Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 7

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Kapitel 7: Fünf Nächte ohne Verfehlung: Den Weisen zum Trinken einladen

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Drittes Kapitel. a) chuey-gowin hatte sich schon so gewiß eins gebildet, daß er seine Nichte auf einem Fehl- trifte ertappen würde, und daß er sie mit etlichen Worten zum Stillschweigen bringen könnte; daß er sehr bestürzt ward, als sie sich so schön recht, fertigte. Da er nach Hause kam, fand er einen Diener des Ku-keh-ssu daselbst, der ihm sagte, fein Herr verlange mit ihm zu sprechen. Er gieng zu ihm. Der Fremde Tieh, sagte er, ist in dem Hause meiner Nichte, und sie selbst bath ihn zu ihr, damit sie sich für seinen Beystand erkennt- " lich heftig, daß sie diese Unbequemlichkeit nicht nur gerne èrs tragen, sondern auch dieselbe vermehren, um ihre Füsse so klein zu behalten, als es möglich ist. Du Halde, 2 Th. S. 97, 98, 100, 101. Le Compte, Vol. 1, p. 191, 202. feq. Martinii Atlas Sinicus, p. 9. Ogilby, Vol. 2,.. p. 410. a) Im Chinesischen ist es das siebente. ב mig id ile bb Jer נב lich bezeigen könne." "Wie? antwortete der auf- gebrachte Ku-keh-ssu; kann sie als ein Mäd- chen eine Mannsperson zu ihr in das Haus neb men? Sie, mein Herr Schwiegervater, find ihr Oheim und nächster Blutsfreund: Sie müssen fie züchtigen und unter ihre Aufsicht nehmen. Es ist Ihre größte Pflicht.“ „Ach! fagte Schueys gowin, ich sprach mit ihr, und gab ihr genug Verweise. Allein sie hat eine Zunge, und weiß fie zu gebrauchen. Ihre Worte sind schårfer, als die Schneide eines Federmessers oder Scheerinef- fers ist. Ich hatte kaum ein Wort gesprochen, als sie sogleich mir mit solchen Gründen aus alten und neuen Schriftstellern antwortete, daß ich nichts mehr reden konnte." Ku-keh-ssu wollte dieses genauer wissen. Er erzählte ihm, was ste zu ihm gefagt hatte. Ku-keh-ssu gerieth in die Außerste Wuth. Dieses ist ein bloßer Vorwand, sprach er; ihr Mund sagt dieses; nicht aber ihr Herz. Glauben Sie denn ihren Worten?“ „Ich gebe ihr keinen Glauben, fagte ihr Oheim; allein, was für ein Mittel können wir ergreifen? Wir können sie weder eines Fehlers, noch sonst eines heimlichen Verbrechens beschuldigen. Gestern überlegte ich diese Sache mit meinem Freunde Tschon-ki, sprach Ku-keh-ssu. Er sagte mir, daß diefer junge Fremde sehr schön von Person sey; er-glaubet, daß er diesen Lårmen bym Tschis hien nur deswegen gemacht habe, damit er bey ihr in Achtung käme, weil sie so schön ist, und ihm gefiel. Meinen Sie dann, daß alles dieses << وو aug aus blößer Dankbarkeit für seine Dienste, oder zur Belohnung seiner Tugend und Herzhaftigkeit geschehen sey? Dieses ist nur ein Vorwand, die Welt zu hintergehen. ` Sie hat noch einen gehei- men Bewegungsgrund zu diesem Bezeigen. Denn wie ist es möglich, daß ein junger Mensch mit ei- nem jungen Frauenzimmer allein in einem Hause beysammen seyn, und unschuldig bleiben könne? Nein, wenn sie auch Heilige wären, so würde dieses nicht möglich seyn.' „Es wird unnüße seyn, hier viel zu sprechen, erwiederte Schuey- gowin. Ich will mich nach Hause verfügen, und ein Dienstmädchen zu ihr senden, die sich vers bergen, und alles beobachten soll, was sich zwi» fchen ihnen zuträgt. Können wir nur etwas ans ftößiges in ihrer Aufführung entdecken, so find wir befugt, sie fest zu halten. " " Ku-keh-ssu billigte diesen Vorschlag, und Schuey gowin eilte nach Hause, ihn zu vollzies hen. Er wartete, bis es Nacht wurde; so dann öffnete er die Thüte, so zur Wohnung seiner Mich te führte, und ließ ein verschlagenes Mädchen durch dieselbe hindurch. Sie mußte sich leise in einen Ort verbergen, wo Holz lag b), und von da aus alles bemerken, was man that oder redete. Nach b) In Europa würde dieses nicht angehen, und unglaub- lich seyn; in China aber, da die Häuser nur ein Stock werk hoch sind, kann dieses leichter geschehen, zumal da Die Wände der Zimmer nur von dünnem Holze zu seyn pflegen. 酒 ​ober igta be Dem Bak for an Nach Mitternacht, als sich Schuey-ping-fin in! ihr Schlafzimmer begeben hatte, kam sie wieder zurück. Ihr Herr fragte sie, was sie gesehen has be. Sie sagte ihm, daß der junge Fremder sich etwas besser befinde, aber noch bettlågerich wäre s Seine Nichte bliebe außen im Saale, und beschäf- tigte sich mit Befehlen an ihre Leute, die ihm Thee, Kraftbrühen, und andere Sachen zubereiten müßß- ten. Er fragte sie, ob sie in das Zimmer, des jungen Fremden gekommen fey? und erhielt zur Antwort, daß dieses nicht geschehen, sondern, das ein Bedienter in seinem Zimmer ein und ausge gangen wäre." Da sie dieses und noch mehrers erzählet hatte, sagte Schuey-gowin; „Ist 'fie denn so 'gar vorsichtig und reinc)? Soll denn nicht mehr Verdacht auf sie fallen? Ich kann dies ses nimmermehr glauben. Ihr seyd ganz gewiß. bestochen worden, und es sind bloße Lügen, was ihr mir vorfaget." Sie versicherte ihn das Ges gentheit, und erboth sich, einen Eid deswegen abs zulegen. Er ließ sie hierauf von sich; fandte aber XXV, 4. c) Viele chinesische Ausdrücke und Redensarten kommer mit der heiligen Schrift überein; insonderheit diese: 3. B. Was ist ein Mensch, daß er soll rein seyn? Hiob XV, JA Sprüchw. XX, 9. Joh. XV, 3. Stephan Fourmont bringet in seiner chinesischen Sprachlehre verschiedene Beyspiele davon an. Linguae Sinarum grammatica mandarinica hieroglyphica duplex, latine, et cum characteribus Sinenfium. Parifiis, 1742. fol. Ejusd. meditationes Sinicae. ib. 1737. fol. Uebers. aber jebe Nacht Leute, ihm Nachricht zu bringen, die ihm alle einerley fagten. Endlich besuchte, er feinen Tochtermann, der ihn sogleich um Neuig- Leiten von ihr fragte. Vier Nächte hintereinan der, fagte Schuey-gowin, habe ich Leute aus, geschickt, alles, was bey ihr vorgehet, zu beob achten; allein ich kann nicht das mindeste erfah- ren, daß unrecht wäre, noch eine Sylbe verneh- men, so verdächtig ausgeleget werden könnte. Meine Nichte ist gewiß rein, und gerecht.