Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 55"

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= 第五十五回 =
 
== 辟謠言秩事芳官流淚風 / 信讒言大小事賈璉得意 ==
 
=== Tanchun vergiesst Traenen, als boese Zungen die Gutsangelegenheiten durcheinanderbringen; Jia Lian frohlocket, als er die grossen und kleinen Dinge unter seine Kontrolle bringt ===
 
==== Tanchun vergiesst Traenen, als boese Zungen die Gutsangelegenheiten durcheinanderbringen; Jia Lian frohlocket, als er die grossen und kleinen Dinge unter seine Kontrolle bringt ====
 
  
 
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! style="width:50%" | 中文原文 (庚辰本)
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung
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! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)
 
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  說著,豐兒等三四個小丫頭子進來放小炕桌。鳳姐只吃燕窩粥,兩碟子精緻小菜,每日分例菜已暫減去。豐兒便將平兒的四樣分例菜端至桌上,與平兒盛了飯來。平兒屈一膝於炕沿之上,半身猶立於炕下,陪鳳姐兒吃了飯,伏侍漱盥。漱畢,囑咐了豐兒些話,方往探春處來。只見院中寂靜,人已散出。要知端的
 
  說著,豐兒等三四個小丫頭子進來放小炕桌。鳳姐只吃燕窩粥,兩碟子精緻小菜,每日分例菜已暫減去。豐兒便將平兒的四樣分例菜端至桌上,與平兒盛了飯來。平兒屈一膝於炕沿之上,半身猶立於炕下,陪鳳姐兒吃了飯,伏侍漱盥。漱畢,囑咐了豐兒些話,方往探春處來。只見院中寂靜,人已散出。要知端的
 
