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	<title>Geschichte der Editionswissenschaften/Kapitel 14 - Revision history</title>
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		<id>https://bou.de/u/index.php?title=Geschichte_der_Editionswissenschaften/Kapitel_14&amp;diff=178488&amp;oldid=prev</id>
		<title>Admin: Import Kapitel 14</title>
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		<updated>2026-07-17T16:10:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Import Kapitel 14&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;New page&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Book Nav|book=Geschichte_der_Editionswissenschaften}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kapitel 14: Digitale Editionen — TEI, Werkzeuge, digitale critique génétique =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 14.1 Der Medienwechsel als editionswissenschaftliche Zäsur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Editionswissenschaft ist über weite Strecken eine Geschichte des Buchdrucks: Die tradierten Verfahren der Textkritik, der Apparatgestaltung und der Kommentierung sind an das Medium der gedruckten Seite gebunden, an ihre räumlichen Beschränkungen ebenso wie an ihre Stabilität. Mit dem Übergang zum Digitalen verschiebt sich dieser Grund. Patrick Sahle hat den Umbruch in einer vielzitierten, gleichnishaften Passage gefasst, die von der verlorenen und immer wieder fehlerhaft abgeschriebenen Überlieferung, vom revidierten Werk, vom unsichtbar im Archiv verborgenen Schreibprozess und vom wiederaufgefundenen alten Dokument handelt — und die jede dieser Situationen in eine editorische Grundfrage überführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 8–9]; das Gleichnis zitiert Sahle, ''Das typografische Erbe'', S. 7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sahles zentrale These, die den Horizont dieses Kapitels absteckt, lautet, dass jede Edition, „egal ob gedruckt oder digital, […] eine Wette auf die Zukunft&amp;amp;quot; sei: Sie müsse die Verbindung zur Tradition bewahren und zugleich nach vorn blicken.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 9] (Zitat Sahle, „Zwischen Mediengebundenheit und Transmedialisierung&amp;amp;quot;, S. 26).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andreas Oberhoff hat in seiner informatiknahen Untersuchung dieses Umbruchs vorgeschlagen, für den technikzentriert betrachteten Übergang von der gedruckten zur digitalen Edition den Begriff „Medienwechsel&amp;amp;quot; zu verwenden, während Sahle selbst von „Medienwandel&amp;amp;quot; spricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 9].&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Terminus markiert eine Blickrichtung: Es geht nicht allein um die Digitalisierung eines Trägers, sondern um die Verlagerung der gesamten editorischen Praxis in ein neues Medium mit eigenen Möglichkeiten und Zwängen. Für dieses Feld hat sich, über die klassische Editionsphilologie hinaus, der Begriff der „Editorik&amp;amp;quot; als Verbindung von editionstheoretischer Reflexion und praktischer Umsetzung eingebürgert; die einschlägige Arbeit an digitalen Editionen verortet sich heute im Umfeld der Digital Humanities.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 11–12] (unter Verweis auf das Institut für Dokumentologie und Editorik, IDE).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 14.2 Vom Werkzeug zum Medium: die technologische Genese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Computer trat zunächst nicht als neues Publikationsmedium, sondern als Werkzeug in die Editionsarbeit ein. Der Gedanke, wiederkehrende, regelgeleitete Aufgaben an Maschinen zu delegieren, ist älter als der Computer selbst: Optomechanische Kollationsgeräte wie der von Charlton Hinman Ende der 1940er Jahre für die Shakespeare-Forschung entwickelte „Hinman Collator&amp;amp;quot; und seine Nachfolger dienten dem visuellen Überblenden von Druckseiten, um textkritische Varianten zeitsparend auffinden zu können.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 20] (Hinman, ''The Printing and Proof-reading of the First Folio of Shakespeare'').