Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 1"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 1) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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這日,那甄家大丫嬛在門前買綫,忽聽得街上喝道之聲,衆人都說新太爺到任。丫嬛於是隱在門內看時,只見軍牢快手,一對一對的過去,俄而大轎抬著一個烏帽猩袍的官府過去。丫嬛倒發了個怔,自思這官好面善,倒象在那里見過的。於是進入房中,也就丟過不在心上。至晚間,正待歇息之時,忽聽一片聲打的門響,許多人亂嚷,說:「本府太爺差人來傳人問話。」封肅聽了,唬得目瞪口呆,不知有何禍事。 | 這日,那甄家大丫嬛在門前買綫,忽聽得街上喝道之聲,衆人都說新太爺到任。丫嬛於是隱在門內看時,只見軍牢快手,一對一對的過去,俄而大轎抬著一個烏帽猩袍的官府過去。丫嬛倒發了個怔,自思這官好面善,倒象在那里見過的。於是進入房中,也就丟過不在心上。至晚間,正待歇息之時,忽聽一片聲打的門響,許多人亂嚷,說:「本府太爺差人來傳人問話。」封肅聽了,唬得目瞪口呆,不知有何禍事。 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 1 | |
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| − | + | In dem Wahrheitsverberger Echt [甄士隐]<ref>Chin. 甄士隐 Zhēn Shìyǐn, wörtl. „der wahrhaft die Dinge Verbergende". Der Familienname 甄 Zhēn ist homophon zu 真 zhēn „wahr/echt"; 士隐 Shìyǐn klingt wie 事隐 „die wahren Tatsachen werden verborgen".</ref> im Traum die Wahrheit der Vergänglichkeit versteht | |
| − | + | und Regendorf Kaufmann [贾雨村]<ref>Chin. 贾雨村 Jiǎ Yǔcūn, wörtl. „Kaufmann Regendorf". Der Familienname 贾 Jiǎ ist homophon zu 假 jiǎ „falsch/fiktiv"; 雨村 Yǔcūn klingt wie 语存 „die erdichteten Worte bleiben erhalten".</ref> sich im Staub der Welt in eine Schönheit verliebt | |
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| − | + | Verehrte Leser, wisst Ihr, woher dieses Buch stammt? Obwohl sein Ursprung dem Absurden nahekommt, birgt es bei genauerer Betrachtung tiefen Reiz. Lasst mich, den Erzähler, seine Herkunft darlegen, damit die Leser alles klar verstehen und keinen Zweifel hegen. | |
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| − | + | Einst schmolz die Göttin Nüwa Steine, um den Himmel zu flicken. Am Berg der Großen Öde, an der Klippe des Grundlosen, schmiedete sie insgesamt 36.501 mächtige Steine, zwölf Zhang hoch und vierundzwanzig Zhang breit. Die Göttin verwendete davon nur 36.500 Stück und ließ einen einzigen übrig, den sie am Fuße des Grünen Gipfels dieses Berges liegen ließ. Doch wer hätte gedacht, dass dieser Stein, nachdem er die Läuterung durch das Feuer durchlaufen hatte, bereits geistiges Wesen erlangt hatte! Als er sah, dass alle anderen Steine zum Flicken des Himmels auserwählt worden waren und er allein als untauglich zurückgeblieben war, beklagte und bemitleidete er sich Tag und Nacht voller Kummer und Scham. | |
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| − | + | Eines Tages, als er gerade in tiefem Kummer versunken war, erblickte er plötzlich von ferne einen buddhistischen Mönch und einen taoistischen Priester herankommen, beide von außergewöhnlicher Erscheinung und unvergleichlichem Auftreten. Lachend und plaudernd kamen sie zum Fuße des Gipfels und setzten sich neben den Stein, um angeregt zu plaudern. Zuerst sprachen sie von fernen Wolkenbergen und nebelverhangenen Meeren, von Unsterblichen und wundersamen Dingen, dann aber kamen sie auf Ruhm und Reichtum in der Welt der Sterblichen zu sprechen. Als der Stein dies hörte, ward unwillkürlich sein irdisches Verlangen geweckt, und auch er wollte in die Menschenwelt hinab, um jenen Glanz und Reichtum zu genießen. Da er jedoch seine eigene Ungeschlachtheit bedauerte, blieb ihm nichts anderes übrig, als mit menschlicher Stimme zu den beiden zu sprechen: „Ehrwürdige Meister! Euer demütiger Schüler ist nur ein plumpes Ding und vermag Euch nicht gebührend zu grüßen. Soeben hörte ich Euch von den Freuden und dem Ruhm der Menschenwelt sprechen und sehne mich zutiefst danach. Obwohl mein Wesen grob und unbeholfen ist, besitze ich doch ein wenig Verstand. Und da ich sehe, dass Ihr beide unsterbliche Gestalt und den Leib von Weisen habt, seid Ihr gewiss keine gewöhnlichen Wesen, sondern müsst das Vermögen besitzen, den Himmel zu flicken und die Welt zu retten. Wenn Ihr ein wenig Barmherzigkeit zeigen und Euren Schüler in die Welt des roten Staubs der Sterblichen mitnehmen könntet, um dort einige Jahre lang Reichtum und Zärtlichkeit zu genießen, so wäre ich Euch auf ewig dankbar und würde es in zehntausend Ewigkeiten nicht vergessen." Die beiden unsterblichen Meister lachten gutmütig und sprachen: „Gut, gut! In jener roten Staubwelt gibt es zwar manches Vergnügen, doch nichts davon währt ewig. Zudem sind da die acht Zeichen: ‚Im Schönen liegt stets ein Makel, und guten Dingen stellen sich viele Hindernisse in den Weg', die stets beieinander stehen. Im Nu schlägt höchste Freude in tiefes Leid um, die Menschen vergehen und die Dinge wandeln sich. Letzten Endes ist alles nur ein Traum, und alle Welten kehren in die Leere zurück. Es wäre besser, nicht zu gehen." Doch das irdische Verlangen des Steins loderte bereits mächtig, wie hätte er da noch auf diese Worte hören können. So flehte er abermals und abermals. Die beiden Unsterblichen, die wussten, dass man ihn nicht zwingen konnte, seufzten und sprachen: „Dies ist wohl die Bestimmung – aus äußerster Stille entsteht Bewegung, aus dem Nichts wird Sein. Da es so ist, nehmen wir dich mit, damit du den Genuss erfahren kannst. Nur wenn es dann einmal nicht nach deinem Wunsch gehen sollte, so bereue es nicht!" Der Stein antwortete: „Gewiss, gewiss!" Da sprach der Mönch: „Was deine Natur betrifft, so bist du zwar nicht ohne Geist, doch von so plumper Gestalt und ohne besondere Kostbarkeit – so kannst du dich allenfalls auf die Zehenspitzen stellen, ohne je hinüberzublicken. Nun gut, ich will jetzt große Buddhakunst wirken und dir helfen. Wenn der Tag der Vergeltung gekommen ist, wirst du in deine ursprüngliche Gestalt zurückkehren und diesen Fall beschließen. Was sagst du dazu?" Der Stein war unendlich dankbar. Daraufhin sprach der Mönch Beschwörungen, zeichnete Talismane und entfaltete seine Zauberkünste. Den großen Stein verwandelte er augenblicklich in ein Stück strahlend schönen, leuchtend klaren Jade, verkleinerte ihn auf die Größe eines Fächeranhängers, den man am Körper tragen konnte. Der Mönch hielt ihn auf seiner Handfläche und lachte: „Was die Form angeht, bist du nun wohl ein Juwel, doch fehlte dir noch ein wirklicher Vorzug. Man müsste einige Zeichen eingravieren, damit die Menschen auf den ersten Blick erkennen, dass du etwas Besonderes bist. Dann kann ich dich in jenes Land des Wohlstands und Glanzes bringen, in jene Familie von Dichtung und Adel, an jenen Ort blühender Pracht und zärtlichen Reichtums, damit du dort in Frieden und Freude leben kannst." Als der Stein das hörte, konnte er seine Freude kaum fassen und fragte: „Was für wunderbare Gaben wollt Ihr mir verleihen? Und an welchen Ort wollt Ihr mich bringen? Bitte verratet es mir, damit Euer Schüler nicht im Unklaren bleibt." Der Mönch lachte: „Frage nicht, die Zeit wird es zeigen." Mit diesen Worten steckte er den Stein in seinen Ärmel und ging zusammen mit dem Priester davon, und niemand wusste, wohin sie zogen. | |
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| − | + | Später, nach wer-weiß-wieviel Zeitaltern und Weltperioden, durchwanderte ein taoistischer Priester namens Leere-des-Leeren Berge und Täler auf der Suche nach dem Weg und der Unsterblichkeit, als er zufällig am Fuße des Grünen Gipfels am Berg der Großen Öde vorbeikam. Dort erblickte er einen großen Stein, auf dem deutlich Schriftzeichen zu lesen waren, die eine wohlgeordnete Geschichte erzählten. Der Priester Leere-des-Leeren las sie von Anfang an durch und erkannte, dass es die Geschichte jenes untauglichen Steines war, der nicht zum Flicken des Himmels getaugt hatte, in irdische Gestalt verwandelt und vom Erhabenen Mönch der Weiten Leere und dem Wahren Unsterblichen der Nebelhaften Ferne in die Welt des roten Staubs der Sterblichen getragen worden war, wo er alle Wechselfälle von Trennung und Wiedersehen, Freude und Leid, Hitze und Kälte durchlebte. Am Ende stand ein Vers: | |
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| − | + | Zum Flicken des Himmels taugte ich nicht, | |
| − | + | Umsonst weilte ich all die Jahre im roten Staub! | |
| − | + | Dies ist die Geschichte vor und nach dem Gang durch die Welt – | |
| − | + | Wer wird sie niederschreiben als wundersame Überlieferung? | |
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| − | + | Nach dem Gedicht folgte die Geschichte des Steins von seinem Fall in diese Welt, dem Ort seiner Wiedergeburt, und was er dort selbst erlebte. Darin waren häusliche Kleinigkeiten aus den Frauengemächern beschrieben, auch Gedichte und Verse fanden sich vollständig; doch Dynastie und Jahreszahl, Geographie und Staatswesen waren verloren gegangen und nicht mehr feststellbar. | |
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| − | + | Der Priester Leere-des-Leeren sprach daher zum Stein: „Bruder Stein, diese Geschichte enthält nach deinen eigenen Worten einigen Reiz, weshalb du sie hier aufgeschrieben hast in der Absicht, sie der Welt als wundersame Überlieferung vorzulegen. Doch meines Erachtens fehlt erstens jede Angabe über Dynastie und Jahreszahl, und zweitens handelt es sich keineswegs um die guten Taten großer Weiser und treuer Minister, die am Hof die Sitten ordneten. Es kommen darin nur einige ungewöhnliche Frauen vor, die einen leidenschaftlich, die anderen töricht, manche von kleinem Talent und bescheidener Tugend, aber keine unter ihnen besitzt die Fähigkeiten einer Ban Zhao oder Cai Wenji. Selbst wenn ich die Geschichte abschriebe, fürchte ich, die Menschen würden sie nicht gern lesen." | |
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| + | Der Stein erwiderte lachend: „Wie töricht seid Ihr doch, mein Meister! Wenn Ihr meint, es fehle an Dynastien, so könnte ich leicht Han, Tang oder andere Jahreszahlen hinzufügen – was wäre daran schwer? Doch ich denke mir, alle bisherigen inoffiziellen Geschichten folgen einem und demselben Schema. Gerade weil ich mich dieser Konventionen nicht bediene, ist mein Werk neuartig und ungewöhnlich. Es geht nur um die Wahrheit der Gefühle und Begebenheiten – wozu sich an Dynastien und Jahreszahlen klammern! Zudem lesen die gewöhnlichen Menschen auf dem Markt sehr selten Bücher über Staatskunst; sie bevorzugen unterhaltsame Lektüre. Die bisherigen inoffiziellen Geschichten verleumden entweder Herrscher und Minister oder erniedrigen die Frauen anderer Männer, voll von Ausschweifung und Gewalt. Noch schlimmer sind jene erotischen Schriften, die mit ihrem Schmutz die Seelen der jungen Leute vergiften. Was die Geschichten von schönen Damen und begabten Jünglingen betrifft, so folgen tausend Bücher ein und demselben Muster, und letztlich können sie Anzüglichkeit nicht vermeiden, mit ihren Pan An und Zi Jian, ihren Xi Shi und Wen Jun – das alles nur, weil die Autoren ihre eigenen Liebesgedichte unterbringen wollten und dafür fiktive Namen erfanden, wobei stets ein Bösewicht als Störenfried auftritt, wie der Hanswurst im Theater. Und die Zofen reden von Anfang an in gestelztem Gelehrten-Chinesisch, wenn nicht hochtrabend literarisch, dann moralisierend. Liest man diese Werke der Reihe nach, so stecken sie voller Widersprüche und sind dem wirklichen Leben ganz fremd. Meine Geschichte hingegen beruht auf dem, was ich ein halbes Leben lang mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört habe. Die wenigen Frauen darin wage ich nicht als den Gestalten früherer Bücher überlegen zu bezeichnen, doch die wahre Begebenheit kann gewiss der Langeweile abhelfen, und es finden sich auch einige holprige Verse und alltägliche Sprüche, über die man beim Essen lachen und die man beim Wein genießen kann. Was Trennung und Wiedersehen, Aufstieg und Niedergang betrifft, so folge ich genau den Spuren der Wirklichkeit, ohne auch nur das Geringste hinzuzuerfinden. Die Menschen von heute – die Armen werden täglich von Nahrung und Kleidung bedrückt, die Reichen sind nie zufrieden, und selbst wenn sie einmal einen Augenblick Muße haben, verfallen sie der Wollust und Habgier. Wo sollten sie die Zeit finden, Bücher über Staatskunst zu lesen? Darum möchte ich mit meiner Geschichte weder Bewunderung erregen noch unbedingt die Gunst der Leser gewinnen. Ich wünsche mir nur, dass sie in Stunden der Trunkenheit oder Müdigkeit, oder wenn sie der Welt entfliehen und ihren Kummer vergessen wollen, dieses Werk zur Hand nehmen – wäre das nicht besser als manch andere Zeitverschwendung? Und es würde die Leser auch davon abhalten, eitlen Trugbildern nachzujagen. Was meint Ihr, mein Meister?" | ||
