Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 120"

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Kapitel 120
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Zhen Wahrheitsverberger erläutert ausführlich die Gefühle des Landes der Großen Leere,
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_120|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_120|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
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Regendorf Kaufmann beschließt den Traum der Roten Kammer
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= Kapitel 120 =
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Es wird erzählt, dass Schatzspange, als sie von Herbstmuster<ref>Chin. 秋纹 Qiūwén, wörtl. „Herbstmuster". Eine von Schatzjades Zofen.</ref> hörte, Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch". Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> gehe es schlecht, eilig hineinlief, um nach ihr zu sehen. Jie<ref>Chin. 巧姐 Qiǎojiě, wörtl. „Geschickte Schwester". Tochter von Phönixglanz und Kette Kaufmann.</ref> und Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' erste Kammerzofe und Vertraute.</ref> folgten ihr. Als sie an Dufthauchs Kang traten, sahen sie, dass Dufthauch vor Herzschmerzen außer sich war und gerade in Ohnmacht gefallen war. Schatzspange und die anderen gaben ihr heißes Wasser ein und brachten sie wieder zu Bewusstsein, stützten sie und legten sie hin; zugleich wurde ein Arzt gerufen. Jie fragte Schatzspange: „Schwester Dufthauch — wie kann sie nur so schwer krank sein?" Schatzspange sagte: „Vor drei Abenden hat sie sich so sehr das Herz ausgeweint, dass ihr auf einmal schwindlig wurde und sie umfiel. Die gnädige Dame ließ sie stützen und zurückbringen, und sie lag nur noch da. Weil draußen allerlei zu erledigen war, hat man keinen Arzt für sie rufen lassen, und so ist es so weit gekommen." Während sie noch sprachen, kam der Arzt. Schatzspange und die anderen wichen zur Seite. Der Arzt fühlte den Puls und sagte, es sei durch heftigen Zorn und Aufregung verursacht; er verschrieb ein Rezept und ging.
== 甄士隐详说太虚情 / 贾雨村归结红楼梦 ==
 
  
aus erfreut, wenn Sie bei mir verweilen und den Tag mit mir verbringen würden.
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Dufthauch hatte nämlich undeutlich gehört, dass man, falls Schatzjade nicht zurückkehre, alle Dienerinnen aus den Gemächern fortschicken wolle. Vor Aufregung wurde es ihr nur noch schlimmer. Nachdem der Arzt sie untersucht hatte, kochte Herbstmuster ihr die Medizin. Sie lag allein da, und ihr Geist war noch nicht zur Ruhe gekommen. Es war, als stünde Schatzjade vor ihr; doch verschwommen schien es auch ein Mönch zu sein, der ein Buch in der Hand hielt und darin blätterte. Er sagte noch: „Du bist nicht meine Person; in Zukunft wirst du von selbst eine andere Familie haben." Dufthauch wollte gerade mit ihm sprechen, da kam Herbstmuster und sagte: „Die Medizin ist fertig, Schwester, nimm sie ein."
Djia Yü-tsun willigte begeistert ein, und die beiden Männer gingen Hand in Hand, dabei folgte ihnen der Page mit dem Gepäck in die kleine, einfache Hütte. Schï-yin führte Yü-tsun herein;  dieser setzte sich, und der Helfer des alten Mannes brachte ihm Tee. Yü-tsun bat darum, die Geschichte seiner mystischen Umwandlung hören zu dürfen, und Schï-yin lächelte:
 
„Auf eine Weise wurde meine Welt umgewandelt. Sie selbst, Herr, der Sie einer Sphäre des Wohlstandes und Überflusses entstammen, müssen bestimmt von einer Person mit dem Namen Bau-yü gehört haben?“ –
 
„Natürlich“, antwortete Yü-tsun, „zuletzt habe ich das Gerücht gehört, daß er auch in das Dharma aufgestiegen sein soll. Ich habe ihn in vergangenen Tagen einige Male gesehen und es wäre mir niemals in den Sinn gekommen, daß er diesen Schritt gehen würde.“ –
 
„Mir war das schon klar“, sagte Schï-yin. „Ich wußte bereits seit Jahren von seinem Streben. Bereits vor diesem einen längst vergangenen Tag, als wir uns vor meiner Unterkunft auf der Rentjing-Straße getroffen und dieses kleine Gespräch miteinander geführt hatten, war ich ihm in der Tat vorher schon begegnet.“ –
 
„Doch die Hauptstadt ist weit von Ihrer Unterkunft entfernt“, sagte Yü-tsun in großer Überrraschung, „wie können Sie ihm da begegnet sein?“ –
 
„Wir standen schon lange in einer Art geistigem Austausch miteinander“, antwortete Schï-yin.
 
„In diesem Fall, Herr, müssen Sie doch von seinem jetzigen Aufenthaltsort wissen?“ –
 
„Bau-yü“, antwortete der alte Mann, „ist der Stein, der kostbare Jadestein. Bevor die beiden Häuser Jung und Ning aufgesucht und ihre weltlichen Güter beschlagnahmt wurden, an dem Tag, als Bau-tschai und Dai-yü voneinander getrennt wurden, hatte der Stein bereits die Welt verlassen. Dies geschah zum einen, um das bevorstehende Unheil abzuwenden, zum anderen um die Vollendung der Vereinigung zuzulassen. Von diesem Moment an war das weltliche Karma des Steins vollständig, seine Substanz war in seine völlige Einheit zurückgekehrt. Alles, was davon blieb, war ein kleines Bruchstück seiner spirituellen Kräfte, wodurch er einen akademischen Rang erreicht und dem Namen der Familie seine Ehre zurückgebracht hatte. Ich weiß nur von der kostbaren Natur des Steines, seiner magischen Kraft, seiner Befähigung zu geistiger Umwandlung und daß er absolut kein gewöhnlicher Stein von dieser Welt war. Zu diesem Zweck brachten ihn der buddhistische Heilige Mang-mang und der dauistische Erleuchtete Miau-miau zuerst in die Welt und, da sein Schicksal nun erfüllt ist, sind sie es, die ihn zurückholen und an seinen ursprünglichen Ort zurückbringen. Das ist alles, was ich über Bau-yü weiß und, wie Sie es nennen, seinen ‚augenblicklichen Aufenthaltsort‘.“
 
Obwohl Yü-tsun dem Ganzen nicht ganz folgen konnte, hatte er dennoch etwa die Hälfte verstanden. Er nickte und seufzte: „Also ist das der wahre Grund für alles. Und ich habe es nie gewußt. Doch wenn Bau-yü eine Person eines solch erlesenen spirituellen Ranges ist, warum mußte er zuerst derart von menschlichen Begierden geblendet werden, bevor er die Erleuchtung erreichte?“
 
Schï-yin lächelte: „Obwohl ich dies gern näher ausführen würde, fürchte ich, Sie würden es niemals vollständig verstehen. Das Land der Täuschungen und das Paradies der Wahrheit sind ein und dasselbe. Könnten zwei Lesarten des Registers und die Erfahrung eines ganzen Lebens jemanden von der Erleuchtung abbringen? Alpha ist Omega. Wenn die Blumenfee ihren ursprünglichen Zustand wiedererlangt hat, sollte es der Magische Stein dann nicht auch tun?“
 
Diesesmal waren die Worte des Einsiedlers Yü-tsuns Verständnis mehr als fern. Er wußte nur, daß sie eine esoterische Bedeutung haben mußten, und wagte nicht, weitere Fragen zu stellen.
 
„Es ist so freundlich von Ihnen, daß Sie mir all dies über Bau-yü erzählen“, sagte er, „doch möchte ich Ihnen eine weitere Frage stellen: Wie kommt es, daß alle Damen in dieser vornehmen Familie, ausgenommen die kaiserliche Nebenfrau Yüän-tschun, in einfachen Verhältnissen gestorben sind?“
 
Wie er dies hörte, seufzte Schï-yin: „Verstehen Sie meine Worte nicht falsch, Herr! Die Tatsache ist, daß all diese edlen Damen, die Sie meinen, von den Himmeln der Leidenschaften und den Seen der Vergeltung stammen. Seit den alten Tagen unterlag ihr Geschlecht der natürlichen Verpflichtung, rein zu bleiben, rein von Lust, sogar rein vom leichtesten Hauch einer Begierde. Diese verliebten Schönheiten wie Tsuee Ying und Su Hsiau-hsiau waren gefallene Feen, ihre himmlischen Herzen waren von Grund auf mit weltlichen Gelüsten verschmutzt, während romantische Dichter wie Sung Yü und Sï-ma Hsiang-ju nur Erdichtetes schrieben. Denken Sie einen Moment nach: Wie kann ein verführtes Wesen, das der Welt anhänglich geworden ist, darauf hoffen, ‚nicht in einfachen Verhältnissen zu sterben‘, wie Sie es sagen?“
 
Wie er den Worten des Einsiedlers lauschte, strich sich Djia Yü-tsun meditativ über den Bart und seufzte tief.
 
„Darf ich fragen, Herr,“ brachte er hervor, „ob die Häuser Ning und Jung jemals wieder die Höhen ihres früheren Wohlstandes erreichen werden?“ –
 
„Es ist vorherbestimmt, daß Wohlstand mit der Tugend kommt und Elend mit dem moralischen Verfall“, antwortete Schï-yin. „Im Moment hat die Tugend in den beiden Häusern wieder ihren rechten Weg gefunden, während die moralisch Verwerflichen auf ihre Weise gesühnt haben. In der folgenden Zeit werden Orchidee und Cassia blühen, und das Glück der Familie kehrt zurück. Das ist natürlich und richtig.“
 
Yü-tsun senkte eine Weile nachdenklich seinen Kopf, dann lachte er plötzlich: „Ja! Natürlich! Einer von ihnen wird Lan, Orchidee, genannt, er hat eben sein Examen bestanden. Und bezüglich der Cassia, die ihr erwähntet, das könnte doch mit jenem zusammen hängen, was ihr eben über Bau-yü, das Erreichen seines akademischen Grades und das Hinterlassen seines umfassenden Erbes gesagt hattet? Ist sein posthumer Sohn Guee, Cassia, für den Ruhm bestimmt?“
 
Schï-yin lächelte rätselhaft: „Das wird sich mit der Zeit offenbaren. Es wäre falsch, da bereits Vorhersagen zu treffen.“
 
Yü-tsun hatte immer noch Fragen, doch Schï-yin war nicht mehr bereit, ihm weitere Antworten zu geben. Er trug seinem Jungen auf, den Tisch zu decken, das Essen zu bringen und lud Yü-tsun ein, mit ihnen zu essen. Als sie ihr Mahl beendet hatten, war Yü-tsun immer noch neugierig, dieses Mal wollte er um die Geheimnisse seiner eigenen Zukunft wissen. Doch sein Glück war bereits aufgebraucht.
 
„Bleiben Sie eine Weile, Herr“, sagte Schï-yin, „in meiner bescheidenen Unterkunft. Ich habe immer noch eine Pflicht zu erfüllen, und heute ist der Tag ihrer Vollendung.“
 
Yü-tsun war sichtlich überrascht: „In Anbetracht des weitläufigen spirituellen Zustandes, den Sie erreicht haben, kann ich mir nicht vorstellen, wie viel Karma euch noch für eine Anwendung geblieben ist?“ –
 
„Es betrifft die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau.
 
Das erstaunte Yü-tsun sogar noch mehr. „Bitte erklärt mir das, Herr.“
 
„Es gibt etwas, worin Sie vollständig unwissend sind, mein verehrter Freund“, antwortete Schï-yin. „Meine Tochter Ying-Liän wurde, wie Sie wissen, entführt, als sie noch ein kleines Mädchen war. Ihr selbst fälltet in diesem Fall das Urteil, als ihr zum ersten Mal das Amt inne hattet. Jetzt ist sie mit einem gewissen Herrn Hsüä verheiratet und wird ihm bald ein Kind ge­bähren. Dabei wird sie jedoch sterben. Sie wird einen Sohn zurücklassen, der die Traditionen der Hsüä Familie weiterführt. Jetzt ist der Moment, in dem ihre weltliche Existenz sich dem Ende neigt, und ich muß da sein, um ihren Geist zu empfangen.“
 
Mit einem Schütteln seines Ärmels war Schï-yin verschwunden. Yü-tsun begann, sich müde zu fühlen und war schon bald in der kleinen Hütte an der Fähren-Anlegestelle eingeschlafen.
 
Schï-yin empfing nun Hsiang-lings Seele an der Schwelle des Todes, und führte sie in das Land der Vorspiegelungen, wo sie der Entzauberung der Feen übergeben wurde, und man ihren Namen in das Register eintrug. Als er das große Eingangstor passierte, sah er den Mönch und den Dauisten ihm entgegenschweben. Er näherte sich ihnen und sagte: „Buddhistischer und dauistischer Meister! Meine Glückwünsche! Ist das Liebes-Karma erfüllt? Sind alle betroffenen Seelen ordnungsgemäß zurückgekehrt und in das Register eingetragen worden?“ –
 
„Das Karma ist noch nicht ganz vollständig“, antworteten sie, „doch dieser sinnlose Klotz ist bereits zurückgekehrt. Alles, was noch zu tun bleibt, ist ihn an seinen ursprünglichen Ort zurückzubringen und die Fortsetzung seiner Geschichte aufzuzeichnen. Dann ist dieser kleine Ausflug auf die Erde nicht umsonst gewesen.“
 
Schï-yin klatschte vor Begeisterung mit den Händen und brach auf. Der Mönch und der Dauist setzten ihren Weg, den Jade tragend, fort, bis sie schließlich am Fuß des Grünen Berges angelangten und dort, genau an der Stelle, wo Nü-wa einst den bei der Wiederherstellung des Himmelsdaches übriggebliebenen Stein liegengelassen hatte , legten sie behutsam ihre Last ab und jeder ging seines Weges.
 
Ein überirdisches Buch erzählt eine überirdische Geschichte, wie Mann und Stein wieder zu einem Ganzen werden.
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889b.
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Dufthauch schlug die Augen auf, erkannte, dass es ein Traum gewesen war, und erzählte niemandem davon. Nachdem sie die Medizin genommen hatte, dachte sie bei sich nach: „Schatzjade ist gewiss dem Mönch gefolgt. Neulich, als er den Jade-Stein hinausbringen wollte, war es schon so, als wolle er sich losmachen. Ich hielt ihn fest, doch er war nicht wie sonst — er stieß und schubste mich wild, ohne das geringste Gefühl. Später behandelte er auch die Zweite junge Frau mit zunehmendem Widerwillen, und auch vor den anderen Schwestern zeigte er keinerlei Empfindung mehr: Das ist das Zeichen, dass er zur Erleuchtung gelangt ist. Doch wenn du zur Erleuchtung gelangt bist — wie kannst du die Zweite junge Frau im Stich lassen? Ich wurde von der gnädigen Dame bestellt, um dir zu dienen. Zwar bekomme ich das Monatsgeld einer höhergestellten Dienerin, doch vor dem Herrn und der gnädigen Dame bin ich nie förmlich als deine Nebenfrau angemeldet worden. Wenn der Herr und die gnädige Dame mich fortschicken, und ich halte stur an meinem Platz fest, würde man mich auslachen. Wenn ich aber gehe — dann denke ich an die Zuneigung, die Schatzjade mir erwiesen hat, und kann es einfach nicht über mich bringen." Sie überlegte hin und her und fand sich in tausendfacher Bedrängnis. Da dachte sie an den Traum von eben: „Er sagt, ich sei eine Frau, die einem anderen gehört — dann wäre es doch besser, einfach zu sterben!"
Eines Tages ging der Dauist Kung-kung wieder am Fuß des Grünen Berges vorbei und sah den Stein ‚der für untauglich befunden worden war, den Himmel instandzusetzen’, immer noch dort liegen, mit derselben Inschrift wie zuvor. Er las die Inschrift wieder sorgfältig durch und bemerkte, daß ein völlig neuer Abschnitt hinzugefügt worden war, wie das Schicksal endete. Er nickte, seufzte und sagte: „Als ich das erste Mal diese merkwürdige Geschichte über Bruder Stein las, hielt ich sie für wert, sie in einer Novelle zu veröffentlichen, und schrieb sie mit dieser Absicht ab. Doch zu dieser Zeit war sie unvollendet. Der innere Kreis war noch nicht geschlossen. In der früheren Version führte nichts auf den Ursprung des Steines zurück. Ich frage mich, wann diese bewundernswerte Ergänzung hinzugefügt worden sein kann? Durch sie kann der Leser  erfahren,  daß die Lebenserfahrungen des ‚Bruders Stein‘ seine spirituelle Wahrnehmung  nur geschärft haben  und  ihn nun zu einem vollständigeren Bewußtsein des Dau führten. Am Ende hatte er keinen Grund zur Reue oder zum Bedauern. Doch mit den Jahren können die Buchstaben dieser neueren Version der Inschrift unlesbar werden. Ich schreibe es besser noch einmal in seiner vollständigen Form ab und finde jemanden in dieser Welt mit der Muße, sie zu empfangen, damit sie veröffentlicht werden möge und die Botschaft überbracht wird, daß die Dinge nicht immer das sind, was sie scheinen, daß das Ungewöhnliche und das Gewöhnliche, Wahrheit und Dichtung, alle miteinander verwandt sind. Vielleicht werden junge Menschen, die vom Lebenstraum betört sind, in dieser Geschichte ein Echo finden und in ihr wahres Heim zurückgeführt werden. Während den freien Geistern der hohen Berge in dem Bericht über Bruder Steins Umwandlung, wie in der älteren Geschichte von der Wanderung des Magischen Berges, ein Licht über ihr eigenes Streben aufgehen mag.“
 
So schrieb Kung-kung alles nieder, verstaute diese neue Version in sei­nem Ärmel und nahm sie mit in die wohlhabende, prunkvolle Menschen­welt, um einen geeigneten Mann für die Aufgabe ihrer Veröffentlichung zu suchen. Doch alle Männer, denen er begegnete, waren entweder zu sehr mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt oder sie hatten zu sehr mit ihrem täglichen Überleben zu kämpfen, sodaß sie weder die Muße noch die Lust hatten, über einen Stein zu plaudern. Dann gelangte Kung-kung schließlich zu der kleinen Hütte an der Fähren-Anlegestelle; dort sah er einen schlafenden Mann, den er für einen Müßiggänger hielt, und beschloß, ihm die Geschichte des Steines zum Lesen zu geben. Doch obwohl er ihn mehrere Male anrief, konnte er ihn nicht aufwecken. Endlich hob er ihn hoch und schüttelte ihn, worauf der Mann seine Augen öffnete. Er überflog das Buch und legte es ab mit den Worten: „Ich habe das alles mit eigenen Augen gesehen. Soweit ich sehe, enthält Ihr Bericht keine Fehler. Gestattet mir, Ihnen von einem Mann zu erzählen, der die Geschichte für Sie in diese Welt tragen kann und dadurch diese seltsame Angelegenheit zu einem ordentlichen Abschluß bringen kann.“ –
 
„Wen meint ihr?“, fragte Kung-kung ungeduldig.
 
„Sie müssen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eines bestimmten Tages eines bestimmten Monats eines bestimmten Jahres warten. In dieser Stunde müßt Ihr ein bestimmtes Gebäude, das der Erinnerung an die Rote Kammer gewidmet ist, betreten, wo ihr einen gewissen Herrn Tsau Hsüä-tjin antreffen werdet. Sagt ihm nur: „Djia Yü-tsun sagt...“ und bittet ihn dieses und jenes zu tun!
 
