Difference between revisions of "Xue Mo Desert Daughters/zh-de/Chapter 4"
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<div style="background-color: #003399; color: white; padding: 12px 15px; margin: 0 0 20px 0; border-radius: 4px; font-size: 1.1em;"> | <div style="background-color: #003399; color: white; padding: 12px 15px; margin: 0 0 20px 0; border-radius: 4px; font-size: 1.1em;"> | ||
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| Yinger bat Lanlan, sich nicht zu bewegen – sie fürchtete, jede Bewegung könnte weiteren Sand auslösen. Der Gelbe Drache hatte Sand genug. Man brauchte ihn nur zu reizen, und schon schmiegte er sich einem an. Die Bewohner der Sandbucht glaubten an den Gelben Drachen, der über den Sand herrschte, und den Grünen Drachen, der über das Wasser herrschte. Wer im Wasser ertrank, ging in den Drachenpalast ein; wer vom Sand begraben wurde, wurde zum Gefolge des Gelben Drachen. Früher gab es im Dorf einen Tempel des Gelben Drachen; an jedem Ersten und Fünfzehnten brachten die Dorfbewohner Opfer dar. Wurde auch nur ein einziges Mal nicht geopfert, geriet der Gelbe Drache in Zorn. | | Yinger bat Lanlan, sich nicht zu bewegen – sie fürchtete, jede Bewegung könnte weiteren Sand auslösen. Der Gelbe Drache hatte Sand genug. Man brauchte ihn nur zu reizen, und schon schmiegte er sich einem an. Die Bewohner der Sandbucht glaubten an den Gelben Drachen, der über den Sand herrschte, und den Grünen Drachen, der über das Wasser herrschte. Wer im Wasser ertrank, ging in den Drachenpalast ein; wer vom Sand begraben wurde, wurde zum Gefolge des Gelben Drachen. Früher gab es im Dorf einen Tempel des Gelben Drachen; an jedem Ersten und Fünfzehnten brachten die Dorfbewohner Opfer dar. Wurde auch nur ein einziges Mal nicht geopfert, geriet der Gelbe Drache in Zorn. | ||
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| Doch die Zeiten hatten sich geändert, alles ging bergab. Früher opferte man Jungen und Mädchen. Später wurden es Rinder und Schafe. Noch später zerschlugen die Roten Garden den Tempel. Seitdem, sagten die Alten, rückte der Sand Schritt für Schritt auf das Dorf zu und begrub viel Land. Yinger glaubte eigentlich nicht an Götter, doch in diesem Moment hätte sie alles geglaubt – auch an einen Hund. Sie flehte den Gelben Drachen an, Lanlan nicht mitzunehmen. Lanlan flehte die Vajravarahi an. Lanlan betete nur in Gedanken; äußerlich blieb sie ruhig. Obwohl der Druck des Sandes ihr das Atmen erschwerte, bewahrte sie die Fassung. Sie wusste: Jetzt half keine Panik. | | Doch die Zeiten hatten sich geändert, alles ging bergab. Früher opferte man Jungen und Mädchen. Später wurden es Rinder und Schafe. Noch später zerschlugen die Roten Garden den Tempel. Seitdem, sagten die Alten, rückte der Sand Schritt für Schritt auf das Dorf zu und begrub viel Land. Yinger glaubte eigentlich nicht an Götter, doch in diesem Moment hätte sie alles geglaubt – auch an einen Hund. Sie flehte den Gelben Drachen an, Lanlan nicht mitzunehmen. Lanlan flehte die Vajravarahi an. Lanlan betete nur in Gedanken; äußerlich blieb sie ruhig. Obwohl der Druck des Sandes ihr das Atmen erschwerte, bewahrte sie die Fassung. Sie wusste: Jetzt half keine Panik. | ||
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| Lanlan dachte, der Sand könnte jederzeit erneut rutschen. Solange es ging, wollte sie Yinger das Nötige sagen. Falls sie wirklich stürbe, wollte sie keine Reue mitnehmen. Yinger hatte eine Idee: Während sie den Gelben Drachen anflehte, grub sie nördlich von Lanlan eine Rinne. Da Lanlan an der Nordseite des Hügels stand, konnte sie sich vielleicht langsam befreien, wenn dort eine Rinne entstand. Yinger sagte: Beweg dich nicht, ich versuche zu graben. | | Lanlan dachte, der Sand könnte jederzeit erneut rutschen. Solange es ging, wollte sie Yinger das Nötige sagen. Falls sie wirklich stürbe, wollte sie keine Reue mitnehmen. Yinger hatte eine Idee: Während sie den Gelben Drachen anflehte, grub sie nördlich von Lanlan eine Rinne. Da Lanlan an der Nordseite des Hügels stand, konnte sie sich vielleicht langsam befreien, wenn dort eine Rinne entstand. Yinger sagte: Beweg dich nicht, ich versuche zu graben. | ||
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| 593 后来,哥哥死了。我就想,我死不成了。哥一死爹妈哭成那样。要是我再死了,可真要他们的命了。我只好闹离婚了。你别哭,我不想叫你难受。我只想叫你明白,我离婚,实在是活不去了。要不是我挨不了那样的打,我会头仰屎坑,咬了牙硬挺的。不就是一辈子吗?昨也是个死。挣扎也死,忍让也死,我想得通的。但是人生来,不是挨打的。多高尚多伟大的人,身子也是肉长的。 | | 593 后来,哥哥死了。我就想,我死不成了。哥一死爹妈哭成那样。要是我再死了,可真要他们的命了。我只好闹离婚了。你别哭,我不想叫你难受。我只想叫你明白,我离婚,实在是活不去了。要不是我挨不了那样的打,我会头仰屎坑,咬了牙硬挺的。不就是一辈子吗?昨也是个死。挣扎也死,忍让也死,我想得通的。但是人生来,不是挨打的。多高尚多伟大的人,身子也是肉长的。 | ||
| − | | Der zweite Mensch, der mich gequält hat – auch ohne dass ich es sage, ahnst du es. Ja, die Frau von Huaqiu. Obwohl zwischen mir und Huaqiu nichts war, wirklich nichts. Genau wie in jenem Volkslied: | + | | Der zweite Mensch, der mich gequält hat – auch ohne dass ich es sage, ahnst du es. Ja, die Frau von Huaqiu. Obwohl zwischen mir und Huaqiu nichts war, wirklich nichts. Genau wie in jenem Volkslied: |
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| 594 其实,我是个安分的女人。我也不想飞上跳下。我从来没有理想,不想出人头地。我只想安安稳稳地活着,悄悄地混上一辈子。人嘛,原本就是个混世虫。 | | 594 其实,我是个安分的女人。我也不想飞上跳下。我从来没有理想,不想出人头地。我只想安安稳稳地活着,悄悄地混上一辈子。人嘛,原本就是个混世虫。 | ||
| „Man schält die rote Frucht, alle sagen: du und ich. | | „Man schält die rote Frucht, alle sagen: du und ich. | ||
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| − | | 595 | + | | 595 |
| − | | Doch zwischen uns ist nichts, | + | | Doch zwischen uns ist nichts, |
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| 596 混就是了。 | | 596 混就是了。 | ||
| − | | ein guter Mensch trägt einen schlechten Ruf.“ | + | | ein guter Mensch trägt einen schlechten Ruf.“ |
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| 597 当然,丫头的死真揪了我心上的肉。那段日子,我的天也塌了。我能明白爹妈失了儿子的痛。那时我心里最不能碰的,就是这事。但你知道,痛是会木的。无论咋样的痛,拥一阵,也就木了。我终于从那痛里挣出了。人觉得我闹离婚是因为这事。是的,我明里是这样说的。可我其实还是怕挨打,真是的。所以,我最佩服的人,不是佛,不是菩萨,而是那些受刑的烈士。说实话,要是我,无论有多大的信念,挨不了几顿打,就会叛变的。 | | 597 当然,丫头的死真揪了我心上的肉。那段日子,我的天也塌了。我能明白爹妈失了儿子的痛。那时我心里最不能碰的,就是这事。但你知道,痛是会木的。无论咋样的痛,拥一阵,也就木了。我终于从那痛里挣出了。人觉得我闹离婚是因为这事。是的,我明里是这样说的。可我其实还是怕挨打,真是的。所以,我最佩服的人,不是佛,不是菩萨,而是那些受刑的烈士。说实话,要是我,无论有多大的信念,挨不了几顿打,就会叛变的。 | ||
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| Ich hätte nicht gedacht, dass die Frau überlebt. Überleben war natürlich gut. Aber weißt du, sie schlurfte mit schiefem Hals durchs Dorf, und jeder, der sie sah, sagte: Die Arme. Wenn sie sie bedauerten, hieß das natürlich zugleich, dass ich abscheulich war. Wäre sie gestorben, hätten die Leute ein paar Jahre geredet, dann wäre Ruhe gewesen. Aber sie lief immer mit schiefem Hals herum – du hast sie gesehen, wie ein Wesen, das einem ins Auge stach. Ich wagte nicht vor die Tür – sobald ich hinaustrat, sah ich sie an der Südmauer in der Sonne sitzen. Wenn sie mich sah, sagte sie nichts, drehte nur den Hals und starrte mich mit düsterem Blick an. Vor diesen Augen fürchtete ich mich mehr als vor der Ochsenpeitsche deines Bruders. Wirklich, ich spürte ständig diesen Blick auf meinem Rücken. Manchmal war es, als wären überall – am Himmel und auf der Erde – diese Augen. Sie sandten spinnwebfeine Strahlen aus und wickelten mich ein wie eine Fliege im Netz. Wenn Dorfbewohner dabei waren, war es noch schlimmer – sie blickten erst sie an, dann mich. Ich wusste, was sie dachten. | | Ich hätte nicht gedacht, dass die Frau überlebt. Überleben war natürlich gut. Aber weißt du, sie schlurfte mit schiefem Hals durchs Dorf, und jeder, der sie sah, sagte: Die Arme. Wenn sie sie bedauerten, hieß das natürlich zugleich, dass ich abscheulich war. Wäre sie gestorben, hätten die Leute ein paar Jahre geredet, dann wäre Ruhe gewesen. Aber sie lief immer mit schiefem Hals herum – du hast sie gesehen, wie ein Wesen, das einem ins Auge stach. Ich wagte nicht vor die Tür – sobald ich hinaustrat, sah ich sie an der Südmauer in der Sonne sitzen. Wenn sie mich sah, sagte sie nichts, drehte nur den Hals und starrte mich mit düsterem Blick an. Vor diesen Augen fürchtete ich mich mehr als vor der Ochsenpeitsche deines Bruders. Wirklich, ich spürte ständig diesen Blick auf meinem Rücken. Manchmal war es, als wären überall – am Himmel und auf der Erde – diese Augen. Sie sandten spinnwebfeine Strahlen aus und wickelten mich ein wie eine Fliege im Netz. Wenn Dorfbewohner dabei waren, war es noch schlimmer – sie blickten erst sie an, dann mich. Ich wusste, was sie dachten. | ||
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| Manchmal dachte ich: Es hat wirklich keinen Sinn mehr zu leben. | | Manchmal dachte ich: Es hat wirklich keinen Sinn mehr zu leben. | ||
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| Line 313: | Line 313: | ||
| Dann ist dein größter Feind nicht mehr die Wüste, sondern du selbst. Du wirst dir zureden: Gib auf, füge dich! Du wirst dir sagen: Du schaffst es nicht hinaus. Du wirst das Ziel, das vielleicht schon zum Greifen nah ist, an den unerreichbaren Horizont verschieben. Dir werden Gedanken kommen, die nicht zu deinem Marschieren passen. Vielleicht verwirren sie dich. Sieh mich nicht so an – das hat mir mein Meister gesagt. Weißt du? Der Lebende Buddha, der mir die Vajravarahi-Praxis übertragen hat. | | Dann ist dein größter Feind nicht mehr die Wüste, sondern du selbst. Du wirst dir zureden: Gib auf, füge dich! Du wirst dir sagen: Du schaffst es nicht hinaus. Du wirst das Ziel, das vielleicht schon zum Greifen nah ist, an den unerreichbaren Horizont verschieben. Dir werden Gedanken kommen, die nicht zu deinem Marschieren passen. Vielleicht verwirren sie dich. Sieh mich nicht so an – das hat mir mein Meister gesagt. Weißt du? Der Lebende Buddha, der mir die Vajravarahi-Praxis übertragen hat. | ||
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| − | | 630 | + | | 630 |
| Ich glaube, auf dieser Welt gibt es keine kostbarere Lehre als diese. | | Ich glaube, auf dieser Welt gibt es keine kostbarere Lehre als diese. | ||
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| Gewiss war dieses sogenannte Retten noch weit davon entfernt, lebend aus der Wüste herauszukommen, doch sie hatten eine eiserne Schicksalsschwelle überwunden. Im Leben begegnet jeder solchen Schwellen, und mit jeder überwundenen reift man. Wie bei Xuanzangs Pilgerreise: Nur wer alle einundachtzig Prüfungen besteht, erlangt die Erleuchtung. | | Gewiss war dieses sogenannte Retten noch weit davon entfernt, lebend aus der Wüste herauszukommen, doch sie hatten eine eiserne Schicksalsschwelle überwunden. Im Leben begegnet jeder solchen Schwellen, und mit jeder überwundenen reift man. Wie bei Xuanzangs Pilgerreise: Nur wer alle einundachtzig Prüfungen besteht, erlangt die Erleuchtung. | ||
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| − | | 639 | + | | 639 |
