Difference between revisions of "Xue Mo Desert Daughters/zh-de/Chapter 11"
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| 1799 48 | | 1799 48 | ||
| − | | Baozi sagte: Wenn Daniu sich wirklich hätte umbringen wollen, wäre das natürlich auch gegangen – zum Beispiel hätte er vor dem Sprung ein Stück Salzkruste an sich gepresst, dann wäre er nicht aufgetrieben. Wenn jemand stirbt, öffnen sich die Hände, und erst dann trägt die | + | | Baozi sagte: Wenn Daniu sich wirklich hätte umbringen wollen, wäre das natürlich auch gegangen – zum Beispiel hätte er vor dem Sprung ein Stück Salzkruste an sich gepresst, dann wäre er nicht aufgetrieben. Wenn jemand stirbt, öffnen sich die Hände, und erst dann trägt die Sole den Körper an die Oberfläche. Baozi sagte, der Dichter Qu Yuan habe sich damals mit einem Stein beschwert in den Fluss gestürzt. |
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| 1800 吴姐又来了。这回没带菜,只说那两个捡沙根的又来了,叫莹儿们换个活儿。莹儿笑笑,说成哩干啥也成。要是没活儿,她们回家也成。吴姐笑了,说你想到哪儿去了?其实,那活儿比捡沙根于净,虽是个力气活,可没有卤水啥的.兰兰说成哩干啥也成。 | | 1800 吴姐又来了。这回没带菜,只说那两个捡沙根的又来了,叫莹儿们换个活儿。莹儿笑笑,说成哩干啥也成。要是没活儿,她们回家也成。吴姐笑了,说你想到哪儿去了?其实,那活儿比捡沙根于净,虽是个力气活,可没有卤水啥的.兰兰说成哩干啥也成。 | ||
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| Über den Grund des Selbstmords gab es viele Theorien: Erstens, Daniu habe Angst vor Prügel durch die Polizei gehabt; zweitens, Daniu habe gewusst, dass er den Salzsee als Verdienstquelle verloren hatte, sei verzweifelt und habe sich getötet; drittens, Daniu habe Yingers Liebe nicht erhalten und das Leben als sinnlos empfunden. Wegen der dritten Theorie befragte die Polizei Yinger. Yinger erzählte der Polizei, was Daniu in jener Nacht gesagt hatte. Die Polizei befragte auch Sansan. | | Über den Grund des Selbstmords gab es viele Theorien: Erstens, Daniu habe Angst vor Prügel durch die Polizei gehabt; zweitens, Daniu habe gewusst, dass er den Salzsee als Verdienstquelle verloren hatte, sei verzweifelt und habe sich getötet; drittens, Daniu habe Yingers Liebe nicht erhalten und das Leben als sinnlos empfunden. Wegen der dritten Theorie befragte die Polizei Yinger. Yinger erzählte der Polizei, was Daniu in jener Nacht gesagt hatte. Die Polizei befragte auch Sansan. | ||
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| − | | 1806 | + | | 1806 |
| Die Wanderarbeiter sammelten reichlich Brennholz und Kuhdung und hoben den in rotes Samttuch gehüllten Daniu auf den Scheiterhaufen. Ein Trucker zapfte einen halben Eimer Benzin aus seinem Tank. Danius Mutter warf sich wie eine Glucke schützend hin und her. Sie wollte ihren Sohn ein letztes Mal sehen, doch die Arbeiter ließen sie nicht an die Leiche heran. Der Vater war pragmatischer: Er klammerte sich an den Vorsteher und umfasste immer wieder dessen Beine. Das war der wirksamste Trick der Bauern gegenüber Amtspersonen. Der Vorsteher sagte: Dein Sohn hat Selbstmord begangen – warum sollten wir Blutgeld zahlen? Doch der Alte ließ nicht locker und klammerte sich weiter an die Beine. Schließlich ließ der Vorsteher den Kassierer dem Alten zehntausend Yuan geben – nicht „Blutgeld“ genannt, sondern als „Unterstützung für die Familie“. Angeblich war der Alte nach Erhalt des Geldes erst recht davon überzeugt, dass der Vorsteher ein schlechtes Gewissen hatte – warum sonst so viel Geld? | | Die Wanderarbeiter sammelten reichlich Brennholz und Kuhdung und hoben den in rotes Samttuch gehüllten Daniu auf den Scheiterhaufen. Ein Trucker zapfte einen halben Eimer Benzin aus seinem Tank. Danius Mutter warf sich wie eine Glucke schützend hin und her. Sie wollte ihren Sohn ein letztes Mal sehen, doch die Arbeiter ließen sie nicht an die Leiche heran. Der Vater war pragmatischer: Er klammerte sich an den Vorsteher und umfasste immer wieder dessen Beine. Das war der wirksamste Trick der Bauern gegenüber Amtspersonen. Der Vorsteher sagte: Dein Sohn hat Selbstmord begangen – warum sollten wir Blutgeld zahlen? Doch der Alte ließ nicht locker und klammerte sich weiter an die Beine. Schließlich ließ der Vorsteher den Kassierer dem Alten zehntausend Yuan geben – nicht „Blutgeld“ genannt, sondern als „Unterstützung für die Familie“. Angeblich war der Alte nach Erhalt des Geldes erst recht davon überzeugt, dass der Vorsteher ein schlechtes Gewissen hatte – warum sonst so viel Geld? | ||
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| Lanlan stellte fest: Ohne den Druck des Überlebens wurden ihre Gedanken lebendig. Kaum setzte ein Gedanke ein, erwachten viele längst unterdrückte Erinnerungen. Unter allen Erinnerungen war der Tod ihrer Tochter Yindi die herzzerreißendste. Jetzt schien er so fern – als hätte er nie stattgefunden. Doch er hatte stattgefunden. Das artigste, liebevollste, verständigste Kind, Yindi, war nicht mehr. Bei dem Gedanken an ihre Tochter, die Baifu in der Wüste erfrieren ließ, zitterte Lanlans Herz. | | Lanlan stellte fest: Ohne den Druck des Überlebens wurden ihre Gedanken lebendig. Kaum setzte ein Gedanke ein, erwachten viele längst unterdrückte Erinnerungen. Unter allen Erinnerungen war der Tod ihrer Tochter Yindi die herzzerreißendste. Jetzt schien er so fern – als hätte er nie stattgefunden. Doch er hatte stattgefunden. Das artigste, liebevollste, verständigste Kind, Yindi, war nicht mehr. Bei dem Gedanken an ihre Tochter, die Baifu in der Wüste erfrieren ließ, zitterte Lanlans Herz. | ||
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| 1878 民工们都这么说。 | | 1878 民工们都这么说。 | ||
| − | | Damals sang Lanlan gern ein Lied. Den Text hatte sie nach langer Pause größtenteils vergessen, aber die wichtigsten Zeilen noch im Kopf: | + | | Damals sang Lanlan gern ein Lied. Den Text hatte sie nach langer Pause größtenteils vergessen, aber die wichtigsten Zeilen noch im Kopf: |
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| 1879 莹儿望着头儿。她第一次这样望他。她发现她无论望啥人,都觉得对方有种陌生的怪模怪样,只有灵官例外。…... 头儿也一样的怪模怪样,而且是那种叫她不能接受的怪模怪样。她怀疑这是一种毛病但没治。 | | 1879 莹儿望着头儿。她第一次这样望他。她发现她无论望啥人,都觉得对方有种陌生的怪模怪样,只有灵官例外。…... 头儿也一样的怪模怪样,而且是那种叫她不能接受的怪模怪样。她怀疑这是一种毛病但没治。 | ||
| − | | | + | | „Du führst mich vorbei am hellen Dorftor-Hund, |
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| 1880 莹儿垂下眼脸,对头儿说我给大牛求个情。 | | 1880 莹儿垂下眼脸,对头儿说我给大牛求个情。 | ||
| − | | | + | | du führst mich aus achtzehn Jahren Gram, |
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| 1881 头儿干脆地说成哩莹儿原以为他会说些理由拒绝的,就吃惊地望他。 | | 1881 头儿干脆地说成哩莹儿原以为他会说些理由拒绝的,就吃惊地望他。 | ||
| − | | | + | | du führst mich die lange Nacht hindurch, |
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| 1882 头儿用亮亮的眼睛望着她。解铃还得系铃人。人家给你说情,你也给人家说情。这叫一报还一报。 | | 1882 头儿用亮亮的眼睛望着她。解铃还得系铃人。人家给你说情,你也给人家说情。这叫一报还一报。 | ||
| − | | | + | | du führst mich zum Licht der Morgensonne …“ |
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| 1883 谢谢。莹儿说。 | | 1883 谢谢。莹儿说。 | ||
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| 1889 头儿离开办公桌,向她移来。莹儿怕他动粗,就后退到门口。她一脚在里,一脚在外,她想,他要是动粗,她就手扳门框大叫。 | | 1889 头儿离开办公桌,向她移来。莹儿怕他动粗,就后退到门口。她一脚在里,一脚在外,她想,他要是动粗,她就手扳门框大叫。 | ||
| − | | Damals war das Schilf hoch und die Weidenbüsche dicht. In Eisgras und anderem konnte man sich verstecken. Wenn Lanlan mit ihren Spielkameraden herumtollte und die Blase sie drückte, hockte sie sich hin und war erleichtert. In der Schule, als sie | + | | Damals war das Schilf hoch und die Weidenbüsche dicht. In Eisgras und anderem konnte man sich verstecken. Wenn Lanlan mit ihren Spielkameraden herumtollte und die Blase sie drückte, hockte sie sich hin und war erleichtert. In der Schule, als sie |
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| 1890 头儿看出了她的心思,笑了笑,说那我只好叫法律办了。你想,有那么多民工,你也打,我也打,我有多少牙叫人家打? | | 1890 头儿看出了她的心思,笑了笑,说那我只好叫法律办了。你想,有那么多民工,你也打,我也打,我有多少牙叫人家打? | ||
| − | | „Unter dem weiten, weiten Himmel, | + | | „Unter dem weiten, weiten Himmel, |
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| 1891 莹儿觉得头里有面钵在敲。她吃力地说,我也是尽心而已。只是.. …·你也别逼人家太凶,给人家一条活路。 | | 1891 莹儿觉得头里有面钵在敲。她吃力地说,我也是尽心而已。只是.. …·你也别逼人家太凶,给人家一条活路。 | ||
| − | | über der endlosen Steppe, | + | | über der endlosen Steppe, |
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| 1892 头儿大笑。莹儿觉得有种很强的波向脑中卷来。她甚至怕自己会晕倒,就赶紧退出门来。她看到有好些民工在望她。他们也定然知道莹儿来干啥,她觉得有些对不住他们。她想,我真没用。 | | 1892 头儿大笑。莹儿觉得有种很强的波向脑中卷来。她甚至怕自己会晕倒,就赶紧退出门来。她看到有好些民工在望她。他们也定然知道莹儿来干啥,她觉得有些对不住他们。她想,我真没用。 | ||
| − | | wenn der Wind das Gras beugt, | + | | wenn der Wind das Gras beugt, |
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| 1893 她往自己的住处走。那段路虽不长,但莹儿觉得走了很久.脑中的钵仍在起劲地敲。她想,我也是尽心而已。 | | 1893 她往自己的住处走。那段路虽不长,但莹儿觉得走了很久.脑中的钵仍在起劲地敲。她想,我也是尽心而已。 | ||
| − | | sieht man Rinder und Schafe“ | + | | sieht man Rinder und Schafe“ |
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| 1894 她有些恶心男人了。他们咋都这样。 | | 1894 她有些恶心男人了。他们咋都这样。 | ||
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| Lanlan wurde warm ums Herz, und Tränen strömten ihr übers Gesicht. Seit Jahren wollte sie ständig weinen, sich an Huaqius Schulter lehnen und sich die Seele aus dem Leib weinen. Im Herzen staute sich ständig etwas Bedrückendes – erzählte man es dem Vater, seufzte er; klagte man es der Mutter, weinte sie; sprach man mit Fremden, fehlte die Stimmung, und es brachte nur Ärger. Im Dorf sah man ständig, wie eine Schwiegermutter vor einer anderen Tür stand und jene „Hexe“ beschimpfte, die ihre Schwiegertochter verderbe. Diese Szene wiederholte sich ständig, und so legte sich eine Haut ums Herz – lieber ließ man es unter der Haut verfaulen, als es ans Licht zu bringen. Doch die angestauten Gefühle verdichteten sich immer mehr, und manche weinten am Grab der Eltern. Lanlan hatte nicht dieses Glück – sie sehnte sich nach Huaqius Schulter. Huaqiu sagte: „Wein dich aus. Danach wird’s dem Herzen leichter.“ | | Lanlan wurde warm ums Herz, und Tränen strömten ihr übers Gesicht. Seit Jahren wollte sie ständig weinen, sich an Huaqius Schulter lehnen und sich die Seele aus dem Leib weinen. Im Herzen staute sich ständig etwas Bedrückendes – erzählte man es dem Vater, seufzte er; klagte man es der Mutter, weinte sie; sprach man mit Fremden, fehlte die Stimmung, und es brachte nur Ärger. Im Dorf sah man ständig, wie eine Schwiegermutter vor einer anderen Tür stand und jene „Hexe“ beschimpfte, die ihre Schwiegertochter verderbe. Diese Szene wiederholte sich ständig, und so legte sich eine Haut ums Herz – lieber ließ man es unter der Haut verfaulen, als es ans Licht zu bringen. Doch die angestauten Gefühle verdichteten sich immer mehr, und manche weinten am Grab der Eltern. Lanlan hatte nicht dieses Glück – sie sehnte sich nach Huaqius Schulter. Huaqiu sagte: „Wein dich aus. Danach wird’s dem Herzen leichter.“ | ||
