Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 9
Kapitel 9: Erfundene Geister sollen die Schöne erschrecken, bringen sie aber zum Lachen
Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766
Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.
Siebentes Kapitel. a) - (6. o zornig auch Tieh tschong u über die Grobheit des alten Mannes, und des Man- darins war; so mußte er doch selbst über diesen lächerlichen Zufall lachen, der ihn so unvermuthet betroffen hatte. Er ließ sich bey der Abendmahls zeit Effen und Trinken wohl schmecken, und dann befahl er, daß Siau-tan das Bette für ihn zu rechtmachen sollte. Er legte sich hierauf ohne weitere Umstände schlafen. Der Mond schien sehr helle b). Als er um Mitternacht erwachte, sah er Thao - tschi an sei- a) Im Originale ist es das neunte. nem b) So wie einfältige Leute glauben, daß die dunkeln Schatten oder Flecken im Monde ein Gesicht, oder eis nen Mann mit einem Strauche, Laterne, und Hund 2e. vorstellen: eben so bilden die Chineser den Mond als ein Kaninchen ab, das Reis in einen Mörser stampfet. Sie wollen hierdurch der Einbildungskraft und dem Gedächt- nisse der Kinder zu statten kommen. Wenn sie die Son: ne vorstellen wollen, malen sie einen Hahn in einen Zir- kel, u. d. g. m. Du Halde, 2 Th. S. 295. nem Bette sigen. So bald sie merkte, daß er erwacht sey, streckte sie die Hand nach ihm aus, ihn zu umarmen. Tieh-tschong-u fuhr auf. " „Packet euch, Dirne, sprach er. Wie könnet ihr so unverschämt wider die Sittsamkeit eures Ge- schlechts handeln?" Er wandte sich sodann auf die Seite, und schlief wieder ein. Das Måd- chen war über diesen Abschlag so bestürzt, daß sie nicht ein Wort sagte, sondern sich zu den Füssen des Bettes niederlegte. Pib) = than) cong, to sie ganze Nacht über kein Auge zuschloß, sah und hör- te alles dieses. „Ich sehe nunmehr, dachte er, daß diese Dirne allein strafbar, und dieser Frem de ein tugendhafter Jüngling ist. Er hätte ihn gerne in Freyheit gefeßet; · da er aber bey sich überlegte, daß er, als ein Gefangener des Man- parins, seiner Verwahrung übergeben sen, be- schloß er, die Sache am folgenden Tage besser zu erläutern. Sobald der Morgen anbrach, gieng er mit einem Beutel voll Geldes zum Mandarin. Er ersuchte ihn, die fernere Untersuchung einzu» stellen, und vor kein höheres Gericht gelangen zu laffen. Der Mandarin gab ihm troßig zur Ant- wort: „Habt ihr mich hieher geseket, diesen Po- sten zu bekleiden, weil ihr mich eines bessern be, lehren wollet? Der Bericht von dieser Sache wurde noch in verwichener Nacht ausgefertiget, und ihr müffet diesen Morgen alle vor dem Taos vih erscheinen. Kommet, wir wollen hingehen." Der alte Mann führte also die ihm anvertrauten Per- Personen herben, und folgte dem Mandarin, wo, bey sie eine große Menge Volks begleitete. Es war der Geburtstag des Tao-yih, und viele Mandarinen machten ihm deswegen ihre Auf wartung. Sie mußten alle außen vor der Thüre warten, weil die Trompeter erst einmal geblasen hatten c). Da sie die Menge der Leute herbey- kommen ⚫) Bey dem Thore des Palastes eines vornehmen Mandas rins sind zween kleine Thürme, worinn Trommeln und andere musikalische Instrumente sind, auf welchen sie zu verschiedenen Zeiten des Tages, insonderheit aber wenn der Mandarin sich austragen läßt, oder Audienz giebt, spielen. Wenn sie das erstemal in die Trompeten stos- sen, müssen sich alle, so vor dem Pallaske warten, gefaßt machen, Befehle zu empfangen; beym zweytenmale wer- den