Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 41"
(Bilingual ZH-DE chapter page (automated)) |
(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 41) |
||
| Line 1: | Line 1: | ||
__NOTOC__ | __NOTOC__ | ||
<div style="background-color: #8b1a1a; color: white; padding: 12px 15px; margin: 0 0 20px 0; border-radius: 4px; font-size: 1.1em;"> | <div style="background-color: #8b1a1a; color: white; padding: 12px 15px; margin: 0 0 20px 0; border-radius: 4px; font-size: 1.1em;"> | ||
| − | <span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;"> | + | <span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">1</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">11</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">21</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">31</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">41</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">51</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">61</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">71</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">81</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">91</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">101</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">111</span>]] |
</div> | </div> | ||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout: fixed;" | {| class="wikitable" style="width:100%; table-layout: fixed;" | ||
|- | |- | ||
| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
|- | |- | ||
| style="vertical-align:top; padding:15px; line-height:1.8;" | | | style="vertical-align:top; padding:15px; line-height:1.8;" | | ||
| Line 33: | Line 24: | ||
襲人一直進了房門,轉過集錦槅子,就聽的鼾齁如雷。忙進來,只聞見酒屁臭氣,滿屋一瞧,只見劉姥姥扎手舞腳的仰卧在床上。襲人這一驚不小,慌忙趕上來將他沒死活的推醒。那劉姥姥驚醒,睜眼見了襲人,連忙爬起來道:「姑娘,我失錯了!並沒弄髒了床帳。」一面說,一面用手去撣。襲人恐驚動了人,被寶玉知道了,只向他搖手,不叫他說話。忙將鼎內貯了三四把百合香,仍用罩子罩上。些須收拾收拾,所喜不曾嘔吐,忙悄悄的笑道:「不相干,有我呢。你隨我出來。」 劉姥姥跟了襲人,出至小丫頭們房中,命他坐了,向他說道: 「你就說醉倒在山子石上打了個盹兒。」劉姥姥答應知道。又與他兩碗茶吃,方覺酒醒了,因問道:「這是那個小姐的繡房,這樣精緻?我就象到了天宮裡的一樣。」襲人微微笑道:「這個麽,是寶二爺的卧室。」那劉姥姥嚇的不敢作聲。襲人帶他從前面出去,見了眾人,只說他在草地下睡著了,帶了他來的。眾人都不理會,也就罷了。 | 襲人一直進了房門,轉過集錦槅子,就聽的鼾齁如雷。忙進來,只聞見酒屁臭氣,滿屋一瞧,只見劉姥姥扎手舞腳的仰卧在床上。襲人這一驚不小,慌忙趕上來將他沒死活的推醒。那劉姥姥驚醒,睜眼見了襲人,連忙爬起來道:「姑娘,我失錯了!並沒弄髒了床帳。」一面說,一面用手去撣。襲人恐驚動了人,被寶玉知道了,只向他搖手,不叫他說話。忙將鼎內貯了三四把百合香,仍用罩子罩上。些須收拾收拾,所喜不曾嘔吐,忙悄悄的笑道:「不相干,有我呢。你隨我出來。」 劉姥姥跟了襲人,出至小丫頭們房中,命他坐了,向他說道: 「你就說醉倒在山子石上打了個盹兒。」劉姥姥答應知道。又與他兩碗茶吃,方覺酒醒了,因問道:「這是那個小姐的繡房,這樣精緻?我就象到了天宮裡的一樣。」襲人微微笑道:「這個麽,是寶二爺的卧室。」那劉姥姥嚇的不敢作聲。襲人帶他從前面出去,見了眾人,只說他在草地下睡著了,帶了他來的。眾人都不理會,也就罷了。 | ||
一時賈母醒了,就在稻香村擺晚飯。賈母因覺懶懶的,也不吃飯,便坐了竹椅小敞轎,回至房中歇息,命鳳姐兒等去吃飯。他姊妹方復進園來。要知端的且聽下回分解。 | 一時賈母醒了,就在稻香村擺晚飯。賈母因覺懶懶的,也不吃飯,便坐了竹椅小敞轎,回至房中歇息,命鳳姐兒等去吃飯。他姊妹方復進園來。要知端的且聽下回分解。 | ||
| + | |||
| + | |||
| + | ==注释== | ||
| style="vertical-align:top; padding:15px; line-height:1.8;" | | | style="vertical-align:top; padding:15px; line-height:1.8;" | | ||
| − | + | Kapitel 41 | |
| − | + | ||
| − | + | Die Herzoginmutter [贾母]<ref>Chin. 贾母 Jiǎmǔ, wörtl. „Mutter Kaufmann". Oberhaupt der Familie, auch „Alte Herrin" genannt.</ref> veranstaltet ein Trinkgelage im Garten der Großen Anschauung — Oma Liu [刘姥姥]<ref>Chin. 刘姥姥 Liú Lǎolao, wörtl. „Oma Liu". Eine einfache Bäuerin vom Lande.</ref> betrunken verirrt sich im Hof des Fröhlichen Rots | |
| − | + | ||
| − | + | Es wird erzählt, dass Oma Liu mit beiden Händen gestikulierte und sagte: "Die Blüte ist abgefallen und hat einen großen Kürbis hervorgebracht." Die Anwesenden brachen in schallendes Gelächter aus. Nachdem sie den Willkommensbecher geleert hatte, scherzte sie weiter und sagte: "Ehrlich gesagt, meine Hände und Füße sind grob und plump, und ich habe auch noch Wein getrunken. Ich fürchte, mir rutscht diese Porzellanschale aus der Hand. Holt mir doch einen Holzbecher, dann macht es nichts, wenn er mir entgleitet und zu Boden fällt." Die Leute lachten erneut. Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Glänzender Phönix aus dem Hause Wang". Haushälterin der Familie Kaufmann.</ref> hörte das und sagte eilig lachend: "Wenn Ihr wirklich einen hölzernen wollt, hole ich einen. Nur eines muss ich vorher sagen: Die hölzernen sind nicht wie die porzellanenen — sie kommen als ganzes Set, und Ihr müsst das ganze Set durchtrinken." | |
| − | + | ||
| − | + | Oma Liu überlegte im Stillen: "Ich habe vorhin nur einen Scherz gemacht, und nun haben sie tatsächlich welche! Ich bin oft genug bei den Landadligen zu Gast gewesen und habe Gold- und Silberbecher gesehen, aber von Holzbechern habe ich noch nie gehört. Ach, bestimmt sind es nur Holzschüssel für kleine Kinder, und sie wollen mich dazu bringen, ein paar Schalen mehr zu trinken. Egal, der Wein schmeckt süß wie Honigwasser — ein paar Schlucke mehr können nicht schaden." So sagte sie: "Bringt sie her, dann sehen wir weiter." | |
| − | + | ||
| − | + | Phönixglanz [熙凤] befahl Feng'er: "Geh ins vordere Innenzimmer und hol die zehn Bambusbecher vom Bücherregal." Feng'er hörte es und wollte gerade gehen, als Mandarinenente [鸳鸯]<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Treue Leibdienerin der Herzoginmutter.</ref> lachend sagte: "Ich weiß, dass deine zehn Becher noch zu klein sind. Außerdem hast du gerade gesagt, es seien hölzerne, und nun bringst du Bambus — das sieht nicht gut aus. Besser, wir holen unsere zehn großen Ineinanderbecher aus Buchsbaum-Wurzelholz und schenken ihr zehn Becher ein." Phönixglanz lachte: "Noch besser!" Mandarinenente ließ sie tatsächlich holen. | |
| − | + | ||
| − | + | Als Oma Liu sie sah, war sie gleichermaßen überrascht und erfreut: überrascht, weil die zehn Becher ineinandergesteckt waren, vom grössten, der wie eine kleine Schüssel wirkte, bis zum kleinsten, der immer noch doppelt so groß war wie der Becher in ihrer Hand; erfreut, weil die Schnitzereien von außerordentlicher Kunstfertigkeit waren — alles aus einem Stück, mit Landschaften, Bäumen, Figuren sowie Kursivschrift und Siegeln verziert. | |
| − | + | ||
| − | + | Eilig sagte sie: "Nehmt doch nur den kleinen — wozu so viele?" Phönixglanz lachte: "Aus diesen Bechern trinkt man nicht nur einen. In unserer Familie hat niemand ein so großes Fassungsvermögen, daher hat sich nie jemand getraut, sie zu benutzen. Da die Laolao sie verlangt hat und wir sie mit Mühe hervorgesucht haben, müsst Ihr der Reihe nach aus jedem trinken." | |
| − | + | ||
| − | + | Oma Liu erschrak und rief eilig: "Das wage ich nicht! Liebe junge Herrin, verschont mich!" die Herzoginmutter, Tante Schnee [薛姨妈]<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Xue/Schnee". Mutter von Schatzspange.</ref> und Dame König<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, wörtl. „Dame König". Schatzjades Mutter.</ref> wussten, dass sie schon betagt war und es nicht aushielt, und sagten schnell lachend: "Reden ist reden und lachen ist lachen, aber trinkt nicht zu viel — nur diesen ersten Becher." Oma Liu sagte: "Amitabha Buddha! Dann trinke ich lieber aus dem kleinen Becher. Den großen verwahrt für mich — ich nehme ihn mit nach Hause und trinke dort in aller Ruhe daraus." Die Anwesenden lachten erneut. | |
| − | + | ||
| − | + | Mandarinenente konnte nicht anders und ließ einen großen Becher randvoll füllen. Oma Liu hielt ihn mit beiden Händen und trank. Die Herzoginmutter und Tante Schnee sagten: "Langsam, verschluck dich nicht!" Tante Schnee bat Phönixglanz, Speisen aufzutun. Phönixglanz lachte: "Was möchte die Laolao essen? Nennt das Gericht, und ich lege es Euch vor." Oma Liu sagte: "Ich weiß doch keine Namen — alles ist vorzüglich." die Herzoginmutter lachte: "Leg ihr etwas von der eingelegten Aubergine vor." | |
| − | + | ||
| − | + | Phönixglanz tat wie geheißen und legte Oma Liu etwas von der eingelegten Aubergine in den Mund. Dabei sagte sie lachend: "Ihr esst jeden Tag Auberginen — probiert einmal unsere und sagt mir, ob sie schmeckt oder nicht." Oma Liu lachte: "Führt mich nicht an der Nase herum! Wenn Auberginen so schmecken könnten, brauchten wir kein Getreide mehr anzubaün und nur noch Auberginen zu pflanzen." Die Leute sagten lachend: "Es ist wirklich Aubergine, wir führen Euch nicht an der Nase herum." Oma Liu war verblüfft: "Wirklich Aubergine? Da habe ich umsonst ein halbes Tagwerk gegessen. Liebe junge Herrin, gebt mir noch etwas davon — ich möchte diesen Bissen sorgfältig kaün." | |
| − | + | ||
| − | + | Phönixglanz legte ihr tatsächlich noch etwas vor. Oma Liu kaute lange daran und sagte lachend: "Es hat zwar ein wenig Auberginenaroma, aber es schmeckt immer noch nicht wie Aubergine. Verratet mir das Rezept, dann mache ich es daheim nach." Phönixglanz lachte: "Das ist nicht schwer. Man nimmt frische Auberginen, schält sie, schneidet nur das reine Fleisch in kleine Würfel und bratet sie in Hühnerfett. Dann nimmt man Hühnerbrust, duftende Pilze, frische Bambussprossen, Champignons, Fünf-Gewürze-Tofu und verschiedene Trockenfrüchte, alles in Würfel geschnitten, und dünstet es in Hühnerbrühe, bis die Flüssigkeit eingekocht ist. Man gibt Sesamöl dazu, mischt Sojasosse darunter, füllt alles in ein Porzellangefäss und versiegelt es. Wenn man es essen möchte, nimmt man etwas heraus und vermengt es mit gebratenen Hühnerkrallen." | |
