollte man den Boten fragen, ob die Liste stimmt.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Was soll das? Es sind doch nur ein paar Früchte — was gibt es da Wichtiges? Ich habe dich nicht verdächtigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Bao Er herbeigelaufen, machte einen Kotau und sagte: „Bitte lasst mich wieder draußen arbeiten wie früher.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Was ist denn schon wieder los bei euch?&amp;quot; Bao Er sagte: „Ich komme hier drinnen nicht zu Wort.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann: „Wer verlangt, dass du hier redest?&amp;quot; Bao Er: „Was soll ich hier als Aufpasser herumstehen?&amp;quot; Zhou Rui mischte sich ein: „Ich verwalte hier die Pacht, die Gutserträge und die Ein- und Ausgaben — jedes Jahr mehrere zehntausend Tael&amp;lt;ref&amp;gt;Tael (两, Liǎng): Traditionelle chinesische Gewichts- und Silberwährungseinheit, ca. 37,3 Gramm.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Weder der gnädige Herr noch die gnädigen Damen haben je etwas beanstandet, geschweige denn solche Kleinigkeiten. Wenn man Bao Er glaubt, hätten wir Diener den ganzen Grundbesitz veruntreut.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann überlegte: „Bao Er muss sich hier gestritten haben — am besten schicke ich ihn weg.&amp;quot; Er sagte zu Bao Er: „Verschwinde!&amp;quot; Und zu Zhou Rui: „Du brauchst auch nichts weiter zu sagen — mach deine Arbeit.&amp;quot; Beide gingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann ruhte sich gerade im Arbeitszimmer aus, als draußen am Tor ein Tumult losbrach. Er schickte jemanden nachsehen; der Bote kam zurück: „Bao Er prügelt sich mit Zhou Ruis Adoptivsohn.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Wer ist Zhou Ruis Adoptivsohn?&amp;quot; Der Pförtner antwortete: „Er heißt He San, ein nichtsnutziger Kerl, der zu Hause jeden Tag trinkt und Streit sucht. Er lungert ständig am Tor herum. Als er den Zank zwischen Bao Er und Zhou Rui hörte, mischte er sich ein.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Das ist unerhört! Bindet Bao Er und diesen He San zusammen fest! Und Zhou Rui?&amp;quot; Der Pförtner: „Der war schon weg, als die Prügelei anfing.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann befahl: „Holt ihn her! So weit kommt es noch!&amp;quot; Alle liefen los. Gerade kam auch Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zurück. Herrlichkeit Kaufmann erzählte ihm alles. Kette Kaufmann rief: „Unerhört!&amp;quot; Man schickte noch mehr Leute, Zhou Rui zu holen. Der wusste, dass er nicht entkommen konnte, und kam. Herrlichkeit Kaufmann befahl: „Alle fesseln!&amp;quot; Kette Kaufmann sprach zu Zhou Rui: „Euer vorheriger Streit wäre nicht so schlimm gewesen — der Erste Herr hatte es beigelegt. Warum dann draußen noch eine Schlägerei? Die Schlägerei allein wäre schon unerhört genug, aber ihr bringt auch noch einen streunenden Bastard namens He San ins Spiel! Und statt sie in Schach zu halten, bist du einfach verschwunden.&amp;quot; Er trat Zhou Rui ein paar Mal. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Zhou Rui allein zu bestrafen genügt nicht!&amp;quot; Er befahl, Bao Er und He San je fünfzig Peitschenhiebe zu geben und hinauszuwerfen. Danach besprach er mit Kette Kaufmann die eigentlichen Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerschaft tuschelte hinter vorgehaltener Hand: Manche sagten, Herrlichkeit Kaufmann decke seine Günstlinge; andere meinten, er könne nicht vermitteln; wieder andere nannten ihn selbst keinen guten Charakter: „Erinnert euch an die hässliche Affäre mit den Schwestern You — war es nicht Herrlichkeit Kaufmann, der Bao Er dem Zweiten Herrn als Diener zuschob? Jetzt findet er Bao Er nicht mehr brauchbar — bestimmt hat sich Bao Ers Frau nicht genug um ihn gekümmert.&amp;quot; Viele Mäuler, viele Meinungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; betrifft: Seit er im Ministerium für Öffentliche Arbeiten das Siegel führte, hatten einige seiner Diener ordentlich verdient. Efeu Kaufmann hörte davon und wollte auch etwas abbekommen. Er sprach draußen mit einigen Baumeistern, vereinbarte Provisionen und kaufte modische Stickereigeschenke, um sich bei Phönixglanz einzuschmeicheln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz war in ihrem Zimmer, als Mädchen meldeten: „Der Erste und der Zweite Herr sind wütend und lassen draußen Leute verprügeln.&amp;quot; Phönixglanz fragte sich, was los war. Gerade wollte sie jemanden schicken, als Kette Kaufmann hereinkam und alles erzählte. Phönixglanz sagte: „Die Sache selbst ist nicht so schwerwiegend, aber solche Sitten dürfen nicht einreißen. Im Moment sind wir noch auf dem Höhepunkt unseres Wohlstands, und die Diener wagen es schon, sich zu prügeln; wenn später die jüngere Generation das Sagen hat, werden sie völlig außer Kontrolle geraten. Vor zwei Jahren habe ich im Osthaus mit eigenen Augen gesehen, wie Jiao Da sich volllaufen ließ, unter der Treppe lag und alle beschimpfte — ohne Rücksicht auf Rang und Stand, alles in einen Topf werfend. Er mag Verdienste haben, aber zwischen Herr und Diener sollte ein Mindestmaß an Anstand herrschen. Die Erste Herrin Zhen — ich sage es ungern — ist zu gutmütig; sie hat jeden so verwöhnt, dass keiner mehr zu bändigen ist. Und jetzt dieser Bao Er. Ich habe gehört, er war euer und des Ersten Herrn Vertrauensmann — warum wird er dann heute geschlagen?&amp;quot; Bei diesen Worten spürte Kette Kaufmann den Stich, wurde verlegen und versuchte abzulenken. Er murmelte etwas von Geschäften und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiaohong kam herein und meldete: „Der Zweite Herr Yun möchte die Herrin sprechen.&amp;quot; Phönixglanz überlegte: „Was will der schon wieder?&amp;quot; Dann sagte sie: „Lass ihn herein.&amp;quot; Xiaohong ging hinaus und blickte Efeu Kaufmann mit einem leichten Lächeln an. Efeu Kaufmann trat eilig einen Schritt näher und fragte: „Fräulein, habt Ihr mich angekündigt?&amp;quot; Xiaohong errötete: „Ich sehe nur, dass der Zweite Herr viel zu tun hat.&amp;quot; Efeu Kaufmann: „Wann hatte ich je so viel zu tun, dass ich das Fräulein im Inneren bemühen müsste? Damals, als das Fräulein im Zimmer des Zweiten Onkels Bao war, da habe ich Euch …&amp;quot; Xiaohong fürchtete, jemand könnte sie sehen, und unterbrach: „Das Seidentuch, das ich Euch damals getauscht habe — habt Ihr es gesehen?&amp;quot; Efeu Kaufmann hätte diesen Satz nicht glücklicher hören können; er wollte gerade antworten, als ein kleines Mädchen von drinnen herauskam. Efeu Kaufmann ging hastig neben Xiaohong hinein. Seite an Seite, in geringem Abstand, flüsterte er: „Wenn ich wieder herauskomme — bringst du mich hinaus, und ich erzähle dir etwas Lustiges.&amp;quot; Xiaohong wurde knallrot, warf ihm einen Blick zu, antwortete aber nicht. Am Eingang zu Phönixglanzs Gemächern ging sie allein hinein und meldete sich. Dann kam sie heraus, hob den Vorhang, winkte mit der Hand und sagte absichtlich laut: „Die Herrin bittet den Zweiten Herrn Yun herein!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Efeu Kaufmann lächelte, folgte ihr ins Zimmer, begrüßte Phönixglanz und sagte: „Meine Mutter lässt grüßen.&amp;quot; Phönixglanz erwiderte den Gruß. „Was führt dich her?&amp;quot; Efeu Kaufmann erklärte: „Der Neffe hat die frühere Güte der Tante nie vergessen und denkt ständig daran. Er wollte ihr schon immer etwas schenken, fürchtete aber, die Tante könnte zu viel hineindeuten. Da jetzt das Doppelneunfest naht, habe ich eine Kleinigkeit mitgebracht. Die Tante hat natürlich alles — es ist nur mein bescheidener Ausdruck der Dankbarkeit. Wenn die Tante ihn nur nicht verschmäht.&amp;quot; Phönixglanz lächelte: „Setz dich und sag, was du zu sagen hast.&amp;quot; Efeu Kaufmann setzte sich seitlich und legte das Geschenk auf den Nebentisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Du bist kein reicher Mensch — warum gibst du Geld aus? Ich brauche es nicht. Sag mir lieber, was du wirklich im Sinn hast — ehrlich.&amp;quot; Efeu Kaufmann sagte: „Nichts weiter als Dankbarkeit gegenüber der Tante.&amp;quot; Dabei lächelte er. Phönixglanz sagte: „So geht das nicht. Ich weiß, dass du knapp bei Kasse bist — warum sollte ich dir unnötig Geld abknöpfen? Wenn du willst, dass ich das Geschenk annehme, musst du mir vorher reinen Wein einschenken. Wenn du herumdruckst und halb hinterm Berg hältst, nehme ich es nicht an.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Efeu Kaufmann konnte nicht anders, stand auf und erklärte verlegen lächelnd: „Es ist wirklich kein unverschämter Wunsch. Neulich hörte ich, der gnädige Herr leite den Bau der kaiserlichen Grabanlage. Ich habe ein paar Freunde, die schon etliche Bauprojekte durchgeführt haben — alles sehr zuverlässig. Wenn die Tante beim gnädigen Herrn ein gutes Wort einlegen könnte, damit man mir ein oder zwei Aufträge gibt, werde ich die Güte der Tante nie vergessen. Und wenn es Arbeit im Haus gibt, kann ich der Tante auch von Nutzen sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz antwortete: „Bei anderen Dingen könnte ich schon ein Wort mitreden. Aber Behördenangelegenheiten — da wird oben alles von den Ministerialbeamten bestimmt, und unten machen es die Schreiber und Amtsboten. Da kann ein Außenstehender sich kaum einschalten. Selbst die eigenen Hausleute können nur den gnädigen Herrn begleiten; und dein Onkel geht auch nur wegen der eigenen Familienangelegenheiten hin — er kann keine offiziellen Aufträge vergeben. Was das Haus betrifft: Hier drückt man an einem Ende und hebt am anderen, und selbst der Erste Herr Zhen kann die Leute kaum im Zaum halten. Du bist zu jung und zu niedrig im Rang — wie willst du mit diesen Leuten fertig werden? Außerdem nähert sich die Arbeit im Ministerium ohnehin dem Ende — es ist mehr Leerlauf als Arbeit. Was kannst du zu Hause nicht alles tun — bist du ohne diesen Auftrag etwa am Verhungern? Das sage ich dir ehrlich — geh heim und denk darüber nach. Deinen guten Willen habe ich zur Kenntnis genommen. Aber nimm die Sachen wieder mit und gib sie dorthin zurück, wo du sie herbekommen hast.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade da kam die Amme mit einer Schar Mädchen und brachte Pfiffigmädchen herein. Das Mädchen war prächtig gekleidet und hatte allerlei Spielzeug in den Händen; lachend lief sie zu Phönixglanz und plapperte. Efeu Kaufmann stand auf und sagte mit strahlendem Lächeln: „Ist das die große Schwester? Willst du nicht ein schönes Spielzeug?&amp;quot; Pfiffigmädchen brach sofort in Geschrei aus. Efeu Kaufmann wich zurück. Phönixglanz tröstete: „Liebling, hab keine Angst&amp;quot; und nahm Pfiffigmädchen auf den Arm: „Das ist dein großer Bruder Yun — warum tust du so fremd?&amp;quot; Efeu Kaufmann sagte schmeichelnd: „Die kleine Schwester ist wunderschön — die wird einmal großes Glück haben.&amp;quot; Pfiffigmädchen blickte sich nach Efeu Kaufmann um und fing wieder an zu weinen — mehrmals hintereinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Efeu Kaufmann konnte nicht länger bleiben, stand auf und verabschiedete sich. Phönixglanz sagte: „Nimm die Sachen mit.&amp;quot; Efeu Kaufmann bat: „Nicht einmal diese Kleinigkeit?&amp;quot; Phönixglanz antwortete: „Wenn du sie nicht mitnimmst, lasse ich sie zu dir nach Hause bringen. Yun, stell dich nicht so an — du bist doch kein Fremder. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, schicke ich nach dir. Aber ohne konkreten Anlass kann ich nichts tun — da helfen keine Geschenke.&amp;quot; Efeu Kaufmann sah, dass Phönixglanz unnachgiebig war, und sagte errötend: „Dann bringe ich das nächste Mal etwas Brauchbares als Geschenk.&amp;quot; Phönixglanz rief Xiaohong: „Nimm die Sachen und begleite den Herrn Yun hinaus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Efeu Kaufmann dachte im Gehen: „Die Leute sagen, die Zweite Herrin sei streng — und wirklich: Kein Spalt, keine Lücke, wie mit dem Meißel geschnitten. Kein Wunder, dass sie keinen Nachwuchs hat. Und diese Pfiffigmädchen — die benimmt sich, als wäre ich ihr Feind aus einem früheren Leben. Wirklich Pech! Der ganze Tag umsonst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiaohong sah, dass Efeu Kaufmann mit leeren Händen ging, und war ebenfalls enttäuscht. Sie trug die Sachen hinaus. Efeu Kaufmann nahm das Päckchen, öffnete es, wählte zwei Stücke aus und reichte sie heimlich Xiaohong. Xiaohong nahm sie nicht an: „Das geht nicht, Zweiter Herr — wenn die Herrin davon erfährt, stehen wir alle schlecht da.&amp;quot; Efeu Kaufmann: „Bewahr sie gut auf — wovor hast du Angst? Wer sollte davon erfahren? Wenn du sie nicht willst, ist das, als hieltest du mich für minderwertig.&amp;quot; Xiaohong lächelte leicht und nahm sie entgegen: „Wer braucht denn deine Sachen? Als ob die etwas wert wären!&amp;quot; Bei diesem Satz wurde sie wieder rot. Efeu Kaufmann lachte: „Mir geht es auch nicht um die Sachen — und die Sachen sind ohnehin nichts Besonderes.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plaudernd waren die beiden am zweiten Tor angelangt. Efeu Kaufmann steckte den Rest in seinen Ärmel. Xiaohong drängte: „Geh jetzt. Wenn du etwas brauchst, komm ruhig zu mir. Ich bin jetzt in diesem Hof — das ist kein Umweg.&amp;quot; Efeu Kaufmann nickte: „Die Zweite Herrin ist zu streng — ich kann unmöglich oft kommen. Was ich vorhin sagen wollte, weißt du im Herzen. Wenn ich Gelegenheit habe, erzähle ich es dir.&amp;quot; Xiaohong errötete: „Geh jetzt. Komm ruhig auch sonst mal vorbei. Du machst dich selbst zum Fremden.&amp;quot; Efeu Kaufmann sagte: „Verstanden.&amp;quot; Damit ging er durch das Hoftor. Xiaohong stand an der Tür und sah ihm nach, bis er verschwunden war, dann kehrte sie zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz ließ das Abendessen vorbereiten und fragte: „Habt ihr den Brei gekocht?&amp;quot; Die Mädchen fragten nach und meldeten: „Ja, er ist fertig.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Macht ein, zwei Schüsseln von den eingelegten Südfrüchten zurecht.&amp;quot; Qiutong sagte zu und wies die Mädchen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedliche&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam lachend herein: „Ich hab es fast vergessen: Heute Mittag, als die Herrin oben bei der Alten Ahnin war, kam jemand aus dem Wassermondkloster und bat die Herrin um zwei Flaschen eingelegtes Südgemüse und um ein paar Monatsgehälter im Vorschuss; die Äbtissin sei krank. Ich fragte die Klosterfrau: ‚Was fehlt der Äbtissin?' Sie erzählte: ‚Seit vier, fünf Tagen. Neulich nachts haben einige der kleinen Novizen und Novizinnen beim Schlafen die Lampe nicht ausgeblasen. Die Äbtissin hat es mehrmals gesagt, aber sie hörten nicht. Mitten in der Nacht, nach der dritten Nachtwache, brannte immer noch Licht. Die Äbtissin ging selbst hin und blies alle Lampen aus. Zurück auf ihrem Kang sah sie zwei Gestalten — einen Mann und eine Frau — auf dem Bett sitzen. Sie fragte, wer sie seien, da warfen sie ihr eine Schlinge um den Hals. Sie schrie um Hilfe. Alle kamen mit Lichtern angelaufen — sie lag am Boden, Schaum vor dem Mund. Zum Glück wurde sie gerettet. Seitdem kann sie nichts essen und bat daher um eingelegtes Gemüse.' Da die Herrin nicht im Zimmer war, habe ich ihr nichts gegeben und sie weggeschickt. Als ich eben die Rede von südlichem Gemüse hörte, fiel es mir wieder ein — sonst hätte ich es vergessen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hielt kurz inne und sagte: „Südgemüse haben wir noch — schickt ihr etwas. Das Silber — sag dem jungen Qin, er soll es in ein paar Tagen abholen.&amp;quot; Da kam Xiaohong herein und meldete: „Der Zweite Herr lässt ausrichten: Er hat heute Abend Geschäfte außerhalb der Stadt und kommt nicht nach Hause. Er schickt Bescheid.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Gut.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da hörte man ein kleines Mädchen aus dem Hinterhaus atemlos hereingerannt kommen. Draußen empfing sie Friedchen; ein paar andere Mädchen flüsterten miteinander. Phönixglanz rief: „Was tuschelt ihr?&amp;quot; Friedchen sagte: „Die Kleine hat Angst und redet von Geistern.&amp;quot; Phönixglanz fragte: „Welche?&amp;quot; Das Mädchen kam herein. Phönixglanz fragte: „Was für Geistergeschichten?&amp;quot; Das Mädchen erzählte: „Ich bin gerade nach hinten gegangen, um den Kohlemann zu rufen. In den drei leeren Zimmern hörte ich es klappern und knarren — ich dachte, es seien Katzen oder Ratten. Dann hörte ich ein ‚Aaah', wie wenn jemand seufzt. Da habe ich mich gefürchtet und bin gerannt.&amp;quot; Phönixglanz schimpfte: „Unsinn! In meinem Haus wird nicht von Geistern und Gespenstern geredet! Ich habe noch nie an so etwas geglaubt. Raus mit dir!&amp;quot; Das Mädchen verschwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz ließ Caiming die Tagesausgaben abgleichen. Es war fast die zweite Nachtwache. Man ruhte noch ein Weilchen, plauderte ein wenig, und dann ging jeder schlafen. Auch Phönixglanz legte sich nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen die dritte Nachtwache lag Phönixglanz im Halbschlaf, als sie plötzlich eine Gänsehaut überlief. Sie fuhr hoch, und je länger sie lag, desto unheimlicher wurde ihr. Sie rief Friedchen und Qiutong, ihr Gesellschaft zu leisten. Die beiden verstanden nicht, was los war. Qiutong hatte sich mit Phönixglanz nie gut verstanden; nachdem Kette Kaufmann sie wegen der Sache mit Zweitschwester Sonders vernachlässigte, hatte Phönixglanz sie wieder um sich geschart, und nun war es äußerlich ruhig — aber innerlich war Qiutong lange nicht so aufrichtig wie Friedchen. Als sie Phönixglanzs Unwohlsein sah, brachte sie ihr pflichtgemäß Tee. Phönixglanz trank einen Schluck und sagte: „Danke dir. Geh schlafen — Friedchen allein genügt.&amp;quot; Doch Qiutong wollte sich dienstbeflissen zeigen: „Wenn die Herrin nicht schlafen kann, wechseln wir uns eben ab.&amp;quot; Während sie sprach, schlief Phönixglanz ein. Friedchen und Qiutong sahen, dass Phönixglanz schlief; in der Ferne krähte ein Hahn. Beide legten sich angekleidet kurz hin. Schon wurde es hell, und sie sprangen auf, um Phönixglanz bei der Morgentoilette zu helfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz war durch die nächtlichen Vorfälle unruhig und verwirrt, doch ihr Stolz ließ sie sich nichts anmerken, und sie raffte sich auf. Grübelnd saß sie da, als ein kleines Mädchen im Hof nach Friedchen rief. Friedchen antwortete. Das Mädchen hob den Vorhang: Frau König habe jemanden geschickt, um Kette Kaufmann zu suchen; draußen sei eine dringende Amtssache zu klären, Aufrecht Kaufmann sei gerade ausgegangen, und die Gnädige Frau bitte den Zweiten Herrn, sofort zu kommen. Phönixglanz erschrak.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es war, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 87</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_82|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;82&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_83|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;83&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_84|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;84&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_85|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;85&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_86|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;86&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;87&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_88|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;88&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_89|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;89&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_90|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;90&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_91|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;91&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_92|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;92&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第八十七回 / Kapitel 87 =&lt;br /&gt;
== 感秋声抚琴悲往事 ==&lt;br /&gt;
=== 坐禅寂走火入邪魔 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siebenundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Klang des Herbstes spielt die Zither und betrauert Vergangenes,&lt;br /&gt;
In der Stille der Meditation verfällt der Geist dem Irrwahn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, ließ Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Botin aus Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Haus herein, erkundigte sich nach dem Wohlergehen und nahm den Brief entgegen. Sie schickte die Frau zum Tee und öffnete Schatzspanges Schreiben. Es lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Meine Schwester, deren Geburtstag unter keinem glücklichen Stern stand, deren Familie vom Unglück verfolgt wird; Schwestern allein und verlassen, die geliebte Mutter in die Jahre gekommen; dazu der keifende Lärm, der nie zur Ruhe kommt, Tag und Nacht; und nun auch noch ein furchtbares Unglück wie ein Sturmwind und Platzregen. In langen Nächten wälze ich mich schlaflos — wie soll ich den Gram ertragen! Da wir einander so verbunden sind, wie sollte mich das nicht zutiefst bewegen? Ich erinnere mich an unsere Begonien-Dichtergesellschaft, im klaren Herbst; wie wir bei den Chrysanthemen die Krabben verspeisten und in froher Eintracht beisammensaßen. Noch klingen mir die Verse im Ohr: ‚Einsam in stolzer Haltung — mit wem sich verbergen vor der Welt? Ein und dieselbe Blüte — warum so spät erblüht?' Unwillkürlich denke ich an den kühlen Festtag und seine letzten Blüten — gleich uns beiden. Von Wehmut und Rührung ergriffen, habe ich vier Strophen verfasst — nicht als grundloses Stöhnen, sondern im Sinne jenes Wortes: ‚Ein langes Lied singe statt des Weinens.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traurig, dass die Jahreszeiten wechseln — und wieder ist es klarer Herbst!&lt;br /&gt;
Bedrückt durch das Unglück meines Hauses — allein im Gram der Trennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nordwärts steht das Vergissmeinkraut — doch wie soll es den Kummer bannen?&lt;br /&gt;
Nichts kann ihn lösen — und mein Herz ist voller Seufzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolken türmen sich — im Herbstwind wird mir weh ums Herz.&lt;br /&gt;
Ich schreite durch den Hof — auf trocknem Reiflaub trete ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohin gehen, wohin wenden — verloren ist mir alle frühere Freude!&lt;br /&gt;
Besinne ich mich still — zerschneidet es mir Lunge und Leber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohl hat der Stör seinen Teich — wohl der Kranich sein Wehr,&lt;br /&gt;
Schuppenpanzer verbirgt sich in der Tiefe — und Gefieder, wie lang es wächst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kratze mir den Kopf und frage — in die Weite,&lt;br /&gt;
Hoher Himmel, tiefe Erde — wer kennt meinen ewigen Schmerz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Silberstraße flimmert — kalte Luft dringt ein,&lt;br /&gt;
Mondlicht fällt schräg — und die Wasseruhr versinkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein sorgenvolles Herz lodert — und entlockt mir Klagelieder;&lt;br /&gt;
Ich singe und singe — und sende sie meiner Seelenfreundin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade war beim Lesen tief ergriffen. Dann dachte sie: „Dass die Schwester Bao dieses Gedicht nicht an andere, sondern gerade an mich schickt — das zeigt, dass wir verwandte Seelen sind, die einander zu schätzen wissen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch war sie versunken, als draußen jemand rief: „Ist die Schwester Lin zu Hause?&amp;quot; Kajaljade faltete hastig Schatzspanges Brief zusammen und antwortete: „Wer ist da?&amp;quot; Schon kamen mehrere Personen herein — Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Xiangfluss-Wolke: Chin. 湘云 Xiāngyún, wörtl. „Wolke des Xiang-Flusses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume. Man begrüßte sich, Schneegans schenkte Tee ein, und alle plauderten. Als die Chrysanthemengedichte von vor zwei Jahren zur Sprache kamen, sagte Kajaljade: „Seit Schwester Schatzspange ausgezogen ist, war sie nur zweimal hier; jetzt kommt sie nicht einmal mehr, wenn etwas anliegt — wirklich seltsam! Ob sie wohl jemals wieder zu uns kommt?&amp;quot; Erkundefrühling lächelte: „Natürlich kommt sie — früher oder später. Nur hat jetzt ihre Schwägerin so ein Temperament, und die Tante wird alt, und dann gibt es noch Becken Schnees Angelegenheit — da muss Schatzspange sich natürlich um alles kümmern. Wo soll sie da die Zeit hernehmen wie früher!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie sprachen, erhob sich plötzlich ein Windstoß, der mit lautem Rauschen eine Menge Blätter gegen die Fensterpapiere warf. Nach einer Weile drang ein feiner Duft herein. Alle rochen es und sagten: „Woher kommt dieser Duftwind? Was für ein Duft ist das?&amp;quot; Kajaljade meinte: „Es scheint Osmanthus zu sein.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Schwester Lin verrät sich als Südländerin! Wir haben Mitte des neunten Monats — wo soll da noch Osmanthus blühen?&amp;quot; Kajaljade lachte: „Eben deshalb habe ich ja auch nicht direkt ‚Osmanthus' gesagt, sondern nur ‚es scheint wie'.&amp;quot; Xiangfluss-Wolke sagte: „Dritte Schwester, so leicht darfst du auch nicht reden. Erinnerst du dich an die Verse ‚Zehn Li Lotosblüten, drei Herbste Kassienkinder'? Im Süden ist gerade die Zeit, da der späte Osmanthus blüht. Du hast es nur noch nicht gesehen — wenn du einmal in den Süden kommst, wirst du es schon merken.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Was sollte ich im Süden zu suchen haben? Übrigens wusste ich das längst — ihr braucht es mir nicht zu erklären.&amp;quot; Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume kicherten nur still.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Schwesterchen, da kann man nie wissen. Wie das Sprichwort sagt: ‚Der Mensch ist ein irdischer Unsterblicher' — heute hier, morgen wer weiß wo. Nehmen wir mich als Beispiel: Ich bin eine Südländerin — wie bin ich hierhergekommen?&amp;quot; Xiangfluss-Wolke klatschte in die Hände und lachte: „Heute hat die Schwester Lin die Dritte Schwester in die Enge getrieben! Nicht nur sie kommt aus dem Süden — nehmen wir uns alle: Manche stammen von hier aus dem Norden; manche haben ihre Wurzeln im Süden, sind aber im Norden aufgewachsen; manche sind im Süden aufgewachsen und dann in den Norden gekommen. Dass wir heute alle hier beisammen sitzen, zeigt doch, dass über jedem Menschen ein Schicksal waltet. Zwischen Menschen und Orten gibt es eben Bestimmung.&amp;quot; Alle nickten; auch Erkundefrühling musste lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man plauderte noch eine Weile, dann brach man auf. Kajaljade begleitete sie bis zur Tür. Alle sagten: „Du bist gerade erst ein wenig gesunder — komm nicht hinaus, pass auf den Wind auf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade stand an der Tür und wechselte noch einige herzliche Worte, dann sah sie ihnen nach, wie sie den Hof verließen. Zurück im Zimmer, sah sie, wie die Vögel in die Berge zurückkehrten und die Abendsonne im Westen sank. Durch Xiangfluss-Wolkes Worte über den Süden kam ihr in den Sinn: „Wenn Vater und Mutter noch lebten — die Landschaft des Südens: Frühlingsblumen, Herbstmond, klares Wasser, leuchtende Berge, die Vierundzwanzig Brücken, die Stätten der Sechs Dynastien. Zahlreiche Diener stünden bereit, in allen Dingen könnte man seinen Willen haben, ohne jedes Wort abzuwägen. Blumengeschmückte Wagen, bemalte Boote, rote Aprikosen, blaue Vorhänge — unangefochtene Herrin. Doch heute, als Gast unter fremdem Dach, muss ich bei allem auf der Hut sein, mag es noch so viel Fürsorge geben. Welche Schuld habe ich in einem früheren Leben auf mich geladen, dass ich in diesem Leben so einsam und verlassen bin? Wahrhaftig wie Li Houzhu sagte: ‚In diesem Dasein wasche ich mir Tag und Nacht das Gesicht nur mit Tränen!'&amp;quot; So sann sie vor sich hin und merkte nicht, wie ihr Geist in die Ferne abschweifte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; trat ein und erkannte sofort: Das Gespräch über Süden und Norden hatte Kajaljades wunden Punkt getroffen. Sie fragte: „Die Fräulein haben lange geplaudert — gewiss hat sich das Fräulein wieder angestrengt. Ich habe vorhin Schneegans in die Küche schicken lassen, um dem Fräulein eine Suppe aus geräuchertem Fleisch und Chinakohl zu kochen, mit ein wenig getrockneten Shrimps, grünem Spargel und Seetang — wäre dem Fräulein das recht?&amp;quot; Kajaljade sagte: „Das mag angehen.&amp;quot; Purpurkuckuck fügte hinzu: „Außerdem habe ich etwas Klebreis-Brei gekocht.&amp;quot; Kajaljade nickte und sagte: „Den Brei müsst ihr beide aber selbst kochen — nicht aus der Küche nehmen.&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Ich fürchte auch, die Küche arbeitet nicht sauber genug; wir kochen ihn selbst. Und die Suppe — da habe ich Schneegans gesagt, sie solle es mit Frau Liu besprechen und auf Sauberkeit achten. Frau Liu hat versprochen, alles sorgfältig herzurichten und in ihrem Zimmer von Wu'er die Suppe bewachen zu lassen.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Mir geht es nicht darum, dass andere unreinlich wären. Nur war ich so viele Tage krank, und alles, was ich brauche, muss ich von anderen erbitten, und jetzt auch noch Suppe und Brei — damit mache ich mich allen lästig.&amp;quot; Dabei röteten sich ihre Augenränder. Purpurkuckuck sagte: „Das Fräulein macht sich zu viele Gedanken. Sie ist die Enkelin der Alten Ahnin, ihr Augapfel — andere wünschen sich, dem Fräulein gefällig zu sein, und können es nicht. Wer sollte sich da beschweren?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade nickte und fragte dann: „Die Wu'er, die du eben erwähnt hast — ist das nicht das Mädchen, das neulich mit Duftblümchen aus dem Zimmer des Zweiten Herrn Bao zusammen war?&amp;quot; Purpurkuckuck bestätigte: „Genau die.&amp;quot; Kajaljade fragte: „Sollte sie nicht bei uns eintreten?&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Doch. Aber dann wurde sie krank; und als sie wieder gesund war, kam gerade die Sache mit Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Heitermuster: Chin. 晴雯 Qíngwén, wörtl. „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den anderen dazwischen, und so wurde es aufgeschoben.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Mir scheint, das Mädchen sieht recht ordentlich aus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da brachte draußen eine Dienerin die Suppe. Schneegans ging hinaus, um sie entgegenzunehmen. Die Frau sagte: „Frau Liu lässt dem Fräulein ausrichten: Die Suppe hat Wu'er selbst zubereitet, nicht in der großen Küche, weil das Fräulein die vielleicht zu schmutzig findet.&amp;quot; Schneegans nahm die Suppe in Empfang. Kajaljade, die im Zimmer alles gehört hatte, sagte: „Bestell der alten Frau, sie solle sich bedanken lassen.&amp;quot; Schneegans ging hinaus und richtete es aus; die alte Frau ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans stellte Kajaljades Geschirr und Stäbchen auf den kleinen Tisch und fragte: „Wir haben noch den eingelegten fünferlei Rettich aus dem Süden — mit etwas Sesamöl und Essig, wäre das recht?&amp;quot; Kajaljade sagte: „Geht auch — nur macht kein großes Aufheben.&amp;quot; Man trug den Brei auf. Kajaljade aß eine halbe Schale, löffelte zwei Schlucke Suppe und hörte auf. Die beiden Mädchen räumten ab, wischten den Tisch, trugen ihn hinaus und stellten den gewöhnlichen kleinen Tisch hin. Kajaljade spülte den Mund, wusch sich die Hände und fragte: „Purpurkuckuck, hast du schon Weihrauch nachgelegt?&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Gleich.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Esst ihr beide die Suppe und den Brei — der Geschmack ist gut, und es ist alles sauber. Ich lege den Weihrauch selbst nach.&amp;quot; Die beiden sagten zu und aßen im Vorzimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade legte Weihrauch auf und setzte sich. Sie wollte gerade ein Buch nehmen, als sie im Garten den Wind hörte, der von Westen nach Osten durch die Bäume fegte und das Laub zum Rauschen und Rascheln brachte. Bald klirrten auch die eisernen Windglocken unter dem Dachvorsprung unablässig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans war zuerst fertig und kam herein. Kajaljade fragte: „Es wird kalt. Neulich habe ich euch gebeten, die kleinen Pelzsachen zu lüften — habt ihr das getan?&amp;quot; Schneegans sagte: „Alles gelüftet.&amp;quot; Kajaljade: „Bring mir eins zum Überwerfen.&amp;quot; Schneegans holte ein Bündel kleiner Pelzkleidungsstücke, öffnete die Filzhülle und ließ Kajaljade wählen. Dazwischen lag ein Seidenpäckchen. Kajaljade griff danach und öffnete es — es waren die alten Seidentücher, die Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr während seiner Krankheit geschickt hatte, mit ihren eigenen Gedichten darauf; die Tränenflecken waren noch sichtbar. Darin eingewickelt lagen der zerschnittene Duftsäckchen, die Fächertaschen und die Quaste von Schatzjades magischem Jadestein. Beim Lüften der Kleider hatte Purpurkuckuck sie in der Truhe gefunden und aus Angst, sie könnten verloren gehen, in die Filzhülle gesteckt. Kajaljade brauchte nur einen Blick darauf zu werfen — sie vergaß völlig, welches Kleidungsstück sie anziehen wollte, hielt nur die beiden Seidentücher in der Hand und starrte stumm auf die alten Gedichte. Nach einer Weile begannen die Tränen leise zu rinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck kam gerade aus dem Vorzimmer herein und sah Schneegans reglos mit dem Filzbündel dastehen. Auf dem kleinen Tisch lagen der zerschnittene Duftsäckchen, zwei oder drei Stücke einer Fächertasche und die abgerissene Quaste. Kajaljade aber hielt zwei alte Seidentücher mit Schriftzügen in der Hand und weinte darüber. Wahrlich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wem das Schicksal nicht lacht, der trifft auf leidvolles Geschehen;&lt;br /&gt;
Neue Tränenspuren mischen sich mit alten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck verstand: Kajaljade war durch die Gegenstände an Vergangenes erinnert worden, und Zureden half nichts. Also lächelte sie: „Fräulein, wozu schaut Ihr Euch solche alten Sachen an? Das stammt alles aus der Zeit, als der Zweite Herr Bao und das Fräulein noch klein waren — bald vertrugen sie sich, bald stritten sie sich, lauter komische Geschichten. Wenn man so respektvoll miteinander umgeht wie jetzt, hätte man solche Dinge doch nicht sinnlos zerstört.&amp;quot; Diese Worte waren als Aufmunterung gedacht, doch gerade sie riefen die Erinnerungen an Kajaljades erste Zeit mit Schatzjade noch lebhafter wach, und die Perlentröpfchen flossen nur stärker. Purpurkuckuck redete ihr zu: „Schneegans wartet — zieht doch ein Stück über.&amp;quot; Erst dann legte Kajaljade die Tücher hin. Purpurkuckuck hob sie auf, wickelte die Duftsäckchen und übrigen Sachen ein und trug sie fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade warf sich einen Pelz über die Schultern, ging grübelnd ins Vorzimmer und setzte sich. Auf dem Tisch lag noch Schatzspanges unverwahrter Brief; sie nahm ihn heraus und las ihn noch zweimal. Seufzend sprach sie: „Die Umstände sind verschieden, doch der Schmerz ist derselbe. Ich will ebenfalls vier Strophen dichten, sie in eine Qin-Melodie übertragen, singbar und spielbar — morgen schreibe ich sie ab und schicke sie als Antwort.&amp;quot; Sie ließ Schneegans Pinsel und Tusche vom äußeren Tisch holen, tauchte den Pinsel ein und verfasste vier Strophen. Dann schlug sie das Qin-Notenbuch auf, entlehnte die Melodien der „Elegie auf die Orchidee&amp;quot; und der „Sehnsucht nach dem Weisen&amp;quot; und setzte ihre Verse dazu in Töne. Anschließend schrieb sie alles ins Reine, um es Schatzspange zu senden. Dann ließ sie Schneegans aus der Truhe die kurze Zither holen, die sie aus dem Süden mitgebracht hatte, spannte die Saiten auf und übte die Grifftechnik. Kajaljade war von Natur hochbegabt und hatte im Süden einige Zeit geübt; zwar waren die Hände eingerostet, doch kaum griff sie zur Zither, kam alles wieder. Nach einigem Spielen war die Nacht weit fortgeschritten; sie ließ Purpurkuckuck alles aufräumen und ging schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nun Schatzjade betraf: An diesem Morgen stand er auf, machte sich zurecht und ging mit Beiming zur Schule. Da kam Moyu lachend angelaufen und rief: „Zweiter Herr, heute haben Sie Glück: Der Großonkel ist nicht im Schulzimmer — Schule fällt aus!&amp;quot; Schatzjade fragte: „Wirklich?&amp;quot; Moyu sagte: „Wenn der Zweite Herr es nicht glaubt — seht, da kommen der Dritte Herr und der junge Herr Lan!&amp;quot; Schatzjade sah Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil/Plage&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Orchidee Kaufmann mit ihren Dienern kommen, beide lachend und schwatzend. Als sie Schatzjade sahen, blieben sie mit gesenkten Händen stehen. Schatzjade fragte: „Warum seid ihr schon zurück?&amp;quot; Unheil Kaufmann sagte: „Heute hat der Großonkel etwas vor und gibt uns einen Tag frei; morgen geht es weiter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging zunächst zur Großmutter und zu Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, um es zu melden, und kehrte dann in den Hof der Roten Freude zurück. Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; fragte: „Warum bist du schon wieder da?&amp;quot; Schatzjade erzählte es ihr. Kaum hatte er sich gesetzt, wollte er schon wieder hinaus. Dufthauch sagte: „Wohin denn so eilig? Wenn schon schulfrei, solltest du dich ein wenig erholen.&amp;quot; Schatzjade blieb stehen, senkte den Kopf und sagte: „Da hast du recht. Aber man bekommt so selten einen freien Tag — sollte ich mich nicht wenigstens ein bisschen zerstreuen? Hab doch ein wenig Erbarmen.&amp;quot; Dufthauch sah sein flehendes Gesicht und lachte: „Dann geh, Herr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wurde gerade das Essen aufgetragen. Schatzjade aß notgedrungen hastig, spülte den Mund und rannte wie der Blitz zu Kajaljades Zimmer. An der Tür sah er Schneegans im Hof Seidentücher trocknen. Schatzjade fragte: „Hat das Fräulein gegessen?&amp;quot; Schneegans sagte: „Heute Morgen hat sie nur eine halbe Schale Brei getrunken und wollte nicht essen; jetzt nickt sie gerade ein. Der Zweite Herr sollte erst anderswohin gehen und später wiederkommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade musste umkehren. Ohne rechtes Ziel fiel ihm ein, dass er Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrter Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; schon seit Tagen nicht gesehen hatte, und schlenderte zur Liaofeng-Veranda. Am Fenster war alles totenstill. Er dachte, sie halte ihren Mittagsschlaf, und wollte nicht stören. Gerade als er sich abwenden wollte, hörte er im Innern ein leises Klacken. Er blieb stehen und lauschte. Nach einer Weile — noch ein Klacken. Er konnte es noch nicht zuordnen, als eine Stimme sagte: „Du hast hier einen Stein gesetzt — willst du dort nicht antworten?&amp;quot; Da wusste er: Sie spielten Go&amp;lt;ref&amp;gt;Go (围棋, Wéiqí): Strategisches Brettspiel, in China seit über 2.500 Jahren gespielt, eines der „vier Künste&amp;quot; des Gelehrten.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nur wessen Stimme war das? Dann hörte er Bedauerfrühling: „Keine Angst! Du schlägst mich dort, ich antworte dort; du schlägst hier, ich antworte hier — ich habe noch einen Zug in Reserve, am Ende verbinde ich alles.&amp;quot; Die andere Stimme sagte: „Und wenn ich so schlage?&amp;quot; Bedauerfrühling rief: „Ah! Da ist ja noch ein Gegenschlag versteckt — den habe ich übersehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lauschte: Die Stimme kam ihm sehr bekannt vor, war aber keine seiner Schwestern. Er überlegte, dass Bedauerfrühling keinen Besuch von Fremden bekam, und hob leise den Vorhang. Da saß — niemand anders als Wunderjade&amp;lt;ref&amp;gt;Wunderjade: Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wundersamer Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Longsui-Kloster, die „Fremde jenseits aller Schwellen&amp;quot;. Schatzjade wagte nicht, sie zu stören. Wunderjade und Bedauerfrühling waren beide in tiefes Nachdenken versunken und bemerkten ihn nicht. Schatzjade stellte sich daneben und beobachtete das Spiel. Wunderjade fragte mit gesenktem Kopf: „Willst du diese Ecke aufgeben?&amp;quot; Bedauerfrühling sagte: „Warum sollte ich? Deine Steine dort sind alle tot — was soll ich fürchten?&amp;quot; Wunderjade sagte: „Sei nicht zu sicher — probier es aus.&amp;quot; Bedauerfrühling sagte: „Dann schlag ich zu — mal sehen, was du machst!&amp;quot; Wunderjade aber lächelte leise, setzte am Rand einen Stein, bog mit einem Gegenzug ab und schlug Bedauerfrühlings ganze Ecke heraus. Lachend sagte sie: „Das nennt man die ‚Umgekehrte-Stiefel-Stellung'.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ehe Bedauerfrühling antworten konnte, platzte Schatzjade vor Begeisterung mit einem lauten Lachen heraus, was beide fürchterlich erschreckte. Bedauerfrühling fuhr ihn an: „Was soll das? Kommt herein, ohne ein Wort zu sagen, und erschreckt uns so! Seit wann bist du hier?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ich bin schon vorher hereingekommen und habe zugesehen, wie ihr um diese Ecke gestritten habt.&amp;quot; Damit verbeugte er sich vor Wunderjade und fragte lachend: „Die verehrte Meisterin verlässt sonst selten ihre Klause — was führt sie heute unter die Sterblichen?&amp;quot; Wunderjade wurde plötzlich rot im Gesicht, gab keine Antwort und senkte den Blick auf das Spielbrett. Schatzjade merkte, dass er sich daneben benommen hatte, und sagte entschuldigend: „Natürlich ist ein Mensch der Entsagung nicht wie wir weltliche Laien. Erstens: Ihr Herz ist still. Stille schafft Klarheit, Klarheit schafft Weisheit.&amp;quot; Kaum hatte er es ausgesprochen, hob Wunderjade langsam den Blick, sah Schatzjade kurz an und senkte den Kopf wieder. Die Röte auf ihren Wangen vertiefte sich. Schatzjade sah, dass sie ihn nicht beachtete, und setzte sich verlegen an die Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedauerfrühling wollte weiterspielen. Wunderjade sagte nach langem Schweigen: „Ein andermal.&amp;quot; Sie stand auf, ordnete ihre Kleidung, setzte sich wieder und fragte Schatzjade mit abwesendem Blick: „Woher kommst du?&amp;quot; Schatzjade hätte dieses eine Wort nicht lieber hören können — endlich konnte er seine vorherige Unbeholfenheit erklären. Doch dann dachte er: „Oder ist das eine Zen-Frage?&amp;quot; Er wurde rot und konnte nicht antworten. Wunderjade lächelte leicht. Bedauerfrühling dagegen lachte: „Zweiter Bruder, was ist daran so schwer? Hast du nicht gehört, was die Leute immer sagen: ‚Ich komme von dort, woher ich komme'? Dafür muss man doch nicht rot werden, als hätte man einen Fremden vor sich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Wunderjade diese Worte hörte, dachte sie unwillkürlich an ihre eigene Lage: Ihr Herz regte sich, ihre Wangen brannten — gewiss waren auch sie rot. Es wurde ihr peinlich. Sie stand auf und sagte: „Ich war zu lange hier — ich muss zurück ins Kloster.&amp;quot; Bedauerfrühling kannte Wunderjades Wesen und hielt sie nicht zurück, sondern begleitete sie zur Tür. Wunderjade lachte: „Ich war so lange nicht hier — die vielen Windungen und Kurven verwirren mich, ich finde den Rückweg nicht mehr.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Da muss ich wohl den Weg weisen — einverstanden?&amp;quot; Wunderjade sagte: „Ich danke. Der Zweite Herr gehe voran.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So verabschiedeten sich die beiden von Bedauerfrühling und verließen die Liaofeng-Veranda. Auf verschlungenen Pfaden näherten sie sich dem Xiaoxiang-Pavillon, als plötzlich ein heller Ton erklang — ding-dong. Wunderjade fragte: „Woher kommt dieser Zitherton?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Das muss Schwester Lin sein, die Zither spielt.&amp;quot; Wunderjade sagte: „Sie beherrscht das auch? Wie kommt es, dass davon nie die Rede war?&amp;quot; Schatzjade erzählte ihr Kajaljades ganze Geschichte. Dann sagte er: „Lasst uns zu ihr gehen und zuschauen.&amp;quot; Wunderjade entgegnete: „Seit alters ‚hört' man eine Zither — man ‚schaut' sie nicht an.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ich sagte ja, ich bin ein Laie.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden setzten sich auf einen Felsen vor dem Xiaoxiang-Pavillon und lauschten still. Die Melodie war klar und durchdringend. Dann hörten sie eine leise Stimme singen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wind pfeift — tief ist der Herbst,&lt;br /&gt;
Die Schöne ist tausend Meilen fern — in einsames Sinnen versunken.&lt;br /&gt;
Wo ist mein Heimatland?&lt;br /&gt;
Am Geländer stehend — benetzen Tränen den Kragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause wurde weitergesungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berge ziehen in die Ferne — lang ist das Wasser,&lt;br /&gt;
Helles Mondlicht fällt durch mein Fenster.&lt;br /&gt;
Schlaflos in langer Nacht — die Milchstraße fern und verschwommen,&lt;br /&gt;
Mein leichtes Seidenkleid zittert — im Wind und Tau wird mir kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder eine Pause. Wunderjade sagte: „Eben war die ‚Qin'-Reimgruppe, die erste Strophe. Jetzt die ‚Yang'-Reimgruppe, die zweite. Hören wir weiter.&amp;quot; Von drinnen erklang:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Schicksal, Schwester, ist nicht frei gewählt,&lt;br /&gt;
Mein Los ist voller Gram.&lt;br /&gt;
Du und ich — unsere Herzen schlagen im gleichen Takt;&lt;br /&gt;
Gedenken wir der Weisen des Altertums — auf dass wir ohne Vorwurf seien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wunderjade sagte: „Noch eine Strophe. Was für tiefer Kummer und Sehnsucht!&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ich verstehe nichts davon, aber allein der Klang ist mir schon zu traurig.&amp;quot; Drinnen stimmte man eine Weile die Saiten. Wunderjade bemerkte: „Die Jun-Saite ist zu hoch gestimmt — sie passt wohl nicht zum Wushe-Modus.&amp;quot; Dann erklang von drinnen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Welt sind wir wie leichter Staub,&lt;br /&gt;
Zwischen Himmel und Erde — ich fühle die Bande früherer Leben.&lt;br /&gt;
Bande, die sich nicht lösen lassen –&lt;br /&gt;
Mein reines Herz — gleicht es dem Mond am Himmel?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wunderjade hörte es und wurde bleich vor Bestürzung: „Wie kommt sie plötzlich in den Bianzhi-Modus? Der Klang könnte Gold und Stein zerreißen! Nur — es ist zu viel.&amp;quot; Schatzjade fragte: „Was heißt ‚zu viel'?&amp;quot; Wunderjade antwortete: „Ich fürchte, es kann nicht von Dauer sein.&amp;quot; In diesem Augenblick riss die Jun-Saite mit einem lauten Bong. Wunderjade sprang auf und ging sofort davon. Schatzjade rief: „Was ist?&amp;quot; Wunderjade erwiderte: „In Zukunft wirst du es verstehen. Frag nicht weiter.&amp;quot; Damit war sie verschwunden. Schatzjade stand da, den Kopf voller Rätsel, und kehrte niedergeschlagen in den Hof der Roten Freude zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Wunderjade betraf: Als sie das Kloster erreichte, empfing sie eine Klosterfrau an der Tür. Man schloss das Tor. Sie saß eine Weile, rezitierte die täglichen Sutras, aß zu Abend, entzündete Weihrauch und betete zu den Bodhisattvas. Dann schickte sie die Klosterfrauen schlafen. Auf ihrem Meditationsbett war alles für die Sitzung bereitgestellt. Sie hielt den Atem an, senkte den Blick, nahm die Lotossitzposition ein und suchte die Gedanken abzuschneiden und sich dem Wahren Sosein zuzuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der dritten Nachtwache hörte sie auf dem Dach ein polterndes Geräusch. In der Angst vor Einbrechern stieg sie vom Meditationsbett, ging auf die vordere Veranda hinaus — und sah nur Wolkenschatten am Himmel und Mondlicht wie Wasser. Das Wetter war noch nicht kalt; allein stand sie eine Weile am Geländer. Da hörte sie auf dem Dach zwei Katzen, die abwechselnd schrien. Plötzlich fielen ihr Schatzjades Worte vom Tage ein, und das Herz schlug ihr schneller, die Ohren brannten. Hastig versuchte sie, ihren Geist zu sammeln, ging zurück ins Meditationszimmer und setzte sich wieder aufs Bett. Doch der Geist wollte nicht zur Ruhe kommen; es war, als galoppierten zehntausend Pferde. Das Meditationsbett begann zu schwanken; ihr war, als sei sie nicht mehr im Kloster. Prinzen und vornehme Herren kamen, um sie zu freien; Kupplerinnen zerrten und schoben sie in einen Wagen; sie wollte nicht gehen. Dann überfielen sie Räuber mit Messern und Knüppeln und bedrängten sie; sie konnte nur weinen und um Hilfe schreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das weckte die Nonnen und Klosterfrauen. Alle kamen mit Lichtern herbeigelaufen und sahen: Wunderjade lag mit ausgebreiteten Armen, Schaum vor dem Mund. Als man sie weckte, starrten ihre Augen gerade nach oben, beide Wangenknochen leuchteten rot, und sie schrie: „Ich stehe unter dem Schutz der Bodhisattvas — was bildet ihr Räuber euch ein?&amp;quot; Alle waren entsetzt und riefen: „Wir sind es! Wach auf!&amp;quot; Wunderjade sagte: „Ich will nach Hause — gibt es hier einen guten Menschen, der mich zurückbringt?&amp;quot; Die Klosterfrau sagte: „Dies ist dein Zuhause.&amp;quot; Gleichzeitig betete eine andere Nonne vor der Guanyin&amp;lt;ref&amp;gt;Guanyin (观音): Bodhisattva des Mitgefühls, eine der wichtigsten Figuren des chinesischen Buddhismus.&amp;lt;/ref&amp;gt;-Statue; man zog ein Orakelstäbchen und schlug die Deutung nach: Eine weibliche Yin-Kraft im Südwesten habe sie befallen. Eine sagte: „Stimmt — in der südwestlichen Ecke des Gartens der Großen Anschauung wohnt niemand, dort gibt es durchaus Yin-Energie.&amp;quot; Man kochte Tees und Heiltränke in heller Aufregung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine Nonne, die Wunderjade aus dem Süden mitgebracht hatte, pflegte sie hingebungsvoller als alle anderen und saß bei ihr auf dem Meditationsbett. Wunderjade drehte sich um: „Wer bist du?&amp;quot; Die Nonne sagte: „Ich bin es.&amp;quot; Wunderjade sah genauer hin: „Ach, du bist es.&amp;quot; Sie umarmte die Nonne und begann laut zu weinen: „Du bist doch meine Mama! Wenn du mich nicht rettest, sterbe ich!&amp;quot; Die Nonne weckte sie sanft und rieb ihr den Körper. Eine Klosterfrau brachte Tee. Erst bei Tagesanbruch schlief Wunderjade endlich ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nonne schickte nach einem Arzt. Einer sagte, es sei Milzschwäche durch Grübeln; ein anderer meinte, Fieber habe die Gebärmutter angegriffen; ein dritter sprach von einem bösen Geist; ein vierter diagnostizierte Erkältung von innen und außen — man kam zu keiner Einigung. Schließlich wurde ein Arzt geholt, der fragte: „Hat sie regelmäßig meditiert?&amp;quot; Die Klosterfrau bejahte. Der Arzt fragte: „Kam die Krankheit plötzlich, letzte Nacht?&amp;quot; Die Frau bejahte. Der Arzt sagte: „Das kommt vom Fehlgehen des inneren Feuers während der Meditation.&amp;quot; Man fragte, ob Gefahr bestehe. Der Arzt sagte: „Zum Glück meditiert sie noch nicht lange — die Besessenheit ist noch nicht tief eingedrungen; sie kann gerettet werden.&amp;quot; Er verschrieb eine Arznei zur Beruhigung des Herzfeuers; nach einer Dosis besserte sich der Zustand etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen dichteten müßige Taugenichtse allerlei Gerüchte: „In ihrem Alter — wie soll sie sich da zurückhalten? Zumal sie von so elegantem Aussehen und feinem Verstand ist. Wer weiß, in wessen Hände sie am Ende fällt — wer das Glück haben wird!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Tagen ging es Wunderjade zwar etwas besser, doch der Geist war noch nicht wiederhergestellt, und ein gewisser Schleier der Verwirrung blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages saß Bedauerfrühling still in ihrem Zimmer, als Caiping hereinkam und fragte: „Weiß das Fräulein von der Sache mit der Meisterin Wunderjade?&amp;quot; Bedauerfrühling fragte: „Was ist mit ihr?&amp;quot; Caiping sagte: „Gestern habe ich gehört, wie das Fräulein Xing mit der Ersten Schwägerin darüber sprach: Seit dem Tag, als Wunderjade hier Go gespielt hat und abends zurückging, wurde sie nachts von einem bösen Geist befallen und schrie, Räuber kämen, um sie zu entführen. Bis heute ist sie nicht wieder gesund. Fräulein, ist das nicht seltsam?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedauerfrühling hörte es und versank in Schweigen. Sie dachte: „Wunderjade ist zwar rein, doch ihre irdischen Bindungen sind noch nicht gelöst. Schade, dass ich in so eine Familie hineingeboren wurde und nicht einfach ins Kloster eintreten kann. Wenn ich Nonne würde — welche Dämonen könnten mich dann behelligen? Wenn kein einziger Gedanke entsteht, ruhen zehntausend Bande in Stille.&amp;quot; Bei diesem Gedanken durchzuckte sie eine Erleuchtung, als hätte sie etwas begriffen. Spontan dichtete sie einen Gatha&amp;lt;ref&amp;gt;Gatha (偈, Jì): Kurzes buddhistisches Lehrgedicht in Versform, das eine Einsicht oder Erleuchtung ausdrückt.&amp;lt;/ref&amp;gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Schöpfung kennt kein Maß –&lt;br /&gt;
Wie sollte man irgendwo verweilen?&lt;br /&gt;
Aus der Leere gekommen,&lt;br /&gt;
Soll man in die Leere zurückkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ließ sie das Mädchen Weihrauch entzünden, saß still eine Weile und schlug die Go-Sammlung auf. Sie las einige Partien von Kong Rong, König Jixin und anderen. Die Formationen „Dichte Blätter umschließen die Krabbe&amp;quot; und „Der Habicht greift den Hasen&amp;quot; waren nichts Besonderes; die „Sechsunddreißig Eck-Tötungszüge&amp;quot; waren auf Anhieb schwer zu begreifen und zu merken; erst die „Zehn Drachen jagen das Pferd&amp;quot; fand sie wirklich faszinierend. Gerade war sie ins Grübeln vertieft, als jemand draußen den Hof betrat und nach Caiping rief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es war, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 86</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
= 第八十六回 / Kapitel 86 =&lt;br /&gt;
== 受私贿老官翻案牍 ==&lt;br /&gt;
=== 寄闲情淑女解琴书 ===&lt;br /&gt;
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Sechsundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch private Bestechung dreht ein Beamter die Akten um,&lt;br /&gt;
In müßiger Stimmung entziffert eine gebildete junge Dame ein Qin-Notenbuch&amp;lt;ref&amp;gt;Qin (琴): Die siebensaitige Griffbrettzither, eines der vier Künste des chinesischen Gelehrten (Qin, Schach, Kalligraphie, Malerei).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, hatte Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Xue Kes Brief erhalten und den Diener hereinrufen lassen. Sie fragte: „Hast du gehört, was dein Erster Herr erzählt hat — wie es dazu kam, dass jemand totgeschlagen wurde?&amp;quot; Der Diener sagte: „Ich habe es nicht genau gehört. An dem Tag erzählte der Erste Herr dem Zweiten Herrn …&amp;quot; Er blickte sich um, und als er sah, dass niemand zuhörte, fuhr er fort: „Der Erste Herr sagte: Seit es zu Hause so furchtbar zuging, habe er die Lust verloren und wolle in den Süden fahren, um Waren einzukaufen. An dem Tag wollte er jemanden als Reisebegleiter treffen, der über zweihundert Li südlich der Stadt wohnt. Auf dem Weg dorthin traf er zufällig den früheren Bekannten Jiang Yuhan, der mit einer Gruppe junger Schauspieler in die Stadt kam. Der Erste Herr aß und trank mit ihm in einer Wirtschaft. Da der Schankbursche ständig zu Jiang Yuhan hinüberschielte, wurde der Erste Herr ärgerlich. Danach ging Jiang Yuhan. Am nächsten Tag lud der Erste Herr den Reisebegleiter zum Trinken ein. Nach dem Wein erinnerte er sich an den Vorfall vom Vortag und rief den Schanken, um anderen Wein zu bringen. Der Bursche kam zu spät, und der Erste Herr fing an zu schimpfen. Der Mann war nicht einverstanden, und der Erste Herr warf die Weinschale nach ihm. Doch der Kerl war ein Raufbold und streckte den Kopf vor, damit der Erste Herr zuschlagen möge. Der Erste Herr schlug ihm die Schale auf den Kopf — sofort schoss das Blut hervor, und er fiel zu Boden. Erst schimpfte er noch, dann sagte er nichts mehr.&amp;quot; Tante Schnee fragte: „Hat denn niemand vermittelt?&amp;quot; Der Diener sagte: „Davon hat der Erste Herr nichts erzählt; ich wage nicht, etwas zu erfinden.&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Geh dich erst einmal ausruhen.&amp;quot; Der Diener ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee suchte Frau König auf und bat sie, bei Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein gutes Wort einzulegen. Aufrecht Kaufmann erkundigte sich nach den Umständen und konnte nur vage zusagen; er sagte, man müsse erst abwarten, bis Xue Ke seine Eingabe eingereicht habe und wie der Kreisrichter darüber befinde, ehe man weitersehen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee ließ beim Pfandhaus Silber wechseln und schickte den Diener damit los. Drei Tage später kam tatsächlich Antwort. Tante Schnee empfing den Brief und ließ sofort durch ein kleines Mädchen Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; benachrichtigen, die eilig herüberkam. Der Brief lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das mitgebrachte Silber wurde für Bestechungsgelder an Hoch und Niedrig der Behörde verwendet. Bruder sitzt im Gefängnis, leidet aber nicht allzu sehr — Gnädige Frau sei beruhigt. Nur sind die Leute hier sehr gerissen: Die Angehörigen des Toten, die Zeugen — keiner ist nachgiebig, und sogar der Freund, den Bruder zum Trinken eingeladen hatte, hält zu ihnen. Li Xiang und ich sind hier völlig Fremde. Zum Glück fanden wir einen guten Advokaten, dem wir Silber versprachen. Er riet: Man müsse den Wu Liang, der mit Bruder zusammen getrunken hat, auf seine Seite ziehen, ihn gegen Kaution freipressen und bestechen, damit er die Sache bereinigt. Wenn er nicht will, droht man ihm: Zhang San sei in Wahrheit von ihm getötet worden und nur einem Auswärtigen in die Schuhe geschoben worden — das hält er nicht aus, und dann wird es einfach. Ich folgte seinem Rat, und tatsächlich kam Wu Liang heraus. Inzwischen hat er die Angehörigen und Zeugen bestochen und eine neue Eingabe verfasst. Vorgestern wurde sie eingereicht, heute kam die Antwort. Siehe die Abschrift der Eingabe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann las Schatzspange die Abschrift der Eingabe vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Unterzeichnete, Soundso, reicht diese Klage ein im Namen seines Bruders, der von einem unverschuldeten Unglück betroffen wurde: Mein leiblicher Bruder Becken Schnee, gebürtig aus Nanjing, wohnhaft in der Westlichen Hauptstadt, reiste an dem betreffenden Tag mit Kapital in den Süden zum Handel. Wenige Tage nach seiner Abreise sandte ein Diener Nachricht nach Hause, dass er in einen Totschlag verwickelt sei. Ich eilte sofort zur ehrenwerten Behörde und erfuhr, dass mein Bruder unbeabsichtigt einen Mann namens Zhang verletzt habe. Im Gefängnis erzählte mein Bruder unter Tränen: Er kenne den besagten Zhang überhaupt nicht, es bestehe keinerlei Feindschaft. Bei einem Wortwechsel wegen des Weinwechselns habe er den Wein zu Boden geschüttet. Unglücklicherweise bückte sich Zhang San gerade, um etwas aufzuheben, und die Weinschale traf versehentlich seine Fontanelle, woran er starb. Bei der früheren Vernehmung habe mein Bruder aus Angst vor der Folter zugegeben, er habe ihn im Streit totgeschlagen. Euer erhabene Güte hat bereits erkannt, dass hier Unrecht vorliegt, und den Fall noch nicht abgeschlossen. Mein Bruder als Häftling darf keine Eingabe machen; ich wage es als sein Bruder, unter Einsatz meines Lebens, stellvertretend um Wiederaufnahme und Anhörung der Zeugen zu bitten. Falls dies gnädig gewährt wird, werden wir die grenzenlose Gnade unserer Lebetage preisen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bescheid lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Leichenschau am Tatort hat eindeutige Beweise erbracht. Zudem hat dein Bruder ohne Anwendung von Folter aus freien Stücken den Totschlag im Streit gestanden, und das Geständnis liegt aktenkundig vor. Du bist von weit hergekommen und warst kein Augenzeuge — wie darfst du da erdichtete Behauptungen aufstellen und eine unbegründete Gegenklage einreichen? Eigentlich wärest du zu bestrafen; in Anbetracht deiner brüderlichen Sorge sei dir vorerst verziehen. Abgelehnt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte bestürzt: „Dann ist er also nicht mehr zu retten? Was sollen wir tun?&amp;quot; Schatzspange antwortete: „Der Brief des Zweiten Bruders ist noch nicht zu Ende — es kommt noch etwas.&amp;quot; Sie las weiter: „Das Wichtigste erfährt man vom Boten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee fragte den Boten, und dieser erklärte: „Der Kreisrichter weiß sehr wohl, dass unsere Familie vermögend ist. Man muss in der Hauptstadt jemanden finden, der beim hohen Gericht vorspricht, und außerdem ein stattliches Geschenk schicken. Dann kann eine Neuverhandlung stattfinden und die Strafe gemildert werden. Die Gnädige Frau muss sofort handeln — jede Verzögerung bedeutet, dass der Erste Herr im Gefängnis zu leiden hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee schickte den Diener weg und eilte sofort in die Jia-Residenz, um Frau König alles zu erklären und Aufrecht Kaufmann um Hilfe zu bitten. Aufrecht Kaufmann war bereit, jemanden zu beauftragen, ein gutes Wort beim Kreisrichter einzulegen, wollte aber kein Geld ins Spiel bringen. Tante Schnee fürchtete, das reiche nicht aus, und bat Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, mit Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sprechen. Mit einigen tausend Tael Silber wurde der Kreisrichter bestochen, und auch Xue Ke konnte an seinem Ende alles regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin eröffnete der Kreisrichter die Sitzung, ließ alle Nachbarn, Zeugen und Angehörigen des Toten laden, führte Becken Schnee aus dem Gefängnis vor und rief die Gerichtsschreiber auf, alle Namen zu verlesen. Der Richter ließ den Dorfvorsteher das Originalgeständnis vortragen und rief dann die Witwe des Toten, Zhang König Shi, sowie den Onkel Zhang Er auf. Zhang König Shi heulte: „Mein Mann Zhang Da ist vor achtzehn Jahren gestorben. Der erste und der zweite Sohn sind auch gestorben. Nur dieser Jüngste blieb mir übrig, Zhang San, dreiundzwanzig Jahre alt, noch unverheiratet. Weil wir so arm waren und es nichts zu essen gab, hat er als Schankbursche bei der Wirtschaft Li gearbeitet. An dem Tag kam mittags jemand aus der Wirtschaft und sagte: ‚Dein Sohn ist totgeschlagen worden!' Ach, gnädiger Herr, ich wäre vor Schreck fast gestorben! Ich rannte hin und sah meinen Jungen mit blutigem Kopf auf dem Boden liegen und keuchen; auf meine Fragen konnte er nicht mehr antworten, und kurz darauf war er tot. Ich wollte mich auf diesen Lump stürzen und mit meinem Leben bezahlen!&amp;quot; Die Gerichtsdiener riefen sie zur Ordnung. Zhang König Shi warf sich auf die Knie: „Gnädiger Herr, verschafft mir Gerechtigkeit! Er war mein einziger Sohn!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Richter rief: „Zurücktreten!&amp;quot; Dann wandte er sich an den Wirt Li Er: „War dieser Zhang San als Schankbursche bei dir angestellt?&amp;quot; Li Er antwortete: „Er war nicht fest angestellt, er half als Laufbursche aus.&amp;quot; Der Richter fragte: „Bei der ersten Leichenschau hast du ausgesagt, du habest mit eigenen Augen gesehen, wie Becken Schnee Zhang San mit der Schale totschlug. Hast du es wirklich gesehen?&amp;quot; Li Er sagte: „Ich stand am Tresen und hörte, dass im Gastzimmer Wein verlangt wurde. Kurz darauf hieß es: ‚Es ist etwas Schlimmes passiert — es ist einer verletzt!' Ich rannte hin und sah Zhang San auf dem Boden liegen; er konnte nicht mehr sprechen. Ich benachrichtigte den Dorfvorsteher und seine Mutter. Wie genau geschlagen wurde, weiß ich wirklich nicht. Fragen Sie doch den Zechgenossen.&amp;quot; Der Richter herrschte ihn an: „Bei der ersten Vernehmung hast du behauptet, du habest es mit eigenen Augen gesehen — und heute sagst du, du habest nichts gesehen?&amp;quot; Li Er stammelte: „An dem Tag war ich so verwirrt vor Schreck, dass ich alles durcheinanderbrachte.&amp;quot; Die Gerichtsdiener brüllten ihn an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Richter rief Wu Liang auf: „Du hast mit ihm zusammen getrunken. Wie hat Becken Schnee zugeschlagen? Sag die Wahrheit!&amp;quot; Wu Liang sagte: „Ich war an dem Tag zu Hause. Dieser Herr Xue lud mich zum Trinken ein. Er fand den Wein schlecht und wollte tauschen, aber Zhang San weigerte sich. Herr Xue wurde wütend und schüttete ihm den Wein ins Gesicht — ich weiß nicht, wie, aber die Schale traf seinen Kopf. Das habe ich mit eigenen Augen gesehen.&amp;quot; Der Richter schrie: „Unsinn! Bei der Leichenschau hat Becken Schnee selbst zugegeben, er habe ihn mit der Schale totgeschlagen, und du hast bestätigt, es mit eigenen Augen gesehen zu haben. Warum stimmt deine heutige Aussage nicht überein? Maulschellen!&amp;quot; Die Diener wollten zuschlagen. Wu Liang flehte: „Becken Schnee hat sich wirklich nicht mit Zhang San geprügelt. Die Weinschale ist ihm aus der Hand gerutscht und gegen den Kopf gestoßen. Fragen Sie doch Becken Schnee selbst — das wäre eine Gnade!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Richter rief Becken Schnee vor und fragte: „Was für eine Feindschaft hattest du mit Zhang San? Wie genau ist er gestorben? Sag die Wahrheit!&amp;quot; Becken Schnee flehte: „Euer Gnaden, Erbarmen! Ich habe ihn wirklich nicht geschlagen. Weil er den Wein nicht wechseln wollte, schüttete ich den Wein auf den Boden. Dabei rutschte mir die Schale aus der Hand und traf seinen Kopf. Sofort versuchte ich, das Blut zu stillen, aber es war nicht zu stoppen; es blutete immer mehr, und bald darauf war er tot. Bei der Leichenschau hatte ich Angst vor der Folter und sagte deshalb, ich hätte ihn mit der Schale geschlagen. Ich flehe um Gnade!&amp;quot; Der Richter herrschte ihn an: „Du dummer Kerl! Als ich dich fragte, wie du ihn geschlagen hast, gestehst du, du habest ihn aus Wut über den Wein geschlagen — und heute sagst du, die Schale sei dir ausgerutscht!&amp;quot; Der Richter tat, als wolle er foltern und pressen lassen. Becken Schnee beharrte unerschütterlich auf seiner Aussage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Richter rief den Gerichtsmediziner: „Berichte wahrheitsgemäß die Verletzungen, die du bei der Leichenschau am Tatort festgestellt hast.&amp;quot; Der Gerichtsmediziner meldete: „Am Leichnam des Zhang San fanden sich keine Verletzungen. Nur an der Fontanelle befand sich eine Wunde von einer Porzellanscherbe, ein Zoll und sieben Fen lang, fünf Fen tief, die Haut aufgerissen. Der Fontanellenknochen war brüchig und auf drei Fen gerissen — es handelt sich eindeutig um eine Stoß- oder Aufprallverletzung.&amp;quot; Der Richter verglich es mit dem Leichenschauprotokoll — es stimmte überein. Er wusste natürlich, dass der Gerichtsschreiber die Schwere der Verletzung abgemildert hatte, ließ es aber durchgehen und ordnete die Unterzeichnung der Protokolle an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhang König Shi schrie weinend: „Gnädiger Herr! Letztes Mal hieß es noch, es gäbe viele Verletzungen — warum sind die heute alle verschwunden?&amp;quot; Der Richter schrie: „Was redet die Frau da! Hier ist das offizielle Protokoll — kannst du nicht lesen?&amp;quot; Er rief den Onkel Zhang Er und fragte: „Dein Neffe ist tot — wie viele Verletzungen hatte er?&amp;quot; Zhang Er beeilte sich zu sagen: „Eine Wunde am Kopf.&amp;quot; Der Richter nickte: „Na also!&amp;quot; Er ließ den Gerichtsschreiber der Witwe das Protokoll vorzeigen und den Dorfvorsteher und den Onkel es ihr erklären: Alle Zeugen hätten übereinstimmend ausgesagt, es habe keine Schlägerei stattgefunden — also liege kein Totschlag im Streit vor. Es werde als versehentliche Tötung gewertet. Er ordnete die Unterzeichnung an und ließ Becken Schnee in Haft auf die Bestätigung durch die höhere Instanz warten; alle übrigen wurden dem Dorfvorsteher zur Freilassung übergeben, und die Sitzung wurde geschlossen. Zhang König Shi schrie und tobte; der Richter ließ sie von den Dienern hinaustreiben. Zhang Er redete auf sie ein: „Es war wirklich ein Versehen — wie willst du dem die Schuld geben? Der Richter hat klar geurteilt. Hör auf mit dem Unsinn.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke erfuhr draußen die Details und war erleichtert. Er schickte einen Boten mit der Nachricht nach Hause. Man musste nun die Bestätigung der höheren Instanz abwarten, um die Freikaufung zu regeln. Da hörte man unterwegs Gerüchte: Eine Kaiserliche Gemahlin sei gestorben, der Kaiser halte drei Tage Staatstrauer. Xue Ke vermutete, dass der Kreisrichter, da die Grabstätte nicht weit entfernt war, nun mit den Trauervorbereitungen beschäftigt sein und den Fall nicht so schnell abschließen würde. Da es keinen Sinn hatte, hier zu warten, ging er ins Gefängnis, sagte Becken Schnee, er solle geduldig ausharren, und fuhr nach Hause; in ein paar Tagen komme er wieder. Becken Schnee fürchtete um seine Mutter und ließ ausrichten: „Mir geht es gut. Man muss noch einige Male bei der Behörde Geld aufwenden, dann kann ich nach Hause. Nur spart nicht am Silber.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke ließ Li Xiang dort zur Aufsicht und fuhr direkt nach Hause. Bei Tante Schnee angekommen, berichtete er, wie der Kreisrichter den Fall nach Gefallen gedreht und schließlich auf versehentliche Tötung entschieden hatte. Wenn man den Angehörigen des Toten noch etwas Geld gebe, könne man einen Freikauf bewirken, und alles wäre erledigt. Tante Schnee atmete vorerst auf und sagte: „Gut, dass du nach Hause kommst, um nach dem Rechten zu sehen. Bei den Jias müssten wir uns eigentlich bedanken, doch jetzt, wo die Zhou-Kaisergemahlin gestorben ist, sind sie ständig im Palast, und zu Hause ist es leer. Ich dachte daran, hinüberzugehen und der Tante ein wenig Gesellschaft zu leisten und zu helfen, nur fehlte es bei uns an jemandem. Jetzt, wo du da bist, passt es gut.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke sagte: „Unterwegs habe ich gehört, es sei die Jia-Kaisergemahlin gestorben; deshalb bin ich so schnell zurückgekommen. Ich wunderte mich: Unserer Kaisergemahlin ging es doch gut — wieso ist sie plötzlich gestorben?&amp;quot; Tante Schnee erzählte: „Letztes Jahr war sie einmal krank, aber sie erholte sich. Diesmal hörte man auch nichts von einer Krankheit der Gemahlin. Nur dass drüben die Alte Ahnin seit einigen Tagen nicht recht wohl war — sobald sie die Augen schloss, sah sie die Kaisergemahlin Urfrühling vor sich, und alle machten sich Sorgen. Als man aber nachforschte, war im Palast alles in Ordnung. Dann, vorgestern Abend, sagte die Alte Ahnin selbst: ‚Warum kommt Urfrühling ganz allein zu mir?' Alle dachten, eine alte Dame phantasiere in der Krankheit, und glaubten es nicht. Die Alte Ahnin sagte weiter: ‚Ihr glaubt mir nicht? Urfrühling hat sogar zu mir gesagt: Aller Glanz geht rasch zu Ende — man muss sich rechtzeitig zurückziehen.' Jeder dachte, das seien die Grübeleien einer alten Frau, und nahm es nicht ernst. Am nächsten Morgen kam aufgeregt die Nachricht aus dem Palast: Die Gemahlin sei schwer erkrankt, und alle Ehrentitelträgerinnen sollten sich melden. Da erschraken alle zutiefst und eilten in den Palast. Ehe sie zurückkehrten, hörten wir zu Hause schon, dass die Zhou-Kaisergemahlin gestorben sei. Stell dir vor: Das Gerücht von draußen und die Angst zu Hause fielen genau zusammen — ist das nicht seltsam?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Nicht nur die Gerüchte draußen waren falsch — auch zu Hause hat man, kaum das Wort ‚Kaisergemahlin' gehört, sofort panisch reagiert, und erst hinterher wurde alles klar. In den letzten Tagen kamen die Mädchen und Dienerinnen von drüben und sagten, sie hätten schon vorher gewusst, dass es nicht unsere Kaisergemahlin war. Ich fragte: ‚Woher wusstet ihr das so sicher?' Sie erzählten: ‚Vor ein paar Jahren, im ersten Monat, wurde aus der Provinz ein Wahrsager empfohlen, der angeblich sehr treffsicher sei. Die Alte Ahnin ließ die Geburtsdaten der Kaisergemahlin unter die der Dienstmädchen mischen und zum Wahrsagen schicken. Er sagte über das eine Mädchen, das am ersten Tag des ersten Monats geboren war: Die Geburtsstunde stimme wohl nicht; sonst wäre sie wirklich eine Person von höchstem Rang und könnte nicht in diesem Haus leben. Der gnädige Herr und alle sagten: Ob richtig oder nicht — rechne einfach nach den Daten. Der Wahrsager sprach: Im Jiashen-Jahr, erster Monat, Bingyin — diese Zeichen enthielten zwar Zeichen für Verlust; doch das Shen-Zeichen berge Amt und Glückspferd, und das bedeute, sie könne nicht im Hause gehalten werden, aber besonders gut sei es auch nicht. Der Tagesstamm Yimao, Frühholz in voller Kraft — zwar gleichartig, doch je mehr gleichartig, desto besser; wie ein gutes Holz, das erst durch kunstvolles Schnitzen zum Meisterwerk wird. Besonders erfreulich sei die Stunde mit dem Xinjin-Metall als Edelzeichen und dem Si-Zeichen mit Amt und Glückspferd, was ‚Fliegendes-Glück-Pferd-Format' heiße. Er sagte noch: Der Tag treffe auf reines Glück von höchstem Gewicht; Himmels- und Mondtugend stünden im eigenen Schicksal — begünstigt mit der Huld des Pfeffer-Palastes. Wenn die Geburtsstunde stimme, sei dieses Mädchen bestimmt eine Kaisergemahlin. Und das stimmte doch! Aber er sagte auch: Nur schade, dass der Glanz nicht von Dauer sei — er fürchte, im Yin-Jahr und Mao-Monat, da sei Gleichartiges auf Gleichartigem und Raub auf Raub; wie ein gutes Holz, das man zu fein schnitze, bis die Substanz nicht mehr halte. Das haben alle vergessen und nur blindlings Panik gemacht. Als ich mich daran erinnerte, erzählte ich es unserer Ersten Schwägerin — dieses Jahr ist doch gar kein Yin-Jahr und Mao-Monat!'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehe Schatzspange den Bericht beendet hatte, unterbrach Xue Ke ungeduldig: „Lasst jetzt die Angelegenheiten anderer Leute! Wenn es so einen göttlichen Wahrsager gibt, will ich wissen, welcher böse Stern dieses Jahr meinem Bruder dieses Unglück beschert hat. Schreibt schnell seine Geburtsdaten auf — ich lasse ihn wahrsagen! Droht Gefahr?&amp;quot; Schatzspange sagte: „Er kam aus der Provinz — wer weiß, ob er dieses Jahr noch in der Hauptstadt ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit machte man Tante Schnee für den Besuch bei den Jias zurecht. Dort waren nur Seidenweiß Pflaume&amp;lt;ref&amp;gt;Seidenweiß Pflaume: Chin. 李纨 Lǐ Wán, wörtl. „Frau im Schleiertuch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu Hause und empfingen sie. Erkundefrühling fragte: „Wie steht es mit dem Fall des Großen Bruders?&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Man wartet noch auf die Bestätigung der höheren Instanz, aber es sieht so aus, als werde es nicht die Todesstrafe.&amp;quot; Da waren alle erleichtert. Erkundefrühling erzählte: „Gestern Abend sagte die Tante: ‚Als wir damals in Schwierigkeiten waren, hat die Tante uns geholfen; jetzt, wo wir selbst Sorgen haben, können wir schlecht darum bitten.' Es lässt ihr keine Ruhe.&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Auch mir fällt es zu Hause schwer. Nur hat mein älterer Sohn diesen Ärger, und der jüngere ist in Geschäften unterwegs. Zu Hause ist Schatzspange allein — was kann die schon ausrichten? Dazu ist unsere Schwiegertochter eine, die nichts versteht; deshalb konnte ich mich nicht losreißen. Jetzt, wo der Kreisrichter mit den Vorbereitungen für die Zhou-Kaisergemahlin beschäftigt ist und den Fall nicht weiterverfolgen kann, ist der Zweite zurückgekehrt, und ich konnte endlich herüberkommen.&amp;quot; Seidenweiß Pflaume sagte: „Wenn die Tante ein paar Tage hierbleiben möchte, wäre das noch besser.&amp;quot; Tante Schnee nickte: „Ich möchte euch Mädchen ein wenig Gesellschaft leisten; nur ist eure Schwester Bao dann einsamer.&amp;quot; Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrter Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; fragte: „Wenn die Tante sich sorgt — warum holt man Schwester Schatzspange nicht auch her?&amp;quot; Tante Schnee lachte: „Das geht nicht.&amp;quot; Bedauerfrühling fragte: „Warum nicht? Früher hat sie doch auch hier gewohnt!&amp;quot; Seidenweiß Pflaume sagte: „Du verstehst das nicht. Bei ihnen zu Hause ist gerade etwas vorgefallen — wie soll sie da kommen?&amp;quot; Bedauerfrühling nahm das für bare Münze und fragte nicht weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kamen die Herzoginmutter und die anderen zurück. Beim Anblick von Tante Schnee vergaßen sie fast die Begrüßung und fragten sofort nach Becken Schnees Angelegenheit. Tante Schnee erzählte alles ausführlich. Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der daneben stand und den Namen Jiang Yuhan hörte, wagte vor den anderen nicht zu fragen, dachte aber bei sich: „Wenn er nach Peking zurückgekommen ist, warum besucht er mich nicht?&amp;quot; Und dass Schatzspange nicht erschien, wusste er nicht zu deuten. Grübelnd stand er da, als Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenfalls zur Begrüßung kam. Schatzjade fühlte sich sogleich ein wenig froher, ließ den Gedanken an Schatzspange fahren und aß mit den Schwestern bei der Großmutter zu Abend. Danach ging man auseinander; Tante Schnee übernachtete im Nebengemach der Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade kam in sein Zimmer, wechselte die Kleider, und plötzlich fiel ihm das Schweißtuch ein, das Jiang Yuhan ihm einst geschenkt hatte. Er fragte Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Das rote Schweißtuch, das du vor Jahren nicht mehr getragen hast — hast du das noch?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Ich habe es aufgehoben. Warum fragst du?&amp;quot; Schatzjade: „Nur so.&amp;quot; Dufthauch: „Du hast gehört, mit was für Gesindel Herr Xue verkehrt und wie das zu diesem Mordfall geführt hat — und da bringst du solche Sachen zur Sprache? Statt dir unnötig den Kopf zu zerbrechen, könntest du lieber in Ruhe lernen und diese belanglosen Dinge beiseitelassen.&amp;quot; Schatzjade: „Ich mache doch gar nichts — es fiel mir nur zufällig ein. Ob es da ist oder nicht, ich frage ja nur, und schon hältst du mir eine Predigt!&amp;quot; Dufthauch lachte: „Ich rede nicht zu viel. Wenn ein Mensch gebildet und gesittet ist, sollte er nach oben streben. Selbst wenn jemand, den man liebt, käme — man möchte doch, dass er Freude und Achtung empfindet!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauchs Worte erinnerten Schatzjade, und er rief: „Ach herrje! Vorhin bei der Großmutter habe ich bei den vielen Menschen gar nicht mit Schwester Lin gesprochen, und sie hat mich auch keines Blickes gewürdigt. Beim Aufbrechen ging sie als Erste. Bestimmt ist sie jetzt in ihrem Zimmer — ich gehe kurz hin und komme gleich zurück.&amp;quot; Damit lief er los. Dufthauch rief: „Komm bald zurück! Ich habe das Thema angeschnitten und nun erst recht deine Begeisterung geweckt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade antwortete nicht, ging mit gesenktem Kopf geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon. Kajaljade saß am Tisch und las. Schatzjade trat heran und sagte lächelnd: „Schwester, du bist schon früh zurück?&amp;quot; Kajaljade lachte: „Wenn du mich nicht beachtest, was soll ich dort noch?&amp;quot; Schatzjade entschuldigte sich lachend: „Es waren so viele Leute, ich kam nicht zu Wort, deshalb habe ich nicht mit dir gesprochen.&amp;quot; Dabei blickte er auf Kajaljades Buch — kein einziges Zeichen konnte er lesen. Manche sahen aus wie „Shao&amp;quot;, andere wie „Mang&amp;quot;; dann gab es ein „Da&amp;quot;-Zeichen mit einem Haken daneben, einer „Neun&amp;quot; darüber und einer „Fünf&amp;quot; in der Mitte; andere hatten oben eine „Fünf&amp;quot; und eine „Sechs&amp;quot;, dann ein „Mu&amp;quot;-Zeichen, und unten wieder eine „Fünf&amp;quot;. Es sah sonderbar und rätselhaft aus. Schatzjade sagte: „Schwester, du machst wirklich Fortschritte — schon liest du Himmelsschrift!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte auf: „Ein feiner Gelehrter! Noch nie eine Qin-Partitur gesehen!&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „Natürlich kenne ich Qin-Partituren — aber warum kann ich kein einziges Zeichen lesen? Kannst du das denn?&amp;quot; Kajaljade sagte: „Wenn ich es nicht könnte, warum sollte ich es mir ansehen?&amp;quot; Schatzjade: „Das glaube ich nicht — ich habe noch nie gehört, dass du die Zither spielst. In unserer Bibliothek hängen mehrere Zithern; vor zwei Jahren kam ein literarischer Berater namens Ji Haogu, und der Vater bat ihn um ein Stück. Er nahm eine Zither herunter und sagte, keine davon tauge etwas. Er sagte: ‚Wenn der gnädige Herr einmal Lust hat, bringe ich ein andermal mein eigenes Instrument mit.' Aber der Vater versteht wohl auch nichts davon, und so kam er nicht wieder. Und du hast dieses Talent die ganze Zeit verborgen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Ich kann doch gar nicht wirklich spielen! Neulich, als es mir etwas besserging, fand ich beim Stöbern im großen Bücherschrank ein Qin-Notenbuch. Es war von feinstem Geschmack; die darin dargelegte Theorie der Zither war sehr stimmig, und die Spieltechnik wurde klar erklärt — wahrhaftig die Kunst der Alten zur Beruhigung des Geistes und Pflege des Gemüts. In Yangzhou habe ich auch Vorträge darüber gehört und sogar geübt; nur weil ich aufhörte, ging alles verloren. Wie man so sagt: ‚Drei Tage nicht gespielt, und Dornen wachsen an den Händen.' Neulich fand ich in diesem Buch nur Stücknamen ohne Text; da suchte ich anderswo ein Buch mit Texten und fand es viel interessanter. Freilich ist es sehr schwer, wirklich gut zu spielen. Im Buch heißt es: Als der Meister Shi Kuang die Zither spielte, kamen Wind, Donner, Drachen und Phönixe herbei. Und der heilige Konfuzius lernte die Zither beim Meister Xiang — schon nach einem Stück erkannte er, dass es von Wen König stammte. ‚Hohe Berge und fließendes Wasser' — so fand man den wahren Geistesverwandten.&amp;quot; Bei diesen Worten zuckten ihre Augenlider leicht, und langsam senkte sie den Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte begeistert zu und rief: „Liebe Schwester, was du gerade erzählt hast, ist wirklich faszinierend! Nur die Zeichen von vorhin — das ‚Da' mit dem Haken und der ‚Fünf' in der Mitte — das musst du mir erklären.&amp;quot; Kajaljade lachte: „Das braucht man nicht zu lehren — ein Wort genügt. Das ‚Da' und die ‚Neun' bedeuten: Mit dem Daumen der linken Hand drückt man auf den neunten Bund der Zither. Der Haken mit der ‚Fünf' heißt: Mit der rechten Hand zupft man die fünfte Saite an. Das sind keine einzelnen Schriftzeichen, sondern zusammengesetzte Zeichen für einen Ton — ganz einfach. Dazu gibt es noch Techniken wie Yin, Rou, Chuo, Zhu, Zhuang, Zou, Fei und Tui — das sind alles Anweisungen für die Spieltechnik.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war so begeistert, dass er vor Freude hüpfte: „Liebe Schwester, da du die Zitherkunst verstehst — warum fangen wir nicht an zu lernen?&amp;quot; Kajaljade antwortete: „Qin heißt ‚Einhalt' — die Alten schufen sie zur Selbstdisziplin, zur Pflege des Gemüts und zur Unterdrückung von Ausschweifung und Verschwendung. Wenn man spielen will, braucht man ein stilles Gemach oder einen hohen Saal, oder man sitzt hoch oben in einem Turm, zwischen Felsen und Bäumen, auf einem Berggipfel oder am Ufer eines Flusses. Man wartet auf einen Augenblick, da Himmel und Erde im Einklang sind, der Wind klar und der Mond hell. Man entzündet Weihrauch und sitzt still; das Herz schweift nicht nach außen, Qi und Blut sind in Harmonie — erst dann kann der Geist sich mit dem Göttlichen verbinden und der Weg mit dem Wunderbaren verschmelzen. Darum sagten die Alten: ‚Einen wahren Geistesverwandten zu finden, ist schwer.' Findet man keinen, so ist es besser, allein vor dem klaren Wind und dem hellen Mond, zwischen alten Kiefern und bizarren Felsen, wilden Affen und ehrwürdigen Kranichen zu spielen, um seine Empfindungen auszudrücken — das erst wird dem Instrument gerecht. Und es gibt noch eine Ebene: Man braucht eine gute Fingertechnik und einen schönen Anschlag. Will man wirklich spielen, muss man zuerst ordentlich gekleidet sein — in einem Kranichmantel oder einem tiefen Gewand nach Art der Alten –, dann erst ist man des heiligen Instruments würdig. Man wäscht sich die Hände, entzündet Weihrauch, nimmt Platz auf einer Liege, legt die Zither auf den Tisch und sitzt am fünften Bund, die Mitte der Zither genau gegenüber der Brust. Dann hebt man langsam und gelassen beide Hände — erst dann sind Leib und Seele aufrecht. Man muss auch das Wechselspiel von Leicht und Schwer, Schnell und Langsam, Spannung und Lösung kennen, sich natürlich bewegen und eine würdevolle Haltung wahren.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Wir wollen doch nur zum Vergnügen lernen — wenn man es so genau nimmt, wird es wirklich schwer.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, kam Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; herein und sah Schatzjade. Lachend sagte sie: „Der Zweite Herr Bao ist heute aber bester Laune!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Was die Schwester eben auseinandergesetzt hat, war mir eine wahre Erleuchtung — je mehr ich höre, desto lieber höre ich zu.&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Das meine ich nicht — ich meine, dass Ihr zu uns herübergekommen seid.&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „In letzter Zeit war die Schwester krank, und ich fürchtete, sie zu stören; außerdem ging ich in die Schule — so entstand der Eindruck, als hätten wir uns entfremdet.&amp;quot; Purpurkuckuck unterbrach ihn: „Das Fräulein hat sich gerade erst erholt. Wenn der Zweite Herr schon so sagt — sitzen kann er ja ein Weilchen, aber dann sollte er das Fräulein auch ausruhen lassen, statt sie mit solchen Vorträgen zu ermüden.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Natürlich — ich habe nur so gern zugehört, dass ich ganz vergessen habe, wie anstrengend es für die Schwester ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lächelte: „So zu reden macht mir auch Freude — anstrengend ist es nicht. Nur fürchte ich, dass ich immerzu rede und du immerzu nichts verstehst.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Nach und nach werde ich es schon begreifen.&amp;quot; Er stand auf: „Ruh dich wirklich aus, Schwester. Morgen sage ich es der Dritten und der Vierten Schwester — die sollen auch lernen, und ich werde zuhören.&amp;quot; Kajaljade lachte: „Du bist wirklich verwöhnt! Selbst wenn alle es lernten und spielten, und du verstündest nichts davon — dann wärst du doch gegen …&amp;quot; An dieser Stelle dachte sie an etwas, das sie im Herzen trug, und brach ab. Schatzjade lachte: „Solange ihr spielen könnt, höre ich gern zu — ob Perlen vor die Ochsen geworfen oder nicht.&amp;quot; Kajaljade errötete und lächelte; auch Purpurkuckuck und Schneegans lachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging zur Tür hinaus. Da kam Herbstmuster mit einem kleinen Mädchen, das ein Töpfchen mit Orchideen trug, und sagte: „Drüben bei der Gnädigen Frau hat jemand vier Töpfe Orchideen gebracht; weil drinnen gerade viel los ist und niemand Zeit hat, sich darum zu kümmern, schickt man dem Zweiten Herrn einen und dem Fräulein Lin einen.&amp;quot; Kajaljade betrachtete die Pflanze — einige Stiele trugen Doppelblüten — und ein plötzliches Gefühl durchzuckte sie, sie wusste nicht, ob Freude oder Trauer, und starrte nur stumm auf die Blüten. Schatzjade aber hatte im Augenblick nur die Zither im Sinn und sagte: „Jetzt, wo die Schwester Orchideen hat, kann sie die ‚Elegie auf die Orchidee' spielen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kajaljade dies hörte, wurde ihr seltsam unbehaglich zumute. Zurück in ihrem Zimmer, betrachtete sie die Blüte und dachte: „Gräser und Bäume blühen im Frühling, Blüten leuchten und Blätter gedeihen. Aber ich, noch so jung, bin schon wie eine Herbstweide im September. Wenn sich mein Herzenswunsch erfüllt, mag es allmählich bergauf gehen; wenn nicht, fürchte ich, bin ich wie Blumen und Weiden am Ende des Frühlings — wie sollte ich dem treibenden Wind und peitschenden Regen standhalten?&amp;quot; Bei diesem Gedanken liefen ihr die Tränen über die Wangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sah es und konnte sich den Grund nicht erklären: „Eben, als Schatzjade hier war, war sie so fröhlich; und jetzt schaut sie sich Blumen an und wird plötzlich traurig?&amp;quot; Gerade grübelte sie, wie sie trösten sollte, als ein Bote von Schatzspange erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was es war, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 85</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_80|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;80&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_81|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;81&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_82|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;82&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_83|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;83&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_84|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;84&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;85&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_86|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;86&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_87|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;87&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_88|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;88&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_89|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;89&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_90|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;90&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第八十五回 / Kapitel 85 =&lt;br /&gt;
== 贾存周报升郎中任 ==&lt;br /&gt;
=== 薛文起复惹放流刑 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünfundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird zum Ministerialrat befördert,&lt;br /&gt;
Becken Schnee provoziert erneut eine Verbannungsstrafe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, schimpfte Zhao Yiniang in ihrem Zimmer auf Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil/Plage&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, als man aus dem Nebenraum Huans Stimme hörte: „Ich habe doch bloß den Medizintopf umgestoßen und ein bisschen Arznei verschüttet — das Mädchen ist doch nicht daran gestorben! Und trotzdem beschimpft sie mich, und du beschimpfst mich auch; ihr behauptet, ich hätte ein böses Herz, und wollt mich zu Tode quälen! Wartet nur, morgen werde ich der kleinen Göre den Garaus machen! Mal sehen, was ihr dann tut! Die sollen sich nur in Acht nehmen!&amp;quot; Zhao Yiniang stürzte aus dem Innenzimmer und hielt ihm den Mund zu: „Hör auf, solchen Unsinn von dir zu geben — sonst holen die sich noch zuerst deinen Kopf!&amp;quot; Mutter und Sohn zankten eine Weile. Zhao Yiniang war durch Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Worte nur noch wütender geworden und schickte nicht einmal jemanden, um Phönixglanz zu besänftigen. Nach ein paar Tagen wurde Pfiffigmädchen wieder gesund. So war der Groll zwischen den beiden Seiten noch um eine Schicht tiefer geworden als zuvor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages kam Lin Zhixiao herein und meldete: „Heute ist der Geburtstag des Prinzen von Beijing&amp;lt;ref&amp;gt;Der Prinz von Beijing (北静王): Ein wohlwollender Verbündeter der Kaufmann-Familie am kaiserlichen Hof.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bitte um die Anweisungen des gnädigen Herrn.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann befahl: „Richtet es wie in den Vorjahren her, informiert den Ersten Herrn und lasst es hinschicken.&amp;quot; Lin Zhixiao sagte „Ja&amp;quot; und ging, alles vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz darauf kam Begnadigung Kaufmann herüber und besprach sich mit Aufrecht Kaufmann; sie nahmen Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit, um dem Prinzen von Beijing zum Geburtstag zu gratulieren. Die anderen waren gleichmütig, doch Schatzjade, der des Prinzen edle Erscheinung und würdevolles Auftreten seit jeher bewunderte, konnte es kaum erwarten, ihn wiederzusehen. Eilig wechselte er die Kleider und fuhr mit den anderen zur Residenz des Prinzen. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann reichten ihre Visitenkarten ein und warteten auf die Einladung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald kam ein Eunuch heraus, der eine Gebetskette zwischen den Fingern drehte. Als er Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann sah, lachte er: „Wie geht es den beiden Herren?&amp;quot; Beide erwiderten eilig den Gruß, und die drei jüngeren Verwandten grüßten ebenfalls. Der Eunuch sagte: „Der Prinz bittet herein.&amp;quot; So folgten die fünf dem Eunuch in die Residenz. Nach zwei Torbögen und um eine Halle herum erreichten sie das innere Palasttor. Am Tor blieben alle stehen; der Eunuch ging allein hinein, um den Prinzen zu melden. Die kleinen Eunuchen am Tor begrüßten sie respektvoll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald kam der Eunuch zurück und sagte nur: „Bitte.&amp;quot; Die fünf folgten ehrerbietig. Der Prinz von Beijing, im Festgewand, empfing sie bereits unter dem Säulengang am Hallentor. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann traten als Erste vor zur Begrüßung, danach Zhen, Lian und Schatzjade. Der Prinz nahm Schatzjade gesondert bei der Hand und sagte: „Ich habe dich lange nicht gesehen und oft an dich gedacht.&amp;quot; Dann fragte er lachend: „Ist dein Jadestein wohl?&amp;quot; Schatzjade verneigte sich halb und antwortete: „Dank der Gnade Eurer Hoheit ist alles wohl.&amp;quot; Der Prinz sagte: „Da du heute hier bist, habe ich leider keine besonderen Delikatessen, aber wir können miteinander plaudern.&amp;quot; Eunuchen hoben den Vorhang. Der Prinz sagte „Bitte&amp;quot;, ging aber selbst zuerst hinein, und Begnadigung Kaufmann und die anderen folgten in gebückter Haltung. Begnadigung Kaufmann bat den Prinzen, ihre Verbeugung anzunehmen; der Prinz sprach bescheidene Worte. Begnadigung Kaufmann aber kniete bereits nieder, und nach ihm verbeugten sich Aufrecht Kaufmann und die anderen der Reihe nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann und die anderen zogen sich ehrerbietig zurück. Der Prinz wies die Eunuchen an, sie bei den übrigen Gästen unterzubringen und gut zu bewirten. Nur Schatzjade behielt er bei sich zum Gespräch und bot ihm einen Sitzplatz an. Schatzjade dankte mit einem Kniefall, setzte sich auf ein besticktes Kissen an der Tür und sprach mit dem Prinzen über Studien und Aufsatzschreiben. Der Prinz zeigte sich sehr wohlwollend und ließ ihm Tee reichen. Dann sagte er: „Gestern erschien der Provinzgouverneur Wu zur kaiserlichen Audienz und erwähnte deinen Herrn Vater. Während seiner Amtszeit als Bildungsintendant habe er stets gerecht gehandelt, und alle Kandidaten hätten ihn zutiefst respektiert. Bei der Audienz habe auch der Kaiser danach gefragt, und Wu habe ihn wärmstens empfohlen — ein glücksverheißendes Zeichen für deinen Herrn Vater.&amp;quot; Schatzjade stand sofort auf, hörte den Bericht bis zum Ende an und antwortete erst dann: „Dies verdanken wir der Gnade Eurer Hoheit und der Güte des Herrn Wu.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da meldete ein kleiner Eunuch: „Draußen danken die Herren und Beamten dem Prinzen für das Festbankett.&amp;quot; Er reichte die Dankeskarten und Grüße herein. Der Prinz warf einen kurzen Blick darauf und gab sie dem Eunuchen zurück; lächelnd sagte er: „Ich habe verstanden — sagt ihnen Dank für die Mühe.&amp;quot; Der Eunuch fügte hinzu: „Das Sonderessen, das der Prinz für Schatzjade angeordnet hat, ist bereit.&amp;quot; Der Prinz befahl dem Eunuchen, Schatzjade in einen besonders hübschen kleinen Hof zu führen, wo er in Begleitung speiste. Anschließend kehrte Schatzjade zurück und dankte. Der Prinz sprach noch einige freundliche Worte und sagte dann lachend: „Als ich neulich deinen Jadestein sah, fand ich ihn reizvoll. Zu Hause habe ich nach dem Muster einen anfertigen lassen. Da du heute hier bist, nimm ihn doch gleich als Spielzeug mit.&amp;quot; Er ließ einen kleinen Eunuchen das Stück holen und reichte es Schatzjade persönlich. Schatzjade nahm es ehrfürchtig entgegen, dankte noch einmal und zog sich zurück. Der Prinz ließ zwei kleine Eunuchen ihn hinausgeleiten, und er fuhr mit Begnadigung Kaufmann und den anderen nach Hause zurück. Begnadigung Kaufmann begrüßte die Herzoginmutter und ging dann seines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann begrüßte mit seinen drei Begleitern die Großmutter und berichtete, wen sie in der Residenz getroffen hatten. Schatzjade erzählte Aufrecht Kaufmann auch von Gouverneur Wus Empfehlung bei der Audienz. Aufrecht Kaufmann sagte: „Dieser Herr Wu ist ein alter Bekannter, ein Mann unseres Schlages und von aufrechtem Charakter.&amp;quot; Nach ein paar weiteren Worten sagte die Herzoginmutter: „Geht euch ausruhen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann ging hinaus; Zhen, Lian und Schatzjade folgten ihm bis zur Tür. Aufrecht Kaufmann sagte: „Geht alle zurück und leistet der Großmutter Gesellschaft.&amp;quot; Damit zog er sich in sein Zimmer zurück. Kaum hatte er sich gesetzt, kam ein kleines Mädchen und meldete: „Draußen bittet Lin Zhixiao den gnädigen Herrn um ein Wort.&amp;quot; Dabei überreichte sie eine rote Visitenkarte mit dem Namen des Gouverneurs Wu. Aufrecht Kaufmann verstand, dass Wu einen Besuch abstattete, und ließ Lin Zhixiao hereinrufen. Aufrecht Kaufmann ging unter das Vordach, und Lin Zhixiao meldete: „Heute hat der Gouverneur Wu seinen Besuch gemacht; ich habe ihn empfangen. Außerdem habe ich erfahren, dass im Ministerium für Öffentliche Arbeiten ein Posten als Ministerialrat frei geworden ist, und sowohl draußen als auch im Ministerium heißt es, der gnädige Herr stehe auf der Vorschlagsliste.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Abwarten.&amp;quot; Lin Zhixiao berichtete noch einige Dinge und ging dann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhen, Lian und Schatzjade gingen zurück. Nur Schatzjade ging zur Großmutter und erzählte ausführlich, wie der Prinz ihn behandelt hatte. Er zeigte auch den nachgemachten Jadestein vor, und alle besahen ihn lachend. Die Herzoginmutter ließ ihn aufbewahren: „Heb ihn gut auf und verlier ihn nicht.&amp;quot; Dann fragte sie: „Deinen eigenen Stein trägst du doch ordentlich, ja? Verwechsle die beiden nicht.&amp;quot; Schatzjade nahm seinen eigenen vom Hals und sagte: „Hier ist meiner — den verliere ich doch nicht! Die beiden sind so verschieden, wie soll man sie verwechseln? Aber ich wollte der Großmutter etwas erzählen: Neulich abends, als ich schlafen ging und den Stein abnahm und im Betthimmel aufhängte, hat er plötzlich geleuchtet! Der ganze Betthimmel war rot.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Schon wieder Unsinn! Die Ränder des Betthimmels sind rot, und das Kerzenlicht lässt sie leuchten — natürlich sieht es rot aus.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Nein! Die Lampe war schon aus, das ganze Zimmer pechschwarz — und trotzdem konnte man ihn sehen!&amp;quot; Frau Strafe und Frau König lächelten hinter vorgehaltener Hand. Phönixglanz sagte: „Das ist das Vorzeichen einer frohen Botschaft.&amp;quot; Schatzjade fragte: „Was für eine frohe Botschaft?&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Das verstehst du nicht. Heute war ein langer Tag — geh dich ausruhen und rede hier keinen Unsinn mehr.&amp;quot; Schatzjade blieb noch einen Moment stehen und kehrte dann in den Garten zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier fragte die Herzoginmutter: „Übrigens — habt ihr Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; besucht und die Sache angesprochen?&amp;quot; Frau König antwortete: „Wir wollten schon längst hingehen, doch weil Phönixglanz wegen Pfiffigmädchens Krankheit verhindert war, haben wir es zwei Tage aufgeschoben und sind erst heute gegangen. Wir haben es ihr erzählt; die Tante war durchaus einverstanden, sagte nur, Pan sei gerade nicht zu Hause, und da der Vater gestorben sei, müsse sie es mit ihm besprechen, ehe man weitergehe.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Das sind vernünftige Worte. Dann soll vorerst niemand davon sprechen. Warten wir, bis drüben alles besprochen ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genug von den Heiratsgesprächen der Herzoginmutter. Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück und erzählte Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Die Großmutter und Schwester Phönixglanz haben vorhin so vieldeutig gesprochen — ich weiß nicht, was sie meinten.&amp;quot; Dufthauch dachte nach und lächelte: „Das kann ich auch nicht erraten. Aber sag — war das Fräulein Lin dabei, als die Rede darauf kam?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Das Fräulein Lin hat gerade eine Krankheit hinter sich — sie war in letzter Zeit gar nicht bei der Großmutter.&amp;quot; Während sie sprachen, hörte man nebenan Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Herbstmuster streiten. Dufthauch fragte: „Was zankt ihr schon wieder?&amp;quot; Moschusmond sagte: „Wir haben Karten gespielt. Wenn sie gewonnen hat, kassiert sie mein Geld; wenn sie verloren hat, will sie nicht zahlen. Und dann hat sie mir auch noch mein ganzes Geld weggenommen!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ein paar Kupfer — was macht das schon? Ihr Dummköpfe, hört auf damit!&amp;quot; Beide setzten einen Schmollmund auf und trollten sich. Dufthauch brachte Schatzjade ins Bett.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch aber wusste nach Schatzjades Worten sehr wohl, dass es um eine Verlobung für Schatzjade ging. Da sie fürchtete, dass er wieder in seine Schwärmereien verfiel und wer weiß was für unsinnige Reden von sich gäbe, tat sie unwissend. Doch im Stillen war dies die Sache, die sie am meisten beschäftigte. Nachts, im Bett liegend, fasste sie einen Plan: „Am besten gehe ich zu Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und schaue, ob sie etwas weiß.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen schickte sie Schatzjade in die Schule, richtete sich selbst her und schlenderte zum Xiaoxiang-Pavillon. Purpurkuckuck war gerade dabei, Blumen zu pflücken. Als sie Dufthauch kommen sah, lachte sie: „Schwester, komm herein und setz dich.&amp;quot; Dufthauch fragte: „Was pflückst du da? Wo ist das Fräulein?&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Das Fräulein hat sich gerade gewaschen und wartet darauf, dass ihre Medizin warm wird.&amp;quot; Während sie sprach, gingen beide hinein. Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; saß da und las ein Buch. Dufthauch lächelte: „Kein Wunder, dass das Fräulein sich so anstrengt — kaum aufgestanden, schon beim Lesen! Wenn unser Zweiter Herr Bao so fleißig lesen würde wie das Fräulein, das wäre herrlich!&amp;quot; Kajaljade legte lächelnd das Buch beiseite. Schneegans kam mit einem kleinen Tablett, darauf ein Schälchen Medizin und ein Glas Wasser; ein kleines Mädchen folgte mit Spucknapf und Spülschale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch war eigentlich gekommen, um Kajaljades Stimmung zu erkunden, fand aber keinen Anknüpfungspunkt. Dann überlegte sie, dass Kajaljade überaus feinfühlig war — wenn sie ungeschickt forschte und sie verletzte, wäre das schlimm. Nach kurzem Sitzen verabschiedete sie sich mit einer Ausrede. Kurz vor dem Tor des Hofes der Roten Freude sah sie zwei Personen dastehen und hielt inne. Eine von ihnen hatte sie schon bemerkt und lief herbei — es war Chuyao. Dufthauch fragte: „Was machst du hier?&amp;quot; Chuyao sagte: „Eben kam der Zweite Herr Yun mit einem Brief, den er unserem Zweiten Herrn Bao zeigen wollte, und wartet auf Antwort.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Der Zweite Herr Bao geht jeden Tag in die Schule — weißt du das nicht? Was wartest du noch?&amp;quot; Chuyao grinste: „Ich hab es ihm gesagt, aber er meinte, er solle es dem Fräulein ausrichten und auf deren Antwort warten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch wollte gerade etwas sagen, als die zweite Person langsam heranschlenderte — es war Efeu Kaufmann, der linkisch auf sie zukam. Dufthauch erkannte ihn und sagte schnell zu Chuyao: „Sag ihm Bescheid; wenn der Zweite Herr zurückkommt, zeig es ihm.&amp;quot; Efeu Kaufmann hatte eigentlich mit Dufthauch reden wollen — aus dem Wunsch nach Nähe –, wagte es aber nicht, voreilig zu sein, und ging daher langsam. Als er nahe genug war, sprach Dufthauch schon diese Worte, und er konnte schlecht näherkommen. Dufthauch hatte sich schon umgedreht und ging zurück. Efeu Kaufmann musste enttäuscht abziehen und verließ mit Chuyao das Anwesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend, als Schatzjade zurückkam, berichtete Dufthauch: „Heute kam der kleine Yun Zweiter in die Galerie.&amp;quot; Schatzjade fragte: „Was wollte er?&amp;quot; Dufthauch: „Er hatte einen Brief.&amp;quot; Schatzjade: „Wo ist er? Lass mich sehen.&amp;quot; Moschusmond holte ihn vom Bücherregal im Innenzimmer. Schatzjade las die Aufschrift: „Ehrerbietige Zuschrift an den Onkel.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Seit wann erkennt der Junge mich nicht mehr als Vater an?&amp;quot; Dufthauch: „Wie meinst du?&amp;quot; Schatzjade: „Vor zwei Jahren, als er mir die weißen Begonien brachte, nannte er mich ‚Vater'; jetzt schreibt er ‚Onkel' — erkennt er mich etwa nicht mehr an?&amp;quot; Dufthauch: „Er schämt sich nicht, und du schämst dich auch nicht! Er ist so groß und erkennt dich, so klein wie du bist, als Vater an — das ist doch schamlos. Du hast ja nicht einmal …&amp;quot; Dabei errötete sie und lächelte leicht. Schatzjade merkte es und sagte: „Das ist allerdings schwierig. Wie das Sprichwort sagt: ‚Der Mönch hat keine Kinder, und doch hat er viele fromme Söhne.' Ich fand ihn einfach pfiffig und sympathisch, deshalb habe ich es zugelassen. Wenn er nicht will — mir liegt auch nichts daran.&amp;quot; Damit öffnete er den Brief. Dufthauch lachte: „Dieser kleine Yun hat was Hinterlistiges — mal will er Leute sehen, mal versteckt er sich — kein ehrlicher Charakter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade las nur den Brief und beachtete Dufthauchs Worte nicht. Dufthauch sah, wie er bald die Stirn runzelte, bald lächelte, bald den Kopf schüttelte und schließlich ungeduldig wurde. Als er fertig gelesen hatte, fragte sie: „Was steht drin?&amp;quot; Schatzjade antwortete nicht und riss den Brief in Stücke. Dufthauch wagte bei diesem Anblick nicht weiterzufragen und sagte nur: „Willst du nach dem Essen noch lesen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Dieser Yun ist ein hoffnungsloser Fall!&amp;quot; Dufthauch bemerkte, dass seine Antwort gar nicht zur Frage passte, und fragte lächelnd: „Was war es denn?&amp;quot; Schatzjade: „Ach, vergiss ihn! Lass uns essen. Danach gehe ich schlafen — mir ist ganz unruhig zumute.&amp;quot; Dann rief er ein kleines Mädchen, das ihm Feuer brachte, und verbrannte die zerrissenen Papierstücke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man deckte auf. Schatzjade saß nur starr da. Dufthauch überredete und lockte ihn, bis er ein paar Bissen aß und dann aufhörte. Trübsinnig legte er sich aufs Bett. Plötzlich liefen ihm Tränen übers Gesicht. Dufthauch und Moschusmond wussten nicht, was sie davon halten sollten. Moschusmond sagte: „Eben war noch alles in Ordnung — und jetzt das! Wegen irgendeinem Yun und seinem albernen Brief, von dem niemand weiß, wovon er handelt, benimmt er sich wie ein Narr — bald weint er, bald lacht er. Wenn das so weitergeht, wie soll man das aushalten?&amp;quot; Dabei wurde auch sie traurig. Dufthauch konnte sich das Lachen kaum verkneifen und beschwichtigte: „Gute Schwester, ärger ihn nicht noch mehr. Einer reicht schon. Hat denn der Briefinhalt etwas mit dir zu tun?&amp;quot; Moschusmond empörte sich: „Red keinen Unsinn! Woher weißt du, was für Unsinn in dem Brief stand? Zieh das nicht auf andere! Wenn schon, dann hat der Brief eher mit dir zu tun!&amp;quot; Noch ehe Dufthauch antworten konnte, lachte Schatzjade vom Bett her laut auf, richtete sich auf, schüttelte seine Kleider und sagte: „Lasst uns schlafen. Hört auf zu streiten — morgen muss ich früh aufstehen zum Lernen.&amp;quot; Damit legte er sich hin und schlief ein. Die Nacht verging ohne Zwischenfälle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen stand Schatzjade auf, richtete sich her und machte sich auf den Weg zur Schule. Am Hoftor fiel ihm plötzlich etwas ein. Er bat Beiming zu warten, eilte zurück und rief: „Schwester Moschusmond!&amp;quot; Moschusmond kam heraus: „Warum bist du zurück?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Wenn Yun heute kommt, sag ihm, er soll hier keinen Unsinn machen. Sonst melde ich es der Großmutter und dem Vater.&amp;quot; Moschusmond sagte „Ja&amp;quot;, und Schatzjade ging. Kaum war er draußen, kam Efeu Kaufmann aufgeregt hereingestürmt. Als er Schatzjade sah, begrüßte er ihn eilig: „Onkel, ich gratuliere!&amp;quot; Schatzjade dachte, es ginge um die gestrige Sache, und sagte: „Du bist wirklich zu voreilig. Ohne Rücksicht darauf, ob jemand Sorgen hat oder nicht, kommst du einfach hereingeplatzt.&amp;quot; Efeu Kaufmann lachte verbindlich: „Onkel glaubt es nicht? Geh nur und schau — die Leute sind schon da, vor unserer Hauptpforte!&amp;quot; Schatzjade wurde immer aufgeregter: „Wovon redest du?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Moment erhob sich draußen ein Geschrei. Efeu Kaufmann sagte: „Hörst du, Onkel? Das sind sie!&amp;quot; Schatzjade war immer verwirrter. Eine Stimme rief: „Ihr Leute habt keine Manieren! Was ist das für ein Ort, dass ihr hier so herumbrüllt!&amp;quot; Eine andere antwortete: „Wer kann denn etwas dafür, dass der gnädige Herr befördert worden ist? Natürlich kommen wir gratulieren! Andere Familien wünschen sich so einen Anlass und bekommen ihn nicht!&amp;quot; Da verstand Schatzjade: Aufrecht Kaufmann war zum Ministerialrat befördert worden, und die Leute kamen, um Glückwünsche zu überbringen. Erfreut wollte er eilen, doch Efeu Kaufmann rief ihm nach: „Freut sich der Onkel? Wenn dann auch noch die Verlobung zustande kommt, ist es ein doppeltes Glück!&amp;quot; Schatzjade wurde rot und spuckte aus: „Pfui! Du unverschämter Kerl! Mach, dass du fortkommst!&amp;quot; Efeu Kaufmann errötete: „Was ist denn dabei? Ich sehe doch, dass der Herr Onkel …&amp;quot; Schatzjade blickte finster: „Was sieht er?&amp;quot; Efeu Kaufmann brach den Satz ab und wagte nicht weiterzureden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade eilte in die Hausschule. Dairu lachte ihn an: „Ich habe gerade gehört, dass dein Herr Vater befördert wurde — und du bist trotzdem gekommen?&amp;quot; Schatzjade erwiderte höflich: „Ich bin nur kurz hereingekommen, um den Großonkel zu begrüßen, und gehe dann zum Herrn Vater.&amp;quot; Dairu sagte: „Heute brauchst du nicht hierher — ich gebe dir einen Tag frei. Aber geh nicht in den Garten zum Spielen. Du bist kein Kind mehr; wenn du auch noch nicht viel ausrichten kannst, solltest du deinen älteren Cousins folgen und von ihnen lernen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte „Ja&amp;quot; und ging zurück. Am zweiten Tor empfing ihn Li Gui lachend: „Da ist der Zweite Herr! Ich wollte gerade in die Schule, um Euch abzuholen.&amp;quot; Schatzjade fragte: „Wer hat dich geschickt?&amp;quot; Li Gui antwortete: „Die Alte Ahnin hat jemanden in den Garten geschickt, um den Zweiten Herrn zu suchen; die Mädchen dort sagten, er sei in der Schule. Die Alte Ahnin hat mich losgeschickt, um Euch ein paar Tage freizunehmen. Es soll auch Theater gespielt werden zur Feier. Und da seid Ihr schon!&amp;quot; Schatzjade ging hinein. Im ganzen Hof trugen Mädchen und Dienerinnen strahlende Gesichter; als sie ihn sahen, lachten sie: „Da kommt der Zweite Herr endlich! Geht schnell hinein und gratuliert der Alten Ahnin!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade trat lachend ein. Kajaljade saß links neben die Herzoginmutter, rechts Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Xiangfluss-Wolke: Chin. 湘云 Xiāngyún, wörtl. „Wolke des Xiang-Flusses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;; auf dem Boden standen Frau Strafe und Frau König. Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrter Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Seidenweiß Pflaume&amp;lt;ref&amp;gt;Seidenweiß Pflaume: Chin. 李纨 Lǐ Wán, wörtl. „Frau im Schleiertuch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Phönixglanz, Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume, Höhlennebel Strafe und alle Schwestern waren im Zimmer — nur Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Kostbarzither Schnee und Willkommensfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Willkommensfrühling: Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommener Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; fehlten. Schatzjade war so glücklich, dass ihm die Worte fehlten. Er gratulierte eilig der Großmutter, dann Xing und Frau König und begrüßte alle Schwestern der Reihe nach. Dann wandte er sich lächelnd an Kajaljade: „Wie geht es der Schwester? Viel besser?&amp;quot; Kajaljade lächelte leicht: „Viel besser. Ich hörte, auch dem Zweiten Bruder war unwohl — ist er genesen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ja, neulich nachts hatte ich plötzlich Herzschmerzen. In den letzten Tagen bin ich gerade wieder in die Schule gegangen und konnte nicht bei der Schwester vorbeischauen.&amp;quot; Noch ehe er ausgesprochen hatte, wandte Kajaljade sich schon um und begann ein Gespräch mit Erkundefrühling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz stand daneben und lachte: „Ihr zwei benehmt euch, als wärt ihr nicht jeden Tag zusammen! Wie Gäste, so voller Höflichkeitsfloskeln — das ist wohl das, was man ‚sich gegenseitig wie Gäste achten' nennt.&amp;quot; Alle lachten. Kajaljade wurde knallrot; sie wollte etwas sagen und wollte auch nichts sagen. Nach einem Moment brachte sie heraus: „Du verstehst gar nichts!&amp;quot; Das Gelächter wurde noch lauter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz merkte zu spät, dass ihre Worte unüberlegt waren. Gerade wollte sie ablenken, als Schatzjade plötzlich zu Kajaljade sagte: „Schwester Lin, stell dir vor, dieser vorlaute Yun …&amp;quot; Kaum hatte er den Satz begonnen, bemerkte er seinen Fehler und verstummte. Alle lachten wieder: „Wie kommt er denn jetzt darauf?&amp;quot; Kajaljade verstand es auch nicht und lächelte verlegen mit. Schatzjade suchte nach einem Gesprächsthema und fragte: „Vorhin hörte ich, dass jemand eine Theatervorstellung schenken will — für wann?&amp;quot; Alle sahen ihn belustigt an. Phönixglanz sagte: „Du hast es doch draußen gehört — warum fragst du uns?&amp;quot; Schatzjade nutzte die Gelegenheit: „Dann gehe ich hinaus und erkundige mich.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Lauf nicht nach draußen: Erstens werden die Gratulanten dich auslachen; zweitens kommt dein Vater heute Abend in bester Stimmung zurück, und wenn er dich sieht, wird er wieder böse.&amp;quot; Schatzjade sagte „Ja&amp;quot; und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier fragte die Herzoginmutter Phönixglanz: „Wer hat von einer Theatervorstellung gesprochen?&amp;quot; Phönixglanz antwortete: „Vom Haus des Zweiten Onkels heißt es, übermorgen sei ein günstiger Tag, und man wolle eine neue, junge Theatertruppe schicken, um der Alten Ahnin und dem gnädigen Herrn zu gratulieren.&amp;quot; Dann lachte sie: „Nicht nur ist es ein günstiger Tag — es ist auch ein guter Tag: Übermorgen ist nämlich noch …&amp;quot; Dabei blickte sie lächelnd zu Kajaljade. Kajaljade lächelte ebenfalls. Frau König sagte: „Genau! Übermorgen ist auch der Geburtstag der Nichte!&amp;quot; die Herzoginmutter überlegte und lachte: „Man sieht, wie alt und vergesslich ich geworden bin! Zum Glück habe ich meine Phönixglanz als ‚Zeremonienmeisterin'. Da trifft sich alles wunderbar: Sein Onkel feiert ihn und die Beförderung, und dein Onkel richtet dir deinen Geburtstag aus — ist das nicht großartig!&amp;quot; Alle lachten und sagten: „Was immer die Alte Ahnin sagt, klingt wie aus einem gelehrten Buch — kein Wunder, dass sie so großes Glück hat!&amp;quot; Da kam Schatzjade herein; als er dies hörte, hüpfte er vor Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man speiste gemeinsam bei der Herzoginmutter — es war ein fröhliches Mahl, das keiner weiteren Beschreibung bedarf. Nach dem Essen kehrte Aufrecht Kaufmann von der Dankzeremonie zurück, verneigte sich im Ahnentempel und kam dann, um vor der Herzoginmutter niederzuknien. Nach ein paar Worten im Stehen ging er hinaus, um Besucher zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Tagen kamen und gingen Verwandte und Clanmitglieder unablässig; Wagen und Pferde füllten die Straße, Würdenträger drängten sich im Saal. Wahrhaftig:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Blume in voller Pracht steht, schwärmen Bienen und Schmetterlinge;&lt;br /&gt;
Wenn der Mond im Vollglanz leuchtet, weitet sich Himmel und Meer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So vergingen zwei Tage, und der Festtag war gekommen. Am frühen Morgen hatte König Zisheng mit Verwandten bereits eine Theatertruppe geschickt. Vor der Herzoginmutter Haupthalle wurde eine Bühne errichtet. Draußen saßen die Herren in Amtsgewändern bei ihren Gästen; an die zehn Tische mit Festmahl waren für die Gratulanten aufgedeckt. Drinnen, da es eine neue Truppe war und die Herzoginmutter guter Laune war, hatte man hinter der Halle eine gläserne Bühnenwand aufgestellt und ebenfalls Festtafeln gedeckt. Am Ehrenplatz saß Tante Schnee mit Frau König und Kostbarzither Schnee als Begleiterinnen; gegenüber saß die Großmutter mit Frau Strafe und Höhlennebel Strafe. Unten waren noch zwei Tische frei, und die Herzoginmutter rief: „Beeilt euch!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Phönixglanz mit den Mädchen herein, die alle Kajaljade umringten. Kajaljade hatte einige neue Kleidungsstücke angelegt und sah aus wie Chang'e, herabgestiegen aus dem Mond — mit verschämtem Lächeln trat sie heraus und begrüßte die Anwesenden. Xiangfluss-Wolke, Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume wollten ihr den Ehrenplatz überlassen, doch Kajaljade lehnte ab. Die Herzoginmutter lachte: „Heute darfst du dich dort setzen.&amp;quot; Tante Schnee stand auf und fragte: „Hat das Fräulein Lin heute auch einen freudigen Anlass?&amp;quot; die Herzoginmutter lachte: „Es ist ihr Geburtstag.&amp;quot; Tante Schnee rief: „Ach! Das habe ich ganz vergessen!&amp;quot; Sie trat heran und sagte: „Verzeiht meine Vergesslichkeit. Nachher soll Kostbarzither Schnee dem Fräulein zum Geburtstag gratulieren.&amp;quot; Kajaljade lächelte: „Das ist zu viel der Ehre.&amp;quot; Alle nahmen Platz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade blickte sich um und bemerkte, dass einzig Schatzspange fehlte. Sie fragte: „Geht es Schwester Schatzspange gut? Warum kommt sie nicht?&amp;quot; Tante Schnee antwortete: „Sie wollte eigentlich kommen, aber es war niemand da, der das Haus hütet.&amp;quot; Kajaljade errötete und lächelte: „Aber die Tante hat doch jetzt die Schwägerin im Haus — warum muss dann Schwester Schatzspange aufpassen? Wahrscheinlich hat sie einfach keine Lust auf so viel Trubel. Ich vermisse sie wirklich.&amp;quot; Tante Schnee lachte: „Wie nett, dass du an sie denkst. Sie denkt auch oft an euch Mädchen. Demnächst bringe ich sie mit, damit ihr euch alle wiedersehen könnt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mädchen kamen und schenkten Wein ein und servierten die Speisen. Draußen hatte die Vorstellung begonnen; die ersten ein, zwei Stücke waren naturgemäß Glückwunschspiele. Beim dritten Stück erschienen goldene Knaben und Jadejungfrauen mit Fahnen und Standarten und führten eine kleine Darstellerin in einem Federgewand aus Regenbogenfarben herein, einen schwarzen Schleier über dem Kopf. Sie sang ein paar Zeilen und ging ab. Niemand kannte das Stück. Von draußen hörte man: „Das ist die ‚Himmelfahrt' aus dem neuen Stück ‚Aufzeichnungen aus dem Reiperlenpalast'. Die kleine Darstellerin spielt Chang'e: Einst auf die Erde gefallen, wäre sie fast einem Mann zur Frau gegeben worden; doch dank der Erleuchtung durch Guanyin starb sie unverheiratet. Nun steigt sie zum Mondpalast empor. Hört, wie es im Lied heißt: ‚Die Menschen preisen Liebe und Leidenschaft — doch wissen sie, wie leicht Herbstmond und Frühlingsblüte vergehen? Beinahe hätte man den Palast des Weiten Kühlen vergessen.'&amp;quot; Das vierte Stück war „Kleie essen&amp;quot;. Das fünfte zeigte Bodhidharma, der mit seinem Schüler den Fluss überquerte und in seine Heimat zurückkehrte — mit wunderbaren Luftspiegelungen, recht prächtig anzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle waren in bester Stimmung, als plötzlich ein Diener der Familie Xue schweißüberströmt hereinstürzte und zu Xue Ke sagte: „Zweiter Herr, kommt schnell nach Hause! Und sagt auch drinnen der Gnädigen Frau Bescheid — zu Hause ist etwas Dringendes geschehen.&amp;quot; Xue Ke fragte: „Was ist los?&amp;quot; Der Diener sagte: „Zu Hause erzähle ich es.&amp;quot; Xue Ke ging, ohne sich zu verabschieden. Als Tante Schnee drinnen die Nachricht von den Mädchen hörte, wurde sie totenbleich, stand sofort auf, nahm Kostbarzither Schnee mit, sagte nur ein hastiges Wort des Abschieds und stieg in den Wagen. Drinnen wie draußen herrschte Bestürzung. Die Herzoginmutter sagte: „Schickt jemanden hinterher und erkundigt euch, was passiert ist — das geht uns alle an.&amp;quot; Alle sagten: „Ja.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genug vom Theater bei den Jias. Tante Schnee kam zu Hause an und sah zwei Gerichtsdiener am zweiten Tor stehen, begleitet von einigen Pfandhaus-Angestellten, die sagten: „Jetzt, wo die Gnädige Frau da ist, wird sich alles regeln lassen.&amp;quot; Kaum hatte sie es gehört, trat Tante Schnee auch schon ein. Die Gerichtsdiener sahen das große Gefolge aus Männern und Frauen, das eine ältere Dame umringte, und erkannten sie als Becken Schnees Mutter. Angesichts dieses Aufgebots wagten sie nichts zu sagen und ließen sie ehrerbietig passieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee ging durch den Saal nach hinten und hörte schon von weitem jemanden laut weinen — es war Goldosmanthus. Tante Schnee eilte herbei; Schatzspange kam ihr entgegen, das Gesicht tränenverschmiert, und sagte: „Mama hat es gehört — bitte nicht aufregen, das Handeln ist jetzt wichtig.&amp;quot; Tante Schnee und Schatzspange gingen ins Zimmer. Da Tante Schnee schon beim Hereinkommen von den Dienern das Wichtigste erfahren hatte, zitterte sie am ganzen Leib und fragte weinend: „Wen hat er umgebracht?&amp;quot; Die Diener antworteten: „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Einzelheiten. Egal wen — wenn einer tot ist, muss dafür gebüßt werden. Beraten wir, was zu tun ist.&amp;quot; Tante Schnee brach in Tränen aus: „Was gibt es da noch zu beraten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diener sagten: „Nach unserer Meinung sollte man heute Nacht Geld zusammenpacken und den Zweiten Herrn losschicken, damit er den Ersten Herrn trifft. Dort muss ein erfahrener Winkeladvokat gefunden werden; gegen eine ordentliche Summe wird er zunächst die Todesstrafe abwenden. Danach kann man die Kaufmann-Familie bitten, bei den höheren Behörden ein gutes Wort einzulegen. Und die Gerichtsdiener draußen — die Gnädige Frau sollte ihnen ein paar Tael geben, damit wir freie Hand haben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: „Sucht die Familie des Toten auf, bietet Geld für die Bestattung und eine Unterstützungsrente an; wenn der Kläger die Anklage fallen lässt, beruhigt sich die Sache.&amp;quot; Hinter dem Vorhang meldete sich Schatzspange: „Mama, das geht nicht! Bei solchen Sachen macht Geld alles nur schlimmer. Die Diener haben recht.&amp;quot; Tante Schnee weinte wieder: „Ich will auch sterben! Ich fahre dorthin, sehe ihn noch einmal und sterbe mit ihm — dann ist alles vorbei.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange drängte und beschwichtigte gleichzeitig und rief hinter dem Vorhang: „Geht schnell mit dem Zweiten Herrn und handelt!&amp;quot; Die Mädchen stützten Tante Schnee und führten sie herein. Xue Ke ging nach draußen. Schatzspange rief ihm nach: „Schickt sofort einen Boten mit jeder Neuigkeit! Ihr anderen draußen — kümmert euch!&amp;quot; Xue Ke antwortete und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte Schatzspange die Mutter beruhigt, als Goldosmanthus die Gelegenheit nutzte, Duftkastanie zu packen und sie anzuschreien: „Immer habt ihr damit geprahlt, dass euer Haus schon einmal einen Totschlag begangen hat und es keinerlei Folgen hatte, und so seid ihr nach Peking gekommen. Jetzt habt ihr ihn angestiftet, wirklich jemanden totzuschlagen! Im Alltag protzt ihr ständig mit eurem Geld, eurer Macht und euren vornehmen Verwandten — und jetzt seid ihr genauso in Panik! Wenn der Herr am Ende nicht zurückkommt, geht ihr alle eurer Wege und lasst mich allein leiden!&amp;quot; Dabei heulte sie von Neuem. Tante Schnee hörte es und wurde vor Wut ohnmächtig. Schatzspange wusste sich keinen Rat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitten in dem Chaos hatte Frau König bereits eine ältere Dienerin herübergeschickt, um sich zu erkundigen. Schatzspange wusste im Stillen, dass sie der Kaufmann-Familie angehörte — doch erstens war noch nichts offiziell, und zweitens war es ein Notfall. So sagte sie der Dienerin: „Im Moment kennen wir die Einzelheiten noch nicht. Wir wissen nur, dass mein Bruder draußen jemanden im Streit getötet hat und vom Kreisgericht festgenommen wurde. Wie das Urteil ausfällt, wissen wir noch nicht. Der Zweite Herr ist gerade losgegangen, um sich zu erkundigen. Wenn wir sichere Nachricht haben, schicke ich sofort Nachricht hinüber. Danke der Gnädigen Frau für ihre Anteilnahme — in Zukunft werden wir die Hilfe der Herren drüben noch sehr nötig haben.&amp;quot; Die Dienerin sagte zu und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee und Schatzspange warteten voller Angst. Nach zwei Tagen kam ein Diener mit einem Brief zurück und übergab ihn einem kleinen Mädchen. Schatzspange öffnete ihn und las:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Großer Bruders Totschlag ist ein unbeabsichtigter — kein vorsätzlicher Mord. Heute früh habe ich unter meinem Namen eine ergänzende Eingabe eingereicht; sie ist noch nicht beschieden. Großer Bruders erste Aussage war sehr ungünstig. Wenn die Eingabe genehmigt wird und bei der nächsten Vernehmung die Aussage zum Besseren gewendet werden kann, besteht Hoffnung auf ein Überleben. Holt schnell weitere fünfhundert Tael Silber aus dem Pfandhaus. Bitte nicht zögern! Gnädige Frau möge sich beruhigen. Alles Weitere beim Diener.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange las alles Tante Schnee vor. Diese trocknete ihre Tränen und sagte: „Demnach steht es also auf Messers Schneide zwischen Tod und Leben.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Mama, weine jetzt nicht. Lass den Diener hereinkommen und erzählen, dann wissen wir mehr.&amp;quot; Sie schickte ein kleines Mädchen, den Diener hereinzurufen. Tante Schnee fragte: „Erzähle mir genau, was mit dem Ersten Herrn passiert ist.&amp;quot; Der Diener sagte: „An dem Abend habe ich gehört, wie der Erste Herr es dem Zweiten Herrn erzählte — da bin ich vor Schreck ganz wirr geworden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Diener berichtete, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 84</title>
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&lt;hr /&gt;
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= 第八十四回 / Kapitel 84 =&lt;br /&gt;
== 试文字宝玉始提亲 ==&lt;br /&gt;
=== 探惊风贾环重结怨 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vierundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schriftliche Prüfung — zum ersten Mal wird für Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; eine Heirat vorgeschlagen,&lt;br /&gt;
Die Untersuchung eines Schreckkrampfes bringt Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil/Plage&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; neuen Groll&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, war Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; von Goldosmanthus' Wutanfall so aufgebracht, dass ihr Leberqi&amp;lt;ref&amp;gt;Leberqi (肝气): In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Lebensenergie der Leber, deren Stauung zu Schmerzen, Reizbarkeit und Krämpfen führt.&amp;lt;/ref&amp;gt; aufstieg und sie Schmerzen in der linken Seite bekam. Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; wusste genau, woran es lag, und wartete nicht erst auf den Arzt: Sie ließ ein paar Qian Uncaria-Zweige kaufen, kochte einen starken Sud und gab ihn ihrer Mutter zu trinken. Dann klopften sie und Duftkastanie Tante Schnees Beine und rieben ihr die Brust. Nach einer Weile beruhigte sie sich ein wenig. Tante Schnee war gleichzeitig traurig und wütend: wütend auf Jinquis Tobsuchtsanfälle und traurig, weil Schatzspanges Geduld sie rührte. Schatzspange redete ihr noch eine Weile gut zu, bis Tante Schnee unversehens einschlief und das Leberqi sich allmählich legte. Schatzspange sagte: „Mama, solchen Ärger darfst du dir nicht zu Herzen nehmen. Wenn du in ein paar Tagen wieder laufen kannst, geh doch einfach hinüber zur Großmutter und zur Tante und plaudere ein wenig, um dich abzulenken. Zu Hause passen Duftkastanie und ich schon auf — die wird sich schon nicht trauen.&amp;quot; Tante Schnee nickte: „Wir werden sehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Kaiserliche Gemahlin genesen war, herrschte in der Familie allgemeine Freude. Einige Tage später kamen Eunuchen mit Geschenken und Silber und verkündeten den Befehl der Edlen Gemahlin: Da die Familie sich so eifrig um sie gesorgt habe, wolle sie alle belohnen. Gaben und Silber wurden einzeln übergeben. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; berichteten die Herzoginmutter, und alle dankten gemeinsam für die kaiserliche Gnade. Nachdem die Eunuchen ihren Tee getrunken hatten, zogen sie sich zurück. Die Familie versammelte sich in der Herzoginmutter Gemächern und plauderte fröhlich eine Weile. Da kam eine Dienerin herein und meldete: „Die Diener lassen ausrichten, dass jemand vom anderen Haus den Ersten Herrn dringend zu sprechen wünscht.&amp;quot; die Herzoginmutter wandte sich an Begnadigung Kaufmann: „Geh nur.&amp;quot; Begnadigung Kaufmann verließ den Raum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier erinnerte sich die Herzoginmutter plötzlich an etwas und sagte lachend zu Aufrecht Kaufmann: „Die Kaiserliche Gemahlin denkt viel an Schatzjade — neulich hat sie eigens nach ihm gefragt.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann lächelte höflich: „Nur hat Schatzjade nicht recht die Lust zum Lernen und macht der gnädigen Aufmerksamkeit der Gemahlin wenig Ehre.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Ich habe ihm ein gutes Wort eingelegt und gesagt, er schreibe neuerdings ordentliche Aufsätze.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann lachte: „Wo käme das dem gleich, was die Alte Ahnin sagt!&amp;quot; die Herzoginmutter erwiderte: „Ihr lasst ihn doch dauernd Gedichte und Aufsätze schreiben — hat er denn gar nichts zuwege gebracht? Ein Kind muss man behutsam anleiten. Wie man so sagt: ‚Auch ein Dicker wurde nicht mit einem Bissen dick.'&amp;quot; Aufrecht Kaufmann beeilte sich, ihr beizupflichten: „Die Alte Ahnin hat völlig recht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fuhr fort: „Wo wir schon von Schatzjade sprechen — ich habe noch eine Sache mit dir zu besprechen. Er ist nun alt genug; ihr solltet euch umsehen und ein gutes Mädchen für ihn finden, damit man ihn verloben kann. Das ist eine Angelegenheit für sein ganzes Leben. Es muss nicht unbedingt eine nahe Verwandte sein, und ob arm oder reich, spielt keine Rolle — es kommt nur darauf an, dass man den Charakter des Mädchens gut kennt und sie anständig aussieht.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann antwortete: „Was die Alte Ahnin anordnet, ist ganz richtig. Nur eines: Das Mädchen mag gut sein, aber er selbst muss sich erst bessern, sonst schadet er dem Ruf eines anständigen Mädchens — wäre das nicht bedauerlich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter war über diese Worte etwas verstimmt und sagte: „Eigentlich seid ihr als Eltern zuständig, und ich müsste mich nicht einmischen. Aber Schatzjade ist von klein auf bei mir aufgewachsen, und ich habe ihn vielleicht ein wenig zu sehr verwöhnt und so seine Erziehung vernachlässigt. Doch wenn ich ihn mir ansehe — sein Aussehen ist ansehnlich, und sein Wesen ist im Grunde aufrichtig; ich glaube nicht, dass er so verdorben ist, dass er einem Mädchen Schaden zufügen würde. Vielleicht bin ich voreingenommen, aber ich halte ihn jedenfalls für etwas besser als Huan. Was meint ihr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese wenigen Sätze machten Aufrecht Kaufmann verlegen. Er lachte hastig: „Die Alte Ahnin hat viele Menschen gesehen — wenn sie ihn für gut hält und ihm Glück zuschreibt, wird es gewiss stimmen. Ich bin nur zu ungeduldig gewesen, dass er ein ordentlicher Mensch wird. Vielleicht ist es bei mir ganz im Gegensatz zum alten Sprichwort, und ich sehe gar nicht, wie gut mein eigener Sohn ist.&amp;quot; Dieser Satz brachte sogar die Herzoginmutter zum Lachen, und alle lachten mit. Die Herzoginmutter sagte: „Du bist inzwischen auch in die Jahre gekommen und bekleidest ein Amt — natürlich wirst du durch Erfahrung immer reifer.&amp;quot; Dann blickte sie lächelnd zu Frau Strafe und Frau König und sprach: „Erinnert euch nur, wie er in seiner Jugend war — mit seinem absonderlichen Temperament, das doppelt so schlimm war wie das von Schatzjade! Erst als er geheiratet hatte, verstand er allmählich, wie man sich unter Menschen benimmt. Und jetzt beschwert er sich nur über Schatzjade! Ich finde, Schatzjade zeigt jetzt sogar ein besseres Gespür für die menschlichen Verhältnisse als er damals.&amp;quot; Frau Strafe und Frau König lachten und sagten: „Die Alte Ahnin erzählt wieder ihre lustigen Geschichten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kamen kleine Mädchen herein und flüsterten Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; etwas zu. Die Herzoginmutter fragte: „Was tuschelt ihr schon wieder?&amp;quot; Mandarinenente erklärte lachend, das Abendessen sei angerichtet. Die Herzoginmutter sagte: „Dann geht alle zum Essen. Nur Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Frau von Zhen sollen bei mir bleiben und mit mir speisen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann, Frau Strafe und Frau König sagten zu, warteten, bis aufgedeckt war, und gingen, als die Herzoginmutter sie noch einmal ermahnte, auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Strafe ging ihres Weges. Aufrecht Kaufmann und Frau König traten in ihre Gemächer. Aufrecht Kaufmann kam auf der Herzoginmutter Worte zurück: „Da die Alte Ahnin Schatzjade so liebt, muss er am Ende doch solide Kenntnisse erwerben und sich eines Tages eine Prüfung verdienen, damit die Zuneigung der Alten Ahnin nicht umsonst war und kein Mädchen darunter leidet.&amp;quot; Frau König stimmte zu: „Was der gnädige Herr sagt, ist natürlich richtig.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann schickte ein Stubenmädchen hinaus, um Li Gui Bescheid zu geben: „Wenn Schatzjade von der Schule kommt, soll er erst essen und danach zu mir kommen — ich habe ihn noch etwas zu fragen.&amp;quot; Li Gui antwortete: „Jawohl.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade aus der Schule kam und gerade die Begrüßungsrunde machen wollte, trat Li Gui hervor: „Der Zweite Herr braucht noch nicht hinüberzugehen. Der gnädige Herr hat befohlen, dass der Zweite Herr heute erst nach dem Essen kommen soll — es gibt noch Fragen.&amp;quot; Bei diesen Worten ging es Schatzjade wie ein Donnerschlag durch den Kopf. Er begrüßte die Großmutter, ging zurück in den Garten, aß hastig zwei, drei Bissen, spülte den Mund und eilte zu Aufrecht Kaufmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann saß in seinem privaten Arbeitszimmer. Schatzjade trat ein, begrüßte ihn und blieb wartend stehen. Aufrecht Kaufmann fragte: „In den letzten Tagen hatte ich einiges im Kopf und vergaß, dich zu fragen. Du sagtest neulich, dein Lehrer wolle dich einen Monat den Stoff erklären lassen und dir dann das Aufsatzschreiben beibringen. Es sind nun schon fast zwei Monate — hast du überhaupt angefangen zu schreiben?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Ich habe drei Stücke geschrieben. Der Lehrer meinte, es sei noch nicht nötig, dem Vater Bescheid zu geben; wenn sie besser seien, solle ich berichten. Deshalb habe ich in den letzten Tagen nichts gesagt.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann fragte: „Welche Themen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Das erste war ‚Mit fünfzehn richtete ich meinen Willen aufs Lernen', das zweite ‚Wenn andere einen nicht kennen und man doch nicht grollt', das dritte die drei Zeichen ‚Dann wendet man sich Mo zu'.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du die Entwürfe?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Ich habe sie ins Reine geschrieben, und der Lehrer hat Korrekturen angebracht.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann: „Hast du sie mitgebracht oder sind sie noch in der Schule?&amp;quot; Schatzjade: „Sie sind in der Schule.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann: „Lass sie holen.&amp;quot; Schatzjade schickte sogleich einen Boten zu Beiming: „Er soll in der Schule in meiner Schublade ein dünnes Heft auf Bambuszellenpapier suchen, auf dem ‚Schulaufgaben' steht, und es schnell herbringen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald kam Beiming mit dem Heft, reichte es Schatzjade, und Schatzjade legte es Aufrecht Kaufmann vor. Aufrecht Kaufmann schlug es auf und sah als erstes Thema: „Mit fünfzehn richtete ich meinen Willen aufs Lernen.&amp;quot; Schatzjades ursprüngliche Einleitung lautete: „Der Heilige richtete seinen Willen aufs Lernen, und zwar von Kindheit an.&amp;quot; Dairu hatte jedoch das Wort „Kindheit&amp;quot; gestrichen und stattdessen ausdrücklich „fünfzehn&amp;quot; geschrieben. Aufrecht Kaufmann sagte: „Dein ursprüngliches ‚Kindheit' trifft das Thema nicht genau. ‚Kindheit' reicht vom Kleinkind bis zum sechzehnten Lebensjahr. In diesem Kapitel beschreibt der Heilige, wie sein Studium mit den Jahren fortschritt; deshalb müssen fünfzehn, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig jeweils ausdrücklich genannt werden, damit man sieht, wie er in jedem Alter einen anderen Stand erreichte. Dass der Lehrer dein ‚Kindheit' durch ‚fünfzehn' ersetzt hat, macht es wesentlich klarer.&amp;quot; Bei der Weiterführung las er Schatzjades gestrichenen Originalsatz: „Denn nicht nach Lernen zu streben, ist das Gewöhnliche bei den Menschen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Das ist nicht nur kindisch, sondern zeigt, dass du von Natur aus keinen Ehrgeiz zum Studium hast.&amp;quot; Der nächste Satz lautete: „Dass der Heilige mit fünfzehn danach strebte — ist das nicht schwer?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Das ist noch schlimmer.&amp;quot; Dann las er Dairus Korrektur: „Wer lernt nicht? Doch jene, die ihren Willen aufs Lernen richten, sind am Ende selten. Darum sprach der Heilige voller Überzeugung bereits im Alter von fünfzehn Jahren sein Bekenntnis aus.&amp;quot; Er fragte: „Verstehst du die Korrektur?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Ja.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann sah er sich den zweiten Aufsatz an, zum Thema „Wenn andere einen nicht kennen und man doch nicht grollt&amp;quot;. Er las zuerst Dairus Fassung: „Wer nicht grollt, obwohl man ihn nicht kennt, der hat am Ende seine Freude am Lernen nicht verändert.&amp;quot; Dann betrachtete er den gestrichenen Originaltext und sagte: „Was hast du da geschrieben? ‚Fähig zu sein, niemandem zu grollen — das ist das Wesen eines reinen Gelehrten.' Der erste Satz behandelt nur die drei Zeichen ‚und doch nicht grollt' und versäumt das Gesamtthema; der zweite Satz greift schon in den folgenden Abschnitt über den ‚Edlen' ein. Erst die Korrektur trifft den richtigen Rahmen; zudem greift der Folgesatz sauber auf den vorherigen Text zurück — erst das entspricht dem Sinn des Buches. Du musst sorgfältig darüber nachdenken.&amp;quot; Schatzjade bejahte. Aufrecht Kaufmann las weiter: „Denn wer nicht bekannt ist — da gibt es keinen, der nicht grollt; und doch ist es bei ihm nicht so. Ist das nicht, weil einer, der Freude an der Lehre findet, allein dies zu erreichen vermag?&amp;quot; Der Originalsatz am Ende lautete: „Ist er nicht ein reiner Gelehrter?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Das hat denselben Fehler wie die Einleitung. Die Korrektur ist zwar auch nichts Besonderes — nur klarer, aber immerhin annehmbar.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dritte Aufsatz behandelte „Dann wendet man sich Mo zu&amp;quot;. Aufrecht Kaufmann las das Thema, legte den Kopf in den Nacken und überlegte, dann fragte er Schatzjade: „Bist du mit dem Stoff schon so weit?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Der Lehrer meinte, der Mengzi sei leichter verständlich, deshalb hat er ihn zuerst durchgenommen. Vorgestern hat er ihn beendet. Jetzt lesen wir die Lunyu.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sah sich Einleitung und Fortführung an — hier war kaum etwas korrigiert. Die Einleitung lautete: „Außerhalb der Lehre Yangs, so scheint es, gäbe es nichts, wohin man sich wenden könnte.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Der zweite Satz — das muss man dir lassen.&amp;quot; Dann las er: „Die Lehre Mos ist nicht etwas, dem man sich bewusst zuwendet; doch Mos Worte haben bereits die halbe Welt erfüllt. Wer also die Lehre Yangs verlässt und sich nicht der Lehre Mos zuwenden will — wie könnte ihm das gelingen?&amp;quot; Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du das wirklich selbst geschrieben?&amp;quot; Schatzjade bejahte. Aufrecht Kaufmann nickte: „Es ist zwar nichts Herausragendes, aber für einen Erstversuch durchaus annehmbar. Als ich vor zwei Jahren im Amt war, habe ich einmal das Thema ‚Nur der Gelehrte vermag es' gestellt. Die Prüflinge hatten alle die berühmten Musteraufsätze dazu gelesen und konnten nichts Eigenes hervorbringen — sie haben nur abgeschrieben. Hast du das auch gelesen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ja.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Ich will, dass du einen völlig neuen Gedanken findest, ohne die Vorgänger zu kopieren — auch nur eine Einleitung genügt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade konnte nur zustimmen, senkte den Kopf und grübelte angestrengt. Aufrecht Kaufmann stand mit verschränkten Armen an der Tür und dachte ebenfalls nach. Da sah er einen kleinen Diener hinausrennen, der beim Anblick Aufrecht Kaufmanns stehenblieb und die Hände sinken ließ. Aufrecht Kaufmann fragte: „Was ist?&amp;quot; Der Diener antwortete: „Drüben bei der Alten Ahnin ist Tante Schnee eingetroffen. Die Zweite Herrin lässt das Essen vorbereiten.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte nichts, und der Diener ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hatte Schatzspange seit ihrem Umzug nach Hause sehr vermisst. Als er hörte, dass Tante Schnee da war, nahm er an, Schatzspange sei mitgekommen, und sein Herz schlug sofort schneller. Er wagte sich vor und sagte: „Ich habe eine Einleitung verfasst, weiß aber nicht, ob sie taugt.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Lies vor.&amp;quot; Schatzjade sprach: „Nicht alle Menschen auf der Welt sind Gelehrte; jene, die ohne festen Besitz dennoch Bestand haben, sind wahrlich selten.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann hörte es, nickte und sagte: „Das geht noch. Beim Aufsatzschreiben musst du immer zuerst die Grenzen klar ziehen und den Kerngedanken durchdenken, ehe du zur Feder greifst. Weiß die Großmutter, dass du hier bist?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ja.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann geh zur Großmutter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade antwortete mit „Ja&amp;quot; und zog sich betont langsam zurück. Kaum war er hinter der Mondtormauer verschwunden, rannte er wie der Blitz zum Eingang von der Herzoginmutter Hof. Der arme Beiming lief hinterher und rief: „Passt auf, dass Ihr nicht stolpert! Der gnädige Herr könnte kommen!&amp;quot; Doch Schatzjade hörte nichts. Kaum durch die Tür, vernahm er die Stimmen von Frau König, Phönixglanz, Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und anderen in heiterem Gelächter. Die Mädchen sahen Schatzjade kommen, hoben schnell den Vorhang und flüsterten: „Die Tante ist hier.&amp;quot; Schatzjade eilte hinein, begrüßte zuerst Tante Schnee und dann die Großmutter. Die Herzoginmutter fragte: „Warum bist du heute so spät aus der Schule?&amp;quot; Schatzjade berichtete ausführlich von der Aufsatzprüfung und der Aufgabe, die Aufrecht Kaufmann ihm gestellt hatte. Die Herzoginmutter strahlte vor Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte in die Runde: „Wo sitzt Schwester Schatzspange?&amp;quot; Tante Schnee lächelte: „Deine Schwester Schatzspange ist nicht mitgekommen — sie näht mit Duftkastanie zu Hause.&amp;quot; Enttäuscht wollte Schatzjade lieber gehen, brachte es aber nicht über sich. Inzwischen war aufgedeckt worden. Natürlich saßen die Herzoginmutter und Tante Schnee oben, Erkundefrühling und die anderen an den Seiten. Tante Schnee fragte: „Wo ist Schatzjade?&amp;quot; die Herzoginmutter lachte: „Schatzjade setzt sich hierher neben mich.&amp;quot; Schatzjade antwortete hastig: „Als ich vorhin aus der Schule kam, hat Li Gui mir die Nachricht des Vaters überbracht: Ich solle erst essen und dann zu ihm kommen. Ich habe mir schnell eine Schüssel Reis mit einem Gericht genommen — die Alte Ahnin, die Tante und die Schwestern mögen ohne mich speisen.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Gut, dann komm du her, Phönixglanz, und iss mit mir. Deine Tante fastet heute, hat sie mir gesagt — sie sollen für sich essen.&amp;quot; Frau König bestätigte: „Iss du bei der Großmutter und der Tante — warte nicht auf mich, ich faste.&amp;quot; Phönixglanz nahm Platz, ein Mädchen stellte Becher und Stäbchen hin, Phönixglanz schenkte eine Runde ein und setzte sich dann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Trinken fragte die Herzoginmutter: „Vorhin erwähnte die Tante Duftkastanie — die Mädchen haben neulich ‚Qiuling' gesagt, und ich wusste gar nicht, wer das ist, bis ich nachfragte. Warum hat das Kind einen neuen Namen bekommen?&amp;quot; Tante Schnee errötete und seufzte: „Fragen Sie lieber nicht, Alte Ahnin! Seit mein Pan diese unausstehliche Frau geheiratet hat und es täglich Streit gibt, sieht es bei uns kaum noch wie ein ordentliches Haus aus. Ich habe ihm mehrfach ins Gewissen geredet, aber er ist halsstarrig und hört nicht; mir fehlt die Kraft, mich ständig mit ihnen zu zanken. Also lass ich sie machen. Hat nicht sie den Namen geändert, weil er ihr nicht gefiel!&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Ein Name ist doch keine große Sache.&amp;quot; Tante Schnee fuhr fort: „Wenn ich ehrlich bin — es ist mir peinlich, aber vor der Alten Ahnin gibt es nichts zu verbergen. Es geht ihr gar nicht um den Namen; sie hat gehört, dass Schatzspange ihn ausgesucht hat, und das allein ist der Grund, warum sie ihn ändern wollte.&amp;quot; die Herzoginmutter fragte: „Was hat denn Schatzspange damit zu tun?&amp;quot; Tante Schnee tupfte sich unablässig die Tränen mit dem Taschentuch ab und seufzte: „Was die Alte Ahnin noch nicht weiß: Neuerdings legt sich die Schwiegertochter ständig mit Schatzspange an. Neulich, als Sie jemanden schickten, nach mir zu sehen — bei uns war gerade großer Krach.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte sogleich: „Neulich hörte ich, dass du Leberschmerzen hattest, und wollte jemanden schicken; dann hieß es, es gehe dir besser, und ich habe es gelassen. Wenn du mich fragst: Nimm dir das alles nicht so zu Herzen! Außerdem sind sie ja noch frisch verheiratet — mit der Zeit wird sich alles geben. Schatzspange hat ein sanftes, gelassenes Wesen; obwohl sie noch jung ist, ist sie reifer als manch ein Erwachsener. Als neulich das kleine Mädchen zurückkam und erzählte, haben wir hier alle noch eine ganze Weile über sie gesprochen. Ein Mädchen wie Schatzspange — eine unter hundert! Ich sage es ohne Umschweife: Wenn die einmal Schwiegertochter wird, wie sollen die Schwiegereltern sie nicht liebhaben, wie sollte das ganze Haus sie nicht respektieren!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hatte schon ungeduldig zugehört und wollte einen Vorwand suchen, um zu gehen; als er aber diese Worte hörte, blieb er sitzen und lauschte mit starrem Blick. Tante Schnee sagte: „Das nützt nichts — sie mag noch so gut sein, am Ende ist sie doch ein Mädchen. Dass ich diesen verwirrten Pan großgezogen habe, beunruhigt mich wirklich: Ständig fürchte ich, er trinkt draußen und richtet Unheil an. Zum Glück sind die jungen Herren von hier oft mit ihm zusammen — da bin ich ein wenig beruhigter.&amp;quot; Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Tante, da brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen. Die Freunde des großen Bruders Xue sind allesamt ehrbare Großkaufleute mit Ansehen — da passiert schon nichts.&amp;quot; Tante Schnee lachte: „Nach deinen Worten bräuchte ich mich wohl überhaupt nicht mehr zu sorgen.&amp;quot; Währenddessen war das Essen vorbei. Schatzjade verabschiedete sich als Erster, da er abends noch lernen musste, und alle gingen auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade wurde der Tee aufgetragen, als Hupo herbeikam und die Herzoginmutter etwas ins Ohr flüsterte. Die Herzoginmutter wandte sich sogleich an Phönixglanz: „Geh schnell und sieh nach Pfiffigmädchen!&amp;quot; Phönixglanz wusste noch gar nicht, was los war. Alle anderen waren ebenfalls verwundert. Hupo trat zu Phönixglanz und sagte: „Eben hat Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedliche&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein kleines Mädchen geschickt, um der Zweiten Herrin zu melden, dass es Pfiffigmädchen nicht gut geht und die Herrin schnell kommen möge.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Geh sofort — die Tante ist ja kein Gast.&amp;quot; Phönixglanz entschuldigte sich hastig bei Tante Schnee. Da sagte Frau König: „Geh du voraus, ich komme gleich nach. Kleine Kinder haben noch empfindliche Seelen — lass die Mädchen nicht so einen Aufstand machen! Und achtet auf Katzen und Hunde im Zimmer. Bei einem so kostbaren Kind muss man auf jede Kleinigkeit aufpassen.&amp;quot; Phönixglanz sagte „Ja&amp;quot; und eilte mit einem kleinen Mädchen in ihre Gemächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee erkundigte sich nach Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Gesundheit. Die Herzoginmutter sagte: „Das Lin-Mädchen hat sonst nichts, nur nimmt sie alles zu schwer — deshalb ist ihr Körper nicht recht kräftig. Was Klugheit betrifft, steht sie Schatzspange kaum nach; aber an Großmut und Güte im Umgang reicht sie nicht an ihre Schwester Bao heran, die so nachsichtig und duldsam ist.&amp;quot; Tante Schnee plauderte noch ein wenig und sagte dann: „Die Alte Ahnin möge sich ausruhen — ich muss auch nach Hause, dort sind ja nur Schatzspange und Duftkastanie geblieben. Auf dem Weg will ich mit der Tante bei Pfiffigmädchen vorbeischauen.&amp;quot; die Herzoginmutter sagte: „Richtig. Du als ältere, erfahrene Person kannst ihnen sagen, was zu tun ist.&amp;quot; Tante Schnee verabschiedete sich und ging mit Frau König zu Phönixglanzs Hof.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann war nach der Prüfung Schatzjades recht zufrieden und ging hinaus, um mit seinen literarischen Beratern zu plaudern. Er erzählte von der Sache, und ein kürzlich eingetroffener Berater namens König Zuomei, Stilname Erdiao, ein großer Schachliebhaber, sagte: „Nach unserer Einschätzung hat der Zweite Herr Bao große Fortschritte in seiner Bildung gemacht.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann erwiderte: „Wo denn? Er versteht gerade ein wenig mehr — von ‚Bildung' kann noch lange keine Rede sein.&amp;quot; Zhan Guang sagte: „Der verehrte Herr ist zu bescheiden. Nicht nur Bruder Wang meint das — auch wir sehen, dass der Zweite Herr Bao es unbedingt weit bringen wird.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann lächelte: „Das ist nur eure freundliche Übertreibung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Erdiao sprach weiter: „Ich hätte da noch etwas — verzeihen Sie meine Kühnheit — das ich mit dem verehrten Herrn besprechen möchte.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann fragte: „Was denn?&amp;quot; König Erdiao lächelte verbindlich: „Ein Bekannter von mir, ein gewisser Herr Zhang, der einst Intendant für Nan-Shao war, hat eine Tochter, die, wie man sagt, an Tugend, Aussehen, Fleiß und Schönheit nichts zu wünschen übrig lässt und noch unverlobt ist. Er hat keine Söhne und ein gewaltiges Vermögen. Er sucht jedoch eine Familie, die Reichtum und Rang vereint, und einen herausragenden Schwiegersohn. In den zwei Monaten, die ich hier bin, habe ich gesehen, dass der Zweite Herr Bao an Charakter und Gelehrsamkeit ganz gewiss eine große Zukunft hat. Bei einem Hause wie dem Ihren — was sollte dagegen sprechen? Wenn ich vermitteln darf, wird die Sache auf Anhieb zustande kommen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Eine Verlobung für Schatzjade wäre altersmäßig durchaus angebracht, und die Alte Ahnin hat es auch schon erwähnt. Nur kenne ich Herrn Zhang nicht näher.&amp;quot; Zhan Guang sagte: „Die Familie Zhang, die Bruder Wang vorschlägt, kenne auch ich; zudem ist sie mit dem Ersten Herrn hier altbekannt — der verehrte Herr braucht nur zu fragen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann überlegte: „Vom Ersten Herrn habe ich nie etwas von dieser Verwandtschaft gehört.&amp;quot; Zhan Guang erklärte: „Das wusste der verehrte Herr natürlich nicht — die Familie Zhang ist mit dem Onkel der Frau Strafe verwandt.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann verstand nun, dass es sich um eine Verwandte Frau Strafes handelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er saß noch eine Weile, dann ging er hinein, um Frau König zu informieren und bei Frau Strafe nachzufragen. Doch Frau König war mit Tante Schnee bei Phönixglanz, um nach Pfiffigmädchen zu sehen. Es war schon Lampenzündzeit, als Tante Schnee ging und Frau König zurückkam. Aufrecht Kaufmann erzählte ihr von König Erdiaos und Zhan Guangs Vorschlag und fragte: „Was ist mit Pfiffigmädchen?&amp;quot; Frau König antwortete: „Es scheint ein Schreckkrampf zu sein.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann: „Ist es schlimm?&amp;quot; Frau König: „Es sieht nach Krämpfen aus, nur sind sie noch nicht ausgebrochen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann seufzte und sagte nichts mehr. Man ging zur Ruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag kam Frau Strafe zur Begrüßung bei der Herzoginmutter vorbei. Frau König brachte die Familie Zhang zur Sprache, berichtete die Herzoginmutter und fragte gleichzeitig Frau Strafe. Frau Strafe sagte: „Die Zhangs sind zwar alte Bekannte, aber seit Jahren hat man keinen Kontakt mehr. Ich weiß nicht, wie das Mädchen ist. Vor ein paar Tagen schickte allerdings die Verwandte Sun jemanden zum Grüßen, und dabei kam die Rede auf die Zhangs: Die hätten eine Tochter und wollten über die Suns einen Vermittler finden. Es heißt, die Familie habe nur dieses eine Mädchen und verwöhne es sehr; es kenne ein paar Schriftzeichen, sei aber scheu und verlasse kaum das Haus. Der alte Herr Zhang wolle sie auf keinen Fall weggeben, weil er fürchte, strenge Schwiegereltern könnten sie unglücklich machen. Der Schwiegersohn müsse einziehen und bei ihnen den Haushalt führen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter unterbrach, ohne das Ende abzuwarten: „Das kommt auf gar keinen Fall in Frage! Unser Schatzjade — es reicht kaum, wenn andere ihn bedienen, und dann soll er in einem fremden Haus den Haushalt führen!&amp;quot; Frau Strafe bestätigte: „Genau so sagt es die Alte Ahnin.&amp;quot; die Herzoginmutter wandte sich an Frau König: „Sag deinem Mann, von mir: Die Heirat mit den Zhangs kommt nicht in Betracht.&amp;quot; Frau König sagte zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte: „Wie geht es Pfiffigmädchen? Vorhin kam Friedchen zu mir und sagte, es stehe nicht gut. Ich wollte selbst hinübergehen und nach ihr schauen.&amp;quot; Xing und Frau König sagten: „Die Alte Ahnin liebt sie zwar, aber das Kind verträgt so einen Besuch kaum.&amp;quot; die Herzoginmutter erwiderte: „Es geht mir nicht nur um sie — ich möchte auch ein bisschen spazieren und meine Knochen bewegen.&amp;quot; Damit ordnete sie an: „Geht essen, und dann kommt, um mich hinüberzubegleiten.&amp;quot; Die beiden stimmten zu und gingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Essen begleiteten sie die Herzoginmutter zu Phönixglanzs Gemächern. Phönixglanz eilte heraus und führte sie hinein. Die Herzoginmutter fragte: „Was fehlt Pfiffigmädchen eigentlich?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Es scheint ein Schreckkrampf zu werden.&amp;quot; die Herzoginmutter: „Warum lasst ihr nicht sofort den Arzt kommen?&amp;quot; Phönixglanz: „Es ist bereits jemand geschickt worden.&amp;quot; die Herzoginmutter trat mit den beiden Schwiegertöchtern ins Schlafzimmer. Die Amme hielt das Kind, eingewickelt in eine pfirsichfarbene kleine Seidendecke; das Gesichtchen war bläulich-grün, und an den Augenbrauen und Nasenflügeln waren leichte Zuckungen zu erkennen. Die Herzoginmutter, Frau Strafe und Frau König schauten sich das Kind an und setzten sich dann im Vorzimmer nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam ein kleines Mädchen und meldete Phönixglanz: „Der gnädige Herr lässt fragen, wie es dem Fräulein geht.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Bestelle dem gnädigen Herrn, der Arzt ist bestellt. Sobald das Rezept geschrieben ist, berichte ich dem gnädigen Herrn.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter erinnerte sich plötzlich an die Familie Zhang und wandte sich an Frau König: „Du solltest es deinem Mann gleich sagen, damit die anderen nicht erst hinschicken und es dann eine Absage gibt.&amp;quot; Dann fragte sie Frau Strafe: „Warum habt ihr den Kontakt zu den Zhangs verloren?&amp;quot; Frau Strafe sagte: „Wenn man bedenkt, wie die Zhangs wirtschaften — da passt keine Heirat zu uns: viel zu geizig, das wäre unter Schatzjades Würde.&amp;quot; Phönixglanz hatte genug gehört und fragte: „Geht es um die Heirat des Bruders Bao?&amp;quot; Frau Strafe bestätigte: „Genau.&amp;quot; die Herzoginmutter erzählte Phönixglanz die ganze Geschichte. Phönixglanz lachte: „Mir fällt — verzeihen Sie, dass ich in Gegenwart der Alten Ahnin und der Tanten so kühn bin — eine vom Himmel bestimmte Verbindung ein, da muss man nicht anderswo suchen!&amp;quot; die Herzoginmutter fragte lachend: „Wo denn?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Ein ‚Schatzjade' und ein ‚Goldenes Schloss' — hat die Alte Ahnin das vergessen?&amp;quot; die Herzoginmutter lächelte. „Gestern war deine Tante hier — warum hast du es nicht angesprochen?&amp;quot; Phönixglanz erwiderte: „In Gegenwart der Alten Ahnin und der Tanten ist es nicht an uns jungen Leuten, das Wort zu führen. Und die Tante kam auf Besuch zur Großmutter — da bringt man so etwas nicht auf. Das müssten die Tanten persönlich vortragen.&amp;quot; die Herzoginmutter lachte, und auch Xing und Frau König lachten. Die Herzoginmutter sagte: „Wie konnte ich nur so vergesslich sein!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Moment wurde gemeldet: „Der Arzt ist da.&amp;quot; die Herzoginmutter blieb im Vorzimmer sitzen; Xing und Frau König zogen sich ein wenig zurück. Der Arzt kam mit Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; herein, begrüßte die Herzoginmutter und ging dann ins Schlafzimmer. Nach der Untersuchung kam er heraus, blieb stehen und berichtete ehrerbietig: „Das Fräulein leidet zur Hälfte an innerer Hitze und zur Hälfte an einem Schreckkrampf. Zuerst muss eine Arznei zur Zerstreuung von Wind und Schleim gegeben werden, dann das ‚Pulver der Vier Götter', denn die Krankheit ist nicht leicht. Die heutzutage erhältlichen Gallensteine vom Rind sind fast alle gefälscht — es muss ein echter sein, sonst wirkt die Medizin nicht.&amp;quot; die Herzoginmutter dankte dem Arzt. Der Arzt ging mit Kette Kaufmann hinaus, schrieb das Rezept und fuhr davon. Phönixglanz sagte: „Ginseng haben wir zu Hause immer vorrätig, aber ob wir echte Rinder-Gallensteine haben, bezweifle ich. Draußen kaufen kann man — nur muss es echt sein.&amp;quot; Frau König sagte: „Ich schicke jemanden zu Tante Schnee; ihr Pan handelt immer mit ausländischen Kaufleuten — vielleicht hat er echte. Ich lasse nachfragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, kamen die Schwestern herein, setzten sich eine Weile und gingen dann mit die Herzoginmutter und den anderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zimmer wurde inzwischen die Medizin gekocht und Pfiffigmädchen eingeflößt. Mit einem Würgen spuckte das Kind Arznei und Schleim in einem Schwall aus, und Phönixglanz atmete ein wenig auf. Da kam ein kleines Mädchen von Frau König mit einem winzigen roten Papierpaketchen und sagte: „Zweite Herrin, der Gallenstein ist da. Die Gnädige Frau lässt ausrichten, dass die Zweite Herrin die Dosis persönlich genau abwiegen soll.&amp;quot; Phönixglanz nahm das Päckchen, ließ Friedchen Perlen, Borneolkampfer und Zinnober dazumischen und schnell ansetzen. Sie selbst wog mit der Feinwaage nach der Vorschrift ab, mischte alles zusammen und wartete, bis Pfiffigmädchen aufwachte, um ihr die Medizin zu geben. Da schob Unheil Kaufmann den Vorhang beiseite und trat ein: „Zweite Schwester, was fehlt eurem Pfiffigmädchen? Mama schickt mich, nach ihr zu sehen.&amp;quot; Phönixglanz verabscheute Mutter und Sohn und sagte: „Es geht ihr besser. Geh zurück und danke deiner Mutter für die Anteilnahme.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unheil Kaufmann murmelte zwar ein „Ja&amp;quot;, sah sich aber neugierig überall um. Nach einer Weile fragte er Phönixglanz: „Ich habe gehört, ihr habt hier Rinder-Gallensteine — wie sieht so etwas aus? Lass mich mal sehen.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Hör auf, hier herumzustöbern — dem Mädchen geht es gerade etwas besser. Die Gallensteine sind schon in der Arznei.&amp;quot; Unheil Kaufmann ging trotzdem hin und streckte die Hand nach dem Medizintöpfchen aus — doch er war ungeschickt; mit einem Zischen kippte es um, und die Hälfte des Feuers war gelöscht. Unheil Kaufmann sah, dass es schlimm stand, und rannte beschämt davon. Phönixglanz war so wütend, dass ihr Funken sprühten. Sie schimpfte: „Dieser ewige Feind aus einem früheren Leben! Was treibt dich her, um Schaden anzurichten? Schon damals wollte deine Mutter mich umbringen, und jetzt kommst du, um meiner Kleinen zu schaden. Seit wie vielen Generationen hegen wir denn einen Groll gegeneinander?&amp;quot; Dann schalt sie auch Friedchen, weil sie nicht aufgepasst habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch schimpfte, kam ein Dienstmädchen, das Unheil Kaufmann suchte. Phönixglanz sagte: „Geh und sag Zhao Yiniang: Sie hat sich wahrlich zu viel Mühe gemacht! Pfiffigmädchen ist so gut wie tot — sie braucht sich nicht mehr zu sorgen.&amp;quot; Friedchen bereitete hastig die Arznei von Neuem zu. Das Mädchen wusste nicht, wie ihm geschah, und fragte Friedchen leise, was los sei. Friedchen erzählte, wie Huan das Arzneigefäß umgeworfen hatte. Das Mädchen sagte: „Kein Wunder, dass er sich nicht zurücktraut und sich versteckt hat. Was wird morgen erst mit ihm los sein! Schwester Ping, soll ich dir beim Aufräumen helfen?&amp;quot; Friedchen sagte: „Das ist nicht nötig. Zum Glück ist noch ein Rest Gallenstein da — ich habe alles frisch angesetzt. Geh nur.&amp;quot; Das Mädchen sagte: „Ich werde es der Frau Zhao auf jeden Fall erzählen — dann muss sie auch mal aufhören, so große Töne zu spucken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mädchen ging zurück und erzählte Zhao Yiniang alles. Zhao Yiniang war außer sich vor Wut und rief: „Sucht mir sofort den Huan!&amp;quot; Huan hatte sich im Vorzimmer versteckt und wurde hereingeholt. Zhao Yiniang schimpfte: „Du nichtswürdiges Balg! Warum hast du die Medizin verschüttet und dafür gesorgt, dass man auf uns schimpft? Ich hatte dir nur aufgetragen, dich zu erkundigen, du brauchtest gar nicht hineinzugehen. Aber nein, du gehst hinein und bleibst auch noch — und dann musst du auf dem Tigerkopf Läuse suchen! Warte nur, bis ich es dem Herrn sage — dann gibt es Prügel!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Zhao Yiniang noch schimpfte, war im Nebenzimmer von Unheil Kaufmann etwas zu hören, das einem das Herz stocken ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was er sagte, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 83</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_78|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;78&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_79|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;79&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_80|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;80&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_81|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;81&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_82|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;82&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;83&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_84|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;84&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_85|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;85&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_86|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;86&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_87|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;87&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_88|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;88&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第八十三回 / Kapitel 83 =&lt;br /&gt;
== 省宫闱贾元妃染恙 ==&lt;br /&gt;
=== 闹闺阃薛宝钗吞声 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreiundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Besuch im Palast: Die Kaiserliche Gemahlin Jia&amp;lt;ref&amp;gt;Die Kaiserliche Gemahlin Jia (贾元春, Yuánchūn): Älteste Tochter Aufrecht Kaufmanns, Nebengemahlin des Kaisers.&amp;lt;/ref&amp;gt; liegt krank darnieder,&lt;br /&gt;
Aufruhr in der Frauenkammer: Schatzspange schluckt stumm ihre Tränen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, wollten Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Xiangfluss-Wolke: Chin. 湘云 Xiāngyún, wörtl. „Wolke des Xiang-Flusses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade aufbrechen, als sie draußen jemanden schimpfen hörten: „Du nichtsnutziges Balg! Was bist du für ein Ding, dass du dich hier im Garten herumtreibst!&amp;quot; Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; rief laut: „Hier kann man nicht mehr wohnen!&amp;quot; — mit einer Hand zum Fenster deutend, verdrehten sich ihre Augen nach oben. Denn obwohl Kajaljade im Garten der Großen Anschauung unter dem Schutz der Alten Ahnin lebte, war sie doch in Gegenwart anderer stets auf der Hut. Als sie nun die alte Dienerin draußen so fluchen hörte, hätte es bei anderen Menschen nichts zu bedeuten gehabt, doch Kajaljade bezog es gänzlich auf sich. Sie dachte: „Ein Mädchen aus vornehmem Haus — nur weil es keine Eltern mehr hat, schickt irgendwer diese Alte, um so zu schmähen!&amp;quot; Die Kränkung zerriss ihr Herz, und sie fiel in Ohnmacht. Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; rief unter Tränen: „Fräulein, was ist mit Euch? Wacht doch auf!&amp;quot; Auch Erkundefrühling rief eine Weile. Erst nach langer Zeit kam Kajaljade wieder zu Atem, doch sprechen konnte sie noch nicht; ihre Hand wies immer noch zum Fenster hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling verstand, öffnete die Tür und trat hinaus. Sie sah, wie die alte Dienerin, einen Knotenstock in der Hand, ein schmutziges Mädchen vor sich hertrieb: „Ich bin hier, um die Blumen und Bäume im Garten zu beaufsichtigen — was hast du hier zu suchen? Wart nur, zu Hause werde ich dir eine Lektion erteilen!&amp;quot; Das Mädchen drehte den Kopf zur Seite, steckte den Finger in den Mund und grinste die Alte an. Erkundefrühling schalt: „Ihr Leute werdet immer frecher! Ist dies ein Ort zum Schimpfen?&amp;quot; Die Alte sah, dass es Erkundefrühling war, und sagte eilig mit unterwürfigem Lächeln: „Das war meine Enkelin — als sie mich kommen sah, lief sie mir nach. Ich wollte sie nur verjagen, ich würde doch hier nicht fluchen!&amp;quot; Erkundefrühling rief: „Genug der Worte, verschwindet sofort! Das Fräulein Lin ist nicht wohl — macht, dass ihr fortkommt!&amp;quot; Die Alte gehorchte mit mehrfachem „Jawohl&amp;quot; und trollte sich; auch das Mädchen rannte davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling kehrte zurück und fand Xiangfluss-Wolke, die Kajaljades Hand hielt und weinte. Purpurkuckuck stützte Kajaljade mit einem Arm und rieb ihr mit der anderen Hand die Brust. Kajaljades Augen drehten sich allmählich zurück. Erkundefrühling sagte lächelnd: „Du hast wohl die Worte der alten Frau gehört und dir etwas eingebildet?&amp;quot; Kajaljade schüttelte nur den Kopf. Erkundefrühling fuhr fort: „Sie hat ihre Enkelin gescholten — auch ich habe es gehört. Solche Leute reden ohne jede Rücksicht; was verstehen die von Feingefühl?&amp;quot; Kajaljade seufzte, fasste Erkundefrühlings Hand und rief: „Schwester …&amp;quot; — doch weiter sagte sie nichts. Erkundefrühling sprach: „Nimm dir das nicht zu Herzen. Dass ich dich besuche, gehört sich unter Schwestern, zumal du wenig Bedienung hast. Wenn du nur ruhig deine Arznei nimmst und an Erfreuliches denkst und Tag für Tag wieder zu Kräften kommst — dann können wir wieder eine Dichtgesellschaft gründen und Verse schmieden, wäre das nicht schön?&amp;quot; Xiangfluss-Wolke stimmte zu: „Genau, wie die Dritte Schwester sagt — warum sollte man sich nicht darüber freuen?&amp;quot; Kajaljade schluchzte: „Ihr wollt nur, dass ich fröhlich bin — aber mir armen ist solche Freude nicht mehr vergönnt. Ich fürchte, es wird nicht mehr reichen.&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Das sagst du zu hart. Wer wird nicht einmal krank? Wie kommst du nur auf solche Gedanken? Ruh dich gut aus, wir gehen zur Alten Ahnin und kommen später wieder nach dir sehen. Wenn du etwas brauchst, lass es Purpurkuckuck mir ausrichten.&amp;quot; Kajaljade sagte unter Tränen: „Liebe Schwester, wenn du zur Alten Ahnin gehst, sag nur, ich lasse grüßen, mir sei etwas unwohl — es sei nichts Ernstes, die Alte Ahnin brauche sich keine Sorgen zu machen.&amp;quot; Erkundefrühling bejahte: „Ich weiß, ruh dich nur aus.&amp;quot; Damit gingen sie und Xiangfluss-Wolke hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck stützte Kajaljade beim Hinlegen. Schneegans besorgte alles Nötige; Purpurkuckuck selbst wachte an ihrer Seite, blickte auf Kajaljade, und ihr Herz tat weh, doch sie wagte nicht zu weinen. Kajaljade lag mit geschlossenen Augen da, fand aber keinen Schlaf. Sonst empfand sie den Garten als still und einsam — jetzt, da sie im Bett lag, hörte sie plötzlich überall Wind, Insektenzirpen, Vogelstimmen, Schritte und aus der Ferne das Weinen von Kindern. Alles zusammen machte sie nervös. Sie rief: „Lass den Bettvorhang herab.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans brachte eine Schale Schwalbennestersuppе und reichte sie Purpurkuckuck. Purpurkuckuck fragte leise durch den Vorhang: „Fräulein, trinkt einen Schluck Suppe.&amp;quot; Kajaljade machte nur ein leises Geräusch der Zustimmung. Purpurkuckuck gab die Schale an Schneegans zurück, half Kajaljade beim Aufsetzen, nahm die Schale zurück, prüfte die Temperatur an den Lippen; mit einem Arm stützte sie Kajaljades Schultern, mit der anderen Hand führte sie die Schale an deren Lippen. Kajaljade öffnete leicht die Augen, trank zwei, drei Schlucke und schüttelte den Kopf — sie mochte nicht mehr. Purpurkuckuck gab die Schale Schneegans zurück und half Kajaljade behutsam, sich wieder hinzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile der Stille kam etwas Ruhe auf. Dann hörte man vor dem Fenster eine leise Stimme fragen: „Ist die Schwester Purpurkuckuck zu Hause?&amp;quot; Schneegans eilte hinaus und sah, dass es Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; war. Sie flüsterte: „Komm herein, Schwester.&amp;quot; Dufthauch flüsterte ebenfalls: „Wie geht es dem Fräulein?&amp;quot; Auf dem Weg berichtete Schneegans von den Geschehnissen der Nacht und des Morgens. Dufthauch erschrak und sagte: „Kein Wunder! Eben kam Cuilü zu uns und erzählte, das Fräulein sei krank. Der Zweite Herr Bao hat mich sofort geschickt, nachzusehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade sprachen sie noch, als Purpurkuckuck den Vorhang des inneren Gemachs hob und nach draußen spähte. Als sie Dufthauch sah, winkte sie sie herbei. Dufthauch trat leise ein und fragte: „Schläft das Fräulein?&amp;quot; Purpurkuckuck nickte und fragte: „Hast du eben alles gehört, Schwester?&amp;quot; Dufthauch nickte ebenfalls und sagte mit gerunzelter Stirn: „Was soll nur daraus werden? Auch jener hat mich gestern Nacht halb zu Tode erschreckt.&amp;quot; Purpurkuckuck fragte hastig: „Was war denn?&amp;quot; Dufthauch erzählte: „Gestern Abend ging er noch völlig gesund schlafen, doch mitten in der Nacht schrie er plötzlich auf, er habe Herzschmerzen. Er redete wirres Zeug und sagte, es fühle sich an, als werde sein Herz mit einem Messer herausgeschnitten — das ging so bis nach dem Vierten Nachtwachenschlag. Ist das nicht erschreckend? Heute kann er nicht in die Schule; es soll noch ein Arzt kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade sprachen sie, als Kajaljade hinter dem Vorhang erneut zu husten begann. Purpurkuckuck eilte herbei und hielt die Spuckschale. Kajaljade öffnete matt die Augen und fragte: „Mit wem sprichst du?&amp;quot; Purpurkuckuck antwortete: „Die Schwester Dufthauch ist gekommen, nach dem Fräulein zu sehen.&amp;quot; Dufthauch trat ans Bett. Kajaljade ließ sich von Purpurkuckuck aufrichten und deutete auf den Bettrand, damit Dufthauch Platz nehme. Dufthauch setzte sich seitwärts und drängte lächelnd: „Fräulein, bleibt lieber liegen.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Das macht nichts. Macht mir doch bitte nicht solch ein Aufheben. Vorhin war die Rede davon, dass jemand mitten in der Nacht Herzschmerzen bekam — wer war das?&amp;quot; Dufthauch antwortete: „Der Zweite Herr Bao hatte nur einen Albtraum, es war nichts Ernstes.&amp;quot; Kajaljade verstand, dass Dufthauch fürchtete, sie würde sich Sorgen machen, und war ihr zugleich dankbar und traurig. Sie fragte beiläufig: „Wenn es ein Albtraum war — hat er denn sonst nichts gesagt?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Nein, nichts.&amp;quot; Kajaljade nickte, schwieg lange, seufzte und sagte dann: „Sagt dem Zweiten Herrn Bao nicht, dass es mir schlecht geht — sonst stört es seinen Unterricht und macht den Herrn Vater zornig.&amp;quot; Dufthauch bejahte und ermahnte nochmals: „Fräulein, legt Euch hin und ruht Euch aus.&amp;quot; Kajaljade nickte und ließ sich von Purpurkuckuck stützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch saß noch eine Weile daneben und sprach einige tröstende Worte, dann verabschiedete sie sich. Im Hof der Roten Freude sagte sie nur, das Fräulein fühle sich ein wenig unwohl, es sei aber nichts Ernstes. Erst da beruhigte sich Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling und Xiangfluss-Wolke gingen inzwischen aus dem Xiaoxiang-Pavillon geradewegs zur Alten Ahnin. Erkundefrühling ermahnte Xiangfluss-Wolke unterwegs: „Schwester, wenn wir gleich die Alte Ahnin sehen, sei nicht wieder so unbesonnen wie vorhin.&amp;quot; Xiangfluss-Wolke nickte lachend: „Ich weiß. Vorhin war ich so erschrocken, dass ich den Kopf verlor.&amp;quot; Damit waren sie bei der Alten Ahnin. Erkundefrühling erwähnte Kajaljades Krankheit. Die Alte Ahnin wurde unruhig und sagte: „Diese beiden Jade-Kinder machen immer Ärger mit Krankheiten! Das Mädchen Lin wird auch älter — auf ihren Körper muss man achtgeben. Ich finde, das Kind nimmt sich alles zu sehr zu Herzen.&amp;quot; Niemand wagte zu antworten. Die Alte Ahnin wies Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; an: „Sag ihnen: Wenn morgen der Arzt kommt, um Schatzjade zu untersuchen, soll er anschließend auch das Fräulein Lin besuchen.&amp;quot; Mandarinenente bejahte und übermittelte die Botschaft den Dienerinnen, die ihrerseits die Nachricht weitergaben. Erkundefrühling und Xiangfluss-Wolke aßen mit der Alten Ahnin zu Abend und kehrten dann gemeinsam in den Garten zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag kam der Arzt, untersuchte Schatzjade und befand, es sei nichts als eine Verdauungsstörung mit leichter Erkältung — nicht weiter schlimm; einige schweißtreibende Mittel, und es werde sich geben. Frau König und Phönixglanz schickten jemanden mit dem Rezept zur Alten Ahnin, und gleichzeitig wurde dem Xiaoxiang-Pavillon mitgeteilt, der Arzt komme gleich. Purpurkuckuck bejahte und deckte Kajaljade eilig zu, ließ den Bettvorhang herab; Schneegans räumte hastig das Zimmer auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald kam Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit dem Arzt herein und sagte: „Dieser Herr Doktor kommt öfter — die Fräulein brauchen sich nicht zurückzuziehen.&amp;quot; Die alten Dienerinnen hoben den Vorhang, Kette Kaufmann ließ dem Arzt den Vortritt, und sie nahmen im Zimmer Platz. Kette Kaufmann sagte: „Schwester Purpurkuckuck, schildere dem Herrn Doktor Wang zunächst den Krankheitsverlauf des Fräuleins.&amp;quot; Der Arzt König sagte: „Warten wir erst. Lasst mich den Puls fühlen, dann sage ich, was ich gefunden habe. Wenn etwas nicht stimmt, können die Schwestern mich korrigieren.&amp;quot; Purpurkuckuck schob durch den Vorhang Kajaljades eine Hand auf das Pulskissen heraus und streifte behutsam Armreif und Ärmel zurück, damit der Puls nicht gestört werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doktor Wang fühlte lange den Puls, ließ auch die andere Hand reichen und trat dann mit Kette Kaufmann ins Vorzimmer. Er verbeugte sich vor Kette Kaufmann und sagte: „Alle sechs Pulse sind gespannt — die Ursache liegt in lang angestauter innerer Bedrückung.&amp;quot; Purpurkuckuck kam ebenfalls heraus und stellte sich an die Tür des inneren Gemachs. Doktor Wang wandte sich an sie: „Die Patientin dürfte häufig an Schwindel leiden, wenig Appetit haben und viel träumen. Gegen fünf Uhr morgens wacht sie gewiss mehrfach auf. Auch wenn sie tagsüber etwas hört, das sie nichts angeht, regt sie sich darüber auf; dazu kommen Argwohn und Ängstlichkeit. Wer sie nicht kennt, hält ihr Wesen vielleicht für launisch, aber in Wirklichkeit liegt es an der Erschöpfung des Leber-Yin und dem Verfall der Herz-Energie — alles Auswirkungen dieser Krankheit. Stimmt das?&amp;quot; Purpurkuckuck nickte und sagte zu Kette Kaufmann: „Er hat es genau getroffen.&amp;quot; Der Arzt sagte: „Wenn dem so ist, dann ist es klar.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit stand er auf und ging mit Kette Kaufmann in das äußere Arbeitszimmer, um das Rezept zu schreiben. Die Diener hatten bereits ein Blatt korallenrotes Briefpapier vorbereitet. Doktor Wang trank seinen Tee und schrieb dann mit dem Pinsel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alle sechs Pulse sind gespannt und langsam, verursacht durch lang angestaute Bedrückung. Der linke Cun-Puls ist kraftlos — die Herz-Energie ist bereits erschöpft. Der Guan-Puls allein ist stark — Leber-Feuer dominiert. Da das Holz-Qi nicht freien Lauf hat, wird es unausweichlich die Milz-Erde angreifen: der Appetit schwindet. Im äußersten Fall obsiegt es über die Lunge — das Lungen-Metall erleidet unweigerlich Schaden. Wenn das Qi nicht die Essenz bewegt, verdichtet sie sich zu Schleim; das Blut folgt dem aufsteigenden Qi — so kommt es zum Bluthusten. Die angemessene Behandlung ist: Leber befreien, Lunge schützen, Herz und Milz nähren. Obgleich stärkende Mittel nötig sind, können sie nicht überstürzt angewendet werden. Vorläufig verordne ich die ‚Schwarze Xiaoyao-Formel' als Einstieg, gefolgt von der ‚Guifei Guijin-Formel' zur Fortsetzung. Mit aller Bescheidenheit unterbreite ich dies der Beurteilung höherer Sachverständiger.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter notierte er sieben Bestandteile nebst Zubereitungshinweisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann nahm das Rezept und fragte: „Bei Blutstau und Blutandrang — darf man Chaihu verwenden?&amp;quot; Doktor Wang lachte: „Der Zweite Herr weiß, dass Chaihu ein aufsteigendes Mittel ist und bei Blutungen als kontraindiziert gilt. Doch wenn man es in Schildkrötenblut anbrät, ist Chaihu unentbehrlich, um das Qi der Leber und Gallenblase zu entfalten. Das Schildkrötenblut verhindert das Aufsteigen und nährt zugleich das Leber-Yin und unterdrückt das Feuer. Deshalb heißt es im ‚Inneren Klassiker': ‚Durchlässiges mit Durchlässigem behandeln, Verstopftes mit Verstopftem behandeln.' Chaihu in Schildkrötenblut gewendet — das ist die Methode, den Feldherrn Zhou Bo zu gebrauchen, um die Dynastie Liu zu sichern.&amp;quot; Kette Kaufmann nickte: „So ist das also — nun verstehe ich.&amp;quot; Doktor Wang fügte hinzu: „Zunächst zwei Dosen, dann wird angepasst oder eine neue Formel verschrieben. Ich habe noch eine Kleinigkeit zu erledigen und kann nicht lange bleiben; ich komme ein andermal wieder zur Visite.&amp;quot; Kette Kaufmann begleitete ihn hinaus und fragte: „Und die Arznei für meinen Bruder?&amp;quot; Der Arzt sagte: „Beim Zweiten Herrn Bao ist es nichts Ernstes, noch eine Dosis, und er ist wohlauf.&amp;quot; Damit stieg er in die Kutsche und fuhr davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann ließ die Arznei besorgen und ging zu Phönixglanz, um ihr Kajaljades Diagnose und das Rezept zu berichten. Da kam Zhou Ruis Frau und trug einige unwichtige Angelegenheiten vor. Kette Kaufmann hörte die Hälfte und sagte: „Berichte das der Zweiten Herrin — ich habe noch zu tun.&amp;quot; Damit ging er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zhou Ruis Frau mit ihrem Bericht fertig war, sagte sie: „Ich war vorhin beim Fräulein Lin. So wie die aussieht, geht es ihr wirklich schlecht: kein Tropfen Farbe im Gesicht, nur noch Haut und Knochen. Ich fragte sie, aber sie sagte nichts und weinte nur. Dann hat mir Purpurkuckuck im Vertrauen gesagt: ‚Das Fräulein ist jetzt krank; wenn sie etwas braucht, will sie selbst nicht bitten. Ich möchte bei der Zweiten Herrin vorschüssig ein oder zwei Monatslöhne abholen: Die Arznei wird zwar aus dem Gemeinschaftsfonds bezahlt, aber für Kleinigkeiten braucht man auch Bargeld.' Das habe ich ihr zugesagt und komme nun in ihrem Auftrag zur Herrin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz senkte lange den Kopf und sagte dann: „So machen wir es: Ich schenke ihr ein paar Tael Silber. Aber sag dem Fräulein Lin nichts davon. Die Monatslöhne vorschüssig auszuzahlen geht nicht: Wenn eine damit anfängt, wollen es alle — das ginge doch nicht! Erinnerst du dich noch, wie die Tante Zhao und das Dritte Fräulein sich wegen der Monatslöhne stritten? Außerdem, wie du selbst weißt: Es geht mehr hinaus als hereinkommt, das Geld reicht hinten und vorne nicht. Wer es nicht weiß, meint, ich wirtschafte schlecht; und dann gibt es noch die Sorte, die behauptet, ich schleppe alles zu meiner Herkunftsfamilie. Schwester Zhou, du hast doch selbst die Bücher in der Hand — davon wirst du wohl etwas wissen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhou Ruis Frau sagte: „Das ist wahrhaftig zum Verzweifeln! Bei einem solchen Haushalt — außer unserer Herrin mit ihrem Geschick könnte das niemand führen. Nicht nur eine Frau brächte das nicht fertig — selbst ein Mann mit drei Köpfen und sechs Armen käme nicht zurecht. Und dann noch solch dummes Geschwätz!&amp;quot; Dann lachte sie und fuhr fort: „Und das ist noch nicht alles! Draußen reden die Leute noch größeren Unsinn. Neulich kam Zhou Rui nach Hause und erzählte, was die Leute auf der Straße sagen. Die bilden sich ein, unser Haus schwimme in Gold: ‚Das Haus Kaufmann hat mehrere Schatzkammern voller Silber und Gold, und alles Geschirr ist mit Gold eingelegt und Jade besetzt.' Andere sagen: ‚Die Tochter ist Kaiserliche Gemahlin, natürlich bekommt die Familie die Hälfte der kaiserlichen Schätze. Als die Gemahlin zum Heimatbesuch kam, brachte sie wagenweise Gold und Silber mit — deshalb ist das Haus eingerichtet wie ein Kristallpalast. Als sie im Tempel ein Gelübde einlösten, gaben sie Zigtausende Tael aus — das war wie ein Haar vom Ochsen!' Wieder andere behaupten: ‚Die Löwen vor dem Tor sind wahrscheinlich aus Jade! Im Garten stand ein goldener Qilin — einen haben sie gestohlen, jetzt ist nur noch einer übrig. Die Frauen und Fräulein im Haus, gar nicht zu reden, aber selbst die Mägde rühren keinen Finger: Sie trinken Wein, spielen Schach, spielen Laute und malen — es gibt ja genug Bedienstete. Sie tragen nur Seide und Brokat und essen und tragen lauter Dinge, die gewöhnliche Leute nicht kennen. Und die jungen Herren und Fräulein — wenn sie den Mond am Himmel wollen, steigt jemand hinauf und holt ihn.' Es gibt sogar ein Lied: ‚Haus Stillfriede-Anwesen, Prunkwille-Anwesen, Gold und Silber wie Kehricht. Aufessen kann man's nicht, auftragen nicht — rechnet man zusammen …'&amp;quot; Bei diesen Worten stockte sie plötzlich. Denn im Lied hieß es: „rechnet man zusammen, ist alles nur leerer Schein.&amp;quot; Zhou Ruis Frau hatte sich verplappert und brach erschrocken ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hatte es bereits verstanden — es musste ein ungünstiger Vers sein — und fragte nicht weiter nach. Sie sagte nur: „Das alles ist nicht so wichtig. Aber woher kommt die Sache mit dem goldenen Qilin?&amp;quot; Zhou Ruis Frau lachte: „Das ist der kleine goldene Qilin, den der Taoistenpriester im Tempel dem Zweiten Herrn Bao schenkte. Er ging verloren, und das Fräulein Shi fand ihn und gab ihn zurück — und daraus wurde dieses Gerücht. Ist das nicht zum Lachen?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Das ist nicht zum Lachen, das ist zum Fürchten. Uns geht es von Tag zu Tag schlechter, und nach außen hin prangt es so. Wie das Sprichwort sagt: ‚Menschen fürchten den Ruhm wie Schweine die Mast.' Und es ist ja nur leerer Ruhm — wer weiß, was daraus noch wird!&amp;quot; Zhou Ruis Frau sagte: „Die Herrin hat recht. Nur — in der ganzen Stadt, in jedem Teehaus, jeder Schenke und jeder Gasse redet man so, und das nicht erst seit gestern. Wie will man allen Leuten den Mund stopfen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz nickte nachdenklich, ließ dann Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedliche&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein paar Tael Silber abwiegen und gab sie Zhou Ruis Frau: „Bring das Purpurkuckuck und sag nur, ich schicke es ihr zum Einkaufen. Wenn sie etwas aus dem Gemeinschaftsfonds braucht, soll sie sich nehmen, aber sprich nicht von Monatlohn-Vorschuss. Sie ist ein kluges Mädchen und wird verstehen. Wenn ich Zeit habe, komme ich selbst nach dem Fräulein sehen.&amp;quot; Zhou Ruis Frau nahm das Silber und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen war Kette Kaufmann hinausgegangen. Ein Diener kam ihm entgegen und meldete: „Der Ältere Herr lässt den Zweiten Herrn rufen.&amp;quot; Kette Kaufmann eilte zu Begnadigung Kaufmann. Begnadigung Kaufmann sagte: „Ich habe eben gehört, dass im Palast ein Kaiserlicher Arzt und zwei Assistenten zu einer Patientin gerufen wurden — das dürfte keine gewöhnliche Hofdame sein. Gibt es in den letzten Tagen Nachrichten aus dem Palast der Gemahlin?&amp;quot; Kette Kaufmann verneinte. Begnadigung Kaufmann sagte: „Erkundige dich beim Zweiten Herrn und bei deinem Cousin Zhen. Oder schicke jemanden zur Kaiserlichen Akademie, um Näheres zu erfahren.&amp;quot; Kette Kaufmann bejahte, schickte Boten zur Akademie und eilte zu Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aufrecht Kaufmann fragte: „Woher stammt das Gerücht?&amp;quot; Kette Kaufmann antwortete: „Der Ältere Herr hat es eben erzählt.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte: „Geh am besten mit Cousin Zhen und erkundige dich genauer.&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: „Ich habe schon jemanden zur Kaiserlichen Akademie geschickt.&amp;quot; Damit zog er sich zurück und traf Herrlichkeit Kaufmann, der ihm bereits entgegenkam und denselben Bericht brachte. Beide gingen gemeinsam zu Aufrecht Kaufmann. Aufrecht Kaufmann sagte: „Falls es die Kaiserliche Gemahlin Yuan betrifft, werden wir früher oder später Nachricht erhalten.&amp;quot; Auch Begnadigung Kaufmann kam hinzu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Mittag waren die Kundschafter noch nicht zurück. Da meldeten die Pförtner: „Zwei Eunuchen sind draußen und wünschen die beiden Herren zu sprechen.&amp;quot; Begnadigung Kaufmann sagte: „Bittet sie herein.&amp;quot; Die Pförtner führten die Eunuchen herein. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann empfingen sie am zweiten Tor. Zuerst erkundigten sie sich nach dem Wohlbefinden der Kaiserlichen Gemahlin; dann traten alle in die Halle und nahmen Platz. Der Eunuch sprach: „Die Kaiserliche Gemahlin Eures Hauses war in den letzten Tagen unwohl. Gestern erging ein kaiserlicher Erlass: Vier weibliche Verwandte dürfen sie besuchen, jede mit einer Magd; weitere Begleitung ist nicht gestattet. Die männlichen Verwandten dürfen nur am äußeren Palasttor ihre Visitenkarten abgeben und auf Nachricht warten; das Betreten des Palastes ist ihnen untersagt. Der Besuch ist morgen zwischen der Chen- und Si-Stunde gestattet, die Abreise zwischen der Shen- und You-Stunde.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann und Begnadigung Kaufmann standen auf und nahmen den Erlass entgegen. Man bot den Eunuchen Tee an, und sie verabschiedeten sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann begleiteten sie bis zum Haupttor und kehrten zurück, um die Alte Ahnin zu informieren. Die Alte Ahnin überlegte: „Vier weibliche Verwandte — das werden ich, die beiden Schwiegertöchter und noch eine sein.&amp;quot; Niemand wagte etwas zu sagen. Die Alte Ahnin dachte nach: „Es muss Phönixglanz sein — sie versteht es, sich um alles zu kümmern.&amp;quot; Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann verbeugten sich und gingen, um die weiteren Vorbereitungen zu treffen. Kette Kaufmann und Hibiskus Kaufmann sollten das Haus hüten; alle anderen männlichen Verwandten vom „Wen&amp;quot;-Radikal bis zum „Cao&amp;quot;-Radikal sollten mitgehen. Vier grüne Sänften und über zehn Kutschen mit grünem Verdeck wurden für den Morgen bereitgestellt. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann gingen wieder hinein und berichteten der Alten Ahnin: „Der Besuch ist zwischen der Chen- und Si-Stunde; der Rückweg beginnt zwischen Shen und You. Bitte ruht Euch heute früh aus, damit Ihr morgen zeitig aufbrechen könnt.&amp;quot; Die Alte Ahnin sagte: „Ich weiß, geht nur.&amp;quot; Die Herren zogen sich zurück. Frau Strafe, Frau König und Phönixglanz sprachen noch eine Weile über Urfrühlings Krankheit und gingen dann auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen, in der Dämmerung, waren alle Lichter angezündet, alle Damen gewaschen und geschmückt, alle Herren bereit. Zur ersten Stunde kamen Lin Zhixiao und Lai Da zum zweiten Tor und meldeten: „Sänften und Wagen stehen bereit.&amp;quot; Bald darauf erschienen auch Begnadigung Kaufmann und Frau Strafe. Man frühstückte; Phönixglanz stützte die Alte Ahnin zum Wagen. Jeder Dame folgte eine Magd. Zwei Reitknechte ritten voraus zum äußeren Palasttor; die Familie folgte. Kette Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann hüteten das Haus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am äußeren westlichen Palasttor hielt die Gesellschaft an. Zwei Eunuchen traten heraus und verkündeten: „Die Damen des Hauses Jia mögen eintreten; die Herren haben am inneren Palasttor zu warten und dürfen nicht eintreten.&amp;quot; Die vier Sänften folgten den Eunuchen; die Herren gingen zu Fuß hinterher. Am inneren Tor verweilten die Herren; die Sänften wurden bis zum Palast der Kaiserlichen Gemahlin getragen. Dort stiegen die Damen aus und wurden von Hofdamen geführt. Als sie das Schlafgemach der Gemahlin erreichten, erstrahlte es in feierlichem Glanz. Zwei Hofdamen übermittelten: „Es genügt ein Gruß — alle Zeremonien sind erlassen.&amp;quot; Die Alte Ahnin dankte, trat ans Bett, grüßte die Gemahlin, und alle nahmen die angewiesenen Plätze ein. Urfrühling fragte die Alte Ahnin: „Wie geht es Euch in letzter Zeit?&amp;quot; Die Alte Ahnin erhob sich zitternd, gestützt auf ein Mädchen, und antwortete: „Dank der Gnade Ihrer Majestät bin ich noch bei guter Gesundheit.&amp;quot; Urfrühling fragte auch Frau Strafe und Frau König nach ihrem Wohlbefinden. Dann wandte sie sich an Phönixglanz: „Wie steht es mit dem Haushalt?&amp;quot; Phönixglanz erhob sich und antwortete: „Wir kommen zurecht.&amp;quot; Urfrühling sagte: „Diese Jahre haben dir viel Mühe gemacht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade wollte Phönixglanz antworten, da brachte eine Hofdame eine Liste mit vielen Visitenkarten. Urfrühling las die Namen — Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann und die anderen —, und Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie trocknete sie mit einem Seidentuch und befahl: „Heute fühle ich mich etwas besser — lasst sie draußen ruhen.&amp;quot; Die Alte Ahnin erhob sich und dankte. Urfrühling sagte unter Tränen: „Als Vater, Tochter und Geschwister sind wir schlechter daran als eine einfache Familie, die sich jederzeit sehen kann.&amp;quot; Die Alte Ahnin unterdrückte ihre Tränen: „Eure Majestät braucht sich nicht zu grämen — die Familie genießt dank Eurer Majestät viele Segnungen.&amp;quot; Urfrühling fragte noch: „Wie steht es mit Schatzjade?&amp;quot; Die Alte Ahnin antwortete: „In letzter Zeit lernt er recht fleißig. Sein Vater hält ihn streng, und seine Aufsätze sind auch besser geworden.&amp;quot; Urfrühling sagte: „So ist es recht.&amp;quot; Dann befahl sie, im Außenpalast ein Bankett auszurichten. Hofdamen und Eunuchen geleiteten die Besucher in einen Saal, wo alles gerichtet war. Man nahm nach Rang Platz und speiste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Essen dankte die Alte Ahnin. Man verweilte noch eine Weile, doch als die You-Stunde nahte, wagte man nicht länger zu bleiben. Alle verabschiedeten sich von Urfrühling; Hofdamen geleiteten sie bis zum inneren Tor, und die Eunuchen brachten sie hinaus. Die Alte Ahnin und ihre Begleiterinnen stiegen in die Sänften, wurden draußen von Begnadigung Kaufmann und den anderen empfangen, und alle kehrten gemeinsam heim. Man beriet auch schon die Besuche der folgenden Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun zu Goldosmanthus Schnees Haushalt: Seit sie Becken Schnee fortgejagt hatte, fehlte ihr tagsüber der Streitpartner. Duftkastanie wohnte inzwischen bei Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;, und nur Baochan war noch bei ihr. Doch seit Baochan zur Nebenfrau Becken Schnees bestimmt worden war, gab sie sich nicht mehr so unterwürfig wie zuvor. In Jinguis Augen war sie damit nur eine weitere Gegnerin — zu spät bereute sie es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages hatte Jingui ein paar Gläser Wein getrunken und lag auf dem Kang. Sie wollte Baochan als Zielscheibe benutzen. „Wohin ist der Herr neulich verreist?&amp;quot; fragte sie. „Du weißt es natürlich.&amp;quot; Baochan entgegnete: „Woher soll ich das wissen? Wenn er es nicht einmal der Herrin sagt, woher sollte ich es wissen?&amp;quot; Jingui lachte höhnisch: „Wo gibt es heute noch Herrinnen und Mägde? Es ist alles eure Welt geworden. Andere darf man ja nicht reizen — die haben ihren Schutzschild. Du bist immerhin noch meine Magd; ich frage dich ein einziges Wort, und du schneidest mir eine Grimasse. Da du so mächtig bist, warum erdrosselst du mich nicht? Dann könntest du oder Duftkastanie die Herrin spielen — wäre das nicht fein? Aber leider sterbe ich nicht, und das steht euch im Weg.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baochan konnte das nicht hinnehmen und starrte Jingui mit weit aufgerissenen Augen an: „Diese Reden, Herrin, spart Euch für andere. Ich habe Euch kein Wort widersprochen. Wenn Ihr es nicht wagt, andere zu reizen, warum lasst Ihr's dann an uns aus? Was anständig wäre, tut Ihr, als hörtet Ihr es nicht!&amp;quot; Damit brach sie in lautes Weinen aus. Jingui wurde noch wilder, sprang vom Kang und wollte Baochan schlagen. Doch Baochan hatte das Temperament der Familie Xia und gab keinen Fingerbreit nach. Jingui fegte Tische, Stühle und Tassen um. Baochan schrie nach Gerechtigkeit, ohne sich um sie zu kümmern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die drüben bei Schatzspange saß, hörte den Tumult und rief: „Duftkastanie, geh hinüber und sieh nach — versuch, sie zu beruhigen.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Das geht nicht, Mama. Wenn sie hingeht, ist das Öl ins Feuer.&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Dann gehe ich selbst.&amp;quot; Schatzspange erwiderte: „Meiner Meinung nach solltest du auch nicht gehen. Lass sie sich austoben — es hilft doch nichts.&amp;quot; Tante Schnee rief: „So geht das nicht weiter!&amp;quot; und ging, gestützt auf eine Magd, zu Jingui hinüber. Schatzspange folgte, ermahnte aber Duftkastanie: „Bleib hier.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mutter und Tochter kamen an Jinguis Zimmertür, und drinnen wurde immer noch gekreischt und geweint. Tante Schnee rief: „Was soll das wieder? Stellt ihr das Haus auf den Kopf? Sieht das noch aus wie ein ordentlicher Haushalt? Bei unseren niedrigen Mauern und kleinen Höfen — habt ihr keine Angst, dass die Verwandten euch auslachen?&amp;quot; Aus Jinguis Zimmer kam die Antwort: „Ich hätte ja Angst vor Gerede! Aber hier steht der Besen auf dem Kopf — es gibt keine Herrin, keine Magd, keine Hauptfrau, keine Nebenfrau — alles geht drunter und drüber! Wir von der Familie Xia kennen solche Zustände nicht; das halte ich nicht aus!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Liebe Schwägerin, Mama ist nur gekommen, weil sie den Lärm hörte. Wenn sie vor Aufregung nicht zwischen ‚Schwägerin' und ‚Baochan' unterschieden hat — was macht das schon? Lasst uns die Sache klären und friedlich zusammenleben, damit Mama nicht jeden Tag um unseretwillen Sorgen hat.&amp;quot; Tante Schnee stimmte zu: „Ja, klärt erst die Sache — danach könnt ihr mir immer noch Vorwürfe machen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jingui höhnte: „Liebes Fräulein, liebes Fräulein, du bist ja so tugendhaft und gütig! Du wirst sicher einen guten Mann und eine gute Familie bekommen — ganz anders als ich, die lebend Witwe spielt, ohne Verwandte, der man auf dem Kopf herumtanzt. Ich bin eben ein einfältiger Mensch — nur bitte, Fräulein, nimm mir nicht jedes Wort übel. Ich hatte keine Eltern, die mich erzogen haben. Und was in meinem Schlafgemach zwischen Mann und Frauen geschieht, hat das Fräulein ohnehin nicht zu bestimmen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange hörte das — Scham und Zorn zugleich, und der Anblick ihrer Mutter tat ihr zusätzlich weh. Sie schluckte ihren Ärger hinunter und sagte: „Schwägerin, ich rate dir, weniger zu reden. Wer kritisiert dich? Wer schikaniert dich? Von Duftkastanie gar nicht zu reden — ich habe nie ein lautes Wort gegen sie gesagt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jingui schlug auf den Kangrand und weinte noch lauter: „Wie könnte ich mich mit Duftkastanie vergleichen! Nicht einmal den Staub unter ihren Füßen bin ich wert! Sie ist lange genug hier, kennt die Absichten des Fräuleins und versteht sich einzuschmeicheln. Ich bin neu hier und kann nicht schmeicheln — wie darf man mich mit ihr vergleichen? Wie grausam! Es können eben nicht alle das Glück einer Kaiserlichen Gemahlin haben. Seid lieber gütig — sonst müsst ihr am Ende noch wie ich einen Dummkopf heiraten und lebendig Witwe spielen, das wäre eine schöne Blamage!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee konnte nicht mehr an sich halten, stand auf und rief: „Ohne meiner eigenen Tochter schmeicheln zu wollen — sie redet dir mit jedem Satz gut zu, und du stachelst sie mit jedem Satz! Wenn du etwas auszusetzen hast, lass es an mir aus — mich umzubringen wäre kein großes Ding!&amp;quot; Schatzspange beschwichtigte: „Mama, rege dich nicht auf. Wir sind doch gekommen, um zu schlichten — wenn wir uns selbst aufregen, kommt noch mehr Ärger hinzu. Gehen wir lieber und lassen die Schwägerin zur Ruhe kommen.&amp;quot; Sie wies Baochan an: „Du hörst auch auf.&amp;quot; Und damit gingen sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hof begegneten ihnen eine Magd der Alten Ahnin und Duftkastanie. Tante Schnee fragte: „Woher kommst du? Geht es der Alten Ahnin gut?&amp;quot; Das Mädchen antwortete: „Der Alten Ahnin geht es gut. Sie schickt mich, um der Tante guten Tag zu sagen, für die Litschis neulich zu danken und dem Fräulein Qin zu gratulieren.&amp;quot; Schatzspange fragte: „Wann bist du gekommen?&amp;quot; Die Magd antwortete: „Schon vor einer ganzen Weile.&amp;quot; Tante Schnee errötete verlegen: „Wie du siehst, gibt es bei uns zu Hause solchen Aufruhr — euer Haus lacht gewiss über uns.&amp;quot; Das Mädchen sagte: „Aber Tante, so etwas gibt es doch überall — wo gibt es nicht einmal Streit? Das denkt Ihr Euch nur.&amp;quot; Man kehrte in Tante Schnees Zimmer zurück, und nach einer kurzen Weile ging die Magd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange hatte gerade Duftkastanie etwas zugeflüstert, als Tante Schnee plötzlich aufschrie: „Mein linker Rippenbogen schmerzt fürchterlich!&amp;quot; Damit sank sie auf den Kang. Schatzspange und Duftkastanie waren entsetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es weiterging, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 82</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
