Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 3

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Kapitel 3: Fräulein Shuis kühne List: Die Blume verpflanzen

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Fünftes Kapitel. a) Jieh-tschong-u war schon eine Zeit lang auf dem Wege als er noch unschlüßig war, wo- hin er reisen wollte. Endlich erwählte er Schan- tong b), eine Provinz, welche eben so sehr wegen der Schönheit und Fruchtbarkeit ihrer Gegenden, als wegen der Höflichkeit und Redlichkeit ihrer Einwohver, berühmt ist. Er rufte daber feinem Diener Siau-tan, und befahl ihm, den ersten Efel, den er auf dem Wege antreffen würde, zu miethen c), und ihm nach Schan-tong zu fol gen. Und hier wollen wir ihn gegenwärtig seine Reise fortsetzen lassen. In der Stadt Tsi-nan, so die Hauptstadt dieser Provinz ist, lebte zu dieser Zeit ein vorneh- mer Mandarin, der ohngefähr sechzig Jahre alt war, und zum Oberhofgerichte Ping-pu d), oder zum a) Im Chinesischen ist dieses das dritte Kapitel. b) Diese Proving enthält sechs Städte vom ersten, und 114 vom zweyten und dritten Range. Tsinan-fu ist die erste und Hauptstadt der Provinz; sie ist sehr groß und volkreich, und hat 4 Städte vom zweyten, und 26 vom dritten Range unter sich. Du Halde, 1 Th. S.204. c) Es scheinet aus dieser Erzählung, daß die Chineser auf kurzen Reisen von ihren Dienern zu Fuße begleitet wer den; und da sie nur einige Bettdecken für ihre Herren `zu tragen haben, so fällt es ihnen auch gar nicht schwer, zu gehen. a) Außer dem Tribunal der Staatsminister, oder Colao, welches man Wui - yuen, d. i. den innern Hof, nennet, und zum Tribunal der Waffen, gehörete. Er bieß Schuey-ku-yeh. Er hatte seine Gemahlinn verloh und das aus den drey ersten Ordnungen der Mandarinen bestehet, sind zu Pe- king sechs hohe Tribunale, die man Leo - pu nennet, dercn Macht und Ansehen sich auf alle Provinzen des Reichs erstrecket. Ein jedes derselben be- ftehet halb aus chinesischen, und halb aus tartarischen Mandarinen, und hat zween Präsidenten. Das erste höchste Reichsgericht, so man Lii'- pu nennet, beseşet alle Provinzen des Reichs mit Mandarinen, wachet über das Verhalten derselben, und giebt dem Kaiser davon Nach- richt. Dieses hohe Tribunal hat vier andere unter sich. Das erste sucht würdige Männer zu wichtigen Aemtern aus. Das zweyte untersucht die Aufführung der Mandas rinen. Das dritte besiegelt alle Documente, und theilet den Mandarinen die Siegel aus. Das vierte muß die Verdienste der Großen im Reiche bemerken. Die Glieder dieses Lii pu find also nichts anders, als Staatsinquis fitores. Lii bedeutet einen obersten Befehlshaber, pu aber ein Amt oder Gericht. = Das zweyte Oberhofgericht, Hu-pu, d. i. großer.. Schat des Königs, hat die Oberaufsicht auf das Finanz- wesen. Es sind demselben vierzehn niedere Tribunale zugeordnet, von welchen die Angelegenheiten der vier- zehn Reichsprovinzen abgethan werden müssen. Denn was die Proving Petsche-li anlanget, so ist dieselbe die Hofproving, und die vornehmste im ganzen Reiche. Li-pu ist der Name des dritten Oberhofgerichtes, d. i. des Gerichtes der Gebräuche und Ceremonien; denn Li bedeutet das Herkommen, die Gewohnheit. Es muß nicht mit dem vor genannten Oberhofgerichte Lii-pu verwechselt werden. Dieses verlohren, und von ihr eine einzige Tochter, die so schön war, daß der meisterhäfteste Pinsel nicht D.5 im Dieses hohe Collegium führet auch die Aufsicht über alle frene Künste, über die drey gangbaren Religionen, die im Reiche gedultet werden, nämlich der Gelehrten, der Tao - fee, und der Jünger des Fo. Vor diesem Gerichte müssen sich auch die Mißionarien stellen, ES sind ihm vier andere untergeordnet. Das erste besorget. die Gnadenbriefe des Kaisers, das zweyte die Opfer, Tempel, und gedultete Religionen. Das dritte empfängt die Abgesandten an den Hof, und das vierte hat die Auf- sicht über die kaiserliche Tafel. Das vierte Oberhofgericht heißet Ping-pu, d. i. das Tribunal der Waffen. Vor dasselbe gehdret das fämt= liche Kriegswesen im ganzen Reiche. Vier andere fte= hen unter ihm. Das erste vergiebt alle Kriegsbedienun- gen; das zweyte theilt Befehle aus, auf welche Posten Soldaten zur öffentlichen Sicherheit gestellet werden sol- Icn; das dritte besorget das Postwesen, und das vierte die Zeughauser des Reichs. Das fünfte Oberhofgericht wird Hing-pu genennet. Hing heißt im Chinesischen der Leib. Es ist nichts an=" ders, als das oberste Criminalgericht. Es hat 14 kleine- re Gerichte unter sich. Das sechste und lehte Tribunal hat den Namen Cong-pu, d. i. das Tribunal der öffentlichen Gebdude; denn Cong bedeutet einen freystehenden Saal. Es hat. auch vier kleinere unter sich. Das erste besorget die Eins richtung öffentlicher Gebäude, das zweyte die Handwerkss Leute, das dritte die Brücken, Dämme, Candle, u. d, ga und das vierte hat die Aufsicht über die kaiserlichen Häus fer und Gärten. Du Halde, 2 Th. S.31. feq. Hash Kidh Tschwen. im Stande gewesen seyn würde, die Feinheit ihs rer Gestalt abzubilden, und es sind weder die weis festen Lilien, noch die schönsten Rosen so vortref lich gefårbet, als ihre Wangen waren. Sie be faß aber auch eben so vortrefliche Gemüthseigen- schaften, und ihre Fähigkeit war so groß, als man nur immer bey den geschicktesten des månn- lichen Geschlechtes antreffen kann. Schuey-ping- sine) (dieses war ihr Name) war ihres Vaters Augapfel, der sie eben so sehr liebte, als wenn er einen Sohnf) von gleichen Vollkommenheiten gehabt e) d. i. Wasser, Eis, Herz. Eine chinesische Schönheit muß eine hohe Stirne, kurze Nase, kleine Augen, und kleine Füsse haben. Du Halde, 2 Th. S. 97, 98. f) Die Söhne werden in China höher geachtet, als die Töchter, und es geschiehet sehr oft, daß die Chineser, wenn sie außer Stande sind, eine zahlreiche Familie zu ernähren, die Wehmütter zwingen, die gebohrnen Töch ter so gleich im Bade zu ersticken. Denn einige sind so arm, daß sie ihre Kinder, wenn sie ihnen nicht den ge- hörigen Unterhalt verschaffen können, auf den Strassen fren aussehen, zumal wenn die Mütter derselben frank find, oder keine Milch haben, die Kinder zu stillen. Die: fes geschiehet in den beyden großen Städten Pc - king und Canton; in andern Städten aber höret man kaum davon. Dadurch sind die Mißionarien bewogen worden, an solchen volkreichen Orten eine Anzahl Katechetén zu unterhalten, die alle Morgen die Gassen durchstrichen, und dafür sorgten, daß sie den sterbenden Kindern die heilige Taufe mittheilen konnten, Du Halde, ib. G. 89. gehabt hätte. Er überließ ihr die völlige Befor gung seines Hauses, und sie zeigte dabey eine so bewundernswürdige Geschicklichkeit, daß Schuey- ku-ych, der sich beständig am Hofe aufhielt, sich völlig auf sie verließ. Sie war ohngefähr sieb zehn Jahre alt; weil aber ihr Vater ein sehr wich- tiges Amt bekleidete, daß seine