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Das Laternenfest war also vorüber, und da der herrschende Kaiser das Reich in kindlicher Ergebenheit regierte und eine der Nebenfrauen seines verewigten Vaters zur Zeit der Gesundheit ermangelte, hatten alle seine Nebenfrauen ihre Kost reduzieren und ihren Schmuck ablegen müssen. Nicht nur, daß sie keine Elternbesuche machen konnten, auch auf Bankette und Musik mußte verzichtet werden, und so waren diesmal zum Laternenfest auch keine Laternenrätsel ins Jung-guo-Anwesen geschickt worden.
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Kapitel 55
Nachdem alle Veranstaltungen zum Jahreswechsel vorbei waren, hatte Hsi-fëng eine Fehlgeburt und sollte sich deshalb einen Monat lang schonen, so daß sie nicht den Haushalt führen konnte. Täglich kamen zwei oder drei Hofärzte, die sie behandelten. Aber Hsi-fëng baute auf ihre kräftige Konstitution, und wenn sie auch nicht die Zimmer verließ, so plante und rechnete sie doch nicht anders als sonst. Sobald ihr etwas einfiel, schickte sie Ping-örl los, um Dame Wang davon berichten zu lassen. Alles Zureden blieb vergeblich.
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Erkundefrühling<ref>Chin. 探春 Tànchūn, „Erkundefrühling".</ref> zeigt ihre Klugheit bei der Aufdeckung alter Missstände und verwaltet nun den Haushalt. Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".</ref> enthüllt im Gespräch die Sorgen um die Zukunft der Familie.
Dame Wang fühlte sich ihrer wichtigsten Stütze beraubt. Wie weit reichte schon ihre eigene Kraft! Grundlegende Entscheidungen traf sie selbst, alle Kleinigkeiten des Haushalts dagegen überließ sie vorübergehend Li Wan. Li Wan aber war ein Mensch von höchster Tugend, doch nicht von höchster Tüchtigkeit, und so war es nicht zu vermeiden, daß die Untergebenen bei ihr machen konnten, was sie wollten. Darum wurde Tan-tschun von Dame Wang beauftragt, Li Wan zu unterstützen. In einem Monat, wenn Hsi-fëng wieder gesund sein würde, sollte die Arbeit wieder ihr überlassen werden.  
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Niemand konnte ja ahnen, daß Hsi-fëng ihrer Veranlagung nach über zu wenig Lebenskraft verfügte, was noch dadurch verschlimmert wurde, daß sie sich seit ihrer Kindheit niemals Schonung gegönnt hatte. Immer wollte sie die Erste und die Klügste sein, und dadurch hatte sie ihre Kräfte weiter untergraben. Was eigentlich nur eine Fehlgeburt war, entwickelte sich zur echten Entkräftung. Nach einem Monat kamen Unterleibsblutungen dazu. Hsi-fëng sprach zwar nicht davon, aber der Anblick ihres fahlen, abgemagerten Gesichts verriet jedem, daß sie sich nicht die nötige Schonung gönnte. Darum befahl ihr Dame Wang, sie solle brav ihre Medikamente nehmen und sich pflegen, ohne ihren Geist zu strapazieren.
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Das Laternenfest war nun vorüber. Da der gegenwärtige Kaiser sein Reich nach dem Grundsatz der Pietät regierte und eine kaiserliche Gemahlin im Palast erkrankt war, mussten sich alle Nebenfrauen und Konkubinen des Hofes in Speise und Schmuck einschränken. Es waren nicht nur keine Elternbesuche möglich, auch alle Festlichkeiten und Vergnügungen waren abgesagt worden. Daher fand auch im Kaufmann-Palast in diesem Jahr kein Laternenrätsel-Fest statt.
Auch Hsi-fëng selbst bekam Angst, es könnte zu einer ernsten Erkrankung kommen, die sie zum Gespött der Leute machen würde. Deshalb entschloß sie sich, so lange auszuspannen, bis sie geheilt wäre, und ärgerte sich nur, daß es nicht möglich war, über Nacht wieder die alte zu werden. Wer hätte gedacht, daß es bis zum achten, neunten Monat dauern würde, ehe es ihr nach ständiger Behandlung und größter Schonung allmählich wieder besser ging und auch die Blutungen langsam aufhörten! Doch das ist ein Vorgriff, und zunächst muß erzählt werden, was jetzt geschah.
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Als Dame Wang erkannte, wie es um Hsi-fëng bestellt war und daß Li Wan und Tan-tschun ihre zusätzlichen Aufgaben so bald nicht wieder abgeben konnten, wodurch die Aufsicht über die Bewohner des Gartens nun fehlte, ließ sie Bau-tschai zu sich rufen und bat sie, auf alles ein wachsames Auge zu haben. „Die alten Frauen sind zu nichts nütze“, sagte sie, „sobald sie nichts zu tun haben, trinken sie Wein und spielen Karten. Am Tage schlafen sie, und in der Nacht vergnügen sie sich. Ich weiß das alles. Solange sie wußten, draußen wacht deine Kusine Hsi-fëng, hatten sie noch Respekt, aber jetzt werden sie sich vollends gehen lassen.
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Kaum waren die Geschäftigkeiten des Jahreswechsels vorüber, da erlitt Phönixglanz eine Fehlgeburt. Sie musste sich einen Monat lang schonen und konnte den Haushalt nicht führen. Täglich kamen zwei oder drei Leibärzte, um sie zu behandeln. Phönixglanz vertraute jedoch auf ihre kräftige Konstitution, und obwohl sie das Haus nicht verließ, plante und rechnete sie wie gewöhnlich. Sobald ihr etwas einfiel, schickte sie Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige".</ref> los, um es Dame König<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".</ref> berichten zu lassen. Alles Zureden war vergeblich, sie hörte auf niemanden.
Auf dich ist Verlaß, mein gutes Kind. Dein Vetter und deine Kusinen sind noch jung, und ich habe keine Zeit. Darum nimm ein paar Tage lang die Mühe auf dich und führe die Aufsicht über sie! Wenn etwas Unerwartetes geschieht, kommst du und sagst es mir. Du darfst nicht warten, bis die alte gnädige Frau danach fragt und ich nicht weiß, was ich antworten soll. Wenn irgend jemand etwas nicht recht macht, sagst du es ihm, und wenn er nicht hören will, kommst du zu mir und meldest es. Auf keinen Fall darf irgend etwas Schlimmes geschehen!“
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Bau-tschai hatte keine andere Wahl, als sich mit allem einverstanden zu erklären.
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Dame König fühlte sich ihrer wichtigsten Stütze beraubt. Wie weit reichte schon die Kraft eines einzelnen Menschen! Grundlegende Entscheidungen traf sie selbst; alle kleineren Angelegenheiten des Haushalts überließ sie vorübergehend Frau Li<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".</ref>. Seidenweiß Pflaume war jedoch jemand, der Tugend über Tüchtigkeit stellte, und so war es unvermeidlich, dass die Bediensteten unter ihrer Führung tun und lassen konnten, was sie wollten. Darum befahl Dame König, dass Erkundefrühling gemeinsam mit Seidenweiß Pflaume die Geschäfte führen solle. In einem Monat, so hieß es, wenn Phönixglanz wieder genesen sei, werde ihr alles wieder übergeben.
Inzwischen war der Vorfrühling gekommen, und Dai-yü hustete wieder. Auch Hsiang-yün hatte sich eine Erkältung zugezogen und lag im Haselwurzpark krank zu Bett, den ganzen Tag über schluckte sie Medizin.
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Tan-tschun und Li Wan wohnten in einiger Entfernung voneinander, und seitdem sie jetzt eine gemeinsame Aufgabe hatten, war dies etwas anderes als die Besuche, die sie einander bisher gemacht hatten. Auch für die Sklavenfrauen, die ihnen ihre Berichte zu geben hatten, war es unbequem. Darum hatten sich die beiden beraten und festgelegt, jeden Morgen in die kleine Gästehalle südlich des Gartentors zu kommen, um gemeinsam ihr Amt zu führen. Dort aßen sie dann auch ihre Frühmahlzeit und kehrten erst zur Mittagsstunde in die eigenen Räume zurück.
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Niemand konnte freilich ahnen, dass Phönixglanz von Natur aus über zu wenig Lebenskraft verfügte. Verschlimmert wurde dies noch dadurch, dass sie sich seit ihrer Jugend nie Schonung gegönnt hatte. Ihr Leben lang wollte sie die Erste und die Klügste sein und hatte dadurch ihre Kräfte weiter aufgezehrt. So entwickelte sich die eigentlich harmlose Fehlgeburt zu einer echten Entkräftung, und nach einem Monat kamen noch Unterleibsblutungen hinzu. Phönixglanz sprach zwar nicht darüber, doch ihr fahles, abgemagertes Gesicht verriet jedem, dass sie sich nicht die nötige Schonung gönnte. Darum befahl man ihr, sich zu pflegen und ihren Geist nicht zu strapazieren. Auch Phönixglanz selbst bekam Angst, es könne zu einer ernsten Erkrankung kommen, die sie zum Gespött der Leute machen würde. Daher entschloss sie sich, die freie Zeit zur Genesung zu nutzen, und wünschte sich nichts sehnlicher, als über Nacht wieder die Alte zu sein. Doch wer hätte gedacht, dass es bis zum achten oder neunten Monat dauern würde, ehe es ihr nach beständiger Behandlung und größter Schonung allmählich besser ging und auch die Blutungen langsam aufhörten! Doch das ist ein Vorgriff.
Die kleine Halle von drei Säulenzwischenräumen Breite war ursprünglich als Aufenthaltsort für die verantwortlichen Eunuchen während Yüan-tschuns Elternbesuch erbaut worden, und da man sie anschließend nicht mehr benötigte, hatten seitdem nur jede Nacht ein paar alte Sklavenfrauen hier Wache gehalten. Da es jetzt schon wärmer war, brauchte die Halle nicht weiter instand gesetzt zu werden, nur etwas wohnlicher eingerichtet wurde sie, und dann konnten sich die beiden hier aufhalten.  
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In der Halle hing auch eine Inschriftentafel mit den Schriftzeichen „Die Menschlichkeit fördern, durch Tugend erziehen“, aber das Hausgesinde nannte sie nur profan die Palaverhalle. Hierher kamen Li Wan und Tan-tschun nun täglich um sechs und gingen um zwölf, und während der ganzen Zeit riß der Strom der verantwortlichen Sklavinnen nicht ab, die hierher kamen, um Befehle zu empfangen und Berichte zu geben.
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Zunächst muss erzählt werden, was nun geschah. Als Dame König sah, wie es um Phönixglanz bestellt war und dass Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume ihre zusätzlichen Aufgaben so bald nicht würden abgeben können, und da im Garten viele Bewohner lebten und die Aufsicht zu fehlen drohte, ließ sie eigens Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".</ref> zu sich rufen und bat sie, überall ein wachsames Auge zu haben. „Die alten Frauen sind zu nichts nütze“, sagte sie. "Sobald sie Freizeit haben, spielen sie Karten und trinken Wein. Am Tage schlafen sie, und in der Nacht treiben sie ihr Unwesen. Das alles ist mir bekannt. Solange Phönixglanz draußen aufpasste, hatten sie noch ein wenig Angst; jetzt aber werden sie sich erst recht gehen lassen. Du bist ein verlässliches Kind. Dein Bruder und deine Schwestern sind noch klein, und ich habe keine Zeit. Nimm die Mühe ein paar Tage lang auf dich und führe die Aufsicht. Wenn etwas Unerwartetes geschieht, komm zu mir und berichte es. Warte nicht, bis die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".</ref> danach fragt und ich keine Antwort weiß. Wenn jemand etwas nicht recht macht, sag es ihm. Hört er nicht, dann komm zu mir. Auf keinen Fall darf etwas Schlimmes geschehen!“ Schatzspange hatte keine andere Wahl, als zuzustimmen.
Als das Gesinde zuerst erfahren hatte, Li Wan werde die Haushaltsführung allein übernehmen, hatten sich alle heimlich gefreut, weil Li Wan in dem Ruf stand, großzügig und gütig zu sein und ohne Strafen zu herrschen, so daß man sie leichter als Hsi-fëng mit dem bloßen Schein abspeisen konnte.
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Als dann auch noch Tan-tschun eingesetzt wurde, sagten sich die Bediensteten, sie sei ja nur ein junges Fräulein, das noch nie aus seinen Mädchengemächern herausgekommen war und sich zudem immer friedfertig und bescheiden gezeigt hatte. Darum machten sie sich weiter keine Gedanken und faulenzten viel, viel mehr als zu Hsi-fëngs Zeiten. Nach drei, vier Tagen aber, als Tan-tschun schon einige Entscheidungen getroffen hatte, war ihnen allmählich klar geworden, daß sie in bezug auf Gewissenhaftigkeit hinter Hsi-fëng nicht zurückstand, nur daß ihre Ausdrucksweise ruhiger war und ihr Charakter ausgeglichener.
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Es war bereits der Beginn des Frühlings. Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".</ref> litt wieder an ihrem Husten. Auch Xiangji<ref>Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke".</ref> hatte sich eine Erkältung zugezogen und lag krank im Haselwurzpark darnieder; den ganzen Tag über nahm sie Medizin.
Nun wollte es der Zufall, daß sich tagelang hintereinander in mehreren Familien von Prinzen, Herzögen, Fürsten und Erbbeamten, mit denen die Djias entweder verwandt oder befreundet waren, mehr als zehn Fälle von Beförderung oder Versetzung, Degradierung oder Amtsenthebung, Tod oder Hochzeit ereigneten, so daß Dame Wang mit Gratulationen und Kondolenzen, Empfängen und Abschiedsbesuchen mehr als genug zu tun hatte und den Haushalt völlig vernachlässigen mußte.
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Jetzt saßen Li Wan und Tan-tschun den ganzen Tag lang in ihrem Amtsgebäude, Bau-tschai aber führte die Aufsicht im Wohngebäude von Dame Wang und kam erst zurück, wenn diese wieder zu Hause war. Am Abend unterbrach sie dann ihre Nadelarbeit, um sich vor dem Schlafengehen, begleitet von den Verantwortlichen für die Nachtwachen, in einer kleinen Sänfte durch den Garten tragen zu lassen und alles zu kontrollieren.  