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| + | Der Priester Leere-des-Leeren hörte dies, überlegte eine Weile und las den „Bericht des Steins" noch einmal durch. Er fand darin zwar auch Passagen, die die Zeitläufte beklagten und die Welt tadelten, doch war dies keineswegs als Schmähung der Welt gemeint. Wo es um die Pflichten zwischen Herrscher und Untertan, Vater und Sohn ging, lobte und pries das Werk stets voller Hingabe – wahrlich nicht mit anderen Büchern zu vergleichen. Obwohl sein Hauptthema die Liebe war, handelte es sich doch nur um eine wahrheitsgetreue Aufzeichnung, nicht um erfundene Liebesgelübde und heimliche Schwüre. Da das Werk keinerlei Bezug zu politischen Angelegenheiten nahm, schrieb er es von Anfang bis Ende ab und gab es der Welt als wundersame Überlieferung. Weil er durch die Farbe die Leere erkannte, aus der Leere die Empfindung schöpfte, die Empfindung in die Farbe einführte und aus der Farbe wieder zur Leere gelangte, nannte er sich fortan den „Mönch der Leidenschaft" und benannte den „Bericht des Steins" um in „Aufzeichnungen des Mönches der Leidenschaft". Wu Yufeng gab ihm den Titel „Der Traum der Roten Kammer". Kong Meixi aus dem östlichen Lu nannte es „Der Spiegel von Wind und Mond". Schließlich durchsah Cao Xueqin es im Pavillon des Bedauerns über die Roten während zehn Jahren, strich und ergänzte fünfmal, stellte ein Inhaltsverzeichnis zusammen und teilte es in Kapitel ein, unter dem Titel „Die Zwölf Schönen von Jinling". Er verfasste dazu ein Gedicht: | ||
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| + | Seiten über Seiten wilder Wahn, | ||
| + | geschrieben unter bitteren Tränen! | ||
| + | Alle schelten den Autor einen Narren – | ||
| + | doch wer ergründet den verborgenen Sinn? | ||
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| + | Als Zhiyanzhai es im Jiaxu-Jahr abschrieb und mit Anmerkungen versah, behielt er den Titel „Bericht des Steins" bei. Nun, da der Ursprung erklärt ist, lasst uns sehen, was auf dem Stein geschrieben steht: | ||
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| + | In jener Zeit, als der Südosten der Erde einbrach, gab es in dieser südöstlichen Ecke einen Ort namens Gusu, darin eine Stadt mit einem Tor namens Changmen, einem Ort allerersten Ranges an Reichtum und Eleganz in der Welt des roten Staubs. Vor dem Changmen-Tor lag die Zehn-Li-Straße, in der Straße die Gasse der Menschenfreundlichkeit, und in der Gasse stand ein alter Tempel, den man wegen der Enge des Platzes allgemein den Kürbistempel nannte. Neben dem Tempel wohnte ein ehemaliger Beamter namens Zhen Fei, mit dem Rufnamen Wahrheitsverberger. Seine rechtmäßige Gattin, eine geborene Feng<ref>Chin. 封 Fēng „Siegel/versiegeln" — die Familie „versiegelt" bzw. verbirgt Geheimnisse.</ref>, war von tugendhaftem und freundlichem Wesen und verstand sich auf Sitte und Anstand. Obwohl die Familie nicht besonders reich war, galt sie in der Gegend als angesehenes Geschlecht. Dieser Wahrheitsverberger Echt war von gelassenem Temperament, er strebte nicht nach Ruhm und Karriere, sondern vergnügte sich täglich mit Blumen und Bambus, Wein und Gedichten – ein wahrer Charakter wie aus dem Reich der Unsterblichen. Nur eines fehlte ihm: Er war bereits um die fünfzig Jahre alt und hatte keinen Sohn, nur eine einzige Tochter mit dem Milchnamen Heldenlotus<ref>Chin. 英莲 Yīnglián. 英 yīng „heldenhaft/strahlend"; 莲 lián „Lotus". Der Name klingt wie 应怜 yīnglián „verdient Mitleid" — ein Vorverweis auf ihr tragisches Schicksal.</ref>, die gerade drei Jahre alt war. | ||
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| + | Eines Tages, an einem langen Sommertag, saß Wahrheitsverberger müßig in seinem Arbeitszimmer. Als seine Hände müde wurden, legte er das Buch beiseite, lehnte sich über den Tisch und ruhte ein wenig. Unmerklich schlummerte er ein und träumte sich an einen Ort, den er nicht zu bestimmen wusste. Da sah er plötzlich einen Mönch und einen Priester herankommen, die im Gehen miteinander sprachen. | ||
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| + | Er hörte den Priester fragen: „Was willst du mit diesem plumpen Ding anfangen, und wohin trägst du es?" Der Mönch lachte: „Sei unbesorgt! Es gibt gerade eine hübsche romantische Schicksalsverstrickung, die aufgelöst werden muss. All diese romantisch Verstrickten sind noch nicht zur Wiedergeburt in der Menschenwelt eingegangen. Bei dieser Gelegenheit nehme ich dieses plumpe Ding mit, damit es die Welt erleben kann." Der Priester fragte: „Also wird eine neue Schar leidenschaftlicher Schuldner in die Welt hinabsteigen? Wo werden sie wiedergeboren?" | ||
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| + | Der Mönch lachte: „Das ist eine höchst seltsame und in tausend Jahren unerhörte Geschichte. Am Ufer des Geistigen Flusses im westlichen Paradies, am Stein der Drei Geburten, wuchs eine Pflanze aus Purpurperlen-Gras. Ein Diener namens Göttlicher Jade aus dem Palast des Roten Wolkenschimmers pflegte sie täglich mit süßem Tau zu begießen, so dass die Purpurperlen-Pflanze ihre Lebenszeit verlängern konnte. Nachdem sie die Essenz von Himmel und Erde aufgenommen und die Nahrung von Regen und Tau empfangen hatte, streifte sie ihre pflanzliche Gestalt ab und nahm menschliche Form an – allerdings nur die eines weiblichen Körpers. Fortan wanderte sie jenseits des Himmels des Trennungsschmerzes, stillte ihren Hunger mit der Frucht der verborgenen Leidenschaft und löschte ihren Durst mit dem Wasser des genährten Kummers, wenn sie durstig war. Weil sie die Güte der Bewässerung noch nicht vergolten hatte, trug sie in ihrem Inneren eine endlose Sehnsucht. Als sich nun im Diener Göttlicher Jade eines Tages ein irdisches Verlangen regte, beschloss er, in diese strahlende und friedvolle Welt hinabzusteigen, um sein illusorisches Schicksal zu erleben, und hatte sich bereits bei der Feenkönigin Jinghua angemeldet. Die Feenkönigin hatte auch nach der noch unbeglichenen Schuld der Bewässerung gefragt, und dies bot eine Gelegenheit, sie zu begleichen. Die Purpurperlen-Fee sprach: ‚Er hat mir die Gnade des süßen Taus erwiesen, doch ich habe kein solches Wasser, um es ihm zurückzugeben. Da er in die Menschenwelt hinabsteigt, will auch ich als Mensch geboren werden und ihm alle Tränen meines ganzen Lebens zurückgeben – damit sollte die Schuld beglichen sein.' Durch diese eine Begebenheit kamen viele leidenschaftliche Schuldner zusammen, um den Fall gemeinsam abzuschließen." | ||
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| + | Der Priester sprach: „Das ist wahrlich unerhört! Ich habe noch nie von einer Rückzahlung mit Tränen gehört. Diese Geschichte muss wohl noch feingliedriger und zarter sein als alle bisherigen Liebesgeschichten." Der Mönch sagte: „Die bisherigen romantischen Gestalten wurden nur in groben Umrissen und mit ihren Gedichten überliefert. Das tägliche Essen und Trinken in den Frauengemächern wurde nie beschrieben. Und die meisten Liebesgeschichten handeln nur von gestohlenen Düften und heimlichen Fluchtversuchen, ohne je das wahre Gefühl zwischen Söhnen und Töchtern zum Ausdruck zu bringen. Diese Schar von Menschen, die nun in die Welt eintreten – ob gefühlstrunken oder farbbesessen, weise oder töricht –, sie alle werden ganz anders sein als die Gestalten früherer Überlieferungen." | ||
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| + | Der Priester sprach: „Warum nutzen wir nicht die Gelegenheit und steigen ebenfalls in die Welt hinab, um einige Seelen zu erretten? Wäre das nicht ein verdienstvolles Werk?" Der Mönch antwortete: „Genau mein Gedanke! Komm mit mir zum Palast der Feenkönigin Jinghua, damit wir das plumpe Ding ordnungsgemäß übergeben. Wenn all diese leidenschaftlichen Schuldner in die Welt hinabgestiegen sind, können wir ihnen folgen. Zwar ist bereits die Hälfte von ihnen in den Staub der Welt gefallen, doch sind noch nicht alle versammelt." | ||
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| + | Der Priester sprach: „Wenn dem so ist, folge ich dir." | ||
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| + | Wahrheitsverberger Echt hatte alles deutlich gehört, verstand aber nicht, was für ein „plumpes Ding" gemeint war. Er konnte nicht umhin, vorzutreten und sie höflich zu grüßen, und fragte lächelnd: „Seid gegrüßt, ihr beiden unsterblichen Meister!" Mönch und Priester erwiderten eilig den Gruß. Wahrheitsverberger sprach: „Soeben hörte ich Euch über Ursache und Wirkung sprechen, Dinge, die man in der Menschenwelt selten erfährt. Doch Euer unwürdiger Schüler ist von beschränktem Verstand und kann nicht alles klar begreifen. Wenn Ihr die Güte hättet, mir alles ausführlich zu erklären, so würde ich aufmerksam zuhören. Könnte mir das auch nur ein wenig zur Erleuchtung verhelfen, so wäre ich den Leiden des Unterliegenden entgangen." Die beiden Unsterblichen lachten: „Dies ist ein himmlisches Geheimnis und darf nicht vorab verraten werden. Wenn die Zeit gekommen ist, vergesst uns beide nicht, dann könnt Ihr dem Feuer entkommen." Wahrheitsverberger wagte nicht weiter zu fragen und sprach lachend: „Das himmlische Geheimnis darf nicht verraten werden, doch Ihr spracht soeben von einem ‚plumpen Ding' – dürfte ich es vielleicht einmal sehen?" Der Mönch erwiderte: „Was dieses Ding betrifft, so besteht tatsächlich eine Verbindung zwischen euch." Mit diesen Worten nahm er es heraus und reichte es Wahrheitsverberger. Als Wahrheitsverberger es betrachtete, sah er, dass es ein Stück strahlend schönen Jade war, auf dem deutlich die vier Zeichen „Durchdringender Geist-Jade" eingraviert waren, und auf der Rückseite fanden sich noch einige Zeilen kleiner Schrift. Gerade als er sie genauer betrachten wollte, sagte der Mönch, sie seien am Rand der Illusion angelangt, entriss ihm das Stück Jade und verschwand zusammen mit dem Priester durch ein großes steinernes Tor, auf dem in vier großen Zeichen geschrieben stand: „Land der Großen Leere". Zu beiden Seiten hing ein Spruchpaar: | ||
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| + | Wenn das Falsche für wahr gehalten wird, wird auch das Wahre falsch; | ||
| + | Wo das Nichts zum Sein wird, wird auch das Sein zum Nichts. | ||
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| + | Wahrheitsverberger wollte ihnen folgen, doch kaum hatte er den Fuß gehoben, als ein Donnerschlag ertönte, als brächen Berge zusammen und die Erde stürze ein. Wahrheitsverberger schrie laut auf, riss die Augen auf und sah nur die glühende Sonne und die sanft wehenden Bananenblätter – die Hälfte des Traumes war bereits vergessen. | ||
| + | |||