| − | + | ||
| − | + | Oma Liu hörte das und schüttelte den Kopf mit herausgestreckter Zunge: "Du mein Buddha! Da braucht man ja zehn Hühner, um dieses eine Gericht zuzubereiten — kein Wunder, dass es so schmeckt!" Während sie redete und lachte, ass sie langsam ihren Wein auf und betrachtete immer noch den Becher. Phönixglanz lachte: "Noch nicht genug? Trinkt noch einen!" Oma Liu rief eilig: "Das geht nicht, da würde ich mich zu Tode trinken! Ich bewundere nur dieses Stück — wie haben sie das nur gemacht?" Mandarinenente lachte: "Nun ist der Wein getrunken — aus welchem Holz ist der Becher denn nun?" | |
| − | + | ||
| − | + | Oma Liu lachte: "Kein Wunder, dass die junge Dame es nicht erkennt — ihr lebt hier in goldenen Toren und seidenen Häusern, wie sollt ihr da Holz kennen! Wir leben tagein, tagaus mit dem Wald als Nachbar; wenn wir müde sind, legen wir den Kopf darauf; wenn wir erschöpft sind, lehnen wir uns daran; in Hungerjahren essen wir sogar davon. Wir sehen ihn jeden Tag mit den Augen, hören ihn mit den Ohren und reden über ihn mit dem Mund — also kann ich Gutes von Falschem unterscheiden. Lasst mich einmal prüfen." Sie betrachtete den Becher eine halbe Ewigkeit genau und sagte: "In einem Haushalt wie dem Euren gibt es bestimmt kein billiges Zeug, und leicht zu bekommendes Holz würdet ihr auch nicht aufheben. Er ist schwer genug — sicher kein Pappelholz. Es muss Gelbkiefernholz sein." Alle brachen in schallendes Gelächter aus. | |
| − | + | ||
| − | + | Da kam eine Magd und fragte die Herzoginmutter, ob die jungen Damen im Ouixiang-Pavillon alle eingetroffen seien und ob die Aufführung beginnen solle oder man noch warten solle. Die Herzoginmutter sagte lachend: "Ach, die hätte ich fast vergessen! Lasst sie anfangen!" Die Magd ging davon. Bald darauf hörte man die klagenden Töne der Flöten und Mundorgeln. Es war ein klarer, erfrischender Herbsttag, und die Musik drang durch den Wald und übers Wasser — sie erquickte ganz von selbst das Gemüt. | |
| − | + | ||
| − | + | Schatzjade [宝玉]<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann Jade". Hauptfigur des Romans.</ref> hielt es als Erster nicht mehr aus, nahm die Karaffe und schenkte sich ein Glas ein, das er auf einen Zug leerte. Als er sich nachschenken wollte, sah er, dass Dame König ebenfalls trinken wollte und nach gewürztem Wein verlangte. Schatzjade reichte ihr schnell seinen eigenen Becher, den sie aus seiner Hand zwei Schlucke trank. Als der warme Wein kam, kehrte Schatzjade an seinen Platz zurück. Dame König nahm die Warmhaltekanne und verließ ihren Sitz, worauf alle aufstanden. Tante Schnee erhob sich ebenfalls. Die Herzoginmutter befahl Seidenweiß Pflaume [李纨]<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán, wörtl. „Li Seidenschleier". Witwe von Zhu Kaufmann, Schatzjades ältere Schwägerin.</ref> und Phönixglanz eilig, die Kanne zu übernehmen: "Lasst eure Tante sich setzen, dann können sich alle wohl fühlen." Dame König reichte die Kanne an Phönixglanz und setzte sich wieder. | |
| − | + | ||
| − | + | Die Herzoginmutter lachte: "Trinkt alle ein paar Gläser, heute ist wirklich vergnüglich." Sie hob ihren Becher und prostete Tante Schnee zu, dann wandte sie sich an Xiangfluss-Wolke [湘云]<ref>Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Xiang-Flusswolke Geschichte". Schatzjades lebhafte Cousine.</ref> und Schatzspange [宝钗]<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Xue Kostbare Haarspange". Schatzjades spätere Ehefrau.</ref>: "Trinkt auch einen Becher, ihr zwei. Auch wenn eure Schwester nicht viel trinkt, verschont sie nicht." Damit leerte sie ihren eigenen Becher. Xiangfluss-Wolke, Schatzspange und Kajaljade [黛玉]<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald-Kajaljade". Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.</ref> taten es ihr gleich. | |
| − | + | ||
| − | + | Oma Liu hörte die Musik und hatte auch noch den Wein intus — sie war so begeistert, dass sie zu tanzen und zu klatschen begann. Schatzjade verließ seinen Platz und sagte lachend zu Kajaljade: "Schau dir Oma Liu an!" Kajaljade lachte: "Als einst die heilige Musik ertönte, tanzten hundert Tiere im Takt — dies hier ist gerade mal ein Ochsenohr davon." Die Schwestern lachten alle. | |
| − | + | ||
| − | Dame | + | Bald verstummte die Musik, und Tante Schnee erhob sich lachend: "Alle haben wohl genug Wein getrunken — lasst uns hinausgehen, um frische Luft zu schnappen, ehe wir weitermachen." die Herzoginmutter wollte sich ebenfalls die Beine vertreten, und so gingen alle hinaus und folgten die Herzoginmutter durch den Garten. |
| − | + | ||
| − | + | Die Herzoginmutter wollte Oma Liu zerstreuen und führte sie vor die Berge und unter die Bäume, wo sie eine Weile verweilten. Sie zeigte ihr dies und jenes — "das ist dieser Baum, das ist jener Stein, das ist diese Blume." Oma Liu nahm alles in sich auf und sagte zu die Herzoginmutter: "Wer hätte gedacht, dass in der Stadt nicht nur die Menschen vornehm sind, sondern sogar die Vögel! Hier bei euch werden sie hübsch und können sprechen." Die Leute verstanden nicht und fragten, welche Vögel denn hübsch geworden seien und sprechen könnten. Oma Liu sagte: "Das grüne, rotschnäblige Tier auf dem goldenen Ständer unter der Galerie ist ein Papagei — den erkenne ich. Aber wie kommt die schwarze Krähe im Käfig auf einmal zu einem Phönixkamm und kann auch noch reden?" Alle brachen in Gelächter aus. | |
| − | + | ||
| − | + | Bald kamen Dienerinnen, um zum Imbiss einzuladen. Die Herzoginmutter sagte: "Nach den paar Gläsern Wein bin ich gar nicht hungrig. Na gut, bringt es hierher, jeder nimmt sich nach Belieben." Die Dienerinnen trugen zwei kleine Tische herein und stellten zwei kleine Trägerschachteln darauf. Als man sie öffnete, enthielt jede zwei Sorten: die eine Schachtel Lotossamenmehl-Kassia-Kuchen und Pinienkern-Gänseschmalz-Röllchen; die andere Schachtel winzige Teigtaschen, kaum einen Zoll groß. Die Herzoginmutter fragte nach der Füllung, und die Dienerinnen antworteten, es sei Krebs. Die Herzoginmutter runzelte die Stirn: "Wie fettig! Wer will das essen?" Auch die andere Sorte — in Butterschmalz frittierte Gebäckfigürchen — fand nicht ihre Gunst. Sie reichte sie Tante Schnee, die sich ein Stück Kuchen nahm. Die Herzoginmutter nahm ein Röllchen, kostete ein wenig und reichte die Hälfte der Dienerin. | |
| − | + | ||
| − | + | Oma Liu fand die kleinen Gebäckstücke so zierlich und fein gearbeitet, dass sie eine pfingstrosenförmige auswählte und lachend sagte: "Die geschicktesten Mädchen bei uns daheim könnten nicht einmal so etwas aus Papier schneiden. Ich möchte sie essen und kann mich doch nicht überwinden — lieber nehme ich einige mit nach Hause, damit sie als Vorlagen dienen." Alle lachten. Die Herzoginmutter sagte: "Wenn du heimfährst, schenke ich dir einen ganzen Krug. Iss erst einmal die warmen hier." Während die anderen sich nur eine oder zwei Sorten nach Geschmack nahmen, hatte Oma Liu, die solche Dinge noch nie gegessen hatte und die alle so fein und zierlich waren, zusammen mit Ban'er von jedem etwas probiert und damit schon einen halben Teller geleert. Den Rest ließ Phönixglanz auf zwei Teller verteilen und mit einer Trägerschachtel an die Schauspielerinnen Wenguan und Genossen schicken. | |
| − | Bald | + | |
| − | Die | + | Bald kam die Amme mit der kleinen Da Jie'er herein, und alle spielten mit ihr eine Weile. Da Jie'er spielte mit einer großen Pampelmuse, als sie Ban'er mit einer Buddhahand-Zitrone sah und auch eine haben wollte. Die Dienerinnen versuchten, sie mit etwas anderem abzulenken, aber Da Jie'er konnte nicht warten und weinte. Man gab Ban'er schnell die Pampelmuse und tauschte seine Buddhahand ein. Ban'er, der schon eine Weile mit der Buddhahand gespielt hatte und nun Früchte in beiden Händen hielt, fand die duftende, runde Pampelmuse noch amüsanter, trat sie wie einen Ball und vergaß die Buddhahand. |
| − | + | ||
| − | + | Nachdem die Herzoginmutter und die anderen ihren Tee getrunken hatten, führte sie Oma Liu zum Longsui-Kloster. Wunderjade [妙玉]<ref>Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wunderbare Jade". Buddhistische Nonne im Longsui-Kloster.</ref> empfing sie eilig. Im Hof sahen sie die üppigen Blumen und Bäume. Die Herzoginmutter sagte lachend: "Buddhistische Einsiedler haben eben keine anderen Aufgaben und pflegen ständig ihren Garten — er ist schöner als überall sonst." | |
