Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 63"

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Kapitel 63
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Schatzjade [宝玉]s Geburtstag: In der Nacht ziehen die Mädchen Blumenlose
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Bei Andacht Kaufmann [贾敬]s Ableben kehrt Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] in aller Eile in die Hauptstadt zurück
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Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück, wusch sich die Hände und besprach sich mit Dufthauch [袭人]: „Heute Abend trinken wir Wein und vergnügen uns alle — da soll nichts förmlich zugehen. Was gibt es zu essen? Man sollte es ihnen rechtzeitig sagen, damit sie alles vorbereiten." Dufthauch lachte: „Sei unbesorgt! Heitermuster [晴雯], Moschusmond [麝月], Herbstmuster und ich, wir vier, haben je fünf Qian Silber beigesteuert, zusammen zwei Liang. Duftblümchen, Bihen, Xiaoyan und Si'er, die vier, haben je drei Qian gegeben — die, die frei hatten, zählen nicht mit —, zusammen drei Liang und zwei Qian Silber. Das alles haben wir längst der Schwägerin Liu gegeben, damit sie vierzig Schälchen Nüsse und Früchte vorbereitet. Ich habe mit Friedchen [平儿] gesprochen, und man hat schon einen Krug guten Shaoxing-Wein herübergetragen und dort drüben versteckt. Wir acht feiern ganz allein deinen Geburtstag." Als Schatzjade das hörte, rief er freudig: „Wo haben die denn das Geld her? Ich hätte sie nicht ausgeben lassen sollen!" Heitermuster sagte: „Die haben kein Geld — haben wir etwa welches? Das kommt von jedem aus dem Herzen. Selbst wenn sie es gestohlen hätten — nimm ihre Zuneigung einfach an." Schatzjade hörte das und lachte: „Du hast recht." Dufthauch lachte: „Einen Tag, an dem sie dir nicht ein paar grobe Worte sagt, hältst du wohl nicht aus." Heitermuster lachte: „Du hast inzwischen auch Schlechtes gelernt — immerzu schürst du das Feuer!" Alle lachten. Schatzjade sagte: „Schließt das Hoftor." Dufthauch lachte: „Nicht umsonst sagt man, du seist ein ‚Vielbeschäftigter ohne Geschäft'. Wenn wir jetzt schon abschließen, erregt das nur Verdacht — warten wir lieber noch ein wenig." Schatzjade nickte und sagte: „Ich gehe kurz hinaus. Si'er soll Wasser holen; Xiaoyan, komm allein mit mir." Er ging hinaus. Als er sah, dass niemand in der Nähe war, fragte er nach der Sache mit Wu'er. Xiaoyan sagte: „Ich habe es der Schwägerin Liu erzählt; die hat sich sehr gefreut. Nur hat Wu'er in jener Nacht solches Unrecht erlitten und sich darüber aufgeregt, dass sie zu Hause wieder krank geworden ist — sie kann noch nicht kommen. Man muss warten, bis es ihr besser geht." Schatzjade hörte das und konnte Reue und Seufzen nicht unterdrücken. Dann fragte er: „Weiß Dufthauch davon?" Xiaoyan sagte: „Ich habe es ihr nicht gesagt; ob Duftblümchen es ihr erzählt hat, weiß ich nicht." Schatzjade sagte: „Ich habe es ihr auch nicht gesagt. Nun gut — ich sage es ihr selbst." Damit ging er wieder hinein und wusch sich zum Schein die Hände.
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= Kapitel 63 =
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Es war bereits die Stunde des Lampenanzündens. Man hörte vor dem Hoftor eine Gruppe von Leuten eintreten. Alle spähten durch die Fenster und sahen tatsächlich Frau Lin Zhixiao mit einigen Verwalterinnen kommen, voraus eine Person mit einer großen Laterne. Heitermuster flüsterte lachend: „Sie kommen, um die Nachtwachen zu kontrollieren. Wenn sie erst fort sind, können wir das Tor schließen." Man sah, wie alle Nachtwächter des Yihongyuan hinauskamen, um sie zu begrüßen; Frau Lin Zhixiao musterte sie eingehend. Sie wies an: „Kein Glücksspiel, kein Weintrinken und nicht gleich mit dem Kopf voran einschlafen bis zum hellen Morgen! Wenn ich davon höre, gibt es Ärger!" Alle lachten: „Wo gäbe es jemanden, der so kühn wäre!" Frau Lin Zhixiao fragte noch: „Ist der Zweite Junge Herr Bao schon zu Bett gegangen?" Alle sagten, sie wüssten es nicht. Dufthauch stieß Schatzjade schnell an. Schatzjade schlüpfte in seine Schuhe und kam ihr lachend entgegen: „Ich bin noch nicht schlafen gegangen. Mütterchen, kommt herein und ruht euch aus!" Dann rief er: „Dufthauch, bring Tee!" Frau Lin Zhixiao trat eilig ein und sagte lachend: „Noch nicht im Bett? Jetzt sind die Tage lang und die Nächte kurz; man sollte früh schlafen gehen, damit man morgens rechtzeitig aufsteht. Sonst heißt es morgen, wenn du verschläfst, du seist kein studierender junger Herr mehr, sondern ein Lastenträger!" Schatzjade sagte eilig lachend: „Mütterchen hat recht. Gewöhnlich gehe ich jeden Tag früh zu Bett — wenn Mütterchen sonst hereinkommt, weiß ich es gar nicht, weil ich schon schlafe. Heute habe ich mir nur Sorgen gemacht, das Nudelessen könnte mir schwer im Magen liegen, und deshalb noch ein wenig herumgespielt." Frau Lin Zhixiao sagte dann lachend zu Dufthauch und den anderen: „Ihr solltet Pu'er-Tee aufbrühen." Dufthauch und Heitermuster sagten eilig lachend: „Wir haben schon einen Krug Mädchentee aufgebrüht und bereits zwei Schalen getrunken. Möchte die Frau auch eine probieren — es ist alles fertig." Heitermuster schenkte eine Schale ein. Frau Lin Zhixiao lachte dann noch: „In letzter Zeit habe ich bemerkt, dass der Zweite Junge Herr im Umgang mit diesen großen Fräulein schon angefangen hat, sie bei ihren Namen zu rufen. Obwohl sie hier in diesem Hause dienen, sind sie doch Leute der Alten Herrin und der Gnädigen Frau; im Reden sollte man ihnen gegenüber respektvoller sein. Wenn es hin und wieder einmal vorkommt, mag es angehen; ruft man sie aber ständig beim Namen, werden es die jüngeren Brüder und Neffen nachmachen, und die Leute werden sagen, in dieser Familie respektiere man die Älteren nicht." Schatzjade lachte: „Mütterchen hat recht. Es kommt nur gelegentlich vor." Dufthauch und Heitermuster lachten: „Da tut man ihm unrecht. Bis heute hat er immer ‚Schwester' gesagt. Nur beim Spielen sagt er manchmal den Namen; vor anderen Leuten ist es wie früher." Frau Lin Zhixiao lachte: „So ist es recht — das ist die Art eines gebildeten und wohlerzogenen jungen Herrn. Je bescheidener man selbst ist, desto mehr Respekt zeigt man. Von den altgedienten Leuten ganz zu schweigen — selbst eine Katze oder ein Hund aus dem Gemach der Alten Herrin oder der Gnädigen Frau darf man nicht leichtfertig verletzen. Das ist das Benehmen eines Herrensohnes, der gute Erziehung genossen hat." Damit trank sie ihren Tee und sagte: „Bitte legt Euch zur Ruhe. Wir gehen." Schatzjade bat noch: „Bleibt doch noch ein wenig." Aber Frau Lin Zhixiao hatte ihre Leute schon weggeführt, um andernorts weiterzukontrollieren.
== 壽怡紅群芳開夜宴 / 死金丹獨艷理親喪 ==
 
=== Zum Geburtstag im Yihong-Hof eroeffnen die Blumenschoenheiten ein naechtliches Festmahl; Beim Tod durch die Goldpille besorgt die einsame Schoenheit allein die Bestattung ===
 
  
eute kam nach dem Essen Fräulein Tan-tschun zu ihr, um sie zu einem gemeinsamen Besuch bei der zweiten jungen Herrin aufzufordern. Sie ist aber nicht mitgegangen. Dann muß ihr etwas eingefallen sein, und sie hat eine Weile stumm vor sich hin gebrütet. Schließlich griff sie zum Pinsel und schrieb einiges nieder, womöglich Gedichte.
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Hier ließen Heitermuster und die anderen eilig das Tor schließen, kamen herein und sagten lachend: „Diese Dame hat wohl irgendwo einen Becher getrunken und kam nun hierher, um uns eine Standpauke zu halten!" Moschusmond lachte: „Sie meint es auch nicht böse. Sie muss die Dinge eben ab und zu erwähnen — zur Vorsicht, damit nichts aus dem Ruder läuft." Während sie sprachen, wurden Wein und Früchte aufgetragen. Dufthauch sagte: „Wir brauchen keinen richtigen Tisch. Nehmen wir den runden Palisander-Kangtisch, stellen ihn auf den Kang <ref>die beheizte Ofenbank</ref> — da ist es geräumig und bequem." Gesagt, getan. Moschusmond und Si'er gingen hinüber, um die Früchte zu holen, und brauchten mit zwei großen Teetabletts vier oder fünf Gänge. Zwei alte Dienerinnen hockten draußen am Feuerbecken und wärmten den Wein. Schatzjade sagte: „Es ist warm — ziehen wir alle die Obergewänder aus, das ist angenehmer." Alle lachten: „Wenn du dich ausziehen willst, tu es — wir müssen noch der Reihe nach das Gastmahl eröffnen." Schatzjade lachte: „Diese Eröffnung dauert ja bis zur fünften Nachtwache. Ihr wisst doch, wie sehr ich solche Förmlichkeiten hasse. Vor Fremden geht es nicht anders, aber hier und jetzt mich damit zu quälen, ist nicht schön." Alle hörten das und sagten: „Wie du willst." Also setzte man sich noch nicht hin, sondern machte sich erst an das Ablegen von Schmuck und Kleidung.
Als sie mir befahl, die Früchte zu holen, hörte ich noch, wie sie zu Dsï-djüan sagte, sie solle den kleinen Zithertisch abräumen, der drinnen im Zimmer steht, und in die Mitte des Außenraums stellen. Und dann sollte sie den Weihrauchkessel mit dem Drachenmuster daraufstellen, damit er bereit sei, wenn ich mit den Früchten wiederkäme.  
 
Aber wenn sie Besuch erwartete, würde sie doch keinen Weihrauchkessel aufstellen lassen. Räuchwerwerk brennt sie allenfalls dort ab, wo sie zu sitzen und zu schlafen pflegt, sonst stellt sie sich nur frische Blumen und Früchte wie etwa Zierquitten hin. Und ihre Kleider räuchert sie auch nicht gern. Will sie etwa deshalb räuchern lassen, weil die alten Weiber den Raum verpestet haben? Ich weiß es wirklich nicht.“
 
Nach diesen Worten ging sie rasch fort, Bau-yü aber ließ unwillkürlich den Kopf sinken und überlegte: „Nach dem, was Hsüä-yän erzählt hat, muß es einen Grund dafür geben. Aber wenn sie nur mit einem der Mädchen zusammensitzen möchte, braucht sie nicht solche Vorbereitungen zu treffen. Ist heute vielleicht der Todestag ihres Vaters oder ihrer Mutter? Aber ich kann mich entsinnen, daß jedes Jahr zu diesen Tagen auf Befehl der alten gnädigen Frau besondere Speisen zubereitet wurden, die man ihr brachte, damit sie ein privates Opfer bringen konnte. Außerdem sind diese Tage auch schon vorüber.
 
Also muß es wohl damit zusammenhängen, daß der siebente Monat die Zeit der frischen Melonen ist und alle Familien an den Gräbern ihrer Angehörigen das Herbstopfer bringen. Wer weiß, vielleicht hat das Dai-yü dazu angeregt, in ihren Räumen ein Opfer zu bringen, eingedenk des Satzes im Buch der Riten: ,Im Frühling und im Herbst bringt man die Speisen der Jahreszeit dar.‘ Aber wenn ich sie jetzt besuche und sehe, wie sie sich grämt, muß ich sie auch mit aller Kraft trösten, und dann ist zu befürchten, daß sich der Kummer in ihrem Herzen staut. Besuche ich sie nicht, wird wiederum niemand da sein, ihr überhaupt Trost zu spenden.
 
Das eine wie das andere könnte zu einer Krankheit führen. Darum ist es das beste, ich gehe zunächst zu Kusine Hsi-fëng, bleibe ein Weilchen bei ihr und komme dann wieder. Wenn ich sehe, daß Dai-yü sich noch grämt, denke ich mir etwas aus, um sie aufzuheitern. So kann ich erreichen, daß ihr Kummer nicht allzulange anhält und sich allmählich legt, zugleich kann ich auch verhindern, daß sie durch aufgestauten Kummer krank wird.“
 
Als Bau-yü diesen Gedanken zu Ende geführt hatte, ging er geradewegs zum Gartentor hinaus und zu Hsi-fëngs Wohnräumen hinüber. Eben kam eine große Anzahl verantwortlicher Sklavenfrauen zum Tor heraus, die hier Bericht erstattet hatten, und Hsi-fëng stand an den Türrahmen gelehnt und sprach mit Ping-örl. Kaum hatte sie Bau-yü erblickt, sagte sie lächelnd: „Du bist also zurückgekommen! Eben habe ich Lin Dschï-hsiaus Frau befohlen, daß sie den Knaben in deinem Gefolge sagen läßt, wenn nichts für dich zu tun sei, solltest du die Gelegenheit wahrnehmen und nach Hause kommen, um dich ein wenig auszuruhen. Zumal dort so ein gemischtes Publikum ist, daß du all die Gerüche kaum aushalten kannst. Aber nun bist du ja schon von selbst gekommen.“
 
„Danke für deine Fürsorge!“ erwiderte Bau-yü ebenfalls lächelnd. „Drüben war nichts zu tun, außerdem bist du schon ein paar Tage nicht mehr dort gewesen, so daß ich nicht wußte, ob es dir wieder besser geht oder nicht, darum bin ich hergekommen, um nach dir zu sehen.“
 
„Im großen und ganzen ist es immer noch dasselbe mit mir“, gab Hsi-fëng Auskunft. „Drei Tage geht es mir gut und dann wieder zwei Tage schlecht. Die alte gnädige Frau und die gnädige Frau sind nicht zu Hause, aber diese Frauen, nein – keine von ihnen gibt sich mit ihrem Los zufrieden. Jeden Tag müssen sie sich schlagen oder zanken, und auch ein paar Fälle von Glücksspiel und Diebstahl sind vorgekommen.
 
Tan-tschun hilft mir zwar bei der Verwaltung, aber sie ist nun mal ein unverheiratetes Mädchen. Es gibt Dinge, die sie erfahren darf, aber auch solche, die man vor ihr nicht erwähnen kann. Also muß ich mich wohl oder übel zum Durchhalten zwingen, wenn auch mein Herz dabei nie zur Ruhe kommt. Von Genesung ganz zu schweigen, reicht es mir schon, wenn die Krankheit nicht schlimmer wird.“
 
„Das sagst du so einfach dahin, trotzdem solltest du mehr auf deine Gesundheit achten und dir weniger Sorgen machen“, riet ihr Bau-yü. Nachdem er dann noch ein Weilchen mit ihr geplaudert hatte, verabschiedete er sich wieder und kehrte in den Garten zurück.
 
Beim Eintritt in die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß sah er, daß gerade die letzten Weihrauchschwaden aus dem Räucherkessel stiegen, während vom Opferwein nur noch ein Rest übrig war. Dsï-djüan beaufsichtigte die Sklavenmädchen, die dabei waren, den Tisch wieder hineinzutragen und die Ausstattungsstücke an ihren Platz zu stellen. Daraus schloß er, das Opfer müsse beendet sein, und trat in den Innenraum, wo er Dai-yü mit abgewandtem Gesicht auf dem Bett fand. Es war ihr anzusehen, daß sie litt und diesem Leid nicht gewachsen war.
 
Rasch meldete Dsï-djüan: „Der junge Herr ist gekommen.“
 
Langsam richtete Dai-yü sich auf und lud Bau-yü lächelnd ein, Platz zu nehmen.
 
„Es geht dir wohl besser in den letzten Tagen?“ fragte Bau-yü. „Jedenfalls machst du einen ruhigeren Eindruck als sonst. Aber worüber hast du dich wieder gegrämt?“
 
„Was redest du da?“ verwahrte sich Dai-yü, „es geht mir gut, wann sollte ich mich gegrämt haben?“
 
„Man sieht es jetzt noch, daß du geweint hast, und trotzdem versuchst du, mich anzuführen“, sagte Bau-yü. „Mir scheint nur, so oft wie du krank bist, solltest du alles etwas leichter nehmen und dir nicht zu viele unnötige Sorgen machen. Wenn du dir damit die Gesundheit ruinierst, werde ich eines Tages...“
 
Kaum waren ihm die letzten Worte entschlüpft, da merkte er, daß er zuviel gesagt hatte, und hielt rasch inne. Denn er war wohl mit Dai-yü zusammen aufgewachsen, und sie harmonierten in ihren Gedanken und Gefühlen und wünschten sich, miteinander zu leben und zu sterben, aber das war ein stummes Übereinstimmen ihrer Herzen, das sie noch nie in Worte gekleidet hatten, zumal Dai-yü so mißtrauisch war, daß sie sich immer wieder durch ein unüberlegtes Wort von Bau-yü gekränkt fühlte. Heute war er extra gekommen, um sie zu trösten, und nun hatte er sich doch wieder verplappert und konnte nicht weitersprechen. Sofort wurde er unsicher und befürchtete überdies, Dai-yü würde ihm böse sein. Als er dann bedachte, daß er nur die besten Vorsätze gehabt hatte, wurde aus seinen Betrachtungen Kummer, und schon liefen ihm die Tränen herab.
 
Dai-yü war im ersten Augenblick wirklich auf Bau-yü böse gewesen, weil er seine Worte nicht zu wägen wußte, aber als sie ihn jetzt in diesem Zustand sah, war sie gerührt. Und da ihr die Tränen ohnehin locker saßen, stimmte sie wortlos in sein Weinen ein. Als Dsï-djüan jetzt den Tee brachte, nahm sie an, die beiden hätten sich wieder einmal gestritten, und so sagte sie: „Kaum geht es dem Fräulein ein wenig besser, da kommt Ihr, um sie zu ärgern. Was soll man denn davon halten?“
 
Bau-yü wischte sich die Tränen ab und versicherte lächelnd: „Wer würde es wagen, sie zu ärgern?!“ Dann stand er auf und ging im Zimmer hin und her, um seine Verlegenheit zu verbergen. Dabei entdeckte er, daß unter dem Tuschereibstein kaum sichtbar eine Ecke von einem Blatt Papier hervorsah, und konnte sich nicht enthalten, die Hand danach auszustrecken, um es herauszuziehen. Dai-yü wollte aufstehen, um ihm das Blatt wegzunehmen, aber da hatte er es sich schon in den Busen geschoben und bat lächelnd: „Laß es mich ansehen, Kusinchen!“
 
„Sooft du hier bist, wühlst du bedenkenlos alles durch“, hielt ihm Dai-yü vor.
 
In diesem Augenblick trat Bau-tschai zur Tür herein und fragte lächelnd: „Was gibt es denn hier zu sehen?“
 
Da Bau-yü noch nicht gelesen hatte, was auf dem Papier stand, und nicht wußte, wie Dai-yü sich verhalten würde, wollte er nicht wieder voreilig sein und schaute nur lächelnd nach Dai-yü.
 
Dai-yü bot Bau-tschai einen Platz an und erklärte ihr lächelnd: „Mir war aufgefallen, daß in den alten Geschichtswerken von vielen schönen und begabten Frauen berichtet wird, deren Schicksal man entweder froh bewundern oder aber traurig beklagen kann. Als ich heute nach dem Essen nichts zu tun hatte, suchte ich mir einige dieser Frauen aus, um rasch ein paar Gedichte über sie zu improvisieren, die meine Gefühle ausdrücken sollten. Zufällig kam dann Tan-tschun, um mich zu Kusine Hsi-fëng mitzunehmen, aber ich fühlte mich so träge und bin nicht mitgegangen.
 
Als ich fünf Gedichte geschrieben hatte, war ich so schläfrig, daß ich mich hinlegen mußte, und dann ist Vetter Bau-yü gekommen und hat das Blatt entdeckt. Eigentlich ist natürlich nichts weiter dabei, wenn er die Gedichte liest, mir gefällt es bloß nicht, daß er immer wieder unsere Gedichte abschreibt und vor den Leuten herumzeigt.“
 
„Wann hätte ich so etwas je getan?“ verteidigte sich Bau-yü. „Das mit dem Fächer neulich lag einfach daran, daß ich die Gedichte über die weißen Begonien so gern habe. Deshalb schrieb ich sie mir mit kleinen Schriftzeichen in Normalschrift auf meinen Fächer, nur um sie immer bequem zur Hand zu haben.
 
Meinst du, ich wüßte nicht, daß man Gedichte und Schreibübungen aus den Mädchengemächern nicht leichtfertig in der Öffentlichkeit verbreiten darf? Seitdem du mit mir darüber gesprochen hast, habe ich den Fächer nie mehr mitgenommen, wenn ich den Garten verließ.“
 
„Kusine Lin hat recht mit ihren Überlegungen“, sagte Bau-tschai. „Wenn du die Gedichte auf einen Fächer schreibst und nimmst ihn aus Versehen mit hinaus in die Bibliothek, werden die Hausgäste mit Sicherheit fragen, wer der Verfasser ist, sobald sie die Verse gelesen haben. Wenn sie so an die Öffentlichkeit kämen, wäre das gar nicht schön.  
 
Von alters her heißt es ‚Tugendhaft ist eine Frau, die kein spezielles Talent besitzt.‘ Sittsamkeit und Zurückhaltung sind für uns das Allerwichtigste, an zweiter Stelle aber folgen Handarbeiten. Gedichteschreiben und dergleichen ist nicht mehr als ein Vergnügen, das wir in den inneren Gemächern betreiben. Ob man das kann oder nicht, ist gleichgültig. Ein Mädchen aus unseren Kreisen legt keinen Wert auf den Ruf, talentiert zu sein.“ Dann wandte sie sich an Dai-yü und sagte lächelnd: „Mir kannst du ja die Gedichte unbesorgt zeigen. Hauptsache ist, Vetter Bau-yü trägt sie nicht fort.“
 
„Nach dem, was du gesagt hast, mußt du sie auch nicht unbedingt sehen“, antwortete Dai-yü lächelnd. Dann wies sie auf Bau-yü und sagte: „Er hat sie längst an sich gerissen.“
 
Erst nach diesen Worten holte Bau-yü das Blatt wieder hervor, rückte dicht neben Bau-tschai und las mit ihr gemeinsam, was dort geschrieben stand:
 
„Hsi-schï0
 
Die Schönste der Zeit mußte schmählich vergehen,
 
unerfüllt blieb ihr Sehnen am Hofe von Wu.
 
