User:Song Yunwei

From China Studies Wiki
Jump to navigation Jump to search

Abschlussarbeit

Theorieerläuterung

Multimodalitätstheorie erweitert Übersetzung über rein verbale Codes hinaus auf visuelle, auditive und andere semiotische Modi. Moderne Kommunikation ist grundsätzlich multimodal. Übersetzung muss daher Text-Bild-Beziehungen, Layout, Farben und andere non-verbale Elemente berücksichtigen.

Konkrete Übersetzungsbeispiele

1. Wilhelm Busch "Max und Moritz": Visuelle Anpassung an chinesische Bildtradition (Gesichtszüge, Architektur) 2. Deutsche Werbung: Multimodale Markenübersetzung (Text, Bild, Farbe, Musik) 3. Graphic Novels: "Die Verwandlung" als Comic - Text-Bild-Synthesis 4. Kinderbücher: Kulturspezifische Illustrationsstile beeinflussen Textrezeption 5. Digitale Texte: Webseiten-Lokalisierung als multimodale Übersetzung

Relevante Internet-Quellen

Deutsch

Kulturelle Anpassung in der multimodalen Übersetzung: Das Beispiel der chinesischen Übertragung von Max und Moritz

Im Zuge der Entwicklungen in der modernen Übersetzungswissenschaft hat Gunther Kress mit seinem Konzept der Multimodalität ein Umdenken angestoßen. Er vertritt die Auffassung, dass Übersetzungsprozesse weit über die rein sprachliche Ebene hinausgehen und auch visuelle, farbliche sowie räumliche Gestaltungselemente umfassen. Diese Sichtweise ist besonders relevant bei der Übertragung von Kinderbilderbüchern, die sich durch ein Zusammenspiel von Text und Bild auszeichnen.

Das Werk Max und Moritz von Wilhelm Busch stellt ein typisches Beispiel für diese Form multimodaler Texte dar. Seine Übersetzung ins Chinesische umfasst weit mehr als eine bloße Sprachübertragung – sie erfordert auch tiefgehende kulturelle und visuelle Anpassungen. Dies macht die Komplexität multimodaler Übersetzungen besonders deutlich.

Das Original, das im 19. Jahrhundert entstand, ist stark in der europäischen Kulturtradition verwurzelt. Es kombiniert überzeichnete Illustrationen mit schwarzem Humor, der typisch für den deutschen Kontext ist. Beim Transfer in die chinesische Kultur wird jedoch schnell ein kultureller Abstand sichtbar – insbesondere im Bereich der visuellen Gestaltung. Während die europäischen Figuren mit tiefen Augenhöhlen und markanten Gesichtszügen für westliche Kinder vertraut sind, wirken sie auf ostasiatische Leser*innen möglicherweise befremdlich oder sogar bedrohlich. Aus diesem Grund wurden in der chinesischen Version verschiedene visuelle Elemente angepasst: helle Locken wichen glattem schwarzem Haar, kantige Gesichter wurden durch rundlichere ersetzt, und die Mimik wurde an asiatische Ausdrucksformen angepasst. Diese Änderungen dienen nicht allein ästhetischen Zwecken, sondern erfüllen eine bedeutende kulturelle Funktion – sie erleichtern die emotionale Identifikation der Zielgruppe mit den Figuren.

