Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 12

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Kapitel 12: Ein kaltes Gesicht kann sich wenden: Ein einziges Bankett schafft einen Feind

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Viertes Kapitel. a) >> keh-ssu wollte es wissen. Er sagte ihm, daß Tieh-tschong-u nicht ohne Ursache eine so weite Reise wegen seiner Nichte gethan habe, und ganz gewiß eine Gelegenheit suche, mit ihr zu sprechen. Man muß ihn genau beobachten, sprach er; ich will zu meiner Nichte gehen, und sie bereden, nach ihm zu senden.“ „Dieses wird ihm sehr angenehm seyn, verfekte Ku-keh-ssu; ja, es wird ihm eine Gelegenheit geben, seine Heurath mit ihr zu befestigen: sodann bin ich gänzlich verlohren, und aller Hofnung beraubet.“ „Dieß ist nicht zu befürchten, gab Schuey- gowin zur Antwort; sondern meine Absicht geht dahin, ihn daran zu verhindern.' Er gieng sodann zu Schuey-ping-sin, die, er also anredete: „Nichte, ihr besiget große Ein- a) Im Chinesischen ist es das zwölfte. ficht sicht und Scharfsinnigkeit; ich werde inskünftige große Achtung für eure Meinungen bågen. Denn als ein Gerücht gieng, daß Tieh- tschong-u sich schwerer Verbrechen schuldig gemacht habe, und ein Heuchler und Betrüger wäre, wolltet ihr es durchaus nicht glauben, sondern behieltet die vo rige Hochachtung gegen ihn. Euer Urtheil ist durch die Folgen gerechtfertiget worden, und ich sehe, daß er eine Person von großer Ehre, Tugend und Gerechtigkeit ist.“___„Dieses ist eine alte Sa- che, antwortete sie, warum erwähnen Sie dieselbe aufs neue ?",,Ich sah ihn heute wieder hier in unserer Stadt, sprach Schuey-gowin, und eben deswegen bin ich überzeuget, daß er vortrefliche Eigenschaften befizet. Ich redete diesen Morgen mit ihm, da ich von euch hinweg gieng. Er fag- te mir, daß er bey Hofe vernommen habe, der Ngan :-yuen båtte euch durch zween Befehle zum Heurathen wider eure Neigung zwingen wollen, und er wäre deswegen hieher gekommen, dieses zu verhindern. Er kam zu eurem Hause; als er aber das Kao-sche, oder Mandat, zu eurem Besten erblickte, gieng er vergnügt hinweg, und will wieder nach Hofe zurückkehren. Ich muß also eine sehr vortheilhafte Meinung von ihm has ben." ,,Eben so edel handelte er, sagte Schuey- ping-fin, als er mich zum Tschi-hien kommen fah. Ich mußte alles mögliche thun, die Große muth und die Verdienste eines so rechtschaffenen Jünglinges zu belohnen.“ Ihr habt recht ge handelt, sagte ihr Oheim; er ließ sich hieran ≈ 2 . nicht nicht begnügen, sondern reisete auf erhaltene Nachricht, daß man euch beleidigen wollte, fo- - gleich hieher. Wäre es nicht unbillig, wenu wir ihn abreisen ließen, ohne ihm für seine Bemühung Dank abzustatten?" "Diese Frage ist billig, sprach das Frauenzimmer; allein, was soll ich thun? Ich bin jung und unverheurathet, und muß mich für allem forgfältig båten, was man mir übel auslegen könnte. Er ist von meiner dankbaren Gesinnung gegen ihn so überzeuget, daß er keine öffentliche Probe davon verlanget.“ wäre aber doch gleichwohl billig, erwiederte Schuey-gowin, daß man ihn einlade, damit ihr doch wenigstens euch ihm empfehlen laffet.". " Schuey-ping-sin hatte von ihrem alten Diener Schuey-yong erfahren, daß er ihn nahe bey Pe-king angetroffen, und daselbst um seinen Beystand gebeten habe. Weil er nun ohne sein Wissen wieder zurückkehrete, so vermuthete fie, daß Tieh-tschong-u diese Reise unternommen habe, fich recht nach der Beschaffenheit ihrer Umstände zu erkundigen, weil er ihren Diener nicht mehr fab. Sie sagte ihrem Oheime, daß sie es ihm überließe, was er ihr anrathe, und daß sie das Tichtfee, oder Einladungsbillet, in feinem Na- men an Tieh-tfchong-u übersenden wollte. Sie gab es auch wirklich dem Schuey - yong, es dem Fremden zu überbringen, und Schuey- gowin zeigte ihm seine Wohnung on. Tieh- tschong-11 faß in tiefen Gedanken, als er Schuey-yong hereintreten fah. Er erfreute sich sich sehr, ihn zu sehen, und fragte, warum er nicht nach Pe-king gekommen sey. Dieser alte Bediente erklärte ihm hierauf die ganze Sache, und überreichte ihm das Visitenbillet. Tieh- tschong-u wollte es durchaus nicht annehmen." „Ich las, sprach er, diesen Morgen das Mandat des Ngan-yuen; sie ist sicher: warum sollte ich mich länger allbier verweilen? Ich will morgen wieder nach Hause zurückkehren.“ „Herr, sagte Schuey-yong, wollen Sie diese Einladung nicht annehmen, die ich Ihnen im Namen des Bruders meines Herrn überbringe?“ „Es wå- re aus verschiedenen Ursachen unschicklich, wenn ich sie annehmen wollte, sprach Tieh-tschong-u. Ich will meine Ankunft durchaus nicht bekannt werden lassen. Versichert sie von meiner Ehrer- bietung.“ Schuey-yong hinterbrachte beyden, was Tieh-tschongzu gesagt hatte. Schuey- gowin wurde hierüber sehr mißvergnügt; seine Nichte aber war wohl damit zufrieden, weil fre merkte, es geschähe aus Vorsicht, wegen einer List, die man ihm vielleicht spielen wollte. Schuey-gowin verließ sie, und gieng wie der zu seinem Eidame, dem er alles erzählte, und es einem heimlichen Verständnisse zuschrieb, daß beyde Personen nicht gerne einander sprechen woll- ten, weil Tieh-tschong-u vielleicht heimlich zu feiner Nichte kommen wollte. Er sprach ihm auf das neue einen Muth ein, feine Abfichten auszu- führen. Ku keh ssu gab ihm wenig Beyfall - hierinn. „Dieser Fremde, sprach er, ist so listig,