Yü-tsun schlief wieder ein, und Kung-kung notierte sich sorgfältig seine Aufgaben. Irgendwann, nach einer unzähligen Menge an Generationen, einer Unendlichkeit an Äonen, gab es wirklich das genannte Gebäude und darin einen Herr Tsau Hsüä-tjin, der die Geschichten vergangener Tage verfolgte. Kung-kung tat, wie ihm aufgetragen wurde. Er wiederholte Yü-tsuns Worte und gab ihm die Geschichte des Steines zu lesen. Dieser Herr Tsau lächelte und sagte: „Wirklich eine rohe Erzählung (Djia Yü Tsun Yän)!“ –
 
„Wie kommt es, daß Sie den Mann kennen, Herr? Kann ich daraus folgern, daß Sie bereit sind, diese Geschichte für ihn zu übermitteln?“ –
 
„Sie werden treffenderweise Kung-kung genannt“, bemerkte Tsau lächelnd. „Sie haben nichts im Magen, nur eine Leere. Das sind vielleicht rauhe Worte, doch sie enthalten keine sinnlosen Fehler oder unsinnige Passagen. Es wäre eine große Freude, dies mit ein paar gleichgesinnten Freunden zu teilen, bei einem Wein nach dem Essen oder um die Einsamkeit eines regnerischen Abends zu vertreiben. Es bedarf keiner wichtigtuerischen Person, die es lobt oder veröffentlicht. So, wie Sie starr in Fakten herumstöbern, ähneln Sie einem Mann, der sein Schwert im Wassser verloren hat und glaubt, es wiederzufinden, indem er eine Seite seines Bootes markiert. Ihr gleicht einem Mann, der eine Zither spielt, bei der die Stimmschrauben festgeklebt sind.“
 
Kung-kung erhob sein Haupt und brach in schallendes Gelächter aus, ließ das Manuskript zu Boden fallen und ging forsch seines Weges. Beim Gehen sagte er zu sich: ‚Also war alles reiner Unsinn! Autor, Kopist und Leser spielen in der Welt keine Rolle. Es ist alles nur zum Spaß, ein Spiel, Zerstreuung!‘
 
Ein späterer Leser des Manuskriptes fügte ein vierzeiliges Gätha hinzu, um das ursprüngliche Nachwort des Autors zu erweitern:
 
„Wenn der Kummer um die nutzlosen Worte der Erdichtung
 
wirklicher als das wahre Leben erscheinen,
 
bedenke, daß das Leben selbst nur ein Traum ist.
 
Und belächle nicht die Tränen des Lesers.“
 
  
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Doch wer hätte gedacht, dass nach dem Einnehmen der Medizin der Herzschmerz beträchtlich nachließ? So konnte sie nicht einfach liegenbleiben und hielt sich mit Mühe aufrecht. Nach einigen Tagen stand sie auf und bediente Schatzspange. Schatzspange dachte an Schatzjade, vergoss heimlich Tränen und beklagte im Stillen ihr bitteres Schicksal. Zudem wusste sie, dass ihre Mutter damit beschäftigt war, den Bruder freizukaufen, was große Umstände erforderte, bei denen sie helfen musste. Davon sei vorerst nicht die Rede.
  
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Unterdessen geleitete Aufrecht Kaufmann<ref>Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann". Schatzjades Vater.</ref> den Sarg der alten Fürstin, während Rong Kaufmann<ref>Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng. Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.</ref> die Särge von Frau Qin, Phönixglanz und Mandarinenente<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Kammerzofe der Herzoginmutter.</ref> mitführte. Als sie in Jinling angekommen waren, bestatteten sie diese zuerst. Rong Kaufmann brachte auch die sterblichen Überreste von Kajaljade zur Bestattung. Aufrecht Kaufmann kümmerte sich um die Grabstätten. Eines Tages erhielt er einen Familienbrief; Zeile für Zeile las er, dass Schatzjade und Orchidee Kaufmann<ref>Chin. 贾兰 Jiǎ Lán, wörtl. „Orchidee Kaufmann". Enkel von Aufrecht Kaufmann, Sohn von Seidenweiß Pflaume.</ref> die Prüfung bestanden hatten — er freute sich von Herzen. Doch als er las, dass Schatzjade verschwunden war, bedrückte es ihn wieder; er konnte nichts anderes tun, als eilig die Heimreise anzutreten. Unterwegs vernahm er, dass es einen kaiserlichen Gnadenerlass gegeben habe; dann kam ein weiterer Familienbrief, der bestätigte, dass die Strafen erlassen und die Ämter wiederhergestellt waren. Erst recht froh, reiste er Tag und Nacht.
  
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Eines Tages gelangte er in die Gegend der Poststation Piling. An jenem Tag war es plötzlich kalt geworden und schneite; er legte an einer stillen Stelle an. Aufrecht Kaufmann schickte alle Bediensteten an Land, um Bekannten Karten abzugeben und ihnen seine Aufwartung abzusagen, mit der Bemerkung, das Schiff werde sofort ablegen und er wage sie nicht zu behelligen. Auf dem Schiff blieb nur ein kleiner Bursche zur Bedienung. Er selbst saß in der Kajüte und schrieb den Familienbrief, um einen Boten am frühen Morgen heimzuschicken. Als er an die Stelle kam, wo er über Schatzjades Angelegenheiten schreiben musste, hielt er inne. Er blickte auf und sah plötzlich am Bug des Schiffes in einem leichten Schneeschimmer eine Gestalt — kahlgeschorenen Hauptes, barfuß, in einen großen, scharlachroten Filzumhang gehüllt — , die sich vor Aufrecht Kaufmann zu Boden warf. Aufrecht Kaufmann hatte die Person noch nicht recht erkannt und eilte aus der Kajüte, um sie aufzufangen und zu fragen, wer sie sei. Doch jener hatte sich bereits viermal tief verneigt, stand auf und legte die Hände zum buddhistischen Gruß zusammen. Aufrecht Kaufmann wollte eben den Gruß erwidern, als er der Gestalt ins Gesicht blickte — es war kein anderer als Schatzjade. Aufrecht Kaufmann erschrak heftig und fragte hastig: „Bist du Schatzjade?" Doch jener sprach kein Wort, sein Antlitz schien froh und traurig zugleich. Aufrecht Kaufmann fragte weiter: „Wenn du Schatzjade bist, warum bist du so gekleidet und an diesen Ort gekommen?" Noch ehe Schatzjade antworten konnte, kamen am Bug zwei Gestalten herbei — ein Mönch und ein Daoist — , die Schatzjade zwischen sich nahmen und riefen: „Die irdische Bestimmung ist erfüllt, warum gehst du nicht eilig?" Und schon waren die drei wie auf Wolken ans Ufer gestiegen und entschwanden. Aufrecht Kaufmann achtete nicht auf den glatten Boden und eilte ihnen nach, doch so sehr er auch lief, er konnte die drei vor sich nicht einholen. Da hörte er, wie einer der drei ein Lied anstimmte:
  
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Wo ich wohne — auf dem Gipfel des Blauen Felsgrats,
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Wo ich wandle — durch den uferlosen Ur-Äther.
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Wer geht mit mir — und wem folge ich?
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Unfassbar fern — kehre ich heim in die Große Wildnis.
  
– Ende –
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Aufrecht Kaufmann hörte dem Gesang zu und lief zugleich hinterher. Doch als er um einen kleinen Hügel bog, waren sie plötzlich verschwunden. Aufrecht Kaufmann war außer Atem und keuchte, voller Verwunderung und Bestürzung. Als er sich umwandte, sah er, dass sein kleiner Bursche ihm nachgelaufen war. Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du eben die drei Gestalten gesehen?" Der Bursche sagte: „Ich habe sie gesehen. Weil der Herr ihnen nachlief, bin ich auch gerannt. Aber dann sah ich nur noch den Herrn, die drei waren verschwunden." Aufrecht Kaufmann wollte noch weitergehen, doch er sah nur eine weite, weiß verschneite Ebene, weit und breit kein Mensch. Aufrecht Kaufmann erkannte, dass hier etwas Übernatürliches geschehen war, und kehrte zum Schiff zurück.
Anhang: Historische Vorworte0
 
  
Vorwort zur ersten Cheng-Gao Ausgabe
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Als die Bediensteten zum Schiff zurückkehrten und Aufrecht Kaufmann nicht in der Kajüte fanden, fragten sie den Fährmann. Der sagte, der Herr sei an Land gelaufen, um zwei Mönche und einen Daoisten zu verfolgen. Die Leute folgten seinen Spuren im Schnee und sahen ihn von Ferne kommen; sie gingen ihm entgegen, und gemeinsam kehrten sie zum Schiff zurück.
Eine Einleitung von Cheng Weiyuan
 
  
Der Roman Hongloumeng (Der Traum im roten Gemach)0 war ursprünglich mit Shitou ji (Die Geschichte des Steins) betitelt. Es gibt dabei einige Unstimmigkeiten bezüglich der Autorschaft, und man weiß nicht mehr, wer es geschrieben hat. Wir haben nur das Bekenntnis im Roman selbst, daß Herr Cao Xueqin daran gearbeitet hat und den Roman einige Male umgeschrieben hat.
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Aufrecht Kaufmann setzte sich, und als er wieder zu Atem gekommen war, erzählte er, wie er Schatzjade gesehen hatte. Die Leute baten um Erlaubnis, ihn an diesem Ort zu suchen. Aufrecht Kaufmann seufzte: „Ihr wisst es nicht. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, es war kein Gespenst und kein Geist. Zudem hatte der Gesang, den ich hörte, einen tief geheimnisvollen Sinn. Dass Schatzjade bei seiner Geburt einen Jade-Stein im Mund trug, war ja schon wunderlich; ich wusste früh, dass dies kein gutes Vorzeichen war. Doch weil die alte Fürstin ihn so liebte, wurde er bis heute aufgezogen. Auch den Mönch und den Daoisten habe ich dreimal gesehen: Das erste Mal kamen der Mönch und der Daoist und sprachen von den Vorzügen des Jade-Steins. Das zweite Mal war, als Schatzjade schwer krank lag — da kamen sie, beteten über dem Jade-Stein, und Schatzjade wurde gesund. Das dritte Mal brachten sie den Jade-Stein zurück, saßen in der Eingangshalle — und als ich mich einmal umdrehte, waren sie verschwunden. Ich wunderte mich zwar, dachte aber, Schatzjade habe wirklich eine besondere Bestimmung und hohe Mönche und Unsterbliche beschützten ihn. Wer hätte gedacht, dass Schatzjade in die Welt herabgestiegen war, um sein Karma zu durchleben, und die alte Fürstin neunzehn Jahre lang in die Irre geführt hat — erst jetzt begreife ich es." Als er dies sagte, liefen ihm die Tränen herab.
Aufgeweckte Leser fertigten eigene Kopien des Buches an, denn diese am regulären Tempelmarkt zu kaufen, kostete ein halbes Vermögen. Es war ein echter Fall von Zirkulation durch „beinlose Bewegung“. Doch die verbreiteten Kopien waren unvollständig, da sie alle aus achtzig Kapiteln bestehen, wohingegen das Original einhundertundzwanzig Kapitel umfaßt. Selbst wenn einige Kopien vorgeben, vollständig zu sein, stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, daß sie nur über achtzig Kapitel verfügen – insgesamt eine frustrierende Erfahrung für den Leser!
 
Sicher, dachte ich bei mir, wenn die Inhaltsübersicht einhundertundzwanzig Kapitel aufführt, muß es irgendwo eine vollständige Version geben: Ich suchte überall, bei antiquarischen Buchsammlern bis hin zu gestapelten Papierabfällen, ich drehte jeden Stein um und habe mehrere Jahre damit zugebracht, diese elenden einhundertzwanzig Kapitel zusammenzusuchen. Dann eines Tages, durch einen glücklichen Zufall, erhielt ich zehn Kapitel von einem Hausierer. Er stimmte zu, sie mir zu einem hohen Preis zu verkaufen. Während ich diese Kapitel durchging, entdeckte ich zu meiner großen Überraschung, daß die darin aufgeführten Episoden weitgehend zu dem Material paßten, das ich bereits gesammelt hatte. Doch die Manuskripte waren völlig durcheinander. Mit der Hilfe eines Freundes bearbeitete ich das Material gründlich, entfernte dabei, was überflüssig erschien, korrigierte Unstimmigkeiten und schrieb alles noch einmal für die Veröffentlichung ins Reine.
 
Dies ist das erste Mal, daß der Hongloumeng vollständig veröffentlicht wird. Da er nun fertig ist, habe ich diesen Bericht hinzugefügt, um die Leser darüber zu informieren, unter welchen Umständen und mit welchem Glück der Roman zustande gekommen ist. Alle, die meine Liebe zu diesem Buch teilen, werden es bestimmt neugierig und ohne zu zögern lesen!
 
  
Cheng Weiyuan (Kleiner Frühling)
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Die Leute sagten: „Wenn der Zweite Herr wirklich ein herabgestiegener Mönch war, hätte er doch nicht die Prüfung bestehen sollen — warum ist er erst gegangen, nachdem er bestanden hatte?" Aufrecht Kaufmann antwortete: „Das könnt ihr nicht verstehen. Im Allgemeinen — seien es Gestirne des Himmels, alte Mönche in den Bergen oder Geister in den Höhlen — sie alle besitzen ein eigenes Wesen. Schatzjade hat doch nie gern studiert, nicht wahr? Doch wenn er sich auch nur ein wenig anstrengte, gelang ihm alles. Sein ganzes Temperament war eben von Grund auf anders." Dabei seufzte er noch einige Male. Die Bediensteten versuchten ihn zu trösten, indem sie von Orchidees Prüfungserfolg und der Wiederherstellung des Hauses sprachen. Aufrecht Kaufmann setzte den Familienbrief fort, schrieb diese Begebenheit hinein und ermahnte die ganze Familie, man möge sich nicht weiter grämen. Als er fertiggeschrieben und versiegelt hatte, schickte er einen Bediensteten damit heim. Aufrecht Kaufmann folgte bald nach. Davon sei vorerst nicht die Rede.
[1791]
 
Vorwort von Gao E
 
  
Es ist mehr als zwanzig Jahre her, als ich das erste Mal vom Roman Hongloumeng hörte und von der großen Faszination, die dieser auf seine Leser ausübt und das trotz seines fragmentarischen Charakters. Ich war wirklich froh, als ich von einem Freund eine Kopie des vollständigen Originals erhielt. Ihn vollständig zu lesen war eine überaus spannende Erfahrung.
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Unterdessen erhielt Tante Schnee den Brief über die Begnadigung und befahl Xue Ke, überall Geld zu leihen. Sie sammelte auch eigene Mittel und brachte zusammen mit dem Geliehenen die Freikaufsumme auf. Das Strafministerium genehmigte den Antrag, nahm das Silber entgegen, und mit einem einzigen Aktenstück wurde Becken Schnee freigelassen. Wie Mutter und Sohn, Schwestern und Brüder sich wiedersahen, braucht nicht im Einzelnen erzählt zu werden — natürlich war es eine Mischung aus Trauer und Freude. Becken Schnee leistete aus eigenem Antrieb einen Schwur: „Wenn ich je wieder in die alten Fehler verfalle, soll man mich hinrichten und zerstückeln!" Tante Schnee hielt ihm den Mund zu und sagte: „Wenn du nur fest entschlossen bist — musst du dann auch noch solch blutige, grässliche Schwüre ablegen? Bedenke, wie viel Duftkastanie<ref>Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftkastanie". Konkubine von Becken Schnee.</ref> deinetwegen gelitten hat! Deine Frau hat sich ja selbst zugrunde gerichtet. Auch wenn wir jetzt arm sind, haben wir noch genug zu essen. Nach meiner Meinung sollten wir Duftkastanie als deine Hauptfrau betrachten. Was meinst du?" Becken Schnee nickte einverstanden. Auch Schatzspange und die anderen sagten: „So gehört es sich." Duftkastanie wurde darüber so verlegen, dass ihr das Blut ins Gesicht stieg, und sagte: „Ich diene dem Herrn ganz wie zuvor, wozu diese Umstände?" Die Leute begannen sie „Gnädige Frau" zu nennen, und niemand widersprach.
Im Frühling diesen Jahres besuchte mich mein Freund Cheng Weiyuan und zeigte mir den vollständigen Text, den er besorgt hatte. „Dies“, sagte er, „ist die Frucht meiner Arbeit von vielen Jahren. Stück für Stück habe ich es zusammengesetzt, im Hinblick darauf, es für seine Liebhaber zu veröffentlichen. Da Du zur Zeit ziemlich am Ende bist und Unterstützung brauchst, möchtest Du nicht in dieses Projekt einsteigen und zusammen mit mir das Manuskript für den Druck vorbereiten?“
 
Obwohl es nur ein Roman war, enthielt er nichts, was den Lehren des Konfuzius zuwiderlief, ich nahm sein Angebot also gerne an und machte mich mit dem sprichwörtlichen Fleiß des persischen Sklaven, der eine Perle sah, an die Arbeit. Da nun die Arbeit vollbracht ist, habe ich diese Umstände zur Information für den Leser aufgeschrieben.
 
Geschrieben mit meiner Hand in diesem Jahr Xinhai der Herrschaftsperiode Qianlong, am fünften Tag nach der Wintersonnenwende [27. Dezember 1791].
 
Gao E (Orchideenhäuschen) von Tieling
 
Zusätzliches Vorwort der späteren [2.] Cheng-Gao-Ausgabe
 
  
1. Sammler haben beinahe über dreißig Jahre lang eigene Abschriften der er­sten achtzig Kapitel dieses Buches angefertigt. Wir haben nun die letzten vierzig Kapitel erworben und können sie mit dem Rest zu einem Ganzen zusammenfügen. Da einige Freunde es sich zur Abschrift ausleihen wollten und viele andere neugierig waren, es zu sehen, war es schwer, die Zeit zu finden, es ordentlich für den ersten Druck vorzubereiten. In Anbetracht der vielen Zeit, die das Einkerben in den Holzblock benötigte, entschlossen wir uns, zuerst eine Edition mit beweglichen Lettern anzufertigen. In unserer Eile, dieses Buch anderen Lesern vorzustellen, gelang es uns nicht, es mit größter Sorgfalt auszubessern und auf Fehler durchzulesen, und daher sind noch viele Fehler enthalten. Wir haben nun sämtliche Originaltexte zusammengelegt und eine ausführliche Überarbeitung vorgenommen, was einen deutlich verbesserten Text zur Folge hat und wodurch viele Fehler behoben werden konnten. Wir hoffen, unsere vorherige Nachlässigkeit wird von den Lesern mit Nachsicht behandelt.
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Becken Schnee wollte zum Haus Kaufmann gehen, um sich zu bedanken. Tante Schnee und Schatzspange kamen alle herüber. Man sah sich wieder, und es wurde dies und jenes besprochen. Gerade als sie so sprachen, kam zufällig an jenem Tag der Bote mit Aufrecht Kaufmanns Familienbrief nach Hause. Er überreichte den Brief und sagte: „Der Herr wird in wenigen Tagen eintreffen." Frau König bat Orchidee Kaufmann, den Brief vorzulesen. Als Orchidee Kaufmann an die Stelle kam, wo Aufrecht Kaufmann erzählte, wie er Schatzjade leibhaftig gesehen hatte, brachen alle in Tränen aus — Frau König, Schatzspange und Dufthauch am meisten.
2. Die Abschriften der ersten achtzig Kapitel unterscheiden sich von Kopie zu Kopie. Wir haben eine große Anzahl dieser Abschriften zusammengetragen und anhand unseres Urteilsvermögens und Menschenverstandes bestehende Lücken gefüllt und Fehler korrigiert. Wo Wörter hinzugefügt oder entfernt worden sind, sollte dies einem flüssigeren Lesen dienen und kein überhebliches Verlangen darstellen, das Original verbessern zu wollen.
 
3. Weil der Roman über mehrere Jahre „inoffiziell“ überliefert worden ist, enthalten die Kopien, die auf den Markt gekommen sind, und jene, die im Besitz eines privaten Sammlers sind, einige Abweichungen. Zum Beispiel ist Kapitel 67 in mehreren Versionen vorhanden, und fehlt in manchen Versionen. Auch wenn seine Kapitelüberschrift die gleiche ist, kann der Inhalt bei verschiedenen Kopien abweichen. In solchen Fällen ist es unmöglich, eine Vorlage als absolut authentisch gelten zu lassen. Als wir unseren Text erarbeiteten, folgten wir dem, was uns bei der Lektüre am plausibelsten erschien.
 