| + | Da sah er seine Amme mit der kleinen Heldenlotus auf dem Arm herankommen. Als er seine Tochter erblickte, die immer hübscher und lieblicher wurde wie ein Geschöpf aus Jade und Puder, streckte er die Arme aus, nahm sie in den Arm und spielte ein Weilchen mit ihr. Dann trug er sie auf die Straße, um die festliche Prozession zu betrachten. Gerade als er sich zum Gehen wandte, sah er von dort einen Mönch und einen Priester kommen – der Mönch kahlköpfig und barfuß, der Priester hinkend und zerzaust –, beide halb verrückt, lachend und gestikulierend. Als sie vor seiner Tür anlangten und Wahrheitsverberger mit der kleinen Heldenlotus auf dem Arm sahen, begann der Mönch laut zu weinen und rief: „Guter Mann, warum trägst du dieses Kind ohne Glück auf dem Arm, das seinen Eltern nur Kummer bringt?" Wahrheitsverberger erkannte, dass es verrücktes Gerede war, und beachtete ihn nicht. Der Mönch rief immer wieder: „Gib es mir! Gib es mir!" Wahrheitsverberger verlor die Geduld und wollte sich mit der Tochter zurückziehen, doch der Mönch zeigte mit dem Finger auf ihn und lachte laut, wobei er vier Verse sprach: | ||
| + | |||
| + | Verwöhnt und verzärtelt – wie töricht von dir! | ||
| + | Die Wasserkastanenblüte blickt nur auf Schneegestöber. | ||
| + | Hüte dich vor dem Fest der Laternen, | ||
| + | Denn dann wird alles zu Rauch und Asche! | ||
| + | |||
| + | Wahrheitsverberger hörte deutlich und zögerte, er wollte nach ihrer Herkunft fragen. Doch da sagte der Priester: „Wir brauchen nicht zusammen zu gehen. Hier trennen sich unsere Wege, jeder geht seinen Geschäften nach. In drei Weltperioden erwarte ich dich am Berg Beimang, wenn wir uns treffen, gehen wir gemeinsam zum Land der Großen Leere, um unsere Namen zu streichen." Der Mönch rief: „Wunderbar, wunderbar!" Mit diesen Worten gingen die beiden davon und waren spurlos verschwunden. Wahrheitsverberger dachte bei sich: Diese beiden müssen eine besondere Herkunft haben, ich hätte sie befragen sollen. Doch nun bereue ich es zu spät. | ||
| + | |||
| + | Während Wahrheitsverberger noch in Gedanken versunken war, sah er plötzlich einen armen Gelehrten aus dem benachbarten Kürbistempel herauskommen. Er hieß Jia, mit dem Vornamen Hua, dem Rufnamen Shifei und dem Beinamen Regendorf. Dieser Regendorf Kaufmann stammte ursprünglich aus Huzhou und entstammte ebenfalls einer Familie von Dichtern und Beamten. Doch da er in einer Zeit des Niedergangs geboren worden war, waren das Vermögen seiner Vorfahren aufgezehrt und die Familie dezimiert, so dass nur er allein übriggeblieben war. Da es für ihn in der Heimat nichts mehr gab, war er nach der Hauptstadt gereist, um dort durch die Prüfungen zu Ruhm zu gelangen und das Familienvermögen wiederherzustellen. Doch seit seiner Ankunft im Vorjahr war er in Schwierigkeiten geraten und fristete nun vorübergehend im Tempel sein Dasein, wo er sich mit Schreiben und Verfassen von Texten über Wasser hielt. Daher pflegte Wahrheitsverberger häufigen Umgang mit ihm. Als Regendorf Wahrheitsverberger erblickte, verbeugte er sich eilig und sprach lächelnd: „Steht Ihr am Tor und schaut hinaus, mein Herr? Gibt es auf dem Markt etwas Neues?" Wahrheitsverberger lachte: „Nein, nein. Meine kleine Tochter weinte, und ich trug sie heraus, um sie abzulenken. Ich langweilte mich gerade sehr. Wie gut, dass Ihr kommt! Bitte tretet in mein bescheidenes Arbeitszimmer ein, damit wir plaudern können und uns beiden die Zeit schneller vergeht." Daraufhin ließ er jemanden die Tochter hineintragen und ging mit Regendorf Hand in Hand ins Arbeitszimmer. Ein Diener brachte Tee. Sie hatten kaum drei, fünf Sätze gewechselt, als ein Hausbediensteter eilig meldete: „Der alte Herr Yan ist zu Besuch gekommen." Wahrheitsverberger stand hastig auf und entschuldigte sich: „Verzeiht, dass ich Euch zur Eile veranlasst habe. Bitte bleibt noch einen Moment, ich komme sogleich zurück." Regendorf stand ebenfalls auf und sagte höflich: „Gebt Euch keine Mühe, mein Herr. Ich bin ein häufiger Gast, ein kleines Warten macht nichts." Daraufhin ging Wahrheitsverberger in den vorderen Empfangssaal. | ||
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| + | Regendorf blätterte in einigen Büchern, um sich die Zeit zu vertreiben. Plötzlich hörte er von draußen vor dem Fenster ein Mädchen räuspern. Er stand auf und blickte hinaus – es war eine Zofe, die dort Blumen pflückte. Obwohl sie keine umwerfende Schönheit war, hatte sie doch etwas Anmutiges. Regendorf konnte den Blick nicht von ihr wenden. Die Zofe der Familie Echt pflückte ihre Blumen und wollte gerade gehen, als sie aufblickte und am Fenster einen Mann erblickte – in abgetragener Kleidung zwar, doch stattlich gebaut, mit breiten Schultern und kräftigem Rücken, markantem Gesicht, Schwertbrauen und Sternenaugen. Die Zofe wandte sich schnell ab und dachte bei sich: „Dieser Mann sieht so stattlich aus und ist doch so zerlumpt. Das muss wohl der Regendorf Kaufmann sein, von dem mein Herr immer spricht. Er wollte ihm schon oft helfen, hatte nur noch keine Gelegenheit dazu gefunden. Wir haben keine so armen Verwandten, es muss wohl dieser Mann sein. Kein Wunder, dass der Herr auch sagt, er werde gewiss nicht lange in Armut verharren." Mit diesen Gedanken konnte sie nicht umhin, sich noch zweimal umzudrehen. Als Regendorf sah, dass sie den Kopf gewendet hatte, war er überzeugt, das Mädchen habe ein Auge auf ihn geworfen, und freute sich maßlos, denn er hielt sie für eine Frau von scharfem Blick und eine Seelenverwandte im Staub der Welt. Bald darauf kam ein Dienerbursche herein, und Regendorf erfuhr, dass man vorne zum Essen gebeten hatte. Da er nicht länger warten durfte, verließ er durch einen Seitengang das Haus. Wahrheitsverberger verabschiedete seine Gäste und ging, da Regendorf bereits gegangen war, nicht mehr hin, um ihn erneut einzuladen. | ||
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| + | Eines Tages kam wieder das Mittherbstfest. Wahrheitsverberger hatte das Familienessen beendet und ein weiteres Mahl im Arbeitszimmer vorbereitet. Er ging selbst im Mondschein zum Tempel, um Regendorf einzuladen. Regendorf hatte seit jenem Tag, als er die Zofe der Familie Echt sich zweimal umblicken sah, sie für eine Seelenverwandte gehalten und ständig an sie gedacht. Nun, am Mittherbstfest, konnte er angesichts des Mondes nicht umhin, seine Sehnsucht auszudrücken, und dichtete ein Gedicht in fünfsilbigen regulären Versen: | ||
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| + | Noch ungewiss das Gelübde dreier Leben, | ||
| + | Mehrt sich nur der Kummer. | ||
| + | In Schwermut senkt sich die Stirn, | ||
| + | Beim Gehen der Blick zurück. | ||
| + | Im Wind betrachte ich meinen Schatten, | ||
| + | Wer vermag mein Gefährte im Mondschein zu sein? | ||
| + | Wenn der Mond ein Herz hat, | ||
| + | Möge er zuerst das Gemach der Schönen bescheinen. | ||
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| + | Nachdem Regendorf sein Gedicht aufgesagt hatte, dachte er an seine unerfüllten Lebensträume und seufzte zum Himmel empor. Dann rezitierte er laut ein Spruchpaar: | ||
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| + | Der Jade im Schrein harrt des rechten Preises, | ||
| + | Die Haarnadel in der Schatulle wartet auf den rechten Zeitpunkt. | ||
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| + | Gerade in diesem Moment kam Wahrheitsverberger und hörte es. Lachend sprach er: „Bruder Regendorf, Ihr habt wahrlich große Ambitionen!" Regendorf erwiderte hastig lachend: „Ich zitierte nur Verse der Alten, wie käme ich zu solcher Anmaßung?" Dann fragte er: „Was führt Euch hierher, mein Herr?" Wahrheitsverberger lachte: „Heute Nacht ist Mittherbst, das sogenannte ‚Fest der Wiedervereinigung'. Ich dachte mir, Ihr müsstet Euch einsam fühlen in Eurer Mönchszelle, und habe ein bescheidenes Mahl bereitet, um Euch einzuladen. Dürfte ich hoffen, dass Ihr meiner geringen Aufmerksamkeit Beachtung schenkt?" Regendorf, ohne lange Umstände zu machen, lachte: „Da Ihr so freundlich seid, wie könnte ich Eure großzügige Einladung ausschlagen?" Daraufhin gingen sie zusammen hinüber ins Arbeitszimmer. | ||
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| + | Bald war der Tee getrunken und Wein und Speisen aufgetragen, über die man nicht eigens reden muss. Sie setzten sich, und zunächst tranken sie bedächtig und gemessen, dann aber kam das Gespräch in Schwung, und ehe sie sich versahen, flogen die Becher. Auf der Straße ertönten Flöten und Pfeifen aus jedem Haus, und über ihnen strahlte der volle Mond in all seinem Glanz. Beider Stimmung stieg, und sie leerten Becher um Becher. Regendorf, bereits zu sieben oder acht Teilen betrunken, konnte seine überschäumende Begeisterung nicht mehr zurückhalten. Dem Mond gewandt, dichtete er ein Gedicht: | ||
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| + | Wenn der Fünfzehnte kommt, rundet sich der Mond, | ||
| + | Sein klares Licht umhüllt die Jade-Balustrade. | ||
| + | Kaum hat der Himmel den vollen Mond hervorgebracht, | ||
| + | Blicken zehntausend Menschen empor. | ||
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| + | Wahrheitsverberger rief begeistert: „Wunderbar! Ich habe immer gesagt, Ihr seid kein Mann, der lange unter anderen stehen wird. Die Verse, die Ihr soeben gedichtet habt, zeigen bereits die Vorzeichen des Aufstiegs. Bald werdet Ihr über den Wolken wandeln. Das ist zu beglückwünschen!" Er schenkte ihm eigenhändig einen großen Becher ein. Regendorf leerte ihn in einem Zug und seufzte: „Dies sind keine trunkenen Worte: Was die zeitgemäße Gelehrsamkeit betrifft, könnte ich mich wohl durchaus versuchen. Nur fehlen mir Reisegeld und Reisekosten gänzlich, und die Hauptstadt ist weit – allein durch Schreiben und Textverfassen komme ich nicht dorthin." Wahrheitsverberger unterbrach ihn, bevor er ausgeredet hatte: „Warum habt Ihr das nicht früher gesagt! Ich hegte schon lange diesen Wunsch, doch da Ihr bei unseren Treffen nie davon spracht, wagte ich nicht, Euch zu nahe zu treten. Da Ihr es nun anspricht – obwohl ich kein besonderes Talent habe, verstehe ich doch etwas von den Begriffen ‚Gerechtigkeit' und ‚Nutzen'. Zudem ist nächstes Jahr das große Prüfungsjahr, und Ihr solltet Euch schleunigst in die Hauptstadt begeben, um bei den Frühjahrs-prüfungen Euer Bestes zu geben. Die Reisekosten sind Nebensache, ich werde mich darum kümmern und Eure freundschaftliche Zuneigung nicht enttäuscht haben!" Er befahl sogleich einem Diener, fünfzig Liang Silber und zwei Garnituren Winterkleidung einzupacken. Dann sagte er: „Der neunzehnte ist ein günstiger Tag. Kauft Euch ein Boot und reist nach Westen. Wenn Ihr im Frühjahr Karriere macht, können wir uns nächsten Winter wiedersehen – wäre das nicht wunderbar!" Regendorf nahm Silber und Kleidung entgegen, bedankte sich flüchtig und machte kein großes Aufheben, sondern trank und plauderte weiter. Es war bereits die dritte Nachtwache, als die beiden sich trennten. | ||
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| + | Nachdem Wahrheitsverberger Regendorf verabschiedet hatte, kehrte er ins Schlafgemach zurück und schlief bis zum späten Morgen. Da fiel ihm ein, noch zwei Empfehlungsschreiben für Regendorf zu verfassen, damit er in der Hauptstadt bei einer Beamtenfamilie Unterkunft finden könnte. Als er jedoch jemanden hinüberschickte, kam der Diener zurück und berichtete: „Der Mönch sagt, Herr Jia sei heute bei der fünften Trommel bereits nach der Hauptstadt aufgebrochen. Er hinterließ dem Mönch eine Nachricht für den Herrn: ‚Für einen Gelehrten zählen keine günstigen und ungünstigen Tage, sondern nur die Sache selbst. Es tut mir leid, dass ich mich nicht persönlich verabschieden konnte.'" Wahrheitsverberger konnte nichts weiter tun als es hinzunehmen. | ||
