Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 8

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Kapitel 8: Ein einziges Wort kränkt: Abreise ohne den Wagen abzuwarten

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Fünftes Kapitel. a) jer Tschi-hien überlegte alles bey sich, was ibm Schan - yih hinterbracht hatte, und hågte so viel Freundschaft und Hochachtung für dieses tugendhafte Paar, daß er mit allen seinen Freunden und Bekannten von ihnen sprach. Er schäßte sich glücklich, zwo so vortrefliche Personen in einer Stadt zu haben, deren Magistratsperson er war. Schuey-gowin, der nunmehr wußte, daß gar kein Argwohn mehr statt finde, und daß der Tschi hien von ihrer Unschuld überzeuget sen, hatte folgende Gedanken bey dieser Sache: „Ob ich gleich bisher so gerne meine Nichte mit Kus keh-ssu vermählet båtte, so geschahe doch dieses. =gar nicht in der Absicht, ihm zu dienen, føndern damit ich in den Befiß ihres Hauses und ihrer Sachen kommen mögte. Es ist nicht mehr wahr, scheinlich, daß dieses geschehen und diese Heurath vor sich gehen wird. Hingegen ist es gar nicht anders zu vermuthen, als daß sie eine große Ach- tung für ihn håge; ob sie schon die klägste und a) Im Chinesischen ist es das achte Kapitel. unstråf- unsträflichste Aufführung gegen diesen jungen Fremden beobachtet. Ich weis gewiß, sie würde feine Heurathsvorschläge gerne annehmen, wenn sie nicht ihre jungfräuliche Schamhaftigkeit daran verhinderte. Ich glaube also, ihr keinen angeneh mern Dienst leisten zu können, als wenn ich ihr denselben zu ihrem Bräutigam vorschlage. Nimmt fie ihn an, so komme ich ebenfalls zu dem Besiķe ihres Vermögens." Voll von diesen Anschlågen™ gieng er durch eine beimliche Thüre zu ihr, und redete sie also an: „Man pflegt insgemein zu fa gen: Eine Trommel giebt keinen Laut, wenn sie nicht geschlagen wird, und eine Glocke keinen Schall, wenn man nicht daran klopfet. Man fagt auch: Wer böse Augen hat, der wird in zehn Tagen wieder gut sehen, wenn er sie unbetastet lässet b). Als ihr Tieh-tschong-w in euer Haus auf b) Die Anwendung dieser drey Sprüchwörter ist leicht zu machen. Die ersten beyden scheinen deswegen von ihm angeführet zu seyn, damit er von der Heurath sprechen könne, welche ohne seine Vermittelung gar leicht ins fie- cken gerathen indgte, und das lehte zeiget, daß sich ihre Aufführung nunmehr aufgekläret und gerechtfertiget ha be. Kein Volk ist der Blindheit so sehr unterworfen, als die Chineser, welches einige dem vielen Reisessen zu- schreiben. Sie pflegen ihre Nächte in fünf Nachtwachen einzutheilen, deren jede zwo Stunden lang ist, und durch das Schlagen auf eine cherne Trommel, oder Glocke an: gezeiget wird. Die Stadttrommel zu Peking soll is Ellen im Durchschnitte haben. Ihre Glocken sind auch sehr groß, und manche wiegen 120000, Pfund. Ihre Form aufnahmet, ihm zu seiner Gesundheit wieder zu verhelfen, gab dieses den Leuten Gelegenheit, übel von euch zu reden. Ich selbst war sehr dadurch beunruhiget; allein nunmehr fehe ich, daß ihè beyde dem feinen Golde gleich seyd, welches ohne Schaden das Feuer aushalten kann." Schuey- ping-fin fiel ihm in die Rede. So lange alles mit guter Ordnung und mit Wohlanståndigkeit ge- schehen, was hat es denn zu bedeuten? Tieh- tschoug-u hat mir einen großen und wichtigen Dienst erwiesen; ich habe alles gethan, was mir möglich war, mich dankbar gegen ihn zu erzeigen." „Es ist wahr, fagte ihr Oheim, ihr sprecher ganz gut, Nichte, und ich will euch jezt selbst einen Vorschlag thun. Ich meine es aufrichtig mit euch, und ich hoffe, ihr werdet nicht mehr den Verdacht auf mich werfen, als ob ich meinen eige nen Mugen suchte, oder etwas anders, als eure Wohlfahrt, zum Endzwecke habe.“ „Alles, fag- te das junge Frauenzimmer, muß mit Wohlstand und Ordnung geschehen. Wenn es sich für mich schicket, so will ich es thun; wo nicht, so ist es beffer, Form ist wie ein Cylinder. Sie sind oben fast so weit, als unten, und nehmen immer an Dicke ab, je höher sie werden. Man schlägt sie mit Hämmern von einem Hol- ze, so wegen seiner Härte Tie-ly-mu, oder Eisenholz, genennet wird. Sie haben allerley wunderliche Namen, 3. E. die hangende Glocke, die efsende, schlafende, flies gende, u. f. w. Le Compte, T. 1. p. 124. Du Halde, 1 Th. S. 24. Beffer, wenn Sie gar nichts davon erwähnen." Er erwiederte: „Das alte Sprüchwort sagt mit Recht: Wenn jemand das gehörige Alter erlan- get hat, so muß er heurathen, und eine Weibs- person muß darein willigen. Ihr feyd in dem ge- hörigen Alter. Wåre euer Vater hier, fo hätte ich nicht Urfache, mich darum zu bekümmern. Al- lein, da er so weit entfernet ist, und man nicht wissen kann, wann er wiederum zurückberufen wird; so würde es fehr unbesonnen von euch seyn, wenn ihr einer entferneten und ungewissen Sache wegen eure Jugend unverheurathet zubringen woll- tet. Ihr müffet nicht glauben, daß alle Unruhe, die euch Ku-keh-ssu verursachte, auf mein An- stiften geschehen fey. Ich willigte blos in fein Verlangen, weil er mir beständig in den Ohren Jag. Ich erkenne anjcht gar wohl, daß ihr billig und vernünftig gehandelt habt. Ku-keh-ssu mag sich immerhin wegen seiner Macht und Reich- thümer hoch halten; allein er hat wenig Fähig- keit und Verstand, und eben deswegen halte ich ihn nicht für einen schicklichen Bräutigam eines folchen Mädchens, wie ihr seyd. Wo findet man aber einen vollkommenen? Es giebt freylich ges nug wißige und gelehrte Leute; aber es wird euch an Klugheit und Redlichkeit nicht leicht jemand gleich kommen. Es zeiget sich jezt eine schickliche Gelegenheit. Der Himmel, der euch mit so vies len Gaben geschmücket hat, machet alles vollkom- men. Wer kann daran zweifeln, daß dieser Tieh-tschong-u nicht für euch allein erschaffen, und daß keines von eine so delicate. und vom Himmel gesandt worden sey, durch seine Bollkommenheiten sich der eurigen würdig zu machen. Ob ihr schon bisher allen Wohlstand beobachtet habet, und miteinander unter einem Dache wohnet, so weis ich doch, euch beyden aus Bescheidenheit Sache gerne unternehmen mag. Ich komme das her aus Freundschaft zu euch, diese Schwierigkeit zu heben, und die Sache zwischen euch richtig zu machen.