Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 4

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Kapitel 4: Der junge Herr Guos eitles Streben: Nach dem Mond greifen

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Siebentes Kapitel. a) Du - keh-ssu hatte also eine Frau gebeurathet, die er verabscheuete, und welche in allen Stü cken das Gegentheil der liebenswürdigen Schuey- ping-sin war. Er war sehr bestürzt und nieder, geschlagen. „Wenn auch schon Ghiang - ku sehr häßlich ist, sagte er zu sich selbst, so hat sie doch nicht unrecht; und würde sie Hand an sich legen, so würde man mir die Schuld beymessen. Er befahl daher seinen Bedienten, bey ihr zu bleiben, und wohl Acht darauf zu haben, daß sie sich in feiner Abwesenheit kein Leid zufügen möge. "( Hierauf besuchte er den Tschi-fu, dem er mit schwerem Herzen den niederträchtigen Streich erzählte, den ihm Schuey-gowin gespielet hat- te, da er ihm zuvor feine Nichte zeigte, und nach geschehener Verlöbniß seine håßliche Tochter an ih- rer statt sendete. „Ich habe, sprach er, große Kosten a) Im Chinesischen ist es das vierte. P Koften bey dieser Heurath gehabt; allein das achs te ich nicht. Aber dieß fällt mir unerträglich, daß man mich so schändlich hintergangen und gefoppet bat. Da Sie, mein Herr meinen Vater kennen, so hoffe ich, daß Sie, feiner Ehre wegen, nicht zugeben werden, daß man mich so schelmisch be- triege." (6 „Schuey-gowin, gab ihm der Mandarin zur Antwort, hat sehr übel gethan, Sie so zu mishandeln; allein Sie selbst find gleichfalls zu tadeln: Sie hätten mit größerer Gewißheit bey der Sache verfahren sollen. Warum fandten Sie das Brautgeschenke nicht zu dem Haufe des Frau- enzimmers selbst? Als sie die acht Charaktere er- hielten, warum ließen Sie nicht untersuchen, ob. sie wirklich die Schuey-ping-sin betreffen? Die Einladungsbillete waren im Namen ihres Oheims abgefaffet. Sie begaben sich gestern selbst nach seinem Hause, und holten seine Tochter hin- weg. Alles ist hierbey ganz regelmäßig zugegan gen. Håtten Sie die Tochter des Schuey-gowin aus dem Hause der Schuey- ping-sin abgeho let, so würde eine so verwegene Betrügerey bestra- fet werden können. Als Sie sich mit Ihrer Braut betrogen sahen, warum schickten Sie selbige nicht noch in der Hochzeitnacht zurücke? Ihre Klage würde vor Gericht gegründet gewesen seyn, und man hätte Ihnen beystehen können; so aber kann anjeßt nichts nach dem ordentlichen Laufe des Rechts vorgenommen werden. Wir müssen mit List zu Werke gehen. Ich will nach dem Schuey- gowin gowin fenden, und mit ihm ganz gelassen von die- fer Sache reden. Vielleicht kann ich auf eine feine Art, und mit Höflichkeit nach und nach die Wahrheit herausbringen. Es wäre sehr unschick, lich, bekannt werden zu lassen, daß er Sie nach Hause geführet, und Ihnen daselbst seine Nichte sehen lassen, es würde auch dieses nichts zu Ih- rer Sache beytragen. Geben Sie nun beruhigt nach Hause, und stellen Sie sich zufrieden und heiter. Vor allen aber bezeigen Sie sich höflich gegen Ihre Frau, sonst könnte sie zu Ausschwei- fungen verleitet werden, die Ihnen unendliche Verdrüßlichkeiten verursachen würden. Ku keh - ssu fand, daß dieses der klügste Rath wäre; er dankete ihm, und versprach, demselben nachzu- kommen. Inzwischen war Schuey-gowin in großer Unruhe. Er hatte kaum feine Tochter_fortgesen» det, als er schon einen schlimmen Ausgang der Sache befürchtete. Er konnte die ganze Nacht hindurch kein Auge zuschließen, und schickte mit An- bruch des Tages seine Leute ab, zu lauschen, ob alles daselbst ruhig wäre.. Er vernahm, daß al- les in tiefster Stille sey. Er fann hin und her, was wohl die Ursache dieses Stillschweigens seyn möge er konnte diese Gelassenheit mit der hißigen Gemüthsart des Ku-keh - ssu, die er gar wohl kannte, nicht zusammen reimen, da er mit Recht Ursache hatte, dessen Rache zu befürchten. ´ Mit- ten unter diesen Betrachtungen erhielt er eine Nach- richt, daß der Tschi-fu ihn zu sprechen verlange. Mun a Nunmehr fagte ihm sein Herz, daß er nichts gu» tes zu hoffen habe. Er gieng mit Betrübniß zu dieser Magistratsperson, der ihn im Visitensaale empfieng, und nach den gewöhnlichen Höflichkeits- bezeugungen niedersehen ließ. Alle Bedienten mußten sich entfernen, und dann sprach er folgen- dermassen: „Ku-keh-ssu übergab mir diesen Mor- gen eine Klagschrift, in welcher er Sie sehr stråflis cher Handlungen beschuldiget. Sie wissen, daß ich felbft mir Mühe gab, eine Heurath zwischen ihm, und Ihrer Nichte zu stande zu bringen. Wie kam es nun, daß Sie Ihre Tochter ihm aufdrangen ? Sie betrogen nicht nur diese junge Standesperson, fondern auch noch mich selbst: Sie haben mir also hierdurch die größte Geringschäßung meiner Würde zu erkennen gegeben. Die Gerechtigkeit: fordert es, daß dieser Betrug mit der größten Schärfe bestrafet werde, und der junge Mensch felbst dringet darauf. Da ich aber Achtung für Ihren Bruder bege, der ein großer Mandarin war, so wollte ich nicht eher zur Schärfe schreiten, bis ich mit Ihnen von der Sache freundschaftlich gesprochen hätte. Laffen Sie mir die Wahrheit der ganzen Sache nicht länger verborgen seyn; sonst muß ich mit Ihnen nach der äußersten Strenge verfahren." Schuey-gowin erschrack über diese Worte, und fiel auf seine Knie nieder. ,,Mein Herr, fagte er, mein Leben stehet in Jh ren Hånden; wie könnte ich es wagen, Sie zu hintergehen? Das, was