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wie Hach Kidh Tschwen. wie ein Geist. Wie soll ich ihn hintergehen kön nen? Er weiß es, daß ich eine der vornehmsten Perfonen dieser Stadt bin; er weis es, daß ich Ihre Nichte heurathen will; und doch stehet er mir im Wege, und erkläret sich als meinen Gegner, Er hat bereits unsere Ab- fichten, ihn zu hintergehen, gemerket, und siehet sich also wohl vor. Es wäre vergeblich, auf eine Gelegenheit zu warten, ihn zu überfallen. Mor- gen will ich ihm selbst einen Besuch abstatten: die- fen muß er nothwendig auch wiederum bey mir ab Legen. Wann er kommt, will ich ihn mit großer Höflichkeit umfangen und eine prächtige Gastung veranstalten lassen, wozu ich verschiedene lustige junge Leute diefer Stadt einladen will, welche Söhne großer Mandarinen, und meine guten Bes kanuten sind. Zu gleicher Zeit will ich einige star- ke Kerl in der Nähe bereit halten. Wir wollen ihm rechtschaffen zutrinken, und wann er sich be, rauschet hat, ihm einige harte Ausdrücke ablocken. Hiedurch werden wir Gelegenheit haben, ihn zu überfallen, und ihn so lange zu schlagen, bis ihm die Seele ausfähret. Sodann wollen wir dem Obervisitator ein Memorial überreichen, und ihn glauben machen, daß er selbst an seinem Unglücke durch seine Zänkereyen schuld gewesen sey. Auf diese Weise wollen wir Las glücklich herauswickeln und zugleich andere Standespersonen ins künftige abhalten, wider, die vornehmsten jungen Leute dies fer Stadt etwas zu unternehmen." Schuey- gowin billigte diesen Vorfah; doch ließ er einige Besorgniß ""> Besorgniß wegen der Folgen blicken. „Was? er- wiederte Ku-keh-ssu, sollte ich mich fürchten? Wissen Sie nicht, was mein Vater für eine Stelle bekleidet?" „So gehen Sie dann hin, und sehen Ihren Anschlag sogleich in das Werk; denn er wird morgen frühe schon abreißen.“ Ku-keh-ssu rufte sogleich feinen Leuten, feßte ein Visitenbisset auf, und ließ sich mit großem Prachte zur Woh- nung des Tieh-tschong-u hintragen. Er sandte das Billet oder Tieh-tsee hinein. Siau-tan gab seinem Herrn Nachricht von diesem Besuche, der ihm befahl, zu sagen, er wäre nicht zu Hau- se b). Ku-keh - ssu verweilete eine geraume Zeit vor der Thüre, und begab sich endlich wie, der zurück. Tieh-tfchong-u erfuhr von seinem Bedien- ten, daß sich Ku-keh - ssu auf das höflichste nach seinem Wohlseyn erkundiget, und eine Einladung für ihn da gelassen habe. Warum erzeiget man mir, dachte er, so viel Höflichkeit? Ku-keh-

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[su b) In solchem Falle muß jedesmal eine Gegenvisite abges stattet werden. Eben dieses hat auch statt, wenn ein Mandarin, den man besuchet, zu Hause ist, und dem, so die Visite macht, sagen lässet, er mögte sich nicht aus seiner Sanfte herausbemühen. Will man aber aller Be- suche überhoben seyn, so läßt man einen Zettel über der Hausthüre befestigen, des Inhalts: „Der Mandarin ist in seinem Gartens oder Lufthause.“. Semedo, S. 60. Du Halde, 2 Th. S. 128, ssu ist ja mein Feind, und suchet mich zu hinter- gehen. Ich habe jeho nicht Zeit, bey Gastereyen und Frölichkeiten zu seyn. Es ist mir schon ge- nug, daß Schuey-ping-sin nichts mehr zu be fürchten hat; ich will morgen abreisen —— Kuz keh-ssu ist der Sohn eines Mandarins vom er, sten Range Er kam zu mir, wie ein Tu- fang oder Wirbelwind c), und brachte die ganze Stadt c) Es ist merkwürdig, daß das Chinesische Tu-fang, oder Wirbelwind, so die Engländer Tuffoon aussprechen, bey den Griechen gleichfalls Tupav heiße. Diese Gattung eines Sturmes findet sich häufig in den Sommermonaten an den Chinesischen Küsten, und hat gemeiniglich einige Stunden zuvor eine Wolke von Nordosten zum Vorbothen, so gegen dem Horizonte schwarz, höher oben dunkelroth, und am dußersten Ran- de weiß und glänzend ist. Nichts ist so schrecklich', als dieser Anblick. Wenn sich diese Wolke schnell beweget, so ist der Sturm nahe, der sehr heftig gegen Nordosten 'wehet. Es dauret 12 Stunden, und länger, unter Don- nern und Bliken, und heftigem Regen. So bald sich der Sturm geleget, entstehet eine Windskille von einer Stunde, der ein heftiger Südwestwind folget, der eben so wüthet, wie der vorige. Dieser fürchterliche Sturm ist nicht zu beschreiben. Man sollte glauben, daß sich Himmel und Erden wieder in ihr voriges Chaos verwandeln wollten, so daß die ftärksten Schiffe es öfters nicht aushalten können. Zu Lande wüthet dieser Sturmwind eben so sebr. Er wirft Häuser und Bäume um ; zuweilen wirft er größe Schiffe eine Viertelsmeile in das feste land. Dampier. $29 Stadt in Lärmen, wo er sich hindurchtragen ließ. Jedermann weis es, was er mir für Ehre erzeis get-Mache ich ihm nicht mein Gegencom pliment, so werde ich für grob und unhöflich an, gesehen; ich kann es daher nicht vermeiden, ihm meinen Gegenbesuch abzustatten, und will daher morgen, ehe er aufstehet, ihm meine Empfehlung machen lassen: ich weis, daß er als ein wollüfti ger Zårtling sehr lange im Bette liegen bleibt.“ Er befahl hierauf seinem Bedienten, fein Bette zurecht zu machen, und ihn frühe aufzuwecken. Denn Alle diese Vorsicht war fruchtlos. Ku-keh-ssu hatte einem feiner Diener Befehl ertheilet, nahe bey dem Gasthofe zu warten, und wegen der Gegenvisite von einem Bedienten des Gasthefes Nachricht einzuziehen. Dieses geschah auch; so daß Ku-keh-ssu schon längst in Bereits schaft war, Tieh-tschong-u zu empfangen, als ihm dieser des Morgens seine Visite abstattete. Er gieng ihm bis an die Straffe entgegen, und überhäufte ihn mit Höflichkeiten. „Wie! sprach er, mit einem freudigen Lächeln, Sie geben sich selbst so viele Bemühung, mir diese Ehre zu erzeis gen?" Tieh-tschong-u argwohnte, es mögte unter so viel Höflichkeit eine List verborgen seyn, und ließ sich nichts davon merken; er gieng mit ihm in den großen Visitensaal, und wollte daselbst die gewöhnlichen Ceremonien beobachten; allein Ku-keh-ssu wollte dieses nicht zugeben, sondern führte ihn in den zweyten Saal, allwo sie gegen- einander die gewöhnlichen Verbeugungen machten.

