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	<title>Lu Xun Complete Works/de/Tengye xiansheng - Revision history</title>
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		<id>https://bou.de/u/index.php?title=Lu_Xun_Complete_Works/de/Tengye_xiansheng&amp;diff=174974&amp;oldid=prev</id>
		<title>Admin at 09:40, 12 April 2026</title>
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		<updated>2026-04-12T09:40:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;New page&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color: #2c3e50; color: white; padding: 8px 12px; margin: 0 0 15px 0; border-radius: 4px;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
= Mr. Fujino =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Fujino&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tokio war im Grunde auch nicht anders. In der Zeit, da die Kirschblüten im Ueno-Park in voller Pracht standen, sah es dort aus der Ferne tatsächlich aus wie leichte, karmesinrote Wolken; doch unter den Blüten fehlte es auch nie an scharenweise auftretenden „Studenten aus dem Reich der Qing&amp;quot; — Schnellkurs-Absolventen mit auf dem Kopf aufgewickeltem großem Zopf, der die Kappe hoch emportrieb und eine Art Fujiyama formte. Manche hatten den Zopf gelöst und flach aufgewickelt; nahm man die Mütze ab, glänzte das Haar so blank wie ein Spiegel, wie der Haarknoten eines kleinen Mädchens, und dazu drehten sie noch den Hals hin und her. Wahrhaftig reizend anzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Pförtnerhaus der Vereinigung chinesischer Studenten gab es einige Bücher zu kaufen, und manchmal lohnte sich ein Besuch; am Vormittag konnte man auch ganz gut in den Zimmern des westlichen Baus sitzen. Doch gegen Abend begann in einem der Räume der Boden unausweichlich dumpf zu dröhnen, und der ganze Raum war voller Rauch und Staub; fragte man einen Zeitungskundigen, erhielt man die Antwort: „Das ist Tanzunterricht.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob man sich nicht einmal anderswo umsehen sollte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so ging ich an die Medizinische Fachschule in Sendai. Von Tokio aus fuhr man nicht lange und gelangte an eine Poststation mit dem Schild: Nippori. Ich weiß nicht warum, aber diesen Namen habe ich bis heute behalten. Danach erinnere ich mich nur noch an Mito, den Ort, an dem der Ming-Emigrant Herr Zhu Shunshui in der Fremde gestorben war. Sendai war eine Kleinstadt, nicht groß; die Winter waren schneidend kalt; chinesische Studenten gab es dort noch keine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vermutlich war ich eben deshalb eine Rarität. Pekinger Chinakohl, nach Zhejiang transportiert, wird mit einem roten Band am Strunk festgebunden und kopfüber in den Obstläden aufgehängt, ehrfürchtig als „Seetang-Kohl&amp;quot; angepriesen; die wild wachsende Aloe aus Fujian wird in Peking ins Gewächshaus geholt und hochtrabend „Drachenzunge&amp;quot; getauft. Auch mir widerfuhr in Sendai eine solche Vorzugsbehandlung: Nicht nur verlangte die Schule kein Studiengeld, einige Beamte kümmerten sich sogar um meine Unterkunft und Verpflegung. Zunächst wohnte ich in einem Gasthaus neben dem Gefängnis; es war Frühwinter und schon recht kalt, doch die Mücken waren noch zahlreich. Schließlich bedeckte ich mich mit der Bettdecke am ganzen Körper, wickelte mir Kleidung um Kopf und Gesicht und ließ nur die beiden Nasenlöcher zum Atmen frei. An diesem Ort des unablässigen Atmens fanden die Mücken keinen Ansatzpunkt mehr, und ich schlief tatsächlich fest ein. Auch das Essen war nicht schlecht. Doch ein Angestellter meinte, dieses Gasthaus versorge auch die Gefängnisinsassen mit Essen und meine Unterkunft dort sei nicht passend, und er wiederholte das immer wieder. Obwohl ich fand, dass die Versorgung von Häftlingen mit Essen mich nichts anging, konnte ich die gute Absicht nicht gut abweisen und musste mir eine andere Bleibe suchen. So zog ich in ein anderes Haus, weit vom Gefängnis entfernt, doch leider musste ich dort täglich eine kaum genießbare Taro-Stängel-Suppe trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an