Xue Mo Desert Daughters/zh-de/Chapter 6
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| 中文 (Original) | Deutsch (Übersetzung) |
|---|---|
| 880 进了屋,妈把被子一折二,铺在炕上,又捞过一个被子,靠在墙上。我和爸扶哥上炕。灵官以为妈会问:“好了吗?”但她什么也没问。她只是望着哥,眼泪泉水似涌,擦都擦不及。 | Er wollte ein Messer nehmen und sich wie ein japanischer Samurai im Film den Bauch aufschlitzen, das Herz herausreißen und dem Bruder opfern, dann den undankbaren Darm herausziehen und zu einem Schriftzeichen winden, das „Reue“ bedeutete … Doch hätte das … beruhigt? |
| 881 哥出院后的这段日子,在灵官的印象中就像噩梦,一切都虚虚幻幻地可怕。 | Wäre er dann menschenwürdig geworden? „Sieh, alles hier im Zimmer klagt dich an und erinnert an zwei Worte: ‚Schuld.’ „ |
| 882 那些日子,我没见过太阳。天地间灰蒙蒙的。妈妈老是哭,边干家务边流泪。只有在见到愍头时她才笑。灵官最怕这笑。妈笑时,泪总在眼眶里打旋,稍不注意就会滚下脸颊。这时妈便会慌张地抹去泪水,换上一种幅度更大也更难看的笑。好在愍头并不望人。他老是闭着眼,即使睁眼时也是面朝墙。疼极了,他就呻吟几声,灵官就打一支强痛定。然后愍头就闭了眼,或是望墙。 | Doch was er am wenigsten zu berühren wagte, war Yinger. |
| 883 灵官知道哥的寿命只有几十天或是几天一一要是医生预言的大出血来临的话。一切都失去了意义。一切都会像肥皂泡一样随着死亡的降临而破灭。在生命河流中,几天、几十天不过一瞬。在历史的长河中,一个人的生命也不过像骤生又骤灭的水泡。在面对死亡这个必然的结局时,几十年或几十天没有太大的区别。 | Jede „romantische“ Erinnerung wurde zum menschenfressenden Wurm, zum Beweisstück der „Schuld“. Lingguan fürchtete sie. Er wagte nicht, sie anzusehen. Lingguan wich ihr mit aller Kraft aus. |
| 884 哥被判了死刑。而所有的人被判了死缓,只是这种死缓是不可能再减刑的死缓。 | Offensichtlich wich auch sie ihm aus. |
| 885 如此而已。 | Jeden Tag verkroch sie sich in der kleinen Kammer. Sie weinte ständig – schluchzend, atemlos. „… Ob auch du die Qual der Seele spürst? Du schuldbeladener Schicksalsgefährte.“ |
| 886 灵官想到了哥与毛旦的那次打斗。要是哥知道自己的生命不久就会结束的话,他肯定不会动手。在死亡这个永恒的主题面前,一切恩怨都是肥皂泡。要是所有人都清醒地认识到自己距死亡并不遥远,肯定会超然许多,决不会为一点蝇头小利而争斗,决不会为过眼云烟般的名利而痴迷。一切都是无常,只有死亡是真实的永恒。 | Lingguan glaubte, ihr Gesicht zu sehen. Es war gelbgrün und bis zum Äußersten ausgezehrt. Es war die Narbe auf seinem Herzen. Es war der Schalter für seine Selbstverfluchung. Es war die dunkle Wolke am Himmel seiner Seele. |
| 887 除了给哥打针,就是到处找杜冷丁。这段日子,灵官的喜悦仅仅是找到一支杜冷丁。此外,便是麻木和绝望。 | Noch schrecklicher war: Sie war in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft. |
| 888 一夜,哥呻吟得很厉害灵官竟产生了一个可怕的念头:结局既然无可更改,就不该再让哥挨疼了。解除痛苦是对愍头最好的仁慈。更可怕的是,当强痛定不起作用,那几支杜冷丁又用完时,咋办?这简直是个可怕的难题。灵官找到同学,乞求了一个下午。同学才告诉我,万一到那个地步,一次多注射几支杜冷丁。 | Ein kleines Leben stand kurz vor der Geburt. |
| 889 灵官不止一次地想,结束这一切吧,结束这可怕的噩梦。为哥,为父母,为一切人。但随后,灵官又狠狠地诅咒自己不是人。 | Dies war der Schmerz, den Lingguan am wenigsten berühren durfte – die Wirklichkeit, die die Seele aufschlitzte, die unausweichliche Grausamkeit, der Albtraum, aus dem es kein Erwachen gab, die unverzeihliche Schuld. |
| 890 除了呻吟,和偶尔向母亲解释肋部的鼓起是因为里面的刀口发炎外,哥只是沉默。像在医院里一样,他从不与人谈论病情,从不追问什么。据医生说,哥并不知道自己的病情,因为他“麻''过去了。但我老怀疑这点。哥没有一般癌症病人的那种烦燥、怨天尤人和偶发的歇斯底里。他一直很平静,至少表面看来如此。 | „Gibt es wirklich Geister? Ich hoffe so sehr. Wenn ja, könnte ich meinen armen Bruder wiedersehen, vor ihm beichten, ihn um Vergebung bitten, ihn bitten, mir ein Messer ins schuldige Herz zu stoßen, damit das strömende Blut die Schuld abwusch. … |
| 891 针照例打,用来止痛和“消肿''。明知道消肿是闲扯蛋,但还得消。只有两天,灵官以一次性注射消肿药止痛药为理由,取消了徒劳的消炎针剂。哥发现后声音很大地说“你们都骗我。”而后,一连几天不说一旬话。 | Aber lässt sich diese Schuld wirklich abwaschen? Am besten in die tiefste Hölle stürzen! Die Giftflammen der Hölle sollen brennen – diesen schuldigen Leib zu Asche verbrennen und im Wind verwehen lassen, spurlos. Oder tausend Messer sollen schneiden, tausend Giftwürmer sollen beißen, diesen schuldigen Körper samt Seele verschlingen, dieses widerwärtige ‚Ich’ für immer auslöschen, ohne den geringsten ekelhaften Rest.“ |
| 892 钱水一样外流。爹又忍痛卖掉了他心爱的黑骡子。灵官买好了哥后事用的一些东西新的内衣,内裤,绒裤,鞋袜等。然后把这些交给母亲保管。一见这些本该是老人们用的"寿物”,母亲大哭起来,仿佛她不相信儿子会死,是这些东西提醒了她。而后她流着泪,把它们放在最干净最安全的地方。这是她儿子一生中最好的服装。她不想叫任何人站污。 | Doch alles war unwiderruflich. |
| 893 全家都疲惫不堪。父亲斜靠在墙上就能扯起呼噜。他虚脱了一样萎靡不振。 | Das Leben war zur Last geworden. |
| 894 母亲瘦不说走路像被风吹得乱晃。猛子好一点但换了个人似的规矩。莹儿没进过书房门。这是母亲特意叮嘱的,因为她已有了喜。母亲怕孕妇会“冲''了自己的儿子.灵官看出母亲还抱有幻想。 | Lingguan begann nachzudenken: Wie den Rest des Lebens verbringen? |
| 895 村里人都来看哥,都带了礼物:白糖和罐头。这是哥生病以来父母最值得欣慰的事。这表明了一点:他们还活下了人。每个人都真诚地安慰母亲。母亲在每个人面前都流泪。她那双泪眼求助似望别人,一遍又一遍地问:“你说,昨办哩? | Die Dorfbewohner wussten wohl alle: Der Tod des Bruders hatte Lingguan gebrochen. |
| 896 唉——“神态像个手足无措的小女孩。人们无一例外地安慰:“不要紧,老天爷长眼睛哩。愍头那样好的人,一定能好,一定能好。”这时母亲就吁口气仿佛得到了老天爷的保证。 | Lingguan saß oft auf der Lößhalde südlich des Dorfes und starrte ins Leere – stumpfe, glasige Augen, ohne Regung, ohne Blinzeln. Auch beim Gehen taumelte er wie ein Schlafwandler. |
| 897 对哥来说村里人的看望令他不安,仿佛他恨自己不争气给这么多人添了麻烦。每次来人,他都要挣扎着坐起,斜倚着被子吃力地喘气。鼓起的包块越来越大,已经由右肋侵向心口,侵向左肋,侵向下腹。整个腹部硬得像石头。这成了哥的私处。每次坐起,他都要用被子或衣服盖住腹部。在哥艰难的喘息中,谁都待不了几分钟。他们不忍心叫病人受折磨。说几旬安慰话,就告辞进了厨房,安慰妈几旬,听她不停地哭泣念叨:“怎么做哩?”再安慰几旬,告辞。 | An einem blutgetränkten Abend wehte ein Wirbelwind, doch die Sonne leuchtete blutrot und grell. Am Himmel hingen bleierne Wolken, als sänken sie zur Erde herab. Grau-trübe Wolkenschatten lagen auf den öden Dünen. Auf einer Düne tanzte ein Mensch wie im Traum, die Staubpartikel seiner Schritte wie ein feiner Nebelschleier, der ihn zu einer verschwommenen Silhouette machte. Das war Lingguan. |
| 898 哥最在乎的似乎是毛旦的探望。以前,他和毛旦打过架。现在,他露出了笑。 | Die Abendsonne war ein riesiger Blutball, aufgespießt auf einer fernen Bergspitze, und schenkte Lingguan einen blutigen Rücken. |
| 899 这是很真诚的笑。他笑着招手,叫毛旦过来,拉住他的手,什么也没说。毛旦也愍愍笑着。两人什么也没说。但灵官知道他们和解了。这是真正的和解。灵官看到哥长吁了一口气而后,他显得异常地累,闭了眼。一滴泪从他的眼角滚出,滚过脸颊,滚到嘴边。哥伸出舌头,舔去泪。 | Der Menschenschatten auf der Düne verlängerte sich mit der sinkenden Sonne, verschmolz allmählich mit dem Schatten am Horizont und ergoss sich wie Wasser. Langsam senkte sich die Dämmerung mit dem Staub herab wie ein eiserner Topfdeckel und schloss Lingguan fest in die schwarze Wüste ein … |
| 900 这是灵官看到的哥出院后流出的唯一一滴泪。 | 29 |
| 901 26 | Yinger verstand Lingguans Herz. Die Tränen liefen ihr übers Gesicht. |
| 902 亡人不吃饭,家财带一半。哥一走,家里就明显空荡荡了。啥都失去了它本来的面目,显得灰蒙蒙可怜兮兮了。妈在抽泣,莹儿在抹泪,都压抑着,不使自己放出声来。但这,比嚎呴的哭更叫人窝心灵官不能相信哥就这样走了。在屋里时,老觉得哥会进门。在门外时,又觉得他会出屋。鸟一叫,灵官便怀疑是老天派它来送信的,信的内容是:"愍头还活着,已经从那个坟堆里爬出来了。"蹲在村南的黄土坡上的时候,灵官也老觉得妈会笑着来叫他,告诉他“你哥活了。" | Yinger strich sanft über das Notizbuch. Sie wusste: Es war Lingguans Träne. Ihre Träne tropfte in seine, die beiden Tränen verschmolzen. Sie fühlte, dass ihr Herz mit Lingguans eins wurde. Sie konnte nicht sagen, ob sie um sich selbst weinte oder für Lingguan. In ihrer Seele wogte ein heißer Strom und rührte einen stechenden Herzschmerz auf. |
| 903 可总是幻觉。 | Es hieß, in jener Nacht hörten die Dorfbewohner in der östlichen Wüste ein Tier oder einen großen Vogel eine halbe Nacht lang schaurig schreien – es klang wie ein erstickender Mann, der hinausschrie. Am nächsten Morgen war Lingguan verschwunden. |
| 904 活的,只是哥的影子,老在眼前晃呀晃的。 | Danach gab es keine verlässlichen Nachrichten mehr von ihm. Manche sagten, er sei nach Shenzhen zu einem Studienkollegen gegangen, habe ihn nicht gefunden und bettle nun mit einem Stock in der Hand auf der Straße – erbärmlich. Andere sagten, er sei in den Süden gegangen und arbeite auf einer Farm, wo er heimlich eine Zucht-Technik erlerne. Wieder andere sagten, er arbeite als Hilfsarbeiter in einem Museum und lerne nebenbei bei einem Experten eine seltsame Schrift namens „Xixia-Schrift“ … Doch ein Zwischenhändler, der oft in die Wüste ging, berichtete, er sei kürzlich am Schweinebauch-Brunnen tief in der Wüste gewesen, und dort sei ein Mann aus Liangzhou gestorben – seine Leiche liege in einer Sandmulde, von Füchsen so zerfressen, dass nur noch ein Haufen trockener Knochen übrig sei. Er sagte, er habe die Knochen gesehen, wisse aber nicht, ob sie Lingguans seien … |
