Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 2

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Kapitel 2: In die Höhle des Tigers, um die Perle aus der Muschel zu holen

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Drittes Kapitel. a) er Mandarin Tieh-u-sheh, bekam nach zween Tagen eine geheime Antwort von dem Kaiser. Als jedermann abgetreten war, öffnete er a) I'm Chinesischen ist dieses das zweyte Kapitel. S. die Vorrede. 33. Ec er ste, und fand einen Befehl, sich der Personen zu bemächtigen, auf welchen seine Vertheidigung berubete. Er ward hierüber entzücket, zündete ein Feuer an, und betete für den Kaiser. nahm hierauf das Schreiben, legte es wieder zu- fammen, und schlug feinem Sohne vor, sich mit ihm zur Aufsuchung dieser Zeugen auf den Weg zu machen. „Mit Jhrer Erlaubniß, mein Herr, sagte Tieh- tschong-u, ich halte dieses nicht für gut. Es wird Verdacht erwecken; es wird leicht jemand dem Tah - quáy Nachricht davon ertheis len, und unfer ganzes Unternehmen würde sodann fruchtlos seyn. Lassen Sie mich allein geben, und halten Sie sich zu Pferde fertig, so bald ich die Thore werde erbrochen, und die drey Personen gefunden haben, des Kaisers Befehl zu überbrin, gen, und öffentlich zu ruffen, daß Sie die Macht håtten, diese Leute zu ergreifen.". Sein Vater war damit zufrieden. Der Mandarin des Gefängnisses kam eben, und fragte, was sich neues zugetragen habe, weil er sahe, daß sie ein Feueropfer darbrachten. Thie-u-sheh bath ihn um Verschwiegenheit, und gab ihm von dem geheimen kaiserlichen Be- fehle Nachricht. Hierauf wandte er sich gegen ´feinen Sohn, und sagte zu ihm: „Gehe anjeßt; fen aber vorsichtig." Der junge Mensch entfer nete sich, und erzählte seiner Mutter, was sich zugetragen hatte. Er ließ sich hierauf seinen. metallenen Streithammer geben, der zwanzig Pfund t Pfund b) wog. So schwer er auch war, so konn, te er ihn doch schon in seinem zwölften Jahre schwingen; seine Aeltern aber nahmen ihm dem felben, damit er kein Unglück damit anstiften könns te. Seine Mutter verwunderte sich darüber, und fagte: „Dein Vater befahl mir, dir niemals den Streithammer zu geben: was willst du damit machen?" „Ich gehe, versetzte er, nach der Höhle eines Tigers. Wie soll ich mich ohne den- selben vertheidigen?" Als man ihm denselben gab, lies er sich Wein geben, und trank so lange, bis er frölich wurde. Sodann zog er seine Sol- datenkleidung an, und fein Oberkleid darüber. Er bestieg ein weißes Pferd, und befahl zwanzig Die- nern des Hauses, ihm in einiger Entfernung zu fol. gen. Siau-tan aber mußte beŋ ihm bleiben, Er ritte ganz langfam, bis er vor das Stadt- thor gekommen war. Alsdann flog er nach dem prächtigen Pallaste des Mandarins zu. Dafelbft hielt er stille, und stieg vom Pferde. Als er sich ein wenig umgesehen hatte, kam er an einen Hof, mit drey schönen Thoren, die sehr fest verschloffen waren. q) Unter den Bedienten eines Statthalters tragen noch jezt viele Streitbdmmer, wenn er öffentlich aufziehet. Du Halde, 2 Th. S.38. Ein Catry, oder chinesisches Pfund hat 217 Unzen; 20 Carry machen also nach unserm Gewichte 25 Pfund. 100 Carry machen einen Tan, oder chinesischen Cent- ner, den die Portugiesen Pico neunen, und der 133 – cus ropdische Pfund beträgt. waren. Ueber dem mittlern stunden die drey Cha- raktere Yang-hien-tang, oder der Name des Pallastes. Er sabe, daß diefe Thore allzufest ver- schlossen waren, als daß er sie öffnen könnte. Er zweifelte aber nicht, noch einen andern Eingang zu diesem prächtigen Gebäude zu finden, und da er sich umsahe, nahm er in einer Allee eine kleine ro- the Thüre gewahr, über welcher folgende Aufs schrift stund: „Auf Befehl des Kaisers soll sich nie- ,,mand unterstehen, auch nur hereinzuschauen, „bey schwerer Strafe." Tieh tschong-u sahe durch einen Ritz in der Thüre eine große Anzahl Bedienter, welche inwendig warteten, und leise mit einander spra- chen. Er schlich unvermerkt zu seinem Diener zu rück, legte seinen Ueberrock ab, der seine Solda tenkleidung bedeckte, nahm seine Waffen, und stieg zu Pferde. Die Schönheit und Annehmlichkeit feiner Person, und der Glanz seiner Waffen