Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 106"

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= 第一百六回 =
 
== 王熙凤致祸抱羞惭 / 贾太君祷天消祸患 ==
 
  
 
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
 
! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
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! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)
 
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第一百六回
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王熙凤致祸抱羞惭
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贾太君祷天消祸患
 
话说贾政闻知贾母危急,即忙进去看视,见贾母惊吓气逆,王夫人、鸳鸯等唤醒回来。即用疏气安神的丸药服了,渐渐的好些,只是伤心落泪。贾政在旁劝慰,总说:“是儿子们不肖,招了祸来,累老太太受惊。若老太太宽慰些,儿子们尚可在外料理;若是老太太有什么不自在,儿子们的罪孽更重了。”贾母道:“我活了八十多岁,自作女孩儿起,到你父亲手里,都托着祖宗的福,从没有听见过这些事。如今到老了,见你们倘或受罪,叫我心里过的去吗?倒不如合上眼,随你们去罢了!”说着又哭。
 
话说贾政闻知贾母危急,即忙进去看视,见贾母惊吓气逆,王夫人、鸳鸯等唤醒回来。即用疏气安神的丸药服了,渐渐的好些,只是伤心落泪。贾政在旁劝慰,总说:“是儿子们不肖,招了祸来,累老太太受惊。若老太太宽慰些,儿子们尚可在外料理;若是老太太有什么不自在,儿子们的罪孽更重了。”贾母道:“我活了八十多岁,自作女孩儿起,到你父亲手里,都托着祖宗的福,从没有听见过这些事。如今到老了,见你们倘或受罪,叫我心里过的去吗?倒不如合上眼,随你们去罢了!”说着又哭。
 
贾政此时着急异常,又听外面说:“请老爷,内廷有信。”贾政急忙出来,见是北静王府长史,一见面便说:“大喜!”贾政谢了,请长史坐下,请问:“王爷有何谕旨?”那长史道:“我们王爷同西平郡王进内复奏,将大人惧怕之心、感激天恩之语都代奏过了。主上甚是悯恤,并念及贵妃溘逝未久,不忍加罪,着加恩仍在工部员外上行走。所封家产,惟将贾赦的入官,馀俱给还。并传旨令尽心供职。惟抄出借券,令我们王爷查核:如有违禁重利的,一概照例入官;其在定例生息的,同房地文书,尽行给还。贾琏着革去职衔,免罪释放。”贾政听毕,即起身叩谢天恩,又拜谢王爷恩典:“先请长史大人代为禀谢,明晨到阙谢恩,并到府里磕头。”那长史去了。
 
贾政此时着急异常,又听外面说:“请老爷,内廷有信。”贾政急忙出来,见是北静王府长史,一见面便说:“大喜!”贾政谢了,请长史坐下,请问:“王爷有何谕旨?”那长史道:“我们王爷同西平郡王进内复奏,将大人惧怕之心、感激天恩之语都代奏过了。主上甚是悯恤,并念及贵妃溘逝未久,不忍加罪,着加恩仍在工部员外上行走。所封家产,惟将贾赦的入官,馀俱给还。并传旨令尽心供职。惟抄出借券,令我们王爷查核:如有违禁重利的,一概照例入官;其在定例生息的,同房地文书,尽行给还。贾琏着革去职衔,免罪释放。”贾政听毕,即起身叩谢天恩,又拜谢王爷恩典:“先请长史大人代为禀谢,明晨到阙谢恩,并到府里磕头。”那长史去了。
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风流云散──语出汉·王粲《赠蔡子笃》诗:“悠悠世路,乱离多阻。济岱江行,邈焉异处。风流云散,一别如雨。”意谓犹如风的流动,云的飘散。比喻人的离散,各奔东西。​
 