4. Die letzten vierzig Kapitel wurden über mehrere Jahre zusammengetragen und wie ein Fuchsfell zusammengeflickt. Es gab keine anderen Texte, auf die man sich hätte beziehen können. Unser wesentliches Anliegen war, den Text der Reihenfolge der Handlungsabläufe anzugleichen und somit eine innere Kontinuität und Beständigkeit zu erreichen. Wir haben es nicht gewagt, eigenmächtige Änderungen vorzunehmen, da wir immer noch hoffen, daß wir einen besseren Text finden und in der Lage sind, eine bessere Ausgabe liefern zu können. Wir wollten das Original nicht mit unseren eigenen Ideen ruinieren.
 
5. Der Scharfsinn und die Originalität dieses Buches wurden lange von Schriftgelehrten untersucht und kommentiert. Während der Vorbereitung für die Veröffentlichung konnten jedoch wegen der enormen Textmasse und des intensiven Arbeitsaufwandes, der damit verbunden war, die kritischen Anmerkungen nicht übernommen werden. Allerdings vermag der Leser selbst die brillant ironischen Kontraststellen des Geschriebenen oder das Wechselspiel zwischen Offenem und Verborgenem bewerten.
 
6. Vorworte oder Widmungen für Romane werden eigentlich von berühmten Schriftstellern verfasst. Wir leiten hier nicht in den Roman ein, sondern schreiben nur ein paar kurze einleitende Worte, weil der Roman so viele Jahre unvollständig war und plötzlich zu einem Ganzen geworden ist. Das wird viele sehr freuen und wir sind froh, unsere Namen damit bekannt zu machen und unser Glück zu feiern, dieses Buch vervollständigt zu haben.
 
Unser eigentliches Motiv für den Druck dieses Buches war es, nachfolgenden Lesern dasselbe Lektürevergnügen zu bereiten. Es gab später eine so große Anfrage von Buchhandlungen, daß wir einen verbindlichen Ladenpreis festgesetzt haben, um die Druckkosten zu decken und eine größere Verbreitung zu ermöglichen. Wir wollen diesen Schatz gewiß niemandem vorenthalten!
 
Cheng Weiyuan (Kleiner Frühling)
 
Gao E (Orchideenhäuschen)
 
Der Tag nach dem Blumenmorgen, im Jahre Renzi [4. März 1792]
 
Anhang: Namen- und Ortsverzeichnis mit erster Nennung (Auswahl)
 
  
Name
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Dann legte man Aufrecht Kaufmanns Worte aus, wonach die Familie nicht traurig sein solle, da Schatzjade sich nur einen sterblichen Leib geliehen habe: „Anstatt ein Beamter zu werden und womöglich in Ungnade zu fallen, Vergehen zu begehen und Haus und Vermögen zu ruinieren — was dann schlimm wäre — , ist es besser, dass unsere Familie einen Buddha hervorgebracht hat. Das zeugt von den Verdiensten des Herrn und der gnädigen Dame, und deshalb wurde er in unserer Familie geboren. Ohne Respektlosigkeit gesagt — im Ostpalast hatte der alte Herr sich auch über ein Jahrzehnt lang in Askese geübt, ohne ein Unsterblicher zu werden; ein Buddha zu werden ist noch viel schwieriger. Wenn die gnädige Dame es so betrachtet, wird ihr Herz leichter." Frau König weinte und sagte zu Tante Schnee: „Dass Schatzjade mich verlassen hat, darüber zürne ich ihm sogar. Was mich betrübt, ist das bittere Schicksal meiner Schwiegertochter — kaum ein, zwei Jahre verheiratet, und er reißt sich mit hartem Herzen los und lässt alles liegen!" Als Tante Schnee dies hörte, war auch sie tief betrübt. Schatzspange weinte, bis sie aller Sinne beraubt war.
Kap.
 
Zeichen
 
Pinyin
 
Erläuterung
 
  
Ban-
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Die Herren waren alle draußen, und Frau König sagte: „Mein Leben lang habe ich seinetwegen Angst ausgestanden. Kaum hatte er geheiratet, die Prüfung bestanden, und man wusste, dass die Schwiegertochter guter Hoffnung war — da begann ich mich etwas zu freuen — , und nun dieses Ende! Hätte ich das gewusst, hätten wir ihn gar nicht verheiraten und das Mädchen einer anderen Familie ins Unglück stürzen sollen." Tante Schnee sagte: „Das war von Anfang an so bestimmt. Bei einer Familie wie der unseren — was gibt es da noch zu sagen? Zum Glück ist ein Kind unterwegs; wenn ein Enkel geboren wird, wird der gewiss seinen Weg machen, und dann gibt es ein gutes Ende. Schauen Sie die Älteste junge Frau an: Jetzt hat Orchidee die Prüfung bestanden, nächstes Jahr wird er den Jinshi-Grad erlangen und dann ein Amt bekleiden! All das Leid, das sie früher erduldet hat, das ist nun vorüber, und das Süße, das jetzt kommt, ist der Lohn für ihre Tugendhaftigkeit. Was das Herz unserer Tochter betrifft — das kennt die Schwester doch: Sie ist kein kaltherziger oder leichtfertiger Mensch. Die Schwester braucht sich wirklich keine Sorgen zu machen."
24
 
伴鹤 Banhe
 
Sklavenjunge/junger Dienstbote
 
  
Bau-tschan
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Frau König fand Tante Schnees Worte höchst vernünftig und dachte bei sich: „Schatzspange war schon als Kind von ruhigem Gemüt und genügsamer Art, liebte die Schlichtheit — deshalb ist ihr dies widerfahren. Das Menschenleben hat wohl wirklich eine feste Bestimmung. Wenn ich sehe, wie Schatzspange zwar bitterlich weint, aber ihre würdevolle Haltung keinen Augenblick verliert, und mich sogar noch tröstet — das ist wahrhaft selten. Wer hätte gedacht, dass Schatzjade, so ein Mensch, in der irdischen Welt auch nicht das geringste Glück genießen durfte." Nachdem sie eine Weile nachgedacht hatte, fühlte sie sich etwas erleichtert. Dann dachte sie an Dufthauch: „Bei den anderen Mädchen ist die Sache nicht schwer: Die Älteren verheiratet man, die Jüngeren dienen der Zweiten jungen Frau — das ist alles. Nur mit Dufthauch — was soll man da machen?" Da zu viele Leute anwesend waren, konnte sie es jetzt nicht besprechen; sie wollte es am Abend mit Tante Schnee beraten.
80
 
宝蟾 Baochan
 
Dienstmagd von Djin-guee
 
Moonbeam
 
Bee-mang-schan
 
16
 
北邙山 Beimangshan
 
Berg
 
  
Bee-ming
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An jenem Tag ging Tante Schnee nicht nach Hause, denn sie fürchtete, Schatzspange werde sich die Augen ausweinen, und blieb in Schatzspanges Zimmer, um sie zu trösten. Doch Schatzspange war überaus verständig. Sie dachte hin und her: „Schatzjades Natur war von jeher ungewöhnlich; eine Bestimmung aus einem früheren Leben hat ihr festes Maß — da gibt es weder Grund, den Himmel anzuklagen noch anderen Vorwürfe zu machen." Sodann erklärte sie ihrer Mutter die Zusammenhänge mit großer Einsicht.
24
 
焙茗 Beiming
 
Sklavenjunge/junger Dienstbote
 
Tealeaf
 
Begonienbund
 
37
 
海棠社 Haitangshe
 
  
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Tante Schnee fühlte sich dadurch umgekehrt getröstet und ging zu Frau König. Zuerst berichtete sie Schatzspanges Worte. Frau König nickte seufzend: „Wenn ich sagen würde, ich hätte keine Verdienste, dann hätte ich eine so gute Schwiegertochter nicht verdient." Bei diesen Worten wurde sie wieder traurig. Tante Schnee tröstete sie abermals eine Weile und brachte dann die Sprache auf Dufthauch: „Ich sehe, Dufthauch ist in letzter Zeit furchtbar abgemagert; sie denkt nur an Schatzjade. Nun, eine Hauptfrau — die sollte dem Mann die Treue halten, das versteht sich. Und eine Nebenfrau, die dies tun will, auch das kommt vor. Aber Dufthauch — obwohl sie dem Rang nach als Nebenfrau gilt — ist vor dem Herrn und der gnädigen Dame doch nie förmlich als solche eingetragen worden." Frau König sagte: „Eben daran habe ich gerade gedacht, und ich wollte es mit der Schwester besprechen. Wenn wir sie fortschicken, fürchte ich, wird sie sich nicht fügen und sich etwas antun. Wenn wir sie behalten — nun, das wäre auch eine Möglichkeit — , aber ich fürchte, der Herr wird es nicht billigen. Daher die Schwierigkeit." Tante Schnee sagte: „Der Schwager wird es gewiss nicht dulden, dass sie als Treuhaltende bleibt. Und der Schwager weiß von Dufthauchs Stellung nichts Näheres; er hält sie einfach für ein Dienstmädchen — und ein Dienstmädchen zu behalten, das gibt es doch gar nicht. Man muss nur ihre Verwandten kommen lassen und ihnen streng auftragen, eine ordentliche Partie für sie zu finden. Und dann sollte man sie reichlich ausstatten. Das Mädchen hat ein gutes Herz und ist noch jung — es wäre nicht umsonst, dass sie der Schwester so lange gedient hat, und die Schwester hätte sie wahrlich nicht schlecht behandelt. Was Dufthauchs Einverständnis betrifft, muss ich ihr noch in Ruhe zureden. Auch wenn man ihre Angehörigen kommen lässt, braucht man es ihr nicht gleich zu sagen; man wartet, bis ihre Familie tatsächlich eine gute Partie gefunden hat, wir erkundigen uns noch einmal — und wenn die Familie wirklich zu essen und zu trinken hat und der Bräutigam ordentlich aussieht — , dann erst lässt man sie gehen." Frau König hörte dies und sagte: „Das ist ein sehr guter Plan. Sonst würde der Herr es ganz abrupt regeln, und ich hätte wieder einen Menschen ins Unglück gestürzt."
  
Bergdorf, wo man Bohnenfasern wäscht
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Tante Schnee nickte: „Ganz recht!" Sie redeten noch einige Worte und dann verabschiedete sie sich von Frau König und kehrte in Schatzspanges Zimmer zurück. Als sie sah, dass Dufthauchs Gesicht voller Tränenspuren war, sprach sie ihr tröstend zu und redete ihr eine Weile gut zu. Dufthauch war von Natur ehrlich und keine geschliffene Rednerin; auf jedes Wort von Tante Schnee gab sie eine Antwort, und schließlich sagte sie: „Ich bin eine Dienerin. Dass die Tante mich so achtet und solche Dinge mit mir bespricht — ich habe mich nie getraut, der gnädigen Dame zu widersprechen." Als Tante Schnee dies hörte, dachte sie: „Was für ein sanftes, fügsames Kind!" Und sie mochte sie im Herzen noch mehr. Schatzspange sprach dann noch einmal mit großer Würde über Pflicht und Vernunft, und so fand jede in ihrem Herzen Frieden.
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浣葛山庄 Huangeshanzhuang
 
Bezeichnung für ein Gebäude im Garten des Großen Anblicks, vorheriger Name杏帘在望„Zwischen Aprikosen eine Weinflagge sich zeigt“
 
  
Bi Dschï-an
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Einige Tage später kehrte Aufrecht Kaufmann heim, und alle empfingen ihn. Aufrecht Kaufmann sah, dass Kaufmann Amnestie<ref>Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, wörtl. „Begnadigung Kaufmann". Älterer Bruder von Aufrecht Kaufmann.</ref> und Zhen Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn. Oberhaupt des Stillfriede-Zweigs der Kaufmann-Familie.</ref> bereits zu Hause waren. Brüder, Onkel und Neffen begrüßten sich und erzählten ausführlich, was in der Zwischenzeit geschehen war. Danach empfingen ihn die Damen des Hauses, und man musste unwillkürlich an Schatzjade denken — wieder wurden alle eine Weile traurig. Aufrecht Kaufmann gebot ihnen Einhalt: „Das ist eine feststehende Sache, eine unumstößliche Ordnung! Jetzt muss es so sein: Wir Herren führen draußen die Geschäfte des Hauses, und ihr drinnen helft dabei. Auf keinen Fall darf es so schlampig zugehen wie früher. Was die anderen Zweige der Familie betrifft, so regelt jeder seine eigenen Angelegenheiten, da brauchen wir uns nicht einzumischen. Was unseren eigenen Zweig angeht — innen überlasse ich dir alles; aber alles muss nach Recht und Ordnung geschehen." Frau König teilte ihm mit, dass Schatzspange guter Hoffnung sei, und künftig wolle man die Dienstmädchen alle freilassen. Aufrecht Kaufmann hörte es und nickte wortlos.
98
 
毕知庵Bi Zhian
 
Arzt
 
  
Bi-yüä
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Am nächsten Tag ging Aufrecht Kaufmann in den Palast, um bei den hohen Beamten vorzusprechen. Er sagte: „Ich bin für die kaiserliche Gnade zutiefst dankbar! Da ich aber die Trauerzeit noch nicht abgeschlossen habe — wie soll ich mich gebührend bedanken? Ich bitte die Exzellenzen um Weisung." Die Hofbeamten sagten, sie würden es dem Thron melden und um eine Verfügung bitten. Da war die kaiserliche Gnade überströmend: Der Kaiser befahl sogleich eine Audienz. Aufrecht Kaufmann trat vor und dankte dem Thron. Der Kaiser erteilte noch zahlreiche weitere gnädige Verfügungen und erkundigte sich dann nach Schatzjades Angelegenheit. Aufrecht Kaufmann berichtete wahrheitsgetreu. Der Kaiser staunte und sprach die Verfügung: Schatzjades Aufsätze seien gewiss von klarer Reinheit und Originalität; er müsse wohl ein Eingeweihter sein, der die Dinge durchschaut habe, daher sein Handeln. Hätte er bei Hofe gedient, wäre er zu hohem Amt befördert worden; da er aber den Rang und die Würden der erhabenen Dynastie nicht anzunehmen wage, solle man ihm den daoistischen Ehrentitel „Wahrer Mensch der Wunderbaren Schriften" verleihen. Aufrecht Kaufmann dankte abermals kniefällig und verließ den Palast.
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碧月 Biyue
 
Dienstmagd von Li Wan
 
  
Brokatbestückter Turm
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Zu Hause empfingen ihn Kette Kaufmann<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kette Kaufmann". Phönixglanz' Ehemann.</ref> und Zhen Kaufmann. Aufrecht Kaufmann berichtete ihnen die Worte vom Hof, und alle freuten sich. Zhen Kaufmann meldete darauf: „Der Palast der Ning-Residenz ist vollständig wiederhergerichtet; nach entsprechender Meldung möchte ich zurückziehen. Das Kloster des Smaragdgrüns innerhalb des Gartens soll der Vierten Schwester zum stillen Verweilen überlassen werden." Aufrecht Kaufmann sagte zunächst nichts; erst nach einer längeren Pause erteilte er einige Anweisungen darüber, wie man die kaiserliche Gnade gebührend vergelten solle.
17
 
缀锦阁
 
Östliches Nebengebäude des Gartens des Großen Anblicks
 
  
Dai-schu
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Kette Kaufmann nutzte die Gelegenheit und meldete: „Was Jies Heirat betrifft — der Vater und die gnädige Dame sind beide einverstanden, sie an die Familie Zhou zu verheiraten." Aufrecht Kaufmann hatte am Vorabend auch von Jies ganzer Geschichte erfahren und sagte: „Der Älteste Herr und die Älteste gnädige Dame entscheiden das. Dass das Landleben schlicht ist, macht nichts — Hauptsache, die Familie ist ehrbar und der junge Mann studiert fleißig und kann vorankommen. Die Beamten bei Hof — sind die etwa alle Stadtkinder?" Kette Kaufmann antwortete mit „Ja" und fuhr fort: „Der Vater ist schon bei Jahren und hat zudem eine Neigung zur Schleimkrankheit; er sollte sich einige Jahre der Ruhe gönnen. Alle Angelegenheiten obliegen ohnehin dem Zweiten Onkel als Oberhaupt." Aufrecht Kaufmann sagte: „Wenn du vom Landleben und der stillen Muße sprichst — das ist ganz nach meinem Sinn. Nur habe ich so tiefe kaiserliche Gnade empfangen und sie noch nicht vergolten." Damit ging Aufrecht Kaufmann hinein.
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待书 Daishu
 
Dienstmagd von Tan-tschun
 
  
Djia Bau-yü
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Kette Kaufmann schickte jemanden, um die Alte Liu<ref>Chin. 刘姥姥 Liú Lǎolao, wörtl. „Oma Liu". Einfache Bäuerin und Wohltäterin.</ref> einzuladen, und die Sache wurde besprochen. Die Alte Liu sah Frau König und die anderen und erzählte allerhand, wie man künftig in hohe Ämter aufsteigen, wie sich die Familie wieder erheben und wie die Nachkommen blühen würden.
2
 
贾宝玉Jia Baoyu
 
Jüngster Sohn von Djia Dschëng, mit Jadestein im Mund geboren, „klüger als 100 andere“, Hauptheld (identisch mit dem Pagen Geisterjade und dem Stein aus der Rahmenhandlung)
 
  
Djia Dai-hua
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Gerade als sie so sprachen, meldete ein Dienstmädchen: „Die Frau von Hua Zifang ist hereingekommen, um ihre Aufwartung zu machen." Frau König stellte einige Fragen. Die Frau von Hua Zifang sagte: „Verwandte haben vermittelt: Es ist die Familie Jiang aus dem Süden der Stadt. Sie haben ein Haus, Land und auch einen Laden. Der Bräutigam ist einige Jahre älter, war aber noch nie verheiratet, und vom Aussehen her ist er einer unter hundert." Frau König hörte dies und war einverstanden. Sie sagte: „Geht und richtet es aus. In einigen Tagen kommt wieder herein und holt eure Schwester ab." Frau König ließ auch noch Erkundigungen einziehen; alle sagten, es sei gut. Frau König teilte es Schatzspange mit und lud noch einmal Tante Schnee ein; dann erklärten sie es Dufthauch behutsam.
2
 
贾代化 Jia Daihua
 
Ältester Sohn von Herzog Ning-guo
 
  
Djia Dai-ju
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Dufthauch war untröstlich, wagte aber nicht, sich zu widersetzen. In ihrem Herzen dachte sie an jenes Jahr, als Schatzjade bei ihr zu Hause gewesen war und danach gesagt hatte, er wolle lieber sterben, als dass sie dorthin zurückgehe: „Nun entscheidet die gnädige Dame über meinen Kopf hinweg. Sage ich, ich wolle treubleiben, dann heißt es, ich hätte keine Scham. Gehe ich aber — es ist wahrhaftig nicht mein Herzenswunsch." So weinte sie, bis sie vor Schluchzen nicht mehr sprechen konnte. Doch Tante Schnee und Schatzspange und die anderen redeten ihr dringend zu, und Dufthauch besann sich eines anderen: „Wenn ich hier sterbe, verderbe ich der gnädigen Dame ihren guten Willen. Wenn ich schon sterben will, dann zu Hause." So nahm Dufthauch unter Tränen Abschied von allen. Als die Schwestern sich trennten, war der Schmerz natürlich kaum zu ertragen.
8
 
贾代儒 Djia Dairu
 
Schulleiter
 
  
Djia Dai-schan
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Dufthauch, fest entschlossen zu sterben, stieg in die Sänfte und fuhr heim. Als sie ihren Bruder und ihre Schwägerin sah, weinte sie ebenfalls, konnte aber kein Wort herausbringen. Hua Zifang zeigte ihr alle Brautgeschenke der Familie Jiang und führte sie dann Stück für Stück durch die Aussteuer, die er besorgt hatte: „Dies hat die gnädige Dame geschenkt, jenes wurde angeschafft." Dufthauch konnte erst recht nichts mehr sagen. Nachdem sie zwei Tage dageblieben war, überlegte sie gründlich: „Mein Bruder hat alles richtig gemacht. Wenn ich im Haus meines Bruders sterbe, schade ich ihm doch nur!" Sie dachte tausendfach hin und her, nach links und rechts — es gab keinen Ausweg. Ihr zarter Seidenfaden eines Herzens war beinahe zerrissen, und sie konnte nur noch ausharren.
2
 
贾代善 Jia Daishan
 
Sohn von Jung-guo
 
  
Djia Djing
+
Als der glückverheißende Hochzeitstag gekommen war, stieg Dufthauch — sie war eben nicht die forsche Art — still und ergeben in die Sänfte und fuhr los, im Herzen dachte sie, dort angekommen werde sie einen Entschluss fassen. Doch wer hätte gedacht, dass die Familie Jiang die Sache überaus gewissenhaft betrieb und alles nach den Regeln einer Hauptfrau einrichtete! Kaum war sie durch das Tor getreten, nannten Mägde und Dienerinnen sie „gnädige Frau". Dufthauch wollte nun hier sterben, fürchtete aber, der Familie Schaden zuzufügen und deren aufrichtige Güte zu verraten. In jener Nacht weinte sie und wollte sich nicht fügen, doch der Bräutigam war von solch zärtlicher Fürsorge und solchem Feingefühl, dass er geduldig auf sie einging.
2
 
贾敬 Jia Jing
 
Zweitältester Sohn von Djia Daihua, treibt sich außerhalb der Hauptstadt mit Dauisten herum
 
  
Djia Dschën
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Am nächsten Tag, als die Truhen geöffnet wurden, erblickte der Bräutigam ein scharlachrotes Schweißtuch und erkannte, dass sie eine Dienerin Schatzjades gewesen war. Zuvor hatte er nur gewusst, sie sei eine Kammerfrau der alten Fürstin gewesen, und hätte nie gedacht, dass es Dufthauch war. Nun war dieser Jiang Yuhan, und als er an Schatzjades frühere Freundschaft zu ihm dachte, überkam ihn ein Gefühl von Beschämung und Ehrfurcht. Er wurde noch aufmerksamer um sie. Absichtlich holte er das kiefernblütengrüne Schweißtuch hervor, das Schatzjade einst mit ihm getauscht hatte. Als Dufthauch es sah, erkannte sie, dass dieser Herr Jiang niemand anderer als Jiang Yuhan war, und erst jetzt glaubte sie daran, dass die Ehe vom Schicksal vorherbestimmt war. Dufthauch erzählte daraufhin, was sie auf dem Herzen hatte. Jiang Yuhan seufzte tief und zollte ihr Bewunderung; er wagte nicht, sie zu bedrängen, und wurde nur noch zärtlicher und rücksichtsvoller. So war der armen Dufthauch wahrlich jeder Ausweg zum Sterben genommen.
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贾珍 Jia Zhen
 
Sohn von Djia Djing, hatte keine Lust am Lernen, wird im Lauf der Geschichte Hausvorstand.
 
