Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 5

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Kapitel 5: Gerechte Empörung im Gerichtssaal: Eine Rettung, die Unheil gebiert

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Neuntes Kapitel. a) Juh-keh-ssu überlegte mitten in seiner Freu- de, daß er allen Folgen vorbauen müsse, im Fall sie bey ihrer Ankunft in seinem House einen Lärmen machen, und die Heurath ausschlagen soll- te. Er verfügte sich also in möglichster Eile nach diesen Magistratspersonen, sie, nebst andern fei- ner Anverwandten und Freunden, zu sich zu bitten, damit er ihre acht Charaktere (Nihn-kong) vor ihnen aufzeigen, und sie hierdurch zum Stille, schweigen bringen könnte, was sie auch immer für Ausflüchte machen würde. Er war ganz außer fich, daß er nun zeigen konnte, wie er ihr an List überlegen sey, und wünschte sich selbst Glück, daß dieser Anschlag nicht nur so wohl ausgefonnen, a) Im Chinesischen ist es das fünfte. son- fondern auch so glücklich ausgefallen fey. Cr. richtete seine Einladungen so geschwind zu Werke, daß er noch vor der Sänfte der Schuey - ping- fin in seinem Hause ankam. Sie blieb nicht lan ge aus. Er fahe seine Leute mit ihr durch die Gaffen eilen, und wie ein Wespenschwarm den Weg vor sich her leer machen. Sie wollten sie bey dem Eingange niedersehen; allein er ließ sie in den großen Saal bringen. Der Tschi - fur der Tschi-hien, und alle seine Freunde stunden auf, und riefen ihm zu: „Kong-hi, d. i. Glück zu! Wie felten findet man ein so schönes und voll, kommenes Frauenzimmer, wie Schuey-ping- sin ist? Was für Freudé müsset ihr nicht haben, endlich doch noch einen so unermeßlichen Schaß zu besigen?" „Ku-keh-ssu betrachtete die Sänf- te mit dem größten Vergnügen, und dankte ihnen für ihre Höflichkeit.' So außerordentlich auch dieser Schritt, den ich gethan, scheinen mag, so bin ich doch keiner gefeßlosen Gewaltsamkeit schul dig. << Dieses Frauenzimmer war mir eigentlich“ als Braut verlobet worden, und es geschahe durch ihre List, daß mir eine andere zu theil wurde. Die jetzige Gelegenheit erlaubet mir nur gar zu wohl, mir Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Der Tschi-fu wird nebst dem Tschi-hien die Stelle meiner Aeltern vertreten, und die Heurath geltend machen, damit alle fernere Unruhen vers mieden werden. Diese beyden Magistratsperso- nen riethen ihm, alles Geschehene in tiefes Still- schweigen zu begraben, und versicherten ihn, daß $5 sie sie bereit wären, das zu bezeugen, was er gesagt habe; er sey nun, da er ste hieher gebracht, ver bunden, sie zu heurathen; er sollte sie nur herein führen, und die gewöhnlichen Ceremonien dabey vollziehen lassen. Ku-keh-ssu bath sichs aus, daß sie zuvor vor ihnen erscheine, damit sie keinen Vorwand haben könne, daß man zu schnell ver fahren, oder daß die Heurath nicht mit der gehd- rigen Ceremonie vor sich gegangen sey. „Gut, fagte der Tschi-fu, wenn Sie dieses verlangen, so lassen Sie nur die Sänfte öffnen, und das Frauenzimmer heraustreten.“ Ku-keh-ssu fagte hierauf feinen Dienerin- nen, daß sie den Vorhang der Sänfte aufheben, und sie öffnen sollten. Sie fanden sie aber fest verschlossen. Als sie es ihrem Herrn anzeigten, wunderte er sich gar nicht darüber; indem er es ihrer Delicatesse, oder ihrer Furcht zuschrieb. Er gieng selbst hin, daß Schloß zu öffnen; endlich brach er es entzwey. Hierauf naheten sich die Weibsleute, die Thüre aufzumachen; allein fie hatten es kaum gethan, so stunden sie einige Mis nuten still. Ku-keh-ssu wurde über diesen Vers zug unwillig, und schrie, warum sie das Frauen, zimmer nicht aus der Sänfte hebten ? Sie sagten ihm bestürzt, daß kein Frauenzimmer darinn zu finden sey. Er erstaunte, und gieng selbst hin; aber, statt der schönen Schuey-ping-sin, er- blickte er einen Bündel, der in Scharlach einge- wickelt war. Nunmehr gerieth er in eine Art von Raserey er schrie: „Wie ist dieses möglich? Eine Eine von meinen Mägden sabe sie ja diesen Mor- gen angezogen, da sie eben in die Sånfte steigen wollte." Der Tschi-fu, und Tschi-hien, nebst den übrigen Gästen giengen auch an die Sänfte, und erstaunten, da sie selbige leer fanden. Alle fag. ten zu ihm: „Dieses junge Frauenzimmer muß eis ne Weissagerinn seyn, und künftige Dinge errathen können, da sie alle Ihre Anschläge wider sie so gea schickt zu vernichten weis. Sie müssen nicht mehr an sie gedenken: denn sie mag nun eine