“ „Ach! Mein Herr, dieses kann sie nur schwachen und dummen Leuten vormachen, verseßte Ku-keh-ssu. Weder in alten noch neuern Zeiten hörte ich jemals daß eine Person vollkommen gerecht gewesen, als Liu-hiau-hoey. Und wenn auch alles dieses wahr ist, was Sie sagen, so müssen Sie zwo Nichten haben. Ich glaube dieses nicht. Ich will zu dem Tschi-hien gehen, und ihn ersuchen, eine ihrer Mägde holen zu lassen. Wenn er sie an ihren Hånden foltern d) läßt, wird er bald bin- d) Diese Tortur geschiehet vermittelst kleiner Hölzer, die man dem Delinquenten zwischen die Finger stecket, dies selben sehr fest zusammen schnüret, und ihn unter dieser Quaal eine Zeitlang sisen läffet. An den Füssen bedie- net man sich eines dreyfach gelegten Holzes, so Toan-zu heißt, dessen mittlerer Theil fest, die andern aber beweg- lich find. In diese Maschine muß der Delinquent den Fuß stecken, den man ihm so fest einspannet, daß die Haut davon abgehet. Semedo, p. 143. Ogilby, Vol. 2. P-436. Du Halde, a Th. S. 162,

  1. .

Da 1.2 hinter die Wahrheit kommen, und Sie werden sodann überzeuget seyn. Warten Sie nur noch eine Zeitlang, und lassen sie wohl beobachten, so werden Sie bald eine Gelegenheit finden, hinter ihre Aufführung zu kominen.“ So bald sich Ku-keh-ssu allein sah, gieng er zum Tschi-hien, und sagte ihm alles, was sich im Hause des jungen Frauenzimmers zugetra, gen hatte. „Und doch, seßte er hinzu, kann ich diese scheinbaren Dinge nicht glauben. Ich ersus che Sie, mein Herr, eine von ihren Mägden bolen zu lassen. Sie können sie zwingen, die Wahrheit zu bekennen." So bereitwillig ich auch bin, Ihnen zu dienen, sagte diese Magistratsperson, so kann ich doch nichts thun, das unregelmäßig und ungerecht ist. Wenn Sie jemand vor meinen Richterstuhl bringen wollen, so müssen Sie zuvor eine Anklage überreichen, und die Ursachen anzei gen, warum man eine peinliche Frage anstellen foll. Diese Sache betrifft einé junge Standes, person, und muß mit Anständigkeit untersuchet werden. Alles, was Sie bisher von dem Frem den und ihr erzählet haben, giebt noch keinen Bes weis einer übeln Aufführung: was für Ursache hätte ich also, sie gefangen zu nehmen ?“´„Wie, mein Herr, sagte der andere, so wollen Sie diese Sache schlafen laffen? Sie, als der Vater dies fer Stadt, und der Oberauffeher über die Suten der Einwohner! Wollen Sie denn zugeben, daß ein junger Mensch und ein Mädchen unter einem Dache in Unzucht leben? Eine solche Nachsicht N hieße, hieße eine Uebertretung der Gefeße." " Wer fol che Verbrechen begehet, gab ihm der Tschi-hien zur Antwort, der beleidiget die Gesche; wenn aber das wahr ist, was Sie mir von diesen beyden jungen Leuten sagten, so sind sie weder unehrbar noch strafbar zu nennen, und an statt die Gefeße zu brechen, haben sie selbige vielmehr befestiget. Sie werden sich erinnern, wie bescheiden Schuey- ping-sin zuvor gehandelt habe, und wie sehr sie unsere Meinungen von ihr übertraf. Zweifeln Sie nicht daran, daß sie sich vor allem Unanstån digen hüten wird, ob sie schon den Fremden in ihr Haus aufgenommen, ihm in seiner Krankheit bey- zustehen. „Ach! fagte Ku-keh-ssu, so habe ich vergeblich meine Ruhe unterbrochen, und so viele Mühe angewandt, sie zu erhalten? Lassen Sie sich bewegen, mein Herr, sie noch nicht aus den Augen zu sehen; sondern bemühen Sie sich, einen Weg ausfündig zu machen, damit man hin- ter diese Sache kommen möge." ,,Beruhigen Sie sich, sagte der Tschi-hien. Ich habe eis nen Gerichtsbedienten, der Schan-vih heißet, und so geschickt und listig ist, daß er durch die ver- borgensten Löcher kommen kann. Ich habe die fes eben jest an ihm entdecket, und ihn zur Stras fe gefangen feßen lassen. Ich will nach diesem Menschen senden, und ihn unter Versprechung aller Erlassung der Strafe nach dem Hause des jungen Frauenzimmers abschicken. Er soll daselbst alles beobachten, und wenn er etwas Böses oder ftrafbares daselbst siehet, so können Sie eine An- flage flage wider sie eingeben, und er wird sodann dies selbe mit seinem Zeugnisse bestätigen. Kann man aber nichts unrechtes bey ihr sehen, oder entdecken, das strafbar wäre, so müssen Sie alle fernere Be- mühungen wegen ihrer Person unterlassen." Kuz keh-ssu war sehr hierüber erfreuet, und sagte: Mein Herr, wenn Sie sich dieser Sache ernst-' lich annehmen, werde ich Ihnen über die maßen. verbindlich seyn, und Sie als meinen andern Vas ter betrachten. Als er sich hinwegbegeben hatte, ließ der Mandarin durch seine Leute den Schan-yih zu sich aus dem Gefängnisse holen. Er ließ ihn na- he zu sich kommen, und sagte ihm leise: „Ihr haber euch schwerer Verbrechen schuldig gemacht, wodurch ihr eures Dienstes bey diesem Gerichts- hofe verlustig send. Ich kann euch jetzt zu etwas gebrauchen: werdet ihr es getreulich ausrichten, so will ich euch völlig lossprechen. Gehet nach dem Haufe des jungen Frauenzimmers Schuey- ping-sin. Findet ein Mittel aus, hineinzukom, men, und euch an einem Orte zu verbergen, wo ihr alles beobachten und hören könnet, was vor gebet. Sie hat einen jungen Menschen zu sich ins Haus genommen, und ich mögte gerne wiffen, wie sie sich gegen einander bèzeigen. Gebet also, und bringet mir ausführliche Nachricht. Finde ich, daß ihr mich im geringsten belüget, so ist es um euer Leben geschehen.“ „Herr, sagte Schanz pih, ich unterstehe mich nicht, Sie zu hinterge- hen. Sie können eine getreue Nachricht von als N 2 lem, lem, was ich sehen oder hören werde, erwarten. Hierauf entfernete er sich. Viertes Kapitel. Ku-keh-ssu vernahm, daß der Tschi-hien jemand abgeschickt habe, Nachricht einzuzie, hen. Er blieb in sehnlicher Erwartung zu Hause. Schan-yih gieng so gleich nach dem Haufe der - Schuey-ping-fin, und untersuchte, wo er am besten hineinkommen mögte. Er kehrete sodann

