Kampf der Kulturen - Ein realistisches Kulturverständnis?
This page contains student contributions of the course Comparing Cultures.
Einleitung
In einer immer globalisierteren und komplexer ineinander verwobenen Welt ist es unumgänglich, sich mit der Frage zu beschäftigen, was geschieht, wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Durch Handel, Migration, Tourismus und virtuelle Kommunikation sind immer mehr Menschen verschiedener Kulturen heutzutage in der Situation, einander begegnen und sich miteinander auseinandersetzen zu müssen, sei dies auf politischer oder persönlicher Ebene. Was geschieht also an diesem Punkt der Auseinandersetzung und Konfrontation? Vermischen sich die Kulturen oder werden Fronten gebildet?
Im Folgenden betrachte ich eine mögliche Antwort dieser Frage, die der Politikwissenschaftler ehemalige Berater des U.S.- amerikanischen Außenministeriums Samuel P. Huntington im Jahr 1993 fand. Diese publizierte er in der Foreign Affairs unter dem Titel „The Clash of Civilizations?“ (übersetzt: „Kampf der Kulturen“) und sorgte damit nicht nur seinerzeit für Anstoß zu reger Debatte.
Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Huntingtons Hypothesen werde ich seine Antwort auf die eingangs gestellte Frage überprüfen und nach eigenem Ansatz ergänzen. Dazu werde ich Bezug nehmen auf die Entstehung der brasilianischen Kultur sowie die brasilianische Religion „Candomblé“.
„Kampf der Kulturen?“ – Samuel P. Huntington
Wenn Huntington vom Kampf der Kulturen spricht, zeichnet er damit ein Bild für zukünftige Konflikte, welches sich seiner Ansicht nach schon in der Gegenwart andeutet. Anders als bis dato auf Grund von Ideologien, werden in Zukunft politische Konflikte und Kriege auf der Grundlage kultureller Unterschiede an Bedeutung gewinnen, so Huntingtons These. Wo ehemals Grenzen zwischen kommunistischen und kapitalistischen Staaten lagen, verhärten sich nun die Fronten zwischen ganzen Kulturen, wie beispielsweise dem „Westen“ und der islamischen Welt. Konflikte zwischen verschiedenen Kulturen werden in Zukunft nicht nur immer häufiger vorkommen, sondern auch immer gewaltvoller sein, als Konflikte innerhalb einer Kultur.
Für die Kulturen, über die er dabei spricht, verwendet Huntington den Begriff „civilizations“ (hier übersetzt durch „Kulturkreise“). Damit sei die am weitesten gefasste kulturelle Gruppierung gemeint, mit der sich ein Mensch identifizieren kann. Eine solche Gruppierung wird hierbei wie folgt definiert. Ein Kulturkreis kommt zustande, indem einerseits gemeinsame Elemente gelebt werden, wie z.B. Sprache, Geschichte, Religion, Gewohnheiten, Institutionen und andererseits, auf individueller Ebene, sich Menschen mit dem Kulturkreis identifizieren. Ein Kulturkreis könne unterteilt werden in viele verschiedene Kulturen, andersherum jedoch gehe ein Kulturkreis in keiner anderen kulturellen Einheit auf, ausgenommen der „Weltbevölkerung“ (Huntington 1993: S. 24). Kulturkreise dieser Art gebe es, so Huntingtons Überzeugung, gegenwärtig sieben bis acht: „These include Western, Confucian, Japanese, Islamic, Hindu, Slavic-Orthodox, Latin-America and possibly African civilization.“ (Huntington 1993: S. 25)
Die Identifikation mit dem eigenen Kulturkreis und damit, so schlussfolgert Huntington, die Abgrenzung anderen Kulturkreisen gegenüber werde in Zukunft zunehmen und so immer häufiger potentielle Konfliktursache sein. Auch die Globalisierung könne dem nicht entgegenwirken. Durch vermehrte Interaktion zwischen den Kulturen stärke sich die Identifikation mit dem eigenen Kulturkreis sowie das Bewusstsein über Unterschiede zu Anderen. Dies führe zu mehr Abgrenzung und Feindschaft zwischen den Kulturkreisen. (Huntington 1993: S. 25)