  
Djia Dschëng
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Verehrter Leser, höre: Obwohl die Dinge vorherbestimmt sind und es kein Entrinnen gibt — doch wenn es um pflichtbewusste Söhne und einsame Staatsdiener geht, um treue Gatten und tugendhafte Frauen, dann kann man sich mit dem Wort „unvermeidlich" nicht in jedem Fall herausreden. Darum steht Dufthauch auch nur im „Ergänzungsregister". Es ist wie in dem alten Gedicht über den Pfirsichblüten-Tempel:
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贾政 Jia Zheng
 
jüngerer Sohn von Djia Dai-schan , von klein auf größte Freude am Lernen, Ministerialsekretär
 
  
Djia Dschu
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Seit Urzeiten ist das Schwerste nur der eine Tod;
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Herzzerreißend war es nicht allein für die Frau von Xi.
贾珠 Jia Zhu
 
ältester Sohn von Djia Dschëng, mit 14 Hsiutsai, mit 19 geheiratet und 1 Sohn, wurde krank und starb
 
  
Djia Fu
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Von Dufthauchs neuem Lebensabschnitt sei nicht weiter die Rede. Nun aber zu Regendorf Kaufmann<ref>Chin. 贾雨村 Jiǎ Yǔcūn. Aufsteigender Beamter aus dem ersten Kapitel, homophon mit „vorgetäuschte Worte".</ref>: Er war wegen Bestechung und Erpressung verurteilt worden. Nachdem das Urteil feststand, traf ihn die große Amnestie, und er wurde als einfacher Bürger in seine Heimat zurückgeschickt. Regendorf Kaufmann schickte seine Familie voraus und reiste selbst nur mit einem Burschen und einem Karren voll Gepäck. Als er an den Strudelbachübergang der Erweckungsfurt gelangte, kam ein Daoist aus der Grashütte am Fährufer heraus und empfing ihn mit Handschlag. Regendorf Kaufmann erkannte ihn als Zhen Wahrheitsverberger<ref>Chin. 甄士隐 Zhēn Shìyǐn. Gelehrter aus dem ersten Kapitel, homophon mit „wahrlich verborgen".</ref> und verbeugte sich ebenfalls eilig. Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Werter Herr Kaufmann, seid Ihr seit unserer Trennung wohlauf?" Regendorf Kaufmann erwiderte: „Verehrter Unsterblicher, so seid Ihr also wirklich der alte Herr Zhen! Warum wolltet Ihr mich bei unserer letzten Begegnung von Angesicht zu Angesicht nicht erkennen? Als ich später von dem Brand erfuhr, der die Grashütte zerstörte, war ich zutiefst bestürzt. Dass ich Euch heute wiedersehe — ich bewundere nur die Tiefe Eures Weges und Eurer Tugend! Leider bin ich selbst von unbelehrbarer Dummheit und habe es so weit gebracht." Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Als Ihr, verehrter Herr, in hohem Amt und hohen Ehren standet, wie hätte ein armer Daoist gewagt, sich zu erkennen zu geben? Doch als alter Bekannter wagte ich ein offenes Wort — nur nahm es der gnädige Herr nicht an. Indessen sind Reichtum und Armut, Glück und Unglück nie zufällig. Dass wir uns heute wiedertreffen, ist auch eine bemerkenswerte Fügung. Hier in der Nähe liegt meine kleine Einsiedelei — wollt Ihr nicht eintreten und plaudern?" Regendorf Kaufmann folgte freudig der Einladung.
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贾复 Jia Fu
 
Urahn der Djia-Sippe in der östlichen Han-Dynastie, Umschrift des Namens schreibt sich wie die des ältesten Sohnes von Ning-guo
 
  
Djia Fu
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Die beiden gingen Arm in Arm, der Bursche folgte mit dem Karren. Sie kamen zu einer Strohhütte. Zhen Wahrheitsverberger bat Regendorf Kaufmann einzutreten und Platz zu nehmen; ein Knabe brachte Tee. Regendorf Kaufmann bat den verehrten Unsterblichen, ihm von Anfang und Ende seiner Weltabkehr zu erzählen. Zhen Wahrheitsverberger lachte und sagte: „In einem einzigen Augenblick der Erkenntnis wandelt sich die ganze irdische Welt. Ihr, werter Herr, kommt aus dem Getriebe von Glanz und Überfluss — kennt Ihr nicht den Schatzjade im Lande von Weichheit und Reichtum?" Regendorf Kaufmann antwortete: „Wie sollte ich ihn nicht kennen? Unlängst ging das Gerücht um, auch er sei in die Leere eingegangen. Ich selbst hatte seinerzeit mehrfach mit ihm verkehrt — nie hätte ich gedacht, dass er so entschieden handeln würde." Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Mitnichten. Diese wundersame Verknüpfung kenne ich seit langem. Damals, noch bevor ich mit Euch an meinem alten Tor in der Gasse der Menschenfreundlichkeit plauderte, hatte ich ihn bereits einmal getroffen." Regendorf Kaufmann fragte verwundert: „Die Hauptstadt ist weit entfernt von Eurer Heimat — wie konntet Ihr ihn sehen?" Zhen Wahrheitsverberger antwortete: „Im Geiste waren wir schon lange vertraut." Regendorf Kaufmann sprach: „Wenn es so ist, dann kennt der Unsterbliche gewiss auch Schatzjades Verbleib." Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Jade — das ist eben Jade. In jenem Jahr, noch bevor über die Häuser Rong und Ning die Beschlagnahme hereinbrach, an dem Tag, als Schatzspange und Kajaljade getrennt wurden — da hatte dieser Jade-Stein die Welt bereits verlassen: erstens, um dem Unheil auszuweichen, und zweitens, um die Vereinigung zu bewirken. Damit war die Bestimmung aus einem früheren Leben erfüllt, und Form und Substanz kehrten zur Einheit zurück. Dann zeigte er noch einmal kurz seine übernatürliche Kraft, bestand die hohe Prüfung und zeugte einen edlen Sohn — damit erwies sich dieser Jade-Stein als ein vom Himmel und der Erde geschmiedetes Wunderwerk, das sich mit nichts Irdischem vergleichen lässt. Einst brachten ihn der nebelverhangene Große Gelehrte und der unfassbare Wahre Mensch in die Menschenwelt herab; nun, da sein irdisches Karma erschöpft ist, nehmen ihn dieselben zwei wieder mit an seinen Ursprungsort zurück — das ist Schatzjades Verbleib."
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贾敷 Jia Fu
 
Ältester Sohn von Djia Daihua, starb mit 8-9 Jahren
 
  
Djia Hsi-tschun
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Regendorf Kaufmann hörte zu; obwohl er nicht alles verstand, begriff er doch vier oder fünf Zehntel. Er nickte seufzend: „So verhält es sich also — das wusste ich nicht. Aber wenn Schatzjade eine solche Herkunft hat, warum war er dann so tief in Leidenschaft verstrickt und hat dann wieder so plötzlich zur Erleuchtung gefunden? Ich bitte um weitere Belehrung." Zhen Wahrheitsverberger lachte: „Wenn ich dies erkläre, wird der Herr es vielleicht nicht ganz verstehen. Das Land der Großen Leere und der Illusionen ist in Wahrheit das Land des wahren So-Seins und der Seligkeit. Zweimal hat er die Schicksalsbücher durchblättert — darin liegt der Weg von Anfang und Ende; sein ganzes Leben stand klar vor ihm geschrieben — wie hätte er nicht erwachen sollen? Wenn die Wunderpflanze zur Wahrheit zurückkehrt, ist es dann nicht selbstverständlich, dass auch der Magische Jade in seinen Urzustand zurückfindet?"
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贾惜春 Jia Xichun
 
Jüngere Tochter von Djia Djing
 
  
Djia Juee
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Regendorf Kaufmann hörte zu, verstand es aber nicht. Er erkannte, dass es sich um himmlische Geheimnisse handelte, und wagte nicht weiter zu fragen. So sagte er: „Von Schatzjades Angelegenheit habe ich nun gehört. Doch von den Damen unseres Clans gibt es so viele — warum ist das Ende von der Kaiserlichen Gemahlin angefangen bei allen so gewöhnlich?" Zhen Wahrheitsverberger seufzte: „Werter Herr, nehmt mir meine offenen Worte nicht übel. Die Damen Eures erlauchten Hauses kamen allesamt aus dem Himmel der Leidenschaften und dem Meer des Karmas. Im Allgemeinen gilt für die Frauen aller Zeiten: Das Wort 'Ausschweifung' darf gewiss nicht übertreten werden, doch auch das Wort 'Gefühl' sollte man besser nicht berühren. Darum sind Cui Yingying und Su Xiaoxiao nichts als Himmelswesen mit irdischem Herzen; Song Yu und Sima Xiangru sind große Dichter mit sündiger Zunge. Sobald sich aber die Empfindungen verwickeln und verfangen, ist das Ende stets unselig."
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贾瑞 Jia Rui
 
Nichtsnütziger Enkel von Djia Dai-ju.
 
  
Djia Jung
+
Als Regendorf Kaufmann dies hörte, strich er sich unwillkürlich über den Bart und seufzte lang. Dann fragte er noch: „Darf ich den Unsterblichen fragen: Die beiden Häuser Rong und Ning — werden sie je wieder so blühen wie zuvor?" Zhen Wahrheitsverberger antwortete: „Dass Gutes belohnt und Böses bestraft wird, ist ein Grundsatz aller Zeiten. Gegenwärtig gilt für die beiden Häuser Rong und Ning: Wer gut handelt, pflegt sein Verdienst, wer böse gehandelt hat, bereut sein Vergehen. Dass dereinst Orchidee und Cassia gemeinsam duften und das Haus zu seiner alten Pracht zurückfindet, ist der natürliche Lauf der Dinge." Regendorf Kaufmann senkte eine geraume Weile den Kopf und sagte dann plötzlich lachend: „Ja, so ist es! In jenem Hause gibt es einen namens Orchidee, der bereits die Provinzialprüfung bestanden hat — das entspricht genau dem Zeichen 'Orchidee'. Soeben sagtet Ihr 'Orchidee und Cassia duften gemeinsam' und zuvor, Schatzjade habe eine 'hohe Prüfung bestanden und einen edlen Sohn gezeugt' — sollte das bedeuten, dass er einen nachgeborenen Sohn hat, der einst zu höchsten Ehren aufsteigen wird?" Zhen Wahrheitsverberger lächelte fein: „Das gehört der Zukunft an und lässt sich nicht im Voraus sagen."
2
 
贾蓉 Jia Rong
 
Sohn von Djia Dschën, zu Beginn des Romans 16 Jahre alt, lernfaul.
 
  
Djia Liän
+
Regendorf Kaufmann wollte noch weiter fragen, doch Zhen Wahrheitsverberger antwortete nicht mehr. Er ließ eine einfache Mahlzeit auftragen und lud Regendorf Kaufmann zum Essen ein. Nach dem Mahl wollte Regendorf Kaufmann noch nach seinem eigenen weiteren Schicksal fragen. Doch Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Werter Herr, ruht Euch in der Einsiedelei ein wenig aus. Ich habe noch ein Stück irdische Bindung ungelöst, das ich heute noch vollenden muss." Regendorf Kaufmann fragte erstaunt: „Verehrter Meister, bei Eurer reinen Übung — welche irdische Bindung sollte da noch bestehen?" Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Es ist nichts weiter als ein Stück Vater-Tochter-Liebe." Regendorf Kaufmann hörte dies und war noch erstaunter: „Darf ich fragen, was der Meister damit meint?" Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Werter Herr, Ihr wisst es nicht. Meine kleine Tochter Heldenlotus geriet in jungen Jahren in das Unheil der irdischen Welt; als Ihr, werter Herr, damals zum ersten Mal ein Amt bekleidetet, habt Ihr über ihren Fall geurteilt. Nun gehört sie der Familie Schnee an; sie wird bei einer schweren Geburt ihr Karma vollenden und einen Sohn hinterlassen, der den Stamm der Familie Schnee weiterführen wird. Jetzt ist die Stunde gekommen, da ihre irdischen Bande sich vollends lösen — ich muss sie nur noch hinübergeleiten." Mit diesen Worten schüttelte Zhen Wahrheitsverberger die Ärmel und erhob sich. Regendorf Kaufmann war benommen und verwirrt; er schlief dort in der Grashütte am Strudelbachübergang der Erweckungsfurt ein.
2
 
贾琏 Jia Lian
 
Sohn von Djia Schë, ist zu Beginn des Romans um die 20, hat 2 Jahre vor Beginn der Erzählung eine Nichte der Dame Wang geheiratet, den Titel eines Unterpräfekten erkauft, keine Lust zu lernen, wohnt bei seinem Onkel Djia Dschëng
 
  
Djia Min
+
Zhen Wahrheitsverberger aber ging, um Duftkastanie hinüberzugeleiten. Er brachte sie in das Land der Großen Leere und der Illusionen und übergab sie der Feengöttin der Ernüchterung, damit diese den Eintrag im Schicksalsbuch vervollständige. Kaum hatte er den Ehrenbogen passiert, da kamen der Mönch und der Daoist schwebend herbei. Zhen Wahrheitsverberger empfing sie und sprach: „Großer Gelehrter, Wahrer Mensch — ich gratuliere! Ich beglückwünsche Euch! Sind alle Schicksalsbande abgelöst und klar abgerechnet?" Der Mönch und der Daoist sprachen: „Die Schicksalsbande sind noch nicht ganz gelöst; doch jener törichte Gegenstand ist bereits zurückgekehrt. Wir müssen ihn noch an seinen Ursprungsort bringen und die letzten Dinge seiner Erdenwanderung verzeichnen — sonst wäre seine Reise in die Welt umsonst gewesen." Zhen Wahrheitsverberger hörte dies und verabschiedete sich mit einer Verbeugung. Der Mönch und der Daoist trugen den Jade-Stein zum Fuß des Blauen Felsgrats und legten Schatzjade an jene Stelle, wo Nüwa einst den Himmel geflickt hatte. Dann zogen sie jeder seines Weges und streiften durch die Wolken. Von da an hieß es:
2
 
贾敏 Jia Min
 
Tochter von Djia Dai-schan, Frau von Lin Ju-hai
 
  
Djia Schë
+
Jenseitige Geschichten, jenseitig überliefert;
2
+
Zwei Wandlungen einer Person, eine einzige Person.
贾赦 Jia She
 
älterer Sohn von Djia Dai-schan
 
  
Djia Tan-tschun
+
Eines Tages kam der Daoist der Leere abermals am Blauen Felsgrat vorbei und sah, dass der überzählige Stein von Nüwas Himmelsflickung noch immer dort lag, die Schriftzeichen darauf noch genauso deutlich wie zuvor. Er las alles noch einmal von Anfang bis Ende sorgfältig durch und sah, dass hinter dem Schlussvers noch allerlei Nachträge über die letzten Verknüpfungen und Auflösungen der Schicksale standen. Er nickte seufzend: „Als ich seinerzeit die wundersame Geschichte des Steines fand, meinte ich, sie könne in der Welt verbreitet werden und als ungewöhnliche Erzählung gelten; deshalb schrieb ich sie ab. Doch damals fehlte das Ende, die Rückkehr zum Ursprung. Wer weiß, wann diese schöne Fortsetzung dazukam? Nun weiß ich: Der Stein ist einmal in die Welt hinabgestiegen, hat sein Licht hervorpoliert und die vollkommene Erleuchtung erlangt — da bleibt ihm wahrlich nichts mehr zu bedauern. Ich fürchte nur, mit den Jahren könnten die Schriftzeichen verblassen und Fehler entstehen. Lieber schreibe ich alles noch einmal ab, suche in der Welt einen müßigen Menschen ohne Geschäfte und bitte ihn, die Geschichte zu verbreiten. Dann wird man erkennen: Wundersam und doch nicht wundersam, gewöhnlich und doch nicht gewöhnlich, wahr und doch nicht wahr, falsch und doch nicht falsch. Vielleicht erwachen die Müden des Staubes aus ihrem Traum und der Kuckucksruf lockt sie heim; vielleicht heißt der gastfreundliche Berggeist sie willkommen und lässt den Stein zum Flug aufsteigen — wer weiß?"
2
 
贾探春 Jia Tanchun
 
Tochter einer Nebenfrau von Djia Dschëng
 
  
Djia Ying-tschun
+
Mit diesem Gedanken schrieb er alles noch einmal ab, steckte es in den Ärmel und ging in jene glanzvolle, blühende Gegend. Er suchte überall, doch alle, die er fand, waren entweder damit beschäftigt, Verdienste zu erwerben und eine Laufbahn einzuschlagen, oder damit, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen — keiner hatte die Muße, mit einem Stein zu plaudern! Schließlich gelangte er zur Grashütte am Strudelbachübergang der Erweckungsfurt. Dort schlief jemand. Der Daoist der Leere dachte, dies müsse ein Müßiggänger sein, und wollte ihm die Abschrift des „Steinernen Berichts" zeigen — doch jener Mensch war nicht wachzubekommen. Der Daoist der Leere rüttelte kräftig an ihm, und endlich öffnete er langsam die Augen und setzte sich auf. Er nahm das Manuskript und überflog es flüchtig, dann warf er es hin und sagte: „Diese Dinge habe ich alle selbst mit eigenen Augen gesehen und kenne sie bis ins Letzte. Was du da abgeschrieben hast, enthält keine Fehler. Ich will dir nur den einen Menschen nennen, dem du es anvertrauen kannst, damit er diese frische Begebenheit zum Abschluss bringe." Der Daoist der Leere fragte hastig: „Wer ist es?" Jener Mann antwortete: „Du musst in einem gewissen Jahr, einem gewissen Monat, an einem gewissen Tag, zu einer gewissen Stunde, zu einem Ort namens 'Pavillon der Trauer um das Rot' gehen. Dort lebt ein Herr Cao Xueqin. Sage ihm nur: 'Regendorf Kaufmann sagt' — und bitte ihn, so und so zu verfahren." Damit legte er sich wieder hin und schlief ein.
2
 