zurück, und wartete bis es Nacht ward, da er dann über eine Mauer kletterte, und glücklich hiu- ein kam. Er hörete Leute in der Küche von der Genesung des Tieh- tschong u reden, welche eine Mahlzeit für ihn zubereiteten. Sodann kroch er in den Saal, der noch nicht erleuchtet war. Er stieg daselbst hinter einen Balkena), wo er als les sehen konnte, was unten vorgieng. Er war nicht lange da, als er hörte, daß Schuey-ping- fin ihren Dienern befahl, in der Mitte einen ge- flochtenen Vorhang von Perlenmutter b) - aufzus hången.

  • ) Die Visitensdle in China sind rings herum mit hölzer-

nen Pfeilern oder Säulen besegt, so entweder gemalet, öder mit Firniß überzogen sind. Auf diesen ruhen die Balken und das übrige Zimmerwerk, welches sie oft ohne Getdfel oder Plafond blos unter den Ziegeln lassen. Le Compte, T.I. p. 226. Du Halde, 2 Th. S. 102, 103. b) Dieses ist sonder Zweifel eine Art Gitterwerk, oder Ja- lousien, die mit Perlenmutter eingeleget sind. Die Chis neser hången. Sie ließ die erste Tafel für ihren Gaft außerhalb des geflochtenen Vorhanges, nebst zwo Wachskerzen, setzen. Sodann befahl sie, noch einen Tisch c), aber ohne Licht, innerhalb des Vor- hanges für sie selbst zu decken, so, daß fie alles sehen konnte, ohne selbst gesehen zu werden. Auf dem Boden war ein feiner Teppich ausgebreiter, und zween Bediente mußten sich zwischen beyde Tafeln stellen, alles, was geredet wurde, zu hin- terbringen. Da alles in Ordnung war, rief man dem Siaustan, und bath ihn, seinen Herrn zu bitten, daß er in den Saal kommen möge. Tieh- tschong- N 3 neser bedienen sich auch sehr dünn geriebener Austerschaas len statt der Gläser, so wohl an den Fenstern ihrer Hdu- fer, als auch bey einigen kaiserlichen Jachten. Du Hals de, 1. c. e) Die Chineser beobachten große Ceremonien bey ihren Tafeln. Ben großen Gastereyen werden die Tische an jede Seite des Saals gestellet, so daß die Gäste auf ihren Lehnsesseln gegen einander siken. Sie stellen die Tische weiter herauswarts oder cinwarts, hdher oder niedriges, nachdem die Gäfte einen Rang haben. Die vornehmsten Fremden haben allemal den Vorsih, und unter den Frem- den derjenige, der am weitesten her ist, oder wenigstens der älteste unter ihnen; es sey denn, daß einer unter den - Geladenen von hohem Stande und Würden sey. Zwis schen beyden Reihen der Tafeln treten vier bis fünf Kos mödianten in prächtiger Kleidung, und der vornehinßte Gast sucht die Komödie aus dem ihn. überreichten Regi- Her aus, die gespielet werden soll. Du Halde, 2 Th. S. 134, 138.

tschong, u hatte sich sehr von seiner Krankheit ere. hölet, in welche ihn die vergiffteten Getränke der Rhabarber gestürzet hatten. Er erfreute sich, und stattete gegen Schuey - ping- sin im Herzen seis nen Dank ab. Sie selbst war eben so entzücket, daß er wieder gesund, und daß nichts von ihr un- terlassen worden, ihm ihre Dankbarkeit für seine Dienste zu bezeugen. Als Siau - tan feinem Herrn die Einladung der Dame hinterbrachte, war er so gleich dazu bereit. Er verließ sein Zim» mer, und fahe mit großem Vergnügen, daß alles in der schönsten Ordnung sey. Er konnte sich nicht enthalten, es ausdrücklich zu rühmen. Schuey-ping-sin ließ ihn durch ihren Diener ersuchen, sich am vornehmsten Plage niederzulas- sen, der ihm mit Recht gebühre. Sie befahl hierauf, ihr einen Teppich innerhalb des Vorhan- ges zu legen, und ließ ihrem Goste sagen, daß sie ihm ihre Hochachtung bezeuge d). Tieh- tsch ong- d) Der gewöhnliche Gruß der Chineser geschiehet so, daß sie die Hände fest vor der Bruft zusammenschließen, oder fie in einander schlagen, in die Höhe heben, und wieder zur Erde fallen lassen, wobey sie den Leib sehr tief nei- gen, und einander zurufen tsing, tsing, welche Compli= mentirwortè alles bedeuten, was man will. Eigentlich heißt das Wort tsing ich lade ein. Wenn zwo Perso- nen, die cinander kennen, nach langer Abwesenheit ein- ander wiedersehen, so fallen sie beyde auf die Knie, und beugen sich bis zur Erde. Darauf stehen sie wieder auf, und wiederholen diese Ceremonie gwen bis dreymal. Vor einer i tschong-u fagte, daß dieses seine Schuldigkeit wåre, ihr Dank abzustatten. Sie neigten sich also viermal gegen einander. Als diese Höflich- keitsbezeugungen vorben waren, redete ihn das Frauenzimmer hinter dem Vorhange also an: „Mein Vater ist zu meinem Unglücke abwesend. Sie, mein Herr, sind noch unverheurathet, wie ich auch. Die Leute haben von Ihrem Aufent, halt in meinem Hause sehr frey gesprochen. Da ich aber Ihnen so vielen Dank schuldig bin, so ha, be ich mir diese Gelegenheit, Ihnen meine Erkennt, lichkeit zu bezeugen, mit größtem Verlangen zú Nußen gemachet, und achte der Leute ihr Ges schwäß im geringsten nicht. Hätte ich nicht so ge- handelt, so würde ich årger, als ein Raubthier seyn. Ich