gestern vorgieng, war mit unzähligen Jntriguen verknüpfct: allein ich hatte hatte keinen Theil daran: es war wider meine Neigungen; und wenn Sie mir verzeihen. wollen, so will ich Ihnen alles nach der Ordnung erzäh Ien." Der Tschi-fu hieß ihn aufstehen, und ohne Zurückhaltung sprechen. „Ich muß Ihnen sagen, mein Herr, fieng Schuey-gowin an, daß meine Nichte, deren Abneigung von dieser Heurath Ihnen nicht unbekannt ist, die Ursache und Erfinderinn aller dieser Verwirrungen sey. Es ist nichts bey der ganzen Sache unternommen worden, das sie nicht angegeben hätte: denn sie besißet eine bewundernswürdige Fähigkeit. Als gestern der Bräutigam feine Braut abholen woll- te, gieng ich zu meiner Nichte, und glaubte, daß fte sich bereit hielte, ihm zu folgen; allein sie ge- rieth vielmehr in Zorn, und wollte durchaus nicht, weil sie an der ganzen Sache, wie sie behauptete, keinen Antheil habe. Sie rieth mir, wegen meis ner eigenen Sicherheit, meine Tochter ihm statt ihrer zu senden. Es ist also blos der Nothwen- digkeit zuzuschreiben, darein sie mich gefeßet, daß ich dieses wider meine Neigung habe thün müssen. Erwägen Sie dieses, und da es nun nicht mehr zu åndern ist, so bitte ich Sie inständig, mir bey Ku-keh-ssu Verzeihung auszuwirken. » Ift wirklich Ihre Nichte so wißig, sagte der Tschi- fu? Ein so geschicktes Frauenzimmer, das so viel Verstand hat, muß ich hoch schäßen. Wenn sich die Sache also verhält, so ist die Gerechtigkeit entwaffnet: nur fürchte ich, diefer junge Edel- mann mögte für sie noch immer eine vergebliche (6 Mei- Neigung bågen." „Vielleicht, versette Schuey- gowin, vermehret das fehlgeschlagene Unterneh men dieselbe noch heftiger. Jedoch, alles dieses ist nun vorben, und da meine Nichte ruhig ist, und nicht mehr an diese Heurath denket, die fie so schön zu vermeiden gewußt, so wird es am besten seyn, sie nicht aufs neue zu beunruhi gen, sondern die Sache, zum wenigsten vorjeko, schlafen zu lassen. Kann er sie nicht vergessen, so muß er noch ein wenig Geduld haben, bis ich Gelegenheit finde, sie ihm zu verschaffen." Der Mandarin hörte ihn mit Vergnügen also spre chen, und sagte: „Wenn Sie noch jeßt die Heurath zu Stande bringen können, so wer- den Sie alle Rache aufheben, und die Welt überzeugen, daß Sie im geringsten nicht zu tadeln sind. Sie werden aber dieses junge Frauenzimmer nicht leicht überlisten können, da ste so viel Verstand besiget.“ „Meine Tochter ist nunmehr verheurathet, erwiederte er, und alles ist ruhig; es wird daher meine Nichte nicht länger auf ihrer Hut stehen. Wenn Sie nach dem jun- gen Herrn senden wollen, so will ich mich hier mit ihm wegen der Maasregeln hierzu unterreden. Der Tschi-fu that dieses, und Ku-keh - ssu kam. Da sie ihm die ganze Sache entdecket hatten, ward er völlig zufrieden gestellet, und sagte zu Schuey- gowin: „Wenn Sie mir Ihre schöne Richte noch jegt verschaffen wollen, so werde ich alle Beleidi- gung vergessen, und Ihre Tochter nichts destowe, niger hochhalten. Aber durch was für Mittel wollen << wollen Sie Ihr Vorhaben zu Stande bringen.“ Daran fehlet es mir gar icht, sagte Schuey- gowin. Gehen Ste nach Hause, und liebkosen Ihre Frau auf das zärtlichste: reden Sie nicht das geringste von Schuey-ping- sin, noch von dem, was vorgegangen ist; laffen Sie nicht das geringste Misvergnügen blicken; sondern stellen. Sie sich vielmehr vergnügt und beglückt. Nach drey, sechs, neun, oder zwölf Tagen, wenn die Mannspersonen in den åußern, und das Frauen- zimmer in den innern Zimmern speisen, wie es bey Gastungen der Befreundten gewöhnlich ist, so müs fen Sie meine Nichte auch mit einladen lassen, und die zween Stadtmandarinen dazu bitten. Sie müssen ferner die acht Charaktere des Nihn-kong mit denen austauschen, die meiner Nichte zukom men, die sie durch Ihre Frau mit aller ersinnlichent Höflichkeit überreden lassen müssen, zu erscheinen. Wenn sie nun angekommen, muß vorher alles in Bereitschaft gehalten werden; Sie müssen, so bald fie in den Saal getreten, das Nihn-kong auf- weisen, und anzeigen, daß es sie angehe; Sie müssen sie wegen ihres Betrugs zur Rede seßen, und sich auf die Magistratspersonen und übrigen An- wesende berufen, daß Sie das Recht gehabt hät- ten, sich selbst Gerechtigkeit zu verschaffen. Wie kann sie alsdann långer die Heurath mit Ihnen vermeiden?" Ku-keh-ssu gerieth über diesen glücklichen Anschlag in Entzückung, und hieß ihn vortrefflich. Der Tschi-fu selbst hielt ihn für wohl ausgefonnen; jedoch zweifelte er an dessen & Fort- Fortgang, da sie bereits schon so wichtige Proben ihres durchdringend ↳ Verstandes gegeben, und muthmaßete, daß sie schwerlich erscheinen würde. Warum nicht? sagte ihr Oheim; meine Tochter lebet in großer Einigkeit mit ihrem Manne; alles ist ruhig: was sollte sie denn in Uuruhe segen?