“ „Oheim, gab ihm das Frauenzimmer zur Antwort, der Himmel schuf Kong-fu tfee c), und e) Rong-fustsee, oder Confucius, ist der größte Sits tenlehrer der Chineser. Er wurde in einem Flecken des Königreichs Lu, so jeho die Provinz Schang-tong ist, 551 Jahre vor Chrifti Geburt, und zwey Jahre vor dem Tode des Thales gebohren. Er lebte mit dem weltbe- rühmten Pythagoras zu einer Zeit, und Sokrates trat bald hernach auf, als China diesen großen Weltweisen verlohren hatte, dessen Einsichten es sein Ansehen und und Dauer zuschreibet. Confucius war nur drey Jahre alt, als ihm sein Vater Scho- leang-he, im 73steu Jahre seines Alters abfarb, der ihm nichts, als die Eh- re hinterließ, daß er von dem Ti- yeh abstammte, so der 27fte Kaiser aus der zweyten Dynastie Schang oder Yng war, und 1126 Jahre vor Chrifti Geburt starb. Seine. Mutter, Namens Sching, lebte noch 21 Jahre nach dem Tode ihres Mannes. In seinen zarteßten Jahren fand man an ihm schon die Merkmale eines reifen Al- ters. In seinem funfzehnten legte er sich sehr, ernstlich auf die Erforschung der alten Schriften. In seinem neunzehnten heurathete er, und hatte nicht mehr, als eis ne und begabté ihn mit vollkommener Weisheit und Warum war er denn kein Kaiser? Verstand. Er ne Frau, mit welcher er einen Sohn, Namens Peyu erzeugete, der in seinem soften Jahre starb, und nur seinen einzigen Sohn Tsu- tsee hinterließ, der in den Fußstapfen seines Großvaters wandelte, sich der wahren Weisheit ergab, und zu einer der ersten Würden des Reichs gelangte. Er war des Meng: tsee Lehrmeister. Confucius faffete den Vorsak, eine weise und vers nünftige Regierungsart in allen kleinen Königreichen, daraus dazumal das chinesische Reich bestund, einzufüh= ren. Er schied sich von seiner Frau, desto ungehinderter Audieren zu können. Seine Aufrichtigkeit, seine weits Iduftige Wissenschaft, und der Ruhm seiner herrlichen Tugenden machten ihn går bald im Reiche bekannt. Man bot ihm obrigkeitliche Bedienungen an, die er aber in keiner andern Absicht annahm, als damit er seine Sittenlehre ausbreiten, und an der Besserung der Leute mit desto mehrerm Nachdruck arbeiten könnte. Da aber seine Bemühungen fruchtlos abliefen; so legte er seine Ehrendmter nieder, und lebte in der Einsamkeit. Als er in seinem saften Jahre zu einer der höchsten Würden im Königreiche Lu erhoben ward, Anderte das ganze Reich in drey Monaten seine Gestalt. Der König von Tsi beneidete das Glück des Königes von Lu, und machte ihm ein Geschenk nit einer Anzahl junger Mädchen, von ganz außerordentlicher Schönheit, die von Jugend auf im Singen, Tanzen, und andern Galanterien unterwie: sen worden, dadurch sie sich einen Sieg über der Mdn- ner Herzen versprechen konnten. Der Streich gelung. Der König von Lu konnte nebst seinen Hofleuten ihren Meizungen nicht widerstehen, und ließ die Regierungsges " schaffte Er war ein einsamer Weltweiser, der vor sich lebte, und das Volk unterrichtete. Eben so schuf schaffte völlig liegen. Da Confucius sah, daß seine Vorstellungen nichts halfen; so legte er sein Amt nieder, verließ den Hof und sein Vaterland, und begab sich in andere Königreiche, wo er bald geehret, bald verachtet, ja gar beleidiget ward, und insonderheit im Königreiche Eching in die größte Dürftigkeit gerieth, ohne doch da= bey seine Großmuth und Standhaftigkeit zu verliehren. Jedoch zählete er über 3000 Schüler, unter welchen 500 waren, die in verschiedenen Königreichen nachher die wichtigsten Bedienungen bekleideten. Unter dieser An- zahl waren 72, die sich durch die Ausübung der strengsten Tugend noch berühmter, als die übrigen, machten. Zehn davon werden die zehn Weltweisen geuenuet. Er thei. lete sie in vier besondere Classen ab. In der ersten was ren diejenigen, die ihren Verstand durch das gründlichste Nachdenken scharfen, und ihr Herz durch die Tugend reis nigen sollten. Die berühmtesten in dieser Classe waren 1) Men-tsee-kien, 2) Gen-pe-miuh, 3) Schung- Fong und 4) Ren-yuen. Dieser legte war sein liebster Schüler, dessen frühzeitigen Tod er lange Zeit beweinete. Ju der andern Classe waren die, so sich beflissen, ver- nünftig zu denken, und zu andern überzeugend zu reden. Darunter bewunderte man am meisten den 5) Tai-ngo und 6) Tsu-kong. In der dritten bemühete man sich die Regeln einer vernünftigen Regierungsart zu lernen, den Mandarinen eine Vorstellung davon beyzubringen, und sie die Verwaltung öffentlicher Aemter zu lehren. 7) Gen-yeu und 8) Riźlu find darunter die berühm- testen gewesen. In der vierten Classe mußten sich end- lich seine Schüler bemühen, seine Sittenlehre nett und sauber schuf der Himmel vor undenklichen Jahren ein Frauenzimmer von der größten Schönheit und vom sauber aufzuschreiben. Und unter diesen hat sich 9) Tsu- yeu und 10) Tfu - hia besonders verdient gemacht, Die ganze Lehre dieses großen Mannes gieng dahin, daß der menschlichen Natur ihr erster Glanz und Schön- heit wieder beygeleget werden sollte, die sie zuerst vom Himmel empfangen, und die durch die Finsterniß der Uns wissenheit, und durch die ansieckende Seuche der Laster, gar sehr verderbet worden. Man fand an ihm eine_be- wundernswürdige und beständige Gleichheit des Gemü tes in den größten Widerwärtigkeiten, und seine Tugen=" den wurden durch eine ausnehmende Bescheidenheit und Leutseligkeit noch mehr erhöhet. Er starb im Lande Lu, im 73ßten Jahre seines Alters in den Armen seiner Schü- Ler. Wenig Tage vor seiner lehten Krankheit sagte er weinend: „Der Berg ist gefallen, die hohe Maschine ist „zerrissen; man siehet keine Weisen_mehr.“ Er wollte Damit sagen, daß das Gebäude der Vollkommenheit, an welchem er aus allen Kräften gearbeitet, durch die im Reiche herrschenden Unordnungen beynahe ganz zerstöret sen. Sieben Tage vor seinem Ende sagte er: „Die Kö± „nige weigern sich, meiner Lehre zu folgen: ich bin nichts „mehr nüße auf der Welt; ich werde sie verlassen.“ Man bauete ihm ein Grabmaal nahe bey der Stadt Rio-feu, am Ufer des Fluffes Su, an eben dem Orte, wo er sich oft mit seinen Jüngeru zu versammlen påleg- te. Nachher hat man diesen Raum init einer Mauer eingefasset, und jezt siehet er einer Stadt nicht ungleich. Er war lang und wohl gewachsen; hatte eine breite Brust und starke Schultern; ein majestätisches Ansehen. Die Farbe seines Gesichtes war etwas gelblicht. Er hat te " vom feinsten Verstande. Warum wurde sie nicht Sie bekam eine mit einem Kaiser vermählet ? Person te große Augen, einen langen und starken Bart, eine et was breite Nase, und eine sehr laute und vernehmliche · Stimme. Mitten an der Stirne hatte er ein Gewächse, · das ihn etwas verstellcte, welches auch seinen Vater schon bewog, ihn Riu zu nennen, welches einen kleinen Hügel bedeutet. Diesen Namen gab er sich auch aus Beschei- denheit selbst. Aus seinen Schriften kann man ihn am besten erkennen. Es sind insonderheit vier derselben in großer Hochachtung. Das erste heißet Ta-hio, d. i. die Aroße Wissenschaft, oder die Schule der Erwachsenen. Das zweyte heißet Tschung: yong, d. i. die mittlere Pflicht, oder die Mittelstraße zwischen den Abwegen, als worinn die Tugend bestehet. Das dritte Buch heißet Lun-yu, oder die Gespräche der Philosophen, und hält Das vierte moralische und finnreiche Sprüche in sich. führet den Titel Meng tsee, oder Menzins, der 100 Jahre nach dem Confucius lebte. Fourmont, Gramm. Sin. p. 415 feq. Confucius Sinarum Philofophus, fiue Scientia Sinenfis Latine expofita, ftudio et opera Phil. Couplet. Parifiis, 1687. fol. Intorcetta Science des Chi- nois. ib. 1672. fol. Sinenfis Imperii libri claffici fex e finico idiomate in latinum traducti a P Francifco Noel. Pragae, 1711. 4, Miscellaneous Pieces relating to the Chinese. London, 1762. 12. 