erfreue mich wegen Ihrer Genesung über die maaßen, und wollte meine Freude durch N 4 diese einer Person vom ersten Range muß man ein Knie beu- gen, und so lange in dieser Stellung bleiben, bis sie auf- zustehen bittet. Wenn Personen gleiches Standes ein- ander besuchen, so beugen sie sich viermal gegen einander, und eben so oft knien sie auch nieder auf einen Teppich, der zu diesem Ende aufgebreitet wird, da sie dann vier- mal mit ihrer Stirne denselben berühren. Das chines fische Frauenzimmer pflegt sonst nur eine stille Verbeu- sung zu machen; allein ben besondern Gelegenheiten knien sie eben so, wie die Mannspersonen nieder, und beugen sich viermal mit dem Kopfe zur Erden. Semedo, $.58, 59. Le Compte. T. 2. p. 40. Ogilby, Vol. 2. P.442. Duhalde, 2 Th. S. 122 feq. 132. Fourmont Grammat. Sinica, S. 278, 296 seq. (6 diese kleine Mahlzeit zu erkennen geben, die ich ge- neigt aufzunehmen bitte. Tieh-schong-u cre wiederte: „Sie allein, Madam, sind dasjenige Frauenzimmer in der Welt, welches weder an Weisheit noch an Vollkommenheiten feines glei- then hat. Ich verfabe mich des Todes, als ich im Bonzenkloster lag, und war so hülflos, als ein Pferd, das in eine Grube gefallen ist. Ich dachs te nimmermehr, daß Sie mir mit so viel Gütig, keit beystehen würden. Ich muß fast in der Mei- nung stehen, daß Sie nicht aus unsern Zeiten, son- dern eine Person der vorigen Zeit sind, die wieder, um erscheinet. Diese Gütigkeit und Tügend kann ich nicht im mindesten nach Verdienst erwiedern. Belieben Sie, nieder zu sizen, und mir zu erlau ben, Ihnen meine Unterthänigkeit und Dankbar- keit zu bezeugen.“ Die junge Dame bath ihn, nicht also zu sprechen: denn das, was sie gethan habe, wåre nur eine Kleinigkeit, und ihrer Pflicht gemäß. „Wie elend würde es mit mir aussehen, fügte sie hinzu, wenn ich Ihnen nicht in diesem gefährlichen Augenblicke begegnet wåre? - Wie sehr bin ich also nicht verbunden, Ihnen, als meinem großmüthigen Beschüßer, zu danken? Mir kommt es zu, mich vor Ihnen zu beugen, da Sie der einzige sind, der Tugend und Muth genug besaß, mich zu befreyen." Diese Worte ließ sie ihm durch ihren Diener' hinterbringen, und zugleich andeuten, daß sie ihm die gehörige Verbeugung mache. Er stund sogleich auf, und that eben die- fes. Sie sagten sich beyde wieder zu Tische, und Scheuy Schuey-ping-fin befahl ihren Leuten, ihm Wein zu bringen e). Er trank drey kleine Becher voll aus. Sie fragte ihn, was die Ursache seiner Reise wäre, und was für ein Geschäffte ihn in die Provinz Schan-tong geführet habe. Er fagte ihr, daß er mit Bewilligung feines Vaters reise; daß er bey Hofe eine junge Weibs- person aus den Hånden eines großen Man darins, Tah - quay, errettet, und verurfachet habe, daß der Mandarin zu dreyjährigem Gefän- gniffe verdammet worden. „Mein Vater, sehte er hinzu, befürchtete, er mögte etwan nachher dieses N 5 e) Dieses ist die größte Höflichkeitsbezeugung vor der Una terredung. Der chinesische Wein wird aus einer besona dern Gattung Reis gemacht, die von derjenigen unter- schieden iß, deren sie sich zur täglichen Nahrung bediez tent. Denn die Weintrauben pflegen sie zu trocknen, und als Rosinen zu essen. Sie haben auch Weine, fo von verschiedenen Früchten, und insonderheit vom Palms baume zubereitet werden. Sie führen endlich noch einen ganz außerordentlichen Wein, fouderlich in der Provinz Schen-fi, der Cao-yang-tfiu, d. i Lammeswein ges nennet, und, wie man sagt, aus Schöpfenfleische ges macht wird, und nur unter den Tartaren im (Sebrau- che ist. Die Chineser sind große Liebhaber von gebrauna ten Wassern. Sie pflegen kalt zu essen, und warın zu trinken. Ihr Wein und ihre Lebenswasser oder Liqueurs müssen warm seyn, wenn sie davon trinken. Bey Gaz fangen schenken ihre Bediente aus einem dazu bestimms ten Gefäße warmen Wein ein, und schütten den kalten in porzellanene Geschirre. Du Halde, 2 Th. S. 1412 " `Hash Kidh Tschwen. dieses Unglück an mir zu råchen suchen, und ers Beynahe wäre ich das Wer båtte denken laubete mir, zu reisen. bey sehr unglücklich gewesen. sollen, daß der Tschi-hien und der junge Man- dariu so gottlose Leute sind? Daß sie mich um mein Leben bringen wollten? Da ich nun glück- lich wieder genesen bin, so werde ich morgen den Tschi-hien zu finden wissen, und er soll für das `mir erzeigte Unrecht bestrafet werden. Ich will ihu vor allen Einwohnern dieser Stadt zu Schanz den machen. Ich will ihn von seinem Gerichts- stuhl herabreißen, und ihn vor allen Leuten tüch tig abprügeln: sodann will ich ihn vor den Statt- halter der Provinz bringen, der ein besonderer Freund meines Vaters ist, und dieser soll ihn df- fentlich feiner Würde entsetzen.“ Das junge Frauenzimmer fagte hierauf: „Es wird sehr leicht seyn, den Tschi-hien wegen seiner bösen Handlungen abzusehen ; es wird sich auch niemand darüber wundern, indem Ihre Streitfäche mit ihm der ganzen Stadt bekannt wurde: allein ers wågen Sie, mein Herr, wie ausgeartet diese Zei ten sind. Es giebt zwey Wörter, wodurch Hohe und Niedrige anjeßt ihre Aufführung bestimmen, nämlich Reichthum und Macht. Der Tschiz hien wußte, daß mein Vater in Ungnade gefallen, und weit hinweg verwiesen worden. Der Vater des Ku-keh - ssu war zu den höchsten Ehrenstel- len gelanget. War es denn ein Wunder, daß er fich ein Bedenken machte, einen jungen Menschen, der so mächtige Verbindung hat, vor den Kopf

