Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 72"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 72) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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且說彩霞因前日出去,等父母擇人,心中雖是與賈環有舊,尚未作准。今日又見旺兒每每來求親,早聞得旺兒之子酗酒賭博,而且容顏醜陋,一技不知,自此心中越發懊惱。生恐旺兒仗鳳姐之勢,一時作成,終身為患,不免心中急躁。遂至晚間悄命他妹子小霞進二門來找趙姨娘,問了端的。趙姨娘素日深與彩霞契合,巴不得與了賈環,方有個膀臂,不承望王夫人又放了出去。每唆賈環去討,一則賈環羞口難開,二則賈環也不大甚在意,不過是個丫頭,他去了,將來自然還有,遂遷延住不說,意思便丟開。無奈趙姨娘又不舍,又見他妹子來問,是晚得空,便先求了賈政。賈政因說道:「且忙什麼,等他們再念一二年書再放人不遲。我已經看中了兩個丫頭,一個與寶玉,一個給環兒。只是年紀還小,又怕他們誤了書,所以再等一二年。」趙姨娘道:「寶玉已有了二年了,老爺還不知道?」賈政聽了忙問道:「誰給的?」趙姨娘方欲說話,只聽外面一聲響,不知何物,大家吃了一驚不小。要知端的,且聽下回分解。 | 且說彩霞因前日出去,等父母擇人,心中雖是與賈環有舊,尚未作准。今日又見旺兒每每來求親,早聞得旺兒之子酗酒賭博,而且容顏醜陋,一技不知,自此心中越發懊惱。生恐旺兒仗鳳姐之勢,一時作成,終身為患,不免心中急躁。遂至晚間悄命他妹子小霞進二門來找趙姨娘,問了端的。趙姨娘素日深與彩霞契合,巴不得與了賈環,方有個膀臂,不承望王夫人又放了出去。每唆賈環去討,一則賈環羞口難開,二則賈環也不大甚在意,不過是個丫頭,他去了,將來自然還有,遂遷延住不說,意思便丟開。無奈趙姨娘又不舍,又見他妹子來問,是晚得空,便先求了賈政。賈政因說道:「且忙什麼,等他們再念一二年書再放人不遲。我已經看中了兩個丫頭,一個與寶玉,一個給環兒。只是年紀還小,又怕他們誤了書,所以再等一二年。」趙姨娘道:「寶玉已有了二年了,老爺還不知道?」賈政聽了忙問道:「誰給的?」趙姨娘方欲說話,只聽外面一聲響,不知何物,大家吃了一驚不小。要知端的,且聽下回分解。 | ||
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| − | + | Zweiundsiebzigstes Kapitel | |
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| − | + | Phönixglanz verheimlicht aus Stolz ihre Krankheit, die Frau des Laiwang erzwingt mit Hilfe ihrer Stellung eine Heirat | |
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| − | + | Nun sei erzählt, dass Mandarinenente <ref>鸳鸯</ref> aus dem Seitentor heraustrat, noch immer mit rotem Gesicht, das Herz noch immer wild pochend — es war wirklich ein unerwartetes Ereignis gewesen. Da sie bedachte, dass diese Angelegenheit ungewöhnlich war, und dass, wenn sie davon erzählte, Unzucht und Diebstahl miteinander verknüpft würden und Menschenleben auf dem Spiel standen, und man obendrein nicht sicher sein konnte, ob nicht auch Unbeteiligte mit hineingezogen würden, sagte sie sich, da es sie ohnehin nichts anging, sei es besser, alles in ihrem Herzen zu verschließen und keinem einzigen Menschen davon zu erzählen. Sie ging in ihr Zimmer zurück, erstattete der Herzoginmutter <ref>贾母</ref> Bericht, und alle begaben sich zur Ruhe. Von da an kam sie abends kaum noch in den Garten. Da sie sich sagte, dass es im Garten schon solch merkwürdige Vorfälle gab, wie viel mehr mochte es dann anderswo geben, ging sie fortan auch an anderen Orten nicht mehr leichtfertig umher. | |
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| − | + | Es verhielt sich nämlich so, dass Siqi <ref>司棋</ref> von klein auf mit ihrem Cousin mütterlicherseits zusammen gespielt und gescherzt hatte, und als Kinder hatten sie im Scherz einander versprochen, niemals jemand anderen zu heiraten. In den letzten Jahren waren sie herangewachsen und hatten sich beide zu ansehnlichen Erscheinungen entwickelt. Immer wenn Siqi nach Hause ging, tauschten die beiden verliebte Blicke, und die alte Zuneigung war nicht erloschen, nur konnten sie nicht zueinander finden. Da beide fürchteten, ihre Eltern könnten nicht einverstanden sein, hatten sie Mittel und Wege gefunden, die alten Dienerinnen im Garten zu bestechen, damit diese das Tor offen ließen und den Weg bewachten. Heute hatten sie das allgemeine Durcheinander genutzt, um zum ersten Mal zueinander zu finden. Obwohl sie nicht wirklich ein Paar geworden waren, hatten sie doch Schwüre wie Meer und Berge getauscht und heimlich Liebespfänder ausgetauscht, und es hatte zwischen ihnen bereits grenzenlose Zärtlichkeit gegeben. Da wurden sie plötzlich von Mandarinenente aufgeschreckt, und der junge Bursche war eilig durch Blumen und Weiden schlüpfend aus dem Seitentor verschwunden. | |
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| − | + | Siqi lag die ganze Nacht wach und bereute es zutiefst. Am nächsten Tag, als sie Mandarinenente sah, wurde sie abwechselnd rot und blass und fühlte sich auf hunderterlei Weise unwohl. In ihrem Herzen trug sie einen schweren Stein, hatte keinen Appetit auf Tee und Reis und war beim Aufstehen und Sitzen ganz benommen. Zwei Tage vergingen, ohne dass sie die geringste Aufregung bemerkte, und so beruhigte sie sich allmählich ein wenig. Doch eines Abends kam plötzlich eine der alten Dienerinnen und flüsterte ihr zu: »Dein Bruder ist weggelaufen, seit drei oder vier Tagen ist er nicht nach Hause gekommen. Man hat Leute losgeschickt, ihn überall zu suchen.« Als Siqi das hörte, wurde sie so wütend, dass sie beinahe umkippte. Sie dachte bei sich: »Selbst wenn es herausgekommen wäre, hätten wir zusammen sterben sollen. Er denkt, weil er ein Mann ist, kann er einfach davonlaufen — das zeigt, dass er kein Herz hat!« So kam zu ihrem Kummer noch eine weitere Schicht des Zorns hinzu. Am nächsten Tag fühlte sie sich innerlich unwohl, konnte sich auf keine Weise mehr zusammenreißen, legte sich nieder und verfiel in eine ernste Krankheit. | |
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| + | Als Mandarinenente erfuhr, dass drüben ohne ersichtlichen Grund ein junger Diener verschwunden war und dass Siqi im Garten schwer erkrankt sei und hinausgebracht werden müsse, war sie sicher, dass beides aus Angst vor Strafe geschah. »Sie fürchten, ich könnte es verraten, und haben sich so erschrecken lassen.« Deshalb fühlte sie sich ihrerseits unwohl. Sie ging Siqi besuchen, schickte alle anderen hinaus und schwor ihr feierlich: »Wenn ich auch nur einem einzigen Menschen davon erzähle, soll ich auf der Stelle sterben! Beruhige dich und werde wieder gesund, wirf dein junges Leben nicht nutzlos weg!« | ||
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| + | Siqi ergriff ihre Hand und sagte weinend: »Liebe Schwester! Wir sind von Kindheit an Seite an Seite aufgewachsen, du hast mich nie als Fremde behandelt, und ich hätte es nie gewagt, dir gegenüber nachlässig zu sein. Nun habe ich einen falschen Schritt getan. Wenn du wirklich keinem einzigen Menschen davon erzählst, bist du mir wie eine leibliche Mutter. Von nun an ist jeder Tag, den ich lebe, ein Tag, den du mir schenkst. Wenn ich von meiner Krankheit genesen bin, werde ich dir eine Ahnentafel für langes Leben aufstellen und täglich Räucherwerk verbrennen und dich anbeten, um dir Glück und ein langes Leben zu sichern. Und wenn ich sterbe, will ich als Esel oder Hund wiedergeboren werden, um es dir zu vergelten. Außerdem heißt es im Volksmund: ›Tausend Meilen lang kann man ein Festzelt aufstellen, doch jedes Gastmahl geht einmal zu Ende.‹ In zwei oder drei Jahren werden wir alle von hier fortgehen. Und ein anderes Sprichwort sagt: ›Selbst Wasserlinsen treffen sich wieder, wie sollten Menschen sich nie wiedersehen!‹ Wenn wir uns eines Tages wiederbegegnen, wie könnte ich dir dann deine Güte vergelten!« Während sie sprach, weinte sie unablässig. Diese Worte rührten Mandarinenente so sehr, dass auch sie zu weinen begann. Sie nickte und sagte: »Ganz recht. Ich bin keine Aufseherin, warum sollte ich deinen guten Ruf zerstören und mir unnötig Verdienste anmaßen? Zudem wäre es auch für mich selbst nicht angemessen, so etwas jemandem zu erzählen. Sei ganz unbesorgt. Werde nur erst wieder gesund, aber dann musst du dich anständig betragen und darfst dir keine weiteren Torheiten erlauben.« Siqi nickte vom Kopfkissen her wieder und wieder. | ||
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| + | Nachdem Mandarinenente sie noch ein wenig getröstet hatte, ging sie hinaus. Da sie wusste, dass Kette Kaufmann <ref>贾琏</ref> nicht zu Hause war und Phönixglanz <ref>王熙凤</ref> in den letzten Tagen matter und lustloser als gewöhnlich wirkte, machte sie unterwegs noch einen Besuch bei ihr. Als sie durch das Tor zu Phönixglanz' Hof trat, erhoben sich die Diener am inneren Tor respektvoll und ließen sie passieren. Mandarinenente hatte kaum die Haupthalle betreten, als Friedchen <ref>平儿</ref> aus dem Innenraum herauskam. Bei Mandarinenentes Anblick kam sie eilig herbei und flüsterte lächelnd: »Sie hat gerade gegessen und hält ihren Mittagsschlaf. Setz dich doch einstweilen hier ein Weilchen.« Mandarinenente folgte Friedchen in das östliche Zimmer. Ein kleines Mädchen brachte Tee. Mandarinenente fragte leise: »Was ist denn in den letzten Tagen mit deiner Herrin los? Sie sieht so matt aus.« | ||
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| + | Friedchen sah, dass sie allein im Raum waren, und seufzte: »Diese Mattigkeit ist nicht erst seit heute. Schon vor einem Monat hat es angefangen. Dann kamen diese paar hektischen Tage, und sie hat sich auch noch allerlei Ärger anhören müssen, das hat alles wieder aufgewühlt. In den letzten zwei Tagen ist noch eine Krankheit dazugekommen, so dass sie es einfach nicht mehr verbergen konnte.« | ||
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| + | »Wenn es so steht, warum habt ihr dann nicht früher einen Arzt gerufen?« fragte Mandarinenente besorgt. | ||
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| + | Friedchen seufzte: »Ach Schwester, du kennst doch ihr Temperament! Von einem Arzt und Medizin will sie nichts hören. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen und habe nur einmal beiläufig gefragt, wie sie sich fühle — da wurde sie gleich wütend und warf mir vor, ich wolle sie krank reden. Trotzdem ist sie Tag für Tag noch immer damit beschäftigt, alles und jeden zu beaufsichtigen und kontrollieren, und will einfach nicht auf sich achten und ihren Körper schonen.« | ||
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| + | »Auch wenn es so ist«, sagte Mandarinenente, »sollte man doch unbedingt einen Arzt kommen lassen, damit man weiß, was für eine Krankheit es ist, und alle beruhigt sein können.« | ||
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| + | »Schwester«, sagte Friedchen, »wenn wir von der Krankheit sprechen — so wie ich es sehe, ist es keine Kleinigkeit.« | ||
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| + | »Was für eine Krankheit ist es denn?« fragte Mandarinenente dringend. | ||
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| + | Friedchen rückte noch ein Stückchen näher und flüsterte ihr ins Ohr: »Seit sie letzten Monat ihre Blutung hatte, hat diese einen ganzen Monat lang nicht aufgehört, sie tröpfelt und tröpfelt unablässig. Ist das etwa keine schwere Krankheit?« | ||
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| + | Als Mandarinenente das hörte, rief sie erschrocken: »Ach du meine Güte! Nach dem, was du sagst, ist das ja ein Blutsturz!« | ||
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| + | Friedchen spuckte rasch einmal aus und flüsterte dann lachend: »Du als unverheiratetes Mädchen — wie kannst du so etwas sagen! Du verfluchst sie ja geradezu!« | ||
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| + | Mandarinenente wurde unwillkürlich rot im Gesicht und flüsterte dann ebenfalls lachend: »Ich weiß ja eigentlich auch nicht, was ein Blutsturz ist und was nicht. Hast du denn vergessen, dass meine ältere Schwester an dieser Krankheit gestorben ist? Ich wusste auch nicht, was das für eine Krankheit war. Ich hatte nur zufällig gehört, wie meine Mutter und meine Schwägerin darüber sprachen, und war ganz verwundert. Erst später, als meine Mutter alles genau erklärte, habe ich ein oder zwei Dinge davon begriffen.« | ||
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| + | »Stimmt, du müsstest es wissen«, sagte Friedchen lachend. »Das hatte ich ganz vergessen.« | ||
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| + | Während die beiden noch miteinander sprachen, kam ein kleines Mädchen herein und sagte zu Friedchen: »Eben war Frau Zhu schon wieder da. Wir haben ihr gesagt, die Herrin halte gerade Mittagsschlaf, da ist sie zur gnädigen Frau hinübergegangen.« Friedchen nickte. | ||
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| + | »Welche Frau Zhu?« fragte Mandarinenente. | ||
