Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 84"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 84) |
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ||
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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| + | 第八十四回 | ||
| + | 试文字宝玉始提亲 | ||
| + | 探惊风贾环重结怨 | ||
却说薛姨妈一时因被金桂这场气怄得肝气上逆,左胁作痛。宝钗明知是这个原故,也等不及医生来看,先叫人去买了几钱钩藤来,浓浓的煎了一碗,给他母亲吃了。又和香菱给薛姨妈捶腿揉胸。停了一会儿,略觉安顿些。薛姨妈只是又悲又气:气的是金桂撒泼;悲的是宝钗有涵养,倒觉可怜。宝钗又劝了一会,不知不觉的睡了一觉,肝气也渐渐平复了。宝钗便说道:“妈妈,你这种闲气,不要放在心上才好。过几天走的动了,乐得往那边老太太、姨妈处去说说话儿,散散闷也好。家里横竖有我和香菱照看着,谅他也不敢怎么着。”薛姨妈点点头道:“过两日看罢了。” | 却说薛姨妈一时因被金桂这场气怄得肝气上逆,左胁作痛。宝钗明知是这个原故,也等不及医生来看,先叫人去买了几钱钩藤来,浓浓的煎了一碗,给他母亲吃了。又和香菱给薛姨妈捶腿揉胸。停了一会儿,略觉安顿些。薛姨妈只是又悲又气:气的是金桂撒泼;悲的是宝钗有涵养,倒觉可怜。宝钗又劝了一会,不知不觉的睡了一觉,肝气也渐渐平复了。宝钗便说道:“妈妈,你这种闲气,不要放在心上才好。过几天走的动了,乐得往那边老太太、姨妈处去说说话儿,散散闷也好。家里横竖有我和香菱照看着,谅他也不敢怎么着。”薛姨妈点点头道:“过两日看罢了。” | ||
且说元妃疾愈之后,家中俱各喜欢。过了几日,有几个老公走来,带着东西、银两,宣贵妃娘娘之命:因家中省问勤劳,俱有赏赐。把物件、银两一一交代清楚。贾赦、贾政等禀明了贾母,一齐谢恩毕,太监吃了茶去了。大家回到贾母房中,说笑了一会。外面老婆子传进来说:“小厮们来回道:那边有人请大老爷,说要紧的话呢。”贾母便向贾赦道:“你去罢。”贾赦答应着,退出来自去了。 | 且说元妃疾愈之后,家中俱各喜欢。过了几日,有几个老公走来,带着东西、银两,宣贵妃娘娘之命:因家中省问勤劳,俱有赏赐。把物件、银两一一交代清楚。贾赦、贾政等禀明了贾母,一齐谢恩毕,太监吃了茶去了。大家回到贾母房中,说笑了一会。外面老婆子传进来说:“小厮们来回道:那边有人请大老爷,说要紧的话呢。”贾母便向贾赦道:“你去罢。”贾赦答应着,退出来自去了。 | ||
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西客——泛指海外商人及与外商做买卖的中国商人。 | 西客——泛指海外商人及与外商做买卖的中国商人。 | ||
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| − | + | Vierundachtzigstes Kapitel | |
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| − | + | Schriftliche Prüfung — zum ersten Mal wird für Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> eine Heirat vorgeschlagen, | |
| − | + | Die Untersuchung eines Schreckkrampfes bringt Unheil Kaufmann<ref>Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil/Plage".</ref> neuen Groll | |
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| − | + | Wie berichtet, war Tante Schnee<ref>Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses".</ref> von Goldosmanthus' Wutanfall so aufgebracht, dass ihr Leberqi<ref>Leberqi (肝气): In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Lebensenergie der Leber, deren Stauung zu Schmerzen, Reizbarkeit und Krämpfen führt.</ref> aufstieg und sie Schmerzen in der linken Seite bekam. Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.</ref> wusste genau, woran es lag, und wartete nicht erst auf den Arzt: Sie ließ ein paar Qian Uncaria-Zweige kaufen, kochte einen starken Sud und gab ihn ihrer Mutter zu trinken. Dann klopften sie und Duftkastanie Tante Schnees Beine und rieben ihr die Brust. Nach einer Weile beruhigte sie sich ein wenig. Tante Schnee war gleichzeitig traurig und wütend: wütend auf Jinquis Tobsuchtsanfälle und traurig, weil Schatzspanges Geduld sie rührte. Schatzspange redete ihr noch eine Weile gut zu, bis Tante Schnee unversehens einschlief und das Leberqi sich allmählich legte. Schatzspange sagte: „Mama, solchen Ärger darfst du dir nicht zu Herzen nehmen. Wenn du in ein paar Tagen wieder laufen kannst, geh doch einfach hinüber zur Großmutter und zur Tante und plaudere ein wenig, um dich abzulenken. Zu Hause passen Duftkastanie und ich schon auf — die wird sich schon nicht trauen." Tante Schnee nickte: „Wir werden sehen." | |
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| − | „Was | + | Nachdem die Kaiserliche Gemahlin genesen war, herrschte in der Familie allgemeine Freude. Einige Tage später kamen Eunuchen mit Geschenken und Silber und verkündeten den Befehl der Edlen Gemahlin: Da die Familie sich so eifrig um sie gesorgt habe, wolle sie alle belohnen. Gaben und Silber wurden einzeln übergeben. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> berichteten die Herzoginmutter, und alle dankten gemeinsam für die kaiserliche Gnade. Nachdem die Eunuchen ihren Tee getrunken hatten, zogen sie sich zurück. Die Familie versammelte sich in der Herzoginmutter Gemächern und plauderte fröhlich eine Weile. Da kam eine Dienerin herein und meldete: „Die Diener lassen ausrichten, dass jemand vom anderen Haus den Ersten Herrn dringend zu sprechen wünscht." die Herzoginmutter wandte sich an Begnadigung Kaufmann: „Geh nur." Begnadigung Kaufmann verließ den Raum. |
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| − | + | Hier erinnerte sich die Herzoginmutter plötzlich an etwas und sagte lachend zu Aufrecht Kaufmann: „Die Kaiserliche Gemahlin denkt viel an Schatzjade — neulich hat sie eigens nach ihm gefragt." Aufrecht Kaufmann lächelte höflich: „Nur hat Schatzjade nicht recht die Lust zum Lernen und macht der gnädigen Aufmerksamkeit der Gemahlin wenig Ehre." die Herzoginmutter sagte: „Ich habe ihm ein gutes Wort eingelegt und gesagt, er schreibe neuerdings ordentliche Aufsätze." Aufrecht Kaufmann lachte: „Wo käme das dem gleich, was die Alte Ahnin sagt!" die Herzoginmutter erwiderte: „Ihr lasst ihn doch dauernd Gedichte und Aufsätze schreiben — hat er denn gar nichts zuwege gebracht? Ein Kind muss man behutsam anleiten. Wie man so sagt: ‚Auch ein Dicker wurde nicht mit einem Bissen dick.'" Aufrecht Kaufmann beeilte sich, ihr beizupflichten: „Die Alte Ahnin hat völlig recht." | |
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| − | + | Die Herzoginmutter fuhr fort: „Wo wir schon von Schatzjade sprechen — ich habe noch eine Sache mit dir zu besprechen. Er ist nun alt genug; ihr solltet euch umsehen und ein gutes Mädchen für ihn finden, damit man ihn verloben kann. Das ist eine Angelegenheit für sein ganzes Leben. Es muss nicht unbedingt eine nahe Verwandte sein, und ob arm oder reich, spielt keine Rolle — es kommt nur darauf an, dass man den Charakter des Mädchens gut kennt und sie anständig aussieht." Aufrecht Kaufmann antwortete: „Was die Alte Ahnin anordnet, ist ganz richtig. Nur eines: Das Mädchen mag gut sein, aber er selbst muss sich erst bessern, sonst schadet er dem Ruf eines anständigen Mädchens — wäre das nicht bedauerlich?" | |
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| − | + | Die Herzoginmutter war über diese Worte etwas verstimmt und sagte: „Eigentlich seid ihr als Eltern zuständig, und ich müsste mich nicht einmischen. Aber Schatzjade ist von klein auf bei mir aufgewachsen, und ich habe ihn vielleicht ein wenig zu sehr verwöhnt und so seine Erziehung vernachlässigt. Doch wenn ich ihn mir ansehe — sein Aussehen ist ansehnlich, und sein Wesen ist im Grunde aufrichtig; ich glaube nicht, dass er so verdorben ist, dass er einem Mädchen Schaden zufügen würde. Vielleicht bin ich voreingenommen, aber ich halte ihn jedenfalls für etwas besser als Huan. Was meint ihr?" | |
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| − | + | Diese wenigen Sätze machten Aufrecht Kaufmann verlegen. Er lachte hastig: „Die Alte Ahnin hat viele Menschen gesehen — wenn sie ihn für gut hält und ihm Glück zuschreibt, wird es gewiss stimmen. Ich bin nur zu ungeduldig gewesen, dass er ein ordentlicher Mensch wird. Vielleicht ist es bei mir ganz im Gegensatz zum alten Sprichwort, und ich sehe gar nicht, wie gut mein eigener Sohn ist." Dieser Satz brachte sogar die Herzoginmutter zum Lachen, und alle lachten mit. Die Herzoginmutter sagte: „Du bist inzwischen auch in die Jahre gekommen und bekleidest ein Amt — natürlich wirst du durch Erfahrung immer reifer." Dann blickte sie lächelnd zu Frau Strafe und Frau König und sprach: „Erinnert euch nur, wie er in seiner Jugend war — mit seinem absonderlichen Temperament, das doppelt so schlimm war wie das von Schatzjade! Erst als er geheiratet hatte, verstand er allmählich, wie man sich unter Menschen benimmt. Und jetzt beschwert er sich nur über Schatzjade! Ich finde, Schatzjade zeigt jetzt sogar ein besseres Gespür für die menschlichen Verhältnisse als er damals." Frau Strafe und Frau König lachten und sagten: „Die Alte Ahnin erzählt wieder ihre lustigen Geschichten!" | |
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| − | + | Da kamen kleine Mädchen herein und flüsterten Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente".</ref> etwas zu. Die Herzoginmutter fragte: „Was tuschelt ihr schon wieder?" Mandarinenente erklärte lachend, das Abendessen sei angerichtet. Die Herzoginmutter sagte: „Dann geht alle zum Essen. Nur Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref> und die Frau von Zhen sollen bei mir bleiben und mit mir speisen." Aufrecht Kaufmann, Frau Strafe und Frau König sagten zu, warteten, bis aufgedeckt war, und gingen, als die Herzoginmutter sie noch einmal ermahnte, auseinander. | |
| − | Sie | + | |
| − | + | Frau Strafe ging ihres Weges. Aufrecht Kaufmann und Frau König traten in ihre Gemächer. Aufrecht Kaufmann kam auf der Herzoginmutter Worte zurück: „Da die Alte Ahnin Schatzjade so liebt, muss er am Ende doch solide Kenntnisse erwerben und sich eines Tages eine Prüfung verdienen, damit die Zuneigung der Alten Ahnin nicht umsonst war und kein Mädchen darunter leidet." Frau König stimmte zu: „Was der gnädige Herr sagt, ist natürlich richtig." Aufrecht Kaufmann schickte ein Stubenmädchen hinaus, um Li Gui Bescheid zu geben: „Wenn Schatzjade von der Schule kommt, soll er erst essen und danach zu mir kommen — ich habe ihn noch etwas zu fragen." Li Gui antwortete: „Jawohl." | |
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| + | Als Schatzjade aus der Schule kam und gerade die Begrüßungsrunde machen wollte, trat Li Gui hervor: „Der Zweite Herr braucht noch nicht hinüberzugehen. Der gnädige Herr hat befohlen, dass der Zweite Herr heute erst nach dem Essen kommen soll — es gibt noch Fragen." Bei diesen Worten ging es Schatzjade wie ein Donnerschlag durch den Kopf. Er begrüßte die Großmutter, ging zurück in den Garten, aß hastig zwei, drei Bissen, spülte den Mund und eilte zu Aufrecht Kaufmann. | ||