die Thüren eröffnet, und sie gehen hinein, und wenn man zum drittenmale blåset, wird der Pallaßt wieder verschlossen. Ben dem Geburtstage eines Statthalters, óder ane dern großen Mandarins pflegen die vornehmsten Einwoh ner der Stadt ihm in corpore ihre Aufwartung zu mas chen. Die übrigen Mandarinen des Ortes thun; ein gleis ches. Wenn diese erstern vor ihm erscheinen, so hebt der vornehmste unter ihnen eine Schale mit Wein em- por, reicht sie dem Mandarin mit beyden Händen dar, und sagt laut: „Dieses ist der Wein, so gut Glück brins get; dieß ist der Wein, der langes Leben verleihet. « Ein anderer überreichet ihm Zuckerwerk, und sagt: „Dies ses ist der Zucker des langen Lebens." Diese Ceremonie wird von den übrigen wiederholet. Du Halde, 2 Th. G. 39, 40. 256 Hagh Kidh Tschwen. kommen sahen, ließen sie sich erkundigen, was die. Ursache davon wäre? Man sagte ihnen, ein jun- ger Mensch habe die Beyschläferinn eines andern entfübret. Die Anwesenden fragten Tieh- tschong-u, wie er, da er doch eine Person vom Stande zu seyn schiene, eine solche That habe be- geben können. Er gab ihnen aber keine Antwort. Hierauf fragten sie das Mädchen, ob dieses ihr Verführer wäre, welches sie bejabete. Sie that dieses gegen alle, die sie fragten, und der kleine Mandarin des Dorfes hörte dieses mit Vergnů- gen. Eben jegt kam auch der Pao Tschi-hien d) an, den Tieh-tschong-u erst kürzlich verlassen hatte. Er wollte gleichfalls dem Tao-vih sei- nen Glückwunsch abstatten. Als er aus seiner Sänfte stieg, sah er den jungen Fremden von so vielen Leuten umringet. Er ließ den Dorfman- darin e) fragen, warum dieser junge Fremde so umiringet sey? Dieser gieng selbst zu dem Tschi- hien hin, und sagte ihm den Verlauf der ganzen Sache, daß er nåmlich ein junges Mädchen ent- führet habe, und mit ihr entronnen sey; dieser Ursache wegen wollte er ihn vor ein höheres Ge- richt ziehen. Der Tschi-hien årgerte sich sehr darüber. „Es kann nicht wahr seyn, sagte er: man d) Pao ist hier ein Zuname, und Tschi - hien die Würde, so er bekleidete. •) Im Chinesischen heißet er Sse- quan, der kleine Man- darin des Dorses. Quan heißet ein jeder, der etwas anzuordnen hat, un Regidor bey den Spaniern. Lettres édifiantes, T. 3. p. 132. -man hat ihm einen Schelmenstreich gespielet. Wisset ihr nicht, daß er Tieh- tschong-u heißt, und der Sohn des Tieh-u-scheh, Präsidentens vom Tribunal Tu - tscha- yuen, ist f)? Et war in meiner Stadt, und sollte durchaus ein juns ges Frauenzimmer vom vornehmsten Range das selbst heurathen, welches er aber aus besondern Ursachen ausschlug. Wie sollte er denn aus eis nem elenden Dorfe eine solche Kreatur nehmen und wegführen, wie diese ist? Nein: es stecket ets was dahinter." „Ich weis von allem diesen nichts, sagte der Mandarin. Der alte Mann brachte ihn vor mich, und sie giebt ihm die Schuld, daß er sie verführet habe. Ich wollte in dieser Sache keinen Ausspruch thun, und habe sie das her an dieses höhere Gericht gebracht. r Der f) Tustscha yuen ist der Name cines besondern Depar tement der vorderßen Staatsminister, welches über das Verhalten der Mandarinen ein wachsames Auge haben muß. Alle drey oder vier Jahre werden von diesem Col- legio Visitatoren oder Commissarien ernennet, so die Provinzen besuchen, und von den Gerichten eines jeden Orts Kundschaft einziehen müssen. Sie haben eine un- umschränkte Vollmacht, und strafen nach der Strenge der Geseze, oder berichten die Sache nach Hofe, und erwar- ten einen Spruch