2 Vol. Diesen vier Bü chern sind zwey andere beygefüget, die mit jenen fast in gleicher Hochachtung stehen. Das eine heißet Hiaos king, d. i. die Lehre vom kindlichen Gehorsam, und das andere Siao-hio, d. i. die Schule der Kinder. Halde hat aus allen Auszüge geliefert, S. 2 Th. 375 - 442. Fourmont Grammatica Sinica, p. 429 feq. Confucius Du wird Person von niederem Range zu ihrem Manne. Alles dieses ist dem Zufalle unterworfen. Tieh tschong - u besiget wirklich`recht viel Verstand, Redlichkeit und Vorzüge, so daß man nicht sagen kann, es mangle ihm etwas. Allein, wenn Sie das Wort Heurath d) erwähnen, so irren Sie sich sehr." Schuey-gowin versezte:,,Da ihr einander beyderseits so vielen Dank schuldig seyd, und eure Gesinnungen wiffet, so ist es sehr schick- lich, einander zu heurathen.“ Eben dieser Ver- bindlichkeiten wegen, sagte ich, daß Sie sich sehr Es wäre dieses wider allen Wohlstand. irren. "" Eine wird bey den Chinesern der große Lehrer, der erlauchte Adnig der Wissenschaften, der Heilige, der mit vors trefflicher Weisheit begaber ist, genennet. In einer jeden Stadt ist ein ihm gewidmeter prächtiger Tempel, wo die Gelehrten sein Andenken verehren, der insgemein der Saal der himmlischen Weisheit, Ta-sching-tien, genennet wird. Die graduirten Personen berühren hier mit ihrem Haupte viermal die Erde, und jährlich feyern die Doctores und Gelehrten ihm zu Ehren ein großes Fest, wobey ein Schwein geschlachtet, und dessen Blut und Fleisch vergraben wird. Die Bedienten des Tribu- nals der Gelehrten bringen Wein, Gewächse, Blumen und Hülsenfrüchte, die sie auf eine Tafel hinlegen. Du Halde, 1 Th. S. 302. 2 Th. S. 126, 368 feq. Neuere Welthistorie, 6 Th. S. 417. Le Compte, T. 1. p. 293. Semedo, p. 48. Soucier Obfervations tirées des an- ciens Livres Chinois. Paris, 1729. 4. 3 Vol, Hebers. d) Im Originale heißt es: „die zween Charaktere Heus rath," d. i. die eine Heurath anzeigen. Eine solche Heurath ist unmöglich. Unsere Be- kanntschaft fieng sich mit großen Unruhen an, wel- che durch den Streit des Fremden mit dem Tschi- hien noch größer wurden. Mein Vater weis nicht das mindeste davon. Ueber dieses hatte ich bey der ganzen Sache keinen Gedanken an eine Heurath." „Was dieses anbetrift, sagte ihr Oheim, so dürfet ihr euch deßwegen gar kein Be- denken machen. Jedermann weiß jezt die Rei- nigkeit eurer Absichten, und die ganze Welt ist davon überzeuget." „Wenn in der Folge der Zeit kein Umgang zwischen diesem jungen Fremden und mir statt findet, so wird meine Aufführung desto unschuldiger seyn, und ich werde mich voll, kommen beruhigen; wenn ich ihn aber heurathen würde, so gäbe es Gelegenheit, zu glauben, daß meine ersten Absichten gar nicht unschuldig und rein gewesen wären. Man würde uns allemal für stråflich halten, und vielleicht beyde unglück- lich machen. Ich kann daher unmöglich zu einem folchen Vorschlage meine Einwilligung geben, und ersuche Sie, nicht mehr davon zu sprechen.' Schuey-gowin gerieth hierüber in Zorn. „Ihr schwaßet, schrie er, in einem sehr hochmü- thigen Tone; da ihr so jung seyd, wollet ihr mich belehren, und verachtet meine Rathschläge. Gebet; ich will nicht mehr mit euch sprechen; fondern mich an den Fremden selbst wenden, und die Sache mit ihm ausmachen. Ist er geneigt dazu, so werde ich alle eure Einwürfe nicht ach- tén." Er gieng sodaun nach dem Zimmer des Tich Tich tschong-u, bey dem ihm Siau-tan an, meldete. Der Fremde kam ihm sogleich entge- gen, führte ihn hinein, und bat ihn, niederzusißen. Schuey-gowin fieng die Unterredung damit an, daß er ihm sagte, wichtige Geschäffte hätten ihn verhindert, ihm ehender seine Aufwartung zu machen, er båte ihn deswegen um Vergebung. Tieh tschong-u entschuldigte sich mit seiner schwachen Gesundheit, daß Er nicht ihm aufge- wartet habe. Schuey - gowin fagte ihm: „Ich bin wegen einer wichtigen Sache hieher gekommen. Es betrift die Verheurathung meiner Nichte' "" << Die Verbeurathung Ihrer Nichte! fiel ihm Tieh-tschong-u in das Wort, und verfärbte fich. Sie müssen nicht mit mir davon sprechen. Ihre Worte sind vergeblich. Ich bin ein Frem der. Wenn Sie von etwas anders sprechen wol- len, so werde ich Ihnen mit Vergnügen zuhören. Wie kommt es, daß Sie gegen mich die Verheu, rathung Ihrer Nichte erwähnen? " Mein Herr, sagte Schuey-gowin, ich würde mich nicht in eine so delicate Sache eingelassen haben, wenn es nicht wegen der Dienste, die sie meiner Nichte geleistet, geschehe; da Sie wegen ihrer so viel Gefahr ausgestanden; so nahm ich mir die Freyheit, davon zu reden." „Der Beystand, den ich Ihrer Nichte leistete, verseßte der Fremde, war dem bloßen Zufalle zuzuschreiben. Ich mußte ihr nothwendig Beystand leisten, da ich sahe, daß man einem Frauenzimmer so übel bes gegne. Denn ich kann niemand beleidigen oder

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t unter unterbrücken sehen, ohne mich seiner anzunehmen. Meine Neigung bringet es so mit sich. Ich vers muthe aus Ihrem Gespräche, daß Sie in der Meinung stehen, als ob ich eine unlautere Ab- ficht daben gehabt hätte, daß ich in dieses Haus kam. Ich will mich daher sogleich daraus ent- fernen. Schuey-gowin suchte ihn zu besänftigen. „Ich kam in einer guten Absicht hieher; sprach er, und nicht, daß ich Sie beleidigen wollte. Hören Sie nur ein wenig an, was ich zu sagen habe, und dann mögen Sie entscheiden, ob ich Aufmerksamkeit verdiene, oder nicht." „Man pflegt weislich zu sagen, erwiederte Tieh- tschong-u, wenn die Sache nicht schicklich ist, so muß man auch nicht davon reden e). Ich erz " fuche e) Dieses Bezeigen muß einem jeden seltsam vorkommen, der mit der Lebensart und den Sitten der Chineser nicht bekannt ist. Der Held unserer Geschichte wird vielleicht einer Unhöflichkeit beschuldiget werden. Allein man muß vor allen Dingen wissen, daß in China das gar nicht gewöhnlich ist, was man in Europa Galanterie nennet. Die Chineser erlauben so wenige Gemeinschaft mit dem ändern Geschlechte, daß öfters so gar Heura- then ohne Vorwissen der Brautsleute gestiftet werden. Tich-tschong-u und Schucy - ping-fin waren in sol- chen limsduden, wie aus der Folge dieser Geschichte er- hellen wird, daß sie unmöglich mit Ansändigkeit so gleich von einer Heureth” sprechen konnten. Ein chinesischer Stuger ist ein Unding, wenn man dieses Wort in euro- päischem fuche Sie daher, nicht mehr davon zu sprechen. Sie können es ganz gut dabey meinen; allein Sie sehen nicht ein, was für schlimme Folgen dieses nach sich ziehen würde. Es ist Zeit, daß ich mich von hier entferne." Er stund hiermit auf, rief einen der Hausbedienten zu sich, und sagte ihm, daß er seiner Gebieterinn feinen Dank abstatten und sich empfehlen lasse, da er nunmehr aus den Reden des Schuey-gowin merkete, daß es Zeit fen, aufzubrechen, ohne von ihr Abschied zu neh men. Er entfernete sich auch wirklich mit seinem Diener so schnelle, daß es Schuey - gowin nicht verhindern konnte. Er suchte ihn vergeblich auf- zuhalten, und mußte sehr verwirret ihn abreisen feben. Er war allzusehr beschämet, daß er wie- der