Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 6
Kapitel 6: Verdacht riskierend das Krankenbett verlegen: Güte mit Güte vergelten
Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766
Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.
Erstes Kapitel. a) ir ließen im vorigen Buche Tich - tschong-u in einer Pagode, oder Kloster, in welches er von den Bedienten des Tschi-hien geführet wur- de. Dieses Bezeigen, das mit so viel Höflichkeit und Achtung verknüpfet war, benahm ihm allen. Argwohn wegen irgend einer Gefahr. Seine Ge- danken waren auf die liebenswürdige Schuey- ping-sin gerichtet. Er bewunderte ste desto mehr, je öfter er an das gedachte, was man ihm von ih- rem Wiße und ungemeinem Verstande gesagt hat, te, mit dem sie sich so geschickt aus den Schlingen, die man ihr geleget, herausgewickelt. „Dieses junge Frauenzimmer, sagte er bey sich selbst, ver- dienet gewiß sehr bewundert zu werden. Wenn meine Aeltern, die mich gerne heurathen sähen, mir eine solche Frau verschaffen könnten, so würde ich mich für den Glücklichsten in der Welt halten. Ku-keh-ssu kann nicht getadelt werden, daß er, ein so schönes Frauenzimmer zu gewinnen suchet; hatte er denn aber keine andern Mittel, als die Gewalt? Er handelte nicht nur als ein Verbre- cher, sondern auch als ein Thor. Ich dachte die- £ 2 a) Im Chinesischen ist es das sechste Kapitel. fen sen Morgen nicht daran, daß mir eine so unge- wöhnliche Begebenheit aufstoßen würde; daß ich einem so schönen Frauenzimmer zu Hülfe kommen, und so glücklich seyn sollte, sie aus der Gefahr zu retten!" Unter diesen angenehmen Gedanken überfiel ihn der Schlaf, der ihm auch, wegen der vielen Unruhen des vergangenen Tages, sehr noth- wendig war. Er wurde von dem liebreizenden Bilde der Schuey-ping-sin zuweilen unterbro chen, weil sie der Gegenstand seiner Träume war. So bald er frühe erwachte, ließ er sein Bette und Reise-Geråthe zusammenpacken, um abzurei> sen. Allein der Vorsteher der Bonzen b) kam, und bath b) Diese Bonzen, oder Gögenpriester des So werden von den Portugiesen also genennet, von einem japanischen Sie machten aus Worte, welches fromm bedeutet. demselben den fingularem Bonzo, und plur. Bonzi. Let- tres édifiantes, rec. 28. p. 407. In China heißen fie Go-schang. Diese Mönche sind so sehr einigen euros päischen Ordensleuten ähnlich, daß P. Premare, cin Jes fuit und Misionar, dieses blos dem 'Teufel zuschreibet, der hierdurch die heiligen Gebräuche der chriftlichen Kir- che nachäffen wollte. „Diese Priester des Satans, (sagt er, Lett. édif. T. 2. p. 103.) „tragen lange Röcke, wel- „che vollkommen denenjenigen gleichen, deren sich einige „geistliche Orden in Europa bedienen. Sie leben in ih- „ren Pagoden gemeinschaftlich, wie in Klöstern, und ge- hen, wie die Bettelmönche zu thun pflegen, paarweise „in den Straffen. In der Nacht stehen sie auf, den Gd- „hen Fo zu verehren. Sie singen in ihren Chören in ei- „nem solchen Tone oder Melodie, welche der unfrigen sehr bath ihn, sich noch einige Tage zu verweilen, und bey ihnen zu bleiben. Wenn Sie allein vor sich " £ 3 Felbst „sehr ähnlich ist, deren wir uns beym Singen der Psal- „men, oder anderer geistlichen Gesänge, zu bedienen pile- »gen. « „Sie haben den Kopf und Bart geschoren," sagt P. Semedo, S. 89. „Sie sagen eigene Gebethe her, wider Feuer, Ungewitter, Unglücksfälle, und in- sonderheit für die Todten. Ihre Kappen sind wie die "unsrigen (der Jesuiten) beschaffen, und ihre Spreng- „wedel sind eben so, wie diejenigen, deren wir uns beym „Weihwasser bedienen.« Sie tragen auch große Rosen- kränze in der Hand, und heurathen sich niemals. Eini- ge dieser Gogenpfaffen sind Einsiedler, andere gehen her- um auf den Landstraffen; der größte Theil aber von ih- nen lebet in Klößern, oder Pagoden, und ihre Anzahl er: strecket sich öfters auf vier bis. fünfhundert. Ein solches Kloster bestehet aus Sälen und Pavillonen an den Ecken, die durch lange Gallerien mit einander verbunden sind. Die Dächer dieser Gebdude sind von lackirten Ziegeln. Mahe ben solchen Pagoden stehen gemeiniglich die pyra- midenförmigen Thürme, so die Chineser Pao- ta nen- nen. Sie sind sehr hoch, und von vielen Stockwerken. Von dieser Art ist der so genannte Porzellanthurm zu Nanking, den du halde, 2 Th. S. 113. beschreibet. Drey bis vier Bonzen sind beysammen auf einem Zim- mer; einer davon unterrichtet die andern. Diese Pago- den dienen, wie schon oben in einer Anmerkung erinnert worden, zu Beherbergung der Reisenden, wie die türki- schen Caravanseras; nur mit diesem Unterschiede, daß™ allein vornehme Personen in den Pagoden ihren Aufent=" halt finden, da hingegen die Caravanseras der Türken für alle Reisende offen stehen. Die Bonzen bedienen ihre Haoh Kish Tschwen. felbft hieher gekommen wåren, sagte er, so könn- ten Sie sich nach Belieben hinweg begeben; allein, da $ men. ihre Gäfte mit großer Sorgfalt, rdumen ihnen die besten Zimmer ein, und sorgen für ihre Gerdthschaft, Bediente und Träger. Wenn ein Mandarin ankommt, giebt man durch eine Trommel, so am Eingange stehet, Nachricht davon. P. Trigaur, den Ogilby Vol. 2. S.584, an- führet, sagt, daß die Bonzen zu Peking ihre Zellen den Fremden überlassen, so Handlung wegen dahin kom- Sie theilen sie daher in so viele Abtheilungen, als sie nur können, so, daß diese Klöster faßt öffentlichen Gasthöfen dhulich sind. Der Vorsteher dieser Bonzen heißt Ta-Hd-schang. Im chinesischen Originale dieser Geschichte wird er Tu-siu Ho-schang genennet. Bens des heißet so viel, als Oberbonze. Sie theilen die vers schiedenen Bedienungen unter ihnen aus, entscheiden ihre Streitigkeiten, u. f. w. Die Bonzen haben ein mäßi ges Gehalt vom Kaiser, und nähren sich noch außerdem mit Betteln, Singen ihrer Gebethe, u. d. A. Die Schriftsteller sind sehr verschieden, in Ansehung der Nach- richten, die sie uns von diesen Gößenpfaffen geben. Es rühret wohl hauptsächlich von den vielen Aenderungen her, welche von Zeit zu Zeit an einigen Orten gemacht wurden, indem die Bonzen dem Oberhofgerichte der Gebräuche und Ceremonien unterworfen sind. Sie find so wenig geachtet in China, daß sie sich gezwungen sehen, arme Kinder von sieben bis acht Jahren zu kaufen, die fie auferziehen, um nur ihre Anzahl nicht zu verringern. Sie sind gegen die Großen ausnehmend demüthig und dienstfertig, von denen sie auch sehr verachtet werden. Das gemeine Volk aber ist von ihnen eingenommen, und Fellet weite Wallfahrten zu ihren Pagoden an. So wez nig da Sie durch den Tschi-hien hieher empfohlen worden sind, so bitte ich Sie inständig, noch ein £ 4 wenig Denn nig Tugend sie auch besigen, so sehen sie sich doch so wohk vor, daß man sie nicht leicht ihrer Laster überweisen kann. P. Semedo erzählet, daß er innerhalb zwey und zwanzig Jahren, die er in China zubrachte, nur zwo bise Historien von ihnen erfahren habe, und davon die eine noch überdieß zweifelhaft war. Der größte Theil dieser Pfaffen ist sehr gedultig und sanftmüthis. Vielleicht find die Nachrichten der neuern Jesuiten zu übertrieben, da sie uns diese Bonzen so lasterhaft und gottlos abma- ken, daß es gar nicht glaublich ist, daß sie in einem Lans de, wo Polizeygesege find, solche Schandthaten ausüben können; zumal, da sie keine andere Quelle ihres Unter- halts, als ihre persönliche Aufführung, haben. der Gößendienst des Fo, ob er schon der gemeinste unter allen andern ist, wird in China blos crlaubek, oder tole- riret, und er wurde erst 65 Jähre nach Christk Geburt aus Indien in andern Ländern eingeführet. Der Kaiser Ming-ti I, 100 Jahre nach Chrifti Geburt, erinnerte fich, ben Gelegenheit eines sonderbaren Traums, daß Confucius oft ehedem zu sagen pflegte: „Daß man den wahren Heiligen in einer abendländischen Gegend fin den werde. Er schickte also Abgesandten nach Indien, mit dem Befehle, daß sie das wahre Gesek, welches er kehrete, mit sich bringen sollten. Diese glaubten dasselbe dey den Verehrern eines Gögen, der Fo oder Foe hieß, gefunden zu haben, und brachten diesen Sößen, nebß allen Fabcln der Indianer, nach China. Seine Mutter Moye foll ihn durch einen Traum empfangen haben, als ob sie einen Elephanten verschlucket. Sie brachte ihn durch die rechte Seite ihres Leibes zur Welt, und fark Hash Kidh Tschwen. wenig zu verziehen, und zu hören, was derfelbe etwan zu sagen haben möchte. Vielleicht wird er ein i = starb bald darauf. Anfänglich wurde er Sche-kia, oder Siaka genennet, wie er bey den Japonesern noch heis- set. Kaum war dieses Ungeheuer durch die Seite seiner Mutter, durchgebrochen, so stund es auf den Füssen, und redete diese Worte sehr vernehmlich: „Ich bin es ganz „allein im Himmel und auf Erden, der würdig ist, ver- „ehret und angebetet zu werden.