贾迎春 Jia Yingchun
 
Tochter einer Nebenfrau von Djia Schë
 
  
Djia Yüan-tschun
+
Der Daoist der Leere prägte sich diese Worte fest ein. Es vergingen dann noch wer weiß wie viele Weltalter und Äonen, bis er tatsächlich einen Pavillon der Trauer um das Rot fand und den Herrn Cao Xueqin sah, der dort gerade alte Geschichtswerke durchblätterte. Der Daoist der Leere überbrachte ihm Regendorf Kaufmanns Worte und zeigte ihm den „Steinernen Bericht". Herr Cao Xueqin lachte und sagte: „Das sind also wirklich 'Regendorf Kaufmanns Worte'!" Der Daoist der Leere fragte: „Woher kennt Ihr diesen Menschen, dass Ihr bereit seid, seine Geschichte zu überliefern?" Herr Cao Xueqin lachte: „Man nennt dich 'Leer', und in der Tat ist dein Inneres leer! Wenn es doch 'erfundenes Dorfgeschwätz' ist — solange es frei von Schreibfehlern, Abweichungen und Widersprüchen ist, kann man es mit zwei, drei gleichgesinnten Freunden nach dem Wein und nach der Mahlzeit, an regnerischen Abenden beim Kerzenschein, zur Vertreibung der Langeweile genießen. Dazu braucht es keine Empfehlung großer Gelehrter, die es der Nachwelt überliefern. Wenn du aber so nach den Wurzeln gräbst und den Grund suchst, dann bist du einer, der ein Boot mit eingekerbtem Bord sucht oder mit festgeleimtem Steg die Laute stimmt." Der Daoist der Leere hörte dies, warf den Kopf zurück und lachte laut zum Himmel empor, schleuderte die Abschrift zu Boden und schwebte davon. Im Gehen rief er: „Es war also nichts als ausgeschmückter Unsinn! Nicht nur der Verfasser weiß es nicht, der Abschreiber weiß es nicht, und auch der Leser weiß es nicht. Es ist nichts als ein Spiel des Pinsels, zur Ergötzung des Gemüts und zur Befriedigung der Natur!"
2
 
贾元春 Jia Yuanchun
 
Älteste Tochter von Djia Dschëng, tugendreich und begabt, Hoffräulein für den Kaiserpalast
 
  
Djia Yü-tsun
+
Spätere Leser, die diese Erzählung sahen, haben ebenfalls vier Verszeilen als Nachwort verfasst, die über die Einleitung des Verfassers noch einen Schritt hinausgehen. Sie lauten:
2
 
贾雨村Jia Yucun
 
armer Gelehrter, der im Flaschenkürbistempel haust = Familienname war Djia, sein Rufname Hua, sein Ehrenname Schï-fee und sein Beiname Yü-tsun
 
  
Djiau-hsing
+
Wo es bitter wird, da wird das Absurde erst recht traurig.
2
+
Von jeher ist alles ein und derselbe Traum;
娇杏 Jiaoxing
+
Lacht nicht über die Torheit der Welt!
Dienstmagd
 
  
Djin-ling = Nanking
+
----
1
+
<small>Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.</small>
金陵 Jinling = Nanjing
+
<references />
Stadt
 
 
 
Djin-tschuan
 
7
 
金钏 Jinchuan
 
Dienstmagd der Dame Wang
 
 
 
Dschang Ju-guee
 
3
 
张如圭 Zhang Rugui
 
Amtsgefährte von Djia Yü-tsun
 
 
 
Dschën Schï-yin = Dschën Fee
 
1
 
甄士隐 Zhen Shiyin = Zhen Fei
 
Vater von Ying-liän
 
 
 
Dschën Ying-liän
 
1
 
甄英莲 Zhen Yinglian
 
Tochter von Dschën Schï-yin
 
 
 
Dschën-dschu
 
3
 
花珍珠Hua Zhenzhu
 
Dienstmagd der Herzoginmutter, nach dem Wechsel als Dienstmagd zu Bau-yü umbenannt in Hsi-jën
 
Pearl
 
Dschën-örl
 
29
 
臻儿 Zhen’er
 
Dienstmagd von Hsiang-ling
 
 
 
Dsï-djüan
 
8
 
紫鹃 Zijuan
 
Dienstmagd von Lin Dai-yü
 
 
 
Duftgetränkter Pavillon
 
26
 
沁芳亭 Qinfangting
 
Gebäude im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Duftgetränkter Turm
 
17
 
含芳阁 Hanfangge
 
Westliches Nebengebäude des Gartens des Großen Anblicks
 
 
 
Duftreisdorf
 
17
 
稻香村 Daoxiangcun
 
Ort im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Fang-guan
 
54
 
芳官Fang-guan
 
Schauspielerin
 
Parfume
 
Fee Warnendes Trugbild
 
13
 
警幻仙子 Jinghuanxianzi
 
Mystische Figur in der Rahmenhandlung.
 
 
 
Felsen der Dreimaligen Wiedergeburt
 
1
 
三生石畔Sanshengshipan
 
Mystischer Ort in der Rahmenhandlung.
 
 
 
Felswand Grüne Erhebung
 
2
 
青埂 Qinggeng
 
Mystischer Ort in der Rahmenhandlung.
 
 
 
Fëng Su
 
1
 
封肃 Feng Su
 
Bauer, Vater von Frau Fëng, Schwiegervater von Dschën
 
 
 
Fëng, Frau
 
1
 
封 Feng
 
Frau von Dschën, Mutter von Ying-liän
 
 
 
Fëng-örl
 
7
 
丰儿 Feng’er
 
Dienstmagd von Hsi-fëng
 
Felicity
 
Flaschenkürbistempel
 
1
 
葫芦庙 Hulumiao
 
Ort
 
 
 
Garten des Großen Anblicks
 
17
 
大观园 Daguanyuan
 
Künstlich angelegter Wohngarten auf den Gütern des Djia-Clans.
 
Prospect Garden
 
Gasse der Menschlichkeit und der Reinheit
 
1
 
仁清巷Renqinggang
 
Gasse, Ort
 
 
 
Großen Wüsten Gebirge
 
1
 
大荒山 Damangshan
 
Mystischer Ort in der Rahmenhandlung
 
 
 
Halle des Blühenden Glücks
 
3
 
荣禧堂 Rongxitang
 
Haupthalle des Jung-guo-Anwesens.
 
 
 
Haselwurzpark
 
17
 
蘅芜苑 Hengwuyuan
 
Ort im Garten des Großen Anblicks, vorheriger Name蘅芷清芬„Reiner Duft von Haselwurz und Bärenklau“
 
 
 
He-hsiän
 
93
 
鹤仙 Hexian
 
buddhistische Novizin
 
Thurible
 
Heiteres Herbstatelier
 
101
 
秋爽 Qiu­shuang
 
Ort im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß
 
17
 
潇湘馆 Xiaoxiangguan
 
Dai-yüs Hof, vorheriger Name有凤来仪„Ein Phönix kommt zu Besuch“
 
 
 
Herzoginmutter
 
3
 
贾母 Djia Mu, Frau Shï
 
Weiblicher Hausvorstand und gute Seele der Familie
 
 
 
Hof der Düfte
 
81
 
蘅芜院 Suwuyuan
 
Ort im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Hof der Freude am Roten
 
17
 
怡红院 Yihongyuan
 
Bau-yüs Hof im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Hsiang-ling
 
7
 
香菱 Xiang­ling
 
 
 
 
 
Hsiau-hung
 
24
 
小红 Xiaohong
 
Dienstmagd von Hsi-fëng
 
Crimson
 
Hsiau-schë
 
80
 
小舍儿 Xiao Sheer
 
Dienstmagd, wörtlich: „Kleine Verlassene“
 
 
 
Hsi-jën
 
3
 
袭人 Xiren
 
Sklavenmädchen/Dienstmagd von Bau-yü
 
Aroma
 
Hsing Hsiu-yän
 
49
 
邢岫烟 Xing Xiuyan
 
 
 
 
 
Hsin-hsiang
 
93
 
沁香 Xin­xiang
 
buddhistische Novizin
 
CruCible
 
Hsiu-djü
 
29
 
绣桔 Xiuju
 
Dienstmagd von Ying-tschun
 
 
 
Hsüä Bau-tschai
 
4
 
薛宝钗 Xue Baochai
 
(Spätere) Frau von Djia Bau-yü.
 
 
 
Hsüä Pan
 
4
 
薛蟠 Xue Pan
 
 
 
 
 
Hsüä-yän
 
3
 
雪雁 Xueyan
 
Dienstmagd von Lin Dai-yü, wörtlich: Schneegans
 
Snowgoose
 
Huan-örl
 
25
 
环儿 Huan’er
 
 
 
 
 
Hu-po
 
20
 
琥珀 Hupo
 
Dienstmagd der Herzoginmutter
 
Amber
 
Insel der violetten Wassernüsse
 
17
 
紫菱洲 Zilingzhou
 
Ort im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Inselchen der Seekannenblätter
 
17
 
荇叶渚 Xingyezhu
 
Ort im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Ju-hua
 
7
 
入画 Ruhua
 
Dienstmagd von Hsi-tschun
 
 
 
Jung-guo-Anwesen
 
2
 
荣国府 Rongguofu
 
Herzögliche Residenz der Djias westlich der Straße
 
 
 
Kiosk des Lotoswurzelduftes
 
17
 
藕香榭 Ouxiangxie
 
Gebäude im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Klippe Unerforschlich
 
1
 
无稽崖 Wujiya
 
Mythischer Ort in der Rahmenhandlung
 
 
 
Kloster des Weisen Durchdringens
 
2
 
智通寺 Zhitongsi
 
Mythischer Ort in der Rahmenhandlung
 
 
 
Kloster Eiserne Schwelle
 
12
 
铁槛寺 Tiekansi
 
Kloster
 
 
 
Kloster Gefangenes Grün
 
41
 
栊翠庵 Longcuian
 
Kloster von Miau-yü
 
Green Bower Hermitage
 
Konvent der Verstreuten Blumen
 
101
 
散花寺Sanhuasi
 
Konvent
 
Scattered Flowers Coment
 
Kung-kung, Dauist = Tjing-sëng
 
1
 
空空道人 Kongkong daoren
 
Dauist
 
 
 
Laube des Knöterichwindes
 
17
 
蓼风轩 Liao­fengxuan
 
Gebäude im Garten des Großen Anblicks
 
 
 
Lëng Dsï-hsing
 
2
 
冷子兴Leng Zixing
 
Antiquitätenhändler
 
 
 
Li Wan
 
4
 
李纨 Li Wan
 
Djia Dschus Witwe
 
 
 
Lin Dai-yü
 
2
 
林黛玉 Lin Daiyu
 
Tochter von Lin Ju-hai, Herzensdame von Djia Bau-yü, in der Rahmenhandlung identisch mit Purpurperle
 
 
 
Lin Ju-hai
 
2
 
林如海 Lin Ruhai
 
Salzinspektor, Vater von Lin Dai-yü, seine Frau ist zu Beginn des Romans schon ein Jahr tot
 
 
 
Li-tji
 
81
 
李绮Li Qi
 
Kusine von Li-wën
 
 
 
Liu Wu-örl
 
60
 
柳五儿 Liu Wuer
 
Tochter der Küchenangestellten Liu, sechzehn Jahre alt, konnte sich „an Schönheit mit Ping-örl, Hsi-jën, Dsï-djüan und Yüan-yang messen“, vorgesehen als Dienstmagd für Bau-yü
 
Fivey
 
Li-wën
 
81
 
李纹 Li Wen
 
Kusine von Li-tji
 
 
 
Mang-mang
 
2
 
茫茫大士 Mangmang dashi
 
buddhistischer Mönch, Heiliger
 
 
 
Mee-jën
 
5
 
媚人 Meiren
 
Sklavenmädchen/Dienstmädchen
 
 
 
Miau-miau
 
2
 
渺渺真人 Miaomiao zhenren
 
Erleuchteter, dauistischer Priester, wird auch als 僧道 seng Dao bezeichnet
 
 
 
Miau-yü
 
17
 
妙玉 Miaoyu
 
Adamatina/Adamantina, Nonne
 
 
 
Nebenfrau Dschau
 
20
 
赵姨娘 Zhao yiniang
 
 
 
 
 
Ning-guo-Anwesen
 
2
 
宁国府Ningguofu
 
Herzögliche Residenz der Djias östlich der Straße
 
 
 
Nü-wa
 
1
 
女娲Nüwa
 
Göttin, die in der mystischen Rahmenerzählung das Himmelszelt repariert
 
 
 
Oma Liu
 
6
 
刘姥姥 Liu laolao
 
bodenständige, herzensgute Figur vom Lande
 
 
 
Page Geisterjade
 
1
 
神瑛侍者 Shenyingshizhe
 
Page, Figur aus mythischer Vorgeschichte (wird wiedergeboren als Djia Bau-yü)
 
 
 
Pan San-bau
 
81
 
潘三保 Pan Sanbao
 
zwielichtige Gestalt, heuerte Hexe an
 
 
 
Pei-fëng
 
106
 
佩凤 Peifeng
 
Konkubine Djia Dschëns
 
Lovey (oder Dove?)
 
Ping-örl
 
6
 
平儿 Ping’er
 
Dienstmagd von Hsi-fëng
 
Patience
 
Prinz von Bee-djing
 
11
 
北静王Beijing wang
 
Prinz von Bee-djing
 
 
 
Prinz von Hsi-ning
 
11
 
西宁郡王 Xining jun wang
 
wörtlich: König der Präfektur Xining
 
 
 
Purpurperle
 
1
 
绛珠草 Jiangzhucao
 
Pflanze, Figur aus mythischer Vorgeschichte (wird wiedergeboren als Lin Dai-yü)
 
 
 
Rotjadepalast
 
1
 
赤瑕宫 Chixiagong Ort
 
 
 
 
 
Sau-hua
 
24
 
扫花Saohua
 
Sklavenjunge/junger Dienstbote
 
Sweeper
 
Scha, das Dummerchen
 
96
 
傻大姐儿Sha dajier
 
Dienstmagd, Schwester von Dschën-dschu
 
 
 
Schë-yüä
 
5
 
麝月 Sheyue
 
Sklavenmädchen/Dienstmädchen
 
Musk
 
Schï Hsiang-yün
 
20
 
史湘云Shi Xiang­yun
 
entfernte Kusine von Djia Bau-yü
 
 
 
Schï-schu
 
89
 
侍书Shi Shu
 
Dienstmagd von Tan-tschun
 
Scribe
 
Shakyamuni Kloster
 
18
 
牟尼院Mouni yuan
 
Kloster vor dem Westtor der Hauptstadt
 
 
 
Shuai-örl
 
102
 
拴儿 Shuan’er
 
älterer Bediensteter
 
Ropey
 
Sï-tji
 
7
 
司棋 Siqi
 
Dienstmagd von Ying-tschun
 
Chess
 
Steinerne Mauer
 
2
 
石头城 Shitoucheng
 
Ort
 
 
 
Su-yün
 
81
 
素云 Suyun
 
Dienstmagd von Li Wan
 
Candida
 
Tchiu-tung
 
88
 
秋桐 Qiutong
 
Dienstmagd von Hsi-fëng
 
Autumn
 
Tiau-yün
 
24
 
挑云 Tiaoyun
 
Sklavenjunge/junger Dienstbote
 
 
 
Tjin-hsiang
 
93
 
沁香 Qinxiang
 
Buddhistische Novizin
 
 
 
Tjing-wën
 
5
 
晴雯 Qingwen
 
Sklavenmädchen/Dienstmädchen
 
Skybright
 
Tjiu-wën
 
19
 
秋纹Qiuwen
 
Dienstmagd von Bau-yü
 
Ripple
 
Trauer um das Rote
 
1
 
悼红轩 Dao hong xuan
 
Studierstube von Tsau Hsüä-tjin
 
 
 
Tsai-ming
 
7
 
彩明 Caiming
 
Dienstmagd von Hsi-fëng
 
Sunshine
 
Tsai-ping
 
29
 
彩屏 Caiping
 
Dienstmagd von Hsi-tschun
 
Landscape
 
Tsai-yün
 
23
 
彩云 Caiyun
 
Dienstmagd der Dame Wang
 
Suncloud
 
Tsau Hsüä-tjin
 
1
 
曹雪芹 Cao Xueqin
 
Autor, zugleich Figur in der Rahmenhandlung
 
 
 
Tschun-hsiän
 
29
 
春纤 Chunxian
 
Dienstmagd von Lin Dai-yü
 
 
 
Tschu-yau
 
24
 
锄药 Chuyao
 
Sklavenjunge/junger Dienstbote
 
Ploughboy
 
Tsuee-mo
 
29
 
翠墨 Cuimo
 
Dienstmagd von Tan-tschun
 
 
 
Tsuee-lou
 
17
 
翠缕 Cuilou
 
Dienstmagd
 
Kingfisher
 
Tung-guee
 
29
 
同贵Tonggui
 
Dienstmagd von Frau Hsüä
 
Prosper
 
Tung-hsi
 
29
 
同喜 Tongxi
 
Dienstmagd von Frau Hsüä
 
 
 
Turm des Großen Anblicks
 
17
 
大观楼 Daguanlou
 
Hauptgebäude des Gartens des Großen Anblicks
 
 
 
Ufer des Seelenflusses
 
1
 
灵河岸 Linghean
 
Mystischer Ort in der Rahmenhandlung
 
 
 
Wahngefilde der Großen Leere
 
15
 
幻境 Huanjing
 
Himmelsähnliche Vorstellung, mystischer Ort, an dem man nach buddhistischem Glauben auf seine Wiedergeburt wartet
 
 
 
Wang Hsi-fëng
 
2
 
王熙凤 Wang Xifeng =凤姐 Feng jie
 
Frau von Djia Liän, bildschön und dabei redegewandt und außerordentlich einfallsreich, „von tausend Männern kommt nicht einer ihr gleich“
 
 
 
Wang Örl-tiau
 
84
 
王尔调 Wang Ertiao
 
Heiratsvermittler
 
Brightie
 
Wang Schï, Frau
 
2
 
王氏Wang Shi
 
Frau von Djia Dschëng
 
 
 
Wassermondkloster
 
7
 
水月庵 Shui­yueyan
 
Kloster
 
 
 
Wee-yang = Yang-dschou
 
2
 
维扬 Weiyang
 
Ort
 
 
 
Wën-hsing
 
29
 
文杏 Wenxing
 
Dienstmagd von Hsüä Bau-tschai
 
 
 
Yang Guee-fee
 
23
 
杨贵妃 Yang Guifei
 
Nebenfrau von Tang-Kaiser Ming-huang, eigentlich Hsüan-dsung (685 – 762, Kaiser von 712 bis 756). Bau-tschai wird mit ihr verglichen.
 