| Die Sonne neigte sich nach Westen – sie hatten über zwei Stunden in dieser Falle gesteckt. Hunger und Durst hüllten sie ein wie ein Spinnennetz. Yinger fühlte sich dem Ohnmächtigwerden nah. Die Nacht des Kampfes gegen die Schakale hatte fast alle Kraft verbraucht, die Reserven waren längst aufgezehrt. Yinger wollte nur noch einschlafen. Ihre Hände schaufelten Sand, doch ihr Bewusstsein stand kurz vor dem Abschalten. | | Die Sonne neigte sich nach Westen – sie hatten über zwei Stunden in dieser Falle gesteckt. Hunger und Durst hüllten sie ein wie ein Spinnennetz. Yinger fühlte sich dem Ohnmächtigwerden nah. Die Nacht des Kampfes gegen die Schakale hatte fast alle Kraft verbraucht, die Reserven waren längst aufgezehrt. Yinger wollte nur noch einschlafen. Ihre Hände schaufelten Sand, doch ihr Bewusstsein stand kurz vor dem Abschalten. | ||
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| − | | 640 | + | | 640 |
| Wie gern hätte sie geschlafen. Sie wusste nicht, dass viele Verdurstete genau so einschliefen. Während ihres tiefen Schlafes würde die Sonne die letzte Feuchtigkeit aus ihrem Körper saugen. Die Verdursteten traten ihren Weg ins Jenseits im Dämmerzustand nach der Bewusstlosigkeit an. | | Wie gern hätte sie geschlafen. Sie wusste nicht, dass viele Verdurstete genau so einschliefen. Während ihres tiefen Schlafes würde die Sonne die letzte Feuchtigkeit aus ihrem Körper saugen. Die Verdursteten traten ihren Weg ins Jenseits im Dämmerzustand nach der Bewusstlosigkeit an. | ||
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Latest revision as of 12:55, 8 April 2026
| 中文 (Original) | Deutsch (Übersetzung) |
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| 528 灵官体验过的这一切,莹儿也在体验着。想到他们共有了一种生命的体验,莹儿很是幸福。 | Blut sickerte aus der Schnittwunde, sehr langsam. Yinger zog die himmelblaue Bluse aus und schrieb mit Blut darauf. |
| 529 17 | Doch schon nach dem ersten Strich war das Blut versiegt. Es war wirklich zähflüssig bis zum Äußersten. Früher hatte sie am meisten Angst vor Blutungen gehabt – einmal angefangen, hörte es nicht auf; der Arzt sagte, sie habe zu wenig Blutplättchen, und sie solle die dünne Haut von Erdnüssen essen. Sie stellte fest, dass auch das Blut ihr stets einen Streich spielte. Früher, als sie das Bluten fürchtete, blutete sie ständig und unaufhörlich. Jetzt, wo sie hoffte, es möge genug fließen, um ihren Text zu vollenden, gerann es ausgerechnet. Sie saugte und saugte, bis sie schließlich etwas mehr herausbekam. |
| 530 莹儿索性躺在沙上,无奈地望天。日光直接照到她脸上了。以前,她很注意保护脸,不使它叫日光直射。要是日光晒多了,黑色素就会聚在一起,脸上就会出斑点。但要是成一个渴死鬼,啥模样还不是一样?或是成干尸,或是叫野兽啃得七零八落。她就说日头爷,由你烤吧,你索性一下子烤干了我,叫我少受些苦。……要是再叫沙埋了千尸,千年之后,人们也会挖出她,说不定,还会放到博物馆里昵。灵官就在凉州博物馆见过一具千年前的女尸,他说很难看。谁也不知道她是否爱过,或有过怎样的人生轨迹。那女尸,也不会告诉世人了。她的身世成了一个巨大的秘密。听说,好些学者想研究她的由来,但都是老虎吃天无从下口。莹儿想,要是千年后自己也被挖出,也会是个巨大的谜,没人知道她曾爱过曾和一个叫灵官的男孩闹出过一段销魂。她想,这秘密也没人能考证得出的。 | So saugte und schrieb sie abwechselnd, bis sie ihre Botschaft vollendet hatte. Da sie selten schrieb, war die Schrift hässlich, doch man konnte den Inhalt erkennen: „Yinger liebt Lingguan.“ |
| 531 她感到一阵恶作剧似的快感。她偷偷笑了,想,叫你们考呀证呀,累个贼死,你能考出我心里想啥吗?能考出我曾昨样爱他吗?不能吧,一群废物。她仿佛看到了学者们一头汗水的尴尬相,快意地笑了。 | Sie dachte: Ob in tausend oder hundert Jahren – sobald jemand ihre Leiche fände, würde er verstehen, dass sie Yinger hieß, und dass sie einen Menschen namens Lingguan geliebt hatte. Damit unterschied sich ihre Mumie von jener im Museum. Vielleicht würden eifrige Schriftsteller daraus viele rührende Geschichten spinnen. Der männliche Held hieße Lingguan, die weibliche Heldin Yinger. Sie sah geradezu, wie Menschen in hundert Jahren eine Fernsehserie schauten und zu Tränen gerührt waren. Auch sie selbst war wirklich zu Tränen gerührt. Obwohl ihre Kehle trocken war bis zum Rachen, flossen die Tränen seltsam reichlich. |
| 532 又想,既然别人考证不出啥,那不是等于这世上没存在过那段爱吗?就是,多好的花,要是开在偏僻的山谷,人看不到不也等于没开花吗?这一想,她急了。她想,无论怎样,就算现在她如何隐瞒,不让人知待得千年以后,还是应该有人考证出世上存在过那样一段生生死死的爱的。否则,不跟开在无人处的花一样吗?她想,得生个法儿,叫后来的人明白她有过一段怎样的情。 | Sie weinte eine Weile wortlos und wischte die Tränen ab. Wie auch immer – sie war zufrieden mit dem, was sie getan hatte. |
| 533 莹儿想呀想呀实在想不出个好办法。要是眼前有石头,她会用藏刀在上面刻上字。她甚至想好了她该刻哪几个字。她费劲地看了看,没见到石头。眼前只有沙,沙是啥?沙是世上最不可靠的东西,你哪怕将最忠诚的心交给它,风一吹,就会抹了它。莹儿多希望能有块石头呀,可石头也跟命运里的盼头一样,不是你叫它,它就会应声而到的。莹儿想呀想呀,终于想到了一个法子:前年,在金刚亥母洞出土了好些西夏文物,最多的是丝绸。那真是好丝绸无论质地和花纹都叫专家们喷喷不已。有些国师,就在那丝绸上写字。她想,丝绸都能穿越千年,从西夏走到现在,她的衣服或许也会这样。要是在潮湿的地区,多好的衣物也会被焙成灰,但在这沙漠的干沙里,衣物肯定能保存好长时间,就算没有千年,也会有个几百年。成了,一样。对一个死人来说,千年或百年,一样,一样呀。 | Sie war eine Frau, die sich leicht selbst rührte und in erfundenen Geschichten echte Tränen vergoss. Doch der Durst hatte sich seltsamerweise zurückgezogen. Sie dachte: Vielleicht war das die Wirkung der Kunst. |
| 534 莹儿想用血在衣裳上写上字。她将食指探进口中,用力地咬。她很怕疼,才一咬,就觉得疼旋风般搅了。她忙松了口。她想,自己不过轻轻一咬,就忍受不了,那叫豻狗子们活咬的骆驼该如何难受呀?她的心哆嗦了一下,觉得自己对不起它。她想,要是她像兰兰那样注意吆驼,它也许不会折腿的。但那歉疚很快没了,因为她想做的事,又在起劲地叫她了。既知道那慢咬会瓦解意志,就索性抽出藏刀,伸出食指,在刃上划了一下。 | Plötzlich traf sie ein Gedanke wie ein Schlag: Was, wenn wilde Tiere ihre Kleidung und ihren Körper zerrissen – dann wären die Worte doch auch verschwunden! |
| 535 血从刀口处渗出了,渗得很慢,莹儿脱下那件天蓝色褂子,用血在上面写字。 | Yinger versank wieder in Verzweiflung. So war das also – die Ewigkeit, die man sich wünschte, war einem nicht einfach gegeben. Am Flussufer nahe dem Dorf hatte sie immer wieder von Tieren zerrissene Kleiderfetzen und abgenagte Knochen gesehen. Wenn sie hier stürbe, würde es ihr ebenso ergehen. Außer Schakalen gab es Wölfe, Ratten und allerlei andere Tiere mit scharfen Zähnen – sie alle würden die Ewigkeit zerfetzen, die sie sich erträumte. Wirklich – diese Welt war voller scharfer Zähne und Klauen. Was sollte man machen? Wenn der Mensch zum Leiden auf die Welt kam, brauchte es eben viele Quellen des Leidens. |
| 536 哪知才写了一划血就没了。血真是稠到极点了。记得以前,她最怕出血,一出血,总是止不住,医生说她血小板减少,叫她吃花生的细皮。她发现血也老跟她作对。以前,怕出血,可老出,而且一出就止不住。现在,她希望血出多些,好叫她写完自己想写的话,可血偏偏凝了。她用力吮呀吮呀,终于又吸出了一些。 | Der Gedanke, dass eine so schöne Liebesgeschichte mit dem Vergehen des Körpers im gelben Sand versinken würde, schmerzte sie zutiefst. Das, dachte sie, war schlimmer als der Tod. |
| 537 她就这样吮吮写写,终于将想写的话写了。因为不常写字,字很难看,但还是能看出内容的:"莹儿爱灵官。" | Plötzlich führte der Ausdruck „im gelben Sand versinken“ wie ein feiner Faden zu einem Gedanken. Yinger haschte danach und fing ihn schließlich: Genau – sie musste sich selbst im Sand begraben, damit die wilden Tiere sie nicht fänden! |
| 538 她想,不管是千年后还是百年后,只要有人发现她的尸体,就会明白她叫莹儿,还会明白她爱过一个叫灵官的人。这样,她这具千尸就跟博物馆里的千尸不一样了。说不定,一些好事的作家,还会演化出许多动人的故事。故事里的男主人公叫灵官,女主人公就叫莹儿。她仿佛看到了百年后的人正在看那电视剧,都被感动得热泪盈眶。连她自己,也真的热泪盈眶了。她的嗓子虽千得冒烟,眼泪却怪怪地淌了很多。 | Mit einem Mal war sie aufgeregt. |
| 539 她无言地哭一阵,抹去泪。不管昨说,她还是很满意自己的做法。 | Wirklich ein guter Plan, dachte sie. Waren nicht auch viele Ausgrabungsfunde nur deshalb jahrtausendelang erhalten geblieben, weil sie im Sand oder in der Erde begraben waren? Tatsächlich. Sie sah sich nach allen Seiten um und erspähte einen hohen Sandhügel. Sie dachte: Sterben muss ich ohnehin – lieber lebendig begraben als verdurstet. Das Leid beim Lebendigbegrabenwerden wäre kurz. Beim Verdursten dagegen – wie viel Qual! |
| 540 她是个很容易感动自己的人,总在虚构的故事里流着实在的泪。但那渴,却奇怪地躲远了。她想,也许,这就是艺术的作用吧。 | Dann dachte sie: Nicht überstürzen. Erst wenn wirklich keine Hoffnung mehr bestand, kurz vor dem Tod, würde sie sich begraben. Dann wieder: Wenn es so weit war, hätte sie wohl keine Kraft mehr, eine Grube zu graben. Also: Solange sie noch Kraft hatte, grub sie die Grube vor. Im letzten Moment brauchte sie nur kräftig zu treten, und der Sand würde herabstürzen und sie bedecken. |
| 541 忽然,一个念头却一下将她打蒙了:要是野兽撕了她的衣服和身子,那字不就也没了吗? | Sie rappelte sich auf und ging zum Sandhügel. Er war hoch. Yinger suchte eine steile Stelle und begann mit den Händen Sand zu schaufeln. |
| 542 莹儿又陷入绝望之中,她想原来那永恒,并不是你想要就能有的。她老在村旁的河湾里看到叫野兽们撕得七零八落的衣服碎片,还有叫它们啃剩的骨头。她想,自己要是死在这儿,也定然会成那样子。除了豻狗子,还有狼,还有老鼠,还有好些长着尖牙的动物,它们都会撕碎自己向往的永恒。真是的,这世界总有好多尖牙利齿的。没办法,人既然是来受苦的,当然得有好多制造苦的母体。 | Lanlan saß mit geschlossenen Augen da und dachte über etwas nach. Sie warf Yinger nur einen Blick zu, fragte aber nichts – vielleicht dachte sie, Yinger wolle sich eine Schlafmulde graben. |
| 543 一想那么美的爱情故事会随着肉体的消失埋入黄沙,她真的痛苦了。她想,这是比死更糟糕的事。 | Yinger grub und grub, vorsichtig. In einem Sandhang eine Grube zu graben war zwar nicht besonders anstrengend, aber schwierig: Sie musste einerseits eine Grube ausheben und andererseits ringsum überhängenden Sand stehen lassen – und zwar gerade so viel, dass sie ihn im letzten Moment mit einem Tritt zum Einstürzen bringen konnte. Das war natürlich schwierig, aber Yinger schaffte es. Doch dann wurde sie allmählich mutlos. Sie entdeckte, dass der Sand in der Grube feucht war – selbst wenn sie sich hier begrübe, würde die Feuchtigkeit bald die beschriebene Bluse zerstören. |
| 544 忽然,那"埋入黄沙''几字怪怪地引出了一缕游丝。莹儿捉呀捉呀终于捉住了它。她想,就是,把自己埋入黄沙,叫野兽找不到自己。 | Ihr Mut sank. |
| 545 她一下子兴奋了。 | Sie war niedergeschlagen. Sie dachte: Ich bin wirklich vom Pech verfolgt – nicht einmal eine trockene Stelle für mein Grab finde ich. |
| 546 真是个好办法。她想。好些出土文物不是也被埋入黄沙或黄土才保存了千年吗?真的。四面望望,她瞅中了一个高大的沙坡。她想,反正是个死了,与其渴死还不如活埋了自己。活埋时那痛苦会很短。要是被渴死得受多少罪呀。 | Irgendwann war Lanlan hinter sie getreten. |
| 547 她想,先不急着埋。等实在没希望了,快要死时再埋。又想,真到快要死时,怕是连挖坑的力气也没了。她想,趁着有力气我先挖好坑。到了那弥留之际,用足了劲一蹬,沙就会下堕,埋了自己。 | Plötzlich schrie sie auf: Schilfsprossen! |
| 548 她爬起身,走向那沙坡。沙坡很高,莹儿瞅个陡些的地方,用手一下下创沙。 | 20 |
| 549 兰兰正闭了眼,不知在想些啥,她只是望了望莹儿,却啥也没问,也许她以为莹儿想挖个睡觉的洼处哩。 | Lanlan sagte: Weißt du, was Schilfsprossen bedeuten? Natürlich, Schilfsprossen waren Schilfsprossen. Aber wusstest du, dass die Daoisten, die einst den Drachenadern folgten, als Erstes Schilfsprossen fanden, wenn sie auf eine Ader stießen? Schilfsprossen sind der Bart des Drachen. |
| 550 莹儿挖呀挖呀,她小心地挖。在沙坡上挖坑虽不很累,但有一定的难度:她 | Lanlan sah, dass Yingers Gesicht etwas aufleuchtete, und erklärte nicht, was eine Drachenader war – jeder in Liangwai wusste, dass Drachenadern Wasserläufe waren. Natürlich hatten Drachenadern noch weitere Bedeutungen, etwa dass an Orten mit Drachenadern bedeutende Persönlichkeiten geboren würden, aber das kümmerte Lanlan nicht. Was bedeuteten Schilfsprossen in ihren Augen? Nahrung, Wasser, Leben. Lanlan bückte sich, riss einen Schilfspross ab, klemmte ihn unter den Arm, schüttelte den Sand ab, brach ihn in zwei Stücke und gab Yinger das längere: Kau darauf – es steckt viel Feuchtigkeit drin. Auch die Fasern nicht ausspucken, lang kauen und schlucken. |
| 551 % | Yinger biss hinein, und eine kühle Frische breitete sich im Mund aus. Ein wunderbares Gefühl. Sie hatte noch nie Schilfsprossen gegessen; vom Aussehen her hatte sie Holzfasern erwartet, und dann so viel Saft! Es war vermutlich das köstlichste Essen, das sie je gekostet hatte. |
| 552 得既要挖出坑,又要叫坑周围有环伺的悬沙。而且,更得悬到一定程度:弥留之际的她一脚就能蹬塌下来。这当然有相当的难度,但莹儿还是成功了。她挖呀挖呀但她渐渐失望了。她发现,沙坑里竟有潮意,就算她将自己埋在里面,要不了多久,潮湿也会毁坏那件有字的衣服。 | Lanlan stopfte den Schilfspross in wenigen Bissen in den Mund, sprang in die Grube und grub behutsam entlang der Wurzeln, warf dabei Sprossen heraus und sagte: Iss sparsam, wir müssen davon leben. Die Sprossen waren weiß, dick und saftig, sehr verlockend. Yinger hätte sie am liebsten in wenigen Bissen verschlungen. Aus der Kehle streckten sich gierige Hände danach aus. Yinger zog eine Plastiktüte aus der Tasche, nahm das Toilettenpapier heraus und füllte die Sprossen hinein. Sie fürchtete, der trockene Wüstenwind würde ihnen rasch die Feuchtigkeit entziehen. Yinger dachte: Gut – immerhin wieder ein Hoffnungsschimmer. Man sagte, der Himmel versperrt dem Menschen nie alle Wege, und es stimmte. In der größten Not gab es stets eine Wende. |
