The Other

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Das Andere als Spiegel oder Kontrastfolie des Selbst, unter besonderer Berücksichtigung Chinas

Am Beispiel von China als Musterfall des „Anderen“ wird die geschichtliche Erfahrung erläutert, dass die Begegnung mit dem Anderen einem zu Erkenntnissen über das Selbst verhilft. In unterschiedlichen historischen Epochen wird China als Paradies gesehen, in das alle Hoffnungen projiziert werden (Chinoiserie, Aufklärung mit Voltaire) oder als Musterbeispiel von Stagnation, Isolation und Ignoranz (Hegel, Marx). Heute stellt China mit seinem „Beijing Consensus“ (hier verstanden als Wirtschaftserfolg bei gleichzeitiger geistiger Restriktion) ein Gegenmodell zu den freiheitlichen Marktwirtschaften dar und scheint diese – zumindest wirtschaftlich (hardpower), aber nicht in Politik und Kultur (softpower) – zu überholen. Im Seminar wird ein Perspektivenwechsel durchgeführt: der Westen aus der Brille Chinas betrachtet. Erstaunlicherweise gab es in China vor 200 Jahren ein ähnliches Verständnis vom Westen: Der Westen sei lediglich in Hardpower überlegen (Wirtschaft, Militär), nicht jedoch bezüglich der Softpower (Kultur). Neben China wird auch die Rezeption des „Wilden“ (vor allem in Kolonien) als des „Anderen“ analysiert werden. Besonderes Augenmerk wird dabei darauf gelegt werden, welche der Beschreibungen des Anderen auf tatsächliche Unterschiede zurückgeht und welche der Beschreibungen reine Projektionen einer (fiktiven) Abgrenzung des Eigenen zum Fremden sind.