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| + | Die Zeit verging rasch in der Muße, und ehe man sich's versah, war wieder das Laternenfest gekommen. Wahrheitsverberger beauftragte seinen Diener Huo Qi<ref>Chin. 霍启 Huò Qǐ. Der Name klingt wie 祸起 huòqǐ „das Unheil beginnt" — ein Vorverweis auf das kommende Unglück.</ref>, die kleine Heldenlotus hinauszutragen, um die Festlichkeiten und Laternen zu betrachten. Um Mitternacht musste Huo Qi sich erleichtern und setzte die kleine Heldenlotus auf die Schwelle eines Hauses. Als er fertig war und sie wieder auf den Arm nehmen wollte, war von Heldenlotus keine Spur mehr zu sehen. In seiner Verzweiflung suchte er die halbe Nacht, doch bis zum Morgengrauen fand er sie nicht. Da wagte er nicht, zu seinem Herrn zurückzukehren, und floh in die Ferne. Als die Eheleute Wahrheitsverberger merkten, dass ihre Tochter nicht zurückkam, ahnten sie, dass etwas nicht stimmte. Sie schickten weitere Leute aus, die alle ohne die geringste Spur zurückkehrten. Die beiden Eheleute, die in ihrem halben Leben nur dieses eine Kind hatten, waren untröstlich. Tag und Nacht weinten sie und wären beinahe gestorben. Schon nach einem Monat wurde Wahrheitsverberger krank, und auch die geborene Siegel erkrankte vor Kummer. Täglich wurden Ärzte gerufen. | ||
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| + | Wer hätte gedacht, dass am fünfzehnten des dritten Monats beim Frittieren der Opfergaben im Kürbistempel die Mönche nicht aufpassten, so dass das heiße Öl aus der Pfanne schoss und die Fensterbespannung in Brand setzte? Da die Häuser in dieser Gegend meist aus Bambusgeflechten und Holzwänden bestanden und das Schicksal es wohl so bestimmte, griff das Feuer eines nach dem anderen über, und bald brannte eine ganze Straße wie ein Flammenberg. Obwohl Soldaten und Bürger zur Hilfe eilten, war das Feuer bereits zu gewaltig. Es brannte die ganze Nacht, bis es allmählich erlosch, und man wusste nicht, wie viele Häuser vernichtet worden waren. Das Haus der Familie Echt nebenan war zu einem Trümmerfeld verbrannt. Nur das Ehepaar und einige Bedienstete waren mit dem Leben davongekommen. In seiner Verzweiflung konnte Wahrheitsverberger nur die Füße stampfen und seufzen. Er musste mit seiner Frau beraten und beschloss, auf ihren Landsitz zu ziehen. Doch in den letzten Jahren hatten Dürre und Überschwemmungen die Ernte zerstört, Räuberbanden trieben ihr Unwesen, und es war unmöglich, in Frieden zu leben. So blieb Wahrheitsverberger nichts anderes übrig, als sein gesamtes Landgut zu verkaufen und mit seiner Frau und zwei Zofen zu seinem Schwiegervater zu ziehen. | ||
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| + | Sein Schwiegervater hieß Schlicht Siegel<ref>Chin. 封肃 Fēng Sù. 封 fēng „Siegel/versiegeln"; 肃 sù „ernst/streng". Der Name klingt wie 风俗 fēngsú „Sitten und Bräuche".</ref> und stammte aus der Gegend von Daru. Obwohl er ein Bauer war, war sein Haushalt durchaus wohlhabend. Als er jedoch seinen Schwiegersohn in so erbärmlichem Zustand ankommen sah, war er nicht sonderlich erfreut. Glücklicherweise hatte Wahrheitsverberger noch etwas Silber vom Verkauf seines Landbesitzes übrig und bat seinen Schwiegervater, davon etwas Land und ein Haus zu kaufen, um für die Zukunft vorzusorgen. Doch Schlicht Siegel überredete und übervorteilte ihn und gab ihm nur ein wenig schlechtes Land und ein verfallenes Haus. Wahrheitsverberger, ein Gelehrter, verstand sich nicht auf Landwirtschaft und Geschäfte. Nach ein, zwei Jahren wurde seine Lage immer schlechter. Schlicht Siegel warf ihm bei jedem Treffen Sprüche an den Kopf und beschwerte sich hinter seinem Rücken, dass sie nicht wirtschaften könnten und nur faul und verfressen seien. Wahrheitsverberger erkannte, dass er sich an den falschen gewandt hatte, und konnte Reue nicht vermeiden. Dazu kam der Schrecken des Vorjahres, Zorn, Kummer und Schmerz, die ihn innerlich verwundet hatten. Als alter Mann, von Armut und Krankheit bedrängt, näherte er sich mehr und mehr seinem Ende. | ||
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| + | An einem Tage, als er sich zufällig auf seinen Stock gestützt auf die Straße schleppte, um frische Luft zu schöpfen, sah er plötzlich einen hinkenden taoistischen Wanderer herankommen, halb verrückt und verwahrlost, in Strohsandalen und zerlumpter Kleidung, der einige Verse vor sich hin murmelte: | ||
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| + | Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, | ||
| + | Nur Amt und Würden können sie nicht lassen; | ||
| + | Wo sind die Feldherren und Minister von einst? | ||
| + | Nur ein verwilderter Grabhügel, vom Gras verschlungen! | ||
| + | |||
| + | Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, | ||
| + | Nur Gold und Silber können sie nicht vergessen; | ||
| + | Das ganze Leben klagen sie, nie genug angehäuft zu haben, | ||
| + | Doch wenn sie genug haben, schließen sich die Augen. | ||
| − | + | Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, | |
| − | + | Nur die geliebte Gattin können sie nicht vergessen; | |
| − | + | Täglich reden Mann und Frau von ihrer Liebe, | |
| − | + | Doch stirbt er, folgt sie einem anderen. | |
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| − | + | Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, | |
| − | + | Nur die Kinder können sie nicht vergessen; | |
| − | + | Törichter Eltern gab es von jeher viele, | |
| − | + | Doch pflichtbewusste Kinder – wer hat sie je gesehen! | |
| − | + | Wahrheitsverberger trat vor und sprach: „Was murmelst du da in einem fort? Ich höre nur ‚gut' und ‚vorbei', ‚gut' und ‚vorbei'." Der Priester lachte: „Wenn du tatsächlich die Worte ‚gut' und ‚vorbei' gehört hast, so bist du ein verständiger Mensch. Wisse, dass in der Welt alles, was gut ist, auch vorbei ist, und alles, was vorbei ist, auch gut. Wenn es nicht vorbei ist, kann es nicht gut sein; wenn es gut sein soll, muss es vorbei sein. Mein Lied heißt das ‚Lied von Gut und Vorbei'." Wahrheitsverberger war ein Mann, der von Natur aus Weisheit besaß. Kaum hatte er diese Worte gehört, war in seinem Herzen die Erleuchtung aufgegangen. Lachend sprach er: „Halt! Lass mich dein ‚Lied von Gut und Vorbei' kommentieren, was sagst du?" Der Priester lachte: „Tu es, tu es!" Wahrheitsverberger sprach also: | |
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| − | + | Schäbige Kammern, leere Hallen – einst füllten Amtstafeln das Bett; | |
| − | + | Vertrocknetes Gras, dürre Weiden – einst Schauplatz von Tanz und Gesang. | |
| − | + | Spinnweben bedecken die geschnitzten Balken, | |
| − | + | Grüne Gaze klebt nun am Fenster der Strohhütte. | |
| − | + | Was nützt das Rot der Schminke und der Duft des Puders, | |
| − | + | Wenn beide Schläfen längst ergraut? | |
| − | + | Gestern noch Gebeine auf dem gelben Hügel, | |
| − | + | Heute Nacht das Liebespaar im roten Lampenschein. | |
| − | + | Goldkisten und Silberkisten – | |
| − | + | Im Handumdrehen bettelarm und von allen geschmäht. | |
| − | + | Man bedauert anderer kurzes Leben, | |
| − | + | Und weiß nicht, dass man selbst bald stirbt! | |
| − | + | Wer seinen Sohn gut erzieht, sieht ihn dennoch als Räuber enden; | |
| − | + | Wer eine reiche Braut erwählt – wer hätte gedacht, dass sie im Freudenviertel endet! | |
| − | + | Weil ihm die Beamtenmütze zu klein war, | |
| − | + | Trägt er nun Kette und Halsjoch des Sträflings. | |
| − | + | Gestern bedauerte er den zerlumpten Mantel, | |
| − | + | Heute ist ihm der Purpurmantel schon zu lang. | |
| − | + | Ein wilder Tumult – der eine singt, der andere tritt auf, | |
| − | + | Und alle halten die Fremde für die Heimat. | |
| − | + | Wie absurd! Letzten Endes näht ein jeder | |
| − | + | Nur das Hochzeitskleid für andere! | |
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| − | + | Der verrückte, hinkende Priester hörte zu, klatschte in die Hände und lachte: „Treffend kommentiert, treffend kommentiert!" Wahrheitsverberger lachte einmal auf, rief: „Gehen wir!" und riss dem Taoisten den Quersack von der Schulter und trug ihn selbst auf dem Rücken. Ohne nach Hause zurückzukehren, ging er mit dem verrückten Priester davon. | |
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| − | + | Dies erregte großes Aufsehen in der ganzen Nachbarschaft, und die Leute tratschten darüber als etwas Unerhörtes. Als seine Frau, die geborene Siegel, davon erfuhr, weinte sie sich fast zu Tode. Sie musste mit ihrem Vater beraten und Leute in alle Richtungen ausschicken, um Wahrheitsverberger zu suchen – doch woher sollte eine Nachricht kommen? Was blieb ihr anderes übrig, als sich auf ihre Eltern zu stützen. Glücklicherweise hatte sie noch zwei alte Zofen, die ihr dienten. Herrin und Dienerinnen verdienten Tag und Nacht mit Näharbeiten ihr Brot und halfen dem Vater bei den Ausgaben. Obwohl Schlicht Siegel sich täglich beklagte, blieb ihm nichts anderes übrig. | |
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| − | + | Eines Tages war die ältere Zofe der Familie Echt gerade vor der Tür und kaufte Garn, als sie auf der Straße Rufe hörte und alle sagten, der neue Magistrat sei ins Amt eingeführt worden. Die Zofe lugte durch die Türspalte und sah Wachen und Läufer paarweise vorüberziehen, dann kam eine große Sänfte mit einem Beamten in schwarzer Mütze und scharlachrotem Gewand. Die Zofe war verblüfft und dachte bei sich: Dieser Beamte sieht mir bekannt aus, als hätte ich ihn schon einmal gesehen. Dann ging sie ins Haus zurück und dachte nicht weiter darüber nach. Am Abend, als sie sich gerade zur Ruhe legen wollte, hörte sie plötzlich lautes Pochen an der Tür und den Lärm vieler Menschen, die riefen: „Der Magistrat schickt nach Euch!" Schlicht Siegel erschrak bis ins Mark und wusste nicht, was für ein Unheil dies bedeuten mochte. | |
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Latest revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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列位看官,你道此書從何而來?說起根由雖近荒唐,細諳則深有趣味。待在下將此來歷註明,方使聞者了然不惑。 原來,當年女媧氏煉石補天之時,於大荒山無稽崖煉成高經經,度。高經,高度。十二丈、方經方經,……見方。二十四丈頑石三萬六千五百零一塊。媧皇氏只用了三萬六千五百塊,只單單的剩下了一塊未用,便弃在此山青埂峰下。誰知此石自經煅煉現在寫作“鍛煉”。之後,靈性已通,因見衆石俱得補天,獨自己無材不堪入選,遂自怨自嗟,日夜悲號悲號:悲傷地號哭。慚愧。 一日,正當嗟悼之际,俄見一僧一道遠遠而來,生得氣骨不凡,丰神迥異, 說說笑笑來至峰下,坐於石邊高談快論。先是說些雲山霧海,神僊玄幻之事,後便說到紅塵中榮華富貴。此石聽了,不覺打動凡心,也想要到人間去享一享這榮華富貴,但自恨粗蠢,不得已,便口吐人言,向那僧道說道:「大師!弟子蠢物,不能見禮了。適聞二位談那人世間榮耀繁華,心切慕之。弟子質雖粗蠢,性却稍通,况見二師仙形道體,定非凡品,必有補天濟世之材,利物濟人之德。如蒙發一點慈心,携帶弟子得入紅塵,在那富貴場中、溫柔鄉裏受享幾年,自當永佩洪恩,萬劫不忘也。」二仙師聽畢,齊憨笑道:「善哉,善哉!那紅塵中有却有些樂事,但不能永遠依恃。况又有『美中不足,好事多魔』八個字緊相連屬。瞬息間則又樂極悲生,人非物換。究竟是到頭一夢,萬境歸空。倒不如不去的好。」這石凡心已熾,那現在寫作“哪”。後同。裡聽得進這話去,乃復苦求再四。二仙知不可强制,乃嘆道:「此亦靜極思動,無中生有之數也。既如此,我們便携你去受享受享,只是到不得意時,切莫後悔。」石道:「自然,自然。」那僧又道:「若說你性靈,却又如此質蠢,並更無奇貴之處,如此也只好踮脚而已。也罷,我如今大施佛法助你助,待劫終之日,復還本質,以了此案。你道好否?」石頭聽了,感謝不盡。那僧便念咒書符,大展幻術,將一塊大石,登時變成一塊鮮明瑩潔的美玉,且又縮成扇墜大小的可佩可拿。那僧托於掌上,笑道:「形體倒也是個寶物了,還只沒有實在的好處,得再鐫上數字數字:幾個字。非“數目字”之意。,使人一見便知是奇物方妙。然後好携你到那昌明隆盛之邦,詩禮簪纓之族,花錦繁華之地,溫柔富貴之鄉去安身樂業。」石頭聽了,喜不能禁,乃問:「不知賜了弟子那幾件奇處,又不知携了弟子到何處?望乞明示,使弟子不惑。」那僧笑道:「你且莫問,日後自然明白的。」說着,便袖了那石,同那道人飄然而去,竟不知投奔何方何舍去了。 後來,不知又過了幾世幾劫。因有個空空道人訪道求仙,忽從這大荒山無稽崖青埂峰下經過,忽見一大塊石上字迹分明,編述歷歷。空空道人乃從頭一看,原來就是無材補天,幻形入世, 蒙茫茫大士、渺渺真人携入紅塵,歷盡一番離合悲歡、炎凉世態的一段故事。後面又有一首偈云: 無材可去補蒼天, 枉入紅塵若許年! 此係身前身後事, 倩誰寄去作奇傳? 詩後便是此石墮落之鄉,投胎之處,親自經歷的一段陳迹故事。其中家庭閨閣瑣事,以及閒情詩詞到還全備,或可適情解悶,然朝代年紀、地輿邦國,却反失落無考。 空空道人遂向石頭說道:「石兄,你這一段故事,據你自己說有些趣味,故編寫在此,意欲問世傳奇。據我看來,第一件,無朝代年紀可考,第二件,幷無大賢大忠理朝廷治風俗的善政,其中只不過幾個异樣女子,或情或痴,或小才微善,亦無班姑蔡女之德能。我縱抄去,恐世人不愛看呢。」 石頭笑答道:「我師何太痴耶!若云無朝代可考,今我師竟假借漢唐等年紀添綴,又有何難?但我想,歷來野史,皆蹈一轍,莫如我這不借此套者,反倒新奇別致,不過只取其事體情理罷了,又何必拘拘於朝代年紀哉!再者,市井俗人喜看理治之書者甚少,愛適趣閑文者特多。歷來野史,或訕謗君相,或貶人妻女,奸淫凶惡,不可勝數。更有一種風月筆墨,其淫穢污臭,塗毒筆墨,壞人子弟,又不可勝數。