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| + | »Die offizielle Heiratsvermittlerin, Frau Zhu«, erklärte Friedchen. »Irgendein Herr Sun hat bei uns um eine Heirat nachgesucht, und deshalb kommt sie dieser Tage jeden Tag mit einer Besuchskarte und lässt nicht locker.« | ||
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| + | Bevor sie ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen gelaufen und rief: »Der zweite junge Herr kommt herein!« Und schon war Kette Kaufmann in der Tür zur Haupthalle und rief nach Friedchen. Friedchen antwortete und wollte ihm gerade entgegengehen, als er bereits in dieses Zimmer herüberkam. Als er vor der Tür plötzlich Mandarinenente auf dem Ofenbett sitzen sah, blieb er stehen und sagte lächelnd: »Mandarinenente, welch seltene Ehre, dass dein edler Fuß unseren bescheidenen Boden betritt!« | ||
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| + | Mandarinenente blieb sitzen und sagte lächelnd: »Ich wollte dem jungen Herrn und der jungen Herrin meinen Gruß entbieten, aber der eine ist nicht da und die andere schläft.« | ||
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| + | Kette Kaufmann lachte: »Du dienst das ganze Jahr über der Herzoginmutter mit solcher Aufopferung — ich habe es noch nicht einmal geschafft, dich zu besuchen, und nun machst du dir noch die Mühe, herzukommen und nach uns zu sehen! Aber das ist ein glücklicher Zufall: Ich wollte gerade zu dir gehen. Nur war mir in diesem Gewand zu warm, und ich wollte zuerst ein leichteres anziehen, bevor ich zu dir gehe. Und nun, dem Himmel sei Dank, hast du mir den Weg gespart und wartest schon hier auf mich!« Dabei setzte er sich auf einen Stuhl. | ||
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| + | »Was gibt es denn?« fragte Mandarinenente. | ||
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| + | Kette Kaufmann lächelte erst, bevor er zu sprechen begann: »Es geht um eine Sache, die ich tatsächlich vergessen hatte, aber du erinnerst dich vielleicht noch. Im vorigen Jahr zum Geburtstag der Herzoginmutter kam ein Mönch von auswärts und brachte als Geschenk eine Buddhahand <ref>die Frucht der Zitruspflanze Citrus medica var. sarcodactylis</ref> aus Wachsöl. Die Herzoginmutter mochte sie so gern, dass sie sie sofort herüberbringen und aufstellen ließ. Neulich beim Geburtstag der Herzoginmutter habe ich im Antiquitätenregister diesen Posten gefunden, weiß aber nicht, wo sich das Stück jetzt befindet. Die Leute aus der Antiquitätenkammer haben mich schon zweimal danach gefragt, damit sie die Sache in den Büchern vermerken können. Deshalb frage ich dich, Schwester: Hat die Herzoginmutter das Stück noch bei sich stehen, oder ist es jemandem übergeben worden?« | ||
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| + | »Die Herzoginmutter hat es ein paar Tage aufgestellt«, erwiderte Mandarinenente, »dann war sie es leid und hat es eurer Herrin geschenkt. Und jetzt fragst du mich! Ich erinnere mich sogar noch an den Tag. Ich habe die alte Dame König beauftragt, es hierher zu bringen. Du hast es vergessen — frag deine Herrin und Friedchen.« | ||
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| + | Friedchen, die gerade ein Kleidungsstück geholt hatte, hörte das und eilte heraus: »Es wurde hierher gegeben und steht jetzt oben im Stockwerk. Die Herrin hat schon jemanden hinausgeschickt, um Bescheid zu sagen, dass es in diesem Haus ist. Die Leute dort drüben haben es in ihrer Vergesslichkeit nicht eingetragen, und jetzt kommen sie noch einmal wegen solch unwichtiger Sachen.« | ||
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| + | »Aha!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Wenn sie sie eurer Herrin geschenkt hat, warum weiß ich dann nichts davon? Ihr habt sie einfach unterschlagen!« | ||
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| + | »Die Herrin hat es dem zweiten jungen Herrn gesagt«, entgegnete Friedchen, »aber der junge Herr wollte das Stück gleich verschenken. Die Herrin war dagegen und hat es mit Mühe und Not behalten. Jetzt hat er es selbst vergessen und behauptet, wir hätten es unterschlagen! Was ist das schon für eine Kostbarkeit, was für ein unersetzliches Stück! Zehnmal wertvollere Dinge haben wir kein einziges Mal unterschlagen, und jetzt soll es ausgerechnet dieses billige Ding sein!« | ||
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| + | Kette Kaufmann ließ den Kopf sinken, dachte lächelnd einen Moment nach und schlug sich dann auf die Schenkel: »Ich bin in letzter Zeit wirklich ganz verwirrt! Ich vergesse alles, bringe die Leute gegen mich auf — ganz anders als früher!« | ||
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| + | »Das ist kein Wunder«, sagte Mandarinenente lächelnd. »So viele Geschäfte, so viel Gerede — und wenn du dann noch ein paar Gläser Wein dazu trinkst, wie soll da noch Klarheit herrschen?« Bei diesen Worten stand sie auf und wollte gehen. | ||
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| + | Kette Kaufmann stand rasch ebenfalls auf und sagte: »Liebe Schwester, bleib doch noch einen Augenblick! Dein Bruder hat noch eine Bitte an dich.« Dann schalt er die kleinen Mädchen: »Warum bringt ihr keinen anständigen Tee! Holt schnell eine saubere Deckeltasse und brüht eine Tasse von dem neuen Tee auf, den man gestern für den Hof geliefert hat!« Dann wandte er sich an Mandarinenente: »Wegen des Geburtstags der Herzoginmutter haben wir in den letzten Tagen alle paar tausend Liang Silber ausgegeben. Die Mieteinnahmen und Grundsteuern von verschiedenen Stellen kommen erst im neunten Monat herein, jetzt klafft eine Lücke. Morgen müssen wir die Geschenke für das Fürstentum Nan'an absenden, dann die Geschenke zum Doppelneunfest <ref>das Chongyang-Fest am 9. Tag des 9. Monats</ref> für die Kaiserliche Nebenfrau vorbereiten, und dann sind da noch einige Geschenke für Hochzeiten und Trauerfälle in befreundeten Häusern. Es werden mindestens noch zwei- bis dreitausend Liang gebraucht, und für den Moment ist es schwierig, die irgendwo aufzutreiben. Wie das Sprichwort sagt: ›Besser, man bittet sich selbst, als andere um Hilfe zu bitten.‹ Da bleibt mir nichts anderes übrig, als dich in eine unangenehme Lage zu bringen: Könntest du heimlich eine Kiste mit goldenen und silbernen Geräten der Herzoginmutter herausschaffen, die sie nicht gleich vermissen wird, damit wir sie vorübergehend für etwa tausend Liang versetzen? In weniger als einem halben Jahr, wenn das Silber hereinkommt, löse ich sie sofort wieder aus und gebe alles zurück. Auf keinen Fall werde ich dich in Schwierigkeiten bringen.« | ||
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| + | Mandarinenente lachte: »Dir fallen aber auch immer wieder neue Tricks ein! Wie du nur auf solche Ideen kommst!« | ||
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| + | Kette Kaufmann lachte: »Ich übertreibe nicht — wenn wir von dir absehen, gibt es zwar andere, die über tausend Liang verfügen können, aber keiner von ihnen ist so verständig und mutig wie du. Wenn ich es mit denen bespreche, sind sie nur erschrocken. Deshalb sage ich: ›Lieber einmal die goldene Glocke anschlagen als dreitausend Mal auf die kaputte Trommel hauen.‹« | ||
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| + | Bevor er ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen von der Herzoginmutter eilig herübergelaufen und suchte Mandarinenente: »Die Herzoginmutter sucht dich schon eine ganze Weile! Wir haben dich überall gesucht, und jetzt finden wir dich hier!« Als Mandarinenente das hörte, verabschiedete sie sich hastig und ging zur Herzoginmutter. | ||
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| + | Nachdem Kette Kaufmann sah, dass sie gegangen war, blieb ihm nichts anderes übrig, als herüberzugehen und nach Phönixglanz zu sehen. Doch Phönixglanz war bereits aufgewacht und hatte sein Gespräch mit Mandarinenente über das Verpfänden gehört. Da sie nicht gut dazwischenreden konnte, war sie einfach auf ihrem Ruhebett liegengeblieben. Als sie nun hörte, dass Mandarinenente gegangen war und Kette Kaufmann hereinkam, fragte sie: »Hat sie zugestimmt?« | ||
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| + | »Noch nicht ganz«, antwortete Kette Kaufmann lächelnd, »aber es sieht zu acht oder neun Teilen gut aus. Wenn du heute Abend noch einmal mit ihr sprichst, ist es so gut wie sicher.« | ||
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| + | »Da halte ich mich heraus«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Wenn sie einverstanden ist, redest du jetzt schön, aber wenn das Geld da ist, vergisst du alles und wirfst es hinter dich. Wer soll dann hinter dir herlaufen? Und wenn die Herzoginmutter es erfährt, habe ich mein ganzes Ansehen der letzten Jahre verspielt.« | ||
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| + | »Liebste«, sagte Kette Kaufmann lächelnd, »wenn du das für mich regelst, wie soll ich dir danken?« | ||
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| + | »Sag schon«, erwiderte Phönixglanz lächelnd, »womit willst du mir danken?« | ||
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| + | »Nenn mir, was du willst, und du bekommst es«, versprach Kette Kaufmann lächelnd. | ||
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| + | Friedchen lachte von der Seite: »Die Herrin braucht keinen Dank. Gestern hat sie gerade gesagt, sie wolle etwas erledigen und brauche ein- oder zweihundert Liang Silber. Wenn wir die leihen und die Herrin nimmt sich davon ein- oder zweihundert Liang, wäre das nicht für beide Seiten ideal?« | ||
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| + | »Gut, dass du mich daran erinnerst«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Also gut, so machen wir es.« | ||
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| + | »Ihr seid wirklich unbarmherzig!« lachte Kette Kaufmann. »Ihr habt jetzt bestimmt nicht nur tausend Liang Pfand, sondern auch drei- oder fünftausend Liang in bar, da bin ich mir sicher. Dass ich gar nicht bei euch borge! Und jetzt, wo ich euch bitte, ein Wort für mich einzulegen, verlangt ihr auch noch Zinsen! Das ist wirklich die Höhe!« | ||
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| + | Als Phönixglanz das hörte, setzte sie sich mit einem Ruck auf und sagte: »Ob ich drei- oder fünfzigtausend habe, nichts davon ist auf deine Kosten verdient! Hinter meinem Rücken reden innen wie außen, oben wie unten schon genug Leute schlecht über mich — nur du hast noch gefehlt! Man sieht, ohne Verräter im eigenen Haus kommen die Geister von außen nicht herein. Wo unser Geld aus der König-Familie herkommt? Alles ist von euch Kaufmanns verdient worden! Mir wird schlecht davon! Eure Familie hält sich wohl für Shi Chong oder Deng Tong <ref>berühmte Reiche des Altertums</ref>! Wenn man die Ritzen im Boden des Hauses König auskehrte, würde das für euch ein ganzes Leben lang reichen! Ihr solltet euch schämen, so etwas zu sagen! Hier gibt es den Beweis: Schaut euch die Aussteuer der gnädigen Frau und meine an und vergleicht sie mit eurer — in welcher Hinsicht steht sie eurer nach?« | ||
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| + | »Ich habe doch nur Spaß gemacht, und du regst dich gleich auf!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Was ist denn schon dabei? Ein- oder zweihundert Liang Silber, das ist doch nichts. Mehr habe ich zwar nicht, aber so viel habe ich schon. Ich bringe es dir herein, du gibst es aus, und dann sehen wir weiter, einverstanden?« | ||
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| + | »Mir liegt niemand im Sterben, dem ich etwas in den Mund legen und unter den Kopf schieben müsste <ref>Brauch bei Verstorbenen</ref>«, erwiderte Phönixglanz. »Was soll die Eile?« | ||
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| + | »Warum quälst du dich«, sagte Kette Kaufmann, »es ist doch nicht nötig, sich solche Galle zu machen.« | ||