| 905 梦倒是常做。 | Der alte Laoshun machte sich nicht auf die Suche und hatte auch keine Zeit für Geschwätz – ein Haufen Dinge wartete: Erstens nahte die Weiße-Tau-Zeit, die Hasenfänger-Adler würden bald von den Bergen herabsteigen, und Laoshun hatte einen großen Vorrat Baumwollfäden gekauft und war eifrig am Netzeknüpfen; zweitens hatte Yinger einen kräftigen Jungen geboren, der die gewaltige Leere nach Mentous Tod füllte und zugleich so viele kleine Aufgaben mitbrachte, dass die beiden Alten kaum wussten, wo ihnen der Kopf stand; drittens glaubten er und seine Frau, dass Lingguan in die weite Welt hinausgezogen war. Und sie wussten: Er würde zurückkommen. Egal wie weit er ging – er würde zurückkommen. |
| 906 梦里,灵官也知道哥死了,并诧异他的活着。他老是惊喜地扑上去。哥却老是阴沉着脸躲开,脸青青的,不语,不笑,拧个眉头。灵官很伤心。但梦里的哥毕竟活着。活着就好。哪怕他捅灵官一刀,只要他活着就好。 | Sein Weggehen war um des Zurückkommens willen. |
| 907 最怕梦中醒来。因为熟悉的每一样东西都扎眼,都是一个不可触摸的所在,都在提醒着一个令我无法接受的现实。 | Doch für Yinger war die Welt in jenem Moment eingestürzt. |
| 908 许多天了,灵官心中一直躲避着那个现实。他拼命不去想它。那是插在心头的黄老刺哪怕是一次不经意的磨擦,都会引起一阵撕心的巨疼。一想到哥给他往城里送面时愍愍的笑,一想到哥为供他上学去卖苦力,一想到平素里早已忘却而现在时时揪心的许多场景,灵官就像挨了一闷棍。呆怔一阵,他就撕扯头发,并咬牙切齿地诅咒自己。 | Tagelang, ob bei Tag oder Nacht, saß sie stumpf da und summte ein Lied, das jeder in der Sandbucht kannte: |
| 909 “我不是人。我是畜生。……不,不如畜生。羊恙儿吃奶双膝跪,黑老鹄能报娘的恩……你,做了些啥?长兄为父,恩重如山。可你……禽兽不如。" | „Die Tragestange aus hartem Holz brach durch, |
| 910 脑袋里塞了过多的羊毛乱,胀,像要疯了。嗓中千渴,耳在轰轰。灵官想到睡梦中也阴了脸躲避他的愍头,心一下下抽摇着。他快要窒息了。 | das klare Wasser fiel zu Boden; |
| 911 “怪不得,他在躲我……怪不得,他阴沉着脸……怪不得,他至死都不多说一旬话。他肯定知道了,肯定。秃头上的乱子,明摆着。她的……都出怀了。妈不是不叫她到愍头跟前去吗?不是怕`冲'了他吗?怪不得……灵官,你这畜生!” | meinen Leib hat es schwarz gefärbt, |
| 912 又想起愍头病重时,他和莹儿,竟然在沙洼里……,他简直无地自容了。"晊! | und du bist deinen breiten Weg gegangen …“ |
| 913 你还笑昵还爱呢,还唱昵还……猪狗不如。你自己想想,你是啥东西?你咋有脸活在世上。你昨……昨不去死?” | Sie wusste nicht, wie viel Zeit verging, bis sie langsam erwachte. Es war das Weinen des Kindes, das sie geweckt hatte. Das Kind nahm allmählich Lingguans Platz in ihrem Herzen ein, und sie lebte wieder auf. Wie hätte sie ahnen können, dass die Strafe des Schicksals in dieser Form kommen würde – so schnell, so unvorbereitet, so herzzerreißend? |
| 914 真想拿把刀,像电影上的日本武士那样,剖开腹,取了心,祭祀愍头,再抽出那条忘恩负义的肠子,盘成一个"悔”字……可这样,难道就……就安心了? | Schicksalsgefährte, sagte sie still in ihrem Herzen, weißt du, was Yinger durchgemacht hat? Wenn du es wüsstest – würde es dir das Herz zerreißen? |
| 915 难道就能人模人样了? "瞧,屋里的一切,都在谴责你昵都在提醒你两个字: | In der Wüste fragte Yinger Lingguan dies oft. |
| 916 '罪恶。'" | 30 |
| 917 但心里,最不敢触摸的,还是莹儿。 | Auch Lanlan dachte oft an die Zeit vor dem Aufbruch in die Wüste. |
| 918 每一次“浪漫"的记忆,都成噬人的毒虫了,都成“罪恶”的证据了。灵官很怕她。我不敢望她。灵官极力地躲避她。 | Kurz nach ihrer Flucht ins Elternhaus war ihr Mann Baifu mehrmals bei den Chens aufgetaucht. Einmal sagte er, Yingers Mutter sei krank und wolle ihre Tochter sehen – Yinger solle für ein paar Tage nach Hause kommen. Natürlich hatte er auch Lanlan bedroht und versucht, sie zur Rückkehr zu zwingen, doch Lanlan weigerte sich. Also ging er in Yingers Zimmer und weinte mit ihr. Wie auch immer – er war Yingers Bruder. Obwohl Yinger Verständnis für Lanlans Not hatte, litt sie auch um ihren Bruder. Schließlich war er der Bruder, mit dem sie aufgewachsen war. |
| 919 分明她也在躲我。 | Von jenem Tag an wurde Yinger zum Spielball zwischen Elternhaus und Schwiegereltern. |
| 920 每天,她都在小屋里蜗居。她总是哭,总是失声断气地哭。``……莫非,你也感到了灵魂的折磨?你这罪恶的冤家。" | Yinger vergaß nie den Ausdruck der Schwiegermutter, als sie sagte, sie wolle für ein paar Tage nach Hause fahren. Sie wusste: Das Misstrauen der Schwiegermutter hatte an jenem Tag begonnen. |
| 921 灵官仿佛看到了她的脸。它已黄绿绿憔悴到了极点。那是坐在灵官心头的一块疤。那是灵官诅咒自己的开关。那是他心灵天空的乌云。 | An jenem Tag nach dem Mittagessen holte Yinger die getrockneten Windeln von der Wäscheleine, faltete sie ordentlich und übergab sie der Schwiegermutter; kaufte ein Päckchen Säuglingsmilchpulver und Zucker, traf Vorbereitungen und verließ mit Baifu das Dorf. |
| 922 更可怕的是她已到了大月份。 | Kaum war sie zur Tür hinaus, strömten die Tränen – kein Wischen half. Ein paar Frauen auf dem Weg blickten sie seltsam an. Yinger ärgerte sich über sich selbst, konnte aber die Tränen nicht kontrollieren. |
| 923 一个小生命快要出生了。 | Dass die Schwiegermutter ihr misstraute, war eine Tatsache, die sie nicht annehmen wollte, aber hinnehmen musste. In letzter Zeit spürte Yinger ständig einen Blick im Rücken. Anfangs schalt sie sich überempfindlich. Doch heute hatte die Schwiegermutter ihr unmissverständlich zu verstehen gegeben: Sie vertraute ihr nicht mehr. Sie fürchtete, Yinger könnte bei den Eltern bleiben und nicht zurückkehren – und hielt das Kind als Pfand. Oder anders ausgedrückt: Bleib weg, wenn du willst, aber das Kind bleibt hier. Beides waren Messer in Yingers Augen – scharfe Messer, direkt ins Herz. |
| 924 这更是灵官不敢触摸的惨痛,是刚割灵魂的现实,是躲避不了的残酷,是无法清醒的噩梦,是不能饶恕的罪恶。 | Damit bestätigte sich ihre Ahnung: Sie konnte nicht einmal in Ruhe Witwe sein. |
| 925 ”是不是真有鬼魂?真希望有。若有,还能见着我苦命的哥哥,向他忏悔,请他饶恕,请他朝我那颗罪恶的心上捅一刀,让泪泪流淌的血来清洗罪恶。…… | Auf dem Gepäckträger von Baifus Fahrrad sitzend, fühlte Yinger sich wie in Trance. Der Wind wehte kühl, wirbelte Staub auf und trug schon den Beigeschmack der Trostlosigkeit. Diese Trostlosigkeit drang bis ins Herz. Yinger wollte weinen – sich in jemandes Arme werfen und klagend, herzerleichternd weinen. Doch dieser Jemand trieb sich wer weiß wo herum. |
| 926 可那罪恶,真清洗得了吗?千脆,堕入无间地狱吧!让地狱的毒焰来烧吧,把这罪恶的身子烧成灰,顺风扬个无影无踪。或者,让千万把刀子来刚吧,让千万条毒虫来咬吧,把这罪恶的肉体连同灵魂全都吞噬,让这肮脏的`我'永远消失,不再有一点恶心的渣滓。" | Die Sonne leuchtete grell, mit jener fahlen Helligkeit. Die Bäume waren kahl, daran baumelten hin und her schwingende Insekten. Vor diesen Tierchen hatte Yinger längst keine Angst mehr – ob auf dem Kopf oder im Gesicht, sie konnte sich um nichts kümmern. In ihrem Herzen schwankte eine schwere Flüssigkeit, die alles vor den Augen grau färbte. |
| 927 但一切,终究是无法挽回了。 | Als sie den Feldweg hinter sich ließen und das verwilderte Gräberfeld am Flussbett betraten, versiegten Yingers Tränen allmählich. Ein vertrautes Gefühl keimte im Herzen. Es wärmte und verwandelte die schwere Flüssigkeit in warmes Wasser. |
| 928 生存,已成为一个负担。 | Genau dieses narbige, hässliche Flussbett hatte ihr den schönsten Augenblick ihres Lebens geschenkt. Hier hatten sie und er einander leidenschaftlich geliebt, geweint, gelacht. Hinter jener Sanddüne hatte er sie keuchend zu Boden geworfen und den Taumel des Glücks in ihre Seele gegossen. Als wäre es ein nie erlebter Traum gewesen. Wirklich, manchmal konnte Yinger kaum glauben, dass sie den lebendigen ihn jemals besessen hatte. Erschiene er plötzlich leibhaftig vor ihr, würde sie das übergroße Glück ohnmächtig machen. |
| 929 灵官开始反思:如何度过今后的人生? | Allein dieser Gedanke – nur dieser Gedanke – ließ Yinger erblühen. Wann er wahr würde, wusste sie nicht. Für diesen Gedanken wartete sie ein ganzes Leben lang. |
| 930 村里人大概都知道了,哥的死击垮了灵官。 | Mit diesem Gedanken war sie keine Witwe, die Trauer hütete, sondern eine, die eine Hoffnung hütete. Eine Hoffnung ein Leben lang zu hüten – auch das war Glück. |