sah ich viele fremde Dozenten und hörte viele neue Vorlesungen. Anatomie wurde von zwei Professoren unterrichtet. Das erste Fach war Osteologie. Herein kam ein hagerer, dunkelhäutiger Herr, mit Schnurrbart, Brille und einem Stapel Bücher aller Größen unter dem Arm. Kaum hatte er die Bücher auf das Katheder gelegt, stellte er sich den Studenten mit langsamer, wohlakzentuierter Stimme vor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich bin der, den man Fujino Genkuro nennt …&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinten lachten einige. Er fuhr fort und schilderte die Geschichte der Anatomie in Japan; die Bücher aller Größen waren Werke zu diesem Fachgebiet von den Anfängen bis zur Gegenwart. Einige der älteren waren noch fadengebunden; es gab sogar Nachdrucke von chinesischen Übersetzungen — in der Übersetzung und Erforschung der neuen Medizin waren sie also nicht früher dran gewesen als China.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lacher hinten waren durchgefallene Studenten des Vorjahres, die schon ein Jahr an der Schule waren und sich bestens mit den Interna auskannten. Sie hielten den Neuen Vorträge über die Lebensgeschichte jedes Professors. Dieser Herr Fujino, so erzählten sie, kleidete sich äußerst nachlässig und vergaß manchmal sogar seine Krawatte; im Winter trug er einen alten Mantel und fror sichtlich. Einmal, als er in den Zug stieg, hielt ihn der Schaffner für einen Taschendieb und ermahnte die Fahrgäste zur Vorsicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sie erzählten, war wohl wahr, denn ich sah selbst einmal, dass er ohne Krawatte zum Unterricht erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Woche, es war wohl ein Samstag, schickte er seinen Assistenten, um mich zu holen. Im Forschungszimmer saß er inmitten von menschlichen Knochen und vielen einzelnen Schädeln — er forschte damals gerade über Schädel, und später erschien ein Aufsatz darüber in der Zeitschrift unserer Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Meine Vorlesungsmitschrift — kannst du die mitschreiben?&amp;quot; fragte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Einiges kann ich mitschreiben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Zeig her!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich reichte ihm meine Mitschrift, er nahm sie entgegen. Zwei, drei Tage später gab er sie mir zurück und sagte, von nun an solle ich sie ihm jede Woche einmal zeigen. Als ich sie aufschlug, erschrak ich gewaltig und fühlte zugleich Bestürzung und Dankbarkeit. Von Anfang bis Ende war meine Mitschrift mit roter Tinte korrigiert worden — nicht nur waren zahlreiche fehlende Stellen ergänzt, auch grammatische Fehler waren einer um den anderen berichtigt. So ging es weiter, bis er alle seine Kurse durchunterichtet hatte: Osteologie, Angiologie, Neurologie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider war ich damals wenig fleißig und bisweilen auch eigenwillig. Ich erinnere mich, wie Herr Fujino mich einmal in sein Forschungszimmer rief, eine Zeichnung in meiner Mitschrift aufschlug — die Blutgefäße des Unterarms — und freundlich auf sie deutend sagte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Sieh her, du hast dieses Blutgefäß ein Stück verschoben. — Natürlich sieht es so verschoben etwas hübscher aus, aber eine anatomische Zeichnung ist keine Kunst. Das Original sieht nun einmal so aus, und wir können es nicht verändern. Jetzt habe ich es dir korrigiert; in Zukunft zeichne genau nach der Tafel.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch ich war nicht einverstanden. Mündlich stimmte ich zu, dachte mir aber insgeheim:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Zeichnung ist eigentlich ganz richtig so, wie ich sie gemacht habe; was die tatsächlichen Verhältnisse angeht, die habe ich natürlich im Kopf.