“ In seinem sieben- zehnten Jahre heurathete er drey Weiber, und zeugete einen Sohn, den die Chineser Mo heu: lo nennen. Im neunzehnten brachte er seine Zeit in einer Wüßte un- ter der Aufsicht vier Weltweisen zu. In seinem drey= Bigsten ward er auf einmal von der Gottheit erfüllet, und war zu einem Fo (Gott) oder Pagode, wie ihn die Indianer nennen, und that Wunder. Er starb in sei- nem neun und siebenzigken Jahre, eder gieng vielmehr in die Unsterblichkeit über, wie seine Schüler sagten, de- ren er 80000, und unter denselben viele Vornehme, hinterließ. Die Chineser nennen fie Ho-schang; die Tartarn Lamas; die Siamer Talàpoins, und die Ja- poneser, oder vielmehr die Europder, Bonzen. Unter dieser großen Menge Schüler waren zehn, die zur Ehre ihres Meisters fünftausend Bücher in der Welt ausstreue» ten. Sie sagten darinn, daß er 8000 mal gebohren worden, und seine Seele in verschiedenen Thieren nach und nach gewohnet habe. Seine Gebote waren diese fünf: 1. keine lebendige Creatur zu tödten. 2. Kein frem- des Gut an sich zu bringen. 3. Sich vor aller Unzucht und Unkeuschheit zu hûten. 4. Nicht zu lügen. 5. Kei= nen Wein zu trinken. Einem seiner Schüler, den man Moa: kias yn nennet, hatte So alle seine Geheimnisse anver= ein Gastmahl anstellen, und es sehr gerne sehen, wenn er noch vor Ihrer Abreise sich mit Ihnen $5 unter- anvertrauet. Die Chineser haben noch einen andern Lehrer, der noch vor dem So gelebet haben soll. Sie nennen ihn O-mi-to; die Japoneser aber, durch eine Verfälschung der Aussprache, Amida. Die Chineser, so dieser Secte des Fo zugethan sind, rufen beständig diese beyden Namen zugleich aus, Omisto: fo. Sie glau ben, daß sie durch Ausrufung dieser zween Namen der gestalt gereiniget werden, daß sie hernach allen hdßlichen Leidenschaften könnten Zaum und Zügel schießen lassen, weil es ihnen hernach weiter nichts koste, als seinen Namen aufs neue auszurufen; so würden sie auf einmal von den schändlichsten Lastern gereiniget. Man sehe du halde, 2 Th. S. 114, 115. 3 Th. S.26. 4 Th. S. 139, und 218. feq. Le Compte, T. 2. p. 117. Da auch die Priester der Secte der Tao-ssee, oder der Gesehlehrer, zuweilen Bonzen heißen, so wollen wir auch von diesen einen kurzen Begriff geben. Sie find eine Art von Epikurdern oder Quietisten, und lehren, daß die Glückseligkeit in einer vollkommenen Ruhe beste- he, dadurch alle Geschäffte der Seele aufgehoben werden. Sie sind der Alchemie, oder Alchymie sehr ergeben, und rühmen sich ein Elixir erfunden zu haben, welches un- Ferblich machet. Sie wollen auch große Zauberer seyn, und mit den Geißtern in Bekanntschaft stehen. Sie glau- ben eine Vielheit und Rangordnung verschiedener Götter, die alle körperlich sind. Sie leben in Gemeinschaft mit einander, heurathen niemals, tragen Rosenkranze, gehen gelb gekleidet, haben eine Art von einer Krone auf, und finden sich allemal ben Opfern und Leichenbegångnissen ein. Ihr Stifter Lao-kiun, oder Lao-tse, (das alte Rind, unterreden kann." „Ich habe mit diefer Magi- stratsperson keine Bekanntschaft oder Umgang, gab ihm der junge Mensch zur Antwort. Alles, wag Rind, oder der Lehrer Lao,) wurde ungefähr s2 Jah= re vor dem Confucius gebohren. Er lag feiner Mutter achtzig Jahre unter dem Herzen, und soll endlich durch eine Oeffnung in ihrer linken Seite mit weißen Haaren auf die Welt gekommen seyn. Man hat noch icet seine Bücher, welche viele edle Marimen in sich fassen. Weus hof sagt in seiner Beschreibung von China, daß einige von dieser Secte heurathen, und Magalhaen nennet fie die verheuratheten Bonzen. S. 207, 230. Seme: do, S.87. Du Halde, 3 Th. S. 22. feq. Diese zwo Secten weichen eben so sehr von der alten chinesischen Religion ab, deren Hauptgrundsah die Verehrung des Tien war, als die fremden Secten Budsdo bey den Japonesern von ihrer ursprünglichen Religion abgehen, wie aus Råmpfers Reisen, in der sehr unvollständigen Ueberschung, im 4ten Theile des deutschen du Halde, S. 218. feq. erhellet. Wenn man das Wort Substanz in einem trengen und philosophischen Verstande an= nimmt, so erkennen die Chineser ganz und gar keine. Ihrer Meinung nach haben alle besondere Wesen nur eine einzige Existenz, an welcher sie alle gleichen Antheil haben, die unendlich und unveränderlich ist. Nach ih- rem Lehrbegriffe ist alles ewig; nichts hat einen Anfang, nichts hat ein Ende; mithin kann auch kein solcher Gott von ihnen geglaubet werden, der seinem Wesen nach von der Welt unterschieden ist, der die Welt erschaffen hat, und sie nach festbestimmten Geschen erhält und regieret. Die Ausdrücke Tien und Tien-schu, König des Him- mels, beschreiben nichts anders, als die Ideen der gröb ften was ich von ihm weis, ist das, was ich gestern mit ihm zu thun hatte; allein sein Verfahren war allzuschändlich, als daß es Gelegenheit zu einer Bekanntschaft geben könnte: er hat keine Ur sache mich einzuladen, und ich eben so wenig, zu ihm zu kommen. Warum soll ich denn nicht abs reifen können?“ Sie haben Recht, mein Heer, verfekte der Vorsteher; Sie haben hierinn gar keine Verbindlichkeit; allein Ich bin verbunden nach meiner Pflicht zu handeln, und ihm von Ihs rer Abreise Nachricht zu geben, wenn ich mich nicht feiner Ungnade aussehen will." Kaum hatte er diefes gesagt, fo kom ein Bedienter des Tschi- hien, mit einem Billete, darinn er zur Tafel ge- laden wurde. „Da fehen Sie, fchrie der Ober- bonze; wo würde ich Sie nun ausfindig machen können, wenn Sie abgereifet wåren? bin ich nun zu tadeln? Lassen Sie sich nieder; ich will in dessen etwas zum Frühstücke für Sie anordnen. Hierauf kam ein anderer Bedienter in das Zimmer, den Schuey-ping-sin ausgefandt hatte, sich nach dem Aufenthalte des großmüthigen Fremden zu erkundigen, dem sie gestern fo vielen Dank schuldig war, damit sie wiffe, wohin sie ein Ge fchenk für ihn senden, und zugleich ihre Dankbar- keit für die viele Bemühung, so er wegen ihrer ge- habt, zu erkennen geben könne. „Saget eurer Gebieterinn, antwortete ihm Tieh-tschong-u, fb daß ften Materialisten, die man Tien- tsee, oder himmlische Lehrer, nennet. Ueberf. daß ich mich ihr gehorsamst empfehlen lasse, und daß ich alles, was gestern geschehen ist, aus Pflicht und Schuldigkeit habe thun müssen, um die unebene Straffe eben zu machen c). Meine Dienste, so ich ihr geleistet, waren blos zufällig. Würde ich von ihr ein Geschenk annehmen, so wür- de es bald bekannt werden; und dieses könnte An- Laß zu einigen übeln Nachreden geben, und viel leicht gar einen Argwohn verursachen, als ob wir in einer unerlaubten Bekanntschaft mit einander ftünden. Sie muß also dieses durchaus nicht thun. Euere Gebieterinn, so mit der größten Feinheit und Zärtlichkeit ihres Geschlechts auch alle Fähigkeit des unsrigen verbindet d), wird gar wohl c) Dieses ist ein Ausdruck, der bey den Chinesern sehr ge- wöhnlich ist. Im Schi king, einem ihrer kanonischen Bücher, heißt es von einem alten Kaiser: „sein Weg „ist eben." Die heilige Schrift bedienet sich gleicher Ausdrücke, z. B. Pf. V, 8. Jes. XXXX. 3, 4. LVIIII, 8. Matth. III, 3. Hebr. XII, 13. Auch die Indianer im nordlichen America bedienen sich dieser Redensart. In einer ihrer Zusammenkünfte, den 19 Oct. 1759, sagte ei- ner ihrer Anführer zu dem englischen Gouverneur, „daß „sie deswegen hieher gesandt worden, den Pfad eben zu „machen, und die Uneinigkeiten beyzulegen.