| − | + | ||
| − | + | Sie betraten den Östlichen Meditationssaal. Wunderjade bat sie lachend herein, doch die Herzoginmutter sagte: "Wir haben gerade Wein und Fleisch zu uns genommen, und hier stehen Buddha-Statün — wir würden Sünde auf uns laden. Setzen wir uns hier ein wenig, bringt uns Euren guten Tee, wir trinken einen Becher und gehen dann." | |
| − | + | ||
| − | + | Wunderjade hörte das und bereitete eilig Tee. Schatzjade beobachtete aufmerksam, wie sie vorging. Er sah, wie Wunderjade persönlich ein kleines Teebrett im Hortensien-Muster aus geschnitztem Lack mit Goldeinlage und Wolkendrachen-Langlebensmotiv trug, darauf eine kleine Deckeltasse aus Chenghua-Porzellan mit fünffarbigem Dekor, und sie die Herzoginmutter reichte. | |
| − | + | ||
| − | + | Die Herzoginmutter sagte: "Ich trinke keinen Lu'an-Tee." Wunderjade lächelte: "Ich weiß. Dies ist Laojunmei." die Herzoginmutter nahm ihn an und fragte, was für Wasser es sei. Wunderjade antwortete lächelnd: "Es ist im vorigen Jahr aufgefangenes Regenwasser." die Herzoginmutter trank eine halbe Schale, reichte sie dann lachend Oma Liu und sagte: "Probiert diesen Tee." Oma Liu trank alles auf einen Zug und sagte lachend: "Gut ist er, nur etwas dünn — wenn man ihn kräftiger kochte, wäre er noch besser." die Herzoginmutter und die anderen lachten. Danach bekamen alle einheitliche Guanyao-Deckenschalen aus weißem Porzellan. | |
| − | + | ||
| − | + | Wunderjade zupfte Schatzspange und Kajaljade unauffällig am Ärmel, und die beiden folgten ihr hinaus. Schatzjade schlich leise hinterher. Wunderjade führte die beiden in ein Seitenzimmer; Schatzspange setzte sich auf die Liege, Kajaljade auf Wunderjades Meditationskissen. Wunderjade fachte den Windofen an und brühte eine eigene Kanne Tee auf. | |
| − | + | ||
| − | + | Schatzjade trat lächelnd herein: "Ihr trinkt also heimlich Tee unter euch!" Die beiden lachten: "Du bist uns wieder nachgelaufen, um Tee zu schnorren. Hier ist keiner für dich." Wunderjade wollte gerade Schalen holen, als eine Nonne die oberen Teeschalen abzuräumen kam. Wunderjade befahl eilig: "Die Chenghua-Schale dort räume nicht mit ein — stell sie nach draußen." | |
| − | + | ||
| − | + | Schatzjade verstand: weil Oma Liu daraus getrunken hatte, fand Wunderjade sie unrein und wollte sie nicht mehr. Dann sah er Wunderjade zwei andere Schalen hervorholen. Die eine hatte an der Seite einen Henkel, und auf ihr waren die drei Siegelschriftzeichen "Guabao-Jia" eingraviert, gefolgt von einer Zeile in kleiner Regelschrift: "Kostbares Stück des Jin-Fürsten Wang Kai", und darunter "Im vierten Jahr Yuanfeng der Song, im vierten Monat, sah Su Shi [es] in der Geheimkammer". Wunderjade schenkte eine Schale voll ein und reichte sie Schatzspange. | |
| − | + | ||
| − | + | Die andere ähnelte einer kleinen Almosenschale und trug ebenfalls drei tropfenförmige Siegelschriftzeichen: "Xingxi-Qiao". Wunderjade goss Kajaljade eine Schale ein. Für Schatzjade schenkte sie in ihren eigenen alltäglichen Grünjadebecher ein. | |
| − | + | ||
| − | + | Schatzjade lachte: "Man sagt doch, 'vor dem Dharma sind alle gleich' — die beiden bekommen solche Antiquitäten, und ich ein gewöhniches Gefäss?" Wunderjade erwiderte: "Das soll gewöhnilich sein? Ich sage keine großprahlerischen Worte, aber in Eurem ganzen Haus dürfte sich kaum ein solches 'gewöhnliches Gefäss' finden lassen." Schatzjade lachte: "Wie man so sagt: 'In Rom tü wie die Römer.' Bei Euch werden natürlich Gold, Jade, Perlen und Edelsteine allesamt zu gewöhnlichem Gerät degradiert." | |
| − | + | ||
| − | + | Wunderjade hörte das sehr erfreut und suchte noch ein Gefäss hervor — eine große Trinkschale aus einer ganzen Bambuswurzel, neunfach gewunden mit zehn Ringen und hundertundzwanzig Gliedern, in Form eines Drachens geschnitzt. Sie lachte: "Das ist das einzige, was mir noch geblieben ist — könntet Ihr das leeren?" Schatzjade rief freudig: "Das schaffe ich!" Wunderjade lachte: "Ihr könntet es vielleicht, aber so viel Tee zu verschwenden wäre sündhaft. Kennt Ihr nicht den Spruch: 'Die erste Tasse ist Genuss, die zweite schon stümperhaftes Durstlöschen, und bei der dritten trinkt man wie ein Ochse oder Maultier'? Was würdet Ihr erst mit dieser ganzen Schale sein?" | |
| − | + | ||
| − | + | Schatzspange, Kajaljade und Schatzjade lachten. Wunderjade hob die Kanne und goss nur etwa eine Tasse voll hinein. Schatzjade trank bedächtig und empfand den Tee als unvergleichlich leicht und duftend; er lobte ihn über alle Maßen. Wunderjade sagte ernst: "Dass Ihr heute diesen Tee trinken dürft, verdankt Ihr dem Glück dieser beiden. Wäret Ihr allein gekommen, hätte ich Euch nichts gegeben." Schatzjade lachte: "Das weiß ich wohl. Ich schulde Euch keinen Dank — ich danke nur den beiden." Wunderjade hörte das und sagte: "Das ist ein verständiges Wort." | |
| − | + | ||
| − | + | Kajaljade fragte: "Ist das auch vorjähriges Regenwasser?" Wunderjade lachte kühl: "Für eine solche Person seid Ihr doch sehr gewöhnlich — Ihr könnt nicht einmal das Wasser unterscheiden! Dies ist Schnee, den ich vor fünf Jahren im Xuanmu-Panxiang-Kloster von Pflaumenblüten gesammelt habe. Ich bekam nur eine einzige Geisterfratzen-Vase voll und konnte mich nie überwinden, ihn zu trinken — ich vergrub ihn in der Erde, und erst diesen Sommer habe ich ihn geöffnet. Ich selbst habe nur einmal davon getrunken; dies ist das zweite Mal. Wie könnt Ihr das nicht herausschmecken? Vorjähriges gesammeltes Regenwasser ist doch niemals so leicht und klar — wie sollte man das trinken können!" Kajaljade, die Wunderjades eigenwillige Natur kannte, wagte nicht zu widersprechen und verweilte auch nicht länger. Nach dem Tee verließ sie mit Schatzspange das Zimmer. | |
| − | + | ||
| − | + | Schatzjade sagte schmunzelnd zu Wunderjade: "Die Teeschale ist zwar beschmutzt, aber wäre es nicht schade, sie einfach wegzuwerfen? Meiner Meinung nach könntet Ihr sie der armen alten Frau geben — sie könnte sie verkaufen und davon leben. Was haltet Ihr davon?" Wunderjade dachte einen Moment nach, nickte und sagte: "Nun gut. Glücklicherweise habe ich selbst nicht daraus getrunken — hätte ich sie benutzt, würde ich sie lieber zerschlagen, als sie herzugeben. Wenn Ihr sie ihr geben wollt, kümmere ich mich nicht darum — nehmt sie und geht schnell." Schatzjade sagte: "Natürlich. Wie könntet Ihr mit ihr reden und etwas überreichen — das würde ja sogar Euch beschmutzen. Gebt sie einfach mir." | |
| − | + | ||
| − | + | Wunderjade ließ sie holen und reichte sie Schatzjade. Er nahm sie und sagte: "Wenn wir draußen sind, schicke ich ein paar Burschen, die einige Eimer Wasser aus dem Bach holen und den Boden waschen — wie wäre das?" Wunderjade lachte: "Das wäre noch besser! Sagt ihnen nur, sie sollen das Wasser am Bergtor vor der Maür abstellen und nicht hereinkommmen." Schatzjade sagte: "Natürlich." | |
| + | |||
| + | Er steckte die Schale in den Ärmel und gab sie einer kleinen Dienerin von der Herzoginmutter Haushalt mit den Worten: "Wenn Oma Liu morgen heimfährt, gib sie ihr mit." Kaum hatte er dies aufgetragen, trat die Herzoginmutter bereits heraus, um aufzubrechen. Wunderjade versuchte nicht, sie zurückzuhalten, sondern begleitete sie zum Bergtor und schloss hinter sich die Tür. Doch davon wollen wir nicht weiter berichten. | ||
| + | |||
| + | Die Herzoginmutter fühlte sich müde und bat Dame König sowie Willkommensfrühling<ref>Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „den Frühling willkommen heißen". Zweite Tochter des Hauses Kaufmann.</ref> und ihre Schwestern, Tante Schnee weiter beim Weintrunk Gesellschaft zu leisten, während sie selbst im Daoxiang-Dorf rasten wollte. Phönixglanz ließ eilig den kleinen Bambusstuhl bringen. Die Herzoginmutter setzte sich darauf, zwei Dienerinnen trugen ihn, und Phönixglanz, Seidenweiß Pflaume und die übrigen Dienerinnen folgten. Doch davon wollen wir nicht weiter berichten. | ||
| + | |||
| + | Tante Schnee verabschiedete sich ebenfalls. Dame König schickte die Schauspielerinnen fort, verteilte die Trägerschachteln an die Dienerinnen zum Essen und legte sich selbst auf die Liege, auf der die Herzoginmutter zuvor gesessen hatte, befahl einer kleinen Dienerin, den Vorhang herunterzulassen und ihr die Beine zu klopfen, und sagte: "Wenn es Neuigkeiten von der Alten Herrin gibt, weck mich." Damit nickte sie ein. | ||
| + | |||
| + | Schatzjade, Xiangfluss-Wolke und die anderen sahen den Dienerinnen zu, wie sie die Trägerschachteln auf den Felssteinen abstellten. Manche sassen auf Steinen, manche im Gras, manche lehnten an Bäumen, manche am Wasser — es war ein fröhliches Treiben. Bald kam Mandarinenente, um Oma Liu überall herumzuführen, und alle schlossen sich spaßeshalber an. | ||