风流云散──语出汉·王粲《赠蔡子笃》诗:“悠悠世路,乱离多阻。济岱江行,邈焉异处。风流云散,一别如雨。”意谓犹如风的流动,云的飘散。比喻人的离散,各奔东西。​
 
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od kann ich nichts tun, um meine Lethargie und Depression loszuwerden, und ich muß mich zusammenreißen, nicht ständig zu weinen, um Bau-tschai nicht zu bekümmern, die selber um ihren Bruder und ihre Mutter trauert und nur sehr selten ein Lächeln auf ihrem Gesicht sehen läßt.“
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= Kapitel 106 =
Bau-tschais untröstliches Weinen traf ihn so sehr, daß er selber laut hoffnungslos zu weinen begann, was wiederum Yüan-yang, Tsai-yün, Ying-örl und Hsi-jën traurig stimmte, und bald weinte jeder von ihnen bitterlich aus eigenen Beweggründen. Zuletzt ging die Welle dieses hinderlichen Kummers bis zu den anderen Mägden über, und es war niemand mehr übrig, der selber hätte trösten können. Ein Chor des Jammers erfüllte den Raum und erreichte die Ohren der Dienstmädchen in der Nachtschicht, welche dies umgehend Djia Dschëng berichteten.
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== Phönixglanz <ref>Chinesisch: 王熙凤</ref> bringt Unheil über die Familie und schämt sich zutiefst ==
Djia Dschëng grübelte immer noch in seinem Arbeitszimmer, was inzwischen zur Gewohnheit geworden war, als die Neuigkeiten ihn erreichten. Er sprang alarmiert auf und eilte zu den Gemächern der Herzoginmutter. Auf seinem Weg hörte er den Klang weinender Stimmen in der Ferne und fürchtete das Schlimmste für die alte Dame. Als er eilig die Gemächer betrat, war er tödlich besorgt. Er fand sie zu seiner großen Erleichterung schluchzend, aber lebendig.
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== Die Herzoginmutter <ref>Chinesisch: 贾母</ref> betet zum Himmel, um das Unglück abzuwenden ==
Er wandte sich an die versammelte Familie und hielt ihnen vor: „Die Herzoginmutter ist traurig. In einem solchen Moment solltet ihr die gnädige Frau Djia besser trösten und mit eurem kollektiven Gejammer nicht alles noch schlimmer machen.
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Als alle die Stimme von Djia Dschëng hörten, herrschte plötzlich Stille, alle starrten sich verblüfft an. Djia Dschëng sagte der Herzoginmutter ein paar Worte, dann sprach er zu den anderen, bevor er ging.
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‚Wir kamen her, um die gnädige Frau aufzuheitern,‘ dachten sie bei sich, ‚wir wollten sie trösten. Wie konnten wir uns nur so vergessen und damit alles nur noch schlimmer machen?‘
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Wie bereits erzählt, hatte Aufrecht Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾政</ref> erfahren, dass es der Herzoginmutter schlecht ging, und eilte sofort hinein, um nach ihr zu sehen. Er fand sie in einem Zustand des Schreckens, völlig außer Atem. Frau König <ref>Chinesisch: 王夫人</ref>, Mandarinenente <ref>Chinesisch: 鸳鸯</ref> und die anderen hatten sie wieder zu Bewusstsein gebracht. Man gab ihr sogleich Pillen zur Beruhigung und zur Lösung des stockenden Atems, und allmählich ging es ihr etwas besser, doch sie vergoss unaufhörlich Tränen der Verzweiflung. Aufrecht Kaufmann stand neben ihr und versuchte sie zu trösten. Er sagte immer wieder: "Es ist die Schuld eurer unwürdigen Söhne, die dieses Unglück herbeigeführt und der gnädigen Mutter solchen Schrecken eingejagt haben. Wenn die gnädige Mutter sich nur etwas beruhigen könnte, können die Söhne draußen die Angelegenheiten noch in Ordnung bringen. Wenn der gnädigen Mutter aber etwas zustößt, wird die Schuld der Söhne nur noch schwerer wiegen."
Sie waren immer noch in einem Zustand der Verwirrung, als eine altes Dienstmädchen mit zwei Frauen aus dem Schï-Haushalt eintraf. Nachdem sie vor der Herzoginmutter geknickst und alle Anwesenden gegrüßt hatten, überbrachten sie ihre Nachricht: „Unser hochedler Herr, die hochedle Herrin, die kaiserliche Konkubine, und Fräulein Schï haben uns mit einer Nachricht geschickt: Sie haben von Euren Neuigkeiten gehört und möchten Euch versichern, daß dies keine schlimme Sache sei. Sie befürchteten, daß Herr Dschëng und die Herzoginmutter sich grundlos Sorgen machten und baten uns, nachdrücklich zu sagen, daß Herr Dschëng sich beruhigen solle. Er selbst sei nicht in Gefahr. Fräulein Schï wäre selbst gekommen, doch wird sie in einigen Tagen heiraten.
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Die Herzoginmutter fühlte sich etwas unbeholfen, den Dienstmädchen ihre Dankbarkeit auszudrücken. „Wenn ihr zurückkehrt“, sagte sie, „überbringt Eurem Herrn und Eurer Herrin meine Hochachtung. Was unserer Familie widerfuhr, war vom Schicksal so bestimmt. An einem anderen Tag werde ich den Hochedlen persönlich für ihre Anteilnahme danken. Und für Hsiang-yüns Hochzeit bin ich sicher, daß sie sich einen guten jungen Ehemann gewählt hat. Ich wäre sehr froh, etwas von seiner Familie zu hören.“ – „Seine Familie ist nicht besonders wohlhabend“, antworteten die Frauen. „Doch er ist ein angenehmer, junger Mann und hat eine freundliche Natur. Wir haben ihn einige Male gesehen, und er ähnelt äußerlich sehr eurem Herrn Bau-yü. Er hat auch ein besonderes literarisches Talent.
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Die Herzoginmutter sagte: "Ich habe über achtzig Jahre gelebt. Von meiner Mädchenzeit an, über die Zeit deines Vaters hinweg, haben wir stets unter dem Segen unserer Ahnen gelebt, und nie habe ich von solchen Dingen gehört. Nun, da ich alt bin, muss ich mit ansehen, wie ihr womöglich bestraft werdet — wie soll ich das nur ertragen? Am liebsten würde ich die Augen für immer schließen und euch eurem Schicksal überlassen!" Damit weinte sie erneut.
Der Herzoginmutter gefiel diese Beschreibung sehr, und sie sagte erfreut. „Wir sind ja alle aus dem Süden. Auch wenn wir hier lange leben, haben ihre und unsere Familie stets die alten südlichen Heiratssitten aufrecht erhalten, und deswegen haben wir den Bräutigam bis zum heutigen Tage nicht zu Gesicht bekommen. Gerade eben dachte ich noch an meine eigene Familie, besonders an Hsiang-yün. Sie war mir immer die Liebste. Als kleines Mädchen hatte sie immer mehr als zweihundert Tage im Jahr bei mir verbracht. Ich hatte mir vorgenommen, ihr selbst einen angenehmen Ehemann zu suchen, wenn sie erwachsen würde, doch da ihr Onkel nicht zu Hause war, konnte ich kaum die Initiative ergreifen. Nun, da das Glück sie begünstigt und sie eine gute Partie gefunden hat, bin ich ja beruhigt. Ich weiß, daß sie noch in diesem Monat heiraten wird, und ich hätte an dem Empfang so gern ein Glas Wein mitgetrunken. Leider hat es bei uns Verwicklungen gegeben und mein Herz ist wie ein kochender Topf, wie könnte ich in diesem Zustand zur Hochzeit gehen? Bitte überbringt ihnen bei Eurer Rückkehr meine Hochachtung und sagt, daß wir alle ihnen das Beste wünschen. Und sagt Fräulein Schï, sie soll sich meinetwegen nicht sorgen. Ich bin jetzt über achtzig und wenn ich sterbe, habe ich keinen Grund, mich zu beklagen. Ich konnte meinen Segen genug auskosten. Mein einziges Gebet ist, daß sie und ihr Mann glücklich miteinander leben und ein hohes Alter erreichen. Dann kann ich zufrieden sterben.“
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Während sie sprach, kamen der Herzoginmutter wieder die Tränen. Eines der Dienstmädchen der Familie Schï sagte: „Bitte macht euch nicht selbst unglücklich, gnädige Frau Djia. Wenn Fräulein Schï erst verheiratet ist und ihren Neunten Tag gefeiert hat, bin ich sicher, werden sie und ihr Mann herkommen, um bei Euch vorbeizuschauen. So können Sie ihn selbst kennenlernen, und das wird Euch erfreuen.
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Aufrecht Kaufmann war zu diesem Zeitpunkt äußerst beunruhigt, als von draußen die Nachricht kam: "Der Herr wird gebeten herauszukommen, es gibt Nachrichten vom Inneren Hof." Aufrecht Kaufmann eilte hinaus und sah den Haushofmeister des Fürsten von Beijing, der ihm sogleich entgegenrief: "Große Freude!" Aufrecht Kaufmann dankte und bat den Haushofmeister, sich zu setzen, und fragte: "Welche Botschaft hat der Fürst?"
Die Herzoginmutter nickte. Die Frauen gingen. Bau-yü schien die einzige Person zu sein, die von den Neuigkeiten über Hsiang-yüns bevorstehende Hochzeit betroffen war. Er schaute etwas verwirrt und dachte bei sich: „Warum müssen die Mädchen nur unmittelbar, sobald sie erwachsen sind, verheiratet werden? Einmal verheiratet, haben sie kaum Freiheiten mehr. Sogar die liebe Hsiang-yün muß dem Willen ihres Onkels gehorchen. Wenn wir sie bald wieder treffen, wird es wieder das Gleiche sein. Sie wird einfach nur distanziert zu mir sein. Wozu soll ich denn noch leben, wenn ich für immer so gemieden werde?“
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Er hätte beinahe wieder geweint. Doch seiner Großmutter zuliebe bemühte er sich, nicht zu weinen, und stattdessen brütete er im Stillen.
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Der Haushofmeister berichtete: "Unser Fürst ist zusammen mit dem Fürsten von Xiping in den Palast gegangen, um Bericht zu erstatten. Er hat dem Thron all Eure Furcht und Eure Dankbarkeit für die kaiserliche Gnade vorgetragen. Seine Majestät zeigte großes Mitgefühl und gedachte auch des kürzlichen Ablebens der Edlen Gemahlin. Er wollte die Strafe nicht verschärfen und verfügte gnädig, dass Ihr weiterhin als Außerordentlicher Beamter im Ministerium für Öffentliche Arbeiten Dienst tun sollt. Was das beschlagnahmte Familienvermögen betrifft: Nur der Besitz von Begnadigung Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾赦</ref> wird eingezogen, alles Übrige wird zurückgegeben. Ferner erging der kaiserliche Befehl, pflichtbewusst den Dienst zu versehen. Lediglich die bei der Durchsuchung gefundenen Schuldscheine sollen von unserem Fürsten geprüft werden: Wo verbotene Wucherzinsen erhoben wurden, wird alles gemäß der Vorschriften eingezogen; was zu den erlaubten Zinssätzen verliehen wurde, wird mitsamt den Urkunden für Grundbesitz vollständig zurückgegeben. Kette Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾琏</ref> wird seines Ranges und Titels enthoben, doch von der Strafe befreit und freigelassen."
Djia Dschëng war immer noch besorgt um die Gesundheit der Herzoginmutter und kam gerade vorbei, um zu sehen, wie es ihr ging. Er stellte eine leichte Verbesserung fest und ging wieder hinaus. Er bestellte den Verwalter Lai Da zu sich, trug diesem auf, die vollständigen Haushaltsbücher mit allen Hausangestellten in verantwortlichen Stellungen zu bringen. Er ging das Register Eintrag für Eintrag durch. Abgesehen von Djia Schës Dienern, die verhaftet worden waren, waren dort mehr als dreißig Familien in dem Register mit insgesamt zweihundertzwöf männlichen und weiblichen Angestellten aufgeführt. Djia Dschëng schickte nach einundzwanzig männlichen Dienern, die zur Zeit im Haus angestellt waren und ging mit ihnen sämtliche Einnahmen und Ausgaben der letzten Jahre in verschiedenen Bereichen durch. Der Hauptverwalter zeigte das Kontenbuch zur näheren Betrachtung, und Djia Dschëng konnte auf einen Blick sehen, daß nichts im Gleichgewicht war. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um einiges und zusätzliche Ausgaben fielen über mehrere Jahre in Zusammenhang mit der kaiserlichen Nebenfrau an. Weiterhin wurden Einträge über unregelmäßige Anleihen außerhalb gefunden. Als er die Renten des Familienvermögens in den östlichen Provinzen betrachtete, konnte er sehen, daß das Einkommen in den letzten Jahren auf weniger als die Hälfte als noch zu Großvaters Zeiten gesunken war, während die Familienausgaben um das Zehnfache gestiegen waren. Diese offensichtliche Mißwirtschaft war ein großer Schock für ihn und er stampfte verärgert mit dem Fuß: „Das ist ungeheuerlich! Ich dachte, Liän sei in der Lage, mit so etwas zurecht zu kommen. Und jetzt sehe ich, daß wir uns in den Ruin gewirtschaftet haben, nur um eine leere Fassade aufrecht zu erhalten. Wir haben weit über unsere Verhältnisse gelebt. Diese Sorglosigkeit mußte ins Verderben führen. Und jetzt ist es zu spät, um mit dem Sparen anzufangen.
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Er ging mit den Händen hinter dem Rücken auf und ab und fand keinen Ausweg aus diesem tiefen Familienelend. Seine Diener wußten, daß ihr Herr nicht der Mann für Haushaltsbücher war und jedes Bemühen seinerseits nichts bringen würde.
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Als Aufrecht Kaufmann dies vernommen hatte, erhob er sich sogleich, kniete nieder und dankte für die kaiserliche Gnade. Dann verneigte er sich vor dem Fürsten und bat: "Ich bitte den Herrn Haushofmeister, zunächst meinen demütigsten Dank zu übermitteln. Morgen früh werde ich am Hofe persönlich danken und anschließend dem Fürsten meinen Kotau erweisen." Der Haushofmeister ging.
„Es bringt nichts, sich unnötig zu sorgen, Herr“, rieten sie ihm, „es ist mit jedem Haushalt das Gleiche, sogar bei den Prinzen aus dem Reich! Wenn Sie ihre Konten sehen könnten, würden Sie sehen, daß jene ebenso wenig mit ihrem Vermögen haushalten können. Sie bewahren nur den Anschein und wursteln den ganzen Tag herum so gut, wie sie können. Bedenkt nur, daß ihr Euch glücklich schätzen solltet. Der Kaiser war so freundlich und gestattete Ihnen, Euer Familieneigentum zu bewahren. Doch selbst wenn alles konfisziert worden wäre, so würdet Ihr doch immer noch auf die eine oder andere Art zurechtkommen!“
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„Was redet ihr für einen Unsinn“, rief Djia Dschëng wütend, „ihr Diener seid wertlose Räuber, selbst der letzte von euch! Als es eurem Herrn gut ging, habt ihr alles wie verrückt ausgegeben. Und wenn nichts mehr übrig ist, tretet ihr bei nächster Gelegenheit den Rückzug an. Was bedeutet es euch, ob wir leben oder sterben? Ihr sagt, wir können glücklich sein, daß nicht alles konfisziert wurde, doch was wißt ihr eigentlich davon? Erkennt ihr nicht, daß so, wie es mit unserem Ruf aussieht, es schwierig sein wird, dem Konkurs zu entgehen? Und wenn ihr euch so benehmt, als wäret ihr reich, so redet, als wäret ihr wichtig, aber Leute von vorne bis hinten anschwindelt, dann haben wir keine Chance. Wenn Unheil kommt, seid ihr froh, daß wir die Folgen auf uns nehmen. Ich bin darüber informiert, daß einer von euch, ein Diener mit dem Namen Bau Örl, die Gerüchte verbreitet hat, die meinen Bruder und Herrn Dschën beschuldigt haben. Warum ist sein Name nicht in dem Register aufgeführt?“ –
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Kurz darauf wurde der kaiserliche Erlass übermittelt. Die zuständigen Beamten befolgten die Anordnungen und prüften alles einzeln: Was einzuziehen war, wurde eingezogen, was zurückzugeben war, wurde zurückgegeben. Kette Kaufmann wurde freigelassen. Sämtliche Diener und Dienerinnen, die unter Kaufmann Begnadigings Namen standen, wurden registriert und in den Staatsdienst überführt.
„Er steht nicht offiziell in unseren Büchern, Herr“, lautete die Antwort, „er gehörte eigentlich zum Ning-guo Register. Dann fiel sein Blick auf Herrn Liän als eine vertrauenswürdige Person, und er und seine Frau wurden von Herrn Liän aufgenommen. Seine Frau starb, und danach ging er in das Ning-guo-Anwesen zurück. Einmal, als Sie in der Behörde so beschäftigt waren, Herr, waren die Herzoginmutter, die anderen Damen und die anderen jungen Herren zum Trauern im Mausoleum, da kam Herr Dschën herüber, um auf dieser Seite alles zu untersuchen und nahm Bau Örl mit sich. Bau Örl ging danach mit ihm wieder zurück ins Ning-guo-Anwesen. Es ist viele Jahre her, daß Sie sich mit solchen Angelegenheiten beschäftigt haben, Herr, und es überrascht kaum, daß Sie von diesen Dingen nichts wissen. Wahrscheinlich denken Sie, sein Name sei der Einzige, der nicht im Register steht. Tatsächlich hat jeder Mann seine verschiedenen Angehörigen – sogar Diener haben ihre eigenen Diener!“ – „Unerhört!“ protestierte Djia Dschëng.
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Djia Dschëng verstand, daß er sowieso nicht in kurzer Zeit alles herausfinden könnte, und er entließ seine Diener. Er hatte sich fest vorgenommen, erst abzuwarten, was bei der Untersuchung von Djia Schë und Vetter Dschën herauskam, und dann erst zu entscheiden, was zu tun war.
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Der arme Kette Kaufmann! Abgesehen von den Dokumenten, die gemäß den Vorschriften freigegeben wurden, war alles aus seinen Gemächern verschwunden. Was nicht offiziell eingezogen worden war, hatten die Durchsuchungsbeamten bereits an sich gerissen. Übrig geblieben waren nur Möbel und Hausrat. Kette Kaufmann war zunächst voller Angst vor Bestrafung gewesen, und seine Freilassung war schon ein großes Glück. Doch wenn er daran dachte, dass die über die Jahre angehäuften Schätze und Phönixglanz' persönliches Vermögen zusammen nicht weniger als fünfzig- bis siebzigtausend Goldstücke betrugen und nun über Nacht dahin waren, wie hätte ihn das nicht schmerzen sollen? Zudem war sein Vater noch im Gefängnis der Kaiserlichen Garde festgehalten, und Phönixglanz lag todkrank darnieder. Kummer und Schmerz überwältigten ihn gleichzeitig.
Einen Tag später saß er in seinem Studierzimmer und rechnete im Haushaltsbuch, als ein Diener herbeieilte, um ihn zu informieren, daß seine Präsenz am Hof verlangt würde. Djia Dschëng brach auf der Stelle voller Unruhe auf.
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Um herauszufinden, ob das Urteil für ihn günstig oder eher schlecht war, muß man das nächste Kapitel lesen.
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Da rief ihn Aufrecht Kaufmann mit Tränen in den Augen zu sich und fragte: "Weil ich mit meinen Amtspflichten beschäftigt war, habe ich mich wenig um die Haushaltsangelegenheiten gekümmert und daher euch, dich und deine Frau, mit der Gesamtverwaltung betraut. Was dein Vater getrieben hat, war gewiss schwer zu unterbinden. Aber die Wucherzinsen und Ausbeuterei — wer hat das betrieben? Zudem ist so etwas einer Familie wie der unseren ganz und gar unwürdig. Dass es nun eingezogen wurde — beim Geld ist das nicht so schlimm, aber was für ein Ruf geht da hinaus in die Welt!"
107. Aus weiser Großzügigkeit verteilt die Herzoginmutter ihren persönli­chen Besitz
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Dank kaiserlicher Gunst empfängt Djia Dschëng den erblichen Rang und Titel seines Bruders.
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Kette Kaufmann kniete nieder und sagte: "Als ich die Familiengeschäfte führte, habe ich nicht den geringsten eigennützigen Gedanken gehegt. Alle Ein- und Ausgaben wurden von Lai Da, Wu Xindeng, Dai Liang und den anderen verbucht. Der Herr Onkel mag sie rufen und befragen. In den letzten Jahren ist aus der Schatzkammer mehr Silber hinausgegangen als hereingekommen. Obwohl ich nichts aus eigener Tasche zugeschossen habe, habe ich an vielen Stellen Löcher mit leeren Versprechungen gestopft. Der Herr Onkel braucht nur die gnädige Tante zu fragen, dann wird er es wissen. Was die ausgeliehenen Gelder betrifft — selbst ich weiß nicht, woher das Silber stammte. Da müsste man Zhou Rui und Wang'er fragen."
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Aufrecht Kaufmann sagte: "Wenn ich dich so höre, weißt du nicht einmal, was in deinem eigenen Haushalt vorgeht, geschweige denn in der übrigen Familie. Ich werde dich jetzt nicht weiter ausfragen. Du bist ein freier Mann — solltest du nicht schleunigst herausfinden, wie es um die Angelegenheiten deines Vaters und deines Vetters Herrlichkeit Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾珍</ref> steht?"
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Kette Kaufmann war voller Bitterkeit, hielt die Tränen zurück, antwortete mit einem "Ja" und ging hinaus.
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Aufrecht Kaufmann seufzte immer wieder und dachte bei sich: "Mein Großvater hat sich treu und rastlos für den Staat eingesetzt und große Verdienste erworben, wodurch unsere Familie zwei erbliche Ämter erhielt. Nun haben beide Häuser Verfehlungen begangen, und beide Titel wurden eingezogen. Ich sehe unter all diesen Söhnen und Neffen keinen einzigen, der etwas taugt. Oh Himmel, oh Himmel! Wie konnte es mit der Familie Kaufmann nur so weit kommen! Zwar bin ich durch die außerordentliche Gnade Seiner Majestät begünstigt worden und man hat mir das Familienvermögen zurückgegeben, doch die Ausgaben beider Häuser müssen nun von einem zusammengelegt werden. Wie soll ich das allein stemmen? Was Kette vorhin sagte, hat mich noch mehr erschreckt: Nicht nur ist die Schatzkammer leer, es gibt sogar Schulden! Die ganze Pracht dieser Jahre war nur leerer Schein. Ich kann mir nur selbst Vorwürfe machen, wie konnte ich nur so blind sein! Hätte mein Zhu noch gelebt, hätte ich wenigstens einen starken Arm an meiner Seite. Schatzjade <ref>Chinesisch: 宝玉</ref> ist zwar herangewachsen, aber er ist ein völlig nutzloser Mensch." Bei diesem Gedanken konnte er die Tränen nicht zurückhalten, die ihm über die Kleider liefen. Dann dachte er weiter: "Die Herzoginmutter ist so hochbetagt, und wir Söhne haben sie keinen einzigen Tag pflegen können. Im Gegenteil, wir haben der alten Dame solchen Schrecken eingejagt, dass sie halb tot war. All diese Sünden — wem kann ich sie anlasten?"
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Während er allein vor sich hin trauerte, meldeten die Diener: "Verschiedene Verwandte und Freunde sind gekommen, um ihre Aufwartung zu machen." Aufrecht Kaufmann dankte einem nach dem anderen. Er sagte: "Unsere Familie ist vom Unglück getroffen. Es ist meine Schuld, dass ich die Söhne und Neffen nicht richtig erzogen habe, und so ist es zu all dem gekommen."
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Einige sagten: "Ich wusste schon lange, dass der ältere Herr Begnadigung nicht recht handelte, und drüben der junge Herrlichkeit Kaufmann war noch schlimmer mit seinem übermütigen Treiben. Wenn es nur um Fehler bei Amtsgeschäften gegangen wäre, hätte man sich nichts vorzuwerfen. Aber dass sie es selbst verschuldet haben und nun den Herrn Aufrecht mit hineinziehen — das ist wirklich bedauerlich."
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Andere meinten: "Solche Dinge kommen in vielen Familien vor, und trotzdem wird nicht jeder vom Zensor angeklagt. Hätte der junge Herrlichkeit Kaufmann seine Freunde nicht verärgert, wäre es nicht so weit gekommen."
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Wieder andere sagten: "Man kann auch dem Zensor keinen Vorwurf machen. Wir haben gehört, dass es Diener aus eurem Haushalt und einige Bauernkerle waren, die draußen den Lärm gemacht haben. Der Zensor fürchtete, seine Anklage könnte unbegründet sein, und hat deshalb Leute von hier hergelockt, die dann alles ausgeplaudert haben. Ich dachte immer, eure Familie behandele ihre Diener besonders großzügig. Warum kam es trotzdem zu solchen Dingen?"
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Noch andere sagten: "Im Grunde kann man keinem Diener trauen. Heute sind wir unter guten Freunden, deshalb wage ich es zu sagen: Selbst Ihr als Beamter in der Provinz — ich kann bezeugen, dass Ihr selbst nicht bestechlich seid. Aber Euer Ruf draußen ist trotzdem nicht gut, und das liegt alles an Euren Dienern. Ihr solltet besser auf der Hut sein. Auch wenn man Euch diesmal das Familienvermögen gelassen hat — wenn Seine Majestät einmal Verdacht schöpft, wird es übel für Euch ausgehen."
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Als Aufrecht Kaufmann das hörte, wurde er unruhig und fragte: "Was habt ihr denn über meinen Ruf gehört?"
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Die anderen antworteten: "Wir haben zwar keine Beweise gesehen, aber man hört draußen sagen, dass auf Eurem Posten als Getreide-Intendant Eure Pförtner Geld von den Leuten verlangt hätten."
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Aufrecht Kaufmann sagte: "Das kann ich vor dem Himmel bezeugen: Niemals habe ich auch nur einen solchen Gedanken gehabt. Aber wenn die Diener draußen Unheil treiben und angeben, dann bin ich es, der dafür geradestehen muss."
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Die anderen sagten: "Jetzt Angst zu haben nützt auch nichts mehr. Am besten lasst Ihr die derzeitigen Verwalter streng überprüfen. Wenn sich Diener finden, die ihrem Herrn widersetzt haben, solltet Ihr sie streng bestrafen."
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Aufrecht Kaufmann nickte. Da kam ein Pförtner herein und meldete: "Der Schwiegersohn Sun hat jemanden geschickt, um zu sagen, dass er selbst zu beschäftigt sei, um zu kommen, aber jemanden zum Nachschauen geschickt habe. Er sagt, der ältere Herr Begnadigung schulde ihm eine Summe Silber, und die wolle er nun vom Herrn Aufrecht einfordern."
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Aufrecht Kaufmann war innerlich bedrückt und sagte nur: "Ich habe es zur Kenntnis genommen."
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Die Gäste sagten alle mit einem kalten Lachen: "Man sagt ja, der Schwiegersohn Sun Shaozuo sei ein Schandkerl, und so ist es tatsächlich. Jetzt, wo dem Schwiegervater alles genommen wurde, kommt er nicht nur nicht, um nach ihm zu sehen und ihm zu helfen, sondern fordert auch noch hastig Geld ein. Das ist wirklich unverschämt!"
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Aufrecht Kaufmann sagte: "Reden wir jetzt nicht von ihm. Diese Verbindung war von Anfang an eine Fehlentscheidung meines Bruders. Meine Nichte hat schon genug gelitten, und jetzt kommt er auch noch zu mir."
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Gerade als sie so sprachen, kam Xue Ke herein und sagte: "Ich habe erfahren, dass der Vorsitzende Zhao vom Kaiserlichen Garde-Gericht unbedingt nach dem Antrag des Zensors verfahren will. Ich fürchte, der ältere Herr Begnadigung und der junge Herrlichkeit Kaufmann werden das nicht durchstehen."
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Alle sagten: "Herr Aufrecht, Ihr solltet den Fürsten um Intervention bitten. Wenn man das nicht irgendwie abwendet, sind die beiden Familien erledigt."
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Aufrecht Kaufmann sagte seine Hilfe zu und dankte. Die Gäste gingen alle.
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Es war inzwischen Abend geworden. Aufrecht Kaufmann ging hinein, um der Herzoginmutter einen guten Abend zu wünschen, und fand sie etwas besser. Er kehrte in seine eigenen Gemächer zurück und machte Kette Kaufmann und seiner Frau Vorwürfe, dass sie nicht wüssten, was sich gehört. Dass nun die Sache mit den Wucherkrediten herausgekommen war, brachte der ganzen Familie Schande. Er war innerlich sehr aufgebracht. Doch da Phönixglanz schwer krank war und ihr gesamter Besitz beschlagnahmt worden war, konnte sie das natürlich nur bedrücken. Er konnte es ihr im Augenblick nicht vorwerfen und schwieg vorerst. Die Nacht verlief ohne weitere Vorkommnisse.
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Am nächsten Morgen ging Aufrecht Kaufmann in den Palast, um sich für die kaiserliche Gnade zu bedanken. Dann fuhr er zum Palast des Fürsten von Beijing und zum Palast des Fürsten von Xiping, um sich dort zu bedanken, und bat die beiden Fürsten, sich um seinen Bruder und seinen Neffen zu kümmern. Beide Fürsten sagten ihre Hilfe zu. Aufrecht Kaufmann sprach auch bei befreundeten Amtskollegen vor, um deren Fürsprache zu erbitten.
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Unterdessen hatte Kette Kaufmann erfahren, dass die Angelegenheiten seines Vaters und seines Vetters nicht gut standen. Er wusste keinen Rat und kehrte nach Hause zurück. Friedchen <ref>Chinesisch: 平儿</ref> saß weinend bei Phönixglanz, während Qiutong im Nebenzimmer über Phönixglanz schimpfte. Kette Kaufmann ging an ihr Bett und sah Phönixglanz im Todeskampf liegen. So viele Vorwürfe er auch haben mochte, in diesem Augenblick konnte er kein Wort herausbringen.
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Friedchen sagte weinend: "Was geschehen ist, ist geschehen. Was weg ist, kommt nicht wieder. Aber die Herrin ist in diesem Zustand — wir sollten doch wenigstens noch einmal einen Arzt rufen!" Kette Kaufmann spuckte verächtlich aus: "Pah! Ob ich selber überlebe, weiß ich noch nicht, und da soll ich mich noch um sie kümmern?"
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Phönixglanz hörte das, öffnete die Augen und blickte ihn an. Obwohl sie kein Wort sagte, liefen ihr die Tränen über die Wangen. Als sie sah, dass Kette Kaufmann hinausging, sagte sie zu Friedchen: "Du solltest nicht so weltfremd sein. Wo wir jetzt stehen, was kümmerst du dich noch um mich? Am liebsten würde ich heute noch sterben. Wenn du nur ein wenig Mitgefühl für mich hast und nach meinem Tod die kleine Pfiffigmädchen <ref>Chinesisch: 巧姐</ref> großziehst, werde ich dir selbst aus dem Totenreich dankbar sein."
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Friedchen weinte nur noch heftiger. Phönixglanz sagte: "Du bist nicht dumm. Obwohl sie es mir nicht ins Gesicht sagen, geben sie mir bestimmt die Schuld. Die Sache hat zwar draußen angefangen, aber hätte ich nicht Geld verliehen, hätte ich damit nichts zu tun gehabt. Nun waren all meine Pläne und Ränke umsonst. Mein ganzes Leben habe ich gekämpft, um an der Spitze zu stehen, und am Ende bin ich allen hintendran. Und dann habe ich noch dunkel gehört, dass Herrlichkeit Kaufmann angeklagt wird, sich die Ehefrau eines ehrlichen Bürgers als Nebenfrau genommen zu haben und sie in den Tod getrieben zu haben, als sie sich weigerte. Da soll ein gewisser Zhang verwickelt sein. Überlege einmal, wer das sonst sein könnte. Wenn diese Sache vor Gericht kommt, wird unser Zweiter Herr nicht davon freikommen. Wie soll ich dann jemals wieder jemandem ins Gesicht blicken? Am liebsten würde ich sofort sterben, aber ich bringe es nicht über mich, Gift zu schlucken oder Gold zu trinken. Wenn du jetzt einen Arzt rufst, ist das nicht Fürsorge, sondern du schadest mir damit!" Friedchen hörte zu und wurde immer verzweifelter. Da die Lage wirklich aussichtslos war und sie fürchtete, Phönixglanz könnte sich etwas antun, wich sie nicht mehr von ihrer Seite.
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Glücklicherweise wusste die Herzoginmutter nichts von den Einzelheiten. Da sie sich in den letzten Tagen etwas besser fühlte und Aufrecht Kaufmann nichts zugestoßen war und Schatzjade und Schatzspange <ref>Chinesisch: 宝钗</ref> ihr täglich zur Seite standen und sie keinen Moment allein ließen, war sie etwas beruhigt. Da sie Phönixglanz von jeher am meisten liebte, rief sie Mandarinenente: "Nimm etwas von meinen persönlichen Dingen und bringe es Phönixglanz. Und gib Friedchen auch etwas Silbergeld und sage ihr, sie solle sich gut um Phönixglanz kümmern. Ich werde später alles weitere anordnen." Ferner wies sie Frau König an, sich um die Frau Strafe <ref>Chinesisch: 邢夫人</ref> zu kümmern.
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Zu dieser Zeit war das Stillfriede-Anwesen bereits in Staatsbesitz übergegangen. Sämtlicher Besitz, Grundstücke und Dienerschaft waren registriert und eingezogen worden. Die Herzoginmutter ließ eine Kutsche schicken, um Dame Sonders mit ihrer Schwiegertochter herüberzuholen. Das einst so stolze Stillfriede-Anwesen — es waren nur noch die beiden Frauen übrig geblieben, dazu Peifeng und Xieluan, ohne einen einzigen Diener. Die Herzoginmutter wies ihnen ein Haus neben Bedauerfrühlings Wohnung zu, stellte vier ältere Dienerinnen und zwei junge Mägde zu ihrer Bedienung ab. Mahlzeiten und täglicher Bedarf wurden aus der großen Küche geliefert. Kleidung und sonstige Dinge schickte die Herzoginmutter ebenfalls. Für kleinere Ausgaben wurde ein Budget aus der Haupt-Kassenstelle bewilligt, berechnet nach dem monatlichen Satz jedes Mitglieds des Prunkwille-Anwesens.
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Begnadigung Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann und Rong Kaufmann waren im Gefängnis der Kaiserlichen Garde, und für ihren Unterhalt dort konnte die Kassenstelle tatsächlich nichts aufbringen. Phönixglanz besaß inzwischen nichts mehr, und Kette Kaufmann war von Schulden erdrückt. Aufrecht Kaufmann verstand nichts von Haushaltsangelegenheiten und sagte nur: "Ich habe bereits Fürsprecher beauftragt, man wird sich schon kümmern." Kette Kaufmann wusste keinen Rat. Er dachte an die Verwandten: Die Familie der Tante Schnee <ref>Chinesisch: 薛姨妈</ref> war bereits ruiniert, Onkel König Ziteng war tot. Die übrigen Verwandten gab es zwar, aber keiner konnte helfen. So musste er heimlich jemanden aufs Land schicken, um einige Ländereien für ein paar tausend Goldstücke zu verkaufen, damit die Gefängniskosten gedeckt werden konnten. Bei diesem Treiben sahen die Diener, dass die Herrschaft am Ende war, und trieben selbst ihr Unwesen. Auch die Pachteinnahmen vom Ostgut wurden unter allerlei Vorwänden angezapft. Doch davon wird später erzählt.
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Die Herzoginmutter sah, wie die erblichen Titel der Ahnen eingezogen worden waren, wie ihre Söhne und Enkel im Gefängnis saßen und verhört wurden. Die Frau Strafe und Dame Sonders weinten Tag und Nacht, und Phönixglanz lag im Sterben. Zwar waren Schatzjade und Schatzspange an ihrer Seite, doch die konnten sie nur trösten, nicht aber ihre Sorgen teilen. Tag und Nacht fand sie keine Ruhe, grübelte vor und zurück, und die Tränen trockneten nicht.
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Eines Abends schickte sie Schatzjade fort. Sie richtete sich mühsam auf und befahl Mandarinenente, in allen Buddhahallen Weihrauch anzuzünden. In ihrem eigenen Hof ließ sie eine große Weihrauchschale aufstellen, stützte sich auf ihren Stock und ging hinaus in den Hof. Hupo wusste, dass die Herzoginmutter Buddha anbeten wollte, und legte ein großes, scharlachrotes Filzkissen zum Knien aus. Die Herzoginmutter steckte Räucherstäbchen an, kniete nieder, machte zahllose Verbeugungen, betete eine Weile zu Buddha und sprach dann unter Tränen zum Himmel und zur Erde:
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"Erhabener Himmel und barmherziger Buddha, hört mich an! Ich, Shi aus dem Hause Kaufmann, bete in aufrichtiger Demut und flehe um die Barmherzigkeit des Buddha. Seit Generationen hat unsere Familie niemals Gewalt geübt oder andere tyrannisiert. Ich habe meinem Mann geholfen und meine Söhne unterstützt, und wenn ich auch nicht immer Gutes tun konnte, so habe ich doch nie Böses getan. Es muss an der jüngeren Generation liegen, die in Hochmut und Verschwendung, in Ausschweifung und Vergeudung lebte, bis schließlich das ganze Haus durchsucht und beschlagnahmt wurde. Nun sitzen Söhne und Enkel im Gefängnis, und es steht schlimm um sie. All dies geschieht wegen meiner Sünden allein, weil ich die Jüngeren nicht erzogen habe. So ist es dahin gekommen. Ich flehe den erhabenen Himmel an, uns zu beschützen: Mögen die Gefangenen dem Unheil entkommen und in Glück gewandelt werden; mögen die Kranken bald genesen. Alle Sünden der Familie will ich allein auf mich nehmen; ich bitte um Gnade für Söhne und Enkel. Wenn der erhabene Himmel meine aufrichtige Demut erhört, so gewähre mir einen baldigen Tod und verschone meine Nachkommen."
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Als sie in ihrer stillen Andacht diese Worte sprach, konnte sie die Tränen nicht mehr halten und begann bitterlich zu schluchzen. Mandarinenente und Zhenzhu versuchten sie zu trösten und führten sie behutsam in ihr Gemach zurück.
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Da kamen Frau König, Schatzjade und Schatzspange herein, um der Herzoginmutter eine gute Nacht zu wünschen. Als sie die Herzoginmutter so in Trauer sahen, brachen auch sie drei in lautes Weinen aus.
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Schatzspange trug noch eine weitere Last der Trauer: Ihr Bruder saß draußen im Gefängnis und stand vor der Hinrichtung, und ob sein Urteil gemildert werden konnte, war ungewiss. Die Schwiegereltern waren zwar nicht in Gefahr, doch der Niedergang der Familie war offensichtlich. Schatzjade war immer noch halb verrückt und ohne jeden Ehrgeiz. Wenn sie an ihr weiteres Leben dachte, weinte sie noch bitterer als die Herzoginmutter und Frau König.
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Auch Schatzjade hatte, als er Schatzspange so sah, seinen eigenen Kummer. Er dachte: "Die Herzoginmutter ist alt und findet keine Ruhe. Vater und Mutter sind bei diesem Anblick untröstlich. Die Schwestern sind wie Wolken zerstreut, von Tag zu Tag werden es weniger. Wenn ich an die fröhlichen Tage im Garten denke, als wir Gedichte schrieben und Dichterversammlungen abhielten — was für ein fröhliches Treiben war das! Seit Schwester Dai-yü gestorben ist, bin ich in tiefer Schwermut versunken. Nun habe ich zwar Schwester Schatzspange an meiner Seite, und so kann ich nicht ständig weinen. Zudem sorgt sie sich selbst um ihren Bruder und ihre Mutter und zeigt nur selten ein Lächeln. Und heute, da ich sie so untröstlich sehe, bricht mir das Herz noch mehr." Und er begann laut zu schluchzen.
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Mandarinenente, Farbwölkchen, Yinger, Dufthauch <ref>Chinesisch: 袭人</ref> schauten zu, und jede hatte ihre eigenen traurigen Gedanken; auch sie begannen schluchzend zu weinen. Die übrigen Mägde wurden von dem Anblick ergriffen und weinten ebenfalls. Niemand tröstete mehr, und aus dem ganzen Raum drang Wehklagen zum Himmel empor. Die Nachtwächterinnen draußen erschraken und meldeten es eilig Aufrecht Kaufmann.
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Aufrecht Kaufmann grübelte gerade in seinem Arbeitszimmer, als die Nachricht von den Leuten der Herzoginmutter kam. Voller Sorge sprang er auf und eilte in die inneren Gemächer. Schon von Weitem hörte er viele weinende Stimmen und fürchtete, der Herzoginmutter sei etwas Schlimmes zugestoßen. Halb von Sinnen vor Angst stürzte er hinein, doch als er sah, dass sie aufrecht saß und nur weinte, fiel ihm ein Stein vom Herzen.
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Er sagte: "Wenn die Herzoginmutter traurig ist, solltet ihr sie trösten! Wie könnt ihr alle zusammen losweinen?" Daraufhin hörten alle hastig auf und starrten sich gegenseitig verdutzt an. Aufrecht Kaufmann trat vor, um die alte Dame zu beruhigen, und sagte auch den anderen ein paar Worte. Alle dachten bei sich: "Wir wollten doch die Herzoginmutter aufmuntern und trösten. Wie konnten wir uns nur so vergessen und das Weinen noch schlimmer machen?"
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Während sie noch ganz durcheinander waren, führte eine alte Dienerin zwei Frauen aus dem Haushalt der Familie Shi herein. Nachdem sie der Herzoginmutter ihren Respekt erwiesen und alle Anwesenden begrüßt hatten, sagten sie: "Unser Herr, unsere Herrin und unser Fräulein haben uns geschickt, um zu sagen: Sie haben von den Ereignissen in Ihrem Hause gehört — es ist wirklich keine große Sache, nur ein vorübergehender Schreck. Sie fürchten, die Herzoginmutter, der Herr und die gnädige Frau könnten sich Sorgen machen, und lassen ausrichten, dass der Herr Aufrecht außer Gefahr ist. Unser Fräulein wollte selbst kommen, aber da ihre Hochzeit in wenigen Tagen bevorsteht, kann sie leider nicht."
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Die Herzoginmutter fand es etwas unbeholfen, sich bei Dienerinnen zu bedanken, und sagte: "Richtet meinen Gruß aus, wenn ihr zurückkehrt. Es ist das Schicksal unserer Familie, dass es so kommen musste. Wir sind ihrem Herrn und ihrer Herrin für die Anteilnahme sehr dankbar. An einem anderen Tag werde ich persönlich meinen Dank aussprechen. Euer Fräulein heiratet — der Bräutigam braucht sicher nicht extra vorgestellt zu werden. Wie steht es um seine familiären Verhältnisse?"
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Die beiden Frauen antworteten: "Die Familie ist nicht besonders wohlhabend, aber der junge Herr ist sehr gut aussehend und von freundlichem Wesen. Wir haben ihn mehrmals gesehen, und er ähnelt fast eurem Herrn Schatzjade. Man hört auch, dass sein literarisches Talent vortrefflich sei."
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Die Herzoginmutter hörte das mit Freude und sagte: "Wenn es so ist, dann ist das wunderbar, das ist das Glück eurer Fräulein. Nur halten wir in unserer Familie noch an den Sitten des Südens fest, deshalb haben wir den Bräutigam noch nicht gesehen. Neulich musste ich an meine eigene Familie denken. Ich habe die junge Xiangfluss-Wolke immer am meisten geliebt. Von den dreihundertsechzig Tagen im Jahr hat sie früher mehr als zweihundert bei mir verbracht. So ist sie bei mir aufgewachsen, und ich wollte ihr eigentlich selbst einen guten Ehemann suchen. Aber da ihr Onkel nicht zu Hause war, konnte ich die Sache nicht in die Hand nehmen. Nun, da das Glück ihr einen guten Bräutigam beschert hat, bin ich beruhigt. Sie heiratet noch in diesem Monat, und ich hatte vorgehabt, dabei ein Glas Hochzeitswein zu trinken. Doch nun, mit all dem Ärger bei uns, ist mein Herz wie ein kochender Kessel — wie könnte ich da zu einer Hochzeit gehen? Richtet bei eurer Rückkehr meine besten Grüße aus und sagt: Alle bei uns lassen grüßen. Und richtet eurem Fräulein aus, sie solle sich meinetwegen keine Sorgen machen. Ich bin über achtzig — selbst wenn ich sterbe, kann man nicht sagen, ich hätte kein gesegnetes Leben gehabt. Ich wünsche mir nur, dass sie nach der Hochzeit mit ihrem Mann in Eintracht und Frieden hundert Jahre alt werden. Dann kann ich beruhigt sterben."
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Bei diesen Worten kamen ihr unwillkürlich die Tränen.
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Die Frau sagte: "Die gnädige Herrin möge sich nicht grämen. Wenn das Fräulein verheiratet ist und nach dem Neunten Tag zurückkehrt, wird sie gewiss mit ihrem Gemahl kommen, um der Herzoginmutter ihren Respekt zu erweisen. Dann wird sich die gnädige Herrin freuen!"
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Die Herzoginmutter nickte. Die Frauen gingen.
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Während die anderen nicht weiter darauf achteten, hatte allein Schatzjade zugehört und war in Gedanken versunken. Er dachte bei sich: "Warum müssen Mädchen, wenn sie erwachsen werden, unbedingt verheiratet werden? Kaum sind sie verheiratet, werden sie zu einem ganz anderen Menschen. Schwester Xiangfluss-Wolke, so ein Mensch, und ihr Onkel hat sie einfach in eine Ehe gedrängt. Wenn sie mich in Zukunft sieht, wird sie sich bestimmt nicht mehr um mich kümmern. Wenn man so weit ist, dass sich niemand mehr um einen kümmert, wozu dann noch leben?"
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Bei diesem Gedanken überkam ihn erneut der Kummer. Da die Herzoginmutter sich gerade erst beruhigt hatte, wagte er nicht zu weinen und saß nur stumm und bedrückt da.
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Nach einer Weile kam Aufrecht Kaufmann noch einmal herein, um nach der Herzoginmutter zu sehen. Es ging ihr etwas besser, und er ging wieder hinaus. Er ließ den Verwalter Lai Da rufen und trug ihm auf, das vollständige Personalregister aller verantwortlichen Familiendiener zu bringen. Er ging alles durch. Abgesehen von den unter Begnadigung Kaufmann eingezogenen Personen waren noch über dreißig Familien aufgeführt, zusammen zweihundertzwölf Personen beiderlei Geschlechts. Aufrecht Kaufmann ließ die einundvierzig männlichen Diener, die derzeit im Dienst standen, vortreten und befragte sie zu den jährlichen Ein- und Ausgaben des Haushalts. Der Hauptverwalter legte die Kontobücher der letzten Zeit vor. Als Aufrecht Kaufmann hineinschaute, sah er, dass die Ausgaben die Einnahmen bei weitem überstiegen. Zudem kamen über Jahre hinweg Kosten für den kaiserlichen Palast hinzu, und in den Büchern fanden sich zahlreiche von außen aufgenommene Schulden. Dann prüfte er die Pachteinnahmen aus den Ländereien in der östlichen Provinz: In den letzten Jahren betrugen sie nicht einmal die Hälfte von dem, was zu Großvaters Zeiten hereinkam, während die Ausgaben um das Zehnfache gestiegen waren. Aufrecht Kaufmann war entsetzt und stampfte wütend mit dem Fuß auf: "Das ist ja ungeheuerlich! Ich dachte, Kette führe den Haushalt und habe alles im Griff. Nun erfahre ich, dass wir schon seit Jahren weit über unsere Verhältnisse leben und nur den schönen Schein wahren. Die erblichen Titel und Besoldungen hat man für nebensächlich gehalten — wie hätte das nicht zum Ruin führen sollen? Wenn ich jetzt anfange zu sparen, ist es längst zu spät." Damit ging er mit den Händen auf dem Rücken auf und ab und fand keinen Ausweg.
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Die Diener wussten, dass Aufrecht Kaufmann nichts von der Haushaltsführung verstand und sich vergeblich sorgte. Sie sagten: "Der Herr braucht sich nicht so aufzuregen. Allen Familien geht es so. Wenn man alles zusammenrechnet, haben selbst die Fürstenhäuser nicht genug. Man wahrt eben den Anschein und wurstelt sich durch. Immerhin hat der Herr durch die kaiserliche Gnade wenigstens dieses bisschen Familienvermögen behalten dürfen. Wenn alles eingezogen worden wäre, würde der Herr doch trotzdem weiterleben!"
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Aufrecht Kaufmann fuhr sie zornig an: "Redet keinen Unsinn! Ihr Knechte seid die gewissenlosesten Kreaturen: Wenn es eurem Herrn gut ging, habt ihr nach Belieben herumgewirtschaftet. Wenn alles aufgebraucht ist, lauft ihr einer nach dem anderen davon. Kümmert ihr euch, ob euer Herr lebt oder stirbt? Ihr sagt, es sei nicht alles beschlagnahmt worden — aber wisst ihr denn: Draußen steht unser Ruf so schlecht, dass wir nicht einmal das Grundkapital retten können. Und ihr prahlt noch draußen herum, gebt an und betrügt die Leute? Wenn dann Ärger kommt, schiebt ihr alles auf den Herrn. Was die Sache des älteren Herrn Begnadigung und des Herrn Juwel betrifft — es heißt, ein Familiendiener namens Bao Er hat den Lärm gemacht. Ich sehe aber in diesem Register keinen Bao Er. Wie ist das zu erklären?"
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Die Diener antworteten: "Dieser Bao Er steht nicht in unserer Personalliste. Früher war er im Register des Stillfriede-Anwesens geführt. Weil der Zweite Herr ihn für verlässlich hielt, hat er ihn mitsamt seiner Frau herübergeholt. Nachdem seine Frau gestorben war, ging er zurück ins Stillfriede-Anwesen. Als der Herr damals mit seinen Amtsgeschäften beschäftigt war und die Herzoginmutter, die gnädigen Frauen und die jungen Herren zum Mausoleum gereist waren, übernahm der Herrlichkeit Kaufmann die Haushaltsaufsicht und holte Bao Er mit herüber. Danach ging der auch wieder. Der Herr hat sich seit Jahren nicht um solche Angelegenheiten gekümmert und kann davon natürlich nichts wissen. Der Herr denkt vielleicht, dass nur die Personen im Register existieren. In Wirklichkeit hat aber jeder seine eigenen Verwandten — sogar Diener haben wieder Diener."
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Aufrecht Kaufmann rief: "Unerhört!" Er sah ein, dass sich das alles nicht auf die Schnelle klären ließ, und schickte die Diener fort. Er hatte sich bereits fest vorgenommen, zunächst den Ausgang der Verfahren gegen Begnadigung Kaufmann und die anderen abzuwarten und dann zu entscheiden.
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Eines Tages saß er in seinem Arbeitszimmer und rechnete, als ein Bote hereingestürzt kam und rief: "Der Herr wird gebeten, sofort zum Inneren Hof zu kommen, man wünscht ihn zu befragen!" Aufrecht Kaufmann erschrak zutiefst und machte sich auf den Weg.
  