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= 第八十二回 / Kapitel 82 =&lt;br /&gt;
== 老学究讲义警顽心 ==&lt;br /&gt;
=== 病潇湘痴魂惊恶梦 ===&lt;br /&gt;
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Zweiundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Gelehrte warnt mit seinen Erläuterungen ein eigensinniges Herz,&lt;br /&gt;
Die kranke Xiaoxiang erschrickt in verworrenem Traum aus bösem Schlaf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, kam Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus der Schule zurück und suchte die Alte Ahnin auf. Die Alte Ahnin lachte und sagte: „Gut so, nun ist das wilde Pferd gezäumt! Geh, besuche deinen Vater, und dann kannst du dich ein wenig zerstreuen.&amp;quot; Schatzjade gehorchte und ging zu Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aufrecht Kaufmann fragte: „Schon so früh aus der Schule? Hat der Lehrer dir einen Stundenplan festgelegt?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Ja: Am Morgen die Bücher ordnen, nach dem Essen Schönschrift üben, am Mittag Texte erläutern und Musteraufsätze lesen.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann nickte und sprach: „Geh nun, setz dich noch eine Weile zur Alten Ahnin. Du solltest auch etwas über die Pflichten des Lebens lernen und nicht nur dem Vergnügen nachjagen. Schlaf abends früh, steh jeden Morgen zeitig auf für die Schule. Hast du verstanden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade beeilte sich, mehrmals „Ja&amp;quot; zu sagen, zog sich zurück, eilte noch schnell zu Frau König hinüber und schaute auch bei der Alten Ahnin vorbei. Dann drängte es ihn hinaus; am liebsten wäre er mit einem einzigen Schritt im Xiaoxiang-Pavillon&amp;lt;ref&amp;gt;Xiaoxiang-Pavillon (潇湘馆): Kajaljades Wohnsitz im Garten der Großen Anschauung, benannt nach dem Xiang-Fluss in Hunan.&amp;lt;/ref&amp;gt; gewesen. Kaum an der Tür angekommen, klatschte er in die Hände und rief lachend: „Da bin ich wieder!&amp;quot; Was Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; so erschreckte, dass sie zusammenfuhr. Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; hob den Vorhang, und Schatzjade trat ein und setzte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Ich hörte undeutlich, dass du zum Unterricht gegangen bist — und bist schon wieder zurück?&amp;quot; Schatzjade rief: „Ach du meine Güte! Wurde ich nicht von Vater zum Lernen gerufen? Mir war, als würde ich euch nie wiedersehen. Mühsam habe ich einen ganzen Tag durchgestanden, und nun, da ich euch wiedersehe, ist es, als wäre ich von den Toten auferstanden. Wie wahr ist doch das alte Wort: ‚Ein Tag gleicht drei Herbsten' — das stimmt vollkommen.&amp;quot; Kajaljade fragte: „Warst du schon oben?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Überall war ich schon.&amp;quot; Kajaljade fragte: „Und anderswo?&amp;quot; Schatzjade: „Nein.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Du solltest auch die anderen besuchen.&amp;quot; Schatzjade entgegnete: „Ich bin zu träge, mich jetzt noch zu bewegen. Ich möchte nur hier bei Schwester sitzen und ein Weilchen plaudern. Vater verlangt, dass ich früh schlafe und früh aufstehe — die anderen besuche ich morgen.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Sitz noch ein wenig, dann solltest du dich aber ausruhen.&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „Ich bin doch gar nicht müde, nur gelangweilt bis zum Ersticken. Gerade jetzt, wo wir zusammensitzen und die Langeweile sich zerstreut hat, treibst du mich schon fort.&amp;quot; Kajaljade lächelte leicht und rief Purpurkuckuck zu: „Brüh dem Zweiten Herrn eine Schale meines Longjing-Tees auf. Der Zweite Herr studiert jetzt, das ist nicht mehr wie früher.&amp;quot; Purpurkuckuck antwortete lachend, holte die Teeblätter und wies eine kleine Magd an, den Tee aufzubrühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fuhr fort: „Sprich mir bloß nicht vom Lernen! Mir sind diese moralischen Reden am verhasstesten. Am lächerlichsten sind die Achtgliedrigen Aufsätze: Wenn man sie benutzt, um sich Amt und Brot zu erschwindeln, meinetwegen — aber dann noch zu behaupten, man spräche im Namen der Heiligen und Weisen! Die Besseren flicken wenigstens noch ein paar Klassiker-Stellen zusammen; aber dann gibt es noch eine Sorte, die wirklich zum Lachen ist: im Kopf haben sie nichts, ziehen alles von hier und dort herbei, bis es vor Ochsendämonen und Schlangengöttern wimmelt, und halten sich auch noch für tiefsinnig. Was hat das mit der Darlegung der Lehre der Heiligen zu tun? Und jetzt besteht Vater unablässig darauf, dass ich das lerne — ich wage nicht zu widersprechen. Und du fängst jetzt auch noch vom Lernen an!&amp;quot; Kajaljade erwiderte: „Wir Mädchen brauchen das zwar nicht, aber als ich klein war und bei eurem Lehrer Regendorf unterrichtet wurde, habe ich auch hineingeschaut. Manches darin ist dem Gefühl und der Vernunft nahe, manches ist von klarer Feinheit und stiller Tiefe. Damals verstand ich nicht viel davon, fand es aber schön; man sollte nicht alles über einen Kamm scheren. Zudem ist es für den Erwerb der Beamtenlaufbahn immerhin eine ehrbare Sache.&amp;quot; Als Schatzjade das hörte, klang es ihm unangenehm in den Ohren. Er dachte: „Kajaljade war nie so ein Mensch — wieso ist auch sie nun von Ehrgeiz und Eigennutz berauscht?&amp;quot; Aber er wagte nicht, ihr zu widersprechen, und lachte nur leise durch die Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, hörten sie draußen zwei Personen reden — es waren Herbstmuster und Purpurkuckuck. Herbstmuster sagte: „Schwester Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; hat mich geschickt, ihn bei der Alten Ahnin abzuholen, und nun ist er hier.&amp;quot; Purpurkuckuck entgegnete: „Wir haben gerade erst Tee aufgebrüht, lass ihn doch austrinken, bevor er geht.&amp;quot; Beide kamen zusammen herein. Schatzjade sagte lachend zu Herbstmuster: „Ich komme gleich, warum musstest du dich bemühen, mich zu suchen?&amp;quot; Ehe Herbstmuster antworten konnte, sagte Purpurkuckuck: „Trink schnell deinen Tee und geh — die Leute haben den ganzen Tag an dich gedacht.&amp;quot; Herbstmuster spuckte aus: „Pfui! Was für ein freches Ding!&amp;quot; Alle lachten. Schatzjade erhob sich und verabschiedete sich. Kajaljade begleitete ihn bis zur Zimmertür, Purpurkuckuck stand unten an der Treppe, und erst als Schatzjade gegangen war, kehrten sie ins Zimmer zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kam Schatzjade im Hof der Roten Freude an, betrat sein Zimmer und sah Dufthauch aus dem hinteren Raum entgegenkommen. Sie fragte: „Bist du zurück?&amp;quot; Herbstmuster antwortete: „Der Zweite Herr war schon lange da, er war drüben bei Fräulein Lin.&amp;quot; Schatzjade fragte: „Ist heute etwas vorgefallen?&amp;quot; Dufthauch erwiderte: „Eigentlich nichts. Vorhin hat die Gnädige Frau die Schwester Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschickt mit einer Botschaft an uns: Da der Herr Vater nun streng darauf besteht, dass du lernst, werden alle Mägde, die es wagen, mit dir zu scherzen, nach dem Beispiel von Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Heitermuster: Chin. 晴雯 Qíngwén, wörtl. „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Schachspielerin bestraft. Wenn ich bedenke, wie ich dich die ganze Zeit bedient habe, nur um mir solche Worte einzuhandeln — da ist wenig Trost dabei.&amp;quot; Dabei wurde sie traurig. Schatzjade beeilte sich zu sagen: „Liebe Schwester, sei unbesorgt, ich werde nur brav lernen, und dann wird die Gnädige Frau euch nicht mehr schelten. Heute Abend muss ich noch lesen, morgen verlangt der Lehrer, dass ich einen Text erläutere. Wenn ich etwas brauche, sind Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Herbstmuster ja da — ruh dich aus.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Wenn du wirklich bereit bist zu lernen, bedienen wir dich gern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte es, aß hastig sein Abendessen und ließ die Lampe anzünden. Er holte die „Vier Bücher&amp;quot; hervor, die er durchgenommen hatte. Nur — wo sollte er anfangen? Er blätterte ein Buch durch: Kapitel für Kapitel schien es ihm verständlich; doch wenn er genauer nachprüfte, war es gar nicht so klar. Er las die Anmerkungen und die Erläuterungen. So trieb er es, bis die erste Nachtwache geschlagen hatte, und dachte bei sich: „Bei Gedichten und Versen fällt mir alles leicht, aber hierbei bin ich völlig ratlos.&amp;quot; Er saß da und starrte vor sich hin. Dufthauch sagte: „Ruh dich aus, die Arbeit läuft nicht weg.&amp;quot; Schatzjade murmelte nur wirre Antworten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond und Dufthauch brachten ihn zu Bett, und erst dann legten auch sie sich schlafen. Doch als Dufthauch einmal aufwachte, hörte sie, wie Schatzjade sich auf dem Kang noch immer hin und her wälzte. Sie sagte: „Du bist noch wach? Zergrüble dir nicht den Kopf, schone deine Kräfte, damit du morgen gut lernen kannst.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Das denke ich auch, nur kann ich nicht einschlafen. Komm, nimm mir eine Decke ab.&amp;quot; Dufthauch entgegnete: „Es ist nicht heiß, lass das lieber.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Mir ist so unruhig ums Herz.&amp;quot; Er strampelte die Decke von sich. Dufthauch kroch eilig auf, hielt ihn fest und legte die Hand auf seine Stirn — sie fühlte sich leicht fiebrig an. Sie sagte: „Bleib still liegen, du hast etwas Fieber.&amp;quot; Schatzjade bestätigte: „Ja wohl.&amp;quot; Dufthauch fragte: „Was soll das nur?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Keine Angst, das kommt von meiner inneren Unruhe. Mach keinen Lärm, sonst erfährt Vater es und sagt bestimmt, ich stellte mich krank, um die Schule zu schwänzen — wie käme es sonst, dass die Krankheit so günstig fällt? Morgen bin ich besser, dann gehe ich wie gewohnt zur Schule, und die Sache ist erledigt.&amp;quot; Dufthauch empfand Mitleid und sagte: „Ich lege mich neben dich.&amp;quot; Sie klopfte ihm eine Weile den Rücken, und ohne es zu bemerken, schliefen beide ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst als die rote Sonne hoch am Himmel stand, wachten sie auf. Schatzjade rief: „Das ist schlimm, es ist spät!&amp;quot; Eilig wusch und kämmte er sich, fragte nach dem Befinden der Eltern und eilte zur Schule. Dairu hatte schon ein finsteres Gesicht aufgesetzt und sagte: „Kein Wunder, dass dein Vater sich ärgert und sagt, du taugst nichts! Am zweiten Tag bist du schon faul — was ist das für eine Zeit, um zu kommen?&amp;quot; Schatzjade erklärte das Fieber vom Vorabend, und damit war die Sache überstanden; er lernte wie gewohnt weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am späten Nachmittag sagte Dairu: „Schatzjade, da ist ein Kapitel — komm und erläutere es mir.&amp;quot; Schatzjade kam herbei und sah, dass es das Kapitel „Die junge Generation ist zu fürchten&amp;quot; war. Schatzjade dachte bei sich: „Das geht noch an, zum Glück ist es nicht aus dem ‚Großen Lernen' oder der ‚Lehre von der Mitte'.&amp;quot; Er fragte: „Wie soll ich es erläutern?&amp;quot; Dairu antwortete: „Erkläre mir den Kerngedanken und die einzelnen Sätze ausführlich.&amp;quot; Schatzjade las das Kapitel erst einmal laut vor und sagte dann: „In diesem Kapitel ermutigt der Heilige die junge Generation, sich rechtzeitig anzustrengen, damit sie nicht am Ende …&amp;quot; An dieser Stelle hielt er inne und blickte zu Dairu auf. Dairu bemerkte es, lächelte und sprach: „Sprich nur weiter. Beim Erläutern von Texten gibt es keine Tabus. Im ‚Buch der Riten' heißt es: ‚Beim Lesen von Texten gelten keine Namenstabus.' Sprich frei. ‚Damit sie nicht am Ende' — was?&amp;quot; Schatzjade fuhr fort: „Damit sie nicht am Ende alt werden, ohne etwas erreicht zu haben. Zunächst spornt der Heilige mit den Worten ‚zu fürchten' den Ehrgeiz der jungen Generation an; dann warnt er mit ‚nicht mehr zu fürchten' vor einer verschwendeten Zukunft.&amp;quot; Damit blickte er Dairu an. Dairu sagte: „Das mag angehen. Und die fortlaufende Erläuterung?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Der Heilige sprach: Wenn ein Mensch jung ist, sind sein Verstand und seine Fähigkeiten überaus klug und tüchtig — das ist wahrhaft furchteinflößend. Wie kann man da im Voraus wissen, ob seine Zukunft nicht so sein wird wie meine Gegenwart? Wenn er aber sorglos und nachlässig mit vierzig oder fünfzig Jahren immer noch nichts erreicht hat, dann wird er, obgleich er in seiner Jugend vielversprechend wirkte, sein ganzes Leben lang von niemandem mehr gefürchtet werden.&amp;quot; Dairu lachte und sagte: „Den Kerngedanken hast du eben klar dargelegt, nur in den einzelnen Sätzen ist noch etwas Kindisches. Die Worte ‚ohne Ruf' bedeuten nicht, dass man es nicht zu Amt und Karriere bringt. ‚Ruf' bedeutet, dass man wahrhaft die Vernunft durchdrungen und den rechten Weg erkannt hat; dann hat man auch ohne Amt einen ‚Ruf'. Andernfalls — gab es unter den alten Heiligen und Weisen nicht auch solche, die sich von der Welt zurückzogen und unbekannt blieben? Waren das etwa keine Menschen ohne Amt? Kann man ihnen etwa ‚keinen Ruf' zuschreiben? ‚Nicht mehr zu fürchten' bedeutet, dass man ihn einschätzen kann — dies steht dem ‚Wie kann man wissen' des ‚Wissens' gegenüber und hat nicht die Bedeutung von ‚fürchten'. Erst wenn man es von dieser Seite betrachtet, dringt man ins Detail vor. Verstehst du?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Ja, ich verstehe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dairu fuhr fort: „Noch ein Kapitel sollst du erläutern.&amp;quot; Er blätterte eine Seite vor und zeigte es Schatzjade. Schatzjade sah, dass es sich um „Ich habe noch keinen gesehen, der die Tugend so liebte wie die Schönheit&amp;quot; handelte. Schatzjade spürte, dass dieses Kapitel sein Innerstes traf, und sagte mit verlegenem Lächeln: „Über diesen Satz gibt es nicht viel zu sagen.&amp;quot; Dairu rief: „Unsinn! Wenn bei einer Prüfung dieses Thema gestellt würde, würdest du auch sagen, darüber lasse sich nichts schreiben?&amp;quot; Schatzjade musste sich fügen und erläuterte: „Der Heilige sah, dass die Menschen die Tugend nicht pflegen wollten. Sobald sie Schönheit erblickten, waren sie ganz und gar hingerissen. Sie bedachten nicht, dass die Tugend etwas ist, das der menschlichen Natur von Anbeginn innewohnt, und doch will niemand sie pflegen. Was aber die Schönheit betrifft — sie ist zwar auch etwas, das man von Geburt an mitbringt, und niemand liebt sie nicht. Doch die Tugend ist himmlische Vernunft, die Schönheit hingegen menschliche Begierde. Wie könnte der Mensch bereit sein, die himmlische Vernunft ebenso zu lieben wie die menschliche Begierde? Obwohl der Heilige damit sein Bedauern ausdrückt, hofft er zugleich, dass die Menschen umkehren. Zudem zeigt er, dass es zwar Menschen gibt, die die Tugend lieben, doch ihre Liebe bleibt stets oberflächlich. Erst wenn man sie so liebte wie die Schönheit, wäre es wahre Tugendliebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dairu sagte: „Das ist auch noch annehmbar. Aber ich habe eine Frage an dich: Du verstehst die Worte des Heiligen — warum leidest du selbst gerade an diesen beiden Gebrechen? Obgleich ich nicht in eurem Haus wohne und dein Vater mir nichts davon erzählt hat, kenne ich doch alle deine Schwächen genau. Als Mensch — wie kann man nicht nach Fortschritt streben? Du bist jetzt gerade im Alter, da ‚die junge Generation zu fürchten' ist: Ob du ‚einen Ruf erlangst' oder ‚nicht mehr zu fürchten bist', liegt ganz in deiner eigenen Hand. Ich gebe dir jetzt einen Monat, um alle alten Texte vollständig aufzuarbeiten; dann noch einen Monat für die Aufsätze. Danach werde ich dir Themen stellen und Aufsätze von dir verlangen. Wehe, du wirst nachlässig — das werde ich keinesfalls dulden! Wie das alte Sprichwort sagt: ‚Wer etwas werden will, hat keine Ruhe; wer Ruhe will, wird nichts.' Merke dir meine Worte gut.&amp;quot; Schatzjade sagte ja und musste sich fügen, Tag für Tag seinen Aufgaben nachzugehen. Davon sei nicht weiter berichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun war es so, dass nach Schatzjades Eintritt in die Schule der Hof der Roten Freude sich überaus ruhig und still anfühlte. Dufthauch konnte endlich einige Handarbeiten erledigen. Sie nahm Nadel und Faden zur Hand, um eine Betelnussbeutel-Stickerei anzufertigen, und dachte: „Jetzt, da Schatzjade seinen Lehrplan hat, haben die Mägde auch Ruhe. Hätte es so von Anfang an sein sollen, wäre Heitermuster nicht zu einem so kläglichen Ende gekommen.&amp;quot; Wie der Hase stirbt und der Fuchs trauert, seufzte sie unwillkürlich. Dann dachte sie plötzlich an ihr eigenes Schicksal: „Ich bin ja nicht Schatzjades Hauptfrau, sondern nur eine Nebenfrau. Schatzjades Charakter kann man zwar vertrauen, aber wenn er einmal eine strenge Gattin bekommt, werde ich vielleicht ein zweites Schicksal wie Zweitschwester Sonders oder Duftkastanie erleiden. Nach allem, was die Alte Ahnin und Frau König durchblicken lassen und was Phönixglanz immer wieder andeutet, wird es zweifellos Kajaljade sein. Und Kajaljade ist nun einmal ein überaus empfindlicher Mensch.&amp;quot; Bei diesem Gedanken wurde ihr Gesicht heiß und ihr Herz klopfte; die Nadel stach irgendwohin. Sie legte die Handarbeit beiseite und ging zu Kajaljade hinüber, um ihre Stimmung auszuloten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade saß gerade da und las. Als sie Dufthauch sah, erhob sie sich leicht und bat sie, Platz zu nehmen. Dufthauch kam ebenfalls eilig entgegen und fragte: „Geht es dem Fräulein in den letzten Tagen viel besser?&amp;quot; Kajaljade erwiderte: „Wie könnte das sein? Nur ein wenig kräftiger bin ich. Was machst du zu Hause?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Seit der Zweite Herr in der Schule ist, gibt es im Hause nicht das Geringste zu tun, und so bin ich gekommen, um nach dem Fräulein zu sehen und ein wenig zu plaudern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie sprachen, brachte Purpurkuckuck den Tee. Dufthauch sprang eilig auf und sagte: „Bleib sitzen, Schwester.&amp;quot; Dann lachte sie und fuhr fort: „Neulich hörte ich von Herbstmuster, dass du hinter meinem Rücken etwas über uns gesagt hast.&amp;quot; Purpurkuckuck lachte ebenfalls: „Glaub ihr doch nicht, Schwester. Ich sagte nur, dass der Zweite Herr jetzt in der Schule ist, das Fräulein Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mehr herüberkommt und selbst Duftkastanie nicht mehr vorbeischaut — da langweilt man sich natürlich.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Du erwähnst Duftkastanie — die hat es wirklich schwer! Mit dieser Unheilsgöttin von Schwägerin — wie soll sie das nur aushalten?&amp;quot; Sie streckte zwei Finger aus und sagte: „Die ist, wenn ich so sagen darf, noch schlimmer als jene andere, die nicht einmal mehr den Anstand nach außen wahrt.&amp;quot; Kajaljade schloss sich an: „Ja, die hat genug gelitten. Wie ist die Zweitschwester Sonders ums Leben gekommen?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Nicht wahr? Bedenkt man es recht, sind doch alle Menschen gleich — nur weil der Status ein wenig anders ist, warum solche Grausamkeit? Auch der Ruf nach draußen ist nicht gut.&amp;quot; Kajaljade hatte noch nie gehört, dass Dufthauch hinter anderer Leute Rücken so sprach. Da diese Worte einen Grund zu haben schienen, rührte es etwas in ihrem Herzen, und sie sagte: „Das ist schwer zu sagen. In Familienangelegenheiten ist es eben so: Entweder beugt der Ostwind den Westwind nieder, oder der Westwind beugt den Ostwind nieder.&amp;quot; Dufthauch erwiderte: „Wer nur die Nebenfrau ist, hat von vornherein schon Angst im Herzen — wie sollte sie da wagen, andere zu schikanieren?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, fragte eine alte Dienerin draußen im Hof: „Ist dies das Gemach des Fräuleins Lin? Ist die Schwester hier?&amp;quot; Schneegans kam heraus und erkannte sie undeutlich als jemanden aus Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Haushalt. Sie fragte: „Was gibt es?&amp;quot; Die Alte antwortete: „Unser Fräulein schickt mich, dem Fräulein Lin hier etwas zu bringen.&amp;quot; Schneegans sagte: „Warte einen Augenblick.&amp;quot; Schneegans ging hinein und meldete es Kajaljade. Kajaljade ließ sie hereinführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte trat ein, grüßte und musterte, statt zu sagen, was sie brächte, zunächst Kajaljade mit zusammengekniffenen Augen. Kajaljade wurde es unangenehm und sie fragte: „Was lässt das Fräulein Bao mir bringen?&amp;quot; Erst jetzt lachte die Alte und antwortete: „Unser Fräulein lässt dem Fräulein ein Glas eingelegte Litschis schicken.&amp;quot; Dann erblickte sie Dufthauch und fragte: „Ist diese junge Dame nicht die Blumen-Schwester aus dem Gemach des Zweiten Herrn Bao?&amp;quot; Dufthauch lachte: „Woher kennt Ihr mich, Mütterchen?&amp;quot; Die Alte lachte: „Wir hüten nur die Zimmer bei der Gnädigen Frau und begleiten Gnädige Frau und die Fräulein selten nach draußen, daher kennen wir die Fräulein nicht alle. Wenn die Fräulein aber gelegentlich zu uns herüberkommen, erinnern wir uns vage.&amp;quot; Damit reichte sie Schneegans ein Glas, wandte sich wieder um, betrachtete Kajaljade und sagte lachend zu Dufthauch: „Kein Wunder, dass unsere Gnädige Frau sagt, dieses Fräulein Lin und Euer Zweiter Herr Bao seien füreinander bestimmt — wahrhaftig, wie ein Wesen aus dem Himmel.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch merkte, dass die Alte unbedacht sprach, und lenkte schnell ab: „Mütterchen, Ihr seid gewiss müde, setzt Euch und trinkt eine Tasse Tee.&amp;quot; Die Alte lachte vergnügt: „Wir sind gerade beschäftigt — alle sind mit den Angelegenheiten des Fräuleins Qin beschäftigt. Das Fräulein hat noch zwei Gläser Litschis, die dem Zweiten Herrn Bao gebracht werden sollen.&amp;quot; Damit verabschiedete sie sich zitternd und schlurfend. Kajaljade ärgerte sich zwar über die Unverschämtheit der Alten, aber da Schatzspange sie geschickt hatte, konnte sie ihr nichts antun. Erst als die Alte zur Tür hinaus war, rief sie ihr nach: „Richtet Eurem Fräulein meinen Dank für die Mühe aus.&amp;quot; Die alte Dienerin murmelte noch vor sich hin: „Bei solcher Schönheit — wer außer Schatzjade wäre ihrer würdig?&amp;quot; Kajaljade tat, als hätte sie nichts gehört. Dufthauch lachte: „Wie kommt es, dass alte Leute so wirres Zeug reden? Man ärgert sich und muss gleichzeitig lachen.&amp;quot; Bald brachte Schneegans das Glas herüber und zeigte es Kajaljade. Kajaljade sagte: „Ich habe keine Lust zu essen, stell es fort.&amp;quot; Sie plauderten noch eine Weile, dann ging Dufthauch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Abendlicht bereits verblasste, betrat Kajaljade das innere Gemach. Ihr Blick fiel zufällig auf das Litschi-Glas, und unwillkürlich erinnerte sie sich an das wirre Gerede der alten Dienerin vom Tage — es stach ihr ins Herz. In dieser stillen Abendstunde überkamen sie tausend Sorgen und Kümmernisse. Sie dachte: „Mein Körper ist schwach, und ich werde älter. Schatzjades Herz gehört zwar keinem anderen, doch die Alte Ahnin und die Tante zeigen nicht die geringste Absicht. Warum haben meine Eltern, als sie noch lebten, diese Verlobung nicht früh festgelegt?&amp;quot; Dann dachte sie wieder: „Hätten meine Eltern mich damals anderswo verlobt, wo fände ich einen Mann von Schatzjades Aussehen und Charakter? So wie die Dinge jetzt stehen, gibt es vielleicht noch Hoffnung.&amp;quot; Ihr Herz schwankte hin und her, die Gedanken verschlangen sich wie eine Seilwinde. Sie seufzte eine Weile, vergoss einige Tränen, und ohne Stimmung und Regung legte sie sich angekleidet nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne es zu merken, sah sie ein kleines Mädchen kommen, das sagte: „Draußen ist der alte Herr Jia, Regendorf — er bittet das Fräulein um eine Audienz.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Obwohl ich bei ihm Unterricht hatte, bin ich doch nicht wie ein männlicher Schüler — warum sollte er mich sehen wollen? Zudem hat er bei seinen Besuchen beim Onkel mich nie erwähnt, ich muss ihn also nicht empfangen.&amp;quot; Sie wies das Mädchen an: „Sage ihm, ich sei krank und könne nicht herauskommen. Er möge mir seinen Gruß bestellen.&amp;quot; Das Mädchen sagte: „Aber er will dem Fräulein gratulieren — aus Nanjing sind Leute gekommen, um Euch abzuholen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kamen auch noch Phönixglanz zusammen mit Frau Strafe, Frau König und Schatzspange und sagten lachend: „Wir kommen zum einen, um zu gratulieren, zum anderen, um Abschied zu nehmen.&amp;quot; Kajaljade erschrak: „Was redet ihr?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Tu nicht so ahnungslos! Weißt du denn nicht, dass der Herr Lin zum Getreide-Intendanten von Hubei befördert wurde und eine Stiefmutter geheiratet hat, die ihm sehr nach dem Herzen ist? Nun meint man, dass es nicht angehe, dich hier sitzen zu lassen. Man hat Regendorf Kaufmann als Heiratsvermittler gebeten, der dich irgendeinem Verwandten deiner Stiefmutter versprochen hat — es heißt, es sei eine Zweitehe. Deshalb schickt man Leute, um dich nach Hause zu holen. Sobald du ankommst, wird die Hochzeit stattfinden. Alles bestimmt deine Stiefmutter. Weil man befürchtet, dass du auf dem Weg nicht versorgt bist, soll dein Cousin Lian dich begleiten.&amp;quot; Kajaljade brach der kalte Schweiß aus. Gleichzeitig schien es ihr undeutlich, als sei ihr Vater wirklich dort im Amt. Ihr Herz drängte; sie beharrte: „Das stimmt nicht, Schwester Phönix treibt ihren Scherz!&amp;quot; Da zwinkerte Frau Strafe Frau König zu: „Sie glaubt es noch nicht! Kommt, gehen wir.&amp;quot; Kajaljade sagte mit Tränen: „Bitte bleibt doch einen Moment.&amp;quot; Niemand antwortete; alle gingen mit kaltem Lächeln fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljades Herz brannte vor Angst, doch sie konnte kein Wort hervorbringen. Schluchzend und würgend schien sie plötzlich wieder bei der Alten Ahnin zu sein. Sie dachte: „Wenn es überhaupt Rettung gibt, dann nur durch die Alte Ahnin.&amp;quot; Sie kniete nieder, umklammerte die Beine der Alten Ahnin und flehte: „Alte Ahnin, rette mich! In den Süden gehe ich um keinen Preis — und mit einer Stiefmutter, die nicht meine leibliche Mutter ist! Ich will bei der Alten Ahnin bleiben.&amp;quot; Doch die Alte Ahnin blickte sie starr an und sagte lächelnd: „Das geht mich nichts an.&amp;quot; Kajaljade weinte: „Alte Ahnin, was soll das nur?&amp;quot; Die Alte Ahnin sagte: „Eine Zweitehe ist doch auch nicht schlecht — da bekommst du noch eine Mitgift dazu.&amp;quot; Kajaljade schluchzte: „Ich werde der Alten Ahnin keinen unnötigen Groschen kosten, ich bitte nur, dass die Alte Ahnin mich rettet!&amp;quot; Die Alte Ahnin sagte: „Es nützt nichts mehr. Als Frau musst du irgendwann heiraten. Du als Kind verstehst das nicht — hier zu bleiben ist auf Dauer keine Lösung.&amp;quot; Kajaljade schluchzte: „Ich will hier bleiben, und sei es als Magd, die sich selbst versorgt und ihr eigenes Brot verdient — wenn nur die Alte Ahnin entscheidet!&amp;quot; Die Alte Ahnin schwieg beharrlich. Kajaljade umklammerte sie weinend: „Alte Ahnin, Ihr wart immer die Gütigste und habt mich am meisten geliebt — warum kümmert Ihr Euch in der Not gar nicht? Sagt nicht, ich sei nur Eure Enkelin mütterlicherseits und stünde Euch ferner — meine Mutter war Eure leibliche Tochter! Um meiner Mutter willen solltet Ihr mich doch beschützen.&amp;quot; Sie warf sich weinend in deren Arme. Doch die Alte Ahnin sagte: „Mandarinenente, bring das Fräulein hinaus, damit sie sich ausruht — sie hat mich ganz erschöpft.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade erkannte, dass alles verloren war und weiteres Flehen nutzlos. Lieber wollte sie in den Tod gehen. Sie stand auf und stürzte hinaus, in tiefem Schmerz darüber, keine leibliche Mutter mehr zu haben. Die Großmutter, die Tanten, die Schwestern — wie gut sie sie immer behandelt hatten! Nun zeigte sich, dass alles nur Schein gewesen war. Dann dachte sie: „Wo ist heute Schatzjade? Wenn ich ihn noch einmal sehen könnte — hat er vielleicht ein Mittel?&amp;quot; Da stand Schatzjade vor ihr und sagte grinsend: „Herzlichen Glückwunsch, Schwesterchen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kajaljade das hörte, wurde ihre Verzweiflung grenzenlos. Alle Rücksicht vergessend, packte sie Schatzjade fest und rief: „Gut, Schatzjade! Heute erst erkenne ich, was für ein herzloser, treuloser Mensch du bist!&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „Wieso herzlos und treulos? Da du nun einem anderen versprochen bist, geht jeder seinen eigenen Weg.&amp;quot; Kajaljade wurde mit jedem Wort wütender und ratloser, klammerte sich weinend an Schatzjade und rief: „Guter Bruder, wohin soll ich gehen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Wenn du nicht gehen willst, bleib hier. Du warst doch mir versprochen, deshalb bist du in unser Haus gekommen. Wie ich dich behandelt habe — denk doch daran.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade war es undeutlich zumute, als hätte sie Schatzjade tatsächlich einst ihr Jawort gegeben. Plötzlich wandelte sich ihre Trauer in Freude, und sie fragte: „Ich bin nun fest entschlossen, auf Leben und Tod — sagst du mir nun endgültig, soll ich gehen oder nicht?&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Ich sage dir, du sollst hierbleiben. Wenn du mir nicht glaubst, dann sieh dir mein Herz an.&amp;quot; Mit diesen Worten nahm er ein kleines Messer und ritzte sich quer über die Brust. Frisches Blut strömte hervor. Kajaljade erschrak zu Tode, presste die Hand auf Schatzjades Herz und schluchzte: „Was hast du getan? Töte lieber erst mich!&amp;quot; Schatzjade sagte: „Hab keine Angst, ich zeige dir mein Herz.&amp;quot; Dabei griff er mit der Hand in die aufgeritzte Stelle. Kajaljade zitterte, weinte und fürchtete, man könnte sie überraschen. Sie umklammerte Schatzjade und schluchzte bitterlich. Schatzjade rief: „Es ist zu spät! Mein Herz ist fort — ich kann nicht leben!&amp;quot; Seine Augen verdrehten sich nach oben, und mit einem dumpfen Laut fiel er um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade schrie aus Leibeskräften, da hörte sie Purpurkuckuck rufen: „Fräulein, Fräulein! Ein Albtraum hat Euch gepackt — wacht auf, zieht Euch um und legt Euch schlafen.&amp;quot; Kajaljade wälzte sich um — es war nur ein böser Traum gewesen. In der Kehle würgte es sie noch, das Herz hämmerte wild. Das Kopfkissen war durchnässt, Schultern und Rücken fühlten sich eiskalt an. Sie überlegte: „Meine Eltern sind längst tot, und zwischen Schatzjade und mir ist noch nichts vereinbart — wie kam ich auf solche Gedanken?&amp;quot; Dann dachte sie an den Traum: So hilflos und verlassen! Und wenn Schatzjade wirklich stürbe — was sollte sie dann tun? Aus dem Schmerz erwuchs neuer Schmerz, und ihre Seele geriet in Aufruhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie weinte noch eine Weile, und am ganzen Körper trat leichter Schweiß hervor. Mühsam richtete sie sich auf, zog den äußeren Mantel aus, ließ sich von Purpurkuckuck die Decke richten und legte sich wieder hin. Doch sie wälzte sich hin und her und konnte nicht einschlafen. Draußen hörte sie ein Rauschen und Rascheln, das wie Wind, aber auch wie Regen klang. Dann war es wieder still, und von fern hörte sie Rufe — doch es war nur Purpurkuckuck, die bereits schlief und deren Atem hörbar ein und aus ging. Mühsam richtete sie sich auf, wickelte sich in die Decke und saß eine Weile da. Aus den Fensterfugen drang ein kühler Luftzug, der ihr eine Gänsehaut über den Körper jagte. Sie legte sich wieder hin. Gerade wollte sie in einen Halbschlummer sinken, da hörte sie auf dem Bambus unzählige Spatzen zwitschern und piepsen, ohne aufzuhören. Das Fensterpapier wurde durch den Rahmen hindurch allmählich von klarem Licht durchschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade war nun hellwach, die Augen weit offen. Bald begann sie zu husten, und auch Purpurkuckuck wurde davon geweckt. Purpurkuckuck sagte: „Fräulein, seid Ihr immer noch nicht eingeschlafen? Wieder hustet Ihr — vermutlich habt Ihr Euch erkältet. Das Fensterpapier wird schon hell, es wird bald Morgen. Ruht Euch aus, schont Eure Kräfte und grübelt nicht endlos hin und her.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Ich möchte ja schlafen, aber ich kann nicht. Schlaf du weiter.&amp;quot; Dann hustete sie erneut. Purpurkuckuck sah Kajaljades Zustand, und auch ihr Herz zog sich zusammen; sie konnte nicht mehr schlafen. Als sie Kajaljade wieder husten hörte, stand sie eilig auf und hielt ihr die Spuckschale hin. Inzwischen war es hell geworden. Kajaljade fragte: „Willst du nicht mehr schlafen?&amp;quot; Purpurkuckuck lachte: „Es ist schon Tag — was soll ich noch schlafen?&amp;quot; Kajaljade sagte: „Dann wechsle die Spuckschale.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck antwortete bejahend, eilte hinaus, wechselte die Spuckschale und stellte die benutzte auf den Tisch. Sie öffnete die Tür des inneren Gemachs, zog sie wieder zu, ließ den bestickten Vorhang herab, weckte Schneegans und öffnete die äußere Tür. Als sie die Schale ausleeren wollte, sah sie, dass sie randvoll mit Schleim war — und im Schleim waren Blutflecken. Purpurkuckuck erschrak, und unwillkürlich entfuhr ihr: „O weh! Das darf doch nicht wahr sein!&amp;quot; Kajaljade rief von drinnen: „Was ist denn?&amp;quot; Purpurkuckuck bemerkte ihren Versprecher und korrigierte sich schnell: „Mir ist die Schale beinahe aus der Hand gerutscht.&amp;quot; Kajaljade fragte: „Ist etwa etwas mit dem Auswurf in der Schale?&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Nein, nichts.&amp;quot; Während sie diese Worte sprach, wurde ihr das Herz schwer, die Tränen liefen ihr herab, und ihre Stimme klang schon ganz verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade hatte selbst schon einen süßlich-blutigen Geschmack in der Kehle gespürt und war misstrauisch geworden. Als sie vorhin Purpurkuckucks erschrockenen Ausruf gehört hatte und nun auch Purpurkuckucks traurige Stimme vernahm, wusste sie fast sicher, woran sie war. Sie rief: „Komm herein, du erkältest dich draußen.&amp;quot; Purpurkuckuck antwortete — und dieser Ton war noch trauriger als zuvor, ein Klang unterdrückter Tränen. Als Kajaljade das hörte, wurde ihr eiskalt. Sie sah Purpurkuckuck hereinkommen und sich mit dem Tuch die Augen wischen. Kajaljade fragte: „So früh am Morgen, warum weinst du?&amp;quot; Purpurkuckuck zwang sich zu einem Lächeln: „Wer weint denn? Heute Morgen sind meine Augen etwas gereizt. Fräulein, Ihr wart heute Nacht wohl noch länger wach als gewöhnlich? Ich hörte Euch die halbe Nacht husten.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Allerdings. Je mehr ich schlafen wollte, desto wacher wurde ich.&amp;quot; Purpurkuckuck sagte: „Fräulein, Ihr müsst Euch selbst Erleichterung verschaffen, wenn Ihr nicht gesund seid. Der Körper ist das Wichtigste. Wie das Sprichwort sagt: ‚Solange die grünen Berge stehen, braucht man kein Brennholz zu fürchten.' Zudem gibt es hier, von der Alten Ahnin und der Gnädigen Frau angefangen, niemanden, der das Fräulein nicht liebte!&amp;quot; Bei diesen Worten wurde Kajaljade an ihren Traum erinnert, und sie fühlte einen Stich im Herzen, ihre Augen verdunkelten sich, ihre Farbe veränderte sich. Purpurkuckuck hielt schnell die Spuckschale hin, Schneegans klopfte ihr den Rücken, und nach langer Zeit spuckte Kajaljade einen Klumpen Schleim aus — darin ein Streifen purpurnen Blutes, der zitternd aufspritzte. Purpurkuckuck und Schneegans wurden leichenblass vor Schreck. Sie wachten zu beiden Seiten, und Kajaljade sank benommen zurück. Purpurkuckuck sah, dass es schlimm stand, und deutete mit einer Geste Schneegans an, jemanden zu rufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schneegans trat gerade vor die Tür, da kamen Cuilü und Cuimo lachend herbei. Cuilü fragte: „Warum ist das Fräulein Lin zu so später Stunde noch nicht herausgekommen? Unser Fräulein und das Dritte Fräulein sind drüben beim Vierten Fräulein und besprechen das Gemälde, das sie von der Gartenlandschaft gemalt hat.&amp;quot; Schneegans winkte hastig mit den Händen. Cuilü und Cuimo erschraken und fragten: „Was ist geschehen?&amp;quot; Schneegans erzählte ihnen alles. Beide streckten erschrocken die Zunge heraus und sagten: „Das ist kein Spaß! Warum habt ihr es nicht der Alten Ahnin gemeldet? So geht das doch nicht! Wie könnt ihr nur so begriffsstutzig sein!&amp;quot; Schneegans sagte: „Ich wollte gerade gehen, da kamt ihr schon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade in diesem Moment rief Purpurkuckuck von drinnen: „Wer spricht dort draußen? Das Fräulein fragt.&amp;quot; Alle drei gingen eilig zusammen hinein. Cuilü und Cuimo sahen, dass Kajaljade unter der Decke lag. Als sie die beiden erblickte, sagte sie: „Wer hat es euch erzählt, dass ihr so ein Aufheben macht?&amp;quot; Cuimo antwortete: „Unser Fräulein und die Wolken-Schwester sind gerade beim Vierten Fräulein drüben und besprechen das Gemälde. Wir sind geschickt worden, das Fräulein einzuladen, und wussten nicht, dass Ihr wieder unwohl seid.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Es ist nichts Schlimmes, ich fühle mich nur etwas schwach. Wenn ich mich ein wenig hinlege, stehe ich wieder auf. Sagt dem Dritten Fräulein und der Wolken-Schwester, sie mögen nach dem Essen, falls sie nichts zu tun haben, hierher kommen und bei mir sitzen. Ist der Zweite Herr Bao bei euch gewesen?&amp;quot; Beide verneinten. Cuimo fügte hinzu: „Der Zweite Herr Bao geht in letzter Zeit in die Schule; der Herr Vater kontrolliert jeden Tag die Aufgaben — da kann er nicht mehr wie früher überall herumrennen.&amp;quot; Kajaljade hörte es und schwieg. Die beiden standen noch einen Augenblick, dann zogen sie sich leise zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indessen besprachen Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Xiangfluss-Wolke: Chin. 湘云 Xiāngyún, wörtl. „Wolke des Xiang-Flusses&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; bei Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling: Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrter Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; das von Bedauerfrühling gemalte Bild des „Gartens der Großen Anschauung&amp;quot;: hier fehlte ein Strich, dort war es zu viel; dies war zu weitläufig, jenes zu dicht. Man diskutierte auch über passende Inschriften und schickte nach Kajaljade, um sie um Rat zu bitten. Gerade da kehrten Cuilü und Cuimo mit verstörten Mienen zurück. Xiangfluss-Wolke fragte als Erste: „Warum kommt das Fräulein Lin nicht?&amp;quot; Cuilü antwortete: „Das Fräulein Lin hatte gestern Nacht wieder einen Anfall und hat die ganze Nacht gehustet. Wie wir von Schneegans hörten, hat sie eine ganze Schale Blutsputum ausgespuckt.&amp;quot; Erkundefrühling fragte erschrocken: „Ist das wahr?&amp;quot; Cuilü sagte: „Wie sollte es nicht wahr sein?&amp;quot; Cuimo ergänzte: „Wir sind gerade hinein und haben nachgesehen — ihre Gesichtsfarbe ist gar keine Farbe mehr, und die Kraft zum Sprechen ist ganz schwach geworden.&amp;quot; Xiangfluss-Wolke sagte: „Wenn es so schlimm ist, wie kann sie dann noch sprechen?&amp;quot; Erkundefrühling erwiderte: „Wie kannst du so begriffsstutzig sein? Wenn sie nicht mehr sprechen kann, dann ist sie ja bereits …&amp;quot; Bei diesen Worten brach sie ab. Bedauerfrühling sagte: „Schwester Lin ist doch so ein kluger Mensch, aber mir scheint, sie kann gewisse Dinge einfach nicht loslassen; jede Kleinigkeit nimmt sie sich zu Herzen. Aber wo gibt es in der Welt so viel Wahres?&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Wenn es so steht, dann lasst uns alle zu ihr gehen. Wenn die Krankheit ernst ist, sollten wir es der Schwägerin melden, damit sie der Alten Ahnin Bescheid sagt und einen Arzt holt — man muss doch zu einem Entschluss kommen.&amp;quot; Xiangfluss-Wolke stimmte zu: „Ganz recht.&amp;quot; Bedauerfrühling sagte: „Geht schon vor, ich komme nach.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So gingen Erkundefrühling und Xiangfluss-Wolke, gestützt von kleinen Mägden, zum Xiaoxiang-Pavillon. Als sie eintraten, konnte Kajaljade sich des Kummers nicht erwehren. Dann dachte sie an den Traum: „Selbst die Alte Ahnin war so — was soll ich von den anderen erwarten? Zudem habe ich sie nicht gerufen; sie wären von allein nicht gekommen!&amp;quot; In ihrem Herzen dachte sie so, doch dem Anstand halber ließ sie sich von Purpurkuckuck aufrichten und bat sie herein. Erkundefrühling und Xiangfluss-Wolke setzten sich je an ein Ende des Bettrandes. Als sie Kajaljade in diesem Zustand sahen, waren auch sie bewegt. Erkundefrühling fragte: „Schwester, was fehlt dir schon wieder?&amp;quot; Kajaljade antwortete: „Nichts Ernstes, ich fühle mich nur sehr kraftlos.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter Kajaljades Rücken deutete Purpurkuckuck verstohlen auf die Spuckschale. Xiangfluss-Wolke, noch jung an Jahren und von aufrichtigem Temperament, griff sogleich nach der Schale. Als sie hineinblickte, erschrak sie zutiefst und rief: „Das hat Schwester ausgespuckt? So geht das doch nicht!&amp;quot; Anfangs hatte Kajaljade im Halbschlummer es nicht genau angesehen. Als Xiangfluss-Wolke nun so sprach und Kajaljade hinblickte, sank ihr Herz sofort. Erkundefrühling sah Xiangfluss-Wolkes Unbesonnenheit und beeilte sich zu erklären: „Das ist nur ein wenig Lungenfeuer — ein paar Blutspuren, das kommt häufig vor. Die Wolken-Schwester muss sich immer gleich so aufregen!&amp;quot; Xiangfluss-Wolke errötete und bereute ihren Ausrutscher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sah, dass Kajaljades Kräfte nachließen und sie erschöpft wirkte, und erhob sich schnell: „Schwester, ruh dich still aus. Wir kommen später wieder nach dir sehen.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Ich danke euch beiden für eure Sorge.&amp;quot; Erkundefrühling ermahnte Purpurkuckuck noch: „Pass gut auf das Fräulein auf.&amp;quot; Purpurkuckuck bejahte. Erkundefrühling wollte gerade gehen, da hörte man draußen jemanden losschimpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer es war, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 81</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_76|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;76&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_77|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;77&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_78|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;78&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_79|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;79&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_80|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;80&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;81&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_82|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;82&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_83|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;83&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_84|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;84&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_85|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;85&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_86|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;86&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第八十一回 / Kapitel 81 =&lt;br /&gt;
== 占旺相四美钓游鱼 ==&lt;br /&gt;
=== 奉严词两番入家塾 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einundachtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Schönheiten angeln fröhlich Fische und lesen dabei ihr Glück,&lt;br /&gt;
Strenge Worte nötigen zu doppeltem Eintritt in die Hausschule&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie berichtet, kümmerte sich Frau Strafe nach Willkommensfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Willkommensfrühling: Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommener Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Rückkehr zu ihrem Ehemann nicht weiter um die Sache, als wäre nichts geschehen. Doch Frau König, die Willkommensfrühling aufgezogen hatte, war tief betrübt; sie saß allein in ihrem Zimmer und seufzte vor sich hin. Da kam Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; herein, um sie zu begrüßen. Als er sah, dass ihr Gesicht Tränenspuren trug, wagte er nicht, sich zu setzen, und blieb neben ihr stehen. Frau König bat ihn, sich zu setzen, und Schatzjade rückte auf den Kang&amp;lt;ref&amp;gt;Kang: Beheizbare Schlaf- und Sitzplattform aus Ziegeln, typisch für nordchinesische Häuser.&amp;lt;/ref&amp;gt; hinauf und ließ sich an ihrer Seite nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König bemerkte, wie er sie mit leerem Blick anstarrte und offenbar etwas sagen wollte, ohne es herauszubringen, und sprach: „Warum starrst du wieder so vor dich hin?&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „Es ist nichts Besonderes. Nur als ich gestern von der Lage der zweiten Schwester hörte, konnte ich es kaum für sie ertragen. Ich wagte zwar nicht, es der Großmutter zu erzählen, doch in den letzten beiden Nächten habe ich kein Auge zugetan. Wenn ich bedenke, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren solche Kränkungen erdulden muss! Zumal die zweite Schwester von Natur aus überaus zaghaft ist und sich nie mit jemandem gestritten hat — und nun ausgerechnet auf ein so herzloses Wesen trifft, das nicht das Geringste vom Leid einer Frau versteht.&amp;quot; Dabei kamen ihm beinahe die Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König sagte: „Daran lässt sich nichts ändern. Wie das Sprichwort sagt: ‚Eine verheiratete Tochter ist wie ausgegossenes Wasser.' Was soll ich da tun?&amp;quot; Schatzjade entgegnete: „Gestern Nacht habe ich mir einen Plan überlegt: Wir könnten es der Großmutter erklären und die zweite Schwester zurückholen lassen. Sie könnte wieder in der Ziling-Insel wohnen, und wir Geschwister würden wieder zusammen essen und spielen, statt dass sie den Zorn dieses Taugenichtses Sun erdulden muss. Wenn er kommt, um sie abzuholen, lassen wir sie einfach nicht gehen; kommt er hundertmal, halten wir sie hundertmal zurück. Wir sagen einfach, es sei der Wille der Großmutter. Wäre das nicht wunderbar?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Frau König dies hörte, wusste sie nicht, ob sie lachen oder sich ärgern sollte, und sprach: „Da kommt wieder dein kindischer Unsinn! Ein Mädchen muss eines Tages heiraten. Wenn sie in ein anderes Haus geht, kann sich die Herkunftsfamilie nicht darum kümmern; man kann nur hoffen, dass ihr Schicksal gut ist: Trifft sie es gut, ist es gut; trifft sie es schlecht, lässt sich nichts machen. Hast du noch nie gehört: ‚Heiratest du einen Hahn, folge dem Hahn; heiratest du einen Hund, folge dem Hund'? Nicht jede kann wie deine älteste Schwester kaiserliche Gemahlin werden! Außerdem ist deine zweite Schwester eine junge Ehefrau, und der Schwiegersohn Sun ist auch noch ein junger Mann; jeder hat seinen eigenen Charakter. Am Anfang gibt es natürlich Reibereien. Nach ein paar Jahren, wenn man sich aneinander gewöhnt hat und Kinder da sind, wird alles besser. Du darfst vor der Großmutter kein einziges Wort davon fallen lassen — wenn ich davon erfahre, gibt es Ärger! Nun geh und tu etwas Vernünftiges, statt hier Unsinn zu reden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wagte darauf nichts mehr zu erwidern. Er saß noch eine Weile, dann ging er lustlos hinaus. Mit einem Bauch voll aufgestauter Bedrückung, die er nirgends ablassen konnte, schlenderte er in den Garten und ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon. Kaum hatte er die Tür durchschritten, brach er in lautes Weinen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte gerade ihre Morgentoilette beendet und erschrak bei diesem Anblick. Sie fragte: „Was ist denn geschehen? Mit wem hast du dich gestritten?&amp;quot; Sie fragte mehrmals. Schatzjade lag mit gesenktem Kopf auf dem Tisch und schluchzte so heftig, dass er kein Wort herausbrachte. Kajaljade setzte sich auf ihren Stuhl und starrte ihn eine Weile an, dann fragte sie: „Hat sich jemand anderes mit dir gestritten, oder habe ich dich beleidigt?&amp;quot; Schatzjade winkte ab: „Nichts von beidem, nichts von beidem.&amp;quot; Kajaljade fragte: „Warum bist du dann so betrübt?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ich denke nur, es wäre besser, wir würden alle so früh wie möglich sterben. Am Leben zu sein hat wirklich keinen Sinn!&amp;quot; Als Kajaljade diese Worte hörte, erschrak sie noch mehr: „Was redest du da! Bist du wirklich verrückt geworden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade erwiderte: „Ich bin nicht verrückt. Wenn ich es dir erzähle, wird es auch dich traurig machen. Du hast doch neulich gesehen und gehört, wie die zweite Schwester zurückkam und was sie erzählte. Ich frage mich, warum ein Mensch heiraten muss, wenn er erwachsen wird, nur um dann in einem fremden Haus solches Leid zu erdulden. Erinnerst du dich noch, als wir die Begonien-Dichtergesellschaft gründeten? Wie wir zusammen dichteten und einander bewirteten — wie fröhlich das war! Jetzt ist Schwester Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange&amp;quot; des Xue-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; wieder zu Hause, selbst Duftkastanie kann nicht mehr herüberkommen, und die zweite Schwester ist verheiratet. All die Vertrauten sind nicht mehr beisammen, und so sieht es nun aus. Ich wollte eigentlich zur Großmutter gehen und die zweite Schwester zurückholen lassen, doch Mama hat es nicht erlaubt und mich kindisch und wirr genannt, sodass ich nichts mehr zu sagen wagte. In kurzer Zeit hat sich der Garten schon so sehr verändert. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren sein wird. Darum wird mir unwillkürlich immer schwerer ums Herz.&amp;quot; Als Kajaljade diese Worte vernahm, senkte sie allmählich den Kopf, zog sich langsam auf den Kang zurück, sagte kein Wort, seufzte leise und legte sich nach innen hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam gerade mit Tee herein und wunderte sich über die beiden, als Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; eintrat. Sie sah Schatzjade und sprach: „Hier bist du also, Zweiter Herr! Die Großmutter lässt nach dir rufen. Ich habe mir schon gedacht, dass du hier bist.&amp;quot; Kajaljade hörte, dass es Dufthauch war, richtete sich auf und bot ihr einen Platz an. Kajaljades Augen waren bereits vom Weinen ganz rot. Schatzjade bemerkte es und sagte: „Schwester, was ich eben sagte, war nur dummes Gerede. Du musst dir keine Sorgen machen. Wenn du an meine Worte denkst, dann achte umso mehr auf deine Gesundheit. Ruh dich ein wenig aus. Drüben bei der Großmutter wird nach mir gerufen; ich schaue kurz vorbei und komme gleich wieder.&amp;quot; Damit ging er hinaus. Dufthauch fragte Kajaljade leise: „Was hattet ihr beide wieder?&amp;quot; Kajaljade antwortete: „Er ist wegen seiner zweiten Schwester traurig. Mir haben vorhin nur die Augen gejuckt, und ich habe sie gerieben — es war nichts weiter.&amp;quot; Dufthauch sagte nichts mehr, eilte Schatzjade nach, und beide gingen auseinander. Schatzjade begab sich zur Herzoginmutter hinüber, doch die Großmutter hielt bereits ihren Mittagsschlaf, und so kehrte er in den Hof der Roten Freude zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Nachmittag, als Schatzjade von seinem Mittagsschlaf erwachte, langweilte er sich fürchterlich und griff aufs Geratewohl nach einem Buch. Dufthauch sah, dass er las, und eilte, ihm Tee zu bringen. Das Buch, das Schatzjade in der Hand hielt, waren die „Alten Yuefu-Lieder&amp;quot;. Er blätterte darin und stieß auf Cao Mengdes „Beim Wein soll man singen — wie lange währt das Menschenleben?&amp;quot;, und unwillkürlich stach es ihn ins Herz. Er legte das Buch beiseite und nahm ein anderes; es war eine Sammlung aus der Jin-Dynastie. Nachdem er einige Seiten durchgeblättert hatte, klappte er das Buch plötzlich zu, stützte das Kinn in die Hand und saß mit abwesendem Blick da. Dufthauch kam mit dem Tee und fragte bei seinem Anblick: „Warum liest du nicht weiter?&amp;quot; Schatzjade antwortete nicht, nahm den Tee, trank einen Schluck und stellte ihn hin. Dufthauch konnte sich keinen Reim darauf machen und stand nur neben ihm und starrte ihn an. Plötzlich stand Schatzjade auf und murmelte vor sich hin: „Wie herrlich — ‚sich in ungezügelter Freiheit jenseits aller Formen bewegen'!&amp;quot; Dufthauch musste lachen und wagte doch nicht zu fragen; sie riet ihm nur: „Wenn du keine Lust hast, das zu lesen, geh doch lieber ein wenig im Garten spazieren, statt dir hier vor Langeweile noch eine Krankheit zuzuziehen.&amp;quot; Schatzjade antwortete zerstreut mit einem Ja und ging, noch immer ganz in Gedanken versunken, nach draußen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald gelangte er zum Qinfang-Pavillon. Doch er sah nur eine öde Szenerie — die Menschen fortgegangen, die Räume leer. Er ging weiter zum Hengwu-Hof: Der Duft der Kräuter war noch da wie eh und je, doch Türen und Fenster waren geschlossen. Als er um das Ouxiang-Gartenhaus herumkam, sah er in der Ferne einige Gestalten, die sich an das Geländer in der Nähe des Liaoxu-Ufers lehnten, und ein paar kleine Dienstmädchen, die auf dem Boden kauerten und nach etwas suchten. Schatzjade schlich sich leise hinter den künstlichen Felsen und lauschte. Jemand sagte: „Ob er wohl an die Oberfläche kommt?&amp;quot; — es klang wie Muster Pflaumes Stimme. Eine andere lachte: „Gut! Er ist untergetaucht. Ich wusste doch, dass er nicht hochkommt.&amp;quot; Das war Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Stimme. Wieder eine andere sprach: „Ja, richtig. Schwester, beweg dich nicht, warte nur ab — er kommt auf jeden Fall hoch.&amp;quot; Und noch eine rief: „Da kommt er!&amp;quot; Die beiden letzten Stimmen gehörten Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade konnte nicht widerstehen, hob ein Steinchen auf und warf es ins Wasser — platsch! Alle vier erschraken und riefen: „Wer macht denn solche Streiche? Hat uns einen Schreck eingejagt!&amp;quot; Schatzjade sprang lachend hinter dem Felsen hervor und rief: „Was für ein Vergnügen! Warum habt ihr mich nicht gerufen?&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Ich wusste, es kann nur der Zweite Bruder sein, der so ungezogen ist! Da gibt es nichts zu reden — du musst mir meinen Fisch ersetzen: Gerade eben kam einer herangeschwommen, ich hatte ihn fast am Haken, und du hast ihn verscheucht.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ihr amüsiert euch hier ohne mich — eigentlich müsste ich euch bestrafen.&amp;quot; Alle lachten eine Weile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sprach: „Lasst uns alle angeln und herausfinden, wer das meiste Glück hat: Wer einen Fisch fängt, hat dieses Jahr Glück; wer keinen fängt, hat Pech. Wer fängt zuerst an?&amp;quot; Erkundefrühling bot Muster Pflaume den Vortritt an, doch die lehnte ab. Erkundefrühling lachte: „Dann fange ich eben an.&amp;quot; Zu Schatzjade gewandt sagte sie: „Zweiter Bruder, wenn du mir noch einmal die Fische verscheuchst, lass ich das nicht durchgehen.&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „Vorhin wollte ich euch nur erschrecken. Jetzt angel nur in Ruhe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling warf die Seidenschnur aus, und noch ehe zehn Sätze gesprochen waren, hatte schon ein Weidenblatt-Schnellfisch den Haken verschluckt und die Pose heruntergezogen. Erkundefrühling zog die Rute hoch, schwenkte den Fisch zu Boden — er zappelte noch heftig. Shishu fing ihn auf dem ganzen Boden mit beiden Händen ein und setzte ihn in einen kleinen Porzellantopf mit klarem Wasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling reichte die Angel an Muster Pflaume weiter. Muster Pflaume ließ die Schnur hinab, spürte einen Ruck, riss die Rute hoch — doch der Haken war leer. Sie versuchte es noch einmal, und nach einer Weile ruckte die Schnur wieder; sie zog hoch — wieder ein leerer Haken. Muster Pflaume untersuchte den Haken und sah, dass er sich nach innen gebogen hatte. Sie lachte: „Kein Wunder, dass nichts anbeißt!&amp;quot; Eilig ließ sie Suyun den Haken richten und einen neuen Köder aufstecken und das Schilfplättchen befestigen. Nachdem sie die Schnur eine Weile im Wasser hängen ließ, sank die Pose direkt unter — sie riss die Angel hoch, und da hing ein zwei Zoll langer kleiner Karauschenfisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muster Pflaume lachte: „Schatzjade, jetzt angel du.&amp;quot; Schatzjade antwortete: „Lasst lieber erst die dritte Schwester und Schwester Strafe angeln, dann bin ich dran.&amp;quot; Höhlennebel Strafe sagte nichts. Prachtamt Pflaume meinte: „Schatzjade, angel du zuerst.&amp;quot; Da stieg eine Blase auf dem Wasser auf. Erkundefrühling sagte: „Hört auf mit der Höflichkeit! Seht, die Fische sind alle drüben bei der dritten Schwester — los, angel schnell!&amp;quot; Prachtamt Pflaume nahm lachend die Rute und fing tatsächlich sofort einen Fisch. Danach fing auch Höhlennebel Strafe einen. Dann reichten sie die Rute zurück an Erkundefrühling, die sie Schatzjade gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade verkündete: „Ich will es machen wie Jiang Taigong!&amp;quot; Er stieg zum Steinufer hinab, setzte sich an den Teichrand und begann zu angeln. Doch die Fische im Wasser sahen seinen Schatten und flohen allesamt anderswohin. Schatzjade schwenkte seine Angel und wartete lange, aber die Schnur rührte sich nicht. Gerade als ein Fisch am Rand des Wassers Blasen blies, ruckte Schatzjade an der Rute und verscheuchte ihn prompt. Ungeduldig rief Schatzjade: „Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt, und ausgerechnet der Fisch hat es nicht eilig — was soll ich da machen? Lieber Fisch, komm doch endlich! Hab ein Einsehen mit mir!&amp;quot; Die vier Mädchen lachten schallend. Kaum hatte er ausgesprochen, zuckte die Schnur leicht. Überglücklich riss Schatzjade mit aller Kraft die Angel hoch und schlug dabei die Rute an den Stein, worauf sie in zwei Stücke zerbrach, die Schnur riss und der Haken verschwand. Die anderen lachten nur noch mehr. Erkundefrühling sagte: „So einen Tolpatsch wie dich gibt es wirklich nicht noch einmal.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch während sie sprachen, kam Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; außer Atem herbeigelaufen und rief: „Zweiter Herr, die Großmutter ist wach und lässt Euch sofort kommen!&amp;quot; Alle fünf erschraken. Erkundefrühling fragte Moschusmond: „Was will die Großmutter vom Zweiten Bruder?&amp;quot; Moschusmond antwortete: „Ich weiß es auch nicht. Ich habe nur gehört, dass irgendetwas aufgeflogen sei und die Großmutter Schatzjade befragen will, und die Zweite Schwägerin Lian soll es auch untersuchen.&amp;quot; Schatzjade erschrak und starrte eine Weile vor sich hin: „Wer weiß, welches Dienstmädchen nun wieder Ärger bekommen hat.&amp;quot; Erkundefrühling sprach: „Was immer es ist, Zweiter Bruder, geh schnell. Wenn es Neuigkeiten gibt, schick Moschusmond her, um es uns mitzuteilen.&amp;quot; Damit ging sie mit Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade kam in die Gemächer der Herzoginmutter. Dort saß Frau König bei der Großmutter, und beide spielten Mahjong. Als Schatzjade sah, dass nichts Beunruhigendes vorlag, fiel ihm die Hälfte seiner Angst vom Herzen. Die Herzoginmutter sah ihn hereinkommen und fragte: „Als du vor zwei Jahren krank warst und schließlich ein verrückter Mönch und ein hinkender Daoist dich heilten — erinnerst du dich, wie es dir während der Krankheit ergangen ist?&amp;quot; Schatzjade überlegte eine Weile und sagte: „Ich erinnere mich, dass mir, als ich gerade stand, wie aus dem Nichts jemand einen Knüppel über den Kopf schlug, sodass mir die Augen schwarz wurden und ich das ganze Zimmer voller Dämonen mit grünen Fratzen und Reißzähnen sah, die Messer und Knüppel schwangen. Als ich auf dem Kang lag, fühlte es sich an, als hätte man mir mehrere eiserne Reifen um den Kopf gelegt. Danach war der Schmerz so groß, dass ich gar nichts mehr wahrnahm. Als es mir besserging, erinnere ich mich an ein goldenes Leuchten in der Halle, das bis auf mein Bett strahlte. Alle Dämonen flohen erschrocken davon und verschwanden. Mein Kopf schmerzte nicht mehr, und im Geist wurde mir wieder klar.&amp;quot; die Herzoginmutter wandte sich an Frau König: „Das klingt ja fast genauso.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam auch Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; herein, begrüßte die Herzoginmutter und dann Frau König und fragte: „Was wollte die Alte Ahnin mich fragen?&amp;quot; die Herzoginmutter sprach: „Erinnerst du dich noch, wie es war, als du damals von dem Zauber befallen wurdest?&amp;quot; Phönixglanz lachte: „So genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich spürte nur, wie mein Körper nicht mehr mir selbst gehorchte, als würde mich jemand zerren und stoßen und als sollte ich Menschen umbringen. Was mir in die Hände kam, das packte ich; was mir begegnete, das schlug ich tot. Eigentlich war ich völlig erschöpft, aber ich konnte nicht aufhören.&amp;quot; die Herzoginmutter fragte: „Und als du gesund wurdest?&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Als es mir besserging, war es, als hätte jemand in der Luft ein paar Worte gesprochen, aber ich erinnere mich nicht, was.&amp;quot; die Herzoginmutter nickte: „So sieht es also aus — es war wirklich sie. Beider Krankheitserscheinungen stimmen mit dem gerade Beschriebenen überein. Dieses alte Weib hatte wirklich ein bösartiges Herz! Schatzjade hat sie doch sogar als Patin anerkannt. Dagegen waren der Mönch und der Daoist — Amitabha! — die wahren Retter von Schatzjades Leben. Nur haben wir uns noch nicht bei ihnen bedankt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fragte: „Wie kommt die Alte Ahnin auf unsere damalige Krankheit zu sprechen?&amp;quot; die Herzoginmutter antwortete: „Frag deine Tante — ich mag es nicht nochmal erzählen.&amp;quot; Frau König sprach: „Vorhin kam der Herr herein und erzählte, dass Schatzjades Patin tatsächlich ein durch und durch verdorbenes Weib war, die schwarze Magie betrieb. Jetzt ist die Sache aufgeflogen: Sie wurde von der Kaiserlichen Garde ergriffen und an das Strafministerium überstellt, wo sie zum Tode verurteilt werden soll. Vor einigen Tagen wurde sie angezeigt. Ein gewisser Pan Sanbao besaß ein Haus, das er dem Pfandhaus gegenüber verkauft hatte. Pan Sanbao verlangte immer höhere Aufschläge, die das Pfandhaus nicht mehr zu zahlen bereit war. Da bestach Pan Sanbao diese alte Hexe. Weil sie häufig im Pfandhaus verkehrte und die Frauen des Hauses ihr alle vertrauten, wendete sie eine ihrer Künste an: Plötzlich wurden die Frauen von einem bösen Leiden befallen, und im Haus brach das reinste Chaos aus. Da trat sie auf und erklärte, sie könne die Krankheit heilen. Sie verbrannte Geisterpferde und Papiergeld, und tatsächlich besserte es sich. Dann verlangte sie von den Frauen des Hauses mehr als zehn Tael Silber. Doch der Himmel hat Augen, und es kam zur Enthüllung: Eines Tages, als sie es eilig hatte nach Hause zu kommen, verlor sie ein in Seide gewickeltes Bündel. Die Leute vom Pfandhaus hoben es auf und fanden darin viele Papierfiguren und vier Kugeln stark duftenden Weihrauchs. Während sie sich noch wunderten, kam die Alte zurück, um das Bündel zu suchen. Sie packten sie, durchsuchten sie und fanden ein Kästchen mit folgenden Dingen: aus Elfenbein geschnitzte Figuren eines Mannes und einer Frau, beide nackt; zwei nackte Dämonenkönige; und sieben zinnoberrote Sticknadeln. Sofort wurde sie zur Kaiserlichen Garde gebracht, und unter Verhör gestand sie Geheimnisse zahlreicher Beamtenfamilien und vornehmer Damen und Fräulein. Daraufhin wurde ihre Wohnung durchsucht: Man fand zahlreiche Tonnachbildungen von Schreckensgöttern, mehrere Kästchen mit Betäubungsweihrauch; in einem Hinterzimmer hinter dem Kang hing eine Siebensternlaterne, und unter der Laterne standen mehrere Strohpuppen: einigen war ein eiserner Reif um den Kopf gelegt, anderen steckten Nägel in der Brust, wieder anderen war eine Kette um den Hals gebunden. In einer Truhe lagen unzählige Papierfiguren und darunter mehrere Kontobücher, in denen verzeichnet war, bei welcher Familie ein Fluch erprobt worden war, wie viel Silber noch ausstehe und wie viel Geld für Öl und Weihrauch empfangen worden sei — unzählige Summen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Unsere damalige Krankheit war gewiss ihr Werk! Ich erinnere mich, dass die alte Hexe danach mehrfach bei Zhao Yiniang war und Silber verlangte; als sie mich sah, veränderten sich Miene und Farbe ihres Gesichts, und ihre Augen glotzten wie die eines schwarzen Huhns. Anfangs rätselte ich immerzu, ohne den Grund zu finden. Jetzt, da die Rede darauf kommt, erweist sich, dass alles seine Ursache hatte. Aber als Haushälterin macht man sich natürlich Feinde, da kann ich es den Leuten nicht verübeln, dass sie es auf mich abgesehen hatten. Doch was hat Schatzjade jemandem getan, dass man es über sich brachte, ihm so Giftiges anzutun?&amp;quot; die Herzoginmutter erwiderte: „Wer weiß — vielleicht hat sie uns beiden den Fluch aufgeladen, weil ich Schatzjade bevorzuge und Huan nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König sprach: „Die Alte ist bereits verurteilt, und es wäre unmöglich, sie zur Konfrontation herzuschaffen. Ohne Konfrontation wird Zhao Yiniang gewiss nichts zugeben. Und die Sache ist zu schwerwiegend — wenn es nach außen dringt, wäre es unangemessen. Lass sie sich selbst ins Verderben reiten; früher oder später kommt alles von allein ans Licht.&amp;quot; die Herzoginmutter meinte: „Da hast du recht. Ohne Beweis lässt sich nichts mit Sicherheit sagen. Doch Buddha und die Bodhisattvas sehen alles klar — haben die beiden heute nicht doch ihr Auskommen? Genug, was vergangen ist, ist vergangen. Phönixglanz, du brauchst nicht weiter davon zu sprechen. Heute bleibt ihr beide, du und deine Tante, hier bei mir zum Abendessen.&amp;quot; Dann rief sie Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Hupo und die anderen, das Essen aufzutragen. Phönixglanz beeilte sich lachend: „Wie kommt es, dass die Alte Ahnin sich persönlich Sorgen macht?&amp;quot; Auch Frau König musste lächeln. Draußen warteten bereits einige Dienerinnen. Phönixglanz schickte schnell ein kleines Mädchen los: „Sag in der Küche, dass ich und die Gnädige Frau bei der Alten Ahnin speisen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Währenddessen kam Yuchuan herein und sagte zu Frau König: „Der gnädige Herr sucht etwas und bittet die Gnädige Frau, nach dem Essen der Alten Ahnin selbst danach zu schauen.&amp;quot; die Herzoginmutter sprach: „Geh nur — vielleicht hat dein Mann etwas Dringendes.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau König nahm ihren Abschied, ließ Phönixglanz bei der Großmutter und zog sich zurück. In ihren Gemächern plauderte sie mit Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und fand den gesuchten Gegenstand. Aufrecht Kaufmann fragte: „Ist Willkommensfrühling schon zurückgekehrt? Wie geht es ihr im Hause Sun?&amp;quot; Frau König erwiderte: „Willkommensfrühling war ein einziges Tränenmeer. Der Schwiegersohn Sun soll unerhört brutal sein!&amp;quot; Darauf schilderte sie, was Willkommensfrühling erzählt hatte. Aufrecht Kaufmann seufzte: „Ich wusste von Anfang an, dass es keine gute Partie war. Aber der Ältere Herr hatte es bereits beschlossen — da konnte ich nichts tun. Willkommensfrühling muss eben einiges an Unrecht erdulden.&amp;quot; Frau König sagte: „Sie ist ja noch eine junge Ehefrau; man kann nur hoffen, dass es in Zukunft besser wird.&amp;quot; Dabei musste sie unwillkürlich lächeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann fragte: „Worüber lachst du?&amp;quot; Frau König antwortete: „Ich muss über Schatzjade lachen, der heute Morgen eigens herkam und lauter kindische Sachen redete.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann fragte: „Was hat er gesagt?&amp;quot; Frau König erzählte lachend Schatzjades Worte. Auch Aufrecht Kaufmann konnte nicht umhin zu lachen. Dann wurde er ernst und sprach: „Da du Schatzjade erwähnst — mir ist gerade eine Sache eingefallen. Dieses Kind den ganzen Tag im Garten herumtollen zu lassen, ist kein Zustand. Mädchen, die nichts einbringen, gehören ohnehin in ein anderes Haus. Aber wenn ein Sohn nichts taugt, sind die Folgen schwerwiegend. Neulich hat jemand mir einen Lehrer empfohlen — ein Mann von vorzüglicher Gelehrsamkeit und tadellosem Charakter, ebenfalls aus dem Süden. Doch ich fürchte, ein Lehrer aus dem Süden ist zu nachsichtig. Unsere Stadtkinder sind alle frech wie die Teufel: schlau genug, um sich durchzumogeln, und dabei unverschämt. Wenn der Lehrer es nicht übers Herz bringt, streng zu sein und den Schüler nur wie ein Baby verhätschelt, ist am Ende alles umsonst. Darum haben die Alten lieber niemanden von außen engagiert, sondern jemanden aus der eigenen Familie für die Hausschule gewählt — jemanden in reifem Alter und mit ein wenig Bildung. Zwar ist Großonkel Ru kein überragender Gelehrter, aber er versteht es, die Jungen in Schach zu halten und geht nicht nachlässig zu Werke. Ich denke, Schatzjade müßig herumsitzen zu lassen, taugt nichts. Am besten schicken wir ihn wieder in die Hausschule zum Lernen.&amp;quot; Frau König stimmte zu: „Der gnädige Herr hat ganz recht. Seit Ihr in der Provinz wart und er ständig krank war, sind mehrere Jahre vergeudet worden. Wenn er jetzt wenigstens in der Hausschule den Stoff wiederholt, wäre das schon etwas.&amp;quot;  Aufrecht Kaufmann nickte, und sie plauderten noch über dies und jenes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen, als Schatzjade aufstand und seine Toilette beendet hatte, überbrachten die Diener die Botschaft: „Der gnädige Herr wünscht den Zweiten Herrn zu sprechen.&amp;quot; Schatzjade richtete eilig seine Kleider und begab sich in Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer. Nach der Begrüßung blieb er stehen. Aufrecht Kaufmann sprach: „Was hast du in letzter Zeit an Studien betrieben? Ein paar Seiten Schönschrift sind noch keine Leistung. Ich sehe, dass du in den letzten Jahren noch nachlässiger geworden bist als früher. Überdies höre ich ständig, dass du dich krank meldest, um dem Unterricht fernzubleiben. Bist du jetzt wieder ganz gesund? Und ich höre, dass du Tag für Tag im Garten mit deinen Schwestern herumtolst und dich sogar mit den Dienstmädchen vergnügst, während du deine eigentlichen Pflichten vollständig vernachlässigst. Selbst wenn du ein paar Verse zusammenreimst — was ist schon dabei? Bei den Beamtenprüfungen kommt es auf die Prosadichtung an, und auf diesem Gebiet hast du keinerlei Übung. Ich sage dir: Von heute an ist es verboten, Gedichte und Parallelverse zu schreiben! Du wirst dich ausschließlich den Achtgliedrigen Aufsätzen widmen. Ich gebe dir ein Jahr: Wenn du keinerlei Fortschritte machst, brauchst du gar nicht mehr zu studieren — und ich verzichte auf einen solchen Sohn!&amp;quot; Dann rief er Li Gui herbei: „Morgen früh soll Beiming Schatzjade begleiten, seine Bücher zusammenpacken und alles herbringen, damit ich es durchsehe. Dann bringe ich ihn persönlich in die Hausschule.&amp;quot; Barsch befahl er Schatzjade: „Geh! Morgen früh erscheinst du bei mir.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte dies und wusste lange nichts zu erwidern. Er kehrte in den Hof der Roten Freude zurück. Dufthauch wartete ungeduldig auf Nachricht; als sie hörte, er solle seine Bücher holen, freute sie sich sogar. Doch Schatzjade wollte unbedingt sofort eine Nachricht an die Herzoginmutter schicken, damit sie einschreite. Die Großmutter ließ Schatzjade zu sich kommen und sagte: „Geh nur beruhigt. Lass deinen Vater nicht böse werden. Sollte man dich zu hart rannehmen, bin ich noch da!&amp;quot; Schatzjade konnte nichts machen. Er ging zurück und trug den Mädchen auf: „Weckt mich morgen früh — der Vater will mich in die Hausschule bringen!&amp;quot; Dufthauch und die anderen sagten zu, und Dufthauch und Moschusmond wechselten sich die ganze Nacht ab, um rechtzeitig zu wachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen in aller Frühe weckte Dufthauch Schatzjade; er wusch sich und kleidete sich um. Sie schickte ein kleines Mädchen los, Beiming zum Warten am zweiten Tor zu bestellen, wo er Bücher und Schreibzeug bereithielt. Dufthauch trieb ihn noch zweimal an, und Schatzjade ging schließlich hinaus zu Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer, wo er sich zunächst erkundigte, ob der gnädige Herr schon erschienen sei. Ein Diener im Arbeitszimmer antwortete: „Gerade eben kam ein literarischer Berater, um den gnädigen Herrn zu sprechen; drinnen hieß es, der Herr sei noch bei der Morgentoilette. Der Berater wurde gebeten, draußen zu warten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte es und beruhigte sich ein wenig. Eilig begab er sich zu Aufrecht Kaufmann hinüber, und gerade in dem Moment sandte Aufrecht Kaufmann jemanden, um ihn zu rufen. Schatzjade folgte hinein. Aufrecht Kaufmann erteilte noch einige Anweisungen, dann nahm er Schatzjade mit, stieg in den Wagen, und mit Beiming, der die Bücher trug, fuhren sie zur Hausschule. Schon war jemand vorausgeeilt und hatte Jia Dairu gemeldet: „Der gnädige Herr kommt!&amp;quot; Dairu erhob sich. Aufrecht Kaufmann war bereits eingetreten und begrüßte Dairu respektvoll. Dairu nahm seine Hand und erkundigte sich nach seinem Befinden, dann fragte er: „Geht es der Alten Ahnin in letzter Zeit gut?&amp;quot; Auch Schatzjade trat vor und begrüßte ihn. Aufrecht Kaufmann blieb stehen und bat Dairu, sich zu setzen, ehe er sich selbst niederließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sprach: „Ich habe ihn heute persönlich hergebracht, weil ich eine ernste Bitte habe. Dieses Kind ist nicht mehr klein; es muss endlich die Prüfungsaufsätze erlernen, die ein Mann für Ansehen und Karriere braucht. Zu Hause treibt er nur Unfug mit den Jungen. Obwohl er ein paar Verse kennt, ist das nur wildgewordenes Geschwätz — und selbst wenn es gut wäre, handelte es sich um nichts als ‚Wind, Wolken, Mond und Tau', ohne den geringsten Bezug zu den wahren Aufgaben des Lebens.&amp;quot; Dairu antwortete: „Seinem Äußeren nach macht er einen durchaus anständigen Eindruck, und an Begabung fehlt es ihm auch nicht. Warum nur will er nicht lernen und denkt nur ans Herumtollen? Dichtung ist an sich kein verwerfliches Studium — nur sollte man damit warten, bis man es zu etwas gebracht hat.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann nickte: „Genau so ist es. Im Augenblick bitte ich nur darum, dass er liest, den Stoff erklären kann und Aufsätze schreibt. Sollte er den Unterricht nicht befolgen, so bitte ich den Großonkel, ihn mit aller Strenge zu erziehen, damit es nicht bei bloßem Schein bleibt und sein Leben nicht vergeudet wird.&amp;quot; Er stand auf, verbeugte sich noch einmal, plauderte ein wenig und verabschiedete sich. Dairu geleitete ihn bis zur Tür und sagte: „Grüßen Sie die Alte Ahnin ehrerbietig von mir.&amp;quot; Aufrecht Kaufmann sagte es zu, stieg in den Wagen und fuhr davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dairu kehrte zurück und sah Schatzjade an seinem Platz in der südwestlichen Ecke am Fenster sitzen, wo ein kleiner Tisch aus Rosenholz stand. Rechts waren zwei alte Lehrbücher aufgestapelt, dazu ein schmales Heft mit Musteraufsätzen; Beiming hatte Pinsel, Tusche, Papier und Tuschstein in der Schublade verstaut. Dairu sprach: „Schatzjade, ich hörte, du warst vor einiger Zeit krank. Bist du nun vollständig genesen?&amp;quot; Schatzjade stand auf und antwortete: „Ja, vollständig.&amp;quot; Dairu fuhr fort: „Nun, dann wird es Zeit, dass du dich ernsthaft an die Arbeit machst. Dein Vater setzt große Hoffnungen in dich, und das von ganzem Herzen. Am besten gehst du den Stoff, den du früher durchgenommen hast, von Anfang an noch einmal durch. Jeden Morgen wird wiederholt, nach dem Essen wird geschrieben, am Nachmittag erkläre ich dir den Stoff, dann liest du ein paar Musteraufsätze — das genügt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade antwortete mit einem „Ja&amp;quot;, setzte sich wieder und blickte sich unwillkürlich um. Von Jin Rongs Leuten waren einige nicht mehr da, dafür waren einige neue kleine Schüler hinzugekommen — alle von überaus plumper und gewöhnlicher Art. Da fiel ihm Liebglocke Minne ein, und er dachte, dass es jetzt nicht einen einzigen Gefährten gab, dem er sein Herz öffnen konnte. Wehmut überkam ihn, aber er wagte nichts zu sagen und schaute nur still und bedrückt in seine Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dairu sprach zu Schatzjade: „Da es dein erster Tag ist, lasse ich dich heute früher nach Hause gehen. Aber morgen wird ein Kapitel durchgesprochen. Doch du bist ja nicht begriffsstutzig — morgen sollst du mir erst einmal ein oder zwei Kapitel erklären, damit ich höre, wie weit du bist. Dann weiß ich, woran wir ansetzen müssen.&amp;quot; Bei diesen Worten pochte Schatzjades Herz vor Aufregung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie er am nächsten Tag seinen Stoff darlegte, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 80</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= 第八十回 / Kapitel 80 =&lt;br /&gt;
== 美香菱屈受贪夫棒 ==&lt;br /&gt;
=== 王道士胡诌妒妇方 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schöne Duftkastanie wird unschuldig vom habgierigen Ehemann geschlagen — Der Daoist Wang erfindet ein unsinniges Rezept gegen Eifersucht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jin Gui [金桂] das hörte, verdrehte sie den Hals, verzog die Lippen, schnaubte durch die Nase und sagte händeklatschend mit kühlem Lächeln: »Wer hat je gehört, dass Wassernussblüten duften? Wenn man behauptet, Wassernüsse seien duftend, wo bleiben dann die wirklich duftenden Blumen? Das ist der größte Unsinn!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie [香菱] entgegnete: »Nicht nur die Wassernussblüten, selbst Lotusblätter und Lotuskapseln verströmen einen feinen Duft. Freilich kann man ihn nicht mit dem von Blumen vergleichen. Aber wenn man an einem stillen Tag oder in einer ruhigen Nacht, am frühen Morgen oder um Mitternacht ganz aufmerksam auf ihn achtet, dann ist dieser Duft sogar lieblicher als der von Blumen. Auch Wassernüsse, Euryale-Früchte, Schilfblätter und Schilf-Wurzeln verströmen, wenn sie Tau und Wind empfangen, eine frische Reinheit, die das Herz erquickt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte: »Wenn ich dir glauben soll, duften Orchideen und Osmanthus also nicht so gut?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie war in der Hitze des Gesprächs und hatte die Tabuworte vergessen, und so platzte sie heraus: »Der Duft von Orchideen und Osmanthus ist mit dem anderer Blumen gar nicht zu vergleichen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor sie ausgesprochen hatte, zeigte Jin Guis Zofe namens Baochan [宝蟾, »Jade-Kröte«] mit dem Finger auf Duftkastanies Gesicht und rief: »Willst du sterben, willst du sterben? Wie kannst du den Namen des Fräuleins einfach so aussprechen!« &amp;lt;ref&amp;gt;Jin Gui hatte verboten, das Zeichen 桂 (gui = Osmanthus) zu benutzen, da es Teil ihres Namens ist&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie wurde sich ihres Fehlers plötzlich bewusst, errötete und sagte eilig mit entschuldigendem Lächeln: »Es ist mir in der Eile einfach so herausgerutscht. Die gnädige Frau möge es mir bitte nicht nachtragen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte lachend: »Ach was, du bist wirklich zu vorsichtig. Aber ich denke mir schon die ganze Zeit, dass das Zeichen 'Duft' [香] in deinem Namen eigentlich nicht passt. Ich habe vor, es durch ein anderes zu ersetzen. Ich weiß nur nicht, ob du einverstanden bist?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie erwiderte hastig lachend: »Was sagt die gnädige Frau da! In diesem Augenblick gehören mir nicht einmal Leib und Leben selbst, alles gehört der gnädigen Frau. Wie sollte ich es da wagen, mich über eine Namensänderung zu beschweren? Die gnädige Frau bestimme, welches Zeichen gut ist, und das soll es sein.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte lachend: »Du hast zwar recht, aber ich fürchte, das Fräulein [Schatzspange] könnte empfindlich reagieren und sagen: 'Den Namen habe ich ihr gegeben, und der soll schlechter sein als deiner? Du bist doch kaum ein paar Tage hier und maßt dir an, mich zu korrigieren?'«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie erwiderte lachend: »Die gnädige Frau kennt die Umstände nicht. Als ich damals gekauft wurde, war ich zunächst der alten gnädigen Frau [Tante Schnee] zugeteilt, und darum hat das Fräulein mir den Namen gegeben. Seitdem ich dann dem jungen Herrn aufwarte, habe ich mit dem Fräulein nichts mehr zu schaffen. Und jetzt, da die gnädige Frau da ist, erst recht nicht. Außerdem ist das Fräulein ein höchst verständiger Mensch — wie sollte sie sich darüber ärgern?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte: »Wenn das so ist, dann passt das Zeichen 'Duft' wirklich nicht so gut wie das Zeichen 'Herbst' [秋]. Wassernüsse und Wassernussblüten gedeihen ja im Herbst, und so hat das Zeichen 'Herbst' mehr Bezug als 'Duft'.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie sagte: »Dann sei es so, wie die gnädige Frau bestimmt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an wurde sie »Qiuling« [秋菱, »Herbst-Wassernuss«] genannt, und Schatzspange kümmerte sich nicht weiter darum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun war Becken Schnee [薛蟠] von Natur aus ein Mensch, der stets begehrte, was er noch nicht hatte &amp;lt;ref&amp;gt;wörtlich 得陇望蜀, »hat man Longyou, begehrt man Sichuan«&amp;lt;/ref&amp;gt;. Nachdem er Jin Gui geheiratet hatte und sah, dass ihre Zofe Baochan ein recht hübsches Gesicht und ein frivol-anmutiges Wesen hatte, versuchte er ständig, sie unter dem Vorwand, Tee oder Wasser zu verlangen, zu umgarnen. Baochan war zwar durchaus weltklug, fürchtete aber Jin Gui und wagte es nicht, eigenmächtig zu handeln, sondern wartete auf deren Zeichen. Jin Gui ihrerseits hatte seinen Blick sehr wohl bemerkt und überlegte bei sich: »Gerade jetzt will ich Duftkastanie fertigmachen, finde aber keinen Anlass dazu. Wenn er sich jetzt für Baochan interessiert, so gebe ich ihm Baochan hin — dann wird er sich gewiss von Duftkastanie entfernen, und ich kann sie mir ungestört vornehmen. Baochan ist ohnehin mein Mensch und wird leicht zu handhaben sein.« So fasste sie ihren Plan und wartete auf den richtigen Zeitpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Abends war Becken Schnee leicht angetrunken und ließ Baochan Tee bringen. Als er ihr die Schale abnahm, drückte er ihr absichtlich die Hand. Baochan tat verschämt und zog hastig die Hand zurück. Beide verfehlten den Griff, und mit einem Klirren fiel die Teeschale zu Boden, Tee bespritzte Kleider und Fußboden. Becken Schnee tat verlegen und behauptete, Baochan habe die Schale nicht richtig gehalten. Baochan entgegnete: »Der junge Herr hat sie nicht richtig angenommen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte mit kühlem Lächeln: »Euer beider Getue ist ja kaum noch auszuhalten. Glaubt bloß nicht, dass irgendjemand hier dumm ist.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee senkte den Kopf und lächelte schweigend, Baochan lief rot an und ging hinaus. Als man sich zur Nachtruhe begab, jagte Jin Gui Becken Schnee absichtlich fort und schickte ihn anderswo schlafen: »Damit mir deine gierigen Augen erspart bleiben!« Becken Schnee lachte nur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte: »Wenn du etwas willst, dann sag es mir offen, statt hinter meinem Rücken herumzuschleichen — das ist erbärmlich!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Becken Schnee das hörte, nutzte er den Mut, den der Wein ihm gab, kniete sich auf dem Bett nieder, ergriff Jin Guis Hand und sagte lachend: »Liebe Schwester, wenn du mir Baochan schenkst, dann kannst du mit mir machen, was du willst. Du willst meinen Kopf? Ich bringe ihn dir!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte lachend: »Was für ein Unsinn! Wenn du jemanden begehrst, dann sag es offen und nimm sie als Nebenfrau auf, damit die Leute nichts Ungebührliches sehen müssen. Was sollte ich mir davon wünschen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Becken Schnee das hörte, war er überglücklich, dankte ihr überschwänglich und ließ in dieser Nacht nichts an ehelicher Zuneigung vermissen, um Jin Gui zufriedenzustellen. Am nächsten Tag ging er nicht einmal aus dem Haus, blieb den ganzen Tag daheim und wurde immer dreister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Nachmittag ging Jin Gui absichtlich fort, um den beiden Gelegenheit zu geben. Becken Schnee begann sogleich, Baochan zu bedrängen. Baochan wusste im Grunde, worum es ging, und leistete nur halbherzigen Widerstand. Gerade als sie sich vereinigen wollten, erschien — denn Jin Gui hatte absichtlich gewartet und den günstigsten Moment abgepasst — die kleine Zofe Xiao She'er [小舍儿].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese kleine Zofe war bei Jin Gui aufgewachsen und diente ihr seit ihrer Kindheit. Da sie früh beide Eltern verloren hatte und es niemanden gab, der sich um sie kümmerte, nannten sie alle nur »Kleine Waise«, und sie verrichtete die gröbsten Arbeiten. Jin Gui ließ sie jetzt eigens kommen und befahl ihr: »Geh zu Qiuling [Duftkastanie] und sage ihr, sie solle aus meinem Zimmer mein Taschentuch holen. Sag nicht, dass ich dich geschickt habe.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kleine ging und fand Duftkastanie: »Schwester Ling, die gnädige Frau hat ihr Taschentuch im Zimmer vergessen. Wenn du es ihr holst und hinbringst, wäre das doch nett.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie hatte in letzter Zeit ständig unter Jin Guis Schikanen zu leiden, ohne zu begreifen warum, und tat alles, um sich bei ihr beliebt zu machen. Als sie das hörte, eilte sie sofort ins Zimmer, um das Taschentuch zu holen. Ahnungslos platzte sie just in dem Moment hinein, als sich die beiden in inniger Umarmung befanden. Vor Scham lief sie rot an bis über die Ohren und wandte sich hastig zum Rückzug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee meinte, die Sache sei bereits offiziell genehmigt, und außer Jin Gui habe er niemanden zu fürchten, deshalb hatte er nicht einmal die Tür geschlossen. Als er Duftkastanie sah, empfand er zwar eine leichte Verlegenheit, maß der Sache aber keine große Bedeutung bei. Baochan hingegen, die stets großmäulig und auf ihren Ruf bedacht war, hätte sich vor Duftkastanie am liebsten in den Erdboden versenkt. Rasch stieß sie Becken Schnee von sich und rannte davon, wobei sie noch unaufhörlich schimpfte und behauptete, er habe sie vergewaltigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee hatte mühsam so weit umworben und war kurz vor dem Ziel gewesen, doch nun hatte Duftkastanie alles verdorben. Seine ganze Leidenschaft verwandelte sich in Zorn, und der richtete sich gegen Duftkastanie. Ohne ein Wort der Erklärung zuzulassen, lief er ihr nach, spuckte sie zweimal an und schimpfte: »Verfluchtes Luder, was schleichst du hier herum wie ein Gespenst!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie ahnte Unheil, und mit zwei, drei Sätzen war sie davongelaufen. Becken Schnee suchte dann nach Baochan, doch die war spurlos verschwunden, und so schimpfte er nur noch auf Duftkastanie. Am Abend nach dem Essen, schon recht betrunken, verbrühte er sich beim Baden den Fuß, weil das Wasser etwas zu heiß war. Sofort behauptete er, Duftkastanie habe ihn absichtlich verletzen wollen, jagte sie splitternackt durch die Räume und trat und schlug ein paarmal auf sie ein. Duftkastanie hatte niemals zuvor solches Unrecht erlitten, aber die Lage erlaubte ihr keine Gegenwehr. Sie konnte nur still für sich weinen und klagen und sich davonmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hatte Jin Gui heimlich mit Baochan vereinbart, dass Becken Schnee in dieser Nacht in Duftkastanies Zimmer mit Baochan die Ehe vollziehen solle, während Duftkastanie herüberkommen und bei ihr schlafen müsse. Zunächst weigerte sich Duftkastanie, worauf Jin Gui ihr vorwarf, sie halte sich für zu fein dafür; dann sagte sie, Duftkastanie wolle nur ihre Ruhe und scheue den nächtlichen Dienst. Schließlich schimpfte sie: »Dieser Herr ohne Anstand, der sich in jede verguckt, hat mir meine Leute weggenommen und dich nicht einmal herbestellt. Was hat er eigentlich vor? Mich in den Tod treiben, nicht wahr?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Becken Schnee das hörte und fürchtete, die Sache mit Baochan könnte noch platzen, rannte er herbei und beschimpfte Duftkastanie ebenfalls: »Undankbares Geschöpf! Wenn du nicht sofort gehst, bekommst du Prügel!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie blieb nichts anderes übrig, als ihre Bettdecke zu nehmen und hinüberzugehen. Jin Gui ließ sie auf dem Fußboden schlafen. Duftkastanie fügte sich. Kaum hatte sie sich hingelegt, rief Jin Gui nach Tee; kurz darauf wollte sie sich die Beine kneten lassen. So ging es die ganze Nacht sieben- oder achtmal, ohne dass Duftkastanie auch nur ein einziges Mal in Ruhe liegen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee seinerseits, der nun Baochan besaß wie einen kostbaren Schatz, kümmerte sich um nichts anderes mehr. Jin Gui aber schwor im Stillen voller Hass: »Lass dich nur ein paar Tage vergnügen — wenn ich dann alles eingefädelt habe, kannst du mir nichts mehr vorwerfen!« Einerseits hielt sie an sich, andererseits schmiedete sie Pläne gegen Duftkastanie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach etwa einem halben Monat stellte sie sich plötzlich wieder krank und klagte über unerträgliche Herzschmerzen und Lähmung in allen vier Gliedmaßen. Der herbeigerufene Arzt konnte nichts ausrichten, und alle sagten, Duftkastanie habe sie so weit gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwei Tagen des Getöses schüttelte man plötzlich aus Jin Guis Kopfkissen eine Papierpuppe heraus, auf der Jin Guis Geburtsdaten geschrieben waren. Fünf Nadeln steckten in der Herzgrube und in den Gelenken der vier Gliedmaßen. Daraufhin gerieten alle in Aufruhr, und sofort wurde Tante Schnee [薛姨妈] benachrichtigt. Tante Schnee geriet ganz außer sich, Becken Schnee erst recht — er wollte augenblicklich alle foltern lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte lachend: »Warum Unschuldige beschuldigen? Es wird wohl Baochans Schadenzauber sein.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee sagte: »Sie hatte in letzter Zeit kaum Gelegenheit, in dein Zimmer zu kommen. Warum einem Unschuldigen etwas anhängen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui erwiderte mit kühlem Lächeln: »Wenn nicht sie, wer dann? Etwa ich selbst? Zwar gibt es noch andere, aber wer wagte es, in mein Zimmer zu kommen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee sagte: »Duftkastanie ist jetzt Tag für Tag bei dir. Sie muss es wissen — befrage sie zuerst unter der Folter, dann wird sich alles klären.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte mit kühlem Lächeln: »Wen du auch foltern lässt, niemand wird es zugeben. Meiner Meinung nach sollten wir am besten so tun, als wüssten wir von nichts, und die Sache auf sich beruhen lassen. Ob ich daran sterbe, ist ja nicht weiter wichtig — ihr könnt euch ja dann eine Bessere nehmen. Wenn ich ehrlich bin: Es sind nur ihr drei, die mich, die eine, loswerden wollen.« Bei diesen Worten fing sie laut an zu weinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee wurde durch diese Worte erst recht in Rage versetzt, griff nach einem Türriegel und stürmte auf Duftkastanie zu. Ohne sie zu Wort kommen zu lassen, prügelte er blindlings auf ihren Kopf und ihr Gesicht ein und behauptete steif und fest, sie stecke dahinter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie schrie, sie sei unschuldig. Tante Schnee eilte herbei und fuhr Becken Schnee an: »Erst einmal nachfragen und dann schlagen! Dieses Mädchen hat dir jahrelang gedient — wann hat sie je nachlässig oder untreu gewesen? Wie könnte sie jetzt so etwas Gewissenloses tun! Frage erst einmal nach, was Sache ist, bevor du zuschlägst!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jin Gui hörte, dass ihre Schwiegermutter so sprach, fürchtete sie, Becken Schnee könnte weich werden, und heulte noch lauter. Zugleich schrie sie schluchzend: »Einen halben Monat hat er mir meine Baochan weggenommen und sie nicht in mein Zimmer gelassen, nur Qiuling [Duftkastanie] schläft bei mir. Wenn ich Baochan befragen will, stellst du dich schützend vor sie. Und jetzt schlägst du aus Wut auf sie los. Bringt mich doch um und nehmt euch eine Reichere und Hübschere, wozu diese Scherereien!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch diese Worte wurde Becken Schnee noch aufgeregter. Tante Schnee wiederum hörte Jin Guis Worte, die den Sohn Satz für Satz manipulierten und in der boshaftesten Weise beschuldigten, und war zutiefst empört. Aber ihr Sohn war nun einmal kein Mann von Rückgrat und ließ sich von seiner Frau am Gängelband führen. Dazu hatte er sich auch noch mit der Zofe eingelassen und wurde von der Ehefrau beschuldigt, er habe Baochan »an sich gerissen« — während Jin Gui sich selbst als die nachgiebige, großzügige Gattin darstellte. Was den Schadenzauber betraf, so wusste wahrhaftig niemand, wer ihn verübt hatte. Es war, wie das Sprichwort sagt: »Selbst ein weiser Richter kann häusliche Streitigkeiten nicht schlichten«, und hier konnte man ergänzen: Auch Schwiegereltern können die Angelegenheiten im Schlafgemach nicht beurteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So blieb Tante Schnee nichts anderes übrig, als wütend auf Becken Schnee zu schimpfen: »Du nichtsnutziger Taugenichts! Selbst ein räudiger Hund hat mehr Anstand als du! Klammheimlich hast du dich an die mitgebrachte Zofe herangemacht, und deine Frau kann dir vorwerfen, du habest das Mädchen an dich gerissen — wie willst du dich so noch unter die Leute wagen? Niemand weiß, wer den Zauber angestellt hat, und du schlägst drauflos, ohne Fragen zu stellen! Ich weiß, du bist einer von denen, die das Neue lieben und das Alte wegwerfen, und du setzt all meine guten Absichten von damals aufs Spiel. Wenn sie nicht mehr gut genug ist, darfst du sie trotzdem nicht schlagen. Ich rufe sofort einen Menschenhändler und lasse sie verkaufen, dann hast du deine Ruhe!« Dann befahl sie Duftkastanie: »Pack deine Sachen und komm mit mir!« Gleichzeitig schickte sie jemanden los: »Holt schnell einen Menschenhändler her! Ob viel oder wenig Silber — verkauft sie, dann ist der Dorn aus dem Fleisch und der Splitter aus dem Auge, und wir haben alle unseren Frieden!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Becken Schnee sah, dass seine Mutter in Zorn geraten war, senkte er demütig den Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui aber rief, als sie das hörte, durchs Fenster hinaus und weinte: »Nur zu, verkauft sie, Frau Mutter! Aber kommt mir nicht mit 'den einen meinen, den anderen treffen'. Sind wir etwa solche Eifersüchtigen, die niemanden neben sich dulden? Was soll das heißen, 'Dorn aus dem Fleisch, Splitter aus dem Auge'? Wer ist hier der Dorn und wer der Splitter? Wenn ich sie wirklich nicht leiden könnte, hätte ich dann zugelassen, dass man mir mein eigenes Mädchen wegnimmt?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee hörte das und zitterte vor Wut: »Wo gibt es so etwas? Die Schwiegermutter spricht, und die Schwiegertochter fährt ihr durchs Fenster in die Parade! Und das will ein Kind aus gutem Hause sein! Das ganze Haus zusammenzuschreien — was soll das!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee stampfte verzweifelt mit dem Fuß: »Hört auf, hört auf! Die Leute hören alles und lachen sich tot!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Jin Gui dachte sich: Wer A sagt, muss auch B sagen, und fing erst recht an zu toben und zu schreien: »Mir ist es gleich, ob die Leute lachen! Deine Nebenfrau setzt mir mit Zauberei zu, und ich soll mich vor dem Gelächter der Leute fürchten? Wenn es so nicht geht, dann behaltet sie und verkauft mich! Jeder weiß, dass die Familie Xue reich ist und bei jeder Gelegenheit mit Geld um sich wirft und ihre feinen Verwandten hat, um andere einzuschüchtern. Worauf wartet ihr noch? Wenn ich euch nicht gut genug bin — wer hat euch gezwungen, unter tausend Bitten und Beteuerungen zu uns zu kommen und um mich zu werben? Jetzt bin ich hier, das Gold und Silber der Mitgift ist übergeben, und wer nur halbwegs vorzeigbar aussieht, wird euch auch noch weggenommen — da ist es wohl an der Zeit, mich loszuwerden!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie so schrie und weinte, wälzte sie sich auf dem Boden und schlug sich selbst. Becken Schnee war so aufgelöst, dass ihm alles gleich war — reden war falsch, beschwichtigen war falsch, schlagen war falsch, flehen war falsch. Er konnte nur noch seufzen und stöhnen und sich über sein Unglück beklagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen war Tante Schnee bereits von Schatzspange [薛宝钗] ins Haus zurückgeführt worden. Sie ließ Leute kommen, um Duftkastanie zu verkaufen. Schatzspange aber sagte lachend: »In unserer Familie hat man immer nur Leute gekauft, nie verkauft. Mama, du bist wohl vor Wut ganz durcheinander geraten! Wenn das jemand hört, wäre es doch peinlich. Wenn Bruder und Schwägerin sie nicht mehr wollen, dann soll sie mir dienen — ich habe ohnehin zu wenig Leute.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: »Wenn wir sie behalten, gibt es nur wieder Ärger. Besser, wir schicken sie fort und haben Ruhe.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange erwiderte lachend: »Wenn sie bei mir ist, ist es dasselbe. Sie darf eben nicht mehr nach vorne gehen. Von nun an ist die Verbindung dorthin abgebrochen, und es ist, als wäre sie verkauft worden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie war längst zu Tante Schnee gelaufen, weinte bitterlich und flehte, sie nicht wegzuschicken — lieber wolle sie dem Fräulein folgen. Und so ließ Tante Schnee es dabei bewenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Tag an blieb Duftkastanie wirklich bei Schatzspange und brach jeden Kontakt nach vorne ab. Doch es verging keine Nacht, in der sie nicht traurig zum Mond aufblickte und beim Lampenlicht über ihr Schicksal klagte. Sie war von jeher von schwächlicher Konstitution, und obwohl sie mehrere Jahre in Becken Schnees Gemach verbracht hatte, war sie aufgrund einer Erkrankung des Blutes nie schwanger geworden. Jetzt kamen noch Zorn, Gram und Erniedrigung von innen und außen hinzu, und schließlich entwickelte sich bei ihr die Krankheit des ausgetrockneten Blutes [干血之症]: Tag für Tag wurde sie hagerer, sie fieberte, hatte keinen Appetit mehr, und die Medikamente, die der Arzt verschrieb, zeigten keinerlei Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zwischenzeit machte Jin Gui noch mehrmals Skandal, so dass Tante Schnee und ihre Tochter nur noch im Stillen Tränen vergossen und das Schicksal verwünschten. Becken Schnee hatte zwar zwei- oder dreimal im Weinmut Anlauf genommen, den Knüppel erhoben und zuschlagen wollen, doch Jin Gui bot ihm jedes Mal ihren Leib dar und sagte: »Schlag zu, soviel du willst!« Und wenn er nach dem Messer griff und drohte, sie zu töten, reckte sie ihm den Hals hin. Becken Schnee konnte es natürlich nicht über sich bringen, ihr etwas anzutun, und so blieb es bei lautem Geschrei und Getöse. Inzwischen war er an dieses Treiben so gewöhnt, dass Jin Guis Übermut nur noch wuchs und Becken Schnees Rückgrat nur noch weicher wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar lebte Duftkastanie noch im Haus, doch es war, als gäbe es sie nicht mehr. Auch wenn Jin Gui nicht völlig zufrieden war, störte Duftkastanie sie zumindest nicht mehr, und so ließ sie vorläufig von ihr ab. Stattdessen nahm sie sich nun schrittweise Baochan vor. Baochan jedoch war von ganz anderem Temperament als Duftkastanie — ein wahres Pulverfass. Nachdem sie mit Becken Schnee zusammengekommen war, hatte sie Jin Gui kurzerhand vergessen. Als Jin Gui anfing, sie zu drangsalieren, wollte sie sich nicht im Geringsten unterordnen. Erst kam es zu Wortgefechten, dann, als Jin Gui in Rage geriet, zu Beschimpfungen, und schließlich zu Handgreiflichkeiten. Baochan wagte zwar nicht, zurückzuschlagen oder zu widersprechen, aber sie spielte die große Szene: Sie warf sich auf den Boden, wälzte sich herum, drohte mit Selbstmord — tagsüber mit Messer und Schere, nachts mit dem Strick, und machte bei jeder Gelegenheit einen Aufstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee konnte es unmöglich beiden recht machen, schwankte hilflos zwischen den beiden hin und her, und wenn der Lärm gar zu schlimm wurde, flüchtete er aus dem Haus und versteckte sich im Außenquartier. Wenn Jin Gui gerade keinen Wutanfall hatte und guter Laune war, trommelte sie Leute zum Kartenspiel und Würfeln zusammen. Ihre größte Leidenschaft war das Abnagen von Knochen: Jeden Tag mussten Hühner und Enten geschlachtet werden, das Fleisch wurde den Dienern gegeben, und sie selbst aß einzig und allein in Fett knusprig gebackene Knochen zu ihrem Wein. Wenn sie schlechte Laune bekam oder das Essen sie langweilte, schimpfte sie wild drauflos: »Andere Nichtsnutze und Huren amüsieren sich prächtig, warum soll ich es nicht?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee und ihre Tochter ließen sie einfach gewähren. Becken Schnee hatte auch kein Mittel dagegen und bereute nur Tag und Nacht, diesen Unruhestifter geheiratet zu haben. Es fehlte ihm schlichtweg an einem Plan. In beiden Häusern, dem Ning- und dem Prunkwille-Anwesen, wusste von hoch bis niedrig jedermann davon, und es gab niemanden, der nicht seufzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit hatte Schatzjade [贾宝玉] seine hundert Tage hinter sich und durfte wieder ausgehen. Auch er hatte Jin Gui besucht und festgestellt: »Ihr Äußeres und ihr Benehmen sind gar nicht abstoßend, sie sieht aus wie eine frische Blume und eine zarte Weide, den anderen Schwestern durchaus ebenbürtig — wie kann sie nur ein solches Wesen haben? Das ist in höchstem Grade verwunderlich.« Das gab ihm sehr zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er an diesem Tag Dame König [王夫人] seinen Morgengruß entbot, traf er gerade Willkommensfrühlings [迎春] Amme, die zu Besuch gekommen war und von Sun Shaozus [孙绍祖] unwürdigem Betragen berichtete: »Das Fräulein weint nur noch heimlich für sich und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein paar Tage nach Hause zu kommen, um sich zu erholen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König sagte: »Ich wollte sie in den letzten Tagen ohnehin abholen lassen, aber bei all den Widrigkeiten habe ich es vergessen. Neulich war Schatzjade dort und hat mir bei seiner Rückkehr auch davon erzählt. Morgen ist ein günstiger Tag, dann lassen wir sie holen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie das besprachen, schickte die Herzoginmutter [贾母] jemanden, um Schatzjade zu suchen, mit der Nachricht: »Morgen in aller Frühe zum Tianqi-Tempel [天齐庙], um ein Gelübde einzulösen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade konnte es ohnehin kaum erwarten, endlich wieder einmal auszugehen. Als er das hörte, war er so aufgeregt, dass er die ganze Nacht kein Auge zumachte und sehnsüchtig auf den Morgen wartete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag in aller Frühe, nachdem er sich gewaschen, frisiert und angekleidet hatte, fuhr er mit zwei oder drei alten Ammen im Wagen zum Tianqi-Tempel vor dem westlichen Stadttor, um Räucherstäbchen zu verbrennen und sein Gelübde einzulösen. Im Tempel war bereits seit dem Vortag alles vorbereitet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war von Natur aus furchtsam und scheute die finsteren Statuen von Göttern und Dämonen. Dieser Tianqi-Tempel war in einer früheren Dynastie erbaut worden und einst von gewaltiger Pracht gewesen. Inzwischen jedoch war er nach langen Jahren äußerst verfallen. Die Lehmstatuen im Inneren hatten allesamt ein furchteinflößendes Aussehen. Darum eilte Schatzjade durch die Zeremonie des Papierverbrennens und zog sich dann in den Ruheraum des klösterlichen Nebengebäudes zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er dort zu Mittag gegessen hatte, streiften die alten Ammen und Li Gui [李贵, Schatzjades Diener] mit ihm eine Weile umher, um sich zu zerstreuen. Dann wurde Schatzjade müde und kehrte in das stille Zimmer zurück, um sich auszuruhen. Die alten Ammen fürchteten, er könnte einschlafen, und baten den Vorsteher des Tempels, den alten Daoisten Wang, herein, um ihm Gesellschaft zu leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser alte Daoist Wang war ein Mann, der sich mit Wundermitteln und Quacksalbereien seinen Lebensunterhalt verdiente. Vor dem Tempel hing sein Schild mit dem Angebot aller erdenklichen Pillen, Pulver, Salben und Elixiere. Da er auch in den Ning- und Prunkwille-Anwesen ein- und ausging, hatten ihm alle den Spitznamen »König Ein-Pflaster«&amp;lt;ref&amp;gt;王一贴 (Wáng Yītiē), wörtlich „König Ein-Pflaster“. Der komische Spitzname des daoistischen Quacksalbers, der behauptet, ein einziges seiner Pflaster heile alle Krankheiten. Die Episode ist eine satirische Einlage.&amp;lt;/ref&amp;gt; gegeben, weil seine Pflaster angeblich so wirksam waren, dass ein einziges alle Krankheiten heilen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster trat ein. Schatzjade lag gerade halb schlafend auf dem Kang &amp;lt;ref&amp;gt;gemauerte beheizbare Liege&amp;lt;/ref&amp;gt;. Li Gui und die anderen redeten auf ihn ein, er solle nicht einschlafen. Als sie König Ein-Pflaster kommen sahen, riefen sie lachend: »Da kommt er ja, da kommt er ja! Meister Wang, Ihr könnt so gut Geschichten erzählen, erzählt eine für unseren jungen Herrn!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte lachend: »Ganz recht! Junger Herr, schlaft nur nicht ein, sonst spielen euch die Teigtaschen im Bauch einen Streich!« Darüber lachte das ganze Zimmer. Auch Schatzjade lachte, setzte sich auf und richtete seine Kleider.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster rief seinen Lehrlingen zu, sie sollten schnell guten starken Tee aufbrühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mingyun [茗烟, Schatzjades Diener] sagte: »Unser junger Herr trinkt nicht Euren Tee! Schon dass er in diesem Zimmer sitzt, stört ihn der Pflastergeruch!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte lachend: »Was für ein unbedarfter Junge! Pflaster werden nie in dieses Zimmer gebracht. Da ich wusste, dass der junge Herr heute kommen würde, habe ich schon vor drei bis fünf Tagen mit Räucherwerk durchgeräuchert, und nochmals und nochmals.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: »Das stimmt wohl. Man hört ja täglich, wie gut Eure Pflaster sein sollen, aber gegen welche Krankheiten wirken sie eigentlich?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte: »Wenn der junge Herr nach meinen Pflastern fragt, so ist das eine lange Geschichte, die ich in einem Satz nicht erklären kann. Es sind insgesamt hundertundzwanzig Zutaten, Herrscher und Diener in harmonischem Zusammenspiel, Gäste in rechter Gesellschaft, warm und kühl zugleich angewendet, für Vornehm und Gering in verschiedener Rezeptur. Innerlich regulieren sie das Urprinzip, stärken das Qi, öffnen den Magen, pflegen den Blutkreislauf, beruhigen den Geist, vertreiben Kälte und Hitze, lösen Speisen und Schleim auf. Äußerlich harmonisieren sie die Blutbahnen, entspannen die Sehnen, entfernen totes Fleisch, lassen neues wachsen, vertreiben Wind und zerstreuen Giftstoffe. Die Wirkung ist göttlich — wer es einmal ausprobiert hat, weiß Bescheid.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: »Ich glaube nicht, dass ein einziges Pflaster all diese Krankheiten heilen kann. Aber ich frage dich: Gibt es eine bestimmte Krankheit, die es auch heilen kann?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte: »Hundert Krankheiten und tausend Leiden, alle wirkt es sofort. Wenn es nicht wirkt, kann der junge Herr mich am Bart packen, mir ins alte Gesicht schlagen und meinen Tempel abreißen lassen! Nennt mir nur die Krankheit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lachend: »Rate mal! Wenn du es errätst, dann kannst du es auch heilen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster überlegte eine Weile und sagte lachend: »Das ist allerdings schwer zu erraten. Ich fürchte, mein Pflaster hat seine Wirkung eingebüßt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade befahl Li Gui und den anderen: »Geht erst einmal hinaus und tretet etwas an die Luft. Bei so vielen Leuten wird es hier immer stickiger.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Li Gui und die anderen gingen hinaus, nur Mingyun blieb. Mingyun hielt ein Stäbchen Traumsüß-Räucherwerk in der Hand. Schatzjade ließ ihn neben sich sitzen und lehnte sich an ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster, der sich seinen Teil dachte, kam grinsend näher und flüsterte: »Ich glaube, ich habe es erraten. Der junge Herr hat jetzt wohl Gemachsangelegenheiten und braucht stärkende Mittel, nicht wahr?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor er ausgesprochen hatte, fuhr Mingyun ihn an: »Halt die Schnauze, das setzt Ohrfeigen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hatte nicht verstanden und fragte rasch: »Was hat er gesagt?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mingyun sagte: »Glaubt ihm doch sein dummes Geschwätz nicht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster erschrak und wagte nicht mehr zu fragen, sondern sagte nur: »Der junge Herr sage es mir bitte geradeheraus.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: »Ich frage dich: Gibt es ein Pflaster gegen die Eifersuchts-Krankheit der Frauen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster klatschte in die Hände und sagte lachend: »Da hört es auf! Nicht nur, dass ich kein Mittel dagegen habe — ich habe nicht einmal je davon gehört!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lachend: »Das wäre ja noch gar nichts Besonderes.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte hastig: »Ein Pflaster gegen Eifersucht kenne ich allerdings nicht, aber es gibt eine Trank-Medizin, die vielleicht wirkt — nur dauert es etwas und wirkt nicht auf der Stelle.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte: »Was für ein Trank, und wie wird er eingenommen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte: »Er heißt 'Eifersuchts-Heiltrank'.&amp;lt;ref&amp;gt;疗妒汤 (Liáo Dù Tāng), König Ein-Pflasters absurdes „Rezept“ — Birne, Kandiszucker und Mandarinenschale — ist eine komische Pointe: Es gibt kein Mittel gegen Eifersucht, und wer hundert Jahre wartet, stirbt ohnehin.&amp;lt;/ref&amp;gt; Man nehme eine erstklassige Herbstbirne, zwei Qian &amp;lt;ref&amp;gt;ca. 7,5 Gramm&amp;lt;/ref&amp;gt; Kandiszucker und ein Qian getrocknete Mandarinenschale, dazu drei Schalen Wasser, und koche, bis die Birne gar ist. Jeden Morgen eine Birne essen, und mit der Zeit wird es besser.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: »Das ist ja keine große Sache, aber ob es wirklich wirkt?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte: »Wirkt eine Dosis nicht, isst man zehn. Hilft es heute nicht, isst man morgen weiter. Hilft es dieses Jahr nicht, isst man bis zum nächsten Jahr. Diese drei Zutaten befeuchten die Lunge, regen den Magen an und schaden niemandem. Es schmeckt angenehm süß und hilft gegen Husten obendrein. Wenn man es hundert Jahre lang isst — nun, dann stirbt der Mensch sowieso. Wer tot ist, ist auch nicht mehr eifersüchtig! Dann hat es gewirkt!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin lachten Schatzjade und Mingyun ohne Ende und schimpften ihn einen »glitschzüngigen Ochsenkopf«.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Ein-Pflaster sagte lachend: »Das war nur zum Zeitvertreib, um die Mittagsmüdigkeit zu verscheuchen. Was macht das schon! Wenn ich euch zum Lachen bringe, hat es sich gelohnt. Ehrlich gesagt — sogar meine Pflaster sind alle unecht. Wenn ich echte Medizin hätte, würde ich sie selbst nehmen und ein Unsterblicher werden. Wer echte Mittel hat, kommt nicht hierher, um sich durchzuschlagen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie so plauderten, war die günstige Stunde gekommen, und Schatzjade wurde gebeten, hinauszugehen, um Opfergeld und -papier zu verbrennen und die Segnungen zu verteilen. Nachdem die Zeremonien beendet waren, fuhr er in die Stadt zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling [迎春] war zu diesem Zeitpunkt schon seit geraumer Zeit zu Hause. Die Frauen und Schwiegertöchter der Familie Sun hatten bereits zu Abend gegessen und waren nach Hause geschickt worden. Willkommensfrühling weinte und klagte in Dame Königs Gemächern und schilderte ihre Nöte. Sie sagte, Sun Shaozu [孙绍祖] sei »durch und durch ein Wüstling, Spieler und Trinker, der bereits beinahe alle Mägde und Schwiegertöchter im Hause geschändet habe. Wenn sie ihm zwei- oder dreimal sanft zugeredet habe, beschimpfe er sie als 'Essigweib'. Auch behaupte er, der Herr Vater habe von ihm fünftausend Liang Silber entgegengenommen und hätte sie nicht ausgeben dürfen. Er habe sie nun schon zwei- oder dreimal zurückgefordert, doch vergeblich. Da zeige er auf mein Gesicht und sage: 'Bilde dir nicht ein, die vornehme Dame spielen zu können! Dein Vater hat mir fünftausend Liang Silber abgenommen und dich als Gegenleistung an mich verkauft. Wenn es dir nicht passt, prügle ich dich und jage dich in die Kammern der Dienerinnen zum Schlafen. Damals, als dein Großvater noch lebte, hat er nach unserem Reichtum gegriffen und sich an uns herangemacht. Genau genommen gehöre ich zur selben Generation wie dein Vater, und jetzt hat man mir zwangsweise eine Generation aufgedrückt. Außerdem hätte man diese Heirat gar nicht erst eingehen sollen, denn so sieht es aus, als hätte man nur unser Geld gewollt.'«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie erzählte und dabei schluchzend weinte, blieb kein Auge trocken — weder Dame König noch die Schwestern vergossen Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König tröstete sie so gut sie konnte: »Du bist nun einmal an einen solchen Menschen geraten, was soll man machen? Damals hat dein Onkel [Aufrecht Kaufmann] deinem Vater zweimal abgeraten, diese Verbindung einzugehen. Aber dein Vater wollte nicht hören und bestand eigensinnig darauf, und nun ist es schiefgegangen. Mein Kind, das ist eben dein Schicksal.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling weinte und sagte: »Ich kann nicht glauben, dass mein Schicksal so schlecht ist! Von klein auf hatte ich keine Mutter, und glücklicherweise durfte ich ein paar ruhige Jahre bei der Frau Tante verbringen. Und jetzt muss es so enden!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König redete ihr einerseits gut zu und fragte sie andererseits, wo sie übernachten wolle. Willkommensfrühling sagte: »Gerade erst von den Schwestern getrennt, denke ich Tag und Nacht an sie. Außerdem vermisse ich meine alten Räume. Wenn ich nur drei oder fünf Tage in meinem alten Zimmer im Garten wohnen könnte, würde ich selbst den Tod in Kauf nehmen. Wer weiß, ob ich beim nächsten Mal noch die Möglichkeit haben werde!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König ermahnte sie rasch: »Rede keinen Unsinn! Es ist nur der übliche Streit unter jungen Eheleuten, wie er überall auf der Welt vorkommt. Warum sprichst du so düstere Worte?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ließ sofort die Gemächer auf der Insel der Violetten Wassernüsse herrichten und wies die Schwestern an, Willkommensfrühling Gesellschaft zu leisten und aufzuheitern. Außerdem befahl sie Schatzjade: »Kein Wort davon darf an die Ohren der Herzoginmutter dringen! Wenn sie von alldem erfährt, werde ich dich dafür verantwortlich machen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade gehorchte gehorsam. Willkommensfrühling schlief in dieser Nacht in ihrem alten Quartier. Die Schwestern überboten sich an Herzlichkeit und Zuneigung. Drei Tage blieb sie, dann ging sie zu Dame Strafe [邢夫人] hinüber. Zuvor verabschiedete sie sich von der Herzoginmutter und Dame König, dann von den Schwestern, wobei alle voller Trauer und Schmerz waren. Erst Dame König und Tante Schnee konnten sie besänftigen und trösten, sodass sie schließlich hinüberging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sie noch zwei Tage bei Dame Strafe verbracht hatte, kamen Leute von Sun Shaozu, um sie abzuholen. Willkommensfrühling wollte nicht gehen, aber sie fürchtete Sun Shaozus Bösartigkeit und zwang sich, ihre Gefühle zu unterdrücken und Abschied zu nehmen. Dame Strafe war ihr ohnehin gleichgültig; sie fragte weder nach dem ehelichen Zusammenleben noch nach den häuslichen Schwierigkeiten und tat nur das Nötigste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Root</name></author>
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		<id>https://bou.de/u/index.php?title=Hongloumeng/de4/Chapter_79&amp;diff=177949</id>
		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 79</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_74|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;74&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_75|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;75&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_76|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;76&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_77|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;77&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_78|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;78&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;79&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_80|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;80&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_81|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;81&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_82|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;82&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_83|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;83&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_84|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;84&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第七十九回 / Kapitel 79 =&lt;br /&gt;
== 薛文起悔娶河东吼 ==&lt;br /&gt;
=== 贾迎春误嫁中山狼 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neunundsiebzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade verbessert Schatzjades Trauerode — Willkommensfrühling wird versehentlich an einen Wolf aus Zhongshan&amp;lt;ref&amp;gt;中山狼 (Zhōngshān Láng), Anspielung auf die Fabel „Der Wolf vom Zhongshan“ (中山狼传): Ein Gelehrter rettet einen Wolf, doch der Wolf will ihn anschließend fressen. Die Wendung bezeichnet einen Undankbaren — hier eine Anspielung auf Sun Shaozu.&amp;lt;/ref&amp;gt; verheiratet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Schatzjade [贾宝玉] gerade die Totenklage für Heitermuster [晴雯] beendet hatte, als er zwischen den Blumenstauden eine Stimme hörte, die ihn zusammenfahren ließ. Er trat hervor und schaute genau hin — es war niemand anders als Kajaljade [林黛玉], die über das ganze Gesicht lächelte und sagte: »Was für ein wunderbar neuartiger Opfertext! Er verdient es, gemeinsam mit der Inschrift auf dem Grabstein der Cao E &amp;lt;ref&amp;gt;Cao E war ein Mädchen der Han-Dynastie, berühmt für ihre Kindesliebe; die Grabinschrift gilt als Meisterwerk&amp;lt;/ref&amp;gt; überliefert zu werden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unwillkürlich errötete Schatzjade, als er das hörte, und antwortete lachend: »Ich hatte mir überlegt, dass all die Opfertexte auf dieser Welt nur noch abgedroschene Klischees sind, und habe deshalb eine neue Form gewählt. Das war freilich nur eine Spielerei für den Augenblick, und ich konnte nicht ahnen, dass du zuhören würdest. Wenn etwas daran absolut nicht geht, warum änderst du es nicht?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: »Wo ist dein Manuskript? Ich muss es mir einmal sorgfältig durchlesen. Von dem ganzen langen Sermon habe ich nicht viel verstanden, nur zwei Sätze in der Mitte aufgeschnappt, irgendetwas von 'Hinter roten Seidenvorhängen, ein Herrensohn voller Liebe; unter dem Hügel aus gelber Erde, ein Mädchen vom Schicksal geschlagen.' Dieser Parallelsatz hat zwar einen guten Sinn, aber die 'roten Seidenvorhänge' sind doch ziemlich abgedroschen. Dabei liegt ein gebrauchsfertiges Bild aus der Wirklichkeit vor der Nase. Warum hast du das nicht verwendet?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte hastig: »Was für ein gebrauchsfertiges Bild?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade erwiderte lachend: »Ist nicht bei uns das Gitterwerk der Fenster mit rosiger Gaze &amp;lt;ref&amp;gt;茜纱, qiansha, eine Art durchscheinender Seidenstoff&amp;lt;/ref&amp;gt; bespannt? Warum sagst du nicht: 'Am rosigen Gazefenster, ein Herrensohn voller Liebe'?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, stampfte er unwillkürlich vor Begeisterung mit dem Fuß auf und rief lachend: »Ausgezeichnet! Nur zu treffend! Nur du kannst auf so etwas kommen und es so sagen! Man sieht, dass es überall auf der Welt und zu allen Zeiten von gebrauchsfertigen schönen Bildern und wunderbaren Szenen nur so wimmelt — nur die Narren und Dummköpfe können sie nicht erdenken und nicht aussprechen. Allerdings ist da noch eines: Obwohl diese Änderung außerordentlich neuartig und schön ist, kannst zwar du dieses Bild für dich beanspruchen, ich aber bin dessen keineswegs würdig.« Und im gleichen Atemzug wiederholte er zwanzig- oder dreißigmal »Nicht würdig!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade erwiderte lachend: »Was macht das schon! Mein Fenster kann auch dein Fenster sein, warum willst du das so streng auseinanderhalten? Im Altertum teilten selbst Fremde wohlgenährte Pferde und feine Pelze &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf die Lunyu (Gespräche des Konfuzius), wo Zilu sagt, er würde seine Pferde und Pelze gerne mit Freunden teilen&amp;lt;/ref&amp;gt; miteinander, ohne es zu bedauern, wenn sie dadurch abgenutzt wurden. Um wieviel mehr muss das für uns gelten!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade erwiderte lachend: »Was zählen schon Pferde und Pelze, wenn es um den Umgang mit Freunden geht? Selbst Gold und weißer Jade fallen da nicht ins Gewicht. Aber so respektlos mit einem Mädchenzimmer zu verfahren, das geht auf gar keinen Fall. Am besten ändere ich einfach den 'Herrensohn' und das 'Mädchen', dann wird es ganz zu deiner Totenklage für sie. Zumal du im Alltag immer sehr gut zu ihr warst. Lieber gebe ich den ganzen langen Text weg, als dass ich auf den neuen Ausdruck mit der 'rosigen Gaze' verzichte. Am besten ändern wir es so: 'Am rosigen Gazefenster, ein Fräulein voller Liebe; unter dem Hügel aus gelber Erde, eine Magd vom Schicksal geschlagen.' So hat es zwar nichts mehr mit mir zu tun, aber ich bin trotzdem vollauf zufrieden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade erwiderte lachend: »Sie war schließlich nicht meine Magd, wozu also soll ich so etwas sagen? Außerdem sind 'Fräulein' und 'Magd' auch keine besonders feinen Ausdrücke. Warte also, bis mein Purpurkuckuck [紫鹃] stirbt, dann ist es immer noch früh genug, den Satz so zu verwenden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, sagte er rasch lachend: »Warum musst du sie denn beschreien?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade erwiderte lachend: »Du hast mit dem Beschreien angefangen, nicht ich.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: »Jetzt hab ich's! So wird es genau richtig. Am besten sagen wir: 'Am rosigen Gazefenster — ich bin dir nicht bestimmt; unter dem Hügel aus gelber Erde — warum warst du so vom Schicksal geschlagen?'«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kajaljade das hörte, wurde sie bleich vor plötzlichem Kummer, und obwohl tausend Ängste und Zweifel ihr Herz befielen, wollte sie sich das nicht anmerken lassen. Stattdessen nickte sie rasch mit lächelndem Gesicht und sagte beifällig: »So ist es wirklich gut geändert. Aber nun musst du nicht weiter daran herumändern. Beschäftige dich lieber mit etwas Ordentlichem. Eben hat die gnädige Frau [王夫人] jemanden geschickt, um dir auszurichten, du sollst morgen in aller Frühe zu deiner großen Tante [邢夫人] hinübergehen. Für deine zweite Schwester [迎春] ist ein Bewerber gefunden und angenommen worden, und morgen kommt wohl jemand aus der Familie des Bräutigams, um den Verlobungsbesuch zu machen. Darum sollt ihr alle hinübergehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade schlug die Hände zusammen und sagte: »Warum diese Eile? Mir geht es auch nicht besonders gut, wer weiß, ob ich morgen überhaupt hinübergehen kann.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: »Da fängst du wieder an! Ich rate dir, zügele endlich dein Temperament. Du wirst schließlich von Jahr zu Jahr älter ...« Während sie noch sprach, überkam sie ein Hustenanfall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte eilig: »Hier ist es kühl und zugig, und wir stehen schon die ganze Zeit hier herum. Lass uns schnell nach Hause gehen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: »Ich gehe auch heim und lege mich zur Ruhe. Wir sehen uns morgen.« Damit machte sie sich auf den Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wandte sich lustlos zum Gehen, doch plötzlich fiel ihm ein, dass Kajaljade ohne Begleitung war. Rasch befahl er einem kleinen Mädchen, ihr zu folgen und sie nach Hause zu bringen. Er selbst kehrte zum Hof der Roten Freude [怡红院] zurück, wo tatsächlich eine alte Amme wartete, die Dame König geschickt hatte, um ihm zu bestellen, er solle morgen in aller Frühe zu Begnadigung Kaufmann [贾赦] hinübergehen — ganz wie Kajaljade es eben gesagt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann hatte Willkommensfrühling [迎春] nämlich bereits einem Mann namens Sun verlobt. Diese Familie Sun stammte aus der Präfektur Datong [大同], ihre Vorfahren waren Militärbeamte gewesen und hatten einst als Klienten unter dem Schutz der Ning- und des Prunkwille-Anwesens gestanden, so dass man sie durchaus als altbefreundete Familie bezeichnen konnte. Derzeit lebte nur ein einziger Sun in der Hauptstadt, der den erblichen Rang eines Kommandeurs innehatte. Er hieß Sun Shaozu [孙绍祖], war von stattlicher Gestalt und kräftigem Körperbau, geübt in Bogenschießen und Reitkunst, gewandt im gesellschaftlichen Umgang und geschickt im Taktieren, noch keine dreißig Jahre alt, dazu von beträchtlichem Vermögen, und wartete beim Kriegsministerium auf eine freie Stelle zur Beförderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er noch unverheiratet war und Begnadigung Kaufmann ihn als Enkel einer altbefreundeten Familie betrachtete, dessen Charakter und Vermögensverhältnisse zueinander passten, hatte er ihn wohlwollend als Schwiegersohn auserkoren. Auch der Herzoginmutter [贾母] hatte er davon berichtet. Doch die Herzoginmutter war im Herzen nicht sonderlich zufrieden. Sie überlegte jedoch, dass ihr Einspruch wohl kaum Gehör finden würde, dass Ehen eine Sache des Himmels und des Schicksals seien, und dass überdies der leibliche Vater die Entscheidung traf — wozu also sollte sie sich unnötig einmischen? So sagte sie nur knapp: »Gut, ich weiß Bescheid« und ließ es dabei bewenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann [贾政] war die Familie Sun trotz der alten Beziehungen zutiefst zuwider. Denn jener Vorfahre der Suns hatte sich seinerzeit nur deshalb unter den Schutz der Rong- und Ning-Familien gestellt, weil er von deren Macht und Einfluss hatte profitieren wollen, um ein sonst unlösbares Problem zu bereinigen — keineswegs stammten die Suns aus einer berühmten Literatenfamilie. Deshalb hatte Aufrecht Kaufmann zweimal dagegen Einwände erhoben, doch als Begnadigung Kaufmann nicht auf ihn hören wollte, musste er es hinnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hatte diesen Sun Shaozu noch nie von Angesicht gesehen, musste aber notgedrungen am nächsten Tag hinübergehen, um der Pflicht Genüge zu tun. Dann erfuhr er, der Hochzeitstermin sei sehr knapp angesetzt, noch in diesem Jahr solle Willkommensfrühling das Haus verlassen. Als er zudem mitbekam, dass Dame Strafe [邢夫人] der Herzoginmutter gemeldet hatte, Willkommensfrühling werde aus dem Garten der Großen Anschauung [大观园] abgeholt, verging ihm erst recht jede Freude. Tag für Tag brütete er stumpfsinnig vor sich hin und wusste nichts mit sich anzufangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er dann auch noch erfuhr, dass vier Zofen Willkommensfrühling in die Ehe begleiten würden, stampfte er abermals mit dem Fuß auf und klagte seufzend: »Wieder fünf reine Menschen weniger auf dieser Welt!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So streifte er Tag für Tag in der Gegend der Insel der Violetten Wassernüsse&amp;lt;ref&amp;gt;紫菱洲 (Zǐlíng Zhōu), der Ort im Garten der Großen Anschauung, an dem Willkommensfrühling wohnte. Schatzjades wehmütige Besuche dort nach Willkommensfrühlings Weggang sind ein wiederkehrendes Motiv des Verlustes.&amp;lt;/ref&amp;gt; umher und hielt sehnsüchtig Ausschau. Die Fenster und Vorhänge waren öde und verlassen, nur ein paar alte Frauen, die zum Nachtdienst eingeteilt waren, hielten sich noch dort auf. Auch die Knöterichblüten und Schilfblätter am Ufer, die grünen Seekannen und die duftenden Wassernüsse im Teich schienen ihm welk und schwermütig zu hängen, als trauerten sie um die Verschwundene — wie ganz anders als das gewohnte Bild wettstreitender Farben und Schönheit! Überwältigt von diesem öden und bedrückenden Anblick, konnte Schatzjade seine Gefühle nicht bezwingen und sang unwillkürlich ein Lied vor sich hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Kalt weht der Herbstwind am nächtlichen Teich,&lt;br /&gt;
    bläst ungerührt alle roten Blüten davon.&lt;br /&gt;
    Knöterich und Wassernüsse ertragen den Kummer kaum,&lt;br /&gt;
    schwerer Tau und dichter Reif drücken die zarten Stängel nieder.&lt;br /&gt;
    Verstummt ist das Klappern der Schachsteine am langen Tag,&lt;br /&gt;
    Schwalbenkot beschmutzt die vergessenen Spielbretter.&lt;br /&gt;
    Schon seit Alters her betrauern die Menschen den Abschied von Freunden — um wieviel mehr leide ich, der ich Geschwister verliere!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte Schatzjade zu Ende gesungen, hörte er hinter sich jemanden lachend sagen: »Was trauerst du hier schon wieder vor dich hin?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er sich rasch umsah, erkannte er Duftkastanie [香菱]. Er wandte sich um und fragte lachend: »Meine liebe Schwester, was führt dich jetzt hierher? Du warst schon so lange nicht mehr im Garten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie klatschte in die Hände und sagte fröhlich: »Natürlich wäre ich gerne gekommen! Aber seit dein Vetter [Becken Schnee] zurück ist, bin ich nicht mehr so frei und ungebunden wie zuvor. Eben hatte unsere gnädige Frau [薛姨妈] jemanden geschickt, um deine Kusine Phönixglanz [王熙凤] zu suchen, aber sie war nicht zu finden, und es hieß, sie sei in den Garten gegangen. Als ich das hörte, bat ich darum, diesen Auftrag übernehmen und sie im Garten suchen zu dürfen. Ich traf ihre Zofe, die sagte, sie sei im Reisduftdorf [稻香村]. Gerade bin ich auf dem Weg dorthin, da treffe ich dich hier. Aber sag mir, wie geht es Schwester Dufthauch [袭人] in letzter Zeit? Wie konnte Schwester Heitermuster [晴雯] nur so plötzlich sterben, an welcher Krankheit litt sie eigentlich? Das zweite Fräulein [迎春] ist auch so schnell ausgezogen. Schau nur, wie leer und verlassen es hier aussieht!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade konnte nicht schnell genug auf all ihre Fragen antworten und lud sie ein, ihn zum Hof der Roten Freude zu begleiten, um mit ihm Tee zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie erwiderte: »Im Moment geht das leider nicht. Warte, bis ich die zweite junge Herrin [Phönixglanz] gefunden und meinen Auftrag erledigt habe, dann komme ich.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte: »Was ist das für ein Auftrag, dass er so eilig ist?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie antwortete: »Es geht um die Heirat deines Vetters, darum ist es dringend.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: »Richtig! Aus welcher Familie kommt denn nun eigentlich seine Braut? Ich habe nur gehört, wie es ein halbes Jahr lang deswegen hin und her ging. Mal hieß es, die Familie Zhang sei die beste, dann sollte es Familie Li sein, dann wieder wurde über König-Familie verhandelt. Ich weiß gar nicht, was die Töchter all dieser Familien verbrochen haben, dass man so unbekümmert über sie herfällt!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie sagte: »Jetzt ist es endgültig entschieden, da braucht keine weitere Familie mehr durchgehechelt zu werden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte hastig: »Und welche Familie ist es geworden?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie berichtete: »Als dein Vetter letztens auf Geschäftsreise war, hat er nebenher auch Verwandte besucht. Diese Familie ist schon seit langem mit unserer verschwägert, und ebenso wie wir sind sie beim Finanzministerium als Fernhändler eingetragen. Auch sie gehören zu den ganz großen Häusern. Neulich, als davon die Rede war, hieß es, in euren beiden Anwesen kenne man sie ebenfalls. In ganz Chang'an [长安, Anm.: hier als Bezeichnung für die Hauptstadt] nennt sie jedermann vom Fürsten bis zum Krämer nur die 'Duftblüten-Xias'.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte lachend: »Warum heißen sie denn 'Duftblüten-Xias'?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie erklärte: »Sie heißen mit Familiennamen Xia [夏] und sind ganz außerordentlich reich. Von ihrem sonstigen Ackerland ganz zu schweigen — sie besitzen mehrere Dutzend Qing &amp;lt;ref&amp;gt;ein Qing entspricht ca. 6,7 Hektar&amp;lt;/ref&amp;gt; reiner Duftblütenplantagen [桂花, Osmanthus]. Alle Osmanthus-Handlungen in Chang'an und Umgebung gehören ihnen, und selbst die Ziergewächse im Kaiserpalast sind Tributgaben von ihnen. So sind sie zu diesem Beinamen gekommen. Der alte Herr ist inzwischen gestorben, und es gibt nur noch die alte Dame, die mit einer leiblichen Tochter lebt. Söhne oder Brüder hat sie keine, und es ist schon bedauerlich, dass die Familie damit aussterben wird.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade warf rasch ein: »Was kümmert es uns, ob sie aussterben oder nicht! Taugt denn dieses Mädchen etwas? Und wie kommt es, dass euer junger Herr Gefallen an ihr gefunden hat?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie erwiderte lachend: »Zum einen war es eine Fügung des Himmels, zum anderen heißt es ja: 'In den Augen eines Verliebten wird jedes Mädchen zur Xi Shi &amp;lt;ref&amp;gt;berühmte Schönheit des Altertums&amp;lt;/ref&amp;gt;.' Da die Familien schon seit Generationen miteinander befreundet sind, hatten die beiden als Kinder zusammen gespielt. Dem Verwandtschaftsgrad nach sind sie Vetter und Kusine, da gab es also keinen Grund für Verdächtigungen. Zwar waren sie dann einige Jahre voneinander getrennt, aber als dein Vetter neulich zu Besuch kam und die alte Frau Xia — die, wie gesagt, keinen eigenen Sohn hat — sah, was für ein stattlicher Mann er geworden war, da weinte und lachte sie zugleich und freute sich mehr über ihn als über einen leiblichen Sohn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ließ die beiden sich wiedersehen, und da zeigte sich, dass das Mädchen inzwischen aufgeblüht war wie eine Blume. Auch Lesen und Schreiben hatte sie zu Hause gelernt, und so war dein Vetter auf der Stelle Feuer und Flamme für sie. Mit dem Geschäftsführer und einer ganzen Schar von Gehilfen aus der Pfandleihe hat er sich dort für drei oder vier Tage eingenistet, und obwohl man ihn einlud, noch ein paar Tage länger zu bleiben, drängte er schließlich energisch darauf, nach Hause zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war er hier zur Tür herein, hat er unserer gnädigen Frau die Ohren vollgejammert, sie solle für ihn um das Mädchen anhalten. Und da unsere gnädige Frau das Mädchen aus eigener Anschauung kannte und die beiden Familien einander ebenbürtig sind, hat sie eingewilligt. Sie beriet sich hier mit der Tante [薛姨妈] und dem Fräulein Phönixglanz [凤姐], dann schickte man Boten zu den Xias, und dort wurde sogleich zugesagt. Nur ist der Termin für die Hochzeit sehr knapp, darum haben wir alle Hände voll zu tun. Aber auch ich kann es kaum erwarten, dass sie ins Haus kommt — dann haben wir ja wieder eine Dichterin mehr!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte mit kühlem Lächeln: »Das sagst du so leicht dahin, aber wenn ich das höre, mache ich mir vor allem um dich Sorgen und frage mich, was aus dir werden soll.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unwillkürlich errötete Duftkastanie und erwiderte mit förmlicher Miene: »Was soll das für eine Rede sein! Wir haben einander stets mit Achtung behandelt, und jetzt fängst du plötzlich mit solchen Dingen an. Was soll das heißen? Kein Wunder, dass alle sagen, man solle sich mit dir nicht zu eng einlassen!« Damit machte sie auf dem Absatz kehrt und ging davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanies Verhalten machte Schatzjade ganz betroffen, und er fühlte sich, als hätte er etwas verloren. Lange stand er unschlüssig da, überlegte hin und her, und unvermerkt rollten ihm die Tränen über die Wangen. Niedergeschlagen kehrte er zum Hof der Roten Freude zurück. Die ganze Nacht fand er keine Ruhe; im Traum rief er bald nach Heitermuster, bald schreckte er aus Albträumen hoch, und so ging es in einem fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag hatte er keinen Appetit, und sein Körper fühlte sich fiebrig an. All die Demütigungen, Schrecken und Kümmernisse der letzten Tage — die Durchsuchung des Gartens des Großen Anblicks, die Vertreibung von Siqi [司棋], der Abschied von Willkommensfrühling und der Tod von Heitermuster — hatten ihren Tribut gefordert. Hinzu kam eine Erkältung, und so war eine Krankheit daraus entstanden, die ihn ans Bett fesselte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter davon erfuhr, kam sie Tag für Tag persönlich, um nach ihm zu sehen. Dame König machte sich insgeheim Vorwürfe und fragte sich, ob sie Heitermusters wegen nicht zu hart mit ihm ins Gericht gegangen war. Doch obwohl sie innerlich so empfand, ließ sie sich äußerlich nichts anmerken. Sie ordnete nur an, die alten Ammen sollten gut für ihn sorgen, und zweimal am Tag musste ein Arzt kommen, um ihm den Puls zu fühlen und Medizin zu verschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach einem ganzen Monat stellte sich allmählich eine Besserung ein. Die Herzoginmutter befahl, er solle sich schonen und dürfe erst nach hundert Tagen wieder Fleisch, Fisch, Fettiges und Nudeln zu sich nehmen und das Haus verlassen. Während dieser hundert Tage durfte er nicht einmal vor das Hoftor treten, sondern konnte nur innerhalb seiner Räume scherzen und spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach vierzig oder fünfzig Tagen hatte Schatzjade diese Einschränkungen so satt, dass es wie Feuer in ihm loderte und er es kaum noch aushalten konnte. Sosehr er auch versuchte, sich Auswege zu schaffen — die Herzoginmutter und Dame König blieben unbeugsam, und er musste sich fügen. So trieb er es mit den Zofen bunt und planlos, vergnügte sich nach Herzenslust und spielte alle möglichen Streiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann hörte er, dass Becken Schnee [薛蟠] ein Festmahl mit Theateraufführung gab, dass es dort äußerst lebhaft zuging, und dass er bereits geheiratet habe. Es hieß, das Fräulein Xia sei außerordentlich hübsch und beherrsche auch ein wenig die Schriftgelehrsamkeit — Schatzjade hätte sie liebend gerne sofort gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Zeit später erfuhr er, dass Willkommensfrühling das Haus verlassen hatte. Der Gedanke, wie er einst mit seinen Schwestern zusammen gewesen war, so vertraut und einander so nah, und dass sie sich, selbst wenn sie sich je wiedersähen, gewiss nicht mehr so nahe sein würden wie früher — und dass er sie jetzt nicht einmal besuchen konnte — , das alles schmerzte ihn zutiefst. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als still zu erdulden und sich einstweilen mit den Zofen zu vergnügen, um sich die Schwermut zu vertreiben. Immerhin blieb er so von den Vorwürfen Aufrecht Kaufmanns verschont, der ihn sonst zum Bücherlesen gedrängt hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen hundert Tagen hätte es nur noch gefehlt, dass er den Hof der Roten Freude in Schutt und Asche legte — er trieb es mit den Mädchen derart zügellos, dass er alle nur erdenklichen Torheiten und Streiche beging. Doch davon brauchen wir hier nicht im Einzelnen zu berichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erzählen wir nun von Duftkastanie. Nachdem sie Schatzjade an jenem Tag so scharf zurechtgewiesen hatte, sagte sie sich im Stillen, Schatzjade habe ihr absichtlich zu nahe treten wollen. »Kein Wunder, dass unser Fräulein Schatzspange [薛宝钗] es nicht wagt, ihm nahe zu kommen — ich bin Fräulein Schatzspange bei Weitem nicht gewachsen! Kein Wunder auch, dass Fräulein Kajaljade ständig mit ihm streitet und bitterlich weint — gewiss hat er auch sie des Öfteren vor den Kopf gestoßen. Von nun an werde ich ihm lieber aus dem Weg gehen.« Und so kam sie fortan nicht einmal mehr leichtfertig in den Garten der Großen Anschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag für Tag war sie mit Vorbereitungen beschäftigt. Nachdem Becken Schnee geheiratet hatte, sagte sie sich, nun habe sie gewissermaßen einen Schutzschild gewonnen: Ein Teil der Verantwortung würde von ihren Schultern genommen, und es würde insgesamt friedlicher zugehen. Außerdem hatte sie gehört, die neue Herrin sei eine begabte und schöne Frau, von feiner Art und friedfertigem Wesen. Daher sehnte sie den Tag der Ankunft der Braut noch zehnmal ungeduldiger herbei als Becken Schnee selbst. Und als die Hochzeit endlich stattgefunden hatte und die Braut ins Haus gekommen war, bediente Duftkastanie sie mit allergrößter Sorgfalt und Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was nun diese junge Frau Xia betraf: Sie war in diesem Jahr gerade siebzehn Jahre alt, durchaus von ansehnlichem Äußeren und konnte auch einige Schriftzeichen lesen und schreiben. Was freilich ihre Gerissenheit und Berechnung anging, stand sie der Phönixglanz [王熙凤] kaum nach. Nur hatte sie einen entscheidenden Nachteil: Ihr Vater war früh gestorben, und sie hatte keine leiblichen Brüder. Ihre verwitwete Mutter lebte allein mit dieser Tochter, die sie verhätschelte und verwöhnte, als wäre sie ein kostbarer Schatz. Was die Tochter auch tat, die Mutter gab in allem nach. Durch diese maßlose Verwöhnung hatte sich in ihr ein Charakter wie der des Räubers Zhi [盗跖, Anm.: berüchtigter Räuber des Altertums, Inbegriff von Rücksichtslosigkeit] herausgebildet: Sich selbst erhob sie wie einen Bodhisattva auf den Altar, andere betrachtete sie als Dreck unter ihren Füßen. Nach außen hin besaß sie die Anmut von Blumen und Weiden, im Innern jedoch barg sie die Wildheit von Sturm und Donner. Schon zu Hause hatte sie die Zofen ständig herumkommandiert, leichtfertig beschimpft und mit schwerer Hand geschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, da sie geheiratet hatte, wollte sie als Herrin des Hauses auftreten. Die Zeiten der mädchenhaften Zurückhaltung und Sanftmut waren vorbei — jetzt musste sie ihre Autorität unter Beweis stellen, um die Untergebenen in Schach zu halten. Außerdem sah sie, dass Becken Schnee von hartem Naturell und hochmütigem Gebaren war — wenn sie ihn nicht gleich zu Anfang, solange das Eisen noch heiß war, weichkochte, würde sie sich später nicht mehr gegen ihn behaupten können. Und als sie dann noch sah, dass mit Duftkastanie eine ebenso begabte wie schöne Nebenfrau im Hause lebte, fasste sie den Entschluss, es dem Song-Gründer Taizu gleichzutun, der das Südliche Tang vernichtet hatte &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf Kaiser Taizu der Song-Dynastie, der das Südliche Tang-Reich besiegte&amp;lt;/ref&amp;gt;: »Auf dem eigenen Lager darf niemand sonst ruhig schlafen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ihre Familie den Beinamen »Duftblüten-Xia« trug, hatte man ihr den Kindernamen Jin Gui [金桂, »Goldene Osmanthusblüte«] gegeben. Zu Hause hatte sie es allen verboten, die Zeichen »Jin« und »Gui« in den Mund zu nehmen, und wer in einem unbedachten Moment auch nur eines der beiden Zeichen aussprach, den ließ sie gnadenlos bestrafen. Da sie jedoch einsah, dass man die Zeichen für »Osmanthusblüte« nicht gänzlich verbieten konnte, musste ein anderer Name her. Und da es vom Osmanthus die Sage gibt, er wachse im Kaltpalast der Mondgöttin Chang'e [广寒嫦娥], benannte sie die Osmanthusblüte kurzerhand in »Chang'e-Blume« um — womit sie zugleich ihren eigenen erhabenen Stand andeuten wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee war von jeher ein Mensch, der das Neue liebte und das Alte wegwarf. Zudem hatte er zwar Mut unter dem Einfluss von Wein, doch fehlte ihm die Ausdauer nüchternen Durchhaltens. Nun, da er eine solche Ehefrau bekommen hatte, befand er sich noch im Rausch des Neuen und gab in allem nach. Als Jin Gui sah, wie die Dinge lagen, wurde sie Schritt für Schritt dreister. Im ersten Monat hielten sich beide noch die Waage; nach dem zweiten Monat jedoch sank Becken Schnees Selbstbehauptung merklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, nachdem Becken Schnee getrunken hatte, wollte er irgendetwas unternehmen und besprach sich zuvor mit Jin Gui. Jin Gui aber verweigerte sich rundweg. Becken Schnee konnte sich nicht beherrschen und sagte einige unwirsche Worte, dann ging er schmollend seiner Wege. Jin Gui geriet darüber in eine solche Wut, dass sie heulte wie eine Betrunkene, weder Tee noch Suppe anrührte und sich krank stellte. Als ein Arzt gerufen wurde, erklärte dieser: »Blut und Qi sind in Aufruhr geraten, sie muss brusterweiternde und Qi-beruhigende Medizin einnehmen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee [薛姨妈] war so erzürnt, dass sie Becken Schnee eine Standpauke hielt: »Jetzt hast du geheiratet und solltest bald einen Sohn auf dem Arm haben, und trotzdem benimmst du dich so! Die Leute haben wie ein Phönixenei diese einzige Tochter aufgezogen, zarter als ein Blümchen, und weil sie dich für einen anständigen Menschen hielten, haben sie dir ihre Tochter zur Frau gegeben. Anstatt dich zu besinnen und ein ordentliches, friedliches Leben zu führen, musst du dich volllaufen lassen und sie quälen. Und jetzt kosten Arzt und Medizin wieder Geld — alles umsonst!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Predigt überkam Becken Schnee tiefe Reue, und er ging zu Jin Gui, um sie zu trösten. Jin Gui aber sah, dass ihre Schwiegermutter den Ehemann so gescholten hatte, und wurde erst recht übermütig. Sie ließ es sich in ihrer Empörung erst recht angelegen sein, sich zu zieren und Becken Schnee links liegenzulassen. Becken Schnee wusste sich keinen Rat mehr und machte sich nur noch selbst Vorwürfe. Erst nach zehn Tagen oder zwei Wochen gelang es ihm mühsam, Jin Gui umzustimmen. Von nun an verdoppelte er seine Vorsicht, und sein Selbstbewusstsein sank noch weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jin Gui sah, dass die Fahne ihres Mannes immer tiefer sank und die Schwiegermutter gutmütig war, begann sie schrittweise, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Anfangs beherrschte sie nur Becken Schnee, dann griff sie, gestützt auf ihren Liebreiz, nach Tante Schnee und schließlich auch nach Schatzspange [薛宝钗]. Schatzspange hatte ihre Ränke längst durchschaut und parierte sie bei jeder Gelegenheit geschickt mit Worten, um ihre Ambitionen im Keim zu ersticken. Jin Gui erkannte, dass sie gegen Schatzspange nicht ankam, und so oft sie auch nach einer Schwachstelle suchte, fand sie keine. Da blieb ihr nichts anderes übrig, als sich geschmeidig anzupassen und sich vorläufig zu fügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, als Jin Gui nichts zu tun hatte, plauderte sie mit Duftkastanie und erkundigte sich nach deren Heimat und Eltern. Duftkastanie antwortete, sie habe alles vergessen. Das missfiel Jin Gui, die ihr vorwarf, sie wolle sie absichtlich belügen. Dann fragte sie, wer ihr eigentlich den Namen »Duftkastanie« [香菱, wörtlich: »Duftende Wassernuss«] gegeben habe. Duftkastanie antwortete: »Das Fräulein [Schatzspange] hat ihn mir gegeben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jin Gui sagte mit kühlem Lächeln: »Alle sagen, das Fräulein sei so gebildet, aber allein schon dieser Name ist ein Unsinn.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie erwiderte hastig lachend: »Ach, die gnädige Frau weiß es nicht! Die Gelehrsamkeit unseres Fräuleins wird sogar vom Herrn Onkel [Aufrecht Kaufmann] immer wieder gelobt!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
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[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 78</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
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&lt;br /&gt;
= 第七十八回 / Kapitel 78 =&lt;br /&gt;
== 老学士闲征姽婳词 ==&lt;br /&gt;
=== 痴公子杜撰芙蓉诔 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtundsiebzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Gelehrte lässt zum Vergnügen ein Gedicht auf eine schöne Kriegerin verfassen; der verliebte junge Herr erfindet eine Totenklage auf die Hibiskusgöttin&amp;lt;ref&amp;gt;芙蓉女儿 (Fúróng Nǐ’ér), die „Hibiskustochter“. Schatzjades Totenklage „芙蓉女儿诼“ ist eines der bedeutendsten literarischen Stücke im Roman und eine Hommage an die elegische Tradition der Chu-Ci (楚辞).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Dame König, nachdem die beiden Nonnen Duftblümchen und die anderen mitgenommen hatten, zur Herzoginmutter ging, um ihr den Morgengruß zu entbieten. Als sie die Herzoginmutter guter Stimmung vorfand, nutzte sie die Gelegenheit und berichtete: „In Schatzjades Räumen gibt es eine Dienerin namens Heitermuster. Das Mädchen ist schon groß geworden, und obendrein ist sie das ganze Jahr über krank. Ich habe bemerkt, dass sie fauler und ungezogener ist als die anderen. Vor kurzem lag sie wieder über zehn Tage krank darnieder; der Arzt diagnostizierte Mädchenschwindsucht, und deshalb habe ich sie sofort fortschicken lassen. Wenn sie genesen ist, brauchen wir sie nicht zurückzurufen — man kann sie dann gleich ihren Leuten zur Verheiratung geben. Was die Schauspielmädchen betrifft, die seinerzeit das Theaterspielen lernten, so habe ich sie ebenfalls auf eigene Verantwortung freigelassen. Erstens haben sie durchs Theaterspielen gelernt, ungehemmt zu reden und alles Mögliche daherzuplappern — wie soll das angehen, wenn die jungen Damen so etwas hören? Zweitens ist es nur recht und billig, dass man sie freilässt, nachdem sie eine Zeitlang gesungen haben. Außerdem haben wir ohnehin zu viele Dienerinnen. Wenn es nicht genug sind, wählen wir eben ein paar neue aus — das ist dasselbe.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter nickte: „Das ist durchaus vernünftig. Ich habe mir auch schon so etwas gedacht. Aber diese Heitermuster — ich fand sie immer ausgezeichnet. Wie konnte es so weit kommen? Meiner Meinung nach können all die anderen Dienerinnen an Aussehen, Gewandtheit, Redekunst und Handarbeit nicht mit ihr mithalten. Ich dachte, sie allein sei es wert, Schatzjade künftig zu dienen. Wer hätte geahnt, dass sie sich so verändern würde?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König lächelte: „Die alte gnädige Frau hatte mit ihrer Wahl ganz recht. Nur hat sie wohl nicht das Glück, das ihr bestimmt ist, und deshalb bekam sie diese Krankheit. Wie das Sprichwort sagt: 'Wenn ein Mädchen achtzehn wird, ändert sie sich achtzehnmal.' Zudem haben begabte Menschen zwangsläufig auch ihre Eigenheiten. Was hätte die alte gnädige Frau in ihrem Leben nicht schon alles erfahren? Auch ich habe diese Sache bereits seit drei Jahren im Auge behalten. Anfangs hatte ich sie ebenfalls ausgewählt, und seither beobachtete ich sie genau. Bei kühlem Hinsehen übertrifft sie zwar in jeder Hinsicht die anderen, nur ist sie nicht besonnen genug. Was Besonnenheit und Kenntnis der großen Umgangsformen betrifft, steht Dufthauch an erster Stelle. Man sagt zwar, eine tüchtige Ehefrau und eine schöne Nebenfrau, doch ist es noch besser, wenn sie sanftmütig im Wesen und gesetzt im Auftreten ist. Dufthauch mag zwar vom Aussehen her eine Stufe unter Heitermuster stehen, doch wenn man sie ins Gemach nimmt, zählt sie immer noch zu den Besten. Zudem ist sie großzügig im Handeln und aufrichtig im Herzen. In all den Jahren hat sie Schatzjade nie in seinem Unfug unterstützt. Wann immer Schatzjade sich gar zu wild aufgeführt hat, hat sie ihm eindringlich abgeraten. Nachdem ich sie zwei Jahre lang geprüft und keinen Fehler gefunden hatte, habe ich still und leise ihr monatliches Dienerinnengehalt eingestellt und stattdessen aus meinem eigenen Monatsgeld zwei Liang Silber für sie abgezweigt — nur, damit sie selbst es weiß und sich noch gewissenhafter um ihre Tugend bemüht. Warum ich es nicht offen ausgesprochen habe? Erstens ist Schatzjade noch zu jung, und wenn der gnädige Herr davon erführe, könnte er sagen, es lenke ihn vom Studium ab. Zweitens würde Schatzjade, sobald er wüsste, dass sie bereits seine Nebenfrau ist, glauben, sie würde es nicht mehr wagen, ihn zu ermahnen und zurechtzuweisen, und erst recht zügellos werden. Deshalb habe ich erst heute der alten gnädigen Frau Bericht erstattet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hörte dies und lächelte: „Ach so ist das! Dann ist es ja umso besser. Dufthauch war von klein auf schweigsam und still — ich hielt sie immer für eine mundlose Kürbisflasche. Wenn du sie so gut kennst, kann es keinen großen Fehler geben. Und dein Gedanke, es Schatzjade nicht offen zu sagen, ist sogar noch klueeger. Reden wir nicht weiter darüber, es genügt, wenn wir es im Herzen wissen. Ich kenne Schatzjade — er wird auch künftig nicht auf Frau und Nebenfrau hören. Auch ich verstehe ihn nicht und habe noch nie ein solches Kind gesehen. All sein anderer Unfug ist ja verständlich, nur dass er sich so sehr zu den Dienerinnen hingezogen fühlt, ist rätselhaft. Ich habe mir deshalb auch Sorgen gemacht und ihn oft heimlich beobachtet. Dass er mit den Dienerinnen scherzt, müsste eigentlich heißen, dass er groß geworden ist und die Dinge zwischen Mann und Frau versteht, und sich darum gern in ihrer Nähe aufhält. Doch wenn man genau nachforscht, ist es eben nicht deshalb. Ist das nicht seltsam? Wahrscheinlich ist er eigentlich ein Mädchen, das versehentlich als Junge geboren wurde.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten. Dame König berichtete ferner, wie Aufrecht Schatz Kaufmannjade heute gelobt und die Knaben zu einem Ausflug mitgenommen hatte. Die Herzoginmutter freute sich darüber noch mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf erschien Willkommensfrühling, fein herausgeputzt, um sich zu verabschieden, ehe sie zu ihrer Familie zurückkehrte. Auch Phönixglanz kam zum Morgengruß. Nachdem das Frühstück serviert war und man noch eine Weile geplaudert und gelacht hatte, ging die Herzoginmutter zum Mittagsschlaf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach rief Dame König Phönixglanz zu sich und fragte, ob die Arzneipillen schon zubereitet seien. Phönixglanz erwiderte: „Noch nicht. Ich nehme immer noch Heiltränke. Aber die gnädige Frau braucht sich keine Sorgen zu machen — mir geht es schon viel besser.“ Da Dame König sah, dass sie wieder so munter war wie früher, glaubte sie ihr. Dann berichtete sie von der Vertreibung Heitermusters und der anderen und fuhr fort: „Warum ist Fräulein Schatzspange heimlich zu sich nach Hause zum Schlafen gegangen, ohne dass ihr es wusstet? Neulich habe ich auf meinem Weg alles inspiziert. Es stellte sich heraus, dass auch die neue Amme des kleinen Lan recht kokett ist — sie gefällt mir nicht. Ich habe es deiner Schwägerin gesagt: Am besten schickt man sie fort. Zumal der kleine Lan schon groß ist und keine Amme mehr braucht. Ich fragte deine Schwägerin: 'Hast du etwa auch nicht gewusst, dass Fräulein Schatzspange fortgegangen ist?' Sie sagte, Schatzspange habe es ihr durchaus mitgeteilt — sie wolle nur zwei, drei Tage bleiben, bis es der Tante besser gehe, und dann zurückkommen. Ihrer Tante fehlt im Grunde nichts Ernstes, es ist nur wieder der übliche Husten und die Rückenschmerzen, die sie jedes Jahr hat. Aber Schatzspanges Fortgehen muss einen besonderen Grund haben. Ob sie jemand gekränkt hat? Das Kind nimmt sich alles so zu Herzen. Wir sind Verwandte und leben unter einem Dach — es wäre nicht gut, wenn man jemanden beleidigt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lächelte: „Wer sollte sie schon grundlos kränken? Außerdem ist sie den ganzen Tag im Garten, und da sind nur die Schwestern unter sich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König überlegte: „Vielleicht hat Schatzjade mit seinem losen Mundwerk und seiner Gedankenlosigkeit — er ist ja wie ein Narr und kennt keine Hemmungen — in einem fröhlichen Augenblick etwas Unbedachtes gesagt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lächelte: „Da macht sich die gnädige Frau zu viele Sorgen. Wenn man ihn hinaußchickt, um ernste Dinge zu besprechen, benimmt er sich wie ein Trottel. Aber unter den Schwestern und den Dienerinnen, ob groß oder klein, ist er die Zuvorkommenheit selbst und hat stets Angst, jemanden zu verletzen — da kann ihn wirklich niemand böse nehmen. Ich denke, Schwester Xüs Fortgehen hat mit der Durchsuchung der Dienerinnensachen neulich zu tun. Die Durchsuchung fand ja statt, weil man den Leuten im Garten nicht mehr traute. Da Schatzspange aber eine Verwandte ist und ebenfalls Dienerinnen und ältere Frauen hier hat, konnten wir sie nicht mit durchsuchen. Sie fürchtete wohl, wir könnten sie in Verdacht haben, und hat sich deshalb vorsichtshalber selbst zurückgezogen. Das ist auch durchaus angemessen — man sollte solchen Verdacht von sich fernhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König fand diese Erklärung einleuchtend, senkte nachdenklich den Kopf und ließ dann Schatzspange rufen, um die Sache vom neulichen Tag aufzuklären, ihren Verdacht zu zerstreün und sie einzuladen, wie zuvor im Garten zu wohnen. Schatzspange lächelte: „Ich wollte eigentlich schon länger gehen, aber die Tante hatte so viele wichtige Angelegenheiten, dass ich den richtigen Zeitpunkt nicht finden konnte, es anzusprechen. Nun wurde meine Mutter gerade wieder krank, und die beiden zuverlässigen Frauen bei uns daheim liegen ebenfalls darnieder, also habe ich die Gelegenheit genutzt. Da die Tante jetzt Bescheid weiß, kann ich meine Gründe offen darlegen und mich ab heute ordentlich verabschieden und meine Sachen holen lassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König und Phönixglanz sagten lächelnd: „Du bist zu eigensinnig. Am besten ziehst du wieder ein. Wegen einer Nichtigkeit sollte man die verwandtschaftlichen Beziehungen nicht aufs Spiel setzen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange erwiderte lächelnd: „Mit Verlaub, das ist ein Missverständnis. Ich gehe nicht wegen irgendwelcher Vorfaelle. Erstens ist meine Mutter in letzter Zeit geistig viel schwächer geworden, und nachts hat sie niemand Zuverlässigen bei sich — es gibt nur mich. Zweitens steht meines Bruders Hochzeit bevor, und es fehlt noch vieles an Näharbeiten und Haushaltsgegenständen, bei deren Beschaffung ich Mutter helfen muss. Die Tante und Schwester Phönixglanz kennen unsere Verhältnisse — ich übertreibe nicht. Drittens: Seit ich im Garten wohne, steht das kleine Seitentor im Südosten ständig offen, eigentlich für meinen Weg. Aber man kann nicht verhindern, dass auch andere den kürzeren Weg nehmen und durch dieses Tor gehen, ohne dass jemand sie kontrolliert. Wenn dort etwas passiert, verlieren beide Seiten das Gesicht. Zudem war mein Einzug in den Garten keine große Sache. In früheren Jahren waren wir alle noch jung, und zu Hause gab es nichts zu tun — da war es schöner, bei den Schwestern im Garten zu sein, zu nähen und zu plaudern, als allein zu Hause zu sitzen. Jetzt aber sind wir alle älter geworden und haben alle unsere Pflichten. Zudem trifft die Tante in den letzten Jahren ein Unglück nach dem anderen, und der Garten ist viel zu groß, um überall aufzupassen — alles hängt miteinander zusammen. Je weniger Leute dort wohnen, desto weniger Sorgen. Deshalb gehe ich nicht nur selbst, sondern möchte der Tante auch raten: Was man einsparen kann, sollte man einsparen, ohne dass es der Würde eines großen Hauses Abbruch täte. Meiner Ansicht nach könnte man die Ausgaben für den Garten durchaus streichen. Das sage ich nicht leichtfertig — die Tante kennt unsere Familie gut genug. Waren wir denn früher etwa so heruntergekommen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hörte diese ganze Rede und sagte lächelnd zu Dame König: „Was sie sagt, ist richtig. Man sollte sie nicht zwingen.“ Dame König nickte: „Mir fällt auch nichts mehr ein, was ich dagegen sagen könnte. Tu, wie du meinst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, kehrten Schatzjade und die anderen bereits zurück. Er berichtete, sein Vater sei noch nicht aufgebrochen und habe sie vorsorglich früher heimgeschickt, damit es nicht zu dunkel würde. Dame König fragte sogleich: „Hast du dich heute blamiert?“ Schatzjade lächelte: „Nicht nur keine Blamage — ich habe sogar allerhand mitgebracht!“ Gleich darauf übernahmen die alten Dienerinnen am zweiten Tor von den Dienern allerlei Gegenstände. Dame König besah sie: drei Fächer, drei Fächeranhänger, sechs Kästchen mit Schreibutensilien, drei Schnüre Duftkügelchen und drei Jadeplatten mit Seidenquasten. Schatzjade erklärte: „Das hier ist vom Hanlin-Akademiker Mei, das vom Hofrat Yang, und das vom Beamten Li — jeder hat eine Garnitur bekommen.“ Dann holte er noch ein kleines sandelhölzernes Schutzamulett mit einer Buddhafigur aus seinem Gewand hervor und sagte: „Das hat mir der Herzog von Qing persönlich geschenkt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König erkundigte sich noch, wer bei dem Festmahl zugegen war und welche Gedichte verfasst wurden. Dann ließ sie nur Schatzjades Anteil von jemandem tragen und ging mit Schatzjade, Orchidee Kaufmann und Unheil Kaufmann zur Herzoginmutter. Die Herzoginmutter betrachtete alles mit großer Freude und stellte natürlich auch einige Fragen. Schatzjade aber dachte die ganze Zeit nur an Heitermuster. Sobald er die Fragen beantwortet hatte, sagte er, das Reiten habe ihn durchgeschüttelt und ihm täten die Knochen weh. Die Herzoginmutter sagte: „Dann geh schnell zurück, zieh dich um und beweg dich ein wenig, das wird helfen. Aber leg dich nicht hin!“ Schatzjade folgte dem Rat und eilte in den Garten zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen warteten Moschusmond und Herbstmuster mit zwei kleinen Dienerinnen auf ihn. Als Schatzjade sich von der Herzoginmutter verabschiedet hatte, nahm Herbstmuster die Schreibutensilien auf, und gemeinsam folgten sie ihm in den Garten. Schatzjade beklagte sich unentwegt über die Hitze. Während er ging, nahm er seine Mütze ab und lockerte den Gürtel; die schwere Oberkleidung zog er aus und gab sie Moschusmond zu tragen. Er trug nur noch eine gefütterte Jacke aus hellgrüner, kiefernblütenfarbener Seide, unter der die blutrote Hose hervorlugte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Herbstmuster diese rote Hose sah, die Heitermuster genähnt hatte, seufzte sie: „Diese Hose sollte man wohl beiseitelegen. Das Stück ist noch da, aber der Mensch ist fort.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond stimmte seufzend ein: „Das ist wirklich Heitermusters Nähandarbeit. Wahrhaftig — die Dinge bleiben, die Menschen gehen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster gab Moschusmond einen leichten Stoß und sagte lächelnd: „Diese Hose mit der kiefernblütenfarbenen Jacke und den schieferblauen Stiefeln — da kommt sein indigoblaues Haar und sein schneeweißes Gesicht erst richtig zur Geltung!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade tat, als höre er nichts. Nach ein paar weiteren Schritten blieb er stehen und sagte: „Ich möchte einen Spaziergang machen. Wie soll das gehen?“ Moschusmond sagte: „Am helllichten Tag, wovor hast du Angst? Wirst du dich etwa verlaufen?“ Sie befahl zwei kleinen Dienerinnen, ihm zu folgen. „Wir bringen diese Sachen weg und kommen gleich zurück.“ Schatzjade sagte: „Liebe Schwestern, wartet auf mich, dann gehe ich mit euch.“ Moschusmond erwiderte: „Wir sind gleich wieder da. Wir haben beide die Hände voll — die eine traegt die Vier Schätze des Studierzimmers, die andere Mütze, Gewand, Gürtel und Schuhe. Das sieht ja aus wie ein Aufmarsch! Was für ein Anblick!“ Schatzjade hörte dies, und es kam ihm gerade recht, also ließ er die beiden gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er nahm die zwei kleinen Dienerinnen mit hinter einen Felsblock. Ohne große Umschweife fragte er die beiden: „Seit ich fort war — hat Schwester Dufthauch jemanden geschickt, um nach Schwester Heitermuster zu sehen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine antwortete: „Sie hat Mutter Song hingeschickt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was hat sie berichtet, als sie zurückkam?“ fragte Schatzjade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mutter Song sagte, Schwester Heitermuster habe die ganze Nacht mit gestrecktem Hals gerufen. Heute früh hat sie die Augen geschlossen und den Mund nicht mehr aufbekommen. Sie weiß nichts mehr von der Welt, bringt keinen Ton mehr heraus und atmet nur noch ganz schwach.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hastig fragte Schatzjade: „Wen hat sie die ganze Nacht gerufen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ihre Mutter“, sagte das kleine Mädchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wischte sich die Tränen ab: „Hat sie noch jemand anderen gerufen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sonst niemanden, soweit ich gehört habe.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du bist töricht“, sagte Schatzjade. „Du hast bestimmt nicht richtig hingehört.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das andere kleine Mädchen, das aufgewecktere von beiden, trat vor und sagte: „Stimmt, sie ist wirklich töricht!“ Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Ich habe nicht nur genau hingehört, ich bin sogar selbst heimlich hingegangen und habe nach ihr gesehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du bist selbst hingegangen?“ fragte Schatzjade überrascht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ja“, sagte das Mädchen. „Ich dachte, Schwester Heitermuster war von jeher anders als die übrigen und hat uns immer gut behandelt. Jetzt, wo sie zu Unrecht fortgejagt wurde, können wir nichts für sie tun. Aber sie wenigstens zu besuchen — das sind wir ihr schuldig für all die Jahre, in denen sie gut zu uns war. Selbst wenn es jemand erfährt und der gnädigen Frau meldet und wir eine Tracht Prügel bekommen — das nehme ich gern in Kauf. Also habe ich mich eine Tracht Prügel riskierend hinausgeschlichen und nach ihr gesehen. Und wer hätte gedacht: So klug und aufgeweckt sie ihr ganzes Leben lang war, so war sie es auch noch bis zum letzten Atemzug. Weil sie wusste, dass man mit den gewöhnlichen Leuten dort nichts reden konnte, hielt sie einfach die Augen geschlossen und ruhte aus. Aber als sie mich sah, öffnete sie die Augen, ergriff meine Hand und fragte: 'Wo ist Schatzjade?' Ich erzählte ihr die Wahrheit. Sie seufzte und sagte: 'Ich werde ihn nicht mehr sehen können.' Darauf sagte ich: 'Schwester, warum wartest du nicht, bis er zurückkommt, und seht euch noch einmal? Würde das nicht beider Herzenswunsch erfüllen?' Da lächelte sie und sagte: 'Ihr wisst es noch nicht. Ich sterbe gar nicht. Im Himmel fehlt eine Blumengöttin, und der Jadekaiser hat mir befohlen, das Amt der Blumenhüterin zu übernehmen. Ich muss heute, in der zweiten Viertelstunde der Stunde Wei, meinen Dienst antreten. Schatzjade wird aber erst in der dritten Viertelstunde der Stunde Wei nach Hause kommen. Es fehlt nur eine Viertelstunde, aber wir können uns nicht mehr sehen. Wenn gewöhnliche Sterbliche sterben sollen, schickt Yama, der Höllenrichter, kleine Geister, um ihre Seelen zu holen. Wenn man das hinauszogern will, braucht man nur Papiergeld zu verbrennen und Speiseopfer darzubringen — die Geister sind damit beschäftigt, das Geld aufzuraffen, und der Sterbende kann noch ein wenig länger bleiben. Aber mich rufen die Götter des Himmels persönlich — da lässt sich auch nicht eine Viertelstunde hinauszügern.' Als ich das hörte, konnte ich es kaum glauben. Doch als ich zurückkam und heimlich auf die Uhr schaute, war es tatsächlich in der zweiten Viertelstunde der Stunde Wei, dass sie den letzten Atemzug tat, und genau in der dritten Viertelstunde kam jemand und sagte uns, du seiest zurück. Die Zeiten stimmen genau überein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade rief hastig: „Du liest keine Bücher und weißt es daher nicht: So etwas gibt es wirklich! Nicht nur hat jede Blume eine Göttin, jede einzelne Blumenart hat ihre eigene Göttin, und darüber hinaus gibt es noch eine oberste Blumengöttin. Aber ob sie die oberste Blumengöttin geworden ist oder nur die Hüterin einer einzelnen Blumenart, das weiß ich nicht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Mädchen wusste im Augenblick nicht, was es antworten sollte. Da es gerade August war und die Hibiskusblumen auf dem Gartenteich in voller Blüte standen, fiel ihr beim Anblick der Blumen die passende Antwort ein: „Ich habe sie auch gefragt, welche Blume sie hütet, damit wir ihr künftig Opfer darbringen können. Sie sagte: 'Himmelsgeheimnisse dürfen nicht verraten werden. Da du so fromm bist, sage ich es nur dir allein. Du darfst es nur Schatzjade erzählen. Wenn du es außer ihm noch jemandem verrätst, werden dich die fünf Donnerkeile treffen.' Dann hat sie mir gesagt, dass sie die Göttin der Hibiskusblüte ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, empfand er nicht nur keinen Zweifel, sondern seine Trauer verwandelte sich sogar in Freude. Er deutete auf die Hibiskusblüten und sagte lächelnd: „Diese Blume braucht wirklich eine solche Person als Hüterin. Ich wusste es ja, dass jemand wie sie bestimmt eine große Bestimmung haben würde. Obwohl sie dem Meer des Leidens entkommen ist und wir uns von nun an nicht mehr sehen können, bin ich doch nicht frei von Trauer und Sehnsucht.“ Dann dachte er: „Obwohl ich sie vor ihrem Tod nicht mehr sehen konnte, sollte ich doch wenigstens jetzt vor ihrem Geist eine Reverenz erweisen — das gebührt sich nach fünf, sechs Jahren inniger Verbundenheit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken eilte er zurück in sein Zimmer, zog sich um und ging unter dem Vorwand, Kajaljade besuchen zu wollen, allein aus dem Garten, um die Totenbahre an der Stelle aufzusuchen, wo sie das letzte Mal gelegen hatte. Doch ihr Vetter und seine Frau hatten, kaum dass sie ihren letzten Atemzug getan hatte, gleich im Haus Bescheid gegeben, in der Hoffnung, möglichst schnell das übliche Bestattungsgeld zu bekommen. Dame König hatte, als sie davon erfuhr, zehn Liang Silber für die Bestattung angewiesen und außerdem befohlen: „Schafft sie sofort hinaus und verbrennt sie! Wer an Mädchenschwindsucht gestorben ist, den darf man auf keinen Fall aufbewahren!“ Der Vetter und seine Frau hatten das Geld erhalten, sogleich Leute angeheuert, den Leichnam eingesargt und zum Verbrennungsplatz vor der Stadt bringen lassen. Die zurückgebliebenen Kleider, Schmuckstücke und Haarnadeln, im Wert von drei- bis vierhundert Liang Gold, behielten Vetter und Frau für sich, als Rücklage für spätere Zeiten. Sie schlossen die Tür ab und begleiteten beide den Sarg — sie waren noch nicht zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade kam also vor verschlossener Tür an und fand niemanden vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Schatzjade lange allein dort gestanden hatte und keinen anderen Ausweg fand, kehrte er in den Garten zurück. In seinem Zimmer fühlte er sich völlig leer. So schlug er den Weg zu Kajaljade ein. Doch Kajaljade war nicht in ihrem Zimmer. Auf die Frage, wo sie sei, antworteten die Dienerinnen: „Sie ist zu Fräulein Schatzspange gegangen.“ Schatzjade ging also zum Hengwu-Hof hinüber, doch dort herrschte Totenstille. Die Räume waren ausgeräumt und leer. Erschrocken fiel ihm ein, dass er vor ein paar Tagen etwas davon gehört hatte, dass Schatzspange ausziehen wolle, doch wegen der Arbeit der letzten Tage hatte er es völlig vergessen. Jetzt, da er es mit eigenen Augen sah, wusste er, dass sie tatsächlich fort war. Erstarrt stand er eine ganze Weile da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam eine alte Dienerin des Weges. Schatzjade fragte hastig, was vorgefallen sei. Die Alte erklärte: „Fräulein Schatzspange ist ausgezogen. Wir passen hier auf und räumen noch die letzten Sachen zusammen. Gleich sind wir fertig. Bitte geht, junger Herr, damit wir noch den Staub fegen können. Von jetzt an könnt Ihr Euch den Weg hierher sparen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte diese Worte und stand wie erstarrt. Vor seinen Augen rankten sich die Duftwinden und seltenen Schlingpflanzen im Hof, noch immer smaragdgrün und frisch, doch sie schienen ihm auf einmal von Schwermut überzogen, ganz anders als gestern. Sein Herz zog sich zusammen vor Trauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schweigend trat er hinaus und sah vor dem Tor den schattigen grünen Weg. Auch hier war schon längst niemand mehr vorübergegangen — ganz anders als in früheren Tagen, als die Dienerinnen der verschiedenen Häuser ohne Verabredung in Scharen hin und her liefen. Er beugte sich hinunter und blickte auf das Wasser unter dem Damm, das still und unaufhörlich dahinfoss. Sein Herz dachte: Wie kann es auf der Welt solche Herzlosigkeit geben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er trauerte eine Weile, dann fiel ihm plötzlich ein: Siqin, Ruhua, Duftblümchen und die anderen, insgesamt fünf, waren fortgeschickt worden; Heitermuster war gestorben; nun war auch Schatzspange ausgezogen; Willkommensfrühling war zwar noch nicht fort, doch seit Tagen nicht zurückgekommen, und ständig erschienen Heiratsvermittler. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich alle im Garten zerstreün würden. Sich darüber zu graemen half auch nichts. Besser, er suchte Kajaljade auf und verbrachte den Tag bei ihr, und dann würde er mit Dufthauch zusammen sein — nur diese zwei, drei Menschen, die würden wohl bis zum Ende bei ihm bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gedanken ging er abermals zur Xiaoxiang-Bambushain-Fluss, doch Kajaljade war immer noch nicht zurück. Schatzjade dachte, er sollte wohl auch hinausgehen und sie verabschieden, doch er konnte seine Trauer nicht überwinden und blieb lieber. Niedergeschlagen kehrte er zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als er nicht wusste, wohin mit sich, kam ein Dienstmädchen von Dame König herein und suchte ihn: „Der gnädige Herr ist zurück und sucht Euch. Er hat ein neues Thema bekommen. Schnell, schnell!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade musste wohl oder übel mitgehen. In Dame Königs Räumen angekommen, war sein Vater bereits hinausgegangen. Dame König ließ ihn ins Studierzimmer bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sass gerade mit seinen Beratern zusammen und sprach über die Schönheiten des Herbstausflugs. Dann sagte er: „Kurz bevor wir aufbrachen, kam plötzlich eine Geschichte zur Sprache, die in jeder Hinsicht ein Meisterwerk der Überlieferung ist. Acht Tugenden vereint sie in sich: Anmut, Geist, Treue, Gerechtigkeit, Edelmut und Tapferkeit. Ein prächtiges Thema — alle sollten eine Klagedichtung darauf verfassen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater fragten neugierig, um welche wundersame Begebenheit es sich handle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann erzählte: „Einst gab es einen König mit dem Titel Heng König&amp;lt;ref&amp;gt;恒王 (Héng Wáng), eine fiktive Figur. Die Geschichte der schönen Kriegerin Lin Siniang (林四娘) basiert auf einer in Shandong verbreiteten Geisterlegende, die auch in Pu Songlings „Liaozhai zhiyi“ (聊斋志异) erscheint.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der als Statthalter in Qingzhou residierte. Dieser Heng König liebte schönhe Frauen über alles und übte in seiner Freizeit die Kriegskunst. Darum wählte er viele schöne Mädchen aus und übte sie täglich im Waffenhandwerk. In seinen Mussestunden veranstaltete er tagelange Bankette und ließ die schönen Frauen im Kampf gegeneinander antreten. Unter seinen Damen gab es eine mit dem Nachnamen Lin, die vierte in der Geschwisterreihe, die nicht nur die schönste war, sondern auch die größte Meisterschaft in den Kriegskünsten besass. Alle nannten sie Lin Siniang. Heng König schätzte sie am meisten und beförderte sie zur Anführerin aller seiner Damen. Er verlieh ihr den Titel 'Guihua-Generalin' — die 'anmutig Schöne Generalin'.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater riefen: „Außerordentlich! Herrlich! Dem Wort 'Guihua' — 'anmutige Schönheit' — das Wort 'General' hinzuzufügen, macht es nur noch reizvoller und graziöser. Wahrlich ein einmaliger Ausdruck in der Geschichte der Literatur! Dieser Heng König muss wohl der größte Lebemann aller Zeiten gewesen sein!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann lächelte: „Gewiss, das stimmt. Aber es gibt noch Erstaunlicheres und Bewundernswürdigeres zu berichten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater fragten verwundert: „Was ist dann geschehen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann fuhr fort: „Im nächsten Jahr sammelten sich die Überbleibsel der Aufständischen — Reste der 'Gelben Turbane' und 'Roten Augenbraün' — erneut wie ein Schwarm und plünderten das Gebiet östlich der Berge. Heng König hielt sie für ein paar raeudige Schaffe und Hunde, die keinen großen Feldzug verdienten, und ritt mit leichter Kavallerie gegen sie. Doch die Rebellen waren überraschend listig und geschickt. Nach zwei verlorenen Schlachten fiel Heng König den Raeübern zum Opfer. Daraufhin sagten sich alle Zivil- und Militärbeamten in Qingzhou: 'Wenn nicht einmal der König siegen konnte — was sollen wir da ausrichten?' Sie waren schon drauf und dran, die Stadt zu übergeben. Als Lin Siniang die Todesnachricht erhielt, versammelte sie alle Kriegerinnen und sprach: 'Wir alle stehen in der Schuld des Königs. Himmel und Erde sind unsere Zeugen, doch wir können ihm nicht den zehntausendsten Teil seiner Gnade vergelten. Da der König nun sein Leben für das Reich gegeben hat, bin ich entschlossen, mein Leben für den König zu geben. Wer mir folgen will, komme sofort mit mir. Wer nicht will, möge sich zerstreün.' Als die Kriegerinnen diese Worte hörten, riefen alle einstimmig, sie seien bereit. So führte Lin Siniang ihre Schar bei Nacht aus der Stadt und fiel direkt über das Lager der Räuber her. Die Rebellen waren unvorbereitet, und einige ihrer Anführer wurden erschlagen. Doch als die Räuber sahen, dass es nur eine Handvoll Frauen war und sie nichts ausrichten konnten, schlugen sie mit aller Macht zurück, und in einem erbitterten Kampf wurde Lin Siniang und jede einzelne ihrer Kämpferinnen getötet, ohne dass eine am Leben blieb. So erfüllte Lin Siniang ihren Schwur der Treue und Gerechtigkeit. Als die Nachricht in die Hauptstadt gelangte, waren alle — vom Kaiser bis zum geringsten Beamten — erschüttert und voller Bewunderung. Was die Unterdrückung der Rebellen danach betrifft — natürlich schickte der Hof Truppen, und die kaiserlichen Armeen machten dem Spuk rasch ein Ende. Darüber brauchen wir nicht weiter zu sprechen. Aber allein Lin Siniangs Geschichte — ist die nicht bewundernswert?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater seufzten: „Wahrlich bewundernswert und erstaunlich! Ein hervorragendes Thema, das verdient, dass alle eine Klageode darauf verfassen.“ Schon hatte jemand Pinsel und Tusche geholt. Nach Aufrecht Kaufmanns mündlichem Bericht wurde, mit leichten Änderungen in der Wortwahl, eine kurze Einleitung niedergeschrieben und Aufrecht Kaufmann zur Durchsicht vorgelegt. Dieser sagte: „Es ist nicht mehr als das. Die andere Seite hat ohnehin die Originaleinleitung. Gestern erging nämlich ein kaiserlicher Erlass, wonach alle Personen aus früheren Dynastien, die Anerkennung verdienten, aber bisher übergangen worden waren, gemeldet werden sollten — ob Mönche, Nonnen, Bettler, Männer oder Frauen: Wer auch nur eine lobenswerte Tat vorzuweisen hat, dessen Lebenslauf soll dem Ritenministerium zur Prüfung vorgelegt werden. Deshalb wurde auch jene Originaleinleitung an das Ritenministerium geschickt. Alle, die davon hörten, wollen nun ein 'Lied auf die Anmutig-Schöne' verfassen, um ihre Treue und Gerechtigkeit zu würdigen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater sagten lächelnd: „So muss es sein. Und noch bewundernswerter ist, dass unsere erlauchte Dynastie mit beispiellosen Gunsterweisen glänzt, wie es sie in keiner früheren Zeit je gegeben hat. Man kann wahrlich sagen: 'Im heiligen Reich gibt es nichts zu beklagen' — das Wort des Tang-Dichters hat sich in unserer Zeit bewahrheitet. Erst jetzt bekommt dieser Vers seinen vollen Sinn.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann nickte: „Genau so ist es.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, trafen auch Unheil Kaufmann und Orchidee Kaufmann ein. Aufrecht Kaufmann ließ sie das Thema lesen. Die beiden waren zwar keine schlechten Dichter, und an Belesenheit standen sie Schatzjade nicht viel nach. Doch erstens schlugen sie grundsätzlich einen anderen Weg ein: In der Prüfungsdichtung mochten sie Schatzjade überlegen sein, doch in der freien Dichtung reichten sie bei weitem nicht an ihn heran. Zweitens war ihr Denken schwerfaellig und umständlich, während Schatzjades Geist leicht und graziös dahinflog. Ihre Gedichte lasen sich stets wie Examenarbeiten: steif, nüchtern und ohne Schwung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hingegen war zwar kein Gelehrter im eigentlichen Sinne, doch dank seiner angeborenen Klugheit und seiner Vorliebe für allerlei Bücher außerhalb des Kanons hielt er es für möglich, dass auch die Alten sich gelegentlich geirrt oder etwas erfunden hatten, und meinte, man dürfe nicht alles wörtlich nehmen. Wenn man sich ständig ängstlich an Regeln klammerte, kam bestenfalls ein steifes Flickwerk heraus, das keinem Vergnügen bereitete. Mit dieser Haltung im Herzen fiel ihm jedes Thema, ob schwer oder leicht, mühelos zu — wie einem gewandten Redner, der aus dem Nichts Geschichten spinnt, mit flinker Zunge lange Tiraden hält und alles durcheinanderwirft und außchmückt, bis ein ganzer Vortrag dasteht. Auch wenn es an Belegen mangelt, bringt er die ganze Gesellschaft zum Lächeln, und selbst die strengsten Kritiker können gegen diesen Schwung nichts ausrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In letzter Zeit hatte Aufrecht Kaufmann, mit zunehmendem Alter, sein Streben nach Ruhm und Ehre weitgehend abgelegt. In seiner Jugend war auch er ein Mann des Weins und der Poesie gewesen, doch vor den jüngeren Verwandten hatte er stets den rechten Weg betont. Nun stellte er fest, dass Schatzjade, obwohl er keine Bücher las, ein erstaunliches Verständnis für die Dichtkunst besass. Bei näherer Betrachtung hatte er die Familienehre doch nicht allzu sehr beschmutzt. Zudem waren auch die Vorfahren alle auf ähnliche Weise veranlagt gewesen: Zwar hatte es unter ihnen einige gegeben, die sich tief in die Prüfungsliteratur versenkt hatten, doch keiner war je durch die Prüfungen zu Amt und Würden gelangt. Offenbar war dies das Schicksal der Kaufmann-Familie. Da zudem die Herzoginmutter den Enkel verwöhnte, zwang Aufrecht Kaufmann ihn nicht länger zum Prüfungsstudium. Deshalb behandelte er ihn in letzter Zeit so. Gleichzeitig wünschte er sich, dass Unheil Kaufmann und Orchidee Kaufmann neben ihrer Prüfungsvorbereitung auch etwas von Schatzjades Talenten besässen; deshalb rief er, wann immer Gedichte zu verfassen waren, alle drei zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch lassen wir die Abschweifungen. Aufrecht Kaufmann befahl den dreien, je eine Klageode zu verfassen: Wer zürst fertig wäre, erhalte eine Belohnung, und wer die beste abliefere, eine zusätzliche. Unheil Kaufmann und Orchidee Kaufmann hatten in letzter Zeit vor zahlreichem Publikum mehrere Gedichte vorgetragen und waren dadurch mutiger geworden. Sie lasen das Thema und gingen in sich. Bald hatte Orchidee Kaufmann seinen Text fertig. Unheil Kaufmann, der nicht zurückstehen wollte, vollendete seinen ebenfalls. Beide hatten ihre Verse niedergeschrieben, während Schatzjade noch in Gedanken versunken war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann und die Berater besahen zunächst die Gedichte der beiden. Orchidee Kaufmanns war ein siebensilbiges Vierzeiler:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Guihua-Generalin Lin Siniang,&lt;br /&gt;
    Jade war ihr Fleisch, Eisen ihr Herz.&lt;br /&gt;
    Sie gab ihr Leben, um Heng König zu raeechen — noch heute duftet der Boden von Qingzhou.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater lobten: „Für einen dreizehnjährigen Knaben ist das ganz ausgezeichnet! Man sieht, aus welch gelehrtem Hause er stammt!“ Aufrecht Kaufmann lächelte: „Für einen Knaben ist das eine beachtliche Leistung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann lasen sie Unheil Kaufmanns Gedicht, einen fünfsilbigen Achtzeiler:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Die Schöne kennt noch keinen Gram,&lt;br /&gt;
    doch in des Generals Herz glücht ein Schwur.&lt;br /&gt;
    Sie wischt die Tränen, lässt den Seidenvorhang,&lt;br /&gt;
    mit Groll im Herzen verlässt sie Qingzhou.&lt;br /&gt;
    Sie wähnt, des Königs Gnade zu vergelten,&lt;br /&gt;
    doch wie die Feinde besiegen?&lt;br /&gt;
    Wer schreibt auf das Grab der Treue?&lt;br /&gt;
    Auf ewig ein Name ohne gleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater sagten: „Noch besser! Ein paar Jahre älter, und man merkt, dass die Gedanken schon tiefer gehen.“ Aufrecht Kaufmann meinte: „Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich ergreifend.“ Die Berater entgegneten: „Mehr kann man nicht verlangen. Der dritte junge Herr ist nur zwei Jahre älter, und vor der Mündigkeit ist das schon beachtlich. In ein paar Jahren werden sie wie die beiden Ruans sein — der große und der kleine.“ Aufrecht Kaufmann lächelte: „Übertiebenes Lob. Ihr einziger Fehler ist, dass sie nicht fleissig genug studieren.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann fragte man nach Schatzjade. Die Berater sagten: „Der zweite junge Herr arbeitet sorgfaeltig und mit Bedacht. Das wird gewiss wieder etwas ganz anderes — voller Eleganz und Gefühl.“ Schatzjade lächelte: „Dieses Thema eignet sich nicht für die kurze Form. Es braucht ein längeres Stück im alten Stil — ein Lied oder eine Ballade — , um dem Gegenstand gerecht zu werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle erhoben sich, nickten und klatschten: „Hab ich es nicht gesagt — er denkt ganz anders! Bei jedem Thema prüft er zürst, welche Form angemessen ist. Das ist die Methode des Meisters. Wie beim Schneidern: Bevor man den Stoff zuschneidet, muss man die Masse kennen. Das Thema heißt 'Lied auf die Anmutig-Schöne', und da es eine Einleitung gibt, muss es ein längeres Lied im Balladenstil sein. Etwa nach dem Vorbild von Bai Juyis 'Lied vom ewigen Leid&amp;lt;ref&amp;gt;长恨歌 (Cháng Hèn Gē) von Bai Juyi (白居易, 772–846), eines der berühmtesten narrativen Gedichte der Tang-Dynastie über die tragische Liebesgeschichte von Kaiser Xuanzong und Yang Guifei&amp;lt;ref&amp;gt;杨贵妃 (Yáng Guìfēi, 719–756), berühmte Konkubine Kaiser Xuanzongs der Tang-Dynastie, Inbegriff weiblicher Schönheit in der chinesischen Kultur.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;', oder als Nachahmung der historischen Oden, halb erzählend, halb besingend, fließend und elegant — nur so kann es gelingen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann stimmte zu, nahm selbst den Pinsel und bat Schatzjade lächelnd: „Also gut, diktiere, ich schreibe. Wenn es nicht gut ist, bekommst du Prügel. Wer hat dir erlaubt, vorab so große Töne zu spucken?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade musste sich fügen und diktierte die erste Zeile:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Heng König liebte Krieg und schöne Frauen zugleich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann las es und schüttelte den Kopf: „Grob.“ Ein Berater widersprach: „Gerade so muss es sein, damit es archaisch wirkt. Letztlich ist es nicht grob. Warten wir das Folgende ab.“ Aufrecht Kaufmann sagte: „Lassen wir es einstweilen stehen.“ Schatzjade diktierte weiter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    und ließ die schönen Mädchen Reiten und Schiessen üben.&lt;br /&gt;
    Üppiger Gesang und sinnlicher Tanz gaben ihm keine Freude,&lt;br /&gt;
    in Schlachtreihen und Waffengängen fand er sein Vergnügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann schrieb es auf. Die Berater sagten: „Allein die dritte Zeile ist schon altehrwürdig und kraftvoll. Und diese vier Zeilen als Auftakt sind äußerst gelungen.“ Aufrecht Kaufmann mahnte: „Spart euch das übertriebene Lob und seht zu, wie er die Wendung vollzieht.“ Schatzjade diktierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Vor den Augen wirbelt kein Schlachtfeldstaub empor,&lt;br /&gt;
    im Lampenschein tanzt ein anmutiger Schatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle riefen: „Herrlich! 'Kein Schlachtfeldstaub empor' — und dann als Kontrast 'ein anmutiger Schatten im Lampenschein'! Wortgebrauch und Verskunst — alles ist meisterhaft!“ Schatzjade fuhr fort:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Wenn sie den Befehl ruft, duftet ihr Mund nach Nelken,&lt;br /&gt;