“ Sie giengen hierauf auseinander. Schuey-gowin besuchte sogleich seine Nichte. Er ließ nicht das geringste von sich hören, das ci- nigen Verdacht bey ihr hätte erregen können. Er wünschte ihr Glück, daß sie durch ihren Verstand sich so schön aus allen Schwierigkeiten herauszu, helfen gewußt habe. Sie nahm seinen Beyfall mit einer wohlanståndigen Bescheidenheit an. ,,Ich stand diesen Morgen, sagte er, immerzu in Furcht, es möchte sich etwas unangenehmes er- åugen, und sendete daher Leute gb, zu hören, ob alles ruhig sey. Sie brachten mir die Nachricht, daß sie nicht das geringste Geräusch vernommen hätten. Vielleicht misfällt ihm meine Tochter nicht." „Ich kann dieses unmöglich glauben, er- wiederte sie; ich bin überzeuget, daß er sie nicht lieben kann. Vielleicht werden Sie noch jezt etwas von ihnen vernehmen." „Dieß ist gar nicht mehr wahrscheinlich, sagte er, als er weg- gieng. Er bewunderte den schlauen und feinen Verstand seiner Nichte, und machte sich bey einer so durchdringenden Scharfsinnigkeit keine große Hoffnung zur Erreichung seiner Absichten. Ku-keh-fsu hingegen war schon jeho we gen des verhofften Fortgangs ihres listigen An- schlags schlags so ungedultig, daß ihm zwölf Tage so lang, also viele Jahre, schienen. Um allen Verdacht zu meiden, hatte er den zwölften Tag dazu bestim met. Er übersandte drey Tage vorher fünf Tieh- tsee, oder Einladungsbillete, eines für die junge Dame, und die übrigen für ihren Oheim, und dessen drey Söhne. Schuey-gowin überbrachs te es seiner Nichte selbst. „Ich befürchtete im- merzu üble Folgen, sagte er zu ihr, von dem Ta- "ge an, da ich eurem Rathe folgete, und meine Techter aus dem Hause schickte. Ihr sprachet mir Muth ein, und gabet mir die angenehmsten Versicherungen. Was ihr mir vorhersagtet, ist nun eingetroffen, und sie lebet mit ihrem Manne in größter Einigkeit; sonst würde er uns diese Ein- Ladungen nicht überfandt haben: hier ist eine, die euch selbst angehet. Da noch andere Anverwand, tinnen dabey seyn werden, so ist es ganz billig, daß Ihr auch euch einfindet." Das junge Frau- enzimmer gab ihm Beyfall. „Ihr müfset also, der Gewohnheit nach, sagte ihr Oheim, einen Tag vorher ein Geschenk übersenden. Sie gestund, daß dieses schicklich sey. Hierauf brachte er ihr das Goldpapier und die Dinte, das Geschenk dar- auf zu schreiben. Sie bath ihn, es in Ordnung zu legen. Denn da es für einen neuen Anver- wandten gehörete, so wollte sie es auf das schick, lichste einrichten. Schuey-gowin besorgte es mit großem Vergnügen, und gieng zu seinem Ei- dame, ihm zu melden, daß seine Nichte gewig kommen würde. „Halten Sie nur, føgte er, das & 2 Nihns (6 Nihn kong in Bereitschaft; sie hat keinen Arg. wohn. Ich sagte es ja, daß dieses der beste Weg ist, sie zu fangen.“ Ku-keh- ssu gab das Stück Taffent, nebst den Buchstaben, seiner Frau, sie darauf zu befestigen. Schuey - gowin zweifelte noch immer an den Erfolg feines Vorhabens. Er befürchtete, daß seine Nichte aus Eigensinne nicht zur bestimmten Zeit erscheinen mögte. Er rieth daher dem Ku- keh-ssu den Tag zuvor zwo feiner Mägde zu ihr zu senden, um gewiß zu seyn, ob sie kommen wür- de. Er billigte dieses, und ließ sich durch sie nach ihrem Wohlaufseyn erkundigen. Sie mußten ihr melden, daß ihre Herrschaft sich so sehr nach ihrer Gesellschaft sehneten, daß sie nicht eher ruhig wå- ren, bis sie von ihr gewisse Versicherung hätten, daß sie unfehlbar kommen würde. Sie gab ih- nen zur Antwort, daß sie auch ohne diese Höflich, keit erschienen seyn würde. - Sie sagte dieses mit einem anmuthigen Wesen, und ließ sie niederfes hen, Thee zu trinken. Als die Bedienten densel ben bolten, fragte sie, ob sich ihre Gebieterinn feit ihrer Ankunft wohl aufbefinde; Die eine antwortete: „Sie hat sich allezeit recht wohl be, funden, und bringet ihre Zeit mit vielem Vergnů- gen, und mit Spielen, Erzählungen, und andern dergleichen Ergögungen zu. „Diesen Morgen, fagte die andere, brachte ihr mein Herr ein Stück rothen Taffent, eine Stückerey darauf zu befesti- gen. Vielleicht waren es Blumen?" fagte Schuey ping sin. - Es waren weder Blu- (6 "9 (6 men, IOI verfekte die Etwan "" „Ja, ant Sie men, noch sonst etwas gefärbtes, Magd; sondern etwas goldenes. Buchstaben;" fagte die junge Dame. wortete die Magd, es waren Buchstaben. fragte, wie viel Stücke? und erhielt zur Antwort: Sieben oder acht. Sie beschenkte sie hierauf, und ließ sie von sich. Als sie nach Hause kamen, sags ten sie, daß das junge Frauenzimmer gewiß kom- men werde. ,,Morgen, fagte Ku-keh-ssu, müssen sie nochmals zu ihr gehen." Er gab ihnen eine gol dene künstlich gedrehete Schachtel mit, worein er zehn der größten und hellsten Perlen legte, und schickte sie mit gehöriger Anweisung zu ihr. Schuey-gowin, so eben ben ihm war, fragte ihn, warum er dieses thäte? Das Nihn kong, gab er ihm zur Antwort, war mit keinem Geschen ke bekleidet, daher ich diese Perlen mit überfandt babe." Sie haben recht, fagte Schuey- gowin; Sie sind so verständig, als meine Nich te, und wissen das Ceremoniel b). "" $3 Was für ein vor- b) Es ist schon oben erinnert worden, daß die Chineser ein eigenes Oberhofgerichte haben, welches die Gebrauche besorget. Denn nichts liegt den Chinesern mehr am Herzen, als die Beobachtung ihrer Ceremonien. Sie se hen dieselben für so wichtig an, daß sie glauben, der Staat könne sonst nicht bestehen. Bewillkommungen, Visiten, Geschenke, Gastereyen, u. d. g. sind mehr als Geseke betrachtet, denn als bloße Gewohnheiten oder Moden. Sie haben ein eigenes Buch davon, das über 3000 Haoh Kidh Tschwen., vortreffliches Paar werdet ihr beyde nicht seyn, wenn ihr nur einmal mit einander verheurathet seyn werdet!" Die Mägde überbrachten das Geschenk_im Namen der neuvermählten Frau, und bathen sie mit vielen Höflichkeiten, daß fie fobald, als es seyn könnte, zu ihrer Gebieterinn kommen mögte, weil sie von tausend Sachen mit ihr zu sprechen habe. Sie bittet auch, fuhren sie fort, diese Schachtel mit Perlen anzunehmen. Sie gab uns diefelbe heimlich, sie Ihnen, als ein kleines An- gedenken für die Bemühung, so dieselben bey ih- rer Vermählung hatten, einzuhändigen.' 