ga- ben ihm alle Majestät eines Helden, oder En- gels. c) "" „Gehe nun, sagte er zu Siau-tan, und sa- ge den andern Dienern, welche hinter uns warten, daß sie vorkommen follen. Sodann verfüge dich zu dem großen Mandarin, deinem Herrn, in das Gefängniß, und ersuche ihn, so gleich hieher zu tommen." Er ritte hierauf gegen das rothe Thor € 2 • Im Chinesischen stehet: Genius, oder Geist. ju, " zu, stieg daselbst ab, und rief, nachdem er ange- klopfet hatte, laut:,,Ich komme auf Befehl des Kaisers hieher, und muß mit dem Mandarin Tah- quay sprechen: gebet ihm sogleich Nachricht da- von. Die Diener gaben ihm grob zur Antwort : „Unser Herr ist nicht hier, er ist in seinem Palaste in der Stadt." „Es ist nicht wahr, rief Tiehs tscheng-u, er befindet sich in diesem Hause: un- terstehet ihr euch, ihr Sklaven, den Befehlen des Kaisers zu widerstehen?“ Sie schwiegen stille. „Oeffnet die Thüre, schrie er, ohne Verzug." Ei- ner von den Bedienten antwortete: Wer wird sich unterstehen, die Thüre zu öffnen, da unser Herr nicht zugegen ist? Und wenn sie auch offen wåre, wer wird sich erkühnen den kaiserlichen Be- fehl zu überschreiten, der allen Eintritt verbie- thet?" Tieh-tschong-u sagte zornig: „Ich habe des Kaisers Befehl; wenn ihr mir das Thor nicht öffnen wollet, so will ich es selbst thun." Er stieß hierauf mit dem Fuße an daffelbe, und schlug mit seinem Streithammer von Erzt an das Schloß: es sprang auf einen Schlag auf. Er gieng, ohngeachtet des Widerstandes der Bedien ten des Mandarins, hinein. Einige liefen hin, ihrem Herrn Nachricht davon zu geben, der eben mit Befragung und Bestrafung der beyden alten Leute beschäftiget war; so daß er jedes ins beson- dere verwahrete, weil sie ihm ihre Tochter versa- get hatten. Er stellte ihnen vor, daß er es ihnen reichlich vergelten könne, und daß sie bey ihrer Ar- muth thōricht handelten, wenn sie sich seinem Wil- len len långer widerfeßen wollten. Sie antworteten ihm, sie könnten nimmermehr in ein Verlangen einwilligen, das so unbillig wåre. Ich bin ein Gelehrter vom zweyten Range, sprach der Alte, und von keiner geringen Herkunft: lieber wollte ich in Armuth leben, als so unwürdig handeln: eure Reichthümer machen keinen Eindruck bey mir.“ Tah quay gerieth hier in den heftigsten Zorn, und befahl, ihn nackend auszuziehen, und zu bin den, daß man ihn peitschen könne. In diesem Augenblicke kamen vier bis fünf feiner Diener eils fertig herben gelaufen, und schrien: „Böse Neuig keiten! Es hat sich etwas sehr schlimmes zuge- tragen!" Er, fragte sie, was es wäre? „Ein kühner Jüngling, autworteten sie ihm, hat die Thür aufgebrochen, und fagt, daß er vom Kaifer Befehl dazu habe. Tieh- tschong-u war jetzt schon in dem grø- Ben Saal. Tah quay erschrack sehr, und woll- te sich verbergen; allein er kam ihm zu nahe auf den Hals. „Tsching-leao, d. i. ihr Diener, mein Herr, sagte der junge Mensch, als er sich ihm näherte. Ich bin auf Befehl des Kaisers hieher gekommen, mit euch zu sprechen: warum habet ihr euch verläugnen lassen?" „Wenn ihr ´einen solchen Befehl habet, verfchte Tah-quay, warum ließet ihr mir nichts davon melden, an- statt euch mit Gewalt den Eintritt zu verschaffen, und so viel Lårmen, und Grobheiten auszuüben? Tieh-tschong-u gab ihm zur Antwort, daß er einen geheimen Befehl habe, und keine vorläufige Nach- € 3 "" Nachricht verstatte. Er näherte sich hierauf sei ner Person, hielt ihn mit der einen Hand, und mit der andern sein Schwerd, und fragte ihn zus gleich, ob ihm der Kaiser dieses Lufthaus zur Ver waltung der öffentlichen Gerechtigkeit gegeben ha be, und warum diese Person nackend ausgezogen und gebunden worden?" „Dieser Mensch, sagte Tah-quay, ist mein Bedienter, und es geher mein Verfahren gegen ihn weder die öffentliche Ges rechtigkeit noch den Kaiser an. „Ich bin nicht fein Diener, schrie der alte Mann, ich bin ein Ge lehrter vom zweyten Range, und er hat mir nichts zu befehlen, „Wenn Sie eine solche Person find, erwiederte Tieh-tschong-u, wie kommt es, daß Sie allhier so gezüchtiget werden d)? Wie heißen Sie?