| + | |||
| + | Sie kamen zum Tor des "Besuchs in der Heimat"-Ehrenpfortens. Oma Liu rief: "Ach du meine Güte! Hier ist ja noch ein großer Tempel!" Sie fiel auf die Knie und schlug mit der Stirn auf den Boden. Die Leute bogen sich vor Lachen. Oma Liu sagte: "Was lacht ihr? Ich kann die Schriftzeichen auf diesem Tor lesen! Bei uns gibt es viele solcher Tempel, alle mit solchen Toren — die Schrift ist der Name des Tempels." Die Leute fragten lachend: "Welcher Tempel ist das denn?" Oma Liu blickte auf und zeigte auf die Schriftzeichen: "Steht da nicht 'Halle des Jade-Kaisers'?" Alle klatschten vor Lachen in die Hände. | ||
| + | |||
| + | Man wollte sie weiter necken, doch da knurrte es in Oma Lius Bauch. Eilig zog sie eine kleine Dienerin heran und verlangte zwei Stück Papier, denn sie musste sich erleichtern. Alle lachten und riefen: "Hier geht das nicht!" Schnell schickten sie eine alte Dienerin mit ihr in nordöstlicher Richtung. Die Dienerin zeigte ihr den Ort und ging vergnügt weg, um sich auszuruhen. | ||
| + | |||
| + | Oma Liu hatte einiges an Wein getrunken, der nicht zu ihrer Konstitution passte; dazu hatte sie viele fettige Speisen und aus Durst mehrere Schalen Tee zu sich genommen, was natürlich abführend wirkte. Sie hockte eine lange Weile. Als sie endlich herauskam, schlug ihr der Wind ins Gesicht, und da sie eine betagte Person war, die so lange gehockt hatte, wurde ihr beim plötzlichen Aufstehen schwindlig und trübe vor Augen — sie konnte den Weg nicht mehr erkennen. Sie blickte sich um: ringsum nur Bäume, Felsen, Pavillons und Häuser, doch sie wusste nicht, welcher Weg wohin führte. So folgte sie langsam einem Steinweg. | ||
| + | |||
| + | Als sie bei den Gebauden ankam, fand sie keine Tür. Nach langem Suchen entdeckte sie einen Bambuszaun. Oma Liu dachte: "Hier gibt es auch ein Bohnengerüst." Dem Blumenspalier folgend, gelangte sie durch ein mondförmiges Tor. Direkt vor ihr lag ein schmaler Teich, nur sieben bis acht Fuß breit, mit steinernen Ufern und klarem, blaüm Wasser. Darüber lag ein weißer Stein als Brücke. Oma Liu überqürte ihn und folgte dem Steinpfad, bog zweimal ab und sah eine Zimmertür. Sie trat ein, und ein Mädchen kam ihr lächelnd entgegen. Oma Liu rief lachend: "Die jungen Damen haben mich zurückgelassen, und nun habe ich mich hierher verirrt." | ||
| + | |||
| + | Doch das Mädchen antwortete nicht. Oma Liu ging auf sie zu und wollte ihre Hand greifen — "bums!" stieß sie gegen eine Wand und schlug sich den Kopf schmerzhaft an. Als sie genaür hinsah, war es ein Gemälde. Oma Liu dachte: "So lebensecht können Bilder also sein!" Sie betrachtete es, befühlte es — alles glatt. Kopfschüttelnd seufzte sie. | ||
| + | |||
| + | Als sie sich umdrehte, fand sie ein kleines Türchen, das mit einem grün gestreiften Blumenvorhang verhängt war. Sie hob den Vorhang und trat ein. Die vier Wände waren kunstvoll durchbrochen, Lauten, Schwerter, Vasen und Räucherständer hingen daran, mit Brokat verhüllt und Seidenschleiern geschmückt, golden und juwelenbesetzt. Sogar die Bodenfliesen waren grün mit eingravierten Mustern. Oma Liu war völlig geblendet. Sie suchte nach der Tür, doch wo war sie? Links ein Bücherregal, rechts ein Wandschirm. Hinter dem Wandschirm fand sie eine Tür und ging hindurch — da kam ihr ihre eigene Verwandte von draußen entgegen! | ||
| + | |||
| + | Verwundert fragte Oma Liu: "Du bist wohl hier, weil ich seit ein paar Tagen nicht nach Hause gekommen bin? Wer hat dich hereingebracht?" Ihre Verwandte lächelte nur, ohne zu antworten. Oma Liu lachte: "Du hast ja gar keinen Sinn für Anstand — wenn du die hübschen Blumen im Garten siehst, steckst du dir gleich einen ganzen Kopf voll auf!" Die Verwandte antwortete noch immer nicht. | ||
| + | |||
| + | Da fiel ihr plötzlich ein: "Ich habe gehört, dass reiche Familien eine Art Spiegel haben, durch den man hindurchgehen kann — vielleicht bin ich in einem Spiegel!" Sie streckte die Hand aus und sah genaür hin — tatsächlich: vier durchbrochen geschnitzte Sandelholzrahmen fassten einen Spiegel in der Mitte ein. "Das versperrt den Weg — wie komme ich hinaus?" Während sie herumtastete, betätigte sie zufällig den Mechanismus. Es war ein westlicher Spiegel, der sich öffnen und schließen ließ. Durch ihre unbeabsichtigte Berührung schwang der Spiegel auf und gab den Durchgang frei. | ||
| + | |||
| + | Überrascht und erfreut trat Oma Liu hindurch und fand sich vor dem prächtigsten Bett wieder, das sie je gesehen hatte. Da sie schon zu sieben, acht Zehnteln betrunken war und müde vom Umherlaufen, setzte sie sich mit einem Plumps auf das Bett, "nur um kurz zu rasten". Aber sie konnte sich nicht mehr halten, schwankte vor und zurück, ihre Augen fielen zu, und im Nu war sie auf dem Bett eingeschlafen. | ||
| + | |||
| + | Die anderen warteten vergeblich auf sie. Ban'er vermisste seine Großmutter und fing an zu weinen. Alle lachten: "Vielleicht ist sie in den Abort gefallen! Schickt schnell jemanden nachsehen." Zwei Dienerinnen gingen, kamen aber zurück und sagten, sie sei nicht dort. Man suchte überall vergebens. | ||
| + | |||
| + | Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die Angreifende/Überraschende" (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an"). Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> überlegte, welchen Weg sie genommen haben könnte: "Sie ist betrunken und hat sich verlaufen. Wahrscheinlich ist sie diesem Pfad zu unserer Rückseite gefolgt. Wenn sie durch das Blumenspalier gegangen und zur Hintertür hereingekommen ist, hätte sie zwar angestoßen, aber die kleinen Dienerinnen hätten sie bemerkt. Wenn sie nicht durch das Spalier, sondern weiter nach Südwesten gegangen ist und den Ausweg gefunden hat, wäre es gut — wenn nicht, dürfte sie sich eine Weile im Kreis drehen. Ich gehe lieber nachsehen." | ||
| + | |||
| + | So kehrte Dufthauch zurück und betrat den Yihong-Hof, rief nach den Mädchen — doch die kleinen Dienerinnen waren alle heimlich zum Spielen gegangen. | ||
| + | |||
| + | Dufthauch ging geradewegs durch die Zimmertür, vorbei am verzierten Raumteiler, und hörte schnarchen wie Donner. Eilig trat sie ein — der Geruch von Alkohol und Blähungen erfüllte den Raum. Sie sah Oma Liu auf dem Bett liegen, Arme und Beine von sich gestreckt. Dufthauch erschrak nicht wenig und rüttelte sie wach, ohne Umschweife. | ||
| + | |||
| + | Oma Liu fuhr hoch, sah Dufthauch und kletterte eilig vom Bett: "Junge Dame, ein schreckliches Versehen! Ich habe die Bettvorhange nicht beschmutzt!" Während sie das sagte, klopfte sie die Decken ab. | ||
| + | |||
| + | Dufthauch fürchtete, andere könnten es bemerken und Schatzjade davon erfahren. Sie winkte ihr ab und bedeutete ihr, still zu sein. Eilig legte sie drei, vier Handvoll Lilien-Räucherwerk in den Räucherofen, setzte den Deckel auf und räumte schnell auf. Glücklicherweise hatte Oma Liu sich nicht übergeben. Leise lachend sagte Dufthauch: "Macht Euch keine Sorgen, ich bin ja da. Folgt mir hinaus." Oma Liu folgte Dufthauch in das Zimmer der kleinen Dienerinnen und setzte sich. | ||
| + | |||
| + | Dufthauch sagte: "Sagt einfach, Ihr seid betrunken auf einem Felsbrocken eingeschlafen." Oma Liu nickte. Nachdem sie zwei Schalen Tee getrunken hatte, war sie wieder nüchtern und fragte: "Wessen Schlafzimmer war das? So prächtig — ich kam mir vor wie im Himmelspalast." Dufthauch lächelte: "Das war das Schlafzimmer unseres Zweiten Jungen Herrn Schatzjade." Oma Liu erschrak so sehr, dass sie keinen Laut mehr von sich gab. | ||
| + | |||
| + | Dufthauch führte sie durch den Vorderausgang hinaus. Gegenüber den anderen sagte sie nur, Oma Liu habe im Gras geschlafen und sie habe sie hergebracht. Niemand kümmerte sich weiter darum. | ||
| − | + | Bald erwachte die Herzoginmutter. Das Abendbrot wurde im Daoxiang-Dorf aufgetragen. Da die Herzoginmutter sich müde fühlte, ass sie wenig. Sie ließ sich auf dem Bambus-Tragstuhl in ihr Gemach zurücktragen, um zu ruhen, und befahl Phönixglanz und den anderen, zu essen. Die Schwestern kehrten in den Garten zurück. Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt. | |
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | + | <references /> | |
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
|} | |} | ||
[[Category:Books]] | [[Category:Books]] | ||
[[Category:Hongloumeng]] | [[Category:Hongloumeng]] | ||
Latest revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
|---|---|
|
