Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 34"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 34) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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卻說襲人來見寶釵,誰知寶釵不在園內,往他母親那裡去了,襲人便空手回來。等至二更,寶釵方回來。原來寶釵素知薛蟠情性,心中已有一半疑是薛蟠調唆了人來告寶玉的,誰知又聽襲人說出來,越發信了。究竟襲人是聽焙茗說的,那焙茗也是私心窺度,並未據實,竟認準是他說的。那薛蟠都因素日有這個名聲,其實這一次卻不是他幹的,被人生生的一口咬死是他,有口難分。這日正從外頭吃了酒回來,見過母親,只見寶釵在這裡,說了幾句閑話,因問:「聽見寶兄弟吃了虧,是 為什麼?」薛姨媽正為這個不自在,見他問時,便咬著牙道:「不知好歹的東西,都是你鬧的,你還有臉來問!」薛蟠見說,便怔了,忙問道:「我何嘗鬧什麼?」 薛姨媽道:「你還裝憨呢!人人都知道是你說的,還賴呢。」薛蟠道:「人人說我殺了人,也就信了罷?」薛姨媽道:「連你妹妹都知道是你說的,難道他也賴你不 成?」寶釵忙勸道:「媽和哥哥且別叫喊,消消停停的,就有個青紅皂白了。」因向薛蟠道:「是你說的也罷,不是你說的也罷,事情也過去了,不必較證,倒把小 事兒弄大了。我只勸你從此以後在外頭少去胡鬧,少管別人的事。天天一處大家胡逛,你是個不防頭的人,過後兒沒事就罷了,倘或有事,不是你幹的,人人都也疑惑是你幹的,不用說別人,我就先疑惑。」薛蟠本是個心直口快的人,一生見不得這樣藏頭露尾的事,又見寶釵勸他不要逛去,他母親又說他犯舌,寶玉之打是他治的,早已急的亂跳,賭身發誓的分辯。又罵眾人:「誰這樣贓派我?我把那囚攮的牙敲了才罷!分明是為打了寶玉,沒的獻勤兒,拿我來作幌子。難道寶玉是天王? 他父親打他一頓,一家子定要鬧幾天。那一回為他不好,姨爹打了他兩下子,過後老太太不知怎麼知道了,說是珍大哥哥治的,好好的叫了去罵了一頓。今兒越發拉上我了!既拉上,我也不怕,越性進去把寶玉打死了,我替他償了命,大家乾凈。」一面嚷,一面抓起一根門閂來就跑。慌的薛姨媽一把抓住,罵道:「作死的孽障,你打誰去?你先打我來!」薛蟠急的眼似銅鈴一般,嚷道:「何苦來!又不叫我去,又好好的賴我。將來寶玉活一日,我擔一日的口舌,不如大家死了清凈。」 寶釵忙也上前勸道:「你忍耐些兒罷。媽急的這個樣兒,你不說來勸媽,你還反鬧的這樣。別說是媽,便是旁人來勸你,也為你好,倒把你的性子勸上來了。」薛蟠道:「這會子又說這話。都是你說的!」寶釵道:「你只怨我說,再不怨你顧前不顧後的形景。」薛蟠道:「你只會怨我顧前不顧後,你怎麼不怨寶玉外頭招風惹草的那個樣子!別說多的,只拿前兒琪官的事比給你們聽:那琪官,我們見過十來次的,我並未和他說一句親熱話;怎麼前兒他見了,連姓名還不知道,就把汗巾子給他了?難道這也是我說的不成?」薛姨媽和寶釵急的說道:「還提這個!可不是為這個打他呢。可見是你說的了。」薛蟠道:「真真的氣死了人了!賴我說的我不 惱,我只為一個寶玉鬧的這麼天翻地覆的。」寶釵道:「誰鬧了?你先持刀動杖的鬧起來,倒說別人鬧。」薛蟠見寶釵說的句句有理,難以駁正,比母親的話反難回答,因此便要設法拿話堵回他去,就無人敢攔自己的話了;也因正在氣頭兒上,未曾想話之輕重,便說道:「好妹妹,你不用和我鬧,我早知道你的心了。從先媽和 我說,你這金要揀有玉的才可正配,你留了心,見寶玉有那勞什骨子,你自然如今行動護著他。」話未說了,把個寶釵氣怔了,拉著薛姨媽哭道:「媽媽你聽,哥哥說的是什麼話!」薛蟠見妹妹哭了,便知自己冒撞了,便堵氣走到自己房裡安歇不提。 | 卻說襲人來見寶釵,誰知寶釵不在園內,往他母親那裡去了,襲人便空手回來。等至二更,寶釵方回來。原來寶釵素知薛蟠情性,心中已有一半疑是薛蟠調唆了人來告寶玉的,誰知又聽襲人說出來,越發信了。究竟襲人是聽焙茗說的,那焙茗也是私心窺度,並未據實,竟認準是他說的。那薛蟠都因素日有這個名聲,其實這一次卻不是他幹的,被人生生的一口咬死是他,有口難分。這日正從外頭吃了酒回來,見過母親,只見寶釵在這裡,說了幾句閑話,因問:「聽見寶兄弟吃了虧,是 為什麼?」薛姨媽正為這個不自在,見他問時,便咬著牙道:「不知好歹的東西,都是你鬧的,你還有臉來問!」薛蟠見說,便怔了,忙問道:「我何嘗鬧什麼?」 薛姨媽道:「你還裝憨呢!人人都知道是你說的,還賴呢。」薛蟠道:「人人說我殺了人,也就信了罷?」薛姨媽道:「連你妹妹都知道是你說的,難道他也賴你不 成?」寶釵忙勸道:「媽和哥哥且別叫喊,消消停停的,就有個青紅皂白了。」因向薛蟠道:「是你說的也罷,不是你說的也罷,事情也過去了,不必較證,倒把小 事兒弄大了。我只勸你從此以後在外頭少去胡鬧,少管別人的事。天天一處大家胡逛,你是個不防頭的人,過後兒沒事就罷了,倘或有事,不是你幹的,人人都也疑惑是你幹的,不用說別人,我就先疑惑。」薛蟠本是個心直口快的人,一生見不得這樣藏頭露尾的事,又見寶釵勸他不要逛去,他母親又說他犯舌,寶玉之打是他治的,早已急的亂跳,賭身發誓的分辯。又罵眾人:「誰這樣贓派我?我把那囚攮的牙敲了才罷!分明是為打了寶玉,沒的獻勤兒,拿我來作幌子。難道寶玉是天王? 他父親打他一頓,一家子定要鬧幾天。那一回為他不好,姨爹打了他兩下子,過後老太太不知怎麼知道了,說是珍大哥哥治的,好好的叫了去罵了一頓。今兒越發拉上我了!既拉上,我也不怕,越性進去把寶玉打死了,我替他償了命,大家乾凈。」一面嚷,一面抓起一根門閂來就跑。慌的薛姨媽一把抓住,罵道:「作死的孽障,你打誰去?你先打我來!」薛蟠急的眼似銅鈴一般,嚷道:「何苦來!又不叫我去,又好好的賴我。將來寶玉活一日,我擔一日的口舌,不如大家死了清凈。」 寶釵忙也上前勸道:「你忍耐些兒罷。媽急的這個樣兒,你不說來勸媽,你還反鬧的這樣。別說是媽,便是旁人來勸你,也為你好,倒把你的性子勸上來了。」薛蟠道:「這會子又說這話。都是你說的!」寶釵道:「你只怨我說,再不怨你顧前不顧後的形景。」薛蟠道:「你只會怨我顧前不顧後,你怎麼不怨寶玉外頭招風惹草的那個樣子!別說多的,只拿前兒琪官的事比給你們聽:那琪官,我們見過十來次的,我並未和他說一句親熱話;怎麼前兒他見了,連姓名還不知道,就把汗巾子給他了?難道這也是我說的不成?」薛姨媽和寶釵急的說道:「還提這個!可不是為這個打他呢。可見是你說的了。」薛蟠道:「真真的氣死了人了!賴我說的我不 惱,我只為一個寶玉鬧的這麼天翻地覆的。」寶釵道:「誰鬧了?你先持刀動杖的鬧起來,倒說別人鬧。」薛蟠見寶釵說的句句有理,難以駁正,比母親的話反難回答,因此便要設法拿話堵回他去,就無人敢攔自己的話了;也因正在氣頭兒上,未曾想話之輕重,便說道:「好妹妹,你不用和我鬧,我早知道你的心了。從先媽和 我說,你這金要揀有玉的才可正配,你留了心,見寶玉有那勞什骨子,你自然如今行動護著他。」話未說了,把個寶釵氣怔了,拉著薛姨媽哭道:「媽媽你聽,哥哥說的是什麼話!」薛蟠見妹妹哭了,便知自己冒撞了,便堵氣走到自己房裡安歇不提。 | ||
這裡薛姨媽氣的亂戰,一面又勸寶釵道:「你素日知那孽障說話沒道理,明兒我叫他給你陪不是。」寶釵滿心委屈氣忿,待要怎樣,又怕他母親不安,少不得含淚別了母親,各自回來,到房裡整哭了一夜。次日早起來,也無心梳洗,胡亂整理整理,便出來瞧母親。可巧遇見林黛玉獨立在花陰之下,問他那裡去。薛寶釵因說 「家去」,口裡說著,便只管走。黛玉見他無精打采的去了,又見眼上有哭泣之狀,大非往日可比,便在後面笑道:「姐姐也自保重些兒。就是哭出兩缸眼淚來,也 醫不好棒瘡!」不知寶釵如何答對,且聽下回分解。 | 這裡薛姨媽氣的亂戰,一面又勸寶釵道:「你素日知那孽障說話沒道理,明兒我叫他給你陪不是。」寶釵滿心委屈氣忿,待要怎樣,又怕他母親不安,少不得含淚別了母親,各自回來,到房裡整哭了一夜。次日早起來,也無心梳洗,胡亂整理整理,便出來瞧母親。可巧遇見林黛玉獨立在花陰之下,問他那裡去。薛寶釵因說 「家去」,口裡說著,便只管走。黛玉見他無精打采的去了,又見眼上有哭泣之狀,大非往日可比,便在後面笑道:「姐姐也自保重些兒。就是哭出兩缸眼淚來,也 醫不好棒瘡!」不知寶釵如何答對,且聽下回分解。 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 34 | |
| − | + | Liebende fühlen Liebe und rühren die Schwester zu Gefühlen; | |
| − | + | Irrende irren im Irrtum und ermahnen den Bruder vergebens. | |
| − | + | ||
| − | + | Nachdem die Herzoginmutter [贾母], Dame König [王夫人] und die übrigen gegangen waren, setzte sich Dufthauch [袭人] zu Schatzjade [宝玉] ans Bett und fragte unter Tränen: „Wie konnte es nur so weit kommen?" | |
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| − | + | Schatzjade seufzte und sagte: „Es war wegen dieser Geschichten, frag nicht weiter danach! Nur die ganze untere Hälfte tut mir furchtbar weh. Schau einmal nach, wo es am schlimmsten ist." | |
| − | + | ||
| − | + | Als Dufthauch das hörte, schob sie behutsam die Hand unter sein Gewand und streifte ihm die Unterkleider herab. Schatzjade rührte sich ein wenig, biss die Zähne zusammen und stöhnte: „Auweh!" Sofort hielt Dufthauch inne. So ging es drei- oder viermal, bis die Kleider endlich herunter waren. Als Dufthauch nun hinschaute, sah sie, dass seine Oberschenkel über und über braun und blau geschlagen waren, mit vierfingerbreiten, dick aufgeschwollenen Striemen. | |
| − | + | ||
| − | + | Dufthauch biss die Zähne zusammen und sagte: „Du lieber Himmel, wie kann man nur so grausam zuschlagen! Hättest du nur ein einziges Mal auf mich gehört, wäre es nie so weit gekommen. Ein Glück noch, dass weder Sehnen noch Knochen verletzt sind! Wenn du ein Krüppel geworden wärst — was hätten wir dann gemacht!" | |
| − | Während er | + | |
| − | + | Während sie noch sprach, riefen die Dienstmädchen: „Fräulein Schatzspange kommt!" | |
| − | + | ||
| − | + | Dufthauch sah ein, dass sie es nicht mehr schaffen würde, ihm die Unterkleider wieder anzuziehen, und deckte ihn stattdessen rasch mit einer leichten Seidendecke zu. Da trat Schatzspange [宝钗] auch schon herein, auf der flachen Hand eine Arzneikugel. Sie wandte sich an Dufthauch und sagte: „Zerreibe diese Arznei am Abend in Wein und streiche sie ihm auf die Wunden. Dann löst sich das Gift des Blutergusses auf, und die Schwellungen gehen zurück." Damit reichte sie ihr die Kugel und fragte: „Geht es ihm jetzt etwas besser?" | |
| − | Nachdem sie diese | + | |
| − | Schon als | + | Schatzjade bedankte sich und sagte: „Es geht mir schon besser." Dann bat er sie, Platz zu nehmen. |
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| − | + | Als Schatzspange sah, dass er die Augen geöffnet hatte und wieder sprach, was vorhin gar nicht der Fall gewesen war, fühlte sie sich erheblich erleichtert. Sie nickte und sagte seufzend: „Hättest du nur rechtzeitig auf die Menschen um dich herum gehört, dann wäre es heute nicht so weit gekommen. Nicht nur die Herzoginmutter und die gnädige Frau — auch uns blutet das Herz bei diesem Anblick ..." | |
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| − | + | Kaum hatte sie den halben Satz ausgesprochen, verschluckte sie die Worte, bereute, dass sie zu voreilig gesprochen hatte, und errötete unwillkürlich. Sie senkte den Kopf. | |
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| − | + | Als Schatzjade diese herzlichen, innigen Worte hörte, die so viel tiefere Bedeutung enthielten, und dann sah, wie sie plötzlich abbrach, errötete, den Kopf senkte und nur noch verlegen an ihrem Gürtelband nestelte — eine schüchterne, scheue Anmut, die sich nicht in Worte fassen ließ –, da wurde ihm so wohl ums Herz, dass er seine Schmerzen bis über den neunten Himmel hinaus vergaß. Und er dachte bei sich: „Ich habe bloß ein paar Schläge bekommen, und schon zeigt jede von ihnen so viel Mitleid und Trauer. Wie erfreulich ist das anzuschauen, wie bewundernswert und wie rührend zugleich! Wenn mir wirklich einmal ein Unglück widerfahren und ich eines plötzlichen Todes sterben sollte — wie würden sie dann erst trauern! Wenn dem so ist: Sollte ich tatsächlich sterben und sie empfänden solche Trauer um mich, dann wäre es nicht einmal zu beklagen, wenn mein ganzes Lebenswerk den Fluss hinabgeschwommen wäre. Wollte ich dann im dunklen Jenseits nicht froh und zufrieden sein, so wäre ich wirklich ein stumpfsinniger Geist!" | |
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| − | + | Während er diesen Gedanken nachhing, hörte er, wie Schatzspange Dufthauch fragte: „Wie kam es denn zu diesem plötzlichen Wutausbruch, der die Prügelstrafe nach sich zog?" | |
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| − | + | Dufthauch berichtete nun, was Beiming [焙茗] ihr erzählt hatte. Schatzjade, der noch gar nicht gewusst hatte, was Unheil Kaufmann [贾环] über ihn gesagt hatte, erfuhr es erst jetzt durch Dufthauch. Als aber auch der Name Pan Schnee [薛蟠] fiel, fürchtete Schatzjade, Schatzspange könnte darüber betrübt sein, und er unterbrach Dufthauch eilig: „Vetter Schnee hat sich noch nie so verhalten. Ihr dürft nicht solche haltlosen Vermutungen anstellen!" | |
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| − | + | Schatzspange verstand sofort, dass er Dufthauch nur deswegen zum Schweigen brachte, weil er fürchtete, sie könne sich gekränkt fühlen, und sie dachte still bei sich: „So zugerichtet, dass er die Schmerzen kaum ertragen kann, und dennoch so feinfühlig, dass er fürchtet, mir zu nahe zu treten. Daran sieht man, dass er sich wirklich Gedanken um uns macht. Aber warum kannst du dir nicht in den großen Angelegenheiten draußen ebenso viel Mühe geben? Dann wäre dein Vater zufrieden und du müsstest solches Leid nicht erdulden. Freilich hast du Dufthauch nur meinetwegen das Wort abgeschnitten, weil du fürchtetest, ich könnte verstimmt sein. Aber wüsste ich nicht selbst, wie mein Bruder stets hemmungslos seinen Begierden folgt und nie die geringste Vorsicht walten lässt? Schon damals, als es wegen eines Liebglocke Minne [秦钟] solchen Aufruhr gab, war es schlimm genug — jetzt ist er bestimmt noch schlimmer geworden als früher." | |
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| − | + | Nachdem sie diese Überlegungen zu Ende geführt hatte, sagte sie lächelnd: „Ihr braucht weder diesem noch jenem die Schuld zu geben. Meiner Meinung nach ist der gnädige Herr nur deshalb so in Zorn geraten, weil Vetter Schatzjade sich gewöhnlich nicht korrekt verhält und mit allerlei fragwürdigen Menschen Umgang pflegt. Und wenn mein Bruder auch leichtfertig daherredet und dabei Vetter Schatzjades Namen fallen ließ, so hat er bestimmt nicht mit Absicht jemanden aufgehetzt. Erstens entsprach es ja der Wahrheit, und zweitens achtet er von jeher nicht auf solche Vorsichtsmaßnahmen und Rücksichtnahmen. Dufthauch, du bist von klein auf an einen so umsichtigen Menschen wie Vetter Schatzjade gewöhnt — hast du je jemanden erlebt, der sich vor Himmel und Erde nicht fürchtet und alles, was ihm ins Herz kommt, auch geradeheraus sagt?" | |
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| − | + | Schon als ihr Pan Schnees Name entschlüpft war und Schatzjade sie unterbrach, hatte Dufthauch begriffen, dass sie unbesonnen gesprochen hatte, und sie fürchtete, Schatzspange könnte sich unwohl fühlen. Als sie nun Schatzspanges Worte hörte, schämte sie sich noch mehr und wusste nichts darauf zu erwidern. | |
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| − | + | Schatzjade seinerseits empfand Schatzspanges Worte als großzügig und aufrichtig, zugleich zerstreuten sie seinen Argwohn, und er fühlte sich wohler als zuvor. Gerade wollte er etwas sagen, da stand Schatzspange schon auf und verabschiedete sich: „Ich komme morgen wieder nach dir sehen. Ruh dich schön aus! Vorhin habe ich Dufthauch die Arznei gegeben — wenn sie sie dir am Abend aufstreicht, wird es dir bald besser gehen." Damit ging sie zur Tür hinaus. | |
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| − | + | Dufthauch eilte ihr nach und begleitete sie bis vor das Hoftor. „Fräulein, Ihr habt Euch viel Mühe gemacht", sagte sie. „Wenn der junge Herr wieder gesund ist, wird er persönlich zu Euch kommen und sich bedanken." | |