Heilige, oder ein Geist seyn, so kann man sie doch nicht überlisten: sie muß ganz gewiß besondere Fähig- keiten besigen." Ku-keh- ssu war allzusehr be, stürzet, als daß er nur ein Wort hätte sprechen können. Der Tschi-fu ließ den Bündel heraus- nehmen, da man dann fand, daß es eine Schach- tel mit Kiefelsteinen war, worüber jedermann der Anwesenden lachte, die sich hierauf wegbegaben, und Ku-keh - ssu allein ließen, sein Unglück in der Einsamkeit zu beklagen. b) -- Sein b) Der chinesische Verfasser dieser Geschichte sette zu den Worten, zu Ende des achten Kapitels: Ku-kch-ssu verboth ihm weiter zu reiten, noch diese hinzu: „Der Diener wußte aber schon, wie die Sache stůn- „de, und sagte: „Es ist ganz gut, ich will hier blei- „ben, und ausruhen.« Er blieb auch so lange, bis „die andern Sänften kamen, in deren einer Schuey- „ping - sin war, die er nebst den übrigen Bedienten wieder nach ihrem Hause begleitete." Der Sein Gemüth war in solcher Verwirrung, daß er es gar nicht wußte, daß sie ihn verlassen hatten. Er sahe endlich in den Saal herum, und niemand zugegen, als einen Freund, der in einem Winkel in tiefen Gedanken saß. Er hieß Tschon- Fi. Ku-keh-ssu tröstete sich, daß er nicht ganz verlaffen sey, und bath ihn, sich zu ihm zu sehen, und mit ihm von dieser Sache zu sprechen. „Wie habe ich mich heute nicht betrogen, da ich meinem Glücke, und der Erfüllung meiner Wünsche, fo nahe zu seyn glaubte! Ich bin beschåmet und vor Aergerniß außer mir. Ich weis nicht, wie sie mir diesen Streich hat spielen können; er scheinet alle menschliche Klugheit zu übertreffen. Und dennoch kann ich sie nicht vergessen. Ich werde fie auch nicht aufgeben, wie mich diese Leute leh- reten. Saget mir, wie würdet ihr euch verhalten, wenn ihr an meiner Stelle wåret?" „Diese junge Dame, antwortete ihm Tschon-ki, ist sehr ver- schlagen, sie ist auch sehr halsstarrig. Es würde alles vergeblich seyn, sie durch Höflichkeit zu erhäl- ten; nichts, als Gewalt kann sie zwingen.“ „Ach, fagte Ku-keh - ssu, der heutige Tag ist ein Be- weis, wie wenig die Gewalt bey ihr ausrichten tann. Sie wird ohnehin nicht mehr in meine Hånde fallen können, da sie ihre Jugend, und ihr Ge- Der englische Herausgeber hielt für dienlich, diese Stelle auszulassen, weil es dem Geschmacke eines Ro- manes gemåßer ist, die Leser eine Zeitlang in Verwun- derung zu sehen. keit zu. Geschlecht hindert, inskünftige auszugehen; c) ja fie wird es selbst nicht wagen wollen." „Ver- zweifeln Sie nicht, sagte der andere, ich habe et was ausgedacht, das nicht übel zu seyn scheinet. “ Ku-keh-ssu hörte ihm mit großer Aufmerksam- Ihr Vater, fuhr Tschon-ki fort, ist nach der Tartarey verwiesen, und ich höre, daß sie schon lange keine Neuigkeiten von ihm hat. Ich höre auch, daß sie für ihn die zårtlichste Liebe hå- get, und immer noch hoffet, er werde endlich des Kaisers Gnade wieder erhalten" ,,Das kann alles seyn, sagte Ku-keh-ssu; aber was hilft dieses zu unserer Absicht?" „Sie müssen, fagte sein Freund, ein gefärbtes Papier nehmen, und darauf schreiben lassen, daß ein großer Man- darin ihm beym Kaiser Gnade ausgewirket habe, und daß er wieder in seine Würde eingesetzet wor den. Senden Sie diese Nachricht durch zwanzig Bothen an sie, und lassen sie rufen, den kaiserli chen Befehl d) mit schuldiger Ehererbietung zu em- pfangen. Dieses wird machen, daß sie aus dem Saal gehen, und ihn selbst annehmen muß. Sie müssen sodann eine Sänfte in Bereitschaft halten, und sie, so bald sie den Saal verlassen, mit Ge walt hineinsehen und forttragen lassen.“ Dem c) Frauenzimmer von Stande, gehen in China niemals aus; außer ihre nächsten Anverwandten, oder die Grd- ber ihrer Vorfahren, zu besuchen. Lettres édifiantes, T. XXIII. S. 103. d) Im Chinesischen heißt es gun tscheao: tschye, d. i. das Papier des Vergnügens. Dem Ku-keh-ssu gefiel dieser Anschlag, und er hielt ihn für leicht. „Wir müssen aber doch auch, fuhr Tschonki fort, uns selbst in Si- cherheit sehen. Schuey - ping - sin ist die Toch- ter eines Mandarins: wenn sie siehet, daß man fie so schnell entführet, so kann sie vielleicht Hand an sich selbst legen. Sie müssen also, dieses zu vermeiden, dem Tschi-fu, und Tschi-hien eine Bittschrift übergeben, fie in ihrem Nahmen vor» zuladen. Ihre Gerichtsbediente werden Ihre Leu te begleiten, und ihr Ansehen wird vieles dazu beytragen, daß sie der kaiserlichen Verordnung Glauben beymeffen wird. Sie werden