話說劉姥姥兩隻手比著說道:「花兒落了結個大倭瓜。」眾人聽了哄堂大笑起來。於是吃過門杯,因又逗趣笑道:「實告訴說罷,我的手腳子粗笨,又喝了酒,仔細失手打了這瓷杯。有木頭的杯取個子來,我便失了手,掉了地下也無礙。」眾人聽了,又笑起來。鳳姐兒聽如此說,便忙笑道:「果真要木頭的,我就取了來。可有一句話先說下:這木頭的可比不得瓷的,他都是一套,定要吃遍一套方使得。」劉姥姥聽了心下-{敁敠}-道:「我方纔不過是趣話取笑兒,誰知他果真竟有。我時常在村莊鄉紳大家也赴過席,金杯銀杯倒都也見過,從來沒見有木頭杯之說。哦,是了,想必是小孩子們使的木碗兒,不過誆我多喝兩碗。別管他,橫豎這酒蜜水兒似的,多喝點子也無妨。」想畢,便說:「取來再商量。」鳳姐乃命豐兒:「到前面裡間屋,書架子上有十個竹根套杯取來。」豐兒聽了答應,才要去,鴛鴦笑道:「我知道你這十個杯還小。況且你才說是木頭的,這會子又拿了竹根子的來,倒不好看。不如把我們那裡的黃楊根整摳的十個大套杯拿來,灌他十下子。」鳳姐兒笑道:「更好了。」鴛鴦果命人取來。劉姥姥一看,又驚又喜:驚的是一連十個挨次大小分下來,那大的足似個小盆子,第十個極小的還有手裡的杯子兩個大;喜的是雕鏤奇絕,一色山水樹木人物,並有草字以及圖印。因忙說道:「拿了那小的來就是了,怎麼這樣多?」鳳姐兒笑道:「這個杯沒有喝一個的理。我們家因沒有這大量的,所以沒人敢使他。姥姥既要,好容易尋了出來,必定要挨次吃一遍才使得。」劉姥姥唬的忙道:「這個不敢。好姑奶奶,饒了我罷。」賈母、薛姨媽、王夫人知道他上了年紀的人,禁不起,忙笑道:「說是說,笑是笑,不可多吃了,只吃這頭一杯罷。」劉姥姥道: 「阿彌陀佛!我還是小杯吃罷。把這大杯收著,我帶了家去慢慢的吃罷。」說的眾人又笑起來。鴛鴦無法,只得命人滿斟了一大杯,劉姥姥兩手捧著喝。賈母薛姨媽都道:「慢些,不要嗆了。」薛姨媽又命鳳姐兒布了菜。鳳姐笑道:「姥姥要吃什麼,說出名兒來,我搛了喂你。」劉姥姥道:「我知什麼名兒,樣樣都是好的。」賈母笑道:「你把茄鮺搛些喂他。」 鳳姐兒聽說,依言搛些茄鮺送入劉姥姥口中,因笑道:「你們天天吃茄子,也嘗嘗我們的茄子弄的可口不可口。」劉姥姥笑道:「別哄我了,茄子跑出這個味兒來了,我們也不用種糧食,只種茄子了。」眾人笑道:「真是茄子,我們再不哄你。」劉姥姥詫異道:「真是茄子?我白吃了半日。姑奶奶再喂我些,這一口細嚼嚼。」鳳姐果又搛了些放入口內。劉姥姥細嚼了半日,笑道:「雖有一點茄子香,只是還不象是茄子。告訴我是個什麼法子弄的,我也弄著吃去。」鳳姐兒笑道: 「這也不難。你把才下來的茄子把皮籤了,只要淨肉,切成碎釘子,用雞油炸了,再用雞脯子肉並香菌、新筍、蘑菇、五香腐乾、各色乾果子,都切成釘子,拿雞湯煨乾,將香油一收,外加糟油一拌,盛在瓷罐子里封嚴,要吃時拿出來,用炒的雞瓜一拌就是。」劉姥姥聽了,搖頭吐舌說道:「我的佛祖!倒得十來只雞來配他,怪道這個味兒!」一面說笑,一面慢慢的吃完了酒,還只管細玩那杯。鳳姐笑道:「還是不足興,再吃一杯罷!」劉姥姥忙道:「了不得,那就醉死了。我因為愛這樣範,虧他怎麼作了。」鴛鴦笑道:「酒吃完了,到底這杯子是什麼木的?」劉姥姥笑道:「怨不得姑娘不認得,你們在這金門繡戶的,如何認得木頭!我們成日家和樹林子作街坊,困了枕著他睡,乏了靠著他坐,荒年間餓了還吃他,眼睛里天天見他,耳朵里天天聽他,口兒里天天講他,所以好歹真假,我是認得的。讓我認一認。」一面說,一面細細端詳了半日,道:「你們這樣人家斷沒有那賤東西,那容易得的木頭,你們也不收著了。我掂著這杯體重,斷乎不是楊木,這一定是黃松做的。」眾人聽了,哄堂大笑起來。 只見一個婆子走來請問賈母,說:「姑娘們都到了藕香榭,請示下,就演罷還是再等一會子?」賈母忙笑道:「可是倒忘了他們,就叫他們演罷。」那個婆子答應去了。不一時,只聽得簫管悠揚,笙笛併發。正值風清氣爽之時,那樂聲穿林度水而來,自然使人神怡心曠。寶玉先禁不住,拿起壺來斟了一杯,一口飲盡。復又斟上,才要飲,只見王夫人也要飲,命人換暖酒,寶玉連忙將自己的杯捧了過來,送到王夫人口邊,王夫人便就他手內吃了兩口。一時暖酒來了,寶玉仍歸舊坐,王夫人提了暖壺下席來,眾人皆都出了席,薛姨媽也立起來,賈母忙命李、鳳二人接過壺來:「讓你姨媽坐了,大家才便。」王夫人見如此說,方將壺遞與鳳姐,自己歸坐。賈母笑道:「大家吃上兩杯,今日著實有趣。」說著擎杯讓薛姨媽,又向湘雲寶釵道:「你姐妹兩個也吃一杯。你妹妹雖不大會吃,也別饒他。」說著自己已幹了。湘雲、寶釵、黛玉也都幹了。當下劉姥姥聽見這般音樂,且又有了酒,越發喜的手舞足蹈起來。寶玉因下席過來向黛玉笑道:「你瞧劉姥姥的樣子。」黛玉笑道:「當日聖樂一奏,百獸率舞,如今才一牛耳。」眾姐妹都笑了。 須臾樂止,薛姨媽出席笑道:「大家的酒想也都有了,且出去散散再坐罷。」賈母也正要散散,於是大家出席,都隨著賈母游玩。賈母因要帶著劉姥姥散悶,遂攜了劉姥姥至山前樹下盤桓了半晌,又說與他這是什麼樹,這是什麼石,這是什麼花。劉姥姥一一的領會,又向賈母道:「誰知城裡不但人尊貴,連雀兒也是尊貴的。偏這雀兒到了你們這裡,他也變俊了,也會說話了。」眾人不解,因問什麼雀兒變俊了,會講話。劉姥姥道:「那廊下金架子上站的綠毛紅嘴是鸚哥兒,我是認得的。那籠子里的黑老鴰子怎麼又長出鳳頭來,也會說話呢。」眾人聽了都笑將起來。 一時只見丫鬟們來請用點心。賈母道:「吃了兩杯酒,倒也不餓。也罷,就拿了這裡來,大家隨便吃些罷。」丫鬟便去抬了兩張幾來,又端了兩個小捧盒。揭開看時,每個盒內兩樣:這盒內一樣是藕粉桂糖糕,一樣是松穰鵝油捲;那盒內一樣是一寸來大的小餃兒,賈母因問什麼餡兒,婆子們忙回是螃蟹的。賈母聽了,皺眉說:「這油膩膩的,誰吃這個!」那一樣是奶油炸的各色小面果,也不喜歡。因讓薛姨媽吃,薛姨媽只揀了一塊糕;賈母揀了一個卷子,只嘗了一嘗,剩的半個遞與丫鬟了。劉姥姥因見那小面果子都玲瓏剔透,便揀了一朵牡丹花樣的笑道:「我們那裡最巧的姐兒們,也不能鉸出這麼個紙的來。我又愛吃,又捨不得吃,包些家去給他們做花樣子去倒好。」眾人都笑了。賈母道:「家去我送你一罈子。你先趁熱吃這個罷。」別人不過揀各人愛吃的一兩點就罷了;劉姥姥原不曾吃過這些東西,且都作的小巧,不顯盤堆的,他和板兒每樣吃了些,就去了半盤子。剩的,鳳姐又命攢了兩盤並一個攢盒,與文官等吃去。忽見奶子抱了大姐兒來,大家哄他頑了一會。那大姐兒因抱著一個大柚子玩的,忽見板兒抱著一個佛手,便也要佛手。丫鬟哄他取去,大姐兒等不得,便哭了。眾人忙把柚子與了板兒,將板兒的佛手哄過來與他才罷。那板兒因頑了半日佛手,此刻又兩手抓著些果子吃,又忽見這柚子又香又圓,更覺好頑,且當球踢著玩去,也就不要佛手了。 當下賈母等吃過茶,又帶了劉姥姥至櫳翠庵來。妙玉忙接了進去。至院中見花木繁盛,賈母笑道:「到底是他們修行的人,沒事常常修理,比別處越發好看。」 一面說,一面便往東禪堂來。妙玉笑往裡讓,賈母道:「我們才都吃了酒肉,你這裡頭有菩薩,沖了罪過。我們這裡坐坐,把你的好茶拿來,我們吃一杯就去了。」 妙玉聽了,忙去烹了茶來。寶玉留神看他是怎麼行事。只見妙玉親自捧了一個海棠花式雕漆填金雲龍獻壽的小茶盤,裡面放一個成窯五彩小蓋鐘,捧與賈母。賈母道:「我不吃六安茶。」妙玉笑說:「知道。這是老君眉。」賈母接了,又問是什麼水。妙玉笑回:「是舊年蠲的雨水。」賈母便吃了半盞,便笑著遞與劉姥姥說:「你嘗嘗這個茶。」劉姥姥便一口吃盡,笑道:「好是好,就是淡些,再熬濃些更好了。」賈母眾人都笑起來。然後眾人都是一色官窯脫胎填白蓋碗。 那妙玉便把寶釵和黛玉的衣襟一拉,二人隨他出去,寶玉悄悄的隨後跟了來。只見妙玉讓他二人在耳房內,寶釵坐在榻上,黛玉便坐在妙玉的蒲團上。妙玉自向風爐上扇滾了水,另泡一壺茶。寶玉便走了進來,笑道:「偏你們吃梯己茶呢。」二人都笑道:「你又趕了來飺茶吃。這裡並沒你的。」妙玉剛要去取杯,只見道婆收了上面的茶盞來。妙玉忙命:「將那成窯的茶杯別收了,擱在外頭去罷。」 寶玉會意,知為劉姥姥吃了,他嫌髒不要了。又見妙玉另拿出兩隻杯來。一個旁邊有一耳,杯上鐫著「□(左分右瓜)瓟斝」三個隸字,後有一行小真字是「晉王愷珍玩」,又有「宋元豐五年四月眉山蘇軾見於秘府」一行小字。妙玉便斟了一斝,遞與寶釵。那一隻形似缽而小,也有三個垂珠篆字,鐫著「杏犀□(上喬下皿)」。妙玉斟了一□(上喬下皿)與黛玉。仍將前番自己常日吃茶的那隻綠玉鬥來斟與寶玉。寶玉笑道:「常言『世法平等』,他兩個就用那樣古玩奇珍,我就是個俗器了。」妙玉道:「這是俗器?不是我說狂話,只怕你家裡未必找的出這麼一個俗器來呢。」寶玉笑道:「俗說『隨鄉入鄉』,到了你這裡,自然把那金玉珠寶一概貶為俗器了。」妙玉聽如此說,十分歡喜,遂又尋出一隻九曲十環一百二十節蟠虯整雕竹根的一個大海出來,笑道:「就剩了這一個,你可吃的了這一海?」寶玉喜的忙道:「吃的了。」妙玉笑道:「你雖吃的了,也沒這些茶糟蹋。豈不聞『一杯為品,二杯即是解渴的蠢物,三杯便是飲牛飲騾了』。你吃這一海便成什麼?」說的寶釵、黛玉、寶玉都笑了。妙玉執壺,只向海內斟了約有一杯。寶玉細細吃了,果覺輕浮無比,賞贊不絕。妙玉正色道:「你這遭吃的茶是托他兩個福,獨你來了,我是不給你吃的。」寶玉笑道:「我深知道的,我也不領你的情,只謝他二人便是了。」妙玉聽了,方說:「這話明白。」黛玉因問:「這也是舊年的雨水?」妙玉冷笑道:「你這麼個人,竟是大俗人,連水也嘗不出來。這是五年前我在玄墓蟠香寺住著,收的梅花上的雪,共得了那一鬼臉青的花瓮一瓮,總捨不得吃,埋在地下,今年夏天才開了。我只吃過一回,這是第二回了。你怎麼嘗不出來?隔年蠲的雨水那有這樣輕浮,如何吃得。」黛玉知他天性怪僻,不好多話,亦不好多坐,吃過茶,便約著寶釵走了出來。 寶玉和妙玉陪笑道:「那茶杯雖然髒了,白撂了豈不可惜?依我說,不如就給那貧婆子罷,他賣了也可以度日。你道可使得。」妙玉聽了,想了一想,點頭說道:「這也罷了。幸而那杯子是我沒吃過的,若我使過,我就砸碎了也不能給他。你要給他,我也不管你,只交給你,快拿了去罷。」寶玉道:「自然如此,你那裡和他說話授受去,越發連你也髒了。只交與我就是了。」妙玉便命人拿來遞與寶玉。寶玉接了,又道:「等我們出去了,我叫幾個小幺兒來河裡打幾桶水來洗地如何?」妙玉笑道:「這更好了,只是你囑咐他們,抬了水只擱在山門外頭牆根下,別進門來。」寶玉道:「這是自然的。」說著,便袖著那杯,遞與賈母房中小丫頭拿著,說:「明日劉姥姥家去,給他帶去罷。」交代明白,賈母已經出來要回去。妙玉亦不甚留,送出山門,回身便將門閉了。不在話下。 且說賈母因覺身上乏倦,便命王夫人和迎春姊妹陪了薛姨媽去吃酒,自己便往稻香村來歇息。鳳姐忙命人將小竹椅抬來,賈母坐上,兩個婆子抬起,鳳姐李紈和眾丫鬟婆子圍隨去了,不在話下。這裡薛姨媽也就辭出。王夫人打發文官等出去,將攢盒散與眾丫鬟們吃去,自己便也乘空歇著,隨便歪在方纔賈母坐的榻上,命一個小丫頭放下帘子來,又命他捶著腿,吩咐他:「老太太那裡有信,你就叫我。」說著也歪著睡著了。 寶玉湘雲等看著丫鬟們將攢盒擱在山石上,也有坐在山石上的,也有坐在草地下的,也有靠著樹的,也有傍著水的,倒也十分熱鬧。一時又見鴛鴦來了,要帶著劉姥姥各處去逛,眾人也都趕著取笑。一時來至「省親別墅」的牌坊底下,劉姥姥道:「噯呀!這裡還有個大廟呢。」 說著,便爬下磕頭。眾人笑彎了腰。劉姥姥道:「笑什麼?這牌樓上字我都認得。我們那裡這樣的廟宇最多,都是這樣的牌坊,那字就是廟的名字。」眾人笑道: 「你認得這是什麼廟?」劉姥姥便抬頭指那字道:「這不是『玉皇寶殿』四字?」眾人笑的拍手打腳,還要拿他取笑。劉姥姥覺得腹內一陣亂響,忙的拉著一個小丫頭,要了兩張紙就解衣。眾人又是笑,又忙喝他「這裡使不得!」忙命一個婆子帶了東北上去了。那婆子指與地方,便樂得走開去歇息。 那劉姥姥因喝了些酒,他脾氣不與黃酒相宜,且吃了許多油膩飲食,發渴多喝了幾碗茶,不免通瀉起來,蹲了半日方完。及出廁來,酒被風禁,且年邁之人,蹲了半天,忽一起身,只覺得眼花頭眩,辨不出路徑。四顧一望,皆是樹木山石樓臺房舍,卻不知那一處是往那裡去的了,只得認著一條石子路慢慢的走來。及至到了房舍跟前,又找不著門,再找了半日,忽見一帶竹籬,劉姥姥心中自忖道:「這裡也有扁豆架子。」一面想,一面順著花障走了來,得了一個月洞門進去。只見迎面忽有一帶水池,只有七八尺寬,石頭砌岸,裡邊碧瀏清水流往那邊去了,上面有一塊白石橫架在上面。劉姥姥便度石過去,順著石子甬路走去,轉了兩個彎子,只見有一房門。於是進了房門,只見迎面一個女孩兒,滿面含笑迎了出來。劉姥姥忙笑道:「姑娘們把我丟下來了,要我碰頭碰到這裡來。」說了,只覺那女孩兒不答。劉姥姥便趕來拉他的手,「咕咚」一聲,便撞到板壁上,把頭碰的生疼。細瞧了一瞧,原來是一幅畫兒。劉姥姥自忖道: 「原來畫兒有這樣活凸出來的。」一面想,一面看,一面又用手摸去,卻是一色平的,點頭嘆了兩聲。一轉身方得了一個小門,門上掛著蔥綠撒花軟簾。劉姥姥掀簾進去,抬頭一看,只見四面牆壁玲瓏剔透,琴劍瓶爐皆貼在牆上,錦籠紗罩,金彩珠光,連地下踩的磚,皆是碧綠鑿花,竟越發把眼花了,找門出去,那裡有門?左一架書,右一架屏。剛從屏後得了一門轉去,只見他親家母也從外面迎了進來。劉姥姥詫異,忙問道:「你想是見我這幾日沒家去,虧你找我來。那一位姑娘帶你進來的?」他親家只是笑,不還言。劉姥姥笑道:「你好沒見世面,見這園裡的花好,你就沒死活戴了一頭。」他親家也不答。便心下忽然想起:「常聽大富貴人家有一種穿衣鏡,這別是我在鏡子裡頭呢罷。」說畢伸手一摸,再細一看,可不是,四面雕空紫檀板壁將鏡子嵌在中間。因說:「這已經攔住,如何走出去呢?」一面說,一面只管用手摸。這鏡子原是西洋機括,可以開合。不意劉姥姥亂摸之間,其力巧合,便撞開消息,掩過鏡子,露出門來。劉姥姥又驚又喜,邁步出來,忽見有一副最精緻的床帳。他此時又帶了七八分醉,又走乏了,便一屁股坐在床上,只說歇歇,不承望身不由己,前仰後合的,朦朧著兩眼,一歪身就睡熟在床上。 且說眾人等他不見,板兒見沒了他姥姥,急的哭了。眾人都笑道:「別是掉在茅廁里了?快叫人去瞧瞧。」因命兩個婆子去找,回來說沒有。眾人各處搜尋不見。襲人敁敠其道路:「是他醉了迷了路,順著這一條路往我們後院子里去了。若進了花障子到後房門進去,雖然碰頭,還有小丫頭們知道;若不進花障子再往西南上去,若繞出去還好,若繞不出去,可夠他繞回子好的。我且瞧瞧去。」一面想,一面回來,進了怡紅院便叫人,誰知那幾個房子里小丫頭已偷空頑去了。 襲人一直進了房門,轉過集錦槅子,就聽的鼾齁如雷。忙進來,只聞見酒屁臭氣,滿屋一瞧,只見劉姥姥扎手舞腳的仰卧在床上。襲人這一驚不小,慌忙趕上來將他沒死活的推醒。那劉姥姥驚醒,睜眼見了襲人,連忙爬起來道:「姑娘,我失錯了!並沒弄髒了床帳。」一面說,一面用手去撣。襲人恐驚動了人,被寶玉知道了,只向他搖手,不叫他說話。忙將鼎內貯了三四把百合香,仍用罩子罩上。些須收拾收拾,所喜不曾嘔吐,忙悄悄的笑道:「不相干,有我呢。你隨我出來。」 劉姥姥跟了襲人,出至小丫頭們房中,命他坐了,向他說道: 「你就說醉倒在山子石上打了個盹兒。」劉姥姥答應知道。又與他兩碗茶吃,方覺酒醒了,因問道:「這是那個小姐的繡房,這樣精緻?我就象到了天宮裡的一樣。」襲人微微笑道:「這個麽,是寶二爺的卧室。」那劉姥姥嚇的不敢作聲。襲人帶他從前面出去,見了眾人,只說他在草地下睡著了,帶了他來的。眾人都不理會,也就罷了。 一時賈母醒了,就在稻香村擺晚飯。賈母因覺懶懶的,也不吃飯,便坐了竹椅小敞轎,回至房中歇息,命鳳姐兒等去吃飯。他姊妹方復進園來。要知端的且聽下回分解。
注释 |
Kapitel 41 Die Herzoginmutter [贾母][1] veranstaltet ein Trinkgelage im Garten der Großen Anschauung — Oma Liu [刘姥姥][2] betrunken verirrt sich im Hof des Fröhlichen Rots Es wird erzählt, dass Oma Liu mit beiden Händen gestikulierte und sagte: "Die Blüte ist abgefallen und hat einen großen Kürbis hervorgebracht." Die Anwesenden brachen in schallendes Gelächter aus. Nachdem sie den Willkommensbecher geleert hatte, scherzte sie weiter und sagte: "Ehrlich gesagt, meine Hände und Füße sind grob und plump, und ich habe auch noch Wein getrunken. Ich fürchte, mir rutscht diese Porzellanschale aus der Hand. Holt mir doch einen Holzbecher, dann macht es nichts, wenn er mir entgleitet und zu Boden fällt." Die Leute lachten erneut. Phönixglanz[3] hörte das und sagte eilig lachend: "Wenn Ihr wirklich einen hölzernen wollt, hole ich einen. Nur eines muss ich vorher sagen: Die hölzernen sind nicht wie die porzellanenen — sie kommen als ganzes Set, und Ihr müsst das ganze Set durchtrinken." Oma Liu überlegte im Stillen: "Ich habe vorhin nur einen Scherz gemacht, und nun haben sie tatsächlich welche! Ich bin oft genug bei den Landadligen zu Gast gewesen und habe Gold- und Silberbecher gesehen, aber von Holzbechern habe ich noch nie gehört. Ach, bestimmt sind es nur Holzschüssel für kleine Kinder, und sie wollen mich dazu bringen, ein paar Schalen mehr zu trinken. Egal, der Wein schmeckt süß wie Honigwasser — ein paar Schlucke mehr können nicht schaden." So sagte sie: "Bringt sie her, dann sehen wir weiter." Phönixglanz [熙凤] befahl Feng'er: "Geh ins vordere Innenzimmer und hol die zehn Bambusbecher vom Bücherregal." Feng'er hörte es und wollte gerade gehen, als Mandarinenente [鸳鸯][4] lachend sagte: "Ich weiß, dass deine zehn Becher noch zu klein sind. Außerdem hast du gerade gesagt, es seien hölzerne, und nun bringst du Bambus — das sieht nicht gut aus. Besser, wir holen unsere zehn großen Ineinanderbecher aus Buchsbaum-Wurzelholz und schenken ihr zehn Becher ein." Phönixglanz lachte: "Noch besser!" Mandarinenente ließ sie tatsächlich holen. Als Oma Liu sie sah, war sie gleichermaßen überrascht und erfreut: überrascht, weil die zehn Becher ineinandergesteckt waren, vom grössten, der wie eine kleine Schüssel wirkte, bis zum kleinsten, der immer noch doppelt so groß war wie der Becher in ihrer Hand; erfreut, weil die Schnitzereien von