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| − | | 1917 | + | | 1917 |
| Lanlan wischte sich die Tränen ab. Sie dachte: Ein seltenes Treffen – lieber lachen. Doch das Drücken im Herzen blieb, und mit einem langen Seufzer sagte sie: „Dieses Leben, ich halte es nicht mehr aus.“ Huaqiu sagte: „Wenn du es nicht aushältst, lass dich scheiden.“ „Und dann?“ „Heiratest wieder.“ | | Lanlan wischte sich die Tränen ab. Sie dachte: Ein seltenes Treffen – lieber lachen. Doch das Drücken im Herzen blieb, und mit einem langen Seufzer sagte sie: „Dieses Leben, ich halte es nicht mehr aus.“ Huaqiu sagte: „Wenn du es nicht aushältst, lass dich scheiden.“ „Und dann?“ „Heiratest wieder.“ | ||
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| „Warum sollte ich lügen? Medikamente habe ich genug genommen, aber nichts hilft.“ | | „Warum sollte ich lügen? Medikamente habe ich genug genommen, aber nichts hilft.“ | ||
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| Huaqiu ließ los. Lanlan spürte seine Enttäuschung und sagte: „Sei nicht so. Wir sehen uns so selten – lass uns reden.“ Huaqiu schwieg. Lanlan sagte: „Am Anfang hab ich noch im Traum mit dir geredet. Später bist du auch aus meinen Träumen verschwunden. Ich hatte so viel zu sagen. Aber kaum sehen wir uns, ist alles vergessen.“ | | Huaqiu ließ los. Lanlan spürte seine Enttäuschung und sagte: „Sei nicht so. Wir sehen uns so selten – lass uns reden.“ Huaqiu schwieg. Lanlan sagte: „Am Anfang hab ich noch im Traum mit dir geredet. Später bist du auch aus meinen Träumen verschwunden. Ich hatte so viel zu sagen. Aber kaum sehen wir uns, ist alles vergessen.“ | ||
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| Huaqiu sagte: „Wenn man nicht furzen kann, was soll man dann reden? … Ich sollte gehen. Meine Frau wollte nicht, dass ich komme. Sie sucht mich wahrscheinlich schon überall.“ | | Huaqiu sagte: „Wenn man nicht furzen kann, was soll man dann reden? … Ich sollte gehen. Meine Frau wollte nicht, dass ich komme. Sie sucht mich wahrscheinlich schon überall.“ | ||
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| Lanlan wollte fragen: „Wärst du geblieben, wenn ich nicht krank wäre?“ Doch plötzlich verlor sie jede Lust am Gespräch. Sie bereute das heutige Treffen ein wenig. Sie erkannte: Huaqiu hatte sich verändert. | | Lanlan wollte fragen: „Wärst du geblieben, wenn ich nicht krank wäre?“ Doch plötzlich verlor sie jede Lust am Gespräch. Sie bereute das heutige Treffen ein wenig. Sie erkannte: Huaqiu hatte sich verändert. | ||
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Revision as of 12:21, 8 April 2026
| 中文 (Original) | Deutsch (Übersetzung) |
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| 1760 吴姐又胡乱说了些废话,才终于谈出正事儿。她问,你瞧,我们的头儿咋样? | Sansan sagte: Am besten enthüllst du die Sache, dann bist du sicherer. |
| 1761 莹儿问你指哪个头儿?吴姐笑道,就是你们骂“老死娃子”的那个。莹儿虽没骂过但还是不好意思了。莹儿说,挺好的。瞧,这毛毯,就是借他的。 | Daniu sagte: Wenn man an dem Faden zieht, kommt eine ganze Kette zum Vorschein. Ich überlege auch gerade, was ich tun soll. – Dann sagte er zu Yinger: Überleg es dir auch gut, Xinjiang ist wirklich ein guter Ort. |
| 1762 吴姐感叹道,要说,头儿真是个热心人,哪个民工没受过他的恩惠呢?都叫他”及时雨”呢。莹儿没听过谁叫他“及时雨”,但还是默认了。 | Yinger dachte: Ich darf ihm keine falschen Hoffnungen mehr machen. Also sagte sie: Und wenn ich sterbe – ich werde niemals mit dir gehen. In dieser Sache bin ich entschlossen. Dräng mich nicht. |
| 1763 吴姐又说你可能没听说过他的老婆没了。 | Daniu seufzte: Ich beneide die Bergräuber. Wäre ich ein Bergräuberhäuptling, würde ich dich als meine Bergfestungsbraut rauben. |
| 1764 莹儿似乎明白她要说啥话了,心怦怦直跳。 | Dabei nahm er den Wasserschlauch aus Leder von der Wand, den Yinger und Lanlan aufgehängt hatten – Lanlan hatte die Öffnung mit einer dünnen Hanfschnur zugebunden –, füllte ihn mit Wasser und nahm ein paar Brote mit. Vor der Tür warf er Yinger einen langen, harten Blick zu und lächelte schmerzlich. |
| 1765 吴姐果然说出了那话。她说,人家心里,可有你了。 | In dieser Nacht schliefen die drei Frauen schlecht. Vor allem Yinger lag die ganze Nacht wach. Sie bereute, Daniu gegenüber nicht schon früher deutlicher gewesen zu sein. Zwar hatte sie es klar genug ausgedrückt, aber sie wusste: In der Liebe belügt man sich selbst. Sie wusste auch, dass Daniu nun ruiniert war. Wie es weitergehen sollte, war ungewiss. Wenn die Uniformierten ihn erwischten, war nicht sicher, ob er lebend zurückkäme. … Je mehr sie darüber nachdachte, desto ängstlicher wurde sie. Sie bereute zutiefst, Daniu damals nicht scharf genug gesagt zu haben, er solle nicht für sie vorsprechen. Aber die Dinge waren nun einmal so, und kein Bedauern konnte Danius Schicksal ändern. Nach langem Nachdenken beschloss sie, gleich am nächsten Morgen zum Vorsteher zu gehen und für Daniu zu bitten. Sie dachte: Jedes Herz ist aus Fleisch, und drei gute Worte wärmen das Herz. Sie dachte: Wenn es Daniu helfen kann, sage ich auch ein paar gute Worte mehr. |
| 1766 又说,他观察了你好些天发现你不错。 | 52 |
| 1767 又说他见了好些女人,你最合他的意了。 | Dem Vorsteher fehlten die Schneidezähne, was ihn wesentlich älter aussehen ließ. Aber Yinger wusste: Schneidezähne sind keine große Sache – heute fehlten sie, morgen setzte man Goldzähne ein, und er würde noch imposanter aussehen. Wichtig war das Gesicht. Der Vorsteher legte größten Wert auf sein Gesicht. Von einem Wanderarbeiter verprügelt zu werden war eine Schmach. Auch seine Rivalen würden die Sache ausschlachten. Der Rang des Vorstehers war nicht hoch, aber es war ein lukrativer Posten. Das natürliche Salz – wie viel davon anfiel, ließ sich nicht genau festlegen, dehnbar wie ein Gummiband. Und in dieser Dehnbarkeit rollte das Geld. |
| 1768 又说,你只要一点头,就能吃香的,喝辣的,再也不用受苦了。 | So redeten alle Wanderarbeiter. |
| 1769 又说想填那缺儿的女人能拉一驼车呢。你要是愿意,他立马就能跟你结婚。 | Yinger betrachtete den Vorsteher. Zum ersten Mal sah sie ihn richtig an. Sie stellte fest, dass sie bei jedem Menschen eine Art fremdartige Seltsamkeit empfand – nur Lingguan war die Ausnahme. … Der Vorsteher war ebenso seltsam, und zwar auf eine Art, die sie nicht akzeptieren konnte. Sie vermutete, das sei eine Art Macke – aber dagegen gab es kein Mittel. |
| 1770 还说了好些话。 | Yinger senkte die Augen und sagte zum Vorsteher: Ich bitte um Gnade für Daniu. |
| 1771 莹儿沉默一阵,她在想些合适的理由,既不要伤别人,又能拒绝她,想呀想,却也没个好理由,就想,还是实说了吧。就说事倒是个好事,可惜我没那个福分。我也有我的心上人呢。 | Der Vorsteher sagte knapp: In Ordnung. Yinger hatte erwartet, er würde Gründe für eine Ablehnung vorbringen, und blickte ihn erstaunt an. |
| 1772 吴姐噢一声,问,他在哪儿? | Der Vorsteher sah sie mit glänzenden Augen an: Wer die Glocke aufgehängt hat, muss sie auch abnehmen. Jemand hat für dich gebeten, jetzt bittest du für jemanden. Das ist Gleiches mit Gleichem. |
| 1773 在省城干事。 | Danke, sagte Yinger. |
| 1774 莹儿虽然不知道灵官究竟在哪儿,却神使鬼差地说出了“省城”。她有意没说他打工,只说“干事''。那“干事”,看你咋理解了。当省长也是干事,洗盘子也是干事。至于究竟干啥事,叫她自个儿猜去。 | Der Vorsteher sagte: Aber bei einer Sache musst du einwilligen. |
| 1775 这下,吴姐不好说啥了,又胡乱说一阵话,叫她再好好想想,就走了。 | Welche Sache? |
| 1776 三三一进来,就一改过去的冰冷模样。原来,她在窗外偷听呢。她说,你咋不答应?人家,可真是金饽饽呢.有多少女人梦想着填那窝儿呢。你要是不放心,先跟他领结婚证呀?你不听,人家愿意立马结呢。这样的好事,你咋不答应?又说,你是不是嫌他老气?其实,他岁数也不大,这儿风沙大,皮肤当然比城里人黑。 | Was wohl für eine Sache? |
| 1777 兰兰没说啥。 | Der Vorsteher sah sie mit glänzenden Augen an und sagte: Vielleicht war ich zu voreilig. Wie wäre es so: Wenn du mich noch nicht kennst, heiraten wir erst einmal nicht. Wir probieren es eine Weile, und wenn es passt, heiraten wir. Oder wir heiraten auch nicht. |
| 1778 莹儿约她出去走走。两人打着三三的伞,又到了莹儿上午待的地方。雨还是那么大。人说“早雨不多,一天嗳暧",真是的。那雨,虽能湿了人的衣裳,却也为世界添了好些韵致。兰兰说,要说那事儿,也是个好事儿。人嘛,想那么远干啥?再说你想人家,人家还不定在做啥呢。按说,我不该说这号话,可你想过没?好些事,是由不了你的。 | Als Yinger das „probieren“ hörte, drehte sich ihr der Magen um. Sie verstand natürlich, was das „Probieren“ bedeutete. Sie spürte eine Hand, die ihr die Kehle zudrückte, und konnte kaum atmen. Mühsam sagte sie: Nein. Das kommt nicht infrage. |
| 1779 莹儿明白兰兰说啥。心一下子灰了,她眯了眼,望望远处。雨里的民工没了。 | Der Vorsteher verließ seinen Schreibtisch und kam auf sie zu. Yinger fürchtete, er könnte handgreiflich werden, und wich zur Tür zurück. Ein Fuß drinnen, ein Fuß draußen – sie dachte: Falls er handgreiflich wird, halte ich mich am Türrahmen fest und schreie. |
| 1780 盐池很静,只有雨丝落在伞上的声音,偶尔,还隐隐能听到盐层断裂声。 | Der Vorsteher durchschaute ihre Gedanken, lächelte und sagte: Dann muss ich wohl das Gesetz walten lassen. Stell dir vor, bei so vielen Wanderarbeitern – wenn du schlägst und ich schlage, wie viele Zähne soll ich mir denn ausschlagen lassen? |
| 1781 莹儿叹道,我给你讲个事儿。小时候,爹给我买过个玉佩儿,我很喜欢。一天,哥在上面吐了一口唾沫,他是有意气我的。他知道我有洁癖。我嫌它脏,就摔碎了它。明白不?……我明明知道,人活在世上,有时得委屈自己,随顺一些人和事,可我没办法。人不过是几十年的物件,为啥不干净些活呢?有些东酉你一弄脏,是洗也洗不尽的对不? | Yinger fühlte ein Hämmern wie eine Klangschale in ihrem Kopf. Mühsam sagte sie: Ich habe mein Bestes getan. Nur … drücken Sie ihn auch nicht zu sehr. Lassen Sie ihm einen Ausweg. |
| 1782 兰兰长长地叹口气。 | Der Vorsteher lachte laut. Yinger spürte eine gewaltige Welle in ihrem Kopf. Sie fürchtete sogar, ohnmächtig zu werden, und trat schnell aus der Tür. Sie sah, dass viele Wanderarbeiter sie anstarrten. Auch sie wussten sicher, weshalb Yinger hier war. Sie fühlte sich ihnen gegenüber schuldig. Sie dachte: Ich bin wirklich nutzlos. |
| 1783 莹儿说你心里,不是也有不能玷污的东西吗?我心里也有。要是没那东西了,就没意思活了。 | Sie ging zu ihrer Unterkunft. Der Weg war nicht lang, doch Yinger kam es vor wie eine Ewigkeit. Die Klangschale in ihrem Kopf hämmerte weiter. Sie dachte: Ich habe mein Bestes getan. |
| 1784 又说我不想为了一点好吃好喝和好穿,扔了我活着的理由。 | Sie ekelte sich ein wenig vor Männern. Warum waren sie alle so? |
| 1785 又说为了那个活的理由,我可以不活。 | Am nächsten Morgen in der Frühe hörte man plötzlich jemanden rufen: Schnell her, es gibt einen Toten! |
| 1786 兰兰说瞧你,胡说啥?但还是明白,莹儿真是铁心了。 | Yinger und Lanlan liefen hinaus und sahen eine große Menschenmenge, die sich um ein Becken scharte und lärmte. Sansan stürzte außer sich hin. Bald stieß sie entsetzliches Wehklagen aus. Auch Baozi weinte laut. |