zu feiner Nichte gegangen wåre. „Diefer junge Mensch, murmelte er im Nachhausgehen P 3 bey pdischem Verstande nimmt. Da in China die Vielwei- beren erlaubet ist, so folget, daß auch dadurch die Ach- tung für das andere Geschlecht sich mindere. Denn wo das Frauenzimmer nichts abschlagen darf, da ist auch keine Galanterie anzubringen. Ben einer Nation, wo das Frauenzimmer, blos weil sie Kinder gebdhren, geach- tet wird, hat diejenige Hochachtung nicht so leicht statt, die man bey uns den Schönen erzeiget. Einige, wilde Nationen in Nordamerika sehen einen` jungen Menschen mit Verachtung an, der öffentlich mit feiner Liebsten redet; ja die bloße Erwchnung einer Heu- rath verursachet, daß sie einander mit Fleiß vermeiden, bis sie den Beyfall der Aeltern erhalten haben. S. Let- tres édifiantes et curieufes, T. 12. p. 152. Hash Kidh Tschwen. bey sich selbst, bat nicht das gefeßte Wesen eines Studenten an sich. Er ist roh und eigensinnig, wie ein Soldat." Schuey-ping-sin sahe schon vorher, was ihr Oheim ausrichten würde, und da sie glaubte, daß ihr Gast nicht mit genugsamem Reisegelde versehen sey, fandte sie ihm zwanzig Taels fein Silber f), nebst einigen Erfrischungen nach. Ein alter Diener, Schuey-yong, mußte sie. ihm überbringen, und vor dem Stadtthore auf ihn warten. - Der Diener gieng sogleich fort, ohne jemand das geringste davon zu sagen. Tieh-tschong-u gieng nach dem Bonzen. kloster, und fandte feinen Bedienten hinein, seine Betten und Reifegeräthe zu holen. Der Vorste= her der Bonzen kam sogleich selbst an das Thor, ihm seine Aufwartung zu machen. „Herr, sprach er zu ihm, Sie giengen so schnell von uns hinweg, daß f) Die chinesische Unze, so die Portugiesen Tael nennen, bestehet aus zehn Mas, oder Tsien, wie es im Chine: sischen beißt. Ein Tael ist 16 Schilling und & Pfennige, Sterling, oder ungefähr 3 Gulden unsers Geldes. Nach dem französischen Gelde war der Werth eines Taels Sil: ber verschieden, nämlich 1) 4 Livres, 2 Sols, 2 De- niers. Le Compte, Vol. 2. p. 11, 78. Lettres édif. T. 1. P. 74. T. 16. p. 381. 2) 5 Livres, oder 100 Sols. Du Halde, 2 Th. S. 21. 3) 7 Livres, 10 Sols. Lettres édif. T. 25, preface, p. 10. G. Harris's Voyages and Travels. London, 1744. fol. Vol. 1, p. 305. Dampier, Vol. 2. fupplem, p. 61. seyn Nachricht " daß ich deswegen vom Tschi-hien einen beftigen Verweis bekam. Ich bin sehr erfreuet, Sie wie- der zu sehen. Der Mandarin würde es sehr übel aufnehmen, wenn ich ihm nicht von Ihrem Hier- gebe.“ „Was geschehen ist, das will ich vergessen, fagte Tieh-tschong-u; aber wollet ihr noch immer plaudern? Ich mag weder in euer Kloster gehen, noch euren Thee g) trinken. Was $ 4 g) Im Chinesischen heißt es Tscha. Der Name Thee rühret von der verderbten Mundart etlicher Oerter in der Provinz Fo-kien her; sonst heißt er in ganz China Tscha, welches auch die Portugiesen thun, und ihn nach ihrer Aussprache cha schreiben. Die Chineser bedienen sich des Thees zu ihrem ordentlichen Getränke, aber oh- ne Zucker. Sie haben immerzu einen Kessel über dem Feuer, und werfen etliche Blätter in eine Schaale, über welche sie das heiße Wasser giessen, es ein wenig sehen Lassen, und sodann trinken. Wenn sie iu Ceremoniel trinken, pflegen sie die Taffe in beyde Hände zu nehmen, und sich so`niederzubücken, daß fie die Erde damit be- rühren. Sie nehmen'sodann dieselbe in die linke Hand, und schlurfen sie langsam aus. Die Tartarn halten sie in der rechten Hand, und machen vor und nach dem Trinken einen tiefen Bückling. Es giebt verschiedene Arten dieser Pflanze. Du Halde zchlet vier Gattun- gen des Thees. 1) Song:lo:tscha, oder der grüne Thee, hat seinen Namen von einem Berge in der Pro- vinz Riang-nan, der Song-lo-schan heisset, und wo die beste Art wächset. 2) Wu-y-tscha wächset in der Provinz Fokien, und hat seine Benennung von dem berühmten Gebürge Wu- y - schan, auf welchem viele Woh- Was den Tschi-hien anbetrift, so will ich ihn auch nicht mehr sehen. Gehet sogleich, und lass fet Wohnungen der Bonzen von der Secte des Tao - kia find. Die erstere Gattung färbet das Wasser im Kochen grün, hat aber etwas corrosivisches an sich, dahingegen diese leştere dem Wasser eine gelbe Farbe giebt, und nichts strenges an sich hat. Die Blätter sind ründlicher und schwärzer. Man nennt ihn insgemein Thee Bouy, so die verderbte Aussprache des chinesischen Namens Wusy ist. Man bedienet sich dieses Thees am meisten, und es giebt dreyerley Gattungen desselben. Die erste und beste wird von den Spißen der Blåtter gesammlet. Sie nennen sie Mao-tscha. Dieß ist der Kaiserthee. 3) Pu- eul stscha, d.'t. Thee vom Dorfe Puzeul in der Provinz Nung nan, so an Pegu, Ava und Tung, king gränzet. Die Blätter sind etwas länger und dicker, als obige Arten ;` man verkauft sie um einen guten Preis. Der Geschmack ist nicht angenehm. 4) Lungan-tscha hat seine Benennung von einer Stadt dieses Namens. Mán glaubt, daß er der Gesundheit sehr zuträglich sey. Der sogenannte Thee Bouhi oder Bouy wird einen Monat früher, als der grüne Thee gesammlet. Der Thee wird gemeiniglich gesdet. Dieses geschie- het im zweyten Monate des Jahres. Es werden die in ihren Kapseln befindlichen Körner in Löcher geleget, die vier bis fünf Zoll tief find; wenigstens sechs, und höch- stens zwölf in ein Loch. Nach vier oder fünf Jahren pflegen sie den grünen Thee ganz neu zu ziehen, weil er sonst ausarten, und an Blättern allzugrob, hart, und bitter werden würde. Der Thee Bouhi wird an der Sonne gedörret, nachdem er zuvor im Schatten trocken worden ist. Vom Kaiserthee toffet in China das Pfund einen << fet mir meine Betten und Reisegeräthe hieher bringen: denn ich will mich nicht aufhalten. „Ihre Sachen, sagte der Vorsteher, sind bereits Ihrem Diener überliefert worden; nur muß ich Sie bitten, noch ein wenig allhier zu bleiben, Nunmehr verlohr Tieh-tschong-u alle Gedult, und sprach: „Was wollet ihr von mir haben, daß ich länger mich allhier verweilen foll? Wie! Jhr unterstehet euch so gar öffentlich Reisenden, die zu eurem Kloster kommen, Schelmereyen zu ers weisen? Wollet ihr mich umbringen? Gab euch der Tschi-hien Befehl dazu? Ich will morgen nach dem Palaste des Statthalters gehen, und ihm euer Verfahren hinterbringen. Er soll euch holen, und so züchtigen lassen, das ihr die Seele ausblasen müsset." Er hatte dieses kaum gespro- chen, als zween Bediente des Tschi-hien kamen, und ihm sagten, daß ihr Herr mit ihm sprechen wolle. Dieser Mandarin schäßte, wie schon erwähnet worden, die Verdienste des Tich tschong - u sehr hoch, und wartete auf eine schickliche Geles genheit, P 5 einen Gulden unsers Geldes, an dem Orte, wo er ge- sammlet wird. Die Japoneser haben auch eine solche Gattung, die sie Udsi Tfjaa, d. i. den Thee der Stadt Udfi, nicht weit von Miaco, der Residenz des geißili- chen Erbkaisers, nennen. Das Pfund kostet aber von diesem japonischen Kaiserthee 40 bis 50 Thaler in Japon selbst. Du halde, 1 Th. S.24 feq. 3 Th. S. 506 feq. 4 Th. S.465, 472, 480 feq.