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| + | Als Phönixglanz das hörte, musste sie selbst wieder lachen: »Ich bin nicht aufgeregt, aber deine Worte stechen ins Herz. Ich muss nämlich daran denken, dass übermorgen der Jahrestag von Zweitschwester Sonders <ref>尤二姐</ref> ist. Wir haben uns doch eine Zeitlang gut verstanden, und wenn wir auch nichts Großes tun können, sollten wir wenigstens ihr Grab besuchen und ein Blatt Papiergeld verbrennen, das schulden wir ihr als Schwestern. Auch wenn sie kein Kind hinterlassen hat, sollte man doch bedenken: ›Der Vorgänger streut Sand, um dem Nachfolger die Augen zu verblenden.‹ <ref>Sprichwort: Wer heute stirbt, kann morgen nicht mehr für sich sorgen.</ref>« | ||
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| + | Diesem Satz hatte Kette Kaufmann nichts entgegenzusetzen. Er senkte den Kopf, überlegte eine ganze Weile und sagte dann: »Es ist rührend, dass du so umsichtig bist. Ich hatte es ganz vergessen. Wenn es erst übermorgen gebraucht wird und wir morgen das Geld bekommen, dann nimm dir davon, so viel du brauchst.« | ||
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| + | Bevor er ausgesprochen hatte, kam die Frau des Laiwang <ref>旺儿</ref> herein. Phönixglanz fragte: »Ist es gelungen?« | ||
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| + | »Leider nicht«, antwortete Laiwangs Frau. »Ich sagte ja, wenn die Herrin selbst die Sache in die Hand nimmt, gelingt es bestimmt.« | ||
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| + | »Was ist denn los?« fragte Kette Kaufmann. | ||
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| + | Phönixglanz sagte: »Es ist nichts Großes. Laiwang hat einen Sohn, der dieses Jahr siebzehn geworden ist und noch keine Frau hat. Er will Buntschimmer <ref>彩霞</ref> aus dem Haushalt der gnädigen Frau haben, aber wir wissen nicht, was die gnädige Frau davon hält, und so ist nichts entschieden worden. Vor einigen Tagen hat die gnädige Frau gesehen, dass Buntschimmer erwachsen geworden ist, und da sie auch noch kränklich war, hat sie sie gnädigerweise freigelassen, damit ihre Eltern sich selbst einen Schwiegersohn für sie suchen können. Deshalb kam Laiwangs Frau zu mir. Ich dachte, die beiden Familien wären einander ebenbürtig, und wenn man nachfrage, würde es von selbst klappen. Doch nun kommt sie und sagt, es sei nichts daraus geworden.« | ||
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| + | »Was ist das schon für eine große Sache!« sagte Kette Kaufmann. »Viel besser als Buntschimmer gibt es doch genug.« | ||
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| + | Laiwangs Frau sagte mit beflissenem Lächeln: »Wenn der junge Herr das so sagt — wenn selbst ihre Familie auf uns herabschaut, dann werden andere erst recht auf uns herabschauen! Endlich hatten wir eine passende Schwiegertochter gefunden, und ich dachte, ich bitte den jungen Herrn und die Herrin um ihre Gnade, damit die Sache zustande kommt. Die Herrin sagte auch, sie würden gewiss einverstanden sein, also bat ich jemanden, es zu versuchen. Aber wider Erwarten wurde ich abgewiesen. Gegen das Mädchen selbst ist nichts zu sagen, und als ich sie in meiner Art beiläufig auf den Zahn fühlte, schien sie nichts dagegen zu haben. Nur ihre Eltern, diese beiden alten Sturköpfe, haben Höheres mit ihr im Sinn.« | ||
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| + | Diese Worte trafen Phönixglanz und Kette Kaufmann ins Ehrgefühl. Phönixglanz sagte nichts, da Kette Kaufmann anwesend war, und wartete ab, wie er reagieren würde. Kette Kaufmann hatte seine eigenen Sorgen im Kopf und nahm sich diese Kleinigkeit nicht zu Herzen. Er wollte sich am liebsten heraushalten, doch da Laiwangs Frau nun einmal von Phönixglanz mit in die Ehe gebracht worden war und ihre Verdienste hatte, konnte er schlecht nein sagen. Also sprach er: »Was ist das schon Großes, dass ihr ewig herumzischelt und tuschelt! Geh nur unbesorgt nach Hause. Morgen spiele ich den Vermittler und schicke zwei angesehene Leute, die mit ihnen reden und gleich die Verlobungsgeschenke mitbringen, und sie sollen sagen, es sei mein Wunsch. Wenn sie sich dann immer noch sträuben, sollen sie zu mir kommen.« | ||
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| + | Laiwangs Frau warf Phönixglanz einen fragenden Blick zu. Phönixglanz verzog leicht den Mund. Laiwangs Frau verstand und kniete sogleich nieder, um Kette Kaufmann mit einem Stirnaufschlag zu danken. | ||
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| + | »Deiner Herrin musst du danken!« sagte Kette Kaufmann rasch. »Ich habe zwar gesagt, so soll es gehen, aber trotzdem muss deine Herrin noch jemanden schicken und Buntschimmers Mutter rufen lassen, um freundlich mit ihr zu sprechen, das wäre besser. Auch wenn sie gewiss zustimmen werden, darf man in solchen Angelegenheiten nicht tyrannisch vorgehen.« | ||
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| + | »Wenn sogar du so gnädig bist und dir solche Mühe gibst«, sagte Phönixglanz rasch, »dann kann ich doch nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen! Laiwangs Frau, hör zu: Nachdem diese Sache erledigt ist, musst du auch schnell meine Aufträge erfüllen. Sag deinem Mann, er soll alle Schulden da draußen noch vor Jahresende eintreiben. Nicht ein einziger Heller darf fehlen! Mein Ruf ist schon schlecht genug, und wenn ich noch ein Jahr Geld verleihe, werden sie mich bei lebendigem Leibe auffressen.« | ||
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| + | »Ihr seid zu ängstlich, Herrin«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Wer würde es wagen, schlecht über die Herrin zu reden? Ehrlich gesagt, wenn alles eingezogen würde, wäre das auch für uns weniger Arbeit und weniger Ärger mit den Leuten.« | ||
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| + | »Ich habe mich auch nur aus reiner Dummheit darauf eingelassen«, sagte Phönixglanz mit kühlem Lächeln. »Wozu brauche ich wirklich das Geld? Es geht nur darum, dass die täglichen Ausgaben höher sind als die Einnahmen. Was dieses Haus betrifft: Das Monatsgeld für mich und den Herrn zusammen, dazu das Monatsgeld für die vier Dienstmädchen, macht insgesamt zehn bis zwanzig Liang — das reicht nicht einmal für drei bis fünf Tage! Wenn ich nicht alles zusammengekratzt hätte, was nur ging, wüsste der Himmel, in welcher verfallenen Hütte wir längst gelandet wären! Und jetzt habe ich den Ruf eines heruntergekommenen Geldverleihers. Gut denn, ich ziehe alles ein. Geld ausgeben kann ich so gut wie jeder andere auch. In Zukunft sitzen wir einfach da und geben aus, solange es reicht, reicht es. | ||
| + | |||
| + | Und was für Zustände herrschen hier: Als die Herzoginmutter kürzlich Geburtstag hatte, hat sich die gnädige Frau zwei Monate lang Sorgen gemacht und wusste sich keinen Rat, bis schließlich ich den Hinweis gab, dass oben im Lagerhaus vier oder fünf Kisten mit großen Messing- und Zinngeräten stünden, auf die es nicht weiter ankäme. Die wurden fortgeschafft und brachten dreihundert Liang Silber ein — erst damit konnte die gnädige Frau ihr Gesicht wahren und die Sache überstehen. Ich habe, wie ihr wisst, die goldene Schlaguhr für fünfhundertsechzig Liang verkauft. Noch kein halber Monat war vergangen, da gab es schon zehn große und kleine Angelegenheiten, und alles wurde für nichts und wieder nichts verschlungen. Jetzt reicht auch draußen das Geld nicht mehr, und irgendwer — ich weiß nicht, wer — ist auf den Einfall gekommen, die Sachen der Herzoginmutter anzugehen. In einem weiteren Jahr werden sie an Schmuck und Kleider gehen — dann wird es erst richtig schön!« | ||
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| + | »Schmuck und Kleider jeder einzelnen gnädigen Frau würden, zu Geld gemacht, für ein ganzes Leben reichen«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Nur wird sich keine auf so etwas einlassen.« | ||
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| + | »Ich will nicht sagen, dass ich zu nichts mehr fähig bin«, fuhr Phönixglanz fort, »aber auf diese Art kann ich wirklich nicht mehr. Gestern Nacht hatte ich plötzlich einen Traum — er klingt vielleicht sogar komisch. Im Traum suchte mich jemand auf, der mir zwar bekannt vorkam, dessen Namen ich aber nicht kannte. Als ich fragte, was er wolle, sagte er, die Kaiserliche Nebenfrau habe ihn geschickt, um hundert Stück Brokat zu holen. Ich fragte, welche Kaiserliche Nebenfrau, und er nannte eine, die nicht aus unserer Familie stammt. Ich wollte ihm die Seide nicht geben, da kam er auf mich zu und wollte sie mir entreißen. Gerade als er zupackte, wachte ich auf.« | ||
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| + | »Das liegt nur daran, dass die Herrin sich tagsüber zu viel Sorgen macht und ständig mit Aufträgen für den kaiserlichen Palast zu tun hat«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. | ||
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| + | Bevor sie ausgesprochen hatte, wurde gemeldet: »Der Oberhofkämmerer Xia hat einen jungen Eunuchen geschickt.« | ||
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| + | Als Kette Kaufmann das hörte, runzelte er sofort die Stirn und sagte: »Was will er denn schon wieder! In einem Jahr schleppen die mehr als genug weg!« | ||
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| + | »Versteck dich«, sagte Phönixglanz. »Ich empfange ihn. Wenn es eine Kleinigkeit ist, lasse ich es durchgehen. Wenn es etwas Größeres ist, weiß ich schon, was ich ihm sage.« | ||
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| + | Kette Kaufmann versteckte sich im Innenraum. Phönixglanz ließ den jungen Eunuchen hereinführen, bot ihm einen Stuhl an und ließ ihm Tee bringen. Dann fragte sie, worum es gehe. | ||
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| + | Der junge Eunuch sagte: »Exzellenz Xia hat heute zufällig ein Haus gesehen, aber es fehlen ihm zweihundert Liang Silber. Er schickt mich, um die Frau Tante zu fragen, ob im Haus zweihundert Liang bar verfügbar sind, die er sich kurz leihen könnte. In ein, zwei Tagen schickt er sie zurück.« | ||
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| + | »Was heißt hier zurückschicken«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Silber haben wir mehr als genug, er soll es nur ruhig nehmen. Wenn wir ein andermal knapp bei Kasse sind, borgen wir bei ihm — das ist doch dasselbe.« | ||
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| + | »Exzellenz Xia lässt außerdem ausrichten«, fuhr der junge Eunuch fort, »dass von den letzten beiden Malen noch eintausendzweihundert Liang ausstehen. Zum Jahresende werde er natürlich alles auf einmal zurückzahlen.« | ||
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| + | »Exzellenz Xia ist aber kleinlich!« sagte Phönixglanz lächelnd. »Das ist doch nicht der Rede wert! Ohne ihm zu nahe treten zu wollen: Wenn er alles so genau abrechnen und zurückzahlen wollte, dann wüsste ich gar nicht, wie viel er schon zurückgezahlt haben müsste! Solange wir welches haben, soll er es sich nur nehmen.« Dann rief sie Laiwangs Frau herein: »Geh hinaus und treib irgendwoher zweihundert Liang auf!« | ||
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| + | Laiwangs Frau verstand, worum es ging, und sagte lächelnd: »Eben konnte ich nirgendwo etwas auftreiben, deshalb bin ich ja zu Euch gekommen.« | ||
| + | |||
| + | »Ihr versteht es nur, hier hereinzukommen und Geld zu verlangen, aber wenn ihr es draußen beschaffen sollt, seid ihr unfähig!« rügte Phönixglanz. Dann rief sie Friedchen: »Nimm meine beiden goldenen Halsketten heraus und versetz sie für vierhundert Liang Silber!« | ||
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| + | Friedchen sagte »Jawohl« und ging. Nach einer ganzen Weile brachte sie tatsächlich ein mit Seide bezogenes Kästchen, in dem zwei seidene Tücher lagen. Als man sie aufwickelte, zeigte sich: Die eine Kette war aus Goldfiligran mit aufgereihten Perlen, jede so groß wie ein Lotuskern. Die andere war mit Eisvogelfedern besetzt und mit Edelsteinen verziert. Beide standen den Schmuckstücken aus dem Kaiserpalast in nichts nach. Als Friedchen sie fortbrachte und zurückkam, hatte sie tatsächlich vierhundert Liang Silber. | ||