| 931 灵官常在村南的黄土坡上发痴,眼珠儿木木的瓷瓷的,不转不闪。走路时也迷迷瞪瞪像在梦游。 | Doch beim Gedanken an die Szene vor der Abreise wurde ihr Herz wieder zusammengedrückt. Nicht um das Kind – die Schwiegermutter hatte ein halbes Leben lang Kinder großgezogen, und die Liebe zu ihrem toten Sohn würde dem Enkel zugutekommen. Was Yinger nicht akzeptieren konnte, war das Misstrauen der Schwiegermutter. Solange Mentou lebte, war sie „eine von uns“. Nach seinem Tod wurde sie zur „Außenstehenden“, einer heiratsfähigen Witwe. Angstvoll fragte sie sich: Unter diesem Misstrauen – wie lange konnte sie noch ausharren? Würde sie es bis zu jenem erhofften Tag schaffen? |
| 932 一个血色黄昏里,天刮着旋涡儿风太阳却腥红刺目。半空里有几块铅似的云,像是往地面沉。灰澄澄的云影子印在荒寂寂的沙丘上。沙丘上有个人,梦一样跳踊着,脚步儿溅起的尘粒像一层薄薄的细雾,把他遮成了一个隐隐约约恍恍惚惚的影子。这便是灵官。 | Sie wusste es nicht. |
| 933 黄昏的太阳像个大血球,挑在远处的山尖上,赐给灵官一个血淋淋的脊背。 | Und sobald dieses „Misstrauen“ erst einmal entstanden war, würde eine Kette entsprechender Handlungen folgen, die das Herz erkalten ließen. Wie sollte sie diese Tage überstehen? |
| 934 沙丘上的人影儿随着落日的下沉不断拉长,渐渐与天边的阴影相连接,水一样漫延开来。渐渐地,暮篱夹着尘雾降下来,如一个大铁锅,把灵官紧紧地扣在黑乎乎的沙漠里面…… | Yinger konnte nicht umhin, sich Sorgen zu machen. |
| 935 27 | Der Wüstenwind wirbelte Staub auf und wehte heran. Yinger fühlte: Der Wind wehte bis ins Herz. |
| 936 莹儿读懂了灵官的心。她泪流满面。 | Zu Hause angekommen, umarmte ihre Mutter sie und weinte. Die Mutter war viel magerer geworden, ihr Haar grau gesprenkelt. Sie galt im Dorf als strenge Frau – streng mit Donner und Blitz, aber ihr Weinen war ebenso erschütternd. Sie hatte Mentou gemocht; nach seinem Tod hatte sie viele Tränen vergossen. Stets hielt sie seine Güte gegen Lanlans Schlechtigkeit und sagte: Ein Drache zeugt zehn Junge, und alle zehn sind verschieden. Von derselben Mutter – Mentou so brav, und Lanlan hätte sich die Menschenhaut besser gar nicht übergestreift. Yinger fand Lanlan nicht schlecht, verstand aber ihre Mutter. Und sie verstand alle zerstrittenen Schwiegermütter und -töchter. Einen Sohn großziehen, vom Faustgroßen bis zum Mannhohen, und dann heiratet er und vergisst die Mutter. Natürlich ließ man die Wut an der Schwiegertochter aus. Hinzu kam der Hass auf Lanlans Scheidungswunsch – die Bitterkeit war heftiger als bei anderen Schwiegermüttern. |
| 937 莹儿轻轻地抚摸那个本子。她知道,那是灵官的泪。她的泪滴入那滴泪,两滴泪融在一起。她觉得自己的心也跟灵官融为一体了。说不清她是在流自己的泪,还是在为灵官流泪。灵魂中有一股热流在涌动着,搅出一阵心痛。 | Mutters Weinen war wie ihr Lachen – ein paar heftige Stöße, dann war es vorbei. Sie fragte: „Was macht die Schlampe?“ |
| 938 听说那夜,村里人听到东沙窝里有只野兽或大鸟凄厉地叫了半夜,像是个闷极了的男人在呐喊。次日,便不见了灵官。 | Yinger merkte: Mutter fragte weder nach ihr selbst noch nach dem Kind noch nach sonst jemandem, sondern nach Lanlan. Das Thema ließ ihr keine Ruhe. Also erzählte sie von Lanlans religiöser Praxis. |
| 939 此后灵官便没了准信有人说,灵官到了深圳,找他的同学,没找到就柱个拐棍,在街头求爷爷告奶奶地要饭昵可怜得很。又有人说,灵官跑了南方,在一个饲养场里打工,偷偷地学养什么的技术。也有人说,灵官在一个博物馆里当勤杂工,边打杂,边跟一个专家学一种文字,那文字名儿好怪,叫什么西夏文……不过据一个常进沙窝的二道贩子说前些日子,他去过沙漠腹地的猪肚井,听说有个凉州人死在那儿,尸首躺在沙洼里,叫狐子啃了个一塌糊涂,只剩堆千骨头了。他说他见过那堆骨头,但不知是不是灵官的…… | „Hm, die und unsterblich werden? Meiner Ansicht nach bringt sie es nicht mal zum anständigen Geist – entweder ein zerzaustes Unglücksgespenst oder ein blutiges Schlachtgespenst.“ Yingers Mutter presste jedes Wort durch die Zähne. |
| 940 老顺却没去寻找,也没闲心听人嚼舌,一大堆事儿等着他呢:一是白露快到了,兔鹰又该下山了,老顺买了一大堆棉线,正忙颠颠结网呢;二来,莹儿生了个胖小子,填充了愍头死后的巨大空虚,也带来了许多琐碎事,把老俩口忙了个“二眼麻达”;三来,他和老伴都相信灵官是去闯外面的世界了。他们还知道灵官会回来的。一一不管走多远,他都会回来。 | Yinger runzelte die Stirn: „Mama, wie kannst du sie so verfluchen?“ |
| 941 他的出去,就是为了他的回来。 | „Verfluchen?“, Mutters Gesicht war boshaft. „Am liebsten würde ich sie mit dem Messer zerschneiden! Auf halbem Weg die Scheidung zu fordern! Hätte sie es früher gesagt, hätte ich meine blumenhafte Tochter anderswo gegen eine bessere Schwiegertochter tauschen können. Aber jetzt ist aus rohem Reis fertiger Reis gekocht, aus dem Mädchen eine Ehefrau geworden, und sie hüpft noch rum! Sie soll aufpassen, dass sie sich nicht die Sehnen reißt! So ein Spatz auf dem Weinstock – zerzaust und anmaßend! Höher hinaus will sie? |
| 942 可莹儿的天,却从那时塌了。 | Nur weil mein blinder Sohn Wasser statt Augen hat, hat er sich auf sie eingelassen. Nach meinem Geschmack wäre sie schon beim ersten Treffen durchgefallen. Und sie will meine Schwiegertochter sein – sie soll sich vor den Ahnen schämen!“ |
| 943 那几日里,无论昼明夜黑,她总是傻呆呆坐着,哼着一首沙湾人都会唱的花儿:"杠木的扁担闪折了,清水呀落了地了,把我的身子染黑了,你走了阔畅的路了……“不知过了多久,她才慢慢地醒来。她是被娃娃的哭声叫醒的。娃娃渐渐代替了灵官在她心里的地位,她就活过来了。她怎么能想到命运对她的惩罚竟会以这样的形式出现,而且出现得这样快,这样让她猝不及防,痛彻心郧呢? | Yinger runzelte die Stirn: „Mama, kannst du bitte aufhören, die Leute schlechtzumachen? Dein ganzes Leben lang hast du an keinem ein gutes Haar gelassen.“ – „Wer sagt, es gibt keine guten Menschen? Meine Tochter ist ein guter Mensch. Einzigartig auf Erden.“ – „Jeder liebt sein eigenes Fleisch und Blut“, sagte Yinger. |
| 944 冤家啊,她在心里悄悄地说你可知道莹儿经历了啥?要是知道了,你会不会心痛呢? | Erst jetzt griff die Mutter nach Yinger und musterte sie von oben bis unten: „Du bist etwas fülliger als letztes Mal. Tochter, iss ordentlich, hungere nicht aus Eitelkeit – wirst ja noch zum Dürräffchen. Was du isst, kommt über die Milch zum Kind … Ach, ist das Kind brav?“ |
| 945 在大漠里,莹儿常常这样问灵官。 | „Brav. Satt und schläft. Macht keinen Ärger.“ |
| 946 28 | „Gut. Ein Kind großziehen kostet eine Hautschicht. Als ich dich geboren hab, war nicht genug zu essen, woher Milch nehmen? |
| 947 兰兰也常想到进沙漠前的那时。 | Du hast mir das Blut ausgesaugt, wirklich nicht einfach. Mühsam von Sohlengröße zum Menschen aufgezogen, und dann wird sie einem anderen zur Schwiegertochter. Wirklich ärgerlich. Seit Pangu die Welt erschuf, gibt es keinen Brauch, Töchter fürs Alter aufzuziehen. Wenn es ihn gäbe, hätte ich dich nie hergegeben.“ Mutters Augenränder röteten sich. |
| 948 她刚逃回娘家时,丈夫白福来过几次陈家。有一次,他说莹儿妈病了,想见见女儿,叫莹儿回去几天。当然,他也威胁过兰兰想逼兰兰跟他回去,但兰兰自然是不肯回去的。于是,他就到莹儿房里,跟莹儿哭了一通。不管昨说,他也是莹儿的哥,莹儿虽能体谅兰兰的难处,但也难免为哥伤心。毕竟那是她一起长大的哥啊。 | „Schon wieder“, lachte Yinger. |
| 949 就是从那天起,莹儿成了娘家和婆家拉扯的道具。 | Die Mutter lachte und sagte: „So lieb ein Kind auch ist – nichts geht über eine Tochter. Nimm Baifu – einen Kopf so groß wie eine Glocke, aber drin wie eine leere Spreu. Kaum sagt er was, widerspricht er der Mutter.“ Dann flüsterte sie: „Behandelt man dich gut? Deine Schwiegermutter.“ – „Gut.“ – „Das glaube ich nicht. Seit Mentou nicht mehr da ist, bist du eine Fremde. Wenn du dort nicht mehr leben kannst, komm nach Hause. |
| 950 莹儿忘不了她说要回一趟娘家时,婆婆的表情,她知道,婆婆对她的提防,就是从那一天开始的。 | Deine alte Mutter zieht dich als ewige Tochter groß.“ Dabei beobachtete sie aufmerksam Yingers Reaktion. |
| 951 那天吃过午饭,莹儿把院里铁丝上晒干的尿布儿收了来,叠得整整齐齐,交给婆婆;又去铺子里买了包婴儿奶粉和白糖,安顿了一番,才跟白福出了庄门。 | „Wie sieht das denn aus?“, lachte Yinger. „Wie auch immer – dort steht mein Name im Grundbuch, dort ist das Feld. Die werden mich doch nicht verjagen.“ |
| 952 一出门,莹儿的眼泪就涌了出来,昨擦也擦不千。路上有几个女人,都怪怪地望她。莹儿恨自己,但恨归恨,却仍是控制不了眼泪。 | „Natürlich nicht“, sagte die Mutter mit gespitzten Lippen. „Die bekommen eine Arbeitskraft umsonst. Tochter, reden wir Klartext: Wenn die Schlampe brav mit Baifu weiterleben würde, wäre alles gut – ob du bei den Schwiegereltern bleibst oder zu uns kommst. Aber wenn sie Ärger macht, dann pass auf. Bleib wachsam für deine Mutter.“ |
| 953 婆婆开始提防她,是她不想接受却不得不接受的事实。这些日子,莹儿总感到身后有双眼睛。开始,她还怨自己太敏感。但今天,婆婆明确无误地告诉她:她已经不信任她了。怕她去了娘家不回来,把娃子做了人质。或者换个说法,你不回来也成,娃子你得留下。无论哪种,在莹儿眼里都是刀子,而且是直往心上插的利利的刀子。 | Yinger verstand: Bald würden Dinge geschehen. Lanlan war fest entschlossen, sich scheiden zu lassen. |
| 954 这一来,她的预感证实了:她连个寡都守不安稳了。 | Wenn Lanlan Aufruhr machte, fand auch Yinger keine Ruhe. Was für ein bitteres Schicksal! Yinger wurde elend zumute. |