zu Endlich zu stoßen? Er mußte befürchten gar abgesetzet zu werden, wenn er ihm seinen Beystand versagete. Bedenken Sie, mein Herr, daß ihm diese Stelle, fo er bekleidet, viele Mühe kostete; er mußte funf- zehn bis zwanzig Jahre mit den verschiedenen ges lehrten Graden zubringen, ehe er sie erhalten konnte. Ueberlegen Sie also, wie hart ihm der Verlust feiner Stelle fallen müsffe, und wundern Sie sich nicht, daß er ungerechte Mittel gebrau- chet, sich in seinem Posten zu erhalten. Meine Meinung ist überhaupt diese, ihm zu verzeihen, und sich gar keine weitere Mühe wegen eines Man- nes zu geben, der vielmehr zu bedauren ist. Tieh-tschong-u erstaunte über diese Worte ei- nes so jungen Frauenzimmers, und war vollkom men von ihrer Richtigkeit überzeuget. brach er das Stillschweigen, und sagte: „Ich babe bisher der Leidenschaft allzusehr den Zügel schicken lassen, und der Vernunft zu wenig Ges hör gegeben. Bisher war ich gewohnt, fest auf meinem Entschluffe zu beharren, er mogte recht oder unrecht seyn. Nunmehr sehe ich die Ueber eilung und Thorheit meines Bezeigens. Ich gez stehe es zu meiner Schande, daß ich Ihre Bes freyung aus den Händen des Ku-keh- ssu mehr aus einem ungestümen Wesen, das mir eigen ist, als aus lobenswürdigern Absichten, unternoms men habe. Ihre Worte machen nun einen ewi- gen Eindruck bey mir. Ich gehe in mich, und will nicht mehr an den Tschi-hien denken. Sie follen fehen, wie ich mich gebeffert habe; ich " wollte wollte deswegen einen förmlichen Eid schwören. Ich schåge mich höchstbeglückt, daß ich Sie ken, nen gelernet, und eine so vortreffliche Lehre ers halten habe, die ich niemals vergessen werde." „Sie bezeigen sich sehr gefcht und tugendhaft, mein Herr, fagte das Frauenzimmer, und lassen eine gütige Gesinnung an sich blicken.“ Tiehs tschong-u vergaß nicht ein Wort, das sie sprach, und beschloß fest, ihr zu folgen. Madam, sagte ´er, ich bin Ihnen fehr vielen Dank für die großen Gütigkeiten, die ich hier genossen, schuldig. Mor- gen will ich von hier abreifen." „Ich habe Sie, erwiederte Schuey-ping-sin, wegen Ihrer Kranks heit hieher bringen lassen, und achtete die gemeine Sage und den Tadel der Leute bey einer so billi gen Ursache im geringsten nicht. Es stehet blos bey Ihnen, ob Sie långer bey mir bleiben, oder abreisen wollen. Ich verlange Sie nicht einzus schränken; jedoch glaube ich, daß es morgen zu bald fey. Beehren Sie mich noch einige Tage mit Ihrer Gesellschaft. Wir können sodann nach Be- lieben von diesen Ihren Angelegenheiten sprechen.“ Madam, sprach Tieh-tschong-u, wenn es Ihnen angenehm ist, daß ich länger hier bleibe, fo will ich mit Vergnügen meine Abreise zween Tage verschieben." Nachdem sich dieses Gespräch geendiget hatte, befahl sie ihren Dieuern, ihm Wein einzuschenken. Als er getrunken, fagte er: „Ich reise mit Genehmhaltung meines Vaters, um alle Unruhe bey Hofe zu vermeiden. Da ich so glücklich bin, eine Person von so vieler Groß-. muth- muth und Klugheit anzutreffen, so würde es mir sehr angenehm seyn, wenn Sie mir Ihren Rath ertheilen wollen, wohin ich mich wenden soll. Sagen Sie mir Ihre Meinung.“ Sie antwor tete: „Sie können reifen, Ihre Wissenschaft zu vermehren; wenn Sie aber wirklich weise seyn wol- ten, so ist der beste Weg, zu Hause zu bleiben f). Der F) f) Da in China die Moral, Regierungskunst, Geschichte, und Litteratur ihres eigenen Reiches allein geachtet, und dieses mehr durch fleißiges Studieren, als durch Reisen erhalten wird; so ist ein fleißig Studierender sehr geach♣ tet. Einer ihrer Gelehrten wurde daher mit dem Eh- rentitel Pi-hu, oder der Doctor mit verschlossener Thủ- re, beleget, weil er sehr eingezogen lebte. Weil alle ans dere Nationen, so an China gränzen, barbarisch und uns gelehrt sind, wenn man sie mit den Chinesern verglei= chet, so ist es gar leicht ihnen zu gute zu halten, wenn fie auswärtige Nationen verachten, und ihr Reich für den größten Theil der bewohnten Welt ausgeben, daher fie es auch Tien-hia, d. i. alles unter dem Himmel, nennen. Sie heißen es auch Tschung: kue, oder das Reich der Mitte, weil sie glauben, die Erde sey viers eckigt, und China liege in der Mitte. Einer von den Misionarien ließ sich auch so weit herab, daß er in eis ner Landkarte ihr Reich in die Mitte seßte. Sie pfleg ten in ihren Karten ehemals ihrem Reiche den größten Raum zu geben; rings herum seßten sie alle andere Kö- nigreiche, deren sie 72 38 lten, und ihnen lächerliche Nas men gaben, z. B. Siao-gin-kue, oder das Reich der Zwerge, Schuen-sin-kue, oder das Reich der Durchs löcherten, u. d. g. In den neuern Zeiten haben sie Eu- ropa auf ihre Karten geseht, als wenn es eine der Cas nari- Hash Kidh Tschwen. Der älteste Doctor Tschang-lih, der von allen Sachen Wissenschaft hatte, lebte eingezogen. Ihr Vater ist bey Hofe zu einer hohen Stelle erhoben wor> narischen Inseln wäre. Der Statthalter von Cantong schrieb 1668 in einem Memorial also an den Kaiser: „Wir finden deutlich, daß Europa blos aus zwo kleinen „Inseln bestehe, die mitten im Meere liegen.