| 1787 47 | Danius Leichnam trieb in der Salzlauge. Keine Verletzung war sichtbar. Die tiefgrüne Lauge umrahmte seine leeren Augen. Yinger summte es im Kopf, wie in einem Albtraum. Alles Sichtbare war unwirklich. Die Wanderarbeiter starrten mit leblosen Augen. Gelegentlich war ein Raunen zu hören, so langgezogen und hohl wie ein Lufthauch durch eine Ritze. |
| 1788 由于三三的宣传,盐池上的人都知道头儿的心了。头儿觉得很没面子。男人们都这样,面子比啥都重要。于是,找莹儿的人多了,都说吴姐说过的话。想叫莹儿答应的理由也越来越多,但无论啥理由,跟莹儿活着的理由一碰,就粉碎了。 | Das Becken lag nicht weit von Yingers Unterkunft. Yinger entdeckte am Beckenrand Spuren eines Kampfes. Es sah nicht nach einer Schlägerei aus, aber es gab deutliche Anzeichen eines Ringens. Sie dachte: War er versehentlich ins Salzbecken gefallen? Doch sie wusste auch, dass selbst ein tatsächlicher Sturz ins Becken niemanden ertränken konnte. Yinger spürte, wie eine unsichtbare große Hand ihr Herz knetete. |
| 1789 莹儿也不说啥,她只是沉默。不料,那沉默反倒增加了她在头儿心中的分量。有人说,头儿说了,不将她弄到手,这辈子,就白活了。 | Die Polizei kam. Die Wanderarbeiter wichen stumm zurück. Die Polizei ließ die Arbeiter Daniu herausziehen. Ein Gerichtsmediziner begann mit der Leichenschau. |
| 1790 因为话已挑明头儿的攻势猛起来。他开始打发吴姐往莹儿房里送菜。盐池上,没比莱更诱人的东西了。大约一个星期,城里才会来一辆拉菜的车。盐池职工的家属就成了专职的买菜人。菜车来的那天,她们都早早地排了队。民工也会派专人去买些很便宜的菜,但多便宜的菜,一进沙窝,都至少贵好几倍。莹儿当然是很想吃菜的。她的手心里老是起皮,人说那是不吃菜的原因。 | Er ließ die Arbeiter Danius Kleidung ausziehen. Yinger und die anderen hielten sich fern. |
| 1791 头儿的司机朋友多,每次来拉盐,他们都会给他带几纤维袋菜。头儿就叫吴姐送一些给莹儿。莹儿说不要,吴姐还是把菜放在地上。对那菜,莹儿是不叫兰兰碰的。那菜开始还脆绿,一天过后,就黄了萎了。三三急得大叫:你这是糟蹋呀!就将那些快要烂的菜淘洗了,自个儿炒吃了。莹儿也懒得去管。 | Sansan weinte nicht mehr. Lanlan war leichenblass und hielt Sansans Arm. Yinger spürte ein Drücken auf der Brust. Sie fand Danius Tod seltsam. Jeder würde ihn seltsam finden, dachte sie, aber keiner sagte es. Sie dachte: Daniu war ein Grobian mit gutem Herzen – hätte er sich wirklich wegen eines ausgeschlagenen Zahns das Leben genommen? Wer wusste das schon. |
| 1792 吴姐老送菜来,莹儿也老说不要。她也不多说话。也许头儿有冷藏的冰柜,吴姐每次带来的,都是新鲜的。吴姐一走,三三就径自淘洗了。她说,反正莹儿是不吃的,与其糟蹋了,不如她吃。渐渐地,民工也知道了这事,吴姐送来菜后,才出门,他们便一窝蜂拥了来,将菜分了。 | Sansan schüttelte sich in Schauern, einer nach dem anderen. Es sah aus, als fröre sie, erinnerte aber auch an einen Schluckauf, den man bekommt, wenn man zu hastig und zu viel gegessen hat. Yinger erkannte: Sansan hatte Daniu aufrichtig geliebt. Sansan war zwar nicht hübsch, aber kräftig und von einer pulsierenden Lebendigkeit. Yinger dachte: Daniu, du hast wirklich kein Glück gehabt. Doch als sie daran dachte, dass auch er sie aufrichtig geliebt hatte, durchzuckte ein Stich ihr Herz. Früher, wenn sie an Danius Zudringlichkeit dachte, hatte sie es nicht ertragen können – sie empfand sein Klammern als Entweihung. Jetzt aber berührte es sie. Denn schließlich war es aufrichtig gewesen. |
| 1793 莹儿不吃头儿送的莱的消息很快就传遍了盐池都说这女人有志气那可是脆生生绿盈盈的新鲜菜呀。连头儿她都这样拒绝,那大牛,怕是连根毛也没摸着吧?大牛卖弄出的好些闲话,民工们都不信了。传来传去,莹儿就被神化了。 | Der Schmerz im Herzen verwandelte sich in Wärme. Die Wärme wogte eine Weile, dann strömte ein heftiges Gefühl zur Nase hoch. Eine Tränenspur rollte die Nasenfurche hinab. |
| 1794 但大牛却错解了莹儿的心,他以为,莹儿之所以那样待头儿,是因为钟情于他。他被这个臆想感动得热血沸腾好几次,看到莹儿独处,他就瞅个空儿前来,说,你这样待我,我也会真心待你的。又说,你等着,我会做给你看弄得莹儿莫名其妙,她弄不清自己咋"待"了他。 | Alles verschwamm, als hätte ein dichter Schleier der Illusion es aufgelöst. Das Gefühl eines Albtraums wurde immer deutlicher, das Drücken auf der Brust ebenfalls. Yinger hielt Sansan in den Armen und weinte still. Sansan aber war erstarrt, ihre Augen tief eingesunken und leer. Von Wind und Sonne war Sansans Haut sehr trocken, ihr Gesicht voller Sommersprossen. Sansan sparte am Gemüse, gab aber viel Geld für Creme gegen Sommersprossen aus. Yinger wusste: Die beste Creme konnte nicht viel ausrichten, denn die Sprossen kamen von Melanineinlagerungen. Solange Sansan unter der sengenden Sonne arbeitete, konnte sie auf keine gute Haut hoffen. |
| 1795 大牛总认为莹儿肯定崇拜他的力气。他忘不了自己风卷残云般捞盐时莹儿看他的那一眼。那一眼充满了惊奇,大牛却当成了爱慕。昼里梦里,他都思谋那一眼,并衍化出更多的眼神来。浸淫于那些眼神里的他一天天陶醉着自己,千活也格外有劲了,某日竟捞出了十一吨盐。 | In der Ferne schien der Gerichtsmediziner die Leiche zu sezieren. Ein weißer Schimmer leuchtete zwischen den Menschenschatten hervor. Yinger wagte nicht, dorthin zu blicken, doch unwillkürlich dachte sie an die grauen Schwielen und die weit aufklaffenden Wunden an Danius Beinen. |
| 1796 陶醉在自己的世界里的人,总能臆造出许多别人爱慕他的理由。大牛想,莹儿没有不爱他的理由。他力大,有一身腱子肉人长得也精神。只有在挣钱上,他不如头儿,但他挣得也不少。再说,头儿那钱,是黑钱,来路不正的。不定哪一天,雪一化,尸身子一出来,钱就叫公家没收了。他的钱却是血汗钱,说到天上也是他的。而且,他听说,女人都喜欢强壮男人。头儿早过了强壮期,哪有他大牛有“力量”。 | Baozi kam herüber. Er wischte sich die Tränen ab und hockte sich neben Sansan. |
| 1797 大牛老是哼一种快乐的小调听那曲子,很像是《我们的生活充满阳光》,但因走调太多,变成另一曲了。那歌很老了,似乎是个电影插曲。民工房里有个小琴,就是一手弹拨一手按键的那种。还有一本破书那歌就在破书里睡着。一天宝子闲极无聊,弄醒了它。开始,它只是呻吟睢呀。几天后,它就活了,随了那琴声到处乱蹄。耳濡目染,大牛也就会哼了。他无论走路,还是劳动,都哼那曲子。 | Schluchzend sagte er: Am Körper von Daniu seien keine Verletzungsspuren, nur sein Hemd sei merkwürdig zerrissen – völlig zerfetzt. |
| 1798 都说瞧,大牛得花痴病了。 | Es sehe aus, als hätte ein Ungeheuer im Wasser an der Kleidung gezerrt und ihn hinuntergezogen. Baozi wischte sich die Tränen und sagte: Danius Lungen und Magen seien voller Salzlauge gewesen, als sei er ertrunken. Aber das Seltsame sei: Selbst wenn man sich umbringen wollte, würde einen die Salzlauge nicht untergehen lassen. Baozi sagte, nachdem Daniu ins Wasser gefallen war, müsse eine äußere Kraft ihn unter Wasser gedrückt haben. Sicher. Er sagte, auch der Vorsteher wische sich die Tränen. Der Vorsteher habe gesagt, er habe der Polizeiwache schon Bescheid gesagt, dass sie die Sache fallenlasse. Er sagte: Es war doch nur ein Zahn. … Wer hätte gedacht, dass er sterben würde? |
| 1799 48 | Baozi sagte: Wenn Daniu sich wirklich hätte umbringen wollen, wäre das natürlich auch gegangen – zum Beispiel hätte er vor dem Sprung ein Stück Salzkruste an sich gepresst, dann wäre er nicht aufgetrieben. Wenn jemand stirbt, öffnen sich die Hände, und erst dann trägt die Sole den Körper an die Oberfläche. Baozi sagte, der Dichter Qu Yuan habe sich damals mit einem Stein beschwert in den Fluss gestürzt. |
| 1800 吴姐又来了。这回没带菜,只说那两个捡沙根的又来了,叫莹儿们换个活儿。莹儿笑笑,说成哩干啥也成。要是没活儿,她们回家也成。吴姐笑了,说你想到哪儿去了?其实,那活儿比捡沙根于净,虽是个力气活,可没有卤水啥的.兰兰说成哩干啥也成。 | Yinger hatte keine Lust zu reden. |
| 1801 新派的活是压沙。风老是将沙丘吹得四下里乱走。它要是进了哪个盐池哪个盐池就死了。 | Baozi sagte noch: Durch Danius Tod sei alles andere nebensächlich – aber seine Schwester könne nun nicht mehr studieren. Baozi sagte, nur dank Danius ochsengleicher Plackerei habe seine Schwester die Universität besuchen können. |
| 1802 压沙的方法有多种,一是抬土上沙丘,在沙上造些土棱儿;二是将麦草们压进沙里,织成网状。因盐池上缺麦草,多用土压沙。场里对土棱定了要求,多宽多高,每米付多少钱。……但无论哪种方法,效果都是暂时的。等流沙将人工织的屏障埋了后,沙丘就又活了。所以,压沙成了盐池上常年干的事。 | 53 |
| 1803 一到千活现场,莹儿就发现,压沙比捡沙根苦多了。你得在毒日头下干活。 | Daniu sollte verbrannt werden. |
| 1804 沙丘上无遮无拦, 日头爷就尽情发威。这倒不算啥最苦的是抬土。两人抬个帆布抬杆,装上土,一摇一晃,挪上沙丘。在沙丘上走路,前行一步,便后陷半步,空身子都嫌吃力,何况抬上重物。 | Die Wanderarbeiter kamen alle, um ihn zu verabschieden. Auch Danius Eltern waren da. Sie heulten wie Stiere. Beide waren sehr ausgemergelt – wie vom Wind getrocknete Auberginen. Kaum vorstellbar, dass diese zwei dürren alten Leute einen bullengleichen Sohn hervorgebracht hatten. Der alte Mann heulte langgezogen, Tränen tropften in seinen Bart. Die alte Frau stöhnte langgezogen und schlug dabei mit dem Kopf gegen die Salzkruste. Als man den Betrieb um sie geschickt hatte, sagte man nur, Daniu sei krank. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass ihr bullenstarker Sohn bereits tot unter einem roten Samttuch lag. Aus Angst, sie könnten zusammenbrechen, ließen die Arbeiter sie nicht an Daniu heran. Das war richtig – hätte die ausgemergelte alte Frau ihren aufgeschnittenen Sohn gesehen, wäre sie wohl vor Herzschmerz gestorben. Doch das Ergebnis der Obduktion war klar: Im Mageninhalt kein Gift, am Körper keine auffälligen Verletzungen. Zwar gab es einige Kratzer, aber keine tödlichen. Es stand fest, dass er ertrunken war, und der Gerichtsmediziner neigte zu Selbstmord. Doch angeblich hatte die Polizeiwache noch eine abweichende Meinung. |
| 1805 每次抬土上沙丘,莹儿就觉得抬杠在咬手,那挤压,直往骨头里钻。土的重量也变成了拽力,老想将她拽下沙丘。脚陷入沙中,沙钻进鞋里,跟脚亲热不已,才行了几步,就狼狈不堪了。她咬了牙,较劲儿似的屏了息,才将一兜土抬上沙丘然后扔下抬杆,萎在地上。看到女人们在望她,她也懒得管那些嘲笑的眼神, | Über den Grund des Selbstmords gab es viele Theorien: Erstens, Daniu habe Angst vor Prügel durch die Polizei gehabt; zweitens, Daniu habe gewusst, dass er den Salzsee als Verdienstquelle verloren hatte, sei verzweifelt und habe sich getötet; drittens, Daniu habe Yingers Liebe nicht erhalten und das Leben als sinnlos empfunden. Wegen der dritten Theorie befragte die Polizei Yinger. Yinger erzählte der Polizei, was Daniu in jener Nacht gesagt hatte. Die Polizei befragte auch Sansan. |
| 1806 | Die Wanderarbeiter sammelten reichlich Brennholz und Kuhdung und hoben den in rotes Samttuch gehüllten Daniu auf den Scheiterhaufen. Ein Trucker zapfte einen halben Eimer Benzin aus seinem Tank. Danius Mutter warf sich wie eine Glucke schützend hin und her. Sie wollte ihren Sohn ein letztes Mal sehen, doch die Arbeiter ließen sie nicht an die Leiche heran. Der Vater war pragmatischer: Er klammerte sich an den Vorsteher und umfasste immer wieder dessen Beine. Das war der wirksamste Trick der Bauern gegenüber Amtspersonen. Der Vorsteher sagte: Dein Sohn hat Selbstmord begangen – warum sollten wir Blutgeld zahlen? Doch der Alte ließ nicht locker und klammerte sich weiter an die Beine. Schließlich ließ der Vorsteher den Kassierer dem Alten zehntausend Yuan geben – nicht „Blutgeld“ genannt, sondern als „Unterstützung für die Familie“. Angeblich war der Alte nach Erhalt des Geldes erst recht davon überzeugt, dass der Vorsteher ein schlechtes Gewissen hatte – warum sonst so viel Geld? |
| 1807 只管喘气。 | Eigentlich wollte der Alte den Leichnam seines Sohnes nicht verbrennen lassen. Er wollte noch mehr Geld herausschlagen. Er fürchtete, ohne Leiche beim nächsten Mal weniger überzeugend auftreten zu können. Aber der Leichnam begann zu verwesen, und die Arbeiter flehten den Alten an – der Gestank lasse sie nicht mehr essen. Da wurde der Alte weich. |
| 1808 兰兰擦擦头上的汗,说,先试着干一天。你要是熬不下来,我们就给他们下个话,结了账,回家算了。 | Das Benzin wurde auf das rote Samttuch gegossen, das Daniu umhüllte. Beißender Geruch breitete sich aus. Danius Mutter wälzte sich schreiend am Boden und heulte gellend. |
| 1809 莹儿说,回家又能咋样?你瞧,那么多女人不也干吗?她们能,我们为啥不能? | Sansan und die anderen schluchzten mit. Das Drücken in Yingers Brust wurde stärker. Alles wurde zu einem zähflüssigen Traum, verblasste zu Schatten. Jemand hielt eine Fackel, die im Wind zischte. Langsam näherte sie sich dem Holz unter dem roten Samttuch. Das Holz wartete schon ungeduldig – noch bevor die Fackel es berührte, loderte bereits eine helle Flamme auf. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus, wild und hemmungslos wie ein Wirbelwind, und verschlang im Nu das Samttuch. |