ganze Aufmerksam- keit erforderte, so vergaß er darüber, sie zu ver- heurathen. Dieses junge Frauenzimmer batte einen Oheim, der Schuey - gowin hieß. Er wollte für einen Gelehrten gehalten werden, und in Ansehung seis nes Bruders erzeigte man ihm große Hochachtung. Allein er war sehr unwissend, und fein Studiren gieng nur dahin, auf ungerechte Weise Geld zu feinen Wöllüften zu erpressen. Er hatte drey Edh ke, die eben so unwissend waren, als ihr Vater, und eine Tochter, welche noch unangenehmer und häßlicher war, als ihre Brüder, Sie, bieß Ghiang-ku g), und war in eben dem Jahre ge- bohren, da Schuey ping sin auf die Welt - kam, indem sie nur zwey Monate ålter war. „Mein Bruder, fagte Schuey-gowin, ist ein sehr reicher und angesehener Mann; allein, da er keinen Sohn hat, so muß sein Vermögen mir zufallen. Nur diese seine Tochter hindert mich daran, da sie unverheurathet bleibt, und ganz al lein das Haus meines Bruders im Besige hat. Könn- g) d. i. füffes junges Mädchen. бо Könnte ich sie nur einst an Mann bringen, so wür, de mir sodann das ganze Vermögen ihres Vaters zugehören h)." Er legte es hierauf mit verschic- denen seiner Bekannten ab, ihr vielerley junge Leu- te zu Bräutigamen vorzuschlagen, welche entweder ihrer Person nach, oder in Ansehung ihres Vermös gens und guten Eigenschaften, Vorzüge aufzuwei- fen hatten. Sie gab aber allen diesen Vorschlå, gen kein Gehör, und verbarg ihre wahren Gesins nungen mit dem tiefsten Stillschweigen. Dieses Bezeigen sette ihren Oheim in Unruhe, weil er fand, daß auf diese Weise nichts mit ihr auszu- richten sey. Endlich verfiel er auf einen jungen Menschen von Stande, dessen Freunde für ihn eine Frau suchten. Sein Vater, der ein Man darin vom zweyten Range im geheimen Rathe des Kaisers war, hieß Ku-scho-ssu; der Sohn aber Ku-keh-ssu. Schuey-gowin legte einen Besuch bey dies fem jungen Herrn ab, und fand gar bald Gele- genheit, von seiner Nichte zu reden. Er fragte ihn, ob er sie zu seiner Frau zu haben wünsche ?" Ich kenne sie gar nicht, fagte der junge Mensch; ich weis nicht, ob sie schlå oder garstig ist.“ ist sehr schön, sagte ihr Oheim, und hat viel Ver stand." Ku-kel)-ssu ließ einigen Zweifel von sich blicken.„Sie von der Wahrheit dessen, was ich gesagt habe, zu überzeugen, antwortete er, sollen h) In China können die Weibsleute nicht erben. ,,Sie " follen Sie mit mir nach Hause gehen; ich wohne neben ihr, und sie gehet oft durch den Garten, meine Tochter zu besuchen, wo Sie leicht Gelegen heit haben werden, sie zu sehen." Wenn dem also ist, erwiederte der andere, so will ich Sie bes gleiten." Als sie angelanget waren, bath ihn Schuey-gowin, in dem äußersten Zimmer zu warten, weil er sehen wollte, ob Schuey-ping- sin bey seiner Tochter wäre. Er kam sogleich wieder zurück, und schrie: „Das ist vortrefflich, meine schöne Nichte ist jeßt bey ihrer Schwester i): kommen Sie, wir wollen beyde beyeinander se hen.“ „Wie kann das seyn?" sagte der ande re k). „Ich will Sie, verseßte er, zu einer Thüre führen, die eine Spalte hat, durch welche Sie beyde vollkommen fehen können." Als sie Ku-keh-ssu sahe, bekannte er, sie wåre würk lich so schön, als ihr Oheim gesagt hatte. „Ich will i) So nennen in China Geschwisterkinder einander. k) Das Frauenzimmer in China lebet sehr eingesperret. Sie kommen fast nie aus ihrem Zimmer, welches sich im innersten Theil des Hauses befindet, woselbst sie weiter mit niemand zu sprechen Gelegenheit haben, als mit ih- ren Mägden, die sie bedienen. Eben deswegen werden auch die Heurathen entweder, kraft des Zeugnisses der Aeltern von der gesuchten Braut, oder im Vertrauen auf- eine Beschreibung geschloffen, die von alten Weibern ge- macht wird, die sich gerne einen Kuppelpelz verdienen. Du Halde, 2 Th. S. 98, 143. Lettres édifiantes, T. X. P. 140. will nach Hause eilen, rief er, und sogleich eine taugliche Person zu ihr senden, mit ihr von einer Heurath zu reden.“ Er war ganz von den Reis zungen des jungen Frauenzimmers, das er eben gesehen, eingenommen, und sie hatte einen so tie- fen Eindruck in fein Herz gemacht, daß er, fo bald er nach Hause kam, es keinen Augenblick austehen ließ, ihr Heurathsvorschläge zu senden, die sie aber alle verächtlich ausschlug. Ku-keh-ssu gerieth hierdurch in die größte Verwirrung. Er fand kein anderes Mittel übrig, als dem Tschi-fu aufzuwarten, und ihn durch Freunde und Geschenke dahin zu bringen, fein eis genes Ansehen bey dem jungen Frauenzimmer zu feinem Besten anzuwenden, da er mit ihren bey- derseitigen Aeltern und übrigen Vorzügen sehr wohl bekannt war. Der Tschi-fu wollte ihm nicht gerne etwas abschlagen, und willigte endlich in fein Ansuchen. Er stattete zween Besuche bey ihr ab; allein sie waren fruchtlos. Er that Ku-keh-ssu seinen schlechten Fortgang zu wissen. ‚Es ist ganz gut, man kann nicht helfen,“ sprach er mit einer angenommenen Gleichgültigkeit, die er aber schlecht zu zeigen wußte, da sein Herz in der stärksten Beunruhigung war. " Kurz hierauf lief vom Hofe Nachricht ein, daß der Vater der jungen Dame in Ungnade gefallen, und in die Tartarey verwiesen set), und daß Ku- scho-ssu, der Vater ihres Liebhabers, zu der Würde eines Ko- lav, oder Staatsministers, er- hoben worden. Ku-keh-ssu ward über diese Neuig- - Neuigkeit außer sich gebracht, und setzte noch ein- mal in den Tschi fu, ein Mittel auszufinden, eine Heurath zwischen ihm und dem jungen Frauen- zimmer zu stande zu bringen. ihren Oheim zu sich rufen. er zu ihm, ist mannbar : Der Tschi-fu ließ „Ihre Richte, sagte Sie sind ein kluger Mann, der die Welt kennt, und werden wohl eins sehen, daß hier keine Zeit zu verfäumen ist, und daß man es nicht länger aufschieben muß, junge Leute zu verheurathen, wenn sie das gehötige Ale ter erreichet haben. Als ihr Vater noch die Frey- heit hatte, sie zu versorgen, that sie ganz wohl daran, daß sie in dieser Sache seinem Willen folgs te, weil er vielleicht eine taugliche Heurath für sie bey Hofe aussuchen wollte. Allein jezt hat sie nicht länger diesen Verwand. Sein Amt ist ihm genommen; er ist in Ungnade, und nach der Tar- taren verwiesen, und niemand weis, ob er todt oder lebendig ist. Sie ist nunmehr erwachsen, und hat viele Bediente und junge Leute in ihrem Hause: es ist daher zu befürchten, daß die Leute übel von ihr sprechen möchten. Da Sie ihr Oheim find, sollten Sie nicht ihr in Abwesenheit Ihres Bruders befehlen können? Ku-keh- ssu ist ein Jüngling von großem Geiste, Fähigkeit und Vor- zügen, und die Beförderung seines Vaters macht ihn noch ansehnlicher. Wenn sie darauf behar, ret, ihn auszuschlagen, so wird sie nicht mehr so leicht ein so schäßbares Anerbiethen finden. Eilen Sie daher zu Ihrer Nichte, und bereden sie, ihn zu ihrem Bräutigam zu wählen.“ „Mein Herr, gab Hash Kidh Tschwen. gab Schuey-gowin zur Antwort, Sie sprechen sehr vernünftig: ich werde gehorchen."