| 955 坐在白福骑的自行车后面,莹儿仿佛梦游。凉风吹来,卷起尘土,已带了萧 | Die Mutter schien ihre Gedanken zu lesen und sagte tröstend: „Eigentlich solltest du nicht so starrsinnig sein. Du bist noch jung, das Leben ist lang. Wir leben nicht mehr in der alten Zeit – dir stellt niemand eine Keuschheitstafel auf.“ |
| 956 | Da kam der Vater herein. Sein jüngstes „Großgeschäft“ war geplatzt. Angeblich habe Li Zongren ein Schließfach in einer Schweizer Bank, doch der Schlüssel befinde sich in China, genauer in einem bestimmten Dorf bei einem bestimmten Mann, und für 30.000 Yuan könne man ihn kaufen. Mit dem Schlüssel komme man an die Kassette – darin zehntausende Goldbarren. Der Vater hatte überall Geld geborgt, die Summe zusammengekratzt, und jemand hatte ihn mit einem glatten Schwindel um alles gebracht. |
| 957 | Das Gesicht des Vaters war voller Falten, Gleichgültigkeit und Stumpfheit. Er grüßte Yinger nicht. Die Mutter wurde grün im Gesicht und fuhr ihn an; der Vater ging wieder hinaus. „Siehst du, Tochter – so ein Mensch, völlig geldsüchtig und -verrückt geworden! Ich sage ihm: Lass die großen Geschäfte und grab erst mal ein paar Körner aus dem Feld! Aber er – heh! – hat mir erst das Schweinegeld und dann das Bohnengeld abgeschwatzt, hat Verwandte und Nachbarn so gründlich betrogen, dass sie einen Bogen um uns machen, und kriegt dafür einen Tritt in den Hintern nach dem anderen.“ – „Hör auf, hör auf!“, sagte der Vater laut, als er wieder hereinkam. „Kannst du aufhören, deinen Mann runterzumachen? Zhu Maichen hat’s am Ende auch geschafft! Unterschätz mich nicht – diesmal hab ich eine Antiquität im Auge: eine leuchtende Perle. Wenn’s klappt, bekomme ich 100.000. Dann möchte ich sehen, wo du dein Gesicht versteckst!“ |
| 958 条的意味了。那萧条,也到心里了。莹儿很想哭,很想扑在一个人的怀里委屈地哭,美美地哭。可这人,不知游荡在哪儿呢? | „Pfui!“, rief die Mutter, ihm den Rücken zugewandt, und klatschte sich auf den Hintern. „Schäm dich vor den Ahnen! Such dir eine Kuhspur, piss rein und schau dir dein spitzgesichtiges Armengesicht an – ob da ein Hauch von Wohlstand drauf passt! Acht Generationen Pech hat deine Frau gehabt, kopfüber in die Jauchegrube zu fallen und so einen störrischen, stinkenden Esel zu heiraten … Dem Wind hinterhergejagt und das Pferd totgeritten – meine 4.000 Yuan restlos verpulvert. Und dein verdientes Geld? Her damit, lass mich wenigstens eine Kleinigkeit davon sehen!“ |
| 959 太阳很亮,是那种惨白的亮。树光秃秃的,吊着许多飞来荡去的虫儿。对这虫儿,莹儿早不怕了,它上头也罢,上脸也罢,莹儿顾不了太多。心里有种很重的液体在晃,晃得眼里的一切都灰蒙蒙了。 | Yingers Vater lief rot an, die Halsadern schwollen abwechselnd auf und ab. Er hätte am liebsten im Erdboden versinken wollen. |
| 960 过了村间的小道,进了那个乱葬岗子河滩,莹儿渐渐收住了泪。一种熟悉的感觉在心里滋生了。那感觉,像贵斗,褽啊贵,就把那沉重的液体褽成了温水。 | „Mama, sag doch ein paar Worte weniger!“, schalt Yinger. |
| 961 就是这千疮百孔的丑陋的河滩,曾给过她人生中最美的一个瞬间。这儿,她和他疯魔过痴迷过哭过笑过。就是在那沙山后面,他喘吁吁扑倒了她,把幸福的眩晕注入了她的灵魂。仿佛,那是不曾有过的美梦哩。真的,莹儿有时不敢相信,自己曾拥有过鲜活的他。要是那鲜活突然出现在眼前,她真会承受不住那巨大的幸福而晕死过去。 | Der Vater kam zu Atem: „Tochter, lass sie reden. Dieses Unheil, das nicht heult, bevor es den Sarg sieht – genau wie die Frau von Zhu Maichen oder Jiang Ziya. Eines Tages – hm!“ |
| 962 这想头,仅仅是这想头,也令莹儿绚烂许多呢。不知道那想头何时到来?为了这想头,莹儿愿等上一生哩。 | „Eines Tages?“, höhnte die Mutter. „Eines Tages gießt du auch eine Schüssel Wasser auf den Boden und sagst mir, ich soll es wieder einsammeln? Ich fürchte, du hast den Willen, aber nicht das Glück.“ |
| 963 有了这想头,她守的就不是寡,而是想头了。能把想头守上一生,也是幸福的。 | „Du altes Ungeheuer – Gold und Silber durchschaust du, aber einen Knoten im Fleisch erkennst du nicht“, verteidigte sich der Vater kraftlos. |
| 964 可一想临行前的那一幕,她的心又被揪了。当然,不是担心娃儿受委屈。婆婆有半辈子养娃娃的经验,还有对死去的儿子的爱,娃儿自然不会受委屈。莹儿无法接受的是,婆婆已开始提防她。愍头活着,她是“自家人"。愍头一死她就成了“外家人”,是个待嫁的寡妇。她感到后怕的是,在这种提防中,她究竟能守上多久?能否守到那想头的到来? | „Ha – dich hab ich von Kopf bis Fuß durchschaut, jede Ecke und jeden Winkel. Dein Kopf ist so groß wie ein Knoblauchstempel – du denkst ans Geld, aber das Geld denkt nicht an dich!“ |
| 965 不知道。 | „Genug, genug, Mama! Kaum komme ich nach Hause, muss ich euer Gezanke hören!“, stampfte Yinger mit dem Fuß. |
| 966 而且,那”提防''一产生,便会有一连串相应的行为,足以叫人心冷。这日 | Erst da warf die Mutter dem Alten einen vernichtenden Blick zu und schwieg. |
| 967 子,昨过? | Der Vater war schweißgebadet. |
| 968 莹儿不能不担忧。 | In der Abenddämmerung erschien der Heiratsvermittler Xu Pockennarbe. Dieser Kerl war hässlich bis zur Unkenntlichkeit – ein Gesicht voller Narben und Grübchen, eine Knoblauchnase, und dazu so kurzsichtig, dass er die Augen zusammenkniff und jemandem auf der Nasenspitze stand, ohne zu erkennen, ob Mann oder Frau. Xu war ein Junggeselle, Trinker, der mit seiner Flasche von Haus zu Haus ging, Ehen vermittelte, ein kleines Honorar kassierte und sich so über Wasser hielt. Er war anders als die Dorfschamanin, die Schamanin, Hebamme und Kupplerin in einem war. Er war spezialisiert – nur Ehen. Sein Tagesgeschäft war der Dorfklatsch: wessen Tochter erwachsen wurde, wessen Mann gestorben war. Mit seiner geistigen Kartei ging er zu den Junggesellen. Gelang die Vermittlung, bekam er zwei-, dreihundert Yuan. Scheiterte sie, gab es wenigstens Schnaps und Zigaretten. |
| 969 漠风扬起了尘土,刮了过来。莹儿觉得,那风刮进心里了。 | Yinger mochte Xu Pockennarbe nicht. Erstens waren Vaters „Großgeschäfte“ meist auf seine Informationen zurückzuführen. Er steuerte nur sein glattes Mundwerk bei, ohne selbst ins Risiko zu gehen, und zog den Vater in die Schuldenfalle; zweitens war er lüstern nach Wein und Frauen – bei einem Schluck Alkohol oder dem Anblick einer Frau leuchteten seine Pockennarben rot auf, schamlos strahlend. Da wurde Yinger übel. |
| 970 回了家,妈一见莹儿,就搂了她哭。妈瘦多了,头发也花白了。妈是村里公认的厉害人。她厉害时雷鸣电闪,哭起来也惊天动地。她对愍头印象好,愍头一死她搭了不少眼泪。她老用愍头的好,来反衬兰兰的坏,老说一龙生十种, | Xu Pockennarbe und die Schamanin Qi waren zwar Konkurrenten, aber ohne Eifersucht – sie arbeiteten oft zusammen und tauschten Informationen. Die Brauttauschheirat von Yinger und Lanlan war ihr gemeinsames Werk. |
| 971 | Kaum war Xu Pockennarbe zur Tür herein, ahnte Yinger seinen Zweck. Mentou war kaum kalt, und schon verkuppelte man sie. Sie fand es lächerlich. |
| 972 十种九不同。一娘养的,愍头那么贤良,兰兰却白披了张人皮。莹儿虽不觉得兰兰坏,但能理解妈。而且,她能理解所有关系不好的婆媳。养个儿子,从锤头大,养到墙头高,却娶了媳妇忘了娘。心里那口怨气自然要往媳妇身上出。妈还多了对兰兰闹离婚的仇恨。那怨气,比别的婆婆更烈了些。 | Weil Xu ständig betrügerische Informationen lieferte, war Yingers Mutter besonders unfreundlich zu ihm. Der Vater hingegen wie immer. |
| 973 妈的哭也像她的笑,风风火火几声,就息了,问:“那骚货,做啥着哩?” | Obwohl er durch Xus Tipps Schulden gemacht hatte, glaubte er, der Pockennarbe meine es „gut“. Kaum war Xu herein, sagte er zur Mutter: „Geh, kauf eine Schachtel Zigaretten.“ |
| 974 莹儿见妈一不问自己,.二不问娃儿,三不问其他人,却问兰兰就知道她心上放不下的还是这事,便喧了兰兰修行的事。 | Yingers Mutter streckte die Hand aus: „Gib mir Geld!“ |
| 975 "哼,就她,成仙哩?我看她变鬼,也变不上个好鬼,不是髡毛郎当的冤屈鬼,就是血丝糊拉的血腥鬼。"妈用牙缝,一字一旬地说。 | Der Vater ignorierte es: „Und eine Flasche Schnaps dazu.“ |
| 976 莹儿皱皱眉头:“妈,你昨能这样咒人家?” | Die Mutter streckte wieder die Hand aus: „Gib mir Geld!“ |
| 977 "咒?"妈一脸刻毒,“我还恨不得拿刀子刚她呢。你说,害人不浅的,半路里闹离婚。露水曳到半山坡。不成你早说,我花儿一样的丫头,哪儿换不上个好媳妇?现在,生米煮成熟饭了,丫头成了婆姨了,你又跳弹个不停。我说你小心,可别把膀筋跳断。你麻雀儿蹲了个葡萄架,髡毛郎当格势大。还想上天哩? | „Ich sage doch, du sollst anschreiben lassen!“ Der Vater blickte zu Xu. |
| 978 也就是我的瞎窟隆娃子,眼窝里没水,才看上了你。要依了我的性子,第一次相面就过不了关。你还想当我的媳妇子, 羞先人去吧!” | „Ich denke nicht dran! Wie viel bist du den Leuten schuldig? Die schimpfen dich hinter deinem Rücken einen Esel, und du willst noch anschreiben? Dann geh selbst! Du hast keine Scham, aber ich schon!“ Mutters Gesicht war schneidend. |