    Frostspeere und Schneeschwerter zittern in zärtlichen Händen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater klatschten lachend in die Hände: „Noch plastischer! War der junge Herr Schatzjade etwa selbst dabei und hat ihre Anmut gesehen und ihren Duft gerochen? Sonst würde er sich nicht so einfühlen!“ Schatzjade lächelte: „Wenn Mädchen Waffenübungen machen — wie tapfer sie sich auch geben, sie sind eben keine Männer. Ihre Zierlichkeit und Zärtlichkeit kann man sich auch ohne Hinsehen vorstellen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: „Statt weiter zu schwatzen, mach lieber weiter!“ Schatzjade überlegte und diktierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Nelkenknöpfe schmücken den Hibiskusgürtel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle sagten: „Wechsel zum Reim 'ao' — Xiao-Reim — , sehr gut! Das gibt Fluss und Schwung. Und die Zeile selbst ist bezaubernd und elegant.“ Aufrecht Kaufmann schrieb es nieder und bemerkte: „Die Zeile taugt nicht. Vorher hatte er schon 'duftender Mund' und 'zärtliche Hände' — wozu noch einmal? Das zeigt mangelnde Kraft; also greift er wieder zu bloßem Zierwerk, um die Lücke zu füllen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Ein langes Lied braucht etwas schmückende Wortwahl. Sonst wird es zu karg.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann entgegnete: „Schon, aber wie willst du nach dieser Zeile wieder zum Kriegerischen zurücklenken? Noch zwei, drei solche Zeilen, und es ist wie ein fünftes Rad am Wagen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade antwortete: „Dann wende ich es mit der nächsten Zeile ab und schließe zugleich. Das müsste gehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann lachte kühl: „Was bildest du dir auf dein Können ein? Oben ein weiter, offener Satz, und jetzt willst du mit einer einzigen Zeile gleichzeitig wenden und schließen — da wird dir wohl die Kraft ausgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade überlegte kurz und sagte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Nicht Perlen traegt sie an der Schärpe, sondern das Schwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Geht diese Zeile?“ fragte er hastig. Alle schlugen begeistert auf den Tisch. Aufrecht Kaufmann schrieb sie nieder, las sie lächelnd noch einmal und sagte: „Lassen wir sie stehen. Weiter.“ Schatzjade fuhr fort: „Wenn sie taugt, möchte ich in einem Zug weitermachen. Wenn nicht, streiche ich alles und denke mir eine andere Richtung aus.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Genug geredet!“ befahl Aufrecht Kaufmann. „Wenn es nicht gut ist, schreibst du eben noch zehn oder hundert Stück — vor Mühe brauchst du dich nicht zu fürchten!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also überlegte Schatzjade noch einen Augenblick und diktierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Nach der Schlacht, spät in der Nacht, erschöpft das Herz,&lt;br /&gt;
    Spuren von Puder und Schminke beflecken die Seidenfahne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: „Wieder ein Abschnitt. Wie weiter?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade diktierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Im nächsten Jahr ziehen Räuber durch Shandong,&lt;br /&gt;
    verschlingen wie Tiger und Panther, schwärmen wie Bienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater sagten: „Gut das Wort 'ziehen'! Es zeigt sofort den Unterschied der Kräfteverhältnisse. Und die ganze Zeile wendet sich geschmeidig.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade diktierte weiter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Der König führt die Himmelstruppen gegen die Räuber,&lt;br /&gt;
    doch nach einer Schlacht, nach zweien — kein Sieg.&lt;br /&gt;
    Blutiger Wind bricht den Weizen auf den Hügeln,&lt;br /&gt;
    leer steht das Tigerzelt unter der Kriegsfahne in der Sonne.&lt;br /&gt;
    Die blauen Berge schweigen, das Wasser rauscht,&lt;br /&gt;
    es ist die Stunde, da Heng König den Tod fand.&lt;br /&gt;
    Regen wäscht weiße Knochen, Blut tränkt das Gras,&lt;br /&gt;
    der Mond scheint kalt auf gelben Sand, Geister bewachen die Leiche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle sagten: „Meisterhaft, meisterhaft! Aufbau, Erzählung, Wortwahl — alles vollendet. Nun kommt Lin Siniang — da muss es eine geniale Wendung geben.“ Schatzjade diktierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Die Offiziere und Soldaten denken nur an ihr eigenes Leben,&lt;br /&gt;
    Qingzhou wird vor ihren Augen zu Staub.&lt;br /&gt;
    Doch unerwartet leuchtet Treue und Pflicht aus dem Frauengemach,&lt;br /&gt;
    voller Zorn erheben sich die Geliebten des Königs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Berater sagten: „Kunstvoll eingeleitet!“ Aufrecht Kaufmann warnte: „Es wird zu lang. Ich fürchte, es wird schwerfaellig.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade diktierte weiter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Wer war des Königs Liebste unter allen?&lt;br /&gt;
    Die Guihua-Generalin Lin Siniang!&lt;br /&gt;
    Sie ruft die Mädchen von Qin herbei, treibt die Töchter von Zhao,&lt;br /&gt;
    wie blühende Pflaumen und Pfirsiche treten sie aufs Schlachtfeld.&lt;br /&gt;
    Auf besticktem Sattel benetzen Tränen den Frühlingsschmerz,&lt;br /&gt;
    lautlos liegt die Rüstung in der kühlen Nachtluft.&lt;br /&gt;
    Sieg oder Niederlage — wer mag es voraußagen?&lt;br /&gt;
    Doch ihr Schwur gilt: Leben und Tod für den früheren König!&lt;br /&gt;
    Die Macht der Räuber ist unbezwingbar,&lt;br /&gt;
    gebrochene Weiden, zertretene Blüten — wahrlich zum Erbarmen!&lt;br /&gt;
    Ihre Seelen schweben nahe der Stadtmauer, nah der Heimat,&lt;br /&gt;
    Pferdehufe zertreten Rosenduft und Knochenmark.&lt;br /&gt;
    Eilboten jagen die Nachricht in die Hauptstadt,&lt;br /&gt;
    welche Söhne und Töchter trauerten nicht?&lt;br /&gt;
    Der Kaiser erschrickt und grollt den Verlusten,&lt;br /&gt;
    auch die Beamten senken beschämt das Haupt.&lt;br /&gt;
    Wozu stehen Zivil- und Militärbeamte am Hof,&lt;br /&gt;
    wenn sie hinter einer Frau zurückstehen — hinter Lin Siniang!&lt;br /&gt;
    Mir entringt Lin Siniang einen langen Seufzer,&lt;br /&gt;
    das Lied ist zu Ende, doch das Gefühl irrt noch umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er fertig war, lobten alle ohne Ende und lasen das Ganze noch einmal von vorn. Aufrecht Kaufmann lächelte: „Ein paar gute Zeilen sind darunter, aber im Ganzen ist es nicht ergreifend genug.“ Dann sagte er: „Ihr könnt gehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle drei fühlten sich wie begnadigt und gingen hinaus, jeder in seine Räume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die übrigen Personen hatten nichts Besonderes zu berichten; sie gingen am Abend wie gewöhnlich zu Bett. Nur Schatzjade trug ein betrübtes Herz. Als er in den Garten zurückkehrte, fiel sein Blick auf die Hibiskusblüten am Teich. Er dachte an die Worte des kleinen Mädchens, Heitermuster sei zur Hibiskusgöttin geworden, und plötzlich hellte sich seine Stimmung auf. Er betrachtete die Hibiskusblüten und seufzte eine Weile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann fiel ihm ein, dass er nach ihrem Tod nicht einmal an ihrem Totenschrein hatte opfern können. Warum sollte er nicht hier, vor den Hibiskusblüten, ein Totenopfer darbringen? Das wäre doch weit vornehmer als die gewöhnliche Trauervisite, wie es vulgäre Menschen taten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So beschloss er, die Zeremonie durchzuführen, hielt dann aber inne: „So geht es doch nicht. Man muss ordentlich gekleidet sein, und die Opfergaben müssen vollständig vorbereitet werden, um wahre Ehrfurcht zu zeigen.“ Er überlegte: „Wenn ich jetzt die gewöhnlichen Trauerriten der Welt nachahmte, gäbe das gar nicht. Es muss etwas Einzigartiges sein, etwas Originelles und nie Dagewesenes, das unserer beider Wesen gerecht wird. Die Alten sagen ja: 'Auch Wasserpfütze und Regenlache, auch Wasserlinse und Brunnenkresse, so gering sie sein mögen, können einem Fürsten als Opfer dargebracht und den Göttern geweiht werden.' Es kommt nicht auf den Wert der Gaben an, sondern allein auf die Aufrichtigkeit des Herzens. Das ist das eine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens muss auch der Klagetext und das Trauergedicht von eigener Hand und eigenem Denken sein, frei geschrieben, ohne die ausgetretenen Pfade der Vorgänger zu betreten — keine leeren Phrasen zum Blenden, sondern jedes Wort unter Tränen geschrieben, jeder Satz unter Schluchzen. Lieber fehlende Kunstfertigkeit bei überreichem Gefühl als schmückende Sprache bei mangelnder Trauer. Zudem haben die Alten oft Anspielungen verwendet — nicht ich bin der Erste. Nur sind die Menschen von heute so verblendet von Ruhm und Karriere, dass sie den Geist des Altertums völlig vergessen haben, aus Furcht, es könne ihrer Laufbahn schaden. Ich aber strebe nicht nach Ruhm; ich schreibe nicht für die Welt. Warum also sollte ich nicht den alten Meistern von Chu nacheifern — ihren 'Großen Worten', dem 'Ruf der Seele', der 'Begegnung mit dem Leid', den 'Neun Klagen', dem 'Verdorrten Baum', der 'Schwierigen Frage', dem 'Herbstwasser' und der 'Lebensbeschreibung des großen Herrn'? Ich will einzelne Zeilen mischen, kurze Parallelpaare einstreün, wahre Begebenheiten und Gleichnisse verwenden, der Eingebung folgen und dem Pinsel freien Lauf lassen — fröhlich sein, wenn ich schreibe, und weinen, wenn mir danach ist. Erst wenn Wort und Gefühl sich erschöpfen, höre ich auf. Warum sollte ich mich wie die Welt in enge Grenzen zwängen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Schatzjade ohnehin kein Büchermensch war und nun auch noch diese eigenwilligen Gedanken hegte, war natürlich kein musterhaftes Gedicht zu erwarten. Er aber schrieb, ohne sich um anderer Urteil zu kümmern, ganz nach seinem Gutdünken und ohne jede Zurückhaltung einen langen Text zusammen. Auf ein Stück jener eisigen Haifischseide, die Heitermuster stets geliebt hatte, schrieb er ihn in sauberer Regelschrift nieder. Er nannte ihn 'Klage auf das Hibiskusmädchen', mit einer Einleitung und einem abschließenden Lied. Auch bereitete er vier Opfergaben vor, lauter Dinge, die Heitermuster stets gemocht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Mondschein in der Nacht ließ er das kleine Dienstmädchen die Gaben vor die Hibiskusblüten tragen. Zürst vollzog er den Ritus. Dann hängte er den Klagetext an einen Hibiskuszweig und sprach ihn unter Tränen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Am Anfang des Großen Friedens, in nie wechselnder Ära, im Monat, da Hibiskus und Duftblüte um die Wette duften, an einem Tag, an dem nichts anderes bleibt als Ergebung — ich, der trübe Jade aus dem Hof der Roten Freude, bringe in aller Bescheidenheit Blüten der hundert Blumen, Haifischseidenstoff, Wasser aus der Duftgetränkten Qülle und Tee, der unter Ahornhonig gereift ist, dar. Obwohl diese vier Gaben gering sind, mögen sie meine Aufrichtigkeit und Treue bezeugen. Hiermit bringe ich mein Opfer dar vor der Hibiskusgöttin, Hüterin der Herbstschönheit, im Palast des Weißen Kaisers:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich bedenke, wie das Mädchen in diese trübe Welt kam und nun sechzehn Jahre auf Erden gelebt hat — ihre frühere Heimat, ihren Familiennamen, ihr Geschlecht: Alles ist längst verschüttet und nicht mehr zu erforschen. Doch ich, der Trübe Jade, hatte das Glück, ihr nahe zu sein — in Bett und Kissen, bei Kamm und Bad, in Ruhe und bei Festen, in Vertrautheit und Nähe — ganze fünf Jahre und acht Monate lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich an ihr früheres Wesen denke: Ihre Natur war so kostbar, dass Gold und Jade nicht genügen, sie zu beschreiben; ihre Art war so rein, dass Eis und Schnee ihr Gleichnis nicht erreichen; ihr Geist war so strahlend, dass Sterne und Sonne ihn nicht fassen; ihre Schönheit war so leuchtend, dass Blumen und Mond nur matter Abglanz sind. Alle Schwestern bewunderten ihre Anmut und Tugend, alle Älteren schätzten ihre Freundlichkeit und Güte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer hätte geahnt, dass Giftvögel ihre Höhe neiden und der Adler in die Falle des Jägers gerät? Dass giftiges Unkraut ihren Duft missgönnt und edle Orchideen unter der Sichel fallen? Die Blume war von Natur aus zart — wie sollte sie dem Sturm trotzen? Die Weide war von jeher trübsinnig — wie sollte sie dem Platzregen standhalten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch eine böse Verleumdung erkrankt, wurde sie von tödlichem Siechtum befallen. Ihre Kirschenlippen verloren die Röte und stöhnten nur noch; ihre Aprikosenwangen verblassten und wurden hager. Verleumdung und Schmaehung kamen aus dem Frauengemach; Dornen und Disteln wucherten bis zur Türschwelle. Nicht sie hat sich die Schuld aufgeladen — in Wahrheit hat man ihr die Schande aufgebürdet. Endloser Kummer versank in bodenloser Tiefe, unendliches Unrecht drückt sie in alle Ewigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Erhabenheit erregte Neid — wie einst der Verbannte in Changsha litt sie hinter dem Frauenvorhang. Ihre Aufrichtigkeit wurde ihr zum Verhängnis — wie einst der Gerechte in Yuye verging sie unter dem Kopfschmuck der Frauen. Still trug sie ihre Bitterkeit, wer hatte Mitleid mit ihrem frühen Tod?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wolke der Unsterblichen zerstreute sich, ihre duftenden Spuren sind nicht mehr zu finden. Weder das Kraut gegen den Tod noch die Medizin der Wiedergeburt vermochte sie zu retten. Gestern noch zeichnete ich ihre Braün mit Tusche; heute — wessen Hand wird den kalten Jadeuing wärmen? In der Rauchpfanne stehen noch die Reste der Arznei; am Gewand haften noch die Spuren der Tränen. Der Spiegel zerbrach, der Luan-Vogel flog davon — mit Trauer öffne ich Moschusmonds Schatulle. Der Kamm ward zum Drachen — unter Klagen zerbrach Tanyuns Zahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goldene Haarnadeln liegen im Unkraut, eine Jadeschatulle im Staub. Leer steht das Gebälk, wo einst die Elstern nisteten — umsonst hängt dort die Nadel des siebten Abends. Zerrissen ist das Band der Mandarinenenteneine — wer knüpft den Faden des fünften Tages wieder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumal nun der Herbst herrscht, der Weiße Kaiser regiert, die einsame Decke von Träumen spricht und das leere Zimmer menschenleer ist. Der mondlose Hof unter den Wutongbäumen — die schöne Seele und der liebliche Schatten schwanden zugleich. Der Hibiskusvorhang hat seinen Duft verloren — das zärtliche Atmen und die leise Stimme verstummten für immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welkendes Gras bedeckt den Himmel — nicht nur Schilf und Rohr; Klagetöne erfüllen die Erde — nichts als Grillen und Heimchen. Auf dem bemoosten Pfad am späten Abend dringt kein Wäsche-Klopfen durch den Vorhang; im regengetränkten Garten hört man über die Mauer nur selten die klagende Flöte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr duftender Name ist noch nicht verloschen — der Papagei am Dach ruft ihn immer noch. Doch ihre schöne Gestalt ist dem Vergehen nahe — der Zierapfelbaum vor dem Geländer welkte schon voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Versteckspiel hinter dem Wandschirm fielen die Lotusblätter lautlos; beim Kräuterpflücken im Hof wartet die Orchidee vergebens auf Blüte. Zerrissen die Seidenfäden — wer nähte die Silberborten und bunten Bänder? Zerbrochen die Eisnadel — im goldenen Bügeleisen ruht ungeglättet der kaiserliche Duft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern noch auf strengen Befehl bestieg sie den Wagen und verließ den duftenden Garten; heute unter grausamer Gewalt stützt sie sich auf den Stock und verlässt den einsamen Sarg. Da der Sarg verbrannt wurde — wie beschämt bin ich, das Versprechen des gemeinsamen Grabes gebrochen zu haben! Da der Steinsarkophag zu Asche ward — welche Schande, dass wir nicht gemeinsam zu Staub werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So weht der Herbstwind über den alten Tempel, und Irrlichter verweilen; die untergehende Sonne sinkt über den wüsten Hügel, und weiße Knochen liegen zerstreut. Ulmen und Katalpen rauschen, Beifuß und Wermut wispern. Durch den Nebel schreit der Affe am Grabhügel, durch den Dunst weint der Geist am Felddamm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaubte fest, im roten Seidenzelt stehe der junge Herr in tiefer Zuneigung; nun erst glaube ich, im gelben Erdhügel leidet das Mädchen unter bitterem Schicksal. Runan sah Tränen aus Blut — Tropfen für Tropfen spritzten sie in den Herbstwind; Zize hört den letzten Herzschlag — still und stumm klagt er im kalten Mondlicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O weh! Gewiss waren es böswillige Dämonen, die dieses Unheil anrichteten — doch waren es am Ende auch neidische Götter? Knebelt man den Verleumdern den Mund — reicht diese Strafe je aus? Schneidet man den Härtlingen das Herz auf — stillt das je den Zorn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deine irdischen Bande waren zwar kurz, doch mein niedriger Sinn findet kein Ende. Aus unablässiger Sehnsucht stelle ich unablässige Fragen. So erfuhr ich: Der Himmlische Kaiser hat sein Banner entfaltet, im Blumenpalast wartet ein Amt. Im Leben war sie unter Orchideen und Duftpflanzen, im Tode herrscht sie über die Hibiskusblüten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was das kleine Mädchen sagte, mag wie leeres Gerede klingen; doch wenn der Trübe Jade nachdenkt, hat es tiefen Sinn. Denn einst entführte Ye Fashan eine Seele, um eine Grabinschrift zu verfassen, und Li Changji wurde in die Unterwelt berufen, um einen Bericht zu schreiben — die Begebenheiten sind verschieden, doch das Prinzip ist dasselbe. Darum glaube ich fest, dass der Himmlische Kaiser in seiner Zuweisung des Amtes wahrhaft gerecht und angemessen gehandelt hat, ganz im Einklang mit ihrem innersten Wesen. In der Hoffnung, dass ihr unsterblicher Geist vielleicht hierher herabsteigt oder emporschwebt, wage ich, trotz meiner ungeschlachten Worte, die ihr feines Gehör beleidigen mögen, zu singen und sie herbei zu rufen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum ist der Himmel so unendlich blau? Fliegt sie auf einem Jadedrachen durch das Firmament?&lt;br /&gt;
Warum ist die Erde so unendlich weit? Reitet sie auf einem Juwelen-Elefanten hinab in die Qüllen?&lt;br /&gt;
Schaut sie empor zum schillernden Baldachin? Ist es der Glanz des Sterns Ji oder Wei?&lt;br /&gt;
Reiht sich ein Federfächer als Vorhut auf? Schützen die Sterne Wei und Xu sie zur Seite?&lt;br /&gt;
Treibt sie den Donnergott als Begleiter an? Trennt sie sich vom Mondlicht, das König Shu führt?&lt;br /&gt;
Hört man die Raeder knirschen und achzen? Lenkt sie den Wagen der Luan- und Yi-Vögel?&lt;br /&gt;
Duftet es so süß und betäubend? Flicht sie Liguster und Angelika zum Halsband?&lt;br /&gt;
Funkelt ihr Rock und Gewand so leuchtend? Schmückt sie sich mit dem Mond als Ohrgehänge?&lt;br /&gt;
Sind mit rankenden Kräutern die Stufen zum Altar geschmückt? Brennt eine Lotuskerze im Lampenol aus Orchideen?&lt;br /&gt;
Traegt der Becher die Muster von Kürbis und Flaschenkürbis? Schenkt man Reiswein ein, gewürzt mit Zimtblüte?&lt;br /&gt;
Blickt sie in die Wolken und hält den Blick fest? Sieht sie etwas in der Ferne schimmern?&lt;br /&gt;
Lauscht sie in die Tiefe und spitzt die Ohren? Hört sie in der Stille etwas?&lt;br /&gt;
Schwebt sie grenzenlos durch die Endlosigkeit? Wirft sie mich Elenden in den Staub zurück?&lt;br /&gt;
Möge der Wind ihr Bote sein und mir den Wagen senden! Kann ich hoffen, dass wir gemeinsam die Zügel ergreifen und heimkehren?&lt;br /&gt;
Mein Herz ist voller Kummer — doch was nützt all mein Wehklagen?&lt;br /&gt;
Du ruhst so still in deinem langen Schlummer — ist es das Schicksal, das sich hier gewandelt hat?&lt;br /&gt;
Da du nun im Grabe liegst und Frieden findest — bist du zurückgekehrt zu deinem wahren Wesen, ohne noch einmal verwandelt zu werden?&lt;br /&gt;
Ich aber bin noch in Fesseln und hänge am Leben — wird dein Geist mich rufen, mich hierher zu locken?&lt;br /&gt;
Komm herbei, bleib hier, komm doch herbei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn du aber im formlosen Urnebel wohnst und in schweigender Stille ruhst — so kann ich, selbst wenn du hier wärst, dich nicht erblicken. Dann will ich Nebel-Efeu zum Wandschirm erheben und Schwertschilfrohr als Reihen aufstellen. Die schläfrigen Augen der Weiden wecken und das bittere Herz des Lotus befreien. Sunyue einladen am Felskap der Zimtpflanzen und Luofei begrüssen am Orchidenufer. Nongyue bläst die Flöte, und ein Klanginstrument aus Jade wird geschlagen. Die Göttin des Berges Song wird herbeigerufen und die Alte vom Berg Li geweckt. Die Seelen des Berges Penglai tanzen, die Tiere im Teich Xianchi springen. Der rote Drache singt in der Tiefe, der Phönix versammelt sich im Perlenwald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehrfurcht und Aufrichtigkeit — nicht in Opferschalen und Holzgefäßen. Der Wagen bricht auf von der Morgenrötlichen Stadt und kehrt zurück zum Feengarten. Mal scheint es, als ob die Grenze zwischen Sichtbar und Unsichtbar durchlässig würde; mal verdichtet sich der Dunst und versperrt plötzlich den Weg. Vereinigung und Trennung wie Wolken und Nebel, verschwommen wie Regen und Dunst. Der Staub legt sich, die Sterne stehen hoch; Bäche und Berge schimmern im Mittagsmond. Wie unruhig ist mein Herz! Wie zwischen Wachen und Träumen schwankend! So seufze ich in Sehnsucht, weinend und umherirrend. Menschenstimmen versinken in der Stille, Himmelstöne klingen in den Bambusdickichten. Aufgeschreckte Vögel flattern davon, Fische schnappen an der Wasserfläeche. Meine Klage ist mein Gebet, mein Ritus ist mein Segen. O weh! Nehmt dieses Opfer an!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er die Klage zu Ende gelesen hatte, verbrannte er Seidenopfer und goss Tee als Libation, doch konnte er sich nicht losreißen. Das kleine Mädchen musste ihn wieder und wieder drängen, ehe er sich schließlich umwandte. Da hörte er plötzlich hinter den Felsen jemanden lachen und sagen: „Bitte bleibt noch einen Augenblick!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide erschraken. Das kleine Mädchen sah sich um — da trat eine Gestalt hinter den Hibiskusblüten hervor. Sie schrie laut auf: „Ein Geist! Heitermuster zeigt sich als Geist!“ Auch Schatzjade blickte erschrocken hin — Wer es war, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 77</title>
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= 第七十七回 / Kapitel 77 =&lt;br /&gt;
== 俏丫鬟抱屈夭风流 ==&lt;br /&gt;
=== 美优伶斩情归水月 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siebenundsiebzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hübsche Dienerin stirbt zu Unrecht vor der Zeit; die schöne Schauspielerin schneidet alle Gefühle ab und kehrt zu Wasser und Mond zurück&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Dame König nach dem Mittelherbstfest feststellte, dass Phönixglanz' Krankheit sich bereits gebessert hatte. Zwar war sie noch nicht völlig genesen, doch konnte sie schon wieder aufstehen und ausgehen. Dennoch ließ Dame König weiterhin jeden Tag den Arzt kommen, um ihr den Puls zu fühlen und Medizin zu verabreichen. Der Arzt verschrieb nun ein Rezept für Pillen zur Regulierung der Menstruation und Nährung der Lebenskraft. Dafür wurden zwei Liang&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Liang (两) entspricht etwa 37,3 Gramm. Zwei Liang hochwertiger Ginseng (人参, rénshēn, Panax ginseng) waren ein beträchtlicher Wert — der Text erwähnt später einen Preis von dreißig Liang Silber pro Liang.&amp;lt;/ref&amp;gt; besten Ginsengs benötigt. Als Dame König ihn holen ließ, fand man nach langem Suchen in einem kleinen Kästchen nur ein paar Wurzeln, nicht dicker als Haarnadeln. Dame König war damit nicht zufrieden und befahl, weiter zu suchen. Doch alles, was noch gefunden wurde, war ein großes Päckchen mit Fasern und Krümeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ärgerlich sagte Dame König: „Wenn man keinen braucht, ist welcher da, aber sobald man welchen braucht, ist keiner mehr zu finden! Immer wieder habe ich euch gesagt, ihr sollt einmal nachsehen und alles an einer Stelle zusammenlegen. Aber ihr hört ja nicht und lasst alles irgendwo liegen. Ihr wisst einfach nicht, wie wertvoll er ist. Wenn man ihn kaufen muss, kostet er ein Vermögen, und dann taugt er nicht einmal!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farbwölkchen erwiderte: „Wahrscheinlich ist keiner mehr da, außer diesem hier. Als letztes Mal die gnädige Frau von drüben welchen brauchte, habt Ihr ihr alles gegeben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das kann nicht sein“, beharrte Dame König. „Such noch einmal gründlich!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wohl oder übel suchte Farbwölkchen noch einmal und kam mit mehreren Päckchen Arzneikräuter zurück. „Wir kennen diese nicht“, sagte sie. „Seht bitte selbst nach, gnädige Frau. Außer diesen hier ist nichts mehr da.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Dame König die Päckchen öffnete, konnte sie sich ebenfalls nicht mehr erinnern, was für Kräuter das waren, doch eine einzige Ginsengwurzel war nicht darunter. Also schickte sie jemanden, um Phönixglanz zu fragen, ob sie welchen habe. Phönixglanz ließ antworten: „Ich habe nur etwas Ginsengpaste und ein paar Fasern. Die wenigen Wurzeln, die ich noch besitze, sind nicht von bester Qualität, und ich brauche sie täglich für meine eigenen Heiltränke.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da blieb Dame König nichts anderes übrig, als sich an Dame Strafe zu wenden, doch diese ließ ausrichten: „Da ich selbst keinen mehr hatte, habe ich ja gerade bei euch welchen geholt. Der ist längst aufgebraucht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So musste Dame König persönlich zur Herzoginmutter gehen, um sie zu bitten. Die Herzoginmutter befahl sogleich Mandarinenente, den Rest von früher zu holen. Es war noch ein großes Päckchen da, alles Wurzeln so dick wie ein Finger. Davon ließ sie zwei Liang abwiegen und Dame König geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König übergab den Ginseng der Frau des Zhou Rui mit dem Auftrag, die Diener sollten ihn zum Arzt bringen. Außerdem ließ sie die unbekannten Päckchen mitschicken, damit der Arzt sie bestimme und die Namen darauf vermerke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einiger Zeit kam die Frau des Zhou Rui zurück und berichtete: „Die Päckchen sind alle ordentlich beschriftet. Der Ginseng ist zwar von allerbester Sorte, und heutzutage bekommt man so etwas nicht einmal für dreißig Liang Silber pro Liang. Aber er ist zu alt. Mit Ginseng ist es anders als mit anderen Dingen: Wie gut er auch sein mag, nach hundert Jahren zerfällt er von selbst zu Staub. Dieser hier ist zwar noch nicht zu Staub geworden, aber er ist nur noch morsches, fauliges Holz und hat keinerlei Wirkung mehr. Bitte verwahrt ihn, gnädige Frau, und besorgt stattdessen frischen, egal ob die Wurzeln dick oder dünn sind.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König senkte schweigend den Kopf. Erst nach langer Pause sagte sie: „Da ist nichts zu machen. Wir müssen eben zwei Liang kaufen gehen.“ Sie hatte keine Lust, sich die übrigen Arzneien anzusehen, und befahl nur: „Räumt alles weg!“ Dann wandte sie sich an die Frau des Zhou Rui: „Geh und sag den Leuten draußen, sie sollen guten Ginseng besorgen und zwei Liang kaufen. Falls die alte gnädige Frau einmal fragen sollte, sagt einfach, wir hätten ihren Ginseng verwendet, und macht keine großen Worte darüber.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des Zhou Rui wollte sich gerade auf den Weg machen, als Schatzspange, die ebenfalls anwesend war, lächelnd sagte: „Wartet, Tante! Der Ginseng, den man heutzutage draußen zu kaufen bekommt, taugt nichts. Selbst wenn einmal eine ganze Wurzel dabei ist, schneiden sie sie in zwei oder drei Stücke, setzen wertlose Enden und Fasern dazwischen und verkaufen das Ganze als gute Ware, ohne dass man die Qualität erkennen kann. Unser Laden hat ständig mit Ginsenghändlern zu tun. Lasst mich mit meiner Mutter sprechen, damit mein Bruder einen Gehilfen zu den Ginsenghändlern schickt und mit ihnen verhandelt. Er soll zwei Liang guten, unbearbeiteten Ginseng in Originalwurzeln beschaffen. Lieber geben wir ein paar Liang Silber mehr aus, dann haben wir dafür auch wirklich etwas Ordentliches.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König lächelte: „Du bist wirklich verständig. Am besten gehst du persönlich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also ging Schatzspange und kam nach geraumer Zeit zurück mit der Nachricht: „Es ist schon jemand hingeschickt worden. Bis zum Abend wird es Bescheid geben. Morgen früh ist es noch nicht zu spät, die Arznei zuzubereiten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König freute sich und sagte: „Wahrhaftig, wie das Sprichwort sagt: 'Die Händlersfrau kämmt sich die Haare mit Wasser.' Früher hatten wir so viel guten Ginseng im Haus und haben ihn freigebig an andere verschenkt. Jetzt, wo wir selbst welchen brauchen, müssen wir überall um Hilfe bitten.“ Sie stiess einen langen Seufzer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte lächelnd: „So wertvoll er auch ist, letztlich ist er doch nur Medizin und sollte den Menschen zugutekommen. Wir sind nicht wie jene Familien, die nichts von der Welt kennen und solche Dinge horten und verstecken, sobald sie welche haben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König nickte: „Sehr richtig gesprochen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Schatzspange gegangen war und sonst niemand im Zimmer war, rief Dame König die Frau des Zhou Rui herein und erkundigte sich nach dem Ergebnis der Durchsuchung des Gartens von neulich. Die Frau des Zhou Rui hatte bereits alles mit Phönixglanz und den anderen besprochen und berichtete nun Dame König ausführlich, ohne etwas auszulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König war zugleich erschrocken und zörnig, doch zugleich wusste sie nicht recht, wie sie die Sache handhaben sollte. Siqin&amp;lt;ref&amp;gt;司棋 (Sīqí), wörtlich „die das Schachspiel Leitende“. Willkommensfrühlings Zofe, die bei der Durchsuchung des Gartens (Kapitel 74) mit einem heimlichen Liebhaber ertappt wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt; war nämlich Willkommensfrühlings Dienerin und gehörte zur anderen Seite des Hauses; man musste also Dame Strafe benachrichtigen. Die Frau des Zhou Rui wandte ein: „Neulich war die gnädige Frau von drüben schon auf König Shanbaos Frau böse, weil sie sich in alles einmischte, und hat ihr ein paar Ohrfeigen gegeben. Jetzt stellt sie sich krank und will sich nicht mehr zeigen. Außerdem ist es ihre eigene Enkelin — sie hat sich selbst ins Gesicht geschlagen und tut jetzt am besten so, als hätte sie es vergessen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Wenn wir jetzt hinübergehen und Bericht erstatten, wird man dort gleich argwöhnen, wir wollten uns einmischen. Besser wäre es, Siqin einfach hinüberzubringen mitsamt den Beweißtücken, sie vor der gnädigen Frau von drüben durchprügeln zu lassen und mit jemandem zu verheiraten, und dann bekommt das Fräulein eben eine neue Dienerin — wäre das nicht einfacher? Wenn wir es ihr erst mitteilen, wird die gnädige Frau von drüben nur wieder Ausreden finden und sagen: 'Wenn es so ist, hätte eure gnädige Frau es gleich selbst erledigen sollen — wozu sagt ihr es mir?' Und dann verzögert sich alles nur noch mehr. Wenn das Mädchen unterdessen die Gelegenheit nutzt und sich etwas antut, wäre das schlimm. Jetzt beobachten wir sie schon zwei, drei Tage, aber jeder wird auch mal nachlässig, und wenn sie einen unbeobachteten Moment findet, könnte ein Unglück geschehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König überlegte und sagte: „Da hast du recht. Erledige erst diesen Fall, dann nehmen wir uns unsere eigenen Plagegeister vor.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des Zhou Rui versammelte daraufhin einige Dienerinnen und ging zürst zu Willkommensfrühling. Sie meldete ihr: „Die gnädigen Frauen haben beschlossen, dass Siqin nun alt genug ist. Ihre Mutter hat in den letzten Tagen die gnädige Frau gebeten, sie freizugeben und zu verheiraten. Ab heute soll sie gehen, und man wird Euch eine neue Dienerin zuteilen.“ Damit forderte sie Siqin auf, ihre Sachen zu packen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Willkommensfrühling dies hörte, konnte sie die Tränen nicht zurückhalten und schien voller Abschiedsschmerz. Sie hatte in der Nacht zuvor von den anderen Dienerinnen die wahren Gründe bereits geflüsternd erfahren. Obwohl es ihr nach all den Jahren schwerfiel, sich zu trennen, betraf die Sache die öffentliche Moral, und da ließ sich nichts machen. Siqin hatte Willkommensfrühling angefleht, für sie einzutreten, in der festen Hoffnung, das Fräulein würde sie mit aller Kraft verteidigen. Doch Willkommensfrühling war von langsamer Rede, hatte ein weiches Herz und leicht beeinflussbare Ohren und war nicht imstande, sich durchzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Siqin sah, dass es keine Rettung gab, weinte sie und rief: „Fräulein, wie könnt Ihr so hartherzig sein! Diese zwei Tage habt Ihr mich hingehalten, und jetzt habt Ihr kein einziges Wort für mich?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des Zhou Rui und die anderen sagten: „Willst du etwa, dass das Fräulein dich zurückhält? Selbst wenn es das täte, könntest du den Leuten im Garten nicht mehr unter die Augen treten. Hör auf unseren guten Rat: Pack schnell zusammen und geh, ohne dass jemand etwas merkt. Das ist für alle Seiten das Beste.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling sagte unter Tränen: „Ich weiß, was du angestellt hast. Würde ich trotzdem für dich eintreten und dich halten, wäre auch ich verloren. Schau dir Ruhua an — auch sie war jahrelang hier und musste gehen, und es wird nicht bei euch beiden bleiben. Früher oder später werden sich wohl alle hier trennen müssen. Meiner Meinung nach geht ihr am besten jede eures Weges.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des Zhou Rui sagte: „Da sieht man, dass das Fräulein vernünftig ist. Morgen werden noch weitere gehen müssen. Sei also beruhigt!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siqin blieb nichts anderes übrig, als unter Tränen vor Willkommensfrühling niederzuknien, sich von den Schwestern zu verabschieden und Willkommensfrühling leise ins Ohr zu flüstern: „Wenn du erfährst, dass ich bestraft werde, dann leg bitte ein gutes Wort für mich ein — als Dank für unsere gemeinsame Zeit als Herrin und Dienerin!“ Auch Willkommensfrühling antwortete unter Tränen: „Sei beruhigt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin führten die Frau des Zhou Rui und die anderen Siqin aus dem Hof. Sie ließen zwei Dienerinnen ihre Habseligkeiten tragen. Kaum waren sie ein paar Schritte gegangen, kam Xiuju von hinten nachgelaufen, sich ebenfalls die Tränen wischend, und reichte Siqin ein Seidenpäckchen: „Das schickt das Fräulein. Herrin und Dienerin — nun, da wir uns auf einmal trennen müssen, soll dies ein Andenken sein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siqin nahm es entgegen und weinte nun erst recht. Sie und Xiuju umarmten sich noch einmal weinend. Die Frau des Zhou Rui drängte ungeduldig, und die beiden mussten sich trennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siqin flehte noch unter Tränen: „Liebe Tanten und Schwestern, habt doch ein Einsehen! Lasst mich wenigstens kurz anhalten und mich von meinen guten Freundinnen verabschieden — wir waren doch all diese Jahre so vertraut miteinander.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des Zhou Rui und die anderen hatten alle selbst genug zu tun. Diese Aufgabe zu erledigen war ihnen ohnehin lästig genug, und außerdem trugen sie den Dienerinnen deren frühere Überheblichkeit nach. Woher sollten sie da die Geduld nehmen, auf Siqins Wünsche einzugehen? So sagte die Frau des Zhou Rui kühl: „Ich rate dir, geh einfach! Hör auf mit dem Gezeter! Wir haben Wichtigeres zu tun. Ihr seid ja nicht zusammen aufgewachsen — wozu willst du dich von ihnen verabschieden? Die lachen sich doch nur über dich kaputt! Du versuchst nur, jede Minute hinauszuzögern, als ob sich dadurch etwas ändern würde. Hör auf meinen Rat und geh!“ Während sie so sprach, blieb sie keinen Augenblick stehen und führte Siqin schnurstracks zum hinteren Seitentor hinaus. Siqin wagte nichts mehr zu sagen und folgte ihnen hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie der Zufall es wollte, kam gerade Schatzjade von draußen herein. Als er sah, dass Siqin hinausgeführt wurde und ihr hinterher jemand ihre Habseligkeiten trug, wusste er sofort, dass sie für immer gehen musste. Er hatte von dem Vorfall in der Nacht gehört, und zudem war Heitermusters Krankheit gerade an jenem Tag schlimmer geworden. Wenn er Heitermuster ausfragte, wollte sie ihm nicht sagen, woran es lag. Kürzlich war dann Ruhua fortgeschickt worden, und nun musste auch Siqin gehen. Schatzjade fühlte sich, als hätte er seine Seele verloren, und rief hastig: „Wohin bringt ihr sie?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des Zhou Rui und die anderen kannten Schatzjades Art nur zu gut und fürchteten, sein Gerede könne die Sache verderben. Lächelnd sagten sie: „Das geht dich nichts an. Geh und lies deine Bücher!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Liebe Schwestern, wartet doch einen Augenblick!“, bat Schatzjade lächelnd. „Ich habe euch etwas zu sagen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die gnädige Frau hat befohlen, keinen Augenblick zu zögern“, beharrte die Frau des Zhou Rui. „Was gäbe es da noch zu sagen? Wir führen nur die Befehle der gnädigen Frau aus, um andere Dinge können wir uns nicht kümmern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siqin hatte sich an Schatzjade geklammert, sobald sie ihn erblickte, und bat ihn weinend: „Die können nichts machen. Geh du zur gnädigen Frau und bitte für mich!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unwillkürlich wurde auch Schatzjade von Kummer ergriffen. Mit Tränen in den Augen sagte er: „Ich weiß nicht, was du Schlimmes angestellt hast. Heitermuster ist krank, und jetzt gehst auch du fort. Wenn ihr alle geht — was soll dann werden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des Zhou Rui fuhr Siqin ungeduldig an: „Du bist jetzt kein Beinahe-Fräulein mehr, und wenn du nicht gehorchst, kann ich dich auch schlagen! Bilde dir nicht ein, du könntest dich aufführen wie früher, als dein Fräulein die Hand über dich hielt. Sieh zu, dass du endlich weiterkommst, statt hier herumzuschwatzen! Was soll das für ein Benehmen sein, sich so an den jungen Herrn zu klammern!“ Ohne ein weiteres Wort zogen die Dienerinnen Siqin mit sich fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fürchtete, die Frauen könnten ihn anschwärzen gehen, darum starrte er ihnen nur wütend nach. Erst als sie weit genug fort waren, streckte er die Hand aus und rief empört: „Seltsam, seltsam! Kaum dass diese Frauen einen Mann geheiratet und Männergeruch angenommen haben, werden sie so niedertraechtig, dass man eher sie umbringen möchte als die Männer!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alten Dienerinnen, die das Gartentor bewachten, mussten unwillkürlich lachen und fragten: „Dann sind wohl alle Mädchen gut und alle verheirateten Frauen schlecht?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade nickte: „Genau, genau!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerinnen lachten: „Da hätten wir noch eine Frage, die wir in unserer Einfalt nicht verstehen ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch ehe sie weitersprechen konnten, kamen einige andere alte Dienerinnen herbeigelaufen und riefen: „Vorsicht! Ruft alle zusammen und bleibt auf euren Posten! Die gnädige Frau kommt persönlich in den Garten, um das Personal zu inspizieren. Wahrscheinlich kommt sie auch hierher! Außerdem hat sie befohlen, dass Heitermuster-Schwesterchens Vetter und seine Frau aus dem Hof der Roten Freude sofort hergeholt werden sollen, damit sie hier warten und ihre Schwester in Empfang nehmen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann fügte sie lächelnd hinzu: „Amitabha Buddha! Heute hat der Himmel endlich die Augen geöffnet und befreit uns von diesem Unheilsgeist! Jetzt werden wir alle etwas mehr Ruhe haben!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte Schatzjade gehört, dass Dame König persönlich im Garten inspizierte, fürchtete er sogleich, auch Heitermuster werde nicht zu halten sein, und stürzte davon wie der Wind. Die letzten Worte der Zufriedenheit hatte er daher nicht mehr gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade den Hof der Roten Freude erreichte, fand er dort eine ganze Schar Leute vor. Dame König sass mit zorniger Miene im Zimmer und beachtete ihn nicht, als sie ihn sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster hatte schon vier, fünf Tage lang weder Wasser noch Reis zu sich genommen. Schwach und mit kaum hörbarem Atem war sie gerade vom Kangofen heruntergezerrt worden, mit zerzaustem Haar und schmutzigem Gesicht. Zwei Frauen mussten sie stützen und führten sie fort. Dame König befahl, man solle ihr nur ihre Leibwäsche mitgeben; die guten Kleider sollten dableiben, damit bessere Dienerinnen sie tragen könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ließ Dame König alle Dienerinnen des Hofes zusammenrufen und musterte sie eine nach der anderen. Nachdem Dame König kürzlich in Zorn geraten war, hatte König Shanbaos Frau die Gelegenheit ergriffen, Heitermuster anzuschwärzen. Auch andere, die mit den Dienerinnen im Garten im Streit lagen, hatten die günstige Stunde genutzt, um einiges hinzuzufügen. Dame König hatte sich alles genau gemerkt, und nur weil während der Feiertage viel zu tun gewesen war, hatte sie sich einige Tage geduldet. Heute war sie eigens gekommen, um sämtliche Dienerinnen persönlich in Augenschein zu nehmen. Die Sache mit Heitermuster war dabei nur das eine; denn man hatte ihr zugetragen, Schatzjade sei schon groß und verstehe die Dinge zwischen Mann und Frau, werde aber von den Dienerinnen in seinem Zimmer auf Abwege gebracht, statt sich zu vervollkommnen. Dies wog noch schwerer als die Angelegenheit mit Heitermuster. Deshalb ließ Dame König jede einzelne Dienerin, von Dufthauch bis hinunter zu den geringsten, die grobe Arbeiten verrichteten, an sich vorüber defilieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann fragte sie: „Wer hat am selben Tag Geburtstag wie Schatzjade?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das betreffende Mädchen wagte nicht, sich zu melden. Eine alte Amme zeigte auf sie und sagte: „Diese hier, Huixiang, die auch 'die Vierte' genannt wird, hat am selben Tag Geburtstag wie er.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König musterte das Mädchen genau. Obwohl es nicht halb so hübsch war wie Heitermuster, hatte es doch eine gewisse frische Anmut. Seinem Benehmen war Klugheit anzumerken, und auch seine Aufmachung unterschied sich von der der übrigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit kaltem Lächeln sagte Dame König: „Noch so ein schamloses Ding! Sie hat insgeheim behauptet, wenn zwei am selben Tag Geburtstag hätten, seien sie Mann und Frau. Das hast du gesagt, nicht wahr? Du hast wohl gedacht, weil ich weit weg wohne, wüsste ich von nichts? Aber mein Herz, meine Ohren und mein Verstand sind jederzeit hier. Glaubt ihr, ich lasse meinen einzigen Schatzjade seelenruhig von euch verführen und verderben?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Vierte hörte, wie Dame König die Worte wiederholte, die sie einst im Vertrauen zu Schatzjade gesagt hatte, wurde sie unwillkürlich rot, ließ den Kopf hängen und weinte still vor sich hin. Dame König befahl sofort, ihre Angehörigen zu rufen, damit sie sie abholten und verheirateten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann fragte sie: „Wer ist Yelue Xiongnu?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alten Ammen zeigten auf Duftblümchen. Dame König erklärte: „Ein Schauspielmädchen ist natürlich ein Fuchsdämon! Als ihr letztens freigelassen werden solltet, wolltet ihr nicht gehen. Aber dann hättet ihr euch bescheiden in euer Los fügen müssen. Stattdessen spukst du hier herum und stiftest Schatzjade zu allem möglichen Unfug an!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftblümchen verteidigte sich lächelnd: „Ich würde es nie wagen, ihn zu etwas aufzustiften.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du widersprichst mir noch?“ sagte Dame König mit einem Lächeln, das kein Lächeln war. „Dann frage ich dich: Wer hat vorvergangenes Jahr, als wir an den Kaisergraebern waren, Schatzjade dazu angestiftet, dieses Mädchen Wür von den Lius zu sich zu nehmen? Glücklicherweise starb sie früh — wäre sie hereingekommen und hätte sich mit dir zusammengetan, hättet ihr den ganzen Garten auf den Kopf gestellt! Du hast sogar deine eigene Pflegemutter an die Wand gedrückt!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann befahl sie: „Ruft ihre Pflegemutter, sie soll sie abholen! Sie kann ihr selbst einen Bräutigam von außerhalb suchen. Gebt ihr all ihre Sachen mit!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner ordnete sie an, dass sämtliche Schauspielmädchen, die man seinerzeit den einzelnen Fräulein zugeteilt hatte, keine einzige im Garten bleiben dürften. Sie sollten alle von ihren jeweiligen Pflegemüttern abgeholt und nach deren Gutdünken verheiratet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum war diese Anordnung ergangen, zeigten sich die Pflegemütter überaus dankbar und zufrieden. Gemeinsam erschienen sie vor Dame König, um sich kniefaellig zu bedanken und die Mädchen fortzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann durchsuchte Dame König alle Gegenstände in Schatzjades Räumen. Alles, was ihr befremdlich vorkam, ließ sie einpacken oder zusammenrollen und in ihre eigenen Räume bringen. „Jetzt ist es sauber hier“, sagte sie, „und wir ersparen uns das Gerede Außenstehender.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch und Moschusmond wurden ermahnt: „Nehmt euch in Acht! Wenn auch nur das Geringste geschieht, kenne ich kein Erbarmen! Ich habe nachschlagen lassen: Dieses Jahr ist für einen Umzug ungünstig. Also bleibt er einstweilen hier, aber nächstes Jahr zieht ihr alle mit ihm wieder aus, damit ich Ruhe finde.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesen Worten führte Dame König ihr ganzes Gefolge hinaus, ohne auch nur Tee getrunken zu haben, und setzte ihre Inspektion an anderer Stelle fort. Doch davon später.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hatte ursprünglich gedacht, Dame König werde nur eine einfache Kontrolle durchführen. Wer hätte ahnen können, dass sie mit Donner und Blitz erscheinen würde? All ihre Vorwürfe betrafen Dinge, die tatsächlich gesagt worden waren, Wort für Wort zutreffend. Es war klar, dass nichts rückgängig zu machen war. Obwohl er am liebsten gestorben wäre, wagte er im Angesicht von Dame Königs Zorn kein überflüssiges Wort und keinen überflüssigen Schritt. Schweigend begleitete er Dame König bis zum Duftgetränkten Pavillon. Dort befahl sie ihm: „Geh zurück und lies deine Bücher! Pass auf, wenn du morgen geprüft wirst! Vorhin war dein Vater schon sehr verärgert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst jetzt machte Schatzjade kehrt. Auf dem ganzen Rückweg überlegte er: „Wer hat so geschwatzt? Niemand weiß doch, was hier vorgeht. Wie konnte sie alles so genau wissen?“ Mit diesen Gedanken betrat er seine Räume und fand Dufthauch in Tränen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun war ihm der wichtigste Mensch genommen worden — wie hätte er nicht trauern sollen? Er warf sich aufs Bett und weinte ebenfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch wusste, dass ihm die Trennung von Heitermuster am meisten zusetzte, und stiess ihn an, um ihn zu trösten: „Weinen hilft jetzt nichts. Steh auf und hör zu: Heitermuster geht es schon besser. Jetzt kann sie sich zu Hause ein paar Tage in Ruhe erholen. Wenn du sie wirklich nicht loslassen kannst, warte, bis der Zorn der gnädigen Frau verraucht ist, und bitte dann bei der alten gnädigen Frau darum. Mit der Zeit kann sie vielleicht zurückkommen. Es ist nur ein Zufall, dass die gnädige Frau den Verleumdungen geglaubt und im Zorn so entschieden hat.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich möchte doch nur wissen, was für ein himmelschreiendes Verbrechen Heitermuster begangen haben soll!“ schluchzte Schatzjade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die gnädige Frau verübelt ihr nur, dass sie so hübsch ist“, erklärte Dufthauch. „Wer so schön ist, wirkt unvermeidlich ein wenig leichtfertig. Die gnädige Frau weiß genau, dass bei einer solchen Schönheit kein Friede herrschen kann, und deshalb verabscheut sie sie. Solche plumpen, groben Geschöpfe wie wir sind ihr lieber.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das mag sein“, erwiderte Schatzjade, „aber woher kennt die gnädige Frau sogar unsere heimlichen Scherzworte? Kein Außenstehender kann sie verraten haben. Das ist rätselhaft.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du selbst kennst doch keine Tabus“, entgegnete Dufthauch. „Wenn du dich einmal freust, ist es dir völlig egal, ob jemand dabei ist oder nicht. Wenn ich dir Zeichen gab und dich warnen wollte, wussten die Leute längst Bescheid, noch ehe du überhaupt etwas bemerkt hattest.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aber wie kommt es dann“, fragte Schatzjade verwundert, „dass die gnädige Frau über jedermanns Fehler Bescheid weiß, nur dich, Moschusmond und Herbstmuster nicht erwähnt hat?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betroffen senkte Dufthauch den Kopf. Lange wusste sie nichts zu erwidern, bis sie endlich lächelnd sagte: „Ja, eben! Wenn man bedenkt, dass auch wir in unseren unvorsichtigen Scherzen gegen die guten Sitten verstoßen haben — warum hat sie uns dann vergessen? Wahrscheinlich hat sie noch andere Sorgen, und erst wenn sie damit fertig ist, wird sie sich uns vornehmen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du bist das gerühmte Muster an Güte und Tüchigkeit“, sagte Schatzjade lächelnd, „und die beiden hast du geformt und erzogen. Was sollte es bei euch für Verstöße zu bestrafen geben? Duftblümchen ist noch klein und ein wenig zu keck, so hat sie sich aufs hohe Ross gesetzt und sich den Hass der Leute zugezogen. Bei der Vierten trage ich die Schuld. Als ich mich einmal mit dir gezankt hatte, rief ich sie hinterher zu mir, um feinere Arbeiten für mich zu erledigen, und so hat sie sich eine höhere Stellung angemasst. Nur deshalb ist es zu diesem Ende gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Heitermuster ist genau wie du in jungen Jahren aus den Räumen der alten gnädigen Frau hereingekommen. Dass sie schöner gewachsen ist als andere, ist doch kein Verbrechen. Und mag sie auch einen offenherzigen Charakter und eine scharfe Zunge haben — euch hat sie doch nichts zuleide getan. Ich denke, sie ist wirklich zu hübsch, und das hat ihr Verderben gebracht.“ Bei diesen Worten brach er erneut in Tränen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch überlegte sorgfaeltig. Es schien ihr, als ob Schatzjade an ihr zweifelte, und so konnte sie ihm nicht gut länger zureden. Stattdessen sagte sie seufzend: „Der Himmel allein weiß es. Jetzt wirst du doch nicht herausfinden, wer schuld ist, und sinnloses Weinen hat keinen Zweck. Am besten beruhigst du dich und wartest ab, bis die alte gnädige Frau einmal guter Stimmung ist. Dann erklärst du ihr alles und verlangst Heitermuster zurück.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du brauchst mich nicht mit leeren Worten zu trösten“, entgegnete Schatzjade kühl. „Wie soll ich abwarten, bis der Zorn der gnädigen Frau verraucht ist, und dann auf eine günstige Gelegenheit lauern? Wartet ihre Krankheit vielleicht? Von Kindheit an ist sie verwöhnt worden und hat keinen einzigen Tag Kränkung erfahren müssen. Selbst ich, der ich ihren Charakter kenne, habe sie oft genug verletzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass sie jetzt fortgeschickt wurde, ist, als würde man einen Orchideentopf, der gerade die ersten zarten Knospen treibt, in einen Schweinestall stellen. Zumal sie schwer krank ist und obendrein voller Verdruss. Sie hat keine leiblichen Eltern, nur einen ständig betrunkenen Vetter. Dort wird sie sich überhaupt nicht zurechtfinden. Wer weiß, ob ich sie überhaupt noch einmal sehen werde!“ Er weinte nun noch bitterlicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch lachte: „Da hast du es wieder: 'Nur der Beamte darf die Stadt in Brand stecken, aber das Volk darf nicht einmal eine Laterne anzünden!' Wenn wir aus Versehen einmal ein störendes Wort sagen, heißt es gleich, das sei unheilbringendes Gerede. Jetzt aber dichtest du ihr selbst die schlimmsten Dinge an, als wäre alles ausgemacht! So zartbesaitet sie auch sein mag, so schlimm wird es doch nicht kommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich dichte ihr nichts an“, erwiderte Schatzjade. „Schon im Frühling gab es ein Vorzeichen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was für ein Vorzeichen?“ fragte Dufthauch sofort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der schöne Zierapfelbaum&amp;lt;ref&amp;gt;海棠 (hǎi táng), der Zier-Holzapfelbaum (Malus spectabilis). Im Roman ein wiederkehrendes Symbol: Sein Verwelken wird als Omen für das Schicksal der Bewohner des Hofes der Freude am Roten gedeutet.&amp;lt;/ref&amp;gt; vor unserer Treppe ist ohne jeden Grund zur Hälfte verdorrt“, erklärte Schatzjade. „Da wusste ich, dass etwas Ungewöhnliches geschehen würde. Und nun hat es sich an ihr bewahrheitet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch lachte wieder: „Eigentlich wollte ich es nicht sagen, aber ich kann nicht anders. Du benimmst dich wirklich wie ein altes Weib! Wie kann ein Mann, der Bücher liest, so etwas sagen? Was haben Pflanzen und Bäume mit Menschen zu tun? Wenn du nicht weibisch bist, bist du zum Narren geworden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was wisst ihr schon davon!“, seufzte Schatzjade. „Nicht nur Pflanzen und Bäume — alle Dinge auf der Welt haben Gefühl und Verstand wie die Menschen. Wenn sie einen verständnisvollen Freund gefunden haben, zeigen sie außerordentliche Feinfühligkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich große Beispiele anführe: Da ist der Wacholderbaum vor dem Konfuziustempel und die Schafgarbe an Konfuzius' Grab, der Lebensbaum vor Zhuge Liangs Tempel und die Kiefern an Yue Feis Grab. Das alles sind berühmte Gewächse, die dem aufrechten Geist dieser Männer folgen und in Jahrtausenden nicht vergehen. Wenn die Welt in Unordnung ist, verkümmern sie, und wenn die Welt in Ordnung ist, gedeihen sie wieder. Im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende sind sie mehrmals verdorrt und wieder zum Leben erwacht. Sind das etwa keine Vorzeichen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich kleine Beispiele anführe: Da sind die Päonien vor Yang Guifeis Adlerholzpavillon und der Baum des Gedenkens an ihrem Turm der Aufrichtigkeit zu nennen, sowie das Gras auf dem Grabhügel der Wang Zhaojun. Sind das nicht ebenfalls feinfühlige Gewächse? Genauso wie der Zierapfelbaum anzeigen wollte, dass seine Herrin sterben wird, und darum zürst er zur Hälfte abgestorben ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Dufthauch diese versonnene Rede hörte, war ihr zugleich zum Lachen und zum Seufzen zumute. Lächelnd sagte sie: „Du bringst mich wirklich in Zorn mit deinem Gerede. Wer ist denn Heitermuster, dass du dir solche Gedanken machst und sie mit so großen Persönlichkeiten vergleichst? Und außerdem: Wie gut sie auch sein mag, sie kann mir doch nicht den Rang streitig machen. Wenn dieser Zierapfelbaum etwas bedeutet, dann deutet er zürst auf mich, ehe sie an die Reihe kommt. Wahrscheinlich werde also ich sterben!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschrocken hielt Schatzjade ihr den Mund zu: „Warum sagst du so etwas? Noch ist das Schicksal der einen nicht geklärt, und schon fängst du damit an! Schluss jetzt, kein Wort mehr davon! Sonst könnte es sein, dass zu den dreien, die ich verloren habe, noch eine vierte kommt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch hörte dies mit heimlicher Zufriedenheit und dachte: Wie hättest du die Sache sonst zum Abschluss bringen wollen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Von nun an wollen wir nicht mehr davon sprechen“, sagte Schatzjade. „Tun wir einfach so, als wären die drei gestorben, und damit gut. Schließlich hat es ja auch schon Tote gegeben, ohne dass es mir viel ausgemacht hätte. Das ist genau dasselbe. Jetzt aber wollen wir von der Gegenwart reden! Ihre Sachen sind noch hier. Man darf zwar die Obrigkeit täuschen, aber nicht die Untergebenen. Also schick heimlich jemanden, der ihr alles bringt. Und wenn wir noch erspartes Geld haben, schick ihr ein paar Schnüre Kupfermünzen, damit sie sich auskurieren kann. Schließlich habt ihr eine Zeitlang wie Schwestern zusammengelebt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Du hältst uns wirklich für allzu kleinlich und herzlos“, erwiderte Dufthauch lächelnd. „Als ob ich deine Aufforderung gebraucht hätte! Vorhin habe ich bereits alle ihre Kleider und Habseligkeiten zusammenpacken und beiseitelegen lassen. Bei Tage sind zu viele neugierige Augen da, was nur Ärger bringen könnte. Warten wir bis zum Abend, dann schicke ich Mutter Song heimlich zu ihr. Auch ein paar Schnüre Kupfermünzen, die ich gespart habe, soll sie bekommen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjades Dank kannte keine Grenzen. Dufthauch bemerkte lächelnd: „Schließlich bin ich doch seit langem ein gerühmtes Muster an Tüchigkeit — muss ich mir da nicht wenigstens diesen Ruf bewahren?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade sich an seine eigenen Worte erinnert fühlte, lächelte er rasch und redete ein Weilchen begütigend auf sie ein. Am Abend wurde Mutter Song dann wirklich heimlich losgeschickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Schatzjade alle mit Aufträgen beschäftigt wusste, schlich er sich allein zum hinteren Seitentor hinaus und bat dort eine alte Dienerin, ihn zu Heitermuster zu bringen. Zürst wollte die Alte sich auf keinen Fall darauf einlassen: „Wenn es jemand erfährt und der gnädigen Frau gemeldet wird, habe ich nichts mehr zu essen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Schatzjade flehte und flehte und versprach ihr Geld, bis die Alte ihn schließlich hinführte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster war seinerzeit von der Familie Lai für Geld gekauft worden. Damals war sie erst zehn Jahre alt und trug ihr Haar noch kurz. Weil sie oft mit Mutter Lai zusammen ins Haus kam und äußerst hübsch und aufgeweckt war, fand die Herzoginmutter großen Gefallen an ihr. Daraufhin schenkte Mutter Lai sie der Herzoginmutter zum Gebrauch, und so gelangte sie schließlich in Schatzjades Gemächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Heitermuster ins Haus kam, erinnerte sie sich weder an ihre Heimat noch an ihre Eltern. Sie wusste nur, dass sie einen Vetter hatte, der zwar ein guter Koch war, aber stellungslos herumlungerte. So bat Heitermuster die Lais, auch ihren Vetter aufzunehmen und ihm eine Anstellung zu geben. Die Lais waren gerührt davon, dass Heitermuster, obwohl sie inzwischen bei der Herzoginmutter diente und äußerst aufgeweckt und redegewandt, allerdings auch spitzzüngig und temperamentvoll war, ihre alten verwandtschaftlichen Beziehungen nicht vergass. Also kauften sie auch Heitermusters Vetter und verheirateten ihn mit einer jungen Frau aus dem Haushalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch kaum lebte der Vetter nach der Heirat in gesicherten Verhältnissen, vergass er auch schon seine Jahre als Herumtreiber und begann, hemmungslos zu trinken, ohne sich um seine Familie zu kümmern. Seine Frau war jedoch eine gefühlvolle Schönheit. Als sie sah, dass ihr Mann sie nicht beachtete und weder Feingefühl noch Leidenschaft besass, sondern nur sinnlos dem Wein frönnte, empfand sie den Kummer des Jadeschilfs zwischen gemeinem Rohr und die Trauer einer vernachlässigten jungen Frau. Als sie dann feststellte, dass ihr Mann äußerst großzügig war und nicht die geringste Eifersucht kannte, ließ sie ihren Trieben freien Lauf. Im ganzen Anwesen ging sie auf die Suche nach Helden und Talenten, und schließlich hatte gut die Hälfte aller Männer, ob Herren oder Diener, bei ihr die Prüfung abgelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragt man nach ihren Namen — es waren jener Trunkenbold Duo und seine Frau Laternchen Deng, mit denen Kette Kaufmann, wie in einem früheren Kapitel erzählt, zu tun gehabt hatte. Sie waren die einzigen Verwandten, die Heitermuster noch besass, und so hielt sie sich nach ihrem Hinauswurf in deren Haus auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trunkenbold Duo war gerade ausgegangen, und Frau Deng war nach dem Essen zu einer Nachbarin gegangen. So lag Heitermuster allein im Vorderzimmer auf dem Ofenbett. Schatzjade hiess die alte Dienerin im Hof Wache stehen, hob selbst den Strohvorhang und trat ein. Auf den ersten Blick sah er Heitermuster auf dem Ofenbett aus gestampfter Erde liegen, das nur mit einer Schilfmatte bedeckt war. Zum Glück hatte sie noch ihr Bettzeug aus alten Tagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen wusste er nicht, wohin mit sich. Er trat näher, streckte weinend die Hand aus, berührte sie sacht und rief leise ihren Namen. Heitermuster hatte sich verkühlt und war von ihrem Vetter und seiner Frau mit bösen Worten bedrängt worden, so dass zu ihrer Krankheit noch eine weitere kam. Den ganzen Tag hatte sie gehustet, ehe sie endlich in einen unruhigen Schlummer gefallen war. Als sie jemanden rufen hörte, schlug sie mühsam ihre Sternenaugen auf, und als sie Schatzjade erkannte, war sie erschrocken und erfreut, betrübt und schmerzlich berührt zugleich. Mit aller Kraft umklammerte sie seine Hand. Erst nach langem Schluchzen brachte sie hervor: „Ich dachte schon, ich würde dich nicht mehr sehen ...“ Dann musste sie ohne Unterlass husten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Schatzjade konnte nichts anderes tun als schluchzen. Heitermuster sagte: „Amitabha Buddha! Gut, dass du gekommen bist! Gib mir eine halbe Schale Tee! Ich habe solchen Durst und rufe schon die ganze Zeit, ohne dass jemand kommt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hastig wischte sich Schatzjade die Tränen ab und fragte: „Wo ist der Tee?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dort auf dem Ofensims“, erwiderte Heitermuster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade sich umsah, erblickte er einen schwarzen irdenen Tiegel, der keinerlei Ähnlichkeit mit einer Teekanne hatte. Vom Tisch nahm er eine Schale, die so groß und grob war, dass sie nicht wie eine Teeschale außah. Noch ehe er sie in der Hand hielt, stieg ihm ein ranziger, fettiger Geruch in die Nase. Also spülte er sie erst einige Male mit Wasser aus und goss dann aus dem Tiegel eine halbe Schale ein. Die Flüssigkeit war rötlich-trüb und sah ganz und gar nicht nach Tee aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gib schnell her, lass mich trinken!“ drängte Heitermuster, die sich auf ihr Kissen stützte. „Das ist schon Tee. Du kannst ihn natürlich nicht mit unserem vergleichen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade kostete zunächst selbst. Es war weder aromatisch noch frisch, nur bitter und herb, mit einer vagen Andeutung von Teegeschmack. Dann reichte er die Schale Heitermuster. Als hätte sie süßen Tau bekommen, stürzte sie die Flüssigkeit in einem Zug hinunter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Still dachte Schatzjade bei sich: Wie oft war sie mit unserem feinen Tee unzufrieden, und heute trinkt sie das hier! Wie wahr ist doch das alte Wort: 'Wer satt ist, verachtet Braten und Geröstetes; wer hungert, isst sich an Kleie und Spreu satt.' Und ebenso: 'Wer den Reis satt hat, sehnt sich nach dünner Reissuppe.'&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Tränen fragte er: „Hast du mir etwas zu sagen? Dann tu es jetzt, solange niemand da ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schluchzend sagte Heitermuster: „Was gibt es schon zu sagen? Für mich zählt jetzt jede Stunde, jeder Tag. Ich weiß wohl, dass ich in höchstens drei bis fünf Tagen heimgehen werde. Aber eines bereitet mir noch im Tode Pein: Ich bin zwar ein wenig hübscher als andere, doch ich hatte keinerlei heimliche Absichten auf dich und habe dich in keiner Weise zu verführen versucht. Warum hat man sich so hartnäckig darauf versteift, ich sei eine Füchsin? Damit kann ich mich nicht abfinden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt stehe ich unter diesem falschen Verdacht, und obwohl ich dem Tod ins Auge sehe, habe ich nichts zu bereuen. Hätte ich früher gewusst, wie alles kommen würde, hätte ich mich anders verhalten. So aber habe ich in meinem törichten Sinn geglaubt, wir würden für immer zusammenbleiben. Nun ist aus dem Nichts dieses Gerücht entstanden, und ich leide Unrecht, ohne mich irgendwo beklagen zu können.“ Nach diesen Worten brach sie erneut in Tränen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade griff nach ihrem Handgelenk und fühlte, dass es dürr wie trockenes Reisig geworden war. Dennoch trug sie noch vier silberne Armreifen. Weinend sagte er: „Leg sie ab und heb sie auf, bis du wieder gesund bist.“ Er streifte ihr die Armreifen ab und schob sie unter das Kopfkissen. Dann sagte er: „Wie schade um deine Fingernägel! Mit welcher Mühe hast du sie zwei Zoll lang wachsen lassen. Durch diese Krankheit werden sie wieder verderben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster wischte sich die Tränen ab, griff nach einer Schere und schnitt die beiden langen Fingernägel an ihrer linken Hand, die wie Röhrenblätter vom Lauch außahen, bis zur Wurzel ab. Dann zog sie sich unter der Bettdecke die alte rote Seidenjacke aus, die sie auf der bloßen Haut trug, und reichte sie Schatzjade zusammen mit den Fingernägeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Heb das auf“, sagte sie. „Wenn du es später ansiehst, wird es sein, als sähest du mich selbst. Und zieh schnell deine Unterjacke aus und lass sie mich anziehen. Wenn ich dann einsam im Sarg liege, wird es mir vorkommen, als wäre ich noch immer im Hof der Roten Freude. Eigentlich gehört sich das nicht, aber da man mich nun einmal zu Unrecht verdächtigt hat, bleibt mir keine andere Wahl.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade zog sich rasch um und steckte die Fingernägel zu sich. Weinend fügte Heitermuster hinzu: „Wenn du zurück bist und die anderen es sehen und fragen, brauchst du nicht zu lügen. Sag einfach, es sei von mir. Da man mich ohnehin zu Unrecht verdächtigt hat, kann ich es nun auch darauf ankommen lassen. Mehr ist es ja nicht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie das gesagt, als die Frau ihres Vetters lachend durch den Vorhang hereingetreten kam: „Bestens! Alles, was ihr gesagt habt, habe ich gehört!“ Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Was willst du als junger Herr hier in den Dienstbotenräumen? Du hast wohl bemerkt, dass ich jung und hübsch bin, und willst mich verführen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschrocken bat Schatzjade mit verbindlichem Lächeln: „Nicht so laut, gute Schwester! Sie hat mir so lange gedient, darum bin ich heimlich gekommen, um nach ihr zu sehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Deng zog ihn am Arm in den hinteren Raum und sagte lächelnd: „Wenn du willst, dass ich leise bin, ist das nicht schwer. Du brauchst mir nur einen Gefallen zu tun.“ Mit diesen Worten setzte sie sich auf den Rand des Ofenbetts und presste Schatzjade fest an ihre Brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dergleichen hatte Schatzjade noch nie erlebt. Sein Herz begann stürmisch zu hämmern, und vor Aufregung lief er puterrot an. Zugleich beschämt und erschrocken, bat er: „Nicht doch, gute Schwester!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Pah!“ sagte Frau Deng und kniff ihre weinschweren Augen zusammen. „Ich höre doch ständig, du seist ein geübter Kämpfer auf dem Schlachtfeld der Liebe — warum zierst du dich da plötzlich?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Schwester, lass mich los!“, bat Schatzjade mit rotem Gesicht. „Wir können über alles reden. Aber was soll die alte Dienerin draußen denken, wenn sie uns hört?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Deng lachte: „Ich bin schon längst hier. Die Alte habe ich zum Gartentor geschickt, damit sie dort wartet. Ich habe schon so lange auf dich gewartet, und heute habe ich dich endlich! Viel gehört habe ich von dir, aber Hörensagen ist nicht wie Sehen. Ganz umsonst bist du so hübsch — du bist wie ein Böller ohne Pulver, nur zum Angeben gut. Du genierst dich ja mehr als ich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sieht man, dass man den Leuten nicht glauben darf. Als unsere Schwester hinausgeworfen wurde, war ich fest überzeugt, ihr hättet ein heimliches Verhältnis. Aber als ich vorhin kam und am Fenster lauschte — ihr wart nur zu zweit im Zimmer — , da hättet ihr, wenn wirklich etwas zwischen euch gewesen wäre, bestimmt davon gesprochen. Doch ihr habt euch nicht im Geringsten nähergekommen! Da sieht man, wie viel Unrecht es auf der Welt gibt! Jetzt bereue ich, euch grundlos verdächtigt zu haben. Also sei ganz beruhigt: Komm künftig nur, ich werde dich nicht belästigen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erst beruhigte sich Schatzjade. Er stand auf, brachte seine Kleider in Ordnung und bat: „Sorg nur ein paar Tage gut für sie, Schwester. Ich muss jetzt gehen.“ Dann trat er in den Vorderraum und verabschiedete sich von Heitermuster. Beide konnten sich nicht voneinander losreißen, und doch mussten sie sich trennen. Da Heitermuster wusste, wie schwer Schatzjade das fiel, zog sie sich schließlich die Bettdecke über den Kopf und beachtete ihn nicht mehr, bis er endlich ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hatte noch vorgehabt, Duftblümchen und die Vierte zu besuchen, doch inzwischen war es dunkel geworden. Er war schon zu lange fort, und wenn man ihn vermisste, konnte neues Unheil entstehen. Also war es besser, in den Garten zurückzukehren und für den nächsten Tag neue Pläne zu machen. Als er zum hinteren Seitentor kam, trugen die Diener gerade das Bettzeug hinaus, und drinnen kontrollierten die alten Ammen, ob alle da waren. Wäre er auch nur einen Augenblick später gekommen, wäre das Tor bereits verschlossen gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade kehrte in den Garten zurück, und glücklicherweise hatte niemand etwas bemerkt. In seinen Räumen angelangt, sagte er Dufthauch nur, er sei bei Tante Xue gewesen, und damit war die Sache abgetan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als bald darauf das Bett gerichtet wurde, musste Dufthauch notgedrungen fragen, wie sie heute Nacht schlafen wollten. Schatzjade antwortete nur: „Das ist mir einerlei.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten ein, zwei Jahren, seit Dame König Dufthauch Beachtung schenkte, hatte diese großen Wert auf Würde gelegt. Wenn sie mit Schatzjade allein war, auch nachts, wahrte sie Abstand und war zurückhaltender als in ihren frühen Jahren. Zwar hatte sie keine großen Aufgaben, doch war es mühsam genug, alle Näharbeiten zu erledigen und für Schatzjade wie für die kleinen Dienerinnen Geld, Kleider und allerlei Gegenstände zu verwalten. Zudem hatte sie ihr altes Leiden des Blutspuckens zwar überwunden, doch bei Überanstrengung oder Erkältung zeigte sich stets wieder Blut im Auswurf. Deshalb hatte sie in letzter Zeit auch nicht in einem Zimmer mit Schatzjade geschlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade jedoch wurde nachts häufig wach und war dann immer sehr ängstlich und rief nach jemandem. Da Heitermuster einen leichten Schlaf hatte und sich lautlos bewegen konnte, war ihr die Aufgabe zugefallen, nachts für ihn Tee einzuschenken und andere Handreichungen zu tun. Deshalb hatte nur sie neben seinem Bett geschlafen. Nun, da sie fort war, musste Dufthauch wohl oder übel fragen, denn dieser Nachtdienst war noch wichtiger als der Dienst am Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Schatzjade gesagt hatte, es sei ihm einerlei, blieb Dufthauch nichts übrig, als es wie in früheren Jahren zu halten. Sie holte ihr eigenes Bettzeug und richtete sich damit vor Schatzjades Lager ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade brütete den ganzen Abend stumm vor sich hin. Erst als Dufthauch ihn mahnte, sich hinzulegen, und auch sie sich niedergelegt hatte, hörte sie, wie er auf dem Kissen seufzte und stöhnte und sich von einer Seite auf die andere wälzte. Erst nach der dritten Nachtwache wurde er allmählich ruhiger, und schließlich schnarchte er leise. Nun erst war Dufthauch beruhigt und döste selbst ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch es dauerte kaum so lange, wie man für eine halbe Schale Tee braucht, da rief Schatzjade: „Heitermuster!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort riss Dufthauch die Augen auf, meldete sich und fragte, was er wolle. Schatzjade bat um Tee. Dufthauch stand rasch auf, spülte sich in der Schüssel die Hände und goss aus der Warmhaltekanne eine halbe Schale ein, die sie ihm reichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lächelnd sagte Schatzjade: „Ich habe mich so daran gewöhnt, nach ihr zu rufen, dass ich ganz vergass, dass du es bist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls lächelnd erwiderte Dufthauch: „Als sie neu hierher kam, hast du im Schlaf auch immer nach mir gerufen. Erst nach einem halben Jahr hattest du dich umgewöhnt. Ich wusste, dass der Name Heitermuster bleiben würde, auch wenn Heitermuster nicht mehr da ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit legten sich beide wieder hin. Erneut wälzte sich Schatzjade eine weitere Nachtwache lang von einer Seite auf die andere und schlief erst in der fünften Wache ein. Da sah er, wie Heitermuster von draußen hereinkam, außehend wie immer. Im Zimmer angekommen, sagte sie lächelnd zu Schatzjade: „Lebt alle wohl! Ich komme nicht wieder.“ Dann drehte sie sich um und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade ihr nachrief, weckte er wieder Dufthauch. Zunächst glaubte sie, er habe aus alter Gewohnheit Heitermusters Namen gerufen, doch dann sah sie, dass er weinte, und hörte ihn sagen: „Heitermuster ist gestorben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was redest du da?“ hielt sie ihm vor. „Das ist doch Unsinn! Was sollen die Leute denken, wenn sie dich hören?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wollte natürlich nicht auf sie hören und wartete sehnsüchtig darauf, dass es hell wurde, um jemanden nach Nachrichten auszuschicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch als es Tag wurde, stand schon eines der kleinen Dienstmädchen aus Dame Königs Räumen vor dem vorderen Seitentor und verlangte, man solle sofort öffnen, damit sie Dame Königs Botschaft überbringen könne: „Weckt Schatzjade sofort! Er soll sich schnell waschen und umziehen und herüberkommen. Jemand hat den gnädigen Herrn eingeladen, den schönen Herbst zu genießen und die Duftblüten zu bewundern. Weil der gnädige Herr sich über das Gedicht gefreut hat, das Schatzjade neulich verfasste, will er ihn mitnehmen. Das sind die Worte der gnädigen Frau, kein einziges darf fehlen! Lauft schnell und sagt ihm Bescheid, er soll sofort kommen! Der gnädige Herr wartet in den Haupträumen und will noch mit ihm zusammen Mehlsuppe frühstücken. Der junge Herr Huan ist schon da. Beeilt euch! Und schickt noch jemanden zum kleinen Herrn Lan — auch ihm soll dasselbe bestellt werden!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drinnen bestätigten die Dienerinnen jeden Satz, knöpften sich dabei die Kleider zu und öffneten das Tor. Zwei, drei von ihnen machten sich sofort in verschiedene Richtungen auf den Weg, noch während sie sich fertig anzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Dufthauch hörte, dass ans Hoftor gepocht wurde, ahnte sie, dass etwas Wichtiges vorlag. Während sie schnell jemanden nach draußen schickte, stand sie bereits selbst auf. Nachdem sie die Botschaft vernommen hatte, ließ sie sofort Waschwasser bringen und trieb Schatzjade zum Aufstehen an. Selbst ging sie seine Kleider holen. Da er Aufrecht Kaufmann begleiten sollte, wollte sie ihm nichts allzu Auffälliges oder Neues anziehen lassen und wählte daher nur Kleider zweiter Wahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade blieb nun keine andere Wahl, als schleunigst hinüberüzeilen. Tatsächlich fand er Aufrecht Kaufmann beim Frühstück vor, in bester Stimmung. Hastig entbot Schatzjade seinen Morgengruß. Auch Unheil Kaufmann und Orchidee Kaufmann begrüßten ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann befahl Schatzjade, Platz zu nehmen und von der Mehlsuppe zu essen. Dann wandte er sich an Unheil Kaufmann und Orchidee Kaufmann: „Beim Bücherstudium steht Schatzjade hinter euch zurück, doch in der Kunst, Parallelsätze zu bilden und Gedichte zu erwidern, reicht ihr nicht an ihn heran. Bei unserem heutigen Besuch wird man euch gewiss drängen, Verse zu machen — dabei soll euch Schatzjade helfen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch nie hatte Dame König solch ein Urteil aus dem Munde ihres Gatten gehört. Dies war eine ganz und gar unerwartete Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf, nachdem Vater und Söhne aufgebrochen waren und Dame König sich gerade zur Herzoginmutter begeben wollte, erschienen die Pflegemütter von Duftblümchen und zwei anderen Schauspielmädchen und berichteten: „Seitdem Duftblümchen neulich die Gnade erfahren hat, freigelassen zu werden, ist sie völlig von Sinnen! Sie trinkt keinen Tee, sie isst keinen Reis. Sie hat Lotoswürzlein und Blütenstäubchen dazu angestiftet, dass alle drei auf Gedeih und Verderb darauf bestehen, sich die Haare abschneiden und Nonnen werden zu wollen. Wir dachten, das sei nur kindliches Gerede, weil sie die Verhältnisse draußen nicht gewöhnt sind — nach ein paar Tagen würde alles wieder gut sein. Doch wider Erwarten toben sie immer schlimmer, und auch Schläge und Schelte helfen nicht. Wir wissen wirklich keinen Rat mehr und bitten Euch, sie entweder ihrem Wunsch gemäß Nonnen werden zu lassen, oder ihnen eine Lektion zu erteilen und sie jemand anderem als Ziehtochter zu geben — für uns ist dieses Glück nicht bestimmt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Unsinn!“ sagte Dame König. „Vielleicht richten wir uns noch nach ihnen! Ins Kloster geht man nicht leichtfertig. Jede bekommt eine Tracht Prügel, und dann werden wir sehen, ob sie immer noch verrückt spielen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hatten sich gerade zum fünfzehnten Tag des achten Monats Nonnen aus den verschiedenen Tempeln eingefunden, um Opfergebäck zu bringen, wie es der Brauch verlangte. Dame König hatte die Nonne Zhitong aus dem Wassermondkloster&amp;lt;ref&amp;gt;水月庵 (Shuǐyuè Ān), wörtlich „Klause des Wassermondes“. Der Name spielt auf die buddhistische Metapher an, dass die Wirklichkeit so flüchtig ist wie der Mond, der sich im Wasser spiegelt.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Yuanxin vom Dizang-Tempel für ein paar Tage als Gäste behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die beiden Nonnen diese Neuigkeiten hörten, brannten sie darauf, die Mädchen als Schülerinnen mitzunehmen — in Wahrheit, um sie als Arbeitskräfte zu benutzen. So sagten sie zu Dame König: „Euer Anwesen ist wahrlich ein Haus guter Menschen, und weil Ihr, gnädige Frau, so fromm seid, sind auch die Mädchen in dieser Weise erleuchtet worden. Gewiss ist der Eintritt ins Kloster nicht leichtfertig zu nehmen, doch man muss auch wissen, dass nach Buddhas Gesetz alle gleichwertig sind. Unser Buddha hat gelobt, sämtliche Lebewesen zu erlösen, seien es auch nur Hühner und Hunde, doch leider kommen die Verirrten nicht zur Erkenntnis. Wer die Wurzel des Guten in sich traegt und erwachen kann, vermag dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entrinnen. In den Sutras finden sich genügend Fälle, in denen sogar Tiger, Wölfe, Schlangen und Würmer den rechten Weg gefunden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Mädchen haben weder Vater noch Mutter, und ihre Heimat ist weit. Sie haben Reichtum und Vornehmheit erlebt und wissen, wie bitter ihr Schicksal von klein auf war, als sie einem leichtfertigen Gewerbe nachgehen mussten. Wer weiß, was die Zukunft bringt? Deshalb haben sie beschlossen, das Meer des Leidens zu verlassen und im Kloster für ein besseres nächstes Leben zu beten — das ist ein nobler Entschluss. Die gnädige Frau sollte ihre guten Absichten nicht einschränken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König war von Natur aus fromm gesinnt. Wenn sie vorhin den Wunsch der Mädchen abgelehnt hatte, so nur, weil sie fürchtete, die jungen Dinger könnten die Entsagung des Klosterlebens nicht ertragen und sich dadurch nur Schuld aufladen. Nun aber klangen die Worte der beiden Nonnen durchaus vernünftig. Zudem hatte der Haushalt in letzter Zeit ohnehin viele Sorgen: Dame Strafe hatte jemanden geschickt, um mitzuteilen, Willkommensfrühling solle nach Hause kommen, damit eine Familie sie sich ansehen könne; und es waren auch schon offizielle Heiratsvermittlerinnen gekommen, um sich nach Erkundefrühling zu erkundigen. Dame König war ohnehin gedanklich überlastet und hatte keine Nerven, sich mit solchen Nebensächlichkeiten zu befassen. Als sie die Worte der Nonnen hörte, lächelte sie und sagte: „Wenn es so ist, warum nehmt ihr sie nicht als eure Schülerinnen mit?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Nonnen sprachen ein Gebet: „Vortrefflich! Vortrefflich! Wenn es so geschieht, ist Euer Verdienst an verborgener Tugend wahrlich nicht gering.“ Dann verneigten sie sich dankend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König sagte: „Gut, dann fragt sie selbst. Wenn sie es wirklich ernst meinen, sollen sie hier vor mir ihre Lehrmeisterinnen begrüßen und dann mit ihnen gehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei Pflegemütter gingen hinaus und brachten die drei Mädchen herein. Dame König fragte sie noch mehrmals, aber die drei waren fest entschlossen. So knieten sie vor den beiden Nonnen nieder und verabschiedeten sich dann von Dame König. Als Dame König sah, wie entschieden sie waren, wusste sie, dass Zwang keinen Sinn mehr hatte. Gerührt ließ sie einige Geschenke bringen und den Mädchen mitgeben, und auch den beiden Nonnen schickte sie Geschenke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an folgte Duftblümchen der Nonne Zhitong ins Wassermondkloster, während Blütenstäubchen und Lotoswürzlein der Nonne Yuanxin ins Dizang-Kloster folgten. Alle drei verließen das weltliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Hongloumeng/de4/Chapter_76|← 76]] | [[Hongloumeng/de4/Chapter_78|78 →]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Root</name></author>
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		<id>https://bou.de/u/index.php?title=Hongloumeng/de4/Chapter_76&amp;diff=177946</id>
		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 76</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_71|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;71&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_72|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;72&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_73|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;73&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_74|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;74&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_75|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;75&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;76&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_77|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;77&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_78|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;78&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_79|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;79&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_80|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;80&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_81|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;81&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第七十六回 / Kapitel 76 =&lt;br /&gt;
== 凸碧堂品笛感凄清 ==&lt;br /&gt;
=== 凹晶馆联诗悲寂寞 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechsundsiebzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Bergvilla Jadegrüne Erhebung&amp;lt;ref&amp;gt;凸碧山庄 (Tūbì Shānzhuāng), wörtlich „Bergvilla der hervorragenden Jade-Erhebung“. Bildet ein Gegensatzpaar mit der Herberge Kristallklare Vertiefung (凹/凸, eingesenkt/erhaben).&amp;lt;/ref&amp;gt; lauschen sie der Flöte und empfinden Wehmut — Bei der Herberge Kristallklare Vertiefung dichten sie Verse und beklagen die Einsamkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jiǎ Shè [贾赦] und Jiǎ Zhèng [贾政] gingen also mit Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] und den übrigen männlichen Familienangehörigen fort. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derweil befahl die Herzoginmutter [贾母], den Stellschirm wegzuräumen und die beiden Tafeln zu einer einzigen zusammenzuschieben. Die Frauen wischten die Tische ab, füllten die Obstschalen auf, tauschten die Becher aus, wuschen die Essstäbchen und richteten alles frisch her. Die Herzoginmutter [贾母] und ihre Gesellschaft zogen sich etwas Warmes über, wuschen sich die Hände, spülten den Mund und tranken Tee, ehe sie sich wieder rund um die Tafel setzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter [贾母] bemerkte, dass die Schwestern Schatzspange [宝钗] und Bǎoqín [宝琴] nicht dabei waren — denn sie feierten, wie sie sich dachte, das Mondfest daheim im Kreise ihrer Familie —, und da auch Lǐ Wán [李纨] und Phönixglanz [凤姐] krankheitshalber fehlten, so dass gleich vier Personen weniger da waren, kam ihr die Runde recht vereinsamt vor. Lächelnd sagte sie: „In den vergangenen Jahren, als der gnädige Herr nicht da war, haben wir einfach die Frau Tante herübergebeten, und wir alle haben gemeinsam den Mond bewundert — das war stets höchst vergnüglich. Nur wenn uns dann plötzlich der Herr einfiel und wir daran denken mussten, dass Mutter und Sohn, Mann und Frau, Eltern und Kinder nicht beisammen sein konnten, war uns die Stimmung verdorben. Heute nun ist der Herr wieder da, und eigentlich sollten wir alle miteinander fröhlich sein — doch jetzt ist es nicht mehr angebracht, die Frau Tante mit ihren Kindern einzuladen, damit wir gemeinsam scherzen und lachen. Zumal sie in diesem Jahr zwei weitere Personen im Haus hat, die sie nicht so einfach im Stich lassen kann, um zu uns herüberzukommen. Und obendrein ist Phönixglanz [凤姐] krank geworden — hätten wir sie allein, wöge sie mit ihrem Scherzen und Lachen zehn andere auf! Da sieht man: Nichts auf der Welt ist vollkommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Nach diesen Worten seufzte sie unwillkürlich auf und befahl dann, man solle ihr einen großen Becher bringen und mit heißem Wein füllen.&lt;br /&gt;
Frau Wáng [王夫人] sagte lächelnd: „Heute seid Ihr wieder mit Eurem Sohn vereint, und das ist doch schöner als in den vergangenen Jahren. Damals mochten wir Frauen zwar zahlreicher sein, aber das ist doch nicht dasselbe, als wenn die engste Familie vollzählig beisammen ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] erwiderte lächelnd: „Eben darum bin ich ja so vergnügt und will aus einem großen Becher trinken! Ihr solltet es ebenso machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
So ließen sich auch Frau Xíng [邢夫人] und die anderen größere Becher reichen. Doch da die Nacht schon weit fortgeschritten war und die Körper müde, vertrugen sie kaum noch etwas und waren unvermeidlich schläfrig geworden. Weil aber die Herzoginmutter [贾母] noch in bester Stimmung war, mussten sie wohl oder übel mittrinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ließ die Herzoginmutter [贾母] auch noch Filzmatten auf den Treppenstufen ausbreiten und befahl, die Mondkuchen, Melonen und Obstteller alle dort unten aufzustellen, damit sich auch die Dienerinnen und Mägde ringsherum setzen und den Mond bewundern konnten. Da die Herzoginmutter [贾母] sah, dass der Mond nun mitten am Himmel stand und noch lieblicher und bezaubernder strahlte als zuvor, sagte sie: „Bei so einem herrlichen Mond muss man Flötenklänge hören!&amp;quot; Und sie ließ die Mädchen des Zehnerorchesters rufen. Dann aber sagte sie: „Wenn es zu viele Instrumente sind, geht das Erlesene verloren. Wir brauchen nur die Flötenspielerin — sie soll von ferne die Querflöte blasen, das genügt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie das gesagt und die Flötenspielerin sich aufgemacht, erschien eine Dienerin aus dem Gefolge der Frau Xíng [邢夫人] und flüsterte ihrer Herrin etwas zu.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] fragte: „Was ist denn los?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Dienerin berichtete: „Der ältere gnädige Herr [贾赦] ist beim Hinausgehen über einen Stein gestolpert und hat sich den Fuß verstaucht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Sogleich schickte die Herzoginmutter [贾母] zwei alte Dienerinnen, um nach ihm zu sehen, und forderte auch Frau Xíng [邢夫人] auf, rasch nach Hause zu fahren. Frau Xíng [邢夫人] verabschiedete sich und ging.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] sagte noch: „Auch Juwels [贾珍] Frau kann bei der Gelegenheit gleich nach Hause fahren — ich lege mich ohnehin bald schlafen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Frau Yóu [尤氏] wehrte lächelnd ab: „Heute fahre ich nicht nach Hause! Ich will unbedingt mit der alten Ahnin die ganze Nacht durchzechen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] lachte: „Das geht nicht, das geht nicht! Als junges Ehepaar müsst ihr in dieser Nacht zusammen sein — wie könntest du das meinetwegen versäumen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Frau Yóu errötete und erwiderte lächelnd: „Was die alte Ahnin da sagt, ist kaum auszuhalten! Wir sind zwar noch jung, aber schon über zehn Jahre verheiratet und gehen auf die Vierzig zu. Zudem ist unsere Trauerzeit noch nicht abgelaufen. Euch eine Nacht lang Gesellschaft zu leisten, das geht wohl an — aber mich zum Vergnügen mit meinem Mann zusammenzutun, das schickt sich nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] lachte: „Du hast ganz recht! Ich hatte völlig vergessen, dass eure Trauerzeit noch nicht vorüber ist. Es sind ja schon mehr als zwei Jahre, seit dein Schwiegervater verstorben ist — das hatte ich nicht bedacht. Zur Strafe trinke ich einen großen Becher! Wenn das so ist, brauchst du sie nicht hinauszubegleiten, bleib nur bei mir. Aber sag Jungs [贾蓉] Frau, sie soll sie hinausbringen und dann gleich selbst nach Hause fahren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Frau Yóu gab das weiter, und Jung Kaufmanns [贾蓉] Frau sagte „Jawohl&amp;quot;, begleitete Frau Xíng [邢夫人] hinaus bis zum Haupttor, wo jede in ihren Wagen stieg und nach Hause fuhr. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun führte die Herzoginmutter [贾母] die Verbliebenen noch einmal zu den Osmanthus-Sträuchern, an denen sie sich ein Weilchen erfreuten. Dann kehrten sie an die Tafel zurück und ließen frisch gewärmten Wein auftragen. Gerade als sie so plauderten, erklang plötzlich und unvermutet von drüben, im Schatten der Osmanthus-Bäume, die Querflöte — bald schluchzend und klagend, bald schwellend und getragen. Im Zusammenspiel mit dem hellen Mond und der klaren Luft, dem weiten Himmel und der stillen Erde löste diese Musik mit einem Mal alle Kümmernisse der Herzen und ließ zehntausend Sorgen verschwinden. Jeder saß andächtig und regungslos auf seinem Platz und genoss es in Schweigen. Erst als die Musik nach einer Weile — die man brauchte, um zwei Schalen Tee zu trinken — wieder verstummte, spendeten alle nicht enden wollendes Lob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin wurde erneut warmer Wein eingeschenkt, und die Herzoginmutter [贾母] fragte lächelnd: „Hat das nicht wahrhaftig gut geklungen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Alle antworteten lächelnd: „Es war in der Tat ein wahrer Genuss! Wir hätten nicht gedacht, dass es so schön sein könnte. Es bedurfte wirklich Eurer Anregung, alte gnädige Frau, damit auch uns ein wenig das Herz aufging.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] sagte: „Es war noch gar nicht das Beste. Wenn wir ein Stück wählen, das möglichst langsam ist, klingt es noch schöner.&amp;quot; Dann befahl sie, der Flötenspielerin einen von den mit Melonenkernen bestreuten und mit Zirbelkernen gefüllten Mondkuchen aus der Kaiserlichen Hofbäckerei zu bringen, wie sie selbst sie aß, dazu einen großen Becher heißen Wein. Die Flötenspielerin solle in aller Ruhe essen und trinken und dann noch eine ganze Melodie fein und leise blasen.&lt;br /&gt;
Die Frauen sagten „Jawohl&amp;quot; und waren eben dabei, das Geschenk hinauszutragen, als die beiden alten Dienerinnen zurückkehrten, die zu Jiǎ Shè [贾赦] geschickt worden waren. Sie meldeten: „Am rechten Fußrücken hat der gnädige Herr eine weiße Schwellung. Er hat Medizin eingenommen, der Schmerz hat nachgelassen, und es ist nicht weiter von Belang.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] nickte und sagte dann seufzend: „Ich mache mir wirklich zu viele Sorgen! Dabei behauptet er nicht mehr und nicht weniger, als dass ich in meinen Gefühlen einseitig sei — und ich kümmere mich trotzdem so um ihn.&amp;quot; Dann erzählte sie Frau Wáng [王夫人], Frau Yóu und den anderen den Schwank nach, den Jiǎ Shè [贾赦] vorhin zum Besten gegeben hatte.&lt;br /&gt;
Frau Wáng [王夫人] und die anderen redeten lächelnd beschwichtigend auf sie ein: „Das hat er doch nur aus Versehen erzählt, als alle schon Wein getrunken hatten und scherzten. So etwas kommt vor. Er würde doch nicht wagen, dabei Euch im Sinn zu haben! Ihr solltet das nicht so ernst nehmen, alte gnädige Frau.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Da kam Mandarinenente [鸳鸯] mit einer weichen Kapuze und einem großen Umhang und sagte: „Es ist schon spät in der Nacht, bald fällt der Tau, und der Wind bläst Euch um den Kopf. Ihr müsst das hier umnehmen. Und wenn Ihr noch ein Weilchen sitzt, solltet Ihr schlafen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] schmollte: „Kaum dass ich mich einmal freue, kommst du, um mich zu mahnen! Bin ich vielleicht betrunken? Jetzt bleibe ich erst recht, bis es hell wird!&amp;quot; Und sie befahl, man solle frischen Wein einschenken. Zugleich aber zog sie sich auch die Kapuze über und hüllte sich in den Umhang. Alle tranken zur Gesellschaft mit und erzählten einige Scherze. Da erklangen aus dem Schatten der Osmanthus-Bäume erneut Flötenklänge — schluchzend und zart, schwebend und fein —, wirklich noch einsamer und wehklagender als zuvor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle saßen reglos. In der stillen Nacht, beim klaren Mondschein, und dazu die klagenden Flötenklänge — da war es kein Wunder, dass die alte Herzoginmutter [贾母], zumal sie Wein getrunken hatte, im Innersten gerührt wurde und unwillkürlich zu weinen begann. Auch allen anderen wurde bei dieser Stimmung bang und einsam ums Herz. Erst nach einer geraumen Weile bemerkten sie, dass die Herzoginmutter [贾母] in Kummer versunken war. Hastig wandten sie sich ihr zu, sprachen lächelnd auf sie ein und versuchten, ihre Trauer zu zerstreuen. Zugleich verlangten sie nach warmem Wein und ließen die Flötenspielerin aufhören.&lt;br /&gt;
Frau Yóu sagte lächelnd: „Ich weiß auch einen Schwank — den will ich der alten gnädigen Frau zur Aufheiterung erzählen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] zwang sich ein Lächeln ab: „Um so besser — erzähl ihn schnell!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Frau Yóu begann: „Es war einmal eine Familie, die hatte vier Söhne. Der älteste hatte nur ein Auge, der zweite nur ein Ohr, der dritte nur ein Nasenloch. Der jüngste war zwar körperlich nicht missgestaltet — aber er war stumm.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Doch gerade als sie so weit gekommen war, bemerkte sie, dass der Herzoginmutter [贾母] die Augen zufielen und sie wie einzuschlafen schien. Frau Yóu hielt sofort inne, und gemeinsam mit Frau Wáng [王夫人] sprach sie die Herzoginmutter [贾母] leise an, um sie zu wecken.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] öffnete die Augen und sagte lächelnd: „Ich bin gar nicht müde — ich hatte die Augen nur zugemacht, um sie ein wenig auszuruhen. Erzählt nur weiter, ich höre zu.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Frau Wáng [王夫人] und die anderen redeten lächelnd auf sie ein: „Die vierte Nachtwache ist schon angebrochen, der Wind weht stark, und der Tau fällt reichlich. Geht doch bitte zur Ruhe, alte gnädige Frau! Morgen, am Sechzehnten, ist der Mond genauso schön — dann können wir ihn noch einmal genießen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] fragte: „Wie kann denn schon die vierte Nachtwache angebrochen sein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Frau Wáng [王夫人] sagte lächelnd: „Es ist wirklich schon so weit. Die Mädchen konnten es nicht mehr aushalten und sind alle schlafen gegangen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter [贾母] sah sich nun aufmerksam um, und tatsächlich — alle waren schon fort, nur Tànchūn [探春] war noch da. Sie sagte lächelnd: „Nun gut. Ihr seid das Durchhalten nicht gewohnt, zumal die einen schwächlich und die anderen krank sind — es ist besser so, dann mache ich mir nicht noch Sorgen um euch. Nur die arme Tànchūn [探春] harrt noch immer aus. Geh du auch — wir brechen auf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten stand sie auf, trank einen Schluck klaren Tee und setzte sich dann in den bereitstehenden Bambustragstuhl, in den Umhang gehüllt. Zwei alte Dienerinnen hoben den Tragstuhl auf, und die Herzoginmutter [贾母] wurde, von allen umringt, aus dem Garten getragen. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verbliebenen Frauen räumten nun Becher, Teller und Schüsseln zusammen und bemerkten dabei, dass ein feines Teeschälchen fehlte. Sie suchten es überall vergeblich, dann wandte sich die für das Geschirr Zuständige an die anderen: „Bestimmt hat es jemand fallen lassen und zerbrochen! Sagt mir, wohin ihr die Scherben getan habt, damit ich sie vorzeigen kann — sonst heißt es wieder, ich hätte das Schälchen gestohlen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die anderen sagten: „Bei uns ist nichts zu Bruch gegangen. Vielleicht hat jemand aus dem Gefolge der gnädigen Fräulein es zerbrochen — das kann man nicht wissen. Überleg noch einmal genau, oder geh und frag sie.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Das brachte die Zuständige auf die richtige Spur, und lächelnd sagte sie: „Tatsächlich — jetzt erinnere ich mich! Cuìlǚ [翠缕] hatte das Schälchen in der Hand. Ich werde sie fragen.&amp;quot; Damit machte sie sich auf den Weg, und als sie den befestigten Pfad hinunterkam, begegneten ihr dort Purpurkuckuck [紫鹃] und Cuìlǚ [翠缕].&lt;br /&gt;
Cuìlǚ [翠缕] fragte: „Die alte gnädige Frau ist schon aufgebrochen — wisst Ihr, wohin unser Fräulein gegangen ist?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Dienerin erwiderte: „Ich bin hergekommen, um nach einem Teeschälchen zu fragen — und ihr fragt mich nach eurem Fräulein!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Cuìlǚ [翠缕] sagte lächelnd: „Ich hatte dem Fräulein gerade Tee eingeschenkt — und als ich mich einen Augenblick umdrehte, war das Fräulein samt Teeschale verschwunden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Dienerin sagte: „Eben hat die gnädige Frau gesagt, die Fräulein seien alle schlafen gegangen. Du hast dich wohl irgendwo herumgetrieben und es nicht mitbekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Cuìlǚ [翠缕] wandte sich an Purpurkuckuck [紫鹃]: „Es ist völlig ausgeschlossen, dass sie sich klammheimlich schlafen gelegt hat — wahrscheinlich ist sie irgendwo spazieren gegangen. Vielleicht ist sie, als die alte gnädige Frau aufbrach, rasch nach vorne geeilt, um sie hinauszubegleiten. Lasst uns dort suchen! Wenn wir das Fräulein finden, findet sich natürlich auch dein Teeschälchen wieder an. Morgen früh ist immer noch Zeit genug — wozu die Eile?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Dienerin sagte lächelnd: „Wenn ich jetzt weiß, wo es geblieben ist, brauche ich mich nicht mehr zu beeilen. Morgen werde ich mir das Schälchen von dir geben lassen.&amp;quot; Damit ging sie zurück, um weiter das Geschirr zusammenzusammeln. Purpurkuckuck [紫鹃] und Cuìlǚ [翠缕] aber machten sich auf den Weg zu den Gemächern der Herzoginmutter [贾母]. Doch davon soll hier zunächst nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit waren Kajaljade [黛玉] und Xiangfluss-Wolke [湘云] keineswegs schlafen gegangen. Da so viele Angehörige des Hauses den Vollmond bewunderten und die Herzoginmutter [贾母] dennoch klagte, es seien zu wenige und es ginge nicht mehr so lebhaft zu wie einst — und weil sie auch die Schwestern Xuē [薛] erwähnt hatte, die daheim im Kreis ihrer Angehörigen den Mond genossen —, hatte Kajaljade [黛玉] der Kummer überrascht. Sie war fortgegangen, hatte sich auf eine Balustrade gestützt und leise geweint.&lt;br /&gt;
Schatzjade [宝玉] hatte in letzter Zeit wegen Qíngwéns [晴雯] schwerer Krankheit für nichts mehr Interesse aufbringen können, und als Frau Wáng [王夫人] ihn wieder und wieder zum Schlafengehen ermahnt hatte, war er wirklich gegangen. Ebenso wenig stand Tànchūn [探春] der Sinn nach Vergnügungen — sie hatte sich in den letzten Tagen wegen der Haushaltsangelegenheiten ärgern müssen. Zwar waren noch Yíngchūn [迎春] und Xīchūn [惜春] da, doch mit ihnen hatte sich Kajaljade [黛玉] nie sonderlich gut verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war Xiangfluss-Wolke [湘云] die Einzige, die ihr gut zuredete. Sie sagte: „Du bist doch ein verständiger Mensch — warum quälst du dich selbst auf diese Weise? Mir ergeht es genauso wie dir, und trotzdem bin ich nicht so kopfhängerisch. Außerdem bist du so oft krank — du solltest dich schonen! Es ist schon ärgerlich genug, dass die Schwester Schatzspange [宝钗] tagelang von nichts anderem geredet hat als davon, wie wir alle zusammen zum Mittherbstfest den Mond bewundern und unseren Dichterbund einberufen wollten, um gemeinsam Verse zu verfassen — und jetzt, wo es soweit ist, lässt sie uns allein und genießt den Mond anderswo! Der Bund ist zerfallen, und kein Gedicht wird geschrieben. Stattdessen haben Väter und Söhne, Onkel und Neffen nach Belieben das Feld beherrscht. Weißt du nicht, was Kaiser Tàizǔ der Sòng [宋太祖] gesagt hat: ‚Wie kann man neben dem eigenen Lager einen Fremden schnarchen lassen?' Wenn die anderen nicht dichten, dichten wir beiden eben allein und beschämen sie morgen damit!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Kajaljade [黛玉] sah, wie Xiangfluss-Wolke [湘云] sich bemühte, sie aufzuheitern, wollte sie deren Eifer nicht enttäuschen, und sagte lächelnd: „Hier, wo alles so laut durcheinanderschreit — wie soll man da in Dichterlaune kommen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Den Mond hier oben auf dem Berg zu genießen ist zwar schön, aber am Wasser ist es noch viel schöner! Du weißt doch, dass unten am Fuß dieses Hügels das Teichufer liegt. In der Einbuchtung des Berges, nahe am Wasser, steht die Herberge Kristallklare Vertiefung [凹晶馆]. Schon daran kann man erkennen, wie viel Gelehrsamkeit damals bei der Anlage des Gartens eingeflossen ist: Der Gipfel des Berges heißt Jadegrüne Erhebung [凸碧], und die Senke am Fuß, nahe dem Wasser, heißt Kristallklare Vertiefung [凹晶]. Diese beiden Schriftzeichen tū [凸] und āo [凹] sind seit jeher äußerst selten verwendet worden. Wenn man sie hier geradewegs als Namen für Gebäude nimmt, wirken sie umso neuartiger und keineswegs abgegriffen.&lt;br /&gt;
Man erkennt sofort, dass die beiden Stätten einander gegenüberliegen — eine oben, die andere unten; eine hell, die andere dunkel; eine hoch, die andere niedrig; eine ein Berg, die andere ein Gewässer. Offensichtlich wurden sie eigens zum Genuss des Mondes angelegt. Wer die Berghöhe liebt und den Mond lieber klein sehen möchte, der kommt hierher; und wer den hellen Mond auf den klaren Wellen sieht, der geht dorthin.&lt;br /&gt;
Dass diese beiden Zeichen so selten verwendet werden, liegt allein daran, dass sie im Volkmund als wā und gǒng ausgesprochen werden — was als vulgär gilt. Das Zeichen āo hat nur Lù Yóu [陆放翁] gebraucht, als er schrieb:&lt;br /&gt;
‚In des alten Reibsteins leichter Vertiefung sammelt sich Tusche genug.'&lt;br /&gt;
Und selbst dafür hat man ihm Vulgarität vorgeworfen — ist das nicht zum Lachen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] erwiderte: „Nicht nur Lù Yóu hat dieses Zeichen gebraucht — unter den Alten gibt es zahllose Beispiele. Da sind etwa Jiāng Yāns [江淹] ‚Rhapsodie über das grüne Moos', Dōngfāng Shuòs [东方朔] ‚Schrift der göttlichen Seltsam keiten' oder die Geschichte von Zhāng Sēngyáo [张僧繇], der das Kloster Yìchéng malte, wie sie in den ‚Aufzeichnungen über die Malkunst' erzählt wird — sie lassen sich gar nicht alle aufzählen! Nur weil die Leute von heute nichts davon wissen, halten sie die Zeichen für vulgär. Um es dir offen zu sagen: Diese beiden Namen habe ich selbst erdacht! Weißt du noch, als man damals Schatzjade [宝玉] auf die Probe stellte? Er entwarf die Namen für einige Gebäude — manche wurden übernommen, manche abgeändert, und für manche fehlten noch die Bezeichnungen. Später haben wir alle zusammen auch die noch namenlosen Stellen benannt, haben die Quellen vermerkt, die Lage der Gebäude beschrieben und alles der ältesten Schwester [元春] zur Ansicht gebracht. Sie ließ es wieder heraustragen und dem Onkel [贾政] zeigen. Und der war so angetan, dass er sagte: ‚Hätte ich das gewusst, hätte ich damals gleich die Schwestern alle zusammen die Namen ersinnen lassen — das wäre noch viel hübscher gewesen!' Darum sind alle Namen, die ich erdacht habe, ohne ein einziges Wort zu ändern übernommen worden. Gehen wir jetzt also hinunter zur Herberge Kristallklare Vertiefung [凹晶馆].&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stiegen die beiden gemeinsam den Hang hinab. Gleich nach der ersten Biegung waren sie schon am Teichufer. Dort lief ein Bambusgeländer am Ufer entlang bis hinüber zum Pavillon des Lotosrosenweihers [藕香榭]. Die wenigen Gebäude hier lagen im Schutz der Bergflanke — es war der Rückzugsort der Bergvilla Jadegrüne Erhebung [凸碧山庄]. Weil die Stelle niedrig lag und nahe am Wasser, trug sie über dem Eingang die Aufschrift „Herberge Kristallklare Vertiefung am Bach&amp;quot; [凹晶溪馆]. Da hier nur wenige und zudem kleine, niedrige Räume standen, waren lediglich zwei alte Frauen zur Nachtwache abgestellt. Heute hatte man ihnen gesagt, dass oben an der Bergvilla Dienst war und es sie nichts angehe — also hatten die beiden ihre zugeteilten Mondkuchen, Früchte und den Festschmaus aufgeteilt, sich satt und trunken gegessen, die Lampen gelöscht und sich schlafen gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kajaljade [黛玉] und Xiangfluss-Wolke [湘云] sahen, dass die Lichter erloschen waren, sagte Xiangfluss-Wolke [湘云] lächelnd: „Dass die beiden schon schlafen, passt uns gut! Setzen wir uns hier unter das Wellblechdach, nahe am Wasser, und genießen den Mond — wie wäre das?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die beiden ließen sich auf zwei runden Hockern aus geflecktem Xiāngfēi-Bambus nieder. Am Himmel strahlte ein einziger heller Mond, und im Teich spiegelte sich ein zweiter — oben und unten um die Wette leuchtend, als befänden sie sich in einem Kristallpalast der Wassergöttinnen. Ein leiser Windhauch kräuselte die Teichoberfläche zu jadegrünen Wellen — wahrlich, Geist und Sinne wurden davon vollkommen klar und rein.&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] seufzte lächelnd: „Wie schön wäre es, jetzt in einem Boot auf dem Wasser zu sitzen und Wein zu trinken! Wäre ich daheim bei uns, würde ich sofort ein Boot besteigen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lächelte: „Wie es die Alten so treffend gesagt haben: ‚Wer alles vollkommen haben will, dem bleibt keine Freude.' Sag ich doch — das hier ist schon gut genug! Warum musst du auch noch Boot fahren wollen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Sehnsüchte haben, obwohl man schon viel besitzt — das liegt in der Natur des Menschen! Die alten Leute haben schon recht: Wer arm ist, bildet sich ein, bei den Reichen sei alles nach Wunsch, und wenn man ihm sagt, dass dem keineswegs so ist, will er es nicht glauben. Erst wenn er es selbst erlebt, begreift er es. Nimm nur uns beide: Unsere Eltern sind zwar nicht mehr am Leben, doch immerhin leben wir im Wohlstand — und dennoch haben wir so manches, das nicht nach unserem Herzen ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] sagte lächelnd: „Nicht nur wir beide können nicht alles nach Herzenslust haben. Selbst die Herzoginmutter [贾母], die gnädige Frau [王夫人], ja selbst Schatzjade [宝玉] und Tànchūn [探春] — ob es um Großes oder Kleines geht, ob mit Recht oder ohne Recht: Dass keiner alles nach seinem Willen haben kann, das liegt an ein und demselben Gesetz. Wie viel mehr noch gilt das für uns beide, die wir nur Gäste und Besucher sind!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Xiangfluss-Wolke [湘云] das hörte, befürchtete sie, Kajaljade [黛玉] könnte wieder in Schwermut verfallen, und sagte rasch: „Lass uns nicht länger müßig reden — lieber dichten wir zusammen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie das sagte, erhob sich wieder der Klang der Flöte, getragen und fern. Kajaljade [黛玉] sagte lächelnd: „Heute sind die alte gnädige Frau und die gnädige Frau offenbar bester Laune gewesen — die Flöte klingt wirklich bezaubernd und regt auch uns an. Wir mögen beide die fünfsilbigen Verse — bleiben wir also beim fünfsilbigen Kettengedicht&amp;lt;ref&amp;gt;联句 (liánjù), eine in China seit der Han-Dynastie beliebte Dichtform, bei der mehrere Dichter abwechselnd Verse zu einem gemeinsamen Gedicht beitragen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] fragte: „Welcher Reim?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Lass uns die senkrechten Stäbe dieses Geländers zählen — von diesem Ende bis zu jenem. Auf welche Zahl es fällt, den entsprechenden Reim nehmen wir. Wenn es sechzehn Stäbe wären, dann der Reim ‚yī xiān'. Ist das nicht originell?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Das ist wirklich ausgefallen!&amp;quot; Sie standen beide auf und zählten vom einen Ende zum anderen — es waren dreizehn Stäbe.&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte: „Ausgerechnet ‚shí sān yuán'! Das ist ein Reim mit wenigen Wörtern — bei einem Kettengedicht ist es schwer, sie alle unterzubringen. Du fängst wohl besser an.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Versuchen wir einmal, wer von uns stärker ist — nur haben wir kein Papier und keinen Pinsel, um alles aufzuschreiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte: „Das macht nichts — morgen können wir es niederschreiben. Soviel Gedächtnis werden wir wohl noch haben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] sagte: „Dann fange ich mit einer fertigen Redensart an.&amp;quot; Und sie rezitierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nacht des fünfzehnten im achten Monat — (三五中秋夕)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] dachte einen Moment nach und fuhr fort:&lt;br /&gt;
Heiter lustmandeln, als wär es Laternenfest. / Sterne funkeln, über den Himmel verstreut — (清游拟上元 / 撒天箕斗灿)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte und setzte fort:&lt;br /&gt;
Überall klingen Saiten und Flöten. / Mancherorts fliegen die Becher wild — (匝地管弦繁 / 几处狂飞盏)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte: „‚Mancherorts fliegen die Becher wild' — das hat etwas! Da muss die Gegenzeile gut werden.&amp;quot; Sie dachte nach und fuhr lächelnd fort:&lt;br /&gt;
Bei wem stünde das Fenster nicht offen? / Ein leichter, schneidender Wind — (谁家不启轩 / 轻寒风剪剪)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lobte: „Deine Gegenzeile ist besser als meine Vorlage. Aber im unteren Vers fällst du in Gemeinplätze zurück — jetzt müsstest du eigentlich aufdrehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] entgegnete: „Ein Gedicht mit vielen Versen und schwierigen Reimen braucht auch breite Ausschmückung. Die guten Einfälle hebe ich mir für später auf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Wenn dann später nichts Gutes kommt, will ich doch sehen, ob du dich nicht schämst!&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
Die milde Nacht strahlt in warmem Glanz. / Um Mondkuchen zanken sich die Grauköpfe — (良夜景暄暄 / 争饼嘲黄发)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Diese Zeile taugt nichts — das ist dein eigenes Machwerk! Du nimmst Alltagsdinge, um es mir schwer zu machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Da zeigt sich, dass du nicht genug gelesen hast! Mondkuchen essen ist ein alter Brauch — schau erst im Buch der Táng nach, dann rede!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Das ist nicht zu schwer für mich — ich habe schon etwas!&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
Beim Meloneteilen lachen die jungen Schönen. / Frisch duftet der herrliche Zimtbaum — (分瓜笑绿媛 / 香新荣玉桂)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „‚Melone teilen' — das ist nun wirklich dein eigenes Machwerk!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Morgen schlagen wir alles nach und legen es allen vor — jetzt verschwenden wir keine Zeit damit.&amp;quot; Kajaljade [黛玉] lachte: „Mag sein. Aber die untere Zeile ist auch nicht besser — du brauchst doch nicht gleich ‚Jadezimtbaum' und ‚Goldorchidee' als Lückenfüller zu nehmen.&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
In satten Farben gedeiht der goldene Himmelsblumenkohl. / Kerzenschein erhellt das prächtige Festmahl — (色健茂金萱 / 蜡烛辉琼宴)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „‚Goldener Himmelsblumenkohl' — damit hast du es billig gehabt, da brauchst du dir nicht den Kopf zu zerbrechen! So einen mundgerechten Reim zu erwischen! Außerdem hast du in der unteren Zeile auch nur Lücken gefüllt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Wenn du nicht ‚Jadezimtbaum' gesagt hättest, hätte ich doch nicht ‚Goldener Himmelsblumenkohl' dagegenstellen müssen! Ein wenig prachtvolle Ausschmückung muss schon sein — schließlich malen wir das, was wir tatsächlich sehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
So fügte sich Xiangfluss-Wolke [湘云] und dichtete weiter:&lt;br /&gt;
Becher und Trinkgeschirr durcheinander im geschmückten Garten. / Die Trinkrunde ehrt ein einziges Gebot — (觥筹乱绮园 / 分曹尊一令)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Die untere Zeile ist gut — nur schwer dagegenzuhalten.&amp;quot; Sie dachte nach und fuhr fort:&lt;br /&gt;
Im Ratespiel lauscht man dem dreifachen Ausruf. / Die Würfel glühen in roten Punkten — (射覆听三宣 / 骰彩红成点)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „‚Dreifacher Ausruf' — das hat Witz! Aus dem Gewöhnlichen etwas Feines zu machen! Nur fängst du unten wieder mit Würfeln an.&amp;quot; Sie dichtete rasch weiter:&lt;br /&gt;
Die Blume wird weitergereicht zu wildem Trommelschlag. / Helles Licht wiegt die Hofgebäude — (传花鼓滥喧 / 晴光摇院宇)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Das Gegenstück ist gut. Aber unten bist du wieder abgeglitten — immer nur Wind und Mond als Lückenbüßer.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] verteidigte sich: „Wir haben den Mond noch gar nicht richtig besungen — man muss ihn doch irgendwo erwähnen, sonst verfehlen wir das Thema.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] sagte: „Lassen wir es vorläufig stehen — morgen feilen wir daran.&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
Schlichter Glanz verbindet Himmel und Erde. / Belohnung und Strafe kennen keinen Gastgeber — (素彩接乾坤 / 赏罚无宾主)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte: „Warum wieder die anderen? Lieber sollten wir von uns sprechen.&amp;quot; Und sie dichtete:&lt;br /&gt;
Verse dichten in der Reihe der Geschwister. / In Gedanken versunken, lehnt man am Geländer — (吟诗序仲昆 / 构思时倚槛)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] sagte: „Jetzt können wir uns selbst hineinbringen.&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
Den Anblick erwägend, stützt man sich ans Tor. / Der Wein ist leer, doch das Gefühl währt fort — (拟景或依门 / 酒尽情犹在)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte: „Es ist soweit.&amp;quot; Und sie dichtete:&lt;br /&gt;
Die Nachtwache schwindet, die Freude ist vergessen. / Allmählich verstummen Stimmen und Lachen — (更残乐已谖 / 渐闻语笑寂)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] sagte: „Jetzt wird es mit jedem Schritt schwieriger.&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
Leer bleiben nur die Spuren von Schnee und Reif. / Tau sammelt sich um Morgenpilze auf den Stufen — (空剩雪霜痕 / 阶露团朝菌)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Wie soll ich da den Reim unterbringen? Lass mich nachdenken.&amp;quot; Sie stand auf, verschränkte die Hände hinter dem Rücken und überlegte einen Moment. Dann lachte sie: „Geschafft! Beinahe hätte ich aufgeben müssen — aber gerade noch ein Wort gefunden!&amp;quot; Und sie dichtete:&lt;br /&gt;
Abenddunst hüllt die Schlafbäume im Hof ein. / Herbstliche Stromschnellen spülen Steinmark frei — (庭烟敛夕棔 / 秋湍泻石髓)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kajaljade [黛玉] das hörte, sprang sie unwillkürlich auf, rief „Großartig!&amp;quot; und sagte: „Du durchtriebener kleiner Geist! Tatsächlich hast du dir das Beste aufgespart! Erst jetzt sagst du ‚Schlafbaum' — man muss erst einmal darauf kommen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] erklärte: „Glücklicherweise habe ich gestern in einer Anthologie der Literaturen aller Dynastien dieses Zeichen gesehen und wusste nicht, was für ein Baum das ist — also wollte ich es nachschlagen. Da sagte die Schwester Schatzspange [宝钗], ich brauche nicht nachzuschlagen: Das sei der Baum, den man heute im Volksmund ‚Öffne dich am Tag, schließe dich bei Nacht' nenne. Ich glaubte es ihr nicht und schlug trotzdem nach — und tatsächlich hatte sie recht! Die Schwester Schatzspange [宝钗] weiß wirklich erstaunlich viel.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „‚Schlafbaum' passt hier ausgezeichnet — das mag noch hingehen. Aber ‚Herbstliche Stromschnellen spülen Steinmark frei' — wie bist du nur darauf gekommen! Diese eine Zeile allein übertrifft alles andere. Jetzt muss ich mich zusammenreißen und etwas dagegenstellen — doch so gut wie diese Zeile wird es nicht mehr werden.&amp;quot; Sie dachte einen Moment nach und sagte:&lt;br /&gt;
Windblätter sammeln sich an den Wolkenwurzeln. / Stern der Muttergöttin — einsam und rein in seinem Gefühl — (风叶聚云根 / 宝婺情孤洁)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte: „Das Gegenstück ist auch nicht schlecht. Nur bist du unten wieder abgedriftet — zum Glück ist es ein Gefühl inmitten der Szenerie und nicht nur plumpes Lückenstopfen mit ‚Stern der Muttergöttin'.&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
Silberkröte atmet ein und aus. / Elixier gestampft vom geisterhaften Hasen — (银蟾气吐吞 / 药经灵兔捣)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] schwieg, nickte nur und rezitierte nach langem Nachdenken:&lt;br /&gt;
Die Menschen eilen zum Eisigen Palast. / Die Sterne Niú und Nǚ frevelnd herausfordern — (人向广寒奔 / 犯斗邀牛女)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] blickte zum Mond auf, nickte ebenfalls und fuhr fort:&lt;br /&gt;
Auf dem Floß den Enkel des Kaisers erwarten. / Der Kreis des Mondes mag nicht stillstehen — (乘槎待帝孙 / 虚盈轮莫定)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Schon wieder eine Allegorie!&amp;quot; Und sie fuhr fort:&lt;br /&gt;
In dunklen und hellen Phasen besteht der Geistleib fort. / Der Tropfen der Wasseruhr versiegt bald — (晦朔魄空存 / 壶漏声将涸)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als Xiangfluss-Wolke [湘云] den nächsten Vers dichten wollte, zeigte Kajaljade [黛玉] auf einen dunklen Schatten im Teich und sagte: „Sieh nur — was ist dort im Wasser? Ein dunkler Schatten bewegt sich — ist das etwa ein Geist?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Da siehst du schon wieder Gespenster! Ich fürchte mich nicht vor Geistern — warte, ich werfe etwas nach ihm!&amp;quot; Sie bückte sich, hob einen flachen Stein auf und warf ihn in den Teich. Es platschte, und ein großer Kreis breitete sich auf dem Wasser aus, der das Mondspiegelbild zerteilte — mehrmals zerfloss es und sammelte sich wieder. Da erhob sich aus dem schwarzen Schatten mit lautem Krächzen ein großer weißer Kranich und flog geradewegs zum Pavillon des Lotosrosenweihers [藕香榭] hinüber.&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Es war also der Kranich! So plötzlich hätte ich nicht daran gedacht — ich habe mich wirklich erschreckt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Dieser Kranich ist mir höchst willkommen — er hat mir geholfen!&amp;quot; Und sie dichtete:&lt;br /&gt;
Der Lampenschein am Fenster ist schon trübe. / Ein Kranich zieht seinen Schatten über den kalten Teich — (窗灯焰已昏 / 寒塘渡鹤影)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] hörte das, rief wieder bewundernd aus und stampfte mit dem Fuß auf: „Das ist nicht zu überbieten! Der Kranich hat ihr wirklich geholfen! Diese Zeile ist noch besser als die ‚herbstlichen Stromschnellen' von vorhin. Was soll ich nur dagegen setzen? Auf ‚Schatten' [影] reimt sich nur ‚Seele' [魂]. ‚Ein Kranich zieht seinen Schatten über den kalten Teich' — so natürlich, so mühelos, so bildhaft und dabei so frisch! Am liebsten würde ich den Pinsel niederlegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Denk in Ruhe nach, dann fällt dir schon etwas ein. Wenn nicht, können wir morgen weitermachen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] blickte zum Himmel auf und schwieg, ohne auf sie einzugehen. Nach einer geraumen Weile lachte sie plötzlich: „Du brauchst nicht so großspurig zu reden — ich habe auch etwas! Hör zu!&amp;quot; Und sie setzte dagegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kalter Mond begräbt die Seele einer Blume. (冷月葬花魂)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] klatschte in die Hände und rief: „Wirklich vollkommen! Nichts anderes hätte das aufwiegen können! ‚Die Seele einer Blume begraben' — großartig!&amp;quot; Dann aber seufzte sie: „Das Gedicht ist zwar originell, aber doch allzu niedergeschlagen. Du bist ohnehin krank — solch über die Maßen düstere und unheimliche Verse solltest du nicht schreiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Ohne solche Verse hätte ich dich nicht übertreffen können! Die nächste Zeile fehlt mir noch — ich habe meine ganze Kraft in diesen einen Vers gelegt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie ausgesprochen, trat hinter den Felssteinen am Geländer jemand hervor und rief lächelnd: „Herrliche Verse! Wirklich herrliche Verse — aber in der Tat zu traurig! Hört lieber auf mit dem Weiterdichten. Wenn es so weitergeht, verblasst gerade dieses Verspaar, und es wirkt im Vergleich nur noch gesucht und aufgesetzt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die beiden hatten das nicht erwartet und erschraken. Bei genauerem Hinsehen erkannten sie niemand anderen als die Nonne Miàoyù&amp;lt;ref&amp;gt;妙玉 (Miàoyù), buddhistische Nonne aus vornehmer Familie, eine der zwölf Hauptfiguren (金陵十二钗) des Romans. Sie lebt in der Klause der Smaragdgrünen Frische (栏翠庵) im Garten der Großen Anschauung.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Beide waren verblüfft und fragten: „Wie kommst du hierher?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Miàoyù [妙玉] lachte: „Ich hörte, wie ihr alle den Mond bewundert und die Flöte so schön gespielt wird, und kam ebenfalls heraus, um den klaren Teich im hellen Mondschein zu genießen. Ohne es zu beabsichtigen, bin ich bis hierher gewandert. Als ich dann plötzlich euch beide dichten hörte, war es so erlesen und fein, dass ich stehenblieb und lauschte. Nur habe ich in eurem Gedicht einige Zeilen gehört, die zwar schön sind, aber doch allzu niedergeschlagen und trübsinnig klingen. Das steht in Zusammenhang mit dem Schicksal eines Menschen — deshalb bin ich herausgetreten, um euch Einhalt zu gebieten. Inzwischen hat sich die alte gnädige Frau längst zur Ruhe begeben, im ganzen Garten schlafen wohl alle tief und fest, und eure Zofen suchen euch bestimmt schon überall. Friert ihr denn nicht? Kommt schnell mit mir — in meine Klause, auf eine Tasse Tee! Es dürfte ohnehin bald dämmern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] lachte: „Wer hätte gedacht, dass es schon so spät ist!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So gingen die drei zusammen zur Klause der Smaragdgrünen Frische [栊翠庵]. Die Opferlichter in der Nische glühten noch bläulich, und der Weihrauch in der Räucherschale war noch nicht ganz verglommen. Die alten Dienerinnen schliefen bereits allesamt; nur ein kleines Mädchen nickte auf einem Meditationskissen sitzend mit hängendem Kopf vor sich hin. Miàoyù [妙玉] weckte es und schickte es los, frischen Tee aufzubrühen.&lt;br /&gt;
Da klopfte es an der Tür. Das kleine Mädchen eilte hin und öffnete — draußen standen Purpurkuckuck [紫鹃] und Cuìlǚ [翠缕] mit mehreren alten Dienerinnen, die die beiden Fräulein suchten. Als sie hereinkamen und sie beim Teetrinken antrafen, sagten alle lachend: „Da haben wir aber lange suchen müssen! Den ganzen Garten haben wir durchwandert, sogar bei der Frau Tante [薛姨妈] haben wir nachgefragt. Zuletzt kamen wir zum kleinen Pavillon unten am Abhang, und dort waren gerade die Nachtwächterinnen aufgewacht. Wir fragten sie, und sie erzählten, draußen vor dem Pavillon unter dem Wellblechdach hätten vorhin zwei Personen gesprochen, dann sei eine dritte dazugekommen, und sie hätten gehört, wie die drei sagten, sie gingen zur Klause. Da wussten wir, dass ihr hier seid.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Miàoyù [妙玉] wies das kleine Mädchen an, die Zofen und Dienerinnen in ein anderes Zimmer zu führen, wo sie sich bei Tee ausruhen konnten. Dann holte sie selbst Pinsel, Tusche, Papier und Reibstein hervor und bat die beiden, ihr die Verse vorzutragen, die sie soeben gedichtet hatten, und schrieb sie von Anfang an nieder.&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉], die Miàoyù [妙玉] heute in ungewöhnlich heiterer Stimmung sah, sagte lächelnd: „Noch nie habe ich dich so aufgeräumt erlebt. Ich wage es kaum, dich dreist um Belehrung zu bitten — aber könnte man dir wohl raten, etwas hinzuzufügen? Wenn es nichts taugt, verbrennen wir es einfach; wenn es einigermaßen brauchbar ist, bitte ich dich, es zu verbessern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Miàoyù [妙玉] lachte: „Ich maße mir kein Urteil an. Nur so viel: Es sind jetzt zweiundzwanzig Reimpaare. Mein Eindruck ist, dass eure schlagenden Verse bereits gefunden sind — wenn ihr jetzt weiterdichtetet, fürchte ich, die Kraft reicht nicht mehr. Eigentlich möchte ich euch folgen und weiterdichten — doch ich scheue davor zurück, etwas Geringeres anzufügen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] hatte noch nie gesehen, dass Miàoyù [妙玉] dichtete. Da sie sie heute so in Begeisterung sah, sagte sie rasch: „Wenn du wirklich etwas hinzufügst, wird selbst unser schwächerer Teil durch dich geadelt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Miàoyù [妙玉] sagte: „Zum Abschluss sollte man wieder zum eigentlichen Thema zurückkehren. Wenn wir nur immer weiter dem Seltsamen und Absonderlichen nachjagen und die wahren Gefühle und die Wirklichkeit beiseitelassen, dann verlieren wir erstens unsere weibliche Anmut und zweitens den Bezug zum Thema.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Beide stimmten zu. Miàoyù [妙玉] ergriff den Pinsel und schrieb in einem einzigen Zug dreizehn Reimpaare nieder, die sie den beiden reichte: „Lacht mich nur nicht aus! Meiner Meinung nach muss es so sein, damit das Gedicht eine Wendung erfährt. Auch wenn im vorderen Teil niedergeschlagene und trübsinnige Zeilen stehen, tut das dann keinen Schaden mehr.&amp;quot; Die beiden nahmen das Blatt und lasen ihre Fortsetzung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weihrauchzeichen verglühen im goldenen Dreifuß, / Schminke erstarrt wie Eis in der Jadeschale.&lt;br /&gt;
Der Ton der Flöte steigert das Klagen der Witwe, / die Decke wärmt, von Dienerinnen umsorgt.&lt;br /&gt;
Leere Vorhänge hängen, Phönixe gestickt, / müßige Schirme verhüllen bunte Mandarinenten.&lt;br /&gt;
Der Tau dicht — das Moos noch glatter, / der Reif schwer — den Bambus kaum zu ertasten.&lt;br /&gt;
Noch wandelt man am gewundenen Teich, / und steigt wieder die stille, weitläufige Ebene hinauf.&lt;br /&gt;
Steine, seltsam — wie von Geistern und Göttern geformt, / Bäume, knorrig — wie lauernde Tiger und Wölfe.&lt;br /&gt;
Durch lasttragende Schildkröten dringt das Morgenlicht, / in Gitterfenstern sammelt sich der Frühtau.&lt;br /&gt;
Eintausend Vögel erschüttern den Wald, / ein einziger Affenruf hallt durch das Tal.&lt;br /&gt;
Vertraute Pfade — wie könnte man den Weg vergessen? / Wer die Quelle kennt, braucht nicht nach dem Ursprung zu fragen.&lt;br /&gt;
Die Glocke läutet an der Klause der Smaragdgrünen Frische, / der Hahn kräht im Dorf des Reisdufts.&lt;br /&gt;
Wer wahre Freude empfindet, klagt über nichts, / wer ohne Sorgen ist, lässt sich durch nichts betrüben.&lt;br /&gt;
Zarte Empfindungen zerstreut man nur selbst, / feinsinnige Freuden — wem könnte man sie mitteilen?&lt;br /&gt;
Wacht durch bis zum Morgen, sprecht nicht von Müdigkeit — / brüht frischen Tee und redet noch ein Weilchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter schrieb sie: „Kettengedicht am Mittelherbstabend, verfasst im Dàguānyuán, fünfunddreißig Reimpaare.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] und Xiangfluss-Wolke [湘云] lobten es in höchsten Tönen und sagten: „So sieht man, dass wir tagtäglich das Nahe übersehen und das Ferne suchen! Da haben wir eine solche Dichtergöttin direkt in unserer Mitte — und betreiben tagein, tagaus nur Papierstrategie.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Miàoyù [妙玉] lachte: „Morgen feilen wir noch daran. Es dürfte bald dämmern — ihr solltet euch unbedingt ein wenig ausruhen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] und Xiangfluss-Wolke [湘云] hörten das, standen auf und verabschiedeten sich. Mit ihren Zofen gingen sie hinaus. Miàoyù [妙玉] begleitete sie bis vor die Tür und blickte ihnen nach, bis sie in der Ferne verschwunden waren. Dann schloss sie die Tür und ging hinein. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen sagte Cuìlǚ [翠缕] zu Xiangfluss-Wolke [湘云]: „Bei der älteren Schwägerin warten noch Leute, um uns zum Schlafen zu bringen. Wohin gehen wir jetzt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] lachte: „Geh und sag ihnen, sie sollen schon schlafen. Wenn ich jetzt dorthin gehe, wecke ich nur die Kranke auf. Da störe ich lieber die Schwester Kajaljade [黛玉] und übernachte bei ihr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
So gingen sie alle zusammen zum Xiāoxiāng-Pavillon [潇湘馆]. Die Hälfte der Dienerinnen war bereits eingeschlafen. Die beiden gingen hinein, legten ihren Schmuck und ihre Kleider ab, wuschen sich und gingen zu Bett. Purpurkuckuck [紫鹃] ließ den seidenen Vorhang herab, stellte die Lampe beiseite und schloss die Tür hinter sich.&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] hatte jedoch die Eigenart, nur in ihrem eigenen Bett schlafen zu können — so lag sie zwar auf dem Kissen, konnte aber nicht einschlafen. Und Kajaljade [黛玉], die ohnehin zu wenig Herzblut hatte und häufig an Schlaflosigkeit litt, war über den Punkt der Müdigkeit hinweggekommen und konnte nun natürlich auch nicht schlafen. Die beiden wälzten sich hin und her.&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] fragte: „Bist du immer noch nicht eingeschlafen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte leise lächelnd: „Ich bin wählerisch mit Betten — und außerdem bin ich über die Müdigkeit hinaus. Ich kann nur noch still daliegen. Und du — warum schläfst du auch nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] seufzte: „Dass ich nicht schlafen kann, ist keine Sache von heute. Im ganzen Jahr schlafe ich kaum zehn Nächte wirklich tief und satt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] sagte: „Das liegt alles an deiner Krankheit, deshalb ...&amp;quot; Was sie weiter sagte — das bleibt an dieser Stelle unerzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 73</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第七十三回 / Kapitel 73 =&lt;br /&gt;
== 痴丫头误拾绣春囊 ==&lt;br /&gt;
=== 懦小姐不问累金凤 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dreiundsiebzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einfältiges Mädchen findet versehentlich einen bestickten Frühlingsbeutel, ein schüchternes Fräulein fragt nicht nach dem goldenen Phönix&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Nebenfrau Zhao &amp;lt;ref&amp;gt;赵姨娘&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade mit Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;贾政&amp;lt;/ref&amp;gt; sprach, als sie draußen plötzlich etwas krachen hörten. Als man nachsah, stellte sich heraus, dass im Vorraum ein Fensterladen nicht richtig befestigt gewesen war und herabgestürzt war. Nebenfrau Zhao schalt die Mägde mit ein paar Worten, führte dann selbst die Aufsicht, als die Zofen den Laden wieder befestigten, und brachte schließlich Aufrecht Kaufmann zu Bett. Doch davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hof der Roten Freude &amp;lt;ref&amp;gt;怡红院&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte sich Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; soeben hingelegt, und die Mädchen wollten sich gerade verteilen und zur Ruhe begeben, als plötzlich jemand ans Hoftor klopfte. Eine der alten Dienerinnen öffnete und sah, dass es eine Zofe aus Nebenfrau Zhaos Gemächern war, ein Mädchen namens Kleine Elster &amp;lt;ref&amp;gt;小鹊&amp;lt;/ref&amp;gt;. Man fragte sie, was sie wolle, doch Kleine Elster antwortete nicht und ging geradewegs ins Innere, um Schatzjade zu suchen. Schatzjade hatte sich gerade erst hingelegt, Heitermuster &amp;lt;ref&amp;gt;晴雯&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen saßen noch neben dem Bett und plauderten vergnügt. Als sie Kleine Elster hereinkommen sahen, fragten alle: »Was gibt es? Was kommst du zu dieser Stunde noch gelaufen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleine Elster sagte lächelnd zu Schatzjade: »Ich komme, um dir eine Nachricht zu bringen. Eben hat unsere Herrin dem gnädigen Herrn dies und jenes erzählt. Pass auf, morgen wird der gnädige Herr dich verhören!« Damit drehte sie sich um und wollte gehen. Dufthauch &amp;lt;ref&amp;gt;袭人&amp;lt;/ref&amp;gt; bat sie, noch zu bleiben und Tee zu trinken, doch aus Angst, die Tore könnten schon geschlossen werden, ging sie, ohne sich aufhalten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade diese Worte hörte, war ihm zumute wie dem Großen Heiligen Sun Wukong &amp;lt;ref&amp;gt;der Affenkönig aus der »Reise nach dem Westen«&amp;lt;/ref&amp;gt;, wenn die Beschwörungsformel ertönt, die den goldenen Stirnreif zusammenzieht: Sofort spürte er ein Unwohlsein in allen vier Gliedmaßen und sämtlichen fünf Eingeweiden. Er überlegte hin und her, sah aber keinen anderen Ausweg, als sich die Bücher noch einmal gründlich vorzunehmen und sich auf die Prüfung am nächsten Morgen vorzubereiten. Wenn er nur beim Aufsagen keine Fehler machte, konnte er, selbst wenn andere Dinge gegen ihn vorlagen, sich wenigstens zur Hälfte herausreden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Entschluss hüllte er sich rasch in seine Kleider, stand auf und verlangte nach seinen Büchern. In seinem Herzen aber bereute er es: All die letzten Tage hatte er gedacht, es werde nicht mehr danach gefragt, und hatte die Bücher Bücher sein lassen. Hätte er es gewusst, hätte er doch jeden Tag wenigstens ein wenig wiederholt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun überlegte er, was er eigentlich aus dem Stegreif aufsagen konnte. Es waren nicht mehr als »Das Große Lernen« &amp;lt;ref&amp;gt;大学&amp;lt;/ref&amp;gt;, »Das Rechte Maß« &amp;lt;ref&amp;gt;中庸&amp;lt;/ref&amp;gt; und die beiden Teile der »Gespräche« &amp;lt;ref&amp;gt;论语&amp;lt;/ref&amp;gt;, die er mit den Kommentaren zusammen auswendig wusste. Beim ersten Teil des »Menzius« &amp;lt;ref&amp;gt;孟子&amp;lt;/ref&amp;gt; klafften schon viele Lücken — wenn man ihm einen Satz aus dem Zusammenhang nannte, konnte er auf keinen Fall fortfahren. Vom zweiten Teil hatte er sogar mehr als die Hälfte vergessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Fünf Kanonischen Bücher &amp;lt;ref&amp;gt;五经&amp;lt;/ref&amp;gt; betraf: Da er in letzter Zeit Gedichte schrieb, hatte er öfter im »Buch der Lieder« &amp;lt;ref&amp;gt;诗经&amp;lt;/ref&amp;gt; gelesen, und obwohl er es nicht im Detail erläutern konnte, war er doch wenigstens in der Lage, sich aus der Affäre zu ziehen. An die übrigen Kanonischen Bücher hatte er keine Erinnerung, aber Aufrecht Kaufmann hatte ihm glücklicherweise nie befohlen, sie zu lesen, so dass seine Unkenntnis auf diesem Gebiet nicht ins Gewicht fallen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von der alten Prosa hatte er schon seinerzeit nur wenige Texte gelesen — aus dem »Zuozhuan« &amp;lt;ref&amp;gt;左传&amp;lt;/ref&amp;gt;, den »Strategemen der Kämpfenden Staaten« &amp;lt;ref&amp;gt;国策&amp;lt;/ref&amp;gt;, den Kommentaren des Gongyang &amp;lt;ref&amp;gt;公羊&amp;lt;/ref&amp;gt; und des Guliang &amp;lt;ref&amp;gt;谷粱&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie aus Schriften der Han- und der Tang-Zeit waren es insgesamt nicht mehr als einige Dutzend Texte gewesen. In den letzten Jahren hatte er nicht einen einzigen Satz daraus wiederholt. In Mußestunden hatte er zwar darin geblättert, doch das war nur ein flüchtiges Interesse gewesen — so schnell er las, so schnell vergaß er wieder. Wirkliche Mühe hatte er sich nie gegeben, wie hätte er sich da etwas einprägen können? Auf diesem Gebiet würde er sich unmöglich herausreden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch schlimmer stand es mit den modernen achtgliedrigen Aufsätzen &amp;lt;ref&amp;gt;八股文&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese hatte er seit jeher von Grund auf verabscheut, denn sie waren nicht die Werke von Heiligen und Weisen und vermochten die Tiefen und Feinheiten in deren Schriften nicht zu erschließen, sondern dienten ihren Verfassern nur als Mittel, um Ruhm zu erlangen und Ämter zu ergattern. Zwar hatte Aufrecht Kaufmann vor seiner Abreise über hundert solcher Texte ausgewählt und ihm zu lesen befohlen, doch Schatzjade hatte nur hier und da in ein oder zwei Abschnitten etwas gelesen, das zufällig sein Interesse weckte, weil es scharfsinnig, ausschweifend, verspielt oder schwermütig war. Aber das waren nur flüchtige Launen gewesen; nie hatte er sich ernsthaft in einen ganzen Text vertieft und sich eingehend damit beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem peinigte ihn noch eine weitere Sorge: Wenn er dies auffrischte, würde er vielleicht nach jenem gefragt, und wenn er jenes wiederholte, kam möglicherweise eine Frage zu diesem. Zudem konnte er sich in einer einzigen Nacht ohnehin nicht alles einprägen. So wurde seine Aufregung nur immer größer. Und während er selbst beim Lernen nicht vorankam, brachte er auch alle Mädchen um ihren Schlaf. Überflüssig zu sagen, dass Dufthauch, Moschusmond &amp;lt;ref&amp;gt;麝月&amp;lt;/ref&amp;gt;, Heitermuster und die anderen älteren Mädchen neben ihm saßen, die Kerze schnäuzten und Tee einschenkten. Die kleineren aber konnten kaum noch die Augen offenhalten und schwankten vor Müdigkeit nach vorn und nach hinten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster schalt: »Was seid ihr bloß für Nichtsnutze! Eine wie die andere schlaft ihr Tag und Nacht wie die Toten, und kaum kommt ihr einmal etwas später ins Bett, tut ihr so, als ob euch Gott weiß was widerfahren wäre! Wenn ich das noch einmal sehe, hole ich eine Nadel und steche euch wach!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitten in ihrem Satz machte es im äußeren Raum plötzlich »Bumm!«, und als man eilig nachsah, stellte sich heraus, dass eines der kleinen Mädchen im Sitzen eingenickt war und mit dem Kopf gegen die Wand geprallt war. Aus dem Traum aufgeschreckt — und da Heitermuster gerade diese Worte sprach --, glaubte es steif und fest, Heitermuster habe es geschlagen, und flehte weinend: »Liebe Schwester, ich will es nie wieder tun!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle brachen in Gelächter aus. Schatzjade redete Heitermuster gut zu: »Vergib ihr und lass sie schlafen gehen! Wir hätten sie alle längst ins Bett schicken sollen. Auch ihr solltet euch abwechselnd schlafen legen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch sofort erwiderte Dufthauch: »Kleiner Ahnherr, kümmere dich nur um deine Angelegenheiten! Für diese eine Nacht richte deinen Sinn ganz auf diese paar Bücher. Wenn du diese Klippe umschifft hast, kannst du dich wieder um andere Dinge kümmern, und niemand wird dir einen Vorwurf daraus machen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sah ein, dass sie recht hatte, und las widerwillig weiter. Doch nach wenigen Sätzen brachte ihm Moschusmond frischen Tee, damit er sich die Zunge befeuchten konnte. Schatzjade nahm die Tasse und trank. Als er bemerkte, dass Moschusmond nur eine kurze Jacke trug und den Rock abgelegt hatte, sagte er: »Es ist schon spät in der Nacht und kühl — du solltest dir etwas Ordentliches anziehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond deutete lächelnd auf die Bücher und sagte: »Vergiss uns vorläufig und richte deinen Sinn ein wenig auf die da!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor sie ausgesprochen hatte, kam Goldstern Glas &amp;lt;ref&amp;gt;金星玻璃&amp;lt;/ref&amp;gt; durch die Hintertür hereingestürzt und rief: »Hilfe! Jemand ist über die Mauer gesprungen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle fragten sofort, wo das gewesen sei, weckten alles auf und suchten überall. Heitermuster aber, die gesehen hatte, wie Schatzjade sich die ganze Nacht lang mit dem Lernen abquälte, ohne Gewähr zu haben, dass er morgen bestehen würde, hatte schon die ganze Zeit nach einem Mittel gesucht, ihn aus dieser Not zu befreien. Als jetzt dieser Aufruhr entstand, kam ihr sofort ein Einfall. Sie riet Schatzjade: »Nutze die Gelegenheit und stell dich krank! Sag einfach, du habest einen solchen Schrecken bekommen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Rat traf genau Schatjades Sinn. So ließ er die Nachtwächterinnen herbeirufen, die mit Laternen überall suchen mussten, jedoch keinerlei Spur fanden. Sie sagten: »Die kleinen Fräulein haben sich wohl im Halbschlaf verguckt. Der Wind hat die Zweige bewegt, und sie haben einen Menschen zu sehen geglaubt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Hört auf, solchen Unsinn zu reden!« rief Heitermuster. »Ihr habt nicht gründlich gesucht, und aus Angst vor Ärger wollt ihr die Sache nicht wahrhaben! Es hat nicht nur eine einzige Person gesehen. Schatzjade und wir waren gerade draußen, weil er etwas zu erledigen hatte, und wir haben es alle mit eigenen Augen gesehen. Schatzjade hat sich so erschrocken, dass sein Gesicht ganz blass geworden ist und er jetzt am ganzen Körper glüht. Ich muss sofort hinüber in die Haupthalle und Beruhigungspillen für ihn holen. Wenn die gnädige Frau &amp;lt;ref&amp;gt;王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; danach fragt, werde ich ihr Rechenschaft geben müssen. Soll ich ihr etwa das erzählen, was ihr gerade gesagt habt?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit erschreckte sie die Nachtwächterinnen so sehr, dass keine zu mucksen wagte, und alle gingen erneut auf die Suche. Heitermuster und Goldstern Glas gingen tatsächlich hinaus, um Medizin zu holen, und machten absichtlich so viel Aufhebens davon, dass alle erfuhren, Schatzjade habe einen Schock erlitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die gnädige Frau davon hörte, schickte sie sofort jemanden, der nach Schatzjade sehen und ihm Medizin geben musste. Außerdem befahl sie allen Nachtwächterinnen, sorgfältig zu suchen, und zugleich ließ sie die jungen Burschen kontrollieren, die außerhalb des inneren Tores an der Gartenmauer Nachtdienst hatten. So wurde im Schein von Laternen und Fackeln die ganze Nacht hindurch im Garten Lärm gemacht. In der fünften Nachtwache wurden schließlich die Verwalter und Verwalterinnen gerufen und erhielten den Befehl, eine genaue Nachforschung anzustellen und dabei alle Nachtwächter und Nachtwächterinnen sowohl im Inneren als auch im Äußeren unter Schlägen zu verhören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; erfuhr, dass Schatzjade einen Schrecken bekommen hatte, wollte sie den genauen Hergang wissen. Man wagte nicht länger, ihn zu verheimlichen, und erstattete pflichtgemäß Bericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich hatte es nicht anders erwartet!« sagte die Herzoginmutter. »Dass die Nachtwachen heutzutage alle nachlässig sind, ist noch das Geringste. Wer weiß, ob nicht sie selbst die Diebe sind!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Strafe &amp;lt;ref&amp;gt;邢夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame Sonders &amp;lt;ref&amp;gt;尤氏&amp;lt;/ref&amp;gt; waren herübergekommen, um ihren Gruß zu entbieten. Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Seidenweiß Pflaume &amp;lt;ref&amp;gt;李纨&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Schwestern des Hauses waren alle zur Gesellschaft anwesend. Als sie die Herzoginmutter so sprechen hörten, wagte keine eine Antwort. Nur Erkundefrühling &amp;lt;ref&amp;gt;探春&amp;lt;/ref&amp;gt; trat vor und sagte lächelnd: »In den wenigen Tagen, seit Kusine Phönixglanz sich nicht wohl fühlt, ist das Personal im Garten viel dreister geworden als zuvor. Früher haben sich höchstens einmal drei oder vier Frauen für ein Stündchen zusammengetan, vielleicht auch nachts bei der Wache, und haben zum Zeitvertreib ein wenig gewürfelt oder Karten gespielt, nur um sich wach zu halten. Inzwischen aber sind sie immer zügellose geworden, haben richtige Spielhöllen eingerichtet, mit Spielleiterinnen und Bankhaltern, und es wird um große Einsätze gespielt, um dreißig, fünfzig oder sogar dreihundert Münzschnüre. Vor einem halben Monat ist es sogar zu Schlägereien gekommen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Warum hast du uns nicht eher davon berichtet, wenn du es wusstest?« fragte die Herzoginmutter sofort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Weil die gnädige Frau so viel zu tun hat und sich auch tagelang nicht wohl fühlte«, erwiderte Erkundefrühling. »Ich habe nur die ältere Schwägerin und die zuständigen Verwalterinnen informiert, und nachdem sie einige Male Verwarnungen ausgesprochen haben, ist es in letzter Zeit etwas besser geworden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ein junges Mädchen wie du kennt freilich nicht die Tragweite solcher Dinge!« sagte die Herzoginmutter eindringlich. »Du denkst, Glücksspiel sei eine Alltäglichkeit und fürchtest nur, es könnte zu Streit führen. Aber bedenke: Wo nachts gespielt wird, da wird auch getrunken. Und wo getrunken wird, da werden Tore und Türen nach Belieben geöffnet und verschlossen. Da wird eingekauft, da wird dieser oder jener gesucht, und spät in der Nacht, wenn nur wenige Leute draußen sind, werden leicht Diebe und Einbrecher angelockt, und es kann alles Mögliche daraus entstehen. Zumal eure Schwestern im Garten nur von Mägden und Dienerinnen umgeben sind, unter denen es Kluge und Dumme gibt. Diebstahl und Raub wären noch das Geringste. Wenn aber noch andere Dinge geschähen und auch nur das Geringste davon an euch haftenbliebe, wäre das keine Kleinigkeit mehr. Wie kann man da leichtfertig darüber hinwegsehen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Erkundefrühling das angehört hatte, kehrte sie schweigend auf ihren Platz zurück. Phönixglanz fühlte sich noch nicht viel besser als zuvor, und so war ihr Geist auch schwächer als gewöhnlich. Als sie die Herzoginmutter jedoch so sprechen hörte, klagte sie eilig: »Ausgerechnet muss ich jetzt wieder krank werden!« Dann drehte sie den Kopf und befahl jemandem, schleunigst die Frau des Lin Zhixiao &amp;lt;ref&amp;gt;林之孝&amp;lt;/ref&amp;gt; und die drei anderen Hauptverwalterinnen zu holen. Als sie da waren, kanzelte sie sie in Gegenwart der Herzoginmutter tüchtig ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter befahl sodann, die Spielleiterinnen und Bankhalterinnen ausfindig zu machen. Wer jemanden anzeigte, sollte belohnt werden; wer von der Sache wusste und es verschwieg, sollte bestraft werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lin Zhixiaos Frau und die anderen Verwalterinnen wagten angesichts des Zorns der Herzoginmutter nicht, Privatinteressen walten zu lassen. Sie eilten in den Garten, ließen alles Dienstpersonal zusammenrufen und befragten eine nach der anderen. Zunächst wurden natürlich Ausflüchte gemacht und Schuld abgewälzt, aber schließlich kam die Wahrheit ans Licht. Es wurden drei Hauptspielbankhalterinnen und acht Helferinnen ermittelt sowie insgesamt mehr als zwanzig Teilnehmerinnen am Glücksspiel. Alle wurden vor der Herzoginmutter gebracht, wo sie im Hof niederknieten, mit der Stirn auf den Boden schlugen und um Gnade baten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte zunächst nach den Namen und den Geldsummen der drei Hauptbankhalterinnen. Es stellte sich heraus, dass die erste eine angeheiratete Verwandte der Tante mütterlicherseits von Lin Zhixiaos Frau war, die zweite eine jüngere Schwester der Frau Liu aus der Gartenküche, und die dritte Willkommensfrühlings &amp;lt;ref&amp;gt;迎春&amp;lt;/ref&amp;gt; Amme. Dies waren die drei Hauptschuldigen; die übrigen können hier nicht alle aufgezählt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter befahl, die Würfel und Spielkarten allesamt zu verbrennen und das Geld einzuziehen und unter das übrige Dienstpersonal zu verteilen. Die drei Hauptschuldigen sollten je vierzig Schläge mit dem großen Bambusprügel erhalten und für immer aus dem Dienst gejagt werden, ohne jemals wieder eingelassen zu werden. Die Mitschuldigen sollten je zwanzig Schläge erhalten, drei Monate lang kein Monatsgeld bekommen und in die Abortreinigungsgruppe versetzt werden. Anschließend erhielt Lin Zhixiaos Frau noch eine Standpauke. Da ihre eigene Verwandte unter den Bestraften war, kam sie sich ohnehin beschämt vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Willkommensfrühling war bedrückt, und Kajaljade &amp;lt;ref&amp;gt;黛玉&amp;lt;/ref&amp;gt;, Schatzspange &amp;lt;ref&amp;gt;宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt; und Erkundefrühling, die als Artgenossinnen nachfühlen konnten, was sie empfinden musste, wenn ihre Amme so behandelt wurde, erhoben sich lächelnd von ihren Plätzen, traten vor der Herzoginmutter und baten um Gnade: »Dieses Muttchen hat eigentlich nie gespielt und hat sich wohl nur aus einer vorübergehenden Laune daran beteiligt. Bitte vergebt ihr dies eine Mal um der zweiten Kusine willen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter aber erwiderte: »Ihr habt keine Ahnung. Gerade diese alten Ammen genießen dank der Kinder, die sie an ihrer Brust genährt haben, größere Ehren als das übrige Gesinde. Und eben deshalb ist es um so abscheulicher, wenn gerade sie sich etwas zuschulden kommen lassen. Außerdem verstehen sie es, ihre Herrschaften dazu zu bringen, deren Schwächen zu bemänteln und einseitig Partei zu ergreifen. Das alles habe ich schon erlebt. Ich wollte ohnehin an einer von ihnen ein Exempel statuieren, und nun ist zufällig eine aufgetaucht. Kümmert euch nicht darum — ich weiß, was ich tue!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzspange und die anderen das hörten, mussten sie auf weiteren Einspruch verzichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf zog sich die Herzoginmutter zu ihrem Mittagsschlaf zurück, und alle gingen auseinander. Da sie aber wussten, dass die Herzoginmutter heute erzürnt war, wagte keine von ihnen, in ihre eigenen Räume zurückzukehren, sondern sie blieben alle in der Nähe. Dame Sonders begab sich zu Phönixglanz, um sich ein Weilchen mit ihr zu unterhalten, doch da auch Phönixglanz sich unwohl fühlte, blieb ihr nichts anderes übrig, als in den Garten zu gehen und dort mit den Schwestern und Schwägerinnen zu plaudern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Strafe saß zunächst eine Weile bei der gnädigen Frau und ging dann ebenfalls in den Garten, um sich etwas Zerstreuung zu verschaffen. Gerade als sie das Gartentor erreichte, erblickte sie ein kleines Dienstmädchen aus den Räumen der Herzoginmutter, das von allen »Blödchen« &amp;lt;ref&amp;gt;傻大姐&amp;lt;/ref&amp;gt; genannt wurde, das lachend auf sie zukam. Blödchen hielt einen bunten Gegenstand in der Hand, auf den sie beim Gehen fortwährend den Blick gesenkt hielt, und wäre beinahe mit Frau Strafe zusammengeprallt. Erst als sie im letzten Moment aufsah, blieb sie stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Du närrisches Ding!« sagte Frau Strafe. »Was hast du da für eine seltene Kostbarkeit, dass du dich so freust? Lass mich mal sehen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Blödchen war ein Mädchen von vierzehn oder fünfzehn Jahren, das erst kürzlich ausgewählt worden war, um bei der Herzoginmutter Wasser zu schleppen, den Hof zu fegen und andere grobe Arbeiten zu verrichten. Sie hatte einen kräftigen Körperbau und ein breites Gesicht, und da ihre Füße ungebunden waren &amp;lt;ref&amp;gt;also keine Lotosfüße&amp;lt;/ref&amp;gt;, erledigte sie grobe Arbeiten flink und mühelos. Ihrem Charakter nach war sie einfältig und naiv, besaß keinerlei Bildung, und was sie sagte und tat, überschritt häufig die Grenzen des Schicklichen. Die Herzoginmutter hatte ihre Freude an ihrer Munterkeit und Schnelligkeit und amüsierte sich über ihre Aussprüche, die immer wieder zum Lachen reizten, und gab ihr deshalb den Namen »Dummchen«. Wenn die Herzoginmutter Langeweile hatte, ließ sie Blödchen oft kommen und trieb ihren Spaß mit ihr, ohne irgendwelche Tabus zu beachten, weshalb sie sie auch »mein närrisches Ding« nannte. Selbst wenn Blödchen einmal gegen die Umgangsformen verstieß, tadelte sie niemand, da die Herzoginmutter sie gern hatte. So konnte sie es sich auch erlauben, in den Garten zu gehen und dort zu spielen, wenn die Herzoginmutter sie nicht brauchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch heute war Blödchen im Garten gewesen und hatte Grillen gefangen, als sie plötzlich hinter einem Felsvorsprung einen bunt bestickten Duftkissenbeutel fand. Er war so prächtig und kunstvoll gearbeitet, dass man ihn wirklich hübsch finden musste, doch das Motiv war keineswegs Blumen und Vögel oder Ähnliches: Die eine Seite zeigte zwei splitternackte Personen in inniger Umklammerung, die andere Seite einige Schriftzeichen. Dieses einfältige Mädchen verstand nicht, dass es sich um eine erotische Darstellung handelte, und überlegte bei sich: »Sind das wohl zwei Dämonen, die miteinander kämpfen? Oder ein Ehepaar, das sich prügelt?« Nachdem sie hin und her geraten hatte, ohne zu einer Lösung zu gelangen, wollte sie den Beutel der Herzoginmutter zeigen. Deshalb war sie, ganz versunken in den Anblick, lachend dahinspaziert, bis sie plötzlich auf Frau Strafe traf. Als sie deren Frage hörte, sagte sie lächelnd: »Die gnädige Frau hat ganz recht, es ist wirklich ein Ding, das niemand kennt! Bitte seht es Euch an!« Damit reichte sie den Beutel hinüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Frau Strafe die Stickerei erblickte, fuhr sie zusammen, presste den Beutel in der Hand zusammen, so fest sie konnte, und fragte hastig: »Wo hast du das gefunden?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich habe beim Grillenfangen auf einem Fels gefunden«, antwortete Blödchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sag keinem Menschen ein Wort davon!« schärfte Frau Strafe ihr ein. »Das ist ein schlimmes Ding! Dafür würde man selbst dich zu Tode prügeln! Nur weil du schon immer ein Dummkopf warst, will ich nicht weiter davon sprechen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Blödchen das hörte, wurde sie vor Schreck aschfahl im Gesicht und stammelte: »Ich will es nie wieder tun!« Sie schlug mit der Stirn auf den Boden und trottete wie betäubt davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Strafe blickte sich um, doch es waren nur Mädchen in ihrer Begleitung, und denen konnte sie so etwas nicht gut in Verwahrung geben. So steckte sie den Beutel in ihren Ärmel und grübelte höchst verwundert darüber nach, woher er wohl stammen mochte. Ohne sich äußerlich etwas anmerken zu lassen, begab sie sich in Willkommensfrühlings Gemächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling fühlte sich ohnehin bedrückt, weil ihre Amme bestraft worden war, als plötzlich gemeldet wurde, ihre Mutter komme. Sie empfing sie im Innenzimmer. Nachdem der Tee gereicht war, sagte Frau Strafe: »Du bist alt genug. Warum hast du deiner Amme nichts gesagt, als sie solche Dinge trieb? Alle anderen stehen makellos da, nur jemand von unseren Leuten muss so etwas machen. Was soll das!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling senkte den Kopf und spielte an ihrem Gürtelband, bevor sie schließlich antwortete: »Ich habe ihr zweimal etwas gesagt, aber sie wollte nicht hören, und da konnte ich nichts machen. Zumal sie ja meine Amme ist — sie kann mir Vorhaltungen machen, nicht ich ihr.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Unsinn!« sagte Frau Strafe. »Wenn du dich nicht richtig verhältst, soll sie dir natürlich die Meinung sagen. Aber jetzt hat sie gegen die Regeln verstoßen, und da hättest du das Fräulein herauskehren müssen! Hätte sie sich erdreistet, dir nicht zu gehorchen, hättest du mir Meldung machen müssen! Stattdessen hast du gezögert, bis es alle Welt erfuhr. Was soll das?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und außerdem: Wenn sie eine Spielhölle betrieb, hat sie wohl mit glatten Worten versucht, dir einigen Schmuck und Kleider abzuschwatzen, um sich ein Startkapital zu verschaffen. So willensschwach und gutmütig, wie du bist, hast du ihr bestimmt ein wenig unter die Arme gegriffen. Wenn sie dir wirklich etwas abgeschwatzt hat — ich habe kein Geld, um es auszulösen! Ich bin gespannt, was du zu den kommenden Feiertagen machst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling schwieg, den Kopf gesenkt, und spielte weiter mit ihrem Gürtelband. Als Frau Strafe sie so sah, fuhr sie mit kühlem Lächeln fort: »Dein feiner Bruder und deine Schwägerin — Herr Kette der Zweite und die junge Herrin Phönixglanz --, dieses glanzvolle Paar, das Himmel und Erde mit ihrer Macht bedeckt und an alles denkt, aber an die einzige Schwester verschwenden sie keinen Gedanken! Wäre sie nur von mir geboren — dann hätte ich noch ein Wort mitzureden! So aber muss ich sie tun und treiben lassen, was sie wollen, zumal du ja auch nicht mein leibliches Kind bist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn du und er nicht dieselbe Mutter habt, so habt ihr doch denselben Vater, und es sollte doch wenigstens ein wenig gegenseitige Aufmerksamkeit geben, damit man sich nicht zum Gespött der Leute macht. Die Dinge dieser Welt sind schwer gegeneinander abzuwägen, das gebe ich zu: Du bist die Tochter einer Nebenfrau des älteren gnädigen Herrn, und Erkundefrühling drüben ist die Tochter einer Nebenfrau des zweiten gnädigen Herrn — eurer Herkunft nach seid ihr gleich. Deine Mutter ist zwar tot, aber als sie noch lebte, war sie nach meinem Urteil zehnmal besser als Nebenfrau Zhao. Also müsstest du von Rechts wegen besser sein als Erkundefrühling. In Wirklichkeit aber bist du nicht einmal halb so gut wie sie! Wer hätte das gedacht — das ist wahrhaftig eine Merkwürdigkeit! Nur gut, dass ich mein Leben lang keinen Sohn und keine Tochter hatte und meine Tage unbehelligt verbringen konnte, ohne die Leute zum Spott und Gerede herauszufordern.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerinnen, die an der Seite standen, ergriffen die Gelegenheit und sagten: »Unser Fräulein ist rechtschaffen und tugendhaft, nicht so glattzüngig und schlagfertig wie das dritte Fräulein, das immer ihre Schwestern übertrumpfen will. Die wissen genau, wie es um das Fräulein steht, und zeigen trotzdem nicht das geringste Wohlwollen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn selbst ihr Bruder und seine Frau so sind, was kann man da von anderen erwarten?« sagte Frau Strafe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor sie ausgesprochen hatte, wurde gemeldet: »Die Frau des zweiten Herrn Kette ist da.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Frau Strafe das hörte, lachte sie nur zweimal kühl auf und befahl jemandem, hinauszugehen und auszurichten: »Sie möge sich schonen und ausruhen. Ich brauche ihre Aufwartung hier nicht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich darauf kam ein kleines Mädchen von Erkundefrühling und meldete: »Die Herzoginmutter ist aufgewacht.« Erst jetzt stand Frau Strafe auf, um sich in den vorderen Teil des Anwesens zu begeben. Willkommensfrühling gab ihr das Geleit bis vor den Hof, bevor sie zurückkehrte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was habe ich gesagt!« begann nun Xiuju &amp;lt;ref&amp;gt;绣桔&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sprechen. »Neulich habe ich dem Fräulein gemeldet, dass der Goldfiligran-Phönixhaarschmuck mit den aufgereihten Perlen auf einmal verschwunden ist. Aber das Fräulein hat mit keinem Wort danach gefragt! Ich sagte, die alte Herrin &amp;lt;ref&amp;gt;die Amme&amp;lt;/ref&amp;gt; muss ihn bestimmt verpfändet haben, um das Geld in ihre Spielhölle zu stecken. Das Fräulein wollte es nicht glauben und sagte, Siqi habe ihn verwahrt. Ich fragte Siqi. Siqi ist zwar krank, aber bei klarem Verstand. Sie sagte, sie habe ihn nicht weggelegt, er liege noch im Kästchen auf dem Bücherregal, weil sie dachte, er könnte zum Fünfzehnten des Achten Monats &amp;lt;ref&amp;gt;zum Mittelherbstfest&amp;lt;/ref&amp;gt; gebraucht werden. Das Fräulein hätte die alte Herrin danach fragen müssen, aber dafür war es ihr zu peinlich, aus Angst, sie könnte böse werden. Jetzt ist er wohl tatsächlich verschwunden, und wenn demnächst alle ihren Schmuck tragen und nur wir keinen haben — was soll das dann?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Warum sollte ich fragen?« erwiderte Willkommensfrühling. »Natürlich hat sie ihn sich genommen, weil sie gerade eine kleine Aushilfe brauchte. Ich dachte, genauso heimlich, wie sie ihn mitgenommen hat, würde sie ihn nach kurzer Zeit auch wieder zurücklegen, und alles wäre in Ordnung. Wer hätte gedacht, dass sie es vergessen würde! Und jetzt, da alles aufgeflogen ist, würde es auch nichts mehr nützen, sie zu fragen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was heißt vergessen!« sagte Xiuju. »Sie kennt den Charakter des Fräuleins nur zu genau, darum traut sie sich das. Aber ich habe einen Plan: Ich gehe einfach zur zweiten jungen Herrin und melde ihr die Sache. Entweder sie schickt jemanden, den Schmuck zurückzufordern, oder sie macht es sich einfach und gibt ein paar Münzschnüre her, um ihn auszulösen. Was meint Ihr?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Hör auf, hör auf, hör auf!« rief Willkommensfrühling sofort. »Spar dir den Ärger! Lieber verzichte ich auf den Haarschmuck, als noch mehr Verwicklungen heraufzubeschwören!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wie könnt Ihr nur so nachgiebig sein, Fräulein!« rief Xiuju. »Wenn Ihr immer zurücksteckt, wird man eines Tages sogar Euch selbst davontragen! Ich gehe!« Mit diesen Worten wandte sie sich zum Gehen. Willkommensfrühling schwieg und musste ihr ihren Willen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ahnten sie freilich nicht, dass die Schwiegertochter von Willkommensfrühlings Amme, die Frau des König Zhuer &amp;lt;ref&amp;gt;王住儿&amp;lt;/ref&amp;gt;, gekommen war, um Willkommensfrühling zu bitten, für ihre Schwiegermutter Fürsprache einzulegen. Als sie hörte, wie eben über den goldenen Phönixhaarschmuck gesprochen wurde, blieb sie draußen stehen und trat nicht ein. Ohnehin wurde Willkommensfrühling wegen ihrer Schüchternheit von ihr nicht ernst genommen. Als sie nun aber hörte, dass Xiuju fest entschlossen war, Phönixglanz Meldung zu erstatten, und es wohl kein Entkommen gab, ging sie doch hinein, zumal sie ja auch ihre Bitte vorbringen wollte. Lächelnd wandte sie sich an Xiuju: »Fräulein, macht keinen neuen Ärger! Den goldenen Phönixhaarschmuck des gnädigen Fräuleins hat sich meine alte Schwiegermutter in ihrer Vergesslichkeit nur vorübergehend geliehen. Sie hatte ein wenig beim Spiel verloren und wollte ihr Geld zurückgewinnen. Eigentlich sollte er sofort wieder ausgelöst werden, aber da sie ihren Einsatz nie zurückbekam, hat sich die Sache verzögert. Ausgerechnet heute hat irgendjemand die Sache ausgeplaudert, und alles ist aufgeflogen. Dennoch würden wir natürlich nie wagen, etwas zu verschleppen, das der Herrschaft gehört — über kurz oder lang werden wir den Schmuck auslösen. Jetzt aber möchte ich das gnädige Fräulein an die Zeiten erinnern, als es an der Brust der Amme lag, und es bitten, bei der Herzoginmutter ein gutes Wort einzulegen und meine Schwiegermutter zu retten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Diese Hoffnung schlage dir nur aus dem Kopf, liebe Schwägerin!« sagte Willkommensfrühling sofort. »Wenn du darauf wartest, dass ich Fürsprache einlege, wirst du bis nächstes Jahr vergeblich warten. Eben haben Kusine Schatzspange und Kusine Kajaljade und alle anderen gemeinsam für sie gebeten, und die Herzoginmutter ist nicht darauf eingegangen. Was kann ich allein schon ausrichten? Ich schäme mich ohnehin schon genug — soll ich mir auch noch eine Abfuhr holen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das Auslösen des goldenen Phönix ist eine Sache, und das Bitten um Gnade eine andere!« sagte Xiuju. »Das darf man nicht durcheinanderbringen. Willst du den Schmuck etwa nicht auslösen, nur weil das Fräulein sich nicht für deine Schwiegermutter einsetzt? Bring erst den goldenen Phönix her, dann reden wir weiter!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühlings offene Weigerung und Xiujus scharfe Worte waren mehr, als die Frau des König Zhuer ertragen konnte. Dennoch wusste sie, dass Willkommensfrühling gutherzig war, und so wandte sie sich an Xiuju: »Fräulein, pocht nur nicht so auf Eure Stellung! Schaut Euch einmal in der ganzen Familie um: Welche Amme profitiert dank der jungen Herrschaft, auf die sie sich berufen kann, nicht reichlich davon? Nur bei uns wird alles bis auf den letzten Heller genau abgerechnet, während Ihr Euch heimlich alles nehmen dürft, was Ihr wollt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem Fräulein Xing &amp;lt;ref&amp;gt;邢岫烟&amp;lt;/ref&amp;gt; ins Haus gekommen ist, hat die gnädige Frau befohlen, jeden Monat ein Liang Silber einzusparen und ihrer Tante zu geben. Die Unterhaltskosten für Fräulein Xing sind dazugekommen, aber das Monatsgeld wurde um ein Liang gekürzt. Wenn mal dies fehlt und mal jenes, wer springt dann ein? Wir natürlich! Aber wer geht hin und fordert es zurück? Man beißt eben die Zähne zusammen. Alles zusammengerechnet sind es bis heute mindestens dreißig Liang! Das Geld, das wir die ganze Zeit über zugeschossen haben — soll das etwa umsonst gewesen sein?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor sie ausgesprochen hatte, spuckte Xiuju einmal aus und fuhr sie an: »Dreißig Liang wofür? Das musst du mir vorrechnen! Was hat das Fräulein von euch verlangt?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Willkommensfrühling hörte, wie diese Frau das Privatvermögen von Frau Strafe ins Spiel brachte, gebot sie sofort Einhalt: »Schluss, Schluss, Schluss! Wenn du den goldenen Phönix nicht herbeischaffen kannst, brauchst du hier nicht herumzuschreien und vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen! Ich verzichte auf den Phönix. Wenn die gnädigen Frauen danach fragen, sage ich einfach, ich hätte ihn verloren — das geht euch in keiner Weise etwas an. Geh jetzt nach Hause und ruh dich aus.« Zugleich befahl sie Xiuju, Tee einzuschenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiuju war zugleich zornig und verzweifelt und sagte: »Das Fräulein hat zwar nichts zu befürchten, aber was sind wir denn, wenn es heißt, wir hätten die Sachen des Fräuleins verloren? Und sie dort behauptet frech, das Fräulein habe ihr Geld verbraucht, und will sich jetzt schadlos halten! Wenn die gnädige Frau fragt, wofür das Fräulein dieses Geld ausgegeben hat — heißt es dann nicht, wir hätten unseren Vorteil daraus gezogen? Nicht auszudenken!« Bei diesen Worten brach sie in Tränen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Siqi &amp;lt;ref&amp;gt;司棋&amp;lt;/ref&amp;gt; konnte es nicht länger mit anhören. Trotz ihrer Krankheit schleppte sie sich herüber und unterstützte Xiuju in ihren Vorwürfen gegen die Frau. Willkommensfrühling konnte sie durch Zureden nicht zum Schweigen bringen und griff sich schließlich einen Band der »Schrift über die Vergeltung des Allerhöchsten« &amp;lt;ref&amp;gt;太上感应篇&amp;lt;/ref&amp;gt; und begann darin zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die drei Streithähne nicht voneinander ließen, erschienen Schatzspange, Kajaljade, Kostbarzither Schnee &amp;lt;ref&amp;gt;宝琴&amp;lt;/ref&amp;gt; und Erkundefrühling in Willkommensfrühlings Hof, weil sie sich gesagt hatten, Willkommensfrühling werde heute bedrückt sein, und sie aufmuntern wollten. Als sie den Hof betraten, hörten sie zwei oder drei Personen zanken. Erkundefrühling blickte durch das Gazefenster und sah Willkommensfrühling auf dem Bett lehnen und lesen, als höre sie nichts von dem Streit — ein Anblick, der auch Erkundefrühling zum Lachen brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinen Zofen hoben eilig den Türvorhang und meldeten: »Die Fräulein sind da!« Erst jetzt legte Willkommensfrühling ihr Buch beiseite und stand auf. Die Frau des König Zhuer, die sah, dass Besuch kam und Erkundefrühling dabei war, hörte von selbst zu streiten auf und wollte die Gelegenheit nutzen, sich davonzumachen. Doch kaum hatte sich Erkundefrühling gesetzt, fragte sie schon: »Wer hat eben hier gesprochen? Es klang wie ein Streit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nichts weiter«, sagte Willkommensfrühling lächelnd. »Die machen aus einer Mücke einen Elefanten. Es lohnt nicht, danach zu fragen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich habe aber etwas von einem ›goldenen Phönix‹ gehört«, beharrte Erkundefrühling lächelnd, »und auch etwas wie ›Wenn kein Geld da ist, fordert man es von uns Sklaven‹. Wer fordert hier Geld von den Sklaven? Etwa du, Kusine? Bekommst du nicht wie wir dein Monatsgeld und deine Zuwendungen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siqi und Xiuju sagten: »Das Fräulein hat ganz recht. Alle Fräulein erhalten das Gleiche. Bei welchem Fräulein wird das Geld nicht von den Ammen und Müttern ausgegeben, ohne dass wir überhaupt wissen, wie abgerechnet wird — wir müssen nur den Mund aufmachen, wenn wir etwas brauchen. Aber sie dort behauptet, unser Fräulein habe mehr verbraucht, als ihr zusteht, und sie habe wer weiß wie viel zuschießen müssen. Dabei hat unser Fräulein nie etwas von ihnen verlangt!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn meine Kusine nichts von ihnen verlangt hat«, sagte Erkundefrühling lächelnd, »dann sind vielleicht wir es gewesen! Ruft sie herein, ich möchte sie danach fragen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was du da sagst, ist doch lächerlich«, versuchte Willkommensfrühling lächelnd einzuwenden. »Ihr seid gar nicht betroffen, warum willst du sie mit hineinziehen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Da irrst du dich«, erwiderte Erkundefrühling lächelnd. »Ich bin nichts anderes als du. Was dich betrifft, betrifft mich ebenso. Wenn sie gegen dich etwas sagt, sagt sie es damit auch gegen mich. Wenn meine Leute drüben über mich murren und du es hörst, ist es genauso, als murrten sie über dich. Wir sind die Herrschaft und kümmern uns natürlich nicht um kleinliche Geldangelegenheiten; wenn wir etwas brauchen, sagen wir es eben — das kommt vor. Nur verstehe ich nicht, wie der goldene Phönix mit hineingeraten ist.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des König Zhuer hatte große Angst, Xiuju und die anderen könnten sie vor Erkundefrühling anklagen, und eilte deshalb herein, um die Sache zu beschönigen. Erkundefrühling durchschaute sie sofort und sagte lächelnd: »Da sieht man, wie dumm ihr seid! Deine Schwiegermutter hat sich bereits einer Verfehlung schuldig gemacht. Hättest du jetzt die zweite junge Herrin gebeten, von dem beschlagnahmten Geld, das noch nicht verteilt wurde, einen Teil für die Auslösung des Schmucks zu verwenden, wäre alles schon erledigt. Am besten wäre es natürlich gewesen, die Sache wäre erst gar nicht aufgeflogen, und alle hätten den Mund gehalten, um das Gesicht zu wahren. Aber nun, da das Gesicht verloren ist, kann sie für zehn Vergehen auch nur einmal bestraft werden — man kann schließlich nicht zwei Köpfe abschlagen. Wenn du auf mich hörst, sprichst du also mit der zweiten jungen Herrin. Was nützt es, hier mit großer Stimme einen kleinen Streit zu führen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hatte Erkundefrühling den wunden Punkt getroffen, und die Frau des König Zhuer konnte nichts mehr einwenden. Doch den Mut, zu Phönixglanz zu gehen und sich zu stellen, hatte sie auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn ich nichts davon gehört hätte, wäre es mir gleichgültig«, sagte Erkundefrühling lächelnd. »Aber da ich es nun einmal gehört habe, muss ich euren Streit auch schlichten.« Dabei hatte sie bereits Daishu &amp;lt;ref&amp;gt;待书&amp;lt;/ref&amp;gt;, ihrer Zofe, einen Wink gegeben, die daraufhin hinausging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch miteinander sprachen, kam plötzlich Friedchen &amp;lt;ref&amp;gt;平儿&amp;lt;/ref&amp;gt; zur Tür herein. Kostbarzither Schnee klatschte lachend in die Hände und sagte: »Kusine Erkundefrühling beherrscht wohl die Kunst, Geister zu vertreiben und himmlische Generäle herbeizurufen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte: »Nein, das ist keine daoistische Zauberei, sondern raffinierteste Kriegsführung! Man sagt: ›Bei der Verteidigung wie eine Jungfrau, beim Angriff wie ein fliehender Hase‹ &amp;lt;ref&amp;gt;Zitat aus Sunzis »Kunst des Krieges«&amp;lt;/ref&amp;gt; — die List besteht darin, den Gegner zu überrumpeln!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden lachten vergnügt, doch Schatzspange gab ihnen mit den Augen ein Zeichen, sie sollten aufhören, und lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Erkundefrühling sah, dass Friedchen gekommen war, fragte sie: »Geht es deiner Herrin etwas besser? Diese Krankheit hat ihr wahrhaftig den Verstand getrübt, dass sie sich um nichts mehr kümmert und wir uns solche Demütigungen gefallen lassen müssen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was für eine Demütigung?« fragte Friedchen sofort. »Wer hat es gewagt, dem Fräulein Kummer zu bereiten? Gebt mir nur Eure Befehle!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau des König Zhuer geriet nun erst recht in Panik. Sie drängte sich vor und rief Friedchen zu: »Fräulein, setzt Euch und lasst mich erklären!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Gibt es das«, sagte Friedchen mit strenger Miene, »dass du dich hier einfach in die Unterhaltung der Fräulein einmischst? Wenn du Anstand hättest, würdest du draußen warten und dich nicht rühren, bis man dich ruft. Hier hereinzukommen steht dir nicht zu. Wo hat man je erlebt, dass eine Frau vom Außendienst unaufgefordert in die Gemächer der Fräulein kommt?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Bei uns gibt es keinen Anstand«, warf Xiuju ein. »Hier kommt jeder herein, wie es ihm gefällt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das ist eure Schuld«, sagte Friedchen. »Das Fräulein ist zu gutherzig. Ihr solltet solche Eindringlinge hinauswerfen und es dann der gnädigen Frau melden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Friedchens Rüge verließ die Frau des König Zhuer endlich mit schamrotem Gesicht das Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling fuhr fort: »Das will ich dir sagen: Wenn jemand anderer mich beleidigt hätte, wäre es noch hinzunehmen gewesen. Aber diese Frau des König Zhuer und ihre Schwiegermutter haben sich darauf verlassen, dass eine von ihnen die Amme war, und haben die Gutmütigkeit meiner Kusine ausgenutzt. Heimlich haben sie den Schmuck verpfändet, um damit zu spielen, und obendrein falsche Rechnungen aufgestellt. Dann wollten sie Willkommensfrühling auch noch dazu zwingen, für ihre Schwiegermutter Fürsprache einzulegen, und haben mit den beiden Mägden hier im Schlafzimmer herumgezankt und geschrien. Meine Kusine konnte sie nicht zur Ordnung rufen, und weil ich das nicht mehr mit ansehen konnte, habe ich dich hergebeten, um dich zu fragen: Ist diese Frau vielleicht nicht von dieser Welt, dass sie nicht weiß, was sich gehört? Oder steckt jemand von den Herrschaften dahinter, der mit ihrer Hilfe zuerst Kusine Willkommensfrühling und dann mich und Kusine Bedauerfrühling &amp;lt;ref&amp;gt;惜春&amp;lt;/ref&amp;gt; unterwerfen will?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wie könnt Ihr so etwas sagen, Fräulein!« beteuerte Friedchen und lächelte beschwichtigend. »Wie sollte meine junge Herrin einem solchen Vorwurf standhalten?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling lächelte kühl: »Der Volksmund sagt: ›Jedes Wesen leidet mit seiner Art‹, und auch: ›Wenn die Zähne fehlen, fallen die Lippen ein.‹ Natürlich hat mich die Sache ein wenig beunruhigt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Andererseits«, gab Friedchen zu bedenken, »ist es keine so schwerwiegende Angelegenheit und lässt sich leicht regeln. Nur ist sie die Amme des Fräuleins. Was meint das Fräulein selbst dazu?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommensfrühling hatte derweilen mit Schatzspange Geschichten aus der »Schrift über die Vergeltung« gelesen und nicht einmal Erkundefrühlings Worte gehört. Als sie jetzt plötzlich von Friedchen angesprochen wurde, sagte sie lächelnd: »Wenn du mich fragst — ich weiß auch nicht, was da zu tun ist. Für ihre Verfehlungen müssen sie selbst einstehen, ich kann nicht für sie Fürsprache einlegen. Vorhaltungen werde ich ihnen auch nicht machen, und damit basta.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Sachen betrifft, die sie mir heimlich weggenommen haben: Wenn sie sie zurückbringen, nehme ich sie an. Wenn nicht, verzichte ich darauf. Wenn die gnädigen Frauen mich fragen und es mir gelingt, den wahren Sachverhalt zu vertuschen, ist es ihr Glück. Gelingt es nicht, kann ich nichts daran ändern und muss alles wahrheitsgemäß berichten, denn es gibt keinen Grund, die gnädigen Frauen ihretwegen zu belügen. Wenn ihr sagt, ich sei zu weichherzig und entschlusslos, und wenn ihr eine Möglichkeit seht, es allen acht Seiten recht zu machen, ohne die gnädigen Frauen zu erzürnen, dann verfahrt, wie ihr wollt. Ich weiß keine solche Möglichkeit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle, die es hörten, mussten lachen. Kajaljade sagte fröhlich: »Das kann man wirklich nennen: ›Über Ursache und Wirkung philosophieren, während Tiger und Wölfe schon auf der Palasttreppe stehen!‹ Wenn Kusine Willkommensfrühling ein Mann wäre — wie wollte sie mit diesem großen Hauswesen fertig werden?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Eben!« parierte Willkommensfrühling lächelnd. »Wie viele Männer sind dazu nicht imstande — und ich erst recht!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor sie ausgesprochen hatte, kam abermals jemand zur Tür herein. Doch wer es war, das erfahre man im nächsten Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 72</title>
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&lt;hr /&gt;
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= 第七十二回 / Kapitel 72 =&lt;br /&gt;
== 王熙凤恃强羞说病 ==&lt;br /&gt;