| 553 她一下泄气了。 | Die Schilfsprossen, die Lanlan herauswarf, wurden immer mehr. Schilfsprossen wuchsen wie Süßholz – in Büscheln. Sobald man eine Wurzel fand, konnte man entlang des Wurzelsystems viele weitere herausziehen. Der Volksüberlieferung nach konnten die Schilfwurzeln eines kaiserlichen Ahnengrabs sogar tausend Li weit reichen – und wenn das Grab einer Familie von dieser Drachenenergie berührt wurde, brachte die Familie einen Kaiser hervor. In der Sandbucht gab es eine vom Kaiserhaus abgetrennte Drachenader. Für die Bewohner der Sandbucht waren Schilfsprossen Glücksbringer – wenn im Familiengrab Schilfwurzeln wuchsen, war das ein Grund zur Feier. |
| 554 她很难受。她想,我真是背运透了,想找个干燥些的埋尸身处,也不能如愿。 | Lanlans Keuchen drang aus der Grube. Den Sand musste sie Handvoll für Handvoll hinauswerfen. Die Plastiktüte füllte sich mit Sprossen. Yinger sagte: Ruh dich aus, ich grabe weiter. Lanlan wischte sich den Schweiß von der Stirn und lachte: Schon gut, bin nicht müde. Wie bist du auf die Idee gekommen? Yinger konnte ihren Wunsch nach ewigem Ruhm unmöglich aussprechen. Sie lächelte nur und schwieg. Lanlan war es auch gleich. Sie war sichtlich froh. Eine wunderbare Überraschung. Yinger dachte: Hätte ich doch eine Sandschaufel! Doch sofort verspottete sie sich: Die Menschen sind unersättlich – erst Sprossen, dann eine Schaufel; dann ein Zelt; dann ein Auto. So entstand alles Leid. Genug – mitten in der Ausweglosigkeit Schilfsprossen zum Stillen von Hunger und Durst zu finden war das größte Geschenk des Himmels. |
| 555 不知何时,兰兰已到了身后。 | Die Plastiktüte war voll. Yinger suchte nach etwas anderem zum Verstauen; Lanlan warf ihr Kopftuch heraus. Gegen die |
| 556 忽然,她大叫起来,芦芽! | Sonne trugen beide Kopftücher. Sie erinnerte sich, dass sie auch noch ein Seidentuch hatten, verpackt im Bündel auf dem Tragegestell. … Nicht daran denken. |
| 557 18 | Was verloren war, gehörte einem nicht mehr. |
| 558 兰兰说,你知道,芦芽是啥吗?当然,芦芽就是芦芽。可你是不是知道,当年赶龙脉的道人,赶呀赶呀,待他们赶到龙脉时,首先就会发现芦芽?芦芽是龙脉的胡须。 | Yinger wollte gerade Lanlan ablösen, als sie Sand von der Grubenwand rutschen sah. Ihr schwante Unheil, und sie rief: Lanlan, schnell raus, der Sand stürzt ein! Lanlan erhob sich und wollte hinausspringen, doch der Sand war schon herabgerutscht. Lanlan war von der Brust abwärts begraben. |
| 559 兰兰见莹儿的脸鲜活了些,也没解释啥是龙脉,凉外1 人谁也知道龙脉就是水路。龙脉当然还有更多的意义,比如有龙脉的地方出贵人等等,但兰兰懒得管这些。她眼里的芦芽是啥?是吃食,是水,是生命。兰兰弯下腰,拽下一截芦芽,用胳膊夹了,硝去沙,扯成两段,将长的那段给了莹儿,说你嚼,水汽大得很,那渣子也不要吐,多嚼一阵,咽下去。 | Und der Sand rieselte weiter. |
| 560 莹儿咬了一口,一股清凉在嘴里化开了。这感觉,美极了。莹儿没吃过芦芽,一看那样子,原以为是木头渣子,谁料它会有那么多汁儿。印象里,这几乎是她尝过的最美的食物了。 | Yinger erschrak zu Tode. Sie packte Lanlans Arm und zerrte aus Leibeskräften. Doch je mehr sie zerrte, desto schneller rutschte der Sand – er stieg bereits bis zu Lanlans Schultern. Lanlan riss den Mund auf und rang nach Luft. Yinger wagte nicht mehr zu zerren, Lanlan wagte nicht mehr zu kämpfen, und der Sandfluss kam langsam zum Stillstand. |
| 561 兰兰几口将芦芽塞进嘴里,她跳下沙坑,顺着那芦芽根系,慢慢地创,边创,边将芦芽根扔出,说,你省着些吃,得留着养命呢。那芦芽白白的,胖胖的,水水的,很诱人。莹儿恨不得几口吞了。嗓子眼里也钻出了几只手,都朝芦芽伸了去莹儿从衣袋里掏出个塑料袋,抽去卫生纸,将芦芽装了。她怕沙漠里的干风很快会将芦芽的水分梓干。莹儿想,也好,总算又有了一线生路,人说天无绝人之路,真是的。每到山穷水尽时总会有转机的。 | Yinger war ratlos. Der Anblick war lebensgefährlich – noch ein Sandrutsch, und der Kopf wäre begraben. War der Kopf unter Sand, stand man mit einem Fuß im Jenseits. Sand dränge durch Ohren, Nase und Mund in jeden erreichbaren Winkel, und selbst wenn man den Menschen rechtzeitig ausgrübe – der eingedrungene Sand bliebe das größte Problem. |
| 562 兰兰扔出的芦芽渐渐多了。芦芽和甘草一样,总是一攒一攒的。只要发现一 | Yinger bat Lanlan, sich nicht zu bewegen – sie fürchtete, jede Bewegung könnte weiteren Sand auslösen. Der Gelbe Drache hatte Sand genug. Man brauchte ihn nur zu reizen, und schon schmiegte er sich einem an. Die Bewohner der Sandbucht glaubten an den Gelben Drachen, der über den Sand herrschte, und den Grünen Drachen, der über das Wasser herrschte. Wer im Wasser ertrank, ging in den Drachenpalast ein; wer vom Sand begraben wurde, wurde zum Gefolge des Gelben Drachen. Früher gab es im Dorf einen Tempel des Gelben Drachen; an jedem Ersten und Fünfzehnten brachten die Dorfbewohner Opfer dar. Wurde auch nur ein einziges Mal nicht geopfert, geriet der Gelbe Drache in Zorn. |
| 563 | Doch die Zeiten hatten sich geändert, alles ging bergab. Früher opferte man Jungen und Mädchen. Später wurden es Rinder und Schafe. Noch später zerschlugen die Roten Garden den Tempel. Seitdem, sagten die Alten, rückte der Sand Schritt für Schritt auf das Dorf zu und begrub viel Land. Yinger glaubte eigentlich nicht an Götter, doch in diesem Moment hätte sie alles geglaubt – auch an einen Hund. Sie flehte den Gelben Drachen an, Lanlan nicht mitzunehmen. Lanlan flehte die Vajravarahi an. Lanlan betete nur in Gedanken; äußerlich blieb sie ruhig. Obwohl der Druck des Sandes ihr das Atmen erschwerte, bewahrte sie die Fassung. Sie wusste: Jetzt half keine Panik. |
| 564 | Lanlan dachte, der Sand könnte jederzeit erneut rutschen. Solange es ging, wollte sie Yinger das Nötige sagen. Falls sie wirklich stürbe, wollte sie keine Reue mitnehmen. Yinger hatte eine Idee: Während sie den Gelben Drachen anflehte, grub sie nördlich von Lanlan eine Rinne. Da Lanlan an der Nordseite des Hügels stand, konnte sie sich vielleicht langsam befreien, wenn dort eine Rinne entstand. Yinger sagte: Beweg dich nicht, ich versuche zu graben. |
| 565 根,顺了那根系,就能扯出好多来。按民间传说,有时,皇家祖坟里的芦芽也能扯到千里之外,要是谁家的祖坟里沾了那龙气,这家就会出皇上的。沙湾就有被皇家斩断的龙脉。在沙湾人眼里,芦芽是吉物,谁家的坟里要是有了芦芽根,那是很值得庆贺的事。 | Lanlan lächelte bitter und hinderte Yinger nicht. Sie wusste: Ob es nützte oder nicht, es war der einzige Weg. |
| 566 兰兰的喘息从沙坑里传出。那些沙,全靠她一捧一捧地往外扔。塑料袋里的芦芽渐渐多了。莹儿说,你歇歇,我再创一阵。兰兰抹抹头上的汗,笑道,成哩,不累。你昨想到这法子的?莹儿咋能将她想名垂千古的想法说出呢?她笑了笑,不语。兰兰也不在乎她回答与否。看得出,她很高兴。这真是意外之喜了.莹儿想,要是有把沙掀多好。但她马上又嘲笑自己:人真是贪心不足,有了芦芽,想要掀。有了掀,又想帐篷;有了帐篷,又想小卧车哩。烦恼就是这样来的。成了,在绝境之中,能有芦芽充饥解渴,已是上天最大的恩赐了。 | Lanlan sagte: Yinger, ich möchte dir etwas sagen. |
| 567 塑料袋里已装满了芦芽。莹儿想找个别的东西装,兰兰扔出了头巾。为防H | 21 |
| 568 晒两人都顶着头巾。记得,还有纱巾的,装在那驼架上的包里。……不想了。 | In diesem Leben haben mich zwei Menschen am meisten gequält. Einer davon bist du. |
| 569 丢了的东西,就不是自己的。 | Ich weiß, meine Scheidung hat dir große Schwierigkeiten und Schmerzen gebracht. Ich weiß. Ich bin auch eine Frau. |
| 570 莹儿正想换换兰兰忽见沙壁上溜开了沙。她觉得不好,忙叫,兰兰快出来,沙要塌了。兰兰起身,正要往外跳,沙己塌下了。兰兰自胸以下,全被埋了。 | Du weißt ja auch: Auf dieser Welt versteht niemand das Herz einer Frau so gut wie eine andere Frau. Yinger, wenn ich so aufbegehrt habe, dann nur, weil ich die Schläge deines Bruders nicht mehr ertragen konnte. Das ist die Wahrheit. Ich habe nicht um Liebe gebeten, nicht um Reichtum, nicht einmal um ein Ideal – ich wollte einfach nur wie jedes Tier leben dürfen. Wirklich, wie ein Tier. Ich habe die Schweine beneidet. Ja, am Ende bekommen sie den Messerschnitt – aber welcher Mensch bekommt ihn nicht? Von Sterilisierung und Operationen ganz zu schweigen – allein das letzte Messer, das der Himmel einem gibt, wem bleibt das erspart? Deshalb habe ich die Schweine beneidet. Stell dir vor: Wenn eine Frau Schweine beneidet, was für ein Leben führt sie? Ich habe auch die Ochsen beneidet, obwohl Ochsen es schwer haben – aber war mein Leid geringer? Du weißt es: Im Morgengrauen stand ich auf, fegte den Hof, räumte das Haus auf, kochte, arbeitete, bis es dunkel wurde. Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr, immer dasselbe. Gras schneiden, Erde umgraben, Getreide ernten … wann war ich je nicht dabei? Ein Ochse hat wenigstens einmal Ruhepause, aber ich – schau mich an, jeder sagt, ich sehe nicht aus wie eine Frau Anfang zwanzig. Das alles war auszuhalten, ich konnte es ertragen. Als Bäuerin geboren, ist man zum Leiden bestimmt. Ich habe mich in mein Schicksal gefügt. |
| 571 那沙,却仍在下泻着。 | Aber die Schläge – die konnte ich nicht ertragen. Wahnsinnige Ohrfeigen, rohe Fäuste, Ellbogenstöße in die Magengrube, Tritte – das war noch das Leichteste. Am meisten fürchtete ich die Ochsenpeitsche. Du weißt, ein Ochse knickt bei einem einzigen Hieb ein. Und er holte aus, eine halbe Doppelstunde lang. Eine halbe Doppelstunde – das ist eine Stunde, sechzig Minuten, dreitausendsechshundert Sekunden. Nach so einer Tracht war mein Körper von der Peitsche zu einer blutigen Matte gewoben worden. Dann nahm er eine Handvoll gemahlenes Salz und streute es in die Wunden – er sagte, gegen Entzündung, denn eine Entzündung koste die Familie Geld. Dieser Schmerz war hundertmal schlimmer als die Peitsche. |
| 572 莹儿吓坏了。她一把拽了兰兰的胳膊,拼命外扯。哪知,她越扯,沙泻得越快,竟涌到兰兰的肩部了。兰兰大张了口,拼命呼吸着。莹儿不敢再拽,兰兰也不敢再挣,沙流了一阵,慢慢停了。 | Ich erinnere mich, selbst im Traum konnte ich der Peitsche nicht entkommen. Immer wieder schreckte ich aus dem Schlaf. Einmal – das war das Mal, als du mir die Dornen gezogen hast. |
| 573 莹儿手足无措了。看这阵势,真是危险万分,要是沙再下泻,立马就会埋了头部。头一埋,脚就踏进阎王殿了,沙会顺了你的耳孔鼻孔嘴进入它能去的任何地方,就算你及时能挖出人来,那进入你体内的沙子仍是命里最大的麻烦。 | Du weißt, er hatte beim Glücksspiel verloren; ich sagte ein paar Worte, und er brach einen Haufen Dornenzweige, riss mir die Kleider vom Leib und drosch auf mich ein wie auf einen Ochsen. Ich weiß, das hatte er aus den Xianxiao-Balladen gelernt. Erinnerst du dich? Viele leidende junge Herren in den Geschichten werden so geprügelt. Warum hat er nicht das Gute aus den Xianxiao-Balladen gelernt? So viel Tugend, so viel Pietät – warum hat er ausgerechnet das Böse gelernt? |
| 574 莹儿叫兰兰别动,她怕她的挣扎会招来更多的沙流,反正人家黄龙有的是沙子。你只要招惹人家,人家就立马亲热地围了来。沙湾人都信黄龙,黄龙管沙,青龙管水。水淹死的多进了龙宫,沙埋了的就成了黄龙的眷属。早年,村里有黄龙庙,每到初一十五,村里人就去祭祀。只要有一次不祭祀,黄龙就会发脾气。 | Am Tag nach der Dornenpeitsche kamst du zufällig zu Besuch – hast du nicht eine ganze Handvoll Dornen aus mir herausgezogen? Du hast nicht gezählt, aber ich schon: vierhunderteinundfünfzig Stück. Damals schwor ich mir, im nächsten Leben werde ich ihm vierhunderteinundfünfzig Mal mit dem Speer oder dem Pfeil zusetzen. Wirklich. Sei mir nicht böse. Damals dachte ich wirklich so. |
| 575 但时代不同了,一切都走下坡路了。最早的时候,祭黄龙得童男女。后来,变成牛羊了。再后来,庙叫红卫兵砸了。据老人说自那后,沙就一步步移向村子,埋了好些地。莹儿本是不信神的,此刻,别说神,叫她信狗也会信。她就求黄龙,求她别带走兰兰。兰兰也求金刚亥母。兰兰只在心里求,她表面上很镇静。虽然沙的挤压已使她呼吸困难,但她还是极力保持平静。她明白,这会儿,所有的慌张都帮不了自己。 | Weine nicht, bitte nicht. Wenn du weinst, höre ich auf. All das hat sich in meinem Herzen aufgestaut, bis es fast zu stinken begann. |
| 576 兰兰想,那沙,说不定啥时又会下泻,趁着这机会,把该安顿的,给莹儿安顿一下。要是自己真死了,也别带着遗憾莹儿想了个法儿,她边求黄龙,边在兰兰北边的沙上挖坑。因为兰兰在沙丘的北侧,要是在北边挖个坑,兰兰也许能慢慢挪出身来。莹儿说,你别动,我试着挖。 | Ich wagte es niemandem zu sagen. Du weißt, manche hören es und zeigen nicht nur kein Mitgefühl, sondern lachen einen auch noch aus. Ich erinnere mich, eine Schwiegermutter im Dorf schimpfte bei jedem Streit mit ihrer Schwiegertochter: Noch ein Wort, und du endest wie Lanlan! Wenn ich das hörte, brannte mein Gesicht, als würde ich geschlagen. Was hätte ich sagen sollen? Ich musste die Zähne zusammenbeißen und alles schlucken. So viele bittere Tränen habe ich allein geschluckt. |
| 577 兰兰惨然一笑,也不去阻止莹儿。她明白,不管有没有效,那都是眼下唯一能施行的法儿了。 | Vater und Mutter wussten zwar, dass ich geschlagen wurde – aber wie hätten sie wissen können, auf welche Weise? Wenn Mutter es erführe, würde ihr Herz zerfetzt. Vater und Mutter litten genug, ich konnte ihnen nicht noch Salz in die Wunden streuen. Nicht wahr? |