Er nahm Abschied vom Tschi-fu, und gieng zu ihr hin. Er ließ so viel Misvergnügen in seinem Gesichte blicken, daß sie ihn um die Urs sache fragte. Er sagte ihr, daß sie dazu Anlaß gegeben hätte, weil sie die Heurathsvorschläge mit Ku-keh-ssu verachtet habe; zumal da der Tschi-fu selbst ihr diefelben'in eigener Person mit der größten. Ehrerbietung gethan,„,Anjeßt, fehte er hinzu, ist euer Vater in Ungnade; the müffet also nicht glauben, daß diese obrigkeitliche Person mehr zu euch kommen werde: er wird euch diese Ehre nicht erzeigen. Er hat mich heute zu sich kommen lassen, und mir Nachricht von eurem verächtlichen Bezeigen gegen den jungen Menschen von Stande gegeben; ja er hat mich ermahnet, mich des Ansehens zu bedienen, dazu ich in meis nes Bruders Abwesenheit berechtiget bin. Hier schwieg er stille. Schuey-ping-sin beobachtete ein tiefes Stillschweigen. Er drang in sie, ihm zu antworten. „Gut, sagte sie, mit einem Seuf- zer, da mein Vater verwiesen ist, und der Tschis, fu mir befiehlt, Sie als meinen Vater zu ehren, so muß ich mich Ihrem Willen unterwerfen: es ist vergeblich, zu widerstehen: Sie können thun, was Ihnen beliebet." ,,Diese bereitwillige Einwillis gung, fagte der erfreuete Oheim, zeuget von eus rem Verstande und Beurtheilungskraft. Ihr wif- set vielleicht nicht, wie reich und ansehnlich das Haus des Ku-keh-ssu ist. Er ist ein junger Mensch Mensch von großem Verdienste und Verstände. Sein Vater hat erst kürzlich eine sehr hohe Ehren stelle erhalten. Wenn ihr also den Sohn heura thet, so kann es gar leicht geschehen, daß mein Bruder wieder in seine vorige Würde gefeßet wird." Dieß ist gar wohl möglich, verfeßte das junge Frauenzimmer, ,,Wohlan denn, fagte Schuey-gowin, voll Eilfertigkeit, ich will hin, gehen, und dem Tschi - fu hinterbringen, daß ihr in die Vorschläge einwilliget: gebet mir hier das Nihn-kong 1), oder die Schrift von acht Buch- staben.“ „Wenn es so seyn muß, fagte Schuey- ping-sin, so geben Sie mir das Papier her." Es wurde sogleich gebracht, und sie schrieb die ge- wöhnlichen Buchstaben darauf. Schuey-gowin nahm es, und rollte es mit großem Vergnügen zusammen. Er nahm hierauf Abschied von ihr, eilete nach Hause, und sagte feinen Söhnen und seiner Tochter, daß seine Nichte endlich eingewilliget habe. Diese wußten gar zu wohl, wie sehr sie von dieser Heurath abs 匪 ​geneigt 1) Das Wihn-kong ist eine aus acht Charakteren bestes - hende Nachricht von dem Jahre, Monate, Tage, und Stunde der Geburt einer Persen. Es ist gemeiniglich auf rothes Papier geschrieben. Es gehöret mit zu den gewöhnlichen Hochzeitceremonien, dieses Wihn: kong eins ander zuzuschicken, damit man untersuchen kann, ob bey- de Verlobte Glück haben, oder nicht; daher werden dies se Charaktere auch Pastse, oder, die glückliche Zahl achte, genennet. Du halde, 2 Th. S. 143. & "" geneigt sey, als daß sie ihm so geschwind Glauben benmaßen. „Es gehöret viel dazu, sagten sie, ihre Einwilligung zu erhalten. Sie können gar leicht von ihr hintergangen werden, denn sie ist fehr listig: sie wird sich heute stellen, als ob sie einwilligte, und morgen wird sie nichts mehr das von wissen." Er versicherte sie aber, daß sie ihm wie ihrem Vater folgsam gewesen. „Hier, fügte er hinzu, ist das Nihn-kong, zum Kennzeichen und zur Versicherung der Heurath." Als sie es sahen, zweifelten sie nicht mehr. „Es ist ganz gut, sprachen sie; nur ein Ding fehlet noch daran, Denn da fie die Tochter eines Mandarins ist, so follten die acht Charaktere mit Gold auf scharlach- ´rothen Taffcut, und nicht auf Papier, geschrie, ben seyn." Er gab ihnen Beyfall, und befahl, fie auf Taffent fest zu machen. Er/trug hierauf dieses Nihn-kong zum Tschi-fu, der damit sehr wohl zufrieden war, als er es erblickte; iedoch deutete er ihm an, daß er in dieser Sache weiter nichts thun könne, sondern daß er diese Schrift dem Tschi-hien überbringen müsse. Diefer nahm sie an, und brachte sie den folgenden Tag dem jungen Menschen, dem sie angieng. Ku- keh-ssu war hierüber so entzücket, als wenn er den größten Diamant in der Welt gefunden håtte. Er ließ sogleich ein Nihn-kong in seinem Namen auffeßen, sahe sich im Kalender m) nach einem glück, m) Man suchet bey Verheurathungen in China glückliche. Lage aus, die ihre Kalendermacher sorgfältig anzeichnen Der glücklichen Tage um, und gab dem Tschi-fu und Tschi-hien ein prächtiges Gastmahl. Als die, ses vorbey war, verfügte sich dieser legtere mit € 2 dem Der Kalender ist in China ein Buch von großer Wich tigkeit, und wird als ein Reichsgrundgeset betrachtet. Vor demselben stehet allemal ein Befehl des Kaisers; kraft dessen bey Lebensstrafe untersaget wird, sich eines andern Kalenders zu bedienen, oder denselben einzufüh- ren, oder in dem 'rechtmäßigen Kalender eine Verände- rung vorzunehmen. lionen Exemplare davon abgedrucket werden; indem man nicht leicht einen Menschen in Chiua findet, der sich nicht dieses Buch anschaffte, um sich des Jahrs über dar- nach zu richten. In der Hauptstadt Pe-king sind drey Tribunale aufgerichtet, die so viele Kalender zu verferti- gen haben, als dem Kaiser überreichet werden müssen. Alle Jahre werden dreyerley Kalender in tartarischer und chinesischer Sprache herausgegeben. Der kleineste darunter, welches der gemeine Kalender ist, unterschei det das Jahr nach Monaten, bezeichnet die Tage eines - jeden Monats, die Stunde und die Minuten´des tägli= chen Auf- und Untergangs der Sonne, u. f. w. Der andere Kalender ist zu den Bewegungen der Planeten ‹ bestimmt; als welche sehr genau berechnet werden, wie fie an einem jeden Tage am Himmel erscheinen. Der dritte Kalender, der dem Kaiser allein geschrieben über- reicht wird, enthält alle Verbindungen des Mondes mit andern Planeten, welches eine große Sorgfalt und Rich- tigkeit im Ausrechnen erfordert, zu welchem Ende Tag und Nacht fünf Sternseher auf dem Observatorio befindlich sind, und die Veränderungen der Gestirne bemerken. Es finden sich unter ihnen allerhand Charletans, die ver- Es müssen nothwendig viele Mil- mittelf - dem Nihn kong des Bräutigams zu dem Schuey-gowin. Diefer mittels der Sterndeutung die Leute betrügen, und aus dem Stande der Planeten Glück oder Unglück verkündis gen wollen. Als man den Mißionarien die Besorgung des Kalenders auftrug, ließen sie eine Erklärung öffent- lich ergehen, daß sie au den zufälligen Kalenderthorhei ten nicht allein keinen Antheil hätten, sondern auch dies selben verabscheucten, und der Kaiser Kang-bi lobete ihr Verhalten recht sehr. Wenn der Kaiser den Kalen- der gut gefunden und gebilliget hat, so sezen die gerin- gen Bedienten des mathematischen Tribunals die Zei- chen des Aberglaubens hinzu. Darauf wird er auf Be- fehl des Kaisers an die Prinzen