Verlacht nicht ihre häßliche Nachahmerin,
 
weißhaarig noch wusch sie ihre Seide im Bach.
 
  
Nebenfrau Yü0
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Bald hatten alle die Festgewänder abgelegt; die Haare waren nur locker hochgesteckt, und alle trugen lange Röcke und kurze Jäckchen. Schatzjade hatte nur ein kleines, dunkelrotes, baumwollenes Jäckchen an, darunter grüne, mit spritzender Tusche bedruckte Seidenhosen, die Hosenbeine lose herabhängend. Er lehnte an einem neuen, jadegrünen Doppelgaze-Kissen, das mit Blütenblättern verschiedener Rosen und Päonien gefüllt war, und spielte mit Duftblümchen Fingerwerfen. Duftblümchen klagte über die Hitze und trug nur ein kleines, gefüttertes Jäckchen aus dreierlei Atlasstreifen in Jade, Rot und Blaugrün — einem sogenannten ‚Reisfeld-Jäckchen' —, mit einem weidengrünen Schweißtuch gegürtet. Darunter blassrote, geblümte gefütterte Hosen, ebenfalls mit losen Hosenbeinen. Auf dem Kopf hatte sie rings um Stirn und Schläfen ein Geflecht kleiner Zöpfchen, die alle am Scheitel zusammengeführt und zu einem einzigen dicken Zopf, gänseeigroß, geflochten wurden, der im Nacken herabhing. Im rechten Ohrloch steckte nur ein winziger Jadestöpsel, nicht größer als ein Reiskorn; am linken Ohr hing ein einzelner großer, rotgoldener Ohranhänger, so groß wie eine Ginkgonuss. Damit wirkte ihr Gesicht noch mehr wie ein Vollmond, nur weißer, und ihre Augen noch klarer als Herbstwasser. Alle lachten: „Die beiden sehen aus wie Zwillingsbrüder!" Dufthauch und die anderen schenkten allen der Reihe nach Wein ein und sagten: „Wartet noch ein wenig mit dem Fingerwerfen. Obwohl wir keine förmliche Tafel halten, trinkt doch jeder von uns einen Schluck aus unserer Hand." So begann Dufthauch: Sie führte den Becher an die Lippen und trank einen Schluck; dann folgten die anderen der Reihe nach. Als alle getrunken hatten, setzte man sich erst im Kreis zusammen. Xiaoyan und Si'er hatten am Kangrand keinen Platz mehr und stellten sich zwei Stühle dicht an den Kang. Die vierzig Schälchen waren alle aus weißem Dingyao-Porzellan <ref>berühmte Porzellanmanufaktur</ref>, nicht größer als kleine Teetassen, und enthielten Delikatessen aus nah und fern, von Inland und Übersee, getrocknet und frisch, aus Wasser und zu Lande — alles, was es an Weinspeisen, Früchten und Gemüsen unter dem Himmel gab. Schatzjade sagte: „Wir sollten ein Trinkspiel spielen." Dufthauch sagte: „Etwas Feines, bitte — kein großes Geschrei, damit die Leute es nicht hören. Und wir können nicht lesen, also nichts Literarisches." Moschusmond lachte: „Nehmen wir Würfel und spielen ‚Rot fangen'." Schatzjade sagte: „Das ist langweilig. Spielen wir lieber ‚Blumennamen-Lose ziehen'!" Heitermuster lachte: „Genau — das wollte ich schon lange!" Dufthauch sagte: „Das Spiel ist zwar hübsch, aber mit wenigen Leuten macht es keinen Spaß." Xiaoyan lachte: „Ich schlage vor, wir holen ganz leise Fräulein Bao und Fräulein Lin dazu — dann spielen wir eine Runde, und um die zweite Nachtwache gehen wir schlafen." Dufthauch sagte: „Dann müssten wir wieder die Tür öffnen und Lärm machen — und wenn uns die Nachtwache erwischt?" Schatzjade sagte: „Was soll schon geschehen? Unser Drittes Fräulein trinkt auch Wein — laden wir sie gleich mit ein. Und Fräulein Qin." Alle sagten: „Fräulein Qin lieber nicht — sie wohnt bei der Ersten Herrin, das gäbe zuviel Umstände." Schatzjade sagte: „Was soll's — geht schnell und ladet sie ein!" Xiaoyan und Si'er ließen sich das nicht zweimal sagen; sie ließen das Tor öffnen und gingen getrennt los, um einzuladen.
Nächtliches Pferdegewieher zerreißt das Herz,
 
als die Abschiedsklage einander sie singen.
 
Die Verräter erwartet ein gräßlicher Tod,
 
wieviel ruhmvoller starb sie von eigener Hand!
 
  
Haremsdame Ming0
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Heitermuster, Moschusmond und Dufthauch sagten dann: „Wenn die beiden gehen, werden Bao und Lin vermutlich nicht kommen wollen — wir müssen selbst hin und sie mit sanfter Gewalt herbeibringen." Also ließen Dufthauch und Heitermuster eine alte Dienerin eine Laterne nehmen und gingen ebenfalls. Tatsächlich sagte Schatzspange [宝钗], es sei zu spät in der Nacht, und Kajaljade [黛玉], sie fühle sich nicht wohl. Die beiden baten dreimal: „Erweist uns doch ein wenig Ehre und setzt euch nur kurz zu uns." Erkundefrühling [探春] dagegen freute sich über die Einladung, dachte aber: „Wenn wir Seidenweiß Pflaume [李纨] nicht einladen und sie erfährt davon, wäre das schlecht." Also schickte sie Cuimo mit Xiaoyan los, die auch Seidenweiß Pflaume und Kostbarzither Schnee [宝琴] noch drei Mal einluden. So versammelten sich schließlich alle nacheinander im Yihongyuan. Dufthauch holte um jeden Preis auch Duftkastanie herbei. Auf dem Kang stellte man noch einen weiteren Tisch dazu, damit alle Platz fanden.
Die Schönste der Schönen gab der Han-Kaiser fort,
 
  
Schönheit ist, wie es heißt, stets mit Unglück gepaart.
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Schatzjade rief sogleich: „Schwester Lin friert leicht — setz dich hierher an die Bretterwand." Er schob ihr noch ein Rückenpolster hin. Dufthauch und die anderen holten Stühle und setzten sich am Kangrand dazu, als Begleiterinnen. Kajaljade setzte sich weit vom Tisch entfernt, lehnte sich ans Polster und sagte lachend zu Schatzspange, Seidenweiß Pflaume, Erkundefrühling und den anderen: „Ihr redet Tag für Tag davon, wie die Leute nachts zechen und spielen — und heute tun wir es selbst! Wie wollen wir ihnen künftig Vorhaltungen machen?" Seidenweiß Pflaume lachte: „Was macht das schon? Im ganzen Jahr kommt das nur zu Geburtstagen und Festen vor — nicht jede Nacht. Da braucht man sich keine Sorgen zu machen." Während sie sprachen, brachte Heitermuster einen geschnitzten Bambusbecher mit elfenbeinernen Blumennamen-Losen darin, schüttelte ihn und stellte ihn in die Mitte. Dann holte sie die Würfel, legte sie in die Dose, schüttelte und öffnete: fünf Augen. Man zählte — es traf Schatzspange. Schatzspange lachte: „Dann ziehe ich zuerst — ich bin gespannt, was ich bekomme." Sie schüttelte den Becher, griff hinein und zog ein Los. Alle schauten: Darauf war eine Päonienblüte gemalt, darüber stand „Schönste unter allen Blüten" in vier Zeichen, und darunter ein Vers aus einem Tang-Gedicht, fein eingraviert:
Wenn auch dem Herrscher seine Frauen nichts galten,
 
warum hat ein Maler zu entscheiden das Recht?
 
  
Lü-dschu0Eine Perle, behandelt wie wertloser Stein –
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Selbst gefühllos rührt sie noch die Menschen.
wußte ein Schï Tschung ihre Schönheit zu schätzen?
 
Und doch war ihm gnäd‘ger das Schicksal gesinnt,
 
ein Freund hat ihn sterbend ins Jenseits begleitet.
 
  
Hung-fu0
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Darunter stand: „Alle Anwesenden trinken gemeinsam einen Becher zur Feier der Königin der Blumen. Die Loszieherin darf beliebig jemanden auffordern — gleich ob Gedicht, Vers oder Scherz —, einen Trinkspruch zu sagen." Alle lachten: „Wie treffend — du bist wirklich zur Päonie geboren!" Man trank gemeinsam auf sie. Nachdem Schatzspange getrunken hatte, sagte sie lachend: „Duftblümchen soll uns ein Lied singen." Duftblümchen sagte: „Wenn schon, dann trinkt alle erst euren Türbecher, bevor ihr zuhört." Also tranken alle. Duftblümchen begann zu singen: „Am Geburtstagsfest erstrahlt alles in Glanz ..." Alle riefen: „Hör auf damit! Hier braucht niemand Geburtstagshuldigungen — sing uns das Allerbeste!" Duftblümchen sang also fein und langsam die Arie „Zur Blumenbeschau" (Shanghuashi):
An kühnen Worten wie an männlicher Tat
 
hat die Schöne Li Djings wahren Wert bald erkannt.
 
Yang Su war ein lebender Leichnam dagegen,
 
wie hätt‘ er auf ewig sie festhalten können?“
 
Als Bau-yü gelesen hatte, fand er kein Ende mit seinem Lob und sagte: „Du hast gerade fünf Gedichte geschrieben, warum sollten sie zusammen nicht ‚Verse über fünf Schönheiten‘ heißen?“ Und ohne sich auf Erörterungen einzulassen, griff er zum Schreibpinsel und setzte diesen Titel daneben.
 
„Beim Dichten kommt es, egal worüber man schreibt, immer darauf an, daß man es versteht, sich von überkommenen Aussagen zu lösen“, erläuterte Bau-tschai inzwischen. „Wenn man lediglich in anderer Leute Fußtapfen tritt, kommt stets nur etwas Zweitrangiges heraus, was nicht als gute Dichtung gelten kann, egal wie geschliffen die Verse sind.
 
So hatten zum Beispiel über Wang Tjiang schon viele Dichter in der unterschiedlichsten Weise geschrieben. Die einen beklagten Wang Tjiangs Geschick, die anderen beschimpften Mau Yän-schou, und wieder andere machten dem Han-Kaiser Vorwürfe, weil er nicht tüchtige Minister, sondern schöne Frauen malen ließ. Dann aber hat Wang An-schï0 geschrieben:
 
‚Nie offenbart des Menschen Herz ein Bild,
 
zu Unrecht starb der Maler Mau Yän-schou.‘
 
Und bei Ou-yang Hsiu heißt es:
 
‚Konnt‘ er wohl fern die Barbaren zügeln,
 
wenn das unter seinen Augen geschah?‘0
 
In jedem der beiden Gedichte kommt eine eigene Anschauung der Sache zum Ausdruck, die es von denen der Vorläufer unterscheidet. Auch von den fünf Gedichten, die Kusine Lin verfaßt hat, kann man sagen, daß sie einen eigenen Sinn hineingelegt und den alten Themen ein neues Gesicht abgewonnen hat...“
 
Eben wollte sie noch weiter fortfahren, da wurde gemeldet: „Der junge Herr Liän ist zurück. Gerade hat man von draußen Bescheid gesagt, er sei schon einige Zeit drüben im anderen Anwesen. Also muß er wohl bald kommen.“
 
Sofort erhob sich Bau-yü und ging zum Haupttor, um seinen Vetter dort zu erwarten, aber da war Djia Liän schon vor dem Tor vom Pferd gestiegen und trat eben herein. Also kniete Bau-yü vor ihm nieder und fragte nach dem Befinden der Herzoginmutter und von Dame Wang, ehe er sich auch nach Djia Liäns eigenem Wohlergehen erkundigte. Dann fanden sie, Hand in Hand weitergehend, in der mittleren Halle Li Wan, Hsi-fëng, Bau-tschai, Dai-yü, Ying-tschun, Tan-tschun und Hsi-tschun, die dort bereits auf Djia Liän gewartet hatten.
 
Nachdem sie einander begrüßt hatten, sagte Djia Liän: „Die alte gnädige Frau trifft morgen in aller Frühe hier ein. Sie war während der ganzen Reise wohlauf. Heute hat sie mich vorausgeschickt, damit ich hier nach dem Rechten sehe, und morgen früh in der fünften Nachtwache soll ich sie vor dem Stadttor erwarten.“
 
Anschließend stellten ihm die anderen noch ein paar Fragen über die Reise, aber weil er einen weiten Weg hinter sich hatte, verabschiedeten sie sich bald und ließen ihn in seine Räume gehen, damit er sich ausruhen konnte. Über die Ereignisse der Nacht ist nichts zu berichten.
 
Am nächsten Tag um die Essenszeit trafen die Herzoginmutter und Dame Wang wirklich ein. Nachdem sie von allen begrüßt worden waren, nahmen sie nur kurz Platz, um eine Schale Tee zu trinken, dann ließen sie sich ins Ning-guo-Anwesen führen, wo ihnen ein markerschütterndes Geheul entgegenscholl. Denn kaum hatten Djia Schë und Djia Liän die Herzoginmutter nach Hause gebracht, waren sie hinübergeeilt und traten ihr jetzt an der Spitze der weinenden Sippenangehörigen entgegen.
 
Die Arme gestützt auf Djia Schë und Djia Liän, die rechts und links von ihr gingen, trat die Herzoginmutter vor den Sarg, wo Djia Dschën und Djia Jung sie kniend erwarteten, um sich dann klagend an ihre Brust zu werfen. Als älterer Mensch war die Herzoginmutter bei dieser Szene natürlich zutiefst gerührt, und so schloß sie die beiden in die Arme und weinte ebenfalls bitterlich. Erst als Djia Schë und Djia Liän ihr beharrlich zuredeten, konnte sie sich etwas beruhigen. Dann wandte sie sich Frau You und deren Schwiegertochter zu, die rechts vom Sarg standen, und als sie einander zur Begrüßung bei den Händen hielten, war ein neuer Tränenausbruch nicht zu vermeiden. Nachdem sich die Herzoginmutter wieder gefaßt hatte, traten die übrigen Familienmitglieder heran, um ihr einer nach dem anderen den Gruß zu entbieten.
 
Da die Herzoginmutter eben erst von der Reise zurückgekommen war und sich noch nicht hatte ausruhen können, hätte es ihr schaden müssen, wenn sie hier sitzen bliebe, deshalb redete ihr Djia Dschën immer wieder zu, sich in ihre Räume zu begeben und sich auszuruhen. Als sich auch Dame Wang und die anderen dieser Bitte anschlossen, mußte die Herzoginmutter nachgeben und ging.
 
Tatsächlich zeigte sich dann, daß sie auf Grund ihres Alters den Anstrengungen der Reise und dem Kummer um den Toten nicht gewachsen war, und als es Nacht wurde, hatte sie ein benommenes Gefühl im Kopf und Schmerzen in der Brust, ihre Nase war verstopft, und ihre Stimme klang belegt. Sofort wurde ein Arzt geholt, um ihr die Pulse zu fühlen und Medizin zu verschreiben, und bis spät in die Nacht waren alle in heller Aufregung. Glücklicherweise löste sich die innere Hitze rasch wieder auf, ohne auf die Lebensbahnen überzugreifen. In der dritten Nachtwache hatte die Herzoginmutter einen leichten Schweißausbruch, ihr Puls beruhigte sich, und die Körpertemperatur sank. Jetzt erst atmeten alle wieder auf. Am nächsten Tag nahm die Herzoginmutter erneut Medizin ein und pflegte weiter der Ruhe.
 
Wenige Tage später war es soweit, daß der Sarg mit Djia Djings Leichnam ins Kloster zurückgebracht wurde. Da die Herzoginmutter noch nicht wieder völlig genesen war, behielt sie Bau-yü zu ihrer Betreuung bei sich. Auch Hsi-fëng beteiligte sich nicht am Trauerzug, weil sie sich noch nicht wieder ganz wohl fühlte. Djia Schë, Djia Liän, Dame Hsing und Dame Wang dagegen gaben dem Sarg mit zahlreichem Gefolge das Geleit bis ins Kloster Eiserne Schwelle und kehrten erst am Abend nach Hause zurück. Im Kloster mußten Djia Dschën, Frau You und Djia Jung noch weitere einhundert Tage am Sarg Wache halten, bevor er in den Heimatort der Familie übergeführt werden konnte. So lange war ihr Haushalt der Obhut der alten Frau You mit ihren Töchtern anvertraut.
 
Nun hatte Djia Liän schon lange von den beiden Schwestern You erzählen gehört und hatte stets bedauert, daß sich keine Gelegenheit ergeben wollte, sie kennenzulernen. Während jetzt Djia Djings Leichnam im Hause aufgebahrt stand, war er im täglichen Umgang mit den beiden vertraut geworden, und wie nicht anders zu erwarten, lechzte er nun nach ihnen. Zumal er wußte, daß Vater und Sohn Djia Dschën und Djia Jung im Verdacht standen, sich wie die wilden Hirsche ein und dasselbe Weibchen zu teilen, nahm er jede Gelegenheit wahr, um den beiden Schwestern den Hof zu machen und ihnen mit Augen und Brauen seine Gefühle zu offenbaren.
 
Und während die dritte Schwester You ihn mit Gleichmut behandelte, legte die zweite Schwester größtes Interesse an den Tag. Nur weil stets zu viele Beobachter anwesend waren, hatten sie noch nicht zur Tat schreiten können. Außerdem hegte Djia Liän die Befürchtung, Djia Dschën könnte eifersüchtig sein, und auch das hatte ihn vor leichtfertigen Handlungen zurückgehalten. So hatten sich die beiden mit einer stillschweigenden Übereinkunft begnügen müssen.
 
Nachdem jetzt der Sarg ins Kloster übergeführt worden war, befanden sich nur noch wenige Menschen in Djia Dschëns Wohnräumen. Denn bis auf einige Sklavenmädchen und
 
-frauen, die hiergeblieben waren, um die gröberen Arbeiten für die alte Frau You und ihre beiden Töchter zu verrichten, waren alle Sklavinnen und Nebenfrauen mit im Kloster. Die Diener und Sklavenfrauen im äußeren Breich gingen bei Nacht ihre Runden, am Tage hüteten sie die Tore, und ohne besonderen Grund kamen sie nicht ins Haus.
 
Diese Umstände gedachte Djia Liän auszunutzen, um endlich zum Zuge zu kommen. Unter dem Vorwand, Djia Dschën Gesellschaft zu leisten, pflegte er mit im Kloster zu übernachten, am Tage aber ritt er häufig ins Ning-guo-Anwesen, wobei er vorgab, häusliche Angelegenheiten für Djia Dschën zu besorgen, während er in Wirklichkeit darauf aus war, die zweite Schwester You zu verführen.
 
Eines Tages kam Yü Lu, einer der jüngeren Verwalter, mit der Meldung zu Djia Dschën: „Die Kosten für Behelfsbauten, Trauerstoffe und Sargträgeruniformen betragen zusammen eintausendeinhundertundzehn Liang Silber, davon sind erst fünfhundert Liang bezahlt, die restlichen sechshundertundzehn sind wir noch schuldig. Gestern haben uns zwei von den Händlern mahnen lassen, darum möchte ich Euch um Weisungen bitten.“
 
„Also laß dir das Silber von den Kassenverwaltern geben, und damit ist doch die Sache erledigt“, sagte Djia Dschën. „Warum mußt du mir das melden kommen?“
 
„Gestern war ich schon deswegen in der Kasse, aber seitdem sich der alte gnädige Herr auf die ewige Reise begeben hat, ist sehr viel Silber verbraucht worden, und von dem, was noch da ist, müssen das hunderttägige Totenritual und die Kosten, die hier im Kloster entstehen, bezahlt werden“, gab Yü Lu Auskunft. „Deshalb konnte ich nichts bekommen, und so bin ich nun hier, um Euch davon Meldung zu machen, Herr. Entweder Ihr verauslagt das Geld einstweilen aus Eurer Privatkasse, oder es wird irgendwo geborgt. Darüber bitte ich um Weisung, damit ich entsprechend handeln kann.“
 
„Du glaubst wohl, es sei noch wie früher, als das Silber ungenutzt bei uns herumlag?“ fragte Djia Dschën lächelnd. „Also borge die Summe irgendwo und bezahle die Rechnungen!“
 
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Yü Lu: „Ein- oder zweihundert könnte ich allenfalls borgen, aber wie soll ich so schnell zu fünf- oder sechshundert Liang Silber kommen?“
 
Djia Dschën dachte nach, dann befahl er Djia Jung: „Geh und frag deine Mutter, ob die fünfhundert Liang Silber, die wir nach der Sargüberführung von den Dschëns im Süden für Opfergaben bekommen haben, schon an die Kasse übergeben worden sind. Wenn nicht, laß sie dir geben und händige sie ihm aus!“
 
„Jawohl!“ sagte Djia Jung, ging hinüber und übermittelte Frau You die Bestellung. Als er wiederkam, berichtete er: „Zweihundert Liang von dem Silber sind schon verbraucht, mit den restlichen dreihundert ist ein Bote in die Stadt geschickt worden, um sie der Großmutter in Verwahrung zu geben.“
 
„Dann reitest du mit Yü Lu in die Stadt, bittest Großmutter um das Silber und gibst es ihm!“ entschied Djia Dschën. „Außerdem schaust du nach, ob zu Hause alles in Ordnung ist, und fragst die beiden Tanten, wie es ihnen geht. Die fehlende Summe wird Yü Lu erst einmal borgen!“
 
Djia Jung und Yü Lu sagten jawohl und wollten eben gehen, als Djia Liän zur Tür hereinkam. Sofort trat Yü Lu vor ihn hin, um seinen Gruß zu entbieten, und Djia Liän erkundigte sich, was es gebe.
 