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Cie 甍 ​Sie ließen sich hierauf nieder, und Ku - keh - ssu befahl Thee zu bringen. Er gab seinem Gaste in den höflichsten Ausdrücken zu erkennen, wie ange- nehm es ihm sen, ihn bey sich zu sehen. „So- bald ich von Ihrer Ankunft Nachricht erhielt, sprach er, suchte ich eine Gelegenheit, mit Ihnen zu sprechen: anheute werde ich dieses Glückes theilhaftig, da ich es am wenigsten vermuthete. Könnte ich dasselbe nicht acht oder zehn Tage über geniessen?" Tieh-tschong-u antwortete ihm: Mein Herr, Ihrer Achtung und Freundschaft follte ich es nicht abschlagen, mich långer allhier zu verweilen; allein die Nothwendigkeit erfordert es, daß ich wieder abreise: wenn ich auch so ge- schwind reisen könnte, als ein Pfeil von dem Bo- gen abfähret, so würde es mir lieb seyn.“ Mit diesen Worten feßte er feine Tasse d) hin, stund " von d) Das Porcellan ist eine Erfindung der Chineser. Das beste wird nur in einem einzigen Flecken in der Provinz Riang si gemacht. Es heißet derselbe Ring-tes tsching, ist eine französische Meile lang, und lieget nicht weit von Fu-leang, einer Stadt vom dritten Range, unter deren Gerichtbarkeit er gehöret. Er wird von mehr als einér Million Menschen bewohnet. Weil der P. Dentrecolles, ein französischer Jesuit, eine Gemein- de an diesem Orte hatte, so erfuhr er die umständlich- ken Nachrichten von Zubereitung dieser Waare; und ihm hat man es in Europa zu danken, daß man davon genugsam unterrichtet ist, da sich dieser Mißionarius so gar die Mühe gab, und die Jahrbücher von Fu-leang aufschlug, den erßten Erfinder des Porcellans ausfindig ใน von seinem Seffel auf, und wollte fortgehen. Ku- zu machen. Allein er fand nur dieses aufgezeichnet, daß das Porcellan vor Zeiten außerordentlich weiß, und ohne alle Flecken gewesen, und daß man es nicht anders, als die Kleingdien von Jao-tschu genennet habe, weil Fus leang unter der Stadt Ino-tschu stehet, welche eine von den Städten vom ersten Range in dieser Proa vinz ist. Die Chineser neunen es Tfeki. Das Wort Porcel- Lan, oder Porcellain kommt vom portugiesischen porcel- lana her, so eine Schaale, oder Tasse bedeutet. Porcel- la heißt eine Farbenmuschel. Die Portugiesen nannten die weißen glänzenden Schaalen also, die man an der afri- kanischen Küste für Geld gebrauchet, und nannten anfång- lich das Porcellan also, weil sie dem lächerlichen Wahne Glauben beymaßen, daß es von den Muscheln gewisser Fische gemachet werde, die 30, 40, bis 100 Jahre in der Erde gelegen hätten. Sie nennen nunmehr das, was wir Porcellan, und die Engländer China-Ware nennen, Lofca. Das beste Porcellan, so eine glänzende weiße Farbe hat, und himmelblau bemalet ist, wird nur einzig und allein zu Ringte: tfching verfertiget. Selbst die Jas paneser kommen dahin, und holen es. Denn außer vies ler Töpferarbeit, die man aber nicht zur Porcellanmas nufactur zu rechnen pfleget, so wird z. E. in Canton und Fo-kien Porcellan gemacht'; allein es ist weit schlechter. Der Kaiser Bang-hi ließ einft alles, was zum Porcels lan gehöret, nach Peking bringen: aber es wollte nie die rechte Art bekommen, und so gut, wie zu Ring: te= ‚tsching, ausfallen, wo man es schon 1300 Jahr lang vers fertiget. Trockne Ku-keh-ssu umarmete ihn, und bath ihn, nur wenigstens Trockne Erde, nasser Thon, und Steindl, find die. drey Hauptingredienzen des Porcellans. Diese Erde ist nicht anders, als zermalmte Felsenstücken, die in großen · Mörseln ganz klein gestampfet werden. Diese zu Staub geschlagene Materie schüttet man sodann in große Töpfe, darinnen Wasser ist, und rühret sie stark um. Wenn man diese Masse ein wenig stille stehen lässet, so zeiget, sich oben eine Art eines Milchrahms, der 4 bis 5 Finger dicke ist. Dieser wird wiederum in ein anderes mit Waffer angefülltes Gefäß gethan. Man wartet, bis sich unten auf dem Boden ein Teig geschet habe. Das Wasser wird davon abgegossen, und der Teig in gewisse große und breite Kasten gethan, deren Boden aus Mauersteinen bestehet. Diese Materie heißt Pest tse. tun: Die zweyte Materie, Rao: lin, gießt dem Porcellan seine Festigkeit. Sie bestehet aus zerstampften Thons klumpen. Diese beyden Gattungen werden zu Ri- muen in Schiffe -geladen, und nach King-te-tsching_abge- führet: denn daselbst wird die Materie nicht gegraben, woraus das Porcellan gemacht wird. Man hat eine neue Materie entdecket, deren sich die Porcellanfabrikan ten statt dieses Thons Rao-lin bedienen. Es ist eine Art einer Kreide, so Hoa - sche heißt, und eben so tractirt wird, wie die vorigen. Man nimmt zu acht Theilen Hoa: sche allemal zwey Theile Pe- runtfe. Aus den weißesten Steinen, daraus das Pe- tun-the verfertiget wird, und welche die meisten grånen Flecken haben, bereitet man ein Qel Neou. Es wird noch ein anderes dazu gemischet, so gleichsam dessen Seele ist, und aus einer von Kalk und Farrenkraut gemachten Asche wenigstens drey Tage bey ihm zu bleiben. Tieh- tschong- Asche verfertiget wird. Ein Maas von diesem wird mit zehn Maas Steindl vermischet. Diese beyde Ingredien- zien könnte man füglicher Tsi oder Firnisse nennen. Man hat noch einen andern kaffebraunen Firniß, so This kin - yeou heißt, der mit dem gemeiner Firnisse Pe= yeon, den man in den Felsenrişen antrifft, vermischet wird. Ein jedes Porcellangefäß gehet wohl durch