Djia Dschëng kam am Palast an und begrüßte die verschiedenen Prinzen und Militär-Geheimräte, die versammelt waren, um ihn zu treffen.
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Ob Glück oder Unglück, wird im nächsten Kapitel erzählt.
„Seine Majestät hat uns angewiesen, Sie heute hierherzurufen“, sagte der Prinz von Bei-jing. „Ich befolge des Kaisers Befehl, um Sie zu befragen.“
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Djia Dschëng kniete umgehend nieder und die Befragung wurde fortgesetzt: „War Ihnen bewußt, daß ihr älterer Bruder sich mit einem Beamten der Provinz zu seinem Vorteil verschworen hatte? Daß er seinen Einfluß mißbraucht und schutzlose Bürger schikaniert hat? Daß er seinem Sohn das Glücksspiel und ein nachlässiges Leben erlaubt hat und daß dieser Sohn mutwillig die Verlobte einer unschuldigen Person in sein Bett führte und sie zu Tode brachte, als sie sein Verlangen nicht stillen wollte? War Ihnen all das bekannt?“
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<small>Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.</small>
Djia Dschën antwortete, so gut er konnte: „Seitdem ich Dank seiner Majestät Bildungskomissar wurde, war ich zunächst verpflichtet, Entlastungsmaßnahmen zu überwachen und dann, bei meiner Rückkehr nach Hause gegen Ende des letzten Winters, wurde ich von meinen Vorgesetzten abgeordnet, Sanierungsarbeiten zu überwachen und wurde anschließend als Getreide-Intendant in die Provinz Djianghsi berufen. Von dieser letzten Stellung kehrte ich unter Anklage in die Hauptstadt zurück und habe gerade meine frühere Position in der Arbeitsbehörde wieder angetreten. Ich habe mich wirklich bemüht, diese amtlichen Pflichten gründlich zu erfüllen. Doch ich fürchte, daß ich dabei völlig vernachlässigt habe, meinen eigenen Haushalt in Ordnung zu halten. Für diesen unentschuldbaren Fehler auf meiner Seite, für mein offensichtliches Versagen, meinen Söhnen und Neffen die richtigen Verhaltensgrundsätze beizubringen, für meine üble Undankbarkeit gegenüber dem Thron, kann ich nur darum bitten, daß seine Majestät mich mit der angemessenen Strenge bestrafen.“
 