66/ „Diese Perlen, sagte Schuey-ping-sin, da fle die Schachtel, nebst der Julage betrachtete, sind außerordentlich kostbar: wenn sie zu verkau fen wåren, so würde mein Haus nicht ihren Werth bezahlen können. Ich trage daher Bedenken, ste als ein Geschenk anzunehmen. Traget sie wieder zu eurer Gebieterinn: ich will es wenigstens so lange verschieben, fie anzunehmen, bis ich sie be- fuche." Die Mägde wollten dieses nicht thun. „Gut, 3000 Regeln des Ceremoniels vorschreibet. Das Volk hält sie auch cifrig, und sieht daher andere Völker als Barbaren an. Auch so gar kein Abgesandter ist von Beobachtung dieses Ceremoniels ausgenommen; daher Montesquieu denselben größtentheils die Dauer dieses großen Reiches, seit 4000 Jahren zuschreibet. L'Esprit des Loix, I. 19, ch. 12, 13, 16, 17. etc. Du halde, 3 Th. S.21. t Gut, sagte sie, wenn ihr nicht meinem Willen folget, so werdet ihr mich auch nicht in eurent Hause sehen." Die Mägde hatten sich auf diese Weigerung nicht gefaßt gemacht. Sie nahmen also, nach einigem Weigern, die Schachtel wieder an, und brachten sie ihrem Herrn zurück. Schuey-gowin kam eben auch zu Schuey ping sin, und befahl ihren Leuten, die Staats, sånfte, nebst dem Schirm in Bereitschaft zu hal- ten. Seine Nichte hörte diefes, und rief, daß fo viel Gepränge gar nicht nöthig wäre. „Nicht nöthig! gab er zur Antwort. Es sind in dem Hause eures Vettern viele Mandarinen und Stan despersonen verfammlet, und alles ist daselbst in größtem Prachte: wollet denn ihr euch nicht dars nach richten?" ,,Mein Vater, sagte sie, ist in Ungnade, und verwiefen, wie wird es sich für mich schicken, so viel Staat ben meinen jeßigen Um- stånden zu machen? Ich würde mich nicht nur dem Gelächter der Welt aussehen; fondern der Kaiser, wenn er davon Nachricht bekäme, könnte glauben, daß unser Haus seine Gewalt verachte. Oheim, geben Sie sich nicht so viele Mühe, da ich noch selbst im Stande bin, meinen Leuten Be- fehle zu ertheilen." „Wohlan dann, verseßte er, ich laffe euch euren Willen; aber wie wollet ihr denn erscheinen?" "Gestern, antwortete fie, ka men vier Landleute, und brachten Kornc). Ich Git Lieg c) Die Bauern in China pachten die Aecker von den Eis genthümern um die Hälfte der Aernte. Der Herr bezch • Let lief zween davon hier bleiben. Ich habe eine kleine Sänfte im Hause, so von zween Menschen getragen werden kann: diese sollen mich hintra- gen." „Wenn ihr in einem solchen Aufzuge er- scheinet, sagte ihr Oheim, werdet ihr euch nicht dem Hohngelächter noch mehr ausgefehet sehen? Würden euch eure Anverwandte und die übrigen Anwesenden einige Achtung bezeigen?" „Laffet mich immerzu verlachet werden; ich gehe nichts destoweniger so, wie ich soll.“ Als sie Schuey- gowin unbeweglich fand, sprach er: „Es ist genug! thut, was euch beliebet. Es ist hohe Zeit für mich, zu gehen. Ich hoffe euch bald dort zu seben.". Er nahm hierauf seine drey Söhne mit sich, und gieng nach dem Hause des Ku-key-ssu. Er Dieser wartete mit der größten Ungeduld auf Schuey-ping-sin. Er hatte Leute ausgesandt, auf alle ihre Bewegungen Acht zu haben. konnte kaum seine Freude måkigen, als er ver- nahm, daß sie Anstalten mache, zu kommen. Cr bath den Tjayi-fu und Tschi-hien, Zeugen seis ner Heurath zu seyn. Er ließ vier Stadtråthe d) fom Let die Abgaben davon, und der Pachter besorget das Düngen und Ackern. d) Außer dem Tschi - fu und Tschi - hien sind in jeder an- sehnlichen Stadt neunzehn geringere Magistratspersonen, so verschiedene Aemter bekleiden, deren zwey einen Prð- sidenten, und vier Räthe haben. Semedo history of China, S. 131. kommen, und legte ihnen die Schachtel mit den Perlen, nebst ihrem Nihn-kong vor. Hierauf befahl er sieben bis acht muntern Mädchen, sie nicht mehr weggehen zu lassen, so bald sie sich nie dergesetzet hätte, und wohl Acht zu haben, daß sie sich keinen Schaden zufüge. Er ließ ein Zim- mer für sie zurechte machen, so mit dem prächtigs ften Geräthe von Gold und Silber angefüllet war. Der Mittag war nun schon vorbey, als die Nachricht kam, daß Schuey-ping-sin auf dem Wege sey. Er erhielt sogleich Bericht, daß fie schon die Hälfte zurückgeleget habe. Ueber diefe Neuigkeiten gerieth er außer sich, und stellte die Musikanten an die Thore, mit Befehl, fo bald sie ankommen würde, den Hochzeitgefang zu spielen. Seine Ungedult war so groß, daß er auf die Gaffe gieng, und sich nach der Sänfte um sahe, da sie noch nicht erschien. Er sabe sie in Begleitung vier schöner Mädchen ankommen; sie, ben bis acht Bedienten giengen hinter der Sänfte her. Er blieb ganz entzücket so lange auf der Straße stehen, bis sie sehr nahe kamen; dann gieng er zur Gesellschaft, und sagte ihnen, daß feine neue Braut vor der Thüre wåre. Alle wünschten ihm deswegen Glück; nur die zween Stadtmandarinen nicht, welche zu einander sag ten: Diese junge Person ließ anfangs so viel Verstand von sich blicken; allein es giebt eine weibliche Schwachheit, die sich, ungeachtet ihres Wißes, doch endlich zeiget, und hierinn sind fie den Mannsleuten nachzuseßen.",,Sie ist ein ar- $ 5 mes mes unglückliches Mädchen, sprach der andere; endlich ist sie doch mit aller Vorsicht in die Schlin- ge gefallen." Kaum hatte er dieses gesagt, so kam Schuey- ping- sin an das Thor. Ihre vier Dienerinnen dffacten die Sänfte. Sie stund schon von ihrem Siße e) auf, und wollte heraussteigen, als sich die Musikanten und Trompeter auf einmal hören ließen. Sie erschrack über dieses Getdse, und die acht Weibspersonen an der Thüre kamen ihr ver dächtig vor. Sie setzte sich wieder nieder, und fagte mit vielem Misvergnügen: „Das Getöse dieser elenden Musik ist im Stande, mir den Kopf zu zerreißen; es würde mich tödten, wenn ich Hineingienge!