“ Er antwortete: „Han-yuen. „Wenn Ihr Name Han-yuen heißt, gab ihm Treh-tschong-u zur Antwort, warum verbar- gen Sie sich, als des Kaisers Befehl kund gemacht wurde, daß Sie sich melden sollten?" Er fahe hierauf hinter sich, und gab Siau-tan ein Zeis chen, seine Diener hereinzurufen. „Nehmet bier, "6 (6 fagte d) Da Han-yuen ein Riu - gin war, so war es desto ge sehloser, ihn auf diese Weise zu mißhandeln, da schon ein jeder Sieou-tsai, oder Graduirter vom untersten Range, die Freyheit hat, daß er nicht mehr auf Befehl eines Mandarins Stockschläge leiden darf. Denn diese Kehen unter eines besondern Mandarins Aufsicht, der, wenn sie einen Fehler begehen, berechtiget ist, sie dafür zu züchtigen. Du Halde, 2 Th. S.300, und 75. fagte er, diesen alten Mann in Verwahrung, er ist eine solche Person, die unmittelbar dem kai- ferlichen Tribunal unterworfen ist." Tieh tschong-u fragte ihn hierauf nochinals, weswe- gen er sich hier befånde?,,Ich bin mit Gewalt hieber geschleppet worden, verfeßte hierauf Han- yuen, wegen meiner Tochtnr, und ich konnte mich so wenig widersetzen, als ein junges Böck, chen einem Tiger e) widerstehen kann. Wenn Sie nicht angekommen wåren, so weiß ich nicht, ob ich noch leben würde." Er fragte ihn, ob feine Frau und Tochter hier wäre? „Meine Frau ist in einem Nebenzimmer, fagte er, und meine Toch, ter auch: sie beharret auf ihrer abschläglichen Ant- " €4 wort e) Es finden sich in China sehr viele Tiger, Büffel, Rhl- noceros, und andre wilde Thiere; nur keine Löwen wer- den daselbit angetroffen. Du Halde, 2 Th. S. 183. Der Kaiser Rang-hi beluskigte sich öfters mit der Tigerjagd. Es gehöret viele Vorsichtigkeit dazu, wo nicht die Jager in Stücken gerissen seyn wollen. Wenn man weis, wo sich der Tiger gelagert, so werden die Jäger mit langen und breiten Spiessen an den Ort gestellet, dahin er sich wahrscheinlich retiriren mögte, wenn man ihn aus seinem Lager getrieben. Wenn er so nahe ist, daß er mit einem Schuffe erreichet werden kann, so werden viele Pfeile nach ihm abgeschossen, zugleich aber auch einige Hunde auf ihn losgelassen. Duhalde, 4Th. S.224. Kircheri China illuftrata. p.52. Neuhof, 2 Th. S. 97. Dieses Thier giebt den Chinesern zu vielen Sprüchwörtern und Ausdrücken Gelegenheit. Sie beschreiben dasselbe in iha ren Gedichten so poetisch, als Homer den Löwen. wort gegen Tah - quay, und würde eher sterben, als ihm zu Willen seyn. Ich weis nicht, ob sie noch lebendig ist, oder nicht. Tieb- tschong-u ward sehr gerühret, und sendete seine Leute ab, Mutter und Tochter so gleich in Sicherheit zu bringen. Tah - quay fieng an zu lårnien. „Wie! schrie er, ihr unterstehet euch, diesen Ort zu ent weihen, die Thüren aufzubrechen, und Hand an den Befißer zu legen? Habe ich gefehlet, so müf- set ihr des Kaisers Befehl vorzeigen: ohne diesen feyd ihr eines unverzeihlichen Verbrechens schul- dig. Er wollte sich von ihm losreißen; allein er konnte nicht. Sodann rief er seinen Leuten, ihm beyzustehen. Tieh-tschong-u deutete ih- nen an, es würde gefährlich für sie ausfallen. „Wer unterstehet sich, mich zu beleidigen, da ich auf Befehl des Kaisers bevollmächtiget bin? Wer will Hand an mich legen?" Er hielt ihren Herrn bey seinem Gürtel fest, drehete ihn herum, und schlug alle nieder, die zu seinem Beystande sich nåberten, bis Tah-quay endlich selbst ausrief: ,,Laffet ab, laffet ab; streitet nicht länger mit ihm." 1. Viertes Kapitel. Verschiedene Mandarinen, die mit Tah-quay bekannt waren, kamen inzwischen an, und da sie ihn in diesem Zustande erblickten, und fan- den, daß er, wie eine Maus in den Klauen der Kate, zitterte, sagten sie zu Tieh-tschong-u: „Die ,,Dieser Mandarin hat einen großen Rang; wenn er auch strafbar ist, so müsset ihr doch seine Würs de und Ehre nicht hintanseßen. Machet auch ans dern, oder einigen unter uns, die Ursache dieses Zufalls bekannt, damit man euch beyde wieder vereinigen könne.' ,,Dieser Mann, antwortete der junge Mensch, hat den Kaiser durch falsches. Zeugniß hintergangen, und sich der schwersten Ber brechen schuldig gemachet. Wie soll man also hier auf Würde, und auf Ehre sehen ?