| 1810 咬紧牙,两人又抬了几兜,莹儿发现手腿都成了别人的。汗除了从毛孔里淌,还从眼窝里外涌,真”手心里起皮,眼窝里淌汗”了。最难受的是腿,每一挪动,腿肚里就有刀子割。她怀疑韧带受伤了,但看了几次疼处,倒也不见有啥淤青。 | Die Flammen knisterten fröhlich. Sie waren eine Schar jauchzender Krähen. Stück für Stück fraßen sie das Samttuch, nagten die Kleidung ab und verbrannten die weiße Haut zu Schwarz. Besonders die Schwielen und Wunden an Danius Beinen schienen ihnen zu schmecken. Sie leckten und brannten; die Schwielen versuchten hartnäckig, ihre ursprüngliche Farbe zu behaupten, doch das Feuer nagte hartnäckig. Allmählich wurde die graue Haut weiß und dann scheckig. |
| 1811 两人干到中午,汗流了不少,那土棱儿却没多长。莹儿粗粗地算了算,照这样子,她们挣不了多少钱。 | Das Feuer überflutete den Himmel. Überall Knistern. Danius Mutter riss den Mund auf und warf sich auf den Boden. Auch sein Vater riss den Mund auf – er schien zu weinen und zugleich über die Feuerbeständigkeit seines Sohnes zu staunen. … Ja, Daniu brannte langsam. Normale Menschen hatten viel Fett, Daniu aber bestand aus sehnigen Muskeln. Ersteres förderte die Verbrennung; Letzteres brauchte die Kraft des Holzes, um die letzte Wandlung zu vollziehen. |
| 1812 因为压沙处离宿舍有段距离,两人不打算回去了。她们来时带了水和馍馍.本打算将午休的时间也用来压沙,不想,稍稍一休息,却谁也不想动了。望望别人的成绩,她们暗暗惭愧。 | Auf der Haut breiteten sich graue Flecken aus, eine Flüssigkeit trat hervor, doch das Feuer verdampfte sie sofort. |
| 1813 正相顾苦笑呢大牛带着宝子来找她们。一见她们,大牛大呼小叫地扑上沙丘。兰兰亲热地打个招呼。莹儿也含笑示意一下。这下,大牛受宠若惊了。他跟宝子抬兜运土,不一会,那隆起的土棱儿,竟比她们一上午干的还多。 | Riesige Flammen. Der Rauch nahm ab. Das Benzin hatte seine Aufgabe erfüllt. Den Rest besorgten Holz und Kuhdung. Daniu schien verlegen – er zuckte ein paarmal im Feuer und erschreckte die Arbeiter. Einer rief: Keine Angst, das sind nur die Sehnen, die sich zusammenziehen. Nach diesem Ruf wurde Daniu sofort friedlich – als hätte man einem Zauberer den Trick verraten. Er zeigte eine ruhige Gelassenheit. Als wolle er seinen Fehler wiedergutmachen, begann sein Körper, neuen Brennstoff freizusetzen. Die Flüssigkeit war schaumig und sickerte Tropfen für Tropfen aus den sich ausbreitenden grauen Ringen – erst wie ein Dunst, allmählich verdichtend. Der „Tropfen“ wurde immer größer und rann schließlich den schwärzlichen Körper hinab, wo er im Feuer einen hellen Schimmer erzeugte. |
| 1814 大牛说你们真傻。你瞧,人家咋干的?他过去,将别人的土棱儿一创开,莹儿才发现那奥妙。原来,别人先将沙弄成棱儿,再在上面盖些土。这样,一兜土,就能造好长的一截棱儿。 | Durch Danius Mitwirkung wurde das Feuer sehr rein und sauber. Die Flammen waren nicht mehr wild, sondern erreichten eine reife Vollkommenheit. Das Fleisch wurde zu harter Haut und klebte an den Knochen – ein Zeichen, dass das Feuer alles Wasser aus Danius Körper vertrieben hatte. Nur das Fett behielt noch flüssige Gestalt; Knochen und Fleisch erstarrten im Feuer. Die Arbeiter standen mit halb geöffnetem Mund da, ihre Augen glänzten wie Porzellan. |
| 1815 兰兰说,照这样子,风吹了土,不跟没压一样吗? | Das Weinen von Danius Mutter drang durch das Feuer. Ihr Weinen glich keiner Totenklage – es war eher ein schrilles Heulen, das unwillkürliche Heulen nach unerträglichem Schmerz. Auch Danius Vater stieß laute Klagerufe aus, doch er schien frei zwischen Trauer und Berechnung wechseln zu können. Nach einer Weile alterstränenreichen Weinens schielte er zum Vorsteher hinüber. Der Vorsteher hatte ein graues Gesicht – vielleicht Trauer, vielleicht Gereiztheit. Das trockene Holz war aufgebraucht, nur noch Glut blieb; der Kuhdung verströmte weiterhin sein eigenes Flammenlicht. Danius Körper schrumpfte zusammen. |
| 1816 大牛说,谁管得了千秋万代呀?都猫儿盖屎地干,你不那样,能挣个屈毛呀? | Nach der Vorschrift für Feuerbestattungen hätte jemand mit einer Eisennadel die schwarze Masse durchstoßen sollen, damit alles gründlich verbrannte. Doch niemand tat es, und so wurde Daniu nur zu einem schwarzen Klumpen. |
| 1817 兰兰问,场里不管吗? | Ein Scheiterhaufen aus Holz und Kuhdung war anders als ein professioneller Krematoriumsofen. Als das Feuer erlosch, hatte sich Daniu noch nicht vollständig in Knochen verwandelt. Angeblich wollte seine Mutter den Sohn nach Hause tragen, doch der Vater war dagegen. Er wollte Daniu in der Sandwüste begraben, um zu Hause kein Aufsehen zu erregen. |
| 1818 大牛说事在人为。大不了,给验工的人送条烟人家睁一眼闭一眼,也就过了.兰兰说那号骗人的事,我们做不来要是想挣昧心钱,还用到沙窝里来吗? | Wäre Daniu vollständig zu sauberen Knochen verbrannt, hätte die Mutter wohl den Alten überstimmt und den Sohn heimgetragen. Doch das Holzfeuer half dem Alten. Die Hitze hatte das Fleisch nicht vollständig verbrannt – nur in eine glasurartige Masse verwandelt. So fügte sich Danius Mutter und ließ die Arbeiter Daniu in einer Sandmulde nördlich des Salzsees begraben. |
| 1819 大牛们吃劲干了一阵,累了个满头大汗。到了上工时间,大牛对莹儿说,我去给头儿说说最好还叫你干轻省些的。这活儿,累死驴呢。 | Am Tag nach der Beerdigung bereiteten Yinger und die anderen nach örtlichem Brauch Suppenreis zu und brachten ihn zu Danius Grab. Sie stellten fest, dass die Sanddüne, unter der Daniu begraben war, verschwunden war. Daniu lag längst freigelegt da, und das an den Knochen klebende Fleisch war von irgendeinem Tier restlos abgenagt. |
| 1820 休息一阵,两人又开始抬土。莹儿有些身不由己。好几次,好容易到沙丘的半腰,却一下子萎倒了,土当然全倒了。兰兰也累得前仰后合,直喘粗气。都精疲力尽了,但都不想干那投机勾当。 | Die Knochen waren zwar vom Rauch geschwärzt, doch die Bissspuren hatten saubere weiße Linien hineingenagt. |
| 1821 兰兰说,以前有个善人,上了三年香,心很虔诚,菩萨化成一个卖盐人,前来试他。那人拿出做过手脚的秤,多弄了半斤盐。菩萨笑道,上了三年香,不抵半斤盐兰兰说,那人三年的功德,叫他骗去的半斤盐折消了。她说修行主要是修心。莹儿却说功德不功德,我倒不在乎。我只是做不出那事,穷了穷些过我们又不是只值那几个钱。两人仍是实打实地按要求压沙,虽累成一堆泥了,却没干出多少成绩。粗粗地算算,要不算大牛们帮的那些,两人压一天沙挣的钱,还不如捡半天沙根呢。 | Weinend sammelten Yinger und die anderen die über den Boden verstreuten Knochen ein und begruben sie im gelben Sand. |
| 1822 49 | 54 |
| 1823 大牛出事了。 | Lanlan und Yinger dämmten noch ein paar Tage Sand, dann fielen sie fast auseinander. Da sie nicht mogeln wollten, war das, was sie in drei Tagen schafften, weniger als andere an einem Tag. Lanlan sagte: Bei diesem Tempo bleibt nach Abzug der Verpflegung kaum etwas übrig. |
| 1824 黄昏时分,两人回到住处,听三三说,大牛打了头儿。事情很简单,大牛以为自己跟头儿私交很好,想说个情,叫莹儿们继续捡沙根。他忘了,无论他多有力气其实还是个打工的。那“交情”二字,用在身份相若的人之间才适合。三三还说,那“老死娃子',早就气恨大牛了。一个民工,竟想跟他争女人。人家正想找他的茬儿呢,大牛自个儿碰枪口上了。于是,头儿眯了眼,望大牛,许久才说,谁的裤档烂了,露出你来了?意思是,你以为你是谁?大牛便放恼了。 | Offenbar war auch hier kein Ort zum Bleiben. Am besten den Lohn kassieren und nach Hause gehen. |
| 1825 听宝子说那大牛,也生头儿的气早想打头儿了。上回头儿一提亲,大牛就咬牙切齿地说,也不撒泡尿照照,一头老驴了,还想啃嫩苜蓿?还说了好些话。有些想讨好头儿的民工,就将话转达给头儿了。头儿就将大牛说成老屁。大牛就恼了。 | Wegen Danius Tod ging es Yinger schlecht. Sie bemerkte, dass viele auf sie zeigten und tuschelten. Sie spürte einen enormen Druck. Zusammen mit der schweren Arbeit wollte sie keinen Tag länger bleiben. Endlich kam der Abrechnungstag, sie holten ihren Lohn und bereiteten die Heimreise vor. |
| 1826 恼了的大牛也是大牛,他只要灰头土脸地出来,也就没事了。头儿天生是骂人的,你叫他骂几旬,也没啥。可大牛答应了莹儿,要给她换个轻省些的活。他不能说白话放白屁的。他一条长毛出血有骨头有脑髓的汉子,咋能失信于女人? | Die Schwägerinnen dampften das übrige Mehl zu Broten, formten sie walnussgroß und rösteten sie in Öl. Dazu pflückten und salzten sie wilden Sandlauch. Der Lauch war etwas alt, doch auch alter Sandlauch war Sandlauch – wenn der Mund schon ganz fade war, würde man ölgeröstete Brötchen mit Sandlauch ganz besonders genießen. |
| 1827 他想努力说出自己该说的话。以前,每次头儿喝醉酒,都由他背回屋子,头儿总叫他兄弟。头儿还打发大牛干一些不便使唤盐池正式职工的营生——那些人的贼眼也盯着头儿的位子呢——-大牛便知道了头儿的好些秘密。但大牛义气,只是在某次醉酒后,才牛吼般哭,对照顾他的三三说,他妈的世道真不公,人家稍稍使 | Lanlan gab die Wolldecken und das Kochgeschirr an Schwester Wu zurück, die sie dem Vorsteher übergeben sollte. Schwester Wu wurde verlegen und gab ihnen drei Fasersäcke Salz mit. Da am Salzsee die Regel galt, dass die mongolischen Hirten der Umgebung Salz – ob für sich selbst oder die Kamele – nie bezahlen mussten, nahm Lanlan das Salz an. Sie holten beim Hirten das Kamel ab und zahlten ihm eine Aufwandsentschädigung. Nach einigen Dutzend Tagen Mast stand der Höcker wieder aufrecht. Doch Yinger fand das Kamel irgendwie seltsam – sie konnte nicht sagen warum, hatte aber dieses Gefühl. |
| 1828 个手脚,就能扫树叶子一样捞钱,自己拼了老命,才能挣个养命的光阴。 | Da Daniu den Lederschlauch mitgenommen hatte, kaufte Lanlan im Laden der Betriebszentrale einen Plastikkanister für Wasser. |
| 1829 知道了头儿底细的大牛,便开始给好些人说情,就这样挣足了面子。 | Beladen mit Salzsäcken konnte das Kamel keine Reiter mehr tragen. Yinger sagte: Nicht reiten, gut, dafür sind Beine da – zum Gehen. Lanlan sagte: Solange die Schakale uns nicht wieder in die Irre treiben, werden wir uns nicht verlaufen – schnurstracks raus hier. |
| 1830 但这回他一提莹儿,头儿就铁青了脸,叫他出去。要是头儿只是吼”出去"' | Beim Wort „Schakale“ wurden Yingers Beine weich. Das war ihre Schwäche: Einmal von etwas erschreckt, wurden bei der nächsten Erwähnung die Beine unwillkürlich weich. Doch sie zeigte ihre Angst nicht. Sie wusste, auch Lanlan hatte Angst, aber jetzt durfte man nur Mut machen, nicht entmutigen. Wenn beide sagten, sie hätten Angst, würde die eingebildete Angst einen umbringen. |
| 1831 大牛也会出去的,头儿不该动手推他。头儿一推,两推,大牛的手就不听话了,就也回推了头儿一下。三三说,你想,大牛的劲多大,头儿一下撞向办公桌,差点砸倒桌子。 | Lanlan überprüfte: Noch die Hälfte des Schießpulvers und etwas Eisenschrot übrig. Auch sie fürchtete die Schakale, doch es gab keine Wahl – entweder quer durch die Wüste oder einen riesigen Umweg. Auf dem direkten Weg durch die Wüste brauchten sie bei guter Orientierung drei bis vier Tage. Der Umweg war unabsehbar – mindestens zwanzig Tage. Lanlan sagte: Nehmen wir die Abkürzung der Vorfahren. Yinger dachte: Stimmt, in der Wüste waren ihnen immerhin keine bösen Menschen begegnet. |
| 1832 三三说,要是仅仅砸倒桌子,也没啥。头儿不该抡起椅子,头儿一抡椅子,他的身份就变了。他就从头儿变成了想跟大牛打架的人.大牛不想打架,可他的手想打架。大牛一抡胳膊,椅子就散架了。然后,大牛的拳头就撞向头儿,磕飞了两只门牙。 | Beim Kauf des Plastikkanisters kaufte Lanlan auch Petroleum und Batterien. Das Petroleum war für die Sturmlaterne. Beim letzten Schakalangriff war das Glas der Laterne zerbrochen, aber zum Glück gab es im Laden Ersatzgläser. Sie kaufte auch Fahrradkugeln als Munitionsersatz für den Notfall und Feuerwerkskörper. Zum Abschrecken wilder Tiere waren Böller wirksamer als Schüsse. |
| 1833 这下,大牛犯法了。据说,打落牙齿虽不是多大的事,可也算是伤害,不知是轻伤还是轻微伤,总之是伤害了。盐池派出所的警察去逮大牛,大牛跑进了沙窝三三说大牛完了。只那么一拳,他的命就变了。场里扣了他的当月工资,说是要支付头儿的药费。三三还说,钱倒是小事,最大的损失是场里不会再要他了。要是叫警察逮住,牢是坐定了。加上他的逃,性质更严重,谁知道得坐几年牢哩? | Die geliehenen Kochtöpfe und Geschirr hatten sie zurückgegeben und wollten sich nicht erneut welche anschaffen. Lanlan sagte: Neues Kochgeschirr koste Geld und belaste das Kamel zusätzlich. Yinger sagte: Gut, sind doch nur ein paar Tage. Solange wir Wasser und Brot haben, kommen wir durch. |