&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit dem Computer entstanden früh spezialisierte Textverarbeitungswerkzeuge wie das an WYSIWYG-Prinzipien orientierte „Classical Text Editor&amp;amp;quot; (CTE) und das komplexere „TUSTEP&amp;amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 22].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine erste konzeptionell folgenreiche Phase war die Nutzung von Datenbanken für die editorische Vorarbeit. Manfred Thaller attestierte einem datenbankgestützten Editionsverständnis bereits früh, dass es „ganz offensichtlich über die des Gedruckten weit hinaus&amp;amp;quot; gehe: Die gedruckte Ausgabe wäre demnach „nur mehr eine Art Standardausgabe der Datenbank&amp;amp;quot;, ein statischer Auszug, der je nach gewünschter Variante erzeugt werden könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 33] (Zitate aus Manfred Thaller).&amp;lt;/ref&amp;gt; Zugleich zeigte sich, dass die starren Schemata relationaler Datenbanken dem Variantenreichtum und der uneinheitlichen Struktur überlieferter Quellen nur bedingt gerecht werden — ein Befund, der die Editorik zu flexibleren Modellierungskonzepten drängte.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 29] (mit Verweis auf Manfred Kammer).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Datenträger, insbesondere der CD-ROM, überschritt die digitale Edition erstmals die Schwelle vom bloßen Werkzeug zum eigenständigen Publikationsmedium. Sie überwand vor allem die aus ökonomischen Gründen „tendenzielle Bildfeindlichkeit&amp;amp;quot; der gedruckten Ausgabe: Faksimiles der Textzeugen konnten nun in großer Zahl beigegeben werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 36] (Zitat Sahle, „Digitale Edition&amp;amp;quot;, S. 240).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Übergangsform der „Hybridausgabe&amp;amp;quot; wurden gedruckten Editionen ergänzende Materialien auf CD-ROM beigelegt.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 38].&amp;lt;/ref&amp;gt; Zugleich traten die medienspezifischen Nachteile hervor: die begrenzte Lebensdauer der Speichermedien, die Abhängigkeit von Lesegeräten, die schnelle Alterung mitgelieferter Software und die Inkompatibilität neuer Betriebssysteme.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 39].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 14.3 Hypertext, WWW und der Begriff der digitalen Edition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theoretische Grundierung der digitalen Edition speist sich wesentlich aus der Hypertexttheorie. Als deren Vordenker gelten Vannevar Bush mit seiner 1945 skizzierten „Memex“-Idee assoziativ verknüpfter Informationspfade und vor allem Theodor Nelson, der den Begriff „Hypertext” prägte und ihn als „non-linear text&amp;amp;quot; bestimmte — als Text, der sich nicht sinnvoll auf konventionelle gebundene Seiten bringen lasse; sein Projekt „Xanadu&amp;amp;quot; entwarf ein offenes Netz aus multidirektional verknüpften Dokumenten.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 40–42] (Bush, „As We May Think&amp;amp;quot;; Nelson, ''Literary Machines'').&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwischen den Zielen der Editorik und den Möglichkeiten des Hypertexts wurde bald eine regelrechte „Verwandtschaft&amp;amp;quot; ausgemacht: Gerade die im Buchdruck unauflöslichen Herausforderungen der Multiperspektivität, frei wählbarer Lesepfade und der Abbildung dichter Verweisnetze schienen im Hypertext lösbar.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 44–45].&amp;lt;/ref&amp;gt; Besonders folgenreich: Auch „als undruckbar geltende Editionstypen, wie beispielsweise die genetischen Editionen“, die den Entstehungs- bzw. Schreibprozess eines Werks zu rekonstruieren versuchen, erschienen in der Theorie des Hypertexts im Bereich des Möglichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 45].&amp;lt;/ref&amp;gt; Entsprechend euphorisch wurde die „Hypertextedition” als Ausgabentyp der Zukunft gefeiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 46] (Göttsche, „Ausgabentypen und Ausgabenbenutzer&amp;amp;quot;, S. 39).