auch nichts zu befürchten haben, wenn sie sich selbst Schaden zufügen sollte. Diese obrigkeitliche Personen wer- den sodann die Heurath bekräftigen. Ku-keh- ssu konnte seine Zufriedenheit über einen so gut ausgesonnenen Anschlag nicht mäßigen. „Dieses, rief er entzückt aus, ist millionenmal beffer, als alles, was zuvor unternommen worden: nichts ist mehr übrig, als die Zeit zu bestimmen, wenn es foll ins Werk gerichtet werden." Sie wurden deswegen mit einander einig, und giengen von einander. "< ،، Schuey - ping - sin hielt sich sehr eingezogen, da sie nun zum drittenmal kaum den Händen ihres Verfolgers entronnen par. Sie ließ: felten ihre Leute aus dem Hause gehen. Da sie Schuey- gowin, und seine Söhne sehr im Verdacht hatte, so kamen ste sehr selten zu ihr. So viele Unruhe, Lärmen und Schrecken sie auch bisher gehabt, so mar war doch alles dieses nicht so schwer für sie, als das Schicksal ihres Vaters. Sein Unglück lag ihr immerzu am Herzen, und wenn sie zuweilen Hoffnung schöpfte, ihn eines Tages wieder begna, diget zu sehen, so ward doch dieselbe oft durch Zweifel wieder unterbrochen, und durch Verzweis felung ersticket. Als sie einst an einem Morgen mit ihrem Kopfpuge beschäfftiget war, wurde sie durch ein großes Getöse erschrecket, das vor ihrer Thüre war. rinn fragen, was diefer Lårmen zu bedeuten habe; allein die Hausthüre war schon aufgebrochen, ehe fie noch an dieselbe gelangen konnte. Viele Leute kamen mit dem kaiserlichen Mandate hergelaufen, und schrien: „Gute Neuigkeiten! Glück zu, Schuey ping sin!" Diese Worte hörte die - - junge Dame; sie lief daher in den Saal, und stellte sich hinter die Thüre, zu sehen, was vorge he. Sie fabe die Leute, die immer riefen: „Hier ist des Kaisers Befehl: sie muß sogleich heraus, kommen, und ihn empfangen. Sie gieng so- dann, in Begleitung zwoer Mägde, heraus, und wurde alsobald umringet. Sie fragte, wo der Befehl wäre, und erhielt zur Antwort, bey dem Tschi - fu, zu dem sie sogleich kommen sollte. Man brachte eine Sänfte in den Saal. Sie merkte, daß ein Betrug dahinter stecke; da sie aber nicht mehr entgehen konnte, so faffete sie eis nen edelmüthigen Entschluß. Sie verbarg ihre Furcht und Bestürzung, und gab mit der Hand ein Zeichen, daß man sie anhören sollte. „Ihr, Sie ließ durch eine alte Aufwärte- Die die ihr unter diesem Vorwande hieher gekommen, rief sie, gehöret entweder dem Ku-keh - ssu, oder feyd von ihm abgeschicket. Die Ursache davon ist feine ungestüme und heftige Liebe gegen mich. Wenn ich ihn heurathe, werde ich sodann nicht eure Gebieterinn? Da ich euch dann strafen "> kann, wie ich will, so sehet wohl zu, daß ihr hier keine Grobheit ausübet." Tschon-ki, der sich unter dem Haufen befand, rief: Es ist wahr, gnådige Dame, wenn Sie in die Sänfte sizen wollen, so wird Ihnen niemand die geringste Un- höflichkeit erzeigen." ,,Gut, sagte fie, gehet ein wenig auf die Seite; Laffet mich mit meinen Leu- ten fprechen, und meine Kleidung etwas `åndern ; Sie rufte eine Dienerinn zu sich, und befahl ihx, Kleider zu bringen; heimlich aber fagte sie ihr in das Ohr, ein Messer in den Mermel ihres Ober- kleides zu verbergen. Dieses geschahe, und fie kleidete sich an. Nachdem sie ihren Leuten Be feble gegeben hatte, ihr Haus indessen zu befors gen, so redete sie die Glücksbothen also an:} „Wenn ihr heute euch bey eurem Herrn dadurch beliebt machen wollet, daß ihr mir eine Gefälligs keit erzeiget, so könnet ihr mich euch in einer Sa- che verbindlich machen. Wenn Sie nur Ku- keh-ssu heurathen wollen, fieng Tschon-ki an, so wollen wir in allen Stücken folgsam seyn." Sie sagte hierauf: Dieser junge Herr hat sich nun dreymal die Mühe gegeben, mich beurathen zu wollen: ich kann ihm nicht länger widerstehen; aber ihr müsset mich nicht gerade zu seinem Hause brin bringen. Denn ich will lieber sterben, als das selbst mit Gewalt, und auf eine schlechte heimli che Art, verheurathet werden. Bringet mich al- so zuvor zu den Stadtmandarinen, und lafset die Heurath daselbst öffentlich und mit Anständigkeit vor diesen obrigkeitlichen Personen geschlossen wer den, damit so wohl meinem Range, als seinen Ansprüchen, Genüge geschehe.' „Es soll auf dero Befehl geschehen, sagte Tschon-ki. Sie sollen zuerst zum Tschi-hien, dann zum Tschi- fu, und zuletzt zum Hause Ihres Gemahls gebracht werden: auf diese Weise wird alles in gehöriger Ordnung vor sich gehen. Schuey - ping - fin nahm hierauf