Grund für diese Annahme ist die Überzeugung, dass kulturelle Unterschiede den Menschen fundamental prägen. „[...] differences between civilizations are not only real; they are basic.“ (Huntington 1993: S. 24) Diese Unterschiede seien gefestigt durch jahrhundertelangen Einfluss durch Geschichte, Sprache, Kultur, Tradition und vor allem Religion, so dass mit einer Auflösung solcher Differenzen nicht zu rechnen sei. (Huntington 1993: ebd.) Anders als beispielsweise zwischen politische Ideologien, könne nicht zwischen verschiedenen Kulturen gewechselt werden, es sei höchstens möglich zwei Kulturen gleichzeitig anzugehören. Noch strenger, so betont Huntington, sei dies mit Religionen, die er als maßgebliches Element einer Kultur bezeichnet. Religionen grenzen sich noch stärker voneinander ab, so dass es einer einzelnen Person kaum möglich sei, sich mit mehr als einer Religion zu identifizieren. (Huntington 1993: S. 27)
Zur Stärkung seiner These eines zunehmenden Kampfes der Kulturen, führt Huntington eine Reihe von Beispielen politischer Konflikte auf. Allen voran befinden sich der Westen und der Islam seit mehr als tausend Jahren in einem Konflikt, der sich immer mehr verschärfe und polarisiere. Damit verweist er sowohl auf die Kreuzzüge im 12. und 13. Jahrhundert und später die Auseinandersetzungen zwischen europäischen Mächten und den Osmanen, als auch auf Konflikte in der Neuzeit, beispielsweise zwischen Frankreich und Algerien oder den USA und verschiedenen nordafrikanischen Staaten (Huntington 1993: S. 31). Seit dem Ende des Kalten Krieges und damit der ideologischen Teilung Europas zwischen Kommunismus einerseits und Kapitalismus andererseits, tauche die kulturelle Dimension eines geteilten Europas um so stärker auf.
Konsequenz und Schlussfolgerung seiner Ausführungen sind politische Handlungsvorschläge, die Huntington seiner Position gemäß an die „Westliche Welt“ richtet. Wenn seine Hypothesen zutreffen, so werden sich die global-politischen Verhältnisse immer mehr dahingehend entwickeln, dass der Westen sich gegenüber dem Rest der Welt zu behaupten habe. (Huntington 1993: S. 48) Demnach sei es notwendig, die Einheit innerhalb der westlichen Kultur zu wahren und zu stärken sowie Gruppierungen innerhalb anderer Kulturen zu unterstützen, die dem Westen zugetan sind. Darüber hinaus sei die Militarisierung islamischer und konfuzianischer Staaten zu begrenzen und die militärische Vormachtstellung des Westen beizubehalten. Auf lange Sicht, so Huntington, müssen die verschiedenen Kulturkreise lernen, nebeneinander zu koexistieren. (Huntington 1993: S. 49)
Kritik an Huntingtons „Kampf der Kulturen?“
Bei der Lektüre mögen die Beispiele, die Huntington heranzieht, durch historische Fakten überzeugen. Was jedoch stärker hervorgerufen wird, ist ein schales Gefühl und ein Zweifel an Huntingtons Kulturbegriff. Sind Kulturen tatsächlich so starr wie er dies darstellt? Bedeutet eine zunehmende Interaktion zwischen den Kulturkreisen tatsächlich ein Stärken der Identifikation mit dem eigenen Kulturkreis und eine wachsende Abneigung dem Anderen gegenüber? Meiner Ansicht nach ist Huntingtons Einstellung zu Kulturunterschieden elementar beeinflusst durch seine Position als politischer Berater des U.S.-Außenministeriums, wodurch sein Fokus eindeutig auf politischen Konflikten und militärischen Auseinandersetzungen liegt. Diese Einseitigkeit des Blickwinkels wird in dem Text offensichtlich nicht überwunden und auch der Blick auf den menschlichen Umgang mit Unterschieden scheint von Pessimismus geprägt.