=== 来旺妇倚势霸成亲 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiundsiebzigstes Kapitel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz verheimlicht aus Stolz ihre Krankheit, die Frau des Laiwang erzwingt mit Hilfe ihrer Stellung eine Heirat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Mandarinenente &amp;lt;ref&amp;gt;鸳鸯&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Seitentor heraustrat, noch immer mit rotem Gesicht, das Herz noch immer wild pochend — es war wirklich ein unerwartetes Ereignis gewesen. Da sie bedachte, dass diese Angelegenheit ungewöhnlich war, und dass, wenn sie davon erzählte, Unzucht und Diebstahl miteinander verknüpft würden und Menschenleben auf dem Spiel standen, und man obendrein nicht sicher sein konnte, ob nicht auch Unbeteiligte mit hineingezogen würden, sagte sie sich, da es sie ohnehin nichts anging, sei es besser, alles in ihrem Herzen zu verschließen und keinem einzigen Menschen davon zu erzählen. Sie ging in ihr Zimmer zurück, erstattete der Herzoginmutter &amp;lt;ref&amp;gt;贾母&amp;lt;/ref&amp;gt; Bericht, und alle begaben sich zur Ruhe. Von da an kam sie abends kaum noch in den Garten. Da sie sich sagte, dass es im Garten schon solch merkwürdige Vorfälle gab, wie viel mehr mochte es dann anderswo geben, ging sie fortan auch an anderen Orten nicht mehr leichtfertig umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verhielt sich nämlich so, dass Siqi &amp;lt;ref&amp;gt;司棋&amp;lt;/ref&amp;gt; von klein auf mit ihrem Cousin mütterlicherseits zusammen gespielt und gescherzt hatte, und als Kinder hatten sie im Scherz einander versprochen, niemals jemand anderen zu heiraten. In den letzten Jahren waren sie herangewachsen und hatten sich beide zu ansehnlichen Erscheinungen entwickelt. Immer wenn Siqi nach Hause ging, tauschten die beiden verliebte Blicke, und die alte Zuneigung war nicht erloschen, nur konnten sie nicht zueinander finden. Da beide fürchteten, ihre Eltern könnten nicht einverstanden sein, hatten sie Mittel und Wege gefunden, die alten Dienerinnen im Garten zu bestechen, damit diese das Tor offen ließen und den Weg bewachten. Heute hatten sie das allgemeine Durcheinander genutzt, um zum ersten Mal zueinander zu finden. Obwohl sie nicht wirklich ein Paar geworden waren, hatten sie doch Schwüre wie Meer und Berge getauscht und heimlich Liebespfänder ausgetauscht, und es hatte zwischen ihnen bereits grenzenlose Zärtlichkeit gegeben. Da wurden sie plötzlich von Mandarinenente aufgeschreckt, und der junge Bursche war eilig durch Blumen und Weiden schlüpfend aus dem Seitentor verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siqi lag die ganze Nacht wach und bereute es zutiefst. Am nächsten Tag, als sie Mandarinenente sah, wurde sie abwechselnd rot und blass und fühlte sich auf hunderterlei Weise unwohl. In ihrem Herzen trug sie einen schweren Stein, hatte keinen Appetit auf Tee und Reis und war beim Aufstehen und Sitzen ganz benommen. Zwei Tage vergingen, ohne dass sie die geringste Aufregung bemerkte, und so beruhigte sie sich allmählich ein wenig. Doch eines Abends kam plötzlich eine der alten Dienerinnen und flüsterte ihr zu: »Dein Bruder ist weggelaufen, seit drei oder vier Tagen ist er nicht nach Hause gekommen. Man hat Leute losgeschickt, ihn überall zu suchen.« Als Siqi das hörte, wurde sie so wütend, dass sie beinahe umkippte. Sie dachte bei sich: »Selbst wenn es herausgekommen wäre, hätten wir zusammen sterben sollen. Er denkt, weil er ein Mann ist, kann er einfach davonlaufen — das zeigt, dass er kein Herz hat!« So kam zu ihrem Kummer noch eine weitere Schicht des Zorns hinzu. Am nächsten Tag fühlte sie sich innerlich unwohl, konnte sich auf keine Weise mehr zusammenreißen, legte sich nieder und verfiel in eine ernste Krankheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Mandarinenente erfuhr, dass drüben ohne ersichtlichen Grund ein junger Diener verschwunden war und dass Siqi im Garten schwer erkrankt sei und hinausgebracht werden müsse, war sie sicher, dass beides aus Angst vor Strafe geschah. »Sie fürchten, ich könnte es verraten, und haben sich so erschrecken lassen.« Deshalb fühlte sie sich ihrerseits unwohl. Sie ging Siqi besuchen, schickte alle anderen hinaus und schwor ihr feierlich: »Wenn ich auch nur einem einzigen Menschen davon erzähle, soll ich auf der Stelle sterben! Beruhige dich und werde wieder gesund, wirf dein junges Leben nicht nutzlos weg!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siqi ergriff ihre Hand und sagte weinend: »Liebe Schwester! Wir sind von Kindheit an Seite an Seite aufgewachsen, du hast mich nie als Fremde behandelt, und ich hätte es nie gewagt, dir gegenüber nachlässig zu sein. Nun habe ich einen falschen Schritt getan. Wenn du wirklich keinem einzigen Menschen davon erzählst, bist du mir wie eine leibliche Mutter. Von nun an ist jeder Tag, den ich lebe, ein Tag, den du mir schenkst. Wenn ich von meiner Krankheit genesen bin, werde ich dir eine Ahnentafel für langes Leben aufstellen und täglich Räucherwerk verbrennen und dich anbeten, um dir Glück und ein langes Leben zu sichern. Und wenn ich sterbe, will ich als Esel oder Hund wiedergeboren werden, um es dir zu vergelten. Außerdem heißt es im Volksmund: ›Tausend Meilen lang kann man ein Festzelt aufstellen, doch jedes Gastmahl geht einmal zu Ende.‹ In zwei oder drei Jahren werden wir alle von hier fortgehen. Und ein anderes Sprichwort sagt: ›Selbst Wasserlinsen treffen sich wieder, wie sollten Menschen sich nie wiedersehen!‹ Wenn wir uns eines Tages wiederbegegnen, wie könnte ich dir dann deine Güte vergelten!« Während sie sprach, weinte sie unablässig. Diese Worte rührten Mandarinenente so sehr, dass auch sie zu weinen begann. Sie nickte und sagte: »Ganz recht. Ich bin keine Aufseherin, warum sollte ich deinen guten Ruf zerstören und mir unnötig Verdienste anmaßen? Zudem wäre es auch für mich selbst nicht angemessen, so etwas jemandem zu erzählen. Sei ganz unbesorgt. Werde nur erst wieder gesund, aber dann musst du dich anständig betragen und darfst dir keine weiteren Torheiten erlauben.« Siqi nickte vom Kopfkissen her wieder und wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Mandarinenente sie noch ein wenig getröstet hatte, ging sie hinaus. Da sie wusste, dass Kette Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;贾琏&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht zu Hause war und Phönixglanz &amp;lt;ref&amp;gt;王熙凤&amp;lt;/ref&amp;gt; in den letzten Tagen matter und lustloser als gewöhnlich wirkte, machte sie unterwegs noch einen Besuch bei ihr. Als sie durch das Tor zu Phönixglanz' Hof trat, erhoben sich die Diener am inneren Tor respektvoll und ließen sie passieren. Mandarinenente hatte kaum die Haupthalle betreten, als Friedchen &amp;lt;ref&amp;gt;平儿&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Innenraum herauskam. Bei Mandarinenentes Anblick kam sie eilig herbei und flüsterte lächelnd: »Sie hat gerade gegessen und hält ihren Mittagsschlaf. Setz dich doch einstweilen hier ein Weilchen.« Mandarinenente folgte Friedchen in das östliche Zimmer. Ein kleines Mädchen brachte Tee. Mandarinenente fragte leise: »Was ist denn in den letzten Tagen mit deiner Herrin los? Sie sieht so matt aus.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sah, dass sie allein im Raum waren, und seufzte: »Diese Mattigkeit ist nicht erst seit heute. Schon vor einem Monat hat es angefangen. Dann kamen diese paar hektischen Tage, und sie hat sich auch noch allerlei Ärger anhören müssen, das hat alles wieder aufgewühlt. In den letzten zwei Tagen ist noch eine Krankheit dazugekommen, so dass sie es einfach nicht mehr verbergen konnte.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn es so steht, warum habt ihr dann nicht früher einen Arzt gerufen?« fragte Mandarinenente besorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen seufzte: »Ach Schwester, du kennst doch ihr Temperament! Von einem Arzt und Medizin will sie nichts hören. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen und habe nur einmal beiläufig gefragt, wie sie sich fühle — da wurde sie gleich wütend und warf mir vor, ich wolle sie krank reden. Trotzdem ist sie Tag für Tag noch immer damit beschäftigt, alles und jeden zu beaufsichtigen und kontrollieren, und will einfach nicht auf sich achten und ihren Körper schonen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Auch wenn es so ist«, sagte Mandarinenente, »sollte man doch unbedingt einen Arzt kommen lassen, damit man weiß, was für eine Krankheit es ist, und alle beruhigt sein können.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Schwester«, sagte Friedchen, »wenn wir von der Krankheit sprechen — so wie ich es sehe, ist es keine Kleinigkeit.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was für eine Krankheit ist es denn?« fragte Mandarinenente dringend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen rückte noch ein Stückchen näher und flüsterte ihr ins Ohr: »Seit sie letzten Monat ihre Blutung hatte, hat diese einen ganzen Monat lang nicht aufgehört, sie tröpfelt und tröpfelt unablässig. Ist das etwa keine schwere Krankheit?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Mandarinenente das hörte, rief sie erschrocken: »Ach du meine Güte! Nach dem, was du sagst, ist das ja ein Blutsturz!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen spuckte rasch einmal aus und flüsterte dann lachend: »Du als unverheiratetes Mädchen — wie kannst du so etwas sagen! Du verfluchst sie ja geradezu!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente wurde unwillkürlich rot im Gesicht und flüsterte dann ebenfalls lachend: »Ich weiß ja eigentlich auch nicht, was ein Blutsturz ist und was nicht. Hast du denn vergessen, dass meine ältere Schwester an dieser Krankheit gestorben ist? Ich wusste auch nicht, was das für eine Krankheit war. Ich hatte nur zufällig gehört, wie meine Mutter und meine Schwägerin darüber sprachen, und war ganz verwundert. Erst später, als meine Mutter alles genau erklärte, habe ich ein oder zwei Dinge davon begriffen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Stimmt, du müsstest es wissen«, sagte Friedchen lachend. »Das hatte ich ganz vergessen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die beiden noch miteinander sprachen, kam ein kleines Mädchen herein und sagte zu Friedchen: »Eben war Frau Zhu schon wieder da. Wir haben ihr gesagt, die Herrin halte gerade Mittagsschlaf, da ist sie zur gnädigen Frau hinübergegangen.« Friedchen nickte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Welche Frau Zhu?« fragte Mandarinenente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die offizielle Heiratsvermittlerin, Frau Zhu«, erklärte Friedchen. »Irgendein Herr Sun hat bei uns um eine Heirat nachgesucht, und deshalb kommt sie dieser Tage jeden Tag mit einer Besuchskarte und lässt nicht locker.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor sie ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen gelaufen und rief: »Der zweite junge Herr kommt herein!« Und schon war Kette Kaufmann in der Tür zur Haupthalle und rief nach Friedchen. Friedchen antwortete und wollte ihm gerade entgegengehen, als er bereits in dieses Zimmer herüberkam. Als er vor der Tür plötzlich Mandarinenente auf dem Ofenbett sitzen sah, blieb er stehen und sagte lächelnd: »Mandarinenente, welch seltene Ehre, dass dein edler Fuß unseren bescheidenen Boden betritt!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente blieb sitzen und sagte lächelnd: »Ich wollte dem jungen Herrn und der jungen Herrin meinen Gruß entbieten, aber der eine ist nicht da und die andere schläft.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann lachte: »Du dienst das ganze Jahr über der Herzoginmutter mit solcher Aufopferung — ich habe es noch nicht einmal geschafft, dich zu besuchen, und nun machst du dir noch die Mühe, herzukommen und nach uns zu sehen! Aber das ist ein glücklicher Zufall: Ich wollte gerade zu dir gehen. Nur war mir in diesem Gewand zu warm, und ich wollte zuerst ein leichteres anziehen, bevor ich zu dir gehe. Und nun, dem Himmel sei Dank, hast du mir den Weg gespart und wartest schon hier auf mich!« Dabei setzte er sich auf einen Stuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was gibt es denn?« fragte Mandarinenente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann lächelte erst, bevor er zu sprechen begann: »Es geht um eine Sache, die ich tatsächlich vergessen hatte, aber du erinnerst dich vielleicht noch. Im vorigen Jahr zum Geburtstag der Herzoginmutter kam ein Mönch von auswärts und brachte als Geschenk eine Buddhahand &amp;lt;ref&amp;gt;die Frucht der Zitruspflanze Citrus medica var. sarcodactylis&amp;lt;/ref&amp;gt; aus Wachsöl. Die Herzoginmutter mochte sie so gern, dass sie sie sofort herüberbringen und aufstellen ließ. Neulich beim Geburtstag der Herzoginmutter habe ich im Antiquitätenregister diesen Posten gefunden, weiß aber nicht, wo sich das Stück jetzt befindet. Die Leute aus der Antiquitätenkammer haben mich schon zweimal danach gefragt, damit sie die Sache in den Büchern vermerken können. Deshalb frage ich dich, Schwester: Hat die Herzoginmutter das Stück noch bei sich stehen, oder ist es jemandem übergeben worden?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Herzoginmutter hat es ein paar Tage aufgestellt«, erwiderte Mandarinenente, »dann war sie es leid und hat es eurer Herrin geschenkt. Und jetzt fragst du mich! Ich erinnere mich sogar noch an den Tag. Ich habe die alte Dame König beauftragt, es hierher zu bringen. Du hast es vergessen — frag deine Herrin und Friedchen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen, die gerade ein Kleidungsstück geholt hatte, hörte das und eilte heraus: »Es wurde hierher gegeben und steht jetzt oben im Stockwerk. Die Herrin hat schon jemanden hinausgeschickt, um Bescheid zu sagen, dass es in diesem Haus ist. Die Leute dort drüben haben es in ihrer Vergesslichkeit nicht eingetragen, und jetzt kommen sie noch einmal wegen solch unwichtiger Sachen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Aha!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Wenn sie sie eurer Herrin geschenkt hat, warum weiß ich dann nichts davon? Ihr habt sie einfach unterschlagen!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Die Herrin hat es dem zweiten jungen Herrn gesagt«, entgegnete Friedchen, »aber der junge Herr wollte das Stück gleich verschenken. Die Herrin war dagegen und hat es mit Mühe und Not behalten. Jetzt hat er es selbst vergessen und behauptet, wir hätten es unterschlagen! Was ist das schon für eine Kostbarkeit, was für ein unersetzliches Stück! Zehnmal wertvollere Dinge haben wir kein einziges Mal unterschlagen, und jetzt soll es ausgerechnet dieses billige Ding sein!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann ließ den Kopf sinken, dachte lächelnd einen Moment nach und schlug sich dann auf die Schenkel: »Ich bin in letzter Zeit wirklich ganz verwirrt! Ich vergesse alles, bringe die Leute gegen mich auf — ganz anders als früher!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das ist kein Wunder«, sagte Mandarinenente lächelnd. »So viele Geschäfte, so viel Gerede — und wenn du dann noch ein paar Gläser Wein dazu trinkst, wie soll da noch Klarheit herrschen?« Bei diesen Worten stand sie auf und wollte gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann stand rasch ebenfalls auf und sagte: »Liebe Schwester, bleib doch noch einen Augenblick! Dein Bruder hat noch eine Bitte an dich.« Dann schalt er die kleinen Mädchen: »Warum bringt ihr keinen anständigen Tee! Holt schnell eine saubere Deckeltasse und brüht eine Tasse von dem neuen Tee auf, den man gestern für den Hof geliefert hat!« Dann wandte er sich an Mandarinenente: »Wegen des Geburtstags der Herzoginmutter haben wir in den letzten Tagen alle paar tausend Liang Silber ausgegeben. Die Mieteinnahmen und Grundsteuern von verschiedenen Stellen kommen erst im neunten Monat herein, jetzt klafft eine Lücke. Morgen müssen wir die Geschenke für das Fürstentum Nan'an absenden, dann die Geschenke zum Doppelneunfest &amp;lt;ref&amp;gt;das Chongyang-Fest am 9. Tag des 9. Monats&amp;lt;/ref&amp;gt; für die Kaiserliche Nebenfrau vorbereiten, und dann sind da noch einige Geschenke für Hochzeiten und Trauerfälle in befreundeten Häusern. Es werden mindestens noch zwei- bis dreitausend Liang gebraucht, und für den Moment ist es schwierig, die irgendwo aufzutreiben. Wie das Sprichwort sagt: ›Besser, man bittet sich selbst, als andere um Hilfe zu bitten.‹ Da bleibt mir nichts anderes übrig, als dich in eine unangenehme Lage zu bringen: Könntest du heimlich eine Kiste mit goldenen und silbernen Geräten der Herzoginmutter herausschaffen, die sie nicht gleich vermissen wird, damit wir sie vorübergehend für etwa tausend Liang versetzen? In weniger als einem halben Jahr, wenn das Silber hereinkommt, löse ich sie sofort wieder aus und gebe alles zurück. Auf keinen Fall werde ich dich in Schwierigkeiten bringen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente lachte: »Dir fallen aber auch immer wieder neue Tricks ein! Wie du nur auf solche Ideen kommst!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann lachte: »Ich übertreibe nicht — wenn wir von dir absehen, gibt es zwar andere, die über tausend Liang verfügen können, aber keiner von ihnen ist so verständig und mutig wie du. Wenn ich es mit denen bespreche, sind sie nur erschrocken. Deshalb sage ich: ›Lieber einmal die goldene Glocke anschlagen als dreitausend Mal auf die kaputte Trommel hauen.‹«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor er ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen von der Herzoginmutter eilig herübergelaufen und suchte Mandarinenente: »Die Herzoginmutter sucht dich schon eine ganze Weile! Wir haben dich überall gesucht, und jetzt finden wir dich hier!« Als Mandarinenente das hörte, verabschiedete sie sich hastig und ging zur Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kette Kaufmann sah, dass sie gegangen war, blieb ihm nichts anderes übrig, als herüberzugehen und nach Phönixglanz zu sehen. Doch Phönixglanz war bereits aufgewacht und hatte sein Gespräch mit Mandarinenente über das Verpfänden gehört. Da sie nicht gut dazwischenreden konnte, war sie einfach auf ihrem Ruhebett liegengeblieben. Als sie nun hörte, dass Mandarinenente gegangen war und Kette Kaufmann hereinkam, fragte sie: »Hat sie zugestimmt?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Noch nicht ganz«, antwortete Kette Kaufmann lächelnd, »aber es sieht zu acht oder neun Teilen gut aus. Wenn du heute Abend noch einmal mit ihr sprichst, ist es so gut wie sicher.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Da halte ich mich heraus«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Wenn sie einverstanden ist, redest du jetzt schön, aber wenn das Geld da ist, vergisst du alles und wirfst es hinter dich. Wer soll dann hinter dir herlaufen? Und wenn die Herzoginmutter es erfährt, habe ich mein ganzes Ansehen der letzten Jahre verspielt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Liebste«, sagte Kette Kaufmann lächelnd, »wenn du das für mich regelst, wie soll ich dir danken?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Sag schon«, erwiderte Phönixglanz lächelnd, »womit willst du mir danken?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nenn mir, was du willst, und du bekommst es«, versprach Kette Kaufmann lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen lachte von der Seite: »Die Herrin braucht keinen Dank. Gestern hat sie gerade gesagt, sie wolle etwas erledigen und brauche ein- oder zweihundert Liang Silber. Wenn wir die leihen und die Herrin nimmt sich davon ein- oder zweihundert Liang, wäre das nicht für beide Seiten ideal?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Gut, dass du mich daran erinnerst«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Also gut, so machen wir es.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ihr seid wirklich unbarmherzig!« lachte Kette Kaufmann. »Ihr habt jetzt bestimmt nicht nur tausend Liang Pfand, sondern auch drei- oder fünftausend Liang in bar, da bin ich mir sicher. Dass ich gar nicht bei euch borge! Und jetzt, wo ich euch bitte, ein Wort für mich einzulegen, verlangt ihr auch noch Zinsen! Das ist wirklich die Höhe!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Phönixglanz das hörte, setzte sie sich mit einem Ruck auf und sagte: »Ob ich drei- oder fünfzigtausend habe, nichts davon ist auf deine Kosten verdient! Hinter meinem Rücken reden innen wie außen, oben wie unten schon genug Leute schlecht über mich — nur du hast noch gefehlt! Man sieht, ohne Verräter im eigenen Haus kommen die Geister von außen nicht herein. Wo unser Geld aus der König-Familie herkommt? Alles ist von euch Kaufmanns verdient worden! Mir wird schlecht davon! Eure Familie hält sich wohl für Shi Chong oder Deng Tong &amp;lt;ref&amp;gt;berühmte Reiche des Altertums&amp;lt;/ref&amp;gt;! Wenn man die Ritzen im Boden des Hauses König auskehrte, würde das für euch ein ganzes Leben lang reichen! Ihr solltet euch schämen, so etwas zu sagen! Hier gibt es den Beweis: Schaut euch die Aussteuer der gnädigen Frau und meine an und vergleicht sie mit eurer — in welcher Hinsicht steht sie eurer nach?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich habe doch nur Spaß gemacht, und du regst dich gleich auf!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Was ist denn schon dabei? Ein- oder zweihundert Liang Silber, das ist doch nichts. Mehr habe ich zwar nicht, aber so viel habe ich schon. Ich bringe es dir herein, du gibst es aus, und dann sehen wir weiter, einverstanden?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Mir liegt niemand im Sterben, dem ich etwas in den Mund legen und unter den Kopf schieben müsste &amp;lt;ref&amp;gt;Brauch bei Verstorbenen&amp;lt;/ref&amp;gt;«, erwiderte Phönixglanz. »Was soll die Eile?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Warum quälst du dich«, sagte Kette Kaufmann, »es ist doch nicht nötig, sich solche Galle zu machen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Phönixglanz das hörte, musste sie selbst wieder lachen: »Ich bin nicht aufgeregt, aber deine Worte stechen ins Herz. Ich muss nämlich daran denken, dass übermorgen der Jahrestag von Zweitschwester Sonders &amp;lt;ref&amp;gt;尤二姐&amp;lt;/ref&amp;gt; ist. Wir haben uns doch eine Zeitlang gut verstanden, und wenn wir auch nichts Großes tun können, sollten wir wenigstens ihr Grab besuchen und ein Blatt Papiergeld verbrennen, das schulden wir ihr als Schwestern. Auch wenn sie kein Kind hinterlassen hat, sollte man doch bedenken: ›Der Vorgänger streut Sand, um dem Nachfolger die Augen zu verblenden.‹ &amp;lt;ref&amp;gt;Sprichwort: Wer heute stirbt, kann morgen nicht mehr für sich sorgen.&amp;lt;/ref&amp;gt;«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Satz hatte Kette Kaufmann nichts entgegenzusetzen. Er senkte den Kopf, überlegte eine ganze Weile und sagte dann: »Es ist rührend, dass du so umsichtig bist. Ich hatte es ganz vergessen. Wenn es erst übermorgen gebraucht wird und wir morgen das Geld bekommen, dann nimm dir davon, so viel du brauchst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor er ausgesprochen hatte, kam die Frau des Laiwang &amp;lt;ref&amp;gt;旺儿&amp;lt;/ref&amp;gt; herein. Phönixglanz fragte: »Ist es gelungen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Leider nicht«, antwortete Laiwangs Frau. »Ich sagte ja, wenn die Herrin selbst die Sache in die Hand nimmt, gelingt es bestimmt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was ist denn los?« fragte Kette Kaufmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: »Es ist nichts Großes. Laiwang hat einen Sohn, der dieses Jahr siebzehn geworden ist und noch keine Frau hat. Er will Buntschimmer &amp;lt;ref&amp;gt;彩霞&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Haushalt der gnädigen Frau haben, aber wir wissen nicht, was die gnädige Frau davon hält, und so ist nichts entschieden worden. Vor einigen Tagen hat die gnädige Frau gesehen, dass Buntschimmer erwachsen geworden ist, und da sie auch noch kränklich war, hat sie sie gnädigerweise freigelassen, damit ihre Eltern sich selbst einen Schwiegersohn für sie suchen können. Deshalb kam Laiwangs Frau zu mir. Ich dachte, die beiden Familien wären einander ebenbürtig, und wenn man nachfrage, würde es von selbst klappen. Doch nun kommt sie und sagt, es sei nichts daraus geworden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was ist das schon für eine große Sache!« sagte Kette Kaufmann. »Viel besser als Buntschimmer gibt es doch genug.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laiwangs Frau sagte mit beflissenem Lächeln: »Wenn der junge Herr das so sagt — wenn selbst ihre Familie auf uns herabschaut, dann werden andere erst recht auf uns herabschauen! Endlich hatten wir eine passende Schwiegertochter gefunden, und ich dachte, ich bitte den jungen Herrn und die Herrin um ihre Gnade, damit die Sache zustande kommt. Die Herrin sagte auch, sie würden gewiss einverstanden sein, also bat ich jemanden, es zu versuchen. Aber wider Erwarten wurde ich abgewiesen. Gegen das Mädchen selbst ist nichts zu sagen, und als ich sie in meiner Art beiläufig auf den Zahn fühlte, schien sie nichts dagegen zu haben. Nur ihre Eltern, diese beiden alten Sturköpfe, haben Höheres mit ihr im Sinn.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Worte trafen Phönixglanz und Kette Kaufmann ins Ehrgefühl. Phönixglanz sagte nichts, da Kette Kaufmann anwesend war, und wartete ab, wie er reagieren würde. Kette Kaufmann hatte seine eigenen Sorgen im Kopf und nahm sich diese Kleinigkeit nicht zu Herzen. Er wollte sich am liebsten heraushalten, doch da Laiwangs Frau nun einmal von Phönixglanz mit in die Ehe gebracht worden war und ihre Verdienste hatte, konnte er schlecht nein sagen. Also sprach er: »Was ist das schon Großes, dass ihr ewig herumzischelt und tuschelt! Geh nur unbesorgt nach Hause. Morgen spiele ich den Vermittler und schicke zwei angesehene Leute, die mit ihnen reden und gleich die Verlobungsgeschenke mitbringen, und sie sollen sagen, es sei mein Wunsch. Wenn sie sich dann immer noch sträuben, sollen sie zu mir kommen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laiwangs Frau warf Phönixglanz einen fragenden Blick zu. Phönixglanz verzog leicht den Mund. Laiwangs Frau verstand und kniete sogleich nieder, um Kette Kaufmann mit einem Stirnaufschlag zu danken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Deiner Herrin musst du danken!« sagte Kette Kaufmann rasch. »Ich habe zwar gesagt, so soll es gehen, aber trotzdem muss deine Herrin noch jemanden schicken und Buntschimmers Mutter rufen lassen, um freundlich mit ihr zu sprechen, das wäre besser. Auch wenn sie gewiss zustimmen werden, darf man in solchen Angelegenheiten nicht tyrannisch vorgehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn sogar du so gnädig bist und dir solche Mühe gibst«, sagte Phönixglanz rasch, »dann kann ich doch nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen! Laiwangs Frau, hör zu: Nachdem diese Sache erledigt ist, musst du auch schnell meine Aufträge erfüllen. Sag deinem Mann, er soll alle Schulden da draußen noch vor Jahresende eintreiben. Nicht ein einziger Heller darf fehlen! Mein Ruf ist schon schlecht genug, und wenn ich noch ein Jahr Geld verleihe, werden sie mich bei lebendigem Leibe auffressen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ihr seid zu ängstlich, Herrin«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Wer würde es wagen, schlecht über die Herrin zu reden? Ehrlich gesagt, wenn alles eingezogen würde, wäre das auch für uns weniger Arbeit und weniger Ärger mit den Leuten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich habe mich auch nur aus reiner Dummheit darauf eingelassen«, sagte Phönixglanz mit kühlem Lächeln. »Wozu brauche ich wirklich das Geld? Es geht nur darum, dass die täglichen Ausgaben höher sind als die Einnahmen. Was dieses Haus betrifft: Das Monatsgeld für mich und den Herrn zusammen, dazu das Monatsgeld für die vier Dienstmädchen, macht insgesamt zehn bis zwanzig Liang — das reicht nicht einmal für drei bis fünf Tage! Wenn ich nicht alles zusammengekratzt hätte, was nur ging, wüsste der Himmel, in welcher verfallenen Hütte wir längst gelandet wären! Und jetzt habe ich den Ruf eines heruntergekommenen Geldverleihers. Gut denn, ich ziehe alles ein. Geld ausgeben kann ich so gut wie jeder andere auch. In Zukunft sitzen wir einfach da und geben aus, solange es reicht, reicht es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was für Zustände herrschen hier: Als die Herzoginmutter kürzlich Geburtstag hatte, hat sich die gnädige Frau zwei Monate lang Sorgen gemacht und wusste sich keinen Rat, bis schließlich ich den Hinweis gab, dass oben im Lagerhaus vier oder fünf Kisten mit großen Messing- und Zinngeräten stünden, auf die es nicht weiter ankäme. Die wurden fortgeschafft und brachten dreihundert Liang Silber ein — erst damit konnte die gnädige Frau ihr Gesicht wahren und die Sache überstehen. Ich habe, wie ihr wisst, die goldene Schlaguhr für fünfhundertsechzig Liang verkauft. Noch kein halber Monat war vergangen, da gab es schon zehn große und kleine Angelegenheiten, und alles wurde für nichts und wieder nichts verschlungen. Jetzt reicht auch draußen das Geld nicht mehr, und irgendwer — ich weiß nicht, wer — ist auf den Einfall gekommen, die Sachen der Herzoginmutter anzugehen. In einem weiteren Jahr werden sie an Schmuck und Kleider gehen — dann wird es erst richtig schön!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Schmuck und Kleider jeder einzelnen gnädigen Frau würden, zu Geld gemacht, für ein ganzes Leben reichen«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Nur wird sich keine auf so etwas einlassen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich will nicht sagen, dass ich zu nichts mehr fähig bin«, fuhr Phönixglanz fort, »aber auf diese Art kann ich wirklich nicht mehr. Gestern Nacht hatte ich plötzlich einen Traum — er klingt vielleicht sogar komisch. Im Traum suchte mich jemand auf, der mir zwar bekannt vorkam, dessen Namen ich aber nicht kannte. Als ich fragte, was er wolle, sagte er, die Kaiserliche Nebenfrau habe ihn geschickt, um hundert Stück Brokat zu holen. Ich fragte, welche Kaiserliche Nebenfrau, und er nannte eine, die nicht aus unserer Familie stammt. Ich wollte ihm die Seide nicht geben, da kam er auf mich zu und wollte sie mir entreißen. Gerade als er zupackte, wachte ich auf.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das liegt nur daran, dass die Herrin sich tagsüber zu viel Sorgen macht und ständig mit Aufträgen für den kaiserlichen Palast zu tun hat«, sagte Laiwangs Frau lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor sie ausgesprochen hatte, wurde gemeldet: »Der Oberhofkämmerer Xia hat einen jungen Eunuchen geschickt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kette Kaufmann das hörte, runzelte er sofort die Stirn und sagte: »Was will er denn schon wieder! In einem Jahr schleppen die mehr als genug weg!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Versteck dich«, sagte Phönixglanz. »Ich empfange ihn. Wenn es eine Kleinigkeit ist, lasse ich es durchgehen. Wenn es etwas Größeres ist, weiß ich schon, was ich ihm sage.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann versteckte sich im Innenraum. Phönixglanz ließ den jungen Eunuchen hereinführen, bot ihm einen Stuhl an und ließ ihm Tee bringen. Dann fragte sie, worum es gehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der junge Eunuch sagte: »Exzellenz Xia hat heute zufällig ein Haus gesehen, aber es fehlen ihm zweihundert Liang Silber. Er schickt mich, um die Frau Tante zu fragen, ob im Haus zweihundert Liang bar verfügbar sind, die er sich kurz leihen könnte. In ein, zwei Tagen schickt er sie zurück.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Was heißt hier zurückschicken«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Silber haben wir mehr als genug, er soll es nur ruhig nehmen. Wenn wir ein andermal knapp bei Kasse sind, borgen wir bei ihm — das ist doch dasselbe.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Exzellenz Xia lässt außerdem ausrichten«, fuhr der junge Eunuch fort, »dass von den letzten beiden Malen noch eintausendzweihundert Liang ausstehen. Zum Jahresende werde er natürlich alles auf einmal zurückzahlen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Exzellenz Xia ist aber kleinlich!« sagte Phönixglanz lächelnd. »Das ist doch nicht der Rede wert! Ohne ihm zu nahe treten zu wollen: Wenn er alles so genau abrechnen und zurückzahlen wollte, dann wüsste ich gar nicht, wie viel er schon zurückgezahlt haben müsste! Solange wir welches haben, soll er es sich nur nehmen.« Dann rief sie Laiwangs Frau herein: »Geh hinaus und treib irgendwoher zweihundert Liang auf!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laiwangs Frau verstand, worum es ging, und sagte lächelnd: »Eben konnte ich nirgendwo etwas auftreiben, deshalb bin ich ja zu Euch gekommen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ihr versteht es nur, hier hereinzukommen und Geld zu verlangen, aber wenn ihr es draußen beschaffen sollt, seid ihr unfähig!« rügte Phönixglanz. Dann rief sie Friedchen: »Nimm meine beiden goldenen Halsketten heraus und versetz sie für vierhundert Liang Silber!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte »Jawohl« und ging. Nach einer ganzen Weile brachte sie tatsächlich ein mit Seide bezogenes Kästchen, in dem zwei seidene Tücher lagen. Als man sie aufwickelte, zeigte sich: Die eine Kette war aus Goldfiligran mit aufgereihten Perlen, jede so groß wie ein Lotuskern. Die andere war mit Eisvogelfedern besetzt und mit Edelsteinen verziert. Beide standen den Schmuckstücken aus dem Kaiserpalast in nichts nach. Als Friedchen sie fortbrachte und zurückkam, hatte sie tatsächlich vierhundert Liang Silber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz befahl, die Hälfte für den jungen Eunuchen einzupacken. Die andere Hälfte ließ sie Laiwangs Frau übergeben, damit diese die Vorbereitungen für das Mittelherbstfest &amp;lt;ref&amp;gt;das Fest am 15. Tag des 8. Monats&amp;lt;/ref&amp;gt; treffen konnte. Der junge Eunuch verabschiedete sich, und Phönixglanz befahl jemandem, das Silber für ihn bis zum Haupttor zu tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wann nehmen diese Plagegeister von draußen endlich ein Ende!« sagte Kette Kaufmann lachend, als er wieder herauskam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Gerade sprachen wir davon, und schon kam der nächste Schwall«, erwiderte Phönixglanz lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Gestern war der Obereunuch Zhou hier«, berichtete Kette Kaufmann. »Kaum hatte er den Mund aufgemacht, wollte er tausend Liang. Als ich einen Moment zögerte, wurde er gleich unwillig. In Zukunft wird es noch viele Gelegenheiten geben, wo wir jemanden vor den Kopf stoßen müssen. Es wäre schön, wenn wir noch einmal zwei oder drei Millionen verdienen könnten.« Während er sprach, half Friedchen Phönixglanz bereits, sich zu waschen und umzukleiden, damit sie zur Herzoginmutter hinübergehen und beim Abendessen aufwarten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann ging ebenfalls hinaus, und als er gerade bei seinem äußeren Arbeitszimmer angekommen war, sah er plötzlich Lin Zhixiao &amp;lt;ref&amp;gt;林之孝&amp;lt;/ref&amp;gt; auf sich zukommen. Er fragte, was es gebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich habe gerade erfahren, dass Regendorf &amp;lt;ref&amp;gt;Jia Regendorf, ein Beamter&amp;lt;/ref&amp;gt; seines Amtes enthoben worden sein soll«, sagte Lin Zhixiao. »Aber ich weiß nicht, warum, und möglicherweise stimmt es gar nicht.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ob es stimmt oder nicht«, erwiderte Kette Kaufmann, »sein Amt wird er kaum lange behalten. Wenn er in Schwierigkeiten gerät, ist nicht auszuschließen, dass er uns mit hineinzieht. Es wäre besser, auf Abstand zu gehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Da habt Ihr völlig recht«, bestätigte Lin Zhixiao, »nur lässt sich das im Moment schlecht bewerkstelligen. Der ältere Herr aus dem Östlichen Anwesen &amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann, 贾珍&amp;lt;/ref&amp;gt; versteht sich besser mit ihm als je zuvor, und auch der gnädige Herr hat ihn gern und verkehrt häufig mit ihm. Wer wüsste das nicht!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Solange wir keine gemeinsamen Geschäfte mit ihm machen, kann uns nicht viel passieren«, entschied Kette Kaufmann. »Geh und erkundige dich, ob es wahr ist und was der Grund ist.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lin Zhixiao sagte zwar jawohl, rührte sich aber nicht von der Stelle. Er blieb auf seinem Stuhl sitzen und führte das Gespräch weiter. Als sie auf die Schwierigkeiten des Haushalts zu sprechen kamen, ergriff er die Gelegenheit und sagte: »Es sind zu viele Leute im Haus. Es wäre das beste, der Herzoginmutter und dem gnädigen Herrn bei Gelegenheit Bericht zu erstatten und einige der alten Bediensteten, die ihre Verdienste haben, aber nicht mehr gebraucht werden, gnädigerweise freizulassen. Erstens hat ohnehin jeder von ihnen seine eigene Wirtschaft, und zweitens ließe sich dadurch jährlich einiges an Verpflegung und Monatsgeld einsparen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem gibt es auch zu viele Mädchen in den inneren Gemächern. Der Volksmund sagt richtig: ›Eine Zeit gleicht nicht der anderen.‹ Wir können jetzt nicht mehr an den alten Maßstäben festhalten, und notgedrungen muss sich jeder ein wenig einschränken: Wem acht Mägde zustanden, der muss mit sechs auskommen, und wer vier hatte, muss mit zwei zufrieden sein. Rechnet man das für alle Räume zusammen, kann man im Jahr eine beträchtliche Menge an Reis und Monatsgeld einsparen. Zudem ist die Hälfte der Mädchen drinnen bereits zu alt geworden und sollte verheiratet werden. Wenn sie erst Familien gründen, bringen sie dann nicht noch mehr Leute hervor?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Dasselbe habe ich mir auch schon gedacht«, versicherte Kette Kaufmann, »aber der gnädige Herr ist eben erst nach Hause zurückgekehrt, und so viele wichtige Angelegenheiten habe ich ihm noch nicht gemeldet — wie soll ich da mit so etwas kommen? Neulich hat die offizielle Heiratsvermittlerin eine Verlobungskarte gebracht, um eine Hochzeit anzutragen, aber die gnädige Frau meinte, der gnädige Herr sei gerade erst heimgekehrt und genieße es jeden Tag, wieder mit seiner Familie vereint zu sein. Wenn man jetzt plötzlich von Heirat spräche, fürchtete sie, er werde wieder traurig. Deshalb solle vorerst nicht davon gesprochen werden.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Das ist auch richtig«, bestätigte Lin Zhixiao. »Die gnädige Frau denkt sehr umsichtig.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Eben!« sagte Kette Kaufmann. »Aber da fällt mir gerade etwas ein. Der Sohn von unserem Laiwang will Buntschimmer aus den Gemächern der gnädigen Frau heiraten. Gestern hat er sich deswegen an mich gewandt. Ich denke, es ist keine große Sache — schick jemanden hin, der ein Wort mit den Eltern spricht, egal wen. Schau, wer gerade frei ist, und schick ihn hin, in meinem Namen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lin Zhixiao sagte notgedrungen ja, aber nach einer Weile riet er lächelnd: »Wenn Ihr mich fragt, junger Herr, solltet Ihr besser die Finger davon lassen. Laiwangs Sohn ist zwar noch jung, aber er treibt sich draußen herum, trinkt und spielt um Geld und kennt keine Grenzen. Auch wenn alle Beteiligten Dienstleute sind, so ist eine Heirat doch eine Sache fürs ganze Leben. Buntschimmer habe ich zwar in den letzten Jahren nicht mehr gesehen, aber man erzählt, sie habe sich prächtig entwickelt. Warum soll man sie ohne Grund ins Unglück stürzen?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ist sein Sohn wirklich ein solcher Trinker, dass er kein brauchbarer Mensch mehr ist?« fragte Kette Kaufmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nicht nur, dass er trinkt und spielt«, sagte Lin Zhixiao mit kühlem Lächeln, »er schreckt da draußen vor keiner Schandtat zurück. Nur weil er zu den Leuten der Herrin gehört, haben wir immer ein Auge zugedrückt.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Davon wusste ich nichts!« sagte Kette Kaufmann. »Wenn das so ist, bekommt er statt einer Frau eine Tracht Prügel und wird eingesperrt! Und dann müssen sich seine Eltern verantworten!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nicht gerade jetzt«, riet Lin Zhixiao lächelnd. »Warten wir, bis er wieder etwas anstellt, dann melden wir es Euch, und Ihr könnt ihn bestrafen. Für diesmal lasst es ihm noch durchgehen.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann erwiderte nichts, und nach einer Weile ging Lin Zhixiao.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend hatte Phönixglanz bereits jemanden geschickt, um Buntschimmers Mutter hereinrufen zu lassen und die Heirat für sie zu vermitteln. Obwohl Buntschimmers Mutter innerlich ganz und gar dagegen war, konnte sie angesichts der Ehre, dass Phönixglanz persönlich mit ihr sprach, nicht anders, als gegen den eigenen Willen lauthals zuzustimmen und zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Phönixglanz nun Kette Kaufmann fragte, ob man schon mit dem Vater gesprochen habe, sagte er: »Ich wollte es schon veranlassen, aber dann erfuhr ich, dass sein Sohn ein großer Taugenichts ist, darum habe ich den Befehl zurückgenommen. Wenn es wirklich so schlimm mit ihm steht, sollte man ihn erst einmal eine Zeitlang unter Aufsicht erziehen. Danach ist immer noch Zeit, ihm eine Frau zu geben.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Von wem hast du gehört, dass er ein Taugenichts ist?« wollte Phönixglanz wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Nur von einem aus dem Haus, von wem sonst?« wich Kette Kaufmann aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: »Wer aus der König-Familie kommt, ist euch ja nicht gut genug — das trifft auf mich zu und auf die Dienstleute erst recht. Eben habe ich schon mit Buntschimmers Mutter gesprochen, und sie war Feuer und Flamme. Soll ich sie etwa noch einmal hereinrufen lassen und ihr sagen, es sei nichts mehr daraus?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn du schon mit ihr gesprochen hast, können wir natürlich nicht mehr davon abrücken«, sagte Kette Kaufmann. »Morgen sage ich Laiwang, er soll seinen Sohn streng im Zaum halten, und damit hat es sich.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was an diesem Abend sonst noch gesprochen wurde, braucht hier nicht erzählt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Buntschimmer, seit sie vor einigen Tagen freigelassen worden war, darauf wartete, dass ihre Eltern einen Bräutigam für sie finden würden. Zwar gab es die alte Bindung an Unheil Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;贾环&amp;lt;/ref&amp;gt;, an der sie innerlich festhielt, doch es war noch nichts entschieden. Jetzt musste sie mit ansehen, wie Laiwang immer wieder für seinen Sohn um sie anhielt, und sie hatte längst erfahren, dass dieser ein Trinker und Spieler war, dazu von hässlichem Aussehen und ohne jede Fertigkeit. Ihr Herz wurde immer schwerer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In größter Angst, Laiwang könnte gestützt auf Phönixglanz' Machtstellung die Heirat erzwingen, was für sie ein lebenslanges Unglück bedeuten würde, war ihr Herz in äußerster Bedrängnis. Am Abend gab sie heimlich ihrer jüngeren Schwester Xiaoxia &amp;lt;ref&amp;gt;小霞&amp;lt;/ref&amp;gt; den Auftrag, durch das innere Tor hineinzugehen und Nebenfrau Zhao &amp;lt;ref&amp;gt;赵姨娘&amp;lt;/ref&amp;gt; aufzusuchen, um die wahre Lage zu erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao hatte sich seit langem bestens mit Buntschimmer verstanden und nichts sehnlicher gewünscht, als sie für Unheil Kaufmann zu bekommen, weil sie sich von ihr eine tatkräftige Stütze versprach. Doch wider alles Erwarten hatte die gnädige Frau &amp;lt;ref&amp;gt;王夫人&amp;lt;/ref&amp;gt; Buntschimmer freigelassen. Zwar hatte Nebenfrau Zhao immer wieder versucht, Unheil Kaufmann anzustacheln, er solle Buntschimmer für sich verlangen, aber erstens schämte er sich, den Mund aufzumachen, und zweitens lag ihm auch nicht sonderlich viel daran — schließlich war Buntschimmer nur eine Magd, und wenn sie ging, würden natürlich andere kommen. So hatte er die Sache immer wieder aufgeschoben und war längst bereit, sie fallen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao wollte jedoch nicht so leicht auf sie verzichten, und als jetzt auch noch Buntschimmers jüngere Schwester kam, um sich Gewissheit zu verschaffen, nutzte sie die freie Stunde des Abends und ging zunächst zu Aufrecht Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;贾政&amp;lt;/ref&amp;gt;, um ihm ihre Bitte vorzutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufrecht Kaufmann sagte: »Was soll die Eile? Die beiden Jungen sollen sich noch ein oder zwei Jahre ihren Büchern widmen, dann ist immer noch früh genug, ihnen ein Mädchen zu geben. Ich habe bereits zwei Mägde ausgesucht, eine für Schatzjade &amp;lt;ref&amp;gt;宝玉&amp;lt;/ref&amp;gt; und eine für Huan. Nur sind sie noch zu jung dafür, und ich befürchte, sie würden die Bücher vernachlässigen, darum will ich noch ein bis zwei Jahre warten.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Aber Schatzjade hat doch schon seit zwei Jahren ein Mädchen«, sagte Nebenfrau Zhao. »Wisst Ihr das nicht, gnädiger Herr?«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wer hat es ihm gegeben?« wollte Aufrecht Kaufmann sofort wissen. Doch bevor Nebenfrau Zhao antworten konnte, war plötzlich draußen ein lautes Krachen zu hören, und alle erschraken nicht wenig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, was das war, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 70</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_65|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;65&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_66|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;66&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_67|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;67&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_68|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;68&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_69|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;69&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;70&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_71|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;71&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_72|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;72&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_73|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;73&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_74|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;74&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_75|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;75&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第七十回 / Kapitel 70 =&lt;br /&gt;
== 林黛玉重建桃花社 ==&lt;br /&gt;
=== 史湘云偶填柳絮词 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
林黛玉重建桃花社 / 史湘云偶填柳絮词&lt;br /&gt;
Kajaljade gründet die Pfirsichblüten-Dichtgesellschaft neu; Xiangfluss-Wolke dichtet ein Weidenkätzchen-Lied&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, zweiter Sohn von Begnadigung Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; sich sieben Tage und Nächte lang im Birnenblütenhof aufhielt, wo Mönche und Taoisten ununterbrochen buddhistische Zeremonien abhielten. Dann rief ihn die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die alte Matriarchin des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sich und ordnete an, die Verstorbene solle auf keinen Fall im Familientempel beigesetzt werden. Kette Kaufmann hatte keine Wahl und musste sich erneut mit dem Mönch Shijue besprechen. Man wählte einen Grabplatz oberhalb der Grablege von Dritter Schwester You und ließ die Erde aufbrechen, um die Tote zu bestatten. Am Tag der Beisetzung erschienen lediglich einige Sippenmitglieder, das Ehepaar König Xin sowie Dame Sonders mit ihrer Schwiegertochter. Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, die gewiefte Ehefrau von Kette Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; kümmerte sich um nichts und ließ ihn alles selbst erledigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da überdies das Jahresende nahte und sich die verschiedensten Angelegenheiten wie Igelstacheln häuften, kam auch noch Lin Zhixiao mit einer Namensliste herein. Es waren insgesamt acht unverheiratete junge Burschen von fünfundzwanzig Jahren, die heiraten und einen eigenen Haushalt gründen sollten, und man wartete darauf, dass drinnen die zur Entlassung anstehenden Mägde für die Zuordnung bestimmt würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz las die Liste durch und ging zuerst zur Herzoginmutter und Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Dame König: Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, Ehefrau von Aufrecht Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, um nachzufragen. Man beriet gemeinsam, und obwohl es einige gab, die eigentlich zugeteilt werden sollten, hatte jede einen besonderen Grund dagegen: Als Erste hatte Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, die treue Leibmagd der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; geschworen, nicht zu gehen. Seit jenem Tag hatte sie kein Wort mehr mit Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, der Hauptheld des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; gewechselt und trug weder prächtigen Schmuck noch aufwendige Kleidung. Als alle sahen, wie fest ihr Entschluss war, mochte niemand sie drängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zweite war Bernstein [琥珀] krank und kam diesmal nicht in Frage. Farbwölkchen hatte sich kürzlich mit Unheil Kaufmann überworfen und litt ebenfalls an einer unheilbaren Krankheit. Nur die gröberen Hauptmägde aus Phönixglanz' und Seidenweiß Pflaumes [李纨] Haushalten wurden entlassen, alle übrigen waren noch zu jung. Man befahl den jungen Burschen, sich draußen selbst Frauen zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hatte sich in der vergangenen Zeit, da Phönixglanz krank gewesen war und Seidenweiß Pflaume sowie Erkundefrühling die Haushaltsführung übernommen hatten und keine freie Minute fanden, und da dann Neujahr und die Festtage folgten und unzählige Dinge zu erledigen waren, die Dichtgesellschaft einfach aufgelöst. Jetzt war es zwar Mitte des Frühlings, und man hätte Zeit gehabt, doch Schatzjade war wegen Liuxiangliáns kaltem Verschwinden, wegen Dritter Schwester Yous Selbstentleibung mit dem Schwert, wegen Zweiter Schwester Yous Goldtod und wegen Liuwuers Erkrankung — ein Kummer folgte dem anderen, und müßige Sorgen und grundloser Groll türmten sich ohne Unterlass — so durcheinander geraten, dass sein Ausdruck wie benommen wirkte, seine Worte oft verwirrt waren und er an einer Art Geistesverwirrung zu leiden schien. Dufthauch [袭人] und die anderen erschraken so sehr, dass sie es nicht wagten, der Herzoginmutter davon zu berichten, und ihn stattdessen auf hunderterlei Weise zum Spielen und Lachen zu bewegen suchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Morgen war er gerade aufgewacht, als er aus dem Vorzimmer unablässiges kicherndes und gackerndes Gelächter hörte. Dufthauch sagte lachend: „Geh schnell hinaus und rette sie! Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] haben Xiongnu [芳官/雄奴] gepackt und kitzeln ihn durch!&amp;quot; Als Schatzjade das hörte, warf er rasch seinen graugehäuteten Pelzmantel über und ging hinaus, um nachzusehen. Er sah die drei: Die Bettdecken waren noch nicht zusammengelegt, die Oberkleider noch nicht angezogen. Heitermuster trug nur ein kleines, lauchgrünes Jäckchen aus schimmernder Seide, ein rotes Unterhemd und rote Pantoffeln, das Haar offen hängend, und saß rittlings auf Xiongnu. Moschusmond hatte ein rotes Brustband aus Seide an und war in ein altes Gewand gehüllt und kitzelte Xiongnu unter den Rippen. Xiongnu lag auf dem Kang, trug ein enganliegendes Jäckchen mit Blumenmuster, rote Hosen und grüne Strümpfe und strampelte mit beiden Füßen, vor Lachen kaum noch Luft bekommend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade eilte lachend herbei und rief: „Zwei Große überfallen einen Kleinen — lasst mich helfen!&amp;quot; Damit kletterte er auch aufs Bett und begann Heitermuster zu kitzeln. Heitermuster war an der kitzligen Stelle getroffen, ließ lachend Xiongnu los und wehrte sich gegen Schatzjade. Xiongnu nutzte die Gelegenheit und drückte Heitermuster nieder, um sie unter den Rippen zu kitzeln. Dufthauch rief lachend: „Passt auf, dass ihr euch nicht erkältet!&amp;quot; Aber die vier, die sich ineinander verwickelt hatten, boten einen komischen Anblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam plötzlich Biyue [碧月], eine Magd, die Seidenweiß Pflaume geschickt hatte. „Gestern Abend hat unsere Herrin hier ein Taschentuch vergessen. Ist es vielleicht noch hier?&amp;quot; Kleine Schwalbe [小燕] sagte: „Ja, ja, ja! Ich habe es vom Boden aufgehoben, wusste aber nicht, wem es gehört. Ich habe es gerade gewaschen, es hängt draußen zum Trocknen und ist noch nicht trocken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Biyue sah die vier beim Herumtollen und lachte: „Hier ist es aber lustig! Am frühen Morgen schon kichert und kreischt ihr und tobt zusammen herum.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Bei euch sind doch auch genug Leute — warum spielt ihr nicht?&amp;quot; Biyue antwortete: „Unsere Herrin spielt nicht und hält auch die beiden Nebenfrauen und Fräulein Qin [宝琴] mit fest. Jetzt ist Fräulein Qin auch noch zur Herzoginmutter gegangen, und es ist noch einsamer geworden. Wenn die beiden Nebenfrauen nach diesem Jahr gehen und nächsten Winter fort sind, wird es noch stiller. Schaut euch doch mal Fräulein Schnees [宝钗] Haushalt an — seit Duftkastanies [香菱] Weggang ist es viel kühler geworden, und Fräulein Wolke [湘云] steht ganz allein da.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch während sie sprach, schickte Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Xiangfluss-Wolke: Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine lebhafte, fröhliche und dichtbegabte Cousine.&amp;lt;/ref&amp;gt; [史湘云] ihre Magd Jadegras [翠缕] herüber, um auszurichten: „Bitte den Zweiten Herrn, schnell herauszukommen und schöne Gedichte zu betrachten.&amp;quot; Als Schatzjade das hörte, fragte er eilig: „Wo gibt es schöne Gedichte?&amp;quot; Jadegras lachte: „Die Fräuleins sind alle am Duftende-Quelle-Pavillon [沁芳亭]. Wenn du hingehst, wirst du es erfahren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, wusch und kämmte er sich eilig und ging hinaus. Tatsächlich saßen Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, die empfindsame Cousine von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, die tugendhafte und kluge Tochter der Tante Schnee.&amp;lt;/ref&amp;gt; [薛宝钗], Xiangfluss-Wolke, Schatzharfe [宝琴] und Erkundefrühling dort und hielten ein Gedicht in der Hand. Als sie ihn kommen sahen, sagten alle lachend: „Und jetzt bist du immer noch nicht aufgestanden! Unsere Dichtgesellschaft hat sich ein ganzes Jahr lang nicht getroffen, und niemand hat sich darum bemüht, sie wieder aufleben zu lassen. Jetzt, im Frühling, wenn sich alles erneuert, wäre der richtige Zeitpunkt, sie wieder neu ins Leben zu rufen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke lachte: „Als die Dichtgesellschaft gegründet wurde, war es Herbst — das verhieß kein Gedeihen. Jetzt aber, wo alles dem Frühling entgegenstrebt, stehen alle Zeichen auf Wachstum und Blüte. Und da dieses Pfirsichblütengedicht so schön ist, sollten wir die Meerzapfengesellschaft in eine Pfirsichblütengesellschaft umwandeln!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte zu, nickte und sagte: „Sehr gut.&amp;quot; Dann drängte er, das Gedicht sehen zu dürfen. Die anderen sagten: „Lasst uns jetzt gleich zur Reisduftbäuerin [稻香老农, Seidenweiß Pflaume] gehen und alles gemeinsam beschließen.&amp;quot; Damit standen alle auf und gingen zusammen zum Reisduftdorf [稻香村].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Schatzjade neben den anderen herging, las er auf dem Blatt den „Wandel der Pfirsichblüten&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen vor dem Vorhang weht der Ostwind zart,&lt;br /&gt;
die Pfirsichblüten blühen vor der Tür.&lt;br /&gt;
Dahinter sitzt die Schöne, schmückt sich kaum,&lt;br /&gt;
nur ein Vorhang trennt sie von den Blüten hier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ostwind hebt den Vorhang, will sie sehn,&lt;br /&gt;
die Blüten spähen, doch er rollt sich nicht.&lt;br /&gt;
Die Pfirsichblüten draußen blühn wie je,&lt;br /&gt;
doch drinnen ist die Frau noch blasser als ihr Licht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blüten fühlen Mitleid, werden traurig auch,&lt;br /&gt;
durch den Vorhang dringt die Botschaft mit dem Wind.&lt;br /&gt;
Der Wind durchweht den Seidenvorhang, Blüten füllen den Hof,&lt;br /&gt;
vor dem Hof macht Frühlingsfarbe das Herz verwund'.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im moosbedeckten Hof steht das Tor nur angelehnt,&lt;br /&gt;
an der Balustrade lehnt einsam die Gestalt.&lt;br /&gt;
Sie weint im Ostwind an der Brüstung still,&lt;br /&gt;
im roten Rock steht sie bei Pfirsichblüten, kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Blütenblätter wirbeln bunt herab,&lt;br /&gt;
frisch rot erblüht, in tiefem Grün das Laub.&lt;br /&gt;
In Nebel eingehüllt, in Dunst versiegelt, tausend Bäume stehn,&lt;br /&gt;
sie färben Turm und Wand in rotes Trüb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Himmelsweber riss das Mandarinentenbrokattuch,&lt;br /&gt;
vom Frühlingsrausch erwachend, schiebt sie das Korallenkissen fort.&lt;br /&gt;
Die Zofe bringt das goldne Becken Wasser dar,&lt;br /&gt;
im Duftquell spiegelt sich der Schminke kühler Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schminke glänzt — wem gleicht sie am Gesicht?&lt;br /&gt;
Der Blüte Farbe und des Menschen Tränen sind's.&lt;br /&gt;
Vergleicht man Tränen mit der Pfirsichblüte gar —&lt;br /&gt;
die Träne fließt beständig, doch die Blüte strahlt beschwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit tränenden Augen schaut sie Blüten an, die Träne trocknet bald,&lt;br /&gt;
und ist die Träne trocken, welkt im Lenz die Blüte auch.&lt;br /&gt;
Die welke Blüte birgt die welke Frau,&lt;br /&gt;
die Blüte fällt, die Frau ermattet — Dämmerung bricht ein.&lt;br /&gt;
Ein Kuckucksruf — der Frühling ist dahin,&lt;br /&gt;
einsam der Vorhang, leer der Mondesschein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade las es und lobte es nicht mit Worten, doch Tränen rollten ihm die Wangen herab. Er wusste sogleich, dass es von Kajaljade stammte, und eben darum weinte er. Aus Angst, die anderen könnten es bemerken, wischte er sich schnell die Augen. Dann fragte er: „Wie seid ihr daran gekommen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzharfe lachte: „Rate doch, wer es geschrieben hat!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Natürlich das Manuskript der Herrin vom Bambushain [潇湘子].&amp;quot; Schatzharfe lachte: „Dabei habe ich es doch geschrieben!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Das glaube ich nicht. Dieser Ton, dieser Ausdruck unterscheidet sich völlig vom Stil der Bewohnerin des Duftkrautgartens [蘅芜, Schatzspange]. Darum glaube ich es nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange lachte: „Deswegen verstehst du eben nichts davon. Hatte denn Du Fu [杜工部] etwa nur Verse wie ‚Zwei Herbste schon blühen die Astern — Tränen ferner Tage'? Er hatte ebenso ‚Rot platzt der Regen, fett die Pflaume' und ‚Wasserpflanzen, windgetrieben, grüne Bänder lang' — durchaus reizvolle Zeilen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lachte: „Das ist gewiss richtig. Aber ich weiß, dass die ältere Schwester der jüngeren niemals solch traurige Verse erlaubt hätte, und die jüngere Schwester, obwohl sie das Talent dazu besitzt, würde sie gewiss nicht schreiben. Das ist nicht wie bei Schwester Lin, die selbst Trennung und Trauer erfahren hat und darum solch klagende Töne anstimmt.&amp;quot; Alle lachten, als sie das hörten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man hatte das Reisduftdorf bereits erreicht, und als man Seidenweiß Pflaume das Gedicht zeigte, lobte diese es natürlich überschwänglich. Als man auf die Dichtgesellschaft zu sprechen kam, beschloss man gemeinsam: „Morgen ist der zweite Tag des dritten Monats — dann gründen wir die Gesellschaft neu, benennen die ‚Meerzapfengesellschaft' in ‚Pfirsichblütengesellschaft' um, und Kajaljade wird die Gesellschaftsleiterin. Morgen nach dem Mittagessen versammeln wir uns alle im Bambushain.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man begann gleich, Themen festzulegen. Kajaljade schlug vor: „Schreibt alle ein Pfirsichblütengedicht mit hundert Reimpaaren.&amp;quot; Schatzspange wandte ein: „Das geht nicht. Es gibt seit jeher die meisten Pfirsichblütengedichte. Was man auch schreibt, es wird in ein altes Muster fallen — das lässt sich nicht mit deinem Gedicht im alten Stil vergleichen. Wir müssen uns etwas anderes überlegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch während sie sprachen, wurde gemeldet: „Die Tante Onkelfrau ist gekommen. Die Fräuleins möchten bitte herauskommen, um ihre Aufwartung zu machen.&amp;quot; Also gingen alle nach vorn, um König Zitengs Gemahlin zu begrüßen, und man unterhielt sich mit ihr. Nachdem man gemeinsam gespeist hatte, begleitete man sie in den Garten und zeigte ihr alles. Erst nach dem Abendessen, als die Laternen angezündet wurden, ging sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag war Erkundefrühlings Geburtstag. Urfrühling [元春] hatte schon am frühen Morgen zwei kleine Eunuchen mit einigen Spielzeugen geschickt. Auch die gesamte Familie brachte Geburtstagsgeschenke, das versteht sich von selbst. Nach dem Mittagessen zog Erkundefrühling ihre Festkleidung an und ging überall hin, um sich zu bedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte lachend zu den anderen: „Meine Gesellschaftsgründung kommt schon wieder ungelegen — ich habe ganz vergessen, dass diese Tage ihr Geburtstag ist. Auch wenn kein Fest mit Wein und Theater gefeiert wird, muss man sie doch den ganzen Tag bei der Herzoginmutter und Dame König Gesellschaft leisten lassen. Wie soll man da freie Zeit finden?&amp;quot; Darum verschob man es auf den fünften Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Morgen, nachdem alle Schwestern in den Gemächern beim Frühstück aufgewartet hatten, traf ein Brief von Aufrecht Kaufmann [贾政] ein. Schatzjade erkundigte sich nach seinem Befinden, faltete den Brief mit den Grüßen an die Herzoginmutter auseinander und las ihr vor. Es waren nur die üblichen Grußformeln und die Mitteilung, dass er um die Mitte des sechsten Monats in die Hauptstadt zurückkehren werde. Die übrigen Familienbriefe und Geschäftsmitteilungen wurden von Kette Kaufmann und Dame König gelesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als alle hörten, dass er im sechsten oder siebten Monat zurückkommen würde, freuten sich alle über die Maßen. Doch gerade in diesen Tagen war König Zitengs Tochter dem Sohn des Fürsten von Baoning zur Frau versprochen worden, und die Hochzeit war für den zehnten Tag des fünften Monats angesetzt. Phönixglanz war wieder mit den Vorbereitungen beschäftigt und drei bis fünf Tage am Stück nicht zu Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag kam König Zitengs Gemahlin erneut, um Phönixglanz abzuholen und zugleich alle Nichten und Neffen zu einem vergnüglichen Tag einzuladen. Die Herzoginmutter und Dame König befahlen Schatzjade, Erkundefrühling, Kajaljade und Schatzspange, zusammen mit Phönixglanz mitzugehen. Niemand wagte zu widersprechen, und so gingen alle in ihre Zimmer, um sich neu zu schmücken. Die fünf verabschiedeten sich und verbrachten den Tag dort. Erst bei Laternenschein kamen sie zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade den Hof der Roten Freude [怡红院] betrat, ruhte er sich eine halbe Stunde aus. Dufthauch nutzte die Gelegenheit und riet ihm, sich ein wenig zu sammeln und in seiner freien Zeit die Bücher zu ordnen, um sich vorzubereiten. Schatzjade zählte an den Fingern und sagte: „Es ist noch früh genug.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch erwiderte: „Die Bücher sind das Erste und die Schriftübungen das Zweite. Wenn es dann soweit ist, hast du vielleicht die Bücher, aber wo sind dann deine Schriftproben?&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ich habe doch oft welche geschrieben — sind die nicht alle aufgehoben worden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: „Natürlich habe ich sie aufgehoben. Als du gestern nicht zu Hause warst, habe ich sie herausgenommen und gezählt — es sind gerade mal fünfzig oder sechzig Stück. In drei oder vier Jahren nur so wenige Blätter? Meiner Meinung nach solltest du ab morgen alle anderen Gedanken ablegen und jeden Tag fleißig einige Blätter Schönschrift üben, um die Lücken zu füllen. Es muss zwar nicht für jeden Tag eines da sein, aber im Großen und Ganzen sollte es passabel aussehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, sichtete er hastig selbst alles noch einmal und erkannte, dass es wirklich nicht ausreichte. Also sagte er: „Ab morgen schreibe ich jeden Tag hundert Zeichen, dann passt es.&amp;quot; Man sprach noch eine Weile und legte sich dann schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag stand er auf, wusch sich, kämmte sich und setzte sich unter das Fenster, rieb die Tusche an und begann in schöner Regelschrift Vorlagen abzuschreiben. Als die Herzoginmutter ihn nicht erscheinen sah, dachte sie, er sei krank, und schickte sofort jemanden, um nachzufragen. Schatzjade ging daraufhin, ihr seinen Morgengruß darzubringen, und erklärte, er habe am frühen Morgen mit dem Schreiben begonnen und sei deshalb spät gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter das hörte, freute sie sich sehr und befahl: „Von nun an schreibe und lies nur nach Herzenslust. Du brauchst nicht herauszukommen, wenn du nicht willst. Geh und sage es auch deiner Mutter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging zu Dame König und erklärte es ihr. Dame König sagte: „Im letzten Moment das Schwert zu wetzen, nützt auch nichts mehr. Wenn er sich jetzt so aufregt — hätte er jeden Tag ein wenig geschrieben und gelesen, wie viel ließe sich da noch schaffen! Dieses Hetzen wird ihn nur wieder krank machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade beteuerte, es sei nicht so schlimm. Auch die Herzoginmutter sorgte sich, er könne sich krank hetzen. Da sagten Erkundefrühling und Schatzspange lachend: „Die Herzoginmutter braucht sich nicht zu sorgen. Die Bücher können wir ihm zwar nicht abnehmen, aber die Schriftübungen schon. Wenn jede von uns jeden Tag eine Seite für ihn abschreibt, kommen wir über diese Hürde. Erstens wird der Herr Vater bei seiner Rückkehr nicht böse, und zweitens macht er sich nicht krank vor Aufregung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hörte das und freute sich grenzenlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade hatte nämlich gehört, dass Aufrecht Kaufmann bei seiner Rückkehr gewiss nach Schatzjades Fortschritten fragen werde, und fürchtete, dass Schatzjade sein Herz zu sehr an andere Dinge hängte und zur Zeit der Prüfung Nachteile erleiden würde. Deshalb tat sie selbst so, als interessiere sie sich nicht dafür, rief die Dichtgesellschaft nicht ein und versuchte auch nicht, ihn mit äußeren Dingen abzulenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling und Schatzspange übten jeden Tag eine Seite Regelschrift für Schatzjade, und Schatzjade selbst legte sich ebenfalls ins Zeug und schrieb mal zweihundert, mal dreihundert Zeichen am Tag. Bis Ende des dritten Monats hatte man wieder eine beträchtliche Anzahl zusammengebracht. An diesem Tag rechnete man durch: Noch fünfzig Seiten fehlten, und man käme gerade so über die Runden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam unerwartet Purpurkuckuck [紫鹃] herein und brachte Schatzjade eine Schriftrolle. Als er sie öffnete, waren es auf altem, öligem Bambuspapier sorgfältig abgeschriebene Fliegenkopf-Miniaturschrift im Stil von Zhong You und Wang Xizhi, und die Handschrift glich seiner eigenen bis aufs Haar. Schatzjade war so erfreut, dass er Purpurkuckuck eine tiefe Verbeugung machte und dann persönlich hinging, um sich zu bedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Xiangfluss-Wolke und Schatzharfe hatten je einige Seiten abgeschrieben und ihm geschenkt. Obwohl die Gesamtzahl nicht ganz die erforderliche Menge erreichte, genügte es doch zum Durchkommen. Schatzjade war beruhigt und begann daraufhin, die Bücher, die er lesen sollte, noch einmal durchzuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als er Tag für Tag fleißig lernte, kam es dazu, dass die Küste in der Nähe des Meeres von einer Sturmflut heimgesucht wurde, die mehrere Bezirke verwüstete. Die Provinzbeamten reichten Berichte ein, und auf kaiserlichen Befehl wurde Aufrecht Kaufmann angewiesen, auf seinem Rückweg die Hilfsmaßnahmen und Rechnungen zu überprüfen. So gerechnet, würde er erst gegen Winterende zurückkehren. Als Schatzjade davon hörte, legte er Bücher und Schriftübungen sofort wieder beiseite und trieb sich wie zuvor müßig umher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war Spätfrühling, und Xiangfluss-Wolke langweilte sich. Als sie die Weidenkätzchen im Wind tanzen sah, dichtete sie spontan ein kleines Lied nach der Melodie „Wie ein Traum&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist es Stickgarn, das zerfasert fällt?&lt;br /&gt;
Es rollt den halben Vorhang duftend auf.&lt;br /&gt;
Mit zarter Hand pflückt sie es selbst —&lt;br /&gt;
vergeblich lässt sie Kuckuck klagen, Schwalbe neiden.&lt;br /&gt;
Halt ein, halt ein!&lt;br /&gt;
Lass nicht den Frühlingsglanz von dannen scheiden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie war mit ihrem Werk zufrieden, schrieb es auf ein Blatt Papier und zeigte es Schatzspange. Dann ging sie zu Kajaljade. Kajaljade las es und sagte lachend: „Gut! Frisch und reizvoll. Aber das könnte ich nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke lachte: „Bei all unseren Gesellschaftstreffen haben wir noch nie Lieder gedichtet. Warum rufst du nicht morgen ein Treffen zum Liederdichten ein — das wäre einmal etwas anderes und ganz erfrischend!&amp;quot; Als Kajaljade das hörte, packte sie plötzlich die Begeisterung, und sie sagte: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag! Ich werde sie sofort einladen.&amp;quot; Damit ließ sie einige Sorten Obst und Gebäck vorbereiten und schickte zugleich Boten zu allen Eingeladenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Währenddessen legten die beiden Freundinnen als Thema Weidenkätzchen fest und bestimmten mehrere verschiedene Liedmelodien, die sie auf ein Blatt schrieben und an die Wand hefteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die anderen kamen und es sahen — das Thema war Weidenkätzchen, und jede sollte in einer anderen kurzen Liedmelodie dichten —, lasen sie auch Xiangfluss-Wolkes Lied und lobten es eine Weile. Schatzjade lachte: „Im Liederdichten sind wir weniger geübt, aber wir müssen uns trotzdem etwas zusammenreimen.&amp;quot; Also zogen alle Lose.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange zog „Am Ufer des Flusses&amp;quot; [临江仙], Schatzharfe „Mond über dem Westfluss&amp;quot; [西江月], Erkundefrühling „Melodie aus Nanke&amp;quot; [南柯子], Kajaljade „Tang Duoling&amp;quot; [唐多令] und Schatzjade „Schmetterling liebt die Blume&amp;quot; [蝶恋花].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck entzündete eine Stange Süßtraumräucherstäbchen, und alle versanken in Nachdenken. Bald hatte Kajaljade etwas und schrieb es nieder. Gleich darauf waren auch Schatzharfe und Schatzspange fertig. Nachdem die drei geschrieben hatten, schauten sie sich gegenseitig die Verse an. Schatzspange lachte: „Lasst mich erst eure fertig lesen, dann zeige ich meines.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling rief lachend: „Oh weh! Wie schnell brennt das Räucherstäbchen heute herunter — nur noch drei Zehntel sind übrig! Ich habe erst die Hälfte!&amp;quot; Dann fragte sie, ob Schatzjade schon fertig sei. Schatzjade hatte zwar einiges geschrieben, war aber selbst unzufrieden, hatte alles wieder ausgestrichen und wollte neu beginnen. Als er sich umdrehte und das Räucherstäbchen ansah, war es fast niedergebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume lachte: „Das zählt als verloren. Die Halbe von der Bananenschwester soll sie immerhin aufschreiben.&amp;quot; Als Erkundefrühling das hörte, schrieb sie eilig auf. Die anderen schauten — es war nur die Hälfte einer „Melodie aus Nanke&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lose hängen feine Fäden,&lt;br /&gt;
Vergeblich spinnen sich die Ranken.&lt;br /&gt;
Nicht binden noch halten lässt es sich —&lt;br /&gt;
nach Ost und West, nach Süd und Nord mag jedes treiben, sonder Schranken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume lachte: „Das lässt sich doch gut fortsetzen — warum machst du nicht weiter?&amp;quot; Schatzjade sah, dass das Räucherstäbchen erloschen war, gab bereitwillig seine Niederlage zu und weigerte sich, etwas Halbherziges abzuliefern. Er legte den Pinsel hin und ging hinüber, um diese halbe Strophe zu betrachten. Als er sah, dass sie unvollendet war, regte sich gerade dadurch sein Ehrgeiz, und er nahm den Pinsel und setzte fort:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fällt sie, so traure nicht, mein Freund,&lt;br /&gt;
fliegt sie herbei, so weiß ich selbst Bescheid.&lt;br /&gt;
Wenn Lerche trauert und der Schmetterling ermattet,&lt;br /&gt;
kehrt späte Blütezeit —&lt;br /&gt;
selbst wenn im nächsten Lenz wir uns wiedersehn,&lt;br /&gt;
trennt uns ein ganzes Jahr an Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten: „Deinen eigenen Teil bringst du nicht zustande, und hier fällt dir plötzlich etwas ein! Selbst wenn es gut ist, zählt es nicht.&amp;quot; Dann lasen sie Kajaljades „Tang Duoling&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Puder fällt am Blütenstrand,&lt;br /&gt;
Duft verwelkt am Schwalbenbau.&lt;br /&gt;
Knäuel um Knäuel, Paar an Paar zu Ballen.&lt;br /&gt;
Treibend wie ein Menschenleben, zart und flüchtig,&lt;br /&gt;
in leerer Zärtlichkeit&lt;br /&gt;
von Eleganz und Glanz zu lallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst Gras und Bäume kennen Gram,&lt;br /&gt;
die Jugend wird vor der Zeit weiß und grau.&lt;br /&gt;
Ach, wer sammelt, wer verwirft in diesem Leben?&lt;br /&gt;
Dem Ostwind angetraut — der Frühling kümmert's nicht,&lt;br /&gt;
treibt, wie ihr wollt!&lt;br /&gt;
Wer könnte bleiben, wer sich widersetzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lasen es, nickten und seufzten: „Allzu traurig! Gut ist es freilich.&amp;quot; Dann lasen sie Schatzharfes „Mond über dem Westfluss&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Han-Palast vereinzelt, doch begrenzt,&lt;br /&gt;
Am Sui-Damm Tupfer ohne Zahl.&lt;br /&gt;
Drei Frühlinge Geschäft dem Ostwind dargebracht —&lt;br /&gt;
wie Mondlicht und Pflaumenblüte: alles nur ein Traum.&lt;br /&gt;
An wie vielen Höfen fallen rote Blüten?&lt;br /&gt;
Wessen Haus umweht der Duftschneehauch?&lt;br /&gt;
Von Süd bis Nord, ein und dasselbe Los —&lt;br /&gt;
nur wer scheiden muss, dem wiegt der Gram so schwer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle sagten lachend: „Ihr Ton ist wahrlich kraftvoll. ‚An wie vielen Höfen' und ‚Wessen Haus' — diese beiden Zeilen sind am schönsten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange lachte: „Aber letztlich ist auch das zu trübsinnig. Ich denke mir, Weidenkätzchen sind von Natur leichte, wurzellose, haltlose Dinge. Doch nach meiner Auffassung sollte man sie gerade schön reden — erst dann fällt man nicht in die üblichen Muster. Darum habe ich etwas zusammengereimt, das euren Geschmack vielleicht nicht trifft.&amp;quot; Alle lachten: „Sei nicht so bescheiden! Lasst uns lesen, es ist gewiss gut.&amp;quot; So lasen sie ihr „Am Ufer des Flusses&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der weißen Jadehalle tanzt der Frühling,&lt;br /&gt;
der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke lachte als Erste: „Wunderbar, dieses ‚der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor'! Allein diese Zeile übertrifft alle anderen.&amp;quot; Dann lasen sie weiter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bienenschwärmen, Schmetterlingsgeschwadern bunt.&lt;br /&gt;
Wann je folgte es dem fließenden Wasser?&lt;br /&gt;
Muss es denn im Blütenstaub vergehen?&lt;br /&gt;
Zehntausend Fäden, tausend Ranken bleiben unverrückt,&lt;br /&gt;
mag es sich scharen oder trennen nach Belieben.&lt;br /&gt;
Lacht nicht, Jugendglanz, über das Fehlen jeder Wurzel —&lt;br /&gt;
wenn guter Wind mir häufig Kraft verleiht,&lt;br /&gt;
trägt er mich hinauf zu den Wolken!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle schlugen auf den Tisch und riefen begeistert: „Wahrhaftig, großartig gewendet! Natürlich in Kraft und Schwung — dieses Lied gebührt der erste Platz. In wehmütiger Innigkeit muss man der Herrin vom Xiaoxiang den Vorrang lassen, in anmutiger Zierlichkeit der Kissennebelschönen [枕霞, Xiangfluss-Wolke], und die kleine Schnee [Schatzharfe] sowie die Bananengästin [蕉客, Erkundefrühling] sind heute durchgefallen und müssen bestraft werden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzharfe lachte: „Wir nehmen unsere Strafe hin — aber was geschieht mit dem, der ein leeres Blatt abgegeben hat?&amp;quot; Seidenweiß Pflaume sagte: „Keine Eile — den bestrafen wir erst recht schwer. Beim nächsten Mal dient es als Beispiel.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch war das Wort nicht zu Ende gesprochen, als draußen am Fenster auf dem Bambus ein Geräusch ertönte, als wäre ein Fensterladen umgekippt, und alle erschraken. Als die Mägde hinausgingen, um nachzusehen, rief eine Magd draußen vor dem Vorhang: „Ein großer Schmetterlings-Drachen hat sich in der Bambusspitze verfangen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mägde lachten: „Was für ein hübscher Drachen! Wer weiß, wem die Schnur gerissen ist — holt ihn herunter!&amp;quot; Als Schatzjade und die anderen das hörten, kamen sie alle heraus, um ihn zu betrachten. Schatzjade lachte: „Ich kenne diesen Drachen. Das ist der von Fräulein Jiaohong [娇红] aus dem Hof des Großen Herrn. Nehmt ihn herunter und bringt ihn ihr zurück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Als gäbe es auf der ganzen Welt nicht zwei gleiche Drachen und nur sie hätte einen solchen! Mir ist es egal, ich nehme ihn mir.&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Purpurkuckuck wird auch knauserig! Ihr habt doch selbst welche. Jetzt einen aufzulesen, den jemand hat fliegen lassen — fürchtet ihr euch nicht vor dem bösen Omen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte: „Ganz recht! Man weiß ja nicht, wer sein Unglück damit hat fliegen lassen wollen. Werft ihn schnell hinaus! Holt unsere eigenen heraus, dann lassen auch wir unser Unglück fliegen!&amp;quot; Als Purpurkuckuck das hörte, befahl sie den kleinen Mägden, den Drachen hinauszubringen und den diensthabenden Frauen am Gartentor zu geben, damit sie ihn zurückgeben könnten, falls jemand danach suchen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kleinen Mägde drinnen hatten das Wort „Drachensteigen&amp;quot; gehört und konnten es kaum erwarten. Sie machten sich mit Händen und Füßen daran, einen Schönheitsdrachen herauszuholen. Einige schleppten hohe Hocker herbei, andere banden die Schnurkreuze, wieder andere wickelten die Haspeln. Schatzspange und die anderen standen alle am Hoftor und befahlen den Mägden, draußen auf dem freien Platz die Drachen steigen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzharfe lachte: „Deiner ist nicht besonders hübsch — der große Phönix mit den weichen Flügeln von der dritten Schwester ist schöner.&amp;quot; Schatzspange lachte: „Allerdings!&amp;quot; Dann wandte sie sich lachend an Jadtusche [翠墨] und sagte: „Hol euren auch, dann lasst ihn steigen!&amp;quot; Jadtusche ging vergnügt los, um ihn zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade geriet auch in Begeisterung und schickte eine kleine Magd nach Hause mit dem Auftrag: „Hol den großen Fisch, den mir Verwalterin Lai Da gestern geschenkt hat.&amp;quot; Das Mädchen war lange fort und kam mit leeren Händen zurück. Lachend sagte es: „Fräulein Heitermuster hat ihn gestern schon fliegen lassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade rief: „Ich habe ihn noch nicht ein einziges Mal steigen lassen!&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Immerhin hat sie dein Unglück für dich fliegen lassen.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Na gut. Dann bringt den großen Krebs!&amp;quot; Die Magd ging und kam mit mehreren Leuten zurück, die einen Schönheitsdrachen und eine Haspel trugen. „Fräulein Dufthauch lässt ausrichten, den Krebs habe sie gestern dem Dritten Herrn [贾环] gegeben. Diesen hier hat Verwalterin Lin gerade erst gebracht — lasst diesen steigen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade betrachtete ihn genau — der Schönheitsdrachen war äußerst kunstvoll gearbeitet. Erfreut befahl er, ihn steigen zu lassen. Inzwischen hatte auch Erkundefrühling ihren holen lassen, und Jadtusche war mit einigen kleinen Mägden auf dem Hügel drüben schon beim Steigenlassen. Schatzharfe befahl ebenfalls, ihre große rote Fledermaus zu holen. Auch Schatzspange war in Hochstimmung und ließ ihren holen — es war eine Kette von sieben großen Wildgänsen, und alle wurden in die Luft gelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur Schatzjades Schönheitsdrachen wollte nicht steigen. Schatzjade sagte, die Mägde könnten nicht damit umgehen, und versuchte es selbst eine halbe Stunde lang, aber der Drachen stieg nur bis Dachhöhe und fiel wieder herunter. Vor Aufregung brach Schatzjade der Schweiß aus, und alle lachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade warf den Drachen wütend auf den Boden und deutete mit dem Finger darauf: „Wäre es keine Schönheit, würde ich sie mit den Füßen zertrampeln!&amp;quot; Kajaljade lachte: „Das liegt an der Hauptschnur — sie ist nicht gut. Lass sie hinausbringen und von jemandem die Hauptschnur neu binden!&amp;quot; Schatzjade schickte jemanden los, um die Schnur neu binden zu lassen, und nahm sich inzwischen einen anderen Drachen zum Steigenlassen. Alle blickten hinauf: Die Drachen am Himmel waren schon hoch in die Lüfte gestiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf brachten die Mägde noch viele verschiedenartig gestaltete Drachen, und man spielte eine Weile. Purpurkuckuck lachte: „Diesmal ist der Wind stark — Fräulein, kommt und lasst ihn los!&amp;quot; Als Kajaljade das hörte, stützte sie ihre Hand mit einem Taschentuch, gab einmal kräftig Zug, und tatsächlich war der Wind stark. Sie übernahm die Haspel und ließ, der Zugkraft des Drachens folgend, die Haspel los. Ein reißendes Rattern ertönte, und im Nu war die Schnur der Haspel abgelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lud die anderen ein, ihre Drachen loszulassen. Alle lachten: „Jede hat ihren eigenen — bitte, fang du an!&amp;quot; Kajaljade lachte: „Loslassen macht zwar Spaß, aber es tut mir doch leid.&amp;quot; Seidenweiß Pflaume sagte: „Drachensteigen ist doch für dieses Vergnügen da. Darum sagt man auch, man lässt sein Unglück fliegen. Du solltest umso mehr loslassen — nimm deine Krankheitswurzeln alle mit fort!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Unser Fräulein wird immer geiziger! Jedes Jahr lässt sie ein paar steigen, und jetzt tut ihr das Herz plötzlich weh. Wenn das Fräulein nicht loslässt, dann lasse ich los.&amp;quot; Damit nahm sie Schneegans [雪雁] eine kleine silberne Schere westlicher Machart aus der Hand, setzte sie direkt an der Haspelwurzel an, so dass nicht ein Fingerbreit Schnur übrig blieb, und — ratsch! — schnitt sie durch. Lachend rief sie: „Damit fliegt auch die Krankheit mitsamt allen Wurzeln davon!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Drachen taumelte und schwankte und entfernte sich immer weiter. Bald war er nur noch so groß wie ein Hühnerei, einen Augenblick später nur noch ein schwarzer Punkt, und nach einem weiteren Augenblick war er verschwunden. Alle reckten die Hälse, kniffen die Augen zusammen und riefen: „Wie herrlich, wie herrlich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Schade, dass man nicht weiß, wo er herunterkommt. Fällt er dort, wo Menschen wohnen, und finden Kinder ihn, so ist es noch gut. Fällt er aber in einer wüsten, menschenleeren Gegend nieder, fühle ich seine Einsamkeit mit. Bei dem Gedanken will ich auch meinen loslassen, damit die beiden Gefährten füreinander haben.&amp;quot; Also schnitt auch er die Schnur durch und ließ seinen Drachen genauso fliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade wollte Erkundefrühling ihre Phönixschnur durchschneiden, da entdeckte sie am Himmel noch einen zweiten Phönix und sagte: „Von wem der wohl stammt?&amp;quot; Alle lachten: „Warte noch mit dem Abschneiden! Es sieht so aus, als wollten sie sich miteinander verheddern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich kam der andere Phönix immer näher und verstrickte sich mit Erkundefrühlings Phönix. Man wollte die Schnur einholen, doch der andere Besitzer tat dasselbe. Noch während sie im Gerangel waren, tauchte ein riesiger, türflügelgroßer, kunstvoll gearbeiteter Doppelfreude-Drachen mit Rasselpeitsche auf, dessen Klang am Himmel wie Glockengeläut dröhnte, und näherte sich ebenfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten: „Der will sich wohl auch verheddern! Holt die Schnur nicht ein — wenn sich alle drei verknoten, ist es erst richtig lustig!&amp;quot; Und tatsächlich verschlang sich der Doppelfreudedrachen mit den beiden Phönixen. Man zerrte und ruckte von drei Seiten, doch plötzlich rissen alle Schnüre zugleich, und die drei Drachen segelten schwankend davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle klatschten in die Hände und lachten laut: „Wie lustig! Aber wem gehört wohl der Doppelfreudedrachen? Der hat sich ganz schön frech benommen!&amp;quot; Kajaljade sagte: „Meinen Drachen habe ich auch fliegen lassen, und ich bin müde — ich gehe mich ausruhen.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Wartet noch, bis auch wir unsere losgelassen haben, dann können wir alle auseinandergehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem man zugesehen hatte, wie auch die Schwestern ihre Drachen fliegen ließen, trennte man sich. Kajaljade ging in ihr Zimmer und legte sich hin, um zu ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, erfahre es im nächsten Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 69</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_64|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;64&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_65|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;65&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_66|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;66&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_67|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;67&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_68|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;68&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;69&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_70|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;70&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_71|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;71&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_72|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;72&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_73|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;73&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_74|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;74&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十九回 / Kapitel 69 =&lt;br /&gt;
== 弄小巧用借剑杀人 ==&lt;br /&gt;
=== 觉大限吞生金自逝 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
弄小巧用借剑杀人 / 觉大限吞生金自逝&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders schluckt Gold und stirbt; Friedchen stiehlt heimlich Silber für die Bestattung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Herzen zerbricht die Zweitschwester Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Zweitschwester Sonders: Chin. 尤二姐 Yóu Èrjiě, die heimliche Zweitfrau von Kette Kaufmann (Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, zweiter Sohn von Begnadigung Kaufmann, Ehemann von Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, die gewiefte Ehefrau von Kette Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und schluckt Gold, um ihrem elenden Leben ein Ende zu setzen. Das Dienstmädchen Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, die treue und kluge Leibmagd von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; stiehlt heimlich Silber, um die Bestattung zu ermöglichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass die Zweitschwester Sonders, als sie Phönixglanz' Bericht hörte, sich nur immer wieder bedankte und ihr folgte. Die Schwägerin Sonders konnte schlecht nicht mitkommen und begleitete sie, um bei der Erklärung vor der Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die alte Matriarchin des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; dabei zu sein — so verlangte es der Anstand. Phönixglanz lachte: „Du sagst einfach nichts, lass nur mich reden.&amp;quot; Die Schwägerin Sonders antwortete: „Natürlich. Aber wenn etwas schiefgeht, schiebe ich es auf dich.&amp;quot; So kamen alle zunächst in die Gemächer der Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter war gerade dabei, mit den jungen Damen aus dem Garten zu plaudern und sich zu amüsieren, als plötzlich Phönixglanz mit einer hübschen jungen Frau hereinkam. Die Herzoginmutter kniff die Augen zusammen und sagte: „Wessen Kind ist das? Wie reizend!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz trat lachend vor: „Ahnherrin, schaut sie Euch doch genau an — ist sie nicht schön?&amp;quot; Dann zog sie die Zweitschwester Sonders heran: „Das ist die Urgroßmutter — schnell, mach den Kotau!&amp;quot; Die Zweitschwester Sonders vollzog die große Verbeugung. Dann stellte Phönixglanz die jungen Damen vor: „Das ist die und die — lern sie schon einmal kennen. Wenn die Gnädigen Frauen dich gesehen haben, machst du die formelle Begrüßung.&amp;quot; Die Zweitschwester Sonders stellte sich jeder einzeln vor und stand dann mit gesenktem Kopf zur Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter musterte sie von oben bis unten, lächelte und fragte: „Wie heißt du? Wie alt bist du?&amp;quot; Phönixglanz lachte: „Ahnherrin, fragt noch nicht — sagt nur, ob sie hübscher ist als ich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter setzte ihre Brille auf und befahl Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, die treue Leibmagd der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Bernstein: „Bringt das Kind näher, ich will mir die Haut ansehen!&amp;quot; Alle unterdrückten ein Kichern und schoben die Zweitschwester Sonders vor. Die Herzoginmutter betrachtete sie eingehend und sagte zu Bernstein: „Zeig mir ihre Hände!&amp;quot; Mandarinenente hob ihren Rock an. Nachdem die Herzoginmutter alles betrachtet hatte, nahm sie die Brille ab und sagte lachend: „Das ist ein makelloses Kind! Ich finde, sie ist hübscher als du.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz kniete lächelnd nieder und erzählte der Herzoginmutter die mit der Schwägerin Sonders abgesprochene Geschichte Punkt für Punkt: „Bitte, Ahnherrin, habt ein gnädiges Herz und erlaubt ihr, einzuziehen. In einem Jahr erst wird die Ehe vollzogen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Was ist daran auszusetzen? Da du so tugendhaft bist, ist das sehr löblich. Nur darf die Ehe erst in einem Jahr vollzogen werden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz dankte mit einem Kotau, stand auf und bat die Herzoginmutter, zwei Frauen mitzuschicken, um die Zweitschwester Sonders den Gnädigen Frauen vorzustellen — mit dem Hinweis, es sei der Wille der Ahnherrin. Die Herzoginmutter stimmte zu. So wurde die Zweitschwester Sonders auch Dame Strafe und anderen vorgestellt. Dame König, die sich ohnehin wegen der anrüchigen Gerüchte Sorgen gemacht hatte, war erleichtert über dieses Vorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von nun an lebte die Zweitschwester Sonders offen im Haus und zog in die Seitenflügelzimmer ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig ließ Phönixglanz heimlich Zhang Hua anstacheln, seine Erstfrau zurückzufordern — neben großzügiger Abfindung und Geld zum Lebensunterhalt. Zhang Hua hatte eigentlich nie den Mut und die Absicht gehabt, die Familie Kaufmann zu verklagen. Als dann Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Leute zur Verhandlung schickte, argumentierten diese: „Zhang Hua hatte die Verlobung bereits aufgelöst. Wir sind alles Verwandte. Dass die Dame im Haus wohnt, ist wahr — aber von einer Heirat war nie die Rede. Zhang Hua schuldet unserem Haus Geld, und weil er es nicht zurückzahlt, verleumdet er uns.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Zensorat sowohl mit der Familie Kaufmann als auch mit der König-Familie verwandt war und zudem bestochen worden war, erklärte der Richter Zhang Hua für einen Taugenichts, der aus Armut Erpressung betreibe, wies die Klage ab und ließ ihn hinausprügeln. Draußen sorgte Qinger dafür, dass die Prügel nicht zu hart ausfielen, und stachelte Zhang Hua erneut an: „Die Verlobung wurde ja von deiner Familie geschlossen. Du brauchst nur die Braut zu fordern — das Gericht muss sie dir zusprechen!&amp;quot; Also klagte Zhang Hua erneut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Xin steckte dem Zensorat einen Wink, woraufhin der Richter urteilte: „Die Schulden Zhang Huas gegenüber dem Haus Kaufmann sind fristgerecht zu begleichen. Die vereinbarte Verlobung kann eingelöst werden, sobald Zhang Hua über die Mittel verfügt.&amp;quot; Auch Zhang Huas Vater wurde vorgeladen und stimmte vor Gericht zu — auch er war von Qinger eingeweiht und freute sich, Mensch und Geld zugleich zu gewinnen. Er ging zum Haus Kaufmann, um die Braut abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lief erschrocken zur Herzoginmutter und berichtete: „Die Schwägerin Sonders hat die Sache schlecht gehandhabt! Die Verlobung war nie ordentlich aufgelöst worden, und jetzt hat der Mann geklagt, und das Gericht hat so entschieden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter rief sofort die Schwägerin Sonders herbei und schalt sie: „Deine Schwester war seit ihrer Kindheit verlobt, und die Verlobung wurde nie aufgehoben — da klagt man natürlich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwägerin Sonders konnte nur sagen: „Er hat das Geld doch genommen — wie kann die Sache nicht erledigt sein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz warf von der Seite ein: „In Zhang Huas Aussage steht, er habe kein Geld gesehen und es sei niemand zu ihm gekommen. Sein Vater sagt: ‚Die Schwiegermutter hat einmal davon gesprochen, aber es wurde nie vereinbart. Nachdem die Schwiegermutter starb, habt ihr sie einfach als Zweitfrau aufgenommen.' Ohne Zeugen kann er sagen, was er will. Glücklicherweise war der Zweite Herr nicht zu Hause und die Ehe wurde noch nicht vollzogen — das ist nicht so schlimm. Nur — sie ist schon hier. Wie sollen wir sie zurückschicken? Das wäre doch eine Schande.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Die Ehe ist nicht vollzogen — da behalten wir doch nicht die Frau eines anderen Mannes! Der Ruf wäre ruiniert. Schickt sie ihm zurück. Es finden sich genug gute Frauen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders trat vor und sagte zur Herzoginmutter: „Meine Mutter hat ihm tatsächlich an dem und dem Datum zehn Liang Silber zur Auflösung der Verlobung gegeben. Er klagt nur aus Verzweiflung und hat sein Wort gebrochen. Meine Schwester hat nichts falsch gemacht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Das zeigt, wie schwer es ist, mit solchem Gesindel umzugehen. Wenn es so ist, Phönixglanz, kümmere dich darum.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hatte keine andere Wahl als zuzustimmen. Zurück in ihren Räumen, schickte sie nach Herrlichkeit Kaufmann. Der verstand genau, was Phönixglanz wollte — wenn Zhang Hua die Zweitschwester Sonders wirklich zurückholte, wäre das eine Blamage. Also besprach er sich mit Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Ostpalasts.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ließ Zhang Hua heimlich ausrichten: „Du hast jetzt genug Silber. Wozu brauchst du die Frau? Wenn du weiter darauf bestehst, könnten die Herren zornig werden und einen Vorwand finden — dann hast du keinen Ort mehr für dein Grab. Mit deinem Silber kannst du zu Hause jede beliebige gute Frau finden. Wenn du gehst, bekommst du noch Reisegeld obendrauf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhang Hua überlegte und fand den Vorschlag vernünftig. Er beriet sich mit seinem Vater, und nachdem sie zusammen etwa hundert Liang erhalten hatten, brachen Vater und Sohn am nächsten Tag um fünf Uhr morgens auf und kehrten in ihre Heimat zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann ermittelte die Wahrheit und berichtete der Herzoginmutter und Phönixglanz: „Zhang Hua und sein Vater haben falsch geklagt. Aus Furcht vor Strafe sind sie geflohen. Die Behörden wissen Bescheid und verfolgen die Sache nicht weiter. Die Angelegenheit ist erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz aber überlegte: Wenn sie Zhang Hua die Zweitschwester Sonders hätte zurückbringen lassen, hätte Kette Kaufmann bei seiner Rückkehr einfach ein paar Münzen gezahlt und sie zurückgeholt — Zhang Hua hätte dem nie widerstanden. Es war besser, die Zweitschwester Sonders blieb hier in ihrer Gewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur — Zhang Hua war auf unbekanntem Weg geflohen. Wenn er jemandem davon erzählte oder die Sache eines Tages wieder aufrollte, hätte sie sich selbst geschadet. Es war ein Fehler gewesen, einem Außenstehenden das Messer in die Hand zu geben. Reue kam zu spät. Also ersann sie einen neuen Plan und befahl König Er heimlich, Zhang Hua aufzuspüren und ihn umzubringen — ob durch eine fingierte Anklage wegen Diebstahls oder durch einen Mordanschlag —, um das Gras mit der Wurzel auszureißen und ihren Ruf zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Er überlegte zu Hause: Der Mann ist weg, die Sache erledigt. Menschenleben sind doch kein Kinderspiel! Am besten lüge ich sie an. So versteckte er sich ein paar Tage, kam dann zurück und berichtete Phönixglanz: Zhang Hua sei mit seinem Geld geflohen und am dritten Tag bei Jingkou im Morgengrauen von Straßenräubern erschlagen worden. Sein Vater sei vor Schreck in der Herberge gestorben; dort habe man die Leichen untersucht und bestattet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz glaubte ihm nicht und drohte: „Wenn du lügst und ich herausfinde, dass es anders war, schlage ich dir die Zähne ein!&amp;quot; Doch dann ließ sie die Sache auf sich beruhen. Von nun an war sie nach außen hin überaus herzlich zur Zweiten Schwester You — noch liebevoller als zu einer leiblichen Schwester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann kehrte eines Tages von seiner Geschäftsreise zurück. Zuerst suchte er das Haus in der Blumenstraße auf — es war still verschlossen, nur ein alter Hauswächter war da. Auf seine Frage erzählte ihm der Alte die ganze Geschichte. Kette Kaufmann stampfte wütend mit dem Fuß im Steigbügel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er musste Begnadigung Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Begnadigung Kaufmann: Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, der ältere der Kaufmann-Brüder, Vater von Kette Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame Strafe aufsuchen und über den Erfolg seiner Reise berichten. Begnadigung Kaufmann war hocherfreut, lobte ihn als tüchtig, schenkte ihm hundert Liang Silber und gab ihm obendrein ein siebzehnjähriges Dienstmädchen namens Qiutong als Nebenfrau. Kette Kaufmann dankte mit einem Kotau und war überglücklich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er dann die Herzoginmutter und die übrigen Hausgenossen begrüßt hatte und zu Phönixglanz kam, war seine Miene unweigerlich etwas verlegen. Doch überraschenderweise empfing ihn Phönixglanz nicht mit der gewohnten Strenge, sondern kam zusammen mit der Zweiten Schwester You heraus, um ihn zu begrüßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann erzählte von Qiutong, wobei sein Gesicht unvermeidlich Stolz und Selbstzufriedenheit zeigte. Phönixglanz ließ sofort zwei Frauen Qiutong herüberholen. Ein Stachel war noch nicht entfernt, da kam aus heiterem Himmel ein zweiter hinzu. Schlucken und Schweigen — sie zeigte nur eine freundliche Miene. Sie ließ ein Willkommensessen herrichten und stellte Qiutong der Herzoginmutter und Dame König vor. Kette Kaufmann wunderte sich insgeheim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am zwölften Tag des zwölften Monats brach Herrlichkeit Kaufmann zum Begräbniszug auf. Kette Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann begleiteten ihn drei Tage und drei Nächte lang. Unterwegs ermahnte Herrlichkeit Kaufmann sie, den Haushalt gut zu führen. Beide versprachen es mit wohlgesetzten Worten — doch das braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von nun an behandelte Phönixglanz zu Hause die Zweitschwester Sonders äußerlich tadellos, trug aber ganz andere Absichten im Herzen. Unter vier Augen sagte sie zur Zweiten Schwester You: „Schwester, dein Ruf ist sehr schlecht. Sogar die Ahnherrin und die Gnädigen Frauen wissen davon und sagen, du wärst schon als Mädchen nicht anständig gewesen und hättest mit deinem Schwager etwas gehabt. ‚Da hat sie sich eine ausgesucht, die keiner mehr wollte — warum verstößt sie sie nicht und sucht eine Bessere?' Als ich das hörte, wurde mir fast schlecht vor Wut. Ich habe versucht herauszufinden, wer das gesagt hat, aber es war nicht festzustellen. Auf Dauer — wie soll ich den Dienstleuten noch in die Augen sehen? Da habe ich mir selbst die Scherben aufgeladen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sie das zweimal so erzählt hatte, wurde sie selbst vor Ärger krank und aß und trank nicht mehr. Abgesehen von Friedchen redeten alle Mädchen und Dienerinnen hinter dem Rücken schlecht, stachelten an und sticheln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qiutong, die sich einbildete, als Geschenk von Begnadigung Kaufmann über allen zu stehen, verachtete sogar Phönixglanz und Friedchen — von der Zweiten Schwester You ganz zu schweigen. Bei jeder Gelegenheit schimpfte sie: „Diese Hure, die erst herumgehurt hat und dann, als sie keiner mehr wollte, geheiratet wurde — die will mir den Rang streitig machen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz freute sich insgeheim darüber. Die Zweitschwester Sonders empfand Scham, Zorn und Bitterkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Phönixglanz sich krank stellte, aß sie nicht mehr mit der Zweiten Schwester You zusammen. Täglich ließ sie ihr Essen ins Zimmer bringen — aber alles war ungenießbarer Abfall. Friedchen, die das nicht mitansehen konnte, gab eigenes Geld aus und brachte ihr Speisen. Manchmal sagte sie auch einfach, sie gehe mit ihr im Garten spazieren, und ließ in der Gartenküche eine Suppe für sie kochen. Niemand wagte, Phönixglanz davon zu erzählen. Doch eines Tages erwischte Qiutong die beiden und verriet es Phönixglanz: „Friedchen untergräbt Euren Ruf! Das gute Essen hier verschmäht sie, und dann geht sie in den Garten zum Stehlen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz schalt Friedchen: „Bei anderen Leuten fangen die Katzen Mäuse — nur meine Katze stiehlt die Hühner!&amp;quot; Friedchen wagte keinen Widerspruch und hielt sich fortan von der Zweiten Schwester You fern. Gegen Qiutong aber hegte sie einen stillen Hass, den sie nicht aussprechen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Gartenbewohnerinnen sympathisierten Frau Li, Willkommensfrühling und Bedauerfrühling mit Phönixglanz. Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, der Hauptheld des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, die empfindsame und hochbegabte Cousine von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Gesinnungsgenossen aber sorgten sich insgeheim um die Zweitschwester Sonders. Zwar konnten sie nicht viel tun, doch wann immer sie kam, bedauerten sie sie. Aber selbst wenn niemand zuhörte, weinte die Zweitschwester Sonders nur und wagte sich nicht zu beklagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz ließ sich nie etwas Böses anmerken. Wenn Kette Kaufmann nach Hause kam, sah er nur ihre Güte und war unachtsam. Zudem hatte Kette Kaufmann angesichts der überaus zahlreichen Nebenfrauen und Mädchen seines Vaters Begnadigung Kaufmann schon immer ungehörige Gedanken gehegt, sie aber nicht in die Tat umgesetzt. Qiutong war eine alte Bekannte Kette Kaufmanns gewesen, doch hatte es nie zu einer wirklichen Begegnung zwischen ihnen kommen können. Jetzt, da der Himmel es so gefügt hatte und sein Vater sie ihm geschenkt hatte, waren die beiden wie prasselndes Feuer und trockenes Reisig. Tagelang ließen sie nicht voneinander ab. Kette Kaufmanns Interesse an der Zweiten Schwester You erlahmte, und nur noch Qiutong war sein Ein und Alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hasste Qiutong zwar, freute sich aber, sie als Werkzeug benutzen zu können, um zuerst die Zweitschwester Sonders loszuwerden, während sie selbst im Hintergrund bliebe. Sie wollte mit „fremder Hand töten&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;借刀杀人 jiè dāo shā rén: Eines der 36 Strategeme der chinesischen Kriegskunst — „Mit einem geliehenen Messer töten&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und „vom Berg den kämpfenden Tigern zusehen&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;坐山观虎斗 zuò shān guān hǔ dòu: Sprichwörtl. Strategie — abwarten und andere den Kampf ausfechten lassen.&amp;lt;/ref&amp;gt; — wenn Qiutong die Zweitschwester Sonders erledigt hatte, wollte sie als Nächstes Qiutong erledigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag für Tag schimpfte Qiutong, ermutigt von Phönixglanz' vermeintlicher Schwäche: „Die Herrin ist zu weichherzig! Ich hingegen lasse mir keinen Sand in die Augen streuen. Ich werde es dieser Hure zeigen!&amp;quot; Die Zweitschwester Sonders lag in ihrem Zimmer, weinte, aß nichts und wagte nicht, Kette Kaufmann davon zu erzählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter bemerkte, dass die Augen der Zweiten Schwester You rot und geschwollen waren, fragte sie nach dem Grund — doch die Zweitschwester Sonders wagte nichts zu sagen. Qiutong aber flüsterte der Herzoginmutter zu: „Die versteht es, die Leidende zu spielen! Den ganzen Tag heult sie grundlos herum und wünscht insgeheim, die Zweite Herrin und ich möchten bald sterben, damit sie den Zweiten Herrn für sich allein hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Eine so betörende Schönheit lässt auf ein eifersüchtiges Herz schließen. Phönixglanz ist so gut zu ihr, und sie muss Streit suchen! Wirklich ein undankbares Ding!&amp;quot; So ließ ihr Wohlwollen für die Zweitschwester Sonders nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die anderen merkten, dass die Herzoginmutter nicht mehr gut auf sie zu sprechen war, trampelten sie erst recht auf ihr herum, bis die Zweitschwester Sonders weder leben noch sterben konnte. Nur Friedchen tröstete sie immer wieder hinter Phönixglanz' Rücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Zweitschwester Sonders war ein Mensch mit einem Herz aus Blumen und einer Haut aus Schnee — wie sollte sie solche Quälereien ertragen? Nach nur einem Monat stillen Grams wurde sie krank. Ihre Glieder waren schwer und träge, sie konnte nicht essen, wurde gelb und mager.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Abends, als sie die Augen schloss, sah sie ihre jüngere Schwester mit den Enten-und-Erpel-Schwertern auf sich zutreten: „Schwester, dein törichtes Herz und dein weicher Sinn haben dich ins Verderben geführt. Glaub nicht den Blumenworten und raffinierten Reden dieser eifersüchtigen Frau! Äußerlich gibt sie die Gute, innerlich ist sie verschlagen. Ihr Hass ruht nicht, ehe sie dich umgebracht hat. Wenn ich noch lebte, hätte ich nie zugelassen, dass du zu ihr ziehst. Aber es musste so kommen. Wir haben beide ohne Zucht und Tugend gelebt und Väter und Söhne, Vettern und Brüder in schändliche Verwirrung gestürzt. Das ist nun die Vergeltung. Hör auf mich — erschlage die Eifersüchtige mit diesen Schwertern, dann komm mit mir vor den Richtertisch der Fee Warnendes Trugbild und lass sie über dich entscheiden! Sonst opferst du sinnlos dein Leben, und niemand wird dich bedauern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders weinte: „Schwester, mein ganzes Leben war ohne Tugend — die Vergeltung, die mich jetzt trifft, ist die unvermeidliche Folge. Warum soll ich auch noch die Schuld eines Mordes auf mich laden? Lass mich weiter aushalten. Vielleicht hat der Himmel Erbarmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die jüngere Schwester seufzte: „Du bleibst eine Närrin. ‚Die Netze des Himmels sind allumfassend — grobmaschig, und doch lassen sie nichts durch.' Du hast zwischen Vater und Sohn, Vetter und Vetter solche Verwirrung gestiftet — wie sollte der Himmel dich in Frieden leben lassen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders weinte: „Wenn mir kein Frieden bestimmt ist, nehme ich es ohne Groll hin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jüngere seufzte lang und verschwand. Die Zweitschwester Sonders fuhr auf — es war ein Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kette Kaufmann kam, um nach ihr zu sehen, und sie allein waren, sagte sie unter Tränen: „Ich werde nicht wieder gesund. Ein halbes Jahr bin ich bei dir, und ich weiß, dass ich schwanger bin — ob Junge oder Mädchen, kann ich nicht sagen. Wenn der Himmel Mitleid hat, werde ich das Kind zur Welt bringen. Wenn nicht, steht es um mein Leben schlecht — vom Kind ganz zu schweigen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann weinte ebenfalls: „Beruhige dich! Ich hole einen fähigen Arzt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Hofarzt König war auf die Idee gekommen, sich beim Militär Verdienste zu erwerben. So brachten die Burschen einen Hofarzt namens Hu Junrong. Der fühlte den Puls und diagnostizierte: unregelmäßige Menstruation, kräftige Stärkung nötig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann wandte ein: „Ihre Regel hat seit drei Monaten ausgesetzt, und sie muss sich oft erbrechen. Vermutlich ist sie schwanger.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hu Junrong ließ sich die Hand noch einmal zeigen, fühlte lange den Puls und erklärte: „Bei einer Schwangerschaft müsste der Leberpuls kräftig sein. Die Unregelmäßigkeit wird durch Leberholz verursacht. Ich muss so kühn sein, der gnädigen Frau das Gesicht sehen zu lassen, um ihren Lebenshauch zu beurteilen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann ließ den Bettvorhang einen Spalt öffnen. Der flüchtige Anblick genügte, um Hu Junrongs Seele in die neunte Himmelssphäre entschweben zu lassen. Nach dem Vorhangschließen ging er hinaus und erklärte: „Keine Schwangerschaft — nur angestautes Blut. Es kommt darauf an, dieses Blut abzuleiten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schrieb ein Rezept und ging. Noch in derselben Nacht bekam die Zweitschwester Sonders heftige Bauchschmerzen, und es ging ihr ein vollständig ausgebildeter männlicher Fötus ab. Es folgte eine unstillbare Blutung, und sie verlor das Bewusstsein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann fluchte wütend auf Hu Junrong, schickte nach einem anderen Arzt und ließ gegen Hu Junrong Anzeige erstatten. Doch der war bereits geflohen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Arzt erklärte: „Die Patientin hatte von Natur aus eine schwache Konstitution. Seit der Schwangerschaft hat sich offenbar viel Gram angestaut. Der andere Arzt hat mit seiner Tiger-und-Wolf-Medizin ihren Lebensatem zu acht, neun Zehnteln zerstört. Eine baldige Genesung ist nicht möglich. Nur mit Heiltränken und Pillen zugleich und unter Fernhaltung jeglicher Aufregung besteht vielleicht noch Hoffnung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz tat zehnmal aufgeregter als Kette Kaufmann selbst: „Uns war kein Sohn bestimmt, und jetzt, da endlich einer kam, mussten wir an so einen Pfuscher geraten!&amp;quot; Sie brannte Weihrauch, kniete nieder und betete: „Wenn ich dafür krank werden muss — ich bitte nur, dass Schwester You vollständig gesundet, erneut schwanger wird und einen Sohn gebiert. Dann will ich ewiges Fasten halten und zu Buddha beten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lobten sie dafür. Wenn Kette Kaufmann bei Qiutong war, kochte Phönixglanz Suppen und ließ sie der Zweiten Schwester You bringen. Sie befragte sogar Wahrsager — und das Ergebnis war, dass jemand „im Zeichen des Hasen&amp;quot; die Schwangerschaft gestört habe. Nur Qiutong war im Zeichen des Hasen geboren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qiutong, die ohnehin vor Eifersucht kochte, tobte: „Was kümmern mich diese blinden Wahrsager! ‚Brunnenwasser tut dem Flusswasser nichts zuleide!' Die feine Dame hat sich draußen mit wer weiß wem eingelassen — und ich soll schuld sein? Wer weiß, ob das Kind überhaupt von einem Kaufmann wäre! Selbst wenn sie eines hätte — wer weiß, ob es Zhang oder Wang heißen müsste!&amp;quot; Dann schimpfte sie laut unter dem Fenster der Zweiten Schwester You, die nur noch kränker wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Abends, als Kette Kaufmann bei Qiutong schlief und Phönixglanz bereits zu Bett gegangen war, kam Friedchen zur Zweiten Schwester You und tröstete sie leise: „Kurier dich nur und achte nicht auf das Biest!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders ergriff ihre Hand und weinte: „Schwester, seit ich hier bin, warst du die Einzige, die sich um mich gekümmert hat. Wie viel Ärger hast du meinetwegen einstecken müssen! Wenn ich mit dem Leben davonkomme, vergelte ich dir deine Güte. Wenn nicht, muss es bis zum nächsten Leben warten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Friedchen weinte: „Eigentlich bin ich an deinem Unglück schuld. Ich hatte ein törichtes Herz und habe ihr nie etwas verschwiegen. Als ich von dir erfuhr, habe ich es ihr natürlich gesagt. Und daraus ist all dieses Unheil entstanden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders widersprach: „Da hast du unrecht! Auch ohne dich hätte sie es herausgefunden. Außerdem war es mein eigener Wunsch, ins Haus zu ziehen, damit alles seine Ordnung hätte. Das hat mit dir nichts zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide weinten noch eine Weile. Friedchen gab ihr einige Ermahnungen, und erst spät in der Nacht ging sie schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders aber dachte bei sich: „Die Krankheit hat mich fest im Griff, und von Tag zu Tag geht es mir schlechter statt besser. Genesen werde ich bestimmt nicht. Zudem habe ich mein Kind verloren — woran soll sich mein Herz noch klammern? Wozu diese Kränkungen ertragen? Besser, ich sterbe — das wäre sauberer. Ich habe oft gehört, man könne sich mit Rohgold&amp;lt;ref&amp;gt;Selbstmord durch Verschlucken von Gold (吞金): Eine in der chinesischen Literatur häufig beschriebene Methode des Freitods, bes. bei Frauen der Oberschicht.&amp;lt;/ref&amp;gt; umbringen. Das ist doch sauberer als Erhängen oder Halsabschneiden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie den Gedanken zu Ende geführt hatte, raffte sie sich mühsam auf, öffnete eine Truhe und fand ein Stück unbearbeitetes Gold — sie wusste nicht, wie schwer es war. Mit Tränen in den Augen schob sie es sich in den Mund. Mehrmals musste sie mit aller Gewalt schlucken, bis sie es endlich hinunterbekam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann kleidete sie sich hastig in ihre besten Gewänder, schmückte sich mit ihrem Kopfschmuck und legte sich aufs Bett. Kein Mensch bemerkte etwas, kein Geist wurde gewahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen, als die Mädchen und Frauen merkten, dass die Zweitschwester Sonders nicht nach ihnen rief, machten sie sich seelenruhig an ihre eigene Toilette. Phönixglanz war bereits mit Qiutong zur Begrüßung bei den Älteren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen aber schalt die Mädchen: „Ihr taugt wirklich nur dazu, von jemandem bedient zu werden, der kein Herz hat und euch schlägt und beschimpft! Eine Kranke — habt ihr denn kein Mitleid? Auch wenn sie sanftmütig ist, solltet ihr es nicht so übertreiben! ‚Wenn die Mauer fällt, schieben alle mit' — das seid ihr!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mädchen öffneten die Tür — und fanden die Zweitschwester Sonders sauber gekleidet und geschmückt, tot auf dem Bett liegend. Entsetzt schrien sie auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen trat ein, sah die Tote und brach in lautes Weinen aus. Auch die anderen, obwohl sie Phönixglanz fürchteten, dachten daran, wie freundlich und nachsichtig die Zweitschwester Sonders immer zu ihnen gewesen war — besser als Phönixglanz —, und weinten um sie, wenn auch nicht so, dass Phönixglanz es sehen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Nu war der Tod im ganzen Haus bekannt. Kette Kaufmann nahm die Tote in die Arme und weinte hemmungslos. Phönixglanz klagte mit geheuchelten Tränen: „Hartherzige Schwester! Warum hast du mich allein zurückgelassen und meine Güte mit Undank vergolten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwägerin Sonders und Herrlichkeit Kaufmann kamen ebenfalls, weinten eine Weile und trösteten Kette Kaufmann. Dann bat Kette Kaufmann Dame König um Erlaubnis, die Tote fünf Tage lang im Birnendufthof aufzubahren und dann zum Kloster Eiserne Schwelle zu überführen. Dame König gestattete es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch als Kette Kaufmann Phönixglanz um Geld für Sarg und Begräbnis bat, spielte sie die Arme: „Welches Geld? Du weißt doch, wie knapp es ist! Gestern habe ich zwei goldene Halsketten für dreihundert Liang verpfändet. Hier sind noch zwanzig, dreißig Liang — nimm sie, wenn du willst.&amp;quot; Dann ging sie mit einem Hinweis auf die Ahnherrin davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann, wütend und stumm, öffnete die Truhen der Zweiten Schwester You — alles leer, nur alte Haarnadeln, verwelkte Blumen und halbgetragene Seidenkleider, die die Verstorbene immer getragen hatte. Er weinte aufs Neue, packte alles in ein Bündel und trug es selbst hinaus, um es zu verbrennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen, gleichermaßen traurig und belustigt, stahl heimlich ein Päckchen mit zweihundert Liang Silber, zerrte Kette Kaufmann in die Seitenkammer und flüsterte ihm zu: „Schweig! Wenn du weinen willst — draußen kannst du weinen, so viel du willst. Komm nicht hier herein und mach Theater!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann sagte: „Du hast recht.&amp;quot; Er nahm das Silber und reichte Friedchen einen Rock: „Das hat sie immer getragen. Bewahre ihn für mich auf — als Andenken.&amp;quot; Friedchen verbarg ihn und nahm ihn mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann nahm das Silber, ließ zunächst einen Sarg kaufen. Die guten waren zu teuer, die mittelmäßigen wollte er nicht. Er ritt selbst los, um sich umzusehen, und am Abend wurde tatsächlich ein schöner Sarg hereingetragen — fünfhundert Liang auf Kredit. Über Nacht wurde er fertiggestellt. Er teilte Leute ein, die in Trauerkleidung beim Sarg Wache hielten, und schlief die Nacht über nicht in seinen Gemächern, sondern neben dem Aufbahrungsort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 68</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十八回 / Kapitel 68 =&lt;br /&gt;
== 苦尤娘赚入大观园 ==&lt;br /&gt;
=== 酸凤姐大闹宁国府 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
苦尤娘赚入大观园 / 酸凤姐大闹宁国府&lt;br /&gt;
Die bitterböse Phönixglanz lockt die Zweitschwester Sonders ins Prunkwille-Anwesen; Phönixglanz stiftet Aufruhr im Stillfriede-Anwesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die bitterböse Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, die gewiefte und machtbewusste Ehefrau von Kette Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; spielt die Gütige und bewirkt mit List eine öffentliche Klage. Die geheime Gattin, die Zweitschwester Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Zweitschwester Sonders: Chin. 尤二姐 Yóu Èrjiě, die heimliche Zweitfrau von Kette Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, wird ins Prunkwille-Anwesen gelockt und gerät in die Falle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, zweiter Sohn von Begnadigung Kaufmann, Ehemann von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach seiner Abreise erfuhr, dass der Friedenskommandant gerade auf Grenzinspektion war und erst in etwa einem Monat zurückerwartet wurde. Er musste in seiner Unterkunft warten. Als der Kommandant schließlich zurückkam, erledigten sie die Angelegenheit, doch die Rückreise zog sich hin — insgesamt waren fast zwei Monate vergangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen hatte Phönixglanz längst alles durchgerechnet. Kaum war Kette Kaufmann fort, ließ sie Handwerker aller Art kommen und die drei Zimmer des östlichen Seitenflügels herrichten — mit derselben Ausstattung und Einrichtung wie ihre eigenen Hauptgemächer. Am vierzehnten Tag meldete sie der Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die alte Matriarchin des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame König, sie wolle am fünfzehnten in aller Frühe zum Nonnenkloster, um Weihrauch darzubringen. Sie nahm nur Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, die treue und kluge Leibmagd von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Fenger, Frau Zhou Rui und Dame König Er mit — vier Personen. Noch bevor sie in die Kutsche stieg, erzählte sie allen, worum es wirklich ging. Dann wies sie die männlichen Diener an, schlichte Kleidung anzulegen und schlichte Decken auf die Kutsche zu spannen, und fuhr geradewegs los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glückskind&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 兴儿 Xīng'er. 兴 xīng „Glück/Aufregung“. Kette Kaufmanns Dienerbursche.&amp;lt;/ref&amp;gt; führte den Weg, und so gelangten sie direkt vor die Tür der Zweiten Schwester You und klopften an. Die Frau von Bao Er öffnete. Glückskind sagte lachend: „Meldet schnell der Zweiten Herrin — die Erste Herrin ist da!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau von Bao Er erschrak so, dass ihr die Seele aus dem Leib zu fahren schien, und rannte hinein, um die Zweitschwester Sonders zu benachrichtigen. Auch die Zweitschwester Sonders erschrak, doch da der Besuch nun einmal da war, blieb ihr nichts anderes übrig, als ihn mit gebührender Höflichkeit zu empfangen. Eilig richtete sie ihre Kleidung und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Tür stieg Phönixglanz gerade aus der Kutsche. Die Zweitschwester Sonders musterte sie: alles Silberschmuck in schlichtem Weiß auf dem Kopf, ein mondweißes Atlasjäckchen, ein blaugrüner Atlasumhang, ein weißer Seidenrock. Ihre Brauen geschwungen wie Weidenblätter, an den Spitzen fein aufwärts gezogen; die Augen horizontal wie der Blick eines scharlachroten Phönix, der Blick scharf und durchdringend. Anmutig wie ein Pfirsichbaum im Frühling, rein wie eine Chrysantheme im Herbst. Frau Zhou Rui und Dame König Er stützten sie beim Betreten des Hofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders eilte lächelnd entgegen, verneigte sich tief und sagte sogleich: „Dass die ältere Schwester sich persönlich herabgelassen hat — ich habe Euch nicht einmal von ferne empfangen können! Verzeiht mir die Übereilung!&amp;quot; Damit verneigte sie sich bis zum Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz erwiderte eilig lächelnd die Begrüßung, und die beiden gingen Hand in Hand ins Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz nahm den Ehrenplatz ein. Die Zweitschwester Sonders ließ ein Kissen bringen und wollte sich verbeugen. Sie sagte: „Ich bin jung und unerfahren. Seit meiner Ankunft hier haben meine Mutter und meine ältere Schwester alles besprochen und entschieden. Dass ich heute die Ehre habe, Euch zu begegnen — wenn die ältere Schwester meine bescheidene Herkunft nicht verschmäht, bitte ich in allen Dingen um Eure Anleitung und Belehrung. Ich will Euch mit Leib und Seele dienen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit vollzog sie die Verbeugung. Phönixglanz erhob sich rasch vom Platz und erwiderte die Verbeugung, wobei sie eilig sagte: „Alles ist nur die Schuld meiner beschränkten Frauensicht! Ich habe meinem Mann ständig geraten, vorsichtig zu sein und nicht draußen nach Blumen und Weiden zu greifen, aus Sorge, es könne den Eltern Kummer bereiten. Das sind eben die Sorgen unserer törichten Herzen. Aber der Zweite Herr hat meine gute Absicht missverstanden. Dass er sich draußen amüsiert — mag sein, er konnte es vor mir verbergen. Aber dass er nun die ältere Schwester als Zweitgemahlin heiratet, das ist doch eine große Angelegenheit mit allen dazugehörigen Zeremonien — und auch das hat er mir nicht gesagt! Dabei habe ich dem Zweiten Herrn sogar selbst geraten, frühzeitig eine solche Verbindung einzugehen, damit für Nachkommen gesorgt sei. Doch er hat mich offenbar für eine jener eifersüchtigen Frauen gehalten und diese wichtige Sache heimlich durchgeführt, ohne mir ein Wort zu sagen. So habe ich ein Unrecht erlitten, das ich nicht aussprechen kann — nur Himmel und Erde sind meine Zeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon vor zehn Tagen habe ich davon gehört, aber aus Furcht, der Zweite Herr würde es nicht gerne hören, habe ich nichts gesagt. Jetzt, da er glücklicherweise auf Fernreise ist, bin ich persönlich gekommen, um meinen Besuch zu machen. Ich bitte die ältere Schwester, mein aufrichtiges Herz zu verstehen, und bitte Euch, die Mühe auf sich zu nehmen und ins Haus zu ziehen. Wir Schwestern wohnen dann zusammen, beraten einmütig den Zweiten Herrn, mahnen ihn zu Besonnenheit in seinen Geschäften und zur Pflege seiner Gesundheit — das wäre das Rechte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die ältere Schwester hier draußen lebt und ich drinnen, wäre das — auch wenn ich gering und unwürdig bin, Euch Gesellschaft zu leisten — für mein Herz nicht erträglich. Außerdem: Wenn Außenstehende davon erführen, würde es keinen guten Eindruck machen. Der Ruf des Zweiten Herrn steht auf dem Spiel — und wenn über mich geredet wird, klage ich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb liegt mein ganzer Ruf in diesem Leben in der Hand der älteren Schwester. Was jene niedrigen Dienstleute reden — sie kennen mich als strenge Hausherrin und machen hinter meinem Rücken ihre Bemerkungen. Das ist das Übliche. Die ältere Schwester ist eine Person von Format — wie könnte sie solchem Gerede Glauben schenken? Hätte ich wirklich Fehler, dann wären da oben drei Schwiegereltern, in der Mitte unzählige Schwägerinnen und Schwiegertöchter, und das Haus Kaufmann ist eine Familie von Rang — hätte man mich bis heute geduldet? Dass der Zweite Herr die ältere Schwester heimlich draußen geheiratet hat — andere würden zürnen, ich aber empfinde es als Glück. Der Himmel und alle Buddhas konnten nicht mitansehen, wie ich von kleinen Leuten verleumdet werde, und haben diese Sache geschickt. Ich bin heute gekommen, um die ältere Schwester zu bitten, zu mir ins Haus zu ziehen, mit demselben Rang und Anteil wie ich, denselben Pflichten gegenüber den Schwiegereltern und demselben Recht, den Gatten zu ermahnen. Wenn es Freude gibt, freuen wir uns gemeinsam; wenn es Kummer gibt, trauern wir gemeinsam — Schwestern wie leibliche, verbunden wie Knochen und Fleisch. Nicht nur werden jene kleinen Leute dann ihre früheren Fehlurteile über mich bereuen, auch der Zweite Herr selbst wird, wenn er heimkommt und es sieht, als Ehemann im Stillen seine früheren Vorurteile bereuen. Die ältere Schwester ist also meine große Wohltäterin, die meinen früheren Ruf vollständig reinwäscht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die ältere Schwester nicht mit mir kommt, bin ich bereit, hier zu bleiben und Euch Gesellschaft zu leisten. Ich will gern die Jüngere sein und Euch jeden Tag beim Kämmen und Waschen bedienen. Ich bitte nur, dass die ältere Schwester vor dem Zweiten Herrn ein gutes Wort für mich einlegt und mir ein Plätzchen zum Leben gönnt — dann sterbe ich zufrieden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesen Worten brach sie in heftiges Schluchzen aus. Die Zweitschwester Sonders, die das sah, konnte ihre eigenen Tränen nicht zurückhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem sich die beiden begrüßt und der Rangfolge nach gesetzt hatten, trat auch Friedchen vor, um ihren Gruß zu erweisen. Die Zweitschwester Sonders erkannte an ihrem feinen Auftreten, ihrem vornehmen Benehmen und ihrer Schönheit sofort, dass es Friedchen sein musste. Eilig hielt sie sie persönlich zurück und sagte nur: „Schwester, lasst das! Ihr und ich sind gleich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz erhob sich ebenfalls lachend und sagte: „Das geht zu weit! Schwester, nehmt ruhig ihre Verbeugung an — sie ist nur unsere Dienerin. Bitte macht das nicht noch einmal.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ließ sie Frau Zhou aus dem Bündel vier Stücke feinstes Stofftuch und vier Paar goldene Perlen-Haarnadeln als Begrüßungsgeschenk hervorholen. Die Zweitschwester Sonders nahm sie dankend entgegen. Die beiden tranken Tee und sprachen über Vergangenes. Phönixglanz gab sich durch und durch selbstanklagend — „die Schuld liegt ganz bei mir, anderen kann ich keinen Vorwurf machen, ich bitte nur die ältere Schwester um ihre Zuneigung&amp;quot; und dergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders hielt Phönixglanz nach alledem für eine überaus gute Person. Dass niedrige Dienstleute ihre Herrin verleumden, wenn sie unzufrieden sind, sei ja ganz natürlich. So öffnete sie ihr Herz, plauderte eine Weile und betrachtete Phönixglanz bereits als Seelenverwandte. Zudem priesen Frau Zhou Rui und andere nebenbei Phönixglanz' viele gute Taten als Hausherrin — nur sei sie zu gutherzig und mache sich dadurch Feinde. „Die Zimmer sind schon hergerichtet — die Herrin braucht nur hinzugehen und es sich anzusehen&amp;quot;, sagten sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders hatte sich ohnehin nichts sehnlicher gewünscht, als ins Haus zu ziehen und dort zusammenzuleben. Wie hätte sie da nicht einwilligen sollen! Sie sagte: „Natürlich sollte ich mit der älteren Schwester gehen. Nur — was wird mit den Dingen hier?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Das ist nicht schwer. Die Truhen und wertvollen Sachen der älteren Schwester lässt sie von den Burschen ins Haus bringen. Das grobe Zeug braucht man nicht, jemand soll darauf aufpassen. Wen die ältere Schwester für zuverlässig hält, der bleibt hier.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders sagte hastig: „Da ich die ältere Schwester nun getroffen habe — wenn ich ins Haus ziehe, überlasse ich alles Eurer Regie. Ich bin noch nicht lange hier und habe nie einen Haushalt geführt, verstehe nichts von der Welt — wie könnte ich Entscheidungen treffen? Diese paar Truhen nehme ich mit. Viel habe ich ohnehin nicht — das meiste gehört ja dem Zweiten Herrn.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz befahl Frau Zhou Rui, alles zu verzeichnen und sorgfältig in den östlichen Seitenflügel bringen zu lassen. Dann drängte sie die Zweitschwester Sonders, sich umzukleiden. Hand in Hand stiegen die beiden in die Kutsche, saßen beieinander, und Phönixglanz flüsterte ihr zu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„In unserem Haus herrschen strenge Regeln. Von der Sache weiß die Ahnherrin überhaupt nichts. Wenn sie erführe, dass der Zweite Herr dich in der Trauerzeit geheiratet hat, ließe sie ihn totschlagen. Vorerst darfst du die Ahnherrin und die Gnädigen Frauen nicht sehen. Wir haben einen sehr großen Garten, in dem die jungen Damen wohnen — da kommt nicht leicht jemand hin. Du wohnst erst einmal ein paar Tage im Garten. Wenn ich eine Möglichkeit gefunden habe, die Sache richtig zu erklären, dann trittst du vor sie — das ist sicherer.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders sagte: „Ich überlasse alles der älteren Schwester.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Burschen, die die Kutsche begleiteten, waren vorher alle eingeweiht worden und fuhren nicht zum Haupttor, sondern direkt zum Hintertor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aussteigen schickte Phönixglanz alle fort und führte die Zweitschwester Sonders durch das Hintertor des Gartens der Großen Anschauung [大观园] zu Frau Li [李纨], um sich vorzustellen. Zu diesem Zeitpunkt wussten schon neun von zehn Bewohnern des Gartens Bescheid. Als nun Phönixglanz die Neue hereinbrachte, kamen viele herbei, um sie zu sehen und zu befragen. Die Zweitschwester Sonders begrüßte alle der Reihe nach. Wer sie sah, war von ihrer Anmut und Liebenswürdigkeit angetan und konnte nicht umhin, sie zu loben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz ermahnte alle Anwesenden einzeln: „Keiner darf nach draußen ein Wort verlauten lassen! Wenn die Ahnherrin oder die Gnädigen Frauen davon erfahren, bringe ich euch als Erste um!&amp;quot; Die Mütterchen und Mädchen im Garten fürchteten Phönixglanz ohnehin allesamt, und da es sich zudem um eine Sache handelte, die Kette Kaufmann während der doppelten Reichs- und Familientrauer begangen hatte, und sie wussten, wie heikel die Angelegenheit war, mischte sich keine ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz bat Frau Li unter vier Augen, die Zweitschwester Sonders einige Tage bei sich aufzunehmen: „Sobald alles geregelt ist, holen wir sie selbstverständlich herüber.&amp;quot; Frau Li sah, dass Phönixglanz drüben schon Zimmer hatte herrichten lassen, und da man sich in der Trauerzeit ohnehin nicht öffentlich äußern sollte, war dies nur vernünftig. Also nahm sie die Zweitschwester Sonders vorübergehend auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz ließ dann nach und nach alle Dienstmädchen der Zweiten Schwester You entfernen und schickte stattdessen ein eigenes Mädchen zum Aufwarten. Heimlich wies sie die Dienerinnen des Gartens an: „Passt gut auf sie auf! Wenn sie abhaut oder verschwindet, ziehe ich euch zur Rechenschaft!&amp;quot; Dann ging sie selbst auf anderen Wegen weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle im Haus wunderten sich insgeheim: „Seit wann ist Phönixglanz so tugendhaft geworden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders aber war mit ihrer Unterbringung zufrieden und sah, dass die jungen Damen im Garten alle freundlich zu ihr waren. Sie glaubte, am richtigen Ort angekommen zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch schon drei Tage später begann das Dienstmädchen Shanjie, immer ungehorsamer zu werden. Als die Zweitschwester Sonders einmal sagte: „Mir ist das Haaröl ausgegangen, geh zur Ersten Herrin und bitte um Nachschub&amp;quot;, fuhr Shanjie sie an: „Zweite Herrin, Ihr wisst wirklich nicht, was sich gehört! Unsere Herrin muss jeden Tag der Ahnherrin aufwarten, der einen Gnädigen Frau, der anderen Gnädigen Frau. Dazu alle Schwägerinnen und Schwestern, oben und unten mehrere hundert Personen — jeden Tag warten alle auf ihr Wort. Auf den Tag gerechnet gibt es mindestens zwanzig große und dreißig bis fünfzig kleine Angelegenheiten. Draußen, von der Kaiserlichen Nebengemahlin angefangen über Herzöge und Marquis, wie viele Geschenke und Besuche! Im Haus die ganzen Verwandten und Freunde! Tausende Liang Silber und Zehntausende Kupfermünzen gehen täglich durch ihre eine Hand, ihr eines Herz, ihren einen Mund. Wegen so einer Nichtigkeit soll ich sie belästigen? Ich rate Euch, bescheidener zu sein! Wir sind doch nicht durch Brautwerber und ordentliche Heirat hergekommen. Es ist bereits einzigartig großherzig von ihr, dass sie Euch so behandelt! Wäre da jemand anders, die hätte Euch bei solchen Worten sofort angebrüllt und Euch vor die Tür gesetzt — ob lebendig oder tot, was hättet Ihr dann tun können?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser Predigt senkte die Zweitschwester Sonders den Kopf und dachte, an diesen Worten sei etwas dran — sie müsse sich eben fügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Shanjie brachte ihr nach und nach nicht einmal mehr das Essen pünktlich — mal zu früh, mal zu spät, und was sie brachte, waren Reste. Als die Zweitschwester Sonders sich zweimal beschwerte, fing Shanjie stattdessen an zu schreien. Die Zweitschwester Sonders fürchtete, man könnte sagen, sie sei unzufrieden und unbescheiden, und erduldete es schweigend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle fünf oder acht Tage ließ sich Phönixglanz einmal bei ihr blicken — stets mit freundlicher Miene und dem Wort „Schwester&amp;quot; auf den Lippen. „Sollten die Dienstleute dich schlecht behandeln und du kommst nicht mit ihnen zurecht, sag es nur mir, dann bestrafe ich sie&amp;quot;, sagte sie. Dann schalt sie die Mädchen und Frauen: „Ich kenne euch — die Sanften schikaniert ihr, vor den Harten kuscht ihr. Hinter meinem Rücken fürchtet ihr niemanden mehr. Wenn die Zweite Herrin mir auch nur ein einziges Mal ‚Nein' meldet, verlange ich euer Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweitschwester Sonders sah Phönixglanz so gutherzig und dachte: „Wenn ich schon sie habe, die sich kümmert, warum sollte ich da noch selbst Aufheben machen? Dass die Dienstleute sich nicht benehmen können, ist normal. Wenn ich sie anschwärze und sie bestraft werden, heißt es hinterher, ich sei nicht tugendhaft.&amp;quot; So deckte sie die Verfehlungen sogar noch zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derweil schickte Phönixglanz König Er hinaus, um Nachforschungen anzustellen. Bald wusste sie alles über die Zweitschwester Sonders: Sie war schon einmal verlobt gewesen. Der Bräutigam war erst neunzehn, trieb sich Tag für Tag in Hurenhäusern und Spielhöllen herum, kümmerte sich nicht um seinen Lebensunterhalt, hatte sein ganzes Erbe durchgebracht, und sein Vater hatte ihn verstoßen. Er lebte jetzt in einer Spielhölle. Sein Vater hatte zehn Liang Silber von der alten You genommen und die Verlobung aufgelöst, doch der junge Mann wusste noch nichts davon. Er hieß Zhang Hua.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz, die nun alle Einzelheiten kannte, steckte König Er zwanzig Liang Silber zu und befahl ihm heimlich, Zhang Hua aufzustöbern, ihn zu verköstigen, ihm eine Klageschrift aufsetzen zu lassen und damit bei der zuständigen Behörde Anzeige erstatten zu lassen. Die Anklage gegen den zweiten Herrn Kette Kaufmann lautete: „Reichstrauer und Familientrauer missachtend, gegen kaiserliche Erlasse und hinter dem Rücken der Eltern, auf Reichtum und Macht gestützt, eine Verlobung gewaltsam aufgelöst und unter Vernachlässigung der Erstgemahlin erneut geheiratet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhang Hua kannte die Machtverhältnisse und wagte zunächst nicht, etwas zu unternehmen. König Er berichtete Phönixglanz, die wütend schimpfte: „Dieser räudige Hund, den man nicht an die Mauer stellen kann! Sag ihm genau: Selbst wenn er unsere Familie des Hochverrats anklagte, passiert nichts! Es geht nur darum, mit dem Streit ein allgemeines Gesichtsverlust herbeizuführen. Wenn die Klage zu groß wird, werde ich sie schon zu regeln wissen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Er tat wie geheißen und redete Zhang Hua ins Gewissen. Phönixglanz wies König Er außerdem an: „Wenn er dich verklagt, gehst du einfach mit ihm zur Verhandlung.&amp;quot; So und so, dies und das — „ich weiß schon, was ich tue.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Er, der sich auf ihre Anleitung verließ, ließ Zhang Hua seinen eigenen Namen in die Klageschrift einfügen: „Klage mich ruhig an als denjenigen, der die Gelder überreicht und den Zweiten Herrn zu allem angestiftet hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hatte Zhang Hua einen Ansatz, und nachdem er sich mit König Er beraten hatte, schrieben sie die Klageschrift und reichten sie am nächsten Tag beim Zensorat ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zensorat sah, dass es sich um eine Klage gegen Kette Kaufmann handelte, und dass ein Hausdiener namens König Er darin vorkam. Also schickte man Gerichtsboten zum Haus Kaufmann, um König Er zur Verhandlung vorzuladen. Die Boten wagten nicht, eigenmächtig einzutreten, und ließen nur eine Nachricht überbringen. König Er aber wartete schon darauf, brauchte keine Nachricht — er stand längst in der Straße bereit. Als er die Boten sah, ging er ihnen lachend entgegen: „Macht Euch keine Mühe, Brüder! Es muss wegen meiner Sache sein. Da hilft nichts, fesselt mich schnell.&amp;quot; Die Boten wagten das nicht und sagten nur: „Kommt einfach mit, macht keinen Spaß.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kniete er vor dem Richter nieder. Der Zensuor ließ ihm die Klageschrift vorlesen. König Er tat, als lese er sie zum ersten Mal, schlug den Kopf auf den Boden und sagte: „Die Angelegenheit ist mir bestens bekannt. Mein Herr hat das tatsächlich getan. Nur hat Zhang Hua, der seit langem mein Feind ist, mich absichtlich hineingezogen. Es gibt noch andere Beteiligte — ich bitte den Herrn Richter, weiter zu fragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhang Hua schlug den Kopf auf den Boden und sagte: „Es gibt zwar noch andere, aber ich wage nicht, sie anzuklagen, deshalb habe ich nur den Diener angeklagt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
König Er tat aufgeregt und sagte: „Du Dummkopf, sag es doch schnell! Das hier ist der kaiserliche Gerichtshof — selbst wenn es der Herr persönlich ist, musst du ihn nennen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhang Hua nannte daraufhin Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, Sohn von Herrlichkeit Kaufmann, junger Herr des Ostpalasts.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Zensuor hatte keine andere Wahl, als auch Herrlichkeit Kaufmann vorladen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hatte zuvor Qinger losgeschickt, um heimlich nachzufragen. Als die Klage erhoben war, ließ sie sofort König Xin kommen, erzählte ihm alles und befahl ihm, den Zensuor zu bitten, die Sache nur zum Schein aufzubauschen und einzuschüchtern, sonst nichts. Dazu gab sie ihm dreihundert Liang Silber für die Bestechung. Noch in derselben Nacht suchte König Xin den Zensuor privat auf und legte die Grundlage. Der Zensuor, der die Zusammenhänge durchschaute, steckte das Bestechungsgeld ein. Am nächsten Tag erklärte er bei der Verhandlung, Zhang Hua sei ein Taugenichts, der Schulden beim Haus Kaufmann habe und mit frei erfundenen Anschuldigungen ehrbare Leute verleumde. Da der Zensuor zudem mit König Ziteng [王子腾] befreundet war und König Xin nur einen kurzen Besuch zu Hause machte — schließlich handelte es sich ja um die Familie Kaufmann, und alle waren froh, die Sache zu beenden —, wurde auch dort nicht weiter nachgehakt. Man ließ nur Herrlichkeit Kaufmann zur Verhandlung vorladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Ostpalasts (Ning-guo-fu).&amp;lt;/ref&amp;gt; waren gerade mit den Begräbnisvorbereitungen für Herrlichkeit Kaufmanns Vater beschäftigt, als plötzlich ein Bote kam und meldete: „Jemand hat euch angeklagt, und zwar so und so und so — trefft schnell Vorkehrungen!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann erschrak und eilte zu Herrlichkeit Kaufmann. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Davor hatte ich mich gehütet — aber was für eine Dreistigkeit!&amp;quot; Sofort ließ er zweihundert Liang Silber einpacken und Leute hinschicken, um den Zensuor zu bestechen, und schickte Diener zur Verhandlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie noch berieten, wurde gemeldet: „Die Zweite Herrin aus dem Westpalast ist da!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann erschrak über diese Nachricht, er wollte sich zusammen mit Herrlichkeit Kaufmann schnell verstecken. Doch Phönixglanz war schon hereingetreten und rief: „Na, lieber großer Bruder, da habt ihr ja zusammen mit den jungen Herren feine Sachen angestellt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann eilte herbei und verbeugte sich. Phönixglanz packte ihn und zog ihn mit sich. Herrlichkeit Kaufmann lachte nur noch und sagte: „Bedient eure Tante gut, lasst Vieh schlachten und das Essen herrichten!&amp;quot; Damit ließ er eilig sein Pferd satteln und machte sich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz kam mit Herrlichkeit Kaufmann in die Haupträume. Die Schwägerin Sonders kam ihr gerade entgegen. Als sie Phönixglanz' zornige Miene sah, fragte sie lächelnd: „Was ist denn so dringend?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz spuckte ihr mitten ins Gesicht und schrie: „Euer Sonders-Mädchen, das keiner mehr wollte, habt ihr heimlich zu den Kaufmanns geschickt! Sind denn alle Kaufmann-Männer so gut, dass es nirgendwo sonst auf der Welt einen Mann gibt? Wenn du sie schon hergeben willst, dann mit drei Brautwerbern und sechs Zeugen, alles ordentlich und nach Brauch! Du hast dir das Hirn vernebeln lassen. In Reichs- und Familientrauer zugleich hast du sie einfach hergeschickt! Jetzt wird uns verklagt, und ich als eine, die keinen Fuß hat, auf dem sie stehen kann — in den Amtsstuben weiß man längst, dass ich streng und eifersüchtig bin. Jetzt wird mein Name genannt, und man will mich verstoßen lassen! Was habe ich in eurem Haus verbrochen, dass ihr mir so schadet? Oder hat die Ahnherrin oder die Gnädige Frau etwas gegen mich und ihr habt diese Falle gebaut, um mich loszuwerden? Dann gehen wir jetzt beide zusammen vor Gericht und klären die Sache! Danach laden wir die ganze Sippe ein, und jeder sagt offen, was er denkt. Gebt mir den Scheidebrief, und ich gehe!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei weinte sie laut, zerrte an der Schwägerin Sonders und wollte mit ihr zum Gericht gehen. Herrlichkeit Kaufmann kniete sich auf den Boden und schlug den Kopf auf die Erde, immer wieder flehend: „Tante, beruhigt Euch doch!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz schimpfte weiter auf Herrlichkeit Kaufmann: „Du vom Blitz geschlagener, von fünf Dämonen zerrissener gewissenloser Kerl! Weißt du nicht, wie hoch der Himmel und wie dick die Erde ist? Tagaus, tagein stiftest du Unfrieden und treibst schamlose, gesetzlose, familienzerstörende Geschäfte! Deine verstorbene Mutter im Jenseits verzeiht dir das nicht, die Ahnen verzeihen es nicht — und du wagst es, mich beschwichtigen zu wollen!&amp;quot; Weinend und schimpfend holte sie aus, um ihn zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann schlug rasch den Kopf auf den Boden und sagte: „Tante, schlagt Euch nicht die Hand wund — lasst mich mich selbst schlagen!&amp;quot; Damit schlug er sich links und rechts selbst ins Gesicht und fragte sich selbst: „Wirst du in Zukunft dich noch in alles einmischen, was dich nichts angeht? Wirst du in Zukunft nur noch auf deinen Onkel hören und nicht mehr auf deine Tante?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Umstehenden wollten zugleich trösten und lachen, wagten aber nicht zu lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz warf sich in die Arme der Schwägerin Sonders, heulte zum Himmel und zur Erde und schluchzte laut: „Dass du deinem Bruder eine Frau nimmst, ärgert mich nicht! Aber warum habt ihr es so gemacht, dass es gegen kaiserliche Erlasse verstößt, und hängt mir diesen Schandnamen an? Gehen wir doch zum Gericht, bevor die Häscher kommen! Oder noch besser — gehen wir zur Ahnherrin und der Gnädigen Frau und legen es der ganzen Sippe vor! Wenn ich so schlecht bin und meinem Mann keine Zweitfrau und Nebenfrau gönne, dann gebt mir den Scheidebrief, und ich verschwinde sofort!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eure Schwester habe ich eigenhändig ins Haus geholt, und aus Angst, die Ahnherrin und die Gnädige Frau könnten böse werden, habe ich nicht einmal gewagt, es zu melden. Sie wohnt dort mit feinstem Essen, goldenen Sklavinnen und silbernen Dienern im Garten! Ich habe eilig die Zimmer herrichten lassen, mit demselben Rang wie ich — alles bereit für den Tag, an dem die Ahnherrin es erfährt. Ich dachte, wenn sie erst eingezogen ist, werden wir alle brav und anständig leben und ich lasse die Vergangenheit ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun stellt sich heraus, dass sie schon einen Verlobten hatte! Was ihr da getrieben habt, davon weiß ich überhaupt nichts. Jetzt wird mir der Prozess gemacht! Gestern war ich so verzweifelt, dass ich — auch wenn ich selbst vor Gericht ginge, es wäre die Schande eures Hauses Kaufmann! — nicht anders konnte, als heimlich fünfhundert Liang von der Gnädigen Frau zu nehmen und die Beamten zu bestechen. Und mein Diener sitzt immer noch im Gefängnis!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So weinte und schimpfte sie abwechselnd und wollte sich schließlich den Schädel einschlagen. Die Schwägerin Sonders war wie ein durchgekneteter Teig, ihre Kleider von Tränen und Rotz durchtränkt. Sie sagte nur: „Du Ungeheuer von Sohn! Was für feine Sachen hast du mit deinem Vater angestellt! Hab ich's nicht gleich gesagt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hörte das, fasste weinend die Schwägerin Sonders am Gesicht, starrte sie frontal an und fragte: „Bist du wahnsinnig? Hast du einen Kürbis im Mund stecken? Oder haben sie dir eine Trense angelegt? Warum hast du mir nichts gesagt? Wenn du es mir gesagt hättest, wäre jetzt alles friedlich! Wie konnte es so weit kommen, dass Gerichte und Behörden bemüht werden? Und jetzt machst du ihnen noch Vorwürfe! ‚Ist die Frau tugendhaft, hat der Mann weniger Unglück', heißt es, und ‚Äußere Stärke ist nicht so viel wert wie innere Stärke.' Wenn du etwas getaugt hättest, hätten die das alles nie angestellt! Aber du hast weder Geschick noch Mundwerk — du bist ein Kürbis mit abgesägtem Mund, der nur still dasitzt und auf den guten Ruf einer tugendhaften Frau hofft. Am Ende fürchten sie dich nicht und hören nicht auf dich!&amp;quot; Dann spuckte sie ihr noch ein paarmal ins Gesicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwägerin Sonders weinte ebenfalls: „Wie könnte ich nicht ermahnt haben? Aber glaubst du, sie hören auf mich? Was soll ich denn machen? Ich kann der Schwester nicht verdenken, dass sie wütend ist — ich kann nur zuhören.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen knieten all die Nebenfrauen, Mädchen und Dienerinnen dicht an dicht am Boden und baten lachend: „Die Zweite Herrin ist doch die Verständigste! Auch wenn unsere Herrin im Unrecht ist — Ihr habt sie genug gedemütigt. Unsere Herrinnen waren sich doch immer so gut — bitte bewahrt ihr das Gesicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man reichte Tee. Phönixglanz warf auch den zu Boden, wischte sich die Augen, richtete sich die Haare und schimpfte dann noch auf Herrlichkeit Kaufmann: „Geh hinaus und hol deinen Vater! Ich will ihn persönlich fragen: Der eigene Großvater ist erst sieben mal sieben Tage bestattet, und der Neffe heiratet — diesen Brauch kenne ich noch nicht. Da kann ich ja gleich für die Zukunft lernen, wie man Söhne und Neffen erzieht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann kniete nur da und schlug den Kopf auf den Boden: „Diese Sache hat mit meinen Eltern gar nichts zu tun! Euer Sohn war es, der einen Moment lang verrückt wurde und den Onkel angestiftet hat. Mein Vater weiß gar nichts davon. Gerade bereitet er die Überführung des Großvaters vor. Wenn die Tante jetzt Aufsehen macht, ist es auch um Euren Sohn geschehen. Bestraft mich, wie Ihr wollt — ich nehme jede Strafe an. Aber den Prozess — bitte, Tante, regelt Ihr ihn. Euer Sohn kann so eine große Sache nicht bewältigen. Die Tante ist doch eine Person von Format — kennt Ihr nicht das Sprichwort: ‚Ein gebrochener Arm bleibt im Ärmel verborgen'? Euer Sohn war dumm genug, eine Dummheit zu begehen — wie ein Hund oder eine Katze. Da die Tante mich bestraft, wird sie doch nicht auf meine Stufe herabsteigen. Die Tante muss sich leider noch die Mühe machen, die Sache draußen in Ordnung zu bringen. Euer Sohn hat die Dummheit angerichtet, und die Tante muss die Scherben aufkehren — aber sie liebt ihren Sohn doch trotzdem.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sah, wie Mutter und Sohn sich so verhielten, und erkannte, dass sie nicht weitergehen konnte. Also wechselte sie Miene und Ton und sagte versöhnlich zur Schwägerin Sonders: „Ich bin jung und unverständig. Als ich hörte, dass jemand klagt, hat es mich so erschreckt, dass ich nicht mehr wusste, was ich tat. Wie unhöflich muss ich eben zur Schwägerin gewesen sein! Wie Hibiskus sagt — ‚der gebrochene Arm bleibt im Ärmel' —, bitte die Schwägerin, mir zu vergeben. Und bitte sprich mit dem Bruder, damit er den Prozess erst einmal niederschlägt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwägerin Sonders und Herrlichkeit Kaufmann sagten einhellig: „Die Tante braucht sich keine Sorgen zu machen — den Onkel wird es nicht im Geringsten treffen. Ihr sagtet, Ihr hättet fünfhundert Liang ausgegeben — selbstverständlich werden wir Mutter und Sohn fünfhundert Liang zusammenbringen und Euch hinüberschicken, damit Ihr den Verlust ausgleichen könnt. Es wäre unverzeihlich, wenn die Tante obendrein noch Schulden machen müsste. Aber noch eins: Vor der Ahnherrin und den Gnädigen Frauen — da muss die Tante bitte taktvoll sein und diese Dinge nicht erwähnen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte kalt: „Ihr habt mir etwas über den Kopf gezogen und erwartet jetzt, dass ich euch decke! Ich bin zwar dumm, aber so dumm nicht. Die Schwester meines Schwagers ist auch mein Mann, und wenn die Schwägerin fürchtet, er bleibe ohne Nachkommen — fürchte ich das etwa nicht noch mehr? Die Schwester der Schwägerin ist wie meine eigene Schwester. Als ich davon hörte, war ich so froh, dass ich die ganze Nacht kein Auge zutat. Sofort ließ ich die Zimmer herrichten und wollte sie aufnehmen. Die Dienstleute mit ihrem Sklavenverstand sagten allerdings: ‚Die Herrin ist zu gutmütig! Wenn wir zu bestimmen hätten, würden wir erst die Ahnherrin und die Gnädige Frau informieren, dann die Zimmer herrichten und sie abholen — das wäre noch früh genug.' Als ich das hörte, hätte ich sie am liebsten geschlagen und beschimpft, konnte es aber lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es kam nicht, wie ich wollte! Aus heiterem Himmel tauchte dieser Zhang Hua auf und erstattete Anzeige. Als ich das erfuhr, habe ich zwei Nächte lang kein Auge zugemacht, wagte aber nicht, Aufhebens zu machen. Heimlich ließ ich Erkundigungen einziehen, wer dieser Zhang Hua sei und wo er die Dreistigkeit hernehme. Nach zwei Tagen Nachforschung stellte sich heraus, dass es ein nichtsnutziger Bettler ist. Jung und unerfahren, wie ich bin, musste ich lachen und sagte: ‚Was kann der schon anklagen?' Aber die Burschen erklärten: ‚Die Zweite Herrin war ihm einst versprochen. Jetzt ist er in der Klemme — ob er erfriert oder verhungert, er stirbt so oder so. Jetzt hat er dieses Recht in der Hand, und selbst wenn er stirbt, stirbt er wenigstens für etwas. Wie kann man es ihm verdenken? Die Sache wurde zu überstürzt gemacht. Reichstrauer — ein Vergehen. Familientrauer — ein Vergehen. Hinter dem Rücken der Eltern heimlich geheiratet — ein Vergehen. Die Erstfrau verlassen und erneut geheiratet — ein Vergehen. Wie das Sprichwort sagt: Wer seine Haut riskiert, kann sogar den Kaiser vom Pferd ziehen. Ein Mann, der vor Armut verrückt geworden ist, wozu ist der nicht fähig? Zumal er das volle Recht auf seiner Seite hat — auf eine Einladung zu warten ist unmöglich.'&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwägerin, selbst wenn ich Han Xin oder Zhang Liang wäre — nach diesen Worten wäre mir jeder Gedanke vergangen. Euer Bruder ist nicht da, ich hatte niemanden zum Beraten — nichts blieb übrig, als Geld hinzulegen. Aber je mehr Geld ich ausgab, desto mehr pressten sie mich aus. Ich bin wie eine Maus mit einem Geschwür am Schwanz — kein Tropfen Blut mehr übrig. Vor Aufregung und Ärger musste ich herkommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwägerin Sonders und Herrlichkeit Kaufmann sagten, ohne sie ausreden zu lassen: „Keine Sorgen, wir regeln das selbstverständlich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann fuhr fort: „Dieser Zhang Hua hat nur aus purer Verzweiflung heraus geklagt. Mein Plan wäre: Wir bieten ihm etwas Silber an und lassen ihn gestehen, dass er falsch und grundlos geklagt hat. Wir regeln seinen Prozess, und wenn er herauskommt, geben wir ihm noch etwas Geld — dann ist die Sache erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Liebes Kind, kein Wunder, dass du so kopflos solche Dummheiten anstellst — du bist wirklich naiv! Wenn er heute einwilligt und den Prozess übersteht und das Geld bekommt, ist es vorerst erledigt. Aber solche Taugenichtse — wenn das Geld verbraucht ist, suchen sie neue Vorwände und pressen einen wieder. Außerdem: Wenn er sagt, er habe nichts verbrochen — warum hat man ihm dann Geld gegeben? Am Ende ist es eine nie endende Geschichte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann, der ein kluger Mensch war, verstand sofort und sagte lachend: „Ich habe noch eine Idee. ‚Wer den Ärger gebracht hat, muss ihn auch forttragen.' Am besten erledige ich das selbst. Ich gehe zu Zhang Hua und frage ihn: Will er unbedingt die Person haben, oder ist er bereit, sich mit Geld abfinden zu lassen und eine andere zu heiraten? Wenn er die Person will, muss ich meine Zweite Tante überreden, dass sie herauskommt und ihn heiratet. Wenn er Geld will, geben wir ihm welches.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz rief hastig: „Auch wenn du das sagst — ich bringe es nicht übers Herz, deine Tante hinauszuschicken! Auf keinen Fall! Guter Neffe, wenn du mich liebst, gib ihm lieber mehr Geld!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann wusste genau, dass Phönixglanz mit dem Mund zwar so redete, im Herzen aber nichts lieber wollte, als dass die Person von selbst ging — sie selbst spielte nur die Tugendhafte. Was immer sie jetzt sagte, er gehorchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz, zufrieden, sagte dann: „Die Sache draußen lässt sich regeln — aber wie geht es zu Hause weiter? Du solltest mit mir hinüberfahren und es der Ahnherrin erklären.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann bat Phönixglanz um Rat, wie man die Lüge am besten formulieren solle. Phönixglanz lachte kalt: „Wenn du nicht das Talent dazu hast, warum hast du dich dann darauf eingelassen? Jetzt diese Jammerpose — das ist mir zuwider. Aber andererseits bin ich ein weichherziger Mensch und lasse mich von jedem herumschubsen, und trotzdem habe ich ein gutes Herz. Ich muss es wohl übernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr beide haltet euch einfach fern. Ich bringe eure Schwester zur Ahnherrin und der Gnädigen Frau und lasse sie den Kotau machen. Ich sage: Sie ist die Schwester meines Schwagers, ich habe sie kennengelernt und fand sie sehr nett. Da ich selbst nicht gerade fruchtbar bin, hatte ich ohnehin vor, ein oder zwei Mädchen ins Haus zu nehmen. Als ich nun die Schwester meines Schwagers traf und sah, wie gut sie ist — Verwandte untereinander zu heiraten ist doch das Beste —, habe ich beschlossen, sie als Zweitfrau aufzunehmen. Da ihre Eltern und Schwestern vor Kurzem alle verstorben sind und sie in Armut lebt, konnte sie die hundert Tage Trauer nicht abwarten, denn sie hätte kein Zuhause und keinen Unterhalt gehabt. Deshalb habe ich sie schon ins Haus geholt, die Zimmer im Seitenflügel sind hergerichtet, und sie wohnt vorerst dort. Erst wenn die Trauer vorüber ist, wird die Ehe vollzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner schamlosen Miene und meiner Hartnäckigkeit drücke ich das schon durch. Wenn es Ärger gibt, fällt er nicht auf euch zurück. Was meint ihr, Mutter und Sohn?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwägerin Sonders und Herrlichkeit Kaufmann sagten einhellig lachend: „Nur die Tante hat eine so großmütige und kluge Art! Wenn alles geregelt ist, kommen wir selbstverständlich herüber, um uns zu bedanken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schwägerin Sonders ließ die Mädchen Phönixglanz beim Waschen und Frisieren bedienen, ordnete ein Essen an und reichte persönlich Wein und wählte die Gerichte aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz blieb nicht lange und ging entschlossen. Im Garten erzählte sie der Zweiten Schwester You die ganze Geschichte — wie sie sich Mühe gegeben habe, Erkundigungen einzuziehen, wie sie einen Plan ersonnen habe, wie man so und so vorgehen müsse, um alle vor Strafe zu bewahren, und dass sie selbst die Sache in die Hand nehmen müsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was dann weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 67</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:15Z</updated>

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&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_62|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;62&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_63|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;63&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_64|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;64&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_65|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;65&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_66|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;66&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;67&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_68|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;68&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_69|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;69&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_70|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;70&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_71|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;71&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_72|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;72&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十七回 / Kapitel 67 =&lt;br /&gt;
== 见土仪颦卿思故里 ==&lt;br /&gt;
=== 闻秘事凤姐讯家童 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
馈土物颦卿念故里 / 讯家童凤姐蓄阴谋&lt;br /&gt;
Mitbringsel aus dem Süden wecken Kajaljades Heimweh; Phönixglanz erfährt das Geheimnis und sinnt auf Rache&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass nach dem Selbstmord der Dritten Schwester You&amp;lt;ref&amp;gt;Drittschwester Sonders: Chin. 尤三姐 Yóu Sānjiě, die stolze und leidenschaftliche jüngere Schwester der Zweiten Schwester You. Sie nahm sich in Kapitel 66 das Leben.&amp;lt;/ref&amp;gt; die alte Dame Sonders sowie die Zweitschwester Sonders, Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Ostpalasts (Ning-guo-fu).&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Schwägerin Sonders, Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, zweiter Sohn von Begnadigung Kaufmann, Ehemann von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; und alle anderen, die davon erfuhren, untröstlich waren vor Kummer und Trauer — das versteht sich von selbst. Eilig ließen sie einen Sarg kaufen und die Tote einkleiden, um sie vor der Stadt zu bestatten. Was Xianglotus Weide&amp;lt;ref&amp;gt;Xianglotus Weide (柳湘莲): Ein stolzer, unabhängiger junger Mann von edlem Charakter. Er hatte sich mit der Dritten Schwester You verlobt, die Verlobung dann aber gelöst, was ihren Selbstmord auslöste.&amp;lt;/ref&amp;gt; betrifft: Nachdem er den Tod der Dritten Schwester gesehen hatte, war sein Herz noch immer von verwirrter Leidenschaft und törichter Anhänglichkeit erfüllt. Doch ein taoistischer Wandermönch durchbrach mit einigen Versen die Schranken seiner Verblendung, und er schor sich das Haar, entsagte der Welt und folgte dem verrückten Mönch davon — wohin, wusste niemand. Doch davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, Mutter von Becken Schnee und Schatzspange, Schwester von Dame König.&amp;lt;/ref&amp;gt;, als sie erfuhr, dass Xianglotus Weide sich bereits mit der Dritten Schwester You verlobt hatte, höchst erfreut war und fröhlich Pläne schmiedete, ihm ein Haus zu kaufen, die Ausstattung zu besorgen, die Mitgift herzurichten und einen glückverheißenden Tag für die Hochzeit auszuwählen — alles, um ihm seine Lebensrettung zu vergelten. Doch plötzlich erschien ein Hausbursche bei Tante Schnee und berichtete vom Selbstmord der Dritten Schwester You und von Xianglotus Weides Eintritt ins Kloster. Tante Schnee seufzte tief. Während sie noch rätselte, was der Grund sein mochte, kam gerade Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, die tugendhafte und kluge Tochter der Tante Schnee.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus dem Garten herüber. Tante Schnee sprach zu ihr: „Mein Kind, hast du schon gehört? Die Schwester deiner Schwägerin Schein-Echt, die Drittschwester Sonders — war sie nicht bereits dem Schwurbruder deines Bruders, Xianglotus Weide, versprochen? Das war doch alles bestens. Aber nun hat sich die Drittschwester Sonders die Kehle durchgeschnitten, und Xianglotus Weide ist ins Kloster gegangen. Wahrhaftig seltsame Dinge — wer hätte das gedacht!&amp;quot; Schatzspange hörte das gelassen an und sagte: „Das Sprichwort sagt es treffend: ‚Am Himmel ziehen unerwartete Wolken auf, und den Menschen droht jederzeit Unheil.'&amp;lt;ref&amp;gt;天有不测风云，人有旦夕祸福: Klassisches chinesisches Sprichwort über die Unvorhersehbarkeit des Schicksals.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das war eben ihr Schicksal aus einem früheren Leben — sie waren nicht dazu bestimmt, Eheleute zu werden. Mama empfindet das so stark, weil er unserem Bruder das Leben gerettet hat, deshalb seufzt sie so. Wenn beide wohlauf wären, sollte Mama ihm natürlich helfen. Aber nun ist die eine tot und der andere ins Kloster gegangen — da können wir nichts tun, meiner Meinung nach. Mama sollte sich auch nicht so sehr grämen und die eigene Gesundheit schädigen. Übrigens — seit der Bruder vor zehn, zwanzig Tagen aus dem Süden zurückgekehrt ist, müssten die mitgebrachten Waren inzwischen wohl alle ausgeliefert sein. Die Handelsgehilfen, die ihn begleitet haben, haben monatelang Strapazen auf sich genommen. Mama sollte mit dem Bruder besprechen, ob man sie nicht zu einem Essen einladen und ihnen danken sollte. Sonst sieht es aus, als wären wir unhöflich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Mutter und Tochter noch sprachen, trat Becken Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Becken Schnee: Chin. 薛蟠 Xuē Pán, der ungehobelte Sohn der Tante Schnee und Bruder von Schatzspange.&amp;lt;/ref&amp;gt; von draußen herein, die Augen noch feucht von ungetrockneten Tränen. Kaum durch die Tür, schlug er die Hände zusammen und rief seiner Mutter zu: „Mama, hast du schon von Bruder Liu und der Dritten Schwester You gehört?&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Ich habe es im Garten reden gehört und war gerade dabei, es mit deiner Schwester zu besprechen.&amp;quot; Becken Schnee sagte: „Ist das nicht höchst seltsam?&amp;quot; Tante Schnee sagte: „Dieser Herr Liu — ein so junger, kluger Mensch, wie konnte er nur in einer Anwandlung von Verwirrung einem Wandermönch folgen? Ich denke, er muss in einem früheren Leben bereits ein Mensch mit tiefen karmischen Wurzeln gewesen sein, weshalb er so leicht empfänglich war für die Worte der Erleuchtung. Bedenke, dass ihr gute Freunde wart und er weder Eltern noch Geschwister hat, ganz allein hier — du solltest überall nach ihm suchen. So ein verrückter hinkender Mönch kann doch nicht weit gekommen sein! Wahrscheinlich versteckt er sich in irgendeinem Tempel in der Nachbarschaft.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Becken Schnee sagte: „Natürlich! Sobald ich die Nachricht hörte, bin ich mit meinen Burschen überall suchen gegangen — keine Spur von ihm. Ich habe auch Leute gefragt — alle sagten, sie hätten nichts gesehen. Da wusste ich mir keinen Rat mehr und habe nur noch gen Nordwesten geschaut und bitterlich geweint.&amp;quot; Dabei wurden seine Augenränder schon wieder rot. Tante Schnee sagte: „Wenn du gesucht hast und ihn nicht findest, hast du deine Pflicht als Freund erfüllt. Wer weiß — vielleicht hat ihm der Eintritt ins Kloster Gutes gebracht? Grüble nicht zu viel. Erstens solltest du dich um die Geschäfte kümmern, und zweitens die Vorbereitungen für deine eigene Hochzeit vorantreiben. In unserem Haus fehlt es an Leuten — da gilt das Sprichwort: ‚Der dumme Spatz muss früh losfliegen'&amp;lt;ref&amp;gt;笨雀儿先飞 bèn què'ér xiān fēi: Sprichwort — wer weniger begabt ist, muss früher anfangen.&amp;lt;/ref&amp;gt;, damit nicht in letzter Minute alles durcheinandergerät und die Leute lachen. Außerdem hat deine Schwester eben gesagt, du bist schon über einen halben Monat zurück, die Waren müssten verteilt sein, und du solltest die Handelsgehilfen zu einem Festessen einladen und ihre Mühen belohnen. Sie mögen zwar bei uns in Lohn und Brot stehen, aber sie sind doch auch Außenstehende, haben dich ein-, zweitausend Li weit begleitet und vier, fünf Monate lang Strapazen ertragen — und unterwegs noch so manche Gefahr und Last für dich auf sich genommen.&amp;quot; Becken Schnee hörte das und sagte: „Mama hat recht, Schwester denkt an alles. Ich hatte es genauso vor, nur war ich in den letzten Tagen mit der Warenauslieferung so beschäftigt, dass mir der Kopf schwirrte. Und dann die Sache mit Bruder Lius Hochzeit — wieder einige Tage vertan, alles umsonst, die eigentlichen Dinge vernachlässigt. Gut, dann setzen wir es auf morgen oder übermorgen an und verschicken die Einladungen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: „Kümmere dich darum.&amp;quot; Noch bevor sie ausgesprochen hatte, meldete ein Hausbursche von draußen: „Der Gehilfe des Oberbuchhalters Zhang hat zwei Kisten schicken lassen. Er sagt, das seien Dinge, die der junge Herr privat gekauft hat und die nicht in den Warenkonten stehen. Er wollte sie schon früher bringen, aber die Warenkisten lagen darauf. Gestern, als die Waren alle ausgeliefert waren, konnte er sie endlich herausnehmen, deshalb schickt er sie erst heute.&amp;quot; Während er noch sprach, trugen zwei Burschen zwei große, mit Leisten zusammengehaltene Palmfaserkisten herein. Becken Schnee schlug sich an die Stirn: „Ach du meine Güte, wie konnte ich nur so vergesslich sein! Die Dinge, die ich eigens für Mama und Schwester mitgebracht habe, habe ich ganz vergessen und nicht nach Hause geholt — die Gehilfen mussten sie mir nachschicken!&amp;quot; Schatzspange sagte: „Du sagst, du hättest sie ‚eigens' mitgebracht — und dann lässt du sie zehn, zwanzig Tage liegen. Wenn du sie nicht ‚eigens' mitgebracht hättest, hätten sie wohl bis Jahresende hier gelegen! Du achtest wirklich auf gar nichts.&amp;quot; Becken Schnee lachte: „Vermutlich haben mir die Räuber unterwegs den Verstand aus dem Leib erschreckt, und er ist noch nicht zurückgekehrt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten, und dann sagte er zu dem Burschen: „Die Sachen sind angenommen, sie können gehen.&amp;quot; Tante Schnee und Schatzspange fragten neugierig: „Was sind das für kostbare Dinge, so verschnürt und verklammert?&amp;quot; Man ließ die Seile durchschneiden, die Leisten abnehmen und die Schlösser öffnen. Darin fanden sich Seidenstoffe, Brokat, Damast und ausländische Waren — alles nützliche Dinge für den Hausgebrauch. Nur in Schatzspanges Kiste gab es neben Pinseln, Tusche, Reibsteinen, buntem Briefpapier, Duftsäckchen, Duftperlen, Fächern, Fächeranhängern, Puder, Rouge und Haaröl noch allerlei Mitbringsel vom Tigerberg&amp;lt;ref&amp;gt;虎丘 Hǔqiū: Der Tigerberg bei Suzhou, eine berühmte Sehenswürdigkeit, bekannt für Kunsthandwerk und Souvenirs.&amp;lt;/ref&amp;gt;: mechanische Figürchen, Trinkspiel-Lose, mit Quecksilber gefüllte Purzelbäumchen-Männchen, Sandlampen und ganze Szenen aus Tonfiguren, in mit grüner Gaze bespannten Kästchen aufbewahrt. Außerdem ein Abbild von Becken Schnee selbst, aus Ton geformt und ihm aufs Haar gleichend, sowie viele weitere kleine Spielereien. Schatzspange war hocherfreut, rief ihr Dienstmädchen und wies sie an: „Trag diese Kiste in den Garten hinein — von dort aus kann ich gleich die Geschenke an die anderen verteilen.&amp;quot; Damit verabschiedete sie sich von ihrer Mutter und ging in den Garten. Tante Schnee ihrerseits nahm die Dinge aus ihrer Kiste heraus, teilte sie sorgfältig ein und ließ sie durch das Mädchen Tongxi zur Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Herzoginmutter: Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die alte Matriarchin des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Dame König: Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, Ehefrau von Aufrecht Kaufmann, Mutter von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den anderen bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Schatzspange die Kiste in ihr Zimmer bringen ließ, jedes Stück einzeln durchsah und — abgesehen von dem, was sie selbst behielt — alles sorgfältig in Päckchen einteilte: Für die einen Pinsel, Tusche, Papier und Reibsteine; für die anderen Duftsäckchen, Fächer und Fächeranhänger; wieder für andere Rouge und Haaröl; und für manche nur Spielsachen — je nach Person bemessen. Nur Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, die empfindsame und hochbegabte Cousine von Schatzjade. Ihre Eltern stammten aus dem Süden (Jiangnan).&amp;lt;/ref&amp;gt; erhielt ein doppelt so reiches Päckchen wie alle anderen. Als alles fertig eingepackt war, schickte sie Oriölchen&amp;lt;ref&amp;gt;Oriölchen: Chin. 莺儿 Yīng'ér, die geschickte Leibmagd von Schatzspange.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit einer alten Dienerin los, die Geschenke überallhin zu überbringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume&amp;lt;ref&amp;gt;Seidenweiß Pflaume: Chin. 李纨 Lǐ Wán, die tugendhafte junge Witwe des Kaufmann-Hauses.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, der Hauptheld des Romans, ein empfindsamer junger Mann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen nahmen die Geschenke entgegen, belohnten die Botin und ließen ausrichten, sie würden sich beim nächsten Treffen persönlich bedanken — das Übliche eben. Nur Kajaljade — als sie die Dinge aus der Heimat am Jangtse erblickte, wurde sie von Wehmut übermannt und musste an ihre Eltern denken. Vor den Mitbringseln stehend, vergoss sie Tränen und seufzte still bei sich: „Ich bin eine Tochter des Südens. Vater und Mutter sind beide tot, Geschwister habe ich keine — ganz allein lebe ich hier bei meiner Großmutter mütterlicherseits, dazu noch ständig krank. Außer der Herzoginmutter, der Tante und den Schwestern, die nach mir schauen, gibt es keinen einzigen Verwandten mit dem Namen Lin, der mich besuchen und mir Heimatgeschenke mitbringen könnte — damit ich auch einmal etwas verschenken und das Gesicht wahren könnte. Man sieht: Wer keine nächsten Blutsverwandten hat, dem bleibt nur Einsamkeit, Kälte und Trostlosigkeit!&amp;quot; Bei diesen Gedanken überwältigte sie der Kummer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, die treue und verständnisvolle Leibmagd von Kajaljade.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Kajaljade seit vielen Jahren bediente und ihr Tag und Nacht zur Seite stand, kannte das Innere ihrer Herrin nur zu gut: Der Anblick der Heimatgaben hatte ihr Herz berührt und die Sehnsucht nach den Eltern geweckt. Doch sie wagte es nicht, dies offen auszusprechen, und tröstete sie nur von der Seite: „Das Fräulein ist ohnehin viel krank und nimmt morgens und abends noch Medizin. In den letzten Tagen schien es etwas besser — ein wenig mehr Appetit, ein wenig mehr Kraft —, aber von wirklicher Genesung kann noch keine Rede sein. Heute schickt Fräulein Schatzspange diese Geschenke — das zeigt, wie sehr sie das Fräulein schätzt. Das Fräulein sollte sich freuen! Warum wird sie stattdessen traurig? Wenn Fräulein Schatzspange erfährt, dass ihre Geschenke statt Freude nur Kummer gebracht haben — wie peinlich wäre das! Und dann bedenke das Fräulein: Die Herzoginmutter und die Gnädigen Frauen haben mit allen Mitteln die besten Ärzte bestellt, um die Krankheit des Fräuleins zu heilen. Kaum geht es etwas besser, und das Fräulein weint wieder — ist das nicht, als verdürbe man sich selbst den Leib und wollte die Herzoginmutter nicht froh sehen? Die Krankheit des Fräuleins kommt doch gerade von zu vielen Sorgen und zu viel Kummer, die das Blut und die Lebenskraft geschädigt haben. Der kostbare Leib des Fräuleins darf nicht so leichtfertig behandelt werden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als Purpurkuckuck noch auf Kajaljade einredete, hörte man ein kleines Dienstmädchen draußen im Hof rufen: „Der Zweite junge Herr Bao kommt!&amp;quot; Purpurkuckuck rief eilig: „Bittet ihn schnell herein!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie ausgesprochen, trat Schatzjade schon ins Zimmer. Kajaljade bot ihm einen Platz an. Als Schatzjade sah, dass ihr Gesicht tränennass war, fragte er: „Schwester, wer hat dich wieder gekränkt? Deine Augen sind ja ganz rot geweint — was ist denn los?&amp;quot; Kajaljade antwortete nicht. Purpurkuckuck wies mit dem Kinn zum Bett hin. Schatzjade verstand, blickte zum Bett und sah dort allerlei Dinge aufgehäuft — sofort erkannte er, dass es Schatzspanges Geschenke waren. Er lachte und neckte: „Feine Sachen! Will die Schwester etwa einen Gemischtwarenladen aufmachen? Wozu liegen die alle hier herum?&amp;quot; Kajaljade beachtete ihn nicht. Purpurkuckuck sagte: „Der Zweite Herr spricht noch von den Sachen! Fräulein Schatzspange hat einige Dinge geschickt, und kaum hat unser Fräulein sie angesehen, brach sie in Tränen aus. Ich rede ihr gut zu und schlecht zu — nichts hilft. Und gerade nach dem Essen! Wenn sie weiter weint und sich den Magen verdirbt und die alte Krankheit zurückkehrt — die Herzoginmutter wird uns den Kopf abreißen! Dass der Zweite Herr kommt, ist ein Glück — helft uns ein wenig beim Trösten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war von Natur aus ein kluger Mensch, und überdies richtete er sein ganzes Herz stets auf Kajaljade. Er kannte sie durch und durch: empfindsam, empfindlich, dazu ehrgeizig und nicht gewillt, hinter anderen zurückzustehen. Beim Anblick der Mitbringsel, die ihr Bruder aus dem Süden geschickt hatte — Dinge aus der Heimat —, musste sie an andere schmerzliche Dinge denken — darin lag der wahre Grund ihrer Trauer. All das wusste Schatzjade in seinem Herzen, doch er wollte es nicht aussprechen, um Kajaljade nicht noch mehr aufzuwühlen. So sagte er lachend: „Euer Fräulein weint nicht aus einem anderen Grund — nur weil Fräulein Schatzspange zu wenig geschickt hat, ist sie beleidigt und traurig. Schwester, sei beruhigt! Nächstes Jahr fahre ich selbst nach Jiangnan und bringe dir zwei ganze Bootsladungen mit — dann brauchst du nicht mehr zu weinen!&amp;quot; Kajaljade hörte das und musste unwillkürlich auflachen: „So weltfremd bin ich nun auch wieder nicht, dass ich wegen zu weniger Geschenke traurig würde! Ich bin doch kein kleines Kind von zwei, drei Jahren! Du hältst mich wirklich für gewöhnlich und kleinlich. Ich habe meine eigenen Gründe — die kennst du nicht.&amp;quot; Während sie sprach, flossen die Tränen erneut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade rückte eilig zum Bett hinüber, setzte sich neben Kajaljade und nahm die Dinge eines nach dem anderen in die Hand, betrachtete sie eingehend und fragte absichtlich: „Was ist das? Wie heißt es? Wie ist das gemacht — so kunstvoll? Und das — wozu dient es? Schwester, schau, dieses Stück könnte man ins Bücherregal stellen, und jenes auf den Beistelltisch als Antiquität!&amp;quot; So lenkte er sie mit allerhand nichtigen Fragen und Bemerkungen eine Weile ab. Kajaljade, die seine kindische Art sah — wie er alles befragte und befingerte —, musste trotz allem ein wenig lachen und legte ihren Kummer vorübergehend beiseite. Als Schatzjade sah, dass ihre Miene sich aufhellte, sagte er: „Schwester Schatzspange hat uns Geschenke geschickt — ich finde, wir sollten zu ihr gehen und uns bedanken. Kommst du mit?&amp;quot; Kajaljade wollte eigentlich nicht eigens wegen ein paar Geschenken auf Besuch gehen — bei Gelegenheit ein Wort des Dankes hätte genügt. Doch Schatzjades Argument war einleuchtend und ließ sich schwer abweisen. So ging sie wohl oder übel mit Schatzjade. Doch davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Becken Schnee den Rat seiner Mutter befolgte und eilig Einladungen verschickte und ein Festessen herrichten ließ. Am nächsten Tag waren tatsächlich drei, vier Handelsgehilfen vollzählig erschienen. Man besprach zunächst Geschäftliches — Warenauslieferung und Kontobücher —, dann nahm man an der Tafel Platz, und Becken Schnee schenkte jedem Wein ein und dankte für die Mühen. Aus dem Inneren des Hauses ließ Tante Schnee noch besonders grüßen und danken. Da fragte einer der Gehilfen: „Warum fehlt heute der Erste Bruder Liu am Tisch? Hat der Hausherr vergessen, ihn einzuladen?&amp;quot; Becken Schnee zog die Brauen zusammen, seufzte und sagte: „Fragt nicht, fragt nicht! Ihr wisst es offenbar noch nicht. Wenn ich von diesem Menschen rede — es ist wahrhaft zum Seufzen! Vor ein, zwei Tagen wurde er plötzlich von einem verrückten Mönch ‚erlöst' und ist ihm als Geistlicher gefolgt. Ist das nicht höchst sonderbar?&amp;quot; Die Gehilfen sagten: „Wir haben im Laden gehört, wie die Leute draußen redeten — ein Mönch habe mit drei Worten einen weltlichen Mann bekehrt; manche sagten, der Wind habe ihn davongetragen, andere, er sei auf einer Wolke davongeflogen. Allerlei Gerüchte! Wir waren mit der Warenauslieferung so beschäftigt, dass wir es nicht weiter beachtet haben — bis heute wussten wir nicht einmal, ob es wahr ist. Nun hören wir: Der Bekehrte war also der Erste Bruder Liu! Hätten wir das gewusst, hätten wir gemeinsam auf ihn eingeredet. So einen hätten wir nicht gehen lassen! Ach, wieder einen guten Freund weniger! Wirklich schade und beklagenswert. Kein Wunder, dass der Hausherr betrübt ist. So ein kluger Mensch — ob er wirklich einem Mönch gefolgt ist? Bruder Liu kann Kampfkünste und hat Kraft. Vielleicht hat er eine Schwäche in der Zauberei des Mönchs entdeckt und tut nur so, als sei er ihm gefolgt, um ihn hinterrücks zu entlarven!&amp;quot; Becken Schnee sagte: „Wer weiß — wenn es so wäre, umso besser; dann gäbe es einen Schwindler weniger auf der Welt.&amp;quot; Die Gehilfen fragten: „Hast du denn nicht nach ihm gesucht?&amp;quot; Becken Schnee sagte: „In der ganzen Stadt und vor den Toren — überall haben wir gesucht! Lacht mich nicht aus — ich habe sogar geweint.&amp;quot; Daraufhin seufzte er nur noch, niedergeschlagen und ohne die sonst übliche Fröhlichkeit. Obwohl die Tafel mit Hühnern, Gänsen, Fisch und Ente, mit Berg- und Meeresdelikatessen reichlich besetzt war, drückte die trübe Stimmung des Gastgebers auf alle. Die Gehilfen tranken nur einige Becher, aßen ein wenig und gingen bald auseinander. Doch davon genug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Schatzjade Kajaljade mit zu Schatzspange führte, um sich zu bedanken. Man tauschte die üblichen Höflichkeiten aus. Kajaljade sagte zu Schatzspange: „Der große Bruder hat sich auf der langen Reise so abgemüht — wie viel kann er schon mitgebracht haben? Bei all den Geschenken an uns alle — was bleibt da noch für dich?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ganz recht!&amp;quot; Schatzspange lachte: „Es sind keine kostbaren Dinge — nur Mitbringsel von der Reise, die ein wenig neuartig wirken. Ob mir etwas übrigbleibt, ist unwichtig — wenn ich nächstes Jahr etwas haben möchte, bitte ich meinen Bruder einfach, es mitzubringen. Was ist schon dabei?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte sofort: „Wenn nächstes Jahr wieder etwas kommt, dann muss die Schwester uns auch wieder etwas schenken! Vergiss uns nicht!&amp;quot; Kajaljade sagte: „Du willst etwas haben — dann sag einfach, dass du etwas willst. Warum ziehst du ‚uns' mit hinein? Schwester, sieh nur — Bruder Schatzjade ist nicht gekommen, um sich zu bedanken, sondern um schon die Geschenke fürs nächste Jahr zu bestellen!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Wenn ich etwas bekomme, fällt dann nicht auch ein Teil für dich ab? Statt mir zu helfen, machst du spitze Bemerkungen!&amp;quot; Alle lachten. Schatzspange fragte: „Wie kommt es, dass ihr beide so gleichzeitig hier seid — wer hat wen abgeholt?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Frag nicht! Da Schwester mir Geschenke geschickt hat, dachte ich, Schwester Kajaljade hat sicher auch welche bekommen, und wir sollten beide danken gehen. Also ging ich zuerst zu ihr. Aber als ich ankam, saß sie bedrückt in ihrem Zimmer — ich weiß nicht, warum sie so gerne weint.&amp;quot; Bei dem Wort „Tränen&amp;quot; bemerkte er Kajaljades scharfen Blick und brach ab. Schnell lenkte er ein: „Schwester Kajaljade hat in den letzten Tagen Beschwerden gehabt und fürchtet einen Rückfall — deshalb war sie aufgelöst. Ich habe sie eine Weile getröstet, und dann sind wir hergekommen. Erstens um zu danken, zweitens damit sie nicht allein in ihrem Zimmer sitzt und grübelt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Wenn die Schwester Angst vor Krankheit hat, ist das verständlich — man muss eben beim Essen und Trinken, beim An- und Auskleiden und bei Hitze und Kälte besonders aufpassen. Aber warum sich grämen? Schwester, du weißt doch: Kummer schadet dem Blut und der Lebenskraft. Wenn man sich den Schaden erst eingeholt hat, wird man erst recht krank. Denk doch einmal darüber nach.&amp;quot; Kajaljade sagte: „Schwester hat recht. Ich weiß das ja selbst. Nur — in den letzten Jahren, Schwester hat es ja gesehen, bin ich jedes Jahr ein-, zweimal krank geworden, bis ich mich davor fürchte. Kaum sehe ich Medizin, ob sie wirkt oder nicht — schon bei dem Geruch bekomme ich Kopfschmerzen und Übelkeit. Wie soll ich da keine Angst haben?&amp;quot; Schatzspange sagte: „Das mag sein, aber sich grämen hilft nicht. Lieber solltest du dich, wenn du dich unwohl fühlst, aufraffen und draußen herumspazieren, dir das Herz ein wenig aufheitern — das ist besser, als im Zimmer zu hocken und zu brüten. Kummer ist der größte Krankheitserreger. Auch ich hatte in den letzten Tagen das Gefühl, träge und matt zu sein und mich nur noch hinlegen zu wollen. Aber weil ich fürchtete, bei dem schlechten Wetter krank zu werden, habe ich mich dagegen gestemmt und nach Beschäftigungen gesucht — und so ging der Tag auch vorbei. Schwester, nimm es mir nicht übel: Je mehr man sich fürchtet, desto mehr kommen die Gespenster!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte das und fragte eilig: „Schwester Schatzspange, wo sind die Gespenster? Ich sehe keins!&amp;quot; Alle brachen in schallendes Gelächter aus. Schatzspange sagte: „Du dummes kleines Herrchen — das war bildlich gesprochen! Wo sollen denn echte Gespenster sein? Wenn es wirklich welche gäbe, würdest du bestimmt wieder weinen vor Schreck!&amp;quot; Kajaljade lachte: „Schwester hat recht — man muss ihm eins auswischen! Wer heißt ihn, so vorwitzig zu sein!&amp;quot; Schatzjade sagte: „Kaum kritisiert jemand mich, freust du dich. Dafür bist du jetzt nicht mehr betrübt — gehen wir also nach Hause.&amp;quot; So plauderten und scherzten sie noch eine Weile, dann verabschiedeten sich die beiden von Schatzspange. Schatzjade brachte Kajaljade bis vor die Tür des Bambushain-Pavillons&amp;lt;ref&amp;gt;潇湘馆 Xiāoxiāng Guǎn: Der „Pavillon am Flüstern der Bambusblätter&amp;quot;, Kajaljades Wohnsitz im Garten der Großen Anschauung.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ging dann zu sich nach Hause. Doch davon genug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass die Nebenfrau Zhao, als sie Schatzspanges Geschenk für den jungen Huan&amp;lt;ref&amp;gt;Huan Kaufmann (Unheil): Chin. 贾环 Jiǎ Huán, der Sohn der Nebenfrau Zhao und jüngerer Halbbruder von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; sah, es eilig entgegennahm und sich vor Freude nicht lassen konnte. Überschwänglich lobte sie: „Alle sagen, Fräulein Schatzspange versteht es, sich zu benehmen und ist großzügig — heute sehe ich, dass es stimmt. Ihr Bruder hat doch nur begrenzt Dinge mitbringen können, und sie verteilt von Haus zu Haus, vergisst niemanden und lässt nicht erkennen, wem sie mehr gibt und wem weniger — sogar an uns arme Schlucker hat sie gedacht. Wirklich bewundernswert! Wenn es Fräulein Kajaljade wäre — nun ja, ihr schickt ja niemand etwas; aber selbst wenn jemand etwas brächte, würde sie nur den Einflussreichen und Angesehenen etwas schenken — an unsereins käme sie nie heran! Man sieht: Wer es versteht, sich zu benehmen, der sticht wirklich heraus.&amp;quot; Die Nebenfrau Zhao, ganz stolz, weil Huan etwas bekommen hatte, betrachtete die Gaben wieder und wieder in ihren Händen. Da Schatzspange eine Nichte von Dame König mütterlicherseits war, wollte sie die Gelegenheit nutzen, sich bei Dame König einzuschmeicheln. So trug sie die Sachen zu Dame Königs Gemächern, stellte sich an die Seite und sprach: „Das hat Fräulein Schatzspange gerade dem jungen Huan geschickt. So jung und schon so umsichtig! Ich habe dem Botenmädchen zweihundert Kupfermünzen als Trinkgeld gegeben. Ich habe auch gehört, dass Tante Schnee der Gnädigen Frau etwas geschickt hat — was mag es wohl sein? Seht nur — aus einem Haus kommen zwei Portionen; wie viel kann es da schon sein? Kein Wunder, dass die Herzoginmutter und die Gnädige Frau sie so loben und lieben — sie macht sich wirklich beliebt.&amp;quot; Damit reichte sie Dame König die Gaben zur Ansicht. Doch Dame König hob nicht einmal den Kopf, streckte nicht einmal die Hand aus und sagte nur: „Schön, gib es dem jungen Huan zum Spielen&amp;quot; — ohne auch nur hinzusehen. Die Nebenfrau Zhao hatte sich eine Abfuhr geholt und kehrte voller Ärger in ihr Zimmer zurück, warf die Sachen in eine Ecke und schimpfte endlos über dies und jenes, ohne dass ihr jemand zuhörte. Sie saß schmollend in ihrer Ecke. Man sieht: Die Nebenfrau Zhao war ein kleinlicher, begriffsstutziger Mensch — selbst wenn sie etwas Gutes erhielt, verdarb sie es durch ihr ärgerliches Geschwätz. Kein Wunder, dass Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling: Chin. 贾探春 Jiǎ Tànchūn, die dritte Tochter des Kaufmann-Hauses, Tochter der Nebenfrau Zhao, aber weit über ihre Mutter hinaus begabt und würdevoll.&amp;lt;/ref&amp;gt; sich über sie ärgerte und sie geringschätzte. Doch genug davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Schatzspanges Botenmädchen zurückkam und berichtete: „Alle haben gedankt, manche haben Trinkgeld gegeben. Nur das Päckchen für die kleine Pfiffigmädchen&amp;lt;ref&amp;gt;Pfiffigmädchen (巧姐): Die kleine Tochter von Kette Kaufmann und Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; — das habe ich zurückgebracht.&amp;quot; Schatzspange fragte verwundert: „Warum denn? Hast du es nicht abgeliefert, oder hat man es nicht angenommen?&amp;quot; Oriölchen sagte: „Als ich bei der Familie des jungen Huan die Sachen abgab, sah ich, dass die Zweite Herrin zur Herzoginmutter gegangen war. Wenn die Zweite Herrin nicht zu Hause ist, wem sollte ich es dann geben? Darum habe ich es nicht abgegeben.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Du bist wirklich ein Dummchen! Wenn die Zweite Herrin nicht da ist — sind denn Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, die treue und kluge Leibmagd von Phönixglanz.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Fenger auch nicht da? Du gibst es einfach bei ihnen ab, und wenn die Zweite Herrin zurückkommt, sagen sie es ihr. Muss man es unbedingt persönlich überreichen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oriölchen nahm das Päckchen und ging erneut aus dem Garten hinaus zu Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, die gewiefte und machtbewusste Ehefrau von Kette Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Unterwegs sagte sie zur alten Dienerin: „Hätte ich es gleich abgeliefert, wäre alles erledigt gewesen und mir dieser Gang erspart geblieben.&amp;quot; Die Alte sagte: „Müßig herumzusitzen ist auch langweilig — ein kleiner Spaziergang schadet nicht. Nur hat das Fräulein heute schon viele Wege gemacht und ist sicher müde. Nach diesem letzten Gang können wir uns dann gemeinsam ausruhen.&amp;quot; So plaudernd kamen sie bei Phönixglanz an, lieferten die Geschenke ab und kehrten zu Schatzspange zurück. Schatzspange fragte: „Hast du die Zweite Herrin gesehen?&amp;quot; Oriölchen sagte: „Nein.&amp;quot; Schatzspange fragte: „Ist sie noch nicht zurück?&amp;quot; Das Mädchen sagte: „Doch, sie war zurück. Aber Fenger hat mir gesagt: ‚Die Zweite Herrin kam von der Herzoginmutter zurück und war nicht wie sonst fröhlich und vergnügt, sondern hatte einen zornigen Gesichtsausdruck. Sie hat Friedchen zu sich gerufen und tuschelt im Flüsterton mit ihr — niemand darf zuhören. Sogar mich hat sie hinausgeschickt. Geh besser nicht hinein — ich sage es ihr für dich.' Also hat Fenger die Sachen hineingetragen und kam mit der Nachricht zurück: ‚Die Zweite Herrin dankt dem Fräulein schön.' Sie hat uns einen Faden Kupfergeld als Trinkgeld gegeben, und damit bin ich zurückgekommen.&amp;quot; Schatzspange hörte das, grübelte eine Weile und konnte sich nicht erklären, warum Phönixglanz so erzürnt war. Doch davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Dufthauch: Chin. 袭人 Xīrén, die aufmerksame und pflichtbewusste Leibmagd von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt;, als Schatzjade zurückkam, ihn fragte: „Warum bist du nicht spazieren gegangen und schon zurück? Du hattest doch gesagt, du wolltest Fräulein Kajaljade abholen und mit ihr gemeinsam zu Fräulein Schatzspange gehen — warst du dort?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Frag nicht! Ich wollte Schwester Kajaljade abholen und gemeinsam gehen. Aber als ich ankam, saß sie in ihrem Zimmer, von den Mitbringseln umgeben, und war ganz unglücklich. Ich kenne ja ihre Gründe — man darf sie nicht direkt darauf ansprechen, man darf sie auch nicht tadeln. So tat ich, als wüsste ich von nichts, lenkte sie mit allerlei Plaudereien ab, bis sie sich beruhigte. Dann erst gingen wir zusammen zu Schwester Schatzspange, um zu danken, plauderten eine Weile und gingen. Ich habe sie nach Hause gebracht und bin dann erst selbst zurückgekehrt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch fragte: „Die Geschenke für Fräulein Kajaljade — waren es mehr oder weniger als deine, oder gleich viel?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ein- bis zweimal so viel wie meine.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Das ist eine verständige Frau, die es richtig macht. Fräulein Schatzspange weiß, dass alle anderen Schwestern nahe Verwandte haben, die sich um sie kümmern und ihnen Dinge schenken — nur Fräulein Kajaljade lebt zwei-, dreitausend Li von der Heimat entfernt und hat keinen einzigen Verwandten hier, der ihr etwas schicken würde. Zudem sind die beiden nicht nur verwandt, sondern auch Wahlschwestern — hast du vergessen, dass Fräulein Kajaljade letztes Jahr Tante Schnee zur Wahlmutter erkoren hat?&amp;lt;ref&amp;gt;Kajaljade hat Tante Schnee als Adoptivmutter angenommen (认干妈), was die besondere Verbundenheit zwischen den Familien Schnee und Wald bekräftigte.&amp;lt;/ref&amp;gt; Deshalb ist es nur recht und billig, ihr mehr zu geben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen kam herüber und bat Dufthauch um einige Rollen roten Damast für die Herstellung von Seidenschnüren, wobei sie scherzte, die letzte Lieferung sei aufgebraucht und man brauche dringend Nachschub. Dufthauch suchte die gewünschten Stoffe heraus und gab sie ihr. Die beiden plauderten über dies und jenes. Friedchen blieb eine Weile, und sie tranken zusammen Tee. Dufthauch bemerkte auf dem Bettrand ein Nähkästchen mit einem kleinen, aus rotem ausländischem Brokat genähten Leibchen. „Hat die Herrin bei all ihren tausend Geschäften wirklich noch Zeit zum Nähen?&amp;quot; fragte sie. Phönixglanz — die gerade hereingekommen war — sagte: „Ich kann ja von Natur aus nicht gut nähen. Jetzt, wo ich gerade erst genesen bin und die Hausgeschäfte mich nicht zur Ruhe kommen lassen, wo sollte ich da Zeit hernehmen? Das Wichtigste lasse ich liegen. Diesen Stoff habe ich bei der Herzoginmutter gesehen — Tante Schnee hatte ihn der Alten Dame geschickt. Die Herzoginmutter meinte: ‚Diese bunten Blumen und Farben — das wäre doch hübsch für kleine Kinderkleidchen!' Da habe ich gleich darum gebeten. Die Herzoginmutter hat mich ausgescholten — ich sei ihr ‚Plagegeist', der alles haben will und alles mitnimmt, was er sieht. Alle mussten lachen. Ihr wisst ja, ich bin ein dickes Fell und scheue kein Wort — die Alte Dame schimpft, und ich tu, als hörte ich nichts, nehme es und gehe. So habe ich es Friedchen gegeben, damit sie zuerst ein Leibchen für Pfiffigmädchen näht — den Rest für später.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch lachte: „Auch nur unsere Herrin schafft es, die alte Ahnherrin so zum Lachen zu bringen.&amp;quot; Sie nahm die Handarbeit in die Hand und lobte: „Wirklich hübsch! Alle Farben sind darin. Feines Material verdient geschickte Hände. Und dazu für Pfiffigmädchen — wenn man sie damit herumträgt, werden alle sie bewundern.&amp;quot; Dann fragte sie: „Wo ist Pfiffigmädchen? Ich habe sie die ganze Zeit nicht gesehen.&amp;quot; Friedchen sagte: „Vorhin hat Fräulein Schatzspange Spielsachen geschickt — Pfiffigmädchen war ganz begeistert und hat eine ganze Weile damit gespielt. Dann hat die Amme sie hinausgetragen — sie wird müde gewesen sein und schlafen.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Pfiffigmädchen wird von Mal zu Mal aufgeweckter.&amp;quot; Friedchen sagte: „Das kleine Mondgesicht ist rund wie ein silbernes Becken. Wenn sie jemanden sieht, lacht sie — sie beleidigt nie jemanden. Wirklich der Trostschatz unserer Herrin.&amp;quot; Phönixglanz fragte: „Was macht der junge Bruder Bao zu Hause?&amp;quot; Dufthauch lachte: „Ich habe ihn gebeten, zusammen mit Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Heitermuster: Chin. 晴雯 Qíngwén, eine hübsche und temperamentvolle Dienerin von Schatzjade.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den anderen auf das Haus aufzupassen, und bin dann hierhergekommen. Aber ich bin schon viel zu lange hier! Wenn Schatzjade sich zu Hause beschwert, ich hätte ein zu schweres Hinterteil und würde mich überall festsetzen, wo ich mich hinsetze ...&amp;quot; So stand sie auf, verabschiedete sich und kehrte in den Hof der Roten Freude zurück. Doch davon genug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sei erzählt, dass Phönixglanz, nachdem Friedchen die Dufthauch hinausbegleitet hatte, Friedchen erneut ins Zimmer rief und sie über die früheren Dinge ausfragte. Je mehr sie hörte, desto wütender wurde sie: „Der Zweite Herr heiratet draußen heimlich eine zweite Frau, und du sagst, du hättest es von den Burschen am Zweiten Tor gehört. Welcher genau hat es erzählt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte: „Es war Wanger, der es gesagt hat.&amp;quot; Phönixglanz ließ sofort Wanger rufen und fragte ihn: „Dein Zweiter Herr hat draußen ein Haus gekauft und eine Nebenfrau geheiratet — weißt du davon?&amp;quot; Wanger sagte: „Der Kleine steht den ganzen Tag am Zweiten Tor auf Posten — woher sollte ich die Angelegenheiten des Zweiten Herrn kennen? Ich habe es von Xing'er gehört.&amp;quot; Phönixglanz fragte: „Wann hat Xing'er es dir erzählt?&amp;quot; Wanger sagte: „Noch bevor der Zweite Herr abgereist ist.&amp;quot; Phönixglanz fragte weiter: „Wo ist Xing'er jetzt?&amp;quot; Wanger sagte: „Xing'er ist bei der Neuen Zweiten Herrin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz war vor Wut außer sich, spuckte aus und schimpfte: „Du niederträchtiger Affenbalg! Was heißt hier ‚Neue Herrin' und ‚Alte Herrin'? Du verteilst eigenmächtig Titel! Mit deinem frechen Mundwerk — dafür gehörst du geohrfeigt!&amp;quot; Dann fragte sie: „Xing'er ist doch einer von denen, die dem Zweiten Herrn folgen — warum ist er nicht mitgereist?&amp;quot; Wanger sagte: „Er wurde eigens daheim gelassen, um auf die Zweitschwester Sonders aufzupassen.&amp;quot; Phönixglanz rief in einem fort: „Hol mir sofort Xing'er her!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wanger rannte hinaus, fand Xing'er und sagte nur: „Die Zweite Herrin ruft dich.&amp;quot; Xing'er spielte gerade draußen mit den Burschen herum. Als er den Ruf hörte, fragte er — wohlgemerkt — nicht einmal, was die Zweite Herrin von ihm wolle, sondern folgte Wanger eilig zum Zweiten Tor. Er meldete sich an, trat ein, begrüßte Phönixglanz mit der üblichen Verbeugung und stellte sich an die Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz starrte ihn mit funkelnden Augen an und fuhr ihn an: „Euer Herr und Knecht treibt draußen feine Sachen! Ihr haltet mich wohl für dumm und ahnungslos? Du bist einer der engsten Begleiter des Zweiten Herrn — du musst alles ganz genau wissen. Erzähl mir jetzt Punkt für Punkt die Wahrheit! Wenn du auch nur das Geringste verschweigst oder lügst, breche ich dir die Beine!&amp;quot; Xing'er fiel auf die Knie und stammelte: „Was will die Herrin denn wissen? Was soll ich getan haben?&amp;quot; Phönixglanz schrie: „Du elender kleiner Bastard! Du wagst es, mich hinzuhalten? Ich frage dich: Wie kam es, dass der Zweite Herr sich draußen mit der Zweiten Schwester You eingelassen hat? Wie hat er das Haus gekauft, die Ausstattung besorgt? Wie hat er sie geheiratet? Eins nach dem anderen — alles, und zwar sofort! Dann verschone ich dein Hundeleben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xing'er, am ganzen Leib zitternd, hatte keine andere Wahl als von Anfang bis Ende alles zu erzählen — wie Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann die Sache eingefädelt hatten, wie das Haus gekauft, die Hochzeit inszeniert und die Zweitschwester Sonders als Nebenfrau aufgenommen worden war. Phönixglanz hörte zu, und mit jedem Wort wuchs ihr Zorn. Als er geendet hatte, sagte sie mit schneidender Stimme: „Geh und sag kein Wort zu niemandem! Wenn ich erfahre, dass du geredet hast, schlage ich dich tot!&amp;quot; Xing'er kroch auf allen vieren hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz rief Friedchen zu sich, schloss die Tür und sagte mit einem bitteren Lachen: „Da hast du es. Der feine Herr hat also draußen seine Hochzeit gefeiert, mit Haus und allem Drum und Dran, und alle wissen es — nur ich, die Ehefrau, bin die Letzte, die es erfährt. Gut, gut! Er soll mich kennenlernen!&amp;quot; Friedchen wagte kaum zu atmen und sagte leise: „Die Herrin sollte sich nicht so aufregen. Es muss auch daran gedacht werden, wie es nach außen wirkt.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Hab keine Angst — ich werde nichts Unüberlegtes tun. Aber diese Sache lasse ich nicht auf sich beruhen. Lass mich erst einen Plan ausdenken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Nacht grübelte Phönixglanz. Am nächsten Morgen war ihr Gesicht wieder freundlich, als wäre nichts geschehen. Doch in ihrem Herzen brütete sie finstere Rache. Von diesem Tage an merkte sich Phönixglanz jedes Wort und jede Handlung und wartete auf den richtigen Augenblick, um zuzuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 65</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_60|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;60&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_61|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;61&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_62|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;62&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_63|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;63&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_64|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;64&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;65&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_66|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;66&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_67|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;67&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_68|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;68&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_69|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;69&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_70|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;70&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十五回 / Kapitel 65 =&lt;br /&gt;
== 贾二舍偷娶尤二姨 ==&lt;br /&gt;
=== 尤三姐思嫁柳二郎 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann [贾琏] heiratet heimlich die Zweitschwester Sonders&lt;br /&gt;