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Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume wohnten in einiger Entfernung voneinander. Da sie nun gemeinsame Aufgaben hatten, war es nicht mehr wie in früheren Zeiten, als sie sich nur gegenseitig besuchten; auch für die Dienstboten, die Berichte zu erstatten hatten, war es umständlich. Daher hatten sich die beiden verständigt: Jeden Morgen wollten sie sich in der kleinen Halle mit drei Säulenzwischenräumen südlich des Gartentors treffen, um gemeinsam die Geschäfte zu führen. Dort nahmen sie auch ihr Frühstück ein und kehrten erst zur Mittagszeit in ihre Gemächer zurück.
So ging es unter diesem Dreierregiment noch strenger zu als unter der Herrschaft von Hsi-fëng, und das Gesinde im Innen- und Außenbereich des Anwesens murrte heimlich: „Kaum sind wir den einen Wachteufel los, der auf dem Meer patroulliert0, gleich haben wir statt dessen drei Jupitersterne bekommen, welche die Berge behüten0. Nicht einmal zum Trinken und Spielen hat man nachts mehr Zeit!“
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Eines Tages war Dame Wang zu einem Festessen im Anwesen des Fürsten Djin-hsiang eingeladen. Li Wan und Tan-tschun hatten sich schon früh am Morgen frisiert und gewaschen, und nachdem sie Dame Wang zur Hand gegangen waren, als diese sich fortbegab, gingen sie in die kleine Halle am Gartentor. Sie hatten sich hingesetzt und tranken gerade Tee, als Wu Hsin-dëngs Frau hereinkam und meldete: „Gestern ist Dschau Guo-dji, der Bruder von Nebenfrau Dschau, gestorben, und als ich das der gnädigen Frau berichtete, hat sie gesagt, sie wisse nun Bescheid wisse, und ich solle es Euch melden, gnädiges Fräulein und junge gnädige Frau.“ Damit verstummte sie und verharrte in dienstfertiger Haltung abwartend am Rande der Halle.
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Diese Halle war ursprünglich als Aufenthaltsraum für die diensthabenden Eunuchen während des kaiserlichen Elternbesuchs eingerichtet worden und war seither nicht mehr benutzt worden; nur nachts hielten dort ein paar alte Frauen Wache. Da es nun schon wärmer war, bedurfte es keiner großen Herrichtung; ein paar einfache Einrichtungsgegenstände genügten, und die beiden konnten dort ihren Dienst versehen. In der Halle hing eine Inschriftentafel mit den vier Zeichen „Die Menschlichkeit fördern, durch Tugend erziehen“, doch im Volksmund nannte man sie nur die "Beratungshalle“. Hier erschienen die beiden nun täglich um sechs Uhr morgens und gingen um die Mittagszeit. Während der ganzen Zeit riss der Strom der Verwalterinnen und Dienstfrauen nicht ab, die kamen, um Berichte zu erstatten und Anweisungen entgegenzunehmen.
Zu dieser Zeit waren nicht wenige Sklavinnen anwesend, die Berichte zu geben hatten, und alle waren jetzt gespannt, was die beiden machen würden. Würde die Entscheidung korrekt ausfallen, dann würden die Sklavinnen Respekt vor ihnen haben, würde es aber den geringsten Anlaß zum Widerspruch geben, dann würden sie nicht nur keinen Respekt haben, sondern auch noch ihre Witze darüber machen, sobald sie zum Innentor hinaus wären.
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Wu Hsin-dëngs Frau hatte natürlich ihre Vorstellung davon, was zu tun war, und hätte sie Hsi-fëng vor sich gehabt, dann hätte sie schon längst ein paar Vorschläge gemacht, um ihren Eifer unter Beweis zu stellen, und hätte auch viele Präzedenzfälle vorgetragen, unter denen Hsi-fëng hätte wählen können. Vor Li Wan aber hatte sie keine Achtung, weil sie ihr zu simpel erschien, und vor Tan-tschun genausowenig, weil sie nur ein junges Mädchen war. Deshalb hatte sie absichtlich nur den einen Satz gesagt, um die beiden auf die Probe zu stellen.
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Als die Bediensteten zunächst gehört hatten, dass Seidenweiß Pflaume den Haushalt allein führen werde, hatten sich alle insgeheim gefreut, denn Seidenweiß Pflaume stand im Ruf, gütig und großzügig zu sein und niemanden zu bestrafen — sie würde gewiss leichter zu täuschen sein als Phönixglanz. Auch als man dann von Erkundefrühlings Ernennung erfuhr, dachten alle, sie sei nur ein junges Mädchen, das seine Kammern noch nie verlassen habe, dazu friedfertig und zurückhaltend von Natur. Darum machten sie sich keine Gedanken und faulenzten noch viel mehr als zu Zeiten von Phönixglanz. Doch nach drei oder vier Tagen, als Erkundefrühling bereits einige Entscheidungen getroffen hatte, wurde ihnen allmählich klar, dass ihre Gründlichkeit der von Phönixglanz in nichts nachstand — nur dass ihre Sprache ruhiger und ihr Charakter ausgeglichener waren.
Tan-tschun fragte Li Wan, was zu tun sei, und Li Wan erwiderte nach einigem Nachdenken: „Ich habe gehört, daß Hsi-jën neulich, als ihre Mutter starb, vierzig Liang Silber bekommen habe. Also sollten auch diesmal vierzig Liang gezahlt werden, und damit basta!“  
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Als Wu Hsin-dëngs Frau das hörte, sagte sie rasch jawohl, nahm die Hausmarke entgegen und wandte sich zum Gehen.
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Nun wollte es der Zufall, dass sich tagelang hintereinander in über zehn Familien von Prinzen, Herzögen und Erbbeamten, mit denen die Kaufmann-Familie entweder verwandt oder befreundet war, Beförderungen, Degradierungen, Hochzeiten oder Todesfälle ereigneten, sodass Dame König mit Gratulationen und Kondolenzen, Empfängen und Abschiedsbesuchen mehr als genug beschäftigt war und sich um den Haushalt nicht kümmern konnte. So sassen nun Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume den ganzen Tag in der Halle. Schatzspange ihrerseits beaufsichtigte tagsüber die Räume von Dame König und kam erst heim, wenn jene zurückkehrte. Am Abend unterbrach sie ihre Nadelarbeit, um sich vor dem Zubettgehen in einer kleinen Sänfte, begleitet von den Nachtwächterinnen, durch den ganzen Garten tragen zu lassen und alles zu kontrollieren.
„Komm zurück!“ befahl Tan-tschun, und notgedrungen machte Wu Hsin-dëngs Frau noch einmal kehrt.
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„Geh das Silber noch nicht holen, ich will dich etwas fragen!“ fuhr Tan-tschun fort. „Bei den alten Nebenfrauen in den Räumen der alten gnädigen Frau wurde immer ein Unterschied zwischen denen gemacht, die hier geboren wurden, und denen, die von draußen kamen. Wieviel wurde gegeben, wenn eine von hier einen Todesfall in der Familie hatte, und wieviel, wenn es eine von draußen war? Gib uns ein paar Beispiele dafür!
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Unter diesem Dreigestirn ging es noch strenger zu als unter der alleinigen Herrschaft von Phönixglanz. Im Innen- wie im Außenbereich murrte das Gesinde heimlich: „Kaum sind wir den einen Wachteufel los, der auf dem Meer patrouillierte, bekommen wir gleich drei Jupitergötter, die die Berge behüten. Nicht einmal zum heimlichen Trinken und Spielen hat man nachts noch Zeit!“
Auf diese Weise befragt, wollte sich Wu Hsin-dëngs Frau auf nichts besinnen können und sagte rasch und mit lächelnder Miene: „Es spielt doch keine so große Rolle, wieviel gegeben wird. Glaubt Ihr denn, jemand würde es wagen, darüber zu streiten?“
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„Das ist Unsinn!“ gab Tan-tschun lächelnd zurück. „Ich würde es vielleicht am besten finden, hundert Liang zu geben. Wenn ich mich nicht an die üblichen Regeln hielte, würdet nicht nur ihr über mich lachen, ich könnte auch in Zukunft eurer zweiten jungen Herrin nicht mehr ins Gesicht sehen.“
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An diesem Tag war Dame König zu einem Festessen im Palast des Fürsten von Jinxiang eingeladen. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling hatten sich schon am frühen Morgen zurechtgemacht, Dame König beim Aufbruch assistiert und waren danach in die Halle gegangen. Sie hatten sich gerade hingesetzt und tranken Tee, als Wu Xindengs Frau hereinkam und meldete: "Zhao Guoji, der Bruder der Nebenfrau Zhao, ist gestern verstorben. Ich habe es gestern der gnädigen Frau gemeldet, und die gnädige Frau hat gesagt, sie wisse Bescheid, ich solle es dem gnädigen Fräulein und der jungen Herrin berichten.“ Damit ließ sie die Arme hängen, verharrte in dienstfertiger Haltung am Rand und sagte kein Wort mehr.
„Dann werde ich also in den alten Zahlungsbelegen nachsehen lassen“, schlug Wu Hsin-dëngs Frau lächelnd vor. „Ich kann mich jetzt nicht daran erinnern.“
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„Soso“, nahm Tan-tschun wieder lächelnd das Wort, „du, die du im Dienst alt geworden bist, kannst dich also nicht daran erinnern, aber uns hier in die Enge treiben, das kannst du. Sagst du unter normalen Verhältnissen eurer zweiten jungen Herrin auch, du wirst erst einmal nachsehen lassen? Wenn das so ist, dürfte sie wohl kaum als so streng gelten, sondern eher als sehr nachsichtig. Vielleicht beeilst du dich und bringst mir endlich die Papiere, damit ich sie mir selber ansehen kann! Wenn die Sache auch nur um einen Tag verzögert wird, wird es nicht heißen, ihr wärt unachtsam gewesen, sondern wir wüßten nicht, was wir zu tun haben.“
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Zu dieser Zeit waren etliche Frauen anwesend, die Berichte zu erstatten hatten, und alle warteten gespannt darauf, wie die beiden entscheiden würden. Würde die Entscheidung angemessen ausfallen, würden alle Respekt empfinden. Würde es jedoch auch nur den geringsten Anlass zum Einwand geben, würden sie nicht nur keinen Respekt zeigen, sondern nach dem Verlassen des Innentors auch noch allerlei Witze darüber reißen.
Wie mit Blut übergossen, machte Wu Hsin-dëngs Frau kehrt und ging hinaus. Die zahlreichen Sklavenfrauen aber ließen verblüfft die Zunge aus dem Mund hängen.
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Nachdem inzwischen andere Sklavinnen ihre Berichte gegeben hatten, kam Wu Hsin-dëngs Frau mit den geforderten Belegen zurück. Als Tan-tschun sie durchsah, stellte sie fest, daß in zwei Fällen Konkubinen, die aus dem Hause stammten, je zwanzig Liang bekommen hatten, und zwei von außerhalb je vierzig Liang. Zwei andere von außerhalb hatten mehr bekommen, die eine einhundert Liang, die andere sechzig. Doch diese beiden Zahlungen waren mit Begründungen versehen. Die eine hatte sechzig Liang mehr bekommen, um die Särge ihrer Eltern in eine andere Provinz überführen zu lassen, die zweite hatte die zusätzlichen zwanzig Liang erhalten, um eine Grabstätte kaufen zu können. Tan-tschun reichte Li Wan die Papiere, dann sagte sie: „Gib ihr zwanzig Liang Silber und laß die Belege hier, damit wir sie uns noch genauer ansehen können!“  
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Wu Xindengs Frau hatte natürlich ihre eigene Vorstellung davon, was zu tun war. Hätte Phönixglanz vor ihr gesessen, hätte sie längst ihren Eifer unter Beweis gestellt, mehrere Vorschläge gemacht und allerhand alte Präzedenzfälle herausgesucht, unter denen Phönixglanz hätte wählen können. Nun aber blickte sie auf Seidenweiß Pflaume herab, die ihr zu einfältig erschien, und auf Erkundefrühling ebenso, weil diese nur ein junges Fräulein war. Darum hatte sie absichtlich nur diesen einen Satz gesagt, um die beiden auf die Probe zu stellen.
Nachdem Wu Hsin-dëngs Frau fortgegangen war, kam plötzlich Nebenfrau Dschau herein. Kaum daß Li Wan und Tan-tschun ihr einen Platz angeboten hatten, klagte sie auch schon: „Wenn alle andern im Haus auf mir herumtrampeln, ist mir das egal, Ihr aber müßtet mir Gerechtigkeit widerfahren lassen, Fräulein, meint Ihr nicht?“ Bei diesen Worten begann sie Rotz und Wasser zu heulen.
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„Ich verstehe nicht, was Ihr meint“, gab Tan-tschun sofort zurück. „Wer trampelt auf Euch herum? Sagt es mir, und ich werde Euch zu Eurem Recht verhelfen.“
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Erkundefrühling fragte Frau Li. Seidenweiß Pflaume dachte einen Moment nach und sagte dann: „Als neulich Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, "die Angreifende/der Dufthauch".</ref>s Mutter starb, hat man, wie ich gehört habe, vierzig Liang Silber ausgezahlt. Dann lasst uns hier ebenfalls vierzig Liang geben, und damit basta.
„Ihr seid es, die auf mir herumtrampelt, bei wem soll ich mich also beschweren?!erwiderte Nebenfrau Dschau.
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Sofort sprang Tan-tschun auf und sagte: „Wie würde ich so etwas wagen?!“
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Wu Xindengs Frau hörte das, sagte eilig „Jawohl!“, nahm die Anweisungsmarke entgegen und wollte gehen.
Auch Li Wan stand auf, um den beiden gut zuzureden, Nebenfrau Dschau aber fuhr fort: „Setzt Euch doch und hört mich an! Ich bin hier im Hause alt geworden und bin immer schikaniert worden, obwohl ich Euch und Euren Bruder geboren habe. Und jetzt bin ich nicht einmal so viel wert wie Hsi-jën. Was bleibt mir da noch an Ansehen übrig? Ihr selbst verliert Euer Ansehen, von mir ganz zu schweigen.
