Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 50"

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= 第五十回 =
 
== 蘆雪庭爭聯即景詩 / 暖香塢雅制春燈謎 ==
 
=== Im Schneegarten wetteifern sie beim Kettendichten von Landschaftsgedichten; Im Hof des warmen Duftes werden elegant Fruehlings-Laternenraetsel verfasst ===
 
==== Im Schneegarten wetteifern sie beim Kettendichten von Landschaftsgedichten; Im Hof des warmen Duftes werden elegant Fruehlings-Laternenraetsel verfasst ====
 
  
 
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! style="width:50%" | 中文原文 (庚辰本)
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung
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! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)
 
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| author  = 曹雪芹  
 
| author  = 曹雪芹  
 
| section  = 第五十回 蘆雪-{广}-爭聯即景詩 暖香塢創制春燈謎
 
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  探春也有了一個,方欲念時,寶琴走過來笑道:「我從小兒所走的地方的古跡不少,我今揀了十個地方的古跡,作了十首懷古的詩。詩雖粗鄙,卻懷往事,又暗隱俗物十件,姐姐們請猜一猜。」眾人聽了,都說:「這倒巧,何不寫出來大家一看?」要知端的
 
  探春也有了一個,方欲念時,寶琴走過來笑道:「我從小兒所走的地方的古跡不少,我今揀了十個地方的古跡,作了十首懷古的詩。詩雖粗鄙,卻懷往事,又暗隱俗物十件,姐姐們請猜一猜。」眾人聽了,都說:「這倒巧,何不寫出來大家一看?」要知端的
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==注释==
 
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Bau-tschai hatte also gesagt: „Wir wollen doch eine Reihenfolge festlegen, ich schreibe sie auf!Und damit ließ sie jeden ein Los ziehen, um so die Abfolge zu bestimmen. Erste wurde Li Wan, dann kamen die anderen.
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Kapitel 50
„Wenn ihr es so macht, werde ich auch eine Zeile sagen, die ihr an den Anfang stellen könnt“, schlug Hsi-fëng jetzt vor.
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An der Hütte am Verschneiten Schilf wetteifert man beim Gemeinschaftsgedicht
„Das ist um so besser“, erklärten die anderen lächelnd, und Bau-tschai setzte vor den Namen Alte Reisduftbäuerin noch das Schrifzeichen fëng.
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Im Gehege der Warmen Düfte ersinnt man Laternenrätsel
Li Wan nannte Hsi-fëng das Thema, und nach langem Nachdenken sagte Hsi-fëng lächelnd: „Ihr dürft mich nicht auslachen, ich habe nur eine einzige plumpe Zeile, mehr fällt mir nicht ein.“
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„Je plumper, desto besser“, versicherten die anderen lächelnd. „Sag sie uns, und dann geh dich nur wieder um ernsthafte Dinge kümmern!
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Es wird erzählt, dass Schatzspange [薛宝钗]<ref>Chin. 宝钗 Bǎochāi (vollst. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange“. Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren.</ref> sagte: „Wir sollten doch eine feste Reihenfolge haben. Lasst mich das aufschreiben.Damit ließ sie alle Lose ziehen, um die Abfolge zu bestimmen. Phönixglanz [王熙凤]<ref>Chin. 凤姐 Fèngjie (vollst. 王熙凤 Wáng Xīfèng), wörtl. „Phönix-Glanz“. Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.</ref> sagte: „Wenn ihr es so macht, möchte ich auch eine Zeile an den Anfang setzen.“ Alle sagten lachend: „Das ist umso besser!“ Schatzspange schrieb über den Namen „Alte Reisduftbäuerin“ noch das Zeichen „Feng“. Frau Li [李纨]<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán. Witwe des früh verstorbenen Herrlichkeit Kaufmann, Vorsteherin des Gartens.</ref> erklärte Phönixglanz das Thema. Phönixglanz überlegte lange und sagte dann lachend: „Lacht mich nicht aus. Ich habe nur eine einzige grobe Zeile, mehr fällt mir nicht ein.“ Alle sagten lachend: „Je gröber, desto besser! Sag sie uns und geh dann ruhig deinen Geschäften nach.
„Ich denke, wenn es schneit, muß Nordwind sein“, sagte Hsi-fëng lächelnd, „und die ganze Nacht über habe ich ihn gehört, darum ist meine Zeile:
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‚Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht, ...‘
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich dachte mir, wenn es schneit, muss der Nordwind wehen. Letzte Nacht habe ich die ganze Nacht den Nordwind gehört, und so habe ich meine Zeile:
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    ‚Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht ...‘
 
Geht das?“
 
Geht das?“
Alle sahen einander lächelnd an und sagten: „Die Zeile ist zwar plump, und man sieht nicht, wie es weitergehen soll, aber das ist gerade der richtige Anfang für so ein Gedicht. Darum ist die Zeile nicht nur gut, sie läßt auch den andern weiten Raum, und so soll sie am Anfang stehen. Schreib sie rasch auf, Alte Reisduftbäuerin, und dichte weiter!“
 
Hsi-fëng, Tante Li und Ping-örl tranken noch ein paar Becher Wein, dann gingen sie ihrer Wege. Li Wan aber schrieb die Zeile auf und führte dann weiter:
 
„Auch am Morgen noch wirbeln die Flocken.
 
Bejammernswert diese Reinheit im Schmutz, ...“
 
Hsiang-ling setzte hinzu:
 
„Wie mit Jade bedeckt ist der Boden.
 
Welke Gräser werden von neuem getränkt, ...“
 
Tan-tschun schloß an:
 
„Wie geschmückt steht das trockene Röhricht.
 
Teuer bezahlt man jetzt ländlichen Wein, ...“
 
Li Tji fuhr fort:
 
„Reich sind mit Korn gefüllt nun die Speicher.
 
Schon zeigt das Meßrohr den Winter uns an, ...“
 
Li Wën sprach weiter:
 
„Auf dem Kopf steht der Himmlische Wagen.
 
Die Berge ziert nicht mehr der Pflanzen Grün, ...“
 
Hsiu-yän ergänzte:
 
„Der Bach unterm Eis liegt reglos und starr.
 
Leicht hält sich der Schnee am Weidengezweig, ...“
 
Hsiang-yün fügte hinzu:
 
„Nicht so leicht auf Bananenblattfetzen.
 
Duftende Kohle im Ofen verglüht, ...“
 
Bau-tjin machte weiter:
 
„Wärmender Zobel die Ärmel umhüllt.
 
Der Glanz beschämt selbst den Spiegel, so hell, ...“
 
 
  
Dai-yü fiel ein:  
+
Alle sahen einander lächelnd an und sagten: „Die Zeile ist zwar grob, doch sieht man nicht, was danach kommen wird – und gerade das ist die richtige Art, ein Gedicht zu beginnen. Sie ist nicht nur gut, sie lässt auch den Nachfolgenden weiten Raum. So soll sie als Erste stehen. Alte Reisduftbäuerin, schreib sie schnell auf und dichte weiter!“
„Der Duft vermischt sich den Düften der Wand.
+
 
Pausenlos heulet der Wind immerfort, ...“
+
Phönixglanz, Tante Li und Friedchen [平儿]<ref>Chin. 平儿 Píng’ér, wörtl. „Friedchen“. Phönixglanz’ erste Kammerzofe und Vertraute.</ref> tranken noch zwei Becher Wein und gingen dann. Frau Li schrieb die Zeile auf und fuhr selbst fort:
Bau-yü knüpfte an:
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„Macht zunichte uns Träume und Schlummer.
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    Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht,
Woher ertönt da der Flöte Gesang?“
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    und morgens noch wirbeln die Flocken.
Bau-tschai setzte fort:
+
    Im Schmutz der Erde – wie rein doch das Weiß,
„Wer bläst denn heute auf jadenem Rohr?
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Der Riesenschildkrott gerät selbst in Furcht,...
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Duftkastanie [香菱]<ref>Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftkastanie“. Konkubine von Becken Schnee, ehemals Zhen Heldenlotus.</ref> sprach:
Hier unterbrach Li Wan lächelnd mit den Worten: „Ich will sehen, daß man euch frischen Wein wärmt.“ Also befahl Bau-tschai, Bau-tjin solle fortfahren, aber da stand schon Hsiang-yün auf und sprach:
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„In den Schneewolken winden sich Drachen.
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    wie Jade bedeckt liegt der Boden.
Einsam ein Boot kehrt dem Ufer sich zu, ...“
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    Dem welken Gras wird neues Leben geschenkt,
Jetzt erhob sich auch Bau-tjin und sagte:
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„Zu dichten regt an ein Ritt vor die Stadt.
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Erkundefrühling [探春]<ref>Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin“. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.</ref> fuhr fort:
Vom Kaiser beschenkt mit Pelz wird das Heer,...
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Hsiang-yün wollte natürlich nicht nachgeben, und kein anderer war so flink wie sie. Sie reckte sich, zog die Brauen in die Höhe und sprach:
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    verdorrtes Röhricht trägt neuen Schmuck.
„Der Soldaten gedenkt man beim Schneidern3.
+
    Der Preis steigt für ländlichen Wein,
Gib acht, wohin du im Schnee setzt den Fuß, ...
+
 
„Gut, gut!“ lobte Bau-tschai, um dann selbst zu ergänzen:
+
Prachtamt Pflaume [李綺]<ref>Chin. 李綺 Lǐ Qǐ, Nichte von Frau Li.</ref> setzte hinzu:
„Hüte dich, an die Zweige zu stoßen!
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Weiße Gestalten entsteigen dem Schnee, ...“
+
    reiche Ernte füllt herrschaftliche Speicher.
Rasch schaltete sich jetzt auch Dai-yü ein und sagte:
+
    Das Messrohr zeigt den Winterbeginn an,
„Wirbeln wie Tänzer im eisigen Wind.
+
 
Taros jetzt kocht man zu neuem Genuß, ...
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Muster Pflaume [李紋]<ref>Chin. 李紋 Lǐ Wén, Nichte von Frau Li.</ref> sprach weiter:
Bei diesen Worten stieß sie Bau-yü an, der nach ihr an der Reihe war. Doch Bau-yü war so darin versunken zu beobachten, wie Bau-tschai, Bau-tjin und Dai-yü zu dritt mit Hsiang-yün wetteiferten, daß er gar nicht mehr daran gedacht hatte, mitzumachen. Erst als Dai-yü ihn anstieß, kam er wieder zu sich und setzte fort:
+
 
„Salzkörner rieseln, heißt es im Lied.Im Schilf noch trifft man den Angler wohl an, ...“
+
    der Große Wagen hat sich gedreht.
„Du mußt ausscheiden!“ verlangte Hsiang-yün. „Du taugst nichts und hältst uns nur auf.
+
    Die kalten Berge verloren ihr Grün,
Inzwischen sagte wieder Bau-tjin:
+
 
„Die Holzfälleraxt im Wald ist verstummt.
+
Xiuyan [岫烟]<ref>Chin. 岫烟 Xiùyān, vollst. 邢岫烟 Xíng Xiùyān. Nichte von Dame Strafe.</ref> ergänzte:
Gleich Elefanten die Berge sich reih‘n, ...
+
 
Rasch übernahm wieder Hsiang-yün:
+
    der gefrorene Bach liegt reglos und still.
„Ein Weg durchquert sie in Schlangengestalt.
+
    Leicht hält der Schnee auf dürren Weidenzweigen,
Die Blüten des Schnees blühn im Frost erst auf, ...“
+
 
„Gut!“ lobten Bau-tschai und die übrigen, da fiel Tan-tschun ein:
+
Xiangji [史湘云]<ref>Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine Nichte der Herzoginmutter, temperamentvoll und fröhlich.</ref> fügte hinzu:
„Statt wie sonst alle Blumen zu welken.
+
 
Hungrig vom Hof klingt der Spatzen Getschilp, ...
+
    doch nicht auf zerrissenen Bananenblättern.
Während Hsiang-yün eben durstig von ihrem Tee trank, sagte Hsiu-yän bereits:
+
    Moschuskohle glüht im Bronzegefäß,
„Graus tönt am Berge der Eulen Geschrei.
+
 
Die Flocken wirbeln treppauf, treppab, ...“
+
Kostbarzither Schnee [薛宝琴]<ref>Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, jüngere Kusine von Schatzspange, berühmt für ihre Schönheit und Dichtkunst.</ref> machte weiter:
Rasch hatte Hsiang-yün die Teeschale abgesetzt und fuhr jetzt wieder fort:
+
 
„Sie wiegen sich sanft im wogenden Teich.
+
    in bestickten Ärmeln wärmt goldener Zobel.
Morgens sie gleißen im Frühsonnenschein, ...“
+
    Sein Glanz beschämt den Spiegel am Fenster,
Dai-yü fügte hinzu:
+
 
„Abends sie fallen im Mondlicht noch fort.
+
Kajaljade [林黛玉]<ref>Chin. 黛玉 Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade“. Kajaljade, eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Romans.</ref> fiel ein:
Die Krieger verachten in Treue den Frost, ...“
+
 
Lächelnd sagte Hsiang-yün:
+
    sein Duft verklebt den Pfeffer an der Wand.
„Dem Herrscher benimmt die Sorge der Schnee.Auf kaltem Lager der Arme sich krümmt, ...“
+
    Der schiefe Wind bläst immerfort,
Rasch schaltete Bau-tjin sich ein:
+
 
„Der Reiche ist satt und vom Wein durchwärmt.
+
Schatzjade [贾宝玉]<ref>Chin. 宝玉 Bǎoyù (vollst. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade“. Der männliche Hauptprotagonist des Romans.</ref> knüpfte an:
Ist‘s Seide, die weiß da vom Himmel fällt?“
+
 
Schnell fuhr Hsiang-yün wieder fort:
+
    reine Träume werden flüchtig und fern.
„Ist‘s der Fischmenschen zartes Gewebe?“Ohne ihr Zeit für die zweite Zeile zu lassen, unterbrach sie Dai-yü:
+
    Woher weht der Klang der Pflaumenflöte?
„Stille umgibt uns im Haus und im Hof, ...“
+
 
Aber rasch nahm wieder Hsiang-yün das Wort:
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Schatzspange setzte fort:
„Auf Schlichtheit gezielt ist all unser Sinn.
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Schon fiel Bau-tjin von neuem ein:
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    Wer bläst die jadenem Flöte zu Haus?
„Langsam erwärmt sich das Eis für den Tee, ...“
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    Die Riesenschildkröte fürchtet, die Erdachse sinke,
Hsiang-yün hatte Gefallen an dem neuen Verfahren gefunden und sagte lächelnd:
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„Zögernd nur brennt im Öfchen das Laub.“
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Hier unterbrach Frau Li lächelnd: „Ich gehe nachschauen, ob man euch frischen Wein wärmt.“ Sie trug Kostbarzither Schnee auf fortzufahren, doch Xiangji war bereits aufgestanden:
Ebenfalls lächelnd, setzte Dai-yü wieder an:
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„Vergeblich der Mönch nach dem Besen sucht, ...“
+
    in Schneewolken kämpfen sich Drachen.
Und Bau-tjin komplettierte lächelnd:
+
    Einsam ein Boot kehrt zum öden Ufer zurück,
„Begraben im Schnee ist die Zither des Herrn.
+
 
Hsiang-yün krümmte sich vor Lachen, als sie die nächste Zeile sprach, so daß die anderen fragen mußten: „Was hast du gesagt?“
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Nun erhob sich auch Kostbarzither Schnee und sprach:
Da schrie sie heraus:
+
 
„Am steinernen Turm der Kranich still schläft, ...
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    die Reitgerte weist nach der Brücke am Ba-Fluss.
Lachend preßte Dai-yü die Hände gegen die Brust und rief genauso laut:
+
    Mit Pelzen beschenkt gedenkt man des Grenzheers,
„Auf weicher Matte die Katze sich wärmt.
+
 
Rasch sagte Bau-tjin dazwischen:
+
Xiangji wollte natürlich niemandem nachstehen, und niemand war so flink wie sie. Sie reckte sich, zog die Brauen hoch und rief:
„Im Mondlicht getürmt silberne Wogen, ...“
+
 
Und Hsiang-yün setzte fort:
+
    mit Watte gefüttert gedenkt man der Pflichtarbeit.
„Im Schnee versunken der Rotmauerberg.
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    Hügel und Höhlen unterscheiden sich kaum,
Lächelnd deklamierte Dai-yü:
+
 
„Zarter Blütenduft durch die Schneeluft zieht, ...“
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Schatzspange lobte laut und setzte selbst hinzu:
„Gut!“ lobte Bau-tschai und schloß selber an:
+
 
„Leise der Wind macht im Bambus Musik.
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    Zweige und Äste fürchten, bewegt zu werden.
Schon griff Bau-tjin wieder ein:
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    Schneeweiß trägt jeder leichten Schritt,
„Der Schnee befeuchtet den Brautentengurt, ...“
+
 
Und Hsiang-yün ergänzte:
+
Eilig schaltete Kajaljade sich ein:
„Reifsterne zieren den Eisvogelschmuck.
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Dai-yü fuhr fort:
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    es tanzt und wirbelt wie schlanke Taille.
„Der Schneefall säuselt wie Windesrauschen, ...“
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    Gekochte Taro bringt neuen Genuss,
Und lächelnd knüpfte Bau-tjin an:
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„Wie sanfter Regen klingt leicht dieser Ton.
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Dabei stieß sie Schatzjade an und befahl ihm, weiterzumachen. Schatzjade aber war ganz versunken darin, wie Schatzspange, Kostbarzither Schnee und Kajaljade zu dritt mit Xiangji wetteiferten – er fand es überaus unterhaltsam und hatte das Dichten vergessen. Erst als Kajaljade ihn anstieß, setzte er fort:
Lachend warf sich Hsiang-yün vornüber. Der Rest der Gesellschaft hatte es längst aufgegeben mitzudichten und hatte nur noch lachend den Wettstreit der drei Rivalinnen beobachtet.
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Dai-yü stieß Hsiang-yün an, damit sie fortfuhr, und sagte dazu: „Dein Talent ist doch nicht etwa erschöpft? Ich möchte hören, was deine Zunge noch zu leisten vermag!“
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    gestreutes Salz erinnert an alte Lieder.
Aber Hsiang-yün warf sich an Bau-tschais Brust und hörte nicht auf zu lachen. Bau-tschai stieß sie an, damit sie aufstand, und verlangte: „Wenn du wirklich etwas kannst, dann brauch die Reime der Reimgruppe hsiau bis zu Ende auf, dann gebe ich mich geschlagen!“
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    Im Schilfmantel sitzt noch der Angler am Fluss,
Lachend erhob sich Hsiang-yün und erklärte: „Ich dichte ja nicht mehr, ich kämpfe ums bloße Überleben.
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„Das mußt gerade du sagen!“ erwiderten die anderen lächelnd.
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Xiangji lachte: „Hör auf, du taugst nichts und hältst uns nur auf!“ Da hörte man Kostbarzither Schnee fortfahren:
Tan-tschun hatte, als sie einsah, daß sie zu dem Gedicht nichts mehr beisteuern konnte, alle Verse niedergeschrieben und machte jetzt darauf aufmerksam: „Es fehlt noch der Schluß.“
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Li Wan nahm ihr die Blätter aus der Hand, dann bildete sie die erste Zeile:
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    die Holzfälleraxt im Wald ist verstummt.
„Heutige Freuden im Vers festhalten, ...“
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    Wie kauernde Elefanten türmen sich Berge,
Und Li Tji ergänzte:
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„Die Urkaiser ehren soll dies Gedicht.“„Es ist genug!“ sagte Li Wan. „Wenn auch die Reimgruppe noch nicht erschöpft ist, käme doch nichts Gutes mehr heraus, wenn wir die restlichen Silben noch verwenden wollten.
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Eilig schloss Xiangji an:
Nun machten sich alle an eine genaue Einschätzung, und da Hsiang-yün die meisten Zeilen beigesteuert hatte, erklärten sie lächelnd: „Das kann nur an dem Hirschfleisch liegen.“
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„Wenn man das Gedicht Zeile für Zeile beurteilt“, sagte jetzt Li Wan, „so ist alles wie aus einem Guß, mit Ausnahme dessen, was Bau-yü gedichtet hat, das war wieder ungenügend.“
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    wie eine gewundene Schlange zieht der Pfad sich fern.
„Ich verstehe mich nicht auf Gemeinschaftsgedichte“, entschuldigte Bau-yü sich lächelnd. „Das müßt ihr mir schon nachsehen.“
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    Blüten entstehen durch Kälte erst,
Lächelnd entgegnete Li Wan: „Wir können dir nicht bei jedem Treffen etwas nachsehen! Mal sagst du, der Reim war zu schwierig, dann hast du beim Korrigieren einen Fehler hineingebracht, und nun verstehst du dich nicht auf Gemeinschaftsgedichte. Heute mußt du bestraft werden! Vorhin habe ich gesehen, wie schön im Kloster Gefangenes Grün die roten Aprikosen blühen. Davon möchte ich einen Zweig haben, um ihn mir in die Vase zu stellen. Aber ich mag Miau-yüs Benehmen nicht und lasse sie deshalb immer links liegen. Darum sollst du mir jetzt zur Strafe einen Zweig holen.“
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„Diese Strafe hat etwas Edles und verspricht zugleich Spaß“, sagten die anderen.
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Schatzspange und die anderen lobten laut. Erkundefrühling fuhr fort:
Auch Bau-yü stimmte fröhlich zu und wollte sich sogleich auf den Weg machen, aber Hsiang-yün und Dai-yü empfahlen ihm: „Draußen ist es kalt. Trink einen Becher heißen Wein, ehe du gehst!“
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Schon griff Hsiang-yün nach der Kanne, und Dai-yü hielt einen großen Becher. Als Hsiang-yün ihn gefüllt hatte, sagte sie lächelnd: „Wenn du jetzt den Zweig nicht bringst, nachdem du von uns Wein bekommen hast, wird deine Strafe noch verschärft.
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    ihre Farbe trotzt dem Frost und welkt nicht.
Rasch trank Bau-yü den Wein aus, dann ging er durch das Schneetreiben davon.
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    Im tiefen Hof erschrecken frierende Spatzen,
Li Wan wollte den Befehl geben, daß jemand mitgehen sollte, aber Dai-yü hinderte sie daran und sagte: „Wenn jemand dabei ist, wird er nichts bekommen.
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Li Wan nickte und sagte: „Jawohl!“, anschließend befahl sie den Sklavenmädchen, für den Zweig eine Vase ‚mit hohen Mädchenschultern‘ zu holen und mit Wasser zu füllen. Dann sagte sie lächelnd: „Wenn Bau-yü zurück ist, müßten wir die roten Blüten besingen!“
+
Während Xiangji durstig nach ihrem Tee griff, sagte Xiuyan schon:
Sofort erklärte Hsiang-yün: „Ich mache ein Gedicht darüber!“
+
 