« S. Lon- don - Chronicle, vom 26 Jan. 1760. d) Dieses ist ein großes Compliment bey einem Volke, das eine so schlechte Meinung von dem Verstande des Frauenzimmers unterhält. Neuhof sagt in seiner Ge- sandtschaftsbeschreibung, S. 135. daß in Pe- king eine Pa- gode wåre, wo man diese Aufschrift låse: „Wanderer, "bier wohl einsehen, wie schicklich es ist, ihr Geschenk nicht anzunehmen. Ich kann es unmöglich ge- schehen lassen, daß jemanden Unrecht geschiehet, ohne es auf das äußerste zu rächen. Ich bin das her gar nicht einmal berechtiget, ein Geschenk zu empfangen, und ich werde auch keinen Faden e) annehmen. Ich gehe nun zu dem Tschi- hien, und morgen werde ich abreisen. Gehet nun zu eurer und foeterinn, machet ihr meine Empfehlung, und sagt ihr, daß sie sich eben so sehr in Acht neh men soll, als wenn ein Tieger auf sie springen wollte." Jhr Diener sagte ihr alles dieses, ohne eine Sylbe zu vergessen. Ist es möglich, sagte sie voll von Verwunderung und Dankbarkeit, ist es möglich, daß die Welt eine junge Person in sich begreift, deren Herz foredlich und tapfer ist! O daß ich doch eine Mannsperson wäre, damit ich ihm Gesellschaft leisten, und ihn mir zum Freunde machen könnte! Könnte ich ihm doch nur selbst für seine mir erwiesene Dienste so danken, wie er es verdienet! Ich bin leider! ein Frauenzimmer, und die Gewohnheit verbeut dieses. Ueber dieses, fo kenne ich seine Umstände noch sehr wenig, und mein Vater ist auch nicht zugegen, ihm den schul-
digen hier liegt ein Frauenzimmer, welches nichts weibliches „an sich hatte: alles war männlich an ihr; alles war groß und bewundernswürdig an ihr." e) Man macht in China gemeiniglich mit seidenen Stoffen Geschenke. digen Dank abzustatten. Das Herz dieses jun- gen Menschen håget einen edlen Stolz, und ist so rein, als der hellste Krystall. Wenn ich mei- nen Oheim zu ihm sende, so fürchte ich, es mög- te sich etwas unglückliches eräugen. Er nahm das Geschenk nicht an, so ich ihm durch meinen Diener überfandte; wie wäre es, wenn ich ihm in einigen Versen meinen Dank abstattete? Aber auch dieses könnte von den Leuten übel ausgeleget, und für kühn und unverschämt angesehen werden." Sie überdachte tausend Anschläge, ohne einen er- wählen zu können. Endlich faßte sie den Ent- schluß, von allem Nachricht einzuziehen, was sich mit ihm zutragen mögte, und hoffte etwan hier durch eine Gelegenheit zu überkommen, ihren Dank an den Tag zu legen. Sie fandte alle Stun den Leute aus, Kundschaft einzuholen. Der eine ihrer Bedienter kam, und brachte ihr Nachricht, daß Tieh-tschong-u mit dem Tschi-hien spei- fe. Ein anderer sagte ihr, daß ihn diese obrig teitliche Person bis in die Nacht bey sich behalten, und so zugetrunken habe, daß er niemand mehr gekannt. Am folgenden Morgen ließ sie nach- fragen, ob er abgereiset; man brachte ihr aber zur Antwort, daß er wegen des gestrigen Schmau- ses noch nicht aufgestanden sey. Sie ließ sich nochmals erkundigen, und ward benachrichtiget, daß er heute nicht abreisen könne, weil er vom Tschifu aufgehalten würde. „Er ist eine jun ge Standesperson, sprach sie bey sich selbst, und muß diesen Ceremonien und Gewohnheiten nach- Leben,"
leben." Nach zween Tagen ließ sie sich wieder. um nach ihm erkundigen. Ihr Diener sagte ihr, daß der Vorsteher der Bonzen, oder Tu-siu Ho- schang, in der vorigen Nacht den jungen Frem- den mit einer Gaftung von Fastenspeisen f) be. wirthet f) Die Bonzen haben eigentlich keine bestimmte Zeiten zu ihrem Fasten. Sie enthalten sich beständig vom Fleischs effen, von Fischen, Eyern, Wein, Zwiebeln, Knoblauch, und von allem, was das Geblüt erhihet. Jedoch haben fie bey Gelegenheit auch Gastmahle von solchen Speisen, die ihnen erlaubet find. Sie leben zum Theil außerors dentlich firenge, und einige tragen schwere Ketten an ih ren Armen und Beinen, so, daß sie immerzu verwundet werden, so oft sie gehen. Sie stoßen ihre Köpfe gegen Steine, bis sie bluten, damit sie von den Leuten Alıno- fen bekommen. Sie geben vor, düß sie in diesem Leben für ihre Sünden Buße thun müßten, damit sie und ihre Anhanger in dem künftigen desto besser daran seyn kdn- nen, welches nach ihrer Meinung in der Wanderung in andere Körper bestehet. Man muß lachen, wenn man lieset, was Le Compte, T. 2. S. 117, 120, erzählet, daß einige von ihnen einem Bauer Enten falen, und vore gaben, die Seelen ihrer Våter wdren in denselben, da man doch weis, daß sie niemals ein Fleisch berühren. Es ist also nicht alles wahr, was die Jesuiten von den Bonzen erzählen. Sie trugen anfangs selbst ihre Kleis dung; weil sie aber sahen, wie schlecht das Ansehen der Bonzen bey den Mandarinen sey, so giengen sie nachher in der Tracht der Gelehrten, und nannten sich Lehrer des weftlichen Gesezes. Sie sehten sich hierdurch in grof- ses Ansehen, so lange sie in China sich aufhalten durften. Lettres édif. T. 8, S. 218. Du Halde, 2 Th. S. 115. 1. Hash Kidh Tschwen. wirthet habe, und daß derselbe sehr krank sey, weil er dergleichen Lebensart nicht gewohnet war. „Er liegt zu Bette, fuhr er fort, und kann weder Thee trinken, noch Reiß effen: alles ist ihm ekelhaft, so, daß er äußerst schwach ist." „Eine geringe unschuldige Kost konnte nimmermehr eine so schnel- le und gefährliche Krankheit verursachen." Sie, fandte hierauf ihren Bedienten wieder zurück, ge- nauere Nachricht einzuholen, und zu sehen, ob ein Arzt bey ihm wåre. Sie vernahm, daß einer da gewesen, und versichert håtte, seine Krankheit käme so wohl von einer Erkältung, als auch von einer kleinen Ausschweifung im Essen und Trinken her; er habe ihm aber eine Arzency g) gegeben, die In China schreiben die Aerzte keine Recepte; sondern fie geben den Kranken ihre eigene Arzeneyen. Ein Kna- be trägt ihnen ein Kästchen mit Schublädchen nach, de- ren jedes in mehr denn vierzig kleine Fächer getheilet ist. Alle sind mit Arzeneyen angefüllet. Wenn sie den Puls fühlen, so geben sie dem Patienten zweyerley Arzeneyen ; eine muß er sogleich, und die andere nachher nehmen. Sie bestehen meistentheils aus fimplicibus, in deren Kenntniß ihre ganze Kunst bestehet. Des Aderlassens be- dienen sie sich sehr selten. Von den Portugiesen zu Ma- cao lerneten sie die Klyftiere, daher sie auch dieselben das Gegenmittel der Barbaren nennen. „Es scheinet,« fagt du Halde, „daß sie vom Umlaufe des Geblüts schon „400 Jahre nach der Sündfluth Nachricht hatten; « (3 Th. S.447.) allein sie zogen schlechten Nußen aus die- fer Entdeckung, weil sie sich nicht in der Zergliederungs- kunst üben. Die Profeßion der Aerzte géhet vom Vater auf Die ihn morgen wieder herstellen foll. Am Um folgen. den Morgen vernahın sie, daß er die Nacht sehr übel zugebracht, und so schwach sey, daß er nicht vom Bette aufstehen könnte. Nunmehr war sie überzeuget, daß ihre Sorge und Argwohn gegrün det gewesen. „Nun ist er leider! rief sie aus, in das Netz gefallen. Sie überlegte bey sich, was für Maaßregeln sie zu ergreifen habe. Ihr Herz befahl ihr hinzugehen, und ihm Beystand zu lei- sten; aber ihr Geschlecht und ihre Jugend mach ten dieses unmöglich; uud doch wußte sie gar wohl, daß niemand um sein Wohl so besorgt seyn müsse, als sie, da er alles ibrentwegen litte, was er jeßt ausstehen mußte. Sorgfalt und Mitlei den brachten sie endlich zu dem Entschluffe sich felbst seiner anzunehmen; es möge auch gehen, wie es wolle. Sie fragte ihren Diener, was der junge Fremde für Leute zur Bedienung bey sich habe. Man sagte ihr, niemand, als ein Knabe von vierzehn bis funfzehn Jahren, wåre bey ihm, und es sey dieses ein kluger und gutartiger Jüngs ling. Gut, fagte sie zu ihren Dienern, zween von auf den Sohn. Sie haben gute alte Bücher von der Arzneykunst, daven du halde einen nüglichen Auszug gegeben. Sie verlangen für ihre Cuten nicht viel, und kommen niemals wieder, ohne gerufen zu werden; so, daß der Kranke nach seinem Belieben seine Aerzte ver- andern kann, so oft er will. Semedo, S. 56. Allgem. neuere Welthist. 6 Th. Du Halde, 3 Th. S.445, 448, 449, und s29, Fourmont Grammatica finica, p. 484 - 490. von euch müssen hingehen; einer muß bey dem Herrn bleiben, da indeffen der andere den Diener zu mir bringt.