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„Das also meint Ihr!“ sagte Tan-tschun und lächelte. „Ich sage Euch, ich bin nicht der Mensch, um gegen Recht und Gesetz zu verstoßen.“ Mit diesen Worten nahm sie wieder Platz, griff nach den Zahlungsbelegen, blätterte sie Nebenfrau Dschau hin und las sie ihr dabei vor. Dann sagte sie: „Das sind die alten Regelungen, die uns aus den Händen der Ahnen überkommen sind. Ein jeder hält sich daran, und nun werde ausgerechnet ich sie ändern, ja?  
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"Halt, komm zurück!“, befahl Erkundefrühling.
Nicht nur Hsi-jën wird so behandelt. Wenn Huan einmal eine Nebenfrau von draußen nimmt, wird für sie selbstverständlich das gleiche gelten. Es gibt da gar nichts zu streiten, und von verlorenem Ansehen kann nicht die Rede sein. Wer eine Sklavin der gnädigen Frau ist, wird von mir nach den überkommenen Vorschriften behandelt. Wer damit zufrieden ist, der  
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Notgedrungen kehrte Wu Xindengs Frau um.
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„Hol noch kein Silber“, fuhr Erkundefrühling fort. "Erst will ich dich etwas fragen: Bei den alten Nebenfrauen in den Gemächern der Herzoginmutter wurde stets unterschieden zwischen denen, die aus dem Haus stammten, und denen, die von draußen kamen. Wie viel wurde gegeben, wenn bei einer von hier jemand starb, und wie viel bei einer von draußen? Nenne mir ein paar Beispiele.
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Auf diese Frage hin wollte sich Wu Xindengs Frau plötzlich an nichts erinnern können und sagte eilfertig mit aufgesetztem Lächeln: „Das ist doch keine so wichtige Angelegenheit. Wer würde es wagen, über die Höhe zu streiten?“
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Erkundefrühling lachte: "Das ist Unsinn! Nach mir ginge es, hundert Liang zu geben. Aber wenn ich mich nicht an die bestehenden Regeln halte, werden nicht nur die Leute über mich lachen ich könnte auch der zweiten jungen Herrin künftig nicht mehr ins Gesicht sehen.“
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Wu Xindengs Frau sagte lächelnd: „Wenn dem so ist, werde ich die alten Rechnungsbücher nachschlagen. Im Augenblick kann ich mich nicht erinnern.“
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Erkundefrühling lachte: "Du führst seit Jahren diesen Dienst und kannst dich nicht erinnern, aber uns willst du in die Enge treiben? Sagst du etwa auch deiner zweiten jungen Herrin, du müsstest erst nachschlagen? Wenn das so wäre, dann wäre Phönixglanz ja gar nicht so streng, sondern geradezu nachsichtig! Also beeil dich und bring mir die Unterlagen, damit ich sie selbst ansehen kann. Wenn die Sache auch nur um einen Tag verzögert wird, dann heißt es nicht, ihr wäret nachlässig gewesen, sondern wir hätten keine eigene Meinung.“
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Wu Xindengs Frau war über und über rot geworden. Hastig machte sie kehrt und ging hinaus. Die Verwalterinnen draußen reckten verblüfft die Zunge heraus. Inzwischen wurden andere Angelegenheiten vorgetragen.
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Bald darauf kam Wu Xindengs Frau mit den alten Rechnungsbüchern zurück. Erkundefrühling sah sie durch und fand: In zwei Fällen, in denen die Nebenfrau aus dem Haus stammte, waren jeweils zwanzig Liang gezahlt worden; in zwei Fällen, in denen sie von außerhalb kam, jeweils vierzig Liang. Daneben gab es noch zwei Zahlungen an Frauen von außerhalb — einmal hundert Liang und einmal sechzig Liang. Bei beiden war ein besonderer Grund vermerkt: Im einen Fall waren die sechzig Liang zusätzlich für die Überführung der Elternsärge in eine andere Provinz gewährt worden, im anderen die zwanzig Liang zusätzlich für den Kauf einer Grabstätte. Erkundefrühling reichte die Unterlagen an Seidenweiß Pflaume weiter, dann sagte sie: „Gebt ihm zwanzig Liang Silber. Die Bücher lasst hier, wir werden sie uns noch genauer ansehen.
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Wu Xindengs Frau ging fort. Da kam plötzlich Nebenfrau Zhao herein. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling boten ihr eilig einen Platz an, doch kaum dass sie sich gesetzt hatte, brach sie schon los: "Alle Leute in diesem Haus trampeln auf meinem Kopf herum — das mag ja noch hingehen. Aber Ihr, Fräulein, solltet doch ein wenig nachdenken und mir zu meinem Recht verhelfen!“ Bei diesen Worten begann sie hemmungslos zu weinen.
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„Ich verstehe nicht, was Ihr meint, Tante“, erwiderte Erkundefrühling sofort. "Wer trampelt auf Euch herum? Sagt es mir, und ich werde Euch zu Eurem Recht verhelfen.“
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Nebenfrau Zhao antwortete: „Ihr selbst seid es, die auf mir herumtrampelt! Bei wem soll ich mich also beschweren?“
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Sofort sprang Erkundefrühling auf und sagte: "Ich würde so etwas niemals wagen!“
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Auch Seidenweiß Pflaume stand auf, um zu beschwichtigen. Nebenfrau Zhao aber fuhr fort: „Setzt Euch doch und hört mich an! Ich bin in diesem Haus alt geworden, habe mich mein ganzes Leben lang abgerackert, habe Euch und Euren Bruder zur Welt gebracht — und jetzt bin ich nicht einmal so viel wert wie Dufthauch! Was bleibt mir da noch an Ansehen? Nicht einmal Ihr habt noch ein Gesicht, von mir ganz zu schweigen!
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Erkundefrühling lächelte: "So ist das also. Ich sage Euch: Ich bin nicht der Mensch, der gegen Recht und Vorschrift verstößt.“ Damit setzte sie sich wieder, nahm die Rechnungsbücher und blätterte sie Nebenfrau Zhao hin, las ihr daraus vor und sagte: „Das sind die alten Regelungen, die von den Ahnen auf uns gekommen sind. Jeder hält sich daran — soll ausgerechnet ich sie ändern? Das betrifft nicht nur Dufthauch. Wenn Huan einmal eine Nebenfrau von draußen nimmt, wird für sie selbstverständlich dasselbe gelten. Da gibt es nichts zu streiten, und von Gesichtsverlust kann keine Rede sein. Dufthauch ist eine Dienerin der gnädigen Frau, und ich handle nach den überlieferten Vorschriften. Wer sagt, es sei gut so, der genießt die Gnade der Ahnen und die Güte der gnädigen Frau. Wer es ungerecht findet, der ist dumm und weiß sein Glück nicht zu schätzen — soll er nur grollen!
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Wenn die gnädige Frau jemandem das ganze Haus schenkt, gewinne ich dadurch kein Ansehen, und wenn sie jemandem keinen einzigen Heller gibt, verliere ich auch keines. Wenn die gnädige Frau nicht zu Hause ist, tätet Ihr besser daran, Euch auszuruhen und Eure Kräfte zu schonen, anstatt Euch unnötig aufzuregen. Die gnädige Frau liebt mich von ganzem Herzen, doch weil Ihr, Tante, immer wieder Unruhe stiftet, war sie schon mehrmals bitter enttäuscht. Wäre ich doch nur ein Mann! Ich hätte längst das Haus verlassen, stünde auf eigenen Beinen und lebte nach meinen eigenen Grundsätzen. Aber weil ich ein Mädchen bin, steht es mir nicht zu, auch nur ein einziges unbedachtes Wort zu sagen. Das weiß die gnädige Frau ganz genau. Und eben weil sie mich schätzt, hat sie mich beauftragt, den Haushalt mit zu führen. Noch ehe ich auch nur eine einzige gute Tat vollbringen konnte, kommt Ihr und zieht mich in den Schmutz! Was, wenn die gnädige Frau davon erfährt und meint, die Sache sei mir zu unangenehm, und mir den Posten wieder abnimmt? Dann ist mein Ansehen wirklich dahin — und Eures genauso!“
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Während sie sprach, liefen ihr unwillkürlich Tränen über das Gesicht.
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Nebenfrau Zhao wusste nichts Besseres zu erwidern als: "Wenn die gnädige Frau Euch so liebt, müsstet Ihr uns doch erst recht unter die Arme greifen. Aber Ihr denkt nur daran, Euch bei der gnädigen Frau einzuschmeicheln, und habt uns ganz vergessen.“
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Erkundefrühling entgegnete: „Wie habe ich Euch vergessen? Und wie soll ich Euch unter die Arme greifen? Fragt Euch doch selbst: Welche Herrschaft liebt nicht die Bediensteten, die tüchtig und nützlich sind? Und welcher aufrechte Mensch ist auf die Fürsprache anderer angewiesen?“
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Seidenweiß Pflaume versuchte von der Seite her unablässig zu beschwichtigen und sagte: "Seid nicht böse, Tante. Man darf es dem Fräulein nicht verübeln — sie ist ja im Herzen ganz darauf bedacht, Euch zu helfen, nur aussprechen kann sie es nicht.“
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Sofort protestierte Erkundefrühling: „Auch die Schwägerin redet nun Unsinn! Wen will ich denn unterstützen? In welcher Familie werden die Sklaven von den Fräulein des Hauses unterstützt? Ob es ihnen gut oder schlecht ergeht — das solltet Ihr wissen. Was hat das mit mir zu tun?“
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Wütend sagte Nebenfrau Zhao: "Niemand verlangt von Euch, andere zu unterstützen! Wenn Ihr nicht den Haushalt führen würdet, wäre ich erst gar nicht zu Euch gekommen. Ihr habt doch jetzt das Sagen! Wenn Ihr mir für das Begräbnis Eures Onkels zwanzig oder dreißig Liang mehr gebt — meint Ihr wirklich, die gnädige Frau hätte etwas dagegen? Die gnädige Frau ist wahrhaftig eine gütige Herrin! Ihr seid es, die hartherzig und knauserig seid. Es ist Euch leid, dass die Güte der gnädigen Frau nicht zur Geltung kommt! Und es ist ja nicht Euer eigenes Silber! Ich hatte gehofft, wenn Ihr einmal verheiratet seid, würdet Ihr Euch um die Familie Zhao besonders gut kümmern. Aber Ihr habt vergessen, woher Ihr kommt, noch ehe Euch die Federn gewachsen sind, und wollt nur noch hoch hinaus!“
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Noch ehe die letzten Worte verklungen waren, war Erkundefrühling vor Zorn bleich geworden und rang schluchzend nach Atem: „Wer ist mein Onkel? Mein Onkel ist zu Neujahr zum Oberbefehlshaber von neun Provinzen aufgestiegen — wo kommt auf einmal ein weiterer Onkel her? Ich habe mich stets respektvoll verhalten, wie es sich gehört, und zum Dank dafür wird mir nun solche Verwandtschaft angehängt! Wenn Zhao Guoji mein Onkel gewesen wäre — warum stand er dann jedes Mal auf, wenn Huan den Raum verließ? Warum begleitete er ihn zur Schule? Warum kehrte er da nicht den Onkel heraus?
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Wozu muss das alles sein? Jeder weiß doch, dass ich von Euch, einer Nebenfrau, geboren bin. Warum müsst Ihr alle paar Monate einen Vorwand suchen, alles gründlich aufzurühren, als hättet Ihr Angst, irgend jemand könnte es vergessen haben, und deshalb müsstet Ihr es wieder und wieder herausschreien? Ein Glück nur, dass ich vernünftig genug bin! Wäre ich dumm und unverständig, hätte ich schon längst die Geduld verloren.“
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Während Seidenweiß Pflaume in ihrer Aufregung weiterzubeschwichtigen versuchte und Nebenfrau Zhao immer weiter palaverte, hörte man plötzlich jemanden melden: "Die zweite junge Herrin schickt Fräulein Friedchen mit einer Mitteilung.“
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Jetzt endlich hielt Nebenfrau Zhao den Mund. Im nächsten Augenblick trat Friedchen ein. Sofort setzte Nebenfrau Zhao ein Lächeln auf, bot Friedchen einen Sitz an und fragte eilfertig: „Geht es deiner Herrin schon etwas besser? Eben wollte ich sie besuchen, kam aber nicht dazu.“
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Seidenweiß Pflaume sah Friedchen kommen und fragte: "Was führt dich her?“
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Friedchen erwiderte lächelnd: „Die junge gnädige Frau hat gesagt, da jetzt der Bruder von Nebenfrau Zhao verstorben ist, könnten die Herrin und das Fräulein vielleicht nicht über die alten Regelungen Bescheid wissen. Nach dem üblichen Brauch sind nur zwanzig Liang vorgesehen. Sie bittet das Fräulein, nach eigenem Ermessen etwas draufzulegen, wenn sie es für angemessen hält.“
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Erkundefrühling hatte sich längst die Tränen abgewischt und erwiderte sogleich: "Warum ohne Grund etwas drauflegen? War der Verstorbene etwa ein Wunder, das nach vierundzwanzigmonatiger Schwangerschaft zur Welt kam? Oder war er ein Held, der im Krieg seinem Herrn das Leben rettete? Deine Herrin ist wirklich sonderbar — sie will, dass ich den Präzedenzfall schaffe, damit sie als die Wohltäterin dasteht. Mit dem Geld der gnädigen Frau lässt sich schön großzügig sein! Sag ihr: Ich wage es nicht, eigenmächtig etwas zu kürzen oder draufzulegen. Wenn sie etwas zulegen und Gnade walten lassen möchte, soll sie warten, bis sie genesen ist und wieder den Haushalt führt — dann mag sie zahlen, so viel sie will.“
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Friedchen hatte schon beim Eintreten die Lage halb durchschaut, und bei diesen Worten war ihr alles klar. Da Erkundefrühling noch immer zornig dreinblickte, wagte sie nicht, sich so ungezwungen zu verhalten wie sonst in fröhlichen Zeiten, und blieb still und dienstfertig an der Seite stehen.