Als Djia Dschën ihm die Sache in allen Einzelheiten erzählt hatte, dachte sich Djia Liän: „Das wäre eine Möglichkeit, um ins Ning-guo-Anwesen zur zweiten Schwester You zu kommen!“ Also sagte er: „Was ist das schon für eine schwerwiegende Angelegenheit?! Warum soll er bei Fremden borgen? Neulich erst erhielt ich eine Summe Silber, die ich noch nicht wieder ausgegeben habe. Darum ist es das beste, wenn ich den Fehlbetrag auslege, das vereinfacht die Sache!“
 
„Ausgezeichnet!“ freute sich Djia Dschën, „also gib deine Anweisung, dann kann Jung sich auch dieses Silber geben lassen!“
 
„Das Silber muß ich selber holen“, erklärte Djia Liän rasch. „Außerdem war ich schon einige Tage nicht zu Hause und möchte der alten gnädigen Frau, dem gnädigen Herrn und den gnädigen Frauen meinen Gruß entbieten. Auch drüben bei dir wollte ich nachsehen, ob irgend etwas vorgefallen ist, und gleichzeitig der alten Dame meinen Respekt erweisen.“
 
„Darf ich dich denn so sehr in Anspruch nehmen?“ sagte Djia Dschën lächelnd. „Ich mache mir wirklich schon Vorwürfe deswegen.“
 
„Aber woher denn?“ beruhigte ihn Djia Liän. „Schließlich sind wir Vettern!“
 
„Also reite mit deinem Onkel!“ wandte sich Djia Dschën nun an Djia Jung. „Und geh auch hinüber ins andere Anwesen, um der alten gnädigen Frau, dem gnädigen Herrn und den gnädigen Frauen deinen Gruß zu entbieten. Sag ihnen, wir ließen sie grüßen, und erkundige dich, ob die alte gnädige Frau wieder gesund ist oder noch Medizin einnehmen muß!“
 
Djia Jung versprach, alles Punkt für Punkt zu erledigen, dann folgte er Djia Liän hinaus. In Begleitung einiger Sklavenjungen bestiegen sie ihre Pferde und ritten gemeinsam zur Stadt. Während des müßigen Gesprächs, das sich dabei zwischen Onkel und Neffen entspann, ließ Djia Liän es sich angelegen sein, die Sprache auf die zweite Schwester You zu bringen, und lobte in den höchsten Tönen, wie schön und wie gütig sie sei, wie elegant ihr Benehmen und wie angenehm ihre Redeweise, kurzum, es gebe nichts an ihr, was einem nicht Verehrung und Liebe abnötigte. „Alle Leute loben nur meine Frau, aber ich finde, dieser Tante von dir kann sie nicht das Wasser reichen“, begeisterte er sich.
 
Djia Jung konnte sich denken, worauf er hinauswollte, und so sagte er lächelnd: „Wenn Ihr sie so sehr mögt, Onkel, dann will ich Euer Vermittler sein, und Ihr macht sie zu Eurer Nebenfrau. Wie wäre das?“
 
Ebenfalls lächelnd, fragte Djia Liän zurück: „Ist das ein Scherz von dir, oder meinst du es ernst?“
 
„Es ist mein Ernst!“ bekräftigte Djia Jung.
 
„Die Sache wäre natürlich sehr schön“, nahm Djia Liän wieder das Wort. „Ich fürchte nur, meine Frau wird nicht einverstanden sein, und deine Großmutter wird es wohl auch nicht wollen. Außerdem habe ich gehört, deine Tante sei bereits verlobt.“
 
„Das macht nichts!“ versicherte Djia Jung lächelnd. „Die beiden Tanten sind keine Töchter meines Großvaters, sondern wurden von meiner Großmutter mit in die Ehe gebracht. Wie ich hörte, hat meine Großmutter die Tante schon vor ihrer Geburt mit dem Sohn eines gewissen Dschang verlobt, der kaiserlicher Gutsverwalter war. Später sind die Dschangs durch einen Rechtsstreit in Armut geraten, meine Großmutter aber hat sich wieder verheiratet. Seit mehr als zehn Jahren hat sie keinen Kontakt mehr zu den Dschangs. Sie hat schon oft geklagt, sie wolle die Verlobung rückgängig machen, und auch mein Vater möchte die Tante gern anderweitig verloben, wenn er erst einmal einen guten Partner für sie gefunden hat. Man muß nur die Dschangs suchen lassen, um ihnen zehn, zwölf Liang Silber in die Hand zu drücken, damit sie eine Verzichtserklärung schreiben.
 
Was sollten sie angesichts des Silbers schon für Einwände haben, arm, wie sie sind! Außerdem wissen sie genau, daß es für eine Familie wie die unsere nichts bedeuten würde, wenn sie Einwände machten. Wenn jemand wie Ihr meine Tante zur Nebenfrau nehmen will, garantiere ich, daß meine Großmutter und mein Vater einverstanden sind. Schwierig wird es nur mit Eurer Frau.“
 
Als Djia Liän das hörte, blühten in seinem Herzen tausend Blumen auf, und anstatt etwas zu sagen, lächelte er nur töricht vor sich hin.
 
Nach einigem Nachdenken fing Djia Jung mit lächelnder Miene erneut an: „Wenn Ihr den Mut dazu habt und Euch an meinen Plan haltet, gibt es nichts, was die Sache verhindern könnte. Es kostet nur einfach ein bißchen mehr.“
 
„Was ist das für ein Plan?“ fragte Djia Liän begierig. „Sag ihn mir schnell! Ich will mich an alles halten.“
 
„Ihr dürft zu Hause kein Sterbenswörtchen von der Sache sagen“, instruierte ihn Djia Jung. „Und wenn ich meinem Vater davon berichtet habe und er alles mit meiner Großmutter abgesprochen hat, kauft Ihr irgendwo in der Nähe unseres Anwesens ein Haus und die nötige Einrichtung dafür und steckt zwei Dienerfamilien als Aufwartung hinein. Dann laßt Ihr einen Glückstag aussuchen, und ohne daß Menschen oder Geister auch nur das mindeste davon merken, zieht Ihr mit meiner Tante dort ein. Dem Gesinde wird eingeschärft, daß kein Wort darüber durchsickern darf, und da Eure Frau in der Tiefe des Anwesens wohnt, wird sie nichts davon erfahren. Ihr aber wohnt an zwei Stellen zugleich.
 
Wenn die Sache dann vielleicht nach einem Jahr oder einem halben bekannt wird, bringt sie Euch nicht mehr als eine Portion Schelte von Eurem Vater ein, und Ihr könnt einfach sagen, da Eure Frau Euch keinen Sohn geboren habe, hättet Ihr um der männlichen Nachkommenschaft willen die Sache heimlich in die Wege geleitet. Wenn Eure Frau sieht, daß Ihr vollendete Tatsachen geschaffen habt, wird sie sich damit abfinden müssen. Und wenn Ihr dann noch die alte gnädige Frau schön bittet, ist alles wieder im Lot.“
 
Von alters her heißt es „Begierde trübt den Verstand.“ So zählte jetzt auch für Djia Liän nur das Verlangen nach den Reizen der zweiten Schwester You, und Djia Jungs Gerede schien ihm ein unfehlbarer Plan zu sein. Daß die Familie in Trauer war, daß man nicht hinter dem Rücken der Hauptfrau eine Nebenfrau nehmen kann, daß er einen strengen Vater und eine eifersüchtige Gattin hatte – alle diese Hinderungsgründe ließ er außer acht.
 
Er ahnte auch nicht, daß Djia Jung keineswegs in guter Absicht handelte. Dieser hatte ja selbst ein Auge auf seine beiden Stieftanten geworfen. Da er jedoch unter Djia Dschëns Aufsicht nicht auf seine Kosten kam, sagte er sich, daß es dann, wenn Djia Liän eine der beiden heiratete und außerhalb mit ihr wohnte, auch nicht an Gelegenheiten mangeln könnte, in Djia Liäns Abwesenheit dort herumzuspuken.
 
Auf diesen Gedanken konnte Djia Liän freilich nicht kommen, und so bedankte er sich bei Djia Jung und versprach ihm: „Wenn du die Sache wirklich zuwege bringst, mein lieber Neffe, dann kaufe ich auch zwei bildhübsche Sklavenmädchen und schenke sie dir zur Belohnung.“
 
Bei diesen Worten waren sie am Tor des Ning-guo-Anwesens angekommen, und Djia Jung sagte: „Geht Ihr hinein, Onkel, und laßt Euch von meiner Großmutter das Silber geben, das Yü Lu bekommen soll! Ich will zuerst drüben die alte gnädige Frau begrüßen.
 
Lächelnd nickte Djia Liän und bat: „Sag vor der alten gnädigen Frau nichts davon, daß ich mit dir zusammen gekommen bin!“
 
„Ich verstehe!“ sagte Djia Jung, dann flüsterte er Djia Liän ins Ohr: „Falls Ihr meine Tante heute seht, dürft Ihr nichts überstürzen. Wenn jetzt Aufsehen erregt wird, ist es nachher schwer wiedergutzumachen.“
 
„Red keinen Stuß und beeil dich lieber! Ich warte hier auf dich“, sagte Djia Liän lachend, und Djia Jung ritt zum Jung-guo-Anwesen weiter, um dort der Herzoginmutter seinen Gruß zu entbieten.
 
Währenddessen betrat Djia Liän das Ning-guo-Anwesen, wo ihn sofort einer der für das Gesinde zuständigen Aufseher mit seinen Untergebenen begrüßte und dann in die Halle geleitete. Um der Pflicht zu genügen, stellte Djia Liän einige Fragen, dann schickte er die Leute fort und ging allein in den inneren Wohnbezirk weiter. Für ihn als Vetter und engen Vertrauten von Djia Dschën galten hier keine Tabus, und so brauchte er nicht zu warten, bis man ihn angemeldet hatte. Als er vor der Haupthalle der Wohngebäude stand, schlugen die alten Sklavinnen, die im Säulengang Dienst taten, sofort den Türvorhang für ihn auf und ließen ihn eintreten.
 
Drinnen erblickte Djia Liän die zweite Schwester You, die in Gesellschaft zweier Sklavenmädchen auf dem Ofenbett an der Südseite saß und mit einer Nadelarbeit beschäftigt war. Weder die alte Frau You noch die dritte Schwester You waren zu sehen.
 
Als Djia Liän rasch nähertrat und die zweite Schwester You begrüßte, lud sie ihn lächelnd ein, Platz zu nehmen, und rückte selbst an die hölzerne Trennwand auf der Ostseite. Djia Liän aber bestand darauf, ihr den Ehrenplatz in der Mitte zu überlassen. Nachdem sie ein paar Begrüßungsfloskeln gewechselt hatten, erkundigte sich Djia Liän: „Wo sind denn Eure Mutter und Eure Schwester? Warum sind sie nicht zu sehen?“
 
„Sie sind nach hinten gegangen, um etwas zu erledigen, und werden gleich wieder da sein“, gab die zweite Schwester You lächelnd Auskunft.
 
Da die beiden Sklavenmädchen hinausgegangen waren, um Tee einzugießen, sah Djia Liän der zweiten Schwester You lächelnd in die Augen. Sie aber ging nicht darauf ein und senkte lächelnd den Blick. Also wagte Djia Liän es nicht, sich mit Handgreiflichkeiten zu übereilen. Da er aber sah, daß die zweite Schwester You an ihrem Taschentuch nestelte, an das sie ein kleines Täschchen gebunden hatte, griff er mit betonter Auffälligkeit nach seinem Gürtel und sagte dann: „Habe ich doch mein Beteltäschchen vergessen! Würdet Ihr mir wohl eine Betelnuß schenken?“
 
„Betelnüsse habe ich wohl, aber verschenken tue ich sie nie“, erwiderte die zweite Schwester You.
 
Lächelnd wollte sich Djia Liän ihr nähern, um ihr das Täschchen wegzunehmen, aber weil das einen schlechten Eindruck machen mußte, falls jemand dazukam, warf die zweite Schwester You ihr Taschentuch mit dem Täschchen daran rasch zu ihm hinüber, wobei sie ebenfalls lächelte.
 
Djia Liän fing das Täschchen auf, schüttete alle Betelnüsse aus, suchte sich eine angekaute darunter heraus und schob sie in den Mund. Dann sammelte er den Rest wieder ein und wollte aufstehen, um der zweiten Schwester You das Täschchen in die Hand zu geben. Aber da kamen eben die Sklavenmädchen wieder herein und brachten den Tee. Also nahm Djia Liän sein Schälchen entgegen und trank.
 
Zugleich löste er heimlich einen aus der Han-Zeit stammenden mit neun Drachen verzierten Jadeanhänger von seinem Gürtel, band ihn an das Taschentuch und warf das Ganze zur zweiten Schwester You hinüber, als die Sklavenmädchen eben einmal nicht hinsahen. Aber die zweite Schwester You hob das Taschentuch nicht auf, tat ganz so, als ob sie nichts bemerkt hätte, und trank ihren Tee. Da klapperte der Vorhang an der Hintertür, und herein traten die alte Frau You mit ihrer Tochter und zwei kleineren Sklavenmädchen. Rasch bedeutete Djia Liän der zweiten Schwester You mit den Augen, sie solle das Taschentuch an sich nehmen, aber sie reagierte nicht darauf.
 
Djia Liän wußte nicht, was er davon halten sollte, und geriet in beträchtliche Verwirrung, aber er hatte keine andere Wahl, als der alten Frau You und der dritten Schwester You entgegenzugehen, um sie zu begrüßen. Als er sich wieder umwandte und nach der zweiten Schwester You sah, lächelte sie, als ob überhaupt nichts gewesen wäre, und bei näherem Hinsehen stellte er fest, daß das Taschentuch verschwunden war. Nun erst fühlte er sich beruhigt.
 
Dann setzten sich alle hin, um zu plaudern, und Djia Liän berichtete: „Wie die Schwägerin sagte, hat sie Euch neulich ein Paket mit Silber zur Aufbewahrung geschickt, das soll ich mir jetzt auf Geheiß von Vetter Dschën geben lassen, weil Schulden zu bezahlen sind. Außerdem sollte ich nachsehen, ob hier alles in Ordnung ist.
 
Sofort befahl die alte Frau You ihrer älteren Tochter, sie solle den Schlüssel nehmen und das Silber holen gehen. Djia Liän aber fuhr fort: „Zugleich wollte ich Euch meinen Gruß entbieten und sehen, wie es Euren Töchtern geht. Ihr selbst scheint mir nicht schlecht auszusehen, aber Eure Töchter haben hier bei uns viel zu leiden.“
 
„Was sagt Ihr da!“ widersprach ihm die alte Frau You. „Schließlich sind wir engste Verwandte, und wir würden zu Hause nicht anders leben als hier. Um die Wahrheit zu sagen, ist unsere Familie hart dran, seitdem mein Mann nicht mehr lebt, und wir sind ganz auf die Hilfe meines Schwiegersohns angewiesen. Jetzt, wo seine Familie von einem so schwerwiegenden Ereignis betroffen ist, können wir ihm wenigstens dadurch von Nutzen sein, daß wir das Haus für ihn hüten. Von welchem Leiden kann also die Rede sein?“
 
Bei diesen Worten kam die zweite Schwester You mit dem Silber zurück und übergab es ihrer Mutter, die es an Djia Liän weiterreichte. Dann ließ Djia Liän durch eines der Sklavenmädchen eine alte Sklavin rufen und befahl ihr: „Gib das Yü Lu und sag ihm, er solle damit zu mir hinübergehen und auf mich warten!
 
Als die alte Sklavin jawohl gesagt hatte und hinausgegangen war, ertönte Djia Jungs Stimme im Hof, und im nächsten Augenblick trat er ins Haus und begrüßte seine Stiefgroßmutter und seine beiden Stieftanten. Dann wandte er sich lächelnd an Djia Liän und sagte: „Gerade hat drüben der alte gnädige Herr nach Euch gefragt, Onkel. Er sagte, er habe einen Auftrag für Euch, und wollte schon jemand ins Kloster schicken, um Euch zu holen. Ich habe ihm gesagt, Ihr würdet gleich da sein, und da hat er mir noch aufgetragen, Euch zur Eile zu mahnen, wenn ich Euch treffe.“
 
Schon machte Djia Liän Anstalten aufzustehen, da hörte er, wie Djia Jung zur alten Frau You sagte: „Der Mann, von dem ich Euch neulich erzählte, daß mein Vater ihn für die Tante ausgesucht hat, sieht nach Gesicht und Gestalt beinahe so aus wie mein Onkel hier. Wie gefällt Euch der, alte Ahne?“ Damit machte er eine verstohlene Handbewegung in Djia Liäns Richtung und wies dann mit dem Kinn nach der zweiten Schwester You.
 
Dieser war es peinlich, etwas zu sagen, ihre Schwester jedoch schimpfte lächelnd: „Du verdorbener kleiner Affe, du! Weißt du nichts Besseres zu schwatzen? Warte, ich werde dir deinen Mund zerreißen!“ Mit diesen Worten ging sie wirklich auf ihn los, aber da war Djia Jung schon lachend hinausgelaufen.
 
Nun verabschiedete sich auch Djia Liän und ging zuerst noch einmal in die Halle, wo er das Gesinde ermahnte, keine Glücksspiele zu spielen und keinen Wein zu trinken. Dann bat er Djia Jung noch unter vier Augen, er solle sich beeilen, ins Kloster zurückzukommen, und möglichst schnell mit seinem Vater sprechen. Anschließend ritt er mit Yü Lu zum anderen Anwesen hinüber, gab ihm dort das restliche Silber und schickte ihn weg. Nachdem er zuvor noch seinen Vater aufgesucht hatte, ging er endlich der Herzoginmutter seine Aufwartung machen. Aber davon soll hier nicht die Rede sein.
 
Als sich Djia Jung davon überzeugt hatte, daß Yü Lu mit Djia Liän fortritt, um das Silber zu holen, so daß für ihn nichts zu tun blieb, kehrte er noch einmal in die inneren Gemächer zurück, um sich dort noch ein Weilchen mit seinen beiden Stieftanten zu necken, ehe er sich wieder auf den Weg machte. Als er am Abend ins Kloster kam und seinen Vater aufsuchte, berichtete er: „Yü Lu hat das Silber bekommen. Die alte gnädige Frau ist wieder gesund und braucht keine Medizin mehr zu nehmen.“ Anschließend nahm er sofort die Gelegenheit wahr, um seinem Vater zu erzählen, daß Djia Liän unterwegs den Wunsch geäußert habe, die zweite Schwester You zu seiner Nebenfrau zu machen, und daß er den Plan habe, außerhalb mit ihr zu wohnen, damit Hsi-fëng nichts davon erführe.
 
„Es geht ihm nur darum, das Ärgernis zu beheben, daß er noch keinen Sohn hat“, versicherte er. „Außerdem hat er die Tante schon gesehen, und sowieso ist es besser, jemand zu heiraten, mit dem man verschwägert ist, als jemand Fremdes, von dem man nichts weiß. Deshalb hat mich der Onkel immer wieder gebeten, mit Euch zu sprechen.“ Daß alles sein eigener Einfall gewesen war, verschwieg er geflissentlich.
 
Djia Dschën dachte nach, dann sagte er lächelnd: „Warum eigentlich nicht! Nur weiß ich nicht, ob deine Tante damit einverstanden sein wird. Also sprich morgen zuerst mit deiner Großmutter darüber und bitte sie, die Tante zu fragen, ehe wir eine Entscheidung treffen.“ Anschließend gab er Djia Jung noch einige Instruktionen, dann ging er hinüber und teilte Frau You die Neuigkeit mit.
 
Frau You war sich darüber im klaren, daß die Sache sich nicht gehöre, und riet Djia Dschën nach Kräften ab. Sein Entschluß stand jedoch bereits fest, und da es Frau You gewohnt war, sich zu fügen, und da sie und die zweite Schwester You nicht Kinder einer Mutter waren, so daß sie sich auch nicht allzusehr um sie kümmern konnte, mußte sie den Dingen ihren Lauf lassen.
 
Am nächsten Morgen ritt Djia Jung tatsächlich in aller Frühe erneut in die Stadt, suchte seine Stiefgroßmutter auf und eröffnete ihr, was sein Vater ihm aufgetragen hatte. Außerdem fügte er noch von sich aus mancherlei hinzu.
 
So erzählte er, Djia Liän sei ein herzensguter Mensch, Hsi-fëng aber sei unheilbar krank, und wenn die Tante vorläufig außerhalb wohnen würde, könnte Djia Liän sie nach einem Jahr oder einem halben, wenn Hsi-fëng erst tot sei, ins Haus nehmen und zur Hauptfrau machen. Er schilderte auch in den rosigsten Farben, wie sein Vater die Verlobung ausrichten werde und wie Djia Liän die Hochzeit gestalten wolle. „Auch Euch würde er bei sich aufnehmen und im Alter für Euch sorgen, und für die zweite Tante würde er mit der Zeit ebenfalls einen Mann suchen“, fügte er zum Schluß noch hinzu.
 
Wie hätte die alte Frau You solchen Verlockungen widerstehen können, zumal sie ganz auf Djia Dschëns Unterstützung angewiesen war und Djia Dschën die Sache in die Hand genommen hatte und die Verlobung arrangieren wollte, so daß sie selbst nicht einmal für die Aussteuer zu sorgen brauchte. Außerdem war Djia Liän ein junger Mann aus guter Familie und zehnmal besser als Dschang Hua. Also ging die alte Frau You sofort hinüber, um mit ihrer Tochter zu sprechen.
 
Die zweite Schwester You hatte einen Charakter wie Wasser, und es hatte auch schon etwas Unziemliches zwischen ihr und Djia Dschën gegeben. Daß sie seinerzeit mit Dschang Hua verlobt worden war, wodurch sie für immer auf einen richtigen Platz im Leben verzichten mußte, hatte sie stets bedauert.
 