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| + | Aufrecht Kaufmann saß in seinem privaten Arbeitszimmer. Schatzjade trat ein, begrüßte ihn und blieb wartend stehen. Aufrecht Kaufmann fragte: „In den letzten Tagen hatte ich einiges im Kopf und vergaß, dich zu fragen. Du sagtest neulich, dein Lehrer wolle dich einen Monat den Stoff erklären lassen und dir dann das Aufsatzschreiben beibringen. Es sind nun schon fast zwei Monate — hast du überhaupt angefangen zu schreiben?" Schatzjade antwortete: „Ich habe drei Stücke geschrieben. Der Lehrer meinte, es sei noch nicht nötig, dem Vater Bescheid zu geben; wenn sie besser seien, solle ich berichten. Deshalb habe ich in den letzten Tagen nichts gesagt." Aufrecht Kaufmann fragte: „Welche Themen?" Schatzjade sagte: „Das erste war ‚Mit fünfzehn richtete ich meinen Willen aufs Lernen', das zweite ‚Wenn andere einen nicht kennen und man doch nicht grollt', das dritte die drei Zeichen ‚Dann wendet man sich Mo zu'." Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du die Entwürfe?" Schatzjade antwortete: „Ich habe sie ins Reine geschrieben, und der Lehrer hat Korrekturen angebracht." Aufrecht Kaufmann: „Hast du sie mitgebracht oder sind sie noch in der Schule?" Schatzjade: „Sie sind in der Schule." Aufrecht Kaufmann: „Lass sie holen." Schatzjade schickte sogleich einen Boten zu Beiming: „Er soll in der Schule in meiner Schublade ein dünnes Heft auf Bambuszellenpapier suchen, auf dem ‚Schulaufgaben' steht, und es schnell herbringen." | ||
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| + | Bald kam Beiming mit dem Heft, reichte es Schatzjade, und Schatzjade legte es Aufrecht Kaufmann vor. Aufrecht Kaufmann schlug es auf und sah als erstes Thema: „Mit fünfzehn richtete ich meinen Willen aufs Lernen." Schatzjades ursprüngliche Einleitung lautete: „Der Heilige richtete seinen Willen aufs Lernen, und zwar von Kindheit an." Dairu hatte jedoch das Wort „Kindheit" gestrichen und stattdessen ausdrücklich „fünfzehn" geschrieben. Aufrecht Kaufmann sagte: „Dein ursprüngliches ‚Kindheit' trifft das Thema nicht genau. ‚Kindheit' reicht vom Kleinkind bis zum sechzehnten Lebensjahr. In diesem Kapitel beschreibt der Heilige, wie sein Studium mit den Jahren fortschritt; deshalb müssen fünfzehn, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig jeweils ausdrücklich genannt werden, damit man sieht, wie er in jedem Alter einen anderen Stand erreichte. Dass der Lehrer dein ‚Kindheit' durch ‚fünfzehn' ersetzt hat, macht es wesentlich klarer." Bei der Weiterführung las er Schatzjades gestrichenen Originalsatz: „Denn nicht nach Lernen zu streben, ist das Gewöhnliche bei den Menschen." Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Das ist nicht nur kindisch, sondern zeigt, dass du von Natur aus keinen Ehrgeiz zum Studium hast." Der nächste Satz lautete: „Dass der Heilige mit fünfzehn danach strebte — ist das nicht schwer?" Aufrecht Kaufmann sagte: „Das ist noch schlimmer." Dann las er Dairus Korrektur: „Wer lernt nicht? Doch jene, die ihren Willen aufs Lernen richten, sind am Ende selten. Darum sprach der Heilige voller Überzeugung bereits im Alter von fünfzehn Jahren sein Bekenntnis aus." Er fragte: „Verstehst du die Korrektur?" Schatzjade antwortete: „Ja." | ||
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| + | Dann sah er sich den zweiten Aufsatz an, zum Thema „Wenn andere einen nicht kennen und man doch nicht grollt". Er las zuerst Dairus Fassung: „Wer nicht grollt, obwohl man ihn nicht kennt, der hat am Ende seine Freude am Lernen nicht verändert." Dann betrachtete er den gestrichenen Originaltext und sagte: „Was hast du da geschrieben? ‚Fähig zu sein, niemandem zu grollen — das ist das Wesen eines reinen Gelehrten.' Der erste Satz behandelt nur die drei Zeichen ‚und doch nicht grollt' und versäumt das Gesamtthema; der zweite Satz greift schon in den folgenden Abschnitt über den ‚Edlen' ein. Erst die Korrektur trifft den richtigen Rahmen; zudem greift der Folgesatz sauber auf den vorherigen Text zurück — erst das entspricht dem Sinn des Buches. Du musst sorgfältig darüber nachdenken." Schatzjade bejahte. Aufrecht Kaufmann las weiter: „Denn wer nicht bekannt ist — da gibt es keinen, der nicht grollt; und doch ist es bei ihm nicht so. Ist das nicht, weil einer, der Freude an der Lehre findet, allein dies zu erreichen vermag?" Der Originalsatz am Ende lautete: „Ist er nicht ein reiner Gelehrter?" Aufrecht Kaufmann sagte: „Das hat denselben Fehler wie die Einleitung. Die Korrektur ist zwar auch nichts Besonderes — nur klarer, aber immerhin annehmbar." | ||
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| + | Der dritte Aufsatz behandelte „Dann wendet man sich Mo zu". Aufrecht Kaufmann las das Thema, legte den Kopf in den Nacken und überlegte, dann fragte er Schatzjade: „Bist du mit dem Stoff schon so weit?" Schatzjade sagte: „Der Lehrer meinte, der Mengzi sei leichter verständlich, deshalb hat er ihn zuerst durchgenommen. Vorgestern hat er ihn beendet. Jetzt lesen wir die Lunyu." Aufrecht Kaufmann sah sich Einleitung und Fortführung an — hier war kaum etwas korrigiert. Die Einleitung lautete: „Außerhalb der Lehre Yangs, so scheint es, gäbe es nichts, wohin man sich wenden könnte." Aufrecht Kaufmann sagte: „Der zweite Satz — das muss man dir lassen." Dann las er: „Die Lehre Mos ist nicht etwas, dem man sich bewusst zuwendet; doch Mos Worte haben bereits die halbe Welt erfüllt. Wer also die Lehre Yangs verlässt und sich nicht der Lehre Mos zuwenden will — wie könnte ihm das gelingen?" Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du das wirklich selbst geschrieben?" Schatzjade bejahte. Aufrecht Kaufmann nickte: „Es ist zwar nichts Herausragendes, aber für einen Erstversuch durchaus annehmbar. Als ich vor zwei Jahren im Amt war, habe ich einmal das Thema ‚Nur der Gelehrte vermag es' gestellt. Die Prüflinge hatten alle die berühmten Musteraufsätze dazu gelesen und konnten nichts Eigenes hervorbringen — sie haben nur abgeschrieben. Hast du das auch gelesen?" Schatzjade sagte: „Ja." Aufrecht Kaufmann sagte: „Ich will, dass du einen völlig neuen Gedanken findest, ohne die Vorgänger zu kopieren — auch nur eine Einleitung genügt." | ||
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| + | Schatzjade konnte nur zustimmen, senkte den Kopf und grübelte angestrengt. Aufrecht Kaufmann stand mit verschränkten Armen an der Tür und dachte ebenfalls nach. Da sah er einen kleinen Diener hinausrennen, der beim Anblick Aufrecht Kaufmanns stehenblieb und die Hände sinken ließ. Aufrecht Kaufmann fragte: „Was ist?" Der Diener antwortete: „Drüben bei der Alten Ahnin ist Tante Schnee eingetroffen. Die Zweite Herrin lässt das Essen vorbereiten." Aufrecht Kaufmann sagte nichts, und der Diener ging. | ||
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| + | Schatzjade hatte Schatzspange seit ihrem Umzug nach Hause sehr vermisst. Als er hörte, dass Tante Schnee da war, nahm er an, Schatzspange sei mitgekommen, und sein Herz schlug sofort schneller. Er wagte sich vor und sagte: „Ich habe eine Einleitung verfasst, weiß aber nicht, ob sie taugt." Aufrecht Kaufmann sagte: „Lies vor." Schatzjade sprach: „Nicht alle Menschen auf der Welt sind Gelehrte; jene, die ohne festen Besitz dennoch Bestand haben, sind wahrlich selten." Aufrecht Kaufmann hörte es, nickte und sagte: „Das geht noch. Beim Aufsatzschreiben musst du immer zuerst die Grenzen klar ziehen und den Kerngedanken durchdenken, ehe du zur Feder greifst. Weiß die Großmutter, dass du hier bist?" Schatzjade sagte: „Ja." Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann geh zur Großmutter." | ||
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| + | Schatzjade antwortete mit „Ja" und zog sich betont langsam zurück. Kaum war er hinter der Mondtormauer verschwunden, rannte er wie der Blitz zum Eingang von der Herzoginmutter Hof. Der arme Beiming lief hinterher und rief: „Passt auf, dass Ihr nicht stolpert! Der gnädige Herr könnte kommen!" Doch Schatzjade hörte nichts. Kaum durch die Tür, vernahm er die Stimmen von Frau König, Phönixglanz, Erkundefrühling<ref>Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling".</ref> und anderen in heiterem Gelächter. Die Mädchen sahen Schatzjade kommen, hoben schnell den Vorhang und flüsterten: „Die Tante ist hier." Schatzjade eilte hinein, begrüßte zuerst Tante Schnee und dann die Großmutter. Die Herzoginmutter fragte: „Warum bist du heute so spät aus der Schule?" Schatzjade berichtete ausführlich von der Aufsatzprüfung und der Aufgabe, die Aufrecht Kaufmann ihm gestellt hatte. Die Herzoginmutter strahlte vor Freude. | ||
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| + | Schatzjade fragte in die Runde: „Wo sitzt Schwester Schatzspange?" Tante Schnee lächelte: „Deine Schwester Schatzspange ist nicht mitgekommen — sie näht mit Duftkastanie zu Hause." Enttäuscht wollte Schatzjade lieber gehen, brachte es aber nicht über sich. Inzwischen war aufgedeckt worden. Natürlich saßen die Herzoginmutter und Tante Schnee oben, Erkundefrühling und die anderen an den Seiten. Tante Schnee fragte: „Wo ist Schatzjade?" die Herzoginmutter lachte: „Schatzjade setzt sich hierher neben mich." Schatzjade antwortete hastig: „Als ich vorhin aus der Schule kam, hat Li Gui mir die Nachricht des Vaters überbracht: Ich solle erst essen und dann zu ihm kommen. Ich habe mir schnell eine Schüssel Reis mit einem Gericht genommen — die Alte Ahnin, die Tante und die Schwestern mögen ohne mich speisen." die Herzoginmutter sagte: „Gut, dann komm du her, Phönixglanz, und iss mit mir. Deine Tante fastet heute, hat sie mir gesagt — sie sollen für sich essen." Frau König bestätigte: „Iss du bei der Großmutter und der Tante — warte nicht auf mich, ich faste." Phönixglanz nahm Platz, ein Mädchen stellte Becher und Stäbchen hin, Phönixglanz schenkte eine Runde ein und setzte sich dann. | ||