| 578 兰兰说,莹儿,有些话,我想对你说说。 | Genug. Wenn du weinst, wird auch mir das Herz schwer. Siehst du, ich habe dich traurig gemacht. Gut, ich lasse es. |
| 579 19 | Ich wollte nur, dass du weißt: Wenn ich die Scheidung gefordert habe, dann weil ich die Schläge nicht mehr ertragen konnte. Hätte ich sie nicht gefordert, wäre mir nur der Tod geblieben – das Messer, der Strick oder das Gift. Einmal hatte ich ein Seil am Dachbalken befestigt und gerade den Kopf in die Schlinge gesteckt, als dein Vater mich rettete. Ich wollte auch das darmzerreißende Pflanzengift trinken – man sagte, es sei qualvoll, aber ich dachte: Auch Qualen gehen vorüber. Dieses Hundeleben – wann nimmt es je ein Ende? |
| 580 这辈子,最叫我难受的,有两个人,其中一个是你。 | Dann starb mein Bruder. Da wusste ich: Sterben kann ich nicht. Nach seinem Tod weinten Vater und Mutter, als ginge die Welt unter. Wenn ich auch noch stürbe, brächte es sie wirklich um. Also blieb mir nur die Scheidung. Weine nicht, ich will dich nicht traurig machen. Ich will nur, dass du verstehst: Ich habe mich scheiden lassen, weil ich nicht mehr leben konnte. Hätte ich die Schläge ertragen können, hätte ich die Augen zugedrückt und durchgehalten. Es ist doch nur ein Leben. Wie man auch stirbt – ob im Kampf oder in Ergebung –, am Ende stirbt man. Das sehe ich ein. Aber der Mensch ist nicht zum Geschlagenwerden geboren. Noch so erhaben, noch so groß – der Körper ist aus Fleisch. |
| 581 我明白,我的离婚给你带来了很大的麻烦和伤害。我明白。我也是个女人。 | Eigentlich bin ich eine genügsame Frau. Ich will nicht hoch hinaus. Ich hatte nie Ideale, wollte nie herausragen. Ich wollte nur ruhig und still durchs Leben kommen. Der Mensch ist nun einmal ein Durchschlängler. |
| 582 其实你也知道,这世上,最能贴近女人心的,还是女人。莹儿,我那样闹,没别的,我只是受不了你哥哥的打。这是真的。我不求爱情,不求富贵,更不求理想,我仅仅想像个动物那样活一场。真的,动物一样。我很羡慕猪。虽说它终究得挨一刀,可哪个人不挨刀呢?不说结扎呀动手术呀之类,单是老天给你的最后一刀,谁能躲过呢?所以,我很羡慕猪。你想,当一个人羡慕猪时,她过的是一种啥样的日子?我还羡慕牛,虽然牛很苦,可我的苦哪点比牛弱?你知道,天麻亮时,我就起床了,打扫院子,收拾屋子,做饭,干活,直到天昏昏黑。一年三百六十五天,我都是这样。蒋草,挖地,割田……哪一样离过了我?牛再苦,总有个农闲的时候吧?可我,你瞧,谁一见,都说不像个二十来岁的女人。这些,没啥,我能忍。生个农民天生就是受苦的。我认命了。 | Durchschlängeln, das genügt. |
| 583 可我真受不了那些打,受不了。疯耳光、蛮拳头、窝心肘锤、揣心脚都是轻的。我最怕的,是那牛鞭。你知道,老牛挨那么一下,都得塌腰哩。人家一抡,$%A%? ’ | Natürlich hat mich der Tod meiner Tochter ins Mark getroffen. In jener Zeit stürzte auch mir der Himmel ein. Ich konnte den Schmerz der Eltern verstehen, die ihren Sohn verloren hatten. Das war das Empfindlichste in meinem Herzen. Doch Schmerz betäubt sich selbst. Egal wie groß er ist – nach einer Weile wird er stumpf. Schließlich rang ich mich heraus. Die Leute glauben, ich habe wegen dieses Todes die Scheidung verlangt. Ja, so habe ich es nach außen dargestellt. Aber in Wahrheit war es die Angst vor den Schlägen. Deshalb bewundere ich am meisten nicht den Buddha, nicht die Bodhisattvas, sondern die Märtyrer, die Folter ertrugen. Ehrlich gesagt – an meiner Stelle hätte ich, gleich wie stark der Glaube, nach wenigen Trachten Prügeln abgeschworen. |
| 584 就是半个时辰。半个时辰是多久?是一个小时,是六十分钟,是三千六百秒。那一场下来,身子就叫鞭子织成血席子了。然后昵他又抓了辗面的盐,往伤口上撒,他说是怕感染——感染了,家里又得出钱。那疼呀,比挨鞭子还胜百倍哩。 | Weine nicht. |
| 585 记得我梦里都躲不过鞭子,老是从梦里吓醒。有一次,就是你给我挑刺的那回。 | Ja, meine Tochter ist tot. Ich habe getobt wie eine Wahnsinnige, aber Tote kann man durch Weinen nicht zurückbringen. Es hilft nichts – tot ist tot, vielleicht war es ihr Schicksal. Aber die Schläge – wenn ich nur daran denke, wird mir ganz taub. Deshalb habe ich geschworen: In diesem Leben schlage ich niemanden. Früher habe auch ich meiner Tochter eine Ohrfeige gegeben – das bereue ich am meisten. Bei dem Gedanken fühlt es sich an, als schnitte ein Messer in mein Herz. Also schwor ich, niemanden zu schlagen. Wenn man mich schlug, litt ich. Wenn ich andere schlagen würde, würden sie leiden. Der Mensch ist nicht zum Geschlagenwerden geboren. |
| 586 你知道,他耍赌输了,我不过说了几旬,他就折了好些刺条,扯光了我的衣裳,抽牛一样抽我。我知道,他是从贤孝上学来的。你忘了?好些受难的公子就那样挨接。他为啥不学贤孝中的好人呢?那么多贤,那么多孝,他都不学,他为啥单学恶人昵? | Gut, hör auf zu weinen. Ich sage nichts mehr. |
| 587 他用刺条抽我后的第二天,你正好来站娘家,你不是挑出了一把刺吗?你没数,我可数过四百五十一根。那时我就发誓,下辈子,我扎他四百五十一枪,或是射他四百五十一箭。真的。你别生气。当时,我真是那样想的。 | Du weißt es jetzt. Lange Zeit fürchtete ich das Wachsein am meisten, denn wach sein hieß grübeln. Und auch das Einschlafen fürchtete ich, denn im Schlaf konnte jederzeit die Peitsche sausen. Manchmal im Wachen, manchmal im Traum. Lange konnte ich nicht unterscheiden, ob ich wach war oder träumte – geschlagen wurde ich immer. Wenn er an einem Tag nicht zur Ochsenpeitsche griff, sondern nur wild Ohrfeigen verteilte und mit Fäusten um sich schlug, empfand ich das als große Gnade. Weißt du, Handschläge tun auch weh, aber stumpf. Die Peitsche – das ist ein scharfer, schneidender Schmerz, hundertmal schlimmer als ein Messerschnitt. |
| 588 你别哭,真的别哭。你一哭,我就不说了。这些,憋在心里,都快捂臭了。 | Erinnerst du dich an die schwarzweiße Kuh? Ein einziger Hieb, und sie brach zusammen; bohnengroße Tränen liefen aus ihren Augen. Und ich – wie viele Hiebe musste ich ertragen! Er drehte die Hüfte, biss die Zähne zusammen, und die Peitschenspitze pfiff heran – ein einziger Schlag, und ich lag am Boden. |
| 589 我不敢说,你知道,有些人听了,不但不会同情你,反倒会望你的笑声。记得,村里有个婆婆,一骂儿媳,就说你再据嘴,兰兰就是你的后世。我听了,脸上像有条子抽。我昨给人说?我只好牙打落了往肚里吞。有多少苦水我自个儿咽。 | Ich habe wirklich panische Angst vor Schlägen bekommen. |
| 590 爹妈虽也知道我挨打,可他们昨知道我挨怎样的打呢?要是妈知道了,心会疼烂的。爹妈够苦了,我不能往他们的伤口上撒盐。你说是不? | Lach mich nicht aus. Was soll ich machen – ich bin nun einmal eine schwache Frau. Wenn du es nur verstehst, reicht mir das. |
| 591 不说了。你一哭,我的心也酸了。瞧,我惹你伤心了。好了,不提这话头了。 | Grab langsamer, nicht so eilig. Pass auf, scheuere dir nicht die Finger wund. Schöpfe mit den Handflächen, ja, so – nicht mit den Fingerspitzen, da ist die Haut zu dünn. Mit den Handflächen schöpfen. So, genau. |
| 592 我只是想叫你知道,我闹离婚,实在是受不了那种打。要是我不闹离婚,就只好寻无常了,或是刀路,或是绳路,或是喝药。记得,一次,我在梁上拴了绳子,刚将脑袋探进绳圈,就叫你爹救了。我还想喝断肠的农药,听说喝了药难受,但我想,难受也罢,不过一阵阵。这号苦日子,啥时是个头呀? | Es tat gut, das alles auszusprechen. |
| 593 后来,哥哥死了。我就想,我死不成了。哥一死爹妈哭成那样。要是我再死了,可真要他们的命了。我只好闹离婚了。你别哭,我不想叫你难受。我只想叫你明白,我离婚,实在是活不去了。要不是我挨不了那样的打,我会头仰屎坑,咬了牙硬挺的。不就是一辈子吗?昨也是个死。挣扎也死,忍让也死,我想得通的。但是人生来,不是挨打的。多高尚多伟大的人,身子也是肉长的。 | Der zweite Mensch, der mich gequält hat – auch ohne dass ich es sage, ahnst du es. Ja, die Frau von Huaqiu. Obwohl zwischen mir und Huaqiu nichts war, wirklich nichts. Genau wie in jenem Volkslied: |
| 594 其实,我是个安分的女人。我也不想飞上跳下。我从来没有理想,不想出人头地。我只想安安稳稳地活着,悄悄地混上一辈子。人嘛,原本就是个混世虫。 | „Man schält die rote Frucht, alle sagen: du und ich. |
| 595 | Doch zwischen uns ist nichts, |
| 596 混就是了。 | ein guter Mensch trägt einen schlechten Ruf.“ |
| 597 当然,丫头的死真揪了我心上的肉。那段日子,我的天也塌了。我能明白爹妈失了儿子的痛。那时我心里最不能碰的,就是这事。但你知道,痛是会木的。无论咋样的痛,拥一阵,也就木了。我终于从那痛里挣出了。人觉得我闹离婚是因为这事。是的,我明里是这样说的。可我其实还是怕挨打,真是的。所以,我最佩服的人,不是佛,不是菩萨,而是那些受刑的烈士。说实话,要是我,无论有多大的信念,挨不了几顿打,就会叛变的。 | Wer das Lied geschrieben hat, war wahrhaftig hellsichtig. Woher kannte er meine Gedanken? |
| 598 你别哭。 | Ich hatte nicht erwartet, dass sie sich das Leben nehmen würde. Wirklich nicht. Zwischen Huaqiu und mir gab es zwar einen heftigen Wirbel, aber in Wahrheit nichts Echtes. Vor der Heirat war es Kinderspiel gewesen. Danach war die Stimmung weg. Ständig geschlagen – da bleibt kein Frauengefühl übrig. Du weißt, in jener Zeit war mein Körper unrein. … Aber ich gestehe: Wir haben uns geküsst, und er hat mich berührt. Jetzt gibt es nichts mehr zu verbergen. Wirklich, das war alles. |
| 599 丫头虽然死了。虽然我也死去活来地闹过,可死的哭不活。没法,死了也就死了,就当她是那么个命。可那种打,我一想,心就发麻。所以,我发过誓,这辈子,我不打人。以前,我也扇过丫头一巴掌——我最后悔的,就是这。我一想,心上就刀刀儿搅哩。我就发誓不打人。人打我时,我难受。我打人时,人家也难受。人生来,不是给人打的。 | Bei mir und ihm war es anders als bei euch – ihr habt euch wirklich und wahrhaftig geliebt … Starr mich nicht so an. Wir hatten nichts. Wirklich nichts. |
| 600 好了,你别哭了。我不说了。 | Bei der Klausur waren wir zwar Tag und Nacht zusammen. Ja, das stimmt. Sieben, acht Tage und Nächte – aber weißt du, das war bei Einkehr. Im Mandala der Vajravarahi – wie hätte ich da … es wie ein Esel treiben können? Außerdem hatte ich zwischendurch meine Tage. Ich konnte das nicht tun. Und außer uns war noch die klatschsüchtige Mutter von Yue’er dabei, und Fengxiang und die anderen … Stell dir vor – selbst wenn ich gewollt hätte, ich bin kein Esel, der ohne Rücksicht auf Ort und Umstände … |
| 601 你知道就好。好长一段日子里,我最怕醒着,因为醒着就老想事。也怕睡着,因为一睡着,不定啥时候,牛鞭就会呼啸。有时是真的,有时在梦里。好长时间我分不清是清醒还是梦里,反正啥时候也挨打。要是哪一天,他没有抡牛鞭,只拿疯耳光疯拳头招呼我,我就会觉得很意外,觉得那是对我最大的恩赐了。你知道,手打虽也疼,疼却是钝的。那鞭子,是利利的疼,比刀子割还要疼百倍哩。 | Warum war sie nur so dumm? Sie hat sich von einem Gerücht leiten lassen und ein Gebet gesprochen. Sie glaubte, ich hätte wirklich mit Huaqiu … und hat dann eine Dummheit begangen. … Eigentlich war auch Huaqius Frau schuld – diese Klatschbase. Ein paar Worte – wenn du sie ertragen kannst, ertrage sie; wenn nicht, geh vor die Tür spazieren. Warum handgreiflich werden? Ohne Handgreiflichkeiten wäre sie nur ein aufgeblähte Wut-Kalebasse gewesen. Aber ein Schlag, und sie sah keinen Sinn mehr im Leben. Nicht wahr? An ihrer Stelle hätte ich mir auch das Messer an den Hals gesetzt. |
| 602 你记得那头黑白花牛吗,人家一鞭,就将它打瘫了,牛眼里淌出黄豆大的泪。可我,得挨多少鞭呀。人家拧了腰,咬了牙,鞭梢就呜呜着飞了来,只一下,我就瘫院里了。 | Sie ahnte nicht, dass durch ihr Tun aus einer Geschichte ohne Grundlage Wahrheit wurde. So etwas lässt sich nicht jedem einzeln erklären. Je mehr man sagt, desto mehr fühlen sich die Leute erst recht bestätigt — wer ablenken will, macht gerade darauf aufmerksam. So ist die Welt. Was hätte ich tun sollen? |
| 603 我真是叫打怕了。 | Du weißt, in den ersten Tagen nach ihrem Selbstmordversuch wollte ich mir auch die Kehle durchschneiden. Immerfort sah ich ihren blutigen Hals vor mir, die Schnittwunde, aus der blubbernde Luftblasen drangen. Diese Blutblasen – sie blubberten ständig in meinen Augen. Ich konnte diesem Albtraum nicht entkommen. Mehrmals hob ich das Messer, aber dann dachte ich an Vater und Mutter … Wirklich, ich konnte ihnen nicht zumuten, nach dem Sohn auch noch die Tochter zu verlieren. Wenn ich stürbe, würde mein Vater genauso schluchzen wie ihr Vater, der sie in den Armen hielt, bis ihm der Atem stockte. Ich brachte es nicht übers Herz. |
| 604 你可别笑我。没办法,谁叫我是个软弱的女人呢?只要你理解就好。 | Wirklich. |
| 605 你慢些挖不要急。你小心些,别磨烂了手指头。你捧,对,就那样捧,你别用指尖,那儿皮薄,你用手掌捧。对,就那样。 | Natürlich fürchte ich auch den Schmerz. Ich ziehe den Hut vor ihr – wie konnte sie sich so unbarmherzig selbst stechen? |
| 606 说了这些话心里好受多了。 | Schöpf langsamer, nicht hetzen. Es hat sich schon gelockert. Ja, schöpf den Sand von meiner Brust, ja, den zuerst. |
| 607 第二个叫我难受的,我不说,你也猜到了。对了,就是花球媳妇。虽然我跟花球没啥真的没啥。真像那花儿里唱的:“大红果果剥皮皮,人人都说我和你。 | Ich hätte nicht gedacht, dass die Frau überlebt. Überleben war natürlich gut. Aber weißt du, sie schlurfte mit schiefem Hals durchs Dorf, und jeder, der sie sah, sagte: Die Arme. Wenn sie sie bedauerten, hieß das natürlich zugleich, dass ich abscheulich war. Wäre sie gestorben, hätten die Leute ein paar Jahre geredet, dann wäre Ruhe gewesen. Aber sie lief immer mit schiefem Hals herum – du hast sie gesehen, wie ein Wesen, das einem ins Auge stach. Ich wagte nicht vor die Tür – sobald ich hinaustrat, sah ich sie an der Südmauer in der Sonne sitzen. Wenn sie mich sah, sagte sie nichts, drehte nur den Hals und starrte mich mit düsterem Blick an. Vor diesen Augen fürchtete ich mich mehr als vor der Ochsenpeitsche deines Bruders. Wirklich, ich spürte ständig diesen Blick auf meinem Rücken. Manchmal war es, als wären überall – am Himmel und auf der Erde – diese Augen. Sie sandten spinnwebfeine Strahlen aus und wickelten mich ein wie eine Fliege im Netz. Wenn Dorfbewohner dabei waren, war es noch schlimmer – sie blickten erst sie an, dann mich. Ich wusste, was sie dachten. |