| 1834 民工们都说,女人真是祸水。 | Als alles vorbereitet war, brachen die beiden auf. Yingers Herz war leer. Sie erinnerte sich, wie sie bei der Suche nach dem Salzsee in der Sandwüste überwältigende Hoffnung gehegt hatte – drängender noch als eine betende alte Frau, die sich das Reine Land ersehnt. Doch manches durfte man nicht aus der Nähe betrachten. Was sie für einen Weg gehalten hatte, eine Chance, das Schicksal zu wenden, stellte sich als nicht besser als zu Hause heraus. Sie verstand: Es sei denn, sie änderte sich selbst. Sonst würde sie nicht einmal solch schwere Arbeit wie Sanddämmen lange durchhalten. Heutzutage waren dreibeinige Esel schwer zu finden, aber zweibeinge Arbeitswillige gab es mehr als Ameisen. Wenn man den Vorsteher verärgerte, konnte man sich an die Seite setzen und vertrocknen. |
| 1835 莹儿记起,大牛说过“你等着,我会做给你看。“心里很难受。不管咋说大牛是因她们出的事。要不是给她们说情,人家的劳动模范不照样当?听说,大牛给盐池挣足了面子,每次省上来人参观,都要到大牛干活的现场去。要不是莹儿,头儿肯定会卖他面子的。可是,两个公狮子都会为母狮子拼个死活呢,何况两个长毛出血的男人?再说头儿又不想打天下,何必要舍了面子收买人心呢? | Doch die „Veränderung“, die der Vorsteher erhoffte, wäre Yinger lieber gestorben als einzugehen. Man sagte: Wird eine Frau schlecht, hat sie Geld – doch wenn man tatsächlich schlecht wird, ist man dann noch ein Mensch? Yinger dachte: Was den Menschen zum Menschen macht, ist eine Grenze. Überschreitet man sie, zählt man nicht mehr als Mensch. Egal wie andere dachten – eher stürbe sie, als das zu werden, was der Vorsteher sich erhoffte. |
| 1836 兰兰也拧眉不语。三三将那事说得很严重。姑嫂俩的心很沉重。要是没警察掺和倒也没啥。村里人打架,打下鼻血,打落牙齿的,多得海呀。谁又管啥伤害不伤害呢?可大盖帽一掺和,事情就麻烦了。听说凉州的大盖帽很厉害,连好人也能弄成杀人犯。一想大盖帽正在追捕大牛,兰兰的心就砸友友似的嗤嗤。 | Es half nichts. |
| 1837 夜已经很黑了,三个女人各怀心事,都没入睡。油灯儿恍惚着,摇曳出许多诡秘和莫测。屋外的风呕呕叫着。一入夜,多是这样。听说,安西是世界风库,‚ | „Gehen wir.“ |
| 1838 一年一场风从春刮到冬。因为少有树木的阻挡那风库里的风直溜溜就能吹到这儿,弄出许多鬼鬼的声音。那声音里,有各种怪模怪样的鬼脸,它们散披着头发,吸着口唇,随意吹奏出一曲曲叫人毛骨悚然的调子。莹儿分明看到了它们风中翻飞的长发。那长发,时如马尾披风,时如疯蛇乱舞。 | Die beiden verließen den Salzsee und betraten das Salzödland. Die Kamelhufe knirschten in der aufgeworfenen Salzkruste. |
| 1839 三三叹道,那大牛,好好儿的,撒啥野?他还供妹妹上大学呢。他一出事,喀噜嗜的,天就塌了。 | Wolken von trockenem weißem Staub stoben auf. Trockenheit und Durst schlugen ihnen entgegen – die durchlebte Durst-Erfahrung hatte sich offenbar in ihre Seele eingeprägt. Yinger fühlte sich sehr erschöpft. Auf dem Hinweg hatte es noch Vorfreude gegeben; auf dem Rückweg war nur die Müdigkeit eines Menschen, der Stürme durchlebt hat. Yinger dachte: Es ist Zeit zu gehen. Vielleicht war ihre Verbindung zum Salzsee nur diese kurze, oberflächliche Bekanntschaft. War das Band durchtrennt, gab es nichts mehr, das sie hielt. Sie erkannte: Der Mensch ist das einsamste Wesen. Vieles muss man allein bewältigen – andere können nicht helfen. Schmerz wie Einsamkeit muss man selbst ertragen. Mit jedem Schritt wurde der Salzsee zu einem weißlich schimmernden Punkt. Beim Anblick der in die Ferne wogenden Sandwellen fühlte Yinger sich erneut ins Ungewisse geschleudert. |
| 1840 兰兰和莹儿也只是叹气。 | Jetzt erst bekam sie ein wenig Sehnsucht nach dem Salzsee. Zwar waren die Menschen dort sehr unterschiedlich – aber immerhin Artgenossen. |
| 1841 忽听有人敲门,那声音很小心,在风中显得隐隐约约。三人互相望了一眼。 | Unwillkürlich dachte sie an Daniu, und zuerst durchströmte sie eine warme Welle, dann kam der Schmerz. Wie man es auch drehte: Danius „eiserne Schwelle“ hatte mit ihr zu tun. Hätte er nicht für sie vorgesprochen, hätte es keinen Streit mit dem Vorsteher gegeben. Ohne Streit wäre er jetzt noch der Arbeitsheld. Doch vieles im Leben war schwer zu sagen. Oft war der Charakter das Schicksal – solange Daniu sein Bullennaturell nicht änderte, hätte er früher oder später seinen Stierkopf durchgesetzt. Bei dem Gedanken an Daniu fand Yinger ihr „nichts, das mich hält“ nicht ganz passend – es hatte einen Beigeschmack von dem, was ihre Mutter „treulos“ nannte. Als Kind hatte ihre Mutter sie oft so gescholten, weil sie stets in ihrer eigenen Welt versunken war; sie liebte das Alleinsein und das eigene Nachdenken. Was in Mutters Augen höchst wichtig war, nahm sie leicht – und Mutter schalt sie „treulose Seele“. Bei dem Gedanken an die Mutter fiel Yinger jene Regennacht wieder ein. Ihr Herz fühlte sich gestochen an. Sie schüttelte den Kopf und dachte: Nicht mehr daran denken, an gar nichts mehr denken. |
| 1842 谁?三三问。 | Auf dieser Welt gibt es keine vergebliche Mühe, wirklich. Das Erdtragen war zwar hart, hatte aber die Beine trainiert. Sie erinnerte sich: Als sie anfing, schmerzten die Waden wie unter Messerstichen. Fünf, sechs Tage später wurde der Schmerz dumpf. Jetzt, in der Sandwüste, waren die Beine viel flinker. |
| 1843 那人不语,只是敲。 | Das Kamel dagegen hatte es schwer. Für eine lange Reise war die Last zu schwer. Doch für drei bis fünf Tage hielt es hundert Jin mehr aus. Um die Kräfte des Kamels zu schonen, wählte Lanlan sanfte Hänge, doch das Tier schnaubte weißen Schaum und keuchte pausenlos. |
| 1844 三三说不说名字,那你就走吧。再敲,我可要叫人了。深更半夜的。 | Die Hitze hielt sich in Grenzen – erstens war es bereits Spätherbst, zweitens verdeckten dichte Wolken die Sonne. Beim Aufbruch vom Salzsee waren die Wolken noch nicht so dick gewesen. Hätte es schon solche schwarzen Wolken gegeben, hätten sie ein paar Tage gewartet. Denn in solchen Wolken konnte sich münzgroßer Regen verbergen. Wenn der Regen sich nicht zurückhielt und herunterprasselte, wäre das sehr lästig. Aber der Wüstenhimmel glich einem Kindergesicht – möglicherweise pustete der Wüstenwind die Wolkenfetzen gleich hinter den nächsten Berg. Niemand nahm sie sich zu Herzen. |
| 1845 门外传来一声:三三。 | Die Schritte waren nicht schwer, doch die Herzen waren es. Der in der Hoffnung strahlend helle Weg war wieder dunkel geworden. Lanlan sagte: Falls es nach der Rückkehr gar nicht mehr gehe, werde sie eben wieder zum Salzsee kommen. Yinger sagte: Und was dann? |
| 1846 三三叫一声,扑下地去.一眨眼,她已抽开插销。 | Sich zu Tode schuften für ein paar Blut-und-Schweiß-Groschen und dabei gewissenlose Dinge tun. Yinger fragte Lanlan: Willst du gewissenlos werden? Lanlan schwieg. |
| 1847 大牛进来了。 | Yinger fuhr fort: Und selbst wenn du dauerhaft am Salzsee arbeiten könntest, was dann? – Diese Frage ließ Lanlan verstummen. Sie erkannte: Wenn man immer weiter fragte, war auch die Arbeit am Salzsee sinnlos – im besten Fall tauschte man Tag für Tag seine schwindende Jugend gegen ein bisschen Lebensunterhalt. Fragte man noch weiter, verlor alles seinen Sinn. Egal wie weit man fragte – am Ende, wenn der Körper verschwand, war alles bedeutungslos. Lanlan sagte: So betrachtet ist die spirituelle Praxis doch das Vernünftigste. Yinger lachte: Wenn du es mit „vernünftig“ bewertest, was ist dann der Sinn der Praxis? |
| 1848 莹儿的头一下大了。警察正逮他呢他竟敢送上门来? | Lanlan lachte und sagte: Ich denke, nach der Rückkehr werde ich wieder praktizieren. |
| 1849 大牛一身的灰。他先是找个碗,舀碗水,灌了一气,才抹抹嘴,对莹儿说,这儿,我待不得了。你跟我上新疆吧! | Yinger stellte fest: Verglichen mit vielen Dingen der Realität hatte Lanlans spirituelle Praxis doch etwas für sich. Wie auch immer – die sogenannten Verdienste gingen nicht mit dem Körper verloren. Yinger überlegte: Hatten die allerersten Praktizierenden vielleicht, nachdem sie die Vergeblichkeit der Realität erkannt hatten, die „Praxis“ als eine Weise erdacht, in der Langeweile „Nicht-Langeweile“ zu finden? |
| 1850 莹儿不知如何回答。 | Doch Yinger sagte trotzdem: Manche Wege muss man gehen, egal ob sie einen Sinn haben oder nicht. |
| 1851 大牛又说新疆大得很。我又没杀人,他们不会死追的。这儿待不得了。你知道,那“老死娃子"嗔狠心重得很,就算警察不逮我,他手下,我也活不出人了。……你跟我走,我会一辈子待你好。真的。 | 55 |
| 1852 三三望着莹儿,一脸的羡慕。她似乎很生气莹儿的不识抬举。 | Die Schwägerinnen sprachen nicht mehr und hingen ihren eigenen Gedanken nach. |
| 1853 莹儿苦笑一下,望望兰兰。兰兰明白那一望的意思,就对大牛说,你不知道,人家有心上人哩。人家的心早给人了。大牛脸灰了,说既然你有了人,咋那样对我好? | Lanlan fand sich sehr glücklich: Wie auch immer, sie konnte in der Vajravarahi-Höhle praktizieren, und ihre Eltern würden sie nicht hungern lassen. Notfalls half sie bei der Feldarbeit – die Familie würde ihr einen Platz am Tisch nicht verweigern. Aber Yinger? Am Salzsee konnte sie den Vorsteher ablehnen, Daniu ablehnen – doch konnte sie ihre Mutter ablehnen? Wenn die Familie immer wieder versuchte, sie aus dem Hause Chen zurückzuholen, und immer wieder Ärger machte – was die Mutter tun würde, war unabsehbar. Lanlan seufzte und fühlte sich schuldig, Yinger belastet zu haben – doch es gab keinen Ausweg. Die Sache mit Yindi spukte noch immer in ihrem Kopf, und die Peitsche, die einen wie Vieh umklammerte, die Fäuste, die Tritte … |
| 1854 莹儿摇摇头。她很想说,我咋对你好了?我啥话也没对你说,啥事也没对你做,那“好”,从哪里说起?但又想,这样一说,会叫他很没面子的。兰兰却替她说了,她没对你咋呀?人家天生就那样,谁见了也喜欢她。你呀想哪里去了? | Und natürlich die Schwiegermutter. Wenn sie daran dachte, dass die Schwiegermutter Yingers Mutter war, fand Lanlan es kaum fassbar. Sie fragte sich: Würde Yinger im Alter auch so werden wie ihre Mutter? Bei dem Gedanken fühlte sie, dass sie Yinger verunglimpfte, und schüttelte heftig den Kopf. Sie glaubte nicht, dass eine so gutherzige Yinger sich zum Schlechten wenden konnte. Menschen waren eben unterschiedlich. Warum? Wegen ihrer Entscheidungen. Lanlan konnte sich kaum vorstellen, dass die Yinger, die den Vorsteher eisern abgewiesen hatte, eines Tages zu einer so pragmatischen Frau wie Yingers Mutter werden würde. |
| 1855 大牛木了脸,呆一阵,又说,你喜欢谁我不管,反正我喜欢你。我就是死 | Lanlan stellte fest: Ohne den Druck des Überlebens wurden ihre Gedanken lebendig. Kaum setzte ein Gedanke ein, erwachten viele längst unterdrückte Erinnerungen. Unter allen Erinnerungen war der Tod ihrer Tochter Yindi die herzzerreißendste. Jetzt schien er so fern – als hätte er nie stattgefunden. Doch er hatte stattgefunden. Das artigste, liebevollste, verständigste Kind, Yindi, war nicht mehr. Bei dem Gedanken an ihre Tochter, die Baifu in der Wüste erfrieren ließ, zitterte Lanlans Herz. |
| 1856 | 56 |
| 1857 也要将你搞到手。 | Neben der toten Yindi dachte Lanlan auch an den Tag, an dem sie Huaqiu wiederbegegnet war. |
| 1858 那个"搞”字,听来很是扎耳。莹儿沉了脸。她想说,你把我当成啥了?兰兰也说,你说的这是啥话?强扭的瓜不甜。你瞧,三三待你多好。 | An jenem Tag war Lanlan wieder geschlagen worden. |
| 1859 三三一听,灿烂了脸,望大牛。 | Baifu hatte die Rinderpeitsche geschwungen und sie wie einen Esel gedroschen. Rote und violette Striemen bedeckten ihren ganzen Körper. Als er zum Spielen ging, schleppte sich Lanlan zum Elternhaus zurück. |