“ also ist, sprachen die Mandarinen, „Wenn dem ་།་་ so muß es dem Kaiser kund gemacht werden, damit er nach feinem Willen diese Leute strafe; euch aber kommt es nicht zu, ihm also zu begegnen." ,,Jhr redet ganz recht, versetzte Tieh-tschong-u; da ich aber allein war, als ich in das Haus trat, so würde ich sehr übel empfangen worden seyn, wenn ich mich nicht seiner bemächtiget hätte." „Jhe send beherzt und stark, sagten die Mandarinen; kamet ihr etwan heute hieber, euch wegen eines vormahligen Streites zu rächen; oder diesen alten Leuten beyzustehen?" Ich bin wegen keiner von diesen Ursachen allhier, antwortete ihnen Tieh tschong-u, sondern auf geheimen Befehl des Kaisers, sie in Verwahrung zu bringen, weil fie in diesem Hause verstecket gehalten wurden.' ,,Warum laffet ihr diesen Befehl nicht sehen? sprachen sie, leset uns denselben vor.“ Er ers wiederte': Ihr follet ihn sogleich sehen." (૮ Als Tah- quay so viele seiner Bekannten um fich sahe, fieng er an, Muth zu faffen. € 5 „Kehret euch " euch nicht an ihn, schrie er, es ist nichts wahr von allem dem, was er faget: er ist kein Hof- bedienter des Kaisers: er ist auch kein Mandarin, dem die Ausübung der Gerechtigkeit anvertrauet ist. Er ist ganz und gar nicht bevollmächtiget, des Kaisers Befehl zu vollziehen. Er bedienet fich blos dieses Vorwandes, seinen Freund Hans yuen, wider die Gefeße, nebst seiner Frau und Tochter hinwegzuführen." ,,Wenn ihr, versetz ten die andern, nicht Befehl vom Kaiser habt, und ohne demselben hieher gekommen seyd, seine Ehre und Würde anzutasten, so ist dieses eines der årgsten Verbrechen. Eine solche gewaltsame That hätte sicherer in einem entlegenen Dorfe aus- geführet werden können: da würdet ihr ein be- herzter Mensch zu nennen seyn. Allein hier, so nahe an der Stadt, einen Edelmann so zu belei digen, und seine Familie und Rang so zu verklei nern, das ist ein unverzeihliches Vergehen, und wenn ihr auch Flügel håttet, so würdet ihr doch nicht der Strafe entgehen können. Wir wollen in die Stadt, nach den Mandarinen des Justiß- wesens, senden." „Ihr thut ganz recht daran, fagte Tieh-schong-u, laffet sie herzurufen. Sogleich schickte man nach ihnen. << Der Tschi-fu kam bald darauf an, und nach ihm auch der Tschi-hien a). Die Man- darinen a) Das ganze chinesische Reich bestehet aus funfzehn gross sen Provinzen. Jede Provinz hat verschiedene Städte vom ersten Range, die man Fu nemnet; diese haben wies der 43. " darinen erzåbleten ihnen, was sich eräuget hatte. „Wir wissen nicht, fageten diese Magistratspersos nen, auf welcher Seite die Wahrheit ist; wenn ein kaiserlicher Befehl hier ist, so muß er gelesen werden." Der Tschi-hien ließ hierauf einen Ort zu einer Gerichtsversammlung zubereiten, und als man damit fertig war, befahl er, den Befehl vorzuweisen. Ehe man ihm noch antworten konnte, brachte man die Nachricht, daß Tich-u sheh angekommen sey. Tah quay nebft allen Anwesenden geriethen in Verwunderung. „Dieser Mann, fagten sie, ist in enger Verwahrung; wię kam er hieher?" Eben trat Tieh-u-sheh her- + ein, der andere Städte vom zweyten und dritten Range uns ter sich, die man theils Tscheou, theils Hien zu nennen pfleget. Unter diesen Hien hat man sich nichts anders, als eine gewisse Art von Ballayen oder Aemtern vorzu- stellen. Der Mandarin der Städte vom ersten Range heißet Tschifu. Er ist aus der vierten Classe der Man- darinen, und seine Beyfiger sind Mandarinen vom sect= ften oder siebenten Range. Der Mandarin über Städte vom zweyten Range heißet Tschi - tschou. Er ist aus der fünften Classe der Mandariuen, und seine Beysiker vom sechsten und siebenten Range. Der Präsident des Tribunals der Städte vom dritten Range heißet Tschis hien. Er ist ein Mandarin aus der siebenten Classe, und hat zween Beysißer von der achten und neunten Classe. Er wird auch Sien - tsun genennet, so wie der Tschi - fu auch Futfun, d. i. die berühmte Person der Stadt vom ersten Range, heißet. Du Halde, 2 Th. S.36, und 299. Lettres édifiantes, T. 21. p. 220. Hash_Kidh Tschwen. ein, und hielt des Kaisers Befehl vor sich, der in gelben Papiere b) eingerollet war. Sein Sohn rief: „Erzeiget dem Befehle des Kaisers die schul- dige Ehrerbietung." Sie fielen so gleich alle auf die Kniec). Da Tieh-u-sheh so viele Man dariken