“. Sogleich gab sie ein Zeichen, wieder umzukehren, und ihre Bedienten brachten sie in einem Augenblicke aus dem Gesichte. Sie kamen desto langsamer an, um desto schneller zu- rück zu fehren. Achtes Kapitel ls Ku-keh-fsu die Trompeten und Musik hörte, so glaubte er nun ganz gewiß, daß Schuey-ping-sin in das Haus getreten sey. Er stellte sich an einen geheimen Winkel, sie im Vorbey- e) Man fizet in China auf dem Boden der Sänfte, mit kreuzweisgeschränkten Füssen, auf einem Polster. Diese Sanften find dabey so niedrig, daß die sisende Person faft mit dem Kopfe den Deckel berühret. Er wunderte Borbengehen zu sehen. Er wartete eine Zeit lang, und hörte die Musik noch einmal. sich, noch niemand kommen zu sehen. Wie groß war aber fein Erstaunen, und seine Verwirrung, als er die acht Mädchen erblickte, die ihm anküns digten, daß seine Geliebte wieder zurückgetragen worden. Er befragte sie, wie dieses zugegangen fey. Sie sagten ihnt, daß sie bey dem Schalle der Musik erschrocken, und sogleich zurückgewichen wäre. Er wollte wissen, warum sie nicht diesel- be zu bleiben ersuchet? Sie entschuldigten sich, daß ihnen dieses unmöglich gewesen, weil alles gar zu schnell vorgegangen. Er wollte ihr seine Leute nachsenden, allein sie versicherten ihn, daß dieses nichts helfen würde, da sie nunmehr schon wieder in ihrem Hause seyn müsse, weil sie so schnell, als ein Pfeil, verschwand. Ku-keh-ssu wurde fast rasend darüber. Er gieng in den Saal, und gab den Mandarinen der Stadt, nebst allen seinen Anverwandten und Freunden Nachs richt davon. Einige lächelten; alle aber geriethen in Verwunderung. „Dieses junge Frauenzimmer, fieng der Tschifu an, ist ein Wunder: blos aus dem Ton der Musik die Meinung des Ku-keh - ssu zu errathen!,,Wie? sagte er zu Schuey-gowin, „Wie? liefet Ihre Nichte zu Hause ein Buch von der Wif- senschaft, künftige Dinge zu errathen?" „Da fie noch ein Kind war, gab ihm ihr Oheim zur Ant wort, war sie immer bey ihrem Vater, und fahe in seine Bücher! so daß sie durch das viele Lesen und undGespräche mit ihm die guten und unglücklichen Tage genau anzuzeigen wußte. Sie konnte schd- nes und schlechtes Wetter vorhersagen. Wir ga- ben niemals auf ihre Reden Acht; aber nuumehr fcheinet es, daß sie einen Wahrsagergeist habe, da ste aus der bloßen Musik unsere Absichten errieth.“ Alle Anwesende musten für eine so scharfsinni- - ge Dame eine große Hochachtung und Bewunde- rung bågen. Ku-keh-ssu war in der tiefsten Schwermuth. Endlich ermannete er sich, und sendete nochmals die zwo Mägde zu ihr. Sie mußten ihr sagen, daß dieses der zwölfte Tag nach der Hochzeit ihrer Base sey; daß ihre Freunde und Anverwandten bey ihr versammlet wåren, und daß ihre Frau eine ganz besondere Zuneigung zu ihr trage. Sie erneuerten in ihrem Namen ihre Bitte, sie nicht vergeblich auf ihre Gesellschaft war- ten zu lassen, da sie schon so lange sich dieses Ver- gnügen gewünschet, und da ihr Gemahl die größte Hochachtung für sie trage. Sie fügten noch hin- zu, daß ihre Herrschaft sehr in Verwunderung gerathen, da sie schon einmal an das Haus ge- kommen, und wieder umgekehret sey: die Musik wåre nùn weggeschaffet, und sie hofften, daß sie nun nichts mehr abhalten könnte, nochmals sich auf den Weg zu machen. Sie antwortete ihnen: Weil ich glaubte, daß die Einladung von eurer Frau, und ihrem Gemahl aus aufrichtiger und unverstellter Freund- schaft herrühre, so hielt ich es für meine Pflicht, ihr nachzuleben: so aber werdet ihr selbst am bes sten ften wissen, in wie ferne fie aus schlechten Absich ten hergerühret habe. Wenn auch nichts außer- ordentliches darunter gesucht worden, wie kam es denn, daß die acht Buchstaben (Nihn - kong> verändert waren? Was meinte man mit den Perlen, die mir gestern überfandt wurden? War- um war der Tschi-fu, und Tschi-hien im Hau se? Geschahe nicht alles dieses in der Absicht, mich listig mit eurem Herrn zu verheurathen? Dem Himmel a) sey es gedankt, daß mich die Musik a) Die Secte der Gelehrten, die sich an die in den alten Schriften enthaltene Lehre hält, und den Confucius als ihren Großmeister betrachtet, der sie wieder empor brach- te, verehret den Tien, oder Schang-ti, d. i. den höch: ften Kaiser. Tien, sagen die Ausleger der kanonischen Bücher, ist nichts anders, als der Geißt, der den Him- mel regieret. Daher wird dieses Wort auch zuweilen von dem materialischen Himmel gebrauchet, und es kommt ben Beurtheilung der Bedeutung allemal auf die Sache an, davon es gebrauchet wird. Die Chineser sas gen z. B. daß ein Vater der Tien seiner Familie, der kaiserliche Statthalter der Tien seiner Provinz, und der Kaiser der Tien seines Reiches sey, u. s. f. Niemand als der Kaiser opfert dem Schang- ti, oder Tien, Namen des ganzen Reiches, und er ist der einzige, dem es erlaubt ist, wie man in ihrem kanonischen Büchern Nking und Schu-king lieset. Sie nennen diese Bü- cher u-king, oder die fünf Bücher, die wegen ihres Alterthums, und wegen der darinn enthaltenen Lehren, in einer ganz