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| − | + | Schatzspange wandte den Kopf und sagte lächelnd: „Es gibt doch nichts zu danken! Sorge nur dafür, dass er sich in aller Ruhe erholt und sich nicht den Kopf mit dummen Gedanken füllt. Die Herzoginmutter, die gnädige Frau und die übrigen sollen nicht in Unruhe versetzt werden. Denn wenn es dem gnädigen Herrn zu Ohren käme, würde er im Augenblick zwar vielleicht nichts unternehmen, aber bei passender Gelegenheit müsste Schatzjade am Ende doch dafür büßen." Mit diesen Worten ging sie davon. | |
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| − | + | Durch Schatzspanges Verhalten tief bewegt, kehrte Dufthauch ins Haus zurück. Als sie eintrat, fand sie Schatzjade still und in sich gekehrt — halb schlafend, halb wachend. Also zog sie sich zurück, um sich zu waschen und das Haar zu richten. | |
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| − | + | Schatzjade lag still auf dem Bett. Die Schmerzen am Gesäß waren unerträglich, als würde man ihn mit Nadeln stechen und mit Messern schneiden, dazu brannte es wie Feuer. Sobald er sich auch nur ein wenig bewegte, konnte er ein Stöhnen nicht unterdrücken. Es ging bereits auf den Abend zu. Als Dufthauch fortgegangen war, hielten zwei oder drei Dienstmädchen Wache bei ihm. Da er sie für nichts brauchte, sagte er: „Geht euch kämmen und waschen. Wenn ich euch rufe, kommt wieder." | |
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| − | + | Die Mädchen gingen alle hinaus. | |
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| − | + | Schatzjade lag benommen im Halbdunkel, da sah er Jadelotus Jiang [蒋玉菡] eintreten und klagen, wie ihn die Leute des Prinzen Zhongshun [忠顺] ergriffen hätten. Dann kam auch Goldarmreif [金钏] herein und erzählte weinend, wie sie sich seinetwegen in den Brunnen gestürzt habe. Schatzjade war halb wach, halb im Traum und achtete nicht recht darauf. Da spürte er plötzlich, wie jemand ihn berührte, und vernahm undeutlich eine klagende Stimme. Schatzjade schreckte aus dem Traum empor, riss die Augen auf — und vor ihm stand niemand anders als Kajaljade [林黛玉]. | |
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| − | + | Schatzjade fürchtete, auch sie könnte nur ein Traumbild sein. Eilig richtete er sich auf und sah ihr gespannt ins Gesicht. Da entdeckte er, dass ihre Augen so dick geschwollen waren wie Pfirsiche und ihr ganzes Gesicht von Tränen glänzte. Wer also konnte es sein, wenn nicht Kajaljade? Er wollte sie noch länger betrachten, aber die Schmerzen in der unteren Körperhälfte waren so unerträglich, dass er es nicht aushielt. Mit einem „Auweh!" sank er zurück, seufzte und sagte: „Warum kommst du schon wieder hergelaufen! Die Sonne ist zwar untergegangen, aber die Hitze steigt noch aus dem Boden. Wenn du zweimal den Weg machst, holst du dir wieder einen Hitzschlag. Ich habe zwar Schläge bekommen, aber mir tut gar nichts weh. Ich tue nur so, um die anderen hinters Licht zu führen, damit sie es draußen herumerzählen und der gnädige Herr davon hört. In Wirklichkeit ist alles nur vorgetäuscht. Du darfst es nicht für bare Münze nehmen!" | |
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| − | + | Kajaljade heulte nicht laut, aber dies stumme Schluchzen, bei dem ihr der Atem stockte und die Kehle sich zuschnürte, war weit schlimmer als lautes Weinen. Als sie Schatzjades Worte hörte, drängten sich ihr tausend Dinge auf die Lippen, doch kein einziges Wort kam heraus. Erst nach langer Zeit stieß sie stockend und schluchzend hervor: „Du musst dich von nun an aber wirklich ändern!" | |
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| − | + | Schatzjade antwortete mit einem tiefen Seufzer und sagte: „Sei unbesorgt und rede nicht so! Selbst wenn ich um dieser Menschen willen sterben müsste — ich täte es freiwillig!" [Anm.: In der Mengqi-Fassung steht hier stattdessen: „Zudem bin ich ja wieder am Leben".] | |
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| − | + | Kaum war der Satz zu Ende, rief jemand draußen im Hof: „Die junge gnädige Frau kommt!" | |
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| − | + | Kajaljade wusste sofort, dass es Phönixglanz [王熙凤] war, und stand hastig auf: „Ich gehe über den Hinterhof. Ich komme später wieder." | |
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| − | + | Doch Schatzjade hielt sie am Ärmel fest und sagte: „Wie seltsam! Warum hast du auf einmal Angst vor ihr?" | |
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| − | + | Kajaljade stampfte vor Aufregung mit dem Fuß auf und flüsterte: „Sieh dir doch meine Augen an! Soll sie sich wieder über mich lustig machen und ihren Spaß mit mir treiben?" | |
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| − | + | Sofort ließ Schatzjade sie los. Kajaljade eilte in drei großen Schritten um das Bett herum und verschwand durch den Hinterhof. Im selben Augenblick kam Phönixglanz bereits durch die Vordertür herein und fragte Schatzjade: „Geht es dir etwas besser? Möchtest du etwas essen? Dann schicke ich jemanden zu mir hinüber, der es dir holt." | |
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| − | + | Kurz darauf kam auch Tante Schnee [薛姨妈], und bald darauf sandte die Herzoginmutter ebenfalls jemanden vorbei. | |
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| − | + | Als die Lampen angezündet wurden, trank Schatzjade nur zwei Schlucke Suppe und schlief dann benommen ein. Danach kamen die Frauen Zhou Rui, Wu Xindeng und Zheng Haoshi — allesamt ältere Bedienstete, die häufig im Haus verkehrten. Auch sie hatten gehört, dass Schatzjade Prügel bezogen hatte, und wollten nach ihm sehen. | |
| − | + | ||
| − | + | Dufthauch ging ihnen rasch entgegen und sagte leise lächelnd: „Ihr kommt einen Augenblick zu spät, Tanten. Der junge Herr ist gerade eingeschlafen." Dann führte sie die Frauen ins Nebenzimmer, bat sie, Platz zu nehmen, und schenkte ihnen Tee ein. Die Frauen saßen eine Weile still, dann sagten sie zu Dufthauch: „Richte dem jungen Herrn unseren Gruß aus, wenn er aufwacht." | |
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| − | + | Dufthauch versprach es und begleitete sie hinaus. Eben wollte sie wieder hineingehen, da kam eine alte Dienerin, die Dame König geschickt hatte, und sagte: „Die gnädige Frau lässt bitten — sie möchte jemanden aus dem Gefolge des jungen Herrn sprechen." | |
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| − | + | Dufthauch überlegte kurz, dann wandte sie sich zu Heitermuster [晴雯], Moschusmond [麝月], Tanyun [檀云] und Herbstmuster [秋纹] um und sagte leise: „Die gnädige Frau ruft nach jemandem. Bleibt schön hier im Zimmer, ich gehe hin und bin gleich wieder da." Dann verließ sie mit der alten Dienerin den Garten und begab sich hinüber in die Haupträume. | |
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| − | + | Dame König saß auf dem Sommerbett und fächelte sich mit einem Bananenblattfächer. Als sie Dufthauch kommen sah, sagte sie: „Du hättest auch jemand anderen schicken können. Jetzt hast du ihn allein gelassen — wer soll sich denn um ihn kümmern?" | |
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| − | Nun | + | Dufthauch entgegnete eilig mit lächelnder Miene: „Der junge Herr hat sich gerade ruhig schlafen gelegt. Die vier oder fünf Mädchen, die noch dort sind, können ihn inzwischen recht gut versorgen. Ihr braucht Euch nicht zu sorgen, gnädige Frau. Ich dachte, Ihr könntet Anweisungen zu geben haben, und wenn ich eine von den anderen geschickt hätte, würde sie Eure Worte womöglich nicht richtig verstehen, und es käme zu Verzögerungen." |
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| − | + | „Es ist nichts Besonderes", sagte Dame König. „Ich wollte nur wissen, wie es ihm jetzt mit den Schmerzen geht." | |
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| − | + | Dufthauch berichtete: „Ich habe ihm die Arznei aufgetragen, die Fräulein Schatzspange gebracht hat. Es geht ihm etwas besser als vorhin. Erst konnte er vor Schmerzen nicht stillliegen, jetzt aber schläft er fest. Daran sieht man, dass es besser wird." | |
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| − | + | Dame König fragte weiter: „Hat er etwas gegessen?" | |
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| − | + | Dufthauch antwortete: „Er hat ein paar Schlucke von der Suppe getrunken, die ihm die Herzoginmutter geschickt hat, und sagte dann, es sei schrecklich trocken, und er wolle einen Aufguss aus getrockneten grünen Aprikosen trinken. Aber ich dachte mir: Grüne Aprikosen wirken zusammenziehend. Nachdem er gerade erst Prügel bekommen hat, ohne dass er schreien durfte, hat sich vor Aufregung das heiße, vergiftete Blut gewiss im Herzen gestaut. Wenn er dann diesen Aufguss trinkt und es im Herzen aufwühlt, könnte daraus eine schwere Krankheit entstehen — und was dann? Darum habe ich ihm so lange zugeredet, bis er schließlich darauf verzichtete. Stattdessen habe ich ihm gezuckerte Rosenmarmelade in Wasser aufgelöst und zu trinken gegeben. Er hat ein halbes Schälchen davon getrunken, dann aber gesagt, mehr wolle er nicht, weil es nach nichts schmecke und nicht erfrischend sei." | |
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| − | + | „Ach je", sagte Dame König. „Warum bist du nicht eher gekommen und hast mir das gesagt? Neulich hat man mir ein paar Fläschchen Blütennektar geschenkt. Eigentlich wollte ich ihm davon abgeben, aber ich fürchtete, er würde ihn nur sinnlos vergeuden, darum habe ich es gelassen. Wenn ihm die Rosenmarmelade zu fad ist, dann nimm zwei Fläschchen von dem Nektar mit! Ein einziger Teelöffel davon in einer Schale Wasser, und es duftet ganz wunderbar." Und sie rief Buntwölkchen [彩云] herbei: „Bring die Fläschchen mit dem Blütennektar von neulich her!" | |
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| − | + | „Zwei Fläschchen genügen", sagte Dufthauch. „Wenn es zu viel ist, wird es nur vergeudet. Und wenn es nicht reicht, kann ich ja jederzeit welchen nachholen." | |
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| − | + | Buntwölkchen ging hinaus und kam nach einer ganzen Weile tatsächlich mit zwei Fläschchen zurück, die sie Dufthauch übergab. Es waren kleine Fläschchen aus Glas, kaum drei Zoll groß, mit silbernen Schraubverschlüssen versehen. Auf dem blassgelben Etikett des einen stand „Reiner Osmanthusblüten-Nektar" [木樨清露], auf dem des anderen „Reiner Rosen-Nektar" [玫瑰清露]. | |
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| + | Dufthauch lachte und sagte: „Das muss ja etwas sehr Kostbares sein! So ein winziges Fläschchen — wie viel kann da schon drin sein?" | ||
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| + | Dame König sagte: „Das war für den kaiserlichen Gebrauch bestimmt. Siehst du nicht die gelben Etiketten? Geh sparsam damit um und vergeude nichts!" | ||
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| + | Dufthauch nickte und wollte gehen, da rief Dame König: „Warte noch! Mir fällt gerade eine Frage ein." Sofort kehrte Dufthauch um. Dame König, die sich vergewissert hatte, dass niemand im Raum war, fragte: „Ich habe undeutlich aufgeschnappt, Schatzjade sei deshalb geschlagen worden, weil Unheil Kaufmann [贾环] dem gnädigen Herrn etwas erzählt hat. Hast du davon gehört? Wenn ja, dann sage es mir. Ich werde es nicht weitererzählen und niemandem verraten, dass es von dir stammt." | ||
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| + | Dufthauch erwiderte: „Davon habe ich nichts gehört. Der junge Herr hat einen Schauspieler in Beschlag genommen, man kam und verlangte ihn vom gnädigen Herrn zurück — deshalb hat er die Prügel bekommen." | ||