zwo ihrer Mägde mit sich, und ließ das gemalte Papier, so an der Thüre befestigt war, durch einen ihrer Bedienten abnehmen, um es mit zum Tschi-hien zu tragen. Sodann rief sie nach der Sänfte, und feßte sich in diefelbe. Die Leute des Ku-keh-ssu, deren beynahe dreyßig waren, nahmen die Sänfte mit dieser Beute, die so oft den Nachstellungen ihres Herrn entgangen war, mit größter Geschwindigkeit, und trugen sie schnell durch die Stadt, ohne auf das Acht zu haben, was ihnen in den Weg kam. Sie waren Krähen åhulich, die schaarenweis durch die Luft fliegen. Sie hatten schon fast den Gerichts- saal des Tschi-hien erreichet, als sie queer über eine Gaffe eilten, und mit solcher Heftigkeit wider einen jungen Menschen, der auf einem Maulesel ritte, stießen, daß sie beynabe den Reuter und das Maulthier über den Haufen geworfen hårten. I Der Hash Kish Tschwen. Der Fremde, so die Kleidung eines Gelehr ten trug, und einen Bedienten bey sich hatte, stieg fogleich ab, bielt die Sänfte auf, und hieß sie gro be ungeschliffene Schlingel. „Ihr entrinnet we- der dem Feuer, noch Dieben oder Räubern, war- um cilet ihr auf eine so ungeschliffene und unor dentliche Art fort, und stoßet alles über den Hau- fen, was euch in den Weg kommt?“ Sie gaben ihm zur Antwort, daß sie bey einer vornehmen Bermåblung gebrauchet würden, und daß sie nie- mand aufhalten dürfe. Wåret ihr von Gold e) oder Diamanten, Eifen oder Glas, schrien sie, fo müfset ihr mit uns zum Gerichtshofe des Tschi-` hien gehen, und wir wollen euch zu Pulver zer- Roßen. „Wenn diese Heurath, sagte der Frem- de, zwischen Standespersonen geschlossen wird, wo find denn die daben gewöhnlichen Ceremonien? Wo ist die Staatssänfte? Wo ist die Musik, und das prächtige Gefolge? Hier ist nichts von allen biefen Dingen zu sehen; ihr scheinet mir eher Schelmen zu seyn, welche etwan ein unglückseli- ges Frauenzimmer entführet haben, und ich will deswegen selbst mit euch zum Tschi-hien mich verfügen." Als e) Diese Redensart ist bey den Chinesern sehr gewöhnlich. In dem chinesischen Trauerspiel, beym du halde, sagt ein Mandarin von seinem Feinde: „Wäre er auch von Gold oder Edelgesteinen, so soll er doch der Schneide meines Schwertes nicht entrinnen.« Als ihn Tschonki also sprechen hörte, und aus seinem Gesichte schloß, daß er keine geringe Person fey, redete er ihn mit vieler Ehrerbietung also an: „Haben Sie die Gütigkeit, mein Herr, und nehmen Sie die Grobheit diefer Leute nicht ungnådig auf; sie sind Bauernkerl, und wissen es nicht besser. Sie verdienen eine Züchtigung; aber sie sind Dero Zorn gar nicht würdig; es ist desser, fie gehen zu laffen. Der Fremoe wurde hier durch besänftiget, und wollte schon wieder fort- reiten, als er eine Stimme aus der Sänfte hörte, die um Hülfe rief: „Ich bin sehr beleidiget: Sié scheinen mir eine Perfon von Stande zu seyn: Stehen Sie mir bey, und erretten mich!" Hier auf mußte die Sänfte wieder still halten. „Wie, rief er, dieses ist also die Ursache eurer ungeschlif fenen Eilfertigkeit? Packet euch, ich will mit euch zum Mandarin gehen.' Die Träger fielen hier- auf mit ihren Fäusten über ihn, da sie sahen, daß er nicht von ihnen gehen wolle. Er schlug aber so um sich berum, daß er viele von ihnen zu Bo- den legte. Tschonki fagte zu ihm: „Sie müs fen die Leute nicht also schlagen; jezt müssen Sie sich mit uns zu dem Tschi-hien verfügen; lassen Sie nur die Sänfte gehen, wir wollen mit einander hineilen.“ „Nein, sagte der junge Fremde, keis nesweges werde ich die Sänfte aus den Augen, laffen, bis ich bey dem Audienzthore des Tschis hien angelanget bin." (6 So bald sie daselbst ankamen, hob er seinen Peitschenstiel auf, und schiug mit demselben auf J 2 die die große Trommel, so beyu Eingange stund. Alles lief heraus, und verwunderte sich über seine Kühnheit. Der Tschi-hien saß im Audienzsaa- le, und wartete auf die Sänfte. Er konnte nicht begreifen, warum die Trommel geschlagen würde, als er so gleich den Femden von seinen Leuten her einführen fahe.