Der Prinz von Bei-jing begab sich fort, um dies mit dem Kaiser zu besprechen und kehrte nach einem kurzen Moment mit dem Kaiserlichen Edikt zurück, welches er der versammelten Gesellschaft vortrug: „Wir haben eine Anklage vom Zensorat erhalten, die besagt, daß Djia Schë sich mit einem Beamten der Provinz verschworen hat und seinen eigenen Einfluß ausnutzte, um schutzlose Bürger zu schikanieren. Der Provinzbeamte, den der Zensor nannte, war der Präfekt von Ping-an. Djia Schë, so besagt es die Anklage, sprach sich mit dem Präfekten ab, um Einfluß auf die Untersuchung zu nehmen. Bei näherer Untersuchung bestätigte Djia Schë jedoch, daß der Präfekt tatsächlich mit ihm durch Heirat verwandt war und daß ihre Beziehung eine rein persönliche war. Der Zensor war weiterhin nicht in der Lage, diesen Teil der Anklage zu belegen. Ein anderer Teil wurde allerdings bestätigt, nämlich daß Djia Schë seinen persönlichen Einfluß benutzte, um einen Mann namens Schï Dai-Dsï zu nötigen, sich von einem antiquarischen Fächer zu trennen. Hierbei handelt es sich aber lediglich um Bagatellen und muß daher von den ernsten Fällen des Mißbrauchs getrennt werden. Der darauf folgende Selbstmord von Schï Dai-Dsï kann ebenso nur als Resultat seiner eigenen Exzentrizität gedeutet werden, und es ist unwahrscheinlich, daß er ‚in den Tod getrieben‘ wurde. Wir sehen uns also bereit, Djia Schë Nachsicht zu zeigen und ihn zum Strafdienst an einem Militärposten an der Grenze zu versetzen, wo er sich durch pflichttreuen Dienst freikaufen kann.
 
Mit Bezug auf die erste Klage, die gegen Djia Dschën hervorgebracht wurde, daß er gewaltsam die Verlobte eines unschuldigen Bürgers in sein Bett genommen und sie zu Tode gebracht habe, als sie seinen Willen nicht erfüllen wollte: Nach Begutachtung des eigentlichen Berichtes im Zensorat fanden wir heraus, daß die besagte Dame, ein gewisses Fräulein You Örl-djie, mit einem gewissen Dschang Hua verlobt wurde, als beide noch im Mutterleib waren. Die Hochzeit wurde nie gefeiert, tatsächlich wünschte Dschang selbst, daß sie auf Grund seiner eigenen Armut annuliert würde. Die Mutter von You Örl-djie war auch damit einverstanden, daß ihre Tochter als Konkubine genommen würde, nicht von Djia Dschën selbst, sondern von seinem jüngeren Vetter. Also war dies offensichtlich keine ‚gewaltsame Besitznahme’. Dann der Fall von Fräulein You San-djie: hier lautet die Anklage, daß sie nach ihrem Selbstmord geheim beerdigt und ihr Tod von den Behörden vertuscht wurde. Bei weiteren Untersuchungen wurde herausgefunden, daß dieses Fräulein You San-djie die jüngere Schwester von Djia Dschëns Frau war und daß ihre eigentliche Absicht war, eine Hochzeit für sie zu arrangieren. Die weit verbreiteten und bösen Gerüchte, die um ihre Person kursierten, ihre eigenen Gefühle der Scham und der Reue, sowie das Bestehen ihres Verlobten darauf, ihm die Brautgeschenke zurückzugeben, waren die eigentliche Ursache ihres Selbstmordes, keine schlechte Behandlung oder Nötigung auf Seiten Djia Dschëns. Als Träger der erblichen Position jedoch, verdient Djia Dschën, für die Unkenntnisse über das Gesetz schwer bestraft zu werden, und für seinen Fehler, die Beerdigung einer verschiedenen Person nicht berichtet zu haben. In Anbetracht der Tatsache, daß er der Nachkomme eines Adeligen und somit eine auserwählte Person ist, können wir nicht die schwere Strafe verhängen, die das Gesetz vorsieht, sondern bewahren unsere Diskretion, womit wir ihn verurteilen, seines erblichen Titels enthoben und an die Küste geschickt zu werden, wo er seine Schuld durch gehorsame Pflichterfüllung abarbeiten kann. Djia Jung, der zu jung ist, um in die Angelegenheiten ver­wickelt zu sein, wird freigesprochen. Djia Dschëng hat über viele Jahre Posten in der Provinz besetzt, in welchen er gewissenhaft und weise diente und er wird von den Konsequenzen seines Versagens, seinen Haushalt richtig zu führen, entbunden.“
 
Djia Dschëng reagierte mit Tränen der Dankbarkeit auf das Edikt und verbeugte sich hastig, zuerst in Richtung des Kaiserlichen Throns, dann in Richtung des Prinzen, welchen er bat, dem Kaiser seine demütigste Erge­ben­heit zu übermitteln.
 
„Danke dem Himmel“, sagte der Prinz, „es besteht kein Bedarf für weiteres.“ –
 
„Meine Dankbarkeit gegenüber Seiner Majestät, mich so großzügig der Schuld entbunden und meinen Teil des Familieneigentums bewahrt zu haben, kennt keine Grenzen“, sagte Djia Dschëng, „ich habe ein wirklich schlechtes Gewissen. Bitte erlaubt mir, dem Kaiser all meine geerbten Güter und angesammeltes Eigentum zu überlassen.“ –
 
„Seine Majestät ist gegenüber seinen Untertanen in der Tat human und einfühlsam. Er ist weise und anspruchsvoll in seinen Urteilen und täuscht sich nie, weder bei der Belohnung von Rechtschaffenheit noch bei der Bestrafung des Lasters. Dadurch, daß Sie Ihr Eigentum wiedererlangt haben, wurde Ihnen eine ausgezeichnete Ehre zu Teil. Auf Ihrer Seite ist nun keine weitere Geste erforderlich.“
 
Die anderen Edelleute  stimmten überein.
 
So verbeugte sich Djia Dschëng wieder, zuerst in Richtung des Kaisers und dann zu dem Prinzen und verließ den Palast. Er eilte dann nach Hause, um der Herzoginmutter die Neuigkeiten zu überbringen, da er wußte, mit welchem Bangen seine Rückkehr erwartet wurde. Der gesamte Haushalt der Familie Djia, Männer und Frauen, wartete ängstlich am Eingang des Jung-guo-Anwesens, um das Ergebnis seiner Besprechung zu vernehmen und seufzten tief vor Erleichterung, als sie ihn sicher nach Hause kommen sahen. Niemand wagte es, ihn zu fragen, als er an ihnen vorbei direkt in die Gemächer der Herzoginmutter eilte. Er berichtete ihr die Einzelheiten des letzten Erlasses. Die Herzoginmutter war zwar erleichtert darüber, daß einige Anklagepunkte wegfielen, war aber verständlicherweise bestürzt darüber zu erfahren, daß zwei Titel der Familie verloren und daß Djia Schë und Vetter Dschën beide zu Strafdiensten verurteilt worden waren. Die Dame Hsing und You-schï brachen einfach zusammen, als sie die Neuigkeiten vernahmen.
 
„Mach’ dir keine Sorgen, Mutter“, flehte Djia Dschëng, „obwohl Bruder Schë an der Grenze dienen muß, dient er immer noch dem Reich und wird nicht schlecht behandelt. Wenn er sich lobenswert beträgt, wird er vollständig wieder eingesetzt. Und Dschën ist immer noch ein junger Mann und ein wenig harte Arbeit wird ihm gewiß nicht schaden. Eine solche Lehre hätten wir ihm früher oder später ohnehin erteilen müssen. Wir können nicht ewig die Lorbeeren unserer Ahnen ernten.“
 
Er fügte noch mehr Worte dieser Art hinzu, welche die Herzoginmutter trösteten. Dennoch hatte sie Djia Schë nie besonders gemocht, und Vetter Dschën war nicht ihr eigener Enkel. Doch die Dame Hsing und You-schï waren untröstlich.
 
‚Wir sind ruiniert!‘, dachte die Dame Hsing bei sich. ‚Wenn mein Mann in seinem Alter noch ins Exil geschickt wird, an wen kann ich mich dann wenden? Liän ist zwar mein Sohn, doch er fühlte sich immer mehr zu seinem Onkel Dschëng hingezogen als zu seinem eigenen Vater. Nun, da wir alle mit Dschëng verwandt sind, müssen sich Liän und Hsi-fëng noch mehr dieser Seite der Familie zuwenden. Ich werde völlig verlassen sein. Für meine letzten Tage erwartet mich nichts als Einsamkeit und Kummer, das ist nichts Gutes.‘
 
Neben Djia Dschën war seine Frau You-schï schon immer allein für das Ning-guo-Anwesen verantwortlich. Sie war die einzige in der Familie, die sich den Respekt der Angestellten erworben hatte. Sie und Vetter Dschën hatten darüber hinaus eine schöne Hochzeit gehabt. Nun wurde er unehrenhaft fortgeschickt, ihr gesamter Besitz wurde beschlagnahmt, und sie würden gezwungen sein, im Jung-guo Zweig um Unterstützung zu bitten. Die Herzoginmutter liebte sie zwar sehr, doch immer noch mußte sie im fremden Haushalt leben, und sie müßte Djie Yüän und Pei-fëng erziehen, nicht zu vergessen das Ehepaar Jung-örl und seine Frau, die keine Menschen waren, um einen eigenen Haushalt zu führen.
 
‚Es war wirklich Liäns Schuld, daß meine Schwestern so übel enden mußten‘, dachte sie, ‚und trotzdem haben Liän und Hsi-fëng unversehrt überlebt, während wir in diese verzweifelte Lage gebracht wurden, wie könnte man da noch weiterleben?‘
 
Die Herzoginmutter war sehr betroffen von You-schïs untröstlichem Schluchzen und wandte sich an Djia Dschëng, um ihn zu fragen: „Jetzt, da ihr Urteil gesprochen ist, haben Bruder Schë und der junge Dschën die Erlaubnis, nach Hause zu kommen? Jung wurde frei gesprochen, deshalb nehme ich an, daß er freigelassen wird.“ –
 
„Eigentlich sind solche Besuche nicht erlaubt“, antwortete Djia Dschëng. Doch ich habe mich bereits danach erkundigt, ob Bruder Schë und Vetter Dschën als persönliche Gunst Vorbereitungen für ihre Abreise treffen dürften, und die Strafbehörde hat gnädigerweise ihre Zustimmung gegeben. Ich nehme an, daß Jung-örl mit seinem Vater und Großvater zusammen her­aus­kommt. Jetzt mach’ dir bitte keine Sorgen mehr, Mutter. Ich werde alles für sie tun, was ich kann.“ –
 
„Ich werde langsam alt und greisenhaft“, sagte die Herzoginmutter unter Tränen. „Vor Jahren habe ich mich zuletzt nach den Familienfinanzen erkundigt. Ich weiß, daß alles im Ning-guo-Anwesen beschlagnahmt wurde, und das schließt auch das Haus selbst mit ein. Auf unserer Seite wurden deinem Bruder Schë und Liän auch alle Sachen genommen. Nun, sag’ es mir besser jetzt: Wieviel Geld haben wir übrig? Und was sind unsere Anwesen in den östlichen Provinzen wert? Wenn die beiden gehen müssen, werden wir ihnen ein paar Tausend Silbertael mit auf den Weg geben.“
 
Djia Dschëng saß in der Falle.
 
‚Wenn ich die Wahrheit sage‘, dachte er bei sich, ‚wird es ein großer Schock für sie. Doch wenn ich es geheim halte, weiß der Himmel allein, wie wir unseren derzeitigen Bedarf decken können, geschweige denn in der Zukunft.‘
 
„Hättest du besser nicht gefragt, Mutter“, begann er, „ich hätte dich niemals damit belästigt. Doch seit du gefragt hast und Liän da ist, bin ich verpflichtet zu sagen, daß ich gestern die Familienkonten überprüft und die Wahrheit entdeckt habe. Sie lautet wie folgt: Unsere Kassen sind seit langer Zeit völlig leer. Abgesehen davon, daß alles ausgegeben ist, haben wir sogar draußen erhebliche Schulden. Irgendwie muß ich ohne Verzögerung an Geld gelangen, um die Beamten zu besänftigen, die in Bruder Schës Fall verwickelt waren. Ohne ein solches Eingreifen, fürchte ich, werden sie beide leiden, trotz der großzügigen Anordnungen Seiner Majestät. Ich bin immer noch nicht sicher, wie man an das Geld kommen könnte. Auf die östlichen Anwesen kann man sich nicht verlassen. Die Mieteinnahmen für das kommende Jahr reichen nicht, um die Löcher zu stopfen. Unser einziger Rückhalt wird sein, Kleidung und Schmuck, die wir glücklicherweise noch besitzen, zu verkaufen und den Ertrag davon Bruder Schë und Vetter Dschën mit auf den Weg zu geben. Wie wir selber dann zurecht kommen werden, ist wieder ein ganz anderes Problem.“
 
Die Herzoginmutter brach noch einmal in ein Flut von Tränen aus: „Ist es wirklich so hoffnungslos? Sind wir so tief gefallen? Ich habe so etwas niemals erlebt. Ich kann mich an meine eigene Familie in längst vergangenen Tagen erinnern. Sie waren zehnmal größer als wir, dennoch konnten sie jahrelang über ihre Verhältnisse leben. Und sogar am Ende befiel sie kein solches Unglück. Es kam eher allmählich. Erst nach ein oder zwei Jahren waren sie am Ende. Doch wie du es beschreibst, werden wir die ein oder zwei Jahre nicht mehr überstehen!“
 
„Wenn wir doch nur die zwei geerbten Güter hätten, auf die wir zurückgreifen könnten“, sagte Djia Dschëng, „dann könnten wir einen Kredit aufnehmen. Doch wie die Dinge im Moment stehen, wird uns niemand Geld leihen.“
 
Auch seine Wangen waren nun tränenüberströmt. „Es hat keinen Sinn, unsere Verwandten um Hilfe zu bitten“, fuhr er fort, „diejenigen, die uns helfen würden, haben selber kein Geld und diejenigen, die welches haben, wollen uns nicht helfen. Ich habe die Konten gestern nicht auf jede Einzelheit überprüft, doch ich habe das Register der Haushaltsbesetzung überflogen. Wir können uns kaum selber am Leben halten, wie erst dann eine solche Menge an Dienern?“
 
Diese letzten Einzelheiten in Djia Dschëngs Bericht über die finanzielle Misere versetzten die Herzoginmutter in noch tiefere Schwermut. Zur selben Zeit kamen Djia Schë, Vetter Dschën und Djia Jung an und begrüßten sie. Sie sah die drei, nahm Djia Schë an der Hand, Vetter Dschën an der anderen und brach in Schluchzen aus. Die zwei Männer neigten ihren Kopf vor Scham und fielen, als sie die Herzoginmutter weinen sahen, auf ihre Knie und weinten: „Wir haben die Familie entehrt! Wir haben die Titel unserer Vorväter verloren! Wir haben dir Kummer bereitet! Wir sind noch nicht einmal wert, nach unserem Tod beerdigt zu werden!“
 
Ein Chor des Jammerns erfüllte nach diesen Worten den Raum.
 