Aber Bau-tschai protestierte: „Dir erlauben wir heute auf keinen Fall mehr, noch etwas zu dichten. Du hast dich immer vorgedrängt und die andern nicht zum Zuge kommen lassen, das macht doch auch keinen Spaß. Wir wollen es Bau-yü zur Strafe dichten lassen, wenn er zurück ist. Er hat gesagt, er verstehe sich nicht auf Gemeinschaftsgedichte, jetzt kann er allein eins machen.“
+
    im leeren Gebirge weint ein alter Kauz.
„Das ist ganz richtig!“ pflichtete Dai-yü ihr bei. „Aber ich habe noch eine andere Idee. Das Gemeinschaftsgedicht allein war nicht genug, darum sollten wir diejenigen auswählen, die am wenigsten dazu beigetragen haben, und sie über die roten Blüten schreiben lassen.“
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    Die Flocken tanzen treppauf, treppab,
„Du hast vollkommen recht!“ pflichtete Bau-tschai ihr bei. „Bau-tjin, Dai-yü und Hsiang-yün haben so viel an sich gerissen, daß Hsiu-yän und die Schwestern Li ihr Talent nicht unter Beweis stellen konnten, obwohl sie doch unsere Gäste sind. Darum ist es das beste, wenn wir andern nicht weitermachen und es ganz diesen dreien überlassen zu dichten.“
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„Aber Tji kann nicht besonders dichten“, wandte Li Wan ein, „wir sollten besser Bau-tjin ihre Stelle einnehmen lassen.
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Eilig stellte Xiangji die Teeschale ab und setzte fort:
Dem mußte Bau-tschai sich fügen, dann schlug sie vor: „Als Reim sollten wir die drei Schriftzeichen hung – ‚rot‘, mee – ‚Aprikose‘ und hua – ‚Blüte‘ wählen, und jede schreibt ein siebensilbiges Regelgedicht, Hsiu-yän auf den Reim hung, Li Wën auf den Reim mee und Bau-tjin auf den Reim hua.
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„Ich bin aber nicht bereit, Bau-yü die Strafe zu erlassen“, protestierte Li Wan.
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    sie treiben im Teich auf und nieder.
„Ich weiß ein gutes Thema, das wir ihm aufgeben können“, schaltete Hsiang-yün sich ein.
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    Strahlend glänzen sie im frühen Morgenrot,
Alle wollten wissen, was es sei, und Hsiang-yün erläuterte: „Wir befehlen ihm, über das Thema zu schreiben ‚Besuch bei Miau-yü mit der Bitte um rote Aprikosenblüten‘. Wäre das nicht gut?
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Alle sagten: „Das ist gut!“ Und ehe sie noch ausgeredet hatten, erblickten sie Bau-yü, der lachend mit einem Zweig roter Aprikosenblüten hereinkam, den ihm die Sklavenmädchen rasch abnahmen und in die Vase stellten.
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Kajaljade fuhr fort:
Inzwischen kamen aus allen Räumen Sklavenmädchen, um zusätzliche Kleidungsstücke zu bringen, und auch Hsi-jën hatte jemanden mit einer abgetragenen Jacke geschickt, die mit Fuchsklaue gefüttert war. Li Wan befahl, einen Teller mit gedämpften Taroknollen zu füllen sowie zwei weitere mit gelbroten Mandarinen, goldgelben Orangen und blaßgelben Kanariennüssen und sie Hsi-jën zu bringen.
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Indessen beeilte sich Hsiang-yün, Bau-yü zu erklären, worüber er ein Gedicht schreiben sollte, und drängte ihn, rasch damit zu beginnen.
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    verschwenderisch fallen sie in die lange Nacht.
„Liebe Schwestern, laßt mich aber selbst den Reim wählen, anstatt ihn festzulegen“, bat Bau-yü.
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    Die Treue vergisst die Kälte von drei Fuß Eis,
„Mach, wie du willst“, sagten sie bereitwillig und widmeten sich dem Aprikosenzweig.
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Der Hauptzweig war nicht mehr als zwei Tschï lang, aber er hatte einen Seitenzweig von fünf oder sechs Tschï Länge. Kleinere Zweige, die davon abgingen, hatten das Aussehen geringelter Drachen oder erstarrter Würmer. Sie wuchsen einzeln wie Pinselstiele oder dicht wie ein kleiner Wald. Die Blüten leuchteten rot wie Schminke, ihr Duft konnte selbst Orchideen beschämen.  
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Lachend sagte Xiangji rasch:
Während sich alle in Lobsprüchen darüber ergingen, hatten Hsiu-yän, Li Wën und Bau-tjin bereits ihre Gedichte im Kopf fertig und schrieben sie nieder. Dann lasen die anderen sie in der Reihenfolge durch, wie es die Reime ‚rot‘, ‚Aprikose‘ und ‚Blüte‘ verlangten.
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Sie lasen:
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    guter Schnee vertreibt des Herrschers Sorgen.
‚Lob der roten Aprikosenblüte
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    Erstarrt auf dem Lager – wer fragt nach dem Armen?
Hsing Hsiu-yän
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Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:
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    lustwandelnd freut sich der Reisende.
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    Der Himmelswebstuhl zerschneidet weiße Bänder,
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Wieder rief Xiangji eilig:
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    im Luftspiegelungsmeer ging das Meerseidentuch verloren.
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Kajaljade ließ Xiangji keine Zeit und sprach sogleich:
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    Einsam blickt man auf Terrassen und Hallen,
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Eilig fuhr Xiangji fort:
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    in schlichter Armut denkt man an Reisschale und Kürbisflasche.
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Auch Kostbarzither Schnee gab nicht nach und sagte sofort:
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    Das Eis im Kessel beginnt zu kochen für den Tee,
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Xiangji fand großes Vergnügen daran und rief lachend:
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    doch nur schwer will das Laub im Ofen brennen.
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Kajaljade sagte ebenfalls lachend:
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    Keinen Besen hat der Mönch in den Bergen,
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Kostbarzither Schnee lachte auch:
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    im Schnee vergraben gräbt das Kind nach der Zither.
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Xiangji krümmte sich vor Lachen und murmelte eine Zeile. Die anderen fragten: „Was hast du gesagt?“ Xiangji rief laut:
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    Am Steinturm schläft friedlich der Kranich,
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Kajaljade hielt sich lachend die Brust und schrie:
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    auf weichem Teppich wärmt sich die Katze.
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Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:
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    Im Mondschein türmen sich silberne Wogen,
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Xiangji setzte schnell fort:
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    in Wolken verbirgt sich die rote Burg.
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Lachend deklamierte Kajaljade:
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    Der Pflaumenduft dringt durch den Schnee, zum Kauen zart,
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Schatzspange lobte und schloss sofort an:
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    der Bambus im Regen klingt wie betrunken.
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Kostbarzither Schnee sprach ebenfalls eilig:
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    Den Brautentengurt benetzt der Schnee,
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Xiangji setzte rasch fort:
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    am Eisvogelschmuck gefriert der Reif.
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Kajaljade fuhr fort:
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    Auch ohne Wind weht es sanft und still,
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Lachend ergänzte Kostbarzither Schnee:
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    auch ohne Regen rauscht es unaufhörlich.
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Xiangji hatte sich vor Lachen nach vorn geworfen. Die anderen hatten es längst aufgegeben mitzudichten und beobachteten nur noch lachend, wie die drei sich gegenseitig überboten. Kajaljade stieß Xiangji an, damit sie weitermache, und sagte: „Dein Talent ist wohl erschöpft? Ich möchte hören, was deine Zunge noch leisten kann!Doch Xiangji warf sich in Schatzspanges Arme und konnte nicht aufhören zu lachen. Schatzspange schob sie hoch und verlangte: „Wenn du wirklich etwas kannst, dann verbrauche alle Reime der Xiao-Reimgruppe, dann erst gebe ich mich geschlagen!
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Lachend erhob sich Xiangji und erklärte: „Ich dichte ja nicht mehr – ich kämpfe ums Überleben!“
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Die anderen sagten lachend: „Dann sag du es uns.“
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Erkundefrühling, die längst eingesehen hatte, dass sie keinen Beitrag mehr würde leisten können, hatte alle Verse niedergeschrieben und machte nun darauf aufmerksam: „Es fehlt noch der Schluss.“ Frau Li nahm ihr die Blätter aus der Hand und bildete die nächste Zeile:
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    Heutige Freuden im Vers festhalten,
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Prachtamt Pflaume schloss ab:
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    die Urkaiser Shun und Yao im Gedicht verehren.
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Frau Li sagte: „Genug, genug! Auch wenn die Reimgruppe noch nicht erschöpft ist – die übrigen Silben gewaltsam zu verwenden, würde das Gedicht nur verderben.
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Alle gingen das Gedicht sorgfältig durch. Da Xiangji die meisten Zeilen beigesteuert hatte, sagten alle lachend: „Das ist ganz dem Hirschfleisch zu verdanken.
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Frau Li sagte lächelnd: „Wenn man es Zeile für Zeile beurteilt, ist alles wie aus einem Guss – nur Schatzjades Beitrag fällt wieder ab.“ Schatzjade erwiderte lächelnd: „Ich kann nun einmal keine Gemeinschaftsgedichte. Ihr müsst mir das nachsehen.
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Frau Li sagte lächelnd: „Wir können dir doch nicht bei jeder Sitzung etwas nachsehen! Mal sagst du, der Reim sei zu schwierig, dann hast du beim Korrigieren Fehler eingebaut, und jetzt verstehst du dich nicht auf Gemeinschaftsgedichte. Heute wirst du bestraft! Vorhin habe ich gesehen, wie schön die roten Pflaumenbäume im Kloster Gefangenes Grün [栊翠庵] blühen. Ich möchte einen Zweig davon für meine Vase. Aber Wunderjade [妙玉]<ref>Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wundersame Jade“. Eine buddhistische Nonne, die im Kloster Gefangenes Grün im Garten lebt.</ref> ist mir in ihrem Wesen zuwider, und ich lasse sie deswegen links liegen. Darum sollst du mir jetzt zur Strafe einen Zweig holen.“
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Alle fanden die Strafe zugleich elegant und unterhaltsam. Auch Schatzjade nahm sie gern auf sich und wollte gleich losgehen. Doch Xiangji und Kajaljade sagten beide: „Draußen ist es eiskalt. Trink erst einen Becher heißen Wein, ehe du gehst!“
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Xiangji griff sofort nach der Kanne, und Kajaljade reichte einen großen Becher, den Xiangji bis zum Rand füllte. Xiangji sagte lachend: „Wenn du unseren Wein trinkst und dann keinen Zweig bringst, wird deine Strafe verdoppelt!“ Rasch leerte Schatzjade den Becher und stapfte durch den Schnee davon.
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Frau Li wollte jemanden mitschicken, doch Kajaljade hielt sie eilig zurück: „Nicht nötig, mit einer Begleitung würde er ihn nicht bekommen.“ Frau Li nickte und sagte: „Da hast du recht.“ Dann befahl sie den Dienstmädchen, eine Vase in Mädchenschulterform zu holen und mit Wasser zu füllen, damit der Zweig hineingestellt werden könne. Dann sagte sie lächelnd: „Wenn Schatzjade zurück ist, sollten wir die roten Pflaumenblüten besingen.“
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Sogleich rief Xiangji: „Ich mache als Erste ein Gedicht!“ Aber Schatzspange widersprach sofort: „Dir erlauben wir heute auf keinen Fall noch mehr zu dichten. Du hast dich immer vorgedrängt und die anderen nicht zum Zuge kommen lassen – das ist doch langweilig. Wenn Schatzjade zurück ist, soll er zur Strafe allein eins dichten. Er sagte ja, er könne keine Gemeinschaftsgedichte – nun soll er eben allein dichten.“
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Kajaljade lachte: „Das stimmt. Und ich habe noch eine weitere Idee: Das Gemeinschaftsgedicht war nicht genug, also lasst diejenigen, die am wenigsten beigetragen haben, über die roten Pflaumenblüten dichten.
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Schatzspange stimmte zu: „Genau richtig! Höhlennebel Strafe und die Li-Schwestern haben ihr Talent nicht zeigen können, und sie sind zudem unsere Gäste. Kostbarzither Schnee, Kajaljade und Xiangji haben sich so viel genommen – wir alle sollten nicht weiterdichten und es ganz diesen dreien überlassen.“
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Frau Li wandte ein: „Prachtamt Pflaume dichtet nicht so gut, lasst lieber Kostbarzither Schnee an ihrer Stelle schreiben.“ Dem musste Schatzspange sich fügen. Dann schlug sie vor: „Als Reime nehmen wir die drei Schriftzeichen ‚Hong‘ – Rot, ‚Mei‘ – Pflaume und ‚Hua‘ – Blüte. Jede schreibt ein siebensilbiges Regelgedicht: Höhlennebel Strafe auf den Reim ‚Hong‘, Muster Pflaume auf den Reim ‚Mei‘ und Kostbarzither Schnee auf den Reim ‚Hua‘.
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Frau Li protestierte: „Schatzjade einfach so davonkommen zu lassen, damit bin ich nicht einverstanden.“ Eilig schaltete Xiangji sich ein: „Ich habe ein gutes Thema für ihn!“ Alle wollten wissen, welches. Xiangji sagte: „Er soll über ‚Besuch bei Wunderjade mit der Bitte um einen roten Pflaumenzweig‘ dichten – wäre das nicht köstlich?“ Alle sagten: „Das ist köstlich!“
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Kaum war das Wort gefallen, da kam Schatzjade strahlend mit einem Zweig roter Pflaumenblüten auf der Schulter herein. Die Dienstmädchen nahmen ihn sofort entgegen und stellten ihn in die Vase. Alle bedankten sich lachend. Schatzjade sagte lachend: „Bewundert ihn jetzt nur – ihr wisst ja nicht, wie viel Mühe es mich gekostet hat!“ Während er das sagte, reichte ihm Erkundefrühling schon einen Becher gewärmten Wein, und die Mädchen kamen herbei, ihm Cape und Hut abzunehmen und den Schnee abzubürsten. Aus jedem Haushalt wurden zusätzliche Kleidungsstücke gebracht, und auch Dufthauch [袭人]<ref>Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Die Überraschende“ (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an“). Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> hatte jemanden mit einer halbneuen Fuchsklauenjacke geschickt.
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Frau Li befahl, einen Teller mit gedämpften großen Taroknollen aufzutragen sowie zwei weitere Teller mit roten Mandarinen, goldgelben Orangen und Oliven, und ließ sie Dufthauch bringen.
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Xiangji berichtete Schatzjade eilig von den Gedichtthemen und drängte ihn, schnell zu schreiben. Schatzjade bat: „Liebe Schwestern, lasst mich den Reim selbst wählen, anstatt ihn festzulegen.“ Alle sagten: „Mach, wie du willst.“
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Dabei bewunderten alle den Pflaumenzweig. Er war nur etwa zwei Fuß hoch, aber ein Seitenast ragte kreuz und quer hervor, wohl fünf bis sechs Fuß lang. Kleinere Zweige sprossen davon ab – manche gewunden wie verschlungene Drachen, manche starr wie erstarrte Würmer, manche einsam und dünn wie ein Pinsel, manche dicht gedrängt wie ein Wäldchen. Die Blüten leuchteten rot wie Schminke, und ihr Duft übertraf selbst Orchideen. Alle waren voll des Lobes.
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Unterdessen hatten Höhlennebel Strafe, Muster Pflaume und Kostbarzither Schnee ihre Gedichte bereits fertig und schrieben sie nieder. Die anderen lasen sie in der Reihenfolge der Reime „Rot“, „Pflaume“ und „Blüte“. Sie lauteten:
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Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Rot“
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Höhlennebel Strafe
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    Noch blüht kein Pfirsich, keine Aprikose rot,
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    schon lacht sie im Ostwind trotz Frost und Kälte.
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    Im Geiste fliegt die Seele zum Gipfel von Yu,
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    getrennt durch Morgenrot träumt man von Luofu.
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    Grüne Kelche geschmückt wie mit leuchtenden Kerzen,
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    wie berauschte Geister auf verblasstem Regenbogen.
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    Nein, dies ist keine gewöhnliche Farbe –
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    in Eis und Schnee blüht sie, bald zart, bald tief.
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Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Pflaume“
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Muster Pflaume
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    Nicht weiße Pflaumen will ich besingen, sondern rote,
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    die prangend als Erste dem trunkenen Blick sich bieten.
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    Das frostbleiche Antlitz trägt Spuren wie Blut,
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    das bittere Herz, selbst ohne Groll, zerfällt zu Asche.
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    Ein Elixier verlieh ihr wahrer Knochen Wandlung,
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    vom Jadeteich stieg sie herab in neuem Leib.
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    Im Norden wie Süden – der Frühling strahlt,
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    den Bienen und Faltern sei gesagt: Zweifelt nicht!
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Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Blüte“
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Xue Kostbarzither Schnee
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    Spärlich die Zweige, doch üppig die Blüte,
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    ein Frühlingsfest, als wetteiferten Mädchen im Putz.
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    Im stillen Hof bleibt kein Rest von Schnee,
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    über Fluss und Bergen schwebt Abendrot.
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    Kühle Träume folgen dem Flötenklang,
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    wie Feenduft treibt ein Floß auf dem Purpurfluss.
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    Einst stand dieser Baum auf der Jadeplattform –
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    wie sonst hätte er solche Blütenpracht!
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Alle lobten die Gedichte lächelnd und meinten, das letzte sei das beste. Schatzjade war zutiefst erstaunt über Kostbarzither Schnees wachen Geist, war sie doch die Jüngste. Kajaljade und Xiangji füllten gemeinsam einen kleinen Becher mit Wein und reichten ihn Kostbarzither Schnee als Glückwunsch. Schatzspange sagte lächelnd: „Jedes der drei Gedichte hat seine eigenen Vorzüge. Bisher habt ihr beide euch Tag für Tag an mir abgearbeitet, jetzt nehmt ihr euch wohl sie vor.“
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Frau Li fragte Schatzjade: „Hast du dein Gedicht fertig?“ Schatzjade erwiderte eilig: „Ich hatte schon etwas, aber als ich die drei Gedichte las, habe ich es vor Staunen vergessen. Lasst mich nachdenken!“
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Als Xiangji das hörte, griff sie nach einem Messingschürhaken, schlug damit an ihr Handöfchen und sagte lachend: „Ich schlage die Trommel! Wenn beim letzten Trommelschlag nichts fertig ist, wird die Strafe verdoppelt!“ Schatzjade lachte: „Ich hab es schon.“
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Kajaljade nahm den Pinsel und sagte: „Sprich, ich schreibe.“ Xiangji schlug einmal zu und rief lachend: „Der erste Schlag!“ Schatzjade sagte lachend: „Fertig! Schreib nur.“ Alle hörten ihn sprechen:
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    Noch ehe der Wein fließt, noch ehe der Vers geformt,
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Kajaljade schrieb und schüttelte lachend den Kopf: „Der Anfang ist mittelmäßig.“ Xiangji drängte: „Schnell!“ Schatzjade fuhr lächelnd fort:
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    such ich den Frühling und frag den Winter im Feenland Penglai.
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Kajaljade und Xiangji nickten lächelnd: „Das hat schon etwas.“ Schatzjade sprach weiter:
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    Nicht Tau aus der Guanyin-Flasche begehre ich,
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    nur einen Zweig erbitt ich vor der Göttin Tor.
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Kajaljade schrieb und schüttelte wieder den Kopf: „Ein Zufallstreffer.“ Xiangji trieb mit dem zweiten Trommelschlag zur Eile. Schatzjade deklamierte lächelnd weiter:
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    Blutroten Schnee trag ich kühn aus der Welt der Stille,
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    Purpurwolken reiß ich heraus und kehr ins Menschenreich.
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    Den Hagern im Dichtermantel, wen dauert's, dass er friert?
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    Noch klebt am Kleid das grüne Moos vom Tempelgrund.