darüber. Magalhaen, S. 222. Du Halde, 2 Th. S. 31, 51, 52. Lettres édifiantes, T. 25. p. 143, 286. R Der Pao Tschi-hien befahl fogleich feinen Leuten, ihm Plaß zu machen g), damit er diese Sache g) Die Mandarinen können öfters außerhalb ihrer Ge- richtbarkeit, z. E. auf der Reise 2c. ihre Gewalt sehen Lassen. Lettres édifiantes, T. 22. p. 244. Le Compte, T. 2. p. 28. Insonderheit sind diejenigen Mandarinen berechtiget, dieses zu thun, welche ein silbernes Siegel, vom Kaiser erhalten haben; da die geringern obrigkeit- lichen Personen keine andere, als kupferne Siegel führen. Seitdem die Tartarn in China regieren, sind diese Sies gel mit chinesischen und tartarischen Buchstaben bezeich- net. Es wird jedesmal von zween Bedienten des Man- darins in einem sehr kostbaren Kästchen getragen, wenn er im Staate erscheinet. Wenn der Kaiser seine Visita= toren in die Provinzen aussendet; so ertheilet er einem jeglichen gewisse Siegel zur Verwaltung ihres Amtes mit. „Einer von diesen Visitatoren, nachdem er sein „Amt eine geraume Zeit in der ihm angewiesenen Pro- ,,ving verrichtet hatte, ward auf einmal unsichtbar; und „wenn man sich bey seinen Bedienten nach ihm erkun ,,digte, so antworteten diese, daß er gefährlich krank lie- "ge. Ein gewisser Mandarin zweifelte gar nicht daran, „daß es eine verstellte Krankheit sey; und weil er bes „sorgte, es mögte ihm diese Nachläßigkeit am Hofe Scha- „den thun, so suchte er ihn auf. Er mußte sich von sei- „nen Bedienteu etlichemal abweisen lassen; endlich aber „fand er das Geheimniß, in das Zimmer seines Freun „des zu kommen, wo er ihn fragte, warum er sich so „verborgen hielte. Dieser schüßte seine Krankheit vor. „Der Mandarin aber, der so leichtgläubig nicht war, „drang in ihn, und bezeugete, daß er ihm, wenn es nd- „thig wäre, mit seinem Leben dienen wolle, so daß end- „lich Sache untersuchen könne. Als er sich gefeßet hatte, sprach er zu Tieh-tschong-u: R 2 »Wie kommt „lich diese vornehme Standesperson zu beichten anfieng. Man hat mir, sagte er, mein Siegel gestohlen, so ich vom Kaiser empfangen, und da ich auf diese Weise „meine Befehle nicht gehörig untersiegeln kann, so habe „ich für rathsam erachtet, mich unsichtbar zu machen. „Der Mandarin, der die betrübten Folgen dieses Zufalls→ »wohl einsahe, dabey es auf den Verlust seiner Ehre und »Güter und auf den Untergang seiner ganzen Famille ankam, fragte ihn, ob er keine Feinde hatte? Ach, „antwortete er seufzend, die höchste obrigkeitliche Person dieser Stadt (der Tschi - fu) hat sich bey aller Gelegen „heit feindlich gegen mich erkläret, so oft ich nur mein »Amt verwalten müssen. Dieser Mann wird mich ohn- „fehlbar ben Hofe angeben, so bald er nur erfahren wird, „daß ich das Siegel nicht mehr habe; und alsdann bin „ich verlohren. Folget meinem Rath, verseßte der ans „dere Mandarin, der ein wiziger Kopf war, laffet alle „eure Koßbarkeiten in das entlegenße Zimmer eures Pas „lastes bringen, und wenn es Nacht werden will, so le= „get selbst Feuer in demselben an, und machet Lärmen in „eurem Hause. Der Tschi-fu wird sodann seiner Pflicht gemds sich einstellen und Befehle ertheilen. Alsdann sübergebt ihm vor allen Anwesenden den Kasten, wo das "Siegel lag, und sagt ihm daben, daß ihr keine größere „Kostbarkeit befäffet, als was hier der Kaiser in eure „Hände gegeben, daher ihr in dieser Gefahr es ihm an- „vertrauen, und von seinen Händen wieder fordern wolls »tet, wenn ihr es benöthiget wåret. Is er es, der euch „das Siegel