zwanzig Hånde, ehe es in den Ofen gebracht werden kann. Ein einziges Härchen oder Sandkörnchen würde die ganze Masse verderben. Eine Tasse z. E. wird von einem auf der Scheibe gedrehet, ein anderer scht sie auf eine Ta- fel, daß fie einen geraden Boden bekommt, der dritte bringt sie auf die Form, der vierte poliret sie am Kan: de, und macht sie dünne, u. f. w. Manches große Ge= fäß gehet wohl öfters durch 70 Hände. Alles gehet da bey so geschwind von statten, daß z. E. der Arbeiter auf der Scheibe für 26 Stücke nicht mehr als drey Pfen- nige bekommt. Wenn die Bildung eines Gefäßes vollendet ist, so überzieht man es mit Firuiß, bemalet es, und bringts ans Feuer. Die chinesischen Porcellanmaler kominen mit den Dreßdnischen in gar keine Vergleichung. Ihre Ar beit ist unter viele Hände vertheilet. Einige ziehen den Cirkul am Rande; andere machen den ersten Riß zu den Blumen, die hernach von andern weiter ausgemalet werden, u. f. w. Die Oefen, darinn das Porcellan gebrannt wird, - find gemeiniglich von Erde. Sie haben eine Manns- hdhe, und sind so breit, als unsere größten Weinkufen. Das Porcellan wird in demselben auf einander gethür: inet, tschong - u`entschuldigte sich nochmals; allein der andere met, und man sett kleinere Gefäße in größere. Un den Ofen herum wird eine starke und wohlverwahrte Mauer mit 3 bis 4 Luftlöchern gezogen. Es giebt Oefen, die wohl 2 Klaftern hoch, und 4 breit sind. Sie werden Tag und Nacht zuvor geheißet. Zu einem jeden Ofen ge= hören 180 Trachten Holz. Oben am Ofen ist eine Oef- nung, dadurch man wahrnehmen kann, wenn das Por- cellan genug gebrannt ist. Ein jedeš Stück Porcellan, es sen so schlecht, als es wolle, hat fein Futteral von ges brannter Erde. Wenn die Malerey am Porcellan tro- cken worden, so überfirnißt man auch den hohen Theil des Fußes desselben: und dieß ist die lehte Arbeit, so dar- `an geschieht; denn darnach kommt es in den Ofen. „Ich habe mit großer Verwunderung gesehen, schreibt der „Pater Dentrecolles, daß ein Mann lange und schmale „Bretter, die mit lauter Porcellan besegt waren, auf beyden Schultern im Gleichgewichte trug, und etliche „Straffen lang, die voller Menschen waren, durchgieng, wohne seine Waaren zu zerbrechen. Freylich nehmen sie sich sehr in Acht, daß sie nicht anstossen, weil sie sonst „allen Schaden würden erseßen müssen; indessen ist es „doch zu bewundern, daß ein solcher Tråger alle seine „Schritte und alle Bewegungen des Leibes dergestalt reż gieren kann, daß er das Gleichgewicht nicht verlieret." Man zchlet 3000 Oefen in King-re-sching. In die Mitte des Ofens ftellet man das allerfeinste Porcellan, Das schlechtere aber auf die Seiten. Die alten Gehdus- fe, darinn es gebrannt wird, fiellet man oben und un- ten hins die neuen aber in die Mitte. Denn es darf der Ofen nicht mit neuen Gehäußen angefüllet werden. Das Porcellan sieht in der größten Hige völlig flüßig und andere nahm ihn bey der Hand, und sagte: „Ob ich und bebend aus, und die Chineser behaupten, daß, wenn man einen kupfernen Pfenning auf das im Ofen aufge- thürmte Porcellan legte, derselbe, wenn er zu schmelzen anfienge, durch alle im Ofen stehende Porcellangefäße durchlaufen und von oben bis unten hinaus ein Loch mas chen würde. Denn das Metall ist gar keiner Vereini- gung mit dem Porcellane fähig. Wenn das Porcellan gehörig gebrannt ist, so läßt man mit der Feurung nach, und mauret eine Zeitlang die vorderste Oefnung des Ofens zu. Kleine Waare wird gleich am folgenden Tas ge herausgezogen. Beŋ so vieler Arbeit wird man sich nicht wundern, daß das feine Porcellan so theuer in Eu- ropa ist. Denn außer dem großen Profite, den sowohl die chinesischen als europäischen Kaufleute daraus ziehen, pflegt selten ein ganzer Brand durchgängig zu gelingen. Oft trägt sichs zu, daß der ganze Brand verlohren geht, und der Werkmeister, wenn er den Ofen aufmacht, das Porcellan, und die Kasten, darinn es gestanden, in einen Klumpen zusammengeschmolzen antrifft, der so hart ist, als ein Fels. Ein allzuheftiges Feuer, oder schlechtbes schaffene Futterale, können alles zu Grunde richten. ift schwer, dem Ofen die rechte Hike zu geben. Wenn ein Porcellanfabrikant durch seinen Handel reich wird, so giebt es dagegen hundert andere, die bettelarm werden. Der Kaiser und die Mandarinen fordern öfters unmög liche Sachen von ihnen zu machen. Diese lehtern haz ben viele Leute in ihren Diensten, die ihnen Porcellan machen müssen, damit sie ihre Patronen am Hofe bez schenken, aber diese Arbeiter schlecht bezahlen. Gleich- wie eine jede Profeßion ihren Gößen hat, so ist es nicht zu bewundern, wenn man in China auch einen Porcel- langdgen ich gleich selbst einer solchen Ehre nicht werth bin, fo langdhen findet, der Pussa heißet. Ein Kaiser befahl einstens schlechterdings, ihm nach einem vorgelegten Mus fter Porcellan zu verfertigen. Dieses war den Porcellan- fabrikanten unmöglich. Diese armen Leute gaben sich alle Mühe umsonst, und bekamen dafür Schläge. Einer von ihnen sprang aus Verzweifelung in den glüenden Ofen, und ward augenblicklich von der Glut verzehret. Das verlangte Porcellan kam vollkommen schön aus dem Ofen, und war nach dem Verlangen des Kaisers. Seit: dem ist dieser Unglückselige als eine Gottheit angesehen worden. `Obgleich die chinesischen Werkmeister nicht alle aus Europa