Drittschwester Sonders bringt die Kaufmann-Brüder mit scharfer Zunge zum Schweigen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Kette Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] und Hibiskus Kaufmann [贾蓉] alles im Einzelnen besprochen hatten und jede Vorkehrung getroffen war. Am zweiten des Monats brachte man zunächst die alte Dame Sonders und die Dritte Schwester ins neue Haus. Als die Alte es sah, war es zwar nicht so prächtig, wie Herrlichkeit Kaufmann es ihr versprochen hatte, doch es war durchaus angemessen ausgestattet, und Mutter und Tochter waren zufrieden. Bao Er und seine Frau empfingen sie voller Eifer wie ein loderndes Feuer: Er nannte die alte Dame Sonders unaufhörlich „Mama&amp;quot; oder „Alte Dame&amp;quot; und die Dritte Schwester „Dritte Tante&amp;quot; oder „Frau Tante&amp;quot;. Am nächsten Tag, in der fünften Nachtwache, brachte man die Zweite Schwester in einer schlichten Sänfte herbei. Räucherstäbchen, Kerzen, Papierpferde, Bettzeug, Wein und Speisen — alles war aufs Sorgfältigste vorbereitet worden. Kurz darauf kam Kette Kaufmann in schlichter Kleidung in einer kleinen Sänfte, verbeugte sich vor Himmel und Erde und verbrannte die Papierpferde. Die alte Dame Sonders sah die Zweite Schwester von Kopf bis Fuß strahlend neu gekleidet, ganz anders als zu Hause, und war hochzufrieden. Man führte die Braut ins Hochzeitsgemach. In jener Nacht genossen Kette Kaufmann und sie die Freuden der Ehe in vollkommenem Glück — was nicht im Einzelnen beschrieben werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann fand die Zweite Schwester, je länger er sie ansah, umso schöner und entzückender. Er wusste gar nicht, wie er sie genug verwöhnen sollte. Er wies Bao Er und die anderen an, niemals von einer „Ersten&amp;quot; oder „Zweiten&amp;quot; zu sprechen, sondern sie stets als „Herrin&amp;quot; zu bezeichnen — und er selbst nannte sie ebenfalls so und tat, als existiere Phönixglanz [熙凤] gar nicht mehr. Wenn er nach Hause ging, sagte er nur, im Östlichen Palais gebe es Geschäfte zu regeln. Phönixglanz und ihre Leute wussten, dass er mit Herrlichkeit Kaufmann eng vertraut war, und hielten es für selbstverständlich, dass es Dinge zu besprechen gab — sie schöpften keinen Verdacht. Obwohl die Dienerschaft zahlreich war, kümmerte sich niemand um solche Dinge. Selbst jene Müßiggänger, die sich auf das Ausspionieren von Klatsch spezialisierten, schmeichelten sich lieber bei Kette Kaufmann ein und nutzten die Gelegenheit, sich ein paar Vorteile zu verschaffen — keiner wollte etwas verraten. Kette Kaufmann war Herrlichkeit Kaufmann daher unsäglich dankbar. Er gab monatlich fünf Liang Silber für den täglichen Unterhalt aus. Wenn er nicht kam, aßen Mutter und Töchter zu dritt; wenn er kam, aßen er und seine Frau zusammen, während Mutter und Schwestern sich in ihre Zimmer zurückzogen. Kette Kaufmann brachte auch alle seine über die Jahre angesammelten privaten Ersparnisse und übergab sie der Zweiten Schwester zur Aufbewahrung. Er erzählte ihr auch am Bett ausführlich von Phönixglanzs Charakter und Gebaren und sagte, sobald jene tot sei, werde er sie ins Haus holen. Die Zweite Schwester hörte das und war natürlich einverstanden. So führten die etwa zehn Personen ein recht behagliches und wohlhabendes Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Nu waren zwei Monate vergangen. An diesem Tag hatte Herrlichkeit Kaufmann im Eiserne-Schwelle-Kloster eine buddhistische Zeremonie abgeschlossen und wollte am Abend auf dem Heimweg, weil er seine Schwägerinnen schon so lange nicht gesehen hatte, ihnen einen Besuch abstatten. Er schickte zunächst einen Burschen los, um zu erkunden, ob Kette Kaufmann da sei. Der Bursche kam zurück und sagte nein. Herrlichkeit Kaufmann freute sich, schickte alle Begleiter voraus und behielt nur zwei vertraute Burschen bei sich, die die Pferde führten. Zur Zeit des Lampenanzündens kam er leise ans neue Haus. Die beiden Burschen banden die Pferde im Stall an und gingen in die Dienstbotenräume, um zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann trat ein. Drinnen waren gerade die Lampen angezündet worden. Er begrüßte die alte Dame Sonders und die Töchter; dann kam die Zweite Schwester heraus, und Herrlichkeit Kaufmann nannte sie wie zuvor „Zweite Schwägerin&amp;quot;. Man trank Tee und plauderte eine Weile. Herrlichkeit Kaufmann sagte lachend: „Wie ist der Heiratsvermittler, den ich euch besorgt habe? Wenn ihr die Gelegenheit verpasst hättet, hättet ihr selbst mit einer Laterne keinen Besseren gefunden! In ein paar Tagen wird eure Schwester Geschenke vorbereiten und euch besuchen kommen.&amp;quot; Während sie sprachen, hatte die Zweite Schwester bereits Wein und Speisen vorbereiten lassen. Die Tür wurde geschlossen; da man unter sich war, gab es keine Förmlichkeiten. Bao Er kam, um seine Aufwartung zu machen. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Du bist ein Kerl mit Gewissen, deshalb habe ich dich hierher beordert. Künftig habe ich noch wichtige Verwendung für dich — treib dich nur nicht draußen herum und mach keinen Ärger. Ich werde dich belohnen. Wenn hier etwas fehlt — dein Zweiter Herr Lian hat viel zu tun, und dort drüben sind zu viele Leute — komm ruhig direkt zu mir. Wir Brüder sind nicht wie andere.&amp;quot; Bao Er antwortete: „Jawohl, ich weiß Bescheid. Wenn ich nicht mit ganzem Herzen diene, lasse ich mich köpfen.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann nickte: „So will ich es hören.&amp;quot; Man trank zu viert. Die Zweite Schwester, die die Lage verstand, lud ihre Mutter ein: „Mir ist unheimlich — Mama, komm, wir gehen drüben ein bisschen spazieren.&amp;quot; Die alte Dame Sonders verstand ebenfalls und ging tatsächlich mit ihr hinaus. Nur die kleinen Mädchen blieben. Herrlichkeit Kaufmann rückte sofort an die Dritte Schwester heran, Schulter an Schulter, Wange an Wange, und begann sie auf jede erdenkliche Weise zu bedrängen. Die Mädchen konnten es nicht mit ansehen und schlichen sich alle hinaus, überließen die beiden sich selbst — was sie miteinander trieben, sei hier nicht beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Burschen tranken unten in der Küche mit Bao Er; Bao Ers Frau stand am Herd. Plötzlich kamen zwei Mädchen lachend herunter und wollten auch Wein trinken. Bao Er sagte: „Warum seid ihr nicht oben beim Dienen? Wenn man euch ruft und niemand da ist, gibt es Ärger.&amp;quot; Seine Frau schimpfte: „Du verblödeter Tölpel! Sauf nur deinen Fusel! Sauf dich voll und leg dich mit deinen Knochen hin und streck alle viere von dir! Ob gerufen wird oder nicht, geht dich einen Dreck an! Ich stehe für alles gerade — dich trifft kein Regen und kein Wind.&amp;quot; Bao Er verdankte seinen Aufstieg im Grunde seiner Frau; in letzter Zeit war er ihr noch mehr verpflichtet. Er kümmerte sich um nichts außer Geldverdienen und Weintrinken, und Kette Kaufmann und die anderen tadelten ihn nicht dafür. So behandelte er seine Frau wie eine Mutter, gehorchte ihr in allem, trank sich voll und ging schlafen. Bao Ers Frau blieb mit den Mädchen und Burschen beim Wein, um sich deren Gunst zu sichern — denn sie wollte vor Herrlichkeit Kaufmann gut dastehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als die vier sich amüsierten, klopfte es an der Tür. Bao Ers Frau eilte zum Öffnen — es war Kette Kaufmann, der vom Pferd stieg und fragte, ob alles in Ordnung sei. Bao Ers Frau flüsterte ihm zu: „Der Erste Herr ist hier — im westlichen Hof.&amp;quot; Kette Kaufmann hörte das und ging in sein Schlafzimmer. Dort fand er die Zweite Schwester und ihre Mutter; als sie ihn sahen, lag ein verlegener Ausdruck auf ihren Gesichtern. Kette Kaufmann tat, als bemerke er nichts, und sagte nur: „Bringt schnell Wein — ich will noch ein paar Gläser trinken und dann schlafen. Ich bin heute sehr müde.&amp;quot; Die Zweite Schwester eilte herbei, lächelnd, nahm ihm die Oberkleider ab und brachte Tee, fragte dies und jenes. Kette Kaufmann war entzückt vor Freude. Bald brachte Bao Ers Frau den Wein, und die beiden tranken zusammen. Die Schwiegermutter trank nicht mit und ging in ihr Zimmer schlafen. Eins der Mädchen kam herüber zum Bedienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmanns Vertrauensknabe Drachenkind hatte sein Pferd angebunden und bemerkt, dass dort bereits ein anderes Pferd stand. Er sah genauer hin und erkannte, dass es Herrlichkeit Kaufmanns war. Er verstand und ging ebenfalls in die Küche. Dort saßen Xi'er und Shou'er &amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmanns Burschen&amp;lt;/ref&amp;gt; und tranken. Als sie ihn kommen sahen, verstanden auch sie und sagten lachend: „Du kommst gerade zur rechten Zeit! Wir konnten mit dem Pferd des Herrn nicht mithalten und fürchteten, die Nachtwache zu stören — deshalb haben wir hier Quartier genommen.&amp;quot; Drachenkind lachte: „Es gibt Platz genug — schlaft nur! Ich bin vom Zweiten Herrn geschickt worden, um das Monatssilber abzuliefern. Nachdem ich es der Herrin gegeben habe, gehe ich auch nicht mehr zurück.&amp;quot; Xi'er sagte: „Wir haben genug getrunken — trink du eine Runde.&amp;quot; Drachenkind setzte sich gerade und hob den Becher, als aus dem Pferdestall Lärm ertönte: Die beiden Pferde im selben Stall vertrugen sich nicht und traten und schlugen aufeinander ein. Drachenkind und die anderen sprangen auf, rannten hinaus und beruhigten die Pferde mit Müh und Not, banden sie getrennt an und kamen zurück. Bao Ers Frau sagte lachend: „Bleibt alle drei hier; Tee ist fertig — ich gehe jetzt.&amp;quot; Damit schloss sie die Tür hinter sich. Xi'er hatte einige Becher getrunken und war schon glasig. Drachenkind und Shou'er schlossen die Tür und sahen Xi'er steif wie ein Brett auf dem Rücken auf dem Kang liegen. Sie stießen ihn an: „Guter Bruder, steh auf und schlaf ordentlich — wenn du den ganzen Platz einnimmst, haben wir es schwer.&amp;quot; Xi'er brummte: „Heute Nacht spielen wir schön fair und ehrlich — wer den Anständigen spielt, den prügele ich windelweich!&amp;quot; Drachenkind und Shou'er sahen, dass er betrunken war, und sagten nichts weiter; sie löschten das Licht und legten sich hin, so gut es ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweite Schwester hörte den Pferdelärm und wurde unruhig; sie versuchte Kette Kaufmann mit Gerede abzulenken. Kette Kaufmann aber, nach einigen Bechern in Frühlingsstimmung, befahl, Wein und Früchte abzuräumen, die Tür zu schließen und sich auszukleiden. Die Zweite Schwester trug nur ein kleines, hochrotes Jäckchen, das rabenschwarze Haar lose herabfallend, das Gesicht voller Frühlingsglut, noch schöner als am Tage. Kette Kaufmann umarmte sie und lachte: „Alle Welt sagt, unser Nachtgespenst zu Hause &amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz&amp;lt;/ref&amp;gt; sei eine Schönheit — aber wie ich jetzt sehe, wäre sie nicht einmal würdig, dir die Schuhe zu halten.&amp;quot; Die Zweite Schwester sagte: „Ich mag hübsch sein, aber ich habe keinen guten Charakter. So betrachtet ist es doch besser, nicht hübsch zu sein.&amp;quot; Kette Kaufmann fragte eilig: „Wie meinst du das? Das verstehe ich nicht.&amp;quot; Die Zweite Schwester sagte unter Tränen: „Ihr haltet mich für dumm — aber es gibt nichts, das ich nicht weiß. Seit zwei Monaten bin ich nun deine Frau; die Zeit ist kurz, aber ich weiß, dass du kein Dummkopf bist. Lebend bin ich dein Mensch, tot dein Geist; da wir nun verheiratet sind, verlasse ich mich ein Leben lang auf dich — wie könnte ich auch nur ein Wort verschweigen? Für mich selbst habe ich jetzt einen Halt, aber was wird aus meiner Schwester? So wie die Dinge liegen, fürchte ich, das ist keine Dauerlösung — es muss ein langfristiger Plan her.&amp;quot; Kette Kaufmann hörte das und lachte: „Sei unbesorgt! Ich bin keiner, der eifersüchtig wird. Die Vergangenheit kenne ich genau; du brauchst nicht erschrocken zu sein. Da es der Schwager &amp;lt;ref&amp;gt;Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;/ref&amp;gt; ist, der sich wie ein Bruder verhält, ist dir das natürlich peinlich — besser, ich breche das Eis.&amp;quot; Er stand auf und ging in den westlichen Hof. Durch das Fenster sah er helles Kerzenlicht; die beiden tranken und amüsierten sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann drückte die Tür auf und sagte lachend: „So ist der Älteste Bruder also hier! Der jüngere Bruder kommt, um seine Aufwartung zu machen.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann war vor Scham sprachlos; er konnte nur aufstehen und ihm einen Platz anbieten. Kette Kaufmann sagte eilig lachend: „Warum so förmlich! Wie war es denn früher unter uns Brüdern? Der Älteste Bruder hat sich meinetwegen so viel Mühe gemacht — selbst wenn ich mich in Stücke risse, könnte ich meine Dankbarkeit nicht ausdrücken. Wenn der Älteste Bruder sich Bedenken macht, wie soll ich mich dann fühlen? Von nun an bitte ich den Ältesten Bruder, alles wie früher zu halten — andernfalls bleibt mir der jüngere Bruder lieber ohne Nachkommen und wagt nicht mehr, hierher zu kommen.&amp;quot; Damit wollte er niederknien. Herrlichkeit Kaufmann hielt ihn erschrocken zurück und sagte nur: „Bruder, was du auch sagst — ich folge in allem.&amp;quot; Kette Kaufmann rief: „Bringt Wein! Ich will mit dem Ältesten Bruder noch ein paar Gläser trinken!&amp;quot; Dann zog er die Dritte Schwester herbei: „Komm her und schenk dem Schwager ein!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Alter Zweiter, du bist wirklich du selbst — Bruder muss diesen Becher leer trinken!&amp;quot; Er kippte den Becher in einem Zug. Die Dritte Schwester aber stand auf dem Kang, zeigte auf Kette Kaufmann und lachte scharf: „Spar dir dein glattes Geschwätz! Klares Wasser, grobe Nudeln — du isst, und ich schaue zu! Ihr spielt Schattentheater mit Puppen — aber besser, ihr reißt das Papier nicht durch! Bildet euch nur nicht ein, wir wüssten nicht, was in eurem Palais los ist! Jetzt habt ihr ein paar stinkende Taler hingeworfen, und ihr zwei Brüder behandelt uns zwei Schwestern wie Freudenmädchen zum Vergnügen — da habt ihr euch aber verrechnet! Ich weiß auch, dass deine Frau eine schwierige Furie ist. Nun hast du meine Schwester hierhergelockt als Zweitfrau — eine gestohlene Glocke, die man nicht läuten darf&amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf das Sprichwort „sich die Ohren zuhalten und die Glocke stehlen“ (掩耳盗铃 yǎn ěr dào líng): sich selbst etwas vormachen, indem man so tut, als wüsste niemand von der verborgenen Ehe.&amp;lt;/ref&amp;gt;! Ich will diese Frau Feng einmal kennenlernen — mal sehen, wie viele Köpfe und wie viele Hände die hat! Wenn alle zufrieden und freundlich sind, gut und schön; aber wenn mir auch nur das Geringste nicht passt, dann habe ich die Kraft, euch dreien erst die Innereien herauszureißen und mich dann mit dieser Furie auf Leben und Tod zu schlagen — sonst bin ich nicht die Dritte Tante You! Trinken? Was soll die Angst — wir trinken!&amp;quot; Damit griff sie selbst zur Kanne, schenkte sich einen Becher ein, trank die Hälfte, schlang dann den Arm um Kette Kaufmanns Hals und goss ihm den Rest ein: „Dein Bruder und ich haben schon getrunken — komm, wir wollen ein wenig kuscheln!&amp;quot; Kette Kaufmann war so erschrocken, dass ihm der Wein aus dem Kopf fuhr. Auch Herrlichkeit Kaufmann hatte nicht erwartet, dass die Dritte Schwester so schamlos und durchsetzungsfähig sein könnte. Die beiden Brüder waren beide abgebrühte Wüstlinge — und doch wurde ihnen heute von diesem Mädchen mit einer einzigen Rede der Mund gestopft. Die Dritte Schwester rief immerfort: „Holt die Schwester her — wenn schon vergnügen, dann alle vier zusammen! Das Sprichwort sagt: ‚Am billigsten kommt man im eigenen Haus davon!' Die sind Brüder, wir sind Schwestern, keine Fremden — nur herein!&amp;quot; Die Zweite Schwester wurde ganz verlegen. Herrlichkeit Kaufmann wollte sich bei der ersten Gelegenheit davonstehlen, doch die Dritte Schwester ließ ihn nicht gehen. Herrlichkeit Kaufmann bereute nun seine Leichtfertigkeit — er hatte nicht damit gerechnet, dass sie so war, und wagte es zusammen mit Kette Kaufmann nicht mehr, sich ihr gegenüber frivol zu benehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dritte Schwester hatte ihr Haar locker aufgesteckt, das hochrote Jäckchen halb offen, halb geschlossen, sodass das zwiebelgrüne Mieder und ein Streifen schneeweißen Busens zum Vorschein kamen. Darunter grüne Hosen, rote Schuhe; die beiden goldenen Lotusfüße, bald übereinandergeschlagen, bald nebeneinander, keine Sekunde sittsam. Die beiden Ohrgehänge schwangen wie Schaukeln. Im Lampenlicht wirkten die Weidenbrauen noch grüner, der Sandelholzmund noch röter. Ihre Augen waren von Natur klare Herbstwasser; nach dem Wein kam noch ein Hauch trunken-lasziver Schwüle hinzu. Nicht nur stellte sie ihre ältere Schwester in den Schatten — nach dem Urteil von Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann hatten sie unter allen Frauen, die sie je gesehen hatten, ob hoch oder niedrig, vornehm oder gering, keine von solcher Anmut und Verführungskraft gefunden. Die beiden waren schon willenlos vor Begierde und konnten nicht umhin, einen Annäherungsversuch zu machen — doch sie kehrte ihre verführerischen Künste nur hervor, um die beiden in Schach zu halten. Die Dritte Schwester gab ihnen eine Kostprobe ihrer Augen und Hände, und die beiden Brüder hatten keinerlei Urteilskraft mehr, brachten kein einziges vernünftiges Wort mehr heraus — alles drehte sich nur noch um Wein und Frauen. Sie aber führte das große Wort, schwadronierte und amüsierte sich auf ihre Kosten; im Grunde war sie es, die die Männer „besuchte&amp;quot;, nicht umgekehrt. Als ihr Wein und Vergnügen genug waren, ließ sie die Brüder nicht länger sitzen, sondern jagte sie hinaus und schloss die Tür, um schlafen zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an schimpfte sie, wenn je ein Mädchen oder eine Dienerin nicht in der Nähe war, mit schrillen Worten auf Kette Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann, alle drei — sie hätten drei Witwen und Waisen betrogen. Herrlichkeit Kaufmann wagte nach seiner Rückkehr nicht mehr so leichtfertig wiederzukommen. Nur wenn die Dritte Schwester guter Laune war und heimlich einen Burschen schickte, um ihn einzuladen, wagte er, kurz zu erscheinen — und dann musste er sich fügen, wie es ihr beliebte. Doch wer hätte gedacht, dass die Dritte Schwester einen unbändigen Charakter hatte? Im Bewusstsein ihrer eigenen Schönheit putzte sie sich absichtlich noch auffälliger heraus und entfaltete unzählige verführerische Gesten, die kein anderer erreichen konnte, nur um die Männer sabbern und verzweifeln zu lassen — nahe konnte man ihr nicht kommen, doch entfernen wollte man sich auch nicht. Dieses Hin und Her war ihr Vergnügen. Mutter und Schwester redeten ihr gut zu, doch sie erwiderte: „Schwester, du bist verblendet! Wir, die wir Gold und Jade sind, sollen uns von diesen zwei Schande-über-die-Ahnen-Burschen beschmutzen lassen — das wäre doch eine Schande! Zudem gibt es in deren Haus eine äußerst gefährliche Frau. Solange sie nichts weiß, sind wir sicher. Aber eines Tages wird sie es erfahren — und dann gibt es kein Halten mehr; ein großer Kampf steht bevor, wer weiß, wer lebt und wer stirbt. Solange ich sie noch demütigen und bestrafen kann, will ich es tun — sonst fällt am Ende doch nur ein übler Ruf auf mich, und die Reue kommt zu spät.&amp;quot; Da Mutter und Schwester sahen, dass sie nicht auf Ermahnungen hörte, ließen sie es sein. Die Dritte Schwester wählte täglich mit äußerster Anspruchsvolle ihr Essen und ihre Kleidung: Hatte sie Silberschmuck, wollte sie Gold; hatte sie Perlen, wollte sie Edelsteine; gab es fette Gans, musste auch fette Ente geschlachtet werden. War sie unzufrieden, stieß sie den ganzen Tisch um. Gefiel ein Kleid nicht, zerschnitt sie es, ob Seide oder Brokat, ob neu oder alt — ein Fetzen gerissen, ein Schimpfwort gesagt. Letztlich hatte Herrlichkeit Kaufmann keinen einzigen Tag lang seine Freude, sondern gab nur eine Menge Geld mit schlechtem Gewissen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Kette Kaufmann kam, blieb er nur im Zimmer der Zweiten Schwester, und auch ihn begann die Reue zu beschleichen. Aber die Zweite Schwester war eine warmherzige Frau. Da sie Kette Kaufmann als ihren Lebensgefährten betrachtete, war sie in allem fürsorglich und aufmerksam. Was Sanftmut und Folgsamkeit anging, so besprach sie stets alles gemeinsam und wagte nie, eigenmächtig zu handeln — in dieser Hinsicht überragte sie Phönixglanz um das Zehnfache. Auch an Schönheit, Beredsamkeit und Benehmen war sie ihr um fünf Grade überlegen. Obwohl sie sich nun gebessert hatte, war der Fehltritt doch geschehen, und das Wort „Unkeuschheit&amp;quot; hing an ihr — all ihre Tugenden zählten nicht mehr. Doch Kette Kaufmann sagte: „Wer ist ohne Fehler? Wer seinen Irrtum erkennt und sich bessert, ist gut genug.&amp;quot; So sprach er nicht mehr von der vergangenen Ausschweifung, schätzte nur ihr gegenwärtiges Wesen und war mit ihr unzertrennlich wie Leim und Lack, wie Wasser und Fisch — ein Herz und eine Seele, zum Leben und Sterben verbunden. An Feng und Friedchen [平儿] dachte er kaum noch. Am Bett riet die Zweite Schwester Kette Kaufmann auch oft: „Besprich es mit dem Ältesten Bruder Zhen — wählt einen zuverlässigen Mann aus und verheiratet die Dritte Schwester. Es ist kein Dauerzustand, sie hier zu behalten; früher oder später gibt es Ärger — was dann?&amp;quot; Kette Kaufmann sagte: „Neulich habe ich es dem Ältesten Bruder vorgeschlagen, aber er kann nicht loslassen. Ich sagte: ‚Sie ist ein fettes Stück Hammelfleisch, nur verbrennt man sich die Zunge daran; eine Rosenblüte ist liebreizend, aber der Dorn sticht in die Hand. Wir werden sie kaum bändigen — besser, wir suchen ihr jemanden.' Er hat nur genickt und es dann fallen lassen. Was soll ich tun?&amp;quot; Die Zweite Schwester sagte: „Sei unbesorgt. Morgen reden wir erst mit der Dritten Schwester; wenn sie einverstanden ist, soll sie selbst Druck machen. Wenn sie genug Aufruhr macht, wird man sie schon verheiraten müssen.&amp;quot; Kette Kaufmann hörte das und sagte: „Das ist ein ausgezeichneter Plan.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag bereitete die Zweite Schwester extra Wein vor. Kette Kaufmann ging nicht aus dem Haus und lud eigens um die Mittagszeit die jüngere Schwester herüber; die Mutter saß oben. Die Dritte Schwester verstand sofort, worum es ging. Nach der dritten Runde Wein, ohne dass die Schwester den Mund aufmachen musste, begann sie selbst unter Tränen: „Schwester, du hast mich heute eingeladen, weil du mir etwas Wichtiges sagen willst. Aber deine Schwester ist nicht dumm — du brauchst mir nicht weitschweifig die alten Schändlichkeiten aufzuzählen; ich weiß alles, und es ist zwecklos, darüber zu reden. Da nun die Schwester einen guten Hafen gefunden hat und auch die Mama versorgt ist, muss auch ich mein eigenes Schicksal suchen — das ist nur recht und billig. Aber eine lebenslange Entscheidung, von der Geburt bis zum Tod, ist kein Kinderspiel. Ich habe mich nun gebessert und halte mich an die Anstandsregeln. Nur wenn ich selbst einen Mann nach meinem Herzen wählen darf, gehe ich mit ihm. Wenn ihr für mich wählt — und wäre er reicher als Shi Chong, begabter als Cao Zijian und schöner als Pan An &amp;lt;ref&amp;gt;berühmte historische Vorbilder für Reichtum, Talent und Schönheit&amp;lt;/ref&amp;gt; —, wenn er mir nicht ins Herz passt, habe ich mein Leben umsonst gelebt.&amp;quot; Kette Kaufmann lachte: „Das ist nicht schwer. Sag, wer es sein soll — die ganze Mitgift richten wir aus, und die Mama braucht sich um nichts zu kümmern.&amp;quot; Die Dritte Schwester schluchzte: „Die Schwester weiß es — ich brauche es nicht zu sagen.&amp;quot; Kette Kaufmann fragte die Zweite Schwester lachend, wer es sei; die konnte auf die Schnelle nicht darauf kommen. Alle überlegten. Dann rief Kette Kaufmann: „Es kann nur dieser eine sein!&amp;quot; Er klatschte lachend in die Hände: „Ich weiß! Der Mann ist wirklich nicht schlecht — sie hat einen guten Blick!&amp;quot; Die Zweite Schwester fragte lachend, wer es sei. Kette Kaufmann lachte: „Wer sonst könnte in ihr Herz dringen? Es muss Schatzjade sein!&amp;quot; Die Zweite Schwester und die alte Dame Sonders hörten es und fanden es einleuchtend. Die Dritte Schwester aber spuckte aus und sagte: „Wenn wir zehn Schwestern wären, müssten wir dann eure zehn Brüder heiraten? Gibt es auf der Welt etwa nur in eurem Haus gute Männer?&amp;quot; Alle waren verdutzt: „Wer sonst, wenn nicht er?&amp;quot; Die Dritte Schwester lachte: „Denkt nicht nur an die Gegenwart — die Schwester soll fünf Jahre zurückdenken, dann weiß sie es.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie darüber sprachen, kam Xing'er &amp;lt;ref&amp;gt;einer von Kette Kaufmanns vertrauten Burschen&amp;lt;/ref&amp;gt; herein und bat Kette Kaufmann heraus: „Der Herr Vater wartet dringend! Der Kleine hat gesagt, der Herr sei beim Herrn Onkel, und ist sofort hergekommen.&amp;quot; Kette Kaufmann fragte hastig: „Hat gestern zu Hause jemand nach mir gefragt?&amp;quot; Xing'er sagte: „Der Kleine hat der Herrin gemeldet, der Herr bespreche im Familientempel mit dem Ersten Herrn Zhen die Hundert-Tage-Zeremonie und könne wohl nicht nach Hause kommen.&amp;quot; Kette Kaufmann befahl eilig, sein Pferd zu satteln; Drachenkind begleitete ihn. Xing'er blieb zurück, um eventuelle Besucher zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweite Schwester stellte zwei Schalen Speisen auf, ließ einen großen Becher mit Wein einschenken und befahl Xing'er, am Kangrand auf dem Boden sitzend zu essen. Dabei befragte sie ihn lang und breit: Wie alt die Herrin zu Hause sei, wie sie aussehe und wie gefährlich, wie alt die Alte Herrin, die Gnädige Frau, wie viele Fräulein es gebe und allerlei häusliche Dinge. Xing'er aß grinsend am Kangrand, während er Mutter und Tochter ausführlich über die Angelegenheiten des Rongfu informierte. Dann sagte er: „Ich gehöre zur Torwache am Zweiten Tor. Wir sind zwei Schichten, je vier Mann, zusammen acht. Unter diesen acht sind einige Vertraute der Herrin und einige Vertraute des Herrn. Die Vertrauten der Herrin wagen wir nicht zu reizen; aber die Vertrauten des Herrn, die reizt die Herrin ohne Weiteres. Was unsere Herrin betrifft: Im Herzen ist sie bösartig, im Mundwerk messerscharf. Unser Zweiter Herr ist eigentlich ganz anständig, aber wo käme er gegen sie an! Fräulein Ping dagegen, die vor ihr dient, ist ein wirklich guter Mensch. Obwohl sie zur Clique der Herrin gehört, tut sie hinter deren Rücken oft Gutes. Wenn wir uns etwas zuschulden kommen lassen und die Herrin uns nicht verzeiht, brauchen wir nur sie zu bitten, und es ist erledigt. Inzwischen gibt es im ganzen Haus — die Alte Herrin und die Gnädige Frau ausgenommen — keinen Menschen, der sie nicht hasst; nur wagt niemand es zu zeigen. Das liegt nur daran, dass sie es versteht, die Alte Herrin und die Gnädige Frau zufrieden zu stellen. Was sie sagt, ist Gesetz; was sie befiehlt, wird getan — niemand wagt zu widersprechen. Und sie kann es gar nicht abwarten, das Silber zusammenzuschaben und aufzutürmen, damit die Alte Herrin und die Gnädige Frau sagen, sie sei eine tüchtige Hauswirtin — ohne zu bedenken, wie die Untergebenen darunter leiden, während sie sich einschmeichelt. Gibt es etwas Gutes, stürzt sie sich darauf, bevor andere den Mund aufmachen; gibt es Ärger oder hat sie selbst einen Fehler gemacht, zieht sie den Kopf ein und schiebt alles auf andere, während sie daneben noch das Feuer schürt. Inzwischen beschwert sich sogar ihre rechtmäßige Schwiegermutter, die Erste Gnädige Frau, und sagt: ‚Der Spatz fliegt dahin, wo es am besten ist, eine Henne und lauter schwarze Küken — um den eigenen Haushalt kümmert sie sich nicht, aber bei fremden Leuten mischt sie sich überall ein.' Wenn nicht die Alte Herrin wäre, hätte man sie schon längst zur Ordnung gerufen.&amp;quot; Die Zweite Schwester lachte: „Du redest hinter ihrem Rücken so über sie — wer weiß, wie du eines Tages über mich redest! Ich stehe sogar noch unter ihr — da gibt es erst recht viel zu reden.&amp;quot; Xing'er kniete eilig nieder und sagte: „Wenn die Herrin so spricht, fürchte ich den Blitz nicht! Wenn wir kleinen Leute das Glück gehabt hätten, eine Herrin wie Euch zu bekommen, wären wir weniger geschlagen und beschimpft worden und hätten weniger Angst ausstehen müssen. Alle, die dem Herrn dienen, loben hinter dem Rücken die Güte und das Erbarmen der Herrin. Wir haben uns schon besprochen — am liebsten würden wir den Zweiten Herrn bitten, uns hierherzuversetzen; wir wollen lieber der Herrin hier dienen!&amp;quot; Die Zweite Schwester lachte: „Du Affenbalg! Steh auf! Es war nur ein Scherz — warum so erschrocken? Was wollt ihr hier? Ich will eure Herrin besuchen gehen!&amp;quot; Xing'er winkte heftig ab: „Herrin, geht auf gar keinen Fall! Ich rate der Herrin: Am besten trefft ihr sie nie in eurem Leben! Süß im Mund, bitter im Herzen; zwei Gesichter, drei Messer&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 口蜜腹剑 kǒu mì fù jiàn („Honig im Mund, Schwert im Bauch“) und 两面三刀 liǎng miàn sān dāo („zwei Gesichter, drei Messer“) — bekannte Redewendungen für Falschheit und Hinterlist.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Oben ein lachendes Gesicht, unten stellt sie ein Bein; nach außen eine Feuerschüssel, im Verborgenen ein scharfes Messer — alles trifft auf sie zu! Ich fürchte, selbst mit dem Mundwerk der Dritten Tante wäre sie ihr nicht gewachsen. Unsere Herrin ist ein so sanfter, wohlerzogener Mensch — sie wäre ihr keineswegs gewachsen!&amp;quot; Die Zweite Schwester sagte: „Ich werde sie nur höflich behandeln — was kann sie mir schon tun?&amp;quot; Xing'er sagte: „Der Kleine redet nicht im Rausch daher. Selbst wenn die Herrin die Höflichkeit selbst ist — wenn sie sieht, dass die Herrin hübscher ist und beliebter, wie sollte sie das auf sich beruhen lassen? Andere sind Essigkrüge — sie ist ein ganzes Essigfass, eine Essigtonne&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 醉缸 cù gāng, 醉瓮 cù wèng — „Essigkrug“ und „Essigtonne“ sind Steigerungsformen des chinesischen Ausdrucks für krankhafte Eifersucht (吃醋 chī cù, wörtl. „Essig essen“).&amp;lt;/ref&amp;gt;! Schaut der Herr auch nur ein Mädchen etwas länger an, ist sie imstande, es vor seinen Augen windelweich zu schlagen. Obwohl Fräulein Ping mit im Haus wohnt — ungefähr ein- oder zweimal im Jahr oder in zwei Jahren kommen die beiden zusammen —, sie muss noch zehn Pflaumen im Mund zählen! Einmal wurde Fräulein Ping so wütend, dass sie weinte und schrie: ‚Ich bin nicht von selbst gekommen! Du hast mich überredet, und als ich nicht wollte, hast du gesagt, ich rebelliere — und jetzt das!' Da gibt sie dann nach und bittet Fräulein Ping um Verzeihung.&amp;quot; Die Zweite Schwester lachte: „Ist das auch wahr? Ein solches Nachtgespenst — und dann fürchtet sie die eigene Kammerfrau?&amp;quot; Xing'er sagte: „Das ist genau das Sprichwort: ‚Unter dem Himmel kommt man an der Vernunft nicht vorbei.' Diese Friedchen ist seit Kindesbeinen ihre Zofe und kam mit in die Ehe — von den ursprünglich vier blieben nach Heiraten und Todesfällen nur sie allein übrig, die engste Vertraute. Sie hat sie offiziell dem Herrn als Nebenfrau gegeben — erstens, um ihren Ruf der Großmut zu wahren; zweitens, um den Herrn ans Haus zu binden, damit er sich draußen nicht verirrt. Da gibt es noch einen Zusammenhang: In unserem Haus ist es Brauch, dass die jungen Herren, wenn sie erwachsen werden, vor der Hochzeit zwei Mädchen zur Bedienung bekommen. Der Zweite Herr hatte ursprünglich zwei — doch kaum war sie ein halbes Jahr da, hat sie bei beiden einen Fehler gefunden und beide hinausgeworfen. Vor anderen war es ihr peinlich, also zwang sie Fräulein Ping, die Nebenfrau des Herrn zu werden. Fräulein Ping ist ein aufrichtiger Mensch, der die Sache nie auf die Goldwaage legt und niemals zwischen Mann und Frau Zwietracht sät, sondern nur treu und ergeben dient — deshalb wird sie geduldet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zweite Schwester lachte: „So ist das also! Aber ich habe gehört, in eurem Haus gebe es auch eine verwitwete Schwägerin und mehrere Fräulein. Wenn sie so streng ist, wie können die sich alle fügen?&amp;quot; Xing'er klatschte lachend in die Hände: „Die Herrin weiß das also noch nicht! Unsere verwitwete Schwägerin hat den Spitznamen ‚Große Bodhisattva' — die tugendhafteste Person überhaupt. Bei uns im Haus ist es so: Witwen kümmern sich nicht um die Verwaltung, sondern sollen in Ruhe und Keuschheit leben. Praktischerweise gibt es viele Fräulein — man hat sie ihr anvertraut, damit sie lesen, schreiben, nähen und Moral lernen. Das ist ihre Aufgabe. Um alles andere kümmert sie sich nicht. Nur weil jene [Phönixglanz] in letzter Zeit krank war und es viel zu tun gibt, führt die Erste Schwägerin vorübergehend die Geschäfte — allerdings tut sie nichts weiter, als die Regeln zu befolgen, ohne sich wie jene wichtigzumachen. Unser Erstes Fräulein &amp;lt;ref&amp;gt;Urfrühling&amp;lt;/ref&amp;gt; — über sie braucht man gar nicht zu reden; wäre sie nicht gut, hätte sie nicht dieses große Glück erfahren. Das Zweite Fräulein hat den Spitznamen ‚Holzkopf Nummer Zwei' — selbst wenn man sie mit einer Nadel sticht, sagt sie nicht ‚Au!' Das Dritte Fräulein hat den Spitznamen ‚Rosenblüte'.&amp;quot; Die Sonders-Schwestern fragten eilig lachend, warum. Xing'er lachte: „Die Rosenblüte ist rot und duftend — jeder liebt sie; nur stechen die Dornen. Sie ist auch eine Göttin — schade nur, dass sie nicht von der Gnädigen Frau geboren wurde. ‚Aus dem Krähennest kommt ein Phönix.' Das Vierte Fräulein ist noch klein; sie ist eigentlich die leibliche Schwester des Ersten Herrn Zhen. Da sie seit klein auf keine Mutter hatte, hat die Alte Herrin sie der Gnädigen Frau zum Aufziehen gegeben — auch sie kümmert sich um nichts. Was die Herrin nicht weiß: Unsere eigenen Fräulein nicht mitgerechnet, gibt es noch zwei andere Fräulein, die wahrhaftig im Himmel selten und auf Erden ohnegleichen sind. Die eine ist die Tochter unserer verstorbenen Tante väterlicherseits, eine Fräulein Lin, mit dem Rufnamen Kajaljade. Gesicht und Gestalt gleichen der Dritten Tante hier; sie ist voller Gelehrsamkeit, nur leider stets kränklich. Bei diesem Wetter trägt sie noch gefütterte Kleider — geht sie hinaus, ein Windhauch und sie fällt um. Wir unverschämte Bande nennen sie heimlich ‚die kränkliche Xi Shi'. Und dann gibt es noch die Tochter der Frau Tante, eine Fräulein Xue, mit dem Rufnamen Schatzspange — als wäre sie aus Schnee geformt. Wenn sie einmal zur Tür herauskommt oder in die Kutsche steigt, oder wenn man sie zufällig im Hof erblickt, dann sind wir wie vom Donner gerührt — vor diesen beiden wagen wir nicht einmal zu atmen.&amp;quot; Die Zweite Schwester lachte: „In einem großen Haus wie eurem — auch wenn ihr Jungen hineingehen dürft, solltet ihr euch doch von den Fräulein fernhalten.&amp;quot; Xing'er winkte ab: „Nein, nein! Bei den großen offiziellen Zeremonien versteckt man sich natürlich weit weg, das versteht sich von selbst. Aber selbst wenn man sich versteckt hat, traut man sich nicht zu atmen — aus Angst, ein zu tiefer Atemzug könnte die Lin umwerfen, und ein zu warmer Atem könnte die Xue zum Schmelzen bringen!&amp;quot; Darüber lachte das ganze Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
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&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_59|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;59&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_60|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;60&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_61|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;61&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_62|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;62&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_63|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;63&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;64&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_65|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;65&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_66|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;66&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_67|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;67&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_68|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;68&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_69|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;69&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十四回 / Kapitel 64 =&lt;br /&gt;
== 幽淑女悲题五美吟 ==&lt;br /&gt;
=== 浪荡子情遗九龙珮 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] verfasst fünf Gedichte auf berühmte Schönheiten des Altertums&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann [贾琏] kehrt heim, und die Sonders-Schwestern treten ins Geschehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Hibiskus Kaufmann [贾蓉], als er sah, dass zu Hause alle Vorbereitungen getroffen waren, eilig zum Tempel zurückfuhr, um Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] Bericht zu erstatten. Daraufhin wurden über Nacht alle Amtsdiener und Gehilfen eingeteilt und sämtliche benötigten Trauerbanner, Tragstangen und anderes Gerät vorbereitet. Man bestimmte die Mao-Stunde &amp;lt;ref&amp;gt;5–7 Uhr morgens&amp;lt;/ref&amp;gt; des vierten Tages für den Einzug des Sarges in die Stadt und benachrichtigte alle Verwandten und Freunde. An jenem Tag war das Trauergeleit prächtig und strahlend, die Gäste zahlreich wie Wolken. Vom Eiserne-Schwelle-Kloster bis zum Ningfu säumten weit mehr als zehntausend Schaulustige den Weg. Unter ihnen gab es solche, die seufzten, solche, die neidisch waren, und auch jene Halbgebildeten, die sagten: „Bei einer Trauerfeier ist es besser, bescheiden und aufrichtig zu trauern, als verschwenderisch und gleichgültig zu sein.&amp;quot; Die Meinungen gingen auf dem ganzen Weg auseinander. Erst zur Wei-Shen-Stunde &amp;lt;ref&amp;gt;gegen 15–17 Uhr&amp;lt;/ref&amp;gt; traf der Zug ein. Der Sarg wurde in der Haupthalle aufgestellt. Nach den Opfern und der Wehklage zerstreuten sich die Verwandten und Freunde allmählich; nur die Familienmitglieder blieben, um die Empfänge und Verabschiedungen zu regeln. Von den nahen Verwandten war nur der Älteste Schwager Xing geblieben. Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann waren nun an die Traueretikette gebunden und mussten neben dem Sarg auf Stroh liegen und Lehmklötze als Kissen benutzen, in bitterer Trauer verharrend. Doch sobald die Besucher fort waren, suchten sie wieder die Gelegenheit, sich mit den jungen Schwägerinnen einzulassen. Auch Schatzjade [宝玉] trug täglich im Ningfu Trauerkleidung; erst abends, wenn die Besucher gegangen waren, kehrte er in den Garten zurück. Phönixglanz [熙凤] war noch nicht genesen und konnte nicht ständig dort sein, doch an Tagen, wenn die Altäre für Rezitationen eröffnet wurden oder Verwandte und Freunde zum Opfern kamen, schleppte sie sich dennoch her, um Dame Sonders bei der Organisation zu helfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages, nach dem Frühstücksopfer, als die Tage noch lang waren und Herrlichkeit Kaufmann und die anderen vor Erschöpfung neben dem Sarg eingenickt waren, sah Schatzjade, dass keine Gäste kamen, und beschloss, nach Hause zu gehen und nach Kajaljade zu sehen. Er kehrte zunächst ins Yihongyuan zurück. Als er durch das Tor trat, war es still und menschenleer im Hof; nur einige alte Dienerinnen und kleine Mädchen ruhten sich unter der Wandelhalle aus — manche schliefen, manche saßen dösend da. Schatzjade störte sie nicht. Nur Si'er bemerkte ihn, lief herbei und hob den Vorhang hoch. Gerade als sie ihn aufschlug, kam Duftblümchen lachend von drinnen herausgelaufen und wäre beinahe mit Schatzjade zusammengeprallt. Als sie ihn sah, blieb sie lächelnd stehen und sagte: „Wie kommst du hierher? Schnell, halt mir Heitermuster [晴雯] auf — sie will mich schlagen!&amp;quot; Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da hörte man drinnen Klappern und Poltern — irgendetwas war über den ganzen Boden verstreut worden. Dann kam Heitermuster hinterher und schimpfte: „Du kleines Biest — wohin willst du? Verloren und willst dich nicht schlagen lassen? Schatzjade ist nicht da; mal sehen, wer dich diesmal rettet!&amp;quot; Schatzjade hielt sie lachend auf und sagte: „Die Kleine ist noch jung — ich weiß nicht, womit sie dich beleidigt hat. Um meinetwillen, vergib ihr.&amp;quot; Heitermuster hatte nicht erwartet, dass Schatzjade gerade jetzt zurückkam; als sie ihn so plötzlich sah, musste sie unwillkürlich lachen: „Duftblümchen ist wahrhaftig ein verwandelter Fuchsgeist — selbst Beschwörungsformeln, die Götter bannen und Generäle herbeirufen, wirken nicht so schnell!&amp;quot; Dann lachte sie: „Selbst wenn du wirklich einen Gott herbeigerufen hättest, fürchte ich mich nicht!&amp;quot; Damit versuchte sie erneut, Duftblümchen zu fangen. Doch Duftblümchen hatte sich längst hinter Schatzjade versteckt. Schatzjade nahm Heitermuster bei der einen und Duftblümchen bei der anderen Hand und führte sie ins Zimmer. Dort sah er auf dem westlichen Kang Moschusmond, Herbstmuster, Bihen und Zixiao, die gerade mit Steinchen um Kürbiskerne spielten. Duftblümchen hatte gegen Heitermuster verloren und sich geweigert, den Strafklaps entgegenzunehmen, worauf sie weggelaufen war. Heitermuster hatte bei der Verfolgung die Steinchen aus ihrem Schoß über den ganzen Boden verstreut. Schatzjade freute sich: „Bei diesen langen Tagen, wenn ich nicht zu Hause bin, fürchtete ich, ihr würdet euch langweilen, nach dem Essen nur schlafen und davon krank werden. Es ist gut, wenn ihr euch eine Beschäftigung sucht und euch amüsiert!&amp;quot; Als er Dufthauch [袭人] nicht sah, fragte er: „Wo ist eure Schwester Dufthauch?&amp;quot; Heitermuster sagte: „Die Dufthauch? Die wird immer frömmer — sie sitzt ganz allein drinnen vor der Wand wie ein Zen-Mönch. Seit geraumer Zeit bin ich nicht hineingegangen; ich weiß nicht, was sie treibt — nicht ein Laut ist zu hören. Geh schnell nachsehen — vielleicht hat sie inzwischen die Erleuchtung erlangt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte das, lachte und ging in das innere Zimmer. Dort saß Dufthauch auf dem Bett am Fenster, einen grauen Seidenstrang in der Hand, und knüpfte Knoten. Als sie Schatzjade eintreten sah, stand sie hastig auf und sagte lachend: „Was hat dieses Biest Heitermuster wieder über mich erzählt! Ich wollte nur schnell diesen Knotenstrang fertig bekommen und hatte keine Zeit, mit ihnen herumzutoben. Deshalb habe ich ihnen gesagt: ‚Geht nur spielen; solange der Zweite Junge Herr nicht da ist, will ich hier still sitzen und mich ein wenig ausruhen.' Daraus hat sie dann diesen ganzen Unsinn gemacht — ‚vor der Wand sitzen', ‚meditieren' — warte nur, gleich reiße ich ihr das Maul auf!&amp;quot; Schatzjade setzte sich lachend neben Dufthauch und sah ihr beim Knotenknüpfen zu. Er fragte: „Bei diesen langen Tagen solltest du dich auch einmal ausruhen, mit ihnen scherzen, oder Schwester Lin besuchen gehen. Es ist so heiß — wozu brauchst du das jetzt?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Mir ist aufgefallen, dass das Fächeretui, das du trägst, noch das von damals ist, als im Östlichen Palais die ältere Schwägerin Rong &amp;lt;ref&amp;gt;Qin Lieblich&amp;lt;/ref&amp;gt; starb. Dieses blauschwarze Ding trägt man nur in der Familie oder bei Verwandten, wenn im Sommer ein Todesfall ist — ein- oder zweimal im Jahr. Gewöhnlich braucht man keins anzufertigen. Aber jetzt, wo drüben die Trauerfeierlichkeiten stattfinden, musst du es täglich tragen. Deshalb beeile ich mich, ein neues zu machen. Wenn der Knotenstrang fertig ist, tausche ich das alte gegen das neue aus. Du magst zwar nicht auf solche Dinge achten, aber wenn die Alte Herrin zurückkommt und es sieht, wird sie wieder sagen, wir seien nachlässig und kümmerten uns nicht einmal um deine Kleidung und dein Zubehör.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Es ist wirklich rücksichtsvoll, dass du daran denkst. Nur solltest du dich nicht überanstrengen — in der Hitze krank zu werden, wäre schlimmer.&amp;quot; Während sie sprachen, brachte Duftblümchen schon eine Tasse frisch im kalten Wasser gekühlten Tee. Schatzjade war von Natur aus zart besaitet und wagte selbst im Hochsommer kein Eis zu verwenden; man tauchte nur den Teekrug in eine Schüssel mit frischem Brunnenwasser, das regelmäßig gewechselt wurde, um den Tee zu kühlen. Schatzjade trank eine halbe Tasse aus Duftblümchens Hand und sagte dann zu Dufthauch: „Als ich ging, habe ich Mingyan Bescheid gesagt — wenn beim Ältesten Bruder Zhen wichtige Gäste kommen, soll er mir sofort Nachricht schicken; wenn nichts Dringendes anliegt, gehe ich nicht mehr hinüber.&amp;quot; Damit trat er aus der Tür, wandte sich noch um und sagte zu Bihen und den anderen: „Wenn etwas ist, sucht mich bei Fräulein Lin.&amp;quot; Damit ging er geradewegs zum Xiaoxiang-Bambushain, um Kajaljade zu besuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade hatte er die Qinfang-Brücke passiert, als er Schneegans mit zwei alten Dienerinnen kommen sah, die allerlei Wasserkastanien, Lotosrhizome, Melonen und Früchte trugen. Schatzjade fragte Schneegans eilig: „Eure Fräulein isst doch nie solch kalte Sachen — wozu die ganzen Früchte? Wollt ihr etwa jemanden einladen?&amp;quot; Schneegans lachte: „Ich sage es dir, aber du darfst es nicht dem Fräulein weitererzählen.&amp;quot; Schatzjade nickte zustimmend. Schneegans wies die beiden Dienerinnen an: „Bringt die Früchte voraus und übergebt sie der Schwester Purpurkuckuck [紫鹃]. Wenn sie nach mir fragt, sagt ihr, ich erledige noch etwas und komme gleich.&amp;quot; Die Dienerinnen gingen. Schneegans sagte: „Unserem Fräulein geht es die letzten beiden Tage etwas besser. Heute nach dem Essen kam das Dritte Fräulein vorbei und wollte sie mitnehmen, um die Zweite Herrin zu besuchen, aber das Fräulein ging nicht mit. Dann hat sie an irgendetwas gedacht, wurde traurig und hat eine ganze Weile geschrieben — ob Gedichte oder Lieder, weiß ich nicht. Als sie mich losschickte, um die Früchte zu holen, hörte ich sie noch Purpurkuckuck beauftragen, den kleinen Räuchertisch aus der Stube freizuräumen, den Tisch in die Mitte des Vorzimmers zu stellen und das Bronzegefäß mit Drachenmuster darauf zu setzen — die Früchte seien für ein bestimmtes Ritual. Wenn sie jemanden einladen wollte, würde sie doch nicht zuerst ein Räuchergefäß aufstellen! Und wenn sie Räucherwerk abbrennen wollte — unser Fräulein hat gewöhnlich nur frische Blumen, Früchte und Quitten im Zimmer und mag es gar nicht, Kleider zu parfümieren. Wenn sie schon Räucherwerk verwendete, würde sie es an ihrem gewöhnlichen Platz anzünden. Sollte etwa eine Dienerin das Zimmer voll gestunken haben und man es mit Räucherwerk vertreiben wollen? Ich verstehe es wirklich nicht.&amp;quot; Damit eilte sie davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade senkte den Kopf und überlegte bei sich: „Nach dem, was Schneegans sagt, muss es einen besonderen Grund geben. Wenn sie nur mit einer der Schwestern zusammensäße, brauchte sie nicht vorher das Opfergeschirr aufzustellen. Vielleicht ist es der Todestag ihres Vaters oder ihrer Mutter &amp;lt;ref&amp;gt;Ozeangleich Wald und Feinsinn Kaufmann, Kajaljades verstorbene Eltern&amp;lt;/ref&amp;gt;. Aber ich erinnere mich, dass die Alte Herrin jedes Jahr an diesem Datum eigens Speisen zubereiten und an Schwester Lin schicken lässt, damit sie privat opfert — und dieser Tag ist bereits vorüber. Es muss wohl sein, dass im siebten Monat, dem Monat der Früchte und der Ahnenopfer, wenn jede Familie die Herbstopfer an den Gräbern darbringt, Schwester Lin davon bewegt ist und in ihrem Privatgemach ein eigenes Opfer darbringt — im Sinne des Li Ji: ‚Im Frühling und Herbst opfere man die Früchte der jeweiligen Jahreszeit.' Wenn ich jetzt hingehe und sie trauernd finde, werde ich sie trösten wollen — aber das könnte ihr Kummer sich innerlich nur noch mehr verdichten. Gehe ich aber nicht, trauert sie vielleicht übermäßig, und niemand hält sie zurück. Beides könnte zu Krankheit führen. Am besten gehe ich zunächst kurz zu Schwester Feng, bleibe dort nur einen Moment und kehre dann zurück. Wenn ich Schwester Lin dann noch traurig finde, werde ich behutsam trösten — so wird sie weder in übermäßige Trauer verfallen, noch ihren Kummer unterdrücken müssen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verließ den Garten und ging geradewegs zu Phönixglanz. Dort waren gerade viele Verwalterinnen mit ihren Berichten fertig geworden und zerstreuten sich. Phönixglanz lehnte sich an den Türrahmen und sprach mit Friedchen. Als sie Schatzjade sah, lachte sie: „Du bist zurück! Ich habe gerade Frau Lin Zhixiao beauftragt, deinen Dienern ausrichten zu lassen, dass du, wenn nichts Wichtiges anliegt, doch bitte zurückkommst und dich ausruhst. Außerdem sind dort drüben so viele Leute — wie hältst du diese Gerüche aus? Da kommst du ja schon von selbst.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Vielen Dank, dass Schwester an mich denkt. Da heute nichts los war und ich gesehen habe, dass Schwester die letzten Tage nicht drüben war, wollte ich nach deinem Befinden sehen.&amp;quot; Phönixglanz sagte: „Es geht so — drei Tage gut, zwei schlecht. Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind nicht da, und diese Damen — ach, keine einzige ist friedlich! Jeden Tag gibt es Prügeleien oder Streit; sogar Glücksspiel und Diebstähle, zwei, drei Fälle, sind schon vorgekommen. Zwar hilft das Dritte Fräulein bei der Verwaltung, aber sie ist ein unverheiratetes Mädchen — manches kann man ihr sagen, anderes nicht. Ich kann mich nur zusammenreißen, so gut es geht. Einen Augenblick Ruhe gibt es nie. Von Genesung kann keine Rede sein; ich wäre schon zufrieden, wenn es nicht schlimmer wird.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Das mag sein, aber Schwester muss dennoch auf ihre Gesundheit achten und sich weniger Sorgen machen.&amp;quot; Nachdem sie noch ein wenig geplaudert hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Phönixglanz und kehrte in den Garten zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er durch das Tor des Xiaoxiang-Bambushains trat, sah er: Der Rauch im Räuchergefäß war verglommen, und auf dem Opfertisch standen die Reste eines Trankopfers aus Jadewein. Purpurkuckuck überwachte gerade, wie die Dienerinnen den Tisch wieder hineintrugen und die Gegenstände verräumten. Schatzjade wusste, dass die Zeremonie bereits beendet war. Er trat ins Zimmer; dort lag Kajaljade mit dem Gesicht zur Wand, matt und hinfällig, mit einem Ausdruck äußerster Erschöpfung. Purpurkuckuck sagte eilig: „Der Zweite Junge Herr Bao ist da.&amp;quot; Kajaljade richtete sich langsam auf und lud ihn lächelnd zum Sitzen ein. Schatzjade fragte: „Geht es Schwester die letzten Tage besser? Du siehst etwas ruhiger aus — aber warum bist du wieder traurig gewesen?&amp;quot; Kajaljade sagte: „Was redest du nur? Wann soll ich traurig gewesen sein?&amp;quot; Schatzjade lachte: „Auf Schwesterchens Gesicht sind noch Tränenspuren — wie willst du mich täuschen? Ich denke nur: Schwester ist ohnehin stets kränklich; bei allem solltest du dich selbst trösten und nicht in nutzlose Trauer verfallen. Wenn du deinen Körper zugrunde richtest, dann werde ich ...&amp;quot; Bei diesen Worten stockte er, denn das Folgende war schwer auszusprechen. Obwohl er und Kajaljade zusammen aufgewachsen waren, einander zutiefst zugetan und bereit, füreinander zu leben und zu sterben, hatten sie das doch nur im Herzen empfunden, ohne es je offen auszusprechen. Zudem war Kajaljade empfindlich, und seine Worte gerieten oft unbedacht; er hatte sie schon oft verletzt. Heute war er eigentlich gekommen, um sie zu trösten, doch unversehens hatte er sich wieder im Ton vergriffen und wusste nicht, wie er fortfahren sollte. In seiner Verlegenheit, aus Furcht, Kajaljade könnte ihm zürnen, und im Bewusstsein, dass sein Herz es wirklich gut meinte, wandelte sich seine Unruhe in Trauer, und die Tränen rollten ihm über die Wangen. Kajaljade war zunächst unwillig über seine unbedachten Worte gewesen; als sie ihn nun aber so sah, wurde sie ebenfalls gerührt. Sie, die ohnehin stets zum Weinen neigte, konnte auch jetzt die Tränen nicht zurückhalten und weinte stumm mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck kam mit Tee herein, bemerkte, dass die beiden offenbar wieder Streit hatten, und sagte: „Dem Fräulein geht es kaum besser, und da kommt der Zweite Junge Herr schon wieder, um sie zu ärgern — was ist es denn diesmal?&amp;quot; Schatzjade wischte sich die Tränen ab und lachte: „Wer würde es wagen, die Schwester zu ärgern?&amp;quot; Dabei stand er auf und schlenderte umher. Unter dem Tuschstein lugte eine Papierecke hervor; er konnte nicht widerstehen, sie hervorzuziehen. Kajaljade wollte hastig aufstehen, um sie ihm zu entreißen, doch Schatzjade hatte sie bereits in den Busen gesteckt und bat lachend: „Liebe Schwester, lass mich einmal schauen!&amp;quot; Kajaljade sagte: „Egal was es ist — du kommst herein und wühlst gleich alles durch!&amp;quot; Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da kam Schatzspange [宝钗] lachend herein: „Was will Bruder Bao denn sehen?&amp;quot; Schatzjade hatte noch nicht gelesen, was darauf stand, und wusste auch nicht, was Kajaljade davon hielt; er wagte nicht vorschnell zu antworten und sah nur Kajaljade lachend an. Kajaljade lud Schatzspange zum Sitzen ein und sagte lachend: „In der alten Geschichte habe ich viele talentierte und schöne Frauen gefunden, deren Lebensschicksal zugleich bewundernswert, beneidenswert, beklagenswert und beseufzenswert war. Heute Nachmittag, nach dem Essen, hatte ich nichts zu tun und habe mir einige von ihnen ausgewählt, um aufs Geratewohl ein paar Gedichte darüber zu verfassen. Gerade als Erkundefrühling [探春] mich besuchen und zur Zweiten Schwägerin mitnehmen wollte, war mir zu unwohl, um mitzugehen. Ich hatte gerade fünf Stück fertig, als mich die Müdigkeit überkam und ich sie liegen ließ — und da kam der Zweite Junge Herr und sah sie. Im Grunde schadet es nichts, wenn er sie liest; nur fürchte ich, dass er sie unbesonnen anderen zeigt.&amp;quot; Schatzjade sagte eilig: „Wann hätte ich je etwas anderen gezeigt! Der Fächer neulich — ich mochte nur die Gedichte über die weißen Begonien und habe sie in kleiner Kursivschrift abgeschrieben, nur um sie bequemer in der Hand lesen zu können. Ich weiß sehr wohl, dass Gedichte und Schriften aus dem Frauengemach nicht leichtfertig nach außen getragen werden dürfen. Seit du es gesagt hast, habe ich sie nie aus dem Garten gebracht.&amp;quot; Schatzspange sagte: „Schwester Lins Bedenken sind berechtigt. Da du sie auf den Fächer geschrieben hast — wenn du ihn einmal vergisst und ins Studierzimmer mitnimmst und die jungen Herren ihn sehen, werden sie unweigerlich fragen, wer sie verfasst hat. Wenn das sich herumspricht, wäre das unschicklich. Seit alters heißt es: ‚Talentlosigkeit ist die Tugend der Frau' &amp;lt;ref&amp;gt;berühmtes konfuzianisches Diktum&amp;lt;/ref&amp;gt;. Züchtigkeit und Stille stehen an erster Stelle, Handarbeit an zweiter. Die Dichtkunst ist nur ein Zeitvertreib des Frauengemachs — man kann sie beherrschen oder auch nicht. Junge Frauen aus Häusern wie dem unseren brauchen keinen Ruf als Dichterinnen.&amp;quot; Dann lächelte sie Kajaljade zu: „Zeig sie mir — das schadet nicht. Nur darf Bruder Bao sie nicht nach draußen tragen.&amp;quot; Kajaljade lachte: „Wenn du schon so sprichst, brauchst auch du sie nicht zu sehen.&amp;quot; Dann zeigte sie auf Schatzjade und lachte: „Er hat sie mir längst entrissen!&amp;quot; Schatzjade nahm sie nun aus dem Busen, rückte neben Schatzspange, und beide lasen aufmerksam. Darauf stand:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Xi Shi &amp;lt;ref&amp;gt;die berühmteste der Vier Schönheiten des chinesischen Altertums&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Ein Zeitalter der Schönheit verging mit den Wellen;&lt;br /&gt;
 Im leeren Wu-Palast denkt sie vergeblich an Kindertage.&lt;br /&gt;
 Lacht nicht die Nachbarin aus dem Ostdorf, die ihr Stirnrunzeln nachahmte —&lt;br /&gt;
 Mit weißem Haar wäscht jene am Bach noch immer ihr Tuch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Yu Ji &amp;lt;ref&amp;gt;Konkubine des Königs Xiang Yu, die sich nach seiner Niederlage das Leben nahm&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Herzzerreißend wiehert das Rabenpferd im Nachtsturm;&lt;br /&gt;
 Yu Ji, dein stiller Gram vor dem Doppelpupilligen!&lt;br /&gt;
 Qing Bu und Peng Yue ließen sich später zerstückeln —&lt;br /&gt;
 Besser doch, das Schwert zu trinken im Zelt von Chu!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Wang Zhaojun &amp;lt;ref&amp;gt;die Han-Hofdame, die zu den Xiongnu geschickt wurde&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Überirdische Schönheit erschreckt die Welt, als sie den Han-Palast verlässt;&lt;br /&gt;
 Das Los der Schönen ist seit je dasselbe.&lt;br /&gt;
 Selbst wenn der Kaiser Schönheit gering achtete —&lt;br /&gt;
 Warum gab er dem Hofmaler die Macht über Leben und Tod?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Lü Zhu &amp;lt;ref&amp;gt;die schöne Konkubine, die sich für ihren Herrn Shi Chong vom Turm stürzte&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Scherben und Perlen werden gleichermaßen geworfen;&lt;br /&gt;
 Wann hätte Shi Chong je seine Schönheit wirklich geschätzt?&lt;br /&gt;
 Es war allein das Glück aus früheren Leben,&lt;br /&gt;
 Das ihr den Trost gab, gemeinsam in den Tod zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Hong Fu &amp;lt;ref&amp;gt;die mutige Frau, die Li Jing erkannte und mit ihm floh&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Mit langem Gruß und heldenhaftem Gespräch — ein ganz besondres Wesen;&lt;br /&gt;
 Mit scharfem Blick erkannte die Schöne den Helden im Elend.&lt;br /&gt;
 In Yang Sus Palast verweste nur noch ein lebender Leichnam —&lt;br /&gt;
 Wie könnte man eine Heldin dort in Ketten halten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade las es und lobte ohne Ende. Dann sagte er: „Die Schwester hat genau fünf Gedichte verfasst — warum nicht den Titel ‚Fünf Gesänge auf berühmte Schönheiten&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 五美吟 Wǔ Měi Yín. Kajaljades Gedichte auf fünf tragische Schönheiten des Altertums spiegeln indirekt ihr eigenes Schicksal: Jede der besungenen Frauen war schön, begabt und dem Untergang geweiht.&amp;lt;/ref&amp;gt;' geben?&amp;quot; Ohne eine Widerrede zuzulassen, nahm er den Pinsel und schrieb den Titel darunter. Schatzspange sagte: „Beim Dichten ist das Thema nicht entscheidend — es kommt darauf an, die Gedanken der Alten geschickt umzukehren. Wenn man nur in den Fußstapfen anderer wandelt, mögen die Worte noch so kunstvoll sein — das bleibt zweitrangig und zählt am Ende nicht als gute Dichtung. Über Wang Zhaojun etwa gibt es unzählige Gedichte: manche beklagen ihr Schicksal, manche schelten den Maler Yan Shou, andere tadeln den Han-Kaiser, dass er sich zwar Beamtenporträts, aber auch Schönheitsbilder malen ließ. Wang Anshi&amp;lt;ref&amp;gt;Wang Anshi (王安石, 1021–1086), berühmter Reformpolitiker und Dichter der Song-Dynastie.&amp;lt;/ref&amp;gt; dichtete: ‚Anmut und Wesen lassen sich nicht malen — umsonst wurde damals Mao Yanshou getötet.' Und Ouyang Xiu&amp;lt;ref&amp;gt;Ouyang Xiu (欧阳修, 1007–1072), einer der „Acht Großen Prosaisten der Tang und Song“.&amp;lt;/ref&amp;gt; schrieb: ‚Was Auge und Ohr sehen, ist schon so — wie kann man auf zehntausend Li Entfernung die Barbaren beherrschen?' Beide Gedichte bringen je einen eigenen Standpunkt hervor, der sich von allen anderen unterscheidet. Schwester Lins fünf Gedichte heute kann man wahrhaft als neuartig im Gedanken und bahnbrechend in der Darstellung bezeichnen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wollte gerade fortfahren, als jemand meldete: „Der Zweite Herr Lian ist zurückgekehrt. Eben hieß es, er sei zum Östlichen Palais gegangen und müsste bald wieder hier sein.&amp;quot; Schatzjade hörte das, sprang auf und eilte zur Pforte, um ihn zu empfangen. Gerade kam Kette Kaufmann von draußen hereingeritten. Schatzjade kniete vor ihm nieder, erkundigte sich nach dem Befinden der Alten Herrin, Aufrecht Kaufmanns, Dame Königs und der anderen und begrüßte dann Kette Kaufmann selbst. Die beiden gingen Hand in Hand hinein. Seidenweiß Pflaume, Phönixglanz, Schatzspange, Kajaljade, Willkommensfrühling, Erkundefrühling, Bedauerfrühling und die anderen warteten bereits in der Mittelhalle. Nachdem alle Begrüßungen vollzogen waren, berichtete Kette Kaufmann: „Die Alte Herrin trifft morgen früh ein. Auf der Reise war sie bei guter Gesundheit. Man hat mich heute vorausgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Morgen in der fünften Nachtwache muss ich wieder hinaus, um sie zu empfangen.&amp;quot; Danach fragte man nach den Reiseerlebnissen. Da Kette Kaufmann von weither kam, verabschiedeten sich alle und ließen ihn sich ausruhen. Die weiteren Ereignisse des Abends bedürfen keiner ausführlichen Schilderung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag, um die Essenszeit, trafen tatsächlich die Alte Herrin, Dame König und die anderen ein. Die Begrüßung war vollzogen; man saß kurz beisammen und trank Tee. Dann führte die Alte Herrin Dame König und die anderen zum Ningfu. Drinnen ertönte Wehklagen, das den Himmel erschütterte — Begnadigung Kaufmann [贾赦] und Kette Kaufmann hatten die Alte Herrin nach Hause gebracht und waren sofort herübergekommen. Als die Alte Herrin eintrat, kamen ihr Begnadigung Kaufmann und Kette Kaufmann mit der ganzen Verwandtschaft weinend entgegen. Vater und Sohn stützten sie, einen auf jeder Seite, und führten sie vor den Sarg, wo Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann auf den Knien in die Arme der Alten Herrin stürzten und bitterlich weinten. Die Alte Herrin, eine betagte Frau, konnte bei diesem Anblick ebenfalls nicht an sich halten und umarmte Zhen und Rong, weinend ohne Ende. Begnadigung Kaufmann und Kette Kaufmann trösteten sie mühsam, bis sie sich ein wenig beruhigte. Dann ging sie zum rechten Flügel des Sargraums, wo sie Dame Sonders und ihre Schwiegertochter traf, und es folgte eine weitere Szene bitterer Tränen. Danach traten die anderen der Reihe nach vor, um ihre Aufwartung zu machen. Da Herrlichkeit Kaufmann sah, dass die Alte Herrin gerade erst nach Hause gekommen war und noch keine Ruhe gehabt hatte, und er fürchtete, sie könnte sich vor dem Sarg zu sehr grämen, bat er sie wiederholt, nach Hause zurückzukehren. Dame König und die anderen drängten ebenfalls. Die Alte Herrin gab schließlich nach und kehrte zurück. Tatsächlich hielt eine betagte Person Wind, Frost und Trauer schlecht aus: Am Abend fühlte sie sich benommen, die Augen schmerzten, die Nase war verstopft und die Stimme heiser. Eilig ließ man den Arzt kommen, den Puls fühlen und Medizin verschreiben. Ein halber Tag und eine halbe Nacht voller Aufregung folgten. Glücklicherweise wirkte das Mittel schnell, und die Krankheit griff nicht auf die inneren Organe über; gegen die dritte Nachtwache brach ein leichter Schweiß aus, der Puls beruhigte sich und das Fieber sank — alle atmeten auf. Am nächsten Tag nahm sie weiter Medizin ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Tage später kam der Termin für Andacht Kaufmann [贾敬]s Beisetzung. Da die Alte Herrin noch nicht vollständig genesen war, blieb Schatzjade zu Hause, um sie zu pflegen. Auch Phönixglanz war noch nicht ganz gesund und ging nicht mit. Begnadigung Kaufmann, Kette Kaufmann, Frau Strafe, Dame König und die anderen führten Dienerschaft und Gefolge zum Eiserne-Schwelle-Kloster; erst am Abend kehrten sie zurück. Herrlichkeit Kaufmann, Dame Sonders und Herrlichkeit Kaufmann blieben weiterhin im Tempel, um den Sarg zu bewachen, bis nach dem hundertsten Tag der Sarg in die Heimat überführt würde. Zu Hause vertrauten sie die Aufsicht der alten Dame Sonders und den beiden Schwestern Erjie und Sanjie an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann hatte seit langem von den Sonders-Schwestern gehört und bedauert, ihnen nie begegnet zu sein. Seit Andacht Kaufmanns Aufbahrung zu Hause hatte er sich mit der Zweiten und der Dritten täglich vertraut gemacht und konnte sein Begehren nicht mehr verbergen. Da er wusste, dass Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann ohnehin im Ruf der Ausschweifung mit ihnen standen, nutzte er jede Gelegenheit, sie mit Blicken und Mienen zu umwerben. Die Dritte Schwester &amp;lt;ref&amp;gt;Drittschwester Sonders, eine stolze und entschlossene Frau&amp;lt;/ref&amp;gt; begegnete ihm jedoch kühl und gleichgültig; nur die Zweite &amp;lt;ref&amp;gt;Zweitschwester Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 尤二姐 Yóu Èrjiě. 二姐 „Zweite Schwester“. Heimliche Geliebte von Kette Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, sanft und nachgiebig&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigte deutlich Interesse. Aber es gab zu viele Augen und Ohren, und er fand keine Gelegenheit. Zudem fürchtete er, Herrlichkeit Kaufmann könnte eifersüchtig werden, und wagte nicht, sich zu bewegen — so begnügten sich beide mit stillem Einverständnis. Nach der Beisetzung waren im Hause Herrlichkeit Kaufmanns wenig Leute: Nur die alte Dame Sonders mit der Zweiten und Dritten Schwester und einigen groben Dienstmägden bewohnten die Haupträume; alle übrigen Mägde und Konkubinen waren mit ins Kloster gezogen. Draußen dienten die Bediensteten nur als Nachtwachen und Türhüter; tagsüber, wenn nichts zu tun war, betraten sie die inneren Gemächer nicht. Kette Kaufmann sah seine Gelegenheit. Unter dem Vorwand, Herrlichkeit Kaufmann Gesellschaft zu leisten, schlief er ebenfalls im Tempel, nutzte aber häufig den Anlass, für Herrlichkeit Kaufmann die Hausverwaltung zu erledigen, um ins Ningfu zu kommen und die Zweite Schwester zu umwerben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages kam der Unterverwalter Yu Lu zu Herrlichkeit Kaufmann und berichtete: „Für die Trauerbanner, Tragstangen, Trauerseide und die Sargträger mit den blauen Gewändern wurden insgesamt eintausendeinhundertzehn Liang Silber ausgegeben. Davon sind fünfhundert bezahlt; es fehlen noch sechshundertzehn. Gestern kamen die beiden Lieferanten und forderten die Bezahlung; ich bitte um Anweisung.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Hol das Geld einfach aus der Schatzkammer — warum musst du mich fragen?&amp;quot; Yu Lu sagte: „Gestern war ich schon bei der Schatzkammer, aber seit dem Ableben des alten Herrn sind von allen Seiten so viele Auszahlungen erfolgt, dass das Verbleibende für die hundert-Tage-Zeremonien und die Tempelkosten reserviert werden muss. Man kann im Moment nichts auszahlen. Deshalb bitte ich den Herrn, ob er es aus der Privatschatulle vorschießen oder von einem anderen Posten umbuchen möchte.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Du glaubst wohl, es sei noch wie früher, als wir Silber hatten und es nicht ausgaben! Leih es dir irgendwo und zahle es ihnen.&amp;quot; Yu Lu lachte: „Ein- oder zweihundert könnte ich auftreiben; aber fünf- oder sechshundert — das schaffe ich nicht auf die Schnelle.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann überlegte und sagte zu Herrlichkeit Kaufmann: „Frag deine Mutter — gestern nach der Beisetzung hat die Familie Echt aus dem Süden fünfhundert Liang Opfersilber geschickt, die noch nicht an die Schatzkammer abgeliefert wurden. Hol sie dir und gib sie ihm.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann ging zu Dame Sonders, kam zurück und berichtete: „Von dem Silber sind schon zweihundert ausgegeben worden; die restlichen dreihundert hat man nach Hause geschickt und der alten Mutter zur Aufbewahrung gegeben.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Dann nimm ihn mit, hol das Silber von der alten Mutter und gib es ihm. Sieh auch nach, ob zu Hause alles in Ordnung ist, und richte den beiden Tanten Grüße aus. Den Rest soll Yu Lu sich borgen und aufstocken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann und Yu Lu hatten sich gerade verabschiedet, als Kette Kaufmann hereinkam. Yu Lu begrüßte ihn eilig. Kette Kaufmann fragte, worum es gehe; Herrlichkeit Kaufmann erzählte alles. Kette Kaufmann dachte bei sich: „Das ist die Gelegenheit, zum Ningfu zu gehen und die Zweite Schwester zu sehen!&amp;quot; Und sagte: „Was für eine Sache — warum soll man sich Geld borgen? Gestern habe ich gerade eine Summe Silber bekommen, die ich noch nicht ausgegeben habe. Nehmt davon, und die Sache ist erledigt.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Ausgezeichnet! Dann gib Rong'er die Anweisung, er soll es zusammen abholen.&amp;quot; Kette Kaufmann sagte eilig: „Dazu muss ich persönlich hin. Außerdem war ich jetzt mehrere Tage nicht zu Hause; ich muss der Alten Herrin, dem Herrn Vater und den Damen die Aufwartung machen. Dann schaue ich auch bei Bruder drüben nach, ob die Dienerschaft sich benimmt, und besuche die Schwiegermutter.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Da mühen wir dich schon wieder — das ist mir unangenehm.&amp;quot; Kette Kaufmann lachte: „Unter Brüdern — was macht das schon!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann trug noch Herrlichkeit Kaufmann auf: „Begleite deinen Onkel und erkundige dich auch bei der Alten Herrin und den Damen nach dem Befinden. Sag, deine Mutter und ich lassen grüßen, und frag, ob es der Alten Herrin viel besser geht und ob sie noch Medizin nimmt.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte zu allem ja und folgte Kette Kaufmann hinaus. Mit einigen Dienern ritten sie gemeinsam in die Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwegs plauderten Onkel und Neffe. Kette Kaufmann kam absichtlich auf die Zweite Tante You zu sprechen und lobte, wie hübsch sie sei, wie angenehm im Umgang, wie würdevoll in ihrem Auftreten und wie sanft in ihrer Sprache — in jeder Hinsicht bewundernswert und liebenswert. „Alle sagen, deine Tante &amp;lt;ref&amp;gt;Phönixglanz&amp;lt;/ref&amp;gt; sei schön, aber nach meiner Meinung reicht sie nicht im Mindesten an deine Zweite Tante heran!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann durchschaute seine Absicht und sagte lachend: „Wenn Onkel sie so sehr schätzt, soll ich als Heiratsvermittler fungieren und sie als Zweitfrau für dich arrangieren?&amp;quot; Kette Kaufmann lachte: „Meinst du das im Scherz oder im Ernst?&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Ich meine es durchaus ernst.&amp;quot; Kette Kaufmann lachte wieder: „Selbstverständlich wäre mir das recht. Nur fürchte ich, deine Tante stimmt nicht zu; und vielleicht will deine Großmutter auch nicht. Außerdem habe ich gehört, dass deine Zweite Tante bereits verlobt ist.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Das alles ist kein Hindernis. Meine Zweite und Dritte Tante sind nicht die leiblichen Kinder meines Großvaters — sie sind von meiner Großmutter mitgebracht worden. Soweit ich weiß, hat meine Großmutter, als sie noch in jener Familie lebte, die Zweite Tante bereits dem Sohn des kaiserlichen Getreidepächters Zhang verlobt — eine Verlobung im Mutterleib. Später geriet die Familie Zhang in einen Prozess und verarmte; meine Großmutter heiratete aus jener Familie fort, und seit über zehn Jahren hatten die beiden Familien keinen Kontakt mehr. Meine Großmutter klagt oft darüber und will die Verlobung lösen; mein Vater will die Zweite Tante anderweitig verheiraten. Man wartet nur auf einen guten Kandidaten; dann schickt man jemanden zu den Zhangs, gibt ihnen zehn, zwanzig Liang und lässt einen Auflösungsbrief schreiben. Bei ihrer Armut werden sie, wenn sie Silber sehen, kaum widersprechen. Außerdem wissen sie, mit was für einem Haus sie es zu tun haben — sie wagen es nicht, zu widersprechen. Wenn ein Mann wie der Onkel sie zur Zweitfrau nehmen will, werden Großmutter und Vater bestimmt einverstanden sein. Das einzige Problem ist die Tante ...&amp;quot; Kette Kaufmann hörte das, und sein Herz blühte auf; er konnte nur noch stumm und dümmlich grinsen. Herrlichkeit Kaufmann überlegte noch einen Moment und sagte dann lachend: „Wenn der Onkel den Mut hat, meinem Plan zu folgen, garantiere ich, dass alles glattgeht — es kostet nur ein paar Taler mehr.&amp;quot; Kette Kaufmann sagte hastig: „Was für ein Plan? Sag schnell — ich bin einverstanden!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Wenn der Onkel nach Hause kommt, verrät er mit keinem Wort etwas. Ich berichte meinem Vater und verhandle mit der Großmutter. Dann kaufen wir hinter unserem Palais ein kleines Haus und die nötige Ausstattung und verlegen zwei Gruppen Dienstboten dorthin. An einem günstigen Tag wird ohne Aufsehen geheiratet, und die Dienstboten dürfen kein Wort verlauten lassen. Die Tante lebt drinnen in ihrem tiefen Palais und wird es so bald nicht erfahren. Der Onkel wohnt an beiden Orten. Nach einem Jahr oder anderthalb — selbst wenn es herauskommt, gibt es höchstens eine Schelte vom Herrn Vater. Der Onkel sagt einfach, die Tante bekomme keine Kinder, und es sei um der Nachkommenschaft willen geschehen, deshalb habe er es heimlich arrangiert. Selbst die Tante wird, wenn der Reis schon zu Brei gekocht ist, sich fügen müssen. Dann bittet man die Alte Herrin um Vermittlung — das wird schon gut gehen.&amp;quot; Seit alters heißt es: „Begierde macht den Verstand blind.&amp;quot; Kette Kaufmann war nur von der Schönheit der Zweiten Schwester geblendet und hielt Herrlichkeit Kaufmanns Plan für narrensicher. Dass er noch in Trauerkleidung war, dass das Nehmen einer Zweitfrau neben der rechtmäßigen Gattin unschicklich war, dass sein strenger Vater und seine eifersüchtige Frau Einwände haben würden — all das schob er beiseite. Doch er ahnte nicht, dass auch Herrlichkeit Kaufmann es keineswegs gut meinte: Seit langem hatte er mit seinen Tanten ein Verhältnis, doch weil Herrlichkeit Kaufmann im Hause war, konnte er sich nicht frei bewegen. Wenn nun Kette Kaufmann die Zweite Schwester heiratete und sie außerhalb lebte, konnte er in Kette Kaufmanns Abwesenheit leichter mit ihr zusammenkommen. Kette Kaufmann dachte an so etwas nicht im Mindesten und dankte Herrlichkeit Kaufmann gerührt: „Lieber Neffe, wenn du das wirklich zustande bringst, kaufe ich dir zwei bildschöne Dienstmädchen zum Dank!&amp;quot; Damit waren sie am Tor des Ningfu angelangt. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Der Onkel geht hinein und holt das Silber von der Großmutter; gibt es Yu Lu. Ich gehe zuerst zur Alten Herrin und mache meine Aufwartung.&amp;quot; Kette Kaufmann nickte lächelnd: „Sag vor der Alten Herrin nicht, dass wir zusammen gekommen sind.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Verstanden.&amp;quot; Dann flüsterte er Kette Kaufmann ins Ohr: „Wenn du heute die Zweite Tante triffst, sei ja nicht voreilig — wenn es Ärger gibt, ist danach alles viel schwieriger.&amp;quot; Kette Kaufmann lachte: „Hör auf mit dem Unsinn — geh schon!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann ging, um der Alten Herrin seine Aufwartung zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kette Kaufmann betrat den Ningfu. Sofort kamen der Oberbedienstete und die Diener, um ihn zu begrüßen, und geleiteten ihn bis zum Saal. Kette Kaufmann stellte pflichtgemäß einige Fragen und entließ sie dann. Allein ging er in die inneren Gemächer. Da er und Herrlichkeit Kaufmann seit jeher eng vertraut und Brüder waren und es zwischen ihnen keine Förmlichkeiten gab, brauchte er sich nicht anmelden zu lassen. Er ging zur Hauptwohnung; eine Dienerin auf der Veranda hob den Vorhang und ließ ihn ein. Er trat ein und sah: Auf dem südlichen Kang saß nur die Zweitschwester Sonders mit zwei Dienstmädchen bei der Handarbeit — von der alten Dame Sonders und der Dritten Schwester keine Spur. Kette Kaufmann begrüßte sie eilig. Die Zweite Schwester lud ihn lächelnd zum Sitzen ein; er setzte sich an der Ostseite neben ein Wandgestell. Kette Kaufmann ließ ihr den Ehrenplatz und sagte einige höfliche Worte. Dann fragte er lachend: „Wo sind die Schwiegermutter und die Dritte Schwester? Warum sehe ich sie nicht?&amp;quot; Die Zweite Schwester lachte: „Sie sind gerade nach hinten gegangen — sie kommen gleich.&amp;quot; Die Mädchen waren Tee holen gegangen, und niemand war im Raum. Kette Kaufmann schielte unablässig zur Zweiten Schwester hinüber. Sie senkte den Kopf und lächelte nur, ohne ihn zu beachten. Kette Kaufmann wagte nicht, sich Freiheiten herauszunehmen. Er sah, dass sie ein seidenes Tuch mit einem angebundenen Beutelchen in den Händen drehte, und sagte beiläufig, nach seinem eigenen Gürtel tastend: „Ich habe meinen Betelnus-Beutel vergessen — hat die Schwester vielleicht Betelnuss und schenkt mir ein Stück?&amp;quot; Die Zweite Schwester sagte: „Betelnuss habe ich schon — nur gebe ich meine Betelnuss nie einem anderen.&amp;quot; Kette Kaufmann rückte lachend näher, um sie sich zu nehmen. Die Zweite Schwester befürchtete, jemand könnte sie sehen; lachend warf sie ihm den Beutel zu. Kette Kaufmann fing ihn, schüttete alles heraus, steckte sich ein halb aufgegessenes Stück in den Mund und verstaute den Rest in seinem Busen. Gerade wollte er ihr den Beutel persönlich zurückbringen, als zwei Mädchen mit dem Tee kamen. Kette Kaufmann nahm den Tee entgegen und löste heimlich seinen eigenen Hanyü-Jadegürtel mit neun Drachen, band ihn an sein Taschentuch und warf es, als die Mädchen sich umdrehten, zu ihr hinüber. Die Zweite Schwester rührte es nicht an, tat, als sähe sie nichts, und trank ihren Tee. Hinter ihnen raschelte ein Vorhang: Die alte Dame Sonders und die Dritte Schwester kamen mit zwei Mädchen von hinten herein. Kette Kaufmann blickte die Zweite Schwester an und deutete ihr, das Tuch aufzuheben — doch sie reagierte nicht. Kette Kaufmann wusste nicht, was sie damit bezweckte, und wurde ganz nervös. Er musste der alten Dame Sonders und der Dritten Schwester entgegengehen und sie begrüßen. Als er sich nochmals nach der Zweiten Schwester umdrehte, lächelte sie unbekümmert; er sah nach dem Tuch — es war verschwunden. Kette Kaufmann war beruhigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach setzten sich alle zusammen und plauderten. Kette Kaufmann sagte: „Die Schwägerin hat gesagt, neulich sei ein Paket Silber der Schwiegermutter zur Aufbewahrung übergeben worden; heute wird es gebraucht, um eine Schuld zu bezahlen. Der Älteste Bruder hat mich geschickt, es abzuholen. Außerdem wollte ich sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist.&amp;quot; Die alte Dame Sonders ließ sofort die Zweite Schwester den Schlüssel holen und das Silber bringen. Kette Kaufmann sagte noch: „Ich wollte auch der Schwiegermutter meine Aufwartung machen und die beiden Schwestern besuchen. Die Schwiegermutter sieht gut aus; nur die beiden Schwestern müssen es bei uns schwer haben.&amp;quot; Die alte Dame Sonders lachte: „Wir sind doch alle eine Familie — was soll das! Ob zu Hause oder hier — es ist das Gleiche. Offen gesagt: Seit mein verstorbener Mann starb, ist es finanziell recht eng geworden; wir leben ganz von der Unterstützung des Schwiegersohns. Da er eine solche Familienangelegenheit hat, können wir nichts anderes tun als ein bisschen auf das Haus aufzupassen — wovon sollte man da reden?&amp;quot; Während sie sprachen, brachte die Zweite Schwester das Silber und gab es der alten Dame Sonders, die es an Kette Kaufmann weiterreichte. Kette Kaufmann ließ ein Mädchen eine Dienerin rufen und sagte: „Übergebt dies Yu Lu und sagt ihm, er soll damit drüben auf mich warten.&amp;quot; Die Dienerin ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da hörte man im Hof Herrlichkeit Kaufmanns Stimme. Bald trat er ein, begrüßte seine Großmutter und die Tanten und sagte dann lachend zu Kette Kaufmann: „Eben hat der Herr Vater nach dem Onkel gefragt — er hat einen Auftrag. Er wollte schon jemanden zum Tempel schicken; ich habe ihm gesagt, der Onkel komme gleich. Der Herr Vater sagt, er möge sich beeilen.&amp;quot; Kette Kaufmann wollte sich schon erheben, da hörte er, wie Herrlichkeit Kaufmann zu seiner Großmutter sagte: „Neulich habe ich der Alten Herrin erzählt, dass mein Vater für die Zweite Tante einen Schwiegersohn suche — der sehe ungefähr so aus wie mein Onkel hier. Was meint die Alte Herrin — ist er gut?&amp;quot; Dabei deutete er heimlich mit dem Finger auf Kette Kaufmann und warf der Zweiten Tante einen vielsagenden Blick zu. Die Zweite Schwester war zu verlegen, um etwas zu sagen. Doch die Dritte Schwester &amp;lt;ref&amp;gt;Drittschwester Sonders, die deutlich temperamentvoller ist&amp;lt;/ref&amp;gt; schimpfte mit halb lächelndem, halb zornigem Gesicht: „Du verdorbener kleiner Affenbalg! Warte, bis ich dir gleich den Mund zerfetze!&amp;quot; Damit lief sie auf ihn zu. Herrlichkeit Kaufmann rannte lachend hinaus, und Kette Kaufmann verabschiedete sich ebenfalls lachend. Im Saal angekommen, gab er den Dienern noch Anweisungen, nicht zu spielen und zu trinken. Dann ermahnte er Herrlichkeit Kaufmann, schnell mit seinem Vater zu sprechen. Er selbst nahm Yu Lu mit, vervollständigte das Silber und übergab es ihm zur Auszahlung. Dann machte er bei Begnadigung Kaufmann und der Alten Herrin seine Aufwartung — davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann, als Yu Lu mit Kette Kaufmann gegangen war, hatte nichts weiter zu tun und ging wieder in die inneren Gemächer, wo er eine Weile mit seinen beiden Tanten scherzte und herumspielte, bevor er aufbrach. Am Abend berichtete er im Tempel Herrlichkeit Kaufmann: „Das Silber ist Yu Lu übergeben. Der Alten Herrin geht es viel besser; sie nimmt keine Medizin mehr.&amp;quot; Dann erzählte er beiläufig von Kette Kaufmanns Wunsch, die Zweitschwester Sonders als Zweitfrau zu nehmen. Er schilderte, wie man ein Haus außerhalb kaufen und es vor Phönixglanz verbergen wolle. „Es geschieht nur um der Nachkommenschaft willen. Die Zweite Tante kennt man ja bereits — unter Verwandten ist eine Heirat besser als mit einer Familie, die man nicht kennt. Der Zweite Onkel hat mich dringend gebeten, mit dem Vater zu sprechen.&amp;quot; Dass es sein eigener Plan war, verschwieg er. Herrlichkeit Kaufmann überlegte und sagte lachend: „Eigentlich wäre das schon in Ordnung. Nur weiß ich nicht, ob deine Zweite Tante einverstanden ist. Geh morgen zuerst zu deiner Großmutter und besprich es mit ihr; sie soll die Zweite Tante fragen. Danach entscheiden wir.&amp;quot; Dann gab er Herrlichkeit Kaufmann noch einige Anweisungen und ging zu Dame Sonders, um ihr die Sache mitzuteilen. Dame Sonders wusste, dass dies nicht richtig war, und versuchte es mit allen Kräften zu verhindern. Doch Herrlichkeit Kaufmanns Entschluss stand fest; sie war es gewohnt, sich ihm zu fügen; und zudem war die Zweite Schwester nicht ihre leibliche Schwester — sie konnte sich nicht einmischen. So ließ sie die Dinge ihren Lauf nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen fuhr Herrlichkeit Kaufmann tatsächlich wieder in die Stadt zur Großmutter und überbrachte seines Vaters Botschaft. Er fügte viele Worte hinzu: wie gut Kette Kaufmann sei, dass Phönixglanz ohnehin kränkle und es mit ihr nicht mehr lange dauern könne; einstweilen kaufe man ein Haus außerhalb; nach ein oder zwei Jahren, sobald Phönixglanz sterbe, werde er die Zweite Tante als rechtmäßige Gattin ins Haus nehmen. Er beschrieb, wie sein Vater die Verlobung arrangiere, wie Kette Kaufmann die Hochzeit durchführe, wie man die Großmutter zu sich nehme, damit sie ihren Lebensabend genieße; und dass man auch der Dritten Schwester drüben einen Mann suchen wolle. Er redete so betörend, dass die alte Dame Sonders schließlich einwilligte. Zudem war sie zeitlebens auf Herrlichkeit Kaufmanns finanzielle Unterstützung angewiesen; es war Herrlichkeit Kaufmann, der die Verlobung arrangierte; die Mitgift brauchte sie nicht selbst zu kaufen; und Kette Kaufmann war ein junger Edelmann, zehnmal besser als Zhang Hua. Also ging sie eilig zur Zweiten Schwester, um es mit ihr zu besprechen. Die Zweite Schwester war von wankelmütigem Charakter; schon zuvor hatte sie es mit dem Schwager nicht bei der Schicklichkeit belassen und stets bedauert, damals dem Zhang Hua versprochen worden zu sein, was ihr ganzes weiteres Leben ruiniert hatte. Da Kette Kaufmann nun Zuneigung zeigte und ihr Schwager die Heirat vermittelte, gab es nichts, was sie hätte ablehnen wollen. Sie nickte zustimmend. Man teilte Herrlichkeit Kaufmann die Antwort mit; Herrlichkeit Kaufmann berichtete seinem Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag ließ Herrlichkeit Kaufmann Kette Kaufmann in den Tempel bitten und teilte ihm mit, dass die alte Dame Sonders zugestimmt habe. Kette Kaufmann war außer sich vor Freude und dankte Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann überschwänglich. Die beiden besprachen alles: Man schickte Leute los, um ein Haus zu suchen, Schmuck anfertigen zu lassen und für die Zweite Schwester Mitgift sowie Bett und Vorhänge für das neue Haus zu kaufen. Binnen weniger Tage war alles erledigt. In der Kleinen Blumenzweiggasse, etwa zwei Li hinter der Ning-Rong-Straße, kaufte man ein Haus mit über zwanzig Zimmern und dazu zwei kleine Mägde. Plötzlich fiel ihm der Diener Bao Er ein: Dessen Frau hatte damals ein Verhältnis mit Kette Kaufmann gehabt, und als Phönixglanz sie erwischte und einen Skandal machte, hatte sich die Frau vor Scham erhängt. Kette Kaufmann hatte Lin Zhixiao zweihundert Liang für die Bestattung versprechen lassen und Bao Er noch privat etwas Silber gegeben mit dem Versprechen, ihm eines Tages eine neue Frau zu suchen. Bao Er hatte nun Ansehen und Geld und diente Kette Kaufmann weiterhin ergeben. Kette Kaufmann rief ihn und seine neue Frau ins neue Haus, damit sie dort für die Zweite Schwester bereitstünden. Dann ließ er den Vater und Sohn Zhang herbeischaffen und nötigte sie, der alten Dame Sonders einen Auflösungsbrief für die Verlobung auszustellen. Zhang Huas Großvater war einst kaiserlicher Getreidepächter gewesen, doch dann gestorben. Sein Vater hatte das Amt weitergeführt und war mit dem verstorbenen ersten Mann der alten Dame Sonders befreundet gewesen — deshalb die Verlobung im Mutterleib zwischen Zhang Hua und der Zweiten Schwester You. Doch dann war die Familie Zhang in einen Prozess geraten und hatte alles verloren; sie konnten sich nicht einmal ernähren, geschweige denn eine Schwiegertochter aufnehmen. Die alte Dame Sonders hatte jene Familie verlassen und neu geheiratet; seit über zehn Jahren war der Kontakt abgerissen. Als die Jia-Diener die Zhangs nun herbeischaffen ließen und sie zur Auflösung der Verlobung zwangen, waren diese zwar unwillig, fürchteten aber die Macht der Kaufmann-Familie und wagten nicht zu widersprechen. Also schrieben sie den Auflösungsbrief. Die alte Dame Sonders gab ihnen zwanzig Liang Silber — von der Auflösung der Verlobung sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kette Kaufmann und die anderen sahen, dass alles geregelt war, wählten sie den dritten des Monats als glückverheißenden Tag für die Hochzeit mit der Zweiten Schwester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es heißt dazu:&lt;br /&gt;
 Nur weil die Brüder der gleichen Familie der Lust frönten,&lt;br /&gt;
 Ließen sie die zusammengewachsenen Äste zu Speer und Hellebarde greifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 63</title>
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= 第六十三回 / Kapitel 63 =&lt;br /&gt;
== 寿怡红群芳开夜宴 ==&lt;br /&gt;
=== 死金丹独艳理亲丧 ===&lt;br /&gt;
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Schatzjade [宝玉]s Geburtstag: In der Nacht ziehen die Mädchen Blumenlose&lt;br /&gt;
Bei Andacht Kaufmann [贾敬]s Ableben kehrt Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] in aller Eile in die Hauptstadt zurück&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück, wusch sich die Hände und besprach sich mit Dufthauch [袭人]: „Heute Abend trinken wir Wein und vergnügen uns alle — da soll nichts förmlich zugehen. Was gibt es zu essen? Man sollte es ihnen rechtzeitig sagen, damit sie alles vorbereiten.&amp;quot; Dufthauch lachte: „Sei unbesorgt! Heitermuster [晴雯], Moschusmond [麝月], Herbstmuster und ich, wir vier, haben je fünf Qian Silber beigesteuert, zusammen zwei Liang. Duftblümchen, Bihen, Xiaoyan und Si'er, die vier, haben je drei Qian gegeben — die, die frei hatten, zählen nicht mit —, zusammen drei Liang und zwei Qian Silber. Das alles haben wir längst der Schwägerin Liu gegeben, damit sie vierzig Schälchen Nüsse und Früchte vorbereitet. Ich habe mit Friedchen [平儿] gesprochen, und man hat schon einen Krug guten Shaoxing-Wein herübergetragen und dort drüben versteckt. Wir acht feiern ganz allein deinen Geburtstag.&amp;quot; Als Schatzjade das hörte, rief er freudig: „Wo haben die denn das Geld her? Ich hätte sie nicht ausgeben lassen sollen!&amp;quot; Heitermuster sagte: „Die haben kein Geld — haben wir etwa welches? Das kommt von jedem aus dem Herzen. Selbst wenn sie es gestohlen hätten — nimm ihre Zuneigung einfach an.&amp;quot; Schatzjade hörte das und lachte: „Du hast recht.&amp;quot; Dufthauch lachte: „Einen Tag, an dem sie dir nicht ein paar grobe Worte sagt, hältst du wohl nicht aus.&amp;quot; Heitermuster lachte: „Du hast inzwischen auch Schlechtes gelernt — immerzu schürst du das Feuer!&amp;quot; Alle lachten. Schatzjade sagte: „Schließt das Hoftor.&amp;quot; Dufthauch lachte: „Nicht umsonst sagt man, du seist ein ‚Vielbeschäftigter ohne Geschäft'. Wenn wir jetzt schon abschließen, erregt das nur Verdacht — warten wir lieber noch ein wenig.&amp;quot; Schatzjade nickte und sagte: „Ich gehe kurz hinaus. Si'er soll Wasser holen; Xiaoyan, komm allein mit mir.&amp;quot; Er ging hinaus. Als er sah, dass niemand in der Nähe war, fragte er nach der Sache mit Wu'er. Xiaoyan sagte: „Ich habe es der Schwägerin Liu erzählt; die hat sich sehr gefreut. Nur hat Wu'er in jener Nacht solches Unrecht erlitten und sich darüber aufgeregt, dass sie zu Hause wieder krank geworden ist — sie kann noch nicht kommen. Man muss warten, bis es ihr besser geht.&amp;quot; Schatzjade hörte das und konnte Reue und Seufzen nicht unterdrücken. Dann fragte er: „Weiß Dufthauch davon?&amp;quot; Xiaoyan sagte: „Ich habe es ihr nicht gesagt; ob Duftblümchen es ihr erzählt hat, weiß ich nicht.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Ich habe es ihr auch nicht gesagt. Nun gut — ich sage es ihr selbst.&amp;quot; Damit ging er wieder hinein und wusch sich zum Schein die Hände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war bereits die Stunde des Lampenanzündens. Man hörte vor dem Hoftor eine Gruppe von Leuten eintreten. Alle spähten durch die Fenster und sahen tatsächlich Frau Lin Zhixiao mit einigen Verwalterinnen kommen, voraus eine Person mit einer großen Laterne. Heitermuster flüsterte lachend: „Sie kommen, um die Nachtwachen zu kontrollieren. Wenn sie erst fort sind, können wir das Tor schließen.&amp;quot; Man sah, wie alle Nachtwächter des Yihongyuan hinauskamen, um sie zu begrüßen; Frau Lin Zhixiao musterte sie eingehend. Sie wies an: „Kein Glücksspiel, kein Weintrinken und nicht gleich mit dem Kopf voran einschlafen bis zum hellen Morgen! Wenn ich davon höre, gibt es Ärger!&amp;quot; Alle lachten: „Wo gäbe es jemanden, der so kühn wäre!&amp;quot; Frau Lin Zhixiao fragte noch: „Ist der Zweite Junge Herr Bao schon zu Bett gegangen?&amp;quot; Alle sagten, sie wüssten es nicht. Dufthauch stieß Schatzjade schnell an. Schatzjade schlüpfte in seine Schuhe und kam ihr lachend entgegen: „Ich bin noch nicht schlafen gegangen. Mütterchen, kommt herein und ruht euch aus!&amp;quot; Dann rief er: „Dufthauch, bring Tee!&amp;quot; Frau Lin Zhixiao trat eilig ein und sagte lachend: „Noch nicht im Bett? Jetzt sind die Tage lang und die Nächte kurz; man sollte früh schlafen gehen, damit man morgens rechtzeitig aufsteht. Sonst heißt es morgen, wenn du verschläfst, du seist kein studierender junger Herr mehr, sondern ein Lastenträger!&amp;quot; Schatzjade sagte eilig lachend: „Mütterchen hat recht. Gewöhnlich gehe ich jeden Tag früh zu Bett — wenn Mütterchen sonst hereinkommt, weiß ich es gar nicht, weil ich schon schlafe. Heute habe ich mir nur Sorgen gemacht, das Nudelessen könnte mir schwer im Magen liegen, und deshalb noch ein wenig herumgespielt.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao sagte dann lachend zu Dufthauch und den anderen: „Ihr solltet Pu'er-Tee aufbrühen.&amp;quot; Dufthauch und Heitermuster sagten eilig lachend: „Wir haben schon einen Krug Mädchentee aufgebrüht und bereits zwei Schalen getrunken. Möchte die Frau auch eine probieren — es ist alles fertig.&amp;quot; Heitermuster schenkte eine Schale ein. Frau Lin Zhixiao lachte dann noch: „In letzter Zeit habe ich bemerkt, dass der Zweite Junge Herr im Umgang mit diesen großen Fräulein schon angefangen hat, sie bei ihren Namen zu rufen. Obwohl sie hier in diesem Hause dienen, sind sie doch Leute der Alten Herrin und der Gnädigen Frau; im Reden sollte man ihnen gegenüber respektvoller sein. Wenn es hin und wieder einmal vorkommt, mag es angehen; ruft man sie aber ständig beim Namen, werden es die jüngeren Brüder und Neffen nachmachen, und die Leute werden sagen, in dieser Familie respektiere man die Älteren nicht.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Mütterchen hat recht. Es kommt nur gelegentlich vor.&amp;quot; Dufthauch und Heitermuster lachten: „Da tut man ihm unrecht. Bis heute hat er immer ‚Schwester' gesagt. Nur beim Spielen sagt er manchmal den Namen; vor anderen Leuten ist es wie früher.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao lachte: „So ist es recht — das ist die Art eines gebildeten und wohlerzogenen jungen Herrn. Je bescheidener man selbst ist, desto mehr Respekt zeigt man. Von den altgedienten Leuten ganz zu schweigen — selbst eine Katze oder ein Hund aus dem Gemach der Alten Herrin oder der Gnädigen Frau darf man nicht leichtfertig verletzen. Das ist das Benehmen eines Herrensohnes, der gute Erziehung genossen hat.&amp;quot; Damit trank sie ihren Tee und sagte: „Bitte legt Euch zur Ruhe. Wir gehen.&amp;quot; Schatzjade bat noch: „Bleibt doch noch ein wenig.&amp;quot; Aber Frau Lin Zhixiao hatte ihre Leute schon weggeführt, um andernorts weiterzukontrollieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ließen Heitermuster und die anderen eilig das Tor schließen, kamen herein und sagten lachend: „Diese Dame hat wohl irgendwo einen Becher getrunken und kam nun hierher, um uns eine Standpauke zu halten!&amp;quot; Moschusmond lachte: „Sie meint es auch nicht böse. Sie muss die Dinge eben ab und zu erwähnen — zur Vorsicht, damit nichts aus dem Ruder läuft.&amp;quot; Während sie sprachen, wurden Wein und Früchte aufgetragen. Dufthauch sagte: „Wir brauchen keinen richtigen Tisch. Nehmen wir den runden Palisander-Kangtisch, stellen ihn auf den Kang &amp;lt;ref&amp;gt;die beheizte Ofenbank&amp;lt;/ref&amp;gt; — da ist es geräumig und bequem.&amp;quot; Gesagt, getan. Moschusmond und Si'er gingen hinüber, um die Früchte zu holen, und brauchten mit zwei großen Teetabletts vier oder fünf Gänge. Zwei alte Dienerinnen hockten draußen am Feuerbecken und wärmten den Wein. Schatzjade sagte: „Es ist warm — ziehen wir alle die Obergewänder aus, das ist angenehmer.&amp;quot; Alle lachten: „Wenn du dich ausziehen willst, tu es — wir müssen noch der Reihe nach das Gastmahl eröffnen.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Diese Eröffnung dauert ja bis zur fünften Nachtwache. Ihr wisst doch, wie sehr ich solche Förmlichkeiten hasse. Vor Fremden geht es nicht anders, aber hier und jetzt mich damit zu quälen, ist nicht schön.&amp;quot; Alle hörten das und sagten: „Wie du willst.&amp;quot; Also setzte man sich noch nicht hin, sondern machte sich erst an das Ablegen von Schmuck und Kleidung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald hatten alle die Festgewänder abgelegt; die Haare waren nur locker hochgesteckt, und alle trugen lange Röcke und kurze Jäckchen. Schatzjade hatte nur ein kleines, dunkelrotes, baumwollenes Jäckchen an, darunter grüne, mit spritzender Tusche bedruckte Seidenhosen, die Hosenbeine lose herabhängend. Er lehnte an einem neuen, jadegrünen Doppelgaze-Kissen, das mit Blütenblättern verschiedener Rosen und Päonien gefüllt war, und spielte mit Duftblümchen Fingerwerfen. Duftblümchen klagte über die Hitze und trug nur ein kleines, gefüttertes Jäckchen aus dreierlei Atlasstreifen in Jade, Rot und Blaugrün — einem sogenannten ‚Reisfeld-Jäckchen' —, mit einem weidengrünen Schweißtuch gegürtet. Darunter blassrote, geblümte gefütterte Hosen, ebenfalls mit losen Hosenbeinen. Auf dem Kopf hatte sie rings um Stirn und Schläfen ein Geflecht kleiner Zöpfchen, die alle am Scheitel zusammengeführt und zu einem einzigen dicken Zopf, gänseeigroß, geflochten wurden, der im Nacken herabhing. Im rechten Ohrloch steckte nur ein winziger Jadestöpsel, nicht größer als ein Reiskorn; am linken Ohr hing ein einzelner großer, rotgoldener Ohranhänger, so groß wie eine Ginkgonuss. Damit wirkte ihr Gesicht noch mehr wie ein Vollmond, nur weißer, und ihre Augen noch klarer als Herbstwasser. Alle lachten: „Die beiden sehen aus wie Zwillingsbrüder!&amp;quot; Dufthauch und die anderen schenkten allen der Reihe nach Wein ein und sagten: „Wartet noch ein wenig mit dem Fingerwerfen. Obwohl wir keine förmliche Tafel halten, trinkt doch jeder von uns einen Schluck aus unserer Hand.&amp;quot; So begann Dufthauch: Sie führte den Becher an die Lippen und trank einen Schluck; dann folgten die anderen der Reihe nach. Als alle getrunken hatten, setzte man sich erst im Kreis zusammen. Xiaoyan und Si'er hatten am Kangrand keinen Platz mehr und stellten sich zwei Stühle dicht an den Kang. Die vierzig Schälchen waren alle aus weißem Dingyao-Porzellan &amp;lt;ref&amp;gt;berühmte Porzellanmanufaktur&amp;lt;/ref&amp;gt;, nicht größer als kleine Teetassen, und enthielten Delikatessen aus nah und fern, von Inland und Übersee, getrocknet und frisch, aus Wasser und zu Lande — alles, was es an Weinspeisen, Früchten und Gemüsen unter dem Himmel gab. Schatzjade sagte: „Wir sollten ein Trinkspiel spielen.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Etwas Feines, bitte — kein großes Geschrei, damit die Leute es nicht hören. Und wir können nicht lesen, also nichts Literarisches.&amp;quot; Moschusmond lachte: „Nehmen wir Würfel und spielen ‚Rot fangen'.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Das ist langweilig. Spielen wir lieber ‚Blumennamen-Lose ziehen'!&amp;quot; Heitermuster lachte: „Genau — das wollte ich schon lange!&amp;quot; Dufthauch sagte: „Das Spiel ist zwar hübsch, aber mit wenigen Leuten macht es keinen Spaß.&amp;quot; Xiaoyan lachte: „Ich schlage vor, wir holen ganz leise Fräulein Bao und Fräulein Lin dazu — dann spielen wir eine Runde, und um die zweite Nachtwache gehen wir schlafen.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Dann müssten wir wieder die Tür öffnen und Lärm machen — und wenn uns die Nachtwache erwischt?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Was soll schon geschehen? Unser Drittes Fräulein trinkt auch Wein — laden wir sie gleich mit ein. Und Fräulein Qin.&amp;quot; Alle sagten: „Fräulein Qin lieber nicht — sie wohnt bei der Ersten Herrin, das gäbe zuviel Umstände.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Was soll's — geht schnell und ladet sie ein!&amp;quot; Xiaoyan und Si'er ließen sich das nicht zweimal sagen; sie ließen das Tor öffnen und gingen getrennt los, um einzuladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster, Moschusmond und Dufthauch sagten dann: „Wenn die beiden gehen, werden Bao und Lin vermutlich nicht kommen wollen — wir müssen selbst hin und sie mit sanfter Gewalt herbeibringen.&amp;quot; Also ließen Dufthauch und Heitermuster eine alte Dienerin eine Laterne nehmen und gingen ebenfalls. Tatsächlich sagte Schatzspange [宝钗], es sei zu spät in der Nacht, und Kajaljade [黛玉], sie fühle sich nicht wohl. Die beiden baten dreimal: „Erweist uns doch ein wenig Ehre und setzt euch nur kurz zu uns.&amp;quot; Erkundefrühling [探春] dagegen freute sich über die Einladung, dachte aber: „Wenn wir Seidenweiß Pflaume [李纨] nicht einladen und sie erfährt davon, wäre das schlecht.&amp;quot; Also schickte sie Cuimo mit Xiaoyan los, die auch Seidenweiß Pflaume und Kostbarzither Schnee [宝琴] noch drei Mal einluden. So versammelten sich schließlich alle nacheinander im Yihongyuan. Dufthauch holte um jeden Preis auch Duftkastanie herbei. Auf dem Kang stellte man noch einen weiteren Tisch dazu, damit alle Platz fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade rief sogleich: „Schwester Lin friert leicht — setz dich hierher an die Bretterwand.&amp;quot; Er schob ihr noch ein Rückenpolster hin. Dufthauch und die anderen holten Stühle und setzten sich am Kangrand dazu, als Begleiterinnen. Kajaljade setzte sich weit vom Tisch entfernt, lehnte sich ans Polster und sagte lachend zu Schatzspange, Seidenweiß Pflaume, Erkundefrühling und den anderen: „Ihr redet Tag für Tag davon, wie die Leute nachts zechen und spielen — und heute tun wir es selbst! Wie wollen wir ihnen künftig Vorhaltungen machen?&amp;quot; Seidenweiß Pflaume lachte: „Was macht das schon? Im ganzen Jahr kommt das nur zu Geburtstagen und Festen vor — nicht jede Nacht. Da braucht man sich keine Sorgen zu machen.&amp;quot; Während sie sprachen, brachte Heitermuster einen geschnitzten Bambusbecher mit elfenbeinernen Blumennamen-Losen darin, schüttelte ihn und stellte ihn in die Mitte. Dann holte sie die Würfel, legte sie in die Dose, schüttelte und öffnete: fünf Augen. Man zählte — es traf Schatzspange. Schatzspange lachte: „Dann ziehe ich zuerst — ich bin gespannt, was ich bekomme.&amp;quot; Sie schüttelte den Becher, griff hinein und zog ein Los. Alle schauten: Darauf war eine Päonienblüte gemalt, darüber stand „Schönste unter allen Blüten&amp;quot; in vier Zeichen, und darunter ein Vers aus einem Tang-Gedicht, fein eingraviert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Selbst gefühllos rührt sie noch die Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter stand: „Alle Anwesenden trinken gemeinsam einen Becher zur Feier der Königin der Blumen. Die Loszieherin darf beliebig jemanden auffordern — gleich ob Gedicht, Vers oder Scherz —, einen Trinkspruch zu sagen.&amp;quot; Alle lachten: „Wie treffend — du bist wirklich zur Päonie geboren!&amp;quot; Man trank gemeinsam auf sie. Nachdem Schatzspange getrunken hatte, sagte sie lachend: „Duftblümchen soll uns ein Lied singen.&amp;quot; Duftblümchen sagte: „Wenn schon, dann trinkt alle erst euren Türbecher, bevor ihr zuhört.&amp;quot; Also tranken alle. Duftblümchen begann zu singen: „Am Geburtstagsfest erstrahlt alles in Glanz ...&amp;quot; Alle riefen: „Hör auf damit! Hier braucht niemand Geburtstagshuldigungen — sing uns das Allerbeste!&amp;quot; Duftblümchen sang also fein und langsam die Arie „Zur Blumenbeschau&amp;quot; (Shanghuashi):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Des Smaragdphönix Federschweif wird zum Besen gebunden,&lt;br /&gt;
 Müßig fegt er am Himmelstor die fallenden Blüten;&lt;br /&gt;
 Seht, wie der Wind den Jadestaub aufwirbelt!&lt;br /&gt;
 Plötzlich senkt sich eine Wolkenschicht herab —&lt;br /&gt;
 Wie weit ist doch das Himmelstor von der Welt!&lt;br /&gt;
 Ruht, das Schwert nach dem Gelben Drachen zu schwingen, um Haaresbreite daneben;&lt;br /&gt;
 Ruht, beim alten Dong den Wein des Elends zu kaufen;&lt;br /&gt;
 Lasst Euer Auge gen Wolken und Abendrot schweifen!&lt;br /&gt;
 O Lü Dongbin — wenn Ihr einen Menschen gewonnen habt,&lt;br /&gt;
 Kommt nur bald mit der Antwort zurück!&lt;br /&gt;
 Doch wenn Ihr zaudert — ach, welch dauernden Gram&lt;br /&gt;
 Hinterlasst Ihr mit den Pfirsichblüten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade aber hielt noch immer das Los in der Hand und murmelte unaufhörlich „Selbst gefühllos rührt sie noch die Menschen&amp;quot; vor sich hin; er hörte dem Lied zu und starrte Duftblümchen schweigend an. Xiangfluss-Wolke [湘云] riss ihm das Los rasch aus der Hand und warf es Schatzspange zu. Schatzspange warf die Würfel — sechzehn Augen — und es traf Erkundefrühling. Erkundefrühling lachte: „Ich bin gespannt, was ich bekomme!&amp;quot; Sie zog ein Los, sah es an, warf es auf den Boden, wurde rot und lachte: „Das taugt nichts — dieses Spiel hätten wir nicht spielen sollen! Das ist eigentlich ein Spiel für die Männer draußen, mit allerhand anzüglichen Sprüchen darauf.&amp;quot; Niemand verstand; Dufthauch und die anderen hoben es eilig auf. Alle sahen: darauf war ein Aprikosenblütenzweig, mit den roten Zeichen „Himmlische Frucht des Jadeteichs&amp;quot;, und der Vers lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Am Sonnenrand steht rot die Aprikose, an Wolken gelehnt gepflanzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter stand: „Wer dieses Los zieht, wird gewiss einen vornehmen Gemahl bekommen. Alle gratulieren mit einem gemeinsamen Becher.&amp;quot; Alle lachten: „Ach so, deswegen! Dieses Spiel stammt ja aus dem Frauengemach — bis auf zwei, drei solcher Lose mit Heiratsanspielungen sind keine anstößigen Sprüche dabei; was macht das schon! In unserem Haus gibt es bereits eine Kaiserliche Gemahlin &amp;lt;ref&amp;gt;Urfrühling&amp;lt;/ref&amp;gt; — sollst etwa auch du eine Kaiserin werden? Großes Glück, großes Glück!&amp;quot; Damit schenkten ihr alle ein. Erkundefrühling wollte partout nicht trinken, doch Xiangfluss-Wolke, Duftkastanie, Seidenweiß Pflaume und drei, vier andere zwangen sie mit Gewalt, den Becher zu leeren. Erkundefrühling verlangte, dieses Spiel abzuschaffen und ein anderes zu spielen, doch niemand wollte das zulassen. Xiangfluss-Wolke ergriff ihre Hand und warf für sie: neunzehn Augen — es traf Seidenweiß Pflaume. Seidenweiß Pflaume schüttelte den Becher, zog ein Los und lachte: „Wunderbar! Seht euch das an — dieses Ding hat durchaus seinen Witz!&amp;quot; Alle sahen: ein alter Pflaumenzweig, darauf „Frostig-kalte Schönheit im Morgengrauen&amp;quot;, und das Gedicht lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Hinter Bambuszaun und Strohdach fügt sie sich zufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter stand: „Trinkt allein einen Becher; der Nächste würfelt.&amp;quot; Seidenweiß Pflaume lachte: „Wirklich amüsant! Werft ihr nur weiter. Ich trinke mein Glas allein und kümmere mich nicht um euer Auf und Ab.&amp;quot; Damit trank sie und gab die Würfel an Kajaljade weiter. Kajaljade warf achtzehn Augen — es traf Xiangfluss-Wolke. Xiangfluss-Wolke krempelte lachend die Ärmel hoch und zog ein Los. Alle sahen: eine Begonienblüte, darauf „Duftender Traum in tiefem Schlummer&amp;quot;, und der Vers lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Ich fürchte nur, die Blume schläft ein in tiefer Nacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte: „Die Worte ‚tiefe Nacht' sollte man durch ‚kühler Stein' ersetzen!&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf Xiangfluss-Wolkes Einschlafen auf der Steinbank am Nachmittag.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle verstanden den Witz und lachten. Xiangfluss-Wolke zeigte lachend auf das Los, wo ein kleines Boot abgebildet war, und sagte zu Kajaljade: „Steig schnell ein und fahr davon — und halt den Mund!&amp;quot; Alle lachten wieder. In der Anmerkung stand: „Da es heißt ‚Duftender Traum in tiefem Schlummer', darf die Loszieherin keinen Wein trinken; stattdessen trinken die Nachbarn links und rechts je einen Becher.&amp;quot; Xiangfluss-Wolke klatschte lachend in die Hände: „Amitabha — wirklich ein gutes Los!&amp;quot; Und siehe da: Kajaljade war ihre obere und Schatzjade ihre untere Nachbarin. Die beiden mussten je einen Becher trinken. Schatzjade trank die Hälfte seines Bechers, und als niemand hinsah, reichte er ihn Duftblümchen, die ihn schnell austrank. Kajaljade plauderte mit den anderen und goss ihren Wein unbemerkt in den Spülnapf. Xiangfluss-Wolke nahm die Würfel und warf neun Augen — es traf Moschusmond. Moschusmond zog ein Los: eine Teerose, darauf „Höhepunkt der Jugend und Schönheit&amp;quot;, und der Vers lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Wenn die Teerose blüht, ist die Blütezeit vorbei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter stand: „Alle Anwesenden trinken drei Becher zum Abschied des Frühlings.&amp;quot; Moschusmond fragte, was das bedeute. Schatzjade runzelte besorgt die Stirn, verbarg das Los eilig und sagte: „Trinken wir einfach.&amp;quot; Alle nahmen drei Schlucke, die als drei Becher galten. Moschusmond warf neunzehn Augen — es traf Duftkastanie. Duftkastanie zog ein Los mit einer Zwillingsblüte, darauf „Vereinter Frühling, umrankendes Glück&amp;quot;, und der Vers lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Am Ast der Ehestandsblume blüht es gerade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter stand: „Alle gratulieren der Loszieherin mit drei Bechern; dazu trinkt jeder einen Becher mit.&amp;quot; Duftkastanie warf dann sechs Augen — es traf Kajaljade. Kajaljade dachte im Stillen: „Ich weiß nicht, was Schönes noch übrig ist — hoffentlich ziehe ich ein gutes.&amp;quot; Sie griff hinein und zog ein Los: eine Lotusblüte (Hibiskus), darauf „Klarer Kummer in Wind und Tau&amp;quot;, und der Vers lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Klage nicht den Ostwind an — beklage dich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter stand: „Trinkt allein einen Becher; die Päonie begleitet mit einem Becher.&amp;quot; Alle lachten: „Das ist wundervoll! Außer ihr gebührt niemandem die Lotusblüte.&amp;quot; Kajaljade lachte ebenfalls. Man trank. Dann warf Kajaljade zwanzig Augen — es traf Dufthauch. Dufthauch zog ein Los: ein Pfirsichblütenzweig, darauf „Anderes Land von Wuling&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf Tao Yuanmings ‚Pfirsichblütenquelle'&amp;lt;/ref&amp;gt;, und der Vers lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Pfirsichrot — wieder ein neuer Frühling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter stand: „Die Aprikosenblüte begleitet mit einem Becher; wer unter den Anwesenden im gleichen Jahr geboren ist, begleitet mit einem Becher; wer zur gleichen Stunde geboren, begleitet mit einem Becher; wer denselben Familiennamen hat, begleitet mit einem Becher.&amp;quot; Alle lachten: „Diesmal wird es lustig!&amp;quot; Man rechnete nach: Duftkastanie, Heitermuster und Schatzspange waren alle im gleichen Jahr geboren wie Dufthauch; Kajaljade war zur gleichen Stunde geboren; nur gab es niemanden mit demselben Familiennamen. Duftblümchen rief eilig: „Ich heiße auch Hua &amp;lt;ref&amp;gt;‚Blume'&amp;lt;/ref&amp;gt; — ich begleite auch mit einem Becher!&amp;quot; Also wurde eingeschenkt. Kajaljade sagte lachend zu Erkundefrühling: „Du bist die Aprikosenblüte, der ein vornehmer Gemahl bestimmt ist — trink schnell, damit wir auch trinken können!&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Was soll das! Die ältere Schwägerin soll sie zur Strafe schlagen.&amp;quot; Seidenweiß Pflaume lachte: „Statt den vornehmen Bräutigam zu bekommen, bekommt sie Prügel — das bringe ich nicht übers Herz!&amp;quot; Alle lachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als Dufthauch werfen wollte, hörte man jemanden am Tor klopfen. Eine alte Dienerin ging eilig hinaus und kam mit der Nachricht: Tante Schnee hatte jemanden geschickt, um Kajaljade abzuholen. Man fragte, wie spät es sei; es wurde geantwortet: „Nach der zweiten Nachtwache; die Uhr hat elf geschlagen.&amp;quot; Schatzjade glaubte es nicht und verlangte die Taschenuhr; als er nachsah, war es bereits zehn Minuten nach Beginn der Zi-Stunde &amp;lt;ref&amp;gt;ca. 23:10 Uhr&amp;lt;/ref&amp;gt;. Kajaljade erhob sich und sagte: „Ich halte es nicht mehr aus — ich muss nach Hause und noch meine Medizin nehmen.&amp;quot; Alle sagten: „Wir sollten auch aufbrechen.&amp;quot; Dufthauch und Schatzjade wollten alle noch halten. Seidenweiß Pflaume und Schatzspange sagten: „Es ist viel zu spät — das geht nicht. Wir haben heute ohnehin die Regel gebrochen.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Wenn es denn sein muss — jede trinkt noch einen letzten Becher.&amp;quot; Heitermuster und die anderen hatten schon eingeschenkt; alle tranken und ließen Laternen anzünden. Dufthauch und die anderen geleiteten die Gäste noch über den Qinfang-Pavillon-Fluss hinüber, bevor sie zurückkehrten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man schloss das Tor, und alle spielten von Neuem. Dufthauch und die anderen schenkten noch einige große Becher ein und bereiteten ein Tablett mit verschiedenen Früchten und Speisen für die alten Dienerinnen draußen. Als alle drei Zehntel betrunken waren, ging es zum Fingerwerfen und zum Singen kleiner Lieder über. Es war schon die vierte Nachtwache; die alten Dienerinnen aßen von der einen Seite offen, von der anderen stibitzten sie heimlich — der Weinkrug war leer. Alle wunderten sich, machten sich dann aber an die Abendtoilette und legten sich schlafen. Duftblümchens Wangen glühten rot wie Karmin; um Augenwinkel und Brauen lag noch mehr Anmut als zuvor. Sie konnte sich kaum noch aufrecht halten, lehnte sich an Dufthauchs Schulter und sagte: „Gute Schwester, mein Herz klopft so!&amp;quot; Dufthauch lachte: „Wer hat dich auch hemmungslos trinken lassen!&amp;quot; Xiaoyan und Si'er konnten ebenfalls nicht mehr und schliefen bereits. Heitermuster rief noch immer. Schatzjade sagte: „Hör auf zu rufen — legen wir uns einfach ein wenig hin.&amp;quot; Er legte seinen Kopf auf das rote, duftende Kissen, drehte sich zur Seite und schlief ebenfalls ein. Dufthauch fürchtete, dass Duftblümchen im Rausch erbrechen könnte und jemanden störte; so stand sie leise auf, bettete Duftblümchen neben Schatzjade und ließ sie dort schlafen. Sie selbst legte sich auf die gegenüberliegende Liege.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle schliefen tief und süß und wussten von nichts. Als es Tag wurde, öffnete Dufthauch die Augen und sah das strahlend helle Tageslicht. „Es ist spät!&amp;quot; rief sie eilig. Sie blickte zum gegenüberliegenden Bett und sah Duftblümchen, den Kopf auf den Kangrand gelegt, noch immer fest schlafend. Hastig stand sie auf und weckte sie. Schatzjade hatte sich bereits umgedreht und war wach. Er lachte: „Haben wir verschlafen?&amp;quot; Dann rüttelte er Duftblümchen wach. Duftblümchen saß auf, rieb sich noch benommen die Augen. Dufthauch lachte: „Schämst du dich nicht? Du warst so betrunken — da hast du dich einfach hingelegt, ohne zu sehen, wo!&amp;quot; Duftblümchen schaute sich um, bemerkte erst jetzt, dass sie auf demselben Kang wie Schatzjade geschlafen hatte, und sprang lachend herunter: „Wie habe ich nur so trinken können, dass ich nichts mehr wusste!&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ich wusste ja auch von nichts. Hätte ich es gewusst, hätte ich dir schwarze Tusche ins Gesicht geschmiert!&amp;quot; Die Mädchen kamen zum Morgenputz herein. Schatzjade lachte: „Gestern habt ihr mich bewirtet — heute Abend bin ich dran!&amp;quot; Dufthauch lachte: „Genug, genug — heute bitte kein Aufheben mehr! Wenn wir so weitermachen, fangen die Leute an zu reden.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Was soll's — es waren doch nur zweimal! Sind wir etwa Weintrinker? Dieser eine Krug Wein — wie kann er nur so schnell leer geworden sein? Gerade war es lustig, und schon war nichts mehr da.&amp;quot; Dufthauch lachte: „Gerade so muss es sein — erst das macht es reizvoll. Wenn man bis zur völligen Erschöpfung trinkt, bleibt kein Nachgeschmack. Gestern waren alle so angeregt — Heitermuster hat sogar vergessen, sich zu schämen; ich glaube, sie hat ein Lied gesungen.&amp;quot; Si'er lachte: „Schwester hat es vergessen — du hast doch auch gesungen! Wer am Tisch hat nicht gesungen!&amp;quot; Alle hörten das und wurden rot; sie hielten sich die Hände vor den Mund und lachten unaufhörlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich kam Friedchen fröhlich lachend herein und sagte, sie lade persönlich alle ein, die gestern am Tisch gewesen seien: „Heute bin ich die Gastgeberin — es darf kein einziger fehlen!&amp;quot; Man bot ihr eilig einen Sitz und Tee an. Heitermuster lachte: „Schade, dass sie gestern Nacht nicht dabei war!&amp;quot; Friedchen fragte sofort: „Was habt ihr denn nachts getrieben?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Das kann man dir gar nicht erzählen! Gestern Nacht war es so lustig wie nie zuvor — selbst wenn die Alte Herrin und die Gnädige Frau dabei gewesen wären und alle zum Spielen mitgenommen hätten, wäre es nicht so lustig gewesen. Einen ganzen Krug Wein haben wir geleert; eine nach der anderen hat alle Scham fahren lassen, und ganz unvermittelt fing plötzlich jede an zu singen. Erst nach der vierten Nachtwache sind wir kreuz und quer umgefallen und haben ein Nickerchen gemacht.&amp;quot; Friedchen lachte: „Sehr schön! Da habe ich mir also umsonst den Wein für euch besorgt — und dann ladet ihr mich nicht einmal ein, sondern erzählt mir davon, nur um mich zu ärgern!&amp;quot; Heitermuster sagte: „Heute gibt er ein Gegenessen — da wird er dich bestimmt einladen; warte nur!&amp;quot; Friedchen fragte lachend: „‚Er' — wer ist ‚er', und wer ist ‚ihn'?&amp;quot; Heitermuster hörte das, lief ihr lachend nach und versetzte ihr einen Klaps: „Du hast aber feine Ohren — gleich jedes Wort aufschnappen!&amp;quot; Friedchen lachte: „Jetzt habe ich zu tun — ich muss los. Gleich schicke ich jemanden, um einzuladen. Wenn auch nur eine fehlt, komme ich persönlich und hole sie!&amp;quot; Schatzjade und die anderen wollten sie aufhalten, doch sie war schon fort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wusch sich Schatzjade und trank gerade Tee, als er zufällig unter dem Tuschstein ein Blatt Papier bemerkte. Er sagte: „Ihr dürft die Sachen nicht einfach irgendwohin legen und quetschen!&amp;quot; Dufthauch und Heitermuster fragten eilig: „Was ist nun wieder? Wer hat jetzt etwas falsch gemacht?&amp;quot; Schatzjade zeigte hin: „Was ist das unter dem Tuschstein? Bestimmt hat wieder jemand ein Muster vergessen einzuräumen!&amp;quot; Heitermuster hob eilig den Tuschstein auf und zog das Blatt hervor — es war eine Visitenkarte. Sie reichte sie Schatzjade; darauf stand auf rosafarbenem Briefpapier: „Wunderjade [妙玉], die Bewohnerin jenseits der Schwelle, verbeugt sich ehrfürchtig und glückwünschend aus der Ferne zum Geburtstag.&amp;quot; Schatzjade sprang auf, als er es gelesen hatte, und rief: „Wer hat das entgegengenommen? Warum hat mir niemand etwas gesagt?&amp;quot; Dufthauch, Heitermuster und die anderen, die ihn so aufgeregt sahen und nicht wussten, von welcher bedeutenden Person die Karte stammte, fragten alle durcheinander: „Wer hat gestern eine Visitenkarte entgegengenommen?&amp;quot; Si'er kam eilig hereingelaufen und sagte lachend: „Gestern kam Wunderjade nicht persönlich — sie hat nur eine alte Dienerin geschickt. Ich habe sie dort hingelegt, und durch den Wein habe ich es dann vergessen.&amp;quot; Alle hörten das und sagten: „Ach, von der kommt sie — warum so ein großes Aufheben? Das ist doch nichts Besonderes.&amp;quot; Schatzjade rief eilig: „Schnell bringt mir Papier!&amp;quot; Man brachte Papier und rieb Tusche an. Er sah, dass Wunderjade sich „Bewohnerin jenseits der Schwelle&amp;quot; nannte, wusste aber nicht, welche Formulierung auf einer Antwortkarte dem ebenbürtig wäre. Er hielt den Pinsel in der Hand und starrte in die Luft — eine halbe Ewigkeit ohne Eingebung. Dann dachte er: „Wenn ich Schatzspange frage, wird sie es gewiss als bizarr und exzentrisch abtun. Besser, ich frage Kajaljade.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er nahm die Karte, steckte sie in den Ärmel und ging geradewegs los, um Kajaljade zu suchen. Kaum war er am Qinfang-Pavillon vorbei, kam ihm Höhlennebel Strafe zitternd und wankend entgegen. Schatzjade fragte eilig: „Wohin geht Schwester?&amp;quot; Höhlennebel Strafe lachte: „Ich will zu Wunderjade, um mit ihr zu plaudern.&amp;quot; Schatzjade hörte das verblüfft und sagte: „Sie ist ein eigenbrötlerischer Mensch, der nicht in die Welt passt — unter zehntausend Menschen findet sie keinen, der ihr genügt. Anscheinend schätzt sie dich aber wirklich — sie erkennt, dass du nicht zur Sorte gewöhnlicher Leute wie wir gehörst.&amp;quot; Höhlennebel Strafe lachte: „Ob sie mich wirklich schätzt, weiß ich nicht, aber wir waren zehn Jahre lang Nachbarn, nur durch eine Mauer getrennt. Sie lebte im Panxiang-Kloster zur geistlichen Übung; meine Familie war arm und mietete Zimmer in ihrem Tempel. Zehn Jahre lang wohnten wir dort, und wenn nichts zu tun war, ging ich zu ihr, um ihr Gesellschaft zu leisten. Alle Schriftzeichen, die ich kenne, habe ich von ihr gelernt. Wir sind zugleich Freundinnen aus ärmlichen Zeiten und stehen in einem Halb-Lehrer-Verhältnis. Als wir fortzogen, um Verwandte aufzusuchen, hörte ich, dass sie, weil sie ‚nicht in die Zeit passt', von den Mächtigen vertrieben worden war und hierher geflohen ist. Nun hat es das Schicksal gefügt, dass wir uns wiederbegegnen, und unsere alte Zuneigung ist unverändert — ja, ihre Wertschätzung ist noch größer als einst.&amp;quot; Schatzjade hörte das wie einen Donnerschlag und rief erfreut: „Kein Wunder, dass Schwester in Haltung und Rede so erhaben ist, wie ein wilder Kranich in freien Wolken — es hat seinen Grund! Gerade beschäftigt mich eine Sache ihretwegen, und ich wollte jemanden um Rat fragen. Jetzt treffe ich dich — das ist wahrlich eine Fügung des Himmels! Bitte gib mir deinen Rat.&amp;quot; Damit zeigte er Höhlennebel Strafe die Visitenkarte. Höhlennebel Strafe lachte: „Ihr Temperament lässt sich wohl nicht ändern — von Geburt an so extravagant und eigenwillig! Wer hat je gesehen, dass man auf Visitenkarten einen Beinamen setzt? Das ist wirklich, wie das Sprichwort sagt: ‚Weder Mönch noch Laie, weder Frau noch Mann' — was soll man davon halten?&amp;quot; Schatzjade sagte eilig lachend: „Schwester versteht das nicht. Sie zählt nicht zu den gewöhnlichen Menschen — sie ist ein Mensch jenseits der Welt. Weil sie mich für jemanden mit einem Körnchen Verstand hält, hat sie mir diese Karte geschickt. Ich wusste aber nicht, wie ich antworten soll — mir fiel nichts ein. Ich wollte gerade Schwester Lin fragen, und zufällig treffe ich dich.&amp;quot; Höhlennebel Strafe hörte Schatzjades Worte und musterte ihn eine ganze Weile aufmerksam von Kopf bis Fuß. Dann lachte sie: „Kein Wunder, dass das Sprichwort sagt: ‚Hörensagen ist weniger als Augenschein.' Und kein Wunder, dass Wunderjade dir diese Karte schickt; und kein Wunder, dass sie dir vergangenes Jahr die Pflaumenblüten schenkte. Da es bei ihr so weit geht, muss ich dir wohl den Grund erklären. Sie sagt oft: ‚Von den Alten her, von Han, Jin, durch die Fünf Dynastien, Tang und Song, hat es in all der Zeit keine gute Dichtung gegeben — nur zwei Verse sind gut:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Selbst hat man ein ehernes Tor, das tausend Jahre hält —&lt;br /&gt;
 Am Ende braucht man doch nur einen Erdhügel als Grab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb nennt sie sich ‚Bewohnerin jenseits der Schwelle'. Außerdem preist sie oft den Stil des Zhuangzi, und darum nennt sie sich manchmal auch ‚qi ren' &amp;lt;ref&amp;gt;‚der abseitige, sonderbare Mensch', ein Begriff aus dem Zhuangzi&amp;lt;/ref&amp;gt;. Wenn sie sich auf der Karte als ‚qi ren' bezeichnet hätte, hättest du mit ‚shi ren' (‚Mensch der Welt') antworten sollen. ‚Qi ren' bedeutet, dass sie sich für einen Sonderling hält; du bezeichnest dich bescheiden als einen gewöhnlichen, in der Welt befangenen Menschen — und sie wäre zufrieden. Nun nennt sie sich ‚Bewohnerin jenseits der Schwelle', womit sie meint, sie habe die eiserne Schwelle des Irdischen überschritten. Du brauchst also nur ‚Bewohner innerhalb der Schwelle' zu schreiben — das trifft ihren Sinn.&amp;quot; Schatzjade hörte das wie eine Erleuchtung, rief „Ah!&amp;quot; und lachte: „Kein Wunder, dass unser Familientempel ‚Eiserne-Schwelle-Kloster' heißt — jetzt verstehe ich den Zusammenhang! Schwester, geh nur weiter; ich eile zurück, um die Antwortkarte zu schreiben.&amp;quot; Höhlennebel Strafe ging darauf zum Longcui-Kloster &amp;lt;ref&amp;gt;Wunderjade's Klause im Garten&amp;lt;/ref&amp;gt;. Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück und schrieb auf die Karte nur die Worte: „Der Bewohner innerhalb der Schwelle, Schatzjade, grüßt ehrerbietig nach geziemender Reinigung.&amp;quot; Er brachte sie persönlich zum Longcui-Kloster und schob sie durch den Türspalt hinein; dann kehrte er zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er sah, dass Duftblümchen sich bereits frisiert hatte, das Haar hochgesteckt und ein wenig Blumenschmuck angelegt. Sogleich befahl er ihr, die Frisur zu ändern: Die kurzen Haare rings um den Kopf sollten abrasiert werden, sodass die blaugrüne Kopfhaut zum Vorschein kam, und in der Mitte sollte ein großer Scheitel gezogen werden. Dann sagte er: „Im Winter trägst du eine große Zobelmütze in Kaninchenform, an den Füßen Tigerkopf-Wolkenstiefel in fünf Farben, oder du lässt die Hosenbeine los und trägst nur weiße Strümpfe und dicksohlige Brokatschuhe.&amp;quot; Dann sagte er: „Der Name ‚Duftblümchen' ist nicht gut — du solltest einen Männernamen tragen, das wäre originell.&amp;quot; Er benannte sie in „Xiongnü&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;wörtl. ‚Heroischer Sklave'&amp;lt;/ref&amp;gt; um. Duftblümchen war hocherfreut und sagte: „Wenn es schon so ist, nimm mich auch mit, wenn du ausgehst! Wenn jemand fragt, sag einfach, ich sei ein kleiner Diener wie Mingyan.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Man würde es doch erkennen.&amp;quot; Duftblümchen lachte: „Da zeigt sich dein Einfallsmangel! In unserem Haus gibt es doch einige Familien von Fremdvölkern. Sag einfach, ich sei ein kleiner Barbar. Außerdem sagen alle, mir stünden Zöpfe gut — findest du das nicht passend?&amp;quot; Schatzjade hörte das und rief entzückt: „Das ist wirklich gut! Ich habe oft gesehen, dass Beamte unter ihrem Gefolge Nachkommen fremdländischer Kriegsgefangener haben, weil sie Wind und Frost nicht fürchten und zu Pferde geschickt sind. Also geben wir dir noch einen Barbarennamen: ‚Yelü Xiongnü'. ‚Xiongnü' klingt gleich wie ‚Xiongnu' &amp;lt;ref&amp;gt;die historischen Hunnen&amp;lt;/ref&amp;gt;, und beides sind Namen der Hundevölker. Zudem waren diese zwei Völker seit den Zeiten von Yao und Shun eine Plage für das Reich der Mitte; die Jin- und Tang-Dynastien litten schwer unter ihnen. Zum Glück leben wir in der heutigen Ära, als Nachfahren des großen Shun. Die heilige Tugend und kindliche Pietät unseres Herrschers strahlen bis zum Himmel empor und sind unsterblich wie Himmel, Erde, Sonne und Mond für tausend Generationen. Deshalb haben alle die kleinen Schelme, die in früheren Dynastien ihr Unwesen trieben, heutzutage freiwillig, ohne einen einzigen Speer oder Degen, die Hände gefaltet und das Haupt geneigt und sind von fern hergekommen, um sich zu unterwerfen. Wir sollten sie verächtlich behandeln, um unseres Herrn und Vaters willen Ehre einzulegen.&amp;quot; Duftblümchen lachte: „Wenn dem so ist, solltest du Bogenschießen und Reiten üben und Kriegskunst lernen und dich hinauswagen, um ein paar Rebellen zu fangen — das wäre wahrer Dienst am Vaterland! Warum missbrauchst du uns und ergötzt dich an deiner eigenen Beredsamkeit, und nennst es dann Lob und Huldigung?&amp;quot; Schatzjade lachte: „Da verstehst du mich falsch. Heute herrscht Frieden in allen vier Meeren und Ruhe in allen acht Himmelsrichtungen; seit hundert und tausend Jahren braucht man keine Waffen mehr. Auch wenn wir nur scherzen und spielen, gebührt es sich, den Segen unserer Zeit zu preisen — sonst wären wir des friedlichen Wohlstands, das wir genießen, nicht wert.&amp;quot; Duftblümchen fand das einleuchtend; beide hielten es für passend und angemessen. Schatzjade nannte sie von nun an „Yelü Xiongnü&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In beiden Jia-Palästen gab es nämlich tatsächlich Nachfahren von Kriegsgefangenen früherer Generationen, die man als Sklaven erhalten hatte — allerdings wurden sie nur zum Pferdehüten eingesetzt und galten als unbrauchbar für höhere Dienste. Xiangfluss-Wolke, die von jeher ausgelassen und übermütig war, liebte Verkleidungen als Mann über alles und band sich ständig Paradegürtel um und trug Faltenärmel. Als sie sah, wie Schatzjade Duftblümchen als Jungen verkleidet hatte, verkleidete sie ihrerseits Kuiguan ebenfalls als kleinen Burschen. Kuiguan trug gewöhnlich kurz geschorenes Haar, was für Bühnenschminke bequem war, und hatte flinke Hände und Füße — das Umkleiden war leichter. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling fanden das allerliebst und ließen nun auch Kostbarzither Schnees Douguan als kleinen Pagen verkleiden: auf dem Kopf zwei Haarknoten, ein kurzes Jäckchen, rote Schuhe — nur die Gesichtsbemalung fehlte; sonst sah sie genauso aus wie ein Musikknabe auf der Bühne. Xiangfluss-Wolke taufte Kuiguan um und nannte ihn „Da Ying&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;‚Großer Held'&amp;lt;/ref&amp;gt;. Da sein Familienname Wei war, nannte sie ihn „Wei Daying&amp;quot;, was ihrem heimlichen Motto entsprach: „Nur ein wahrer Held zeigt seine wahre Natur&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;ein bekanntes Zitat&amp;lt;/ref&amp;gt; — wozu sich also Schminke auftragen, wenn man ein Mann sein will? Douguan war von Statur und Alter die Kleinste und außerdem äußerst pfiffig — daher der Name „Douguan&amp;quot; (Bohnenbeamtin). Im Garten nannten manche sie „A-Dou&amp;quot;, andere „Bratbohne&amp;quot;. Kostbarzither Schnee dagegen fand, dass Namen wie „Musikknabe&amp;quot; oder „Buchknabe&amp;quot; zu abgedroschen seien, und meinte, „Dou&amp;quot; (Bohne) sei origineller. Also nannte sie sie „Doutong&amp;quot; (Bohnenknabe).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Mittagessen gab Friedchen ihr Gegenessen. Da es im Hongxiangpu zu heiß war, ließ sie im Yuyintang &amp;lt;ref&amp;gt;‚Halle des Ulmenbaum-Schattens'&amp;lt;/ref&amp;gt; einige Tische mit frischem Wein und köstlichen Speisen aufstellen. Erfreulicherweise kam Dame Sonders noch mit ihren beiden Konkubinen Peifeng und Xieyuan &amp;lt;ref&amp;gt;die zwei jungen Frauen des Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese beiden waren ebenfalls junge, hübsche Mädchen, die selten herüberkamen. Da sie nun in den Garten eintraten und Xiangfluss-Wolke, Duftkastanie, Duftblümchen, Ruiguan und all die anderen jungen Frauen trafen, bewies sich das Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern&amp;quot;: Sie plauderten und lachten ohne Ende, kümmerten sich nicht um Dame Sonders und überließen sie den Zofen. Zusammen besichtigten sie alles. Als sie zum Yihongyuan kamen und plötzlich hörten, wie Schatzjade „Yelü Xiongnü!&amp;quot; rief, lachten Peifeng, Xieyuan und Duftkastanie alle drei zusammen, fragten, was das bedeute, und versuchten dann selbst, den Namen auszusprechen — versprachen sich in der Aussprache, vergaßen die Zeichen, bis eine schließlich „Wilder Esel&amp;quot; herausbrachte. Alle im Garten, die es hörten, bogen sich vor Lachen. Schatzjade sah, dass alle sich lustig machten, und fürchtete, Duftblümchen könnte damit gedemütigt werden. Eilig sagte er: „Im Westen, in Frankreich &amp;lt;ref&amp;gt;福朗思牙 = France&amp;lt;/ref&amp;gt;, soll es goldgeflecktes Kristallglas geben; in der Landessprache heißt es ‚Wendulinà'. Wenn ich dich mit diesem Stein vergleiche und dich ‚Wendulinà' nenne — wäre das nicht hübsch?&amp;quot; Duftblümchen freute sich noch mehr und sagte: „Ja, das ist es!&amp;quot; Also wurde dieser Name verwendet. Da alle ihn schwer aussprechbar fanden, übersetzten sie ihn ins Chinesische und nannten sie einfach „Boli&amp;quot; (Kristallglas).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die weiteren Plaudereien seien hier übergangen. An jenem Tag vergnügten sich alle unter dem Vorwand des Weintrinkens im Yuyintang, ließen die Geschichtenerzählerinnen die Trommel schlagen, und Friedchen pflückte einen Päonienblütenzweig, den etwa zwanzig Personen im Kreis herumgaben — ein „Blumenspiel mit Trommeln&amp;quot;, sehr vergnüglich. Da meldete jemand: „Zwei Frauen aus der Familie Echt bringen Geschenke.&amp;quot; Erkundefrühling, Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders gingen zu dritt in den Empfangssaal, um sie zu treffen. Hier zerstreuten sich die anderen einstweilen. Peifeng und Xieyuan gingen zum Schaukeln. Schatzjade sagte: „Steigt hinauf, ich schubse euch!&amp;quot; Erschrocken sagte Peifeng: „Lass das — mach uns keinen Ärger! Ruf lieber den ‚Wilden Esel', damit der uns anschubst!&amp;quot; Schatzjade lachte eilig: „Gute Schwesterchen, hört auf damit! Sonst lernen alle Leute das nach und schimpfen sie so!&amp;quot; Xieyuan sagte: „Ich bin schon ganz weich vor Lachen — wie soll ich da schaukeln? Wenn ich herunterfalle, platzen mir die Innereien heraus!&amp;quot; Peifeng versetzte ihr einen Klaps.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitten im ausgelassenen Spiel kamen plötzlich einige Leute aus dem Östlichen Palais herbeigerannt und riefen ganz aufgeregt: „Der alte Herr ist gen Himmel gefahren!&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Andacht Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmanns Vater, der sich im daoistischen Kloster Xuanzhen dem Streben nach Unsterblichkeit widmete.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle erschraken: „Er war doch ganz gesund und hatte keine Krankheit — wie kann er plötzlich tot sein?&amp;quot; Die Dienstleute sagten: „Der alte Herr hat Tag für Tag praktiziert — gewiss hat er seine Verdienste vollendet und ist als Unsterblicher aufgefahren.&amp;quot; Als Dame Sonders das hörte und sah, dass weder Herrlichkeit Kaufmann noch sein Sohn noch Kette Kaufmann zu Hause waren — es gab im Augenblick keinen Mann, der die Angelegenheiten regeln konnte —, geriet sie in Aufregung. Sie legte eilig ihren Schmuck ab, befahl, alle daoistischen Mönche im Xuanzhen-Kloster einzusperren, bis der Erste Herr heimkäme, um sie zu verhören, und fuhr dann hastig im Wagen, begleitet von Lai Sheng und einer Schar Bediensteter, aus der Stadt zum Tempel. Auch ließ sie Ärzte kommen, um festzustellen, woran Andacht Kaufmann eigentlich gestorben war. Die Ärzte sahen, dass der Mann bereits tot war — wo hätte man da noch den Puls fühlen sollen? Sie wussten, dass Andacht Kaufmanns Methoden der Atemführung allesamt hohle Phantastereien gewesen waren; obendrein hatte er Sterne angebetet, den Gengsheng-Fastentag&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 守庚申 shǒu gēngshēn — eine daoistische Praxis, bei der man an bestimmten Tagen des Sechziger-Zyklus die ganze Nacht wach bleibt, um die „drei Würmer“ (三尸) im Körper daran zu hindern, dem Himmelskaiser die Sünden des Betreffenden zu melden.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehalten und Zinnober geschluckt&amp;lt;ref&amp;gt;Die Einnahme von Goldelixieren und Zinnoberpillen (吞金服砂) war eine verbreitete Praxis daoistischer Alchemie, die Unsterblichkeit versprach, jedoch häufig zu Quecksilbervergiftung und Tod führte.&amp;lt;/ref&amp;gt; — lauter nutzloses Treiben, das den Geist überanstrengte und letztlich das Leben kostete. Obwohl er nun tot war, war sein Bauch hart wie Eisen, und Gesichtshaut und Lippen waren purpurn verbrannt und aufgerissen. Die Ärzte berichteten: „Er ist an den Praktiken der daoistischen Lehre gestorben — er hat Gold geschluckt und Zinnober eingenommen, bis sein Leib anschwoll und er verstarb.&amp;quot; Die Mönche sagten erschrocken: „Der Herr hat eine eigens neu hergestellte geheime Zinnoberpille genommen. Wir Mönche haben ihn gewarnt, die Verdienste seien noch nicht weit genug gediehen und er dürfe sie noch nicht nehmen. Aber der Herr hat sie in dieser Nacht während der Gengsheng-Meditation heimlich eingenommen und ist daraufhin zum Unsterblichen geworden. Dies geschah gewiss aus aufrichtiger Hingabe — er hat das Meer des Leidens verlassen, seine sterbliche Hülle abgeworfen und ist seiner Bestimmung gefolgt.&amp;quot; Dame Sonders hörte gar nicht hin, befahl nur, sie einzusperren, bis Herrlichkeit Kaufmann käme, und schickte einen Eilboten zu Pferde. Da der Tempel zu eng war, um den Leichnam aufzubahren, und man ihn ohnehin nicht in die Stadt bringen konnte, wurde der Leichnam eilig hergerichtet, in einer Sänfte zum Eiserne-Schwelle-Kloster &amp;lt;ref&amp;gt;dem Familientempel der Jia&amp;lt;/ref&amp;gt; gebracht und dort aufgebahrt. Selbst bei schnellster Berechnung würde Herrlichkeit Kaufmann frühestens in einem halben Monat eintreffen können. Bei der Sommerhitze war weiteres Warten unmöglich; also übernahm Dame Sonders die Leitung, ließ von einem Astrologen einen Termin für die Einsargung bestimmen, der glücklicherweise schon vor Jahren angefertigte Sarg stand bereit im Tempel. Am dritten Tag eröffnete man die Trauerbräuche und begann die Totenzeremonien. Gleichzeitig ließ man daoistische Rituale abhalten, bis Herrlichkeit Kaufmann eintraf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rongfu konnte Phönixglanz nicht herauskommen; Seidenweiß Pflaume kümmerte sich um die jungen Schwestern; Schatzjade verstand nichts von solchen Dingen. So mussten die Außenangelegenheiten vorläufig einigen Verwaltern zweiter Ordnung anvertraut werden: Jia Jun, Jia Guang, Jia Heng, Jia Ying, Jia Chang und Jia Ling übernahmen verschiedene Aufgaben. Da Dame Sonders nicht nach Hause zurückkehren konnte, holte sie ihre Stiefmutter in den Ningfu, um auf das Haus aufzupassen. Die Stiefmutter brachte notgedrungen ihre beiden unverheirateten Töchter mit, denn nur so konnte sie beruhigt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Herrlichkeit Kaufmann von der Nachricht erfuhr, bat er sofort um Urlaub. Er und Hibiskus Kaufmann [贾蓉] hatten beide offizielle Ämter. Das Ritenministerium sah, dass der heutige Herrscher die kindliche Pietät besonders hoch achtete, und wagte nicht eigenmächtig zu entscheiden, sondern reichte ein Gesuch ein. Der Himmelssohn war von außerordentlicher Menschlichkeit und kindlicher Pietät und ehrte zudem die Nachkommen verdienter Minister. Als er das Gesuch sah, erkundigte er sich sogleich nach Andacht Kaufmanns Rang. Das Ritenministerium berichtete: „Er war als Jinshi &amp;lt;ref&amp;gt;erfolgreicher Kandidat der höchsten Beamtenprüfung&amp;lt;/ref&amp;gt; berufen; sein vererbter Rang wurde bereits seinem Sohn Herrlichkeit Kaufmann übertragen. Da Andacht Kaufmann in vorgerücktem Alter und bei schwacher Gesundheit war, pflegte er seine Ruhe außerhalb der Hauptstadt im Xuanzhen-Kloster. Nun ist er dort an seiner Krankheit verstorben. Sein Sohn Zhen und sein Enkel Rong befinden sich derzeit wegen der Staatstrauer im Gefolge des Kaisers; daher bitten sie um Urlaub zur Beisetzung.&amp;quot; Der Himmelssohn ordnete daraufhin einen besonderen Gnadenerlass an: „Obwohl Andacht Kaufmann als gewöhnlicher Privatmann keine Verdienste um den Staat erworben hat, soll ihm in Anbetracht der Verdienste seiner Vorfahren posthum der Rang der fünften Stufe verliehen werden. Sein Sohn und Enkel dürfen den Sarg durch das Nördliche Abwärtstor in die Hauptstadt bringen und in seiner Privatresidenz bestatten. Nach vollständiger Durchführung der Trauerrituale dürfen sie den Sarg in die Heimat zurückführen. Das Amt für Kaiserliche Opfer soll gemäß dem Hofprotokoll ein Opfer darbringen. Alle Beamten vom Rang eines Fürsten abwärts dürfen ihre Beileidsbesuche abstatten. So sei es befohlen.&amp;quot; Nach diesem Erlass dankten nicht nur die Mitglieder der Kaufmann-Familie, sondern alle Beamten bei Hofe priesen den Kaiser ohne Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann und sein Sohn ritten Tag und Nacht. Auf halbem Wege kamen ihnen Jia Jun und Jia Guang mit Hausbediensteten zu Pferde entgegen. Als sie Herrlichkeit Kaufmann erblickten, sprangen sie aus dem Sattel und begrüßten ihn. Herrlichkeit Kaufmann fragte eilig: „Was gibt es?&amp;quot; Jia Jun antwortete: „Die Schwägerin befürchtete, Ihr und der Neffe kämet allein, und die Alte Herrin hätte auf der Reise niemanden bei sich, deshalb hat sie uns beide geschickt, um die Alte Herrin zu geleiten.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann hörte das und lobte ohne Ende. Er fragte, wie zu Hause alles geregelt worden sei. Jia Jun und die anderen berichteten alles der Reihe nach: wie sie die Mönche festgenommen, den Leichnam zum Familientempel gebracht, und — weil niemand zu Hause war — die Schwiegermutter und die beiden Tanten &amp;lt;ref&amp;gt;die zwei Schwestern der Dame Sonders, die später noch eine bedeutende Rolle spielen&amp;lt;/ref&amp;gt; eingeladen hatten, im Hauptgebäude zu wohnen. Herrlichkeit Kaufmann war inzwischen auch abgestiegen. Als er hörte, dass die beiden Tanten gekommen waren, wechselte er mit Herrlichkeit Kaufmann einen vielsagenden Blick und grinste. Herrlichkeit Kaufmann rief eilig mehrmals: „Ausgezeichnet!&amp;quot;, gab seinem Pferd die Sporen und ritt weiter, ohne irgendwo einzukehren. Die ganze Nacht hindurch wechselten sie die Pferde und galoppierten. An einem Tag erreichten sie die Hauptstadt und ritten geradewegs zum Eiserne-Schwelle-Kloster. Es war bereits die vierte Nachtwache; die Wachleute, als sie die Nachricht hörten, weckten eilig alle. Herrlichkeit Kaufmann stieg vom Pferd, und er und Herrlichkeit Kaufmann brachen in lautes Weinen aus. Vom großen Tor aus krochen sie auf Knien hinein, warfen sich vor dem Sarg nieder und wehklagten blutige Tränen, bis es hell wurde und ihre Stimmen heiser waren. Dame Sonders und alle anderen kamen zur Begrüßung. Herrlichkeit Kaufmann und sein Sohn wechselten vorschriftsmäßig die Trauerkleidung und warfen sich vor dem Sarg nieder. Doch da es unvermeidlich war, die Angelegenheiten zu regeln, konnten sie nicht blind und taub für alles sein; sie mussten ihre Trauer ein wenig zurückdrängen, um die Leute anzuweisen. Herrlichkeit Kaufmann erzählte den versammelten Verwandten und Freunden vom kaiserlichen Gnadenerlass und schickte dann Herrlichkeit Kaufmann voraus nach Hause, um die Aufbahrung vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann ließ sich das nicht zweimal sagen und ritt im Galopp nach Hause. Eilig ordnete er an: im Vorsaal Tische und Stühle wegräumen, Trennwände abnehmen, Trauertücher aufhängen, vor dem Tor ein Podest für die Trommler und einen Ehrenbogen aufstellen. Dann eilte er hinein, um seine Stiefgroßmutter und die beiden Tanten zu begrüßen. Die alte Dame Sonders schlief gern tagsüber wegen ihres hohen Alters und lag gewöhnlich herum; die Zweite Tante und die Dritte Tante &amp;lt;ref&amp;gt;die späteren Zweitschwester Sonders und Drittschwester Sonders&amp;lt;/ref&amp;gt; saßen mit den Mädchen bei der Handarbeit. Als er kam, bekundeten alle ihr Beileid. Herrlichkeit Kaufmann aber grinste frech die Zweite Tante an und sagte: „Zweite Tante, du bist wieder da! Unser Vater hat gerade an dich gedacht.&amp;quot; Die Zweite Tante You errötete und schimpfte: „Du Rong-Junge! Wenn ich dir ein paar Tage lang nicht den Kopf wasche, überstehst du das nicht. Du hast wirklich jeden Anstand verloren! Und das nennst sich ein Sohn aus gutem Hause, der jeden Tag Bücher liest und Manieren lernt — du bist ja nicht einmal so gesittet wie die Kinder von armen Leuten!&amp;quot; Damit griff sie nach einem Bügeleisen und holte zum Schlag aus. Erschrocken flüchtete Herrlichkeit Kaufmann in ihren Schoß, den Kopf schützend, und bat um Gnade. Die Dritte Tante kam herbei und kniff ihn in die Lippen, wobei sie sagte: „Warte, bis die Schwester nach Hause kommt — wir sagen es ihr!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann kniete lachend auf dem Kang und bat um Verzeihung; die beiden lachten ebenfalls. Dann balgte sich Herrlichkeit Kaufmann noch mit der Zweiten Tante um Kardamomkörner; die Zweite Tante kaute das Fruchtfleisch und spuckte ihm den Brei ins Gesicht. Herrlichkeit Kaufmann leckte sich alles mit der Zunge ab. Die Mädchen konnten es nicht mit ansehen und sagten lachend: „Ihr tragt doch Trauerkleidung, und die alte Herrin schläft gerade! Die beiden Tanten mögen jung sein, aber sie sind doch Verwandte der Herrin — Ihr schert Euch überhaupt nicht um die Herrin! Wenn wir es dem Herrn sagen, werdet Ihr Euch warm anziehen müssen.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann ließ die Tanten los und umarmte stattdessen die Mädchen: „Mein Herzblatt, du hast völlig recht — necken wir die beiden doch!&amp;quot; Die Mädchen stießen ihn weg und schimpften: „Du Nichtsnutz mit deinem kurzen Leben! Du hast doch selbst Frau und Mägde — warum belästigst du uns! Die Verständigen sagen, es sei Spaß; die Unverständigen — und dann gibt es noch die Bösartigen und Klatschmäuler —, die erzählen es überall herum, und wer im Palast drüben wüsste nicht, wer redete nicht hinter vorgehaltener Hand, dass es bei uns hier drunter und drüber ginge!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Jede Familie hat ihren eigenen Haushalt — wer kümmert sich um wen? Wir alle haben genug zu tun. Seit alters her — selbst in der Han- und Tang-Dynastie sagt man ‚schmutzige Tang, stinkende Han' — welche Familie hat keine Liebesaffären? Fordert mich nicht heraus, alles aufzuzählen! Sogar drüben — der Erste Herr ist so streng, und trotzdem treibt es Onkel Lian mit der jungen Konkubine! Und Tante Feng ist so unnachgiebig, aber Onkel Rui wollte trotzdem an sie heran. Was davon wüsste ich nicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Herrlichkeit Kaufmann noch ungehemmt plapperte, wachte seine Stiefgroßmutter auf. Er eilte, ihr seine Aufwartung zu machen und Grüße zu überbringen: „Vielen Dank, dass die Frau Großmutter sich die Mühe gemacht hat — und den beiden Tanten vielen Dank für ihre Aufopferung. Wir alle — Vater und Sohn — sind zutiefst dankbar. Sobald die Trauerfeierlichkeiten beendet sind, kommen wir mit der ganzen Familie, um Ihnen unsere Ehrerbietung zu erweisen.&amp;quot; Die alte Dame Sonders nickte: „Mein Junge, du verstehst zu reden. Unter Verwandten versteht sich das von selbst.&amp;quot; Dann fragte sie: „Wie geht es deinem Vater? Wann hat er die Nachricht erhalten und ist angekommen?&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Er ist gerade erst eingetroffen und hat mich vorausgeschickt, um nach Ihnen zu sehen. Wir bitten Sie inständig, wenigstens bis zum Ende der Feierlichkeiten zu bleiben.&amp;quot; Dabei zwinkerte er der Zweiten Tante zu. Die Zweite Tante You zischte ihm leise und zähneknirschend zu: „Du geschwätziges Affenbalg — willst du, dass wir bleiben und deinem Vater als Mutter dienen!&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann neckte noch seine Stiefgroßmutter: „Seid unbesorgt — Vater macht sich jeden Tag Sorgen um die beiden Tanten und sucht nach zwei Bräutigamen, die angesehene Familie haben, reich und jung und hübsch sind, um die beiden Tanten standesgemäß zu verheiraten. Aber seit Jahren hat er noch keinen Passenden gefunden — erst neulich, unterwegs, hat er endlich einen ins Auge gefasst.&amp;quot; Die alte Dame Sonders hielt das für Ernst und fragte sofort, wessen Sohn es sei. Die beiden Schwestern warfen ihre Handarbeit hin und liefen lachend hinter Herrlichkeit Kaufmann her, um ihn zu schlagen: „Mama, glaub dem Blitzschlag von einem Jungen kein Wort!&amp;quot; Sogar die Mädchen sagten: „Der Himmelsvater hat Augen — pass auf den Blitz auf!&amp;quot; Gerade kam jemand, um zu melden: „Alles ist fertig — bitte kommen der Junge Herr und kontrollieren es, damit er dem Herrn berichten kann.&amp;quot; Damit ging Herrlichkeit Kaufmann grinsend davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 62</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_57|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;57&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_58|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;58&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_59|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;59&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_60|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;60&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_61|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;61&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;62&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_63|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;63&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_64|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;64&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_65|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;65&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_66|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;66&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_67|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;67&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十二回 / Kapitel 62 =&lt;br /&gt;
== 憨湘云醉眠芍药裀 ==&lt;br /&gt;
=== 呆香菱情解石榴裙 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke [湘云] schläft betrunken auf einer Steinbank zwischen Päonienblüten&lt;br /&gt;
Duftkastanies bestickter Rock wird beim Blumenspiel beschmutzt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen [平儿] kam heraus und wies Frau Lin Zhixiao an: „Aus großen Angelegenheiten mache man kleine, aus kleinen gar keine — das ist die Art eines gedeihenden Hauses. Wenn man bei jeder Kleinigkeit gleich mit Glockengeläut und Trommelschlag ein großes Aufheben macht, ist das keine vernünftige Weise. Bringt jetzt Mutter und Tochter zurück; sie sollen wie zuvor ihren Dienst versehen. Die Frau des Qin Xian schickt ebenfalls wieder zurück. Es braucht von dieser Sache nicht mehr gesprochen zu werden. Nur soll man täglich sorgfältig Wache halten.&amp;quot; Damit stand sie auf und ging. Frau Lius Mutter und Tochter kotzten eilig vor ihr nieder. Frau Lin brachte sie zurück in den Garten und erstattete Seidenweiß Pflaume [李纨] und Erkundefrühling [探春] Bericht; beide sagten: „Wir haben es zur Kenntnis genommen. Wenn alles erledigt ist, umso besser.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schachspielerin [司棋] und die anderen hatten sich umsonst in Aufregung versetzt. Die Frau des Qin Xian aber, die endlich eine Gelegenheit gefunden hatte, sich einzuschleichen, hatte gerade einen halben Tag lang triumphiert. In der Küche war sie eifrig damit beschäftigt gewesen, Gerätschaften, Reis, Getreide, Kohle und dergleichen in Empfang zu nehmen, und hatte dabei allerlei Fehlbestände aufgedeckt: „Beim Rundkornreis fehlen zwei Shi &amp;lt;ref&amp;gt;altes Hohlmaß, ca. 100 Liter&amp;lt;/ref&amp;gt;, beim Alltagsreis ist ein Monat zu viel ausgegeben worden, und auch bei der Kohle stimmen die Zahlen nicht.&amp;quot; Gleichzeitig hatte sie Geschenke für Frau Lin Zhixiao vorbereiten lassen — heimlich einen Korb Kohle, fünfhundert Pfund Brennholz und eine Traglast Rundkornreis — und draußen durch Neffen und Nichten zum Haus der Familie Lin schicken lassen. Ferner bereitete sie Geschenke für die Buchhaltung vor und richtete einige Gerichte her, um ihre neuen Kolleginnen zu bewirten, wobei sie sagte: „Nun, da ich hier bin, bin ich ganz auf Ihre Unterstützung angewiesen. Von nun an sind wir eine Familie. Wo ich nicht aufpassen kann, helft mir bitte alle.&amp;quot; Mitten in diesem Trubel kam plötzlich jemand und sagte: „Sieh zu, dass du nach dem Frühstück verschwindest. Die Schwägerin Liu war schuldlos; man hat ihr die Verwaltung wieder übertragen.&amp;quot; Als die Frau des Qin Xian dies hörte, fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Entmutigt, mit hängendem Kopf, strich sie augenblicklich die Flaggen und verstummte die Trommeln; sie packte ihre Sachen und ging. Die Geschenke an andere waren umsonst verschwendet; obendrein musste sie von ihrem eigenen Besitz die aufgedeckten Fehlbestände ersetzen. Selbst Schachspielerin war so verärgert, dass sie sich kaum fassen konnte, doch es war nichts mehr zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nebenfrau Zhao hatte sich die ganze Zeit in Angst befunden, weil Farbwölkchen ihr heimlich so viele Dinge zugesteckt hatte und Jadearmreif den Streit darüber angefacht hatte; sie fürchtete, man könnte der Sache auf den Grund gehen, und horchte jeden Tag schweißnass nach Neuigkeiten. Da kam Farbwölkchen und sagte: „Schatzjade [宝玉] hat alles auf sich genommen; von nun an gibt es keine Schwierigkeiten mehr.&amp;quot; Erst da beruhigte sich die Nebenfrau Zhao. Doch Unheil Kaufmann [贾环], als er davon hörte, wurde misstrauisch. Er holte alle Dinge hervor, die Farbwölkchen ihm heimlich geschenkt hatte, und warf sie Farbwölkchen ins Gesicht: „Du doppelzüngiges Ding! Ich will das alles nicht. Wenn du nicht mit Schatzjade unter einer Decke stecktest, warum sollte er sich für dich einsetzen? Wenn du die Kühnheit hattest, mir die Sachen zu geben, hättest du es keinem Menschen verraten sollen. Da du es ihm nun doch erzählt hast, macht es keinen Spaß mehr, die Sachen zu behalten.&amp;quot; Farbwölkchen erschrak, schwor Stein und Bein, weinte gar und erklärte sich auf alle erdenkliche Weise, doch Unheil Kaufmann wollte ihr partout nicht glauben und sagte: „Wenn ich nicht unsere frühere Zuneigung berücksichtigen würde, ginge ich zur Zweiten Schwägerin und sagte: ‚Farbwölkchen hat es gestohlen und mir gegeben, ich wage es nicht anzunehmen.' Denk einmal darüber nach.&amp;quot; Damit schleuderte er seine Hand los und ging hinaus. Nebenfrau Zhao schimpfte aufgebracht: „Du undankbarer Wurm, du Madenherz, du Unglücksbrut!&amp;quot; Farbwölkchen weinte sich vor Zorn die Augen aus. Nebenfrau Zhao tröstete sie auf jede Weise: „Gutes Kind, er hat dein treues Herz verkannt — das sehe ich wohl. Lass mich die Sachen aufbewahren; in ein paar Tagen wird er von selbst zur Besinnung kommen.&amp;quot; Damit wollte sie die Sachen einsammeln. Doch Farbwölkchen packte alles trotzig zusammen, und als niemand es sah, ging sie in den Garten und warf alles in den Fluss — was sank, sank; was trieb, trieb davon. In der Nacht weinte sie vor Zorn still unter ihrer Decke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen war Schatzjades Geburtstag herangekommen. Es stellte sich heraus, dass auch Kostbarzither Schnee an diesem selben Tag Geburtstag hatte — beide teilten das gleiche Datum. Da Dame König nicht zu Hause war, feierte man nicht so festlich wie in früheren Jahren. Nur der daoistische Meister Zhang schickte vier Geschenke und tauschte das Namensamulett &amp;lt;ref&amp;gt;Ein Brauch, bei dem der Meister als „Adoptivvater&amp;quot; des Kindes ein schützendes Amulett überreicht&amp;lt;/ref&amp;gt;; aus einigen Mönchsklöstern und Nonnenkonventen kamen Opferspitzen, Bilder des Gottes der Langlebigkeit, Memorialtafeln und ein neues Schutzschloss des Geburtssterns für das laufende Jahr. Die Geschichtenerzählerinnen, die regelmäßig ins Haus kamen, gratulierten zum Geburtstag. Aus dem Hause Fliederranke König &amp;lt;ref&amp;gt;Dame Königs Bruder, ein hoher Beamter&amp;lt;/ref&amp;gt; kam wie immer ein Satz Kleidung, ein Paar Schuhe mit Strümpfen, hundert Langlebigkeitspfirsiche und hundert Bündel feiner silberfädiger Nudeln. Von Tante Schnee [薛姨妈] kam etwas weniger. Von den übrigen Hausbewohnern schickte Dame Sonders wie stets ein Paar Schuhe mit Strümpfen; Phönixglanz [熙凤] schenkte einen in Palastmanier gearbeiteten vierseitigen Harmonie-Beutel mit einem goldenen Langlebigkeitsgott darin und einem persischen Spielzeug. In alle Tempel wurden Leute geschickt, um Almosen zu verteilen. Für Kostbarzither Schnee gab es noch eigene Geschenke, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Unter den Schwestern schenkte man sich ganz ungezwungen — die eine gab einen Fächer, eine andere ein Schriftzeichen, wieder eine ein Bild oder ein Gedicht — alles nur, um dem Anlass Genüge zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag stand Schatzjade früh auf, wusch und kämmte sich, legte Kappe und Gürtel an und ging in den Vorderen Saal, wo Li Gui und vier, fünf andere bereits Räucherwerk und Kerzen für Himmel und Erde aufgestellt hatten. Schatzjade entzündete den Weihrauch. Nach Vollzug der Zeremonie, dem Teetrankopfer und dem Verbrennen der Papiergaben begab er sich in den Ahnentempel und die Ahnenhalle des Ningfu &amp;lt;ref&amp;gt;das östliche Palais der Kaufmann-Familie&amp;lt;/ref&amp;gt;, vollzog dort die Riten, trat auf die Mondterrasse hinaus und verbeugte sich in der Ferne vor der Alten Herrin, Aufrecht Kaufmann, Dame König und den anderen. Dann ging er der Reihe nach zu Dame Sonderss Obergemächern, vollzog die Riten, saß ein Weilchen und kehrte ins Rongfu zurück. Zuerst besuchte er Tante Schnee, die ihn dringlich festhielt; dann traf er Xue Ke, dem er ebenfalls seine Aufwartung machte, bevor er endlich in den Garten trat. Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] folgten ihm, ein kleines Mädchen trug die Filzunterlage. Von Seidenweiß Pflaumes Gemach angefangen, besuchte er der Reihe nach alle Älteren. Dann ging er wieder aus dem Zweiten Tor hinaus und machte bei seinen vier Ammen — Li, Zhao, Zhang und Wang — seine Aufwartung, bevor er zurückkehrte. Obwohl alle ihm den Kowtow erweisen wollten, nahm er ihn nicht an. Zurück im Zimmer, kamen Dufthauch [袭人] und die anderen nur, um ihm ein Wort des Glückwunsches zu sagen. Dame König hatte nämlich verfügt, dass junge Leute keine Ehrerbietungen entgegennehmen sollten, da dies das Glück und die Lebenskraft mindere — daher kniete niemand nieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile kamen Unheil Kaufmann, Orchidee Kaufmann und andere. Dufthauch hielt sie eilig zurück, sie setzten sich kurz hin und gingen dann. Schatzjade sagte lachend, er sei müde vom vielen Herumgehen, und ließ sich aufs Bett sinken. Er hatte erst eine halbe Tasse Tee getrunken, als von draußen lautes Geschnatter und Gelächter einer ganzen Schar Mädchen zu hören war, die hereinkam: Es waren Cuimo, Xiaoluo, Cuilu, Ruhua, Zhuan'er — Xing Höhlennebel Strafes Zofe —, die Amme mit der kleinen Pfiffigmädchen auf dem Arm, Cailuan, Xiuluan — acht oder neun Personen insgesamt, alle mit roten Filzdecken in den Armen, lachend. Sie riefen: „Die Geburtstagsgratulanten haben schon die Tür eingerannt — schnell bringt uns Nudeln zu essen!&amp;quot; Gerade als sie hereinkamen, erschienen auch Erkundefrühling, Xiangfluss-Wolke, Kostbarzither Schnee, Höhlennebel Strafe und Bedauerfrühling [惜春]. Schatzjade eilte ihnen lachend entgegen: „Ich wage es kaum, euch zu bemühen — schnell bereitet guten Tee!&amp;quot; Im Zimmer gab es das übliche höfliche Hin und Her, dann nahm jeder Platz. Dufthauch und die anderen brachten Tee; man hatte gerade den ersten Schluck genommen, da kam auch Friedchen, herausgeputzt wie eine blühende Blume. Schatzjade eilte ihr entgegen und lachte: „Ich war vorhin an Schwester Fengs Tür; man sagte mir, sie sei drinnen, und ich konnte sie nicht sehen. Ich habe dann jemanden hineingeschickt, um Schwester einzuladen.&amp;quot; Friedchen lachte: „Ich war gerade dabei, deiner Schwester beim Frisieren zu helfen und konnte nicht herauskommen. Als ich dann hörte, dass du mich auch eingeladen hattest, fühlte ich mich dessen nicht würdig und bin eigens hergekommen, um dir den Kowtow zu machen.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Ich bin dessen auch nicht würdig.&amp;quot; Dufthauch hatte im Vorzimmer bereits einen Sitz vorbereitet und lud sie ein. Friedchen machte einen Knicks; Schatzjade verbeugte sich unablässig. Friedchen kniete nieder; Schatzjade kniete ebenfalls eilig nieder; Dufthauch half ihnen schnell auf. Friedchen machte noch einen Knicks; Schatzjade erwiderte mit einer Verbeugung. Dufthauch schob Schatzjade lachend an: „Mach noch eine Verbeugung!&amp;quot; Schatzjade sagte: „Es ist doch schon vorbei — warum noch eine Verbeugung?&amp;quot; Dufthauch lachte: „Das war ihre Geburtstagsgratulation für dich. Heute ist aber auch ihr Geburtstag, also solltest auch du ihr gratulieren.&amp;quot; Als Schatzjade das hörte, freute er sich und verbeugte sich eilig: „Ach, heute ist ja auch Schwesterchens Geburtstag!&amp;quot; Friedchen erwiderte unablässig mit Knicksen. Xiangfluss-Wolke zog Kostbarzither Schnee und Höhlennebel Strafe heran und sagte: „Ihr vier solltet euch gegenseitig gratulieren — den ganzen Tag lang!&amp;quot; Erkundefrühling fragte eilig: „Ach, Schwester Xing hat auch heute? Das hatte ich ganz vergessen!&amp;quot; Sie befahl hastig ihrem Mädchen: „Geh zur Zweiten Herrin und sag ihr, sie solle schnell noch ein Geschenk nachholen, dasselbe wie für Fräulein Qin, und es zum Zimmer des Zweiten Fräuleins bringen lassen.&amp;quot; Das Mädchen ging. Höhlennebel Strafe, da Xiangfluss-Wolke es geradeheraus gesagt hatte, musste nun wohl oder übel in den verschiedenen Gemächern ihre Aufwartung machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte lachend: „Es ist schon amüsant — zwölf Monate im Jahr, und jeden Monat gibt es mehrere Geburtstage. Bei so vielen Menschen kommt es zu solchen Zufällen: drei am selben Tag, zwei am selben Tag. Sogar der Neujahrstag wird nicht verschont — die älteste Schwester &amp;lt;ref&amp;gt;Urfrühling&amp;lt;/ref&amp;gt; hat ihn für sich beansprucht. Kein Wunder, dass sie so großes Glück hat — ihr Geburtstag kommt allen zuvor. Es ist auch zugleich der Geburtstag des Urgroßvaters. Nach dem Laternenfest kommen die Alte Herrin und Schwester Bao &amp;lt;ref&amp;gt;Schatzspange [宝钗&amp;lt;/ref&amp;gt;] — Mutter und Tochter treffen es zufällig. Am ersten des dritten Monats ist die Gnädige Frau dran, am neunten der Zweite Bruder Lian. Im zweiten Monat hat niemand Geburtstag.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Am zwölften des zweiten Monats ist Fräulein Lin — wie kann niemand sein? Nur ist sie eben nicht von unserem Haus.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Was ist nur mit meinem Gedächtnis!&amp;quot; Schatzjade zeigte lachend auf Dufthauch: „Sie und die Jüngere Schwester Lin haben am gleichen Tag Geburtstag, deshalb erinnert sie sich.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Ach so, ihr beiden habt am selben Tag! Jedes Jahr macht ihr uns nicht einmal einen einzigen Kowtow. Und Friedchens Geburtstag wussten wir auch nicht — das erfahren wir erst jetzt.&amp;quot; Friedchen lachte: „Wir stehen ja nur auf der Namensliste der Dienerschaft; wir haben weder das Glück, Geburtstagsglückwünsche zu empfangen, noch den Rang, Geschenke entgegenzunehmen — wozu also Aufhebens machen? Da feiert man lieber still. Heute hat er es nun doch ausgeplaudert — wenn die Fräulein in ihre Zimmer zurückgehen, komme ich noch zum Gratulieren.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Wir wollen dich auch nicht behelligen. Nur möchte ich heute unbedingt deinen Geburtstag feiern, sonst habe ich kein ruhiges Gewissen.&amp;quot; Schatzjade, Xiangfluss-Wolke und alle anderen stimmten einstimmig zu. Erkundefrühling wies ihr Mädchen an: „Geh und sag der Herrin, wir alle zusammen haben gesagt, dass wir Friedchen heute den ganzen Tag nicht herauslassen. Wir haben auch alle zusammengelegt, um ihren Geburtstag zu feiern.&amp;quot; Das Mädchen ging lachend davon. Nach einer Weile kam es zurück und sagte: „Die Zweite Herrin lässt sagen: Vielen Dank, dass die Fräulein ihr die Ehre erweisen. Sie möchte nur wissen, was es zu essen gibt; wenn man nur die Zweite Herrin nicht vergisst, wird sie kommen und sie nicht belästigen.&amp;quot; Alle lachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte: „Es trifft sich gut, dass heute die Innenküche kein Essen vorbereitet; alles, die Nudeln und das Gemüse, wird von der Außenküche erledigt. Wir können also zusammenlegen und Frau Liu beauftragen, alles zu übernehmen, und es hier drinnen zubereiten lassen — das wäre doch praktisch.&amp;quot; Alle stimmten zu. Erkundefrühling schickte einerseits jemanden zu Seidenweiß Pflaume und Schatzspange, um sie zu fragen, andererseits ließ sie Frau Liu hereinrufen und wies sie an, in der Innenküche schnell zwei Tische mit Speisen und Wein herzurichten. Frau Liu verstand nicht, was der Anlass war, und sagte, die Außenküche habe doch alles vorbereitet. Erkundefrühling lachte: „Du weißt es ja noch nicht — heute ist Fräulein Friedchens Geburtstag! Was die Außenküche vorbereitet, ist für die Offiziellen da oben. Jetzt haben wir privat zusammengelegt und wollen eigens für Fräulein Friedchen zwei Tische vorbereiten, um sie zu bewirten. Du brauchst nur die feinsten und ausgefallensten Gerichte auszuwählen; die Rechnung reichst du bei mir ein.&amp;quot; Frau Liu lachte: „Ach, heute ist also auch Fräulein Friedchens Geburtstag — das wusste ich gar nicht!&amp;quot; Damit machte sie vor Friedchen einen Kowtow; Friedchen zog sie erschrocken hoch. Frau Liu eilte davon, um das Festessen vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier lud Erkundefrühling noch Schatzjade ein, und alle gingen zusammen in den Saal, um Nudeln zu essen. Als Seidenweiß Pflaume und Schatzspange vollzählig erschienen waren, schickte man auch nach Tante Schnee und Kajaljade [黛玉]. Da das Wetter mild war und Kajaljades Krankheit sich gebessert hatte, kam auch sie. Es war ein prachtvolles Bild — der Saal war voller Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xue Ke schickte noch Tücher, Fächer, Weihrauch und Seide als Geburtstagsgeschenke für Schatzjade. Schatzjade ging daraufhin zu ihm, um ihn beim Nudelessen zu begleiten. Beide Familien hatten Geburtstagswein bereitet und beschenkten sich gegenseitig. Zur Mittagszeit trank Schatzjade noch zwei Becher Wein mit Xue Ke. Schatzspange kam mit Kostbarzither Schnee herüber, um Xue Ke die Riten zu erweisen und ihm einzuschenken. Dann ermahnte Schatzspange Xue Ke: „Den Wein von zu Hause brauchst du nicht mehr herüberschicken zu lassen — diese Förmlichkeit können wir uns sparen. Lade einfach die Angestellten zum Trinken ein. Bruder Bao und ich gehen wieder hinein; wir müssen noch Gäste bewirten und können dir nicht länger Gesellschaft leisten.&amp;quot; Xue Ke beeilte sich zu sagen: „Schwester und Bruder mögen nur gehen — die Angestellten dürften ohnehin gleich kommen.&amp;quot; Schatzjade entschuldigte sich eilig und ging mit seinen Schwestern zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum waren sie durch das Ecktor getreten, befahl Schatzspange einer Dienerin, die Tür abzuschließen, und nahm den Schlüssel an sich. Schatzjade sagte hastig: „Warum diese Tür abschließen? Es gehen doch nicht so viele Leute hier durch. Zudem sind die Tante, die Schwester und die jüngere Schwester alle drinnen — wenn jemand etwas von zu Hause holen muss, ist das doch umständlich.&amp;quot; Schatzspange lachte: „Vorsicht ist besser als Nachsicht. Schau dir doch eure Seite an — all die Vorfälle der letzten Tage! Von unserer Seite war niemand betroffen — das zeigt doch, wie wirkungsvoll das Verschließen dieser Tür ist. Wenn sie offen stünde, könnten jene Leute die Abkürzung nehmen und hier durchlaufen — wen sollte man dann aufhalten? Lieber schließen wir ab; dann sind auch Mama und ich eingeschränkt, und niemand geht hier durch. Wenn dann etwas passiert, kann man es wenigstens nicht den Leuten von dieser Seite zur Last legen.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Da weiß also auch die Schwester von den Diebstählen bei uns in letzter Zeit?&amp;quot; Schatzspange lachte: „Du kennst nur die zwei Sachen mit dem Rosenwasser und dem Fulingcreme-Zucker — die kamen nur ans Licht, weil Personen verwickelt waren. Wären nicht Personen verwickelt gewesen, wüsstest du nicht einmal von diesen beiden. Aber es gibt noch einige Dinge, die bedeutender sind als diese beiden. Wenn sie künftig nicht ans Tageslicht kommen, ist es aller Glück; kommen sie heraus, werden noch viele Leute drinnen mit hineingezogen. Du kümmerst dich ja auch sonst nicht um solche Dinge, darum sage ich es dir. Friedchen ist ein kluger Mensch; ihr habe ich es neulich auch gesagt — eben weil ihre Herrin nicht draußen sein kann, musste ich sie ins Bild setzen. Wenn nichts herauskommt, lassen wir alle gern die Hände davon. Kommt es aber heraus, hat sie bereits einen Plan im Kopf und weiß, wie vorzugehen ist, sodass keine Unschuldigen leiden. Hör einfach auf mich: Sei künftig aufmerksam und vorsichtig — und erzähle das keinem zweiten Menschen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie so sprachen, gelangten sie an den Qinfang-Pavillon &amp;lt;ref&amp;gt;‚Pavillon des durchdringenden Dufts'&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dort sahen sie Dufthauch, Duftkastanie, Daishu, Suyun, Heitermuster, Moschusmond, Duftblümchen, Ruiguan, Lotoswürzlein und etwa zehn andere, die den Fischen zuschauten und sich vergnügten. Als sie die Ankommenden sahen, riefen sie: „Im Päonien-Gatter ist alles vorbereitet — kommt schnell zum Festmahl!&amp;quot; Schatzspange und die anderen gingen mit ihnen gemeinsam zum Hongxiangpu &amp;lt;ref&amp;gt;‚Rotes Duft-Beet'&amp;lt;/ref&amp;gt;, dem kleinen, dreijochigen, offenen Pavillon inmitten der Päonienbeete. Sogar Dame Sonders war eingeladen worden und schon da; alle waren versammelt, nur Friedchen fehlte noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen war nämlich hinausgegangen, denn aus den Familien Lai, Lin und anderen kamen Geburtstagsgeschenke in rascher Folge. Dienstboten aller Ränge — oberer, mittlerer und unterer — kamen in großer Zahl, um zu gratulieren und Geschenke zu bringen. Friedchen war damit beschäftigt, Trinkgelder auszugeben und sich zu bedanken, und berichtete gleichzeitig jedes Geschenk einzeln Phönixglanz — einige behielt man, andere lehnte man ab, wieder andere nahm man an und verschenkte sie sogleich weiter. Nachdem sie eine Weile geschäftig gewesen war, wartete sie noch, bis Phönixglanz ihre Nudeln gegessen hatte, wechselte dann die Kleidung und kam in den Garten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie den Garten betreten, kamen einige Mädchen, um sie abzuholen, und zusammen gingen sie zum Hongxiangpu. Dort waren die Tische mit Schildpattgeschirr gedeckt und die Sitzpolster mit Lotosblumenmuster ausgelegt. Alle lachten: „Das Geburtstagskind ist vollzählig!&amp;quot; Oben sollten vier Sitze den vier Geburtstagskindern vorbehalten sein, doch alle vier weigerten sich. Tante Schnee sagte: „Ich bin alt und passe nicht in eure Runde; ich fühle mich befangen. Lieber lege ich mich draußen im Saal gemütlich hin — das wäre angenehmer. Ich kann ohnehin nicht viel essen und trinke kaum Wein; wenn ich Platz mache, ist es für die anderen bequemer.&amp;quot; Dame Sonders und die anderen bestanden darauf, doch Schatzspange sagte: „Das geht schon in Ordnung. Mama soll es sich im Saal bequem machen — man kann ihr von dem, was sie gern isst, etwas hinüberschicken, dann ist sie zufriedener. Außerdem ist dort vorne niemand, und sie kann ein Auge darauf haben.&amp;quot; Erkundefrühling und die anderen lachten: „Wenn es so ist — Gehorsam ist besser als Höflichkeit.&amp;quot; Also begleiteten sie sie zum Beratungssaal, sahen zu, wie die Mädchen einen Brokatpolster, Rückenlehne und Kissen auflegten, und ermahnte sie: „Massiert der Tante ordentlich die Beine, und wenn sie Tee oder Wasser will, drückt euch nicht davor. Nachher wird Essen gebracht — wenn die Tante gegessen hat, bekommt ihr den Rest. Nur geht nicht von hier weg!&amp;quot; Die kleinen Mädchen antworteten alle brav.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling und die anderen kehrten zurück. Schließlich einigte man sich, dass Kostbarzither Schnee und Höhlennebel Strafe oben saßen, Friedchen mit dem Gesicht nach Westen und Schatzjade nach Osten. Erkundefrühling hatte auch Mandarinenente [鸳鸯] &amp;lt;ref&amp;gt;die Lieblingszofe der Alten Herrin&amp;lt;/ref&amp;gt; eingeladen, und die beiden saßen nebeneinander, ihnen gegenüber als Gastgeberinnen. Am westlichen Tisch saßen Schatzspange, Kajaljade, Xiangfluss-Wolke, Willkommensfrühling und Bedauerfrühling, und man zog noch Duftkastanie und Jadearmreif als Beigesellinnen hinzu. Am dritten Tisch saßen Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume, die noch Dufthauch und Farbwölkchen zu sich holten. Am vierten Tisch saßen Purpurkuckuck, Ying'er, Heitermuster, Xiaoluo, Schachspielerin und andere. Nun wollten Erkundefrühling und die anderen noch das Zeremonielle des Einschenkens durchführen, aber die vier Geburtstagskinder sagten alle: „Wenn wir so weitermachen, sitzen wir den ganzen Tag nur bei den Förmlichkeiten!&amp;quot; Also ließ man es sein. Zwei Geschichtenerzählerinnen wollten zur Geburtstagsfeier ein Erzähllied vortragen, doch alle sagten: „Wir haben keine Lust, euch wilde Geschichten zuzuhören — geht in den Saal und unterhaltet die Tante!&amp;quot; Gleichzeitig wählte man verschiedene Speisen aus und ließ sie Tante Schnee bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Einfach nur so zu sitzen, ist langweilig — wir sollten ein Trinkspiel spielen.&amp;quot; Die einen sagten, dieses Spiel sei gut, die anderen jenes. Kajaljade sagte: „Ich schlage vor, wir nehmen Pinsel und Tusche, schreiben alle Spiele auf, rollen sie zu Losen zusammen und ziehen eins heraus — welches gezogen wird, das spielen wir.&amp;quot; Alle fanden das ausgezeichnet. Man holte ein Set Pinsel, Tusche und Blumenpapier. Duftkastanie hatte in letzter Zeit Gedichte studiert und übte täglich das Schreiben; als sie die Schreibutensilien sah, konnte sie sich nicht zurückhalten, stand sofort auf und sagte: „Ich schreibe!&amp;quot; Alle überlegten eine Weile und kamen auf etwa zehn Spiele, die sie diktierten und die Duftkastanie eins nach dem anderen aufschrieb, zusammenrollte und in eine Vase warf. Erkundefrühling ließ Friedchen ziehen. Friedchen rührte darin und zog mit den Essstäbchen eins heraus. Man öffnete es — darauf stand: „Shefu&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;‚Rätsel verstecken und erraten', ein altes, anspruchsvolles literarisches Trinkspiel&amp;lt;/ref&amp;gt;. Schatzspange lachte: „Da habt ihr den Urahn aller Trinkspiele herausgezogen! Das Shefu gibt es seit dem Altertum; die ursprüngliche Form ist verloren gegangen, und dies ist eine spätere Fassung — schwieriger als alle anderen Spiele. Die Hälfte hier kann es nicht. Besser, wir vernichten das Los und ziehen ein anderes, das für jeden etwas bietet.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Was einmal gezogen ist, kann man nicht vernichten. Wir ziehen jetzt noch eins; wenn das für jedermann geeignet ist, spielen jene das, und wir spielen Shefu.&amp;quot; Dann ließ sie Dufthauch ziehen, und es war: „Muzhang&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;‚Daumenkrieg', das bekannte Fingerspiel&amp;lt;/ref&amp;gt;. Xiangfluss-Wolke sagte lachend: „Das ist kurz und bündig — ganz nach meinem Geschmack! Ich spiele nicht dieses Shefu — das ist ja zum Einschlafen langweilig. Ich gehe Fingerschnalzen!&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Nur sie bringt die Ordnung durcheinander — Schwester Bao, bestrafe sie schnell mit einem Becher!&amp;quot; Schatzspange ließ sich nicht bitten und flößte Xiangfluss-Wolke einen Becher ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte: „Ich trinke einen Becher — ich bin die Spielleiterin und brauche nichts zu erklären; hört einfach auf meine Anweisungen.&amp;quot; Sie ließ die Spielwürfel und den Würfelbecher bringen. „Von Schwester Qin angefangen wird der Reihe nach gewürfelt; wer die gleiche Zahl hat, die beiden spielen Shefu.&amp;quot; Kostbarzither Schnee warf eine Drei. Höhlennebel Strafe, Schatzjade und die anderen warfen alle andere Zahlen; erst Duftkastanie warf ebenfalls eine Drei. Kostbarzither Schnee lachte: „Es muss sich auf etwas hier im Raum beziehen — wenn es auf etwas draußen geht, wäre das zu weit hergeholt.&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Selbstverständlich. Wer es dreimal nicht errät, trinkt einen Strafbecher. Du versteckst, sie errät.&amp;quot; Kostbarzither Schnee überlegte einen Moment und sagte das Zeichen „alt&amp;quot; (老 lǎo). Duftkastanie, die in diesem Spiel nicht geübt war, konnte auf die Schnelle nichts finden; sie sah sich im ganzen Raum um, fand aber kein Sprichwort, das mit „alt&amp;quot; zusammenhing. Xiangfluss-Wolke hatte als Erste zugehört und sah sich nun auch eifrig um; plötzlich bemerkte sie über dem Türsturz die drei Zeichen „Hongxiangpu&amp;quot; (Rotes Duft-Beet) und wusste, dass Kostbarzither Schnee das Zeichen „pu&amp;quot; (Garten) meinte — aus dem Confucius-Ausspruch „Ich bin nicht so gut wie ein alter Gärtner&amp;quot; (吾不如老圃). Da Duftkastanie es nicht erraten konnte und die Trommeln zur Eile mahnten, zog Xiangfluss-Wolke heimlich an Duftkastanies Ärmel und flüsterte ihr zu, sie solle „Medizin&amp;quot; (藥 yào) sagen &amp;lt;ref&amp;gt;藥 reimt als Anspielung auf 芍 (Päonie), da der Saal im Päoniengarten steht&amp;lt;/ref&amp;gt;. Kajaljade aber hatte es gesehen und rief: „Bestraft sie schnell — da wird wieder heimlich weitergegeben!&amp;quot; Alle erfuhren es sofort, und man bestrafte Xiangfluss-Wolke mit einem weiteren Becher. Xiangfluss-Wolke schlug verärgert mit den Essstäbchen auf Kajaljades Hand. Dann wurde auch Duftkastanie mit einem Becher bestraft. Als Nächstes hatten Schatzspange und Erkundefrühling dieselbe Augenzahl. Erkundefrühling versteckte das Zeichen „Mensch&amp;quot; (人 rén). Schatzspange lachte: „Dieses ‚Mensch' ist aber reichlich vage.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Ich füge ein Zeichen hinzu — zwei versteckte für einen Ratetipp, dann ist es nicht mehr vage.&amp;quot; Darauf sagte sie das Zeichen „Fenster&amp;quot; (窗 chuāng). Schatzspange überlegte; da sie auf dem Tisch Huhn sah, erriet sie, dass Erkundefrühling die beiden Begriffe „Hühnerfenster&amp;quot; (雞窗) und „Hühnermann&amp;quot; (雞人, der Hahn-Rufbeamte) verwendete, und riet auf „Sitzstange&amp;quot; (塒 shí) &amp;lt;ref&amp;gt;aus dem Shijing: „Das Huhn geht auf die Sitzstange&amp;quot; 雞棲於塒&amp;lt;/ref&amp;gt;. Erkundefrühling erkannte, dass Schatzspange richtig geraten hatte, und beide lachten; jede trank einen Schluck aus ihrem Türbecher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke konnte nicht länger warten und rief schon mit Schatzjade „Drei!&amp;quot; und „Fünf!&amp;quot; und warf die Finger. Drüben riefen auch Dame Sonders und Mandarinenente über den Tisch hinweg „Sieben!&amp;quot; und „Acht!&amp;quot; und spielten ebenfalls. Friedchen und Dufthauch bildeten ein weiteres Paar; es klirrte und klapperte nur so von den Armreifen an ihren Handgelenken. Bald hatte Xiangfluss-Wolke gegen Schatzjade gewonnen, Dufthauch gegen Friedchen, und Dame Sonders gegen Mandarinenente. Die drei Verlierer mussten eine „Weinoberfläche&amp;quot; und einen „Weinboden&amp;quot; liefern &amp;lt;ref&amp;gt;‚Weinoberfläche': ein literarisches Zitat vor dem Trinken; ‚Weinboden': ein Spruch nach dem Trinken&amp;lt;/ref&amp;gt;. Xiangfluss-Wolke legte fest: „Die ‚Weinoberfläche' muss einen Satz aus einem klassischen Text, einen Vers aus einem alten Gedicht, einen Namen aus dem Dominospiel, einen Namen einer Opernmelodie und einen Satz aus dem Staatskalender enthalten — alles zusammen zu einem sinnvollen Satz verbunden. Der ‚Weinboden' muss der Name einer Frucht oder eines Gemüses sein, das etwas mit Menschen zu tun hat.&amp;quot; Alle lachten: „Nur ihre Spielregeln sind so umständlich wie ihre Reden, aber es hat durchaus seinen Reiz.&amp;quot; Man trieb Schatzjade, schnell zu beginnen. Schatzjade lachte: „Wer hat so etwas je gesagt — lasst mich wenigstens nachdenken!&amp;quot; Kajaljade sagte: „Trink noch einen Becher mehr, ich sage es für dich.&amp;quot; Schatzjade trank tatsächlich, und dann hörte er Kajaljade sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Abendrot und einsame Wildgans fliegen gemeinsam empor;&lt;br /&gt;
 Im scharfen Wind am Fluss unter dem Himmel — der Trauergesang der Wildgans;&lt;br /&gt;
 Aber es ist eine Gans mit gebrochenem Fuß;&lt;br /&gt;
 Sie ruft, dass es einem neunfach die Eingeweide umwendet;&lt;br /&gt;
 Dies ist: „Die Wildgänse kommen als Gäste.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten und sagten: „Diese Kette hat wirklich ihren Reiz.&amp;quot; Kajaljade nahm eine Haselnuss und sagte als Weinboden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Die Haselnuss hat nichts zu tun mit dem Waschbrett hinter der Mauer;&lt;br /&gt;
 Woher kommt das Klopfen von zehntausend Häusern, die Kleider waschen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Spiel sagten auch Mandarinenente, Dufthauch und die anderen je ein Sprichwort mit dem Zeichen „Langlebigkeit&amp;quot; (壽) darin — was hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle spielten der Reihe nach wild durcheinander. Dann hatten oben Xiangfluss-Wolke und Kostbarzither Schnee dieselbe Augenzahl, und Seidenweiß Pflaume und Höhlennebel Strafe ebenfalls. Seidenweiß Pflaume versteckte das Zeichen „Kürbisflasche&amp;quot; (瓢 piáo), Höhlennebel Strafe riet „grün&amp;quot; (綠 lǜ) &amp;lt;ref&amp;gt;Aus dem Vers „Eine Kürbisflasche an der grünen Wand&amp;quot; bzw. dem Sprichwort „leere grüne Kürbisflasche&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die beiden verstanden sich und tranken je einen Schluck. Xiangfluss-Wolke aber verlor beim Fingerspiel und wurde zur „Weinoberfläche&amp;quot; und zum „Weinboden&amp;quot; aufgefordert. Kostbarzither Schnee lachte: „Bitte den Herrn in seinen eigenen Kessel!&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf die Tang-Geschichte der Verfolgung des Rebellenanführers&amp;lt;/ref&amp;gt;. Alle lachten und sagten: „Der Ausdruck passt perfekt!&amp;quot; Xiangfluss-Wolke sprach:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Tosend und donnernd brausend;&lt;br /&gt;
 Zwischen den Klippen türmen sich Wellen bis zum Himmel;&lt;br /&gt;
 Man braucht eine Eisenkette, um das einsame Boot festzumachen;&lt;br /&gt;
 Gerade in einen Sturm über dem ganzen Fluss geraten;&lt;br /&gt;
 Ungeeignet zum Reisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten: „Was für ein herzzerreißender Unsinn! Kein Wunder, dass sie dieses Spiel vorgeschlagen hat — absichtlich, um alle zum Lachen zu bringen!&amp;quot; Dann wollte man ihren Weinboden hören. Xiangfluss-Wolke trank ihren Wein, nahm ein Stück Entenfleisch zum Kauen und entdeckte in der Schüssel einen halben Entenkopf, den sie herausfischte, um das Hirn zu essen. Alle drängten sie: „Hör auf, nur zu essen — sag endlich deinen Spruch!&amp;quot; Xiangfluss-Wolke hielt den Entenkopf mit den Essstäbchen hoch und sprach:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Dieser Entenkopf (yatou) ist nicht jenes Dienstmädchen (yatou);&lt;br /&gt;
 Woher nähme die Magd wohl Osmanthusöl für ihr Haar?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle brachen in noch lauteres Gelächter aus. Heitermuster, Xiaoluo, Ying'er und eine ganze Schar kamen herbei und riefen: „Fräulein Yun macht sich über uns lustig! Bestraft sie schnell mit einem Becher! Wieso sollten ausgerechnet wir Osmanthusöl verwenden? Im Gegenteil, jede von uns sollte ein Fläschchen Osmanthusöl bekommen!&amp;quot; Kajaljade lachte: „Sie würde euch gern ein Fläschchen Öl geben, fürchtet aber, dabei in einen Diebstahlsprozess verwickelt zu werden.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf den gerade erst beigelegten Diebstahl des Rosenwassers.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die anderen beachteten es nicht weiter, aber Schatzjade verstand sofort und senkte den Kopf. Farbwölkchen, die ein schlechtes Gewissen hatte, wurde unwillkürlich rot. Schatzspange warf Kajaljade schnell einen verstohlenen Blick zu. Kajaljade bereute ihren Versprecher — sie hatte eigentlich Schatzjade necken wollen, doch dabei vergessen, dass sie Farbwölkchen damit bloßstellte. Hastig lenkte sie mit einer Runde Spielen und Fingerwerfen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann hatten Schatzjade und Schatzspange dieselbe Augenzahl. Schatzspange versteckte das Zeichen „Schatz&amp;quot; (寶 bǎo). Schatzjade überlegte und erkannte, dass Schatzspange scherzhaft auf sein Tonglingyu &amp;lt;ref&amp;gt;den Jade des Numinosen Verstehens, den Schatzjade um den Hals trägt&amp;lt;/ref&amp;gt; anspielte. Er lachte: „Schwester macht sich lustig über mich, aber ich habe es erraten. Schwester möge nicht böse sein — es ist das Zeichen aus Schwesterchens Name, nämlich ‚Haarnadel' (釵 chāi).&amp;quot; Alle fragten: „Wie das?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Sie sagte ‚Schatz' (寶), und darunter folgt natürlich ‚Jade' (玉). Ich rate ‚Haarnadel' (釵), und in einem alten Gedicht heißt es: ‚Die Jadehaarnadel zerbricht, die rote Kerze erkalt' — trifft das nicht zu?&amp;quot; Xiangfluss-Wolke sagte: „Diese Verwendung aktueller Anspielungen geht nicht — beide sollten bestraft werden!&amp;quot; Duftkastanie sagte eilig: „Es ist nicht nur eine aktuelle Anspielung — es gibt auch einen klassischen Beleg!&amp;quot; Xiangfluss-Wolke sagte: „‚Schatzjade' als zwei Zeichen zusammen haben keinen klassischen Beleg; das steht vielleicht auf Neujahrssprüchen, aber in der Dichtung und den kanonischen Schriften findet es sich nicht.&amp;quot; Duftkastanie sagte: „Neulich, als ich die fünfsilbrigen Regelgedichte von Cen Jiazhou &amp;lt;ref&amp;gt;Cen Shen, Tang-Dichter&amp;lt;/ref&amp;gt; las, fand ich den Vers: ‚Diese Gegend ist reich an Edelsteinen' (此鄉多寶玉). Wie konntest du das vergessen? Und dann las ich ein Sieben-Zeichen-Quartett von Li Yishan &amp;lt;ref&amp;gt;Li Shangyin, Tang-Dichter&amp;lt;/ref&amp;gt;, in dem steht: ‚Die Juwelenhaarnadel verstaubt Tag für Tag' (寶釵無日不生塵). Da musste ich noch lachen, dass beider Namen tatsächlich in Tang-Gedichten stehen!&amp;quot; Alle lachten: „Das hat sie doch schachmatt gesetzt — schnell einen Strafbecher!&amp;quot; Xiangfluss-Wolke hatte nichts mehr zu sagen und musste trinken. Dann ging es weiter — Paare bildeten sich und spielten Shefu oder Fingerwerfen. Weil die Alte Herrin und Dame König nicht zu Hause waren, gab es keine Aufsicht, und so vergnügte man sich nach Herzenslust: man rief und schrie, lachte und lärmte. Der ganze Saal war ein Wirbel von Rot und Grün, ein Schimmern von Jade und Perlen — wahrhaftig ein rauschendes Fest. Nachdem man eine Weile gespielt hatte, stand man auf, um sich die Beine zu vertreten. Plötzlich war Xiangfluss-Wolke verschwunden. Man dachte, sie sei nach draußen gegangen und werde gleich wiederkommen; doch je länger man wartete, desto weniger war von ihr zu sehen. Man schickte Leute in alle Richtungen, um sie zu suchen — vergeblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kamen Frau Lin Zhixiao und einige ältere Dienerinnen, teils aus Sorge, es könnte ein dienstlicher Anlass bestehen, teils aus Furcht, die jungen Mädchen könnten in Abwesenheit Dame Königs die Autorität Erkundefrühlings und der anderen nicht respektieren und sich hemmungslos betrinken. Erkundefrühling, die ihre Absicht sofort durchschaute, lachte: „Ihr kommt wieder, um nach uns zu sehen, weil ihr uns nicht traut. Wir haben nicht übermäßig getrunken — wir haben uns nur vergnügt und den Wein nur als Vorwand genommen. Ihr Mütter braucht euch keine Sorgen zu machen.&amp;quot; Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders lachten ebenfalls: „Geht nur und ruht euch aus — wir lassen sie bestimmt nicht zu viel trinken.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao und die anderen lachten: „Wir wissen schon — selbst wenn die Alte Herrin die Fräulein zum Trinken auffordert, trinken die Fräulein kaum. Natürlich, wenn die Damen nicht zu Hause sind, wird nur gespielt. Wir kamen nur, um zu hören, ob es etwas gibt. Außerdem: Der Tag ist lang, und nachdem die Fräulein eine Weile gespielt haben, sollten sie ein paar Kleinigkeiten zu sich nehmen. Gewöhnlich essen sie ja nicht viel Verschiedenes; wenn sie nun ein oder zwei Becher Wein trinken, ohne genug zu essen, könnte es ihnen schaden.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Da haben die Mütter recht — wir wollen gerade essen.&amp;quot; Sie wandte sich um und bat, Gebäck zu bringen. Die Mädchen gehorchten und bestellten es eilig. Erkundefrühling lud lächelnd ein: „Geht und ruht euch aus, oder geht zu Tante drüben und plaudert mit ihr. Wir schicken euch gleich Wein.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao und die anderen lehnten lächelnd ab: „Wir wagen es nicht, das anzunehmen.&amp;quot; Sie standen noch eine Weile und zogen sich dann zurück. Friedchen befühlte ihre Wangen und lachte: „Mein Gesicht ist ganz heiß — ich schäme mich, von ihnen gesehen zu werden. Ich meine, wir sollten aufhören, ehe sie noch einmal kommen — das wäre doch peinlich.&amp;quot; Erkundefrühling lachte: „Macht nichts — solange wir nicht im Ernst trinken, ist es gut.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade da kam ein kleines Mädchen lachend herbeigelaufen: „Fräulein, kommt schnell und schaut nach Fräulein Yun! Sie hat sich betrunken, und weil sie Abkühlung suchte, ist sie hinten auf dem Felsenberg auf einer Steinbank eingeschlafen!&amp;quot; Als alle das hörten, sagten sie lachend: „Pst, keinen Lärm!&amp;quot; Sie gingen hin, um nachzusehen, und fanden tatsächlich Xiangfluss-Wolke auf einer Steinbank an einem verborgenen Platz hinter den Felsen schlafend, versunken in duftende Träume&amp;lt;ref&amp;gt;Diese berühmte Szene — Xiangfluss-Wolke schlafend zwischen Päonienblüten — gehört zu den ikonischen Bildern des Romans und wurde unzählige Male in der chinesischen Malerei dargestellt.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ringsum waren Päonienblüten auf ihren ganzen Körper herabgefallen — auf Kopf, Gesicht und Kleid, überall rote, duftende Blütenblätter in wirrem Durcheinander. Der Fächer in ihrer Hand lag auf dem Boden, halb von herabgefallenen Blüten bedeckt. Ein Schwarm Bienen und Schmetterlinge summte dicht um sie herum. Sie hatte ein Taschentuch aus Haifischhaut genommen, ein Bündel Päonienblätter darin eingewickelt und als Kissen benutzt. Alle sahen es an und waren gleichzeitig entzückt und belustigt. Sie kamen eilig heran, rüttelten sie, riefen sie und stützten sie. Xiangfluss-Wolke murmelte noch im Schlaf Trinkspielverse, undeutlich vor sich hin lallend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Duftend die Quelle und klar der Wein;&lt;br /&gt;
 Im Jadebecher glänzt Bernsteinlicht;&lt;br /&gt;
 Getrunken bis der Mond über den Pflaumenzweigen steht;&lt;br /&gt;
 Trunken nach Hause geleitet;&lt;br /&gt;
 Passend zum Empfang lieber Freunde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle rüttelten sie lachend und sagten: „Wach schnell auf und komm essen! Wenn du auf dieser feuchten Steinbank schläfst, wirst du noch krank!&amp;quot; Xiangfluss-Wolke öffnete langsam ihre herbstklaren Augen, sah die Versammelten und blickte an sich herab; da erst bemerkte sie, dass sie betrunken war. Eigentlich war sie hergekommen, um sich an der Kühle zu erfrischen; doch weil sie zwei Strafbecher zu viel getrunken hatte und ihre zarte Gestalt den Wein nicht vertrug, war sie eingeschlafen. Im Herzen war sie beschämt. Hastig stand sie auf und ging mühsam mit den anderen zum Hongxiangpu. Sie wusch sich das Gesicht und trank zwei Tassen starken Tee. Erkundefrühling befahl sofort, den Nüchternheitsstein &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 醒酒石 xǐngjiǔ shí — ein kühler Stein, den man in den Mund nimmt oder an die Stirn hält, um schneller nüchtern zu werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu bringen und ihn ihr in den Mund zu stecken. Dann ließ sie sie noch etwas säuerliche Suppe trinken, und erst danach ging es ihr etwas besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend wählte man einige Schalen Obst und Speisen aus und schickte sie Phönixglanz. Phönixglanz schickte ebenfalls einige Sachen herüber. Schatzspange und die anderen aßen ihr Gebäck; manche saßen, manche standen, manche betrachteten draußen die Blumen, manche lehnten am Geländer und schauten den Fischen zu — jeder vergnügte sich und plauderte auf seine Weise. Erkundefrühling spielte mit Kostbarzither Schnee Schach; Schatzspange und Höhlennebel Strafe sahen der Partie zu. Kajaljade und Schatzjade standen unter einem Blumenstrauch und tuschelten leise miteinander — niemand wusste, was sie sagten. Da kamen Frau Lin Zhixiao und eine Gruppe Frauen mit einer jungen Frau herein. Die junge Frau hatte ein betrübtes, ängstliches Gesicht, wagte nicht, in den Saal zu treten, sondern kniete schon an der Treppe nieder und schlug vernehmlich den Kopf auf den Boden. Erkundefrühling war gerade von einem gegnerischen Stein umzingelt worden; sie rechnete hin und her, kam aber nur auf zwei Augen, musste also aufgeben. Ihre Augen waren starr auf das Schachbrett gerichtet, eine Hand griff in die Dose und klapperte mit den Steinen, in Gedanken versunken. Frau Lin Zhixiao stand schon eine ganze Weile da. Erst als Erkundefrühling den Kopf wandte, um nach Tee zu fragen, bemerkte sie sie und fragte: „Was gibt es?&amp;quot; Frau Lin Zhixiao deutete auf die Frau und sagte: „Das ist die Mutter von Cai'er, dem kleinen Mädchen aus dem Zimmer des Vierten Fräuleins &amp;lt;ref&amp;gt;Bedauerfrühling&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie gehört zum Gartenpersonal. Ihr Mundwerk ist ganz übel; eben habe ich sie befragt, und was sie sagte, wage ich dem Fräulein gar nicht zu berichten — man sollte sie einfach hinauswerfen.&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Ersten Herrin?&amp;quot; Frau Lin Zhixiao sagte: „Eben ist die Erste Herrin schon zum Saal hinüber zur Frau Tante gegangen; ich habe sie auf dem Weg gesehen und es ihr schon berichtet. Sie sagte, ich solle es dem Fräulein melden.&amp;quot; Erkundefrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Zweiten Herrin?&amp;quot; Friedchen sagte: „Es schadet nichts, auch nicht zu gehen; ich sage es ihr, wenn ich zurückkomme.&amp;quot; Erkundefrühling nickte: „Wenn es so ist, jagt sie hinaus. Wenn die Gnädige Frau zurückkommt, wird man endgültig entscheiden.&amp;quot; Damit wandte sie sich wieder dem Schachspiel zu. Frau Lin Zhixiao führte die Frau fort — davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade und Schatzjade standen unter den Blumen, und obwohl sie einander fernstanden, verstanden sie sich wortlos. Kajaljade sagte: „Eure dritte Schwester ist wirklich ein kluges Mädchen. Obwohl man ihr die Verwaltung anvertraut hat, geht sie keinen Schritt über ihre Befugnisse hinaus. Eine andere hätte sich längst als Herrscherin aufgespielt.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Du weißt ja nicht — als du krank warst, hat sie einige wichtige Sachen durchgesetzt. Der Garten wurde aufgeteilt und Verantwortlichen zugewiesen; jetzt darf man nicht einmal mehr ein Gras zu viel pflücken. Sie hat auch mehrere überflüssige Ausgaben gestrichen und dabei mich und Schwester Feng als Exempel benutzt, um andere zu disziplinieren. Sie ist eine, die im Stillen wohl kalkuliert — das geht weit über bloße Klugheit hinaus.&amp;quot; Kajaljade sagte: „So muss es sein. In unserem Haus wird auch zu viel ausgegeben. Obwohl ich mich nicht um die Verwaltung kümmere, habe ich in müßigen Stunden oft für euch nachgerechnet: Es wird mehr ausgegeben als eingenommen. Wenn man jetzt nicht spart, wird man bald in Schwierigkeiten geraten.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Wie auch immer es ausgehen mag — uns beiden wird es an nichts fehlen.&amp;quot; Als Kajaljade das hörte, drehte sie sich um und ging in den Saal, um mit Schatzspange zu plaudern und zu lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wollte gerade gehen, als Dufthauch mit einem kleinen, ineinander verschlungenen Lacktablett in der Hand kam, darauf ordentlich zwei Tassen frischer Tee. Sie fragte: „Wo ist sie hin? Ich habe gesehen, dass ihr beiden eine ganze Weile keinen Tee getrunken habt, und eigens zwei Tassen gebracht — und nun ist sie weg.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Da drüben ist sie — bring ihr eine hin.&amp;quot; Er nahm sich selbst eine Tasse. Dufthauch trug die andere hin, doch Kajaljade war bei Schatzspange, und es gab nur eine Tasse. Also sagte sie: „Wer von euch durstig ist, nehme sie zuerst; ich hole noch eine.&amp;quot; Schatzspange lachte: „Ich bin gar nicht durstig — ich möchte nur einen Schluck zum Mundspülen.&amp;quot; Damit nahm sie zuerst die Tasse, trank einen Schluck und reichte die Hälfte Kajaljade. Dufthauch lachte: „Ich hole noch eine.&amp;quot; Kajaljade lachte: „Du weißt doch, bei meiner Krankheit hat der Arzt mir verboten, viel Tee zu trinken. Diese halbe Tasse reicht vollkommen — wie aufmerksam von dir.&amp;quot; Damit trank sie die Tasse leer und stellte sie ab. Dufthauch kam, um Schatzjades Tasse abzuholen. Schatzjade fragte: „Wo ist Duftblümchen die ganze Zeit? Ich habe sie nirgends gesehen.&amp;quot; Dufthauch sah sich um und sagte: „Eben war sie noch hier mit einigen anderen beim Blumenspiel — jetzt ist sie verschwunden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, eilte er in sein Zimmer. Dort lag Duftblümchen tatsächlich mit dem Gesicht zur Wand auf dem Bett und schlief. Schatzjade rüttelte sie: „Hör auf zu schlafen! Lass uns draußen spielen — gleich gibt es Essen.&amp;quot; Duftblümchen sagte: „Ihr trinkt alle Wein und kümmert euch nicht um mich — da habe ich mich einen halben Tag gelangweilt und bin eben schlafen gegangen.&amp;quot; Schatzjade zog sie hoch und lachte: „Heute Abend trinken wir zu Hause noch — und dann sage ich Schwester Dufthauch, dass sie dich mit an den Tisch nimmt. Was sagst du dazu?&amp;quot; Duftblümchen sagte: „Wenn Lotoswürzlein und Ruiguan nicht mit nach oben gehen, stehe ich allein da, und das ist auch nicht gut. Außerdem bin ich die Nudeln nicht gewöhnt, und heute Morgen habe ich auch nicht richtig gegessen. Eben war ich hungrig und habe schon der Schwägerin Liu gesagt, sie solle mir eine Schale Suppe und eine halbe Schale Rundkornreis bringen; ich esse hier und bin fertig. Wenn es heute Abend Wein gibt, dann darf mich keiner einschränken — ich will nach Herzenslust trinken, bis ich genug habe. Früher zu Hause habe ich zwei bis drei Pfund guten Huiquan-Wein getrunken! Seit ich dieses elende Gewerbe gelernt habe und sie sagten, es verderbe die Stimme, habe ich seit Jahren keinen Tropfen mehr gesehen. Heute breche ich das Fasten!&amp;quot; Schatzjade sagte: „Das ist leicht zu machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade kam tatsächlich jemand von Frau Liu mit einem Speisenkasten. Xiaoyan nahm ihn entgegen und öffnete ihn: Darin war eine Schale Garnelen-Bällchen-Suppe mit Hühnerhaut, eine Schale in Reiswein gedämpfte Ente, ein Teller eingelegte Gänsebrust und ein Teller mit vier Sahne-Piniennuss-Blätterteigrollen, dazu eine große Schale dampfenden, schimmernden grünen Rundkornreises aus duftenden Reisterrassen. Xiaoyan stellte alles auf den Tisch, holte Beilagen und Essstäbchen und schöpfte eine Schale Reis. Duftblümchen sagte: „Alles so fettig und ölig — wer isst denn so etwas!&amp;quot; Sie goss sich nur Suppe über den Reis und aß eine Schale, nahm zwei Stücke eingelegte Gans und hörte auf. Schatzjade roch daran und fand, es duftet feiner als gewöhnlich; also aß er eine Blätterteigrolle und bat auch Xiaoyan, sich eine halbe Schale Reis zu nehmen, Suppe darüber zu gießen — es schmeckte köstlich. Xiaoyan und Duftblümchen lachten beide. Nach dem Essen wollte Xiaoyan den Rest zurückbringen. Schatzjade sagte: „Iss du es auf — wenn es nicht reicht, lass noch mehr bringen.&amp;quot; Xiaoyan sagte: „Nicht nötig, das reicht. Vorhin hat Schwester Moschusmond uns zwei Teller Gebäck gegeben; wenn ich jetzt noch dies esse, brauche ich nichts mehr.&amp;quot; Sie stellte sich an den Tisch und aß alles auf. Zwei Blätterteigrollen legte sie beiseite und sagte: „Die sind für meine Mutter. Heute Abend zum Weintrinken gebt mir bitte zwei Schalen Wein, das reicht.&amp;quot; Schatzjade lachte: „Du magst also auch Wein? Dann trinken wir heute Abend ordentlich miteinander! Schwester Dufthauch und Schwester Heitermuster vertragen auch einiges, möchten aber gewöhnlich nicht. Heute brechen wir alle das Fasten! Ach, noch etwas — ich wollte es dir sagen und hab es glatt vergessen; jetzt fällt es mir ein: Kümmere dich in Zukunft ganz um Duftblümchen. Wenn sie etwas versäumt, weis sie darauf hin — Dufthauch kann nicht auf alle aufpassen.&amp;quot; Xiaoyan sagte: „Ich weiß Bescheid, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Aber was wird nun aus Wu'er?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Sag Frau Liu, sie soll sie morgen direkt hereinkommen lassen. Ich sage den Leuten Bescheid, und die Sache ist erledigt.&amp;quot; Duftblümchen hörte das und lachte: „Das ist wirklich vernünftig.&amp;quot; Xiaoyan rief zwei kleine Mädchen herein, die beim Händewaschen und Teeeinschenken halfen; sie selbst räumte das Geschirr auf, übergab es der Dienerin, wusch sich die Hände und ging zu Frau Liu — davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging hinaus, um im Hongxiangpu die Schwestern aufzusuchen; Duftblümchen folgte ihm mit Tuch und Fächer. Kaum waren sie aus dem Hoftor, kamen Dufthauch und Heitermuster Hand in Hand zurück. Schatzjade fragte: „Wo wollt ihr hin?&amp;quot; Dufthauch sagte: „Das Essen ist angerichtet — wir kommen, um dich zum Essen zu holen.&amp;quot; Schatzjade erzählte ihnen lachend, dass er eben schon gegessen hatte. Dufthauch lachte: „Ich sag ja immer, du isst wie eine Katze — wenn du etwas Duftendes riechst, willst du es haben. Essen aus einem fremden Topf schmeckt immer besser. Aber du solltest trotzdem hinaufgehen und den anderen wenigstens ein bisschen Gesellschaft leisten.&amp;quot; Heitermuster tippte Duftblümchen mit dem Finger auf die Stirn und sagte: „Du bist eine richtige kleine Verführerin — wann bist du nur davongeschlichen, um zu essen? Ihr zwei habt euch wohl heimlich verabredet, ohne uns ein Wort zu sagen!&amp;quot; Dufthauch lachte: „Es war purer Zufall — von Verabredung kann keine Rede sein.&amp;quot; Heitermuster sagte: „Wenn das so ist, braucht ihr uns ja gar nicht mehr. Morgen gehen wir alle, und Duftblümchen allein reicht völlig.&amp;quot; Dufthauch lachte: „Wir alle können gehen — nur du nicht.&amp;quot; Heitermuster sagte: „Gerade ich muss als Erste gehen — ich bin faul und dumm, habe ein schlechtes Temperament und bin zu nichts nutze.&amp;quot; Dufthauch lachte: „Wenn jemand wieder ein Loch in die Pfauenfederjacke brennt — wer flickt es dann, wenn du weg bist? Hör auf, mir etwas vorzuspielen. Wenn ich dich um eine Arbeit bitte, bist du so faul, dass du keine Nadel quer und keinen Faden längs bewegst. Es ist ja auch nicht meine Privatarbeit, worum ich dich bitte — es ist alles für ihn, und trotzdem willst du nichts tun. Aber als ich ein paar Tage fort war, warst du todkrank und hast eine ganze Nacht lang, ohne an dein Leben zu denken, die Jacke für ihn geflickt — was war denn das für ein Grund? Sag schon, lach nicht nur stumm — damit ist niemandem gedient.&amp;quot; Lachend und plaudernd kamen sie in den Saal. Tante Schnee war auch da. Alle setzten sich der Reihe nach zum Essen. Schatzjade tränkte nur eine halbe Schale Reis mit Tee und aß pro forma. Nach dem Essen trank man Tee, plauderte und scherzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen hatten Xiaoluo, Duftkastanie, Duftblümchen, Ruiguan, Lotoswürzlein, Douguan und vier, fünf andere den ganzen Garten durchstreift. Sie pflückten Blumen und Gräser, setzten sich mitten in einen Haufen Blumen und spielten das Blumenspiel &amp;lt;ref&amp;gt;ein Spiel, bei dem man Pflanzen nennt, deren Namen zusammengesetzte Wörter ergeben&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die eine sagte: „Ich habe eine Guanyin-Weide.&amp;quot; Eine andere sagte: „Ich habe eine Luohan-Kiefer.&amp;quot; Wieder eine: „Ich habe einen Junzi-Bambus.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;‚Bambus des Edlen'&amp;lt;/ref&amp;gt; Die nächste: „Ich habe eine Meirenjiao.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;‚Schöne-Frauen-Banane'&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine: „Ich habe ein Xingxingcui.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;‚Sternengrün'&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine andere: „Ich habe eine Yueyuehong.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;‚Monat für Monat rot', die Monatsrose&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine: „Ich habe eine Päonienblüte vom Päonienpavillon.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf das berühmte Drama ‚Mudanting' von Tang Xianzu&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine andere: „Ich habe eine Wollmispel-Frucht aus der ‚Geschichte der Laute'.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Anspielung auf die Oper ‚Pipaji'&amp;lt;/ref&amp;gt; Douguan sagte: „Ich habe eine Geschwisterblume.&amp;quot; Da wusste niemand mehr etwas. Duftkastanie aber sagte: „Ich habe eine Eheleute-Orchidee.&amp;quot; Douguan sagte: „Von einer Eheleute-Orchidee habe ich noch nie gehört.&amp;quot; Duftkastanie erklärte: „Bei einer Lan-Orchidee sitzt nur eine Blüte am Stängel, bei einer Hui-Orchidee mehrere. Wenn zwei Stängel einer Hui-Orchidee Blüten in verschiedener Höhe tragen, nennt man das Brüder-Orchidee; wenn sie Kopf an Kopf blühen, heißt das Eheleute-Orchidee. Meine hier blüht Kopf an Kopf — was stimmt daran nicht?&amp;quot; Douguan hatte nichts mehr einzuwenden; sie stand auf und sagte spöttisch: „Und wenn die zwei Blüten verschieden groß sind, ist das eine Vater-und-Sohn-Orchidee, ja? Und wenn sie in verschiedene Richtungen schauen, eine Feinde-Orchidee, was? Dein Mann ist seit über einem halben Jahr verreist, und du sehnst dich so sehr nach dem, was Eheleute miteinander treiben, dass du dir auch noch Eheleute-Orchideen ausdenkst. Schämst du dich nicht!&amp;quot; Duftkastanie errötete, stand hastig auf und wollte Douguan kneifen, dabei lachend schimpfend: „Du freches kleines Ding mit deinem verdorbenen Mundwerk! Das ist ja pures Fiebergeschwätz!&amp;quot; Als Douguan sah, dass Duftkastanie aufstehen wollte, ließ sie das natürlich nicht zu und drückte sie mit dem ganzen Körper nieder. Sie wandte den Kopf zu Ruiguan und den anderen und bat lachend: „Kommt und helft mir, sie in ihr Lügenmaul zu kneifen!&amp;quot; Die beiden wälzten sich im Gras. Die anderen klatschten lachend in die Hände und warnten nur: „Vorsicht, da ist eine Pfütze! Wie schade um ihren neuen Rock!&amp;quot; Douguan wandte den Kopf und erblickte tatsächlich eine Lache Regenwasser — aber Duftkastanies Rock war schon zur Hälfte davon besudelt. Beschämt riss sich Douguan von Duftkastanie los und lief davon. Die anderen wollten sich vor Lachen ausschütten; aber aus Angst, Duftkastanie würde ihren Zorn an ihnen auslassen, liefen sie lachend auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie stand auf und blickte an sich herab. Sie sah, wie die grüne Brühe an ihrem Rock herunterlief. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz. Gerade da kam Schatzjade, der die Mädchen beim Blumenspiel gesehen und selbst einige Blumen und Gräser gesammelt hatte, um mitzuspielen. Als er plötzlich sah, dass alle davongelaufen waren und nur noch Duftkastanie mit gesenktem Kopf an ihrem Rock herumzupfte, fragte er: „Warum sind sie alle weggelaufen?&amp;quot; Duftkastanie sagte: „Ich hatte eine Eheleute-Orchidee, und weil sie es nicht kannten, sagten sie, ich hätte mir das ausgedacht. Darüber sind wir ins Zanken gekommen, und sie haben mir meinen neuen Rock verdorben.&amp;quot; Schatzjade stampfte klagend mit dem Fuß auf: „Wenn es euer Haus wäre, könntet ihr hundert solcher Stücke am Tag verderben, ohne dass es der Rede wert wäre. Aber erstens ist der Stoff von Fräulein Qin mitgebracht worden, und Schwester Bao und du hatten jede nur einen; ihrer ist noch gut, und deiner ist schon schmutzig — wie unwürdig gegenüber ihrer Aufmerksamkeit! Zweitens: Die Tante ist eine alte Frau mit losem Mundwerk — und dabei höre ich sie auch so schon immer sagen, ihr versteht nichts vom Haushalten und macht nur alles kaputt, statt euer Glück zu schätzen. Wenn die Tante das sieht, gibt es wieder Ärger.&amp;quot; Duftkastanie traf das mitten ins Herz, und statt betrübt zu sein, freute sie sich sogar und sagte lachend: „Genau das ist es! Obwohl ich einige neue Röcke habe, ist keiner wie dieser hier. Wenn ich einen gleichen hätte, könnte ich ihn schnell umziehen — das wäre gut. Den Rest besprechen wir später.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Beweg dich nicht! Steh nur still — sonst werden auch Unterkleid, Kniehosen und Schuhe schmutzig. Ich habe eine Idee: Dufthauch hat letzten Monat einen Rock genäht, der genau so aussieht wie dieser; weil sie noch in Trauer ist, trägt sie ihn nicht. Man könnte ihn dir schenken, damit du dich umziehst — was meinst du?&amp;quot; Duftkastanie lachte und schüttelte den Kopf: „Das geht nicht. Wenn die anderen davon hören, wäre es unangenehm.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Was ist daran zu fürchten? Wenn die Trauer vorbei ist und sie etwas Hübsches haben möchte, darfst du ihr dann etwa nichts anderes schenken? So bist du doch sonst im Umgang! Außerdem ist es nichts Heimliches — man braucht es nur Schwester Bao zu sagen. Die einzige Sorge ist, dass die Tante sich ärgern könnte.&amp;quot; Duftkastanie überlegte; es leuchtete ihr ein, und sie nickte lachend: „Dann also so — enttäusche mich nicht. Ich warte auf dich; aber lass sie es unbedingt persönlich bringen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, freute er sich ungemein, versprach alles und eilte zurück. Im Gehen sann er bei sich: „Wie schade um ein solches Mädchen — keine Eltern, hat sogar ihren eigenen Familiennamen vergessen, wurde entführt und musste ausgerechnet an diesen Tyrannen &amp;lt;ref&amp;gt;Becken Schnee [薛蟠&amp;lt;/ref&amp;gt;, Schatzspanges gewalttätiger Bruder] verkauft werden.&amp;quot; Dann dachte er noch an den Tag neulich, als auch Friedchens Schicksal ihm so unerwartet aufgefallen war — und heute kam nun dieses noch unerwartetere Ereignis dazu. Vertieft in wirre Gedanken kam er in sein Zimmer, nahm Dufthauch beiseite und erzählte ihr alles. Duftkastanie war ein Mensch, den jedermann liebte und bemitleidete. Dufthauch war von Natur aus großzügig und zudem seit jeher mit Duftkastanie befreundet. Kaum hatte sie die Nachricht gehört, öffnete sie die Truhe, nahm den Rock heraus, faltete ihn ordentlich und ging mit Schatzjade los, um Duftkastanie zu suchen. Die stand immer noch an derselben Stelle und wartete. Dufthauch lachte: „Ich sage ja immer, du treibst es zu bunt — du musst erst eine Geschichte anstellen!&amp;quot; Duftkastanie errötete und lachte: „Vielen Dank, Schwester! Wer hätte gedacht, dass diese boshaften Gören so gemein sein würden.&amp;quot; Damit nahm sie den Rock entgegen, breitete ihn aus und sah: Er war tatsächlich derselbe wie ihrer. Dann hieß sie Schatzjade, sich umzudrehen, griff kreuzweise nach hinten, band den verschmutzten Rock ab und legte den neuen an. Dufthauch sagte: „Gib mir den schmutzigen; ich nehme ihn mit, reinige ihn und bringe ihn dir dann. Wenn du ihn zurücknimmst und man sieht ihn, gibt es Fragen.&amp;quot; Duftkastanie sagte: „Liebe Schwester, nimm ihn mit und gib ihn irgendeiner Schwester. Da ich jetzt diesen habe, brauche ich den anderen nicht mehr.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Du bist aber großzügig!&amp;quot; Duftkastanie machte eilig einen Knicks zum Dank; Dufthauch nahm den schmutzigen Rock und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftkastanie sah, wie Schatzjade auf dem Boden hockte und die Eheleute-Orchidee und die Zwillingsblüten-Wassernuss &amp;lt;ref&amp;gt;eine Frucht, die wie zusammengewachsene Zwillinge aussieht — auch eine Anspielung auf eheliche Verbundenheit&amp;lt;/ref&amp;gt; mit einem Stöckchen eine kleine Grube auskratzte. Erst streute er herabgefallene Blütenblätter als Unterlage hinein, dann bettete er Orchidee und Wassernuss sorgfältig darauf und deckte sie mit weiteren Blüten zu; schließlich häufelte er Erde darüber und machte alles glatt. Duftkastanie nahm seine Hand und lachte: „Was soll das denn schon wieder? Kein Wunder, dass alle sagen, du führst immer geheimnisvoll seltsame Dinge auf, die einem die Haut kräuseln! Sieh nur deine Hände — ganz schmutzig von Erde und Moos! Geh schnell und wasch sie!&amp;quot; Schatzjade lachte, stand auf und ging sich die Hände waschen; Duftkastanie ging ebenfalls davon. Die beiden waren schon einige Schritte weit auseinander, als Duftkastanie sich umdrehte und Schatzjade zurückrief. Schatzjade wusste nicht, was sie noch zu sagen hatte, und kam mit beiden erdigen Händen lachend zurück: „Was gibt es?&amp;quot; Duftkastanie lachte nur. Gerade kam ihr Mädchen Zhen'er und sagte: „Die Zweite Herrin wartet auf dich und möchte mit dir sprechen.&amp;quot; Erst da sagte Duftkastanie zu Schatzjade: „Die Sache mit dem Rock — erzähle das bloß nicht deinem Bruder &amp;lt;ref&amp;gt;Becken Schnee&amp;lt;/ref&amp;gt;!&amp;quot; Damit drehte sie sich um und ging. Schatzjade lachte: „Ja, bin ich denn verrückt — soll ich etwa meinen Kopf in den Rachen des Tigers stecken?&amp;quot; Damit ging auch er sich die Hände waschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 61</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_56|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;56&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_57|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;57&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_58|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;58&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_59|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;59&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_60|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;60&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;61&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_62|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;62&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_63|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;63&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_64|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;64&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_65|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;65&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_66|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;66&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十一回 / Kapitel 61 =&lt;br /&gt;