| 979 莹儿皱皱眉头:“妈,你少编排人成不成?一辈子了,你眼里哪有个好人。"“谁说没好人?我的丫头就是好人。天上有,地下没有。"“谁身上掉下的肉谁疼爱。"莹儿说。 | Xu Pockennarbe lächelte: „Schon gut. Ich habe welche.“ Er zog eine Schachtel heraus und warf sie auf den Tisch. |
| 980 妈这才捞过莹儿,上下端详:"哟比上回胖了些。丫头,你可要放心吃,别只顾俏巴,不敢吃饭,成个千猴儿了。你吃上个啥,娃儿吃的奶里就有个啥…… | „Schon wieder seine! Der Wirt lebt auf Kosten des Gastes.“ Dem Vater war es peinlich. |
| 981 噢,娃儿乖不?” | „Er hat welche“, milderte die Mutter den Ton. „Gevatter Xu, der hat Talent.“ |
| 982 "乖。吃饱就睡了。倒是不闹。" | „Welches Talent? Ein paar Groschen verdienen, um meine drei Zoll Kehle zu füttern“, sagte Xu. |
| 983 “不闹就好,养个娃娃脱层皮呢。我生你那阵子,肚子都吃不饱,哪有奶? | „Aus Brotkrümeln wird ein Fladen.“ Die Mutter warf dem Alten einen Blick zu und sagte säuerlich: „Nicht wie gewisse Leute – ein Mund so groß wie der eines Ochsenfroschs, der den Donner aufgefangen hat, aber zu arm, um einen Furz zu halten.“ |
| 984 叫你把血都咂出来了,真不容易。好不容易,从鞋底大养成个人,却给人当媳妇子了,真是憋气。盘古爷开天辟地,没遗下个养老丫头的习俗。若遗下,我可真舍不得把你嫁人。”说着,妈的眼圈子又红了。 | „Schon wieder, schon wieder“, grinste der Vater verlegen. |
| 985 "瞧,又来了。"莹儿笑道。 | „Gut“, sagte Xu. „Hört auf mit dem Gezanke. Jugendpaar, Altersbegleiter … Jeder schluckt mal eine Kröte. Ich komme nicht ohne Grund. Ich habe ein Anliegen – nehmt es mir nicht übel.“ |
| 986 妈笑了,说“娃子咋好,也没丫头贴心。就像白福,头吃个钟盆,却像盛“%f . | „So förmlich – wir sind doch Familie! Raus mit der Sprache, Gevatter“, sagte die Mutter, die Xus Absicht ebenfalls erraten hatte. |
| 987 | Xu kniff die Augen zusammen, musterte Yinger und sagte: „Das Mädchen hab ich von klein auf aufwachsen sehen. Als Jungfrau war sie wie aus einem Gemälde gestiegen – rote Stellen rot wie Blut, weiße weiß wie Schnee. Nach der Geburt noch genauso … |
| 988 | Man hört … nun … hat sie irgendwelche Vorstellungen?“ |
| 989 了谷棣。一说话,就和娘照嘴。”又悄声问,“人家待你好不?你婆婆。"“好。"“我不信。愍头一不在了,你可成外人了。要是住不下去了,到娘家门上来。 | Yinger fand es lächerlich, doch plötzlich überkam sie ein tiefes Gefühl der Vergänglichkeit. Vor ein paar Jahren hatte derselbe Pockennarbe sie und Mentou zusammengebracht. Ein paar Jahre später – einer tot, die andere Witwe. Und wieder kam dieser Pockennarbe, um sie mit einem anderen zu verkuppeln. Wie sich alles wandelte! Und in ein paar Jahren – wie würde es dann sein? |
| 990 老娘养你个老丫头。”说着,她留意地打量莹儿的反应。 | Die Mutter antwortete gelassen: „Was für Vorstellungen? Wir leben nicht in der alten Zeit, niemand stellt ihr eine Keuschheitstafel auf. Selbst in der alten Zeit war Witwendasein nicht menschenwürdig. Angeblich streuten sie nachts Kupfermünzen im Zimmer aus, löschten das Licht und tasteten. Ich will nicht, dass meine Tochter schmachtet. Gevatter, was hast du auf dem Herzen?“ |
| 991 “那成了啥?"莹儿笑了,“不管昨说,那儿还有我的精脚片印,还有责任田啦,我不信人家还攒我不成?” | „Mama!“, sagte Yinger. „Er ist kaum … Schämst du dich nicht, so zu reden?“ |
| 992 “人家当然不攒。"妈撇撇嘴,“人家白得一个劳动力呢,丫头,话往明里说,那骚鸟,若好好儿和白福过你咋也成。婆家蹲也成,娘家来也成。要是那骚鸟跳弹,你可得给为娘的长个精神。" | „Lachen soll, wer will! Tochter, das war ein Schicksalsschlag, keine Giftmörderin! Er ist tot – da sollst du auch sterben? Gevatter, raus mit der Sprache!“ |
| 993 莹儿心里明白,马上要有些事儿发生了。依兰兰的性子,是铁了心要离婚的。 | Xu lächelte: „Genau. Tochter, Regen muss fallen, Witwen wollen heiraten – das ist ein Naturgesetz. Schäm dich nicht. … Dieser Zhao San, kennst du ihn? Der Fleischer. Hat jetzt ein Geschäft am Weißen Tigerpass. Hatte eine Frau in zweiter Ehe, die ist abgehauen. Sucht eine Neue. Er hat schon lange ein Auge auf dich geworfen. Schon als Mädchen. Hat sich den Kopf zerbrochen. Aber Mentou hat den Preis davongetragen. Neulich bat er mich, mich umzuhören. |
| 994 兰兰一闹,她就安稳不了。咋这么个苦命?莹儿一阵难受。 | Wenn’s klappt – die Hochzeit regelt sich.“ |
| 995 妈仿佛看出了她的心事,劝道:“其实,你也别太死心眼。你才活人,路还长着呢。毕竟新社会了,又没人给你立贞节牌坊。" | Yingers Kopf dröhnte. Jetzt erst begriff sie, wie sehr sie an Wert verloren hatte. Dieser Zhao San – ein Trinker, dazu ein Taugenichts. Damals hatte er für seinen Hausbau Bäume am Straßenrand gestohlen, die Rinde abgeschält und sie kaum verbaut, als man ihn erwischte. Mit einem Schild um den Hals wurde er durchs Dorf geführt. Und so einer maßte sich an, nach ihr zu greifen! Offenbar war diese Yinger nicht mehr jene Yinger. Selbst wenn Lingguan käme, fürchtete sie, seiner nicht mehr würdig zu sein. |
| 996 正说着,爹进来了。他的又一个“大买卖“黄了。说是李宗仁在瑞士银行存了个黑匣子,钥匙却在中国,而且在某省某市某乡某村某人手里,凑上个三万元就能从那人手里买来钥匙。有了钥匙,就能取出黑匣子,里面有几万根金条。爹就到处借钱跟人凑够数儿,结果叫人一舌头掠了,连个影儿也追不回来了。 | Yingers Tränen strömten hervor. |
| 997 爹一脸皱纹,一脸漠然,一脸麻木,见了莹儿,也不打招呼。妈却绿了脸,斥一声,爹便出去了。“你说丫头,就这号人,得`想钱疯'了。我说,你也别大买卖了,先从地里创几颗粮食吃吧,别成饿殍疯乱子了。可他,嘿!先骗了老娘的猪钱后哄了老娘的黄豆钱把亲戚邻舍骗了个路断人稀,却叫人喂了一个又一个抓屁。"“行了,行了!"爹进来,声音很大地说“你少编排老子成不?朱买臣还发迹呢!你别小看老子,老子这次瞅下了个古董,夜明珠。成了,给老子分个十万八万的。那时,我看你老嫁汉脸往哪儿放!” | Die Mutter bemerkte Yingers Veränderung nicht und sagte: „Dieser Zhao San, sagt man, hat ein übles Temperament, trinkt gern und schlägt Frauen. |
| 998 '胚!"妈背朝老伴,用力拍几下屁股。``羞先人去吧。你找个牛蹄窝儿,撒泡尿照照。看你那尖嘴猴腮的一脸穷相能不能闻上个带荣腥儿的屁?老娘倒了八辈子的霉,才头仰屎坑,嫁了你这么个惊毛骚驴……你跟风跑死马把老娘的四千多花个精光。你挣的钱毛呢?拿来,给老娘多少解个心荒儿。" | Die Zweitfrau ist vor seinen Schlägen davongelaufen.“ |
| 999 | Xu Pockennarbe lachte: „Wer redet nicht! Und dann – selbst Zähne und Zunge geraten aneinander. Welches Ehepaar prügelt sich nicht? Geschlagene Frau, gekneteter Teig. Geprügelt wird geprügelt, vertragen wird vertragen. Regen fällt vom Himmel, Wasser fließt zu Tal – junge Eheleute tragen nicht nach. Zwischen Mann und Frau gibt es keinen Groll über Nacht. Sie wissen das doch selbst.“ |
| 1000 莹儿爹涨红了脸,脖子上的青筋忽而鼓起,忽而落下。看那样子,只差往地缝里钻了。 | „Da ist was dran. Da ist was dran“, lachte Yingers Mutter. |
| 1001 “妈,你少说两旬成不成?"莹儿嗔道。 | „Die Hochzeit ist kein Problem. Er hat gesagt, wenn ihr einwilligt, regelt sich alles. … Heutzutage gilt: Wer Geld hat, ist der Großvater; wer keins hat, der Enkel. Immerhin hat er sich Yinger ausgesucht. Manche Frauen wollen zu ihm – er will sie nicht mal. |
| 1002 莹儿爹缓过气来了:"丫头,叫她说。这号扫帚星,不见棺材不落泪,跟那朱买臣姜子牙的婆娘一个啋头。到时候,哼。" | Sogar Jungfrauen, heißt es …“ Yinger hätte fast laut geschluchzt. Sie wischte heimlich die Tränen weg und verließ, aus Angst, in hemmungsloses Weinen auszubrechen, das Haus und das Dorftor. |
| 1003 ”到时候?"莹儿妈冷笑道,”到时候,你也端一盆水,泼到地上,叫老娘收怕是你有那个心,没那个运呢。" | Irgendwann hatte es zu nieseln begonnen. Die haarfeinen Regenfäden hüllten das Dorf in einen Schleier. Alles wurde unwirklich. Die Berge, die Bäume, die Siedlung – alles verschwamm zu einem Traum. |
| 1004 “你个老妖,金银能看透,肉疤塔识不透''莹儿爹无力地辩解着。 | Yingers Elternhaus und Shawan waren landschaftlich grundverschieden. Auch hier lag die Wüste nah, doch im Süden erhoben sich Berge. Gewöhnlich waren sie kahl und strahlten Armut und Öde aus. Doch im Regen erwachten sie zum Leben, gewannen eine wehmütig-zarte Anmut. Yinger ließ die Regenfäden ihre tränenvollen Augen waschen – bald schimmerte ihr Gesicht feucht, und niemand hätte sagen können, was Regen und was Träne war. |
| 1005 "哟—-, 我把你从这头眯到那头了,把你的拐拐角角都眯透咧。头想个蒜锤儿大,你想钱可人家钱想你不?” | Erst als Xu Pockennarbe den Heiratsantrag überbrachte, begriff Yinger ihre wahre Lage. In den letzten Jahren war sie im Wert gesunken – von der „Blumenfee“ zu „Mentous Frau“, dann in die Kategorie „Witwe“. Nach Xus Plan sollte sie weiter fallen – zur „Metzgersgattin“. Wer einem Gelehrten folgt, wird Dame; wer einem Metzger folgt, putzt Gedärme. Yinger hatte nicht das Glück, Dame zu werden – Lingguan war in ihren Augen der Gelehrte –, aber sie wollte auch nicht in blutigen, stinkenden Därmen wühlen. Die Dorfbewohner verachteten Metzger – erstens wegen des Schmutzes, zweitens wegen des Tötens. |