kommende Muster nachmachen können, so verfertigen fie doch manches, darüber sich die Fremden verwundern müssen. P, Dentrecolles hat eine große Schiffslaterne, und eine andere Hauslaterne von Por, cellan gesehen, die so durchsichtig war, daß sie das ganze Zimmer vermittelt eines einzigen Lichtes erleuchtete. Sie machen Flöten, Flaschenets, und andere musikali- sche Instrumente, verschiedene Thiere, z. E. Enten, Schildkröten, Kazen, u. d. g. wie dann dieser Mißiona rius eine Kake sah, in deren Kopf eine Lampe gestellet war, deren Stralen durch die Augen herausfuhren, daß fich des Nachts die Ragen davor verkrochen. Große Porcellantafeln können sie nicht zu stande bringen; ihre breitesten und längsten Stücke sind etwan einen Fuß lang und eben so breit. Man ist in China fast eben so lüßtern nach dem europdischen Glas und Krystall, als in Europa nach dem chinesischen Porcellan. Ihre Spienek find von polirtem Staal. Ihr Glas, so sie verfertigen, ist gebrechlicher, als das unsrige, und zerspringt in der kalten Luft. Sie schdhen das alte Porcellan von 6 bis fo ist es doch billig, daß Sie meiner Familie die ses Vergnügen machen: nein! ~ Sie find nun bey mir, und es ist meine Schuldigkeit, Sie zu bewir then, und Sie als den Herrn dieser Gegend anzu- fehen e)." „Ich muß wirklich vor dißmal so vie- le Gütigkeiten verbitten. Alles ist schon zu meis ner Abreise eingepackt, und ich kann mich unmög lich långer allhier verweilen.“ „Ich bin bes fchämt, erwiederte Ku-keh-ssu, daß ich Sie nicht überreden kann. Da es noch so früh ist, so müssen Sie doch wenigstens mit mir frühstücken. Dieses werden Sie mir nicht abschlagen können.“ „Wohlen dann, fprech Tieh-tschong-u, ich muß Ihnen geborchen, ob ich gleich beschämt bin, daß ich Ihnen so viele Unruhe mache." Unter guten 700 Jahren überaus hoch, und bezahlen es sehr teuer, weil sie glauben, daß die Alten mehrern Fleiß bey dessen Verfertigung anwandten. Duhalde, 2 Ch. E. 203 leq. N. Welthist. 6 Th. S.531 feq. Harris's Voyages, T. 2, p. 940. Lettres édifiantes, Rec. 12, p. 258. 360. Rec. 16. p. 320-366. Rec. 28 p. 194. Peter Osbecks Reise nach Ostindien und China, Rostock, 1765. 8. G. 194 feq. Ein Europder würde sich schon damit begnügen, seinem Gaste zu sagen, er möge sein Haus als sein Eigenthum anschen; allein ein Chineser ist noch höflicher, und giebt · ihm eine ganze Landschaft. Als im Jahre 1678 einige englische Kaufleute Palmyra zum erstenmal besahen, kas men ihnen zween Officiere des Emrs entgegen, davon einer sie nach orientalischer Art versicherte, daß das gans ze Land ihnen gehöre, und sein Herr ihr Freund wäre. Memoirs of the Royal Society. No.217. guten Freunden, sprach Ku-keh-ssu, hat keine Unruhe statt." (6 Fünftes Kapitel. " Kaum hatte der Ku-keh- ssu dieses gefagt, als Schuey-gowin erschien. Er machte dem jungen Fremden eine tiefe Verbeugung, und sag- te lächelnd: Als gestern meine Nichte von der Gütigkeit hörte, so Sie für sie hatten, da Się wegen ihrer eine so weite Reise unternommen, so übersandte sie Ihnen ein Einladungsbillet. Ich weis nicht, ob wir Ihnen Ursache gegeben haben, diese Einladung nicht anzunehmen. Da ich aber anjeßt das Glück habe, Sie allhier anzutreffen, fo hoffe ich, daß Sie mir erlauben werden, Sie zu ihr zu begleiten.“ „Tieh-tschong-u verseßte : „Ich kam in der größten Eilfertigkeit hieher, und muß eben so schnell wiederum zurückkehren. Ich brachte nichts mit mir, das ich ihr zum Geschenke überreichen könnte a). Jeßo besuchte ich diesen Herrn, ihm meine Hochachtung zu bezeugen. Ich war willens, so gleich wiederum abzureisen; da ich Nicht nur in China, sondern im ganzen Oriente ist es wider die Höflichkeit, ohne Geschenke vor Höhern zu ers scheinen. Die chinesischen Geschenke bestehen gemeinig- lich in seidenen Zeugen, weiblichem Puhwerke, Schu- hen, Strümpfen, Schnupftüchern, Porcellan, Dinte, Schreibpinseln, u. d. g. Zuweilen auch in Eßwaaren. Semedo, S. 64. ich aber so sehr ersucht worden bin, mich noch eis nige Stunden allhier zu verweilen, so kann ich dieses nicht anderst als für ein Kennzeichen der gröften Höflichkeit ansehen.“ „Ehemals, sagte Schuey-gowin, legten gute Freunde alle Cere- monien beyseite: thun Sie eben dieses bey mei- nem Sohne. Ich halte euch beyde für Leute, welche die Gewohnheiten der jeßigen verderbten Zeiten nicht achten.“ Ku-keh-ssu sprach lå- chelnd: „Mein Vater b), Sie haben recht: so foll es seyn. Ein so böfliches Bezeigen benahm Tieh- tschong u allen Argwohn. Er setzte sich nieder, und Ku-keh-ssu wicß ihm den vornehmsten Plag an. Es wurde so gleich Wein gebracht. Tieh tschong-u entschuldigte sich, daß es für ihn noch zu frühe sey, Wein zu trinken. ,,Trinken Sie nach Belieben," sprach Ku keh - ssu. Y 2 ? Sie ließen b) Es ist diese Gewohnheit, nahe ditere Anverwandten Va- ter oder Mutter zu nennen, in China so eingeführet, daß sie in ihrer Sprache so gar die dltern oder jüngern Brů- der des Vaters oder der Mutter unterscheiden. z. E. Scho heißt der jüngere Vatersbruder, Ti- fie, des jun- gern Bruders Frau, Sun die Enkel von den Töchtern, Pe-mu, die Frau des Altern Vatersbruder. Tsche, die Vettern von Seiten der Mutter, Hjúng der dltère Bru-” der, Ti der jüngere Bruder, Tsie die ditere, Moey die jüngere Schwester. Fourmont Gramm. Sin. p. 248, 249. Lettres édifiantes, Rec. 15, S. 164. Recueil 23, S. 32. ließen sich hierauf alle nieder und trunken einans der zu. ,,Wie! Tieh-tschong-u wollte eben seinen Abschied nehmen, als man den jungen Mandarin Whang anmeldete. Er war ein Sohn des Ping-kho øder des dritten Mandarins beym Kriegstribunal, oder Ping-pu. Man empfieng ihn mit vieler Ehrerbietung.