Deutlich ist, dass Huntington zwar selbst Ansätze zur Widerlegung seiner These findet, er spricht diesen jedoch keine weitere Bedeutung zu, in dem er vermeidet sie in seine Argumentation mit aufzunehmen. So wird durchaus erwähnt, dass Kulturen, und auch Kulturkreise, dynamisch sind das heißt, sich verändern, aufteilen und ineinander übergehen können. Auch, so bemerkt er, seien Menschen dazu fähig, ihre kulturelle Identität neu zu definieren. (Huntington 1993: S. 24) Was den Umgang mit Unterschieden betrifft gesteht Huntington ein, dass gewaltsame Konflikte nicht die zwangsläufige Folge von Unterschieden sein müssen. Dem Gegenteil spricht er jedoch offensichtlich mehr Bedeutung zu, so wird gleich darauf ein Gegenbeispiel angeschlossen. „Differences do not necessarily mean conflict, and conflict does not necessarily mean violence. Over the centuries, however, differences among civilizations have generated the most prolonged and the most violent conflicts.“ (Huntington 1993: S. 25) Durch diese einseitige Argumentationsweise verfehlt Huntington meiner Ansicht nach eine notwendige Stringenz seiner These und damit seines Kulturbegriffs.
Ein Gegenbeispiel: Die brasilianische Kultur und der Candomblé
Es muss nicht lange in Geschichtsbüchern gestöbert werden, um Huntington zu widerlegen und seiner Auflistung von gewaltvollen Konflikten beim Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen etwas gegenüber zu stellen. Kultur muss keineswegs als starres Konstrukt beschrieben werden – das zeigt zum Beispiel das größte Land Südamerikas.
Brasilien kann als ein Konglomerat verschiedenster Kulturen gesehen werden, die durch jahrhundertelange gegenseitige Einflüsse zu einer eigenen Kultur verwoben sind. Mit Sicherheit kann bei der brasilianischen Entwicklungsgeschichte nicht von konfliktfreier Koexistenz die Rede sein. Vielmehr hat das Land seinen Ursprung in einer von Grausamkeit kaum zu übertreffenden Ausbeutung ganzer Bevölkerungsgruppen. Durch die Versklavung mehrere Millionen Afrikaner, besiedelten europäische Kolonialisten ab dem 16. Jahrhundert südamerikanisches Land und machten sich den Lebensraum der dort lebenden indigenen Stämme gewaltsam zu eigen. - Ein Kampf zwischen Kulturen, zweifelsohne. Von Bedeutung im Hinblick auf Huntingtons Kulturbegriff ist in diesem Fall jedoch etwas anderes. Europäer, Afrikaner, Indigene und Asiaten, also Menschen aus vier der von Huntington als maßgeblich genannten Kulturkreise, haben im Laufe der Zeit eine gemeinsame Kultur angenommen. Diese weist gemeinsame Merkmale, wie Sprache, Gewohnheiten, Institution etc. auf und findet in der gesamten Bevölkerung Identifikation. (Siehe: Ringe/Schulze 2013)
Doch nicht nur eine gemeinsame kulturelle Identifikation ist aus verschiedenen Kulturen entstanden, auch das von Huntington für nahezu unmöglich gehaltene (siehe Seite 2) ist in Brasilien der Fall: Die vor allem im Nordosten Brasiliens praktizierte Religion, Candomblé, ist eine Mischung aus westafrikanischen Traditionen und dem europäischen Katholizismus. Ursprünglich als Tarnung vor ihren Herrschern, benutzten die Sklaven Decknamen katholischer Heiligenfiguren für ihre Götter, um weiterhin ihre Traditionen ausleben zu können. Mit der Zeit hat hierbei ein Synkretismus stattgefunden, der Candomblé als eigenständige Religion hervorgebracht hat. Die beiden religiösen Ursprünge lassen sich im Candomblé inzwischen nicht mehr voneinander trennen und so ist es nicht unüblich, wenn Brasilianer heutzutage sowohl Gottesdienste der katholischen Kirche, als auch Rituale des Candomblé besuchen. (Siehe: Gerbert 1970)
Fazit