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| + | Phönixglanz befahl, die Hälfte für den jungen Eunuchen einzupacken. Die andere Hälfte ließ sie Laiwangs Frau übergeben, damit diese die Vorbereitungen für das Mittelherbstfest <ref>das Fest am 15. Tag des 8. Monats</ref> treffen konnte. Der junge Eunuch verabschiedete sich, und Phönixglanz befahl jemandem, das Silber für ihn bis zum Haupttor zu tragen. | ||
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| + | »Wann nehmen diese Plagegeister von draußen endlich ein Ende!« sagte Kette Kaufmann lachend, als er wieder herauskam. | ||
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| + | »Gerade sprachen wir davon, und schon kam der nächste Schwall«, erwiderte Phönixglanz lächelnd. | ||
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| + | »Gestern war der Obereunuch Zhou hier«, berichtete Kette Kaufmann. »Kaum hatte er den Mund aufgemacht, wollte er tausend Liang. Als ich einen Moment zögerte, wurde er gleich unwillig. In Zukunft wird es noch viele Gelegenheiten geben, wo wir jemanden vor den Kopf stoßen müssen. Es wäre schön, wenn wir noch einmal zwei oder drei Millionen verdienen könnten.« Während er sprach, half Friedchen Phönixglanz bereits, sich zu waschen und umzukleiden, damit sie zur Herzoginmutter hinübergehen und beim Abendessen aufwarten konnte. | ||
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| + | Kette Kaufmann ging ebenfalls hinaus, und als er gerade bei seinem äußeren Arbeitszimmer angekommen war, sah er plötzlich Lin Zhixiao <ref>林之孝</ref> auf sich zukommen. Er fragte, was es gebe. | ||
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| + | »Ich habe gerade erfahren, dass Regendorf <ref>Jia Regendorf, ein Beamter</ref> seines Amtes enthoben worden sein soll«, sagte Lin Zhixiao. »Aber ich weiß nicht, warum, und möglicherweise stimmt es gar nicht.« | ||
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| + | »Ob es stimmt oder nicht«, erwiderte Kette Kaufmann, »sein Amt wird er kaum lange behalten. Wenn er in Schwierigkeiten gerät, ist nicht auszuschließen, dass er uns mit hineinzieht. Es wäre besser, auf Abstand zu gehen.« | ||
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| + | »Da habt Ihr völlig recht«, bestätigte Lin Zhixiao, »nur lässt sich das im Moment schlecht bewerkstelligen. Der ältere Herr aus dem Östlichen Anwesen <ref>Herrlichkeit Kaufmann, 贾珍</ref> versteht sich besser mit ihm als je zuvor, und auch der gnädige Herr hat ihn gern und verkehrt häufig mit ihm. Wer wüsste das nicht!« | ||
| + | |||
| + | »Solange wir keine gemeinsamen Geschäfte mit ihm machen, kann uns nicht viel passieren«, entschied Kette Kaufmann. »Geh und erkundige dich, ob es wahr ist und was der Grund ist.« | ||
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| + | Lin Zhixiao sagte zwar jawohl, rührte sich aber nicht von der Stelle. Er blieb auf seinem Stuhl sitzen und führte das Gespräch weiter. Als sie auf die Schwierigkeiten des Haushalts zu sprechen kamen, ergriff er die Gelegenheit und sagte: »Es sind zu viele Leute im Haus. Es wäre das beste, der Herzoginmutter und dem gnädigen Herrn bei Gelegenheit Bericht zu erstatten und einige der alten Bediensteten, die ihre Verdienste haben, aber nicht mehr gebraucht werden, gnädigerweise freizulassen. Erstens hat ohnehin jeder von ihnen seine eigene Wirtschaft, und zweitens ließe sich dadurch jährlich einiges an Verpflegung und Monatsgeld einsparen. | ||
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| + | Außerdem gibt es auch zu viele Mädchen in den inneren Gemächern. Der Volksmund sagt richtig: ›Eine Zeit gleicht nicht der anderen.‹ Wir können jetzt nicht mehr an den alten Maßstäben festhalten, und notgedrungen muss sich jeder ein wenig einschränken: Wem acht Mägde zustanden, der muss mit sechs auskommen, und wer vier hatte, muss mit zwei zufrieden sein. Rechnet man das für alle Räume zusammen, kann man im Jahr eine beträchtliche Menge an Reis und Monatsgeld einsparen. Zudem ist die Hälfte der Mädchen drinnen bereits zu alt geworden und sollte verheiratet werden. Wenn sie erst Familien gründen, bringen sie dann nicht noch mehr Leute hervor?« | ||
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| + | »Dasselbe habe ich mir auch schon gedacht«, versicherte Kette Kaufmann, »aber der gnädige Herr ist eben erst nach Hause zurückgekehrt, und so viele wichtige Angelegenheiten habe ich ihm noch nicht gemeldet — wie soll ich da mit so etwas kommen? Neulich hat die offizielle Heiratsvermittlerin eine Verlobungskarte gebracht, um eine Hochzeit anzutragen, aber die gnädige Frau meinte, der gnädige Herr sei gerade erst heimgekehrt und genieße es jeden Tag, wieder mit seiner Familie vereint zu sein. Wenn man jetzt plötzlich von Heirat spräche, fürchtete sie, er werde wieder traurig. Deshalb solle vorerst nicht davon gesprochen werden.« | ||
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| + | »Das ist auch richtig«, bestätigte Lin Zhixiao. »Die gnädige Frau denkt sehr umsichtig.« | ||
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| + | »Eben!« sagte Kette Kaufmann. »Aber da fällt mir gerade etwas ein. Der Sohn von unserem Laiwang will Buntschimmer aus den Gemächern der gnädigen Frau heiraten. Gestern hat er sich deswegen an mich gewandt. Ich denke, es ist keine große Sache — schick jemanden hin, der ein Wort mit den Eltern spricht, egal wen. Schau, wer gerade frei ist, und schick ihn hin, in meinem Namen.« | ||
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| + | Lin Zhixiao sagte notgedrungen ja, aber nach einer Weile riet er lächelnd: »Wenn Ihr mich fragt, junger Herr, solltet Ihr besser die Finger davon lassen. Laiwangs Sohn ist zwar noch jung, aber er treibt sich draußen herum, trinkt und spielt um Geld und kennt keine Grenzen. Auch wenn alle Beteiligten Dienstleute sind, so ist eine Heirat doch eine Sache fürs ganze Leben. Buntschimmer habe ich zwar in den letzten Jahren nicht mehr gesehen, aber man erzählt, sie habe sich prächtig entwickelt. Warum soll man sie ohne Grund ins Unglück stürzen?« | ||
| + | |||
| + | »Ist sein Sohn wirklich ein solcher Trinker, dass er kein brauchbarer Mensch mehr ist?« fragte Kette Kaufmann. | ||
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| + | »Nicht nur, dass er trinkt und spielt«, sagte Lin Zhixiao mit kühlem Lächeln, »er schreckt da draußen vor keiner Schandtat zurück. Nur weil er zu den Leuten der Herrin gehört, haben wir immer ein Auge zugedrückt.« | ||
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| + | »Davon wusste ich nichts!« sagte Kette Kaufmann. »Wenn das so ist, bekommt er statt einer Frau eine Tracht Prügel und wird eingesperrt! Und dann müssen sich seine Eltern verantworten!« | ||
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| + | »Nicht gerade jetzt«, riet Lin Zhixiao lächelnd. »Warten wir, bis er wieder etwas anstellt, dann melden wir es Euch, und Ihr könnt ihn bestrafen. Für diesmal lasst es ihm noch durchgehen.« | ||
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| + | Kette Kaufmann erwiderte nichts, und nach einer Weile ging Lin Zhixiao. | ||
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| + | Am Abend hatte Phönixglanz bereits jemanden geschickt, um Buntschimmers Mutter hereinrufen zu lassen und die Heirat für sie zu vermitteln. Obwohl Buntschimmers Mutter innerlich ganz und gar dagegen war, konnte sie angesichts der Ehre, dass Phönixglanz persönlich mit ihr sprach, nicht anders, als gegen den eigenen Willen lauthals zuzustimmen und zu gehen. | ||
| + | |||
| + | Als Phönixglanz nun Kette Kaufmann fragte, ob man schon mit dem Vater gesprochen habe, sagte er: »Ich wollte es schon veranlassen, aber dann erfuhr ich, dass sein Sohn ein großer Taugenichts ist, darum habe ich den Befehl zurückgenommen. Wenn es wirklich so schlimm mit ihm steht, sollte man ihn erst einmal eine Zeitlang unter Aufsicht erziehen. Danach ist immer noch Zeit, ihm eine Frau zu geben.« | ||
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| + | »Von wem hast du gehört, dass er ein Taugenichts ist?« wollte Phönixglanz wissen. | ||
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| + | »Nur von einem aus dem Haus, von wem sonst?« wich Kette Kaufmann aus. | ||
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| + | Phönixglanz lachte: »Wer aus der König-Familie kommt, ist euch ja nicht gut genug — das trifft auf mich zu und auf die Dienstleute erst recht. Eben habe ich schon mit Buntschimmers Mutter gesprochen, und sie war Feuer und Flamme. Soll ich sie etwa noch einmal hereinrufen lassen und ihr sagen, es sei nichts mehr daraus?« | ||
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| + | »Wenn du schon mit ihr gesprochen hast, können wir natürlich nicht mehr davon abrücken«, sagte Kette Kaufmann. »Morgen sage ich Laiwang, er soll seinen Sohn streng im Zaum halten, und damit hat es sich.« | ||
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| + | Was an diesem Abend sonst noch gesprochen wurde, braucht hier nicht erzählt zu werden. | ||
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| + | Nun sei erzählt, dass Buntschimmer, seit sie vor einigen Tagen freigelassen worden war, darauf wartete, dass ihre Eltern einen Bräutigam für sie finden würden. Zwar gab es die alte Bindung an Unheil Kaufmann <ref>贾环</ref>, an der sie innerlich festhielt, doch es war noch nichts entschieden. Jetzt musste sie mit ansehen, wie Laiwang immer wieder für seinen Sohn um sie anhielt, und sie hatte längst erfahren, dass dieser ein Trinker und Spieler war, dazu von hässlichem Aussehen und ohne jede Fertigkeit. Ihr Herz wurde immer schwerer. | ||
| + | |||
| + | In größter Angst, Laiwang könnte gestützt auf Phönixglanz' Machtstellung die Heirat erzwingen, was für sie ein lebenslanges Unglück bedeuten würde, war ihr Herz in äußerster Bedrängnis. Am Abend gab sie heimlich ihrer jüngeren Schwester Xiaoxia <ref>小霞</ref> den Auftrag, durch das innere Tor hineinzugehen und Nebenfrau Zhao <ref>赵姨娘</ref> aufzusuchen, um die wahre Lage zu erfahren. | ||
| + | |||
| + | Nebenfrau Zhao hatte sich seit langem bestens mit Buntschimmer verstanden und nichts sehnlicher gewünscht, als sie für Unheil Kaufmann zu bekommen, weil sie sich von ihr eine tatkräftige Stütze versprach. Doch wider alles Erwarten hatte die gnädige Frau <ref>王夫人</ref> Buntschimmer freigelassen. Zwar hatte Nebenfrau Zhao immer wieder versucht, Unheil Kaufmann anzustacheln, er solle Buntschimmer für sich verlangen, aber erstens schämte er sich, den Mund aufzumachen, und zweitens lag ihm auch nicht sonderlich viel daran — schließlich war Buntschimmer nur eine Magd, und wenn sie ging, würden natürlich andere kommen. So hatte er die Sache immer wieder aufgeschoben und war längst bereit, sie fallen zu lassen. | ||
| + | |||
| + | Nebenfrau Zhao wollte jedoch nicht so leicht auf sie verzichten, und als jetzt auch noch Buntschimmers jüngere Schwester kam, um sich Gewissheit zu verschaffen, nutzte sie die freie Stunde des Abends und ging zunächst zu Aufrecht Kaufmann <ref>贾政</ref>, um ihm ihre Bitte vorzutragen. | ||
| + | |||
| + | Aufrecht Kaufmann sagte: »Was soll die Eile? Die beiden Jungen sollen sich noch ein oder zwei Jahre ihren Büchern widmen, dann ist immer noch früh genug, ihnen ein Mädchen zu geben. Ich habe bereits zwei Mägde ausgesucht, eine für Schatzjade <ref>宝玉</ref> und eine für Huan. Nur sind sie noch zu jung dafür, und ich befürchte, sie würden die Bücher vernachlässigen, darum will ich noch ein bis zwei Jahre warten.« | ||
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| + | »Aber Schatzjade hat doch schon seit zwei Jahren ein Mädchen«, sagte Nebenfrau Zhao. »Wisst Ihr das nicht, gnädiger Herr?« | ||