至若佳人才子等書,則又千部共出一套,且其中終不能不涉於淫濫,以致滿紙潘安子建、西子文君,不過作者要寫出自己的那兩首情詩艷賦來,故假擬出男女二人名姓,又必旁出一小人其間撥亂,亦如劇中之小丑然。且嬛婢開口即者也之乎,非文即理。故逐一看去,悉皆自相矛盾,大不近情理之話。竟不如我半世親睹親聞的這幾個女子,雖不敢說强似前代書中所有之人,但事迹原委,亦可以消愁破悶,也有幾首歪詩熟話,可以噴飯供酒。至若離合悲歡,興衰際遇,則又追踪躡迹,不敢稍加穿鑿,徒爲供人之目而反失其真傳者。今之人,貧者日爲衣食所累,富者又懷不足之心,縱然一時稍閑,又有貪淫戀色、好貨尋愁之事,那里去有工夫看那理治之書?所以我這一段故事,也不願世人稱奇道妙,也不定要世人喜悅檢讀,只願他們當那醉淫飽臥之時,或避世去愁之際,把此一玩,豈不省了些壽命筋力?就比那謀虛逐妄,却也省了口舌是非之害,腿脚奔忙之苦。再者,亦令世人換新眼目,不比那些胡牽亂扯,忽離忽遇,滿紙才人淑女、子建文君、紅娘小玉等通共熟套之舊稿。我師意爲何如?」 空空道人聽如此說,思忖半晌,將《石頭記》再檢閱一遍,因見上面雖有些指奸責佞貶惡誅邪之語,亦非傷時駡世之旨,及至君仁臣良父慈子孝,凡倫常所關之處,皆是稱功頌德,眷眷無窮,實非別書之可比。雖其中大旨談情,亦不過實錄其事,又非假擬妄稱,一味淫邀艶約、私訂偷盟之可比。因毫不干涉時世,方從頭至尾抄錄回來,問世傳奇。各脂本缺“從此空空道人”六字,page=7。因空見色,由色生情,傳情入色,自色悟空,遂易名爲情僧,改《石頭記》爲《情僧錄》。至吳玉峰題曰《紅樓夢》。東魯孔梅溪則題曰《風月寶鑒》。後因曹雪芹於悼紅軒中披閱十載,增删五次,纂成目錄,分出章回,則題曰《金陵十二釵》。幷題一絕云: 滿紙荒唐言,一把辛酸泪! 都-{云}-作者痴,誰解其中味? 至脂硯齋甲戌抄閱再評,仍用《石頭記》。出則既明,且看石上是何故事。按那石上書云: 當日地陷東南,這東南一隅有處曰姑蘇,有城曰閶門者,最是紅塵中一二等富貴風流之地。這閶門外有個十里街,街內有個仁清巷,巷內有個古廟,因地方窄狹,人皆呼作葫蘆廟。廟旁住著一家鄉宦,姓甄,名費,字士隱。嫡妻封氏,情性賢淑,深明禮義。家中雖不甚富貴,然本地便也推他爲望族了。因這甄士隱禀性恬淡,不以功名爲念,每日只以觀花修竹,酌酒吟詩爲樂,倒是神仙一流人品。只是一件不足:如今年已半百,膝下無兒,只有一女,乳名英蓮,年方三歲。 一日,炎夏永晝。士隱於書房閑坐,至手倦拋書,伏几少憩,不覺朦朧睡去。夢至一處,不辨是何地方。忽見那厢來了一僧一道,且行且談。 只聽道人問道:「你携了這蠢物,意欲何往?」那僧笑道:「你放心,如今現有一段風流公案正該了結,這一干風流冤家,尚未投胎入世。趁此機會,就將此蠢物夾帶於中,使他去經歷經歷。」那道人道:「原來近日風流冤孽又將造劫歷世去不成?但不知落於何方何處?」 那僧笑道:「此事說來好笑,竟是千古未聞的罕事。只因西方靈河岸上三生石畔,有絳珠草一株,時有赤瑕宮神瑛侍者,日以甘露灌溉,這絳珠草便得久延歲月。後來既受天地精華,復得雨露滋養,遂得脫却草胎木質,得換人形,僅修成個女體,終日游於離恨天外,饑則食蜜青果爲膳,渴則飲灌愁海水爲湯。只因尚未酬報灌溉之德,故其五內便鬱結著一段纏綿不盡之意。恰近日這神瑛侍者凡心偶熾,乘此昌明太平朝世,意欲下凡造歷幻緣,已在警幻仙子案前挂了號。警幻亦曾問及灌溉之情未償,趁此倒可了結的。那絳珠仙子道:「他是甘露之惠,我幷無此水可還。他既下世爲人,我也去下世爲人,但把我一生所有的眼泪還他,也償還得過他了。」因此一事,就勾出多少風流冤家來,陪他們去了結此案。」 那道人道:「果是罕聞,實未聞有還泪之說。想來這一段故事,比歷來風月事故更加瑣碎細膩了。」那僧道:「歷來幾個風流人物,不過傳其大概以及詩詞篇章而已,至家庭閨閣中一飲一食,總未述記。再者,大半風月故事,不過偷香竊玉、暗約私奔而已,幷不曾將兒女之真情發泄一二。想這一干人入世,其情痴色鬼,賢愚不肖者,悉與前人傳述不同矣。」 那道人道:「趁此何不你我也去下世度脫幾個,豈不是一場功德?」那僧道:「正合吾意,你且同我到警幻仙子宮中,將蠢物交割清楚,待這一干風流孽鬼下世已完,你我再去。如今雖已有一半落塵,然猶未全集。」 道人道:「既如此,便隨你去來。」 却說甄士隱俱聽得明白,但不知所云蠢物系何東西。遂不禁上前施禮,笑問道:「二仙師請了。」那僧道也忙答禮相問。士隱因說道:「適聞仙師所談因果,實人世罕聞者。但弟子愚濁,不能洞悉明白,若蒙大開痴頑,備細一聞,弟子則洗耳諦聽,稍能警省,亦可免沉倫之苦。」二仙笑道:「此乃玄機不可預泄者。到那時不要忘了我二人,便可跳出火坑矣。」士隱聽了,不便再問。因笑道:「玄機不可預泄,但適云『蠢物』,不知爲何,或可一見否?」那僧道:「若問此物,倒有一面之緣。」說著,取出遞與士隱。士隱接了看時,原來是塊鮮明美玉,上面字迹分明,鐫著「通靈寶玉」四字,後面還有幾行小字。正欲細看時,那僧便說已到幻境,便强從手中奪了去,與道人竟過一大石牌坊,上書四個大字,乃是「太虛幻境」。兩邊又有一幅對聯,道是: 假作真時真亦假,無爲有處有還無。 士隱意欲也跟了過去,方舉步時,忽聽一聲霹靂,有若山崩地陷。士隱大叫一聲,定睛一看,只見烈日炎炎,芭蕉冉冉,所夢之事便忘了對半。 又見奶母正抱了英蓮走來。士隱見女兒越發生得粉妝玉琢,乖覺可喜,便伸手接來,抱在懷內,鬥他頑耍一回,又帶至街前,看那過會的熱鬧。方欲進來時,只見從那邊來了一僧一道,那僧則癩頭跣脚,那道則跛足蓬頭,瘋瘋癲癲,揮霍談笑而至。及至到了他門前,看見士隱抱著英蓮,那僧便大哭起來,又向士隱道:「施主,你把這有命無運,累及爹娘之物,抱在懷內作甚?」士隱聽了,知是瘋話,也不去睬他。那僧還說:「捨我罷,捨我罷!」士隱不耐煩,便抱女兒撤身要進去,那僧乃指著他大笑,口內念了四句言詞道: 慣養嬌生笑你痴, 菱花空對雪澌澌。 好防佳節元宵後, 便是烟消火滅時! 士隱聽得明白,心下猶豫,意欲問他們來歷。只聽道人說道:「你我不必同行,就此分手,各幹營生去罷。三劫後,我在北邙山等你,會齊了同往太虛幻境銷號。」那僧道:「妙妙妙!」說畢,二人一去,再不見個踪影了。士隱心中此時自忖:這兩個人必有來歷,該試一問,如今悔却晚也。 這士隱正痴想,忽見隔壁葫蘆廟內寄居的一個窮儒,姓賈名化,表字時飛,別號雨村者走了出來。這賈雨村原系胡州人氏,也是詩書仕宦之族,因他生於末世,父母祖宗根基已盡,人口衰喪,只剩得他一身一口,在家鄉無益。因進京求取功名,再整基業。自前歲來此,又淹蹇住了,暫寄廟中安身,每日賣字作文爲生,故士隱常與他交接。當下雨村見了士隱,忙施禮陪笑道:「老先生倚門佇望,敢是街市上有甚新聞否?」士隱笑道:「非也,適因小女啼哭,引他出來作耍,正是無聊之甚,兄來得正妙,請入小齋一談,彼此皆可消此永晝。」說著,便令人送女兒進去,自與雨村携手來至書房中。小童獻茶。方談得三五句話,忽家人飛報:「嚴老爺來拜。」士隱慌的忙起身謝罪道:「恕誑駕之罪,略坐,弟即來陪。」雨村忙起身亦讓道:「老先生請便。晚生乃常造之客,稍候何妨。」說著,士隱已出前廳去了。 這裏雨村且翻弄書籍解悶。忽聽得窗外有女子嗽聲,雨村遂起身往窗外一看,原來是一個丫嬛,在那里擷花,生得儀容不俗,眉目清明,雖無十分姿色,却亦有動人之處。雨村不覺看的呆了。那甄家丫嬛擷了花,方欲走時,猛抬頭見窗內有人,敝巾舊服,雖是貧窘,然生得腰圓背厚,面闊口方,更兼劍眉星眼,直鼻權腮。這丫嬛忙轉身回避,心下乃想:「這人生的這樣雄壯,却又這樣襤褸,想他定是我家主人常說的什麽賈雨村了,每有意幫助周濟,只是沒甚機會。我家幷無這樣貧窘親友,想定是此人無疑了。怪道又說他必非久困之人。」如此想來,不免又回頭兩次。雨村見他回了頭,便自爲這女子心中有意於他,便狂喜不盡,自爲此女子必是個巨眼英雄,風塵中之知己也。一時小童進來,雨村打聽得前面留飯,不可久待,遂從夾道中自便出門去了。士隱待客既散,知雨村自便,也不去再邀。 一日,早又中秋佳節。士隱家宴已畢,乃又另具一席於書房,却自己步月至廟中來邀雨村。原來雨村自那日見了甄家之婢曾回顧他兩次,自爲是個知己,便時刻放在心上。今又正值中秋,不免對月有懷,因而口占五言一律云: 未卜三生願,頻添一段愁。 悶來時斂額,行去幾回頭。 自顧風前影,誰堪月下儔? 蟾光如有意,先上玉人樓。 雨村吟罷,因又思及平生抱負,苦未逢時,乃又搔首對天長嘆,復高吟一聯曰: 玉在匱中求善價,釵於奩內待時飛。 恰值士隱走來聽見,笑道:「雨村兄真抱負不淺也!」雨村忙笑道:「不過偶吟前人之句,何敢狂誕至此。」因問:「老先生何興至此?」士隱笑道:「今夜中秋,俗謂『團圓之節』,想尊兄旅寄僧房,不無寂寥之感,故特具小酌,邀兄到敝齋一飲,不知可納芹意否?」雨村聽了,幷不推辭,便笑道:「既蒙厚愛,何敢拂此盛情。」說著,便同士隱復過這邊書院中來。 須臾茶畢,早已設下杯盤,那美酒佳肴自不必說。二人歸坐,先是款斟漫飲,次漸談至興濃,不覺飛觥限斝起來。當時街坊上家家簫管,戶戶弦歌,當頭一輪明月,飛彩凝輝,二人愈添豪興,酒到杯幹。雨村此時已有七八分酒意,狂興不禁,乃對月寓懷,口號一絕云: 時逢三五便團圓, 滿把晴光護玉欄。 天上一輪纔捧出, 人間萬姓仰頭看。 士隱聽了,大叫:「妙哉!吾每謂兄必非久居人下者,今所吟之句,飛騰之兆已見,不日可接履於雲霓之上矣。可賀,可賀!」乃親斟一斗爲賀。雨村因乾過,嘆道:「非晚生酒後狂言,若論時尚之學,晚生也或可去充數沽名,只是目今行囊路費一概無措,神京路遠,非賴賣字撰文即能到者。」士隱不待說完,便道:「兄何不早言。愚每有此心,但每遇兄時,兄幷未談及,愚故未敢唐突。今既及此,愚雖不才,『義利』二字却還識得。且喜明歲正當大比,兄宜作速入都,春闈一戰,方不負兄之所學也。其盤費余事,弟自代爲處置,亦不枉兄之謬識矣!」當下即命小童進去,速封五十兩白銀,幷兩套冬衣。又云:「十九日乃黃道之期,兄可即買舟西上,待雄飛高舉,明冬再晤,豈非大快之事耶!」雨村收了銀衣,不過略謝一語,幷不介意,仍是吃酒談笑。那天已交了三更,二人方散。 士隱送雨村去後,回房一覺,直至紅日三竿方醒。因思昨夜之事,意欲再寫兩封薦書與雨村帶至神都,使雨村投謁個仕宦之家爲寄足之地。因使人過去請時,那家人去了回來說:「和尚說,賈爺今日五鼓已進京去了,也曾留下話與和尚轉達老爺,說:『讀書人不在黃道黑道,總以事理爲要,不及面辭了。』」士隱聽了,也只得罷了。 真是閑處光陰易過,倏忽又是元霄佳節矣。士隱命家人霍啓抱了英蓮去看社火花燈,半夜中,霍啓因要小解,便將英蓮放在一家門檻上坐著。待他小解完了來抱時,那有英蓮的踪影?急得霍啓直尋了半夜,至天明不見,那霍啓也就不敢回來見主人,便逃往他鄉去了。那士隱夫婦,見女兒一夜不歸,便知有些不妥,再使幾人去尋找,回來皆云連音響皆無。夫妻二人,半世只生此女,一旦失落,豈不思想,因此晝夜啼哭,幾乎不曾尋死。看看的一月,士隱先就得了一病,當時封氏孺人也因思女構疾,日日請醫療治。 不想這日三月十五,葫蘆廟中炸供,那些和尚不加小心,致使油鍋火逸,便燒著窗紙。此方人家多用竹籬木壁者,大抵也因劫數,於是接二連三,牽五挂四,將一條街燒得如火焰山一般。彼時雖有軍民來救,那火已成了勢,如何救得下?直燒了一夜,方漸漸的熄去,也不知燒了幾家。只可憐甄家在隔壁,早已燒成一片瓦礫場了。只有他夫婦幷幾個家人的性命不曾傷了。急得士隱惟跌足長嘆而已。只得與妻子商議,且到田莊上去安身。偏值近年水旱不收,鼠盜蜂起,無非搶田奪地,鼠竊狗偷,民不安生,因此官兵剿捕,難以安身。士隱只得將田莊都折變了,便携了妻子與兩個丫嬛投他岳丈家去。 他岳丈名喚封肅,本貫大如州人氏,雖是務農,家中都還殷實。今見女婿這等狼狽而來,心中便有些不樂。幸而士隱還有折變田地的銀子未曾用完,拿出來托他隨分就價薄置些須房地,爲後日衣食之計。那封肅便半哄半賺,些須與他些薄田朽屋。士隱乃讀書之人,不慣生理稼穡等事,勉强支持了一二年,越覺窮了下去。封肅每見面時,便說些現成話,且人前人後又怨他們不善過活,只一味好吃懶作等語。士隱知投人不著,心中未免悔恨,再兼上年驚唬,急忿怨痛,已有積傷,暮年之人,貧病交攻,竟漸漸的露出那下世的光景來。 可巧這日,拄了拐杖掙挫到街前散散心時,忽見那邊來了一個跛足道人,瘋癲落脫,麻屣鶉衣,口內念著幾句言詞,道是: 世人都曉神仙好,惟有功名忘不了; 古今將相在何方?荒冢一堆草沒了! 世人都曉神仙好,只有金銀忘不了; 終朝只恨聚無多,及到多時眼閉了。 世人都曉神仙好,只有姣妻忘不了; 夫妻日日說恩情,夫死又隨人去了。 世人都曉神仙好,只有兒孫忘不了; 痴心父母古來多,孝順子孫誰見了! 士隱聽了,便迎上來道:「你滿口說些什麽?只聽見些『好』『了』『好』『了』。那道人笑道:「你若果聽見『好』『了』二字,還算你明白。可知世上萬般,好便是了,了便是好。若不了,便不好,若要好,須是了。我這歌兒,便名《好了歌》」士隱本是有宿慧的,一聞此言,心中早已徹悟。因笑道:「且住!待我將你這《好了歌》解注出來何如?」道人笑道:「你解,你解。」士隱乃說道: 陋室空堂,當年笏滿床, 衰草枯楊,曾爲歌舞場。 蛛絲兒結滿雕梁, 綠紗今又糊在蓬窗上。 說什麽脂正濃,粉正香,如何兩鬢又成霜? 昨日黃土隴頭堆白骨, 今宵紅燈帳底臥鴛鴦。 金滿箱,銀滿箱, 展眼乞丐人皆謗。 正嘆他人命不長,那知自已歸來喪! 訓有方,保不定日後作强梁。 擇膏粱,誰承望流落在烟花巷! 因嫌紗帽小,致使鎖枷杠, 昨憐破襖寒,今嫌紫蟒長。 亂烘烘你方唱罷我登場, 反認他鄉是故鄉。 甚荒唐,到頭來都是爲他人作嫁衣裳! 那瘋跛道人聽了,拍掌笑道:「解得切,解得切!」士隱便笑一聲「走罷!」將道人肩上褡褳搶了過來背著,竟不回家,同了瘋道人飄飄而去。 當下烘動街坊,衆人當作一件新聞傳說。封氏聞得此信,哭個死去活來,只得與父親商議,遣人各處訪尋,那討音信?無奈何,少不得依靠著他父母度日。幸而身邊還有兩個舊日的丫嬛伏侍,主僕三人,日夜作些針綫發賣,幫著父親用度。那封肅雖然日日報怨,也無可奈何了。 這日,那甄家大丫嬛在門前買綫,忽聽得街上喝道之聲,衆人都說新太爺到任。丫嬛於是隱在門內看時,只見軍牢快手,一對一對的過去,俄而大轎抬著一個烏帽猩袍的官府過去。丫嬛倒發了個怔,自思這官好面善,倒象在那里見過的。於是進入房中,也就丟過不在心上。至晚間,正待歇息之時,忽聽一片聲打的門響,許多人亂嚷,說:「本府太爺差人來傳人問話。」封肅聽了,唬得目瞪口呆,不知有何禍事。
注释 |
Kapitel 1 In dem Wahrheitsverberger Echt [甄士隐][1] im Traum die Wahrheit der Vergänglichkeit versteht und Regendorf Kaufmann [贾雨村][2] sich im Staub der Welt in eine Schönheit verliebt Verehrte Leser, wisst Ihr, woher dieses Buch stammt? Obwohl sein Ursprung dem Absurden nahekommt, birgt es bei genauerer Betrachtung tiefen Reiz. Lasst mich, den Erzähler, seine Herkunft darlegen, damit die Leser alles klar verstehen und keinen Zweifel hegen. Einst schmolz die Göttin Nüwa Steine, um den Himmel zu flicken. Am Berg der Großen Öde, an der Klippe des Grundlosen, schmiedete sie insgesamt 36.501 mächtige Steine, zwölf Zhang hoch und vierundzwanzig Zhang breit. Die Göttin verwendete davon nur 36.500 Stück und ließ einen einzigen übrig, den sie am Fuße des Grünen Gipfels dieses Berges liegen ließ. Doch wer hätte gedacht, dass dieser Stein, nachdem er die Läuterung durch das Feuer durchlaufen hatte, bereits geistiges Wesen erlangt hatte! Als er sah, dass alle anderen Steine zum Flicken des Himmels auserwählt worden waren und er allein als untauglich zurückgeblieben war, beklagte und bemitleidete er sich Tag und Nacht voller Kummer und Scham. Eines Tages, als er gerade in tiefem Kummer versunken war, erblickte er plötzlich von ferne einen buddhistischen Mönch und einen taoistischen Priester herankommen, beide von außergewöhnlicher Erscheinung und unvergleichlichem Auftreten. Lachend und plaudernd kamen sie zum Fuße des Gipfels und setzten sich neben den Stein, um angeregt zu plaudern. Zuerst sprachen sie von fernen Wolkenbergen und nebelverhangenen Meeren, von Unsterblichen und wundersamen Dingen, dann aber kamen sie auf Ruhm und Reichtum in der Welt der Sterblichen zu sprechen. Als der Stein dies hörte, ward unwillkürlich sein irdisches Verlangen geweckt, und auch er wollte in die Menschenwelt hinab, um jenen Glanz und Reichtum zu genießen. Da er jedoch seine eigene Ungeschlachtheit bedauerte, blieb ihm nichts anderes übrig, als mit menschlicher Stimme zu den beiden zu sprechen: „Ehrwürdige Meister! Euer demütiger Schüler ist nur ein plumpes Ding und vermag Euch nicht gebührend zu grüßen. Soeben hörte ich Euch von den Freuden und dem Ruhm der Menschenwelt sprechen und sehne mich zutiefst danach. Obwohl mein Wesen grob und unbeholfen ist, besitze ich doch ein wenig Verstand. Und da ich sehe, dass Ihr beide unsterbliche Gestalt und den Leib von Weisen habt, seid Ihr gewiss keine gewöhnlichen Wesen, sondern müsst das Vermögen besitzen, den Himmel zu flicken und die Welt zu retten. Wenn Ihr ein wenig Barmherzigkeit zeigen und Euren Schüler in die Welt des roten Staubs der Sterblichen mitnehmen könntet, um dort einige Jahre lang Reichtum und Zärtlichkeit zu genießen, so wäre ich Euch auf ewig dankbar und würde es in zehntausend Ewigkeiten nicht vergessen." Die beiden unsterblichen Meister lachten gutmütig und sprachen: „Gut, gut! In jener roten Staubwelt gibt es zwar manches Vergnügen, doch nichts davon währt ewig. Zudem sind da die acht Zeichen: ‚Im Schönen liegt stets ein Makel, und guten Dingen stellen sich viele Hindernisse in den Weg', die stets beieinander stehen. Im Nu schlägt höchste Freude in tiefes Leid um, die Menschen vergehen und die Dinge wandeln sich. Letzten Endes ist alles nur ein Traum, und alle Welten kehren in die Leere zurück. Es wäre besser, nicht zu gehen." Doch das irdische Verlangen des Steins loderte bereits mächtig, wie hätte er da noch auf diese Worte hören können. So flehte er abermals und abermals. Die beiden Unsterblichen, die wussten, dass man ihn nicht zwingen konnte, seufzten und sprachen: „Dies ist wohl die Bestimmung – aus äußerster Stille entsteht Bewegung, aus dem Nichts wird Sein. Da es so ist, nehmen wir dich mit, damit du den Genuss erfahren kannst. Nur wenn es dann einmal nicht nach deinem Wunsch gehen sollte, so bereue es nicht!" Der Stein antwortete: „Gewiss, gewiss!" Da sprach der Mönch: „Was deine Natur betrifft, so bist du zwar nicht ohne Geist, doch von so plumper Gestalt und ohne besondere Kostbarkeit – so kannst du dich allenfalls auf die Zehenspitzen stellen, ohne je hinüberzublicken. Nun gut, ich will jetzt große Buddhakunst wirken und dir helfen. Wenn der Tag der Vergeltung gekommen ist, wirst du in deine ursprüngliche Gestalt zurückkehren und diesen Fall beschließen. Was sagst du dazu?" Der Stein war unendlich dankbar. Daraufhin sprach der Mönch Beschwörungen, zeichnete Talismane und entfaltete seine Zauberkünste. Den großen Stein verwandelte er augenblicklich in ein Stück strahlend schönen, leuchtend klaren Jade, verkleinerte ihn auf die Größe eines Fächeranhängers, den man am Körper tragen konnte. Der Mönch hielt ihn auf seiner Handfläche und lachte: „Was die Form angeht, bist du nun wohl ein Juwel, doch fehlte dir noch ein wirklicher Vorzug. Man müsste einige Zeichen eingravieren, damit die Menschen auf den ersten Blick erkennen, dass du etwas Besonderes bist. Dann kann ich dich in jenes Land des Wohlstands und Glanzes bringen, in jene Familie von Dichtung und Adel, an jenen Ort blühender Pracht und zärtlichen Reichtums, damit du dort in Frieden und Freude leben kannst." Als der Stein das hörte, konnte er seine Freude kaum fassen und fragte: „Was für wunderbare Gaben wollt Ihr mir verleihen? Und an welchen Ort wollt Ihr mich bringen? Bitte verratet es mir, damit Euer Schüler nicht im Unklaren bleibt." Der Mönch lachte: „Frage nicht, die Zeit wird es zeigen." Mit diesen Worten steckte er den Stein in seinen Ärmel und ging zusammen mit dem Priester davon, und niemand wusste, wohin sie zogen. Später, nach wer-weiß-wieviel Zeitaltern und