außerordentlicher Kunstfertigkeit waren — alles aus einem Stück, mit Landschaften, Bäumen, Figuren sowie Kursivschrift und Siegeln verziert. Eilig sagte sie: "Nehmt doch nur den kleinen — wozu so viele?" Phönixglanz lachte: "Aus diesen Bechern trinkt man nicht nur einen. In unserer Familie hat niemand ein so großes Fassungsvermögen, daher hat sich nie jemand getraut, sie zu benutzen. Da die Laolao sie verlangt hat und wir sie mit Mühe hervorgesucht haben, müsst Ihr der Reihe nach aus jedem trinken." Oma Liu erschrak und rief eilig: "Das wage ich nicht! Liebe junge Herrin, verschont mich!" die Herzoginmutter, Tante Schnee [薛姨妈][5] und Dame König[6] wussten, dass sie schon betagt war und es nicht aushielt, und sagten schnell lachend: "Reden ist reden und lachen ist lachen, aber trinkt nicht zu viel — nur diesen ersten Becher." Oma Liu sagte: "Amitabha Buddha! Dann trinke ich lieber aus dem kleinen Becher. Den großen verwahrt für mich — ich nehme ihn mit nach Hause und trinke dort in aller Ruhe daraus." Die Anwesenden lachten erneut. Mandarinenente konnte nicht anders und ließ einen großen Becher randvoll füllen. Oma Liu hielt ihn mit beiden Händen und trank. Die Herzoginmutter und Tante Schnee sagten: "Langsam, verschluck dich nicht!" Tante Schnee bat Phönixglanz, Speisen aufzutun. Phönixglanz lachte: "Was möchte die Laolao essen? Nennt das Gericht, und ich lege es Euch vor." Oma Liu sagte: "Ich weiß doch keine Namen — alles ist vorzüglich." die Herzoginmutter lachte: "Leg ihr etwas von der eingelegten Aubergine vor." Phönixglanz tat wie geheißen und legte Oma Liu etwas von der eingelegten Aubergine in den Mund. Dabei sagte sie lachend: "Ihr esst jeden Tag Auberginen — probiert einmal unsere und sagt mir, ob sie schmeckt oder nicht." Oma Liu lachte: "Führt mich nicht an der Nase herum! Wenn Auberginen so schmecken könnten, brauchten wir kein Getreide mehr anzubaün und nur noch Auberginen zu pflanzen." Die Leute sagten lachend: "Es ist wirklich Aubergine, wir führen Euch nicht an der Nase herum." Oma Liu war verblüfft: "Wirklich Aubergine? Da habe ich umsonst ein halbes Tagwerk gegessen. Liebe junge Herrin, gebt mir noch etwas davon — ich möchte diesen Bissen sorgfältig kaün." Phönixglanz legte ihr tatsächlich noch etwas vor. Oma Liu kaute lange daran und sagte lachend: "Es hat zwar ein wenig Auberginenaroma, aber es schmeckt immer noch nicht wie Aubergine. Verratet mir das Rezept, dann mache ich es daheim nach." Phönixglanz lachte: "Das ist nicht schwer. Man nimmt frische Auberginen, schält sie, schneidet nur das reine Fleisch in kleine Würfel und bratet sie in Hühnerfett. Dann nimmt man Hühnerbrust, duftende Pilze, frische Bambussprossen, Champignons, Fünf-Gewürze-Tofu und verschiedene Trockenfrüchte, alles in Würfel geschnitten, und dünstet es in Hühnerbrühe, bis die Flüssigkeit eingekocht ist. Man gibt Sesamöl dazu, mischt Sojasosse darunter, füllt alles in ein Porzellangefäss und versiegelt es. Wenn man es essen möchte, nimmt man etwas heraus und vermengt es mit gebratenen Hühnerkrallen." Oma Liu hörte das und schüttelte den Kopf mit herausgestreckter Zunge: "Du mein Buddha! Da braucht man ja zehn Hühner, um dieses eine Gericht zuzubereiten — kein Wunder, dass es so schmeckt!" Während sie redete und lachte, ass sie langsam ihren Wein auf und betrachtete immer noch den Becher. Phönixglanz lachte: "Noch nicht genug? Trinkt noch einen!" Oma Liu rief eilig: "Das geht nicht, da würde ich mich zu Tode trinken! Ich bewundere nur dieses Stück — wie haben sie das nur gemacht?" Mandarinenente lachte: "Nun ist der Wein getrunken — aus welchem Holz ist der Becher denn nun?" Oma Liu lachte: "Kein Wunder, dass die junge Dame es nicht erkennt — ihr lebt hier in goldenen Toren und seidenen Häusern, wie sollt ihr da Holz kennen! Wir leben tagein, tagaus mit dem Wald als Nachbar; wenn wir müde sind, legen wir den Kopf darauf; wenn wir erschöpft sind, lehnen wir uns daran; in Hungerjahren essen wir sogar davon. Wir sehen ihn jeden Tag mit den Augen, hören ihn mit den Ohren und reden über ihn mit dem Mund — also kann ich Gutes von Falschem unterscheiden. Lasst mich einmal prüfen." Sie betrachtete den Becher eine halbe Ewigkeit genau und sagte: "In einem Haushalt wie dem Euren gibt es bestimmt kein billiges Zeug, und leicht zu bekommendes Holz würdet ihr auch nicht aufheben. Er ist schwer genug — sicher kein Pappelholz. Es muss Gelbkiefernholz sein." Alle brachen in schallendes Gelächter aus. Da kam eine Magd und fragte die Herzoginmutter, ob die jungen Damen im Ouixiang-Pavillon alle eingetroffen seien und ob die Aufführung beginnen solle oder man noch warten solle. Die Herzoginmutter sagte lachend: "Ach, die hätte ich fast vergessen! Lasst sie anfangen!" Die Magd ging davon. Bald darauf hörte man die klagenden Töne der Flöten und Mundorgeln. Es war ein klarer, erfrischender Herbsttag, und die Musik drang durch den Wald und übers Wasser — sie erquickte ganz von selbst das Gemüt. Schatzjade [宝玉][7] hielt es als Erster nicht mehr aus, nahm die Karaffe und schenkte sich ein Glas ein, das er auf einen Zug leerte. Als er sich nachschenken wollte, sah er, dass Dame König ebenfalls trinken wollte und nach gewürztem Wein verlangte. Schatzjade reichte ihr schnell seinen eigenen Becher, den sie aus seiner Hand zwei Schlucke trank. Als der warme Wein kam, kehrte Schatzjade an seinen Platz zurück. Dame König nahm die Warmhaltekanne und verließ ihren Sitz, worauf alle aufstanden. Tante Schnee erhob sich ebenfalls. Die Herzoginmutter befahl Seidenweiß Pflaume [李纨][8] und Phönixglanz eilig, die Kanne zu übernehmen: "Lasst eure Tante sich setzen, dann können sich alle wohl fühlen." Dame König reichte die Kanne an Phönixglanz und setzte sich wieder. Die Herzoginmutter lachte: "Trinkt alle ein paar Gläser, heute ist wirklich vergnüglich." Sie hob ihren Becher und prostete Tante Schnee zu, dann wandte sie sich an Xiangfluss-Wolke [湘云][9] und Schatzspange [宝钗][10]: "Trinkt auch einen Becher, ihr zwei. Auch wenn eure Schwester nicht viel trinkt, verschont sie nicht." Damit leerte sie ihren eigenen Becher. Xiangfluss-Wolke, Schatzspange und Kajaljade [黛玉][11] taten es ihr gleich. Oma Liu hörte die Musik und hatte auch noch den Wein intus — sie war so begeistert, dass sie zu tanzen und zu klatschen begann. Schatzjade verließ seinen Platz und sagte lachend zu Kajaljade: "Schau dir Oma Liu an!" Kajaljade lachte: "Als einst die heilige Musik ertönte, tanzten hundert Tiere im Takt — dies hier ist gerade mal ein Ochsenohr davon." Die Schwestern lachten alle. Bald verstummte die Musik, und Tante Schnee erhob sich lachend: "Alle haben wohl genug Wein getrunken — lasst uns hinausgehen, um frische Luft zu schnappen, ehe wir weitermachen." die Herzoginmutter wollte sich ebenfalls die Beine vertreten, und so gingen alle hinaus und folgten die Herzoginmutter durch den Garten. Die Herzoginmutter wollte Oma Liu zerstreuen und führte sie vor die Berge und unter die Bäume, wo sie eine Weile verweilten. Sie zeigte ihr dies und jenes — "das ist dieser Baum, das ist jener Stein, das ist diese Blume." Oma Liu nahm alles in sich auf und sagte zu die Herzoginmutter: "Wer hätte gedacht, dass in der Stadt nicht nur die Menschen vornehm sind, sondern sogar die Vögel! Hier bei euch werden sie hübsch und können sprechen." Die Leute verstanden nicht und fragten, welche Vögel denn hübsch geworden seien und sprechen könnten. Oma Liu sagte: "Das grüne, rotschnäblige Tier auf dem goldenen Ständer unter der Galerie ist ein Papagei — den erkenne ich. Aber wie kommt die schwarze Krähe im Käfig auf einmal zu einem Phönixkamm und kann auch noch reden?" Alle brachen in Gelächter aus. Bald kamen Dienerinnen, um zum Imbiss einzuladen. Die Herzoginmutter sagte: "Nach den paar Gläsern Wein bin ich gar nicht hungrig. Na gut, bringt es hierher, jeder nimmt sich nach Belieben." Die Dienerinnen trugen zwei kleine Tische herein und stellten zwei kleine Trägerschachteln darauf. Als man sie öffnete, enthielt jede zwei Sorten: die eine Schachtel Lotossamenmehl-Kassia-Kuchen und Pinienkern-Gänseschmalz-Röllchen; die andere Schachtel winzige Teigtaschen, kaum einen Zoll groß. Die Herzoginmutter fragte nach der Füllung, und die Dienerinnen antworteten, es sei Krebs. Die Herzoginmutter runzelte die Stirn: "Wie fettig! Wer will das essen?" Auch die andere Sorte — in Butterschmalz frittierte Gebäckfigürchen — fand nicht ihre Gunst. Sie reichte sie Tante Schnee, die sich ein Stück Kuchen nahm. Die Herzoginmutter nahm ein Röllchen, kostete ein wenig und reichte die Hälfte der Dienerin. Oma Liu fand die kleinen Gebäckstücke so zierlich und fein gearbeitet, dass sie eine pfingstrosenförmige auswählte und lachend sagte: "Die