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Gerade kam auch Schatzspange aus den Räumen von Dame König herüber. Erkundefrühling und die anderen standen eilig auf und boten ihr einen Platz an. Noch bevor jemand etwas sagen konnte, kam wieder eine Verwalterfrau herein, um etwas zu berichten. Da Erkundefrühling soeben geweint hatte, brachten drei oder vier kleine Dienstmädchen eine Waschschüssel, Tücher, einen Handspiegel und Toilettenartikel.
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Erkundefrühling sass mit untergeschlagenen Beinen auf der niedrigen Ruhebank. Das Mädchen mit der Waschschüssel trat vor sie hin, kniete sich auf beide Knie nieder und hielt die Schüssel in die Höhe. Die beiden anderen Mädchen knieten ebenfalls nieder und reichten Tücher, Spiegel, Rouge und Puder dar. Da Dienstbuch nirgends zu sehen war, trat Friedchen eilig heran, krempelte Erkundefrühling die Ärmel hoch, streifte ihr die Armreife ab und breitete ein großes Handtuch über ihr Gewand, um es zu schützen. Erst dann streckte Erkundefrühling die Hände in die Schüssel und wusch sich.
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Da begann die Verwalterfrau ihren Bericht: „Junge gnädige Frau und gnädiges Fräulein, die Familienschule verlangt die diesjährigen Unkosten für den jungen Herrn Huan und den jungen Herrn Lan.“
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Friedchen ergriff als Erste das Wort: "Was soll die Eile? Siehst du denn nicht, dass sich das Fräulein gerade wäscht? Statt draußen zu warten, platzt du hier einfach herein! Würdest du dich vor der zweiten jungen Herrin auch so benehmen? Das Fräulein ist zwar nachsichtig, aber wenn ich drüben meiner Herrin berichte, dass ihr alle das Fräulein für nichts achtet, handelt ihr euch etwas ein. Dann macht mir aber keine Vorwürfe!“ Die Frau erschrak, setzte eilig ein Lächeln auf, entschuldigte sich — „Ich war unachtsam“ — und zog sich rasch nach draußen zurück.
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Erkundefrühling war inzwischen beim Schminken und wandte sich mit einem kühlen Lächeln an Friedchen: "Du bist einen Schritt zu spät gekommen. Es gab noch etwas Lächerlicheres: Selbst eine so altgediente Frau wie Wu Xindengs Gattin erschien hier, ohne sich vorher Klarheit verschafft zu haben, und wollte uns an der Nase herumführen. Als wir sie dann befragten, hatte sie sogar noch die Stirn zu behaupten, sie könne sich an nichts erinnern. Wenn sie deiner Herrin etwas meldet und sagt, sie müsse erst nachschlagen — glaubst du, deine Herrin hätte die Geduld, darauf zu warten?“
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Friedchen erwiderte lächelnd: „Wenn so etwas auch nur ein einziges Mal vorgekommen wäre, hätte ihr meine Herrin gewiss schon längst die Sehnen aus den Beinen gerissen! Glaubt ihnen nichts, Fräulein. Die sehen, dass die Herrin hier ein gutherziger Bodhisattva ist und das Fräulein ein zartes junges Mädchen, und schon versuchen sie, es sich bequem zu machen und euch frech ins Gesicht zu lügen.“ Dann rief sie in Richtung Tür: "Treibt es nur weiter so! Wenn die junge Herrin wieder gesund ist, sprechen wir uns!“
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Die Verwalterinnen draußen erwiderten lächelnd: „Fräulein, Ihr seid doch ein verständiger Mensch! Wie das Sprichwort sagt: ›Jeder muss seine eigene Zeche zahlen.‹ Wir würden es niemals wagen, das Fräulein zu hintergehen. Das Fräulein ist so zart und vornehm — wenn wir es wahrhaft erzürnten, verdienten wir es, dass unsere Gebeine unbegraben vermodern.“
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"Gut, dass ihr das wisst“, erwiderte Friedchen kühl. Dann wandte sie sich wieder lächelnd an Erkundefrühling: „Ihr wisst ja, Fräulein, wie viel die zweite junge Herrin zu tun hat. Da kann sie sich unmöglich um alles kümmern, und es ist nicht ausgeschlossen, dass manches übersehen worden ist. Wie man sagt: ›Der Zuschauer sieht klarer als der Spieler.‹ In den letzten Jahren habt Ihr mit kühlem Blick zugesehen — vielleicht ist Euch aufgefallen, wo Mittel hätten gekürzt oder aufgestockt werden sollen, ohne dass die zweite junge Herrin es getan hat. Wenn Ihr das jetzt tut, ist es erstens im Interesse der gnädigen Frau, und zweitens beweist Ihr damit die Freundschaft, die Ihr unserer jungen Herrin schon immer entgegengebracht habt.“
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Noch bevor sie den Satz beendet hatte, fielen Schatzspange und Seidenweiß Pflaume lachend ein: "Was für ein prächtiges Mädchen! Es ist wirklich kein Wunder, dass Phönixglanz ausgerechnet sie so gernhat! Du meinst also, wir sollten uns jetzt ein paar Dinge vornehmen, die bisher nicht erledigt worden sind? Da sollst du nicht enttäuscht werden!“
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Auch Erkundefrühling lächelte: „Ich hatte einen Bauch voll Wut und keinen, an dem ich sie auslassen konnte. Schon hatte ich mir ihre Herrin dafür ausgesucht — da platzt sie herein und sagt diese Dinge, sodass ich gar nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht.“ Dann rief sie die Verwalterfrau von vorhin herein und fragte: "Wofür werden die Jahresgelder für den jungen Herrn Huan und den jungen Herrn Lan in der Familienschule verwendet?“
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Die Frau antwortete: „Jeder erhält acht Liang Silber im Jahr für den Imbiss in der Schule und für Schreibpinsel und Papier.“
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Erkundefrühling sagte: "Für den Aufwand der jungen Herren bekommt jeder Haushalt ein Monatsgeld. Für Huan erhält Nebenfrau Zhao zwei Liang, für Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade".</ref> erhält Dufthauch zwei Liang aus den Gemächern der Herzoginmutter, und für Lan bekommt sie die ältere junge Herrin. Warum werden dann noch einmal acht Liang pro Person an die Schule gezahlt? Gehen sie etwa nur wegen dieser acht Liang in die Schule? Ab sofort wird dieser Posten gestrichen! Friedchen, wenn du nach Hause kommst, bestelle deiner Herrin, was ich gesagt habe: Diese Zahlung muss unbedingt abgeschafft werden.“
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Friedchen erwiderte lächelnd: „Sie hätte schon längst abgeschafft werden sollen. Gegen Jahresende hatte die junge Herrin sie streichen wollen, vergass es aber, weil um den Jahreswechsel so viel zu tun war.“
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Die Verwalterfrau sagte notgedrungen "Jawohl“ und ging. Darauf brachten Dienerinnen aus dem Garten der Großen Anschauung Speisekästen mit dem Essen.
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Dienstbuch und Suyun hatten längst einen kleinen Esstisch hereingetragen, und Friedchen half eilfertig beim Auftragen.
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Erkundefrühling sagte lächelnd: „Wenn du alles gesagt hast, geh ruhig. Was machst du dich hier noch zu schaffen?“
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Friedchen erwiderte lächelnd: "Ich habe weiter nichts zu tun. Die zweite junge Herrin hat mich zum einen hergeschickt, um die Mitteilung zu überbringen, zum anderen, weil sie meinte, hier sei zu wenig Personal — ich soll den Mädchen helfen, die junge Herrin und das Fräulein zu bedienen.“
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Erkundefrühling fragte: „Warum hat man das Essen für Fräulein Schatzspange nicht gleich mitgebracht, damit wir zusammen essen können?“
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Kaum hatten die Dienstmädchen das gehört, liefen sie hinaus zu den Verwalterinnen im Säulengang und riefen: "Fräulein Schatzspange isst heute hier mit — lasst ihr Essen herbringen!“
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Als Erkundefrühling das hörte, sagte sie laut und bestimmt: „Kommandiert nicht so sinnlos herum! Das sind alles Verwalterfrauen, die für wichtige Angelegenheiten zuständig sind. Ihr schickt sie los, Essen und Tee zu holen, ohne den Unterschied zwischen hoch und niedrig zu kennen! Friedchen steht hier — sie kann Bescheid sagen gehen.“
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Friedchen antwortete ohne Zögern "Jawohl“ und ging hinaus. Draußen fassten die Verwalterinnen sie sogleich am Arm, lächelten und flüsterten: „Fräulein, Ihr braucht nicht zu gehen. Wir haben bereits jemanden geschickt.“ Zugleich staubten sie mit ihren Taschentüchern eine Steinstufe ab und luden Friedchen ein: "Ihr steht nun schon so lange, Fräulein, setzt Euch doch ein wenig in den Schatten.“
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Friedchen setzte sich. Zwei alte Frauen aus der Teeküche brachten ein Sitzkissen und legten es auf den Stein: „Der Stein ist kalt. Das Kissen ist ganz sauber — setzt Euch doch einen Moment darauf, Fräulein.“
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Friedchen lächelte und dankte freundlich. Eine andere Frau brachte ihr eine Schale feinen, frischen Tee heraus und sagte leise und lächelnd: "Das ist nicht unser gewöhnlicher Tee, sondern der für die gnädigen Fräulein zubereitete. Erfrischt Euch ein wenig daran, Fräulein.“
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Friedchen beugte sich eilig vor, um die Schale entgegenzunehmen, dann wies sie auf die Verwalterinnen und sagte leise: „Ihr treibt es wirklich zu weit. Sie ist ein Fräulein und tut sich weder wichtig, noch fährt sie aus der Haut — das ist ihre Würde. Aber ihr behandelt sie geringschätzig und tretet ihr zu nahe. Wenn ihr sie wirklich so weit treibt, dass sie in Zorn gerät — von ihr wird es nur heißen, sie sei ungehobelt gewesen, und damit ist es erledigt; ihr aber handelt euch etwas ein, was ihr nicht verkraften könnt. Wenn sie nur ein kleines Schmollen zeigt, muss selbst die gnädige Frau ihr nachgeben, und auch die zweite junge Herrin wagt nicht, etwas dagegen einzuwenden. Wenn ihr so frech seid, sie zu verachten, ist das nichts als ein Ei, das sich am Stein zerschlägt.“
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Sofort verteidigten sich die Frauen: "Wie hätten wir es gewagt, frech zu sein! Das alles ist nur Nebenfrau Zhaos Schuld.“
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Friedchen flüsterte weiter: „Lastt es gut sein, werte Damen! ›Wenn die Mauer einstürzt, schieben alle mit.‹ Nebenfrau Zhao handelt wirklich unüberlegt, aber immer wird alles ihr in die Schuhe geschoben. Meint ihr, ich hätte in all den Jahren nicht bemerkt, wie hochmütig und hinterhältig ihr seid? Wäre die zweite junge Herrin auch nur ein wenig angreifbarer, ihr hättet sie längst zu Fall gebracht. Und selbst so, wie es ist, lauert ihr auf jede Gelegenheit, um ihr Schwierigkeiten zu machen. Mehr als einmal wäre sie beinahe euren bösen Zungen zum Opfer gefallen.
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Alle Welt sagt, sie sei streng, und ihr hättet Angst vor ihr. Doch ich allein weiß, dass man wahrlich nicht sagen kann, sie hätte in ihrem Herzen nicht auch Angst vor euch. Neulich erst haben wir darüber gesprochen und festgestellt, dass hier nicht mehr alles im Lot ist und es mit Sicherheit noch ein paar hässliche Szenen geben wird. Das dritte Fräulein ist zwar noch ein Mädchen, und ihr seht sie alle scheel an. Aber unter all den Schwägerinnen der zweiten jungen Herrin ist sie die Einzige, vor der meine Herrin wirklich einigen Respekt hat. Und ausgerechnet sie nehmt ihr jetzt nicht ernst.“
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Kaum hatte sie das gesagt, erschien Herbstmuster im Hof. Die Verwalterinnen begrüßten sie eilig und sagten: "Ruht Euch ebenfalls ein wenig aus, Fräulein! Drinnen wird gerade gegessen. Wartet doch, bis der Tisch abgeräumt ist, bevor Ihr hineingeht.“
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Herbstmuster sagte lächelnd: „Mich kann man nicht mit euch gleichsetzen. Warum sollte ich warten?“ Schon wollte sie schnurstracks in die Halle eintreten, als Friedchen rief: "Komm sofort zurück!“
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Herbstmuster drehte sich um, erblickte Friedchen und lachte: „Was machst du hier draußen — spielst du den Wachposten?“ Dann setzte sie sich neben Friedchen auf das Kissen.
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"Was willst du melden?“, fragte Friedchen leise.
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„Ich wollte fragen, wann endlich das monatliche Silber für Schatzjade und unser Monatsgeld ausgezahlt werden“, antwortete Herbstmuster.
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"Was für eine Wichtigkeit!“, meinte Friedchen. „Geh schnell zurück und sage Dufthauch, sie solle heute nichts melden lassen, gleich was es ist. Wenn sie eine Sache meldet, wird man ihr diese eine Sache abschlagen; meldet sie hundert, werden hundert abgeschlagen.“
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"Warum das?“, wollte Herbstmuster wissen.