| 608 | Manchmal dachte ich: Es hat wirklich keinen Sinn mehr zu leben. |
| 609 其实咱俩没关系,好人担了个赖名誉。”这编花儿的,真神了。他昨知道我心里的话呢?真是的。 | Wirklich. Am Haus meines Mannes wartete die Ochsenpeitsche. Am Haus meiner Eltern die Frau mit dem schiefen Hals und dem düsteren Blick. Sag mir, was blieb mir noch? |
| 610 我没想到,她会寻无常。真的没想到。我跟花球虽闹了个天摇地动,其实啥也没啥。没结婚时跟娃娃过家家一样。后来结婚了,就没那份心情了。老是挨打,啥女人感觉也打没了。你知道,那段日子,我身子不干净。……不过,我承认,跟他亲过嘴,他也摸过我。这会儿,我也没个啥避忌的。真的,就那样。 | Wirklich. Hör auf zu schöpfen. Steig lieber auf den Sandhügel und tritt den Sand auf mich herab – begrabe mich. |
| 611 我跟你和他不同你们是真真实实地爱了……你别瞪我。我们啥都没有。真的没有。 | Bevor ich davon sprach, hatte ich noch den Willen weiterzuleben. Aber wenn ich daran denke, will ich nicht mehr. Je früher tot, desto früher erlöst. |
| 612 那次打七,我们虽昼白夜黑地在一起。是的,这不假。我们在一起待了七八个昼夜,可你知道,那是在打七。那是在金刚亥母的坛城里,我昨能干驴事?再说,我身子还时不时来红。我是不能千那事的。再说跟我们一起的除了那放风捣嘴的月儿妈,还有风香们……你想,我就是真想干那事,我又不是驴,昨能不分场合地胡来? | Sag mir, warum ist mein Schicksal so bitter? Habe ich in einem früheren Leben wirklich Sünden begangen, die größer sind als der Himmel und zahlreicher als der Sand? Lass es, hör auf zu schöpfen. Schau, deine Hände bluten. Ich glaube, es ist sinnlos. Tausend Handvoll, die du schöpfst, sind weniger als ein einziges Rutschen der Sanddüne, unserem Gelben Drachen. |
| 613 她昨那么傻呢?她跟个风风儿,念个经经儿。她以为我真跟花球干了驴事,就千了糊涂事。……要说,也怪花球女人嘛,嘴碎,说了叫她说几旬,你能装了装,不能装了,就出了庄门溜达去。你动啥手?你不动手,人家都成个气葫芦了。你一动手,她就觉得没活头了。你说是不?要是我,我也会拿刀子抹脖子哩。 | Falls mich der Gelbe Drache diesmal holt, bitte ich dich nur um eines – wenn du lebend herauskommst und die Kraft hast, tu mir einen Gefallen: Ihr Hals ist zwar schief, aber man sagt, in einem großen Krankenhaus in Lanzhou könnte eine kleine Operation ihn geraderücken. Natürlich nur, wenn du die Kraft dazu hast – wenn nicht, dann eben nicht. Aber wenn du sie hast, hilf ihr. Weißt du, dieser schiefe Hals ist meine Schandsäule. Solange er existiert, werden die Dorfleute mich verfluchen. Und Huaqiu – wenn seine Frau so aussieht, kann sie sein Herz nicht halten, und er wird früher oder später wieder Ärger machen. |
| 614 她不知,她这一弄,没影子的事,也成真事了。这号事,你又不能一个一个地解释。你越说人家还以为此地无银三百两呢。世上的事就这样。你说,我有啥法呢? | Sie ist eine leidgeprüfte Frau. Wenn du ihr helfen kannst, hilf ihr. |
| 615 你知道,她刚寻无常那几天我也想拿刀抹脖子呢。我眼前老晃着她血糊糊的脖子,刀口那儿吹出嗅嗅的气泡。那血泡儿,老在我眼里嗅嗅着。我逃不出那梦魔。好几次,我举起了刀子,可我想到了爹妈……真的,我不能叫他们死了儿子后,再死女儿。我要是死我爹也会像她爹抱了她那样哭得断气。我真不忍心。 | Wenn du nicht die Kraft hast, dann bestelle Mengzi einen Gruß – er soll seiner Schwester diesen Wunsch erfüllen. Das wird er tun. Und wenn eure Sache klappt, brauche ich gar nichts zu sagen. Zusammen wäre das Leben leichter. Falls es nicht klappt – du weißt, Mutter hat zu viele Hintergedanken –, dann geh weiter, heirate einen Wohlhabenden, dann hast du die Mittel. … Sieh mich an, ich lade dir Lasten aufs Herz. Bist du mir böse? Ich kann nicht anders, ich musste es aussprechen. |
| 616 真的。 | Wenn ich es verschweige, drückt es mich zu sehr. Da ich es nun gesagt habe, ist es jetzt deine Sache, ob du es tust oder nicht. Und mein Herz fühlt sich leichter an. |
| 617 当然,我还怕疼,我真的怕疼。我算服了她了,她怎能那么狠心地戳自己呢? | Manchmal denke ich: Dieses Leben – ich habe es nicht wie ein Mensch gelebt. Aber was soll man machen. Ich glaube zwar ans Schicksal, doch es liegt wohl nicht nur am Schicksal. Schau dir die Frauen im Dorf an – welche hat kein bitteres Los? Ich frage mich: Sind wir Frauen alle Ameisen auf einer Mühlsteinscheibe? Sobald man drauf ist, dreht man sich im Kreislauf der Trägheit. Es muss noch etwas anderes geben als das Schicksal. |
| 618 你慢些捧,别急。这会儿松动了好多。对,你就捧胸膛上压的沙子,对,先捧那些。 | Schau, in der Kulturrevolution – wie viele haben gelitten! Ich glaube nicht, dass das alles ihr Schicksal war. Es muss noch etwas jenseits des Schicksals geben. Ich habe lange darüber nachgedacht, aber ich komme nicht dahinter. Egal, genug gegrübelt. Eigentlich hat Vater es am besten gesagt: Was der Himmel mir gibt, kann ich ertragen. Nicht wahr? Man grübelt und grübelt, bis der Kopf platzt – was man erleiden muss, erleidet man doch. |
| 619 没想到那女人没死。没死当然好。可你知道,她老是歪个脖子在村里晃,谁见了,都说她可怜。说她可怜的同时当然就在说我可恶。要是她死了,人们说几年,也就不说了。可她老歪着脖子,你也见过那样子,跟怪物一样扎眼。我真不敢出门,一出门,就见她在南墙湾里晒太阳,见了我,她啥也不说,只拧了脖子,阴阴地瞅我。我怕那眼睛,比怕你哥的牛鞭还厉害。真的,我老觉得那眼睛在脊梁上戳着。有时觉得天上地下,到处是那眼睛。它们发出蛛丝一样的光,将我裹成了蛛网里的苍蝇。要是有村里人,我就更难受了,他们会望一眼她,再望我。我知道他们心里说啥。 | Da ist es doch besser, es von Anfang an gelassen hinzunehmen, meinst du nicht? |
| 620 有时想,真没活头了。 | Falls mich der Sand wirklich begräbt, weine nicht. Auch Tränen sind Wasser – spare sie, dann lebst du länger. Du kennst den Weg nicht – lauf nicht ziellos herum. Geh immer nach Osten. Vergiss den Salzsee, rette erst dein Leben. Diese Sandwüste ist von Ost nach West schmal und von Nord nach Süd lang – gehst du in die falsche Richtung, findest du nicht heraus. Geh immer nach Osten. Wandere niemals in der prallen Mittagssonne – in kürzester Zeit wärst du zur Mumie gedörrt. Am besten gehst du nachts. Halte Ausschau nach dem Großen Bären, er soll links oben von dir stehen, dann geh geradeaus. Spare die Taschenlampe. Wirf auch das Gewehr nicht weg. Halte das Pulver trocken – wenn Regen draufkommt, trockne es. Das Laden ist einfach: Nimm eine Handvoll Pulver – nicht zu viel, spare – , schütte es in den Lauf und stopfe es zehnmal mit dem Ladestock fest, aber nicht zu fest, sonst zerreißt es den Lauf. Dann fülle etwas Eisenschrot ein – Schrot ist kaum noch da, du kannst auch größere Steinkörner nehmen, ungefähr so groß wie Schrot. Dann noch eine halbe Handvoll Pulver, diesmal fester gestopft – das hält den Schrot zurück. Nimm ein Zündhütchen aus der Eisenklemme und setz es auf den Schlagbolzen. Manchmal läuft dir ein Hase vor die Flinte, dem das Stündlein geschlagen hat. Wenn du auf eine Kropfgazelle triffst, lass sie – die Stahlkugeln stecken im Beutel am Kamelgestell, und mit diesem feinen Schrot wäre es Pulververschwendung. Selbst wenn du nah genug rankommst und sie verwundest, holst du sie nicht ein. Verschwende nicht deine Kraft. Spare deine Energie. Eine verwundete Gazelle rennt eine Stunde, und die Verfolgung würde dich umbringen. Schieß nur auf Hasen. Mit Glück triffst du fast jeden. Aber nicht aus zu großer Entfernung – am besten unter zehn Metern. |
| 621 真的。在婆家门上,等我的是牛鞭。在娘家门上,是比牛鞭还厉害的歪脖子女人阴阴的瞅。你说,我还有个啥活头? | Hör auf zu schöpfen. Siehst du – du schöpfst weniger heraus, als nachrutscht. |
| 622 真的。你别捧了。你索性上了沙坡,蹬下沙,埋了我吧。 | Wenn du einen Hasen erlegt hast, trink zuerst sein Blut. Ekle dich nicht – du musst überleben, und nur mit Leben hat man alles. |
| 623 不提这事,我还有活下去的念头,一提这些,真不想活了。早死早脱孽。 | Ertrage den blutigen Geschmack – er ist stark, aber er ist die beste Nahrung und Feuchtigkeit. Wenn du ein paar Hasen erbeutest und dich nicht verirrst, schaffst du es aus der Wüste ins Gebiet der Mongolen. Such eine Familie, bitte um Essen und Wasser – iss nicht zu viel auf einmal – sie werden dir helfen. |
| 624 你说,我的命昨这么苦呢?莫非我的前世,真干了比天还大比沙还多的坏事?算了,你别捧了。瞧,你的手出血了。我觉得没用。你捧上千百下,不如人家黄龙溜一次。 | Denk daran: Du darfst nur nachts wandern. Frühmorgens geht auch. Aber niemals in der sengenden Mittagshitze. Wenn die Sonne hoch steht, such eine schattige Mulde und grab eine Grube – nicht zu tief, nur bis zu einer feuchten Stelle. |
| 625 要是我这次叫黄龙收了去,我只希望,要是你能活着出去,也有气力的话,能替我做件事:她的脖子虽歪了,但听说,到兰州的大医院里动个小手术,脖子就能弄直。当然,得看你有没有气力,没那气力,就算了。要是有气力,你就帮帮她。你知道,那歪脖子,是我的耻辱柱。只要它存在一天,村里人就会骂我一天。再说,花球心花,要是女人成那样,是拴不住他的心的,他迟早还会出事。 | Wenn du auf Schilfsprossen triffst, grab nur wenige aus – sei nicht so gierig wie ich. Vorsicht, die Grube nicht zu steil graben, damit kein Sand dich verschüttet. Wenn du auf Feuchtigkeit stößt, leg dich hin und atme die feuchte Luft tief ein. Atme tief, Zug um Zug, und stell dir vor, dass du Feuchtigkeit und Erdenergie in dein Herz saugst. Egal wie durstig du bist – eine Stunde so atmen, und du fühlst dich wohl. Wenn du dich wohl fühlst, bleib trotzdem liegen, den ganzen Tag so. Die Sonne erreicht dich nicht, du kannst die Feuchtigkeit atmen und die glühende Hitze überstehen. Wenn es Nacht wird und der Tau fällt, wandere weiter. Wenn du Sandhirse findest, sammle sie unterwegs. Fürchte nicht ihre Stacheln – ums Überleben muss man etwas Schmerz ertragen. Unterschätze die winzige Sandhirse nicht. In der feuchten Grube knackst du sie wie Sonnenblumenkerne – schälen und essen. Sie ist klein, aber auch die kleinste Nahrung ist Nahrung. |
| 626 那是个苦命女人,能帮了,帮她一下。 | Denk daran: Hab niemals Angst. Was ist Angst? Ein Messer, das dich tötet. Sobald du Angst hast, wird sie immer stärker. Am Anfang ist es nur ein Fünkchen, dann schlägt sie Wurzeln, treibt Blüten und trägt Früchte. |
| 627 要是你没有气力,你带个话给猛子,叫他替姐姐满这个愿。他会做的。当然,要是你们的事成了,啥话也不用我说了。你们合了力,日子就好过些。要是那事不成——你知道,妈那人,心术儿太多——你就前行,嫁个有钱些的,当然就有了气力。……瞧我,给你心上加码子了,你不会怪我吧?没办法,我想说这话。 | Am Ende wird die Angst zu einem Nebel, der dich einhüllt; zu einer Flut, die dich ertränkt. Dann ergibst du dich dem Schicksal, hast keine Lust mehr zu gehen, keine Lust mehr zu kämpfen, und denkst: Egal, so ist wohl mein Schicksal. Dann bist du verloren. Denn dein Herz ist dann zuerst gestorben. Und wenn dein Herz stirbt, stirbst auch du. |
| 628 不说,我心上难受得很。说了,你做不做是你的事。我的心就松活了。 | Denk daran: Ob du ums Überleben kämpfst oder um was auch immer – geh einfach in eine Richtung, geh und geh und geh, unaufhörlich, und du wirst gewiss dorthin gelangen, wohin du willst. Halte die Richtung, und wenn dir ein Hase begegnet und du ihn treffen kannst, schieß ihn. Aber jage ihm niemals hinterher – er würde dich von deinem Weg abbringen und deine Kraft aufzehren. Vergiss auch die Gazellen. Begreife: Ohne Pulver und Stahlkugeln ist dein „Wollen“ nichts als Gier. Lass dich auch nie von den schönen Fata Morgana verlocken. Vergiss nie: Die Wüste ist wie das Leben – gnadenlos. Erwarte keine Wunder. Tu nur eines: Geh in die gewählte Richtung, geh, geh, unaufhörlich. Glaub fest daran, dass du ankommst. Gewiss. |
| 629 有时一想,这辈子,真没活出个人样来。没办法。我虽也信命,但似乎也不全是命的事。你瞧村里女人,哪个不是苦命人?我想,是不是女人们都是磨盘上的蚂蚁?只要你上了那磨盘,你就得跟了惯性转?我想,定然还有些命以外的事。 | Dann ist dein größter Feind nicht mehr die Wüste, sondern du selbst. Du wirst dir zureden: Gib auf, füge dich! Du wirst dir sagen: Du schaffst es nicht hinaus. Du wirst das Ziel, das vielleicht schon zum Greifen nah ist, an den unerreichbaren Horizont verschieben. Dir werden Gedanken kommen, die nicht zu deinem Marschieren passen. Vielleicht verwirren sie dich. Sieh mich nicht so an – das hat mir mein Meister gesagt. Weißt du? Der Lebende Buddha, der mir die Vajravarahi-Praxis übertragen hat. |
| 630 | Ich glaube, auf dieser Welt gibt es keine kostbarere Lehre als diese. |
| 631 瞧,“文化大革命”里,受难的有多少?不信他们都是那个命,定然还有些命以外的事。我虽想了好久,但我一直没想透。算了,不想了。其实,爹的那话最好,老天能给,我就能受。是不是?你想呀想呀,想破了脑袋,你该受的,还得受。 | Richtig. Ich sollte auch selbst den Kampf aufnehmen. Mach dir erst keine Mühe mit dem Sand auf meiner Brust. Befreie zuerst meine Hände. Schau mich an – ich sage dir, du sollst die Hoffnung nicht verlieren, und hätte mich selbst beinahe in mein Schicksal ergeben. Mein Versuch könnte zwar noch mehr Sand auslösen, aber ich denke: Tun wir so, als wäre ich schon begraben. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich noch tiefer begraben werde, nicht wahr? |