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Kaum hatte Kajaljade zu Ende geschrieben und alle wollten das Gedicht besprechen, da stürmten ein paar Dienstmädchen herein und meldeten: „Die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die älteste und ranghöchste Person der Kaufmann-Familie.</ref> kommt!“
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Alle eilten hinaus, um sie zu empfangen, und sagten lächelnd: „Was hat sie nur für gute Laune!“ Von fern erblickten sie die Herzoginmutter [贾母], die in einen weiten Umhang gehüllt, mit einer warmen Mütze aus Graufeh auf dem Kopf, in einem kleinen Bambustragstuhl saß und einen Regenschirm aus blauer Ölseide hielt. Neben ihr gingen Mandarinenente [鸳鸯]<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente“. Erste Kammerzofe der Herzoginmutter. Mandarinenenten gelten in China als Symbol ehelicher Treue.</ref>, Hupo [琥珀]<ref>Chin. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein“. Eine Kammerzofe der Herzoginmutter.</ref> und fünf oder sechs weitere Dienstmädchen, jede mit einem Schirm, und begleiteten den Tragstuhl.
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Frau Li und die anderen wollten ihr entgegeneilen, doch die Herzoginmutter schickte jemanden vor, um sie aufzuhalten, und ließ ausrichten: „Bleibt, wo ihr seid.“ Als sie herankam, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Ich bin heimlich hergekommen, ohne eurer Herrin und Phönixglanz etwas zu sagen. Im tiefen Schnee in diesem Stuhl zu sitzen, macht mir nichts aus – aber warum sollten die beiden sich durch den Schnee quälen?“
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Alle gaben ihr recht, stürzten herbei, nahmen ihr den Umhang ab und stützten sie beim Aussteigen. Als die Herzoginmutter ins Zimmer trat, bemerkte sie als Erstes lachend: „Was für herrliche Pflaumenblüten! Ihr versteht es, euch zu vergnügen – da bin ich hier gerade richtig!“ Während sie das sagte, ließ Frau Li sogleich ein großes Wolfsfell bringen und in der Mitte des Ofenbetts ausbreiten. Die Herzoginmutter setzte sich und sagte lächelnd: „Macht nur weiter mit Plaudern, Lachen, Essen und Trinken. Weil die Tage jetzt kurz sind, wage ich keinen Mittagsschlaf mehr. Ich habe ein Weilchen Domino gespielt, dann bin ich auf euch gekommen und hergekommen, um meinen Spaß zu haben.“
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Frau Li reichte ihr sofort ein Handöfchen, und Erkundefrühling brachte ein eigenes Paar Becher und Essstäbchen, goss eigenhändig gewärmten Wein ein und reichte ihn der Herzoginmutter. Die Herzoginmutter trank einen Schluck und fragte: „Was ist das dort auf dem Teller?“ Alle reichten ihn ihr rasch und erklärten: „Marinierte Wachteln.“ Die Herzoginmutter sagte: „Die mag ich. Reißt mir ein, zwei Keulchen davon ab.“ Frau Li antwortete sofort, ließ sich Wasser zum Händewaschen bringen und zerlegte das Geflügel eigenhändig.
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„Setzt euch wieder hin und unterhaltet euch, ich höre zu“, forderte die Herzoginmutter sie auf. Zu Frau Li sagte sie: „Auch du, setz dich hin! Macht es genau so, als wäre ich nicht gekommen – sonst gehe ich wieder.“ Alle setzten sich der Rangfolge gemäß, nur Frau Li rückte auf den untersten Platz.
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Die Herzoginmutter fragte, was sie getrieben hätten, und sie antworteten: „Gedichte.“ Die Herzoginmutter sagte: „Statt Gedichte zu machen, solltet ihr lieber Laternenrätsel ersinnen, damit wir im Neujahrsmonat etwas zum Vergnügen haben.“ Alle stimmten zu.
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Nach einer Weile Plauderei sagte die Herzoginmutter: „Hier ist es feucht. Bleibt nicht zu lange sitzen, sonst schadet es euch.“ Dann fügte sie hinzu: „Bei eurer vierten Schwester ist es wärmer. Gehen wir hinüber und schauen, wie weit sie mit ihrem Bild ist. Wird sie es bis Neujahr fertig haben?“
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Alle sagten lachend: „Bis Neujahr? Vielleicht bis zum Drachenbootfest im nächsten Jahr!“ Die Herzoginmutter rief: „Ist das die Möglichkeit! Dann braucht sie ja länger, als es gedauert hat, diesen Garten zu bauen!“
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Damit nahm sie wieder in ihrem Bambustragstuhl Platz. Alle begleiteten sie, und sie kamen am Lotoswurzelkiosk vorbei, dann in einen ummauerten Gang, der im Osten und Westen jeweils in einem Straßentor endete. An jedem Torgebäude waren innen und außen Steinplatten mit Inschriften eingelassen. Das Westtor, durch das sie jetzt gingen, trug außen die Zeichen „Durch die Wolken“ und innen „Über den Mond“.
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In der Mitte des Gangs traten sie durch das nach Süden weisende Haupttor ein. Die Herzoginmutter stieg aus dem Tragstuhl, und Bedauerfrühling [惜春]<ref>Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Frühlings-Bewahrerin“. Jüngste Tochter von Herrlichkeit Kaufmann.</ref> kam ihr schon entgegen. Durch einen überdachten Wandelgang gelangten sie zu Bedauerfrühlings Schlafgemach, über dessen Tür die drei Zeichen „Gehege der Warmen Düfte“ [暖香坞] prangten. Schon schlugen mehrere Hände den scharlachroten Filzvorhang zurück, und ein warmer Duft schlug ihnen entgegen.
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Alle traten ein. Die Herzoginmutter dachte nicht daran, sich hinzusetzen, und fragte nur: „Wo ist das Bild?“ Bedauerfrühling erwiderte lächelnd: „Bei dieser Kälte gerinnt die Leimfarbe und wird spröde. Ich hatte Angst, das Bild zu verderben, und habe es daher weggeräumt.“
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Aber zu Neujahr will ich es haben. Mach keine Ausflüchte, hol es hervor und mal weiter!“
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Kaum hatte sie ausgesprochen, da trat plötzlich Phönixglanz lachend herein. Sie trug eine purpurne Lammfelljacke. „Alte Ahne, Ihr geht einfach weg, ohne einem Menschen etwas zu sagen. Da konnte ich schön nach Euch suchen!“ sagte sie.
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Die Herzoginmutter, natürlich erfreut über ihr Kommen, erwiderte: „Ich hatte Angst, ihr würdet frieren, und habe deshalb nicht erlaubt, euch Bescheid zu sagen. Du bist wirklich ein Schlaufuchs, dass du mich gefunden hast. Aber eigentlich gehört das gar nicht zur kindlichen Ehrerbietung.“
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Phönixglanz erwiderte lachend: „Ehrerbietung hat mich ja gar nicht hergetrieben! Als ich in Eure Gemächer kam, war es dort mucksmäuschenstill. Ich fragte die kleinen Mädchen, aber die wollten nichts sagen und schickten mich in den Garten. Während ich noch rätselte, kamen plötzlich zwei, drei Nonnen, und da wurde mir alles klar: Die Nonnen bringen doch die Neujahrsgebete und wollen die Jahreszuwendungen und Weihrauchgelder abholen. Ihr habt zum Jahresende viel um die Ohren und wolltet Euch bestimmt vor diesen Gläubigern drücken. Also fragte ich sofort die Nonnen – und tatsächlich hatte ich recht. Ich gab ihnen schnell die Jahreszuwendungen und komme jetzt, um zu melden: Die Gläubiger sind weg, Ihr braucht Euch nicht länger zu verstecken! Außerdem ist ein zarter junger Fasan für Euch zubereitet. Bitte kommt zum Abendessen – wenn Ihr noch wartet, wird er zäh und trocken.“
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Während sie so sprach, lachten alle.
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Phönixglanz wartete gar keine Antwort der Herzoginmutter ab, sondern befahl, den Tragstuhl zu bringen. Lächelnd stieg die Herzoginmutter ein, von Phönixglanz gestützt. Von allen begleitet und unter Plaudern und Lachen verließen sie den Gang durch das Osttor. Ringsum war alles wie weiß gepudert und aus Silber gegossen.
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Plötzlich erblickten sie Kostbarzither Schnee, die in ihrem Wildentenfeder-Umhang auf dem Berghang stand und wartete. Hinter ihr hielt ein Dienstmädchen eine Vase mit einem roten Pflaumenzweig. Alle sagten lachend: „Deshalb also fehlten die beiden – sie hat sich auch einen Zweig geholt und wartet hier auf uns.“
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Die Herzoginmutter rief voller Freude: „Seht nur – das Mädchen auf dem Berghang, in dieser Kleidung, und dahinter die Pflaumenblüten – woran erinnert euch das?“ Alle sagten lächelnd: „An Qiu Yings ‚Bild der Zwei Schönheiten‘ [Anm.: Qiu Ying (仇十洲), berühmter Maler der Ming-Dynastie], das in Euren Gemächern hängt.“
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Die Herzoginmutter schüttelte lächelnd den Kopf: „Die auf dem Bild hat nicht solche Kleider an. Und so schön ist sie auch nicht!“ Kaum hatte sie das gesagt, erschien hinter Kostbarzither Schnee eine Gestalt in einem großen scharlachroten Filzumhang. „Was ist das noch für ein Mädchen?“ fragte die Herzoginmutter. Alle lachten: „Wir sind doch alle hier – das ist Schatzjade.“ Die Herzoginmutter seufzte lächelnd: „Meine Augen werden immer schlechter.“
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Als sie herankamen, waren es tatsächlich Kostbarzither Schnee und Schatzjade. Schatzjade wandte sich lächelnd an Schatzspange, Kajaljade und die anderen: „Ich war eben noch einmal im Kloster Gefangenes Grün. Wunderjade schenkt jeder von euch einen Zweig Pflaumenblüten. Ich habe sie schon austragen lassen.“
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Alle sagten strahlend: „Vielen Dank für die Mühe!“
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Über diesem Gespräch hatten sie den Garten bereits verlassen und waren in den Gemächern der Herzoginmutter angelangt. Nach dem Essen plauderte man noch eine Weile, als plötzlich Tante Schnee [薛姨妈]<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee“. Mutter von Schatzspange und Becken Schnee, Schwester von Dame König.</ref> erschien.
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„Was für ein Schnee!“ sagte sie. „Den ganzen Tag bin ich nicht herübergekommen, um Euch meine Aufwartung zu machen, gnädige Frau. Seid Ihr heute nicht in Stimmung? Eigentlich solltet Ihr den Schnee bewundern.“ Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Warum nicht in Stimmung? Ich habe die Mädchen besucht und mich bei ihnen vergnügt.“
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Tante Schnee sagte lächelnd: „Gestern Abend hatte ich schon vor, unsere gnädige Frau zu bitten, mir heute den Garten für einen Tag zu überlassen, um ein paar bescheidene Tische aufzustellen und Euch einzuladen, den Schnee zu bewundern. Aber dann hörte ich, Ihr hättet Euch früh zur Ruhe begeben, und meine Tochter sagte mir, Ihr fühltet Euch nicht ganz wohl. Deshalb habe ich heute nicht gewagt, Euch zu stören. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich Euch einladen sollen.“
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Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Das ist doch erst der erste Schnee im zehnten Monat. Es wird noch öfter schneien – da ist es nicht zu spät, dann Geld auszugeben.“ Tante Schnee lachte: „Wenn dem so ist, wird meine kindliche Ehrerbietung noch aufrichtiger.“
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Phönixglanz sagte lachend: „Passt nur auf, dass Ihr es nicht vergesst, Frau Tante. Am besten wiegt Ihr gleich fünfzig Liang Silber ab und gebt sie mir zur Aufbewahrung. Sobald es schneit, richte ich alles her – so müsst Ihr Euch nicht kümmern und könnt es auch nicht vergessen.“
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Die Herzoginmutter lachte: „Wenn es so ist, dann gebt ihr die fünfzig Liang Silber, Frau Tante, und ich teile mit ihr – jeder fünfundzwanzig. Wenn es dann schneit, tue ich so, als wäre mir nicht wohl, und die Sache verläuft im Sande. Ihr habt gar keine Umstände, aber Phönixglanz und ich haben einen echten Gewinn.“
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Phönixglanz klatschte lachend in die Hände: „Herrlich! Ganz mein Gedanke!“ Alle lachten.
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Pfui, du Schamlose! Sofort kletterst du an der Stange hoch, die man dir hinhält! Dabei solltest du sagen: Die Frau Tante ist unser Gast, bei uns muss sie sich ohnehin einschränken, da müssten wir sie einladen – wie können wir sie Geld ausgeben lassen! Statt so zu reden, besitzt du noch die Frechheit, im Voraus fünfzig Liang zu verlangen. Du hast wirklich keine Scham!“
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Phönixglanz erwiderte lachend: „Unsere alte Ahne hat wahrlich einen scharfen Blick! Sie wollte es nur ausprobieren. Wäre die Frau Tante nachgiebig gewesen und hätte die fünfzig Liang herausgerückt, hätte sie mit mir geteilt. Aber weil absehbar war, dass es nicht klappt, machte sie eine Kehrtwende und hat mich mit großen Reden abgekanzelt. Nun verlange ich auch kein Silber mehr von der Frau Tante, sondern gebe ihr welches, damit sie ein Essen für Euch ausrichtet, alte Ahne. Außerdem überreiche ich Euch noch fünfzig Liang als Strafe dafür, dass ich mich um Dinge gekümmert habe, die mich nichts angehen. Ist es so recht?“
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Sie hatte noch nicht ausgeredet, da warfen sich alle vor Lachen aufs Ofenbett.
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Dann sprach die Herzoginmutter darüber, wie Kostbarzither Schnee im Schnee mit dem Pflaumenzweig aufgetaucht war und dabei schöner ausgesehen habe als ein Bild. Anschließend wollte sie genau die acht Zeichen für Geburtsjahr, -monat, -tag und -stunde wissen und erkundigte sich nach ihren Familienverhältnissen.
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Tante Schnee ahnte, dass die Herzoginmutter die Absicht hatte, Kostbarzither Schnee mit Schatzjade zu verheiraten. Im Grunde wäre sie einverstanden gewesen, doch Kostbarzither Schnee war bereits mit dem Sohn der Meis verlobt. Da die Herzoginmutter sich noch nicht offen geäußert hatte, konnte auch sie nicht direkt darauf eingehen und wählte einen Umweg.
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„Das Mädchen hat kein Glück“, sagte sie. „Vorvoriges Jahr ist ihr Vater gestorben. Solange er noch lebte, hat sie viel von der Welt gesehen. Die vier großen Gebirge und die fünf heiligen Berge hat sie mit ihren Eltern bereist. Ihr Vater verstand es, das Leben zu genießen, und da er überall Handel trieb, verbrachte die Familie mal hier ein Jahr, mal dort ein halbes Jahr, so dass sie fünf oder sechs Zehntel des ganzen Reiches gesehen haben. Damals hat er sie hier mit dem Sohn des Akademikers Mei verlobt, und ausgerechnet im Jahr darauf ist er gestorben. Ihre Mutter leidet zudem an Schwindsucht...“
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„Wie schade!“ fiel Phönixglanz ihr ins Wort, noch ehe sie zu Ende gesprochen hatte, und stampfte seufzend mit dem Fuß auf. „Gerade wollte ich als Heiratsvermittlerin auftreten, und nun ist sie schon verlobt!“
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Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Für wen wolltest du denn werben?“ Phönixglanz erwiderte: „Fragt nicht danach, alte Ahne! In meinem Herzen wusste ich genau, dass die beiden ein Paar wären. Aber da sie schon verlobt ist, hat es keinen Sinn mehr, darüber zu reden. Lassen wir es.“
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Die Herzoginmutter wusste, wen Phönixglanz gemeint hatte. Als sie hörte, dass Kostbarzither Schnee bereits vergeben war, ließ sie das Thema fallen.
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Man plauderte noch eine Weile, dann löste sich die Gesellschaft auf. Über die Nacht gibt es nichts zu berichten.
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Am nächsten Tag hatte es aufgeklart. Nach dem Essen ermahnte die Herzoginmutter persönlich Bedauerfrühling: „Egal ob es kalt oder warm ist, mal einfach weiter und werde bis Neujahr fertig. Wenn es wirklich gar nicht geht, dann eben nicht. Aber das Allerwichtigste ist: Kostbarzither Schnee mit dem Mädchen und den Pflaumenblüten von gestern musst du haargenau so, wie wir es gesehen haben, ohne einen einzigen Fehler, schnell auf das Bild bringen.“
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Bedauerfrühling war zwar in Verlegenheit, aber sie musste es versprechen. Als bald darauf alle kamen, um ihr beim Malen zuzuschauen, saß Bedauerfrühling nur da und blickte geistesabwesend vor sich hin.
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Frau Li sagte lächelnd zu den anderen: „Lasst sie in Ruhe nachdenken. Wir unterhalten uns inzwischen. Gestern hat die Herzoginmutter befohlen, wir sollten Laternenrätsel machen. Als ich dann mit Prachtamt Pflaume und Muster Pflaume zu Hause war und wir nicht einschlafen konnten, habe ich zwei Rätsel aus den ‚Vier Büchern‘ [Anm.: Die Vier Bücher – Lunyu, Mengzi, Daxue und Zhongyong – Grundtexte des Konfuzianismus] erdacht, und die beiden auch, jede zwei.“
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Alle sagten: „Das ist genau das Richtige. Sag sie uns, wir raten!“ Frau Li sagte lächelnd: „‚Die Göttin Guanyin hat keine Familienchronik.‘ Zu erraten ist eine Stelle aus den Vier Büchern.“
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Xiangji rief sofort: „‚Am Höchsten Guten innehalten‘!“ [Anm.: 在止于至善, aus dem Daxue] Doch Schatzspange sagte lächelnd: „Denk erst darüber nach, was ‚Familienchronik‘ bedeutet, bevor du rätst.“ Frau Li sagte: „Überleg noch einmal.“ Kajaljade lachte: „Ah, ich hab's! Es ist: ‚Gütig, doch ohne Beweis.‘“ [Anm.: 虽善无征, aus dem Zhongyong – Guanyin ist gütig (善), hat aber als Gottheit keine irdische Familiengeschichte als „Beweis“ (征)]
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Alle sagten: „Das ist die richtige Stelle.“
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Frau Li sagte weiter: „‚Ein Teich voll grünem Gras – wie heißt das Gras?‘ Das ist ebenfalls aus den Vier Büchern.“ Xiangji rief eilig: „Das muss ‚Schilf und Rohr‘ sein [Anm.: 蒲芦也, aus den Vier Büchern – Schilf, das im Wasser wächst]. Oder etwa nicht?“
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Frau Li sagte lächelnd: „Das hast du richtig erraten. Muster Pflaumes Rätsel ist: ‚Wasser fließt am Stein vorbei und wird kalt.‘ Zu erraten ist der Name einer Person aus alter Zeit.“ Erkundefrühling fragte lachend: „Ist es Shan Tao?“ [Anm.: 山涛 – „Berg-Welle“, wobei 山 = Stein/Berg und 涛 = Welle/fließendes Wasser kalt]
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Muster Pflaume bestätigte lächelnd: „Ja, richtig.“
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Frau Li fuhr fort: „Prachtamt Pflaumes Rätsel ist das Zeichen ‚Glühwürmchen‘. Zu erraten ist ein einzelnes Schriftzeichen.“ Alle rätselten lange, bis Kostbarzither Schnee lächelnd sagte: „Das ist tiefsinnig! Ist es nicht das Zeichen ‚hua‘ – Blume?“ [Anm.: 花]
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Prachtamt Pflaume bestätigte lächelnd: „Genau richtig.“
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Die anderen fragten: „Was haben Glühwürmchen mit Blumen zu tun?“ Kajaljade erklärte lächelnd: „Das ist höchst scharfsinnig! Glühwürmchen sind doch, wie das Zeichen ‚hua‘ besagt, ‚aus Gras verwandelt‘.“ [Anm.: Das Zeichen 花 (hua = Blüte) enthält das Radikal 艹 (Gras) und 化 (verwandeln). Nach alter chinesischer Vorstellung entstehen Glühwürmchen (萤 = ying) durch Verwandlung (化) aus Gras (草).]
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Alle verstanden und sagten lachend: „Gut!“
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Schatzspange wandte ein: „Die Rätsel sind zwar gut, aber sie treffen nicht den Geschmack der Herzoginmutter. Wir sollten lieber einfache, alltagsnahe Dinge nehmen, an denen Edle wie Einfache gleichermaßen Freude haben können.“
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Alle stimmten zu: „Ja, vertraute Alltagsdinge müssen es sein.“
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Xiangji meldete sich lachend: „Ich habe eins nach dem Lied-Tonmuster ‚Die roten Lippen betupfen‘ [Anm.: 点绛唇, ein Ci-Tonmuster] gedichtet. Es ist etwas ganz Gewöhnliches – versucht es zu raten!“ Und sie rezitierte:
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    Den Tälern und Bächen entrissen,
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    tollt es durch den Staub dieser Welt.
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    Doch was für ein Sinn?
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    Ruhm und Reichtum sind nur eitel,
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    hinten folgt nichts mehr nach.
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Niemand konnte es lösen. Nach langem Überlegen glaubten die einen, es sei ein buddhistischer Mönch, andere meinten einen daoistischen Priester, wieder andere eine Marionette. Schatzjade lachte nur und sagte schließlich: „Alles falsch! Es muss ein dressierter Affe sein.“ [Anm.: Der Affe stammt aus Bergen und Tälern (溪壑分离), tollt in der Menschenwelt umher, Ruhm und Gewinn sind ihm egal – und „hinten folgt nichts mehr nach“ bezieht sich auf den abgeschnittenen Schwanz.]
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Xiangji bestätigte lachend: „Genau, der ist es.“
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„Die ersten Sätze passen“, sagten die anderen, „aber wie erklärt sich der letzte?“ Xiangji fragte zurück: „Gibt es dressierte Affen, denen nicht der Schwanz abgehackt worden ist?“ Alle lachten und meinten: „Selbst beim Rätselmachen ist sie noch so absonderlich.“
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Frau Li sagte: „Kostbarzither Schnee, deine Tante hat erzählt, du hast viel gesehen und bist viel gereist. Da solltest du unbedingt auch Rätsel machen, zumal du gut dichtest – gib sie uns zum Raten auf!“
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Kostbarzither Schnee nickte lächelnd und ging beiseite, um nachzudenken. Da hatte auch Schatzspange ein Rätsel fertig und rezitierte:
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    Stockwerk auf Stockwerk aus edelstem Holz,
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    doch kein Meister hat es erbaut.
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    Und mag der Wind auch noch so blasen –
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    kein Dachglöckchen setzt er in Gang.
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    – Welches Ding ist gemeint?
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 +
Während alle noch rätselten, ließ auch Schatzjade sich vernehmen:
  