  
[[Category:Books]]
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Des Smaragdphönix Federschweif wird zum Besen gebunden,
[[Category:Hongloumeng]]
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Müßig fegt er am Himmelstor die fallenden Blüten;
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Seht, wie der Wind den Jadestaub aufwirbelt!
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Plötzlich senkt sich eine Wolkenschicht herab —
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Wie weit ist doch das Himmelstor von der Welt!
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Ruht, das Schwert nach dem Gelben Drachen zu schwingen, um Haaresbreite daneben;
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Ruht, beim alten Dong den Wein des Elends zu kaufen;
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Lasst Euer Auge gen Wolken und Abendrot schweifen!
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O Lü Dongbin — wenn Ihr einen Menschen gewonnen habt,
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Kommt nur bald mit der Antwort zurück!
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Doch wenn Ihr zaudert — ach, welch dauernden Gram
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Hinterlasst Ihr mit den Pfirsichblüten!
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Schatzjade aber hielt noch immer das Los in der Hand und murmelte unaufhörlich „Selbst gefühllos rührt sie noch die Menschen" vor sich hin; er hörte dem Lied zu und starrte Duftblümchen schweigend an. Xiangfluss-Wolke [湘云] riss ihm das Los rasch aus der Hand und warf es Schatzspange zu. Schatzspange warf die Würfel — sechzehn Augen — und es traf Erkundefrühling. Erkundefrühling lachte: „Ich bin gespannt, was ich bekomme!" Sie zog ein Los, sah es an, warf es auf den Boden, wurde rot und lachte: „Das taugt nichts — dieses Spiel hätten wir nicht spielen sollen! Das ist eigentlich ein Spiel für die Männer draußen, mit allerhand anzüglichen Sprüchen darauf." Niemand verstand; Dufthauch und die anderen hoben es eilig auf. Alle sahen: darauf war ein Aprikosenblütenzweig, mit den roten Zeichen „Himmlische Frucht des Jadeteichs", und der Vers lautete:
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Am Sonnenrand steht rot die Aprikose, an Wolken gelehnt gepflanzt.
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Darunter stand: „Wer dieses Los zieht, wird gewiss einen vornehmen Gemahl bekommen. Alle gratulieren mit einem gemeinsamen Becher." Alle lachten: „Ach so, deswegen! Dieses Spiel stammt ja aus dem Frauengemach — bis auf zwei, drei solcher Lose mit Heiratsanspielungen sind keine anstößigen Sprüche dabei; was macht das schon! In unserem Haus gibt es bereits eine Kaiserliche Gemahlin <ref>Urfrühling</ref> — sollst etwa auch du eine Kaiserin werden? Großes Glück, großes Glück!" Damit schenkten ihr alle ein. Erkundefrühling wollte partout nicht trinken, doch Xiangfluss-Wolke, Duftkastanie, Seidenweiß Pflaume und drei, vier andere zwangen sie mit Gewalt, den Becher zu leeren. Erkundefrühling verlangte, dieses Spiel abzuschaffen und ein anderes zu spielen, doch niemand wollte das zulassen. Xiangfluss-Wolke ergriff ihre Hand und warf für sie: neunzehn Augen — es traf Seidenweiß Pflaume. Seidenweiß Pflaume schüttelte den Becher, zog ein Los und lachte: „Wunderbar! Seht euch das an — dieses Ding hat durchaus seinen Witz!" Alle sahen: ein alter Pflaumenzweig, darauf „Frostig-kalte Schönheit im Morgengrauen", und das Gedicht lautete:
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Hinter Bambuszaun und Strohdach fügt sie sich zufrieden.
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Darunter stand: „Trinkt allein einen Becher; der Nächste würfelt." Seidenweiß Pflaume lachte: „Wirklich amüsant! Werft ihr nur weiter. Ich trinke mein Glas allein und kümmere mich nicht um euer Auf und Ab." Damit trank sie und gab die Würfel an Kajaljade weiter. Kajaljade warf achtzehn Augen — es traf Xiangfluss-Wolke. Xiangfluss-Wolke krempelte lachend die Ärmel hoch und zog ein Los. Alle sahen: eine Begonienblüte, darauf „Duftender Traum in tiefem Schlummer", und der Vers lautete:
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Ich fürchte nur, die Blume schläft ein in tiefer Nacht.
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Kajaljade lachte: „Die Worte ‚tiefe Nacht' sollte man durch ‚kühler Stein' ersetzen!" <ref>Anspielung auf Xiangfluss-Wolkes Einschlafen auf der Steinbank am Nachmittag.</ref> Alle verstanden den Witz und lachten. Xiangfluss-Wolke zeigte lachend auf das Los, wo ein kleines Boot abgebildet war, und sagte zu Kajaljade: „Steig schnell ein und fahr davon — und halt den Mund!" Alle lachten wieder. In der Anmerkung stand: „Da es heißt ‚Duftender Traum in tiefem Schlummer', darf die Loszieherin keinen Wein trinken; stattdessen trinken die Nachbarn links und rechts je einen Becher." Xiangfluss-Wolke klatschte lachend in die Hände: „Amitabha — wirklich ein gutes Los!" Und siehe da: Kajaljade war ihre obere und Schatzjade ihre untere Nachbarin. Die beiden mussten je einen Becher trinken. Schatzjade trank die Hälfte seines Bechers, und als niemand hinsah, reichte er ihn Duftblümchen, die ihn schnell austrank. Kajaljade plauderte mit den anderen und goss ihren Wein unbemerkt in den Spülnapf. Xiangfluss-Wolke nahm die Würfel und warf neun Augen — es traf Moschusmond. Moschusmond zog ein Los: eine Teerose, darauf „Höhepunkt der Jugend und Schönheit", und der Vers lautete:
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Wenn die Teerose blüht, ist die Blütezeit vorbei.
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Darunter stand: „Alle Anwesenden trinken drei Becher zum Abschied des Frühlings." Moschusmond fragte, was das bedeute. Schatzjade runzelte besorgt die Stirn, verbarg das Los eilig und sagte: „Trinken wir einfach." Alle nahmen drei Schlucke, die als drei Becher galten. Moschusmond warf neunzehn Augen — es traf Duftkastanie. Duftkastanie zog ein Los mit einer Zwillingsblüte, darauf „Vereinter Frühling, umrankendes Glück", und der Vers lautete:
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Am Ast der Ehestandsblume blüht es gerade.
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Darunter stand: „Alle gratulieren der Loszieherin mit drei Bechern; dazu trinkt jeder einen Becher mit." Duftkastanie warf dann sechs Augen — es traf Kajaljade. Kajaljade dachte im Stillen: „Ich weiß nicht, was Schönes noch übrig ist — hoffentlich ziehe ich ein gutes." Sie griff hinein und zog ein Los: eine Lotusblüte (Hibiskus), darauf „Klarer Kummer in Wind und Tau", und der Vers lautete:
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Klage nicht den Ostwind an — beklage dich selbst.
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Darunter stand: „Trinkt allein einen Becher; die Päonie begleitet mit einem Becher." Alle lachten: „Das ist wundervoll! Außer ihr gebührt niemandem die Lotusblüte." Kajaljade lachte ebenfalls. Man trank. Dann warf Kajaljade zwanzig Augen — es traf Dufthauch. Dufthauch zog ein Los: ein Pfirsichblütenzweig, darauf „Anderes Land von Wuling" <ref>Anspielung auf Tao Yuanmings ‚Pfirsichblütenquelle'</ref>, und der Vers lautete:
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Pfirsichrot — wieder ein neuer Frühling.
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Darunter stand: „Die Aprikosenblüte begleitet mit einem Becher; wer unter den Anwesenden im gleichen Jahr geboren ist, begleitet mit einem Becher; wer zur gleichen Stunde geboren, begleitet mit einem Becher; wer denselben Familiennamen hat, begleitet mit einem Becher." Alle lachten: „Diesmal wird es lustig!" Man rechnete nach: Duftkastanie, Heitermuster und Schatzspange waren alle im gleichen Jahr geboren wie Dufthauch; Kajaljade war zur gleichen Stunde geboren; nur gab es niemanden mit demselben Familiennamen. Duftblümchen rief eilig: „Ich heiße auch Hua <ref>‚Blume'</ref> — ich begleite auch mit einem Becher!" Also wurde eingeschenkt. Kajaljade sagte lachend zu Erkundefrühling: „Du bist die Aprikosenblüte, der ein vornehmer Gemahl bestimmt ist — trink schnell, damit wir auch trinken können!" Erkundefrühling lachte: „Was soll das! Die ältere Schwägerin soll sie zur Strafe schlagen." Seidenweiß Pflaume lachte: „Statt den vornehmen Bräutigam zu bekommen, bekommt sie Prügel — das bringe ich nicht übers Herz!" Alle lachten.
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Gerade als Dufthauch werfen wollte, hörte man jemanden am Tor klopfen. Eine alte Dienerin ging eilig hinaus und kam mit der Nachricht: Tante Schnee hatte jemanden geschickt, um Kajaljade abzuholen. Man fragte, wie spät es sei; es wurde geantwortet: „Nach der zweiten Nachtwache; die Uhr hat elf geschlagen." Schatzjade glaubte es nicht und verlangte die Taschenuhr; als er nachsah, war es bereits zehn Minuten nach Beginn der Zi-Stunde <ref>ca. 23:10 Uhr</ref>. Kajaljade erhob sich und sagte: „Ich halte es nicht mehr aus — ich muss nach Hause und noch meine Medizin nehmen." Alle sagten: „Wir sollten auch aufbrechen." Dufthauch und Schatzjade wollten alle noch halten. Seidenweiß Pflaume und Schatzspange sagten: „Es ist viel zu spät — das geht nicht. Wir haben heute ohnehin die Regel gebrochen." Dufthauch sagte: „Wenn es denn sein muss — jede trinkt noch einen letzten Becher." Heitermuster und die anderen hatten schon eingeschenkt; alle tranken und ließen Laternen anzünden. Dufthauch und die anderen geleiteten die Gäste noch über den Qinfang-Pavillon-Fluss hinüber, bevor sie zurückkehrten.
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Man schloss das Tor, und alle spielten von Neuem. Dufthauch und die anderen schenkten noch einige große Becher ein und bereiteten ein Tablett mit verschiedenen Früchten und Speisen für die alten Dienerinnen draußen. Als alle drei Zehntel betrunken waren, ging es zum Fingerwerfen und zum Singen kleiner Lieder über. Es war schon die vierte Nachtwache; die alten Dienerinnen aßen von der einen Seite offen, von der anderen stibitzten sie heimlich — der Weinkrug war leer. Alle wunderten sich, machten sich dann aber an die Abendtoilette und legten sich schlafen. Duftblümchens Wangen glühten rot wie Karmin; um Augenwinkel und Brauen lag noch mehr Anmut als zuvor. Sie konnte sich kaum noch aufrecht halten, lehnte sich an Dufthauchs Schulter und sagte: „Gute Schwester, mein Herz klopft so!" Dufthauch lachte: „Wer hat dich auch hemmungslos trinken lassen!" Xiaoyan und Si'er konnten ebenfalls nicht mehr und schliefen bereits. Heitermuster rief noch immer. Schatzjade sagte: „Hör auf zu rufen — legen wir uns einfach ein wenig hin." Er legte seinen Kopf auf das rote, duftende Kissen, drehte sich zur Seite und schlief ebenfalls ein. Dufthauch fürchtete, dass Duftblümchen im Rausch erbrechen könnte und jemanden störte; so stand sie leise auf, bettete Duftblümchen neben Schatzjade und ließ sie dort schlafen. Sie selbst legte sich auf die gegenüberliegende Liege.
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Alle schliefen tief und süß und wussten von nichts. Als es Tag wurde, öffnete Dufthauch die Augen und sah das strahlend helle Tageslicht. „Es ist spät!" rief sie eilig. Sie blickte zum gegenüberliegenden Bett und sah Duftblümchen, den Kopf auf den Kangrand gelegt, noch immer fest schlafend. Hastig stand sie auf und weckte sie. Schatzjade hatte sich bereits umgedreht und war wach. Er lachte: „Haben wir verschlafen?" Dann rüttelte er Duftblümchen wach. Duftblümchen saß auf, rieb sich noch benommen die Augen. Dufthauch lachte: „Schämst du dich nicht? Du warst so betrunken — da hast du dich einfach hingelegt, ohne zu sehen, wo!" Duftblümchen schaute sich um, bemerkte erst jetzt, dass sie auf demselben Kang wie Schatzjade geschlafen hatte, und sprang lachend herunter: „Wie habe ich nur so trinken können, dass ich nichts mehr wusste!" Schatzjade lachte: „Ich wusste ja auch von nichts. Hätte ich es gewusst, hätte ich dir schwarze Tusche ins Gesicht geschmiert!" Die Mädchen kamen zum Morgenputz herein. Schatzjade lachte: „Gestern habt ihr mich bewirtet — heute Abend bin ich dran!" Dufthauch lachte: „Genug, genug — heute bitte kein Aufheben mehr! Wenn wir so weitermachen, fangen die Leute an zu reden." Schatzjade sagte: „Was soll's — es waren doch nur zweimal! Sind wir etwa Weintrinker? Dieser eine Krug Wein — wie kann er nur so schnell leer geworden sein? Gerade war es lustig, und schon war nichts mehr da." Dufthauch lachte: „Gerade so muss es sein — erst das macht es reizvoll. Wenn man bis zur völligen Erschöpfung trinkt, bleibt kein Nachgeschmack. Gestern waren alle so angeregt — Heitermuster hat sogar vergessen, sich zu schämen; ich glaube, sie hat ein Lied gesungen." Si'er lachte: „Schwester hat es vergessen — du hast doch auch gesungen! Wer am Tisch hat nicht gesungen!" Alle hörten das und wurden rot; sie hielten sich die Hände vor den Mund und lachten unaufhörlich.
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Plötzlich kam Friedchen fröhlich lachend herein und sagte, sie lade persönlich alle ein, die gestern am Tisch gewesen seien: „Heute bin ich die Gastgeberin — es darf kein einziger fehlen!" Man bot ihr eilig einen Sitz und Tee an. Heitermuster lachte: „Schade, dass sie gestern Nacht nicht dabei war!" Friedchen fragte sofort: „Was habt ihr denn nachts getrieben?" Dufthauch sagte: „Das kann man dir gar nicht erzählen! Gestern Nacht war es so lustig wie nie zuvor — selbst wenn die Alte Herrin und die Gnädige Frau dabei gewesen wären und alle zum Spielen mitgenommen hätten, wäre es nicht so lustig gewesen. Einen ganzen Krug Wein haben wir geleert; eine nach der anderen hat alle Scham fahren lassen, und ganz unvermittelt fing plötzlich jede an zu singen. Erst nach der vierten Nachtwache sind wir kreuz und quer umgefallen und haben ein Nickerchen gemacht." Friedchen lachte: „Sehr schön! Da habe ich mir also umsonst den Wein für euch besorgt — und dann ladet ihr mich nicht einmal ein, sondern erzählt mir davon, nur um mich zu ärgern!" Heitermuster sagte: „Heute gibt er ein Gegenessen — da wird er dich bestimmt einladen; warte nur!" Friedchen fragte lachend: „‚Er' — wer ist ‚er', und wer ist ‚ihn'?" Heitermuster hörte das, lief ihr lachend nach und versetzte ihr einen Klaps: „Du hast aber feine Ohren — gleich jedes Wort aufschnappen!" Friedchen lachte: „Jetzt habe ich zu tun — ich muss los. Gleich schicke ich jemanden, um einzuladen. Wenn auch nur eine fehlt, komme ich persönlich und hole sie!" Schatzjade und die anderen wollten sie aufhalten, doch sie war schon fort.
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Hier wusch sich Schatzjade und trank gerade Tee, als er zufällig unter dem Tuschstein ein Blatt Papier bemerkte. Er sagte: „Ihr dürft die Sachen nicht einfach irgendwohin legen und quetschen!" Dufthauch und Heitermuster fragten eilig: „Was ist nun wieder? Wer hat jetzt etwas falsch gemacht?" Schatzjade zeigte hin: „Was ist das unter dem Tuschstein? Bestimmt hat wieder jemand ein Muster vergessen einzuräumen!" Heitermuster hob eilig den Tuschstein auf und zog das Blatt hervor — es war eine Visitenkarte. Sie reichte sie Schatzjade; darauf stand auf rosafarbenem Briefpapier: „Wunderjade [妙玉], die Bewohnerin jenseits der Schwelle, verbeugt sich ehrfürchtig und glückwünschend aus der Ferne zum Geburtstag." Schatzjade sprang auf, als er es gelesen hatte, und rief: „Wer hat das entgegengenommen? Warum hat mir niemand etwas gesagt?" Dufthauch, Heitermuster und die anderen, die ihn so aufgeregt sahen und nicht wussten, von welcher bedeutenden Person die Karte stammte, fragten alle durcheinander: „Wer hat gestern eine Visitenkarte entgegengenommen?" Si'er kam eilig hereingelaufen und sagte lachend: „Gestern kam Wunderjade nicht persönlich — sie hat nur eine alte Dienerin geschickt. Ich habe sie dort hingelegt, und durch den Wein habe ich es dann vergessen." Alle hörten das und sagten: „Ach, von der kommt sie — warum so ein großes Aufheben? Das ist doch nichts Besonderes." Schatzjade rief eilig: „Schnell bringt mir Papier!" Man brachte Papier und rieb Tusche an. Er sah, dass Wunderjade sich „Bewohnerin jenseits der Schwelle" nannte, wusste aber nicht, welche Formulierung auf einer Antwortkarte dem ebenbürtig wäre. Er hielt den Pinsel in der Hand und starrte in die Luft — eine halbe Ewigkeit ohne Eingebung. Dann dachte er: „Wenn ich Schatzspange frage, wird sie es gewiss als bizarr und exzentrisch abtun. Besser, ich frage Kajaljade."
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Er nahm die Karte, steckte sie in den Ärmel und ging geradewegs los, um Kajaljade zu suchen. Kaum war er am Qinfang-Pavillon vorbei, kam ihm Höhlennebel Strafe zitternd und wankend entgegen. Schatzjade fragte eilig: „Wohin geht Schwester?" Höhlennebel Strafe lachte: „Ich will zu Wunderjade, um mit ihr zu plaudern." Schatzjade hörte das verblüfft und sagte: „Sie ist ein eigenbrötlerischer Mensch, der nicht in die Welt passt — unter zehntausend Menschen findet sie keinen, der ihr genügt. Anscheinend schätzt sie dich aber wirklich — sie erkennt, dass du nicht zur Sorte gewöhnlicher Leute wie wir gehörst." Höhlennebel Strafe lachte: „Ob sie mich wirklich schätzt, weiß ich nicht, aber wir waren zehn Jahre lang Nachbarn, nur durch eine Mauer getrennt. Sie lebte im Panxiang-Kloster zur geistlichen Übung; meine Familie war arm und mietete Zimmer in ihrem Tempel. Zehn Jahre lang wohnten wir dort, und wenn nichts zu tun war, ging ich zu ihr, um ihr Gesellschaft zu leisten. Alle Schriftzeichen, die ich kenne, habe ich von ihr gelernt. Wir sind zugleich Freundinnen aus ärmlichen Zeiten und stehen in einem Halb-Lehrer-Verhältnis. Als wir fortzogen, um Verwandte aufzusuchen, hörte ich, dass sie, weil sie ‚nicht in die Zeit passt', von den Mächtigen vertrieben worden war und hierher geflohen ist. Nun hat es das Schicksal gefügt, dass wir uns wiederbegegnen, und unsere alte Zuneigung ist unverändert — ja, ihre Wertschätzung ist noch größer als einst." Schatzjade hörte das wie einen Donnerschlag und rief erfreut: „Kein Wunder, dass Schwester in Haltung und Rede so erhaben ist, wie ein wilder Kranich in freien Wolken — es hat seinen Grund! Gerade beschäftigt mich eine Sache ihretwegen, und ich wollte jemanden um Rat fragen. Jetzt treffe ich dich — das ist wahrlich eine Fügung des Himmels! Bitte gib mir deinen Rat." Damit zeigte er Höhlennebel Strafe die Visitenkarte. Höhlennebel Strafe lachte: „Ihr Temperament lässt sich wohl nicht ändern — von Geburt an so extravagant und eigenwillig! Wer hat je gesehen, dass man auf Visitenkarten einen Beinamen setzt? Das ist wirklich, wie das Sprichwort sagt: ‚Weder Mönch noch Laie, weder Frau noch Mann' — was soll man davon halten?" Schatzjade sagte eilig lachend: „Schwester versteht das nicht. Sie zählt nicht zu den gewöhnlichen Menschen — sie ist ein Mensch jenseits der Welt. Weil sie mich für jemanden mit einem Körnchen Verstand hält, hat sie mir diese Karte geschickt. Ich wusste aber nicht, wie ich antworten soll — mir fiel nichts ein. Ich wollte gerade Schwester Lin fragen, und zufällig treffe ich dich." Höhlennebel Strafe hörte Schatzjades Worte und musterte ihn eine ganze Weile aufmerksam von Kopf bis Fuß. Dann lachte sie: „Kein Wunder, dass das Sprichwort sagt: ‚Hörensagen ist weniger als Augenschein.' Und kein Wunder, dass Wunderjade dir diese Karte schickt; und kein Wunder, dass sie dir vergangenes Jahr die Pflaumenblüten schenkte. Da es bei ihr so weit geht, muss ich dir wohl den Grund erklären. Sie sagt oft: ‚Von den Alten her, von Han, Jin, durch die Fünf Dynastien, Tang und Song, hat es in all der Zeit keine gute Dichtung gegeben — nur zwei Verse sind gut:
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Selbst hat man ein ehernes Tor, das tausend Jahre hält —
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Am Ende braucht man doch nur einen Erdhügel als Grab.
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Deshalb nennt sie sich ‚Bewohnerin jenseits der Schwelle'. Außerdem preist sie oft den Stil des Zhuangzi, und darum nennt sie sich manchmal auch ‚qi ren' <ref>‚der abseitige, sonderbare Mensch', ein Begriff aus dem Zhuangzi</ref>. Wenn sie sich auf der Karte als ‚qi ren' bezeichnet hätte, hättest du mit ‚shi ren' (‚Mensch der Welt') antworten sollen. ‚Qi ren' bedeutet, dass sie sich für einen Sonderling hält; du bezeichnest dich bescheiden als einen gewöhnlichen, in der Welt befangenen Menschen — und sie wäre zufrieden. Nun nennt sie sich ‚Bewohnerin jenseits der Schwelle', womit sie meint, sie habe die eiserne Schwelle des Irdischen überschritten. Du brauchst also nur ‚Bewohner innerhalb der Schwelle' zu schreiben — das trifft ihren Sinn." Schatzjade hörte das wie eine Erleuchtung, rief „Ah!" und lachte: „Kein Wunder, dass unser Familientempel ‚Eiserne-Schwelle-Kloster' heißt — jetzt verstehe ich den Zusammenhang! Schwester, geh nur weiter; ich eile zurück, um die Antwortkarte zu schreiben." Höhlennebel Strafe ging darauf zum Longcui-Kloster <ref>Wunderjade's Klause im Garten</ref>. Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück und schrieb auf die Karte nur die Worte: „Der Bewohner innerhalb der Schwelle, Schatzjade, grüßt ehrerbietig nach geziemender Reinigung." Er brachte sie persönlich zum Longcui-Kloster und schob sie durch den Türspalt hinein; dann kehrte er zurück.
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Er sah, dass Duftblümchen sich bereits frisiert hatte, das Haar hochgesteckt und ein wenig Blumenschmuck angelegt. Sogleich befahl er ihr, die Frisur zu ändern: Die kurzen Haare rings um den Kopf sollten abrasiert werden, sodass die blaugrüne Kopfhaut zum Vorschein kam, und in der Mitte sollte ein großer Scheitel gezogen werden. Dann sagte er: „Im Winter trägst du eine große Zobelmütze in Kaninchenform, an den Füßen Tigerkopf-Wolkenstiefel in fünf Farben, oder du lässt die Hosenbeine los und trägst nur weiße Strümpfe und dicksohlige Brokatschuhe." Dann sagte er: „Der Name ‚Duftblümchen' ist nicht gut — du solltest einen Männernamen tragen, das wäre originell." Er benannte sie in „Xiongnü" <ref>wörtl. ‚Heroischer Sklave'</ref> um. Duftblümchen war hocherfreut und sagte: „Wenn es schon so ist, nimm mich auch mit, wenn du ausgehst! Wenn jemand fragt, sag einfach, ich sei ein kleiner Diener wie Mingyan." Schatzjade lachte: „Man würde es doch erkennen." Duftblümchen lachte: „Da zeigt sich dein Einfallsmangel! In unserem Haus gibt es doch einige Familien von Fremdvölkern. Sag einfach, ich sei ein kleiner Barbar. Außerdem sagen alle, mir stünden Zöpfe gut — findest du das nicht passend?" Schatzjade hörte das und rief entzückt: „Das ist wirklich gut! Ich habe oft gesehen, dass Beamte unter ihrem Gefolge Nachkommen fremdländischer Kriegsgefangener haben, weil sie Wind und Frost nicht fürchten und zu Pferde geschickt sind. Also geben wir dir noch einen Barbarennamen: ‚Yelü Xiongnü'. ‚Xiongnü' klingt gleich wie ‚Xiongnu' <ref>die historischen Hunnen</ref>, und beides sind Namen der Hundevölker. Zudem waren diese zwei Völker seit den Zeiten von Yao und Shun eine Plage für das Reich der Mitte; die Jin- und Tang-Dynastien litten schwer unter ihnen. Zum Glück leben wir in der heutigen Ära, als Nachfahren des großen Shun. Die heilige Tugend und kindliche Pietät unseres Herrschers strahlen bis zum Himmel empor und sind unsterblich wie Himmel, Erde, Sonne und Mond für tausend Generationen. Deshalb haben alle die kleinen Schelme, die in früheren Dynastien ihr Unwesen trieben, heutzutage freiwillig, ohne einen einzigen Speer oder Degen, die Hände gefaltet und das Haupt geneigt und sind von fern hergekommen, um sich zu unterwerfen. Wir sollten sie verächtlich behandeln, um unseres Herrn und Vaters willen Ehre einzulegen." Duftblümchen lachte: „Wenn dem so ist, solltest du Bogenschießen und Reiten üben und Kriegskunst lernen und dich hinauswagen, um ein paar Rebellen zu fangen — das wäre wahrer Dienst am Vaterland! Warum missbrauchst du uns und ergötzt dich an deiner eigenen Beredsamkeit, und nennst es dann Lob und Huldigung?" Schatzjade lachte: „Da verstehst du mich falsch. Heute herrscht Frieden in allen vier Meeren und Ruhe in allen acht Himmelsrichtungen; seit hundert und tausend Jahren braucht man keine Waffen mehr. Auch wenn wir nur scherzen und spielen, gebührt es sich, den Segen unserer Zeit zu preisen — sonst wären wir des friedlichen Wohlstands, das wir genießen, nicht wert." Duftblümchen fand das einleuchtend; beide hielten es für passend und angemessen. Schatzjade nannte sie von nun an „Yelü Xiongnü".
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In beiden Jia-Palästen gab es nämlich tatsächlich Nachfahren von Kriegsgefangenen früherer Generationen, die man als Sklaven erhalten hatte — allerdings wurden sie nur zum Pferdehüten eingesetzt und galten als unbrauchbar für höhere Dienste. Xiangfluss-Wolke, die von jeher ausgelassen und übermütig war, liebte Verkleidungen als Mann über alles und band sich ständig Paradegürtel um und trug Faltenärmel. Als sie sah, wie Schatzjade Duftblümchen als Jungen verkleidet hatte, verkleidete sie ihrerseits Kuiguan ebenfalls als kleinen Burschen. Kuiguan trug gewöhnlich kurz geschorenes Haar, was für Bühnenschminke bequem war, und hatte flinke Hände und Füße — das Umkleiden war leichter. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling fanden das allerliebst und ließen nun auch Kostbarzither Schnees Douguan als kleinen Pagen verkleiden: auf dem Kopf zwei Haarknoten, ein kurzes Jäckchen, rote Schuhe — nur die Gesichtsbemalung fehlte; sonst sah sie genauso aus wie ein Musikknabe auf der Bühne. Xiangfluss-Wolke taufte Kuiguan um und nannte ihn „Da Ying" <ref>‚Großer Held'</ref>. Da sein Familienname Wei war, nannte sie ihn „Wei Daying", was ihrem heimlichen Motto entsprach: „Nur ein wahrer Held zeigt seine wahre Natur" <ref>ein bekanntes Zitat</ref> — wozu sich also Schminke auftragen, wenn man ein Mann sein will? Douguan war von Statur und Alter die Kleinste und außerdem äußerst pfiffig — daher der Name „Douguan" (Bohnenbeamtin). Im Garten nannten manche sie „A-Dou", andere „Bratbohne". Kostbarzither Schnee dagegen fand, dass Namen wie „Musikknabe" oder „Buchknabe" zu abgedroschen seien, und meinte, „Dou" (Bohne) sei origineller. Also nannte sie sie „Doutong" (Bohnenknabe).
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Nach dem Mittagessen gab Friedchen ihr Gegenessen. Da es im Hongxiangpu zu heiß war, ließ sie im Yuyintang <ref>‚Halle des Ulmenbaum-Schattens'</ref> einige Tische mit frischem Wein und köstlichen Speisen aufstellen. Erfreulicherweise kam Dame Sonders noch mit ihren beiden Konkubinen Peifeng und Xieyuan <ref>die zwei jungen Frauen des Herrlichkeit Kaufmann</ref>. Diese beiden waren ebenfalls junge, hübsche Mädchen, die selten herüberkamen. Da sie nun in den Garten eintraten und Xiangfluss-Wolke, Duftkastanie, Duftblümchen, Ruiguan und all die anderen jungen Frauen trafen, bewies sich das Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern": Sie plauderten und lachten ohne Ende, kümmerten sich nicht um Dame Sonders und überließen sie den Zofen. Zusammen besichtigten sie alles. Als sie zum Yihongyuan kamen und plötzlich hörten, wie Schatzjade „Yelü Xiongnü!" rief, lachten Peifeng, Xieyuan und Duftkastanie alle drei zusammen, fragten, was das bedeute, und versuchten dann selbst, den Namen auszusprechen — versprachen sich in der Aussprache, vergaßen die Zeichen, bis eine schließlich „Wilder Esel" herausbrachte. Alle im Garten, die es hörten, bogen sich vor Lachen. Schatzjade sah, dass alle sich lustig machten, und fürchtete, Duftblümchen könnte damit gedemütigt werden. Eilig sagte er: „Im Westen, in Frankreich <ref>福朗思牙 = France</ref>, soll es goldgeflecktes Kristallglas geben; in der Landessprache heißt es ‚Wendulinà'. Wenn ich dich mit diesem Stein vergleiche und dich ‚Wendulinà' nenne — wäre das nicht hübsch?" Duftblümchen freute sich noch mehr und sagte: „Ja, das ist es!" Also wurde dieser Name verwendet. Da alle ihn schwer aussprechbar fanden, übersetzten sie ihn ins Chinesische und nannten sie einfach „Boli" (Kristallglas).
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Die weiteren Plaudereien seien hier übergangen. An jenem Tag vergnügten sich alle unter dem Vorwand des Weintrinkens im Yuyintang, ließen die Geschichtenerzählerinnen die Trommel schlagen, und Friedchen pflückte einen Päonienblütenzweig, den etwa zwanzig Personen im Kreis herumgaben — ein „Blumenspiel mit Trommeln", sehr vergnüglich. Da meldete jemand: „Zwei Frauen aus der Familie Echt bringen Geschenke." Erkundefrühling, Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders gingen zu dritt in den Empfangssaal, um sie zu treffen. Hier zerstreuten sich die anderen einstweilen. Peifeng und Xieyuan gingen zum Schaukeln. Schatzjade sagte: „Steigt hinauf, ich schubse euch!" Erschrocken sagte Peifeng: „Lass das — mach uns keinen Ärger! Ruf lieber den ‚Wilden Esel', damit der uns anschubst!" Schatzjade lachte eilig: „Gute Schwesterchen, hört auf damit! Sonst lernen alle Leute das nach und schimpfen sie so!" Xieyuan sagte: „Ich bin schon ganz weich vor Lachen — wie soll ich da schaukeln? Wenn ich herunterfalle, platzen mir die Innereien heraus!" Peifeng versetzte ihr einen Klaps.
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Mitten im ausgelassenen Spiel kamen plötzlich einige Leute aus dem Östlichen Palais herbeigerannt und riefen ganz aufgeregt: „Der alte Herr ist gen Himmel gefahren!" <ref>Andacht Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmanns Vater, der sich im daoistischen Kloster Xuanzhen dem Streben nach Unsterblichkeit widmete.</ref> Alle erschraken: „Er war doch ganz gesund und hatte keine Krankheit — wie kann er plötzlich tot sein?" Die Dienstleute sagten: „Der alte Herr hat Tag für Tag praktiziert — gewiss hat er seine Verdienste vollendet und ist als Unsterblicher aufgefahren." Als Dame Sonders das hörte und sah, dass weder Herrlichkeit Kaufmann noch sein Sohn noch Kette Kaufmann zu Hause waren — es gab im Augenblick keinen Mann, der die Angelegenheiten regeln konnte —, geriet sie in Aufregung. Sie legte eilig ihren Schmuck ab, befahl, alle daoistischen Mönche im Xuanzhen-Kloster einzusperren, bis der Erste Herr heimkäme, um sie zu verhören, und fuhr dann hastig im Wagen, begleitet von Lai Sheng und einer Schar Bediensteter, aus der Stadt zum Tempel. Auch ließ sie Ärzte kommen, um festzustellen, woran Andacht Kaufmann eigentlich gestorben war. Die Ärzte sahen, dass der Mann bereits tot war — wo hätte man da noch den Puls fühlen sollen? Sie wussten, dass Andacht Kaufmanns Methoden der Atemführung allesamt hohle Phantastereien gewesen waren; obendrein hatte er Sterne angebetet, den Gengsheng-Fastentag<ref>Chin. 守庚申 shǒu gēngshēn — eine daoistische Praxis, bei der man an bestimmten Tagen des Sechziger-Zyklus die ganze Nacht wach bleibt, um die „drei Würmer“ (三尸) im Körper daran zu hindern, dem Himmelskaiser die Sünden des Betreffenden zu melden.</ref> gehalten und Zinnober geschluckt<ref>Die Einnahme von Goldelixieren und Zinnoberpillen (吞金服砂) war eine verbreitete Praxis daoistischer Alchemie, die Unsterblichkeit versprach, jedoch häufig zu Quecksilbervergiftung und Tod führte.</ref> — lauter nutzloses Treiben, das den Geist überanstrengte und letztlich das Leben kostete. Obwohl er nun tot war, war sein Bauch hart wie Eisen, und Gesichtshaut und Lippen waren purpurn verbrannt und aufgerissen. Die Ärzte berichteten: „Er ist an den Praktiken der daoistischen Lehre gestorben — er hat Gold geschluckt und Zinnober eingenommen, bis sein Leib anschwoll und er verstarb." Die Mönche sagten erschrocken: „Der Herr hat eine eigens neu hergestellte geheime Zinnoberpille genommen. Wir Mönche haben ihn gewarnt, die Verdienste seien noch nicht weit genug gediehen und er dürfe sie noch nicht nehmen. Aber der Herr hat sie in dieser Nacht während der Gengsheng-Meditation heimlich eingenommen und ist daraufhin zum Unsterblichen geworden. Dies geschah gewiss aus aufrichtiger Hingabe — er hat das Meer des Leidens verlassen, seine sterbliche Hülle abgeworfen und ist seiner Bestimmung gefolgt." Dame Sonders hörte gar nicht hin, befahl nur, sie einzusperren, bis Herrlichkeit Kaufmann käme, und schickte einen Eilboten zu Pferde. Da der Tempel zu eng war, um den Leichnam aufzubahren, und man ihn ohnehin nicht in die Stadt bringen konnte, wurde der Leichnam eilig hergerichtet, in einer Sänfte zum Eiserne-Schwelle-Kloster <ref>dem Familientempel der Jia</ref> gebracht und dort aufgebahrt. Selbst bei schnellster Berechnung würde Herrlichkeit Kaufmann frühestens in einem halben Monat eintreffen können. Bei der Sommerhitze war weiteres Warten unmöglich; also übernahm Dame Sonders die Leitung, ließ von einem Astrologen einen Termin für die Einsargung bestimmen, der glücklicherweise schon vor Jahren angefertigte Sarg stand bereit im Tempel. Am dritten Tag eröffnete man die Trauerbräuche und begann die Totenzeremonien. Gleichzeitig ließ man daoistische Rituale abhalten, bis Herrlichkeit Kaufmann eintraf.
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Im Rongfu konnte Phönixglanz nicht herauskommen; Seidenweiß Pflaume kümmerte sich um die jungen Schwestern; Schatzjade verstand nichts von solchen Dingen. So mussten die Außenangelegenheiten vorläufig einigen Verwaltern zweiter Ordnung anvertraut werden: Jia Jun, Jia Guang, Jia Heng, Jia Ying, Jia Chang und Jia Ling übernahmen verschiedene Aufgaben. Da Dame Sonders nicht nach Hause zurückkehren konnte, holte sie ihre Stiefmutter in den Ningfu, um auf das Haus aufzupassen. Die Stiefmutter brachte notgedrungen ihre beiden unverheirateten Töchter mit, denn nur so konnte sie beruhigt sein.
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Als Herrlichkeit Kaufmann von der Nachricht erfuhr, bat er sofort um Urlaub. Er und Hibiskus Kaufmann [贾蓉] hatten beide offizielle Ämter. Das Ritenministerium sah, dass der heutige Herrscher die kindliche Pietät besonders hoch achtete, und wagte nicht eigenmächtig zu entscheiden, sondern reichte ein Gesuch ein. Der Himmelssohn war von außerordentlicher Menschlichkeit und kindlicher Pietät und ehrte zudem die Nachkommen verdienter Minister. Als er das Gesuch sah, erkundigte er sich sogleich nach Andacht Kaufmanns Rang. Das Ritenministerium berichtete: „Er war als Jinshi <ref>erfolgreicher Kandidat der höchsten Beamtenprüfung</ref> berufen; sein vererbter Rang wurde bereits seinem Sohn Herrlichkeit Kaufmann übertragen. Da Andacht Kaufmann in vorgerücktem Alter und bei schwacher Gesundheit war, pflegte er seine Ruhe außerhalb der Hauptstadt im Xuanzhen-Kloster. Nun ist er dort an seiner Krankheit verstorben. Sein Sohn Zhen und sein Enkel Rong befinden sich derzeit wegen der Staatstrauer im Gefolge des Kaisers; daher bitten sie um Urlaub zur Beisetzung." Der Himmelssohn ordnete daraufhin einen besonderen Gnadenerlass an: „Obwohl Andacht Kaufmann als gewöhnlicher Privatmann keine Verdienste um den Staat erworben hat, soll ihm in Anbetracht der Verdienste seiner Vorfahren posthum der Rang der fünften Stufe verliehen werden. Sein Sohn und Enkel dürfen den Sarg durch das Nördliche Abwärtstor in die Hauptstadt bringen und in seiner Privatresidenz bestatten. Nach vollständiger Durchführung der Trauerrituale dürfen sie den Sarg in die Heimat zurückführen. Das Amt für Kaiserliche Opfer soll gemäß dem Hofprotokoll ein Opfer darbringen. Alle Beamten vom Rang eines Fürsten abwärts dürfen ihre Beileidsbesuche abstatten. So sei es befohlen." Nach diesem Erlass dankten nicht nur die Mitglieder der Kaufmann-Familie, sondern alle Beamten bei Hofe priesen den Kaiser ohne Ende.
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Herrlichkeit Kaufmann und sein Sohn ritten Tag und Nacht. Auf halbem Wege kamen ihnen Jia Jun und Jia Guang mit Hausbediensteten zu Pferde entgegen. Als sie Herrlichkeit Kaufmann erblickten, sprangen sie aus dem Sattel und begrüßten ihn. Herrlichkeit Kaufmann fragte eilig: „Was gibt es?" Jia Jun antwortete: „Die Schwägerin befürchtete, Ihr und der Neffe kämet allein, und die Alte Herrin hätte auf der Reise niemanden bei sich, deshalb hat sie uns beide geschickt, um die Alte Herrin zu geleiten." Herrlichkeit Kaufmann hörte das und lobte ohne Ende. Er fragte, wie zu Hause alles geregelt worden sei. Jia Jun und die anderen berichteten alles der Reihe nach: wie sie die Mönche festgenommen, den Leichnam zum Familientempel gebracht, und — weil niemand zu Hause war — die Schwiegermutter und die beiden Tanten <ref>die zwei Schwestern der Dame Sonders, die später noch eine bedeutende Rolle spielen</ref> eingeladen hatten, im Hauptgebäude zu wohnen. Herrlichkeit Kaufmann war inzwischen auch abgestiegen. Als er hörte, dass die beiden Tanten gekommen waren, wechselte er mit Herrlichkeit Kaufmann einen vielsagenden Blick und grinste. Herrlichkeit Kaufmann rief eilig mehrmals: „Ausgezeichnet!", gab seinem Pferd die Sporen und ritt weiter, ohne irgendwo einzukehren. Die ganze Nacht hindurch wechselten sie die Pferde und galoppierten. An einem Tag erreichten sie die Hauptstadt und ritten geradewegs zum Eiserne-Schwelle-Kloster. Es war bereits die vierte Nachtwache; die Wachleute, als sie die Nachricht hörten, weckten eilig alle. Herrlichkeit Kaufmann stieg vom Pferd, und er und Herrlichkeit Kaufmann brachen in lautes Weinen aus. Vom großen Tor aus krochen sie auf Knien hinein, warfen sich vor dem Sarg nieder und wehklagten blutige Tränen, bis es hell wurde und ihre Stimmen heiser waren. Dame Sonders und alle anderen kamen zur Begrüßung. Herrlichkeit Kaufmann und sein Sohn wechselten vorschriftsmäßig die Trauerkleidung und warfen sich vor dem Sarg nieder. Doch da es unvermeidlich war, die Angelegenheiten zu regeln, konnten sie nicht blind und taub für alles sein; sie mussten ihre Trauer ein wenig zurückdrängen, um die Leute anzuweisen. Herrlichkeit Kaufmann erzählte den versammelten Verwandten und Freunden vom kaiserlichen Gnadenerlass und schickte dann Herrlichkeit Kaufmann voraus nach Hause, um die Aufbahrung vorzubereiten.
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Herrlichkeit Kaufmann ließ sich das nicht zweimal sagen und ritt im Galopp nach Hause. Eilig ordnete er an: im Vorsaal Tische und Stühle wegräumen, Trennwände abnehmen, Trauertücher aufhängen, vor dem Tor ein Podest für die Trommler und einen Ehrenbogen aufstellen. Dann eilte er hinein, um seine Stiefgroßmutter und die beiden Tanten zu begrüßen. Die alte Dame Sonders schlief gern tagsüber wegen ihres hohen Alters und lag gewöhnlich herum; die Zweite Tante und die Dritte Tante <ref>die späteren Zweitschwester Sonders und Drittschwester Sonders</ref> saßen mit den Mädchen bei der Handarbeit. Als er kam, bekundeten alle ihr Beileid. Herrlichkeit Kaufmann aber grinste frech die Zweite Tante an und sagte: „Zweite Tante, du bist wieder da! Unser Vater hat gerade an dich gedacht." Die Zweite Tante You errötete und schimpfte: „Du Rong-Junge! Wenn ich dir ein paar Tage lang nicht den Kopf wasche, überstehst du das nicht. Du hast wirklich jeden Anstand verloren! Und das nennst sich ein Sohn aus gutem Hause, der jeden Tag Bücher liest und Manieren lernt — du bist ja nicht einmal so gesittet wie die Kinder von armen Leuten!" Damit griff sie nach einem Bügeleisen und holte zum Schlag aus. Erschrocken flüchtete Herrlichkeit Kaufmann in ihren Schoß, den Kopf schützend, und bat um Gnade. Die Dritte Tante kam herbei und kniff ihn in die Lippen, wobei sie sagte: „Warte, bis die Schwester nach Hause kommt — wir sagen es ihr!" Herrlichkeit Kaufmann kniete lachend auf dem Kang und bat um Verzeihung; die beiden lachten ebenfalls. Dann balgte sich Herrlichkeit Kaufmann noch mit der Zweiten Tante um Kardamomkörner; die Zweite Tante kaute das Fruchtfleisch und spuckte ihm den Brei ins Gesicht. Herrlichkeit Kaufmann leckte sich alles mit der Zunge ab. Die Mädchen konnten es nicht mit ansehen und sagten lachend: „Ihr tragt doch Trauerkleidung, und die alte Herrin schläft gerade! Die beiden Tanten mögen jung sein, aber sie sind doch Verwandte der Herrin — Ihr schert Euch überhaupt nicht um die Herrin! Wenn wir es dem Herrn sagen, werdet Ihr Euch warm anziehen müssen." Herrlichkeit Kaufmann ließ die Tanten los und umarmte stattdessen die Mädchen: „Mein Herzblatt, du hast völlig recht — necken wir die beiden doch!" Die Mädchen stießen ihn weg und schimpften: „Du Nichtsnutz mit deinem kurzen Leben! Du hast doch selbst Frau und Mägde — warum belästigst du uns! Die Verständigen sagen, es sei Spaß; die Unverständigen — und dann gibt es noch die Bösartigen und Klatschmäuler —, die erzählen es überall herum, und wer im Palast drüben wüsste nicht, wer redete nicht hinter vorgehaltener Hand, dass es bei uns hier drunter und drüber ginge!" Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Jede Familie hat ihren eigenen Haushalt — wer kümmert sich um wen? Wir alle haben genug zu tun. Seit alters her — selbst in der Han- und Tang-Dynastie sagt man ‚schmutzige Tang, stinkende Han' — welche Familie hat keine Liebesaffären? Fordert mich nicht heraus, alles aufzuzählen! Sogar drüben — der Erste Herr ist so streng, und trotzdem treibt es Onkel Lian mit der jungen Konkubine! Und Tante Feng ist so unnachgiebig, aber Onkel Rui wollte trotzdem an sie heran. Was davon wüsste ich nicht!"
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Während Herrlichkeit Kaufmann noch ungehemmt plapperte, wachte seine Stiefgroßmutter auf. Er eilte, ihr seine Aufwartung zu machen und Grüße zu überbringen: „Vielen Dank, dass die Frau Großmutter sich die Mühe gemacht hat — und den beiden Tanten vielen Dank für ihre Aufopferung. Wir alle — Vater und Sohn — sind zutiefst dankbar. Sobald die Trauerfeierlichkeiten beendet sind, kommen wir mit der ganzen Familie, um Ihnen unsere Ehrerbietung zu erweisen." Die alte Dame Sonders nickte: „Mein Junge, du verstehst zu reden. Unter Verwandten versteht sich das von selbst." Dann fragte sie: „Wie geht es deinem Vater? Wann hat er die Nachricht erhalten und ist angekommen?" Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Er ist gerade erst eingetroffen und hat mich vorausgeschickt, um nach Ihnen zu sehen. Wir bitten Sie inständig, wenigstens bis zum Ende der Feierlichkeiten zu bleiben." Dabei zwinkerte er der Zweiten Tante zu. Die Zweite Tante You zischte ihm leise und zähneknirschend zu: „Du geschwätziges Affenbalg — willst du, dass wir bleiben und deinem Vater als Mutter dienen!" Herrlichkeit Kaufmann neckte noch seine Stiefgroßmutter: „Seid unbesorgt — Vater macht sich jeden Tag Sorgen um die beiden Tanten und sucht nach zwei Bräutigamen, die angesehene Familie haben, reich und jung und hübsch sind, um die beiden Tanten standesgemäß zu verheiraten. Aber seit Jahren hat er noch keinen Passenden gefunden — erst neulich, unterwegs, hat er endlich einen ins Auge gefasst." Die alte Dame Sonders hielt das für Ernst und fragte sofort, wessen Sohn es sei. Die beiden Schwestern warfen ihre Handarbeit hin und liefen lachend hinter Herrlichkeit Kaufmann her, um ihn zu schlagen: „Mama, glaub dem Blitzschlag von einem Jungen kein Wort!" Sogar die Mädchen sagten: „Der Himmelsvater hat Augen — pass auf den Blitz auf!" Gerade kam jemand, um zu melden: „Alles ist fertig — bitte kommen der Junge Herr und kontrollieren es, damit er dem Herrn berichten kann." Damit ging Herrlichkeit Kaufmann grinsend davon.
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Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel 63 Schatzjade [宝玉]s Geburtstag: In der Nacht ziehen die Mädchen Blumenlose Bei Andacht Kaufmann [贾敬]s Ableben kehrt Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] in aller Eile in die Hauptstadt zurück

Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück, wusch sich die Hände und besprach sich mit Dufthauch [袭人]: „Heute Abend trinken wir Wein und vergnügen uns alle — da soll nichts förmlich zugehen. Was gibt es zu essen? Man sollte es ihnen rechtzeitig sagen, damit sie alles vorbereiten." Dufthauch lachte: „Sei unbesorgt! Heitermuster [晴雯], Moschusmond [麝月], Herbstmuster und ich, wir vier, haben je fünf Qian Silber beigesteuert, zusammen zwei Liang. Duftblümchen, Bihen, Xiaoyan und Si'er, die vier, haben je drei Qian gegeben — die, die frei hatten, zählen nicht mit —, zusammen drei Liang und zwei Qian Silber. Das alles haben wir längst der Schwägerin Liu gegeben, damit sie vierzig Schälchen Nüsse und Früchte vorbereitet. Ich habe mit Friedchen [平儿] gesprochen, und man hat schon einen Krug guten Shaoxing-Wein herübergetragen und dort drüben versteckt. Wir acht feiern ganz allein deinen Geburtstag." Als Schatzjade das hörte, rief er freudig: „Wo haben die denn das Geld her? Ich hätte sie nicht ausgeben lassen sollen!" Heitermuster sagte: „Die haben kein Geld — haben wir etwa welches? Das kommt von jedem aus dem Herzen. Selbst wenn sie es gestohlen hätten — nimm ihre Zuneigung einfach an." Schatzjade hörte das und lachte: „Du hast recht." Dufthauch lachte: „Einen Tag, an dem sie dir nicht ein paar grobe Worte sagt, hältst du wohl nicht aus." Heitermuster lachte: „Du hast inzwischen auch Schlechtes gelernt — immerzu schürst du das Feuer!" Alle lachten. Schatzjade sagte: „Schließt das Hoftor." Dufthauch lachte: „Nicht umsonst sagt man, du seist ein ‚Vielbeschäftigter ohne Geschäft'. Wenn wir jetzt schon abschließen, erregt das nur Verdacht — warten wir lieber noch ein wenig." Schatzjade nickte und sagte: „Ich gehe kurz hinaus. Si'er soll Wasser holen; Xiaoyan, komm allein mit mir." Er ging hinaus. Als er sah, dass niemand in der Nähe war, fragte er nach der Sache mit Wu'er. Xiaoyan sagte: „Ich habe es der Schwägerin Liu erzählt; die hat sich sehr gefreut. Nur hat Wu'er in jener Nacht solches Unrecht erlitten und sich darüber aufgeregt, dass sie zu Hause wieder krank geworden ist — sie kann noch nicht kommen. Man muss warten, bis es ihr besser geht." Schatzjade hörte das und konnte Reue und Seufzen nicht unterdrücken. Dann fragte er: „Weiß Dufthauch davon?" Xiaoyan sagte: „Ich habe es ihr nicht gesagt; ob Duftblümchen es ihr erzählt hat, weiß ich nicht." Schatzjade sagte: „Ich habe es ihr auch nicht gesagt. Nun gut — ich sage es ihr selbst." Damit ging er wieder hinein und wusch sich zum Schein die Hände.