genheit, mit ihm sprechen zu können. Er wollte ihn zugleich wegen des Geschehenen um Verzeibung bitten. Er war so sehr darauf bedacht, daß er täg lich nach dem Hause Schuey-ping-sin hinfandte, und sich erkundigen ließ, wenn er abreifen würde; und kaum hatte er diefes erfahren, als er zween feiner Leute an ihn fandte, ihn einzuladen. Tich Sechstes Kapitel. -tschong-u lächelte über die Einladung der Bedienten des Tschi-hien, und sagte ihnen: „Ich gehöre nicht unter seine Bothmåf- sigkeit, und bin allhier niemand nichts schuldig. Warum verfolget mich denn euer Herr? Vielleicht, weil er mich zuvor nicht umbringen konnte, will er es jetzt ins Werk richten?" Die Diener wuß ten nichts darauf zu antworten; jedoch wellten fie ihn nicht gehen lassen. Er wurde sehr zornig, and wollte eben auf ste zuschlagen, als der Tschiz hien selbst ankam. Denn dieser bildete sich schon vorher den schlechten Erfolg seiner Einladung ein, und kam daher in Person geritten nebst noch ei nem Handpferde a). Sobald er zu Tiehs tschong- a) In den chinesischen Städten bedienet man sich der Pfer- de mehr, als der Sänften. Als P. Semedo in China war, erlaubete man nur den sich einer Sanfte zu bedienen. das gewöhnlichste in Pe-king. zer sich einen ganzen Tag ein Pferd oder Maulthier mie- vornehmsten Mandarinen, Das Reiten ist noch jeht Man kann um 20 Kreu- then, tschong-u kam, stieg er ab, und machte ihm ein sehr höfliches Compliment. „Mein Herr, sprach er, ich bin ein sehr schlechter Mann. Ich habe Au- gen, und war doch blind. Meine Einsicht war so verfinstert, daß ich nicht fah, was für Verdienste Sie befizen. Jezt bin ich wie aus einem Traume erwachet, und erkenne meinen Fehler. Ich kom me hieher, Sie um Vergebung zu bitten; ich hoffe, Sie werden mir die Ehre erzeigen, und mit mir nach meiner Wohnung kommen." ,,Diese Worte, verschte der Fremde, sind sehr von Ihrem voris gen Bezeigen unterschieden. Wie kommt es, daß Sie anjeßt Wahrheit und Redlichkeit lieben, da Sie zuvor nur auf Macht und Reichthümer sahen? Vielleicht ist dieses ein Kunstgriff, mir Schaden zuzufügen.“ „Nein, mein Herr, fagte der Tschiz hien. Glauben Sie dieses nicht von mir. Ich bin nunmehr aufrichtig gegen Sie. Ich weis, daß nicht nur Sie, sondern auch das junge Frauens zimmer, welches so großmüthig für mich eine Vor- bitte bey Ihnen einlegte, mir alles vergeben ha- ben. Ich werde aber auch ewig dafür dakkbar seyn." Tieh- tschong-u erstaunte, als er ihn so reden hörte. Endlich sagte er: ånderung ist sehr zu bewundern!" gab ihm der Tschi-hien zur Antwort, „Diese Ver- „Mein Herr, ich hoffe, fie then, und - da die Menge Menschen auf den Strassen ganz außerordentlich ist, so pflegen die Treiber die Maul- thiere am Zügel zu führen, um Plag ju machen. Se: medo, S.21, Du halde, 1 Th. S. 134. Hash Kith Tschwen. sie werden mit mir kommen, so will ich Sie das Ich habe Ihnen einen Vor- von überzeugen. schlag zu thun, der Ihnen Vergnügen bringen wird. "< Tieh-tschong-u ließ sich überreden. Er stieg auf das Handpferd, und ritte mit ihm nach feiner Wohnung. Als sie im Zimmer waren, sagte der Tschi-hien: „Ist es erlaubt, zu fra- gen, was die Ursache Ihrer schnellen Abreise ist ?“ Es war meine Absicht nicht, so bald abzureisen, antwortete ihm der Fremde; weil ich aber durch gewisse Reden beleidiget wurde, so wollte ich nicht Jänger da bleiben." Was war dieses wohl? Sagen Sie mir es 2) fragte der Tschi - hien. doch." Der Oheim des jungen Frauenzimmers, fagte Tichtschong-u, schlug mir eine Heurath mit ihr vor!" >> Gut; fehlte er denn hier Hatte er nicht inn? verseßte der Mandarin. Grund dazu? Warum willigten Sie nicht in diesen Vorschlag?" „Sie wissen, erwiederte der Hause war. junge Fremde, daß ich einige Zeitlang in ihrem Es geschah dieses aus keiner verbor- genen Absicht. Alles, was wir gethan, das kön nen wir den reinsten Gelstern fagen; "allein die Welt ist nicht so geschwind von der Unschuld zu überzeugen. Ihr Oheim gab auch zu erkennen, daß er eine schlechte Meinung von uns beyden ha,

  • solche Vorschläge that. Ich vers

be, da er mir ließ ihn daher, „Ich gestehe es ehe er noch ausreden konnte. fagte der Tschi hien, daß es fehr übel gethan seyn würde, die Heurath zu voll- ziehen, ziehen, wenn etwas geheimes beŋ eurem beyder- seitigen Umgange statt gefunden hätte b). Allein. erinnern Sie sich, daß es in den vorigen Zeiten eine Mannsperson gab, welche von so erhabener Weisheit und Verstand war, daß man nirgend eine Braut finden konnte, die feiner würdig gez wesen wäre. In einem andern Zeitalter lebte ein Frauenzimmer, die so vernünftig und klug war, daß man nirgend einen würdigen Bräutigam für sie antreffen konnte. Håtten sie zu gleicher Zeit gelebet, so würden sie gewiß mit einander verheu rathet worden seyn. Ich habe Sie mit vieler Mühe zu mir gebracht, und Sie werden eben so wenig ein Geschenk oder Gastmahl von mir anneh, men wollen. wollen. Ich erinnere mich eines alten Sprüchwortes: Eine Manns- und Weibsper- son, welche beysammen wohnen, und doch ihre Keuschheit rein erhalten können, sind über alle Gefeße hinaus c). In unfern Zeiten ist das wie- derum b) Diese Stelle zeiget, wie verschieden die Denkungsart "der Chineser von der unserigen ist. • d. i. find heilig. Der berühmte Verfasser des Geists der Gesche erläutert dieses, da er sagt: „Die Absondes „rung der Weiber von den Männern pflegt eine natürli- che Folge der Vielweiberen zu seyn. Die häusliche Ord- „nung erfordert dieses. Ein Schuldner, der nicht bes „zahlen kann, sucht sich vor den Verfolgungen seiner »Gläubiger in Sicherheit zu sehen. Es giebt gewisse Lån- „der, wo die Natur die Gründe der Sittenlehre umstößt. Lasset eine Mannsperson mit einem Mädchen allein: die I • derum erschienen, was nur die vorigen aufzuweis fen hatten. Obgleich Sie nichts aus allen diesen machen, so sehe ich doch Ihre Begebenheit für sehr selten und Ihre Tugend für unerhört an. Ich würde sehr misvergnüget seyn, wenn ich diese Sa- che nicht zu Ihrem Vergnügen zu stande bringen könnte, da sie zu Ihrem Glücke gereichet. Lassen Sie sich daher erbitten, so lange hier zu bleiben, bis diese Sache zu stande gebracht worden, und verliehren Sie durch Ihre schnelle Abreise eine so angenehme Gelegenheit nicht." Tieh-tschong-u fagte mit einem tiefen Seuf- zer zu dem Mandarin : ,,Ach! mein Herr, spre- chen sie nicht von dieser Heurath. Wer in dieser Welt vergnügt leben will, der muß sich ihren Re. geln und Gewohnheiten gemäß bezeigen. Er muß alles mit Wohlanständigkeit und Ordnung, und nichts mit Arglist und Unordnung anfangen. Wenn ich unsern Monarchen für den Kaiser er- fenne, „die Versuchung wird bald kommen; der Angriff wird „siegreich, und der Widerstand schwach seyn. In China „ist es ein Wunder, wenn jemand allein bey einer Weibs- person in einem geheimen Zimmer ist, und ihr nicht Gez „walt anthut.