China - Alternative to Western Societies?
Einführung
Nach verschlafener Industrieller Revolution und Kommunismus-Experiment unternimmt China jetzt digital einen zweiten Anlauf. Kapitalistische Scheinfreiheiten bringen Wirtschaftserfolg und Sicherheit - auf Kosten von Privatsphäre und Datenschutz. Im Inland scheinen Kontrolle, Propaganda und digitalkulturelle Außensteuerung der Bürger erfolgreich, im Ausland ebenfalls Propaganda und Softpower. Die Teilnehmer erhalten mit Quellen (Reden, Berichte, Propagandafilme) und persönlichen Erfahrungsberichten Einblick in die Mechanismen des diktatorischen Gegenwarts-China, entlarven die Rhetorik der vernetzten Partei und vergleichen Gesellschaftssysteme.
Details
China betreibt Wirtschaftserfolg und Sicherheit auf Kosten von Privatsphäre und Datenschutz. Im Inland scheinen Kontrolle, Propaganda und Manipulation erfolgreich und auch im Ausland kann China Erfolge seiner Propaganda und Soft Power verbuchen. In der Lehrveranstaltung erhalten die Teilnehmer mit Quellen aus erster Hand (Reden, Berichte, Propagandafilme) und persönlichen Erfahrungsberichten tiefen Einblick in die Mechanismen des Gegenwartschina, entlarven die Rhetorik der Propaganda und stellen einen Systemvergleich an.
Während man die Industrielle Revolution verschlief und die zentrale Planwirtschaft des Kommunismus historisch fehlschlug, unternimmt China jetzt mit Hilfe digitaler Techniken einen zweiten Anlauf: In einem scheinbar kapitalistisch-freien, tatsächlich aber durch das zentrale Netzwerk der Kommunistischen Partei kontrollierten und gesteuerten, diktatorischen Gesellschaftsmodell sollen die Bürger digitalkulturell außengesteuert werden. Wie schon bei Mao soll ein „neuer Mensch“ geschaffen werden, 100% regimetreu, der sich seiner umfassenden Kontrolle und Steuerung durch ein für den Benutzer scheinbar mächtiges Smartphone nicht bewusst werden soll. Dafür erhält der Benutzer spielerisch „Social Credits“ (Regimetreuepunkte), die er schon durch Bekanntschaft mit einem nicht so regimetreuen Freund verlieren kann. So wird psycho-sozialer Druck aufgebaut, um aufkeimende Kritik schon im Keim (möglichst schon im Kopf) zu ersticken. In Shanghai versucht ein Unternehmen bereits, seine Mitarbeiter „emotional“ zu kontrollieren und zu steuern.
Deutsche Medien beschreiben China traditionell extrem kritisch. Spricht man mit Chinesen im Land, sind sich diese der Restriktionen durchaus bewusst, verteidigen diese sogar mit dem Argument des kleineren Übels: Scheinbar gibt der Wirtschaftserfolg und die Anhebung des Lebensstandards von mehr als einer Milliarde Menschen dem Regime recht. Selbst die an einen Feldversuch an einem Viertel der Weltbevölkerung erinnernde Totalüberwachung und Systemfehler wie Partei-Korruption werden durch Information Warfare, Zensur und sozialen Druck innenpolitisch positiv verkauft. Zwar kritisieren alle die Umweltverschmutzung, erklären diese aber als Preis für das rasante Wirtschaftswachstum und lassen sich von Alibi-Abschreckungsurteilen gegen extrem wenige Kader blenden.
Auch gegenüber dem Ausland tritt die Regierung selbstbewusster auf und behauptet, das chinesische Modell sei im Vergleich zum westlichen freiheitlich-demokratischen sozial gerechter, fortschrittlicher, flexibler und gleichzeitig stabiler. Außerdem seien die Menschen glücklicher, da sie (mangels sozialem Netz) mit starken Familienbezügen lebten. Der Wirtschaftserfolg hat China bereits wieder zur wirtschaftlichen Nummer eins gemacht. Das größere politische Gewicht und territoriale de-facto Zugewinne strategisch wichtiger Inseln im Asien-Pazifik-Raum bestärken China, auch politisch die Weltführerschaft zu übernehmen. In der Gegenwart tritt China als Verteidiger des Freihandels auf, obwohl es z.B. bezüglich der Schlüsselindustrien noch protektionistischer als die USA Trumps ist. In der Klimapolitik stellt sich China als Verteidiger des Pariser Abkommens dar, obwohl es der weltweit größte Umweltverschmutzer ist.
Da insbesondere die Narrativik der chinesischen Regierung herausgearbeitet werden soll, werden folgende Materialien mit literatur- und kommunikationswissenschaftlichen Mitteln analysiert: Reden des Staatspräsidenten auf Deutsch (mit deren Herausgebe wurde der Dozent offiziell beauftragt). Englischsprachige Propaganda-Filme, vor allem Zeichentrick-Filme, die von chinesischen Regierungsinstitutionen insbesondere für ein westliches Zielpublikum erstellt wurden.
Sitzungen
1 Einführung, Übersicht, Organisatorisches
2 These 1: Medienepoche 5.0: Historie, Phasen der Internet-Wirkung
3 These 1: Medienepoche 5.0: Gegenwart (Totalüberwachung, Gehirnscans, Gesichtserkennung, Regimetreuepunkte) und Zukunft
4 These 2: China will neuartige Weltmacht werden. Herleitung: Historisches Weltbild
5 These 2: Einschätzung: Expansion in Gegenwart und Zukunft, Chinesischer Traum
6 These 2: Chinas Wirtschaft in der Makroperspektive
7 These 2: Moderne geschichtliche Erfahrungen Chinas
8 These 2: Politische Programmatik, Chinesische Sicht
9 These 3: Entzauberte Technologie: Widersprüche
10 These 3: Sanktionen
11 These 4: Der Westen folgt China: Hardpower
12 These 4: Softpower
13 Society 5.0 – Systemvergleich; andere Perspektiven
14 Abschlussdiskussion