„Nun kommt schon“, drängte Djia Dschëng, „wir dürfen keine Zeit damit verlieren, eine Möglichkeit zu überlegen, um ihnen Geld anzubieten. Sie können höchstens ein bis zwei Tage bei uns bleiben.“
 
Die Herzoginmutter gab ihr Bestes, um ihren Kummer zurückzuhalten. „Geht, ihr beide“, sagte sie, ihre Tränen zurückhaltend, „und sprecht mit euren Frauen!“ Sie wandte sich an Djia Dschëng: „Es darf keinen Aufschub geben, und ich sehe, es bringt nichts, sich etwas zu leihen. Wir haben so wenig Zeit. Ich muß selbst etwas tun. Oje, das ist alles so schrecklich verwirrend! Die Dinge können einfach nicht so weitergehen!“
 
Sie rief Yüan-yang zu sich und schickte sie mit Anweisungen fort. Djia Schë und Vetter Dschën verließen währenddessen den Raum und sprachen draußen tränenreich mit Djia Dschëng, drückten dabei ihr Bedauern für ihren damaligen Eigensinn aus und sahen kummervoll dem Exil entgegen, das ihnen bevorstand. Sie gingen hinüber und wehklagten bei ihren Frauen. Djia Schë wurde langsam alt, und die Aussicht auf Trennung für ihn und seine Gattin, die Dame Hsing, war weniger erschütternd als für Vetter Dschën und You-schï.
 
Djia Liän und Djia Jung hielten die Hände ihres Vaters und weinten an seiner Seite. Grenzdienst war eine weniger schlimme Strafe als militärische Verbannung, doch es war immer noch eine lange und schwere Geduldsprobe. Sie konnten nur versuchen, sich dem mit Magenschmerzen so gut wie möglich zu fügen.
 
Die Herzoginmutter trug der Dame Hsing, der Dame Wang, Yüan-yang und einem Schwarm von Mägden auf, jede einzelne ihrer Truhen und Kisten der drei Herrinnen zu durchsuchen und allen persönlichen Besitz, den sie seit ihrer Eheschließung über die Jahre angesammelt hatten, zu holen. Dann rief sie Djia Schë, Djia Dschëng, Vetter Dschën und alle anderen Männer zu sich, um bei ihrer Verteilung zugegen zu sein. Sie begann damit, Djia Schë dreitausend Silbertael zu geben.
 
„Du wirst zweitausend mit dir nehmen“, sagte sie, „für die Reise und weitere Ausgaben, und eintausend überläßt du deiner Frau. Diese dreitausend sind für dich, Dschën. Du nimmst eintausend mit dir und überläßt deiner Frau zweitausend. So sind sie, auch wenn sie hier bei uns leben, immer noch unabhängig und in der Lage, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich selbst kümmere mich um die Hochzeit von Hsi-tschun. Und nun Hsi-fëng. Es tut mir leid für sie, sie hat sich so lange so viel Mühe gegeben und endet nun mittellos. Sie soll auch dreitausend Tael bekommen, und es soll alles für ihren Gebrauch sein und wird Liän nichts davon geben. Ich weiß, daß sie jetzt zu krank und nicht in der Lage ist, es selbst in Empfang zu nehmen, deshalb wird Ping-örl es ihr bringen.“
 
„Hier sind einige Umhänge, die meinem Mann gehörten und einige Kleider und Schmuck, die ich trug, als ich noch jung war – Ich brauche sie nicht mehr. Die Männerkleider können unter Schë, Dschën, Liän und Jung aufgeteilt werden. Ihre Frauen teilen sich die Damenkleider. Diese fünfhundert Silbertael sind für Liän, um den Transport von Fräulein Dai-yüs Sarg in den Süden zu bezahlen.“
 
Als die Verteilung vollendet war, wandte sie sich an Djia Dschëng: „Die  Schulden,  die  du  erwähntest,  müssen  umgehend  beglichen  werden.  
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889a.
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<references />
Nimm dazu bitte dieses Gold! Die vorgefallenen Untaten zwingen mich zu solch drastischen Mitteln, doch glaube nicht, daß ich vergessen habe, daß du mein Sohn bist. Du wirst deinen Anteil zur rechten Zeit erhalten. Bau-yü ist verheiratet und kann behalten, was hier übrig ist – Gold und Silber im Wert von einigen tausend Tael. Und Li Wan: sie war mir immer eine so pflichtbewußte Schwiegerenkelin, und die kleine Lan ist ein so süßes Kind. Hier ist auch etwas für sie. So, nun bin ich am Ende.“
 
Djia Dschëng war zu Tränen gerührt, als er sah, wie genau sie alles ausgearbeitet hatte.
 
„Wir haben versagt, Mutter!“, schluchzte er, fiel dann auf die Knie, „wir haben unsere Sohnespflichten dir gegenüber in deinem Alter verfehlt. Und trotzdem bist du noch so großzügig! Wir schämen uns so, daß wir am liebsten im Boden versinken würden!“
 
„Ach, Unsinn!“, rief die Herzoginmutter, „wäre diese Krise nicht gekommen, hätte ich es für mich selbst behalten! Doch laßt uns ernst sein: unser Hausstand ist zu umfangreich. Du bist der letzte hier mit einer amtlichen Stellung, Dschëng, deshalb brauchen wir nicht mehr als ein paar Diener. Sagt den Verwaltern, sie sollen den Hausstand zusammenrufen und alles Nötige klären. Jede Einrichtung muß mit so wenig Dienern wie möglich auskommen. Wäre unser Haushalt konfisziert worden, was wäre dann gewesen? Dasselbe gilt für die Gemächer der Damen. Für einige Mägde müssen wir Ehemänner finden und die anderen abfinden und ihnen die Freiheit zurückgeben. Und obwohl uns der Besitz geblieben ist, denke ich immer noch, es wäre das Beste, den Garten abzugeben. Liän sollte der Auftrag gegeben werden, die ländlichen Güter zu bewerten. Manche können verkauft werden, manche werden aufrecht erhalten, wie es eben passend scheint. Weiterhin wird es in Zukunft keinen Prunk mehr geben, keine falsche Fassade. Wir müssen realistisch sein. Und eine weitere Sache sollte ich erwähnen. Wir haben immer noch etwas Geld, das der Familie Dschën in Djiangnan gehört. Es wird bei deiner Frau sicher sein, Dschëng. Es sollte jemand geschickt werden, der es ihnen direkt bringt. Wenn uns noch etwas anderes zustoßen sollte, würden wir sie nur noch in weiteren Ärger verwickeln, wir müssen ja nicht vom Regen in die Traufe kommen.“
 
Djia Dschëng, der sich seiner kläglichen Unfähigkeit in solchen Angelegenheiten bewußt war, murmelte reuevoll: „Ja, Mutter“ zu all diesen deutlichen, praktischen Anweisungen, dachte aber bei sich: „Was für ein Organisationstalent sie hat! Und was für wertlose Stümper wir im Gegensatz dazu sind!“
 
Er konnte sehen, daß die Herzoginmutter müde war, und bat sie, sich hinzulegen und auszuruhen.
 
„Das wenige, was ihr seht, ist alles, was mir geblieben ist“, sagte sie. „Wenn ich sterbe, könnt ihr damit meine Beerdigung bezahlen und den Rest meinen Mägden geben.“
 
Als Djia Dschëng und die anderen das hörten, waren sie noch bedrückter und fielen auf die Knie.
 
„Bitte gönne dir etwas Ruhe, Mutter. Es wird die Zeit kommen, daß wir deinen Segen empfangen und wieder die Gunst Seiner Majestät erwerben, dann werden wir alles tun, um unsere vergangenen Fehler zu begleichen, das Glück der Familie wiederherzustellen und dich bis in dein hundertstes Jahr zu unterstützen.“
 
„Wenn ihr das nur irgendwie wieder gut machen könntet“, sagte die Herzoginmutter, „dann kann ich unseren Ahnen nach meinem Tod mit Stolz gegenübertreten. Denkt nicht, daß ich nur ein angenehmes Leben führen kann und Armut fürchte! So ist es nicht. In den letzten Jahren erschient ihr so wohlhabend, und ich war froh, nicht zu stören, bei Laune zu bleiben und meinen eigenen Tätigkeiten nachgehen zu können. Ich hätte mir uns nicht einen Moment in einer so einer heiklen Situation vorstellen können. Ich hatte nicht erwartet, daß Ihr an unsere Ahnen heranreicht, doch ich dachte, wir könnten zumindest den Standard halten. Ich hatte nie gedacht, daß die beiden Verbrecher werden.“
 
Während die Herzoginmutter ihren Monolog hielt, platzte Fëng-örl ins Zimmer und wendete sich aufgeregt an die Dame Wang: „Oh, Herrin! Frau Liän hörte heute morgen die Neuigkeiten vom Hof und weinte so heftig, daß sie keine Luft mehr bekommt. Ping-örl schickt mich, es Sie wissen zu lassen.“
 
„Wie geht es Frau Liän?“, fragte die Herzoginmutter, bevor sie zu Ende gesprochen hatte. „Heute überhaupt nicht gut“, antwortete die Dame Wang für Fëng-örl.
 
„Alle“, rief die gnädige Frau und erhob sich schwerfällig. „sind der Fluch meines Lebens! Sie wollen mich nur ins Grab bringen!“
 
Sie bat eine ihrer Mägde, ihr zu helfen und kündigte an, daß sie Hsi-fëng selbst einen Besuch abstatten werde. Djia Dschëng wollte sie zurückhalten und bemühte sich, sie zu beruhigen:
 
„Das ist viel zuviel Streß für dich, Mutter. Du hast dich schon damit verausgabt, eine Lösung für unsere Probleme zu finden. Du mußt dir selbst wirklich etwas Ruhe gönnen. Ich bin sicher, meine Frau wird hinüber gehen und nach Hsi-fëng sehen. Es gibt keinen Grund, dich weiteren Kümmernissen auszusetzen. Wenn dir irgendetwas Ernstes passiert, wie könnte ich mir das jemals verzeihen?“
 
„Ihr könnt nun alle gehen“, ordnete die Herzoginmutter an. „Kommt etwas später wieder! Es gibt da noch einige Dinge, die ich Euch sagen möchte.“
 
Djia Dschëng, dessen Versuch, sie als ihr Sohn zu trösten, fehlgeschlagen war, wagte nicht, noch ein Wort zu sagen. Er ging hinaus, um die Vorbereitungen für die Abreise der Verbannten zu überwachen und wies Djia Liän an, Diener auszusuchen, die sie begleiten sollten.
 
Yüan-yang versammelte eine Gruppe von Dienstmädchen, um Hsi-fëngs Anteil an den Geschenken der Herzoginmutter zu tragen und letztere in Hsi-fëngs Gemächer zu begleiten. Hsi-fëng war sehr schwach und kaum bei Bewußtsein, während Ping-örls Augen vom Weinen rot und geschwollen waren. Als sie hörte, daß die Herzoginmutter und die Dame Wang in Begleitung von Bau-yü und Bau-tschai auf dem Weg zu ihr waren, eilte Ping-örl ängstlich hinaus, um sie zu grüßen.
 
„Wie geht es ihr jetzt?“, fragte die Herzoginmutter, als sie Ping-örl sah.
 
Ping-örl befürchtete, die alte Dame zu erschrecken. „Ein wenig besser, gnädige Frau.“
 
Sie führte die Gesellschaft herein, eilte an Hsi-fëngs Bett und zog vorsichtig die Bettvorhänge zur Seite. Hsi-fëng öffnete ihre Augen. Als sie sah, daß die Herzoginmutter das Zimmer betreten hatte, schämte sie sich. Zuvor war sie zu dem Schluß gekommen, daß sich die ganze Familie gegen sie gewandt hatte, daß sich niemand mehr um sie sorgte, daß es allen gleichgültig war, ob sie lebte oder tot sei. Und jetzt kam die Herzoginmutter persönlich vorbei, um sie zu besuchen. Ihr Herz war erleichtert und die angestaute Luft schien entweichen zu können, sie strengte sich sogar an, sich aufzusetzen; doch die Herzoginmutter trug Ping-örl auf, sie wieder hinzulegen.
 
„Beweg dich nicht“, sagte sie zu Hsi-fëng, „fühlst du dich jetzt ein biß­chen besser?“
 
Hsi-fëng hielt ihre Tränen zurück und sagte. „Seit ich als junge Braut hierher gekommen war, haben du, Mutter und Tante Wang mich geliebt. Wie grausam war ich vom Schicksal verfolgt, ich habe darin versagt, dir und Tante Wang gegenüber meine Pflichten zu erfüllen, dennoch behandelt ihr mich gut und habt mich den Haushalt organisieren lassen. Doch ich habe den Haushalt ins Chaos gestürzt. Ich habe vor Dir und der Tante das Gesicht verloren. Ich verdiene es wirklich nicht, daß ihr mich heute besucht. Ich fürchte, der Himmel wird mich dafür bestrafen, indem er mir die letzten zwei der drei Tage nimmt, die mir noch zum Leben übrig bleiben.“
 
Sie schluchzte heftig.
 
„Diesen ganzen Unsinn haben andere angefangen,“ tröstete sie die Herzoginmutter. „Es hat nichts mit dir zu tun. Ich weiß, daß etwas von deinem Besitz beschlagnahmt wurde, doch sorge dich nicht: Ich habe dir einige Geschenke mitgebracht, sieh selbst!“
 
Sie wies eines der Dienstmädchen an, die Geschenke vor ihr auszubreiten. Besitztümer hatten Hsi-fëng immer viel bedeutet und der plötzliche Verlust all ihrer weltlichen Güter hatte ihr einen schweren Schlag versetzt. Sie hatte sich selbst mit dem Gedanken gequält, daß jeder in der Familie ihr die Schuld für das gab, was vorgefallen war. Als sie zwischen Leben und Tod schwebte, kam sogar die Herzoginmutter und die Dame Wang vorbei und beruhigten sie. Und war nicht auch Djia Liän nichts passiert? Hsi-fëng fühlte sich etwas erleichtert und verneigte sich von ihren Kissen aus vor der Herzoginmutter: „Bitte mach’ dir um mich keine Sorgen, Großmutter! Wenn ich weiterhin deinen Segen genießen kann und meine Gesundheit sich erholt, werde ich voller Freude eure Dienstmagd für schwere Arbeiten sein, mein Herz und meine Seele hingeben, um dir und Tante Wang zu dienen.“
 
Diese demütige Dankbarkeit ging der Herzoginmutter ans Herz, sie brach zusammen und weinte. Bau-yü folgte umgehend darauf. So eine Familienkrise hatte er noch nie erlebt. Sein Leben hatte bis dahin aus friedlichen und angenehmen Beschäftigungen bestanden, und er war stets von allem wirklichen Leid ferngehalten worden. Doch jetzt sah er, wohin er auch blickte, nur Kummer und Leid. Erst jetzt wurde ihm seine eigene Beschränktheit vor Augen geführt; und wenn er jemand anderes weinen sah, tat er es ihm automatisch gleich.
 
Als sie sah, in welch kümmerlichem Zustand ihre Besucher waren, nahm sich Hsi-fëng zusammen, um ein paar heitere Worte zu sagen und bat dann die Herzoginmutter und die Dame Wang, in ihre Gemächer zurückzukehren; sie versprach, nach ihrer Genesung umgehend vorbeizuschauen. Dabei erhob sie ihren Kopf schwach vom Kissen. „Paß gut auf sie auf!“, trug die Herzoginmutter Ping-örl auf. „Und wenn es euch an irgend etwas mangelt, laßt es mich wissen.“
 
Sie nahm die Dame Wang mit zurück in ihre eigenen Gemächer. Auf ihrem Weg konnte sie aus jedem Winkel Gejammer hören. Das war mehr, als sie ertragen konnte. Sie schickte die Dame Wang fort und wies Bau-yü an, sich von seinem Onkel Schë und Vetter Dschën zu verabschieden und danach sofort zurückzukommen.
 
Völlig allein ließ sie sich nun auf ihr Bett fallen und weinte. Yüan-yang versuchte auf alle erdenklichen Arten, sie zu trösten, und schließlich schlief die Herzoginmutter ein.
 
Verständlicherweise sahen Djia Schë und Vetter Dschën ihre bevorstehends Verbannung mit wenig Begeisterung. Die zu ihrer Begleitung ausgewählten Männer waren ebenfalls unwillig zu gehen und beklagten sich bitter über ihr Los. Im Leben verlassen zu werden ist in Wahrheit noch schmerzhafter, als durch den Tod getrennt zu werden, und das Verfolgen eines solchen Abschieds ist meist noch trauriger als der eigentliche Abschied selbst. Das Jung-guo-Anwesen, einst ein so strahlender Ort der Vornehmheit, war nun von Jammern und Klagen erfüllt.
 
Djia Dschëng war gewöhnlich ein großer Verfechter von Formalitäten, und so fuhr er trotz allem fort, Djia Schë den ernsten Respekt entgegen zu bringen, der einem älteren Bruder gebührte. Die zwei Brüder reichten sich daheim die Hände, und Djia Dschëng ritt dann vor hinter die Stadtmauer und wartete dort, um rituell das Glas Wein zum Abschied zu trinken. Er ermahnte Djia Schë, sich an die Erwartungen zu erinnern, die der Staat ihm wegen seiner Vorfahren entgegenbrachte und sich dessen würdig zu erweisen. Djia Schë und Vetter Dschën wischten sich die Tränen aus den Augen und begaben sich auf den Weg zu ihren verschiedenen Reisezielen.
 
Djia Dschëng kehrte mit Bau-yü zurück nach Hause.
 