| 632 还不如开头就坦然地接受了下来,你说是不? | Ja, so – versuche zuerst, meinen Arm freizubekommen. |
| 633 要是我真叫沙埋了,你也别哭。眼泪也是水,省些水,你就能活久些。你不认识路,别乱跑,你要一直朝东——你也别管盐池了,先保命吧——这沙窝,东西窄,南北长,要是走错了路,你是走不出去的。你就一直朝东走。你千万不要在毒日头下走,那样要不了多久,你就叫蒸成干尸了。你最好在黑里走路,你只要瞅清那北斗七星,叫它悬在你的左上方,就只管前走。手电你省着用。枪也别扔了,火药别弄进去水,万一叫雨淋了,你晒干就成。枪其实很好放,你抓上一把火药一—不要太多,你省着些用——溜进枪管里,你用那捅子捅个十来下就成,别捅得太瓷。要是捅得过实,会炸膛的。再装些铁砂——铁砂不多了,你也可以挑些大些的石砂,别太大,跟铁砂差不多大就成。再装半把火药,再捅瓷实些,这是挡那铁砂的。你就从铁夹里,取个火炮子,安在撞针上。有时,也会有命到了尽头的兔子碰到你的枪口上。要是碰上黄羊,你别打了。钢珠子在骆驼上挂的袋里,这号碎铁砂打黄羊只会浪费火药。要是你靠近些,也打能伤它,就算它伤得很重,你也攒不上它。你千万别费你的力气。你要节省体力。那伤了的黄羊,就算它跑上半个时辰,你要是攒,也会累死你的。你就只打兔子吧。要是你运气好的话差不多一枪一个。记住,别离得太远最好的距离,是十来米以内。 | 22 |
| 634 你别捧了。瞧,捧的,还没它流下的多。 | Yingers Hände waren vom Sand wundgescheuert und bluteten, doch sie schöpfte weiter. Sie dachte: Selbst wenn ich mir die Handflächen abschleife, ich muss Lanlan retten. Lanlans Worte hatten sie zugleich erschüttert und das Herz zusammengeschnürt. Der Mensch war wirklich das seltsamste Wesen – jahrelang Seite an Seite, und erst heute hatte sie Lanlan wirklich kennengelernt. Sie dachte: Es gibt nichts mehr zu sagen – zuerst Lanlan retten. Wenn Lanlan im Sand begraben würde, würde sie sich daneben lebendig begraben, um ihr Gesellschaft zu leisten. Sie wollte Lanlan nicht allein in der Wüste zurücklassen. |
| 635 打了兔子后你要先喝它的血。你别嫌它恶心你得先活命,有命才有一切。 | Yingers Anstrengung trug Früchte: Nördlich von Lanlans Körper hatte sie eine tiefe Rinne gegraben. Zwar rutschte immer wieder Sand nach, aber Lanlans Brust war bereits frei. Das war gut. Wenn sie noch ein wenig weiterschaufelte und den Sand vom Oberkörper räumte, konnten sie beide zusammen Lanlans Beine herausziehen. |
| 636 你忍了那血腥味,虽然它很浓,但它是最好的营养和水分。你只要弄上几个兔子,不要迷路,就能走出沙漠,到蒙古人的地盘。你找个人家,要些吃食和水——别一次吃太多——他们会帮你的。 | Lanlan zog ihren Arm aus dem Sand. Wie jemand, der Wasser schöpft, warf sie den Sand vor sich nach außen. Ihre Bewegungen waren klein, denn hinter ihr rieselte der Sand weiterhin langsam nach. Zum Glück hielt der feuchte Sand einigermaßen die Form und stützte die steile Sandwand. Und zum Glück war es ein Schattenhang – dieser Sand war kompakt. Am lockeren Sonnenhang wäre Lanlan längst tot gewesen. |
| 637 你要记住的是,你只能在夜里走路。早上也成。千万别在焦光晌午赶路。日头爷高时你就找个阴洼,挖个坑,你别挖太深你只挖到有潮气的地方就成了。 | Yinger wurde schwindelig. Durch die Anstrengung hatte sie viel geschwitzt. Dadurch fehlte ihrem Körper noch mehr Wasser, die Sicht verschwamm, und in der Kehle lag ein stacheliges Etwas. Doch sie war froh – endlich sah sie Hoffnung, Lanlan zu retten. |
| 638 碰上芦芽了,你少挖一些,别像我这样太贪。你小心,坑不要挖得太陡,别叫塌下的沙活埋了。见到潮气后,你就伏下身子,深深地吸那潮气。你一口一口很深地吸气你心里想着把潮气和地下的精气都吸到你心里。无论你多渴,这样吸一 | Gewiss war dieses sogenannte Retten noch weit davon entfernt, lebend aus der Wüste herauszukommen, doch sie hatten eine eiserne Schicksalsschwelle überwunden. Im Leben begegnet jeder solchen Schwellen, und mit jeder überwundenen reift man. Wie bei Xuanzangs Pilgerreise: Nur wer alle einundachtzig Prüfungen besteht, erlangt die Erleuchtung. |
| 639 | Die Sonne neigte sich nach Westen – sie hatten über zwei Stunden in dieser Falle gesteckt. Hunger und Durst hüllten sie ein wie ein Spinnennetz. Yinger fühlte sich dem Ohnmächtigwerden nah. Die Nacht des Kampfes gegen die Schakale hatte fast alle Kraft verbraucht, die Reserven waren längst aufgezehrt. Yinger wollte nur noch einschlafen. Ihre Hände schaufelten Sand, doch ihr Bewusstsein stand kurz vor dem Abschalten. |
| 640 | Wie gern hätte sie geschlafen. Sie wusste nicht, dass viele Verdurstete genau so einschliefen. Während ihres tiefen Schlafes würde die Sonne die letzte Feuchtigkeit aus ihrem Körper saugen. Die Verdursteten traten ihren Weg ins Jenseits im Dämmerzustand nach der Bewusstlosigkeit an. |
| 641 个小时,你就舒服了。你觉得舒服了时也别出来,你就一直趴在坑里,整天那样趴着。这样,日头爷晒不着你,你又能吸到潮气就能熬过毒日头的炽烤。等到夜黑了,露水下来时,你再走路。碰上沙米了,你顺路采些。你不要怕它扎手,为了活命,你当然得挨些疼。你别小看那些雀儿眼大的沙米。在你的头伸进湿坑后你就像吃瓜子那样边剥边吃。它虽然小,但再小的食物也是食物。 | Lanlan rief: Genug, es reicht! Yinger hielt in ihrem mechanischen Schöpfen inne. Lanlan bat sie, ein Stück zurückzuweichen. Der Sand, der Lanlans Brust und Bauch gepresst hatte, war deutlich weniger geworden. Ohne die Gefahr weiterer Sandrutsche hätte Lanlan sich allein befreien können. Lanlan bat Yinger, zurückzutreten, und ergriff ihre Hand. Sie musste mit einem Satz aus der Grube springen, denn ihr Ruck würde die mauerglatten Grubenwände in Bewegung setzen. Sie musste vor dem donnernden Einsturz des Sandes aus der Grube sein. Sonst würde der Sandstrom sie erneut begraben – nicht nur wäre alle Mühe vergebens, wenn der Sand über ihren Kopf stiege, wäre alles vorbei. |
| 642 你记住,无论如何都不要害怕。害怕是啥?是杀你的刀子。你一害怕,它就会越来越厉害。那害怕,开始只有一点点,慢慢地就会生根发芽开花结果。 | Die beiden beteten jeweils zu ihrem Gott – Lanlan zur Vajravarahi, Yinger zum Gelben Drachen. Dann rief Lanlan: Steh fest! Sie zählte: Eins, zwei, drei. Beide zerrten gleichzeitig. Der Sand rutschte tatsächlich, mit großer Wucht, doch Lanlan hatte im Schwung des Sprungs ihre Beine aus der Grube gezogen. Beide gaben ihre letzte Kraft, und die vereinte Anstrengung ließ sie zusammen in die Sandmulde rollen. Der Sand stürzte donnernd nach und begrub im Handumdrehen die Stelle, an der Lanlan eben noch gestanden hatte. |
| 643 最后害怕就变成满天的大雾,会罩住你;变成满天的大水,会淹了你。你就会听天由命了,你就懒得走路,懒得挣扎了,你就会想,算了,可能我就这么个命吧?这样,你就死定了。因为你的心先死了。你的心一死,你也就死了。 | Eine Weile starrten sie fassungslos, dann fielen sie einander in die Arme und schluchzten hemmungslos. |
| 644 你记住,无论活命还是干啥你只要朝一个方向,走呀,走呀,不停地走,你肯定能走到那个你想到的地方。你只要认准方向,碰到兔子了,能打了,打一个。可千万别攒它,因为它会将你引到另一条路上,会消耗你的体力。你更不要想黄羊们。你要明白,没有火药和钢珠,你那“想”的心,只能算贪婪。你更不要叫美丽的海市质楼迷了心志。你永远记住,沙漠跟生活一样,是严酷的,别指望会出现奇迹。你所做的,就是朝着你选定的方向,走,走,不停地走。你坚信,你肯定能走到那儿。肯定。 | Sie weinten ohne Zurückhaltung. Die Sandmulde gab ein Echo zurück; das Schluchzen hallte hin und her und füllte Himmel und Erde. |
| 645 这时你最大的敌人就不是沙漠,而变成了你自己。你会劝你,算了,认命吧!你会说,你走不出去了。你会将那可能已到腮尺的目标错移到遥不可及的天边。你会生出一些跟你的走不一样的想法。你可能会叫那想法搅乱了心智。你别望我,我这话是上师告诉我的。知道不?就是传我金刚亥母法的那个活佛。 | 23 |
| 646 我想,这世上,没比这更殊胜的教诲了。 | Die beiden Schwägerinnen aßen die Hälfte der Schilfsprossen aus der Plastiktüte. Diese waren mit Leben und Schweiß erkauft – das Beste, was sie je gegessen hatten. Wenn du einmal selbst einen Tag in der Wüste in der Sonne verbracht hast, den Mund ausgedörrt und die Zunge verbrannt, und dann an einer Schilfwurzel kaust – dann, so bin ich sicher, schmeckst du den Himmel. Ein leichter Biss, und die eigentümliche Süße und Frische der Schilfwurzel dringt dir in die Seele. Dieser Tropfen Saft schenkt dir ein Beben, das deine Seele erzittern lässt. |
| 647 对了。我也该跟自己较量一下。你别急着捧我胸前的沙。你先把我的手取出来。瞧我,我只叫你别丧失信心。我自己,却差点认命了。虽然我的试可能会招来更多的沙,可我想,就当我已叫沙埋了。最坏的结局,不就是叫它埋得更深些吧? | Wärst du ein buddhistischer Schüler, würdest du es für himmlischen Nektar halten – ein einziger Tropfen auf der Zungenspitze, und alles Leid des Lebens löst sich auf. |
| 648 对,就这样,先试着弄出我的胳膊。 | Eigentlich hatte Yingers ganzes Bewusstsein an Lanlans Wohl gehangen – Hunger und Durst konnten nicht in ihr Herz dringen. Doch als die Schilfsprossen den Magen erreichten, erwachten alle Empfindungen. Der Magen begann rasend zu arbeiten. Unsichtbare Hände kneteten den Magen, das Gefühl war intensiv. Wieder verfluchte sie das entlaufene Kamel. Als sie es im Dorf geliehen hatte, hatte sie sein sanftes Wesen geschätzt. Doch dieses sanftmütige Tier hatte einen schlechten Charakter – ausgerechnet als es am meisten darauf ankam, zusammenzuhalten, war es davongelaufen. Wirklich verfluchenswert. |
| 649 莹儿的手已叫沙磨出了血,但她仍在捧沙。她想,就是磨秃手掌,也要救出兰兰。兰兰的话,叫她心酸而震惊。人真是最奇怪的动物,耳鬓厮磨了多年,今天才算真正了解兰兰。她想,一切都不说了,救出兰兰再说。她想,要是兰兰叫沙埋了,她也就活埋了自己陪兰兰。她不愿将兰兰一个人丢在沙漠里。 | Sie dachte: Was sterben sollte, starb nicht, und was nicht sterben sollte, starb. |
| 650 莹儿的努力很有效,她已在兰兰身子北面创开了一个深槽。虽仍时时有沙流入,但兰兰的胸部已出来了。这就好。等再挖一阵,只要将挤压兰兰上半身的沙创掉,两人一齐用力,就会抽出兰兰的腿。 | Dann dachte sie: Kein Wunder – nach der Belagerung durch die Schakale hätte es jedem die Nerven zerrissen. War es bei ihr anders? Damals hatte sie keine Zeit zum Fürchten gehabt; erst jetzt kroch die Angst hervor, verwoben mit dem Hunger. Sie konnte kaum glauben, jene atemberaubenden Kämpfe durchlebt zu haben. Alles war wie ein Traum. … In letzter Zeit war ihr ständig, als träume sie. Hunger und Durst schliffen wie eine Schleifmaschine an jedem Nerv, doch das Gefühl der Unwirklichkeit umhüllte ihr Bewusstsein. |
| 651 兰兰从沙中抽出胳膊。她泼水那样将身前的沙子往外泼。她动手的幅度很小,因为身后的沙子仍缓慢地下泻。好在那些潮湿的沙子能相对地稳了身形,才挡住了壁立的沙。也幸好是阴洼,这沙瓷实,要是像阳洼那么浮酥,兰兰早没命了。 | Die Sonne spie weiterhin Feuer. Kein Wind. Lanlan sagte: Komm, graben wir eine Mulde im Schatten und warten bis zur Dunkelheit. |
| 652 莹儿头晕目眩了。因为使力,她出了好多汗。这一来,身体更缺水了,视力也模糊了,嗓子里像卧着刺猾。但她很高兴,毕竟,她看到了救出兰兰的希望。 | Yinger hatte vor dem Graben noch Angst, verstand aber, dass sie in der prallen Sonne einen Hitzschlag bekäme. Die wenige Feuchtigkeit im Körper hielt der Sonne nicht stand. Sie suchte mit Lanlan eine Mulde. Diesmal hatten sie Erfahrung: Die Grube wurde breit, aber nicht tief. Als feuchter Sand zum Vorschein kam, krochen die beiden hinein. Auf nassem Sand zu schlafen konnte Krankheiten bringen, doch niemand dachte daran. Yinger spürte, wie die seltsame Müdigkeit und das Traumgefühl sie dicht umhüllten, und schlief ein, ohne es zu wollen. |
| 653 虽说这所谓的救出,仍离活着走出沙漠有很远的距离,但她们也算闯过了一个命运的铁门槛。一生里,谁都会遇上铁门槛的,你闯过一次,就成熟一次。就像唐僧取经那样,你只有经过九九八十一难,才可能得到正果。 | Als sie erwachte, hing die Sonne über den westlichen Sandbergen. Am Westhimmel leuchteten rote Wolken. Morgen würde es wieder heiß werden. Yinger wünschte sich natürlich einen Regenguss – neben Hunger und Durst war sie auch klebrig und schmutzig. Sich nackt vom Platzregen abspülen zu lassen wäre noch köstlicher als Schilfwurzeln zu kauen. |
| 654 日头爷开始偏酉在这个地方,她们陷了一个多时辰了。饥渴蛛网般罩住了她们。莹儿觉得自已快要晕死了。跟豻狗子一夜的对峙几乎耗光了她们的所有精力,体力早就透支了。莹儿只想睡过去。她的手虽在创沙,意识却快要休眠了。 | Lanlan schlief noch. Gewehr und Pulverbeutel lagen neben der Grube – ihr Anblick gab Yinger ein Gefühl der Sicherheit. Sie mochte nicht weiter nachdenken; obwohl sie wusste, dass die Lage immer noch gefährlich war, war sie zu träge zum Grübeln. Sie verstand: Alles Denken war jetzt sinnlos. Essen konnte sie nicht herbeiwünschen, Wasser auch nicht. Also besser nicht daran denken – sonst dachte man sich noch den letzten Mut weg. Sie dachte: Einen Schritt nach dem anderen. Wenn sie lebend herauskamen – gut; wenn nicht, ließ sich nichts machen. Ihre Kräfte reichten nicht, um gegen Himmel oder Schicksal zu kämpfen. Doch sie konnte tun, was ihr zustand: ihre Würde bewahren. Außer dem Freudenweinen nach Lanlans Rettung hatte sie kaum geweint. Früher weinte sie leicht, bei jeder Kleinigkeit, wie Lin Daiyu aus dem Traum der Roten Kammer. Jetzt fand sie Weinen nutzlos und ließ es. Das schien ein Fortschritt zu sein. Das Leben glaubte nicht an Tränen. Das Leben war das Leben. Das Leben war die Sanddüne, die auf die Oase zu rückte, die Flut, die die Naivität ersäufte, die Existenz, der man ins Auge blicken musste. Ob man wollte oder nicht – das Leben machte einen reif. |