„Mein Herr, sagte Ku- keh- ssu zu ihm, Sie sehen hier eine Person von großen Berdiensten und Ruhm, wegen seines herzhaften und einnehmenden Bezeigens, vor sich.“ verseßte der andere, ist dieses Tieh-tschong-u, der in den Palast des Tah-quay hinein drang?" Schuey-gowin versicherte ihn, daß er es wäre. „Ist dieses möglich? fagte er. Wie glücklich bin ich, mein Herr, Sie allhier anzutreffen? Es ist mir leid, daß ich nicht bey Hofe seyn, und dieses Glückes theilhaftig werden konnte," Er ließ sich so dann einen großen Becher reichen den er mit Wein füllete und ihn dem Tieh-tschong-u zu- brachte, der ein gleiches that, und so fuhren sie fort, bis ein jedek drey Becher getrunken hatte. · Tieh- tschong-u stund auf, hinweg zu gehen, als der junge Mandarin Li, zweyter Sohn des Han-lin-yuen, oder vordersten Staatsraths c), y. hinein, • Dieser große Rath des Kaisers macht das höchste Tris bunal des ganzen Reiches aus, das aus Mandarinen der ersten Classe bestehet, und alle Sachen endlich entschei det. Der Kaiser hat darinn in eigner Person den Vor- fis. Diesem großen Rathe sind die 6 Oberhofgerichte su Pe-king hineintrat. Jedermann stund auf, ihn zu em- pfangen: allein er verhinderte sie daran und sagte, daß man unter guten Freunden kein Geprånge machen müsse.„Ein andermal, sprach Ku-keh- ssu, können wir diese Ceremonie unterlassen; als lein jegt haben wir einen Fremden bey uns. Hiermit stund Tieh-tschong-u auf, und machte ihm sein Compliment. Der junge Mandarin wollte dieses nicht gestatten. Ich glaube, sprach er, daß Sie mir allzuviele Ehre erweisen: darf ich mir Ihren Namen ausbitten ?“ Tieh- tschong- u fagte ihm seinen Namen und feine Va- terstadt. „Wie! gab er zur Antwort, der älteste Sohn des Vorgefeßten der Statthalter!" Er machte ihm sodann eine tiefe Verbeugung, und wünschte sich Glück, mit einer Person zu sprechen, die er schon so oft zu sehen sich gewünschet batte. Ku-keh-sou bath fie alle, sich nieder zu laffen. Inzwischen merkte Tiehatschong-u die Wirkun- gen des Weins, und wollte sich daher nicht länger bey ihnen aufhalten. „Erlauben Sie mir, mein Herr, Y 3. Peking untergeordnet. Sie werden aus Doctoren, oder Tsinatsee, erwählet, haben die Aufsicht über die Erziehung des kaiserlichen Prinzen; verfassen die Ge- schichte des Reichs, u. s, w. Aus ihnen erwählet der Kaiser die Colao, oder Staatsminister, die Vorsteher der Obergerichte, die Unterkönige, und Statthalter der großen Städte. Du halde, 2 Th. S. 33 feq. Mas galhaen, S. 218. Lettres édifiantes, Recueil 21, p. 102, Gatterers Handbuch der Neuen Universalhistorie, 2 Th. S. 303, 306. Hach Kidh Tschwen. Herr, sprach er zu Ku-keh-ssu, daß ich mich nun entferne. Ich weiß wohl, daß ich noch nicht gehen follte, da diefer junge Mandarin gekommen ist; allein da ich schon sehr viel getrunken habe, so muß ich mich Ihnen empfehlen.“ Der Manda, rin Li d) hörte diefes, und sagte: ,,Mein Herr, Sie würden mich verachten, wenn Sie sich nicht långer allhier verweilen, und ich würde glauben, daß Sie mich nicht für gut genug hielten, mit Ihnen zu trinken." „Er wird Ihnen eben die Höflichkeit erzeigen, sprach Schuey - gowin, áls wie dem jungen Mandarin Whang, und wird mit Ihnen gleichfalls Wein trinken.“ Der ande- re war damit zufrieden: sie lieffen sich nieder, und ein jeder leercte drey Becher Wein aus. Ein Bedienter meldete ihuen die Ankunft des jungen Mandarins Tschang, des ältesten Sohns des Präsidenten vom Oberhofgerichte der Ceremo- nien, oder Li-pu. Er trat so gleich herein. Seine Koppe saß ihm krumm auf dem Kopfe, er taumelte, und schrie: „Wo ist dieser Tiel, def fen Vater ein Mandarin ist. Wenn er für einen tapfern Kerl gehalten werden will, warum suchet er mich nicht auf ?" Tieh-tschong-u, der quranden war, ihm sein Compliment zu ma, chen, fragte ihn, was er mit diesen Reden haben wollte? Denn Ti- d) Im Chinesischen heißt es Li - cong - ssu, Whang- cong-ssu 2. Li cines Mandarins Sohn. tel und Rang sind in China nicht erblich. S. 121. Semedo, wollte? Tschang-cong-ssu gab ihm keine Ant- wort, machte ihm auch keine Verbeugung, son- dern sah ihm starr ins Gesicht, lachte sehr laut, und sagte: „Ich hielt diesen Tieh für einen fürchterlichen Kerl. Der Sage nach glaubte ich, er habe sieben Köpfe, und acht Gallen in seinem Leibe. Allein feine Augenbraunen sind schmal, er ift fein gebildet, und sieht einem zarten Frauenzim mer ähnlich. Die Leute reden von seiner Herz- haftigkeit; allein ich glaube, daß ein Affe sich in feine Gestalt verwandelt habe. Gebt mir Wein her: wir wollen gleich sehen, ob er stark ist, oder nicht." ,,Ja, ja, riefen die andern, das ist der rechte Weg, die Stärke e) zu prüfen, nåmlich durch Effen und Trinken.