| 1860 大牛却拧了眉头,一语不发。半晌,他说,叫我想一想。要是我想不通,还会来找你的。 | Kaum durchs Tor, sah Lanlan, dass der Hof voller Hühnerkot war. Sie griff zum Besen und begann zu kehren. Beim Fegen schmerzten Arme und Beine bis ins Mark. Ohne hinzusehen wusste sie: Diese Stellen waren blau angelaufen. Immer das Gleiche. Seit dem Tod ihrer Tochter Yindi war sie wie mit Schießpulver geladen, und die Prügel waren besonders häufig geworden. Die Scheidungsbemühungen brachten außer zusätzlichen Schlägen keinen greifbaren Fortschritt. |
| 1861 静一阵,大牛却抽泣起来。他用手一抹,抹下一把泪来。谁也想不到这牛一样的汉子,竟会女娃般抽泣。看得出,那事儿对他的打击很大。抹了一阵沮大牛苦了脸说我完了,我的一切都完了.要是叫人家逮去,非打死我不可。你不知道,那些黑心贼,往死里整人呢。头儿的儿子就当警察。再说,就算能过了警察那一关,也会叫犯人打死的。你不知道,最坏的是那些犯人,他们整人的法儿多,有六十四道菜呢。每道菜,都是要命的。你看那`'坏腰子'……对,就是缝麻袋的那个,他的两个肾,就是叫犯人用肘子砸坏的。 | Sie wusste: Scheidung war eine gewaltige Angelegenheit. Entweder einigten sich beide Seiten oder das Gericht entschied. Ersteres war aussichtslos, also blieb nur das Gericht. Doch beim Gedanken ans Gericht wurde Lanlan immer kleinmütig – es schien ein furchteinflößender Ort. Tagelang zögerte sie, bis sie sich endlich ein Herz fasste – als Baifu sie wieder schlug, ging sie zum Elternhaus. Diesmal, dachte sie, und wenn ich sterbe, gehe ich nicht zurück. … Was soll das Gericht schon machen – schlimmstenfalls schleppt man mich hin. |
| 1862 大牛牙缝里抽一阵气,木一阵,又说,就算我能活着出来。人家也不要我了。……你叫我咋有脸面回家?爹妈把我当摇钱树呢妹子也靠我供呢。·….. 真不敢往深里想,一想,就觉得没意思活了。 | Nach dem Hofkehren ging sie Wasser holen. Das war ihre Aufgabe als Mädchen gewesen. Jedes Mal, wenn sie bei den Eltern wohnte, erledigte sie ihre frühere Hausarbeit. Nicht nur, um die Mutter zu entlasten, sondern auch, weil bei der Arbeit ein längst vermisstes Gefühl in ihr aufstieg – ein Gefühl, das nur ein junges Mädchen kennt, durchwoben von Unschuld, Reinheit, Fantasie und Leidenschaft. Sie dachte: Mädchen sein war doch das Schönste. |
| 1863 兰兰说,一个大男人,咋说这号话?又不是个掉脑袋的事,这儿干不成了,到别处去。 | Lanlan nahm die Wassereimer und trat auf den sandigen Dorfweg. Sie fand, das Dorf hatte sich verändert – es wirkte alt, hässlich, mit einer Seltsamkeit, die sie früher nie bemerkt hatte. Auf dem Weg lag zwar viel Sand, aber er klebte nicht. Das gefiel Lanlan am meisten. Nicht wie bei den Schwiegereltern, wo der Boden einem bei jeder Gelegenheit an Körper und Kleidung klebte und sich nicht abklopfen ließ. |
| 1864 大牛说你站着说话腰不疼。这年头,……不过我认命了。算命的说我今年有个铁门坎。我躲呀躲呀,也没躲过去。……我也不是怕挨打,我是怕丢人。 | Die Luft war klar wie Wasser – frisch und kühl. Ein Atemzug, und die inneren Organe waren blitzsauber. Seit vielen Tagen fühlte Lanlan zum ersten Mal Frische. Nicht nur wegen der Luft, sondern weil dies ihre Heimat war. Dorf, Häuser, Pfade, Bäume, selbst Vogelgesang hatten sich in ihr Leben eingeflochten und unauslöschliche Spuren im Herzen hinterlassen. |
| 1865 你知道,我们那儿,只要你进过局子,身子就染黑了。你咋洗,也是洗不白的。 | Der Stausee lag nördlich des Dorfes am trockenen Kanal. Ein einziges Mal Wasser ablassen reichte für einen Monat für Mensch und Tier. Seit ihrer Heirat hatte Lanlan sich an das Stauseewasser nicht mehr gewöhnt. Es schmeckte weich und erdig. Und es wirkte schmutzig. Im Winter ging es noch; im Sommer war es die Welt der Frösche. Nach Einbruch der Dunkelheit sangen die Frösche im Staubecken einen großen Chor, der einen nicht schlafen ließ. |
| 1866 莹儿说,你该去向头儿认个错。说不定,他会原谅你的。 | Lanlan hatte nicht damit gerechnet, dass Huaqiu am Stausee auf sie warten würde. Ihr Munde wurde schlagartig trocken. Huaqiu stützte mit einer Hand den Eimer, hielt in der anderen die Schöpfkelle und sah sie mit jenem vertrauten Blick an. „Tja, kaum geheiratet, und auch das Herz ist mit verheiratet. Stimmt’s? Das Herz einer Frau – wie eine Wolke am Himmel.“ sagte er. |
| 1867 大牛说不会的,我知道头儿的性子。你好我好时他也好。要是稍稍抹了他的性子,他会恨你一辈子的。这回他的脸丢大了,能饶了我?再说,他的事,我知道得太多了,他早想攒我了。 | Lanlan stellte die Eimer ab und betrachtete Huaqiu. In ihren Augen lag eine Sogkraft, als wolle sie ihn in die tiefste Tiefe ihrer Seele ziehen. Die Jahre der Trennung waren wie mehrere Leben. Sie wollte in diesem Augenblick des Blickkontakts die alte Schuld einfordern. Die Zeit blieb stehen. Sonne, gelber Sand, Dorf … – alles zog sich leise aus der Welt zurück; nur die Herzen schlugen aufeinander ein. Einst waren sie Kindheitsfreunde gewesen, unzertrennlich. Ohne Trennung gab es natürlich keine herzzerreißende Sehnsucht. Jetzt, nach Jahren des Leidens, wie ein Wüstenwanderer, der eine klare Quelle findet, wurde sie vom Glückstaumel erfasst. |
| 1868 说完大牛阴了脸,对三三说,我给你说的那事,可别乱说。要是叫人知道了,你也该掉脑袋了。他长叹一口气。 | Die Sonne stieg höher. Das Staubeckenwasser verlor sein Blaugrün und wurde wieder zu einem Tümpel trüben Stillwassers. Alles Hässliche lag bloß: Treibende Strohhalme, eingesunkene Hufabdrücke, hin und her schwimmende Kaulquappen. All das nahm Lanlan nicht wahr. |
| 1869 三三说你索性将那事儿抖露出来,反倒安全些。 | Das Glück durchströmte sie, als hätte sie mit einem Satz alles Unglück übersprungen und wäre wieder in der Vergangenheit. Das Gefühl der Mädchenzeit erwachte: Das Herz schlug wild, die Wangen brannten, und da war dieses geheimnisvolle Schwindelgefühl. |
| 1870 大牛说那事儿,一扯,会扯出一大串来。我也正想咋办呢。又对莹儿说,你也好好想想,新疆真是个好地方。 | Nicht weit entfernt kam Beizhus Frau Fengxiang zum Stausee. |
| 1871 莹儿想,再不能给他添幻想了,就说我是死也不会跟你的。这事上,我是铁了心的。你别逼我。 | „Heute Nacht, am üblichen Ort.“ flüsterte Huaqiu. Lanlan machte ein verwirrtes „Mhm“ und griff zur Schöpfkelle. |
| 1872 大牛叹道,真羡慕那些山大王。我要是能当了山大王,就抢你做压寨夫人。 | Huaqiu füllte seine Eimer, nahm die Tragstange, hängte die Haken in die Eimergriffe und trug die Eimer davon. |
| 1873 说着,他取下莹儿们挂在墙上的皮水囊——兰兰用细麻绳扎了那个口子—— | 57 |
| 1874 灌满水,拿了几个馍馍。出门前,他狠狠地望一眼莹儿,惨然一笑。 | Der Mond ging auf. |
| 1875 这一夜,三个女人都没睡好。尤其是莹儿,她整整一夜没有睡着。她很后悔没给大牛说清楚,虽然她表示得很明白,但她知道,人在爱情里,是会欺骗自己的。她也知道大牛这次毁了,以后怎么办,真说不清,这要是给大盖帽抓去,真不知道能不能活着回来……她越想越害怕,非常后悔当时没给大牛下狠话,叫他不要去求情。但事情已经这样了,不管咋后悔,也改变不了大牛的命运。她想了许久,决定明天一早就去找头儿,给大牛求个情她想,人心都是肉长的,三句好话暖人心哩。她想,只要能帮大牛,她就多说几旬好话。 | Lanlan beruhigte ihren Herzschlag und ging zum Großen Sandfluss. Alles verschwamm – die niedrigen Häuser, die abblätternden Wände, der Staub überall – alles ging in der Mondnacht auf. Lanlan mochte den Mond. Als Mädchen hatte sie oft unter dem Dattelbaum vor der Tür den Mond betrachtet. |
| 1876 50 | Damals war der Mond heller als heute, runder als heute, und am weiten Himmel jagte er die Wolken. Der Mond war schnell – er tauchte in eine Wolke ein, dann in die nächste, wie ein Weberschiffchen. Lanlan dachte: Am schönsten wäre es, der Mond zu sein – so frei, nach Lust und Laune am Himmel. Erst als Erwachsene erfuhr sie, dass auch der Mond angebunden war – ein unsichtbares Seil hielt ihn fest, wie die Mutter am Herd kreiste, wie der Esel auf dem Mühlpfad, Runde um Runde, seit unzähligen Jahren. – Und trotzdem beneidete sie den Mond. Später, nach der Heirat, im Alltagstrubel, vergaß sie den Mond. |
| 1877 头儿缺了门牙,老气了许多。但莹儿明白,门牙不是啥大事,今个缺了,明个补个金牙,会更牛气的。重要的是面子。头儿最在乎面子,叫民工按一顿,很丢人的。他的对手也会拿这事做文章。头儿的级别不高,可是个肥缺。那大自然的盐,出多少又没个定数,跟橡皮筋一样能伸能缩。伸缩之间财就滚滚而来了。 | In Lanlans Erinnerung waren Mond und Huaqiu stets verbunden. Sie breiteten einen Mantel auf der Sanddüne aus, legten sich nebeneinander und schauten den Mond an. Das Mondlicht sickerte mit den Liebesworten ins Herz. Im Frühling kam der Duft der Dattelblüten dazu. Dieser herzerwärmende Duft, zusammen mit dem Mondlicht und den Liebesworten, schenkte Lanlan viele Erinnerungen. Später dachte sie: Ihr Glück hatte sie wohl damals verprasst. Glück war wie Geld – wer sparsam damit umging, hatte länger etwas davon. |
| 1878 民工们都这么说。 | Damals sang Lanlan gern ein Lied. Den Text hatte sie nach langer Pause größtenteils vergessen, aber die wichtigsten Zeilen noch im Kopf: |
| 1879 莹儿望着头儿。她第一次这样望他。她发现她无论望啥人,都觉得对方有种陌生的怪模怪样,只有灵官例外。…... 头儿也一样的怪模怪样,而且是那种叫她不能接受的怪模怪样。她怀疑这是一种毛病但没治。 | „Du führst mich vorbei am hellen Dorftor-Hund, |
| 1880 莹儿垂下眼脸,对头儿说我给大牛求个情。 | du führst mich aus achtzehn Jahren Gram, |
| 1881 头儿干脆地说成哩莹儿原以为他会说些理由拒绝的,就吃惊地望他。 | du führst mich die lange Nacht hindurch, |
| 1882 头儿用亮亮的眼睛望着她。解铃还得系铃人。人家给你说情,你也给人家说情。这叫一报还一报。 | du führst mich zum Licht der Morgensonne …“ |
| 1883 谢谢。莹儿说。 | Das Lied schien wie auf Lanlans Erlebnisse geschrieben. Damals, sobald die Eltern eingeschlafen waren, schob sie leise das Hoftor auf und ging zum Großen Sandfluss. Immer hörte sie den alten Berghund von Onkel Meng dumpf wie Donner bellen. Der Hund war schlau – bei der geringsten Regung streckte er den Hals und bellte gen Himmel. Dann fürchtete sich Lanlan nicht mehr vor Gespenstern. Der für andere unheimliche Waldweg war von Wärme durchströmt. Diese Wärme hielt an – bis zur Nacht bevor ihre Mutter von ihr verlangte, eine Tauschheirat einzugehen. |
| 1884 头儿说,不过那事儿,你可要成。 | Bei dem Gedanken an die Tauschheirat seufzte Lanlan. Daran zu denken war bedrückend – lieber an den Großen Sandfluss denken. |
| 1885 啥事儿? | Damals führte der Große Sandfluss noch Wasser, hatte Gras und klare Kiesel. Die Kiesel – wenn man sie herausholte und in die Sonne legte – zeigten allerlei Muster. Lanlan hatte viele gesammelt und sich in der Freizeit an ihnen erfreut. Neben den Kieseln war auch das Wasser herrlich – klar und frisch, ohne ein Stäubchen Trübe. Angeblich war es Schmelzwasser des Qilian-Gebirges, das durch endlose Zeiträume geflossen kam, eine Biegung formte, die ein ganzes Dorf ernährte, und dann nach Norden weiterschlängelte, ohne dass man wusste, wohin. Entlang des Flussufers wogte der Sand in sanften Wellen, stieg immer höher und wurde schließlich zum Sandmeer. |
| 1886 再是啥事儿? | Am Flussufer gab es viele Steilwände. Diese Wände waren uralt – niemand wusste, aus welcher Zeit. Angeblich war hier einst Land gewesen; das Schmelzwasser des Qilian hatte Erde weggewaschen und Sand fortgespült, bis Senken entstanden. Gelegentlich, nach tagelangen Güssen, wenn die Sturzflut tobte, fraß das brüllende Wasser die Senken immer tiefer aus. So wurden die Ufer zu Steilwänden. |
| 1887 头儿用亮亮的眼望她,说,也许,我心急了些。你瞧,这样成不?你要是不了解我,我们先不结婚。先试一段日子,成了,再结。或者,不结也成。 | Die Steilwände waren lang – so lang wie der Fluss. Und hoch – so hoch wie die Senken tief waren. Später versiegte der Fluss, und nur der Name blieb. Tiere nutzten die Gelegenheit, buddelten Höhlen, polsterten Nester und pflanzten sich fort – um ihre Existenzgeschichte so weit wie möglich auszudehnen. |