“ . Als er kam, erkundigte sich Schuey ping sin nach der Krankheit feines Herrn, und was die Ursache davon seyn mögte? „Mein Herr, sagte er, war bisher sehr gefund, bis er zu dem Tschi- hien kam, bey dem er Wein trank, und sehr krank darauf wurde. Nach dem Gastmahle, der Bonzen wurde es noch, immerzu schlimmer mit ibm." Sie fragte, ob er noch fein Gedächtniß und Sprache behalten habe, wel- ches der Diener bejabete. „So gehet dann eilend zu ihm, und faget ihm, nebst meiner Empfehlung, daß alle diese Einladungen nichts Gutes bedeute ten; daß seine Beyhülfe, die er mir geleistet, da er mich aus der Gewalt des Ku-keh - ssu errettet, ihm denselben zum årgsten Feinde gemacht; daß der Tschi-hien und Ku-keh-ssu es miteinan der verabredet haben, ihm Schaden zuzufügens und daß sie blos deswegen ihm so höflich begegne- ten, weil sie furchten, er möchte dem Vicekönige oder Statthalter den erdichteten Befehl des Kais fers zeigen. Weil sie es nicht wagen wollen, ihn öffentlich anzugreifen, so haben sie etwas tödtli ches in seinen Wein oder Reiß gethan, und wenn er nicht wohl auf seiner Hut ist, so kann er mor, gen des Todes seyn." Siau- Tan hörte ihe aufmerksam zu. „Eure Gnaden, sagte er, baben vollkommen Recht; denn wenn hier nicht Schel- mereyen vorgiengen, warum sollte ihm denn die Arzney, so er vorige Nacht zu sich nahm, nicht das et das geringste geholfen, sondern ihn vielmehr noch kränker gemacht haben? Und doch mußte ihn der Oberbonze zwingen, sie zu sich zu nehmen : 'ja, als ich eben von meinem Herrn gieng, bereitete er noch mehr Arzeney für ihn. Allein ich will die- ses vereiteln, und meinem Herrn sagen, daß er es ihm ernstlich verweisen und ihm verbieten soll, mehr dergleichen Arzeney zu bringen.",,Dieß müsset ihr ja nicht thun, erwiederte die Dame; fondern faget nur eurem Herrn, daß er alles un- vermerkt wegwerfen soll, was sie ihm geben. Der Bonze hat an dieser Sache nicht vor seine Person Antheil: er muß mit Geld dazu erkaufet worden seyn. Würde euer Herr anjeßt mit ihnen zanken, was würde er in ihren Hånden anders seyn, als ein Schaf in den Klauen eines Tigers. Er muß jegt Gedult haben. Eilet, und saget ihm, daß ich, so bald es Nacht wird, eine Sänfte vor das Thor des Klosters senden will; helfet eurem Herrn hinein, und kommet nebst ihm zu meinem Hause. Ich will ein schönes Zimmer für ihn zurechte ma- chen lassen, und wenn er wieder gesund ist, kann er allemal diese Leute für ihre Gottlosigkeit bestra, fen." Siau tan bückte sich zum Zeichen seines Gehorsams. Er war kaum fortgegangen, als sie ihn wieder rief. „Ich muß euch noch etwas fagen, sprach sie zu ihm; euer Herr ist ein eifriger Verehrer der Ehre und Tugend, und mögte viel- leicht keine gute Meinung von mir hegen, da er sich im Hause einer jungen Frauensperson aufhal- ten soll, oder er könnte auch befürchten, daß dieses £ 2 Gelegen Gelegenheit zu Låsterungen gebe; allein, versichert ihn, daß er bey dieser dringenden Nothwendigkeit diese Zweifel bey Seite sehen, und erwågen müsse, daß ehedem beyde Geschlechter freyen Umgang mit einander hatten h). Wenn auch etwan der- gleichen sich eräugen sollte, so ist er herzhaft und flug genug, deswegen sich im geringsten zu beun- rubigen. So wie ein fest eingewurzelter Baum einen ungestümen Wind troßet: eben so stark ist er, daß er auch im heftigsten Sturme das Steuer- ruder nicht verliehret. Gehet nun, und wieders holet ihm alles, was ich euch jeßt sagte.“ Siau- tan versprach, keine Sylbe davon zu vergessen. Als er wiederum zu feinem Herrn kam, fand er ihn in tiefem Schlafe. Er wartete, bis er aufwachte, und, nachdem er sich umgesehen hat- te, ob niemand zugegen wåre, berichtete er ihn, wo er gewesen, und was sich mit ihm zugetra- gen hatte. Tieh-tschong-u war vor Verwuns derung außer sich. „Wie, rief er, wie konnte ich doch so unverständig seyn, daß ich die Gefahr nicht fahe, in der ich mich befand?“ – Er befahl, ihm seine Kleider zu bringen, und wollte sich als sobald zum Tschi-hien verfügen. „Unterlassen Sie dieses, sagte der Diener. Die junge Dame rieth das Gegentheil, weil Sie jetzt noch allzu schwach sind: es wird heute auf den Abend eine Sanfte bereit stehen, Sie zu ihrem Hause zu brin- gen, h) Vor den Zeiten des Fo-hi. Martiniì hilt. Sin. S. 23. len. t gen, wo sie auf das beste verpfleget werden fol Tich-tschong-u gerieth über dieses An- erbieten in Entzücken. „Ich bin aber doch, fuhr er fort, ein junger Mensch, und sie ist ein junges Mädchen; wie kann ich bey ihr wohnen, ohne ei- ne Aergerniß zu verursachen? Lieber will ich hier sterben, als daß ich so ehrvergessen und unbedacht, sam seyn wollte.“ Siau-tan fagte hierauf fei- nem Herrn das, wo sie ihm noch zulegt anbe fohlen hatte. Dieses machte so viel Eindruck bey ihm, daß er gerne feine Einwilligung gab. „Ge wiß, rief er, dieses junge Frauenzimmer hat die Unerschrockenheit und scharfe Beurtheilungskraft eines Weltweisen. allen Glauben." Ihre Fähigkeit überschreitet Er hatte kaum dieses gesagt, als der Vorste- her der Bonzen kam, und ihm einen Becher mit Arzney brachte. Er gab denselben seinem Diener Siau-tan, und sagte: „Wenn euer Herr dic fen Becher austrinken wird, so darf er keine Arz neh mehr zu sich nehmen; denn diese wird ihn vollkommen wieder herstellen.“ „Der Himmel belohne Sie! erwiederte der Knabe; so bald mein Herr aufstehet, will ich sie ihm zu trinken geben." „Thut dieses, sagte der Bonze; ich will ihm her- nach eine Brübe (Kong-gih) bringen." Kaum hatte er den Rücken gewandt, so schüttete Siau- tan diesen Arzeneytrank hinweg, weswegen ihm auch sein Herr sehr tobete. Als die Nacht herbey kam, sahe sich Siau- tan nach der Sänfte um, die schon vor dem Thore des des Klosters stund. Es waren zween Bediente der Schuey-ping-sin dabey. Er gieng zu sei- nem Herrn, ihm davon Nachricht zu geben; al- lein er fand ihn so schwach, daß er nicht aufste ben konnte. Siau-tan trug ihn daher unver- merkt auf seinem Rücken in die Eånfte. So bald er hinweg war, sagte er zum Pförtner (Loh- -Ho-schang) sein Herr befinde sich im Hause ei- nes Freundes, der für ihn sorgen, und ihm zur vorigen Gesundheit helfen wollte. Er übergab ihm zugleich den Schlüssel zum Zimmer, damit fte ihre Sachen unverlegt fånden, wenn sie dar- nach sehen wollten. Indeffen wurde Tieh-tschong-u fortgetra- gen. Er bemerkte mit vielem Vergnügen, daß man bey der Ausschmückung der Sänfte außerer- dentliche Sorgfalt getragen habe. Er hatte kaum den halben Weg zurückgeleget, als er zwo große prächtige Laternen i) erblickte, welche die Auf- schrift 4) Die Mandarinen bedienen sich bey Nacht keiner Fackeln, sondern verschiedener großer Laternen, an welchen die Titel des Mandarins mit großen Charakteren geschrieben stehen. Dieses thun auch alle seine Anverwandten. Es wird jährlich durch das ganze Reich ein Laternfest ge- feyert. Alle Häuser sind mit denselben erleuchtet, und einige davon kosten sehr viel. Sie sind von verschiedenen Gattungen, und, mit schönem Schnitwerke und Vergol dungen ausgezieret. Manche sind mit Papier, viele aber auch mit Seide überzogen, welche durch einen feinen Firniß durchsichtig gemacht wird, und worauf allerhand Sigu schrift der Schuey-ping-fin hatten. >> Sie muß mich sehr hoch schäßen, dachte er, weil sie mir so viele Ehre erzeiget." So bald sie vers nahm, daß die Sänfte k) vor der Thüre sey, bez fabl £ 4 Figuren gemalet sind. Es giebt auch einige, so rund, und aus einem blauen durchsichtigen Horne gemacht sind, das sehr wohl in die Augen fällt. Es hangen von der und den Ecken Fähnchen herab, auf denen aller- ley Figuren, z. B. Schiffe, Pferde, Leute zu sehen sind, die sich durch verborgene Schnüre bewegen. Duhalde, 2 Th. S.105. Neuere allgem. Welthisst. 