Lu Xun Complete Works/de/xingfu jiating
Die glueckliche Familie
幸福的家庭 von/by/par Lu Xun (鲁迅)
[Was geschieht, nachdem Nora gegangen ist? -- Vortrag am 26. Dezember 1923 an der Hoeheren Maedchennormalschule Peking]
Ich moechte heute ueber 'Was geschieht, nachdem Nora gegangen ist?' sprechen.
Ibsen war ein norwegischer Schriftsteller der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts. In seinen Dramen geht es oft um gesellschaftliche Fragen. 'Nora' (Ein Puppenheim) handelt von einer Frau, die erkennt, dass sie die Puppe ihres Mannes ist -- und geht.
Nach dem Weggehen gibt es im Grunde nur zwei Wege: Verfall oder Rueckkehr. Denn ein kleiner Vogel, aus dem Kaefig entlassen, findet draussen Adler, Katzen und anderes.
Der schmerzhafteste Moment im Leben ist das Erwachen ohne Ausweg. Traeumen ist Glueck; wer keinen Weg sieht, sollte den Traeumenden nicht wecken.
Fuer Nora braucht sie vor allem Geld -- oder vornehmer gesagt: wirtschaftliche Unabhaengigkeit. Freiheit kann man nicht mit Geld kaufen, aber fuer Geld verkaufen.
Traeume sind gut; sonst ist Geld wichtig.
[Ueber Poesie und ihre Feinde -- von Platon bis zur Literaturrevolution. Zusammenfassung.]
Platons Kunstfeindschaft lehnte Dichtung ab als Nachahmung der Nachahmung. Aristoteles' Poetik befreite die Literatur. Die Literaturrevolution brachte keinen echten Wandel fuer die Dichtung; sie liegt im Sterben. Liebesgedichte sind verpohnt. Doch wer fuer seine Geliebte dichtet, braucht sich nicht vor alten Herren zu genuegen. Wir sollten Nachtigallen nicht gluecklich machen wollen; wie die Blumen sind sie Fortpflanzungsorgane.
Die Maezene der Literatur sind auch deren Feinde. Karl IX. sagte: Dichter sind wie Rennpferde -- man fuettere sie gut, aber nicht zu fett. Petoefis Gedicht an Frau B.Sz. besagt dasselbe.
Briefwechsel ueber Uebersetzungsfragen -- Liao Zhongqians Antwort und Fuyuans Kommentar zu Gorki/Wilde-Uebersetzungspraxis. 'Gorki heisst nicht Gao.' Diskussion ueber die Uebersetzung auslaendischer Eigennamen ins Chinesische.
Vorwort zum Katalog der Ausstellung westlicher Malerei von Tao Yuanqing (Februar 1925). Antwort an Herrn Ke: Ueber die Auswahl empfohlener Buecher. Kommentar: Chinesische Buecher enthalten Leichenoptimismus; auslaendische Buecher, auch wenn dekadent, zeigen lebendige Dekadenz.
Erwiderung auf den vorherigen Text: Auch chinesische Buecher zeigen lebendige Dekadenz -- Kommentar zu Konfuzianismus, Mohismus, Daoismus und Yang Zhus Philosophie. Der Kritiker argumentiert, dass Laozi und Zhuangzi aktiven Geist besitzen.
Literarische Korrespondenz: Ueber 'Qinxin'-Pseudonym (= Ouyang Lan). Zeitschrift Mangyuan. Briefe von Xiang Peiliang aus Kaifeng ueber Studentenleben. Nachricht ueber angebliche Schaltung von Soldaten gegen Studentinnen -- als falsch erwiesen.
Weiterfuehrende Korrespondenz: Zhao Yintang aus Peking bezweifelt den Vorfall am Eisernen Turm. Untersuchungsergebnisse: Die Eiserne Pagode wurde abgesperrt (Beweis A), Studentinnen bestritten den Vorfall (Beweis B). Trotzdem glaubten manche weiterhin an das Geruecht.
Abschliessende Betrachtung: Ueber 'Tun ist leicht, Denken ist schwer' (Goethe). Brief von Baibo aus Shanghai: Ueber das Zurueck-zur-Natur-Denken. Lu Xuns Kommentar ueber die Schulleiterin Yang Yinyu und deren Methoden gegen aufbegehrende Studentinnen.