 
 
Ying-ge
 
97
 
鹦哥 Yingge
 
Dienstmagd von Lin Dai-yü
 
Parrot
 
Ying-örl
 
7
 
莺儿 Ying’er
 
Dienstmagd von Hsüä Bau-tschai
 
Oriole
 
Ying-wu
 
29
 
鹦鹉 Yingwu
 
Dienstmagd der Herzoginmutter
 
 
 
Yin-tjüan
 
24
 
引泉 Yinquan
 
Sklavenjunge/junger Dienstbote
 
 
 
You-schï
 
5
 
尤氏 Youshi
 
Ehefrau von Djia Dschën
 
 
 
Yüan-yang
 
20
 
鸳鸯 Yuan­yang
 
Dienstmagd der Herzoginmutter
 
Faithful
 
Yü-tschuan
 
25
 
玉钏 Yuchuan
 
Dienstmagd von Djia Huan
 
Silver
 
Zehn-Li-Straße
 
12
 
十里街 Shilijie
 
Ort
 
 
 
 
 
Anhang: Das Jung-Guo-Anwesen in heutiger Darstellung (Ausschnitt)
 
 
 
 
 
 
 
1. Haupttor
 
2. Äußeres Tor
 
3. Große Südhalle
 
4. Inneres Tor
 
5. Halle des Blühenden Glücks
 
6. Tor der Hängenden Blumen
 
7. Durchgangshalle mit aufgestelltem Paravent
 
8. Blumenpavillon der Herzoginmutter
 
9. Haupträume der Herzoginmutter
 
10. Hof von Wang Xifeng (im Roman: Wang Hsi-fëng)
 
11. Studierzimmer von Jia Zheng (im Roman: Djia Dschëng)
 
12. Hof von Jia She (im Roman: Djia Schë)
 
13. Großes Schwarzöl-Tor
 
14. West-Tor
 
Anhang: Übersichtskarte des Nachbaus des Gartens des Großen Anblicks (大观院) in Peking
 
 
 
 
 
 
 
Abbildung auf einem Schild am Eingang des Gartens. Foto: Martin Woesler
 
 
 
1. Haupttor (大观院正门)
 
2. Zickzack-Weg zur Ruhe (曲径通幽处)
 
3. Duftgetränkter Pavillon (沁芳亭)
 
4. Hof der Freude am Roten (怡红院)
 
5. Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß (潇湘馆)
 
6. Heiteres Herbstatelier (秋爽斋)
 
7. Halle des Morgengrüns (晓翠堂)
 
8. Pavillon des tropfenden Grüns (滴翠亭)
 
9. Duftreisdorf (稻香村)
 
10. Laube des Knöterichwin­des (蓼风轩)
 
11. Nest des warmen Duftes (暖香坞)
 
12. Hütte der duftenden Was­sernüsse (藕香榭)
 
13. Schilfschneekloster (芦雪庵)
 
14. Kloster Gefangenes Grün (栊翠庵)
 
15. Rotduftgarten (红香圃)
 
16. Päonien-Pavillon (牡丹亭)
 
17. Blütenblätterschwarm (花溆)
 
18. Buntseidenhaus (缀锦楼)
 
19. Hengyou-Garten (衡[艹尤]苑)
 
20. Halle der Dankbarkeit, Gü­te, Gedenkens und der Gerechtigkeit (顾恩思义殿)
 
21. Haus des Großen Anblicks (大观楼)
 
22. Duftbewahrender Pavillon (含芳阁)
 
23. Buntseidenpavillon (缀锦阁)
 
24. Haus der Kristallbach (凹晶溪馆)
 
25. Halle der edlen Schösslinge (嘉萌堂)
 
26. Villa des Jadegrünen Hügels (凸碧山庄)
 
27. Halle der Ulmenschösslin­ge (榆萌堂)
 
28. Hintertür (后门)
 
29. Westtor (西角门)
 
30. Osttor (东角门)
 
31. Duftgetränkte Schleu­sen­brücke (沁芳闸桥)
 
32. Villa für Verwandte aus den Provinzen (省亲别墅坊)
 
Anhang: Biographische Notiz zum Herausgeber
 
 
 
Martin Woesler ist Sinologe und Übersetzer, Professor für Interkulturelle Kommunikation und Leiter des Sprachbereichs Chinesisch an der Hoch­schule für Angewandte Sprachen, SDI München. Er überarbeitete die Übersetzung der ersten beiden Teile des Romans seines Übersetzer-Kollegen Rainer Schwarz und übersetzte den dritten Teil. Für die Herausgabe schrieb er ein Vorwort, fügte Illustrationen, Stammbaum, Namens- und Ortsverzeichnis sowie Lagepläne hinzu.
 
Für die Übersetzung und Herausgabe des Traums der Roten Kammer wurde er mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis „Desideratum 2007“ der „European Science & Scholarship Association e.V.“ ausgezeichnet. Daneben übersetzte er zahlreiche chinesische Autoren des 20. Jahrhunderts und für die Frankfurter Buchmesse 2009 (Gastland China), auch den umstrittenen Gegenwartsroman Mian Mian: Panda Sex, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
 
 
 
Hinweise des Verlags
 
 
 
Der vorliegende Roman ist auch in einer limitierten, nummerierten, gebundenen Ausgabe (Rundrücken) auf Munken Print-Papier erschienen, mit Schutzumschlag, 3 Bände.
 
 
 
 
 
Bd 14 (3 Bde.)
 
Tsau Hsüä-tjin, Gau Ë
 
Der Traum der Roten Kammer oder
 
Die Geschichte vom Stein
 
herausgegeben und mit einem Vorwort von Martin Woesler, mit einem Nachwort von Hartmut Walravens
 
Bochum: Europäischer Universitätsverlag 2006-2007, 3 Bde., ISBN 978-3-86515-010-3 (3-86515-010-1), € 59 pro Teilbd., Bd. I Tsau Hsüä-tjin, Übers. Rainer Schwarz 2006 978-3-86515-011-0 (3-86515-011-X), Bd. II Tsau Hsüä-tjin, Übers. Rainer Schwarz 2006 978-3-86515-012-7 (3-86515-012-8), Bd. III Tsau Hsüä-tjin, Gau Ë, Übers. Martin Woesler 2007 978-3-86515-013-4 (3-86515-013-6)
 
 
 
Zu Teil 1
 
Die Göttin Nüwa verwendet den 36501. Stein nicht mehr für die Reparatur des Himmelsdaches. Dieser ernährt daraufhin eine Blume mit Tautropfen. Schließlich wird der Stein als Protagonist Djia Bau-yü wiedergeboren, dem der Tau in Form von Tränen vergolten werden muss. Der Roman berichtet vom Aufwachsen Bau-yüs mit seinen Cousinen im ‘Garten des Großen Anblicks’ vor dem Hintergrund des Aufstiegs und Niedergangs der Beamtenfamilie Djia in der Zeit der letzten Kaiser der Ming-Dynastie. Der autobiographische Hintergrund ist jedoch der der ersten Kaiser der mandschurischen Tjing-Dynastie (1644-1911).
 
Bau-yü verbringt mit seinen Cousinen beinahe unbeschwerte Kinder- und Jugendtage.
 
Im ersten Teil des Romans entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung zwischen dem talentierten, androgynen Djia Bau-yü, der draufgängerischen und pragmatischen Hsüä Bau-tschai und der sehnsüchtig-liebenden, intelligenten, aber kränklichen Lin Dai-yü.
 
 
 
Zu Teil 2
 
Bau-yü, talentierter Sohn der einflussreichen Großfamilie Djia, wächst zusammen mit seinen Cousinen beinahe unbeschwert im paradiesähnlichen ‘Garten des Großen Anblicks’ auf. Im zweiten Teil des Romans erlebt er die Degeneration und den moralischen Verfall seiner Familie, den politischen und finanziellen Abstieg. Die heile Welt der Kindheit droht beim Übergang in die Jugend zu zerbrechen.
 
Zeichen drohenden Unheils überschatten die Liebe des androgynen Djia Bau-yü zu seiner hingebungsvollen aber kränklichen, still leidenden und schicksalsergebenen Cousine Lin Dai-yü.
 
Hat ihre Liebe in einer Zeit arrangierter Ehen und vor dem Hintergrund des familiären Niedergangs eine Zukunft?
 
 
 
Zu Teil 3
 
Nach und nach heiraten die zwölf Mädchen des Gartens des Großen Anblicks und ziehen weg. Auch Djia Bau-yü glaubt, seine Kusine Lin Dai-yü zu ehelichen. Doch als der Schleier gelüftet wird, ist es Hsüä Bau-tschai. Lin Dai-yü stirbt zur selben Zeit vor Kummer.
 
Der Garten verwaist. Der Jadestein geht verloren. Die Familie fällt beim Kaiser in Ungnade, die Titel werden entzogen. Das Anwesen wird ausgeraubt und geplündert. Einige Familienmitglieder werden verhaftet und verbannt. Die Herzogin-mutter stirbt. Der Niedergang der Großfamilie Djia scheint besiegelt.
 
Erst nachdem Djia Bau-yü sein vorherbestimmtes Schicksal versteht und sich zu einem Leben als buddhistischer Mönch entschließt, wendet sich das Blatt: Djia Bau-yü besteht die Staatsprüfungen zusammen mit seinem Vetter Djia Lan. Titel, Ruf und Güter werden wiederhergestellt. Die Familie Djia blickt mit Djia Lan und Bau-yüs Sohn Djia Guee einer glücklichen Zukunft entgegen.
 
Aber wo ist Bau-yü?
 
 
 
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Latest revision as of 19:30, 28 April 2026

Kapitel 120

Zhen Wahrheitsverberger erläutert ausführlich die Gefühle des Landes der Großen Leere, Regendorf Kaufmann beschließt den Traum der Roten Kammer

Es wird erzählt, dass Schatzspange, als sie von Herbstmuster[1] hörte, Dufthauch[2] gehe es schlecht, eilig hineinlief, um nach ihr zu sehen. Jie[3] und Friedchen[4] folgten ihr. Als sie an Dufthauchs Kang traten, sahen sie, dass Dufthauch vor Herzschmerzen außer sich war und gerade in Ohnmacht gefallen war. Schatzspange und die anderen gaben ihr heißes Wasser ein und brachten sie wieder zu Bewusstsein, stützten sie und legten sie hin; zugleich wurde ein Arzt gerufen. Jie fragte Schatzspange: „Schwester Dufthauch — wie kann sie nur so schwer krank sein?" Schatzspange sagte: „Vor drei Abenden hat sie sich so sehr das Herz ausgeweint, dass ihr auf einmal schwindlig wurde und sie umfiel. Die gnädige Dame ließ sie stützen und zurückbringen, und sie lag nur noch da. Weil draußen allerlei zu erledigen war, hat man keinen Arzt für sie rufen lassen, und so ist es so weit gekommen." Während sie noch sprachen, kam der Arzt. Schatzspange und die anderen wichen zur Seite. Der Arzt fühlte den Puls und sagte, es sei durch heftigen Zorn und Aufregung verursacht; er verschrieb ein Rezept und ging.

Dufthauch hatte nämlich undeutlich gehört, dass man, falls Schatzjade nicht zurückkehre, alle Dienerinnen aus den Gemächern fortschicken wolle. Vor Aufregung wurde es ihr nur noch schlimmer. Nachdem der Arzt sie untersucht hatte, kochte Herbstmuster ihr die Medizin. Sie lag allein da, und ihr Geist war noch nicht zur Ruhe gekommen. Es war, als stünde Schatzjade vor ihr; doch verschwommen schien es auch ein Mönch zu sein, der ein Buch in der Hand hielt und darin blätterte. Er sagte noch: „Du bist nicht meine Person; in Zukunft wirst du von selbst eine andere Familie haben." Dufthauch wollte gerade mit ihm sprechen, da kam Herbstmuster und sagte: „Die Medizin ist fertig, Schwester, nimm sie ein."

Dufthauch schlug die Augen auf, erkannte, dass es ein Traum gewesen war, und erzählte niemandem davon. Nachdem sie die Medizin genommen hatte, dachte sie bei sich nach: „Schatzjade ist gewiss dem Mönch gefolgt. Neulich, als er den Jade-Stein hinausbringen wollte, war es schon so, als wolle er sich losmachen. Ich hielt ihn fest, doch er war nicht wie sonst — er stieß und schubste mich wild, ohne das geringste Gefühl. Später behandelte er auch die Zweite junge Frau mit zunehmendem Widerwillen, und auch vor den anderen Schwestern zeigte er keinerlei Empfindung mehr: Das ist das Zeichen, dass er zur Erleuchtung gelangt ist. Doch wenn du zur Erleuchtung gelangt bist — wie kannst du die Zweite junge Frau im Stich lassen? Ich wurde von der gnädigen Dame bestellt, um dir zu dienen. Zwar bekomme ich das Monatsgeld einer höhergestellten Dienerin, doch vor dem Herrn und der gnädigen Dame bin ich nie förmlich als deine Nebenfrau angemeldet worden. Wenn der Herr und die gnädige Dame mich fortschicken, und ich halte stur an meinem Platz fest, würde man mich auslachen. Wenn ich aber gehe — dann denke ich an die Zuneigung, die Schatzjade mir erwiesen hat, und kann es einfach nicht über mich bringen." Sie überlegte hin und her und fand sich in tausendfacher Bedrängnis. Da dachte sie an den Traum von eben: „Er sagt, ich sei eine Frau, die einem anderen gehört — dann wäre es doch besser, einfach zu sterben!"

Doch wer hätte gedacht, dass nach dem Einnehmen der Medizin der Herzschmerz beträchtlich nachließ? So konnte sie nicht einfach liegenbleiben und hielt sich mit Mühe aufrecht. Nach einigen Tagen stand sie auf und bediente Schatzspange. Schatzspange dachte an Schatzjade, vergoss heimlich Tränen und beklagte im Stillen ihr bitteres Schicksal. Zudem wusste sie, dass ihre Mutter damit beschäftigt war, den Bruder freizukaufen, was große Umstände erforderte, bei denen sie helfen musste. Davon sei vorerst nicht die Rede.

Unterdessen geleitete Aufrecht Kaufmann[5] den Sarg der alten Fürstin, während Rong Kaufmann[6] die Särge von Frau Qin, Phönixglanz und Mandarinenente[7] mitführte. Als sie in Jinling angekommen waren, bestatteten sie diese zuerst. Rong Kaufmann brachte auch die sterblichen Überreste von Kajaljade zur Bestattung. Aufrecht Kaufmann kümmerte sich um die Grabstätten. Eines Tages erhielt er einen Familienbrief; Zeile für Zeile las er, dass Schatzjade und Orchidee Kaufmann[8] die Prüfung bestanden hatten — er freute sich von Herzen. Doch als er las, dass Schatzjade verschwunden war, bedrückte es ihn wieder; er konnte nichts anderes tun, als eilig die Heimreise anzutreten. Unterwegs vernahm er, dass es einen kaiserlichen Gnadenerlass gegeben habe; dann kam ein weiterer Familienbrief, der bestätigte, dass die Strafen erlassen und die Ämter wiederhergestellt waren. Erst recht froh, reiste er Tag und Nacht.

Eines Tages gelangte er in die Gegend der Poststation Piling. An jenem Tag war es plötzlich kalt geworden und schneite; er legte an einer stillen Stelle an. Aufrecht Kaufmann schickte alle Bediensteten an Land, um Bekannten Karten abzugeben und ihnen seine Aufwartung abzusagen, mit der Bemerkung, das Schiff werde sofort ablegen und er wage sie nicht zu behelligen. Auf dem Schiff blieb nur ein kleiner Bursche zur Bedienung. Er selbst saß in der Kajüte und schrieb den Familienbrief, um einen Boten am frühen Morgen heimzuschicken. Als er an die Stelle kam, wo er über Schatzjades Angelegenheiten schreiben musste, hielt er inne. Er blickte auf und sah plötzlich am Bug des Schiffes in einem leichten Schneeschimmer eine Gestalt — kahlgeschorenen Hauptes, barfuß, in einen großen, scharlachroten Filzumhang gehüllt — , die sich vor Aufrecht Kaufmann zu Boden warf. Aufrecht Kaufmann hatte die Person noch nicht recht erkannt und eilte aus der Kajüte, um sie aufzufangen und zu fragen, wer sie sei. Doch jener hatte sich bereits viermal tief verneigt, stand auf und legte die Hände zum buddhistischen Gruß zusammen. Aufrecht Kaufmann wollte eben den Gruß erwidern, als er der Gestalt ins Gesicht blickte — es war kein anderer als Schatzjade. Aufrecht Kaufmann erschrak heftig und fragte hastig: „Bist du Schatzjade?" Doch jener sprach kein Wort, sein Antlitz schien froh und traurig zugleich. Aufrecht Kaufmann fragte weiter: „Wenn du Schatzjade bist, warum bist du so gekleidet und an diesen Ort gekommen?" Noch ehe Schatzjade antworten konnte, kamen am Bug zwei Gestalten herbei — ein Mönch und ein Daoist — , die Schatzjade zwischen sich nahmen und riefen: „Die irdische Bestimmung ist erfüllt, warum gehst du nicht eilig?" Und schon waren die drei wie auf Wolken ans Ufer gestiegen und entschwanden. Aufrecht Kaufmann achtete nicht auf den glatten Boden und eilte ihnen nach, doch so sehr er auch lief, er konnte die drei vor sich nicht einholen. Da hörte er, wie einer der drei ein Lied anstimmte:

Wo ich wohne — auf dem Gipfel des Blauen Felsgrats, Wo ich wandle — durch den uferlosen Ur-Äther. Wer geht mit mir — und wem folge ich? Unfassbar fern — kehre ich heim in die Große Wildnis.

Aufrecht Kaufmann hörte dem Gesang zu und lief zugleich hinterher. Doch als er um einen kleinen Hügel bog, waren sie plötzlich verschwunden. Aufrecht Kaufmann war außer Atem und keuchte, voller Verwunderung und Bestürzung. Als er sich umwandte, sah er, dass sein kleiner Bursche ihm nachgelaufen war. Aufrecht Kaufmann fragte: „Hast du eben die drei Gestalten gesehen?" Der Bursche sagte: „Ich habe sie gesehen. Weil der Herr ihnen nachlief, bin ich auch gerannt. Aber dann sah ich nur noch den Herrn, die drei waren verschwunden." Aufrecht Kaufmann wollte noch weitergehen, doch er sah nur eine weite, weiß verschneite Ebene, weit und breit kein Mensch. Aufrecht Kaufmann erkannte, dass hier etwas Übernatürliches geschehen war, und kehrte zum Schiff zurück.

Als die Bediensteten zum Schiff zurückkehrten und Aufrecht Kaufmann nicht in der Kajüte fanden, fragten sie den Fährmann. Der sagte, der Herr sei an Land gelaufen, um zwei Mönche und einen Daoisten zu verfolgen. Die Leute folgten seinen Spuren im Schnee und sahen ihn von Ferne kommen; sie gingen ihm entgegen, und gemeinsam kehrten sie zum Schiff zurück.

Aufrecht Kaufmann setzte sich, und als er wieder zu Atem gekommen war, erzählte er, wie er Schatzjade gesehen hatte. Die Leute baten um Erlaubnis, ihn an diesem Ort zu suchen. Aufrecht Kaufmann seufzte: „Ihr wisst es nicht. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, es war kein Gespenst und kein Geist. Zudem hatte der Gesang, den ich hörte, einen tief geheimnisvollen Sinn. Dass Schatzjade bei seiner Geburt einen Jade-Stein im Mund trug, war ja schon wunderlich; ich wusste früh, dass dies kein gutes Vorzeichen war. Doch weil die alte Fürstin ihn so liebte, wurde er bis heute aufgezogen. Auch den Mönch und den Daoisten habe ich dreimal gesehen: Das erste Mal kamen der Mönch und der Daoist und sprachen von den Vorzügen des Jade-Steins. Das zweite Mal war, als Schatzjade schwer krank lag — da kamen sie, beteten über dem Jade-Stein, und Schatzjade wurde gesund. Das dritte Mal brachten sie den Jade-Stein zurück, saßen in der Eingangshalle — und als ich mich einmal umdrehte, waren sie verschwunden. Ich wunderte mich zwar, dachte aber, Schatzjade habe wirklich eine besondere Bestimmung und hohe Mönche und Unsterbliche beschützten ihn. Wer hätte gedacht, dass Schatzjade in die Welt herabgestiegen war, um sein Karma zu durchleben, und die alte Fürstin neunzehn Jahre lang in die Irre geführt hat — erst jetzt begreife ich es." Als er dies sagte, liefen ihm die Tränen herab.