6 Th. k) Die Verfasser der neuern allgem. Welthistorie fagen im 6ten Theile ihres Werkes, daß es zweyerley Arten dieser Sanften gebe. Die, so vornehme Leute haben, werden von zween oder mehrern Trägern auf den Schultern ge- tragen. Der Geringern ihre haben oben einen Ring, durch welchen eine Stange gesteckt wird. Der hintere Tråger hält die Sänfte mit beyden Händen, daß sie nicht hin und her schwanken kann. Diese sind gemeiniglich von lackirtem Holze, und sind mit kleinen länglichten Löchern versehen, so wohl die Luft hinein zu lassen, als auch durchsehen zu können, was auf der Straffe vorgehet. Der Vornehmern ihre hingegen sind mit reichen Seiden- zeugen überzogen, so, daß man nichts dadurch sehen kann. Du Halde sagt, daß die Reisesänften der Chineser hd- her und leichter sind, als die europäischen. Sie sind von Bambusrohre verfertiget, und man kann sehr bequem darinn sizen. Wenn vier Träger sind, so werden an die Enden der Stangen zwo bewegliche Schleifen von far- ken Stricken befestiget. In der Mitte ist eine dicke Stan- ge, welche auf den Schultern der Erdger ruhet. Du Halde, 2 Th. S. 144. feq. fahl fie, felbige in den Saal zu bringen, der so helle war, als wenn es lichter Tag gewesen wäre. Sie fezte sich an eine Seite desselben, daß sie nicht gesehen werden konnte. Vier ihrer Diene». rinnen mußten ihm heraushelfen, und in ein Schlafzimmer führen, daß fie für ihn hatte zube- reiten laffen. Sobald er sich gefehet hatte, befahl er sei- nem Diener, dem jungen Frauenzimmer feine Empfehlung abzustatten, und sie um Verzeihung zu bitten, daß er wegen feiner Krankheit ihr seine Aufwartung nicht machen könnte. Er versuchte -es, ob er ein wenig gehen könnte, allein er hatte nicht Kräfte genug, und legte sich zu Bette, mis Schuey-ping-sin befahl ihren Leuten, ihm Thee, Ginseng 1), und andere Herzstärkungen zu 1) Im Chinesischen heißt es „Ginseng, Long - yen, Leah-meh." Ginseng, oder Menschenwurzel, wird also von der Aehnlichkeit genennet, den diese Pstanze mit 3- der menschlichen Figur hat. Sie ist in China so selten, daß eine Unze davon anjeßt sieben Unzen in Silber ko- ftet. Die beste wächset in der öftlichen Tartarey, wo sie Orhota, d. i. die Königinn der Pflanzen, genennet wird. Die Tartarn trinken ihre Blätter, statt des Thees. Die Wurzel dieser Pflanze ist das kostbarste unter allen chine- sischen Arzeneyen. Sie ist noch halb so dick als der klei- ne Finger, und etwas länger. Ihre Farbe ist hellgelb. Ihr Geschmack ist süß und angenehm; jedoch läßt sie et- was bitteres nach sich. P. Jarreur erzählet, daß er sie eingenommen, und seinen Puls leichter und geschwinder, seinen Appetit besser, und sich selbst aufgerdumter befun- den Tog zu bringen. Weil sie ihn aber schlafend fanden, woll- ten sie ihn nicht aufwecken. Sie ließ fodann alle ihre Diener zu Bette gehen, bis auf zween alte, des £.5 nen den habe. * Er war einft auf einer Reise sehr abgemat tet, und seine Lebensgeister waren so erschöpft, daß er kaum mehr auf dem Pferde sisen konnte; so bald er aber etwas von dieser Wurzel nahm, verschwand alle Schwacha heit in einer Stunde. Die Chineser nehmen sie als eis nen abgefottenen Trank, wie z. B. den Thee, zu sich. Sie versuchen ihre Güte also. Zween gehen mit einans der, davon der eine die Wurzel im Munde hat, der ans dere aber nicht. Wenn sie eine halbe Meile zurückgeles- get, wird der erstere nicht die geringste Müdigkeit, wohl aber der andere, spüren. Die Chineser nennen die beste Gattung von dieser Wurzel den golduen Brunnen, der mit Edelgesteinen besetet ist, so wie sie ihr überhaupt verschiedene andere Namen geben, ihren hohen Werth auszudrücken, z. B. das geistige einfache Arzneymittel; der reine Geist der Erde; das Fett der See; die Araney, so unsterblich macht, u. d. m. Long-yen, oder Drachenauge, ist die vortrefflichste Frucht in der Welt nach dem Li-tschi. Sie ist rund, hat eine sanfte und graue Schaale, und fällt etwas ins gelblichte. Ihr Mark ist weiß, faftig, und etwas såner- lich. Die Frucht Li-rschi hat die Größe einer Nuß, ist länglich rund, und ihre Schaale ift rauch, wie Schagrin. Ihr Kern ist lang, und mit einem weichen, faftigen Mark bedecket, welches einen sehr angenehmen Ge: schmack hat, der aber keiner Frucht in Europa gleich tommt. Diese beyden Früchte werden gedderet, und durch das ganze Reich, wie bey uns die Pflaumen, ver- kaufet. Man hält sie für sehr gesund, und Kranken sehr Dien- nen fie nebst ihren Weibern, und den übrigen Auf- wärterinnen befahl, im Saale bey ihr zu bleiben, bis er erwachen würde; da sje inzwischen verschies denes für ihn zubereiten ließ. Um Mitternacht dfacte er seine Augen. Die Schönheit des Zim- mers, nebst dem Pracht des Geräthes"in 'demsel» ben festen ihn in Verwunderung. Stau - tan faß an seinem Bette, und fragte ihn, wie er sich befande. Er sagte ihm, er befinde sich viel besser, und fragte, warum er nicht zu Bette gehe ? „Herr, verfeßte der Diener, ich wache nicht allein, fon- dern die Besitzeriun dieses Hauses, nebst ihren Dienerinnen ist auch noch im Saale, und be- reiten kräftige Sachen zu Ihrer Genesung zu. „Warum giebt man sich so viele Mühe wegen mei- ner ? fagte Tieh-tschong-u bestürzte Wie kann ich dieses alles geschehen laffen?" Kaum hatte er dieses gesagt, als die Dienerinnen mit Thee und Herzstärkungen hereintraten, sie vor sein Bette brachten, und ihn bathen, sie zu trinken. Er hatte keine Lust zum Thee; aber das Gin- seng, und die andern Stärkungen schmeckten ihm fehr mehl. Nachdem er eine Kraftbrühe getrun- Een hatte, ersuchte er die Dienerinnen, 'seine un- "" (6 ter- dienlich. Von dem Leah-meh konnte der Herausgeber dieser Geschichte keine Nachricht finden. Denn die An- merkung des Uebersehers, daß Leah-meh „die Würzel des großen Blattes im Wasser“ sey, scheinet blos die Etymologie ihres Namens zu seyn. Du Halde, 3 Ch. 6.494. Le Compte, 1 Th. S. 152, 341. f terthänige Empfehlung an ihre Gebieterinn zu mel den, und ihr zu sagen, daß ste ihn aus dem Ra- chen eines Tigers errettet habe. „Já, fuhr er fort, mein Leben habe ich ihr allein zu danken; und daher ist es auch meine Schuldigkeit, ihr Wohl über alles in der Welt zu schätzen. Dieses ist die Ursache, daß ich wegen ihrer großen Bemü bung sehr besorget bin, und es wird meine Krank, heit vermehren, wenn sie fortfahren wird, mit eis genen Händen etwas für mich zuzubereiten." - Ei ne von den Mädchen, so Lung-siu hieß, und das Amt einer Haushälterinn hatte, gab ihm zur Antwort: „Meine Gebieterinn schreibet alles, was Sie ausgestanden haben, dem Beystande zu, den Sie ihr leisteten, und wenn Sie nicht Ihre Gesundheit wieder erlangen, so wird sie selbst Frank werden. Es sind jest zween Tage verflos- fen, daß sie Ihre Krankheit weis; von dieser Zeit au war sie traurig, ja sie war nicht wohl auf. So bald Sie aber hieher kamen, und sie Hof, nung zu Ihrer Genesung hat, befindet sie sich weit beffer. Die Bemühung, so ihr ein wenig Thee, oder dergleichen, verursachet, ist so gering, daß sie dieses noch für das geringste hålt, das sie für Sie thun kann." „Wenn meine Krankheit, er wiederte Tieh tschong u, eure Gebieteriun fchon unpaß machte, so bin ich noch mehr wegen ihrer besorgt, da sie sich so viel Mühe giebt, und es wird mich dieses an meiner Genesung und Ru he hindern." Sie versprach ihm zu seiner Beru higung, daß sie ihre Herrschaft bitten wollte, fich ? zur zur Rube zu begeben, und gieng hinaus. Als sich sein Diener das Bette zurechte machte, dfnete er die Vorbånge.,,Wie angenehm und wohlrie- „Wie chend, dachte er, ist nicht alles allhier? Die Sorgfalt, so man für mich trägt, übertrift die- jenige, so die zärtlichsten Aeltern haben." schlief hierauf sehr vergnügt ein. Er Als die Dienerinnen Schuey-ping-final- les hinterbrachten, was er ihnen sagte, schloß sie hieraus, daß er nun außer aller Gefahr sey. Sie befahl am folgenden Morgen einen Arzt zu rufen, der feinen Puls fühle. Zwo alte Mägde mußten im Saale bleiben, damit sie ihm sogleich dienen könnten, wenn er etwas verlangen mögte, wors auf sie sich in ihr Schlafzimmer begab. Der helle Thau fällt zu Boden; ist aber nicht verlohren; m) Er bringet zartes Gras und goldne Blumen hervor. So entspringen auch aus reinen und untadelhaften Handlungen Ruhm und Glückseligkeit. Wo wird man jetzt mehr ein so tugendhaftes Paar finden? Sie beschafftigten sich in dieser Nacht mit nichts, als mit Gedanken der Dankbarkeit. Zwey- m) Die Chineser lieben die Poesie über die