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Jahresprüfungen fuhr ich für den Sommer nach Tokio. Im Frühherbst kehrte ich zurück, und die Ergebnisse waren längst bekannt: unter über hundert Kommilitonen lag ich in der Mitte — gerade eben nicht durchgefallen. In diesem Semester waren die Kurse von Herrn Fujino Anatomische Übungen und Regionale Anatomie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach etwa einer Woche Anatomie-Praktikum rief er mich wieder zu sich und sagte mit sichtlicher Freude in seiner wohlakzentuierten Weise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich hatte gehört, dass die Chinesen die Geister sehr verehren, und machte mir deshalb Sorgen, du könntest dich weigern, Leichen zu sezieren. Nun bin ich beruhigt — das ist nicht der Fall.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch gelegentlich brachte er mich auch in Verlegenheit. Er hatte gehört, dass die Frauen in China ihre Füße banden, kannte aber die Einzelheiten nicht und wollte deshalb von mir wissen, wie das Binden vor sich ging, wie sich die Fußknochen verformten. Und er seufzte: „Man müsste das einmal sehen, um es wirklich zu verstehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages kamen die Geschäftsführer der Studentenvereinigung unseres Jahrgangs zu mir und wollten meine Vorlesungsmitschrift sehen. Ich holte sie heraus und gab sie ihnen, doch sie blätterten sie nur durch und nahmen sie nicht mit. Kaum waren sie gegangen, brachte der Postbote einen dicken Brief. Ich öffnete ihn und las den ersten Satz:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kehre um und tue Buße!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war wohl ein Satz aus dem Neuen Testament, den Tolstoi kürzlich zitiert hatte. Es war die Zeit des Russisch-Japanischen Krieges, und der alte Tolstoi hatte einen Brief an den russischen und den japanischen Kaiser geschrieben, der mit eben diesem Satz begann. Die japanischen Zeitungen hatten seine Anmaßung scharf gerügt, und patriotische Jugendliche waren empört gewesen, doch insgeheim waren sie von ihm bereits beeinflusst. Der Rest des Briefes besagte ungefähr, die Prüfungsfragen in Anatomie des Vorjahres seien solche gewesen, die Herr Fujino in der Mitschrift markiert habe, und ich hätte sie im Voraus gekannt — daher meine Ergebnisse. Am Ende: anonym.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da erinnerte ich mich an einen Vorfall wenige Tage zuvor. Weil eine Jahrgangversammlung anberaumt war, hatte einer der Geschäftsführer eine Ankündigung an die Tafel geschrieben; der letzte Satz lautete „Bitte vollzählig und ohne Auslassung erscheinen&amp;quot;, und neben dem Zeichen für „Auslassung&amp;quot; war ein Kreis gemalt. Obwohl ich den Kreis damals schon komisch fand, hatte ich ihm keine Beachtung geschenkt; erst jetzt verstand ich, dass das Zeichen auch eine Anspielung auf mich war — es bedeutete, ich hätte die vom Dozenten „durchgesickerten&amp;quot; Prüfungsfragen erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich berichtete die Sache Herrn Fujino; einige Kommilitonen, mit denen ich bekannt war, empörten sich ebenfalls und stellten die Geschäftsführer wegen der unter dem Vorwand einer Überprüfung begangenen Unhöflichkeit zur Rede. Man verlangte, sie sollten das Ergebnis ihrer „Überprüfung&amp;quot; veröffentlichen. Schließlich verstummte das Gerücht, doch die Geschäftsführer versuchten nun eifrig, den anonymen Brief zurückzubekommen. Am Ende gab ich ihnen den tolstoianischen Brief zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
China ist ein schwaches Land, also sind Chinesen natürlich Schwachköpfe; ein Prüfungsergebnis über sechzig Punkten kann unmöglich auf eigener Leistung beruhen — kein Wunder, dass sie Verdacht schöpften. Doch bald darauf war es mir beschieden, die Erschießung von Chinesen auf einer Leinwand zu sehen. Im zweiten Jahr kam Bakteriologie hinzu; die Formen der Bakterien wurden ausschließlich per Film vorgeführt. Wenn ein Abschnitt beendet war und noch Zeit bis zum Unterrichtsende blieb, wurden einige Wochenschau-Filmstreifen gezeigt — natürlich allesamt Szenen japanischer Siege über Russland. Doch mitten darin tauchten auch Chinesen auf: als Spione für die Russen, von den Japanern gefangen genommen, kurz vor der Erschießung, und die Zuschauermenge bestand ebenfalls aus Chinesen — und im Hörsaal war noch ein weiterer Chinese: ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Banzai!