geschicktesten Mädchen bei uns daheim könnten nicht einmal so etwas aus Papier schneiden. Ich möchte sie essen und kann mich doch nicht überwinden — lieber nehme ich einige mit nach Hause, damit sie als Vorlagen dienen." Alle lachten. Die Herzoginmutter sagte: "Wenn du heimfährst, schenke ich dir einen ganzen Krug. Iss erst einmal die warmen hier." Während die anderen sich nur eine oder zwei Sorten nach Geschmack nahmen, hatte Oma Liu, die solche Dinge noch nie gegessen hatte und die alle so fein und zierlich waren, zusammen mit Ban'er von jedem etwas probiert und damit schon einen halben Teller geleert. Den Rest ließ Phönixglanz auf zwei Teller verteilen und mit einer Trägerschachtel an die Schauspielerinnen Wenguan und Genossen schicken. Bald kam die Amme mit der kleinen Da Jie'er herein, und alle spielten mit ihr eine Weile. Da Jie'er spielte mit einer großen Pampelmuse, als sie Ban'er mit einer Buddhahand-Zitrone sah und auch eine haben wollte. Die Dienerinnen versuchten, sie mit etwas anderem abzulenken, aber Da Jie'er konnte nicht warten und weinte. Man gab Ban'er schnell die Pampelmuse und tauschte seine Buddhahand ein. Ban'er, der schon eine Weile mit der Buddhahand gespielt hatte und nun Früchte in beiden Händen hielt, fand die duftende, runde Pampelmuse noch amüsanter, trat sie wie einen Ball und vergaß die Buddhahand. Nachdem die Herzoginmutter und die anderen ihren Tee getrunken hatten, führte sie Oma Liu zum Longsui-Kloster. Wunderjade [妙玉][12] empfing sie eilig. Im Hof sahen sie die üppigen Blumen und Bäume. Die Herzoginmutter sagte lachend: "Buddhistische Einsiedler haben eben keine anderen Aufgaben und pflegen ständig ihren Garten — er ist schöner als überall sonst." Sie betraten den Östlichen Meditationssaal. Wunderjade bat sie lachend herein, doch die Herzoginmutter sagte: "Wir haben gerade Wein und Fleisch zu uns genommen, und hier stehen Buddha-Statün — wir würden Sünde auf uns laden. Setzen wir uns hier ein wenig, bringt uns Euren guten Tee, wir trinken einen Becher und gehen dann." Wunderjade hörte das und bereitete eilig Tee. Schatzjade beobachtete aufmerksam, wie sie vorging. Er sah, wie Wunderjade persönlich ein kleines Teebrett im Hortensien-Muster aus geschnitztem Lack mit Goldeinlage und Wolkendrachen-Langlebensmotiv trug, darauf eine kleine Deckeltasse aus Chenghua-Porzellan mit fünffarbigem Dekor, und sie die Herzoginmutter reichte. Die Herzoginmutter sagte: "Ich trinke keinen Lu'an-Tee." Wunderjade lächelte: "Ich weiß. Dies ist Laojunmei." die Herzoginmutter nahm ihn an und fragte, was für Wasser es sei. Wunderjade antwortete lächelnd: "Es ist im vorigen Jahr aufgefangenes Regenwasser." die Herzoginmutter trank eine halbe Schale, reichte sie dann lachend Oma Liu und sagte: "Probiert diesen Tee." Oma Liu trank alles auf einen Zug und sagte lachend: "Gut ist er, nur etwas dünn — wenn man ihn kräftiger kochte, wäre er noch besser." die Herzoginmutter und die anderen lachten. Danach bekamen alle einheitliche Guanyao-Deckenschalen aus weißem Porzellan. Wunderjade zupfte Schatzspange und Kajaljade unauffällig am Ärmel, und die beiden folgten ihr hinaus. Schatzjade schlich leise hinterher. Wunderjade führte die beiden in ein Seitenzimmer; Schatzspange setzte sich auf die Liege, Kajaljade auf Wunderjades Meditationskissen. Wunderjade fachte den Windofen an und brühte eine eigene Kanne Tee auf. Schatzjade trat lächelnd herein: "Ihr trinkt also heimlich Tee unter euch!" Die beiden lachten: "Du bist uns wieder nachgelaufen, um Tee zu schnorren. Hier ist keiner für dich." Wunderjade wollte gerade Schalen holen, als eine Nonne die oberen Teeschalen abzuräumen kam. Wunderjade befahl eilig: "Die Chenghua-Schale dort räume nicht mit ein — stell sie nach draußen." Schatzjade verstand: weil Oma Liu daraus getrunken hatte, fand Wunderjade sie unrein und wollte sie nicht mehr. Dann sah er Wunderjade zwei andere Schalen hervorholen. Die eine hatte an der Seite einen Henkel, und auf ihr waren die drei Siegelschriftzeichen "Guabao-Jia" eingraviert, gefolgt von einer Zeile in kleiner Regelschrift: "Kostbares Stück des Jin-Fürsten Wang Kai", und darunter "Im vierten Jahr Yuanfeng der Song, im vierten Monat, sah Su Shi [es] in der Geheimkammer". Wunderjade schenkte eine Schale voll ein und reichte sie Schatzspange. Die andere ähnelte einer kleinen Almosenschale und trug ebenfalls drei tropfenförmige Siegelschriftzeichen: "Xingxi-Qiao". Wunderjade goss Kajaljade eine Schale ein. Für Schatzjade schenkte sie in ihren eigenen alltäglichen Grünjadebecher ein. Schatzjade lachte: "Man sagt doch, 'vor dem Dharma sind alle gleich' — die beiden bekommen solche Antiquitäten, und ich ein gewöhniches Gefäss?" Wunderjade erwiderte: "Das soll gewöhnilich sein? Ich sage keine großprahlerischen Worte, aber in Eurem ganzen Haus dürfte sich kaum ein solches 'gewöhnliches Gefäss' finden lassen." Schatzjade lachte: "Wie man so sagt: 'In Rom tü wie die Römer.' Bei Euch werden natürlich Gold, Jade, Perlen und Edelsteine allesamt zu gewöhnlichem Gerät degradiert." Wunderjade hörte das sehr erfreut und suchte noch ein Gefäss hervor — eine große Trinkschale aus einer ganzen Bambuswurzel, neunfach gewunden mit zehn Ringen und hundertundzwanzig Gliedern, in Form eines Drachens geschnitzt. Sie lachte: "Das ist das einzige, was mir noch geblieben ist — könntet Ihr das leeren?" Schatzjade rief freudig: "Das schaffe ich!" Wunderjade lachte: "Ihr könntet es vielleicht, aber so viel Tee zu verschwenden wäre sündhaft. Kennt Ihr nicht den Spruch: 'Die erste Tasse ist Genuss, die zweite schon stümperhaftes Durstlöschen, und bei der dritten trinkt man wie ein Ochse oder Maultier'? Was würdet Ihr erst mit dieser ganzen Schale sein?" Schatzspange, Kajaljade und Schatzjade lachten. Wunderjade hob die Kanne und goss nur etwa eine Tasse voll hinein. Schatzjade trank bedächtig und empfand den Tee als unvergleichlich leicht und duftend; er lobte ihn über alle Maßen. Wunderjade sagte ernst: "Dass Ihr heute diesen Tee trinken dürft, verdankt Ihr dem Glück dieser beiden. Wäret Ihr allein gekommen, hätte ich Euch nichts gegeben." Schatzjade lachte: "Das weiß ich wohl. Ich schulde Euch keinen Dank — ich danke nur den beiden." Wunderjade hörte das und sagte: "Das ist ein verständiges Wort." Kajaljade fragte: "Ist das auch vorjähriges Regenwasser?" Wunderjade lachte kühl: "Für eine solche Person seid Ihr doch sehr gewöhnlich — Ihr könnt nicht einmal das Wasser unterscheiden! Dies ist Schnee, den ich vor fünf Jahren im Xuanmu-Panxiang-Kloster von Pflaumenblüten gesammelt habe. Ich bekam nur eine einzige Geisterfratzen-Vase voll und konnte mich nie überwinden, ihn zu trinken — ich vergrub ihn in der Erde, und erst diesen Sommer habe ich ihn geöffnet. Ich selbst habe nur einmal davon getrunken; dies ist das zweite Mal. Wie könnt Ihr das nicht herausschmecken? Vorjähriges gesammeltes Regenwasser ist doch niemals so leicht und klar — wie sollte man das trinken können!" Kajaljade, die Wunderjades eigenwillige Natur kannte, wagte nicht zu widersprechen und verweilte auch nicht länger. Nach dem Tee verließ sie mit Schatzspange das Zimmer. Schatzjade sagte schmunzelnd zu Wunderjade: "Die Teeschale ist zwar beschmutzt, aber wäre es nicht schade, sie einfach wegzuwerfen? Meiner Meinung nach könntet Ihr sie der armen alten Frau geben — sie könnte sie verkaufen und davon leben. Was haltet Ihr davon?" Wunderjade dachte einen Moment nach, nickte und sagte: "Nun gut. Glücklicherweise habe ich selbst nicht daraus getrunken — hätte ich sie benutzt, würde ich sie lieber zerschlagen, als sie herzugeben. Wenn Ihr sie ihr geben wollt, kümmere ich mich nicht darum — nehmt sie und geht schnell." Schatzjade sagte: "Natürlich. Wie könntet Ihr mit ihr reden und etwas überreichen — das würde ja sogar Euch beschmutzen. Gebt sie einfach mir." Wunderjade ließ sie holen und reichte sie Schatzjade. Er nahm sie und sagte: "Wenn wir draußen sind, schicke ich ein paar Burschen, die einige Eimer Wasser aus dem Bach holen und den Boden waschen — wie wäre das?" Wunderjade lachte: "Das wäre noch besser! Sagt ihnen nur, sie sollen das Wasser am Bergtor vor der Maür abstellen und nicht hereinkommmen." Schatzjade sagte: "Natürlich." Er steckte die Schale in den Ärmel und gab sie einer kleinen Dienerin von der Herzoginmutter Haushalt mit den Worten: "Wenn Oma Liu morgen heimfährt, gib sie ihr mit." Kaum hatte er dies aufgetragen, trat die Herzoginmutter bereits heraus, um aufzubrechen. Wunderjade versuchte nicht, sie zurückzuhalten, sondern begleitete sie zum Bergtor und schloss hinter sich die Tür. Doch davon wollen wir nicht weiter berichten. Die Herzoginmutter fühlte sich müde und bat Dame König sowie