entwendet hat, so wird er es gewiß wieder in den Cofre legen; wo nicht, so werdet ihr ihn doch beschul "" kommt es, daß man Sie dieses Verbrechens be schuldiget, da Sie kaum meine Stadt verlassen haben?" Er erzählte ihm hierauf alles, was sich zugetragen, und auf Befragen, wie der jünge Kerl hieße, den er bey ihr auf der Flucht antraf, fagte er dem Mandarin, daß er ein Vetter des al- ten Mannes sey, und sich Swan-yin nenne. Der Tschi-hien ließ den Alten nebst dem Måd- chen vor sich kommen. Schämet ihr euch nicht, sprach er zu Lih - thẳh-cong, da ihr schon so alt send, daß ihr eine so junge Kreatur zu eurer Bey- fchlåferinn nehmet? Ihr wußtet sie nicht zu re- gieren; und dieses ist die Ursache, daß sie entflo- hen ist. Ihr unterstehet euch noch über dieses, Leuten übel zu begegnen, welche euch dieselbe wie- der in die Hände lieferten? Wenn euch euer Al- ter nicht schüßete, so würde ich euch Prügel geben laffen h)." Tieh-tschong-u bath hierauf für beyde, " beschuldigen können, daß er es verlohren habe. Der Anschlag gelung, und das Siegel war dem kaiserlichen Visitator wieder zugestellet." Das Stegel des Kaisers ift viereckigt, ohngefähr acht Finger lang und breit. Es bestehet aus dem feinsten Jaspis, und nur der Kaiser allein darf ein Siegel von diesem Steine tragen. Man gråbt ihn im Berge Yn- yu-schan, d.i. im Verge des Siegels von Ägath. Du. Halde, 2 Th. S. 17, 18, 39. h) Die Stockschläge sind die gewöhnliche Strafe für das gemeine Volk; ihre Anzahl ist bald größer, bald gerin- ser, nachdem der Zehler oder das Vergehen beschaffen ist. Wenn beyde, und wirkte ihnen die Freyheit aus. Der kleine Dorfmandarin machte nun dem jungen R 3 Fremden Wenn die Anzahl der Streiche nicht über zwanzig kommt, so heißt es eine väterliche Züchtigung, die man mit dem. Pan tsee bekommt. Denn so heißen sie das Instrument, damit die Schuldigen geschlagen werden. Wenn sie ab- gestraft werden, müssen sie vor dem Richter auf die Knie fallen, sich dreymal auf die Erde krümmen, und sich für die Sorgfalt einer guten Auferziehung bedanken. Es ist Dieses Pans tfee cigentlich ein gespaltenes Rohr, das ci- nige Fuß lang ist. Unten ist es eine Hand breit, oben aber alatt und dünne. Es ist aus Bambousrohre verfertiget, fo ein hartes, festes und schweres Holz ist. Wenn der Mandarin Gericht hält, siset er mit großer Ernsthaftigs keit vor einem Tische, auf welchem ein Futteral lieget, darinnen kleine Stäbe stecken, die höchstens einen halben Fuß lang, und zwey Finger breit sind. Zu seiner Seite Behen verschiedene Bedienten, die mit dem vorhin be schriebenen Instrumente Pan-tsee bewaffnet sind. So bald er nun mit Zuwerfung der kleinen Stabe ein Zeis chen giebt, so macht man sich über den Verbrecher her, man legt ihn mit dem Bauche auf die Erde, und zieht ihm die Beinkleider ab. So viel der Mandarin kleine Ståbe auf die Erde geworfen hat, so viel Bediente ma- chen sich fertig, und ein jeder giebt dem Schuldigen fünf heftige Schläge auf das bloße Fleisch. Gemeiniglich wer- den vier Streiche statt fünfe gezdhlet. Es darf aber der Mandarin diese Strafe nicht allein in seinem Gerichts- faale dictiren, sondern er kann es an einem jeden andern Orte, auch außer seinem Sprengel, thun. Wann er daher ausgehet, so hat er allemal eine Anzahl Gerichts- bedienten bey sich, die mit dem Pan-tsce versehen sind. Ein 262 Hash Kidh Tschwen. Fremden fein Compliment, und bath ihm wegen feines übereilten Verfahrens um Vergebung. Der Tschi-hien wendete sich sodann