Dieses Beispiel soll nicht all jene Konflikte und Kriege ausblenden, die immer schon zwischen Kulturen entstanden sind und vermutlich weiterhin entstehen werden. Mit Sicherheit lässt sich nicht bestreiten, dass kulturelle Unterschiede häufig Auslöser für Konflikte sind und auch dass viele der aktuellen politischen Konflikte auf kulturelle oder religiöse Verschiedenheiten zurückzuführen sind. Doch soll das Beispiel der Entstehung der Brasilianischen Kultur hierbei als ein mögliches Gegenbild zu Huntingtons Beispielen gesehen werden. Damit möchte ich meine eigene These verdeutlichen, dass Huntington lediglich eine Seite der Medaille menschlicher Interaktion beschreibt, die des Konfliktes. Damit vertritt er ein Kulturverständnis, welches das Prozesshafte einer Kultur ignoriert. In Anbetracht der Tatsache, dass jedoch mit den Kulturkreisen, die sich in der brasilianischen Kultur vereint haben, etwas völlig anderes geschehen ist, als Huntington dies im „Kampf der Kulturen“ für möglich hält, wird genau diese Prozesshaftigkeit deutlich. Demnach komme ich zu den Schluss, dass Kulturen, anders als Huntington dies beschreibt, nicht festgeschrieben sind auf ihre Geschichte und Gewohnheiten und dass somit keine festen Grenzen anderen Kulturen gegenüber existieren. Vielmehr haben Kulturen, die miteinander in Kontakt stehen immer gegenseitigen Einfluss aufeinander und befinden sich in ständigem Wandel. Die Geschichte Brasiliens zeigt, dass es Kulturen sehr wohl möglich ist, sich zu vermischen. Huntingtons These eines zunehmenden Kampf der Kulturen halte ich demnach für unvollständig und irreführend.
Betrachtet man die abschließenden Konsequenzen, die für Huntington aus seinen Hypothesen hervorgehen, so mag sich seine kulturpessimistische Haltung erklären. Wenn er auf sich verhärtende Fronten zwischen den Kulturkreisen mit der Stärkung des eigenen Kulturkreises, dem Beibehalten der Machtposition und der Verteidigung der eigenen Interessen reagiert (siehe Seite 4), so lässt sich vermuten, dass solch eine Haltung, in politische Praxis umgesetzt, vielmehr gegenseitige Ablehnung, als Verständigung erzeugt. In diesem Fall gewinnt ein Zutreffen seiner Hypothese eines Kampfes der Kulturen sicherlich an Wahrscheinlichkeit. Daraus wird mir deutlich, dass, so flexibel und prozesshaft Kulturen sind, letztlich der Umgang mit ihren Unterschieden entscheidend ist. Was Huntington abschließend lediglich in einem Satz erwähnt ist die Notwendigkeit für den Westens die religiösen und philosophischen Grundlagen anderer Kulturkreise tiefgründiger zu begreifen. (Huntington 1993: S. 49) Dies erscheint mir als ein sinnvollerer Ansatz um zu vermeiden, dass kulturelle Unterschiede immer häufiger in Konflikten münden und zu ermöglichen, dass Kulturen nebeneinander koexistieren und sich beim Aufeinandertreffen in gegenseitigem Einfluss weiterentwickeln können.
Literatur
HUNTINGTON, SAMUEL PHILLIPS (1993): „The Clash of Civilizations“, Volume 72, No.3, Foreign Affairs
RINKE, STEFAN/SCHULZE, FREDERIK (2013): „Kleine Geschichte Brasiliens“, Beck
GERBERT, MARTIN (1970): „Religionen in Brasilien : Eine Analyse der nicht-katholischen Religionsformen und ihrer Entwicklung im sozialen Wandel der brasilianischen Gesellschaft.“, Berlin: Colloquium-Verlag
Essays by students
Kritik an Huntingtons Clash of Civilisations
Essay by Carla W
Im Folgenden möchte ich Huntingtons Theorie zu einem "Clash of Civilisations" analysieren und kritisieren. Huntington beschreibt kulturelle Unterschiede als die Hauptursache zukünftiger Konflikte. Ideologische und vorwiegend ökonomische Konflikte sieht er für die Zukunft nicht mehr als erste Quelle für Konflikte – die Konfliktlinien würden an den Grenzen verschiedener Zivilisationen verlaufen.