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| + | Beim Trinken fragte die Herzoginmutter: „Vorhin erwähnte die Tante Duftkastanie — die Mädchen haben neulich ‚Qiuling' gesagt, und ich wusste gar nicht, wer das ist, bis ich nachfragte. Warum hat das Kind einen neuen Namen bekommen?" Tante Schnee errötete und seufzte: „Fragen Sie lieber nicht, Alte Ahnin! Seit mein Pan diese unausstehliche Frau geheiratet hat und es täglich Streit gibt, sieht es bei uns kaum noch wie ein ordentliches Haus aus. Ich habe ihm mehrfach ins Gewissen geredet, aber er ist halsstarrig und hört nicht; mir fehlt die Kraft, mich ständig mit ihnen zu zanken. Also lass ich sie machen. Hat nicht sie den Namen geändert, weil er ihr nicht gefiel!" die Herzoginmutter sagte: „Ein Name ist doch keine große Sache." Tante Schnee fuhr fort: „Wenn ich ehrlich bin — es ist mir peinlich, aber vor der Alten Ahnin gibt es nichts zu verbergen. Es geht ihr gar nicht um den Namen; sie hat gehört, dass Schatzspange ihn ausgesucht hat, und das allein ist der Grund, warum sie ihn ändern wollte." die Herzoginmutter fragte: „Was hat denn Schatzspange damit zu tun?" Tante Schnee tupfte sich unablässig die Tränen mit dem Taschentuch ab und seufzte: „Was die Alte Ahnin noch nicht weiß: Neuerdings legt sich die Schwiegertochter ständig mit Schatzspange an. Neulich, als Sie jemanden schickten, nach mir zu sehen — bei uns war gerade großer Krach." | ||
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| + | Die Herzoginmutter fragte sogleich: „Neulich hörte ich, dass du Leberschmerzen hattest, und wollte jemanden schicken; dann hieß es, es gehe dir besser, und ich habe es gelassen. Wenn du mich fragst: Nimm dir das alles nicht so zu Herzen! Außerdem sind sie ja noch frisch verheiratet — mit der Zeit wird sich alles geben. Schatzspange hat ein sanftes, gelassenes Wesen; obwohl sie noch jung ist, ist sie reifer als manch ein Erwachsener. Als neulich das kleine Mädchen zurückkam und erzählte, haben wir hier alle noch eine ganze Weile über sie gesprochen. Ein Mädchen wie Schatzspange — eine unter hundert! Ich sage es ohne Umschweife: Wenn die einmal Schwiegertochter wird, wie sollen die Schwiegereltern sie nicht liebhaben, wie sollte das ganze Haus sie nicht respektieren!" | ||
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| + | Schatzjade hatte schon ungeduldig zugehört und wollte einen Vorwand suchen, um zu gehen; als er aber diese Worte hörte, blieb er sitzen und lauschte mit starrem Blick. Tante Schnee sagte: „Das nützt nichts — sie mag noch so gut sein, am Ende ist sie doch ein Mädchen. Dass ich diesen verwirrten Pan großgezogen habe, beunruhigt mich wirklich: Ständig fürchte ich, er trinkt draußen und richtet Unheil an. Zum Glück sind die jungen Herren von hier oft mit ihm zusammen — da bin ich ein wenig beruhigter." Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Tante, da brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen. Die Freunde des großen Bruders Xue sind allesamt ehrbare Großkaufleute mit Ansehen — da passiert schon nichts." Tante Schnee lachte: „Nach deinen Worten bräuchte ich mich wohl überhaupt nicht mehr zu sorgen." Währenddessen war das Essen vorbei. Schatzjade verabschiedete sich als Erster, da er abends noch lernen musste, und alle gingen auseinander. | ||
| + | |||
| + | Gerade wurde der Tee aufgetragen, als Hupo herbeikam und die Herzoginmutter etwas ins Ohr flüsterte. Die Herzoginmutter wandte sich sogleich an Phönixglanz: „Geh schnell und sieh nach Pfiffigmädchen!" Phönixglanz wusste noch gar nicht, was los war. Alle anderen waren ebenfalls verwundert. Hupo trat zu Phönixglanz und sagte: „Eben hat Friedchen<ref>Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedliche".</ref> ein kleines Mädchen geschickt, um der Zweiten Herrin zu melden, dass es Pfiffigmädchen nicht gut geht und die Herrin schnell kommen möge." die Herzoginmutter sagte: „Geh sofort — die Tante ist ja kein Gast." Phönixglanz entschuldigte sich hastig bei Tante Schnee. Da sagte Frau König: „Geh du voraus, ich komme gleich nach. Kleine Kinder haben noch empfindliche Seelen — lass die Mädchen nicht so einen Aufstand machen! Und achtet auf Katzen und Hunde im Zimmer. Bei einem so kostbaren Kind muss man auf jede Kleinigkeit aufpassen." Phönixglanz sagte „Ja" und eilte mit einem kleinen Mädchen in ihre Gemächer. | ||
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| + | Tante Schnee erkundigte sich nach Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref>s Gesundheit. Die Herzoginmutter sagte: „Das Lin-Mädchen hat sonst nichts, nur nimmt sie alles zu schwer — deshalb ist ihr Körper nicht recht kräftig. Was Klugheit betrifft, steht sie Schatzspange kaum nach; aber an Großmut und Güte im Umgang reicht sie nicht an ihre Schwester Bao heran, die so nachsichtig und duldsam ist." Tante Schnee plauderte noch ein wenig und sagte dann: „Die Alte Ahnin möge sich ausruhen — ich muss auch nach Hause, dort sind ja nur Schatzspange und Duftkastanie geblieben. Auf dem Weg will ich mit der Tante bei Pfiffigmädchen vorbeischauen." die Herzoginmutter sagte: „Richtig. Du als ältere, erfahrene Person kannst ihnen sagen, was zu tun ist." Tante Schnee verabschiedete sich und ging mit Frau König zu Phönixglanzs Hof. | ||
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| + | Aufrecht Kaufmann war nach der Prüfung Schatzjades recht zufrieden und ging hinaus, um mit seinen literarischen Beratern zu plaudern. Er erzählte von der Sache, und ein kürzlich eingetroffener Berater namens König Zuomei, Stilname Erdiao, ein großer Schachliebhaber, sagte: „Nach unserer Einschätzung hat der Zweite Herr Bao große Fortschritte in seiner Bildung gemacht." Aufrecht Kaufmann erwiderte: „Wo denn? Er versteht gerade ein wenig mehr — von ‚Bildung' kann noch lange keine Rede sein." Zhan Guang sagte: „Der verehrte Herr ist zu bescheiden. Nicht nur Bruder Wang meint das — auch wir sehen, dass der Zweite Herr Bao es unbedingt weit bringen wird." Aufrecht Kaufmann lächelte: „Das ist nur eure freundliche Übertreibung." | ||
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| + | König Erdiao sprach weiter: „Ich hätte da noch etwas — verzeihen Sie meine Kühnheit — das ich mit dem verehrten Herrn besprechen möchte." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was denn?" König Erdiao lächelte verbindlich: „Ein Bekannter von mir, ein gewisser Herr Zhang, der einst Intendant für Nan-Shao war, hat eine Tochter, die, wie man sagt, an Tugend, Aussehen, Fleiß und Schönheit nichts zu wünschen übrig lässt und noch unverlobt ist. Er hat keine Söhne und ein gewaltiges Vermögen. Er sucht jedoch eine Familie, die Reichtum und Rang vereint, und einen herausragenden Schwiegersohn. In den zwei Monaten, die ich hier bin, habe ich gesehen, dass der Zweite Herr Bao an Charakter und Gelehrsamkeit ganz gewiss eine große Zukunft hat. Bei einem Hause wie dem Ihren — was sollte dagegen sprechen? Wenn ich vermitteln darf, wird die Sache auf Anhieb zustande kommen." Aufrecht Kaufmann sagte: „Eine Verlobung für Schatzjade wäre altersmäßig durchaus angebracht, und die Alte Ahnin hat es auch schon erwähnt. Nur kenne ich Herrn Zhang nicht näher." Zhan Guang sagte: „Die Familie Zhang, die Bruder Wang vorschlägt, kenne auch ich; zudem ist sie mit dem Ersten Herrn hier altbekannt — der verehrte Herr braucht nur zu fragen." Aufrecht Kaufmann überlegte: „Vom Ersten Herrn habe ich nie etwas von dieser Verwandtschaft gehört." Zhan Guang erklärte: „Das wusste der verehrte Herr natürlich nicht — die Familie Zhang ist mit dem Onkel der Frau Strafe verwandt." Aufrecht Kaufmann verstand nun, dass es sich um eine Verwandte Frau Strafes handelte. | ||
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| + | Er saß noch eine Weile, dann ging er hinein, um Frau König zu informieren und bei Frau Strafe nachzufragen. Doch Frau König war mit Tante Schnee bei Phönixglanz, um nach Pfiffigmädchen zu sehen. Es war schon Lampenzündzeit, als Tante Schnee ging und Frau König zurückkam. Aufrecht Kaufmann erzählte ihr von König Erdiaos und Zhan Guangs Vorschlag und fragte: „Was ist mit Pfiffigmädchen?" Frau König antwortete: „Es scheint ein Schreckkrampf zu sein." Aufrecht Kaufmann: „Ist es schlimm?" Frau König: „Es sieht nach Krämpfen aus, nur sind sie noch nicht ausgebrochen." Aufrecht Kaufmann seufzte und sagte nichts mehr. Man ging zur Ruhe. | ||
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| + | Am nächsten Tag kam Frau Strafe zur Begrüßung bei der Herzoginmutter vorbei. Frau König brachte die Familie Zhang zur Sprache, berichtete die Herzoginmutter und fragte gleichzeitig Frau Strafe. Frau Strafe sagte: „Die Zhangs sind zwar alte Bekannte, aber seit Jahren hat man keinen Kontakt mehr. Ich weiß nicht, wie das Mädchen ist. Vor ein paar Tagen schickte allerdings die Verwandte Sun jemanden zum Grüßen, und dabei kam die Rede auf die Zhangs: Die hätten eine Tochter und wollten über die Suns einen Vermittler finden. Es heißt, die Familie habe nur dieses eine Mädchen und verwöhne es sehr; es kenne ein paar Schriftzeichen, sei aber scheu und verlasse kaum das Haus. Der alte Herr Zhang wolle sie auf keinen Fall weggeben, weil er fürchte, strenge Schwiegereltern könnten sie unglücklich machen. Der Schwiegersohn müsse einziehen und bei ihnen den Haushalt führen." | ||
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| + | Die Herzoginmutter unterbrach, ohne das Ende abzuwarten: „Das kommt auf gar keinen Fall in Frage! Unser Schatzjade — es reicht kaum, wenn andere ihn bedienen, und dann soll er in einem fremden Haus den Haushalt führen!" Frau Strafe bestätigte: „Genau so sagt es die Alte Ahnin." die Herzoginmutter wandte sich an Frau König: „Sag deinem Mann, von mir: Die Heirat mit den Zhangs kommt nicht in Betracht." Frau König sagte zu. | ||
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| + | Die Herzoginmutter fragte: „Wie geht es Pfiffigmädchen? Vorhin kam Friedchen zu mir und sagte, es stehe nicht gut. Ich wollte selbst hinübergehen und nach ihr schauen." Xing und Frau König sagten: „Die Alte Ahnin liebt sie zwar, aber das Kind verträgt so einen Besuch kaum." die Herzoginmutter erwiderte: „Es geht mir nicht nur um sie — ich möchte auch ein bisschen spazieren und meine Knochen bewegen." Damit ordnete sie an: „Geht essen, und dann kommt, um mich hinüberzubegleiten." Die beiden stimmten zu und gingen. | ||