| 655 她多想睡一觉呀。她不知道,好些渴死的人就是这样睡过去的。趁着她熟睡的当儿, 日头爷会榨光她身上所有的水分。那些渴死鬼就是在晕晕乎乎后的休眠状态里踏上黄泉路的。 | Plötzlich regte sich etwas unter den Büschen in der Nähe, ganz wie ein Schakal. Ihr Herz machte einen heftigen Sprung. Sie wollte Lanlan rufen, fürchtete aber, sich getäuscht zu haben. Langsam streckte sie die Hand aus und griff nach dem Gewehr. Erst als sie es hielt, atmete sie auf. Doch die Bewegung unter den Büschen war verschwunden. Sie lachte über ihre Überempfindlichkeit – einmal von einer Biene gestochen, zehn Jahre lang Angst vor dem Summen. Aufmerksam blickte sie umher – keine Schakale. Gerade wollte sie aufatmen, als es sich unter den Büschen erneut regte. |
| 656 兰兰说成了成了。莹儿住了机械地捧沙的手。兰兰叫她后移一下身子。看得出,秷桔兰兰胸腹的沙少了,要不是怕阴洼里还可能下泻沙流,兰兰自个儿就能挣出来。兰兰叫莹儿后退一下,她扯了莹儿的手。她必须一下子跃出沙坑,因为她那一挣,肯定会惹动沙墙一样的坑壁。她必须在蓄势待发的沙子们轰然塌落前跃出沙坑。不然,那崩泻的沙流会再次埋了她,前功尽弃不说,要是流得更多一些,沙一涌过头顶一切就结束了。 | Wieder wurde sie nervös. Sie erinnerte sich, dass das Gewehr geladen war, setzte das Zündhütchen auf den Schlagbolzen und dachte: Ein einzelner Schakal war nicht beängstigend. Dann erkannte sie, dass es ein Sandwirbel war. Bei genauerem Hinsehen: ein erdfarbener Hase. |
| 657 两人求一阵各自想求的神,兰兰求金刚亥母,莹儿求黄龙。然后,兰兰叫莹儿踩稳了,她喊一二三。两人一起用力。这一扯,沙果然下泻了,势头很猛,好在兰兰在那一跃之下将双腿拔出了沙坑。两人都使出了吃奶的力,二力一合,就一齐滚到沙洼里了。沙流轰然下泻着,一眨眼,就淹没了兰兰方才立足的地方。 | Yinger freute sich. Das war wahrlich ein vom Himmel geschickter Leckerbissen. Langsam schwenkte sie den Lauf auf den Busch. |
| 658 目瞪口呆了好一阵,两人才抱了对方,放声大哭。 | Lanlan hatte ihr erklärt, dass der Schrot einige Klafter nach dem Austritt aus dem Lauf die Breite einer Reisschüssel erreichte. Sie war zuversichtlich, den Hasen zu treffen. |
| 659 她们肆无忌惮地哭着。沙洼回应着,那哭声回过来荡过去,把天地都填满了。 | Lanlan hatte ihr das Zielen erklärt: Drei Punkte auf einer Linie. Doch als sie den Abzug drücken wollte, hämmerte ihr Herz wild. Schließlich war es ihr erster Schuss. |
| 660 21 | Sie dachte: Lass es, weck Lanlan, sie soll schießen. Doch ein Gedanke wurde immer stärker: Sie wollte, dass Lanlan beim Aufwachen freudig überrascht einen Hasen sah. Dieser Wunsch verdrängte allmählich die Angst vor dem ersten Schuss. Sie bemerkte, dass der gelbe Punkt bei jedem Atemzug neben dem Korn hin und her hüpfte. Sie hielt den Atem an und drückte mit aller Kraft ab. |
| 661 姑嫂俩吃了塑料袋里的一半芦芽根。这是用生命和汗水换来的,是她们吃过的最好食物。等啥时候,你先在沙窝里晒上一天,到口焦舌燥时,再试着嚼那芦芽。我相信,你尝到的,定然是天堂的感觉。你只管轻轻一咬,芦芽特有的甘甜和清香就会沁入你的灵魂。那点儿汁水,带给你的,定然是叫你灵魂哆嗦的颤抖。 | Ihr Herz raste. Als sie trotz aller Kraft den Abzug nicht bewegen konnte, stellte sie fest, dass sie die ganze Zeit den Abzugsbügel gedrückt hatte, nicht den Abzug. Sie musste lachen. Sie dachte: Egal, lass Lanlan schießen. |
| 662 要是你是佛门弟子,你就会觉得那是来自佛国的甘露,你只需在舌尖上滴上一滴,人生所有的苦都叫它消解了。 | Lanlan lag in einer wenig eleganten Haltung in der Grube, Sand im Gesicht. Yinger schüttelte sie mehrmals, konnte aber ihr Schnarchen nicht unterbrechen. Yinger dachte: Sie ist wirklich am Ende – sie übers Herz zu bringen, sie zu wecken … Dann dachte sie: Ich bin wirklich nutzlos, traue mich nicht einmal zu schießen. Dieser Ärger entfachte unerwartet Entschlossenheit. Sie hielt den Atem an, zielte auf den sich noch regenden gelben Punkt und drückte ab. Sie spürte, wie der Kolben hart gegen ihre Schulter schlug, ihr Trommelfell dröhnte. Das Mündungsfeuer sah sie nicht, aber sie war sicher, dass der Schuss gefallen war. |
| 663 本来,所有意识都叫兰兰的安危牵了,饥饿呀,干渴呀,都进不了莹儿的区这会儿,芦芽一入胃,感觉们都醒了。胃疯狂地蠕动起来。有只手在揉捏胃囊,质感很强。她又怨那逃驼了。她向村里人借它时看中的,是它脾气好。没想到这脾气好的焉驼,品格却不好,在最需要跟人同舟共济时,却溜之大吉了。真是该死。 | Lanlan sprang mit einem Satz auf. |
| 664 她想,该死的没死不该死的却死了。 | Sie fragte: Was ist? Kommen Schakale? |
| 665 又想,也难怪,经了那场豻狗子的围攻,任是谁,也会叫吓破胆的。她不是也这样吗?当时还顾不上害怕,此刻害怕才渐渐醒来,跟饥饿缠在一起。她似乎不相信自己曾经历过惊心动魄的厮杀。一切都像在做梦。……近来,她老像在做梦。此刻,饥渴虽像砂轮机那样打磨她的每一根神经,虚幻感却浆住了自己的意识。 | Yinger rief: Ich habe den Hasen getroffen! Sie warf das Gewehr hin, kletterte aus der Grube und stürzte auf den Busch zu. Doch bevor sie ihn erreichte, sprang ein gelber Punkt darunter hervor, hüpfend, und verschwand über den fernen Sandhügel. |
| 666 日头爷仍在喷火。没有风。兰兰说,走,先在阴洼里挖个坑,待到天黑再说。 | Lanlan kam hinterher, halb lachend, halb weinend: Du meine Güte – aus der Entfernung? Hast du gedacht, das ist eine Schnellfeuerwaffe? |
| 667 莹儿对挖坑心有余悸,但明白再待在毒日光下,会中暑的。体内的那点儿水分是禁不起日头爷炙的,就跟兰兰选个洼处。这次,她们有了经验,挖坑时,尽量挖大些,不使太深。待那潮湿的沙出现时,两人爬进了沙坑。虽然睡在湿沙上可能会招病但谁也不想这事。莹儿觉得那奇异的困和梦幻感浓浓地裹向自己,就身不由己地睡着了。 | Yinger setzte sich enttäuscht in den Sand. Sie hatte die Entfernung tatsächlich vergessen. Sie bereute es sehr. Hätte sie doch Lanlan schießen lassen! Einen Hasen erlegen, braten und essen – herrlich! Und nun hatte ihr Schuss ihn vertrieben. |
| 668 醒来时,日头爷已悬在西沙山上了。西天上有很红的云。明天仍会很热。莹儿当然希望下场雨,除了饥渴外,身上也是又黏又脏。要是脱光衣服叫暴雨冲一下,肯定比吃芦芽根更美。 | Lanlan bedauerte den Verlust auch, sagte aber: Bereue nicht – als ob ein Hase brav stehen bleibt und auf dich wartet. Lass es – was davonläuft, war nicht für dich bestimmt. |
| 669 兰兰仍在睡着。枪和火药袋放在沙坑外,一见它们,莹儿就有了安全感。她懒得考虑更多的事,虽知道处境仍很危险,但她懒得想。她明白,这时候,所有的想意思不大。没食物,她想不来食物;没水,她想不来水。不如不想它,省得想出许多烦恼,反倒将信心想没了。她想,只能走一步看一步了,能活着出去,当然好;出不去了,也没办法。她们就这么一点儿气力,跟老天爷或是命运较量,她们都不够个儿。但她还是能做自己该做的,那就是不要丧失自己的尊严。除了救出兰兰时她喜极而泣外,她很少流泪。以前,她爱哭,动不动就林妹妹似的抹泪。现在,她觉得哭是没用的,也就不哭了。这似乎是进步了。真的。她想,生活是不相信眼泪的。生活就是生活。生活是逼向绿洲的沙丘,是淹没天真的洪水,是你不得不正视的存在。没办法,你不想成熟,在生活面前,也由不了你。 | Yinger bereute eine Weile, dachte dann aber: Stimmt, Reue ist nutzlos, was weg ist, ist weg. Immerhin hatte sie sich getraut zu schießen. So schwer war das gar nicht. |
| 670 忽然,不远处的柴棵下动了,很像豻狗子。她的心狠狠地”咚''了一下。她很想叫兰兰。但又怕自己花了眼。她慢慢探出手,取下枪。握住枪的那一刻,她才吁了口气柴棵下的动点却消失了。她笑自己神经过敏,一朝被蜂赘,十年怕嗡嗡。她仔细地环顾四周,并没发现啥豻狗子。正舒气时却见柴棵下又动了。 | Yinger sagte: Schau genau hin, ich lade einmal. Sie lud nach Lanlans Anweisungen, ließ sich das Zielen erklären und erkundigte sich nach der Schussentfernung. In der Abenddämmerung kühlte die Wüste ab. Die beiden aßen die restlichen Schilfwurzeln. Zwar hatten sie ein paar aufgesammelte Fladenbrote, doch sie verspürten keinerlei Lust, sie anzurühren. Ohne Wasser konnten sie die vom Wüstenwind ausgedörrten Brote nicht hinunterschlucken. |
| 671 她又紧张了。记得枪里是装了弹药的,莹儿取出火炮儿,压在撞针上。她想,要是一个豻狗子,也没啥可怕的。却发现那动了的,是个沙旋儿。再细瞅,原来是只土黄色的兔子。 | Lanlan beschloss, nachts zu marschieren – nach Osten. Zwar lag der Salzsee im Norden, doch zunächst mussten sie Menschen finden. Erst überleben, dann einen Weg zum Salzsee finden. Dort gab es angeblich Arbeit. Weil ihr eigenes Kamel umgekommen war, schämte sich Lanlan vor den Eltern. Selbst mit leeren Händen wollte sie erst am Salzsee genug Geld verdienen – mindestens den Wert zweier Kamele –, bevor sie heimkehrte. Bei diesen Worten wurden beide niedergeschlagen. Als sie in die Wüste aufgebrochen waren, hatten sie gehofft, sich einen Weg zu bahnen. Doch die Rechnung ging nicht auf – kein Geld verdient und zwei Kamele verloren. Yinger war bestürzt: Zum aktuellen Preis bedeutete das mindestens fünf- bis sechstausend Yuan Verlust – mehr als die halbe Brautpreissumme für Baifu. |
| 672 莹儿很高兴。她想,这真是老天送来的好吃食。她慢慢转过枪口,对准柴棵。 | Lanlan seufzte eine Weile, sah Yingers graues Gesicht und tröstete: Denk nicht mehr daran. Was tot ist, ist tot. Das geflohene Kamel findet vielleicht nach Hause. Im schlimmsten Fall haben wir nur eines verloren. |
| 673 听兰兰说过铁砂出了枪口,几丈外就车粘辅粗了。她觉得自己有把握打中兔子。 | Nach kurzem Nachdenken seufzte sie wieder: Wenn das Kamel wirklich heimläuft, werden Vater und Mutter sich Sorgen machen. … Egal, nicht grübeln, es nützt nichts – vorwärtskommen ist das Wichtigste. Wenn wir wieder auf Schakale treffen, ist es eben das Schicksal. Wenn wir lebend am Salzsee ankommen, gibt es immer einen Weg. |
| 674 她听兰兰说过瞄中的要领:三点成一线。刚要扣扳机时,心却跳得很凶。毕竟,她是第一次打枪。 | Nachdem die Sonne hinter den westlichen Bergen versunken war, brachen die beiden auf. Lanlan trug das Gewehr, Yinger die Taschenlampe. Die Schilfwurzeln im Magen waren längst aufgelöst – im Bauch schien ein Schwarm Vögel zu gurren. Offenbar hatten die Sprossen das ausgelöst. Hunger und Durst umschlangen sie wie ein dichtes Netz. Besonders der Durst schwoll zur Sturmflut an. Lanlans Lippen waren blauviolett, stark geschwollen und mit einer dicken Kruste bedeckt – sie leckte ständig daran. |
| 675 她想,算了,还是叫醒兰兰叫她打吧。但一个念头越来越强烈她想叫兰兰一睁眼,就能惊喜地看到兔子。这想法,渐渐压了第一次打枪的恐惧她发现,她每一呼吸,那黄点就在准星旁跳来晃去。她屏了息,使了很大的劲去扣扳机。 | Yinger achtete auf ihr eigenes Erscheinungsbild und mahnte Lanlan, nicht zu lecken. Doch Lanlan hörte nicht – die Lippen waren gut einen Zentimeter geschwollen. Zudem waren die Wangen eingefallen, die Augen groß und leer, wie aus Porzellan. In Lanlans Gesicht erkannte Yinger ihr eigenes und wusste: Ihr Anblick war kaum besser. |
| 676 她的心很猛地狂跳着。等到她用了所有的力却扣不动扳机时,才发现自己使劲扣的,竟是扳机外面的铁圈。她不由得笑了。她想,算了,还是叫兰兰打吧。 | Wasser – allein das Wort im Kopf brachte Kühle, doch gleich darauf stürmte eine Welle rasenden Durstes heran. |
| 677 兰兰趴在沙坑里的姿势很不雅,脸上沾了好些沙子。莹儿推了几次,也没推断她的附声。莹儿想,她真是累坏了,就有些不忍心叫醒她了。她想,我真没用,连个枪也不敢打。这一怨,反怨出一股底气来。她屏了息,瞄了那仍在动的黄点,一扣扳机。她觉得枪托狠劲地砸了肩膀一下,耳膜一下蒙了。没看到喷出的火,但她相信是枪响了。 | Wind kam auf, noch warm, aber etwas frischer. Die Sterne waren noch nicht erschienen, am Westberg versickerte das letzte Rot. Die Berge waren dunkle Scherenschnitte, wunderschön. Doch für die ums Überleben kämpfenden Frauen war alle Schönheit belanglos. |
| 678 兰兰一骨碌爬起来。 | Yinger blickte stumpf zum Westberg und bewegte mühsam den Adamsapfel. Sie dachte: Wenn ihr Schicksalsgefährte diese Szenerie sähe, wäre er sicher zur Dichtung inspiriert. Seltsam – wenn sie jetzt an ihn dachte, war auch ihr Herz stumpf, ohne das frühere Gefühl. Sie dachte: Er hatte recht gehabt – Liebe ist ein Gefühl. |
| 679 她问,咋?豻狗子来了吗? | Ihre Schritte waren schleppend. Auch die Beine waren nicht mehr so beweglich. Yinger hörte beim Gehen ein trockenes Knarren aus ihren Beinen. Ob es Lanlan ebenso ging, wusste sie nicht. Lanlan schwankte stark – auch ihr Körper gehorchte nicht mehr. Es dauerte endlos lange, den nicht allzu hohen Sandhügel zu erklimmen. Ein höherer Sandgrat in der Nähe traf sie wie ein Schlag – Yinger bekam Angst. |
| 680 莹儿叫,我打中兔子了。她扔下枪,爬出沙坑,朝那柴棵下扑去。没等她到跟前,柴棵下弹出一个黄点一跃一跃的,蹄上了远处的沙山。 | Oben auf dem Hügel ließ sich Lanlan auf den Sand fallen. Yinger legte sich auf den Rücken. Es war dunkel geworden, der Wind kühl, ein Hauch Feuchtigkeit in der Luft. Die beste Zeit zum Nachtwandern – aber Yinger wusste: Ihr Wille war stark, doch der Körper streikte. Die Idee, tagsüber in feuchten Gruben zu liegen und nachts zu wandern, war theoretisch machbar, erforderte aber einen kräftigen Körper und ausreichend Essen und Wasser. Die wenigen Schilfsprossen konnten den Körper nur minimal nähren – gerade genug, um kurzfristig nicht zu sterben. Die hohen Sanddünen zu überwinden, die weite Wüste zu durchqueren – unmöglich. |
| 681 兰兰追了上来,哭笑不得,说你呀,距离这么远你以为这是快枪呀? | Lanlan sagte: Wir müssen gehen. |
| 682 莹儿沮丧地坐在沙上,她很失望。她倒是真将距离忘了。她很后悔。她想,还不如叫兰兰打呢。要是打下一只兔子,烧了吃,真美死了。可叫自己一枪打没了。 | Yinger sagte: Müssen wir. |
| 683 兰兰虽也愧惜,却说,别后悔了,人家昨会乖乖等着你举枪来打它。算了,别怨自己了,那跑了的就不是你的。 | Lanlan sagte: Wir können nicht hier verrecken. |
| 684 莹儿后悔了一阵,又想,就是,怨也没用,跑的已跑了。不管昨说,她总算敢放枪了。她发现,这也不是多难的事儿。 | Yinger sagte: Stimmt. |
| 685 莹儿说,你仔细瞧瞧,我装一次枪。她按兰兰教的要领装了枪,又叫她教自已瞄准,并问询了射击距离等事项。黄昏时分,沙窝里凉了。两人吃了剩下的芦芽根。手头虽有拣到的几个馈馈,但她们连碰一下的欲望也没有。要是没水的帮助,她们是无法将那被漠风吹干的馈咽下肚的。 | Lanlan sagte: Also los. |
| 686 兰兰决定走夜路,她想朝东走。虽说盐池在北面。但这会儿,先到有人处再说。先保了命,再想个法儿到盐池。听说那儿活多。因为折了自家的骆驼,兰兰觉得无脸见爹娘。她想,哪怕是空身子到了盐池,也要生法子挣钱,至少能挣够两个骆驼钱再进家门。这一说,两人都一脸的沮丧。进沙窝时,还指望能闯条路呢。谁料,人算不如天算,钱没挣上个毛倒折了两峰骆驼。莹儿很是恼苦,按时下的价格,低些算,也足有五六千元的损失,是白福的多半个媳妇钱了。 | Yinger sagte: Los. |