zu Tieh- tschong-u, und sagte: ,,Gestern erhielt ich nicht von Ihnen, daß Sie länger bey mir blieben; jeht aber ist es mir desto erwünschter, Sie wię derum anzutreffen. Ich hoffe nun, daß Sie eis nige Tage bey mir verweilen werden. Dieser erwiederte, er könne unmöglich eine so höfliche Einladung ausschlagen. Der Mandarin war über diese Einwilligung sehr vergnügt. „Erlauben Sie mir nur, sprach er, daß ich dem Tao-yih mei- nen Glückwunsch abstatte; ich werde sogleich wie- der bey Ihnen seyn." Nachdem er diesem Mandarin fein Geschenk überreichet hatte, kehrete er mit Tieh- tschong - u nach Hause, und ließ ein prächtiges Mittagmahl zube, Ein gemeiner Mensch darfs etwa nur darinn versehen, daß er, wenn der Mandarin kommt, nicht vom Pferde freiget, oder daß er in seiner Gegenwart quer über den Weg geritten; so hat er gleich fünf bis zehn Streiche weg. Eben so halten es die Lehrer gegen ihre Schüler, die Väter gegen ihre Kinder, die Herren gegen ihre Dies ner; nur mit dem Unterschiede, daß ihr Stock, dämit fie schlagen, nicht so lang und breit ist. Mit einem Worte, so, wie Japon durch den Sdbel (Catana) res gieret wird: eben so wird das Volk in China durch das Pan- tsee im Zaum gehalten. Lettres édifiantes, T. 19, p. 69 und 437. Le Compte, T. 2, p. 60. Du Halde, 1 Th. S. 8. 2 Th. S. 157, 158. zubereiten. Ueber der Tafel i) war Schuey- ping-sin öfters der Gegenstand des Gespräches und der Lobeserhebungen des Tschi-hien. „Mein Herr, sprach Tieh-tschong-u, Sie haben voll- kommen recht. Ich sehe Sie nunmehr als mei nen Freund an, und will Ihnen die Sache frey gestehen. Als ich sie das erstemal ben Ihrer Au- dienz sah, machte ihre Schönheit in mein Herz eis nen tiefen Eindruck; da ich aber nachher in so große Gefahr gerieth, und sie mich in ihr Haus aufnahm, wo ich von ihr mit aller Zärtlichkeit einer Schwester beherberget ward; so mußte ich meine Hoffnung gänzlich schwinden lassen. Mein Langer Aufenthalt bey ihr hat Verdacht erwecket, der zwar anjeßt erloschen zu seyn scheinet, aber auch R 4 i) Ju den ältesten Zeiten bedieneten sich die Chineser weder Tische noch Sessel oder Stühle, sondern saßen auf dem Boden, wie andere orientalische Nationen. Aber seit der Dynastie Han, so sich 174 Jahre vor Chrifti Geburt anfieng, bedienen sie sich der Tische und Stühle, oder Seffel. Ben großen Gaßterehen werden die Tische in zwo Reihen gerade gegen einander über gestellet; und bey vornehmen Mandarinen, z. E. einem Staatsminister, oder Statthalter, sind sie mit einem violet Atlas be- hangen, daran ein Drache mit vier Klauen in Golde ge= sticket ist. Die Lehnstühle, deren Arme und Rücken wie ein halber Zirkel gebogen sind, sind mit eben solchem Atlas behangen. Alle Speisen sind klein geschnitten, und Hatt der Gabeln bedienen sie sich kleiner elfenbeinernen spigigen Stdbe, so Quai: tsee heißen. Duhalde, 2 Th. S. 137, 138. auch gar bald wieder aufs neue erreget würde, wenn eine solche Verheurathung zu stande käme: wir würden beyde in Unglück und Schande verse- Het werden. Dringen Sie daher nicht mehr, die- fer Sache wegen, in mich; sonst verursachen Sie, daß ich es verschwöre, nicht mehr daran zu geden- ken." Der Tschi-hien sprach auch nicht weiter davon. Sie tranken bis um Mitternacht, und legten sich sodann zur Ruhe. Fr Am folgenden Morgen, als er feine Reife fortseßen wollte, überfandte ihm der Tschi - hien zwölf Silberstücke k) zu seinen Reisekosten. ließ ihm nicht einmal Zeit, feinen Dank ihm zu bezeugen, sondern unterbrach