“ „Man e) Die Chineser sind große Säufer. Wenn sie von einer Gasteren sprechen, so reden sie blos vom Wein. Wenn man in Europa sagt, einen zu einem Gasßtmahl einladen, so spricht der Chineser, „einen zum trinken einladen; Wein zubereiten heißt bey ihnen so viel, als bey uns eine Gastung anstellen: Efing-tsju, På - tsju. Semedo versichert uns, daß sie nach aufgehobener Tafel den: Gd ken verschiedene gesalzene Leckerbissen zum Zuspigen reis then lassen, den Gaumen zu reizen, und desto mehr trin-. ken zu können. Die Chineser lieben auch andere hißige Getränke, gebrannte Wasser, und dergleichen, wie man aus Lord Ansons Reisen siehet, da sich die Mandarinen. auf dem Schiffe Centurion, Frontiniac und Citronen- wasser sehr wohl schmecken ließen. Semedo, S. 66. Lettres édifiantes, T. 19, p. 326.. Hash Kidh Tschwen. „Man trinkt, sagte Tieh- tschong-u, we- gen vieler Ursachen Wein; allein es giebt nuc dren, wo es erlaubt ist, drey Becher zu trinken, nämlich aus Freundschaft, zur Frölichkeit, und den Durst zu stillen f). Da Whang-cong-ssu mit drey Bechern den Anfang machte, so will ich auch noch drey trinken; und das wird genug seyn." „Dies ist ganz gut, fagte der andere: wir wollen uns niedersehen.“ Hiemit faßte ihn Tschang-cong-ssu beym Aermel, und warf ihn in den Seffel, worauf er sich zween große Weinbecher geben ließ, einen davon dem Tich- tschong-u gab, und den andern selbst in die Hand nahm.„Wein, sagte er, entdecket daß Herz Das ist der erste Becher, den ich Ihnen zutrinke." Er trank ihn aus, kehrte ihn um, und rief Kaań, oder: rein aus! Tieh-tschong- u that endlich ein gleiches, wobey Tschang aus rufte: „Das heißt als ein Freund gehandelt. Er befabl fodann noch zween zu füllen, wobey sich zwar Tichatschong-u entschuldigte; allein Tschang " f) Der Ritter William Temple hatte gleiche Gesinnun= gen mit Tich schong u. Er sagte: „Das erste Glas „sehåret für mich, das zweyte für meine Freunde, das dritte zur Frölichkeit, und das vierte für meine Feina de. Wenn wir in Europa zu sagen pflegen: „die erste Tracht Speisen eines Gastmahls, die zweyte,“ ụ. f. f. so pflegen die Chineser zu sprechen : „der erste Becher, „der zweyte Becher.« S. des Zuschauers 195stes Stück im зten Bande. Fourmont Gramm, finica, p. 297, 298. Tschang gab ihm zur Antwort: „Was? Sie wollen mich so gering schäßen, und mir dasjenige gr abschlagen, was Sie doch andern erwiesen? Bin ich nicht auch so gut, als sie?“ hierauf den zweyten Becher zu. Er_trank ihm Tieh tschong-u war nunmehr fast trun- ken, weil er schon bereits vom Morgen frühe an Wein zu sich genommen, ohne einen Biffen zu effen. Als daher Tschang den zweyten Becher ausgetrunken hatte, seßte er den seinigen wieder auf die Tafel, ohne ihm Bescheid zu thun. Tschang rief sodann: „Ist dieses recht? Wol- len Sie mir nicht eben solche Höflichkeiten bes zeigen, wie diesen übrigen?" Tieh entschuldig, te sich nochmals, und als ihn Tschang dazu zwin- gen wollte, sprach er: „Ich will es durchaus nicht thun.“ Der andere fieng an grøb zu wer- den. „Wer seyd ihr? schrie er. Warum bliebet ihr nicht in eurer Stadt? Kamet ihr hieher, ung Troß zu biethen?“ Hiemit warf er ihm den Be- cher ins Gesicht. Tieh-tschong-u war über diese Beleidigung so aufgebracht, daß er aufstund, ihn bey der Brust ergriff, und sagte: „Was un terstehet ihr euch die Haare des Tigers auszureife fen?" Hiermit gab er ihm eine Ohrfeige. Als dieses die andern jungen Mandarinen sahen, schrien sie: „Was soll dieses seyn? Wir haben Ihnen Höflichkeiten erzeiget, und nun, da Sie sich be- trunken haben, beleidigen Sie uns. Lasset uns die Thüre verschliessen, wir wollen euch tüchtig Y 5 ab- Hash Kidh Tschwen. abprügeln, bis ihr nüchtern werdet, und morgen vor den Obervisitator bringen.“ Ku-keh-ssu gab ein Zeichen, da dann so- gleich aus einem Seitenzimmmer sieben bis acht starke Kerl heraussprangen. Schuey - gowin stellte sich, als wollte er Friede machen, und such, te ihm die Hånde zu halten. Tich - tschong -u, der nun wieder nüchtern wurde, fah sich verrathen. ,,Was! schrie er; Seyd ihr eine Kuppel Hunde, daß ihr über mich fallet?" Er warf hierauf den jungen Mandarin Tschang nach der Länge zu Bos den, und gab ihm verschiedene Fußstöffe. Er ver- fuchte, einen Fuß eines Tisches abzubrechen, sich damit zu vertheidigen; aber er konnte keinen los machen. Als ihn auch Schuey-gowin daran verhindern wollte, gab er ihm ein paar so heftige Stöße, daß er viele Schritte g) zurückfiel. „Das ist für dich, sagte Tieh-tschong-u, und wegen deiner Nichte will ich dich noch verschonen." Die andern beyden jungen Mandarinen hatten nicht das Herz, sich ihm zu nåhern, und Ku-keh-ssu befahl den Kerln, ihn anzufallen. Tieh-tschong-u faßte ፡ g) Im Chinesischen heißt es; „daß er achtzehn bis zwall- 3ig (schepahoe ulh-sche Tsche) Ellen zurück fiel." Diese chinesische Elle (portugiesisch covado, vom lat. cu- bitus) verhält sich zum englischen Fuß, wie 676 zu 600 und hat ohngefähr 13 Zoll. Bayeri Museum Sin. praefat. p. 134. Harris's Voyages, Vol. 1, p. 854. Tavernier, 2 Ch. 10 Kap. Du halde, 2 Th. S. 197. Lettres édifiantes, T. 10, p. 157. Fourmont Gramm. Sin. P. 322 faßte hierauf Tschang beym Leibe, drehete ihn herum, und schrie: „Ich will diesem Kerl an dem ersten, der sich mir nåhert, den Kopf einstof- fen." Tschang rief kläglich, daß man Tich tschong-u mit Frieden lassen sollte. Er begleite te ihn hierauf bis an die Thüre. „Gehet, sprach Tieh- tschong-u zu ihm, und saget euren nichts- würdigen Kerln, daß ich mich nicht vor tausenden ihres gleichen fürchten würde, wenn ich mit Waf fen zu meiner Vertheidigung versehen wäre. Was sollen vier bis fünf solche Trunkenbolde, nebst eu- ren bestellten Banditen an mir richten? Wenn ich nicht eure Våter verschonte, so würde ich einige von euch fest seßen lassen.