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Friedchen und die Verwalterinnen erklärten ihr den Grund und fügten hinzu: „Man wartet geradezu darauf, dass jemand Gewichtiges mit etwas Wichtigem kommt, um ein Exempel zu statuieren und allen anderen eine Warnung zu erteilen. Wollt ausgerechnet ihr es sein, die es trifft? Wenn du jetzt hineingehst und sie das Exempel an euch statuieren will, stehen ihr die Herzoginmutter und die gnädige Frau im Weg. Lässt sie euch aber ungeschoren, dann heißt es, sie sei parteiisch — vor denen, die sich auf die Herzoginmutter und die gnädige Frau stützen können, habe sie Angst, nur an den Schwachen lasse sie alles aus. Glaub mir: Sie wird sogar der zweiten jungen Herrin ein paar Anordnungen aufheben, nur um den Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen.“
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Herbstmuster ließ verblüfft die Zunge heraus, dann lachte sie: "Ein Glück, dass Schwester Friedchen hier war! Sonst hätte ich mir eine blutige Nase geholt. Ich sage lieber gleich drüben Bescheid!“ Damit stand sie auf und ging davon.
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Inzwischen wurde Schatzspanges Essen gebracht, und Friedchen ging wieder hinein, um bei Tisch aufzuwarten. Nebenfrau Zhao war mittlerweile gegangen. Die drei sassen auf der Holzbank und assen: Schatzspange in der Mitte mit dem Gesicht nach Süden, Erkundefrühling mit dem Gesicht nach Westen, Seidenweiß Pflaume mit dem Gesicht nach Osten. Alle Verwalterinnen standen draußen im Säulengang und warteten schweigend. Drinnen waren nur die engsten Vertrauten und ständigen Begleiterinnen der drei anwesend, um sie zu bedienen. Niemand sonst wagte hinein.
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Draußen berieten sich die Verwalterinnen flüsternd: „Lastt uns lieber vernünftig sein und keine unlauteren Pläne schmieden. Selbst Frau Wu hat vorhin eine Abfuhr erhalten — welches Ansehen genießen wir denn erst?“ So tuschelten sie miteinander und warteten auf das Ende der Mahlzeit, um ihre Berichte erstatten zu können. Drinnen aber herrschte Totenstille; kein Schüsselklirren, kein Stäbchenklappern war zu vernehmen.
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Dann sah man, wie ein Dienstmädchen den Türvorhang hochhob und zwei andere den Tisch heraustrugen. In der Teeküche standen längst drei Mädchen mit Waschschüsseln bereit; als der Tisch herausgetragen war, trugen sie die Schüsseln hinein. Bald darauf kamen sie mit den Schüsseln und Mundspülschalen wieder heraus. Nun trugen Dienstbuch, Suyun und Oriole je ein Tablett mit einem Deckelschälchen Tee hinein. Als sie wieder herauskamen, befahl Dienstbuch den kleineren Mädchen: "Wartet drinnen ordentlich auf! Wenn wir vom Essen zurückkommen, lösen wir euch ab. Schleicht euch nicht wieder heimlich davon, um irgendwo herumzusitzen!“
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Erst jetzt wagten sich die Verwalterinnen langsam, eine nach der anderen, wieder hinein und erstatteten der Rangfolge gemäß ihre Berichte. Dabei wagten sie nicht mehr, so geringschätzig und nachlässig zu sein wie zuvor.
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Erkundefrühlings Zorn war allmählich verraucht. Sie wandte sich an Friedchen und sagte: „Ich habe etwas Wichtiges auf dem Herzen, das ich schon lange mit deiner Herrin besprechen wollte. Heute fällt es mir glücklicherweise wieder ein. Iss schnell und komm dann wieder her. Fräulein Schatzspange ist auch hier — wir können zu viert darüber beraten und es dann deiner Herrin im Einzelnen vortragen, ob es sich verwirklichen lässt oder nicht.“
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Friedchen sagte "Jawohl“ und ging nach Hause.
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Phönixglanz fragte, warum sie den ganzen Tag fortgewesen sei, und Friedchen erzählte ihr lächelnd alles von Anfang bis Ende.
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Phönixglanz lachte: „Gut, gut, gut! Ein gutes Mädchen, diese dritte Schwester! Ich habe immer gewusst, dass sie etwas taugt. Nur schade, dass ihr kein gutes Los beschieden ist — sie hätte aus dem Leib der gnädigen Frau zur Welt kommen sollen.“
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Friedchen sagte lächelnd: "Nun redet auch Ihr Unsinn, junge Herrin. Auch wenn nicht die gnädige Frau sie geboren hat — wer würde es wagen, sie geringer zu schätzen als die anderen Töchter des Hauses?“
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Phönixglanz seufzte: „Was weißt du schon! Obwohl die Kinder von Nebenfrauen dem Rang nach gleichgestellt sind, ist doch bei den Töchtern ein Unterschied, der sich bei der Verlobung zeigt. Heutzutage gibt es leichtfertige Menschen, die sich als Erstes erkundigen, ob ein Fräulein die Tochter der Hauptfrau oder einer Nebenfrau ist, und die eine Tochter der Nebenfrau zumeist verschmähen. Dabei weiß jeder, dass bei uns — ganz zu schweigen von den Töchtern der Nebenfrauen — selbst die Dienerinnen noch etwas Besseres sind als anderer Leute Fräulein. Wer weiß, welcher Pechvogel sein Glück verspielt, weil er zwischen Hauptfrau und Nebenfrau unterscheidet, und welcher Glückspilz Erkundefrühling einmal bekommt, weil er diesen Unterschied nicht macht!“
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Dann fuhr Phönixglanz, wieder lächelnd, fort und wandte sich an Friedchen: "Du weißt ja, wie viele Sparmassnahmen ich in den letzten Jahren ersonnen habe. Es gibt wohl niemanden in der ganzen Familie, der mich deswegen nicht insgeheim hasst. Nun sitze ich einmal auf dem Tiger und muss weiterreiten — auch wenn ich manches klarer sehe als zuvor, kann ich es mir nicht leisten, jetzt lockerzulassen. Zumal unsere Ausgaben groß sind und die Einnahmen gering. Alle wichtigen und unwichtigen Dinge richten sich nach den Grundsätzen der Ahnen, obwohl die Einnahmen aus den Gütern bei weitem nicht mehr so hoch sind wie früher. Spare ich aber zu sehr, lachen die Leute, die Herzoginmutter und die gnädige Frau fühlen sich gekränkt, und das Gesinde beklagt sich über Geiz. Wenn wir jedoch nicht bald einen Weg zum Sparen finden, ist in wenigen Jahren unser ganzer Besitz aufgebraucht.“
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Friedchen bestätigte: „So ist es. Drei oder vier Fräulein, zwei oder drei junge Herren und die Herzoginmutter — für all das werden noch große Summen gebraucht.“
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Phönixglanz sagte lächelnd: "Das habe ich alles schon durchgerechnet; es wird wohl reichen. Wenn Schatzjade heiratet und Schwester Kajaljade einen Mann bekommt, brauchen wir dafür kein Geld aus der Familienkasse — die Herzoginmutter hat ihre eigenen Ersparnisse, die sie dafür aufwenden wird. Das zweite Fräulein Willkommensfrühling<ref>Chin. 迎春 Yíngchūn, „Willkommens-Frühling".</ref> gehört zum Haushalt des älteren Herrn und zählt daher nicht mit. Bleiben drei oder vier Fräulein. Rechnet man für jede höchstens zehntausend Liang, für die Hochzeit des jungen Herrn Huan höchstens dreitausend Liang — von irgendeiner Stelle lässt sich das schon einsparen. Wenn es mit der Herzoginmutter einmal so weit ist, ist das meiste schon vorbereitet; es bleiben nur Kleinigkeiten, die drei- bis fünftausend Liang kosten mögen. Wenn wir also jetzt noch etwas sparsamer leben, kommen wir aus. Ich fürchte nur, es könnten ein oder zwei unvorhergesehene Dinge dazwischenkommen — dann wären wir übel dran.
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Aber lassen wir die Zukunft. Iss jetzt erst einmal und hör dir dann an, was sie beraten wollen! Die Sache kommt mir gerade recht, denn ich mache mir Sorgen, dass ich keine geeignete Stütze habe. Schatzjade ist zwar da, aber er taugt nicht für solche Aufgaben; selbst wenn ich ihn fügig machte, hätte ich keinen Nutzen von ihm. Die ältere junge Herrin Seidenweiß Pflaume ist eine Heilige und würde mir auch nichts nützen. Das zweite Fräulein Willkommensfrühling erst recht nicht, und sie gehört überdies nicht zu unserem Haushalt. Bedauerfrühling<ref>Chin. 惜春 Xīchūn, „Bedaure-den-Frühling".</ref> ist zu jung, der kleine Herr Lan noch jünger. Und der junge Herr Huan ist nichts als ein frierendes Kätzchen, das sich gern das Fell versengt, wenn es nur in den Ofen kriechen kann. Da sind wahrhaftig zwei Kinder aus dem Leib derselben Mutter geboren, und zwischen ihnen klafft ein himmelweiter Unterschied! Sooft ich daran denke, kann ich mich nicht damit abfinden.
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Dann haben wir noch Schwester Kajaljade und Fräulein Schatzspange. Beide wären nicht schlecht geeignet, aber ausgerechnet sie gehören zur Verwandtschaft und können deshalb nicht gut unseren Haushalt führen. Außerdem gleicht die eine einer gemalten Schönheit auf einer Papierlaterne — der erste Windstoß macht sie kaputt. Und die andere hat es sich zur Regel gemacht: ›Was mich nichts angeht, darüber rede ich nicht; wer mich fragt, dem schüttle ich dreimal den Kopf.‹ So kann man sich schlecht an sie wenden. Es bleibt einzig Erkundefrühling — bei der sind Herz und Mund am rechten Fleck. Außerdem gehört sie voll und ganz zu unserem Haushalt, und die gnädige Frau hat sie gern. Zwar macht sie immer ein gleichgültiges Gesicht, aber daran ist nur dieses alte Stück von einer Nebenfrau Zhao schuld.
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Innerlich gilt Erkundefrühling der gnädigen Frau genauso viel wie Schatzjade — ganz im Unterschied zum jungen Herrn Huan, der es einem wirklich schwer macht, ihn gernzuhaben; wenn es nach mir ginge, hätte ich ihn längst hinausgeworfen. Da sie nun solche Pläne hat, sollten wir uns zusammentun und einander unterstützen — dann bin ich nicht mehr auf mich allein gestellt. Vom Standpunkt der Allgemeinheit aus und nach allem, was Anstand und Gewissen verlangen, brauchen wir uns durch ihre Hilfe weniger das Hirn zu zermartern, und die Sache der gnädigen Frau hat einigen Nutzen.
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Von meinem eigenen, egoistischen Standpunkt aus ist es so, dass ich bisher wohl zu hart gewesen bin und deshalb in den Hintergrund treten und abwarten sollte. Setze ich den Leuten weiter so zu, treibe ich ihren Hass auf die Spitze, und hinter jedem Lächeln lauert dann ein Dolch. Wir beide zusammen haben nur vier Augen und zwei Köpfe — ein unachtsamer Augenblick, und wir sind verloren. Wenn in dieser heiklen Lage Erkundefrühling nach außen hin in Erscheinung tritt, wird der Hass, den die Leute gegen uns hegen, allmählich verfliegen.
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Und noch etwas muss ich dir sagen: Sie ist zwar ein Mädchen, begreift aber alles und jedes — nur mit ihren Worten ist sie zurückhaltend. Und sie kann besser lesen und schreiben als ich, was sie noch tüchtiger macht. Nun heißt es im Sprichwort: ›Willst du die Bande fangen, fang zuerst den Anführer.‹ Wenn sie jetzt neue Maßstäbe setzen will, wird sie unweigerlich bei mir den Anfang machen. Wenn sie also eine meiner Anordnungen zurückweist, darfst du nicht widersprechen — du musst im Gegenteil umso demütiger sein und ihr recht geben. Auf gar keinen Fall darfst du dir Gedanken machen, ob mein Ansehen dadurch leidet. Wenn du auch nur ein einziges Wort gegen sie sagst, ist alles verdorben.“
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Friedchen ließ sie gar nicht erst ausreden und sagte lächelnd: „Ihr haltet mich wirklich für zu dumm! Ich habe doch schon vorhin genau so gehandelt, und jetzt belehrt Ihr mich noch.“
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Phönixglanz erwiderte lächelnd: "Ich fürchtete nur, in deinem Herzen und deinen Augen sei nur für mich Platz und für sonst niemanden — darum musste ich es noch einmal sagen. Aber da du schon danach gehandelt hast, bist du offenbar klüger als ich. Vor lauter Eifer hast du mich allerdings schon wieder einfach geduzt.“
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Friedchen sagte: „Und ob ich ›du‹ sage! Wenn es dir nicht passt — hier sind meine Wangen. Schlag nur! Als ob sie noch nicht wüssten, wie sich das anfühlt!“
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Phönixglanz lachte: "Du kleine Frechheit! Wie oft willst du mir das noch vorhalten? Obwohl ich so krank bin, musst du mich noch ärgern. Komm, setz dich her! Da ohnehin niemand kommt, können wir auch zusammen essen.“
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In diesem Augenblick traten Fenger und drei oder vier andere Dienstmädchen herein und stellten ein kleines Tischchen auf das Ofenbett. Phönixglanz ass nur Schwalbennester-Reisbrei mit zwei Schälchen feiner Beilagen; ihre übliche Tagesration hatte sie bereits abbestellt. Fenger stellte Friedchens vier Portionen Essen auf das Tischchen und füllte ihr Reis in die Schale. Friedchen kniete sich mit einem Bein auf das Ofenbett und blieb mit dem anderen auf dem Boden stehen. So leistete sie Phönixglanz beim Essen Gesellschaft. Nachdem sie ihr auch noch beim Mundspülen und Händewaschen geholfen hatte, ermahnte sie Fenger noch mit einigen Worten und machte sich dann wieder auf den Weg zu Erkundefrühling. Im Hof dort war es still, die Leute hatten sich zerstreut.
  