| 1888 莹儿一听那试一阵反胃。她当然明白那'試"的含意。她觉得一只手扼住了咽喉,她有些喘不过气来了。她吃力地说不成。那事儿不成。 | In früheren Jahren, als der Große Sandfluss noch Wasser, Gras, Weidenbüsche, Schilf, Wassergras und Algenfäden führte, war er ein grüner Drache. Dieser grüne Drache wand sich in der Sandwüste und verwandelte diese allmählich in eine grüne Welt, die man „Magang“ nannte. |
| 1889 头儿离开办公桌,向她移来。莹儿怕他动粗,就后退到门口。她一脚在里,一脚在外,她想,他要是动粗,她就手扳门框大叫。 | Damals war das Schilf hoch und die Weidenbüsche dicht. In Eisgras und anderem konnte man sich verstecken. Wenn Lanlan mit ihren Spielkameraden herumtollte und die Blase sie drückte, hockte sie sich hin und war erleichtert. In der Schule, als sie |
| 1890 头儿看出了她的心思,笑了笑,说那我只好叫法律办了。你想,有那么多民工,你也打,我也打,我有多少牙叫人家打? | „Unter dem weiten, weiten Himmel, |
| 1891 莹儿觉得头里有面钵在敲。她吃力地说,我也是尽心而已。只是.. …·你也别逼人家太凶,给人家一条活路。 | über der endlosen Steppe, |
| 1892 头儿大笑。莹儿觉得有种很强的波向脑中卷来。她甚至怕自己会晕倒,就赶紧退出门来。她看到有好些民工在望她。他们也定然知道莹儿来干啥,她觉得有些对不住他们。她想,我真没用。 | wenn der Wind das Gras beugt, |
| 1893 她往自己的住处走。那段路虽不长,但莹儿觉得走了很久.脑中的钵仍在起劲地敲。她想,我也是尽心而已。 | sieht man Rinder und Schafe“ |
| 1894 她有些恶心男人了。他们咋都这样。 | lernte, musste sie heimlich lachen. Sie dachte: Was der Wind im Gras enthüllte, war in Wirklichkeit die pinkelnde Lanlan. … Und dann die Algenfäden, die Schwertlilien! Schwertlilien blühten blau, ganz hübsch. Lanlan konnte aus den Schwertlilienblättern allerlei Tiere flechten – Schmetterlinge, Heuschrecken –, die wie lebendig aussahen. Das hohe Schilf, die dichten Weidenbüsche, das Eisgras mit seinen kleinen Sägezähnen, das die Hände aufschnitt, und dann Tamarisken und Schwarzdorn … – sie machten den Großen Sandfluss zu einer eigenen Welt. Hasen, Springmäuse, Füchse, Wölfe … – alle lebten darin, jeder auf seine Art. |
| 1895 次日清晨,忽听有人喊快来呀出人命了。 | Am liebsten spielte Lanlan im Großen Sandfluss im Wasser. Am meisten mochte sie die „Himmelsquelle“. Diese Quelle lag tief im Dickicht. |
| 1896 莹儿跟兰兰出了门,见一大堆人正围个池子嚷嚷。三三失态地扑了去。很快,她发出一阵吓人的哭声。宝子也呜呜地哭。 | Die Mutter verbot ihr hinzugehen – dort gebe es Wölfe –, doch Lanlan ging trotzdem in der flimmernden Mittagshitze hin. In der Mittagsglut waren die Geister aktiv, doch die Wölfe und Füchse schliefen. Lanlan fürchtete keine Wölfe, nur die Geister der Nacht. Die Mittagsgeister existierten nur in Mutters Mund, und die fand sie nicht beängstigend. In der Mädchenzeit übte die „Himmelsquelle“ stets eine große Anziehungskraft auf sie aus. Man sagte, diese Quelle sei mit der himmlischen Quelle verbunden – wer davon trinke, werde klug, schön und bekomme helle Haut. So sagten alle. |
| 1897 大牛的尸体飘在卤水中,看不出有伤。深绿的卤水衬着他空洞洞的眼睛。莹儿觉得头里嗡嗡地响,很像在梦魔里。眼前的一切都很虚。民工们都睁了木然的眼。偶有唏嘘声发生,跟穿窍而过的微风一样悠长和空洞。 | Ob Lanlans helle Haut vom Trinken jenes Wassers kam, wusste sie nicht – jedenfalls hatte sie damals viel davon getrunken. … Später wurde das Eisgras zu Seilwerk verarbeitet, die Weidenbüsche zu Baumaterial, das Schilf zu Asche verbrannt, die Füchse flohen in die Sandwüste, die Wölfe zogen ins Magang-Gebiet – und übrig blieb nur das ausgetrocknete Flussbett mit seinen Steilwänden. |
| 1898 这池子离莹儿的住处不远。莹儿发现盐池边上有挣扎的痕迹,看不出厮打的意味,但分明有挣扎过的迹象。她想,是不是他不小心掉进盐池呢?但她也知道,即使是真的掉进盐池也不会淹死人的.莹儿觉得有只无形的大手在揉捏她的心。 | Doch die schöne „Himmelsquelle“ wogte weiter in Lanlans Träumen. … Feiner, samtiger Sand trieb mit den Kreisen des Quellwassers hinaus, breitete sich in Ringen aus und bildete am Quellenrand wunderschöne Muster. Diese Muster glichen einem Kaleidoskop – bald wie Wind, bald wie Wolken. Nach einer Weile des Betrachtens wurde auch Lanlan zu feinen Linien. Erst dann beugte sie sich hinab, vergrub ihr Gesicht im Quellwasser und wusch mit der Frische allen Kummer aus Leib und Seele. Erst später erfuhr Lanlan, dass diese „Himmelsquelle“ die feste Tränke einer „Fuchsfee“ gewesen war. Jeden Morgen kam ein weißer Fuchs gemächlich durch den Morgentau, um dort zu trinken. Eines Tages legten Baifu und sein Vater an der „Himmelsquelle“ eine Falle aus. Die Fuchsfee geriet hinein und brach sich ein Bein. Mitsamt der Falle schleppte sie sich zu Baifu, wurde aber mit einem Knüppelschlag totgeschlagen. Später, als ihre Tochter Yindi geboren wurde, sagte die Schamanin, das Kind sei die rachedurstende Fuchsfee. Baifu setzte es in der Wüste aus, wo es zu einem Eiszapfen erfror … Ein Albtraum. |
| 1899 警察来了,民工们木然地散开。警察叫民工们捞出大牛。一个法医开始验尸。 | Lanlan schauderte. |
| 1900 他叫民工们脱了大牛的衣服。莹儿们就远远地避了。 | Das Einzige, was sich kaum verändert hatte, war der Dattelwald. Diese Wüstendatteln waren nicht so empfindlich wie andere Bäume – mit tief reichenden Wurzeln, kleinen Blättern und sparsamem Wasserhaushalt überlebten sie. In frühen Jahren hatte Lanlan mit den Wüstendatteln den Hunger ihrer Kindheit gestillt. Damals kamen sie und Huaqiu und die anderen oft hierher – Schweinefutter sammeln, Datteln schlagen, Kuhdung auflesen. Die Mutter hatte ihnen Aufgaben zugeteilt; wer sie nicht erfüllte, bekam die Schuhsohle auf den Hintern. Beim Dattelschlagen kam es auf scharfe Augen und flinke Hände an: Einer kletterte auf den Baum, schlug mit einem Stock zu, und die anderen Kinder stürzten sich auf die Beute. Bei Datteln war Mutter nachsichtig – viel oder wenig, sie fragte kaum nach. Beim Kuhdung verstand sie keinen Spaß. Kuhdung – was war das? Brennstoff. Ohne ihn kochte kein Wasser und wurde kein Essen warm. Darum prügelten sich die Kinder ständig um Kuhdung. Später wurde eine Regel festgelegt: Wer ihn entdeckt, dem gehört er. So rief der scharfäugige Huaqiu: „Das schwarze Bullenvieh hebt den Schwanz! – Den hab ich für Lanlan erspäht!“ Und Lanlan stürzte hin und schaufelte den Kuhdung in den Korb. |
| 1901 三三也不哭了。兰兰惨白了脸,扯了三三的胳膊。莹儿觉得胸口很喳。她觉得大牛死得怪。她想,谁都会觉得他死得怪,但谁都不说。她想,大牛愍大心实,他难道会为打落个牙齿赔上自己的命吗?不知道。 | Schon als kleines Kind hatte sich Huaqiu an Lanlan geheftet. War das etwa Schicksal? Doch wenn es Schicksal war – warum waren sie am Ende ohne Schicksal? |
| 1902 三三打着一个个寒噤。她一声接一声地打。那神情,仿佛很冷,但又像吃得过急过饱时的那种呃隔。莹儿发现,三三是真心待大牛的。三三长得虽不俊,却健壮出一种跳突突的味道。莹儿想,大牛,你真是没有福气。但想到他对自己也是真心的,心里有缕疼抽了一下。记得以前,一想到大牛对她的黏,她就受不了,觉得那黏有些亵渎了自己。此刻想来,却很叫她感动了.毕竟,人家是真心的。 | Der Große Sandfluss war anders als andere Flüsse: Das Flussbett lag tief, die Sandhügel ragten hoch, und dazu die wiegenden Baumschatten und der süße Dattelblütenduft – bei dem Gedanken wurde einem warm ums Herz. Nach Mutters Worten war dieser Fluss sauber. Tags wie nachts – er wirkte immer lebhaft, nie so unheimlich kühl wie der Bianwan-Fluss, der selbst in der flimmernden Mittagshitze düster wirkte. Mutter sagte: „Der Große Sandfluss ist gut – keine Geister, sauber.“ Lanlan dachte: Im Fluss keine Geister, dafür im Herzen – und lächelte verschmitzt. |
| 1903 心里的疼化成了暖意,暖意荡一阵,就觉得一股强烈的感觉涌向鼻腔。一串眼泪滚下鼻洼。 | Sie war am Treffpunkt angekommen. Sie klatschte in die Hände – das war das geheime Zeichen. |
| 1904 一切都恍惚着,都叫浓浓的幻觉虚化了。梦魔的觉受越来越明显,喳也越来越明显。莹儿搂了三三,默默地流着泪。三三却木着,她的眼睛深枯枯的。因为风吹日晒三三的皮肤很千燥,脸上也布满了雀斑。三三舍不得买菜吃,却花了好些钱买治雀斑的油。莹儿明白,多好的油也起不了大作用,因为那雀斑是黑色素沉积造成的。只要三三仍在烈日下干活,她就别想有好的皮肤。 | Doch keine Antwort. Dieser Huaqiu kam wieder zu spät. Lanlan lehnte sich an den Dattelbaum und schaute zum Himmel. Der Mond war groß, die Sterne spärlich, die Milchstraße war undeutlich zu erkennen. Büschel von Sternen bildeten einen großen Strom, der sich quer über den Himmel zog, in der gleichen Richtung wie der Große Sandfluss. Auf der einen Seite der Kuhhirte, auf der anderen die Weberin – wie Lanlan und Huaqiu. Aber die hatten es gut: Einmal im Jahr, am siebten Tag des siebten Monats, trafen sie sich auf der Elsternbrücke. Seit tausend Jahren – wirklich beneidenswert. Lanlan dachte: Die Königinmutter war gar nicht böse – sie hatte die Weberin nicht zur Heirat gezwungen. Und die Weberin hatte es auch gut – sie brauchte keine Tauschheirat. |
| 1905 远处的法医好像在解剖尸体。一片白影在人影间透出。莹儿不敢多望那儿,但仍是想起了大牛腿上灰白的老茧和娃娃嘴一样大张的血口。 | Die hatten es doch besser – immerhin waren sie Götter. Lanlan seufzte. |
| 1906 宝子过来了。他抹着泪,蹲在三三身旁。 | Sie erinnerte sich: In der Nacht vor der Tauschheirat hatte sie ihr Herz verhärtet und war nicht zu Huaqius Verabredung erschienen. Besser, sich nicht zu sehen – bei einem Treffen würden die Tränen ihr Herz aufweichen. Vater und Mutter litten, der Bruder auch – für sie musste sie Huaqiu opfern. Doch die Tränen füllten ihren Brustkorb und suchten bei jeder Gelegenheit einen Ausweg. Natürlich: Vor den Eltern lächelte sie überzeugend. |
| 1907 他抽喳着说,大牛身上倒无伤痕,只是他的褂子烂得怪,叫撕得一塌糊涂。 | Wirklich wie ein Traum. |
| 1908 那模样,很像是水里有个怪物,扯了衣服往水里捞人。宝子抹把泪说,大牛肺里胃里积满了卤水,像是淹死的。可怪的是,你就是想自杀,人家卤水也不会成全你。宝子说大牛落水后,定然有种外力往水里按他。一定是的。他说,头儿也在抹泪。头儿说他已给派出所打了招呼,叫他们别追究了。他说,不就是个牙吗?……谁料想,他竟死了。 | Jahre vergingen, und sie erwachte nicht mehr aus dem Traum. In diesem Traum heiratete sie, wurde Schwiegertochter, bekam ein Kind, zankte sich mit der Schwiegermutter, wurde vom Mann wie ein Esel gedroschen. Diese Lanlan war längst nicht mehr Lanlan – sie war vom kristallklaren Mädchen zur trüben Bauersfrau geworden. |
| 1909 宝子说,要是大牛真自杀的话当然也行,比如跳盐池前,他可以抱一块盐盖巴,就浮不上来了。人一死,手一松,卤水才会将人托上水面。宝子说,当初诗人屈原跳江时,就抱了块石头。 | Sie war wie in einem Traum, doch in diesem Traum hatte es sich für sie ausgeträumt. Das traumlose Leben zeigte seine ganze Hässlichkeit, die Realität zerriss alles. … Im Film „Die Brücke von Waterloo“ heißt es, der Krieg habe alles zerrissen. Hier brauchte es keinen Krieg – oder besser gesagt: Von Geburt an war man in den Krieg geworfen. Das Leben entblößte seine scharfen Zähne, biss zwei-, dreimal zu und riss alles angeborene Mädchenhafte heraus, biss, bis man überall verwundet und entblößt war. |
| 1910 莹儿懒得说话。 | Nur in gelegentlichen Momenten der Benommenheit erinnerte sie sich: Sie war einst ein Mädchen gewesen, hatte Träume gehabt, und in den Träumen gab es rosarote Geschichten. Aber alles war zu einem vergilbten, von Unglückswasser durchtränkten Bild geworden. Huaqiu, der Dattelwald – alles war wie ein Mondhof weit zurückgewichen und roch nach alten Geschichten. Lanlan suchte stets nach Gründen, sich mit dem Schicksal abzufinden. |
| 1911 宝子又说大牛一死别的没啥他的妹子就没法上学了。宝子说,全凭大牛牛一样苦,他妹子才上了大学。 | Erst in dieser Nacht, in der sie sich nicht mehr fügen wollte, erwachten viele Gefühle wie Schlangen aus dem Winterschlaf. |
| 1912 要烧大牛了。 | Sie klatschte noch einmal: Klatsch-klatsch – klatsch – klatsch-klatsch. |
| 1913 民工们都围了来送他。大牛爹妈也来了。他们牛叫般嚎着。两人都很干瘪,像被风干的茄子一样。很难想象,这两个干瘛的老人竟能生下犍牛般的儿子。老头长嚎着,胡须上淋漓着泪。老婆子扯长了声音,边嚎边用脑袋撞盐盖巴。场里派人请他们时,只说是大牛病了。他们没想到,那牛一样壮的儿子已成了红绒单盖着的死人。怕他们伤心,民工们不叫他们接近大牛。这当然是对的,要是那干瘪的老婆子看到儿子被解剖得一塌糊涂,肯定会心疼死的。但解剖的结果很明了:胃里的残留物中没毒,身上也没明显的伤。虽有几处划痕,但并不致命。可以肯定是淹死的,而且,法医倾向于自杀。但听说派出所尚有不同意见。 | Huaqiu hätte antworten sollen: Klatsch – klatsch-klatsch – klatsch. |