außerordentlichen Hochachtung unter ihnen ftehen. Der Buchstabe oder Charakter king bedeutet so viel, als eine hohe und wichtige Lehre, die, weil sie auf im unuma Hash Kidh Tschwen. Musik an dem Thore dafür gewarnèt hat: denn wäre dieser freundschaftliche Lärmen nicht gewesen, fo anumftöslichen Gründen berühet, keiner Veränderung unterworfen ist. Diese fünf Bücher sind auch der Grund von aller Gelehrsamkeit und Moral der Chineser. Unter denen, so Hand daran geleget, hat sich Confucius am berühmtesten gemacht. Diese schäßbaren Ueberreßte des chinesischen Alterthums wären aber beynahe auf Befehl des Kaisers Schi-hoang-ti, ohngefähr 200 Jahre vor Christi Geburt, ausgerøttet worden, als er den Gelehr- ten alle Bücher nehmen und `verbrennen ließ, welche aber ihr Leben daran wagten, dergleichen kostbare Schrif- ten vom Untergange zu retten. Einige machten Löcher in die Mauern und Gewölbe ihrer Häuser, und vergru- ben fie darinn; andere verbargen sie in den Gräbern. Unmittelbar nach dem Tode dieses Kaisers zog man sie wieder hervor. `Feuchtigkeit und Wärme hatten ihnen großen Schaden gethan. Man ergänzte sie aber, so gut mau konnte; jedoch blieben Lücken übrig, die man durch fremde Zusche auszubeffern vermeinete. Die Kritik der Chineser bestehet darinn, daß sie die wahre Lehre der Alten von den Zuschen der, Neuern zu unterscheiden suchen. Das erste kanonische Buch heißt 2 - king. Dieses Buch wurde nicht, wie die andern, verbrannt. Denn weil es von den wenigsten verstanden werden konnte, so hielt man es auch für weniger gefährlich. Es ist ein blos- ses symbolisches Werk des Fo-hi. Die ersten Erfinder der chinesischen Art zu schreiben, wie Herr Frerer in sei: men Reflexions fur la langue chinoife, so dem vierten Theile der deutschen Ueberseßung des du Halde vorgese= get worden, §. 21, sagt, haben blos willkührliche Zeichen, das III so würde ich nun in feiner Gewalt seyn. (Sie konnte sich auch wirklich der Thrånen nicht enthals ten, das ist, solche angenommen, die nur ein Verhältniß mit der Sache gehabt, in so ferne sie dazu bestimmet worden, solche anzudeuten. Sie haben sich, statt der schriftlichen Zeichen, einer mit Knoten bezeichneten Schnur bedienet, wie die Peruvianer noch thaten, als die Spanier das Königreich Peru eroberten. Fo-hi, der Stifter der chi- nesischen Monarchie, erfand die acht Rua, deren jedes aus drey theils geraden, theils gebrochenen Linien bestund, welche dieses N-king, oder Buch der Hervor: bringungen ausmachen. Seine Absicht war, durch die- se sichtbare Zeichen den Grund aller Wesen anzudeuten, wie man etwan in der Musik den Ton nach gewissen Lis

  • nien abmisset, und mit Noten bestimmet. Keinem hat

die Entwickelung derselben so gelingen wollen, als dem Confucius, 2200 Jahre nach dem Fo-hi. Diese Zeis chen waren nicht allein Anweisungen zur Naturlehre, sondern auch zur Sittenlehre. So bald, sagte er, Hün- mel und Erde erschaffen worden, so haben auch andere materialische Wesen ihre Wirklichkeit gehabt. Nachdem alle diese Dinge erschaffen waren, so entstund auch das zeugende und gebdhrende 'Geschlecht der Dinge. Auf dieses folgete Mann und Weib. Als Mann und Weib erschaffen war, so entstund Vater und Sohn. Nach dem Vater und Sohn kam der Regent und Unterthan, welche allerhand gegenseitige Pflichten zu beobachten hatten. Der Himmel ist, nach der Auslegung des Confucius, ein Bild des Königs, und der königlichen Eigenschaften; die Erde aber ein Bild der Unterthanen.- Das zweyte kanonische Buch heißt Schu- king, oder Schang-schu, d. i. das Buch von alten Zeiten. - Es ist ten, als sie bedachte, wie sie kaum habe entrins nen können.) Gehet nach Hause, fuhr sie fort, machet eurem Herrn meine verbindlichste Empfeh lung: gebet ihm den Rath, friedlich mit seiner Frau zu leben. Denn er und ich werden niemals zusammen kommen. Er wird also am klügsten handeln, alle künftigen Versuche auf meine Person einzustellen, und mich nicht mehr zu beunruhigen." Als sie diese Antwort vor den Magistratsper- fonen und der ganzen Gesellschaft wiederholten, ward ihre Bewunderung noch mehr vergrößert, und ist in sechs Theile abgefasset. Der Pater Premare hat ei- nen Auszug davon geliefert. Du Halde, 2 Th. S. 346. fq. Das dritte wird Schi : king genennet, oder das Buch der Verse, weil es nichts anders, als Oden, Lieder, und andere Gedichte in sich faffet, die unter den Kaisern der dritten Dynastie verfertiget worden. Confucius hat sie sehr gerühmet. Du Halde, 2 Th. S. 358. feq. Das vierte heißt Tschun-tsiu, d. i. der Frühling. Es handelt von den Thaten der Kaiser. Es wurde erst unter der Dynastie Han in die Zahl der kanonischen Schriften aufgenommen, und zu den Zeiten des Confu cius zusammen getragen. Co-schi, sein Schüler, hat eine gelehrte Auslegung darüber geschrieben. Das fünfte führet den Titel Li-ki, d. i. Verzeich niß der Gesetze. Es enthält eigentlich zehn Bücher, die Confucius aus den Schriften der Alten zusammen- trug. Es wird darinn unter andern auch von allerhand Gebrauchen, die insonderheit unter den drey Dynastien Sia, Schang, und Tschu üblich gewesen, gehandelt. Du Halde, 1Th. S. 252. 2 Th. S. 85, und 367. 