| + | |||
| + | »Wer hat es ihm gegeben?« wollte Aufrecht Kaufmann sofort wissen. Doch bevor Nebenfrau Zhao antworten konnte, war plötzlich draußen ein lautes Krachen zu hören, und alle erschraken nicht wenig. | ||
| − | + | Wer wissen will, was das war, der lese das nächste Kapitel. | |
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Latest revision as of 19:30, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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且說鴛鴦出了角門,臉上猶紅,心內突突的,真是意外之事。因想這事非常,若說出來,姦盜相連,關係人命,還保不住帶累了旁人。橫豎與自己無干,且藏在心內,不說與一人知道。回房復了賈母的命,大家安息。從此凡晚間便不大往園中來。因思園中尚有這樣奇事,何況別處,因此連別處也不大輕走動了。 原來那司棋因從小兒和他姑表兄弟在一處頑笑起住時,小兒戲言,便都訂下將來不娶不嫁。近年大了,彼此又出落的品貌風流,常時司棋回家時,二人眉來眼去,舊情不忘,只不能入手。又彼此生怕父母不從,二人便設法彼此裡外買囑園內老婆子們留門看道,今日趁亂方初次入港。雖未成雙,卻也海誓山盟,私傳表記,已有無限風情了。忽被鴛鴦驚散,那小廝早穿花度柳,從角門出去了。司棋一夜不曾睡著,又後悔不來。至次日見了鴛鴦,自是臉上一紅一白,百般過不去。心內懷著鬼胎,茶飯無心,起坐恍惚。挨了兩日,竟不聽見有動靜,方略放下了心。這日晚間,忽有個婆子來悄告訴他道:「你兄弟竟逃走了,三四天沒歸家。如今打發人四處找他呢。」司棋聽了,氣個倒仰,因思道:「縱是鬧了出來,也該死在一處。他自為是男人,先就走了,可見是個沒情意的。」因此又添了一層氣。次日便覺心內不快,百般支持不住,一頭睡倒,懨懨的成了大病。 鴛鴦聞知那邊無故走了一個小廝,園內司棋又病重,要往外挪,心下料定是二人懼罪之故,「生怕我說出來,方嚇到這樣。」因此自己反過意不去,指著來望候司棋,支出人去,反自己立身發誓,與司棋說:「我告訴一個人,立刻現死現報!你只管放心養病,別白糟踏了小命兒。」司棋一把拉住,哭道:「我的姐姐,咱們從小兒耳鬢廝磨,你不曾拿我當外人待,我也不敢待慢了你。如今我雖一著走錯,你若果然不告訴一個人,你就是我的親娘一樣。從此後我活一日是你給我一日,我的病好之後,把你立個長生牌位,我天天焚香禮拜,保佑你一生福壽雙全。我若死了時,變驢變狗報答你。再俗語說:『千里搭長棚,沒有不散的筵席。』再過三二年,咱們都是要離這裡的。俗語又說:『浮萍尚有相逢日,人豈全無見面時。』倘或日後咱們遇見了,那時我又怎麼報你的德行。」一面說,一面哭。這一席話反把鴛鴦說的心酸,也哭起來了。因點頭道:「正是這話。我又不是管事的人,何苦我壞你的聲名,我白去獻勤。況且這事我自己也不便開口向人說。你只放心。從此養好了,可要安分守己,再不許胡行亂作了。」司棋在枕上點首不絕。 鴛鴦又安慰了他一番,方出來。因知賈璉不在家中,又因這兩日鳳姐兒聲色怠惰了些,不似往日一樣,因順路也來望候。因進入鳳姐院門,二門上的人見是他來,便立身待他進去。鴛鴦剛至堂屋中,只見平兒從裡間出來,見了他來,忙上來悄聲笑道:「才吃了一口飯歇了午睡,你且這屋裡略坐坐。」鴛鴦聽了,只得同平兒到東邊房裡來。小丫頭倒了茶來。鴛鴦因悄問:「你奶奶這兩日是怎麼了?我看他懶懶的。」平兒見問,因房內無人,便嘆道:「他這懶懶的也不止今日了,這有一月之前便是這樣。又兼這幾日忙亂了幾天,又受了些閑氣,從新又勾起來。這兩日比先又添了些病,所以支持不住,便露出馬腳來了。」鴛鴦忙道:「既這樣,怎麼不早請大夫來治?」平兒嘆道:「我的姐姐,你還不知道他的脾氣的。別說請大夫來吃藥。我看不過,白問了一聲身上覺怎麼樣,他就動了氣,反說我咒他病了。饒這樣,天天還是察三訪四,自己再不肯看破些且養身子。」鴛鴦道:「雖然如此,到底該請大夫來瞧瞧是什麼病,也都好放心。」平兒道:「我的姐姐,說起病來,據我看也不是什麼小癥候。」鴛鴦忙道:「是什麼病呢?」平兒見問,又往前湊了一湊,向耳邊說道:「只從上月行了經之後,這一個月竟淅淅瀝瀝的沒有止住。這可是大病不是?」鴛鴦聽了,忙答道:「噯喲!依你這話,這可不成了血山崩了。」平兒忙啐了一口,又悄笑道:「你女孩兒家,這是怎麼說的,倒會咒人呢。」鴛鴦見說,不禁紅了臉,又悄笑道:「究竟我也不知什麼是崩不崩的,你倒忘了不成,先我姐姐不是害這病死了。我也不知是什麼病,因無心聽見媽和親家媽說,我還納悶,後來也是聽見媽細說原故,才明白了一二分。」平兒笑道:「你該知道的,我竟也忘了。」 二人正說著,只見小丫頭進來向平兒道:「方纔朱大娘又來了。我們回了他奶奶才歇午覺,他往太太上頭去了。」平兒聽了點頭。鴛鴦問:「那一個朱大娘?」 平兒道:「就是官媒婆那朱嫂子。因有什麼孫大人家來和咱們求親,所以他這兩日天天弄個帖子來賴死賴活。」一語未了,小丫頭跑來說:「二爺進來了。」說話之間,賈璉已走至堂屋門,口內喚平兒。平兒答應著才迎出去,賈璉已找至這間房內來。至門前,忽見鴛鴦坐在炕上,便煞住腳,笑道:「鴛鴦姐姐,今兒貴腳踏賤地。」鴛鴦只坐著,笑道:「來請爺奶奶的安,偏又不在家的不在家,睡覺的睡覺。」賈璉笑道:「姐姐一年到頭辛苦伏侍老太太,我還沒看你去,那裡還敢勞動來看我們。正是巧的很,我才要找姐姐去。因為穿著這袍子熱,先來換了夾袍子再過去找姐姐,不想天可憐,省我走這一趟,姐姐先在這裡等我了。」一面說,一面在椅上坐下。鴛鴦因問:「又有什麼說的?」賈璉未語先笑道:「因有一件事,我竟忘了,只怕姐姐還記得。上年老太太生日,曾有一個外路和尚來孝敬一個腊油凍的佛手,因老太太愛,就即刻拿過來擺著了。因前日老太太生日,我看古董帳上還有這一筆,卻不知此時這件東西著落何方。古董房裡的人也回過我兩次,等我問準了好註上一筆。所以我問姐姐,如今還是老太太擺著呢,還是交到誰手裡去了呢?」鴛鴦聽說,便道:「老太太擺了幾日厭煩了,就給了你們奶奶。你這會子又問我來。我連日子還記得,還是我打發了老王家的送來的。你忘了,或是問你們奶奶和平兒。」平兒正拿衣服,聽見如此說,忙出來回說:「交過來了,現在樓上放著呢。奶奶已經打發過人出去說過給了這屋裡,他們發昏,沒記上,又來叨登這些沒要緊的事。」賈璉聽說,笑道:「既然給了你奶奶,我怎麼不知道,你們就昧下了。」平兒道:「奶奶告訴二爺,二爺還要送人,奶奶不肯,好容易留下的。這會子自己忘了,倒說我們昧下。那是什麼好東西,什麼沒有的物兒。比那強十倍的東西也沒昧下一遭,這會子愛上那不值錢的!」賈璉垂頭含笑想了一想,拍手道:「我如今竟糊塗了!丟三忘四,惹人抱怨,竟大不象先了。」鴛鴦笑道:「也怨不得。事情又多,口舌又雜,你再喝上兩杯酒,那裡清楚的許多。」一面說,一面就起身要去。 賈璉忙也立身說道:「好姐姐,再坐一坐,兄弟還有事相求。」說著便罵小丫頭:「怎麼不沏好茶來!快拿乾凈蓋碗,把昨兒進上的新茶沏一碗來。」說著向鴛鴦道:「這兩日因老太太的千秋,所有的幾千兩銀子都使了。幾處房租地稅通在九月才得,這會子竟接不上。明兒又要送南安府里的禮,又要預備娘娘的重陽節禮,還有幾家紅白大禮,至少還得三二千兩銀子用,一時難去支借。俗語說,『求人不如求己』。說不得,姐姐擔個不是,暫且把老太太查不著的金銀家伙偷著搬運出一箱子來,暫押千數兩銀子支騰過去。不上半年的光景,銀子來了,我就贖了交還,斷不能叫姐姐落不是。」鴛鴦聽了,笑道:「你倒會變法兒,虧你怎麼想來。」賈璉笑道:「不是我扯謊,若論除了姐姐,也還有人手裡管的起千數兩銀子的,只是他們為人都不如你明白有膽量。我若和他們一說,反嚇住了他們。所以我『寧撞金鐘一下,不打破鼓三千』。」一語未了,忽有賈母那邊的小丫頭子忙忙走來找鴛鴦,說:「老太太找姐姐半日,我們那裡沒找到,卻在這裡。」鴛鴦聽說,忙的且去見賈母。 賈璉見他去了,只得回來瞧鳳姐。誰知鳳姐已醒了,聽他和鴛鴦借當,自己不便答話,只躺在榻上。聽見鴛鴦去了,賈璉進來,鳳姐因問道:「他可應準了?」 賈璉笑道:「雖然未應準,卻有幾分成手,須得你晚上再和他一說,就十成了。」鳳姐笑道:「我不管這事。倘或說準了,這會子說得好聽,到有了錢的時節,你就丟在脖子後頭,誰去和你打饑荒去。倘或老太太知道了,倒把我這幾年的臉面都丟了。」賈璉笑道:「好人,你若說定了,我謝你如何?」鳳姐笑道:「你說,謝我什麼?」賈璉笑道:「你說要什麼就給你什麼。」平兒一旁笑道:「奶奶倒不要謝的。昨兒正說,要作一件什麼事,恰少一二百銀子使,不如借了來,奶奶拿一二百銀子,豈不兩全其美。」鳳姐笑道:「幸虧提起我來,就是這樣也罷。」賈璉笑道:「你們太也狠了。你們這會子別說一千兩的當頭,就是現銀子要三五千,只怕也難不倒。我不和你們借就罷了。這會子煩你說一句話,還要個利錢,真真了不得。」鳳姐聽了,翻身起來說:「我有三千五萬,不是賺的你的。如今裡裡外外上上下下背著我嚼說我的不少,就差你來說了,可知沒家親引不出外鬼來。我們王家可那裡來的錢,都是你們賈家賺的。別叫我噁心了。你們看著你家什麼石崇鄧通。把我王家的地縫子掃一掃,就夠你們過一輩子呢。說出來的話也不怕臊!現有對證:把太太和我的嫁妝細看看,比一比你們的,那一樣是配不上你們的。」賈璉笑道: 「說句頑話就急了。這有什麼這樣的,要使一二百兩銀子值什麼,多的沒有,這還有,先拿進來,你使了再說,如何?」鳳姐道:「我又不等著銜口墊背,忙了什麼。」賈璉道:「何苦來,不犯著這樣肝火盛。」鳳姐聽了,又自笑起來,「不是我著急,你說的話戳人的心。我因為我想著後日是尤二姐的周年,我們好了一場,雖不能別的,到底給他上個墳燒張紙,也是姊妹一場。他雖沒留下個男女,也要『前人撒土迷了後人的眼』才是。」一語倒把賈璉說沒了話,低頭打算了半晌,方道:「難為你想的周全,我竟忘了。既是後日才用,若明日得了這個,你隨便使多少就是了。」 一語未了,只見旺兒媳婦走進來。鳳姐便問:「可成了沒有?」旺兒媳婦道:「竟不中用。我說須得奶奶作主就成了。」賈璉便問:「又是什麼事?」鳳姐兒見問,便說道:「不是什麼大事。旺兒有個小子,今年十七歲了,還沒得女人,因要求太太房裡的彩霞,不知太太心裡怎麼樣,就沒有計較得。前日太太見彩霞大了,二則又多病多災的,因此開恩打發他出去了,給他老子娘隨便自己揀女婿去罷。因此旺兒媳婦來求我。我想他兩家也就算門當戶對的,一說去自然成的,誰知他這會子來了,說不中用。」賈璉道:「這是什麼大事,比彩霞好的多著呢。」旺兒家的陪笑道:「爺雖如此說,連他家還看不起我們,別人越發看不起我們了。好容易相看準一個媳婦,我只說求爺奶奶的恩典,替作成了。奶奶又說他必肯的,我就煩了人走過去試一試,誰知白討了沒趣。若論那孩子倒好,據我素日私意兒試他,他心裡沒有甚說的,只是他老子娘兩個老東西太心高了些。」一語戳動了鳳姐和賈璉,鳳姐因見賈璉在此,且不作一聲,只看賈璉的光景。賈璉心中有事,那裡把這點子事放在心裡。待要不管,只是看著他是鳳姐兒的陪房,且又素日出過力的,臉上實在過不去,因說道:「什麼大事,只管咕咕唧唧的。你放心且去,我明兒作媒打發兩個有體面的人,一面說,一面帶著定禮去,就說我的主意。他十分不依,叫他來見我。」旺兒家的看著鳳姐,鳳姐便扭嘴兒。旺兒家的會意,忙爬下就給賈璉磕頭謝恩。賈璉忙道:「你只給你姑娘磕頭。我雖如此說了這樣行,到底也得你姑娘打發個人叫他女人上來,和他好說更好些。雖然他們必依,然這事也不可霸道了。」 鳳姐忙道:「連你還這樣開恩操心呢,我倒反袖手旁觀不成。旺兒家你聽見,說了這事,你也忙忙的給我完了事來。說給你男人,外頭所有的帳,一概趕今年年底下收了進來,少一個錢我也不依的。我的名聲不好,再放一年,都要生吃了我呢。」旺兒媳婦笑道:「奶奶也太膽小了。誰敢議論奶奶,若收了時,公道說,我們倒還省些事,不大得罪人。」鳳姐冷笑道:「我也是一場痴心白使了。我真個的還等錢作什麼,不過為的是日用出的多,進的少。這屋裡有的沒的,我和你姑爺一月的月錢,再連上四個丫頭的月錢,通共一二十兩銀子,還不夠三五天的使用呢。若不是我千湊萬挪的,早不知道到什麼破窯里去了。如今倒落了一個放帳破落戶的名兒。既這樣,我就收了回來。我比誰不會花錢,咱們以後就坐著花,到多早晚是多早晚。這不是樣兒:前兒老太太生日,太太急了兩個月,想不出法兒來,還是我提了一句,後樓上現有些沒要緊的大銅錫家伙四五箱子,拿去弄了三百銀子,才把太太遮羞禮兒搪過去了。我是你們知道的,那一個金自鳴鐘賣了五百六十兩銀子。沒有半個月,大事小事倒有十來件,白填在裡頭。今兒外頭也短住了,不知是誰的主意,搜尋上老太太了。明兒再過一年,各人搜尋到頭面衣服,可就好了!」旺兒媳婦笑道:「那一位太太奶奶的頭面衣服折變了不夠過一輩子的,只是不肯罷了。」鳳姐道:「不是我說沒了能奈的話,要象這樣,我竟不能了。昨晚上忽然作了一個夢,說來也可笑,夢見一個人,雖然面善,卻又不知名姓,找我。問他作什麼,他說娘娘打發他來要一百匹錦。我問他是那一位娘娘,他說的又不是咱們家的娘娘。我就不肯給他,他就上來奪。正奪著,就醒了。」旺兒家的笑道:「這是奶奶的日間操心,常應候宮裡的事。」 一語未了,人回:「夏太府打發了一個小內監來說話。」賈璉聽了,忙皺眉道:「又是什麼話,一年他們也搬夠了。」鳳姐道:「你藏起來,等我見他,若是小事罷了,若是大事,我自有話回他。」賈璉便躲入內套間去。這裡鳳姐命人帶進小太監來,讓他椅子上坐了吃茶,因問何事。那小太監便說:「夏爺爺因今兒偶見一所房子,如今竟短二百兩銀子,打發我來問舅奶奶家裡,有現成的銀子暫借一二百,過一兩日就送過來。」鳳姐兒聽了,笑道:「什麼是送過來,有的是銀子,只管先兌了去。改日等我們短了,再借去也是一樣。」小太監道:「夏爺爺還說了,上兩回還有一千二百兩銀子沒送來,等今年年底下,自然一齊都送過來。」鳳姐笑道:「你夏爺爺好小氣,這也值得提在心上。我說一句話,不怕他多心,若都這樣記清了還我們,不知還了多少了。只怕沒有,若有,只管拿去。」因叫旺兒媳婦來,「出去不管那裡先支二百兩來。」旺兒媳婦會意,因笑道:「我才因別處支不動,才來和奶奶支的。」鳳姐道:「你們只會裡頭來要錢,叫你們外頭算去就不能了。」說著叫平兒,「把我那兩個金項圈拿出去,暫且押四百兩銀子。」平兒答應了,去半日,果然拿了一個錦盒子來,裡面兩個錦袱包著。打開時,一個金累絲攢珠的,那珍珠都有蓮子大小,一個點翠嵌寶石的。兩個都與宮中之物不離上下。一時拿去,果然拿了四百兩銀子來。鳳姐命與小太監打疊起一半,那一半命人與了旺兒媳婦,命他拿去辦八月中秋的節。那小太監便告辭了,鳳姐命人替他拿著銀子,送出大門去了。這裡賈璉出來笑道:「這一起外祟何日是了!」鳳姐笑道:「剛說著,就來了一股子。」賈璉道:「昨兒周太監來,張口一千兩。我略應慢了些,他就不自在。將來得罪人之處不少。這會子再發個三二百萬的財就好了。」一面說,一面平兒伏侍鳳姐另洗了面,更衣往賈母處去伺候晚飯。 這裡賈璉出來,剛至外書房,忽見林之孝走來。賈璉因問何事。林之孝說道:「方纔聽得雨村降了,卻不知因何事,只怕未必真。」 賈璉道:「真不真,他那官兒也未必保得長。將來有事,只怕未必不連累咱們,寧可疏遠著他好。」林之孝道:「何嘗不是,只是一時難以疏遠。如今東府大爺和他更好,老爺又喜歡他,時常來往,那個不知。」賈璉道:「橫豎不和他謀事,也不相干。你去再打聽真了,是為什麼。」林之孝答應了,卻不動身,坐在下麵椅子上,且說些閑話。因又說起家道艱難,便趁勢又說:「人口太重了。不如揀個空日回明老太太老爺,把這些出過力的老家人用不著的,開恩放幾家出去。一則他們各有營運,二則家裡一年也省些口糧月錢。再者裡頭的姑娘也太多。俗語說:『一時比不得一時。』如今說不得先時的例了,少不得大家委屈些,該使八個的使六個,該使四個的便使兩個。若各房算起來,一年也可以省得許多月米月錢。況且裡頭的女孩子們一半都太大了,也該配人的配人。成了房,豈不又孳生出人來。」賈璉道:「我也這樣想著,只是老爺才回家來,多少大事未回,那裡議到這個上頭。前兒官媒拿了個庚帖來求親,太太還說老爺才來家,每日歡天喜地的說骨肉完聚,忽然就提起這事,恐老爺又傷心,所以且不叫提這事。」林之孝道:「這也是正理,太太想的周到。」賈璉道:「正是,提起這話我想起了一件事來。我們旺兒的小子要說太太房裡的彩霞。他昨兒求我,我想什麼大事,不管誰去說一聲去。這會子有誰閑著,我打發個人去說一聲,就說我的話。」林之孝聽了,只得應著,半晌笑道:「依我說,二爺竟別管這件事。旺兒的那小兒子雖然年輕,在外頭吃酒賭錢,無所不至。雖說都是奴才們,到底是一輩子的事。彩霞那孩子這幾年我雖沒見,聽得越發出挑的好了,何苦來白糟踏一個人。」賈璉道:「他小兒子原會吃酒,不成人?」林之孝冷笑道:「豈只吃酒賭錢,在外頭無所不為。我們看他是奶奶的人,也只見一半不見一半罷了。」賈璉道:「我竟不知道這些事。既這樣,那裡還給他老婆,且給他一頓棍,鎖起來,再問他老子娘。」林之孝笑道:「何必在這一時。那是錯也等他再生事,我們自然回爺處治。如今且恕他。」賈璉不語,一時林之孝出去。 晚間鳳姐已命人喚了彩霞之母來說媒。那彩霞之母滿心縱不願意,見鳳姐親自和他說,何等體面,便心不由意的滿口應了出去。今鳳姐問賈璉可說了沒有,賈璉因說:「我原要說的,打聽得他小兒子大不成人,故還不曾說。若果然不成人,且管教他兩日,再給他老婆不遲。」鳳姐聽說,便說:「你聽見誰說他不成人?」賈璉道:「不過是家裡的人,還有誰。」鳳姐笑道:「我們王家的人,連我還不中你們的意,何況奴才呢。我才已竟和他母親說了,他娘已經歡天喜地應了,難道又叫進他來不要了不成?」賈璉道:「既你說了,又何必退,明兒說給他老子好生管他就是了。」這裡說話不提。 且說彩霞因前日出去,等父母擇人,心中雖是與賈環有舊,尚未作准。今日又見旺兒每每來求親,早聞得旺兒之子酗酒賭博,而且容顏醜陋,一技不知,自此心中越發懊惱。生恐旺兒仗鳳姐之勢,一時作成,終身為患,不免心中急躁。遂至晚間悄命他妹子小霞進二門來找趙姨娘,問了端的。趙姨娘素日深與彩霞契合,巴不得與了賈環,方有個膀臂,不承望王夫人又放了出去。每唆賈環去討,一則賈環羞口難開,二則賈環也不大甚在意,不過是個丫頭,他去了,將來自然還有,遂遷延住不說,意思便丟開。無奈趙姨娘又不舍,又見他妹子來問,是晚得空,便先求了賈政。賈政因說道:「且忙什麼,等他們再念一二年書再放人不遲。我已經看中了兩個丫頭,一個與寶玉,一個給環兒。只是年紀還小,又怕他們誤了書,所以再等一二年。」趙姨娘道:「寶玉已有了二年了,老爺還不知道?」賈政聽了忙問道:「誰給的?」趙姨娘方欲說話,只聽外面一聲響,不知何物,大家吃了一驚不小。要知端的,且聽下回分解。 |
Zweiundsiebzigstes Kapitel Phönixglanz verheimlicht aus Stolz ihre Krankheit, die Frau des Laiwang erzwingt mit Hilfe ihrer Stellung eine Heirat Nun sei erzählt, dass Mandarinenente [1] aus dem Seitentor heraustrat, noch immer mit rotem Gesicht, das Herz noch immer wild pochend — es war wirklich ein unerwartetes Ereignis gewesen. Da sie bedachte, dass diese Angelegenheit ungewöhnlich war, und dass, wenn sie davon erzählte, Unzucht und Diebstahl miteinander verknüpft würden und Menschenleben auf dem Spiel standen, und man obendrein nicht sicher sein konnte, ob nicht auch Unbeteiligte mit hineingezogen würden, sagte sie sich, da es sie ohnehin nichts anging, sei es besser, alles in ihrem Herzen zu verschließen und keinem einzigen Menschen davon zu erzählen. Sie ging in ihr Zimmer zurück, erstattete der Herzoginmutter [2] Bericht, und alle begaben sich zur Ruhe. Von da an kam sie abends kaum noch in den Garten. Da sie sich sagte, dass es im Garten schon solch merkwürdige Vorfälle gab, wie viel mehr mochte es dann anderswo geben, ging sie fortan auch an anderen Orten nicht mehr leichtfertig umher. Es verhielt sich nämlich so, dass Siqi [3] von klein auf mit ihrem Cousin mütterlicherseits zusammen gespielt und gescherzt hatte, und als Kinder hatten sie im Scherz einander versprochen, niemals jemand anderen zu heiraten. In den letzten Jahren waren sie herangewachsen und hatten sich beide zu ansehnlichen Erscheinungen entwickelt. Immer wenn Siqi nach Hause ging, tauschten die beiden verliebte Blicke, und die alte Zuneigung war nicht erloschen, nur konnten sie nicht zueinander finden. Da beide fürchteten, ihre Eltern könnten nicht einverstanden sein, hatten sie Mittel und Wege gefunden, die alten Dienerinnen im Garten zu bestechen, damit diese das Tor offen ließen und den Weg bewachten. Heute hatten sie das allgemeine Durcheinander genutzt, um zum ersten Mal zueinander zu finden. Obwohl sie nicht wirklich ein Paar geworden waren, hatten sie doch Schwüre wie Meer und Berge getauscht und heimlich Liebespfänder ausgetauscht, und es hatte zwischen ihnen bereits grenzenlose Zärtlichkeit gegeben. Da wurden sie plötzlich von Mandarinenente aufgeschreckt, und der junge Bursche war eilig durch Blumen und Weiden schlüpfend aus dem Seitentor verschwunden. Siqi lag die ganze Nacht wach und bereute es zutiefst. Am nächsten Tag, als sie Mandarinenente sah, wurde sie abwechselnd rot und blass und fühlte sich auf hunderterlei Weise unwohl. In ihrem Herzen trug sie einen schweren Stein, hatte keinen Appetit auf Tee und Reis und war beim Aufstehen und Sitzen ganz benommen. Zwei Tage vergingen, ohne dass sie die geringste Aufregung bemerkte, und so beruhigte sie sich allmählich ein wenig. Doch eines Abends kam plötzlich eine der alten Dienerinnen und flüsterte ihr zu: »Dein Bruder ist weggelaufen, seit drei oder vier Tagen ist er nicht nach Hause gekommen. Man hat Leute losgeschickt, ihn überall zu suchen.« Als Siqi das hörte, wurde sie so wütend, dass sie beinahe umkippte. Sie dachte bei sich: »Selbst wenn es herausgekommen wäre, hätten wir zusammen sterben sollen. Er denkt, weil er ein Mann ist, kann er einfach davonlaufen — das zeigt, dass er kein Herz hat!« So kam zu ihrem Kummer noch eine weitere Schicht des Zorns hinzu. Am nächsten Tag fühlte sie sich innerlich unwohl, konnte sich auf keine Weise mehr zusammenreißen, legte sich nieder und verfiel in eine ernste Krankheit. Als Mandarinenente erfuhr, dass drüben ohne ersichtlichen Grund ein junger Diener verschwunden war und dass Siqi im Garten schwer erkrankt sei und hinausgebracht werden müsse, war sie sicher, dass beides aus Angst vor Strafe geschah. »Sie fürchten, ich könnte es verraten, und haben sich so erschrecken lassen.« Deshalb fühlte sie sich ihrerseits unwohl. Sie ging Siqi besuchen, schickte alle anderen hinaus und schwor ihr feierlich: »Wenn ich auch nur einem einzigen Menschen davon erzähle, soll ich auf der Stelle sterben! Beruhige dich und werde wieder gesund, wirf dein junges Leben nicht nutzlos weg!