allhier antraf, sprach er: „Ich soll dies da aber meine Augen fen Befehl selbst lesen; schwach sind, so werden Sie, mein Herr, (hier wandte er sich zu dem Tschi-fu) so gütig seyn, und denselben ablesen. Der Tschi-fu nahm ihn, und las folgendes: „Dieser Befehl gebietet dem ,,Tieh-u-sheh, sich nach dem Hause des Tah- „quay zu verfügen, und Han-yuen, nebst fei- „ner Frau und Tochter in Sicherheit zu bringen. „Tieh-u-sheh ist hierdurch bevollmächtiget, diese drey Personen, wo sie auch immer verborgen ,,fenn mögen, aufzusuchen, und sich ihrer zu be- ,,mächtigen. (6 „Diefer Befehl soll drey Tage lang dauern. દ Als er damit fertig war, machte Tieh-u- sheh, und alle Anwesende eine tiefe Berbeugung, und stunden auf. Die hohen Mandarinen, fo gute Freunde vom Tah-quay waren, giengen so still- b) Die gelbe Farbe ist die kaiserliche Leibfarbe, und wird nur blos in kaiserlichen Angelegenheiten gebrauchet. Du Halde, 2 Th. S. 15. c) Alle Befehle des Kaisers, fie mögen schriftlich, oder mündlich seyn, müssen kniend angehöret werden. Let- tres édifiantes, T. 13. p.377 stillschweigend hinweg, und ließen nur die zween Mandarinen der Stadt bey ihnen zurück. „Diese drey Personen, sagte Tieh-u-sheh zu dem Tschi-hien, find des Kaifers Gefangene : ich übergebe sie Ihrer Aufsicht, da ich indessen hingehe, Sr. kaiserl. Majestät Bericht abzustatten, und feruere Befehle einzuholen.“ Han-yuen dankte dem Tieh-u-sheh, und bekannte, daß er, seine Frau, und seine Tochter ihr Leben seiner grof- fen Frömmigkeit und Gerechtigkeit zu danken håt- ten. Der Mandarin aber sagte ihnen, daß sie dem Kaiser allein für ihre Erhaltung und Sicher- heit danken müßten. Er wandte sich hierauf ges gen den Tschi-fu, und sagte: Ich habe diese Per- fonen der Aufsicht des Tschi-hien übergeben, ste vor ein höheres Gericht zu bringen; weil aber Tah - quay ein Mandarin von hohem Range und Würde ist, so ersuche ich Sie, mein Herr, ihn al- lein zu dieser öffentlichen Audienz zu begleiten.' Er kehrte hierauf nebst seinem Sohne wieder in das Gefängniß zurück, daselbst des Kaisers fer- nern Befehl zu erwarten. Er feßte eine Bitt schrift auf, und gab Seiner Majeftåt von allem Nachricht, was vorgegangen war. Der Kaiser empfieng fie gnådig, und ertheilete diese Antwort: Ihr habt wohl gethan, und euch bey dieser gan zen Sache als ein ächter Mandarin der Gerechtig teit bezeiget. So bald sie geendiget seyn wird, follet ihr zu einer höhern Ehrenstelle befördert wer- den." Sogleich wurden auch Befehle ertheilet, ihn in Freyheit zu segen. In Inzwischen war Tah - quay nicht müßig. Er bot den Gerichtsmandarinen Geschenke an; allein keiner unterstund sich, etwas anzunehmen. Die Aussagen der beleidigten Parteyen waren gar zu sehr wider ihn, und bewiesen auf das klåreste, daß man sich ihrer mit Gewalt bemächtiget, und ihnen sehr übel begegnet habe. Der Gerichtspräsident fabe keine andere Möglichkeit, seinen Freund zu retten, und fällete dieses Urtheil: „Tah- quay ist bey Jahren, und ohne Kin- ,,der. Dieses bewog ihn, die junge Weibsperson „zu entführen; es zeiget sich aber, daß er ihr in „seinem Hause nichts an ihrer Ehre benommen ,,habe. d) Er stammt aus einer berühmten Fa „milie her. Verschiedene seiner Vorfahren haben dem d) Die Chineser sind sehr besorget, ihre Familien auf die Nachkommen zu erhalten, und der ältere Bruder muß, wenn er auch nichts von seinem Vater geerbet hätte, seis ne jüngern Brüder ernähren, und sie verheurathen, weil feine Vorfahren, falls seine Familie durch eigene Schuld erlöschen sollte, der Ehre und Pflichten beraubet seyn würden, die die Nachkommen ihnen zn erweisen schuldig sind. Aus eben dem Grunde geht ein Chineser, der wes nig zu leben hat, nicht selten in das Hospital der Fund- linge, holet sich ein Mädchen aus demselben, erziehet es, und giebts hernach seinem Sohne zur Frauen. Auch die Reichen, wenn sie keine Kinder haben, stellen sich zuwei- len, als ob ihre Weiber schwanger wåren, darauf bege= ben sie sich in unbekannter Gestalt des Nachts in cin Hospital, und nehmen aus demselben ein Kind, das sie, als ihr eigenes, halten. Du halde, a Th. S. 142, 143. „dem Kaiser als Feldherren gedienet, und