„Diefer, fagten sie, ist die Per- son, so auf die Trommel schlug.' Der (6 Zehntes Kapitel. Jer junge Mensch, so vom Stande zu seyn. schien, fiel weder auf seine Knie nieder, als er vor den Tschi-hien gebracht wurde, noch beobs achtete er die andern gewöhnlichen Ehrenbezeugun- gen, welche Geringere Vornehmern zu erweisen pflegen. Als man ihm die Hände frey ließ, hielt er ste, mit dem gewöhnlichen Complimente von Personen gleiches Standes, in die Höhe, und grüßte ihn blos mit dem gewöhnlichen tsing, tsing, oder, ihr Diener, ihr Diener. Der Tschi-hien verwunderte sich über diese unschick, lich scheinende Freyheit sehr, und fragte ihn sehr ernsthaft, wer er wåre, und warum er auf die Trommel geschlagen habe? „Wer ich seŋ, antwortete der Fremde, ist gar nicht nöthig zu wissen. Es ist bier große Unge- rechtigkeit vorgegangen; dieses ist die Ursache, daß ich auf die Trommel schlug, damit Sie die Sache untersuchen, und Hülfe schaffen mögten. Che noch der Mandarin antworten konnte, trat Tschong- رو Tschong-ki herein. Hier, mein Herr, sprach er, ist die junge Dame Schuey-ping-sin, wel- che ich für Ku-keh-ssu hieher gebracht habe. Ob sie schon gesetzmäßig mit ihm verlobet ist, so hat sie doch eine andere an ihre Stelle gefeßet, und ihn hierdurch mishandelt. Er hat sie nun in seis ner Gewalt, und da er sie Ihnen bier zeiget, und Ihre Erlaubniß dazu sich ausbittet, so wird er sie nach Hause bringen lassen, und daselbst die Heu- rath vollziehen.“Wenn euer Freund, sagte der Tschi-hien, alle Formalitäten beobachtet hat, warum lasset ihr sie denn hieher tragen? Ueber- bringet sie ihrem Manne, dem sie zugehöret.“ Der Tschon ki wandte sich sodann gegen die Leute, so bey ihm waren, und sagte: „Der Mandarin hat erlaubet, nehmet die Sänfte, und traget sie nach Hause.“ Als die Dame dieses hörte, schrie sie: Maintenance script (talk) „Ungerechtigkeit! Ich werde auf das årgste mishandelt ! Lassen Sie mir Ge- rechtigkeit wiederfahren, mein Herr!“ Sie sprang hierauf aus der Sänfte, und wollte in den Saal gehen. Ihre Träger hinderten sie hier- an, und sagten: Was wollen Sie? Befahl nicht der Tschi-hien, Sie hinwegzutragen? Sie dörfen nicht weiter gehen.“ Sie setzte sich auf den Boden nieder, und rief laut:,,Wie können Sie, als Tschi-hien, und da Sie der Vater der Stadt seyn sollten, mich der Ungerechtigkeit also überlassen, und mich, ohne meine Verantwortung anzuhören, hinwegsenden?" Der junge Fremde fahe alles, was vorgieng. Er konnte sich nicht I 3 Långer långer fassen, und sagte in vollem Grimme zum Mandarin: ,,Dieß ist sehr ungerecht, mein Herr; Jhre Augen sind verblendet, und Ihre Ohren bey dem Geschrey der Beleidigten verstop- fet und taub. Sie haben weder Vernunft noch Gewissen, und wollen nur eine Seite hören: Si hen Sie auf diese Weise auf dem Richterstuhl, im Namen des Kaisers? Sie bilden sich vielleicht gar ein, daß niemand vornehmer sey, als Sie, und daß Sie der einzige und vornehmste Tschi- hien wären." Diese obrigkeitliche Person, da sie sich so gerechte und scharfe Verweise geben fa- he, ward sehr aufgebracht, und schrie: „Was für ein Unverschämter seyd ihr, daß ihr euch un- terstehet, in des Kaisers Hof zu kommen, und allda diefen Lärmen und Unruhe zu verursachen ?" ,,Ja, fürwahr ein großer Hof des Kaisers! ants wortete ihm der Fremde mit einem verächtlichen Lächeln. Was ist doch eure Stelle als Tschi- hien für ein wichtiger Posten! Da ich in das Haus eines der größten Mandarinen gieng, das ihm vom Kaiser selbst gegeben worden, und also heilig war: da ich die Thüre desselben mit Gewalt erbrochen, um die Untergedrückten zu beschüßen und zu retten; und er sich nicht unterstund, mir zu widersprechen: so mögte ich wissen, ob euer Amt so wichtig ist, daß ihr mich beleidigen, und unverschämt nennen könnt?“ Der Tschi-hien war dazumal am Hofe, als sich alles dieses zutrug, uud erinnerte sich sogleich, wer die Person sey, die er vor sich hatte. Er furchte furchte sich, und sagte mit leiser Stimme: Wie? So sind Sie der Sohn des vordersten Statthalters Tieh -ying? Ist diefes möglich? Er stund sodann von seinem Sige auf, und grüß. te ihn auf das ehrerbietigste. „Verzeihen Sie, mein Herr, sagte er, verzeihen Sie mir, daß ich es, nicht sogleich wußte, daß ein Diamant vor meinen Augen sey. Als ich bey Hofe war, hör- te ich von Ihrem Ruhme, der wie ein Donner in meinen Ohren erschallte. Ich war dazumal nicht so glücklich, Sie besuchen zu können, und ich hal- te es für ein Wunderwerk, Sie anjcht beŋ mir zu sehen. Ich bedaure nur dabey, daß dieses bey einer Gelegenheit geschehen ist, wo Sie glauben, daß ich gefehlet habe; allein ich hoffe, Ihre gute Meinung von mir wieder zu erlangen. Er bath ihn, sich niederzulassen, und Thee mit ihm zu trin- ken. Er redete von dieser Sache mit ihm, und fragte ihn, wie es komme, daß er Theil daran nähme, da es scheine, als ob er völlig davon un- terrichtet sen ?