« Siqi ergriff ihre Hand und sagte weinend: »Liebe Schwester! Wir sind von Kindheit an Seite an Seite aufgewachsen, du hast mich nie als Fremde behandelt, und ich hätte es nie gewagt, dir gegenüber nachlässig zu sein. Nun habe ich einen falschen Schritt getan. Wenn du wirklich keinem einzigen Menschen davon erzählst, bist du mir wie eine leibliche Mutter. Von nun an ist jeder Tag, den ich lebe, ein Tag, den du mir schenkst. Wenn ich von meiner Krankheit genesen bin, werde ich dir eine Ahnentafel für langes Leben aufstellen und täglich Räucherwerk verbrennen und dich anbeten, um dir Glück und ein langes Leben zu sichern. Und wenn ich sterbe, will ich als Esel oder Hund wiedergeboren werden, um es dir zu vergelten. Außerdem heißt es im Volksmund: ›Tausend Meilen lang kann man ein Festzelt aufstellen, doch jedes Gastmahl geht einmal zu Ende.‹ In zwei oder drei Jahren werden wir alle von hier fortgehen. Und ein anderes Sprichwort sagt: ›Selbst Wasserlinsen treffen sich wieder, wie sollten Menschen sich nie wiedersehen!‹ Wenn wir uns eines Tages wiederbegegnen, wie könnte ich dir dann deine Güte vergelten!« Während sie sprach, weinte sie unablässig. Diese Worte rührten Mandarinenente so sehr, dass auch sie zu weinen begann. Sie nickte und sagte: »Ganz recht. Ich bin keine Aufseherin, warum sollte ich deinen guten Ruf zerstören und mir unnötig Verdienste anmaßen? Zudem wäre es auch für mich selbst nicht angemessen, so etwas jemandem zu erzählen. Sei ganz unbesorgt. Werde nur erst wieder gesund, aber dann musst du dich anständig betragen und darfst dir keine weiteren Torheiten erlauben.« Siqi nickte vom Kopfkissen her wieder und wieder. Nachdem Mandarinenente sie noch ein wenig getröstet hatte, ging sie hinaus. Da sie wusste, dass Kette Kaufmann [4] nicht zu Hause war und Phönixglanz [5] in den letzten Tagen matter und lustloser als gewöhnlich wirkte, machte sie unterwegs noch einen Besuch bei ihr. Als sie durch das Tor zu Phönixglanz' Hof trat, erhoben sich die Diener am inneren Tor respektvoll und ließen sie passieren. Mandarinenente hatte kaum die Haupthalle betreten, als Friedchen [6] aus dem Innenraum herauskam. Bei Mandarinenentes Anblick kam sie eilig herbei und flüsterte lächelnd: »Sie hat gerade gegessen und hält ihren Mittagsschlaf. Setz dich doch einstweilen hier ein Weilchen.« Mandarinenente folgte Friedchen in das östliche Zimmer. Ein kleines Mädchen brachte Tee. Mandarinenente fragte leise: »Was ist denn in den letzten Tagen mit deiner Herrin los? Sie sieht so matt aus.« Friedchen sah, dass sie allein im Raum waren, und seufzte: »Diese Mattigkeit ist nicht erst seit heute. Schon vor einem Monat hat es angefangen. Dann kamen diese paar hektischen Tage, und sie hat sich auch noch allerlei Ärger anhören müssen, das hat alles wieder aufgewühlt. In den letzten zwei Tagen ist noch eine Krankheit dazugekommen, so dass sie es einfach nicht mehr verbergen konnte.« »Wenn es so steht, warum habt ihr dann nicht früher einen Arzt gerufen?« fragte Mandarinenente besorgt. Friedchen seufzte: »Ach Schwester, du kennst doch ihr Temperament! Von einem Arzt und Medizin will sie nichts hören. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen und habe nur einmal beiläufig gefragt, wie sie sich fühle — da wurde sie gleich wütend und warf mir vor, ich wolle sie krank reden. Trotzdem ist sie Tag für Tag noch immer damit beschäftigt, alles und jeden zu beaufsichtigen und kontrollieren, und will einfach nicht auf sich achten und ihren Körper schonen.« »Auch wenn es so ist«, sagte Mandarinenente, »sollte man doch unbedingt einen Arzt kommen lassen, damit man weiß, was für eine Krankheit es ist, und alle beruhigt sein können.« »Schwester«, sagte Friedchen, »wenn wir von der Krankheit sprechen — so wie ich es sehe, ist es keine Kleinigkeit.« »Was für eine Krankheit ist es denn?« fragte Mandarinenente dringend. Friedchen rückte noch ein Stückchen näher und flüsterte ihr ins Ohr: »Seit sie letzten Monat ihre Blutung hatte, hat diese einen ganzen Monat lang nicht aufgehört, sie tröpfelt und tröpfelt unablässig. Ist das etwa keine schwere Krankheit?« Als Mandarinenente das hörte, rief sie erschrocken: »Ach du meine Güte! Nach dem, was du sagst, ist das ja ein Blutsturz!« Friedchen spuckte rasch einmal aus und flüsterte dann lachend: »Du als unverheiratetes Mädchen — wie kannst du so etwas sagen! Du verfluchst sie ja geradezu!« Mandarinenente wurde unwillkürlich rot im Gesicht und flüsterte dann ebenfalls lachend: »Ich weiß ja eigentlich auch nicht, was ein Blutsturz ist und was nicht. Hast du denn vergessen, dass meine ältere Schwester an dieser Krankheit gestorben ist? Ich wusste auch nicht, was das für eine Krankheit war. Ich hatte nur zufällig gehört, wie meine Mutter und meine Schwägerin darüber sprachen, und war ganz verwundert. Erst später, als meine Mutter alles genau erklärte, habe ich ein oder zwei Dinge davon begriffen.« »Stimmt, du müsstest es wissen«, sagte Friedchen lachend. »Das hatte ich ganz vergessen.« Während die beiden noch miteinander sprachen, kam ein kleines Mädchen herein und sagte zu Friedchen: »Eben war Frau Zhu schon wieder da. Wir haben ihr gesagt, die Herrin halte gerade Mittagsschlaf, da ist sie zur gnädigen Frau hinübergegangen.« Friedchen nickte. »Welche Frau Zhu?« fragte Mandarinenente. »Die offizielle Heiratsvermittlerin, Frau Zhu«, erklärte Friedchen. »Irgendein Herr Sun hat bei uns um eine Heirat nachgesucht, und deshalb kommt sie dieser Tage jeden Tag mit einer Besuchskarte und lässt nicht locker.« Bevor sie ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen gelaufen und rief: »Der zweite junge Herr kommt herein!« Und schon war Kette Kaufmann in der Tür zur Haupthalle und rief nach Friedchen. Friedchen antwortete und wollte ihm gerade entgegengehen, als er bereits in dieses Zimmer herüberkam. Als er vor der Tür plötzlich Mandarinenente auf dem Ofenbett sitzen sah, blieb er stehen und sagte lächelnd: »Mandarinenente, welch seltene Ehre, dass dein edler Fuß unseren bescheidenen Boden betritt!« Mandarinenente blieb sitzen und sagte lächelnd: »Ich wollte dem jungen Herrn und der jungen Herrin meinen Gruß entbieten, aber der eine ist nicht da und die andere schläft.« Kette Kaufmann lachte: »Du dienst das ganze Jahr über der Herzoginmutter mit solcher Aufopferung — ich habe es noch nicht einmal geschafft, dich zu besuchen, und nun machst du dir noch die Mühe, herzukommen und nach uns zu sehen! Aber das ist ein glücklicher Zufall: Ich wollte gerade zu dir gehen. Nur war mir in diesem Gewand zu warm, und ich wollte zuerst ein leichteres anziehen, bevor ich zu dir gehe. Und nun, dem Himmel sei Dank, hast du mir den Weg gespart und wartest schon hier auf mich!« Dabei setzte er sich auf einen Stuhl. »Was gibt es denn?« fragte Mandarinenente. Kette Kaufmann lächelte erst, bevor er zu sprechen begann: »Es geht um eine Sache, die ich tatsächlich vergessen hatte, aber du erinnerst dich vielleicht noch. Im vorigen Jahr zum Geburtstag der Herzoginmutter kam ein Mönch von auswärts und brachte als Geschenk eine Buddhahand [7] aus Wachsöl. Die Herzoginmutter mochte sie so gern, dass sie sie sofort herüberbringen und aufstellen ließ. Neulich beim Geburtstag der Herzoginmutter habe ich im Antiquitätenregister diesen Posten gefunden, weiß aber nicht, wo sich das Stück jetzt befindet. Die Leute aus der Antiquitätenkammer haben mich schon zweimal danach gefragt, damit sie die Sache in den Büchern vermerken können. Deshalb frage ich dich, Schwester: Hat die Herzoginmutter das Stück noch bei sich stehen, oder ist es jemandem übergeben worden?« »Die Herzoginmutter hat es ein paar Tage aufgestellt«, erwiderte Mandarinenente, »dann war sie es leid und hat es eurer Herrin geschenkt. Und jetzt fragst du mich! Ich erinnere mich sogar noch an den Tag. Ich habe die alte Dame König beauftragt, es hierher zu bringen. Du hast es vergessen — frag deine Herrin und Friedchen.« Friedchen, die gerade ein Kleidungsstück geholt hatte, hörte das und eilte heraus: »Es wurde hierher gegeben und steht jetzt oben im Stockwerk. Die Herrin hat schon jemanden hinausgeschickt, um Bescheid zu sagen, dass es in diesem Haus ist. Die Leute dort drüben haben es in ihrer Vergesslichkeit nicht eingetragen, und jetzt kommen sie noch einmal wegen solch unwichtiger Sachen.« »Aha!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Wenn sie sie eurer Herrin geschenkt hat, warum weiß ich dann nichts davon? Ihr habt sie einfach unterschlagen!« »Die Herrin hat es dem zweiten jungen Herrn gesagt«, entgegnete Friedchen, »aber der junge Herr wollte das Stück gleich verschenken. Die Herrin war dagegen und hat es mit Mühe und Not behalten. Jetzt hat er es selbst vergessen und behauptet, wir hätten es unterschlagen! Was ist das schon für eine Kostbarkeit, was für ein unersetzliches Stück! Zehnmal wertvollere Dinge haben wir kein einziges Mal unterschlagen, und jetzt soll es ausgerechnet dieses billige Ding sein!« Kette Kaufmann ließ den Kopf sinken, dachte lächelnd einen Moment nach und schlug sich dann auf die Schenkel: »Ich bin in letzter Zeit wirklich ganz verwirrt! Ich vergesse alles, bringe die Leute gegen mich auf — ganz anders als früher!« »Das ist kein Wunder«, sagte Mandarinenente lächelnd. »So viele Geschäfte, so viel Gerede — und wenn du dann noch ein paar Gläser Wein dazu trinkst, wie soll da noch Klarheit herrschen?« Bei diesen Worten stand sie auf und wollte gehen. Kette Kaufmann stand rasch ebenfalls auf und sagte: »Liebe Schwester, bleib doch noch einen Augenblick! Dein Bruder hat noch eine Bitte an dich.« Dann schalt er die kleinen Mädchen: »Warum bringt ihr keinen anständigen Tee! Holt schnell eine saubere Deckeltasse und brüht eine Tasse von dem neuen Tee auf, den man gestern für den Hof geliefert hat!« Dann wandte er sich an Mandarinenente: »Wegen des Geburtstags der Herzoginmutter haben wir in den letzten Tagen alle paar tausend Liang Silber ausgegeben. Die Mieteinnahmen und Grundsteuern von verschiedenen Stellen kommen erst im neunten Monat herein, jetzt klafft eine Lücke. Morgen müssen wir die Geschenke für das Fürstentum Nan'an absenden, dann die Geschenke zum Doppelneunfest [8] für die Kaiserliche Nebenfrau vorbereiten, und dann sind da noch einige Geschenke für Hochzeiten und Trauerfälle in befreundeten Häusern. Es werden mindestens noch zwei- bis dreitausend Liang gebraucht, und für den Moment ist es schwierig, die irgendwo aufzutreiben. Wie das Sprichwort sagt: ›Besser, man bittet sich selbst, als andere um Hilfe zu bitten.‹ Da bleibt mir nichts anderes übrig, als dich in eine unangenehme Lage zu bringen: Könntest du heimlich eine Kiste mit goldenen und silbernen Geräten der Herzoginmutter herausschaffen, die sie nicht gleich vermissen wird, damit wir sie vorübergehend für etwa tausend Liang versetzen? In weniger als einem halben Jahr, wenn das Silber hereinkommt, löse ich sie sofort wieder aus und gebe alles zurück. Auf keinen Fall werde ich dich in Schwierigkeiten bringen.« Mandarinenente lachte: »Dir fallen aber auch immer wieder neue Tricks ein! Wie du nur auf solche Ideen kommst!« Kette Kaufmann lachte: »Ich übertreibe nicht — wenn wir von dir absehen, gibt es zwar andere, die über tausend Liang verfügen können, aber keiner von ihnen ist so verständig und mutig wie du. Wenn ich es mit denen bespreche, sind sie nur erschrocken. Deshalb sage ich: ›Lieber einmal die goldene Glocke anschlagen als dreitausend Mal auf die kaputte Trommel hauen.‹« Bevor er ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen von der Herzoginmutter eilig herübergelaufen und suchte Mandarinenente: »Die Herzoginmutter sucht dich schon eine ganze Weile! Wir haben dich überall gesucht, und jetzt finden wir dich hier!