| 1006 “行了行了,妈。轻易不上娘家门,一来,就听你们吵架。"莹儿跺跺脚。 | Im Tonfall der Leute schwang Missachtung mit. Anderer Leute Söhne trugen das Haus, Metzgersöhne waren „Lückenfüller“ – mit oder ohne einerlei. Ein Metzger oder hundert Metzger – kein wesentlicher Unterschied, nur eine Frage der Anzahl. Und ausgerechnet so ein Metzger schickte jemanden, um um sie zu werben. Yinger empfand ein seltsames Unbehagen. |
| 1007 莹儿妈这才剂了老头子一眼,住口了。 | Lingguan hatte einmal gesagt, eine Frau in Liangzhou durchlebe in ihrem Leben alle sechs buddhistischen Daseinsbereiche: Als Mädchen sei sie ein Himmelswesen, geboren im Paradies der Phantasie, glücklich und sorglos; mit der Heirat komme sie in die Menschenwelt – Öl, Salz, Essig, allerlei Sorgen; beim Ehestreit werde sie zum Kampfdämon, voller Zorn und Groll; bei der Hausarbeit zum Nutztier – endlose Plackerei ohne Pause; emotional sei sie ein Hungergeist – suchend, flehend, die ganze Nacht heulend, ohne etwas zu finden; und heirate sie einen Rohling, befinde sich Leib und Seele ständig in der Hölle: endlose Nacht ohne Licht, Giftflammen am Leib, Folter, Wehklagen ringsum, ohne Erlösung. |
| 1008 爹已经大汗淋漓了。 | Yinger fand: Genau so war es. |
| 1009 黄昏时分,以保媒为生的徐麻子上门了。这麻子,丑陋不堪,一脸坑洼,鼻头如蒜,眼睛又近视得厉害,眯了眼瞅人,贴人家鼻尖上了,还分不清对方是男是女。徐麻子光棍一条,好喝酒,常提个酒瓶,串东家,串西家,保个媒,收点儿谢金,混碗饭吃。他和神婆不同。神婆融神婆、接生婆、媒婆为一身。他则专一,只保媒。其日常活动就是串门,打听哪家的姑娘大了,谁的男人死了,心中有了本账,便往光棍家去。保成了,谢他个二三百的。保不成,也少不了他的喝酒抽烟钱。 | Zwar hegte sie den verwegenen Wunsch, Lingguan zu heiraten, doch bei nüchterner Überlegung fand sie, Lingguan verdiente ein anderes Leben. Sobald er sie heiratete, wäre er an dieses Land gefesselt – wie ein Drachen an der Leine, egal wie hoch er flog, mit dem Faden stets am Boden. Er sollte wie ein Adler hinausfliegen – obwohl der Gedanke ihr Herz stach, wünschte sie ihm dennoch den weiten Flug, seinen eigenen breiten Weg. |
| 1010 莹儿对徐麻子无好感。一则,爹的“大买卖“多是他提供的信息。他只图嘴头快活,并不染指倒把爹拖进了债窝;二来,这徐麻子好酒色,一饮点酒,或一见女人,那颗颗麻子就放出光来,红得发亮,毫不含蓄.莹儿一见,就想呕。 | Was Yinger sich wünschte, war, still ihren Lebensweg zu gehen – auf der jetzigen Spur, mit dem Kind, voller Hoffnung, die Romantik zerbröselnd, der Wirklichkeit ins Auge blickend, ihr Schicksal lebend. Sie wollte der Welt nur sagen: „Bitte stört mich nicht. Lasst mich in Ruhe leben.“ |
| 1011 徐麻子和齐神婆虽是同行,却不相忌,常常联手,互通信息。莹儿和兰兰的换亲,就是他们联手促成的。 | Nichts weiter. |
| 1012 徐庥子一进门,莹儿便猜出了他的来意。愍头尸骨未寒,便有人为她张罗男人了。她感到好笑。 | War selbst das zu viel verlangt? Am liebsten hätte sie gefragt: „Wem stehe ich im Weg?“ |
| 1013 因为徐麻子老提供骗人信息,莹儿妈对他格外不客气。莹儿爹倒是一如既往。 | Baifu grub in der Nähe Baumstümpfe aus – frisch gefällte Bäume mit großen, tiefen Wurzeln; der Wurzel folgen und graben brachte viel Brennholz. Baifu arbeitete mit nacktem Oberkörper im Nieselregen, Dampf stieg von Kopf und Körper auf. Beim Anblick des Bruders sank Yingers Herz noch tiefer. Sie verstand: In diesem Leben war ihr Schicksal unwiderruflich mit ihm verknüpft. Vor ihr lag ein Weg, den sie nicht zu denken wagte. |
| 1014 他虽因徐麻子提供的信息背了债,但相信这麻子“心”是好的。徐麻子一进来,他就对莹儿妈说:“去,买包烟。" | Die Regenfäden rieselten herab, sickerten vom Gesicht bis ins Herz. Im Herzen ein Gefühl der Feuchtigkeit, die Augen trocken trotz Weinens. |
| 1015 莹儿妈朝他一伸手:“给我钱!” | Das Gefühl wurde dichter und dichter und verdichtete sich schließlich zu einem Volkslied – |
| 1016 莹儿爹不介意,又说“再除瓶酒。" | Dunkel wird’s, dunkel, ganz dunkel, |
| 1017 莹儿妈又一伸手:“给我钱!” | der schattige Pfad liegt im Dämmer; |
| 1018 ”说是叫你除嘛!"莹儿爹望一眼徐麻子。 | den Liebsten seh ich schwinden in der Ferne – |
| 1019 “我可没那个脸。你除了人家多少?叫人家背后骂成个驴了,还除?要除,你除去!你不要脸,我还要呢。"莹儿妈一脸尖刻。 | das Herz wird mir lebendig herausgerissen. |
| 1020 徐麻子却笑笑:"算了。我有烟哩。"掏出一盒,扔在桌上。 | Morgens wein ich, abends klag ich, |
| 1021 ”又抽你的。店里的臭虫倒吃客哩。"莹儿爹过意不去。 | die Tränen strömen wie ein Meer; |
| 1022 “人家有哩。"莹儿妈缓和了脸色,“人家徐亲家才是个有本事的。" | des Henkers Klinge ist der Weg vor mir – |
| 1023 "啥本事?拾个炒麦子钱,养个三寸喉咙息。"徐麻子说。 | sie schlachtet das Mädchen bei lebendigem Leib |
| 1024 "馈馈渣攒个锅盔哩。"莹儿妈瞪一眼老头子,又酸溜溜道,“不像有些人,癫蛉蟆接了雷的气口气大,可穷得夹不住屁。" | 31 |
| 1025 “你又来了,你又来了。"莹儿爹汕汕地笑了。 | Xu Pockennarbes Heiratsantrag wurde zu Yingers Albtraum. Seit er die Mutter überredet und ihr Zhao Sans Geld schmackhaft gemacht hatte, hing eine schwarze Wolke über Yingers Leben. |
| 1026 “行了。"徐麻子道,“你们少拌嘴。少年夫妻老来伴嘛……谁都忍两句…… | An jenem Tag erhielt die Mutter die sichere Nachricht, dass Lanlan nicht zur Familie Bai zurückkehren würde. Also schickte sie Baifu mit einigen Männern zum Haus der Chens, um Yinger zu holen. Ohne Diskussion verschleppten sie sie. Eigentlich wollten sie auch das Kind mitnehmen, doch Lingguans Mutter warf sich todesmutig dazwischen und riss das Kind an sich. Auch der alte Laoshun griff zum Hackbeil, bereit zum Kampf. Die Männer fürchteten eine Eskalation und ließen ab. Sie sagten nur: Das Gericht soll entscheiden. So kam Yinger zurück ins Elternhaus. |
| 1027 我无事不登三宝殿。有个话儿,说了,可别见怪。" | Im Elternhaus herrschte eine Atmosphäre der Gereiztheit. Baifu verbrachte den ganzen Tag mit seinen Saufkumpanen. Der Vater hatte sein Augenmerk wieder auf Antiquitäten gerichtet und rannte den ganzen Tag zu den Grabräubern. Die Mutter hingegen tuschelte ständig mit Xu Pockennarbe, und das Thema war immer noch der Metzger Zhao San. |
| 1028 ”说这话,就见外了。亲家,有话说到面里,有屁放到圈里。"妈也猜出了徐麻子的来意。 | Xu Pockennarbe hatte Zhao San einmal vorbeigebracht. Sein Aussehen – fett, ölig, der Kopf wie ein Schweinekopf, und sobald er trank, wurde seine Nase zu einer roten Knoblauchknolle. Seine ganze Erscheinung ähnelte Datou, nur fehlte ihm dessen Großzügigkeit, dafür hatte er mehr Dummheit. Yinger wurde beim bloßen Anblick übel. Sie verstand, dass ihre Mutter Zhao San nur deshalb als eine Rarität pries, die selbst im Himmel ihresgleichen suchte, weil er Geld hatte. Seit über zehn Jahren schlachtete er Schweine und Rinder, das vier Zoll breite Messer war schon dünn wie ein Weidenblatt, und natürlich hatte sich einiges in seiner Tasche angesammelt. Jetzt hatte Zhao San auch noch eine Goldmine am Weißen-Tiger-Pass eröffnet und angeblich ein kleines Vermögen gemacht. Er hatte verlauten lassen, dass er für Yinger kein Geld scheuen würde, und falls sie das Kind mitbrächte, würde sich der Preis sogar verdoppeln. Denn Söhne waren selten und kostbar. Zhao Sans erste Frau hatte er davongejagt, weil sie keine Kinder bekam. Ohne Sohn fühlte er sich nie sicher, und er konnte auch nicht garantieren, dass eine Neue ihm einen Jungen gebären würde. Mit dem Kind, das nicht an Rückenschmerzen litt, konnte er selbst beim Niesen so selbstbewusst donnern – natürlich musste der Preis steigen. |
| 1029 徐麻子眯了眼,瞅一阵莹儿,说“这丫头,我可是从小看着长大的。当姑娘时,就是从画上走下来的,红处红似血,白处白似雪。生了娃儿,还没变样子…… | Yingers Mutter sagte: „Wovor hast du Angst? Wenn meine Tochter eines zur Welt bringen kann, kann sie auch zehn bekommen.“ Sie wusste, dass es völlig rechtens war, die Tochter im Elternhaus zu behalten; wenn man nur hart genug blieb, wagte niemand einen Mucks. Aber das Kind war Mentous Stammhalter, und die würden um ihr Leben kämpfen, um es nicht herzugeben. In jener Nacht hatte sie selbst gesehen, wie die Schwiegermutter sich wie eine Wahnsinnige auf das Kind gestürzt hatte, und ihr war immer noch mulmig dabei. Außerdem war ihr Herz zwar hart, aber nicht so hart, dass sie jemandes Kind rauben und zu Geld machen würde. |