== 投鼠忌器宝玉瞒赃 ==&lt;br /&gt;
=== 判冤决狱平儿行权 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Furcht, beim Rattenfang die Jadevase zu beschädigen, vertuscht Schatzjade [宝玉] den Diebstahl&lt;br /&gt;
Einen ungerechten Fall entscheidend, übt Friedchen [平儿] weise Autorität aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau Liu &amp;lt;ref&amp;gt;Frau Liu, die Köchin in der Gartenküche, Mutter von Fünfchen&amp;lt;/ref&amp;gt; lachte und sagte: „Du Affenbalg! Deine leibliche Tante hat sich einen Liebhaber gesucht, da hättest du doch einen Onkel dazugewonnen — was gibt es da zu zweifeln! Soll ich dir etwa die paar Haare vom Kopf reißen! Machst du mir nun die Tür auf und lässt mich hinein oder nicht?&amp;quot; Der kleine Bursche öffnete die Tür noch nicht, sondern hielt sie fest und sagte lachend: „Gute Tante, wenn du jetzt hineingehst, stiehl mir wenigstens ein paar Aprikosen und bring sie mir zum Essen heraus. Ich warte hier. Wenn du es vergisst, dann öffne ich dir künftig mitten in der Nacht, wenn du Wein oder Öl holen willst, nicht mehr die Tür und antworte dir auch nicht — dann kannst du rufen, so viel du willst.&amp;quot; Frau Liu spuckte aus und sagte: „Du bist ja ganz verrückt! Dieses Jahr ist es nicht wie in früheren Jahren — die ganzen Sachen sind unter die verschiedenen Damen aufgeteilt worden. Eine jede von ihnen ist versessen darauf; kaum geht jemand unter einem Baum vorbei, glotzen sie schon wie eine Fasanenhenne, und wehe, man rührt das Obst an! Gestern erst ging ich unter dem Pflaumenbaum entlang, da flog mir zufällig eine Biene ins Gesicht, ich wedelte mit der Hand — und prompt hatte deine werte Tante mütterlicherseits es gesehen. Von weitem konnte sie es nicht genau erkennen und meinte, ich pflückte Pflaumen. Da fing sie gleich an, mit schriller Stimme zu schreien: ‚Die sind noch nicht den Buddhas geopfert worden!' und ‚Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind noch nicht zu Hause, die Früchte sind noch nicht nach oben gebracht worden; wenn das geschehen ist, bekommen die Schwägerinnen alle ihren Anteil!' — Gerade als ob jemand vor Gier darauf lauerte, dass die Pflaumen reiften! Da blieb mir auch nichts Gutes zu sagen übrig, und ich habe sie gehörig zurechtgewiesen. Deine Tante mütterlicherseits und zwei, drei Verwandte der Konkubinen haben ja alle die Aufsicht — warum gehst du nicht zu denen und bittest sie, sondern kommst zu mir! Das ist ja wie das Sprichwort sagt: ‚Die Lagerratte bittet die Krähe um Getreide — die, die es bewacht, hat keins, aber die, die fliegt, soll welches haben!'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kleine Bursche lachte: „Na na na, wenn es eben nichts gibt, dann eben nicht — wozu all das Geschwätz! Ich sehe wohl, du wirst mich künftig nicht mehr brauchen? Wenn Schwester erst einen guten Posten hat, werden die Tage, an denen ihr mich herbeiruft, noch zahlreicher — ich muss nur bereitwillig sein, und alles wird gut.&amp;quot; Frau Liu hörte das und lachte: „Du kleiner Affengeist, was führst du wieder im Schilde — was für einen guten Posten soll deine Schwester denn haben?&amp;quot; Der kleine Bursche lachte: „Versucht nicht, mich zu täuschen, ich weiß längst Bescheid. Nicht nur ihr habt Verbindungen nach drinnen — haben wir etwa keine? Ich mag hier draußen nur Handlangerdienste tun, aber drinnen habe ich auch zwei Schwestern, die etwas zu sagen haben — welche Angelegenheit bliebe uns wohl verborgen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch redeten, rief eine alte Dienerin von drinnen heraus: „Ihr kleinen Affen, holt schnell eure Tante Liu herbei! Wenn sie nicht bald kommt, ist es zu spät!&amp;quot; Frau Liu hörte das und kümmerte sich nicht mehr um das Gespräch mit dem Burschen, sondern drängte eilig durch die Tür und sagte lachend: „Nur keine Eile, ich bin schon da.&amp;quot; Dabei begab sie sich in die Küche — obwohl dort etliche Mitarbeiterinnen waren, wagte keine von ihnen, eigenmächtig zu handeln; alle warteten, dass sie kam, um die Dinge zu regeln und zu verteilen — und fragte die Anwesenden: „Wo ist Fünfchen hingegangen?&amp;quot; Alle sagten: „Sie ist gerade in die Teestube gegangen, um ihre Schwestern zu suchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Frau Liu das hörte, stellte sie den Porlingsschnee &amp;lt;ref&amp;gt;Fuling 茯苓, lat. Poria cocos, ein wertvolles Tonikum der traditionellen chinesischen Medizin&amp;lt;/ref&amp;gt; beiseite und verteilte gemäß den jeweiligen Gemächern die Speisen. Da kam plötzlich die kleine Dienerin Lotusblümchen aus Willkommensfrühling [迎春]s Gemach und sagte: „Schwester Schachspielerin&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 司棋 Sīqí. 司 sī „verwalten“; 棋 qí „Schach“. Willkommensfrühlings Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; [司棋] hat gesagt, sie möchte eine Schale Eier, ganz zart gedünstet.&amp;quot; Frau Liu erwiderte: „Was für eine vornehme Dame! Ich weiß nicht, wie es kommt, aber dieses Jahr sind die Eier so knapp — man bekommt sie für zehn Kupferstücke das Stück noch nicht. Gestern sollte man den Verwandten Congee-Reis schicken; vier oder fünf Einkäufer gingen los und brachten mit Müh und Not zweitausend Stück zusammen. Wo soll ich die herzaubern? Sag ihr, ein andermal.&amp;quot; Lotusblümchen sagte: „Neulich hat sie Tofu verlangt, und du hast ihr verdorbenen gebracht — dafür hat sie mich gehörig ausgescholten. Heute verlangt sie Eier und es gibt wieder keine. Was sind das schon für kostbare Sachen! Ich kann einfach nicht glauben, dass es nicht einmal Eier geben soll — lass mich nur nicht selbst welche heraussuchen kommen!&amp;quot; Dabei kam sie wirklich herbei, öffnete den Vorratsbehälter und sah, dass darin tatsächlich etwa zehn Eier lagen. Sie rief: „Sind die etwa nichts? Du bist wirklich unverschämt! Das Essen gehört den Herrschaften, es steht uns zu — warum tut es dir leid? Du hast die Eier ja nicht selbst gelegt, und trotzdem fürchtest du, dass jemand sie isst!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu warf hastig ihre Arbeit hin, kam herüber und sagte: „Halt dein ungewaschenes Maul! Deine Mutter hat die Eier gelegt! Die paar verbliebenen hier sind für die Beilagen zu den Speisen reserviert. Selbst wenn die Fräulein sie nicht verlangen, mag ich sie nicht einmal als Gericht zubereiten — sie sind für Notfälle aufgehoben. Wenn ihr sie aufesst und dann plötzlich welche verlangt werden, gibt es nichts Ordentliches mehr, nicht einmal mehr Eier. Ihr lebt in euren tiefen Gemächern und großen Häusern, streckt die Hand aus, wenn Wasser kommt, und öffnet den Mund, wenn das Essen da ist — ihr wisst nur, dass Eier gewöhnliche Dinge sind, aber von den Marktpreisen draußen habt ihr keine Ahnung. Das ist noch gar nichts — es gab Jahre, da waren nicht einmal mehr Graswurzeln zu haben. Ich sage ihnen: feiner Reis und weißer Reis, jeden Tag fette Hühner und große Enten — da könnten sie doch zufrieden sein! Wenn sie davon genug haben, fangen sie jeden Tag neue Geschichten an: Eier, Tofu, dann noch Weizengluten, eingemachte Rettichschnitzel — allesamt wollen sie den Geschmack abwechseln. Nur bin ich doch nicht euer Dienstmädchen; jedes Gemach verlangt etwas anderes, das sind schon zehn verschiedene Dinge. Dann bräuchte ich mich gar nicht mehr um die eigentlichen Herrschaften zu kümmern und könnte ausschließlich euch Dienerinnen zweiten Ranges versorgen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lotusblümchen hörte das und errötete, rief: „Wer verlangt denn jeden Tag etwas von dir? Du hältst zwei Wagenladungen Reden! Wenn man dich herbeiruft, dann doch nicht, um dich zu schikanieren, sondern der Bequemlichkeit wegen! Neulich kam Xiaoyan und sagte, Schwester Heitermuster [晴雯] möchte Beifuß-Sprossen essen. Da warst du ganz eifrig und fragtest noch, ob sie die mit Fleisch oder Huhn gebraten haben wollte! Xiaoyan sagte: ‚Eben weil das Fleischige nicht gut war, bat sie dich, ihr Weizengluten zu braten, mit wenig Öl.' Da sagtest du eiligst, du seist ganz verwirrt, wuschest schnell die Hände und brietest es, und wie ein wedelnder Hund trugst du es persönlich hin. Heute aber benutzt du mich als Sündenbock und erzählst das vor allen Leuten!&amp;quot; Frau Liu sagte hastig: „Amitabha! Alle hier können das bezeugen. Nicht nur jenes eine Mal — seit vorletztem Jahr, als ich die Küche übernahm, hat jedes Mal, wenn in irgendeinem Gemach ein Fräulein oder eine Zofe zusätzlich ein halbes Gericht verlangte, immer zuerst jemand Geld gebracht, und ich habe eigens dafür eingekauft. Ohne jeden Grund heißt es, ich hätte es in der Fräulein-Küche bequem und es bliebe etwas übrig — aber wenn man nachrechnet, wird einem ganz übel: Für alle Fräulein und Zofen, vierzig bis fünfzig Personen zusammen, bekomme ich am Tag nur zwei Hühner, zwei Enten, etwa zehn Pfund Fleisch und für einen Faden Kupferstücke Gemüse. Rechnet selbst — wofür reicht das? Nicht einmal die zwei regulären Mahlzeiten lassen sich davon bestreiten, geschweige denn, dass die eine dies bestellt und die andere jenes, und was gekauft wurde, essen sie nicht und wollen etwas anderes. Wenn es schon so ist, dann soll man doch der Gnädigen Frau berichten, den Etat erhöhen, und so wie in der Großen Küche für die Alte Herrin alles vorhandene Gemüse auf Holztafeln aufschreiben und jeden Tag der Reihe nach durchessen; am Monatsende wird dann abgerechnet — das wäre besser. Sogar neulich, als das Dritte Fräulein und Fräulein Bao zufällig vereinbarten, einmal mit Öl und Salz gebratene Goji-Sprossen essen zu wollen, schickten sie gleich ein Mädchen mit fünfhundert Kupferstücken zu mir. Da musste ich lachen und sagte: ‚Selbst wenn die beiden Fräulein ein dickbäuchiger Maitreya-Buddha wären, könnten sie nicht für fünfhundert Kupferstücke davon essen. Für diese zwanzig, dreißig Kupferstücke kann ich schon aufkommen.' Eilig brachte ich das Geld zurück, aber sie nahmen es nicht an und sagten, ich solle mir davon Wein kaufen. Dann sagten sie noch: ‚Jetzt, wo die Küche hier im Inneren ist, lässt es sich nicht vermeiden, dass die Leute vom Haus kommen und bald Salz, bald Soße holen — alles kostet ja Geld. Wenn du es ihnen nicht gibst, ist es schlecht; gibst du es, kannst du es nicht ersetzen. Nimm dies Geld als Ausgleich für die Sachen, die sie dir gewöhnlich abzapfen.' Das sind wahrhaft verständige und rücksichtsvolle Fräulein — wir können in unserem Herzen nur ein Gebet für sie sprechen! Ohne Grund hat es die Konkubine Zhao dann gehört und war unzufrieden, sagte, ich hätte es zu gut; keine zehn Tage vergehen, ohne dass sie auch ein Dienstmädchen schickt, das bald dies, bald jenes verlangt — da muss ich wirklich lachen. Ihr macht es schon zur Gewohnheit: Wenn es nicht das eine ist, ist es das andere — wo soll ich das alles herholen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitten in dem Durcheinander schickte Schachspielerin erneut jemanden, um Lotusblümchen anzutreiben, und ließ sagen: „Bist du dort gestorben? Warum kommst du nicht zurück?&amp;quot; Lotusblümchen kehrte aufgebracht zurück und fügte noch eine lange Geschichte hinzu, die sie Schachspielerin erzählte. Als Schachspielerin hörte, stieg ihr unweigerlich der Zorn zu Kopf. Gerade hatte sie Willkommensfrühlings Mahlzeit beendet und kam nun mit den kleinen Mädchen herbei. Dort saßen viele Leute beim Essen; als sie Schachspielerins drohende Haltung sahen, sprangen alle auf, machten lächelnd Platz und boten ihr einen Sitz an. Schachspielerin aber befahl den kleinen Mädchen, zuzugreifen: „Werft sämtliche Speisen aus den Schränken und Kisten heraus, füttert sie den Hunden — dann hat niemand etwas davon!&amp;quot; Die kleinen Mädchen waren geradezu begierig darauf; mit fliegenden Händen stürzten sie sich darauf und warfen alles wild durcheinander. Die Leute hielten sie teils zurück, teils flehten sie Schachspielerin an: „Fräulein, hört nicht auf das Gerede der Kinder. Selbst wenn Schwägerin Liu acht Köpfe hätte, würde sie es nicht wagen, Euch zu beleidigen. Dass die Eier schwer zu bekommen sind, stimmt wirklich. Wir haben ihr auch gerade gesagt, sie solle vernünftig sein — was immer es sei, man müsse eben einen Weg finden. Sie hat es eingesehen und hat sofort welche aufgesetzt. Wenn das Fräulein es nicht glaubt, seht nur dort auf dem Herd.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem alle gute Worte eingelegt hatten, legte sich Schachspielerins Zorn allmählich. Die kleinen Mädchen hatten noch nicht alles zertrümmert, also ließ man sie aufhören. Schachspielerin schimpfte und tobte noch eine Weile, wurde dann aber von allen beruhigt und ging. Frau Liu konnte nur Schüsseln und Teller hinwerfen, vor sich hin schimpfen und dann eine Schale gedünstete Eier zubereiten und hinüberschicken lassen. Schachspielerin schüttete sie vollständig auf den Boden. Die Person, die sie gebracht hatte, wagte es nicht zu berichten, aus Furcht, erneut Ärger zu verursachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu gab ihrer Tochter zu trinken — etwas Suppe, eine halbe Schale Congee — und erzählte ihr dann auch die Sache mit dem Porlingsschnee. Fünfchen hörte es und beschloss sofort, etwas davon Duftblümchen zu schenken. Sie wickelte also die Hälfte in Papier ein und machte sich in der Abenddämmerung, als wenige Leute unterwegs waren, zwischen Blumen und Weiden verborgen auf den Weg, um Duftblümchen zu suchen. Zu ihrem Glück fragte niemand sie aus. Sie ging geradewegs bis vor das Tor des Yihongyuan &amp;lt;ref&amp;gt;Hof der Versammelten Pracht, Schatzjades Wohnsitz im Großen Garten&amp;lt;/ref&amp;gt;, wagte aber nicht einzutreten und stand nur vor einem Rosenstrauch, von ferne hinüberschauend. Nachdem sie dort eine Teezeit lang gewartet hatte, kam gerade Xiaoyan heraus. Fünfchen eilte ihr entgegen und rief sie an. Xiaoyan wusste nicht, wer es war; erst als sie näher kam, erkannte sie sie und fragte, was sie wolle. Fünfchen lachte: „Ruf mir Duftblümchen heraus, ich möchte mit ihr sprechen.&amp;quot; Xiaoyan flüsterte lachend: „Schwester, du bist zu ungeduldig! In zehn Tagen oder so kommst du ohnehin her — warum musst du sie unbedingt suchen? Gerade eben hat man sie nach vorne geschickt. Warte noch ein wenig auf sie. Wenn du etwas zu sagen hast, dann sage es mir, ich richte es ihr aus. Ich fürchte, du kannst nicht so lange warten; bald wird das Gartentor geschlossen.&amp;quot; Fünfchen gab Xiaoyan den Porlingsschnee und erklärte ihr, dies sei Porlingsschnee, wie man sie einnehme, wie stärkend sie wirke: „Ich habe davon etwas bekommen und möchte es ihr schenken. Bitte richte es ihr aus und gib es ihr.&amp;quot; Damit verabschiedete sie sich und ging zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie gerade die Gegend um den Liaoxu-Teich entlangging, kam ihr plötzlich Frau Lin Zhixiao mit einigen alten Dienerinnen entgegen. Fünfchen konnte sich nicht mehr verbergen und musste sie begrüßen. Frau Lin Zhixiao fragte: „Ich hörte, du warst krank — wie kommst du hierher?&amp;quot; Fünfchen lächelte höflich: „Weil es mir die letzten zwei Tage besser ging, bin ich mit meiner Mutter hereingekommen, um mich ein wenig zu zerstreuen. Gerade hat mich meine Mutter zum Yihongyuan geschickt, um Küchengerät abzuliefern.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao sagte: „Das stimmt nicht. Eben habe ich gesehen, wie deine Mutter hinausging, und da habe ich erst das Tor geschlossen. Wenn deine Mutter dich geschickt hätte, warum hat sie mir dann nicht gesagt, dass du noch hier bist? Sie ist einfach hinausgegangen und hat mich das Tor schließen lassen — was hat sie sich dabei gedacht? Es ist klar, dass du lügst.&amp;quot; Fünfchen wusste darauf nichts zu antworten und sagte nur: „Eigentlich hat meine Mutter mir schon am Morgen gesagt, ich solle die Sachen holen; ich habe es vergessen und erst jetzt daran gedacht. Vermutlich hat meine Mutter irrtümlich gedacht, ich sei schon vorher hinausgegangen, und darum der Frau Hauswirtin nichts gesagt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Lin Zhixiao hörte ihre stockenden Worte und sah ihren verlegenen Ausdruck. Da zudem in den letzten Tagen Yuchuan'er gemeldet hatte, dass im Hauptgebäude drüben Gegenstände abhanden gekommen seien und mehrere Mädchen sich gegenseitig beschuldigten, ohne dass sich die Schuldige fand, wurde sie sofort argwöhnisch. Gerade kamen Xiaochan, Lotusblümchen und einige Frauen herbei. Als sie die Szene sahen, sagten sie: „Frau Lin sollte sie einmal verhören. Die letzten Tage rennt sie ständig hier herum — ganz verdächtig, heimlich und verstohlen, wer weiß, was sie treibt.&amp;quot; Xiaochan fügte hinzu: „Genau! Gestern sagte Schwester Yuchuan, dass in der Gnädigen Frau Seitenraum der Schrank geöffnet worden sei und allerlei Kleinigkeiten fehlten. Und als die Zweite Herrin Lian Friedchen und Schwester Yuchuan losschickte, um etwas Rosenwasser zu holen, fehlte auch ein Krug davon. Hätte man nicht nach dem Rosenwasser gesucht, wäre es gar nicht aufgefallen.&amp;quot; Lotusblümchen lachte: „Von dem habe ich zwar nichts gehört, aber heute habe ich tatsächlich eine Flasche für Rosenwasser gesehen.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao, die ohnehin wegen dieser ungeklärten Sachen beunruhigt war — jeden Tag trieb Phönixglanz [王熙凤] sie durch Friedchen an —, fragte beim Hören dieser Worte hastig, wo sie die Flasche gesehen habe. Lotusblümchen sagte: „In deren Küche.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao befahl sofort, Laternen anzuzünden, und ging mit allen los, um die Küche zu durchsuchen. Fünfchen sagte verzweifelt: „Das war ursprünglich ein Geschenk von Duftblümchen aus dem Zimmer des Zweiten Jungen Herrn Bao!&amp;quot; Frau Lin Zhixiao erwiderte: „Ob es nun von einer ‚eckigen' oder ‚runden Beamtin' ist — es gibt ein Beweisstück; ich werde es nur melden, und dann könnt ihr euch vor eurer Herrschaft verantworten.&amp;quot; Damit betraten sie die Küche. Lotusblümchen führte sie zur Flasche mit dem Rosenwasser. Aus Furcht, es könnte noch mehr Gestohlenes geben, durchsuchten sie alles gründlich und fanden noch ein Päckchen Porlingsschnee. Sie nahmen alles mit, führten Fünfchen ab und gingen, um Seidenweiß Pflaume [李纨] und Erkundefrühling [探春] Bericht zu erstatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu jener Zeit war Seidenweiß Pflaume gerade deshalb untätig, weil ihr Sohn Lan'ge erkrankt war, und befahl nur, zu Erkundefrühling zu gehen. Erkundefrühling war bereits in ihre Gemächer zurückgekehrt. Man meldete sich an; die Zofen waren alle im Hof und kühlten sich ab; Erkundefrühling war drinnen bei der abendlichen Toilette, und nur Daishu ging hinein, um Bericht zu erstatten. Nach einer Weile kam sie heraus und sagte: „Das Fräulein hat es zur Kenntnis genommen und lässt euch sagen, ihr sollt Friedchen suchen und es der Zweiten Herrin melden.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao hatte keine andere Wahl und brachte die Sache dorthin. Bei Phönixglanz angekommen, suchte sie zuerst Friedchen auf. Friedchen ging hinein und berichtete Phönixglanz [熙凤]. Phönixglanz hatte sich gerade schlafen gelegt. Als sie von der Sache hörte, ordnete sie an: „Gebt der Mutter vierzig Stockschläge und jagt sie hinaus; sie darf nie wieder den Inneren Hof betreten. Gebt Fünfchen vierzig Stockschläge und übergebt sie sofort dem Landgut — ob man sie verkauft oder verheiratet, ist einerlei.&amp;quot; Friedchen hörte es, kam heraus und gab Frau Lin Zhixiao die Anweisungen entsprechend weiter. Fünfchen war so verängstigt, dass sie schluchzend vor Friedchen niederkniete und ihr die ganze Geschichte mit Duftblümchen erzählte. Friedchen sagte: „Das ist nicht schwer — morgen braucht man nur Duftblümchen zu fragen, dann stellt sich heraus, ob es wahr ist oder nicht. Aber der Porlingsschnee wurde erst neulich als Geschenk gebracht, und man wartete noch auf die Rückkehr der Alten Herrin und der Gnädigen Frau, um ihn ihnen vorzulegen, bevor man ihn anrühren durfte — den hätte man nicht stehlen sollen.&amp;quot; Als Fünfchen das hörte, erzählte sie eilig auch die Geschichte, dass ihr Onkel ihn ihr geschickt hatte. Friedchen hörte das und lachte: „Wenn das so ist, bist du ja vollkommen unschuldig und wirst nur als Sündenbock benutzt. Jetzt ist es spät, die Herrin hat gerade ihre Medizin genommen und sich hingelegt; ich möchte sie wegen dieser Kleinigkeit nicht belästigen. Für heute soll sie der Nachtwache übergeben und über Nacht bewacht werden; morgen berichte ich der Herrin und man wird weitersehen.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao wagte nicht zu widersprechen und übergab Fünfchen den Nachtwächterinnen zur Bewachung; dann ging sie davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünfchen, nun unter Hausarrest gestellt, wagte keinen Schritt zu tun. Einige der Frauen rieten ihr zwar gutmütig, sie hätte solch unschickliche Dinge nicht tun sollen; andere schimpften: „Schon die reguläre Nachtwache ist schwer genug — und nun hat man uns auch noch eine Diebin zur Bewachung gebracht! Wenn sie sich, ohne dass wir es sehen, erhängt oder davonläuft, sind wir schuld.&amp;quot; Dazu kamen etliche Leute, die seit langem mit Frau Lius Familie verfeindet waren und dies nun genüsslich auskosteten, um sie zu verhöhnen und zu verspotten. Fünfchen fühlte in ihrem Herzen Zorn und Unrecht zugleich und hatte nirgends, wohin sie sich wenden konnte. Ohnehin schüchtern und kränklich, verbrachte sie diese Nacht ohne Tee, ohne Wasser, ohne Bettzeug und Kissen, leise schluchzend bis zum Morgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jene Leute aber, die sich mit Mutter und Tochter nicht vertrugen, konnten es kaum erwarten, dass man sie vertrieb; aus Furcht, am nächsten Tag könnte sich die Lage ändern, standen sie alle frühzeitig auf und gingen heimlich zu Friedchen, um sie zu beeinflussen. Teils schenkten sie ihr etwas, teils schmeichelten sie ihr, wie entschieden und tüchtig sie die Dinge handhabe, und teils erzählten sie ausgiebig von den vielen Vergehen der Mutter im Alltag. Friedchen bejahte alles der Reihe nach und schickte sie weg. Dann ging sie leise zu Dufthauch [袭人] und fragte sie, ob es denn wirklich stimme, dass Duftblümchen Fünfchen das Rosenwasser gegeben habe. Dufthauch sagte: „Das Rosenwasser hat Schatzjade tatsächlich Duftblümchen gegeben; an wen Duftblümchen es weitergegeben hat, weiß ich allerdings nicht.&amp;quot; Dufthauch fragte daraufhin Duftblümchen. Als Duftblümchen das hörte, geriet sie in helle Aufregung und bestätigte eilig, dass sie es selbst geschenkt habe. Duftblümchen erzählte es sogleich auch Schatzjade. Schatzjade erschrak ebenfalls und sagte: „Mit dem Rosenwasser ist es zwar geklärt, aber wenn die Sache mit dem Porlingsschnee aufgerollt wird, wird sie natürlich auch wahrheitsgemäß aussagen. Wenn man dann erfährt, dass sie es von ihrem Onkel bekommen hat, gerät dieser auch in Schwierigkeiten — und das gute Geschenk eines anderen hat ihnen nur Unglück gebracht.&amp;quot; Eilig beratschlagte er mit Friedchen: „Die Sache mit dem Rosenwasser ist erledigt, aber auch beim Porlingsschnee gibt es ein Problem. Liebe Schwester, lass sie doch sagen, der sei ebenfalls ein Geschenk von Duftblümchen — dann wäre alles erledigt.&amp;quot; Friedchen lachte: „Das mag ja sein, aber gestern Abend hat sie bereits vor den Leuten gesagt, er sei von ihrem Onkel. Wie kann sie nun plötzlich sagen, du hättest ihn gegeben? Außerdem ist auch beim Rosenwasser drüben noch keine Schuldige gefunden. Wenn man nun die Ertappte mit dem Beweis freilässt, wen soll man dann suchen? Wer würde es noch zugeben? Die Leute wären auch nicht zufrieden.&amp;quot; Da kam Heitermuster herein und sagte lachend: „Bei dem Rosenwasser der Gnädigen Frau kommt niemand anderes in Frage — es war ganz offensichtlich Caiyun, die es für Huan'ge gestohlen hat. Redet nicht so wild durcheinander!&amp;quot; Friedchen lachte: „Wer wüsste das nicht! Aber als Yuchuan'er sich weinend an sie wandte und sie leise fragte, und jene es zugab, war Yuchuan'er zufrieden, und alle ließen es auf sich beruhen. Wir werden doch nicht freiwillig diese Sache an uns reißen! Das Ärgerliche ist, dass Caiyun es nicht nur nicht zugibt, sondern Yuchuan'er sogar beschuldigt, sie habe es gestohlen. Die beiden liefern sich einen Schlagabtausch, und das ganze Haus weiß davon — wie sollen wir da unbeteiligt bleiben? Natürlich muss nachgeforscht werden. Aber bekanntlich: ‚Wer den Diebstahl meldet, ist selbst der Dieb' — und ohne Beweis, wie soll man sie überführen?&amp;quot; Schatzjade sagte: „Nun gut, diese Sache nehme ich auch auf mich. Ich sage einfach, ich hätte sie erschrecken wollen und heimlich etwas von der Gnädigen Frau entwendet. Dann sind beide Angelegenheiten erledigt.&amp;quot; Dufthauch sagte: „Das wäre allerdings ein gutes Werk — jemandes Diebesruf zu tilgen. Nur: Wenn die Gnädige Frau davon hört, wird sie wieder sagen, du seist kindisch und wüsstest nicht, was sich gehört.&amp;quot; Friedchen lachte: „Das ist noch ein kleines Problem. Selbst wenn man jetzt bei Konkubine Zhao das Diebesgut beschlagnahmte — das wäre zwar leicht —, fürchte ich doch, dass es eine anständige Person in ihrem Ansehen verletzen würde. Von allen anderen ganz abgesehen: Diese eine Person — würde sie sich nicht darüber ärgern? Mir tut sie leid; ich möchte nicht ‚beim Rattenfang die Jadevase beschädigen'.&amp;quot; Dabei streckte sie drei Finger aus. Dufthauch und die anderen verstanden sofort, dass sie von Erkundefrühling sprach. Alle sagten eilig: „Ja, genau so ist es. Am besten nehmen wir es hier auf uns.&amp;quot; Friedchen lachte wieder: „Allerdings müssen wir erst diese beiden Übeltäterinnen Caiyun und Yuchuan'er herbeirufen und sie genau befragen, bevor es geht. Sonst glauben sie, sie seien davongekommen — und nicht, weil ich es um ihretwillen so gelöst habe, sondern weil ich die Sache nicht aufklären konnte und es von hier aus regeln musste. Dann werden sie künftig nur noch dreister stehlen und sich nicht mehr darum scheren.&amp;quot; Dufthauch und die anderen lachten: „Ganz recht, du musst dir auch ein Hintertürchen offenhalten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen ließ die beiden holen und sagte: „Keine Angst, die Diebin ist gefunden.&amp;quot; Yuchuan'er fragte sofort, wo die Diebin sei. Friedchen sagte: „Sie ist gerade im Zimmer der Zweiten Herrin; fragt sie, und sie gesteht alles. Ich weiß in meinem Herzen, dass nicht sie es gestohlen hat; das arme Ding hat vor lauter Angst alles zugegeben. Der Zweite Junge Herr Bao hier hat Mitleid mit ihr und will die Hälfte auf sich nehmen. Ich wollte die Wahrheit sagen, aber die Diebin ist im Alltag eine Schwester, die mir nahesteht; die Hehlerin ist eine gewöhnliche Person; und drittens wäre eine anständige Person in ihrem Ansehen betroffen. Darum bin ich in einer Zwickmühle und muss den Zweiten Jungen Herrn bitten, es zu übernehmen, damit alle in Frieden sind. Nun frage ich euch beide: Wie wollt ihr es halten? Wenn ihr von jetzt an alle aufpasst und den Anstand wahrt, dann bitte ich den Zweiten Jungen Herrn, es auf sich zu nehmen. Andernfalls berichte ich der Zweiten Herrin — dann soll keine Unschuldige leiden.&amp;quot; Caiyun hörte das, und ihr stieg die Röte ins Gesicht; ein Gefühl der Scham erfasste sie, und sie sagte: „Schwester, sei unbesorgt. Keine Unschuldige soll leiden, und kein Unbeteiligter soll in seinem Ansehen beschädigt werden. Den Diebstahl hat Konkubine Zhao wieder und wieder auf mich eingeredet; ich habe einiges für Huan'ge genommen — das ist wahr. Selbst wenn die Gnädige Frau zu Hause war, haben wir immer wieder etwas herausgenommen und an Leute verschenkt, das war nichts Ungewöhnliches. Ich dachte, nach ein paar Tagen Aufregung wäre es vorbei. Aber nun, da eine Unschuldige beschuldigt wird, kann ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Schwester, führe mich zur Herrin; ich gestehe alles.&amp;quot; Alle waren erstaunt, dass sie so aufrichtig und mutig war. Schatzjade sagte eilig lachend: „Schwester Caiyun ist wahrhaftig ein rechtschaffener Mensch! Aber du brauchst nichts zuzugeben; ich sage einfach, ich hätte heimlich etwas der Gnädigen Frau entwendet, um euch zu erschrecken und mich zu amüsieren. Nun, da es Ärger gegeben hat, muss ich es natürlich eingestehen. Ich bitte nur die Schwestern, künftig etwas zurückhaltender zu sein, dann ist allen geholfen.&amp;quot; Caiyun sagte: „Was ich getan habe — warum sollst du dafür geradestehen? Ob es mich den Kopf kostet oder nicht, ich muss die Folgen tragen.&amp;quot; Friedchen und Dufthauch sagten eilig: „So geht es nicht. Wenn du es zugibst, wird unweigerlich auch die Konkubine Zhao hineingezogen. Wenn dann das Dritte Fräulein davon erfährt, wie wird sie sich ärgern! Am besten nimmt der Zweite Junge Herr es auf sich; dann ist alles friedlich. Außerdem erfährt außer uns wenigen niemand davon — wie sauber! Nur müsst ihr in Zukunft alle vorsichtig sein. Wenn ihr etwas nehmen wollt, wartet wenigstens, bis die Gnädige Frau zurück ist — selbst wenn ihr dann das ganze Haus herschenkt, haben wir nichts damit zu schaffen.&amp;quot; Caiyun senkte den Kopf, dachte einen Moment nach und stimmte schließlich zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So berieten sie alles miteinander. Friedchen nahm die beiden und Duftblümchen mit und ging zum Vorderhaus, holte aus der Wachstube Fünfchen und unterwies sie leise, auch bei dem Porlingsschnee zu sagen, er sei ein Geschenk Duftblümchens. Fünfchen war unendlich dankbar. Friedchen nahm sie alle mit in ihre eigene Abteilung, wo Frau Lin Zhixiao bereits mit mehreren Frauen wartete und Frau Liu in Gewahrsam hatte. Frau Lin Zhixiao sagte noch zu Friedchen: „Heute Morgen habe ich sie hierhergebracht, und damit im Garten niemand fehlt, der den Fräulein das Essen bereitet, habe ich vorläufig die Frau des Qin Xian dorthin geschickt. Bitte berichtet es der Herrin — sie ist wirklich sauber und gewissenhaft; man könnte sie von nun an dauerhaft dort einsetzen.&amp;quot; Friedchen fragte: „Wer ist die Frau des Qin Xian? Ich kenne sie nicht gut.&amp;quot; Frau Lin Zhixiao sagte: „Sie hat Nachtdienst in der Südecke des Gartens; tagsüber hat sie nichts zu tun, darum kennt das Fräulein sie nicht so gut. Hohe Wangenknochen, große Augen, sehr sauber und ordentlich.&amp;quot; Yuchuan'er sagte: „Richtig! Schwester, erinnerst du dich nicht? Sie ist die Tante von Schachspielerin, der Zofe des Zweiten Fräuleins. Schachspielerins Eltern gehören zwar zum Haushalt des Ersten Herrn, aber ihr Onkel gehört zu unserem Haushalt.&amp;quot; Friedchen hörte das und erinnerte sich. Sie lachte: „Oh, hättest du gleich gesagt, dass sie es ist, hätte ich es sofort gewusst.&amp;quot; Dann lachte sie: „Da seid ihr ja etwas vorschnell gewesen! Inzwischen ist die Sache von allen Seiten aufgeklärt, und auch bei dem, was neulich im Zimmer der Gnädigen Frau fehlte, ist die Schuldige gefunden. Als Schatzjade neulich herüberkam und von diesen beiden Unholdinnen etwas verlangte, neckten die ihn und sagten, wenn die Gnädige Frau nicht da sei, wagten sie nicht, etwas herauszugeben. Da hat Schatzjade, als die beiden nicht aufpassten, heimlich etwas herausgenommen. Die beiden wussten es nicht und erschraken ganz furchtbar. Nun, da Schatzjade gehört hat, dass andere in Schwierigkeiten geraten sind, hat er mir alles genau erzählt und mir die Sachen gezeigt — nicht ein einziges Stück fehlte. Der Porlingsschnee hat Schatzjade von draußen bekommen und schon vielen Leuten geschenkt — nicht nur die Leute im Garten haben davon, auch die älteren Dienerinnen haben sich welchen erbeten und ihn ihren Verwandten mitgebracht, und die verschenkten ihn weiter. Dass Dufthauch ihn Duftblümchen und deren Freundinnen gegeben hat — das sind private Freundlichkeiten, die unter ihnen üblich sind. Vor ein paar Tagen standen die zwei Körbe noch oben in der Beratungshalle, ordentlich verpackt und unberührt — wie kann man da aufs Geratewohl Leute beschuldigen! Wartet, bis ich es der Herrin berichtet habe.&amp;quot; Damit ging sie ins Schlafgemach und erzählte Phönixglanz die ganze Geschichte genau so, wie sie es vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Das mag alles stimmen, aber Schatzjade ist einer, der ungeachtet aller Umstände gern Dinge auf sich nimmt. Kaum bitten ihn andere, und er hört zwei freundliche Worte, lässt er sich schon alles aufsetzen — was gäbe es, das er nicht zugeben würde. Wenn wir ihm glauben, wird er künftig auch bei ernsten Angelegenheiten so handeln — wie soll man dann die Leute in Ordnung halten? Man muss noch gründlich nachforschen. Nach meinem Sinn: Holt alle Zofen der Gnädigen Frau her, und wenn man sie auch nicht ohne Weiteres schlagen darf, so lasst sie auf Porzellanscherben knien in der prallen Sonne; gebt ihnen weder Tee noch Essen. Wer an einem Tag nicht gesteht, kniet einen Tag — selbst Eiserne würden dann eingestehen. Und wie man so sagt: ‚Fliegen setzen sich nicht auf Eier ohne Riss.' Auch wenn diese Frau Liu nicht gestohlen hat, muss irgendetwas daran gewesen sein, sonst hätten die Leute nicht von ihr gesprochen. Wenn man sie auch nicht wie eine Diebin bestraft, so soll man sie doch entlassen. Selbst bei Hofe gibt es Fälle, wo Unschuldige mitgehangen werden — so große Ungerechtigkeit ist das auch nicht.&amp;quot; Friedchen sagte: „Wozu sich so den Kopf zerbrechen! ‚Wenn es Zeit ist loszulassen, dann lass los' — was kann schon Schlimmes dabei sein, ein wenig Gnade walten zu lassen? Wenn ich es recht bedenke: Wie viel Mühe wir uns auch in diesem Haus geben, am Ende gehen wir ja in jenes Haus drüben. Unnötig, sich die Feindschaft der kleinen Leute zuzuziehen und Groll zu ernten. Zudem hast du selbst allerlei Unglück erlitten — mit Müh und Not warst du schwanger geworden, und im sechsten, siebten Monat hast du es verloren. Wer weiß, ob das nicht von der täglichen Überarbeitung und dem Ärger kam, der dich innerlich verletzt hat. Von jetzt an wäre es doch gut, manches zu sehen und manches zu übersehen und es dabei zu belassen.&amp;quot; Diese Worte brachten Phönixglanz zum Lachen. Sie sagte: „Du kleines Biest, mach du es, wie du willst! Mir geht es gerade etwas besser, ich will mich nicht aufregen.&amp;quot; Friedchen lachte: „Das ist erst vernünftig!&amp;quot; Damit ging sie hinaus und erledigte alles der Reihe nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
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== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 60</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第六十回 / Kapitel 60 =&lt;br /&gt;
== 茉莉粉替去蔷薇硝 ==&lt;br /&gt;
=== 玫瑰露引出茯苓霜 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jasminpuder&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 茉莉粉 mòlì fěn — ein kosmetisches Puder aus Jasminblütenessenz.&amp;lt;/ref&amp;gt; ersetzt den Rosensalpeter&lt;br /&gt;
Rosennektar&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 玫瑰露 méiguī lù — Rosenblütendestillat, ein kostbares Getränk und Heilmittel.&amp;lt;/ref&amp;gt; führt zum Porlingsschnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 茯苓霜 fúlíng shuāng — ein kostbares Stärkungsmittel aus dem Porling-Pilz (Poria cocos).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; fragte Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér — Phönixglanz' treue Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, was sie denn so in Atem halte. Friedchen sagte lächelnd: „Lauter Dinge, auf die kein Mensch kommen würde. Es klingt auch ziemlich lächerlich. In ein paar Tagen erzähle ich es dir. Im Augenblick ist noch alles wirr, und ich habe auch keine Zeit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie ausgeredet, erschien ein Dienstmädchen von Seidenweiß Pflaume und sagte: „Ist Schwester Friedchen hier? Die gnädige Frau wartet auf dich – warum kommst du denn nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen machte sogleich kehrt, ging hinaus und rief lachend: „Ich komme, ich komme!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch und die anderen sagten lächelnd: „Seitdem ihre Herrin krank liegt, ist Friedchen begehrt wie ein warmer Sesamkuchen – jeder reißt sich um sie, und keiner bekommt sie zu fassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen war fort, und damit genug von ihr. Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; rief nun Frühlingsschwälbchen und sagte: „Geh mit deiner Mutter zu Fräulein Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi — Tante Schnees Tochter.&amp;lt;/ref&amp;gt; hinüber und sage Drossel ein paar nette Worte. Man kann sie nicht einfach so beleidigen und dann nichts dazu sagen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen sagte „Jawohl!&amp;quot; und ging schon mit ihrer Mutter hinaus, da rief Schatzjade noch durchs Fenster hinterher: „Aber redet nicht in Gegenwart von Fräulein Schatzspange darüber – sonst bekommt Drossel am Ende noch eine Zurechtweisung!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mutter und Tochter versprachen es und gingen hinaus. Während sie nebeneinander liefen, unterhielten sie sich. Frühlingsschwälbchen sagte zu ihrer Mutter: „Was ich dir immer geraten habe, wolltest du mir nicht glauben. Erst musstest du dich blamieren, ehe du Ruhe gibst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter sagte lächelnd: „Geh nur, kleines Biest! ‚Durch Schaden wird man klug', heißt es im Sprichwort. Jetzt weiß ich Bescheid. Brauchst du mir also keine Vorwürfe mehr zu machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen sagte lächelnd: „Mutter, wenn du dich hier bescheiden gibst und deinen Dienst in diesen Räumen treu versehst, wirst du auf die Dauer viele Vorteile haben. Ich will dir etwas verraten: Schatzjade hat schon oft gesagt, er wolle eines Tages die gnädige Frau bitten, alle, die in seinen Räumen dienen, freizulassen – ganz gleich, ob sie zum Haus gehören oder von außen kamen –, damit sie nach Belieben zu ihren Eltern zurückkehren können. Sag selbst, wäre das nicht wunderbar?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter fragte aufgeregt: „Ist das wirklich wahr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen erwiderte: „Wer würde in so einer Sache lügen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Dienstfrau das hörte, murmelte sie in einem fort Buddhas Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Haselwurzpark angekommen, trafen sie Schatzspange, Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù — Schatzjades Cousine.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Königs Schwester.&amp;lt;/ref&amp;gt; gerade beim Essen an. Drossel war Tee aufbrühen gegangen. Frühlingsschwälbchen trat mit ihrer Mutter vor Drossel hin und sagte lächelnd: „Meine Mutter war vorhin beleidigend zu dir. Du darfst ihr nicht böse sein und es ihr nicht verübeln – wir kommen eigens, um dich um Verzeihung zu bitten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel bat sie sogleich lächelnd, Platz zu nehmen, und wollte ihnen Tee einschenken. Doch Mutter und Tochter sagten, sie hätten zu tun, und verabschiedeten sich. Sie waren schon im Gehen, da kam plötzlich Staubfäden hinterhergelaufen und rief: „Mütterchen! Schwester! Wartet einen Augenblick!&amp;quot; Sie holte sie ein und drückte ihnen ein Papierpäckchen in die Hand: „Das ist Rosensalpeter. Nehmt ihn für Duftlein&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 芳官 Fāngguān — eine der Schauspielerinnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit, sie soll sich das Gesicht damit einreiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen sagte lächelnd: „Ihr seid wirklich zu kleinlich! Als ob es drüben nichts dergleichen gäbe! Extra schickst du ihr noch ein Päckchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staubfäden erwiderte: „Was sie drüben hat, ist von drüben. Das hier ist ein Geschenk von mir. Liebe Schwester, nimm es auf jeden Fall mit!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen nahm es also entgegen. Als Mutter und Tochter zum Purpurwolken-Hof zurückkamen, waren gerade Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾环 Jiǎ Huán — Schatzjades jüngerer Halbbruder, Nebenfrau Zhaos Sohn.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾环 Unheil Kaufmann, Schatzjades jüngerer Halbbruder.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Zweiter Kaufmann &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾琮 Jia Cong.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu einem Besuch bei Schatzjade erschienen und eben eingetreten. Frühlingsschwälbchen sagte zu ihrer Mutter: „Ich gehe allein hinein – du brauchst nicht mitzukommen.&amp;quot; Die Mutter gehorchte von nun an willig und wagte keinen Widerspruch mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen trat ins Zimmer. Schatzjade wusste, sie wollte Bericht erstatten, und nickte ihr zu. Frühlingsschwälbchen verstand und sagte kein Wort. Nachdem sie eine Weile dagestanden hatte, drehte sie sich um, ging hinaus und gab Duftlein ein Zeichen mit den Augen. Duftlein folgte ihr nach draußen, und leise erzählte Frühlingsschwälbchen ihr, was Staubfäden bestellt hatte, und gab ihr den Salpeterpuder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wusste nicht, worüber er mit Unheil Kaufmann und Zweiter Kaufmann reden sollte, und fragte daher lächelnd Duftlein, was sie in der Hand halte. Duftlein reichte es ihm sogleich und sagte: „Das ist Rosensalpeter gegen die Frühjahrsflechte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie aufmerksam, dass sie daran gedacht hat!&amp;quot; lobte Schatzjade lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unheil Kaufmann reckte den Hals und spähte auf das Päckchen; als er den frischen Duft wahrnahm, bückte er sich, zog ein Stück Papier aus dem Stiefelschaft, hielt es wie ein Tablett hin und sagte lächelnd: „Lieber Bruder, gib mir die Hälfte ab!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war schon bereit, ihm etwas zu geben, doch Duftlein, der das Geschenk von Staubfäden zu kostbar war, um es mit anderen zu teilen, fiel ihm rasch in den Arm und sagte lächelnd: „Rühr diesen nicht an – ich hole anderen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade verstand sofort, wickelte das Päckchen lächelnd wieder ein und sagte: „Dann hol ihn schnell!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein nahm das Päckchen, legte es weg und suchte in ihrem Toilettenkästchen nach dem Salpeterpuder, den sie selbst benutzte. Doch als sie die Dose öffnete, war sie leer. Verwundert dachte sie: „Heute Morgen war noch etwas darin – wie kann es jetzt verschwunden sein?&amp;quot; Sie fragte die anderen, aber alle sagten, sie wüssten nichts davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 麝月 Shèyuè — eine von Schatzjades Zofen.&amp;lt;/ref&amp;gt; sagte: „Was regst du dich jetzt darüber auf? Irgendjemand aus unseren Räumen hat gerade nichts gehabt und es sich genommen. Gib ihnen einfach irgendetwas – die merken das doch nicht. Hauptsache, sie gehen bald, damit wir essen können.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wickelte Duftlein ein wenig Jasminpuder ein und brachte es hinüber. Unheil Kaufmann streckte sofort die Hand danach aus, doch Duftlein warf das Päckchen kurzerhand aufs Ruhebett, sodass Unheil Kaufmann es von dort aufheben musste. Er steckte es in seinen Busen, verabschiedete sich und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Aufrecht Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng — Schatzjades strenger Vater, derzeit auf Dienstreise.&amp;lt;/ref&amp;gt; verreist und auch Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Aufrecht Kaufmanns Hauptfrau.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht zu Hause war, hatte Unheil Kaufmann schon seit Tagen die Schule geschwänzt, indem er sich krank stellte. Nachdem er jetzt das Pulver bekommen hatte, machte er sich frohlockend auf die Suche nach Farbwölkchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 彩云 Cǎiyún — Dienstmädchen bei Dame König.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 彩云 Caiyun, Dienstmädchen bei Dame König.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Zufall wollte es, dass sie gerade mit Nebenfrau Zhao&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 赵姨娘 Zhào Yíniáng — Aufrecht Kaufmanns Nebenfrau, Mutter von Erkundefrühling und Unheil Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; plauderte. Unheil Kaufmann sagte strahlend zu Farbwölkchen: „Ich habe dir etwas Feines mitgebracht zum Einreiben des Gesichts! Du sagst doch immer, Rosensalpeter sei gegen Flechten besser als der Silbersalpeter, den man draußen kauft. Schau einmal, ob es das Richtige ist!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farbwölkchen öffnete das Päckchen, warf einen Blick hinein und prustete los: „Von wem hast du dir das geben lassen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unheil Kaufmann erzählte, was sich zugetragen hatte. Farbwölkchen sagte lächelnd: „Die haben dich angeführt wie einen Dorftrottel! Das ist kein Rosensalpeter, das ist Jasminpuder.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unheil Kaufmann sah sich das Pulver noch einmal an: Tatsächlich war es rötlicher als gewöhnlicher Salpeter, und als er daran roch, strömte es einen durchdringenden Duft aus. Lächelnd sagte er: „Es ist doch auch etwas Gutes. Ob nun Salpeter oder Puder – behalt es und reib dir das Gesicht damit ein. Solange es besser ist als das Zeug, das man draußen kauft, ist es doch recht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Farbwölkchen steckte es notgedrungen ein. Nebenfrau Zhao aber sagte: „Dir gibt man natürlich etwas Gutes! Wer hat dich geheißen, darum zu bitten? Jetzt brauchst du dich nicht zu wundern, dass man sich über dich lustig macht. Wenn du auf mich hörst, gehst du hin und schleuderst es ihr ins Gesicht! Gerade jetzt, wo die einen unterwegs sind und die anderen krank im Bett liegen – das ist die Gelegenheit, ordentlich Krach zu schlagen, damit die alle aus ihrer Behaglichkeit aufgeschreckt werden! Das wäre eine Revanche! In zwei Monaten fragt kein Mensch mehr danach. Und selbst wenn man dich fragt, hast du genug zu sagen. Schatzjade ist dein älterer Bruder, und gegen ihn willst du nicht anrennen – gut. Aber musst du deshalb auch Angst haben, so ein Hündchen oder Kätzchen aus seinen Räumen zur Rede zu stellen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unheil Kaufmann senkte nur den Kopf. Farbwölkchen sagte rasch: „Wozu einen Streit vom Zaun brechen? Wie es auch sei – das Klügste ist, Geduld zu üben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao fuhr sie an: „Du halt dich da heraus! Dich geht es nichts an. Man sollte die Gelegenheit nutzen und diesen schamlosen Weibsstücken ordentlich die Meinung sagen – das wäre schon etwas wert.&amp;quot; Dann deutete sie auf Unheil Kaufmann, spuckte aus und schimpfte: „Pfui! Du erbärmlicher Schlappschwanz! Natürlich lässt du dich von diesen grünen Rotznasen demütigen! Wenn ich dir ein Wort sage oder dir versehentlich das Falsche gebe, dann verdrehst du die Augen, die Stirnadern schwellen dir, und du trampelst und wirfst Sachen nach deiner eigenen Mutter! Aber jetzt, wo dich diese Gören zum Narren halten, lässt du dir alles gefallen. Und du bildest dir ein, das Gesinde werde dich eines Tages noch respektieren? Zu nichts bist du zu gebrauchen – ich schäme mich für dich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unheil Kaufmann war beschämt und aufgebracht zugleich, doch er wagte nicht zu gehen. Er machte eine unwirsche Handbewegung und sagte: „Du verstehst so gut zu reden, aber du gehst ja selbst nicht hin! Du schickst mich vor, um den Skandal anzuzetteln. Wenn es an die Schule gemeldet wird und ich Prügel bekomme, tut es dir ja nicht weh! Jedes Mal hast du mich aufgestachelt, und wenn dann der Skandal da war und ich Prügel und Schelte bekam, hast du nur stumm den Kopf gesenkt. Jetzt willst du mich schon wieder gegen die kleinen Mägde aufhetzen. Wenn du keine Angst vor der dritten Schwester &amp;lt;ref&amp;gt;Erkundefrühling.&amp;lt;/ref&amp;gt; hast, dann geh doch selbst – dann gebe ich mich geschlagen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem einen Satz hatte er seiner Mutter mitten ins Herz getroffen. Sie schrie: „Ich soll mich fürchten vor einem, der aus meinem eigenen Leib gekrochen ist? Da hätten wir ja schöne Zustände!&amp;quot; Während sie das sagte, schnappte sie sich das Päckchen mit dem Puder und stürmte in Richtung Garten davon. Farbwölkchen, die sie beim besten Willen nicht zurückhalten konnte, suchte in einem anderen Zimmer Zuflucht. Unheil Kaufmann verschwand durchs Zeremonialtor und ging seinem Vergnügen nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao stürmte wie eine Furie in den Garten. Zufällig kam ihr Lotosblats Pflegemutter, die Dienstfrau Xia&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 夏婆子 Xià Pózǐ — eine Dienstfrau, Verbündete der Nebenfrau Zhao.&amp;lt;/ref&amp;gt;, entgegen. Als sie Nebenfrau Zhao wutschnaubend herankommen sah, fragte sie: „Wohin des Wegs, gnädige Nebenfrau?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sieh dir das an!&amp;quot; rief Nebenfrau Zhao. „Selbst diese kleinen Schauspielerhuren, die erst vor zwei, drei Tagen ins Haus gekommen sind, erlauben sich, uns Leute nach Rang und Stand zu sortieren und kleine Schälchen vorzusetzen! &amp;lt;ref&amp;gt;Redewendung für: jemanden nach seinem Stand unterschiedlich behandeln..&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei jemand anderem würde es mich nicht ärgern, aber von diesen kleinen Ludern brauche ich mir doch keinen Spott gefallen zu lassen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das traf genau die Empfindungen der Dienstfrau Xia, und sie fragte eilig nach dem Grund. Nebenfrau Zhao erzählte ihr ausführlich, wie Duftlein den Unheil Kaufmann verächtlich behandelt hatte, indem sie ihm Jasminpuder statt Rosensalpeter gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrau Xia sagte: „Gnädige Frau, davon erfahrt Ihr heute erst? Das ist doch gar nichts! Erst gestern haben sie hier heimlich Opfergeld verbrannt, und Schatzjade hat sich noch als Schutzschild davor gestellt. Wenn andere etwas hereinbringen wollen, heißt es, das gehe nicht, das sei unrein und bringe Unglück. Aber Opferpapier verbrennen – das bringt wohl kein Unglück? Überlegt einmal: Wer steht hier im Haus über Euch, außer der gnädigen Frau selbst? Ihr braucht Euch nur aufzurichten, und jedermann wird Respekt vor Euch haben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meiner Meinung nach solltet Ihr die Gelegenheit nutzen: Diese kleinen Huren sind ohnehin nichts Ordentliches – wenn man sie beleidigt, hat das keine großen Folgen. Greift diese beiden Vorfälle auf und statuiert ein Exempel! Ich trete als Zeugin auf. Wenn Ihr jetzt Eure Autorität behauptet, könnt Ihr Euch auch künftig in anderen Dingen Respekt verschaffen. Wegen dieser kleinen Huren werden die junge gnädige Frau und die Fräulein kaum ein Wort gegen Euch erheben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao fühlte sich in ihrer Meinung erst recht bestärkt und sagte: „Von der Sache mit dem Opfergeld weiß ich nichts – erzähl mir das der Reihe nach!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrau Xia berichtete ihr in allen Einzelheiten und fügte hinzu: „Geht nur hin und sagt, was zu sagen ist! Wenn es Ärger gibt, sind wir da, um Euch beizustehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao war nun völlig aufgeputscht und marschierte schnurstracks in den Purpurwolken-Hof. Dort traf es sich, dass Schatzjade gehört hatte, Kajaljade sei im Haselwurzpark, und dorthin gegangen war. Duftlein saß gerade mit Dufthauch und den anderen beim Essen. Als sie Nebenfrau Zhao hereinkommen sahen, standen alle auf und sagten lächelnd: „Gnädige Nebenfrau, esst doch mit! Was führt Euch so eilig her?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao antwortete nicht. Sie trat vor, schleuderte Duftlein den Puder ins Gesicht, deutete mit dem Finger auf sie und schimpfte: „Du schamlose kleine Hure! Für mein Geld hat man dich gekauft, damit du die Schauspielerei lernst – du bist nichts weiter als eine Dirne! Die geringste Sklavin in meinem Haus steht höher als du, aber du erdreistest dich, die Leute nach ihrem Stand zu behandeln! Schatzjade wollte ihm etwas geben, und du hast ihn daran gehindert – hat er etwa von deinem gegeben? Mit diesem Zeug hast du meinen Sohn hinters Licht geführt und geglaubt, er merke es nicht! Ob es dir gefällt oder nicht: Sie sind Brüder, beide sind sie Herren dieses Hauses – wie kommst du dazu, ihn geringzuschätzen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie hätte Duftlein solche Worte ertragen können! Unter Tränen erwiderte sie: „Der Salpeter war alle, darum habe ich ihm das gegeben. Hätte ich gesagt, er sei alle, hätte er mir nicht geglaubt. Ist denn das etwas Schlechtes? Ja, ich habe die Schauspielerei gelernt, aber ich bin nie außer Hause aufgetreten. Ich bin ein Mädchen – was weiß ich von Huren und Dirnen! Gnädige Nebenfrau, Ihr habt keinen Grund, mich zu beschimpfen. Und außerdem habt nicht Ihr mich gekauft. ‚Wenn die Magd mit der Magd Freundschaft schließt – sind beide Sklavinnen!' &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. Sprichwörtliche Redensart die darauf anspielt, dass auch Nebenfrau Zhao ursprünglich eine Sklavin war..&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch zog sie rasch am Arm zurück: „Hör auf mit dem Unsinn!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao aber war außer sich vor Wut, trat vor und versetzte Duftlein zwei schallende Ohrfeigen. Dufthauch und die anderen eilten herbei, hielten sie fest und redeten ihr zu: „Gnädige Nebenfrau, seid doch verständiger als das Kind! Überlasst es uns, mit ihr zu reden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein jedoch wollte nach den Schlägen nicht einlenken, warf sich hin und her, rollte über den Boden und gebärdete sich wie außer sich. Unter Tränen schrie sie: „Du schlägst mich? Schau erst in den Spiegel, wie du aussiehst, ehe du die Hand gegen mich hebst! Dann schlag mich doch tot – ich lebe noch!&amp;quot; Sie stieß Nebenfrau Zhao den Kopf vor die Brust und schrie, sie solle nur zuschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle redeten auf sie ein und versuchten, sie wegzuziehen. Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 晴雯 Qíngwén — eine von Schatzjades Zofen.&amp;lt;/ref&amp;gt; aber nahm Dufthauch unauffällig beiseite und flüsterte: „Kümmere dich nicht darum! Lass sie sich ruhig streiten – wir wollen sehen, wie sie wieder auseinanderkommen! König Krawall regiert heute. Was soll das: die eine kommt und schlägt, die andere kommt und schlägt – wenn das so weitergeht, wo soll das enden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen hörten die Dienstfrauen, die Nebenfrau Zhao begleitet hatten, den Lärm und freuten sich insgeheim. Sie riefen Buddhas Namen an und sagten: „Endlich ist es so weit! Das hat sie verdient!&amp;quot; Auch die anderen alten Dienstfrauen, die einen Groll auf die Schauspielerinnen hegten, waren zufrieden, als sie hörten, dass Duftlein Schläge bekam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lotosblatt und Staubfäden spielten unterdessen zusammen an einem anderen Ort. Sonnenblume &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 葵官 Kuiguan.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Xiangji zugeteilt war, und Bohne &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 豆官 Douguan.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die nun bei Schatznadel &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 宝琴 Kostbarzither Schnee.&amp;lt;/ref&amp;gt; diente, erfuhren die Nachricht und stürzten zu den beiden: „Duftlein wird drangsaliert – das ist eine Schmach für uns alle! Nur wenn wir zusammen ordentlich Krawall schlagen, werden wir uns Respekt verschaffen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier waren Kinder, die allein die gerechte Empörung sahen, die sie ihrer Freundin schuldig waren, und an nichts anderes dachten. Gemeinsam rannten sie in den Purpurwolken-Hof. Bohne preschte als Erste vor und rammte Nebenfrau Zhao mit dem Kopf, dass diese beinahe gestürzt wäre. Auch die anderen drei stürmten heulend auf sie los, zerrten und rammten sie, bis Nebenfrau Zhao völlig eingekeilt war. Heitermuster und die anderen lachten und taten nur so, als wollten sie die Mädchen wegziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch rannte aufgeregt hin und her, zog die eine weg, und schon lief die nächste los. Sie rief: „Seid ihr von Sinnen! Wenn ihr euch ungerecht behandelt fühlt, könnt ihr darüber reden, aber so etwas gehört sich nicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao wusste sich nicht mehr zu helfen und konnte nur noch wild drauflosschimpfen. Staubfäden und Lotosblatt hielten sie rechts und links an den Armen fest, Sonnenblume und Bohne stemmten sich von vorn und hinten gegen sie. Alle vier sagten: „Schlagt uns vier doch alle tot, wenn Euch danach ist!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein lag unterdessen der Länge nach auf dem Boden und heulte zum Steinerweichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser ausweglosen Lage erschienen plötzlich – denn Heitermuster hatte Frühlingsschwälbchen losgeschickt, um Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 探春 Tànchūn — dritte Tochter Aufrecht Kaufmanns, führt derzeit den Haushalt.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu benachrichtigen – Dame Sonders, Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling zusammen mit Friedchen und einer Schar Dienstfrauen. Sie herrschten die vier Mädchen an, innezuhalten, und fragten nach dem Grund. Nebenfrau Zhao, mit stierem Blick und geschwollenen Stirnadern, sprudelte alles wirr und zusammenhanglos hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume antworteten nicht darauf und hielten nur die vier Mädchen in Schach. Erkundefrühling seufzte und sagte: „Was ist das schon für eine große Sache! Gnädige Nebenfrau, Ihr geratet auch wirklich zu schnell in Rage. Ich wollte gerade etwas mit Euch bereden; die Mädchen sagten, sie wüssten nicht, wo Ihr seid – und Ihr seid hier und tobt. Kommt bitte mit mir!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume sagten lächelnd: „Gnädige Nebenfrau, kommt doch in die Halle herüber, damit wir uns beraten können.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao blieb nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen. Dabei hörte sie aber nicht auf, sich lang und breit zu beklagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte: „Diese kleinen Mädchen sind doch nur Spielzeuge. Wenn sie einem gefallen, plaudert und scherzt man mit ihnen; wenn nicht, lässt man sie unbeachtet. Und wenn sie sich einmal schlecht benehmen, ist das nicht anders, als wenn ein Kätzchen oder Hündchen einen kratzt oder beißt: Man verzeiht ihnen, wenn man kann, und wenn man nicht kann, lässt man die Verwalterinnen kommen und sie bestrafen. Warum sich so weit erniedrigen, herumzubrüllen und sein Ansehen aufs Spiel zu setzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seht Euch Nebenfrau Zhou an: Warum beleidigt sie niemand? Warum muss sie niemanden zur Rede stellen? Ich rate Euch, geht in Eure Räume zurück und lasst Euch ein wenig abkühlen. Hört nicht auf die Aufhetzung dieser Bösewichter – sonst macht Ihr Euch zum Gespött und tut ohne Not anderen die Schmutzarbeit. Und wenn Ihr noch so aufgebracht seid: Geduldet Euch diese paar Tage, bis die gnädige Frau zurück ist – dann wird alles seine Ordnung finden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Worte brachten Nebenfrau Zhao endlich zum Schweigen, und notgedrungen begab sie sich in ihre Räume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling aber sagte aufgebracht zu Dame Sonders und Frau Li: „So alt ist sie schon, aber mit ihrem Verhalten verdient sie sich keinen Respekt. Was soll das – lohnt es sich, wegen so einer Nichtigkeit zu streiten und jede Würde zu verlieren? Sie ist gutgläubig und hat kein Urteil. Bestimmt haben wieder diese schamlosen Sklavinnen sie aufgehetzt und sie als Werkzeug benutzt, um ihren eigenen Groll abzuladen.&amp;quot; Je mehr sie darüber nachdachte, desto wütender wurde sie, und sie befahl, herauszufinden, wer die Anstifterin sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrauen sagten jawohl und gingen hinaus, doch draußen sahen sie einander an und lachten: „Das heißt eine Nadel im großen Meer suchen!&amp;quot; Dennoch riefen sie Nebenfrau Zhaos Gefolge und die Leute aus dem Garten zusammen und befragten sie, doch alle erklärten, sie wüssten von nichts. Es blieb ihnen nichts übrig, als Erkundefrühling zu berichten: „Wir können es im Augenblick nicht feststellen. Wir fahnden in aller Ruhe weiter und werden alle, die ungebührliche Reden führen, zur Bestrafung melden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühlings Zorn hatte sich allmählich gelegt, als die Schauspielerin Wermut &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 艾官 Aiguan, Erkundefrühling zugeteilt.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr heimlich meldete: „Es ist die Alte Xia! Sie ist schon lange mit uns verfeindet und streut ständig Gerüchte aus, um Unfrieden zu stiften. Neulich hat sie Lotosblatt beschuldigt, Opferpapier verbrannt zu haben; zum Glück sagte Schatzjade, er habe es befohlen, und sie musste klein beigeben. Heute, als ich dem Fräulein ein Taschentuch bringen sollte, sah ich, wie die Alte Xia und die gnädige Nebenfrau lange beisammen standen und tuschelten. Erst als sie mich bemerkten, gingen sie auseinander.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling hörte es an. Obwohl sie den wahren Sachverhalt ahnte, wusste sie auch, dass die Schauspielerinnen alle unter einer Decke steckten und ständig Unfug trieben. Darum sagte sie nur ja und dachte nicht daran, sich auf Wermuts Aussage allein zu verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun diente in Erkundefrühlings Räumen auch das Mädchen Zikade &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 蝉姐儿 Chanjie'er.&amp;lt;/ref&amp;gt;, eine Enkelin eben jener Dienstfrau Xia. Da sie oft für die anderen Dienstmädchen Besorgungen machte und Boten holte, war sie bei allen beliebt. An jenem Tag ging Erkundefrühling nach dem Essen in die Halle, um ihre Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Grüne Tusche &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 翠墨 Cuimo, Erkundefrühlings Dienstmädchen.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die die Räume hüten sollte, schickte Zikade hinaus, um durch einen Dienstjungen Kuchen kaufen zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zikade erwiderte: „Ich habe gerade den großen Hof gefegt, mir tun Hüfte und Beine weh. Schick doch jemand anderen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grüne Tusche sagte lächelnd: „Wen soll ich sonst schicken? Geh lieber gleich – ich will dir auch etwas Gutes verraten. Geh zum Hintertor und sage unterwegs deiner Großmutter, sie solle auf der Hut sein.&amp;quot; Damit erzählte sie Zikade, was Wermut über die Großmutter berichtet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zikade nahm sofort das Geld entgegen und sagte: „Dieses kleine Biest will auch noch intrigieren? Warte nur, ich sage es meiner Großmutter!&amp;quot; Sie stand auf und ging hinaus. Am Hintertor angelangt, sah sie, dass das gesamte Küchenpersonal gerade freie Zeit hatte und auf den Treppenstufen saß und plauderte. Auch ihre Großmutter war dabei. Zikade beauftragte eine Dienstfrau, Kuchen kaufen zu gehen, und erzählte dann, halb schimpfend, halb berichtend, ihrer Großmutter alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrau Xia war gleichermaßen ärgerlich und ängstlich. Sie wollte sofort zu Wermut gehen und sie zur Rede stellen und außerdem bei Erkundefrühling ihre Unschuld beteuern. Doch Zikade hielt sie zurück: „Was willst du dort sagen? Wie willst du erklären, woher du das weißt? Das richtet nur neuen Schaden an. Ich habe es dir gesagt, damit du vorsichtig bist, das genügt. Wozu die Aufregung?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, kam plötzlich Duftlein vorbei. Sie lehnte sich an das Hoftor und rief lächelnd in die Küche hinein: „Schwägerin Liu! Der junge Herr Schatzjade lässt ausrichten: Er möchte zum Abendessen ein Gemüsegericht – etwas Kühles und Saures, aber bitte kein Sesamöl, das macht es zu fettig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu sagte lächelnd: „Verstanden! Wie kommt es denn, dass heute ausgerechnet du eine so wichtige Nachricht überbringst? Wenn es dir hier nicht zu schmutzig ist, komm doch herein und sieh dich ein wenig um!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein trat gerade ein, als eine Dienstfrau mit einem Teller Kuchen kam. Duftlein scherzte: „Wer hat den warmen Kuchen gekauft? Ich will ein Stück kosten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zikade riss ihr den Teller weg und sagte: „Der ist für andere bestellt. Für euresgleichen ist so etwas doch nichts Besonderes.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu sah es und rief sogleich lächelnd: „Duftlein! Wenn du so etwas magst, hier – ich habe vorhin Kuchen gekauft, für deine ältere Schwester. Sie hat noch keinen gegessen, er liegt noch da, ganz sauber und unberührt.&amp;quot; Sie brachte einen vollen Teller heraus, reichte ihn Duftlein und sagte: „Warte, ich gehe hinein und brühe dir einen ordentlichen Tee!&amp;quot; Damit ging sie hinein und fachte das Feuer an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein nahm den warmen Kuchen, hielt ihn Zikade vors Gesicht und sagte: „Wer ist schon auf deinen Kuchen erpicht? Ist das hier etwa keiner? Ich habe nur Spaß gemacht. Selbst wenn du mir einen Kotau machst, esse ich deinen Kuchen nicht!&amp;quot; Damit brach sie die Kuchenstücke eins nach dem anderen in Bröckchen und warf sie den Spatzen hin. Lachend rief sie: „Schwägerin Liu, nimm's nicht schwer! Ich kaufe dir nachher zwei Pfund Kuchen als Ersatz.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zikade kochte vor Wut, starrte sie an und zischte: „Der Donnergott hat doch Augen im Kopf – warum erschlägt er so eine Sünderin nicht! Und sie wagt es auch noch, mich zu ärgern! Was bin ich schon gegen euresgleichen? Euch bringt man Tribut und dient euch wie ein Sklave, alles tut man für euch, nur damit ihr bei Gelegenheit ein gutes Wort einlegt …&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrauen sagten: „Mädchen, hört doch auf! Kaum seht ihr euch, geht das Gezänk los.&amp;quot; Einige klügere unter ihnen, die sahen, dass die beiden aneinandergerieten, standen lieber auf und machten sich aus dem Staub, weil sie einen neuen Zwischenfall fürchteten. Auch Zikade traute sich nicht, weiter auf Duftlein loszugehen, und zog sich murrend zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Frau Liu sah, dass sich alle entfernt hatten, kam sie rasch heraus und fragte Duftlein: „Hast du neulich die Sache erwähnt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein erwiderte: „Ja. In ein, zwei Tagen bringe ich es noch einmal zur Sprache. Aber dann hat diese unverwüstliche Zhao mir auch noch eine Szene gemacht! – Hat die Schwester den Rosennektar getrunken? Geht es ihr ein wenig besser?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu sagte: „Aber ja, sie hat alles ausgetrunken! Er hat ihr so wunderbar geschmeckt, dass sie sich gar nicht traut, dich um mehr zu bitten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein sagte: „Das ist doch nicht der Rede wert. Ich besorge einfach noch welchen und bringe ihn ihr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu hatte nämlich eine Tochter, gerade sechzehn Jahre alt. Obwohl nur ein Küchenmädchenkind, konnte sie es an Schönheit mit Friedchen, Dufthauch, Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 紫鹃 Zǐjuān — Kajaljades treue Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 鸳鸯 Yuānyāng — die treue Kammerzofe der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; aufnehmen. Da sie die Fünfte war, nannte man sie Fünfchen &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 五儿 Wu'er, auch: Liu Wu'er.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Weil sie von Natur aus kränklich war, hatte man ihr keine Stelle zugewiesen. In letzter Zeit aber hatte Frau Liu erfahren, dass in Schatzjades Räumen der Dienst leicht und das Personal zahlreich sei, und zudem gehört, Schatzjade wolle dafür sorgen, dass alle seine Dienstmädchen eines Tages freigelassen würden. Darum wollte sie Fünfchen dort unterbringen, wenigstens dem Namen nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur wusste sie nicht, wie sie es bewerkstelligen sollte. Der Zufall kam ihr zu Hilfe: Als Bedienstete des Birnendufthofs hatte sie Duftlein und die anderen Schauspielerinnen besser umsorgt als die eigentlichen Pflegemütter, und diese verhielten sich dafür auch sehr gut zu ihr. So hatte sie Duftlein ihre Bitte vorgetragen, und Duftlein hatte bei Schatzjade ein Wort eingelegt. Schatzjade war zwar einverstanden gewesen, aber da er krank geworden war und sich manches andere ereignet hatte, war er noch nicht dazu gekommen, die Sache in die Wege zu leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch genug der Vorgeschichte. Duftlein ging in den Purpurwolken-Hof zurück und erstattete Schatzjade Bericht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade von Nebenfrau Zhaos Tobsuchtsanfall erfahren hatte, war ihm das äußerst unangenehm gewesen. Einzugreifen schien ihm ebenso falsch wie nicht einzugreifen, und so hatte er notgedrungen gewartet, bis es vorbei war. Erst als man ihm sagte, Erkundefrühling habe Nebenfrau Zhao zum Gehen bewogen, war er aus dem Haselwurzpark zurückgekehrt, hatte Duftlein eine Weile beruhigt, und alle waren wieder zur Ruhe gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Duftlein jetzt zurückkam und sagte, sie brauche noch etwas Rosennektar für Liu Fünfchen, sagte Schatzjade sogleich: „Es ist noch welcher da, und ich trinke ohnehin nicht oft davon. Gib ihr alles!&amp;quot; Er ließ Dufthauch die Flasche holen. Als er sah, dass nur noch wenig darin war, überließ er Duftlein die Flasche mitsamt dem Inhalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein brachte die Flasche persönlich hinüber. Frau Liu hatte ihre Tochter gerade in den Garten geholt, damit sie sich zerstreuen konnte. Sie waren in einer abgelegenen Ecke spazieren gegangen und saßen nun in der Küche, tranken Tee und ruhten sich aus. Duftlein kam mit einer fünf Zoll hohen kleinen Glasflasche herein. Als sie sie gegen das Licht hielt, sah man darin eine zur knappen Hälfte gefüllte scharlachrote Flüssigkeit wie Rouge. Mutter und Tochter hielten sie für den europäischen Traubenwein, den Schatzjade trank, und riefen eilig: „Wir holen den Weinwärmer und machen heißes Wasser! Setz dich doch!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein sagte lächelnd: „Das ist der ganze Rest – die Flasche bekommt ihr dazu.&amp;quot; Erst jetzt erkannte Fünfchen, dass es Rosennektar war. Hastig nahm sie die Flasche entgegen und bedankte sich wieder und wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein fragte, ob es ihr besser gehe. Fünfchen erwiderte: „Heute fühle ich mich etwas kräftiger, darum bin ich hereingekommen, um mich umzusehen. Aber hier hinten ist nichts Besonderes – nur ein paar große Steine, hohe Bäume und Rückwände von Gebäuden. Die wirklich schönen Stellen habe ich gar nicht zu sehen bekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein fragte: „Warum bist du nicht nach vorne gegangen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu sagte: „Ich habe es ihr nicht erlaubt. Die Fräulein kennen sie nicht, und wenn jemand sie sieht, dem das nicht recht ist, gibt es nur wieder Gerede. Wenn sie erst dank deiner Hilfe eine Stelle hat, wird sie noch oft genug jemand zum Spazierengehen mitnehmen. Vielleicht kommt sogar der Tag, an dem sie es satt hat!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein sagte lächelnd: „Wovor denn Angst? Auf mich ist Verlass!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu rief: „Ach, mein liebes Fräulein! Wir sind Leute mit dünner Haut – nicht so wie ihr!&amp;quot; Und sie goss Duftlein Tee ein. Aber wie hätte Duftlein solchen Tee trinken mögen! Sie spülte sich nur den Mund damit und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu sagte: „Ich bin hier beschäftigt – Fünfchen, begleite sie ein Stück!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünfchen brachte sie hinaus, und als niemand in der Nähe war, hielt sie Duftlein am Arm fest und fragte: „Hast du wirklich meinetwegen gesprochen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein sagte lächelnd: „Glaubst du, ich führe dich an der Nase herum? Nach dem, was ich gehört habe, sind bei uns wirklich noch zwei Stellen frei. Die eine ist die von Rote Jade &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 红玉 Hongyü, die von Phönixglanz abgeworben wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Zweite gnädige Frau hat sie angefordert, aber noch keinen Ersatz geschickt. Die andere ist die von Pendant &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 坠儿 Zhui'er, die wegen Diebstahls entlassen wurde.&amp;lt;/ref&amp;gt; – auch die ist noch nicht nachbesetzt. Wenn du jetzt eine davon bekommst, ist das keine Übertreibung. Aber Friedchen sagt immer wieder zu Dufthauch: Bei allem, was Personal und Geld betrifft, sei es besser, so lange wie möglich zu warten. Fräulein Erkundefrühling ist darauf aus, ein Exempel zu statuieren. Selbst Angelegenheiten aus ihren eigenen Räumen hat sie zwei- oder dreimal abgelehnt, und jetzt wartet sie nur darauf, dass bei uns etwas beantragt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum also ins offene Messer laufen? Wenn wir jetzt etwas vorbringen und es wird abgelehnt, dann ist es für alle Zeiten vorbei und lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Besser, wir warten, bis sich die Wogen geglättet haben und die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die Matriarchin der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die gnädige Frau wieder Muße haben. Wenn wir zuerst mit den Älteren sprechen, wird uns auch die größte Bitte nicht abgeschlagen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünfchen erwiderte: „Du hast ja recht, aber ich bin ungeduldig und kann nicht warten. Wenn ich jetzt eine Stelle bekomme, dann habe ich erstens meiner Mutter einen Gefallen getan, damit sie mich nicht umsonst großgezogen hat; zweitens bekommen wir das Monatsgeld, und zu Hause wird es ein wenig leichter; drittens würde mir ein Stein vom Herzen fallen, und vielleicht würde dann auch meine Krankheit besser – wir könnten uns wenigstens den Arzt und die Medizin sparen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Duftlein sagte: „Das weiß ich ja alles. Sei ganz beruhigt.&amp;quot; Damit verabschiedeten sie sich, und Duftlein ging ihres Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein von Fünfchen sei erzählt, die zu ihrer Mutter zurückkehrte und ihr für Duftleins Güte dankte. Die Mutter sagte: „Dass wir so etwas Kostbares bekommen, hätte ich nie gedacht! Freilich, trinkt man zu viel davon, erzeugt es innere Hitze. Am besten gießen wir etwas davon ab und schenken es jemandem – das wäre ein schöner Freundschaftsbeweis.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wem denn?&amp;quot; fragte Fünfchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Deinem Vetter, dem Sohn deines Onkels&amp;quot;, antwortete die Mutter. „Er hat seit gestern Fieber und sehnt sich nach so etwas. Ich gieße ihm ein halbes Schälchen ab und bringe es ihm hinüber.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fünfchen schwieg eine Weile, sah dann zu, wie ihre Mutter ein halbes Schälchen füllte und die Flasche mit dem Rest in den Küchenschrank stellte. Dann sagte sie mit kühlem Lächeln: „Wenn du mich fragst, solltest du ihm lieber nichts davon geben. Wenn jemand anfängt nachzuforschen, gibt das nur neuen Ärger.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter erwiderte: „So ängstlich darf man nicht sein! Wir schuften hier drinnen hart genug – wenn dabei ein wenig für uns abfällt, ist das nur recht und billig. Es ist ja nicht gestohlen!&amp;quot; Damit ging sie hinaus und begab sich geradewegs zum Haus ihres älteren Bruders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Neffe lag noch immer zu Bett. Als er und seine Eltern sahen, was Frau Liu brachte, freuten sie sich sehr. Sie schöpften frisches Brunnenwasser, mischten den Nektar hinein, und der Kranke trank eine Schale davon. Sogleich wurde ihm leichter ums Herz, und seine Gedanken und Blicke waren wieder klar. Das Schälchen mit dem übrigen Nektar wurde mit Papier zugedeckt und auf den Tisch gestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Zufall wollte es, dass einige Dienstjungen des Hauses, die mit dem Neffen befreundet waren, auf einen Krankenbesuch kamen. Unter ihnen befand sich ein gewisser Qian Huai, ein Neffe mütterlicherseits von Nebenfrau Zhao. Seine Eltern verwalteten die Rechnungsbücher in den Speichern; er selbst war als Begleiter Kaufmann Drittem beim Schulbesuch zugeteilt. Da die Familie über einiges Geld und Ansehen verfügte und er noch nicht verheiratet war, hatte er ein Auge auf die hübsche Fünfchen geworfen und seinen Eltern erklärt, er wolle sie zur Frau nehmen. Mehrfach waren Vermittler deswegen hin und her gelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ehepaar Liu hätte zwar gern zugestimmt, doch Fünfchen selbst war entschieden dagegen. Sie sagte es zwar nie offen, doch ihr ganzes Verhalten sprach deutlich genug, sodass ihre Eltern keine Zusage zu geben wagten. Seit Fünfchen nun hoffte, in den Garten aufgenommen zu werden, hatten sie den Ehep erst recht fallengelassen und wollten warten, bis Fünfchen in drei bis fünf Jahren freigelassen würde, um ihr dann außerhalb des Anwesens einen Bräutigam zu suchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Qians hatten die Sache ruhen lassen, als sie die Haltung der Lius sahen. Nur Qian Huai konnte es nicht verwinden, dass Fünfchen ihm verweigert wurde, und hatte sich in den Kopf gesetzt, sie um jeden Preis zur Frau zu bekommen. Heute war er mit den anderen gekommen, um Frau Lius Neffen zu besuchen, und hatte nicht erwartet, Frau Liu dort anzutreffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Frau Liu plötzlich die Gruppe junger Männer kommen sah und Qian Huai darunter erkannte, sagte sie hastig, sie habe keine Zeit, stand auf und wollte gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bruder und Schwägerin riefen ihr nach: „Du gehst schon, ohne Tee getrunken zu haben? Es war lieb, dass du an uns gedacht hast!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu erwiderte lächelnd: „Ich fürchte, drinnen wird bald aufgetragen. Wenn ich wieder Zeit habe, komme ich noch einmal nach dem Jungen sehen.&amp;quot; Da nahm die Schwägerin ein kleines Päckchen aus einer Schublade, begleitete Frau Liu hinaus und steckte es ihr in einer Mauerecke mit den Worten zu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dein Bruder hatte am Tor Dienst, aber diese fünf Tage waren trostlos öde – keine einzige Nebeneinnahme fiel ab. Nur gestern kam ein Beamter aus Guangdong zum Antrittsbesuch und brachte der Herrschaft als Geschenk zwei kleine Körbe voll Porlingsschnee mit &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 茯苓霜 Fuling-Shuang, ein pulverisiertes Mittel aus dem Porling-Pilz, der auf den Wurzeln alter Kiefern wächst – ein kostbares Stärkungsmittel der traditionellen chinesischen Medizin.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Außerdem gab er den Torwächtern ein Körbchen als Torgeschenk, und davon hat dein Bruder dieses Päckchen bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In jener Gegend wachsen uralte Kiefern und Lebensbäume ohne Zahl; man gewinnt dort den Extrakt des Porlingpilzes und verarbeitet ihn mit Arzneien zu diesem herrlich weißen Schnee. Am besten mischt man ihn mit Muttermilch und trinkt jeden Morgen nach dem Aufstehen eine Schale – das ist ein wunderbares Stärkungsmittel. Sonst kann man auch Kuhmilch nehmen, und notfalls tut es kochendes Wasser. Wir haben uns gedacht, das müsste gerade das Richtige für Fünfchen sein. Heute Vormittag habe ich schon ein kleines Mädchen zu euch geschickt, aber sie sagte, eure Tür sei verschlossen und Fünfchen mit dir in den Garten gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich wollte ich es ihr persönlich bringen, aber dann dachte ich: Die Herrschaft ist nicht zu Hause, überall wird streng kontrolliert, und ich habe keinen dienstlichen Vorwand. Außerdem hört man seit zwei Tagen, drinnen gehe es drunter und drüber – wenn ich da hineingeraten wäre, hätte es böse Folgen haben können. Darum ist es gut, dass du selbst gekommen bist. Nimm es gleich mit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu bedankte sich herzlich, verabschiedete sich und ging. Gerade als sie das Seitentor erreichte, kam ihr ein kleiner Dienstjunge entgegen und sagte lächelnd: „Da seid Ihr ja endlich! Von drinnen hat man schon zwei-, dreimal nach Euch geschickt; drei oder vier von uns sind noch unterwegs, um Euch zu suchen. Aber wo kommt Ihr denn her? Der Weg hier führt doch gar nicht zu Eurem Zuhause – da kommen mir ja Zweifel!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Liu schimpfte lachend: „Du kleines Äffchen …&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, muss das nächste Kapitel lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 59</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_54|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;54&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_55|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;55&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_56|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;56&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_57|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;57&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_58|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;58&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;59&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_60|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;60&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_61|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;61&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_62|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;62&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_63|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;63&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_64|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;64&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第五十九回 / Kapitel 59 =&lt;br /&gt;
== 柳叶渚边嗔莺叱燕 ==&lt;br /&gt;
=== 绛芸轩里召将飞符 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Weidenufer wird die Drossel&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 莺儿 Yīng'ér, wörtl. „Drosselkind&amp;quot; — Schatzspanges geschickte Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; gescholten und die Schwalbe gescheucht&lt;br /&gt;
Im Purpurwolken-Salon werden Befehle erlassen und Boten entsandt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; hörte, dass die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die Matriarchin der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen zurückgekehrt seien, zog sich noch eine Jacke über, stützte sich auf seinen Stock und ging hinüber, um seinen Gruß zu entbieten. Da sich die Herzoginmutter und die anderen Tag für Tag hatten anstrengen müssen, wollten sie sich früh zur Ruhe legen. Über die Nacht ist nichts zu berichten. Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begaben sie sich wieder zum Hofe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Tag der Sargüberführung nicht mehr fern war, waren Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 鸳鸯 Yuānyāng — die treue Kammerzofe der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Bernstein, Jade und Glas emsig damit beschäftigt, die Sachen der Herzoginmutter zusammenzupacken. Jadearmbändchen, Farbwölkchen und Farbenglühen packten die Sachen der Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Aufrecht Kaufmanns Hauptfrau.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Stück für Stück wurden sie den mitreisenden Verwalterinnen und Dienstfrauen vorgezählt und übergeben. Mitfahren sollten insgesamt sechs größere und kleinere Dienstmädchen sowie zehn Dienstfrauen; die männlichen Diener nicht mitgerechnet. Tagelang wurden Maultiersänften und allerlei Gerätschaften hergerichtet. Mandarinenente und Jadearmbändchen selbst gehörten nicht zur Begleitung; sie sollten vielmehr zu Hause die Räume bewachen. Einige Tage im Voraus wurden Bettzeug, Vorhänge und andere Ausstattungsgegenstände vorausgeschickt: Vier oder fünf Dienstfrauen und einige männliche Diener nahmen sie in mehreren Wagen auf einem Umweg mit zu den Rastquartieren, um dort alles einzurichten und zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Tag der Abreise bestieg die Herzoginmutter zusammen mit Hibiskus Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng — Kaufmann Kostbars Sohn, aus dem Stillfriede-Anwesen.&amp;lt;/ref&amp;gt;' Frau eine Maultiersänfte, und Dame König folgte in einer zweiten. Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾珠 Jiǎ Zhū — Aufrecht Kaufmanns verstorbener ältester Sohn.&amp;lt;/ref&amp;gt; ritt zu Pferde an der Spitze der Dienerschaft, die den Schutz übernahm. In mehreren großen Wagen folgten die Dienstfrauen und Mädchen mit den Kleiderbündeln und sonstigem Gepäck. An jenem Tag gaben Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Königs Schwester.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 尤氏 Yóu Shì — Kaufmann Kostbars Ehefrau.&amp;lt;/ref&amp;gt;, an der Spitze der Zurückbleibenden, den Abreisenden das Geleit bis vor das große Außentor. Auch Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn — Phönixglanz' Ehemann.&amp;lt;/ref&amp;gt; wollte für die Bequemlichkeit auf der Reise sorgen: Sobald er seine Eltern verabschiedet hatte, machte er sich auf, holte die Sänften der Herzoginmutter und der Dame König ein und brachte sich mit seiner Dienerschar als Nachhut in Stellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prunkwille-Anwesen ließ Verwalter Lai Da&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 赖大 Lài Dà — der Oberverwalter des Prunkwille-Anwesens.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusätzliche Nachtwächter einteilen und die Zugänge zu beiden großen Gehöften verschließen, sodass jedermann das kleine westliche Seitentor benutzen musste. Bei Sonnenuntergang wurde auch das Zeremonialtor geschlossen, und niemand durfte mehr passieren. Ebenso wurden im Garten das vordere und das hintere Tor sowie die östlichen und westlichen Nebentore verschlossen und verriegelt. Offen blieb nur das Tor hinter Dame Königs Hauptgemach, das die Schwestern ständig benutzten, sowie das östliche Nebentor, das zu Tante Schnees Räumen führte. Da diese beiden Tore zum inneren Hof gehörten, brauchten sie nicht verschlossen zu werden. Mandarinenente und Jadearmbändchen schlossen drinnen die oberen Räume ab und gingen mit den Dienstmädchen und Frauen hinunter in die Gesindestube, um dort zu schlafen. Jeden Tag kam Lin Zhixiao&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林之孝 Lín Zhīxiào — ein Verwalter im Prunkwille-Anwesen.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Frau herein und brachte über zehn Dienstfrauen mit, die Nachtwache hielten. In der Durchgangshalle wurden zudem zahlreiche Dienstjungen aufgestellt, die mit Holzklappern die Wache schlugen. So war alles aufs Beste geordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Morgens früh war Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi — Tante Schnees Tochter.&amp;lt;/ref&amp;gt; aus ihrem Frühlingsschlummer erwacht. Sie schob den Vorhang beiseite, stieg vom Bett und spürte eine leichte Kühle. Als sie die Tür öffnete und hinausblickte, fand sie den Boden feucht und das Moos dunkelgrün: In der fünften Nachtwache hatte es einige Tropfen Regen gegeben. Sie rief Xiangji und die anderen, und man begann mit der Morgentoilette. Xiangji klagte, ihre Wangen juckten, und fürchtete, es sei wieder die Aprikosenflechte&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 杏癍癣 — eine saisonale Hautreizung im Frühling.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;eine saisonale Hautirritation im Frühling.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Deshalb bat sie Schatzspange um etwas Rosensalpeter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 蔷薇硝 qiángwēi xiāo — ein mit Rosenessenz versetztes Salpeterpulver gegen Hautirritationen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was neulich übrig geblieben war, habe ich alles der kleinen Schwester gegeben&amp;quot;, sagte Schatzspange. „Aber Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù — Schatzjades Cousine.&amp;lt;/ref&amp;gt; hat sich reichlich davon zubereiten lassen. Ich wollte sie schon lange darum bitten, doch da es mich dieses Jahr gar nicht gejuckt hat, habe ich es vergessen.&amp;quot; Und sie schickte Drossel los, welche holen zu gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel sagte: „Jawohl!&amp;quot; und wollte eben aufbrechen, als die Schauspielerin Staubfäden&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 蕊官 Ruìguān — eine Schauspielerin aus dem Birnendufthof.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 蕊官 Blütenstäubchen.&amp;lt;/ref&amp;gt; sagte: „Ich gehe mit dir, dann kann ich gleich nach Lotosblatt&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 藕官 Ǒuguān — eine Schauspielerin aus dem Birnendufthof.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 藕官 Lotoswürzlein.&amp;lt;/ref&amp;gt; sehen.&amp;quot; Und so verließen die beiden zusammen den Haselwurzpark&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 蘅芜苑 Héngwú Yuàn — Schatzspanges Wohnquartier im Großen Garten.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plaudernd und lachend gingen sie weiter, und ehe sie sich versahen, hatten sie das Weidenblatt-Inselchen erreicht. Sie folgten dem Weidendamm. Da die Weidenblätter gerade erst ihr zartes Grün entfalteten und die Zweige wie goldene Fäden herabhingen, fragte Drossel lächelnd: „Kannst du aus Weidenzweigen etwas flechten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was denn flechten?&amp;quot; fragte Staubfäden lächelnd zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Alles Mögliche!&amp;quot; sagte Drossel. „Zum Spielen oder zum Gebrauch. Warte, ich breche ein paar Zweige ab, und mit den Blättern dran flechte ich ein Blumenkörbchen. Dann pflücken wir allerhand Blüten und legen sie hinein – das wird ein herrliches Spielzeug!&amp;quot; Statt also den Salpeter zu holen, streckte sie die Arme aus, pflückte die grüngoldenen Zweige und brach viele zarte Gerten ab, die sie Staubfäden zum Tragen gab. Im Gehen flocht sie ein Körbchen mit Tragbügel, und wo sie unterwegs Blüten sahen, pflückte sie eine oder zwei. An den Zweigen saßen von Natur aus die frischen grünen Blätter dicht beieinander; als sie die Blüten darauflegte, sah es zierlich und reizvoll aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staubfäden lachte erfreut: „Schwester, schenk es mir!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel erwiderte: „Dieses hier bringen wir Fräulein Kajaljade. Auf dem Rückweg brechen wir noch mehr ab und flechten welche für uns alle zum Spielen.&amp;quot; Bei diesen Worten kamen sie an der Xiaoxiang-Bambushain-Fluss&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 潇湘馆 Xiāoxiāng Guǎn — Kajaljades Wohnquartier im Großen Garten.&amp;lt;/ref&amp;gt; an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade war ebenfalls gerade bei der Morgentoilette. Als sie das Körbchen erblickte, fragte sie lächelnd: „Was für ein hübsches frisches Blumenkörbchen! Wer hat das geflochten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich habe es geflochten und bringe es dem Fräulein zum Spielen&amp;quot;, sagte Drossel lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade nahm es entgegen und sagte lächelnd: „Kein Wunder, dass man dich für deine geschickten Hände lobt – dieses kleine Kunstwerk ist wirklich originell.&amp;quot; Sie betrachtete es und befahl Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 紫鹃 Zǐjuān — Kajaljades treue Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, es aufzuhängen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Drossel sich auch nach Tante Schnees Befinden erkundigt hatte, bat sie Kajaljade um den Salpeterpuder. Kajaljade ließ sogleich Purpurkuckuck ein Päckchen einwickeln und es Drossel reichen. Dann sagte Kajaljade: „Mir geht es gut, und ich möchte heute ein wenig spazieren gehen. Sage deinem Fräulein, sie brauche nicht herüberzukommen, um meine Mutter zu begrüßen, und solle sich auch nicht die Mühe machen, nach mir zu sehen. Sobald ich frisiert bin, gehe ich mit meiner Mutter zu euch hinüber, und auch das Essen lassen wir uns dorthin bringen. Dann wird es für alle gemütlicher.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel bestätigte den Auftrag und ging hinaus, um in Purpurkuckucks Zimmer nach Staubfäden zu sehen. Dort waren Lotosblatt und Staubfäden gerade in ein angeregtes Gespräch vertieft und mochten sich gar nicht trennen. Also sagte Drossel: „Das Fräulein kommt doch auch herüber – wäre es nicht besser, Lotosblatt ginge mit uns voraus und wartete dort?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck, die das hörte, stimmte zu: „Das ist ein guter Einfall. Sie treibt hier sowieso nur Unfug.&amp;quot; Damit wickelte sie Kajaljades Löffel und Essstäbchen in ein Tuch aus westlichem Stoff, gab es Lotosblatt und sagte: „Nimm das schon einmal mit – dann hast du auch gleich einen Auftrag erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lotosblatt nahm es lachend entgegen, und die drei verließen gemeinsam das Haus. Sie folgten dem Weidendamm, und Drossel brach wieder Weidenzweige ab. Dann setzte sie sich kurzerhand auf einen Felsblock und begann zu flechten. Staubfäden befahl sie, zuerst den Salpeter abzuliefern und dann wiederzukommen. Doch die beiden waren so fasziniert vom Zuschauen, dass sie sich nicht losreißen konnten. Drossel drängte: „Wenn ihr nicht geht, höre ich auf zu flechten!&amp;quot; Da sagte Lotosblatt: „Ich gehe mit dir, und wir kommen schnell wieder.&amp;quot; So gingen die beiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Drossel hier allein flocht, kam Frühlingsschwälbchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 春燕 Chūnyàn — jüngere Tochter der Dienstfrau He.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 春燕 Frühlingsschwalbe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die jüngere Tochter der Dienstfrau He, herbei und fragte lächelnd: „Was flichtst du da, Schwester?&amp;quot; Gerade als sie das sagte, kamen Staubfäden und Lotosblatt auch schon zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen wandte sich an Lotosblatt: „Was für Papier hast du neulich eigentlich verbrannt? Meine Tante mütterlicherseits hat es gesehen und wollte dich melden, aber es gelang ihr nicht, und stattdessen bekam sie von Schatzjade einen Haufen Vorwürfe zu hören. Das hat sie so wütend gemacht, dass sie meiner Mutter alles haarklein erzählt hat. Was habt ihr euch in den zwei, drei Jahren draußen für einen Groll aufgebaut, dass ihr es bis heute nicht beilegen könnt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lotosblatt lachte kühl: „Was für ein Groll? Die können den Hals nicht vollbekommen und schieben die Schuld auf uns. Von allem anderen einmal abgesehen – allein was sie in diesen Jahren an unserem Reis und Gemüse eingesteckt haben! Was die ganze Familie nicht aufessen konnte, wurde noch täglich hin und her verschachert. Aber wenn wir sie einmal um einen kleinen Gefallen baten, jammerten sie Himmel und Erde an. Sag selbst, ist das anständig?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen sagte lächelnd: „Sie ist nun einmal meine Tante, ich kann vor Fremden schlecht über sie herziehen. Aber es stimmt schon, was Schatzjade immer sagt: ‚Ein unverheiratetes Mädchen ist eine unbezahlbare Perle. Ist sie erst verheiratet, bekommt sie auf einmal allerlei schlechte Eigenschaften – zwar noch eine Perle, aber ohne Glanz und Schimmer, eine tote Perle. Und wird sie alt, ist sie gar keine Perle mehr, sondern nur noch ein Fischauge. Ein und derselbe Mensch – wie kann er sich dreimal so verwandeln?' Das klingt zwar nach Unsinn, ist aber nicht ganz falsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über andere kann ich nichts sagen, aber meine Mutter und meine Tante, die beiden alten Schwestern, hängen umso fester am Geld, je älter sie werden. Früher saßen sie zu Hause und klagten, sie hätten keinen Posten und kein Einkommen. Dann war zum Glück dieser Garten da, und ich wurde hineingenommen und ausgerechnet dem Hof der Purpurwolken &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 怡红院 Yihongyuan, Schatzjades Wohnhof.&amp;lt;/ref&amp;gt; zugeteilt. Nicht nur, dass die Familie meinen Unterhalt sparte, es blieben jeden Monat noch vier- oder fünfhundert Kupfermünzen übrig – und trotzdem hieß es, das sei nicht genug. Dann wurden die beiden alten Schwestern in den Birnendufthof geschickt, um nach den Schauspielerinnen zu sehen: Lotosblatt erkannte meine Tante als Pflegemutter an und Duftlein&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 芳官 Fāngguān — eine der Schauspielerinnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 芳官 Duftblümchen.&amp;lt;/ref&amp;gt; meine Mutter. In jenen Jahren hatten sie es wirklich reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt, wo die Mädchen in den Garten umgezogen sind, haben sie eigentlich keinen Zugriff mehr – aber sie geben noch immer keine Ruhe. Ist das nicht zum Lachen? Kaum hat meine Tante mit Lotosblatt gestritten, geht meine Mutter schon wegen des Haarewaschens auf Duftlein los. Nicht einmal den Kopf waschen sollte sie sich! Als dann das Monatsgeld kam und sie nicht mehr umhinkonnte, hat sie eingekauft und zuerst mich waschen lassen. Ich aber dachte mir: Ich habe mein eigenes Geld. Und selbst wenn ich keines hätte, brauchte ich nur Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 晴雯 Qíngwén — eine von Schatzjades Zofen, temperamentvoll und stolz.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 麝月 Shèyuè — eine von Schatzjades Zofen.&amp;lt;/ref&amp;gt; ein Wort zu sagen, und man würde es mir ohne weiteres erlauben. Warum sollte ich also ihren Gefallen annehmen? Das ist doch sinnlos. Darum habe ich mich nicht gewaschen. Daraufhin hat meine Mutter meine kleine Schwester Kleine Taube waschen lassen, und erst danach war Duftlein an der Reihe – und prompt ist der Streit losgegangen. Als Nächstes wollte sie auch noch Schatzjade die Suppe kühlen! &amp;lt;ref&amp;gt;Chin. Die Dienstfrau wollte sich bei Schatzjade einschmeicheln indem sie ihm die Suppe kühlte – eine vertrauliche Handlung, die ihr nicht zusteht..&amp;lt;/ref&amp;gt; Sag selbst, ist das nicht zum Totlachen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie hier in den Garten kam, habe ich ihr gleich die Regeln erklärt. Aber sie wollte nicht hören und musste unbedingt alles besser wissen – und hat sich natürlich prompt blamiert. Ein Glück, dass so viele Leute im Garten leben, dass niemand genau weiß, wer mit wem verwandt ist. Wenn das herauskäme, dass immer nur unsere Familie streitet – was für ein Bild gäbe das ab!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt kommst du wieder hierher und treibst solche Sachen. Das ganze Gelände hier verwaltet meine Tante väterlicherseits. Seit sie dieses Stück Land bekommen hat, hütet sie es schärfer als ein Erbgut. Nicht nur, dass sie selbst Tag und Nacht auf den Beinen ist – sie jagt auch uns noch hinaus zum Aufpassen, aus Angst, jemand könnte etwas beschädigen, und zugleich fürchtet sie, ich versäume meinen Dienst. Jetzt, wo sie und meine Mutter gemeinsam aufpassen, achten sie auf jeden Grashalm und lassen niemanden etwas anrühren. Und du pflückst hier Blüten und brichst zarte Zweige ab! Die kommen gleich, und dann bekommst du Vorwürfe zu hören.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel erwiderte: „Anderen ist es nicht erlaubt, nach Belieben zu pflücken und zu brechen, aber mir schon. Seit die Gartenflächen verteilt sind, hat jedes Haus seine tägliche Zuteilung. Von den Lebensmitteln ganz abgesehen: Wer für welche Blumen zuständig ist, der muss jeden Tag in die einzelnen Häuser abgeschnittene Zweige liefern – für den Haarschmuck der Fräulein und ihrer Mädchen und für die Vasen. Nur bei uns hieß es: ‚Schickt uns nichts, wenn wir etwas brauchen, sagen wir Bescheid.' Aber bis heute hat unser Fräulein kein einziges Mal etwas verlangt. Wenn ich jetzt also ein wenig pflücke, können die schlecht etwas dagegen sagen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie ausgeredet, kam besagte Tante auch schon auf ihren Stock gestützt herangehumpelt. Drossel und Frühlingsschwälbchen baten sie höflich, sich zu setzen. Die Alte sah die vielen abgebrochenen Weidenzweige und die frischen Blüten, die Lotosblatt und die anderen gepflückt hatten, und war sofort verstimmt. Doch da sie Drossel beim Flechten zusah, konnte sie schlecht etwas sagen. Also wandte sie sich an Frühlingsschwälbchen: „Ich habe dich hergeschickt, damit du aufpasst, und du vergisst alles vor lauter Spielen. Wenn man dich dann ruft, sagst du wieder, ich hätte dich geschickt – du benutzt mich als Deckung und amüsierst dich auf meine Kosten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen erwiderte: „Du gibst mir Aufträge und hast dann Angst davor – und jetzt schiebst du es auf mich! Soll ich mich etwa in acht Stücke reißen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel sagte lächelnd: „Tantchen, glaub Kleine Schwalbe nicht. Das alles hat sie abgerissen und mich gebeten, es zu flechten. Ich habe sie weggeschickt, aber sie wollte nicht gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen sagte lächelnd: „Lass doch die Späße! Wenn du Scherze machst, nimmt die Alte es gleich ernst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau war von Natur aus töricht und starrsinnig, dazu kam die Verwirrung des Alters: Sie kannte nur noch ihren Vorteil und nahm auf niemanden mehr Rücksicht. In ihrem hilflosen Zorn, der sie innerlich zerfrass, nahm sie Drossels Worte sofort für bare Münze. Sie hob ihren Stock und schlug auf Frühlingsschwälbchen ein, dabei schimpfte sie: „Kleines Biest! Ich rede mit dir, und du widersprichst mir noch! Deiner Mutter juckt es vor Wut in den Zähnen, am liebsten würde sie dir das Fleisch vom Leibe reißen! Und du erdreistest dich, mir frech zu kommen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen weinte vor Zorn und Scham: „Schwester Drossel hat nur Spaß gemacht, und du schlägst mich gleich! Warum sollte meine Mutter wütend auf mich sein? Habe ich etwa das Waschwasser anbrennen lassen? Was habe ich denn verbrochen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel hatte wirklich nur einen Scherz gemacht. Als sie sah, dass die Alte ihn ernst nahm und in Wut geriet, trat sie schnell hinzu, hielt die Alte fest und sagte lächelnd: „Es war doch nur ein Scherz von mir. Wenn Ihr sie meinetwegen schlagt, bringe ich mich ja selbst in Verlegenheit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte sagte: „Fräulein, mischt Euch nicht in unsere Angelegenheiten! Darf ich etwa mein eigenes Kind nicht erziehen, nur weil Ihr zugegen seid?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Drossel diese unvernünftigen Worte hörte, wurde sie rot vor Ärger, ließ die Alte los und sagte mit kühlem Lächeln: „Erziehen könnt Ihr sie doch jederzeit! Warum gerade jetzt, ausgerechnet nachdem ich einen Scherz gemacht habe? Aber bitte – erzieht sie nur!&amp;quot; Damit setzte sie sich hin und flocht weiter an ihrem Weidenkörbchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da tauchte auch noch Frühlingsschwälbchens Mutter auf und rief: „Willst du nicht endlich Wasser holen kommen? Was treibst du denn da?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tante antwortete sofort an ihrer Stelle: „Komm her und sieh dir das an! Deine Tochter hat nicht einmal vor mir Respekt. Da steht sie und macht mir Vorwürfe!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter kam näher und sagte: „Liebe Schwägerin, was ist denn nun schon wieder? Wenn mein Mädchen schon für seine Mutter keinen Blick hat, so sollte sie wenigstens die Tante achten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel versuchte, den Vorfall zu erklären, aber die Tante ließ sie nicht zu Wort kommen. Sie zeigte auf die Blumen und Weidenzweige auf dem Stein und sagte zu Frühlingsschwälbchens Mutter: „Sieh dir das an – dein großes Mädchen muss immer noch spielen! Erst bringt sie die Leute her, die mir alles kurz und klein machen, und was soll ich da noch sagen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter, deren Zorn auf Duftlein noch nicht verraucht war und die sich außerdem ärgerte, dass Frühlingsschwälbchen nicht nach ihrem Willen tanzte, trat vor, versetzte Frühlingsschwälbchen eine schallende Ohrfeige und schimpfte: „Du kleines Luder! Ein paar Jahre in feiner Gesellschaft, und du machst den leichtfertigen Weibsstücken alles nach! Was bildet ihr euch ein – ich werde nicht mit euch fertig? Meine Pflegetochter kann ich vielleicht nicht belangen, aber du bist aus meinem eigenen Leib gekrochen – meinst du, ich traue mich nicht, dich zurechtzuweisen? Wenn ich schon an den feinen Orten, wo ihr kleinen Biester hingehört, nichts zu suchen habe, dann hast du dort gefälligst deinen Dienst zu tun und dich nicht hier draußen herumzutreiben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann griff sie nach den Weidenzweigen und schlug sie Frühlingsschwälbchen ins Gesicht: „Was soll das hier? Ein Dreck ist das, was du da flichtst!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel warf ein: „Das habe ich geflochten! Zeigt doch nicht auf den Maulbeerbaum, wenn Ihr die Akazie meint!&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt;Sprichwort für: jemanden indirekt beschimpfen..&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrau hegte einen tiefen Neid auf Dufthauch, Heitermuster und deren Kameradinnen, denn sie wusste wohl, dass die größeren Dienstmädchen mehr Ansehen und Einfluss besaßen als ihresgleichen. In deren Gegenwart war sie scheu und unterwürfig, innerlich jedoch voll Groll und Verdruss, den sie an anderen ausließ. Als sie nun auch noch Lotosblatt erblickte, die Feindin ihrer Schwester, floss aller Zorn von allen Seiten in einem einzigen Wutausbruch zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen aber rannte weinend in Richtung des Purpurwolken-Hofes davon. Die Mutter bekam es mit der Angst zu tun: Was, wenn man sie dort fragte, warum sie weine, und sie erzählte, dass die eigene Mutter sie geschlagen habe? Dann würde sie sich wieder den Zorn von Heitermuster und den anderen zuziehen. In ihrer Panik rief sie: „Komm zurück! Ich muss dir noch etwas sagen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Frühlingsschwälbchen dachte gar nicht daran, umzukehren. Die Mutter rannte ihr nach, um sie festzuhalten. Frühlingsschwälbchen schaute sich um, sah sie kommen und rannte erst recht los. Die Mutter, ganz darauf bedacht, sie einzuholen, achtete nicht auf ihre Füße, glitt auf dem feuchten Moos aus und stürzte zu Boden – worauf Drossel und die beiden Schauspielerinnen in schallendes Gelächter ausbrachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drossel warf vor Ärger alle Blumen und Weidenzweige in den Fluss und ging in ihre Räume zurück. Die alte Tante aber blieb zurück, und es schnitt ihr ins Herz. Sie murmelte Buddhas Namen und schimpfte: „So ein gemeines kleines Biest! Die schönen Blumen verderben – da soll sie doch der Blitz treffen!&amp;quot; Dann machte sie sich daran, andere Blumen zu pflücken und in die einzelnen Häuser zu tragen. Aber davon sei genug erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frühlingsschwälbchen rannte geradewegs in den Hof und stieß vor dem Eingang auf Dufthauch, die gerade zu Kajaljade gehen wollte, um ihr guten Morgen zu wünschen. Frühlingsschwälbchen klammerte sich an sie und rief: „Fräulein, rette mich! Meine Mutter schlägt mich wieder!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Dufthauch sah, dass die Mutter tatsächlich herbeigeeilt kam, wurde sie ärgerlich und sagte: „Einen Tag um den anderen – gestern die Pflegetochter, heute die Leibliche! Willst du etwa prahlen, wie viele Töchter du hast, oder weißt du wirklich nicht, was sich gehört?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrau war erst seit wenigen Tagen hier und hatte den Eindruck gewonnen, Dufthauch sei eine Stille und Sanftmütige. Also sagte sie: „Fräulein, Ihr wisst nicht, worum es geht – kümmert Euch nicht um unsere Angelegenheiten! Ihr seid es doch, die sie so verzogen haben, und jetzt wollt Ihr eingreifen?&amp;quot; Und sie machte wieder Anstalten, Frühlingsschwälbchen zu fangen und zu schlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch drehte sich wütend um, um hineinzugehen. Moschusmond, die gerade unter dem Zierapfelbaum Taschentücher zum Trocknen aufhängte und den Lärm gehört hatte, sagte: „Schwester, kümmere dich nicht darum. Schauen wir mal, was sie tut.&amp;quot; Dabei gab sie Frühlingsschwälbchen mit den Augen ein Zeichen. Frühlingsschwälbchen verstand sofort und rannte schnurstracks zu Schatzjade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anwesenden sagten lachend: „So etwas hat es noch nie gegeben – jetzt bricht alles auf einmal los!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond wandte sich an die Dienstfrau: „Reiß dich doch ein wenig zusammen! Um der Anwesenden willen – ist es denn so schwer, ein gutes Wort zu sprechen und die Sache beizulegen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrau musste mit ansehen, wie ihre Tochter sich an Schatzjades Seite flüchtete. Schatzjade ergriff Frühlingsschwälbchens Hand und sagte: „Hab keine Angst, ich bin ja da.&amp;quot; Unter Tränen erzählte Frühlingsschwälbchen den ganzen Vorfall mit Drossel und den anderen. Schatzjade wurde immer aufgebrachter und sagte: „Reicht es nicht, dass du hier im Hof Ärger machst? Musst du auch noch Gäste und Verwandte beleidigen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond wandte sich an die Dienstfrau und die Umstehenden: „Die Frau hat ja recht: Wir sind unwissend und mischen uns zu Unrecht ein. Dann lasst uns jemanden rufen, der das Recht hat, sich einzumischen – jemanden, der ihr die Regeln beibringt und sie zum Schweigen bringt.&amp;quot; Sie drehte sich zu einem kleinen Dienstmädchen um und befahl: „Geh und ruf mir Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér — Phönixglanz' treue Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; her! Und wenn Friedchen keine Zeit hat, dann hol Verwalter Lins Frau!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mädchen sagte: „Jawohl!&amp;quot; und ging. Die älteren Dienstfrauen traten zu Frau He und rieten ihr lächelnd: „Schwester, bitte die Fräulein schnell, das Kind zurückzurufen! Wenn Fräulein Friedchen kommt, wird es böse für dich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienstfrau erwiderte: „Von mir aus soll dieses Fräulein Friedchen kommen und nach dem Recht urteilen. Das gibt es doch wohl nirgends, dass eine Mutter ihr eigenes Kind nicht erziehen darf und sich stattdessen von anderen den Kopf waschen lassen muss!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen lachten: „Weißt du denn, welches Fräulein Friedchen gemeint ist? Es ist Friedchen aus dem Haushalt der zweiten jungen Herrin. Wenn sie gut gelaunt ist, bekommst du ein paar Worte zu hören. Aber wenn sie verärgert ist – dann wirst du es nicht mehr los, Schwester!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch redeten, kam das kleine Dienstmädchen zurück und berichtete: „Fräulein Friedchen hat gerade zu tun. Sie hat mich gefragt, worum es geht, und als ich es ihr erzählt habe, hat sie gesagt: ‚Wenn das so ist, dann jagt sie hinaus und sagt Verwalter Lins Frau Bescheid, sie soll ihr am Seitentor vierzig Stockhiebe geben lassen – damit ist die Sache erledigt.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Dienstfrau das hörte, wollte sie natürlich auf keinen Fall den Garten verlassen. Mit tränenüberströmtem Gesicht flehte sie Dufthauch und die anderen an: „Mit wie viel Mühe bin ich hier hereingekommen! Außerdem bin ich Witwe und habe daheim niemanden. Ich dachte, ich könnte hier sorglos den Fräulein dienen. Für die Fräulein ist es bequem, und ich habe ein Auskommen. Wenn ich jetzt hinaus muss, muss ich mich allein durchschlagen, und eines Tages werde ich nicht mehr wissen, wovon ich leben soll.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch war bei diesem Anblick schon längst wieder weich geworden, sagte aber: „Bleiben willst du, aber dich nicht an die Regeln halten, auf niemanden hören und prügeln, wie es dir einfällt. Was sollen wir mit einem so unverständigen Menschen anfangen, der Tag für Tag Streit sucht? Man wird uns auslachen und unser Ansehen wird darunter leiden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster warf ein: „Lass sie doch reden! Das einzig Richtige ist, sie hinauszuwerfen. Wer will sich immer wieder mit ihr herumstreiten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Dienstfrau flehte alle an: „Ich habe zwar einen Fehler gemacht, aber nun haben die Fräulein mich belehrt, und in Zukunft werde ich mich bessern. Wäre das nicht ein gutes Werk, das Euch dereinst angerechnet wird?&amp;quot; Dann wandte sie sich an Frühlingsschwälbchen: „Der ganze Ärger kam doch daher, dass ich dich schlagen wollte – geschlagen habe ich dich ja nicht einmal richtig. Und jetzt muss ich dafür büßen! Bitte, leg auch du ein gutes Wort für mich ein!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade tat die Frau inzwischen so leid, dass er sie bleiben ließ und ihr nur einschärfte, in Zukunft keinen Skandal mehr zu machen. Die Dienstfrau bedankte sich bei allen der Reihe nach und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Friedchen herein und erkundigte sich, was vorgefallen sei. Dufthauch beeilte sich zu sagen: „Es ist schon alles erledigt, wir brauchen nicht noch einmal davon anzufangen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte lächelnd: „‚Wo man nachgeben kann, soll man nachgeben.' Ärger, den man vermeiden kann, sollte man vermeiden. Kaum ist die Herrschaft ein paar Tage fort, fängt Groß und Klein an, sich aufzulehnen. Ehe die eine Sache beigelegt ist, bricht die nächste aus, und man weiß nicht mehr, um was man sich zuerst kümmern soll.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte lächelnd: „Ich dachte, nur bei uns gäbe es Aufruhr, aber es ist woanders genauso passiert.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen lachte: „Das hier ist doch gar nichts! Gerade habe ich mit der jungen Frau Herrlichkeit Kaufmann zusammen nachgerechnet: In diesen drei, vier Tagen hat es schon acht oder neun Zwischenfälle gegeben. Eurer war der allerkleinste und zählt nicht einmal mit. Es gab noch weit größere Geschichten, über die man gleichzeitig lachen und sich ärgern konnte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was Dufthauch daraufhin fragte und was Friedchen antwortete, das erfahre man im nächsten Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 58</title>
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&lt;br /&gt;
= 第五十八回 / Kapitel 58 =&lt;br /&gt;
== 杏子阴假凤泣虚凰 ==&lt;br /&gt;
=== 茜纱窗真情揆痴理 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Aprikosenbaum beklagt ein falscher Phönix den entflogenen — Am rotgezogenen Gazefenster ergründet wahres Gefühl narrenhaftes Sinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei hielten also schleunigst den Mund, als Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 探春 Tànchūn — dritte Tochter Aufrecht Kaufmanns.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen hereinkamen. Nachdem die Neuankömmlinge ihre Grüße entboten hatten, scherzten und schwatzten alle eine Zeitlang zusammen, dann gingen sie wieder auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unerwartet war die in einem der vorigen Kapitel erwähnte alte Kaiserliche Nebenfrau&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 老太妃 Lǎo Tàifēi — eine betagte kaiserliche Nebenfrau. Ihr Tod löst umfassende Staatstrauer aus.&amp;lt;/ref&amp;gt; entschlafen. Die Gattinnen aller Würdenträger mussten sich zu Hofe begeben, um ihrem Rang und Titel gemäß am Trauerzeremoniell teilzunehmen. Durch kaiserlichen Erlass wurde befohlen, im ganzen Reich dürfe in allen Familien von Würdentragern ein Jahr lang kein Fest gefeiert und keine Musik gespielt werden, das einfache Volk aber dürfe innerhalb von drei Monaten keine Hochzeiten halten. Die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die Matriarchin der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Dame Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén — Begnadigung Kaufmannen Hauptfrau.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Aufrecht Kaufmanns Hauptfrau.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Dame Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 尤氏 Yóu Shì — Kaufmann Kostbars Ehefrau, Herrin des Stillfriede-Anwesens.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Frau Xu — Schwiegermütter und Schwiegertöcher, Großmutter und Enkelin — begaben sich jeden Tag zu Hofe, um den Opferhandlungen beizuwohnen, und kamen nicht früher als nachmittags um zwei wieder zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach einundzwanzigtägiger Aufbahrung in einer Seitenhalle des Kaiserpalasts sollte die Tote nach dem Grab des verewigten Herrschers überführt werden, das sich im Kreis Xiaoci&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 孝慈县 Xiàocí Xiàn — fiktiver Ort des kaiserlichen Mausoleums.&amp;lt;/ref&amp;gt; befand. Dorthin brauchte man von der Hauptstadt aus mehr als zehn Tage, und da der Sarg nach der Überführung noch einmal für mehrere Tage aufgestellt werden sollte, bevor er in den unterirdischen Palast kam, musste die ganze Sache einen vollen Monat in Anspruch nehmen. Aus dem Stillfriede-Anwesen durften eigentlich weder Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Kostbarer Kaufmann&amp;quot; — Oberhaupt des Stillfriede-Anwesens.&amp;lt;/ref&amp;gt; noch seine Frau dabei fehlen, aber dann wäre aus keinem der beiden Anwesen jemand da gewesen, der die Aufsicht führen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hielt man Rat, und da das Haus nicht ohne Herrschaft bleiben konnte, ließ man melden, Dame Sonders werde ein Kind bekommen. Dadurch erreichte man eine Freistellung für sie, und nun konnte sie an der Leitung beider Anwesen teilhaben. Außerdem betraute man Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Königs Schwester.&amp;lt;/ref&amp;gt; damit, sich im Garten um die Schwestern und die Zofen zu kümmern. So blieb Tante Schnee keine andere Wahl, als selbst in den Garten zu ziehen. Bei Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi — Tante Schnees Tochter.&amp;lt;/ref&amp;gt; wohnten schon Xiangfluss-Wolke und Duftkastanie. Bei Frau Li waren Tante Li und ihre beiden Töchter zwar ausgezogen, kamen aber noch von Zeit zu Zeit auf drei oder fünf Tage zu Besuch, und außerdem hatte die Herzoginmutter Kostbarzither Schnee der Obhut von Frau Li anvertraut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Willkommensfrühling war Höhlennebel Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 邢岈烟 Xíng Xiùyān. 岈 xiù „Berghöhle“; 烟 yān „Nebel/Rauch“. Nichte von Dame Strafe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untergebracht. Erkundefrühling dagegen war zum einen mit Haushaltsangelegenheiten überhauft, zum anderen tauchten immer wieder Nebenfrau Zhao und Unheil Kaufmann bei ihr auf, um herumzunörgeln, was ebenfalls sehr unangenehm war. Bei Bedauerfrühling schließlich waren die Räume zu klein. Überdies hatte die Herzoginmutter Tante Schnee tausend- und zehntausendfach gebeten, nur ja auf Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù — Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.&amp;lt;/ref&amp;gt; besonders gut achtzugeben. Und da Tante Schnee ohnehin innigste Zuneigung für Kajaljade verspürte, zog sie jetzt in die Xiaoxiang-Bambushain-Fluss, wo sie mit ihr das Zimmer teilte und sich mit größter Sorgfalt um ihre Arznei und Diät kümmerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade war ihr unendlich dankbar dafür, und Tante Schnee wurde fortan von ihr nicht anders angeredet als von Schatzspange. Schatzspange selbst aber wurde von Kajaljade „ältere Schwester&amp;quot; genannt und Kostbarzither Schnee „jüngere Schwester&amp;quot;, als ob sie ihre leiblichen Geschwister wären, und sie verkehrte mit ihnen herzlicher als mit allen anderen. Als die Herzoginmutter davon erfuhr, war sie hocherfreut und beruhigt zugleich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee kümmerte sich lediglich um die Mädchen und hielt die Zofen im Zaum, zu Haushaltsangelegenheiten dagegen, seien es größere oder kleinere, wollte sie sich nicht äußern. Dame Sonders kam zwar Tag für Tag herüber, aber nur um sich sehen zu lassen und Appell zu halten — sich als Autorität aufspielen wollte sie nicht. Zumal sie drüben in ihrem eigenen Anwesen die ganze Verantwortung trug und außerdem jeden Tag für alles sorgen musste, was die Herzoginmutter, Dame König und die anderen in ihren Aufenthaltsräumen an Essen, Getränken und Ausstattung brauchten, womit sie Arbeit genug hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht nur die Herrschaften aus beiden Anwesen waren jetzt pausenlos beschäftigt. Auch die verantwortlichen Bediensteten waren entweder mit bei Hofe, oder sie hatten sich in den Aufenthaltsräumen außerhalb des Hofes um alles zu kümmern, während wieder andere zu den Absteigeorten des Trauerzuges vorauseilen mussten. So hatten auch sie alle Hände voll zu tun. Dem Gesinde in beiden Anwesen aber fehlte dadurch die rechte Zucht. Die Leute faulenzten, wo sie nur konnten, und manche machten sich die Gelegenheit zunutze, um sich mit den zeitweiligen Verantwortlichen zusammenzutun und die so erlangte Macht zu missbrauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prunkwille-Anwesen waren nur Lai Da und einige Zuständige zurückgeblieben, um sich um die Angelegenheiten des äußeren Haushalts zu kümmern. Die Leute aber, auf die sich Lai Da für gewöhnlich stützte, waren fort. An ihrer Statt hatte man zwar andere eingesetzt, aber dies waren Neulinge, und man merkte, dass ihnen die Arbeit nicht recht von der Hand ging. Obendrein waren es Dummköpfe, die schamlos betrogen, falsche Berichte gaben und sinnlose Vorschläge machten. So gab es Übelstände aller Art, und immer wieder kam es zu Verwicklungen, doch das kann hier nicht weiter geschildert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da jetzt in allen Beamtenfamilien die Schauspielertruppen, die man im Hause hielt, entlassen und weggeschickt wurden, fasste auch Dame Sonders mit den anderen zusammen einen derartigen Beschluss. Als Dame König einmal nach Hause kam, meldete sie ihr, man wolle die zwölf Schauspielmädchen entlassen. Dabei sagte sie: „Die Mädchen waren gekauft worden. Auch wenn sie jetzt nicht weiter die Schauspielerei erlernen, können wir sie doch als Bedienstete behalten. Die Ausbilder aber können ihrer Wege gehen, und damit wäre die Sache erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Diese Schauspielschülerinnen sind nicht dasselbe wie Dienerinnen&amp;quot;, wandte Dame König ein. „Sie sind Kinder anständiger Eltern, die sie nur notgedrungen in dieses Gewerbe verkauft haben, sich ein paar Jahre verunstalten zu lassen und die Hexen zu spielen. Da sich jetzt die Gelegenheit ergibt, sollte man ihnen ein paar Liang Silber als Reisegeld geben und ihnen die Freiheit schenken. So war es seinerzeit bei den Ahnen die Regel. Was jetzt vorgeschlagen ist, würde nicht nur verborgener Güte Abbruch tun, es wäre auch kleinlich. Es leben zwar auch einige alte Schauspielerinnen bei uns, aber von ihnen hatte jede einen Grund, warum sie nicht zu ihrer Familie zurückkehren wollte. Nur deshalb sind sie als Dienerinnen hier geblieben und dann mit jungen Bediensteten aus unserem Haus verheiratet worden, als sie erwachsen waren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dann wollen auch wir die zwölf fragen, ob jemand von ihnen nach Hause möchte&amp;quot;, schlug Dame Sonders vor. „Und falls ja, schreiben wir Briefe an ihre Eltern, damit sie sie persönlich abholen kommen, und geben ihnen ein paar Liang Silber für die Reise! Denn nur so ist alles geregelt. Wenn wir nicht ihre Eltern kommen lassen, werden sich, fürchte ich, Schurken finden, die die Mädchen unter falschem Namen abholen, nur um sie weiterzuverkaufen. Wäre damit nicht unsere Gnade wieder zunichte gemacht? Und wer nicht nach Hause will, den behalten wir hier.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Dame König lächelte: „So ist es recht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders schickte dann eine Botin zu Phönixglanz, um sie über die Sache zu unterrichten, und ließ in der Verwaltung Bescheid sagen, jeder Schauspielausbilder solle acht Liang Silber bekommen und gehen dürfen, wohin es ihm beliebte. Im Birnendufthof&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 梨香院 Líxiāng Yuàn — der Hof, in dem die Theatertruppe untergebracht war.&amp;lt;/ref&amp;gt; wurde eine Bestandsaufnahme aller Gegenstände gemacht, um sie zu verzeichnen und zu verwahren, während für die Gebäude eine Nachtwache bestimmt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwölf Schauspielmädchen wurden persönlich befragt, und es stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte von ihnen nicht nach Hause zurück wollte. Die einen sagten, ihre Eltern lebten zwar noch, aber sie hätten nichts anderes im Sinn, als ihre Kinder zu verkaufen, und würden das wieder tun, wenn sie nach Hause kämen. Andere sagten, ihre Eltern seien schon tot, und sie seien von ihren Onkeln oder Brüdern verkauft worden. Die nächsten sagten, sie hätten niemanden mehr, zu dem sie gehen könnten, und einige sagten schließlich, sie wollten bleiben, weil sie hier so viel Liebe und Güte erfahren hätten. So waren es nicht mehr als vier oder fünf, die fortgehen wollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Dame König dies erfuhr, blieb ihr keine andere Wahl, als den größeren Teil der Mädchen im Haus zu behalten. Die vier oder fünf, die gehen wollten, mussten bei ihren Pflegemüttern leben, bis ihre leiblichen Eltern sie abholen kamen. Die anderen wurden auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt, um dort aufzuwarten. Wenguan behielt sich die Herzoginmutter zu ihrer eigenen Bedienung. Duftblümchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 芳官 Fāngguān. 芳 fāng „Duft/Blüte“.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Frauenrollen mittleren Alters gespielt hatte, wurde Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; zugewiesen. Blütenstäubchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 蕊官 Ruǐguān. 蕊 ruǐ „Staubbeutel/Blütenstaub“.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die junge Mädchenrollen gespielt hatte, bekam Schatzspange. Lotoswürzlein&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 藕官 Ōuguān. 藕 ōu „Lotos(wurzel)“; 官 guān Bühnennamen-Suffix.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die junge Männerrollen gespielt hatte, wurde Kajaljade zugeteilt. Sonnenblümchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 葵官 Kuíguān. 葵 kuí „Sonnenblume“.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die große Heldenrollen gespielt hatte, kam zu Xiangfluss-Wolke. Douguan, die Spaßmacherrollen gespielt hatte, wurde zu Kostbarzither Schnee geschickt. Beifußchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 艾官 Àiguān. 艾 ài „Beifuß“.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die alte Männerrollen gespielt hatte, kam zu Erkundefrühling. Dame Sonders aber bat sich Qieguan aus, die alte Frauenrollen gespielt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als so jedes der Mädchen eine neue Bleibe erhalten hatte, fühlten sie sich wie Vögel, die man aus dem Käfig gelassen hat, und vergnügten sich Tag für Tag im Garten. Jedermann wusste, dass sie sich nicht auf Nadelarbeiten verstanden und auch nicht daran gewöhnt waren, jemanden zu bedienen, darum machte ihnen jetzt keiner große Vorhaltungen. Ein oder zwei aber waren unter den Mädchen, die wohl verständiger waren und deshalb bedauerten, dass sie keine Fähigkeiten besaßen, mit denen sie einmal den Nöten der Zeit würden begegnen können. Sie verwarfen ihre bisherigen Kenntnisse und begannen statt dessen, das Sticken und Nähen, Spinnen und Weben sowie andere weibliche Handarbeiten zu erlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages wurde bei Hofe ein großes Opfer gebracht. Schon in der fünften Nachtwache begaben sich die Herzoginmutter und alle anderen zum Palast, wo sie zuerst ihre Aufenthaltsräume aufsuchten, um eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen, ehe sie zu Hofe gingen. Als sie wiederkamen, war die Zeit der Frühmahlzeit schon vorüber. Sie zogen sich in ihre Aufenthaltsräume zurück, assen und ruhten ein wenig aus. Danach gingen sie erneut zu Hofe und mussten abwarten, bis das Mittags- und das Abendopfer dargebracht waren, ehe sie sich wieder in die Aufenthaltsräume zurückziehen konnten. Anschließend assen sie dort zu Abend, dann erst kehrten sie nach Hause zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aufenthaltsräume lagen im Ahnentempel eines hohen Beamten, und Nonnen brannten hier Weihrauch und verrichteten Andachten. Räume gab es reichlich, und alle waren blitzsauber. Von den beiden Höfen hatten die Jias den östlichen, der Prinz von Beijng den westlichen gemietet. Die Nebenfrauen des verewigten und des regierenden Kaisers empfingen während ihrer täglichen Mussestunden die Herzoginmutter und ihren Anhang in den Räumen des Ostgehöfts. Man ging gemeinsam zu Hofe und kehrte gemeinsam von dort zurück, so dass man einander stets Aufmerksamkeiten erweisen konnte. Aber wozu muss in allen Einzelheiten berichtet werden, was sich draußen zutrug?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besser ist es, vom Garten der Großen Anschauung zu erzählen! Da die Herzoginmutter und Dame König Tag für Tag außer Hause waren und dann einen ganzen Monat lang den Trauerzug begleiten mussten, führten inzwischen alle Zofen und alten Dienerinnen ein sorgenfreies Dasein und schweiften meist untätig im Garten umher. Da auch die zahlreichen alten Frauen, die vorher im Birnendufthof aufgewartet hatten, von dort abgezogen und auf die Gartenhäuser verteilt worden waren, um hier zu bedienen, schien das Gartenpersonal plötzlich massenhaft vermehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenguan und die übrigen Schauspielmädchen waren teils hochmütig und eingebildet, teils selbstherrlich und ungerecht, teils wählerisch in Bezug auf Kleidung und Speisen und obendrein noch spitzzüngig. Kaum eine war zufrieden mit ihrem Los. Darum gab es keine unter den alten Dienerinnen, die nicht schon längst einen heimlichen Groll gegen die Mädchen hegte, wenn sie auch nicht gewagt hatten, offen mit ihnen zu streiten. Dass die Mädchen jetzt den Schauspielunterricht hatten aufgeben müssen, war den Alten ganz recht, aber während die einen die Finger von ihnen ließen und sich nicht weiter um sie kümmerten, gab es auch andere, die engherziger waren und an ihrem alten Groll festhielten. Weil aber auch sie jetzt auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt waren, wagten sie nicht, etwas gegen die Mädchen zu unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Festtag Qingming&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 清明节 Qīngmíng Jié — das Totengedenkfest, an dem man die Gräber der Ahnen besucht.&amp;lt;/ref&amp;gt; begab sich Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn — Begnadigung Kaufmannen Sohn, Phönixglanz' Ehemann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der die üblichen Opfer vorbereitet hatte, mit Unheil Kaufmann, Jia Cong und Orchidee Kaufmann zusammen ins Kloster Eiserne Schwelle&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 铁槛寺 Tiě Kǎn Sì — ein buddhistisches Kloster der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;, um vor den Särgen die Papiergaben zu verbrennen. Auch Hibiskus Kaufmann hatte sich mit einigen Sippenangehörigen aus dem Stillfriede-Anwesen dorthin begeben. Schatzjade aber hatte nicht mithalten können, weil er noch nicht ganz genesen war. Nach dem Essen wurde er schläfrig, und Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; redete ihm zu: „Es ist so schönes Wetter, geh draußen spazieren, damit du nicht einschläfst, kaum dass du die Suppenschale aus der Hand gesetzt hast, und sich alles im Herzen staut!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notgedrungen ging Schatzjade auf seinen Stock gestützt und mit schlappenden Schuhen zum Hoftor hinaus. Da der Garten vor kurzem der Obhut der alten Dienerinnen übergeben worden war, war jetzt jede bei ihrem Geschäft: Die einen putzten den Bambus, andere beschnitten die Bäume, die nächsten pflanzten Blumen, und wieder andere steckten Bohnen. Auf dem Teich waren die Bootsfrauen mit Kähnen unterwegs, um Schlamm zu baggern und Lotuswurzeln zu setzen. Duftkastanie, Xiangfluss-Wolke und Kostbarzither Schnee saßen zusammen mit ihren Zofen auf Felsbrocken und schauten zum Vergnügen zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade langsam auf die Mädchen zuging, entdeckte ihn Xiangfluss-Wolke als erste, und sofort rief sie lächelnd: „Jagt schnell diese Boote fort, sie wollen Schwester Kajaljade abholen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Alles lachte darüber, und Schatzjade wurde rot. Aber er lächelte ebenfalls, während er sagte: „Niemand wird zum Spaß krank. Du aber musst selbst das nachäffen, um dich über einen lustig zu machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Und du musst, selbst wenn du krank wirst, noch etwas Besonderes haben&amp;quot;, scherzte Xiangfluss-Wolke. „Aber wenn du dann die Leute damit zum Lachen bringst, gibst du anderen die Schuld.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie das sagte, hatte sich Schatzjade ebenfalls niedergelassen und sah nun ein Weilchen dem emsigen Treiben der alten Frauen zu. Dann aber sagte Xiangfluss-Wolke: „Hier ist es windig, und die Steine sind kuhl. Lange kann man hier nicht sitzen bleiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Schatzjade ohnehin vorhatte, Kajaljade zu besuchen, stand er auf, stützte sich wieder auf seinen Stock und verabschiedete sich von den Mädchen. Er folgte dem Damm im Bereich der Duftgetränkten Brücke, und hier sah er, dass von den Weiden goldene Schnüre hingen, während sich die Pfirsiche in rosige Wolken gehüllt hatten. Der große Aprikosenbaum hinter dem Felsvorsprung aber hatte schon alle Blüten verloren, und die Blätter wuchsen dicht und grün. Unzählige kleine Früchte, nicht größer als Bohnen, saßen an den Zweigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nun bin ich ein paar Tage krank gewesen, und gleich habe ich die Aprikosenblüte verpasst&amp;quot;, dachte Schatzjade. „Unversehens ist es soweit, dass man sagen muss: 'Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht.'&amp;quot; Während er so nach oben schaute und den Blick nicht wieder losreißen konnte, fiel ihm ein, dass für Höhlennebel Strafe ein Bräutigam ausgesucht worden war, und wenn er sich auch sagen musste, es sei dies ein großes Ereignis für Mann und Frau, auf das nicht verzichtet werden konnte, bedauerte er doch, dass er dadurch wieder ein liebliches Mädchen verlieren musste. In ein paar Jahren würde dann auch für sie gelten: „Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht.&amp;quot; Und so wie der Baum binnen kurzem wieder kahl und ohne Früchte dastehen würde, würde sich in wenigen Jahren Höhlennebel Strafes schwarzes Haar silbern färben, und ihre roten Wangen würden aussehen wie verdorrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unwillkürlich überkam Schatzjade die Schwermut, und er stand weinend und seufzend vor dem Aprikosenbaum. Inmitten seiner Wehklage kam plötzlich ein Spatz geflogen, setzte sich auf einen Zweig und tschilpte wie wild. Wieder stand Schatzjade in sich versunken und dachte: „Bestimmt ist der Vogel hier gewesen, als die Aprikose in voller Blüte stand, und jetzt tschilpt er so, weil er keine Blüten mehr findet, sondern nur noch Blätter. Sein Tschilpen bedeutet sicher Weinen. Zu ärgerlich, dass kein Gongye Chang zur Hand ist, den ich fragen könnte! Ob sich der Spatz wohl im nächsten Jahr, wenn der Baum von neuem blüht, noch daran erinnern kann und wieder herkommt, um die Blüten wiederzusehen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er so seinen törichten Gedanken nachhing, sah er auf einmal, wie hinter dem Felsvorsprung Feuer aufloderte und der Spatz erschrocken davonflog. Auch Schatzjade zuckte vor Schreck zusammen. Dann hörte er, wie drüben jemand rief: „Sterben solltest du, Lotoswürzlein! Wie kannst du Opfergeld mit hereinbringen und es hier verbrennen? Ich gehe es den jungen Herrinnen melden, nimm deine Haut in acht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zutiefst verwundert bog Schatzjade rasch um den Felsvorsprung und entdeckte dort Lotoswürzlein, die mit tränenüberströnmtem Gesicht und mit einem Feuerholz in der Hand traurig vor einem Häufchen Asche hockte.&lt;br /&gt;
„Für wen verbrennst du das Opfergeld?&amp;quot; fragte Schatzjade schnell. „Du darfst es nicht hier verbrennen! Wenn es für deine Eltern oder Geschwister ist, sag mir die Namen, dann befehle ich draußen den Dienern, sie sollen ein ordentliches Opferpäckchen zurechtmachen, die Namen daraufschreiben und es dann verbrennen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Lotoswürzlein sah Schatzjade nur groß an und sagte kein Wort. Als er nach mehrmaligem Fragen noch immer keine Antwort erhalten hatte, kam plötzlich eine wutschnaubende alte Dienerin angestapft, packte Lotoswürzlein am Ärmel und sagte: „Ich habe es den jungen Herrinnen schon gemeldet, sie sind sehr böse auf dich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Lotoswürzlein war noch ein Kind, und aus Angst vor der Schande wollte sie nicht mitgehen.&lt;br /&gt;
„Habe ich euch nicht schon immer gesagt, ihr sollt nicht zu übermutig sein?&amp;quot; rief die Alte. „Jetzt seid ihr hier und könnt nicht mehr einfach machen, was ihr wollt wie früher draußen. Hier heißt es, sich anständig benehmen!&amp;quot; Und mit dem Finger auf Schatzjade weisend, setzte sie hinzu: „Selbst unser junger Herr hält sich an Regeln und Normen. Was bist du für ein freches kleines Ding, dass du hierher kommst und Unfug treibst? Angst haben hat gar keinen Zweck. Du kommst jetzt mit!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sie hat gar kein Opferpapier verbrannt&amp;quot;, behauptete Schatzjade rasch. „Fräulein Lin hatte ihr befohlen, ihr beschriebenes Altpapier zu verbrennen. Du hast dich verguckt und hast sie zu Unrecht gemeldet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Lotoswürzlein, die nicht wusste, was sie machen sollte, und die Schatzjades Erscheinen nur noch mehr verängstigt hatte, fasste wieder Mut, als Schatzjade plötzlich ihr Vergehen deckte, und sagte nun ebenfalls: „Hast du vielleicht gesehen, dass es Opfergeld war? Ich habe Papier verbrannt, das Fräulein Lin beschrieben hatte!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als die Alte dies hörte, geriet sie noch stärker in Zorn und beugte sich nieder, um ein paar halbverbrannte Papierfetzen aus der Asche zu wühlen. Dann sagte sie: „Willst du noch streiten? Hier habe ich den Beweis in der Hand. Wir unterhalten uns in der Halle weiter!&amp;quot; Damit packte sie Lotoswürzlein am Ärmel und wollte sie mit sich ziehen.&lt;br /&gt;
Schatzjade aber hielt Lotoswürzlein rasch fest und schlug der Alten mit dem Stock auf die Hand, so dass sie loslassen musste. Dann sagte er: „Das kannst du haben! Aber ich will dir die Wahrheit sagen. Heute Nacht ist mir der Geist der Aprikosenblüete im Traum erschienen und hat ein Gehänge weißes Opfergeld von mir verlangt, das aber niemand aus meinen Räumen verbrennen sollte, sondern jemand Fremdes. Dann würde meine Krankheit schneller heilen. Darum habe ich mir das Opfergeld verschafft und Fräulein Lin eigens gebeten, Lotoswürzlein zu schicken, um es für mich zu verbrennen und die Beschwörunng vorzunehmen. Niemand sollte etwas davon erfahren. Und nur deshalb habe ich heute schon aufstehen können. Dann aber musstest du das sehen, und wenn ich jetzt nicht gesund werde, liegt das nur daran, dass du die Sache verdorben hast. Aber du wolltest doch Lotoswürzlein melden gehen. — Geh nur mit, Lotoswürzlein! Wenn du mit ihnen sprichst, sagst du alles so, wie du es eben gehört hast. Und wenn die Herzoginmutter zurück ist, sage ich ihr, wer sich absichtlich gegen die Geister vergangen hat, um zu erreichen, dass ich jung sterbe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Lotoswürzlein wusste nun, was sie zu tun hatte. Jetzt war sie es, die die Alte am Ärmel packte und gehen wollte. Die Alte aber ließ unter dem Eindruck von Schatzjades Worten das halbverbrannte Opfergeld fallen und erklärte mit verlegenem Lächeln: „Das habe ich nicht gewusst. Wenn der junge Herr das der Herzoginmutter meldet, ist es doch aus mit mir. Ich werde den jungen Herrinnen sagen, ich hätte mich geirrt, der junge Herr hätte den Geistern ein Opfer gebracht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Nichts wirst du ihnen sagen!&amp;quot; verlangte Schatzjade. „Dann sage ich auch nichts davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Aber ich habe es doch schon gemeldet&amp;quot;, klagte die Alte. „Sie hatten mir befohlen, Lotoswürzlein zu bringen. Nun kann ich doch nicht einfach wegbleiben. — Aber sei es drum! Ich werde sagen, ich hätte sie schon gerufen, aber dann habe Fräulein Lin sie holen lassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade dachte kurz nach, ehe er durch Kopfnicken seine Zustimmung zu erkennen gab, und die Alte ging ihres Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann aber fragte Schatzjade: „Für wen hast du das Opfergeld nun wirklich verbrannt? Ich habe mir überlegt: Wenn es um ein Opfer für Eltern oder Geschwister ging, habt ihr stets jemand beauftragt, es draußen zu verbrennen. Da du es hier verbrannt hast, diese paar Blätter, musst du deinen eigenen privaten Grund dafür haben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tief bewegt durch die Hilfe, die Schatzjade ihr erwiesen hatte, und daran erkennend, dass er ein verwandter Geist war, verriet ihm Lotoswürzlein unter Tränen: „Von dieser Sache weiß kein Mensch außer Duftblümchen, die bei dir im Hause ist, und Blütenstäubchen, die bei Fräulein Schatzspange ist. Nachdem du mich hier überrascht hast und so für mich eingetreten bist, will ich es dir auch sagen, aber du darfst es niemand weitererzählen.&amp;quot; Sie weinte und fuhr fort: „Ich kann es dir nicht ins Gesicht sagen. Frag, wenn du zurück bist, in aller Stille Duftblümchen danach, dann wirst du es erfahren.&amp;quot; Nach diesen Worten stürmte sie davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwundert ging Schatzjade mit langsamen Schritten in die Xiaoxiang-Bambushain-Fluss, um nach Kajaljade zu sehen, die so schmächtig geworden war, dass es einen jammerte. Doch als er sich erkundigte, hiess es, dieser Zustand sei schon eine bedeutende Besserung gegenüber dem bisherigen. Auch Kajaljade musste feststellen, dass Schatzjade viel schmaler war als früher, und der Gedanke an vergangene Zeiten trieb ihr die Tränen in die Augen. Nach kurzem Gepläuder drängte Kajaljade darauf, Schatzjade solle wieder gehen, um sich auszuruhen und zu pflegen, und so kehrte er notgedrungen in seine Räume zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dachte daran, dass er Duftblümchen etwas zu fragen hatte, aber Xiangfluss-Wolke und Duftkastanie waren da und scherzten und plauderten eben mit Dufthauch und Duftblümchen, so dass er sie schlecht wegrufen konnte, denn er musste befürchten, die anderen würden wissen wollen, worum es ging. Also musste er sich gedulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Weilchen später ging Duftblümchen mit ihrer Pflegemutter hinaus, um sich von ihr das Haar waschen zu lassen. Als die Pflegemutter zuerst ihrer leiblichen Tochter das Haar wusch, warf Duftblümchen ihr vor, sie werde von ihr benachteiligt. „Ich soll mir den Kopf mit dem Wasser waschen, das deine Tochter übriggelassen hat?&amp;quot; empörte sie sich. „Nicht genug damit, dass du dir mein ganzes Monatsgeld einsteckst und deinen Vorteil aus mir ziehst, bekomme ich von allem nur die Reste!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Bei ihrer Pflegemutter wurde aus der Beschämung Zorn, und sie schimpfte: „Du undankbares Ding! Kein Wunder, wenn die Leute sagen, eine Schauspielerin, mit der gut auszukommen ist, die gibt es nicht. Wie gut ein Mensch auch sein mag, in diesem Gewerbe wird er verdorben. Du kleines Stück Dreck wirst hier frech und geiferst wie ein bissiges Maultier!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als sich die beiden so in den Haaren lagen, schickte Dufthauch sofort jemand mit der Aufforderung: „Hört auf zu streiten! Kaum seht ihr, dass die Herzoginmutter nicht im Hause ist, bekommt ihr kein ruhiges Wort mehr über die Lippen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Heitermuster aber sagte: „Das liegt nur an Duftblümchen, die unverschämt ist und sich wer weiß wie aufführt. Da kann sie nun ein paar Opern singen, aber sie benimmt sich, als hätte sie zumindest einen Räuberhäuptling getötet oder einen Aufrürer gefangen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Eine Hand allein kann nicht klatschen&amp;quot;, entgegnete Dufthauch. „Die Alte ist ungerecht, und die Kleine ist boshaft.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Duftblümchen kann man keinen Vorwurf machen&amp;quot;, mischte Schatzjade sich ein. „Von alters her heißt es: 'Gegen Ungerechtigkeit erhebt ein jedes seine Stimme.' Sie lebt hier ohne Verwandte und Angehörige, niemand kümmert sich um sie, und dann wird ihr nicht nur ihr Geld vorenthalten, sie wird auch noch schlecht behandelt. Was gibt es da noch zu wundern?&amp;quot; Dann wandte er sich an Dufthauch und fragte: „Wieviel Geld bekommt sie im Monat? Ist es nicht das Beste, wenn in Zukunft du ihr Geld bekommst und dich um sie kümmerst? Das würde die Sache einfacher machen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Natürlich kann ich mich um sie kümmern&amp;quot;, stimmte Dufthauch ihm zu. „Aber wenn ich mich erst um sie kümmere, wenn ich ihre paar Kröten bekomme, gebe ich den Leuten nur einen Grund, die Zunge zu wetzen.&amp;quot; Mit diesen Worten stand sie auf, ging in das andere Zimmer und holte von dort eine Flasche parfümiertes Öl, außerdem Hühnerieier, Duftseife und Haarbäender. Dann befahl sie einer der alten Dienerinnen, alles Duftblümchen zu bringen und ihr zu sagen, sie solle sich frisches Wasser geben lassen und sich die Haare allein waschen, anstatt zu zanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das aber beschämte und erzürnte Duftblümchens Pflegemutter erst recht. Sie behauptete, Duftblümchen habe kein Herz im Leibe, und schrie sie an: „Du behauptest also, dass ich mir dein Geld einstecke?&amp;quot; Dann versetzte sie ihr ein paar Püffe, und Duftblümchen begann zu heulen.&lt;br /&gt;
Nun wollte Schatzjade hinausgehen, aber Dufthauch redete ihm rasch beschwichtigend zu: „Was soll das? Ich gehe und sage ihr einiges.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Doch schon war ihr Heitermuster zuvorgekommen. Sie wies mit dem Finger auf Duftblümchens Pflegemutter und sagte: „Du bist aber auch zu unverschämt, alte Frau! Du gibst ihr nicht, was sie zur Haarwäsche braucht, und wenn wir es ihr geben, hast du noch die Stirn, sie zu schlagen, anstatt dich zu schämen. Hättest du das wohl auch gewagt, wenn sie noch Schauspielunterricht hätte?&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Wer mich einen Tag Mutter nennt, bleibt sein Leben lang mein Kind&amp;quot;, erwiderte die Alte, „und wenn sie mir frech kommt, dann kriegt sie Schläge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Nun rief Dufthauch Sheyü zu sich und sagte: „Ich habe nicht das Zeug, mich mit den Leuten herumzustreiten, und Heitermuster ist zu heißblütig, also geh du schnell hin und setz die Alte ein bisschen unter Druck!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Sofort eilte Sheyü hinüber und sagte: „Schrei hier nicht! Ich frage dich: Wo hast du hier im ganzen Garten, nicht nur bei uns, je gesehen, dass jemand in den Räumen der Herrschaft seiner Tochter eine Belehrung erteilt? Selbst wenn es deine leibliche Tochter wäre, sobald sie einem Raum zugeteilt ist und eine Herrschaft hat, ist die Herrschaft dafür da, sie zu schlagen und zu schelten, und in zweiter Linie tun dies die älteren Zofen. Wer würde wohl den Eltern erlauben, sich da einzumischen und sich um jede Kleinigkeit zu kümmern? Wenn das alle so machen wollten, wie sollten denn da die Mädchen etwas lernen von uns? Je älter du wirst, desto mehr vergisst du wohl die Anstandsregeln! Neulich hast du gesehen, wie Zhui-ers Mutter gezankt hat, und jetzt musst du das nachmachen, wie? Nur keine Sorge! Nur weil die ganze Zeit über mal die krank war und mal der und weil die Herzoginmutter keine Zeit hatte, habe ich das noch nicht gemeldet. Wenn in ein paar Tagen die sorglose Zeit ihr Ende hat, werden wir alles melden, und wenn dann alle ihre kalte Dusche weghaben, wird es wohl besser werden. Eben erst fühlt sich Schatzjade ein wenig wohler, und nicht einmal wir wagen es, laut zu sprechen, du aber schlägst das Kind, dass es heult wie ein Wolf und brüllt wie ein Teufel. Sobald die oben für einige Zeit nicht im Hause sind, gelten bei euch weder Recht noch Gesetz, und wir sind in euren Augen einfach nicht da. Noch ein paar Tage, dann werden auch wir von euch Schläge bekommen. Was soll sie mit einer Pflegemutter wie dir? Wird sie ohne dich im Dreck umkommen, oder was?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade trommelte indessen mit seinem Stock auf die Türschwelle und sagte: „Bei diesen alten Weibern ist das Herz aus Eisen und das Innere aus Stein, ein rechtes Wunder ist das. Anstatt für die Kinder zu sorgen, quälen sie sie. Was soll das auf die Dauer noch werden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Was das werden soll?&amp;quot; fiel Heitermuster ein. „Rausschmeissen muss man sie alle, diese tauben Nüsse!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Alte wollte vor Scham fast vergehen und brachte kein Wort über die Lippen. Duftblümchen aber stand daneben, nur mit einer kurzen dunkelrosa Wattejacke und einer dünn gefütterten Seidenhose mit Streublumenmuster bekleidet, die an den Fussgelenken nicht zugeschnürt war. Ihr glänzend schwarzes Haar hing lose herab, und sie weinte zum Steinerweichen.&lt;br /&gt;
Lächelnd bemerkte Sheyü: „Aus Fräulein Yingying ist die geprüglte Hongniang geworden! Nur ungepudert ist sie und schlampig angezogen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Sie sieht gut aus, so wie sie ist, und braucht sich nicht zurechtzumachen&amp;quot;, widersprach Schatzjade.&lt;br /&gt;
Nun trat Heitermuster zu ihr heran, zog sie mit sich, wusch ihr das Haar und drückte mit einem Handtuch das Wasser aus. Dann schlang sie ihr das Haar zu einem losen Knoten zusammen und befahl ihr, sie solle sich wieder anziehen und dann herüberkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen erschien eine Köchin und meldete: „Das Abendessen ist fertig. Soll es gebracht werden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Eines der kleineren Zöfchen ging hinein, um Dufthauch danach zu fragen, die darauf lächelnd erwiderte: „Über dem Krach eben habe ich gar nicht darauf geachtet, wie oft die Uhr geschlagen hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Mit dem Ding ist wieder mal was&amp;quot;, warf Heitermuster ein, „sie muss erst in Ordnung gebracht werden.&amp;quot; Sie holte ihre Taschenuhr hervor und schaute nach der Zeit, dann sagte sie: „So lange noch, wie man für eine halbe Schale Tee braucht, dann ist es recht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Das kleine Zöfchen ging wieder hinaus. Sheyü aber sagte lächelnd: „Duftblümchen war doch ungezogen und hat Schläge verdient. Gestern hat sie wer weiß wie lange an dem Pendel gespielt und die Uhr kaputt gemacht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Während sie das sagte, hatte sie den Tisch gedeckt, und wenig später brachten die kleineren Zöfchen die Speiseschachteln herein und nahmen damit Aufstellung. Heitermuster und Sheyü entfernten die Deckel von den Schachteln und stellten fest, dass es wieder nur viererlei Eingelegtes war.&lt;br /&gt;
Lächelnd beklagte sich Heitermuster: „Wo er doch wieder gesund ist, könnten sie auch ein paar leichte Fleischgerichte für ihn schicken. Wie lange soll das noch weitergehen mit Reissuppe und Salzgemüse?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als sie die Schüsseln auf den Tisch stellte, entdeckte sie, dass auch eine Schale mit Suppe aus Schinken und frischen Bambussprossen in einer der Schachteln war. Rasch stellte sie Schatzjade die Suppe hin, und er schlürfete davon, ohne die Schale hochzuheben. „Ist das heiß!&amp;quot; sagte er.&lt;br /&gt;
„Warum bist du auch so gierig, kaum dass du ein paar Tage fleischlose Kost essen musstest?&amp;quot; sagte Dufthauch lächelnd. Dann nahm sie die Schale rasch hoch und blies vorsichtig auf die Suppe. Als ihr Blick dabei auf Duftblümchen fiel, die an der Seite stand, reichte sie ihr die Schale und forderte sie lächelnd auf: „Hier, du kannst auch ein bisschen aufwarten lernen, anstatt immer nur Maulaffen feilzuhalten! Aber blas vorsichtig, damit du nicht hineinspuckst!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Duftblümchen tat, wie ihr geheißen war, und blies mehrmals auf die Suppe, ganz wie es sich gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Pflegemutter aber hatte sich rasch der Reisschüssel bemächtigt und wartete damit vor der Tür. Diese Frau war seinerzeit Duftblümchens Pflegemutter geworden, gleich nachdem Duftblümchen mit den anderen Mädchen zusammen hierher gekommen war, und war dann mit in den Birnendufthof gezogen. Ursprünglich aber war sie nur eine drittklassige Bedienstete aus dem Prunkwille-Anwesen, die hier lediglich Wäsche hatte waschen dürfen, ohne jemals in den inneren Teil des Anwesens zu kommen. Darum kannte sie auch nicht die Anstandsregeln, die hier galten.&lt;br /&gt;
Jetzt aber hatte sie das Glück gehabt, mit Duftblümchen zusammen in den Garten zu kommen und hier einem Haus zugeteilt zu werden. Erst auf Sheyüs Vorhaltungen hin war ihr einiges klar geworden, und nun hatte sie Angst, sie würde mancherlei einbüssen, wenn Duftblümchen sich von ihr lossagte. Darum hatte sie nur den einen Wunsch, die anderen umzustimmen. Als sie sah, wie Duftblümchen die Suppe blies, stürzte sie ins Zimmer und sagte lächelnd: „Sie ist nicht geuebt darin und wird noch die Schale zerschlagen. Lasst mich das machen!&amp;quot; Und während sie das sagte, nahm sie auch schon Duftblümchen die Suppenschale ab.&lt;br /&gt;
„Raus!&amp;quot; schrie Heitermuster sie an. „Auch wenn sie die Schale zerschlägt, hast du hier nichts zu blasen. Was suchst du hier drinnen? Raus mit dir!&amp;quot; Dann beschimpfte sie die kleineren Zöfchen: „Seid ihr noch bei Trost? Wenn sie das nicht wusste, hättet ihr es ihr sagen müssen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Wir haben sie weggeschickt, aber sie ist nicht gegangen&amp;quot;, verteidigten sich die kleineren Zöfchen. „Und als wir es ihr gesagt haben, wollte sie uns nicht glauben. Dafür werden wir jetzt mit hineingezogen. — Glaubst du uns nun endlich, dass die Räume, zu denen wir Zutritt haben, dir nur zur Hälfte offen stehen, während die andere Hälfte für dich gesperrt ist? Aber nicht genug damit, dass du einen Raum betrittst, den nicht einmal wir betreten dürfen, setzt du dort auch noch Hände und Mund in Bewegung!&amp;quot; Mit diesen Worten schoben sie sie hinaus.&lt;br /&gt;
Draußen empfingen sie die alten Dienerinnen, die unten an der Treppe auf die leeren Speiseschachteln und das Geschirr warteten, lächelnd mit der Frage: „Konntest du nicht in einen Spiegel sehen, ehe du dort hineingehst, Schwägerin?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Beschämt und wütend zugleich musste es die Alte erdulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Duftblümchen noch ein paarmal geblasen hatte, sagte Schatzjade lächelnd: „Das wird genug sein. Pass auf, dass du nicht außer Atem kommst! Koste mal, ob es jetzt gut ist!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Duftblümchen hielt dies für einen Scherz und schaute unglaueubig lächelnd nach Dufthauch und den anderen. Dufthauch aber sagte: „So koste doch! Was hindert dich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Schau, wie ich koste!&amp;quot; sagte Heitermuster lächelnd und nahm einen Schluck. Nun kostete auch Duftblümchen und bestätigte: „Jetzt ist es gut.&amp;quot; Und sie reichte Schatzjade die Schale.&lt;br /&gt;
Schatzjade trank die Suppe zur Hälfte aus, dann nahm er noch ein paar Scheiben Bambussprosse und eine halbe Schale dünne Reissuppe zu sich, und damit hatte er genug. Die Mädchen räumten den Tisch ab und schafften alles hinaus. Nachdem die kleineren Zöfchen die Waschschüssel gebracht hatten und Schatzjade sich den Mund gespült und die Hände gewaschen hatte, ging Dufthauch mit den anderen hinaus, um zu essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade gab Duftblümchen einen Wink mit den Augen, und Duftblümchen, die von Natur aus ein aufgewecktes Ding war und obendrein ein paar Jahre die Schauspielerei gelernt hatte, so dass sie alles verstand, gab vor, sie habe Kopfschmerzen und wolle nichts essen.&lt;br /&gt;
„Wenn du nichts isst, bleibst du zur Gesellschaft hier im Zimmer!&amp;quot; wies Dufthauch sie an. „Ich lasse dir die Reissuppe hier, die kannst du essen, wenn du nachher doch Hunger hast.&amp;quot; Damit gingen sie alle hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade blieb mit Duftblümchen allein zurück. Nun erzählte er ihr in allen Einzelheiten, wie er erst den Feuerschein gesehen hatte und dann Lotoswürzlein, wie er gelogen hatte, um sie zu decken, und wie sie ihn geheißen hatte, sich bei ihr, Duftblümchen, zu erkundigen. Dann fragte er: „Wem hat sie das Opfer gebracht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Duftblümchen hatte bei seiner Erzählung erst über das ganze Gesicht gelächelt, jetzt aber seufzte sie und sagte: „Die Sache ist lächerlich und traurig zugleich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Wieso?&amp;quot; fragte Schatzjade sofort.&lt;br /&gt;
Lächelnd fuhr Duftblümchen fort: „Wem sie das Opfer gebracht hat, willst du wissen? Der verstorbenen Diguan.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Wenn sie mit ihr befreundet war, muss sie ihr auch Opfer bringen&amp;quot;, sagte Schatzjade.&lt;br /&gt;
„Was heißt befreundet?&amp;quot; fragte Duftblümchen. „Sie ist ein törichtes Ding. Weil sie selbst die jungen Männer gespielt hat und Diguan die jungen Mädchen, mussten sie oft als Mann und Frau auftreten. Das war nur Spiel, aber sie waren dabei immer so voller Liebe und Fürsorge füreinander, dass es ihnen schließlich zu Kopf gestiegen ist. Nun waren sie bei allem unzertrennlich, auch wenn sie nicht auf der Bühne standen. Als Diguan starb, hat Lotoswürzlein sich fast zu Tode geweint. Bis heute hat sie sie nicht vergessen und verbrennt zu jedem Festtag Opferpapier.&lt;br /&gt;
Als dann Blütenstäubchen die Stelle von Diguan einnahm und wir sahen, dass Lotoswürzlein zu ihr genauso lieb und zärtlich war, haben wir sie gefragt, ob sie ihre alte Liebe über der neuen vergessen habe. Aber sie hat gesagt, sie handle nach einem gewichtigen Grundsatz. Auch wenn einem Mann die Frau sterbe, heirate er erneut, und das müsse auch sein. Wenn er nur die Tote nicht vergesse, seien seine Gefühle tief und seine Gedanken ernst. Wenn er um der Toten willen bis ans Ende seiner Tage allein bleibe, verstosse er gegen ein wichtiges Prinzip und tü Unrecht, wodurch auch die Tote nicht in Frieden ruhen würde. — Sag selbst, ist das nicht verrückt? Und ist es vielleicht nicht zum Lachen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Verrücktheit, von der sie berichtet hatte, passte so ganz zu Schatzjades eigener Verrücktheit. Ungewollt überkamen ihn Freude und Schmerz, und er empfand die Sache als etwas ganz Einzigartiges. „Warum musste ich bärtiger Dummkopf die Welt beschmutzen, wenn der Himmel solche Menschen hervorzubringen vermag?&amp;quot; fragte er. Dann fasste er Duftblümchen beim Ärmel und sagte: „Wenn das so ist, habe ich ihr auch etwas zu sagen. Aber es wäre nicht das Richtige, ihr das von Angesicht zu Angesicht zu sagen, darum musst du es ihr ausrichten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
„Was ist es?&amp;quot; wollte Duftblümchen wissen.&lt;br /&gt;
„Sie soll in Zukunft auf keinen Fall mehr Opfergeld verbrennen&amp;quot;, sagte Schatzjade. „Dieses Opfergeld ist eine späte Verirrung und kein Vermächtnis des Konfuzius. In Zukunft soll sie zu den entsprechenden Tagen einfach ein Räuchergefäss aufstellen und dann beliebigen Weihrauch darin verbrennen. Wenn sie das reinen Herzens und ergebenen Sinnes tut, verfehlt es nicht seinen Zweck. Die dummen Menschen wissen das nicht und müssen unbedingt den Geistern, den Buddhas und den Toten verschiedene Opfer bringen, jedem nach seinem Rang. Dabei ist das einzig Wichtige daran das aufrichtige Herz. Wenn man bedrängt und in Eile ist und hat nicht einmal Weihrauch zur Hand, dann können auch Erde und Gras als Opfergaben dienen, wenn sie nur sauber sind. Nicht nur die Toten nehmen diese Gaben an, Götter und Geister tun es ebenso. Siehst du das Räuchergefäss auf dem Tisch? Darin brenne ich Weihrauch ab, ohne mich an die Festtage zu halten. Die anderen wissen nicht, warum ich das tü, in meinem Herzen aber folge ich stets einem Grund. Wenn ich frischen Tee habe, stelle ich ein Schälchen voll dazu, sonst auch frisches Wasser, frische Blumen oder frisches Obst, sogar Suppe und Fleisch. Wenn nur das Herz dabei aufrichtig ist und der Sinn ergeben, wird selbst Buddha das Opfer nicht verschmähen. Darum sagt man: 'Auf die Ergebenheit kommt es an, nicht auf leere Worte.' Und so richte ihr aus, sie soll in Zukunft keine Papieropfer mehr bringen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Duftblümchen versprach es ihm. Bald nachdem sie dann gegessen hatte, wurde gemeldet: „Die Herzoginmutter und die gnädige Frau sind zurück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 57</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第五十七回 / Kapitel 57 =&lt;br /&gt;
== 慧紫鹃情辞试莽玉 ==&lt;br /&gt;
=== 慈姨妈爱语慰痴颦 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die kluge Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck&amp;quot; — Kajaljades treue Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; prüft den stürmischen Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit gefühlvollen Worten — Die gütige Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Königs Schwester, Mutter von Schatzspange.&amp;lt;/ref&amp;gt; tröstet die schwermütige Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade aus dem Hause Lin&amp;quot; — Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit liebevollen Reden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Schatzjade, als er Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Aufrecht Kaufmanns Hauptfrau.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Ruf hörte, eilig zu ihr hinüberging. Es stellte sich heraus, dass Dame König ihn mitnehmen wollte, um bei der Dame der Familie Echt&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 甄 Zhēn — eine gleichrangige Adelsfamilie aus Nanking. 甄 (zhēn, „echt/wahr&amp;quot;) bildet den Gegensatz zu 贾 (jiǎ, homophon mit 假 „falsch/fiktiv&amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; einen Besuch zu machen. Schatzjade freute sich natürlich und ging rasch seine Kleider wechseln. Dann begleitete er Dame König dorthin. Als er dort die Verhältnisse des Hauses sah, unterschieden sie sich kaum von denen der Rong-guo-&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 荣国府 Róngguó Fǔ — das „Anwesen des Reiches der Ehre&amp;quot;, Hauptsitz der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Stillfriede-Anwesen, nur das eine oder andere mochte ein wenig prächtiger sein. Bei näherem Nachfragen erfuhr er, dass es in der Tat auch dort einen Schatzjade gab. Die Dame der Familie Echt bat sie zum Essen, und erst gegen Abend kehrten sie zurück. Nun war Schatzjade überzeugt. Am Abend, als sie wieder zu Hause waren, befahl Dame König, man solle ein erstklassiges Festmahl richten und eine berühmte Theatertruppe bestellen, um Dame Zhen mit ihrer Tochter einzuladen. Zwei Tage später verabschiedeten sich Mutter und Tochter und kehrten an den Amtssitz zurück. Davon sei hier nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag stellte Schatzjade fest, dass es Xiangfluss-Wolke&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Xiangfluss-Wolke&amp;quot; — eine Cousine Schatzjades, lebhaft und unbekümmert.&amp;lt;/ref&amp;gt; allmählich besser ging, und ging danach zu Kajaljade. Diese hielt gerade ihren Mittagsschlaf, und Schatzjade wagte nicht, sie zu stören. Da Purpurkuckuck im Wandelgang saß und an einer Nadelarbeit werkte, trat er zu ihr und fragte: „War es letzte Nacht mit dem Husten besser?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck antwortete: „Etwas besser.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade rief lächelnd: „Amitabha Buddha&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 阿弥陀佛 Āmítuófó — Anrufung des Buddha Amitabha, im Volksmund als Ausruf der Erleichterung gebräuchlich.&amp;lt;/ref&amp;gt;! Wenn sie doch nur endlich gesund würde!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck entgegnete lächelnd: „Seit wann rufst du denn den Buddha an? Das ist ja etwas ganz Neues!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade lachte: „Es heißt ja auch: 'In der äußersten Not sucht man jeden Arzt auf.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
Während sie so sprachen, bemerkte er, dass sie ein dünnes, mit schwarzer Tusche bespritztes Seidenjäkkchen trug und darüber nur eine gefütterte Weste aus blaugrüner Atlasseide. Schatzjade streckte die Hand aus, betastete ihre Kleidung und sagte: „So dünn angezogen sitzt du auch noch im Durchzug. Bei diesem launischen Frühlingswind und dem schlechten Wetter — wenn du noch krank wirst, wäre das erst recht ein Unglück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck erwiderte: „Von nun an wollen wir nur noch miteinander reden, aber ohne uns zu berühren. Von Jahr zu Jahr wirst du älter, und die Leute finden es unanständig, wenn sie das sehen. Die schlimmsten unter dem Gesinde reden hinter deinem Rücken über dich, doch du achtest nie darauf und benimmst dich noch immer wie ein Kind. Wie soll das denn gehen? Das Fräulein trägt uns ständig auf, mit dir weder zu scherzen noch zu lachen. In letzter Zeit hältst du dich ja ohnehin schon von ihr fern, als fürchtest du, ihr nicht fern genug zu sein.&amp;quot; Mit diesen Worten stand sie auf, nahm ihr Nähzeug und ging in ein anderes Zimmer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fühlte sich, als hätte man ihm einen Kübel kaltes Wasser über den Kopf gegossen. Er stand da, starrte die Bambusstauden an und fiel in eine Art Erstarrung. Gerade kam eine alte Dienerin, um Bambussprossen auszugraben und die Halme zu stutzen. Wie betäubt ging er hinaus. Seine Seele schien den Körper verlassen zu haben, sein Geist wusste nichts mehr. Er ließ sich auf einen Felsbrocken sinken und versank in Gedanken, und unversehens liefen ihm die Tränen herunter. So saß er da, völlig abwesend, so lange, wie man für fünf oder sechs Mahlzeiten braucht, überlegte hin und her und wusste doch nicht, was er tun sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufällig kam Schneegans gerade von Dame Königs Gemach zurück, wo sie Ginseng geholt hatte, und kam hier vorbei. Als sie den Kopf wandte, sah sie jemanden unter dem Pfirsichbaum auf einem Stein sitzen, das Kinn in die Hand gestützt, in Gedanken versunken. Es war niemand anders als Schatzjade. Schneegans dachte verwundert: „Wie kalt es ist! Was macht er ganz allein hier? Im Frühling kriegen alle, die eine Schwächlichkeit haben, einen Rückfall — vielleicht ist er wieder in seinen Dummheitswahn verfallen?&amp;quot; Während sie so dachte, ging sie zu ihm hin, hockte sich lächelnd neben ihn und sagte: „Was machst du denn hier?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sah Schneegans und sagte: „Was kommst du mich suchen? Bist du nicht auch ein Mädchen? Wenn sie sich vor Verdacht schützen will und euch verbietet, euch mit mir abzugeben, warum suchst du mich dann auf? Wenn dich jemand sieht, gibt es wieder Gerede. Geh schnell nach Hause!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schneegans hörte das und dachte, er habe sich wieder mit Kajaljade gestritten. So kehrte sie in Kajaljades Gemach zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade war noch nicht aufgewacht. Schneegans übergab den Ginseng an Purpurkuckuck. Purpurkuckuck fragte sie: „Was macht die gnädige Frau?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schneegans antwortete: „Sie hält auch ein Mittagsschläfchen, deshalb musste ich so lange warten. Schwester, hör dir mal was Komisches an: Während ich auf die gnädige Frau wartete, saß ich mit Jade-Armreif unten in der Gesindestube und plauderte. Da winkte mich Nebenfrau Zhao zu sich herüber. Ich dachte, sie wollte mir etwas sagen, aber es war so: Sie hatte von der gnädigen Frau Urlaub bekommen, um draußen bei ihrem Bruder die Totenwache zu halten und am nächsten Tag den Leichenzug zu begleiten. Ihre kleine Zofe, Klein-Glückskind, hatte nichts Passendes zum Anziehen, und so wollte sie sich mein mondweißes Atlasjäkkchen leihen. Ich dachte mir, die haben doch selber auch zwei Sachen zum Wechseln, aber für so einen schmutzigen Anlass wollen sie ihre eigenen nicht hergeben und leihen sich lieber die von anderen. Dass man mir meins schmutzig macht, wäre kein großes Unglück, aber ich dachte, was hat sie mir je Gutes getan? Also sagte ich: 'Meine Kleider und meinen Schmuck hat alles das Fräulein der Schwester Purpurkuckuck zur Aufbewahrung übergeben. Ich müsste erst zu ihr gehen und es ihr sagen, und dann müsste sie das Fräulein fragen. Das Fräulein ist gerade krank, das wäre alles recht umständlich und würde Euch nur beim Aufbruch aufhalten. Leiht Euch die Sachen doch lieber anderswo.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Du kleines Biest, du bist ganz schön schlau! Du leihst es ihr nicht, schiebst aber alles auf mich und das Fräulein, damit sie dir nicht böse sein kann. Ist sie jetzt gleich aufgebrochen, oder geht sie erst morgen früh?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schneegans antwortete: „Sie wollte gleich gehen. Wahrscheinlich ist sie schon weg.&amp;quot; Purpurkuckuck nickte.&lt;br /&gt;
Schneegans fuhr fort: „Das Fräulein schläft noch. Aber wer hat Schatzjade so zugesetzt? Er sitzt dort und weint.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck fragte erschrocken, wo das sei.&lt;br /&gt;
Schneegans sagte: „Hinter dem Duftgetränkten Pavillon, unter dem Pfirsichbaum.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck hörte es, legte hastig ihr Nähzeug beiseite und wies Schneegans an, gut aufzupassen, falls jemand rufe: „Wenn man nach mir fragt, sag, ich komme gleich.&amp;quot; Damit verließ sie die Xiaoxiang-Bambushain und ging schnurstracks Schatzjade suchen. Als sie zu ihm trat, sagte sie lächelnd: „Ich habe doch nur ein paar Worte gesagt, weil ich dachte, es wäre für alle das Beste. Und du läfst schmollend hierher in den Wind und weinst, bis du krank wirst, um mich zu erschrecken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte rasch lächelnd: „Wer hat denn geschmollt? Aber als du das gesagt hast, dachte ich, wenn ihr schon so redet, dann denken die anderen bestimmt ebenso, und nach und nach wird sich niemand mehr um mich kümmern. Bei dem Gedanken wurde ich traurig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck setzte sich neben ihn. Schatzjade lachte: „Vorhin, als wir uns gegenübersaßen, bist du davongelaufen. Und jetzt setzt du dich neben mich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte: „Hast du das schon vergessen? Vor ein paar Tagen, als ihr beiden euch gerade unterhalten habt, ist Nebenfrau Zhao hereingeplatzt — ich habe eben gehört, dass sie nicht zu Hause ist, deshalb bin ich gekommen, um dich etwas zu fragen. Neulich hast du mit ihr gerade das Wort 'Schwalbennest' ausgesprochen und dann abgebrochen, und es kam nie mehr darauf zurück. Danach wollte ich dich schon die ganze Zeit fragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Nichts Wichtiges. Ich dachte nur, Schwester Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi — Tante Schnees Tochter, gebildet und besonnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist auch nur zu Gast hier. Da sie jetzt Schwalbennessuppe bekommt und das nicht unterbrochen werden darf, wäre es ihr unangenehm, wenn sie uns ständig darum bitten müsste. Andererseits wäre es unpassend, die gnädige Frau direkt darum zu bitten. Also habe ich es bei der Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die betagte Matriarchin der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; anklingen lassen, und ich nehme an, die Herzoginmutter hat es mit Phönixglanz besprochen. Ich wollte es Kajaljade noch sagen, bin aber nicht dazu gekommen. Jetzt höre ich, dass ihr täglich ein Liang Schwalbennest bekommt, damit ist ja alles geregelt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte: „So war das also! Jetzt, da du es sagst — vielen Dank für deine Mühe. Wir haben uns schon gewundert, warum die Herzoginmutter plötzlich jeden Tag ein Liang Schwalbennest schicken lässt. Jetzt wird alles klar.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lächelnd: „Wenn sie sich erst einmal daran gewöhnt hat und es zwei, drei Jahre lang täglich zu sich nimmt, wird es ihr bestimmt besser gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte: „Wenn sie sich hier daran gewöhnt hat — nächstes Jahr, wenn sie nach Hause geht, wo gibt es dann das Geld für so etwas?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte das und fuhr erschrocken auf: „Wer? Nach Hause? In welches Haus?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte: „Deine Schwester geht zurück nach Suzhou.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade lachte: „Du redest ja Unsinn. Suzhou ist zwar ihre Heimat, aber da ihr Vater und ihre Mutter nicht mehr leben und sich niemand um sie kümmern kann, ist sie doch hergekommen. Nächstes Jahr zurückgehen — zu wem denn? Das ist doch offensichtlich gelogen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte kühl lächelnd: „Du unterschätzt die Leute. Meint ihr, nur die Kaufmann-Familie sei ein großes Geschlecht mit vielen Mitgliedern? Außer eurer Familie soll es nur eine Mutter und einen Vater geben und in der ganzen Sippe wahrlich keinen einzigen Menschen mehr? Als unser Fräulein herkam, tat sie es, weil die Herzoginmutter sich um sie als kleines Kind sorgte. Zwar hatte sie Onkel, aber die konnten nicht die leiblichen Eltern ersetzen. Deshalb holte die Herzoginmutter sie her, damit sie ein paar Jahre hier wohne. Wenn sie einmal alt genug ist, um zu heiraten, wird man sie natürlich in die Familie Lin zurückschicken. Soll etwa eine Tochter der Familie Lin ihr ganzes Leben bei euch Jias verbringen? Und wenn die Familie Lin so arm wäre, dass es nicht einmal zum Essen reicht — sie sind seit Generationen eine Gelehrtenfamilie und werden ihr Kind bestimmt nicht bei Verwandten lassen, damit die Leute über sie spotten. Also frühestens nächstes Frühjahr, spätestens im Herbst. Selbst wenn man sie von hier nicht fortschickt, wird die Familie Lin bestimmt jemanden schicken, der sie abholt. Neulich hat das Fräulein mir abends noch gesagt, ich solle dir Bescheid geben: Alle die Dinge, mit denen ihr als Kinder gespielt habt — die sie dir geschenkt hat, sollst du zusammensuchen und ihr zurückgeben. Ihre Sachen, die du ihr geschenkt hast, hat sie auch schon zusammengelegt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte das, und es war, als hätte ein glühender Blitz über seinem Haupt eingeschlagen. Purpurkuckuck wartete auf seine Antwort, doch er sagte nichts. Da kam Heitermuster und sagte: „Die Herzoginmutter lässt dich rufen. Wer hätte gedacht, dass du hier bist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck sagte lächelnd: „Er hat mich nach dem Fräulein und ihrer Krankheit gefragt. Ich habe es ihm eine ganze Weile erklärt, aber er will es einfach nicht glauben. Nimm ihn doch mit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Damit ging sie zurück in ihre Gemächer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sah, dass er starr vor sich hin blickte, am ganzen Körper schwitzte und ein ganz purpur angelaufenes Gesicht hatte. Rasch nahm sie ihn an der Hand und führte ihn geradewegs ins Yihong-Yuan zurück. Als Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihn so sah, erschrak sie und dachte, er habe sich bei diesem Wetter eine Erkältung zugezogen und der heiße Schweiß sei vom Wind geschlagen worden. Aber nicht nur, dass Schatzjade Fieber hatte — seine Augen wurden starr und glasig, aus seinen Mundwinkeln lief Speichel, ohne dass er es bemerkte. Gab man ihm ein Kissen, legte er sich hin; hob man ihn auf, blieb er sitzen; bot man ihm Tee an, trank er ihn. Als alle ihn so sahen, brach große Aufregung aus. Man wagte nicht, es sofort der Herzoginmutter zu melden, und schickte zunächst nach der alten Amme Li.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die alte Amme Li kam, betrachtete sie ihn eine ganze Weile, stellte ihm ein paar Fragen, die er nicht beantwortete, fühlte an seinem Handgelenk den Puls und drückte ihm kräftig auf die Oberlippe und den Bereich unter der Nase, so fest, dass die Fingerspuren tiefe Male hinterließen — doch er zeigte nicht das geringste Schmerzempfinden. Die alte Amme Li stieß nur ein „Das kann doch nicht wahr sein!&amp;quot; hervor, rief „Oh je!&amp;quot; und umklammerte ihn unter lautem Schluchzen. In ihrer Angst zog Dufthauch sie zur Seite und sagte: „Schaut Euch doch den Zustand an, Großmutter — ist das schlimm oder nicht? Sagt uns doch wenigstens, dass wir es der Herzoginmutter und der gnädigen Frau melden können. Statt dessen fangt Ihr gleich an zu heulen!&amp;quot; Die alte Amme Li schlug auf das Bett und warf sich auf das Kissen: „Jetzt ist es aus mit ihm! Umsonst habe ich mir ein ganzes Leben lang Sorgen um ihn gemacht!&amp;quot; Dufthauch und die anderen hatten sie gerufen, weil sie als betagte Frau am meisten Erfahrung hatte. Da sie nun so sprach, glaubten alle, es sei ernst, und begannen ebenfalls zu weinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster erzählte Dufthauch, was sich zugetragen hatte. Dufthauch hörte es und eilte sofort zur Xiaoxiang-Bambushain. Dort war Purpurkuckuck gerade dabei, Kajaljade ihre Medizin zu reichen. Ohne Rücksicht auf irgendetwas ging Dufthauch auf Purpurkuckuck zu und sagte: „Was hast du unserem Schatzjade gesagt? Geh hin und sieh ihn dir an! Melde es der Herzoginmutter! Ich kümmere mich nicht mehr darum!&amp;quot; Damit setzte sie sich auf einen Stuhl.&lt;br /&gt;
Kajaljade, die Dufthauchs aufgelöstes, zornesrotes, tränenverschmiertes Gesicht und ihr völlig verändertes Benehmen sah, erschrak ebenfalls und fragte, was denn geschehen sei.&lt;br /&gt;
Dufthauch fasste sich einen Augenblick und weinte dann: „Ich weiß nicht, was Fräulein Purpurkuckuck ihm erzählt hat, aber dem Dummkopf sind die Augen starr geworden, die Hände und Füße kalt, er sagt kein Wort mehr, und wenn man ihn kneift, spürt er es nicht. Er ist schon mehr als zur Hälfte tot! Selbst die alte Amme Li sagt, es sei hoffnungslos, und hat angefangen zu heulen. Wahrscheinlich ist er inzwischen schon ganz tot!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Kajaljade das hörte — die alte Amme Li war eine erfahrene Frau, und wenn sie sagte, es sei hoffnungslos, dann war es wirklich hoffnungslos —, würgte sie auf, und alle Medizin, die sie eben eingenommen hatte, kam ihr wieder herauf. Ein Hustenanfall schüttelte sie, vom Magen bis zur Leber, vom Zwerchfell bis zur Lunge, so heftig, dass ihr Gesicht glutrot wurde, die Haare sich lösten, die Augen anschwollen und die Adern hervortraten. Sie konnte den Kopf kaum noch heben, so schwer ging ihr der Atem.&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck klopfte ihr hastig den Rücken. Kajaljade stützte sich auf das Kissen und rang nach Luft. Dann stieß sie Purpurkuckuck weg und sagte: „Du brauchst mir nicht den Rücken zu klopfen! Nimm lieber einen Strick und erwürge mich, das wäre das Gescheiteste!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck weinte: „Ich habe doch gar nichts Besonderes gesagt, nur ein paar Worte zum Spaß, und er hat es gleich für bare Münze genommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Dufthauch sagte: „Kennst du ihn denn immer noch nicht? Dieser Narr nimmt jedes Scherzwort ernst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Was hast du gesagt? Geh schnell hin und erklär es ihm, dann wacht er vielleicht wieder auf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Purpurkuckuck das hörte, sprang sie aus dem Bett und ging mit Dufthauch zusammen zum Yihong-Yuan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort waren die Herzoginmutter, Dame König und alle anderen schon versammelt. Kaum erblickte die Herzoginmutter Purpurkuckuck, sprühten ihre Augen Feuer, und sie herrschte sie an: „Was hast du ihm gesagt, du freches Ding?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck stammelte: „Gar nichts Besonderes, nur ein paar Worte im Scherz.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Doch kaum sah Schatzjade Purpurkuckuck, ließ er ein „Ach!&amp;quot; hören und brach in Tränen aus. Als die Anwesenden das sahen, fiel ihnen ein Stein vom Herzen. Die Herzoginmutter hielt Purpurkuckuck fest — sie nahm an, sie habe Schatzjade beleidigt, und wollte sie schlagen lassen. Doch Schatzjade klammerte sich an Purpurkuckuck und ließ sie unter keinen Umständen los: „Wenn sie geht, dann nehmt mich mit!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Niemand verstand, was er meinte. Bei näherer Erkundigung stellte sich heraus, dass Purpurkuckucks Scherzwort, Kajaljade werde „nach Suzhou zurückgehen&amp;quot;, den ganzen Aufruhr verursacht hatte.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte unter Tränen: „Ich dachte, es wäre etwas Ernstes, und es war nur dieser Scherz!&amp;quot; Dann wandte sie sich an Purpurkuckuck: „Du warst doch immer ein so kluges und aufgewecktes Kind. Du weißt doch, dass er einen Tick hat — warum hast du ihn grundlos so in die Irre geführt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee beschwichtigte: „Schatzjade hat eben ein ehrliches Herz. Und Fräulein Lin ist von klein auf hier, die beiden sind zusammen aufgewachsen und kennen einander in- und auswendig. Da ist es doch klar, dass die Vorstellung, sie könne weggehen, ihn völlig aus der Fassung bringt. Nicht nur ein naives, treuherziges Kind wie ihn — selbst einen kühlen, hartgesottenen Erwachsenen würde das rühren. Es ist nichts Ernstes, die Herzoginmutter und die gnädige Frau können ganz beruhigt sein. Ein, zwei Dosen Arznei, und er ist wieder auf dem Damm.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, wurde gemeldet, dass Frau Lin Zhixiao und Frau Shan Daliang Schatzjade besuchen kämen.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Wie aufmerksam von ihnen! Lasst sie herein, damit sie ihn sehen können.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Aber kaum hörte Schatzjade das Wort „Lin&amp;quot;, warf er sich im Bett hin und her und schrie: „Es ist soweit! Leute von der Familie Lin sind gekommen, sie abzuholen! Jagt sie fort!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte hastig: „Ja, jagt sie fort!&amp;quot; Dann beruhigte sie ihn eilig: „Das sind keine Leute der Familie Lin. Die Lins sind alle ausgestorben, niemand kommt, sie abzuholen. Sei ganz beruhigt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade schluchzte: „Egal wer es ist — außer Schwester Kajaljade darf niemand den Namen Lin tragen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Es kommt niemand mit dem Namen Lin. Alle, die Lin heißen, habe ich fortgejagt.&amp;quot; Und zu den Anwesenden gewandt: „Von jetzt an darf Frau Lin Zhixiao nicht mehr in den Garten kommen, und ihr dürft das Wort 'Lin' auch nicht mehr aussprechen. Seid so gut, Kinder, und hört auf mich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Alle beeilten sich zuzustimmen und mussten sich das Lachen verbeißen.&lt;br /&gt;
Da fiel Schatzjades Blick auf ein westliches Segelschiffmodell aus Gold auf dem Vielerlei-Regal. Er zeigte darauf und rief aufgeregt: „Da! Das ist das Schiff, das sie abholen soll! Es hat dort angelegt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Hastig befahl die Herzoginmutter, es herunterzunehmen. Dufthauch nahm es eilig herunter. Schatzjade streckte die Hände danach aus. Dufthauch reichte es ihm, und er steckte es unter seine Bettdecke und lachte: „Jetzt kann sie nicht mehr fahren!&amp;quot; Dabei hielt er mit einer Hand die Decke fest und mit der anderen Purpurkuckuck und ließ sie nicht los.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wurde gemeldet, der Arzt sei da. Die Herzoginmutter befahl, man solle ihn sofort hereinlassen. Dame König, Tante Schnee, Schatzspange und die anderen zogen sich vorerst in den hinteren Raum zurück, und die Herzoginmutter setzte sich aufrecht neben Schatzjades Bett. Der Kaiserliche Leibarzt König trat ein, und als er die vielen Anwesenden sah, begrüsste er eilig die Herzoginmutter und fühlte Schatzjades Puls.&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck hielt derweil den Kopf gesenkt. Der Leibarzt König verstand nicht, was das zu bedeuten hatte. Er erhob sich und sagte: „Die Erkrankung des jungen Herrn ist ein Fall von akutem Schmerz, der das Bewusstsein trübte. Die Alten unterschieden verschiedene Arten der Bewusstlosigkeit durch Schleimansammlung: Einmal kann sie durch Erschöpfung von Blut und Lebenskraft entstehen, wenn Essen und Trinken nicht mehr verdaut werden können; dann kann sie durch Zorn und Ärger ausgelöst werden, wenn der Schleim sich ballt; und schließlich kann akuter Schmerz sie verursachen, wenn er den Körper blockiert. Dies hier ist eine Bewusstlosigkeit durch Schleimansammlung, hervorgerufen durch akuten Schmerz, und nicht mehr als eine vorübergehende Verstopfung der Sinne. Verglichen mit anderen Formen der Bewusstlosigkeit ist sie leichter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Sag mir nur, ob es gefährlich ist oder nicht. Wer braucht dein Lehrbuch!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Der Leibarzt König verbeugte sich lächelnd und sagte: „Keine Gefahr, keine Gefahr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte: „Wirklich nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Der Leibarzt König antwortete: „Wirklich nicht. Ich bürge dafür mit meinem Kopf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Wenn dem so ist, dann geh hinaus, setz dich und schreib das Rezept. Wenn die Medizin wirkt, lasse ich dir ein besonderes Dankesgeschenk zubereiten, und er wird es persönlich überbringen und sich vor dir verneigen. Wenn du aber versagst, schicke ich Leute, die dir die Kaiserliche Ärzteakademie über dem Kopf abreißen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Der Leibarzt König verbeugte sich nur lächelnd und sagte: „Aber nein, aber nein.&amp;quot; Als er gehört hatte, dass ein „besonderes Dankesgeschenk&amp;quot; bereitet werde und Schatzjade persönlich kommen solle, um sich vor ihm zu verneigen, hatte er „Aber nein&amp;quot; gesagt, ohne die spätere Drohung mit der Ärzteakademie überhaupt gehört zu haben. So sagte er immer noch „Aber nein&amp;quot;, woraufhin die Herzoginmutter und alle anderen lachen mussten.&lt;br /&gt;