große Eroberungen gemacht. Er selbst hat sich hiering ,,bervorgethan, und feine Gaben und Tapferkeit. ,,gezeiget. Wenn man alles dieses erwäget, so „hat er gar kein großes Verbrechen begangen, da „die Entführung dieser jungen Weibsperson aus „oben angezeigten Ursachen geschehen, und dabey keine Gewalt gebrauchet worden. Er verdient daher keine scharfe Strafe: jedoch muß dieses „dem Willen Seiner Majeståt überlassen werden. Der Kaiser ertheilte hierauf auf das Verfah ren des Gerichtes folgende Antwort: ,,Tah-quay ist von einer berühmten Fami ,,liee), und von vornehmen Range; allein er hat fich e) Im chinesischen Original werden alle seine Ehrenbes nennungen also angeführet: Tah quay gkeou sha li. Die beyden lektern Wörter bedeuten seinen Geburtsna- men; die übrigen aber feinen Rang, der ungefähr so viel heißet, als in England oder Frankreich ein Herzog. Der Adel ist in China nicht erblich. Man hat in diesem Rei- che weiter keinen Rang, als so viel man Fähigkeiten und Verdienste besiget, und es mag' einer so vornehm gewez sen seyn, als er will, so müssen doch seine Kinder, die er nachläßt, erst ihr Glück in der Welt machen. China if alles in den Pöbel, Gelehrten, und Mandari- nen eingetheilet. Nur diejenigen, die zur regierenden kaiserlichen Familie gehören, werden von diesen unter- schieden. Sie haben einen besondern Fürstenrang, und um ihrentwillen hat man fünf Classen eines Titularadels aufgerichtet, die denen in Europa bekannten Adelsstufen nicht ungleich sind, und die man Fürsten, Marquis, Gras " In fen, "" „beyder Vorzüge verlustig gemacht. Er bedienete „sich seiner Gewalt auf eine tyrannische Art zur „gewalt, fen, Barons und Herren heißet. Doch giebts auch solche Fürsten, die mit der kaiserlichen Familie in keiner Ver- wandtschaft stehen, weil sie entweder von den vorigen Dynastien abstammen, oder, weil ihre Vorfahren, wegen besonderer Verdienste, diesen Titel und Rang vom Kai- ser erlanget. Gegen das Ende der vorigen Dynastie Ming (denn die jerige heißt Tsing) waren über drey- tausend solcher fürßlichen Familien in der Stadt Riang- tschu, davon die meisten betteln giengen. Der Bandit Ly: tkching, der sich der Stadt Pe-king bemächtigte, schaffte alle diese Prinzen bey seite, und ließ sie größten- theils über die Klinge springen. Die fünf Classen des Titularadels heißen also: Tsin: vang, Kiun- vang, Paisle, Peiste, und Cong-bu. Dieser fünfte Rang ist höher, als die Würde aller Mandarinen im Reiche. Zu den Adelichen werden aber auch gerechnet, 1) alle diejenigen, die ehemals Mandarinen in andern Provin- zen gewesen; 2) die, welche durch Vorspruch oder Ge- schenke gewisse Ehrentitel erlanget, wenn sie nicht Fd= higkeit genug gehabt haben, die Ehrenstufen der Gelehr- ten zu besteigen. 3) Gehöret eine unbeschreibliche Menge Gelehrter zum Adel, die sich alle drey Jahre vor dem Tribunal des Gouverneurs zum Examen stellen, der ih- nen eine Materie zur Ausarbeitung auftråget. Eines der vornehmsten Merkmale des Udels ist es, wenn man vom Kaiser solche Ehrentitel erhält, die nur Personen von außerordentlichen Verdiensten beygeleget zu werden pflegen. Der Kaiser ertheilet solche zuweilen auf fünf, sechs, acht bis zehn Geschlechter, nachdem sich jemand um den Staat besonders verdient gemacht. Mit diesen Ehren- gewaltsamen Entführung dieser Leute. Die „Tochter war bereits schon einem andern verlobet : رد eg Ehrentiteln bezeichnen sich die Mandarinen in ihren Briefen, und an den Vorderseiten ihrer Hduser. In Europa gehet der Adel abwärts von den Vätern auf die Kinder und Nachkommen; in China aber gehet er zu- weilen rückwärts auf den Vater und Vordltern. Der Kaiser begnügte sich im Jahre 1678 nicht damit, daß er den Jesuiten Ferdinand Verbiest adelte, und zum Prd- fidenten des mathematischen Collegit am Hofe zu Pe- ting machte; sondern er ließ auch für die Vorfahren dieses

gelehrten Ordensmannes besondere Adelsbriefe ausferti-