“ „Ich weis von der ganzen Sache nichts, gab ihm Tieh- tschong-u zur Antwort. Ich traf diese Leute auf der Straffe an, und hörte jemand über Ungerechtigkeit klagen, und um Schuß ru- fen. Eben deswegen kam ich hieher: erzählen Sie mir doch den ganzen Verlauf der Sache.“ „Sie ist so wichtig und verworren, daß ich selbst, fagte der Tschi-hien, ste kaum aus einander se- ben kann. Alles, was ich davon weiß, ist die ses. Dieses junge Frauenzimmer ist die Tochter F4 " eines eines vornehmen Mandarins dieser Stadt. Et heißet Schuey-ku-yeh. Ihre Schönheit hat bey Ku-keh- ssu dem Sohne eines Staatsmini sters, øder Ko-lao, so viel Eindruck gemacht, daß er alles mögliche versuchet hat, sie zu erhal ten. Das erstemal verwechselte sie die acht Cha rakter des Nihn - kong, und fandte ihm ihre Base an ihrer Stelle. Das zweytemal, als er sie, unter dem Vorwande einer Hochzeitvisite, in sein Haus lockte, entdeckte sie blos aus dem Schalle der Mu- fik seine Absicht. Das drittemal fuchte er sie zu fahen, als sie auf das Land gieng; allein, er brachte an ihrer statt nichts, als einen Haufen Steine, mit sich: zurück.“ „Diese Person, rief Tieh-tschong-u aus, muß ganz gewiß bewun dernswürdig seyn; vielleicht hat die Welt nicht ih- res gleichen. Ich will doch, mit Ihrer Erlaubs niß, mein Herr, dieses Wunder sehen." Kaum hatte er feine Augen auf sie geworfen, als er von ihrer Schönheit gerühret wurde. „Nie- mals, schrie er, hat man eine schönere und lie- benswürdigere Gestalt gesehen. Was für ein Ge Sie ist schön, ohne Hülfe der Kunst. Was für tödtende Augen, die mit den zierlichsten und feinsten Bögen, wie kleine Monden, überschattet sind! Keine Luft oder Sonne fann eine so schöne Blume verderben, oder austrocknen, deren Farben die Natur allein her- vorbringt : Hier ist keine Malerey nöthig, beŋ eis ner so schönen und reizenden Gefichtsfarbe. Ihr Ansehen zeiget an, daß ihre Gesinnungen so füß, ficht! Welche Bildung! als Er war so als wohlriechende Blumen, sind.“ von ihrer Gestalt eingenommen, daß sie einen ties fen Eindruck auf ihn machte. Er näherte fich ihr, und machte eine tiefe Verbeugung. Schd- nes Frauenzimmer, sagte er, wie kam es, daß Sie sich fangen, und hieher bringen ließen, nach, dem Sie so oft und so geschickt entronnen sind?“ Schuey-ping-sin stund von dem Boden auf. „Mein Vater, erwiederte sie, der nach der Tar- tarey verwiesen worden, hat gemacht, daß ich meine Tage in Sorgen und Betrübniß zubringen mußte. Heute vernahm ich plößlich, daß des Kaisers Befehl gekommen sey, ihn wieder zurück zu berufen. Ich lief sogleich, meiner Schuldigkeit gemäß, hinaus, ihn gehörig anzunehmen; allein kaum hatte ich meinen Fuß aus dem Saale ge fest, und gemerket, daß alles erdichtet sey, so ward ich von diesen Leuten umringet, und fahe kein anders Mittel übrig, als ihnen zu folgen. Ich nahm dieses Meffer mit mir, mein Herr, und faßte den Entschluß, in Gegenwart des Tschis hien zu sterben. Ich war fest entschlossen, nicht långer zu leben. Sie scheinen eine tugendhafte und gütige Person zu seyn, die mir sonder Zweis fel von meinem Schußengel gefandt wurde, mich in dieser Gefahr zu retten. Sie weinete hierauf, und verbarg ihr Gesicht in ihrem Busen. Tich tschong-u war durch ihr Unglück sehr gerühret. „Wo ist dieser kaiserliche Befehl, fagte er entrüstet, wo ist er? Ich will ihn sehen.“ Sie befahl hier auf, ihm das gemalte Papier zu bringen, das er dem "C dem Tschi-hien zeigte. Ist dieses, sagte er, des Kaisers Mandat, oder nicht? Sie müssen es fennen." Ich weis nichts davon, antwor tete der Tschi-hien; ich weis auch nicht, wo es herkommt." „Das heißt viel gewagt, verfekte Tieh- tschong-u, und steckte es in seinen Aer- mel. Er stellte dem Tschi- hien die schlechte Art feines Verfahrens auf das lebhafteste vor. „Mor- gen, fagte er, will ich eine Klagschrift bey dem Fu-yuen, oder Vicekönig der Provinz eingeben; was diese Leute hier anbetrift, so werden Sie Sor- ge dafür tragen, daß sie allezeit vor dem Vicekd- nige erscheinen, wenn es ihm beliebet, fie rufen zu lassen." Er nahm sodann ganz kaltsinnig von ihm Abschied. Der Tschi-hien zitterte vor der Gefahr, in welcher er sich fähe, und bat ihn, da zu bleiben. „Erlauben Sie mir nur, mein Herr, fagte er, daß ich diese Sache beffer untersuchen kann, ehe Sie einen so wichtigen Schritt thun." Er ließ sogleich den Tschon -ki, nebst seinen Leuten, vor sich kom. men, und sagte ihnen sehr zornig, daß sie in die- fer Sache geschlos, und als niederträchtige Böse- wichter, gehandelt hätten.