Weltperioden, durchwanderte ein taoistischer Priester namens Leere-des-Leeren Berge und Täler auf der Suche nach dem Weg und der Unsterblichkeit, als er zufällig am Fuße des Grünen Gipfels am Berg der Großen Öde vorbeikam. Dort erblickte er einen großen Stein, auf dem deutlich Schriftzeichen zu lesen waren, die eine wohlgeordnete Geschichte erzählten. Der Priester Leere-des-Leeren las sie von Anfang an durch und erkannte, dass es die Geschichte jenes untauglichen Steines war, der nicht zum Flicken des Himmels getaugt hatte, in irdische Gestalt verwandelt und vom Erhabenen Mönch der Weiten Leere und dem Wahren Unsterblichen der Nebelhaften Ferne in die Welt des roten Staubs der Sterblichen getragen worden war, wo er alle Wechselfälle von Trennung und Wiedersehen, Freude und Leid, Hitze und Kälte durchlebte. Am Ende stand ein Vers: Zum Flicken des Himmels taugte ich nicht, Umsonst weilte ich all die Jahre im roten Staub! Dies ist die Geschichte vor und nach dem Gang durch die Welt – Wer wird sie niederschreiben als wundersame Überlieferung? Nach dem Gedicht folgte die Geschichte des Steins von seinem Fall in diese Welt, dem Ort seiner Wiedergeburt, und was er dort selbst erlebte. Darin waren häusliche Kleinigkeiten aus den Frauengemächern beschrieben, auch Gedichte und Verse fanden sich vollständig; doch Dynastie und Jahreszahl, Geographie und Staatswesen waren verloren gegangen und nicht mehr feststellbar. Der Priester Leere-des-Leeren sprach daher zum Stein: „Bruder Stein, diese Geschichte enthält nach deinen eigenen Worten einigen Reiz, weshalb du sie hier aufgeschrieben hast in der Absicht, sie der Welt als wundersame Überlieferung vorzulegen. Doch meines Erachtens fehlt erstens jede Angabe über Dynastie und Jahreszahl, und zweitens handelt es sich keineswegs um die guten Taten großer Weiser und treuer Minister, die am Hof die Sitten ordneten. Es kommen darin nur einige ungewöhnliche Frauen vor, die einen leidenschaftlich, die anderen töricht, manche von kleinem Talent und bescheidener Tugend, aber keine unter ihnen besitzt die Fähigkeiten einer Ban Zhao oder Cai Wenji. Selbst wenn ich die Geschichte abschriebe, fürchte ich, die Menschen würden sie nicht gern lesen." Der Stein erwiderte lachend: „Wie töricht seid Ihr doch, mein Meister! Wenn Ihr meint, es fehle an Dynastien, so könnte ich leicht Han, Tang oder andere Jahreszahlen hinzufügen – was wäre daran schwer? Doch ich denke mir, alle bisherigen inoffiziellen Geschichten folgen einem und demselben Schema. Gerade weil ich mich dieser Konventionen nicht bediene, ist mein Werk neuartig und ungewöhnlich. Es geht nur um die Wahrheit der Gefühle und Begebenheiten – wozu sich an Dynastien und Jahreszahlen klammern! Zudem lesen die gewöhnlichen Menschen auf dem Markt sehr selten Bücher über Staatskunst; sie bevorzugen unterhaltsame Lektüre. Die bisherigen inoffiziellen Geschichten verleumden entweder Herrscher und Minister oder erniedrigen die Frauen anderer Männer, voll von Ausschweifung und Gewalt. Noch schlimmer sind jene erotischen Schriften, die mit ihrem Schmutz die Seelen der jungen Leute vergiften. Was die Geschichten von schönen Damen und begabten Jünglingen betrifft, so folgen tausend Bücher ein und demselben Muster, und letztlich können sie Anzüglichkeit nicht vermeiden, mit ihren Pan An und Zi Jian, ihren Xi Shi und Wen Jun – das alles nur, weil die Autoren ihre eigenen Liebesgedichte unterbringen wollten und dafür fiktive Namen erfanden, wobei stets ein Bösewicht als Störenfried auftritt, wie der Hanswurst im Theater. Und die Zofen reden von Anfang an in gestelztem Gelehrten-Chinesisch, wenn nicht hochtrabend literarisch, dann moralisierend. Liest man diese Werke der Reihe nach, so stecken sie voller Widersprüche und sind dem wirklichen Leben ganz fremd. Meine Geschichte hingegen beruht auf dem, was ich ein halbes Leben lang mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört habe. Die wenigen Frauen darin wage ich nicht als den Gestalten früherer Bücher überlegen zu bezeichnen, doch die wahre Begebenheit kann gewiss der Langeweile abhelfen, und es finden sich auch einige holprige Verse und alltägliche Sprüche, über die man beim Essen lachen und die man beim Wein genießen kann. Was Trennung und Wiedersehen, Aufstieg und Niedergang betrifft, so folge ich genau den Spuren der Wirklichkeit, ohne auch nur das Geringste hinzuzuerfinden. Die Menschen von heute – die Armen werden täglich von Nahrung und Kleidung bedrückt, die Reichen sind nie zufrieden, und selbst wenn sie einmal einen Augenblick Muße haben, verfallen sie der Wollust und Habgier. Wo sollten sie die Zeit finden, Bücher über Staatskunst zu lesen? Darum möchte ich mit meiner Geschichte weder Bewunderung erregen noch unbedingt die Gunst der Leser gewinnen. Ich wünsche mir nur, dass sie in Stunden der Trunkenheit oder Müdigkeit, oder wenn sie der Welt entfliehen und ihren Kummer vergessen wollen, dieses Werk zur Hand nehmen – wäre das nicht besser als manch andere Zeitverschwendung? Und es würde die Leser auch davon abhalten, eitlen Trugbildern nachzujagen. Was meint Ihr, mein Meister?" Der Priester Leere-des-Leeren hörte dies, überlegte eine Weile und las den „Bericht des Steins" noch einmal durch. Er fand darin zwar auch Passagen, die die Zeitläufte beklagten und die Welt tadelten, doch war dies keineswegs als Schmähung der Welt gemeint. Wo es um die Pflichten zwischen Herrscher und Untertan, Vater und Sohn ging, lobte und pries das Werk stets voller Hingabe – wahrlich nicht mit anderen Büchern zu vergleichen. Obwohl sein Hauptthema die Liebe war, handelte es sich doch nur um eine wahrheitsgetreue Aufzeichnung, nicht um erfundene Liebesgelübde und heimliche Schwüre. Da das Werk keinerlei Bezug zu politischen Angelegenheiten nahm, schrieb er es von Anfang bis Ende ab und gab es der Welt als wundersame Überlieferung. Weil er durch die Farbe die Leere erkannte, aus der Leere die Empfindung schöpfte, die Empfindung in die Farbe einführte und aus der Farbe wieder zur Leere gelangte, nannte er sich fortan den „Mönch der Leidenschaft" und benannte den „Bericht des Steins" um in „Aufzeichnungen des Mönches der Leidenschaft". Wu Yufeng gab ihm den Titel „Der Traum der Roten Kammer". Kong Meixi aus dem östlichen Lu nannte es „Der Spiegel von Wind und Mond". Schließlich durchsah Cao Xueqin es im Pavillon des Bedauerns über die Roten während zehn Jahren, strich und ergänzte fünfmal, stellte ein Inhaltsverzeichnis zusammen und teilte es in Kapitel ein, unter dem Titel „Die Zwölf Schönen von Jinling". Er verfasste dazu ein Gedicht: Seiten über Seiten wilder Wahn, geschrieben unter bitteren Tränen! Alle schelten den Autor einen Narren – doch wer ergründet den verborgenen Sinn? Als Zhiyanzhai es im Jiaxu-Jahr abschrieb und mit Anmerkungen versah, behielt er den Titel „Bericht des Steins" bei. Nun, da der Ursprung erklärt ist, lasst uns sehen, was auf dem Stein geschrieben steht: In jener Zeit, als der Südosten der Erde einbrach, gab es in dieser südöstlichen Ecke einen Ort namens Gusu, darin eine Stadt mit einem Tor namens Changmen, einem Ort allerersten Ranges an Reichtum und Eleganz in der Welt des roten Staubs. Vor dem Changmen-Tor lag die Zehn-Li-Straße, in der Straße die Gasse der Menschenfreundlichkeit, und in der Gasse stand ein alter Tempel, den man wegen der Enge des Platzes allgemein den Kürbistempel nannte. Neben dem Tempel wohnte ein ehemaliger Beamter namens Zhen Fei, mit dem Rufnamen Wahrheitsverberger. Seine rechtmäßige Gattin, eine geborene Feng[3], war von tugendhaftem und freundlichem Wesen und verstand sich auf Sitte und Anstand. Obwohl die Familie nicht besonders reich war, galt sie in der Gegend als angesehenes Geschlecht. Dieser Wahrheitsverberger Echt war von gelassenem Temperament, er strebte nicht nach Ruhm und Karriere, sondern vergnügte sich täglich mit Blumen und Bambus, Wein und Gedichten – ein wahrer Charakter wie aus dem Reich der Unsterblichen. Nur eines fehlte ihm: Er war bereits um die fünfzig Jahre alt und hatte keinen Sohn, nur eine einzige Tochter mit dem Milchnamen Heldenlotus[4], die gerade drei Jahre alt war. Eines Tages, an einem langen Sommertag, saß Wahrheitsverberger müßig in seinem Arbeitszimmer. Als seine Hände müde wurden, legte er das Buch beiseite, lehnte sich über den Tisch und ruhte ein wenig. Unmerklich schlummerte er ein und träumte sich an einen Ort, den er nicht zu bestimmen wusste. Da sah er plötzlich einen Mönch und einen Priester herankommen, die im Gehen miteinander sprachen. Er hörte den Priester fragen: „Was willst du mit diesem plumpen Ding anfangen, und wohin trägst du es?" Der Mönch lachte: „Sei unbesorgt! Es gibt gerade eine hübsche romantische Schicksalsverstrickung, die aufgelöst werden muss. All diese romantisch Verstrickten sind noch nicht zur Wiedergeburt in der Menschenwelt eingegangen. Bei dieser Gelegenheit nehme ich dieses plumpe Ding mit, damit es die Welt erleben kann." Der Priester fragte: „Also wird eine neue Schar leidenschaftlicher Schuldner in die Welt hinabsteigen? Wo werden sie wiedergeboren?" Der Mönch lachte: „Das ist eine höchst seltsame und in tausend Jahren unerhörte Geschichte. Am Ufer des Geistigen Flusses im westlichen Paradies, am Stein der Drei Geburten, wuchs eine Pflanze aus Purpurperlen-Gras. Ein Diener namens Göttlicher Jade aus dem Palast des Roten Wolkenschimmers pflegte sie täglich mit süßem Tau zu begießen, so dass die Purpurperlen-Pflanze ihre Lebenszeit verlängern konnte. Nachdem sie die Essenz von Himmel und Erde aufgenommen und die Nahrung von Regen und Tau empfangen hatte, streifte sie ihre pflanzliche Gestalt ab und nahm menschliche Form an – allerdings nur die eines weiblichen Körpers. Fortan wanderte sie jenseits des Himmels des Trennungsschmerzes, stillte ihren Hunger mit der Frucht der verborgenen Leidenschaft und löschte ihren Durst mit dem Wasser des genährten Kummers, wenn sie durstig war. Weil sie die Güte der Bewässerung noch nicht vergolten hatte, trug sie in ihrem Inneren eine endlose Sehnsucht. Als sich nun im Diener Göttlicher Jade eines Tages ein irdisches Verlangen regte, beschloss er, in diese strahlende und friedvolle Welt hinabzusteigen, um sein illusorisches Schicksal zu erleben, und hatte sich bereits bei der Feenkönigin Jinghua angemeldet. Die Feenkönigin hatte auch nach der noch unbeglichenen Schuld der Bewässerung gefragt, und dies bot eine Gelegenheit, sie zu begleichen. Die Purpurperlen-Fee sprach: ‚Er hat mir die Gnade des süßen Taus erwiesen, doch ich habe kein solches Wasser, um es ihm zurückzugeben. Da er in die Menschenwelt hinabsteigt, will auch ich als Mensch geboren werden und ihm alle Tränen meines ganzen Lebens zurückgeben – damit sollte die Schuld beglichen sein.' Durch diese eine Begebenheit kamen viele leidenschaftliche Schuldner zusammen, um den Fall gemeinsam abzuschließen." Der Priester sprach: „Das ist wahrlich unerhört! Ich habe noch nie von einer Rückzahlung mit Tränen gehört. Diese Geschichte muss wohl noch feingliedriger und zarter sein als alle bisherigen Liebesgeschichten." Der Mönch sagte: „Die bisherigen romantischen Gestalten wurden nur in groben Umrissen und mit ihren Gedichten überliefert. Das tägliche Essen und Trinken in den Frauengemächern wurde nie beschrieben. Und die meisten Liebesgeschichten handeln nur von gestohlenen Düften und heimlichen Fluchtversuchen, ohne je das wahre Gefühl zwischen Söhnen und Töchtern zum Ausdruck zu bringen. Diese Schar von Menschen, die nun in die Welt eintreten – ob gefühlstrunken oder farbbesessen, weise oder töricht –, sie alle werden ganz anders sein