« Nune mehr aber wissen es die Chineser besser. Da sie niemals Gesandte an auswärtige Mächte senden, so sehen sie alle Schreiben anderer Prinzen als Kennzeichen ihrer Unters würfigkeit an, und sehen z. B. Portugall, England, Schweden, u. d. g. unter diejenigen Länder, welche ih= rem Reiche zinsbar sind. Der Kaiser Nong-tsching, so den 7 Oct. 1735 starb, sagte in einer Anrede an die Jes fuiten unter andern: »Ich bin der unumschränkte Here über das Reich der Mitte (China); alle andere große „und kleine Staaten senden mir Tribut. Ich mache mir ein Vergnügen daraus, ihnen Lehren zu geben; folgen sie denselben, so ist es gut für sie; wo aber nicht, so bes kümmere ich mich auch nicht darum." Noch vor zehn Jahren, als die Jesuiten gerne Gelegenheit zu einer neuen Gesandtschaft von Frankreich machen wollten, such= ten sie die chinesischen Minister zu bereden, Seine aller: christlichste Majestät „nicht als zinsbar anzusehen, sone dern ihn dem Kaiser gleich zu halten; seine Geschenke „keinen Tribut zu nennen, und die ihrigen keine Gütige „keiten eines Obern; sein Schreiben nicht als eine Sup: »plic anzusehen, und ihrem nicht den Namen eines Man- „dats zu geben,“ u. d. g. Allein wir finden nicht, daß diese Vorstellungen etwas gefruchtet haben. Magal haen, S. 61. Confucius, S. 3. Lettres édif. T. 18, preface, p. 34. T: 28, 1758, pref. p. 23. Du halde, 2 Zh. S. 333 feq. 3 Th. S. 22 feq. worden; es giebt daselbst genug gelehrte Leute, Warum wollen Sie sich so viele Mühe geben, und andere Provinzen besuchen? Ich hielte für das Beste, daß Sie wieder zu Ihrem Vater zurück, kehren, der Ihnen gar leicht eine Stelle bey Hofe verschaffen kann. Tieh-tschoug-u war über die maßen mit diesem guten Rathe zufrieden, und dankte ihr dafür. „Madam, fagte er, Sie spre chen mit großer Beurtheilungskraft. Sie haben mich aus einer Schlafsucht erwecket, darinn ich von meiner Geburt an begraben lag." Sie ließ ihm einen großen Becher g) mit Wein reichen, den er austrank, und also fortfuhr. „Wie war es Ihnen, als einem jungen Frauenzimmer, möglich, so viel aus der Geschichte und den Wissenschaften zu erlernen, daß es für einen Gelehrten schon hin länglich genug tåre.“ Ach, mein Herr, vers fegte sie, was ich sage, das ist nur schwach und kindisch. Wie sollte ich mich mit der Gelehrsam- feit 8) Diese Becher find von Silber, Porzellan, oder kostbas rem Holze, und werden auf silbernen oder lackirten Prd- sentirtellern dargereichet. Im Anfange einer Gasterey bedienen sie sich sehr kleiner Becher, die kaum mehr als einen Eßlöffel voll in sich fassen; hernach aber wahrender Mahlzeit kommen größere zum Vorschein. Sie trinken mit großen Ceremonien. Der Ceremonienmeister, oder maître d'hotel, kniet mitten im Saale nieder, und sagt mit lauter Stimine: „Mein Herr ersuchet euch zu trin= ken." Hierauf ergreifet ein jeder seine Schale mit bey- den Händen, hält sie in die Höhe, und trinket. Diese Ceremonie wird die ganze Mahlzeit über wiederholet. Du Halde, 2 Th. S. 137, 139. keit bekannt gemacht haben?" Sie sprachen noch Långer miteinander, bis endlich der junge Mensch befürchtete, er mögte wider den Wohlstand han- deln, wenn er långer da bliebe. Er stund also auf, Abschied zu nehmen. Sie versicherte ihn, daß er nach seinem Gefallen handeln könne, und daß sie ihn nicht länger aufhalten wolle, damit feine Gesundheit keinen Schaden nehme. ließ ihm hierauf in fein Zimmer leuchten. Sein Diener Siau-tan sagte: „Ist es möglich, daß Sie so lange auffigen? Es ist schon zehn Uhr h). Schuey Sie h) Im Chinesischen heißt dieses: um zwölf Uhr. Die Chis neser theilen, wie andere Morgenländer, den natürlichen Tag in zwölf Stunden ein, die sie von Mitternacht an- fangen, so, daß eine ihrer Stunden zwo der unsrigen ausmacht. Das gemeine Volk pflegt sie mit den Nas men von zwölf Thieren zu belegen, und ihre Wahrsager schreiben einer jeden eine solche Kraft zu, welche sich zu dem Thiere schicket, davon sie benennet ist. Der berühm- te Golius hat zu Martinii novo Atlante Sinenfi, Amft. 1655. fol. eine gelehrte Abhandlung davon beygefüget. Die erste Stunde gehet von 11 Uhr bis 1 inclus. u. f. w. wie auch aus Fourmonts Grammatica Sinica zu erschen, der sie ausführlich beschreibet, und die chinesischen Cha- raktere beyfüget, S.309 feq. Stunde I. Tsu. 11,Tscheu. III. Ning. 12 u. 1 nach Mittern. 2. 3. 4. 5. v. Sching. 8. 9. IV.Mao. 6. 7. VI. Su. VII. U. VIII. Wi 10. 11 12.1 nachMittag. 2. 3. XII. Hai. 6. 7. 8. 9. 10. II. VIIII. Schihng. X. Neuh, XI. Sio. 4. 5. J Die Schuey-ping-sin befahl ihren Bedienten so lange bey ihm zu bleiben, bis er im Bette wäre. Nach dem Die fünfte und neunte Stunde, Sching und Schihng, find nicht nur dem Toue nach, sondern auch durch beson- dere Charaktere, von einander so unterschieden, daß gar keine Irrung oder Mißverstand entstehen kann. Eine jede dieser Stunden hat wiederum größere und kleinere Abtheilungen, die unsern Minuten gleich kommen; nẩm- lich Puen, den Anfang, Tschung, die Mitte, und To öder Mu, das Ende. Die kleinern Abtheilungen sind Re, Viertelstunden, oder, nach unserer Rechnung, halbe Stunden, Fuen, Minuten, und Schash, Secunden, deren jede zwo der unsrigen ausmachen. Fourmont, 1. c. S.310, 311. Sie rechnen ihre Monate nach Zahlen, und nicht, wie wir, nach Namen, 3. E. statt Februarius, März, sagen sie, der erste, zweyte Monat. In einer je den Stadt ist ein Thurm, wo die Stunden durch eine Wasseruhr abgemessen werden. So bald sich eine neue Stunde anfängt, geben so gleich dazu bestellte Personen durch Schlagen auf eine große Trommel Nachricht das von, und hängen ein Brett heraus, worauf der Charake ter der Stunde einer halben Elle groß mit Gold gemalet ist. Sie rechnen in ihren Jahrbüchern nach Cyklen von sechzig Jahren, wie z. B. die Griechen nach Olympia- den. Das gemeine chinesische Jahr fångt am 25ßten Jänner an, und bestehet aus 354 Tagen, wobey sie alle dren oder fünf Jahre einen Schaltmonat machen, das Jahr nach dem Lauf der Sonne zu richten. Fourmont, S. 313. Ein ganzer Monat von 30 Tagen heißt Ta - yue, ein großer Mond; ein Monat von 29 Tagen aber

  • Siao: yue, ein kleiner Mond. Ihr erster Donat ist.