`„Woher habt ihr die- ses Mandat bekommen? rief er. Wer hat es euch zugestellt?" Sie stunden alle in tiefem Stil Leschereigen da. Er befahl sodann die Torturhöl- zer a) herzubringen. Alle schrien in größtem Schre- Die gewöhnliche Tortur in China, deren man sich bedie- net, die Wahrheit aus dem Munde der Uebelthäter selbst t Schrecken: „Herr, legen Sie dieses nicht uns zur Last: alles ist auf Befehl unsers Herrn geschehen." Schon gut, fagte der Tschi-hien. Heute ha be ich einen vornehmen Gast bey mir, und will deswegen vorjeßo alle weitere Untersuchung auf- schieben." Er gab hierauf Befehl, daß man sie alle in das Gefängniß legen sollte, und einige sei- ner eigenen Leute mußtên die junge Dame wieder in ihre Wohnung zurück tragen. Nachdem dieses vorbey war, ließ der Tschis hien Anstalten zu einem prächtigen Gastmahle ma- chen, und bath Tieh-tschong-u inständig, da zu bleiben, und Wein mit ihm zu trinken. Die fer willigte darein, da er höchft vergnügt war, der schönen Schuey - ping - sin Hülfe geschafft zu has ben. Als sie ziemlich getrunken hatten, und sehr auf- zu vernehmen, ist überaus empfindlich, und schmerzhaft. Sie wird ihnen an den Händen und Füssen angeleget. An den Füssen bedienet man sich eines dreyfach gelegten Holzes, deffen mittelfter Theil fest, die andern aber bes weglich find. In diese Maschine muß der Delinquent den Fuß stecken, den man ihm so fest einspannet, daß die Haut davon abgehet. An den Händen martert man ihn vermittelst kleiner Hölzer, die man ihm zwischen die Fin ger stecket, dieselben sehr fest zusammen schnüret, und ihn unter dieser Quaal eine Zeitlang sigén läffet. Es wissen aber die Chineser gewisse Mittel, wodurch sie sich die Schmerzen erträglich machen können; und wodurch sie in wenig Tagen wieder im Stande sind, ihre Hände und Füsse zu gebrauchen. Du Halde, 2 Th. S. 162, Semedo, S. 143. aufgeräumt waren, fieng der Tschi-hien wieder von dem Vorgegangenen zu reden an, und sagte, daß Ku-keh - ssu allein an allem Schuld feŋ, und daß sein Vater, der bey Hofe genug zu thun habe, von allem nicht das geringste wiffe. „Würde die Sache, sagte er, bey dem Væefdnige angebracht werden, so würde nicht allein er, sondern auch fein Vater, ja auch ich selbst, gestrafet werden b). Laffen Sie sich also erbitten, die Sache nicht aufs äußerste zu treiben. “ ,,Was mich anbetrifft, er wiederte Tieh schong-u, so bin ich nur zufälli- ger Weise damit verwickelt. Jch nahm mich der- felben 'bles aus Liebe zur Gerechtigkeit, ohne alle andere Absichten, an, und habe so wenig Haß ge- gen Ku-keh - ssu, daß ich ihn nicht einmal kenne. Die Art, wie ich mich seinen Absichten widersetzte, wird mich genugsam rechtfertigen. Wenn er also sich anheischig machen will, alle Gedanken auf dies ses junge Frauenzimmër fahren zu lassen, und sie nicht mehr zu beunruhigen, so soll von der Sache gar nicht weiter gesprochen werden." Der Man- darin freuete sich über diesen Entschluß, dankte ihm, und prieß ihn, als eine Person von großer Tugend b) In China müssen Aeltern für die Aufführung ihrer Kinder Rechenschaft geben, und wenn diese große Ver- brechen begehen, so werden sie ums Leben gebracht, weil man die Schuld ihrer vernachläßigten Auferziehung bey Leget. Eben so werden auch Mandarinen abgeschet, wenn sich unter ihrem Gerichtsdistricte eine abscheuliche That zuträgt. L' Efprit des Loix, L. 6. chap. 20. $141 Tugend und Talenten.. Als Tieh- tschong-u sich wegbegeben wollte, und der Tschi-hien bör- te, daß er noch mit keinem Quartiere versehen sey, ließ er ihn durch seine Leute in eine Pagode, c) oder Wohnung der Bonzen, führen, damit er das selbst, seinem Stande gemäß, bewirthet werden könnte. Wir wollen uns nun wieder zum Ku-keh - ssu begeben, der sich schmeichelte, nunmehr alle Hin- dernisse überstiegen zu haben. Er erhielt Nach- richt, daß die Sänfte der Schuey-ping-sin von einem Unbekannten aufgehalten worden, daß er sie habe zum Tschi - hien bringen laffen, und daß daselbst einiger Wortwechsel vorgefallen. Mehs rers konnte er nicht in Erfahrung bringen, als dieses, daß endlich die Dame wieder zurück in ihr Haus, seine Diener aber ins Gefängniß geführet worden. Er gieng in größter Schwermuth zum Tschifu, dem er von allem, was er vernommen, Bericht erstattete. „Wie! schrie dieser; giebt es wieder c) Die Anzahl dieser Pagoden ist ganz erstaunlich in China. Es bestehen diese Gebäude theils in verdeckten Gången, die mit viereckigten und glatt polirten Steinen ausgele get sind, theils in räumlichen Sälen. Die Dächer sind wegen des Firnisses, damit sie überstrichen, ausnehmend schön. Bey den meisten stehet ein freyßtehender Thurm, wie z. B. der zu Nan-king. Es wohnen öfters 4- bis 500 Bonzen darinn, und nur die vornehmsten Manda- rinen werden hier beherberget. Du Halde, 2 Th. S. 114, 115. 