vom Geblüt, an die Hers ren des Hofes, und an die vornehmsten Staats- und Kriegsbedienten zu Be - king ausgetheilet, und sodann an den kaiserlichen Statthalter jeder Provinz verschicket, der ihm dem Generalschagmeister seiner Provinz zustellet. Dieser läßt ihn drucken, und theilet ihn an alle Subals ternen aus, verwahret aber die Platten, oder Holzschnit- te bey seinem Tribunal. Es ist also ein solcher Kalender nichts anders,' als ein Nachdruck des zu Peking ausge- fertigten. Vorn vor dem Kalender ist das Zeichen des astronomischen Tribunals, nebst dem Edicte des Kaisers, befindlich, darinn bey Lebensstrafe untersaget wird, ei- nen andern Kalender zu drucken, oder einzuführen. Die- se Austheilung des Kalenders ist unter den Chinesern, und ihren Nachbartt eine so ehrwürdige, und in Anses hung des ganzen Staates, eine so wichtige Sache, daß die bloße Annehmung des Kalenders so viel als eine Ers Eldrung gilt, daß man dem Kaiser zinsbar und unterthd nig ,, "" ein Dieser gab sogleich seiner Nichte Nachricht davon, und sagte ihr: Uebermorgen ist glücklicher Tag, an welchem euch Ku-keh fsu das Hochzeitgeschenk übersenden wird: lafset euer Haus und euren Saal aufpugen, es gehörig zu empfangen." Mein Herr, antwortete sie, lass fen Sie das Gefcheuk nach Ihrem eigenen Hause; bringen. Da sich mein Vater nicht hier befindet, fo wird sich dieses besser schicken; es wird auch kein großer Unterschied seyn, ob man es bieber øder dorthin bringet,“ ,,Schr wohl, verseßte ihr Oheim; und was für einen Namen soll man denn dem Dankbillet für das überbrachte Geschenk vorseßen?“ „Den Jhrigen, gab sie zur Ant- wort; laffen Sie Ihren Namen darauf sehen: Sie sind anjetzt mein Vater allhier, und da mein eigener Vater in Ungnade stehet, und verbannet ist, so würde es nicht schicklich seyn, seinen Na- men beyzufügen. Es wird sich für Sie am besten schicken, alle Höflichkeitsceremonien bey dieser Ge- legenheit € 3

nig sey, und wer sich weigert, den Kalender anzuneh- men, der giebt ein Zeichen zum Aufruhr. Als man den Jesuiten, P. Bugio, Magalhaens, und Verbiest die Verbesserung des Kalenders auftrug, machte es ein groß- ses Aufsehen, und Hang-quang-sien, ein Feind der Christen, behauptete in einem Buche, es sey der Maje- ftät des Kaisers unanständig, dieses wichtige Unterneh- men den Europdern aufzutragen; denn das sey eben so viel, als ob ein so großes und blühendes Reich von einem kleinen und verachteten Volke Geseze annehmen wollte, Du halde, 2 Th. S.144. 3 Th. S. 361. 70% Haoh Kidh Tschwen. legenheit über sich zu nehmen." „Ihr habet recht, fagte Schuey-gowin, so soll es auch seyn. "" Er ließ hierauf eine große Anzahl, Tieh- tsee n), oder rothe und vergoldete Bögen Papier, Einladungen darauf zu schreiben, kaufen, und bat Schuey-ping-sin, sie zu verfertigen. Sie? antworte ihm: „Ich will es thun, weil Sie felbst nicht schreiben können; aber Sie müssen es niemand sagen, sondern thun, als ob Sie fie aufgefeßet båtten." ,,Gut, sagte er; es muß: auch das Complimentschreiben dabey seyn."; „Ich will auch dieses auffeßen," sagte die junge: Dame. `Als sie damit fertig war, bath sie ihren Oheim, es zu lesen. Er that es, und fieng an: „Meine Tochter“ „Was soll das heißen, meis " ne Tochter; ich bin ja nur euer Oheim.“ „Ja, sagte sie; aber da mein Vater verwiesen worden, so muß ich euch, als meinem Vater, gehorchen.' Schuey - gowin war mit dieser Antwort.zu- frieden. Er nahm die Papiere, und gieng frå lich nach Hause. „Diese Schriften, sagte er zu feinen n) Vor der Hochzeit beschicken beyde Parteyen einander, und lassen sich den Namen der Braut und Bräutigams ausbitten. Die Aeltern des jungen Paars schreiben dreymal einen Complimentenbrief an einander, darinnen fie einander viele Ehrerbietung und Höflichkeiten bezeu- gen, und sich unwürdig halten, daß màn ihrem Sohne oder Tochter diese Ehre wiederfahren lasset. Duhalde, 2 Th. S.144. seinen Kindern, find in meinem Namen "abgefaf- fet, und eure Base wird in denselben meine Toch- ter genennet: es wird also nicht nur ihr Haus, sondern alles, was man ihr jetzt verehret, uns zufallen." Ku-keh-ssu übersandte nach zween Tagen das gewöhnliche Geschenke o). Schuey-gowin war sehr erfreuet darüber. Er zog feine Ceremo- nienkleidung au, befahl, Musik herben zu schaffen, fein Haus auszuschmücken, und die großen Thore zu öffnen, és ftandesgemäß zu empfangen. Der Tschi hien gieng selbst mit, und Schuey, gowin fandte nach seinen Freunden und Bekann ten, ihn mit der größten Hochachtung zu ems pfangen. Er gab ein großes Gastmahl beŋ die- fer Gelegenheit, und die Bedienten, ss das Brauts geschenke überbrachten, erhielten Trinkgelber p). € 4 A Die o) Die Töchter in China bekommen nichts zur Ausstattung mit, und es ist die Gewohnheit, daß die Aeltern der zu- künftigen Braut sich mit den Aeltern des Bräutigams über einer gewissen Summe vergleichen, die sie zur Schließung der Mariage geben, und die zu Anschaffung der Kleidung und anderer Kostbarkeiten, so die Braut an ihrem Hochzeittage trdgt, angewendet wird. Die Großen des Reichs, die Mandarinen, die Gelehrten und Reichen aber verschwenden weit mehr, als. die empfange: 1., nen Geschenke betragen. Du Halde, 2 Th. S. 142. p) Die unschickliche und niederträchtige Gewohnheit, ans derer Leute Bedienten Trinkgelder zu geben, ist so wohl. in China, als in Europa cingeriffen, nur mit dem Un- terschied, daß bey uns die Bedienten sich dußerlich wei- gern, Die größte Zufriedenheit und Freude, die er den ganzen Tag über blicken ließ, gab zu erkennen, daß er nunmehr der Erfüllung seines Vorhabens bald nahe sey. Schuey-ping- sin hörte alle diese Freudeng bezeugungen ganz gelaffen an. Als das Festin vorbey war, und die Gäste sich wegbegeben hats ten, ließ sie ihr Oheim einladen, das Geschenk zu befehen. Sie kam. Er fragte sie: „Wer muß es nun zu sich nehmen?“ Niemand Janders, fagte sie, als Sie: Sie sind mein Oheim und Bater; Sie hatten große Unkosten und Bemüs hung. Es ist dieses nur eine geringe Erkenntlich- keit, und es ist kaum werth, davon zu reden, da mein Haus, meine Leute, meine Güter, und was sonsten mir zugehörete, Ihr Eigenthum_ist.“ „Warum gern, etwas anzunehmen, das, aber in China fren ohne Zwang geschichet. Wenn der Nachtisch angehet, lässet sich jeder Gast von seinem Bedienten eine Tasche bringen, darinn verschiedene kleine Paquete in rothem Papier be findlich sind, und in denselben lieget Geld für den Wirth, für den Koch, für die Komödianten und Bedienten, Man giebt viel oder wenig, nachdem der Wirth beschaffen ist; wird aber keine Komödie bey einer Gaßterey gehalten, so fällt auch diese Ausgabe weg. Ein jeder Bedienter brins ger dieses Paquet demjenigen, der das Festin gegeben, welcher zwar aufänglich einige Schwierigkeiten machet, `endlich aber darein williget, und seinen Bedienten einen Wink giebt, es anzunehmen, da es dann hernach gehdx rig getheilet wird. Du halde, 2 Th. S. 136. Lettres édif. T.13. p. 310. Warum glaubei ihr denn, verfeßte er, daß mir alles dieses zugchdre?