Auch die Architektur der dargestellten Szenen wurde an die chinesische Kultur angepasst. Die ursprünglichen Fachwerkhäuser und Kirchtürme des Originals verlieren im chinesischen Kontext ihre symbolische Bedeutung. Daher wurden sie durch Elemente traditioneller chinesischer Baukunst wie Siheyuan oder Pagoden ersetzt, um kulturelle Vertrautheit herzustellen. Eine weitere zentrale Veränderung betrifft die Farbgestaltung: Während Buschs Original bewusst mit Schwarzweißzeichnungen arbeitet, um eine gewisse Distanziertheit und Ironie zu erzeugen, setzt die chinesische Version auf weiche Farbtöne, die kindliche Wärme und Verspieltheit vermitteln. Diese visuelle Anpassung reflektiert die in Ostasien verbreitete Erwartung, dass Kinderliteratur positive und harmonische Botschaften vermitteln sollte.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch das Zusammenspiel zwischen Bild und Text. Im Original entsteht Komik oft durch den Gegensatz zwischen ernsthaften Reimen und grotesken Bildern. Diese Ironie kann im chinesischen Kontext an Wirkung verlieren. Um dies auszugleichen, greifen Übersetzer*innen auf zusätzliche Mittel zurück: Zum Beispiel werden lautmalerische Ausdrücke wie „Peng!“ oder „Platsch!“ eingefügt, um die Bildwirkung zu verstärken. Darüber hinaus werden sprachliche Doppeldeutigkeiten kreativ übertragen – etwa wird das deutsche Wort „Spott“, das sowohl „Hohn“ als auch „Vogelstimme“ bedeutet, in der chinesischen Version als „kleiner Unruhestifter“ wiedergegeben. Obwohl die ursprüngliche Wortspielstruktur dabei nicht vollständig erhalten bleibt, gelingt es dennoch, eine ähnliche humorvolle Wirkung zu erzielen. Diese Art der Anpassung belegt Kress’ These, dass Übersetzen im multimodalen Kontext vor allem eine Umstrukturierung kultureller Zeichensysteme ist.

Allerdings sind die Möglichkeiten der kulturellen Anpassung nicht unbegrenzt. Beispielsweise wurden in der chinesischen Fassung bestimmte Szenen – etwa die Darstellung eines gebratenen Huhns – weggelassen, um kulturell sensible Themen wie Gewalt oder Töten zu vermeiden. Andere gewaltsame Inhalte wurden abgeschwächt oder symbolisch umgedeutet, etwa durch das Bild von Figuren, die an Teig kleben bleiben. Dadurch wird der scharfe satirische Charakter des Originals deutlich abgeschwächt – eine Entscheidung, die die Schwierigkeiten zeigt, bei der Übersetzung alle Modalitäten in Einklang zu bringen. In der Kinderliteratur spielt zudem die Vorstellung Erwachsener von „geeigneter“ Kindheit eine große Rolle. Wie Perry Nodelman betont, sind Bilder in Kinderbüchern oft visuelle Träger kultureller Normen und Vorstellungen.

Die chinesische Übersetzung von Max und Moritz lässt sich somit auch als Geschichte eines kulturellen Aushandlungsprozesses lesen. Erfolgreiche multimodale Übersetzung muss stets ein Gleichgewicht wahren zwischen der Wahrung des künstlerischen Ausdrucks der Vorlage, der Berücksichtigung kultureller Erwartungen des Zielpublikums und der narrativen Kohärenz von Text und Bild. Durch visuelle Lokalisierung wird zwar kulturelle Nähe geschaffen, jedoch auch ein gewisser Verlust an Originalität in Kauf genommen. Dies zeigt, dass Kress’ Modell wichtige methodische Impulse bietet, aber auch, dass eine zu starke Anpassung zur Vereinheitlichung kultureller Ausdrucksformen führen kann.

Ein möglicher Ansatz für weitere Forschung besteht darin, die chinesische Übersetzung mit den japanischen oder koreanischen Versionen des Werkes zu vergleichen. So könnten spezifisch ostasiatische ästhetische Prinzipien in der multimodalen Adaption näher untersucht werden. Denn wirklicher interkultureller Austausch braucht nicht nur Brücken, sondern auch Prismen – um Unterschiede nicht zu glätten, sondern sichtbar zu machen.

中文

多模态性将翻译扩展到言语符码之外。本研究探讨德语绘本的中国改编。例如:威廉·布什的《马克斯和莫里茨》需要视觉适应中国图像传统——欧洲面孔被中国化,建筑被改编。文本-图像关系发生文化特定变化。结构:多模态理论、视觉符号学、儿童文学的文化比较。参考文献:克雷斯(2010)、绘本研究、视觉文化。