Man bereitete die Arznei nach dem Rezept zu und gab sie Schatzjade ein, und tatsächlich wurde er ruhiger als zuvor. Nur wollte er Purpurkuckuck um keinen Preis loslassen — wenn sie ging, hiess das für ihn, sie würde nach Suzhou zurückkehren. Die Herzoginmutter und Dame König wussten sich keinen Rat und befahlen Purpurkuckuck, bei ihm zu bleiben. An ihrer Stelle schickten sie Hupo, um Kajaljade zu bedienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade schickte von Zeit zu Zeit Schneegans, um Nachrichten zu bringen; so wusste sie über alles Bescheid und seufzte im Stillen. Zum Glück wussten alle, dass Schatzjade von jeher etwas sonderbar war und er und Kajaljade von Kindheit an besonders eng miteinander gewesen waren. So war Purpurkuckucks Scherz nichts Ungewöhnliches und Schatzjades Krankheit kein seltener Vorfall. Niemand kam deshalb auf andere Gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend, als Schatzjade etwas ruhiger geworden war, kehrten die Herzoginmutter und Dame König in ihre Gemächer zurück. Im Laufe der Nacht schickten sie noch mehrmals Leute, um nach ihm zu fragen. Die alte Amme Li, zusammen mit der alten Frau Song und einigen anderen bejahrten Frauen, wachte aufmerksam bei ihm. Purpurkuckuck, Dufthauch, Heitermuster und die anderen waren Tag und Nacht an seiner Seite.&lt;br /&gt;
Wenn Schatzjade einschlief, erwachte er stets aus einem Traum und schrie auf. Entweder weinte er und sagte, Kajaljade sei fortgegangen, oder er behauptete, jemand sei gekommen, sie abzuholen. Immer wenn er so auffuhr, musste Purpurkuckuck ihn erst beruhigen, bevor er sich wieder fasste.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter ließ allerlei kostbare Arzneien bringen — Pillen zur Austreibung böser Einflüsse, Pulver zur Öffnung der Sinne und andere geheime Heilmittel aus den Palastapotheken —, die man ihm nach Vorschrift verabreichte. Am nächsten Tag bekam er auch wieder die Medizin des Leibarztes König und wurde allmählich besser. Im Grunde war Schatzjades Verstand klar, doch aus Angst, Purpurkuckuck könne gehen, spielte er zuweilen den Verrückten. Purpurkuckuck hatte sich seit jenem Tag aufrichtig geschämt. Jetzt pflegte sie ihn Tag und Nacht ohne jeden Unmut. Dufthauch und die anderen fühlten sich beruhigt. Lächelnd sagten sie zu Purpurkuckuck: „Du hast das alles angerichtet, und du musst es auch wieder heilen. Man hat ja noch nie gesehen, dass unser Dummkopf jeden Wind gleich für Regen nimmt. Was soll nur später werden!&amp;quot; Doch davon sei vorerst nicht weiter die Rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Xiang-Flusswolke Geschichtes Krankheit inzwischen völlig ausgeheilt war, kam sie jeden Tag zu Besuch. Als Schatzjade wieder bei Sinnen war, schilderte sie ihm sein Verhalten während der Krankheit so anschaulich, dass er lachend den Kopf ins Kissen drückte. Was man ihm erzählte, konnte er gar nicht glauben, denn an sein früheres Gebaren erinnerte er sich überhaupt nicht. Wenn niemand sonst zugegen war und nur Purpurkuckuck an seiner Seite saß, nahm er sie bei der Hand und fragte: „Warum hast du mich so erschreckt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck antwortete: „Es war nur ein Scherz, und du hast es gleich ernst genommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Du hast es so überzeugend erzählt — wie soll das ein Scherz gewesen sein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Alles, was ich gesagt habe, war frei erfunden. Die Familie Lin hat wirklich keine nahen Angehörigen mehr. Selbst die entfernten Verwandten leben nicht in Suzhou, sie sind über das ganze Land verstreut. Und selbst wenn jemand käme, sie abzuholen — die Herzoginmutter würde sie bestimmt nicht gehen lassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Selbst wenn die Herzoginmutter sie gehen ließe — ich würde es nicht zulassen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Du würdest es nicht zulassen? Das sagst du so leicht. Bald bist du groß genug, und man hat dir sicher schon eine Braut ausgesucht. Wenn du dann in ein paar Jahren geheiratet hast, wirst du dich für niemanden mehr interessieren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte das und fragte erschrocken: „Wer hat eine Braut ausgesucht? Und wen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Vergangenes Jahr habe ich gehört, wie die Herzoginmutter sagte, sie wolle Kostbarzither Schnee für dich bestimmen. Warum sollte sie sie sonst so verwöhnen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade lachte: „Alle sagen, ich sei dumm — du bist noch dümmer als ich. Das war nur ein Spaß. Kostbarzither Schnee ist doch schon der Familie Mei, des Hanlin-Akademikers, versprochen. Wenn sie wirklich für mich bestimmt wäre, würde ich mich dann so benehmen? Erst habe ich geschworen und geflucht und wollte dieses Ding da zerschlagen — hast du mich nicht damals für verrückt erklärt? Gerade in diesen Tagen ging es mir etwas besser, und du fängst wieder an, mich zu quälen.&amp;quot; Während er sprach, knirschte er mit den Zähnen und sagte: „Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als auf der Stelle zu sterben! Dann würde man mir das Herz herausschneiden und ihr könntet es sehen! Und dann sollen Haut und Knochen zu Asche werden — aber Asche hat noch Gestalt, also lieber zu Rauch — aber Rauch kann sich noch zusammenballen und man kann ihn sehen —, nein, es müsste ein gewaltiger Sturm kommen und alles in alle vier Himmelsrichtungen auf einmal zerstreuen, das wäre das Richtige!&amp;quot; Während er sprach, kullerten ihm wieder die Tränen herunter.&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck legte ihm rasch die Hand auf den Mund, wischte ihm die Tränen ab und sagte beschwichtigend lächelnd: „Du brauchst dich nicht aufzuregen. Es war deshalb, weil mir selber etwas Sorgen machte, und ich wollte dich auf die Probe stellen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade hörte das, noch erstaunter, und fragte: „Was macht dir denn Sorgen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lächelte: „Weißt du, ich bin gar nicht aus der Familie Lin. Ich gehöre eigentlich wie Dufthauch und Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 鸳鸯 Yuānyāng — die treue Kammerzofe der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt; zum Haushalt hier und wurde nur dem Fräulein Lin zur Bedienung zugeteilt. Und doch sind wir beide so eng miteinander, enger als mit Schneegans, die sie aus Suzhou mitgebracht hat, zehnmal so vertraut — wir können keinen Augenblick ohne einander sein. Nun mache ich mir aber Sorgen: Wenn sie einmal fortgeht, muss ich unbedingt mit ihr gehen. Meine ganze Familie ist hier — wenn ich nicht mitgehe, verrate ich unsere innige Verbundenheit; wenn ich mitgehe, lasse ich meine eigene Familie zurück. Das bedrückt mich. Deshalb habe ich diese Lüge ersonnen und dich gefragt, und du bist gleich durchgedreht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade lachte: „Also machst du dir darüber Sorgen! Dann bist du die Dumme. Von jetzt an brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen. Ich sage dir nur eins — um alles zusammenzufassen: Wenn wir leben, leben wir zusammen; und wenn wir nicht mehr leben, werden wir gemeinsam zu Asche und zu Rauch. Wie wäre das?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck hörte das und begann insgeheim Pläne zu schmieden.&lt;br /&gt;
Da wurde gemeldet: „Der junge Herr Huan und der junge Herr Lan lassen nach dem Befinden fragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Danke ihnen in meinem Namen. Ich bin gerade erst eingeschlafen, sie brauchen nicht hereinzukommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die alte Dienerin ging. Purpurkuckuck lächelte: „Es geht dir ja schon besser. Lass mich jetzt zurückgehen und nach unserem Fräulein sehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Richtig, daran wollte ich dich schon gestern erinnern und habe es vergessen. Es geht mir wirklich viel besser, geh nur.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck packte Bettzeug und Toilettensachen zusammen. Schatzjade lächelte: „In deiner Schreibschatulle habe ich drei Spiegel gesehen. Lass mir den kleinen mit dem Rankenblumen-Muster da. Ich stelle ihn neben mein Kopfkissen, dann kann ich mich im Liegen darin betrachten, und wenn ich ausgehe, ist er leicht zu tragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck blieb nichts anderes übrig, als ihm den Spiegel zu lassen. Sie ließ erst jemanden ihre Sachen hinübertragen, verabschiedete sich dann von allen und kehrte in die Xiaoxiang-Bambushain zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade hatte in den letzten Tagen von Schatzjades Zustand gehört, und das hatte ihre eigene Krankheit verschlimmert. Sie hatte öfter geweint als sonst. Als jetzt Purpurkuckuck kam und nach dem Grund gefragt wurde, war zu erfahren, dass er sich bereits erholt hatte. So schickte man Hupo zurück, damit sie wieder der Herzoginmutter aufwarte.&lt;br /&gt;
Nachts, als alle zur Ruhe gegangen waren und Purpurkuckuck sich schon zum Schlafen ausgezogen und hingelegt hatte, sagte sie leise lächelnd zu Kajaljade: „Schatzjades Herz ist aufrichtig. Kaum hörte er, wir würden weggehen, hat er sich so aufgeführt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade antwortete nicht.&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck wartete eine Weile und sprach dann, als führe sie ein Selbstgespräch: „Lieber in der Ruhe bleiben, als etwas in Bewegung setzen. Hier sind wir gut aufgehoben, bei einer angesehenen Familie. Alles andere mag sich fügen, aber das Schwerste ist doch, jemanden zu finden, mit dem man von Kind auf zusammen aufgewachsen ist, dessen Art und Wesen man durch und durch kennt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade schalt: „Bist du noch nicht müde nach all den Tagen? Jetzt, wo du ein wenig Ruhe hast, ruhst du dich nicht aus, sondern kaust an solchem Unsinn!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lächelte: „Es ist kein leeres Geschwatz. Ich meine es wirklich gut mit Euch, Fräulein. Seit Jahren mache ich mir für Euch Sorgen. Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Brüder — wer sorgt sich wirklich um Euch? Solange die Herzoginmutter noch bei klarem Verstand und rüsteriger Gesundheit ist, sollte man die große Sache festmachen. Es heißt im Sprichwort: 'Der Alte kann plötzlich straucheln, wie der Frühling plötzlich friert und der Herbst plötzlich hitzt.' Sollte der Herzoginmutter einmal etwas zustossen, dann wird zwar auch alles seinen Lauf nehmen, aber die beste Zeit wäre dann vorbei, und es käme vielleicht nicht mehr so, wie man es sich wünscht. Die Söhne und Enkel der edlen Familien — wer unter ihnen hat nicht drei Nebenfrauen und fünf Konkubinen, heute der einen zugewandt, morgen der anderen? Und käme eine Himmelsfee daher, nach drei Nächten hätte er sie schon vergessen. Und erst wenn es wegen der Nebenfrauen und Zofen zum Streit kommt! Wer eine einflussreiche Familie im Rücken hat, kommt noch glimpflich davon. Aber jemand in Eurer Lage, Fräulein — solange die Herzoginmutter lebt, ist jeder Tag ein guter Tag. Wenn sie einmal nicht mehr ist, dann seid Ihr den Launen anderer ausgeliefert. Deshalb sage ich: Trefft eine Entscheidung, solange es noch geht! Das Fräulein ist eine kluge Frau — kennt Ihr nicht das Sprichwort: 'Zehntausend Liang Gold sind leicht zu bekommen, doch ein wahres Herz zu finden schwer'?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Dieses Mädchen ist heute wirklich übergeschnappt. Warum hat sie sich in diesen paar Tagen völlig verändert? Morgen werde ich die Herzoginmutter bitten, dich zurückzunehmen. Ich wage es nicht, dich länger bei mir zu haben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck lachte: „Ich sage doch nur Gutes, ich bitte Euch nur, in Eurem Herzen aufzupassen. Ich habe Euch doch nicht aufgefordert, etwas Schlechtes zu tun. Warum wollt Ihr dann zur Herzoginmutter gehen und mich bestrafen lassen? Welchen Nutzen hätte das?&amp;quot; Mit diesen Worten schlief sie ein.&lt;br /&gt;
Kajaljade hatte zwar so gesprochen, doch im Inneren war sie tief berührt. Nachdem Purpurkuckuck eingeschlafen war, weinte sie die ganze Nacht und schlief erst gegen Morgen kurz ein. Am nächsten Tag zwang sie sich, aufzustehen, sich zu waschen und ein wenig Schwalbennestsuppenreis zu essen. Da kamen auch schon die Herzoginmutter und die anderen, um nach ihr zu sehen und ihr noch allerhand aufzutragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war gerade Tante Schnees Geburtstag. Von der Herzoginmutter angefangen hatte jeder Glückwünsche und Geschenke gesandt. Auch Kajaljade hatte schon zwei Sätze Nadelarbeiten vorbereitet. An diesem Tag wurde auch eine kleine Theateraufführung arrangiert, um die Herzoginmutter und Dame König zu unterhalten. Nur Schatzjade und Kajaljade konnten nicht dabei sein. Am Abend schauten die Herzoginmutter und die anderen auf dem Heimweg noch bei den beiden vorbei, dann erst kehrten sie in ihre Gemächer zurück. Am nächsten Tag lud Tante Schnee über ihren Neffen Xü Ke die Geschäftspartner zu einem Gelage ein. So vergingen geschäftig drei bis vier Tage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Tante Schnee an Höhlennebel Strafe ein gesittetes, zurückhaltendes und aus bescheidenen Verhältnissen stammendes Mädchen sah — eine wahre „Dornhaarnadel und Leinenrock-Tochter&amp;quot; —, dachte sie zunächst daran, sie mit Xü Pan zu vermählen. Da jedoch Xü Pans Lebenswandel für seine Ausschweifungen bekannt war, fürchtete sie, er könne ein solches Mädchen zugrunde richten. Während sie noch zögerte, fiel ihr ein, dass Xü Ke noch unverheiratet war. Sie betrachtete die beiden und fand, sie seien wie füreinander geschaffen. So besprach sie die Sache mit Phönixglanz.&lt;br /&gt;
Phönixglanz seufzte: „Die Tante kennt unsere gnädige Frau — sie hat manchmal einen Dickkopf. Überlasst das mir, ich werde behutsam vorgehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als die Herzoginmutter einmal Phönixglanz besuchte, sagte diese: „Tante Schnee hat eine Bitte an die Herzoginmutter, traut sich aber nicht, damit herauszurücken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte sofort, worum es gehe, und Phönixglanz berichtete von dem Heiratsplan.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lächelte: „Was ist denn daran so schwer auszusprechen? Das ist eine ausgezeichnete Sache! Ich werde mit deiner Schwiegermutter darüber reden — als ob die etwas dagegen hätte!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Zurück in ihren Gemächern, ließ sie sofort Dame Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén — Begnadigung Kaufmannen Hauptfrau.&amp;lt;/ref&amp;gt; kommen und übernahm höchstpersönlich die Rolle der Ehestifterin. Dame Strafe überlegte kurz: Die Familie Xü hatte ein solides Fundament und war gegenwärtig sehr wohlhabend, Xü Ke war ein gutaussehender junger Mann, und die Herzoginmutter bestand darauf — also stimmte sie zu.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter war hocherfreut und ließ sofort Tante Schnee rufen. Als die beiden sich sahen, gab es natürlich viele höfliche Worte. Dame Strafe schickte sogleich jemanden, um Xing Zhong und seine Frau zu benachrichtigen. Die beiden waren ja gerade zu dem Zweck hergekommen, sich unter Dame Strafes Schutz zu stellen — wie hätten sie nicht zustimmen sollen? Beide sagten begeistert, es sei wunderbar.&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Ich habe es gern, mich in fremde Angelegenheiten einzumischen. Heute habe ich wieder eine Sache zustande gebracht — wieviel Vermittlungsgeld bekomme ich wohl?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee lachte: „Das versteht sich von selbst. Auch wenn man Ihnen zehntausend Liang Silber brächte, würden Sie das wohl kaum zu schätzen wissen. Aber eins muss ich sagen: Da die Herzoginmutter die Brautseite vertritt, braucht man noch jemanden für die Bräutigamsseite.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lächelte: „Sonst habe ich nicht viel, aber ein paar alte Knochen mit lahmen Beinen und Armen lassen sich in unserem Haushalt schon auftreiben.&amp;quot; Damit ließ sie Dame Sonders und ihre Schwiegertochter kommen. Die Herzoginmutter erzählte ihnen die Sache, und alle gratulierten einander. Dann wies die Herzoginmutter Dame Sonders an: „Du kennst die Regeln unseres Hauses zur Genüge. Bei uns haben sich nie die beiden Familien wegen der Geschenke und der Äußerlichkeiten gestritten. Kümmere du dich in meinem Auftrag darum — nicht zu geizig, nicht zu verschwenderisch — und sorge dafür, dass es beiden Familien recht ist, dann berichte mir.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Dame Sonders stimmte eilig zu. Tante Schnee war überglücklich und ließ zu Hause sofort eine Einladungskarte für das Stillfriede-Anwesen schreiben. Dame Sonders kannte Dame Strafes Art nur zu gut und hätte sich am liebsten nicht eingemischt, doch da die Herzoginmutter sie persönlich beauftragt hatte, blieb ihr nichts anderes übrig, als zuzustimmen. Sie richtete sich ganz nach Dame Strafes Wünschen. Tante Schnee war in solchen Dingen unkompliziert und leicht zufriedenzustellen. Doch das braucht hier nicht weiter erörtert zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, da Tante Schnee Höhlennebel Strafe als künftige Schwiegertochter bestimmt hatte, wusste es das ganze Anwesen. Dame Strafe wollte Xiuyan eigentlich zu sich holen. Die Herzoginmutter aber sagte: „Was macht das schon? Die beiden jungen Leute sehen sich doch nicht. Und für die Tante ist Xiuyan einmal die ältere Schwiegertochter und einmal die jüngere — was soll daran falsch sein? Außerdem sind es alles Mädchen, die können doch ganz vertraut miteinander umgehen.&amp;quot; Daraufhin gab Dame Strafe nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xü Ke und Xiuyan waren sich ja schon auf der Reise flüchtig begegnet, und im Grunde waren wohl beide im Stillen zufrieden. Nur war Xiuyan im Umgang mit den Schwestern Schatzspange jetzt natürlich etwas befangener als früher, zumal Xiangfluss-Wolke gerne neckte, was die Sache nicht leichter machte. Zum Glück war Xiuyan ein gebildetes, wohlerzogenes Mädchen, das sich zwar seiner mädchenhaften Zurückhaltung bewusst war, aber nicht zu jener Sorte gehörte, die falsche Scham und gespielte Scheu zur Schau stellt.&lt;br /&gt;
Schatzspange hatte, seit sie Xiuyan kannte, bemerkt, dass erstens deren Familie arm war, zweitens, dass die Eltern aller anderen angesehene, würdige Leute waren, während Xiuyans Eltern ausgemachte Säufer waren und als Väter einer Tochter nichts taugten, drittens, dass auch Dame Strafe ihre Zuneigung nur zum Schein zeigte, und viertens, dass Xiuyan ein feinsinniges und zurückhaltendes Wesen hatte. Willkommensfrühling war wie eine Tote, die noch atmet — sie konnte sich kaum um sich selber kümmern, geschweige denn um jemand anderen. Wenn es Xiuyan an irgendeinem alltäglichen Bedarf mangelte, kümmerte sich niemand darum, und sie selber bat nie jemanden. Schatzspange half ihr daher insgeheim mit dem Nötigsten aus, ohne Dame Strafe davon wissen zu lassen, denn sie fürchtete deren argwöhnisches Gerede.&lt;br /&gt;
Jetzt nun hatte sich, ganz unerwartet, diese wundersame Verbindung ergeben. Im Herzen hatte Xiuyan sich zuerst für Schatzspange entschieden und dann erst für Xü Ke. Wenn Xiuyan und Schatzspange sich unterhielten, nannte Schatzspange sie weiterhin „Schwester&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages kam Schatzspange, um Kajaljade zu besuchen, und traf unterwegs auf Xiuyan, die ebenfalls auf dem Weg zu Kajaljade war. Lächelnd winkte Schatzspange sie zu sich, und die beiden gingen zusammen bis zu einer Felswand, wo Schatzspange sie lächelnd fragte: „Es ist doch noch recht kalt — warum hast du alles gegen ungefütterte Sachen getauscht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan senkte den Blick und gab keine Antwort.&lt;br /&gt;
Schatzspange ahnte, dass es wieder einen Grund gab, und fragte lächelnd weiter: „Bestimmt hast du diesen Monat wieder kein Taschengeld bekommen. Ist Phönixglanz inzwischen so nachlassig geworden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan sagte: „Sie denkt schon daran und zahlt pünktlich. Aber die Tante hat jemanden geschickt und mir sagen lassen, von meinen monatlichen zwei Liang Silber solle ich ein Liang meinen Eltern geben. Für alles andere könne ich ja die Sachen der zweiten Schwester mitbenutzen. Aber Schwester, bedenke doch: Die zweite Schwester ist auch ein schlichtes Gemüt und achtet nicht sehr auf solche Dinge. Wenn ich ihre Sachen benutze, sagt sie zwar nichts, aber ihre Zofen und alten Dienerinnen — die sind alle unangenehm und haben spitze Zungen. Obwohl ich dort wohne, traue ich mich kaum, sie um etwas zu bitten. Alle paar Tage muss ich ihnen sogar noch Geld geben, damit sie sich Wein und Leckereien kaufen. Meine zwei Liang Silber im Monat reichen hinten und vorne nicht, und jetzt fehlt auch noch ein Liang. Neulich habe ich heimlich meine gefütterten Winterkleider zum Pfandleiher gebracht und ein paar Strings Kupfergeld dafür bekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange hörte das, seufzte und runzelte die Stirn: „Ausgerechnet ist die Familie Mei ganz am Amtssitz und kommt erst übernächstes Jahr zurück. Wären sie hier, könnten wir, wenn erst Kostbarzither Schnee versorgt ist, deine Angelegenheit besprechen. Wenn du von hier erst fort bist, ist es zu spät. Und solange die jüngere Schwester nicht verheiratet ist, kann man auf keinen Fall die ältere vorab vermahlen. Es ist wirklich eine schwierige Lage. Wenn es noch zwei Jahre dauert, fürchte ich, du grämst dich krank. Lass mich nochmal mit Mama reden. Und wenn dich jemand schlecht behandelt — halt es einfach aus, und auf keinen Fall darfst du dich krank grämen! Am besten gibst du morgen gleich auch das eine Liang Silber an die Leute, dann sind sie zufrieden. In Zukunft brauchst du denen auch nichts mehr zu kaufen. Sollen sie ruhig sticheln — wenn es zu viel wird, geh einfach weg. Und wenn dir etwas fehlt, sei nicht so stolz und komm zu mir. Das hat nichts mit der Verlobung zu tun — von Anfang an, als du kamst, haben wir uns gut verstanden. Wenn du Angst vor Gerede hast, schick ein Zöfchen, das mir leise Bescheid sagt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan nickte mit gesenktem Kopf. Schatzspange deutete auf einen grünen Jadeanhänger an ihrem Rock und fragte: „Wer hat dir den geschenkt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan antwortete: „Den hat mir die dritte Schwester gegeben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange nickte lächelnd: „Sie hat gesehen, dass alle anderen so etwas haben, nur du nicht, und wollte verhindern, dass man über dich lacht. Das zeigt ihre Aufmerksamkeit und ihren Feinsinn. Aber eins solltest du bedenken: Solcher Schmuck gehört zu den Töchtern reicher und vornehmer Häuser. Schau mich an — trage ich etwa von Kopf bis Fuß solchen prächtigen Zierrat? Früher, ja, vor sieben, acht Jahren, war es bei mir auch so. Aber jetzt sind die Zeiten nicht mehr wie einst, und ich spare, wo ich kann. Wenn du einmal zu uns kommst, wirst du wahrscheinlich noch eine ganze Truhe voll von dem Zeug finden. Wir sind jetzt nicht mehr wie die anderen. Am wichtigsten ist es, in allem schlicht und bescheiden zu bleiben — das unterscheidet uns von ihnen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan lächelte: „Wenn die Schwester so sagt, nehme ich ihn ab, wenn ich zurückkomme.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte rasch lächelnd: „Nein, das darfst du nicht! Erkundefrühling hat ihn dir aus guter Absicht geschenkt. Wenn du ihn nicht trägst, wird sie argwöhnen, du verschmähst ihn. Ich habe es nur beiläufig erwähnt — in Zukunft weißt du es einfach.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan nickte eilig und fragte: „Wohin gehst du jetzt, Schwester?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange antwortete: „Zur Xiaoxiang-Bambushain.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan sagte: „Dann schick mir den Pfandschein, wenn du kannst. Ich hole heimlich die Sachen aus und lasse sie dir am Abend leise zurückbringen, damit ich sie morgens wieder anziehen kann. Sonst wird mir der Wind noch gefährlich. Aber bei welchem Pfandleiher hast du sie abgegeben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan antwortete: „Er heißt 'Heng-Shu-Pfandleihe', in der großen Straße westlich vom Trommelturm.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange lächelte: „Da landen wir ja bei der eigenen Familie! Wenn die Angestellten es herausfinden, werden sie sagen: 'Die Kleider waren schon vor der Braut da!'&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiuyan, die nun merkte, dass es sich um eine Pfandleihe mit Xü-Kapital handelte, wurde rot und lächelte verlegen. Die beiden trennten sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange ging zur Xiaoxiang-Bambushain. Ihre Mutter war ebenfalls dort und plauderte mit Kajaljade. Schatzspange lächelte: „Wann bist du gekommen, Mama? Ich habe es gar nicht bemerkt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: „Ich war die letzten Tage so beschäftigt, dass ich gar nicht dazu kam, Schatzjade und Kajaljade zu besuchen. Deshalb habe ich heute beide besucht, und es geht ihnen beiden besser.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade ließ Schatzspange Platz nehmen und sagte: „Man würde es nicht für möglich halten — auf einmal sind die Tante und die Tante Xing nun Verwandte!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: „Ach Kind, ihr Mädchen wisst das noch nicht. Es heißt doch seit alters her: 'Ehefügungen über tausend Meilen verbindet ein einziger Faden.' Dafür gibt es einen Alten unter dem Mond, der alles vorher bestimmt und die beiden heimlich mit einem roten Seidenfaden an den Füßen zusammenbindet. Und mögen zwischen den Familien Meere, Länder und Blutfehden liegen — am Ende werden sie doch Mann und Frau. Das geschieht stets wider alles Erwarten, und weder die Eltern noch die Betreffenden selber können etwas daran ändern. Jahrelang können zwei beieinander sein, und man glaubt fest, die Sache ist abgemacht — wenn der Alte unter dem Mond den roten Faden nicht knüpft, werden sie trotzdem nie ein Paar. Denk nur an euch Mädchen — eure künftigen Männer könnten gerade vor eurer Nase stehen, oder auch am anderen Ende der Welt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Muss Mama denn sofort von uns anfangen, sobald es um Heiraten geht?&amp;quot; Und sie schmiegte sich lächelnd an ihre Mutter und sagte: „Komm, wir gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade lächelte: „Sieh nur, so groß wie sie ist — wenn die Tante nicht da ist, ist sie die Vernünftigste, aber kaum kommt die Tante, wird sie wieder zum Kleinkind.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee streichelte Schatzspange und sagte seufzend zu Kajaljade: „Deine Schwester ist wie Phönixglanz bei der Herzoginmutter: Wenn es etwas Ernstes zu besprechen gibt, komme ich zu ihr; und wenn nichts los ist, muntert sie mich auf. Immer wenn ich sie so sehe, zerstreuen sich alle meine Kümmernisse.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade hörte das und sagte unter Tränen seufzend: „Sie macht das absichtlich vor meinen Augen, obwohl sie genau weiß, dass ich keine Mutter habe. Das ist nur, um mich zu kränken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange lachte: „Mama, sie lästert über mich, und dabei mache ich doch nur Spaß!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: „Man kann ihr keinen Vorwurf machen, dass sie traurig wird, das arme Kind ohne Eltern, ganz ohne nahe Angehörige.&amp;quot; Und sie streichelte Kajaljade und sagte lächelnd: „Liebes Kind, weine nicht. Wenn du siehst, wie ich deine Schwester verwöhne, und das macht dich traurig — du weißt nicht, wie viel mehr ich dich in meinem Herzen liebe. Deine Schwester hat wenigstens noch mich und einen leiblichen Bruder. Damit ist sie dir gegenüber schon im Vorteil. Jedesmal, wenn ich deiner Schwester sage, wie sehr ich dich liebe, traue ich mich nicht, es offen zu zeigen. Hier gibt es so viele Leute mit losen Zungen, die kaum Gutes reden, aber dafür umso mehr Schlechtes. Statt zu sagen, du seist ein liebes Kind ohne Familie, das jeden Mitleid und Zuneigung verdient, würden sie sagen, wir wollten uns nur bei der Herzoginmutter einschmeicheln.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte: „Wenn die Tante so redet, dann nenne ich die Tante ab morgen Mama. Wenn die Tante ablehnt, dann ist die ganze Zuneigung nur gespielt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: „Wenn dir das recht ist, dann gerne!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte rasch: „Das geht aber nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade fragte: „Warum nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange fragte lächelnd: „Überleg doch mal: Warum wurde zuerst die Verlobung mit Schwester Xiuyan für meinen jüngeren Bruder geschlossen und nicht die meines älteren Bruders?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade antwortete: „Er ist nicht hier, oder es stimmt das Geburtsjahr und der Tag nicht, deshalb hat man den jüngeren Bruder vorgezogen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange lächelte: „Nein! Mein älterer Bruder hat sich schon für eine Braut entschieden, und sobald er zurück ist, wird die Verlobung formell besiegelt. Ich nenne den Namen lieber nicht — aber jetzt verstehst du, warum ich sagte, du kannst Mama nicht 'Mama' nennen. Denk gründlich darüber nach.&amp;quot; Bei diesen Worten zwinkerte sie ihrer Mutter zu und kicherte.&lt;br /&gt;
Kajaljade verstand und schmiegte sich ebenfalls an Tante Schnee: „Wenn die Tante ihn nicht zurechtweist, bin ich nicht zufrieden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee zog sie lächelnd an sich: „Glaub deiner Schwester nicht, sie neckt dich nur.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte lächelnd: „Wirklich, Mama, frag doch die Herzoginmutter, ob sie Kajaljade nicht als Schwiegertochter haben will. Wäre das nicht tausendmal besser als jede Fremde?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade beugte sich vor, um nach Schatzspange zu greifen, und rief lächelnd: „Jetzt reicht es aber, du bist völlig übergeschnappt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee versuchte lachend zu schlichten und schob die beiden auseinander. Dann sagte sie zu Schatzspange: „Ich hätte Xiuyan deinem älteren Bruder nicht anvertraut, deshalb habe ich sie deinem jüngeren Bruder versprochen. Erst recht würde ich Kajaljade nicht für ihn hergeben. Neulich wollte die Herzoginmutter Kostbarzither Schnee mit Schatzjade verbinden, aber die war schon vergeben. Sonst wäre es eine ausgezeichnete Partie gewesen. Als ich dann die Verlobung mit Xiuyan verkündete, hat die Herzoginmutter noch gescherzt: 'Eigentlich wollte ich eine von ihren Leuten haben, und jetzt hat sie mir eine von meinen weggeschnappt.' Das war nur ein Spaß, aber im Grunde steckt etwas dahinter. Und obwohl ich sonst niemanden anbieten kann, will ich doch nicht schweigen. Euer Vetter Schatzjade — die Herzoginmutter liebt ihn so, und er ist ein so hübscher junger Mann. Wenn man außerhalb der Familie suchen würde, wäre sie bestimmt nie zufrieden. Wäre es dann nicht die allervollendetste Lösung, wenn man deine Schwester Kajaljade für ihn bestimmte?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade, die anfangs wie betäubt zugehört hatte, wurde, als die Rede auf sie selber kam, rot und spuckte Schatzspange an. Dann fasste sie Schatzspange am Ärmel und rief lachend: „Dich sollte man schlagen! Warum hast du die Tante auf solche schandbaren Gedanken gebracht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange lachte: „Das ist aber seltsam! Mama sagt es, und du schlägst mich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck kam eilig herbeigelaufen und rief lächelnd: „Wenn die gnädige Tante solche Absichten hat, warum spricht sie dann nicht mit der gnädigen Frau?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee lachte schallend: „Du kleines Ding, warum so eilig? Willst du, dass dein Fräulein schnell unter die Haube kommt, damit du dir auch bald einen kleinen Bräutigam suchen kannst?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck wurde rot und lachte: „Die gnädige Tante bringt jetzt wirklich ihr Alter ins Spiel!&amp;quot; Dann drehte sie sich um und ging.&lt;br /&gt;
Kajaljade hatte sie zuerst ausgescholten: „Was geht dich das an, du freches Ding?&amp;quot; Doch als sie Purpurkuckucks Verlegenheit sah, musste sie doch lachen und sagte: „Amitabha Buddha! Geschieht dir recht! Da hat sie sich eine Abfuhr geholt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee, Schatzspange und alle Zofen und Dienerinnen im Zimmer lachten. Die alten Frauen sagten lächelnd: „Was die gnädige Tante sagt, ist zwar nur ein Scherz, aber eigentlich stimmt es doch. Wenn sie einmal Zeit hat und es mit der Herzoginmutter bespricht — wenn die gnädige Tante die Ehestifterin macht, dann wäre das tausendfach und zehntausendfach das Richtige.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte: „Sobald ich diesen Vorschlag mache, wird die Herzoginmutter bestimmt einverstanden sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitten in das Geplänkel hinein erschien Xiangfluss-Wolke, einen Zettel in der Hand, und rief lachend: „Was ist das für ein Kontobuch?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade betrachtete es und konnte es ebenfalls nicht einordnen. Die alten Frauen unten sagten alle lachend: „Das ist schon ein seltenes Stück! Das Geld, das so etwas bringt, verdient man nicht alle Tage!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange griff rasch zu und nahm den Zettel an sich. Als sie hinsah, war es genau der Pfandschein, von dem Xiuyan gerade gesprochen hatte. Eilig faltete sie ihn zusammen.&lt;br /&gt;
Tante Schnee sagte rasch: „Das muss ein Pfandschein sein, den eine der Zofen verloren hat. Wenn sie zurückkommt, wird sie ihn überall suchen. Wo hast du den denn her?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke fragte: „Was ist ein Pfandschein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Alle lachten: „Was für ein Unschuldslamm! Nicht einmal einen Pfandschein kennt sie.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee seufzte: „Man kann es ihr wirklich nicht verübeln. Sie ist eine waschechte Marquistochter und dazu noch so jung. Wie sollte sie so etwas kennen? Wie sollte sie je so etwas zu Gesicht bekommen? Selbst wenn die Bediensteten zu Hause so etwas hätten, bekäme sie es nie zu sehen. Lacht nicht über sie — wenn die jungen Damen eurer Familien das sähen, würden auch die ratlos dastehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die alten Frauen lachten: „Das Fräulein Lin hat es eben auch nicht erkannt, von den Fräulein ganz zu schweigen. Und selbst Schatzjade, der doch oft das Haus verlässt, hat so etwas vermutlich noch nie gesehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee erklärte sogleich, was ein Pfandschein ist. Xiangfluss-Wolke und Kajaljade lachten, als sie es verstanden: „So ist das also! Die Leute kommen auf alles, was Geld bringt. Hat die Familie der Tante auch so ein Pfandhaus?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Alle lachten: „Das ist aber auch naiv. 'Alle Krähen unter dem Himmel sind gleich schwarz' — warum sollte es da Unterschiede geben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee fragte noch, wo Xiangfluss-Wolke den Zettel gefunden habe. Xiangfluss-Wolke wollte gerade antworten, als Schatzspange rasch sagte: „Das ist ein alter, abgelaufener Pfandschein, längst aus den Büchern gestrichen. Duftkastanie hatte ihn, um die Mädchen zu unterhalten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Tante Schnee glaubte das und fragte nicht weiter. Da wurde gemeldet: „Die Frau aus dem Stillfriede-Anwesen ist da und möchte die gnädige Tante sprechen.&amp;quot; Tante Schnee verabschiedete sich und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als es im Zimmer still geworden war, fragte Schatzspange Xiangfluss-Wolke, wo sie den Zettel gefunden habe.&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke lächelte: „Ich habe gesehen, wie die kleine Zofe Zhuan-er von deiner künftigen Schwägerin ihn heimlich Yinger zusteckte. Yinger hat ihn in ein Buch geklemmt und dachte, ich hätte nichts bemerkt. Als die beiden draußen waren, habe ich nachgeschaut und konnte nicht erkennen, was es war. Weil ich wusste, dass ihr alle hier seid, habe ich ihn hergebracht, damit wir ihn gemeinsam anschauen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade fragte rasch: „Wie, muss sie etwa auch Kleider versetzen? Und wenn ja, warum gibt sie dir den Zettel?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange sah, dass sie die beiden nicht anlügen konnte, und erzählte ihnen die ganze Geschichte von vorhin. Kajaljade sagte seufzend: „Wenn der Hase stirbt, trauert der Fuchs; wenn das Wesen verletzt wird, fühlt das Geschöpf mit.&amp;quot; Das konnte sie nicht ohne Rührung sagen.&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke aber wurde zornig: „Wartet nur, bis ich die zweite Schwester zur Rede stelle! Ich werde den alten Weibern und Zofen die Leviten lesen und euch rächen, einverstanden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Damit sprang sie auf, doch Schatzspange hielt sie rasch am Arm fest und sagte lachend: „Da bist du wieder übergeschnappt! Setz dich sofort hin!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte: „Wenn du ein Mann wärst, könntest du hinausgehen und für Gerechtigkeit kämpfen. Aber hier spielst du dich als Jing Ke und Nie Zheng auf — das ist wirklich zum Lachen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Xiangfluss-Wolke sagte: „Wenn ihr mich nicht zu ihr lasst, dann holen wir sie morgen zu uns in den Garten, da können wir zusammen wohnen — wäre das nicht wunderbar?&amp;quot;&lt;br /&gt;
Schatzspange lächelte: „Darüber reden wir morgen.&amp;quot; Da wurde gemeldet: „Das dritte und das vierte Fräulein kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Die drei hörten es und hielten sofort den Mund, damit kein Wort mehr von der Sache verlautete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 56</title>
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&lt;br /&gt;
= 第五十六回 / Kapitel 56 =&lt;br /&gt;
== 敏探春兴利除宿弊 ==&lt;br /&gt;
=== 贤宝钗小惠全大体 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „die den Frühling Erforschende&amp;quot; — dritte Tochter Aufrecht Kaufmanns, Nebenfrau Zhaos leibliches Kind, klug und entschlossen.&amp;lt;/ref&amp;gt; ersinnt weise Reformen und setzt Verwalterinnen für den Garten ein. Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Kostbare Haarspange aus dem Hause Schnee&amp;quot; — Tante Schnees Tochter, gebildet, besonnen und gesellschaftlich gewandt.&amp;lt;/ref&amp;gt; hält eine kluge Rede und gewinnt die Herzen der alten Dienerinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedenskind&amp;quot; — Phönixglanz' treue Kammerzofe und Kette Kaufmanns Nebenfrau.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix&amp;quot; — die temperamentvolle Haushaltsverwalterin des Prunkwille-Anwesens.&amp;lt;/ref&amp;gt; beim Essen Gesellschaft geleistet und ihr beim Mundspülen und Händewaschen geholfen, dann machte sie sich auf den Weg zu Erkundefrühling. Im Hof war es still; nur die Zofen und alten Frauen des inneren Haushalts warteten draußen vor den Fenstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen trat in die Halle ein. Die drei Damen berieten gerade über Haushaltsangelegenheiten und sprachen eben von dem Fest, das die Familie Lai&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 赖大 Lài Dà — der Oberverwalter des Prunkwille-Anwesens. Sein Sohn Lai Shangrong hatte kürzlich ein Gartenfest gegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; gegen Jahresende gegeben hatte, und von den Dingen, die ihnen in deren Garten aufgefallen waren. Als Friedchen kam, wies ihr Erkundefrühling einen Platz auf dem Fußschemel an und sagte: „Was ich vorhabe, hat keinen besonderen Anlass. Mir ist aufgefallen, dass wir jeden Monat zwei Liang&amp;lt;ref&amp;gt;Liang (两) — eine traditionelle chinesische Gewichtseinheit, ca. 37 g. Ein Liang Silber entsprach einer beträchtlichen Summe.&amp;lt;/ref&amp;gt; Silber erhalten und die Zofen darüber hinaus auch noch ein eigenes Monatsgeld bekommen. Neulich hat nun jemand beantragt, dass uns für den monatlichen Bedarf an Haaröl, Schminke und Puder pro Person noch einmal zwei Liang ausgezahlt werden. Das ist genau dasselbe wie vorhin mit den acht Liang für die Schule — alles wird doppelt berechnet. Das sind zwar nur Kleinigkeiten und die Beträge sind gering, aber angemessen erscheint es mir nicht. Warum ist das deiner Herrin nicht aufgefallen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen erwiderte lächelnd: „Die Sache hat ihren Grund. Für die Bedürfnisse der Fräulein müssen selbstverständlich Mittel bereitstehen. Jeden Monat kaufen die Einkäufer die Sachen ein und lassen sie durch die Dienerinnen auf die einzelnen Häuser verteilen, wo wir sie in Verwahrung nehmen, damit die Fräulein sie gebrauchen können. Es gibt doch keinen Grund, warum jede von uns täglich selbst Geld nehmen und jemanden suchen sollte, der mal Haaröl und dann wieder Schminke und Puder kaufen geht. Darum kaufen die Einkäufer draußen alles zusammen ein und lassen es monatsweise an uns verteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zwei Liang Silber, die die Fräulein monatlich bekommen, sind nicht dafür bestimmt, solche Dinge zu kaufen. Sie sind eigentlich dafür gedacht, dass die Fräulein nicht erst jemanden losschicken müssen, wenn sie plötzlich etwas Geld brauchen, während die Haushaltsführerin oder die gnädige Frau vielleicht nicht da oder nicht frei sind. Es soll den Fräulein peinliche Situationen ersparen. Also hat die Zahlung dieser Gelder nichts damit zu tun, dass dafür solche Sachen gekauft werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei nüchterner Betrachtung habe ich jedoch bemerkt, dass die Zofen in den einzelnen Häusern tatsächlich zur Hälfte ihre eigenen Sachen für Geld kaufen lassen. Darum vermute ich, dass uns die Einkäufer entweder an der Nase herumführen und die Sachen deshalb immer ein paar Tage zu spät bringen, oder aber sie kaufen keine einwandfreie Ware und bringen uns nur zum Schein irgendwelchen Schund, der nicht zu verwenden ist.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling und Frau Li sagten lächelnd: „Also hast auch du die Augen offengehalten und es bemerkt! An der Nase herumführen würden sie uns nicht, das würden sie nicht wagen. Aber sie schieben alles auf die lange Bank, und wenn man sie mahnt, es sei dringend, dann besorgen sie die Sachen wer weiß woher — nur dem Namen nach, gebrauchen kann man das Zeug nicht. Also muss man die Sachen doch gegen Barzahlung kaufen lassen, von diesen zwei Liang Silber dafür nehmen und jemandes Amme oder den Sohn eines Verwandten beauftragen, sie zu kaufen — dann erst sind sie zu verwenden. Beauftragt man nämlich jemand von der Verwaltung damit, sind die Sachen auch wieder von derselben schlechten Sorte. Wer weiß, wie sie das machen! Es müssen wohl alles Dinge sein, die schon im Laden verdorben und unbrauchbar geworden sind — das schleppen sie an und halten es eigens für uns bereit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen erwiderte lächelnd: „Wenn das, was die Einkäufer bringen, von der schlechten Sorte ist, und nun bringt jemand aus der Verwaltung etwas Gutes, dann finden sich die Einkäufer natürlich nicht ohne weiteres damit ab. Sie sagen, der habe böse Absichten und wolle ihnen den Posten wegschnappen. Darum bleibt denen aus der Verwaltung gar keine Wahl: Lieber vergehen sie sich gegen Euch hier drinnen als gegen die Verantwortlichen draußen. Ihr könnt also niemand anders beauftragen als die Ammen — dann wagt keiner, seine Unzufriedenheit zu äußern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte: „Es beunruhigt mich, dass das Geld doppelt ausgegeben und die Hälfte der Sachen weggeworfen wird. Wenn man das zusammenrechnet, ist es ein zweifacher Verlust. Darum ist es am besten, die monatlichen Zahlungen an die Einkäufer ganz einzustellen. Das ist das erste. Und nun zum zweiten! Als wir gegen Jahresende im Hause von Lai Da gewesen sind, warst du doch auch mit. Wie fandest du seinen kleinen Garten im Vergleich zu unserem?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen antwortete lächelnd: „Er war nicht einmal halb so groß wie unserer, und Bäume und Blumen wuchsen dort auch viel weniger als bei uns.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling fuhr fort: „Ich habe mich mit einer Tochter des Hauses darüber unterhalten. Zu meinem Erstaunen liefert ihnen dieser Garten nicht nur Blumen zum Schmuck sowie Bambussprossen, Gemüse, Fische und Krebse zum Essen — sie überlassen ihn vielmehr jemand zur Bewirtschaftung und erzielen zum Jahresende einen Überschuss von vollen zweihundert Liang Silber. Seitdem erst weiß ich, dass auch ein zerrissenes Lotosblatt und ein trockener Grashalm noch ihren Wert haben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange lachte: „Wahrhaftig das Gerede verwöhnter Seidenröckchen, die nur vom Feinsten essen und sich in Brokat kleiden! Auch wenn Ihr als Töchter aus reichem Hause eigentlich nichts von diesen Dingen wisst — Ihr habt doch alle Bücher gelesen und könnt schreiben. Habt Ihr dabei nicht den Aufsatz ›Man wirft sich nicht weg‹ von Meister Zhu gelesen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte lächelnd: „Gelesen habe ich ihn schon, aber das sind doch nur Ermutigungen zur Selbststärkung, schöne Worte und leere Vergleiche. Wo gäbe es das in der Wirklichkeit?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange erwiderte: „Schöne Worte und leere Vergleiche bei Meister Zhu? Da ist jeder Satz Wirklichkeit! Kaum führst du ein paar Tage den Haushalt, schon vernebelt dir die Gewinnsucht das Herz, und du hältst Meister Zhus Worte für leeres Gerede. Wenn du erst einmal hinausgehst und die großen Dinge kennenlernst, bei denen es um wirklichen Gewinn und wirklichen Verlust geht, wirst du wohl sogar Konfuzius für einen Schwätzer halten!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling gab lächelnd zurück: „Und du als so gebildete Person hast wohl die Werke der Meister nicht gelesen? Bei Meister Ji heißt es: ›Wer zu den Stätten von Reichtum und Ruhm aufsteigt und im Bereich von Planung und Leitung verharrt, der stiehlt seine Worte bei Yao und Shun, von der Lehre des Konfuzius und des Meister Meng aber kehrt er sich ab.‹“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange fragte lächelnd: „Und wie geht der nächste Satz?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling lachte: „Ich greife nur den einen heraus, um den es mir hier geht. Soll ich mit dem nächsten Satz vielleicht mich selbst beschimpfen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Es gibt nichts auf der Welt, wofür es keine Verwendung gäbe; und was man verwenden kann, das ist Geldes wert. Wie schade, dass ein so kluger Mensch wie du diese wahren und bedeutsamen Tatsachen noch nicht erfahren hat! Es ist wirklich bedauerlich, dass du erst so spät darauf kommst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li warf lächelnd ein: „Erst bestellt Ihr Euch jemand her, und dann breitet Ihr Eure Gelehrsamkeit voreinander aus, anstatt vom Eigentlichen zu reden!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange belehrte sie: „Gerade in dieser Gelehrsamkeit liegt das Eigentliche. Wenn wir diese Kleinigkeiten mit Hilfe unserer Kenntnisse anpacken, heben wir sie auf eine höhere Stufe. Tun wir das aber nicht, dann werden sie zum profanen Marktklatsch.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So neckten die drei einander mit Worten, und als sie eine Zeitlang gescherzt und geplaudert hatten, sprachen sie wieder vom Wesentlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling nahm den Faden wieder auf: „Unser Garten ist nur doppelt so groß wie der dort. Rechnen wir also das Doppelte, dann macht das einen Gewinn von vierhundert Liang Silber im Jahr. Wenn wir ebenfalls die Produkte verkaufen wollten, um Silber zu erlösen, wäre das natürlich sehr kleinlich und nicht das Richtige für eine Familie wie die unsere. Aber wenn wir nicht ein paar Verantwortliche dafür bestimmen, wird so vieles, was Geldeswert hat, einfach der Willkür der Leute überlassen, und das ist wohl auch ›Vernichtung von himmlischen Gaben‹.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum ist es am besten, unter all den alten Müttern im Garten einige auszusuchen, die einen erprobten Charakter haben und sich im Gartenbau auskennen, und sie einzusetzen, um alles in Ordnung zu halten und zu pflegen. Wir müssen ja nicht von ihnen verlangen, dass sie Pacht oder Abgaben zahlen — wir können es ihnen überlassen, was sie uns von den Produkten im Laufe des Jahres darbringen. Auf diese Weise wäre zum einen jemand fest verantwortlich für die Pflege der Blumen und Bäume, sodass sie von Jahr zu Jahr schöner werden und keine Notwendigkeit besteht, sie im Notfall Hals über Kopf in Ordnung zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens würde nichts verdorben oder sinnlos zerstört. Drittens würden die alten Mütter dadurch einen kleinen Ausgleich für die viele Mühe erhalten, die sie Jahr für Jahr im Garten haben. Und viertens könnten wir auch die Arbeitslöhne für Blumengärtner, Gartengestalter und Reiniger einsparen und die Überschüsse benutzen, um anderswo Fehlendes zu ersetzen. Nichts spricht dagegen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange, die eben aufgestanden war, um die Kalligraphien und Bilder an den Wänden zu betrachten, nickte bei jeder dieser Überlegungen, und als Erkundefrühling fertig war, sagte sie lächelnd: „Bestens! Drei Jahre, und es wird keine Hungersnot mehr geben!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li bestätigte ebenfalls lächelnd: „Das ist ein guter Gedanke! Wenn das tatsächlich verwirklicht wird, wird sich die gnädige Frau bestimmt freuen. Dass Geld gespart wird, ist noch das wenigste. In erster Linie geht es darum, dass für Sauberkeit gesorgt wird, dass jeder seine feste Verantwortung hat und dass den Leuten außerdem erlaubt wird, durch den Verkauf der Produkte Geld zu verdienen. Befehligt man die Menschen mittels Autorität und bewegt man sie mittels Gewinn, so wird es niemanden mehr geben, der nicht seine Pflicht erfüllt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte: „Vorbringen müsst Ihr das aber, Fräulein! Unsere junge Herrin denkt zwar genauso, aber sie kann es schlecht aussprechen. Die Fräulein wohnen jetzt im Garten. Wenn man, anstatt zusätzliche Anschaffungen zu machen, eine Aufsicht einführt und Ordnung schafft, um Geld zu sparen — das kann unmöglich die junge Herrin vorschlagen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange ging rasch zu Friedchen hinüber, berührte mit der Hand ihre Wange und sagte lächelnd: „Mach mal den Mund auf, ich will sehen, woraus deine Zähne und deine Zunge gemacht sind! Von heute morgen bis jetzt hattest du zu jeder Sache auf deine Weise etwas zu sagen, aber weder schmeichelst du dem dritten Fräulein, noch gibst du zu, dass deine Herrin nicht so begabt ist, an alles zu denken. Was das dritte Fräulein auch vorbrachte, nie hast du einfach ja dazu gesagt. Auf jeden Vorschlag von ihr hattest du eine Antwort parat. Alles, was ihr einfiel, war auch deiner Herrin schon eingefallen, nur gab es stets einen Grund, warum es nicht zu verwirklichen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist es wieder so: Weil die Fräulein im Garten wohnen, kann man nicht um des Sparens willen eine Aufsicht einführen. Überlegt Euch das einmal! Wenn man den Leuten wirklich den Garten überlasst, damit sie Gewinn daraus schöpfen, werden sie natürlich nicht erlauben, dass auch nur eine Blume gepflückt oder eine Frucht angerührt wird. Euch gegenüber werden sie das freilich nicht wagen, aber mit den Zofen wird es täglich endlosen Streit geben. So bedenkt Friedchen alles Nah- und Fernliegende sorgsam, widerspricht weder dem dritten Fräulein noch setzt sie ihre Herrin herab. Wenn ihre Herrin das hören könnte, müsste sie sich schämen und zu unserer guten Freundin werden, wenn sie es nicht schon wäre!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte lächelnd: „Heute morgen hatte ich den Bauch voll Wut, und als ich hörte, dass Friedchen kommt, fielen mir sofort ihre Herrin und all die Leute ein, die sie durch ihre Haushaltsführung zur Schamlosigkeit erzogen hat. Ich wurde nur umso wütender, als ich Friedchen sah. Doch sie stand die ganze Zeit da wie eine Maus, die sich vor der Katze versteckt — ein wahres Bild des Jammers. Und dann hat sie diese Worte gesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht dass ihre Herrin gut zu mir sei, hat sie betont, sondern von meiner Freundschaft gegenüber ihrer Herrin hat sie gesprochen. Nach diesen Worten war nicht nur meine Wut verraucht — ich schämte mich vielmehr und war auch betrübt. Denn wenn ich es recht bedenke: Ich bin ein Mädchen, das es soweit gebracht hat, dass es von niemandem gemocht und von niemandem beachtet wird — wo sollte ich da Vorzüge besitzen, die mich befähigen, gut mit anderen umzugehen?“ Während sie sprach, liefen ihr unwillkürlich Tränen über das Gesicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li und die anderen hatten bemerkt, wie ernst es Erkundefrühling war. Sie dachten auch daran, wie Erkundefrühling ständig von Nebenfrau Zhao herabgesetzt und selbst von Dame König ihretwegen in Schwierigkeiten gebracht wurde. Da brachen auch sie unwillkürlich in Tränen aus, mahnten aber zugleich: „Wir sollten es ausnutzen, dass jetzt Ruhe herrscht, und ein paar Maßnahmen beraten, die Nutzen bringen und Schäden beseitigen können, damit die gnädige Frau sieht, sie hat uns nicht umsonst eingesetzt! Wozu also wieder diese Nebensächlichkeiten aufrühren?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen fiel rasch ein: „Ich habe alles verstanden. Also sagt nur, wer die geeigneten Leute sind, Fräulein! Diese werden dann eingesetzt, und damit basta!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling erwiderte: „Das sagst du so leicht! Erst musst du deiner Herrin Bescheid sagen. Schon dass wir hier nach jeder kleinsten Reserve fahnden, ist eigentlich nicht recht. Das kann ich mir nur erlauben, weil deine Herrin ein verständiger Mensch ist. Wäre sie dumm, neidisch und ungerecht, dann hätte ich es nicht getan — es könnte so aussehen, als wollte ich sie ausstechen. Wie ginge es also ohne Absprache mit ihr?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen willigte ein: „Dann sage ich ihr Bescheid.“ Schon ging sie los. Als sie nach einiger Zeit wiederkam, verkündete sie lächelnd: „Ich habe es doch gesagt, dass ich den Weg umsonst machen würde! Wie sollte die junge Herrin einem so guten Plan nicht zustimmen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Erkundefrühling dies gehört hatte, befahl sie mit Frau Li zusammen, man solle die Namensliste aller alten Dienerinnen bringen, die zum Garten gehörten. Gemeinsam gingen sie die Namen prüfend durch und legten einige vorläufig fest. Anschließend wurden die Frauen alle zusammen hereingeholt, und Frau Li erklärte ihnen in groben Zügen, worum es ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine der Frauen hatte etwas einzuwenden. Die eine sagte: „Überlässt mir den Bambushain! In einem Jahr wird er doppelt so dicht sein. Abgesehen von den Bambussprossen, die das Haus zum Essen braucht, kann ich noch einiges an Geld abliefern.“ Eine andere versprach: „Wenn Ihr mir das Reisfeld überlässt, braucht für das Futter sämtlicher Ziervögel kein Geld mehr aus der Kasse genommen zu werden, und ich kann sogar noch Geld abliefern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade wollte Erkundefrühling etwas sagen, da wurde gemeldet, der Arzt sei gekommen, um im Garten nach den Fräulein zu sehen. Die alten Dienerinnen mussten also aufbrechen, um ihn abzuholen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen mischte sich rasch ein: „Selbst wenn hundert von euch gehen, ist das kein ordentliches Auftreten. Sind denn nicht ein paar Verantwortliche da, die den Arzt hereinbegleiten können?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau, die die Meldung gebracht hatte, sagte: „Ja, Frau Wu und Frau Shan sind da. Sie warten in der Südwestecke am Tor des Geschichteten Brokats.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun erst gab sich Friedchen zufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die alten Frauen gegangen waren, fragte Erkundefrühling Schatzspange: „Was meinst du?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange antwortete lächelnd: „Wer am Anfang glücklich ist, wird am Ende träge; wer schöne Worte macht, giert nach Gewinn.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling nickte zustimmend, dann wies sie auf einige Namen in dem Heft und zeigte sie den drei anderen. Friedchen holte eilig Schreibpinsel und Tusche. Die drei sagten: „Diese Mutter Zhu hier wäre zuverlässig, zumal auch ihr Alter und ihr Sohn seit Generationen den Bambus pflegen. Darum sollten wir ihr alle Bambuspflanzungen im Garten überlassen. Und die Mutter Tian hier stammt ursprünglich vom Lande. Die Gemüseäcker und Reisfelder rund um das Reisduftdorf sind zwar nur Spielerei und brauchen nicht grossartig bestellt und gepflügt zu werden, aber wäre es nicht besser, wenn sie sich darum kümmerte und sie den Jahreszeiten gemäß bestellte?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling bemerkte mit bedauerndem Lächeln: „Schade, dass an zwei so ausgedehnten Orten wie dem Haselwurzpark und dem Hof der Roten Freude nichts wächst, was einen Gewinn abwirft.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sofort erklärte Frau Li, ebenfalls lächelnd: „Der Haselwurzpark wird sogar besonders einträglich sein! Die Duftstoffe und Duftkräuter, die heutzutage in den Spezereihandlungen und auf den großen Märkten und Tempelmessen gehandelt werden — das sind doch genau diese Pflanzen! Rechnet man das zusammen, ist der Gewinn größer als anderswo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was den Hof der Roten Freude betrifft — ganz abgesehen von anderem: Allein die Zimtrosen bringen im Frühling und Sommer unzählige Blüten hervor! Dazu kommen noch die Wildrosen, die Monatsrosen und all die anderen Sorten am Flechtzaun. Wenn schon diese einfachen Blumen getrocknet und an Tee- und Arzneimittelhandlungen verkauft werden, bringt das allein schon einiges Geld.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling lächelte: „So ist das also! Nur schade, dass wir niemanden haben, der sich auf diese Kräuterpflanzen versteht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen warf eilig und lächelnd ein: „Die Mutter von Fräulein Schatzspanges Oriole versteht etwas davon! Einmal hatte sie Blüten gepflückt und getrocknet und mir dann Blütenkörbe und -kürbisse daraus geflochten. Habt Ihr das schon vergessen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte lächelnd: „Eben habe ich dich gelobt, und jetzt kommst du mir so!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei fragten verwundert: „Wie meinst du das?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange erklärte: „Orioles Mutter darf auf gar keinen Fall damit betraut werden! Ihr habt hier so viele taugliche Leute, für die es nichts zu tun gibt, und dann soll ich vielleicht noch jemand von uns herschicken? Da würden diese Frauen auch von mir gering denken. Ich weiß jemand anders für euch. Im Hof der Roten Freude gibt es eine alte Mutter Ye — das ist die Mutter von Mingyan, dem Diener Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade&amp;quot; — der Protagonist, Aufrecht Kaufmanns Sohn.&amp;lt;/ref&amp;gt;s. Sie ist eine ehrliche alte Haut, und sie versteht sich ausgezeichnet mit der Mutter von unserer Oriole. Darum wäre es am besten, diese Aufgabe Mutter Ye zu übertragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sie etwas nicht weiß, wird sie sich auch ohne unser Zutun an Orioles Mutter um Rat wenden. Und selbst wenn sich Mutter Ye überhaupt nicht darum kümmert und alles Orioles Mutter überlässt, so ist das ihre Privatangelegenheit. Sollten die Leute darüber reden, trifft ihr Groll nicht uns. Wenn Ihr es so macht, handelt Ihr gerecht, und die Sache ist in besten Händen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Vortreffllich!“ erklärten Frau Li und Friedchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich fürchte nur, angesichts des Nutzens könnte sie die Pflichten der Freundschaft vergessen“, wandte Erkundefrühling lächelnd ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen versicherte ebenfalls lächelnd: „Bestimmt nicht! Neulich erst ist Mutter Ye die Ehrenmutter von Oriole geworden, und sie waren zum Essen und Wein eingeladen. Die beiden Familien sind engstens miteinander befreundet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling gab sich zufrieden. Dann einigten sie sich noch auf mehrere andere Frauen, an denen sie alle vier durch nüchterne Betrachtung schon lange Gefallen gefunden hatten, und setzten mit dem Schreibpinsel Kringel an ihre Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf kamen die alten Dienerinnen zurück und meldeten, dass der Arzt gehen wolle, und überreichten das Rezept. Die drei sahen es sich an und gaben Auftrag, den Arzt hinauszugeleiten, die Zutaten für die Arznei zu holen und darauf achtzugeben, dass sie richtig zubereitet und eingenommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann verkündete Erkundefrühling zusammen mit Frau Li allen Anwesenden genau, wer von nun an für welchen Bereich zuständig sein sollte: „Abzüglich der festgelegten Mengen, die in jeder Jahreszeit für den Haushalt gebraucht werden, könnt ihr den Rest zu eurem eigenen Vorteil verwenden. Zum Jahresende wird Abrechnung gehalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling warf lächelnd ein: „Mir ist noch etwas eingefallen. Wenn zum Jahresende abgerechnet wird und ein Gewinn abzuführen ist, wird er natürlich in die Haushaltskasse gezahlt. Auf diese Weise wird dann wieder eine höhere Verwaltung eingeschaltet, in deren Händen die Sache liegt und die ihren Anteil dabei abschöpft. Schon dadurch, dass wir jetzt diese Regelung einführen und euch für diese Dinge einsetzen, handeln wir über die Köpfe der Verwalter hinweg. Die werden wütend darüber sein, auch wenn sie kein Wort dazu sagen. Worauf sollten sie also anders warten als auf eure Gewinnabführung zum Jahresende, um ihr Spiel mit euch zu treiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem ist es ja so, dass im Laufe des Jahres von allen Dingen, die der Verwaltung unterliegen, die Herrschaften einen ganzen Anteil erhalten und die Verwalter einen halben. Das ist der herkömmliche Brauch des Hauses, und jedermann weiß es — von dem, was sie sonst noch unterschlagen, ganz abgesehen. Aber diese Neuregelung für den Garten ist mein eigenes Werk. Sie soll nicht in die Hände der Verwalter geraten, und was zum Jahresende an Geldern abgeführt wird, muss in unsere eigene Kasse fließen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte lächelnd: „Meiner Meinung nach brauchen wir auch keine interne Gewinnabführung. Wenn an einer Stelle viel Geld einkommt und an der anderen wenig, macht das nur Umstände. Besser ist es, jede, die eine Zuständigkeit übernimmt, übernimmt auch die Beschaffung eines bestimmten Bedarfsartikels. Es geht ja nur um die Dinge, die von den Gartenbewohnern gebraucht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe es einmal für euch überschlagen — es ist nur eine beschränkte Anzahl von Dingen: nämlich Haaröl, Rouge, Puder, Räucherwerk und Papier, und für jedes Fräulein mit seinen Zofen gibt es feste Zuweisungen. Das andere sind Besen, Kehrschaufeln und Flederwische für die einzelnen Gartenhäuser sowie das Futter für Ziergeflügel, Singvögel, Hirsche und Kaninchen. Das ist schon alles. Überlegt einmal, wie viel gespart wird, wenn das die Frauen übernehmen und aus der Haushaltskasse kein Geld mehr dafür in Anspruch genommen werden muss!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte lächelnd: „Diese Posten sind zwar klein, aber für ein ganzes Jahr zusammengerechnet können gut vierhundert Liang Silber gespart werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange fuhr lächelnd fort: „So ist es! Vierhundert im Jahr, in zwei Jahren achthundert. Davon kann man ein paar Häuser kaufen, für die man Miete kassiert, und auch einige Morgen Land hinzürwerben. Dann bleibt zwar immer noch ein Überschuss, aber den sollten die Frauen behalten dürfen, wenn sie das ganze Jahr über so hart arbeiten. Das Hauptanliegen ist es zwar, den Nutzen zu erhöhen und die Ausgaben zu verringern, aber man darf auch nicht zu geizig sein. Vielleicht noch einmal zwei- bis dreihundert Liang Silber zu gewinnen, dafür aber das Ansehen der Familie zu verlieren, ist auch nicht der Sinn der Sache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es also auf diese Weise gehandhabt wird und die Haushaltskasse vier- oder fünfhundert Liang Silber pro Jahr weniger zu zahlen hat, bedeutet das den Verwaltern gegenüber noch keinen Geiz, die Frauen im Garten jedoch gewinnen einen kleinen Zuschuss. So wird es diesen alten Müttern ein wenig besser gehen, die sonst keine Einnahmeqülle haben, und auch die Blumen und Bäume im Garten werden von Jahr zu Jahr üppiger wachsen, und auch ihr bekommt, was ihr braucht. Bei alledem aber bleibt die Reputation erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man einzig und allein darauf aus wäre zu sparen, könnte man freilich überall noch eine Kleinigkeit herauswirtschaften. Aber wenn man jedes bisschen Gewinn für die Haushaltskasse beschlagnahmt, dann wird im inneren wie im äußeren Bereich des Hauses des Murrens kein Ende mehr sein. Und wäre damit für eine Familie wie die Eure die Reputation nicht verscherzt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind aber ein paar Dutzend alte Mütter hier im Garten. Wenn man nur den einen etwas zukommen lässt, werden die übrigen mit Sicherheit murren, das sei ungerecht. Darum war mein Vorschlag wohl ein wenig zu grosszügig: Die Frauen brauchen nur für diese Bedarfsartikel zu sorgen. Darüber hinaus aber sollte jede von ihnen, gleichgültig ob ihr ein Überschuss bleibt oder nicht, auch noch eine bestimmte Anzahl von Münzschnüren pro Jahr abliefern, die alle in einen Topf kommen und an die übrigen Frauen im Garten verteilt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese bewirtschaften zwar nichts, aber sie sind doch Tag und Nacht hier im Einsatz: Sie halten Wache, machen Botengänge, öffnen und schließen Türen und Tore, stehen früh auf und gehen spät schlafen. Im stärksten Regen und im tiefsten Schnee tragen sie die Fräulein in Sänften, staken sie in Booten, ziehen sie in Eisschlitten. Für alle groben Arbeiten werden sie eingesetzt. Das ganze Jahr über mühen sie sich hier im Garten bis zum letzten — darum gehört es einfach dazu, dass auch sie etwas abbekommen, wenn hier im Garten ein Gewinn erzielt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und noch ein Wort will ich Euch offen sagen, ganz ohne Umschweife: Wenn Ihr Euch nur um Euren eigenen Wohlstand kümmert und ihnen nicht auch eine Kleinigkeit abgebt, werden sie es zwar nicht wagen, offen zu grollen, innerlich aber werden sie unzufrieden sein. Unter dem Vorwand pflichtgemässer Arbeit werden sie nur auf das eigene Wohl bedacht sein. Dann pflücken sie auf Eure Kosten mehr Obst und mehr Blumen, und ihr könnt euch nirgends darüber beklagen. Wenn Ihr sie aber ein wenig am Gewinn beteiligt, werden sie für Euch auch auf Dinge achten, die Euch selbst entgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die alten Dienerinnen diese Erläuterungen hörten und so erfuhren, dass sie sowohl der Beaufsichtigung durch die Buchhaltung entgehen als auch von der Abrechnung mit Phönixglanz befreit sein würden und lediglich einmal im Jahr ein paar Münzschnüre abzuführen hätten, war jede von ihnen außerordentlich froh, und sie erklärten einstimmig: „Wir sind einverstanden! Das ist besser, als uns draußen von denen piesacken zu lassen und ihnen dann noch Geld geben zu müssen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diejenigen, die keine Verantwortung übernehmen sollten, freuten sich ebenfalls, als sie hörten, sie würden an jedem Jahresende einen Geldanteil empfangen: „Die anderen haben die Mühe, alles in Ordnung zu halten, da müssen sie schon ein wenig als Zuschuss bekommen“, sagten sie. „Aber wir können doch nicht gut einen vollen Gewinn einstreichen, ohne einen Handschlag zu tun.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte lächelnd: „Schlagt es nicht ab, Mütterchen! Das muss schon sein. Wenn ihr euch nur bei Tag und bei Nacht ein wenig mehr anstrengt, euch nicht vor der Arbeit drückt und auch nicht zulässt, dass andere Wein trinken und Glücksspiele spielen, dann ist schon alles in Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiss, ich hätte mich eigentlich um diese Dinge nicht zu kümmern. Aber ihr habt ja genau wie ich gehört, wie mich die Tante immer wieder persönlich darum gebeten hat. Die ältere junge Herrin habe jetzt keine Zeit dafür, und die anderen jungen Fräulein seien noch zu jung, hat sie gesagt, darum gebe sie mir den Auftrag, auf alles achtzugeben. Hätte ich abgelehnt, dann hätte es so ausgesehen, als wollte ich, dass die Tante sich Sorgen machen muss. Eure junge Herrin ist viel krank und hat mit den Hausangelegenheiten genug zu tun. Ich dagegen bin ein Müssiggänger. Allein schon als Nachbarin wäre man verpflichtet zu helfen — um wie viel mehr erst, wenn einen die eigene Tante beauftragt! Also musste ich mein kleines Ich vergessen und an das Große und Ganze denken, auch wenn die Leute mit mir unzufrieden sind. Wenn ich nur um meiner selbst willen auf guten Ruf bedacht wäre — wie könnte ich dann der Tante ins Gesicht sehen, falls hier durch Trunk- oder Spielsucht etwas geschieht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für euch aber käme die Reue zu spät, und euer guter Name wäre verloren. Die jungen Fräulein und der ganze große Garten sind eurer Aufsicht überlassen, und das nur, weil ihr alte Frauen aus Familien seid, die schon seit drei oder vier Generationen im Hause dienen, und weil ihr in höchstem Masse auf Sitte und Anstand haltet. Da müsst ihr nun aber auch einmütig auf euer Ansehen bedacht sein. Stattdessen lässt ihr es zu, dass andere nach Belieben trinken und spielen. Wenn die Tante davon erfährt und euch dafür eine Belehrung erteilt, mag das noch angehen. Aber was, wenn es die Verwalterfrauen erfahren? Sie brauchen es ja nicht der Tante zu melden und können euch selbst zur Rede stellen. Dann würdet ihr, die Älteren, von Jüngeren eine Belehrung erfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn sie nun einmal die Verwalterinnen sind und dadurch das Recht haben, euch zu kontrollieren — ist es nicht besser, ihr achtet ein wenig auf euer Ansehen, sodass sie erst gar nicht die Möglichkeit haben, euch in den Schmutz zu ziehen? Darum habe ich mir jetzt diese außerplanmäßige Verdienstmöglichkeit für euch ausgedacht, damit ihr einmütig zusammenhaltet und die Verhältnisse hier im Garten in jeder Hinsicht in beste Ordnung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn dann diejenigen, die die Macht haben und die Verantwortung tragen, diese strenge Ordnung und diese große Sorgfalt sehen, werden sie wissen, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchen, und werden euch dafür achten. Außerdem ist es dann auch nicht umsonst gewesen, dass man eine Verdienstmöglichkeit für euch geschaffen hat. So könntet ihr ein wenig von ihrer Macht erringen und zugleich einen Vorteil haben. Könnte dadurch nicht sinnlose Verschwendung vermieden und den Verantwortlichen ein Teil ihrer Sorgen abgenommen werden? Überlegt es euch gut!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort brodelten die Stimmen der alten Dienerinnen froh durcheinander: „Ihr habt vollkommen recht, Fräulein! Ihr und die junge gnädige Frau könnt von nun an ganz unbesorgt sein. Wenn wir uns jetzt, nachdem Ihr so große Güte gegen uns bewiesen habt, nicht von der besten Seite zeigen, sollen Himmel und Erde uns nicht länger dulden!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatten sie das gesagt, kam Lin Zhixiaos Frau herein und meldete: „Gestern sind Angehörige des Hauses Zhen aus Jiangnan in der Hauptstadt eingetroffen. Heute sind sie im Kaiserpalast, um ihre Glückwünsche darzubringen, und haben vorab Boten mit Geschenken und Grüßen geschickt.“ Damit übergab sie die Geschenkliste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling nahm sie entgegen und las vor: „Geblümter Brokat und Drachenbrokat für Kaiserlichen Gebrauch — zwölf Stück; verschiedenfarbiger Brokat für Kaiserlichen Gebrauch — zwölf Stück; verschiedenfarbige Seidengaze für Kaiserlichen Gebrauch — zwölf Stück; Seidentaft für Kaiserlichen Gebrauch — zwölf Stück; Brokat, Seidengaze, Seidentaft und Seidensatin für amtlichen Gebrauch — vierundzwanzig Stück.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li, die mitgelesen hatte, ordnete an: „Belohnt die Boten mit dem höchsten Geldgeschenk!“ Dann befahl sie jemandem, der Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die betagte Matriarchin der Familie, geborene Shi.&amp;lt;/ref&amp;gt; Meldung zu machen. Die Herzoginmutter ließ Frau Li, Erkundefrühling, Schatzspange und die anderen zu sich rufen und sah sich die Geschenke gemeinsam mit ihnen an. Frau Li legte die Stoffe beiseite und befahl den Frauen aus dem inneren Speicher: „Nehmt sie erst in Verwahrung, wenn die gnädige Frau sie gesehen hat!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Zhens sind nicht mit anderen Familien zu vergleichen“, sagte die Herzoginmutter. „Die männlichen Boten hast du mit dem höchsten Geldgeschenk belohnt, aber ehe wir uns versehen, werden wohl auch Botenfrauen kommen, um uns Grüße zu überbringen. Lass also Seidenstücke für sie bereitlegen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatte kaum zu Ende gesprochen, da wurde tatsächlich gemeldet: „Es sind vier Frauen aus dem Hause Zhen da, um ihren Gruß zu entbieten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort befahl die Herzoginmutter, sie hereinzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Frauen waren alle über vierzig Jahre alt, und ihre Kleidung unterschied sich nicht groß von der, wie Herrschaften sie tragen. Als sie gegrüst und nach dem Befinden gefragt hatten, befahl die Herzoginmutter, vier Fussbänke zu bringen. Die vier Frauen bedankten sich und warteten, bis Schatzspange und die anderen Platz genommen hatten, ehe auch sie sich setzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wann seid ihr in der Hauptstadt angekommen?“ erkundigte sich die Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort erhoben sich die vier Frauen wieder und antworteten: „Gestern sind wir angekommen. Heute hat sich die gnädige Frau mit dem gnädigen Fräulein in den Palast begeben, um ihren Gruß zu entbieten, darum hat sie uns hergeschickt, um nach Eurem Befinden zu fragen und den jungen Fräulein Grüße zu senden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „All die Jahre wart ihr nicht in der Hauptstadt. Wir dachten nicht, dass ihr dieses Jahr kommen würdet.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Frauen erwiderten ebenfalls lächelnd: „Ganz recht. Dieses Jahr sind wir auf allerhöchsten Befehl hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ist die ganze Familie mitgekommen?“ wollte die Herzoginmutter weiter wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die alte gnädige Frau und der junge Herr, die beiden Fräulein und die zweite gnädige Frau sind nicht mitgekommen“, gaben die vier Frauen Auskunft. „Nur die gnädige Frau selbst und das dritte gnädige Fräulein sind hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hat das Fräulein schon einen Verlobten?“ erkundigte sich die Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nein, noch nicht“, erwiderten die vier Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Euer ältestes und euer zweites Fräulein — die beiden Familien, in die sie eingeheiratet haben, verstehen sich sehr gut mit unserer Familie.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Frauen lächelten und sagten: „So ist es. Jedes Jahr schreiben die Fräulein nach Hause und betonen, dass sie alles nur Eurer liebevollen Fürsorge verdanken.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter wehrte lächelnd ab: „Von Fürsorge kann keine Rede sein. Seit Generationen sind unsere Familien miteinander befreundet und verschwägert, da muss das so sein. Besonders euer zweites Fräulein ist sehr lieb und weder selbstgefällig noch überheblich, darum verkehren wir gerade mit ihr besonders herzlich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ihr seid zu bescheiden, alte gnädige Frau“, erklärten die vier Frauen lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Euer junger Herr lebt auch bei eurer alten gnädigen Frau?“ wollte die Herzoginmutter nun wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ja, bei der alten gnädigen Frau“, bestätigten die vier Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie alt ist er jetzt?“ fragte die Herzoginmutter und fuhr fort: „Geht er schon zur Schule?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Frauen sagten lächelnd: „Dreizehn ist er in diesem Jahr. Weil er gut gewachsen ist, hat ihn die alte gnädige Frau sehr gern. Aber von klein auf ist er über alle Maßen ungezogen. Tag für Tag schwänzt er die Schule, doch der gnädige Herr und die gnädige Frau können nicht gut streng zu ihm sein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Das ist ja ganz wie bei uns! Aber wie heißt euer junger Herr?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Weil die alte gnädige Frau ihn als ein rechtes Kleinod ansieht und er auch eine ganz helle Haut hat, hat die alte gnädige Frau ihn Schatzjade — ›wertvolle Jade‹ — genannt“, antworteten die vier Frauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter wandte sich an Frau Li und die anderen: „Ausgerechnet auch Schatzjade!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li deutete sofort ein Aufstehen an und erwiderte lächelnd: „Von alters her gibt es viele Fälle von Namensgleichheit, ob zur selben oder zu verschiedener Zeit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Botenfrauen sagten lächelnd: „Schon als er diesen Kindheitsnamen bekam, hegte man bei uns hohen und niederen Standes den Verdacht, in irgendeiner Familie von Freunden oder Verwandten müsse es den gleichen Namen geben. Aber da wir mehr als zehn Jahre nicht in der Hauptstadt waren, konnte sich niemand genau erinnern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie könnten wir es nur wagen!“ sagte die Herzoginmutter. „Mein Enkel heißt so.“ Dann befahl sie: „Kommt her!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerinnen und Zofen antworteten „Jawohl“ und traten einige Schritte näher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Geht in den Garten und holt unseren Schatzjade, damit diese vier Verwalterinnen ihn sich ansehen und mit ihrem Schatzjade vergleichen können!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerinnen gingen sogleich los, und als sie bald darauf zurückkamen, führten sie Schatzjade in ihrer Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatten die Botenfrauen ihn erblickt, sprangen sie auf und erklärten lächelnd: „Also, das ist ein Schreck! Wenn wir nicht bei Euch wären und ihn stattdessen woanders getroffen hätten, würden wir jetzt meinen, unser Schatzjade sei uns in die Hauptstadt nachgereist!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesen Worten traten sie an Schatzjade heran, fassten ihn bei den Händen und wollten tausend Dinge von ihm wissen. Auch Schatzjade grüsste lächelnd zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie sieht er im Vergleich zu eurem aus?“ fragte die Herzoginmutter lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li und die anderen sagten lächelnd: „Was die vier Mütterchen eben sagten, zeigt deutlich genug, dass er ihm gleicht wie ein Ei dem anderen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter wehrte lächelnd ab: „Wie könnte es so einen Zufall geben! Kinder aus vornehmen Familien, noch dazu, wenn sie zart aufgezogen werden — wenn ihr Gesicht nicht gerade durch Krankheit entstellt oder schwarz und hässlich ist, sehen sie wahrscheinlich alle genauso gut aus. Das ist überhaupt nichts Seltsames.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Botenfrauen sagten lächelnd: „Wie sich zeigt, ist das Aussehen der beiden gleich, und wenn man Euch glauben darf, alte gnädige Frau, müssten sie auch genauso ungezogen sein. Uns scheint aber, dieser junge Herr hier ist von besserer Wesensart als der unsere.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Woran zeigt sich das?“ wollte die Herzoginmutter sofort wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Frauen erklärten lächelnd: „Es war zu merken, als wir ihn eben bei den Händen fassten und mit ihm sprachen. Unser Schatzjade nennt uns einfach dumm. Wir dürfen keinen seiner Gegenstände auch nur ein wenig verrücken, geschweige denn berühren. Bedienen lässt er sich nur von Mädchen und ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ehe die vier Frauen ausgeredet hatten, konnten Frau Li und die Schwestern nicht mehr an sich halten und brachen in Lachen aus. Auch die Herzoginmutter lachte und sagte: „Wenn wir jetzt jemanden hinschicken würden, um euren Schatzjade zu sehen, und man ihn bei der Hand fasste, würde er es sich auch eine Zeitlang gefallen lassen. Kinder aus Familien wie den unseren zeigen, wie verschroben sie im Inneren auch sein mögen, Fremden gegenüber stets ordentliche Umgangsformen. Wäre das nicht der Fall, würde man ihnen auch keine Marotten durchgehen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Erwachsenen eine Schwäche für sie haben, ist zum einen, dass ihre äußere Erscheinung Wohlgefallen erregt, und zum andern, dass ihr Benehmen Fremden gegenüber besser ist als das manches Erwachsenen, sodass die Leute Liebe und Zuneigung für sie verspüren. Nur deshalb sieht man ihnen insgeheim einiges nach. Würden sie sich draußen genauso benehmen wie drinnen und den Erwachsenen keine Ehre machen, müsste man sie totschlagen, egal wie hübsch sie auch gewachsen sind.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ihr habt vollkommen recht, alte gnädige Frau“, bestätigten die vier Botenfrauen lächelnd. „Wenn unser Schatzjade auch frech und sonderbar ist, so ist doch sein Benehmen in Gegenwart von Gästen manchmal korrekter als das der Erwachsenen. Deshalb gibt es niemand, der ihn nicht liebte, wenn er ihn sieht, und alle fragen, wofür er eigentlich Schläge bekommt. Sie haben ja nicht die geringste Vorstellung davon, dass zu Hause kein Gesetz und keine Autorität für ihn gelten. Was einem Erwachsenen nie einfallen würde, das spricht er nicht nur aus, das tut er auch. Dadurch ist er dem gnädigen Herrn und der gnädigen Frau so verhasst, dass sie sich nicht zu helfen wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbeherrschtheit ist etwas ganz Gewöhnliches für ein Kind, Leichtfertigkeit und Verschwendungssucht sind etwas ganz Gewöhnliches für einen Sohn aus reicher Familie, und Unlust beim Lernen ist ebenfalls etwas ganz Gewöhnliches für ein Kind — all das lässt sich beheben. Aber wie soll man damit fertig werden, wenn jemand vom ersten Lebenstag an derart verschroben ist und ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatten noch nicht zu Ende gesprochen, als gemeldet wurde: „Die gnädige Frau ist zurück.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König trat ein, entbot der Herzoginmutter ihren Gruß und empfing die Grüße der vier Botenfrauen. Man wechselte einige belanglose Sätze. Dann befahl die Herzoginmutter: „Geh dich ausruhen!“ Erst nachdem Dame König der Herzoginmutter noch eigenhändig Tee gereicht hatte, zog sie sich zurück. Die vier Botenfrauen verabschiedeten sich ebenfalls von der Herzoginmutter und gingen mit Dame König in deren Räume, wo sie ein Weilchen über Familienangelegenheiten plauderten, ehe Dame König sie fortschickte. Aber das muss nicht in allen Einzelheiten berichtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen erzählte die Herzoginmutter in ihrer Freude jedem, den sie sah, es gebe noch einen Schatzjade, und es sei mit ihm genau dasselbe wie mit ihrem eigenen. Alle fanden jedoch, dass dies — groß, wie die Welt sei, zahlreich, wie die Familien von Erbbeamten wären, unzählig, wie Fälle von Namensgleichheit vorkämen, und häufig, wie Großmütter eine Schwäche für ihre Enkel hätten — eine ganz normale Sache sei und durchaus keine Seltenheit. Darum achtete niemand weiter darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einzig Schatzjade, der den auschweifenden Sinn eines törichten Herrensöhnchens hatte, war der Meinung, die vier Frauen hätten sich die Sache nur ausgedacht, um die Herzoginmutter zu erheitern. Er begab sich dann in den Haselwurzpark, um Xiangji einen Krankenbesuch abzustatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji sagte zu ihm: „Mach nur ruhig weiter so! Bisher hiess es: ›Eine Faser macht noch keinen Faden, ein Baum ergibt noch keinen Wald.‹ Jetzt aber hast du ein zweites Ich gefunden, und wenn du es zu toll treibst und wieder einmal fürchterliche Prügel bekommst, kannst du nach Nanjing ausreißen und nach dem anderen suchen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade entgegnete: „Das sind doch alles Lügen, und du glaubst sie auch noch! Es wird gerade noch einen Schatzjade geben!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji wandte ein: „Warum gab es dann zur Zeit der Streitenden Reiche einen Lin Xiangru und unter der Han-Dynastie einen Sima Xiangru?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lächelnd: „Zugegeben. Aber genauso ausgesehen haben sie nicht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Und warum haben die Leute in Kuang, als sie Konfuzius sahen, geglaubt, es sei Yang Huo?“ fragte Xiangji.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade erwiderte lächelnd: „Konfuzius und Yang Huo sahen zwar gleich aus, hiessen aber nicht gleich. Lin Xiangru und Sima Xiangru hiessen zwar gleich, sahen aber nicht gleich aus. Ausgerechnet bei mir aber soll beides übereinstimmen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte, und sagte lächelnd: „Du kannst nichts als Unsinn reden. Was soll ich mich mit dir auf ein Streitgespräch einlassen! Gibt es ihn oder gibt es ihn nicht — mich geht es nichts an.“ Damit schloss sie die Augen, um zu schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade aber wurde wieder von Zweifeln befallen. Sagte er sich, es gebe ihn bestimmt nicht, so sprach doch einiges dafür, dass es ihn gab; sagte er sich, es gebe ihn bestimmt, so hatte er ihn doch nicht mit eigenen Augen gesehen. Verdriesslich ging er in seine Räume zurück, legte sich auf die Ruhebank und grüblte schweigend darüber nach. Unversehens schlummerte er ein und fand sich plötzlich in einem Garten wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nanu“, fragte er sich verwundert, „gibt es denn außer unserem Garten der Großen Anschauung noch einen zweiten solchen Garten?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er sich noch staunend umsah, kamen einige Mädchen auf ihn zu, offensichtlich Zofen. Wieder fragte er sich verwundert: „Gibt es denn auch Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 鸳鸯 Yuānyāng — die treue Kammerzofe der Herzoginmutter.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Friedchen noch ein zweites Mal?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da hörte er, wie die Mädchen lachend riefen: „Schatzjade! Wie kommt denn unser Schatzjade hierher?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade glaubte, von ihm sei die Rede, und trat rasch näher. Lächelnd sagte er: „Ich bin zufällig auf einem Spaziergang hierher geraten und weiß gar nicht, welcher befreundeten Familie der Garten gehört. Führt mich ein wenig herum, liebste Schwestern!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mädchen riefen: „Das ist ja gar nicht unser Schatzjade! Aber er sieht ganz ordentlich aus, und ein flottes Mundwerk hat er auch.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, erkundigte er sich rasch: „Habt ihr hier denn auch einen Schatzjade, liebste Schwestern?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort erwiderten die Mädchen: „Wir gebrauchen den Namen Schatzjade auf Befehl der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau, um ihm Langlebigkeit und Schutz vor Unheil zu sichern. Wenn wir ihn so nennen, freut er sich. Aber wenn du hergelaufener kleiner Stinker einfach diesen Namen gebrauchst, dann nimm nur dein dreckiges Fleisch in acht, damit es dir nicht weichgeklopft wird!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderes Mädchen fugte hinzu: „Kommt, wir gehen schnell, damit uns Schatzjade nicht mit dem hier zusammen sieht! Sonst sagt er noch, weil wir mit diesem kleinen Stinkkerl gesprochen haben, seien auch wir stinkig geworden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit gingen sie davon. Schatzjade sagte sich verwundert: „So hat mich ja noch nie jemand behandelt! Warum sind sie nur so zu mir? Aber wie es aussieht, gibt es hier wirklich jemanden wie mich.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diese Gedanken vertieft, war er aufs Geratewohl weitergegangen und dabei in ein Gehöft geraten. Wieder fragte er sich: „Gibt es also auch einen zweiten Hof der Roten Freude?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwirrt stieg er die Stufen hinauf und trat ins Haus. Dort erblickte er einen Jüngling, der auf einer Ruhebank lag, und mehrere Mädchen, die mit Nadelarbeiten beschäftigt waren, während ein paar andere scherzten und lachten. Der Jüngling seufzte, und eines der Dienstmädchen fragte ihn lächelnd: „Warum schläfst du nicht, Schatzjade? Und worüber seufzt du? Bestimmt machst du dir wieder unnütze Sorgen, weil dein Schwesterlein krank ist!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, bekam er einen Schreck. Dann sagte der Jüngling auf der Bank: „Ich hatte gehört, wie die alte gnädige Frau erzählte, in der Hauptstadt gebe es ebenfalls einen Schatzjade, dessen Charakter mit meinem übereinstimme, und hatte das nicht geglaubt. Eben geriet ich im Traum in der Hauptstadt in einen Garten und traf dort einige Mädchen, die mich einen kleinen Stinker nannten und sich dann nicht weiter um mich kümmerten. Als ich endlich mit viel Mühe die Räume von Schatzjade fand, schlief er gerade. Nur seine leere fleischliche Hülle lag da, sein eigentliches Ich aber war irgendwohin verschwunden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte Schatzjade dies vernommen, sagte er sogleich: „Ich bin hierher gekommen, weil ich Schatzjade suche. Da bist du das also!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort stand der Jüngling von der Ruhebank auf, fasste Schatzjade bei den Händen und fragte: „Du bist Schatzjade? So war das kein Traum?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wieso denn ein Traum?“ fragte Schatzjade. „Es ist wahr und nochmals wahr!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte er das ausgesprochen, kam jemand mit der Meldung: „Der gnädige Herr verlangt nach Schatzjade.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide bekamen einen panischen Schreck. Der eine Schatzjade ging fort, und der andere rief ihm hinterher: „Komm schnell zurück, Schatzjade! Komm schnell zurück!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch, die nahe bei ihm saß, hatte gehört, wie Schatzjade im Traum seinen eigenen Namen rief. Sie rüttelte ihn wach und fragte lachend: „Wo ist denn Schatzjade?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war zwar wach, doch sein Geist war noch benommen. Er wies zur Tür und sagte: „Eben ist er hinausgegangen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das hast du geträumt“, sagte Dufthauch lachend. „Reib dir den Schlaf aus den Augen und schau genau hin — das ist dein eigenes Spiegelbild.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade blickte auf und sah, dass der große Spiegel mit dem Intarsienrahmen, der seiner Ruhebank gegenüber hing, sein Bild zurückwarf. Nun musste er ebenfalls lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hatten die Mädchen eine Mundspülschale und starken Tee gebracht, und Schatzjade spülte sich den Mund. Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 麝月 Shèyuè — eine von Schatzjades Zofen.&amp;lt;/ref&amp;gt; bemerkte: „Kein Wunder, dass die alte gnädige Frau immer wieder sagt, in den Räumen von jungen Leuten dürfe es nicht zu viele Spiegel geben. Bei jungen Leuten ist die Seele noch unvollkommen; wenn sie sich zu viel spiegeln, schlafen sie schlecht und haben Alpträume. Nachdem wir die Ruhebank hierher geräumt haben, wo auch der Spiegel steht, müssten wir nur die Spiegelhülle darüberziehen, dann wäre alles in Ordnung. Aber wer denkt schon daran, wenn es erst wieder wärmer wird und alle müde und träge sind!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorhin zum Beispiel haben wir es auch vergessen. Da hat er natürlich nach dem Hinlegen erst mit seinem Spiegelbild gespielt, und als er dann die Augen schloss, ist ihm im Traum alles durcheinandergeraten. Wie hätte er sich sonst selbst sehen und dabei seinen eigenen Namen rufen können? Am besten schaffen wir morgen die Ruhebank in den Innenraum ...“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ehe sie den letzten Satz beenden konnte, kam eine Botin von Dame König, die Schatzjade zu sich befahl. Was sie ihm zu sagen hatte — wer es wissen will, ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
= 第五十五回开头）。因此书中对这十则谜语的谜底均无交代。这当然是作者的托词，实则是故弄玄虚：一则作者意不在灯谜，而是借这十首诗抒发世事如云、人生如梦之感；再则使书中谜语或有答案，或无答案，以示变化，避免呆板；三则故意留给读者去猜，试试诸君的才智，也望诱发阅读兴趣。果不出作者所料，读者竞相猜谜，而众说纷纭，甚至《智力》杂志在上世纪 80年代还举办过“红楼梦绝底诗谜征答”，以至于每则诗谜均有数种乃至十多种答案，其中也有猜中者，也有风马牛不相及者，实难一一介绍，也无必要。注者不自量力，也拟一一试猜，并加以详细解析，以供读者参考。可能牛头不对马嘴，敬乞赐教。解析包括四个部分：首先解释诗谜中的疑难词语、成语典故等；其次交代诗谜所述本事；第三介绍诗谜谜面的本来意思；最后揭示谜底，并解释谜底的根据。​ / Kapitel 55 =&lt;br /&gt;
== 《赤壁怀古》诗谜──赤壁：山名。一说在今湖北武昌西赤矶山，与汉阳南纱帽山隔江相对。见北朝魏·郦道元《水经注·江水三》：“江水左径百人山（今纱帽山）南，右径赤壁山北，昔周瑜与黄盖诈魏武（曹操）大军处所也。”一说在今湖北蒲圻市之西、长江南岸，与今洪湖市之乌林隔江相对。见唐·李吉甫《元和郡县图志·江南道三·鄂州》云：“赤壁山在县（蒲圻县）西一百二十里，北临大江，其北岸即乌林，与赤壁相对。即周瑜用黄盖计，焚曹公舟船败走处。故诸葛亮论曹公危于乌林是也。”后一种说法更可信。 喧阗：本指声音嘈杂，十分热闹。这里引申为火势猛裂及人喊马叫之声。《赤壁怀古》诗谜的本事即历史上著名的“赤壁之战”。其事散见于《三国志·吴志·周瑜传》、《三国志·吴志·孙权传》、《三国志·吴志·黄盖传》、《三国志·魏志·武帝纪》、《三国志·蜀志·先主传》、《三国志·蜀志·诸葛亮传》，略谓：汉献帝建安十三年（公元208年），曹操先灭刘表，继率百万大军，屯兵长江北岸，欲吞孙权、刘备。诸葛亮说服孙权，孙、刘联合抗曹。周瑜接受黄盖假降、火攻之计，在赤壁一战中大获全胜，曹军死伤惨重。从此确立了三国鼎立之势。这则诗谜谜面的头两句“赤壁沉埋水不流，徒留名姓载空舟”是指曹军战船被焚，战船与将士沉入江中，以致江水因堵塞而不流，死者徒留空名于后世，仅供过客谈笑而已。后两句“喧阗一炬悲风冷，无限英雄在内游”是指孙吴将士点燃的熊熊大火，逼迫曹军将士纷纷跳入长江，拚命挣扎，终究做了水中冤鬼。谜底是锅。首句“赤壁沉埋水不流”是寓指放在靠壁土灶上而又盛满水的锅。次句“徒留名姓载空舟”是寓指放入锅内的鱼虾之类，其中所谓“名姓”即指鱼虾等名。第三句“喧阗一炬悲风冷”是寓指锅下烧火并用风箱吹风。末句“无限英雄在内游”是寓指鱼虾之类在沸腾的锅中翻滚。​ ==&lt;br /&gt;
=== 《交趾怀古》诗谜──交趾：亦作“交阯”、“交址”。上古泛指五岭以南地区。汉武帝征服岭南，分置九郡，交趾即为其一。见《汉书·武帝纪》：“遂定越地，以为南海、苍梧、郁林、合浦、交趾、九真、日南、珠厓、儋耳郡。” 铜柱：典出《后汉书·马援传》李贤注引《广州记》：“（马）援到交趾，立铜柱，为汉之极界也。”后世遂称为“马援柱”或“马柱”。 金城：古郡名，在今甘肃兰州之西。 纪纲：国家法度。 戎羌：泛指西北少数民族地区。 铁笛无烦说子房：这里暗指两个历史故事。其一指马援和笛曲《武溪深》的故事。事见晋·崔豹《古今注·卷中·音乐》：“《武溪深》乃马援南征之所作也。援门生爰寄生善吹笛，援作歌以和之，名曰《武溪深》。其曲曰：‘滔滔武溪一何深，鸟飞不度兽不能临，嗟哉武溪多毒淫！’”这里所谓“马援南征”，指的是汉光武帝建武二十四年（公元48年），六十二岁的马援南征武溪（在今湖南）少数民族叛乱遇阻，在军中病卒。其二是一个传说故事：秦末楚、汉相争，最后一战会兵于垓下，刘邦谋士张良（字子房）命兵士在夜里吹笛唱楚歌。项羽的楚军大惊，以为汉军已得楚地，军心大乱，结果全军覆没，项羽也自吻。按：《史记·项羽本纪》、《史记·高祖本纪》、《汉书·高帝纪》、《汉书·项籍传》均有“羽夜闻汉军四面皆楚歌”的记载，而未说此计出自张良，也未提吹笛亊。故所谓张良命兵士吹笛唱楚歌的故事，当为后人因钦佩张良而杜撰。《交趾怀古》诗谜的本事为东汉大将马援平定西羌、交趾叛乱事，均见于《后汉书·马援传》：建武十一年（公元35年），西羌叛，汉光武帝封马援为陇西太守，率兵平叛，斩首甚多，馀众远窜。马援因肩受箭伤，又兵少，不得穷追。马援为遏制西羌，加固金城，招回逃民，“开导水田，劝以耕牧，郡中乐业”。建武十七年（公元41年），交趾女子征侧、征贰姐妹叛乱，光武帝封马援为伏波将军，率师平叛，势如破竹，交趾悉平，并在国界上树立铜柱，进封为新息侯。这则诗谜谜面的大意是说马援平定了交趾、西羌之乱，使国家得以太平，政令得以通畅，从而威名远扬，其战功与智谋不在张良之下，因此人们不应该只知有张良而不知有马援。谜底是铜喇叭。首句中的“铜柱金城”谐音为“铜铸金成”，暗指喇叭是用铜铸而成。“金”色类似于铜，可代指铜。按：在曹雪芹原本中，首句为“铜铸金镛振纪纲”，而“铜铸金镛”即铜钟，铜钟与铜喇叭不仅皆为铜制，而且形状极为相似，这更可以证明谜底为铜喇叭。喇叭又名“马上吹”，它不仅是一种民间乐器，而且还是军中传达命令的工具。明代抗倭名将戚继光《纪效新书·号令》曰：“凡喇叭吹摆队伍，是要各兵即于行次，每哨一聚。”民间也有“对着窗户吹喇叭──名声在外”的歇后语。可知其他三句皆是以马援战功卓著、名声远扬隐寓铜喇叭的声音洪亮，传得很远。​ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 探春 Tànchūn, „Erkundefrühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt ihre Klugheit bei der Aufdeckung alter Missstände und verwaltet nun den Haushalt. Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; enthüllt im Gespräch die Sorgen um die Zukunft der Familie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Laternenfest war nun vorüber. Da der gegenwärtige Kaiser sein Reich nach dem Grundsatz der Pietät regierte und eine kaiserliche Gemahlin im Palast erkrankt war, mussten sich alle Nebenfrauen und Konkubinen des Hofes in Speise und Schmuck einschränken. Es waren nicht nur keine Elternbesuche möglich, auch alle Festlichkeiten und Vergnügungen waren abgesagt worden. Daher fand auch im Kaufmann-Palast in diesem Jahr kein Laternenrätsel-Fest statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum waren die Geschäftigkeiten des Jahreswechsels vorüber, da erlitt Phönixglanz eine Fehlgeburt. Sie musste sich einen Monat lang schonen und konnte den Haushalt nicht führen. Täglich kamen zwei oder drei Leibärzte, um sie zu behandeln. Phönixglanz vertraute jedoch auf ihre kräftige Konstitution, und obwohl sie das Haus nicht verließ, plante und rechnete sie wie gewöhnlich. Sobald ihr etwas einfiel, schickte sie Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; los, um es Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; berichten zu lassen. Alles Zureden war vergeblich, sie hörte auf niemanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König fühlte sich ihrer wichtigsten Stütze beraubt. Wie weit reichte schon die Kraft eines einzelnen Menschen! Grundlegende Entscheidungen traf sie selbst; alle kleineren Angelegenheiten des Haushalts überließ sie vorübergehend Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Seidenweiß Pflaume war jedoch jemand, der Tugend über Tüchtigkeit stellte, und so war es unvermeidlich, dass die Bediensteten unter ihrer Führung tun und lassen konnten, was sie wollten. Darum befahl Dame König, dass Erkundefrühling gemeinsam mit Seidenweiß Pflaume die Geschäfte führen solle. In einem Monat, so hieß es, wenn Phönixglanz wieder genesen sei, werde ihr alles wieder übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand konnte freilich ahnen, dass Phönixglanz von Natur aus über zu wenig Lebenskraft verfügte. Verschlimmert wurde dies noch dadurch, dass sie sich seit ihrer Jugend nie Schonung gegönnt hatte. Ihr Leben lang wollte sie die Erste und die Klügste sein und hatte dadurch ihre Kräfte weiter aufgezehrt. So entwickelte sich die eigentlich harmlose Fehlgeburt zu einer echten Entkräftung, und nach einem Monat kamen noch Unterleibsblutungen hinzu. Phönixglanz sprach zwar nicht darüber, doch ihr fahles, abgemagertes Gesicht verriet jedem, dass sie sich nicht die nötige Schonung gönnte. Darum befahl man ihr, sich zu pflegen und ihren Geist nicht zu strapazieren. Auch Phönixglanz selbst bekam Angst, es könne zu einer ernsten Erkrankung kommen, die sie zum Gespött der Leute machen würde. Daher entschloss sie sich, die freie Zeit zur Genesung zu nutzen, und wünschte sich nichts sehnlicher, als über Nacht wieder die Alte zu sein. Doch wer hätte gedacht, dass es bis zum achten oder neunten Monat dauern würde, ehe es ihr nach beständiger Behandlung und größter Schonung allmählich besser ging und auch die Blutungen langsam aufhörten! Doch das ist ein Vorgriff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst muss erzählt werden, was nun geschah. Als Dame König sah, wie es um Phönixglanz bestellt war und dass Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume ihre zusätzlichen Aufgaben so bald nicht würden abgeben können, und da im Garten viele Bewohner lebten und die Aufsicht zu fehlen drohte, ließ sie eigens Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu sich rufen und bat sie, überall ein wachsames Auge zu haben. „Die alten Frauen sind zu nichts nütze“, sagte sie. &amp;quot;Sobald sie Freizeit haben, spielen sie Karten und trinken Wein. Am Tage schlafen sie, und in der Nacht treiben sie ihr Unwesen. Das alles ist mir bekannt. Solange Phönixglanz draußen aufpasste, hatten sie noch ein wenig Angst; jetzt aber werden sie sich erst recht gehen lassen. Du bist ein verlässliches Kind. Dein Bruder und deine Schwestern sind noch klein, und ich habe keine Zeit. Nimm die Mühe ein paar Tage lang auf dich und führe die Aufsicht. Wenn etwas Unerwartetes geschieht, komm zu mir und berichte es. Warte nicht, bis die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; danach fragt und ich keine Antwort weiß. Wenn jemand etwas nicht recht macht, sag es ihm. Hört er nicht, dann komm zu mir. Auf keinen Fall darf etwas Schlimmes geschehen!“ Schatzspange hatte keine andere Wahl, als zuzustimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war bereits der Beginn des Frühlings. Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; litt wieder an ihrem Husten. Auch Xiangji&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; hatte sich eine Erkältung zugezogen und lag krank im Haselwurzpark darnieder; den ganzen Tag über nahm sie Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume wohnten in einiger Entfernung voneinander. Da sie nun gemeinsame Aufgaben hatten, war es nicht mehr wie in früheren Zeiten, als sie sich nur gegenseitig besuchten; auch für die Dienstboten, die Berichte zu erstatten hatten, war es umständlich. Daher hatten sich die beiden verständigt: Jeden Morgen wollten sie sich in der kleinen Halle mit drei Säulenzwischenräumen südlich des Gartentors treffen, um gemeinsam die Geschäfte zu führen. Dort nahmen sie auch ihr Frühstück ein und kehrten erst zur Mittagszeit in ihre Gemächer zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Halle war ursprünglich als Aufenthaltsraum für die diensthabenden Eunuchen während des kaiserlichen Elternbesuchs eingerichtet worden und war seither nicht mehr benutzt worden; nur nachts hielten dort ein paar alte Frauen Wache. Da es nun schon wärmer war, bedurfte es keiner großen Herrichtung; ein paar einfache Einrichtungsgegenstände genügten, und die beiden konnten dort ihren Dienst versehen. In der Halle hing eine Inschriftentafel mit den vier Zeichen „Die Menschlichkeit fördern, durch Tugend erziehen“, doch im Volksmund nannte man sie nur die &amp;quot;Beratungshalle“. Hier erschienen die beiden nun täglich um sechs Uhr morgens und gingen um die Mittagszeit. Während der ganzen Zeit riss der Strom der Verwalterinnen und Dienstfrauen nicht ab, die kamen, um Berichte zu erstatten und Anweisungen entgegenzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Bediensteten zunächst gehört hatten, dass Seidenweiß Pflaume den Haushalt allein führen werde, hatten sich alle insgeheim gefreut, denn Seidenweiß Pflaume stand im Ruf, gütig und großzügig zu sein und niemanden zu bestrafen — sie würde gewiss leichter zu täuschen sein als Phönixglanz. Auch als man dann von Erkundefrühlings Ernennung erfuhr, dachten alle, sie sei nur ein junges Mädchen, das seine Kammern noch nie verlassen habe, dazu friedfertig und zurückhaltend von Natur. Darum machten sie sich keine Gedanken und faulenzten noch viel mehr als zu Zeiten von Phönixglanz. Doch nach drei oder vier Tagen, als Erkundefrühling bereits einige Entscheidungen getroffen hatte, wurde ihnen allmählich klar, dass ihre Gründlichkeit der von Phönixglanz in nichts nachstand — nur dass ihre Sprache ruhiger und ihr Charakter ausgeglichener waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun wollte es der Zufall, dass sich tagelang hintereinander in über zehn Familien von Prinzen, Herzögen und Erbbeamten, mit denen die Kaufmann-Familie entweder verwandt oder befreundet war, Beförderungen, Degradierungen, Hochzeiten oder Todesfälle ereigneten, sodass Dame König mit Gratulationen und Kondolenzen, Empfängen und Abschiedsbesuchen mehr als genug beschäftigt war und sich um den Haushalt nicht kümmern konnte. So sassen nun Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume den ganzen Tag in der Halle. Schatzspange ihrerseits beaufsichtigte tagsüber die Räume von Dame König und kam erst heim, wenn jene zurückkehrte. Am Abend unterbrach sie ihre Nadelarbeit, um sich vor dem Zubettgehen in einer kleinen Sänfte, begleitet von den Nachtwächterinnen, durch den ganzen Garten tragen zu lassen und alles zu kontrollieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesem Dreigestirn ging es noch strenger zu als unter der alleinigen Herrschaft von Phönixglanz. Im Innen- wie im Außenbereich murrte das Gesinde heimlich: „Kaum sind wir den einen Wachteufel los, der auf dem Meer patrouillierte, bekommen wir gleich drei Jupitergötter, die die Berge behüten. Nicht einmal zum heimlichen Trinken und Spielen hat man nachts noch Zeit!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag war Dame König zu einem Festessen im Palast des Fürsten von Jinxiang eingeladen. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling hatten sich schon am frühen Morgen zurechtgemacht, Dame König beim Aufbruch assistiert und waren danach in die Halle gegangen. Sie hatten sich gerade hingesetzt und tranken Tee, als Wu Xindengs Frau hereinkam und meldete: &amp;quot;Zhao Guoji, der Bruder der Nebenfrau Zhao, ist gestern verstorben. Ich habe es gestern der gnädigen Frau gemeldet, und die gnädige Frau hat gesagt, sie wisse Bescheid, ich solle es dem gnädigen Fräulein und der jungen Herrin berichten.“ Damit ließ sie die Arme hängen, verharrte in dienstfertiger Haltung am Rand und sagte kein Wort mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser Zeit waren etliche Frauen anwesend, die Berichte zu erstatten hatten, und alle warteten gespannt darauf, wie die beiden entscheiden würden. Würde die Entscheidung angemessen ausfallen, würden alle Respekt empfinden. Würde es jedoch auch nur den geringsten Anlass zum Einwand geben, würden sie nicht nur keinen Respekt zeigen, sondern nach dem Verlassen des Innentors auch noch allerlei Witze darüber reißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu Xindengs Frau hatte natürlich ihre eigene Vorstellung davon, was zu tun war. Hätte Phönixglanz vor ihr gesessen, hätte sie längst ihren Eifer unter Beweis gestellt, mehrere Vorschläge gemacht und allerhand alte Präzedenzfälle herausgesucht, unter denen Phönixglanz hätte wählen können. Nun aber blickte sie auf Seidenweiß Pflaume herab, die ihr zu einfältig erschien, und auf Erkundefrühling ebenso, weil diese nur ein junges Fräulein war. Darum hatte sie absichtlich nur diesen einen Satz gesagt, um die beiden auf die Probe zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling fragte Frau Li. Seidenweiß Pflaume dachte einen Moment nach und sagte dann: „Als neulich Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xírén, &amp;quot;die Angreifende/der Dufthauch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Mutter starb, hat man, wie ich gehört habe, vierzig Liang Silber ausgezahlt. Dann lasst uns hier ebenfalls vierzig Liang geben, und damit basta.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu Xindengs Frau hörte das, sagte eilig „Jawohl!“, nahm die Anweisungsmarke entgegen und wollte gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Halt, komm zurück!“, befahl Erkundefrühling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notgedrungen kehrte Wu Xindengs Frau um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hol noch kein Silber“, fuhr Erkundefrühling fort. &amp;quot;Erst will ich dich etwas fragen: Bei den alten Nebenfrauen in den Gemächern der Herzoginmutter wurde stets unterschieden zwischen denen, die aus dem Haus stammten, und denen, die von draußen kamen. Wie viel wurde gegeben, wenn bei einer von hier jemand starb, und wie viel bei einer von draußen? Nenne mir ein paar Beispiele.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diese Frage hin wollte sich Wu Xindengs Frau plötzlich an nichts erinnern können und sagte eilfertig mit aufgesetztem Lächeln: „Das ist doch keine so wichtige Angelegenheit. Wer würde es wagen, über die Höhe zu streiten?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling lachte: &amp;quot;Das ist Unsinn! Nach mir ginge es, hundert Liang zu geben. Aber wenn ich mich nicht an die bestehenden Regeln halte, werden nicht nur die Leute über mich lachen — ich könnte auch der zweiten jungen Herrin künftig nicht mehr ins Gesicht sehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu Xindengs Frau sagte lächelnd: „Wenn dem so ist, werde ich die alten Rechnungsbücher nachschlagen. Im Augenblick kann ich mich nicht erinnern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling lachte: &amp;quot;Du führst seit Jahren diesen Dienst und kannst dich nicht erinnern, aber uns willst du in die Enge treiben? Sagst du etwa auch deiner zweiten jungen Herrin, du müsstest erst nachschlagen? Wenn das so wäre, dann wäre Phönixglanz ja gar nicht so streng, sondern geradezu nachsichtig! Also beeil dich und bring mir die Unterlagen, damit ich sie selbst ansehen kann. Wenn die Sache auch nur um einen Tag verzögert wird, dann heißt es nicht, ihr wäret nachlässig gewesen, sondern wir hätten keine eigene Meinung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu Xindengs Frau war über und über rot geworden. Hastig machte sie kehrt und ging hinaus. Die Verwalterinnen draußen reckten verblüfft die Zunge heraus. Inzwischen wurden andere Angelegenheiten vorgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf kam Wu Xindengs Frau mit den alten Rechnungsbüchern zurück. Erkundefrühling sah sie durch und fand: In zwei Fällen, in denen die Nebenfrau aus dem Haus stammte, waren jeweils zwanzig Liang gezahlt worden; in zwei Fällen, in denen sie von außerhalb kam, jeweils vierzig Liang. Daneben gab es noch zwei Zahlungen an Frauen von außerhalb — einmal hundert Liang und einmal sechzig Liang. Bei beiden war ein besonderer Grund vermerkt: Im einen Fall waren die sechzig Liang zusätzlich für die Überführung der Elternsärge in eine andere Provinz gewährt worden, im anderen die zwanzig Liang zusätzlich für den Kauf einer Grabstätte. Erkundefrühling reichte die Unterlagen an Seidenweiß Pflaume weiter, dann sagte sie: „Gebt ihm zwanzig Liang Silber. Die Bücher lasst hier, wir werden sie uns noch genauer ansehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu Xindengs Frau ging fort. Da kam plötzlich Nebenfrau Zhao herein. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling boten ihr eilig einen Platz an, doch kaum dass sie sich gesetzt hatte, brach sie schon los: &amp;quot;Alle Leute in diesem Haus trampeln auf meinem Kopf herum — das mag ja noch hingehen. Aber Ihr, Fräulein, solltet doch ein wenig nachdenken und mir zu meinem Recht verhelfen!“ Bei diesen Worten begann sie hemmungslos zu weinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich verstehe nicht, was Ihr meint, Tante“, erwiderte Erkundefrühling sofort. &amp;quot;Wer trampelt auf Euch herum? Sagt es mir, und ich werde Euch zu Eurem Recht verhelfen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao antwortete: „Ihr selbst seid es, die auf mir herumtrampelt! Bei wem soll ich mich also beschweren?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort sprang Erkundefrühling auf und sagte: &amp;quot;Ich würde so etwas niemals wagen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Seidenweiß Pflaume stand auf, um zu beschwichtigen. Nebenfrau Zhao aber fuhr fort: „Setzt Euch doch und hört mich an! Ich bin in diesem Haus alt geworden, habe mich mein ganzes Leben lang abgerackert, habe Euch und Euren Bruder zur Welt gebracht — und jetzt bin ich nicht einmal so viel wert wie Dufthauch! Was bleibt mir da noch an Ansehen? Nicht einmal Ihr habt noch ein Gesicht, von mir ganz zu schweigen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling lächelte: &amp;quot;So ist das also. Ich sage Euch: Ich bin nicht der Mensch, der gegen Recht und Vorschrift verstößt.“ Damit setzte sie sich wieder, nahm die Rechnungsbücher und blätterte sie Nebenfrau Zhao hin, las ihr daraus vor und sagte: „Das sind die alten Regelungen, die von den Ahnen auf uns gekommen sind. Jeder hält sich daran — soll ausgerechnet ich sie ändern? Das betrifft nicht nur Dufthauch. Wenn Huan einmal eine Nebenfrau von draußen nimmt, wird für sie selbstverständlich dasselbe gelten. Da gibt es nichts zu streiten, und von Gesichtsverlust kann keine Rede sein. Dufthauch ist eine Dienerin der gnädigen Frau, und ich handle nach den überlieferten Vorschriften. Wer sagt, es sei gut so, der genießt die Gnade der Ahnen und die Güte der gnädigen Frau. Wer es ungerecht findet, der ist dumm und weiß sein Glück nicht zu schätzen — soll er nur grollen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die gnädige Frau jemandem das ganze Haus schenkt, gewinne ich dadurch kein Ansehen, und wenn sie jemandem keinen einzigen Heller gibt, verliere ich auch keines. Wenn die gnädige Frau nicht zu Hause ist, tätet Ihr besser daran, Euch auszuruhen und Eure Kräfte zu schonen, anstatt Euch unnötig aufzuregen. Die gnädige Frau liebt mich von ganzem Herzen, doch weil Ihr, Tante, immer wieder Unruhe stiftet, war sie schon mehrmals bitter enttäuscht. Wäre ich doch nur ein Mann! Ich hätte längst das Haus verlassen, stünde auf eigenen Beinen und lebte nach meinen eigenen Grundsätzen. Aber weil ich ein Mädchen bin, steht es mir nicht zu, auch nur ein einziges unbedachtes Wort zu sagen. Das weiß die gnädige Frau ganz genau. Und eben weil sie mich schätzt, hat sie mich beauftragt, den Haushalt mit zu führen. Noch ehe ich auch nur eine einzige gute Tat vollbringen konnte, kommt Ihr und zieht mich in den Schmutz! Was, wenn die gnädige Frau davon erfährt und meint, die Sache sei mir zu unangenehm, und mir den Posten wieder abnimmt? Dann ist mein Ansehen wirklich dahin — und Eures genauso!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie sprach, liefen ihr unwillkürlich Tränen über das Gesicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nebenfrau Zhao wusste nichts Besseres zu erwidern als: &amp;quot;Wenn die gnädige Frau Euch so liebt, müsstet Ihr uns doch erst recht unter die Arme greifen. Aber Ihr denkt nur daran, Euch bei der gnädigen Frau einzuschmeicheln, und habt uns ganz vergessen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling entgegnete: „Wie habe ich Euch vergessen? Und wie soll ich Euch unter die Arme greifen? Fragt Euch doch selbst: Welche Herrschaft liebt nicht die Bediensteten, die tüchtig und nützlich sind? Und welcher aufrechte Mensch ist auf die Fürsprache anderer angewiesen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume versuchte von der Seite her unablässig zu beschwichtigen und sagte: &amp;quot;Seid nicht böse, Tante. Man darf es dem Fräulein nicht verübeln — sie ist ja im Herzen ganz darauf bedacht, Euch zu helfen, nur aussprechen kann sie es nicht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort protestierte Erkundefrühling: „Auch die Schwägerin redet nun Unsinn! Wen will ich denn unterstützen? In welcher Familie werden die Sklaven von den Fräulein des Hauses unterstützt? Ob es ihnen gut oder schlecht ergeht — das solltet Ihr wissen. Was hat das mit mir zu tun?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wütend sagte Nebenfrau Zhao: &amp;quot;Niemand verlangt von Euch, andere zu unterstützen! Wenn Ihr nicht den Haushalt führen würdet, wäre ich erst gar nicht zu Euch gekommen. Ihr habt doch jetzt das Sagen! Wenn Ihr mir für das Begräbnis Eures Onkels zwanzig oder dreißig Liang mehr gebt — meint Ihr wirklich, die gnädige Frau hätte etwas dagegen? Die gnädige Frau ist wahrhaftig eine gütige Herrin! Ihr seid es, die hartherzig und knauserig seid. Es ist Euch leid, dass die Güte der gnädigen Frau nicht zur Geltung kommt! Und es ist ja nicht Euer eigenes Silber! Ich hatte gehofft, wenn Ihr einmal verheiratet seid, würdet Ihr Euch um die Familie Zhao besonders gut kümmern. Aber Ihr habt vergessen, woher Ihr kommt, noch ehe Euch die Federn gewachsen sind, und wollt nur noch hoch hinaus!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ehe die letzten Worte verklungen waren, war Erkundefrühling vor Zorn bleich geworden und rang schluchzend nach Atem: „Wer ist mein Onkel? Mein Onkel ist zu Neujahr zum Oberbefehlshaber von neun Provinzen aufgestiegen — wo kommt auf einmal ein weiterer Onkel her? Ich habe mich stets respektvoll verhalten, wie es sich gehört, und zum Dank dafür wird mir nun solche Verwandtschaft angehängt! Wenn Zhao Guoji mein Onkel gewesen wäre — warum stand er dann jedes Mal auf, wenn Huan den Raum verließ? Warum begleitete er ihn zur Schule? Warum kehrte er da nicht den Onkel heraus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wozu muss das alles sein? Jeder weiß doch, dass ich von Euch, einer Nebenfrau, geboren bin. Warum müsst Ihr alle paar Monate einen Vorwand suchen, alles gründlich aufzurühren, als hättet Ihr Angst, irgend jemand könnte es vergessen haben, und deshalb müsstet Ihr es wieder und wieder herausschreien? Ein Glück nur, dass ich vernünftig genug bin! Wäre ich dumm und unverständig, hätte ich schon längst die Geduld verloren.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Seidenweiß Pflaume in ihrer Aufregung weiterzubeschwichtigen versuchte und Nebenfrau Zhao immer weiter palaverte, hörte man plötzlich jemanden melden: &amp;quot;Die zweite junge Herrin schickt Fräulein Friedchen mit einer Mitteilung.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt endlich hielt Nebenfrau Zhao den Mund. Im nächsten Augenblick trat Friedchen ein. Sofort setzte Nebenfrau Zhao ein Lächeln auf, bot Friedchen einen Sitz an und fragte eilfertig: „Geht es deiner Herrin schon etwas besser? Eben wollte ich sie besuchen, kam aber nicht dazu.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume sah Friedchen kommen und fragte: &amp;quot;Was führt dich her?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen erwiderte lächelnd: „Die junge gnädige Frau hat gesagt, da jetzt der Bruder von Nebenfrau Zhao verstorben ist, könnten die Herrin und das Fräulein vielleicht nicht über die alten Regelungen Bescheid wissen. Nach dem üblichen Brauch sind nur zwanzig Liang vorgesehen. Sie bittet das Fräulein, nach eigenem Ermessen etwas draufzulegen, wenn sie es für angemessen hält.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling hatte sich längst die Tränen abgewischt und erwiderte sogleich: &amp;quot;Warum ohne Grund etwas drauflegen? War der Verstorbene etwa ein Wunder, das nach vierundzwanzigmonatiger Schwangerschaft zur Welt kam? Oder war er ein Held, der im Krieg seinem Herrn das Leben rettete? Deine Herrin ist wirklich sonderbar — sie will, dass ich den Präzedenzfall schaffe, damit sie als die Wohltäterin dasteht. Mit dem Geld der gnädigen Frau lässt sich schön großzügig sein! Sag ihr: Ich wage es nicht, eigenmächtig etwas zu kürzen oder draufzulegen. Wenn sie etwas zulegen und Gnade walten lassen möchte, soll sie warten, bis sie genesen ist und wieder den Haushalt führt — dann mag sie zahlen, so viel sie will.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen hatte schon beim Eintreten die Lage halb durchschaut, und bei diesen Worten war ihr alles klar. Da Erkundefrühling noch immer zornig dreinblickte, wagte sie nicht, sich so ungezwungen zu verhalten wie sonst in fröhlichen Zeiten, und blieb still und dienstfertig an der Seite stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade kam auch Schatzspange aus den Räumen von Dame König herüber. Erkundefrühling und die anderen standen eilig auf und boten ihr einen Platz an. Noch bevor jemand etwas sagen konnte, kam wieder eine Verwalterfrau herein, um etwas zu berichten. Da Erkundefrühling soeben geweint hatte, brachten drei oder vier kleine Dienstmädchen eine Waschschüssel, Tücher, einen Handspiegel und Toilettenartikel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sass mit untergeschlagenen Beinen auf der niedrigen Ruhebank. Das Mädchen mit der Waschschüssel trat vor sie hin, kniete sich auf beide Knie nieder und hielt die Schüssel in die Höhe. Die beiden anderen Mädchen knieten ebenfalls nieder und reichten Tücher, Spiegel, Rouge und Puder dar. Da Dienstbuch nirgends zu sehen war, trat Friedchen eilig heran, krempelte Erkundefrühling die Ärmel hoch, streifte ihr die Armreife ab und breitete ein großes Handtuch über ihr Gewand, um es zu schützen. Erst dann streckte Erkundefrühling die Hände in die Schüssel und wusch sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da begann die Verwalterfrau ihren Bericht: „Junge gnädige Frau und gnädiges Fräulein, die Familienschule verlangt die diesjährigen Unkosten für den jungen Herrn Huan und den jungen Herrn Lan.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen ergriff als Erste das Wort: &amp;quot;Was soll die Eile? Siehst du denn nicht, dass sich das Fräulein gerade wäscht? Statt draußen zu warten, platzt du hier einfach herein! Würdest du dich vor der zweiten jungen Herrin auch so benehmen? Das Fräulein ist zwar nachsichtig, aber wenn ich drüben meiner Herrin berichte, dass ihr alle das Fräulein für nichts achtet, handelt ihr euch etwas ein. Dann macht mir aber keine Vorwürfe!“ Die Frau erschrak, setzte eilig ein Lächeln auf, entschuldigte sich — „Ich war unachtsam“ — und zog sich rasch nach draußen zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling war inzwischen beim Schminken und wandte sich mit einem kühlen Lächeln an Friedchen: &amp;quot;Du bist einen Schritt zu spät gekommen. Es gab noch etwas Lächerlicheres: Selbst eine so altgediente Frau wie Wu Xindengs Gattin erschien hier, ohne sich vorher Klarheit verschafft zu haben, und wollte uns an der Nase herumführen. Als wir sie dann befragten, hatte sie sogar noch die Stirn zu behaupten, sie könne sich an nichts erinnern. Wenn sie deiner Herrin etwas meldet und sagt, sie müsse erst nachschlagen — glaubst du, deine Herrin hätte die Geduld, darauf zu warten?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen erwiderte lächelnd: „Wenn so etwas auch nur ein einziges Mal vorgekommen wäre, hätte ihr meine Herrin gewiss schon längst die Sehnen aus den Beinen gerissen! Glaubt ihnen nichts, Fräulein. Die sehen, dass die Herrin hier ein gutherziger Bodhisattva ist und das Fräulein ein zartes junges Mädchen, und schon versuchen sie, es sich bequem zu machen und euch frech ins Gesicht zu lügen.“ Dann rief sie in Richtung Tür: &amp;quot;Treibt es nur weiter so! Wenn die junge Herrin wieder gesund ist, sprechen wir uns!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwalterinnen draußen erwiderten lächelnd: „Fräulein, Ihr seid doch ein verständiger Mensch! Wie das Sprichwort sagt: ›Jeder muss seine eigene Zeche zahlen.‹ Wir würden es niemals wagen, das Fräulein zu hintergehen. Das Fräulein ist so zart und vornehm — wenn wir es wahrhaft erzürnten, verdienten wir es, dass unsere Gebeine unbegraben vermodern.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Gut, dass ihr das wisst“, erwiderte Friedchen kühl. Dann wandte sie sich wieder lächelnd an Erkundefrühling: „Ihr wisst ja, Fräulein, wie viel die zweite junge Herrin zu tun hat. Da kann sie sich unmöglich um alles kümmern, und es ist nicht ausgeschlossen, dass manches übersehen worden ist. Wie man sagt: ›Der Zuschauer sieht klarer als der Spieler.‹ In den letzten Jahren habt Ihr mit kühlem Blick zugesehen — vielleicht ist Euch aufgefallen, wo Mittel hätten gekürzt oder aufgestockt werden sollen, ohne dass die zweite junge Herrin es getan hat. Wenn Ihr das jetzt tut, ist es erstens im Interesse der gnädigen Frau, und zweitens beweist Ihr damit die Freundschaft, die Ihr unserer jungen Herrin schon immer entgegengebracht habt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor sie den Satz beendet hatte, fielen Schatzspange und Seidenweiß Pflaume lachend ein: &amp;quot;Was für ein prächtiges Mädchen! Es ist wirklich kein Wunder, dass Phönixglanz ausgerechnet sie so gernhat! Du meinst also, wir sollten uns jetzt ein paar Dinge vornehmen, die bisher nicht erledigt worden sind? Da sollst du nicht enttäuscht werden!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Erkundefrühling lächelte: „Ich hatte einen Bauch voll Wut und keinen, an dem ich sie auslassen konnte. Schon hatte ich mir ihre Herrin dafür ausgesucht — da platzt sie herein und sagt diese Dinge, sodass ich gar nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht.“ Dann rief sie die Verwalterfrau von vorhin herein und fragte: &amp;quot;Wofür werden die Jahresgelder für den jungen Herrn Huan und den jungen Herrn Lan in der Familienschule verwendet?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau antwortete: „Jeder erhält acht Liang Silber im Jahr für den Imbiss in der Schule und für Schreibpinsel und Papier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte: &amp;quot;Für den Aufwand der jungen Herren bekommt jeder Haushalt ein Monatsgeld. Für Huan erhält Nebenfrau Zhao zwei Liang, für Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; erhält Dufthauch zwei Liang aus den Gemächern der Herzoginmutter, und für Lan bekommt sie die ältere junge Herrin. Warum werden dann noch einmal acht Liang pro Person an die Schule gezahlt? Gehen sie etwa nur wegen dieser acht Liang in die Schule? Ab sofort wird dieser Posten gestrichen! Friedchen, wenn du nach Hause kommst, bestelle deiner Herrin, was ich gesagt habe: Diese Zahlung muss unbedingt abgeschafft werden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen erwiderte lächelnd: „Sie hätte schon längst abgeschafft werden sollen. Gegen Jahresende hatte die junge Herrin sie streichen wollen, vergass es aber, weil um den Jahreswechsel so viel zu tun war.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwalterfrau sagte notgedrungen &amp;quot;Jawohl“ und ging. Darauf brachten Dienerinnen aus dem Garten der Großen Anschauung Speisekästen mit dem Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dienstbuch und Suyun hatten längst einen kleinen Esstisch hereingetragen, und Friedchen half eilfertig beim Auftragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling sagte lächelnd: „Wenn du alles gesagt hast, geh ruhig. Was machst du dich hier noch zu schaffen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen erwiderte lächelnd: &amp;quot;Ich habe weiter nichts zu tun. Die zweite junge Herrin hat mich zum einen hergeschickt, um die Mitteilung zu überbringen, zum anderen, weil sie meinte, hier sei zu wenig Personal — ich soll den Mädchen helfen, die junge Herrin und das Fräulein zu bedienen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling fragte: „Warum hat man das Essen für Fräulein Schatzspange nicht gleich mitgebracht, damit wir zusammen essen können?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatten die Dienstmädchen das gehört, liefen sie hinaus zu den Verwalterinnen im Säulengang und riefen: &amp;quot;Fräulein Schatzspange isst heute hier mit — lasst ihr Essen herbringen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Erkundefrühling das hörte, sagte sie laut und bestimmt: „Kommandiert nicht so sinnlos herum! Das sind alles Verwalterfrauen, die für wichtige Angelegenheiten zuständig sind. Ihr schickt sie los, Essen und Tee zu holen, ohne den Unterschied zwischen hoch und niedrig zu kennen! Friedchen steht hier — sie kann Bescheid sagen gehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen antwortete ohne Zögern &amp;quot;Jawohl“ und ging hinaus. Draußen fassten die Verwalterinnen sie sogleich am Arm, lächelten und flüsterten: „Fräulein, Ihr braucht nicht zu gehen. Wir haben bereits jemanden geschickt.“ Zugleich staubten sie mit ihren Taschentüchern eine Steinstufe ab und luden Friedchen ein: &amp;quot;Ihr steht nun schon so lange, Fräulein, setzt Euch doch ein wenig in den Schatten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen setzte sich. Zwei alte Frauen aus der Teeküche brachten ein Sitzkissen und legten es auf den Stein: „Der Stein ist kalt. Das Kissen ist ganz sauber — setzt Euch doch einen Moment darauf, Fräulein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen lächelte und dankte freundlich. Eine andere Frau brachte ihr eine Schale feinen, frischen Tee heraus und sagte leise und lächelnd: &amp;quot;Das ist nicht unser gewöhnlicher Tee, sondern der für die gnädigen Fräulein zubereitete. Erfrischt Euch ein wenig daran, Fräulein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen beugte sich eilig vor, um die Schale entgegenzunehmen, dann wies sie auf die Verwalterinnen und sagte leise: „Ihr treibt es wirklich zu weit. Sie ist ein Fräulein und tut sich weder wichtig, noch fährt sie aus der Haut — das ist ihre Würde. Aber ihr behandelt sie geringschätzig und tretet ihr zu nahe. Wenn ihr sie wirklich so weit treibt, dass sie in Zorn gerät — von ihr wird es nur heißen, sie sei ungehobelt gewesen, und damit ist es erledigt; ihr aber handelt euch etwas ein, was ihr nicht verkraften könnt. Wenn sie nur ein kleines Schmollen zeigt, muss selbst die gnädige Frau ihr nachgeben, und auch die zweite junge Herrin wagt nicht, etwas dagegen einzuwenden. Wenn ihr so frech seid, sie zu verachten, ist das nichts als ein Ei, das sich am Stein zerschlägt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sofort verteidigten sich die Frauen: &amp;quot;Wie hätten wir es gewagt, frech zu sein! Das alles ist nur Nebenfrau Zhaos Schuld.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen flüsterte weiter: „Lastt es gut sein, werte Damen! ›Wenn die Mauer einstürzt, schieben alle mit.‹ Nebenfrau Zhao handelt wirklich unüberlegt, aber immer wird alles ihr in die Schuhe geschoben. Meint ihr, ich hätte in all den Jahren nicht bemerkt, wie hochmütig und hinterhältig ihr seid? Wäre die zweite junge Herrin auch nur ein wenig angreifbarer, ihr hättet sie längst zu Fall gebracht. Und selbst so, wie es ist, lauert ihr auf jede Gelegenheit, um ihr Schwierigkeiten zu machen. Mehr als einmal wäre sie beinahe euren bösen Zungen zum Opfer gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Welt sagt, sie sei streng, und ihr hättet Angst vor ihr. Doch ich allein weiß, dass man wahrlich nicht sagen kann, sie hätte in ihrem Herzen nicht auch Angst vor euch. Neulich erst haben wir darüber gesprochen und festgestellt, dass hier nicht mehr alles im Lot ist und es mit Sicherheit noch ein paar hässliche Szenen geben wird. Das dritte Fräulein ist zwar noch ein Mädchen, und ihr seht sie alle scheel an. Aber unter all den Schwägerinnen der zweiten jungen Herrin ist sie die Einzige, vor der meine Herrin wirklich einigen Respekt hat. Und ausgerechnet sie nehmt ihr jetzt nicht ernst.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie das gesagt, erschien Herbstmuster im Hof. Die Verwalterinnen begrüßten sie eilig und sagten: &amp;quot;Ruht Euch ebenfalls ein wenig aus, Fräulein! Drinnen wird gerade gegessen. Wartet doch, bis der Tisch abgeräumt ist, bevor Ihr hineingeht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster sagte lächelnd: „Mich kann man nicht mit euch gleichsetzen. Warum sollte ich warten?“ Schon wollte sie schnurstracks in die Halle eintreten, als Friedchen rief: &amp;quot;Komm sofort zurück!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster drehte sich um, erblickte Friedchen und lachte: „Was machst du hier draußen — spielst du den Wachposten?“ Dann setzte sie sich neben Friedchen auf das Kissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Was willst du melden?“, fragte Friedchen leise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich wollte fragen, wann endlich das monatliche Silber für Schatzjade und unser Monatsgeld ausgezahlt werden“, antwortete Herbstmuster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Was für eine Wichtigkeit!“, meinte Friedchen. „Geh schnell zurück und sage Dufthauch, sie solle heute nichts melden lassen, gleich was es ist. Wenn sie eine Sache meldet, wird man ihr diese eine Sache abschlagen; meldet sie hundert, werden hundert abgeschlagen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Warum das?“, wollte Herbstmuster wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen und die Verwalterinnen erklärten ihr den Grund und fügten hinzu: „Man wartet geradezu darauf, dass jemand Gewichtiges mit etwas Wichtigem kommt, um ein Exempel zu statuieren und allen anderen eine Warnung zu erteilen. Wollt ausgerechnet ihr es sein, die es trifft? Wenn du jetzt hineingehst und sie das Exempel an euch statuieren will, stehen ihr die Herzoginmutter und die gnädige Frau im Weg. Lässt sie euch aber ungeschoren, dann heißt es, sie sei parteiisch — vor denen, die sich auf die Herzoginmutter und die gnädige Frau stützen können, habe sie Angst, nur an den Schwachen lasse sie alles aus. Glaub mir: Sie wird sogar der zweiten jungen Herrin ein paar Anordnungen aufheben, nur um den Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster ließ verblüfft die Zunge heraus, dann lachte sie: &amp;quot;Ein Glück, dass Schwester Friedchen hier war! Sonst hätte ich mir eine blutige Nase geholt. Ich sage lieber gleich drüben Bescheid!“ Damit stand sie auf und ging davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen wurde Schatzspanges Essen gebracht, und Friedchen ging wieder hinein, um bei Tisch aufzuwarten. Nebenfrau Zhao war mittlerweile gegangen. Die drei sassen auf der Holzbank und assen: Schatzspange in der Mitte mit dem Gesicht nach Süden, Erkundefrühling mit dem Gesicht nach Westen, Seidenweiß Pflaume mit dem Gesicht nach Osten. Alle Verwalterinnen standen draußen im Säulengang und warteten schweigend. Drinnen waren nur die engsten Vertrauten und ständigen Begleiterinnen der drei anwesend, um sie zu bedienen. Niemand sonst wagte hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen berieten sich die Verwalterinnen flüsternd: „Lastt uns lieber vernünftig sein und keine unlauteren Pläne schmieden. Selbst Frau Wu hat vorhin eine Abfuhr erhalten — welches Ansehen genießen wir denn erst?“ So tuschelten sie miteinander und warteten auf das Ende der Mahlzeit, um ihre Berichte erstatten zu können. Drinnen aber herrschte Totenstille; kein Schüsselklirren, kein Stäbchenklappern war zu vernehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann sah man, wie ein Dienstmädchen den Türvorhang hochhob und zwei andere den Tisch heraustrugen. In der Teeküche standen längst drei Mädchen mit Waschschüsseln bereit; als der Tisch herausgetragen war, trugen sie die Schüsseln hinein. Bald darauf kamen sie mit den Schüsseln und Mundspülschalen wieder heraus. Nun trugen Dienstbuch, Suyun und Oriole je ein Tablett mit einem Deckelschälchen Tee hinein. Als sie wieder herauskamen, befahl Dienstbuch den kleineren Mädchen: &amp;quot;Wartet drinnen ordentlich auf! Wenn wir vom Essen zurückkommen, lösen wir euch ab. Schleicht euch nicht wieder heimlich davon, um irgendwo herumzusitzen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst jetzt wagten sich die Verwalterinnen langsam, eine nach der anderen, wieder hinein und erstatteten der Rangfolge gemäß ihre Berichte. Dabei wagten sie nicht mehr, so geringschätzig und nachlässig zu sein wie zuvor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühlings Zorn war allmählich verraucht. Sie wandte sich an Friedchen und sagte: „Ich habe etwas Wichtiges auf dem Herzen, das ich schon lange mit deiner Herrin besprechen wollte. Heute fällt es mir glücklicherweise wieder ein. Iss schnell und komm dann wieder her. Fräulein Schatzspange ist auch hier — wir können zu viert darüber beraten und es dann deiner Herrin im Einzelnen vortragen, ob es sich verwirklichen lässt oder nicht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte &amp;quot;Jawohl“ und ging nach Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fragte, warum sie den ganzen Tag fortgewesen sei, und Friedchen erzählte ihr lächelnd alles von Anfang bis Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Gut, gut, gut! Ein gutes Mädchen, diese dritte Schwester! Ich habe immer gewusst, dass sie etwas taugt. Nur schade, dass ihr kein gutes Los beschieden ist — sie hätte aus dem Leib der gnädigen Frau zur Welt kommen sollen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte lächelnd: &amp;quot;Nun redet auch Ihr Unsinn, junge Herrin. Auch wenn nicht die gnädige Frau sie geboren hat — wer würde es wagen, sie geringer zu schätzen als die anderen Töchter des Hauses?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz seufzte: „Was weißt du schon! Obwohl die Kinder von Nebenfrauen dem Rang nach gleichgestellt sind, ist doch bei den Töchtern ein Unterschied, der sich bei der Verlobung zeigt. Heutzutage gibt es leichtfertige Menschen, die sich als Erstes erkundigen, ob ein Fräulein die Tochter der Hauptfrau oder einer Nebenfrau ist, und die eine Tochter der Nebenfrau zumeist verschmähen. Dabei weiß jeder, dass bei uns — ganz zu schweigen von den Töchtern der Nebenfrauen — selbst die Dienerinnen noch etwas Besseres sind als anderer Leute Fräulein. Wer weiß, welcher Pechvogel sein Glück verspielt, weil er zwischen Hauptfrau und Nebenfrau unterscheidet, und welcher Glückspilz Erkundefrühling einmal bekommt, weil er diesen Unterschied nicht macht!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann fuhr Phönixglanz, wieder lächelnd, fort und wandte sich an Friedchen: &amp;quot;Du weißt ja, wie viele Sparmassnahmen ich in den letzten Jahren ersonnen habe. Es gibt wohl niemanden in der ganzen Familie, der mich deswegen nicht insgeheim hasst. Nun sitze ich einmal auf dem Tiger und muss weiterreiten — auch wenn ich manches klarer sehe als zuvor, kann ich es mir nicht leisten, jetzt lockerzulassen. Zumal unsere Ausgaben groß sind und die Einnahmen gering. Alle wichtigen und unwichtigen Dinge richten sich nach den Grundsätzen der Ahnen, obwohl die Einnahmen aus den Gütern bei weitem nicht mehr so hoch sind wie früher. Spare ich aber zu sehr, lachen die Leute, die Herzoginmutter und die gnädige Frau fühlen sich gekränkt, und das Gesinde beklagt sich über Geiz. Wenn wir jedoch nicht bald einen Weg zum Sparen finden, ist in wenigen Jahren unser ganzer Besitz aufgebraucht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen bestätigte: „So ist es. Drei oder vier Fräulein, zwei oder drei junge Herren und die Herzoginmutter — für all das werden noch große Summen gebraucht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Das habe ich alles schon durchgerechnet; es wird wohl reichen. Wenn Schatzjade heiratet und Schwester Kajaljade einen Mann bekommt, brauchen wir dafür kein Geld aus der Familienkasse — die Herzoginmutter hat ihre eigenen Ersparnisse, die sie dafür aufwenden wird. Das zweite Fräulein Willkommensfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 迎春 Yíngchūn, „Willkommens-Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; gehört zum Haushalt des älteren Herrn und zählt daher nicht mit. Bleiben drei oder vier Fräulein. Rechnet man für jede höchstens zehntausend Liang, für die Hochzeit des jungen Herrn Huan höchstens dreitausend Liang — von irgendeiner Stelle lässt sich das schon einsparen. Wenn es mit der Herzoginmutter einmal so weit ist, ist das meiste schon vorbereitet; es bleiben nur Kleinigkeiten, die drei- bis fünftausend Liang kosten mögen. Wenn wir also jetzt noch etwas sparsamer leben, kommen wir aus. Ich fürchte nur, es könnten ein oder zwei unvorhergesehene Dinge dazwischenkommen — dann wären wir übel dran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber lassen wir die Zukunft. Iss jetzt erst einmal und hör dir dann an, was sie beraten wollen! Die Sache kommt mir gerade recht, denn ich mache mir Sorgen, dass ich keine geeignete Stütze habe. Schatzjade ist zwar da, aber er taugt nicht für solche Aufgaben; selbst wenn ich ihn fügig machte, hätte ich keinen Nutzen von ihm. Die ältere junge Herrin Seidenweiß Pflaume ist eine Heilige und würde mir auch nichts nützen. Das zweite Fräulein Willkommensfrühling erst recht nicht, und sie gehört überdies nicht zu unserem Haushalt. Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 惜春 Xīchūn, „Bedaure-den-Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist zu jung, der kleine Herr Lan noch jünger. Und der junge Herr Huan ist nichts als ein frierendes Kätzchen, das sich gern das Fell versengt, wenn es nur in den Ofen kriechen kann. Da sind wahrhaftig zwei Kinder aus dem Leib derselben Mutter geboren, und zwischen ihnen klafft ein himmelweiter Unterschied! Sooft ich daran denke, kann ich mich nicht damit abfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann haben wir noch Schwester Kajaljade und Fräulein Schatzspange. Beide wären nicht schlecht geeignet, aber ausgerechnet sie gehören zur Verwandtschaft und können deshalb nicht gut unseren Haushalt führen. Außerdem gleicht die eine einer gemalten Schönheit auf einer Papierlaterne — der erste Windstoß macht sie kaputt. Und die andere hat es sich zur Regel gemacht: ›Was mich nichts angeht, darüber rede ich nicht; wer mich fragt, dem schüttle ich dreimal den Kopf.‹ So kann man sich schlecht an sie wenden. Es bleibt einzig Erkundefrühling — bei der sind Herz und Mund am rechten Fleck. Außerdem gehört sie voll und ganz zu unserem Haushalt, und die gnädige Frau hat sie gern. Zwar macht sie immer ein gleichgültiges Gesicht, aber daran ist nur dieses alte Stück von einer Nebenfrau Zhao schuld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerlich gilt Erkundefrühling der gnädigen Frau genauso viel wie Schatzjade — ganz im Unterschied zum jungen Herrn Huan, der es einem wirklich schwer macht, ihn gernzuhaben; wenn es nach mir ginge, hätte ich ihn längst hinausgeworfen. Da sie nun solche Pläne hat, sollten wir uns zusammentun und einander unterstützen — dann bin ich nicht mehr auf mich allein gestellt. Vom Standpunkt der Allgemeinheit aus und nach allem, was Anstand und Gewissen verlangen, brauchen wir uns durch ihre Hilfe weniger das Hirn zu zermartern, und die Sache der gnädigen Frau hat einigen Nutzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von meinem eigenen, egoistischen Standpunkt aus ist es so, dass ich bisher wohl zu hart gewesen bin und deshalb in den Hintergrund treten und abwarten sollte. Setze ich den Leuten weiter so zu, treibe ich ihren Hass auf die Spitze, und hinter jedem Lächeln lauert dann ein Dolch. Wir beide zusammen haben nur vier Augen und zwei Köpfe — ein unachtsamer Augenblick, und wir sind verloren. Wenn in dieser heiklen Lage Erkundefrühling nach außen hin in Erscheinung tritt, wird der Hass, den die Leute gegen uns hegen, allmählich verfliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und noch etwas muss ich dir sagen: Sie ist zwar ein Mädchen, begreift aber alles und jedes — nur mit ihren Worten ist sie zurückhaltend. Und sie kann besser lesen und schreiben als ich, was sie noch tüchtiger macht. Nun heißt es im Sprichwort: ›Willst du die Bande fangen, fang zuerst den Anführer.‹ Wenn sie jetzt neue Maßstäbe setzen will, wird sie unweigerlich bei mir den Anfang machen. Wenn sie also eine meiner Anordnungen zurückweist, darfst du nicht widersprechen — du musst im Gegenteil umso demütiger sein und ihr recht geben. Auf gar keinen Fall darfst du dir Gedanken machen, ob mein Ansehen dadurch leidet. Wenn du auch nur ein einziges Wort gegen sie sagst, ist alles verdorben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen ließ sie gar nicht erst ausreden und sagte lächelnd: „Ihr haltet mich wirklich für zu dumm! Ich habe doch schon vorhin genau so gehandelt, und jetzt belehrt Ihr mich noch.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz erwiderte lächelnd: &amp;quot;Ich fürchtete nur, in deinem Herzen und deinen Augen sei nur für mich Platz und für sonst niemanden — darum musste ich es noch einmal sagen. Aber da du schon danach gehandelt hast, bist du offenbar klüger als ich. Vor lauter Eifer hast du mich allerdings schon wieder einfach geduzt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte: „Und ob ich ›du‹ sage! Wenn es dir nicht passt — hier sind meine Wangen. Schlag nur! Als ob sie noch nicht wüssten, wie sich das anfühlt!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: &amp;quot;Du kleine Frechheit! Wie oft willst du mir das noch vorhalten? Obwohl ich so krank bin, musst du mich noch ärgern. Komm, setz dich her! Da ohnehin niemand kommt, können wir auch zusammen essen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Augenblick traten Fenger und drei oder vier andere Dienstmädchen herein und stellten ein kleines Tischchen auf das Ofenbett. Phönixglanz ass nur Schwalbennester-Reisbrei mit zwei Schälchen feiner Beilagen; ihre übliche Tagesration hatte sie bereits abbestellt. Fenger stellte Friedchens vier Portionen Essen auf das Tischchen und füllte ihr Reis in die Schale. Friedchen kniete sich mit einem Bein auf das Ofenbett und blieb mit dem anderen auf dem Boden stehen. So leistete sie Phönixglanz beim Essen Gesellschaft. Nachdem sie ihr auch noch beim Mundspülen und Händewaschen geholfen hatte, ermahnte sie Fenger noch mit einigen Worten und machte sich dann wieder auf den Weg zu Erkundefrühling. Im Hof dort war es still, die Leute hatten sich zerstreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 54</title>
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&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_49|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;49&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_50|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;50&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_51|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;51&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_52|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;52&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_53|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;53&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;54&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_55|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;55&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_56|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;56&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_57|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;57&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_58|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;58&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_59|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;59&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第五十四回 / Kapitel 54 =&lt;br /&gt;
== 史太君破陈腐旧套 ==&lt;br /&gt;
=== 王熙凤效戏彩斑衣 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; entlarvt Geschichten als Lügen — Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; imitiert die Zungenakrobatik der Geschichtenerzählerinnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, „Jadekette Kaufmann&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; heimlich große Körbe voll Münzen hatten bereitstellen lassen. Als sie hörten, wie die Herzoginmutter „Belohnt ihn!&amp;quot; rief, befahlen auch sie ihren Dienern, eilends Münzen auf die Bühne zu streuen. Es klirrte und klimperte über die ganze Bühne, und die Herzoginmutter war hocherfreut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erhoben sich die beiden, und ein Diener reichte Kette Kaufmann rasch eine frisch gefüllte, warme Silberkanne. Er folgte Herrlichkeit Kaufmann ins Innere der Halle. Herrlichkeit Kaufmann trat zuerst an Tante Lis Tisch, verbeugte sich, nahm ihren Weinbecher, drehte sich um, und Kette Kaufmann schenkte sogleich ein. Danach traten sie an Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Tisch und schenkten auch ihr ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Damen erhoben sich lächelnd und sagten: „Bitte setzt Euch doch, ihr jungen Herren! Wozu diese Förmlichkeiten?&amp;quot; Daraufhin standen — mit Ausnahme von Dame Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Strafe&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; — alle Gäste von ihren Plätzen auf und traten in dienstfertiger Haltung zur Seite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann traten vor die Ruhebank der Herzoginmutter. Da die Bank niedrig war, knieten sie sich nieder: Herrlichkeit Kaufmann hielt vorne den Becher, Kette Kaufmann dahinter die Kanne. Obwohl nur die beiden den Wein einschenkten, waren auch Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Unheil Kaufmann/Kreis&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen jüngeren Männer in der vorgeschriebenen Rangfolge hinter ihnen eingetreten und knieten sich nun ebenfalls nieder, als sie die beiden knien sahen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; kniete eilig nieder. Xiangji&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; stieß ihn verstohlen an und flüsterte lächelnd: „Warum kniest du denn jetzt auch? Wenn schon, dann geh doch lieber selber eine Runde einschenken, das wäre doch viel besser!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade flüsterte lächelnd zurück: „Warte, gleich werde ich einschenken.&amp;quot; Erst als die beiden ihr Einschenken beendet hatten und sich erhoben, stand auch er wieder auf. Anschließend schenkten sie auch Dame Strafe und Dame König ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann fragte lächelnd: „Und wie steht es mit den Schwestern?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter und die anderen sagten: „Geht ihr nur! Dann fühlen sie sich weniger befangen.&amp;quot; Erst danach zogen sich Herrlichkeit Kaufmann und sein Gefolge zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war noch nicht die zweite Nachtwache, und auf der Bühne wurden gerade acht Akte aus dem Stück „Die Acht Pflichtgetreuen&amp;quot; [Anm.: Bayi ji] gegeben, darunter die „Laternenszene&amp;quot;. Mitten im lebhaftesten Treiben stand Schatzjade vom Tisch auf und wollte hinausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter rief: „Wohin willst du? Draußen fliegen die Feuerwerkskörper wild umher, pass auf, dass kein brennendes Papier auf dich herabfällt!&amp;quot; Schatzjade erwiderte: „Ich gehe nicht weit, nur kurz hinaus und komme gleich zurück.&amp;quot; Die Herzoginmutter befahl den alten Dienerinnen, gut auf ihn achtzugeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging Schatzjade hinaus, begleitet nur von Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Herbstmuster und einigen kleinen Dienstmädchen. Da bemerkte die Herzoginmutter: „Wo ist eigentlich Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xírén, &amp;quot;die Angreifende/der Dufthauch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;? Sie gibt sich neuerdings auch schon wichtig und schickt nur die kleinen Mädchen mit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König erhob sich eilig und erwiderte lächelnd: „Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, und da sie sich noch in der frischen Trauerzeit befindet, konnte sie nicht nach vorne kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hörte das und nickte, sagte dann aber lächelnd: „Wer seiner Herrschaft dient, der kann sich solche Trauerbräuche nicht leisten. Wenn sie immer noch mir diente, wäre sie dann jetzt etwa auch nicht hier? Weil wir zu nachgiebig gewesen sind und genügend andere zur Verfügung hatten, hat sich niemand darum gekümmert, und so ist es zur Gewohnheit geworden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz trat eilig lächelnd vor und sagte: „Selbst wenn sie keine Trauer hätte — heute Abend muss jemand den Garten bewachen. Laternen, Kerzen und Feuerwerkskörper sind höchst gefährlich. Sobald hier Theater gespielt wird, schleichen sich die Leute aus dem Garten herüber, um zuzugucken. Dufthauch ist gewissenhaft und kann überall nach dem Rechten sehen. Außerdem — wenn das Fest hier vorbei ist und Bruder Schatzjade nach Hause geht, soll alles bereitstehen: das Bettzeug vorgewärmt, Tee und heißes Wasser bereit. Wenn sie auch noch hier wäre, würde sich niemand darum kümmern, und er käme in ein kaltes Bett und fände nichts Rechtes vor. Deshalb habe ich ihr gesagt, sie brauche nicht zu kommen, sondern solle nur das Haus hüten. Wenn das Fest dann vorbei ist und alles bereit steht, brauchen wir uns hier keine Sorgen zu machen, und zugleich wahrt sie ihre Trauerform — ist das nicht dreifach vorteilhaft? Wenn die alte Ahne sie dennoch haben will, lasse ich sie sofort rufen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hörte das und sagte schnell: „Du hast ganz recht, du hast umsichtiger gedacht als ich. Ruft sie ja nicht! Aber wann ist ihre Mutter denn gestorben? Warum weiß ich nichts davon?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Neulich ist Dufthauch persönlich bei Euch gewesen und hat es Euch berichtet, alte Ahne. Habt Ihr es denn vergessen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter dachte nach und sagte dann lächelnd: „Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Mein Gedächtnis wird wirklich schlecht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen lachten alle und sagten: „Wie sollte sich die alte Ahne an so etwas erinnern!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter seufzte und sagte: „Wenn ich bedenke, wie sie mich von klein auf bedient hat, dann Xiangji bedient hat und schließlich diesem Teufel Schatzjade zugeteilt wurde, der sie nun all die Jahre geplagt hat — und dabei ist sie nicht einmal eine bei uns geborene Haussklavin und hat keine großen Gnadenerweise von uns empfangen. Als ihre Mutter starb, wollte ich ihr ein paar Liang Silber für die Beerdigung geben, und dann habe ich es vergessen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Vor einigen Tagen hat die gnädige Frau ihr vierzig Liang Silber geschenkt&amp;quot;, sagte Phönixglanz. „Das war ganz angemessen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter nickte: „Na, das geht gerade noch. Übrigens ist Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, &amp;quot;Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Mutter auch vor kurzem gestorben, aber da ihre Eltern beide im Süden leben, habe ich sie nicht nach Hause geschickt, um Trauer zu halten. Jetzt sollen die beiden einander Gesellschaft leisten.&amp;quot; Und sie befahl den alten Dienerinnen, Obst, Speisen und Naschwerk zu den beiden hinüberzubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hupo sagte lächelnd: „Da braucht Ihr nicht mehr zu warten — Mandarinenente ist schon längst bei ihr drüben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wandten sich alle wieder dem Wein und dem Theaterspiel zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen war Schatzjade geradewegs in den Garten gegangen. Als die alten Begleitfrauen sahen, dass er nach Hause ging, folgten sie ihm nicht weiter, sondern setzten sich in die Teeküche am Gartentor, um sich am Feuer zu wärmen, heimlich Wein zu trinken und mit den Teeköchinnen Karten zu spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade seinen Hof betrat, brannten zwar überall die Laternen hell, doch es war kein Menschenlaut zu hören. Moschusmond sagte: „Schlafen sie etwa schon? Schleichen wir uns leise hinein und erschrecken sie!&amp;quot; Also gingen alle auf Zehenspitzen und schlichen sich um die Spiegelwand. Da sahen sie, wie Dufthauch mit einer zweiten Person auf dem Ofenbett lehnte, einander gegenüber, während am anderen Ende zwei oder drei alte Ammen vor sich hin dösten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade glaubte, die beiden schliefen, und wollte gerade eintreten, als er plötzlich hörte, wie Mandarinenente seufzte und sagte: „Ja, man kann wirklich nie wissen, wie die Dinge sich fügen auf dieser Welt. Du bist ganz allein hier bei der Familie, deine Eltern sind draußen, und jedes Jahr sind sie bald im Osten, bald im Westen unterwegs, ohne festen Aufenthalt. Man hätte meinen sollen, du könntest sie nicht zu Grabe tragen. Und nun ist deine Mutter ausgerechnet hier gestorben, und du konntest ihr doch noch das letzte Geleit geben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch erwiderte: „Genau das habe ich auch nicht erwartet — dass ich beim Ableben meiner Eltern zugegen sein könnte. Die gnädige Frau hat mir sogar vierzig Liang Silber geschenkt. Damit zeigt sie immerhin, dass sie meine Aufzucht nicht vergessen hat. Ich sollte mir keine weitergehenden Wünsche erlauben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Schatzjade das hörte, drehte er sich rasch um und flüsterte Moschusmond und den anderen zu: „Wer hätte gedacht, dass auch sie hier ist! Wenn ich jetzt hineingehe, wird sie sich ärgern und gehen. Kommt, wir kehren lieber um und lassen die beiden in Ruhe miteinander reden. Dufthauch hat sich allein gegrämt, und Mandarinenentes Besuch kommt ihr gerade recht.&amp;quot; Damit schlichen sie leise wieder hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ging hinter einen Felsen, blieb stehen und schürzte seine Kleider auf. Moschusmond und Herbstmuster blieben stehen, wandten sich ab und sagten lächelnd: „Hock dich erst hin, bevor du die Hosen aufbindest, damit dir der Wind nicht auf den Bauch bläst!&amp;quot; Die beiden kleinen Dienstmädchen, die hinterherkamen, begriffen, dass es um ein kleines Geschäft ging, und eilten zur Teeküche voraus, um heißes Wasser vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sich Schatzjade umgedreht und war zurückgekommen, da begegneten ihnen zwei Dienerinnen. „Wer ist da?&amp;quot; fragten sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster sagte: „Schatzjade ist hier. Passt auf, dass ihr ihn nicht mit eurem Geschrei erschreckt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerinnen lachten sogleich und sagten: „Wir wussten es nicht! Am Feiertag richtet man noch ein Unglück an. Die Fräulein haben gewiss in diesen Tagen viel gearbeitet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit waren sie näher gekommen, und Moschusmond fragte: „Was tragt ihr da?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen antworteten: „Speisen, die die alte Ahne den Fräulein Jin und Hua zu essen schickt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster lachte: „Man spielt doch ‚Die Acht Pflichtgetreuen' und nicht ‚Die Zauberdose' [Anm.: Hunyuanhe] — woher kommt da plötzlich eine ‚Goldblumen-Göttin'?&amp;quot; [Anm.: Wortspiel mit den Namen Jin und Hua.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade befahl lächelnd: „Macht mal auf, ich möchte sehen, was drin ist!&amp;quot; Herbstmuster und Moschusmond traten schnell heran und hoben die Deckel der beiden Schachteln. Die Frauen duckten sich eilig nieder. Schatzjade sah, dass in beiden Schachteln auserlesene Früchte und Speisen von der Festtafel lagen, nickte kurz und ging weiter. Moschusmond und Herbstmuster warfen rasch die Deckel wieder drauf und folgten ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lächelnd: „Diese beiden Frauen sind nett und können mit Leuten umgehen. Sie selbst sind Tag für Tag auf den Beinen und sagen trotzdem, ihr hättet es in diesen Tagen schwer. Sie gehören nicht zu denen, die ständig nur sich selbst loben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond erwiderte: „Die Netten sind wirklich nett, aber die Ungehobelten sind auch wirklich ungehobelt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lachte: „Ihr seid kluge Mädchen. Habt Nachsicht mit denen, die plump und ungelenk sind, dann ist alles in Ordnung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei diesen Worten kamen sie am Gartentor an. Die alten Begleitfrauen hatten zwar Wein getrunken und Karten gespielt, aber zwischendurch immer wieder nach draußen geschaut. Als sie Schatzjade kommen sahen, schlossen sie sich ihm wieder an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Säulengang hinter der Gästehalle warteten bereits die beiden kleinen Dienstmädchen: Eine hielt ein Waschbecken in den Händen, die andere trug ein Handtuch und hatte ein Fläschchen mit wohlriechendem Öl dabei. Sie warteten schon geraume Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster steckte prüfend die Hand ins Becken und sagte: „Je älter du wirst, desto nachlässiger! Wo hast du dieses kalte Wasser her?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kleine Mädchen lachte: „Fräulein, schaut Euch doch das Wetter an! Aus Angst, das Wasser könnte kalt werden, habe ich es extra kochend heiß eingefüllt, und trotzdem ist es schon abgekühlt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade als sie das sagte, kam eine alte Dienerin mit einer Kanne voll kochendem Wasser vorbei. Das kleine Mädchen bat: „Liebe Oma, gießt mir doch bitte etwas heißes Wasser zu!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte erwiderte: „Junge Dame, das ist für den Tee der alten Ahne! Geh selber welches holen, das wird dir nicht die Füße abreißen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbstmuster fuhr sie an: „Ganz gleich, für wen es bestimmt ist — wenn Ihr es nicht hergebt, gieße ich kurzerhand den Tee der alten Ahne ins Waschbecken, damit er sich die Hände wäscht!&amp;quot; Die Alte drehte sich um, erkannte Herbstmuster und hob sofort die Kanne, um heißes Wasser einzugießen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Genug!&amp;quot; sagte Herbstmuster. „In Eurem Alter solltet Ihr es besser wissen. Jeder sieht doch, dass das Wasser für die alte Ahne ist — wer keinen Anspruch darauf hat, würde es auch nie verlangen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte lachte entschuldigend: „Mir flimmert es vor den Augen, ich hatte Euch nicht erkannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wusch sich die Hände. Das kleine Mädchen goss ihm etwas von dem Duftöl auf die Handfläche, und er rieb sich die Hände ein. Moschusmond und Herbstmuster nutzten ebenfalls das warme Wasser, wuschen sich die Hände und rieben sie ein. Dann folgten sie Schatzjade hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ließ sich eine Kanne warmen Wein geben und schenkte als erstes Tante Li und Tante Schnee ein. Beide baten ihn, sich zu setzen, doch die Herzoginmutter sagte: „Er ist noch klein, lasst ihn ruhig einschenken! Aber alle müssen ihren Becher leeren!&amp;quot; Mit diesen Worten trank sie ihren eigenen Becher leer. Dame Strafe und Dame König beeilten sich ebenfalls, ihre Becher zu leeren, und baten die beiden Damen, ihrem Beispiel zu folgen. Tante Schnee und Tante Li mussten wohl oder übel austrinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann befahl die Herzoginmutter Schatzjade: „Schenke jetzt auch allen deinen Schwestern ein, schön der Reihe nach! Aber achte darauf, dass jede ihren Becher leert.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jawohl!&amp;quot; sagte Schatzjade und schenkte allen der Rangfolge nach ein. Als er zu Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; kam, wollte sie gerade nicht trinken, nahm den Becher, führte ihn an Schatzjades Lippen, und Schatzjade trank ihn in einem Zug leer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Danke!&amp;quot; sagte Kajaljade lächelnd, und Schatzjade füllte ihren Becher wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz trat lächelnd heran und sagte: „Schatzjade, trink keinen kalten Wein! Sonst zittern dir morgen die Hände, und du kannst weder schreiben noch den Bogen spannen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eilig beteuerte Schatzjade: „Ich habe keinen kalten Wein getrunken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich weiß&amp;quot;, lachte Phönixglanz. „Ich wollte dich nur daran erinnern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Schatzjade im Inneren der Halle allen eingeschenkt hatte — nur Hibiskus Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, „Herrlichkeit Kaufmann/Hibiskus&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;' Frau wurde von den Dienstmädchen bedient —, ging er wieder hinaus in den Säulengang und schenkte auch Herrlichkeit Kaufmann und den anderen Männern ein. Er setzte sich eine Weile zu ihnen und kehrte dann auf seinen alten Platz zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf wurde Suppe serviert, und anschließend kamen die Yuanxiao [Anm.: gefüllte Klebreisbällchen, traditionelle Speise zum Laternenfest]. Die Herzoginmutter befahl, den kleinen Schauspielern eine Pause zu gönnen: „Die armen Kinder! Gebt ihnen erst heiße Suppe und warme Speisen, dann sollen sie weiterspielen.&amp;quot; Sie ließ ihnen auch Obst und Yuanxiao bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Spiel unterbrochen war, ließen die alten Dienerinnen zwei Geschichtenerzählerinnen herein, die regelmäßig ins Haus kamen. Man stellte ihnen zwei Hocker hin und reichte ihnen eine dreisaitige Laute und eine Pipa [Anm.: chin. Laute].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte Tante Li und Tante Schnee, was sie hören wollten, und beide antworteten: „Ganz gleich, alles ist uns recht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte die Erzählerinnen: „Habt ihr in letzter Zeit etwas Neues im Repertoire?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Frauen antworteten: „Ja, wir haben eine neue Geschichte aus der Zeit des Endes der Tang-Dynastie und der Fünf Dynastien.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie heißt sie?&amp;quot; fragte die Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„'Der Phönix wirbt um die Phönisin'&amp;quot;, lautete die Antwort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das klingt nicht schlecht&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter. „Was ist der Inhalt? Erzählt erst einmal ungefähr die Ausgangslage, und wenn sie mir gefällt, hören wir weiter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Erzählerinnen begann: „In dieser Geschichte lebte gegen Ende der Tang-Dynastie ein Beamter im Ruhestand, der aus Jinling stammte und König Zhong hieß. Unter zwei Kaisern hatte er als Kanzler gedient und sich dann zur Ruhe gesetzt. Er hatte nur einen einzigen Sohn, der hieß König Phönixglanz.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle brachen in Gelächter aus. Die Herzoginmutter lachte: „Da hat doch glatt einer denselben Namen wie unser Phönixglanz-Mädchen!&amp;quot; Eine Dienerin stieß die Erzählerin sogleich an: „Das ist der Name unserer zweiten jungen gnädigen Frau! Hüte deine Zunge!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Nur zu, erzähl weiter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählerin stand hastig auf und entschuldigte sich: „Wir haben den Tod verdient! Wir wussten nicht, dass es der Vorname der gnädigen Frau ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Wovor habt ihr Angst? Erzählt nur weiter! Gleiche Vor- und Nachnamen gibt es genug.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählerin fuhr fort: „In jenem Jahr schickte der alte Herr Wang seinen Sohn in die Hauptstadt zur Beamtenprüfung. Unterwegs geriet der junge Mann in einen heftigen Regen und fand Unterschlupf in einem Dorf. Dort wohnte ebenfalls ein Beamter im Ruhestand namens Li, ein alter Freund des Herrn Wang, der den jungen Mann aufnahm und ihm sein Bibliothekszimmer als Quartier überließ. Herr Li hatte keinen Sohn, nur eine einzige Tochter namens Chuluan — ‚Phönixküken' —, die in Zitherspiel, Schach, Kalligraphie und Malerei gleichermaßen bewandert war.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Da die Geschichte ‚Der Phönix wirbt um die Phönisin' heißt&amp;quot;, unterbrach die Herzoginmutter, „braucht ihr gar nicht weiter zu erzählen. Ich habe schon erraten: Natürlich will dieser König Phönixglanz das Fräulein Chuluan zur Frau nehmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählerin lachte: „Da hat die alte Ahne diese Geschichte wohl schon einmal gehört.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle sagten: „Was hat die alte Ahne nicht schon alles gehört! Und selbst wenn nicht — erraten kann sie es trotzdem.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Diese Geschichten folgen alle ein und demselben Schema. Immer geht es um ein ‚edles Fräulein' und einen ‚begabten Jüngling', und langweiliger kann es gar nicht sein. Da werden die Töchter aus guter Familie als so zügellos dargestellt und sollen dennoch ‚edle Fräulein' sein — das hat ja nicht die Spur von Wahrscheinlichkeit! Immer stammen sie aus einer Gelehrtenfamilie, und wenn der Vater nicht Minister ist, dann Kanzler. Sie haben eine Tochter, die sie wie einen Augapfel hüten, und diese Tochter ist in Literatur und Riten bewandert, weiß schlechthin alles und ist obendrein eine einmalige Schönheit. Aber kaum erblickt sie einen hübschen Mann — ob Verwandter oder Freund —, denkt sie sofort ans Heiraten, vergisst ihre Eltern, vergisst ihre Erziehung und benimmt sich weder wie ein Mensch noch wie ein Tier. Was ist daran ‚edel'? Selbst wenn sie noch so gebildet wäre — bei solchem Betragen verdient sie das Wort nicht. Würde ein gebildeter Mann zum Räuber werden, würde das Gesetz dann sagen: ‚Er ist ja so begabt, darum lassen wir ihn ungestraft'? Natürlich nicht! So stopfen sich die Verfasser dieser Geschichten selbst den Mund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem: Wenn es sich angeblich um die Tochter einer alten Beamtenfamilie handelt, in der alle lesen und schreiben können und die Riten beherrschen — sogar die Herrin des Hauses —, dann hat solch eine Familie natürlich genug Personal, Ammen und Dienstmädchen, die das Fräulein umgeben. Warum ist dann in diesen Geschichten, wenn so etwas passiert, das Fräulein immer nur mit einer einzigen Vertrauten allein? Denkt einmal nach! Wo sind denn all die anderen? Da passt vorne und hinten nichts zusammen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten und sagten: „Jetzt hat die alte Ahne alle diese Geschichten als Lügen entlarvt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fuhr lächelnd fort: „Die Sache hat ihre Gründe. Die einen, die sich solche Geschichten ausdenken, neiden den reichen Familien ihren Wohlstand, oder sie haben eine Bitte abgewiesen bekommen — darum erfinden sie solche Geschichten, um diese Familien zu beschmutzen. Andere wieder haben selbst zu viele solcher Geschichten gelesen und sind davon betört; auch sie wünschen sich ein ‚edles Fräulein' und schreiben darum selbst eine Geschichte, um sich daran zu ergötzen. Was verstehen solche Leute denn von den Sitten und Gebräuchen alter Beamtenfamilien! Von den großen Familien in den Geschichten gar nicht zu reden — nehmen wir nur eine mittelständische Familie wie die unsere: Selbst bei uns käme so etwas in Wirklichkeit nicht vor, geschweige denn bei den wirklich großen Häusern! Man sieht, dass alles frei erlogen ist. Darum haben wir bei uns nie erlaubt, dass solche Geschichten erzählt werden, und unsere Mädchen verstehen dieses Gerede auch gar nicht. In den letzten Jahren bin ich alt geworden, und die Mädchen wohnen weit von mir entfernt. Wenn mir einmal langweilig ist, lasse ich mir ein paar Sätze davon vortragen, aber sobald die Mädchen kommen, wird sofort aufgehört.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Li und Tante Schnee sagten beide lächelnd: „Das ist genau die rechte Regel für eine große Familie. Auch bei uns bekommen die Kinder solche zweifelhaften Geschichten nicht zu hören.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz trat mit dem Weinkrug heran und sagte lächelnd: „Schluss jetzt, Schluss! Der Wein wird kalt. Trinkt erst einen Schluck, alte Ahne, um Euch die Kehle anzufeuchten, und dann könnt Ihr weiter Lügen aufdecken! Diese heutige Folge sollte man ‚Die Geschichte von den entlarvten Lügen' nennen. Sie spielt in der heutigen Dynastie, an diesem Ort, in diesem Jahr, in diesem Monat, an diesem Tag, zu dieser Stunde. Doch mit einem Mund kann man nicht zwei Geschichten gleichzeitig erzählen — wie man sagt: ‚Blühen die Blumen an zwei Zweigen, erzähle man zunächst von einem.' Ob Wahrheit oder Lüge, das lassen wir einstweilen dahingestellt — wenden wir uns lieber den Leuten zu, die am Laternenglanz und am Theaterspiel ihre Freude haben! Wie wäre es, alte Ahne — lasst diese beiden Anverwandten erst noch einen Becher Wein trinken und zwei Theaterszenen ansehen, und dann könnt Ihr von den Lügen aller Zeiten weitererzählen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie einschenkte und lächelnd redete, hatten sich alle bereits vor Lachen ausgeschüttet, noch bevor sie fertig war. Auch die beiden Geschichtenerzählerinnen konnten sich nicht mehr halten und sagten: „Was für ein flinkes Mundwerk hat die gnädige Frau! Wenn Ihr Euch aufs Geschichtenerzählen verlegen würdet, könnten wir glatt verhungern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee mahnte lächelnd: „Sei nicht so ausgelassen! Draußen sitzt noch jemand, es ist nicht wie sonst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Draußen ist nur der junge Herr Juwel. Wir sind doch Vetter und Kusine und haben von klein auf zusammen Unfug getrieben, bis wir erwachsen waren! Seit ich verheiratet bin, habe ich mir eine ganze Menge Regeln auferlegt. Aber selbst wenn wir nicht von Kindheit an Geschwister wären und nur als Onkel und Nichte verbunden — in den ‚Vierundzwanzig Mustern kindlicher Pflichterfüllung' [Anm.: Ershisi xiao, ein konfuzianisches Grundwerk] gibt es doch die Geschichte vom ‚Herumtollen in bunten Kleidern' [Anm.: bānyi xìcǎi, Geschichte des alten Laolaizi, der sich als Kind verkleidete, um seine betagten Eltern zum Lachen zu bringen]. Wenn jene es nicht schaffen, herzukommen und die alte Ahne zum Lachen zu bringen, und ich mich hier mühsam abmühe, die alte Ahne zum Lachen zu bringen, damit sie ein bisschen mehr isst und alle sich freuen — dann sollten mir doch alle dankbar sein, statt mich auszulachen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Sie hat ganz recht. In den letzten beiden Tagen habe ich kein einziges Mal richtig herzhaft gelacht. Erst dank ihr habe ich mich eben einmal richtig sattgelacht und fühle mich gleich wohler. Ich will noch einen Becher trinken.&amp;quot; Sie trank von ihrem Wein und befahl Schatzjade: „Schenke deiner Schwester auch einen Becher ein!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Nicht nötig, ich nehme mir einfach ein Schlückchen von der Langlebigkeit der alten Ahne!&amp;quot; Damit ergriff sie den Becher der Herzoginmutter, trank den halben Rest aus und reichte den Becher einer Dienerin. Ein anderer, in warmem Wasser vorgehaltener Becher wurde heraufgereicht. Daraufhin wurden auch an allen anderen Tischen die gebrauchten Becher gegen vorgewärmte ausgetauscht und frischer Wein eingeschenkt. Dann kehrte alles auf seine Plätze zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichtenerzählerinnen fragten: „Wenn die alte Ahne unsere Geschichte nicht hören möchte — sollen wir vielleicht eine Melodie spielen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gut&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter. „Spielt mir zu zweit den ‚Befehl des Generals'!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden stimmten die Saiten und begannen zu spielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile fragte die Herzoginmutter: „Welche Nachtwache haben wir?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere alte Dienerinnen antworteten eilig: „Die dritte!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kein Wunder, dass mir so kalt geworden ist&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter. Sogleich brachten die Dienstmädchen zusätzliche Kleidungsstücke. Dame König stand auf und sagte lächelnd: „Wie wäre es, wenn Ihr Euch ins geheizte Hinterzimmer auf das Ofenbett setzt, alte Ahne? Diese beiden Anverwandten sind keine Fremden, wir begleiten Euch.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Wenn schon, dann gehen wir alle zusammen hinein. Da ist es doch auch warm.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich fürchte nur, es wird dort nicht genug Platz sein&amp;quot;, wandte Dame König ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich habe eine Idee&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter lächelnd. „Wir brauchen die vielen Tische nicht mehr. Stellen wir einfach zwei oder drei zusammen und setzen uns alle dicht beieinander — das ist gemütlicher und wärmer zugleich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ja, das wird lustig!&amp;quot; riefen alle und erhoben sich von ihren Plätzen. Die Dienerinnen räumten rasch die Reste ab, stellten im Innenraum drei große Tische in einer Reihe zusammen und deckten mit frischem Naschwerk und Speisen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jetzt wollen wir nicht so förmlich sein&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter. „Setzt euch, wie ich es sage.&amp;quot; Sie bat Tante Schnee und Tante Li, in der Mitte am Ehrenplatz Platz zu nehmen, setzte sich selbst mit dem Gesicht nach Westen und ließ Kostbarzither Schnee, Kajaljade und Xiangji sich dicht neben ihr platzieren. Zu Schatzjade sagte sie: „Du setzt dich neben deine Mutter!&amp;quot; So wurde er zwischen Dame Strafe und Dame König genommen. Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die anderen Mädchen saßen auf der Westseite. Am unteren Ende schlossen sich Frau Lou mit Jia Jun an, dann Dame Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Dame Sonders&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Orchidee Kaufmann zwischen sich. Am Stirnende ganz unten saß Herrlichkeit Kaufmanns Frau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann sagte die Herzoginmutter: „Juwel, geh mit deinen Brüdern nach Hause! Ich lege mich bald schlafen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und wollte mit allen zusammen noch einmal hereintreten. Die Herzoginmutter rief: „Geht nur, kommt nicht extra herein! Wir haben uns gerade erst hingesetzt, und alles steht schon wieder auf. Geh schlafen — morgen stehen noch große Dinge bevor!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und sagte noch lächelnd: „Darf Herrlichkeit hierbleiben und den Wein einschenken?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Richtig, an ihn hatte ich gar nicht gedacht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann sagte „Jawohl!&amp;quot; und führte Kette Kaufmann und die anderen hinaus. Die beiden waren natürlich erleichtert und froh. Sie ließen Jia Cong und Unheil Kaufmanng nach Hause bringen und luden einander ein, „Freude zu suchen und Lächeln zu kaufen&amp;quot; [Anm.: Euphemismus für einen Besuch im Vergnügungsviertel]. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drinnen sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Eben dachte ich noch, dass bei all dem Vergnügen kein einziges Ehepaar unter uns weilt — dabei hatte ich Herrlichkeit ganz vergessen. Nun ist es vollständig. Herrlichkeit, setz dich neben deine Frau, dann sind wir alle vereint und die Familie beisammen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Dienerin meldete, dass weitergespielt werden sollte. Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Gerade unterhalten wir uns so angeregt unter uns Frauen, da soll der Lärm wieder losgehen! Außerdem tun mir die Kinder leid, wenn sie so spät in der Nacht noch frieren müssen. Schickt sie zur Ruhe! Lasst stattdessen unsere eigenen Mädchen rufen — die sollen hier auf der Bühne zwei Szenen aufführen, und die kleine Truppe schaut zu.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerin bestätigte, ging hinaus und schickte sofort jemanden in den Garten der Großen Anschauung, um die Haustruppe zu holen, während am Innentor die Diener bereitstanden. Die Diener gingen zum Bühnengebäude und führten alle erwachsenen Mitglieder der Theatertruppe hinaus; nur die Kinder blieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurze Zeit später kam die Lehrmeisterin vom Birnendufthof mit Wenguan und den elf anderen Mädchen durch das Seitentor des Wandelgangs. Alte Dienerinnen trugen einige weiche Bündel hinterher — da keine Zeit gewesen war, die Kostümtruhen herbeizuschaffen, hatte man in aller Eile nur die Kostüme für die drei bis fünf Szenen eingepackt, von denen man wusste, dass die Herzoginmutter sie gerne sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alten Dienerinnen führten Wenguan und die anderen hinein. Nach der Begrüßung standen sie mit gesenkten Händen da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Nicht einmal in diesem großen Festmonat hat euch euer Meister freigelassen, damit ihr etwas spazieren gehen könnt! Was werdet ihr uns zeigen? Von den acht Akten der ‚Acht Pflichtgetreuen' tut mir jetzt noch der Kopf weh — spielt lieber etwas Ruhigeres! Seht her, die gnädige Frau Tante Schnee und die gnädige Frau Tante Li haben selbst Theatertruppen bei sich zu Hause und haben schon wer weiß wie viele gute Aufführungen gesehen. Auch die jungen Damen dort haben bessere Stücke und bessere Melodien gehört als unsere Mädchen. Und die kleine Truppe, die heute Abend aufgetreten ist, gehört einem berühmten Kenner — obwohl es Kinder sind, spielen sie besser als manche Erwachsenentruppe. Ihr dürft uns also nicht blamieren und müsst schon etwas Neues bieten! Fangguan soll die Szene ‚Auf den Spuren des Traums' [Anm.: Xunmeng, aus dem Mudanting/Pfingstrosenpavillon von Tang Xianzu] singen. Als Begleitung nur die Streichgeige und die Bambusflöte — Mundorgel und Querflöte werden nicht gebraucht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenguan sagte lächelnd: „Da habt Ihr recht. Unsere Aufführungen können natürlich den Augen der gnädigen Frauen und Fräulein nicht genügen. Sie sollen nur hören, wie wir mit dem Mund umgehen können und was unsere Kehlen hergeben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Genau das meinte ich&amp;quot;, bestätigte die Herzoginmutter lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Li und Tante Schnee sagten erfreut: „Was für ein kluges Kind! Es macht sich zusammen mit der alten Ahne über uns lustig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Bei uns wird das Theaterspielen nur als privates Vergnügen betrieben, und sie treten nicht auswärts für Geld auf, darum entsprechen die Aufführungen nicht ganz dem modernen Stil.&amp;quot; Dann fügte sie hinzu: „Kuiguan soll die Szene ‚Huiming überbringt den Brief' [Anm.: Huiming xiaoshu, aus dem Xixiangji/Westzimmer] vortragen, sie braucht sich auch nicht zu schminken. Diese beiden Szenen genügen, damit unsere Gäste etwas Ungewöhnliches hören. Aber wehe, sie sparen an Kraft — das dulde ich nicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenguan und die Mädchen gingen hinaus, kleideten sich rasch um und erschienen auf der Bühne. Zuerst gaben sie ‚Auf den Spuren des Traums', dann ‚Huiming überbringt den Brief'. Alle lauschten lautlos. Anschließend sagte Tante Schnee lächelnd: „Wirklich bewundernswert! Ich habe schon Hunderte von Theatertruppen erlebt, aber noch nie eine, die den Gesang nur mit der Bambusflöte begleitet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter erwiderte: „Das gibt es durchaus. In dem Stück ‚Westturm' [Anm.: Xilou ji], das wir vorhin gesehen haben, wird das Lied ‚Klarer Himmel am Chu-Fluss' [Anm.: Chujiang qing] oft mit einer Flöte vom Darsteller der Jünglingsrolle begleitet. Aber dass längere Passagen so begleitet werden, ist tatsächlich selten. Es hängt eben davon ab, ob die Herrschaft Geschmack hat oder nicht — etwas wirklich Außergewöhnliches ist das nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann deutete sie auf Xiangji und fuhr fort: „Als ich so alt war wie sie jetzt, hatte ihr Großvater eine kleine Theatertruppe, zu der eigens ein Zitherspieler gehörte. Szenen wie ‚Der Zither lauschen' aus dem ‚Westzimmer' [Anm.: Xixiangji], ‚Liebeswerben mit der Zither' aus dem ‚Jadehaarpfeil' [Anm.: Yuzan ji] und ‚Achtzehn Weisen zur Barbarenschalmei' aus der ‚Neuen Geschichte von der Laute' [Anm.: Xu Pipaji, Thema der Cai Wenji] klangen so echt, als wäre es Wirklichkeit. Was war das erst im Vergleich zu dem hier!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle sagten: „Das muss wirklich etwas ganz Besonderes gewesen sein!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter rief eine Dienerin herbei und trug ihr auf, Wenguan und ihren Mädchen zu sagen, sie sollten noch den ‚Laternenmond' [Anm.: Dengyue yuan] spielen. Die Dienerin ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterdessen schenkten Herrlichkeit Kaufmann und seine Frau allen eine Runde Wein ein. Phönixglanz, die bemerkt hatte, dass die Herzoginmutter bestens gelaunt war, schlug lächelnd vor: „Solange die Geschichtenerzählerinnen noch hier sind — wie wäre es, wenn sie die Trommel schlagen, wir einen Pflaumenzweig herumreichen und das Trinkspiel ‚Frühlingslaune steigt bis in die Brauen' spielen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Ein schönes Spiel! Es passt zur Jahreszeit und zur Stimmung.&amp;quot; Sofort ließ sie eine schwarzlackierte Trommel mit Messingnägeln bringen und den Geschichtenerzählerinnen übergeben. Von einem der Tische ließ sie einen Zweig roter Pflaumenblüten holen. „Wer den Zweig in der Hand hält, wenn die Trommel schweigt&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter, „trinkt einen Becher und muss auch etwas zum Besten geben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: „Mir scheint, wer hat schon solches Talent wie die alte Ahne, die alles kann, was verlangt wird? Wir anderen können nichts dergleichen, da wäre es doch langweilig. Wenn es sowohl Gebildete als auch Ungebildete erfreuen soll, ist es am besten, der Verlierer erzählt einen Witz!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle wussten, dass gerade Phönixglanz sich ausgezeichnet aufs Witzeerzählen verstand und stets einen unerschöpflichen Vorrat an frischen, komischen Geschichten parat hatte. Als sie das hörten, freuten sich nicht nur die Tischgäste, sondern auch sämtliche Dienstboten, ob alt oder jung. Die kleinen Dienstmädchen liefen sogar hinaus und riefen ihre Freundinnen herbei: „Kommt schnell, die zweite junge gnädige Frau erzählt wieder Witze!&amp;quot; Und bald war das Zimmer gedrängt voll von Dienstmädchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Musik verklungen und das Spiel auf der Bühne beendet war, ließ die Herzoginmutter Wenguan und den anderen Mädchen Suppen, Speisen und Obst bringen. Dann befahl sie, mit der Trommel zu beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichtenerzählerinnen waren geübt darin: Mal schlugen sie schnell, mal langsam — bald wie das letzte Tröpfeln einer Wasseruhr, bald wie das Prasseln ausgeschütteter Bohnen, bald wie das Galoppieren aufgeschreckter Pferde, bald wie ein Blitz, der aufzuckt und sogleich verlischt. War der Trommelschlag langsam, so wanderte auch der Pflaumenzweig langsam; war er schnell, so flog der Zweig von Hand zu Hand. Und ausgerechnet als der Zweig in der Hand der Herzoginmutter war, verstummte die Trommel. Alle lachten laut auf, und Herrlichkeit Kaufmann eilte herbei, um der Herzoginmutter einen Becher einzuschenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Natürlich kommt die alte Ahne als Erste in den Genuss&amp;quot;, sagten alle, „und durch Euer Glück fällt auch für uns etwas ab!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Der Wein macht mir nichts aus, aber mit dem Witz wird es schwierig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Witze der alten Ahne sind noch besser und zahlreicher als die von Phönixglanz! Schenkt uns doch einen, damit auch wir etwas zu lachen haben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Wirklich, ich kenne keinen neuen, der besonders komisch wäre. Aber ich muss wohl mein dickes Fell zusammennehmen und es versuchen.&amp;quot; Und sie erzählte: „Es war einmal eine Familie, die zehn Söhne großzog und zehn Schwiegertöchter ins Haus nahm. Doch nur die zehnte Schwiegertochter war klug und redegewandt, die Schwiegereltern hatten sie am liebsten und sagten den lieben langen Tag, die neun anderen seien nicht respektvoll genug. Die neun fühlten sich ungerecht behandelt und berieten miteinander: ‚Im Herzen sind wir den Schwiegereltern ergeben, aber wir haben nicht so ein flinkes Mundwerk wie die Kleine. Darum loben die alten Leute nur sie. Wem sollen wir unser Leid klagen?' Die älteste hatte einen Einfall und schlug vor: ‚Gehen wir morgen in den Tempel des Höllenkönigs und brennen dort Weihrauch ab! Dann fragen wir den Höllenkönig, warum er bei unserer Geburt nur der Kleinen ein so flinkes Mundwerk gegeben und uns alle dumm gemacht hat.' Die anderen fanden das gut, und am nächsten Tag gingen alle neun in den Tempel und brannten Weihrauch ab. Dann schliefen sie unter dem Opfertisch ein, und ihre neun Seelen warteten auf den Höllenkönig. Sie warteten und warteten, links warteten sie, rechts warteten sie, aber er kam nicht. Schon wurden sie ungeduldig, da erschien auf einer Wolke und mit einem Purzelbaum der Affenkönig Sun Wukong [Anm.: die berühmte Figur aus der ‚Reise nach Westen']. Als er die neun Seelen erblickte, hob er seine Goldarmreif-Eisenstange und wollte zuschlagen. Erschrocken warfen sich die neun auf die Knie und baten um Gnade. Sun Wukong fragte, was los sei, und die neun erzählten ihm alles haarklein. Sun Wukong stampfte mit dem Fuß auf, seufzte und sagte: ‚Gut, dass ihr mich getroffen habt! Selbst wenn der Höllenkönig gekommen wäre, hätte er euch den Grund nicht erklären können.' Die neun baten: ‚Erbarmt Euch, großer Heiliger, dann wird es uns besser gehen!' Sun Wukong lachte: ‚Das ist nicht weiter schwierig. An dem Tag, als ihr zehn Schwägerinnen ins Leben geschickt wurdet, war ich zufällig gerade beim Höllenkönig und habe auf den Boden gepinkelt, und eure kleine Schwägerin hat davon geleckt. Wenn ihr auch so redegewandt sein wollt — zu pinkeln habe ich genug. Ich pinkle noch einmal, und ihr leckt es auf, dann ist alles in Ordnung!'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hatte die Herzoginmutter ihre Geschichte beendet, und alle brachen in schallendes Gelächter aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Zum Glück haben wir alle ein dummes Mundwerk — sonst hätten wir wohl auch Affenurin geleckt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders und Frau Lou deuteten lachend auf Frau Li und sagten: „Wer von uns hier hat wohl Affenurin geleckt? Die soll nicht so tun, als ginge sie das nichts an!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee meinte lächelnd: „Bei einem Witz kommt es nicht darauf an, ob er gut oder schlecht ist — wenn er nur treffend ist, muss man lachen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit setzte das Trommeln wieder ein. Die kleinen Dienstmädchen aber wollten unbedingt einen von Phönixglanz' Witzen hören und hatten sich heimlich mit den Geschichtenerzählerinnen verabredet: Auf ein Husten hin sollte die Trommel verstummen. Bald machte der Zweig zweimal die Runde, und gerade als er in Phönixglanz' Hand lag, husteten die kleinen Mädchen absichtlich, und die Trommel schwieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erwischt!&amp;quot; riefen alle fröhlich. „Trink schnell deinen Wein und erzähl etwas Gutes, aber mach uns nicht so sehr zum Lachen, dass uns der Bauch wehtut!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz dachte einen Moment nach und sagte dann lächelnd: „Es war einmal eine Familie, die feierte auch das Laternenfest am fünfzehnten des ersten Monats. Die ganze Familie vergnügte sich am Laternenglanz und trank Wein dazu, und es ging wahrhaft hoch her. Die Urgroßmutter, die Großmutter, die Schwiegermutter, die Schwiegertochter, die Frau des Enkels, die Frau des Urenkels, die eigentlichen Enkel, die Neffen-Enkel, die Urenkel, die Stief-Urenkel, die Klecker-und-Klapper-Enkel, die Enkeltöchter, die äußeren Enkeltöchter, die Cousinen-Enkeltöchter mütterlicherseits, die Cousinen-Enkeltöchter väterlicherseits ... ach je, ach je, es war wirklich hoch her!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch bevor sie fertig war, lachten alle schon und sagten: „Hört nur, wie sie plappert! Wen will sie wohl wieder hochnehmen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders sagte lächelnd: „Wenn du mich meinst, zerreiße ich dir den Mund!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz stand auf, schlug die Hände zusammen und sagte lachend: „Man gibt sich solche Mühe, etwas zu erzählen, und ihr redet dazwischen! Dann erzähle ich eben nichts mehr!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Erzähl nur weiter! Wie ging es weiter?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz dachte nach und sagte dann lächelnd: „Weiter? Sie saßen alle beisammen, tranken die ganze Nacht Wein und gingen dann wieder auseinander.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hatte sie mit ernster Miene und unbewegtem Gesicht gesagt, dann schwieg sie. Alle starrten sie verblüfft an und warteten auf die Fortsetzung. Die Geschichte kam ihnen öde und fad vor. Xiangji schaute sie lange an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich erzähle euch noch einen vom Laternenfest! Ein paar Leute trugen einen Böller, so groß wie ein Haus, vor die Stadt hinaus, um ihn dort abzubrennen. Mehr als zehntausend Menschen folgten ihnen, um zuzusehen. Einer davon war so ungeduldig, dass er es nicht abwarten konnte, und zündete heimlich mit einer Räucherkerze die Lunte an. ‚Pfffft!' machte es — alle lachten laut und liefen auseinander. Die Leute, die den Böller getragen hatten, schimpften auf den Verkäufer, er habe den Böller nicht fest genug gestopft, denn er sei ja schon zerfallen, bevor sie ihn überhaupt abgebrannt hätten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji fragte: „Hat er denn den Knall nicht gehört?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Aber nein — er war ja taub.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte einen Moment, bis sich alle die Sache vergegenwärtigt hatten, dann brachen sie in schallendes Gelächter aus. Und weil sie den ersten Witz ohne Schluss nicht vergessen hatten, fragten sie: „Und wie ging die erste Geschichte weiter? Du musst sie zu Ende erzählen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz schlug auf den Tisch und sagte: „Was seid ihr umständlich! Am nächsten Tag war der Sechzehnte — das Fest war vorbei, das neue Jahr war vorbei. Ich schaue gerade zu, wie die Leute alles aufräumen, und komme selbst nicht mehr nach — woher soll ich da wissen, wie es weitergeht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten von neuem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: „Draußen ist es schon vier Uhr. Mir scheint, die alte Ahne ist müde. Wir sollten es auch halten wie ‚die tauben Männer mit dem Böller — und auseinandergehen'!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders und die anderen pressten ihre Taschentücher vor den Mund und bogen sich vor und zurück vor Lachen. Mit dem Finger auf Phönixglanz deutend, sagten sie: „Dieses Ding hat wirklich ein loses Mundwerk!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Unser Phönixglanz-Mädchen wird wirklich immer schlimmer!&amp;quot; Dann sagte sie: „Aber da sie nun einmal das Feuerwerk erwähnt hat — lasst uns tatsächlich jetzt welches abbrennen, dann werden wir wieder nüchtern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte Herrlichkeit Kaufmann das gehört, eilte er hinaus und baute mit den Dienern im Hof die Feuerwerksgestelle auf. All diese Feuerwerkskörper waren Tributgeschenke aus verschiedenen Landesteilen. Sie waren zwar nicht groß, aber äußerst kunstvoll gefertigt, mit allerlei Motiven verziert und mit bunten Knallkörpern durchmischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade, von Natur aus zart besaitet, konnte das Krachen nicht ertragen, und die Herzoginmutter nahm sie in ihre Arme. Tante Schnee schloss Xiangji in die Arme, die aber lachend sagte: „Ich fürchte mich nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange und die anderen lachten: „Sie brennt am liebsten selber die größten Böller ab — warum sollte sie sich vor so etwas fürchten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König nahm Schatzjade an ihre Brust. Phönixglanz klagte lächelnd: „Und mich hat keiner lieb!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders lachte: „Ich bin doch da! Ich nehme dich in den Arm. Schämst du dich nicht, Kind! Kaum hörst du, dass Feuerwerk abgebrannt wird, benimmst du dich, als hättest du Bienenhonig gegessen [Anm.: wörtl. ‚Bienendreck'; Redensart für übermütige Ausgelassenheit], und wirst wieder übermütig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte: „Wartet nur, bis wir hier fertig sind! Dann werde ich im Garten selber Feuerwerk abbrennen — ich mache das noch besser als die Jungen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, wurde draußen eine Rakete nach der anderen gezündet: „Ein Himmel voller Sterne&amp;quot;, „Neun Drachen steigen in die Wolken&amp;quot;, „Ein Donnerschlag&amp;quot;, „Zehnfaches Krachen im Flug&amp;quot; und viele andere Arten von kleinen Knallkörpern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend erhielt die kleine Schauspielertruppe den Befehl, den „Lotosblütenfall&amp;quot; [Anm.: Lianhuala, eine Gattung volkstümlicher Darbietung mit Gesang und Tanz] vorzuführen, und eine Menge Kupfermünzen wurde auf die Bühne gestreut, damit sich die Kinder darum balgten — zur allgemeinen Belustigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als dann wieder Suppe aufgetragen wurde, sagte die Herzoginmutter: „So lang, wie die Nacht ist, bekomme ich langsam Hunger.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz berichtete sogleich: „Es steht Reissuppe mit Entenfleisch bereit.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich hätte lieber etwas Leichteres&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte eilig: „Wir haben auch Reisbrei mit Jujuben, der für die gnädigen Frauen als Fastenspeise vorbereitet wurde.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter wandte ein: „Entweder fettig oder süß.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz bot weiter an: „Dann wäre noch Mandelmilchtee — aber der ist wohl auch zu süß.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nein, der geht gerade noch&amp;quot;, sagte die Herzoginmutter. Sogleich wurden die Reste abgeräumt und draußen verschiedene feine kleine Schüsseln aufgetragen. Jeder aß davon nach Lust und Laune. Nachdem man sich mit Tee den Mund gespült hatte, ging man auseinander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Morgen des Siebzehnten begab man sich noch einmal ins Stillfriede-Anwesen, vollzog die letzten Riten, half den Ahnentempel zu verschließen und die Ahnenporträts abzunehmen und zu verwahren. Dann kehrte man zurück. An diesem Tag lud Tante Schnee zum Neujahrsmahl ein. Am Achtzehnten folgte Lai Da, am Neunzehnten Lai Sheng aus dem Stillfriede-Anwesen, am Zwanzigsten Lin Zhixiao, am Einundzwanzigsten Shan Daliang und am Zweiundzwanzigsten Wu Xindeng.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei manchen dieser Feiern war die Herzoginmutter dabei, bei manchen nicht. Manchmal blieb sie, bis die anderen Gäste gingen, manchmal kehrte sie nach einem halben Tag oder gar nach einer Stunde schon zurück. An den Feiern, zu denen Verwandte und Freunde einluden oder erschienen, nahm die Herzoginmutter nie teil, weil sie die steife Atmosphäre nicht mochte; das überließ sie Dame Strafe, Dame König und Phönixglanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Schatzjade besuchte einzig das Fest bei König Ziteng; bei allen anderen behauptete er, die Herzoginmutter habe ihn bei sich behalten, um ihr Gesellschaft zu leisten. So folgte die Herzoginmutter mit Vergnügen nur den Einladungen von Hausangehörigen, wo sie sich ungezwungen geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch genug der müßigen Worte. Das Laternenfest war vorüber —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 53</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_48|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;48&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_49|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;49&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_50|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;50&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_51|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;51&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_52|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;52&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;53&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_54|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;54&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_55|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;55&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_56|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;56&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_57|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;57&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_58|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;58&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第五十三回庄头乌进孝送到贾府的年货清单中就有“御田胭脂米二担”。​ / Kapitel 53 =&lt;br /&gt;