unser Februarius. Sie haben keine Wochen, sondern rechnen

dem sie alles wieder in Ordnung bringen lassen, begab sie sich in ihr Schlafzimmer. gangen war. Schan-yih beobachtete alles, was vorge Er stieg wieder berab, kletterte über die Mauer, und gieng nach seinem House, zu ruben. Am folgenden Morgen wartete er dem Tschi-hien auf. Dieser Mandarin wollte nicht öffentlich mit ihm speechen, sondern gab Befehl, ihn in ein geheimes Zimmer zu führen. Schan- yih erzählte ihm alles, was er im Hauße Schuey- ping-sin gesehen und gehöret hatte. Als er ihm sagte, wie sehr Tieh- tschong-u gegen ihm auf gebracht war, und wie er ihm gedrohet habe, er wolle ihn öffentlich beschimpfen, und ihn sodann vor dem Statthälter der Provinz vor Gericht for- dern, erschrack er so sehr darüber, daß er befahl, man sollte die Thüren verschließen und sagen, er würde heute keine Bittschriften annehmen. „Herr, fagte Schan-yih, Sie haben nicht Ur- fache, so sehr zu erschrecken: denn der junge Frem- de wird heute nicht erscheinen. Die junge Dame hat ihn überredet, dieses nicht zu thun, und ihn besänftiget. Sie sagte ihm, daß Sie ein Mann von weniger Gelehrsamkeit i) wären, und nicht (6 wüß. rechnen nach Monatstagen; die Mißionarien aber haben Wochentage. Fourmont, S. 312. Du Halde, 3 Th. G. 361, 365. Bayeri Mufeum Sinicum, Petropoli, 1730. 8. T. 2. p. 336. Uebers. i) Im Chinesischen heißt es: ein Mann von wenig Buch, staben oder Charakteren. Es ist bekannt, daß die Chi- neser wüßten, wie man sich Tugend und Großmuth der Seele zueignen soll, und daß Sie sehr arm und £ 2 ፡ elend neser keine eigentlichen Buchstaben, oder ein Alphabet in ihrer Sprache haben, sondern daß ein jedes Wort seinen eigenen Charakter hat. Die eigentliche Anzahl der chis nesischen Wörter hat Fourmont'am richtigen bestimmt. Es find nämlich 326, oder 328. Graminat. Sin. p. 5 feq. Le Compte, T. 1. p. 370. und Bayer, in Museo Sinico, T. 1. p. 5. irren sich, wenn sie 350 einsölbige Wörter dhlen. Diese 328 Monofyllaba werden durch die Löne, deren fünf sind, auf 1400 bis 1600 vermehret. Der er- fte Ton heist Ping sching, (nach der portugiesischen Aussprache pim xim) das gleiche Wort; der zweyte tscho - ping - sching, das dicke und gleiche Wort; der dritte schang-sching, das hohe Wort; der vierte kiu» sching, das entgegengehende, und der fünfte sche-sching, das fortlaufende Wort. Fourmont, S. 7, 8. Die ge- ringste Anzahl ihrer Charakteren wird auf 54409; die höchste aber auf 80000 gerechnet. Fourmont medita- tiones finicae, p. 15, 19, 32 feq. Die Beredsamkeit der Chineser ist mehr für die Augen, (oculorum lingua) als für die Ohren, (oris lingua) daher alle ihre öffentlichen Handlungen durch Memoriale und Bittschriften gesche= hen, und derjenige wird für den gelehrtesten gehalten, der am meisten Charaktere weis. Fourmont hat einen so leichten Weg zur chinesischen Sprache gebahnet, woran er 30 Jahre gearbeitet, daß ihn die Chineser selbst nicht besser haben, und seine Methode hat den größten Beyfall in China erhalten. Es ist billig zu wundern, daß unser englischer Herausgeber diesen in der chinesischen Litteras tur so wichtigen Mann hier nicht anführet. Man kann gar wohl im gemeinen Leben mit 10000 Charakteren auskome Tschwen. Hach Kidh 4 elend seyn würden, wenn man Jhnen Jbr Amt, das Sie mit so vieler Mühe erhalten, nehmen follte. Sie bath ihn daher inständig, Mitlei den mit Ihnen zu haben, und Ihr Unrecht groß- müthig Ihnen zu vergeben. Nachdem er ihm alles ausführlich erzählet hatte, fügte er noch hin, zu: „Dieses war der vornehmste Gegenstand ih- rer Unterredung, welche mit großer Achtung und Höflichkeit geführet wurde. Sie dankte ihm für die Gütigkeit, so er ihr durch seinen Beystand er- zeiget; und er that ein gleiches, wegen der Sorgs falt, die sie während seiner Krankheit für ihn trug. Es war nicht ein Schatten von einer heimlichen Vertraulichkeit zu sehen." Der Tschi-hien war über die maaßen wegen der Vorsprache des jun- gen Frauenzimmers erfreuet. Er sagte: „Schuey-ping-sin ist ein Frauenzimmer von großem Verstande und gütigem Herzen. Sie that dieses wegen der Höflichkeit, die ich ihr erzeigte, da ich sie in meiner eigenen Sänfte nach ih rem Hause bringen ließ. Aber, war denn går nichts in ihren legten Unterredungen, das übel ausgeleget werden könnte?". „Ganz im geringsten nichts, verseßte Schan-yih. Jhr Gespräch betraf schöne Säße aus der Geschichte und dem Alterthume, und alles war mit der ge nauesten Beobachtung der Ehrbarbeit und des Wobl auskommen, und viele Bücher verstehen. Die meisten Gelehrten wissen