“ ,,Mein Vater, antwor tere sie, bat keinen Sohn, und ist nunmehr vom Hofe verwiesen: ich allein bin von ihm, und uns ter Ihrer Aufsicht als Ihre eigene Tochter; es ges böret daher alles, was ich habe, Ihnen zu; weil ich aber blog in meines Vaters Abwesenheit die Verwaltung darüber habe, und nicht erfahren kann, ob er noch lebe, oder todt sey, so wage ich es noch nicht, meine Stelle niederzulegen." „Nichte, sagte Schuey-gowin, ihr besiget viel Großmuth und Einsicht, und ihr zeiget eine unge- meine Kenntniß der Welt.“ Er ließ hierauf sei- ne drey Söhne nebst seiner Tochter rufen, und befahl ihnen, das Brautgeschenke zu nehmen und es zu verwahren. Als sie weggehen wollte, nd- thigte er sie, niederzufißen und etwas mit ihnen zu trinken. Sie verbath diefes unter dem Vor- wande einer vor kurzem gehabten Unpåßlichkeit, und ersuchte ihn, sich entfernen zu dürfen. Schuey-gowin schrieb ihr Weigern derjenigen Schüchternheit und Bescheidenheit zu, welche man gemeiniglich bey jungen Damen, bey einer so de- licaten Sache, als das Brautgeschenk ist, findet, und ließ sie von sich, S Sechstes Kapitel. Finen Monat nach Uebersendung des Geschenkes, ließ Kuh-keh-ssu sein Haus ausschmücken und Anstalten zum Hochzeitfeste machen. E 5 Et wählte . wählte einen glücklichen Tag dazu, und ließ Schuey-gowin wissen, daß er frühe kommen, und seine Braut nach Hause führen wollte. Die- se Neuigkeit war ihm sehr angenehm. Er gab so gleich seiner Nichte davon Nachricht, und befahl ihr, alle gehörigen Anstalten in ihrem Hause zu machen. Ich habe gar nicht nöthig, gab sie ihm zur Antwort, die geringsten Zubereitungen zu machen.“ „En, ey, sagte er, ihr seyd scherzhaft; ihr wiffet es besser, und ihr spaßet mit mir.“ Als er nach Hause kam, sagte er zu feinen Kindern, er glaube, daß seine Nichte ihren Verstand verlohren habe.„Sie redet, sprach er, davon, daß sie keis ne Zubereitungen zu ihrem Hochzeitfeste machen will. Es ist dieses sehr wunderlich; vielleicht re- det sie nur so: sie wird sonder Zweifel diese Nacht über der Gewohnheit gemäß alles in Ordnung rich- ten lassen. Morgen frühe will ich wieder zu ihr gehen, und sehen, was sie gethan hat." Ku-keh-ssu sandte am folgenden Lage sei- nen vergoldeten Tragfeffel, feine Trompeter und Musik, nebst vielen Bedienten. Alle giengen mit großer Pracht und Ordnung nach dem Hause des Schuey-gowin. Dieser lief sogleich zu seiner Nichte, daß sie sich fertig halten sollte, sich in die Sänfte zu sehen. „Warum soll ich mich fer- tig halten? gab sie ihm eilfertig zur Antwort: bin ich nicht bereits schon dazu fertig?" „Seyd ihr fo unwissend, verseßte der Oheim, daß ihr eurer Schuldigkeit nicht nachlebet? hat nicht der Bräu- tigam seine Säufte für euch hergeschickt? Er wird wird auch selbst hieher kommen, euch zu begleis ten a). Erzeiget er cuch nicht große Ehre und Hochachtung? Wie kommt es denn, daß ihr so lächerlich redet?“ „Was gehet mich alles diefes an? fagte die junge Dame: Ich habe nichts das bey zu thun, es betrifft blos meine Schwester, eure Tochter." Schuey - gowin ward hierüber so beftürzt, daß er einige Minuten sprachlos blieb. Endlich fieng er an:- Hat dieser junge Herr nicht wegen eurer so viele Bemühungen übernom- men, und alle diese Kosten aufgewandt? Wes- wegen kommt er denn? Um meiner Tochter wil- len? wie ihr faget. Diese ist so häßlich, als ein böser Geist b), wenn man sie mit euch vergleichet? Das gehet nimmermehr an." "" „Mein Bater, ants a) Nur in einigen Provinzen, und zwar in den nordlichen, ist es gebräuchlich, daß der Bräutigam seine Braut in Person nach Hause führet. Semedo, S. 72. b) Die Secten derer Tao-fsee, oder der Geschlehrer, des ren Erfinder Lao-kiun hieß, und des Gdken Fo, glata 'ben, daß es bôse Geister gebe, die sie Nen, und deren vornehmsten Nen: vang, den Hökenkönig, nenuen. Da die Chineser ihre Jugend gemeiniglich mit Lesen ihrer Charaktere, den Ueberreßt ihrer Tage aber entweder mit der Beobachtung ihrer Berufsgeschäffte, oder mit Abfaf- fung zierlicher akademischer Reden, zubringen, so gera= then sie leicht, aus Unwissenheit in der Naturlehre, in den lächerlichsten Aberglauben, und viele schreiben die bekanntesten und gewöhnlichßten natürlichen Wirkungen einem bösen Geiße zu. Du Halde, 3 Th. S. 22, seq. and 51. ✅ Hoah Kidh Tschwen. antwortete Schuey-ping- sin, ist in Ungnade; er ist weit von hier verbannet, und hat alles mei, ner Aufsicht überlaffen: wie kann ich bey solchen Umständen beuratben?" ,,Aber, sagte er in tie- fer Bestürzung, wenn ihr nicht heurathen wollet, wer wird euch zwingen? Allein warum gabet ihr mir denn das Nihn-kong mit euren acht Buch- staben?" „heim, antwortete sie, Sie waren dazumal im Schlafe, und sind noch nicht aufge- wacht. Sollte ich nicht thörtcht zu nennen seyn, wenn ich Ihnen eine solche Schrift gegeben hätte, da ich so abgeneigt bin zu beurathen?“ „Wie? sprach Schuey - gowin, babe ich nicht euch das gemalte Papier gegeben, und schriebet ihr nicht felber darauf?" Wenn dem so ist, versetzte sie, fo lasset es mich sehen." Schuey gowin eilte nach Hause. „Meine Nichte, fagte er zu seinen Söhnen, und zu seiner Tochter, will Ku-keh-ssu nicht beurathen, und läugnet, daß das Nihn-kong von ihr sey. Ge- bet es mir her, sie zu überführen." Er nahm es c), und begab sich wieder zu ihr.. Hier! schrie er, und hielt es mit beyden Hånden. Wol. Jet ihr läugnen, daß dieses eure eigene Handschrift ist?“ „Ich erkenne fie dafür, erwiederte sie; allein wenn die acht Buchstaben mich angehen, so will ich gerne in die Heurath willigen. Wissen Sie, e). Nämlich das Papier, von welchem die goldnen Buch: staben, so auf den Taffent fest gemacht würden, abcopi ret waren. Sie, wenn ich geboren bin?“ „Ohne Zweifel, fagte er, weis ich es. Ihr seyd am funfzehnten Tage des achten Monats, um zehn Uhr, gebob- ren. Ich erinnere mich noch gar wohl, daß es ein Festtag war, und ich machte mich an densel ben mit eurem Vater sehr lustig." ,,Gut, mein Herr, gab sie zur Antwort; und wann ist meine Base Ghiang-ku gebohren ?