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| + | Dame König schüttelte den Kopf: „Deshalb war es auch, aber es gab noch einen anderen Grund." | ||
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| + | „Von einem anderen Grund weiß ich wirklich nichts", versicherte Dufthauch. „Aber ich wage es, der gnädigen Frau heute ein offenes Wort zu sagen, auch wenn es ungehörig sein mag. Von Rechts wegen ..." Sie brach mitten im Satz ab. | ||
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| + | „Sprich nur weiter!" forderte Dame König sie auf. | ||
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| + | Dufthauch lächelte: „Die gnädige Frau darf mir nicht böse sein, dann sage ich es." | ||
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| + | „Warum sollte ich dir böse sein?" beschwichtigte Dame König. „Sprich nur!" | ||
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| + | Dufthauch sagte: „Von Rechts wegen hat der junge Herr es durchaus verdient, dass der gnädige Herr ihm ein paarmal eine Lektion erteilt. Wenn der gnädige Herr ihn nicht zurechtwiese — wer weiß, was er in Zukunft noch anstellen würde!" | ||
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| + | Als Dame König das hörte, legte sie die Handflächen zusammen und rief: „Amitabha Buddha!" Dann fuhr sie fort, indem sie Dufthauch bei ihrem Kosenamen rief: „Wie gut, mein Kind, dass auch du das so siehst! Ich denke ganz genauso. Weiß ich etwa nicht, wie man einen Sohn erziehen muss? Als der junge Herr Perle [贾珠] noch lebte — wie habe ich ihn da erzogen! Meinst du, das hätte ich heute vergessen? Aber es gibt einen Grund: Ich bin bald fünfzig und habe nur noch ihn allein. Er ist ohnehin zart gebaut, und die Herzoginmutter behandelt ihn wie ihren Augapfel. Wenn ich ihn zu streng halte und ihm dann womöglich etwas zustößt — oder die Herzoginmutter sich darüber echauffiert –, dann wären alle in Aufruhr. Wäre das nicht noch schlimmer? Darum habe ich ihn so lange gewähren lassen, bis er verdorben war. Wie oft habe ich ihm den Mund fusselig geredet, ihm gut zugeredet, vor Wut geschimpft und vor Kummer geweint! Für den Augenblick hat er sich gebessert, danach aber hat es ihn wieder nicht mehr gekümmert. Das ging so lange, bis es heute kräftig geknallt hat. Aber auf wen soll ich mich stützen, wenn er zum Krüppel geschlagen wird?" | ||
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| + | Bei diesen Worten liefen ihr unwillkürlich die Tränen herab. | ||
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| + | Als Dufthauch Dame Königs tiefe Betrübnis sah, konnte auch sie den Kummer nicht zurückhalten und weinte mit. Dann sagte sie: „Der junge Herr ist Euer eigenes Kind, gnädige Frau — natürlich leidet Ihr mit ihm. Aber auch wir Dienerinnen hoffen doch nur, dass alles friedlich und ruhig bleibt, nachdem wir ihm treu gedient haben — das wäre schon unser Glück. Wenn es aber so weitergeht, kann von Frieden und Ruhe keine Rede mehr sein. An welchem Tag, zu welcher Stunde hätte ich dem jungen Herrn nicht zugeredet! Aber es nützt nichts, er lässt sich nicht umstimmen. Und dann gibt es diese Leute, die sich an ihn herandrängen — kein Wunder, dass er so ist. Am Ende sind es noch unsere guten Ratschläge, die nicht willkommen sind. | ||
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| + | Da die gnädige Frau heute auf diese Dinge zu sprechen kommt, fällt mir noch etwas ein, das mir schon länger auf dem Herzen liegt. Ich wollte es Euch schon lange sagen und um Euren Rat bitten. Nur fürchte ich, Ihr könntet argwöhnisch werden — dann wären meine Worte nicht nur umsonst gesagt, ich wüsste nicht einmal mehr, wo ich mein Grab finden sollte!" | ||
| + | |||
| + | Dame König, die heraushörte, dass hinter diesen Worten etwas Bestimmtes steckte, erwiderte sogleich: „Sag nur, was du zu sagen hast, mein Kind! In letzter Zeit loben dich alle hinter deinem Rücken und vor deinem Angesicht. Ich dachte anfangs, du würdest dich einfach besonders um Schatzjade kümmern und freundlich zu den anderen sein — kleine Aufmerksamkeiten eben. Deshalb habe ich dich wie die älteren Nebenfrauen behandelt. Wer hätte gedacht, dass du heute solch vernünftige und weitblickende Gedanken äußern würdest, die genau meinen eigenen Überlegungen entsprechen! Sag nur, was du auf dem Herzen hast — Hauptsache, niemand anders erfährt davon." | ||
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| + | Dufthauch sagte: „Es ist nichts weiter. Ich wollte nur die gnädige Frau um eine Anweisung bitten, wie man es einrichten könnte, dass der junge Herr künftig aus dem Garten auszieht." | ||
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| + | Dame König erschrak heftig, fasste Dufthauch bei der Hand und fragte: „Hat Schatzjade etwa mit jemandem etwas Ungebührliches getan?" | ||
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| + | Dufthauch entgegnete hastig: „Nein, nein, gnädige Frau, denkt nichts Schlimmes! Davon ist gar nicht die Rede. Es ist nur meine eigene bescheidene Überlegung. Der junge Herr ist inzwischen groß geworden, und auch die jungen Fräulein drinnen sind herangewachsen. Dazu kommt, dass Fräulein Kajaljade und Fräulein Schatzspange Cousinen sind — Cousinen mütterlicherseits und väterlicherseits. Aber auch wenn sie Geschwister genannt werden, so gilt doch die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen. Tag und Nacht zusammen zu leben ist nicht schicklich und gibt unwillkürlich Anlass zur Sorge. Auch Außenstehende müssen einen schlechten Eindruck gewinnen. In einer Familie, so sagt das Sprichwort, ‚denke auch im Frieden an die Gefahr'. Die meisten Unannehmlichkeiten dieser Welt entstehen dadurch, dass etwas ohne Absicht getan wird, aber jemand, der Absichten vermutet, es als absichtlich auslegt und ins Schlechte verdreht. Wenn man nicht rechtzeitig vorbeugt, kann das nicht gut ausgehen. | ||
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| + | Die gnädige Frau kennt den Charakter des jungen Herrn. Er tummelt sich für sein Leben gern unter uns Mädchen. Wenn man nicht aufpasst und im Vorher oder Nachher auch nur die kleinste Unregelmäßigkeit vorkommt — ob sie nun wahr ist oder erfunden –, dann reden die Leute, und diesem Gesindel ist nichts heilig. Sind sie einem wohlgesinnt, loben sie einen höher als den Buddha. Sind sie einem übelgesinnt, schmähen sie einen schlimmer als ein Tier. Wenn man in Zukunft Gutes über den jungen Herrn sagt, ist das weiter keine große Sache. Aber wenn auch nur ein einziges schlechtes Wort über ihn fällt, dann wäre es für uns Dienerinnen noch das Geringste, zu Staub und Asche zermahlen zu werden — tausendfache Schuld, das ist noch gar nichts. Aber der gute Ruf und die Ehre des jungen Herrn wären für sein ganzes Leben zerstört, und auch Ihr, gnädige Frau, könntet dem gnädigen Herrn nicht mehr ins Gesicht sehen. | ||
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| + | Ein anderes Sprichwort sagt: ‚Der Weise beugt vor, ehe etwas geschieht.' Darum wäre es besser, jetzt Vorkehrungen zu treffen. Die gnädige Frau hat viele Pflichten und konnte wahrhaftig noch nicht daran denken. Hätten auch wir nicht daran gedacht, wäre es nicht so schlimm — aber da wir es nun einmal bedacht haben, wäre es eine schwere Verfehlung, es Euch nicht zu melden. Dieser Gedanke hat mich Tag und Nacht umgetrieben. Da ich mit niemandem darüber reden konnte, wusste allein meine Lampe darum." | ||
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| + | Als Dame König das hörte, traf es sie wie ein Blitz, wie ein Donnerschlag, denn Dufthauchs Worte berührten genau das, was sich mit Goldarmreif [金钏] zugetragen hatte. Im tiefsten Innern gewann sie Dufthauch noch unendlich viel lieber. Lächelnd sagte sie: „Wie weitblickend du bist, mein Kind, dass du alles so gründlich bedacht hast! Natürlich hatte ich auch schon daran gedacht, aber dann war immer etwas anderes zu erledigen, und ich habe es wieder vergessen. Deine Worte haben es mir ins Gedächtnis zurückgerufen. Ich danke dir, dass du so auf den guten Ruf und die Ehre von mir und meinem Sohn bedacht bist! Wirklich, ich hätte nicht geahnt, was für ein gutes Mädchen du bist. | ||
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| + | Nun geh! Ich weiß, was zu tun ist. Aber noch eines: Da du mir das heute gesagt hast, vertraue ich dir den jungen Herrn an. Gib Acht auf ihn und bewahre ihn! Wenn du ihn bewahrst, bewahrst du damit auch mich. Und ich werde es dir nicht vergessen." | ||
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| + | Dufthauch versprach es wieder und wieder und ging. | ||
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| + | Als sie zurückkam, war Schatzjade gerade erwacht, und sie berichtete ihm von dem Blütennektar. Schatzjade freute sich unbändig und ließ sogleich davon zubereiten, um zu kosten. Es war in der Tat von außergewöhnlichem Duft und Wohlgeschmack. | ||
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| + | Da Schatzjade im Herzen an Kajaljade dachte, hätte er gar zu gern jemanden zu ihr geschickt, aber er musste vor Dufthauch auf der Hut sein. Darum ersann er eine List: Zunächst schickte er Dufthauch zu Schatzspange, um sich ein Buch zu leihen. | ||
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| + | Sobald Dufthauch fort war, rief Schatzjade Heitermuster herbei und sagte: „Geh zu Fräulein Kajaljade und sieh nach, was sie gerade tut. Wenn sie nach mir fragt, sag ihr nur, es gehe mir gut." | ||
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| + | Heitermuster wehrte ab: „Mitten am helllichten Tag — was soll ich denn dort? Du müsstest mir wenigstens einen Anlass geben, dann wäre es eine richtige Besorgung." | ||
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| + | Schatzjade sagte: „Es gibt nichts auszurichten." | ||
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| + | Heitermuster beharrte: „Dann müsste ich wenigstens etwas hinbringen oder etwas holen — sonst stehe ich dort und weiß nicht, was ich sagen soll." | ||
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| + | Schatzjade dachte nach, dann streckte er die Hand aus, nahm zwei Taschentücher und warf sie Heitermuster zu. Lächelnd sagte er: „Nun gut — sag ihr, ich hätte dich geschickt, um ihr diese hier zu bringen." | ||
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| + | „Das ist ja noch seltsamer!" protestierte Heitermuster. „Was soll sie mit zwei halbgebrauchten Taschentüchern? Am Ende wird sie noch ärgerlich und sagt, du machst dich über sie lustig." | ||
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| + | „Keine Sorge", sagte Schatzjade lächelnd. „Sie wird es verstehen." | ||
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| + | Heitermuster blieb nichts anderes übrig, als die Taschentücher zu nehmen. Als sie die Herberge am Xiaoxiang-Fluss [潇湘馆] betrat, war Frühlingsranke [春纤] gerade dabei, Taschentücher zum Trocknen über das Geländer zu hängen. Als sie Heitermuster kommen sah, winkte sie ab und sagte: „Sie hat sich schon schlafen gelegt." | ||
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| + | Heitermuster trat ins Haus. Es war stockfinster drinnen, keine einzige Lampe brannte. Kajaljade lag bereits im Bett und fragte: „Wer ist da?" | ||
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| + | „Heitermuster", antwortete diese rasch. | ||
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| + | „Was gibt es?" fragte Kajaljade. | ||