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| + | Nach dem Essen begleiteten sie die Herzoginmutter zu Phönixglanzs Gemächern. Phönixglanz eilte heraus und führte sie hinein. Die Herzoginmutter fragte: „Was fehlt Pfiffigmädchen eigentlich?" Phönixglanz sagte: „Es scheint ein Schreckkrampf zu werden." die Herzoginmutter: „Warum lasst ihr nicht sofort den Arzt kommen?" Phönixglanz: „Es ist bereits jemand geschickt worden." die Herzoginmutter trat mit den beiden Schwiegertöchtern ins Schlafzimmer. Die Amme hielt das Kind, eingewickelt in eine pfirsichfarbene kleine Seidendecke; das Gesichtchen war bläulich-grün, und an den Augenbrauen und Nasenflügeln waren leichte Zuckungen zu erkennen. Die Herzoginmutter, Frau Strafe und Frau König schauten sich das Kind an und setzten sich dann im Vorzimmer nieder. | ||
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| + | Da kam ein kleines Mädchen und meldete Phönixglanz: „Der gnädige Herr lässt fragen, wie es dem Fräulein geht." Phönixglanz sagte: „Bestelle dem gnädigen Herrn, der Arzt ist bestellt. Sobald das Rezept geschrieben ist, berichte ich dem gnädigen Herrn." | ||
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| + | Die Herzoginmutter erinnerte sich plötzlich an die Familie Zhang und wandte sich an Frau König: „Du solltest es deinem Mann gleich sagen, damit die anderen nicht erst hinschicken und es dann eine Absage gibt." Dann fragte sie Frau Strafe: „Warum habt ihr den Kontakt zu den Zhangs verloren?" Frau Strafe sagte: „Wenn man bedenkt, wie die Zhangs wirtschaften — da passt keine Heirat zu uns: viel zu geizig, das wäre unter Schatzjades Würde." Phönixglanz hatte genug gehört und fragte: „Geht es um die Heirat des Bruders Bao?" Frau Strafe bestätigte: „Genau." die Herzoginmutter erzählte Phönixglanz die ganze Geschichte. Phönixglanz lachte: „Mir fällt — verzeihen Sie, dass ich in Gegenwart der Alten Ahnin und der Tanten so kühn bin — eine vom Himmel bestimmte Verbindung ein, da muss man nicht anderswo suchen!" die Herzoginmutter fragte lachend: „Wo denn?" Phönixglanz sagte: „Ein ‚Schatzjade' und ein ‚Goldenes Schloss' — hat die Alte Ahnin das vergessen?" die Herzoginmutter lächelte. „Gestern war deine Tante hier — warum hast du es nicht angesprochen?" Phönixglanz erwiderte: „In Gegenwart der Alten Ahnin und der Tanten ist es nicht an uns jungen Leuten, das Wort zu führen. Und die Tante kam auf Besuch zur Großmutter — da bringt man so etwas nicht auf. Das müssten die Tanten persönlich vortragen." die Herzoginmutter lachte, und auch Xing und Frau König lachten. Die Herzoginmutter sagte: „Wie konnte ich nur so vergesslich sein!" | ||
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| + | In diesem Moment wurde gemeldet: „Der Arzt ist da." die Herzoginmutter blieb im Vorzimmer sitzen; Xing und Frau König zogen sich ein wenig zurück. Der Arzt kam mit Kette Kaufmann<ref>Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale".</ref> herein, begrüßte die Herzoginmutter und ging dann ins Schlafzimmer. Nach der Untersuchung kam er heraus, blieb stehen und berichtete ehrerbietig: „Das Fräulein leidet zur Hälfte an innerer Hitze und zur Hälfte an einem Schreckkrampf. Zuerst muss eine Arznei zur Zerstreuung von Wind und Schleim gegeben werden, dann das ‚Pulver der Vier Götter', denn die Krankheit ist nicht leicht. Die heutzutage erhältlichen Gallensteine vom Rind sind fast alle gefälscht — es muss ein echter sein, sonst wirkt die Medizin nicht." die Herzoginmutter dankte dem Arzt. Der Arzt ging mit Kette Kaufmann hinaus, schrieb das Rezept und fuhr davon. Phönixglanz sagte: „Ginseng haben wir zu Hause immer vorrätig, aber ob wir echte Rinder-Gallensteine haben, bezweifle ich. Draußen kaufen kann man — nur muss es echt sein." Frau König sagte: „Ich schicke jemanden zu Tante Schnee; ihr Pan handelt immer mit ausländischen Kaufleuten — vielleicht hat er echte. Ich lasse nachfragen." | ||
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| + | Während sie noch sprachen, kamen die Schwestern herein, setzten sich eine Weile und gingen dann mit die Herzoginmutter und den anderen. | ||
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| + | Im Zimmer wurde inzwischen die Medizin gekocht und Pfiffigmädchen eingeflößt. Mit einem Würgen spuckte das Kind Arznei und Schleim in einem Schwall aus, und Phönixglanz atmete ein wenig auf. Da kam ein kleines Mädchen von Frau König mit einem winzigen roten Papierpaketchen und sagte: „Zweite Herrin, der Gallenstein ist da. Die Gnädige Frau lässt ausrichten, dass die Zweite Herrin die Dosis persönlich genau abwiegen soll." Phönixglanz nahm das Päckchen, ließ Friedchen Perlen, Borneolkampfer und Zinnober dazumischen und schnell ansetzen. Sie selbst wog mit der Feinwaage nach der Vorschrift ab, mischte alles zusammen und wartete, bis Pfiffigmädchen aufwachte, um ihr die Medizin zu geben. Da schob Unheil Kaufmann den Vorhang beiseite und trat ein: „Zweite Schwester, was fehlt eurem Pfiffigmädchen? Mama schickt mich, nach ihr zu sehen." Phönixglanz verabscheute Mutter und Sohn und sagte: „Es geht ihr besser. Geh zurück und danke deiner Mutter für die Anteilnahme." | ||
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| + | Unheil Kaufmann murmelte zwar ein „Ja", sah sich aber neugierig überall um. Nach einer Weile fragte er Phönixglanz: „Ich habe gehört, ihr habt hier Rinder-Gallensteine — wie sieht so etwas aus? Lass mich mal sehen." Phönixglanz sagte: „Hör auf, hier herumzustöbern — dem Mädchen geht es gerade etwas besser. Die Gallensteine sind schon in der Arznei." Unheil Kaufmann ging trotzdem hin und streckte die Hand nach dem Medizintöpfchen aus — doch er war ungeschickt; mit einem Zischen kippte es um, und die Hälfte des Feuers war gelöscht. Unheil Kaufmann sah, dass es schlimm stand, und rannte beschämt davon. Phönixglanz war so wütend, dass ihr Funken sprühten. Sie schimpfte: „Dieser ewige Feind aus einem früheren Leben! Was treibt dich her, um Schaden anzurichten? Schon damals wollte deine Mutter mich umbringen, und jetzt kommst du, um meiner Kleinen zu schaden. Seit wie vielen Generationen hegen wir denn einen Groll gegeneinander?" Dann schalt sie auch Friedchen, weil sie nicht aufgepasst habe. | ||
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| + | Während sie noch schimpfte, kam ein Dienstmädchen, das Unheil Kaufmann suchte. Phönixglanz sagte: „Geh und sag Zhao Yiniang: Sie hat sich wahrlich zu viel Mühe gemacht! Pfiffigmädchen ist so gut wie tot — sie braucht sich nicht mehr zu sorgen." Friedchen bereitete hastig die Arznei von Neuem zu. Das Mädchen wusste nicht, wie ihm geschah, und fragte Friedchen leise, was los sei. Friedchen erzählte, wie Huan das Arzneigefäß umgeworfen hatte. Das Mädchen sagte: „Kein Wunder, dass er sich nicht zurücktraut und sich versteckt hat. Was wird morgen erst mit ihm los sein! Schwester Ping, soll ich dir beim Aufräumen helfen?" Friedchen sagte: „Das ist nicht nötig. Zum Glück ist noch ein Rest Gallenstein da — ich habe alles frisch angesetzt. Geh nur." Das Mädchen sagte: „Ich werde es der Frau Zhao auf jeden Fall erzählen — dann muss sie auch mal aufhören, so große Töne zu spucken." | ||
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| + | Das Mädchen ging zurück und erzählte Zhao Yiniang alles. Zhao Yiniang war außer sich vor Wut und rief: „Sucht mir sofort den Huan!" Huan hatte sich im Vorzimmer versteckt und wurde hereingeholt. Zhao Yiniang schimpfte: „Du nichtswürdiges Balg! Warum hast du die Medizin verschüttet und dafür gesorgt, dass man auf uns schimpft? Ich hatte dir nur aufgetragen, dich zu erkundigen, du brauchtest gar nicht hineinzugehen. Aber nein, du gehst hinein und bleibst auch noch — und dann musst du auf dem Tigerkopf Läuse suchen! Warte nur, bis ich es dem Herrn sage — dann gibt es Prügel!" | ||
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| + | Während Zhao Yiniang noch schimpfte, war im Nebenzimmer von Unheil Kaufmann etwas zu hören, das einem das Herz stocken ließ. | ||
| − | + | Was er sagte, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren. | |
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| − | + | Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). | |
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Latest revision as of 19:36, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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第八十四回 试文字宝玉始提亲 探惊风贾环重结怨 却说薛姨妈一时因被金桂这场气怄得肝气上逆,左胁作痛。宝钗明知是这个原故,也等不及医生来看,先叫人去买了几钱钩藤来,浓浓的煎了一碗,给他母亲吃了。又和香菱给薛姨妈捶腿揉胸。停了一会儿,略觉安顿些。薛姨妈只是又悲又气:气的是金桂撒泼;悲的是宝钗有涵养,倒觉可怜。宝钗又劝了一会,不知不觉的睡了一觉,肝气也渐渐平复了。宝钗便说道:“妈妈,你这种闲气,不要放在心上才好。过几天走的动了,乐得往那边老太太、姨妈处去说说话儿,散散闷也好。家里横竖有我和香菱照看着,谅他也不敢怎么着。”薛姨妈点点头道:“过两日看罢了。” 且说元妃疾愈之后,家中俱各喜欢。过了几日,有几个老公走来,带着东西、银两,宣贵妃娘娘之命:因家中省问勤劳,俱有赏赐。把物件、银两一一交代清楚。贾赦、贾政等禀明了贾母,一齐谢恩毕,太监吃了茶去了。大家回到贾母房中,说笑了一会。外面老婆子传进来说:“小厮们来回道:那边有人请大老爷,说要紧的话呢。”贾母便向贾赦道:“你去罢。”贾赦答应着,退出来自去了。 这里贾母忽然想起,合贾政笑道:“娘娘心里却甚是惦记着宝玉,前儿还特特的问他来着呢。”贾政陪笑道:“只是宝玉不大肯念书,辜负了娘娘的美意。”贾母道:“我倒给他上了个好儿,说他近日文章都做上来了。”贾政笑道:“那里能像老太太的话呢?”贾母道:“你们时常叫他出去作诗作文,难道他都没作上来么?小孩子家,慢慢的教导他。可是人家说的:‘胖子也不是一口儿吃的。’”贾政听了这话,忙陪笑道:“老太太说的是。” 贾母又道:“提起宝玉,我还有一件事和你商量:如今他也大了,你们也该留神,看一个好孩子,给他定下。这也是他终身的大事。也别论远近亲戚,什么穷啊富的,只要深知那姑娘的脾性儿好,模样儿周正的,就好。”贾政道:“老太太吩咐的很是。但只一件:姑娘也要好,第一要他自己学好才好;不然,不稂不莠的,反倒耽误了人家的女孩儿,岂不可惜?” 贾母听了这话,心里却有些不喜欢,便说道:“论起来,现放着你们作父母的,那里用我去操心?但只我想宝玉这孩子从小儿跟着我,未免多疼他一点儿,耽误了他成人的正事,也是有的。只是我看他那生来的模样儿也还齐整,心性儿也还实在,未必一定是那种没出息的,必至糟蹋了人家的女孩儿。也不知是我偏心,我看着横竖比环儿略好些。不知你们看着怎么样!” 几句话,说得贾政心中甚是不安,连忙陪笑道:“老太太看的人也多了,既说他好,有造化,想来是不错的。只是儿子望他成人的性儿太急了一点,或者竟合古人的话相反,倒是莫知其子之美了。”一句话把贾母也怄笑了,众人也都陪着笑了。贾母因说道:“你这会子也有了几岁年纪,又居着官,自然越历练越老成。”说到这里,回头瞅着邢夫人合王夫人笑道:“想他那年轻的时候,那一种古怪脾气,比宝玉还加一倍呢!直等娶了媳妇,才略略的懂了些人事儿。如今只抱怨宝玉!这会子,我看宝玉比他还略体些人情儿呢。”说的邢夫人、王夫人都笑了,因说道:“老太太又说起逗笑儿的话儿来了。” 说着,小丫头子们进来告诉鸳鸯:“请示老太太,晚饭伺候下了。”贾母便问:“你们又咕咕唧唧的说什么?”鸳鸯笑着回明了。贾母道:“那么着,你们也都吃饭去罢,单留凤姐儿和珍哥媳妇跟着我吃罢。”贾政及邢、王二夫人都答应着,伺候摆上饭来,贾母又催了一遍,才都退出各散。 却说邢夫人自去了。贾政同王夫人进入房中,贾政因提起贾母方才的话来,说道:“老太太这么疼宝玉,毕竟要他有些实学,日后可以混得功名,才好不枉老太太疼他一场,也不至糟蹋了人家的女儿。”王夫人道:“老爷这话,自然是该当的。”贾政因派个屋里的丫头,传出去告诉李贵:“宝玉放学回来,索性吃饭后,再叫他过来,说我还要问他话呢。”李贵答应了“是”。 至宝玉放了学,刚要过来请安,只见李贵道:“二爷先不用过去,老爷吩咐了,今日叫二爷吃了饭就过去呢,听见还有话问二爷呢。”宝玉听了这话,又是一个闷雷,只得见过贾母,便回园吃饭。三口两口吃完,忙漱了口,便往贾政这边来。 贾政此时在内书房坐着,宝玉进来请了安,一旁侍立。贾政问道:“这几日我心上有事,也忘了问你。那一日,你说你师父叫你讲一个月的书,就要给你开笔。如今算来将两个月了,你到底开了笔了没有?”宝玉道:“才做过三次。师父说且不必回老爷知道,等好些,再回老爷知道罢。因此,这两天总没敢回。”贾政道:“是什么题目?”宝玉道:“一个是《吾十有五而志于学》,一个是《人不知而不愠》,一个是《则归墨》三字。”贾政道:“都有稿儿么?”宝玉道:“都是作了抄出来,师父又改的。”贾政道:“你带了家来了,还是在学房里呢?”