“. „Ich muß ja die Geburt meiner Tochter wissen, sagte er; sie ist am sechsten Tage des sechsten Monats, um Mit- tage, gebohren worden." Bemerkten Sie nicht, als Sie das Papier mit sich nahmen, fuhr sie fort, die acht Buchstaben, so darauf stunden? Sie lauten also - (hier wiederholte sie diesel ben) Diese gegenwärtige Schrift gehet Ihre Toch- ter an; ich habe gar keinen Antheil an derselben ; warum machen Sie mir denn so viele Unruhe und Verwirrung ?" י Schuey gowin gerieth hierüber in große Bestürzung. „Es ist genug, schrie er zornig, daß ich euch dieselbe schreiben sah, und es liegt nichts daran, wie dieses geschehen sey. Als sie sabe, daß er sich entrüstete, gab sie ihm gelaffen zur Antwort: „Mein Herr, Sie müssen nicht so aufgebracht seyn. Fragen Sie nur einen, der wahrsagen d) kann, und lassen ihn untersuchen, ob d) Wahrsager sind in China sehr beliebt. Man trifft sie auf allen Marktplägen und Straßen an, wo sie mit ihren astrologischen Tafeln in offenen Buden igen. >> ob diese acht Charaktere mich, oder Ihre Tochter angehen. Sie konnte ihn nicht besänftigen, er wurde immer zorniger: er rafete, stampfete mit den Füssen, und sagte, daß sie blos darauf umge gangen wåre, ihm Schaden zu thun. „Allein, fügte er hinzu, és liegt nichts daran; ihr könnet mir nicht schaden; Wahrheit bleibt Wahrheit. Der Tschi-fu und Tschi-hien suchten eure Ein- willigung zu erhalten, und die ganze Stadt weis vom Brautgeschenke des jungen Liebhabers. Wie könnet ihr nun sagen, daß euch die Sache nichts angebe? Ihr seyd sehr strafbar.“ Wenn ich diejenige Person bin, crwiederte sie, welche Ku- keh-ssu heurathen wollte, warum ließ er sein Geschenk nicht hieber zu mir in mein eigenes Haus bringen? Die Tieh- tsee und das Compliment- schreiben waren in Jhrem Namen abgefasset: es ist von mir nicht die geringste Meldung darinn." ,,Wie könnet ihr doch eine solche Verwirrung machen? sagte ihr Oheim. Das Schreiben gehet blos euch an, und wir kamen mit einander überein, wie es abgefaffet werden sollte." Wenn Sie selbst keine Tochter håtten, verseßte sie, so hätten Sie mir diese Benennung ohne Einschränkung ge- ben können; es ist wahr, es ist nicht ungewöhn- lich, Nichten Töchter zu heißen; allein sie werden allemal dem Alter nach von einander unterschie- den. Da nun also in Ihrem Schreiben blos ste- het, meine Tochter, so kann es nur allein von meiner Base Ghiang-ku verstanden werden. Wenn Sie mir diese Heurath andichten wollen, wie "" wie wird es einem Mandarin vernünftig vorkom- men, dem man eine Klagschrift deswegen über geben würde?" Es ist vergeblich, auf so vie les Schwaßen und Plaudern zu antworten, fagte Schuey-gowin. Es ist schon gut, ganz gut, rief er mit vieler Heftigkeit: ich sehe, daß eure Absicht dahin gehet, mich zu quålen und um das Leben zu bringen. Wie könnten wir Verdrüßlich, keiten vermeiden, wenn wir einem Menschen vom niedrigsten Stande also begegnet håtten? / Noch mehr aber haben wir bey einer jungen Standes- perfon zu befürchten, welche sich nicht beleidigen låsset, und deren Vater bey Hofe so, mächtig ist. Was wird euer schneller Abschlag nicht für Unru-' hen und Verwirrungen verursachen! Ich würde mich vor Scham gar nicht mehr sehen lassen. Ihr werdet mich zwingen, alle Achtung einer Anvers wandtschaft bey seite zu setzen. Ich muß mich vor einem Mandarin wider euch beklagen: wie wollet ihr wohl eine so weitläuftige Sache vor ihm auf- Flåren e)? Oder wie wollet ihr euch einer Unter- suchung

  • ) Das Frauenzimmer in China kebet so eingezogen, daß

es ihuen dußerst empfindlich fällt, vor einem Gerichte zu erscheinen, und Rechenschaft bey einer weitläuftigen Un- tersuchung zu geben. So gar im Gefängniß und Grabe, wo gemeiniglich aller Unterschied aufhdret, hat in China die Gewohnheit eine Absonderung beyderley Geschlechts eingeführet, und es werden in beyden Männer und Wei- ber sorgfältig von einander abgesondert. Du halde, 2 Th, S. 98, 99. " - suchung entziehen, dabey euere Schambaftigkeit leiden muß ?“ Er sagte dieses mit Thränen, „Oheim, erwiederte Schuey ping fin, ich werde gar keine weitläuftige Erzählung machen, wie Sie sich einbilden; ich werde bles sagen, daß Sie, als mein Oheim, sich der Abwesenheit meis nes Vaters zu Nußen machen, und mich, als ein junges und hülfloses Mädchen, zum heurathen zwingen wollten, um sich meines Vermögens be. mächtigen zu können. Dieses wird Sie so strafs bar darstellen, daß Sie sich werden schämen müf- fen." (8 Schuey-gowin ward durch diese Worte be unruhiget, und fieng an gelindere Saiten aufzu ziehen. Ich wäre nicht Wiliens, fagte er, eine Klage vor einem Mandarin anzubringen, wenn ich wüßte, wie ich mich auf eine andere Art aus die» fer Verlegenheit herauswickeln sollte. „Öheim, sprach das junge Frauenzimmer, ich will es uns ternehmen, Sie glücklich herauszubringen, wenn Sie Ihre niedrigen Absichten wider mich fahren Jassen wollen." Schuey-gowin wischte sich die Augen, und sagte: „Ach! das wird nicht möglich - seyn: kein Heiliger f) würde mir aus dieser Sa che f) Die zwo abgöttischen Secten Tao- ssee, und Fo verch ren eine Art von Heiligen, die sie Sielt - yin, oder un- sterbliche Leute nennen, und in kleinen Bilderchen vor- ftellen. Die vernünftigere Secte der Philosophen hat auch gewisse Heilige, oder Sching, welches Wort solche Manner bedeutet, die den höchsten Grad der menschlichen Boll che heraushelfen können.“ ,,Folgen Sie meiner Anweisung, fiel sie ihm in die Rede, so wird sich alle Ihre Sorge in Vergnügen verwandeln.“ „Ach, sagte er, was kann ich für Hoffnung zu einer so glücklichen Veränderung vor mir sehen, da mir Leben und Tod gleichgültig sind? Jedoch mögte ich wissen, auf was Art und Weise ihr mir in die- fer Sache beystehen wollet, damit die Rache die- ses jungen Menschen nicht auf mich falle." So hören Sie dann, sagte sie, und thun Sie, was ich Ihnen fage. Wo ich mich nicht irre, so ist meine Base Ghiang-ku siebzehn Jahre alt; dieß ist das schicklichste Alter zum Heurathen, und Sie haben jezt eine schöne Gelegenheit, sie an Mann zu brin- gen: Senden Sie dieselbe statt meiner, so ist die ganze Schwierigkeit gehoben." Er wurde bey diesen Worten tiefsinnig, und ließ den Kopf hån gen. Endlich sagte er mit von Freude und Unru- he vermischten Blicken: „Ist denn, aber nicht eu- re Base sehr unangenehm von Person? Wenn sie Ku-keh-ssu auch heurathen würde, so wird sie ihm doch nicht gefallen, g) und ich werde mich so dann Vollkommenheit erreichet haben. Du Halde, 3 Th. S. 22. feqq. Confucius, f. fcientia Sinenfis, Parifiis, 1687. fol. p. 52. g) Da die chinesischen Heurathen durch Vermittelung ei ner dritten Person gemeiniglich geschlossen werden, und der Bräutigam seine Braut nicht eher sieht, als bis sie zu ihm ins Haus gebracht worden; so hat er das Recht, wenn sie ihn nicht gefällt, die Sänfte wieder zuzuschlies- $ sen, dann in neue Unruhen verwickelt fehen.