Huntington definiert Zivilisationen bzw. Kulturen als "höchste kulturelle Gruppierung" (Seite 24) und die "weiteste Ebene kultureller Identität" der sich eine Person zugehörig fühlt. Er erkennt nach dieser Logik sieben Zivilisationen (Seite 25): Die Westliche, Chinesische, Japanische, Islamische, Hinduistische, Slawisch-Orthodoxe, sowie die Latein-Amerikanische Zivilisation. Die Afrikanische Zivilisation ergänzt er als mögliche achte Zivilisation. Entlang dieser "kulturellen Spannungslinien" (Seite 29) sieht Huntington die Kriege der Zukunft entbrennen.
Huntington zeichnet ein sehr negatives und dramatisches Szenario. Er baut seine Argumentation in sechs Schritten auf, die die Einflüsse der Globalisierung auf die verschiedenen Kulturen verdeutlichen soll, welche seiner Ansicht nach zu einem "Clash of Civilisations" führen werden.
In der Tatsache, dass Zivilisationen durch ihre Geschichte und Traditionen unterschiedlich sind sieht Huntington ein hohes Konfliktpotenzial (Seite 25). Er argumentiert, dass Unterschiede zwar nicht zwangsläufig zu Konflikten führen müssten, dies aber in der Vergangenheit häufig der Fall war. Huntington argumentiert, dass die Menschen durch die Globalisierung und die "immer kleiner werdende Welt" zunehmend mit anderen Kulturen konfrontiert werden und dadurch das Bewusstsein für ihre eigene Kultur gestärkt würde (Seite 25). Dies führe meist zu Konflikten, die oft gewalttätig endeten. Weiteres Konfliktpotenzial sieht Huntington im Verlust der langjährigen Identität, welcher durch Modernisierung und Sozialen Wandel ausgelöst würde (Seite 26). Diese Verunsicherung sorge zum Teil zu einer Hinwendung zu religiösem Fundamentalismus und führe vermehrt zu Phänomenen wie dem internationalen Terrorismus und damit zu kulturell bedingten Konflikten (Seite 26). Die Position der westlichen Zivilisation sieht Huntington zwiespältig: Einerseits befinde sich der Westen am "Höhepunkt seiner Macht" (Seite 26), andererseits sei ein vermehrtes "back to the roots"-Phänomen unter nicht-westlichen Zivilisationen spürbar (Seite 26). In dem Wunsch dieser Zivilisationen, die Welt nicht-westlich zu gestalten sieht Huntington ein großes Konfliktpotenzial. Kulturelle Charakteristika und Unterschiede hält Huntington für weniger leicht zu überwinden (Seite 27), als ökonomische oder politische. So sei es möglich "als Kommunist zum Demokraten oder als Reicher arm uns als Armer reich zu werden", Russen könnten jedoch "keine Armenier" werden (Seite 27). Die Frage danach "was man ist" bleibe demzufolge auch weiterhin entscheidend. Besonders unterschiedliche Religionen spielten in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Die Entwicklung von ökonomischem Regionalismus sieht Huntington unterstützend für die Entwicklung eines verstärkten kulturellen Bewusstseins und Zugehörigkeitsgefühl und führe zu einer ausgeprägten Unterscheidung zwischen "uns" und "anderen". Mit diesem Argument erklärt Huntington das sogenannte "Kin-Country Syndrome" (Seite 35). Wird ein Land angegriffen, fühlen sich alle zur gleichen Zivilisation gehörigen Nationen gleichermaßen provoziert. Diesen Effekt könnte man dann als einen Krieg zwischen Zivilisationen bezeichnen.