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem WWW und seiner Auszeichnungssprache HTML setzte sich die digitale Publikation endgültig durch und brach die „Buchhaftigkeit&amp;amp;quot; der CD-ROM-Ausgaben auf. Damit verbindet Oberhoff die eigentliche begriffliche Bestimmung: Als digitale Editionen im engeren Sinn gelten jene, die sich „inhaltlich, strukturell und in ihrer Darstellungsform deutlich von gedruckten Editionen unterscheiden, eigenständig existieren (können) und sich durch die technischen Rahmenbedingungen […] des WWW definieren“.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 51].&amp;lt;/ref&amp;gt; Weil nun nicht nur die Vorarbeit, sondern auch Veröffentlichung und laufende Weiterarbeit im Digitalen stattfinden, wird jede Materialisierung „nur noch eine schnell veraltende Momentaufnahme” und die digitale Edition „die primäre (nicht zwangsläufig einzige) Ausgabeform“.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 51].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die niedrige Publikationsschwelle macht Editoren zugleich zu ihren eigenen Verlegern und verleiht der digitalen Edition „den Charakter des Offenen, aber auch des Unfertigen”.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 50].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 14.4 TEI und die Modellierung von Text ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das technische Rückgrat der wissenschaftlichen digitalen Edition bildet die deskriptive Auszeichnung. Ihr Grundstein wurde in den 1960er Jahren von William W. Tunnicliffe (Trennung von Inhalt und Darstellung) gelegt und von Charles F. Goldfarb zur „Generalized Markup Language&amp;amp;quot; (GML) ausgebaut, mit der sich die logische Struktur eines Dokuments erstmals durch hierarchisch verschachtelte „Tags&amp;amp;quot; beschreiben ließ, ohne Darstellungsinformationen zu enthalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 54] (Goldfarb, „Design considerations for integrated text processing systems&amp;amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus GML entwickelte eine ANSI-Arbeitsgruppe unter Goldfarb die „Standard Generalized Markup Language&amp;amp;quot; (SGML), 1986 als „ISO 8879&amp;amp;quot; international verabschiedet.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 55] (ISO 8879:1986).&amp;lt;/ref&amp;gt; SGML ist streng genommen eine Metasprache, mit der sich spezialisierte, ausschließlich die logische Struktur beschreibende Auszeichnungssprachen definieren lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dieser Grundlage entstand 1987 die „Text Encoding Initiative&amp;amp;quot; (TEI), die ab 1988 ein gleichnamiges, SGML-basiertes Dokumentenformat entwickelte, das 1990 erstmals als Vorschlag publiziert wurde; die TEI entwickelt seither federführend einen Auszeichnungsstandard für die digitale Repräsentation und Annotation textueller Werke, der in den Geistes- und Sprachwissenschaften das „Mittel der Wahl&amp;amp;quot; geworden ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 56] (Burnard, ''What is the Text Encoding Initiative?'').&amp;lt;/ref&amp;gt; Wegen der hohen Komplexität von SGML wurde 1996 mit XML eine vereinfachte, 1998 vom W3C empfohlene Teilmenge eingeführt, die SGML als Leitstandard ablöste; die TEI stellte ihren Standard 2002 mit der Version P4 offiziell auf XML um.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 57] (Bray/Paoli/Sperberg-McQueen, „Extensible Markup Language (XML) 1.0&amp;amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Für die Musikedition entwickelte Perry Roland ab 1999 die analog organisierte „Music Encoding Initiative&amp;amp;quot; (MEI).&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 57] (Roland, „XML4MIR&amp;amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Um XML-Daten abzufragen und zu transformieren, stehen mit XPath, XQuery sowie XSL/XSLT weitere vom W3C verwaltete Standards zur Verfügung.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 58].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entscheidende konzeptionelle Vorzug von TEI und MEI ist ihre Dokumentorientierung: Anders als die strengen Strukturvorgaben relationaler Datenbanken erlauben sie, semistrukturierte Textdaten allmählich immer weiter auszuzeichnen und hierarchisch tief gestaffelte, flexibel erweiterbare Strukturen zu bilden — ein großer Vorteil im Umgang mit lückenhaften oder erst über die Zeit zu präzisierenden Daten.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 59].