“ „Oheim, verfekte die Nichte, überlesseu Sie mir dieses. Es ist übrigens alles regelmäßig: die acht Buchsta- ben gehen Ihre Tochter wirklich an; das Ge- schenk wurde in Ihr Haus gesandt: alles diefes ift stadtkündig. Die Tieh-tsee waren in Ihrem Namen ausgefertiget, und in dem Compliments schreiben fagten Sie, meine Tochter. Die Sånf- te ist nun auch in Ihrem Hause: was hält Sie also ab, meine Base statt meiner zu senden Ueberlegen Sie auch dabey, was es Ihnen für ein Ansehen giebt, einen solchen Tochtermann zu ha- ben. Giebt Ihnen alles dieses kein Vergnügen?" Nunmehr heiterte sich das Gesicht des Schuey- gowin auf. Er sagte mit Lächeln: „Tochter und Nichte, wie kommt es, daß ihr, als ein schwa- ches und verlassenes Mädchen, so viele Geschick- lichkeit besitet, mich auf diese Weise zu tödten, und wieder lebendig zu machen?“ „Mein Herr, er= wiederte sie, ich wollte Sie niemals hintergehen: Sie selbst fuchten mich in Unruhe zu sehen. Es ift genug, antwortete er, laffet es in Vergessen heit begraben. Nur noch eine Sache ist übrig. Eure Base ist sehr ungeschickt, und weis weder, wie sie sich aufpußen, noch wie sie sich bey einer "" folchen fen, und die Braut ihren Aeltern wieder zu übersenden; wobey er aber auch die Kosten bezahlen muß, so die Hoch- zeitsanstalten verursachet. Die Geschenke, so er der Braut gemacht, sind auch verlohren. Du Halde, 2 Th. S, 144, 146. folchen Gelegenheit aufführen soll: ihr müsset euch zu ihr verfügen, und ihr helfen.“ „Das will ich thun, sagte sie; und wenn etwas fehlet, so will ich die Schuld tragen.“ Sie nahm hierauf zwo von ihren Mägden mit fich, und gieng hin, ihre Base anzukleiden. Sie ließ sie baden, und vom Kopf bis auf die Füsse abwaschen; sie ließ ihr die Zähne reinigen, ihre Augenbraunen in Ordnung bringen, und sie Kleis der, die mit dem wohlriechendsten Holze h) und Gummen geräuchert waren, anziehen. Dieses nahm ihnen einen großen Theil des Tages weg. Sie unterwieß sie fodgun, wie sie sich mit Bescheis denheit in dem Hause des Bräutigams aufführen follte. Sie sagte ihr, daß sie sich in die Bett- vorhänge verbergen müsse, wenn sie in das Zim- mer des Bräutigams gebracht worden, und er sich ihr nähern würde, ihr den Schleyer abzuneh, Sie erinnerte auch die zwo Aufwärterin- nen, daß sie dem Bräutigam so oft, als sie könn ten, einschenken i) und ja die lichter auslöschen F 2 men. follten, h) Es giebt in China verschiedene Arten von wohlriechens dem Holze, z. E. Nan-mu, Tse-tan, das Rosenholz, u. d. g. Es hat dasselbe eine schwarze und etwas ins ro- the fallende Farbe, ist strahlicht, und hat so feines Ged- der, daß man es für gemalet halten sollte. Du Halde, 1 Th. S. 23, 24. i) So bald die Braut aus der Sänfte herausgestiegen, so tritt ihr der Bräutigam zur Seite. Sie gehen beyde durch einen langen Saal, und beugen sich daselbft vier: mat follten, wenn er sich in sein Zimmer begeben wür de. Sie ließ sie hierauf abtreten, und unterwies ihre Base noch ferner also: „Am folgenden Mor- gen, wenn euch der Bräutigam siehet, wird er vielleicht zornig seyn, euch nicht so zu finden, wie er es erwartet hatte. Ihr müsset alsdann heftig schreyen, und euch stellen, als wolltet ihr Hand an euch selbst legen. Dieses wird ihn erschrecken, und abhalten, euch übel zu begegnen." Ghiang- ku versprach, allen ihren Lehren nachzukommen, und beyde Frauenzimmer nahmen von einander Abschied. Ku keh ssu war nunmehr angekommen, - - seine Braut nach Hause zu holen. Schuey- gowin gieng hinein zu ihr, sie zu sehen. „Ihr fehet sehr schön aus, sagte er; es fehlet euch nur noch ein Schleyer, euer Gesicht damit zu bedecken: wenn dieses geschehen ist, so werdet ihr vollkommen schön aussehen.“ Er nahm sie hierauf in feine Arme, und führte sie an die Sänfte. Als sie sich in dieselbe geseget, stieg der Bräutigam zu Pferde, und mal vor dem Tien, oder dem Himmel. Wenn hiernächst einige Beugungen gegen beyderseits Aeltern und Freun- de geschehen, so wird die Braut den Händen desjenigen Frauenzimmers übergeben, die zur Hochzeit eingeladen worden. Sie bringen denselben Tag in lauter Lußbar- keiten zu, da indessen der Bräutigam seine Freunde in einem andern Zimmer bewirthet. Du Halde, & Th. S. 144. Semedo, S. 72. und ritte sehr zufrieden vor der Sänfte her k,)´und nach seinem Hause zu. Daselbst waren die Thore geöffnet, und seine Anverwandtinnen stunden in Bereitschaft, sie zu empfangen. Er be Er betrachtete sie mit großem Vergnügen, als sie aus der Sänfte trat, und ihr Gesicht, das be decket war, schien ihm englisch zu seyn. gleitete sie hierauf in den Saal, und die Brauts, leute erhielten von ihren Freunden und Auver, wandten Glückwünsche. Sodann begaben sie sich in das Zimmer des Bräutigams, wo er ihr den Schleyer abnehmen wollte. Sie verbarg sich so- gleich, nach ihrer Base Anweisung in den Bettvor- hången 1). Der Bräutigam befahl, die Tafel zu decken; $3 k) Vor der Sänfte gehen Pfeifer, Hautboisten und Pau- ker her. Ein getreuer Bedienter des Hauses hat den Schlüssel, zur verschlossenen Scdnfte, den er aber keinem andern, als dem Bräutigam in die Hände giebt. So bald die Braut in ihrer Sänfte angekommen, so nimme er den Schlüffel dazu von dem Bedienten an, und öffnet sie mit großer Begierde. Und da siehet er seine Braut zum ersten mal, aber verhüllet, und urtheilet von seinem guten oder bösen Glücke. Wenn hierbey ein Betrug be- gangen worden; so wird die Verlöbniß für null und nich- tig erkläret, und diejenigen, so am Betruge Theil gehabt, werden hart bestrafet. Du Halde, 2 Th. S. 144, 146. 1) Ben vornehmen Leuten sind die Gestelle ihrer Betten gemalet, verguldet, und mit allerley Laubwerke geschmü cket. Die Vorhänge sind nach dem Wechsel der Jahres- zeiten eingerichtet. Im Winter und in den nordischen Gegen decken; allein Ghiang-ku wollte sich durchaus nicht zu Tische setzen. Die Aufwårterinnen ba- then ihn, sich zuerst zu sehen, und zu trinken. Er sagte: „Nein: cure Gebietberinn schämet fich jest, und will sich aus Schamhaftigkeit nicht sehen lassen. Vielleicht mögte sie gerne einige Er- frischungen zu sich nehmen, und ausruhen: ich will ihr daher Zeit dazu lassen, mich indessen zu entfernen, und mit meinen Freunden und Anver wandten effen und trinken." Diese fragten ihn, warum er die Braut verlassen habe, da es ja ge= wöhnlich wäre, daß die Brautsleute mit einander speisen? „Schuey-ping-fin m), antwortete er, Gegenden bestehen sie aus einem doppelten Atlas; im Sommer aber entweder aus einem einfachen Taffent, der mit Blumen, Vögeln, Bäumen, und dergleichen be- malet ist, oder aus einem sehr feinen Teppiche, den die Luft durchstreichen kann, dadurch aber keine Mücken kom- men können, als welche in den mittäglichen Provinzen- viele Unbequemlichkeit verursachen., Die gemeinen Leute bedienen sich eines sehr zarten Zeuges von Hanf. Ihre Betten bestehen aus Cattun, der sehr dick ausgeflopfet worden. In den mitternächtlichen Provinzen bedienet man sich eines in Gestalt eines Bettes gelegten Pflasters, das weit und breit ist, nachdem die Familie groß ist. Zur