gen, und es wurden alle Jesuiten unter die Mandarinen gezdhlet. Die Familie, die heut zu Tage für die edelste in ganz China gehalten wird, ja für die edelste in der ganzen Welt gehalten werden kann, wenn man sie nach ihrem Alterthume betrachtet, ist die Familie und Nachkommen des Cong-fu tfee, oder Confucius, der 551 Jahre vor Christi Geburt gebohren wurde, für den ganz China ei- ne große Ehrerbietung heget, weil er der vortrefflichstë ihrer Weltweisen ist. Es ist eigentlich zu sagen sonst ‹ kein Adel in China erblich, als der Adel dieser Familie, und der sich in gerader Linie, seit mehr als zweytausend Jahren, in der Person eines seiner Enkel erhalten hat, den man Ching - gin - ti-schi - ell, d. i. den Enkel des großen Mannes, zu nennen pfleget. Denn so nennen die Chineser den Verbesserer ihrer Sittenlehre. In Bes trachtung dieses Ursprungs haben alle Kaiser einem sei- ner Nachkommen die Würde eines Cong beygeleget, wel= ches so viel, als bey uns ein Graf, ist. Unter den dies fer Claffe eigenen Ehrenbezeugungen ziehet der jegtleben- • De „es war also fein Verfahren höchst ungerecht. Als ,,Tich-u-sheh seine Bittschrift übergab, hielt er „Tieh unsere Macht geringe, da er sie in seinem Hause „verbarg, und mißbrauchte unser Zutrauen in ihn „auf das gröbste, då er eine falsche Anklage wis ,,der diesen Mandarin überreichte. Um also Ge „rechtigkeit auszuüben, ist es nothwendig, ihn sei, „nes Amtes zu entfeßen. Er soll auch drey Jah- „re in seinem Hause gefangen seyn, und ein Jahr ,,lang feine Einnahme dem Han-yuen bezahlen. „In Ansehung seiner Vorfahren soll er mit ferne- „rer Strafe verschonet seyn. Wey-zhey foll „das Mädchen heurathen, und Han-yuen soll ein „Gelehrter vom vornehmsten Range seyn. Tieh- „u-sheh soll das Amt eines Tu-tscha-yuen, „oder Vordersien der Statthalter, bekleiden. Der Gerichtsmandarin, so in dieser Sache Richter ,war, soll drey Monate keine Einkünfte bekom- ,,men. "" Dieser Ausspruch des Kaisers wurde kaum fund gemacht, als jedermann den jungen Tich- tschong-u, wegen seiner Weisheit und Herzhaf, tigkeit, bewunderte. Sein Ruhm breitete sich aus, de Nachkomme des Confucius durch die Strassen von Pe- king, wenn er nach Rio feou, in der Provinz Can- ton, als dem Geburtsortè seines berühmten Vorfahren, eine Wallfarth ansfellet, und ein Gelehrter aus dieser Familie wird allemal zum Gouverneur gedachter Stadt vom Kaiser ernennet. Du Halde, 2Th. S. 72. 3 Th. S.368. feq. Allgem. neuere Welthift. 6Th. S. 417. aus, und man sprach überall von ihm. Von allen Orten kamen Mandarinen zu ihm, ihre Glück wünsche abzustatten f), und dieses dauerte vom Morgen bis in die Nacht. Allzuviel Ebre und Hochachtung, sagte der Mandarin Tieh-u-sheh bey sich selbst, die man einem jungen Menschen erweiset, kann üble Fol- gen nach sich ziehen. Er wird hierdurch dem Nei- de blos gestellet: er kann bochmüthig werden; man kann die Sache auf der falschen Seite anfe hen, und junge Leute können dabey nachlässig wer den, oder wohl gar am Ende wiederum in Ber geffenheit gerathen. Er ließ eines Tages feinent Sohn vor sich femmen. ,,Mein Sehn, sprach er zu ihm, der Bogen, so zu sehr gespannt ist, wird zerbrechen: man muß niemals die Mittel- straße überschreiten. Tah- quay ist jetzt ein Ge D 2 fange f) Die Visiten sind bey den Chinesern ein großes Stück ihres Ceremoniels. Sie legen bey allen Gelegenheiten. Staatsvisiten bey einander ab, und es ist durch ein öf fentliches Reglement alles angeordnet, was dabey beobs achter werden muß, z. B. wie oft man sich beuget, was man får Titel geben soll, u. f. f. Vorher wird dem Pförtner ein Visitenbillet, welches man Tiestsee nennet, überreichet. Es ist solches ein Bogen roth Papier, mit güldenen Blumen bemalet, und der als ein Fächer zu sammen geleget ist. Wenn jemand ein Präsent überrei chet, so wird außer dem Tie- tsee auch ein Ly - tan, das ist, ein rothes Papier, übergeben, auf welchem der Na- me desjenigen stehet, der das Geschenk überreichen lass fet. Duhalde, 2 Th. S. 128, 131. Hash Kidh Tschwen. fangener; aber er wird einst wieder in Freyheit seyn. Du hast ihn, als du dich der Leute in seis nem Hause bemächtigtest, zu sehr beleidiget, als daß er es jemals vergessen sollte. Er wird viel- leicht nochmals darauf denken, es dir wieder ent- gelten zu laffen, und sich wegen der Schmach zu råchen, die er glaubet von dir empfangen zu has ben. Ich selbst, fuhr