An Huntingtons Text kann man sowohl seine Argumentation als auch seine Intention kritisieren. Kulturelle Unterschiede als Hauptkonfliktquelle zu bezeichnen und eine extrem vereinfachte Definition von Zivilisation zur Veranschaulichung zu nutzen ist gefährlich und wirkt überheblich. Eine These wie der "Clash of Civilisations" könnte Konflikte erst schüren, anstatt für Versöhnung zu sorgen. Denn davon auszugehen, dass Unterschiede meist zu Konflikten führen, zeugt von einem äußerst pessimistischen Weltbild. Man könnte andernfalls auch davon ausgehen, dass, wenn die Welt "kleiner" wird, die Menschheit sich daran gewöhnt mit Unterschieden umzugehen.
Gegen Huntingtons These von zunehmendem Zugehörigkeitsgefühl innerhalb einer Zivilisation spricht, dass sich gerade im Zuge der Globalisierung immer weniger Menschen nur einer Gruppe eindeutig zugehörig fühlen werden. Vielmehr könnten sich Schnittpunkte bilden, die zu einem größeren Verständnis zwischen den Zivilisationen führen könnten. Die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Zivilisation wird mit Huntingtons sehr eng gefasstem Zivilisationsbegriffs immer schwieriger und könnte eher zu Konflikten innerhalb von Zivilisationen führen.
Dem Westen spricht Huntington zwar eine große Rolle in internationalen Konflikten zu, ihr könnte jedoch im Hinblick auf die Entstehung von Konflikten mehr Beachtung geschenkt werden. Die meisten Konflikte in denen der Westen eine Rolle spielt sind weniger in kulturellen Unterschieden begründet, als in der historischen Rolle des Westens. Dahingehend könnten sich einige Befürchtungen Huntingtons bewahrheiten, denn wenn der Westen auf seiner Position als Weltmacht beharrt, wird es zu Konflikten mit den neuen starken Mächten wie China oder Indien kommen. Auch die ungleiche Verteilung der Ressourcen trägt ihren Teil an Konfliktpotenzial bei.
Betrachtet man Huntingtons These unter diesen Aspekten, entsteht der Eindruck, dass es sich bei den Konflikten der Zukunft weniger um Konflikte zwischen Zivilisationen, als um Konflikte ökonomischer und historisch begründeter Natur handeln wird.
Carla W
A Written Commentary on “The Clash of Civilizations?” by Samuel P. Huntington
Essay by Jakob S
Samuel P. Huntington published the article titled “The Clash of Civilizations?” in 1993. The main thesis of the paper states that after the end of the Cold War the foremost source of conflict will no longer be primarily ideological or economic, but rather cultural. Furthermore, based on this thesis Huntington explains that the battle lines of the future will be the fault lines of civilizations. According to him, a civilization is the highest cultural grouping, and the world could be divided into six major civilizations which are the Western, the Latin American, the Orthodox, the Eastern world, the Muslim world, and the Sub-Saharan. He asserts that religion plays the most major role in dividing the world into different civilizations, while other factors like history and language play a less crucial one. Religion is so important in his theory, because it is almost impossible for a person to belong to two different religions, in contrary it is possible to be a citizen of two countries or speak more than one language. He believes that because religion is so important, the main conflict will arise between Christian religion, which influences mainly the West, and Islamic religion. From this point, he further explains that civilizations clash even within a region. He uses the example of Europe where the increase in the number of Muslim immigrants led to conflicts within the continent. He named this type of conflict “fault line conflict”. As an extension of the idea, Huntington describes a scenario in which the Western civilization is against all other civilizations. He explains that because the Western civilization is the strongest of the six, it influences other civilizations so immensely that non-Western civilizations eventually have to choose to either fully adopt or completely oppose the Western values. This dynamic then leads to conflicts all around the world that mainly involve the United States with support from other Western nations. Additionally, he claims that another source of conflict is how international organizations like the United Nations or the World Trade Organization often make decisions in favor of nations that belong to the Western civilization. Huntington refers to conflicts between civilizations on a global scale as “core state conflict”.
Unlike V.S. Naipaul who believes that the Western civilization could become the “universal civilization” because it “fits all men”, Huntington thinks that the Western civilization is too different from other civilizations. However, he anticipates that a balance between Western countries and non-Western countries could be struck, that some countries would isolate themselves such as North Korea, or that countries would utilize Western values for themselves.