Seite findet sich ein kleiner Ofen, dahinein leget man Kohlen, deren Flamme und Hiße sich durch kleine Candle unter diesem Pflaster ausbreitet, und endlich in den Schorstein eingehet. Du Halde, 2 Th. S.105. m) In dem chinesischen Originale wird sie allemal nur von ihren Aeltern oder Vorgesezten also genennet. Hier und er, ist ein Frauenzimmer von so großem Range, und fo fein und zärtlich, daß man ihr mit gehöri ger Achtung begegnen muß; insonderheit gebühret ihr anjeßt alle Nachsicht. Sie gestunden, daß dieses sehr höflich und ehrerbietig von ihm sey. Hierauf ließen sie ihn an ihren Frölichkeiten Theil nehmen, und trunken einander so stark zu, daß Ku-keh-ssu ziemlich berauschet wurde. Nachdem sich die Gäste nach Hause verfüget hatten, gieng er in das Zimmer der Braut, und da er es mit Lichtern angefüllet sahe, näherte er fich dem Bette, und fragte sie, warum sie sich nicht zur Ruhe lege? warum fie auf ihn warten wollte, und ihren Schlaf durch so viele brennende Kerzen verhindere? Als er die Vorhänge zurück- $4 jog, und in andern Stellen heißt sie Schuey siausse, d.'i. Schuey, die junge Dame, oder Mandarinstochter. Denn es ist in China, so wie bey uns, unhöflich, Standesper- fonen bey ihren Namen zu nennen, und die Chineser se= hen allemal den Ehrentitel nach dem Namen. Eben so heißen Au- keh - ssu, Tieh-tschong- u, und andere Ku- cong-fsu, und Tieh - cong - fsu, d. i. Ku, oder Tich, eines Mandarins Sohn, wenn sie von andern Personen, als ihren Aeltern oder Vorgesehten, genennet werden. Schlechtere Leute heißen fic Au, oder Tich-siang - kuhn, so der englische Ueberseger durch Tieh, der junge Herr, ausgedruckt; wiewohl es im Chinesischen doch noch ein mehreres bedeutet, und ohugefähr dem Englischen your honour, oder dem Deutschen eure Hochedelgestreng, gleich kommt. Besserer Deutlichkeit wegen hat man überall die Familiennamen beybehalten. zog, wendete Ghiang-ku ihr Gesicht auf die an- dere Seite, und befahl ihren Dienerinnen, die Lichter auszulöschen. Sie nahmen deswegen An- stand, weil der Bräutigam noch nicht ausgekleidet war; dieser aber sagte: „Was euch eure neue Gebietherinn befiehlt, das thut: löschet immerhin die Kerzen aus.“ Sie thaten es, und entferneten sich n). Als Ku-keh - ssu am folgenden Morgen, ein paar Stunden nach Anbruch des Tages, aufste= hen, und sich ankleiden wollte, fahe er das håßli- che Gesicht seiner neuen Frau. Kaum konnte er feinen Augen Glauben beymeffen. Er rieb sich die Augen, und schrie: ,,Wie? die Schuey- ping-sin, die ich sah, war ja ausnehmend schön. Wer sind Sie? Sie sind die rechtmäßige Braut nicht. ,,Warum nicht, verfeßte Ghiang-ku? Ich bin es." „Ich erwartete ein vollkommen schd- (6 ፡ n) Im Chinesischen heißt es: „Sie thaten es, und ents ferneten sich. Ku-teh sou streckte hierauf seine Hån- „de aus, den Weg zum Bette zu finden, und sagte: „Ach! sie schläft. Ich will mich nun auskleiden, und vauch schlafen legen. “ So besonder dieser unnöthige Zusas des chinesischen Verfassers den Lesern scheinen mag, so muß man ihn doch, wenn man billig seyn will, mit der den Chinesern so gewöhnlichen gezwungenen Bescheidenheit entschuldi- gen, die sie bey allen Gelegenheiten anzubringen suchen, wenn sie auch öfters noch so unschicklich, lächerlich und überflüßig ist. schönes Frauenzimmer zu sehen, fagte er; und nun sehe ich hier eine häßliche Misgeburt.. Er gerieth hierauf in die größte Wuth, und fluchte dem Schuey-gowin alles Uebel auf den Hals. Ghiang-ku, da sie ihren Vater so mishandeln hörte, war in der äußersten Bestürzung. Wie, fagte sie, bin ich nicht Ihre Frau, und ist nicht mein Vater Ihr Schwäher? Und Sie haben so wenige Hochachtung für ihn, daß Sie ihn in meis ner Gegenwart mit den ehrenrührigsten Namen be, legen ?" Ku-keh-ssu wurde noch bestürzter. „Es ist genug, rief er, ich bin auf das årgste be- trogen worden! Ist wirklich Schuey - gowin euer Vater ?",,Fraget ihr noch? sagte sie, Ihr müffet sehr unwissend und dumm seyn, wenn ihr daran zweifeln wollet. Schucy-ping-sin ist meine jüngere Schwester; sie ist die Tochter mei- nes Oheims. Wenn ihr sie habt heurathen wol- len, warum seyd ihr nicht zu ihrem eigenen Hau- se gegangen, und habt euch um sie beworben ? Das Nihn kong, so ihr empfangen, betrift mich allein, und die Tieh-tsee sind im Namen, meines Vaters abgefaffet. Er schrieb ausdrück lich in seinem Ceremonielschreiben: meine Toch- ter. Euer Geschenk wurde in unser Haus ge- bracht, und ihr selbst holetët mich daraus hinweg. Die ganze Stadt weis, daß ich, und keine andere, aus dem Hause getragen wurde. Meine Familie stehet in großer Ehre und Ansehen. Soll ich es ertragen, daß ihr mir, als euerer neuvermählten Frau, und meinen Anverwandten so verächtlich $ 5 begeg Nein: ich begegnet, und mich so mishandelt? will lieber tausendmal sterben, als daß ich unter fo vieler Schmach leben follte.“ Sie stellte sich hierauf wütend und unsinnig ; sie schlug sich auf das unbarmherzigste, und er, griff eine feidene Schnur, die im Zimmer lag, sich damit zu erwürgen. Ku-keh-ssu gerieth über diese Unsinnigkeit in die größte Bestürzung. Er fürchtete die Folgen und vielen Verdrüßlichkeiten, fo eine solche traurige Begebenheit seiner Familie o) verursachen würde, wenn sie sich in seinem Zim- mer e) Der Statthalter eines jeden Districts muß den Körper eines jeden, der gewaltsamer Weise gestorben, sorgfältig untersuchen lassen. Ja, sogar von allen denen, so im Gefängnisse sterben, muß der Kaiser unmittelbar Nach- richt bekommen, und er befiehlt oft den vornehmsten Mandarinen, genaue Untersuchung anzustellen, ob auch die Sybalternen ihre Pflicht beobachtet. Das Leben ei- nes Menschen ist in China so wichtig, daß kein Manda- rin, oder Tribunal ein Todcsurtheil sprechen, und die Art der Hinrichtung bestimmen kann. Es müssen alle Halsverbrechen genau untersuchet, beurtheilet, und das Todesurtheil vom Kaiser selbst unterschrieben werden. Die Mandarinen schicken daher die Acten, und ihren Spruch an den Hof, wobey sie das Geseß genau anzei- gen, worauf sich ihr Spruch gründet. Der vorige Kai- ser Nong-tsching gab 1725 einen Befehl, daß künftigs hin keiner am Leben bestrafet werden sollte, wo nicht sein Proceß dreymal dem Kaiser überreichet worden. Du Halde, 2 Th. S. 155, 161, 162. Lettres édifiantes, T.XI, p-278. Keuere Welthift. 6 Th. mer eråugete. Er lief so gleich auf seine Neuver- mählte zu, hielt ihr die Arme, und bath sie mit Liebkosungen, seine Reden dem Wein zuzuschreiben, den er getrunken, und der ihn gemeiniglich zornig und ungestüm mache; und daß sie sich nicht durch einige unbedachtfame Ausdrücke mögte aufbringen. laffen, da sie jetzt vermählet wåren; wobey er fie versicherte, daß er mit ihr in Friede und Freundschaft leben wollte. Ru