| 1030 听说……这个……不知道她有啥想法?” | Xu Pockennarbe sagte: „Das Kind gehört ganz offensichtlich deiner Tochter. Frag doch mal den Richter – wenn der Vater stirbt, gehört das Kind zu den Großeltern oder zur Mutter? Das ist doch sonnenklar. Der Staat hat es im Gesetz festgelegt, das ist sein gutes Recht.“ |
| 1031 莹儿感到好笑,却忽然产生了一股浓浓的沧桑感。几年前,也是这个麻子,为她和愍头牵线搭桥。几年后,一个死了,一个成寡妇了。又是这麻子,来为她和别人牵线。沧桑变化,以至于斯。几年后,又是啥样儿昵? | „Wirklich?“ Yingers Mutter war ungläubig. Sie konnte nicht glauben, dass das Gesetz vorschrieb, jemandem seinen „Stammhalter“ wegzunehmen. Xu Pockennarbe sagte: „Wenn ich lüge, liegt in meinem Ahnengrab ein alter Eselshengst.“ Da glaubte es Yingers Mutter ein wenig. Aber Glaube hin oder her – wenn sie daran dachte, das Kind aus den Händen der Schwiegerfamilie zu holen, war ihr gar nicht wohl. Nein, nicht nur unwohl – es war geradezu unmöglich, und so sagte sie: „Die alte Hexe kämpft mit ihrem Leben. Das Kind ist ihr wichtiger als ihr eigenes Leben. Als unsere Tochter ins Elternhaus kam, durfte sie das Kind nicht mal mitnehmen … |
| 1032 妈却稳稳地应了:“她能有个啥想法?又不是旧社会,又没人给她立贞节牌坊。就是旧社会,那寡也不是人守的。听说一到夜里,就把麻钱儿撒在屋里,灭了灯摸。我可不希望我的丫头熬。亲家,有啥话,你明说。” | Vergiss es. Das Kind – da kannst du dir den Kopf zerbrechen, bis er so groß wie eine Knoblauchknolle ist, es geht nicht. Kinder sind kostbar. Du willst das Kind, die wollen es auch. |
| 1033 “妈。"莹儿说“人家才那个。你说这些话,不怕人笑掉牙吗?” | Außerdem kann ich das nicht übers Herz bringen – die haben schon einen verloren, und jetzt soll ich ihnen noch den anderen wegnehmen? Was würden die Leute sagen?“ – Es gehört deiner Tochter, wie soll das Raub sein?“, sagte Xu Pockennarbe. Zhao San hatte ihm einen Wink gegeben: Wenn er das Kind wirklich herbringen könnte, gäbe es zweitausend Yuan. Diese Summe überstieg das reine Vermittlungsgeld um ein Vielfaches, natürlich wollte er sich ins Zeug legen. „Ein Kind gehört zur Mutter, das ist selbstverständlich. Wenn du ein stillendes Baby gewaltsam von der Brust reißt, das ist erst gemein.“ |
| 1034 “笑了笑去。丫头,那是天灾人祸,又不是你丫头投毒谋害亲夫。人家死了,总不能叫你也死去。亲家,有啥话你明说。" | Da wurde Yingers Mutter doch nachdenklich. Seit Tagen weinte Yinger ständig und verlangte danach, das Kind zu stillen. Ihre Brüste waren prall, und jedes Mal, wenn sie spannten, trieb es Yinger die Tränen in die Augen. Obwohl die Mutter ihr herzlos verbot zurückzugehen, tat ihr die Tochter doch leid. Beim Anblick ihres gelblich ausgetrockneten Gesichts wurde ihr immer unwohl, und so sagte sie: „Erkundige dich mal. Wenn es wirklich gesetzlich festgelegt ist, hätten wir eine Grundlage.“ Xu Pockennarbe lachte: „Hab ich mich längst erkundigt. Wer die Mühle dreht, muss es nicht wissen, wer sie bedient, der weiß Bescheid. Den ich gefragt habe, ist sogar ein Anwalt. Er sagte, wenn er den Fall übernähme, würde er euch garantiert ein rundes, gesundes Kind verschaffen.“ |
| 1035 徐麻子笑笑:”就是。丫头,天要下雨哩寡妇要嫁哩天经地义。你羞个啥?……那个赵三,知道不?就是卖肉的那个,现在在白虎关开了窝子,对,就是他。说了个临祧女人,跑了,想另找一个。他早瞅上这丫头了。当丫头时就瞅上了,头想成个蒜锤儿大。谁知,叫愍头独占花魁了。前几天,叫我打探一下。 | „Du meine Güte, und was soll das kosten?“ |
| 1036 成的话,婚礼好说。" | „Ihr müsst nichts zahlen. Zhao San bezahlt, egal wie viel. Außerdem lädt er alle paar Tage die Leute vom Gericht zum Essen ein. Die kennen sich wie aus einem Teig geknetet. Er hat auch nachgefragt – kein Problem. Wenn ihr einverstanden seid, lässt er eine Klageschrift aufsetzen und einreichen, und schon wird der Fall angenommen.“ „Einverstanden, einverstanden“, sagte Yingers Mutter freudig. Wie ein Goldklumpen, der vom Himmel fiel. Sie hatte geglaubt, das Kind gehöre der anderen Familie, und nun stellte sich heraus, dass es „laut Gesetz“ ihnen gehörte. Das freute sie unerwartet. Aber wenn sie an die schmerzerfüllte Miene der Schwiegerfamilie nach dem Tod des Verstorbenen dachte, bekam sie Skrupel; doch dann erinnerte sie sich an die Furienmiene der Schwiegermutter, als sie mit ihr gestritten hatte – und ihr Herz wurde sofort wieder steinhart. So schwankte sie – mal hatte sie Skrupel, mal wurde sie steinhart. Nach einigem Hin und Her gewannen die offensichtlichen Vorteile die Oberhand. Außerdem dachte sie an Baifus Schwierigkeiten, ein Kind großzuziehen – wenn die Tochter dort heiratete und keinen Sohn bekäme, würde sie wieder leiden müssen. Also sagte sie: „Gevatter, auf dich ist Verlass. Mach, wie du es meinst. Wenn es klappt, kommt es dir zugute. |
| 1037 莹儿的头一下大了。这时,她才知道,自己真贬值了。那赵三,酒鬼一个,而且不学好。那年,盖房子偷了公路边的树,扒了树皮,刚盖到房子上,就叫人抓住了,挂了牌子游乡。这号货色,竟想打自己的主意。可见,此莹儿已非彼莹儿了。即使等来了灵官,她也怕配不上他了。 | Wenn nicht, mache ich dir auch keine Vorwürfe. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, das Kind bekommen zu können. Hättest du es nicht erwähnt, säße ich noch ahnungslos da.“ |
| 1038 莹儿的眼泪一下子涌了出来。 | „Wenn man den Docht zurechtrückt, wird die Lampe hell“, lachte Xu Pockennarbe. „Um alles andere braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Das Einzige, wovor ich Angst habe, ist, dass eure Tochter weichherzig wird. Vor Gericht darf sie auf keinen Fall einknicken.“ „Wird sie nicht, wird sie nicht. Die Kleine sehnt sich so nach dem Kind, dass sie fast den Verstand verliert.“ |
| 1039 妈却没注意莹儿的变化,说“那赵三,听说脾气不好,爱喝酒爱打女人。 | Yinger hatte den Verstand tatsächlich fast verloren. |
| 1040 那临祧的就是叫打跑的。" | Das Kind schrie ständig in ihren Ohren nach Mama. Yingers Herz zerbrach. |
| 1041 徐麻子笑道:"啥话还不是人说的。再说,牙和舌头,还打架呢。哪个两口子不打架?打到的媳妇揉到的面。打归打,好归好。天上下雨地下流,小两口打架不记仇。夫妻没有隔夜恨。你也是过来人。" | Sobald Xu Pockennarbe kam, ging sie aus dem Dorftor, folgte dem Feldweg zwischen den Dörfern und lief einfach los. Der Weg war voller feinem Staub, aber Yinger kümmerte sich nicht darum. Soll er doch färben – die Schuhe färben, die Strümpfe färben, die Hosenbeine färben, das Herz färben. |
| 1042 ”也倒是。也倒是。"莹儿妈笑道。 | Das Herz schien wirklich vom Staub gefärbt, immer grau und trübe. Auch die Gedanken waren unklar, alles verschwommen, wie in einem Traum. Die Sehnsüchte als junges Mädchen waren ein Traum, die Schwere als junge Ehefrau war ein Traum, die Bitterkeit als Witwe war auch ein Traum, und dann das Glück – was für ein berauschendes Glück das gewesen war! – auch ein Traum. Alles im Traum schwebte dahin, in Wolken und Nebel, kaum zu greifen. Selbst dieser Schmerz, dieser Schmerz der Trennung von Fleisch und Blut, war nicht so deutlich, nicht so greifbar, lag nur wie leichter Rauch über dem Herzen, alles verschwommen, und hüllte die Wirklichkeit in Grau. |
| 1043 “婚礼好说。人家说了,只要你们开个口,好说。……要说这年月,有钱是爷爷,没钱是孙子。这可是人家看上了莹儿。有些人想跟人家,人家还不要呢。 | Die Bäume am Wegrand standen kahl. Die Blätter hatte der Wind fortgeweht, die nackten Äste stachen in den Himmel, ein stechender Anblick. Der Weizen war geerntet, die Felder lagen wüst da. Auch im Herzen war alles verwüstet. Auch diese Verwüstung wurde zum Traum. Die Menschen in der Ferne verschwammen, die Menschen in der Nähe verschwammen. Wer sie ansprach, dem antwortete Yinger nur undeutlich. Sie war nicht mehr die Yinger von einst. Sie war nur noch eine Witwe, ein Drachen, dessen Faden die Wirklichkeit gekappt hatte und der im wilden Wind dahintrieb, und eine Mutter – beim Gedanken an das Wort „Mutter“ zuckte ihr Herz. Die Brüste spannten schmerzhaft, doch ihr Sohn schrie anderswo vor Hunger. Verhöhnte sie dieses Wort „Mutter“? |
| 1044 听说也有些黄花闺女……',莹儿差点哭出声来了。她悄悄抹了泪,怕再待下去,真要痛哭了,就出了屋,出了庄门。 | Dieser Feldweg – wie lange war sie nicht mehr hier gewesen. |
