Cultural memory and the Cultural Revolution
Kulturelles Gedächtnis und Kulturrevolution (nicht nur in China)
Die menschliche Lebensform ist nicht nur sozial (das sind auch z.B. Ameisen), sondern kulturell. Kulturelles ist sinn-volle Praxis. Kulturelles wird nicht genetisch vererbt, sondern in Lernprozessen tradiert. Gesellschaftliche Traditionen und Geschichte werden im „kulturellen Gedächtnis“ gespeichert. Auch wenn niemand das gesamte kulturelle Gedächtnis kennt, dient die große gemeinsame Schnittmenge doch zur Identifikation und Abgrenzung. Kulturen können sozusagen als lernende und sich erinnernde Organismen begriffen werden. Gesellschaften und Teilgruppen von Gesellschaften gehen unterschiedlich mit ihrem kulturellen Erbe um. Einige setzen sich damit kritisch auseinander und wollen aus „ihrer Geschichte“ lernen. Inzwischen ist z.B. Erinnerungspolitik ein bedeutsamer Teil der Kulturpolitik in Deutschland geworden. Andere tabuisieren, glorifizieren, verschweigen oder schreiben Geschichte gar neu. Wir fragen nach den entsprechenden Motiven und Erfolgsaussichten sowie nach dem Manipulations-Potential von Kultur. Mit der Kulturrevolution unternahm China den Versuch, die Aufklärung ungeschehen zu machen, einen neuen, kulturell unbeleckten Menschen zu schaffen sowie eine komplett neue, geschichtslose Kultur. Diese Idee lag/liegt auch anderen radikalen gesellschaftlichen Reformbewegungen zugrunde. Was man sich damit einhandelt, wird im Seminar kritisch diskutiert werden. Und natürlich werden wir uns zuerst gründlich mit psychologischen, soziologischen und Kulturtheoretischen Gedächtnistheorien auseinandersetzen.