&amp;quot; riefen sie alle und klatschten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Jubel gab es bei jedem Filmstreifen, doch mir klang dieser eine Ruf besonders grell in den Ohren. Als ich später nach China zurückkehrte und jene Leute sah, die Hinrichtungen wie betäubte Zuschauer bejubelten, dachte ich — ach, da war nichts zu machen! Doch an jenem Ort und zu jener Zeit hatten sich meine Ansichten verändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des zweiten Studienjahres suchte ich Herrn Fujino auf und teilte ihm mit, dass ich das Medizinstudium aufgeben und Sendai verlassen würde. Sein Gesicht schien von einer gewissen Traurigkeit gezeichnet; er wollte offenbar etwas sagen, sagte aber schließlich nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich möchte Biologie studieren; was Sie mich gelehrt haben, wird mir auch dabei nützlich sein.&amp;quot; In Wahrheit hatte ich nicht die Absicht, Biologie zu studieren, aber weil ich sah, wie betrübt er war, log ich ihm zum Trost etwas vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Anatomie, wie sie für die Medizin gelehrt wird, nützt der Biologie wohl kaum viel&amp;quot;, seufzte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den letzten Tagen vor meiner Abreise bat er mich zu sich nach Hause und gab mir ein Foto, auf dessen Rückseite zwei Zeichen geschrieben standen: „Schmerz des Abschieds.&amp;quot; Er bat mich, ihm auch eines von mir zu geben. Doch ich hatte gerade kein Foto; er trug mir auf, später eines machen zu lassen und ihm zu schicken und ihm außerdem regelmäßig zu schreiben, wie es mir erginge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem ich Sendai verlassen hatte, ließ ich mich viele Jahre lang nicht mehr fotografieren, und da meine Lage trostlos war und ich ihm nur Enttäuschung bereitet hätte, wagte ich nicht einmal zu schreiben. Je mehr Jahre verstrichen, desto schwerer fiel es, überhaupt anzufangen; so kam es, dass ich, obwohl ich bisweilen einen Brief schreiben wollte, nie die Feder ansetzen konnte, und bis zum heutigen Tag habe ich ihm weder einen einzigen Brief noch ein einziges Foto geschickt. Von seiner Seite aus betrachtet war ich einfach gegangen und spurlos verschwunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch ich weiß nicht warum — ich denke immer wieder an ihn. Unter all denen, die ich als meine Lehrer betrachte, ist er derjenige, der mir die größte Dankbarkeit einflößt und mich am meisten ermutigt hat. Manchmal denke ich: Seine warmherzige Hoffnung für mich, sein unermüdlicher Unterricht — im Kleinen gesehen war es um Chinas willen, in der Hoffnung, dass China eine neue Medizin erhielte; im Großen gesehen war es um der Wissenschaft willen, in der Hoffnung, dass die neue Medizin nach China gelange. Sein Charakter ist in meinen Augen und in meinem Herzen ein großer, auch wenn sein Name nicht vielen Menschen bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von ihm korrigierte Mitschrift hatte ich zu drei dicken Bänden gebunden und aufbewahrt, als ewiges Andenken. Leider ging vor sieben Jahren bei einem Umzug eine Bücherkiste unterwegs zu Bruch, und die Hälfte der Bücher ging verloren; ausgerechnet diese Mitschrift war darunter. Ich beauftragte die Spedition mit der Suche, doch nie kam eine Antwort. Nur sein Foto hängt bis heute an der Ostwand meiner Pekinger Wohnung, gegenüber dem Schreibtisch. Wenn ich nachts müde bin und gerade faulenzen will, blicke ich auf und erhasche im Lampenschein sein hageres, dunkles Gesicht, das gerade mit wohlakzentuierter Stimme zu sprechen scheint, und plötzlich regt sich mein Gewissen, und mein Mut wächst. Ich zünde mir eine Zigarette an und schreibe weiter an jenen Texten, die den „Ehrbaren Herren&amp;quot; so verhasst sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am zwölften Oktober.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Books]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lu Xun]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Admin</name></author>
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