 
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Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

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中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

第一百六回 王熙凤致祸抱羞惭 贾太君祷天消祸患 话说贾政闻知贾母危急,即忙进去看视,见贾母惊吓气逆,王夫人、鸳鸯等唤醒回来。即用疏气安神的丸药服了,渐渐的好些,只是伤心落泪。贾政在旁劝慰,总说:“是儿子们不肖,招了祸来,累老太太受惊。若老太太宽慰些,儿子们尚可在外料理;若是老太太有什么不自在,儿子们的罪孽更重了。”贾母道:“我活了八十多岁,自作女孩儿起,到你父亲手里,都托着祖宗的福,从没有听见过这些事。如今到老了,见你们倘或受罪,叫我心里过的去吗?倒不如合上眼,随你们去罢了!”说着又哭。 贾政此时着急异常,又听外面说:“请老爷,内廷有信。”贾政急忙出来,见是北静王府长史,一见面便说:“大喜!”贾政谢了,请长史坐下,请问:“王爷有何谕旨?”那长史道:“我们王爷同西平郡王进内复奏,将大人惧怕之心、感激天恩之语都代奏过了。主上甚是悯恤,并念及贵妃溘逝未久,不忍加罪,着加恩仍在工部员外上行走。所封家产,惟将贾赦的入官,馀俱给还。并传旨令尽心供职。惟抄出借券,令我们王爷查核:如有违禁重利的,一概照例入官;其在定例生息的,同房地文书,尽行给还。贾琏着革去职衔,免罪释放。”贾政听毕,即起身叩谢天恩,又拜谢王爷恩典:“先请长史大人代为禀谢,明晨到阙谢恩,并到府里磕头。”那长史去了。 少停,传出旨来。承办官遵旨,一一查清,入官者入官,给还者给还;将贾琏放出;所有贾赦名下男妇人等,造册入官。 可怜贾琏屋内东西,除将按例放出的文书发给外,其馀虽未尽入官的,早被查抄的人尽行抢去,所存者只有家伙物件。贾琏始则惧罪,后蒙释放,已是大幸。但想起历年积聚的东西并凤姐的体己,不下五七万金,一朝而尽,怎得不疼?且他父亲现禁在锦衣府,凤姐病在垂危,一时悲痛交集。 又见贾政含泪叫他,问道:“我因官事在身,不大理家,故叫你们夫妇总理家事。你父亲所为,固难谏劝;那重利盘剥,究竟是谁干的?况且非咱们这样人家所为。如今入了官,在银钱呢是不打紧的,这声名出去还了得吗?”贾琏跪下说道:“侄儿办家事,并不敢存一点私心。所有出入的账目,自有赖大、吴新登、戴良等登记,老爷只管叫他们来查问。现在这几年,库内的银子出多入少,虽没贴补在内,已在各处做了好些空头,求老爷问太太就知道了。这些放出去的账,连侄儿也不知道那里的银子,要问周瑞、旺儿才知道。”贾政道:“据你说来,连你自己屋里的事还不知道,那些家中上下的事更不知道了。我这会子也不查问你。现今你无事的人,你父亲的事和你珍大哥的事,还不快去打听打听吗?”贾琏一心委屈,含着眼泪,答应了出去。 贾政连连叹气,想道:“我祖父勤劳王事,立下功勋,得了两个世职,如今两房犯事,都革去了。我瞧这些子侄没一个长进的。老天哪,老天哪!我贾家何至一败如此!我虽蒙圣恩格外垂慈,给还家产,那两处食用自应归并一处,叫我一人那里支撑的住?方才琏儿所说,更加诧异,说不但库上无银,而且尚有亏空,这几年竟是虚名在外。只恨我自己为什么糊涂若此!倘或我珠儿在世,尚有膀臂;宝玉虽大,更是无用之物。”想到这里,不觉泪满衣襟。又想:“老太太偌大年纪,儿子们并没奉养一日,反累他老人家吓得死去活来。种种罪孽,叫我委之何人?” 正在独自悲切,只见家人禀报:“各亲友进来看候。”贾政一一道谢。说起:“家门不幸,是我不能管教子侄,所以至此。”有的说:“我久知令兄赦大老爷行事不妥,那边珍爷更加骄纵。若说因官事错误得个不是,于心无愧;如今自己闹出的,倒带累了二老爷。”有的说:“人家闹的也多,也没见御史参奏。不是珍老大得罪朋友,何至如此?”有的说:“也不怪御史,我们听见说是府上的家人同几个泥腿在外头哄嚷出来的。御史恐参奏不实,所以诓了这里的人去,才说出来的。我想府上待下人最宽的,为什么还有这事?”有的说:“大凡奴才们是一个养活不得的。今儿在这里都是好亲友,我才敢说:就是尊驾在外任,我也保得你是不爱钱的,但那外头的风声也不好,都是奴才们闹的,你该隄防些。如今虽说没有动你的家,倘或再遇着主上疑心起来,好些不便呢!” 贾政听说,心下着忙道:“众位听见我的风声怎样?”众人道:“我们虽没见实据,只听得外头人说,你在粮道任上,怎么叫门上家人要钱。”贾政听了,便说道:“我这是对天可表的,从不敢起这个念头。只是奴才们在外头招摇撞骗,闹出事来,我就耽不起。”众人道:“如今怕也无益,只好将现在的管家们都严严的查一查,若有抗主的奴才,查出来严严的办一办也罢了。” 贾政听了点头。便见门上的进来回说:“孙姑爷打发人来说,自己有事不能来,着人来瞧瞧。说大老爷该他一项银子,要在二老爷身上还的。”贾政心内忧闷,只说:“知道了。”众人都冷笑道:“人说令亲孙绍祖混账,果然有的。如今丈人抄了家,不但不来瞧看帮补,倒赶忙的来要银子,真真不在理上!”贾政道:“如今且不必说他。那头亲事原是家兄配错了的,我的侄女儿的罪已经受够了,如今又找上我来了。” 正说着,只见薛蝌进来说道:“我打听锦衣府赵堂官必要照御史参的办,只怕大老爷和珍大爷吃不住。”众人都道:“二老爷,还是得你出去求求王爷,怎么挽回挽回才好;不然,这两家子就完了。”贾政答应致谢,众人都散。 这时天已点灯时候,贾政进去请贾母的安,见贾母略略好些。回到自己房中,埋怨贾琏夫妇不知好歹,如今闹出放账的事情,大家不好,心里很不受用。只是凤姐现在病重,况他所有的什物尽被抄抢,心内自然难受,一时也未便说他,暂且隐忍不言。一夜无话。 次早,贾政进内谢恩。并到北静王府、西平王府两处叩谢,求二位王爷照应他哥哥、侄儿。二王应许。贾政又在同寅相好处托情。 且说贾琏打听得父兄之事不大妥,无法可施,只得回到家中。平儿守着凤姐哭泣,秋桐在耳房里抱怨凤姐。贾琏走到旁边,见凤姐奄奄一息,就有多少怨言,一时也说不出来。平儿哭道:“如今已经这样,东西去了不能复来。奶奶这样,还得再请个大夫瞧瞧才好啊!”贾琏啐道:“呸!我的性命还不保,我还管他呢!” 凤姐听见,睁眼一瞧,虽不言语,那眼泪直流。看见贾琏出去了,便和平儿道:“你别不达时务了。到了这个田地,你还顾我做什么?我巴不得今儿就死才好。只要你能够眼里有我,我死后,你扶养大了巧姐儿,我在阴司里也感激你的情。”平儿听了,越发抽抽搭搭的哭起来了。凤姐道:“你也不糊涂。他们虽没有来说,必是抱怨我的。虽说事是外头闹起,我不放账,也没我的事。如今枉费心计,争了一辈子的强,偏偏儿的落在人后头了。我还恍惚听见珍大爷的事,说是强占良民妻子为妾,不从逼死,有个姓张的在里头,你想想还有谁呢?要是这件事审出来,咱们二爷是脱不了的,我那时候儿可怎么见人呢?我要立刻就死,又耽不起吞金服毒的。你还要请大夫,这不是你疼我,反倒害了我了么?”平儿愈听愈惨,想来实在难处,恐凤姐自寻短见,只得紧紧守着。 幸贾母不知底细,因近日身子好些,又见贾政无事,宝玉、宝钗在旁,天天不离左右,略觉放心。素来最疼凤姐,便叫鸳鸯:“将我的体己东西拿些给凤丫头,再拿些银钱交给平儿,好好的伏侍好了凤丫头,我再慢慢的分派。”又命王夫人照看邢夫人。 此时宁国府第入官,所有财产、房地等项并家奴等俱已造册收尽。这里贾母命人将车接了尤氏婆媳过来。可怜赫赫宁府,只剩得他们婆媳两个并佩凤、偕鸾二人,连一个下人没有。贾母指出房子一所居住,就在惜春所住的间壁;又派了婆子四人、丫头两个伏侍;一应饭食起居,在大厨房内分送;衣裙什物,又是贾母送去;零星需用,亦在账房内开销,俱照荣府每人月例之数。 那贾赦、贾珍、贾蓉在锦衣府使用,账房内实在无项可支。如今凤姐儿一无所有,贾琏外头债务满身。贾政不知家务,只说:“已经托人,自有照应。”贾琏无计可施,想到那亲戚里头:薛姨妈家已败,王子腾已死;馀者亲戚虽有,俱是不能照应的。只得暗暗差人下屯,将地亩暂卖数千金,作为监中使费。贾琏如此一行,那些家奴见主家势败,也便趁此弄鬼,并将东庄租税也就指名借用些。此是后话,暂且不提。 且说贾母见祖宗世职革去,现在子孙在监质审,邢夫人、尤氏等日夜啼哭,凤姐病在垂危;虽有宝玉、宝钗在侧,只可解劝,不能分忧:所以日夜不宁,思前想后,眼泪不干。 一日傍晚,叫宝玉回去。自己扎挣坐起,叫鸳鸯等各处佛堂上香。又命自己院内焚起斗香,用拐拄着,出到院中。琥珀知是老太太要拜佛,铺下大红猩毡拜垫。贾母上香跪下,磕了好些头,念了一回佛,含泪祝告天地道:“皇天菩萨在上:我贾门史氏,虔诚祷告,求菩萨慈悲。我贾门数世以来,不敢行凶霸道。我帮夫助子,虽不能为善,也不敢作恶。必是后辈儿孙骄奢淫佚,暴殄天物,以致阖府抄检。现在儿孙监禁,自然凶多吉少。皆由我一人罪孽,不教儿孙,所以至此。我今叩求皇天保佑:在监的逢凶化吉,有病的早早安身。纵有合家罪孽,情愿一人承当,求饶恕儿孙。若皇天怜念我虔诚,早早赐我一死,宽免儿孙之罪。”默默说到此处,不禁伤心,呜呜咽咽的哭泣起来。鸳鸯、珍珠一面解劝,一面扶进房去。 只见王夫人带了宝玉、宝钗过来请晚安,见贾母伤悲,三人也大哭起来。宝钗更有一层苦楚:想哥哥也在外监,将来要处决,不知可能减等;公婆虽然无事,眼见家业萧条;宝玉依然疯傻,毫无志气。想到后来终身,更比贾母、王夫人哭的悲痛。宝玉见宝钗如此,他也有一番悲戚,想着:“老太太年老,不得安心;老爷、太太见此光景,不免悲伤;众姐妹风流云散,一日少似一日。追思园中吟诗起社,何等热闹!自林妹妹一死,我郁闷到今,又有宝姐姐伴着,不便时常哭泣。况他又忧兄思母,日夜难得笑容。今日看他悲哀欲绝,心里更加不忍。”竟嚎啕大哭起来。鸳鸯、彩云、莺儿、袭人看着,也各有所思,便都抽抽搭搭的。馀者丫头们看的伤心,不觉也都哭了。竟无人劝,满屋中哭声惊天动地,将外头上夜婆子吓慌,急报与贾政知道。 那贾政正在书房纳闷,听见贾母的人来报,心中着忙,飞奔进内。远远听得哭声甚众,打量老太太不好,急的魂魄俱丧。疾忙进来,只见坐着悲啼,才放下心来。便道:“老太太伤心,你们该劝解才是啊,怎么打伙儿哭起来了?”众人这才急忙止哭,大家对面发怔。贾政上前安慰了老太太,又说了众人几句。都心里想道:“我们原怕老太太悲伤,所以来劝解,怎么忘情,大家痛哭起来?” 正自不解,只见老婆子带了史侯家的两个女人进来,请了贾母的安,又向众人请安毕,便说道:“我们家的老爷、太太、姑娘打发我来说:听见府里的事,原没什么大事,不过一时受惊。恐怕老太太、老爷、太太烦恼,叫我们过来告诉一声,说这里二老爷是不怕的了。我们姑娘本要自己来的,因不多几日就要出阁,所以不能来了。”贾母听了,不便道谢,说: “你回去给我问好。这是我们的家运合该如此。承你们老爷、太太惦记着,改日再去道谢。你们姑娘出阁,想来姑爷是不用说的了,他们的家计如何呢?”两个女人回道:“家计倒不怎么着,只是姑爷长的很好,为人又和平。我们见过好几次,看来和这里的宝二爷差不多儿,还听见说文才也好。” 贾母听了,喜欢道:“这么着才好,这是你们姑娘的造化。只是咱们家的规矩还是南方礼儿,所以新姑爷我们都没见过。我前儿还想起我娘家的人来,最疼的就是你们姑娘,一年三百六十天,在我跟前的日子倒有二百多天。混的这么大了,我原想给他说个好女婿,又为他叔叔不在家,我又不便作主。他既有造化配了个好姑爷,我也放心。月里头出阁,我原想过来吃杯喜酒,不料我们家闹出这样事来,我的心就像在热锅里熬的似的,那里能够再到你们家去?你回去说我问好,我们这里的人都请安问好。你替另告诉你们姑娘,不用把我放在心上。我是八十多岁的人了,就死也算不得没福了。只愿他过了门,两口儿和和顺顺的百年到底,我就心安了。”说着,不觉掉下泪来。 那女人道:“老太太也不必伤心。姑娘过了门,等回了九,少不得同着姑爷过来请老太太的安,那时老太太见了才喜欢呢。”贾母点头。那女人出去了。 别人都不理论,只有宝玉听着,发了一回怔。心里想道:“为什么人家养了女孩儿,到大了必要出嫁呢?一出了嫁,就改换了一个人似的。史妹妹这么个人,又叫他叔叔硬压着配了人了。他将来见了我,必是也不理我了。我想一个人到了这个没人理的分儿,还活着做什么?”想到这里,又是伤心。见贾母此时才安,又不敢哭,只得闷坐着。 一时贾政不放心,又进来瞧瞧老太太,见是好些。便出来传了赖大,叫他将合府里管事的家人的花名册子拿来,一齐点了一点。除去贾赦入官的人,尚有三十馀家,共男女二百十二名。贾政叫现在府内当差的男人共四十一名进来,问起历年居家用度,共有若干进来,该用若干出去。那管总的家人将近来支用簿子呈上。贾政看时,所入不敷所出,又加连年宫里花用,账上多有在外浮借的。再查东省地租,近年所交不及祖上一半,如今用度比祖上加了十倍。贾政不看则已,看了急的跺脚道:“这还了得!我打量琏儿管事,在家自有把持。岂知好几年头里,已经寅年用了卯年的,还是这样装好看,竟把世职俸禄当作不打紧的事,有什么不败的呢?我如今要省俭起来,已是迟了。”说到这里,背着手踱来踱去,竟无方法。 众人知贾政不知理家,也是白操心着急,便说道:“老爷也不用心焦,这是家家这样的。若是统总算起来,连王爷家还不够过的呢。不过是装着门面,过到那里是那里罢咧。如今老爷到底得了主上的恩典,才有这点子家产;若是一并入了官,老爷就不过了不成?”贾政嗔道:“放屁!你们这班奴才最没良心的:仗着主子好的时候儿,任意开销;到弄光了,走的走,跑的跑,还顾主子的死活吗?如今你们说是没有查抄,你们知道吗?外头的名声,连大本儿都保不住了,还搁的住你们在外头支架子说大话,诓人骗人?到闹出事来,往主子身上一推就完了。如今大老爷和你珍大爷的事,说是咱们家人鲍二吵嚷的,我看这册子上并没有什么鲍二,这是怎么说?” 众人回道:“这鲍二是不在档子上的。先前在宁府册上,为二爷见他老实,把他们两口子叫过来了。后来他女人死了,他又回宁府去。自从老爷衙门里头有事,老太太、太太们和爷们往陵上去了,珍大爷替理家事,带过来的,以后也就去了。老爷几年不管家务事,那里知道这些事呢?老爷只打量着册子上有这个名字,就只有这一个人呢,不知道一个人手底下亲戚们也有好几个,奴才还有奴才呢。”贾政道:“这还了得!”想来一时不能清理,只得喝退众人。早打了主意在心里了,且听贾赦等的官事审的怎样再定。 一日,正在书房筹算,只见一人飞奔进来说:“请老爷快进内廷问话。”贾政听了,心下着忙,只得进去。 未知吉凶,下回分解。 骄奢淫佚──佚:放纵,放荡。 语出《左传·隐公三年》:“石碏谏曰:‘臣闻爱子,教之以义方,弗纳于邪。骄奢淫泆,所自邪也。’”(泆:义同“佚”。)孔颖达疏:“骄谓恃己陵物,奢谓夸矜僭上,淫谓嗜欲过度,泆谓放恣无艺。”意谓骄横奢侈,荒淫无度。​ 风流云散──语出汉·王粲《赠蔡子笃》诗:“悠悠世路,乱离多阻。济岱江行,邈焉异处。风流云散,一别如雨。”意谓犹如风的流动,云的飘散。比喻人的离散,各奔东西。​

Kapitel 106

Phönixglanz [1] bringt Unheil über die Familie und schämt sich zutiefst

Die Herzoginmutter [2] betet zum Himmel, um das Unglück abzuwenden

Wie bereits erzählt, hatte Aufrecht Kaufmann [3] erfahren, dass es der Herzoginmutter schlecht ging, und eilte sofort hinein, um nach ihr zu sehen. Er fand sie in einem Zustand des Schreckens, völlig außer Atem. Frau König [4], Mandarinenente [5] und die anderen hatten sie wieder zu Bewusstsein gebracht. Man gab ihr sogleich Pillen zur Beruhigung und zur Lösung des stockenden Atems, und allmählich ging es ihr etwas besser, doch sie vergoss unaufhörlich Tränen der Verzweiflung. Aufrecht Kaufmann stand neben ihr und versuchte sie zu trösten. Er sagte immer wieder: "Es ist die Schuld eurer unwürdigen Söhne, die dieses Unglück herbeigeführt und der gnädigen Mutter solchen Schrecken eingejagt haben. Wenn die gnädige Mutter sich nur etwas beruhigen könnte, können die Söhne draußen die Angelegenheiten noch in Ordnung bringen. Wenn der gnädigen Mutter aber etwas zustößt, wird die Schuld der Söhne nur noch schwerer wiegen."