maaßen; daher sie auch in ihren Erzählungen, Romanen, u. d. g. öfters vier bis fünf Verse einmengen, die Erzählung deño leba hafter zu machen. Du Halde, 3 Ch. 384, 385 feq. Zweytes Kapitel - ie junge Dame konnte kaum einige Ruhe ge nießen; so sehr waren ihre Gedanken mik Sorgfalt für Tieh tschong u eingenommen. Mit anbrechendem Tage stund sie schon auf, und ließ durch ihre Dienerinnen verschiedenes für ihn zubereiten; wobey sie ihnen verboth, ihm etwas davon zu sagen, daß sie einigen Antheil daran has Be. Als er aufstehen wollte, fand er sich so schwach, daß er sich wiederum niederlegen mußte. Nachdem er seinen Mund ausgespület, nahm er `ein wenig Brühe zu sich. Der Arzt trat eben hers ein, den der Diener herbeygeholet hatte. Er fühlte ihm den Puls a), und sagte, daß er außer aller a) Die Chineser wollen alle andere Nationen in Erkennt- niß des Pulses übertreffen, und behaupten, aus dem selben die Art und Grade aller Krankheiten beurtheilen zu können; was für ein Theil des Körpers leide; ob die Krankheit zu heben sey, oder nicht, und wie lange der Patient daran darnieder liegen müsse, ja so gar, wie viele Tage, Wochen und Jahre er noch leben werde. Sie machen einen Unterscheid zwischen dem Pulse einer Manns- und einer Weibsperson, zwischen dem Pulse langer oder kleiner, dicker oder hagerer Personen, juns junger, mittelmäßigbejahrter, oder alter Leute; zwis schen dem Pulse im Frühlinge und Herbste, Sommer and Winter. Sie geben diesen verschiedenen Arten der Pulse besondere wunderliche Namen, z. E. der ganz leich- te, der schlüpfrige, der faure, der zitternde, der rol- lende, der erschütterte, der hüpfende, schwimmende, sieden. aller Gefahr wäre. Er fagte ferner, daß er et- was schädliches müsse gegessen haben; er solle nicht zu viel Arzney nehmen, denn es wären schon ein paar Doses hinlänglich, es abzuführen, wenn er nur diese drey Stücke beobachten würde: erstlich, nicht zornig oder verdrüßlich zu seyn; zweytens fich nicht zu beunruhigen, und drittens, nicht zu viel zu sprechen: wenn er dieses thun würde, sø follte er in wenigen Tagen wieder gesund seyn. Da sich dieses im Haufe der Schuey-ping sin zutrug, so hatte indeffen der Vorsteher der Bonzen vom Pförtner des Klosters vernommen, daß der junge Fremde hinweg gegangen sey. Er erstaunete nicht wenig darüber. „Die Flucht dies ses fiedende, u. f. t. Sie fühlen ihn an beyden Händen nach einander, so, daß ein Unwissender darüber lachen muß, wenn er zusichet. Wenn sie ihre vier Finger nach der Länge der Pulsader geleget, und das Handgelenke gleich stark gepresset, so lassen sie wieder ein wenig nach, bis das Blut wiederum seinen ordentlichen Lauf bekommt. Hierauf wiederholen sie dieses zum öftern. Sie heben einen Finger nach dem andern auf, und lassen ihn wieder fallen, als wenn man auf dem Claviere spielte, bald fark, bald schwach; bald geschwind, bald langsam; bis fie alle Kennzeichen der Krankheit wahrgenommen. Sie haben eine ganz besondere und bewundernswürdige Fer- tigkeit in dieser Sache, und behaupten, daß keine Ver- ånderung im Körper vorgehe, welche nicht auch eine ver- hältnismäßige Menderung des Blutes verursache. Du Halde, 3 Th. S. 448 474. Le Compte, T. 1. p. 326. Semedo, S. 57. ፡ fes Fremden, sagte er bey sich selbst, gienge mich wenig an, wenn ich mich nicht vor dem Zorne des Ku-keh - ssu zu fürchten håtte, der mir es erüst- lich einprägte, ihn nicht entwischen zu lassen, son dern ihm etwas in seine Brühe und Rhabarber b) zu mischen, das seinen Tod beschleunigen könnte. Er b) Die Chineser nennen die Rhabarber Tai-hwang, oder hochgelb. Sie wächset in verschiedenen Gegenden von China. Die Blüte ist gelb, zuweilen auch violett. Die Blätter find lang, und dicker als unser Kohl, auch et- was rauch anzugreifen. Im achten Monate wird die Wur- zel ausgezogen. Inwendig ist sie weißlicht, wird aber immer brduner, je mehr sie trocknet, welches an der Sonne am besten geschiehet. Sie verliehret dadurch so viel von ihrer Schwere, daß von sieben Pfunden kaum ein Pfund bleibet. Die Chineser haben in Ansehung des Gebrauches dieser Wurzel mit den Europäern faft einer- len Gedanken. Sie bedienen sich aber derselben selten roh, oder ohne andere Zufäße. Sie zerreißet die Ges ddrme, sagen sie, das ist, sie verursachet Grünmen und Schneiden im Leibe. und gleichwie die Chineser lieber gar nicht gesund werden, als daß sie es mit grof- fen Schmerzen würden, so brauchen sie lieber Getränke, die von der Rhabarber nebst andern Ingredienzen, nach den Regeln ihrer Arzenehkunst zubereitet werden. Die, allerbeste findet man in der Provinz Se-tschuen. Die aus der Provinz Schen-si kommt derselben an Gåte lange nicht bey. Sie wird nach Batavia, und von da nach Holland, oder über Land nach Kaskar, Astrakan, und Rußland, oder über Thibet und Persien nach Ve- nedig gebracht. Du Halde, 3 Th. S. $20, 521, Mar- tinius, p. 44. " -- Er war wirklich diese zween Tage über sehr schwach, und wenn er noch eine einzige Dosis würde ge- nommen haben, so wäre er gewiß schon todt. Niemand würde sich darum bekümmert haben, und alles würde gut gegangen seyn. Was soll ich antworten, wenn Ku - keh - ssu nunmehr nach ihm fragen wird? Morgen will ich es ihm selbst fagen." „Wie kommt es? sagte dieser. Ge- ftern versichertet ihr mich, daß er so schwach sey, daß ein paar Doses ihm gar aus der Welt helfen würden; und jegt faget ihr, er sey entfloben. Ich glaube gar, ihr habt Geld von ihm genommen, und ihn entwischen lassen." „Nein, sagte der Bonze, ich würde dieses nimmermehr thun köns nen. So ist es vielleicht wegen des Ansehens und Ranges geschehen, den sein Vater bey Hofe hat. Aber wiffet ihr denn nicht, daß mein Vater noch höher ist?" „Sie thun mir großes Unrecht, verseßte der andere. Ich weis im geringsten nicht, wie er weggekommen ist, noch wo er sich aufhålt. Der Mugen unsers Standes bringet es ja mit sich, daß wir uns die Gunft der Reichen und Mächti> gen erwerben, wo wir find. Würde es denn nicht eine große Thorheit seyn, eher einem Fremden ans zuhangen, den ich nicht-kenne, als Ihnen nicht zu dienen, da Sie der Vornehmste in dieser Stadt find?* „Ich will euer Schwaßen nicht mehr anhören, sagte der erzürnete Ku-keh- ssu. Ihr müffet dem Tschi-hien deswegen Rechenschaft geben, der ihn eurer Sorgfalt übergab.“ Der Jes of. hien. Der Oberbonze fagte vor dieser Magistrats- perfon zu seiner Bertheidigung, daß es sehr un» wahrscheinlich wäre, als habe er ihn entwischen Lassen, nachdem er ihm doch Gift beygebracht, ihn umzubringen, Es ist wahr, sagte der Tschi- Ihr seyd von dieser Sache frey gesproz chen. Aber wohin muß er denn gekommen seyu? Fand ihn jemand aus, der ihn kannte?“ „Nies mand, sagte der Bonze. Die Bedienten der Schuey - ping - sin fragten ein paarmat nach ihm; allein sie kamen niemals in das Kloster selbst zu ihm." Der Mandarin lachte hierauf, und schrie: „Nun weis ich, wo er ist. Dieser jun ge Fremde hat keinen Bekannten in der Stadt; er traf von ungefähr diefes Frauenzimmer an, und leistete ihr eine Gefälligkeit. Sie ist viel zu groß- müthig, als daß sie dieses nicht vergelten follte. Sie hat vielleicht von seiner Krankheit gehöret, und fürchtete, es mögte ihm etwas übels bege- gnen: fie hat ihn daher in Sicherheit gebracht. Wenn Sie meinem Rathe folgen wollen, sagte er zu Ku-keh-ssu, so gehen Sie zu Ihrem Schwie- gervater, und da werden Sie von ihm Nachricht. bekommen. „Dieses ist sehr wahrscheinlich. Sie hat ihn ganz gewiß zu sich bringen lassen. Soll ich sie deswegen haffen? Ich, der ich sie so lange verehrte, und ihr mit so vieler Liebe und - Ehrerbietung begegnete, konnte nicht die geringste - Gegengunst von ihr erhalten; und dieser Fremd- ling, den sie zuvor niemals fah, foll auf einmal ihre Gunst so besigen, daß sie ihn zu sich in ihr DR Haus 178 Hash Kidh Tschwen. Haus aufnimmt?“ „Der Tschi-hien verwicß ihm seine voreilige Meinung, ließ den Bonzen weggehen, und sagte zu Ku-keh-ssu, daß er mit ihm wegen der Maaßregeln sprechen wollte, wenn sich ihr gemeinschaftlicher Feind wirklich im Haufe der Schuey - ping - sin befinden würde. So bald Ku-keh-ssu nach Hause kam, sand- te er nach Schuey-gowin. „Mein Herr und Bater, sprach er, ich hörte gestern, daß Ihre Nich te eine junge Mannsperson in ihrem Hause ver- borgen hålt. Ich weis nicht, ob Sie davon wif- sen; oder ob es wahr oder falsch ist.