Es war bereits die Stunde des Lampenanzündens. Man hörte vor dem Hoftor eine Gruppe von Leuten eintreten. Alle spähten durch die Fenster und sahen tatsächlich Frau Lin Zhixiao mit einigen Verwalterinnen kommen, voraus eine Person mit einer großen Laterne. Heitermuster flüsterte lachend: „Sie kommen, um die Nachtwachen zu kontrollieren. Wenn sie erst fort sind, können wir das Tor schließen." Man sah, wie alle Nachtwächter des Yihongyuan hinauskamen, um sie zu begrüßen; Frau Lin Zhixiao musterte sie eingehend. Sie wies an: „Kein Glücksspiel, kein Weintrinken und nicht gleich mit dem Kopf voran einschlafen bis zum hellen Morgen! Wenn ich davon höre, gibt es Ärger!" Alle lachten: „Wo gäbe es jemanden, der so kühn wäre!" Frau Lin Zhixiao fragte noch: „Ist der Zweite Junge Herr Bao schon zu Bett gegangen?" Alle sagten, sie wüssten es nicht. Dufthauch stieß Schatzjade schnell an. Schatzjade schlüpfte in seine Schuhe und kam ihr lachend entgegen: „Ich bin noch nicht schlafen gegangen. Mütterchen, kommt herein und ruht euch aus!" Dann rief er: „Dufthauch, bring Tee!" Frau Lin Zhixiao trat eilig ein und sagte lachend: „Noch nicht im Bett? Jetzt sind die Tage lang und die Nächte kurz; man sollte früh schlafen gehen, damit man morgens rechtzeitig aufsteht. Sonst heißt es morgen, wenn du verschläfst, du seist kein studierender junger Herr mehr, sondern ein Lastenträger!" Schatzjade sagte eilig lachend: „Mütterchen hat recht. Gewöhnlich gehe ich jeden Tag früh zu Bett — wenn Mütterchen sonst hereinkommt, weiß ich es gar nicht, weil ich schon schlafe. Heute habe ich mir nur Sorgen gemacht, das Nudelessen könnte mir schwer im Magen liegen, und deshalb noch ein wenig herumgespielt." Frau Lin Zhixiao sagte dann lachend zu Dufthauch und den anderen: „Ihr solltet Pu'er-Tee aufbrühen." Dufthauch und Heitermuster sagten eilig lachend: „Wir haben schon einen Krug Mädchentee aufgebrüht und bereits zwei Schalen getrunken. Möchte die Frau auch eine probieren — es ist alles fertig." Heitermuster schenkte eine Schale ein. Frau Lin Zhixiao lachte dann noch: „In letzter Zeit habe ich bemerkt, dass der Zweite Junge Herr im Umgang mit diesen großen Fräulein schon angefangen hat, sie bei ihren Namen zu rufen. Obwohl sie hier in diesem Hause dienen, sind sie doch Leute der Alten Herrin und der Gnädigen Frau; im Reden sollte man ihnen gegenüber respektvoller sein. Wenn es hin und wieder einmal vorkommt, mag es angehen; ruft man sie aber ständig beim Namen, werden es die jüngeren Brüder und Neffen nachmachen, und die Leute werden sagen, in dieser Familie respektiere man die Älteren nicht." Schatzjade lachte: „Mütterchen hat recht. Es kommt nur gelegentlich vor." Dufthauch und Heitermuster lachten: „Da tut man ihm unrecht. Bis heute hat er immer ‚Schwester' gesagt. Nur beim Spielen sagt er manchmal den Namen; vor anderen Leuten ist es wie früher." Frau Lin Zhixiao lachte: „So ist es recht — das ist die Art eines gebildeten und wohlerzogenen jungen Herrn. Je bescheidener man selbst ist, desto mehr Respekt zeigt man. Von den altgedienten Leuten ganz zu schweigen — selbst eine Katze oder ein Hund aus dem Gemach der Alten Herrin oder der Gnädigen Frau darf man nicht leichtfertig verletzen. Das ist das Benehmen eines Herrensohnes, der gute Erziehung genossen hat." Damit trank sie ihren Tee und sagte: „Bitte legt Euch zur Ruhe. Wir gehen." Schatzjade bat noch: „Bleibt doch noch ein wenig." Aber Frau Lin Zhixiao hatte ihre Leute schon weggeführt, um andernorts weiterzukontrollieren.

Hier ließen Heitermuster und die anderen eilig das Tor schließen, kamen herein und sagten lachend: „Diese Dame hat wohl irgendwo einen Becher getrunken und kam nun hierher, um uns eine Standpauke zu halten!" Moschusmond lachte: „Sie meint es auch nicht böse. Sie muss die Dinge eben ab und zu erwähnen — zur Vorsicht, damit nichts aus dem Ruder läuft." Während sie sprachen, wurden Wein und Früchte aufgetragen. Dufthauch sagte: „Wir brauchen keinen richtigen Tisch. Nehmen wir den runden Palisander-Kangtisch, stellen ihn auf den Kang [1] — da ist es geräumig und bequem." Gesagt, getan. Moschusmond und Si'er gingen hinüber, um die Früchte zu holen, und brauchten mit zwei großen Teetabletts vier oder fünf Gänge. Zwei alte Dienerinnen hockten draußen am Feuerbecken und wärmten den Wein. Schatzjade sagte: „Es ist warm — ziehen wir alle die Obergewänder aus, das ist angenehmer." Alle lachten: „Wenn du dich ausziehen willst, tu es — wir müssen noch der Reihe nach das Gastmahl eröffnen." Schatzjade lachte: „Diese Eröffnung dauert ja bis zur fünften Nachtwache. Ihr wisst doch, wie sehr ich solche Förmlichkeiten hasse. Vor Fremden geht es nicht anders, aber hier und jetzt mich damit zu quälen, ist nicht schön." Alle hörten das und sagten: „Wie du willst." Also setzte man sich noch nicht hin, sondern machte sich erst an das Ablegen von Schmuck und Kleidung.

Bald hatten alle die Festgewänder abgelegt; die Haare waren nur locker hochgesteckt, und alle trugen lange Röcke und kurze Jäckchen. Schatzjade hatte nur ein kleines, dunkelrotes, baumwollenes Jäckchen an, darunter grüne, mit spritzender Tusche bedruckte Seidenhosen, die Hosenbeine lose herabhängend. Er lehnte an einem neuen, jadegrünen Doppelgaze-Kissen, das mit Blütenblättern verschiedener Rosen und Päonien gefüllt war, und spielte mit Duftblümchen Fingerwerfen. Duftblümchen klagte über die Hitze und trug nur ein kleines, gefüttertes Jäckchen aus dreierlei Atlasstreifen in Jade, Rot und Blaugrün — einem sogenannten ‚Reisfeld-Jäckchen' —, mit einem weidengrünen Schweißtuch gegürtet. Darunter blassrote, geblümte gefütterte Hosen, ebenfalls mit losen Hosenbeinen. Auf dem Kopf hatte sie rings um Stirn und Schläfen ein Geflecht kleiner Zöpfchen, die alle am Scheitel zusammengeführt und zu einem einzigen dicken Zopf, gänseeigroß, geflochten wurden, der im Nacken herabhing. Im rechten Ohrloch steckte nur ein winziger Jadestöpsel, nicht größer als ein Reiskorn; am linken Ohr hing ein einzelner großer, rotgoldener Ohranhänger, so groß wie eine Ginkgonuss. Damit wirkte ihr Gesicht noch mehr wie ein Vollmond, nur weißer, und ihre Augen noch klarer als Herbstwasser. Alle lachten: „Die beiden sehen aus wie Zwillingsbrüder!" Dufthauch und die anderen schenkten allen der Reihe nach Wein ein und sagten: „Wartet noch ein wenig mit dem Fingerwerfen. Obwohl wir keine förmliche Tafel halten, trinkt doch jeder von uns einen Schluck aus unserer Hand." So begann Dufthauch: Sie führte den Becher an die Lippen und trank einen Schluck; dann folgten die anderen der Reihe nach. Als alle getrunken hatten, setzte man sich erst im Kreis zusammen. Xiaoyan und Si'er hatten am Kangrand keinen Platz mehr und stellten sich zwei Stühle dicht an den Kang. Die vierzig Schälchen waren alle aus weißem Dingyao-Porzellan [2], nicht größer als kleine Teetassen, und enthielten Delikatessen aus nah und fern, von Inland und Übersee, getrocknet und frisch, aus Wasser und zu Lande — alles, was es an Weinspeisen, Früchten und Gemüsen unter dem Himmel gab. Schatzjade sagte: „Wir sollten ein Trinkspiel spielen." Dufthauch sagte: „Etwas Feines, bitte — kein großes Geschrei, damit die Leute es nicht hören. Und wir können nicht lesen, also nichts Literarisches." Moschusmond lachte: „Nehmen wir Würfel und spielen ‚Rot fangen'." Schatzjade sagte: „Das ist langweilig. Spielen wir lieber ‚Blumennamen-Lose ziehen'!" Heitermuster lachte: „Genau — das wollte ich schon lange!" Dufthauch sagte: „Das Spiel ist zwar hübsch, aber mit wenigen Leuten macht es keinen Spaß." Xiaoyan lachte: „Ich schlage vor, wir holen ganz leise Fräulein Bao und Fräulein Lin dazu — dann spielen wir eine Runde, und um die zweite Nachtwache gehen wir schlafen." Dufthauch sagte: „Dann müssten wir wieder die Tür öffnen und Lärm machen — und wenn uns die Nachtwache erwischt?" Schatzjade sagte: „Was soll schon geschehen? Unser Drittes Fräulein trinkt auch Wein — laden wir sie gleich mit ein. Und Fräulein Qin." Alle sagten: „Fräulein Qin lieber nicht — sie wohnt bei der Ersten Herrin, das gäbe zuviel Umstände." Schatzjade sagte: „Was soll's — geht schnell und ladet sie ein!" Xiaoyan und Si'er ließen sich das nicht zweimal sagen; sie ließen das Tor öffnen und gingen getrennt los, um einzuladen.

Heitermuster, Moschusmond und Dufthauch sagten dann: „Wenn die beiden gehen, werden Bao und Lin vermutlich nicht kommen wollen — wir müssen selbst hin und sie mit sanfter Gewalt herbeibringen." Also ließen Dufthauch und Heitermuster eine alte Dienerin eine Laterne nehmen und gingen ebenfalls. Tatsächlich sagte Schatzspange [宝钗], es sei zu spät in der Nacht, und Kajaljade [黛玉], sie fühle sich nicht wohl. Die beiden baten dreimal: „Erweist uns doch ein wenig Ehre und setzt euch nur kurz zu uns." Erkundefrühling [探春] dagegen freute sich über die Einladung, dachte aber: „Wenn wir Seidenweiß Pflaume [李纨] nicht einladen und sie erfährt davon, wäre das schlecht." Also schickte sie Cuimo mit Xiaoyan los, die auch Seidenweiß Pflaume und Kostbarzither Schnee [宝琴] noch drei Mal einluden. So versammelten sich schließlich alle nacheinander im Yihongyuan. Dufthauch holte um jeden Preis auch Duftkastanie herbei. Auf dem Kang stellte man noch einen weiteren Tisch dazu, damit alle Platz fanden.

Schatzjade rief sogleich: „Schwester Lin friert leicht — setz dich hierher an die Bretterwand." Er schob ihr noch ein Rückenpolster hin. Dufthauch und die anderen holten Stühle und setzten sich am Kangrand dazu, als Begleiterinnen. Kajaljade setzte sich weit vom Tisch entfernt, lehnte sich ans Polster und sagte lachend zu Schatzspange, Seidenweiß Pflaume, Erkundefrühling und den anderen: „Ihr redet Tag für Tag davon, wie die Leute nachts zechen und spielen — und heute tun wir es selbst! Wie wollen wir ihnen künftig Vorhaltungen machen?" Seidenweiß Pflaume lachte: „Was macht das schon? Im ganzen Jahr kommt das nur zu Geburtstagen und Festen vor — nicht jede Nacht. Da braucht man sich keine Sorgen zu machen." Während sie sprachen, brachte Heitermuster einen geschnitzten Bambusbecher mit elfenbeinernen Blumennamen-Losen darin, schüttelte ihn und stellte ihn in die Mitte. Dann holte sie die Würfel, legte sie in die Dose, schüttelte und öffnete: fünf Augen. Man zählte — es traf Schatzspange. Schatzspange lachte: „Dann ziehe ich zuerst — ich bin gespannt, was ich bekomme." Sie schüttelte den Becher, griff hinein und zog ein Los. Alle schauten: Darauf war eine Päonienblüte gemalt, darüber stand „Schönste unter allen Blüten" in vier Zeichen, und darunter ein Vers aus einem Tang-Gedicht, fein eingraviert:

Selbst gefühllos rührt sie noch die Menschen.

Darunter stand: „Alle Anwesenden trinken gemeinsam einen Becher zur Feier der Königin der Blumen. Die Loszieherin darf beliebig jemanden auffordern — gleich ob Gedicht, Vers oder Scherz —, einen Trinkspruch zu sagen." Alle lachten: „Wie treffend — du bist wirklich zur Päonie geboren!" Man trank gemeinsam auf sie. Nachdem Schatzspange getrunken hatte, sagte sie lachend: „Duftblümchen soll uns ein Lied singen." Duftblümchen sagte: „Wenn schon, dann trinkt alle erst euren Türbecher, bevor ihr zuhört." Also tranken alle. Duftblümchen begann zu singen: „Am Geburtstagsfest erstrahlt alles in Glanz ..." Alle riefen: „Hör auf damit! Hier braucht niemand Geburtstagshuldigungen — sing uns das Allerbeste!" Duftblümchen sang also fein und langsam die Arie „Zur Blumenbeschau" (Shanghuashi):

Des Smaragdphönix Federschweif wird zum Besen gebunden,
Müßig fegt er am Himmelstor die fallenden Blüten;
Seht, wie der Wind den Jadestaub aufwirbelt!
Plötzlich senkt sich eine Wolkenschicht herab —
Wie weit ist doch das Himmelstor von der Welt!
Ruht, das Schwert nach dem Gelben Drachen zu schwingen, um Haaresbreite daneben;
Ruht, beim alten Dong den Wein des Elends zu kaufen;
Lasst Euer Auge gen Wolken und Abendrot schweifen!
O Lü Dongbin — wenn Ihr einen Menschen gewonnen habt,
Kommt nur bald mit der Antwort zurück!
Doch wenn Ihr zaudert — ach, welch dauernden Gram
Hinterlasst Ihr mit den Pfirsichblüten!

Schatzjade aber hielt noch immer das Los in der Hand und murmelte unaufhörlich „Selbst gefühllos rührt sie noch die Menschen" vor sich hin; er hörte dem Lied zu und starrte Duftblümchen schweigend an. Xiangfluss-Wolke [湘云] riss ihm das Los rasch aus der Hand und warf es Schatzspange zu. Schatzspange warf die Würfel — sechzehn Augen — und es traf Erkundefrühling. Erkundefrühling lachte: „Ich bin gespannt, was ich bekomme!" Sie zog ein Los, sah es an, warf es auf den Boden, wurde rot und lachte: „Das taugt nichts — dieses Spiel hätten wir nicht spielen sollen! Das ist eigentlich ein Spiel für die Männer draußen, mit allerhand anzüglichen Sprüchen darauf." Niemand verstand; Dufthauch und die anderen hoben es eilig auf. Alle sahen: darauf war ein Aprikosenblütenzweig, mit den roten Zeichen „Himmlische Frucht des Jadeteichs", und der Vers lautete:

Am Sonnenrand steht rot die Aprikose, an Wolken gelehnt gepflanzt.

Darunter stand: „Wer dieses Los zieht, wird gewiss einen vornehmen Gemahl bekommen. Alle gratulieren mit einem gemeinsamen Becher." Alle lachten: „Ach so, deswegen! Dieses Spiel stammt ja aus dem Frauengemach — bis auf zwei, drei solcher Lose mit Heiratsanspielungen sind keine anstößigen Sprüche dabei; was macht das schon! In unserem Haus gibt es bereits eine Kaiserliche Gemahlin [3] — sollst etwa auch du eine Kaiserin werden? Großes Glück, großes Glück!" Damit schenkten ihr alle ein. Erkundefrühling wollte partout nicht trinken, doch Xiangfluss-Wolke, Duftkastanie, Seidenweiß Pflaume und drei, vier andere zwangen sie mit Gewalt, den Becher zu leeren. Erkundefrühling verlangte, dieses Spiel abzuschaffen und ein anderes zu spielen, doch niemand wollte das zulassen. Xiangfluss-Wolke ergriff ihre Hand und warf für sie: neunzehn Augen — es traf Seidenweiß Pflaume. Seidenweiß Pflaume schüttelte den Becher, zog ein Los und lachte: „Wunderbar! Seht euch das an — dieses Ding hat durchaus seinen Witz!" Alle sahen: ein alter Pflaumenzweig, darauf „Frostig-kalte Schönheit im Morgengrauen", und das Gedicht lautete:

Hinter Bambuszaun und Strohdach fügt sie sich zufrieden.