Die Herzoginmutter sagte: "Ich habe über achtzig Jahre gelebt. Von meiner Mädchenzeit an, über die Zeit deines Vaters hinweg, haben wir stets unter dem Segen unserer Ahnen gelebt, und nie habe ich von solchen Dingen gehört. Nun, da ich alt bin, muss ich mit ansehen, wie ihr womöglich bestraft werdet — wie soll ich das nur ertragen? Am liebsten würde ich die Augen für immer schließen und euch eurem Schicksal überlassen!" Damit weinte sie erneut.

Aufrecht Kaufmann war zu diesem Zeitpunkt äußerst beunruhigt, als von draußen die Nachricht kam: "Der Herr wird gebeten herauszukommen, es gibt Nachrichten vom Inneren Hof." Aufrecht Kaufmann eilte hinaus und sah den Haushofmeister des Fürsten von Beijing, der ihm sogleich entgegenrief: "Große Freude!" Aufrecht Kaufmann dankte und bat den Haushofmeister, sich zu setzen, und fragte: "Welche Botschaft hat der Fürst?"

Der Haushofmeister berichtete: "Unser Fürst ist zusammen mit dem Fürsten von Xiping in den Palast gegangen, um Bericht zu erstatten. Er hat dem Thron all Eure Furcht und Eure Dankbarkeit für die kaiserliche Gnade vorgetragen. Seine Majestät zeigte großes Mitgefühl und gedachte auch des kürzlichen Ablebens der Edlen Gemahlin. Er wollte die Strafe nicht verschärfen und verfügte gnädig, dass Ihr weiterhin als Außerordentlicher Beamter im Ministerium für Öffentliche Arbeiten Dienst tun sollt. Was das beschlagnahmte Familienvermögen betrifft: Nur der Besitz von Begnadigung Kaufmann [6] wird eingezogen, alles Übrige wird zurückgegeben. Ferner erging der kaiserliche Befehl, pflichtbewusst den Dienst zu versehen. Lediglich die bei der Durchsuchung gefundenen Schuldscheine sollen von unserem Fürsten geprüft werden: Wo verbotene Wucherzinsen erhoben wurden, wird alles gemäß der Vorschriften eingezogen; was zu den erlaubten Zinssätzen verliehen wurde, wird mitsamt den Urkunden für Grundbesitz vollständig zurückgegeben. Kette Kaufmann [7] wird seines Ranges und Titels enthoben, doch von der Strafe befreit und freigelassen."

Als Aufrecht Kaufmann dies vernommen hatte, erhob er sich sogleich, kniete nieder und dankte für die kaiserliche Gnade. Dann verneigte er sich vor dem Fürsten und bat: "Ich bitte den Herrn Haushofmeister, zunächst meinen demütigsten Dank zu übermitteln. Morgen früh werde ich am Hofe persönlich danken und anschließend dem Fürsten meinen Kotau erweisen." Der Haushofmeister ging.

Kurz darauf wurde der kaiserliche Erlass übermittelt. Die zuständigen Beamten befolgten die Anordnungen und prüften alles einzeln: Was einzuziehen war, wurde eingezogen, was zurückzugeben war, wurde zurückgegeben. Kette Kaufmann wurde freigelassen. Sämtliche Diener und Dienerinnen, die unter Kaufmann Begnadigings Namen standen, wurden registriert und in den Staatsdienst überführt.

Der arme Kette Kaufmann! Abgesehen von den Dokumenten, die gemäß den Vorschriften freigegeben wurden, war alles aus seinen Gemächern verschwunden. Was nicht offiziell eingezogen worden war, hatten die Durchsuchungsbeamten bereits an sich gerissen. Übrig geblieben waren nur Möbel und Hausrat. Kette Kaufmann war zunächst voller Angst vor Bestrafung gewesen, und seine Freilassung war schon ein großes Glück. Doch wenn er daran dachte, dass die über die Jahre angehäuften Schätze und Phönixglanz' persönliches Vermögen zusammen nicht weniger als fünfzig- bis siebzigtausend Goldstücke betrugen und nun über Nacht dahin waren, wie hätte ihn das nicht schmerzen sollen? Zudem war sein Vater noch im Gefängnis der Kaiserlichen Garde festgehalten, und Phönixglanz lag todkrank darnieder. Kummer und Schmerz überwältigten ihn gleichzeitig.

Da rief ihn Aufrecht Kaufmann mit Tränen in den Augen zu sich und fragte: "Weil ich mit meinen Amtspflichten beschäftigt war, habe ich mich wenig um die Haushaltsangelegenheiten gekümmert und daher euch, dich und deine Frau, mit der Gesamtverwaltung betraut. Was dein Vater getrieben hat, war gewiss schwer zu unterbinden. Aber die Wucherzinsen und Ausbeuterei — wer hat das betrieben? Zudem ist so etwas einer Familie wie der unseren ganz und gar unwürdig. Dass es nun eingezogen wurde — beim Geld ist das nicht so schlimm, aber was für ein Ruf geht da hinaus in die Welt!"

Kette Kaufmann kniete nieder und sagte: "Als ich die Familiengeschäfte führte, habe ich nicht den geringsten eigennützigen Gedanken gehegt. Alle Ein- und Ausgaben wurden von Lai Da, Wu Xindeng, Dai Liang und den anderen verbucht. Der Herr Onkel mag sie rufen und befragen. In den letzten Jahren ist aus der Schatzkammer mehr Silber hinausgegangen als hereingekommen. Obwohl ich nichts aus eigener Tasche zugeschossen habe, habe ich an vielen Stellen Löcher mit leeren Versprechungen gestopft. Der Herr Onkel braucht nur die gnädige Tante zu fragen, dann wird er es wissen. Was die ausgeliehenen Gelder betrifft — selbst ich weiß nicht, woher das Silber stammte. Da müsste man Zhou Rui und Wang'er fragen."

Aufrecht Kaufmann sagte: "Wenn ich dich so höre, weißt du nicht einmal, was in deinem eigenen Haushalt vorgeht, geschweige denn in der übrigen Familie. Ich werde dich jetzt nicht weiter ausfragen. Du bist ein freier Mann — solltest du nicht schleunigst herausfinden, wie es um die Angelegenheiten deines Vaters und deines Vetters Herrlichkeit Kaufmann [8] steht?"

Kette Kaufmann war voller Bitterkeit, hielt die Tränen zurück, antwortete mit einem "Ja" und ging hinaus.

Aufrecht Kaufmann seufzte immer wieder und dachte bei sich: "Mein Großvater hat sich treu und rastlos für den Staat eingesetzt und große Verdienste erworben, wodurch unsere Familie zwei erbliche Ämter erhielt. Nun haben beide Häuser Verfehlungen begangen, und beide Titel wurden eingezogen. Ich sehe unter all diesen Söhnen und Neffen keinen einzigen, der etwas taugt. Oh Himmel, oh Himmel! Wie konnte es mit der Familie Kaufmann nur so weit kommen! Zwar bin ich durch die außerordentliche Gnade Seiner Majestät begünstigt worden und man hat mir das Familienvermögen zurückgegeben, doch die Ausgaben beider Häuser müssen nun von einem zusammengelegt werden. Wie soll ich das allein stemmen? Was Kette vorhin sagte, hat mich noch mehr erschreckt: Nicht nur ist die Schatzkammer leer, es gibt sogar Schulden! Die ganze Pracht dieser Jahre war nur leerer Schein. Ich kann mir nur selbst Vorwürfe machen, wie konnte ich nur so blind sein! Hätte mein Zhu noch gelebt, hätte ich wenigstens einen starken Arm an meiner Seite. Schatzjade [9] ist zwar herangewachsen, aber er ist ein völlig nutzloser Mensch." Bei diesem Gedanken konnte er die Tränen nicht zurückhalten, die ihm über die Kleider liefen. Dann dachte er weiter: "Die Herzoginmutter ist so hochbetagt, und wir Söhne haben sie keinen einzigen Tag pflegen können. Im Gegenteil, wir haben der alten Dame solchen Schrecken eingejagt, dass sie halb tot war. All diese Sünden — wem kann ich sie anlasten?"

Während er allein vor sich hin trauerte, meldeten die Diener: "Verschiedene Verwandte und Freunde sind gekommen, um ihre Aufwartung zu machen." Aufrecht Kaufmann dankte einem nach dem anderen. Er sagte: "Unsere Familie ist vom Unglück getroffen. Es ist meine Schuld, dass ich die Söhne und Neffen nicht richtig erzogen habe, und so ist es zu all dem gekommen."

Einige sagten: "Ich wusste schon lange, dass der ältere Herr Begnadigung nicht recht handelte, und drüben der junge Herrlichkeit Kaufmann war noch schlimmer mit seinem übermütigen Treiben. Wenn es nur um Fehler bei Amtsgeschäften gegangen wäre, hätte man sich nichts vorzuwerfen. Aber dass sie es selbst verschuldet haben und nun den Herrn Aufrecht mit hineinziehen — das ist wirklich bedauerlich."

Andere meinten: "Solche Dinge kommen in vielen Familien vor, und trotzdem wird nicht jeder vom Zensor angeklagt. Hätte der junge Herrlichkeit Kaufmann seine Freunde nicht verärgert, wäre es nicht so weit gekommen."

Wieder andere sagten: "Man kann auch dem Zensor keinen Vorwurf machen. Wir haben gehört, dass es Diener aus eurem Haushalt und einige Bauernkerle waren, die draußen den Lärm gemacht haben. Der Zensor fürchtete, seine Anklage könnte unbegründet sein, und hat deshalb Leute von hier hergelockt, die dann alles ausgeplaudert haben. Ich dachte immer, eure Familie behandele ihre Diener besonders großzügig. Warum kam es trotzdem zu solchen Dingen?"

Noch andere sagten: "Im Grunde kann man keinem Diener trauen. Heute sind wir unter guten Freunden, deshalb wage ich es zu sagen: Selbst Ihr als Beamter in der Provinz — ich kann bezeugen, dass Ihr selbst nicht bestechlich seid. Aber Euer Ruf draußen ist trotzdem nicht gut, und das liegt alles an Euren Dienern. Ihr solltet besser auf der Hut sein. Auch wenn man Euch diesmal das Familienvermögen gelassen hat — wenn Seine Majestät einmal Verdacht schöpft, wird es übel für Euch ausgehen."

Als Aufrecht Kaufmann das hörte, wurde er unruhig und fragte: "Was habt ihr denn über meinen Ruf gehört?"

Die anderen antworteten: "Wir haben zwar keine Beweise gesehen, aber man hört draußen sagen, dass auf Eurem Posten als Getreide-Intendant Eure Pförtner Geld von den Leuten verlangt hätten."

Aufrecht Kaufmann sagte: "Das kann ich vor dem Himmel bezeugen: Niemals habe ich auch nur einen solchen Gedanken gehabt. Aber wenn die Diener draußen Unheil treiben und angeben, dann bin ich es, der dafür geradestehen muss."

Die anderen sagten: "Jetzt Angst zu haben nützt auch nichts mehr. Am besten lasst Ihr die derzeitigen Verwalter streng überprüfen. Wenn sich Diener finden, die ihrem Herrn widersetzt haben, solltet Ihr sie streng bestrafen."

Aufrecht Kaufmann nickte. Da kam ein Pförtner herein und meldete: "Der Schwiegersohn Sun hat jemanden geschickt, um zu sagen, dass er selbst zu beschäftigt sei, um zu kommen, aber jemanden zum Nachschauen geschickt habe. Er sagt, der ältere Herr Begnadigung schulde ihm eine Summe Silber, und die wolle er nun vom Herrn Aufrecht einfordern."

Aufrecht Kaufmann war innerlich bedrückt und sagte nur: "Ich habe es zur Kenntnis genommen."

Die Gäste sagten alle mit einem kalten Lachen: "Man sagt ja, der Schwiegersohn Sun Shaozuo sei ein Schandkerl, und so ist es tatsächlich. Jetzt, wo dem Schwiegervater alles genommen wurde, kommt er nicht nur nicht, um nach ihm zu sehen und ihm zu helfen, sondern fordert auch noch hastig Geld ein. Das ist wirklich unverschämt!"

Aufrecht Kaufmann sagte: "Reden wir jetzt nicht von ihm. Diese Verbindung war von Anfang an eine Fehlentscheidung meines Bruders. Meine Nichte hat schon genug gelitten, und jetzt kommt er auch noch zu mir."

Gerade als sie so sprachen, kam Xue Ke herein und sagte: "Ich habe erfahren, dass der Vorsitzende Zhao vom Kaiserlichen Garde-Gericht unbedingt nach dem Antrag des Zensors verfahren will. Ich fürchte, der ältere Herr Begnadigung und der junge Herrlichkeit Kaufmann werden das nicht durchstehen."

Alle sagten: "Herr Aufrecht, Ihr solltet den Fürsten um Intervention bitten. Wenn man das nicht irgendwie abwendet, sind die beiden Familien erledigt."

Aufrecht Kaufmann sagte seine Hilfe zu und dankte. Die Gäste gingen alle.

Es war inzwischen Abend geworden. Aufrecht Kaufmann ging hinein, um der Herzoginmutter einen guten Abend zu wünschen, und fand sie etwas besser. Er kehrte in seine eigenen Gemächer zurück und machte Kette Kaufmann und seiner Frau Vorwürfe, dass sie nicht wüssten, was sich gehört. Dass nun die Sache mit den Wucherkrediten herausgekommen war, brachte der ganzen Familie Schande. Er war innerlich sehr aufgebracht. Doch da Phönixglanz schwer krank war und ihr gesamter Besitz beschlagnahmt worden war, konnte sie das natürlich nur bedrücken. Er konnte es ihr im Augenblick nicht vorwerfen und schwieg vorerst. Die Nacht verlief ohne weitere Vorkommnisse.

Am nächsten Morgen ging Aufrecht Kaufmann in den Palast, um sich für die kaiserliche Gnade zu bedanken. Dann fuhr er zum Palast des Fürsten von Beijing und zum Palast des Fürsten von Xiping, um sich dort zu bedanken, und bat die beiden Fürsten, sich um seinen Bruder und seinen Neffen zu kümmern. Beide Fürsten sagten ihre Hilfe zu. Aufrecht Kaufmann sprach auch bei befreundeten Amtskollegen vor, um deren Fürsprache zu erbitten.

Unterdessen hatte Kette Kaufmann erfahren, dass die Angelegenheiten seines Vaters und seines Vetters nicht gut standen. Er wusste keinen Rat und kehrte nach Hause zurück. Friedchen [10] saß weinend bei Phönixglanz, während Qiutong im Nebenzimmer über Phönixglanz schimpfte. Kette Kaufmann ging an ihr Bett und sah Phönixglanz im Todeskampf liegen. So viele Vorwürfe er auch haben mochte, in diesem Augenblick konnte er kein Wort herausbringen.

Friedchen sagte weinend: "Was geschehen ist, ist geschehen. Was weg ist, kommt nicht wieder. Aber die Herrin ist in diesem Zustand — wir sollten doch wenigstens noch einmal einen Arzt rufen!" Kette Kaufmann spuckte verächtlich aus: "Pah! Ob ich selber überlebe, weiß ich noch nicht, und da soll ich mich noch um sie kümmern?"

Phönixglanz hörte das, öffnete die Augen und blickte ihn an. Obwohl sie kein Wort sagte, liefen ihr die Tränen über die Wangen. Als sie sah, dass Kette Kaufmann hinausging, sagte sie zu Friedchen: "Du solltest nicht so weltfremd sein. Wo wir jetzt stehen, was kümmerst du dich noch um mich? Am liebsten würde ich heute noch sterben. Wenn du nur ein wenig Mitgefühl für mich hast und nach meinem Tod die kleine Pfiffigmädchen [11] großziehst, werde ich dir selbst aus dem Totenreich dankbar sein."

Friedchen weinte nur noch heftiger. Phönixglanz sagte: "Du bist nicht dumm. Obwohl sie es mir nicht ins Gesicht sagen, geben sie mir bestimmt die Schuld. Die Sache hat zwar draußen angefangen, aber hätte ich nicht Geld verliehen, hätte ich damit nichts zu tun gehabt. Nun waren all meine Pläne und Ränke umsonst. Mein ganzes Leben habe ich gekämpft, um an der Spitze zu stehen, und am Ende bin ich allen hintendran. Und dann habe ich noch dunkel gehört, dass Herrlichkeit Kaufmann angeklagt wird, sich die Ehefrau eines ehrlichen Bürgers als Nebenfrau genommen zu haben und sie in den Tod getrieben zu haben, als sie sich weigerte. Da soll ein gewisser Zhang verwickelt sein. Überlege einmal, wer das sonst sein könnte. Wenn diese Sache vor Gericht kommt, wird unser Zweiter Herr nicht davon freikommen. Wie soll ich dann jemals wieder jemandem ins Gesicht blicken? Am liebsten würde ich sofort sterben, aber ich bringe es nicht über mich, Gift zu schlucken oder Gold zu trinken. Wenn du jetzt einen Arzt rufst, ist das nicht Fürsorge, sondern du schadest mir damit!" Friedchen hörte zu und wurde immer verzweifelter. Da die Lage wirklich aussichtslos war und sie fürchtete, Phönixglanz könnte sich etwas antun, wich sie nicht mehr von ihrer Seite.

Glücklicherweise wusste die Herzoginmutter nichts von den Einzelheiten. Da sie sich in den letzten Tagen etwas besser fühlte und Aufrecht Kaufmann nichts zugestoßen war und Schatzjade und Schatzspange [12] ihr täglich zur Seite standen und sie keinen Moment allein ließen, war sie etwas beruhigt. Da sie Phönixglanz von jeher am meisten liebte, rief sie Mandarinenente: "Nimm etwas von meinen persönlichen Dingen und bringe es Phönixglanz. Und gib Friedchen auch etwas Silbergeld und sage ihr, sie solle sich gut um Phönixglanz kümmern. Ich werde später alles weitere anordnen." Ferner wies sie Frau König an, sich um die Frau Strafe [13] zu kümmern.