“ „Ich bin schon lange nicht bey ihr gewesen, erwiederte Schuey-gowin. Denn sie beklagt sich, daß ich ihr nicht Beystand geleistet habe, als sie von Ihnen entführet wurde: ich schämte mich auch deswegen, und gieng nicht mehr zu ihr. Ich weis nicht das geringste von allem, was Sie mir fa- gen; ich will mich aber erkundigen." Er fragte ihn hierauf, auf wen er Verdacht hätte; ob es der junge Mensch sey, der sie bey dem Tschi-hien befreyet babe? Er erhielt zur Antwort, daß es z eben derselbe wåre. Er sey in das Bonzenkloster einquartieret worden, wo er krank geworden, und vielleicht gestorben wåre; allein unverhofft sey er entronnen, ohne daß man wisse, wo er hingekom, men: fie müsse ihn ganz gewiß in ihrem Hause verbergen. Schuey-gowin versprach, sich deswegen zu erkundigen. Er gieng auch wirklich nach Hause, and fendete seinen jüngsten Sohn zu feiner Nichte, ju zu sehen, wer bey ihr wäre. Sie empfieng ihn, wie gewöhnlich, und hielt gar nichts vor ihm ver- borgen. Er sagte seinem Vater, daß er in einem Zimmer am östlichen Ende des Hauses eine junge Mannsperson im Bette liegen gesehen. Sodann gieng Schuey - gowin selbst zu ihr. …„Ihr kön- net mich nun nicht beschuldigen, sagte er, daß ich meiner Pflicht nicht nachlebe; es gehet ein sehr übler Ruf wegen eurer Aufführung. Ich bin euer Oheim, und habe das meinige gethan, da ich euch davon Nachricht gebe. Sie versetzte: „Wenn ich gefehlet habe, so ist es Ihre Schuldigkeit, es mir zu sagen; ich weis aber von nichts, daß ich mich sträflich halten könnte." „Ich habe immer- zu geglaubet, fagte der Oheim, daß es sich in dieser Welt nicht wohl schicke, Manns- und Weibsperson mit Hause leben; wo sie nicht sehr " wenn eine junge einander in einem nahe miteinander verwandt sind. Ihr seyd ein junges Mädchen; euer Vater ist nicht bey euch, und ihr habt weder einen ältern noch jüngern Bruder c). M 2 Warum unter- c) d. i. leiblichen Vettern. Die Chineser sehen sehr sorgs fältig darauf, beyde Geschlechter von einander abzuson- dern. „Wenn ein' Knabe zwölf Jahre alt ist, sagt ein chinesischer Schriftsteller beym du halde, so darf er „nicht mehr in das Frauenzimmer gehen: eben so wenig „soll einem Mädchen von diesem Alter erlaubet seyn, sherauszugehen. Knaben und Mdgdlein sollen niemals ´„bey einander siken, oder sich einerley Hausgeräthes be- dienen. Eine Stiefschwester soll nicht mit ihrem Sticf- unterhaltet ihr denn einen Fremden, einen fungén Menschen, den niemand von uns kennet? Jbr müsset nicht einwenden, daß die Leute ohne Grund davon sprechen: denn ich muß selbst davon reden, weil ich es weis: ich kann euch auch bey einer so anstößigen Sache nicht schüßen.“ Schuey-ping- fin erwiederte. »Ich habe im Buche der heili gen Leute gelesen, daß die Handlungen eines je den Menschen auch mit seinen Gesinnungen über- einstimmen sollen. Ich las, auch, daß eine erhal tene Wohlthat mannichfaltig belohnet werden soll; daß hingegen eine Beleidigung vergessen werden kann, wenn sie nicht von einer folchen Beschaffen- heit ist,`daß man deswegen hinlängliche Genug, thuung fordern kann. Wie konnte ich an einem Tage, da ich in Ruhe und Frieden in meinem Hause meinen Geschäften oblag, mir träumen lassen, daß ein Betrug unter dem Namen und Be- fehle des Kaifers verborgen seyn sollte? Ich gieng aus meinem Zimmer, denselben gehörig an- zunehmen, als ich mich auf einmal überfallen und wegführen fah. Wo war denn dazumal eure Freund- »Stiefbruder umgehen, und wenn eine verheurathete „Tochter ihre Aeltern besuchet, soll sie nicht mit- ihren „Brüdern an einem Tische sizen. Diese Regeln sind „weislich eingeführet worden, beyde Geschlechter von ein- „ander abzusondern. “ Die Chineser sind hierinn so sorg- fältig, daß sie blos sagen: „Es sind Weibsleute darin= „nen,“ wenn sie haben wollen, daß man nicht in ein Zimmer gehen soll. C ett cin in Freundschaft, eure so gerühmte Blutsfreundschaft? Die Beleidigung war sehr grob; und doch erschien niemand, mir zu helfen. Meine nächsten An- verwandten waren abwesend, ob ich gleich in der äußersten Gefahr war, und auf nichts, als aufs Sterben bedacht war. Da diese Beleidigung zu ehrenrührig war, als daß sie jemals vergessen werden könnte, wenn auch meine Feinde aufgeo- pfert, und ihr Fleisch mir zu meiner Genugthuung dargebracht würded): so werde ich, so lange ich M 3 lebe, I) Wenn die Chineser einen tödtlichen Haß ausdrücken wollen, so ist ihre gewöhnliche Redensart diese: „Ich wollte auch sein Fleisch mit meinen Zähnen zermalmen." Schuey ping sin wird von unserm chinesischen - - Verfasser als ein vollkommenes Muster der Tugend be- schrieben; allein hier zeiget sich die Sittenlehre des Chi- nesers sehr schlecht, wenn man sie mit der chrißlichen Moral vergleichet, welche die Vergebung der Beleidts gungen, und die Belohnung des Bösen mit Guten so sehr einpräget. Unser Verfasser hätte aus dem Confus cius wissen können, daß „dieses die Eigenschaft und Lus gend eines edlen Herzens sey, wenn man Haß und Feind- schaft mit Liebe belohnet.“ (S. Couplets Confucius, Parif. 1687. fol. p.106.) Es ist aber auch nicht zu ldu» gnen, daß,dieser große Weltweise es nicht als eine noth- wendige Pflicht ansiehet, es auch weder ernstlich einschdr= fet, noch mit gehörigen Gründen bestärket. Und wo fin det man diese göttliche Lehre mit solcher Kürze, Bün- digkeit, und erhabenen Gedanken angepriesen, als durch den allerheiligsten Mund des Erldsers der Welt, der sie, noch in den lesten Augenblicken seiner Erniedrigung aus- übte? lebe, die Wohlthat derer nicht vergessen, die mir Beystand leisteten. Dieser junge Fremde ist we→ der mein Anverwandter noch Bekannter: er ist mir völlig unbekannt, und aus einer andern Prož vinz; allein fein Herz ist wie die Sonne; feine Ge- sinnungen sind so rein, wie das Feuer. Er hat fich gegen mich wie ein Anverwandter, Lands- mann, und Freund bezeiget, und dieses noch hun- dertmal besser, als diejenigen, so diese Namen führen. Ihm habe ich es zu danken, daß ich noch rein und unschuldig bin. Er war wegen dieser großmüthigen Handlung, nahe daran, sein Leben durch Gift zu verliehren. Håtte ich ihn, aus Furcht übler Nachrede, einen Beystand versaget, den er von niemand, als von mir allein, erwar- ten konnte, so würde ich grausamer, als eine Tigerinn, und wilder, als ein Raubthier, zu nen- nen seyn. Ich habe ein lebhaftes Gefühl von meinen Verbindlichkeiten gegen ihn für seine große Gefälligkeiten. Ich konnte also nichts anders thun, als ihn hieher bringen zu lassen, und zu ver fuchen, ob man ihm wieder zu seiner vorigen Ge- fundheit helfen könnte. Wenn er diese wiederum erlanget, so kann er in seine Provinz zurückreisen. Dieses gab mir meine Pflicht an die Hand, ihm auf diese Art seine Dienste zu belohnen. Was ich gethan habe, das will ich vor dem Himmel, und allen Geistern bekennen, und mein Herz be- schuldiget mich keines Verbrechens oder ungezie= men- übte ? Matth. VI, 14, 15. Puc. VI, 27, 28,29,35 und 36. - XVII, 3, 4, XXIII, 34. t A 36. mender Aufführung. Ich mögte doch gerne wis fen, fuhr sie fort, wer denn diejenigen sind, die sich um meinen guten Namen so sehr bekümmern, daß Sie es für Ihre Schuldigkeit halten, meine Aufführung zu untersuchen. Wenn Sie wirklich für meinen guten Namen cifern wollen, so will ich Ihnen eine Gelegenheit an die Hand ge- ben, da Sie es mit besserm Rechte thun können. Ich bitte Sie inständig, diejenigen Bösewichter ausfindig zu machen, welche den kaiserlichen Bes fehl erdichtet haben, und sie vor dem Statthal ter zur Rechenschaft zu ziehen. Ihr Verbrechen wird sie ganz gewiß um ihre Köpfe bringen. Mein Vater wird vielleicht noch einst wieder zurück beru- fen werden, und Ihnen sehr dafür danken, daß Sie mir diesen Dienst erwiesen haben." Schuey-gowin war einige Minuten so be. stürzt, daß er nicht ein Wort vorbringen konnte. Endlich