Ehe noch Kirsche und Pfirsich blühn,
+
    Unendlich fern sind Himmel und Erde,
Lacht sie im Ostwind trotz Schnee und Frost.
+
    nach dem Jadelattich-Fest ist Vorsicht geboten.
Nach Yü-lingfühle ich mich versetzt,
+
    Auf den Ruf von Phönix und Kranich muss man achten
oder ist das die Fee von Luo-fu?
+
    und schluchzend die Antwort zum Himmel senden.
Rot glühen Kerzen im grünen Kelch,
 
von Schnee wie von Geistern umwoben.
 
Das ist kein Baum wie andere auch,
 
blüht er nun rosa, blüht er nun rot.
 
  
‚Lob der roten Aprikosenblüte
+
Kajaljade hatte ebenfalls ein Rätsel erdacht und trug es vor:
Li Wën
 
  
Rote Blüten, euch will ich preisen,
+
    Was braucht das edle Ross noch seidene Zügel,
die im Winter schon schmeicheln dem Blick.
+
    wenn es wild um Stadt und Graben jagt?
Blütengesichter, blutüberströmt,
+
    Auf einen Wink des Herrn fährt es wie Blitz und Donner
wenn ihr welkt, zeigt ihr kein Bedauern.
+
    und steht allein berühmt auf dem Rücken der Riesenschildkröte.
Farbe verlieh euch Feenmedizin,
 
fern am Jadeteichwart ihr zu Hause.
 
Blüht ihr, möchte ich die Bienen warnen:
 
Vertraut nicht dem Aprikosenbaum!‘
 
  
‚Lob der roten Aprikosenblüte
+
Erkundefrühling hatte gleichfalls ein Rätsel fertig und wollte es gerade vortragen, als Kostbarzither Schnee lächelnd herantrat und sagte: „Unter den Orten, die ich von klein auf besucht habe, waren auch viele historische Stätten. Ich habe zehn davon ausgewählt und zu jeder ein Erinnerungsgedicht verfasst. Meine Verse sind zwar grob, aber sie erinnern an vergangene Ereignisse, und in jedem Gedicht ist ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand verborgen. Liebe Schwestern, versucht sie zu erraten!“
Hsüä Bau-tjin
 
  
Spärliche Zweige, üppiges Blühn,
+
Alle sagten: „Das ist geschickt gemacht! Warum schreibst du sie nicht auf, damit alle sie lesen können?“
ein Baum wie im Festtagsgewande.
 
Kein Schnee, der im Höfchen liegenblieb,
 
Morgenrot über Fluß und Bergen.
 
Die Knospen träumen beim Flötenklang,
 
ihr Duft scheint dem Feenreich entstiegen.
 
Der Jadeplattformentstammt dieser Baum,
 
wie hätte er sonst solche Blüten!‘
 
Alle äußerten lächelnd ihr Lob darüber und bezeichneten das letzte Gedicht als das beste. Bau-yü war zutiefst darüber verwundert, daß Bau-tjin als die Jüngste so einen wachen Geist hatte. Dai-yü und Hsiang-yün aber füllten einen kleinen Becher mit Wein und beglückwünschten Bau-tjin, indem sie ihr den Becher reichten. Lächelnd sagte Bau-tschai: „Jedes der drei Gedichte hat seine Vorzüge. Bisher habt ihr beide euch Tag für Tag bis zum Überdruß über mich lustig gemacht, jetzt kommt wohl sie an die Reihe?“
 
„Hast du dein Gedicht fertig?“ wandte sich Li Wan an Bau-yü.
 
„Ich hatte schon etwas“, sagte Bau-yü rasch, „aber als ich die drei Gedichte las, habe ich es vor Staunen vergessen. Laß mich nachdenken!
 
Als Hsiang-yün das hörte, griff sie nach einem Messingschürhaken, schlug damit an ihr Handöfchen und erklärte lächelnd: „Ich schlage die Trommel, und wenn du beim letzten Trommelschlag nicht fertig bist, bekommst du noch eine Strafe!“
 
„Ich habe es schon wieder“, beschwichtigte Bau-yü sie mit einem Lächeln.
 
„Dann sprich, und ich schreibe!“ forderte Dai-yü ihn auf und griff zum Schreibpinsel.
 
Hsiang-yün schlug mit dem Schürhaken zu und verkündete: „Der erste Schlag!“
 
„Aber ich habe es ja schon“, sagte Bau-yü lächelnd. „Schreib nur!“
 
Alle hörten, wie er sprach:
 
„Eh‘ noch das Trinken, das Dichten beginnt, ...“
 
Dai-yü schrieb und schüttelte den Kopf dabei. „Als Anfang ist das nichts Besonderes“, kommentierte sie lächelnd.
 
„Schneller!“ drängte Hsiang-yün.
 
Und lächelnd fuhr Bau-yü fort:
 
„Such ich den Frühling im Feenland Pëng-lai.“
 
Dai-yü und Hsiang-yün nickten und sagten lächelnd: „Das ist schon besser.“
 
Wieder fuhr Bau-yü fort:
 
„Doch will ich nicht Tau aus der Guan-yin Krug,allein einen Zweig von der Göttin Tor.“
 
Dai-yü schrieb und schüttelte wieder den Kopf, wobei sie sagte: „Ein Zufallstreffer!“
 
Rasch mahnte Hsiang-yün mit einem zweiten Trommelschlag zur Eile, und Bau-yü deklamierte weiter:
 
„Purpurne Wolken und blutroten Schnee
 
bring mit ich zurück in die Menschenwelt.
 
Doch niemand dauert‘s, scheint‘s, daß ich friere,
 
und daß befleckt mein Kleid grün mit Moos.“
 
Als Dai-yü eben zu Ende geschrieben hatte und alle beginnen wollten, das Gedicht zu besprechen, kamen ein paar Sklavenmädchen hereingestürzt und meldeten: „Die alte gnädige Frau kommt!“
 
Sofort gingen alle hinaus, um die Herzoginmutter zu empfangen, wobei sie sich lächelnd fragten: „Wie kommt es wohl, daß sie so in Stimmung ist?“ Bei diesen Worten erblickten sie die Herzoginmutter in der Ferne. In einen weiten Umhang gehüllt und mit einer warmen Mütze aus Eichhörnchenfell auf dem Kopf, saß sie in einem leichten Bambustragstuhl und hielt einen Schirm aus ölgetränkter schwarzer Seide in der Hand. Neben ihr gingen fünf oder sechs Sklavenmädchen, allen voran Yüan-yang und Hu-po. Auch sie trugen jede einen Schirm.
 
Li Wan und alle anderen wollten der Herzoginmutter entgegeneilen, diese aber schickte jemanden vor, um sie aufzuhalten, und ließ ihnen sagen, sie sollten bleiben, wo sie waren. Als sie dann herangekommen war, sagte die Herzoginmutter fröhlich: „Die gnädige Frau und Hsi-fëng wissen nichts davon, daß ich hier bin. Mir macht der tiefe Schnee nichts aus, wenn ich im Tragstuhl sitze, aber wozu sollen die beiden durch den Schnee stapfen!“
 
Alle gaben ihr recht und stürzten zu ihr, um ihr den Umhang abzunehmen und sie beim Aussteigen zu stützen.
 
Als die Herzoginmutter ins Zimmer trat, bemerkte sie als erstes lächelnd: „Welch schöne Aprikosenblüten! Auch ihr versteht es, euch zu vergnügen, hier bin ich richtig!“
 
Während sie das sagte, wurde auf Li Wans Befehl eine große Decke aus Wolfsfell gebracht und die Mitte des Ofenbetts damit gepolstert. Nachdem die Herzoginmutter sich gesetzt hatte, sagte sie lächelnd: „Vergnügt euch nur weiter und eßt und trinkt! Da die Tage jetzt kürzer sind, wage ich keinen Mittagsschlaf mehr zu halten. Ich hatte ein Weilchen Domino gespielt, dann seid ihr mir eingefallen, und ich bin hergekommen, um auch meinen Spaß zu haben.“
 
Inzwischen hatte Li Wan ihr ein Handöfchen gereicht, Tan-tschun aber brachte ihr Becher und Eßstäbchen, goß mit eigener Hand heißen Wein ein und reichte ihn ihr. Die Herzoginmutter trank einen Schluck, dann fragte sie: „Was ist das dort auf dem Teller?“
 
Rasch reichte man ihr den Teller und gab Auskunft: „Das sind marinierte Wachteln.“
 
„Aha“, sagte die Herzoginmutter. „Reißt mir ein oder zwei Keulchen davon ab!“
 
„Jawohl!“ sagte Li Wan sogleich, ließ sich Wasser bringen, um sich die Hände zu waschen, und zerlegte dann selbst das Geflügel.
 
„Nehmt wieder Platz und unterhaltet euch weiter, ich höre zu!“ forderte die Herzoginmutter sie nun auf. „Auch du mußt dich setzen!“ befahl sie Li Wan. „Macht es genau so, wie es war, ehe ich gekommen bin, dann ist es recht. Sonst aber gehe ich wieder!“
 
Nun setzten sich alle der Rangfolge gemäß wieder hin, nur Li Wan rutschte auf den untersten Platz.
 
„Was habt ihr getrieben?“ erkundigte sich die Herzoginmutter.
 
„Wir haben Gedichte gemacht“, wurde ihr geantwortet.
 
„Besser wäre es, ein paar Laternenrätsel zu machen, mit denen wir uns im Neujahrsmonat vergnügen können“, schlug die Herzoginmutter vor.
 
Alle sagten jawohl, und nachdem sie noch ein Weilchen geplaudert hatten, stellte die Herzoginmutter fest: „Hier ist es feucht. Bleibt nicht zu lange sitzen, damit ihr euch nicht verkühlt!“ Dann setzte sie hinzu: „Drüben bei Hsi-tschun ist es wärmer. Sehen wir doch einmal nach, ob sie mit dem Bild bis zu Neujahr fertig wird!“
 
„Bis Neujahr?“ fragten die Mädchen. „Nächstes Jahr zum Drachenbootfestwird das Bild wohl fertig sein.“
 
„Ist denn das die Möglichkeit?“ wunderte sich die Herzoginmutter. „Da braucht sie ja länger, als es gedauert hat, den Garten zu bauen!“
 
Nach diesen Worten nahm sie wieder auf ihrem Bambustragstuhl Platz, während die anderen neben oder hinter ihr gingen. Am Kiosk des Lotoswurzelduftes betraten sie einen in Mauern gefaßten Gang, der im Osten und Westen jeweils an einem Tor zur Straße endete. An jedem Torgebäude war innen und außen je eine Steinplatte mit einer Inschrift eingelassen. Am Westtor, das sie jetzt durchschritten, standen außen die beiden Schriftzeichen „Durch die Wolken“, innen aber die beiden Schriftzeichen „Über den Mond“.
 
Nachdem sie den Gang betreten hatten, kamen sie durch ein weiteres Tor, das nach Süden führte. Hier stieg die Herzoginmutter aus ihrem Tragstuhl, und schon kam ihr Hsi-tschun zur Begrüßung entgegen. Durch einen überdachten Wandelgang gelangten sie bis zu ihrem Schlafzimmer. Über der Tür prangte die Inschrift „Gehege der Warmen Düfte“. Schon wurde der Türvorhang aus scharlachrotem Filz von mehreren Händen zurückgeschlagen, und man konnte einen warmen Duft wahrnehmen, der einem von drinnen entgegenschlug.
 
Als alle eingetreten waren, dachte die Herzoginmutter nicht daran, sich hinzusetzen, und fragte nur: „Wo ist das Bild?“
 
Lächelnd berichtete Hsi-tschun: „Die Leimfarben gerinnen bei dieser Kälte, anstatt zu fließen. Ich hatte Angst, das Bild zu verderben, darum habe ich es weggetan.“
 
„Aber zu Neujahr will ich es haben“, beharrte die Herzoginmutter lächelnd, „also mach keine Ausflüchte, hol es hervor und mal weiter!“
 
Ehe sie noch aussprechen konnte, trat plötzlich Hsi-fëng lachend in den Raum. Sie trug ein Gewand aus rotem Wollstoff, das mit Lammfell gefüttert war. „Ihr seid heimlich hierher gegangen, alte Ahne, ohne einem Menschen davon zu sagen. Da konnte ich schön nach Euch suchen!“ beklagte sie sich.
 
„Ich hatte Angst, ihr würdet frieren, darum habe ich nicht erlaubt, daß man euch Bescheid sagt“, erwiderte die Herzoginmutter, die sich natürlich darüber freute, daß Hsi-fëng gekommen war. „Aber du bist wirklich ein Schlaufuchs, daß du mich hier gefunden hast. Dabei ist das eigentlich nicht der Sinn der kindlichen Ehrerbietung.“
 
„Ich habe Euch ja nicht aus kindlicher Ehrerbietung gesucht“, gab Hsi-fëng zurück. „Als ich in Eure Räume kam, war es dort mucksmäuschenstill. Ich fragte die kleinen Sklavenmädchen, aber sie wollten mir nichts sagen und haben mich nur in den Garten geschickt. Während ich so noch im Zweifel war, kamen plötzlich ein paar Nonnen, und da wurde mir klar: Die Nonnen kommen doch, um die Neujahrsgebete zu bringen und die Jahreszuwendungen und Weihrauchspenden zu holen, und weil Ihr zum Jahresende viel zu tun habt, wolltet Ihr Euch bestimmt vor diesen Gläubigern drücken.
 
Also fragte ich sofort die Nonnen, und es stellte sich heraus, daß ich Recht hatte. Darum gab ich ihnen schnell die Jahreszuwendungen und komme jetzt, um Euch zu melden, daß die Gläubiger fort sind und Ihr Euch nicht länger versteckt halten müßt. Außerdem hat man einen zarten Fasan für Euch zubereitet, und Ihr müßt bitte zu Abend essen gehen. Wenn Ihr noch zögert, wird er hart und trocken.“
 
Alle hatten gelacht, während Hsi-fëng das vortrug.
 
Nun befahl Hsi-fëng, ohne auf eine Erwiderung der Herzoginmutter zu warten, man solle den Tragstuhl bringen. Lächelnd nahm die Herzoginmutter darauf Platz, wobei sie sich von Hsi-fëng stützen ließ. Von allen begleitet und mit ihnen plaudernd, wurde sie zurück durch den Gang zwischen den Mauern und durch das östliche Tor getragen. Ringsum sah alles aus wie weiß überpudert, wie aus Silber geformt. Dann erschien plötzlich auf dem Berghang Bau-tjin mit ihrem Entenfederumhang, und hinter ihr trug ein Sklavenmädchen eine Vase mit einem rotblühenden Aprikosenzweig.
 
  
Aus: Chengjiaben 1791.
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Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.
„Deshalb also fehlten die beiden!“ sagten die Mädchen lächelnd. „Sie hat sich auch einen Zweig verschafft und wartet jetzt auf uns.“
 
„Woran erinnert euch das?“ fragte die Herzoginmutter fröhlich. „Der Berg, das Mädchen in dieser Kleidung und die Aprikosenblüten?“
 
„An Tjiu Yings Bild ‚Zwei Schönheiten‘, das in Euren Räumen hängt“, antworteten alle lächelnd.
 
Aber die Herzoginmutter schüttelte den Kopf. „Das Mädchen auf dem Bild ist nicht so gekleidet“, sagte sie, „und so schön ist sie auch nicht.“ Während sie das eben sagte, sah sie, wie jemand in einem dunkelroten Filzumhang hinter Bau-tjin zum Vorschein kam. „Was ist das noch für ein Mädchen?“ erkundigte sie sich.
 
„Wir sind alle hier“, antworteten die Mädchen. „Das ist Bau-yü.“
 
„Mir flimmert es immer mehr vor den Augen“, klagte die Herzoginmutter lächelnd.
 
Inzwischen waren sie bei den beiden angekommen, und es waren wirklich Bau-tjin und Bau-yü.
 
Lächelnd berichtete Bau-yü, an Bau-tschai, Dai-yü und die anderen gewandt: „Eben war ich noch einmal im Kloster Gefangenes Grün, und Miau-yü hat jeder von euch einen Zweig Aprikosenblüten geschenkt. Ich habe die Zweige schon austragen lassen.“
 
„Vielen Dank für die Mühe!“ sagten die Mädchen strahlend.
 
Über diesem Gespräch hatten sie den Garten schon verlassen und waren in die Räume der Herzoginmutter gelangt. Nach dem Essen blieben alle noch zusammen, um ein Weilchen zu plaudern, als plötzlich auch Tante Hsüä erschien.
 