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| + | „Der junge Herr schickt dem Fräulein Taschentücher", sagte Heitermuster. | ||
| + | |||
| + | Kajaljade war verwundert. „Warum schickt er mir Taschentücher?" dachte sie. Dann fragte sie: „Von wem hat er sie bekommen? Bestimmt sind es besonders feine — sag ihm, er soll sie aufheben und jemand anderem schenken. Im Augenblick kann ich so etwas nicht brauchen." | ||
| + | |||
| + | Heitermuster lachte: „Es sind keine neuen. Es sind ganz gewöhnliche alte Alltagstücher." | ||
| + | |||
| + | Kajaljade wurde noch stutziger. Sie grübelte angestrengt nach, eine ganze Weile lang — und dann ging ihr plötzlich ein Licht auf. Hastig sagte sie: „Leg sie hin, dann geh." | ||
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| + | Heitermuster legte die Tücher ab, machte kehrt und ging zurück. Den ganzen Weg über zerbrach sie sich den Kopf, was das zu bedeuten habe, und kam doch zu keinem Ergebnis. | ||
| + | |||
| + | Kajaljade aber hatte den Sinn der Taschentücher begriffen, und unwillkürlich wurde sie bis in die Seele erschüttert: „Dass Schatzjade in seinem Kummer meinen Kummer begreift — das macht mich froh. Doch was die Zukunft bringen mag, das weiß ich nicht — und das macht mich traurig. Dass er mir plötzlich zwei alte Taschentücher schickt — wäre es nicht, weil er mein Innerstes versteht, müsste ich darüber lachen, wenn ich sie so betrachte. Dass er sie mir aber heimlich durch eine Botin zukommen lässt — das ist mir bange. Und dass ich selbst so oft und gern weine, was ihm sicherlich nicht gefällt — das beschämt mich." | ||
| + | |||
| + | So überlegte sie hin und her, bis eine Glut in ihr aufstieg, die sie von innen versengte. Überwältigt von ihren Gefühlen, ließ sie die Lampe bringen, und ohne an Argwohn oder Schicklichkeit zu denken, ging sie zum Schreibtisch, rieb Tusche an, tränkte den Pinsel und schrieb auf die beiden alten Taschentücher: | ||
| + | |||
| + | Erstes Gedicht: | ||
| + | Leere Augen sammeln Tränen, leer rinnen Tränen hin, | ||
| + | Wem gelten all die stillen Tropfen, die ich heimlich wein'? | ||
| + | Du schenkst ein Seidentuch, des Kummers Last zu lindern – | ||
| + | Wie könnte ich nicht trauern, solche Gabe zu empfangen? | ||
| + | |||
| + | Zweites Gedicht: | ||
| + | Perlen tropfen, Jade rollt, verstohlen rinnt die Zähre; | ||
| + | Den ganzen Tag kein Sinn, den ganzen Tag nur Leere. | ||
| + | Vom Kissen und vom Ärmel lassen sie sich nicht vertreiben – | ||
| + | So lass sie tropfen, Punkt für Punkt, und Flecken hinterlassen. | ||
| + | |||
| + | Drittes Gedicht: | ||
| + | Bunter Faden kann nicht fassen, was als Perle von der Wange fällt; | ||
| + | Des Xiang-Flusses alte Spuren sind bereits verblasst. | ||
| + | Vor meinem Fenster stehen tausend Bambusrohre – | ||
| + | Ob wohl auch sie von meinen Tränen Flecken tragen? | ||
| + | |||
| + | Kajaljade wollte noch weiterschreiben, aber ihr ganzer Körper glühte wie Feuer, und das Gesicht schien zu brennen. Sie trat vor den Spiegelständer, hob die seidene Hülle ab und betrachtete sich. Ihre Wangen waren so rot, dass sie selbst die Pfirsichblüten in den Schatten stellten — doch dass dies der Beginn einer Krankheit war, erkannte sie nicht. Nach einer Weile legte sie sich ins Bett, hielt die Taschentücher aber immer noch in den Händen und grübelte weiter darüber nach. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. | ||
| + | |||
| + | Dufthauch indessen war zu Schatzspange gegangen, doch diese befand sich gar nicht im Garten, sondern war zu ihrer Mutter hinübergegangen. So musste Dufthauch unverrichteter Dinge zurückkehren. Erst um die zweite Nachtwache kam Schatzspange zurück. | ||
| + | |||
| + | Da Schatzspange Pan Schnees [薛蟠] Charakter kannte, hatte sie schon von Anfang an zur Hälfte den Verdacht gehabt, Pan Schnee könne jemanden angestiftet haben, Schatzjade anzuschwärzen. Als sie dann noch von Dufthauch dasselbe hörte, bestärkte es sie in ihrer Annahme. Nun hatte Dufthauch die Sache freilich von Beiming [焙茗] gehört, und Beiming hatte bloß auf eigene Faust herumgerätselt, ohne die Tatsachen wirklich zu kennen — er nahm lediglich an, es müsse Pan Schnee gewesen sein. Tatsächlich hatte Pan Schnee zwar allgemein diesen Ruf, doch diesmal war er unschuldig. Da sich aber alle darauf versteift hatten, er sei es gewesen, fiel es ihm schwer, sich zu rechtfertigen. | ||
| + | |||
| + | An diesem Abend kam Pan Schnee nach einem Gelage nach Hause, grüßte die Mutter und fand Schatzspange bei ihr. Nach ein paar Sätzen Geplauder fragte er: „Wie ich höre, hat Vetter Schatzjade etwas abbekommen. Wie kam denn das?" | ||
| + | |||
| + | Tante Schnee, die sich eben noch deshalb geärgert hatte, presste zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor: „Du undankbarer Nichtsnutz! Das war alles deine Schuld, und dann hast du noch die Stirn zu fragen!" | ||
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| + | Pan Schnee starrte sie verdutzt an: „Wieso sollte ich schuld sein?" | ||
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| + | „Du tust auch noch dumm!" sagte Tante Schnee. „Jeder Mensch weiß, dass du es erzählt hast, und du wagst es noch abzustreiten?" | ||
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| + | „Wenn alle sagen, ich hätte jemanden ermordet, glaubst du das dann auch?" versetzte Pan Schnee. | ||
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| + | Tante Schnee erwiderte: „Auch deine Schwester weiß, dass du es warst! Wird etwa sie dich verleumden?" | ||
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| + | Schatzspange schaltete sich rasch ein: „Mutter, Bruder, schreit doch nicht so! Lasst uns die Sache ruhig klären." Dann wandte sie sich an Pan Schnee: „Ob du es nun warst oder nicht — die Sache ist geschehen. Wir brauchen keine Untersuchung anzustellen, die alles nur noch schlimmer machen würde. Ich rate dir nur dies: Stell in Zukunft draußen keinen Unfug mehr an und kümmere dich nicht um anderer Leute Angelegenheiten! Tag für Tag treibt ihr euch zusammen herum, und du bist ein Mensch ohne jede Vorsicht. Solange nichts passiert, ist alles gut. Aber wenn etwas passiert — ob du es nun getan hast oder nicht –, verdächtigt dich jeder. Von anderen ganz zu schweigen, bin ich selbst die Erste, die es dir zutraut." | ||
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| + | Nun war Pan Schnee ein Mensch mit geradem Sinn und flinker Zunge. Ein Versteckspiel wie dieses war ihm sein ganzes Leben lang zuwider gewesen. Als er sah, wie Schatzspange ihm riet, nicht mehr herumzuziehen, und die Mutter behauptete, er sei an Schatzjades Prügeln schuld, sprang er vor Aufregung auf und ab, schwor Stein und Bein und beteuerte seine Unschuld. Dann schimpfte er: „Wer hat mir das angehängt? Ich schlage diesem Sträflingspack die Zähne ein! Ganz offensichtlich wollte sich jemand lieb Kind machen, nachdem Schatzjade Prügel bekommen hat, und benutzt mich als Sündenbock. Ist Schatzjade etwa ein Himmelskönig? Wenn sein eigener Vater ihn einmal verprügelt, muss die ganze Familie tagelang deshalb in Aufruhr sein! Damals, als er sich schlecht aufführte und der Onkel ihm ein paar Schläge versetzte, hat die Herzoginmutter davon erfahren und behauptet, Vetter Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] trage die Schuld — sie ließ ihn holen und hat ihn fürchterlich ausgeschimpft. Und heute bin sogar ich der Schuldige! Wenn das so ist, gehe ich jetzt einfach hinüber und schlage Schatzjade tot — dann zahle ich mit meinem Leben dafür, und alle haben ihre Ruhe!" | ||
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| + | Während er so tobte, riss er den Türriegel heraus und wollte hinausstürmen. Aufgeschreckt hielt Tante Schnee ihn am Ärmel fest und schalt: „Wen willst du totschlagen, du Strafe meiner Sünden? Dann schlag lieber erst mich!" | ||
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| + | Pan Schnees Augen waren vor Wut groß wie Kupferschellen, und er brüllte: „Was soll das! Gehen darf ich nicht, aber verleumden lassen soll ich mich! Solange Schatzjade am Leben ist, werde ich Tag für Tag die Schuld an allem tragen. Es wäre besser, alle wären tot — dann herrschte wenigstens Ruhe!" | ||
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| + | Schatzspange trat rasch hinzu und redete ihm zu: „Hab doch ein wenig Geduld! Siehst du nicht, wie aufgebracht Mutter ist? Statt sie zu beruhigen, schlägst du noch größeren Lärm. Ob nun Mutter dir etwas rät oder jemand anders — es geschieht doch zu deinem Besten! Und was passiert? Du lässt dich erst recht aufstacheln." | ||
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| + | Pan Schnee sagte: „Jetzt fängst du schon wieder an! Das kommt alles nur von deinen Worten!" | ||
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| + | Schatzspange entgegnete: „Du gibst mir die Schuld an meinen Worten, aber warum gibst du dir nicht selbst die Schuld an deiner Kopflosigkeit?" | ||
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| + | Pan Schnee rief: „Du wirfst mir nur meine Kopflosigkeit vor! Warum wirfst du nicht Schatzjade vor, dass er sich draußen Ärger einhandelt? Ich will gar nicht weit ausholen, nur die Sache mit Qiguan [琪官] will ich euch als Beispiel erzählen: Ich habe Qiguan über zehnmal getroffen, ohne je ein vertrauliches Wort mit ihm gewechselt zu haben. Aber Schatzjade hat ihn bei der ersten Begegnung, als er noch nicht einmal seinen Namen kannte, gleich seine Leibbinde geschenkt! War das dann wohl auch meine Schuld?" | ||
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| + | Tante Schnee und Schatzspange riefen bestürzt: „Rede nicht mehr davon! Genau deswegen hat er doch die Prügel bekommen. Jetzt sieht man erst recht, dass du es warst, der davon erzählt hat!" | ||
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| + | Pan Schnee rief: „Das ist doch zum Verrücktwerden! Ich ärgere mich nicht einmal, dass ihr behauptet, ich hätte es erzählt — ich ärgere mich, dass ihr alle wegen eines einzigen Schatzjade die ganze Welt auf den Kopf stellt!" | ||
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| + | Schatzspange sagte: „Wer stellt denn die Welt auf den Kopf? Du hast als Erster mit Knüppeln und Messern gewedelt und willst jetzt behaupten, andere stiften den Aufruhr!" | ||
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| + | Als Pan Schnee sah, dass jeder Satz seiner Schwester Hand und Fuß hatte und schwerer zu widerlegen war als die Worte der Mutter, wollte er sie nur noch zum Schweigen bringen, damit ihm niemand mehr dazwischenredete. Weil er sich außerdem in blinder Wut befand, ohne seine Worte zu wägen, sagte er: „Ach, liebste Schwester, du brauchst mir gar nicht böse zu sein! Ich weiß ja schon längst, wie es um dein Herz bestellt ist. Mutter hat mir erzählt, dass für dein Gold nur einer mit einem Jade der richtige Partner sei. Du hast dir das zu Herzen genommen und siehst, dass Schatzjade dieses Ding am Hals trägt — da musst du ihn natürlich in Schutz nehmen!" | ||
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| + | Ehe er noch zu Ende gesprochen hatte, war Schatzspange vor Zorn wie erstarrt. Sie zog Tante Schnee am Ärmel und rief unter Tränen: „Hörst du, Mutter? Hörst du, was er für Dinge sagt?" | ||
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| + | Als Pan Schnee seine Schwester weinen sah, wurde ihm klar, dass er zu weit gegangen war. Schmollend ging er in sein Zimmer und legte sich schlafen. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. | ||