| 1045 不知何时,下起了毛毛雨。那毛牛似的雨丝儿,为村子蒙上了一层朦胧的轻纱。一切都虚了。那山,那树,那村落,都虚成梦了。 | Als Schülerin kam sie oft hierher zum Auswendiglernen und träumte von der Zukunft. Die Zukunft war damals bunt und schillernd. Manchmal trieb sie die Schafe hierher, lehnte sich an jenen Baum und las Bücher, die ihr Mädchenherz zum Kochen brachten. Die „Zukunft“ war so schön. Sie sehnte sich nach der „Zukunft“, rief nach der „Zukunft“. Natürlich konnte sie nicht ahnen, dass sie in der „Zukunft“ als Tauschbraut heiraten, Mentou ehelichen, Witwe werden, eine Mutter sein würde, die keine Mutter war, wie Vieh verkauft werden und keine „Zukunft“ mehr haben würde. Von diesem Ende des Lebens konnte sie das andere Ende überblicken. Die Gegenwart der Mutter war ihre Zukunft. Nur dass sie, weil sie lesen gelernt und sich eine „Zukunft“ ausgemalt hatte, noch mehr litt als ihre Mutter. |
| 1046 莹儿娘家和沙湾的地貌迥异。娘家虽也靠近沙漠,但南面靠山。平日,山光秃秃的,泛出贫穷和苍凉来。一下雨,反鲜活了山,鲜活出一种朦胧哀婉的韵致来。莹儿索性由那雨丝去冲洗盈眶的泪一时,脸上水光闪闪,分不清哪是雨,哪是泪了。 | Der Wind blies, kalt und öde. Dieser Herbstwind konnte Blätter fortwehen, Staub fortwehen, loses Gras fortwehen – aber konnte er auch das Grau von meinem Herzen wehen? Konnte er die Beklemmung fortwehen, die mich selbst im Traum nicht losließ? Am besten wehst du mich gleich mit fort, ans Ende der Welt, entweder spurlos verschwunden oder zu Staub zermahlen, aufgelöst in dieser großen Wüste. Kann der Herbstwind das hören? Du Herzloser, warum heulst du nur so kalt? |
| 1047 徐麻子一提亲,莹儿才真正明白了自己的处境。几年来,她连连掉价,从“花 | Yinger weinte lautlos, weinte hemmungslos. Das Schicksal war noch gnädig genug, ihr einen Ort zu bewahren, an dem sie hemmungslos weinen konnte. |
| 1048 儿仙子'掉成“愍头媳妇",再掉进“寡妇“行列里了。按徐麻子的设计,她还要继续掉价,掉成“屠汉婆姨''。跟上秀才当娘子,跟上屠汉翻肠子。莹儿没福当那娘r-她眼里的灵官可是秀才呀——但也不甘心去翻那血糊糊粪臭四溢的肠子村里人向来看不起屠汉,一来脏,老和血呀粪呀打交道;二来杀生害命。 | An den Baumstamm gelehnt, weinte sie eine Weile, dann blinzelte sie zum trüben Himmel hinauf. Sie beneidete Lin Daiyu sehr – die hatte ihren Xiaoxiang-Pavillon, ihre Zijuan, ihren liebevollen Bruder Bao. Sie war die glücklichste Person im „Traum der Roten Kammer“. Sie hatte alles erlebt, was zu erleben war, alles genossen, was zu genießen war. Und als der große Palast krachend zusammenstürzte, war sie schon gegangen. Im schönsten Moment des Lebens war sie gegangen. Rein gekommen, rein gegangen. Wahrhaftes Glück. Man sagte, am Westsee gab es auch eine namens Su Xiaoxiao, die ebenfalls im schönsten Moment gestorben war und seit tausend Jahren betrauert wurde. Wie gut hatten sie es. Warum war das Schicksal ihnen gegenüber so großzügig? |
| 1049 人们的语气中便多有不敬了,别人养儿子是顶门立户,屠汉养儿子是充数儿。"充数儿”就是可有可无:有了,算个人数,没有也不要紧。反正,屠汉的儿子仍是屠汉。一个屠汉和百个屠汉没有实质的差别仅仅是数儿的多少而已。就是这样一个屠汉,竟打发人来向她提亲。莹儿心里疹怪怪的。 | Nicht weit entfernt begann die Wüste, die Wüste, die sie unzählige Male in Gedanken durchkaut hatte. Von hier nach Norden gelangte man zu einem bestimmten Ort. Dort lag Yingers Brautkammer des Herzens. In jener riesigen Brautkammer wogte der gelbe Sand Welle um Welle und ließ den unvergesslichsten Taumel ihres Lebens erklingen. … Lingguan, du herzloser Schicksalsgefährte. Hast du die Wüste vergessen? Hast du die vergessen, die ihr Leben für dich hingab und in der Einsamkeit dahintrieb? … Sie hatte sich verändert, weniger Rosenrot, mehr Furchen des Lebens. Wenn sie sich wiedersähen, hätte sie nicht mehr das Aussehen von damals. Schicksalsgefährte, weißt du das? |
| 1050 记得,灵官说凉州女人的一生里,把六道轮回都经了:当姑娘时是天人,生在幻想的天国,乐而无忧;一结婚,便到人间了,油盐酱醋,诸般烦恼;两口子打架时,又成阿修罗,嗔恨之心,并无稍减;干家务时是畜生,终年劳作,永无止息感情上是饿鬼,上下寻觅,苦苦求索,穷夜长嚎,而无所得;要是嫁个恶汉子,其身其心,便常在地狱道中了。漫漫黑夜,无有亮色,毒焰炽身,酷刑相逼,哀号盈耳,终难超脱。 | Diese Wüste, Welle um Welle sich erhebend, je höher desto mehr wurde sie zum Berg. Man sagte, tief in den Sandbergen gab es Füchse, die den Mond anbeteten. Sie beteten inbrünstig, hundert Jahre lang, um ihren Fuchskörper abzulegen und Menschengestalt anzunehmen. … Doch was ist so gut am Menschsein? Ihr Füchse, der Staat schützt euch – wer schützt mich? |
| 1051 莹儿觉得, 自己真是这样。 | Kann das Mondanbeten einen vom Frausein befreien? Wenn ja, dann bete ich, bis Himmel und Erde vergehen, und werde ein freier Fuchs. |
| 1052 她虽也有嫁灵官的奢望,但有时理性地想来,灵官应该有另一种生活。一和她结婚,灵官就会拴在这块土地上了。就像那风筝,无论飞多高,线头儿却永远扯在地上。他应该像鹰那样飞出去——虽说一想到这,她的心里就隐隐作痛,但她还是希望他飞出去,走自己阔敞的路。 | Geht das? Sag schon, Herbstwind! |
| 1053 莹儿希望的,是静静地走完自己的人生之路,就按目前的轨迹,带着娃儿,怀着企盼,抬碎浪漫,正视现实,实践自己的宿命。她只想对这个世界说“请别打搅我。叫我一个人静静地活着。" | Die liebliche Yindi war in einer Ecke der Sandberge erfroren. Yingers Herz zuckte wieder und wieder. Manche sagten, Yindi hatte ein bitteres Schicksal – andere Frauen litten zwar auch, konnten aber wenigstens überleben, doch Yindi war selbst dieses Recht genommen worden. … Unsinn. Es ist besser, früh zu gehen. Ein offensichtliches Ende. Egal wie man ging, man entkam dem Schicksal nicht. Früh sterben, früh erlöst werden. Was ist gut am Erwachsenwerden? |
| 1054 仅此而已。 | Was ist gut am Heiraten? Was ist gut am Überleben? |
| 1055 莫非,就连这一点也成奢望了?她真想问:“我究竟碍谁的路了?” | Manchmal dachte sie, es wäre besser, gar nicht geboren zu sein. Doch das lag nicht in der eigenen Hand. Wenn man es begriffen hatte, besaß man bereits einen menschlichen Körper und damit unendliche Sorgen. Lanlan hatte gesagt, wer an die Vajravarahi glaubte, könne ins Buddha-Land der Dakinis gelangen und müsse nie wieder in diese beschmutzte Welt kommen. Wirklich? Yinger hoffte, daran glauben zu können, doch in ihrem Herzen blieben immer Zweifel. So wie ein Wacher den Schlafwandler nicht versteht, konnte auch sie Lanlan nicht verstehen. |
| Gehen wir weiter. Die Füße führen lassen, das Herz tragen, wohin sie auch gehen mögen. Wohin man kommt, dort ist man. | |
| 32 | |
| Neben einem Gelbholzstrauch blieb Yinger stehen. Der Herbstfrost hatte alles Grün versengt, auch der Gelbholzstrauch war verdorrt. Nicht weit entfernt pflückten einige Frauen Gelbholzsamen, pflückten und schwatzten und lachten dabei laut. Yinger beneidete sie. Das Leben war zweifellos bitter, sie aber waren zweifellos fröhlich. Vielleicht bestand dieses Leben eben aus Bitterkeit und Freude. Sie erinnerte sich, ein paar buddhistische Bücher gelesen zu haben, die von vielen Arten des Leids sprachen – Geburtsleid, Todesleid, Trennung von Geliebtem, Zusammensein mit Verhassten … so viele Leiden. Damals, benebelt vor Glück, spürte sie kein Leid. Später erst begann sie das Leiden allmählich zu begreifen. Von allem anderen Leid abgesehen – allein die „Trennung von Geliebtem“ ließ sie unsäglich leiden. Tag und Nacht war Leib und Seele in bitterer Lauge getränkt. Später, als das Kind kam und lächelte, war sie wieder froh. Die Grübchen in dem kleinen Gesicht waren der Schalter ihres Glücks. Sobald der Schalter sich bewegte, strömte Glück aus ihrem Herzen. Doch kaum war sie vom Kind getrennt, kam das Leid wieder. Mit offenen oder geschlossenen Augen hörte sie immer das Weinen des Kindes, immer dieses Herzzerreißen, immer diese Verzweiflung. Die Mutter sagte ständig, halte noch ein paar Tage durch, dann wird es besser. Doch diese paar Tage waren so endlos lang, wahrhaft wie Jahre. Wenn nach dem „Durchhalten“ wenigstens ein gutes Ende käme, gut. Doch das gab es nicht. Dies war eine klare Trennung bei lebendigem Leib, eine Trennung wie der Tod, ein lebendiges Herausreißen von Fleisch und Blut. Selbst die Sonne wurde zu einer schwarzen Kugel. |