er fort, bekleide ein hohes Amt, das mir der Kaiser anvertrauct hat. Ich kann es nicht hintanfeßen, es mag meine Verwal- tung deffelben glücklich seyn, oder nicht: ich muß allhier bleiben; du aber hast die Freyheit hinzuge- hen, wo du willst. Du hast dir nunmehr viele Ehre erworben; man bewundert dich als einen Jüngling von feltener Herzhaftigkeit und Klugheit. Gegenwärtig kann dein Ruhm nicht vermehret, wohl aber verlohren oder beflecket werden." " „Mein Herr, fagte Tieh-tschong-u, ich bin so glücklich, daß ich gleichfalls diese Gesinnungen hege. Ich verlange gar keine so große Achtung für mich. Ich würde lieber derselben ausweichen, wenn mich nicht die Pflicht, so ich Ihnen schuldig bin, da bleiben hieße, im Fall Sie meiner Dien- fte nöthig haben mögten. „Waß dieses betrift, versetzte sein Vater, so hat es nichts auf sich; ich halte dich deshalben entschuldiget. Ich war zuvor nur einer der untern Mandarinen; jezt aber bin ich höher gestiegen, und kann die Bosheit mei ner Feinde verlachen. Entferne dich also vom Hofe, und sey in deinem Studieren fleißig; oder gehe auf Reisen. Ich überlasse dich nun deiner eiges eigenen Aufsicht. Sey wachsam über deine Leis dens haften; lerne deinen Zori zåhmen, und dies fe ausschweifende Hige unterdrücken, wozu du so geneigt bist." Tieh-tschong-u bückte sich, seinen Gehor- fam zu bezeigen, und gieng hinein zu seiner Muts ter, Abschied von ihr zu nehmen. Sie war nicht geneigt, ihn so bald von sich zu lassen, und befahl ihm, noch einige Tage da zu bleiben. .te. Ehe noch drey Tage verflossen, vielen Besuche, die er erhielt, müde. also von seinen Aeltern Abschied, und trat mit feinem Diener Siau tan feine Reife an. Er gehorch, war er der Er nahm Er kam in die Stadt, wo er vormals sich auf- zuhalten pflegte; allein der Ruf von seinen Ver- richtungen war schon vor seiner Ankunft dahin ge langet. Das Volk war neugierig ihn zu sehen, und alle Straffen, wo er durchzog, waren voll Leute. Die Mandarinen des Orts hatten von sei ner Ankunft Nachricht erhalten, und besuchten ihn nach der Reihe, ihm ihren Glückwunsch, we gen feiner glücklich ausgeführten Sache, und we gen der Beförderung feines Baters, abzustatten. „Habe ich den Hof, fagte er ben sich selbst, nicht deswegen verlaffen, weil ich der vielen Be fuche müde wurde, und bin ich nicht in der Absicht hieber gekommen, sie zu vermeiden? Ich hätte besser gethan, wenn ich ben meinem Vater geblie ben wäre. Ich hätte mir schäßbare Freunde bey Hofe machen können; aber allhier bin ich beunru- higet, ohne das Vergnügen der Gesellschaft guter D3 " Freun -1 Freunde zu haben. Ich will der Erlaubniß meis nes Vaters gemäß, die vier Theile der Welt g) besuchen. Wenn diefer Monat zu Ende seyn wird, will ich das Haus, und alles, was dazu gehöret, der Sorge meines Verwalters überlassen, und mich sodann auf den Weg machen. Da diese Zeit verstrichen war, befahl er, sein Reisegeråthe aufzupacken, und trat mit seinem Diener seine Reifen an. Fünf- g) In dem Munde eines Chinesers bedeutet dieser Aus-- druck das chinesische Reich, oder die vier Gegenden der Wet. Sie sind so sehr von der vorzüglichen Grösse und Güte ihres Landes eingenommen, daß sie alle andere Lan- der, außer China, verachten. Einige ihrer Gelehrten baten einst den P. Chavagnac, ihnen eine europäische Weltkarte zu zeigen. Sie suchten in derselben lange Zeit das chinesische Reich; endlich meineten sie, daß ei- ne von den halben Sphären, die Europa, Afia, und Afri- ka in sich fassete, ihr geliebtes China sey. Amerika kam ihnen, in Ansehung der übrigen Welttheile, allzugroß vor. Gedachter Pater ließ sie eine Zeitlang in ihrem Irrthume, bis einer unter denselben sich die Erklärung der Namen und Buchstaben, die auf der Karte befind- lich waren, ausbath. „Hier ist Europa, sagte der Pater, hier ist Afrika, hier ist Asien. In Asien findet ihr hier Persien, da Indien, dort die Tartarey „Wo ist denn China?" riefen sie aus. „Hier, antwortete der Pater, in diesem kleinen Winkel, und das sind seine Gränzen. Sie erschracken darüber, sahen einander an, und sagten zu sich selbst: Siao te: kin, d. i. es ist sehr klein. Du Halde, 2 Th. S.95.