“ Ein chinesischer Philosoph sagt: Diese drey Stücke geben zu erkennen, wie man gesinnet ist: Wenn man einen Schaß findet, dessen Besizer man weis; wenn man eine schöne Weibsperson allein findet; und wenn man die Stimme eines Feindes höret, der in Ge- fahr stehet, umzukommen. L'Efprit des Loix, L. 16. shap. 8. t " kenne, kann ich auch deswegen einen Anspruch auf seine Freundschaft oder Bekanntschaft machen? Eben so wenig kann ich eine Heurath treffen, da sich unsere Bekanntschaft mit so vielen Unruhen und Unglück anfieng. Der Tschi hien gab ihm zur Antwort: Sie sind ein muntrer Jung- ling, und kennen die Welt: warum sprechen Sie fo philosophisch und romanhaft? Wenn Sie so stren- ge sind, wie kam es denn, daß Sie sich zu ihr. bringen ließen, da Sie krank waren? Sie find jezt wiederum hergestellt, und die Welt ist mit den Ursachen Ihres Aufenthaltes so wohl, als mit Ihrer Aufführung, zufrieden: warum sollten Sie nicht heurathen? Ihre unnöthigen Zweifel können Ihnen noch große Reue machen, daß sie ein solches Glück ausgeschlagen haben." Sa gen Sie mir doch, mein Herr, versezte Tieh- tschong u, was habe ich Ihnen für eine Gefål- ligkeit erwiesen, daß Sie sich so eifrig meiner an- nehmen?" Ob gleich mein Amt und meine Einnahme nicht viel bedeutet, antwortete der Tschi-hien d), so wäre ich doch beynahe auch "" um d) Die Chineser pflegen allemal von sich sehr demüthis z sprechen. Man lieset in den Lettres édifiantes, T. 17. p. 177. ein Memorial, wo ein Tschi-bien von sich sagt: »Ich bin nur ein kleiner Mandarin, und meine Gewalt wist geringe,“ u. s. w. -Hingegen geben sie andern große Ehrentitel. Es würde bey einer Visite unanständig seyn Ich oder Sie zu sagen; sondern es muß heißen: „Der Diener meines Herrn; mein Herr erlaube seinem unters thäniggen um dieses gekommen. Zu meinem Glücke vers nahm ich heute, daß Sie mir großmüthig verges ben haben. Dieses habe ich der Vorsprache der fchönen Schuey-ping-sin zu danken. Ich schwur « sogleich, thänigsten Sklaven. Ein Sohn nennet sich gegen seis. nen Vater „seinen jüngsten Sohn,“ oder „seinen En- Fel; ob er gleich der dlteßte ist, und selbst Kinder hat. So sagt ein Vater: „mein junger oder kleiner Sohn;" ein Lehrer: mein junger Schüler." Eben so pfleget man auch von seiner Stadt oder Wohnung zu sagen: „diese arme Stadt, Wohnung“`u. d. g. Ja, so gar eine Person, welche einen Proceß führet, nennet sich „einen Verbrecher." Wenn ein Sohn von seinem Va- ter redet, nennet er ihn „den Vater des Hauses.“ Ein Diener nennet seinen Herrn „den Herrn des Hauses.“ So gar niedrige Personen bekommen Ehrennamen. z. E. * ein alter Bedienter heißt „der Meister des Hauses ;“ ein Schiffer „der Obermeister des Schiffes;" ein Maul- eseltreiber „die vornehmßte Ruthe;" will man ihn aber böse machen, so nennét man ihn Van kio, „Verfolger der Füffe. Die vornehmsten Bedienten eines Manda- rins werden Cavaliers betitelt; ob sie schon immer zu Fuße gehen. Wenn man einander nicht zu nennen weis, bedienct man sich des Wortes Hiong, Bruder, und beym Frauenzimmer Ta sao, Stiefschwester. Fremde, fo den rechten Accent nicht haben, verändern dieses Work gar leicht in ein anders, das einen Kehrbesen bedeutet. Wenn man von einer jemand zugehörigen Sache redet, segt man allemal das Wort edel hinzu, z. E. der edle Sohn, die edle Tochter: ja so gar: die edle Krankheit, wenn jemand nicht wohl auf ist. Du halde, 2 Th. S. 29, 91, 118, 128 fq. Fourmont Gramm, Sinica, S. 243 - 275- " " fogleich, weine Fehler abzulegen, und mich ins künftige den Geseßen der Billigkeit und Gerechtig, Da ich sah, wie ges keit gemäßer zu bezeigen. nau Sie die Regeln der Tugend und Ehre beob achteten, und was Schuey-ping- sin für Verz dienste habe'; da ich überlegte, wie wunderbar es fich gefüget habe, daß zwo so seltene Personen ein- ander in einer Stadt kennen lerneten; so mußte ich nothwendig die Hand des Himmels dabey an- beten, und glauben, daß eines für das andere geschaffen sey. Da ich noch über dieses ein so sel- tenes Paar sebst gesehen und gehöret habe; so würde es mir bey den Inwohnern dieser Stadt keine Ehre machen, wenn ich nicht beyde mitein- ander vereinigen sollte. Widerstehen Sie mir nicht långer. „Sie nehmen sich also, wegen Ihres eigenen Ansehens, diefer Sache so eifrig an? fagte Tieh- tschong-u lächelnd. „Nein, fiel ihm der Mandarin ins Wort; sondern ich wün, sche, das allgemeine Beste zu befördern. Wenn auch sonst keine Einwürfe bey dieser Heurath statt fånden, sprach der junge Fremde, wie soll man fie denn vollziehen können? Es ist ja keine Ers laubniß da, weder von ihren, noch meinen Ael- tern; und wo ist denn wohl der Vater des jungen Frauenzimmers? Folget es denn, daß man eine fchöne Person sogleich heurathen muß, wenn man fie siehet? Und kann eine Verbindung glücklich und, ansehnlich ausfallen, wenn sie mit so viel Un ordnung und Eile betrieben wird? Warum re den Sie nicht mit Ku-keh-ssu? Er würde Jh ren 2.42 Vorschlägen mit dem größten Vergnügen zu- und das Ziel seiner Wünsche sehen. In hören, zwischen danke ich Ihnen für alle Ihre Bemühung in dieser Sache. Ich muß mich nunmehr em- pfehlen." „Ich sehe nun wohl, sagte der Tschis hien, daß Sie alle meine Vorstellungen nicht ach- ten; aber es wird eine Zeit kommen, da Sie ge- stehen werden, daß ich Recht gehabt habe. Ich wollte wünschen, Sie länger bey mir zu sehen; ´aber ich weis schon, daß Sie von Ihren Entschlief- fungen nicht abzubringen sind. von meiner Redlichkeit zu überzeugen, wenn ich Ich hoffe Sie wiederum das Glück haben follte, Sie anzutreffen, und alsdann werden Sie eine beffere Meinung von mir bågen, als jeßt. „Mein Herr, erwiederte Tieh - tschong-u, ich danke Ihnen. Diese leg tern Worte Ihres Gespräches sind mir allemal schäßbar.“ Er machte hiermit eine Verbeugung, und verließ ihn. ge. " Sobald er außer dem Thore der Stadt war, befahl er seinem Diener Siau-tan, einen Maul- esel zu micthen, der ihn und sein Reisegeråth tra- Herr, sagte der Knabe, ein Esel wåre bef- fer," und da ihn Tieh-tschong-u um die UP- fache fragte, gab er ihm zu verstehen, daß sie nicht mehr viel Geld hätten. So eben kam Schuey-yong, der Diener des Frauenzimmers, grüßte ihn höflich, und sagte ihm, daß ihn feine Gebieterinn hieher gesandt, und daß er von Mor- gen an bis jezt um Mittage seine Ankunft erwar- tet habe. „Befahl Sie euch, fragte ihn der junge ฟ "" junge Fremde, allhier auf mich zu warten? Und warum ?" Meine Gebieterinn sahe, sprach der Bediente, daß ihr Oheim e)` mit Ihnen sprach, und vermuthete, daß sein Gespräch Ihnen nicht angenehm seyn würde. Sie fand auch wirklich, daß dieses Ihre Abreise verursachet habe, und da her befahl sie mir, Ihnen dieses schlechte Geschenk zu überreichen, wenn Sie vorbeygehen." Tieh- tschong-u wurde durch ihre Großmuth lebhaft gerühret. „Eure Gebieterinn, sprach er, hat mir so ungemeine Gütigkeiten erwiesen, daß ich nicht Worte genug finden kann, meinen Dank auszudrücken. Versichert sie meines ewigen An- denkens." Der Diener übergab das Geschenk dem Siau-tan, und gieng wieder nach Hause. "" Nachdem sie ein Maulthier gemiethet, seßten fie ihre Reise fort, und da sie den Abend herbey kommen fahen, fragten sie, wie viel Meilen, noch bis zum Dorfe Tong-tschun wären. Der Maul- eseltreiber sagte: drey Meilen. Tieh-tschong-u hatte ungefähr eine Meile zurückgelegt, als er zu einem dicken Gebüsche kam, aus welchem ein juns Kerl mit einem leinenen Bündel auf seinen Schultern hervorsprang, dem eine junge Weibs. person folgte, welche in großer Furcht und Ver wirrung zu seyn schien. Als sie Tieh-tschong-u fahen, wurden sie noch bestürzter, und wollten £ 2 fich • I'm Chinesischen beißt es: „mein anderer Herr Schuen, gowin. “ sich wieder im Walde verbergen. Er befahl ih nen still zu stehen, weil ihm ihr Bezeigen verdåch- tig vorkam, und fragte den jungen Kerl, wer er wåre und wo er mit dieser jungen Weibsperson hin wollte. Sie war so furchtsam, daß sie ihn bat, sie nicht umzubringen. Der Kerl warf den Bündel von sich, und wollte entlaufen; Tieh- tschong-u aber hielt ihn auf, und schrie: „Sa- get mir, wer ihr seyd. Es soll euch kein Leid widerfahren." Der Kerl fagte: „Dieses junge Mädchen gehöret in das Dorf, so vor euch lieget. Sie beißt Thao tschi, und ist die Beyschläfes rinn des Lih-thah - cong, eines reichen Mannes in diesem Dorfe. Weil er schon so alt ist, so wollte sie nicht länger bey ihm bleiben. Sie bat mich, ihr zu ihrer Flucht behülflich zu seyn.