Die Leute sagten: „Wenn der Zweite Herr wirklich ein herabgestiegener Mönch war, hätte er doch nicht die Prüfung bestehen sollen — warum ist er erst gegangen, nachdem er bestanden hatte?" Aufrecht Kaufmann antwortete: „Das könnt ihr nicht verstehen. Im Allgemeinen — seien es Gestirne des Himmels, alte Mönche in den Bergen oder Geister in den Höhlen — sie alle besitzen ein eigenes Wesen. Schatzjade hat doch nie gern studiert, nicht wahr? Doch wenn er sich auch nur ein wenig anstrengte, gelang ihm alles. Sein ganzes Temperament war eben von Grund auf anders." Dabei seufzte er noch einige Male. Die Bediensteten versuchten ihn zu trösten, indem sie von Orchidees Prüfungserfolg und der Wiederherstellung des Hauses sprachen. Aufrecht Kaufmann setzte den Familienbrief fort, schrieb diese Begebenheit hinein und ermahnte die ganze Familie, man möge sich nicht weiter grämen. Als er fertiggeschrieben und versiegelt hatte, schickte er einen Bediensteten damit heim. Aufrecht Kaufmann folgte bald nach. Davon sei vorerst nicht die Rede.

Unterdessen erhielt Tante Schnee den Brief über die Begnadigung und befahl Xue Ke, überall Geld zu leihen. Sie sammelte auch eigene Mittel und brachte zusammen mit dem Geliehenen die Freikaufsumme auf. Das Strafministerium genehmigte den Antrag, nahm das Silber entgegen, und mit einem einzigen Aktenstück wurde Becken Schnee freigelassen. Wie Mutter und Sohn, Schwestern und Brüder sich wiedersahen, braucht nicht im Einzelnen erzählt zu werden — natürlich war es eine Mischung aus Trauer und Freude. Becken Schnee leistete aus eigenem Antrieb einen Schwur: „Wenn ich je wieder in die alten Fehler verfalle, soll man mich hinrichten und zerstückeln!" Tante Schnee hielt ihm den Mund zu und sagte: „Wenn du nur fest entschlossen bist — musst du dann auch noch solch blutige, grässliche Schwüre ablegen? Bedenke, wie viel Duftkastanie[9] deinetwegen gelitten hat! Deine Frau hat sich ja selbst zugrunde gerichtet. Auch wenn wir jetzt arm sind, haben wir noch genug zu essen. Nach meiner Meinung sollten wir Duftkastanie als deine Hauptfrau betrachten. Was meinst du?" Becken Schnee nickte einverstanden. Auch Schatzspange und die anderen sagten: „So gehört es sich." Duftkastanie wurde darüber so verlegen, dass ihr das Blut ins Gesicht stieg, und sagte: „Ich diene dem Herrn ganz wie zuvor, wozu diese Umstände?" Die Leute begannen sie „Gnädige Frau" zu nennen, und niemand widersprach.

Becken Schnee wollte zum Haus Kaufmann gehen, um sich zu bedanken. Tante Schnee und Schatzspange kamen alle herüber. Man sah sich wieder, und es wurde dies und jenes besprochen. Gerade als sie so sprachen, kam zufällig an jenem Tag der Bote mit Aufrecht Kaufmanns Familienbrief nach Hause. Er überreichte den Brief und sagte: „Der Herr wird in wenigen Tagen eintreffen." Frau König bat Orchidee Kaufmann, den Brief vorzulesen. Als Orchidee Kaufmann an die Stelle kam, wo Aufrecht Kaufmann erzählte, wie er Schatzjade leibhaftig gesehen hatte, brachen alle in Tränen aus — Frau König, Schatzspange und Dufthauch am meisten.

Dann legte man Aufrecht Kaufmanns Worte aus, wonach die Familie nicht traurig sein solle, da Schatzjade sich nur einen sterblichen Leib geliehen habe: „Anstatt ein Beamter zu werden und womöglich in Ungnade zu fallen, Vergehen zu begehen und Haus und Vermögen zu ruinieren — was dann schlimm wäre — , ist es besser, dass unsere Familie einen Buddha hervorgebracht hat. Das zeugt von den Verdiensten des Herrn und der gnädigen Dame, und deshalb wurde er in unserer Familie geboren. Ohne Respektlosigkeit gesagt — im Ostpalast hatte der alte Herr sich auch über ein Jahrzehnt lang in Askese geübt, ohne ein Unsterblicher zu werden; ein Buddha zu werden ist noch viel schwieriger. Wenn die gnädige Dame es so betrachtet, wird ihr Herz leichter." Frau König weinte und sagte zu Tante Schnee: „Dass Schatzjade mich verlassen hat, darüber zürne ich ihm sogar. Was mich betrübt, ist das bittere Schicksal meiner Schwiegertochter — kaum ein, zwei Jahre verheiratet, und er reißt sich mit hartem Herzen los und lässt alles liegen!" Als Tante Schnee dies hörte, war auch sie tief betrübt. Schatzspange weinte, bis sie aller Sinne beraubt war.

Die Herren waren alle draußen, und Frau König sagte: „Mein Leben lang habe ich seinetwegen Angst ausgestanden. Kaum hatte er geheiratet, die Prüfung bestanden, und man wusste, dass die Schwiegertochter guter Hoffnung war — da begann ich mich etwas zu freuen — , und nun dieses Ende! Hätte ich das gewusst, hätten wir ihn gar nicht verheiraten und das Mädchen einer anderen Familie ins Unglück stürzen sollen." Tante Schnee sagte: „Das war von Anfang an so bestimmt. Bei einer Familie wie der unseren — was gibt es da noch zu sagen? Zum Glück ist ein Kind unterwegs; wenn ein Enkel geboren wird, wird der gewiss seinen Weg machen, und dann gibt es ein gutes Ende. Schauen Sie die Älteste junge Frau an: Jetzt hat Orchidee die Prüfung bestanden, nächstes Jahr wird er den Jinshi-Grad erlangen und dann ein Amt bekleiden! All das Leid, das sie früher erduldet hat, das ist nun vorüber, und das Süße, das jetzt kommt, ist der Lohn für ihre Tugendhaftigkeit. Was das Herz unserer Tochter betrifft — das kennt die Schwester doch: Sie ist kein kaltherziger oder leichtfertiger Mensch. Die Schwester braucht sich wirklich keine Sorgen zu machen."

Frau König fand Tante Schnees Worte höchst vernünftig und dachte bei sich: „Schatzspange war schon als Kind von ruhigem Gemüt und genügsamer Art, liebte die Schlichtheit — deshalb ist ihr dies widerfahren. Das Menschenleben hat wohl wirklich eine feste Bestimmung. Wenn ich sehe, wie Schatzspange zwar bitterlich weint, aber ihre würdevolle Haltung keinen Augenblick verliert, und mich sogar noch tröstet — das ist wahrhaft selten. Wer hätte gedacht, dass Schatzjade, so ein Mensch, in der irdischen Welt auch nicht das geringste Glück genießen durfte." Nachdem sie eine Weile nachgedacht hatte, fühlte sie sich etwas erleichtert. Dann dachte sie an Dufthauch: „Bei den anderen Mädchen ist die Sache nicht schwer: Die Älteren verheiratet man, die Jüngeren dienen der Zweiten jungen Frau — das ist alles. Nur mit Dufthauch — was soll man da machen?" Da zu viele Leute anwesend waren, konnte sie es jetzt nicht besprechen; sie wollte es am Abend mit Tante Schnee beraten.

An jenem Tag ging Tante Schnee nicht nach Hause, denn sie fürchtete, Schatzspange werde sich die Augen ausweinen, und blieb in Schatzspanges Zimmer, um sie zu trösten. Doch Schatzspange war überaus verständig. Sie dachte hin und her: „Schatzjades Natur war von jeher ungewöhnlich; eine Bestimmung aus einem früheren Leben hat ihr festes Maß — da gibt es weder Grund, den Himmel anzuklagen noch anderen Vorwürfe zu machen." Sodann erklärte sie ihrer Mutter die Zusammenhänge mit großer Einsicht.

Tante Schnee fühlte sich dadurch umgekehrt getröstet und ging zu Frau König. Zuerst berichtete sie Schatzspanges Worte. Frau König nickte seufzend: „Wenn ich sagen würde, ich hätte keine Verdienste, dann hätte ich eine so gute Schwiegertochter nicht verdient." Bei diesen Worten wurde sie wieder traurig. Tante Schnee tröstete sie abermals eine Weile und brachte dann die Sprache auf Dufthauch: „Ich sehe, Dufthauch ist in letzter Zeit furchtbar abgemagert; sie denkt nur an Schatzjade. Nun, eine Hauptfrau — die sollte dem Mann die Treue halten, das versteht sich. Und eine Nebenfrau, die dies tun will, auch das kommt vor. Aber Dufthauch — obwohl sie dem Rang nach als Nebenfrau gilt — ist vor dem Herrn und der gnädigen Dame doch nie förmlich als solche eingetragen worden." Frau König sagte: „Eben daran habe ich gerade gedacht, und ich wollte es mit der Schwester besprechen. Wenn wir sie fortschicken, fürchte ich, wird sie sich nicht fügen und sich etwas antun. Wenn wir sie behalten — nun, das wäre auch eine Möglichkeit — , aber ich fürchte, der Herr wird es nicht billigen. Daher die Schwierigkeit." Tante Schnee sagte: „Der Schwager wird es gewiss nicht dulden, dass sie als Treuhaltende bleibt. Und der Schwager weiß von Dufthauchs Stellung nichts Näheres; er hält sie einfach für ein Dienstmädchen — und ein Dienstmädchen zu behalten, das gibt es doch gar nicht. Man muss nur ihre Verwandten kommen lassen und ihnen streng auftragen, eine ordentliche Partie für sie zu finden. Und dann sollte man sie reichlich ausstatten. Das Mädchen hat ein gutes Herz und ist noch jung — es wäre nicht umsonst, dass sie der Schwester so lange gedient hat, und die Schwester hätte sie wahrlich nicht schlecht behandelt. Was Dufthauchs Einverständnis betrifft, muss ich ihr noch in Ruhe zureden. Auch wenn man ihre Angehörigen kommen lässt, braucht man es ihr nicht gleich zu sagen; man wartet, bis ihre Familie tatsächlich eine gute Partie gefunden hat, wir erkundigen uns noch einmal — und wenn die Familie wirklich zu essen und zu trinken hat und der Bräutigam ordentlich aussieht — , dann erst lässt man sie gehen." Frau König hörte dies und sagte: „Das ist ein sehr guter Plan. Sonst würde der Herr es ganz abrupt regeln, und ich hätte wieder einen Menschen ins Unglück gestürzt."

Tante Schnee nickte: „Ganz recht!" Sie redeten noch einige Worte und dann verabschiedete sie sich von Frau König und kehrte in Schatzspanges Zimmer zurück. Als sie sah, dass Dufthauchs Gesicht voller Tränenspuren war, sprach sie ihr tröstend zu und redete ihr eine Weile gut zu. Dufthauch war von Natur ehrlich und keine geschliffene Rednerin; auf jedes Wort von Tante Schnee gab sie eine Antwort, und schließlich sagte sie: „Ich bin eine Dienerin. Dass die Tante mich so achtet und solche Dinge mit mir bespricht — ich habe mich nie getraut, der gnädigen Dame zu widersprechen." Als Tante Schnee dies hörte, dachte sie: „Was für ein sanftes, fügsames Kind!" Und sie mochte sie im Herzen noch mehr. Schatzspange sprach dann noch einmal mit großer Würde über Pflicht und Vernunft, und so fand jede in ihrem Herzen Frieden.

Einige Tage später kehrte Aufrecht Kaufmann heim, und alle empfingen ihn. Aufrecht Kaufmann sah, dass Kaufmann Amnestie[10] und Zhen Kaufmann[11] bereits zu Hause waren. Brüder, Onkel und Neffen begrüßten sich und erzählten ausführlich, was in der Zwischenzeit geschehen war. Danach empfingen ihn die Damen des Hauses, und man musste unwillkürlich an Schatzjade denken — wieder wurden alle eine Weile traurig. Aufrecht Kaufmann gebot ihnen Einhalt: „Das ist eine feststehende Sache, eine unumstößliche Ordnung! Jetzt muss es so sein: Wir Herren führen draußen die Geschäfte des Hauses, und ihr drinnen helft dabei. Auf keinen Fall darf es so schlampig zugehen wie früher. Was die anderen Zweige der Familie betrifft, so regelt jeder seine eigenen Angelegenheiten, da brauchen wir uns nicht einzumischen. Was unseren eigenen Zweig angeht — innen überlasse ich dir alles; aber alles muss nach Recht und Ordnung geschehen." Frau König teilte ihm mit, dass Schatzspange guter Hoffnung sei, und künftig wolle man die Dienstmädchen alle freilassen. Aufrecht Kaufmann hörte es und nickte wortlos.

Am nächsten Tag ging Aufrecht Kaufmann in den Palast, um bei den hohen Beamten vorzusprechen. Er sagte: „Ich bin für die kaiserliche Gnade zutiefst dankbar! Da ich aber die Trauerzeit noch nicht abgeschlossen habe — wie soll ich mich gebührend bedanken? Ich bitte die Exzellenzen um Weisung." Die Hofbeamten sagten, sie würden es dem Thron melden und um eine Verfügung bitten. Da war die kaiserliche Gnade überströmend: Der Kaiser befahl sogleich eine Audienz. Aufrecht Kaufmann trat vor und dankte dem Thron. Der Kaiser erteilte noch zahlreiche weitere gnädige Verfügungen und erkundigte sich dann nach Schatzjades Angelegenheit. Aufrecht Kaufmann berichtete wahrheitsgetreu. Der Kaiser staunte und sprach die Verfügung: Schatzjades Aufsätze seien gewiss von klarer Reinheit und Originalität; er müsse wohl ein Eingeweihter sein, der die Dinge durchschaut habe, daher sein Handeln. Hätte er bei Hofe gedient, wäre er zu hohem Amt befördert worden; da er aber den Rang und die Würden der erhabenen Dynastie nicht anzunehmen wage, solle man ihm den daoistischen Ehrentitel „Wahrer Mensch der Wunderbaren Schriften" verleihen. Aufrecht Kaufmann dankte abermals kniefällig und verließ den Palast.

Zu Hause empfingen ihn Kette Kaufmann[12] und Zhen Kaufmann. Aufrecht Kaufmann berichtete ihnen die Worte vom Hof, und alle freuten sich. Zhen Kaufmann meldete darauf: „Der Palast der Ning-Residenz ist vollständig wiederhergerichtet; nach entsprechender Meldung möchte ich zurückziehen. Das Kloster des Smaragdgrüns innerhalb des Gartens soll der Vierten Schwester zum stillen Verweilen überlassen werden." Aufrecht Kaufmann sagte zunächst nichts; erst nach einer längeren Pause erteilte er einige Anweisungen darüber, wie man die kaiserliche Gnade gebührend vergelten solle.

Kette Kaufmann nutzte die Gelegenheit und meldete: „Was Jies Heirat betrifft — der Vater und die gnädige Dame sind beide einverstanden, sie an die Familie Zhou zu verheiraten." Aufrecht Kaufmann hatte am Vorabend auch von Jies ganzer Geschichte erfahren und sagte: „Der Älteste Herr und die Älteste gnädige Dame entscheiden das. Dass das Landleben schlicht ist, macht nichts — Hauptsache, die Familie ist ehrbar und der junge Mann studiert fleißig und kann vorankommen. Die Beamten bei Hof — sind die etwa alle Stadtkinder?" Kette Kaufmann antwortete mit „Ja" und fuhr fort: „Der Vater ist schon bei Jahren und hat zudem eine Neigung zur Schleimkrankheit; er sollte sich einige Jahre der Ruhe gönnen. Alle Angelegenheiten obliegen ohnehin dem Zweiten Onkel als Oberhaupt." Aufrecht Kaufmann sagte: „Wenn du vom Landleben und der stillen Muße sprichst — das ist ganz nach meinem Sinn. Nur habe ich so tiefe kaiserliche Gnade empfangen und sie noch nicht vergolten." Damit ging Aufrecht Kaufmann hinein.

Kette Kaufmann schickte jemanden, um die Alte Liu[13] einzuladen, und die Sache wurde besprochen. Die Alte Liu sah Frau König und die anderen und erzählte allerhand, wie man künftig in hohe Ämter aufsteigen, wie sich die Familie wieder erheben und wie die Nachkommen blühen würden.

Gerade als sie so sprachen, meldete ein Dienstmädchen: „Die Frau von Hua Zifang ist hereingekommen, um ihre Aufwartung zu machen." Frau König stellte einige Fragen. Die Frau von Hua Zifang sagte: „Verwandte haben vermittelt: Es ist die Familie Jiang aus dem Süden der Stadt. Sie haben ein Haus, Land und auch einen Laden. Der Bräutigam ist einige Jahre älter, war aber noch nie verheiratet, und vom Aussehen her ist er einer unter hundert." Frau König hörte dies und war einverstanden. Sie sagte: „Geht und richtet es aus. In einigen Tagen kommt wieder herein und holt eure Schwester ab." Frau König ließ auch noch Erkundigungen einziehen; alle sagten, es sei gut. Frau König teilte es Schatzspange mit und lud noch einmal Tante Schnee ein; dann erklärten sie es Dufthauch behutsam.

Dufthauch war untröstlich, wagte aber nicht, sich zu widersetzen. In ihrem Herzen dachte sie an jenes Jahr, als Schatzjade bei ihr zu Hause gewesen war und danach gesagt hatte, er wolle lieber sterben, als dass sie dorthin zurückgehe: „Nun entscheidet die gnädige Dame über meinen Kopf hinweg. Sage ich, ich wolle treubleiben, dann heißt es, ich hätte keine Scham. Gehe ich aber — es ist wahrhaftig nicht mein Herzenswunsch." So weinte sie, bis sie vor Schluchzen nicht mehr sprechen konnte. Doch Tante Schnee und Schatzspange und die anderen redeten ihr dringend zu, und Dufthauch besann sich eines anderen: „Wenn ich hier sterbe, verderbe ich der gnädigen Dame ihren guten Willen. Wenn ich schon sterben will, dann zu Hause." So nahm Dufthauch unter Tränen Abschied von allen. Als die Schwestern sich trennten, war der Schmerz natürlich kaum zu ertragen.

Dufthauch, fest entschlossen zu sterben, stieg in die Sänfte und fuhr heim. Als sie ihren Bruder und ihre Schwägerin sah, weinte sie ebenfalls, konnte aber kein Wort herausbringen. Hua Zifang zeigte ihr alle Brautgeschenke der Familie Jiang und führte sie dann Stück für Stück durch die Aussteuer, die er besorgt hatte: „Dies hat die gnädige Dame geschenkt, jenes wurde angeschafft." Dufthauch konnte erst recht nichts mehr sagen. Nachdem sie zwei Tage dageblieben war, überlegte sie gründlich: „Mein Bruder hat alles richtig gemacht. Wenn ich im Haus meines Bruders sterbe, schade ich ihm doch nur!" Sie dachte tausendfach hin und her, nach links und rechts — es gab keinen Ausweg. Ihr zarter Seidenfaden eines Herzens war beinahe zerrissen, und sie konnte nur noch ausharren.

Als der glückverheißende Hochzeitstag gekommen war, stieg Dufthauch — sie war eben nicht die forsche Art — still und ergeben in die Sänfte und fuhr los, im Herzen dachte sie, dort angekommen werde sie einen Entschluss fassen. Doch wer hätte gedacht, dass die Familie Jiang die Sache überaus gewissenhaft betrieb und alles nach den Regeln einer Hauptfrau einrichtete! Kaum war sie durch das Tor getreten, nannten Mägde und Dienerinnen sie „gnädige Frau". Dufthauch wollte nun hier sterben, fürchtete aber, der Familie Schaden zuzufügen und deren aufrichtige Güte zu verraten. In jener Nacht weinte sie und wollte sich nicht fügen, doch der Bräutigam war von solch zärtlicher Fürsorge und solchem Feingefühl, dass er geduldig auf sie einging.