Aus: Chengjiaben 1791.
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Wer wissen will, wie es weiterging, ...
wird sagen, er genieße die Wohltaten der Ahnen und die Gunst der gnädigen Frau, und wer das ungerecht findet, der ist dumm und weiß sein Glück nicht zu schätzen, soll er also nur immer grollen!
 
Wenn die gnädige Frau jemandem das ganze Haus schenkt, gewinne ich kein höheres Ansehen dadurch, und wenn sie jemandem keine einzige Bronzemünze gibt, büße ich deswegen mein Ansehen nicht ein. Mir scheint, wenn die gnädige Frau außer Haus ist, solltet Ihr gemütlich der Ruhe pflegen, an­statt Euch unnütz aufzuregen. Die gnädige Frau liebt mich von ganzem Herzen, über Euch jedoch war sie schon mehrmals betrübt, weil Ihr immer wieder Skandal machen müßt. Wenn ich doch nur ein Mann wäre! Dann hätte ich schon längst das Haus verlassen, würde auf eigenen Beinen stehen und nach meinen eigenen Grundsätzen leben.
 
Weil ich aber ein Mädchen bin, sage ich kein einziges unbedachtes Wort. Das weiß die gnädige Frau ganz genau, und nur weil sie mich schätzt, hat sie mich jetzt beauftragt, das Hauswesen zu führen. Aber noch ehe ich auch nur eine einzige gute Tat vollbringen konnte, mußtet Ihr kommen und mich in den Schmutz ziehen. Was, wenn die gnädige Frau davon erfährt und mir den Posten wieder abnimmt, weil sie meint, die Sache sei zu unangenehm für mich? Dann ist mein Ansehen wirklich dahin, und Eures genauso.“ Während sie das vorbrachte, liefen ihr unwillkürlich Tränen über das Gesicht.
 