宝玉道:“在学房里呢。”贾政道:“叫人取了来我瞧。”宝玉连忙叫人传话与焙茗:“叫他往学房中去,我书桌子抽屉里有一本薄薄儿竹纸本子,上面写着‘窗课’两字的就是,快拿来。” 一会儿,焙茗拿了来,递给宝玉,宝玉呈与贾政。贾政翻开看时,见头一篇写着题目是《吾十有五而志于学》。他原本破的是“圣人有志于学,幼而已然矣” 。代儒却将“幼”字抹去,明用“十五”。贾政道:“你原本‘幼’字,便扣不清题目了。‘幼’字是从小起,至十六以前都是‘幼’。这章书是圣人自言学问工夫与年俱进的话,所以十五、三十、四十、五十、六十、七十,俱要明点出来,才见得到了几时有这么个光景,到了几时又有那么个光景。师父把你‘幼’字改了‘十五’,便明白了好些。”看到承题,那抹去的原本云:“夫不志于学,人之常也。”贾政摇头道:“不但是孩子气,可见你本性不是个学者的志气。”又看后句:“圣人十五而志之,不亦难乎?”说道:“这更不成话了。”然后看代儒的改本云:“夫人孰不学,而志于学者卒鲜。此圣人所为自信于十五时欤。”便问:“改的懂得么?”宝玉答应道:“懂得。” 又看第二艺,题目是《人不知而不愠》。便先看代儒的改本云:“不以不知而愠者,终无改其说乐矣。”方觑着眼看那抹去的底本,说道:“你是什么?‘能无愠人之心,纯乎学者也。’上一句似单做了‘而不愠’三个字的题目,下一句又犯了下文君子的分界。必如改笔,才合题位呢;且下句找清上文,方是书理。须要细心领略。”宝玉答应着。贾政又往下看:“夫不知,未有不愠者也;而竟不然。是非由说而乐者,曷克臻此?”原本末句:“非纯学者乎?”贾政道:“这也与破题同病的。这改的也罢了,不过清楚,还说得去。” 第三艺是《则归墨》。贾政看了题目,自己扬着头想了一想,因问宝玉道:“你的书讲到这里了么?”宝玉道:“师父说《孟子》好懂些,所以倒先讲《孟子》,大前日才讲完了。如今讲上《论语》呢。”贾政因看这个破、承倒没大改。破题云:“言于舍杨之外,若别无所归者焉。”贾政道:“第二句倒难为你。”“夫墨,非欲归者也,而墨之言已半天下矣,则舍杨之外,欲不归于墨,得乎?”贾政道:“这是你做的么?”宝玉答应道:“是。”贾政点点头儿,因说道:“这也并没有什么出色处,但初试笔能如此,还算不离。前年我在任上时,还出过《惟士为能》这个题目。那些童生都读过前人这篇,不能自出心裁,每多抄袭。你念过没有?”宝玉道:“也念过。”贾政道:“我要你另换个主意,不许雷同了前人,只做个破题也使得。” 宝玉只得答应着,低头搜索枯肠。贾政背着手,也在门口站着作想。只见一个小厮往外飞走,看见贾政,连忙侧身垂手站住。贾政便问道:“作什么?”小厮回道:“老太太那边姨太太来了,二奶奶传出话来,叫预备饭呢。”贾政听了,也没言语,那小厮自去了。 谁知宝玉自从宝钗搬回家去,十分想念,听见薛姨妈来了,只当宝钗同来,心中早已忙了,便乍着胆子回道:“破题倒作了一个,但不知是不是。”贾政道:“你念来我听。”宝玉念道:“天下不皆士也,能无产者亦仅矣。”贾政听了,点着头道:“也还使得。以后作文,总要把界限分清,把神理想明白了,再去动笔。你来的时候,老太太知道不知道?”宝玉道:“知道的。”贾政道:“既如此,你还到老太太处去罢。” 宝玉答应了个“是”,只得拿捏着慢慢的退出。刚过穿廊月洞门的影屏,便一溜烟跑到贾母院门口。急得焙茗在后头赶着叫道:“看跌倒了!老爷来了!”宝玉那里听的见。刚进得门来,便听见王夫人、凤姐、探春等笑语之声。丫鬟们见宝玉来了,连忙打起帘子,悄悄告诉道:“姨太太在这里呢。”宝玉赶忙进来给薛姨妈请安,过来才给贾母请了晚安。贾母便问:“你今儿怎么这早晚才散学?”宝玉悉把贾政看文章并命作破题的话述了一遍。贾母笑容满面。 宝玉因问众人道:“宝姐姐在那里坐着呢?”薛姨妈笑道:“你宝姐姐没过来,家里和香菱作活呢。”宝玉听了,心中索然,又不好就走。只见说着话儿,已摆上饭来。自然是贾母、薛姨妈上坐,探春等陪坐。薛姨妈道:“宝哥儿呢?”贾母笑着说道:“宝玉跟着我这边坐罢。”宝玉连忙回道:“头里散学时,李贵传老爷的话,叫吃了饭过去,我赶着要了一碟菜,泡茶吃了一碗饭,就过去了。老太太和姨妈、姐姐们用罢。”贾母道:“既这么着,凤丫头就过来跟着我。你太太才说他今儿吃斋,叫他们自己吃去罢。”王夫人也道:“你跟着老太太、姨太太吃罢,不用等我,我吃斋呢。”于是凤姐告了坐,丫头安了杯箸,凤姐执壶斟了一巡才归坐。 大家吃着酒,贾母便问道:“可是才姨太太提香菱,我听见前儿丫头们说秋菱,不知是谁,问起来才知道是他。怎么那孩子好好的又改了名字呢?”薛姨妈满脸飞红,叹了口气道:“老太太再别提起。自从蟠儿娶了这个不知好歹的媳妇,成日家咕咕唧唧,如今闹的也不成个人家了。我也说过他几次,他牛心不听说,我也没那么大精神和他们尽着吵去,只好由他们去。可不是他嫌这丫头的名儿不好改的!”贾母道:“名儿什么要紧的事呢。”薛姨妈道:“说起来,我也怪臊的,其实老太太这边有什么不知道的?他那里是为这名儿不好,听见说,他因为是宝丫头起的,他才有心要改。”贾母道:“这又是什么原故呢?”薛姨妈把手绢子不住的擦眼泪,未曾说,又叹了一口气,道:“老太太还不知道呢,这如今媳妇子专和宝丫头怄气。前日老太太打发人看我去,我们家里正闹呢。” 贾母连忙接着问道:“可是前儿听见姨太太肝气疼,要打发人看去,后来听见说好了,所以没着人去。依我劝,姨太太竟把他们别放在心上。再者,他们也是新过门的小夫妻,过些时自然就好了。我看宝丫头性格儿温厚和平,虽然年轻,比大人还强几倍。前日那小丫头子回来说,我们这边还都赞叹了他一会子。都像宝丫头那样心胸儿,脾气儿,真是百里挑一的。不是我说句冒失话,那给人家作了媳妇儿,怎么叫公婆不疼,家里上上下下的不宾服呢!” 宝玉头里已经听烦了,推故要走,及听见这话,又坐下呆呆的往下听。薛姨妈道:“不中用,他虽好,到底是女孩儿家。养了蟠儿这个糊涂孩子,真真叫我不放心:只怕在外头喝点子酒,闹出事来。幸亏老太太这里的大爷、二爷常和他在一块儿,我还放点儿心。”宝玉听到这里,便接口道:“姨妈更不用悬心。薛大哥相好的都是些正经买卖大客人,都是有体面的,那里就闹出事来?”薛姨妈笑道:“依你这样说,我敢只不用操心了。”说话间,饭已吃完。宝玉先告辞了,晚间还要看书,便各自去了。 这里丫头们刚捧上茶来,只见琥珀走过来,向贾母耳朵旁边说了几句,贾母便向凤姐儿道:“你快去罢,瞧瞧巧姐儿去罢。”凤姐听了,还不知何故。大家也怔了。琥珀遂过来向凤姐道:“刚才平儿打发小丫头子来回二奶奶,说巧姐儿身上不大好,请二奶奶忙着些过来才好呢。”贾母因说道:“你快去罢,姨太太也不是外人。”凤姐连忙答应,在薛姨妈跟前告了辞。又见王夫人说道:“你先过去,我就去。小孩子家魂儿还不全呢,别叫丫头们大惊小怪的。屋里的猫儿狗儿,也叫他们留点儿神儿。尽着孩子贵气,偏有这些琐碎。”凤姐答应了,然后带了小丫头回房去了。 这里薛姨妈又问了一回黛玉的病。贾母道:“林丫头那孩子倒罢了,只是心重些,所以身子就不大很结实了。要赌灵性儿,也和宝丫头不差什么;要赌宽厚待人里头,却不济他宝姐姐有耽待,有尽让了。”薛姨妈又说了两句闲话儿,便道:“老太太歇着罢,我也要到家里去看看,只剩下宝丫头和香菱了。打那么同着姨太太看看巧姐儿。”贾母道:“正是。姨太太上年纪的人,看看是怎么不好,说给他们,也得点主意儿。”薛姨妈便告辞,同着王夫人出来,往凤姐院里去了。 却说贾政试了宝玉一番,心里却也喜欢,走向外面和那些门客闲谈。说起方才的话来,便有新近到来、最善大棋的一个王尔调名作梅的说道:“据我们看来,宝二爷的学问已是大进了。”贾政道:“那有进益?不过略懂得些罢咧,‘学问’两个字早得很呢。”詹光道:“这是老世翁过谦的话。不但王大兄这般说,就是我们看,宝二爷必定要高发的。”贾政笑道:“这也是诸位过爱的意思。” 那王尔调又道:“晚生还有一句话,不揣冒昧,合老世翁商议。”贾政道:“什么事?”王尔调陪笑道:“也是晚生的相与,做过南韶道的张大老爷家,有一位小姐,说是生的德容功貌俱全,此时尚未受聘。他又没有儿子,家资巨万。但是要富贵双全的人家,女婿又要出众,才肯作亲。晚生来了两个月,瞧着宝二爷的人品学业,都是必要大成的。老世翁这样门楣,还有何说?若晚生过去,包管一说就成。”贾政道:“宝玉说亲,却也是年纪了,并且老太太常说起。但只张大老爷素来尚未深悉。”詹光道:“王兄所提张家,晚生却也知道;况合大老爷那边是旧亲,老世翁一问便知。”贾政想了一会,道:“大老爷那边,不曾听得这门亲戚。”詹光道:“老世翁原来不知,这张府上原和邢舅太爷那边有亲的。”贾政听了,方知是邢夫人的亲戚。 坐了一会,进来了,便要同王夫人说知,转问邢夫人去,谁知王夫人陪了薛姨妈到凤姐那边看巧姐儿去了。那天已经掌灯时候,薛姨妈去了,王夫人才过来了。贾政告诉了王尔调和詹光的话,又问:“巧姐儿怎么了?”王夫人道:“怕是惊风的光景。”贾政道:“不甚利害呀?”王夫人道:“看着是搐风的来头,只还没搐出来呢。”贾政听了,咳了一声,便不言语,各自安歇不提。 却说次日邢夫人过贾母这边来请安,王夫人便提起张家的事,一面回贾母,一面问邢夫人。邢夫人道:“张家虽系老亲,但近年来久已不通音信,不知他家的姑娘是怎么样的。倒是前日孙亲家太太打发老婆子来问安,却说起张家的事,说他家有个姑娘,托孙亲家那边有对劲的提一提。听见说,只这一个女孩儿,十分娇养,也识得几个字,见不得大阵仗儿,常在屋里不出来的。张大老爷又说,只有这一个女孩儿,不肯嫁出去,怕人家公婆严,姑娘受不得委屈;必要女婿过门,赘在他家,给他料理些家事。” 贾母听到这里,不等说完,便道:“这断使不得!我们宝玉,别人伏侍他还不够呢,倒给人家当家去!”邢夫人道:“正是老太太这个话。”贾母因向王夫人道:“你回来告诉你老爷,就说我的话,这张家的亲事是作不得的。”王夫人答应了。 贾母便问:“你们昨日看巧姐儿怎么样?头里平儿来回我,说很不大好,我也要过去看看呢。”邢、王二夫人道:“老太太虽疼他,他那里耽的住?”贾母道:“却也不止为他,我也要走动走动,活活筋骨儿。”说着,便吩咐:“你们吃饭去罢,回来同我过去。”邢、王二夫人答应着出来,各自去了。 一时吃了饭,都来陪贾母到凤姐房中。凤姐连忙出来,接了进去。贾母便问:“巧姐儿到底怎么样?”凤姐儿道:“只怕是搐风的来头。”贾母道:“这么着还不请人赶着瞧?”凤姐道:“已经请去了。”贾母因同邢、王二夫人进房来看,只见奶子抱着,用桃红绫子小绵被儿裹着,脸皮趣青,眉梢、鼻翅微有动意。贾母同邢、王二夫人看了看,便出外间坐下。 正说间,只见一个小丫头回凤姐道:“老爷打发人问姐儿怎么样。”凤姐道:“替我回老爷,就说请大夫去了。一会儿开了方子,就过去回老爷。” 贾母忽然想起张家的事来,向王夫人道:“你该就去告诉你老爷,省了人家去说了,回来又驳回。”又问邢夫人道:“你们和张家如今为什么不走了?”邢夫人因又说:“论起那张家行事,也难合咱们作亲:太啬克,没的玷辱了宝玉。”凤姐听了这话,已知八九,便问道:“太太不是说宝兄弟的亲事?”邢夫人道:“可不是么。”贾母接着,因把刚才的话告诉凤姐。凤姐笑道:“不是我当着老祖宗、太太们跟前说句大胆的话,现放着天配的姻缘,何用别处去找?”贾母笑问道:“在那里?”凤姐道:“一个‘宝玉’,一个‘金锁’,老太太怎么忘了?”贾母笑了一笑,因说:“昨日你姑妈在这里,你为什么不提?”凤姐道:“老祖宗和太太们在前头,那里有我们小孩子家说话的地方儿?况且姨妈过来瞧老祖宗,怎么提这些个?这也得太太们过去求亲才是。”贾母笑了,邢、王二夫人也都笑了。贾母因道:“可是我背晦了!” 说着,人回:“大夫来了。”贾母便坐在外间,邢、王二夫人略避。那大夫同贾琏进来,给贾母请了安,方进房中。看了出来,站在地下,躬身回贾母道:“妞儿一半是内热,一半是惊风。须先用一剂发散风痰药,还要用四神散才好,因病势来的不轻。如今的牛黄都是假的,要找真牛黄方用得。”贾母道了乏。那大夫同贾琏出去,开了方子,去了。凤姐道:“人参家里常有,这牛黄倒怕未必有。外头买去,只是要真的才好。”王夫人道:“等我打发人到姨太太那边去找找,他家蟠儿向来和那些西客们做买卖,或者有真的,也未可知。我叫人去问问。” 正说话间,众姊妹都来瞧来了,坐了一会,也都跟着贾母等去了。 这里煎了药,给巧姐儿灌下去了,只见喀的一声,连药带痰都吐出来,凤姐才略放了一点儿心。只见王夫人那边的小丫头拿着一点儿的小红纸包儿,说道:“二奶奶,牛黄有了。太太说了,叫二奶奶亲自把分两对准了呢。”凤姐答应着接过来,便叫平儿配齐了真珠、冰片、朱砂,快熬起来。自己用戥子按方称了,搀在里面,等巧姐儿醒了,好给他吃。只见贾环掀帘进来,说:“二姐姐,你们巧姐儿怎么了?妈叫我来瞧瞧他。”凤姐见了他母子便嫌,说:“好些了。你回去说,叫你们姨娘想着。” 那贾环口里答应,只管各处瞧看。看了一回,便问凤姐儿道:“你这里听的说有牛黄,不知牛黄是怎么个样儿?给我瞧瞧呢。”凤姐道:“你别在这里闹了,妞儿才好些。那牛黄都煎上了。”贾环听了,便去伸手拿那铞子瞧时,岂知措手不及,沸的一声,铞子倒了,火已泼灭了一半。贾环见不是事,自觉没趣,连忙跑了。凤姐急的火星直爆,骂道:“真真那一世的对头冤家!你何苦来还来使促狭?从前你妈想要害我,如今又来害妞儿,我和你几辈子的仇呢?”一面骂平儿不照应。 正骂着,只见丫头来找贾环。凤姐道:“你去告诉赵姨娘,说他操心也太苦了!巧姐儿死定了,不用他惦着了。”平儿急忙在那里配药再熬。那丫头摸不着头脑,便悄悄问平儿道:“二奶奶为什么生气?”平儿将环哥弄倒药铞子说了一遍。丫头道:“怪不得他不敢回来,躲了别处去了。这环哥儿明日还不知怎么样呢。平姐姐,我替你收拾罢。”平儿说:“这倒不消。幸亏牛黄还有一点,如今配好了。你去罢。”丫头道:“我一准回去告诉赵姨奶奶,也省了他天天说嘴。” 丫头回去,果然告诉了赵姨娘。赵姨娘气的叫快找环儿。环儿在外间屋子里躲着,被丫头找了来。赵姨娘便骂道:“你这个下作种子!你为什么弄洒了人家的药,招的人家咒骂?我原叫你去问一声,不用进去。你偏进去,又不就走,还要虎头上捉虱子。你看我回了老爷,打你不打!” 这里赵姨娘正说着,只听贾环在外间屋子里更说出些惊心动魄的话来。 未知何言,下回分解。 钩藤──是一种小灌木,因其叶柄处生有两个小钩而得名。其带钩的茎枝可以入药,主治头痛眩晕、小儿惊风、高血压等症。 不稂(l áng郎)不莠(yǒ u有)——语出《诗经·小雅·大田》:“既坚既好,不稂不莠。” 稂:又称“童粱”,俗称“狼尾草”。 莠:俗称“狗尾草”。本指田里没有稂草、莠草之类的杂草,所以庄稼长得好。后变用其意,谓既不是稂草,又不是莠草,以比喻人不三不四,不成才或没出息。 莫知其子之美──语本《四书》中的《大学》,原文是:“故谚有之曰:‘人莫知其子之恶。’”意谓世人因偏爱自己的儿子,以致看不到其缺点。贾政故意改“恶”为“美”,以讨贾母喜欢。 《吾十有五而志于学》──旧时作文题均取自《四书》、“五经”中的成句。此题取自《论语·为政》。这是孔子的话,意谓我在十五岁的时候就立志要努力学习。 《人不知而不愠》──此题取自《论语·学而》。这也是孔子的话,意谓即使别人不了解我,我也不生气。 愠:生气,发怒。 《则归墨》──此题取自《孟子·滕文公下》,原文的全句是:“杨朱、墨翟之言盈天下,天下之言不归杨,则归墨。”意谓杨朱和墨翟的学说在当时影响极大,天下人不是赞成杨朱的学说,就是赞成墨翟的学说。 杨朱、墨翟:都是战国时的思想家和理论家,二人的理论恰好相反:杨朱主张“拔一毛利天下而不为”的极端利己主义,墨翟则主张“兼爱”的博爱主义。杨朱的著作多散佚,而墨翟的《墨子》却流传至今。 《惟士为能》──此题取自《孟子·梁惠王上》,原文全句是:“无恒产而有恒心者,惟士为能。”意谓虽无固定产业而能保持善心的,只有士人(读书人)可以做到。 搜索枯肠──语本“搜枯肠”,出自唐·卢仝《走笔谢孟谏议寄新茶》:“一碗喉吻润,两碗破孤闷,三碗搜枯肠,唯有文字五千卷。”原指饮茶之后肠胃感到空虚。借喻竭力思索。多指构思诗文。 天下不皆士也,能无产者亦仅矣──这是针对《孟子》的“无恒产而有恒心者,惟士为能”而说的,意思是天下人并非全都是士人,所以能够做到虽无固定产业而能保持善心的人极少。 大棋——围棋的别称。 王尔调名作梅——姓王,名作梅,字尔调。 西客——泛指海外商人及与外商做买卖的中国商人。 |
Vierundachtzigstes Kapitel Schriftliche Prüfung — zum ersten Mal wird für Schatzjade[1] eine Heirat vorgeschlagen, Die Untersuchung eines Schreckkrampfes bringt Unheil Kaufmann[2] neuen Groll Wie berichtet, war Tante Schnee[3] von Goldosmanthus' Wutanfall so aufgebracht, dass ihr Leberqi[4] aufstieg und sie Schmerzen in der linken Seite bekam. Schatzspange[5] wusste genau, woran es lag, und wartete nicht erst auf den Arzt: Sie ließ ein paar Qian Uncaria-Zweige kaufen, kochte einen starken Sud und gab ihn ihrer Mutter zu trinken. Dann klopften sie und Duftkastanie Tante Schnees Beine und rieben ihr die Brust. Nach einer Weile beruhigte sie sich ein wenig. Tante Schnee war gleichzeitig traurig und wütend: wütend auf Jinquis Tobsuchtsanfälle und traurig, weil Schatzspanges Geduld sie rührte. Schatzspange redete ihr noch eine Weile gut zu, bis Tante Schnee unversehens einschlief und das Leberqi sich allmählich legte. Schatzspange sagte: „Mama, solchen Ärger darfst du dir nicht zu Herzen nehmen. Wenn du in ein paar Tagen wieder laufen kannst, geh doch einfach hinüber zur Großmutter und zur Tante und plaudere ein wenig, um dich abzulenken. Zu Hause passen Duftkastanie und ich schon auf — die wird sich schon nicht trauen." Tante Schnee nickte: „Wir werden sehen." Nachdem die Kaiserliche Gemahlin genesen war, herrschte in der Familie allgemeine Freude. Einige Tage später kamen Eunuchen mit Geschenken und Silber und verkündeten den Befehl der Edlen Gemahlin: Da die Familie sich so eifrig um sie gesorgt habe, wolle sie alle belohnen. Gaben und Silber wurden einzeln übergeben. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann[6] berichteten die Herzoginmutter, und alle dankten gemeinsam für die kaiserliche Gnade. Nachdem die Eunuchen ihren Tee getrunken hatten, zogen sie sich zurück. Die Familie versammelte sich in der Herzoginmutter Gemächern und plauderte fröhlich eine Weile. Da kam eine Dienerin herein und meldete: „Die Diener lassen ausrichten, dass jemand vom anderen Haus den Ersten Herrn dringend zu sprechen wünscht." die Herzoginmutter wandte sich an Begnadigung Kaufmann: „Geh nur." Begnadigung Kaufmann verließ den Raum. Hier erinnerte sich die Herzoginmutter plötzlich an etwas und sagte lachend zu Aufrecht Kaufmann: „Die Kaiserliche Gemahlin denkt viel an Schatzjade — neulich hat sie eigens nach ihm gefragt." Aufrecht Kaufmann lächelte höflich: „Nur hat Schatzjade nicht recht die Lust zum Lernen und macht der gnädigen Aufmerksamkeit der Gemahlin wenig Ehre." die Herzoginmutter sagte: „Ich habe ihm ein gutes Wort eingelegt und gesagt, er schreibe neuerdings ordentliche Aufsätze." Aufrecht Kaufmann lachte: „Wo käme das dem gleich, was die Alte Ahnin sagt!" die Herzoginmutter erwiderte: „Ihr lasst ihn doch dauernd Gedichte und Aufsätze schreiben — hat er denn gar nichts zuwege gebracht? Ein Kind muss man behutsam anleiten. Wie man so sagt: ‚Auch ein Dicker wurde nicht mit einem Bissen dick.'" Aufrecht Kaufmann beeilte sich, ihr beizupflichten: „Die Alte Ahnin hat völlig recht." Die Herzoginmutter fuhr fort: „Wo wir schon von Schatzjade sprechen — ich habe noch eine Sache mit dir zu besprechen. Er ist nun alt genug; ihr solltet euch umsehen und ein gutes Mädchen für ihn finden, damit man ihn verloben kann. Das ist eine