Am nächsten Tag, als die Truhen geöffnet wurden, erblickte der Bräutigam ein scharlachrotes Schweißtuch und erkannte, dass sie eine Dienerin Schatzjades gewesen war. Zuvor hatte er nur gewusst, sie sei eine Kammerfrau der alten Fürstin gewesen, und hätte nie gedacht, dass es Dufthauch war. Nun war dieser Jiang Yuhan, und als er an Schatzjades frühere Freundschaft zu ihm dachte, überkam ihn ein Gefühl von Beschämung und Ehrfurcht. Er wurde noch aufmerksamer um sie. Absichtlich holte er das kiefernblütengrüne Schweißtuch hervor, das Schatzjade einst mit ihm getauscht hatte. Als Dufthauch es sah, erkannte sie, dass dieser Herr Jiang niemand anderer als Jiang Yuhan war, und erst jetzt glaubte sie daran, dass die Ehe vom Schicksal vorherbestimmt war. Dufthauch erzählte daraufhin, was sie auf dem Herzen hatte. Jiang Yuhan seufzte tief und zollte ihr Bewunderung; er wagte nicht, sie zu bedrängen, und wurde nur noch zärtlicher und rücksichtsvoller. So war der armen Dufthauch wahrlich jeder Ausweg zum Sterben genommen.

Verehrter Leser, höre: Obwohl die Dinge vorherbestimmt sind und es kein Entrinnen gibt — doch wenn es um pflichtbewusste Söhne und einsame Staatsdiener geht, um treue Gatten und tugendhafte Frauen, dann kann man sich mit dem Wort „unvermeidlich" nicht in jedem Fall herausreden. Darum steht Dufthauch auch nur im „Ergänzungsregister". Es ist wie in dem alten Gedicht über den Pfirsichblüten-Tempel:

Seit Urzeiten ist das Schwerste nur der eine Tod; Herzzerreißend war es nicht allein für die Frau von Xi.

Von Dufthauchs neuem Lebensabschnitt sei nicht weiter die Rede. Nun aber zu Regendorf Kaufmann[14]: Er war wegen Bestechung und Erpressung verurteilt worden. Nachdem das Urteil feststand, traf ihn die große Amnestie, und er wurde als einfacher Bürger in seine Heimat zurückgeschickt. Regendorf Kaufmann schickte seine Familie voraus und reiste selbst nur mit einem Burschen und einem Karren voll Gepäck. Als er an den Strudelbachübergang der Erweckungsfurt gelangte, kam ein Daoist aus der Grashütte am Fährufer heraus und empfing ihn mit Handschlag. Regendorf Kaufmann erkannte ihn als Zhen Wahrheitsverberger[15] und verbeugte sich ebenfalls eilig. Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Werter Herr Kaufmann, seid Ihr seit unserer Trennung wohlauf?" Regendorf Kaufmann erwiderte: „Verehrter Unsterblicher, so seid Ihr also wirklich der alte Herr Zhen! Warum wolltet Ihr mich bei unserer letzten Begegnung von Angesicht zu Angesicht nicht erkennen? Als ich später von dem Brand erfuhr, der die Grashütte zerstörte, war ich zutiefst bestürzt. Dass ich Euch heute wiedersehe — ich bewundere nur die Tiefe Eures Weges und Eurer Tugend! Leider bin ich selbst von unbelehrbarer Dummheit und habe es so weit gebracht." Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Als Ihr, verehrter Herr, in hohem Amt und hohen Ehren standet, wie hätte ein armer Daoist gewagt, sich zu erkennen zu geben? Doch als alter Bekannter wagte ich ein offenes Wort — nur nahm es der gnädige Herr nicht an. Indessen sind Reichtum und Armut, Glück und Unglück nie zufällig. Dass wir uns heute wiedertreffen, ist auch eine bemerkenswerte Fügung. Hier in der Nähe liegt meine kleine Einsiedelei — wollt Ihr nicht eintreten und plaudern?" Regendorf Kaufmann folgte freudig der Einladung.

Die beiden gingen Arm in Arm, der Bursche folgte mit dem Karren. Sie kamen zu einer Strohhütte. Zhen Wahrheitsverberger bat Regendorf Kaufmann einzutreten und Platz zu nehmen; ein Knabe brachte Tee. Regendorf Kaufmann bat den verehrten Unsterblichen, ihm von Anfang und Ende seiner Weltabkehr zu erzählen. Zhen Wahrheitsverberger lachte und sagte: „In einem einzigen Augenblick der Erkenntnis wandelt sich die ganze irdische Welt. Ihr, werter Herr, kommt aus dem Getriebe von Glanz und Überfluss — kennt Ihr nicht den Schatzjade im Lande von Weichheit und Reichtum?" Regendorf Kaufmann antwortete: „Wie sollte ich ihn nicht kennen? Unlängst ging das Gerücht um, auch er sei in die Leere eingegangen. Ich selbst hatte seinerzeit mehrfach mit ihm verkehrt — nie hätte ich gedacht, dass er so entschieden handeln würde." Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Mitnichten. Diese wundersame Verknüpfung kenne ich seit langem. Damals, noch bevor ich mit Euch an meinem alten Tor in der Gasse der Menschenfreundlichkeit plauderte, hatte ich ihn bereits einmal getroffen." Regendorf Kaufmann fragte verwundert: „Die Hauptstadt ist weit entfernt von Eurer Heimat — wie konntet Ihr ihn sehen?" Zhen Wahrheitsverberger antwortete: „Im Geiste waren wir schon lange vertraut." Regendorf Kaufmann sprach: „Wenn es so ist, dann kennt der Unsterbliche gewiss auch Schatzjades Verbleib." Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Jade — das ist eben Jade. In jenem Jahr, noch bevor über die Häuser Rong und Ning die Beschlagnahme hereinbrach, an dem Tag, als Schatzspange und Kajaljade getrennt wurden — da hatte dieser Jade-Stein die Welt bereits verlassen: erstens, um dem Unheil auszuweichen, und zweitens, um die Vereinigung zu bewirken. Damit war die Bestimmung aus einem früheren Leben erfüllt, und Form und Substanz kehrten zur Einheit zurück. Dann zeigte er noch einmal kurz seine übernatürliche Kraft, bestand die hohe Prüfung und zeugte einen edlen Sohn — damit erwies sich dieser Jade-Stein als ein vom Himmel und der Erde geschmiedetes Wunderwerk, das sich mit nichts Irdischem vergleichen lässt. Einst brachten ihn der nebelverhangene Große Gelehrte und der unfassbare Wahre Mensch in die Menschenwelt herab; nun, da sein irdisches Karma erschöpft ist, nehmen ihn dieselben zwei wieder mit an seinen Ursprungsort zurück — das ist Schatzjades Verbleib."

Regendorf Kaufmann hörte zu; obwohl er nicht alles verstand, begriff er doch vier oder fünf Zehntel. Er nickte seufzend: „So verhält es sich also — das wusste ich nicht. Aber wenn Schatzjade eine solche Herkunft hat, warum war er dann so tief in Leidenschaft verstrickt und hat dann wieder so plötzlich zur Erleuchtung gefunden? Ich bitte um weitere Belehrung." Zhen Wahrheitsverberger lachte: „Wenn ich dies erkläre, wird der Herr es vielleicht nicht ganz verstehen. Das Land der Großen Leere und der Illusionen ist in Wahrheit das Land des wahren So-Seins und der Seligkeit. Zweimal hat er die Schicksalsbücher durchblättert — darin liegt der Weg von Anfang und Ende; sein ganzes Leben stand klar vor ihm geschrieben — wie hätte er nicht erwachen sollen? Wenn die Wunderpflanze zur Wahrheit zurückkehrt, ist es dann nicht selbstverständlich, dass auch der Magische Jade in seinen Urzustand zurückfindet?"

Regendorf Kaufmann hörte zu, verstand es aber nicht. Er erkannte, dass es sich um himmlische Geheimnisse handelte, und wagte nicht weiter zu fragen. So sagte er: „Von Schatzjades Angelegenheit habe ich nun gehört. Doch von den Damen unseres Clans gibt es so viele — warum ist das Ende von der Kaiserlichen Gemahlin angefangen bei allen so gewöhnlich?" Zhen Wahrheitsverberger seufzte: „Werter Herr, nehmt mir meine offenen Worte nicht übel. Die Damen Eures erlauchten Hauses kamen allesamt aus dem Himmel der Leidenschaften und dem Meer des Karmas. Im Allgemeinen gilt für die Frauen aller Zeiten: Das Wort 'Ausschweifung' darf gewiss nicht übertreten werden, doch auch das Wort 'Gefühl' sollte man besser nicht berühren. Darum sind Cui Yingying und Su Xiaoxiao nichts als Himmelswesen mit irdischem Herzen; Song Yu und Sima Xiangru sind große Dichter mit sündiger Zunge. Sobald sich aber die Empfindungen verwickeln und verfangen, ist das Ende stets unselig."

Als Regendorf Kaufmann dies hörte, strich er sich unwillkürlich über den Bart und seufzte lang. Dann fragte er noch: „Darf ich den Unsterblichen fragen: Die beiden Häuser Rong und Ning — werden sie je wieder so blühen wie zuvor?" Zhen Wahrheitsverberger antwortete: „Dass Gutes belohnt und Böses bestraft wird, ist ein Grundsatz aller Zeiten. Gegenwärtig gilt für die beiden Häuser Rong und Ning: Wer gut handelt, pflegt sein Verdienst, wer böse gehandelt hat, bereut sein Vergehen. Dass dereinst Orchidee und Cassia gemeinsam duften und das Haus zu seiner alten Pracht zurückfindet, ist der natürliche Lauf der Dinge." Regendorf Kaufmann senkte eine geraume Weile den Kopf und sagte dann plötzlich lachend: „Ja, so ist es! In jenem Hause gibt es einen namens Orchidee, der bereits die Provinzialprüfung bestanden hat — das entspricht genau dem Zeichen 'Orchidee'. Soeben sagtet Ihr 'Orchidee und Cassia duften gemeinsam' und zuvor, Schatzjade habe eine 'hohe Prüfung bestanden und einen edlen Sohn gezeugt' — sollte das bedeuten, dass er einen nachgeborenen Sohn hat, der einst zu höchsten Ehren aufsteigen wird?" Zhen Wahrheitsverberger lächelte fein: „Das gehört der Zukunft an und lässt sich nicht im Voraus sagen."

Regendorf Kaufmann wollte noch weiter fragen, doch Zhen Wahrheitsverberger antwortete nicht mehr. Er ließ eine einfache Mahlzeit auftragen und lud Regendorf Kaufmann zum Essen ein. Nach dem Mahl wollte Regendorf Kaufmann noch nach seinem eigenen weiteren Schicksal fragen. Doch Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Werter Herr, ruht Euch in der Einsiedelei ein wenig aus. Ich habe noch ein Stück irdische Bindung ungelöst, das ich heute noch vollenden muss." Regendorf Kaufmann fragte erstaunt: „Verehrter Meister, bei Eurer reinen Übung — welche irdische Bindung sollte da noch bestehen?" Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Es ist nichts weiter als ein Stück Vater-Tochter-Liebe." Regendorf Kaufmann hörte dies und war noch erstaunter: „Darf ich fragen, was der Meister damit meint?" Zhen Wahrheitsverberger sprach: „Werter Herr, Ihr wisst es nicht. Meine kleine Tochter Heldenlotus geriet in jungen Jahren in das Unheil der irdischen Welt; als Ihr, werter Herr, damals zum ersten Mal ein Amt bekleidetet, habt Ihr über ihren Fall geurteilt. Nun gehört sie der Familie Schnee an; sie wird bei einer schweren Geburt ihr Karma vollenden und einen Sohn hinterlassen, der den Stamm der Familie Schnee weiterführen wird. Jetzt ist die Stunde gekommen, da ihre irdischen Bande sich vollends lösen — ich muss sie nur noch hinübergeleiten." Mit diesen Worten schüttelte Zhen Wahrheitsverberger die Ärmel und erhob sich. Regendorf Kaufmann war benommen und verwirrt; er schlief dort in der Grashütte am Strudelbachübergang der Erweckungsfurt ein.

Zhen Wahrheitsverberger aber ging, um Duftkastanie hinüberzugeleiten. Er brachte sie in das Land der Großen Leere und der Illusionen und übergab sie der Feengöttin der Ernüchterung, damit diese den Eintrag im Schicksalsbuch vervollständige. Kaum hatte er den Ehrenbogen passiert, da kamen der Mönch und der Daoist schwebend herbei. Zhen Wahrheitsverberger empfing sie und sprach: „Großer Gelehrter, Wahrer Mensch — ich gratuliere! Ich beglückwünsche Euch! Sind alle Schicksalsbande abgelöst und klar abgerechnet?" Der Mönch und der Daoist sprachen: „Die Schicksalsbande sind noch nicht ganz gelöst; doch jener törichte Gegenstand ist bereits zurückgekehrt. Wir müssen ihn noch an seinen Ursprungsort bringen und die letzten Dinge seiner Erdenwanderung verzeichnen — sonst wäre seine Reise in die Welt umsonst gewesen." Zhen Wahrheitsverberger hörte dies und verabschiedete sich mit einer Verbeugung. Der Mönch und der Daoist trugen den Jade-Stein zum Fuß des Blauen Felsgrats und legten Schatzjade an jene Stelle, wo Nüwa einst den Himmel geflickt hatte. Dann zogen sie jeder seines Weges und streiften durch die Wolken. Von da an hieß es:

Jenseitige Geschichten, jenseitig überliefert; Zwei Wandlungen einer Person, eine einzige Person.

Eines Tages kam der Daoist der Leere abermals am Blauen Felsgrat vorbei und sah, dass der überzählige Stein von Nüwas Himmelsflickung noch immer dort lag, die Schriftzeichen darauf noch genauso deutlich wie zuvor. Er las alles noch einmal von Anfang bis Ende sorgfältig durch und sah, dass hinter dem Schlussvers noch allerlei Nachträge über die letzten Verknüpfungen und Auflösungen der Schicksale standen. Er nickte seufzend: „Als ich seinerzeit die wundersame Geschichte des Steines fand, meinte ich, sie könne in der Welt verbreitet werden und als ungewöhnliche Erzählung gelten; deshalb schrieb ich sie ab. Doch damals fehlte das Ende, die Rückkehr zum Ursprung. Wer weiß, wann diese schöne Fortsetzung dazukam? Nun weiß ich: Der Stein ist einmal in die Welt hinabgestiegen, hat sein Licht hervorpoliert und die vollkommene Erleuchtung erlangt — da bleibt ihm wahrlich nichts mehr zu bedauern. Ich fürchte nur, mit den Jahren könnten die Schriftzeichen verblassen und Fehler entstehen. Lieber schreibe ich alles noch einmal ab, suche in der Welt einen müßigen Menschen ohne Geschäfte und bitte ihn, die Geschichte zu verbreiten. Dann wird man erkennen: Wundersam und doch nicht wundersam, gewöhnlich und doch nicht gewöhnlich, wahr und doch nicht wahr, falsch und doch nicht falsch. Vielleicht erwachen die Müden des Staubes aus ihrem Traum und der Kuckucksruf lockt sie heim; vielleicht heißt der gastfreundliche Berggeist sie willkommen und lässt den Stein zum Flug aufsteigen — wer weiß?"

Mit diesem Gedanken schrieb er alles noch einmal ab, steckte es in den Ärmel und ging in jene glanzvolle, blühende Gegend. Er suchte überall, doch alle, die er fand, waren entweder damit beschäftigt, Verdienste zu erwerben und eine Laufbahn einzuschlagen, oder damit, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen — keiner hatte die Muße, mit einem Stein zu plaudern! Schließlich gelangte er zur Grashütte am Strudelbachübergang der Erweckungsfurt. Dort schlief jemand. Der Daoist der Leere dachte, dies müsse ein Müßiggänger sein, und wollte ihm die Abschrift des „Steinernen Berichts" zeigen — doch jener Mensch war nicht wachzubekommen. Der Daoist der Leere rüttelte kräftig an ihm, und endlich öffnete er langsam die Augen und setzte sich auf. Er nahm das Manuskript und überflog es flüchtig, dann warf er es hin und sagte: „Diese Dinge habe ich alle selbst mit eigenen Augen gesehen und kenne sie bis ins Letzte. Was du da abgeschrieben hast, enthält keine Fehler. Ich will dir nur den einen Menschen nennen, dem du es anvertrauen kannst, damit er diese frische Begebenheit zum Abschluss bringe." Der Daoist der Leere fragte hastig: „Wer ist es?" Jener Mann antwortete: „Du musst in einem gewissen Jahr, einem gewissen Monat, an einem gewissen Tag, zu einer gewissen Stunde, zu einem Ort namens 'Pavillon der Trauer um das Rot' gehen. Dort lebt ein Herr Cao Xueqin. Sage ihm nur: 'Regendorf Kaufmann sagt' — und bitte ihn, so und so zu verfahren." Damit legte er sich wieder hin und schlief ein.

Der Daoist der Leere prägte sich diese Worte fest ein. Es vergingen dann noch wer weiß wie viele Weltalter und Äonen, bis er tatsächlich einen Pavillon der Trauer um das Rot fand und den Herrn Cao Xueqin sah, der dort gerade alte Geschichtswerke durchblätterte. Der Daoist der Leere überbrachte ihm Regendorf Kaufmanns Worte und zeigte ihm den „Steinernen Bericht". Herr Cao Xueqin lachte und sagte: „Das sind also wirklich 'Regendorf Kaufmanns Worte'!" Der Daoist der Leere fragte: „Woher kennt Ihr diesen Menschen, dass Ihr bereit seid, seine Geschichte zu überliefern?" Herr Cao Xueqin lachte: „Man nennt dich 'Leer', und in der Tat ist dein Inneres leer! Wenn es doch 'erfundenes Dorfgeschwätz' ist — solange es frei von Schreibfehlern, Abweichungen und Widersprüchen ist, kann man es mit zwei, drei gleichgesinnten Freunden nach dem Wein und nach der Mahlzeit, an regnerischen Abenden beim Kerzenschein, zur Vertreibung der Langeweile genießen. Dazu braucht es keine Empfehlung großer Gelehrter, die es der Nachwelt überliefern. Wenn du aber so nach den Wurzeln gräbst und den Grund suchst, dann bist du einer, der ein Boot mit eingekerbtem Bord sucht oder mit festgeleimtem Steg die Laute stimmt." Der Daoist der Leere hörte dies, warf den Kopf zurück und lachte laut zum Himmel empor, schleuderte die Abschrift zu Boden und schwebte davon. Im Gehen rief er: „Es war also nichts als ausgeschmückter Unsinn! Nicht nur der Verfasser weiß es nicht, der Abschreiber weiß es nicht, und auch der Leser weiß es nicht. Es ist nichts als ein Spiel des Pinsels, zur Ergötzung des Gemüts und zur Befriedigung der Natur!"

Spätere Leser, die diese Erzählung sahen, haben ebenfalls vier Verszeilen als Nachwort verfasst, die über die Einleitung des Verfassers noch einen Schritt hinausgehen. Sie lauten:

Wo es bitter wird, da wird das Absurde erst recht traurig. Von jeher ist alles ein und derselbe Traum; Lacht nicht über die Torheit der Welt!


Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.

  1. Chin. 秋纹 Qiūwén, wörtl. „Herbstmuster". Eine von Schatzjades Zofen.
  2. Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch". Schatzjades erste Kammerzofe.
  3. Chin. 巧姐 Qiǎojiě, wörtl. „Geschickte Schwester". Tochter von Phönixglanz und Kette Kaufmann.
  4. Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' erste Kammerzofe und Vertraute.
  5. Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann". Schatzjades Vater.
  6. Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng. Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.
  7. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Kammerzofe der Herzoginmutter.
  8. Chin. 贾兰 Jiǎ Lán, wörtl. „Orchidee Kaufmann". Enkel von Aufrecht Kaufmann, Sohn von Seidenweiß Pflaume.
  9. Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftkastanie". Konkubine von Becken Schnee.
  10. Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, wörtl. „Begnadigung Kaufmann". Älterer Bruder von Aufrecht Kaufmann.
  11. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn. Oberhaupt des Stillfriede-Zweigs der Kaufmann-Familie.
  12. Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kette Kaufmann". Phönixglanz' Ehemann.
  13. Chin. 刘姥姥 Liú Lǎolao, wörtl. „Oma Liu". Einfache Bäuerin und Wohltäterin.
  14. Chin. 贾雨村 Jiǎ Yǔcūn. Aufsteigender Beamter aus dem ersten Kapitel, homophon mit „vorgetäuschte Worte".
  15. Chin. 甄士隐 Zhēn Shìyǐn. Gelehrter aus dem ersten Kapitel, homophon mit „wahrlich verborgen".