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Stärke ist zugleich die Quelle grundlegender Kritik. Weil XML-Dokumente auf eine eindeutige Baumstruktur festgelegt sind, versagen sie dort, wo Texte komplexer als eine einfache Hierarchie aufgebaut sind. Das bekannte Problem der überlappenden Hierarchien tritt auf, sobald verschiedene Auszeichnungsebenen — etwa metrische, syntaktische und dokumentare Gliederungen oder konkurrierende Interpretationen mehrerer Editoren — einander überschneiden; XML verbietet solche Überlappungen und erzwingt aufwendige Hilfskonstruktionen mit Referenzsystemen, die das hierarchische Textmodell selbst infrage stellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 62].&amp;lt;/ref&amp;gt; Jerome McGann hat dies für poetische Texte zugespitzt, die als „recursive structures built out of complex networks of repetition and variation&amp;amp;quot; ohne „overlapping structures&amp;amp;quot; gar nicht existieren könnten.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 62] (Zitat McGann, „Endnote: what is text?&amp;amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Sahle sieht in den Auszeichnungssprachen daher eine Technologie, die „Textnähe mit dem Verzicht auf ein komplexes und zugleich klares semantisches Datenmodell erkauft&amp;amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 59–60] (Zitat Sahle, ''Textbegriffe und Recording'', S. 217).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Spannungsfeld betrifft den Standardcharakter selbst. Weil die TEI keinen bestimmten Textbegriff voraussetzt und viele Fachgemeinschaften bedienen will, ist eine „fast unüberschaubare Zahl von Elementen und Attributen&amp;amp;quot; entstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 63] (Zitat Sahle, ''Textbegriffe und Recording'', S. 367).&amp;lt;/ref&amp;gt; Daraus folgt ein Dilemma: sehr allgemeine Elemente erlauben keine differenzierte Wiedergabe, hoch spezialisierte sind außerhalb ihrer Fachperspektive „schief“; und die Freiheit, gleiche Phänomene unterschiedlich auszuzeichnen, untergräbt die Interoperabilität, die einen Standard eigentlich ausmacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 63–64] (Zitate Sahle, S. 367 u. 369).&amp;lt;/ref&amp;gt; Als Gegenmittel gegen Inkonsistenzen zwischen Dokumentation und Datengebrauch empfiehlt sich das TEI-eigene Spezifikationsformat „One Document Does it All” (ODD), aus dem sich Validierungsschema und Dokumentation aus einer Quelle gewinnen lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 64] (Zitat Hartwig/Kepper, „Die Spuren des Digitalen&amp;amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei aller Kritik hat die TEI, so das ausgewogene Fazit, „zu einem neuen Denken über Text, Textphänomene und Textfunktionen geführt&amp;amp;quot; und eine Forschungsgemeinschaft etabliert, die die Theorie des elektronischen Textes „auf ein bis dahin nicht gekanntes Niveau geführt hat&amp;amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 64] (Zitate Sahle, ''Textbegriffe und Recording'').&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 14.5 Digitale Genese und critique génétique ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kein Editionstyp profitiert vom Medienwechsel so unmittelbar wie die genetische Edition. Ihr Begriff steht in Verbindung mit den Konzepten der Text- und Werkgenese und wird sowohl in der Tradition der französischen ''critique génétique'' als auch in jener der deutschen historisch-kritischen Edition verwendet.&amp;lt;ref&amp;gt;Hegel, „Genetische Edition&amp;amp;quot;, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 1] (mit Verweis auf Grésillon 1998).&amp;lt;/ref&amp;gt; In der ''critique génétique'' wird die genetische Edition klassisch als Ausgabe definiert, „die in gedruckter Form und nach der zeitlichen Ordnung des Schreibprozesses die Menge der erhaltenen genetischen Dokumente eines Werks oder Projekts darstellt&amp;amp;quot;.&amp;lt;ref&amp;gt;Hegel, „Genetische Edition&amp;amp;quot;, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 1] (Zitat Grésillon 1994, S. 243).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Genese lässt sich auf Makro-, Meso- und Mikroebene bzw. auf Textschichten, Textstufen und Arbeitsphasen beziehen; De Biasi unterscheidet typologisch zwischen vertikalen und horizontalen genetischen Editionen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hegel, „Genetische Edition&amp;amp;quot;, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 1] (Lukas 2019; Van Hulle 2016; De Biasi 1996).