Zu dieser Zeit war das Stillfriede-Anwesen bereits in Staatsbesitz übergegangen. Sämtlicher Besitz, Grundstücke und Dienerschaft waren registriert und eingezogen worden. Die Herzoginmutter ließ eine Kutsche schicken, um Dame Sonders mit ihrer Schwiegertochter herüberzuholen. Das einst so stolze Stillfriede-Anwesen — es waren nur noch die beiden Frauen übrig geblieben, dazu Peifeng und Xieluan, ohne einen einzigen Diener. Die Herzoginmutter wies ihnen ein Haus neben Bedauerfrühlings Wohnung zu, stellte vier ältere Dienerinnen und zwei junge Mägde zu ihrer Bedienung ab. Mahlzeiten und täglicher Bedarf wurden aus der großen Küche geliefert. Kleidung und sonstige Dinge schickte die Herzoginmutter ebenfalls. Für kleinere Ausgaben wurde ein Budget aus der Haupt-Kassenstelle bewilligt, berechnet nach dem monatlichen Satz jedes Mitglieds des Prunkwille-Anwesens.

Begnadigung Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann und Rong Kaufmann waren im Gefängnis der Kaiserlichen Garde, und für ihren Unterhalt dort konnte die Kassenstelle tatsächlich nichts aufbringen. Phönixglanz besaß inzwischen nichts mehr, und Kette Kaufmann war von Schulden erdrückt. Aufrecht Kaufmann verstand nichts von Haushaltsangelegenheiten und sagte nur: "Ich habe bereits Fürsprecher beauftragt, man wird sich schon kümmern." Kette Kaufmann wusste keinen Rat. Er dachte an die Verwandten: Die Familie der Tante Schnee [14] war bereits ruiniert, Onkel König Ziteng war tot. Die übrigen Verwandten gab es zwar, aber keiner konnte helfen. So musste er heimlich jemanden aufs Land schicken, um einige Ländereien für ein paar tausend Goldstücke zu verkaufen, damit die Gefängniskosten gedeckt werden konnten. Bei diesem Treiben sahen die Diener, dass die Herrschaft am Ende war, und trieben selbst ihr Unwesen. Auch die Pachteinnahmen vom Ostgut wurden unter allerlei Vorwänden angezapft. Doch davon wird später erzählt.

Die Herzoginmutter sah, wie die erblichen Titel der Ahnen eingezogen worden waren, wie ihre Söhne und Enkel im Gefängnis saßen und verhört wurden. Die Frau Strafe und Dame Sonders weinten Tag und Nacht, und Phönixglanz lag im Sterben. Zwar waren Schatzjade und Schatzspange an ihrer Seite, doch die konnten sie nur trösten, nicht aber ihre Sorgen teilen. Tag und Nacht fand sie keine Ruhe, grübelte vor und zurück, und die Tränen trockneten nicht.

Eines Abends schickte sie Schatzjade fort. Sie richtete sich mühsam auf und befahl Mandarinenente, in allen Buddhahallen Weihrauch anzuzünden. In ihrem eigenen Hof ließ sie eine große Weihrauchschale aufstellen, stützte sich auf ihren Stock und ging hinaus in den Hof. Hupo wusste, dass die Herzoginmutter Buddha anbeten wollte, und legte ein großes, scharlachrotes Filzkissen zum Knien aus. Die Herzoginmutter steckte Räucherstäbchen an, kniete nieder, machte zahllose Verbeugungen, betete eine Weile zu Buddha und sprach dann unter Tränen zum Himmel und zur Erde:

"Erhabener Himmel und barmherziger Buddha, hört mich an! Ich, Shi aus dem Hause Kaufmann, bete in aufrichtiger Demut und flehe um die Barmherzigkeit des Buddha. Seit Generationen hat unsere Familie niemals Gewalt geübt oder andere tyrannisiert. Ich habe meinem Mann geholfen und meine Söhne unterstützt, und wenn ich auch nicht immer Gutes tun konnte, so habe ich doch nie Böses getan. Es muss an der jüngeren Generation liegen, die in Hochmut und Verschwendung, in Ausschweifung und Vergeudung lebte, bis schließlich das ganze Haus durchsucht und beschlagnahmt wurde. Nun sitzen Söhne und Enkel im Gefängnis, und es steht schlimm um sie. All dies geschieht wegen meiner Sünden allein, weil ich die Jüngeren nicht erzogen habe. So ist es dahin gekommen. Ich flehe den erhabenen Himmel an, uns zu beschützen: Mögen die Gefangenen dem Unheil entkommen und in Glück gewandelt werden; mögen die Kranken bald genesen. Alle Sünden der Familie will ich allein auf mich nehmen; ich bitte um Gnade für Söhne und Enkel. Wenn der erhabene Himmel meine aufrichtige Demut erhört, so gewähre mir einen baldigen Tod und verschone meine Nachkommen."

Als sie in ihrer stillen Andacht diese Worte sprach, konnte sie die Tränen nicht mehr halten und begann bitterlich zu schluchzen. Mandarinenente und Zhenzhu versuchten sie zu trösten und führten sie behutsam in ihr Gemach zurück.

Da kamen Frau König, Schatzjade und Schatzspange herein, um der Herzoginmutter eine gute Nacht zu wünschen. Als sie die Herzoginmutter so in Trauer sahen, brachen auch sie drei in lautes Weinen aus.

Schatzspange trug noch eine weitere Last der Trauer: Ihr Bruder saß draußen im Gefängnis und stand vor der Hinrichtung, und ob sein Urteil gemildert werden konnte, war ungewiss. Die Schwiegereltern waren zwar nicht in Gefahr, doch der Niedergang der Familie war offensichtlich. Schatzjade war immer noch halb verrückt und ohne jeden Ehrgeiz. Wenn sie an ihr weiteres Leben dachte, weinte sie noch bitterer als die Herzoginmutter und Frau König.

Auch Schatzjade hatte, als er Schatzspange so sah, seinen eigenen Kummer. Er dachte: "Die Herzoginmutter ist alt und findet keine Ruhe. Vater und Mutter sind bei diesem Anblick untröstlich. Die Schwestern sind wie Wolken zerstreut, von Tag zu Tag werden es weniger. Wenn ich an die fröhlichen Tage im Garten denke, als wir Gedichte schrieben und Dichterversammlungen abhielten — was für ein fröhliches Treiben war das! Seit Schwester Dai-yü gestorben ist, bin ich in tiefer Schwermut versunken. Nun habe ich zwar Schwester Schatzspange an meiner Seite, und so kann ich nicht ständig weinen. Zudem sorgt sie sich selbst um ihren Bruder und ihre Mutter und zeigt nur selten ein Lächeln. Und heute, da ich sie so untröstlich sehe, bricht mir das Herz noch mehr." Und er begann laut zu schluchzen.

Mandarinenente, Farbwölkchen, Yinger, Dufthauch [15] schauten zu, und jede hatte ihre eigenen traurigen Gedanken; auch sie begannen schluchzend zu weinen. Die übrigen Mägde wurden von dem Anblick ergriffen und weinten ebenfalls. Niemand tröstete mehr, und aus dem ganzen Raum drang Wehklagen zum Himmel empor. Die Nachtwächterinnen draußen erschraken und meldeten es eilig Aufrecht Kaufmann.

Aufrecht Kaufmann grübelte gerade in seinem Arbeitszimmer, als die Nachricht von den Leuten der Herzoginmutter kam. Voller Sorge sprang er auf und eilte in die inneren Gemächer. Schon von Weitem hörte er viele weinende Stimmen und fürchtete, der Herzoginmutter sei etwas Schlimmes zugestoßen. Halb von Sinnen vor Angst stürzte er hinein, doch als er sah, dass sie aufrecht saß und nur weinte, fiel ihm ein Stein vom Herzen.

Er sagte: "Wenn die Herzoginmutter traurig ist, solltet ihr sie trösten! Wie könnt ihr alle zusammen losweinen?" Daraufhin hörten alle hastig auf und starrten sich gegenseitig verdutzt an. Aufrecht Kaufmann trat vor, um die alte Dame zu beruhigen, und sagte auch den anderen ein paar Worte. Alle dachten bei sich: "Wir wollten doch die Herzoginmutter aufmuntern und trösten. Wie konnten wir uns nur so vergessen und das Weinen noch schlimmer machen?"

Während sie noch ganz durcheinander waren, führte eine alte Dienerin zwei Frauen aus dem Haushalt der Familie Shi herein. Nachdem sie der Herzoginmutter ihren Respekt erwiesen und alle Anwesenden begrüßt hatten, sagten sie: "Unser Herr, unsere Herrin und unser Fräulein haben uns geschickt, um zu sagen: Sie haben von den Ereignissen in Ihrem Hause gehört — es ist wirklich keine große Sache, nur ein vorübergehender Schreck. Sie fürchten, die Herzoginmutter, der Herr und die gnädige Frau könnten sich Sorgen machen, und lassen ausrichten, dass der Herr Aufrecht außer Gefahr ist. Unser Fräulein wollte selbst kommen, aber da ihre Hochzeit in wenigen Tagen bevorsteht, kann sie leider nicht."

Die Herzoginmutter fand es etwas unbeholfen, sich bei Dienerinnen zu bedanken, und sagte: "Richtet meinen Gruß aus, wenn ihr zurückkehrt. Es ist das Schicksal unserer Familie, dass es so kommen musste. Wir sind ihrem Herrn und ihrer Herrin für die Anteilnahme sehr dankbar. An einem anderen Tag werde ich persönlich meinen Dank aussprechen. Euer Fräulein heiratet — der Bräutigam braucht sicher nicht extra vorgestellt zu werden. Wie steht es um seine familiären Verhältnisse?"

Die beiden Frauen antworteten: "Die Familie ist nicht besonders wohlhabend, aber der junge Herr ist sehr gut aussehend und von freundlichem Wesen. Wir haben ihn mehrmals gesehen, und er ähnelt fast eurem Herrn Schatzjade. Man hört auch, dass sein literarisches Talent vortrefflich sei."

Die Herzoginmutter hörte das mit Freude und sagte: "Wenn es so ist, dann ist das wunderbar, das ist das Glück eurer Fräulein. Nur halten wir in unserer Familie noch an den Sitten des Südens fest, deshalb haben wir den Bräutigam noch nicht gesehen. Neulich musste ich an meine eigene Familie denken. Ich habe die junge Xiangfluss-Wolke immer am meisten geliebt. Von den dreihundertsechzig Tagen im Jahr hat sie früher mehr als zweihundert bei mir verbracht. So ist sie bei mir aufgewachsen, und ich wollte ihr eigentlich selbst einen guten Ehemann suchen. Aber da ihr Onkel nicht zu Hause war, konnte ich die Sache nicht in die Hand nehmen. Nun, da das Glück ihr einen guten Bräutigam beschert hat, bin ich beruhigt. Sie heiratet noch in diesem Monat, und ich hatte vorgehabt, dabei ein Glas Hochzeitswein zu trinken. Doch nun, mit all dem Ärger bei uns, ist mein Herz wie ein kochender Kessel — wie könnte ich da zu einer Hochzeit gehen? Richtet bei eurer Rückkehr meine besten Grüße aus und sagt: Alle bei uns lassen grüßen. Und richtet eurem Fräulein aus, sie solle sich meinetwegen keine Sorgen machen. Ich bin über achtzig — selbst wenn ich sterbe, kann man nicht sagen, ich hätte kein gesegnetes Leben gehabt. Ich wünsche mir nur, dass sie nach der Hochzeit mit ihrem Mann in Eintracht und Frieden hundert Jahre alt werden. Dann kann ich beruhigt sterben."

Bei diesen Worten kamen ihr unwillkürlich die Tränen.

Die Frau sagte: "Die gnädige Herrin möge sich nicht grämen. Wenn das Fräulein verheiratet ist und nach dem Neunten Tag zurückkehrt, wird sie gewiss mit ihrem Gemahl kommen, um der Herzoginmutter ihren Respekt zu erweisen. Dann wird sich die gnädige Herrin freuen!"

Die Herzoginmutter nickte. Die Frauen gingen.

Während die anderen nicht weiter darauf achteten, hatte allein Schatzjade zugehört und war in Gedanken versunken. Er dachte bei sich: "Warum müssen Mädchen, wenn sie erwachsen werden, unbedingt verheiratet werden? Kaum sind sie verheiratet, werden sie zu einem ganz anderen Menschen. Schwester Xiangfluss-Wolke, so ein Mensch, und ihr Onkel hat sie einfach in eine Ehe gedrängt. Wenn sie mich in Zukunft sieht, wird sie sich bestimmt nicht mehr um mich kümmern. Wenn man so weit ist, dass sich niemand mehr um einen kümmert, wozu dann noch leben?"

Bei diesem Gedanken überkam ihn erneut der Kummer. Da die Herzoginmutter sich gerade erst beruhigt hatte, wagte er nicht zu weinen und saß nur stumm und bedrückt da.

Nach einer Weile kam Aufrecht Kaufmann noch einmal herein, um nach der Herzoginmutter zu sehen. Es ging ihr etwas besser, und er ging wieder hinaus. Er ließ den Verwalter Lai Da rufen und trug ihm auf, das vollständige Personalregister aller verantwortlichen Familiendiener zu bringen. Er ging alles durch. Abgesehen von den unter Begnadigung Kaufmann eingezogenen Personen waren noch über dreißig Familien aufgeführt, zusammen zweihundertzwölf Personen beiderlei Geschlechts. Aufrecht Kaufmann ließ die einundvierzig männlichen Diener, die derzeit im Dienst standen, vortreten und befragte sie zu den jährlichen Ein- und Ausgaben des Haushalts. Der Hauptverwalter legte die Kontobücher der letzten Zeit vor. Als Aufrecht Kaufmann hineinschaute, sah er, dass die Ausgaben die Einnahmen bei weitem überstiegen. Zudem kamen über Jahre hinweg Kosten für den kaiserlichen Palast hinzu, und in den Büchern fanden sich zahlreiche von außen aufgenommene Schulden. Dann prüfte er die Pachteinnahmen aus den Ländereien in der östlichen Provinz: In den letzten Jahren betrugen sie nicht einmal die Hälfte von dem, was zu Großvaters Zeiten hereinkam, während die Ausgaben um das Zehnfache gestiegen waren. Aufrecht Kaufmann war entsetzt und stampfte wütend mit dem Fuß auf: "Das ist ja ungeheuerlich! Ich dachte, Kette führe den Haushalt und habe alles im Griff. Nun erfahre ich, dass wir schon seit Jahren weit über unsere Verhältnisse leben und nur den schönen Schein wahren. Die erblichen Titel und Besoldungen hat man für nebensächlich gehalten — wie hätte das nicht zum Ruin führen sollen? Wenn ich jetzt anfange zu sparen, ist es längst zu spät." Damit ging er mit den Händen auf dem Rücken auf und ab und fand keinen Ausweg.

Die Diener wussten, dass Aufrecht Kaufmann nichts von der Haushaltsführung verstand und sich vergeblich sorgte. Sie sagten: "Der Herr braucht sich nicht so aufzuregen. Allen Familien geht es so. Wenn man alles zusammenrechnet, haben selbst die Fürstenhäuser nicht genug. Man wahrt eben den Anschein und wurstelt sich durch. Immerhin hat der Herr durch die kaiserliche Gnade wenigstens dieses bisschen Familienvermögen behalten dürfen. Wenn alles eingezogen worden wäre, würde der Herr doch trotzdem weiterleben!"

Aufrecht Kaufmann fuhr sie zornig an: "Redet keinen Unsinn! Ihr Knechte seid die gewissenlosesten Kreaturen: Wenn es eurem Herrn gut ging, habt ihr nach Belieben herumgewirtschaftet. Wenn alles aufgebraucht ist, lauft ihr einer nach dem anderen davon. Kümmert ihr euch, ob euer Herr lebt oder stirbt? Ihr sagt, es sei nicht alles beschlagnahmt worden — aber wisst ihr denn: Draußen steht unser Ruf so schlecht, dass wir nicht einmal das Grundkapital retten können. Und ihr prahlt noch draußen herum, gebt an und betrügt die Leute? Wenn dann Ärger kommt, schiebt ihr alles auf den Herrn. Was die Sache des älteren Herrn Begnadigung und des Herrn Juwel betrifft — es heißt, ein Familiendiener namens Bao Er hat den Lärm gemacht. Ich sehe aber in diesem Register keinen Bao Er. Wie ist das zu erklären?"

Die Diener antworteten: "Dieser Bao Er steht nicht in unserer Personalliste. Früher war er im Register des Stillfriede-Anwesens geführt. Weil der Zweite Herr ihn für verlässlich hielt, hat er ihn mitsamt seiner Frau herübergeholt. Nachdem seine Frau gestorben war, ging er zurück ins Stillfriede-Anwesen. Als der Herr damals mit seinen Amtsgeschäften beschäftigt war und die Herzoginmutter, die gnädigen Frauen und die jungen Herren zum Mausoleum gereist waren, übernahm der Herrlichkeit Kaufmann die Haushaltsaufsicht und holte Bao Er mit herüber. Danach ging der auch wieder. Der Herr hat sich seit Jahren nicht um solche Angelegenheiten gekümmert und kann davon natürlich nichts wissen. Der Herr denkt vielleicht, dass nur die Personen im Register existieren. In Wirklichkeit hat aber jeder seine eigenen Verwandten — sogar Diener haben wieder Diener."

Aufrecht Kaufmann rief: "Unerhört!" Er sah ein, dass sich das alles nicht auf die Schnelle klären ließ, und schickte die Diener fort. Er hatte sich bereits fest vorgenommen, zunächst den Ausgang der Verfahren gegen Begnadigung Kaufmann und die anderen abzuwarten und dann zu entscheiden.

Eines Tages saß er in seinem Arbeitszimmer und rechnete, als ein Bote hereingestürzt kam und rief: "Der Herr wird gebeten, sofort zum Inneren Hof zu kommen, man wünscht ihn zu befragen!" Aufrecht Kaufmann erschrak zutiefst und machte sich auf den Weg.

Ob Glück oder Unglück, wird im nächsten Kapitel erzählt.


Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.

  1. Chinesisch: 王熙凤
  2. Chinesisch: 贾母
  3. Chinesisch: 贾政
  4. Chinesisch: 王夫人
  5. Chinesisch: 鸳鸯
  6. Chinesisch: 贾赦
  7. Chinesisch: 贾琏
  8. Chinesisch: 贾珍
  9. Chinesisch: 宝玉
  10. Chinesisch: 平儿
  11. Chinesisch: 巧姐
  12. Chinesisch: 宝钗
  13. Chinesisch: 邢夫人
  14. Chinesisch: 薛姨妈
  15. Chinesisch: 袭人