« Als Mandarinenente das hörte, verabschiedete sie sich hastig und ging zur Herzoginmutter. Nachdem Kette Kaufmann sah, dass sie gegangen war, blieb ihm nichts anderes übrig, als herüberzugehen und nach Phönixglanz zu sehen. Doch Phönixglanz war bereits aufgewacht und hatte sein Gespräch mit Mandarinenente über das Verpfänden gehört. Da sie nicht gut dazwischenreden konnte, war sie einfach auf ihrem Ruhebett liegengeblieben. Als sie nun hörte, dass Mandarinenente gegangen war und Kette Kaufmann hereinkam, fragte sie: »Hat sie zugestimmt?« »Noch nicht ganz«, antwortete Kette Kaufmann lächelnd, »aber es sieht zu acht oder neun Teilen gut aus. Wenn du heute Abend noch einmal mit ihr sprichst, ist es so gut wie sicher.« »Da halte ich mich heraus«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Wenn sie einverstanden ist, redest du jetzt schön, aber wenn das Geld da ist, vergisst du alles und wirfst es hinter dich. Wer soll dann hinter dir herlaufen? Und wenn die Herzoginmutter es erfährt, habe ich mein ganzes Ansehen der letzten Jahre verspielt.« »Liebste«, sagte Kette Kaufmann lächelnd, »wenn du das für mich regelst, wie soll ich dir danken?« »Sag schon«, erwiderte Phönixglanz lächelnd, »womit willst du mir danken?« »Nenn mir, was du willst, und du bekommst es«, versprach Kette Kaufmann lächelnd. Friedchen lachte von der Seite: »Die Herrin braucht keinen Dank. Gestern hat sie gerade gesagt, sie wolle etwas erledigen und brauche ein- oder zweihundert Liang Silber. Wenn wir die leihen und die Herrin nimmt sich davon ein- oder zweihundert Liang, wäre das nicht für beide Seiten ideal?« »Gut, dass du mich daran erinnerst«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Also gut, so machen wir es.« »Ihr seid wirklich unbarmherzig!« lachte Kette Kaufmann. »Ihr habt jetzt bestimmt nicht nur tausend Liang Pfand, sondern auch drei- oder fünftausend Liang in bar, da bin ich mir sicher. Dass ich gar nicht bei euch borge! Und jetzt, wo ich euch bitte, ein Wort für mich einzulegen, verlangt ihr auch noch Zinsen! Das ist wirklich die Höhe!« Als Phönixglanz das hörte, setzte sie sich mit einem Ruck auf und sagte: »Ob ich drei- oder fünfzigtausend habe, nichts davon ist auf deine Kosten verdient! Hinter meinem Rücken reden innen wie außen, oben wie unten schon genug Leute schlecht über mich — nur du hast noch gefehlt! Man sieht, ohne Verräter im eigenen Haus kommen die Geister von außen nicht herein. Wo unser Geld aus der König-Familie herkommt? Alles ist von euch Kaufmanns verdient worden! Mir wird schlecht davon! Eure Familie hält sich wohl für Shi Chong oder Deng Tong [9]! Wenn man die Ritzen im Boden des Hauses König auskehrte, würde das für euch ein ganzes Leben lang reichen! Ihr solltet euch schämen, so etwas zu sagen! Hier gibt es den Beweis: Schaut euch die Aussteuer der gnädigen Frau und meine an und vergleicht sie mit eurer — in welcher Hinsicht steht sie eurer nach?« »Ich habe doch nur Spaß gemacht, und du regst dich gleich auf!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Was ist denn schon dabei? Ein- oder zweihundert Liang Silber, das ist doch nichts. Mehr habe ich zwar nicht, aber so viel habe ich schon. Ich bringe es dir herein, du gibst es aus, und dann sehen wir weiter, einverstanden?« »Mir liegt niemand im Sterben, dem ich etwas in den Mund legen und unter den Kopf schieben müsste [10]«, erwiderte Phönixglanz. »Was soll die Eile?« »Warum quälst du dich«, sagte Kette Kaufmann, »es ist doch nicht nötig, sich solche Galle zu machen.« Als Phönixglanz das hörte, musste sie selbst wieder lachen: »Ich bin nicht aufgeregt, aber deine Worte stechen ins Herz. Ich muss nämlich daran denken, dass übermorgen der Jahrestag von Zweitschwester Sonders [11] ist. Wir haben uns doch eine Zeitlang gut verstanden, und wenn wir auch nichts Großes tun können, sollten wir wenigstens ihr Grab besuchen und ein Blatt Papiergeld verbrennen, das schulden wir ihr als Schwestern. Auch wenn sie kein Kind hinterlassen hat, sollte man doch bedenken: ›Der Vorgänger streut Sand, um dem Nachfolger die Augen zu verblenden.‹ [12]« Diesem Satz hatte Kette Kaufmann nichts entgegenzusetzen. Er senkte den Kopf, überlegte eine ganze Weile und sagte dann: »Es ist rührend, dass du so umsichtig bist. Ich hatte es ganz vergessen. Wenn es erst übermorgen gebraucht wird und wir morgen das Geld bekommen, dann nimm dir davon, so viel du brauchst.« Bevor er ausgesprochen hatte, kam die Frau des Laiwang [13] herein. Phönixglanz fragte: »Ist es gelungen?« »Leider nicht«, antwortete Laiwangs Frau. »Ich sagte ja, wenn die Herrin selbst die Sache in die Hand nimmt, gelingt es bestimmt.« »Was ist denn los?« fragte Kette Kaufmann. Phönixglanz sagte: »Es ist nichts Großes. Laiwang hat einen Sohn, der dieses Jahr siebzehn geworden ist und noch keine Frau hat. Er will Buntschimmer [14] aus dem Haushalt der gnädigen Frau haben, aber wir wissen nicht, was die gnädige Frau davon hält, und so ist nichts entschieden worden. Vor einigen Tagen hat die gnädige Frau gesehen, dass Buntschimmer erwachsen geworden ist, und da sie auch noch kränklich war, hat sie sie gnädigerweise freigelassen, damit ihre Eltern sich selbst einen Schwiegersohn für sie suchen können. Deshalb kam Laiwangs Frau zu mir. Ich dachte, die beiden Familien wären einander ebenbürtig, und wenn man nachfrage, würde es von selbst klappen. Doch nun kommt sie und sagt, es sei nichts daraus geworden.« »Was ist das schon für eine große Sache!« sagte Kette Kaufmann. »Viel besser als Buntschimmer gibt es doch genug.« Laiwangs Frau sagte mit beflissenem Lächeln: »Wenn der junge Herr das so sagt — wenn selbst ihre Familie auf uns herabschaut, dann werden andere erst recht auf uns herabschauen! Endlich hatten wir eine passende Schwiegertochter gefunden, und ich dachte, ich bitte den jungen Herrn und die Herrin um ihre Gnade, damit die Sache zustande kommt. Die Herrin sagte auch, sie würden gewiss einverstanden sein, also bat ich jemanden, es zu versuchen. Aber wider Erwarten wurde ich abgewiesen. Gegen das Mädchen selbst ist nichts zu sagen, und als ich sie in meiner Art beiläufig auf den Zahn fühlte, schien sie nichts dagegen zu haben. Nur ihre Eltern, diese beiden alten Sturköpfe, haben Höheres mit ihr im Sinn.« Diese Worte trafen Phönixglanz und Kette Kaufmann ins Ehrgefühl. Phönixglanz sagte nichts, da Kette Kaufmann anwesend war, und wartete ab, wie er reagieren würde. Kette Kaufmann hatte seine eigenen Sorgen im Kopf und nahm sich diese Kleinigkeit nicht zu Herzen. Er wollte sich am liebsten heraushalten, doch da Laiwangs Frau nun einmal von Phönixglanz mit in die Ehe gebracht worden war und ihre Verdienste hatte, konnte er schlecht nein sagen. Also sprach er: »Was ist das schon Großes, dass ihr ewig herumzischelt und tuschelt! Geh nur unbesorgt nach Hause. Morgen spiele ich den Vermittler und schicke zwei angesehene Leute, die mit ihnen reden und gleich die Verlobungsgeschenke mitbringen, und sie sollen sagen, es sei mein Wunsch. Wenn sie sich dann immer noch sträuben, sollen sie zu mir kommen.« Laiwangs Frau warf Phönixglanz einen fragenden Blick zu. Phönixglanz verzog leicht den Mund. Laiwangs Frau verstand und kniete sogleich nieder, um Kette Kaufmann mit einem Stirnaufschlag zu danken. »Deiner Herrin musst du danken!« sagte Kette Kaufmann rasch. »Ich habe zwar gesagt, so soll es gehen, aber trotzdem muss deine Herrin noch jemanden schicken und Buntschimmers Mutter rufen lassen, um freundlich mit ihr zu sprechen, das wäre besser. Auch wenn sie gewiss zustimmen werden, darf man in solchen Angelegenheiten nicht tyrannisch vorgehen.« »Wenn sogar du so gnädig bist und dir solche Mühe gibst«, sagte Phönixglanz rasch, »dann kann ich doch nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen! Laiwangs Frau, hör zu: Nachdem diese Sache erledigt ist, musst du auch schnell meine Aufträge erfüllen. Sag deinem Mann, er soll alle Schulden da draußen noch vor Jahresende eintreiben. Nicht ein einziger Heller darf fehlen! Mein Ruf ist schon schlecht genug, und wenn ich noch ein Jahr Geld verleihe, werden sie mich bei lebendigem Leibe auffressen.« »Ihr seid zu ängstlich, Herrin«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Wer würde es wagen, schlecht über die Herrin zu reden? Ehrlich gesagt, wenn alles eingezogen würde, wäre das auch für uns weniger Arbeit und weniger Ärger mit den Leuten.« »Ich habe mich auch nur aus reiner Dummheit darauf eingelassen«, sagte Phönixglanz mit kühlem Lächeln. »Wozu brauche ich wirklich das Geld? Es geht nur darum, dass die täglichen Ausgaben höher sind als die Einnahmen. Was dieses Haus betrifft: Das Monatsgeld für mich und den Herrn zusammen, dazu das Monatsgeld für die vier Dienstmädchen, macht insgesamt zehn bis zwanzig Liang — das reicht nicht einmal für drei bis fünf Tage! Wenn ich nicht alles zusammengekratzt hätte, was nur ging, wüsste der Himmel, in welcher verfallenen Hütte wir längst gelandet wären! Und jetzt habe ich den Ruf eines heruntergekommenen Geldverleihers. Gut denn, ich ziehe alles ein. Geld ausgeben kann ich so gut wie jeder andere auch. In Zukunft sitzen wir einfach da und geben aus, solange es reicht, reicht es. Und was für Zustände herrschen hier: Als die Herzoginmutter kürzlich Geburtstag hatte, hat sich die gnädige Frau zwei Monate lang Sorgen gemacht und wusste sich keinen Rat, bis schließlich ich den Hinweis gab, dass oben im Lagerhaus vier oder fünf Kisten mit großen Messing- und Zinngeräten stünden, auf die es nicht weiter ankäme. Die wurden fortgeschafft und brachten dreihundert Liang Silber ein — erst damit konnte die gnädige Frau ihr Gesicht wahren und die Sache überstehen. Ich habe, wie ihr wisst, die goldene Schlaguhr für fünfhundertsechzig Liang verkauft. Noch kein halber Monat war vergangen, da gab es schon zehn große und kleine Angelegenheiten, und alles wurde für nichts und wieder nichts verschlungen. Jetzt reicht auch draußen das Geld nicht mehr, und irgendwer — ich weiß nicht, wer — ist auf den Einfall gekommen, die Sachen der Herzoginmutter anzugehen. In einem weiteren Jahr werden sie an Schmuck und Kleider gehen — dann wird es erst richtig schön!« »Schmuck und Kleider jeder einzelnen gnädigen Frau würden, zu Geld gemacht, für ein ganzes Leben reichen«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Nur wird sich keine auf so etwas einlassen.« »Ich will nicht sagen, dass ich zu nichts mehr fähig bin«, fuhr Phönixglanz fort, »aber auf diese Art kann ich wirklich nicht mehr. Gestern Nacht hatte ich plötzlich einen Traum — er klingt vielleicht sogar komisch. Im Traum suchte mich jemand auf, der mir zwar bekannt vorkam, dessen Namen ich aber nicht kannte. Als ich fragte, was er wolle, sagte er, die Kaiserliche Nebenfrau habe ihn geschickt, um hundert Stück Brokat zu holen. Ich fragte, welche Kaiserliche Nebenfrau, und er nannte eine, die nicht aus unserer Familie stammt. Ich wollte ihm die Seide nicht geben, da kam er auf mich zu und wollte sie mir entreißen. Gerade als er zupackte, wachte ich auf.« »Das liegt nur daran, dass die Herrin sich tagsüber zu viel Sorgen macht und ständig mit Aufträgen für den kaiserlichen Palast zu tun hat«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. Bevor sie ausgesprochen hatte, wurde gemeldet: »Der Oberhofkämmerer Xia hat einen jungen Eunuchen geschickt.« Als Kette Kaufmann das hörte, runzelte er sofort die Stirn und sagte: »Was will er denn schon wieder! In einem Jahr schleppen die mehr als genug weg!« »Versteck dich«, sagte Phönixglanz. »Ich empfange ihn. Wenn es eine Kleinigkeit ist, lasse ich es durchgehen. Wenn es etwas Größeres ist, weiß ich schon, was ich ihm sage.« Kette Kaufmann versteckte sich im Innenraum. Phönixglanz ließ den jungen Eunuchen hereinführen, bot ihm einen Stuhl an und ließ ihm Tee bringen. Dann fragte sie, worum es gehe. Der junge Eunuch sagte: »Exzellenz Xia hat heute zufällig ein Haus gesehen, aber es fehlen ihm zweihundert Liang Silber. Er schickt mich, um die Frau Tante zu fragen, ob im Haus zweihundert Liang bar verfügbar sind, die er sich kurz leihen könnte. In ein, zwei Tagen schickt er sie zurück.