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter digitalen Bedingungen haben sich, über Grésillons an den Druck gebundene Definition hinaus, Methoden zur maschinenlesbaren Erfassung genetischer Prozesse etabliert — namentlich mittels der TEI.&amp;lt;ref&amp;gt;Hegel, „Genetische Edition&amp;amp;quot;, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 2] (Pierazzo 2009; Burnard u. a. 2010).&amp;lt;/ref&amp;gt; Paolo D’Iorio unterscheidet als Bestandteile der digitalen genetischen Edition das ''dossier génétique'', die digitalen Faksimiles, die Transkription sowie Anordnung und Präsentation.&amp;lt;ref&amp;gt;Hegel, „Genetische Edition&amp;amp;quot;, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 1] (D’Iorio 2010).&amp;lt;/ref&amp;gt; Referenzprojekte wie die ''Faustedition'' und die genetisch-kritische Edition von Fontanes ''Notizbüchern'' zeigen die praktische Tragweite; für die Modellierung des ''Faust'' wurde eigens das Verfahren des „Multiple Encoding&amp;amp;quot; entwickelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Hegel, „Genetische Edition&amp;amp;quot;, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 2–3] (''Faustedition''; Fontane, ''Notizbücher''; Brüning/Henzel/Pravida 2013).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerrit Brüning hat die editionstheoretischen Konsequenzen dieser Digitalisierung in seiner Studie zur „Modellierung von Textgeschichte&amp;amp;quot; ausgearbeitet. Sein Ausgangspunkt ist die alte Klage, die reichen und qualitativ hochwertigen Daten über Texte und ihre Entwicklung, die in kritischen Editionen und ihren Apparaten vorliegen, blieben in der interpretatorisch arbeitenden Literaturwissenschaft weitgehend ungenutzt — nicht zuletzt wegen der „unzugänglichen technischen Form herkömmlicher (gedruckter) Apparate“, die als „Variantenfriedhöfe” verschrien sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Brüning, „Modellierung von Textgeschichte. Bedingungen digitaler Analyse und Schlussfolgerungen für die Editorik&amp;amp;quot;, in: ''Digitale Literaturwissenschaft'', [PDF-Seite 310–311].&amp;lt;/ref&amp;gt; Die digitale Modellierung verspricht, diese Daten aus der Isolation des gedruckten Apparats zu befreien und einer analytischen, über den Einzelfall hinausgehenden Auswertung der Textgeschichte zugänglich zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Brüning, „Modellierung von Textgeschichte“, in: ''Digitale Literaturwissenschaft'', [PDF-Seite 311]; vgl. Hegel, „Genetische Edition”, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 2].&amp;lt;/ref&amp;gt; Jenseits von Handschrift und Typoskript rückt schließlich für die gegenwärtige Textproduktion die digitale Forensik als Methode zur Erstellung eines ''dossier génétique'' in den Blick.&amp;lt;ref&amp;gt;Hegel, „Genetische Edition&amp;amp;quot;, in: ''KONDE Weißbuch'', [PDF-Seite 2] (Ries 2019).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 14.6 Werkzeuge, Plattformen und Infrastruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil TEI und MEI auf XML basieren, steht eine breite, wenn auch großteils nicht editionsspezifische Palette ausgereifter Werkzeuge zur Erstellung, Speicherung und Abfrage der Daten bereit; darauf aufbauend entstehen editionsspezifische Anwendungen und integrierte Arbeitsumgebungen.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 103].&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein gemeinsamer Auszeichnungsstandard wirkt dabei als Erfolgsfaktor: Er bündelt die Kräfte auf der Ebene einer einheitlichen Datenhaltung und erlaubt den Austausch von Werkzeugen zwischen Projekten.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 104].&amp;lt;/ref&amp;gt; Für die Anlagerung zusätzlicher Informationen bietet sich neben dem eingebetteten „Inline markup&amp;amp;quot; das „Stand-off markup&amp;amp;quot; an, bei dem Annotationen losgelöst vom Primärdokument angelegt und über Verweise verknüpft werden — was gerade die Annotation überlappender Hierarchien sowie nur lesbarer Dokumente ermöglicht, ohne die Primärdaten zu verändern.