„Was für ein Schnee!“ sagte sie. „Ich bin den ganzen Tag nicht herübergekommen, um Euch meine Aufwartung zu machen, alte gnädige Frau. Ihr seid wohl heute nicht in Stimmung? Ihr hättet hinausgehen sollen, um die Schneelandschaft zu bewundern!“
 
„Warum sollte ich nicht in Stimmung sein?“ fragte die Herzoginmutter. „Ich habe die Mädchen besucht und mich bei ihnen vergnügt.“
 
„Gestern abend hatte ich vor, die gnädige Frau zu bitten, mir heute für einen Tag den Garten zu überlassen, um ein paar Tische mit einfachem Wein herzurichten und Euch dann einzuladen, den Anblick des Schnees zu genießen“, erklärte Tante Hsüä. „Aber dann erfuhr ich, Ihr hättet Euch früh zur Ruhe begeben, und meine Tochter sagte, Euch sei nicht wohl gewesen.  
 
  
Hsüä Bau-tjin. Aus: Gai Qi 1879.
+
== Anmerkungen ==
Deshalb habe ich heute nicht gewagt, Euch zu belästigen. Hätte ich eher gewußt, wie es war, hätte ich Euch wirklich einladen sollen.“
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<references />
Lächelnd erwiderte die Herzoginmutter: „Jetzt ist erst der zehnte Monat, und wir haben gerade den ersten Schnee. Es wird noch öfter schneien, dann ist es immer noch früh genug, Geld zu verschwenden.“
 
„So ist es“, bestätigte Tante Hsüä. „Es soll ein Beweis meiner kindlichen Ehrerbietung sein.“
 
„Seht nur zu, daß Ihr es nicht vergeßt, Frau Tante“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Laßt nur schon heute fünfzig Liang Silber abwiegen und gebt sie mir zur Aufbewahrung. Sobald es dann schneit, lasse ich Wein und Zuspeisen herrichten. So erspart Ihr Euch die Umstände, und vergessen wird es auch nicht.“
 
„Am besten, Ihr gebt ihr die fünfzig Liang Silber, und ich teile mit ihr, so daß jeder fünfundzwanzig bekommt“, scherzte die Herzoginmutter. „Wenn es dann schneit, lasse ich mich wegen Unpäßlichkeit entschuldigen, und die Sache verläuft im Sande. So habt Ihr überhaupt keine Umstände, ich jedoch erziele mit Hsi-fëng einen echten Gewinn.“
 
Lachend klatschte Hsi-fëng in die Hände und verriet: „Genau das war mein Plan!“
 
Alle lachten, die Herzoginmutter aber sagte lächelnd: „Pfui, du Schamlose! Das wäre natürlich nach deinem Sinn! Aber nicht nur, daß die Frau Tante als unser Gast nicht gekränkt werden darf, sind wir es, die sie einladen müßten. Wie können wir sie für uns Geld ausgeben lassen! Doch anstatt das zu sagen, besitzt du noch die Frechheit, fünfzig Liang Silber im Voraus von ihr zu verlangen. Du hast wirklich keine Scham im Leibe!“
 
„Unsere alte Ahne hat wahrhaftig einen scharfen Blick“, erwiderte Hsi-fëng. „Sie wollte es einfach probieren. Wenn die Frau Tante nachgiebig gewesen wäre und die fünfzig Liang herausgerückt hätte, dann hätte sie mit mir halbe-halbe gemacht. Aber weil abzusehen war, daß es schiefgeht, machte sie eine Kehrtwendung und hat mich mit großen Worten heruntergeputzt.
 
Jetzt werde ich nicht mehr Silber von der Frau Tante verlangen, sondern ihr Silber geben, damit sie Euch davon bewirtet, alte Ahne. Außerdem werde ich Euch weitere fünfzig Liang Silber verehren als Strafe dafür, daß ich mich um Dinge gekümmert habe, die mich nichts angehen. Ist es so recht?“
 
Noch ehe sie ausgeredet hatte, warfen sich schon alle vor Lachen auf das Ofenbett.
 
Dann schilderte die Herzoginmutter, wie Bau-tjin im Schnee mit dem Blütenzweig aufgetaucht war und dabei schöner als ein Bild ausgesehen hatte. Anschließend wollte sie die acht Schriftzeichen für Jahr, Monat, Tag und Stunde ihrer Geburt wissenund erkundigte sich nach ihren Familienverhältnissen.
 
Tante Hsüä konnte sich denken, daß die Herzoginmutter die Absicht hatte, Bau-tjin zu Bau-yüs Frau zu machen, und sie wäre durchaus damit einverstanden gewesen, wenn Bau-tjin nicht bereits mit dem Sohn der Mees verlobt gewesen wäre. Aber weil sich die Herzoginmutter nicht klar darüber geäußert hatte, konnte sie auch nicht direkt darauf eingehen und mußte einen Umweg wählen.
 
„Das Mädchen hat kein Glück“, sagte sie. „Vorvoriges Jahr ist ihr Vater gestorben. Solange er noch lebte, hat sie ein tüchtiges Stück von der Welt gesehen. Die vier großen Gebirge und die Fünf heiligen Bergehat sie mit ihren Eltern besucht. Ihr Vater verstand es, das Leben zu genießen, und da er in allen Gegenden Handel trieb, hat er mit seiner Familie mal hier ein Jahr verbracht und mal dort sechs Monate, so daß sie das Reich zu fünf oder sechs Zehnteln gesehen haben. Dabei hat er das Mädchen seinerzeit hier mit dem Sohn eines Mitglieds der Kaiserlichen Akademie namens Mee verlobt, und ausgerechnet im Jahr darauf mußte er sterben. Die Mutter des Mädchens aber leidet an Asthma...“
 
„Schade!“ mischte sich Hsi-fëng mit Seufzen und Fußaufstampfen ein, ohne das Ende der Rede abzuwarten. „Ich wollte mich als Heiratsvermittlerin anbieten, und nun ist sie schon verlobt.“
 
„Für wen wolltest du denn um sie werben?“ fragte die Herzoginmutter lächelnd.
 
„Fragt nicht danach, alte Ahne!“ erwiderte Hsi-fëng. „Ich bin sicher, daß die beiden ein Paar ergeben hätten. Aber da sie nun einmal verlobt ist, hat es keinen Sinn, darüber zu sprechen. Darum ist es das beste, wir lassen das Thema!“
 
Die Herzoginmutter wußte, wen Hsi-fëng im Sinn gehabt hatte, aber da sie gehört hatte, Bau-tjin sei bereits verlobt, ließ sie die Sache fallen.
 
Jetzt plauderten alle noch ein Weilchen, ehe sie endlich auseinandergingen. Von der Nacht ist nichts zu berichten.
 
Am nächsten Tag klarte es auf. Nach dem Essen gab die Herzoginmutter selbst Hsi-tschun den Auftrag: „Mal weiter, egal ob es kalt oder warm ist, und werde zu Neujahr fertig damit! Wenn es natürlich überhaupt nicht geht, dann mußt du es bleibenlassen. Aber das Allerwichtigste ist jetzt, daß du Bau-tjin und ihr Mädchen mit dem Blütenzweig haargenau so, wie wir es gestern gesehen haben, rasch mit auf das Bild bringst.“
 
Dieser Auftrag brachte Hsi-tschun zwar in Verlegenheit, aber notgedrungen mußte sie es versprechen. Als bald darauf alle zu ihr kamen, um zu sehen, wie sie malte, blickte Hsi-tschun geistesabwesend vor sich hin.
 
„Laßt sie nur in Ruhe nachdenken!“ wandte Li Wan sich an die übrigen. „Wir aber wollen uns unterhalten! Gestern hat die alte gnädige Frau befohlen, wir sollten uns Laternenrätsel ausdenken, und als ich mit Tji und Wën zu Hause war und wir nicht einschlafen konnten, habe ich mir zwei Rätsel zu den Vier Büchernausgedacht, und sie genauso.“
 
„Richtig!“ sagten die anderen. „Die Rätsel! Sag uns deine, damit wir sie raten!“
 
Lächelnd sagte Li Wan: „Die Göttin Guan-yin hat keine Familienchronik. Die Auflösung ist eine Stelle aus den Vier Büchern.“
 
„‚Schluß ist mit dem Allerbesten‘?“ riet Hsiang-yün sofort.
 
Aber lächelnd empfahl ihr Bau-tschai: „Denk nach, was eine Familienchronik besagt, ehe du rätst!“ Und auch Li Wan forderte sie auf: „Denk noch einmal nach!“
 
„Oh, das muß es sein“, sagte Dai-yü lächelnd. „‚Gütig, doch ohne Beweis.‘“
 
„Das ist die richtige Stelle“, bestätigten alle lächelnd.
 
„Grün bewächst damit der Teich, was ist das?“ fragte Li Wan weiter.
 
„Das ist bestimmt ‚Schilf und Rohr‘, was sonst?“ beeilte sich Hsiang-yün mit einer Antwort.
 
„Diesmal hast du es erraten“, erklärte Li Wan lächelnd. „Ratet jetzt Wëns Rätsel: ‚Kalt fließt das Wasser am Fels.‘ Herauskommen soll der Name einer Person aus alter Zeit.“
 
„Ist es Schan Tau?“ fragte Tan-tschun lächelnd.
 
„Richtig“, gab Li Wën zu und lächelte ebenfalls.
 
„Tjis Rätsel ist ein Glühwürmchen. Zu erraten ist ein Schriftzeichen“, fuhr Li Wan fort.
 
Alle rätselten lange daran herum, ehe Bau-tjin lächelnd sagte: „Das ist tiefsinnig! Ist es nicht das Schriftzeichen hua – ‚Blume‘?“
 
„Genau!“ bestätigte Li Tji lächelnd.
 
„Was hat ein Glühwürmchen mit Blumen zu tun?“ fragten die anderen.
 
„Das ist höchst scharfsinnig“, erklärte Dai-yü, „sind nicht Glühwürmchen, wie das Schriftzeichen hua besagt, ‚aus Gras verwandelt‘?“
 
Jetzt verstanden auch die anderen und sagten, das Rätsel sei gut.
 
„Die Rätsel sind wohl gut, aber sie treffen nicht den Geschmack der alten gnädigen Frau“, wandte Bau-tschai ein. „Wir müssen uns welche ausdenken, in denen es um einfache und naheliegende Alltagsdinge geht und an denen Edle wie Profane gleichermaßen Freude haben.“
 
Lächelnd bestätigten die anderen: „Ja, vertraute Alltäglichkeiten müssen es sein.“
 
„Ich habe eins nach dem Tonmuster ‚Die roten Lippen betupfen‘“, meldete Hsiang-yün sich zu Wort. „Es ist etwas Alltägliches, versucht es zu erraten!“ Und sie rezitierte:
 
„Den Tälern, den Bächen entrissen,
 
tollt es einher im Staub dieser Welt.
 
Doch wo liegt der Sinn?
 
Gewinn wie auch Ruhm sind nur eitel,
 
nichts folgt mehr hinten ihm nach.“
 
Keiner vermochte, das Rätsel zu lösen. Nach langem Überlegen glaubten die einen, es sei ein buddhistischer Mönch oder ein dauistischer Priester, während andere meinten, es müsse eine Marionette sein. Bau-yü aber lächelte nur darüber und sagte schließlich: „Alles falsch! Ich glaube, es muß bestimmt ein dressierter Affe sein.“
 
„Richtig, der ist es“, erklärte Hsiang-yün.
 
„Schön, die ersten Sätze sind klar, aber was soll der letzte bedeuten?“ fragten die anderen.
 
„Gibt es vielleicht dressierte Affen, denen nicht der Schwanz abgeschnitten ist?“ fragte Hsiang-yün zurück.
 
Alle lachten darüber und meinten dann, selbst beim Rätselmachen komme Hsiang-yün noch auf die absonderlichsten Gedanken.
 
Inzwischen sagte Li Wan: „Bau-tjin, wie deine Tante gestern erzählte, hast du viel gesehen und bist viel gereist, da mußt du dir auch ein paar Rätsel ausdenken, zumal du gut dichten kannst, und dann gibst du sie uns zum Raten auf!“
 
Bau-tjin nickte lächelnd und ging beiseite, um nachzudenken. Da hatte auch Bau-tschai ein Rätsel fertig und rezitierte:
 
„Stockwerk für Stockwerk aus edelstem Holz,
 
jedoch war kein Meister daran zu Werk.
 
Und mag der Wind auch noch so sehr blasen,
 
ein Dachglöckchen setzt er hier nicht in Gang.“
 
Während alle noch mit Raten beschäftigt waren, ließ auch Bau-yü sich vernehmen:
 
„Endlos fern ist der Himmel der Erde,darum ist Vorsicht hier erstes Gebot.
 
Hör nur gut auf den Kranich, den Phönix,
 
schluchz die Antwort hinauf in das Blau!“
 
Dai-yü hatte ebenfalls ein Rätsel erdacht und trug es vor:
 
„Was braucht der Renner noch seid‘ne Zügel,eilt er nicht wild genug rings um die Stadt?
 
Er rast wie ein Blitz auf Wink seines Herrn,
 
Und so genießt er auch einsamen Ruhm.“
 
Tan-tschun hatte gleichfalls ein Rätsel fertig und wollte es jetzt hersagen, aber da trat Bau-tjin eben wieder heran und sagte lächelnd: „Unter den Orten, die ich von klein auf besucht habe, waren auch viele historische Stätten. Ich habe zehn davon ausgewählt und je ein Gedicht darüber gemacht. Zwar sind meine Verse grob, aber sie erinnern an Ereignisse der Vergangenheit, und in jedem Gedicht ist ein alltäglicher Gegenstand zu erraten. Versucht es einmal!“
 
„Das ist geschickt gemacht!“ lobten die anderen. „Aber warum willst du die Gedichte nicht aufschreiben, damit alle sie lesen können?“
 
Wer wissen will, wie es weiterging, ...
 
 
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Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 91 · 101 · 111

中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

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  話說薛寶釵道:「到底分個次序,讓我寫出來。」說著,便令眾人拈鬮為序。(按:此段批語混入正文。)鳳姐兒說道:「既是這樣說,我也說一句在上頭。」眾人都笑說道: 「更妙了!」寶釵便將稻香老農之上補了一個「鳳」字,李紈又將題目講與他聽。鳳姐兒想了半日,笑道:「你們別笑話我。我只有一句粗話,下剩的我就不知道了。」眾人都笑道:「越是粗話越好,你說了只管乾正事去罷。」鳳姐兒笑道:「我想下雪必刮北風。昨夜聽見了一夜的北風,我有了一句,就是『一夜北風緊』,可使得?」眾人聽了,都相視笑道:「這句雖粗,不見底下的,這正是會作詩的起法。不但好,而且留了多少地步與後人。就是這句為首,稻香老農快寫上續下去。」鳳姐和李嬸平兒又吃了兩杯酒,自去了。這裡李紈便寫了:   一夜北風緊,   自己聯道:   開門雪尚飄。入泥憐潔白,   香菱道:   匝地惜瓊瑤。有意榮枯草,   探春道:   無心飾萎苕。價高村釀熟,   李綺道:   年稔府粱饒。葭動灰飛管,   李紋道:   陽回鬥轉杓。寒山已失翠,   岫煙道:   凍浦不聞潮。易掛疏枝柳,   湘雲道:   難堆破葉蕉。麝煤融寶鼎,   寶琴道:   綺袖籠金貂。光奪窗前鏡,   黛玉道:   香粘壁上椒。斜風仍故故,   寶玉道:   清夢轉聊聊。何處梅花笛?   寶釵道:   誰家碧玉簫?鰲愁坤軸陷,   李紈笑道:「我替你們看熱酒去罷。」   寶釵命寶琴續聯,只見湘雲站起來道:   龍鬥陣雲銷。野岸回孤棹,   寶琴也站起道:   吟鞭指灞橋。賜裘憐撫戍,   湘雲那裡肯讓人,且別人也不如他敏捷,都看他揚眉挺身的說道:   加絮念徵徭。拗垤審夷險,   寶釵連聲贊好,也便聯道:   枝柯怕動搖。皚皚輕趁步,   黛玉忙聯道:   剪剪舞隨腰。煮芋成新賞,   一面說,一面推寶玉,命他聯。寶玉正看寶釵、寶琴、黛玉三人共戰湘雲,十分有趣,那裡還顧得聯詩,今見黛玉推他,方聯道:   撒鹽是舊謠。葦蓑猶泊釣,    湘雲笑道:「你快下去,你不中用,倒耽擱了我。」一面只聽寶琴聯道:   林斧不聞樵。伏象千峰凸,   湘雲忙聯道:   盤蛇一徑遙。花緣經冷結,   寶釵與眾人又忙贊好。探春又聯道:   色豈畏霜凋。深院驚寒雀,   湘雲正渴了,忙忙的吃茶,已被岫煙道:   空山泣老鴞。階墀隨上下,   湘雲忙丟了茶杯,忙聯道:   池水任浮漂。照耀臨清曉,   黛玉聯道:   繽紛入永宵。誠忘三尺冷,   湘雲忙笑聯道:   瑞釋九重焦。僵卧誰相問,   寶琴也忙笑聯道:   狂游客喜招。天機斷縞帶,   湘雲又忙道:   海市失鮫綃。   林黛玉不容他出,接著便道:   寂寞對臺榭,   湘雲忙聯道:   清貧懷簞瓢。   寶琴也不容情,也忙道:   烹茶冰漸沸,   湘雲見這般,自為得趣,又是笑,又忙聯道:   煮酒葉難燒。   黛玉也笑道:   沒帚山僧掃,   寶琴也笑道:   埋琴稚子挑。   湘雲笑的彎了腰,忙念了一句,眾人問:「到底說的什麼?」湘雲喊道:   石樓閑睡鶴,   黛玉笑的握著胸口,高聲嚷道:   錦罽暖親貓。   寶琴也忙笑道:   月窟翻銀浪,   湘雲忙聯道:   霞城隱赤標。   黛玉忙笑道:   沁梅香可嚼,   寶釵笑稱好,也忙聯道:   淋竹醉堪調。   寶琴也忙道:   或濕鴛鴦帶,   湘雲忙聯道:   時凝翡翠翹。   黛玉又忙道:   無風仍脈脈,   寶琴又忙笑聯道:   不雨亦瀟瀟。   湘雲伏著已笑軟了。眾人看他三人對搶,也都不顧作詩,看著也只是笑。黛玉還推他往下聯,又道:「你也有才盡之時。我聽聽還有什麼舌根嚼了!」湘雲只伏在寶釵懷裡,笑個不住。寶釵推他起來道:「你有本事,把『二蕭』的韻全用完了,我才伏你。」湘雲起身笑道:「我也不是作詩,竟是搶命呢。」眾人笑道:「倒是你說罷。」探春早已料定沒有自己聯的了,便早寫出來,因說:「還沒收住呢。」李紈聽了,接過來便聯了一句道:   欲志今朝樂,   李綺收了一句道:   憑詩祝舜堯。   李紈道:「夠了,夠了。雖沒作完了韻,剩的字若生扭用了,倒不好了。」說著,大家來細細評論一回,獨湘雲的多,都笑道:「這都是那塊鹿肉的功勞。」   李紈笑道:「逐句評去都還一氣,只是寶玉又落了第了。」寶玉笑道:「我原不會聯句,只好擔待我罷。」李紈笑道:「也沒有社社擔待你的。又說韻險了,又整誤了,又不會聯句了,今日必罰你。我才看見櫳翠庵的紅梅有趣,我要折一枝來插瓶。可厭妙玉為人,我不理他。如今罰你去取一枝來。」眾人都道這罰的又雅又有趣。寶玉也樂為,答應著就要走。湘雲黛玉一齊說道:「外頭冷得很,你且吃杯熱酒再去。」湘雲早執起壺來,黛玉遞了一個大杯,滿斟了一杯。湘雲笑道:「你吃了我們的酒,你要取不來,加倍罰你。」寶玉忙吃一杯,冒雪而去。李紈命人好好跟著。黛玉忙攔說:「不必,有了人反不得了。」李紈點頭說:「是。」一面命丫鬟將一個美女聳肩瓶拿來,貯了水準備插梅,因又笑道:「回來該詠紅梅了。」湘雲忙道:「我先作一首。」寶釵忙道:「今日斷乎不容你再作了。你都搶了去,別人都閑著,也沒趣。回來還罰寶玉,他說不會聯句,如今就叫他自己作去。」黛玉笑道:「這話很是。我還有個主意,方纔聯句不夠,莫若揀著聯的少的人作紅梅。」寶釵笑道:「這話是極。方纔邢李三位屈才,且又是客。琴兒和顰兒雲兒三個人也搶了許多,我們一概都別作,只讓他三個作才是。」李紈因說:「綺兒也不大會作,還是讓琴妹妹作罷。」寶釵只得依允,又道:「就用 『紅梅花』三個字作韻,每人一首七律。邢大妹妹作『紅』字,你們李大妹妹作『梅』字,琴兒作『花』字。」李紈道:「饒過寶玉去,我不服。」湘雲忙道:「有個好題目命他作。」眾人問何題目?湘雲道:「命他就作『訪妙玉乞紅梅』,豈不有趣?」眾人聽了,都說有趣。   一語未了,只見寶玉笑欣欣掮了一枝紅梅進來。眾丫鬟忙已接過,插入瓶內。眾人都笑稱謝。寶玉笑道:「你們如今賞罷,也不知費了我多少精神呢。」說著,探春早又遞過一鐘暖酒來,眾丫鬟走上來接了蓑笠撣雪。各人房中丫鬟都添送衣服來,襲人也遣人送了半舊的狐腋褂來。李紈命人將那蒸的大芋頭盛了一盤,又將朱橘、黃橙、橄欖等物盛了兩盤,命人帶與襲人去。湘雲且告訴寶玉方纔的詩題,又催寶玉快作。寶玉道:「姐姐妹妹們,讓我自己用韻罷,別限韻了。」眾人都說:「隨你作去罷。」   一面說一面大家看梅花。原來這枝梅花只有二尺來高,旁有一橫枝縱橫而出,約有五六尺長,其間小枝分歧,或如蟠螭,或如僵蚓,或孤削如筆,或密聚如林,花 碼 脂,香欺蘭蕙,各各稱賞。誰知邢岫煙、李紋、薛寶琴三人都已吟成,各自寫了出來。眾人便依「紅梅花」三字之序看去,寫道是:

    詠紅梅花得「紅」字 邢岫煙   桃未芳菲杏未紅,沖寒先已笑東風。   魂飛庾嶺春難辨,霞隔羅浮夢未通。   綠萼添妝融寶炬,縞仙扶醉跨殘虹。   看來豈是尋常色,濃淡由他冰雪中。

    詠紅梅花得「梅」字 李紋   白梅懶賦賦紅梅,逞艷先迎醉眼開。   凍臉有痕皆是血,酸心無恨亦成灰。   誤吞丹藥移真骨,偷下瑤池脫舊胎。   江北江南春燦爛,寄言蜂蝶漫疑猜。

    詠紅梅花得「花」字 薛寶琴   疏是枝條艷是花,春妝兒女競奢華。   閑庭曲檻無餘雪,流水空山有落霞。   幽夢冷隨紅袖笛,游仙香泛絳河槎。   前身定是瑤臺種,無復相疑色相差。

  眾人看了,都笑稱贊了一番,又指末一首說更好。寶玉見寶琴年紀最小,才又敏捷,深為奇異。黛玉湘雲二人斟了一小杯酒,齊賀寶琴。寶釵笑道:「三首各有各好。你們兩個天天捉弄厭了我,如今捉弄他來了。」李紈又問寶玉:「你可有了?」寶玉忙道:「我倒有了,才一看見那三首,又嚇忘了,等我再想。」湘雲聽了,便拿了一支銅火箸擊著手爐,笑道:「我擊鼓了,若鼓絕不成,又要罰的。」寶玉笑道:「我已有了。」黛玉提起筆來,說道:「你念,我寫。」湘雲便擊了一下笑道:「一鼓絕。」寶玉笑道:「有了,你寫吧。」眾人聽他念道,「酒未開樽句未裁」,黛玉寫了,搖頭笑道:「起的平平。」湘雲又道「快著!」寶玉笑道: 「尋春問臘到蓬萊。」黛玉湘雲都點頭笑道:「有些意思了。」寶玉又道:「不求大士瓶中露,為乞嫦娥檻外梅。」黛玉寫了,又搖頭道:「湊巧而已。」湘雲忙催二鼓,寶玉又笑道:「入世冷挑紅雪去,離塵香割紫雲來。槎枒誰惜詩肩瘦,衣上猶沾佛院苔。」黛玉寫畢,湘雲大家才評論時,又見幾個丫鬟跑進來道:「老太太來了。」眾人忙迎出來。大家又笑道:「怎麼這等高興!」說著,遠遠見賈母圍了大斗篷,帶著灰鼠暖兜,坐著小竹轎,打著青綢油傘,鴛鴦琥珀等五六個丫鬟,每人都是打著傘,擁轎而來。李紈等忙往上迎,賈母命人止住說:「只在那裡就是了。」來至跟前,賈母笑道:「我瞞著你太太和鳳丫頭來了。大雪地下坐著這個無妨,沒的叫他們來跴雪。」眾人忙一面上前接斗篷,攙扶著,一面答應著。賈母來至室中,先笑道:「好俊梅花!你們也會樂,我來著了。」說著,李紈早命拿了一個大狼皮褥來鋪在當中。賈母坐了,因笑道:「你們只管頑笑吃喝。我因為天短了,不敢睡中覺,抹了一回牌,想起你們來了,我也來湊個趣兒。」李紈早又捧過手爐來,探春另拿了一副杯箸來,親自斟了暖酒,奉與賈母。賈母便飲了一口,問那個盤子里是什麼東西。眾人忙捧了過來,回說是糟鵪鶉。賈母道:「這倒罷了,撕一兩點腿子來。」李紈忙答應了,要水洗手,親自來撕。賈母又道:「你們仍舊坐下說笑我聽。」又命李紈:「你也坐下,就如同我沒來的一樣才好,不然我就去了。」眾人聽了,方依次坐下,這李紈便挪到盡下邊。賈母因問作何事了,眾人便說作詩。賈母道:「有作詩的,不如作些燈謎,大家正月里好頑的。」眾人答應了。說笑了一回,賈母便說:「這裡潮濕,你們別久坐,仔細受了潮濕。」因說:「你四妹妹那裡暖和,我們到那裡瞧瞧他的畫兒,趕年可有了。」眾人笑道:「那裡能年下就有了?只怕明年端陽有了。」賈母道:「這還了得!他竟比蓋這園子還費工夫了。」   說著,仍坐了竹轎,大家圍隨,過了藕香榭,穿入一條夾道,東西兩邊皆有過街門,門樓上裡外皆嵌著石頭匾,如今進的是西門,向外的匾上鑿著「穿雲」二字,向里的鑿著「度月」兩字。來至當中,進了向南的正門,賈母下了轎,惜春已接了出來。從裡邊游廊過去,便是惜春卧房,門斗上有「暖香塢」三個字。早有幾個人打起猩紅氈簾,已覺溫香拂臉。大家進入房中,賈母並不歸坐,只問畫在那裡。惜春因笑回:「天氣寒冷了,膠性皆凝澀不潤,畫了恐不好看,故此收起來。」賈母笑道: 「我年下就要的。你別托懶兒,快拿出來給我快畫。」一語未了,忽見鳳姐兒披著紫羯褂,笑嘻嘻的來了,口內說道:「老祖宗今兒也不告訴人,私自就來了,要我好找。」賈母見他來了,心中自是喜悅,便道:「我怕你們冷著了,所以不許人告訴你們去。你真是個鬼靈精兒,到底找了我來。以理,孝敬也不在這上頭。」鳳姐兒笑道:「我那裡是孝敬的心找了來?我因為到了老祖宗那裡,鴉沒雀靜的,問小丫頭子們,他又不肯說,叫我找到園裡來。我正疑惑,忽然來了兩三個姑子,我心裡才明白。我想姑子必是來送年疏,或要年例香例銀子,老祖宗年下的事也多,一定是躲債來了。我趕忙問了那姑子,果然不錯。我連忙把年例給了他們去了。如今來回老祖宗,債主已去,不用躲著了。已預備下希嫩的野雞,請用晚飯去,再遲一回就老了。」他一行說,眾人一行笑。   鳳姐兒也不等賈母說話,便命人抬過轎子來。賈母笑著,攙了鳳姐的手,仍舊上轎,帶著眾人,說笑出了夾道東門。一看四麵粉妝銀砌,忽見寶琴披著鳧靨裘站在山坡上遙等,身後一個丫鬟抱著一瓶紅梅。眾人都笑道:「少了兩個人,他卻在這裡等著,也弄梅花去了。」賈母喜的忙笑道:「你們瞧,這山坡上配上他的這個人品,又是這件衣裳,後頭又是這梅花,象個什麼?」眾人都笑道:「就象老太太屋裡掛的仇十洲畫的《雙艷圖》。」賈母搖頭笑道:「那畫的那裡有這件衣裳?人也不能這樣好!」一語未了,只見寶琴背後轉出一個披大紅猩氈的人來。賈母道:「那又是那個女孩兒?」眾人笑道:「我們都在這裡,那是寶玉。」賈母笑道: 「我的眼越發花了。」說話之間,來至跟前,可不是寶玉和寶琴。寶玉笑向寶釵黛玉等道:「我才又到了櫳翠庵。妙玉每人送你們一枝梅花,我已經打發人送去了。」眾人都笑說:「多謝你費心。」   說話之間,已出了園門,來至賈母房中。吃畢飯大家又說笑了一回。忽見薛姨媽也來了,說:「好大雪,一日也沒過來望候老太太。今日老太太倒不高興?正該賞雪才是。」賈母笑道:「何曾不高興!我找了他們姊妹們去頑了一會子。」薛姨媽笑道:「昨日晚上,我原想著今日要和我們姨太太借一日園子,擺階來志,請老太太賞雪的,又見老太太安息的早。我聞得女兒說,老太太心下不大爽,因此今日也沒敢驚動。早知如此,我正該請。」賈母笑道:「這才是十月裡頭場雪,往後下雪的日子多呢,再破費不遲。」薛姨媽笑道:「果然如此,算我的孝心虔了。」鳳姐兒笑道:「姨媽仔細忘了,如今先秤五十兩銀子來,交給我收著,一下雪,我就預備下酒,姨媽也不用操心,也不得忘了。」賈母笑道:「既這麼說,姨太太給他五十兩銀子收著,我和他每人分二十五兩,到下雪的日子,我裝心裡不快,混過去了,姨太太更不用操心,我和鳳丫頭倒得了實惠。」鳳姐將手一拍,笑道:「妙極了,這和我的主意一樣。」眾人都笑了。賈母笑道:「呸!沒臉的,就順著竿子爬上來了!你不該說姨太太是客,在咱們家受屈,我們該請姨太太才是,那裡有破費姨太太的理!不這樣說呢,還有臉先要五十兩銀子,真不害臊!」鳳姐兒笑道:「我們老祖宗最是有眼色的,試一試,姨媽若松呢,拿出五十兩來,就和我分。這會子估量著不中用了,翻過來拿我做法子,說出這些大方話來。如今我也不和姨媽要銀子,竟替姨媽出銀子治了酒,請老祖宗吃了,我另外再封五十兩銀子孝敬老祖宗,算是罰我個包攬閑事。這可好不好?」話未說完,眾人已笑倒在炕上。   賈母因又說及寶琴雪下折梅比畫兒上還好,因又細問他的年庚八字並家內景況。薛姨媽度其意思,大約是要與寶玉求配。薛姨媽心中固也遂意,只是已許過梅家了,因賈母尚未明說,自己也不好擬定,遂半吐半露告訴賈母道:「可惜這孩子沒福,前年他父親就沒了。他從小兒見的世面倒多,跟他父母四山五嶽都走遍了。他父親是好樂的,各處因有買賣,帶著家眷,這一省逛一年,明年又往那一省逛半年,所以天下十停走了有五六停了。那年在這裡,把他許了梅翰林的兒子,偏第二年他父親就辭世了,他母親又是痰症。」鳳姐也不等說完,便嗐聲跺腳的說:「偏不巧,我正要作個媒呢,又已經許了人家。」賈母笑道:「你要給誰說媒?」鳳姐兒說道:「老祖宗別管,我心裡看準了他們兩個是一對。如今已許了人,說也無益,不如不說罷了。」賈母也知鳳姐兒之意,聽見已有了人家,也就不提了。大家又閑話了一會方散。一宿無話。   次日雪晴。飯後,賈母又親囑惜春:「不管冷暖,你只畫去,趕到年下,十分不能便罷了。第一要緊把昨日琴兒和丫頭梅花,照模照樣,一筆別錯,快快添上。」惜春聽了雖是為難,只得應了。一時眾人都來看他如何畫,惜春只是出神。李紈因笑向眾人道:「讓他自己想去,咱們且說話兒。昨兒老太太只叫作燈謎,回家和綺兒紋兒睡不著,我就編了兩個『四書』的。他兩個每人也編了兩個。」眾人聽了,都笑道:「這倒該作的。先說了,我們猜猜。」李紈笑道:「『觀音未有世家傳』,打《四書》一句。」湘雲接著就說「在止於至善。」寶釵笑道:「你也想一想『世家傳』三個字的意思再猜。」李紈笑道:「再想。」黛玉笑道:「哦,是了。是『雖善無徵』。」眾人都笑道:「這句是了。」李紈又道:「一池青草草何名。」湘雲忙道:「這一定是『蒲蘆也』。再不是不成?」李紈笑道:「這難為你猜。紋兒的是『水向石邊流出冷』,打一古人名。」探春笑問道:「可是山濤?」李紋笑道:「是。」李紈又道:「綺兒的是個 『螢』字,打一個字。」眾人猜了半日,寶琴笑道:「這個意思卻深,不知可是花草的『花』字?」李綺笑道:「恰是了。」眾人道:「螢與花何干?」黛玉笑道: 「妙得很!螢可不是草化的?」眾人會意,都笑了說;「好!」寶釵道:「這些雖好,不合老太太的意思,不如作些淺近的物兒,大家雅俗共賞才好。」眾人都道: 「也要作些淺近的俗物才是。」湘雲笑道:「我編了一支《點絳唇》,恰是俗物,你們猜猜。」說著便念道:「溪壑分離,紅塵游戲,真何趣?名利猶虛,後事終難繼。」眾人不解,想了半日,也有猜是和尚的,也有猜是道士的,也有猜是偶戲人的。寶玉笑了半日,道:「都不是,我猜著了,一定是耍的猴兒。」湘雲笑道: 「正是這個了。」眾人道:「前頭都好,末後一句怎麼解?」湘雲道:「那一個耍的猴子不是剁了尾巴去的?」眾人聽了,都笑起來,說:「他編個謎兒也是刁鑽古怪的。」李紈道:「昨日姨媽說,琴妹妹見的世面多,走的道路也多,你正該編謎兒,正用著了。你的詩且又好,何不編幾個我們猜一猜?」寶琴聽了,點頭含笑,自去尋思。寶釵也有了一個,念道:

  鏤檀鍥梓一層層,豈系良工堆砌成?   雖是半天風雨過,何曾聞得梵鈴聲!   打一物。

  眾人猜時,寶玉也有了一個,念道:

  天上人間兩渺茫,琅玕節過謹隄防。   鸞音鶴信須凝睇,好把唏噓答上蒼。

  黛玉也有了一個,念道是:

  騄駬何勞縛紫繩?馳城逐塹勢猙獰。   主人指示風雷動,鰲背三山獨立名。

  探春也有了一個,方欲念時,寶琴走過來笑道:「我從小兒所走的地方的古跡不少,我今揀了十個地方的古跡,作了十首懷古的詩。詩雖粗鄙,卻懷往事,又暗隱俗物十件,姐姐們請猜一猜。」眾人聽了,都說:「這倒巧,何不寫出來大家一看?」要知端的      

注释

Kapitel 50 An der Hütte am Verschneiten Schilf wetteifert man beim Gemeinschaftsgedicht Im Gehege der Warmen Düfte ersinnt man Laternenrätsel

Es wird erzählt, dass Schatzspange [薛宝钗][1] sagte: „Wir sollten doch eine feste Reihenfolge haben. Lasst mich das aufschreiben.“ Damit ließ sie alle Lose ziehen, um die Abfolge zu bestimmen. Phönixglanz [王熙凤][2] sagte: „Wenn ihr es so macht, möchte ich auch eine Zeile an den Anfang setzen.“ Alle sagten lachend: „Das ist umso besser!“ Schatzspange schrieb über den Namen „Alte Reisduftbäuerin“ noch das Zeichen „Feng“. Frau Li [李纨][3] erklärte Phönixglanz das Thema. Phönixglanz überlegte lange und sagte dann lachend: „Lacht mich nicht aus. Ich habe nur eine einzige grobe Zeile, mehr fällt mir nicht ein.“ Alle sagten lachend: „Je gröber, desto besser! Sag sie uns und geh dann ruhig deinen Geschäften nach.“

Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich dachte mir, wenn es schneit, muss der Nordwind wehen. Letzte Nacht habe ich die ganze Nacht den Nordwind gehört, und so habe ich meine Zeile:

   ‚Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht ...‘

Geht das?“

Alle sahen einander lächelnd an und sagten: „Die Zeile ist zwar grob, doch sieht man nicht, was danach kommen wird – und gerade das ist die richtige Art, ein Gedicht zu beginnen. Sie ist nicht nur gut, sie lässt auch den Nachfolgenden weiten Raum. So soll sie als Erste stehen. Alte Reisduftbäuerin, schreib sie schnell auf und dichte weiter!“

Phönixglanz, Tante Li und Friedchen [平儿][4] tranken noch zwei Becher Wein und gingen dann. Frau Li schrieb die Zeile auf und fuhr selbst fort:

   Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht,
   und morgens noch wirbeln die Flocken.
   Im Schmutz der Erde – wie rein doch das Weiß,

Duftkastanie [香菱][5] sprach:

   wie Jade bedeckt liegt der Boden.
   Dem welken Gras wird neues Leben geschenkt,

Erkundefrühling [探春][6] fuhr fort:

   verdorrtes Röhricht trägt neuen Schmuck.
   Der Preis steigt für ländlichen Wein,

Prachtamt Pflaume [李綺][7] setzte hinzu:

   reiche Ernte füllt herrschaftliche Speicher.
   Das Messrohr zeigt den Winterbeginn an,

Muster Pflaume [李紋][8] sprach weiter:

   der Große Wagen hat sich gedreht.
   Die kalten Berge verloren ihr Grün,

Xiuyan [岫烟][9] ergänzte:

   der gefrorene Bach liegt reglos und still.
   Leicht hält der Schnee auf dürren Weidenzweigen,

Xiangji [史湘云][10] fügte hinzu:

   doch nicht auf zerrissenen Bananenblättern.
   Moschuskohle glüht im Bronzegefäß,

Kostbarzither Schnee [薛宝琴][11] machte weiter:

   in bestickten Ärmeln wärmt goldener Zobel.
   Sein Glanz beschämt den Spiegel am Fenster,

Kajaljade [林黛玉][12] fiel ein:

   sein Duft verklebt den Pfeffer an der Wand.
   Der schiefe Wind bläst immerfort,

Schatzjade [贾宝玉][13] knüpfte an:

   reine Träume werden flüchtig und fern.
   Woher weht der Klang der Pflaumenflöte?

Schatzspange setzte fort:

   Wer bläst die jadenem Flöte zu Haus?
   Die Riesenschildkröte fürchtet, die Erdachse sinke,

Hier unterbrach Frau Li lächelnd: „Ich gehe nachschauen, ob man euch frischen Wein wärmt.“ Sie trug Kostbarzither Schnee auf fortzufahren, doch Xiangji war bereits aufgestanden:

   in Schneewolken kämpfen sich Drachen.
   Einsam ein Boot kehrt zum öden Ufer zurück,

Nun erhob sich auch Kostbarzither Schnee und sprach:

   die Reitgerte weist nach der Brücke am Ba-Fluss.
   Mit Pelzen beschenkt gedenkt man des Grenzheers,

Xiangji wollte natürlich niemandem nachstehen, und niemand war so flink wie sie. Sie reckte sich, zog die Brauen hoch und rief:

   mit Watte gefüttert gedenkt man der Pflichtarbeit.
   Hügel und Höhlen unterscheiden sich kaum,

Schatzspange lobte laut und setzte selbst hinzu:

   Zweige und Äste fürchten, bewegt zu werden.
   Schneeweiß trägt jeder leichten Schritt,

Eilig schaltete Kajaljade sich ein:

   es tanzt und wirbelt wie schlanke Taille.
   Gekochte Taro bringt neuen Genuss,

Dabei stieß sie Schatzjade an und befahl ihm, weiterzumachen. Schatzjade aber war ganz versunken darin, wie Schatzspange, Kostbarzither Schnee und Kajaljade zu dritt mit Xiangji wetteiferten – er fand es überaus unterhaltsam und hatte das Dichten vergessen. Erst als Kajaljade ihn anstieß, setzte er fort:

   gestreutes Salz erinnert an alte Lieder.
   Im Schilfmantel sitzt noch der Angler am Fluss,

Xiangji lachte: „Hör auf, du taugst nichts und hältst uns nur auf!“ Da hörte man Kostbarzither Schnee fortfahren:

   die Holzfälleraxt im Wald ist verstummt.
   Wie kauernde Elefanten türmen sich Berge,

Eilig schloss Xiangji an:

   wie eine gewundene Schlange zieht der Pfad sich fern.
   Blüten entstehen durch Kälte erst,

Schatzspange und die anderen lobten laut. Erkundefrühling fuhr fort:

   ihre Farbe trotzt dem Frost und welkt nicht.
   Im tiefen Hof erschrecken frierende Spatzen,

Während Xiangji durstig nach ihrem Tee griff, sagte Xiuyan schon:

   im leeren Gebirge weint ein alter Kauz.
   Die Flocken tanzen treppauf, treppab,

Eilig stellte Xiangji die Teeschale ab und setzte fort:

   sie treiben im Teich auf und nieder.
   Strahlend glänzen sie im frühen Morgenrot,

Kajaljade fuhr fort:

   verschwenderisch fallen sie in die lange Nacht.
   Die Treue vergisst die Kälte von drei Fuß Eis,

Lachend sagte Xiangji rasch:

   guter Schnee vertreibt des Herrschers Sorgen.
   Erstarrt auf dem Lager – wer fragt nach dem Armen?

Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:

   lustwandelnd freut sich der Reisende.
   Der Himmelswebstuhl zerschneidet weiße Bänder,

Wieder rief Xiangji eilig:

   im Luftspiegelungsmeer ging das Meerseidentuch verloren.

Kajaljade ließ Xiangji keine Zeit und sprach sogleich:

   Einsam blickt man auf Terrassen und Hallen,

Eilig fuhr Xiangji fort:

   in schlichter Armut denkt man an Reisschale und Kürbisflasche.

Auch Kostbarzither Schnee gab nicht nach und sagte sofort:

   Das Eis im Kessel beginnt zu kochen für den Tee,

Xiangji fand großes Vergnügen daran und rief lachend:

   doch nur schwer will das Laub im Ofen brennen.

Kajaljade sagte ebenfalls lachend:

   Keinen Besen hat der Mönch in den Bergen,

Kostbarzither Schnee lachte auch:

   im Schnee vergraben gräbt das Kind nach der Zither.

Xiangji krümmte sich vor Lachen und murmelte eine Zeile. Die anderen fragten: „Was hast du gesagt?“ Xiangji rief laut:

   Am Steinturm schläft friedlich der Kranich,

Kajaljade hielt sich lachend die Brust und schrie:

   auf weichem Teppich wärmt sich die Katze.

Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:

   Im Mondschein türmen sich silberne Wogen,

Xiangji setzte schnell fort:

   in Wolken verbirgt sich die rote Burg.

Lachend deklamierte Kajaljade:

   Der Pflaumenduft dringt durch den Schnee, zum Kauen zart,

Schatzspange lobte und schloss sofort an:

   der Bambus im Regen klingt wie betrunken.

Kostbarzither Schnee sprach ebenfalls eilig:

   Den Brautentengurt benetzt der Schnee,

Xiangji setzte rasch fort:

   am Eisvogelschmuck gefriert der Reif.

Kajaljade fuhr fort:

   Auch ohne Wind weht es sanft und still,

Lachend ergänzte Kostbarzither Schnee:

   auch ohne Regen rauscht es unaufhörlich.

Xiangji hatte sich vor Lachen nach vorn geworfen. Die anderen hatten es längst aufgegeben mitzudichten und beobachteten nur noch lachend, wie die drei sich gegenseitig überboten. Kajaljade stieß Xiangji an, damit sie weitermache, und sagte: „Dein Talent ist wohl erschöpft? Ich möchte hören, was deine Zunge noch leisten kann!“ Doch Xiangji warf sich in Schatzspanges Arme und konnte nicht aufhören zu lachen. Schatzspange schob sie hoch und verlangte: „Wenn du wirklich etwas kannst, dann verbrauche alle Reime der Xiao-Reimgruppe, dann erst gebe ich mich geschlagen!“

Lachend erhob sich Xiangji und erklärte: „Ich dichte ja nicht mehr – ich kämpfe ums Überleben!“

Die anderen sagten lachend: „Dann sag du es uns.“

Erkundefrühling, die längst eingesehen hatte, dass sie keinen Beitrag mehr würde leisten können, hatte alle Verse niedergeschrieben und machte nun darauf aufmerksam: „Es fehlt noch der Schluss.“ Frau Li nahm ihr die Blätter aus der Hand und bildete die nächste Zeile:

   Heutige Freuden im Vers festhalten,

Prachtamt Pflaume schloss ab:

   die Urkaiser Shun und Yao im Gedicht verehren.

Frau Li sagte: „Genug, genug! Auch wenn die Reimgruppe noch nicht erschöpft ist – die übrigen Silben gewaltsam zu verwenden, würde das Gedicht nur verderben.“

Alle gingen das Gedicht sorgfältig durch. Da Xiangji die meisten Zeilen beigesteuert hatte, sagten alle lachend: „Das ist ganz dem Hirschfleisch zu verdanken.“

Frau Li sagte lächelnd: „Wenn man es Zeile für Zeile beurteilt, ist alles wie aus einem Guss – nur Schatzjades Beitrag fällt wieder ab.“ Schatzjade erwiderte lächelnd: „Ich kann nun einmal keine Gemeinschaftsgedichte. Ihr müsst mir das nachsehen.“

Frau Li sagte lächelnd: „Wir können dir doch nicht bei jeder Sitzung etwas nachsehen! Mal sagst du, der Reim sei zu schwierig, dann hast du beim Korrigieren Fehler eingebaut, und jetzt verstehst du dich nicht auf Gemeinschaftsgedichte. Heute wirst du bestraft! Vorhin habe ich gesehen, wie schön die roten Pflaumenbäume im Kloster Gefangenes Grün [栊翠庵] blühen. Ich möchte einen Zweig davon für meine Vase. Aber Wunderjade [妙玉][14] ist mir in ihrem Wesen zuwider, und ich lasse sie deswegen links liegen. Darum sollst du mir jetzt zur Strafe einen Zweig holen.“

Alle fanden die Strafe zugleich elegant und unterhaltsam. Auch Schatzjade nahm sie gern auf sich und wollte gleich losgehen. Doch Xiangji und Kajaljade sagten beide: „Draußen ist es eiskalt. Trink erst einen Becher heißen Wein, ehe du gehst!“

Xiangji griff sofort nach der Kanne, und Kajaljade reichte einen großen Becher, den Xiangji bis zum Rand füllte. Xiangji sagte lachend: „Wenn du unseren Wein trinkst und dann keinen Zweig bringst, wird deine Strafe verdoppelt!“ Rasch leerte Schatzjade den Becher und stapfte durch den Schnee davon.

Frau Li wollte jemanden mitschicken, doch Kajaljade hielt sie eilig zurück: „Nicht nötig, mit einer Begleitung würde er ihn nicht bekommen.“ Frau Li nickte und sagte: „Da hast du recht.“ Dann befahl sie den Dienstmädchen, eine Vase in Mädchenschulterform zu holen und mit Wasser zu füllen, damit der Zweig hineingestellt werden könne. Dann sagte sie lächelnd: „Wenn Schatzjade zurück ist, sollten wir die roten Pflaumenblüten besingen.“

Sogleich rief Xiangji: „Ich mache als Erste ein Gedicht!“ Aber Schatzspange widersprach sofort: „Dir erlauben wir heute auf keinen Fall noch mehr zu dichten. Du hast dich immer vorgedrängt und die anderen nicht zum Zuge kommen lassen – das ist doch langweilig. Wenn Schatzjade zurück ist, soll er zur Strafe allein eins dichten. Er sagte ja, er könne keine Gemeinschaftsgedichte – nun soll er eben allein dichten.“

Kajaljade lachte: „Das stimmt. Und ich habe noch eine weitere Idee: Das Gemeinschaftsgedicht war nicht genug, also lasst diejenigen, die am wenigsten beigetragen haben, über die roten Pflaumenblüten dichten.“

Schatzspange stimmte zu: „Genau richtig! Höhlennebel Strafe und die Li-Schwestern haben ihr Talent nicht zeigen können, und sie sind zudem unsere Gäste. Kostbarzither Schnee, Kajaljade und Xiangji haben sich so viel genommen – wir alle sollten nicht weiterdichten und es ganz diesen dreien überlassen.“

Frau Li wandte ein: „Prachtamt Pflaume dichtet nicht so gut, lasst lieber Kostbarzither Schnee an ihrer Stelle schreiben.“ Dem musste Schatzspange sich fügen. Dann schlug sie vor: „Als Reime nehmen wir die drei Schriftzeichen ‚Hong‘ – Rot, ‚Mei‘ – Pflaume und ‚Hua‘ – Blüte. Jede schreibt ein siebensilbiges Regelgedicht: Höhlennebel Strafe auf den Reim ‚Hong‘, Muster Pflaume auf den Reim ‚Mei‘ und Kostbarzither Schnee auf den Reim ‚Hua‘.“

Frau Li protestierte: „Schatzjade einfach so davonkommen zu lassen, damit bin ich nicht einverstanden.“ Eilig schaltete Xiangji sich ein: „Ich habe ein gutes Thema für ihn!“ Alle wollten wissen, welches. Xiangji sagte: „Er soll über ‚Besuch bei Wunderjade mit der Bitte um einen roten Pflaumenzweig‘ dichten – wäre das nicht köstlich?“ Alle sagten: „Das ist köstlich!“

Kaum war das Wort gefallen, da kam Schatzjade strahlend mit einem Zweig roter Pflaumenblüten auf der Schulter herein. Die Dienstmädchen nahmen ihn sofort entgegen und stellten ihn in die Vase. Alle bedankten sich lachend. Schatzjade sagte lachend: „Bewundert ihn jetzt nur – ihr wisst ja nicht, wie viel Mühe es mich gekostet hat!“ Während er das sagte, reichte ihm Erkundefrühling schon einen Becher gewärmten Wein, und die Mädchen kamen herbei, ihm Cape und Hut abzunehmen und den Schnee abzubürsten. Aus jedem Haushalt wurden zusätzliche Kleidungsstücke gebracht, und auch Dufthauch [袭人][15] hatte jemanden mit einer halbneuen Fuchsklauenjacke geschickt.

Frau Li befahl, einen Teller mit gedämpften großen Taroknollen aufzutragen sowie zwei weitere Teller mit roten Mandarinen, goldgelben Orangen und Oliven, und ließ sie Dufthauch bringen.

Xiangji berichtete Schatzjade eilig von den Gedichtthemen und drängte ihn, schnell zu schreiben. Schatzjade bat: „Liebe Schwestern, lasst mich den Reim selbst wählen, anstatt ihn festzulegen.“ Alle sagten: „Mach, wie du willst.“

Dabei bewunderten alle den Pflaumenzweig. Er war nur etwa zwei Fuß hoch, aber ein Seitenast ragte kreuz und quer hervor, wohl fünf bis sechs Fuß lang. Kleinere Zweige sprossen davon ab – manche gewunden wie verschlungene Drachen, manche starr wie erstarrte Würmer, manche einsam und dünn wie ein Pinsel, manche dicht gedrängt wie ein Wäldchen. Die Blüten leuchteten rot wie Schminke, und ihr Duft übertraf selbst Orchideen. Alle waren voll des Lobes.

Unterdessen hatten Höhlennebel Strafe, Muster Pflaume und Kostbarzither Schnee ihre Gedichte bereits fertig und schrieben sie nieder. Die anderen lasen sie in der Reihenfolge der Reime „Rot“, „Pflaume“ und „Blüte“. Sie lauteten:

Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Rot“ Höhlennebel Strafe

   Noch blüht kein Pfirsich, keine Aprikose rot,
   schon lacht sie im Ostwind trotz Frost und Kälte.
   Im Geiste fliegt die Seele zum Gipfel von Yu,
   getrennt durch Morgenrot träumt man von Luofu.
   Grüne Kelche geschmückt wie mit leuchtenden Kerzen,
   wie berauschte Geister auf verblasstem Regenbogen.
   Nein, dies ist keine gewöhnliche Farbe –
   in Eis und Schnee blüht sie, bald zart, bald tief.

Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Pflaume“ Muster Pflaume

   Nicht weiße Pflaumen will ich besingen, sondern rote,
   die prangend als Erste dem trunkenen Blick sich bieten.
   Das frostbleiche Antlitz trägt Spuren wie Blut,
   das bittere Herz, selbst ohne Groll, zerfällt zu Asche.
   Ein Elixier verlieh ihr wahrer Knochen Wandlung,
   vom Jadeteich stieg sie herab in neuem Leib.
   Im Norden wie Süden – der Frühling strahlt,
   den Bienen und Faltern sei gesagt: Zweifelt nicht!

Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Blüte“ Xue Kostbarzither Schnee

   Spärlich die Zweige, doch üppig die Blüte,
   ein Frühlingsfest, als wetteiferten Mädchen im Putz.
   Im stillen Hof bleibt kein Rest von Schnee,
   über Fluss und Bergen schwebt Abendrot.
   Kühle Träume folgen dem Flötenklang,
   wie Feenduft treibt ein Floß auf dem Purpurfluss.
   Einst stand dieser Baum auf der Jadeplattform –
   wie sonst hätte er solche Blütenpracht!

Alle lobten die Gedichte lächelnd und meinten, das letzte sei das beste. Schatzjade war zutiefst erstaunt über Kostbarzither Schnees wachen Geist, war sie doch die Jüngste. Kajaljade und Xiangji füllten gemeinsam einen kleinen Becher mit Wein und reichten ihn Kostbarzither Schnee als Glückwunsch. Schatzspange sagte lächelnd: „Jedes der drei Gedichte hat seine eigenen Vorzüge. Bisher habt ihr beide euch Tag für Tag an mir abgearbeitet, jetzt nehmt ihr euch wohl sie vor.“

Frau Li fragte Schatzjade: „Hast du dein Gedicht fertig?“ Schatzjade erwiderte eilig: „Ich hatte schon etwas, aber als ich die drei Gedichte las, habe ich es vor Staunen vergessen. Lasst mich nachdenken!“

Als Xiangji das hörte, griff sie nach einem Messingschürhaken, schlug damit an ihr Handöfchen und sagte lachend: „Ich schlage die Trommel! Wenn beim letzten Trommelschlag nichts fertig ist, wird die Strafe verdoppelt!“ Schatzjade lachte: „Ich hab es schon.“

Kajaljade nahm den Pinsel und sagte: „Sprich, ich schreibe.“ Xiangji schlug einmal zu und rief lachend: „Der erste Schlag!“ Schatzjade sagte lachend: „Fertig! Schreib nur.“ Alle hörten ihn sprechen:

   Noch ehe der Wein fließt, noch ehe der Vers geformt,

Kajaljade schrieb und schüttelte lachend den Kopf: „Der Anfang ist mittelmäßig.“ Xiangji drängte: „Schnell!“ Schatzjade fuhr lächelnd fort:

   such ich den Frühling und frag den Winter im Feenland Penglai.

Kajaljade und Xiangji nickten lächelnd: „Das hat schon etwas.“ Schatzjade sprach weiter:

   Nicht Tau aus der Guanyin-Flasche begehre ich,
   nur einen Zweig erbitt ich vor der Göttin Tor.

Kajaljade schrieb und schüttelte wieder den Kopf: „Ein Zufallstreffer.“ Xiangji trieb mit dem zweiten Trommelschlag zur Eile. Schatzjade deklamierte lächelnd weiter:

   Blutroten Schnee trag ich kühn aus der Welt der Stille,
   Purpurwolken reiß ich heraus und kehr ins Menschenreich.
   Den Hagern im Dichtermantel, wen dauert's, dass er friert?
   Noch klebt am Kleid das grüne Moos vom Tempelgrund.

Kaum hatte Kajaljade zu Ende geschrieben und alle wollten das Gedicht besprechen, da stürmten ein paar Dienstmädchen herein und meldeten: „Die Herzoginmutter[16] kommt!“

Alle eilten hinaus, um sie zu empfangen, und sagten lächelnd: „Was hat sie nur für gute Laune!“ Von fern erblickten sie die Herzoginmutter [贾母], die in einen weiten Umhang gehüllt, mit einer warmen Mütze aus Graufeh auf dem Kopf, in einem kleinen Bambustragstuhl saß und einen Regenschirm aus blauer Ölseide hielt. Neben ihr gingen Mandarinenente [鸳鸯][17], Hupo [琥珀][18] und fünf oder sechs weitere Dienstmädchen, jede mit einem Schirm, und begleiteten den Tragstuhl.

Frau Li und die anderen wollten ihr entgegeneilen, doch die Herzoginmutter schickte jemanden vor, um sie aufzuhalten, und ließ ausrichten: „Bleibt, wo ihr seid.“ Als sie herankam, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Ich bin heimlich hergekommen, ohne eurer Herrin und Phönixglanz etwas zu sagen. Im tiefen Schnee in diesem Stuhl zu sitzen, macht mir nichts aus – aber warum sollten die beiden sich durch den Schnee quälen?“

Alle gaben ihr recht, stürzten herbei, nahmen ihr den Umhang ab und stützten sie beim Aussteigen. Als die Herzoginmutter ins Zimmer trat, bemerkte sie als Erstes lachend: „Was für herrliche Pflaumenblüten! Ihr versteht es, euch zu vergnügen – da bin ich hier gerade richtig!“ Während sie das sagte, ließ Frau Li sogleich ein großes Wolfsfell bringen und in der Mitte des Ofenbetts ausbreiten. Die Herzoginmutter setzte sich und sagte lächelnd: „Macht nur weiter mit Plaudern, Lachen, Essen und Trinken. Weil die Tage jetzt kurz sind, wage ich keinen Mittagsschlaf mehr. Ich habe ein Weilchen Domino gespielt, dann bin ich auf euch gekommen und hergekommen, um meinen Spaß zu haben.“

Frau Li reichte ihr sofort ein Handöfchen, und Erkundefrühling brachte ein eigenes Paar Becher und Essstäbchen, goss eigenhändig gewärmten Wein ein und reichte ihn der Herzoginmutter. Die Herzoginmutter trank einen Schluck und fragte: „Was ist das dort auf dem Teller?“ Alle reichten ihn ihr rasch und erklärten: „Marinierte Wachteln.“ Die Herzoginmutter sagte: „Die mag ich. Reißt mir ein, zwei Keulchen davon ab.“ Frau Li antwortete sofort, ließ sich Wasser zum Händewaschen bringen und zerlegte das Geflügel eigenhändig.

„Setzt euch wieder hin und unterhaltet euch, ich höre zu“, forderte die Herzoginmutter sie auf. Zu Frau Li sagte sie: „Auch du, setz dich hin! Macht es genau so, als wäre ich nicht gekommen – sonst gehe ich wieder.“ Alle setzten sich der Rangfolge gemäß, nur Frau Li rückte auf den untersten Platz.

Die Herzoginmutter fragte, was sie getrieben hätten, und sie antworteten: „Gedichte.“ Die Herzoginmutter sagte: „Statt Gedichte zu machen, solltet ihr lieber Laternenrätsel ersinnen, damit wir im Neujahrsmonat etwas zum Vergnügen haben.“ Alle stimmten zu.

Nach einer Weile Plauderei sagte die Herzoginmutter: „Hier ist es feucht. Bleibt nicht zu lange sitzen, sonst schadet es euch.“ Dann fügte sie hinzu: „Bei eurer vierten Schwester ist es wärmer. Gehen wir hinüber und schauen, wie weit sie mit ihrem Bild ist. Wird sie es bis Neujahr fertig haben?“

Alle sagten lachend: „Bis Neujahr? Vielleicht bis zum Drachenbootfest im nächsten Jahr!“ Die Herzoginmutter rief: „Ist das die Möglichkeit! Dann braucht sie ja länger, als es gedauert hat, diesen Garten zu bauen!“

Damit nahm sie wieder in ihrem Bambustragstuhl Platz. Alle begleiteten sie, und sie kamen am Lotoswurzelkiosk vorbei, dann in einen ummauerten Gang, der im Osten und Westen jeweils in einem Straßentor endete. An jedem Torgebäude waren innen und außen Steinplatten mit Inschriften eingelassen. Das Westtor, durch das sie jetzt gingen, trug außen die Zeichen „Durch die Wolken“ und innen „Über den Mond“.

In der Mitte des Gangs traten sie durch das nach Süden weisende Haupttor ein. Die Herzoginmutter stieg aus dem Tragstuhl, und Bedauerfrühling [惜春][19] kam ihr schon entgegen. Durch einen überdachten Wandelgang gelangten sie zu Bedauerfrühlings Schlafgemach, über dessen Tür die drei Zeichen „Gehege der Warmen Düfte“ [暖香坞] prangten. Schon schlugen mehrere Hände den scharlachroten Filzvorhang zurück, und ein warmer Duft schlug ihnen entgegen.