Darunter stand: „Trinkt allein einen Becher; der Nächste würfelt." Seidenweiß Pflaume lachte: „Wirklich amüsant! Werft ihr nur weiter. Ich trinke mein Glas allein und kümmere mich nicht um euer Auf und Ab." Damit trank sie und gab die Würfel an Kajaljade weiter. Kajaljade warf achtzehn Augen — es traf Xiangfluss-Wolke. Xiangfluss-Wolke krempelte lachend die Ärmel hoch und zog ein Los. Alle sahen: eine Begonienblüte, darauf „Duftender Traum in tiefem Schlummer", und der Vers lautete:

Ich fürchte nur, die Blume schläft ein in tiefer Nacht.

Kajaljade lachte: „Die Worte ‚tiefe Nacht' sollte man durch ‚kühler Stein' ersetzen!" [4] Alle verstanden den Witz und lachten. Xiangfluss-Wolke zeigte lachend auf das Los, wo ein kleines Boot abgebildet war, und sagte zu Kajaljade: „Steig schnell ein und fahr davon — und halt den Mund!" Alle lachten wieder. In der Anmerkung stand: „Da es heißt ‚Duftender Traum in tiefem Schlummer', darf die Loszieherin keinen Wein trinken; stattdessen trinken die Nachbarn links und rechts je einen Becher." Xiangfluss-Wolke klatschte lachend in die Hände: „Amitabha — wirklich ein gutes Los!" Und siehe da: Kajaljade war ihre obere und Schatzjade ihre untere Nachbarin. Die beiden mussten je einen Becher trinken. Schatzjade trank die Hälfte seines Bechers, und als niemand hinsah, reichte er ihn Duftblümchen, die ihn schnell austrank. Kajaljade plauderte mit den anderen und goss ihren Wein unbemerkt in den Spülnapf. Xiangfluss-Wolke nahm die Würfel und warf neun Augen — es traf Moschusmond. Moschusmond zog ein Los: eine Teerose, darauf „Höhepunkt der Jugend und Schönheit", und der Vers lautete:

Wenn die Teerose blüht, ist die Blütezeit vorbei.

Darunter stand: „Alle Anwesenden trinken drei Becher zum Abschied des Frühlings." Moschusmond fragte, was das bedeute. Schatzjade runzelte besorgt die Stirn, verbarg das Los eilig und sagte: „Trinken wir einfach." Alle nahmen drei Schlucke, die als drei Becher galten. Moschusmond warf neunzehn Augen — es traf Duftkastanie. Duftkastanie zog ein Los mit einer Zwillingsblüte, darauf „Vereinter Frühling, umrankendes Glück", und der Vers lautete:

Am Ast der Ehestandsblume blüht es gerade.

Darunter stand: „Alle gratulieren der Loszieherin mit drei Bechern; dazu trinkt jeder einen Becher mit." Duftkastanie warf dann sechs Augen — es traf Kajaljade. Kajaljade dachte im Stillen: „Ich weiß nicht, was Schönes noch übrig ist — hoffentlich ziehe ich ein gutes." Sie griff hinein und zog ein Los: eine Lotusblüte (Hibiskus), darauf „Klarer Kummer in Wind und Tau", und der Vers lautete:

Klage nicht den Ostwind an — beklage dich selbst.

Darunter stand: „Trinkt allein einen Becher; die Päonie begleitet mit einem Becher." Alle lachten: „Das ist wundervoll! Außer ihr gebührt niemandem die Lotusblüte." Kajaljade lachte ebenfalls. Man trank. Dann warf Kajaljade zwanzig Augen — es traf Dufthauch. Dufthauch zog ein Los: ein Pfirsichblütenzweig, darauf „Anderes Land von Wuling" [5], und der Vers lautete:

Pfirsichrot — wieder ein neuer Frühling.

Darunter stand: „Die Aprikosenblüte begleitet mit einem Becher; wer unter den Anwesenden im gleichen Jahr geboren ist, begleitet mit einem Becher; wer zur gleichen Stunde geboren, begleitet mit einem Becher; wer denselben Familiennamen hat, begleitet mit einem Becher." Alle lachten: „Diesmal wird es lustig!" Man rechnete nach: Duftkastanie, Heitermuster und Schatzspange waren alle im gleichen Jahr geboren wie Dufthauch; Kajaljade war zur gleichen Stunde geboren; nur gab es niemanden mit demselben Familiennamen. Duftblümchen rief eilig: „Ich heiße auch Hua [6] — ich begleite auch mit einem Becher!" Also wurde eingeschenkt. Kajaljade sagte lachend zu Erkundefrühling: „Du bist die Aprikosenblüte, der ein vornehmer Gemahl bestimmt ist — trink schnell, damit wir auch trinken können!" Erkundefrühling lachte: „Was soll das! Die ältere Schwägerin soll sie zur Strafe schlagen." Seidenweiß Pflaume lachte: „Statt den vornehmen Bräutigam zu bekommen, bekommt sie Prügel — das bringe ich nicht übers Herz!" Alle lachten.

Gerade als Dufthauch werfen wollte, hörte man jemanden am Tor klopfen. Eine alte Dienerin ging eilig hinaus und kam mit der Nachricht: Tante Schnee hatte jemanden geschickt, um Kajaljade abzuholen. Man fragte, wie spät es sei; es wurde geantwortet: „Nach der zweiten Nachtwache; die Uhr hat elf geschlagen." Schatzjade glaubte es nicht und verlangte die Taschenuhr; als er nachsah, war es bereits zehn Minuten nach Beginn der Zi-Stunde [7]. Kajaljade erhob sich und sagte: „Ich halte es nicht mehr aus — ich muss nach Hause und noch meine Medizin nehmen." Alle sagten: „Wir sollten auch aufbrechen." Dufthauch und Schatzjade wollten alle noch halten. Seidenweiß Pflaume und Schatzspange sagten: „Es ist viel zu spät — das geht nicht. Wir haben heute ohnehin die Regel gebrochen." Dufthauch sagte: „Wenn es denn sein muss — jede trinkt noch einen letzten Becher." Heitermuster und die anderen hatten schon eingeschenkt; alle tranken und ließen Laternen anzünden. Dufthauch und die anderen geleiteten die Gäste noch über den Qinfang-Pavillon-Fluss hinüber, bevor sie zurückkehrten.

Man schloss das Tor, und alle spielten von Neuem. Dufthauch und die anderen schenkten noch einige große Becher ein und bereiteten ein Tablett mit verschiedenen Früchten und Speisen für die alten Dienerinnen draußen. Als alle drei Zehntel betrunken waren, ging es zum Fingerwerfen und zum Singen kleiner Lieder über. Es war schon die vierte Nachtwache; die alten Dienerinnen aßen von der einen Seite offen, von der anderen stibitzten sie heimlich — der Weinkrug war leer. Alle wunderten sich, machten sich dann aber an die Abendtoilette und legten sich schlafen. Duftblümchens Wangen glühten rot wie Karmin; um Augenwinkel und Brauen lag noch mehr Anmut als zuvor. Sie konnte sich kaum noch aufrecht halten, lehnte sich an Dufthauchs Schulter und sagte: „Gute Schwester, mein Herz klopft so!" Dufthauch lachte: „Wer hat dich auch hemmungslos trinken lassen!" Xiaoyan und Si'er konnten ebenfalls nicht mehr und schliefen bereits. Heitermuster rief noch immer. Schatzjade sagte: „Hör auf zu rufen — legen wir uns einfach ein wenig hin." Er legte seinen Kopf auf das rote, duftende Kissen, drehte sich zur Seite und schlief ebenfalls ein. Dufthauch fürchtete, dass Duftblümchen im Rausch erbrechen könnte und jemanden störte; so stand sie leise auf, bettete Duftblümchen neben Schatzjade und ließ sie dort schlafen. Sie selbst legte sich auf die gegenüberliegende Liege.

Alle schliefen tief und süß und wussten von nichts. Als es Tag wurde, öffnete Dufthauch die Augen und sah das strahlend helle Tageslicht. „Es ist spät!" rief sie eilig. Sie blickte zum gegenüberliegenden Bett und sah Duftblümchen, den Kopf auf den Kangrand gelegt, noch immer fest schlafend. Hastig stand sie auf und weckte sie. Schatzjade hatte sich bereits umgedreht und war wach. Er lachte: „Haben wir verschlafen?" Dann rüttelte er Duftblümchen wach. Duftblümchen saß auf, rieb sich noch benommen die Augen. Dufthauch lachte: „Schämst du dich nicht? Du warst so betrunken — da hast du dich einfach hingelegt, ohne zu sehen, wo!" Duftblümchen schaute sich um, bemerkte erst jetzt, dass sie auf demselben Kang wie Schatzjade geschlafen hatte, und sprang lachend herunter: „Wie habe ich nur so trinken können, dass ich nichts mehr wusste!" Schatzjade lachte: „Ich wusste ja auch von nichts. Hätte ich es gewusst, hätte ich dir schwarze Tusche ins Gesicht geschmiert!" Die Mädchen kamen zum Morgenputz herein. Schatzjade lachte: „Gestern habt ihr mich bewirtet — heute Abend bin ich dran!" Dufthauch lachte: „Genug, genug — heute bitte kein Aufheben mehr! Wenn wir so weitermachen, fangen die Leute an zu reden." Schatzjade sagte: „Was soll's — es waren doch nur zweimal! Sind wir etwa Weintrinker? Dieser eine Krug Wein — wie kann er nur so schnell leer geworden sein? Gerade war es lustig, und schon war nichts mehr da." Dufthauch lachte: „Gerade so muss es sein — erst das macht es reizvoll. Wenn man bis zur völligen Erschöpfung trinkt, bleibt kein Nachgeschmack. Gestern waren alle so angeregt — Heitermuster hat sogar vergessen, sich zu schämen; ich glaube, sie hat ein Lied gesungen." Si'er lachte: „Schwester hat es vergessen — du hast doch auch gesungen! Wer am Tisch hat nicht gesungen!" Alle hörten das und wurden rot; sie hielten sich die Hände vor den Mund und lachten unaufhörlich.

Plötzlich kam Friedchen fröhlich lachend herein und sagte, sie lade persönlich alle ein, die gestern am Tisch gewesen seien: „Heute bin ich die Gastgeberin — es darf kein einziger fehlen!" Man bot ihr eilig einen Sitz und Tee an. Heitermuster lachte: „Schade, dass sie gestern Nacht nicht dabei war!" Friedchen fragte sofort: „Was habt ihr denn nachts getrieben?" Dufthauch sagte: „Das kann man dir gar nicht erzählen! Gestern Nacht war es so lustig wie nie zuvor — selbst wenn die Alte Herrin und die Gnädige Frau dabei gewesen wären und alle zum Spielen mitgenommen hätten, wäre es nicht so lustig gewesen. Einen ganzen Krug Wein haben wir geleert; eine nach der anderen hat alle Scham fahren lassen, und ganz unvermittelt fing plötzlich jede an zu singen. Erst nach der vierten Nachtwache sind wir kreuz und quer umgefallen und haben ein Nickerchen gemacht." Friedchen lachte: „Sehr schön! Da habe ich mir also umsonst den Wein für euch besorgt — und dann ladet ihr mich nicht einmal ein, sondern erzählt mir davon, nur um mich zu ärgern!" Heitermuster sagte: „Heute gibt er ein Gegenessen — da wird er dich bestimmt einladen; warte nur!" Friedchen fragte lachend: „‚Er' — wer ist ‚er', und wer ist ‚ihn'?" Heitermuster hörte das, lief ihr lachend nach und versetzte ihr einen Klaps: „Du hast aber feine Ohren — gleich jedes Wort aufschnappen!" Friedchen lachte: „Jetzt habe ich zu tun — ich muss los. Gleich schicke ich jemanden, um einzuladen. Wenn auch nur eine fehlt, komme ich persönlich und hole sie!" Schatzjade und die anderen wollten sie aufhalten, doch sie war schon fort.

Hier wusch sich Schatzjade und trank gerade Tee, als er zufällig unter dem Tuschstein ein Blatt Papier bemerkte. Er sagte: „Ihr dürft die Sachen nicht einfach irgendwohin legen und quetschen!" Dufthauch und Heitermuster fragten eilig: „Was ist nun wieder? Wer hat jetzt etwas falsch gemacht?" Schatzjade zeigte hin: „Was ist das unter dem Tuschstein? Bestimmt hat wieder jemand ein Muster vergessen einzuräumen!" Heitermuster hob eilig den Tuschstein auf und zog das Blatt hervor — es war eine Visitenkarte. Sie reichte sie Schatzjade; darauf stand auf rosafarbenem Briefpapier: „Wunderjade [妙玉], die Bewohnerin jenseits der Schwelle, verbeugt sich ehrfürchtig und glückwünschend aus der Ferne zum Geburtstag." Schatzjade sprang auf, als er es gelesen hatte, und rief: „Wer hat das entgegengenommen? Warum hat mir niemand etwas gesagt?" Dufthauch, Heitermuster und die anderen, die ihn so aufgeregt sahen und nicht wussten, von welcher bedeutenden Person die Karte stammte, fragten alle durcheinander: „Wer hat gestern eine Visitenkarte entgegengenommen?" Si'er kam eilig hereingelaufen und sagte lachend: „Gestern kam Wunderjade nicht persönlich — sie hat nur eine alte Dienerin geschickt. Ich habe sie dort hingelegt, und durch den Wein habe ich es dann vergessen." Alle hörten das und sagten: „Ach, von der kommt sie — warum so ein großes Aufheben? Das ist doch nichts Besonderes." Schatzjade rief eilig: „Schnell bringt mir Papier!" Man brachte Papier und rieb Tusche an. Er sah, dass Wunderjade sich „Bewohnerin jenseits der Schwelle" nannte, wusste aber nicht, welche Formulierung auf einer Antwortkarte dem ebenbürtig wäre. Er hielt den Pinsel in der Hand und starrte in die Luft — eine halbe Ewigkeit ohne Eingebung. Dann dachte er: „Wenn ich Schatzspange frage, wird sie es gewiss als bizarr und exzentrisch abtun. Besser, ich frage Kajaljade."

Er nahm die Karte, steckte sie in den Ärmel und ging geradewegs los, um Kajaljade zu suchen. Kaum war er am Qinfang-Pavillon vorbei, kam ihm Höhlennebel Strafe zitternd und wankend entgegen. Schatzjade fragte eilig: „Wohin geht Schwester?" Höhlennebel Strafe lachte: „Ich will zu Wunderjade, um mit ihr zu plaudern." Schatzjade hörte das verblüfft und sagte: „Sie ist ein eigenbrötlerischer Mensch, der nicht in die Welt passt — unter zehntausend Menschen findet sie keinen, der ihr genügt. Anscheinend schätzt sie dich aber wirklich — sie erkennt, dass du nicht zur Sorte gewöhnlicher Leute wie wir gehörst." Höhlennebel Strafe lachte: „Ob sie mich wirklich schätzt, weiß ich nicht, aber wir waren zehn Jahre lang Nachbarn, nur durch eine Mauer getrennt. Sie lebte im Panxiang-Kloster zur geistlichen Übung; meine Familie war arm und mietete Zimmer in ihrem Tempel. Zehn Jahre lang wohnten wir dort, und wenn nichts zu tun war, ging ich zu ihr, um ihr Gesellschaft zu leisten. Alle Schriftzeichen, die ich kenne, habe ich von ihr gelernt. Wir sind zugleich Freundinnen aus ärmlichen Zeiten und stehen in einem Halb-Lehrer-Verhältnis. Als wir fortzogen, um Verwandte aufzusuchen, hörte ich, dass sie, weil sie ‚nicht in die Zeit passt', von den Mächtigen vertrieben worden war und hierher geflohen ist. Nun hat es das Schicksal gefügt, dass wir uns wiederbegegnen, und unsere alte Zuneigung ist unverändert — ja, ihre Wertschätzung ist noch größer als einst." Schatzjade hörte das wie einen Donnerschlag und rief erfreut: „Kein Wunder, dass Schwester in Haltung und Rede so erhaben ist, wie ein wilder Kranich in freien Wolken — es hat seinen Grund! Gerade beschäftigt mich eine Sache ihretwegen, und ich wollte jemanden um Rat fragen. Jetzt treffe ich dich — das ist wahrlich eine Fügung des Himmels! Bitte gib mir deinen Rat." Damit zeigte er Höhlennebel Strafe die Visitenkarte. Höhlennebel Strafe lachte: „Ihr Temperament lässt sich wohl nicht ändern — von Geburt an so extravagant und eigenwillig! Wer hat je gesehen, dass man auf Visitenkarten einen Beinamen setzt? Das ist wirklich, wie das Sprichwort sagt: ‚Weder Mönch noch Laie, weder Frau noch Mann' — was soll man davon halten?" Schatzjade sagte eilig lachend: „Schwester versteht das nicht. Sie zählt nicht zu den gewöhnlichen Menschen — sie ist ein Mensch jenseits der Welt. Weil sie mich für jemanden mit einem Körnchen Verstand hält, hat sie mir diese Karte geschickt. Ich wusste aber nicht, wie ich antworten soll — mir fiel nichts ein. Ich wollte gerade Schwester Lin fragen, und zufällig treffe ich dich." Höhlennebel Strafe hörte Schatzjades Worte und musterte ihn eine ganze Weile aufmerksam von Kopf bis Fuß. Dann lachte sie: „Kein Wunder, dass das Sprichwort sagt: ‚Hörensagen ist weniger als Augenschein.' Und kein Wunder, dass Wunderjade dir diese Karte schickt; und kein Wunder, dass sie dir vergangenes Jahr die Pflaumenblüten schenkte. Da es bei ihr so weit geht, muss ich dir wohl den Grund erklären. Sie sagt oft: ‚Von den Alten her, von Han, Jin, durch die Fünf Dynastien, Tang und Song, hat es in all der Zeit keine gute Dichtung gegeben — nur zwei Verse sind gut:

Selbst hat man ein ehernes Tor, das tausend Jahre hält —
Am Ende braucht man doch nur einen Erdhügel als Grab.

Deshalb nennt sie sich ‚Bewohnerin jenseits der Schwelle'. Außerdem preist sie oft den Stil des Zhuangzi, und darum nennt sie sich manchmal auch ‚qi ren' [8]. Wenn sie sich auf der Karte als ‚qi ren' bezeichnet hätte, hättest du mit ‚shi ren' (‚Mensch der Welt') antworten sollen. ‚Qi ren' bedeutet, dass sie sich für einen Sonderling hält; du bezeichnest dich bescheiden als einen gewöhnlichen, in der Welt befangenen Menschen — und sie wäre zufrieden. Nun nennt sie sich ‚Bewohnerin jenseits der Schwelle', womit sie meint, sie habe die eiserne Schwelle des Irdischen überschritten. Du brauchst also nur ‚Bewohner innerhalb der Schwelle' zu schreiben — das trifft ihren Sinn." Schatzjade hörte das wie eine Erleuchtung, rief „Ah!" und lachte: „Kein Wunder, dass unser Familientempel ‚Eiserne-Schwelle-Kloster' heißt — jetzt verstehe ich den Zusammenhang! Schwester, geh nur weiter; ich eile zurück, um die Antwortkarte zu schreiben." Höhlennebel Strafe ging darauf zum Longcui-Kloster [9]. Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück und schrieb auf die Karte nur die Worte: „Der Bewohner innerhalb der Schwelle, Schatzjade, grüßt ehrerbietig nach geziemender Reinigung." Er brachte sie persönlich zum Longcui-Kloster und schob sie durch den Türspalt hinein; dann kehrte er zurück.

Er sah, dass Duftblümchen sich bereits frisiert hatte, das Haar hochgesteckt und ein wenig Blumenschmuck angelegt. Sogleich befahl er ihr, die Frisur zu ändern: Die kurzen Haare rings um den Kopf sollten abrasiert werden, sodass die blaugrüne Kopfhaut zum Vorschein kam, und in der Mitte sollte ein großer Scheitel gezogen werden. Dann sagte er: „Im Winter trägst du eine große Zobelmütze in Kaninchenform, an den Füßen Tigerkopf-Wolkenstiefel in fünf Farben, oder du lässt die Hosenbeine los und trägst nur weiße Strümpfe und dicksohlige Brokatschuhe." Dann sagte er: „Der Name ‚Duftblümchen' ist nicht gut — du solltest einen Männernamen tragen, das wäre originell." Er benannte sie in „Xiongnü" [10] um. Duftblümchen war hocherfreut und sagte: „Wenn es schon so ist, nimm mich auch mit, wenn du ausgehst! Wenn jemand fragt, sag einfach, ich sei ein kleiner Diener wie Mingyan." Schatzjade lachte: „Man würde es doch erkennen." Duftblümchen lachte: „Da zeigt sich dein Einfallsmangel! In unserem Haus gibt es doch einige Familien von Fremdvölkern. Sag einfach, ich sei ein kleiner Barbar. Außerdem sagen alle, mir stünden Zöpfe gut — findest du das nicht passend?" Schatzjade hörte das und rief entzückt: „Das ist wirklich gut! Ich habe oft gesehen, dass Beamte unter ihrem Gefolge Nachkommen fremdländischer Kriegsgefangener haben, weil sie Wind und Frost nicht fürchten und zu Pferde geschickt sind. Also geben wir dir noch einen Barbarennamen: ‚Yelü Xiongnü'. ‚Xiongnü' klingt gleich wie ‚Xiongnu' [11], und beides sind Namen der Hundevölker. Zudem waren diese zwei Völker seit den Zeiten von Yao und Shun eine Plage für das Reich der Mitte; die Jin- und Tang-Dynastien litten schwer unter ihnen. Zum Glück leben wir in der heutigen Ära, als Nachfahren des großen Shun. Die heilige Tugend und kindliche Pietät unseres Herrschers strahlen bis zum Himmel empor und sind unsterblich wie Himmel, Erde, Sonne und Mond für tausend Generationen. Deshalb haben alle die kleinen Schelme, die in früheren Dynastien ihr Unwesen trieben, heutzutage freiwillig, ohne einen einzigen Speer oder Degen, die Hände gefaltet und das Haupt geneigt und sind von fern hergekommen, um sich zu unterwerfen. Wir sollten sie verächtlich behandeln, um unseres Herrn und Vaters willen Ehre einzulegen." Duftblümchen lachte: „Wenn dem so ist, solltest du Bogenschießen und Reiten üben und Kriegskunst lernen und dich hinauswagen, um ein paar Rebellen zu fangen — das wäre wahrer Dienst am Vaterland! Warum missbrauchst du uns und ergötzt dich an deiner eigenen Beredsamkeit, und nennst es dann Lob und Huldigung?" Schatzjade lachte: „Da verstehst du mich falsch. Heute herrscht Frieden in allen vier Meeren und Ruhe in allen acht Himmelsrichtungen; seit hundert und tausend Jahren braucht man keine Waffen mehr. Auch wenn wir nur scherzen und spielen, gebührt es sich, den Segen unserer Zeit zu preisen — sonst wären wir des friedlichen Wohlstands, das wir genießen, nicht wert." Duftblümchen fand das einleuchtend; beide hielten es für passend und angemessen. Schatzjade nannte sie von nun an „Yelü Xiongnü".