4 Th. S. 138. Semedo, S. 79. Ogilby, 2 Th. G. 584. wieder Schwierigkeiten? Ich will nach dem Tschi hien senden, und mit ihm reden.“___Kaum hatte er dieses gesagt, als der Tschi-hien hereintrat. Der Tschi-fu fragte ihn, wer der Fremde wåre, dem er mit so vieler Achtung und Ehrenbezeigun- gen begegnet båtte? „Es ist der Sohn des Tieh- yuen, oder obersten Viceköniges, sprach er. Er hieißet Tieh-tschong-u, und ist noch nicht zwan- zig Jahre alt. Als ich wegen meiner jeßigen Stelle bey Hofe die Aufwartung machte, war daselbst ein großer Mandarin, der ein junges Mädchen entfüh- ren laffen, und sie mit Gewalt in seinem Hause zu bleiben nöthigte, wohin niemand kommen durfte, weil es ihm vom Kaiser selbst gegeben worden. Dieser junge Mensch brach mit seinem Streitham- mer, der zwanzig Pfunde wog, die Thüre auf, und setzte sie beherzt wieder in Freyheit. Kaiser, so dieses hörte, bezeigte ein großer Ver gnügen darüber, und ließ allen Gerechtigkeit wie- derfahren. Wem ist Tieh-tschong-u nicht be kannt. Der Hof erschallet von seinem Namen. Schuey-ping-fin begegnete ihm heute, als sie zu mir gebracht wurde. Er hat sich nach der gans zen Sache umständlich erkundiget, und verwahret den nachgemachten kaiserlichen Befehl. Ja, er wollte ihn gar dem Vicekönige dieser Provinz zeis gen. Dieses würde uns beyde, nebst dem Ku- keh-ssu, und seinem Vater, in große Gefahr ge- fehet haben. Ich mußte mich also äußerlich sehr ehrerbietig gegen eine Person aufführen, welche unser Glück øder Unglück in Händen þat.“ Der Der Tschis Tschi - fu billigte dieses. Ku-keh-ssu aber sagte bestürzt: „Wenn er gleich tapfer, und der Sohn eines Viceköniges ist, so bin ich ja doch auch der Sohn eines Staatsministers. Soll ich mich vor ihm fürchten? Warum führten Sie diese Sache. nicht besser für mich aus ?“ „Dieser Fremde, ver- feßte der Tschi-hien, hat das falsche Mandat in Hånden, und håtte uns alle verderben können. Ich bezeugte mich also aus Furcht, und nicht aus Ehrerbietung, so höflich gegen ihn.“ „Schuey- ping - sin ist nun auf ewig für mich verlohren, schrie Ku-keh-ssu.“ Was dieses anbetrifft, fagte der Tschi-hien, so schicket es sich nicht für mich, mich darein zu mengen. Wenn Sie noch ein Verlangen tragen, sie zu besißen, so müssen Sie sich nach Haufe verfügen, und mit ihren klug- ften Freunden sich darüber berathschlagen. Den Tieh- tschong-u habe ich in einem Bonzenkloster beherberget, wo er allein ist, und weder Freunde noch Anverwandte bat." وو Ku-keh-ssu merkte sich diese leßtern Worte des Tschie-hien. Er nahm von beyden Mans darinen Abschied, und ließ, so bald er nach Haus se kam, seinen Freund Tschon-ki zu sich rufen, mit dem er das, was vorgegangen war, überlegs te. „Noch jekt, sagte er, giebt mir der Tschi- hien einen Wink, nicht zu verzagen; ob ich gleich keine Möglichkeit vor mir sehen kann, wie ich ets was ausführen foll: wenn ihr mir nicht helfen könnet, so muß ich alle Hoffnung aufgeben.' „Was den Tschi hien anbelanget, verfeßte Tschong - > (5 Tschong-ki, so wird er Ihnen noch jeßt dienen. Er stellte sich nur gegen den Fremden zum Schein so höflich und ehrerbietig, und ist noch immer Jhr Freund in unsrer Sache. Der Wink, da er sag- te, daß er ihn in einer Pagode beherberget habe, ist nicht ohne Bedeutung. Er wollte Ihnen das durch anzeigen, wie Sie sich selbst Recht schaffen könnten." „Aber wie follen wir uns dieses wich- tigen Fingerzeuges zu Nußen machen?“ sagte Ku-keh-ssu. „Sollen wir ihn umbringen, oder tüchtig abprügeln lassen?“ „Wir müssen dieses überlegen, sagte sein Freund, und sehr wohl zu- fehen, daß wir uns keine übeln Folgen zuziehen, und der Gerechtigkeit in die Hånde fallen.“ Er gab ihm hierauf einen Rath, nachdem er sich ein wenig befann. Ku-keh-ssu erfreuete sich, und wollte ihn sogleich in Erfüllung bringen. „Eilet, rufte er aus, laffet uns diese erwünschte Gelegen- heit ohne Berzug ergreifen; lasset uns damit eilen, ehe er noch abreifet.