« »Was heißt hier zurückschicken«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Silber haben wir mehr als genug, er soll es nur ruhig nehmen. Wenn wir ein andermal knapp bei Kasse sind, borgen wir bei ihm — das ist doch dasselbe.« »Exzellenz Xia lässt außerdem ausrichten«, fuhr der junge Eunuch fort, »dass von den letzten beiden Malen noch eintausendzweihundert Liang ausstehen. Zum Jahresende werde er natürlich alles auf einmal zurückzahlen.« »Exzellenz Xia ist aber kleinlich!« sagte Phönixglanz lächelnd. »Das ist doch nicht der Rede wert! Ohne ihm zu nahe treten zu wollen: Wenn er alles so genau abrechnen und zurückzahlen wollte, dann wüsste ich gar nicht, wie viel er schon zurückgezahlt haben müsste! Solange wir welches haben, soll er es sich nur nehmen.« Dann rief sie Laiwangs Frau herein: »Geh hinaus und treib irgendwoher zweihundert Liang auf!« Laiwangs Frau verstand, worum es ging, und sagte lächelnd: »Eben konnte ich nirgendwo etwas auftreiben, deshalb bin ich ja zu Euch gekommen.« »Ihr versteht es nur, hier hereinzukommen und Geld zu verlangen, aber wenn ihr es draußen beschaffen sollt, seid ihr unfähig!« rügte Phönixglanz. Dann rief sie Friedchen: »Nimm meine beiden goldenen Halsketten heraus und versetz sie für vierhundert Liang Silber!« Friedchen sagte »Jawohl« und ging. Nach einer ganzen Weile brachte sie tatsächlich ein mit Seide bezogenes Kästchen, in dem zwei seidene Tücher lagen. Als man sie aufwickelte, zeigte sich: Die eine Kette war aus Goldfiligran mit aufgereihten Perlen, jede so groß wie ein Lotuskern. Die andere war mit Eisvogelfedern besetzt und mit Edelsteinen verziert. Beide standen den Schmuckstücken aus dem Kaiserpalast in nichts nach. Als Friedchen sie fortbrachte und zurückkam, hatte sie tatsächlich vierhundert Liang Silber. Phönixglanz befahl, die Hälfte für den jungen Eunuchen einzupacken. Die andere Hälfte ließ sie Laiwangs Frau übergeben, damit diese die Vorbereitungen für das Mittelherbstfest [15] treffen konnte. Der junge Eunuch verabschiedete sich, und Phönixglanz befahl jemandem, das Silber für ihn bis zum Haupttor zu tragen. »Wann nehmen diese Plagegeister von draußen endlich ein Ende!« sagte Kette Kaufmann lachend, als er wieder herauskam. »Gerade sprachen wir davon, und schon kam der nächste Schwall«, erwiderte Phönixglanz lächelnd. »Gestern war der Obereunuch Zhou hier«, berichtete Kette Kaufmann. »Kaum hatte er den Mund aufgemacht, wollte er tausend Liang. Als ich einen Moment zögerte, wurde er gleich unwillig. In Zukunft wird es noch viele Gelegenheiten geben, wo wir jemanden vor den Kopf stoßen müssen. Es wäre schön, wenn wir noch einmal zwei oder drei Millionen verdienen könnten.« Während er sprach, half Friedchen Phönixglanz bereits, sich zu waschen und umzukleiden, damit sie zur Herzoginmutter hinübergehen und beim Abendessen aufwarten konnte. Kette Kaufmann ging ebenfalls hinaus, und als er gerade bei seinem äußeren Arbeitszimmer angekommen war, sah er plötzlich Lin Zhixiao [16] auf sich zukommen. Er fragte, was es gebe. »Ich habe gerade erfahren, dass Regendorf [17] seines Amtes enthoben worden sein soll«, sagte Lin Zhixiao. »Aber ich weiß nicht, warum, und möglicherweise stimmt es gar nicht.« »Ob es stimmt oder nicht«, erwiderte Kette Kaufmann, »sein Amt wird er kaum lange behalten. Wenn er in Schwierigkeiten gerät, ist nicht auszuschließen, dass er uns mit hineinzieht. Es wäre besser, auf Abstand zu gehen.« »Da habt Ihr völlig recht«, bestätigte Lin Zhixiao, »nur lässt sich das im Moment schlecht bewerkstelligen. Der ältere Herr aus dem Östlichen Anwesen [18] versteht sich besser mit ihm als je zuvor, und auch der gnädige Herr hat ihn gern und verkehrt häufig mit ihm. Wer wüsste das nicht!« »Solange wir keine gemeinsamen Geschäfte mit ihm machen, kann uns nicht viel passieren«, entschied Kette Kaufmann. »Geh und erkundige dich, ob es wahr ist und was der Grund ist.« Lin Zhixiao sagte zwar jawohl, rührte sich aber nicht von der Stelle. Er blieb auf seinem Stuhl sitzen und führte das Gespräch weiter. Als sie auf die Schwierigkeiten des Haushalts zu sprechen kamen, ergriff er die Gelegenheit und sagte: »Es sind zu viele Leute im Haus. Es wäre das beste, der Herzoginmutter und dem gnädigen Herrn bei Gelegenheit Bericht zu erstatten und einige der alten Bediensteten, die ihre Verdienste haben, aber nicht mehr gebraucht werden, gnädigerweise freizulassen. Erstens hat ohnehin jeder von ihnen seine eigene Wirtschaft, und zweitens ließe sich dadurch jährlich einiges an Verpflegung und Monatsgeld einsparen. Außerdem gibt es auch zu viele Mädchen in den inneren Gemächern. Der Volksmund sagt richtig: ›Eine Zeit gleicht nicht der anderen.‹ Wir können jetzt nicht mehr an den alten Maßstäben festhalten, und notgedrungen muss sich jeder ein wenig einschränken: Wem acht Mägde zustanden, der muss mit sechs auskommen, und wer vier hatte, muss mit zwei zufrieden sein. Rechnet man das für alle Räume zusammen, kann man im Jahr eine beträchtliche Menge an Reis und Monatsgeld einsparen. Zudem ist die Hälfte der Mädchen drinnen bereits zu alt geworden und sollte verheiratet werden. Wenn sie erst Familien gründen, bringen sie dann nicht noch mehr Leute hervor?« »Dasselbe habe ich mir auch schon gedacht«, versicherte Kette Kaufmann, »aber der gnädige Herr ist eben erst nach Hause zurückgekehrt, und so viele wichtige Angelegenheiten habe ich ihm noch nicht gemeldet — wie soll ich da mit so etwas kommen? Neulich hat die offizielle Heiratsvermittlerin eine Verlobungskarte gebracht, um eine Hochzeit anzutragen, aber die gnädige Frau meinte, der gnädige Herr sei gerade erst heimgekehrt und genieße es jeden Tag, wieder mit seiner Familie vereint zu sein. Wenn man jetzt plötzlich von Heirat spräche, fürchtete sie, er werde wieder traurig. Deshalb solle vorerst nicht davon gesprochen werden.« »Das ist auch richtig«, bestätigte Lin Zhixiao. »Die gnädige Frau denkt sehr umsichtig.« »Eben!« sagte Kette Kaufmann. »Aber da fällt mir gerade etwas ein. Der Sohn von unserem Laiwang will Buntschimmer aus den Gemächern der gnädigen Frau heiraten. Gestern hat er sich deswegen an mich gewandt. Ich denke, es ist keine große Sache — schick jemanden hin, der ein Wort mit den Eltern spricht, egal wen. Schau, wer gerade frei ist, und schick ihn hin, in meinem Namen.« Lin Zhixiao sagte notgedrungen ja, aber nach einer Weile riet er lächelnd: »Wenn Ihr mich fragt, junger Herr, solltet Ihr besser die Finger davon lassen. Laiwangs Sohn ist zwar noch jung, aber er treibt sich draußen herum, trinkt und spielt um Geld und kennt keine Grenzen. Auch wenn alle Beteiligten Dienstleute sind, so ist eine Heirat doch eine Sache fürs ganze Leben. Buntschimmer habe ich zwar in den letzten Jahren nicht mehr gesehen, aber man erzählt, sie habe sich prächtig entwickelt. Warum soll man sie ohne Grund ins Unglück stürzen?« »Ist sein Sohn wirklich ein solcher Trinker, dass er kein brauchbarer Mensch mehr ist?« fragte Kette Kaufmann. »Nicht nur, dass er trinkt und spielt«, sagte Lin Zhixiao mit kühlem Lächeln, »er schreckt da draußen vor keiner Schandtat zurück. Nur weil er zu den Leuten der Herrin gehört, haben wir immer ein Auge zugedrückt.« »Davon wusste ich nichts!« sagte Kette Kaufmann. »Wenn das so ist, bekommt er statt einer Frau eine Tracht Prügel und wird eingesperrt! Und dann müssen sich seine Eltern verantworten!« »Nicht gerade jetzt«, riet Lin Zhixiao lächelnd. »Warten wir, bis er wieder etwas anstellt, dann melden wir es Euch, und Ihr könnt ihn bestrafen. Für diesmal lasst es ihm noch durchgehen.« Kette Kaufmann erwiderte nichts, und nach einer Weile ging Lin Zhixiao. Am Abend hatte Phönixglanz bereits jemanden geschickt, um Buntschimmers Mutter hereinrufen zu lassen und die Heirat für sie zu vermitteln. Obwohl Buntschimmers Mutter innerlich ganz und gar dagegen war, konnte sie angesichts der Ehre, dass Phönixglanz persönlich mit ihr sprach, nicht anders, als gegen den eigenen Willen lauthals zuzustimmen und zu gehen. Als Phönixglanz nun Kette Kaufmann fragte, ob man schon mit dem Vater gesprochen habe, sagte er: »Ich wollte es schon veranlassen, aber dann erfuhr ich, dass sein Sohn ein großer Taugenichts ist, darum habe ich den Befehl zurückgenommen. Wenn es wirklich so schlimm mit ihm steht, sollte man ihn erst einmal eine Zeitlang unter Aufsicht erziehen. Danach ist immer noch Zeit, ihm eine Frau zu geben.« »Von wem hast du gehört, dass er ein Taugenichts ist?« wollte Phönixglanz wissen. »Nur von einem aus dem Haus, von wem sonst?« wich Kette Kaufmann aus. Phönixglanz lachte: »Wer aus der König-Familie kommt, ist euch ja nicht gut genug — das trifft auf mich zu und auf die Dienstleute erst recht. Eben habe ich schon mit Buntschimmers Mutter gesprochen, und sie war Feuer und Flamme. Soll ich sie etwa noch einmal hereinrufen lassen und ihr sagen, es sei nichts mehr daraus?« »Wenn du schon mit ihr gesprochen hast, können wir natürlich nicht mehr davon abrücken«, sagte Kette Kaufmann. »Morgen sage ich Laiwang, er soll seinen Sohn streng im Zaum halten, und damit hat es sich.« Was an diesem Abend sonst noch gesprochen wurde, braucht hier nicht erzählt zu werden. Nun sei erzählt, dass Buntschimmer, seit sie vor einigen Tagen freigelassen worden war, darauf wartete, dass ihre Eltern einen Bräutigam für sie finden würden. Zwar gab es die alte Bindung an Unheil Kaufmann [19], an der sie innerlich festhielt, doch es war noch nichts entschieden. Jetzt musste sie mit ansehen, wie Laiwang immer wieder für seinen Sohn um sie anhielt, und sie hatte längst erfahren, dass dieser ein Trinker und Spieler war, dazu von hässlichem Aussehen und ohne jede Fertigkeit. Ihr Herz wurde immer schwerer. In größter Angst, Laiwang könnte gestützt auf Phönixglanz' Machtstellung die Heirat erzwingen, was für sie ein lebenslanges Unglück bedeuten würde, war ihr Herz in äußerster Bedrängnis. Am Abend gab sie heimlich ihrer jüngeren Schwester Xiaoxia [20] den Auftrag, durch das innere Tor hineinzugehen und Nebenfrau Zhao [21] aufzusuchen, um die wahre Lage zu erfahren. Nebenfrau Zhao hatte sich seit langem bestens mit Buntschimmer verstanden und nichts sehnlicher gewünscht, als sie für Unheil Kaufmann zu bekommen, weil sie sich von ihr eine tatkräftige Stütze versprach. Doch wider alles Erwarten hatte die gnädige Frau [22] Buntschimmer freigelassen. Zwar hatte Nebenfrau Zhao immer wieder versucht, Unheil Kaufmann anzustacheln, er solle Buntschimmer für sich verlangen, aber erstens schämte er sich, den Mund aufzumachen, und zweitens lag ihm auch nicht sonderlich viel daran — schließlich war Buntschimmer nur eine Magd, und wenn sie ging, würden natürlich andere kommen. So hatte er die Sache immer wieder aufgeschoben und war längst bereit, sie fallen zu lassen. Nebenfrau Zhao wollte jedoch nicht so leicht auf sie verzichten, und als jetzt auch noch Buntschimmers jüngere Schwester kam, um sich Gewissheit zu verschaffen, nutzte sie die freie Stunde des Abends und ging zunächst zu Aufrecht Kaufmann [23], um ihm ihre Bitte vorzutragen. Aufrecht Kaufmann sagte: »Was soll die Eile? Die beiden Jungen sollen sich noch ein oder zwei Jahre ihren Büchern widmen, dann ist immer noch früh genug, ihnen ein Mädchen zu geben. Ich habe bereits zwei Mägde ausgesucht, eine für Schatzjade [24] und eine für Huan. Nur sind sie noch zu jung dafür, und ich befürchte, sie würden die Bücher vernachlässigen, darum will ich noch ein bis zwei Jahre warten.« »Aber Schatzjade hat doch schon seit zwei Jahren ein Mädchen«, sagte Nebenfrau Zhao. »Wisst Ihr das nicht, gnädiger Herr?« »Wer hat es ihm gegeben?« wollte Aufrecht Kaufmann sofort wissen. Doch bevor Nebenfrau Zhao antworten konnte, war plötzlich draußen ein lautes Krachen zu hören, und alle erschraken nicht wenig. Wer wissen will, was das war, der lese das nächste Kapitel.
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