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| + | Tante Schnee zitterte vor Wut am ganzen Leib, versuchte aber dennoch, Schatzspange zu trösten: „Du kennst ihn doch — dieser Nichtsnutz redet ohne Sinn und Verstand. Morgen werde ich ihm sagen, dass er sich bei dir entschuldigen soll." | ||
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| + | Schatzspange kochte vor unterdrücktem Zorn und Kränkung. Am liebsten hätte sie sich gewehrt, aber weil sie fürchtete, der Mutter dadurch Sorgen zu bereiten, verabschiedete sie sich mit Tränen in den Augen und kehrte allein in ihre Räume zurück, wo sie die ganze Nacht lang weinte. | ||
| − | + | Am nächsten Morgen stand sie früh auf, hatte aber keine Lust, sich zu kämmen und zurechtzumachen, und richtete sich nur oberflächlich her. Dann ging sie hinüber, um ihre Mutter zu besuchen. Zufällig begegnete sie dabei Kajaljade, die einsam im Schatten blühender Bäume stand und sie fragte, wohin sie gehe. „Nach Hause", sagte Schatzspange und ging, während sie das sagte, immerfort weiter. | |
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| − | + | Kajaljade sah, dass sie niedergeschlagen war und verweinte Augen hatte — ganz anders als sonst –, und rief ihr lächelnd hinterher: „Auch die Schwester sollte auf ihre Gesundheit achten! Selbst wenn du zwei Kübel voll Tränen weinst — die Stockhieb-Wunden heilst du damit auch nicht!" | |
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| − | + | Wer wissen will, was Schatzspange darauf erwiderte, möge das nächste Kapitel lesen. | |
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| − | Wer wissen will, was | ||
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Latest revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說襲人見賈母王夫人等去後,便走來寶玉身邊坐下,含淚問他:「怎麼就打到這步田地?」寶玉嘆氣說道:「不過為那些事,問他做什麼!只是下半截疼的很,你瞧瞧打壞了那裡。」襲人聽說,便輕輕的伸手進去,將中衣褪下。寶玉略動一動,便咬著牙叫「噯喲」,襲人連忙停住手,如此三四次才褪了下來。襲人看時,只見腿上半段青紫,都有四指寬的僵痕高了起來。襲人咬著牙說道:「我的娘,怎麼下這般的狠手!你但凡聽我一句話,也不得到這步地位。幸而沒動筋骨,倘或打出個殘疾來,可叫人怎麼樣呢!」 正說著,只聽丫鬟們說:「寶姑娘來了。」襲人聽見,知道穿不及中衣,便拿了一床袷紗被替寶玉蓋了。只見寶釵手裡托著一丸藥走進來,向襲人說道:「晚上把這藥用酒研開,替他敷上,把那淤血的熱毒散開,可以就好了。」說畢,遞與襲人,又問道:「這會子可好些?」寶玉一面道謝說:「好了。」又讓坐。寶釵見他睜開眼說話,不象先時,心中也寬慰了好些,便點頭嘆道:「早聽人一句話,也不至 今日。別說老太太、太太心疼,就是我們看著,心裡也疼。」剛說了半句又忙咽住,自悔說的話急了,不覺的就紅了臉,低下頭來。寶玉聽得這話如此親切稠密,大有深意,忽見他又咽住不往下說,紅了臉,低下頭只管弄衣帶,那一種嬌羞怯怯,非可形容得出者,不覺心中大暢,將疼痛早丟在九霄雲外,心中自思:「我不過捱了幾下打,他們一個個就有這些憐惜悲感之態露出,令人可玩可觀,可憐可敬。假若我一時竟遭殃橫死,他們還不知是何等悲 感呢!既是他們這樣,我便一時死了,得他們如此,一生事業縱然盡付東流,亦無足嘆惜,冥冥之中若不怡然自得, 亦可謂糊塗鬼祟矣。」想著,只聽寶釵問襲人道:「怎麼好好的動了氣,就打起來了?」襲人便把焙茗的話說了出來。寶玉原來還不知道賈環的話,見襲人說出方纔知道。因又拉上薛蟠,惟恐寶釵沉心,忙又止住襲人道:「薛大哥哥從來不這樣的,你們不可混猜度。」寶釵聽說,便知道是怕他多心,用話相攔襲人,因心中暗暗 想道:「打的這個形像,疼還顧不過來,還是這樣細心,怕得罪了人,可見在我們身上也算是用心了。你既這樣用心,何不在外頭大事上做工夫,老爺也歡喜了,也不能吃這樣虧。但你固然怕我沉心,所以攔襲人的話,難道我就不知我的哥哥素日恣心縱欲,毫無防範的那種心性。當日為一個秦鐘,還鬧的天翻地覆,自然如今比先又更利害了。」想畢,因笑道:「你們也不必怨這個,怨那個。據我想,到底寶兄弟素日不正,肯和那些人來往,老爺才生 氣。就是我哥哥說話不防頭,一時說出寶兄弟來,也不是有心調唆:一則也是本來的實話,二則他原不理論這些防嫌小事。襲姑娘從小兒只見寶兄弟這麼樣細心的人,你何嘗見過天不怕地不怕、心裡有什麼口裡就說什麼的人。」襲人因說出薛蟠來,見寶玉攔他的話,早已明白自己說造次了, 恐寶釵沒意思,聽寶釵如此說,更覺羞愧無言。寶玉又聽寶釵這番話,一半是堂皇正大,一半是去己疑心,更覺比先暢快了。方欲說話時,只見寶釵起身說道:「明兒再來看你,你好生養著罷。方纔我拿了藥來交給襲人,晚上敷上管就好了。」說著便走出門去。襲人趕著送出院外,說:「姑娘倒費心了。改日寶二爺好了,親自來謝。」寶釵回頭笑道:「有什麼謝處。你只勸他好生靜養,別胡思亂想的就好了。不必驚動老太太、太太眾人,倘或吹到老爺耳朵裡,雖然彼時不怎麼樣,將來對景,終是要吃虧的。」說著,一面去了。 襲人抽身回來,心內著實感激寶釵。進來見寶玉沉思默默似睡非睡的模樣,因而退出房外,自去櫛沐。寶玉默默的躺在床上,無奈臀上作痛,如針挑刀挖一般, 更又熱如火炙,略展轉時,禁不住「噯喲」之聲。那時天色將晚,因見襲人去了,卻有兩三個丫鬟伺候,此時並無呼喚之事,因說道:「你們且去梳洗,等我叫時再來。」眾人聽了,也都退出。 這裡寶玉昏昏默默,只見蔣玉菡走了進來,訴說忠順府拿他之事;又見金釧兒進來哭說為他投井之情。寶玉半夢半醒,都不在意。忽又覺有人推他,恍恍忽忽聽 得有人悲戚之聲。寶玉從夢中驚醒,睜眼一看,不是別人,卻是林黛玉。寶玉猶恐是夢,忙又將身子欠起來,向臉上細細一認,只見兩個眼睛腫的桃兒一般,滿面淚光,不是黛玉,卻是那個?寶玉還欲看時,怎奈下半截疼痛難忍,支持不住,便「噯喲」一聲,仍就倒下,嘆了一聲,說道:「你又做什麼跑來!雖說太陽落下去, 那地上的餘熱未散,走兩趟又要受了暑。我雖然捱了打,並不覺疼痛。我這個樣兒,只裝出來哄他們,好在外頭布散與老爺聽,其實是假的。你不可認真。」此時林黛玉雖不是嚎啕大哭,然越是這等無聲之泣,氣噎喉堵,更覺得利害。聽了寶玉這番話,心中雖然有萬句言詞,只是不能說得,半日,方抽抽噎噎的說道:「你從此可都改了罷!」寶玉聽說, 便長嘆一聲,道:「你放心,別說這樣話。就便為這些人死了,也是情願的!(校者註:蒙本此處無「也是情願的」,換作「況已是活過來 了」)」一句話未了,只見院外人說:「二奶奶來了。」林黛玉便知是鳳姐來了,連忙立起身說道:「我從後院子去罷,回來再來。」寶玉一把拉住道:「這可奇了,好好的怎麼怕起他來。」林黛玉急的跺腳,悄悄的說道:「你瞧瞧我的眼睛,又該他取笑開心呢。」寶玉聽說趕忙的放手。黛玉三步兩步轉過床後,出後院而去。鳳姐從前頭已進來了,問寶玉:「可好些了?想什麼吃,叫人往我那裡取去。」接著,薛姨媽又來了。一時賈母又打發了人來。 至掌燈時分,寶玉只喝了兩口湯,便昏昏沉沉的睡去。接著,周瑞媳婦、吳新登媳婦、鄭好時媳婦這幾個有年紀常往來的,聽見寶玉捱了打,也都進來。襲人忙迎出來,悄悄的笑道:「嬸嬸們來遲了一步,二爺才睡著了。」說著,一面帶他們到那邊房裡坐了,倒茶與他們吃。那幾個媳婦子都悄悄的坐了一回,向襲人說:「等二爺醒了,你替我們說罷。」 襲人答應了,送他們出去。剛要回來,只見王夫人使個婆子來,口稱「太太叫一個跟二爺的人呢」。襲人見說,想了一想,便回身悄悄告訴晴雯、麝月、檀雲、 秋紋等說:「太太叫人,你們好生在房裡,我去了就來。」說畢,同那婆子一徑出了園子,來至上房。王夫人正坐在涼榻上搖著芭蕉扇子,見他來了,說:「不管叫個誰來也罷了。你又丟下他來了,誰伏侍他呢?」襲人見說,連忙陪笑回道:「二爺才睡安穩了,那四五個丫頭如今也好了,會伏侍二爺了,太太請放心。恐怕太太有什麼話吩咐,打發他們來,一時聽不明白,倒耽誤了。」王夫人道:「也沒甚話,白問問他這 會子疼的怎麼樣。」襲人道:「寶姑娘送去的藥,我給二爺敷上了,比先好些了。先疼的躺不穩,這會子都睡沉了,可見好些了。」王夫人又 問:「吃了什麼沒有?」襲人道:「老太太給的一碗湯,喝了兩口,只嚷乾喝,要吃酸梅湯。我想著酸梅是個收斂的東西,才剛捱了打,又不許叫喊,自然急的那熱 毒熱血未免不存在心裡,倘或吃下這個去激在心裡,再弄出大病來,可怎麼樣呢。因此我勸了半天才沒吃,只拿那糖腌的玫瑰滷子和了吃,吃了半碗,又嫌吃絮了,不香甜。」王夫人道:「噯喲,你不該早來和我說。前兒有人送了兩瓶子香露來,原要給他點子的,我怕他胡糟踏了,就沒給。既是他嫌那些 玫瑰膏子絮煩,把這個拿兩瓶子去。一碗水裡只用挑一茶匙兒,就香的了不得呢。」說著就喚彩雲來,「把前兒的那幾瓶香露拿了來。」襲人道:「只拿兩瓶來罷, 多了也白糟踏。等不夠再要,再來取也是一樣。」彩雲聽說,去了半日,果然拿了兩瓶來,付與襲人。襲人看時,只見兩個玻璃小瓶,卻有三寸大小,上面螺絲銀蓋,鵝黃箋上寫著「木樨清露」,那一個寫著「玫瑰清露」。襲人笑道:「好金貴東西!這麼個小瓶兒,能有多少?」王夫人道:「那是進上的,你沒看見鵝黃箋子?你好生替他收著,別糟踏了。」 襲人答應著,方要走時,王夫人又叫:「站著,我想起一句話來問你。」襲人忙又回來。王夫人見房內無人,便問道:「我恍惚聽見寶玉今兒捱打,是環兒在老 爺跟前說了什麼話。你可聽見這個了?你要聽見,告訴我聽聽,我也不吵出來教人知道是你說的。」襲人道:「我倒沒聽見這話,為二爺霸占著戲子,人家來和老爺要,為這個打的。」王夫人搖頭說道:「也為這個,還有別的原故。」襲人道:「別的原故實在不知道了。我今兒在太太跟前大膽說句不知好歹的話。論理……」說 了半截忙又咽住。王夫人道:「你只管說。」襲人笑道:「太太別生氣,我就說了。」王夫人道:「我有什麼生氣的,你只管說來。」襲人道:「論理,我們二爺也須得老爺教訓兩頓。若老爺再不管,將來不知做出什麼事來呢。」王夫人一聞此言,便合掌念聲「阿彌陀佛」,由不得趕著襲人叫了一聲「我的兒,虧了你也明白,這話和我的心一樣。我何曾不知道管兒子,先時你珠大爺在,我是怎麼樣管 他,難道我如今倒不知管兒子了?只是有個原故:如今我想,我已經快五十歲的人,通共剩了他一個,他又長的單弱,況且老太太寶貝似的,若管緊了他,倘或再有個好歹,或是老太太氣壞了,那時上下不安,豈不倒壞了,所以就縱壞了他。我常常掰著口兒勸一陣,說一陣,氣的罵一陣,哭一陣,彼時他好,過後兒還是不相干,端的吃了虧才罷了。若打壞了,將來我靠誰呢!」說著,由不得滾下淚來。 襲人見王夫人這般悲感,自己也不覺傷了心,陪著落淚。又道:「二爺是太太養的,豈不心疼。便是我們做下人的伏侍一場,大家落個平安,也算是造化了。要這樣起來,連平安都不能了。那一日那一時我不勸二爺,只是再勸不醒。偏生那些人又肯親近他,也怨不得他這樣,總是我們勸的倒不好了。今兒太太提起這話來, 我還記掛著一件事,每要來回太太,討太太個主意。只是我怕太太疑心,不但我的話白說了,且連葬身之地都沒了。」 王夫人聽了這話內有因,忙問道:「我的兒,你有話只管說。近來我因聽見眾人背前背後都誇你,我只說你不過是在寶玉身上留心,或是諸人跟前和氣,這些小意思好,所以將你和老姨娘一體行事。誰知你方纔和我說的話全是大道理,正和我的想頭一樣。你有什麼只管說什麼,只別教別人知道就是了。」襲人道:「我也沒什麼 別的說。我只想著討太太一個示下,怎麼變個法兒,以後竟還教二爺搬出園外來就好了。」王夫人聽了,吃一大驚,忙拉了襲人的手問道:「寶玉難道和誰作怪了不成?」襲人忙回道:「太太別多心,並沒有這話。這不過是我的小見識。如今二爺也大了,裡頭姑娘們也大了,況且林姑娘寶姑娘又是兩姨姑表姊妹,雖說是姊妹 們,到底是男女之分,日夜一處起坐不方便,由不得叫人懸心,便是外人看著也不象。一家子的事,俗語說的『沒事常思有事』,世上多少無頭腦的事,多半因為無心中做出,有心人看見,當做有心事,反說壞了。只是預先不防著,斷然不好。二爺素日性格,太太是知道的。他又偏好在我們隊裡鬧,倘或不防,前後錯了一點半點,不論真假,人多口雜,那起小人的嘴有什麼避諱,心順了,說的比菩薩還好,心不順,就貶的連畜牲不如。二爺將 來倘或有人說好,不過大家直過沒事;若叫人說出一個不好字來,我們不用說,粉身碎骨,罪有萬重,都是平常小事,便後來二爺一生的聲名品行豈不完了,二則太太也難見老爺。俗語又說『君子防不然』,不如這會子防避的為是。 太太事情多,一時固然想不到。我們想不到則可,既想到了,若不回明太太,罪越重了。近來我為這事日夜懸心,又不好說與人,惟有燈知道罷了。」王夫人聽了這話,如雷轟電掣一般,正觸了金釧兒之事,心內越發感愛襲人不盡,忙笑道:「我的兒,你竟有這個心胸,想的這樣周全!我何曾又不想到這裡,只是這幾次有事就忘了。你今兒這一番話提醒了我。難為你成全我娘兒兩個聲名體面,真真我竟不知道你這樣好。罷了,你且去罷,我自有道理。只是還有一句話:你如今既說了這樣的話,我就把他交給你了,好歹留心,保全了他,就是保全了我。我自然不辜負你。」 襲人連連答應著去了。回來正值寶玉睡醒,襲人回明香露之事。寶玉喜不自禁,即令調來嘗試,果然香妙非常。因心下記掛著黛玉,滿心裡要打發人去,只是怕襲人,便設一法,先使襲人往寶釵那裡去借書。 襲人去了,寶玉便命晴雯來吩咐道:「你到林姑娘那裡看看他做什麼呢。他要問我,只說我好了。」晴雯道: 「白眉赤眼,做什麼去呢?到底說句話兒,也象一件事。」寶玉道:「沒有什麼可說的。」晴雯道:「若不然,或是送件東西,或是取件東西,不然我去了怎麼搭訕 呢?」寶玉想了一想,便伸手拿了兩條手帕子撂與晴雯,笑道:「也罷,就說我叫你送這個給他去了。」晴雯道:「這又奇了。他要這半新不舊的兩條手帕子?他又要惱了,說你打趣他。」寶玉笑道:「你放心,他自然知道。」 晴雯聽了,只得拿了帕子往瀟湘館來。只見春纖正在欄桿上晾手帕子,見他進來,忙擺手兒,說:「睡下了。」 晴雯走進來,滿屋黑魆。並未點燈。黛玉已睡在床上。問是誰。晴雯忙答道:「晴雯。」黛玉道:「做什麼?」晴雯道:「二爺送手帕子來給姑娘。」黛玉聽了,心中發悶:「做什麼送手帕子來給我?」因問:「這帕子是誰送他的?必是上好的,叫他留著送別人罷,我這會子不用這個。」 晴雯笑道:「不是新的,就是家常舊的。」林黛玉聽見,越發悶住,著實細心搜求,思忖一時,方大悟過來,連忙說:「放下,去罷。」晴雯聽了,只得放下,抽身 回去,一路盤算,不解何意。 這裡林黛玉體貼出手帕子的意思來,不覺神魂馳盪:寶玉這番苦心,能領會我這番苦意,又令我可喜;我這番苦意,不知將來如何,又令我可悲;忽然好好的送 兩塊舊帕子來,若不是領我深意,單看了這帕子,又令我可笑;再想令人私相傳遞與我,又可懼;我自己每每好哭,想來也無味,又令我可愧。如此左思右想,一時五內沸然炙起。黛玉由不得餘意綿纏,令掌燈,也想不起嫌疑避諱等事,便向案上研墨蘸筆,便向那兩塊舊帕上走筆寫道: 眼空蓄淚淚空垂,暗灑閑拋卻為誰? 尺幅鮫鮹勞解贈,叫人焉得不傷悲! 其二 拋珠滾玉只偷潸,鎮日無心鎮日閑; 枕上袖邊難拂拭,任他點點與斑斑。 其三 彩線難收面上珠,湘江舊跡已模糊; 窗前亦有千竿竹,不識香痕漬也無? 林黛玉還要往下寫時,覺得渾身火熱,面上作燒,走至鏡臺揭起錦袱一照,只見腮上通紅,自羡壓倒桃花,卻不知病由此萌。一時方上床睡去,猶拿著那帕子思索,不在話下。 卻說襲人來見寶釵,誰知寶釵不在園內,往他母親那裡去了,襲人便空手回來。等至二更,寶釵方回來。原來寶釵素知薛蟠情性,心中已有一半疑是薛蟠調唆了人來告寶玉的,誰知又聽襲人說出來,越發信了。究竟襲人是聽焙茗說的,那焙茗也是私心窺度,並未據實,竟認準是他說的。那薛蟠都因素日有這個名聲,其實這一次卻不是他幹的,被人生生的一口咬死是他,有口難分。這日正從外頭吃了酒回來,見過母親,只見寶釵在這裡,說了幾句閑話,因問:「聽見寶兄弟吃了虧,是 為什麼?」薛姨媽正為這個不自在,見他問時,便咬著牙道:「不知好歹的東西,都是你鬧的,你還有臉來問!」薛蟠見說,便怔了,忙問道:「我何嘗鬧什麼?」 薛姨媽道:「你還裝憨呢!人人都知道是你說的,還賴呢。」薛蟠道:「人人說我殺了人,也就信了罷?」薛姨媽道:「連你妹妹都知道是你說的,難道他也賴你不 成?」寶釵忙勸道:「媽和哥哥且別叫喊,消消停停的,就有個青紅皂白了。」因向薛蟠道:「是你說的也罷,不是你說的也罷,事情也過去了,不必較證,倒把小 事兒弄大了。我只勸你從此以後在外頭少去胡鬧,少管別人的事。天天一處大家胡逛,你是個不防頭的人,過後兒沒事就罷了,倘或有事,不是你幹的,人人都也疑惑是你幹的,不用說別人,我就先疑惑。」薛蟠本是個心直口快的人,一生見不得這樣藏頭露尾的事,又見寶釵勸他不要逛去,他母親又說他犯舌,寶玉之打是他治的,早已急的亂跳,賭身發誓的分辯。又罵眾人:「誰這樣贓派我?我把那囚攮的牙敲了才罷!分明是為打了寶玉,沒的獻勤兒,拿我來作幌子。難道寶玉是天王? 他父親打他一頓,一家子定要鬧幾天。那一回為他不好,姨爹打了他兩下子,過後老太太不知怎麼知道了,說是珍大哥哥治的,好好的叫了去罵了一頓。今兒越發拉上我了!既拉上,我也不怕,越性進去把寶玉打死了,我替他償了命,大家乾凈。」一面嚷,一面抓起一根門閂來就跑。慌的薛姨媽一把抓住,罵道:「作死的孽障,你打誰去?你先打我來!」薛蟠急的眼似銅鈴一般,嚷道:「何苦來!又不叫我去,又好好的賴我。將來寶玉活一日,我擔一日的口舌,不如大家死了清凈。」 寶釵忙也上前勸道:「你忍耐些兒罷。媽急的這個樣兒,你不說來勸媽,你還反鬧的這樣。別說是媽,便是旁人來勸你,也為你好,倒把你的性子勸上來了。」薛蟠道:「這會子又說這話。都是你說的!」寶釵道:「你只怨我說,再不怨你顧前不顧後的形景。」薛蟠道:「你只會怨我顧前不顧後,你怎麼不怨寶玉外頭招風惹草的那個樣子!別說多的,只拿前兒琪官的事比給你們聽:那琪官,我們見過十來次的,我並未和他說一句親熱話;怎麼前兒他見了,連姓名還不知道,就把汗巾子給他了?難道這也是我說的不成?」薛姨媽和寶釵急的說道:「還提這個!可不是為這個打他呢。可見是你說的了。」薛蟠道:「真真的氣死了人了!賴我說的我不 惱,我只為一個寶玉鬧的這麼天翻地覆的。」寶釵道:「誰鬧了?你先持刀動杖的鬧起來,倒說別人鬧。」薛蟠見寶釵說的句句有理,難以駁正,比母親的話反難回答,因此便要設法拿話堵回他去,就無人敢攔自己的話了;也因正在氣頭兒上,未曾想話之輕重,便說道:「好妹妹,你不用和我鬧,我早知道你的心了。從先媽和 我說,你這金要揀有玉的才可正配,你留了心,見寶玉有那勞什骨子,你自然如今行動護著他。」話未說了,把個寶釵氣怔了,拉著薛姨媽哭道:「媽媽你聽,哥哥說的是什麼話!」薛蟠見妹妹哭了,便知自己冒撞了,便堵氣走到自己房裡安歇不提。 這裡薛姨媽氣的亂戰,一面又勸寶釵道:「你素日知那孽障說話沒道理,明兒我叫他給你陪不是。」寶釵滿心委屈氣忿,待要怎樣,又怕他母親不安,少不得含淚別了母親,各自回來,到房裡整哭了一夜。次日早起來,也無心梳洗,胡亂整理整理,便出來瞧母親。可巧遇見林黛玉獨立在花陰之下,問他那裡去。薛寶釵因說 「家去」,口裡說著,便只管走。黛玉見他無精打采的去了,又見眼上有哭泣之狀,大非往日可比,便在後面笑道:「姐姐也自保重些兒。就是哭出兩缸眼淚來,也 醫不好棒瘡!」不知寶釵如何答對,且聽下回分解。
注释 |
Kapitel 34 Liebende fühlen Liebe und rühren die Schwester zu Gefühlen; Irrende irren im Irrtum und ermahnen den Bruder vergebens. Nachdem die Herzoginmutter [贾母], Dame König [王夫人] und die übrigen gegangen waren, setzte sich Dufthauch [袭人] zu Schatzjade [宝玉] ans Bett und fragte unter Tränen: „Wie konnte es nur so weit kommen?" Schatzjade seufzte und sagte: „Es war wegen dieser Geschichten, frag nicht weiter danach! Nur die ganze untere Hälfte tut mir furchtbar weh. Schau einmal nach, wo es am schlimmsten ist." Als Dufthauch das hörte, schob sie behutsam die Hand unter sein Gewand und streifte ihm die Unterkleider herab. Schatzjade rührte sich ein wenig, biss die Zähne zusammen und stöhnte: „Auweh!" Sofort hielt Dufthauch inne. So ging es drei- oder viermal, bis die Kleider endlich herunter waren. Als Dufthauch nun hinschaute, sah sie, dass seine Oberschenkel über und über braun und blau geschlagen waren, mit vierfingerbreiten, dick aufgeschwollenen Striemen. Dufthauch biss die Zähne zusammen und sagte: „Du lieber Himmel, wie kann man nur so grausam zuschlagen! Hättest du nur ein einziges Mal auf mich gehört, wäre es nie so weit gekommen. Ein Glück noch, dass weder Sehnen noch Knochen verletzt sind! Wenn du ein Krüppel geworden wärst — was hätten wir dann gemacht!" Während sie noch sprach, riefen die Dienstmädchen: „Fräulein Schatzspange kommt!" Dufthauch sah ein, dass sie es nicht mehr schaffen würde, ihm die Unterkleider wieder anzuziehen, und deckte ihn stattdessen rasch mit einer leichten Seidendecke zu. Da trat Schatzspange [宝钗] auch schon herein, auf der flachen Hand eine Arzneikugel. Sie wandte sich an Dufthauch und sagte: „Zerreibe diese Arznei am Abend in Wein und streiche sie ihm auf die Wunden. Dann löst sich das Gift des Blutergusses auf, und die Schwellungen gehen zurück." Damit reichte sie ihr die Kugel und fragte: „Geht es ihm jetzt etwas besser?" Schatzjade bedankte sich und sagte: „Es geht mir schon besser." Dann bat er sie, Platz zu nehmen. Als Schatzspange sah, dass er die Augen geöffnet hatte und wieder sprach, was vorhin gar nicht der Fall gewesen war, fühlte sie sich erheblich erleichtert. Sie nickte und sagte seufzend: „Hättest du nur rechtzeitig auf die Menschen um dich herum gehört, dann wäre es heute nicht so weit gekommen. Nicht nur die Herzoginmutter und die gnädige Frau — auch uns blutet das Herz bei diesem Anblick ..." Kaum hatte sie den halben Satz ausgesprochen, verschluckte sie die Worte, bereute, dass sie zu voreilig gesprochen