In beiden Jia-Palästen gab es nämlich tatsächlich Nachfahren von Kriegsgefangenen früherer Generationen, die man als Sklaven erhalten hatte — allerdings wurden sie nur zum Pferdehüten eingesetzt und galten als unbrauchbar für höhere Dienste. Xiangfluss-Wolke, die von jeher ausgelassen und übermütig war, liebte Verkleidungen als Mann über alles und band sich ständig Paradegürtel um und trug Faltenärmel. Als sie sah, wie Schatzjade Duftblümchen als Jungen verkleidet hatte, verkleidete sie ihrerseits Kuiguan ebenfalls als kleinen Burschen. Kuiguan trug gewöhnlich kurz geschorenes Haar, was für Bühnenschminke bequem war, und hatte flinke Hände und Füße — das Umkleiden war leichter. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling fanden das allerliebst und ließen nun auch Kostbarzither Schnees Douguan als kleinen Pagen verkleiden: auf dem Kopf zwei Haarknoten, ein kurzes Jäckchen, rote Schuhe — nur die Gesichtsbemalung fehlte; sonst sah sie genauso aus wie ein Musikknabe auf der Bühne. Xiangfluss-Wolke taufte Kuiguan um und nannte ihn „Da Ying" [12]. Da sein Familienname Wei war, nannte sie ihn „Wei Daying", was ihrem heimlichen Motto entsprach: „Nur ein wahrer Held zeigt seine wahre Natur" [13] — wozu sich also Schminke auftragen, wenn man ein Mann sein will? Douguan war von Statur und Alter die Kleinste und außerdem äußerst pfiffig — daher der Name „Douguan" (Bohnenbeamtin). Im Garten nannten manche sie „A-Dou", andere „Bratbohne". Kostbarzither Schnee dagegen fand, dass Namen wie „Musikknabe" oder „Buchknabe" zu abgedroschen seien, und meinte, „Dou" (Bohne) sei origineller. Also nannte sie sie „Doutong" (Bohnenknabe).

Nach dem Mittagessen gab Friedchen ihr Gegenessen. Da es im Hongxiangpu zu heiß war, ließ sie im Yuyintang [14] einige Tische mit frischem Wein und köstlichen Speisen aufstellen. Erfreulicherweise kam Dame Sonders noch mit ihren beiden Konkubinen Peifeng und Xieyuan [15]. Diese beiden waren ebenfalls junge, hübsche Mädchen, die selten herüberkamen. Da sie nun in den Garten eintraten und Xiangfluss-Wolke, Duftkastanie, Duftblümchen, Ruiguan und all die anderen jungen Frauen trafen, bewies sich das Sprichwort „Gleich und gleich gesellt sich gern": Sie plauderten und lachten ohne Ende, kümmerten sich nicht um Dame Sonders und überließen sie den Zofen. Zusammen besichtigten sie alles. Als sie zum Yihongyuan kamen und plötzlich hörten, wie Schatzjade „Yelü Xiongnü!" rief, lachten Peifeng, Xieyuan und Duftkastanie alle drei zusammen, fragten, was das bedeute, und versuchten dann selbst, den Namen auszusprechen — versprachen sich in der Aussprache, vergaßen die Zeichen, bis eine schließlich „Wilder Esel" herausbrachte. Alle im Garten, die es hörten, bogen sich vor Lachen. Schatzjade sah, dass alle sich lustig machten, und fürchtete, Duftblümchen könnte damit gedemütigt werden. Eilig sagte er: „Im Westen, in Frankreich [16], soll es goldgeflecktes Kristallglas geben; in der Landessprache heißt es ‚Wendulinà'. Wenn ich dich mit diesem Stein vergleiche und dich ‚Wendulinà' nenne — wäre das nicht hübsch?" Duftblümchen freute sich noch mehr und sagte: „Ja, das ist es!" Also wurde dieser Name verwendet. Da alle ihn schwer aussprechbar fanden, übersetzten sie ihn ins Chinesische und nannten sie einfach „Boli" (Kristallglas).

Die weiteren Plaudereien seien hier übergangen. An jenem Tag vergnügten sich alle unter dem Vorwand des Weintrinkens im Yuyintang, ließen die Geschichtenerzählerinnen die Trommel schlagen, und Friedchen pflückte einen Päonienblütenzweig, den etwa zwanzig Personen im Kreis herumgaben — ein „Blumenspiel mit Trommeln", sehr vergnüglich. Da meldete jemand: „Zwei Frauen aus der Familie Echt bringen Geschenke." Erkundefrühling, Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders gingen zu dritt in den Empfangssaal, um sie zu treffen. Hier zerstreuten sich die anderen einstweilen. Peifeng und Xieyuan gingen zum Schaukeln. Schatzjade sagte: „Steigt hinauf, ich schubse euch!" Erschrocken sagte Peifeng: „Lass das — mach uns keinen Ärger! Ruf lieber den ‚Wilden Esel', damit der uns anschubst!" Schatzjade lachte eilig: „Gute Schwesterchen, hört auf damit! Sonst lernen alle Leute das nach und schimpfen sie so!" Xieyuan sagte: „Ich bin schon ganz weich vor Lachen — wie soll ich da schaukeln? Wenn ich herunterfalle, platzen mir die Innereien heraus!" Peifeng versetzte ihr einen Klaps.

Mitten im ausgelassenen Spiel kamen plötzlich einige Leute aus dem Östlichen Palais herbeigerannt und riefen ganz aufgeregt: „Der alte Herr ist gen Himmel gefahren!" [17] Alle erschraken: „Er war doch ganz gesund und hatte keine Krankheit — wie kann er plötzlich tot sein?" Die Dienstleute sagten: „Der alte Herr hat Tag für Tag praktiziert — gewiss hat er seine Verdienste vollendet und ist als Unsterblicher aufgefahren." Als Dame Sonders das hörte und sah, dass weder Herrlichkeit Kaufmann noch sein Sohn noch Kette Kaufmann zu Hause waren — es gab im Augenblick keinen Mann, der die Angelegenheiten regeln konnte —, geriet sie in Aufregung. Sie legte eilig ihren Schmuck ab, befahl, alle daoistischen Mönche im Xuanzhen-Kloster einzusperren, bis der Erste Herr heimkäme, um sie zu verhören, und fuhr dann hastig im Wagen, begleitet von Lai Sheng und einer Schar Bediensteter, aus der Stadt zum Tempel. Auch ließ sie Ärzte kommen, um festzustellen, woran Andacht Kaufmann eigentlich gestorben war. Die Ärzte sahen, dass der Mann bereits tot war — wo hätte man da noch den Puls fühlen sollen? Sie wussten, dass Andacht Kaufmanns Methoden der Atemführung allesamt hohle Phantastereien gewesen waren; obendrein hatte er Sterne angebetet, den Gengsheng-Fastentag[18] gehalten und Zinnober geschluckt[19] — lauter nutzloses Treiben, das den Geist überanstrengte und letztlich das Leben kostete. Obwohl er nun tot war, war sein Bauch hart wie Eisen, und Gesichtshaut und Lippen waren purpurn verbrannt und aufgerissen. Die Ärzte berichteten: „Er ist an den Praktiken der daoistischen Lehre gestorben — er hat Gold geschluckt und Zinnober eingenommen, bis sein Leib anschwoll und er verstarb." Die Mönche sagten erschrocken: „Der Herr hat eine eigens neu hergestellte geheime Zinnoberpille genommen. Wir Mönche haben ihn gewarnt, die Verdienste seien noch nicht weit genug gediehen und er dürfe sie noch nicht nehmen. Aber der Herr hat sie in dieser Nacht während der Gengsheng-Meditation heimlich eingenommen und ist daraufhin zum Unsterblichen geworden. Dies geschah gewiss aus aufrichtiger Hingabe — er hat das Meer des Leidens verlassen, seine sterbliche Hülle abgeworfen und ist seiner Bestimmung gefolgt." Dame Sonders hörte gar nicht hin, befahl nur, sie einzusperren, bis Herrlichkeit Kaufmann käme, und schickte einen Eilboten zu Pferde. Da der Tempel zu eng war, um den Leichnam aufzubahren, und man ihn ohnehin nicht in die Stadt bringen konnte, wurde der Leichnam eilig hergerichtet, in einer Sänfte zum Eiserne-Schwelle-Kloster [20] gebracht und dort aufgebahrt. Selbst bei schnellster Berechnung würde Herrlichkeit Kaufmann frühestens in einem halben Monat eintreffen können. Bei der Sommerhitze war weiteres Warten unmöglich; also übernahm Dame Sonders die Leitung, ließ von einem Astrologen einen Termin für die Einsargung bestimmen, der glücklicherweise schon vor Jahren angefertigte Sarg stand bereit im Tempel. Am dritten Tag eröffnete man die Trauerbräuche und begann die Totenzeremonien. Gleichzeitig ließ man daoistische Rituale abhalten, bis Herrlichkeit Kaufmann eintraf.

Im Rongfu konnte Phönixglanz nicht herauskommen; Seidenweiß Pflaume kümmerte sich um die jungen Schwestern; Schatzjade verstand nichts von solchen Dingen. So mussten die Außenangelegenheiten vorläufig einigen Verwaltern zweiter Ordnung anvertraut werden: Jia Jun, Jia Guang, Jia Heng, Jia Ying, Jia Chang und Jia Ling übernahmen verschiedene Aufgaben. Da Dame Sonders nicht nach Hause zurückkehren konnte, holte sie ihre Stiefmutter in den Ningfu, um auf das Haus aufzupassen. Die Stiefmutter brachte notgedrungen ihre beiden unverheirateten Töchter mit, denn nur so konnte sie beruhigt sein.

Als Herrlichkeit Kaufmann von der Nachricht erfuhr, bat er sofort um Urlaub. Er und Hibiskus Kaufmann [贾蓉] hatten beide offizielle Ämter. Das Ritenministerium sah, dass der heutige Herrscher die kindliche Pietät besonders hoch achtete, und wagte nicht eigenmächtig zu entscheiden, sondern reichte ein Gesuch ein. Der Himmelssohn war von außerordentlicher Menschlichkeit und kindlicher Pietät und ehrte zudem die Nachkommen verdienter Minister. Als er das Gesuch sah, erkundigte er sich sogleich nach Andacht Kaufmanns Rang. Das Ritenministerium berichtete: „Er war als Jinshi [21] berufen; sein vererbter Rang wurde bereits seinem Sohn Herrlichkeit Kaufmann übertragen. Da Andacht Kaufmann in vorgerücktem Alter und bei schwacher Gesundheit war, pflegte er seine Ruhe außerhalb der Hauptstadt im Xuanzhen-Kloster. Nun ist er dort an seiner Krankheit verstorben. Sein Sohn Zhen und sein Enkel Rong befinden sich derzeit wegen der Staatstrauer im Gefolge des Kaisers; daher bitten sie um Urlaub zur Beisetzung." Der Himmelssohn ordnete daraufhin einen besonderen Gnadenerlass an: „Obwohl Andacht Kaufmann als gewöhnlicher Privatmann keine Verdienste um den Staat erworben hat, soll ihm in Anbetracht der Verdienste seiner Vorfahren posthum der Rang der fünften Stufe verliehen werden. Sein Sohn und Enkel dürfen den Sarg durch das Nördliche Abwärtstor in die Hauptstadt bringen und in seiner Privatresidenz bestatten. Nach vollständiger Durchführung der Trauerrituale dürfen sie den Sarg in die Heimat zurückführen. Das Amt für Kaiserliche Opfer soll gemäß dem Hofprotokoll ein Opfer darbringen. Alle Beamten vom Rang eines Fürsten abwärts dürfen ihre Beileidsbesuche abstatten. So sei es befohlen." Nach diesem Erlass dankten nicht nur die Mitglieder der Kaufmann-Familie, sondern alle Beamten bei Hofe priesen den Kaiser ohne Ende.

Herrlichkeit Kaufmann und sein Sohn ritten Tag und Nacht. Auf halbem Wege kamen ihnen Jia Jun und Jia Guang mit Hausbediensteten zu Pferde entgegen. Als sie Herrlichkeit Kaufmann erblickten, sprangen sie aus dem Sattel und begrüßten ihn. Herrlichkeit Kaufmann fragte eilig: „Was gibt es?" Jia Jun antwortete: „Die Schwägerin befürchtete, Ihr und der Neffe kämet allein, und die Alte Herrin hätte auf der Reise niemanden bei sich, deshalb hat sie uns beide geschickt, um die Alte Herrin zu geleiten." Herrlichkeit Kaufmann hörte das und lobte ohne Ende. Er fragte, wie zu Hause alles geregelt worden sei. Jia Jun und die anderen berichteten alles der Reihe nach: wie sie die Mönche festgenommen, den Leichnam zum Familientempel gebracht, und — weil niemand zu Hause war — die Schwiegermutter und die beiden Tanten [22] eingeladen hatten, im Hauptgebäude zu wohnen. Herrlichkeit Kaufmann war inzwischen auch abgestiegen. Als er hörte, dass die beiden Tanten gekommen waren, wechselte er mit Herrlichkeit Kaufmann einen vielsagenden Blick und grinste. Herrlichkeit Kaufmann rief eilig mehrmals: „Ausgezeichnet!", gab seinem Pferd die Sporen und ritt weiter, ohne irgendwo einzukehren. Die ganze Nacht hindurch wechselten sie die Pferde und galoppierten. An einem Tag erreichten sie die Hauptstadt und ritten geradewegs zum Eiserne-Schwelle-Kloster. Es war bereits die vierte Nachtwache; die Wachleute, als sie die Nachricht hörten, weckten eilig alle. Herrlichkeit Kaufmann stieg vom Pferd, und er und Herrlichkeit Kaufmann brachen in lautes Weinen aus. Vom großen Tor aus krochen sie auf Knien hinein, warfen sich vor dem Sarg nieder und wehklagten blutige Tränen, bis es hell wurde und ihre Stimmen heiser waren. Dame Sonders und alle anderen kamen zur Begrüßung. Herrlichkeit Kaufmann und sein Sohn wechselten vorschriftsmäßig die Trauerkleidung und warfen sich vor dem Sarg nieder. Doch da es unvermeidlich war, die Angelegenheiten zu regeln, konnten sie nicht blind und taub für alles sein; sie mussten ihre Trauer ein wenig zurückdrängen, um die Leute anzuweisen. Herrlichkeit Kaufmann erzählte den versammelten Verwandten und Freunden vom kaiserlichen Gnadenerlass und schickte dann Herrlichkeit Kaufmann voraus nach Hause, um die Aufbahrung vorzubereiten.

Herrlichkeit Kaufmann ließ sich das nicht zweimal sagen und ritt im Galopp nach Hause. Eilig ordnete er an: im Vorsaal Tische und Stühle wegräumen, Trennwände abnehmen, Trauertücher aufhängen, vor dem Tor ein Podest für die Trommler und einen Ehrenbogen aufstellen. Dann eilte er hinein, um seine Stiefgroßmutter und die beiden Tanten zu begrüßen. Die alte Dame Sonders schlief gern tagsüber wegen ihres hohen Alters und lag gewöhnlich herum; die Zweite Tante und die Dritte Tante [23] saßen mit den Mädchen bei der Handarbeit. Als er kam, bekundeten alle ihr Beileid. Herrlichkeit Kaufmann aber grinste frech die Zweite Tante an und sagte: „Zweite Tante, du bist wieder da! Unser Vater hat gerade an dich gedacht." Die Zweite Tante You errötete und schimpfte: „Du Rong-Junge! Wenn ich dir ein paar Tage lang nicht den Kopf wasche, überstehst du das nicht. Du hast wirklich jeden Anstand verloren! Und das nennst sich ein Sohn aus gutem Hause, der jeden Tag Bücher liest und Manieren lernt — du bist ja nicht einmal so gesittet wie die Kinder von armen Leuten!" Damit griff sie nach einem Bügeleisen und holte zum Schlag aus. Erschrocken flüchtete Herrlichkeit Kaufmann in ihren Schoß, den Kopf schützend, und bat um Gnade. Die Dritte Tante kam herbei und kniff ihn in die Lippen, wobei sie sagte: „Warte, bis die Schwester nach Hause kommt — wir sagen es ihr!" Herrlichkeit Kaufmann kniete lachend auf dem Kang und bat um Verzeihung; die beiden lachten ebenfalls. Dann balgte sich Herrlichkeit Kaufmann noch mit der Zweiten Tante um Kardamomkörner; die Zweite Tante kaute das Fruchtfleisch und spuckte ihm den Brei ins Gesicht. Herrlichkeit Kaufmann leckte sich alles mit der Zunge ab. Die Mädchen konnten es nicht mit ansehen und sagten lachend: „Ihr tragt doch Trauerkleidung, und die alte Herrin schläft gerade! Die beiden Tanten mögen jung sein, aber sie sind doch Verwandte der Herrin — Ihr schert Euch überhaupt nicht um die Herrin! Wenn wir es dem Herrn sagen, werdet Ihr Euch warm anziehen müssen." Herrlichkeit Kaufmann ließ die Tanten los und umarmte stattdessen die Mädchen: „Mein Herzblatt, du hast völlig recht — necken wir die beiden doch!" Die Mädchen stießen ihn weg und schimpften: „Du Nichtsnutz mit deinem kurzen Leben! Du hast doch selbst Frau und Mägde — warum belästigst du uns! Die Verständigen sagen, es sei Spaß; die Unverständigen — und dann gibt es noch die Bösartigen und Klatschmäuler —, die erzählen es überall herum, und wer im Palast drüben wüsste nicht, wer redete nicht hinter vorgehaltener Hand, dass es bei uns hier drunter und drüber ginge!" Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Jede Familie hat ihren eigenen Haushalt — wer kümmert sich um wen? Wir alle haben genug zu tun. Seit alters her — selbst in der Han- und Tang-Dynastie sagt man ‚schmutzige Tang, stinkende Han' — welche Familie hat keine Liebesaffären? Fordert mich nicht heraus, alles aufzuzählen! Sogar drüben — der Erste Herr ist so streng, und trotzdem treibt es Onkel Lian mit der jungen Konkubine! Und Tante Feng ist so unnachgiebig, aber Onkel Rui wollte trotzdem an sie heran. Was davon wüsste ich nicht!"

Während Herrlichkeit Kaufmann noch ungehemmt plapperte, wachte seine Stiefgroßmutter auf. Er eilte, ihr seine Aufwartung zu machen und Grüße zu überbringen: „Vielen Dank, dass die Frau Großmutter sich die Mühe gemacht hat — und den beiden Tanten vielen Dank für ihre Aufopferung. Wir alle — Vater und Sohn — sind zutiefst dankbar. Sobald die Trauerfeierlichkeiten beendet sind, kommen wir mit der ganzen Familie, um Ihnen unsere Ehrerbietung zu erweisen." Die alte Dame Sonders nickte: „Mein Junge, du verstehst zu reden. Unter Verwandten versteht sich das von selbst." Dann fragte sie: „Wie geht es deinem Vater? Wann hat er die Nachricht erhalten und ist angekommen?" Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Er ist gerade erst eingetroffen und hat mich vorausgeschickt, um nach Ihnen zu sehen. Wir bitten Sie inständig, wenigstens bis zum Ende der Feierlichkeiten zu bleiben." Dabei zwinkerte er der Zweiten Tante zu. Die Zweite Tante You zischte ihm leise und zähneknirschend zu: „Du geschwätziges Affenbalg — willst du, dass wir bleiben und deinem Vater als Mutter dienen!" Herrlichkeit Kaufmann neckte noch seine Stiefgroßmutter: „Seid unbesorgt — Vater macht sich jeden Tag Sorgen um die beiden Tanten und sucht nach zwei Bräutigamen, die angesehene Familie haben, reich und jung und hübsch sind, um die beiden Tanten standesgemäß zu verheiraten. Aber seit Jahren hat er noch keinen Passenden gefunden — erst neulich, unterwegs, hat er endlich einen ins Auge gefasst." Die alte Dame Sonders hielt das für Ernst und fragte sofort, wessen Sohn es sei. Die beiden Schwestern warfen ihre Handarbeit hin und liefen lachend hinter Herrlichkeit Kaufmann her, um ihn zu schlagen: „Mama, glaub dem Blitzschlag von einem Jungen kein Wort!" Sogar die Mädchen sagten: „Der Himmelsvater hat Augen — pass auf den Blitz auf!" Gerade kam jemand, um zu melden: „Alles ist fertig — bitte kommen der Junge Herr und kontrollieren es, damit er dem Herrn berichten kann." Damit ging Herrlichkeit Kaufmann grinsend davon.

Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.

  1. die beheizte Ofenbank
  2. berühmte Porzellanmanufaktur
  3. Urfrühling
  4. Anspielung auf Xiangfluss-Wolkes Einschlafen auf der Steinbank am Nachmittag.
  5. Anspielung auf Tao Yuanmings ‚Pfirsichblütenquelle'
  6. ‚Blume'
  7. ca. 23:10 Uhr
  8. ‚der abseitige, sonderbare Mensch', ein Begriff aus dem Zhuangzi
  9. Wunderjade's Klause im Garten
  10. wörtl. ‚Heroischer Sklave'
  11. die historischen Hunnen
  12. ‚Großer Held'
  13. ein bekanntes Zitat
  14. ‚Halle des Ulmenbaum-Schattens'
  15. die zwei jungen Frauen des Herrlichkeit Kaufmann
  16. 福朗思牙 = France
  17. Andacht Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmanns Vater, der sich im daoistischen Kloster Xuanzhen dem Streben nach Unsterblichkeit widmete.
  18. Chin. 守庚申 shǒu gēngshēn — eine daoistische Praxis, bei der man an bestimmten Tagen des Sechziger-Zyklus die ganze Nacht wach bleibt, um die „drei Würmer“ (三尸) im Körper daran zu hindern, dem Himmelskaiser die Sünden des Betreffenden zu melden.
  19. Die Einnahme von Goldelixieren und Zinnoberpillen (吞金服砂) war eine verbreitete Praxis daoistischer Alchemie, die Unsterblichkeit versprach, jedoch häufig zu Quecksilbervergiftung und Tod führte.
  20. dem Familientempel der Jia
  21. erfolgreicher Kandidat der höchsten Beamtenprüfung
  22. die zwei Schwestern der Dame Sonders, die später noch eine bedeutende Rolle spielen
  23. die späteren Zweitschwester Sonders und Drittschwester Sonders