“ „Ihr seyd ein Böfewicht, gab ihm Tieh- tfchong-u zur Antwort, der sie verführet hat." „Ich bin unschuldig, fagte der andere; mein Na- me ist Swan-yin. Ich bin ein Vetter des Al- ten, und kein Bösewicht. Tieh- tschong-u glaubte ihm, und ließ ihn gehen. Er fragte so dann, ob es wahr sey, daß sie die Beyschläfert des alten Mannes wåre. Sie bejahete es. „Es hat euch jemand verführet, sprach unser Reisen- der; kommet und kehret wieder nach Hause zu, rücke. Ich will euch hinbegleiten. stand ihm, daß sie verführet worden. Lih-thah-cong wird dieses nicht glauben, setzte sie hinzu; er wird mich für die Verbrecherinn hal- ten, und mir übel begegnen, wenn ich wieder umkehre. (6 Sie ge Aber "" umkehre. Ich wollte lieber, wenn es Ihnen be liebt, Ihnen dienen, und bey Ihnen bleiben.“ Tieh-tschong-u lächelte über dieses Anerbieten, und ließ sie vorangehen, da er sich inzwischen be- fann, was bey dieser Sache zu thun wäre. Sein Diener legte den Bündel auf den Maulesel. Sie hatten kaum eine halbe Meile zurückgeleget, als fie eine Menge Leute gegen sie zukommen fahen. Sobald diese das junge Weibsbild erblickten, ries fen sie aus: „Hier ist sie! hier ist sie!" So- gleich umringeten sie diefelbe nebft Tieh-tschong-u und seinem Bedienten. Sie ließen auch durch zween von ihrer Anzahl dem Lih - 4hål - cong Nachricht geben. „Ihr guten Leute, sprach der Fremde zu ihnen, ihr müsset keinen solchen Lärmen machen. Wenn ich dieses Mädchen hätte entfüh ren wollen, so würde ich einen andern Weg ge nommen haben. Ich traf sie eben unter weges an, und bringe sie jeßt dem Lih-thåh-cong zurück.' „Wir wissen eure Absicht nicht, schrien sie. Ihr send beyde jung. Ihr müsset mit uns zu dem Mandarin gehen f),“ Als f) Eine ähnliche Episode kommt in Fieldings Joseph Ans drews vor, wo der gute Abraham Adams vor einen lächerlichen Friedensrichter gebracht wird. Unser chine- fischer Fielding liefert hier eine so lebhafte Schilde- rung, als es die Ernsthaftigkeit eines chinesischen Schrift: Hellers erlaubete, der gewiß eben das in China ist, was Fielding in England war. Große Cenies haben oft ei- netley Gedanken. Ich muß hier eine Anekdote benfü- gen: Als sie ihren Weg fortsekten, kamen ihnen noch mehr Leute mit Fackeln`` und Laternen entge. gen, weil es schon finster war. Lih-thåh-cong befand sich selbst darunter. Er wurde sehr zor nig, da er einen schönen Jüngling bey seiner Mais tresse erblickte. Er hielt ihn fest, und schrie: " - „Wer send ihr, daß ihr euch unterstehet, mein Kebsweiß zu entführen?" Tieh tschong - u stieß ihn von sich. Dieser alte Kerl, sagte er, ist wie ein unvernünftiges Thier, da er sich so grob bezeiget, ohne zu wiffen, ob er recht habe, oder nicht. Eure Beyschläferinn lief mit einem andern davon; ich hielt sie auf. Und nun erwei- set ihr mir Grobheiten, an statt mir zu danken." Sie gehöret mir zu, gab ihm der Alte zur Ant- wort; wer sollte sie denn entführet haben, da ihr ja bey ihr seyd, und den Bündel mit meinen Sa chen auf eurem Maulefel habt?“ Tieh-tschong-u versette: Gut! es ist nun Nacht. Sobald " wir zum Mandarin des Dorfes kommen, so foll die Sache untersuchet und entschieden werden. Sie kamen bald darauf zur Wohnung des Man- darins. Er fragte, was dieser Lårmen zu bedeu- ten gen: daß nämlich Herr Fielding, unter dem Namen Adams, seinen Freund William Roung geschildert hat, der 1755 Sederichs griechisches Lexicon vermehret hers ausgab, und 1757, als Caplan vom Hospital zu Chelsea starb; so wie er unter dem Namen des Dorfpfarrers Trulliber seinen ehemaligen Lehrmeißter Oliver abs ›malte. Hebers. ten habe? Man zeigte ihm an, daß der alte Lih thah - cong Leute hieher bringe, die er in der Flucht mit seiner Beyschläferinn ergriffen habe. Diese obrigkeitliche Person, so Swin-kien- sse hieß, konnte setten etwas erhaschen, weil seine Stelle nicht viel eintrug. Er freuete sich daher nicht wenig, daß er einen so reichen Mann, als Lih-thåh-cong war, vor sich sah g). Er ließ fich g) Die Mandarinen müssen allemal bereit seyn, Klagen anzuhören. Wenn die Sache dringend ist, so pfleget man auf eine große Trommel zu schlagen, die gemeinig lich vor der Thüre stehet. Der Mandarin muß auch so gleich Audienz geben, d. i. sich auf den Richterstuhl se- hen, und die Klage untersuchen. Ist aber die Sache nicht so beschaffen, daß sie schleuniger Erörterung bedarf, so bekommt der, so den Lärmen verursachet, tüchtige Prü- gel; daher die Gerichtsbedienten denselben so lange fest- halten, bis er vor den Mandarin gebracht wird. „Die vornehmste Pflicht eines Mandarins," sagt ein Chine> fer, befehet in der vdterlichen Zuneigung gegen dieje. nigen, so seiner Sorgfalt untergeben sind, und sein „ganzes Bezeigen soll des schönen Namens, eines Vaters und Mutter des Volkes, würdig seyn." Diese Spras che ist einem Volke eigen, dessen Hauptgrundsah dieser ift, daß der Staat eine große Familie sey, und daß die Minister desselben für die Unterthanen eben diejenige Vorsorge tragen müssen, welche Aeltern für` ihre Kinder bezeigen. Man lese den Anfang des neunten Kapitels, im ersten Buche dieser Gefchichte, und L'Efprit des Loix, L. 19. ch. 19. Und doch ist es eine gemeine Redensart in China, daß der Kaiser so viele Henker, Mörder, Hun- de f sich seine besten Kleider bringen, fuchte so viele Leute, als ihm möglich war, auf, seinen Gerichts- faal de und Wölfe loßlasse, arme Leute zu verderben, als er neue Mandarinen mache. Es ist gar kein Wunder, daß bey einem so geisigen Volke, wie die Chineser sind, und da sie so wenige Be- griffe von einer Strafe in der andern Welt haben, Macht und Würden öfters Tyranney und Unterdrückung erzeua gen. Wo die Regungen des Gewissens fehlen, da kdna nen alle menschliche Gesche das Unrecht nicht verhüten. Wenn wir die Theorie der chinesischen Regierungsform betrachten, so ist nichts vortrefflicher für das Volk aus- gedacht; allein die Ausübung fehlet, und wir finden nir- gends so viele Plünderungen der Geringern von Mächti- gern, als in China. Die Liebe zum Gewinn hat bey ih- nen dergestalt die Oberhand, daß die Handhabung der Gerechtigkeit öfters darunter leiden muß. Die große Menge der Einwohner, nebst dem öftern Mangel an Les bensmitteln verursachen Gewinnsucht. L'Esprit des Loix, L. 19. ch. 20. Da ihre Magistratspersonen größ- ´tentheils durch