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 94–95].&amp;lt;/ref&amp;gt; Für die feingranulare Adressierung von Bilddaten hat sich mit dem „International Image Interoperability Framework&amp;amp;quot; (IIIF) ein web-basierter Standard etabliert.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 98] (IIIF, https://iiif.io).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arbeitsumgebungen tendieren zunehmend zu einem „Editionsbaukasten&amp;amp;quot; aus untereinander kompatiblen Werkzeugen, zu kollaborationsfähigen Plattformen und zu einer Verschmelzung von Arbeits-, Publikations- und Rezeptionsumgebung.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 104].&amp;lt;/ref&amp;gt; Insgesamt zeichnet sich ein Paradigmenwechsel „vom monolithischen System zur Infrastruktur&amp;amp;quot; ab, der die Editorik an die breitere Debatte um Forschungsdatenmanagement und -infrastrukturen anschließt, etwa die „Nationale Forschungsdateninfrastruktur&amp;amp;quot; (NFDI).&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 10–11].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 14.7 Chancen und Probleme: Nachhaltigkeit, Standards, Offenheit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Gewinnen des Digitalen — nahezu unbegrenzte Darstellungsformen, tiefer Einbezug von Quellenmaterial, variable Lesepfade, ein möglicher Rückkanal zum Editor — stehen gewichtige Probleme gegenüber. Das drängendste ist die Nachhaltigkeit. Während gedruckte Editionen durch Bibliotheken und Archive dauerhaft verfügbar bleiben, setzt bei einer Online-Edition, deren Finanzierung ausläuft oder deren Verantwortlichkeit nach Projektende ungeklärt ist, quasi unmittelbar das „digitale Vergessen&amp;amp;quot; ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 70] (Zitat Weber, „Archiv-Server/Server-Archive&amp;amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Da Editionen fast immer mit öffentlichen Geldern finanziert werden, geraten kommerzielle Verwertungsmodelle mit proprietären Formaten und Digital Rights Management (DRM) in Konflikt mit dem geforderten Open Access.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 71].&amp;lt;/ref&amp;gt; Gerade Gedächtnisinstitutionen kommen deshalb — dank ihrer Kompetenzen, ihrer Nähe zur faksimilierten Überlieferung und ihrer institutionellen Stabilität — für die dauerhafte Bereitstellung und die Standardisierung dieser Prozesse in Betracht.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 72–73].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein zweites Problem ist die Zitierfähigkeit. Der offene, „flüchtige&amp;amp;quot; Charakter der sich stetig fortentwickelnden digitalen Edition verlangt, dass alle Versionen zugänglich und eindeutig referenzierbar bleiben; eine konsequente Versionierung ermöglicht es zugleich, aktueller zu sein, als es die Buchform je erlaubte.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 71–72].&amp;lt;/ref&amp;gt; Drittens bleibt die Standardfrage ambivalent: Offene, gemeinschaftlich weiterentwickelte Standards wie TEI und MEI sind der grundlegende Baustein für die technische Vereinheitlichung über einzelne „Insellösungen&amp;amp;quot; hinweg — doch ihre Offenheit und Erweiterbarkeit kann, wie gezeigt, die Verbindlichkeit unterlaufen, die einen Standard erst nützlich macht.&amp;lt;ref&amp;gt;Oberhoff, ''Digitale Editionen im Spannungsfeld des Medienwechsels'', [PDF-Seite 63–64, 103].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So bestätigt sich am Ende Sahles Bild von der Edition als „Wette auf die Zukunft&amp;amp;quot;. Der Medienwechsel hat der Editionswissenschaft Ausdrucksmittel eröffnet, die zentrale Träume der Disziplin — die integrale Wiedergabe der Textgenese, die Vereinigung von Faksimile, Transkription und Apparat, die dynamische Multiperspektivität — technisch einlösbar machen. Zugleich hat er an die Stelle der abgeschlossenen, materiell gesicherten Buchausgabe ein offenes, prozesshaftes und in seiner Bewahrung prekäres Artefakt gesetzt, dessen langfristige Verfügbarkeit nicht mehr das Medium selbst, sondern nur noch die dauerhafte institutionelle und infrastrukturelle Verantwortung garantieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
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