“ Er gieng sodann nach seiner Wohnung, allwo Siau tan alles zu seiner Abreise veranstaltet hatte. Schuey-yong wartete daselbst mit einem gefattelten Pferde auf ihn. Tieh tschong u fragte ihn deswegen. Der alte Bediente gab zur Antwort, daß feine Gebieterinn vermuthet habe, daß unter der Einladung des Ku-keh-ssu eine schlimme Absicht verborgen wåre: daß ihr Ver dacht durch den Ausgang gegründet sey, und daß ste niemals geglaubet, er würde fo gut davon kom- men: sie habe ihm daher diefes Pferd überfandt, und lieffe ihn bitten, es sogleich zu besteigen, und die ganze Sache dem Ngan -yuen kund zu ma- chen. Tieh-tfchong-u erfreute sich über diese gütige Vorsorge, und ließ gegen Schuey - pings. sin feinen aufrichtigsten Dank abstatten. Sobald er gespeiset hatte, segte er sich zu Pferde, und rei- fete Hash Kidh Tschwen. sete nach der Stadt Tong-tschou-fu h), allwo fich der Obervisitator aufhielt. Sobald er abgestiegen war, sette er eine Bitts schrift auf, darinn er die Sache nach allen Uw- stånden erzählte. Als er vor die Thüre des Ngan - yuen kam, und die Thüre verschlossen fand, schlug er auf die Trommel. Er wurde sos gleich gebunden zur Audienz geführet, und beobach, tete die gewöhnlichen Ehrenbezeigungen gegen die- fen h) Tong : tschou - fu ift die dritte Stadt der Proving Schan-tong, an den Ufern des großen kaiserlichen Ca- nals Sie ist ihres Handels und ihrer Reichthümer we gen sehr berühmt. Es gehören zu ihrem Gebiete drey Städte vom zweyten, und 15 vom dritten Range, unter welchen Lin-tsinstschou merkwürdig ist, weil sich das selbst der große Canal mit dem Flusse Oei-ho véreinis get. Dieser Canal ist eines von den chinesischen Wun- derwerken. Er hat 300 französische Meilen in der Läns ge, und ist durch einen Theil der Provinz Schan - cong durchgezogen, durch welchen alle Schiffe paßiren müss sen, die aus den mittäglichen Gegenden nach Pe-king wollen. Sie führen so viele Waaren, daß sich ihrè Ab- gaben allein jährlich auf fünf Millionen Gulden belau fen. Mehr denn neuntausend kaiserliche Barken führen den Tribut, den der Kaiser jährlich aus den südlichen Provinzen des Reichs erhält. Wenn man die Lange dies ses Canals, der vor 500 Jahren vollendet worden, die Dicke, und die Höhe der Dämme betrachtet, damit er auf beyden Seiten mit lauter Werkstücken eingefasset ist; so muß man die Geschicklichkeit und unverdrossenheit der Chineser recht sehr bewundern. Du halde, 1 Th. S. 203, 205. fen Mandarin i). Der Obervisitator empfieng ihn sehr höflich, und fragte ihn, was die Ursache seiner Reife wåre; Als er seine Bittschrift gele- fen hatte, ließ er deswegen ein großes Mißver- gnů i) Der P. Magalhaen beschreibt die Art, etwas vor ei nem Mandarin anzubringen, also: Wer eine Bittschrift überreichen will, der schlägt an die Trommel bey dem zweyten Thore des Gerichtshofes; sodann fällt er auf die Knie nieder, und hält die Bittschrift hoch empor, da so gleich ein Gerichtsbedienter kommt, und die Schrift dem Mandarin vorleget. Man lieset nirgends, daß der Kld- ger gebunden wird, und es muß nur vielleicht dieses ben einem gan: yuen statt haben. Das Ansehen eines Mandarins ist sehr furchtbar, zumal eines Oberdisitators einer Provinz. Auf der Reise werden sie mit dem größ ten Pracht von Stadt zu Stadt eingeholet. Sie find aber auch verbunden, große Geschenke zu machen. Bus weilen erstrecket sich die Summe, so ein Mandarin auf- wenden muß, über 30000 Thaler; ja ein Skatthalter einer Proving muß wohl 70000 Thaler auf Geschenke wenden, so den Staatsministern, Präsidenten der sechs Oberhofgerichte, und andern, ausgetheilet werden. Hina gegen wiffen sie auch schon Mittel und Wege, durch Er- pressungen von andern ihrem Geize Genüge zu thun, und wenn auch jezt bey der Regierung der tartarischen Prin- gia dergleichen üble Dinge nicht so, wie vormals, skatt haben, so ist doch gewiß, daß ein solcher Statthalter nach drehen Jahren über 700000 Thaler aus der Pro- vinz schleppet, weil man von China, wie von Rom; faz gen kann: Alles ist daselbst feil. Magalhaen, S. 134, 203. Semedo, S.128. Osbecks Reise nach Ostindien und China, S. 150. + Hash Kidh Tschwen. gnügen blicken, weil es die Söhne der größten Mandarinen waren, die ihn beleidiget hatten. „Da ihre Våter, sprach er, meine Freunde find, fo werden ihnen Klagen von dieser Art sehr, unan- genehm seyn. Diese jungen Leute sind unbeson- nene und viehische Jünglinge, die sich auf die Macht ihrer Aeltern viel zu gute thun wollen. Es wäre mir sehr angenehm, wenn Sie mir Zeit ließen, Ihnen Genugthuung zu verschaffen, ohne fie öffentlich gerichtlich zu verfolgen.“ „Ich bin gar nicht willens, erwiederte Tieh- tschong-u, Eurer Excellenz Bemühung deswegen zu verur- fachen: es ist mir schon genug, wenn Sie das Verhalten dieser Unbesonnenen wiffen.“ Der Ngan-yuen war hierüber sehr vergnügt, und bath-ihn, sich einige Tage bey ihm zu verweis len. Tieh- tschong-u dankte ihm dafür, und entschuldigte sich damit, daß er sich nicht auf, halten könnte. Als der Mandarin fah, daß er nicht bey ihm bleiben wollte, stellte er ihm in einem Papiere zwölf Taels Silber k) zu, und zwang ihn, sie anzunehmen. k) Ohngefähr dreyßig Thaler. Sechstes