Angelegenheit für sein ganzes Leben. Es muss nicht unbedingt eine nahe Verwandte sein, und ob arm oder reich, spielt keine Rolle — es kommt nur darauf an, dass man den Charakter des Mädchens gut kennt und sie anständig aussieht." Aufrecht Kaufmann antwortete: „Was die Alte Ahnin anordnet, ist ganz richtig. Nur eines: Das Mädchen mag gut sein, aber er selbst muss sich erst bessern, sonst schadet er dem Ruf eines anständigen Mädchens — wäre das nicht bedauerlich?" Die Herzoginmutter war über diese Worte etwas verstimmt und sagte: „Eigentlich seid ihr als Eltern zuständig, und ich müsste mich nicht einmischen. Aber Schatzjade ist von klein auf bei mir aufgewachsen, und ich habe ihn vielleicht ein wenig zu sehr verwöhnt und so seine Erziehung vernachlässigt. Doch wenn ich ihn mir ansehe — sein Aussehen ist ansehnlich, und sein Wesen ist im Grunde aufrichtig; ich glaube nicht, dass er so verdorben ist, dass er einem Mädchen Schaden zufügen würde. Vielleicht bin ich voreingenommen, aber ich halte ihn jedenfalls für etwas besser als Huan. Was meint ihr?" Diese wenigen Sätze machten Aufrecht Kaufmann verlegen. Er lachte hastig: „Die Alte Ahnin hat viele Menschen gesehen — wenn sie ihn für gut hält und ihm Glück zuschreibt, wird es gewiss stimmen. Ich bin nur zu ungeduldig gewesen, dass er ein ordentlicher Mensch wird. Vielleicht ist es bei mir ganz im Gegensatz zum alten Sprichwort, und ich sehe gar nicht, wie gut mein eigener Sohn ist." Dieser Satz brachte sogar die Herzoginmutter zum Lachen, und alle lachten mit. Die Herzoginmutter sagte: „Du bist inzwischen auch in die Jahre gekommen und bekleidest ein Amt — natürlich wirst du durch Erfahrung immer reifer." Dann blickte sie lächelnd zu Frau Strafe und Frau König und sprach: „Erinnert euch nur, wie er in seiner Jugend war — mit seinem absonderlichen Temperament, das doppelt so schlimm war wie das von Schatzjade! Erst als er geheiratet hatte, verstand er allmählich, wie man sich unter Menschen benimmt. Und jetzt beschwert er sich nur über Schatzjade! Ich finde, Schatzjade zeigt jetzt sogar ein besseres Gespür für die menschlichen Verhältnisse als er damals." Frau Strafe und Frau König lachten und sagten: „Die Alte Ahnin erzählt wieder ihre lustigen Geschichten!" Da kamen kleine Mädchen herein und flüsterten Mandarinenente[7] etwas zu. Die Herzoginmutter fragte: „Was tuschelt ihr schon wieder?" Mandarinenente erklärte lachend, das Abendessen sei angerichtet. Die Herzoginmutter sagte: „Dann geht alle zum Essen. Nur Phönixglanz[8] und die Frau von Zhen sollen bei mir bleiben und mit mir speisen." Aufrecht Kaufmann, Frau Strafe und Frau König sagten zu, warteten, bis aufgedeckt war, und gingen, als die Herzoginmutter sie noch einmal ermahnte, auseinander. Frau Strafe ging ihres Weges. Aufrecht Kaufmann und Frau König traten in ihre Gemächer. Aufrecht Kaufmann kam auf der Herzoginmutter Worte zurück: „Da die Alte Ahnin Schatzjade so liebt, muss er am Ende doch solide Kenntnisse erwerben und sich eines Tages eine Prüfung verdienen, damit die Zuneigung der Alten Ahnin nicht umsonst war und kein Mädchen darunter leidet." Frau König stimmte zu: „Was der gnädige Herr sagt, ist natürlich richtig." Aufrecht Kaufmann schickte ein Stubenmädchen hinaus, um Li Gui Bescheid zu geben: „Wenn Schatzjade von der Schule kommt, soll er erst essen und danach zu mir kommen — ich habe ihn noch etwas zu fragen." Li Gui antwortete: „Jawohl." Als Schatzjade aus der Schule kam und gerade die Begrüßungsrunde machen wollte, trat Li Gui hervor: „Der Zweite Herr braucht noch nicht hinüberzugehen. Der gnädige Herr hat befohlen, dass der Zweite Herr heute erst nach dem Essen kommen soll — es gibt noch Fragen." Bei diesen Worten ging es Schatzjade wie ein Donnerschlag durch den Kopf. Er begrüßte die Großmutter, ging zurück in den Garten, aß hastig zwei, drei Bissen, spülte den Mund und eilte zu Aufrecht Kaufmann. Aufrecht Kaufmann saß in seinem privaten Arbeitszimmer. Schatzjade trat ein, begrüßte ihn und blieb wartend stehen. Aufrecht Kaufmann fragte: „In den letzten Tagen hatte ich einiges im Kopf und vergaß, dich zu fragen. Du sagtest neulich, dein Lehrer wolle dich einen Monat den Stoff erklären lassen und dir dann das Aufsatzschreiben beibringen. Es sind nun schon fast zwei Monate — hast du überhaupt angefangen zu schreiben?" Schatzjade antwortete: „Ich habe drei Stücke geschrieben. Der Lehrer meinte, es sei noch nicht nötig, dem Vater Bescheid zu geben; wenn sie besser seien, solle ich berichten. Deshalb habe ich in den letzten Tagen nichts gesagt." Aufrecht Kaufmann fragte: „Welche Themen?" Schatzjade sagte: „Das erste war ‚Mit fünfzehn richtete ich meinen Willen aufs Lernen', das zweite ‚Wenn andere einen nicht kennen und man doch nicht grollt', das dritte die drei Zeichen ‚Dann wendet man sich Mo zu'." Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du die Entwürfe?" Schatzjade antwortete: „Ich habe sie ins Reine geschrieben, und der Lehrer hat Korrekturen angebracht." Aufrecht Kaufmann: „Hast du sie mitgebracht oder sind sie noch in der Schule?" Schatzjade: „Sie sind in der Schule." Aufrecht Kaufmann: „Lass sie holen." Schatzjade schickte sogleich einen Boten zu Beiming: „Er soll in der Schule in meiner Schublade ein dünnes Heft auf Bambuszellenpapier suchen, auf dem ‚Schulaufgaben' steht, und es schnell herbringen." Bald kam Beiming mit dem Heft, reichte es Schatzjade, und Schatzjade legte es Aufrecht Kaufmann vor. Aufrecht Kaufmann schlug es auf und sah als erstes Thema: „Mit fünfzehn richtete ich meinen Willen aufs Lernen." Schatzjades ursprüngliche Einleitung lautete: „Der Heilige richtete seinen Willen aufs Lernen, und zwar von Kindheit an." Dairu hatte jedoch das Wort „Kindheit" gestrichen und stattdessen ausdrücklich „fünfzehn" geschrieben. Aufrecht Kaufmann sagte: „Dein ursprüngliches ‚Kindheit' trifft das Thema nicht genau. ‚Kindheit' reicht vom Kleinkind bis zum sechzehnten Lebensjahr. In diesem Kapitel beschreibt der Heilige, wie sein Studium mit den Jahren fortschritt; deshalb müssen fünfzehn, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig jeweils ausdrücklich genannt werden, damit man sieht, wie er in jedem Alter einen anderen Stand erreichte. Dass der Lehrer dein ‚Kindheit' durch ‚fünfzehn' ersetzt hat, macht es wesentlich klarer." Bei der Weiterführung las er Schatzjades gestrichenen Originalsatz: „Denn nicht nach Lernen zu streben, ist das Gewöhnliche bei den Menschen." Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Das ist nicht nur kindisch, sondern zeigt, dass du von Natur aus keinen Ehrgeiz zum Studium hast." Der nächste Satz lautete: „Dass der Heilige mit fünfzehn danach strebte — ist das nicht schwer?" Aufrecht Kaufmann sagte: „Das ist noch schlimmer." Dann las er Dairus Korrektur: „Wer lernt nicht? Doch jene, die ihren Willen aufs Lernen richten, sind am Ende selten. Darum sprach der Heilige voller Überzeugung bereits im Alter von fünfzehn Jahren sein Bekenntnis aus." Er fragte: „Verstehst du die Korrektur?" Schatzjade antwortete: „Ja." Dann sah er sich den zweiten Aufsatz an, zum Thema „Wenn andere einen nicht kennen und man doch nicht grollt". Er las zuerst Dairus Fassung: „Wer nicht grollt, obwohl man ihn nicht kennt, der hat am Ende seine Freude am Lernen nicht verändert." Dann betrachtete er den gestrichenen Originaltext und sagte: „Was hast du da geschrieben? ‚Fähig zu sein, niemandem zu grollen — das ist das Wesen eines reinen Gelehrten.' Der erste Satz behandelt nur die drei Zeichen ‚und doch nicht grollt' und versäumt das Gesamtthema; der zweite Satz greift schon in den folgenden Abschnitt über den ‚Edlen' ein. Erst die Korrektur trifft den richtigen Rahmen; zudem greift der Folgesatz sauber auf den vorherigen Text zurück — erst das entspricht dem Sinn des Buches. Du musst sorgfältig darüber nachdenken." Schatzjade bejahte. Aufrecht Kaufmann las weiter: „Denn wer nicht bekannt ist — da gibt es keinen, der nicht grollt; und doch ist es bei ihm nicht so. Ist das nicht, weil einer, der Freude an der Lehre findet, allein dies zu erreichen vermag?" Der Originalsatz am Ende lautete: „Ist er nicht ein reiner Gelehrter?" Aufrecht Kaufmann sagte: „Das hat denselben Fehler wie die Einleitung. Die Korrektur ist zwar auch nichts Besonderes — nur klarer, aber immerhin annehmbar." Der dritte Aufsatz behandelte „Dann wendet man sich Mo zu". Aufrecht Kaufmann las das Thema, legte den Kopf in den Nacken und überlegte, dann fragte er Schatzjade: „Bist du mit dem Stoff schon so weit?" Schatzjade sagte: „Der Lehrer meinte, der Mengzi sei leichter verständlich, deshalb hat er ihn zuerst durchgenommen. Vorgestern hat er ihn beendet. Jetzt lesen wir die Lunyu." Aufrecht Kaufmann sah sich Einleitung und Fortführung an — hier war kaum etwas korrigiert. Die Einleitung lautete: „Außerhalb der Lehre Yangs, so scheint es, gäbe es nichts, wohin man sich wenden könnte." Aufrecht Kaufmann sagte: „Der zweite Satz — das muss man dir lassen." Dann las er: „Die Lehre Mos ist nicht etwas, dem man sich bewusst zuwendet; doch Mos Worte haben bereits die halbe Welt erfüllt. Wer also die Lehre Yangs verlässt und sich nicht der Lehre Mos zuwenden will — wie könnte ihm das gelingen?" Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du das wirklich selbst geschrieben?" Schatzjade bejahte. Aufrecht Kaufmann nickte: „Es ist zwar nichts Herausragendes, aber für einen Erstversuch durchaus annehmbar. Als ich vor zwei Jahren im Amt war, habe ich einmal das Thema ‚Nur der Gelehrte vermag es' gestellt. Die Prüflinge hatten alle die berühmten Musteraufsätze dazu gelesen und konnten nichts Eigenes hervorbringen — sie haben nur abgeschrieben. Hast du das auch gelesen?" Schatzjade sagte: „Ja." Aufrecht Kaufmann sagte: „Ich will, dass du einen völlig neuen Gedanken findest, ohne die Vorgänger zu kopieren — auch nur eine Einleitung genügt." Schatzjade konnte nur zustimmen, senkte den Kopf und grübelte angestrengt. Aufrecht Kaufmann stand mit verschränkten Armen an der Tür und dachte ebenfalls nach. Da sah er einen kleinen Diener hinausrennen, der beim Anblick Aufrecht Kaufmanns stehenblieb und die Hände sinken ließ. Aufrecht Kaufmann fragte: „Was ist?" Der Diener antwortete: „Drüben bei der Alten Ahnin ist Tante Schnee eingetroffen. Die Zweite Herrin lässt das Essen vorbereiten." Aufrecht Kaufmann sagte nichts, und der Diener ging. Schatzjade hatte Schatzspange seit ihrem Umzug nach Hause sehr vermisst. Als er hörte, dass Tante Schnee da war, nahm er an, Schatzspange sei mitgekommen, und sein Herz schlug sofort schneller. Er wagte sich vor und sagte: „Ich habe eine Einleitung verfasst, weiß aber nicht, ob sie taugt." Aufrecht Kaufmann sagte: „Lies vor." Schatzjade sprach: „Nicht alle Menschen auf der Welt sind Gelehrte; jene, die ohne festen Besitz dennoch Bestand haben, sind wahrlich selten." Aufrecht Kaufmann hörte es, nickte und sagte: „Das geht noch. Beim Aufsatzschreiben musst du immer zuerst die Grenzen klar ziehen und den Kerngedanken durchdenken, ehe du zur Feder greifst. Weiß die Großmutter, dass du hier bist?" Schatzjade sagte: „Ja." Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann geh zur Großmutter." Schatzjade antwortete mit „Ja" und zog sich betont langsam zurück. Kaum war er hinter der Mondtormauer verschwunden, rannte er wie der Blitz zum Eingang von der Herzoginmutter Hof. Der arme Beiming lief hinterher und rief: „Passt auf, dass Ihr nicht stolpert! Der gnädige Herr könnte kommen!" Doch Schatzjade hörte nichts. Kaum durch die Tür, vernahm er die Stimmen von Frau König, Phönixglanz, Erkundefrühling[9] und anderen in heiterem Gelächter. Die Mädchen sahen Schatzjade kommen, hoben schnell den Vorhang und flüsterten: „Die Tante ist hier." Schatzjade eilte hinein, begrüßte zuerst Tante Schnee und dann die Großmutter. Die Herzoginmutter fragte: „Warum bist du heute so spät aus der Schule?" Schatzjade berichtete ausführlich von der Aufsatzprüfung und der Aufgabe, die Aufrecht Kaufmann ihm gestellt hatte. Die Herzoginmutter strahlte vor Freude. Schatzjade fragte in die Runde: „Wo sitzt Schwester Schatzspange?" Tante Schnee lächelte: „Deine Schwester Schatzspange ist nicht mitgekommen — sie näht mit Duftkastanie zu Hause." Enttäuscht wollte Schatzjade lieber gehen, brachte es aber nicht über sich. Inzwischen war aufgedeckt worden. Natürlich saßen die Herzoginmutter und Tante Schnee oben, Erkundefrühling und die anderen an den Seiten. Tante Schnee fragte: „Wo ist Schatzjade?" die Herzoginmutter lachte: „Schatzjade setzt sich hierher neben mich." Schatzjade antwortete hastig: „Als ich vorhin aus der Schule kam, hat Li Gui mir die Nachricht des Vaters überbracht: Ich solle erst essen und dann zu ihm kommen. Ich habe mir schnell eine Schüssel Reis mit einem Gericht genommen — die Alte Ahnin, die Tante und die Schwestern mögen ohne mich speisen." die Herzoginmutter sagte: „Gut, dann komm du her, Phönixglanz, und iss mit mir. Deine Tante fastet heute, hat sie mir gesagt — sie sollen für sich essen." Frau König bestätigte: „Iss du bei der Großmutter und der Tante — warte nicht auf mich, ich faste." Phönixglanz nahm Platz, ein Mädchen stellte Becher und Stäbchen hin, Phönixglanz schenkte eine Runde ein und setzte sich dann. Beim Trinken fragte die Herzoginmutter: „Vorhin erwähnte die Tante Duftkastanie — die Mädchen haben neulich ‚Qiuling' gesagt, und ich wusste gar nicht, wer das ist, bis ich nachfragte. Warum hat das Kind einen neuen Namen bekommen?" Tante Schnee errötete und seufzte: „Fragen Sie lieber nicht, Alte Ahnin! Seit mein Pan diese unausstehliche Frau geheiratet hat und es täglich Streit gibt, sieht es bei uns kaum noch wie ein ordentliches Haus aus. Ich habe ihm mehrfach ins Gewissen geredet, aber er ist halsstarrig und hört nicht; mir fehlt die Kraft, mich ständig mit ihnen zu zanken. Also lass ich sie machen. Hat nicht sie den Namen geändert, weil er ihr nicht gefiel!" die Herzoginmutter sagte: „Ein Name ist doch keine große Sache." Tante Schnee fuhr fort: „Wenn ich ehrlich bin — es ist mir peinlich, aber vor der Alten Ahnin gibt es nichts zu verbergen. Es geht ihr gar nicht um den Namen; sie hat gehört, dass Schatzspange ihn ausgesucht hat, und das allein ist der Grund, warum sie ihn ändern wollte." die Herzoginmutter fragte: „Was hat denn Schatzspange damit zu tun?" Tante Schnee tupfte sich unablässig die Tränen mit dem Taschentuch ab und seufzte: „Was die Alte Ahnin noch nicht weiß: Neuerdings legt sich die Schwiegertochter ständig mit Schatzspange an. Neulich, als Sie jemanden schickten, nach mir zu sehen — bei uns war gerade großer Krach." Die Herzoginmutter fragte sogleich: „Neulich hörte ich, dass du Leberschmerzen hattest, und wollte jemanden schicken; dann hieß es, es gehe dir besser, und ich habe es gelassen. Wenn du mich fragst: Nimm dir das alles nicht so zu Herzen! Außerdem sind sie ja noch frisch verheiratet — mit der Zeit wird sich alles geben. Schatzspange hat ein sanftes, gelassenes Wesen; obwohl sie noch jung ist, ist sie reifer als manch ein Erwachsener. Als neulich das kleine Mädchen zurückkam und erzählte, haben wir hier alle noch eine ganze Weile über sie gesprochen. Ein Mädchen wie Schatzspange — eine unter hundert! Ich sage es ohne Umschweife: Wenn die einmal Schwiegertochter wird, wie sollen die Schwiegereltern sie nicht liebhaben, wie sollte das ganze Haus sie nicht respektieren!" Schatzjade hatte schon ungeduldig zugehört und wollte einen Vorwand suchen, um zu gehen; als er aber diese Worte hörte, blieb er sitzen und lauschte mit starrem Blick. Tante Schnee sagte: „Das nützt nichts — sie mag noch so gut sein, am Ende ist sie doch ein Mädchen. Dass ich diesen verwirrten Pan großgezogen habe, beunruhigt mich wirklich: Ständig fürchte ich, er trinkt draußen und richtet Unheil an. Zum Glück sind die jungen Herren von hier oft mit ihm zusammen — da bin ich ein wenig beruhigter." Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Tante, da brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen. Die Freunde des großen Bruders Xue sind allesamt ehrbare Großkaufleute mit Ansehen — da passiert schon nichts." Tante Schnee lachte: „Nach deinen Worten bräuchte ich mich wohl überhaupt nicht mehr zu sorgen." Währenddessen war das Essen vorbei. Schatzjade verabschiedete sich als Erster, da er abends noch lernen musste, und alle gingen auseinander. Gerade wurde der Tee aufgetragen, als Hupo herbeikam und die Herzoginmutter etwas ins Ohr flüsterte. Die Herzoginmutter wandte sich sogleich an Phönixglanz: „Geh schnell und sieh nach Pfiffigmädchen!" Phönixglanz wusste noch gar nicht, was los war. Alle anderen waren ebenfalls verwundert. Hupo trat zu Phönixglanz und sagte: „Eben hat Friedchen[10] ein kleines Mädchen geschickt, um der Zweiten Herrin zu melden, dass es Pfiffigmädchen nicht gut geht und die Herrin schnell kommen möge." die Herzoginmutter sagte: „Geh sofort — die Tante ist ja kein Gast." Phönixglanz entschuldigte sich hastig bei Tante Schnee. Da sagte Frau König: „Geh du voraus, ich komme gleich nach. Kleine Kinder haben noch empfindliche Seelen — lass die Mädchen nicht so einen Aufstand machen! Und achtet auf Katzen und Hunde im Zimmer. Bei einem so kostbaren Kind muss man auf jede Kleinigkeit aufpassen." Phönixglanz sagte „Ja" und eilte mit einem kleinen Mädchen in ihre Gemächer. Tante Schnee erkundigte sich nach Kajaljade[11]s Gesundheit. Die Herzoginmutter sagte: „Das Lin-Mädchen hat sonst nichts, nur nimmt sie alles zu schwer — deshalb ist ihr Körper nicht recht kräftig. Was Klugheit betrifft, steht sie Schatzspange kaum nach; aber an Großmut und Güte im Umgang reicht sie nicht an ihre Schwester Bao heran, die so nachsichtig und duldsam ist." Tante Schnee plauderte noch ein wenig und sagte dann: „Die Alte Ahnin möge sich ausruhen — ich muss auch nach Hause, dort sind ja nur Schatzspange und Duftkastanie geblieben. Auf dem Weg will ich mit der Tante bei Pfiffigmädchen vorbeischauen." die Herzoginmutter sagte: „Richtig. Du als ältere, erfahrene Person kannst ihnen sagen, was zu tun ist." Tante Schnee verabschiedete sich und ging mit Frau König zu Phönixglanzs Hof. Aufrecht Kaufmann war nach der Prüfung Schatzjades recht zufrieden und ging hinaus, um mit seinen literarischen Beratern zu plaudern. Er erzählte von der Sache, und ein kürzlich eingetroffener Berater namens König Zuomei, Stilname Erdiao, ein großer Schachliebhaber, sagte: „Nach unserer Einschätzung hat der Zweite Herr Bao große Fortschritte in seiner Bildung gemacht." Aufrecht Kaufmann erwiderte: „Wo denn? Er versteht gerade ein wenig mehr — von ‚Bildung' kann noch lange keine Rede sein." Zhan Guang sagte: „Der verehrte Herr ist zu bescheiden. Nicht nur Bruder Wang meint das — auch wir sehen, dass der Zweite Herr Bao es unbedingt weit bringen wird." Aufrecht Kaufmann lächelte: „Das ist nur eure freundliche Übertreibung." König Erdiao sprach weiter: „Ich hätte da noch etwas — verzeihen Sie meine Kühnheit — das ich mit dem verehrten Herrn besprechen möchte." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was denn?" König Erdiao lächelte verbindlich: „Ein Bekannter von mir, ein gewisser Herr Zhang, der einst Intendant für Nan-Shao war, hat eine Tochter, die, wie man sagt, an Tugend, Aussehen, Fleiß und Schönheit nichts zu wünschen übrig lässt und noch unverlobt ist. Er hat keine Söhne und ein gewaltiges Vermögen. Er sucht jedoch eine Familie, die Reichtum und Rang vereint, und einen herausragenden Schwiegersohn. In den zwei Monaten, die ich hier bin, habe ich gesehen, dass der Zweite Herr Bao an Charakter und Gelehrsamkeit ganz gewiss eine große Zukunft hat. Bei einem Hause wie dem Ihren — was sollte dagegen sprechen? Wenn ich vermitteln darf, wird die Sache auf Anhieb zustande kommen." Aufrecht Kaufmann sagte: „Eine Verlobung für Schatzjade wäre altersmäßig durchaus angebracht, und die Alte Ahnin hat es auch schon erwähnt. Nur kenne ich Herrn Zhang nicht näher." Zhan Guang sagte: „Die Familie Zhang, die Bruder Wang vorschlägt, kenne auch ich; zudem ist sie mit dem Ersten Herrn hier altbekannt — der verehrte Herr braucht nur zu fragen." Aufrecht Kaufmann überlegte: „Vom Ersten Herrn habe ich nie etwas von dieser Verwandtschaft gehört." Zhan Guang erklärte: „Das wusste der verehrte Herr natürlich nicht — die Familie Zhang ist mit dem Onkel der Frau Strafe verwandt." Aufrecht Kaufmann verstand nun, dass es sich um eine Verwandte Frau Strafes handelte. Er saß noch eine Weile, dann ging er hinein, um Frau König zu informieren und bei Frau Strafe nachzufragen. Doch Frau König war mit Tante Schnee bei Phönixglanz, um nach Pfiffigmädchen zu sehen. Es war schon Lampenzündzeit, als Tante Schnee ging und Frau König zurückkam. Aufrecht Kaufmann erzählte ihr von König Erdiaos und Zhan Guangs Vorschlag und fragte: „Was ist mit Pfiffigmädchen?" Frau König antwortete: „Es scheint ein Schreckkrampf zu sein." Aufrecht Kaufmann: „Ist es schlimm?" Frau König: „Es sieht nach Krämpfen aus, nur sind sie noch nicht ausgebrochen." Aufrecht Kaufmann seufzte und sagte nichts mehr. Man ging zur Ruhe. Am nächsten Tag kam Frau Strafe zur Begrüßung bei der Herzoginmutter vorbei. Frau König brachte die Familie Zhang zur Sprache, berichtete die Herzoginmutter und fragte gleichzeitig Frau Strafe. Frau Strafe sagte: „Die Zhangs sind zwar alte Bekannte, aber seit Jahren hat man keinen Kontakt mehr. Ich weiß nicht, wie das Mädchen ist. Vor ein paar Tagen schickte allerdings die Verwandte Sun jemanden zum Grüßen, und dabei kam die Rede auf die Zhangs: Die hätten eine Tochter und wollten über die Suns einen Vermittler finden. Es heißt, die Familie habe nur dieses eine Mädchen und verwöhne es sehr; es kenne ein paar Schriftzeichen, sei aber scheu und verlasse kaum das Haus. Der alte Herr Zhang wolle sie auf keinen Fall weggeben, weil er fürchte, strenge Schwiegereltern könnten sie unglücklich machen. Der Schwiegersohn müsse einziehen und bei ihnen den Haushalt führen." Die Herzoginmutter unterbrach, ohne das Ende abzuwarten: „Das kommt auf gar keinen Fall in Frage! Unser Schatzjade — es reicht kaum, wenn andere ihn bedienen, und dann soll er in einem fremden Haus den Haushalt führen!" Frau Strafe bestätigte: „Genau so sagt es die Alte Ahnin." die Herzoginmutter wandte sich an Frau König: „Sag deinem Mann, von mir: Die Heirat mit den Zhangs kommt nicht in Betracht." Frau König sagte zu. Die Herzoginmutter fragte: „Wie geht es Pfiffigmädchen? Vorhin kam Friedchen zu mir und sagte, es stehe nicht gut. Ich wollte selbst hinübergehen und nach ihr schauen." Xing und Frau König sagten: „Die Alte Ahnin liebt sie zwar, aber das Kind verträgt so einen Besuch kaum." die Herzoginmutter erwiderte: „Es geht mir nicht nur um sie — ich möchte auch ein bisschen spazieren und meine Knochen bewegen." Damit ordnete sie an: „Geht essen, und dann kommt, um mich hinüberzubegleiten." Die beiden stimmten zu und gingen. Nach dem Essen begleiteten sie die Herzoginmutter zu Phönixglanzs Gemächern. Phönixglanz eilte heraus und führte sie hinein. Die Herzoginmutter fragte: „Was fehlt Pfiffigmädchen eigentlich?" Phönixglanz sagte: „Es scheint ein Schreckkrampf zu werden." die Herzoginmutter: „Warum lasst ihr nicht sofort den Arzt kommen?" Phönixglanz: „Es ist bereits jemand geschickt worden." die Herzoginmutter trat mit den beiden Schwiegertöchtern ins Schlafzimmer. Die Amme hielt das Kind, eingewickelt in eine pfirsichfarbene kleine Seidendecke; das Gesichtchen war bläulich-grün, und an den Augenbrauen und Nasenflügeln waren leichte Zuckungen zu erkennen. Die Herzoginmutter, Frau Strafe und Frau König schauten sich das Kind an und setzten sich dann im Vorzimmer nieder. Da kam ein kleines Mädchen und meldete Phönixglanz: „Der gnädige Herr lässt fragen, wie es dem Fräulein geht." Phönixglanz sagte: „Bestelle dem gnädigen Herrn, der Arzt ist bestellt. Sobald das Rezept geschrieben ist, berichte ich dem gnädigen Herrn." Die Herzoginmutter erinnerte sich plötzlich an die Familie Zhang und wandte sich an Frau König: „Du solltest es deinem Mann gleich sagen, damit die anderen nicht erst hinschicken und es dann eine Absage gibt." Dann fragte sie Frau Strafe: „Warum habt ihr den Kontakt zu den Zhangs verloren?" Frau Strafe sagte: „Wenn man bedenkt, wie die Zhangs wirtschaften — da passt keine Heirat zu uns: viel zu geizig, das wäre unter Schatzjades Würde." Phönixglanz hatte genug gehört und fragte: „Geht es um die Heirat des Bruders Bao?" Frau Strafe bestätigte: „Genau." die Herzoginmutter erzählte Phönixglanz die ganze Geschichte. Phönixglanz lachte: „Mir fällt — verzeihen Sie, dass ich in Gegenwart der Alten Ahnin und der Tanten so kühn bin — eine vom Himmel bestimmte Verbindung ein, da muss man nicht anderswo suchen!" die Herzoginmutter fragte lachend: „Wo denn?" Phönixglanz sagte: „Ein ‚Schatzjade' und ein ‚Goldenes Schloss' — hat die Alte Ahnin das vergessen?" die Herzoginmutter lächelte. „Gestern war deine Tante hier — warum hast du es nicht angesprochen?" Phönixglanz erwiderte: „In Gegenwart der Alten Ahnin und der Tanten ist es nicht an uns jungen Leuten, das Wort zu führen. Und die Tante kam auf Besuch zur Großmutter — da bringt man so etwas nicht auf. Das müssten die Tanten persönlich vortragen." die Herzoginmutter lachte, und auch Xing und Frau König lachten. Die Herzoginmutter sagte: „Wie konnte ich nur so vergesslich sein!" In diesem Moment wurde gemeldet: „Der Arzt ist da." die Herzoginmutter blieb im Vorzimmer sitzen; Xing und Frau König zogen sich ein wenig zurück. Der Arzt kam mit Kette Kaufmann[12] herein, begrüßte die Herzoginmutter und ging dann ins Schlafzimmer. Nach der Untersuchung kam er heraus, blieb stehen und berichtete ehrerbietig: „Das Fräulein leidet zur Hälfte an innerer Hitze und zur Hälfte an einem Schreckkrampf. Zuerst muss eine Arznei zur Zerstreuung von Wind und Schleim gegeben werden, dann das ‚Pulver der Vier Götter', denn die Krankheit ist nicht leicht. Die heutzutage erhältlichen Gallensteine vom Rind sind fast alle gefälscht — es muss ein echter sein, sonst wirkt die Medizin nicht." die Herzoginmutter dankte dem Arzt. Der Arzt ging mit Kette Kaufmann hinaus, schrieb das Rezept und fuhr davon. Phönixglanz sagte: „Ginseng haben wir zu Hause immer vorrätig, aber ob wir echte Rinder-Gallensteine haben, bezweifle ich. Draußen kaufen kann man — nur muss es echt sein." Frau König sagte: „Ich schicke jemanden zu Tante Schnee; ihr Pan handelt immer mit ausländischen Kaufleuten — vielleicht hat er echte. Ich lasse nachfragen." Während sie noch sprachen, kamen die Schwestern herein, setzten sich eine Weile und gingen dann mit die Herzoginmutter und den anderen. Im Zimmer wurde inzwischen die Medizin gekocht und Pfiffigmädchen eingeflößt. Mit einem Würgen spuckte das Kind Arznei und Schleim in einem Schwall aus, und Phönixglanz atmete ein wenig auf. Da kam ein kleines Mädchen von Frau König mit einem winzigen roten Papierpaketchen und sagte: „Zweite Herrin, der Gallenstein ist da. Die Gnädige Frau lässt ausrichten, dass die Zweite Herrin die Dosis persönlich genau abwiegen soll." Phönixglanz nahm das Päckchen, ließ Friedchen Perlen, Borneolkampfer und Zinnober dazumischen und schnell ansetzen. Sie selbst wog mit der Feinwaage nach der Vorschrift ab, mischte alles zusammen und wartete, bis Pfiffigmädchen aufwachte, um ihr die Medizin zu geben. Da schob Unheil Kaufmann den Vorhang beiseite und trat ein: „Zweite Schwester, was fehlt eurem Pfiffigmädchen? Mama schickt mich, nach ihr zu sehen." Phönixglanz verabscheute Mutter und Sohn und sagte: „Es geht ihr besser. Geh zurück und danke deiner Mutter für die Anteilnahme." Unheil Kaufmann murmelte zwar ein „Ja", sah sich aber neugierig überall um. Nach einer Weile fragte er Phönixglanz: „Ich habe gehört, ihr habt hier Rinder-Gallensteine — wie sieht so etwas aus? Lass mich mal sehen." Phönixglanz sagte: „Hör auf, hier herumzustöbern — dem Mädchen geht es gerade etwas besser. Die Gallensteine sind schon in der Arznei." Unheil Kaufmann ging trotzdem hin und streckte die Hand nach dem Medizintöpfchen aus — doch er war ungeschickt; mit einem Zischen kippte es um, und die Hälfte des Feuers war gelöscht. Unheil Kaufmann sah, dass es schlimm stand, und rannte beschämt davon. Phönixglanz war so wütend, dass ihr Funken sprühten. Sie schimpfte: „Dieser ewige Feind aus einem früheren Leben! Was treibt dich her, um Schaden anzurichten? Schon damals wollte deine Mutter mich umbringen, und jetzt kommst du, um meiner Kleinen zu schaden. Seit wie vielen Generationen hegen wir denn einen Groll gegeneinander?" Dann schalt sie auch Friedchen, weil sie nicht aufgepasst habe. Während sie noch schimpfte, kam ein Dienstmädchen, das Unheil Kaufmann suchte. Phönixglanz sagte: „Geh und sag Zhao Yiniang: Sie hat sich wahrlich zu viel Mühe gemacht! Pfiffigmädchen ist so gut wie tot — sie braucht sich nicht mehr zu sorgen." Friedchen bereitete hastig die Arznei von Neuem zu. Das Mädchen wusste nicht, wie ihm geschah, und fragte Friedchen leise, was los sei. Friedchen erzählte, wie Huan das Arzneigefäß umgeworfen hatte. Das Mädchen sagte: „Kein Wunder, dass er sich nicht zurücktraut und sich versteckt hat. Was wird morgen erst mit ihm los sein! Schwester Ping, soll ich dir beim Aufräumen helfen?" Friedchen sagte: „Das ist nicht nötig. Zum Glück ist noch ein Rest Gallenstein da — ich habe alles frisch angesetzt. Geh nur." Das Mädchen sagte: „Ich werde es der Frau Zhao auf jeden Fall erzählen — dann muss sie auch mal aufhören, so große Töne zu spucken." Das Mädchen ging zurück und erzählte Zhao Yiniang alles. Zhao Yiniang war außer sich vor Wut und rief: „Sucht mir sofort den Huan!" Huan hatte sich im Vorzimmer versteckt und wurde hereingeholt. Zhao Yiniang schimpfte: „Du nichtswürdiges Balg! Warum hast du die Medizin verschüttet und dafür gesorgt, dass man auf uns schimpft? Ich hatte dir nur aufgetragen, dich zu erkundigen, du brauchtest gar nicht hineinzugehen. Aber nein, du gehst hinein und bleibst auch noch — und dann musst du auf dem Tigerkopf Läuse suchen! Warte nur, bis ich es dem Herrn sage — dann gibt es Prügel!" Während Zhao Yiniang noch schimpfte, war im Nebenzimmer von Unheil Kaufmann etwas zu hören, das einem das Herz stocken ließ. Was er sagte, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). |