3.Th. S. 9, 335, feq. und sie fahen Schuey-ping-sin als eine Person an, die künftige Dinge vorherfiehet. Man ließ hierauf auftragen, und nach dem Mahle giengen sie alle aus einander, bis auf Schuey-gowin, den Ku-keh-ssu da bleiben hieß. ,,Gewiß, sagte er zu ihm, Ihre Nichte ist ein Frauenzimmer von ungemeiner Scharfsinnig- keit, und man kann alles dieses derfelben zuschrei- ben, ohne ihr übernatürliche Kräfte beyzulegen. Vielleicht hat sie es mit Ihnen so abgeleget, mir diese Poffen zu spielen, und Sie haben ihr selbst mein Vorhaben entdecket." Schuey - gowin fand sich durch diesen Argwohn beleidiget ; er ver- neinete dieses nicht nur mit den heftigsten Be theuerungen, sondern erboth sich auch einen förmli chen Eid b) abzulegen. Kuh-keh-ssu ward hier- durch b) Martinius sagt: „In einer jeden Stadt ist ein prdch- tiger Gößentempel für den Schuggeist derselben, and „ehemals wurde auch sonst keine andere Gottheit darinn „verehret. Hier legen alle Magistratspersonen, bey Un- „tretung ihrer Würde, einen Eid ab, (facramentum dicunt) getreulich ihren Pflichten nachzuleben, und „da rufen sie den Schußgeist als Zeugen und Rächer an." Atlas Sinenfis, S.13. Ogilby erzählet eben dieses, mit dem Zusage: „In alten Zeiten hatte man, statt der „Bilder, eine Tafel mit goldenen Buchstaben, deren Be- „deutung war: Der Siz des Schußengels der Stadr. »In den spätern Zeiten aber bediente man sich der Bil- „der, statt der Tafeln, damit man bey denen, welche den Huldigungseid ablegen mußten, desto mehr Ehrfurcht. „erwecke." Ogilby's China, Lond. 1669, 1671. T, 2. S G. 547- Hoah Kidh Tschwen. durch zufrieden gestellt. „Als ich Ihre Nichte zuerst sahe, sprach er, verliebte ich mich in sie, wegen ihrer Schönheit; jezt aber würde ich sie eben G. 547. Picart sagt in seinen Ceremonies religieufes, daß die Mandarinen jährlich zweymal dem Schin-hoang, oder Schuggeiste, schwören müssen. Der P. Gerbil lon, so bey dem Vergleiche, den die Russen und Chine- ser, wegen der Gränzen, 1689, miteinander schlossen, zugegen war, erzählet uns, daß dieses eidlich geschehen. „So bald die gewöhnlichen Complimente gewechselt wa- „ren, so wurden die Eremplarien, die unterzeichnet, und „besiegelt werden sollten, abgelesen. Ich las das unsri- »ge mit lauter Stimme, ab - Nach geschehener Vor- „lesung erfolgte die Untersiegelung; so, daß die Chine- fer ein Tartarisches und Lateinisches Exemplar, die Moscowiter aber ein Moscowitisches und Lateinisches „besiegelten. Darauf stunden die Abgesandten auf, hiel=\ „ten ihre Eremplare des Friedenstractates in der Hand, " und schwuren im Namen ihres Herrn, denselben- ge- „treulich zu erfüllen. Unsere Ambassadeurs hatten vom „Kaiser Befehl, den Friedensträctat im Namen des Got- ,,tes der Christen zu beschwören, weil solches die Mosco- „witer desto mehr zur heiligen Beobachtung desselben „verpflichten sollte, da er im Namen des wahren Gottes „beschworen worden. Sie waren dabey schlüßig vor ei- ,,nem Bilde des Gottes der Christen niederzufallen, und „es anzubeten. Weil aber die Moscowiter, denen wir „dieses vortrugen, besorgeten, daß dabey ein Aberglaube „vorgehen, oder doch nur chinesische Ceremonien vor sel- „chem Bilde beobachtet werden mögten; so sagten sie, „es sollte ein jeder nach seiner Art schwören. Als der „Friede beschworen war, erfolgte die Auswechselung der Exem eben so sehr, wegen ihres vortrefflichen Ver- standes, lieben, wenn sie auch bäßlicher, als Ghiang-ku, wäre. Ich muß noch rasend wers den, wenn ich sie nicht erhalte. Sie müssen auf ein Mittel bedacht seyn, mich glücklich zu ma- chen." Schuey-gowin antwortete ihm, nach einem tiefen Stillschweigen, also: „Ich habe endlich etwas ausgesonnen, so gewiß gelingen muß." Ku-keh-ssu hörte ihn mit größter Aufmerksam, keit zu. Der zwanzigste Tag des neunten Mon- den, fuhr er fort, ist ihrer Mutter Sterbetag. Es ist ihre jährliche Gewohnheit ihr Grab zu be suchen, und daselbst zu räuchern und zu opfern c). Sie „Eremplare." Du Halde, 4 Th. S. 189. Lettres édi- fiantes, Recueil VII, S. 195. VIHI, S. 403, Martinii hift. Sin. G. 12. e) Da die Chineier alle Nationen an Ehrfurcht gegen die · Aeltern übertreffen, so dauert die Trauer ordentlicher Weise drey Jahre, die man auf 27 Monate zusammen ziehet. Die weisse Farbe ist eigentlich in China die Trauer- farbe. Vor den Sarg wird ein Tisch gestellet, auf dene selben seget man entweder das Bildniß des Verstorbenen, oder vielmehr ein mit Schniß- und Laubwerk eingefaß- tes Brett, darauf sein Name stehet. Auf beyden Sei- ten sind Blumen, Rducherpfannen, und angezündete Wachskerzen. Es giebt zweyerley Ceremonien, die jähr lich beobachtet werden müssen. Die ersten gehen in eis nem gewissen Monate des Jahres im großen Saal der Vorfahren vor, den jede ansehnliche Familie hat. Er heißt auf Chinesisch Tse-tang. Alle zur Familie gehö - rige ten. Sie nimmt auch zu dieser Zeit ihre Renten von der benachbarten Dörfern ein, und belustiget sich ei- nige Tage über mit Spaßierengehen in den Går- Sie müssen ein gutes schnelles Pferd für sich in Bereitschaft halten, und nebst einigen star- ten Sänftenträgern ihr aufpassen. So bald fie ihre Sänfte erblicken, müssen diese Leute ihre Trå- ger wegjagen, sich ihrer bemächtigen, und sie nach Ihrem Hause bringen. Ku-keh-ssu war über diesen Vorschlag sehr vergnügt, und entschloß sich, ihn zu vollziehen. „Nichts, sagte er, kann einen so wohlausgeson- nenen Anschlag vernichten; es müsse dann ein üb, les Wetter sie zu Hause bleiben heißen." „Auch dieses, versezte Schuey-gowin, wird sie schwer lich rige Glieder versammlen sich daselbst, und die Reichen laffen eine Gasteren anstellen. Die andere Art der Ce-, remonien fällt wenigstens