== 灰条菜——学名“藿(diào吊)”或“灰藿”。是一种野菜。《左传·昭公十六年》已有记载：“斩之蓬蒿藜藿，而共处之。”清·汪灏等编《广群芳谱·蔬谱·灰藿》更有详细记载：“灰藿，一名灰涤菜，一名金锁天，今讹为灰条菜，处处原野有之，四月生苗，茎有紫红线，棱叶，尖有刻缺，面青啃白，茎心嫩叶，皆有细白如沙，为蔬亦佳。”也可晾晒为干菜储存，水发后即可食用。​ ==&lt;br /&gt;
=== 一斗珠儿羊皮──指胎里羊皮。因胎里羊皮卷毛如粒粒珠子，故称。亦称“一斛珠”、“珍珠毛”。​ ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Stillfriede-Anwesen feiert man das Neujahrs-Opfer im Ahnentempel — Im Prunkwille-Anwesen erfreut man sich am Laternenfest mit einem Familienfest&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; sah, wie Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 晴雯 Qíngwén, „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach dem Ausbessern des Pfauenfedermantels völlig erschöpft und entkräftet war. Eilig ließ er die kleineren Dienstmädchen kommen, um sie zu massieren. Nachdem sie einander eine Weile geklopft und massiert hatten, legten sich alle wieder hin. Noch war keine Mahlzeit vergangen, da war es bereits heller Tag. Schatzjade ging nicht aus dem Haus und ließ sogleich nach dem Arzt schicken. Bald darauf kam Arzt König. Nachdem er den Puls gefühlt hatte, sagte er stirnrunzelnd: „Gestern hatte sich ihr Zustand schon gebessert, warum ist der Puls heute so schwach und flatternd geworden? Hat sie vielleicht zu viel gegessen? Oder sich geistig überanstrengt? Die äußere Erkältung ist zwar abgeklungen, aber wenn man nach dem Schwitzen die Pflege vernachlässigt, ist das keine Kleinigkeit.&amp;quot; Während er so sprach, ging er hinaus, schrieb ein neues Rezept und kam damit zurück. Als Schatzjade es ansah, bemerkte er, dass die zerstreuenden und austreibenden Arzneien gestrichen und stattdessen Poria [Anm.: ein Heilpilz, chin. fuling], Rehmannia [Anm.: chin. dihuang], Angelikawurzel [Anm.: chin. danggui] und andere blutaufbauende und geistkräftigende Mittel hinzugefügt worden waren. Eilig ließ Schatzjade die Medizin abkochen und seufzte dabei: „Was soll nur werden! Wenn ihr etwas zustößt, dann trage ich allein die Schuld.&amp;quot; Heitermuster hustete auf ihrem Kissen und rief: „Ach, mein guter Herr! Geht nur Eurer Wege! Ich werde schon nicht an der Schwindsucht sterben.&amp;quot; Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu gehen. Am Nachmittag kehrte er schon zurück mit der Begründung, er fühle sich unwohl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermusters Krankheit war zwar schwer, doch zum Glück war sie von Natur aus jemand, der den Körper und nicht den Geist strapazierte. Auch pflegte sie stets mäßig zu essen und zu trinken, ohne sich je den Magen zu verderben. Im Hause Kaufmann herrschte der Brauch, dass jedermann, ob hoch oder niedrig, bei der geringsten Erkältung oder dem leisesten Husten zuallererst streng fastete und erst danach mit Medizin behandelt und gepflegt wurde. So hatte Heitermuster gleich zu Beginn ihrer Krankheit zwei oder drei Tage gehungert und dabei gewissenhaft ihre Arznei genommen. Nachdem sie sich nun überanstrengt hatte, pflegte man sie erst recht besonders sorgfältig, und allmählich ging es ihr wieder besser. Da in jüngster Zeit alle Schwestern im Garten einzeln in ihren Räumen aßen und das Kochen dadurch leichter zu bewerkstelligen war, konnte Schatzjade nach Belieben Suppen und Brühen bestellen. Davon braucht nicht im Einzelnen berichtet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xírén, „die Angreifende/der Dufthauch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; von der Beerdigung ihrer Mutter zurückgekehrt war, hatte Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihr bereits alles erzählt, was Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; über die Amme Song und Zhuier berichtet hatte und wie Heitermuster Zhuier hinausgeworfen hatte. Schatzjade hatte sie ebenfalls darüber unterrichtet. Dufthauch bemerkte nur, das sei ein wenig vorschnell gewesen. Da inzwischen auch Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; an einer Erkältung litt, Dame Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Strafe&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; an einer Augenentzündung erkrankt war und Willkommensfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 迎春 Yíngchūn, „Willkommens-Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; mit Xiuyan täglich zu ihr ging, um sie morgens und abends mit Medizin zu versorgen, da ferner Tante Lis jüngerer Bruder Tante Li mitsamt Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume zu einem mehrtägigen Besuch abgeholt hatte und da Schatzjade obendrein sah, wie Dufthauch immer noch um ihre Mutter trauerte und Heitermuster noch nicht ganz genesen war — aus all diesen Gründen fand sich niemand, der den Dichterklub am festgesetzten Tag hätte einberufen wollen, und so fielen mehrere Treffen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war inzwischen der zwölfte Monat geworden, das Jahresende rückte näher, und Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; traf gemeinsam mit Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Vorbereitungen für das Neujahrsfest. König Ziteng wurde zum Oberbefehlshaber der Garnisonen von neun Provinzen befördert, und Jia Regendorf erhielt den Posten des Kriegsministers und wirkte fortan als Berater in Militärangelegenheiten und Staatsgeschäften mit. Aber davon braucht nicht weiter die Rede zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drüben im Stillfriede-Anwesen ließ Herrlichkeit Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; den Ahnentempel öffnen und ausräumen, die Opfergeräte herrichten und die Ahnentafeln aufstellen. Auch die Haupthalle ließ er reinigen, damit dort die Ahnenporträts aufgehängt werden konnten. Im ganzen Rong-guo- und Stillfriede-Anwesen, innen wie außen, oben wie unten, herrschte geschäftiges Treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag war Dame Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Dame Sonders&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Stillfriede-Anwesen gerade aufgestanden und mit Hibiskus Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, „Herrlichkeit Kaufmann/Hibiskus&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;' Frau dabei, Nadelarbeiten und Geschenke für die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammenzustellen, als ein Dienstmädchen ein Tablett mit kleinen Goldbarren hereinbrachte und meldete: „Xinger lässt ausrichten, gnädige Frau: Das Paket Bruchgold enthielt einhundertdreiundfünfzig Liang, sechs Qian und sieben Fen. Der Feingehalt war unterschiedlich. Insgesamt wurden daraus zweihundertundzwanzig Barren gegossen.&amp;quot; Damit reichte sie das Tablett hinauf. Dame Sonders betrachtete die Barren: Manche hatten die Form von Pflaumenblüten, andere die von Zieräpfeln, wieder andere glichen kleinen Glückwunschzeptern, und einige trugen das Muster der Acht Kostbarkeiten im Frühling. Dame Sonders befahl: „Verwahrt diese und sagt ihm, er solle die Silberbarren rasch bringen!&amp;quot; Das Dienstmädchen bestätigte und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf kam Herrlichkeit Kaufmann zum Essen herein, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau zog sich zurück. Herrlichkeit Kaufmann fragte Dame Sonders: „Ist die kaiserliche Spende für unser Neujahrsopfer schon abgeholt worden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Heute habe ich Herrlichkeit geschickt, sie zu holen&amp;quot;, erwiderte Dame Sonders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nicht dass unsere Familie auf die paar Liang Silber angewiesen wäre&amp;quot;, sagte Herrlichkeit Kaufmann, „aber es ist immerhin die Gnade des Kaisers. Sobald es abgeholt ist, zeigen wir es drüben der Herzoginmutter und kaufen dafür Opfergaben für die Ahnen. Von oben empfangen wir die kaiserliche Gnade, von unten danken wir dem Segen der Vorfahren. Selbst wenn wir zehntausend Liang Silber für das Ahnenopfer ausgäben, wäre das nicht so ehrenvoll, wie es mit diesem Gnadengeschenk zu tun. Abgesehen von ein, zwei Familien wie der unseren — all jene verarmten Familien von erblichen Beamten, woher nähmen sie das Geld für die Neujahrsopfer, wenn sie sich nicht auf dieses Silber stützen könnten? Wahrlich, die Gnade des Kaisers ist gewaltig, und er denkt an alles.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Genau so ist es&amp;quot;, bestätigte Dame Sonders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die beiden noch sprachen, wurde gemeldet: „Der junge Herr ist da.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn hereinrufen, und Herrlichkeit Kaufmann trat mit einem kleinen Beutel aus gelbem Stoff ein, den er mit beiden Händen trug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Warum hat das den ganzen Tag gedauert?&amp;quot; fragte Herrlichkeit Kaufmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann antwortete mit einem verbindlichen Lächeln: „Heute war das Silber nicht im Zeremonialministerium abzuholen, sondern wurde über die Schatzkammer des Kaiserlichen Amtes für Opfergaben ausgegeben, weshalb ich erst dorthin musste. Die Beamten vom Amt für Opfergaben ließen Euch grüßen, Vater. Sie sagten, sie hätten Euch seit langem nicht gesehen und dächten immer an Euch.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann lachte: „An mich denken sie? Jetzt, wo das Jahresende naht, denken sie nicht an mich, sondern an meine Geschenke oder an Einladungen zu Theater und Wein!&amp;quot; Dabei betrachtete er den gelben Stoffbeutel, auf dem ein Siegelstempel prangte mit den vier großen Schriftzeichen: „Durch Kaiserliche Gnade auf ewig gewährt&amp;quot;. Auf der anderen Seite befand sich der Stempel der Opferverwaltung des Zeremonialministeriums, und daneben stand eine Zeile kleiner Zeichen: „Jia Yan, Herzog Ning-guo, und Jia Yuan, Herzog Rong-guo — kaiserlich auf ewig gewährte Spenden zum Neujahrsopfer, insgesamt zwei Anteile, als Reinsilber soundso viele Liang. Im soundsovielten Jahr, soundsovielten Monat und Tag von Hibiskus Kaufmann, Hauptmann der Palastwache, Anwärter auf einen Gardistenposten, persönlich in Empfang genommen. Diensthabender Amtsassistent Soundso.&amp;quot; Darunter stand eine Paraphe in roter Tusche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Herrlichkeit Kaufmann gegessen, sich Hände und Mund gewaschen und Stiefel und Kopfbedeckung gewechselt hatte, befahl er Herrlichkeit Kaufmann, das Silber zu nehmen und ihm zu folgen. Zuerst berichteten sie der Herzoginmutter und Dame König, dann gingen sie auf die andere Seite und erstatteten auch Begnadigung Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, „Begnadigung Kaufmann&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame Strafe Meldung, ehe sie nach Hause zurückkehrten. Dort nahm Herrlichkeit Kaufmann das Silber heraus und befahl, den leeren Beutel im großen Weihrauchkessel des Ahnentempels zu verbrennen. Dann sagte er zu Herrlichkeit Kaufmann: „Geh hinüber und frage die Frau deines Onkels Kette, ob die Termine für die Neujahrsbankette schon feststehen. Wenn ja, lass dir im Schreibzimmer eine genaue Aufstellung machen, damit wir bei unseren Einladungen keine Überschneidungen haben. Letztes Jahr haben wir nicht aufgepasst, und es gab bei mehreren Familien Dopplungen. Die Leute müssen gedacht haben, dass die beiden Anwesen sich abgesprochen und zum Schein Einladungen verschickt hätten, um Kosten zu sparen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und ging hinüber. Nach kurzer Zeit kehrte er mit der Terminliste zurück. Herrlichkeit Kaufmann sah sie durch und befahl, sie an Lai Sheng weiterzugeben, damit dieser darauf achte, dass die Einladungen nicht auf dieselben Tage fielen. Dann ging er in die Halle hinaus und beaufsichtigte die Diener, die Stellwände trugen und Tische sowie goldene und silberne Opfergeräte polierten. Da kam ein Diener mit einem Brief und einer Aufstellung und meldete: „Der Dorfverwalter Wu aus dem Schwarzbergdorf ist angekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Jetzt erst kommt er, der alte Galgenstrick!&amp;quot; rief Herrlichkeit Kaufmann. Herrlichkeit Kaufmann nahm Brief und Liste entgegen und entfaltete zuerst den Brief. Herrlichkeit Kaufmann, die Hände auf dem Rücken verschränkt, blickte in Herrlichkeit Kaufmann' Hände und las auf dem roten Briefpapier: „Kniefällig wünscht Euer Dorfverwalter Wu Jinxiao dem Herrn und der gnädigen Frau zehntausendfaches Glück und goldene Gesundheit, ebenso den jungen Herren und Fräulein goldene Gesundheit. Möge das neue Jahr Euch Glück und Segen in Fülle bringen, Frieden und Wohlergehen, Beförderung und Gehaltserhöhung, und mögen sich all Eure Wünsche erfüllen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Die Leute auf dem Lande haben schon ihren eigenen Stil!&amp;quot; Auch Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu lächeln und sagte: „Achtet nicht auf die Formulierung — Hauptsache, es bringt Glück!&amp;quot; Dann entfaltete er eilig die Liste, auf der stand:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hirsche — dreißig Stück; Moschustiere — fünfzig Stück; Rehe — fünfzig Stück; Siam-Schweine — zwanzig Stück; gebrühte Schweine — zwanzig Stück; Drachenschweine — zwanzig Stück; Wildschweine — zwanzig Stück; gesalzene und getrocknete Hausschweine — zwanzig Stück; Wildschafe — zwanzig Stück; Gorale — zwanzig Stück; gebrühte Hammel — zwanzig Stück; getrocknete Hammel — zwanzig Stück; Störe — zwei Stück; verschiedene Fische — zweihundert Jin; lebende Hühner, Enten und Gänse — je zweihundert Stück; getrocknete Hühner, Enten und Gänse — zweihundert Stück; Fasane und Hasen — je zweihundert Paar; Bärentatzen — zwanzig Paar; Hirschsehnen — zwanzig Jin; Seegurken — fünfzig Jin; Hirschzungen — fünfzig Stück; Rinderzungen — fünfzig Stück; getrocknete Scheidenmuscheln — zwanzig Jin; Haselnusskerne, Zirbelnusskerne, Pfirsichkerne, Aprikosenkerne — je zwei Säcke; große Hummer — fünfzig Paar; getrocknete Garnelen — zweihundert Jin; Silberfrost-Holzkohle erstklassig — eintausend Jin, mittlere Güte — zweitausend Jin; gewöhnliche Holzkohle — dreißigtausend Jin; Reis von den Kaiserlichen Feldern, zinnoberroter Klebreis — zwei Dan; grüner Klebreis — fünfzig Hu; weißer Klebreis — fünfzig Hu; feiner weißer Reis — fünfzig Hu; verschiedene Hirse- und Getreidesorten — je fünfzig Hu; gewöhnlicher Reis zum täglichen Gebrauch — eintausend Dan; verschiedenerlei Dörrgemüse — eine Wagenladung; Erlös aus dem Verkauf von Getreide und Vieh — insgesamt zweitausendfünfhundert Liang Silber. Ferner als Geschenk für die jungen Herren und Fräulein zum Vergnügen: lebende Hirsche — zwei Paar; lebende weiße Kaninchen — vier Paar; schwarze Kaninchen — vier Paar; lebende Goldfasane — zwei Paar; europäische Enten — zwei Paar.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann befahl, Wu hereinzuführen. Bald darauf trat Wu Jinxiao in den Hof, kniete nieder und schlug die Stirn auf den Boden. Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn aufrichten und sagte lächelnd: „Du bist also noch rüstig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls lächelnd erwiderte Wu Jinxiao: „Dank Eurer Fürsorge, Herr, kann ich mich noch bewegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Deine Söhne sind doch schon groß&amp;quot;, sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Du hättest sie schicken können.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich will Euch nichts verhehlen, Herr&amp;quot;, sagte Wu Jinxiao lächelnd. „Ich bin es gewohnt, den Weg zu machen, und würde mich zu Tode langweilen, wenn ich nicht käme. Die Söhne würden natürlich auch gerne einmal die Welt zu Füßen des Kaisers sehen. Aber sie sind noch jung, und ich fürchte, es könnte ihnen unterwegs etwas zustoßen. In ein paar Jahren kann ich sie ruhigen Gewissens schicken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wie viele Tage warst du unterwegs?&amp;quot; fragte Herrlichkeit Kaufmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Um Euch Bericht zu erstatten, Herr: Der Schnee war dieses Jahr besonders tief&amp;quot;, antwortete Wu Jinxiao. „Draußen auf dem Land lag er vier bis fünf Chi hoch. Vor ein paar Tagen wurde es plötzlich warm und der Schnee schmolz, die Wege waren kaum passierbar, und ich verlor einige Tage. Insgesamt war ich einen Monat und zwei Tage unterwegs. Da die Zeit knapp wurde und ich Euch keine Sorgen machen wollte, Herr, habe ich mich beeilt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Da dachte ich mir doch&amp;quot;, sagte Herrlichkeit Kaufmann, „warum er erst jetzt kommt. Ich habe gerade deine Liste angesehen — du willst dich also wieder mit uns anlegen, Alter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eilig trat Wu Jinxiao zwei Schritte näher und sagte: „Lasst mich berichten, Herr! Die Ernte war dieses Jahr wirklich schlecht. Vom dritten Monat an hat es in einem fort geregnet, ununterbrochen bis in den achten Monat hinein, es gab nicht fünf sonnige Tage am Stück. Im neunten Monat hagelten Eiskörner so groß wie Suppenschüsseln herab, auf einer Fläche von fast eintausenddreihundert Li im Geviert, und Menschen, Häuser, Vieh und Getreide wurden zu Tausenden und Abertausenden geschädigt. Das sind die Gründe, Herr. Ich lüge wahrhaftig nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann runzelte die Stirn: „Ich hatte fest mit mindestens fünftausend Liang Silber von dir gerechnet. Was soll man mit dem hier anfangen! Von den acht oder neun Dörfern, die uns noch geblieben sind, haben dieses Jahr gleich zwei Dürre oder Überschwemmung gemeldet, und ihr wollt euch auch noch mit uns anlegen. Da will man uns wohl das Neujahrsfeiern ganz verbieten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu Jinxiao erwiderte: „Euer Gebiet ist ja noch vergleichsweise gut dran, Herr! Mein Bruder wohnt nur gut hundert Li von mir entfernt, und bei dem sieht es viel schlimmer aus. Er verwaltet für das andere Anwesen drüben acht Dörfer, die ein Mehrfaches Eurer Ländereien umfassen, aber auch er konnte dieses Jahr nicht mehr abliefern — nur zwei- bis dreitausend Liang Silber mehr. Auch dort hat die Not zugeschlagen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eben&amp;quot;, sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Bei uns hier geht es noch einigermaßen, wir haben keine großen Sonderausgaben, nur die laufenden Kosten. Wenn es mir schlechter geht, spare ich eben ein wenig mehr. Außerdem kann ich bei den jährlichen Geschenken und Einladungen etwas dreister kürzen, dann ist der Fall erledigt. Aber drüben im anderen Anwesen sieht es anders aus. Dort sind in den letzten Jahren allerlei unumgängliche Mehrausgaben hinzugekommen, während das Einkommen keineswegs gestiegen ist. In den letzten ein, zwei Jahren haben sie empfindlich zuschießen müssen. Wenn wir es nicht von euch verlangen, von wem dann?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wu Jinxiao meinte lächelnd: „Im anderen Anwesen sind die Ausgaben zwar gestiegen, aber es geht doch hin und her. Die Kaiserliche Gemahlin und Seine Majestät werden doch gewiss Geschenke machen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Herrlichkeit Kaufmann das hörte, wandte er sich lachend an Herrlichkeit Kaufmann und die anderen: „Habt ihr das gehört? Ist das nicht zum Lachen?&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu antworten: „Ihr Leute aus den Bergen und von der Meeresküste versteht eben nichts von diesen Dingen. Soll uns die Kaiserliche Gemahlin etwa die kaiserlichen Schatzhäuser schenken? Selbst wenn sie es wollte, könnte sie das nicht eigenmächtig entscheiden. Natürlich gibt es Geschenke — zu den Feiertagen etwas farbige Seide, Antiquitäten und Spielereien. Und wenn es einmal Gold gibt, sind es höchstens hundert Liang Gold, das entspricht gerade mal eintausend Liang Silber. Was sind das schon für ein ganzes Jahr? In den letzten beiden Jahren haben sie jedes Jahr mehrere tausend Liang draufgelegt! Rechne doch einmal zusammen, was allein der Heimbesuch im ersten Jahr gekostet hat, einschließlich des neugebauten Gartens — dann weißt du Bescheid. Noch ein, zwei solcher Besuche, und sie sind völlig ruiniert.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann fügte lächelnd hinzu: „Deshalb sage ich ja: Die Leute auf dem Lande sind ehrlich und haben keine Ahnung, was sich hinter den Kulissen abspielt. Wie sagt das Sprichwort? 'Der Klöppel aus Gelbholz — außen glänzend, innen bitter.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann: „Drüben im anderen Anwesen muss es tatsächlich schlecht stehen. Neulich habe ich gehört, wie Tante Phönixglanz heimlich mit Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, &amp;quot;Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; besprach, etwas von den Habseligkeiten der Herzoginmutter zu entwenden und beim Pfandleiher zu versetzen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Das ist wieder einer von Phönixglanz' Tricks. So arm sind sie bestimmt noch nicht. Sie hat sicher gesehen, dass die Ausgaben zu hoch und die Zuschüsse zu groß geworden sind, und weiß nicht, wo sie noch sparen soll. Also hat sie diese Geschichte in Umlauf gebracht, damit alle denken, es sei wirklich so schlimm. Ich aber habe meine eigene Rechnung im Kopf und weiß, dass es so weit noch nicht gekommen ist.&amp;quot; Damit befahl er, Wu Jinxiao hinauszugeleiten und gut zu bewirten. Davon braucht nicht weiter die Rede zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann ordnete an, von den eben eingetroffenen Gütern einen Teil für das Ahnenopfer zurückzulegen und von jeder Sorte etwas auszuwählen, das Herrlichkeit Kaufmann ins Prunkwille-Anwesen bringen sollte. Nach Abzug des eigenen Haushaltsbedarfs wurde der Rest in Portionen aufgeteilt, wie es dem jeweiligen Rang entsprach, und auf der Terrasse aufgestapelt. Dann ließ er alle Söhne und Neffen der Sippe zusammenrufen, damit sie ihre Anteile abholten. Auch aus dem Prunkwille-Anwesen traf bald darauf eine Sendung von Opfergaben und Geschenken für Herrlichkeit Kaufmann ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Herrlichkeit Kaufmann die Aufstellung der Opfergeräte bis zuletzt überwacht hatte, schlüpfte er in bequeme Pantoffeln, warf sich einen weiten Luchsfellmantel um und ließ sich am Fuß einer Hallensäule auf dem steinernen Sockel ein großes Wolfsfell in die Sonne breiten, um es sich in der Winterwärme bequem zu machen und den jungen Sippenangehörigen beim Abholen ihrer Neujahrsgaben zuzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er sah, dass auch Jia Qin kam, um etwas abzuholen, rief er ihn herbei und sagte: „Was willst du hier? Wer hat dich geschickt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jia Qin stand mit unterwürfig herabhängenden Händen da und erwiderte: „Ich hörte, Ihr hättet alle herrufen lassen, um die Gaben in Empfang zu nehmen, gnädiger Herr. Da bin ich gekommen, ohne eine persönliche Einladung abzuwarten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Diese Sachen sind für diejenigen deiner Onkel und Vettern bestimmt, die keinen Posten und keine Verdienstmöglichkeit haben&amp;quot;, sagte Herrlichkeit Kaufmann. „In den beiden Jahren, als du noch nichts zu tun hattest, habe ich dir auch welche gegeben. Aber jetzt hast du eine Stellung drüben im anderen Anwesen und bist im Familienkloster für die buddhistischen und daoistischen Mönche und Nonnen zuständig. Du bekommst nicht nur dein monatliches Gehalt, auch die Gelder für die Mönche gehen durch deine Hände. Und jetzt kommst du noch, um dir hier etwas zu holen? Du bist wirklich zu gierig! Und schau dich nur an! So kleidet sich einer, der Geld verwaltet und Verantwortung trägt? Früher hast du dich beklagt, du hättest keine Einnahmequelle — und jetzt siehst du noch schlimmer aus als damals?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Mein Haushalt ist groß, und die Ausgaben sind hoch&amp;quot;, versuchte Jia Qin sich zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann lachte kalt: „Du willst mir auch noch Ausreden auftischen? Meinst du, ich wüsste nicht, was du im Familienkloster treibst? Dort spielst du natürlich den großen Herrn, und keiner wagt, dir zu widersprechen. Da du Geld in der Hand hast und weit genug von uns weg bist, führst du dich wie ein König auf, versammelst Nacht für Nacht Gesindel um dich zum Glücksspiel, hältst dir Frauen und Lustknaben. Und so heruntergekommen, wie du jetzt aussiehst, wagst du es noch, hier aufzukreuzen und Geschenke zu holen? Statt Geschenke solltest du eine ordentliche Tracht Prügel bekommen. Warte nur! Nach Neujahr werde ich mit deinem Onkel Kette reden, damit er dich ablöst!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jia Qin stand mit hochrotem Gesicht da und wagte nichts zu erwidern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da meldete ein Diener: „Aus dem Palast des Prinzen Beifang vom nördlichen Fürstenhaus sind Spruchbänder und Glückstäschchen geschickt worden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Geh hinaus und empfange die Boten&amp;quot;, sagte Herrlichkeit Kaufmann zu Herrlichkeit Kaufmann. „Sag ihnen, ich sei nicht zu Hause.&amp;quot; Herrlichkeit Kaufmann ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann blieb sitzen, bis alle Gaben abgeholt waren, dann kehrte er in seine Gemächer zurück und aß mit Dame Sonders zu Abend. Von der Nacht ist nichts Besonderes zu berichten. Am nächsten Tag gab es noch mehr zu tun als zuvor, aber auch das braucht nicht im Einzelnen erzählt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kam der neunundzwanzigste Tag des zwölften Monats. Alles war in bester Ordnung. In beiden Anwesen hatte man die Türgötterbilder und Spruchbänder ausgetauscht, die Pfirsichholz-Schutzamulette frisch geölt — alles erstrahlte in neuem Glanz. Im Stillfriede-Anwesen standen von der Hauptpforte über das Zeremonientor, die große Halle, den geheizten Raum, die innere Halle, das innere dritte Tor, das innere Zeremonientor und das Blendtor bis hin zur Haupthalle alle mittleren Türflügel sperrangelweit offen. Auf beiden Seiten der Treppen brannten in einer Reihe große zinnoberrote Kerzen, deren Flammen wie zwei feurige goldene Drachen leuchteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag legten die Herzoginmutter und alle mit einem offiziellen Rang belehnten Familienmitglieder ihre Audienzgewänder nach Rangordnung an und ließen sich in Sänften mit acht Trägern zur Neujahrs-Gratulationscour in den Kaiserpalast tragen. Nachdem sie dort die Riten vollzogen und am Bankett teilgenommen hatten, ließen sie sich zum Stillfriede-Anwesen tragen und stiegen am geheizten Wohnhaus aus den Sänften. Diejenigen Söhne und Neffen, die nicht mit bei Hofe gewesen waren, standen am Tor des Stillfriede-Anwesens Spalier und erwarteten die Rückkehrer, um sie anschließend in den Ahnentempel zu geleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kostbarzither Schnee, die zum ersten Mal hier war, hielt aufmerksam Ausschau und betrachtete alles genau. Der Ahnentempel befand sich in einem gesonderten Hof westlich des Stillfriede-Anwesens. Hinter einem schwarz lackierten Holzgitter lagen fünf mächtige Torgebäude, über denen eine Tafel mit der Aufschrift „Ahnentempel der Kaufmann-Familie&amp;quot; prangte. In kleinerer Schrift stand daneben: „Geschrieben von Kong Jizong, Herzog Yansheng&amp;quot;. Zu beiden Seiten hing ein langes Parallelsatzpaar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  „Mit Leib und Leben dankt das zahlreiche Volk&lt;br /&gt;
    dem Beschützer seine Gnade;&lt;br /&gt;
  Bis an den Himmel reichen die Verdienste,&lt;br /&gt;
    hundert Generationen ehren das Opfer.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch dieses war vom Herzog Yansheng geschrieben. Man trat durch das Tor in den Hof. Ein Weg aus weißen Steinplatten führte zwischen alten Kiefern und Zypressen hindurch. Auf der steinernen Terrasse standen alte Bronzegefäße verschiedener Formen. Am Vorbau der Tempelhalle hing eine mit neun goldenen Drachen geschmückte Tafel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  „Sternengleich glänzende Stützen des Throns.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie war vom vorherigen Kaiser eigenhändig geschrieben. Daneben hing ein Parallelsatzpaar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  „Wie Sonne und Mond erstrahlen die Verdienste und Taten,&lt;br /&gt;
  Auf Söhne und Enkel erstreckt sich der Ruhm und die Ehre.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch dies war kaiserliche Handschrift. An der fünf Jian breiten Haupthalle hing eine blau grundierte Tafel mit sich windenden Drachen und der Aufschrift:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  „In Ehrfurcht der Vorfahren gedenken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das Parallelsatzpaar lautete:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  „Die Nachfahren erben Tugend und Glück,&lt;br /&gt;
  Das Volk preist das Stillfriede-Anwesen wie auch Rong.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles war in kaiserlicher Handschrift. Im Inneren der Halle loderten Weihrauch und Kerzen, bunte Seidenvorhänge und gestickte Behänge waren aufgespannt. Hinter den Vorhängen waren die Ahnentafeln zu erkennen, doch nicht deutlich zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellten sich alle Kaufmann-Angehörigen in der vorgeschriebenen Ordnung des zhao und mu auf. Jia Jing leitete die Hauptzeremonie; Begnadigung Kaufmann assistierte; Herrlichkeit Kaufmann reichte den Opferbecher; Kette Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, „Jadekette Kaufmann&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Jia Cong überreichten die Seidenstücke; Schatzjade trug den Weihrauch; Jia Chang und Jia Ling breiteten die Gebetsteppiche aus und hüteten das Feuerbecken. Schwarzgekleidete Musikanten spielten, der Opferbecher wurde dreimal dargebracht, und alle verneigten sich und erhoben sich wieder. Die Seidenstücke wurden verbrannt und der Wein auf die Erde gegossen. Als die Zeremonie beendet war, verstummte die Musik, und alle verließen den Tempel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge der Herzoginmutter begab man sich zur Haupthalle, in der die Ahnenporträts hingen. Hinter bunten Seidenvorhängen und bestickten Wandschirmen brannten Weihrauch und Kerzen in hellem Glanz. An der Mitterwand hingen die Bilder der beiden Gründungsahnen — des Herzogs Ning-guo und des Herzogs Rong-guo —, beide in drachenbestickten Gewändern und mit Jadegürteln dargestellt. Daneben hingen noch einige Porträts weiterer Vorfahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Jia Xing und Jia Zhi angefangen, standen die Sippenangehörigen dicht an dicht vom inneren Zeremonientor bis zur Hallentür aufgereiht. Draußen vor der Türschwelle standen Jia Jing und Begnadigung Kaufmann; drinnen standen die weiblichen Angehörigen. Die gesamte Dienerschaft wartete vor dem Zeremonientor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Gericht des Opfermahls wurde am Zeremonientor entgegengenommen, von Jia Xing und Jia Zhi weitergereicht und gelangte so die Treppe hinauf bis zu Jia Jing. Er übergab es an Herrlichkeit Kaufmann, der als ältester Enkel der Hauptlinie als einziger Mann zusammen mit den Frauen innerhalb der Schwelle stand. Von ihm empfing es seine Frau, die es an Phönixglanz und Dame Sonders weitergab. Durch die Hände aller Frauen gelangte es bis zu Dame König. Dame König reichte es der Herzoginmutter, und erst die Herzoginmutter stellte es auf den Opfertisch. Dame Strafe stand an der Westseite des Opfertischs mit dem Gesicht nach Osten und assistierte der Herzoginmutter beim Aufstellen der Speisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sämtliche Gerichte, Reis, Suppen, Naschwerk, Wein und Tee durchgereicht worden waren, verließ auch Herrlichkeit Kaufmann die Halle, stieg die Stufen hinab und stellte sich an die Spitze der Gruppe von Jia Qin. Alle Angehörigen der Schrift-Generation standen unter der Führung von Jia Jing; darunter folgten die der Jade-Generation unter der Führung von Herrlichkeit Kaufmann; und noch eine Generation tiefer die der Gras-Generation unter Herrlichkeit Kaufmann' Führung. Links standen die Älteren, rechts die Jüngeren; die Männer im Osten, die Frauen im Westen. Als die Herzoginmutter den Weihrauch entzündete und niederkniete, knieten alle zugleich nieder. Die fünf Hauptsäle, die drei Vorbauten, die Säulengänge innen und außen, die Stufen und Terrassen — alles war dicht gedrängt voller buntgekleideter Menschen, ohne auch nur einen freien Fleck. Es herrschte lautlose Stille; man hörte nur das leise Klingen der goldenen Glöckchen und jadenen Gürtelgehänge und das scharrende Geräusch der Stiefel beim Knien und Aufstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald war die Zeremonie beendet. Jia Jing und Begnadigung Kaufmann zogen sich eilig mit den übrigen Männern zurück und begaben sich ins Prunkwille-Anwesen, um dort die Herzoginmutter zu erwarten und ihr den zeremoniellen Gruß zu entbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Dame Sonderss Hauptgemach war der Boden bereits mit rotem Filz ausgelegt. In der Mitte des Raumes stand ein großes Kohlenbecken aus vergoldetem Cloisonne-Email, dessen drei Füße Elefantenrüsseln nachgebildet waren und dessen Rand wie ein Schlammgrundel-Rücken gewölbt war. Auf dem Ofenbett lag eine neue purpurrote Filzmatte, darauf rote, bunt bestickte Rücken- und Armkissen mit dem Motiv von Drachen in Wolken, die das Zeichen shou — „Langes Leben&amp;quot; — emporhielten. Darüber war eine Decke aus schwarzem Fuchsfell gebreitet, und als Sitzkissen lag ein weißes Fuchsfell bereit. Die Herzoginmutter wurde gebeten, dort Platz zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu beiden Seiten wurden weitere Fellkissen ausgelegt, damit die alten Damen aus der Generation der Herzoginmutter sich setzen konnten. Auf dem seitlich abgetrennten kleinen Ofenbett hinter dem Raumteiler wurden ebenfalls Fellkissen bereitet, und dort nahmen Dame Strafe und die anderen Frauen ihrer Generation Platz. Auf der freien Fläche im Raum standen sich in zwei Reihen zwölf geschnitzte Lackstühle gegenüber, alle einheitlich mit Sitzkissen aus grauem Eichhörnchenfell bezogen. An jedem Stuhl stand ein großes Messingfußöfchen. Hier nahmen Kostbarzither Schnee und die anderen jungen Damen Platz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders reichte der Herzoginmutter persönlich den Tee auf einem Tablett, während Herrlichkeit Kaufmanns Frau den übrigen alten Damen einschenkte. Danach bediente Dame Sonders Dame Strafe und die anderen, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau reichte den jungen Mädchen den Tee. Phönixglanz und Frau Li standen ehrfürchtig bereit, um zu bedienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Tee getrunken war, erhoben sich Dame Strafe und die anderen sogleich, um der Herzoginmutter weiter aufzuwarten. Die Herzoginmutter trank ihren Tee, wechselte zwei oder drei Worte mit den alten Damen und befahl dann, die Sänfte zu holen. Sogleich trat Phönixglanz vor und half ihr auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame Sonders sagte lächelnd: „Das Abendessen für die alte Ahne steht bereit. Jedes Jahr verweigert Ihr uns die Ehre, hier zu essen, bevor Ihr heimkehrt. Sind wir denn wirklich so viel unwürdiger als unser Phönixglanz-Mädchen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz stützte die Herzoginmutter und sagte lächelnd: „Kommt nur schnell, alte Ahne, wir essen bei uns! Kümmert Euch nicht um sie!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lachte: „Ihr habt hier das Ahnenopfer zu versorgen und seid beschäftigter, als ich es mir vorstellen kann — wie solltet ihr euch auch noch mit mir Plage abgeben? Außerdem habt ihr mir jedes Jahr, wenn ich nicht hier gegessen habe, die Speisen hinübergeschickt. Schickt sie mir nur auch diesmal! Was ich heute nicht schaffe, hebe ich mir für morgen auf, und so esse ich am Ende mehr, als wenn ich hier bliebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten. Dann ermahnte die Herzoginmutter Dame Sonders noch: „Beauftragt unbedingt zuverlässige Leute, über Nacht nach dem Weihrauch und den Kerzen zu sehen! Damit ist nicht zu spaßen.&amp;quot; Dame Sonders bestätigte es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man ging hinaus zum geheizten Wohngebäude, wo die Herzoginmutter in ihre Sänfte stieg. Dame Sonders und die anderen traten hinter den Wandschirm, und erst dann ließen die Diener die Sänftenträger kommen und die Sänfte durch das Haupttor hinaustragen. Dame Sonders schloss sich Dame Strafe an und ließ sich ebenfalls ins Prunkwille-Anwesen tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Straße vor dem Haupttor waren auf der Ostseite die Insignien, Zeremonialgeräte und Musikinstrumente des Herzogs Ning-guo und auf der Westseite die des Herzogs Rong-guo aufgestellt. Alle Passanten wichen ehrfürchtig aus und mieden die Straße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prunkwille-Anwesen standen ebenfalls alle Tore und Hallen bis zum Ende weit offen. Man stieg aber nicht am Hauptwohngebäude aus der Sänfte, sondern ließ sich von der großen Halle nach Westen bis zur Haupthalle in den Gemächern der Herzoginmutter tragen und stieg dort aus. Im Gefolge vieler Begleiterinnen betrat man den Hauptraum, in dem ebenfalls seidene Bezüge und gestickte Wandschirme in frischem Glanz erstrahlten. Im Kohlenbecken brannten Kiefern- und Zypressenweihrauch zusammen mit wohlriechendem Gras.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sich die Herzoginmutter gesetzt, meldete eine alte Dienerin: „Die alten gnädigen Frauen kommen, ihre Aufwartung zu machen.&amp;quot; Die Herzoginmutter erhob sich eilig, ihnen entgegenzugehen. Schon traten zwei oder drei alte Schwägerinnen ein, man fasste sich an den Händen, lachte und plauderte eine Weile, ließ einander Platz nehmen und trank gemeinsam Tee. Dann gingen sie wieder, und die Herzoginmutter begleitete sie nur bis zum inneren Zeremonientor und kehrte dann auf ihren Platz zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun traten Jia Jing und Begnadigung Kaufmann an der Spitze aller Söhne und Neffen herein. Die Herzoginmutter rief lächelnd: „Das ganze Jahr über seid ihr euch euretwegen genug bemüht worden — lasst die Formalitäten!&amp;quot; Doch schon knieten Männer und Frauen, nach Geschlechtern getrennt, Gruppe um Gruppe vor ihr nieder und vollzogen ihre Verbeugungen. Danach nahmen alle der Rangfolge gemäß auf den Faltstühlen zu beiden Seiten Platz und empfingen ihrerseits die Grüße der Jüngeren. Nachdem auch sämtliche Diener und Dienerinnen beider Anwesen nach ihrer Stellung der Reihe nach ihre Verbeugungen vollzogen hatten, wurden Neujahrsgelder, Glückstäschchen und kleine Gold- und Silberbarren verteilt. Dann wurde das Vereinigungsmahl aufgetragen. Die Männer saßen im Osten, die Frauen im Westen. Nachdem der „übelabwehrende Wein&amp;quot;, die „Suppe der frohen Vereinigung&amp;quot;, die „Glücksfrüchte&amp;quot; und der „Kuchen der Wunscherfüllung&amp;quot; gereicht worden waren, stand die Herzoginmutter auf und ging in ihre inneren Gemächer, um sich umzukleiden. Die anderen zerstreuten sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend wurden vor allen Buddhastatuen und Herdgottbildern Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Im Hof von Dame Königs Hauptgemach wurden Papierbilder für Himmel und Erde aufgestellt, Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Auch am Haupttor des Gartens der Großen Anschauung hingen große, helle Hornlaternen, und überall leuchteten die Wegelaternen. Jedermann, ob hoch oder niedrig, war in bunte Festkleidung gehüllt. Die ganze Nacht über vernahm man Stimmengewirr, Gelächter und Geplauder, und Feuerwerkskörper und Raketen krachten und zischten ohne Unterlass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begab sich die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge in vollem Ornat und mit allen Ranginsignien abermals in den Kaiserpalast zur Neujahrs-Gratulationscour und beglückwünschte zugleich Urfrühling zu ihrem Geburtstag. Nachdem man am Bankett teilgenommen hatte und zurückgekehrt war, brachte man im Stillfriede-Anwesen noch einmal ein Opfer vor den Ahnentafeln dar und empfing anschließend zu Hause die Neujahrsgrüße. Danach wechselte die Herzoginmutter ihre Kleidung und ruhte sich aus. Keinen der zur Gratulation erschienenen Verwandten und Freunde empfing sie. Nur mit Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Tante Li plauderte sie gemütlich, oder sie spielte mit Schatzjade, Kostbarzither Schnee, Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und den anderen Mädchen Dame- oder Dominospiele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König und Phönixglanz dagegen waren Tag für Tag unermüdlich damit beschäftigt, Gäste zum Neujahrsmahl zu bewirten. In der Halle und im Hof wurde Theater gespielt und Wein getrunken, und die Verwandten und Freunde kamen in nicht abreißendem Strom. Sieben oder acht Tage dauerte der Trubel, bis er endlich vorüber war — und schon rückte das Laternenfest näher. In beiden Anwesen wurden prächtige Laternen aufgehängt und bunte Schmuckbänder gespannt. Am elften Tag lud Begnadigung Kaufmann die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge ein, am folgenden Tag Herrlichkeit Kaufmann. Bei jedem verbrachte sie einen halben Tag in ungezwungener Unterhaltung. Dame König und Phönixglanz wurden unterdessen Tag für Tag von verschiedenen Familien zum Neujahrsmahl eingeladen — das aufzuzählen würde kein Ende nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend des Fünfzehnten ließ die Herzoginmutter in der großen Gästehalle mehrere Weintafeln aufstellen, eine kleine Theatertruppe engagieren und überall schöne Laternen aufhängen, um ihre Söhne, Neffen, Enkel und deren Frauen zu einem Familienfest zu versammeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jia Jing, der grundsätzlich keinen Wein trank, wurde nicht eingeladen. Am Siebzehnten, als sämtliche Ahnenopfer beendet waren, kehrte er wieder in sein Kloster vor der Stadt zurück, um sich seinen daoistischen Übungen zu widmen. Auch in den wenigen Tagen, die er im Kreise der Familie verbracht hatte, hielt er sich in stillen Räumen auf, schweigsam und zurückgezogen, ohne von irgendwelchen Vorgängen Kenntnis zu nehmen. Aber davon braucht nicht weiter berichtet zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begnadigung Kaufmann nahm nur kurz die Geschenke der Herzoginmutter entgegen und bat dann, sich entfernen zu dürfen. Die Herzoginmutter wusste, dass seine Anwesenheit beiden Seiten Unbehagen bereitete, und ließ ihn gewähren. Zu Hause angekommen, ergötzte er sich mit seinen ständigen Hausgästen am Laternenschein und am Wein. Natürlich erfreuten Musik und Gesang seine Ohren und der Glanz von Brokat und Stickereien seine Augen — seine Art der Vergnügung war eine ganz andere als die bei der Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Gästehalle der Herzoginmutter waren an die zehn Tafeln aufgestellt. Neben jedem Esstisch stand ein niedriger Beistelltisch mit einer dreiteiligen Räuchergarnitur, in der „Hundert-Düfte-Palastweihrauch&amp;quot; brannte, ein kaiserliches Geschenk. Ferner standen dort winzige Felslandschaften in Schalen von etwa acht Zoll Länge, vier bis fünf Zoll Breite und zwei bis drei Zoll Höhe, mit Moos bewachsen und mit frischen Blumen geschmückt. Daneben befanden sich kleine Teebretter in ausländischer Lackarbeit, darin altehrwürdige Teeschalen und kleine verschnörkelte Teekannen mit bestem Tee. Die Setzschirme an allen Tischen waren einheitlich aus durchbrochenem Sandelholz geschnitzt und mit roter Seidengaze bespannt, auf die Blumen und Gedichte in Grasschrift gestickt waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Stickereien stammten von einem Mädchen namens Huiniang aus Suzhou. Da sie aus einer Familie von Gelehrten und Beamten kam, beherrschte sie Malerei und Kalligraphie in Vollendung und stickte nur gelegentlich ein oder zwei Stücke zum eigenen Vergnügen — keineswegs zum Verkauf. Alle auf den Setzschirmen gestickten Blumen waren den Bildern berühmter Meister der Tang-, Song-, Yuan- und Ming-Dynastien nachempfunden, weshalb sie in Gestaltung und Farbgebung von erlesener Eleganz waren — nichts gemein mit den grellen, handwerksmäßigen Arbeiten gewöhnlicher Stickerinnen. Neben jeder Blüte war ein alter Vers oder ein Gedichtzitat gestickt, das sich auf die jeweilige Blume bezog — bald aus einem Gedicht, bald aus einem Lied, bald aus einem Prosagedicht. Alles war in schwarzem Seidengarn in Grasschrift gestickt, und jeder Haken und jede Wendung, jeder leichte und jeder kräftige Strich war mit dem Pinsel nicht zu unterscheiden — ganz anders als die steifen, leblosen Zeichen gewöhnlicher Stickschrift. Da Huiniang nicht darauf aus war, aus ihrer Kunst Gewinn zu schlagen, waren ihre Arbeiten zwar in der ganzen Welt berühmt, doch nur wenige hatten je ein Stück erworben. Unter den reichen und vornehmen Familien gab es unzählig viele, die keines besaßen. Man nannte ihre Arbeiten die „Hui-Stickereien&amp;quot;. Freilich hatten sich in jüngster Zeit gewinnhungrige Nachahmer gefunden, die ihren Stil kopierten und Unwissende damit betrogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Huiniang selbst war vom Schicksal nicht begünstigt gewesen: Sie starb mit nur achtzehn Jahren, und seither war es unmöglich, noch ein neues Stück von ihr zu bekommen. Wer eines oder zwei besaß, hütete sie als Kostbarkeit und wagte nicht, sie zu verwenden. Einige Literaten und Gelehrte aus der Kaiserlichen Akademie hatten voller Bewunderung befunden, das Wort „Stickerei&amp;quot; werde der Vollkommenheit dieser Werke nicht gerecht — es sei geradezu respektlos, solche Kalligraphie als „gestickt&amp;quot; zu bezeichnen. Nach gemeinsamer Beratung kamen sie überein, das Zeichen „Stickerei&amp;quot; durch das Zeichen „Muster&amp;quot; zu ersetzen, und so sprach man fortan von „Hui-Mustern&amp;quot;. Ein echtes Stück „Hui-Muster&amp;quot; war von unschätzbarem Wert. Selbst das Haus Kaufmann hatte bei all seinem Reichtum nur zwei oder drei Stücke besessen; zwei davon hatte man im vergangenen Jahr dem Kaiser zum Geschenk gemacht, so dass nur noch dieser eine Satz von sechzehn kleinen Setzschirmen übrig war. Die Herzoginmutter hütete ihn wie einen Schatz und zählte ihn nicht zu den Ausstattungsstücken, die bei Einladungen aufgestellt wurden. Nur wenn sie selbst bei guter Laune in ihren eigenen Räumen ein Festmahl gab, holte sie die Setzschirme hervor. Daneben standen noch kleine Vasen aus alten Werkstätten, in denen „die drei Freunde der kalten Jahreszeit&amp;quot;, „Reichtum und Vornehmheit in jadenen Hallen&amp;quot; und andere frische Blumen und Gräser prangten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den beiden Ehrentischen saßen Tante Li und Tante Schnee. Für sich selbst hatte die Herzoginmutter auf der Ostseite vor einem niedrigen Wandschirm mit durchbrochenen Drachenschnitzereien eine kurze Ruhebank aufstellen lassen, mit Rückenpolster, Armstütze und Felldecke. An einem Ende der Bank stand ein zierliches, federleichtes Tischchen in ausländischer Lackarbeit mit Goldmalerei, darauf Teekanne, Teeschale, Spülkumme und Handtücher sowie ein Brillenetui. Die Herzoginmutter lehnte sich bequem auf der Bank zurück und plauderte zunächst eine Weile mit allen. Dann nahm sie die Brille heraus und betrachtete damit das Spiel auf der Bühne. Anschließend wandte sie sich lächelnd an Tante Schnee und Tante Li: „Verzeiht, dass ich alt bin und mir die Knochen wehtun. Ich muss Euch in dieser nachlässigen Haltung Gesellschaft leisten.&amp;quot; Und sie befahl Hupo, sich neben sie auf die Bank zu setzen und ihr mit einem Maßagehämmerchen die Beine zu klopfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Ruhebank der Herzoginmutter stand kein Esstisch, nur ein hoher Teetisch mit einem der Setzschirme, einer Blumenvase und einem Räuchergefäß. Daneben stand ein zweites, zierliches kleines Tischchen mit Weinbecher, Löffel und Essstäbchen. Ihren eigentlichen Esstisch hatte die Herzoginmutter neben ihre Ruhebank rücken lassen und dort Kostbarzither Schnee, Xiangji&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Kajaljade und Schatzjade platziert. Immer wenn ein neues Gericht oder eine neue Frucht aufgetragen wurde, zeigte man es zunächst der Herzoginmutter; gefiel es ihr, behielt sie es auf ihrem Tischchen und kostete davon, ließ es dann aber sogleich an die vier weiterreichen. So saßen diese vier gewissermaßen an der Seite der Herzoginmutter mit. An den nachfolgenden Tischen saßen Dame Strafe und Dame König, danach Dame Sonders, Frau Li, Phönixglanz und Herrlichkeit Kaufmanns Frau. Auf der Westseite saßen in einer Reihe Schatzspange, Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume, Xiuyan, Willkommensfrühling und ihre Schwestern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den Querbalken zwischen den Säulen hing je ein großer, aus buntem Glas gefertigter Kronleuchter mit drei Girlanden und fünf Leuchtern, an denen Seidenquasten baumelten. Vor jedem Esstisch stand ein lackierter Kerzenständer in Form eines umgestülpten Lotosblattes aus geschliffenem Cloisonne, in dem eine Zierkerze brannte. Die Lotosblätter waren an beweglichen Gelenken befestigt und so nach außen gedreht worden, dass alles Licht auf die Bühne fiel, so dass die Aufführung besonders klar zu sehen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sämtliche Fenstereinsätze und Türflügel waren herausgenommen, und in den Öffnungen hingen bunte Quastenlaternen verschiedenster Art. Die Balken des Säulengangs und die Wandelgänge zu beiden Seiten waren mit Laternen aus Widderhorn, Glas, Seidengaze, Drahtgeflecht überhängt — teils gestickt, teils gemalt, teils aufgeschichtet, teils geschnitzt, manche aus Seide, manche aus Papier. Im Säulengang standen weitere Tische, an denen Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann, Unheil Kaufmann&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Unheil Kaufmann/Kreis&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, Jia Cong, Herrlichkeit Kaufmann, Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Ling, Jia Chang und andere saßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter hatte zwar Boten geschickt, um sämtliche Sippenangehörigen einzuladen, Männer wie Frauen. Doch manche waren alt geworden und hatten keine Lust an lärmenden Vergnügungen; andere hatten niemanden, der inzwischen das Haus hüten konnte; wieder andere lagen krank und siech darnieder und konnten nicht kommen, so gerne sie gewollt hätten; manche neideten den Verwandten ihren Reichtum und schämten sich der eigenen Armut; einige sogar hassten und fürchteten Phönixglanz und blieben aus trotzigem Stolz fern; und wieder andere waren schüchtern und menschenscheu und trauten sich nicht zu kommen. So waren von all der zahlreichen Verwandtschaft als einzige weibliche Gäste nur Frau Lou, Jia Juns Mutter, mit ihrem Sohn erschienen; unter den Männern waren es lediglich Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Chang und Jia Ling, die alle unter Phönixglanz' Kommando arbeiteten. So war die Sippe zwar nicht vollzählig versammelt, doch für eine kleine Familienfeier konnte man es durchaus lebhaft nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kam Lin Zhixiaos Frau mit sechs Dienerinnen, die drei niedrige Tischchen trugen. Auf jedem lag ein roter Filzstreifen, und darauf türmten sich frisch aus der Münzanstalt gelieferte, gleichmäßig große Kupfermünzen, aufgezogen auf leuchtend rote Seidenschnüre. Je zwei Frauen trugen ein Tischchen. Auf Lin Zhixiaos Frau Anweisung sollten zwei Tischchen vor Tante Schnees und Tante Lis Plätze gestellt werden und eines vor die Ruhebank der Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Stellt sie alle in die Mitte!&amp;quot; befahl die Herzoginmutter. Die Dienerinnen, die mit den Gepflogenheiten des Hauses vertraut waren, stellten die Tischchen dort ab, zogen die Seidenschnüre heraus und schütteten die Münzen zu losen Haufen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Bühne ging gerade „Die Begegnung im Turm&amp;quot; aus dem Stück „Westturm&amp;quot; zu Ende, und als die Figur des Yu Shuye wütend die Bühne verließ, improvisierte der Darsteller des Dieners Wenbao einen Scherz: „Na, du läufst weg? Aber heute ist der fünfzehnte des ersten Monats, und im Prunkwille-Anwesen gibt die alte Ahne gerade ein Familienfest! Ich nehme dein Pferd, reite hinüber und hole mir ein paar Süßigkeiten — das ist doch wohl wichtiger!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter und alle Anwesenden brachen in Gelächter aus. Tante Schnee und die anderen sagten: „Was für ein aufgewecktes Kerlchen, der Kleine!&amp;quot; Phönixglanz bemerkte: „Der Junge ist erst neun Jahre alt.&amp;quot; Die Herzoginmutter lobte lächelnd: „Geschickt hat er das ausgedacht!&amp;quot; und sagte nur ein Wort: „Belohnt ihn!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Längst standen drei Dienerinnen mit Körben bereit. Als sie das Wort „Belohnt!&amp;quot; vernahmen, traten sie an die Münztische, füllten jede ihren Korb mit einer Handvoll loser Münzen und riefen an der Bühne: „Die alte Ahne, die gnädige Frau Tante und die Frau Verwandte schenken Wenbao Geld, damit er sich Süßigkeiten kaufen kann!&amp;quot; Damit schütteten sie die Münzen auf die Bühne, dass es nur so klirrte und klapperte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann hatten ihre Diener inzwischen heimlich noch größere Körbe voll Münzen bereitstellen lassen. Als die Herzoginmutter den Befehl zum Belohnen gab — doch wer wissen will, was weiter geschah, der lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 52</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_47|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;47&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_48|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;48&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_49|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;49&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_50|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;50&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_51|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;51&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;52&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_53|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;53&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_54|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;54&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_55|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;55&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_56|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;56&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_57|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;57&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第五十二回 / Kapitel 52 =&lt;br /&gt;
== 俏平儿情掩虾须镯 ==&lt;br /&gt;
=== 勇晴雯病补孔雀裘 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hübsche Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; vertuscht aus Mitgefühl den Krebsfühler-Armreif — Die tapfere Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 晴雯 Qíngwén, „Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; stopft trotz Krankheit den Pfauengoldumhang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; sagte: „Das ist genau der springende Punkt. Schon neulich wollte ich es ansprechen, aber ich sah, dass ihr mit wichtigeren Dingen mehr als genug zu tun habt. Wenn jetzt auch das noch hinzukäme, würdet ihr, die ihr nie zu murren wagt, bestimmt denken, mir lägen nur meine Enkelkinder am Herzen und ich machte mir keine Gedanken um euch, die ihr den Haushalt führt. Um so besser, dass du es jetzt selbst vorgeschlagen hast!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da auch Tante Schnee&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Tante Li zugegen waren und Dame Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Strafe&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; sowie Dame Sonders&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Dame Sonders&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenfalls herübergekommen waren, um ihren Gruß zu entbieten, und noch nicht wieder gegangen waren, wandte sich die Herzoginmutter an Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und die Anderen: „Heute möchte ich einmal etwas sagen, was ich bisher nicht sagte. Einerseits fürchtete ich, dem Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;-Mädchen könnte es zu Kopf steigen, andererseits konnten sich die Übrigen vielleicht nicht damit abfinden. Aber heute seid ihr alle hier versammelt — jede von euch hat als Schwiegertochter und Schwägerin Erfahrung. Nun sagt: Gibt es noch jemanden, der so umsichtig wäre wie sie?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Schnee, Tante Li, Dame Sonders und alle anderen antworteten einmütig lächelnd: „So jemanden trifft man wahrlich selten! Bei anderen ist es nur Höflichkeit und äußerer Schein, sie aber hat ihre jüngeren Schwäger und Schwägerinnen wirklich gern. Und auch der alten gnädigen Frau gegenüber ist sie wahrhaft pflichtergeben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter nickte seufzend: „Ich mag sie sehr, aber ich fürchte, dass zu viel Klugheit auch nicht gut sein könnte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lachte sofort: „Da irrt Ihr Euch, alte Ahnherrin! In der Welt heißt es, wer zu klug und gescheit sei, lebe nicht lange. Das sagen alle, und alle glauben es. Aber gerade Ihr dürft es weder sagen noch glauben! Ihr, alte Ahnherrin, seid noch zehnmal klüger als ich — und erfreut Euch der besten Gesundheit und des höchsten Alters! Vielleicht übertreffe ich Euch eines Tages noch um das Doppelte! Ich lebe tausend Jahre und sterbe erst, nachdem Ihr, alte Ahnherrin, gen Westen eingegangen seid!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter lächelte: „Wenn alle anderen gestorben sind und nur wir beiden alten Hexen übrigbleiben — was hätten wir dann noch davon?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten darüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, der in Gedanken bei Heitermuster und Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xírén, „die Angreifende/der Dufthauch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; war, ging, ohne die anderen abzuwarten, zurück in den Garten. Als er sein Zimmer betrat, war alles von Arzneiduft erfüllt, aber kein Mensch war zu sehen. Nur Heitermuster lag allein auf dem Ofenbett, das Gesicht feuerrot. Er legte die Hand darauf — glühend heiß. Rasch wärmte er sich die Hände am Kohlenbecken, schob sie unter die Decke und fühlte ihren Körper — ebenfalls brennend heiß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Dass die anderen fort sind, mag angehen&amp;quot;, sagte er, „aber dass auch Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 麝月 Shèyuè, &amp;quot;Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Herbstmuster so herzlos sind und sich einfach davonmachen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Herbstmuster habe ich selbst zum Essen geschickt. Moschusmond ist eben von Friedchen abgeholt worden. Die beiden taten ganz geheimnisvoll — ich weiß nicht, was sie zu besprechen haben. Bestimmt reden sie darüber, dass ich krank bin und trotzdem nicht weggegangen bin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „So eine ist Friedchen nicht. Außerdem wusste sie gar nicht, dass du krank bist, und ist bestimmt nicht deinetwegen gekommen. Wahrscheinlich hatte sie mit Moschusmond etwas zu besprechen, und als sie zufällig sah, dass du krank bist, sagte sie nebenbei, sie sei gekommen, um nach dir zu sehen — das ist ganz normal, so ein geistesgegenwärt artiges Eingehen auf die Situation. Selbst wenn du hierbleibst und etwas schiefgeht — was hätte das mit ihr zu tun? Ihr habt euch immer gut verstanden, wegen solch einer Nichtigkeit wird sie ihre Haltung dir gegenüber bestimmt nicht ändern.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Da hast du wohl recht. Mich wunderte nur, warum sie plötzlich Heimlichkeiten vor mir hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Lass mich durch die Hintertür gehen und unter dem Fenster lauschen, worüber sie reden. Dann komme ich zurück und erzähle es dir.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und tatsächlich ging er durch die Hintertür hinaus und schlich sich unter das Fenster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hörte Moschusmond leise fragen: „Wie hast du ihn denn zurückbekommen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen antwortete: „Als er neulich beim Händewaschen verschwand, hat die junge Herrin [Anm.: Phönixglanz] verboten, deswegen Lärm zu schlagen. Sobald wir den Garten verlassen hatten, ließ sie sofort allen Ammen in den verschiedenen Gartenhäusern auftragen, unauffällig danach zu suchen. Wir verdächtigten zunächst Fräulein Xings Mädchen — die sind von Haus aus arm, und so ein Kind hat vielleicht noch nie so etwas gesehen und es einfach genommen. Aber wir hätten nie gedacht, dass es jemand aus eurem Haushalt sein könnte. Glücklicherweise war die junge Herrin gerade nicht zu Hause, als dann Amme Song kam und den Armreif brachte. Sie sagte, die kleine Magd Zhuier habe ihn gestohlen, sie habe es entdeckt und wolle es der jungen Herrin melden. Ich nahm den Armreif sofort an mich und überlegte: Schatzjade hält so große Stücke auf euch und setzt sich immer nach Kräften für euch ein. Damals gab es schon die Geschichte mit Liang'er, die den Jadeschmuck stahl — das ist erst seit ein, zwei Jahren in Vergessenheit geraten, und immer noch bringt es jemand schadenfroh zur Sprache. Und jetzt ist auch noch Gold gestohlen worden, und das auch noch bei den Nachbarn! Für Schatzjade wäre das ein Schlag ins Gesicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum schärfte ich Amme Song sofort ein, sie dürfe Schatzjade kein Sterbenswort davon sagen und solle tun, als sei nichts geschehen, und auch vor keinem anderen etwas erwähnen. Zum zweiten wären auch die alte gnädige Frau und die gnädige Frau zörnig geworden, wenn sie davon erfahren hätten. Und zum dritten hättet ihr mit Dufthauch ebenfalls schlecht dagestanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also sagte ich der jungen Herrin einfach: 'Als ich bei der älteren jungen Herrin [Anm.: Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 李纨 Lǐ Wán, &amp;quot;Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;] war, muss sich der Verschluss des Armreifs unbemerkt gelöst haben. Er fiel auf den Rasen in den tiefen Schnee, wo ich ihn nicht sehen konnte. Heute ist der Schnee geschmolzen, und da lag er goldglänzend in der Sonne — ich habe ihn einfach aufgehoben.' Die junge Herrin hat es geglaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darum bin ich jetzt hier, um euch zu sagen: Gebt auf Zhuier acht und schickt sie nirgendwohin. Wenn Dufthauch zurück ist, besprecht euch untereinander und sorgt dafür, dass Zhuier unter einem Vorwand fortgeschickt wird — dann ist die Sache erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Dieses kleine Hurenbiest! Sie hat doch schon genug kostbare Dinge gesehen — warum musste sie jetzt so dumm sein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen sagte: „Der Armreif wiegt ja nicht einmal viel. Die junge Herrin sagt, so etwas heiße 'Krebsfühlerfiligran' — das Wertvollste daran ist noch die Perle. Heitermuster, das kleine Biest, darf davon nichts erfahren! Sie ist wie ein Stück Glut, das jeden Moment hochgeht. Wenn sie es erfährt, kann sie sich nicht beherrschen und schlägt oder beschimpft Zhuier — und dann kommt alles heraus. Darum sage ich es nur dir allein, damit du achtgibst.&amp;quot; Damit verabschiedete sie sich und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade hatte alles gehört. Er war zugleich erfreut, wütend und musste seufzen. Erfreut war er über Friedchens Einfühlungsvermögen. Wütend war er über Zhuiers Diebstahl. Und seufzen musste er, weil ein so kluges Mädchen sich zu solch einer Schandtat hatte hinreißen lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kehrte ins Zimmer zurück und berichtete Heitermuster Wort für Wort, was Friedchen gesagt hatte. Dann fügte er hinzu: „Friedchen meinte, ehrgeizig wie du bist, würdest du noch kränker, wenn du davon erführst. Darum wollte sie es dir erst sagen, wenn du wieder gesund bist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster war tatsächlich so wütend, dass ihre geschwungenen Brauen steil in die Höhe gingen und ihre Phönixaugen sich weit öffneten. Auf der Stelle rief sie nach Zhuier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade redete hastig auf sie ein: „Wenn du jetzt nach ihr rufst, machst du zunichte, was Friedchen aus Rücksicht auf dich und mich getan hat! Besser, wir halten uns an ihren Vorschlag und sorgen nachher dafür, dass Zhuier fortgeschickt wird.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Das sagst du so leicht — aber wie soll ich meinen Zorn bezähmen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Was gibt es da zu zürnen? Du musst jetzt vor allem gesund werden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster trank ihre Medizin. Am Abend nahm sie die zweite Dosis. In der Nacht schwitzte sie zwar etwas, aber die Besserung blieb aus — sie fieberte weiter, hatte Kopfschmerzen, verstopfte Nase und belegte Stimme. Am nächsten Tag kam Hofarzt König erneut, untersuchte sie und änderte die Rezeptur. Das Fieber ging zwar etwas zurück, doch der Kopfschmerz blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade befahl Moschusmond: „Hol Schnupftabak und lass sie etwas davon aufziehen. Wenn sie ein paar kräftige Nieser tut, werden sich die Hohlräume öffnen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond ging tatsächlich und brachte eine flache, goldgefasste Dose aus Aventurin-Glas [Anm.: Goldflitter-Glas] mit Doppelverschluss. Sie reichte sie Schatzjade. Dieser klappte den Deckel auf. Innen zeigte sich eine europäische Emailmalerei: ein Mädchen mit goldenem Haar und nacktem Körper, an den Seiten kleine Flügel. [Anm.: Eine Darstellung eines Engelchens nach westlichem Vorbild.] Darin lag eine Portion echten europäischen Wang-Qia-Schnupftabaks.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster hatte nur Augen für das Bildchen, worauf Schatzjade sie mahnte: „Zieh eine Prise auf! Wenn der Duft verfliegt, taugt er nichts mehr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster hörte das und nahm eilig mit dem Fingernagel etwas Tabak auf, zog ihn in die Nase — keine besondere Wirkung. Also nahm sie noch mehr und zog es kräftig ein. Plötzlich stieg ihr ein scharfes, saures Brennen durch die Nase bis in die Schädeldecke. Sie nieste fünf-, sechsmal hintereinander, und sofort rannen ihr die Tränen und der Nasenschleim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eilig schloss sie die Dose und rief lächelnd: „Unglaublich, wie scharf! Gebt mir schnell Papier!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein kleines Mädchen reichte ihr sogleich einen Stapel feines Papier, und Heitermuster nahm Blatt um Blatt, um sich die Nase zu putzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte lächelnd: „Und, wie fühlst du dich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster lächelte: „Tatsächlich etwas freier. Nur die Schläfen tun noch weh.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Dann kurieren wir auch das noch mit europäischer Medizin!&amp;quot; Und er befahl Moschusmond: „Geh zur zweiten jungen gnädigen Frau [Anm.: Phönixglanz] und sage ihr, ich hätte gesagt, sie habe immer ein europäisches Kopfschmerzpflaster, das sich 'Yifuna' nenne — sie möge mir ein wenig davon geben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte „Jawohl&amp;quot; und ging. Nach einiger Zeit kam sie tatsächlich mit einem halben Stück zurück. Dann suchte sie ein Stückchen roten Seidenatlas heraus, schnitt zwei fingerkuppengroße runde Flecken aus, wärmte die Salbe am Feuer auf und strich sie mit einem Haarnadel-Stiel auf die Stoffstückchen. Heitermuster nahm einen Handspiegel und klebte sich die Pflaster selbst auf beide Schläfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond lächelte: „Krank sahst du aus wie ein struppiges Gespenst, aber jetzt mit den Pflastern siehst du richtig hübsch aus! Die zweite junge gnädige Frau trägt sie ständig, da fallen sie gar nicht mehr auf.&amp;quot; Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Die zweite junge gnädige Frau lässt auserichten: Morgen ist der Geburtstag des Onkels mütterlicherseits. Die gnädige Frau hat angeordnet, dass du hingehst. Was wirst du morgen anziehen? Heute Abend könnten wir schon alles zurechtlegen, damit es morgen früh schneller geht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Was gerade zur Hand ist, das ziehe ich an — fertig! Das ganze Jahr über gibt es Geburtstage, da kommt man ja gar nicht mehr mit.&amp;quot; Damit stand er auf und ging hinaus, um Bedauerfrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 惜春 Xīchūn, „Bedaure-den-Frühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu besuchen und beim Malen zuzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade trat er aus dem Hoftor, als er Schatzzither&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, „Schatzzither Schnee&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s kleine Magd Xiaoluo vorüberkommen sah. Schatzjade lief ihr nach und fragte: „Wohin gehst du?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiaoluo lächelte: „Unsere beiden Fräulein sind bei Fräulein Lin [Anm.: Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, &amp;quot;Kajal Wald-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;], und ich gehe jetzt auch dorthin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade änderte seinen Weg und ging mit ihr zur Herberge am Xiaoxiang-Fluss. Dort waren nicht nur die beiden Schwestern Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Schatzzither zu Besuch, sondern auch Höhlennebel Strafe&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 邢岫烟 Xíng Xiùyān, „Fräulein Xing, Felsenrauch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zu viert sassen sie um den Räucherofen und plauderten über Alltägliches. Purpurkuckuck&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 紫鹃 Zǐjuān, „Purpurkuckuck&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; sass im warmen Alkoven am Fenster und nähte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie Schatzjade hereinkommen sahen, sagten alle lächelnd: „Da kommt noch einer! Aber ein Sitzplatz ist für dich nicht mehr da!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Was für ein herrliches 'Winterkammer-Schöne-Mädchen-Bild'! Nur schade, dass ich einen Augenblick zu spät komme. Aber hier ist es wärmer als in den anderen Räumen — auf diesem Stuhl wird mir nicht kalt sein.&amp;quot; Damit setzte er sich auf den Stuhl mit dem Graupelz-Polster, auf dem gewöhnlich Kajaljade sass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da erblickte er auf dem warmen Ofenbett eine längliche Kette, in der sich ungefüllte Narzissen in Dreier- und Fünfertuffs zwischen Xuanshi-Miniaturfelsen drängten. Laut rief er: „Was für herrliche Blumen! Je wärmer es hier im Zimmer ist, desto reiner duften sie. Gestern habe ich sie noch nicht gesehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade erklärte: „Die Frau eures Hauptverwalters Lai Da hat Schatzzither zwei Töpfe Wintersüßduft [Anm.: chinesische Winterblüte, Chimonanthus praecox] und zwei Schalen Narzissen geschenkt. Davon hat sie mir eine Schale Narzissen gegeben und Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 探春 Tànchūn, &amp;quot;Erkundefrühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; einen Topf Wintersüßduft. Eigentlich wollte ich sie nicht haben, aber ich fürchtete, Schatzzithers Gefühle zu verletzen. Wenn du möchtest, schenke ich sie dir weiter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Ich habe auch zwei Schalen bei mir, aber sie sind nicht so schön wie diese hier. Etwas weiterverschenken, was Schatzzither dir geschenkt hat — das darfst du auf keinen Fall!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Bei mir kommt den ganzen Tag der Arzneitiegel nicht vom Feuer — ich lebe geradezu von Medizin. Wie soll ich da noch Blumenduft vertragen? Er macht mich nur schwächer. Außerdem verdirbt der Arzneigeruch den Blumenduft. Nimm die Schale lieber zu dir — dort kann sich der reine Blumenduft entfalten, ohne dass andere Gerüche ihn trüben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Bei mir wird heute auch Arznei für eine Kranke gekocht! Woher weißt du das?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lächelte: „Was für eine seltsame Frage! Ich habe das ganz ohne Hintergedanken gesagt. Wer weiß denn schon, was in deinen Räumen vorgeht? Du hättest früher kommen sollen, um Geschichten aus alter Zeit zu hören, statt jetzt erst aufzutauchen und grundlos Verdacht zu schöpfen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Das nächste Dichterbund-Treffen hat dann ein Thema: Wir besingen Narzissen und Wintersüßduft!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade hörte das, lächelte und sagte: „Nein, nein! Ich traue mich nicht mehr, Gedichte zu schreiben. Jedes Mal, wenn ich eins schreibe, werde ich bestraft — wie beschämend!&amp;quot; Und sie schlug beide Hände vors Gesicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Was soll das nur? Musst du dich wieder über mich lustig machen? Ich müsste mich schämen, aber du schlägst die Hände vors Gesicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange schaltete sich lächelnd ein: „Beim nächsten Mal rufe ich den Bund zusammen und gebe vier Gedichtthemen und vier Liedthemen auf. Jeder schreibt vier Gedichte und vier Lieder. Das erste Gedichtthema: 'Besingen des Taiji-Diagramms' [Anm.: yin-yang-Symbol der chinesischen Philosophie]. Reimgruppe 'yi xian', fünfsilbiges Regelgedicht. Alle Reime der Gruppe müssen verwendet werden, kein einziger darf übrigbleiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzzither lächelte: „Das zeigt doch, dass Schwester gar nicht wirklich den Bund einberufen, sondern uns nur auf die Probe stellen will! Natürlich könnte man sich etwas abquälen, aber was für einen Spaß macht es, die Sätze aus dem 'Buch der Wandlungen' [Anm.: Yijing, eines der chinesischen Klassiker] in anderer Reihenfolge zu wiederholen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich acht Jahre alt war, begleitete ich meinen Vater an die Westküste, weil er dort überseeische Waren einkaufen wollte. Dort trafen wir unverhofft auf ein Mädchen aus dem Land Zhenzhen [Anm.: wahrscheinlich eine Anspielung auf ein westliches Land]. Sie war erst fünfzehn Jahre alt, und ihr Gesicht glich den Schönen auf europäischen Gemälden. Goldblondes Haar trug sie in Zöpfen, und auf dem Kopf funkelten lauter Edelsteine — Korallen, Katzenaugen, Smaragde. Bekleidet war sie mit einem Kettenhemd aus Goldfäden und einer Jacke aus ausländischem Brokat. An der Seite trug sie einen japanischen Dolch, ebenfalls mit Gold und Edelsteinen verziert. Selbst die Schönen auf Gemälden konnten sich nicht mit ihr messen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man erzählte uns, sie kenne sich in der chinesischen Literatur aus, verstehe über die Fünf Kanonischen Bücher zu diskutieren und könne Gedichte und Lieder verfassen. Darum bat mein Vater sie über einen Dolmetscherbeamten, etwas für ihn zu schreiben, und sie schrieb ihm ein selbstverfasstes Gedicht auf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle staunten ungläubig. Schatzjade bat eifrig lächelnd: „Liebe Schwester, bring das Blatt her, ich möchte es sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzzither lächelte: „Es liegt in Nanjing aufbewahrt — wie soll ich es jetzt von dort holen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade war tief enttäuscht: „Kein Glück! So etwas Seltenes bekomme ich nicht zu sehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade lachte und zog Schatzzither am Arm: „Führ uns nicht an der Nase herum! Ich weiß genau, dass du bei deiner Ankunft hier solche Dinge bestimmt nicht zu Hause gelassen, sondern mitgebracht hast. Jetzt aber lügst du und behauptest, du hättest es nicht dabei. Die anderen mögen dir das glauben — ich glaube es nicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzzither wurde rot, senkte den Kopf und lächelte leise, ohne ein Wort zu erwidern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange lächelte: „Ausgerechnet unser Runzelmädchen [Anm.: Spitzname für Kajaljade] versteht es, einen in die Enge zu treiben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Wenn du es mitgebracht hast, lass es uns doch sehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange lächelte: „Sie hat einen ganzen Haufen Kisten und Körbe mitgebracht, die noch nicht alle ausgepackt sind. Wie soll sie da wissen, in welchem Gepäckstück es steckt? Wenn alles ausgepackt und sortiert ist und sie es findet, können wir es uns alle ansehen.&amp;quot; Dann wandte sie sich an Schatzzither: „Wenn du dich an das Gedicht erinnerst, warum sagst du es nicht einfach auf?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzzither antwortete: „Ich erinnere mich. Es ist ein fünfsilbiges Regelgedicht. Für ein Mädchen aus dem Ausland ist es wirklich erstaunlich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Warte noch, ehe du es vorträgst! Wir müssen erst unser Wolkchen [Anm.: Xiangji&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, &amp;quot;Xiangfluss-Wolke&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;/Xiangfluss-Wolke, 湘云] holen lassen, damit sie es auch hört.&amp;quot; Dann rief sie Xiaoluo und befahl: „Geh zu uns hinüber und sage: Hier ist eine ausländische Schönheit gekommen, die wunderbare Gedichte schreibt. Die 'Gedichtverrückte' soll kommen und sie sich ansehen — und unsere 'Gedichtnärrin' [Anm.: Duftkastanie&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 香菱 Xiānglíng, &amp;quot;Duftende Wasserkastanie&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;/Duftkastanie, 香菱] soll sie auch mitbringen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiaoluo ging lächelnd davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einiger Zeit hörte man Xiangji draußen lachend fragen: „Was für eine ausländische Schönheit ist denn gekommen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprach, kam sie schon herein, zusammen mit Duftkastanie. Alle lächeltewn: „Man hörte sie, ehe man sie sah.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzzither bat sie sogleich Platz zu nehmen und wiederholte die Geschichte noch einmal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Xiangji lächelte: „Sag es schnell auf! Lass uns das Gedicht hören!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzzither begann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Gestern noch träumt' ich im Prachtgemach,&lt;br /&gt;
    heute sing' ich am Ufer des Inselreichs.&lt;br /&gt;
    Wolken dampfen empor vom großen Meer,&lt;br /&gt;
    Nebeldunst verbindet sich mit dichtem Wald.&lt;br /&gt;
    Der Mond ist derselbe seit alter Zeit,&lt;br /&gt;
    doch Gefühle kennen Tiefe und Seichte.&lt;br /&gt;
    Im Süden des Han-Flusses grünt's überall —&lt;br /&gt;
    wie könnt' es mich nicht rühren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle hörten es und sagten: „Erstaunlich! Dieses Mädchen übertrifft ja uns Chinesen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum waren diese Worte gesprochen, kam Moschusmond herein und meldete: „Die gnädige Frau hat jemanden geschickt, um dem jungen Herrn auszurichten: Morgen früh soll er zum Onkel gehen und sagen, die gnädige Frau fühle sich nicht wohl und könne nicht persönlich kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade stand eilig auf und sagte: „Jawohl.&amp;quot; Dann fragte er Schatzspange und Schatzzither, ob sie ebenfalls gingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: „Wir gehen nicht. Gestern haben wir lediglich Geschenke geschickt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle plauderten noch ein Weilchen, dann ging man auseinander. Schatzjade ließ die Mädchen vorangehen und blieb als letzter zurück. Kajaljade hielt ihn noch auf und fragte: „Wann kommt Dufthauch eigentlich zurück?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Natürlich erst nach der Beerdigung.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade schien noch etwas sagen zu wollen, brachte es aber nicht heraus. Einen Moment starrte sie geistesabwesend vor sich hin, dann sagte sie: „Geh nur.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Schatzjade fühlte, dass ihm viele Worte auf dem Herzen lagen, wusste aber nicht, wie er sie ausdrücken sollte. Nach kurzem Nachdenken lächelte er: „Unterhalten wir uns morgen weiter.&amp;quot; Er stieg die Treppe hinab, den Kopf gesenkt, im Begriff loszugehen, drehte sich dann aber nochmals hastig um und fragte: „Die Nächte sind jetzt immer länger — wie oft hustest du nachts? Wie oft wachst du auf?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: „Letzte Nacht war es besser. Ich hustete nur zweimal, schlief aber nur in der vierten Nachtwache ein Weilchen, danach konnte ich nicht mehr einschlafen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lächelnd: „Gerade fällt mir noch etwas Wichtiges ein.&amp;quot; Er trat näher an sie heran und flüsterte: „Die Schwalbennester, die Schwester Schatzspange dir geschickt hat —&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte den Satz noch nicht beendet, als Nebenfrau Zhao hereinkam und Kajaljade fragte: „Geht es dem Fräulein in letzter Zeit besser?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade wusste, dass Nebenfrau Zhao von Erkundefrühling kam und nur hereinschaute, weil ihr Weg sie hier vorüberführte — eine beiläufige Höflichkeit. Dennoch bot sie ihr lächelnd einen Platz an: „Wie aufmerksam, dass Ihr trotz der Kälte persönlich kommt und an mich denkt!&amp;quot; Rasch ließ sie Tee einschenken und warf Schatzjade dabei einen Blick zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade verstand und ging hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war gerade Zeit für das Abendessen. Er ging zu Dame König, die ihn nochmals ermahnte, am nächsten Morgen früh aufzubrechen. Schatzjade kehrte in seine Räume zurück und sah nach, ob Heitermuster ihre Medizin eingenommen hatte. An diesem Abend ließ er Heitermuster nicht aus dem warmen Alkoven kommen, sondern schlief selbst davor. Das Kohlenbecken ließ er vor den Alkoven stellen, und Moschusmond schlief am Kohlenbecken. Die Nacht verging ohne Vorkommnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen, noch vor Tagesanbruch, weckte Heitermuster Moschusmond: „Du solltest aufstehen — du schläfst doch nie genug! Geh hinaus und lass jemand Tee für ihn vorbereiten. Ich wecke ihn dann.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond warf sich eilig ihre Kleidung über, stand auf und sagte: „Wecken wir ihn lieber zuerst, lassen ihn sich anziehen und stellen das Kohlenbecken weg, bevor wir die anderen hereinrufen. Die alten Ammen haben gesagt, er soll nicht hier im Zimmer schlafen, damit die Krankheit nicht auf ihn überspringt. Wenn sie sehen, dass wir so dicht beieinander gelegen haben, werden sie wieder nörgeln.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Genau das dachte ich auch.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie Schatzjade wecken wollten, war er bereits wach, stand rasch auf und warf sich etwas über. Moschusmond rief zuerst die kleinen Mädchen herein, und erst als alles aufgeräumt war, befahl sie Herbstmuster und Tanyun, hereinzukommen und Schatzjade zu dritt beim Waschen und Kämmen beizustehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Der Himmel sieht schon wieder trüb aus, es wird wohl schneien. Zieh die Filzsachen an.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade nickte und wechselte die Kleidung. Ein kleines Mädchen brachte auf einem kleinen Tablett eine Deckelschale mit Suppe aus Bau-Lotoskernen und roten Jujuben. Schatzjade trank zwei Schluck. Moschusmond reichte ihm noch ein Schälchen mit eingelegtem Ingwer, und Schatzjade nahm ein Stück in den Mund. Dann gab er Heitermuster noch ein paar Anweisungen und ging hinüber zur Herzoginmutter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter war noch nicht aufgestanden, aber da sie wusste, dass Schatzjade ausgehen sollte, ließ sie ihm die Tür öffnen und bat ihn herein. Hinter dem Rücken der Herzoginmutter erblickte Schatzjade Schatzzither, die mit dem Gesicht zur Wand schlief und noch nicht wach war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sah, dass Schatzjade eine litschirote Jacke aus Duoluoni-Wollstoff [Anm.: ein feiner ausländischer Wollstoff] mit Himmelspferd-Ärmeln [Anm.: hufförmige Manschetten] trug, und darüber ein Obergewand aus leuchtrend rotem Orang-Utan-Filz, bestickt mit goldenen Kreisen und bunten Mustern, die Kanten mit azuritblauem gemustertem Atlas gesäumt und mit Fransen versehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter fragte: „Schneit es denn?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Der Himmel ist bewölkt, aber es schneit noch nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter rief Mandarinenente&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, „Mandarinenente&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und befahl: „Gib ihm den gestern erwähnten Umhang mit dem Wuwlkenleopard-Futter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandarinenente sagte „Jawohl&amp;quot;, ging hinaus und brachte tatsächlich einen Umhang. Als Schatzjade ihn betrachtete, glänzte und blitzte er golden und grün — ganz anders als der Wildentenfedern-Umhang, den Schatzzither bekommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter erklärte lächelnd: „Das nennt man 'Pfauengoldstoff'. In Russland werden dafür Pfauenfedern zu Fäden gesponnen und zu diesem Stoff verwebt. Neulich habe ich deiner kleinen Schwester den Umhang aus Wildentenfedern geschenkt — dieser hier ist für dich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade machte einen Kowtau und legte sich den Umhang um. Die Herzoginmutter lächelte: „Zeig ihn erst deiner Mutter, bevor du gehst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte „Jawohl&amp;quot; und ging hinaus. Dort stand gerade Mandarinenente und rieb sich die Augen. Seit jenem Tag, an dem sie ihren großen Schwur geleistet hatte [Anm.: nie zu heiraten, wie in Kap. 46 geschildert], sprach sie nicht mehr mit Schatzjade, und dieser quälte sich Tag und Nacht deswegen. Als er sah, dass sie ihm auch jetzt ausweichen wollte, trat er auf sie zu und sagte lächelnd: „Liebe Schwester, schau doch — steht mir das gut?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Mandarinenente winkte nur ab und ging ins Zimmer der Herzoginmutter zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade begab sich zu Dame König, zeigte ihr den Umhang, kehrte dann in den Garten zurück und zeigte sich auch Heitermuster und Moschusmond. Anschließend ging er nochmals zur Herzoginmutter und berichtete: „Die gnädige Frau hat den Umhang angesehen und gesagt, er sei zu schade. Sie hat mir befohlen, sorgfältig damit umzugehen und ihn nicht zu verderben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Es ist das allerletzte Stück dieser Art. Wenn du es verdirbst, gibt es kein weiteres. So etwas eigens für dich anfertigen zu lassen ist unmöglich.&amp;quot; Dann ermahnte sie ihn noch: „Trink nicht zu viel Wein und komm früh zurück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte mehrmals hintereinander „Jawohl&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alten Ammen begleiteten ihn bis zur Haupthalle. Dort warteten bereits sein Milchbruder Li Gui und König Rong, Zhang Ruojin, Zhao Yihua, Qian Qi sowie Zhou Rui — sechs Mann — zusammen mit den vier Burschen Mingyan, Banhe, Chuyao und Saohong. Einer trug ein Kleiderbündel auf dem Rücken, ein anderer ein Sitzpolster unter dem Arm. Die übrigen hielten einen Schimmel mit geschnitztem Sattel und buntem Zaumzeug bereit und warteten schon lange.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Amme gab den sechs Älteren noch ein paar Anweisungen, die sie mit mehrfachem „Jawohl&amp;quot; beantworteten. Dann griffen sie nach Peitsche und Steigbügel. Schatzjade schwang sich gemächlich aufs Pferd. Li Gui und König Rong führten es am Zaum, Qian Qi und Zhou Rui gingen voran, Zhang Ruojin und Zhao Yihua ritten dicht hinter Schatzjade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Pferd herab sagte Schatzjade lächelnd: „Bruder Zhou, Bruder Qian — nehmen wir das Seitentor, damit ich vor der Bibliothek des gnädigen Herrn nicht absteigen muss.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhou Rui wandte sich um und lächelte: „Der gnädige Herr ist nicht zu Hause, die Bibliothek ist täglich verschlossen — da müsst Ihr doch nicht absteigen, junger Herr.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Auch vor der verschlossenen Bibliothek muss ich absteigen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Qian Qi, Li Gui und die anderen lachten: „Der junge Herr hat recht. Selbst wenn er sich drücken wollte und nicht abstiege — wenn uns zufällig Herr Lai Da oder Herr Lin begegneten, würden sie zwar dem jungen Herrn nichts sagen können, aber ein paar ermahnende Worte gäbe es schon. Die Schuld aber würde man uns aufbürden, dass wir dem jungen Herrn keine Manieren beibringen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhou Rui und Qian Qi führten den Zug geradeswegs auf das Seitentor zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprachen, kam ihnen tatsächlich Lai Da entgegen. Schatzjade zügelte sofort das Pferd und wollte absteigen. Lai Da trat rasch heran und umfasste sein Bein. Schatzjade stellte sich in die Steigbügel, ergriff lächelnd Lai Das Hand und wechselte ein paar Worte mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann erblickte er einen Burschen, der mit zwanzig, dreißig Leuten, die Besen und Kehrschaufeln trugen, hereinkam. Als diese Schatzjade sahen, stellten sie sich alle mit herabhangenden Armen an der Mauer auf. Nur der anführende Bursche kniete halb nieder und wünschte Schatzjade Wohlergehen. Schatzjade kannte seinen Namen nicht, lächelte nur und nickte. Als das Pferd vorbei war, führte der Bursche seine Leute weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Seitentor angekommen, stießen sie draußen auf die Burschen von Li Gui und den anderen. Zusammen mit einigen Pferdeknechten hielten sie zehn Pferde bereit. Kaum aus dem Tor, schwangen sich alle in die Sättel. Voran und an den Seiten, wie eine Rauchwolke verschwanden sie. Mehr soll davon nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster, die trotz der Medizin noch keine Besserung spürte, schimpfte auf den Arzt: „Der versteht nur, den Leuten das Geld abzuknöpfen, aber eine anständige Medizin verschreibt er nicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond mahnte sie lächelnd: „Du bist zu ungeduldig. Das Sprichwort sagt: 'Die Krankheit kommt wie ein Bergsturz, aber sie geht wie das Abwickeln eines Seidenfadens.' Es ist doch keine Wunderpille des Götterfürsten Laozi! Wo gäbe es solch eine Wundermedizin! Leg dich nur ein paar Tage still hin, dann wirst du von allein gesund. Je ungeduldiger du bist, desto schlimmer wird es.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster schimpfte auf die kleinen Mädchen: „Wo habt ihr euch alle verkrochen? Kaum bin ich krank, werdet ihr frech und macht euch davon! Wenn ich erst wieder gesund bin, ziehe ich euch eine nach der anderen das Fell über die Ohren!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erschrocken kam die kleine Zhuan'er hereingestürzt: „Was braucht Ihr, Fräulein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Sind etwa alle anderen gestorben und nur du übriggeblieben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Währenddessen schob sich auch Zhuier herein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Seht euch dieses Biest an! Wenn man sie nicht ruft, kommt sie nicht. Aber wenn Monatsgeld verteilt oder Obst ausgegeben wird, drängelt sie sich nach vorn. — Komm näher! Ich bin kein Tiger und fresse dich nicht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhuier trat zögernd näher. Plötzlich schnellte Heitermuster unverhofft vor, packte Zhuiers Hand, zog mit der anderen einen langen Haarpfeil [Anm.: einen „Zhang Qing&amp;quot;, einen spitzen Stab] unter dem Kopfkissen hervor und stach damit wild auf Zhuiers Hand ein, währenddessen sie schimpfte: „Wozu ist diese Pfote nütze? Nadel und Faden kann sie nicht halten, nur nach dem Essen langt sie! Dummdreist und langfingrig, bringt nichts als Schande über uns — ich steche sie dir lieber kaputt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhuier schrie und weinte vor Schmerz. Moschusmond riss sie rasch los, drückte Heitermuster aufs Kissen zurück und sagte lächelnd: „Willst du dir den Tod holen? Du hast doch eben erst geschwitzt. Wenn du gesund bist, kannst du sie schlagen, soviel du willst — aber warum jetzt dieses Theater?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster ließ Amme Song rufen und sagte: „Der junge Herr hat mir vorhin aufgetragen, Euch Bescheid zu geben: Zhuier sei zu faul. Wenn er ihr etwas aufträgt, rührt sie sich nicht; wenn Dufthauch ihr Anweisungen gibt, schimpft sie hinter ihrem Rücken. Sie soll heute noch fortgeschickt werden — morgen meldet der junge Herr es persönlich der gnädigen Frau.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amme Song verstand natürlich, dass es um die Sache mit dem Armreif ging, und erwiderte lächelnd: „Trotzdem wäre es besser, zu warten, bis Fräulein Dufthauch zurück ist und Bescheid weiß, ehe wir sie fortschicken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster erregte sich: „Der junge Herr hat es mir eigens tausendmal eingeschärft! Was hat 'Fräulein Blume' oder 'Fräulein Gras' damit zu tun? Wir haben unseren eigenen Verstand! Tu, was ich sage, und lass sofort jemanden von ihrer Familie kommen, der sie abholt!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Das ist auch richtig. Früher oder später muss sie weg — je eher sie abgeholt wird, desto eher haben wir hier Ruhe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amme Song hatte keine Wahl mehr und ließ Zhuiers Mutter kommen. Diese packte Zhuiers Sachen zusammen, kam dann zu Heitermuster und den anderen und sagte: „Was haben denn die Fräulein? Wenn mein Mädchen etwas falsch gemacht hat, könntet Ihr sie doch erziehen — warum muss sie gleich hinausgeworfen werden? Lasst uns doch wenigstens unser Gesicht wahren!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Damit musst du warten, bis Schatzjade zurück ist und ihn fragen — mit uns hat das nichts zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau lächelte kalt: „Als ob ich das wagte, ihn zu fragen! Es gibt doch keine Angelegenheit, in der er nicht nach dem Willen der Fräulein handelt. Selbst wenn er nachgeben wollte — wenn die Fräulein nicht nachgeben, nützt es nichts. Gerade eben zum Beispiel, als Ihr hinter seinem Rücken spracht — da nanntet Ihr ihn einfach beim Namen. Euch steht es frei, so etwas zu tun, aber uns würde man als Rüpel betrachten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster wurde vor Wut feuerrot: „Wenn ich ihn beim Namen genannt habe, dann geh doch zur alten gnädigen Frau und zeig mich an! Sag ihr, ich sei rüpelhaft gewesen und müsste ebenfalls hinausgeworfen werden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond schaltete sich rasch ein: „Schwäglerin, nimm dein Mädchen und geh. Was zu sagen ist, kann später gesagt werden. Hier ist nicht der Ort, an dem du herumschreien und Anstand predigen kannst. Hast du jemals erlebt, dass uns jemand Anstand gepredigt hätte? Von dir ganz zu schweigen — selbst Frau Lai Da und Frau Lin müssen uns einiges nachsehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dass wir ihn beim Namen nennen — das geschieht von Kindesbeinen an bis heute auf Befehl der alten gnädigen Frau, wie euresgleichen ja wohl bekannt sein dürfte. Aus Sorge, ihn zu verlieren, ließ sie seinen Kindsnamen auf Zettel schreiben und überall ankleben, damit alle ihn aussprechen und so sein Leben sichern. Wenn sogar Wasserträger, Latrinenreiniger und Bettler ihn beim Namen nennen dürfen — dürfen wir es dann nicht? Erst gestern hat die alte gnädige Frau Frau Lin gescholten, weil sie ihn 'junger Herr' nannte. Das ist das eine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen: Wenn wir der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau Bericht erstatten, nennen wir ihn natürlich beim Namen. Oder sollten wir da vielleicht 'junger Herr' sagen? Zweihundertmal am Tag sprechen wir den Namen 'Schatzjade' aus — und gerade das willst du uns vorwerfen? Wenn du demnächst einmal Zeit hast, komm und hör dir an, wie wir ihn vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau beim Namen rufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast natürlich nie die Ehre gehabt, der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau unmittelbar zu dienen, und treibst dich das ganze Jahr nur hinter den dritten Toren herum — kein Wunder, dass du die Regeln nicht kennst, die bei uns gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist auch nicht der Ort, wo du dich lange aufhalten kannst. Gleich kommt jemand und fragt dich, was du hier zu suchen hast. Was hast du dann zu sagen? Also nimm dein Mädchen und geh! Wenn du etwas zu besprechen hast, wende dich an Frau Lin und lass sie mit dem jungen Herrn reden. Bei tausend Leuten im Haus — heute läuft die eine herein, morgen die andere — da können wir nicht einmal alle Namen und Gesichter auseinanderhalten!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann rief sie ein kleines Mädchen: „Hol den Wischlappen und wisch den Fußboden!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frau konnte nichts darauf erwidern und wagte nicht länger zu bleiben. Sie schluckte ihren Ärger herunter und wollte mit Zhuier davongehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amme Song rief ihr nach: „Kein Wunder, dass du die Anstandsregeln nicht kennst, Schwägegin! Nachdem deine Tochter eine Weile hier gedient hat, muss sie beim Abschied doch wenigstens vor den Fräulein ihren Kowtau machen. Abschiedsgeschenke braucht es keine — darauf legt hier niemand Wert —, aber einen Kowtau muss sie machen, um ihren Respekt zu zeigen. Wie kann sie einfach so davongehen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zhuier kam widerwillig zurück und machte vor Heitermuster und Moschusmond je zwei Kowtaus. Dann suchte sie auch Herbstmuster und die anderen auf, aber diese würdigten sie keines Blickes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter seufzte und stöhnte, wagte aber kein Wort mehr zu sagen, und ging verbittert davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster, die sich vorhin erneut der Zugluft ausgesetzt und außerdem aufgeregt hatte, fühlte sich jetzt noch schlechter als zuvor. Sie wälzte sich auf dem Bett, bis es Zeit war, die Lampen anzuzünden, und hatte sich gerade etwas beruhigt, als Schatzjade zurückkam. Schon beim Eintreten seufzte er und stampfte mit dem Fuß auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond fragte eilig nach dem Grund. Schatzjade sagte: „Heute früh hat mir die alte Ahnherrin freudestrahlend diesen Umhang geschenkt, und nun habe ich mich nicht vorgesehen — am Rückenteil ist eine Stelle verbrannt. Zum Glück war es schon Abend, und die alte Ahnherrin und die gnädige Frau haben nicht genau hingesehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er legte den Umhang ab. Moschusmond besah ihn — tatsächlich, ein Brandloch, so groß wie eine Fingerkuppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Bestimmt ist ein Funke aus dem Handöfchen darauf gesprungen&amp;quot;, sagte sie. „Das ist nicht schlimm. Lass ihn heimlich zu einem tüchtigen Kunststopfer bringen, der das Loch ausbessert.&amp;quot; Schon steckte sie den Umhang in einen Kleiderbeutel und übergab ihn einer alten Frau: „Bis zum Hellwerden muss er zurück sein. Und auf keinen Fall dürfen die alte Ahnherrin oder die gnädige Frau davon erfahren!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ging, kam aber nach längerer Zeit mit dem Umhang zurück: „Nicht nur die besten Kunststopfer, auch Schneider, Sticker und Näherinnen habe ich gefragt — keiner wusste, was für ein Gewebe das ist, und keiner wagte den Auftrag anzunehmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Was nun? Dann trägst du ihn eben morgen nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Morgen ist die eigentliche Feier. Die alte Ahnherrin und die gnädige Frau haben ausdrücklich gesagt, ich solle ihn wieder tragen. Gleich am ersten Tag ein Brandloch — das verdirbt doch alle Freude.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster hatte die ganze Zeit still zugehört und konnte sich nicht länger zurückhalten. Sie drehte sich um und sagte: „Gebt ihn mir, ich sehe ihn mir an. Wenn dir das Schicksal nicht bestimmt hat, ihn zu tragen, dann eben nicht — was regst du dich nur so auf?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Da hast du recht.&amp;quot; Er reichte ihr den Umhang und rückte die Lampe näher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster betrachtete den Schaden eine Weile und sagte: „Das ist aus Pfauengoldfäden gewebt. Wenn wir jetzt auch Pfauengoldfaden nehmen und das Loch mit 'Grenzstichen' [Anm.: eine spezielle Sticktechnik, die das Gewebe nachahmt, indem sie abwechselnd wie Webfäden gesetzt wird] fein und dicht zunähen, können wir uns vielleicht damit durchmogeln.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond lächelte: „Pfauengoldfaden haben wir vorrätig, aber wer außer dir beherrscht den Grenzstich?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Dann muss ich wohl mein Leben riskieren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade wandte eilig ein: „Das geht doch nicht! Du bist kaum ein wenig genesen — wie kannst du da schon wieder arbeiten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Sei nicht so ängstlich — ich weiß, was ich tue!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie setzte sich auf, band das Haar zurück, legte sich eine Jacke um die Schultern — doch es war ihr schwindelig, der Körper war schwach, vor den Augen tanzten goldene Sterne. Sie konnte sich kaum aufrecht halten. Aber wenn sie es nicht tat, würde Schatzjade sich aufregen. Also biss sie die Zähne zusammen und kämpfte sich durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie befahl Moschusmond, die Fäden zu drehen. Dann nahm sie einen Faden und verglich ihn mit dem Gewebe: „Ganz identisch ist er zwar nicht, aber wenn das Loch damit gestopft ist, wird es nicht übeermäßig auffallen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Das genügt völlig — woher sollten wir einen russischen Schneider nehmen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster trennte zuerst das Futter auf, spannte die beschädigte Stelle über einen winzigen Bambusrahmen, nicht größer als eine Teeschale, und schabte mit einem kleinen goldenen Messer die versengten Fäden weg. Dann markierte sie mit zwei Nadelfäden Kette und Schuss, um anschließend in der Grenzstich-Technik erst das Untergewebe und darauf das ursprüngliche Muster nachzuarbeiten. Nach jedem zweiten Stich hielt sie inne und betrachtete ihr Werk, beim Kunststopfen verglich sie es immer wieder mit dem Original.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch ihr schwindelte und die Augen wurden dunkel, der Atem ging stoßweise und die Kräfte ließen nach. Kaum drei bis fünf Stiche konnte sie machen, dann musste sie sich schon aufs Kissen legen und ausruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade stand neben ihr. Bald fragte er: „Möchtest du einen Schluck heißes Wasser?&amp;quot; Bald befahl er: „Ruh dich aus!&amp;quot; Bald legte er ihr einen Umhang aus grauem Eichhörnchenfell über den Rücken, bald ließ er ein Stützkissen bringen, damit sie sich anlehnen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich bat Heitermuster gereizt: „Kleiner Ahnherr! Schlaf doch einfach! Wenn du die halbe Nacht aufbleibst und morgen eingefallene Augen hast — was sollen wir dann machen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sah ein, dass er sie nur nervös machte, und legte sich hin, konnte aber nicht einschlafen. Nach einiger Zeit schlug die Uhr viermal — Heitermuster hatte die Stopfarbeit gerade beendet und bürstete nun behutsam mit einer kleinen Zahnbürste die Fußeln heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Das ist dir gelungen! Wer nicht genau hinsieht, merkt nichts.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade ließ sich den Umhang geben, betrachtete die Stelle und sagte: „Wirklich, es sieht ganz genauso aus!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster hatte mehrmals gehustet, das Loch mit Mühe und Not zu Ende gestopft und sagte nur noch: „Gestopft ist es, aber das Wahre ist es nicht. Ich kann nicht mehr!&amp;quot; Mit einem Schmerzenslaut sank sie nieder und konnte sich nicht mehr rühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer wissen will, wie es weiterging, lese das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Hongloumeng/de4/Chapter_51|← 51]] | [[Hongloumeng/de4/Chapter_53|53 →]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Root</name></author>
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		<id>https://bou.de/u/index.php?title=Hongloumeng/de4/Chapter_51&amp;diff=177925</id>
		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 51</title>
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		<updated>2026-05-20T13:04:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#8b1a1a;color:white;padding:12px 15px;margin:0 0 20px 0;border-radius:4px;font-size:1.1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;span style=&amp;quot;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;Kapitel:&amp;lt;/span&amp;gt; [[Hongloumeng/de4/Chapter_46|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;46&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_47|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;47&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_48|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;48&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_49|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;49&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_50|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;50&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;font-weight:bold;&amp;quot;&amp;gt;51&amp;lt;/span&amp;gt; &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_52|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;52&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_53|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;53&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_54|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;54&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_55|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;55&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4/Chapter_56|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;56&amp;lt;/span&amp;gt;]] &amp;amp;middot; [[Hongloumeng/de4|&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFD700;&amp;quot;&amp;gt;← Inhalt&amp;lt;/span&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第五十一回 / Kapitel 51 =&lt;br /&gt;
== 薛小妹新编怀古诗 ==&lt;br /&gt;
=== 胡庸医乱用虎狼药 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die junge Schnee-Schwester verfasst neue Gedichte über historische Stätten — Ein Kurpfuscher verschreibt rohe Wolfsmedizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als alle hörten, Schatzzither&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, „Schatzzither Schnee&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; habe über die historischen Stätten in den verschiedenen Provinzen, die sie auf ihren Reisen besucht hatte, zehn Vierzeiler verfasst, in denen je ein Alltagsgegenstand als Rätsel verborgen sei, sagten sie einhellig, das sei natürlich und neuartig zugleich. Alle drängten sich vor, um die Gedichte zu lesen, und dort stand geschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an die Rote Wand (I)&lt;br /&gt;
    An der Roten Wand versenkt, das Wasser stockt im Lauf,&lt;br /&gt;
    vergeblich stehn noch Namen auf dem leeren Boot.&lt;br /&gt;
    Im Lärm der Flammen heult der kalte Wind,&lt;br /&gt;
    zahllose Heldenseelen treiben still darin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an Jiaozhi (II)&lt;br /&gt;
    Bronzene Glocken künden strenge Ordnung an,&lt;br /&gt;
    ihr Hall erreicht barbarische Völker überm Meer.&lt;br /&gt;
    Ma Yuans Verdienste waren wahrlich groß,&lt;br /&gt;
    die Eisenflöte braucht nicht Zhang Liang zu besingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an den Glocken-Berg (III)&lt;br /&gt;
    Wann hätten Ruhm und Reichtum je zu dir gehört?&lt;br /&gt;
    Grundlos vom Edikt gerufen in den Staub der Welt.&lt;br /&gt;
    Verwicklung und Verstrickung enden nie,&lt;br /&gt;
    so zürne nicht, wenn andere spotten über dich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an Huaiyin (IV)&lt;br /&gt;
    Auch tapfre Krieger müssen vor gemeinen Hunden stehn,&lt;br /&gt;
    erst auf dem Thron, da senkt sich schon der Sargdeckel.&lt;br /&gt;
    Sagt diesem schnöden Volke, es soll nicht verachten,&lt;br /&gt;
    selbst sterbend denkt er noch an jenen Bissen Reis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an Guangling (V)&lt;br /&gt;
    Zikaden zirpen, Krähen nisten — im Nu ist es vorbei,&lt;br /&gt;
    der Damm der Sui-Dynastie — wie steht es heute dort?&lt;br /&gt;
    Nur weil er sich den Ruf der Eleganz erwarb,&lt;br /&gt;
    gab es nicht wenig böser Zungen über ihn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an die Pfirsichblatt-Fähre (VI)&lt;br /&gt;
    Welkes Gras und müssige Blumen spiegeln sich im flachen Teich,&lt;br /&gt;
    der Pfirsichzweig, das Pfirsichblatt — getrennt für immer.&lt;br /&gt;
    Sechs Dynastien lang standen stolze Balken dort,&lt;br /&gt;
    ein kleines Bildnis hängt noch einsam an der Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an den Düsteren Hügel (VII)&lt;br /&gt;
    Der Schwarze Strom, er wühlt und stockt in seinem Lauf,&lt;br /&gt;
    die Eissaiten der Laute klagen bittre Trauer.&lt;br /&gt;
    Des Han-Reichs Ordnung ist wahrlich zu beklagen,&lt;br /&gt;
    ein Nichtsnutz sollte sich in Ewigkeit noch schämen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an Mawei (VIII)&lt;br /&gt;
    Einsam die Rougespuren, schweißbedeckt und glänzend,&lt;br /&gt;
    und alle Zartheit ging dem Osten zu in einem Nu.&lt;br /&gt;
    Nur weil von jener Schönen Spuren blieben,&lt;br /&gt;
    duften noch heute ihre Kleider und ihr Tuch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an den Pudong-Tempel (IX)&lt;br /&gt;
    Die kleine Rote, von geringer Herkunft, leichten Sinns,&lt;br /&gt;
    half heimlich stehlen und das Liebespaar zusammenzwingen.&lt;br /&gt;
    Obwohl die Herrin sie zuweilen an den Balken hing,&lt;br /&gt;
    hatt' sie die beiden längst zusammengebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    Erinnerung an den Pflaumenblütenkloster (X)&lt;br /&gt;
    Nicht beim Pflaumenbaum, beim Weidenbaum statt dessen,&lt;br /&gt;
    wer findet dort das Bildnis jener Schönen?&lt;br /&gt;
    An Wiedersehn denk nicht — erst wenn der Frühling naht,&lt;br /&gt;
    nach einem Abschied weht der Herbstwind, und ein Jahr vergeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lasen die Gedichte und priesen sie als außergewöhnlich und kunstvoll. Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; äußerte sich zuerst: „Die ersten acht Gedichte beruhen sämtlich auf historisch belegten Tatsachen, aber für die letzten beiden gibt es keine Beweise. Wir verstehen sie auch nicht recht. Es wäre besser, du schriebest zwei neue an ihrer Stelle.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; fiel ihr hastig ins Wort: „Schwester Schatzspange ist wirklich zu sehr eine, die den Leim auf den Steg klebt und dann die Laute spielen will [Anm.: Sprichwort für übertriebene Pedanterie] — zu gekünstelt und geziert! Für diese beiden Gedichte mag es zwar keine Belege in den Geschichtswerken geben, und wir mögen die inoffiziellen Überlieferungen nicht gelesen haben und die Hintergründe nicht kennen, aber haben wir denn nicht einmal zwei Theaterstücke gesehen? Das weiß schon ein dreijähriges Kind, geschweige denn wir!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 探春 Tànchūn, „Erkundefrühling&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; sagte: „Das ist völlig richtig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Li&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; fuhr fort: „Zumal sie ja selbst an diesen Orten gewesen ist. Obwohl es für die beiden Geschichten keine Belege gibt — seit alters her wurde von Mund zu Mund weitererzählt, und begeisterte Liebhaber solcher Geschichten haben absichtlich pseudohistorische Stätten erfunden, um die Leute hinters Licht zu führen. Als wir damals zum Beispiel auf dem Weg in die Hauptstadt waren, haben wir allein vom Grab des Meisters Guan [Anm.: Guan Yu, berühmter General der Drei Reiche] drei oder vier vorgefunden. Meister Guans Lebenswerk ist historisch verbürgt, aber wie kann er mehrere Gräber haben? Natürlich liegt es daran, dass spätere Menschen seine Taten so bewunderten, dass sie aus dieser Verehrung heraus solche Orte erdachten. Auch möglich. Schaut man in die 'Aufzeichnungen über das Weite Land', so gibt es nicht nur von Meister Guan viele Gräber — seit alters her haben berühmte Menschen nicht wenige Gräber, und unbelegte historische Stätten gibt es noch viel mehr. Bei diesen beiden Gedichten mag es keinen Beweis geben, aber bei allen Geschichtenerzählern und Theaterspielern, ja selbst auf Orakellosen finden sich Anmerkungen dazu. Jeder kennt sie, Alt und Jung, Mann und Frau, sie sind in aller Munde. Zudem ist es ja nicht so, als hätte man die Texte des 'Westzimmers' oder der 'Pfingstrose' gelesen und müsste böse Bücher fürchten. Es ist also völlig in Ordnung, die Gedichte können bleiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange gab sich nach diesen Worten geschlagen. Alle rätselten eine Weile, aber niemand fand die Lösungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Wintertage kurz sind, war es unversehens schon wieder Zeit für das Abendessen, und alle gingen gemeinsam hinüber, um zu speisen. Da meldete jemand Dame König&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;: „Dufthauch&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 袭人 Xírén, &amp;quot;die Angreifende/der Dufthauch&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Bruder Hua Zifang ist gekommen und berichtet, ihre Mutter sei schwer krank und sehne sich nach ihrer Tochter. Er bittet um die Gnade, Dufthauch nach Hause holen zu dürfen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König hörte dies und sprach: „Mutter und Tochter — wie könnte ich es ihr verwehren!&amp;quot; Sogleich ließ sie Phönixglanz&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; rufen, teilte ihr die Angelegenheit mit und befahl ihr, alles Nötige zu veranlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte „Jawohl&amp;quot;, kehrte in ihre Gemächer zurück und ließ Frau Zhou Rui kommen, damit diese Dufthauch die Nachricht überbringe. Dann wies sie Frau Zhou Rui an: „Nimm noch eine der älteren Frauen mit, die für Außenbegleitungen zuständig sind, dazu zwei kleine Mädchen als Begleitung für Dufthauch. Draußen lass vier ältere Männer den Wagen begleiten. Einen großen Wagen für euch und einen kleinen für die Mädchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Zhou Rui sagte „Jawohl&amp;quot; und wollte gerade gehen, als Phönixglanz noch hinzufügte: „Dufthauch ist eine, die nicht gern Umstände macht. Richte ihr von mir aus: Sie soll sich hübsch anziehen, ein ordentliches Bündel Kleider einpacken — auch der Kleiderbeutel muss ansehnlich sein —, und ein gutes Handöfchen mitnehmen. Bevor sie abfährt, soll sie erst zu mir kommen, damit ich sie ansehe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Zhou Rui sagte alles zu und ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach längerer Zeit erschien Dufthauch in verändertem Aufzug. Zwei Mädchen und Frau Zhou Rui trugen Handöfchen und Kleiderbündel. Phönixglanz musterte Dufthauch: Im Haar trug sie mehrere goldene Nadeln und Perlenspangen — recht prachtvoll. Am Körper trug sie eine pfirsichrosa Jacke mit dem Hundert-Kinder-Motiv in Kesi-Seidenweberei [Anm.: eine spezielle chinesische Textiltechnik], gefüttert mit silbergrauem Eichhörnchenfell, dazu einen lauchgrünen Rock aus goldbesetzter Buntstickerei mit Baumwollfütterung und darüber ein Obergewand aus dunkelblauem Atlas, gefüttert mit grauem Eichhörnchenfell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: „Diese drei Kleidungsstücke stammen alle von der gnädigen Frau, und die Schenkung war gut und richtig. Nur das Obergewand ist etwas zu schlicht, und bei dieser Kälte solltest du eines mit dickerem Pelz tragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dufthauch erwiderte lächelnd: „Die gnädige Frau hat mir nur dieses mit dem grauen Eichhörnchenfell gegeben und noch eines mit silbergrauem Eichhörnchenfell. Sie sagte, zum Jahreswechsel bekäme ich eines mit dickerem Pelz, aber bisher habe ich es noch nicht erhalten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lächelte: „Ich hätte da eines mit dickem Pelz, aber mir gefällt nicht, wie die Pelzkanten hervorstehen, und ich wollte es gerade umarbeiten lassen. Nun gut, zieh du es erst einmal an. Wenn die gnädige Frau zum Jahreswechsel neue anfertigen lässt, bekomme ich ein neues, und du gibst mir das dann quasi zurück.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten: „Die junge gnädige Frau redet immer so! Das ganze Jahr über legt Ihr großzügig für die gnädige Frau aus, ohne dass sie es weiß — die Beträge sind wirklich nicht zu beziffern. Und wann hättet Ihr je daran gedacht, ihr das vorzurechnen? Und jetzt führt Ihr solche kleinlichen Reden, nur um uns zum Lachen zu bringen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lächelte: „Wie könnte die gnädige Frau an solche Dinge denken? Außerdem sind es keine wichtigen Angelegenheiten, aber wenn sich niemand darum kümmert, geht es um unser aller Ansehen. Da muss ich wohl oder übel ein wenig Verlust hinnehmen und dafür sorgen, dass alle anständig gekleidet sind — so ernte ich wenigstens einen guten Ruf. Wenn alle wie 'verbrannte Kuchen' aussähen, würde man zuallererst über mich lachen, dass ich als Haushaltsführerin die Leute wie Bettler herumlaufen lasse.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle seufzten: „Wer kommt der jungen gnädigen Frau gleich an Weisheit? Nach oben denkt Ihr Euch in die Lage der gnädigen Frau, nach unten kümmert Ihr Euch liebevoll um die Untergebenen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Währenddessen befahl Phönixglanz Friedchen&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das steinblaue Kesi-Seidengewand mit den acht Kreisen und Flügelrossen, gefüttert mit Himmelspferd-Pelz [Anm.: ein edler Pelz], herbeizubringen und Dufthauch zu geben. Als sie dann den Kleiderbeutel ansah, fand sie nur einen mit spritztintengemusterter Seide und rotem Seidenfutter, der lediglich zwei halbgetragene wattierte Jacken und ein Pelzobergewand enthielt. Phönixglanz befahl Friedchen, auch einen jadegrün gefütterten Wollstoff-Kleiderbeutel zu bringen und einen Umhang einzupacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen ging und brachte zwei Stücke: einen halbgetragenen Umhang aus leuchtend rotem Orang-Utan-Filz [Anm.: kostbarer scharlachroter Filzstoff] und einen aus dunkelrotem Federkrepp. Dufthauch sagte: „Schon einen einzigen kann ich kaum annehmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen lächelte: „Nimm den aus dem Orang-Utan-Filz. Den anderen habe ich gleich mitgebracht, damit er Fräulein Xing geschickt wird. Gestern bei dem starken Schneefall trugen alle ihre Umhänge — aus Filz, Federsatin oder Federkrepp. Ein Dutzend in leuchtendem Rot, wie hübsch sie sich gegen den Schnee abhoben! Nur sie allein trug ihren alten Filzumhang und sah mit hochgezogenen Schultern und gekrümmtem Rücken wirklich erbärmlich aus. Also schicken wir ihr diesen hier.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lächelte: „Meine Sachen verschenkt sie einfach von sich aus! Ich allein gebe nicht schon genug aus, jetzt muss auch du noch dein Teil dazutun — das wird ja immer besser!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten: „Das liegt nur daran, dass die junge gnädige Frau stets so pflichttreu gegenüber der gnädigen Frau und so fürsorglich gegenüber den Untergebenen ist. Wäret Ihr kleinlich und nur auf Euren Besitz bedacht, würde sie es nicht wagen, so zu handeln.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz lächelte: „Man sieht, dass sie die Einzige ist, die mein Herz wenigstens zu einem Drittel kennt.&amp;quot; Dann wandte sie sich an Dufthauch: „Wenn es deiner Mutter besser geht, ist alles in Ordnung. Wenn sie es aber nicht schafft, bleib ruhig dort. Schick jemanden zu mir, und ich lasse dir das Bettzeug nachbringen. Benutze auf keinen Fall fremdes Bettzeug oder fremde Toilettensachen.&amp;quot; Dann wies sie Frau Zhou Rui an: „Ihr kennt die Regeln hier, ich brauche euch nichts einzuschärfen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Zhou Rui sagte: „Wir wissen Bescheid. Wenn wir dort ankommen, sorgen wir natürlich dafür, dass deren Leute Abstand halten. Sollte sie bleiben müssen, lassen wir uns auf jeden Fall ein oder zwei separate Innenzimmer geben.&amp;quot; Nach diesen Worten folgte sie Dufthauch hinaus. Man ließ Laternen vorbereiten, bestieg den Wagen und fuhr zum Haus des Hua Zifang. Davon soll hier nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ließ Phönixglanz nun zwei alte Ammen aus dem Hof der Roten Freude zu sich kommen und befahl: „Dufthauch kommt wohl heute nicht zurück. Ihr kennt die älteren Mädchen dort — sucht zwei Verständige aus und schickt sie in Schatzjade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, &amp;quot;Schatz Kaufmann-Jade&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt;s Zimmer zur Nachtwache. Gebt auch ihr gut acht und lasst ihn keinen Unfug treiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden alten Ammen gingen, kamen aber bald zurück und meldeten: „Wir haben Heitermuster&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 晴雯 Qíngwén, &amp;quot;Heiteres Wolkenmuster&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Moschusmond&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; für das Zimmer bestimmt. Wir vier wechseln uns ohnehin bei der Nachtwache ab.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz nickte: „Abends sorgt dafür, dass er früh schläft, morgens, dass er früh aufsteht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alten Ammen sagten zu und kehrten in den Garten zurück. Bald darauf kam Frau Zhou Rui mit der Nachricht zurück: „Dufthauchs Mutter ist bereits verstorben. Sie kann nicht zurückkommen.&amp;quot; Phönixglanz meldete es Dame König und schickte jemanden in den Garten der Großen Anschauung, um Dufthauchs Bettzeug und Toilettenkiste zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sah zu, wie Heitermuster und Moschusmond alles zusammenpackten und fortschickten. Danach legten beide ihren restlichen Schmuck ab und wechselten Rock und Jacke. Heitermuster setzte sich einfach auf den Räucherofen [Anm.: ein Kohlenbecken mit Wärmegestell]. Moschusmond lächelte: „Spiel dich heute nicht als Fräulein auf, ich rate dir, dich auch ein wenig zu bewegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Wartet nur, bis ihr alle fort seid, dann rühr ich mich schon noch früh genug. Solange ihr noch da seid, lass ich es mir gutgehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond lächelte: „Liebe Schwester, ich mache das Bett, und du ziehst die Hülle über den Ankleidespiegel und schiebst oben den Riegel zu — du bist größer als ich.&amp;quot; Damit ging sie zu Schatzjade, um das Bett zu richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster seufzte und beklagte sich lächelnd: „Kaum hat man sich aufgewärmt, kommst du schon und störst!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sass unterdessen untätig da und grübelte, ob Dufthauchs Mutter nun gestorben oder doch noch am Leben sei. Als er Heitermusters Worte hörte, stand er selbst auf, ging hinaus, zog die Spiegelhülle herab, schob den Riegel fest und kam lächelnd zurück: „Wärmt euch nur, es ist alles erledigt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Auf Dauer kann man sich gar nicht wärmen. Mir ist gerade eingefallen, dass die Wärmflasche noch nicht gebracht worden ist.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Da denkst du aber auch an alles! Er nimmt doch sonst nie eine Wärmflasche. Wir haben hier den Räucherofen, der ist viel wärmer als das kalte Ofenbett drüben — heute braucht er keine.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Das heißt also, ihr wollt beide hier auf dem Räucherofen schlafen? Dann liegt draußen niemand bei mir, und ich bekomme die ganze Nacht vor Angst kein Auge zu.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Ich schlafe hier. Moschusmond geht nach draußen zum warmen Alkoven und schläft dort.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Währenddessen war es schon die zweite Nachtwache geworden. Moschusmond hatte längst die Vorhänge herabgelassen, die Lampe umgestellt und Räucherwerk nachgelegt. Sie half Schatzjade ins Bett, dann erst legten sich die beiden Mädchen schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster lag am Räucherofen, Moschusmond draußen im warmen Alkoven [Anm.: ein beheizter Nebenraum]. Nach der dritten Nachtwache rief Schatzjade im Halbschlaf nach Dufthauch. Er rief zweimal, niemand antwortete. Er erwachte, erinnerte sich, dass Dufthauch nicht da war, und musste über sich selbst lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster war ebenfalls wach geworden und rief lächelnd nach Moschusmond: „Sogar ich bin aufgewacht, und sie, die direkt neben ihm liegt, merkt nichts — die reinste Leiche!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond drehte sich um, gähnte und sagte lächelnd: „Er hat nach Dufthauch gerufen — was geht das mich an?&amp;quot; Dann fragte sie, was zu tun sei. Schatzjade wollte Tee. Moschusmond stand eilig auf und zog sich lediglich ein kleines rotes Seidenjäckchen über.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Wirf dir meine Jacke über, bevor du gehst — pass auf, dass du dich nicht erkältest!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond hörte das, griff hinter sich und legte sich Schatzjades pelzgefütterte Zobeljacke um, die er zum nächtlichen Aufstehen trug. Sie ging zum Waschbecken, wusch sich die Hände und goss zuerst eine Schale laues Wasser ein. Sie nahm den großen Spucknapf, und Schatzjade spülte sich den Mund. Dann nahm sie eine Teeschale vom Teeregal, spülte sie mit warmem Wasser aus, goss eine halbe Schale Tee aus der Warmhaltekanne und reichte sie Schatzjade. Auch sie selbst spülte sich den Mund und trank eine halbe Schale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster lächelte: „Liebe Schwester, gib auch mir einen Schluck!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond lächelte: „Du wirst ja immer dreister!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Liebe Schwester, morgen Abend brauchst du keinen Finger zu rühren, ich bediene dich die ganze Nacht — wie wäre das?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So musste Moschusmond auch ihr den Mund spülen lassen und eine halbe Schale Tee eingießen. Dann lächelte Moschusmond: „Schlaft ihr zwei noch nicht ein, unterhaltet euch noch. Ich muss kurz hinausgehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster lächelte: „Draußen wartet ein Geist auf dich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Draußen scheint bestimmt der helle Mond. Wir unterhalten uns hier, geh nur.&amp;quot; Dabei hüstelte er zweimal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond öffnete die Hintertür, hob den Filzvorhang und blickte hinaus — tatsächlich, prächtiger Mondschein. Heitermuster wartete, bis Moschusmond draußen war, dann wollte sie ihr einen Streich spielen und sie erschrecken. Da sie von jeher kräftiger war als die anderen und die Kälte nicht scheute, zog sie sich nichts über, sondern schlich in ihrem dünnen Jäckchen leise vom Räucherofen herab und folgte ihr nach draußen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade rief ihr lächelnd nach: „Pass auf, dass du dir keine Erkältung holst — damit ist nicht zu spaßen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Heitermuster winkte nur ab und ging hinaus. Der Mondschein lag wie Wasser auf allem. Plötzlich kam ein leichter Windstoß, der ihr durch Mark und Bein drang, und sie erschauerte unwillkürlich. Sie dachte bei sich: „Kein Wunder sagt man, ein erwärmter Körper darf nicht dem Wind ausgesetzt werden. Diese Kälte ist wirklich schneidend.&amp;quot; Gerade wollte sie Moschusmond erschrecken, als Schatzjade drinnen laut rief: „Heitermuster ist draußen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster eilte zurück, kam herein und sagte lächelnd: „Es hätte sie schon nicht umgebracht! Immer musst du so zaghaft sein wie ein altes Weib!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Ich wollte nicht, dass du sie zu Tode erschreckst. Erstens erkältest du dich, und zweitens hätte sie sich bestimmt nicht beherrschen können und aufgeschrien. Wenn davon jemand aufgewacht wäre, würden sie nicht sagen, wir hätten Spaß gemacht, sondern dass wir, kaum dass Dufthauch eine Nacht fort ist, Gespenster sehen. Komm her und stopf mir die Decke fest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster kam zum Bett, stopfte die Decke zurecht und steckte dann die Hand hinein, um sie aufzuwärmen. Schatzjade lächelte: „Was für kalte Hände! Ich hab's ja gesagt, pass auf, dass du dir nichts holst.&amp;quot; Er sah, dass ihre Wangen rot wie Rouge waren, und als er sie mit der Hand berührte, waren sie eiskalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Schnell, schlupf unter die Decke und wärm dich auf!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte er das gesagt, klappte die Tür — Moschusmond kam lachend und atemlos hereingestürzt: „Was für ein Schreck! Im Schatten hinter dem Zierfelsen hockte etwas. Ich wollte schon schreien, als es sich als der große Goldfasan herausstellte, der aufgeschreckt ins Helle flatterte. Da erst sah ich's deutlich. Hätte ich unbesonnen losgeschrien, wäre das ganze Haus wach geworden.&amp;quot; Während sie das sagte, wusch sie sich die Hände und lächelte dann: „Heitermuster war draußen, warum habe ich sie nicht gesehen? Bestimmt wollte sie mich erschrecken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Sie ist hier und wärmt sich bei mir. Hätte ich nicht schnell gerufen, hättest du einen gehörigen Schreck bekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster lächelte: „Ich brauchte sie gar nicht zu erschrecken — das kleine Biest hat sich ganz allein gefürchtet.&amp;quot; Damit war sie aufgestanden und zu ihrer eigenen Decke zurückgekehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Bist du etwa in diesem Kunstreiter-Kostüm nach draußen gelaufen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Aber ja, genau so.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond sagte: „Du suchst dir aber auch keinen guten Tag zum Sterben aus! Wenn du draußen herumstehst, springt dir ja die Haut vor Kälte!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit nahm sie den durchbrochenen Kupferaufsatz vom Kohlenbecken, schob mit der Feuerschaufel die glühenden Kohlen zurecht und legte zwei Stücke Räucherholz auf. Dann setzte sie den Aufsatz wieder drauf, ging hinter den Wandschirm, putzte den Lampendocht zurecht und legte sich erst dann schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster, die sich erst abgekühlt und dann wieder aufgewärmt hatte, nieste unwillkürlich zweimal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade seufzte: „Was habe ich gesagt? Du hast dir doch eine Erkältung geholt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond lächelte: „Schon heute Morgen klagte sie, sie fühle sich nicht wohl, und hat den ganzen Tag nichts gegessen. Und statt sich jetzt zu schonen, muss sie noch anderen Streiche spielen. Wenn sie morgen krank ist, hat sie es sich selbst zuzuschreiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte: „Hast du eine heiße Stirn?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster hüstelte zweimal und sagte: „Es ist nichts. Seit wann wäre ich so zart besaitet?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie das gesagt, schlug die Spieluhr im Zierregal draußen zweimal. Die alte Amme, die im Vorraum Nachtwache hielt, rausperte sich und sagte: „Mädchen, schlaft jetzt! Unterhaltet euch morgen weiter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade flüsterte lächelnd: „Wir sollten still sein, sonst hat sie wieder etwas an uns auszusetzen.&amp;quot; Damit legten sich alle schlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen hatte Heitermuster tatsächlich eine verstopfte Nase und eine belegte Stimme und mochte sich nicht rühren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Sag schnell keinen Ton! Wenn die gnädige Frau es erfährt, lässt sie dich nach Hause bringen, bis du gesund bist. Zu Hause ist es zwar auch schön, aber kälter als hier. Bleib lieber hier und leg dich im Innenzimmer hin. Ich lasse einen Arzt holen, der heimlich durch die Hintertür kommt und dich untersucht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster sagte: „Schon recht, aber du musst es der älteren jungen Herrin [Anm.: Frau Li] mitteilen. Wenn plötzlich ein Arzt kommt und man fragt, was los ist, was sagst du dann?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sah ein, dass sie recht hatte, und befahl einer alten Amme: „Geh zur älteren jungen Herrin und melde ihr, Heitermuster habe sich ein wenig verkältet, es sei nichts Ernstes. Da Dufthauch nicht da ist und Heitermuster nach Hause ginge, hätte ich hier gar niemanden mehr. Ich habe bereits einen Arzt rufen lassen, der still und leise durch die Hintertür kommt, um sie zu untersuchen. Man möge es bitte nicht der gnädigen Frau melden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte ging und kam nach einiger Zeit zurück: „Die ältere junge gnädige Frau weiß Bescheid. Sie sagt, wenn ein, zwei Dosen Medizin genügen, sei alles gut. Wenn nicht, müsse sie das Anwesen verlassen. Bei diesem Wetter sei es zwar nicht so schlimm, wenn sich jemand anstecke, aber man müsse auf die Gesundheit der Fräulein achten.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster lag im warmen Alkoven und hustete unablässig. Als sie diese Worte hörte, rief sie wütend: „Habe ich etwa die Pest, dass man fürchten muss, ich stecke jemanden an? Ich gehe! Aber dann möchte ich nicht erleben, dass hier je wieder jemand Kopfschmerzen bekommt!&amp;quot; Und tatsächlich wollte sie aufstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade drückte sie eilig nieder und redete ihr lächelnd zu: „Reg dich nicht auf. Sie tut nur ihre Pflicht und fürchtet, die gnädige Frau könnte ihr Vorwürfe machen, falls sie davon erfährt. Sie hat das nur so gesagt. Doch du musst dich immer gleich ereifern, und jetzt ist deine Leber ohnehin schon erhitzt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er noch sprach, wurde gemeldet, der Arzt sei da. Schatzjade ging hinüber und verbarg sich hinter dem Bücherregal. Er sah, wie zwei, drei alte Ammen vom Hintertor einen Arzt hereinführten. Die Mädchen hatten sich alle zurückgezogen. Drei, vier alte Ammen ließen die großen roten bestickten Vorhänge des warmen Alkovens herab, und Heitermuster streckte nur ihren Arm darunter hervor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Arzt diese Hand sah — an der zwei Fingernägel, gut drei Zoll lang, noch rote Spuren von Balsaminen-Färbung trugen —, wandte er sofort den Blick ab. Eine der alten Ammen legte rasch ein Tuch über die Hand. Erst dann fühlte der Arzt eine Weile den Puls, stand auf und ging in den Vorraum. Dort erklärte er den Ammen: „Das Fräulein leidet an einer äußerlichen Infektion mit innerlicher Stauung. In letzter Zeit war das Wetter schlecht — es handelt sich im Grunde um eine leichte Erkältung. Glücklicherweise isst und trinkt das Fräulein von Natur aus mäßig, und die Erkältung ist nicht schwer. Nur weil die Konstitution etwas zart ist, hat sie sich etwas zugezogen. Nach ein, zwei Dosen auflösender Medizin wird sie wieder gesund sein.&amp;quot; Nach diesen Worten folgte er den Ammen nach draußen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hatte Frau Li bereits allen am Hintertor und den Mädchen in sämtlichen Gartenhäusern Bescheid geben lassen, sich zurückzuziehen, sodass der Arzt nur die Gartenlandschaft zu sehen bekam und kein einziges Mädchen erblickte. Draußen am Gartentor setzte er sich in der Wachstube der Burschen hin und schrieb das Rezept.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Amme sagte: „Geht noch nicht, Herr Doktor. Unser junger Herr ist etwas umständlich und hat vielleicht noch Fragen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arzt fragte verdutzt: „War das eben kein Fräulein, sondern ein junger Herr? Das Zimmer sah aus wie ein Frauengemach, und die Vorhänge waren herabgelassen — wie kann das ein junger Herr sein?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Amme flüstere leise und lächelte: „Mein guter Herr Doktor, kein Wunder, dass die Burschen vorhin sagten, es sei ein neuer Arzt gekommen — Ihr kennt unsere Verhältnisse wirklich nicht. Das Zimmer gehört unserem jungen Herrn, und die Kranke ist ein Mädchen aus seinem Haushalt — ein älteres Dienstmädchen, kein Fräulein. Wäre es ein Frauengemach gewesen und die Kranke ein Fräulein, hättet Ihr so leicht nicht hineinkommen dürfen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit nahm sie das Rezept und brachte es hinein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade las es: Schwarznessel, Ballonblumenwurzel, Siler, Katzenminze und anderes, und am Ende sogar noch Bitterorange und Ephedra.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade rief: „Der Teufel soll ihn holen! Er behandelt ein Mädchen genauso wie unsereins — wie kann das angehen! Ganz gleich, was für eine innerliche Stauung sie hat — Bitterorange und Ephedra, wie soll sie die vertragen? Wer hat ihn herbeigerufen? Schickt ihn sofort weg! Wir lassen einen erfahrenen Arzt kommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine alte Amme sagte: „Ob die Medizin taugt oder nicht, davon verstehen wir nichts. Es ist auch nicht schwer, einen der Burschen zu schicken und Hofarzt König herzubitten. Nur — dieser Arzt hier wurde nicht über die Hauptverwaltung bestellt, darum müssen wir ihm das Geld für Sänfte und Pferd bezahlen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte: „Wieviel muss man ihm geben?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte sagte: „Weniger als ein Liang Silber geht nicht — das wäre nicht standesgemäß für ein Haus wie unseres.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte weiter: „Und Hofarzt König — wieviel bekommt der?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte lächelte: „Hofarzt König und Hofarzt Zhang kommen ständig zu uns, aber sie werden nicht einzeln bezahlt. Viermal im Jahr, zu den großen Feiertagen, schicken wir reichlich Geschenke — das ist das feste Jahressalahr. Dieser Arzt hier aber war zum ersten Mal da, da muss ihm ein Liang Silber gezahlt werden.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade befahl Moschusmond, Silber zu holen. Moschusmond sagte: „Ich weiß nicht einmal, wo Schwester Dufthauch es aufbewahrt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Ich habe öfter gesehen, wie sie aus dem kleinen Perlmuttschränkchen Geld nahm. Komm, wir suchen zusammen.&amp;quot; Also gingen beide in den Raum, wo Schatzjades Habseligkeiten aufbewahrt wurden, und öffneten das Perlmuttschränkchen. Im oberen Fach lagen Pinsel, Tusche, Fächer, Räuchertabletten, allerlei Täschchen und Schweißtücher. Im unteren Fach lagen ein paar Münzschnüre. Erst als sie die Schublade öffneten, fanden sie in einem kleinen Körbchen einige Silberstücke und auch eine Balkenwaage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond nahm ein Silberstück und hielt die Waage hoch: „Welche Markierung ist denn ein Liang?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lachte: „Das fragst du mich? Interessant — du tust ja, als wärst du gerade erst hergekommen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond lachte ebenfalls und wollte jemand anderen fragen gehen. Schatzjade sagte: „Nimm einfach das größere Stück und gib es ihm — das reicht. Wir betreiben doch keinen Handel, wozu das ganze Rechnen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond legte die Waage zurück, nahm das größere Silberstück und wog es in der Hand: „Dieses Stück dürfte wohl ein Liang sein. Lieber ein wenig mehr als zu wenig — sonst lacht uns dieser arme Schlucker aus. Er würde nicht denken, wir könnten nicht mit der Waage umgehen, sondern meinen, wir wären absichtlich geizig.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Amme stand draußen auf der Stufe und lächelte: „Das ist ein halber Fünf-Liang-Barren — dieses Stück wiegt mindestens zwei Liang! Wir haben gerade keine Silberschere zur Hand, also legt dieses Stück zurück und sucht ein kleineres.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Moschusmond hatte das Schränkchen längst zugemacht und kam lächelnd heraus: „Wer sucht denn noch weiter! Wenn es etwas mehr ist, nehmt Ihr es eben mit.&amp;quot; Schatzjade sagte: „Beeile dich lieber und lass Mingyan Hofarzt König herbeirufen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte nahm das Silber und ging, alles zu regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf kam tatsächlich Hofarzt König, von Mingyan herbeigeführt. Er fühlte den Puls und kam zu einem ähnlichen Befund wie sein Vorgänger, nur enthielt sein Rezept statt Bitterorange und Ephedra solche Bestandteile wie Angelikawurzel, getrocknete Mandarinenschale und weiße Päonien-Wurzel, und auch die Dosierungen waren geringer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade freute sich: „Das ist endlich Medizin für Mädchen! Eine auflösende Wirkung muss sein, aber sie darf nicht zu stark sein. Als ich letztes Jahr krank war — es war ebenfalls eine Erkältung mit Verdauungsbeschwerden —, meinte er nach der Untersuchung, selbst ich vertrüge keine Wolfs-und-Tiger-Arzneien wie Ephedra, Gips und Bitterorange. Verglichen mit euch bin ich wie eine jahrzehntealte Espe auf einem verwilderten Grabhügel, und ihr seid wie die eben erst aufgeblühten weißen Begonien, die Yun mir letzten Herbst schenkte. Wenn nicht einmal ich solche Medizin vertrage — wie dann erst ihr?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moschusmond und die anderen lachten: „Auf verwilderten Grabhügeln wachsen nicht nur Espen! Gibt es dort nicht auch Kiefern und Zypressen? Espen mag ich am wenigsten — so ein großer plumper Baum mit winzigen Blättern, selbst wenn kein Lüftchen weht, raschelt er wie wild. Dich damit zu vergleichen ist wirklich zu abwertend.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade lächelte: „Mit Kiefern und Zypressen wage ich mich nicht zu vergleichen. Hat nicht schon Konfuzius gesagt: 'Erst wenn es kalt wird, erkennt man, dass Kiefer und Zypresse zuletzt ihre Nadeln verlieren.' [Anm.: Lunyu 9.28] Das zeigt, wie edel und erhaben diese Bäume sind. Nur wer sich nicht schämt, vergleicht sich frech mit ihnen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er sprach, brachte eine alte Amme die Arzneizutaten. Schatzjade befahl, den silbernen Arzneitiegel hervorzusuchen und die Medizin auf dem Kohlenbecken zu kochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitermuster wandte ein: „Lass die Arznei in der Teeküche kochen, wie es sich gehört. Wenn hier alles nach Medizin riecht, geht das nicht an.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: „Der Duft von Arznei ist edler als aller Blumen- und Früchteduft. Wenn unsterbliche Götter Kräuter sammeln und Medizin brauen, wenn erhabene Einsiedler Heilmittel zubereiten — das ist die feinste Sache der Welt. Ich hatte schon gedacht, dass in diesem Raum alles Mögliche vorhanden ist, nur der Arzneiduft fehlte noch. Jetzt ist endlich alles vollständig.&amp;quot; Und er befahl erneut, den Tiegel aufzusetzen. Dann wies er Moschusmond an, ein paar Dinge zusammenzupacken und eine alte Amme zu Dufthauch zu schicken, um ihr zuzureden, nicht so viel zu weinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem alles geregelt war, ging er hinüber zu Herzoginmutter&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie&amp;quot;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Dame König, um seinen Gruß zu entbieten und zu essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort sprach Phönixglanz gerade mit der Herzoginmutter und Dame König: „Die Tage sind kurz und es ist kalt. Am besten essen die ältere Schwäglerin und die Fräulein künftig im Garten. Wenn die Tage länger und wärmer werden, können sie ja wieder herüber- und hinüberlaufen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dame König lächelte: „Das ist eine gute Idee. Bei Wind und Schnee ist das wirklich angebrachter. Nach dem Essen die Kälte abzubekommen ist nicht gut; mit leerem Magen in der kalten Luft herzukommen und dann etwas auf den kalten Magen zu drücken ist auch nicht gut. In dem großen Fünf-Joch-Gebäude hinter dem Gartentor halten ohnehin Frauen Nachtwache. Wir wählen zwei Köchinnen aus, die dort eigens für die Mädchen kochen. Frisches Gemüse gibt es nach dem üblichen Satz — die Hauptverwaltung gibt ihnen Geld oder Waren. Was Wildbret angeht — Fasane, Moschushirsche, Rehe und dergleichen —, teilen wir ihnen etwas zu, dann ist alles geregelt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Genau daran habe ich auch schon gedacht. Nur fürchtete ich, eine zusätzliche Küche einzurichten sei zu umständlich.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: „Das ist gar nicht umständlich. Die Zuteilungen bleiben gleich — was hier hinzukommt, wird dort abgezogen. Selbst wenn es etwas mehr Mühe macht — die jungen Mädchen in Wind und Kälte! Von den anderen einmal abgesehen, aber gerade Schwester Lin [Anm.: Kajaljade] — wie soll sie das aushalten? Und selbst Bruder Schatzjade erträgt es kaum, geschweige denn die übrigen Fräulein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herzoginmutter sagte: „Das ist genau der springende Punkt. Schon neulich wollte ich es ansprechen, aber ich sah, dass ihr mit wichtigeren Dingen mehr als genug zu tun hattet. Wenn jetzt auch das noch hinzukäme ...&amp;quot; — Doch was daraus wurde, erzählt das nächste Kapitel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Hongloumeng]]&lt;/div&gt;</summary>
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		<title>Hongloumeng/de4/Chapter 45</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Root: Import HLM DE4 from DB (sprechende Namen, 4. Auflage)&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 第四十五回 / Kapitel 45 =&lt;br /&gt;
== 金兰契互剖金兰语 ==&lt;br /&gt;
=== 风雨夕闷制风雨词 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Xue Kostbare Haarspange&amp;quot;. Schatzjades spätere Ehefrau.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Kajaljade&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald-Kajaljade&amp;quot;. Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.&amp;lt;/ref&amp;gt; schließen einen Bund der Goldenen Orchidee und schütten einander das Herz aus — An einem Herbstabend bei Wind und Regen dichtet Kajaljade trübsinnig am Fenster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird erzählt, dass Phönixglanz [凤姐]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Glänzender Phönix aus dem Hause Wang&amp;quot;. Haushälterin der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; eben dabei war, Friedchen [平儿]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen&amp;quot;. Phönixglanz' treue Kammerzofe.&amp;lt;/ref&amp;gt; zu trösten, als plötzlich die Schwestern hereinkamen. Eilig bat sie alle, Platz zu nehmen, und Friedchen schenkte Tee ein. Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Ihr kommt heute so vollzählig, als hätte ich Einladungskarten verschickt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling [探春]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „den Frühling erspüren&amp;quot;. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt; sagte lächelnd: &amp;quot;Es geht um zwei Dinge: eines betrifft mich, das andere Bedauerfrühling [惜春]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „den Frühling bewahren&amp;quot;. Jüngste Tochter des Hauses Kaufmann, talentierte Malerin.&amp;lt;/ref&amp;gt;, und es hängt auch noch mit einer Anordnung der Herzoginmutter [贾母]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾母 Jiǎmǔ, wörtl. „Mutter Kaufmann&amp;quot;. Oberhaupt der Familie, auch „Alte Herrin&amp;quot; genannt.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Was sind das für dringende Angelegenheiten?&amp;quot; erkundigte sich Phönixglanz lächelnd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling erklärte lächelnd: &amp;quot;Wir haben eine Dichtergesellschaft gegründet, aber schon beim ersten Treffen waren wir nicht vollzählig. Weil alle zu weichherzig sind, ist alles durcheinander geraten. Ich dachte mir, du müsstest unbedingt als Zensorin der Gesellschaft fungieren — eisern und unparteiisch. Außerdem braucht Bedauerfrühling für das Gartenbild allerhand Materialien, die ihr fehlen. Wir haben es der Herzoginmutter berichtet, und sie sagte: 'Im Untergeschoß des hinteren Gebäudes müssten noch Restbestände von früher liegen. Sucht danach — wenn etwas da ist, nehmt es heraus; wenn nicht, lasst es kaufen.'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Ich kann doch weder nasse noch trockene Verse machen — wollt ihr mich etwa zum Essen einladen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkundefrühling erwiderte: &amp;quot;Dichten sollst du ja auch nicht. Du musst nur überwachen, ob jemand von uns faul und träge ist, und eine angemessene Strafe verhängen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Führt mich nicht hinters Licht! Ich habe euch längst durchschaut. Ihr wollt mich gar nicht zur Zensorin der Gesellschaft machen — vielmehr sollt ich euch als Geldgeber dienen. Was für eine Gesellschaft ihr auch haben mögt, ihr müsst der Reihe nach die Gastgeber spielen. Euer Monatsgeld reicht nicht aus, deshalb habt ihr diesen Plan ausgeheckt, um mich anzuzapfen und mir Geld abzupressen. Stimmt es etwa nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Worte brachten alle zum Lachen. Seidenweiß Pflaume [李纨] sagte lächelnd: &amp;quot;Also wirklich, du hast ein Herz aus Kristall und bist ein Mensch aus Glas!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Und du bist mir eine schöne ältere Schwägerin! Die Mädchen sind dir anvertraut, damit du mit ihnen liest und ihnen Anstand und Handarbeiten beibringst. Wenn sie etwas falsch machen, sollst du sie ermahnen. Jetzt gründen sie eine Dichtergesellschaft — wie viel Geld kann das schon kosten? Und du kümmerst dich nicht darum? Von der Herzoginmutter und den gnädigen Frauen abgesehen, die als Beamtengattinnen geehrt werden: du bekommst zehn Liang Silber Monatsgeld, doppelt so viel wie wir anderen. Die Herzoginmutter und die gnädigen Frauen meinen noch, du seist eine arme Witwe ohne Hausstand, die nicht genug habe, und weil du einen Sohn hast, gibt man dir nochmals volle zehn Liang dazu, so dass du auf gleicher Stufe mit der Herzoginmutter und den gnädigen Frauen stehst. Dazu hat man dir Gartenland zugeteilt, von dem du Pachtzins einnimmst. Bei der jährlichen Verteilung der Zuwendungen wirst du in der höchsten Stufe bedacht. Herrin und Dienerschaft zusammen seid ihr nicht einmal zehn Personen, und Essen und Kleidung kommen nach wie vor aus der Gemeinschaftskasse. Alles in allem müssen es im Jahr vier- bis fünfhundert Liang Silber sein. Könntest du da nicht jedes Jahr ein- bis zweihundert Liang für ihr Vergnügen beisteuern? Wie viele Jahre kann das schon daürn? Wenn sie einmal heiraten, wird man ja wohl nicht verlangen, dass du die Mitgift bezahlst! Du willst kein Geld ausgeben und stiftest sie an, mich zu belästigen — ich soll euren Geldbeutel spielen, und dabei wäre mir das alles völlig neu!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume sagte lächelnd: &amp;quot;Hört euch das an! Ich sage einen einzigen Satz, und schon redet sie sich in Rage und schüttet zwei Wagenladungen gemeiner Marktfrau-Sprüche aus, alles kleinlich berechnet auf Heller und Pfennig. So ein Geschöpf — und dabei hat sie das Glück gehabt, in einer bekannten Familie von Gelehrten und Beamten als Fräulein geboren zu werden! Eingeheiratet hat sie in genau so eine Familie, und trotzdem ist sie noch so. Wäre sie als Sohn einer armen Familie zur Welt gekommen, wer weiß, was sie dann für ein vulgäres, schamloses Mundwerk hätte! Alle Menschen auf der Welt hast du übervorteilt! Gestern hast du sogar Friedchen geschlagen — du hast es dir also tatsächlich erlaubt, die Hand gegen sie zu erheben! Den gelben Fusel hast du wohl einem Hundsmagen eingeschüttet? Ich war so wütend, dass ich Friedchen am liebsten gerächt hätte. Ich habe einen halben Tag mit mir gerungen, aber weil es gerade Hündchens Geburtstag war — so ein seltener Glückstag! — und ich fürchtete, die Herzoginmutter würde sich darob grämen, bin ich nicht gekommen. Doch mein Zorn hat sich immer noch nicht gelegt. Und heute hast du mich schon wieder herausgefordert! Du bist es nicht wert, Friedchen auch nur die Schuhe zu reichen. Ihr zwei müssten eigentlich die Plätze tauschen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle lachten darüber. Phönixglanz sagte eilig lächelnd: &amp;quot;Also seid ihr gar nicht wegen der Dichtkunst oder der Malerei zu mir gekommen — du machst dieses Gesicht einzig und allein, um für Friedchen Rache zu nehmen! Ich hätte nie gedacht, dass Friedchen gerade an dir eine Beschützerin hat. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich sie nicht geschlagen, selbst wenn ein Gespenst meine Hand geführt hätte. — Friedchen, komm her! Ich entschuldige mich vor der älteren Herrin und den Fräulein bei dir. Verzeih mir, dass ich im Rausch keine Tugend kannte!&amp;quot; Darauf lachten wieder alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume fragte Friedchen lächelnd: &amp;quot;Wie ist das nun? Habe ich nicht gesagt, ich würde erst Ruhe geben, wenn ich deinen guten Ruf verteidigt habe?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen antwortete lächelnd: &amp;quot;Das mag so sein, aber wenn die Herrinnen sich auf meine Kosten amüsierten, das hielte ich nicht aus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume sagte: &amp;quot;Was hieltst du nicht aus? Du hast doch mich. Aber jetzt nimm schnell die Schlüssel und lass deine Herrin das Lagergebäude aufschließen und die Sachen heraussuchen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Liebe Schwägerin, geh doch bitte erst mit ihnen in den Garten zurück. Ich muss sogleich die Reisabrechnungen zusammenrechnen, und drüben hat die ältere gnädige Frau [邢夫人] auch schon wieder nach mir geschickt — ich weiß nicht, was sie will, muss aber auf jeden Fall hinüber. Und die Neujahrsgarderobe, die ihr für die Dienstboten zuschustern lassen müsst, die ist auch noch nicht vorbereitet.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume sagte lächelnd: &amp;quot;Das alles kümmert mich nicht. Erledige nur erst meine Angelegenheit, damit ich mich ausruhen kann und mir die Mädchen nicht weiter in den Ohren liegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte rasch lächelnd: &amp;quot;Liebste Schwägerin, gönn mir doch ein Stündchen Luft! Du bist doch sonst immer die, die mich am meisten verwöhnt — warum hast du heute wegen Friedchen kein Erbarmen mehr mit mir? Du selbst hast mir doch oft genug zugeredet: 'Auch wenn viel zu tun ist, musst du auf deine Gesundheit achten und dir hin und wieder eine Pause gönnen.' Und heute treibst du mich zu Tode! Wenn die Neujahrskleider anderer Leute etwas später fertig werden, macht das nichts. Aber wenn die der Schwestern sich verzögern, ist das deine Verantwortung. Wird die Herzoginmutter dich nicht tadeln, dass du dich nicht einmal um eine solche Kleinigkeit gekümmert hast? Diesen naheliegenden Einwand hättest du auch selbst vorbringen können! Ich würde lieber selbst den Fehler auf mich nehmen, als dich in Schwierigkeiten zu bringen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume sagte lächelnd: &amp;quot;Hört euch nur an, wie geschickt sie redet! Was für ein Redetalent sie hat! Aber jetzt frage ich dich: Kümmerst du dich nun um die Dichtergesellschaft oder nicht?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Was für eine Frage! Wenn ich nicht der Gesellschaft beitrete und ein paar Münzen beisteuere, stehe ich am Ende als Aufrührerin des Gartens des Großen Anblicks da — da könnte ich gleich aufhören, hier zu essen! Morgen in aller Frühe trete ich mein Amt an, steige vom Pferd ab, nehme das Amtssiegel entgegen und lege zunächst fünfzig Liang Silber hin, damit ihr in Ruhe eure Zusammenkünfte ausrichten könnt. Ich für mein Teil kann ohnehin weder dichten noch schreiben, ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch. Ob ich nun 'Zensorin' bin oder nicht — wenn ihr erst das Geld habt, werdet ihr mich sowieso hinauswerfen!&amp;quot; Alle lachten wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz fuhr fort: &amp;quot;Nachher öffne ich das Lagergebäude und lasse alles herausbringen. Ihr könnt euch ansehen, was davon brauchbar ist. Was fehlt, kaufe ich nach eurer Liste ein. Die Malseide schneide ich sofort zu. Die Vorlagezeichnung ist allerdings nicht bei der gnädigen Frau, sondern drüben beim Herrn Herrlichkeit Kaufmann [贾珍]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit&amp;quot;. Oberhaupt des Osthauses der Familie Kaufmann.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Das sage ich euch, damit ihr euch nicht umsonst auf den Weg macht. Ich werde jemanden schicken, der sie holt, und dann die Zeichnung zusammen mit der Seide den jungen Herren zum Beizen übergeben lassen. Was meint ihr dazu?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume nickte lächelnd und sagte: &amp;quot;Das ist nett von dir. Wenn du das wirklich tust, ist alles bestens. Dann lasst uns zurückgehen — wenn sie die Sachen nicht liefert, kommen wir wieder und belästigen sie aufs Neue.&amp;quot; Damit führte sie die Schwestern zum Aufbruch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz bemerkte noch: &amp;quot;An alldem ist doch nur Schatzjade [宝玉]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann Jade&amp;quot;. Hauptfigur des Romans.&amp;lt;/ref&amp;gt; schuld!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Seidenweiß Pflaume das hörte, drehte sie sich rasch um und sagte lächelnd: &amp;quot;Richtig, wegen Schatzjade sind wir hergekommen, und beinahe hätte ich ihn vergessen! Er war es, der das erste Treffen versäumt hat. Wir sind zu weichherzig gewesen — sag uns, wie wir ihn bestrafen sollen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz überlegte einen Moment und sagte: &amp;quot;Es gibt keine bessere Strafe, als ihn sämtliche Zimmer bei euch allen ausfegen zu lassen.&amp;quot; Alle lachten und sagten: &amp;quot;Das ist treffend!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade wollten sie gehen, als ein kleines Dienstmädchen die alte Lai-Amme [赖嬷嬷] hereinstützte. Phönixglanz und die anderen standen eilig auf. &amp;quot;Setz dich, Tante!&amp;quot; sagte Phönixglanz lächelnd. Dann beglückwünschten sie alle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Lai-Amme setzte sich an den Rand des Ofenbetts und sagte lächelnd: &amp;quot;Für mich ist es eine Freude, aber für die Herrschaften ist es ebenso eine Freude. Ohne die Gnade der Herrschaften, woher käme uns dieses Glück? Als gestern die gnädige Frau noch Tsai-ming mit Geschenken schickte, hat mein Enkel sich vor dem Haupttor kniefällig bedankt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume fragte lächelnd: &amp;quot;Wann wird er sein Amt antreten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Lai-Amme seufzte: &amp;quot;Was kümmert mich das — soll er tun, was er will! Neulich, als er mir zu Hause seinen Respekt bezeugte, habe ich ihm keine liebevollen Worte gegeben, sondern gesagt: 'Junge, bilde dir ja nicht ein, du seist nun ein Beamter und könnest tyrannisch und willkürlich schalten und walten! Du bist dreissig Jahre alt. Zwar warst du als Sohn von Dienern geboren, aber kaum kamst du aus dem Mutterleib, schenkten die Herrschaften dir in ihrer Gnade die Freiheit. Dank des Glücks der Herrschaften und deiner Eltern wurdest du wie ein junger Herr erzogen, konntest lesen und schreiben lernen und wurdest von Mägden, Frauen und Ammen bedient wie ein kostbarer Phönix. Jetzt, da du erwachsen bist, weißt du nicht einmal, wie man das Wort 'Sklave' schreibt! Du kennst nur das Genießen. Du weißt nichts davon, welche Mühsal und Entbehrungen dein Großvater und dein Vater durch zwei, drei Generationen ertragen haben, ehe sie dich aus sich herausringen konnten. An dem Silber, das seit deiner Kindheit für deine Krankheiten und Unglücksfälle ausgegeben wurde, hätte man eine Silberfigur gießen können, die so groß wäre wie du. Als du zwanzig warst, durftest du dank der Gnade der Herrschaften einen Beamtenrang erwerben. Sieh dir nur an, wie viele Leute von ordentlicher Herkunft Hunger und Not leiden! Du, ein Sprössling von Sklaven, pass bloß auf, dass du dir dein Glück nicht verderbst! Nun hast du zehn Jahre lang in Saus und Braus gelebt und es mit allerlei Schlichen und Kniffen über die Herrschaften fertiggebracht, dass man dich für einen Posten ausgewählt hat. Ein Kreis- oder Bezirksbeamter mag ein kleines Amt sein, doch die Verantwortung ist groß: Wer einen Bezirk regiert, ist Vater und Mutter für die ganze Bevölkerung. Wenn du nicht zufrieden und pflichttreu bist, dem Staat nicht loyal dienst und den Herrschaften nicht ehrfürchtig begegnest, wird dich der Himmel nicht dulden!'&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume und Phönixglanz sagten beide lächelnd: &amp;quot;Du machst dir zu viele Sorgen. Wir finden, er ist ganz tüchtig geworden. Früher kam er noch hin und wieder vorbei, aber seit einigen Jahren hat man nur noch seinen Namen auf den Namenskarten gesehen, zu Neujahr und an Geburtstagen, das war alles. Als er neulich kam, um der Herzoginmutter und den gnädigen Frauen seinen Kotau zu machen, sah man ihn im Hof der Herzoginmutter in seiner neuen Amtstracht — er machte einen recht stattlichen Eindruck und ist auch fülliger geworden als früher. Jetzt, da er sein Amt erhalten hat, solltest du dich eigentlich freuen, statt dich in Sorgen zu grämen. Wenn er sich daneben benimmt, ist ja immer noch sein Vater da. Du aber genieße deinen Lebensabend, und damit basta! Wenn du Musse hast, lass dich in einer Sänfte hierhertragen, spiel einen Tag Karten mit der Herzoginmutter oder plaudere mit ihr — wer würde es wagen, dich schlecht zu behandeln? Auch zu Hause hast du Häuser und Hallen, jeder respektiert dich, und du lebst nicht anders als eine alte Feudalherrin.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedchen brachte Tee herein. Die alte Lai-Amme stand eilig auf, um die Tasse entgegenzunehmen, und sagte lächelnd: &amp;quot;Fräulein, lasst doch irgendeines der Mädchen den Tee bringen — ich verdiene solche Ehre nicht.&amp;quot; Sie trank einen Schluck und fuhr dann fort: &amp;quot;Das wissen die Herrinnen gar nicht: Diese Kinder muss man streng halten. Und selbst wenn man streng ist, finden sie immer noch eine Gelegenheit, Unfug anzurichten und den Erwachsenen Kummer zu bereiten. Wer Bescheid weiß, sagt, das seien eben Kindereien. Wer aber nicht Bescheid weiß, sagt, hier werde Reichtum und Macht missbraucht, um andere zu bedrücken, und dann leidet selbst der Ruf der Herrschaften. Darüber ärgere ich mich so, dass ich nicht weiß, was ich tun soll. Oft muss ich seinen Vater rufen und ihn ausschelten lassen, dann bessert er sich etwas.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann deutete sie auf Schatzjade und sprach: &amp;quot;Nimm es mir nicht übel, aber der gnädige Herr, dein Vater, züchtigtdich heutzutage nur mäßig, und die Herzoginmutter nimmt dich immer in Schutz. Dein Vater hat in seiner Kindheit von deinem Großvater Prügel bezogen — wer hätte das nicht mit eigenen Augen gesehen? Und als Kind war dein Vater längst nicht so wie du, der weder Himmel noch Erde fürchtet. Auch der ältere Herr, dein Onkel Begnadigung Kaufmann [贾赦], war als Junge ungezogen, aber er hat nie das ganze Haus auf den Kopf gestellt wie du, und trotzdem wurde er täglich geschlagen. Und erst der Großvater von eurem Herrlichkeit Kaufmann drüben im Ostanwesen — der war wie Öl aufs Feuer! Wenn er einmal in Zorn geriet, kannte er keinen Sohn mehr, sondern verhörte ihn wie einen Verbrecher! Soweit ich sehen und hören kann, erzieht Herrlichkeit Kaufmann seinen Sohn durchaus nach den Grundsätzen des alten Ahnherrn — nur trifft er oft daneben. Und sich selbst hält er erst recht nicht im Zaum. Kein Wunder, dass die jüngeren Brüder und Neffen ihn nicht respektieren und nicht fürchten! Wenn du das im Herzen verstehst, wirst du dich über meine Worte freuen. Wenn du es nicht verstehst, wirst du zwar nichts sagen, aber insgeheim auf mich schimpfen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie noch sprach, trat Lai Das Frau [赖大家的] herein, und gleich darauf kamen auch die Frauen von Zhou Rui und Zhang Cai, um Bericht zu erstatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Die Schwiegertochter kommt die Schwiegermutter abholen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lai Das Frau sagte lächelnd: &amp;quot;Ich will sie gar nicht abholen, sondern nur hören, ob die Herrin und die Fräulein uns die Ehre erweisen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die alte Lai-Amme das hörte, sagte sie lächelnd: &amp;quot;Ja, da bin ich wirklich zerstreut — die Hauptsache sage ich nicht und rede stattdessen von altem Hirse und schimmligem Sesam! Da unser Junge den Posten bekommen hat und Verwandte und Freunde ihm gratulieren wollen, müssen wir wohl ein Fest ausrichten. Ich dachte mir: Wenn wir nur einen Tag feiern, können wir dies und jenes nicht einladen. Dann dachte ich weiter: Dem Glück unserer Herrschaften sei Dank — wer hätte je von solcher Ehre geträumt! Selbst wenn wir unser ganzes Vermögen aufwenden, tü ich es gern. Deshalb habe ich seinen Vater angewiesen, drei Tage lang zu feiern. Am ersten Tag richten wir in unserem kleinen Garten einige Weintafeln und eine Theaterbühne her und laden die Herzoginmutter, die gnädigen Frauen und die Fräulein ein, sich einen Tag lang zu zerstreuen. Draußen in der großen Halle gibt es ebenfalls eine Bühne und Tafeln für die alten und jungen gnädigen Herren. Am zweiten Tag laden wir Verwandte und Freunde ein, am dritten unsere Kameraden aus beiden Anwesen. Drei Tage Festlichkeit — im Glanze des Glücks unserer Herrschaften.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seidenweiß Pflaume und Phönixglanz sagten lächelnd: &amp;quot;Wann soll es sein? Wir kommen gewiss, und vielleicht freut sich auch die Herzoginmutter und kommt mit — aber versprechen können wir das nicht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lai Das Frau sagte eilig: &amp;quot;Wir haben den Vierzehnten gewählt. Bitte erweist nur unserer alten Mutter die Ehre!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte lächelnd: &amp;quot;Für die anderen kann ich nicht sprechen, aber ich komme auf jeden Fall. Eines sage ich euch aber gleich vorweg: Ein Geschenk bringe ich nicht mit, und Trinkgeld verteile ich auch nicht. Wenn ich mich satt gegessen habe, gehe ich wieder — lacht mich deswegen nicht aus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lai Das Frau sagte lächelnd: &amp;quot;Was sagt Ihr denn da, gnädige Frau! Wenn Ihr belohnen wollt, gebt uns zwei- bis dreitausend Liang, das würde schon genügen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Lai-Amme sagte lächelnd: &amp;quot;Eben war ich bei der Herzoginmutter, und sie hat gesagt, sie komme auch — da sieht man, dass mein altes Gesicht noch etwas gilt.&amp;quot; Nachdem sie noch ein paarmal gemahnt hatte, stand sie auf, um zu gehen. Da fiel ihr beim Anblick von Zhou Ruis Frau [周瑞家的] etwas ein, und sie sagte: &amp;quot;Ach ja, eine Frage hätte ich noch an die gnädige Frau: Was hat denn der Sohn von Schwester Zhou angestellt, dass Ihr ihn hinausgeworfen und entlassen habt?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hörte das und sagte lächelnd: &amp;quot;Richtig, das wollte ich deiner Schwiegertochter sagen, habe es aber bei all den Geschäften vergessen. Schwester Lai, richte deinem Alten aus: In keinem unserer beiden Anwesen darf man den Burschen aufnehmen. Er soll seiner Wege gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lai Das Frau konnte nur jawohl sagen. Zhou Ruis Frau aber fiel rasch auf die Knie und flehte um Gnade. Die alte Lai-Amme sagte eilig: &amp;quot;Was ist denn los? Erzählt es mir, und ich werde urteilen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz sagte: &amp;quot;Neulich an meinem Geburtstag, als wir drinnen noch nicht einmal den ersten Becher getrunken hatten, war ihr Sohn draußen bereits sternhagelvoll. Als meine Mutter Geschenke schickte, statt die Boten draußen zu empfangen, sass er herum und beschimpfte die Leute und brachte die Gaben nicht herein. Als die beiden Frauen schließlich drinnen waren, begann er erst mit den jungen Dienern die Sachen hereinzutragen. Die kleinen Diener benahmen sich ordentlich, aber er ließ eine Schachtel fallen und verstreute Dampfbrötchen über den ganzen Hof. Nachdem die Boten fort waren, schickte ich Tsai-ming [彩明] hin, um ihm Vorhaltungen zu machen, und er hat stattdessen Tsai-ming beschimpft! So einen schamlosen, zügellosen Taugenichts wirft man nicht hinaus — was soll man dann mit ihm tun?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die alte Lai-Amme sagte lächelnd: &amp;quot;Ich dachte, es wäre etwas Schlimmeres! Also nur deshalb. Hört mich an, gnädige Frau: Wenn er sich vergangen hat, bestraft und schimpft ihn, damit er sich bessert. Aber hinauswerfen dürft Ihr ihn auf keinen Fall. Er ist ja nicht wie die Kinder unserer alten Hausdienerfamilien — seine Mutter kam als Brautbegleitung der gnädigen Frau ins Haus. Wenn Ihr ihn einfach hinausjagt, fällt das auf die gnädige Frau [王夫人] zurück. Meiner Meinung nach solltet Ihr ihm ein paar Hiebe verabreichen lassen, damit er künftig gewarnt ist, und ihn dann behalten. Wenn Ihr es nicht um seiner Mutter willen tut, tut es um der gnädigen Frau willen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Phönixglanz hörte das an und wandte sich an Lai Das Frau: &amp;quot;Gut, dann lasst ihm vierzig Stockhiebe geben, und künftig darf er keinen Wein mehr trinken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lai Das Frau sagte jawohl. Zhou Ruis Frau machte einen Kotau, stand auf und wollte sich auch vor der alten Lai-Amme auf die Knie werfen, aber Lai Das Frau hielt sie zurück. Darauf gingen die drei, und auch Seidenweiß Pflaume und die Schwestern kehrten in den Garten zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend ließ Phönixglanz tatsächlich allerhand alte Malutensilien heraussuchen und in den Garten bringen. Schatzspange [宝钗] und die anderen sortierten sie durch. Nur die Hälfte der verschiedenen Gegenstände war brauchbar. Für die fehlende Hälfte schrieben sie eine neue Liste und übergaben sie Phönixglanz, die alles nach Muster einkaufen ließ. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages brachte man die draußen gebeizten und vorgezeichneten Seidenstücke herein. Fortan war Schatzjade [宝玉] jeden Tag bei Bedauerfrühling, um ihr beim Malen zu helfen. Auch Erkundefrühling, Seidenweiß Pflaume, Willkommenfrühling [迎春] und Schatzspange kamen oft dort vorbei — teils um beim Malen zuzusehen, teils weil es eine beqüme Gelegenheit war, sich zu treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da das Wetter kühler wurde und die Nächte länger, ging Schatzspange zu ihrer Mutter, um verschiedene Handarbeiten zu besprechen und vorzubereiten. Am Tag machte sie zweimal ihre Aufwartung bei der Herzoginmutter und bei Dame König [王夫人]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, wörtl. „Dame König&amp;quot;. Schatzjades Mutter.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dabei kam es natürlich vor, dass sie ihnen zu Gefallen eine Weile sitzen blieb und plauderte. Auch die Schwestern im Garten wollte sie besuchen und ein wenig mit ihnen reden. Deshalb hatte sie tagsüber kaum freie Zeit und sass allabendlich im Lampenschein an ihren Handarbeiten, bis sie erst in der dritten Nachtwache schlafen ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade [黛玉] litt jedes Jahr um die Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche an einem Hustenanfall. Da in diesem Herbst die Herzoginmutter besonders gut aufgelegt gewesen war und sie an einigen zusätzlichen Ausflügen teilgenommen hatte, war sie unweigerlich überanstrengt und hatte nun einen neuerlichen Hustenanfall, der ihr schlimmer vorkam als sonst. Deshalb ging sie überhaupt nicht mehr vor die Tür und blieb zu Hause, um sich auszukurieren. Manchmal, wenn ihr langweilig wurde, sehnte sie sich danach, dass eine der Schwestern käme und ein wenig mit ihr plauderte. Wenn dann aber Schatzspange und die anderen sie besuchten, war sie nach drei, fünf Sätzen schon wieder genervt und erschöpft. Die anderen hatten Verständnis für ihre Krankheit und ihren ohnehin zarten Körper, der nicht die geringste Kränkung ertrug, und machten ihr deshalb auch keine Vorwürfe, wenn der Empfang zu wünschen übrig ließ und sie die Höflichkeit vernachlässigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag kam Schatzspange zu Besuch, und das Gespräch kam auf Kajalades Krankheit. Schatzspange sagte: &amp;quot;Die Ärzte, die hier ein und aus gehen, sind zwar nicht schlecht, aber die Medizin, die sie dir verschreiben, zeigt keine Wirkung. Warum lassen wir nicht einen wirklich hervorragenden Arzt kommen, der dich gründlich untersucht? Wäre es nicht wunderbar, wenn du endlich geheilt würdest? Jedes Jahr quälst du dich im Frühling und im Sommer herum, dabei bist du weder alt noch ein kleines Kind. So kann es doch nicht ewig weitergehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: &amp;quot;Es ist zwecklos. Ich weiß, dass meine Krankheit unheilbar ist. Schon wenn ich mich nur ansehe, wie ich an meinen guten Tagen bin, weiß man alles.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange nickte und sagte: &amp;quot;Genau das meine ich. Die Alten sagen: 'Wer Getreide isst, lebt.' Aber was du täglich zu dir nimmst, stärkt weder Geist noch Körper noch Blut. Das ist kein guter Zustand.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade seufzte: &amp;quot;'Tod und Leben sind vom Schicksal bestimmt, Reichtum und Ehre hängen vom Himmel ab' — das kann kein Mensch erzwingen. Dieses Jahr kommt es mir auch noch schlimmer vor als in den vergangenen Jahren.&amp;quot; Während sie sprach, musste sie schon zwei-, dreimal husten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: &amp;quot;Gestern habe ich mir dein Rezept angesehen. Der Ginseng und die Zimtrinde scheinen mir viel zu reichlich dosiert. Zwar stärken diese Mittel die Lebenskraft und erfrischen den Geist, aber sie sind auch sehr 'heiß'. Meiner Meinung nach sollte man zuerst die Leber beruhigen und den Magen stärken. Wenn das Feuer der Leber gelöscht ist, kann es das Erdelement [Anm.: In der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre überwindet die Leber (Holz/Feuer) den Magen (Erde); ein übermäßiges Leberfeuer schädigt die Verdauung] nicht mehr überwinden, und wenn der Magen gesund ist, kann Essen und Trinken den Körper nähren. Jeden Morgen nach dem Aufstehen solltest du ein Liang bester Schwalbennester mit fünf Qian Kandiszucker in einem silbernen Tiegel zu einer Suppe kochen lassen. Wenn du dich daran gewöhnt hast, ist das besser als jede Medizin. Es ist das Allerbeste, um das Yin-Element zu stärken und die Lebenskraft zu nähren.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade seufzte: &amp;quot;Die Art, wie du Menschen behandelst, war schon immer äusserst liebenswürdig. Aber ich bin nun einmal überaus argwöhnisch und hielt dich früher für hinterhältig. Seit jenem Tag, als du mich vor den schlechten Büchern warntest und mir so gute Worte gabst, bin ich dir zutiefst dankbar. All die Jahre zuvor war ich im Irrtum, das sehe ich jetzt klar. Wenn ich es mir recht überlege: Meine Mutter starb früh, ich habe weder Brüder noch Schwestern, und in meinen ganzen fünfzehn Jahren hat mich kein einziger Mensch so belehrt wie du neulich. Kein Wunder, dass Xiangfluss-Wolke [史湘云]&amp;lt;ref&amp;gt;Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Xiang-Flusswolke Geschichte&amp;quot;. Schatzjades lebhafte Cousine.&amp;lt;/ref&amp;gt; dich rühmt! Früher, wenn ich sie dich loben hörte, nahm ich es ihr übel. Erst seit jenem jüngsten Erlebnis weiß ich es einzuschätzen. Wenn du zum Beispiel solche Dinge gesagt hättest wie jemand anderes, ich hätte es dir nie verziehen. Aber du hast es nicht übelgenommen und mir stattdessen gut zugeredet. Daraus erkennt man, wie sehr ich mich getäuscht habe. Hätte ich es nicht neulich selbst erlebt, würde ich dir heute nicht so offen reden. Was nun die Schwalbennester-Suppe angeht, die du mir empfiehlst: Schwalbennester wären leicht zu beschaffen. Aber bedenke, ich bin ohnehin krank, und jedes Jahr habe ich denselben Anfall — es ist nie so dramatisch, dass man etwas Besonderes unternehmen müsste. Allein der Arzt, die Medizin, der Ginseng und der Zimt haben schon für genug Aufregung gesorgt. Wenn ich jetzt auch noch mit einer neuen Idee wie Schwalbennester-Suppe käme — die Herzoginmutter, die gnädige Frau und Phönixglanz würden vielleicht nichts sagen, aber die Dienerinnen und Mägde im Hintergrund würden mich ganz gewiss zu anspruchsvoll finden. Sieh dir die Leute hier an: Schon weil die Herzoginmutter Schatzjade und Phönixglanz besonders gern hat, beäugen sie die beiden wie Tiger ihre Beute und reden hinter ihrem Rücken übles Zeug. Wie viel schlimmer wäre es erst bei mir! Zumal ich gar nicht ihre eigentliche Herrin bin — ich bin als Schutzlose und Heimatlose hierher geflüchtet. Man hat ohnehin schon genug gegen mich. Wenn ich mich jetzt auch noch unangemessen verhalte, warum sollte ich ihnen noch mehr Anlass geben, mich zu verwünschen?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: &amp;quot;Wenn du so argumentierst, dann geht es mir genauso.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: &amp;quot;Wie willst du dich mit mir vergleichen? Du hast eine Mutter und einen Bruder. Eure Familie hat hier Geschäfte und Grundbesitz, und daheim besitzt ihr ebenfalls Häuser und Land. Du wohnst hier nur als Verwandte, beanspruchst keinen einzigen Heller von ihnen, und wenn du gehen willst, gehst du. Ich dagegen besitze rein gar nichts. Essen, Kleidung, alles, was ich brauche, bis zum letzten Grashalm und zum letzten Blatt Papier — alles erhalte ich genauso wie die Töchter des Hauses. Wie sollten diese kleinen Leute mich da nicht verachten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte lächelnd: &amp;quot;Am Ende kommt höchstens eine Aussteuer mehr dazu — aber so weit muss man jetzt noch nicht denken.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kajaljade das hörte, wurde sie unwillkürlich rot und sagte lächelnd: &amp;quot;Und ich habe dich gerade für einen verständigen Menschen gehalten und dir meine Sorgen anvertraut — und du neckst mich!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte lächelnd: &amp;quot;Es war zwar ein Scherz, aber auch die Wahrheit. Sei unbesorgt! Solange ich hier bin, werde ich dich jeden Tag ein wenig aufheitern. Was immer dich kränkt und kümmert, sag es mir ruhig, und ich werde tun, was in meiner Macht steht, um es für dich zu lösen. Gewiss habe ich einen Bruder, aber du weißt ja, was für einer das ist. Nur dass ich meine Mutter habe — darin bin ich ein wenig besser dran als du. Im Übrigen aber sind wir Leidensgefährtinnen, die einander nachfühlen können. Du bist ein kluger Mensch — warum seufzt du wie Sima Niu? [Anm.: Sima Niu, ein Schüler des Konfuzius, klagte, er allein habe keine Brüder; der Vergleich meint: sich unnötig über Einsamkeit grämen] Und was du vorhin gesagt hast, stimmt auch: Lieber eine Forderung weniger als eine mehr. Morgen gehe ich nach Hause und spreche mit meiner Mutter. Ich glaube, wir haben noch Schwalbennester. Ich schicke dir einige Liang, und jeden Tag lassen deine Mägde die Suppe kochen. So ist es beqüm und billig, und es gibt keine große Aufregung deswegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte rasch lächelnd: &amp;quot;Auf die Schwalbennester kommt es nicht an — es ist deine Herzensgüte, die mir so viel bedeutet!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzspange sagte: &amp;quot;Ach, das ist doch nicht der Rede wert! Ich fürchte nur, dass ich es bei diesem und jenem an der nötig Aufmerksamkeit fehlen lasse. Aber ich will dich jetzt nicht länger belästigen, ich gehe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: &amp;quot;Komm am Abend noch einmal und plaudere ein wenig mit mir.&amp;quot; Schatzspange versprach es und ging. Mehr soll hier von ihr nicht die Rede sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade trank einige Löffel dünnen Reisbrei und lehnte sich auf dem Bett zurück. Unversehens schlug noch vor Sonnenuntergang das Wetter um, und ein feiner, gleichmäßiger Regen begann zu fallen. Endloser Herbstregen, mal stieg er auf, mal ließ er nach, der Himmel wurde allmählich gelb vor Dämmerung und dann düsterschwarz. Dazu kam das Prasseln der Regentropfen auf den Bambuswipfeln, was die Tröstlosigkeit nur noch vertiefte. Kajaljade wusste, dass Schatzspange nun nicht mehr kommen konnte, und griff im Lampenschein nach einem Buch, das ihr gerade in die Hände fiel. Es waren die &amp;quot;Vermischten Manuskripte des Musikamtes&amp;quot; mit Gedichten wie &amp;quot;Herbstklagen einer einsamen Frau&amp;quot; und &amp;quot;Abschiedsschmerz&amp;quot;. Unwillkürlich regte sich etwas in Kajalades Herzen, und die Empfindungen formten sich ganz von selbst zu Versen. So dichtete sie ein &amp;quot;Stellvertretendes Abschiedslied&amp;quot; im Stil des alten Gedichts &amp;quot;Mondnacht am Frühlingsstrom zwischen Blumen&amp;quot; und nannte es &amp;quot;Herbstfenster bei Wind und Regen&amp;quot;. Es lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Herbstblumen welken bleich, Herbstgras vergilbt,&lt;br /&gt;
 die Herbstlampe flackert, endlos die Herbstnacht.&lt;br /&gt;
 Man spürt: am Herbstfenster endet der Herbst nie,&lt;br /&gt;
 wie könnten Wind und Regen nicht Trübsal mehren!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 So rasch schon bringt der Herbstwind den Regen!&lt;br /&gt;
 Er bricht den Herbsttraum am Herbstfenster jach.&lt;br /&gt;
 Im Herzen den Herbstschmerz, schlaflos vor Kummer,&lt;br /&gt;
 zum Herbstschirm hin rückt man die Tränenkerze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Die Tränenkerze zuckt am kurzen Leuchter,&lt;br /&gt;
 weckt Sehnsuchtsqual und rührt den Trennungsschmerz.&lt;br /&gt;
 In wessen Herbsthof dringt kein Wind?&lt;br /&gt;
 An wessen Herbstfenster schweigt der Regen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Die Seidendecke wehrt dem Herbstwind nicht,&lt;br /&gt;
 die lecke Wasseruhr treibt den Herbstregen.&lt;br /&gt;
 Nacht um Nacht still und rauschend,&lt;br /&gt;
 vor der Lampe als Gefährte, der mit dem Einsamen weint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Kalter Nebel im kleinen Hof — alles veröedet,&lt;br /&gt;
 am offenen Fenster, im Bambus: tropft es und tropft.&lt;br /&gt;
 Wann hören Wind und Regen endlich auf?&lt;br /&gt;
 Längst haben Tränen den Gazevorhang durchnässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte sie das Gedicht niedergeschrieben und den Pinsel beiseite gelegt und wollte sich zur Ruhe begeben, da meldete ein Dienstmädchen: &amp;quot;Der Zweite Junge Herr ist gekommen!&amp;quot; Noch bevor der Satz verklungen war, erblickte sie Schatzjade mit einem großen Bambushut auf dem Kopf und einem strohgeflochtenen Regenumhang über den Schultern. Kajaljade musste unwillkürlich lachen: &amp;quot;Wo kommt denn dieser Fischer her?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade fragte sogleich: &amp;quot;Geht es dir heute etwas besser? Hast du deine Medizin genommen? Wie viel hast du heute gegessen?&amp;quot; Während er so sprach, nahm er den Hut ab und legte den Umhang ab, hob eilig mit einer Hand die Lampe hoch, schirmte mit der anderen Hand den Lichtschein ab und leuchtete Kajaljade ins Gesicht. Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete er sie prüfend und sagte dann lächelnd: &amp;quot;Du siehst heute etwas besser aus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sah, dass er ohne den Umhang nur ein halbgetragenes kurzes Gewand aus roter Seide trug, mit einem grünen Schweißtuch gegürtet. Unter den Knien lugten die Hosenbeine aus ölgrüner Seide mit Streublumen hervor, darunter dicht mit Gold bestickte Baumwollstrümpfe, und an den Füßen trug er Schuhe mit einem Muster von Schmetterlingen zwischen fallenden Blüten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade fragte: &amp;quot;Oben schützt du dich vor dem Regen, aber Schuhe und Strümpfe unten sind wohl regenfest? Sie sind ja ganz sauber.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lächelnd: &amp;quot;Mein Regenanzug ist ein vollständiges Set. Dazu gehört ein Paar Holzüberschuhe aus Birnbaumholz, die ich eben anhatte und unter dem Dachvorsprung ausgezogen habe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade betrachtete Umhang und Hut genaür und stellte fest, dass es keine gewöhnliche Marktware war, sondern außerordentlich fein und zierlich gearbeitet. Sie fragte: &amp;quot;Aus was für einem Gras ist das geflochten? Deshalb sieht es angezogen auch nicht so igelhaft aus.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: &amp;quot;Alle drei Stücke sind Geschenke vom Nordkönig [北静王]. Wenn er bei Regenwetter Musse hat, trägt er zu Hause auch solche Sachen. Wenn dir das gefällt, besorge ich noch einen Satz für dich. Die anderen Teile sind nichts Besonderes, aber der Hut hier ist interessant: Er lässt sich auseinandernehmen. Das Oberteil ist abnehmbar. Im Winter, wenn es schneit und man eine Mütze trägt, zieht man einfach das Bambusstäbchen heraus und nimmt das Oberteil ab, dann bleibt nur die Krempe übrig. Im Schnee können ihn Männer wie Frauen tragen. Ich schenke dir so einen Hut, und wenn es im Winter schneit, setzt du ihn auf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte lächelnd: &amp;quot;Den will ich nicht. Wenn ich so etwas aufsetze, sehe ich ja aus wie eine Fischerfrau auf einem Bild oder auf der Bühne!&amp;quot; Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, bemerkte sie, dass sie sich nicht bedacht hatte: Die Bezeichnung &amp;quot;Fischerfrau&amp;quot; stand in direkter Verbindung zu dem &amp;quot;Fischer&amp;quot;, den sie eben noch Schatzjade genannt hatte. [Anm.: &amp;quot;Fischer&amp;quot; und &amp;quot;Fischerfrau&amp;quot; — 渔翁 und 渔婆 — bilden ein Paar; Kajaljade erröitet, weil die Zusammenstellung sie und Schatzjade als Ehepaar erscheinen lässt] Es war zu spät, es zurückzunehmen. Vor Scham wurde Kajaljade puterrot im Gesicht, beugte sich über den Tisch und hustete ohne Unterlass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch Schatzjade hatte gar nicht darauf geachtet. Als er auf dem Tisch das Gedicht entdeckte, nahm er es auf, las es durch und konnte nicht umhin, begeistert auszurufen. Kajaljade hörte das, sprang rasch auf, riss ihm das Blatt aus der Hand und verbrannte es über der Lampe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte lächelnd: &amp;quot;Ich habe es schon auswendig gelernt — Verbrennen nützt da nichts.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: &amp;quot;Mir geht es auch schon viel besser. Ich danke dir, dass du am Tag so oft nach mir siehst und sogar bei Regen herkommst. Aber jetzt ist es tiefe Nacht, und ich möchte mich hinlegen. Geh bitte nach Hause und komm morgen wieder.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraufhin griff Schatzjade in seinen Ärmel und holte eine walnussgroße goldene Taschenuhr hervor. Er schaute darauf — die Zeiger standen zwischen dem Ende der Stunde des Hundes und dem Beginn der Stunde des Schweins [Anm.: zwischen 20:45 und 21:15 Uhr]. Rasch steckte er die Uhr wieder weg und sagte: &amp;quot;Du hättest schon längst schlafen sollen. Ich habe dich einen halben Tag lang belästigt.&amp;quot; Damit legte er den Umhang an, setzte den Hut auf und ging hinaus. Doch auf halbem Weg kehrte er um und kam noch einmal herein: &amp;quot;Worauf hättest du Appetit? Sag es mir, und ich richte es morgen früh der Herzoginmutter aus. Ist das nicht besser, als wenn die alten Frauen es ausrichten?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte lächelnd: &amp;quot;Lass mich heute Nacht darüber nachdenken. Morgen früh sage ich es dir. Hörst du — der Regen wird immer stärker! Geh schnell. Hat dich denn jemand begleitet?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Dienerinnen antworteten: &amp;quot;Jawohl, draußen warten Leute mit Regenschirmen und Laternen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte lächelnd: &amp;quot;Bei diesem Wetter Laternen anzüzünden?&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: &amp;quot;Das macht nichts. Es sind Laternen aus Marienglas [Anm.: 明瓦, transparent geschliffene Muschelschalen, die als Laternenfenster dienten und regenfest waren], die vertragen den Regen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade hörte das, drehte sich um und nahm eine Glaslaterne mit gesticktem Kugeldekor vom Bücherregal. Sie ließ eine kleine Kerze darin anzüzünden und reichte sie Schatzjade mit den Worten: &amp;quot;Diese hier ist heller und eignet sich gerade für Regenwetter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade sagte: &amp;quot;Ich habe auch so eine, aber ich hatte Angst, die Dienerinnen könnten ausrutschen und hinfallen und sie zerbrechen, deshalb habe ich sie nicht mitgebracht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: &amp;quot;Ist es wertvoller, wenn die Laterne hinfällt, oder wenn du hinfällst? Du bist es doch auch nicht gewöhnt, in Holzüberschuhen zu gehen. Die Laterne dort sollen sie vorneweg tragen. Diese hier ist leicht und hell und dafür gemacht, sie bei Regen selbst in der Hand zu tragen. Nimm sie also. Morgen bringst du sie mir zurück. Und selbst wenn du sie fallen lässt, ist der Verlust gering. Wie kommst du plötzlich auf die Idee, dir den Bauch aufzuschlitzen, um eine Perle zu verbergen?&amp;quot; [Anm.: Sprichwort 剖腹藏珠, &amp;quot;sich den Bauch aufschlitzen, um eine Perle zu verstecken&amp;quot; — grösseren Schaden in Kauf nehmen, um etwas Geringeres zu schützen]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schatzjade nahm die Laterne eilig entgegen. Vorneweg gingen zwei Dienerinnen mit Regenschirmen und Marienglas-Laternen, dahinter folgten noch zwei kleine Mägde mit Schirmen. Schatzjade übergab die Glaslaterne einem der Mädchen und stützte sich auf deren Schulter. So gingen sie davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald darauf kam eine Dienerin aus dem Hengwu-yuan [Anm.: Haselwurzpark, der Wohnsitz von Schatzspange im Garten der Großen Anschauung], ebenfalls mit Schirm und Laterne, und brachte ein großes Paket bester Schwalbennester sowie ein Päckchen feinen Pflaumenblüten-Kristallzucker. Sie sagte: &amp;quot;Das ist besser als das, was man kaufen kann. Unser Fräulein lässt bestellen: Essen Sie es erst einmal auf, wenn es alle ist, wird mehr geschickt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte: &amp;quot;Bestellt ihr meinen Dank.&amp;quot; Dann wies sie die Frau an, draußen Platz zu nehmen und Tee zu trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerin sagte lächelnd: &amp;quot;Keinen Tee, ich habe noch zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte lächelnd: &amp;quot;Ich weiß schon, was Ihr vorhabt. Jetzt, wo es wieder kühler ist und die Nächte länger werden, müsstet Ihr Euch natürlich zur Nacht zusammenfinden, um ordentlich zu spielen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerin sagte lächelnd: &amp;quot;Ich will es dem Fräulein nicht verheimlichen: Dieses Jahr habe ich großes Glück dabei. Sowieso müssen jede Nacht überall einige Leute Wache halten, und den Dienst zu versäumen geht nicht. Da ist es besser, man richtet eine nächtliche Spielrunde ein — so hält man gleichzeitig Wache und vertreibt sich die Langeweile. Heute halte ich die Bank, und sobald die Gartentore geschlossen sind, geht es los.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kajaljade sagte lächelnd: &amp;quot;Da muss ich mich ja bedanken, dass du trotz des Regens gekommen bist und dafür deine Glückssträhne aufs Spiel setzt!&amp;quot; Sie befahl, der Frau einige hundert Kupfermünzen zu geben, damit sie sich Wein kaufe und sich gegen die Nässe aufwärme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Dienerin sagte lächelnd: &amp;quot;Da muss das Fräulein auch noch Geld für meinen Wein ausgeben!&amp;quot; Sie machte einen Kotau, nahm draußen das Geld entgegen und ging mit dem Schirm davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Purpurkuckuck [紫鹃] räumte die Schwalbennester weg, stellte die Lampe um, ließ die Vorhänge herab und half Kajaljade ins Bett. Kajaljade lag auf ihrem Kissen und dachte dankbar an Schatzspanges Güte, dann beneidete sie sie um Mutter und Bruder. Dann dachte sie an Schatzjade, mit dem sie zwar seit jeher vertraut war, gegenüber dem aber doch Bedenken blieben. Dann hörte sie draußen auf den Bambuswipfeln und Bananenblättern den Regen prasseln, und die feuchte Kälte drang durch die Bettvorhänge. Unwillkürlich rollten ihr wieder die Tränen herab. Erst gegen Ende der vierten Nachtwache schlief sie allmählich ein. Mehr ist für den Augenblick nicht zu berichten. Was weiter geschah —&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;margin:20px 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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