ihn also:,,Es ist nicht der Mühe werth, davon zu reden: ich bitte nur noch ein paar Worte anzuhören. Sie müssen nicht auf diese Art herumreisen: es ist beffer, Sie kehren nach Hause zurück, und legen sich auf das Studiren, damit sie bey den gewöhnlichen Prü- fungen als ein großer Gelehrter erscheinen können, und in der Welt berühmt werden mögen. Denn bey diesen Ihrem jezigen Herumschweifen werden¸ Sie niemals Ruhm und Ehre erlangen." Mein Herr, k) Das Silber wird in China nicht gemünzet, wie in Eu- ropa; sondern man schneidet es bald in große bald in kieine Stücke. Was der Engellander hier Shoes oder Schuhe nennet, sind vielleicht Schuit, so eine gangbare Münze in Japon ist, deren 200 fünfhundert holländi- sche Gulden machen. Du halde, a Th. S. 194 feq. 4 Th. Kämpfer, S. 325. Herr, erwiederte Tieh-tschong-u, ich danke Ihnen für Ihren guten Rath, und werde ihn nicht vergessen. Sie nahmen alsdann beyde von eine ander Abschied. Tichtschong-u dachte auf dem Wege der merklichen Veränderung nach, die er in dem Bes zeigen des Tschi-hien wahrnahm, weil er ihn so ernstlich zur Vollziehung der Heurath antrieb. „Geschiehet es vielleicht, dachte er, aus eigennüßi- gen Absichten, oder aus wahrer Neigung, mir zu dienen? Er mag Absichten haben, welche er will, so weis ich, daß ich nichts zu ihm gefagt habe, das man übel auslegen kann." Seine Gedanken beschäftigten sich mit der Schönheit der liebenswürdigen Schuey-ping-sin, ihren Ge- müthseigenschaften, und ihrem vortreflichen Ver- stande. ,,Welche Fähigkeit, sagte er bey sich felbst, muß sie nicht besitzen, da sie sich aus so vieler Gefahr herauszuhelfen wußte? Wie edel muß nicht ihre Denkungsart seyn, da sie es gar nicht übel aufnahm, als ich sie, nach der Unter- redung mit ihrem Oheime, so schnell verließ, sou dern mir noch dazu ein Geschenk übersendete? Ein anderes Frauenzimmer würde durch meine übers eilte Abreise höchst aufgebracht seyn. Wer sie einst besigen kann, der ist glückselig. der unglücklichste Mensch von der Welt. Håtten fich bey meinem Eintritte in ihre Stadt nicht so viele Unruhen eråuget, so würde ich ihr schickliche Heurathsvorschläge gethan haben; und vielleicht wäre ich hierinn glücklich gewesen. Ihr Alter, R 5 Ich bin ibe Hash Kidh Tschwen. " ihr Stand, und ihre Gemüthseigenschaften stim men mit den meinigen überein. "Als er in die- Ten Gedanken vertieft fortritte, erinnerte ihn sein Diener, auf den Weg zu sehen, und bath ihn, nicht so niedergeschlagen zu seyn. Siau- tan, fagte er, ich dachte an Schuey - ping-sin, was für ein liebenswürdiges und kluges Frauenzimmer stelist. Ich schäße mich sehr unglücklich, sie durch Lauter Unruhen kennen zu lernen. Ich werde nir- gend eine so vollkommene Person finden, wenn ich auch die ganze Welt durchreifen würde.“ „Ich glaube, Herr, antwortete Siau-kan, daß ih- res gleichen nicht unter dem Himmel ist.",,Ich „Ich will nunmehr ein Jahr zu Hause bleiben, sprach Tichtschong-u, und mich sodann als ein Can- didat bey der Prüfung der Gelehrten einstellen. Erlänge ich Ehre, so habe ich meine Schuldigkeit ´erfüllet, die ich meinem Vater und Mutter leisten muß. Ich werde mich nicht darum bekümmern, ob ich einen Posten erhalte, oder nicht, wenn ich mir nur einen Namen machen kann.“Alsdann wird Schuey-ping-sin davon hören, und über- zeuget werden, wie pünktlich ich ihrem Rath folg. te, den sie mir gab." Und so reisete er der Stadt Tah-ming´zu, in der festen Entschließung, bey diesen Gesinnun gen zu bleiben. Achtes