einmal des Jahres vor, an dem Orte, wo die Vorfahren begraben liegen, zu Ende des Aprils, oder im May. Sie rupfen das Gras aus, so um das Grab herum gewachsen; darauf legen sie die Merkmale der Ehrerbietung, Dankbarkeit und Betrüb- niß mit eben den Ceremonien an den Tag, die bey dem Absterben, vor de. Begräbniß, beobachtet werden. Sie Legen Fleisch und Wein auf das Grab, damit sie sich un- ter einander, nach geendigten Ceremonien, beschenken. Confucius sagt im Buche Lu anyu, daß man den Tod- ten alle Ehre erweisen müsse, als ob sie noch lebendig und gegenwärtig wåren. Du Halde, 2 Th. S. 152, 154. Semedo, 1 Th. Kap. 16. und 19. lich abhalten; denn sie trågt die größte Ehrerbie- tung gegen das Andenken ihrer Mutter." Ku keh-ssu zweifelte nun gar nicht länger an der Aus-` führung seines Anschlags, und Schuey-gowin verließ ihn in den angenehmsten Vorstellungen, die er sich zum voraus davon machte. Was Sobald er zu Hause angelanget war, eilte er zu feiner Nichte, sie wegen deffen, was vorgegan- gen, zu bestrafen. „Eurer Base Ehemann, sag- te er zu ihr, erzeigte euch große Höflichkeiten, da er euch mit so vielen Ceremonien einlud. ist die Ursache eures wunderlichen Bezeigens, an feine Thüre zu kommen, und wieder wegzugehen? Nicht nur ihr, sondern auch ich selbst muß mich deswegen schämen; ich konnte kaum vor Scham meine Augen in der Gesellschaft aufschlagen." „Ich habe gar nicht viele Worte nöthig, erwieder- te Schuey - ping-sin; nur will ich dieses sagen, daß ich die gegründeteste Ursache von der Welt hat- te, Mistrauen in Ku-keh - ssu zu sehen. ,,Ganz und gar nicht, fagte ihr Oheim, er wollte blos feinen neuen Auverwandten seine Höflichkeit bezeigen, und euch, als der Base seiner Frau, die schuldige Ehre abstatten." „Sie werden mich schwerlich, versetzte seine Nichte, bereden können, dieses zu glauben. Er wird ganz gewiß auf neue Streiche denken, mich zu fangen. Sie wissen selbst am besten, ob Sie auch unschuldig bey der Sache sind. Sie werden es freylich läu- gnen; aber der Ausgang wird es bald zeigen. Schuey-gowin erschrack fehr: sein Herz fieng zu $3 klopfen (6 ´118 klopfen an, und er gieng nach Hause, ohne eine Sylbe zu sprechen. Die Zeit kam herben, da Schuey-ping-sin bey ihrer Mutter Grabe ihre kindliche Ehrerbie- tung bezeigen, und die Oerter besuchen wollte, da bin sie sich jährlich zu begeben pflegte. Sie ließ dieses ihrem Oheime und dessen drey Söhnen wis- fen, sie zu begleiten. Schuey-gowin überlegte, daß er sich dem Verdachte aussehen würde, Theil an ihrer Entführung zu haben, wenn er um sie wåre; er ließ sich also entschuldigen, und schüßte eine Unpåßlichkeit vor. Sie ließ seine zween ål testen Söhne bitten, ihr Gesellschaft zu leisten. Man ließ ihr wissen, daß sie durch nothwendige Geschäfte davon abgehalten würden; sein jüngster Sohn aber könnte sie begleiten, wenn sie es ver- lange. Er ließ es sogleich dem Ku-keh-ssu an- fagen, daß sie am folgenden Morgen sich auf den Weg machen werde. Sie ließ alle Vorbereitungen machen, ihre Hochachtung für das Andenken ihrer Mutter an den Tag zu legen. Sie befahl, ihre große Sänf- te, nebst vier kleinen für ihre Mägde, in Bereit schaft zu halten, und für ihren Vetter d) ein Pferd herbeyzuführen. Sodann ließ sie die Sånf- ten in den Saal tragen, setzte sich, nebst ihren Mägden, hinein, und trat ihre Reise an. Alles gieng in schönster Ordnung. Zuerst kam ihre Sänfte, d) Im Chinesischen heißt es: Bruder. • Sånfte, so von vier Ku-lis getragen wurde, und vor welcher man einen prächtigen Sonnenschirm trug: dann folgten die vier kleinern Sånften mit ihren Mägden, und ihr Vetter machte zu Pferde mit zween Bedienten den Schluß. Sie waren nur noch eine Lye) vom Grabe entfernet, als auf einmal drey starke Kerl die Sänfte auf der einen, und drey auf der andern Seite anfielen, und fest hielten. Aus den Büschen kamen mehr, als zwanzig Sanftenträger hervor; sechs derselben bemächtigten sich augenblicklich der Sånfte, und riefen den vorigen Trågern zu: „Uns gehöret es zu, hier zu tragen: wollet ihr uns unfern Unter- halt nehmen?" Sie trieben sie hierauf mit Schlägen fort, und eilten mit der Sänfte, so schnell sie konnten, davon. Die Bedienten zu Pferde ritten ihnen nach, und fragten sie, ob sie einer Dame von Stande so zu begegnen sich er- kühnten? Allein sie bekamen keine Antwort, und verlohren sie bald aus dem Gesichte. " Einer von den Bedienten war fast der Sänfte nahe, als Ku-keh-ssu plößlich erschien, und ihn aufhielt. Unverschämter Kerl! schrie er; eure Gebieterinn ist meine Frau." „Dieses wuß- te ich nicht, gab der Diener zur Antwort: ich that meine Schuldigkeit, sonst würde mich meine Herrschaft bestraft haben.“ Gehet nach Hause, an eure Geschäffte, sagte er, leget die Schuld auf mich.“ Der Bediente stund Der Bediente stund stille. 5 4 Ku- keh- e) Zehn Lys machen eine französische Meile. keh-ssu verboth ihm unter den heftigsten Dro- hungen, weiter zu reiten, und eilte der Sänfte nach. Indessen kamen auch die andern vier Sänften mit den Aufwårterinnen an, die nach eis niger Berathschlagung wieder umwenden, und sich- nach Hause tragen ließen. Ku-keh - ssu verließ seine Beute nicht eher, als bis er die Thore der Stadt erreichet hatte. Er gab seinen Bedienten genauen Befehl, sie nach seinem Hause zu bringen, und alle Sorge für sie zu tragen. Sodann gieng er nach dem Tschi-fu, und Tschi-hien, sie als Zeugen zu sich zu bitten. Ruh