hatte, und errötete unwillkürlich. Sie senkte den Kopf. Als Schatzjade diese herzlichen, innigen Worte hörte, die so viel tiefere Bedeutung enthielten, und dann sah, wie sie plötzlich abbrach, errötete, den Kopf senkte und nur noch verlegen an ihrem Gürtelband nestelte — eine schüchterne, scheue Anmut, die sich nicht in Worte fassen ließ –, da wurde ihm so wohl ums Herz, dass er seine Schmerzen bis über den neunten Himmel hinaus vergaß. Und er dachte bei sich: „Ich habe bloß ein paar Schläge bekommen, und schon zeigt jede von ihnen so viel Mitleid und Trauer. Wie erfreulich ist das anzuschauen, wie bewundernswert und wie rührend zugleich! Wenn mir wirklich einmal ein Unglück widerfahren und ich eines plötzlichen Todes sterben sollte — wie würden sie dann erst trauern! Wenn dem so ist: Sollte ich tatsächlich sterben und sie empfänden solche Trauer um mich, dann wäre es nicht einmal zu beklagen, wenn mein ganzes Lebenswerk den Fluss hinabgeschwommen wäre. Wollte ich dann im dunklen Jenseits nicht froh und zufrieden sein, so wäre ich wirklich ein stumpfsinniger Geist!" Während er diesen Gedanken nachhing, hörte er, wie Schatzspange Dufthauch fragte: „Wie kam es denn zu diesem plötzlichen Wutausbruch, der die Prügelstrafe nach sich zog?" Dufthauch berichtete nun, was Beiming [焙茗] ihr erzählt hatte. Schatzjade, der noch gar nicht gewusst hatte, was Unheil Kaufmann [贾环] über ihn gesagt hatte, erfuhr es erst jetzt durch Dufthauch. Als aber auch der Name Pan Schnee [薛蟠] fiel, fürchtete Schatzjade, Schatzspange könnte darüber betrübt sein, und er unterbrach Dufthauch eilig: „Vetter Schnee hat sich noch nie so verhalten. Ihr dürft nicht solche haltlosen Vermutungen anstellen!" Schatzspange verstand sofort, dass er Dufthauch nur deswegen zum Schweigen brachte, weil er fürchtete, sie könne sich gekränkt fühlen, und sie dachte still bei sich: „So zugerichtet, dass er die Schmerzen kaum ertragen kann, und dennoch so feinfühlig, dass er fürchtet, mir zu nahe zu treten. Daran sieht man, dass er sich wirklich Gedanken um uns macht. Aber warum kannst du dir nicht in den großen Angelegenheiten draußen ebenso viel Mühe geben? Dann wäre dein Vater zufrieden und du müsstest solches Leid nicht erdulden. Freilich hast du Dufthauch nur meinetwegen das Wort abgeschnitten, weil du fürchtetest, ich könnte verstimmt sein. Aber wüsste ich nicht selbst, wie mein Bruder stets hemmungslos seinen Begierden folgt und nie die geringste Vorsicht walten lässt? Schon damals, als es wegen eines Liebglocke Minne [秦钟] solchen Aufruhr gab, war es schlimm genug — jetzt ist er bestimmt noch schlimmer geworden als früher." Nachdem sie diese Überlegungen zu Ende geführt hatte, sagte sie lächelnd: „Ihr braucht weder diesem noch jenem die Schuld zu geben. Meiner Meinung nach ist der gnädige Herr nur deshalb so in Zorn geraten, weil Vetter Schatzjade sich gewöhnlich nicht korrekt verhält und mit allerlei fragwürdigen Menschen Umgang pflegt. Und wenn mein Bruder auch leichtfertig daherredet und dabei Vetter Schatzjades Namen fallen ließ, so hat er bestimmt nicht mit Absicht jemanden aufgehetzt. Erstens entsprach es ja der Wahrheit, und zweitens achtet er von jeher nicht auf solche Vorsichtsmaßnahmen und Rücksichtnahmen. Dufthauch, du bist von klein auf an einen so umsichtigen Menschen wie Vetter Schatzjade gewöhnt — hast du je jemanden erlebt, der sich vor Himmel und Erde nicht fürchtet und alles, was ihm ins Herz kommt, auch geradeheraus sagt?" Schon als ihr Pan Schnees Name entschlüpft war und Schatzjade sie unterbrach, hatte Dufthauch begriffen, dass sie unbesonnen gesprochen hatte, und sie fürchtete, Schatzspange könnte sich unwohl fühlen. Als sie nun Schatzspanges Worte hörte, schämte sie sich noch mehr und wusste nichts darauf zu erwidern. Schatzjade seinerseits empfand Schatzspanges Worte als großzügig und aufrichtig, zugleich zerstreuten sie seinen Argwohn, und er fühlte sich wohler als zuvor. Gerade wollte er etwas sagen, da stand Schatzspange schon auf und verabschiedete sich: „Ich komme morgen wieder nach dir sehen. Ruh dich schön aus! Vorhin habe ich Dufthauch die Arznei gegeben — wenn sie sie dir am Abend aufstreicht, wird es dir bald besser gehen." Damit ging sie zur Tür hinaus. Dufthauch eilte ihr nach und begleitete sie bis vor das Hoftor. „Fräulein, Ihr habt Euch viel Mühe gemacht", sagte sie. „Wenn der junge Herr wieder gesund ist, wird er persönlich zu Euch kommen und sich bedanken." Schatzspange wandte den Kopf und sagte lächelnd: „Es gibt doch nichts zu danken! Sorge nur dafür, dass er sich in aller Ruhe erholt und sich nicht den Kopf mit dummen Gedanken füllt. Die Herzoginmutter, die gnädige Frau und die übrigen sollen nicht in Unruhe versetzt werden. Denn wenn es dem gnädigen Herrn zu Ohren käme, würde er im Augenblick zwar vielleicht nichts unternehmen, aber bei passender Gelegenheit müsste Schatzjade am Ende doch dafür büßen." Mit diesen Worten ging sie davon. Durch Schatzspanges Verhalten tief bewegt, kehrte Dufthauch ins Haus zurück. Als sie eintrat, fand sie Schatzjade still und in sich gekehrt — halb schlafend, halb wachend. Also zog sie sich zurück, um sich zu waschen und das Haar zu richten. Schatzjade lag still auf dem Bett. Die Schmerzen am Gesäß waren unerträglich, als würde man ihn mit Nadeln stechen und mit Messern schneiden, dazu brannte es wie Feuer. Sobald er sich auch nur ein wenig bewegte, konnte er ein Stöhnen nicht unterdrücken. Es ging bereits auf den Abend zu. Als Dufthauch fortgegangen war, hielten zwei oder drei Dienstmädchen Wache bei ihm. Da er sie für nichts brauchte, sagte er: „Geht euch kämmen und waschen. Wenn ich euch rufe, kommt wieder." Die Mädchen gingen alle hinaus. Schatzjade lag benommen im Halbdunkel, da sah er Jadelotus Jiang [蒋玉菡] eintreten und klagen, wie ihn die Leute des Prinzen Zhongshun [忠顺] ergriffen hätten. Dann kam auch Goldarmreif [金钏] herein und erzählte weinend, wie sie sich seinetwegen in den Brunnen gestürzt habe. Schatzjade war halb wach, halb im Traum und achtete nicht recht darauf. Da spürte er plötzlich, wie jemand ihn berührte, und vernahm undeutlich eine klagende Stimme. Schatzjade schreckte aus dem Traum empor, riss die Augen auf — und vor ihm stand niemand anders als Kajaljade [林黛玉]. Schatzjade fürchtete, auch sie könnte nur ein Traumbild sein. Eilig richtete er sich auf und sah ihr gespannt ins Gesicht. Da entdeckte er, dass ihre Augen so dick geschwollen waren wie Pfirsiche und ihr ganzes Gesicht von Tränen glänzte. Wer also konnte es sein, wenn nicht Kajaljade? Er wollte sie noch länger betrachten, aber die Schmerzen in der unteren Körperhälfte waren so unerträglich, dass er es nicht aushielt. Mit einem „Auweh!" sank er zurück, seufzte und sagte: „Warum kommst du schon wieder hergelaufen! Die Sonne ist zwar untergegangen, aber die Hitze steigt noch aus dem Boden. Wenn du zweimal den Weg machst, holst du dir wieder einen Hitzschlag. Ich habe zwar Schläge bekommen, aber mir tut gar nichts weh. Ich tue nur so, um die anderen hinters Licht zu führen, damit sie es draußen herumerzählen und der gnädige Herr davon hört. In Wirklichkeit ist alles nur vorgetäuscht. Du darfst es nicht für bare Münze nehmen!" Kajaljade heulte nicht laut, aber dies stumme Schluchzen, bei dem ihr der Atem stockte und die Kehle sich zuschnürte, war weit schlimmer als lautes Weinen. Als sie Schatzjades Worte hörte, drängten sich ihr tausend Dinge auf die Lippen, doch kein einziges Wort kam heraus. Erst nach langer Zeit stieß sie stockend und schluchzend hervor: „Du musst dich von nun an aber wirklich ändern!" Schatzjade antwortete mit einem tiefen Seufzer und sagte: „Sei unbesorgt und rede nicht so! Selbst wenn ich um dieser Menschen willen sterben müsste — ich täte es freiwillig!" [Anm.: In der Mengqi-Fassung steht hier stattdessen: „Zudem bin ich ja wieder am Leben".] Kaum war der Satz zu Ende, rief jemand draußen im Hof: „Die junge gnädige Frau kommt!" Kajaljade wusste sofort, dass es Phönixglanz [王熙凤] war, und stand hastig auf: „Ich gehe über den Hinterhof. Ich komme später wieder." Doch Schatzjade hielt sie am Ärmel fest und sagte: „Wie seltsam! Warum hast du auf einmal Angst vor ihr?" Kajaljade stampfte vor Aufregung mit dem Fuß auf und flüsterte: „Sieh dir doch meine Augen an! Soll sie sich wieder über mich lustig machen und ihren Spaß mit mir treiben?" Sofort ließ Schatzjade sie los. Kajaljade eilte in drei großen Schritten um das Bett herum und verschwand durch den Hinterhof. Im selben Augenblick kam Phönixglanz bereits durch die Vordertür herein und fragte Schatzjade: „Geht es dir etwas besser? Möchtest du etwas essen? Dann schicke ich jemanden zu mir hinüber, der es dir holt." Kurz darauf kam auch Tante Schnee [薛姨妈], und bald darauf sandte die Herzoginmutter ebenfalls jemanden vorbei. Als die Lampen angezündet wurden, trank Schatzjade nur zwei Schlucke Suppe und schlief dann benommen ein. Danach kamen die Frauen Zhou Rui, Wu Xindeng und Zheng Haoshi — allesamt ältere Bedienstete, die häufig im Haus verkehrten. Auch sie hatten gehört, dass Schatzjade Prügel bezogen hatte, und wollten nach ihm sehen. Dufthauch ging ihnen rasch entgegen und sagte leise lächelnd: „Ihr kommt einen Augenblick zu spät, Tanten. Der junge Herr ist gerade eingeschlafen." Dann führte sie die Frauen ins Nebenzimmer, bat sie, Platz zu nehmen, und schenkte ihnen Tee ein. Die Frauen saßen eine Weile still, dann sagten sie zu Dufthauch: „Richte dem jungen Herrn unseren Gruß aus, wenn er aufwacht." Dufthauch versprach es und begleitete sie hinaus. Eben wollte sie wieder hineingehen, da kam eine alte Dienerin, die Dame König geschickt hatte, und sagte: „Die gnädige Frau lässt bitten — sie möchte jemanden aus dem Gefolge des jungen Herrn sprechen." Dufthauch überlegte kurz, dann wandte sie sich zu Heitermuster [晴雯], Moschusmond [麝月], Tanyun [檀云] und Herbstmuster [秋纹] um und sagte leise: „Die gnädige Frau ruft nach jemandem. Bleibt schön hier im Zimmer, ich gehe hin und bin gleich wieder da." Dann verließ sie mit der alten Dienerin den Garten und begab sich hinüber in die Haupträume. Dame König saß auf dem Sommerbett und fächelte sich mit einem Bananenblattfächer. Als sie Dufthauch kommen sah, sagte sie: „Du hättest auch jemand anderen schicken können. Jetzt hast du ihn allein gelassen — wer soll sich denn um ihn kümmern?" Dufthauch entgegnete eilig mit lächelnder Miene: „Der junge Herr hat sich gerade ruhig schlafen gelegt. Die vier oder fünf Mädchen, die noch dort sind, können ihn inzwischen recht gut versorgen. Ihr braucht Euch nicht zu sorgen, gnädige Frau. Ich dachte, Ihr könntet Anweisungen zu geben haben, und wenn ich eine von den anderen geschickt hätte, würde sie Eure Worte womöglich nicht richtig verstehen, und es käme zu Verzögerungen." „Es ist nichts Besonderes", sagte Dame König. „Ich wollte nur wissen, wie es ihm jetzt mit den Schmerzen geht." Dufthauch berichtete: „Ich habe ihm die Arznei aufgetragen, die Fräulein Schatzspange gebracht hat. Es geht ihm etwas besser als vorhin. Erst konnte er vor Schmerzen nicht stillliegen, jetzt aber schläft er fest. Daran sieht man, dass es besser wird." Dame König fragte weiter: „Hat er etwas gegessen?" Dufthauch antwortete: „Er hat ein paar Schlucke von der Suppe getrunken, die ihm die Herzoginmutter geschickt hat, und sagte dann, es sei schrecklich trocken, und er wolle einen Aufguss aus getrockneten grünen Aprikosen trinken. Aber ich dachte mir: Grüne Aprikosen wirken zusammenziehend. Nachdem er gerade erst Prügel bekommen hat, ohne dass er schreien durfte, hat sich vor