Willkommensfrühling[13] und ihre Schwestern, Tante Schnee weiter beim Weintrunk Gesellschaft zu leisten, während sie selbst im Daoxiang-Dorf rasten wollte. Phönixglanz ließ eilig den kleinen Bambusstuhl bringen. Die Herzoginmutter setzte sich darauf, zwei Dienerinnen trugen ihn, und Phönixglanz, Seidenweiß Pflaume und die übrigen Dienerinnen folgten. Doch davon wollen wir nicht weiter berichten. Tante Schnee verabschiedete sich ebenfalls. Dame König schickte die Schauspielerinnen fort, verteilte die Trägerschachteln an die Dienerinnen zum Essen und legte sich selbst auf die Liege, auf der die Herzoginmutter zuvor gesessen hatte, befahl einer kleinen Dienerin, den Vorhang herunterzulassen und ihr die Beine zu klopfen, und sagte: "Wenn es Neuigkeiten von der Alten Herrin gibt, weck mich." Damit nickte sie ein. Schatzjade, Xiangfluss-Wolke und die anderen sahen den Dienerinnen zu, wie sie die Trägerschachteln auf den Felssteinen abstellten. Manche sassen auf Steinen, manche im Gras, manche lehnten an Bäumen, manche am Wasser — es war ein fröhliches Treiben. Bald kam Mandarinenente, um Oma Liu überall herumzuführen, und alle schlossen sich spaßeshalber an. Sie kamen zum Tor des "Besuchs in der Heimat"-Ehrenpfortens. Oma Liu rief: "Ach du meine Güte! Hier ist ja noch ein großer Tempel!" Sie fiel auf die Knie und schlug mit der Stirn auf den Boden. Die Leute bogen sich vor Lachen. Oma Liu sagte: "Was lacht ihr? Ich kann die Schriftzeichen auf diesem Tor lesen! Bei uns gibt es viele solcher Tempel, alle mit solchen Toren — die Schrift ist der Name des Tempels." Die Leute fragten lachend: "Welcher Tempel ist das denn?" Oma Liu blickte auf und zeigte auf die Schriftzeichen: "Steht da nicht 'Halle des Jade-Kaisers'?" Alle klatschten vor Lachen in die Hände. Man wollte sie weiter necken, doch da knurrte es in Oma Lius Bauch. Eilig zog sie eine kleine Dienerin heran und verlangte zwei Stück Papier, denn sie musste sich erleichtern. Alle lachten und riefen: "Hier geht das nicht!" Schnell schickten sie eine alte Dienerin mit ihr in nordöstlicher Richtung. Die Dienerin zeigte ihr den Ort und ging vergnügt weg, um sich auszuruhen. Oma Liu hatte einiges an Wein getrunken, der nicht zu ihrer Konstitution passte; dazu hatte sie viele fettige Speisen und aus Durst mehrere Schalen Tee zu sich genommen, was natürlich abführend wirkte. Sie hockte eine lange Weile. Als sie endlich herauskam, schlug ihr der Wind ins Gesicht, und da sie eine betagte Person war, die so lange gehockt hatte, wurde ihr beim plötzlichen Aufstehen schwindlig und trübe vor Augen — sie konnte den Weg nicht mehr erkennen. Sie blickte sich um: ringsum nur Bäume, Felsen, Pavillons und Häuser, doch sie wusste nicht, welcher Weg wohin führte. So folgte sie langsam einem Steinweg. Als sie bei den Gebauden ankam, fand sie keine Tür. Nach langem Suchen entdeckte sie einen Bambuszaun. Oma Liu dachte: "Hier gibt es auch ein Bohnengerüst." Dem Blumenspalier folgend, gelangte sie durch ein mondförmiges Tor. Direkt vor ihr lag ein schmaler Teich, nur sieben bis acht Fuß breit, mit steinernen Ufern und klarem, blaüm Wasser. Darüber lag ein weißer Stein als Brücke. Oma Liu überqürte ihn und folgte dem Steinpfad, bog zweimal ab und sah eine Zimmertür. Sie trat ein, und ein Mädchen kam ihr lächelnd entgegen. Oma Liu rief lachend: "Die jungen Damen haben mich zurückgelassen, und nun habe ich mich hierher verirrt." Doch das Mädchen antwortete nicht. Oma Liu ging auf sie zu und wollte ihre Hand greifen — "bums!" stieß sie gegen eine Wand und schlug sich den Kopf schmerzhaft an. Als sie genaür hinsah, war es ein Gemälde. Oma Liu dachte: "So lebensecht können Bilder also sein!" Sie betrachtete es, befühlte es — alles glatt. Kopfschüttelnd seufzte sie. Als sie sich umdrehte, fand sie ein kleines Türchen, das mit einem grün gestreiften Blumenvorhang verhängt war. Sie hob den Vorhang und trat ein. Die vier Wände waren kunstvoll durchbrochen, Lauten, Schwerter, Vasen und Räucherständer hingen daran, mit Brokat verhüllt und Seidenschleiern geschmückt, golden und juwelenbesetzt. Sogar die Bodenfliesen waren grün mit eingravierten Mustern. Oma Liu war völlig geblendet. Sie suchte nach der Tür, doch wo war sie? Links ein Bücherregal, rechts ein Wandschirm. Hinter dem Wandschirm fand sie eine Tür und ging hindurch — da kam ihr ihre eigene Verwandte von draußen entgegen! Verwundert fragte Oma Liu: "Du bist wohl hier, weil ich seit ein paar Tagen nicht nach Hause gekommen bin? Wer hat dich hereingebracht?" Ihre Verwandte lächelte nur, ohne zu antworten. Oma Liu lachte: "Du hast ja gar keinen Sinn für Anstand — wenn du die hübschen Blumen im Garten siehst, steckst du dir gleich einen ganzen Kopf voll auf!" Die Verwandte antwortete noch immer nicht. Da fiel ihr plötzlich ein: "Ich habe gehört, dass reiche Familien eine Art Spiegel haben, durch den man hindurchgehen kann — vielleicht bin ich in einem Spiegel!" Sie streckte die Hand aus und sah genaür hin — tatsächlich: vier durchbrochen geschnitzte Sandelholzrahmen fassten einen Spiegel in der Mitte ein. "Das versperrt den Weg — wie komme ich hinaus?" Während sie herumtastete, betätigte sie zufällig den Mechanismus. Es war ein westlicher Spiegel, der sich öffnen und schließen ließ. Durch ihre unbeabsichtigte Berührung schwang der Spiegel auf und gab den Durchgang frei. Überrascht und erfreut trat Oma Liu hindurch und fand sich vor dem prächtigsten Bett wieder, das sie je gesehen hatte. Da sie schon zu sieben, acht Zehnteln betrunken war und müde vom Umherlaufen, setzte sie sich mit einem Plumps auf das Bett, "nur um kurz zu rasten". Aber sie konnte sich nicht mehr halten, schwankte vor und zurück, ihre Augen fielen zu, und im Nu war sie auf dem Bett eingeschlafen. Die anderen warteten vergeblich auf sie. Ban'er vermisste seine Großmutter und fing an zu weinen. Alle lachten: "Vielleicht ist sie in den Abort gefallen! Schickt schnell jemanden nachsehen." Zwei Dienerinnen gingen, kamen aber zurück und sagten, sie sei nicht dort. Man suchte überall vergebens. Dufthauch[14] überlegte, welchen Weg sie genommen haben könnte: "Sie ist betrunken und hat sich verlaufen. Wahrscheinlich ist sie diesem Pfad zu unserer Rückseite gefolgt. Wenn sie durch das Blumenspalier gegangen und zur Hintertür hereingekommen ist, hätte sie zwar angestoßen, aber die kleinen Dienerinnen hätten sie bemerkt. Wenn sie nicht durch das Spalier, sondern weiter nach Südwesten gegangen ist und den Ausweg gefunden hat, wäre es gut — wenn nicht, dürfte sie sich eine Weile im Kreis drehen. Ich gehe lieber nachsehen." So kehrte Dufthauch zurück und betrat den Yihong-Hof, rief nach den Mädchen — doch die kleinen Dienerinnen waren alle heimlich zum Spielen gegangen. Dufthauch ging geradewegs durch die Zimmertür, vorbei am verzierten Raumteiler, und hörte schnarchen wie Donner. Eilig trat sie ein — der Geruch von Alkohol und Blähungen erfüllte den Raum. Sie sah Oma Liu auf dem Bett liegen, Arme und Beine von sich gestreckt. Dufthauch erschrak nicht wenig und rüttelte sie wach, ohne Umschweife. Oma Liu fuhr hoch, sah Dufthauch und kletterte eilig vom Bett: "Junge Dame, ein schreckliches Versehen! Ich habe die Bettvorhange nicht beschmutzt!" Während sie das sagte, klopfte sie die Decken ab. Dufthauch fürchtete, andere könnten es bemerken und Schatzjade davon erfahren. Sie winkte ihr ab und bedeutete ihr, still zu sein. Eilig legte sie drei, vier Handvoll Lilien-Räucherwerk in den Räucherofen, setzte den Deckel auf und räumte schnell auf. Glücklicherweise hatte Oma Liu sich nicht übergeben. Leise lachend sagte Dufthauch: "Macht Euch keine Sorgen, ich bin ja da. Folgt mir hinaus." Oma Liu folgte Dufthauch in das Zimmer der kleinen Dienerinnen und setzte sich. Dufthauch sagte: "Sagt einfach, Ihr seid betrunken auf einem Felsbrocken eingeschlafen." Oma Liu nickte. Nachdem sie zwei Schalen Tee getrunken hatte, war sie wieder nüchtern und fragte: "Wessen Schlafzimmer war das? So prächtig — ich kam mir vor wie im Himmelspalast." Dufthauch lächelte: "Das war das Schlafzimmer unseres Zweiten Jungen Herrn Schatzjade." Oma Liu erschrak so sehr, dass sie keinen Laut mehr von sich gab. Dufthauch führte sie durch den Vorderausgang hinaus. Gegenüber den anderen sagte sie nur, Oma Liu habe im Gras geschlafen und sie habe sie hergebracht. Niemand kümmerte sich weiter darum. Bald erwachte die Herzoginmutter. Das Abendbrot wurde im Daoxiang-Dorf aufgetragen. Da die Herzoginmutter sich müde fühlte, ass sie wenig. Sie ließ sich auf dem Bambus-Tragstuhl in ihr Gemach zurücktragen, um zu ruhen, und befahl Phönixglanz und den anderen, zu essen. Die Schwestern kehrten in den Garten zurück. Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.
|