persönliche Verdienste, und oft aus dem niedrigsten Herkommen, zu hohen Bedienungen gelangen, so gerathen sie zuweilen in karke Versuchungen, vieles an sich zu ziehen. Ihre Geseze haben freylich diesem Uebel vorzubeugen gesucht, daß man z. E. an ein höhe. res Tribunal appelliren kann; daß alle dren Jahre die Verwaltung der Mandarinen untersuchet wird; daß fie genaue Rechenschaft geben müssen; und daß öfters heims liche und öffentliche Visitatoren in die Provinzen gesandt werden, ihr Verhalten zu untersuchen. Le Compte, T. 2, p. 21-29. Allein alles dieses hindert doch nicht, daß Macht und Reichthümer nicht die einzigen Gegenstände sind, faal anzufüllen, und setzte sich mit einem so stolzen Ansehen auf seinen Richterstühl, als wenn er der Statthalter der Provinz gewesen wäre. Der alte Mann trat zuerst vor ihn. „Herr, sprach er, ich heiffe • sind, nach welchen man sich bestrebet, da sie dieses jezige Leben so angenehm machen können, und ein Chineset wenig an den künftigen Zustand seiner Seele denket. Ihre Gesche sind also in so ferne mangelhaft, als sie blos auf menschliche und zeitliche Hoffnung und Furcht gegründet sind, und daher irret so wohl Lord Anson in seiner Reise um die Welt, 3 B. 10 Kap, als auch die Verfasser des sechßten Theils der neuern allgemeinen Welthistorie. Der erstere siehet blos auf den dußerli- lichen Zustand dieses Volkes, so viel ihm sein kurzer Auf- enthalt in Canton erlaubte, und häget von ihren Ge- sehen eine schlechte Meinung. Die legtern hingegen sex. hen die Vortrefflichkeit ihrer Geseße wohl ein; glauben. aber, daß diese gewinnsüchtigen Ungerechtigkeiten erst in den neuern Zeiteu entstanden wären. Beyde irren sich. Der schlechte Begriff eines künftigen Zustandes ist die Ursache. Denn ob gleich ihre Gesezgeber sehr schön von der Vorsehung des Himmels reden, so haben sie doch fast gar nichts von einem fortdaurenden Zustande der Seele erwähnet; auch so gar ihr Confucius redet wenig daz von. Die Secte des Fo fand deswegen vielleicht eben so schnellen Fortgang in China, als in Japon, weil sie die der menschlichen Natur so angenehme Lehre von der Un-' fterblichkeit der Seele, obgleich durch die ungereimte Seelenwanderung verdunkelt, einführete, die aber wies derum durch die elenden Mährchen der Bonzen verderbet wurde. Du Halde, 2 Th. S. 38, 40, 50, 51 feq. 3 Th. 6.29, 32, 270, 275. 4 Th. Kämpfer, S. 218, 220, 250 Hash Kidh Tschwen. heiffe Lih-thah-cong. Ich hatte eine Beyschlä- ferinn, so sich Thao-tschi nennet. Heute, da mein Haus offen stund, und ich meine Geschäfte verwaltete, wurde sie von einem jungen Menschen verführet, den ich nebst ihr hieher gebracht habe. Ich weiß nicht, wie er sle entführet hat, noch wo er her ist, oder wie er heißet." Der Mandarin befahl, den Verführer vor ihn zu bringen. Tich tschong- u erschien; als man ihm aber - befahl niederzuknien, lachte er herzlich darüber. Der Mandarin erzürnete sich sehr. „Wer seyd ihr? sprach er. Wisset ihr nicht, was für Ehr- erbietung man dem Gerichtshofe des Kaisers ers reisen muß?" Dieser Ort ist nicht das höchste Reichsgericht Li-pu, sagte der Fremde, sonst wollte ich euch meinen Namen sagen.“ Als der Mandarin fah, wie verächtlich er ihm begegnete, rief er aus: „Wenn ihr auch noch so vornehm send, so habt ihr doch gar keine Ursache zu lachen, weil ihr ein großes Verbrechen begangen habet.“ ,,Wisset ihr es denn gewiß, verfekte der junge Fremde, daß ich dieses Alten seine Beyschläferinn entführet habe? Wo sind eure Zeugen? Wenn ich sie hätte entführen wollen, würde ich denn nicht einen andern Weg gewählet haben? Euer Amt mag groß oder gering seyn, so habt ihr es doch allemal vom Kaiser, die Gerechtigkeit zu verwalten; wer aber Euch hieher gesandt hat, der muß wenige Beurtheilungskraft besitzen. Der Mandarin wurde sehr verwirret, als er ihn so sprechen hörte. „Ihr seyd, fagte er, ein ausge lernter lernter Betrüger, der so frech zu reden gewohnt ist. Ich halte euch für einen großen Bösewicht. Morgen will ich euch vor den Tao-yih h) brin gen lassen, allwo ihr nicht so verwegen in den Tag hinein reden werdet." Tieh-tschong-u würdigte ihn keiner Antwort. " Der Mandarin fragte den alten Mann: „Wie kommt es, daß ihr als ein so alter Mann noch ein so junges Mädchen zu eurer Beyschlåfe» rinn habet? Von dieser Ungleichheit rühret alles her, was jekt vorgegangen ist. Lasset mir diese Thao tschi sehen.“ Sie wurde vor ihm ge- bracht. Da er aber fah, daß sie ein gemeines einfältiges Mädchen war, konnte er sich des Las chens nicht enthalten. „Habt ihr selbst den Ent- schluß gefasset, wegzulaufen, oder feyd ihr dazu B bere h) d. i. vor den vierten Mandarin unter den Fu - jin, oder Statthalter, nämlich dem Tschi-tschu. Fu heißt eine Stadt vom ersten, Tschu vom zweyten, und Hien vom dritten Range. China zdhlet 370 hohe Tribunale, oder Gerichtshöfe; ferner 1408 niedere Gerichtshöfe, die uns mittelbar von dem Tschi-fu, oder Regierungsprdsiden- ten, abhangen; davon führen 1173 den Namen Hien; die übrigen 235 aber heißen Tschu. Diese lehtern sind wieder etwas von einander unterschieden. Die allermeis fen darunter haben den so genannten Hien nichts zu - ges bieten einige hingegen haben eine Jurisdiction über awen bis drey sien, und sind so gut, als Tschi-fu. Ja einige stehen gar nicht unter dem Tschi - fu, sondern un- mittelbar unter dem Statthalter. Lettres édif. T. XL, p. 209. Du halde, 1 Th. S. 11. 2 Th. S.36, 299, beredet worden?" Sie gab hierauf keine Ant wort. „Es ist jcht zu spåt, diese Sache ferner zu untersuchen, sagte der Mandarin. Morgen will ich euch vor den Tao-vih bringen lassen, der eure Finger in die Stöcke pressen lassen wird, da mit ihr die Wahrheit gestehen müsset i).' So, dann wandte er sich zu Lih - thẳh - cong. „Euch übergebe ich hiermit, sprach er zu ihm, diese bey- den jungen Personen. Traget Sorge für sie, und bringet sie morgen zu mir, wenn ich mich mit euch zum höhern Gerichtshofe verfügen werde." Der Mandarin fahe gar wohl, daß Tieh- tschong-u keine geringe Person sey, da er ihn so unerschrocken reden hörete. Er wollte daher die- se Sache lieber an einen höhern Richter gelangen lassen, weil er befürchtete, ér felbst mögte vielleicht hierinnen zu weit geben. Lih-thäh-cong wußte ,nicht, wie er dem Fremden begegnen sollte. Er glaubte ihn zu beleidigen, wenn er ihn unter seis nen Bedienten schlafen ließe; und doch wollte es feine Eifersucht nicht gestatten, ihm ein inneres Zimmer einzuräumen. Weil aber der Mandarin ihn seiner Sorgfalt empfohlen hatte, sagte er bey sich selbst: „Es kommt ja auf eine einzige Nacht nicht an!" Er ließ ihm also ein inneres Zimmer in seinem Hause anweisen, und ein gutes Abend- effen auftragen. Er håtte gerne seine Maitresse volt i) Dieses ist die gewöhnliche Tortur der Weibsleute in China. S. oben das sechste Kapitel dieses Buches, und Lettres édifiantes, T. 27. p. 289. " von ihm genommen; weil sie aber beyde Gefan gene des Mandarins waren, wagte er es nicht, und dachte: Es ist ja nur um diese einzige Nacht zu thun! Laßt sie beysammen schlafen!" Jedoch legte er sich in einen solchen Ort, wo er alles sehen konnte, was zwischen ihnen vorgieng. Morgen, dachte er, wird sich alles zeigen. "