| 687 兰兰叹息一阵,见莹儿一脸灰色,就劝道,别想了,死的已死了,那逃了的,说不定会回家的。就算折,也仅仅折了一峰驼。 | Beide sagten „los“, doch keine bewegte sich. Yinger seufzte tief und legte den Kopf auf Lanlans Bauch. |
| 688 但想了想,她叹了口气又说,可要是那驼真回家的话,爹妈一见,就会担心了。……算了,不想了,想也没用,还是赶路要紧。再遇到豻狗子,就当命尽了。要是活着到了盐池总有法子的。 | Yinger wollte nur noch schlafen – ihr Körper schien entleert von Mark und Blut. Lanlan sagte: Und wenn wir kriechen müssen – die Wüste nach Osten ist nur achtzig Li breit; den größten Teil müssten wir schon geschafft haben. Dahinter gibt es Hirten. |
| 689 日头爷没入西山后,两人动了身。兰兰背了枪,莹儿备了手电。入肚的那点儿芦芽根早化了,肚里像有了好多小鸟,一起发出咕咕的声音。这显然是芦芽惹出的麻烦。饥渴之网仍在浓重地裹挟着她们。尤其是渴,汹涌成大浪了。兰兰的嘴唇紫里带蓝,肿得老高,上面有层厚厚的痐,这是她老用舌头桥嘴唇的缘故。 | Yinger sagte: Und wenn wir kriechen müssen. |
| 690 莹儿就很注意自己的形象,她也叫兰兰别薛。可兰兰不听,瞧那嘴唇,足足肿了半寸高。此外,两颊也塌陷了,眼睛大而无神,瓷化了似的。莹儿从兰兰脸上看到了自己,明白自家的尊容也好不了多少。 | Beide standen wieder auf. Sich gegenseitig stützend, folgten sie dem Sandgrat nach Osten. |
| 691 水呀,一想这个字,心里都清凉了,但随后又会拽来一股汹涌的渴。 | Anfangs bemerkte Yinger wegen des großen Durstes die Beinschmerzen nicht. Nach einer Weile brannten Fußsohlen und Waden wie aufgeschnitten. |
| 692 开始有了风虽仍是暖风但清洌了些。星星还没出来,西山上还有润渗而去的红。山黑蚴蚴的,变成了很美的剪影。但面对挣命的莹儿们,一切都虚设了。 | Außer gelegentlichem Sammeln von Sandhirse war sie selten in die Wüste gekommen und hatte keine Übung im Sandlaufen. Lanlan ebenfalls nicht. Immerhin war Lanlan als Schwerstarbeiterin bei den Schwiegereltern etwas kräftiger. Doch mit dem Gewehr auf der Schulter verbrauchte auch sie viel Kraft. Das Gewehr wog kaum zehn Pfund, doch über weite Strecken wurde es zum kraftfressenden Tiger. Selbst die Taschenlampe in Yingers Hand schien hundert Pfund zu wiegen. |
| 693 莹儿木然地望一眼西山,费劲地动动喉结。她想,要是那冤家见到这景致,不定会昨样发诗兴呢。怪的是,此刻想到他,心也木木的,没以前那样的感觉了。她想,他说得对,爱情是一种感觉。 | Die Nacht war stockfinster, doch das machte nichts. Der Große Bär leuchtete klar – mit ihm konnten sie nicht in die Irre gehen. Er war wie das Gewehr etwas, das Beruhigung schenkte. Nur der Durst wurde immer schlimmer – nicht nur die Gedanken, selbst der Blick war davon wie verklebt. Die Augäpfel drehten sich spürbar widerwillig und erzeugten ein reibendes Geräusch. Auch das Knarren der Gelenke beim Gehen wurde immer deutlicher – in der dunklen Nacht ein trockenes Knacken. So etwas hatten sie noch nie erlebt. |
| 694 两人的脚步挪动得很慢。那腿脚,也没以前活泛了。莹儿竟听到两腿在移动时发出了昧嗦咋嗦的声响。她不知道兰兰是否有同样的感受。兰兰的身子晃得很厉害,那身子,也不听她的话了。那不太高的沙坡,她们竟上了好长时间。不远处更高的沙岭,就像雷电一样击中了她们,莹儿真有些怕了。 | Die Beine schmerzten, aber jeder Schritt nach Osten war ein Schritt näher zur Hoffnung. In einem Moment der Benommenheit glaubte Yinger, dass sie auf Lingguan zuging. Sie glaubte sogar, ihn in der fernen Dunkelheit winken zu sehen. Mit einem Mal hatte sie Kraft. |
| 695 上了沙坡,兰兰一屁股坐在沙上。莹儿也一仰身躺了。天暗了,风也凉了,空气有了一点潮意。这正是走夜路的好时光,但莹儿明白,她们的心虽强,但身子不听话了。那白昼伏湿沙晚上赶夜路的想法在理论上虽然可行,但它需要强壮的身子和充足的食物和水。那点儿芦芽仅能为她们的身体提供一点儿养分,仅仅能保证在短期内不至于死亡而已。要翻越那高大的沙山,穿越那浩翰的沙漠,显然是不可能的事。 | Wirklich seltsam. Obwohl es eine trügerische Vision war, war die Kraft, die sie schenkte, ganz real. Sie versuchte, die Benommenheit scharf zu sehen. Sie dachte: Dass das Schicksal ihr in diesem Moment diesen Wink gab, war kein Zufall. Vielleicht weidete der Schicksalsgefährte wirklich in der östlichen Weideregion. Das war durchaus möglich. Er hatte immer gesagt, am liebsten reite er Pferde. Vor ihren Augen erschien Lingguan zu Pferde. Da sie ihn nie auf einem Pferd gesehen hatte, holperte er im Bild wie auf einem Kamelrücken. … Egal – reit, was du willst, solange du dort bist; du kannst sogar auf einem Schaf reiten! Damit bekam Yinger wirklich viel Kraft. Als sie sah, wie mühsam Lanlan ging, wollte sie ihr das Rezept verraten, bedachte dann aber, dass Huaqiu kaum in der Weideregion sein konnte. Und Lanlans Tonfall hatte verraten, dass Huaqiu in ihrem Herzen nicht mehr so wichtig war. Dieses Rezept half gegen Lanlans Erschöpfung wohl nicht. |
| 696 兰兰说,得走啊。 | Seltsam – seit jener flüchtigen Vision lief Yinger viel schneller. Obwohl die Beine schmerzten, obwohl der Durst in jeder Pore schrie – weil sie dem Nachtmarsch einen „Sinn“ gegeben hatte, war alles erträglicher. |
| 697 莹儿说得走。 | Yinger fand das komisch. |
| 698 兰兰说不能困死在这儿。 | Doch die Kraft des „Sinns“ war begrenzt. Kurz nach Mitternacht konnte Yinger wirklich nicht mehr. Bei jedem Anstieg brauchte sie Lanlans Hilfe zum Hinaufklettern; sie war längst benommen. Auch Lanlan benutzte das Gewehr, das sie zuvor geschultert hatte, als Gehstock – den Kolben in den Sand gestemmt, gewann sie etwas Halt. Sie wollte Yinger das Gewehr überlassen, doch die hatte nicht einmal die Kraft, danach zu greifen. Schließlich gingen sie aneinandergelehnt weiter – Lanlan stützte sich auf den Gewehrkolben, Yinger auf Lanlan – und schleppten sich noch ein Stück. Als sie eine flache Anhöhe erklommen hatten, brachen beide zusammen. Durst und Hunger hatten jeden Willen zermalmt. |
| 699 莹儿说就是。 | Yinger keuchte: Wenn ich sterbe, dann sterbe ich – ich habe mein Bestes getan. Ihre Kehle brachte keinen Laut mehr hervor, doch Lanlan verstand. Lanlan sagte nichts – auch sie wusste, dass der Tod nahte. Unaufhaltsam, wie ein Sarg, der aus dem Dorftor getragen wird. Selbst ohne die Hitze des nächsten Tages würde der rasende Durst sie töten. Sie hatten lange nichts getrunken; alles, was sie am Leben hielt, war die Feuchtigkeit der Schilfwurzeln. Sie erinnerte sich, wie froh sie beim Fund gewesen war – die Sprossen waren ihr Rettungsstern. Sie hatte geglaubt, sie würden ihnen aus der Not helfen. Doch die mühsam und unter Lebensgefahr gegrabenen Sprossen waren gegen den anschwellenden Hunger und Durst nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie wagte nicht, sich vorzustellen, was sie erwartete, wenn die gnadenlose Sonne morgen über ihren Köpfen stünde. |
| 700 兰兰说走啊。 | Yinger fühlte, dass sie sterben würde. Ihr Leben war eine Kerzenflamme im Wind, aufflackernd, kurz vor dem Verlöschen. Der Herzschlag war matt, als wolle er jeden Moment stillstehen. Man sagte, das Leben hänge am Atem – jetzt verstand sie es wirklich. Wenn jener seidendünne Atem im Wind riss, gab es in der Wüste einen einsamen Geist mehr. Der alte daoistische Mönch mit der schwarzen Haut hatte gesagt, wer auswärts stirbt, werde ein herrenloser Geist, den der Totenkönig nicht aufnimmt; er müsse neben den entblößten Knochen weinen, bis sie begraben sind und die Seele zur Ruhe kommt. Im Dorf gab es viele Todeslegenden, die ihr jetzt alle in den Sinn kamen. Sie fragte sich: Wenn sie stürbe, als was würde sie wiedergeboren? Auf keinen Fall wollte sie wieder ein Mensch sein – Menschsein war zu anstrengend. Am liebsten ein Vögelchen, eine Lerche am besten, den ganzen Tag singend im Wald. Oder ein Fuchs. Yinger liebte wie Lanlan dieses halbmystische, seelenvoll flinke Tier. … Ein wahres Seelenwesen – wie der Wind kam es, wie der Wind ging es; einziger Beweis seiner Existenz: pflaumenblütenförmige Spuren. Am liebsten würde Yinger ein mondanbetender Fuchs, der durch Anbetung einen Unsterblichkeitskörper erwirkt, um dann einen Bücherwurm zu verführen. Dann wäre Lingguan alt, doch ein alter Lingguan war immer noch Lingguan – sie würde ihn nicht verschmähen. Wenn er es brauchte, würde sie die mühsam errungene Unsterblichkeitspille ausspucken, ihn essen lassen und ihn wieder jung machen. Dann kümmerte sich niemand mehr um sie – sie kam und ging spurlos, Mutter würde sie nicht mehr zur Heirat zwingen, nicht mehr zum Brauttausch nötigen, und kein ekelhafter Xu-Pockennarbe sie mehr belästigen. Wenn nötig, konnte sie ein ganzes Rudel kleiner Fuchsgeister gebären, alle Lingguan genannt, mit Ordnungsnummern: Lingguan 1, Lingguan 2, Lingguan 3, Lingguan 4 und so weiter. Beim Gedanken an dieses Rudel spitzgesichtiger Lingguans musste Yinger lachen. Ja – ein Rudel Lingguans, wirklich drollig! Sie würden in der Wüste herumtollen, singen, lärmen, den Mond anbeten, wie der Wind kommen und gehen. Ihre flinken Schritte würden rauchfeinen Staub aufwirbeln, und die Dünen wären voller Pflaumenblüten-Spuren. Der beste Maler der Welt könnte solche Pflaumenblüten nicht malen. Diese Eleganz – vom Himmel und von der Erde erschaffen. |
| 701 莹儿说走。 | Der Durst erinnerte sie an das Schwinden des Lebens. Sie glaubte, den Sonnenaufgang nicht mehr zu erleben. Sterben war nicht so schlimm – früher hielt sie den Tod für die größte Sache der Welt, jetzt war er wie ein Nickerchen. Sie dachte an Panpan. Seltsam – in der ganzen Zeit hatte sie kaum an Panpan gedacht. Das hieß, sie vertraute der Schwiegermutter. Auch ohne Mutter würde das Kind nicht zu kurz kommen. Davon war Yinger überzeugt. Sie fand sich selbst als Mutter unwürdig. |
| 702 两人都说走,却谁也没动。莹儿长叹一声,将头枕在兰兰的肚子上。 | Mühsam drehte sie die Augäpfel und blickte in den Nachthimmel. Die Augen waren trocken wie eine seit Jahren nicht geölte Radachse. Die Sterne schienen alle zu lärmen, als stritten sie. Auch sie erzeugten das reibende Geräusch von Gelenken – wie Sojabohnen, die in einer frei hängenden Eisenpfanne geröstet werden. Sie hätte nicht gedacht, dass auch Sterne lärmen können. Wirklich seltsam. |
| 703 莹儿真想睡去,身子似抽光了骨髓和精血。兰兰说,爬也得爬过去,朝东的大沙只有八十里宽,想来已走过大半了,穿过去就有牧人。 | Nach langem Nachtmarsch wirkte das Dunkel blasser, die Sanddünen traten schemenhaft hervor und entfalteten eine geheimnisvolle Anmut. Yinger empfand, dass dieses Geheimnis wie ihr Blut zähflüssig geworden war. Die todmüde Benommenheit wickelte sich erneut um sie. Die Viskosität des Blutes war zum Strick geworden; das ausgehungerte Herz konnte das teigdicke Blut nicht mehr pumpen. |
| So musste es sein, dachte sie. Sobald sie einschlief, würde sie beim Aufwachen zu einem dünnen Rauchfaden geworden sein. Ihre Seele würde wie der Wind über der Wüste schweben. | |
| Sie erinnerte sich an Mutters Geschichten vom Totengeist. Mutter sagte, der Totengeist werde vom Totenkönig gesandt, um Seelen zu holen. Als der Schwager im Sterben lag und den letzten Atemzug nicht tun konnte, sagte Mutter, das liege daran, dass Lingguan an seiner Seite war und der Totengeist sich nicht nähern konnte. Mutter sagte, unberührte Kinder hätten eine furchteinflößende Aura – in den Augen des Totengeistes seien sie wie ein unnahbares Feuer. Kaum hatte Lingguan den Raum verlassen, verschied der Schwager. Mutters Worte war erfüllt von Geisterhaftem, ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Yinger fragte sich: Wartete der Totengeist jetzt neben ihr, bereit, ihr Leben zu holen? Sie hörte Lanlan schnarchen. Yinger bekam Angst. Seltsam – vor dem Tod fürchtete sie sich nicht mehr, wohl aber vor Geistern. Obwohl sie wusste, dass sie selbst nach dem Tod ein Geist wäre, fürchtete sie sich dennoch. Sie wagte nicht, sich umzudrehen. Sie fürchtete, plötzlich den Totengeist zu erblicken. Auf der Theaterbühne hatte sie ihn gesehen: ein leichenblasses Gesicht, hagere, hohe Gestalt, spitzer Hut. Wenn sie ihn so sähe, brauchte es keinen Durst, um sie zu töten – allein der Schreck würde ihr die Seele aus dem Leib reißen. | |
| Weil sie sich fürchtete, wich die Müdigkeit zurück. Sie glaubte tatsächlich, hinter sich Schritte zu hören. … Wirklich Schritte. An diesem menschenleeren Ort – was außer einem Geist konnte dieses Geräusch erzeugen? |