Alle traten ein. Die Herzoginmutter dachte nicht daran, sich hinzusetzen, und fragte nur: „Wo ist das Bild?“ Bedauerfrühling erwiderte lächelnd: „Bei dieser Kälte gerinnt die Leimfarbe und wird spröde. Ich hatte Angst, das Bild zu verderben, und habe es daher weggeräumt.“

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Aber zu Neujahr will ich es haben. Mach keine Ausflüchte, hol es hervor und mal weiter!“

Kaum hatte sie ausgesprochen, da trat plötzlich Phönixglanz lachend herein. Sie trug eine purpurne Lammfelljacke. „Alte Ahne, Ihr geht einfach weg, ohne einem Menschen etwas zu sagen. Da konnte ich schön nach Euch suchen!“ sagte sie.

Die Herzoginmutter, natürlich erfreut über ihr Kommen, erwiderte: „Ich hatte Angst, ihr würdet frieren, und habe deshalb nicht erlaubt, euch Bescheid zu sagen. Du bist wirklich ein Schlaufuchs, dass du mich gefunden hast. Aber eigentlich gehört das gar nicht zur kindlichen Ehrerbietung.“

Phönixglanz erwiderte lachend: „Ehrerbietung hat mich ja gar nicht hergetrieben! Als ich in Eure Gemächer kam, war es dort mucksmäuschenstill. Ich fragte die kleinen Mädchen, aber die wollten nichts sagen und schickten mich in den Garten. Während ich noch rätselte, kamen plötzlich zwei, drei Nonnen, und da wurde mir alles klar: Die Nonnen bringen doch die Neujahrsgebete und wollen die Jahreszuwendungen und Weihrauchgelder abholen. Ihr habt zum Jahresende viel um die Ohren und wolltet Euch bestimmt vor diesen Gläubigern drücken. Also fragte ich sofort die Nonnen – und tatsächlich hatte ich recht. Ich gab ihnen schnell die Jahreszuwendungen und komme jetzt, um zu melden: Die Gläubiger sind weg, Ihr braucht Euch nicht länger zu verstecken! Außerdem ist ein zarter junger Fasan für Euch zubereitet. Bitte kommt zum Abendessen – wenn Ihr noch wartet, wird er zäh und trocken.“

Während sie so sprach, lachten alle.

Phönixglanz wartete gar keine Antwort der Herzoginmutter ab, sondern befahl, den Tragstuhl zu bringen. Lächelnd stieg die Herzoginmutter ein, von Phönixglanz gestützt. Von allen begleitet und unter Plaudern und Lachen verließen sie den Gang durch das Osttor. Ringsum war alles wie weiß gepudert und aus Silber gegossen.

Plötzlich erblickten sie Kostbarzither Schnee, die in ihrem Wildentenfeder-Umhang auf dem Berghang stand und wartete. Hinter ihr hielt ein Dienstmädchen eine Vase mit einem roten Pflaumenzweig. Alle sagten lachend: „Deshalb also fehlten die beiden – sie hat sich auch einen Zweig geholt und wartet hier auf uns.“

Die Herzoginmutter rief voller Freude: „Seht nur – das Mädchen auf dem Berghang, in dieser Kleidung, und dahinter die Pflaumenblüten – woran erinnert euch das?“ Alle sagten lächelnd: „An Qiu Yings ‚Bild der Zwei Schönheiten‘ [Anm.: Qiu Ying (仇十洲), berühmter Maler der Ming-Dynastie], das in Euren Gemächern hängt.“

Die Herzoginmutter schüttelte lächelnd den Kopf: „Die auf dem Bild hat nicht solche Kleider an. Und so schön ist sie auch nicht!“ Kaum hatte sie das gesagt, erschien hinter Kostbarzither Schnee eine Gestalt in einem großen scharlachroten Filzumhang. „Was ist das noch für ein Mädchen?“ fragte die Herzoginmutter. Alle lachten: „Wir sind doch alle hier – das ist Schatzjade.“ Die Herzoginmutter seufzte lächelnd: „Meine Augen werden immer schlechter.“

Als sie herankamen, waren es tatsächlich Kostbarzither Schnee und Schatzjade. Schatzjade wandte sich lächelnd an Schatzspange, Kajaljade und die anderen: „Ich war eben noch einmal im Kloster Gefangenes Grün. Wunderjade schenkt jeder von euch einen Zweig Pflaumenblüten. Ich habe sie schon austragen lassen.“

Alle sagten strahlend: „Vielen Dank für die Mühe!“

Über diesem Gespräch hatten sie den Garten bereits verlassen und waren in den Gemächern der Herzoginmutter angelangt. Nach dem Essen plauderte man noch eine Weile, als plötzlich Tante Schnee [薛姨妈][20] erschien.

„Was für ein Schnee!“ sagte sie. „Den ganzen Tag bin ich nicht herübergekommen, um Euch meine Aufwartung zu machen, gnädige Frau. Seid Ihr heute nicht in Stimmung? Eigentlich solltet Ihr den Schnee bewundern.“ Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Warum nicht in Stimmung? Ich habe die Mädchen besucht und mich bei ihnen vergnügt.“

Tante Schnee sagte lächelnd: „Gestern Abend hatte ich schon vor, unsere gnädige Frau zu bitten, mir heute den Garten für einen Tag zu überlassen, um ein paar bescheidene Tische aufzustellen und Euch einzuladen, den Schnee zu bewundern. Aber dann hörte ich, Ihr hättet Euch früh zur Ruhe begeben, und meine Tochter sagte mir, Ihr fühltet Euch nicht ganz wohl. Deshalb habe ich heute nicht gewagt, Euch zu stören. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich Euch einladen sollen.“

Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Das ist doch erst der erste Schnee im zehnten Monat. Es wird noch öfter schneien – da ist es nicht zu spät, dann Geld auszugeben.“ Tante Schnee lachte: „Wenn dem so ist, wird meine kindliche Ehrerbietung noch aufrichtiger.“

Phönixglanz sagte lachend: „Passt nur auf, dass Ihr es nicht vergesst, Frau Tante. Am besten wiegt Ihr gleich fünfzig Liang Silber ab und gebt sie mir zur Aufbewahrung. Sobald es schneit, richte ich alles her – so müsst Ihr Euch nicht kümmern und könnt es auch nicht vergessen.“

Die Herzoginmutter lachte: „Wenn es so ist, dann gebt ihr die fünfzig Liang Silber, Frau Tante, und ich teile mit ihr – jeder fünfundzwanzig. Wenn es dann schneit, tue ich so, als wäre mir nicht wohl, und die Sache verläuft im Sande. Ihr habt gar keine Umstände, aber Phönixglanz und ich haben einen echten Gewinn.“

Phönixglanz klatschte lachend in die Hände: „Herrlich! Ganz mein Gedanke!“ Alle lachten.

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Pfui, du Schamlose! Sofort kletterst du an der Stange hoch, die man dir hinhält! Dabei solltest du sagen: Die Frau Tante ist unser Gast, bei uns muss sie sich ohnehin einschränken, da müssten wir sie einladen – wie können wir sie Geld ausgeben lassen! Statt so zu reden, besitzt du noch die Frechheit, im Voraus fünfzig Liang zu verlangen. Du hast wirklich keine Scham!“

Phönixglanz erwiderte lachend: „Unsere alte Ahne hat wahrlich einen scharfen Blick! Sie wollte es nur ausprobieren. Wäre die Frau Tante nachgiebig gewesen und hätte die fünfzig Liang herausgerückt, hätte sie mit mir geteilt. Aber weil absehbar war, dass es nicht klappt, machte sie eine Kehrtwende und hat mich mit großen Reden abgekanzelt. Nun verlange ich auch kein Silber mehr von der Frau Tante, sondern gebe ihr welches, damit sie ein Essen für Euch ausrichtet, alte Ahne. Außerdem überreiche ich Euch noch fünfzig Liang als Strafe dafür, dass ich mich um Dinge gekümmert habe, die mich nichts angehen. Ist es so recht?“

Sie hatte noch nicht ausgeredet, da warfen sich alle vor Lachen aufs Ofenbett.

Dann sprach die Herzoginmutter darüber, wie Kostbarzither Schnee im Schnee mit dem Pflaumenzweig aufgetaucht war und dabei schöner ausgesehen habe als ein Bild. Anschließend wollte sie genau die acht Zeichen für Geburtsjahr, -monat, -tag und -stunde wissen und erkundigte sich nach ihren Familienverhältnissen.

Tante Schnee ahnte, dass die Herzoginmutter die Absicht hatte, Kostbarzither Schnee mit Schatzjade zu verheiraten. Im Grunde wäre sie einverstanden gewesen, doch Kostbarzither Schnee war bereits mit dem Sohn der Meis verlobt. Da die Herzoginmutter sich noch nicht offen geäußert hatte, konnte auch sie nicht direkt darauf eingehen und wählte einen Umweg.

„Das Mädchen hat kein Glück“, sagte sie. „Vorvoriges Jahr ist ihr Vater gestorben. Solange er noch lebte, hat sie viel von der Welt gesehen. Die vier großen Gebirge und die fünf heiligen Berge hat sie mit ihren Eltern bereist. Ihr Vater verstand es, das Leben zu genießen, und da er überall Handel trieb, verbrachte die Familie mal hier ein Jahr, mal dort ein halbes Jahr, so dass sie fünf oder sechs Zehntel des ganzen Reiches gesehen haben. Damals hat er sie hier mit dem Sohn des Akademikers Mei verlobt, und ausgerechnet im Jahr darauf ist er gestorben. Ihre Mutter leidet zudem an Schwindsucht...“

„Wie schade!“ fiel Phönixglanz ihr ins Wort, noch ehe sie zu Ende gesprochen hatte, und stampfte seufzend mit dem Fuß auf. „Gerade wollte ich als Heiratsvermittlerin auftreten, und nun ist sie schon verlobt!“

Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Für wen wolltest du denn werben?“ Phönixglanz erwiderte: „Fragt nicht danach, alte Ahne! In meinem Herzen wusste ich genau, dass die beiden ein Paar wären. Aber da sie schon verlobt ist, hat es keinen Sinn mehr, darüber zu reden. Lassen wir es.“

Die Herzoginmutter wusste, wen Phönixglanz gemeint hatte. Als sie hörte, dass Kostbarzither Schnee bereits vergeben war, ließ sie das Thema fallen.

Man plauderte noch eine Weile, dann löste sich die Gesellschaft auf. Über die Nacht gibt es nichts zu berichten.

Am nächsten Tag hatte es aufgeklart. Nach dem Essen ermahnte die Herzoginmutter persönlich Bedauerfrühling: „Egal ob es kalt oder warm ist, mal einfach weiter und werde bis Neujahr fertig. Wenn es wirklich gar nicht geht, dann eben nicht. Aber das Allerwichtigste ist: Kostbarzither Schnee mit dem Mädchen und den Pflaumenblüten von gestern musst du haargenau so, wie wir es gesehen haben, ohne einen einzigen Fehler, schnell auf das Bild bringen.“

Bedauerfrühling war zwar in Verlegenheit, aber sie musste es versprechen. Als bald darauf alle kamen, um ihr beim Malen zuzuschauen, saß Bedauerfrühling nur da und blickte geistesabwesend vor sich hin.

Frau Li sagte lächelnd zu den anderen: „Lasst sie in Ruhe nachdenken. Wir unterhalten uns inzwischen. Gestern hat die Herzoginmutter befohlen, wir sollten Laternenrätsel machen. Als ich dann mit Prachtamt Pflaume und Muster Pflaume zu Hause war und wir nicht einschlafen konnten, habe ich zwei Rätsel aus den ‚Vier Büchern‘ [Anm.: Die Vier Bücher – Lunyu, Mengzi, Daxue und Zhongyong – Grundtexte des Konfuzianismus] erdacht, und die beiden auch, jede zwei.“

Alle sagten: „Das ist genau das Richtige. Sag sie uns, wir raten!“ Frau Li sagte lächelnd: „‚Die Göttin Guanyin hat keine Familienchronik.‘ Zu erraten ist eine Stelle aus den Vier Büchern.“

Xiangji rief sofort: „‚Am Höchsten Guten innehalten‘!“ [Anm.: 在止于至善, aus dem Daxue] Doch Schatzspange sagte lächelnd: „Denk erst darüber nach, was ‚Familienchronik‘ bedeutet, bevor du rätst.“ Frau Li sagte: „Überleg noch einmal.“ Kajaljade lachte: „Ah, ich hab's! Es ist: ‚Gütig, doch ohne Beweis.‘“ [Anm.: 虽善无征, aus dem Zhongyong – Guanyin ist gütig (善), hat aber als Gottheit keine irdische Familiengeschichte als „Beweis“ (征)]

Alle sagten: „Das ist die richtige Stelle.“

Frau Li sagte weiter: „‚Ein Teich voll grünem Gras – wie heißt das Gras?‘ Das ist ebenfalls aus den Vier Büchern.“ Xiangji rief eilig: „Das muss ‚Schilf und Rohr‘ sein [Anm.: 蒲芦也, aus den Vier Büchern – Schilf, das im Wasser wächst]. Oder etwa nicht?“

Frau Li sagte lächelnd: „Das hast du richtig erraten. Muster Pflaumes Rätsel ist: ‚Wasser fließt am Stein vorbei und wird kalt.‘ Zu erraten ist der Name einer Person aus alter Zeit.“ Erkundefrühling fragte lachend: „Ist es Shan Tao?“ [Anm.: 山涛 – „Berg-Welle“, wobei 山 = Stein/Berg und 涛 = Welle/fließendes Wasser kalt]

Muster Pflaume bestätigte lächelnd: „Ja, richtig.“

Frau Li fuhr fort: „Prachtamt Pflaumes Rätsel ist das Zeichen ‚Glühwürmchen‘. Zu erraten ist ein einzelnes Schriftzeichen.“ Alle rätselten lange, bis Kostbarzither Schnee lächelnd sagte: „Das ist tiefsinnig! Ist es nicht das Zeichen ‚hua‘ – Blume?“ [Anm.: 花]

Prachtamt Pflaume bestätigte lächelnd: „Genau richtig.“

Die anderen fragten: „Was haben Glühwürmchen mit Blumen zu tun?“ Kajaljade erklärte lächelnd: „Das ist höchst scharfsinnig! Glühwürmchen sind doch, wie das Zeichen ‚hua‘ besagt, ‚aus Gras verwandelt‘.“ [Anm.: Das Zeichen 花 (hua = Blüte) enthält das Radikal 艹 (Gras) und 化 (verwandeln). Nach alter chinesischer Vorstellung entstehen Glühwürmchen (萤 = ying) durch Verwandlung (化) aus Gras (草).]

Alle verstanden und sagten lachend: „Gut!“

Schatzspange wandte ein: „Die Rätsel sind zwar gut, aber sie treffen nicht den Geschmack der Herzoginmutter. Wir sollten lieber einfache, alltagsnahe Dinge nehmen, an denen Edle wie Einfache gleichermaßen Freude haben können.“

Alle stimmten zu: „Ja, vertraute Alltagsdinge müssen es sein.“

Xiangji meldete sich lachend: „Ich habe eins nach dem Lied-Tonmuster ‚Die roten Lippen betupfen‘ [Anm.: 点绛唇, ein Ci-Tonmuster] gedichtet. Es ist etwas ganz Gewöhnliches – versucht es zu raten!“ Und sie rezitierte:

   Den Tälern und Bächen entrissen,
   tollt es durch den Staub dieser Welt.
   Doch was für ein Sinn?
   Ruhm und Reichtum sind nur eitel,
   hinten folgt nichts mehr nach.

Niemand konnte es lösen. Nach langem Überlegen glaubten die einen, es sei ein buddhistischer Mönch, andere meinten einen daoistischen Priester, wieder andere eine Marionette. Schatzjade lachte nur und sagte schließlich: „Alles falsch! Es muss ein dressierter Affe sein.“ [Anm.: Der Affe stammt aus Bergen und Tälern (溪壑分离), tollt in der Menschenwelt umher, Ruhm und Gewinn sind ihm egal – und „hinten folgt nichts mehr nach“ bezieht sich auf den abgeschnittenen Schwanz.]

Xiangji bestätigte lachend: „Genau, der ist es.“

„Die ersten Sätze passen“, sagten die anderen, „aber wie erklärt sich der letzte?“ Xiangji fragte zurück: „Gibt es dressierte Affen, denen nicht der Schwanz abgehackt worden ist?“ Alle lachten und meinten: „Selbst beim Rätselmachen ist sie noch so absonderlich.“

Frau Li sagte: „Kostbarzither Schnee, deine Tante hat erzählt, du hast viel gesehen und bist viel gereist. Da solltest du unbedingt auch Rätsel machen, zumal du gut dichtest – gib sie uns zum Raten auf!“

Kostbarzither Schnee nickte lächelnd und ging beiseite, um nachzudenken. Da hatte auch Schatzspange ein Rätsel fertig und rezitierte:

   Stockwerk auf Stockwerk aus edelstem Holz,
   doch kein Meister hat es erbaut.
   Und mag der Wind auch noch so blasen –
   kein Dachglöckchen setzt er in Gang.
   – Welches Ding ist gemeint?

Während alle noch rätselten, ließ auch Schatzjade sich vernehmen:

   Unendlich fern sind Himmel und Erde,
   nach dem Jadelattich-Fest ist Vorsicht geboten.
   Auf den Ruf von Phönix und Kranich muss man achten
   und schluchzend die Antwort zum Himmel senden.

Kajaljade hatte ebenfalls ein Rätsel erdacht und trug es vor:

   Was braucht das edle Ross noch seidene Zügel,
   wenn es wild um Stadt und Graben jagt?
   Auf einen Wink des Herrn fährt es wie Blitz und Donner
   und steht allein berühmt auf dem Rücken der Riesenschildkröte.

Erkundefrühling hatte gleichfalls ein Rätsel fertig und wollte es gerade vortragen, als Kostbarzither Schnee lächelnd herantrat und sagte: „Unter den Orten, die ich von klein auf besucht habe, waren auch viele historische Stätten. Ich habe zehn davon ausgewählt und zu jeder ein Erinnerungsgedicht verfasst. Meine Verse sind zwar grob, aber sie erinnern an vergangene Ereignisse, und in jedem Gedicht ist ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand verborgen. Liebe Schwestern, versucht sie zu erraten!“

Alle sagten: „Das ist geschickt gemacht! Warum schreibst du sie nicht auf, damit alle sie lesen können?“

Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.

Anmerkungen

  1. Chin. 宝钗 Bǎochāi (vollst. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange“. Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren.
  2. Chin. 凤姐 Fèngjie (vollst. 王熙凤 Wáng Xīfèng), wörtl. „Phönix-Glanz“. Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.
  3. Chin. 李纨 Lǐ Wán. Witwe des früh verstorbenen Herrlichkeit Kaufmann, Vorsteherin des Gartens.
  4. Chin. 平儿 Píng’ér, wörtl. „Friedchen“. Phönixglanz’ erste Kammerzofe und Vertraute.
  5. Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftkastanie“. Konkubine von Becken Schnee, ehemals Zhen Heldenlotus.
  6. Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin“. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.
  7. Chin. 李綺 Lǐ Qǐ, Nichte von Frau Li.
  8. Chin. 李紋 Lǐ Wén, Nichte von Frau Li.
  9. Chin. 岫烟 Xiùyān, vollst. 邢岫烟 Xíng Xiùyān. Nichte von Dame Strafe.
  10. Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine Nichte der Herzoginmutter, temperamentvoll und fröhlich.
  11. Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, jüngere Kusine von Schatzspange, berühmt für ihre Schönheit und Dichtkunst.
  12. Chin. 黛玉 Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade“. Kajaljade, eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Romans.
  13. Chin. 宝玉 Bǎoyù (vollst. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade“. Der männliche Hauptprotagonist des Romans.
  14. Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wundersame Jade“. Eine buddhistische Nonne, die im Kloster Gefangenes Grün im Garten lebt.
  15. Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Die Überraschende“ (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an“). Schatzjades erste Kammerzofe.
  16. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die älteste und ranghöchste Person der Kaufmann-Familie.
  17. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente“. Erste Kammerzofe der Herzoginmutter. Mandarinenenten gelten in China als Symbol ehelicher Treue.
  18. Chin. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein“. Eine Kammerzofe der Herzoginmutter.
  19. Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Frühlings-Bewahrerin“. Jüngste Tochter von Herrlichkeit Kaufmann.
  20. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee“. Mutter von Schatzspange und Becken Schnee, Schwester von Dame König.