als die Gestalten früherer Überlieferungen." Der Priester sprach: „Warum nutzen wir nicht die Gelegenheit und steigen ebenfalls in die Welt hinab, um einige Seelen zu erretten? Wäre das nicht ein verdienstvolles Werk?" Der Mönch antwortete: „Genau mein Gedanke! Komm mit mir zum Palast der Feenkönigin Jinghua, damit wir das plumpe Ding ordnungsgemäß übergeben. Wenn all diese leidenschaftlichen Schuldner in die Welt hinabgestiegen sind, können wir ihnen folgen. Zwar ist bereits die Hälfte von ihnen in den Staub der Welt gefallen, doch sind noch nicht alle versammelt." Der Priester sprach: „Wenn dem so ist, folge ich dir." Wahrheitsverberger Echt hatte alles deutlich gehört, verstand aber nicht, was für ein „plumpes Ding" gemeint war. Er konnte nicht umhin, vorzutreten und sie höflich zu grüßen, und fragte lächelnd: „Seid gegrüßt, ihr beiden unsterblichen Meister!" Mönch und Priester erwiderten eilig den Gruß. Wahrheitsverberger sprach: „Soeben hörte ich Euch über Ursache und Wirkung sprechen, Dinge, die man in der Menschenwelt selten erfährt. Doch Euer unwürdiger Schüler ist von beschränktem Verstand und kann nicht alles klar begreifen. Wenn Ihr die Güte hättet, mir alles ausführlich zu erklären, so würde ich aufmerksam zuhören. Könnte mir das auch nur ein wenig zur Erleuchtung verhelfen, so wäre ich den Leiden des Unterliegenden entgangen." Die beiden Unsterblichen lachten: „Dies ist ein himmlisches Geheimnis und darf nicht vorab verraten werden. Wenn die Zeit gekommen ist, vergesst uns beide nicht, dann könnt Ihr dem Feuer entkommen." Wahrheitsverberger wagte nicht weiter zu fragen und sprach lachend: „Das himmlische Geheimnis darf nicht verraten werden, doch Ihr spracht soeben von einem ‚plumpen Ding' – dürfte ich es vielleicht einmal sehen?" Der Mönch erwiderte: „Was dieses Ding betrifft, so besteht tatsächlich eine Verbindung zwischen euch." Mit diesen Worten nahm er es heraus und reichte es Wahrheitsverberger. Als Wahrheitsverberger es betrachtete, sah er, dass es ein Stück strahlend schönen Jade war, auf dem deutlich die vier Zeichen „Durchdringender Geist-Jade" eingraviert waren, und auf der Rückseite fanden sich noch einige Zeilen kleiner Schrift. Gerade als er sie genauer betrachten wollte, sagte der Mönch, sie seien am Rand der Illusion angelangt, entriss ihm das Stück Jade und verschwand zusammen mit dem Priester durch ein großes steinernes Tor, auf dem in vier großen Zeichen geschrieben stand: „Land der Großen Leere". Zu beiden Seiten hing ein Spruchpaar: Wenn das Falsche für wahr gehalten wird, wird auch das Wahre falsch; Wo das Nichts zum Sein wird, wird auch das Sein zum Nichts. Wahrheitsverberger wollte ihnen folgen, doch kaum hatte er den Fuß gehoben, als ein Donnerschlag ertönte, als brächen Berge zusammen und die Erde stürze ein. Wahrheitsverberger schrie laut auf, riss die Augen auf und sah nur die glühende Sonne und die sanft wehenden Bananenblätter – die Hälfte des Traumes war bereits vergessen. Da sah er seine Amme mit der kleinen Heldenlotus auf dem Arm herankommen. Als er seine Tochter erblickte, die immer hübscher und lieblicher wurde wie ein Geschöpf aus Jade und Puder, streckte er die Arme aus, nahm sie in den Arm und spielte ein Weilchen mit ihr. Dann trug er sie auf die Straße, um die festliche Prozession zu betrachten. Gerade als er sich zum Gehen wandte, sah er von dort einen Mönch und einen Priester kommen – der Mönch kahlköpfig und barfuß, der Priester hinkend und zerzaust –, beide halb verrückt, lachend und gestikulierend. Als sie vor seiner Tür anlangten und Wahrheitsverberger mit der kleinen Heldenlotus auf dem Arm sahen, begann der Mönch laut zu weinen und rief: „Guter Mann, warum trägst du dieses Kind ohne Glück auf dem Arm, das seinen Eltern nur Kummer bringt?" Wahrheitsverberger erkannte, dass es verrücktes Gerede war, und beachtete ihn nicht. Der Mönch rief immer wieder: „Gib es mir! Gib es mir!" Wahrheitsverberger verlor die Geduld und wollte sich mit der Tochter zurückziehen, doch der Mönch zeigte mit dem Finger auf ihn und lachte laut, wobei er vier Verse sprach: Verwöhnt und verzärtelt – wie töricht von dir! Die Wasserkastanenblüte blickt nur auf Schneegestöber. Hüte dich vor dem Fest der Laternen, Denn dann wird alles zu Rauch und Asche! Wahrheitsverberger hörte deutlich und zögerte, er wollte nach ihrer Herkunft fragen. Doch da sagte der Priester: „Wir brauchen nicht zusammen zu gehen. Hier trennen sich unsere Wege, jeder geht seinen Geschäften nach. In drei Weltperioden erwarte ich dich am Berg Beimang, wenn wir uns treffen, gehen wir gemeinsam zum Land der Großen Leere, um unsere Namen zu streichen." Der Mönch rief: „Wunderbar, wunderbar!" Mit diesen Worten gingen die beiden davon und waren spurlos verschwunden. Wahrheitsverberger dachte bei sich: Diese beiden müssen eine besondere Herkunft haben, ich hätte sie befragen sollen. Doch nun bereue ich es zu spät. Während Wahrheitsverberger noch in Gedanken versunken war, sah er plötzlich einen armen Gelehrten aus dem benachbarten Kürbistempel herauskommen. Er hieß Jia, mit dem Vornamen Hua, dem Rufnamen Shifei und dem Beinamen Regendorf. Dieser Regendorf Kaufmann stammte ursprünglich aus Huzhou und entstammte ebenfalls einer Familie von Dichtern und Beamten. Doch da er in einer Zeit des Niedergangs geboren worden war, waren das Vermögen seiner Vorfahren aufgezehrt und die Familie dezimiert, so dass nur er allein übriggeblieben war. Da es für ihn in der Heimat nichts mehr gab, war er nach der Hauptstadt gereist, um dort durch die Prüfungen zu Ruhm zu gelangen und das Familienvermögen wiederherzustellen. Doch seit seiner Ankunft im Vorjahr war er in Schwierigkeiten geraten und fristete nun vorübergehend im Tempel sein Dasein, wo er sich mit Schreiben und Verfassen von Texten über Wasser hielt. Daher pflegte Wahrheitsverberger häufigen Umgang mit ihm. Als Regendorf Wahrheitsverberger erblickte, verbeugte er sich eilig und sprach lächelnd: „Steht Ihr am Tor und schaut hinaus, mein Herr? Gibt es auf dem Markt etwas Neues?" Wahrheitsverberger lachte: „Nein, nein. Meine kleine Tochter weinte, und ich trug sie heraus, um sie abzulenken. Ich langweilte mich gerade sehr. Wie gut, dass Ihr kommt! Bitte tretet in mein bescheidenes Arbeitszimmer ein, damit wir plaudern können und uns beiden die Zeit schneller vergeht." Daraufhin ließ er jemanden die Tochter hineintragen und ging mit Regendorf Hand in Hand ins Arbeitszimmer. Ein Diener brachte Tee. Sie hatten kaum drei, fünf Sätze gewechselt, als ein Hausbediensteter eilig meldete: „Der alte Herr Yan ist zu Besuch gekommen." Wahrheitsverberger stand hastig auf und entschuldigte sich: „Verzeiht, dass ich Euch zur Eile veranlasst habe. Bitte bleibt noch einen Moment, ich komme sogleich zurück." Regendorf stand ebenfalls auf und sagte höflich: „Gebt Euch keine Mühe, mein Herr. Ich bin ein häufiger Gast, ein kleines Warten macht nichts." Daraufhin ging Wahrheitsverberger in den vorderen Empfangssaal. Regendorf blätterte in einigen Büchern, um sich die Zeit zu vertreiben. Plötzlich hörte er von draußen vor dem Fenster ein Mädchen räuspern. Er stand auf und blickte hinaus – es war eine Zofe, die dort Blumen pflückte. Obwohl sie keine umwerfende Schönheit war, hatte sie doch etwas Anmutiges. Regendorf konnte den Blick nicht von ihr wenden. Die Zofe der Familie Echt pflückte ihre Blumen und wollte gerade gehen, als sie aufblickte und am Fenster einen Mann erblickte – in abgetragener Kleidung zwar, doch stattlich gebaut, mit breiten Schultern und kräftigem Rücken, markantem Gesicht, Schwertbrauen und Sternenaugen. Die Zofe wandte sich schnell ab und dachte bei sich: „Dieser Mann sieht so stattlich aus und ist doch so zerlumpt. Das muss wohl der Regendorf Kaufmann sein, von dem mein Herr immer spricht. Er wollte ihm schon oft helfen, hatte nur noch keine Gelegenheit dazu gefunden. Wir haben keine so armen Verwandten, es muss wohl dieser Mann sein. Kein Wunder, dass der Herr auch sagt, er werde gewiss nicht lange in Armut verharren." Mit diesen Gedanken konnte sie nicht umhin, sich noch zweimal umzudrehen. Als Regendorf sah, dass sie den Kopf gewendet hatte, war er überzeugt, das Mädchen habe ein Auge auf ihn geworfen, und freute sich maßlos, denn er hielt sie für eine Frau von scharfem Blick und eine Seelenverwandte im Staub der Welt. Bald darauf kam ein Dienerbursche herein, und Regendorf erfuhr, dass man vorne zum Essen gebeten hatte. Da er nicht länger warten durfte, verließ er durch einen Seitengang das Haus. Wahrheitsverberger verabschiedete seine Gäste und ging, da Regendorf bereits gegangen war, nicht mehr hin, um ihn erneut einzuladen. Eines Tages kam wieder das Mittherbstfest. Wahrheitsverberger hatte das Familienessen beendet und ein weiteres Mahl im Arbeitszimmer vorbereitet. Er ging selbst im Mondschein zum Tempel, um Regendorf einzuladen. Regendorf hatte seit jenem Tag, als er die Zofe der Familie Echt sich zweimal umblicken sah, sie für eine Seelenverwandte gehalten und ständig an sie gedacht. Nun, am Mittherbstfest, konnte er angesichts des Mondes nicht umhin, seine Sehnsucht auszudrücken, und dichtete ein Gedicht in fünfsilbigen regulären Versen: Noch ungewiss das Gelübde dreier Leben, Mehrt sich nur der Kummer. In Schwermut senkt sich die Stirn, Beim Gehen der Blick zurück. Im Wind betrachte ich meinen Schatten, Wer vermag mein Gefährte im Mondschein zu sein? Wenn der Mond ein Herz hat, Möge er zuerst das Gemach der Schönen bescheinen. Nachdem Regendorf sein Gedicht aufgesagt hatte, dachte er an seine unerfüllten Lebensträume und seufzte zum Himmel empor. Dann rezitierte er laut ein Spruchpaar: Der Jade im Schrein harrt des rechten Preises, Die Haarnadel in der Schatulle wartet auf den rechten Zeitpunkt. Gerade in diesem Moment kam Wahrheitsverberger und hörte es. Lachend sprach er: „Bruder Regendorf, Ihr habt wahrlich große Ambitionen!" Regendorf erwiderte hastig lachend: „Ich zitierte nur Verse der Alten, wie käme ich zu solcher Anmaßung?" Dann fragte er: „Was führt Euch hierher, mein Herr?" Wahrheitsverberger lachte: „Heute Nacht ist Mittherbst, das sogenannte ‚Fest der Wiedervereinigung'. Ich dachte mir, Ihr müsstet Euch einsam fühlen in Eurer Mönchszelle, und habe ein bescheidenes Mahl bereitet, um Euch einzuladen. Dürfte ich hoffen, dass Ihr meiner geringen Aufmerksamkeit Beachtung schenkt?" Regendorf, ohne lange Umstände zu machen, lachte: „Da Ihr so freundlich seid, wie könnte ich Eure großzügige Einladung ausschlagen?" Daraufhin gingen sie zusammen hinüber ins Arbeitszimmer. Bald war der Tee getrunken und Wein und Speisen aufgetragen, über die man nicht eigens reden muss. Sie setzten sich, und zunächst tranken sie bedächtig und gemessen, dann aber kam das Gespräch in Schwung, und ehe sie sich versahen, flogen die Becher. Auf der Straße ertönten Flöten und Pfeifen aus jedem Haus, und über ihnen strahlte der volle Mond in all seinem Glanz. Beider Stimmung stieg, und sie leerten Becher um Becher. Regendorf, bereits zu sieben oder acht Teilen betrunken, konnte seine überschäumende Begeisterung nicht mehr zurückhalten. Dem Mond gewandt, dichtete er ein Gedicht: Wenn der Fünfzehnte kommt, rundet sich der Mond, Sein klares Licht umhüllt die Jade-Balustrade. Kaum hat der Himmel den vollen Mond hervorgebracht, Blicken zehntausend Menschen empor. Wahrheitsverberger rief begeistert: „Wunderbar! Ich habe immer gesagt, Ihr seid kein Mann, der lange unter anderen stehen wird. Die Verse, die Ihr soeben gedichtet habt, zeigen bereits die Vorzeichen des Aufstiegs. Bald werdet Ihr über den Wolken wandeln. Das ist zu