Aufregung das heiße, vergiftete Blut gewiss im Herzen gestaut. Wenn er dann diesen Aufguss trinkt und es im Herzen aufwühlt, könnte daraus eine schwere Krankheit entstehen — und was dann? Darum habe ich ihm so lange zugeredet, bis er schließlich darauf verzichtete. Stattdessen habe ich ihm gezuckerte Rosenmarmelade in Wasser aufgelöst und zu trinken gegeben. Er hat ein halbes Schälchen davon getrunken, dann aber gesagt, mehr wolle er nicht, weil es nach nichts schmecke und nicht erfrischend sei." „Ach je", sagte Dame König. „Warum bist du nicht eher gekommen und hast mir das gesagt? Neulich hat man mir ein paar Fläschchen Blütennektar geschenkt. Eigentlich wollte ich ihm davon abgeben, aber ich fürchtete, er würde ihn nur sinnlos vergeuden, darum habe ich es gelassen. Wenn ihm die Rosenmarmelade zu fad ist, dann nimm zwei Fläschchen von dem Nektar mit! Ein einziger Teelöffel davon in einer Schale Wasser, und es duftet ganz wunderbar." Und sie rief Buntwölkchen [彩云] herbei: „Bring die Fläschchen mit dem Blütennektar von neulich her!" „Zwei Fläschchen genügen", sagte Dufthauch. „Wenn es zu viel ist, wird es nur vergeudet. Und wenn es nicht reicht, kann ich ja jederzeit welchen nachholen." Buntwölkchen ging hinaus und kam nach einer ganzen Weile tatsächlich mit zwei Fläschchen zurück, die sie Dufthauch übergab. Es waren kleine Fläschchen aus Glas, kaum drei Zoll groß, mit silbernen Schraubverschlüssen versehen. Auf dem blassgelben Etikett des einen stand „Reiner Osmanthusblüten-Nektar" [木樨清露], auf dem des anderen „Reiner Rosen-Nektar" [玫瑰清露]. Dufthauch lachte und sagte: „Das muss ja etwas sehr Kostbares sein! So ein winziges Fläschchen — wie viel kann da schon drin sein?" Dame König sagte: „Das war für den kaiserlichen Gebrauch bestimmt. Siehst du nicht die gelben Etiketten? Geh sparsam damit um und vergeude nichts!" Dufthauch nickte und wollte gehen, da rief Dame König: „Warte noch! Mir fällt gerade eine Frage ein." Sofort kehrte Dufthauch um. Dame König, die sich vergewissert hatte, dass niemand im Raum war, fragte: „Ich habe undeutlich aufgeschnappt, Schatzjade sei deshalb geschlagen worden, weil Unheil Kaufmann [贾环] dem gnädigen Herrn etwas erzählt hat. Hast du davon gehört? Wenn ja, dann sage es mir. Ich werde es nicht weitererzählen und niemandem verraten, dass es von dir stammt." Dufthauch erwiderte: „Davon habe ich nichts gehört. Der junge Herr hat einen Schauspieler in Beschlag genommen, man kam und verlangte ihn vom gnädigen Herrn zurück — deshalb hat er die Prügel bekommen." Dame König schüttelte den Kopf: „Deshalb war es auch, aber es gab noch einen anderen Grund." „Von einem anderen Grund weiß ich wirklich nichts", versicherte Dufthauch. „Aber ich wage es, der gnädigen Frau heute ein offenes Wort zu sagen, auch wenn es ungehörig sein mag. Von Rechts wegen ..." Sie brach mitten im Satz ab. „Sprich nur weiter!" forderte Dame König sie auf. Dufthauch lächelte: „Die gnädige Frau darf mir nicht böse sein, dann sage ich es." „Warum sollte ich dir böse sein?" beschwichtigte Dame König. „Sprich nur!" Dufthauch sagte: „Von Rechts wegen hat der junge Herr es durchaus verdient, dass der gnädige Herr ihm ein paarmal eine Lektion erteilt. Wenn der gnädige Herr ihn nicht zurechtwiese — wer weiß, was er in Zukunft noch anstellen würde!" Als Dame König das hörte, legte sie die Handflächen zusammen und rief: „Amitabha Buddha!" Dann fuhr sie fort, indem sie Dufthauch bei ihrem Kosenamen rief: „Wie gut, mein Kind, dass auch du das so siehst! Ich denke ganz genauso. Weiß ich etwa nicht, wie man einen Sohn erziehen muss? Als der junge Herr Perle [贾珠] noch lebte — wie habe ich ihn da erzogen! Meinst du, das hätte ich heute vergessen? Aber es gibt einen Grund: Ich bin bald fünfzig und habe nur noch ihn allein. Er ist ohnehin zart gebaut, und die Herzoginmutter behandelt ihn wie ihren Augapfel. Wenn ich ihn zu streng halte und ihm dann womöglich etwas zustößt — oder die Herzoginmutter sich darüber echauffiert –, dann wären alle in Aufruhr. Wäre das nicht noch schlimmer? Darum habe ich ihn so lange gewähren lassen, bis er verdorben war. Wie oft habe ich ihm den Mund fusselig geredet, ihm gut zugeredet, vor Wut geschimpft und vor Kummer geweint! Für den Augenblick hat er sich gebessert, danach aber hat es ihn wieder nicht mehr gekümmert. Das ging so lange, bis es heute kräftig geknallt hat. Aber auf wen soll ich mich stützen, wenn er zum Krüppel geschlagen wird?" Bei diesen Worten liefen ihr unwillkürlich die Tränen herab. Als Dufthauch Dame Königs tiefe Betrübnis sah, konnte auch sie den Kummer nicht zurückhalten und weinte mit. Dann sagte sie: „Der junge Herr ist Euer eigenes Kind, gnädige Frau — natürlich leidet Ihr mit ihm. Aber auch wir Dienerinnen hoffen doch nur, dass alles friedlich und ruhig bleibt, nachdem wir ihm treu gedient haben — das wäre schon unser Glück. Wenn es aber so weitergeht, kann von Frieden und Ruhe keine Rede mehr sein. An welchem Tag, zu welcher Stunde hätte ich dem jungen Herrn nicht zugeredet! Aber es nützt nichts, er lässt sich nicht umstimmen. Und dann gibt es diese Leute, die sich an ihn herandrängen — kein Wunder, dass er so ist. Am Ende sind es noch unsere guten Ratschläge, die nicht willkommen sind. Da die gnädige Frau heute auf diese Dinge zu sprechen kommt, fällt mir noch etwas ein, das mir schon länger auf dem Herzen liegt. Ich wollte es Euch schon lange sagen und um Euren Rat bitten. Nur fürchte ich, Ihr könntet argwöhnisch werden — dann wären meine Worte nicht nur umsonst gesagt, ich wüsste nicht einmal mehr, wo ich mein Grab finden sollte!" Dame König, die heraushörte, dass hinter diesen Worten etwas Bestimmtes steckte, erwiderte sogleich: „Sag nur, was du zu sagen hast, mein Kind! In letzter Zeit loben dich alle hinter deinem Rücken und vor deinem Angesicht. Ich dachte anfangs, du würdest dich einfach besonders um Schatzjade kümmern und freundlich zu den anderen sein — kleine Aufmerksamkeiten eben. Deshalb habe ich dich wie die älteren Nebenfrauen behandelt. Wer hätte gedacht, dass du heute solch vernünftige und weitblickende Gedanken äußern würdest, die genau meinen eigenen Überlegungen entsprechen! Sag nur, was du auf dem Herzen hast — Hauptsache, niemand anders erfährt davon." Dufthauch sagte: „Es ist nichts weiter. Ich wollte nur die gnädige Frau um eine Anweisung bitten, wie man es einrichten könnte, dass der junge Herr künftig aus dem Garten auszieht." Dame König erschrak heftig, fasste Dufthauch bei der Hand und fragte: „Hat Schatzjade etwa mit jemandem etwas Ungebührliches getan?" Dufthauch entgegnete hastig: „Nein, nein, gnädige Frau, denkt nichts Schlimmes! Davon ist gar nicht die Rede. Es ist nur meine eigene bescheidene Überlegung. Der junge Herr ist inzwischen groß geworden, und auch die jungen Fräulein drinnen sind herangewachsen. Dazu kommt, dass Fräulein Kajaljade und Fräulein Schatzspange Cousinen sind — Cousinen mütterlicherseits und väterlicherseits. Aber auch wenn sie Geschwister genannt werden, so gilt doch die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen. Tag und Nacht zusammen zu leben ist nicht schicklich und gibt unwillkürlich Anlass zur Sorge. Auch Außenstehende müssen einen schlechten Eindruck gewinnen. In einer Familie, so sagt das Sprichwort, ‚denke auch im Frieden an die Gefahr'. Die meisten Unannehmlichkeiten dieser Welt entstehen dadurch, dass etwas ohne Absicht getan wird, aber jemand, der Absichten vermutet, es als absichtlich auslegt und ins Schlechte verdreht. Wenn man nicht rechtzeitig vorbeugt, kann das nicht gut ausgehen. Die gnädige Frau kennt den Charakter des jungen Herrn. Er tummelt sich für sein Leben gern unter uns Mädchen. Wenn man nicht aufpasst und im Vorher oder Nachher auch nur die kleinste Unregelmäßigkeit vorkommt — ob sie nun wahr ist oder erfunden –, dann reden die Leute, und diesem Gesindel ist nichts heilig. Sind sie einem wohlgesinnt, loben sie einen höher als den Buddha. Sind sie einem übelgesinnt, schmähen sie einen schlimmer als ein Tier. Wenn man in Zukunft Gutes über den jungen Herrn sagt, ist das weiter keine große Sache. Aber wenn auch nur ein einziges schlechtes Wort über ihn fällt, dann wäre es für uns Dienerinnen noch das Geringste, zu Staub und Asche zermahlen zu werden — tausendfache Schuld, das ist noch gar nichts. Aber der gute Ruf und die Ehre des jungen Herrn wären für sein ganzes Leben zerstört, und auch Ihr, gnädige Frau, könntet dem gnädigen Herrn nicht mehr ins Gesicht sehen. Ein anderes Sprichwort sagt: ‚Der Weise beugt vor, ehe etwas geschieht.' Darum wäre es besser, jetzt Vorkehrungen zu treffen. Die gnädige Frau hat viele Pflichten und konnte wahrhaftig noch nicht daran denken. Hätten auch wir nicht daran gedacht, wäre es nicht so schlimm — aber da wir es nun einmal bedacht haben, wäre es eine schwere Verfehlung, es Euch nicht zu melden. Dieser Gedanke hat mich Tag und Nacht umgetrieben. Da ich mit niemandem darüber reden konnte, wusste allein meine Lampe darum." Als Dame König das hörte, traf es sie wie ein Blitz, wie ein Donnerschlag, denn Dufthauchs Worte berührten genau das, was sich mit Goldarmreif [金钏] zugetragen hatte. Im tiefsten Innern gewann sie Dufthauch noch unendlich viel lieber. Lächelnd sagte sie: „Wie weitblickend du bist, mein Kind, dass du alles so gründlich bedacht hast! Natürlich hatte ich auch schon daran gedacht, aber dann war immer etwas anderes zu erledigen, und ich habe es wieder vergessen. Deine Worte haben es mir ins Gedächtnis zurückgerufen. Ich danke dir, dass du so auf den guten Ruf und die Ehre von mir und meinem Sohn bedacht bist! Wirklich, ich hätte nicht geahnt, was für ein gutes Mädchen du bist. Nun geh! Ich weiß, was zu tun ist. Aber noch eines: Da du mir das heute gesagt hast, vertraue ich dir den jungen Herrn an. Gib Acht auf ihn und bewahre ihn! Wenn du ihn bewahrst, bewahrst du damit auch mich. Und ich werde es dir nicht vergessen." Dufthauch versprach es wieder und wieder und ging. Als sie zurückkam, war Schatzjade gerade erwacht, und sie berichtete ihm von dem Blütennektar. Schatzjade freute sich unbändig und ließ sogleich davon zubereiten, um zu kosten. Es war in der Tat von außergewöhnlichem Duft und Wohlgeschmack. Da Schatzjade im Herzen an Kajaljade dachte, hätte er gar zu gern jemanden zu ihr geschickt, aber er musste vor Dufthauch auf der Hut sein. Darum ersann er eine List: Zunächst schickte er Dufthauch zu Schatzspange, um sich ein Buch zu leihen. Sobald Dufthauch fort war, rief Schatzjade Heitermuster herbei und sagte: „Geh zu Fräulein Kajaljade und sieh nach, was sie gerade tut. Wenn sie nach mir fragt, sag ihr nur, es gehe mir gut." Heitermuster wehrte ab: „Mitten am helllichten Tag — was soll ich denn dort? Du müsstest mir wenigstens einen Anlass geben, dann wäre es eine richtige Besorgung." Schatzjade sagte: „Es gibt nichts auszurichten." Heitermuster beharrte: „Dann müsste ich wenigstens etwas hinbringen oder etwas holen — sonst stehe ich dort und weiß nicht, was ich sagen soll." Schatzjade dachte nach, dann streckte er die Hand aus, nahm zwei Taschentücher und warf sie Heitermuster zu. Lächelnd sagte er: „Nun gut — sag ihr, ich hätte dich geschickt, um ihr diese hier zu bringen." „Das ist ja noch seltsamer!" protestierte Heitermuster. „Was soll sie mit zwei halbgebrauchten Taschentüchern? Am Ende wird sie noch ärgerlich und sagt, du machst dich über sie lustig." „Keine Sorge", sagte Schatzjade lächelnd. „Sie wird es verstehen." Heitermuster blieb nichts anderes übrig, als die Taschentücher zu nehmen. Als sie die Herberge am Xiaoxiang-Fluss [潇湘馆] betrat, war Frühlingsranke [春纤] gerade dabei, Taschentücher zum Trocknen über das Geländer zu hängen. Als sie Heitermuster kommen sah, winkte sie ab und sagte: „Sie hat sich schon schlafen gelegt." Heitermuster trat ins Haus. Es war stockfinster drinnen, keine einzige Lampe brannte. Kajaljade lag bereits im Bett und fragte: „Wer ist da?" „Heitermuster", antwortete diese rasch. „Was gibt es?" fragte Kajaljade. „Der junge Herr schickt dem Fräulein Taschentücher", sagte Heitermuster. Kajaljade war verwundert. „Warum schickt er mir Taschentücher?" dachte sie. Dann fragte sie: „Von wem hat er sie bekommen? Bestimmt sind es besonders feine — sag ihm, er soll sie aufheben und jemand anderem schenken. Im Augenblick kann ich so etwas nicht brauchen." Heitermuster lachte: „Es sind keine neuen. Es sind ganz gewöhnliche alte Alltagstücher." Kajaljade wurde noch stutziger. Sie grübelte angestrengt nach, eine ganze Weile lang — und dann ging ihr plötzlich ein Licht auf. Hastig sagte sie: „Leg sie hin, dann geh." Heitermuster legte die Tücher ab, machte kehrt und ging zurück. Den ganzen Weg über zerbrach sie sich den Kopf, was das zu bedeuten habe, und kam doch zu keinem Ergebnis. Kajaljade aber hatte den Sinn der Taschentücher begriffen, und unwillkürlich wurde sie bis in die Seele erschüttert: „Dass Schatzjade in seinem Kummer meinen Kummer begreift — das macht mich froh. Doch was die Zukunft bringen mag, das weiß ich nicht — und das macht mich traurig. Dass er mir plötzlich zwei alte Taschentücher schickt — wäre es nicht, weil er mein Innerstes versteht, müsste ich darüber lachen, wenn ich sie so betrachte. Dass er sie mir aber heimlich durch eine Botin zukommen lässt — das ist mir bange. Und dass ich selbst so oft und gern weine, was ihm sicherlich nicht gefällt — das beschämt mich." So überlegte sie hin und her, bis eine Glut in ihr aufstieg, die sie von innen versengte. Überwältigt von ihren Gefühlen, ließ sie die Lampe bringen, und ohne an Argwohn oder Schicklichkeit zu denken, ging sie zum Schreibtisch, rieb Tusche an, tränkte den Pinsel und schrieb auf die beiden alten Taschentücher: Erstes Gedicht: Leere Augen sammeln Tränen, leer rinnen Tränen hin, Wem gelten all die stillen Tropfen, die ich heimlich wein'? Du schenkst ein Seidentuch, des Kummers Last zu lindern – Wie könnte ich nicht trauern, solche Gabe zu empfangen? Zweites Gedicht: Perlen tropfen, Jade rollt, verstohlen rinnt die Zähre; Den ganzen Tag kein Sinn, den ganzen Tag nur Leere. Vom Kissen und vom Ärmel lassen sie sich nicht vertreiben – So lass sie tropfen, Punkt für Punkt, und Flecken hinterlassen. Drittes Gedicht: Bunter Faden kann nicht fassen, was als Perle von der Wange fällt; Des Xiang-Flusses alte Spuren sind bereits verblasst. Vor meinem Fenster stehen tausend Bambusrohre – Ob wohl auch sie von meinen Tränen Flecken tragen? Kajaljade wollte noch weiterschreiben, aber ihr ganzer Körper glühte wie Feuer, und das Gesicht schien zu brennen. Sie trat vor den Spiegelständer, hob die seidene Hülle ab und betrachtete sich. Ihre Wangen waren so rot, dass sie selbst die Pfirsichblüten in den Schatten stellten — doch dass dies der Beginn einer Krankheit war, erkannte sie nicht. Nach einer Weile legte sie sich ins Bett, hielt die Taschentücher aber immer noch in den Händen und grübelte weiter darüber nach. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Dufthauch indessen war zu Schatzspange gegangen, doch diese befand sich gar nicht im Garten, sondern war zu ihrer Mutter hinübergegangen. So musste Dufthauch unverrichteter Dinge zurückkehren. Erst um die zweite Nachtwache kam Schatzspange zurück. Da Schatzspange Pan Schnees [薛蟠] Charakter kannte, hatte sie schon von Anfang an zur Hälfte den Verdacht gehabt, Pan Schnee könne jemanden angestiftet haben, Schatzjade anzuschwärzen. Als sie dann noch von Dufthauch dasselbe hörte, bestärkte es sie in ihrer Annahme. Nun hatte Dufthauch die Sache freilich von Beiming [焙茗] gehört, und Beiming hatte bloß auf eigene Faust herumgerätselt, ohne die Tatsachen wirklich zu kennen — er nahm lediglich an, es müsse Pan Schnee gewesen sein. Tatsächlich hatte Pan Schnee zwar allgemein diesen Ruf, doch diesmal war er unschuldig. Da sich aber alle darauf versteift hatten, er sei es gewesen, fiel es ihm schwer, sich zu rechtfertigen. An diesem Abend kam Pan Schnee nach einem Gelage nach Hause, grüßte die Mutter und fand Schatzspange bei ihr. Nach ein paar Sätzen Geplauder fragte er: „Wie ich höre, hat Vetter Schatzjade etwas abbekommen. Wie kam denn das?" Tante Schnee, die sich eben noch deshalb geärgert hatte, presste zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor: „Du undankbarer Nichtsnutz! Das war alles deine Schuld, und dann hast du noch die Stirn zu fragen!" Pan Schnee starrte sie verdutzt an: „Wieso sollte ich schuld sein?" „Du tust auch noch dumm!" sagte Tante Schnee. „Jeder Mensch weiß, dass du es erzählt hast, und du wagst es noch abzustreiten?" „Wenn alle sagen, ich hätte jemanden ermordet, glaubst du das dann auch?" versetzte Pan Schnee. Tante Schnee erwiderte: „Auch deine Schwester weiß, dass du es warst! Wird etwa sie dich verleumden?" Schatzspange schaltete sich rasch ein: „Mutter, Bruder, schreit doch nicht so! Lasst uns die Sache ruhig klären." Dann wandte sie sich an Pan Schnee: „Ob du es nun warst oder nicht — die Sache ist geschehen. Wir brauchen keine Untersuchung anzustellen, die alles nur noch schlimmer machen würde. Ich rate dir nur dies: Stell in Zukunft draußen keinen Unfug mehr an und kümmere dich nicht um anderer Leute Angelegenheiten! Tag für Tag treibt ihr euch zusammen herum, und du bist ein Mensch ohne jede Vorsicht. Solange nichts passiert, ist alles gut. Aber wenn etwas passiert — ob du es nun getan hast oder nicht –, verdächtigt dich jeder. Von anderen ganz zu schweigen, bin ich selbst die Erste, die es dir zutraut." Nun war Pan Schnee ein Mensch mit geradem Sinn und flinker Zunge. Ein Versteckspiel wie dieses war ihm sein ganzes Leben lang zuwider gewesen. Als er sah, wie Schatzspange ihm riet, nicht mehr herumzuziehen, und die Mutter behauptete, er sei an Schatzjades Prügeln schuld, sprang er vor Aufregung auf und ab, schwor Stein und Bein und beteuerte seine Unschuld. Dann schimpfte er: „Wer hat mir das angehängt? Ich schlage diesem Sträflingspack die Zähne ein! Ganz offensichtlich wollte sich jemand lieb Kind machen, nachdem Schatzjade Prügel bekommen hat, und benutzt mich als Sündenbock. Ist Schatzjade etwa ein Himmelskönig? Wenn sein eigener Vater ihn einmal verprügelt, muss die ganze Familie tagelang deshalb in Aufruhr sein! Damals, als er sich schlecht aufführte und der Onkel ihm ein paar Schläge versetzte, hat die Herzoginmutter davon erfahren und behauptet, Vetter Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] trage die Schuld — sie ließ ihn holen und hat ihn fürchterlich ausgeschimpft. Und heute bin sogar ich der Schuldige! Wenn das so ist, gehe ich jetzt einfach hinüber und schlage Schatzjade tot — dann zahle ich mit meinem Leben dafür, und alle haben ihre Ruhe!" Während er so tobte, riss er den Türriegel heraus und wollte hinausstürmen. Aufgeschreckt hielt Tante Schnee ihn am Ärmel fest und schalt: „Wen willst du totschlagen, du Strafe meiner Sünden? Dann schlag lieber erst mich!" Pan Schnees Augen waren vor Wut groß wie Kupferschellen, und er brüllte: „Was soll das! Gehen darf ich nicht, aber verleumden lassen soll ich mich! Solange Schatzjade am Leben ist, werde ich Tag für Tag die Schuld an allem tragen. Es wäre besser, alle wären tot — dann herrschte wenigstens Ruhe!" Schatzspange trat rasch hinzu und redete ihm zu: „Hab doch ein wenig Geduld! Siehst du nicht, wie aufgebracht Mutter ist? Statt sie zu beruhigen, schlägst du noch größeren Lärm. Ob nun Mutter dir etwas rät oder jemand anders — es geschieht doch zu deinem Besten! Und was passiert? Du lässt dich erst recht aufstacheln." Pan Schnee sagte: „Jetzt fängst du schon wieder an! Das kommt alles nur von deinen Worten!" Schatzspange entgegnete: „Du gibst mir die Schuld an meinen Worten, aber warum gibst du dir nicht selbst die Schuld an deiner Kopflosigkeit?" Pan Schnee rief: „Du wirfst mir nur meine Kopflosigkeit vor! Warum wirfst du nicht Schatzjade vor, dass er sich draußen Ärger einhandelt? Ich will gar nicht weit ausholen, nur die Sache mit Qiguan [琪官] will ich euch als Beispiel erzählen: Ich habe Qiguan über zehnmal getroffen, ohne je ein vertrauliches Wort mit ihm gewechselt zu haben. Aber Schatzjade hat ihn bei der ersten Begegnung, als er noch nicht einmal seinen Namen kannte, gleich seine Leibbinde geschenkt! War das dann wohl auch meine Schuld?" Tante Schnee und Schatzspange riefen bestürzt: „Rede nicht mehr davon! Genau deswegen hat er doch die Prügel bekommen. Jetzt sieht man erst recht, dass du es warst, der davon erzählt hat!" Pan Schnee rief: „Das ist doch zum Verrücktwerden! Ich ärgere mich nicht einmal, dass ihr behauptet, ich hätte es erzählt — ich ärgere mich, dass ihr alle wegen eines einzigen Schatzjade die ganze Welt auf den Kopf stellt!" Schatzspange sagte: „Wer stellt denn die Welt auf den Kopf? Du hast als Erster mit Knüppeln und Messern gewedelt und willst jetzt behaupten, andere stiften den Aufruhr!" Als Pan Schnee sah, dass jeder Satz seiner Schwester Hand und Fuß hatte und schwerer zu widerlegen war als die Worte der Mutter, wollte er sie nur noch zum Schweigen bringen, damit ihm niemand mehr dazwischenredete. Weil er sich außerdem in blinder Wut befand, ohne seine Worte zu wägen, sagte er: „Ach, liebste Schwester, du brauchst mir gar nicht böse zu sein! Ich weiß ja schon längst, wie es um dein Herz bestellt ist. Mutter hat mir erzählt, dass für dein Gold nur einer mit einem Jade der richtige Partner sei. Du hast dir das zu Herzen genommen und siehst, dass Schatzjade dieses Ding am Hals trägt — da musst du ihn natürlich in Schutz nehmen!" Ehe er noch zu Ende gesprochen hatte, war Schatzspange vor Zorn wie erstarrt. Sie zog Tante Schnee am Ärmel und rief unter Tränen: „Hörst du, Mutter? Hörst du, was er für Dinge sagt?" Als Pan Schnee seine Schwester weinen sah, wurde ihm klar, dass er zu weit gegangen war. Schmollend ging er in sein Zimmer und legte sich schlafen. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Tante Schnee zitterte vor Wut am ganzen Leib, versuchte aber dennoch, Schatzspange zu trösten: „Du kennst ihn doch — dieser Nichtsnutz redet ohne Sinn und Verstand. Morgen werde ich ihm sagen, dass er sich bei dir entschuldigen soll." Schatzspange kochte vor unterdrücktem Zorn und Kränkung. Am liebsten hätte sie sich gewehrt, aber weil sie fürchtete, der Mutter dadurch Sorgen zu bereiten, verabschiedete sie sich mit Tränen in den Augen und kehrte allein in ihre Räume zurück, wo sie die ganze Nacht lang weinte. Am nächsten Morgen stand sie früh auf, hatte aber keine Lust, sich zu kämmen und zurechtzumachen, und richtete sich nur oberflächlich her. Dann ging sie hinüber, um ihre Mutter zu besuchen. Zufällig begegnete sie dabei Kajaljade, die einsam im Schatten blühender Bäume stand und sie fragte, wohin sie gehe. „Nach Hause", sagte Schatzspange und ging, während sie das sagte, immerfort weiter. Kajaljade sah, dass sie niedergeschlagen war und verweinte Augen hatte — ganz anders als sonst –, und rief ihr lächelnd hinterher: „Auch die Schwester sollte auf ihre Gesundheit achten! Selbst wenn du zwei Kübel voll Tränen weinst — die Stockhieb-Wunden heilst du damit auch nicht!" Wer wissen will, was Schatzspange darauf erwiderte, möge das nächste Kapitel lesen. |