| 1914 至于自杀的原因说法颇多,一是说大牛怕叫警察逮了,会挨打;二是说大牛料定他吃不上盐池这碗饭了,心灰意冷,绝望自杀;三是说大牛得不到莹儿的爱,觉得活着没意思了。因为有了第三种说法,派出所便找莹儿谈话,莹儿将那夜大牛说的话告诉了派出所。派出所又找三三谈了话。 | Keine Antwort – nur Hundegebell. Gerade wollte Lanlan sich verstecken, als Huaqiu hinter einem Baum hervortrat. „Du Teufel!“ rief Lanlan fröhlich. Sie warf sich ihm entgegen, und Huaqiu umarmte sie. Lanlan mochte seine Umarmungen und seine Küsse – beide voller Leidenschaft, beide männlich, beide mit Huaqius eigenem Wahnsinn. Ihr Herz wurde zum scheuen Reh und sprang wild. Dieses Gefühl war selten. Nach der Heirat war alles abgestumpft. Das Herz hatte eine Kruste aus Schmutz angesetzt. Alles war von dichter Trübe – und hatte den Traum, den sie von Geburt an besaß, erstickt. |
| 1915 民工们弄了好多干柴和牛粪,将裹着红绒单的大牛抬到柴上。一位司机从汽车油箱里抽了半桶汽油。大牛妈像护鸡娃的老母鸡那样一扑一张。她想最后见儿子一面,但民工们坚决不叫她靠近尸体。老头子却很现实,他只是缠定了头儿,时不时就抱头儿的腿。这是农民对付官员最有用的一招。头儿说,你儿子是自杀的,凭啥叫我们赔命价?老汉却不管不顾,只管抱腿。后来,头儿叫出纳给了他一万块钱但不叫“命价'',只说是对老汉一家的帮助。又听说,老汉拿了钱后,却认定头儿心虚,不然,他咋会给自己那么多钱? | Ohne Traum wurden die Tage nicht gelebt, sondern durchlitten – wie das Brauen bitterer Medizin, im bitteren Wasser kochend, in der Tinktur weichend, von der Lebensglut geröstet, bis nichts mehr vom ursprünglichen Gesicht übrig war. Sie war wie an den Mühlpfad gebunden – außer dem Kreisen auf der vorbestimmten Bahn, außer dem eintönigen, zähneknirschenden Reiben der Steine gab es keine andere Farbe. Wenn die handdicken Mühlsteine dünn geworden waren, war die Jugend dahin – schwarze Haare durch weißes Haar ersetzt, rosige Frische von Falten bedeckt, Zartheit vom Sandwind weggeblasen, Romantik von der Armut verschlungen. Eine Stimme rief ständig im Herzen: „Füge dich deinem Schicksal!“ |
| 1916 本来,老汉是不想烧儿子尸体的。他还想多闹些钱。他怕尸体一没了,再闹时,就没现在这么理直气壮了。但因尸体开始发臭。民工们都求老汉,说已熏得他们吃不下饭。老汉就心软了。 | Lanlan wurde warm ums Herz, und Tränen strömten ihr übers Gesicht. Seit Jahren wollte sie ständig weinen, sich an Huaqius Schulter lehnen und sich die Seele aus dem Leib weinen. Im Herzen staute sich ständig etwas Bedrückendes – erzählte man es dem Vater, seufzte er; klagte man es der Mutter, weinte sie; sprach man mit Fremden, fehlte die Stimmung, und es brachte nur Ärger. Im Dorf sah man ständig, wie eine Schwiegermutter vor einer anderen Tür stand und jene „Hexe“ beschimpfte, die ihre Schwiegertochter verderbe. Diese Szene wiederholte sich ständig, und so legte sich eine Haut ums Herz – lieber ließ man es unter der Haut verfaulen, als es ans Licht zu bringen. Doch die angestauten Gefühle verdichteten sich immer mehr, und manche weinten am Grab der Eltern. Lanlan hatte nicht dieses Glück – sie sehnte sich nach Huaqius Schulter. Huaqiu sagte: „Wein dich aus. Danach wird’s dem Herzen leichter.“ |
| 1917 | Lanlan wischte sich die Tränen ab. Sie dachte: Ein seltenes Treffen – lieber lachen. Doch das Drücken im Herzen blieb, und mit einem langen Seufzer sagte sie: „Dieses Leben, ich halte es nicht mehr aus.“ Huaqiu sagte: „Wenn du es nicht aushältst, lass dich scheiden.“ „Und dann?“ „Heiratest wieder.“ |
| 1918 汽油浇到裹大牛的红绒单上。刺鼻味弥漫开来。大牛妈打滚撒泼,厉厉地嚎。 | Lanlan seufzte. Die Worte waren nüchtern, doch Lanlan empfand sie als leer. Ständig schien ein Nebel vor ihren Augen zu hängen, klebrig wie Leim, durch den sie nicht hindurchbrechen konnte. So kniff sie die Augen zu, schaute den Himmel an, den Mond, dachte an die Träume ihrer Mädchenzeit. In Huaqius Armen über all dies nachzudenken war das größte Vergnügen. Mit geschlossenen Augen genoss sie still den Wind, das Mondlicht, den Herzschlag, das süße Schwindelgefühl – und war berauscht. |
| 1919 三三们也陪了她抽泣。莹儿心里的喳感更重。一切都化为稠稠的梦,虚幻成影子了。一人举个火把,在风里呼呼。它慢慢凑向红绒单下的柴们。柴们早迫不及待了,不等火把吻上自己,就急不可耐地腾起一团亮亮的光焰。火焰漫延得很快,像天旋风一样疯狂而放肆,瞬间就吞没了绒单。 | Lanlan sagte: „Wenn man nur nicht erwachsen würde – sorglos, in Träumen lebend. Kaum wird man erwachsen, zeigt sich alles Hässliche, als wäre man betrogen worden.“ |
| 1920 火们欢快地呼呼着。它们是一群狂欢的乌鸦。它们一口口叨走了绒单,叨没了衣襟,将白皮肤燎成了黑色。它们似乎更喜欢大牛腿上的硬皮和血口。它们薛呀秝呀,硬皮想顽强地守候自己本来的颜色,火却在顽强地烧,渐渐地,灰皮泛白了,变得斑驳陆离。 | Huaqiu sagte: „Allen geht es so. Meine Mitschülerinnen – als Mädchen geschmückt wie Blumenzweige, in jedem Aufsatz nur ‚Jugend’ und ‚Ideale’. Nach der Heirat – was sind Ideale? Schweinedung! Ich sehe sie immer mit dem Schweinefuttereimer, der Rührkelle, ‚Ho-ho’ rufend. Das bisschen Bildung ist längst im Schweinedunggestank eingelegt. Ach, es hat keinen Sinn, darüber zu reden. So ist das Leben – wie willst du es? Augen zu, Zähne zusammenbeißen, und das war ein ganzes Leben. Zu viel nachdenken macht nur alt.“ |
| 1921 火溢满天了.到处是呼呼声。大牛妈大张了口扑夭抢地。大牛爹也大张了口,他似乎在哭,又似乎在惊讶儿子的耐烧。……是的,大牛很耐烧。一般人多脂肪,大牛身上却多膊子肉。前者助燃。后者却得凭借柴的力量,才能完成最后的升华。 | Lanlan seufzte. Wer wollte dem widersprechen? Jedes Mal beim Blick in den Spiegel trauerte sie: Die rosige Frische der Jugend war verschwunden, ersetzt durch fahles Gelb. An den Augenwinkeln zeigten sich erste Fältchen. Nicht abfinden! Sie hatte noch gar nicht richtig gelebt, und die Jugend war schon fort. Und der Ehemann – jene Rolle, von der sie als Mädchen so oft geträumt hatte – war … war … so ein Ding. Mit allem – konnte sie sich nicht abfinden. Wirklich nicht! |
| 1922 肉皮上的灰斑渐渐凅渗开来,冒出了一股水液,但火很快就气化了它们。 | „Jedenfalls – diesmal bin ich entschlossen. Ob es blutige Köpfe gibt oder nicht – ich nehme es hin.“ Lanlan biss die Zähne zusammen. |
| 1923 大火弥天.烟渐渐少了。汽油完成了它的使命。剩下的事,该由柴和牛粪做了。大牛显得很不好意思,他在火中扭捏几下,引起民工的惊呼。一人叫,别怕,那是筋揪了。这一叫,大牛立马安详了。好像变魔术的叫人揭了底一样,他显出一种叔然的安静。似乎是为了弥补他的过失,他的身上开始流出新的燃料,液体呈泡沫状,一滴一滴,从一晕晕散开的灰色中渗出,先是水汽般的晕纹,渐渐疑成一滴。那"滴'越来越大,终于流下发黑的躯体,在火中溅出一团光华。 | „Genau. Man lebt nur ein paar Jahrzehnte. Im Handumdrehen ist man alt. Wenn man sich nicht ein paarmal aufbäumt, stirbt man als unschuldig Verurteilter.“ |
| 1924 因为大牛的配合和支援,火变得非常纯正和干净。火光不再飞扬跋扈,竟有炉火纯青的迹象了。肉变成了硬皮,贴在骨殖上,意味着火已消灭了大牛体内的水。除了脂肪仍作出液体的姿态外,骨肉都凝在火中。民工都半张了口,眼里发出瓷器的光泽。 | Tau fiel. Kühle Feuchtigkeit sickerte in die Kleidung. Die beiden hielten sich umschlungen, versunken in der Liebenden eigenen Zauber. Das Dorf verschwamm in der fernen Nacht. Alles löste sich auf. Trauer wurde zu einem dünnen Faden, der in der poetischen Nachtluft schwebte und zu einem anderen Genuss wurde. Alles war voller Poesie. Der Mond, der Wind, die mit dem Wind herabsinkende Kühle, der Herzschlag und der Schweiß auf den Handflächen. |
| 1925 大牛妈的哭从火中渗出。她的哭不像哭丧,只能算厉厉地嚎,是受到剧痛后抑制不住的那种嚎。大牛爹也发出很大的哭声,但他似乎能自由地出入悲痛。他老泪纵横地哭一阵后总要偷看头儿一眼。头儿脸灰着,似乎是忧伤,也似乎是烦躁干柴没了,只剩下火籽儿,牛粪仍在喷出它特有的火光.大牛的身子收缩了。 | „Wenn es immer so sein könnte.“ flüsterte Lanlan. „Kein Wind, kein Regen, keine Sonne … nur dieser Große Sandfluss, die Dattelbäume … der Mond … und du.“ Huaqiu lachte: „Und ein Sack Erdäpfel – wenn wir hungrig werden, rösten wir sie.“ Lanlan sagte: „Auch ohne Erdäpfel. Verhungern – dann werden wir Geister. Geister zu sein ist gut – wie der Wind. Kommen, wann man will, gehen, wann man will – wie der Wind. Menschsein ist langweilig. Das Herz ist immer leer, ohne Halt, ohne Hoffnung. Leben ist nur Zeitvertreib. Manchmal, wenn man darüber nachdenkt, ist es erschreckend. Was ist der Unterschied zum Warten auf den Tod?“ |
| 1926 按火化的规矩,应该有个人拿个铁针,一下下捅那黑团,以便烧得彻底些。但谁也不去捅它,大牛只好黑成一团了。 | Die Nacht war kühl – erfrischend, nicht frostig. Ein leichter Wind wehte. Es war der sanfte Wind aus der großen Wüste, mit dem eigenen Duft der Wüste – weich, leicht … Eher als Wind war es Nachtluft. Ja, es war eine unterirdisch strömende Kraft, die in Lanlans Herzen wogte. Sie wollte so gern weinen. |
| 1927 干柴牛粪堆跟专业化尸炉不一样,火熄时,大牛还没完全变成骨头。据说,大牛妈想背回娃子,大牛爹却不同意。他想将大牛埋入沙窝,省得在家乡扎眼。 | Huaqiu streichelte sanft Lanlans Gesicht. Lanlan weinte. Sie wollte keinen Laut von sich geben – sie fürchtete, das Weinen würde die Stille und den Zauber stören. Leise wischte sie die Tränen ab und lehnte sich an Huaqius Brust. Sie hörte seinen kräftigen Herzschlag. Alles wie im Traum. |
| 1928 要是大牛完全变成千净骨头,他妈当然能拗了老汉性子,背儿子回家。但柴火帮了老头的忙。那火力,并没完全撩光肉。它仅仅是将肉变成了釉状物。这样,大牛妈只好由了民工们,将大牛埋在盐池北面的沙洼里。 | Das Dorf verschwamm in der fernen Nacht. Alles löste sich auf. Trauer wurde zu einem dünnen Faden, der in der poetischen Nachtluft schwebte und zu einem anderen Genuss wurde. |
| 1929 埋了大牛的次日莹儿们按当地习俗,做了些汤饭,去送给大牛。她们发现,埋大牛的沙丘已不见了。大牛早曝尸在外了,他贴在骨上的肉早叫啥动物啃光了。 | „Ich sollte zurückgehen.“ Kaum war der Gedanke aufgetaucht, durchstach er Lanlans Herz. Schöne Augenblicke waren immer so kurz. Wie sehr wünschte sie, dieser Moment möge ewig dauern – doch die Eltern warteten. Ihre faltigen, rindenartigen Gesichter blitzten ständig auf. Ein paar Blitze, und ihr Blut wurde kalt. |
| 1930 骨头虽叫烟熏黑了,但那一道道的牙印却啃出一线线干净的白。 | „Gehen wir zurück.“ sagte sie. |
| 1931 莹儿们边哭,边将散了一地的骨头收拢了,埋进黄沙。 | „Zurück? Reden wir die ganze Nacht, ja?“ Kaum hatte Huaqiu es ausgesprochen, spürte Lanlan eine überwältigende Versuchung. Eine Nacht … eine ganze Nacht. Ihr Herz schlug wieder wild. Beinahe hätte sie zugestimmt. |
| 1932 53 | Huaqiu umfasste ihre Taille und küsste sie. Seine Küsse waren leidenschaftlich – so leidenschaftlich, dass Lanlan der Atem stockte. Die heranrollende Lebenswelle konnte jede Verteidigung niederreißen. Sie brachte es nicht über sich, dem ein Ende zu setzen. |
| 1933 兰兰和莹儿又压了几天沙,身子散架了似的。因为不愿投机取巧,她们三天压的米数还不如人家一天压的。兰兰说,照这样子,除去吃喝,挣不了多少钱。 | Lanlan schob die Hände weg, die an ihrem Hosenbund tasteten, und seufzte: „Das geht nicht. Seit der letzten Fehlgeburt hört die Blutung nicht auf.“ |
| 1934 看来,这儿也不是久待的地方,索性结了工资,回家吧。 | „Du lügst.“ |
| 1935 因为大牛的事,莹儿很难受。她发现好些人都指戳她。她感到一种巨大的压力,加上活也很苦,就一天也不想待了。好容易熬到结账那天她们领了工资,准备回家。 | „Warum sollte ich lügen? Medikamente habe ich genug genommen, aber nichts hilft.“ |
| Huaqiu ließ los. Lanlan spürte seine Enttäuschung und sagte: „Sei nicht so. Wir sehen uns so selten – lass uns reden.“ Huaqiu schwieg. Lanlan sagte: „Am Anfang hab ich noch im Traum mit dir geredet. Später bist du auch aus meinen Träumen verschwunden. Ich hatte so viel zu sagen. Aber kaum sehen wir uns, ist alles vergessen.“ | |
| Huaqiu sagte: „Wenn man nicht furzen kann, was soll man dann reden? … Ich sollte gehen. Meine Frau wollte nicht, dass ich komme. Sie sucht mich wahrscheinlich schon überall.“ | |
| Lanlan wollte fragen: „Wärst du geblieben, wenn ich nicht krank wäre?“ Doch plötzlich verlor sie jede Lust am Gespräch. Sie bereute das heutige Treffen ein wenig. Sie erkannte: Huaqiu hatte sich verändert. |