sagte er ihr, nachdem er sich wieder erho- let hatte, daß er nicht ermangelt haben würde, ihr feinen Beystand zu leisten, wenn er mehr als ein bloßer Einwohner der Stadt wåre, der weder einen Rang hat, noch Wissenschaften besißt. schickte sich für mich, fagte er, als einen unwif- fenden und ungelehrten Mann, nicht, dffentlich. als Kläger zu erscheinen; und ich hätte es auch nicht thun können, da ich mit keiner Mandaring- kleidung e) versehen bin. In diesem ausgearte- S 4 ten ») Die Tartarn haben bey ihrer Eroberung des chinesischen Reiches nichts von den Gebeduchen der Chineser gedita bert; ten Zeitalter giebt es wenige Weise, und sehr viele Unwissende; wenige, so gerecht sind, und sehr viele Unge- dert; nur in ihrer Kleidung sind einige Aenderungen vorgegangen. Semedo, Martinius, Neuhof, u. a. m. haben die alte Tracht der Chineser beschrieben. Gegen= wärtig lassen sie sich die Haare völlig abscheeren, bis auf einen kleinen Zopf, den sie entweder herab hangen lassen, oder unter ihre Kappen verbergen. Diese sind von sehr feinem rothen Zeuge, oder Binsen, und inwendig mit Atlas gefüttert; oben an der Spişe findet man einen Büschel rother Haare, die bis auf das Gebrẩme herab- hangen. Im Winter tragen sie eine warme Müße, die mit Zobel oder Fuchspel; gefüttert ist. Die Mandarinen und Gelehrte tragen wieder andere Mügen, so aus far- ken Kartenblättern gemacht, und in- und auswendig mit Atlas überzogen sind. Die armen Leute gehen ents weder barkopfigt, oder bedienen sich einer Art Kappen, die wie ein Trichter geftaltet sind. Die Chinèser entbld- sen das Haupt niemals, wenn sie jemand grüßen. Ihre Westen langen bis auf die Erde herab, davon eine Sei- te mit der andern zusammengefaltet ist, so, daß das obes re Theil sich bis zur rechten Seite erstrecket, wo dieselbe mit drey oder vier silbernen oder güldenen Knöpfen befes ftiget wird. Die Aermel, so von der Schulter an sehr weit sind, laufen unten immer enger zusammen, bis´an die Faust, wo sie sich in der Gestalt eines Hufeisens en- digen, die Hände bedecken, und weiter nichts, als das dußerste Ende der Finger sehen lassen. Sie umgärten sich mit einem langen seidenen Gürtel, deffen dußerste Ende ihnen bis auf die Knie herab hangen, an welchen gemeiniglich ein Futteral befestiget zu seyn pfleget, dar- tunen ein Messer, zween kleine Spieffe, deren sie sich statt ten pit Ungerechte; indeffen schreyet jedermann, wie un- fchicklich es für einen jungen Menschen sey, von einent S 5 statt der Gabeln bedienen, ein Beutel, und dergleichen, befindlich ist. Die Gelehrten aber tragen keine Messer bey sich. Unter dem Kleide tragen fie im Sommer leis nene Beinkleider, die sie zuweilen mit ein paar andern von weißem Taffet zu überziehen pflegen. Im Winter tragen sie Hosen von Atlas, die entweder mit Pelz, oder mit rother Seide gefüttert sind. Ihre Hemden sind sehr weit und kurz, und von Taffet. Einige tragen auf dem bloßen Leibe ein seidenes Neh, welches das Hemde nicht auf die Haut kommen lässet, und sie vom Schweiße rein erhält. Im Sommer ist ihr Hals ganz nackend; im Winter aber bedecken sie ihn mit einem Halskragen, der entweder von Atlas, oder Zobel, oder Fuchspelze gemacht ist. Wenn sie reisen oder einen Besuch abstatten, so tras gen sie über ihre Unterkleider, die gemeiniglich von Leins wand oder Atlas gemacht sind, noch einen langen blauew Talar, mit einem Gürtel, und über demselben noch eis nen kurzen schwarzen oder violeten Ueberrock, der ihnen bis an die Knie reichet, und sehr weite und kurze Aer- mel hat, an den Füssen Stiefel, und in der Hand einen Sonnenfächer. Diese Stiefeln sind insgemein von blauem oder rothem Atlas. Inwendig sind sie mit Seide oder Cattun gefüttert, so über den Stiefel herausgehet, und entweder mit Sammet oder mit Tuch eingesasset ist. Sie haben an denselben weder unterwärts Sporen, noch oberwärts. Stülpen. Haben sie eine lange Reise vor, so bestehen ihre Stiefeln aus Kuh- oder Pferdeleder, das so genau am Fuß anlieget, daß man sich nichts netters - vorßellen kann. Sie tragen dabey einen Hut, der einen spitigen Kegel vorstellet, und rund herum mit seidenen Büscheln Hash Kidh Tschwen. einem jungen Mädchen in ihrem Hause ganz allein unterhalten zu werden. Die Kinder reden schon davon." Büscheln oder rothgefärbten Haaren besehet ist. An den Kleidern trägt ein jeder Mandarin ein gewisses Zeichen, so vornen und hinten gestickt ist. Die bürgerlichen Ma- gistratspersonen tragen einen Vogel, und die Kriegsmans darinen einen Drachen, Tiger, oder andere wilde Thiere. Diese lettern tragen auch breite Schwerter an ihrer linken Seite, deren Spißen vorwärts hången. Es ist nicht jedermann erlaubet, allerlcy Farben zu tragen. Nur der Kaiser und die Prinzen vom Geblüte tragen die gelbe Farbe. Den Atlas mit einem rothen Grunde has ben sich einige Mandarinen an ihren Ceremonientagen als ihre Leibfarbe zugeeignet. Die gewöhnlichste Farbe `ift blau, schwarz und violet. Der gemeine Pdbel kleidet fich in Cattun, der theils blau, theils schwarz gefärbet ist. Insonderheit unterscheiden sie sich nebst den Gelehr
- ten durch die Länge ihrer Nägel am kleinen Finger, wel-
che sie zuweilen so lang wachsen lassen, als der Finger.
- felbst ist.
Das chinesische Frauenzimmer ist eben so sehr auf den Puh bedacht, als das europäische. Ihr Hauptschmuck bestehet gemeiniglich in 'emigen dicken Haarlocken, die auf allen Seiten mit güldenen und silbernen Blumen durchflochten sind. Einige unter ihnen schmücken ihr Haupt mit der Gestalt eines Vogels, der Fong hoang heisset, dessen Alterthun, wie man sagt, sehr viele ges heimnißreiche Dinge in sich faffen soll. Insgemein trägt das junge Frauenzimmer eine Krone von Kartenpapier, das mit einer schönen Seide überzogen ist. Von vornen "gehet diese Krone über der Stirne spißig zu, und ist mit Perlen, Diamanten, und andern Zierathen geschmücket. Meltere -ict et. ere « " Bavon. Gemeine Sagen, verfekte die Dame, find wie Wolken, die man alle Tage sicht. Recht schaffene Meltere Weibspersonen begnügen sich mit einem Stücke feiner Seide, damit sie den Kopf etlichemal umwinden, und das heisset Pao - reou, die seidene Windet. Die uns, gemeine Zucht und Schamhaftigkeit leuchtet insonderheit aus ihrer Kleidung hervor. Ihre Kleider sind sehr lang; sie bedecken den Leib vom Halse an bis auf die Füffe der- gestalt, daß weiter nichts, als das Gesicht, an ihnen zu sehen ist. Ihre Hände verbergen fie befidndig unter weis ten Aermeln, die so lang sind, daß sie bis auf die Erde schleppen würden, wo sie nicht dieselben mit Fleiß in die Höhe udhmen. Die Farbe ihrer Kleidung ist gleichgül- tig, sie können dieselbe roth, blau, oder grün auswählen, wie es ihnen gefällig ist. Nur die betagten Frauen pfle-. gen schwarz, oder violet zu ihrer Kleidung zu erwählen. Wenn sie einer Mannsperson etwas überreichen, so ge- schiehet es nie mit bloßer Hand; sondern sie wickeln die- selbe in ihrem Aermet ein. Eben so darf auch keine Mannsperson etwas mit bloßer Hand überreichen, son- dern er muß es auf eine Tafel feßen, södann nimmt es das Frauenzimmer davon weg. Es zeuget von der guten Polizey, wie die Chineser behaupten, daß die Frauensleute in China sehr eingesper ret leben, und fast nie aus ihren Häusern kominen.« Die Kleinigkeit der Füsse wird mit unter die Schönheiten die- ses Geschlechtes gezdhlet. So bald eine junge Tochter zur Welt gebohren wird, sorgen die Wehmütter augeu- blicklich dafür, die Füsse derselben fcß zu binden, daß sie nicht stark wachsen können. Ihr Gang ist daher sehr Langsam, unsicher, und in den Augen der Europder uns angenehm. Allein die Gewalt dieser Gewohnheit ist so beftig, schaffene Leute lassen sich nicht durch solche Kleinig- keiten irre machen. Oheim, ich will meine ganze Aufführung hinlänglich rechtfertigen." „Ich kam in einer freundschaftlichen Absicht hieher, fagte Schuey-gowin. Was ihr sagtet, ist nicht ohne Grund." Er eilte sodann hinweg, weil er sich nicht länger zu bleiben getrauete, aus Furcht, fie möchte ihn mit solchen Vorwürfen überladen, welche nur gar zu gut gegründet waren. (<