beglückwünschen!" Er schenkte ihm eigenhändig einen großen Becher ein. Regendorf leerte ihn in einem Zug und seufzte: „Dies sind keine trunkenen Worte: Was die zeitgemäße Gelehrsamkeit betrifft, könnte ich mich wohl durchaus versuchen. Nur fehlen mir Reisegeld und Reisekosten gänzlich, und die Hauptstadt ist weit – allein durch Schreiben und Textverfassen komme ich nicht dorthin." Wahrheitsverberger unterbrach ihn, bevor er ausgeredet hatte: „Warum habt Ihr das nicht früher gesagt! Ich hegte schon lange diesen Wunsch, doch da Ihr bei unseren Treffen nie davon spracht, wagte ich nicht, Euch zu nahe zu treten. Da Ihr es nun anspricht – obwohl ich kein besonderes Talent habe, verstehe ich doch etwas von den Begriffen ‚Gerechtigkeit' und ‚Nutzen'. Zudem ist nächstes Jahr das große Prüfungsjahr, und Ihr solltet Euch schleunigst in die Hauptstadt begeben, um bei den Frühjahrs-prüfungen Euer Bestes zu geben. Die Reisekosten sind Nebensache, ich werde mich darum kümmern und Eure freundschaftliche Zuneigung nicht enttäuscht haben!" Er befahl sogleich einem Diener, fünfzig Liang Silber und zwei Garnituren Winterkleidung einzupacken. Dann sagte er: „Der neunzehnte ist ein günstiger Tag. Kauft Euch ein Boot und reist nach Westen. Wenn Ihr im Frühjahr Karriere macht, können wir uns nächsten Winter wiedersehen – wäre das nicht wunderbar!" Regendorf nahm Silber und Kleidung entgegen, bedankte sich flüchtig und machte kein großes Aufheben, sondern trank und plauderte weiter. Es war bereits die dritte Nachtwache, als die beiden sich trennten. Nachdem Wahrheitsverberger Regendorf verabschiedet hatte, kehrte er ins Schlafgemach zurück und schlief bis zum späten Morgen. Da fiel ihm ein, noch zwei Empfehlungsschreiben für Regendorf zu verfassen, damit er in der Hauptstadt bei einer Beamtenfamilie Unterkunft finden könnte. Als er jedoch jemanden hinüberschickte, kam der Diener zurück und berichtete: „Der Mönch sagt, Herr Jia sei heute bei der fünften Trommel bereits nach der Hauptstadt aufgebrochen. Er hinterließ dem Mönch eine Nachricht für den Herrn: ‚Für einen Gelehrten zählen keine günstigen und ungünstigen Tage, sondern nur die Sache selbst. Es tut mir leid, dass ich mich nicht persönlich verabschieden konnte.'" Wahrheitsverberger konnte nichts weiter tun als es hinzunehmen. Die Zeit verging rasch in der Muße, und ehe man sich's versah, war wieder das Laternenfest gekommen. Wahrheitsverberger beauftragte seinen Diener Huo Qi[5], die kleine Heldenlotus hinauszutragen, um die Festlichkeiten und Laternen zu betrachten. Um Mitternacht musste Huo Qi sich erleichtern und setzte die kleine Heldenlotus auf die Schwelle eines Hauses. Als er fertig war und sie wieder auf den Arm nehmen wollte, war von Heldenlotus keine Spur mehr zu sehen. In seiner Verzweiflung suchte er die halbe Nacht, doch bis zum Morgengrauen fand er sie nicht. Da wagte er nicht, zu seinem Herrn zurückzukehren, und floh in die Ferne. Als die Eheleute Wahrheitsverberger merkten, dass ihre Tochter nicht zurückkam, ahnten sie, dass etwas nicht stimmte. Sie schickten weitere Leute aus, die alle ohne die geringste Spur zurückkehrten. Die beiden Eheleute, die in ihrem halben Leben nur dieses eine Kind hatten, waren untröstlich. Tag und Nacht weinten sie und wären beinahe gestorben. Schon nach einem Monat wurde Wahrheitsverberger krank, und auch die geborene Siegel erkrankte vor Kummer. Täglich wurden Ärzte gerufen. Wer hätte gedacht, dass am fünfzehnten des dritten Monats beim Frittieren der Opfergaben im Kürbistempel die Mönche nicht aufpassten, so dass das heiße Öl aus der Pfanne schoss und die Fensterbespannung in Brand setzte? Da die Häuser in dieser Gegend meist aus Bambusgeflechten und Holzwänden bestanden und das Schicksal es wohl so bestimmte, griff das Feuer eines nach dem anderen über, und bald brannte eine ganze Straße wie ein Flammenberg. Obwohl Soldaten und Bürger zur Hilfe eilten, war das Feuer bereits zu gewaltig. Es brannte die ganze Nacht, bis es allmählich erlosch, und man wusste nicht, wie viele Häuser vernichtet worden waren. Das Haus der Familie Echt nebenan war zu einem Trümmerfeld verbrannt. Nur das Ehepaar und einige Bedienstete waren mit dem Leben davongekommen. In seiner Verzweiflung konnte Wahrheitsverberger nur die Füße stampfen und seufzen. Er musste mit seiner Frau beraten und beschloss, auf ihren Landsitz zu ziehen. Doch in den letzten Jahren hatten Dürre und Überschwemmungen die Ernte zerstört, Räuberbanden trieben ihr Unwesen, und es war unmöglich, in Frieden zu leben. So blieb Wahrheitsverberger nichts anderes übrig, als sein gesamtes Landgut zu verkaufen und mit seiner Frau und zwei Zofen zu seinem Schwiegervater zu ziehen. Sein Schwiegervater hieß Schlicht Siegel[6] und stammte aus der Gegend von Daru. Obwohl er ein Bauer war, war sein Haushalt durchaus wohlhabend. Als er jedoch seinen Schwiegersohn in so erbärmlichem Zustand ankommen sah, war er nicht sonderlich erfreut. Glücklicherweise hatte Wahrheitsverberger noch etwas Silber vom Verkauf seines Landbesitzes übrig und bat seinen Schwiegervater, davon etwas Land und ein Haus zu kaufen, um für die Zukunft vorzusorgen. Doch Schlicht Siegel überredete und übervorteilte ihn und gab ihm nur ein wenig schlechtes Land und ein verfallenes Haus. Wahrheitsverberger, ein Gelehrter, verstand sich nicht auf Landwirtschaft und Geschäfte. Nach ein, zwei Jahren wurde seine Lage immer schlechter. Schlicht Siegel warf ihm bei jedem Treffen Sprüche an den Kopf und beschwerte sich hinter seinem Rücken, dass sie nicht wirtschaften könnten und nur faul und verfressen seien. Wahrheitsverberger erkannte, dass er sich an den falschen gewandt hatte, und konnte Reue nicht vermeiden. Dazu kam der Schrecken des Vorjahres, Zorn, Kummer und Schmerz, die ihn innerlich verwundet hatten. Als alter Mann, von Armut und Krankheit bedrängt, näherte er sich mehr und mehr seinem Ende. An einem Tage, als er sich zufällig auf seinen Stock gestützt auf die Straße schleppte, um frische Luft zu schöpfen, sah er plötzlich einen hinkenden taoistischen Wanderer herankommen, halb verrückt und verwahrlost, in Strohsandalen und zerlumpter Kleidung, der einige Verse vor sich hin murmelte: Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, Nur Amt und Würden können sie nicht lassen; Wo sind die Feldherren und Minister von einst? Nur ein verwilderter Grabhügel, vom Gras verschlungen! Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, Nur Gold und Silber können sie nicht vergessen; Das ganze Leben klagen sie, nie genug angehäuft zu haben, Doch wenn sie genug haben, schließen sich die Augen. Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, Nur die geliebte Gattin können sie nicht vergessen; Täglich reden Mann und Frau von ihrer Liebe, Doch stirbt er, folgt sie einem anderen. Alle wissen, dass Unsterbliche glücklich sind, Nur die Kinder können sie nicht vergessen; Törichter Eltern gab es von jeher viele, Doch pflichtbewusste Kinder – wer hat sie je gesehen! Wahrheitsverberger trat vor und sprach: „Was murmelst du da in einem fort? Ich höre nur ‚gut' und ‚vorbei', ‚gut' und ‚vorbei'." Der Priester lachte: „Wenn du tatsächlich die Worte ‚gut' und ‚vorbei' gehört hast, so bist du ein verständiger Mensch. Wisse, dass in der Welt alles, was gut ist, auch vorbei ist, und alles, was vorbei ist, auch gut. Wenn es nicht vorbei ist, kann es nicht gut sein; wenn es gut sein soll, muss es vorbei sein. Mein Lied heißt das ‚Lied von Gut und Vorbei'." Wahrheitsverberger war ein Mann, der von Natur aus Weisheit besaß. Kaum hatte er diese Worte gehört, war in seinem Herzen die Erleuchtung aufgegangen. Lachend sprach er: „Halt! Lass mich dein ‚Lied von Gut und Vorbei' kommentieren, was sagst du?" Der Priester lachte: „Tu es, tu es!" Wahrheitsverberger sprach also: Schäbige Kammern, leere Hallen – einst füllten Amtstafeln das Bett; Vertrocknetes Gras, dürre Weiden – einst Schauplatz von Tanz und Gesang. Spinnweben bedecken die geschnitzten Balken, Grüne Gaze klebt nun am Fenster der Strohhütte. Was nützt das Rot der Schminke und der Duft des Puders, Wenn beide Schläfen längst ergraut? Gestern noch Gebeine auf dem gelben Hügel, Heute Nacht das Liebespaar im roten Lampenschein. Goldkisten und Silberkisten – Im Handumdrehen bettelarm und von allen geschmäht. Man bedauert anderer kurzes Leben, Und weiß nicht, dass man selbst bald stirbt! Wer seinen Sohn gut erzieht, sieht ihn dennoch als Räuber enden; Wer eine reiche Braut erwählt – wer hätte gedacht, dass sie im Freudenviertel endet! Weil ihm die Beamtenmütze zu klein war, Trägt er nun Kette und Halsjoch des Sträflings. Gestern bedauerte er den zerlumpten Mantel, Heute ist ihm der Purpurmantel schon zu lang. Ein wilder Tumult – der eine singt, der andere tritt auf, Und alle halten die Fremde für die Heimat. Wie absurd! Letzten Endes näht ein jeder Nur das Hochzeitskleid für andere! Der verrückte, hinkende Priester hörte zu, klatschte in die Hände und lachte: „Treffend kommentiert, treffend kommentiert!" Wahrheitsverberger lachte einmal auf, rief: „Gehen wir!" und riss dem Taoisten den Quersack von der Schulter und trug ihn selbst auf dem Rücken. Ohne nach Hause zurückzukehren, ging er mit dem verrückten Priester davon. Dies erregte großes Aufsehen in der ganzen Nachbarschaft, und die Leute tratschten darüber als etwas Unerhörtes. Als seine Frau, die geborene Siegel, davon erfuhr, weinte sie sich fast zu Tode. Sie musste mit ihrem Vater beraten und Leute in alle Richtungen ausschicken, um Wahrheitsverberger zu suchen – doch woher sollte eine Nachricht kommen? Was blieb ihr anderes übrig, als sich auf ihre Eltern zu stützen. Glücklicherweise hatte sie noch zwei alte Zofen, die ihr dienten. Herrin und Dienerinnen verdienten Tag und Nacht mit Näharbeiten ihr Brot und halfen dem Vater bei den Ausgaben. Obwohl Schlicht Siegel sich täglich beklagte, blieb ihm nichts anderes übrig. Eines Tages war die ältere Zofe der Familie Echt gerade vor der Tür und kaufte Garn, als sie auf der Straße Rufe hörte und alle sagten, der neue Magistrat sei ins Amt eingeführt worden. Die Zofe lugte durch die Türspalte und sah Wachen und Läufer paarweise vorüberziehen, dann kam eine große Sänfte mit einem Beamten in schwarzer Mütze und scharlachrotem Gewand. Die Zofe war verblüfft und dachte bei sich: Dieser Beamte sieht mir bekannt aus, als hätte ich ihn schon einmal gesehen. Dann ging sie ins Haus zurück und dachte nicht weiter darüber nach. Am Abend, als sie sich gerade zur Ruhe legen wollte, hörte sie plötzlich lautes Pochen an der Tür und den Lärm vieler Menschen, die riefen: „Der Magistrat schickt nach Euch!" Schlicht Siegel erschrak bis ins Mark und wusste nicht, was für ein Unheil dies bedeuten mochte. |
- ↑ Chin. 甄士隐 Zhēn Shìyǐn, wörtl. „der wahrhaft die Dinge Verbergende". Der Familienname 甄 Zhēn ist homophon zu 真 zhēn „wahr/echt"; 士隐 Shìyǐn klingt wie 事隐 „die wahren Tatsachen werden verborgen".
- ↑ Chin. 贾雨村 Jiǎ Yǔcūn, wörtl. „Kaufmann Regendorf". Der Familienname 贾 Jiǎ ist homophon zu 假 jiǎ „falsch/fiktiv"; 雨村 Yǔcūn klingt wie 语存 „die erdichteten Worte bleiben erhalten".
- ↑ Chin. 封 Fēng „Siegel/versiegeln" — die Familie „versiegelt" bzw. verbirgt Geheimnisse.
- ↑ Chin. 英莲 Yīnglián. 英 yīng „heldenhaft/strahlend"; 莲 lián „Lotus". Der Name klingt wie 应怜 yīnglián „verdient Mitleid" — ein Vorverweis auf ihr tragisches Schicksal.
- ↑ Chin. 霍启 Huò Qǐ. Der Name klingt wie 祸起 huòqǐ „das Unheil beginnt" — ein Vorverweis auf das kommende Unglück.
- ↑ Chin. 封肃 Fēng Sù. 封 fēng „Siegel/versiegeln"; 肃 sù „ernst/streng". Der Name klingt wie 风俗 fēngsú „Sitten und Bräuche".