nicht über 20000, und die vornehm- ften Doctores nicht über 40000 derselben. Du Halde, ■ Th. S. 264 feq. 4 Th. Vorrede, S. 43. Uebers. Wohlstandes verknüpfet." Der Tschi - hien schwieg eine Zeitlang stille; endlich rief er aus: „Dieß ist unmöglich! Kann ein junges Frauen, zimmer, das wie eine Rose blühet, und ein juns ger Mensch, der so schön ist wie Krystall, in ei- nem Hause beysammen seyn, mit einander spres chen, Wein trinken, einander Dank schuldig seyn, wißige und gelehrte Gespräche führen; und doch so unsträflich seyn, wie ein Einsiedler oder Heili ger? Das kann ich nimmermehr glauben. Ihr feyd gewiß bestochen worden, die Wahrheit zu vers höhlen.' „Herr, antwortete Schan-yih, es gehen mich diese beyden Personen nichts an; ja, fie kennen mich gar nicht. Wie sollte ich denn eis inj ne Bestechung von ihnen bekommen haben? Sie können fest versichert seyn, daß alles pünktlich wahr ist, was ich eben gesagt habe.“ Der Tschi hien war voll Verwunderung über ein so außerordentliches Paar. „So wohl in den vo, rigen als jeßigen Zeiten, dachte er, waren keine so rechtschaffene Leute zu finden, wie diese zwo Per- fonen sind. Die Tugend des Tiehtschong-u ist sehr selten, und die Gelehrsamkeit der Schuey- ping-fin sehr wenig anzutreffen. Wäre ich ein Mandarin von höherem Range, so würde ich dem Kaiser von diesem Paare eine Nachricht übergeben, damit sie so gerühmet werden mögten, als sie cs verdienen k). £3 Er k) Es ist in China gewöhnlich, Personen von ungemeiner Tugend mit besondern Ehrenbezeugungen zu belohnen. Nach Er ließ Schan-yih rufen, und sagte ihm: „Ich hoffe, daß ihr mir die Wahrheit hinterbracht habet, und ich verzeihe euch alles Vergangene, wie ich versprochen habe 1); finde ich aber, daß ihr mich belogen, so follt ihr aufs årgste gezüch, tiget werden." Er ließ ihn hierauf mit der War- nung von sich, ins künftige mehr Sorgfalt für feine gute Aufführung zu tragen. ? Der Tschi hien überlegte ihre beyderseitige Unterredung, und ihre klugen Anmerkungen über die beyden Wörter Reichthum und Macht, wie beugsam ihnen jedermann folgte, und wie schwer es ist, Reizungen zu widerstehen. „Dieß sind kei ne gemeine Perfonen, sprach er; ihre Aeltern Ind Leute von großem Range. Wie konnte ich mich fo vergehen, sie zu beleidigen? Håtte der junge Fremde den Trieben seiner gerechten Rachbegierde gefolget, und mich vor den Statthalter gebracht, so würde ich meinen Posten verlohren haben, und der Vater des Ku - keh - ssu hätte mir nicht hel- fen können. Ich bin blos ein Tsin-tsee, oder Gelehrter vom dritten Range, und kann meine Würde durch nichts, als durch gerechte und weise Handlungen, erhöhen. Warum sollten Reich- thümer Nach ihrem Tode werden ihnen Ehrenzeichen aufgerich tet, und ihre Geschichte wird der öffentlichen Nachricht des Ortes einverleibet, wo sie lebten. Im du Halde findet man viele Auszüge solcher Nachrichten. 1) Im Chinesischen heißt es: Ihr seyd bisher ohne Ver- brechen. thümer und Macht allein die Gegenstände mei- ner Achtung seyn? Sie haben an und vor sich felbft gar keinen Werth, und verursachen das größ- te Uebel. Da ich meine eigene Ehre und Sicher- heit aus den Augen feßte, so hat mich dieses jun- ge Frauenzimmer in beyden erhalten. Tieh tschong-u ist ein sehr geschickter Jüngling. Er befizet große Billigkeit und Redlichkeit, und wenn ihn Schuey-ping-sin nicht heurathet, so wird fie nie feines gleichen finden können. Sie verbin- det mit dem feinsten Geschmacke, Lebhaftigkeit, Wih, und Beurtheilungskraft. Ihre Kenntniß in Büchern und Wissenschaften ist ungemein. Wie kdante dieser junge Fremde eine beffere Braut ber kommen? Ich will diesem vollkommenen Paare beystehen, und eine Heurath zwischen ihnen stif ten. "" Er wurde durch die Ankunft des Ku-keh-ssu in seinen Gedanken gestöret, der ihn fehr ungedul- tig um Neuigkeiten fragte. Der Tschi-hien sage te ihm alles. Mein Herr, fügte er hinzu, Sie müssen dieses junge Frauenzimmer als eine ganz außerordentliche Person ansehen. Ihr Verstand und ihre Fähigkeit geben dem größten Weisen nichts nach, und sie wird sich schwerlich einem andern so leicht überlassen. Denken Sie also nicht mehr an sie, sondern sehen Sie sich nach einer andern Ku-keh-ssu wußte nichts zu antwor- ten. Er glaubte nunmehr selbst, daß alle feine Bemühungen vergeblich wären. Er nahm seinen Abschied vom Tschi-hien, der diesem auch gar nicht um. (6

nicht mißfiel. Der Mandarin ließ sich sogleich durch einen Bedienten nach Tieh- tschong - u erkundigen, und befahl, ihm Nachricht davon zu geben, wenn er das Haus der Dame verlassen würde. D