Huntington then suggests that there are countries that are trying to find their identity after the end of the Cold War, and where the political elite is trying to push them into conforming to the ways of Western civilization. He coins the phrase “torn countries” to describe these states, and employs the example of Turkey which does not really belong to the Western civilization, or the European Union for that matter, neither does it belong to the Muslim world. He raises other examples such as Mexico as well to substantiate his point on the process of the world splitting into different civilizations, and the importance of a sense of belonging to one of them. Through these examples, he shows that the Western civilization is dominant because of its economic power and its general success which strongly influences many countries to try to belong to it. However, there are also examples of countries that have become economically important and prosperous, while successfully preserving their cultural identity; Huntington cites Japan and China as examples of that phenomenon. The author finishes his paper with a section in which he implies that culture as a source of conflict will have to be a concern for Western countries.
Huntington’s paper was vastly discussed within the academic community after it was published. After the 9/11 terror attacks, his paper became even more prominent, and many people, especially in the political field, became interested in his thesis. However, there are also many cultural scientists who disagree with his thesis. Homi K. Bhabha introduced a very different thesis on cultures, and what happens when cultures interact with each other. The basis of Bhabha’s theory is the concept of “hybridization” which refers to the formation of a new culture as a result of clashing cultures. This theory juxtaposes with Huntington’s theory of “clash of civilizations”. Bhabha believes also that cultures have the ability to coexist, and that they can interact in a “third space”. He does not use as many examples as Huntington, nor does he discuss the interaction of cultures on a more practical level.
Huntington’s theory received a lot of criticisms, because of his viewpoint of the West. His theory is fundamentally based on the basic assumption that the Western civilization is the most favored one, and that all other civilizations either strive to become more like it, or actively rebel against it.
I personally think that Huntington’s theory is an interesting approach, and I agree that culture will ultimately become one of the main components in world politics and in global conflicts. I also agree that Western civilization is extremely predominant as illustrated through the general direction of international organizations’ decision-making processes that are often heavily influenced by Western powers.
However, I do not believe that Western civilization has the ability to force their cultures and beliefs upon other nations, nor do I agree that there is a need for the West to fight off other civilizations like the Muslim one. In addition, I believe that Huntington’s perception of civilization as permanent and strictly invariable is inherently false. In his paper, it seems as though civilizations are not subjected to the changing environment and external factors in the world, and thus will always stay the same. I think that civilizations are in fact constantly transforming, and that today they are changing faster than ever before. Huntington uses the concept of fault line conflicts as conflicts that appear within one civilization, because other civilizations are immigrating into that particular civilization. The U.S. which is well known as “the melting pot” is a good example of people from different civilizations who gather and reside in one country. I discern the fact that this coexistence could create conflicts, but I think that when these conflicts are overcome (which is often possible in my opinion), civilizations are altered, refined, and in a lot of cases evolve positively. These changes are not only made plausible, but are actually accelerated due to the process of globalization. The more interconnected countries become, the easier it gets to exchange cultures and values. When people become more accepting, and less ignorant of different civilizations, Huntington’s argument becomes significantly less likely to hold true.
I believe that we should not just look at the potential of conflicts when civilizations merge, but rather focus on determining what is needed in order to peacefully and sustainably unify different civilizations. A potentially particularly beneficial course of action would be to dedicate efforts into ascertaining what structural changes, and perhaps also changes in the education system are important in order to guarantee a harmonious integration of cultures, and to also generate ideas on how we could deal with conflicts which may occur when cultures amalgamate. This positive take on Huntington’s theory may well be the biggest advantage that could be drawn from his analysis. Though founded upon very thoroughly lucid and insightful premises, I feel that Huntington may have lacked a dynamic analysis of the outcomes of joining civilizations which deemed the piece critical, but not necessarily constructive. However, the piece is undoubtedly extremely useful, and is a vital stepping stone in the study of cultures, for we could easily derive valuable lessons from some modern interpretations of “The Clash of Civilizations?” in regards to the fabrication of acceptance, and genuine respect for different cultures.