Nebenfrau Dschau wußte ihr nichts Besseres zu erwidern als die Worte: „Wenn die gnädige Frau Euch liebt, müßtet Ihr uns erst recht unterstützen. Ihr aber habt nichts anderes im Sinn, als Euch bei der gnädigen Frau einzuschmeicheln, und uns habt Ihr vergessen.“
 
„Inwiefern habe ich Euch vergessen,“ fragte Tan-tschun, „und wie sollte ich Euch unterstützen? Sucht nur bei Euch selber die Schuld! Welche Herrschaft wird ihre Leute nicht lieben, wenn sie tüchtig sind und sich nützlich machen? Und welcher ordentliche Mensch ist auf Unterstützung von andern angewiesen?!“
 
Li Wan versuchte von der Seite her in einem fort, die beiden zu beruhigen, und sagte jetzt: „Ihr müßt Euch nicht aufregen, Tante, und dürft es dem Fräulein auch nicht verübeln. Sie ist ja von ganzem Herzen darauf bedacht, Euch zu unterstützen, aber wie könnte sie darüber reden!“
 
Doch sofort protestierte Tan-tschun: „Du redest Unsinn, Schwägerin! Wen will ich unterstützen? In welcher Familie werden die Sklaven von den Mädchen des Hauses unterstützt? – Kümmert Euch nur selbst um Euer Geschick, was geht mich das an?!“
 
Wütend sagte Nebenfrau Dschau: „Daß Ihr andere unterstützt, verlangt ja niemand von Euch. Wenn Ihr nicht den Haushalt führen würdet, wäre ich auch nicht zu Euch gekommen. Ihr habt doch jetzt hier das Sagen. Glaubt Ihr, die gnädige Frau würde etwas dagegen haben, wenn Ihr mir für das Begräbnis Eures Onkels zwanzig oder dreißig Liang Silber zuviel geben würdet? Die gnädige Frau ist eindeutig eine gütige Herrin, Ihr seid es, die hartherzig und knickrig seid. Schade nur, daß die gnädige Frau ihre Güte nicht unter Beweis stellen kann! Ist es vielleicht Euer Silber, das Ihr mir geben sollt? Ich habe immer geglaubt, wenn Ihr erst einmal verheiratet seid, würdet Ihr Euch um die Familie Dschau besonders gut kümmern, aber jetzt habt Ihr vergessen, wo Ihr herkommt, noch ehe Ihr flügge seid, und wollt nur noch hoch hinaus.“
 
Tan-tschun war vor Wut bleich geworden, noch ehe die letzten Sätze gesagt waren. Stockend schluchzte sie: „Wer ist mein Onkel? Mein Onkel ist zu Neujahr zum Befehlshaber von neun Provinzen ernannt worden, einen anderen Onkel habe ich nicht. Ich war immer respektvoll, wie es sich gehört, und zum Dank dafür wird mir jetzt solche Verwandtschaft angehängt. Wenn Dschau Guo-dji mein Onkel gewesen wäre, warum mußte er dann jedesmal aufstehen, wenn Bruder Huan den Raum verließ, und warum mußte er ihn zur Schule begleiten? Warum hat er da nicht den Onkel herausgekehrt?
 
Wozu muß denn das alles sein? Wer wüßte denn nicht, daß ich von Euch, einer Nebenfrau geboren wurde? Warum müßt Ihr alle paar Monate einen Vorwand suchen, um alles gründlich aufzurühren, als ob Ihr Angst hättet, irgend jemand könnte das vergessen haben, und deshalb müßtet Ihr es wieder und wieder herausschreien? Ein Glück nur, daß ich so vernünftig bin. Wenn ich dumm und unverständig wäre, hätte ich schon längst die Geduld verloren.“
 
Während Li Wan sich in ihrer Erregung weiter bemühte, die beiden zu besänftigen, und Nebenfrau Dschau immer weiter palaverte, hörten sie plötzlich, wie jemand meldete: „Fräulein Ping-örl kommt im Auftrag der zweiten jungen gnädigen Frau.“
 
Jetzt endlich hielt Nebenfrau Dschau den Mund, und im nächsten Augenblick trat Ping-örl auch schon ein. Rasch setzte Nebenfrau Dschau ein Lächeln auf, bot Ping-örl einen Platz an und fragte: „Geht es deiner jungen Herrin schon ein wenig besser? Eben wollte ich sie besuchen gehen, aber ich war noch nicht frei.“
 
Li Wan aber fragte Ping-örl: „Was willst du hier?“
 
Lächelnd erwiderte Ping-örl: „Die junge gnädige Frau hat gesagt, wo jetzt der Bruder von Tante Dschau entschlafen ist, würdet Ihr und das Fräulein vielleicht nicht wissen, daß es alte Regelungen für solche Fälle gibt, nach denen normalerweise nur zwanzig Liang gezahlt werden dürfen. Angesichts der Umstände sei es aber möglich, daß das Fräulein in diesem Fall noch etwas zulegt.“
 
Schon längst hatte Tan-tschun sich die Tränen abgewischt und erwiderte nun prompt: „Warum sollte ich ohne ersichtlichen Grund etwas zulegen? War der Verstorbene vielleicht ein Naturwunder, das von seiner Mutter erst nach vierundzwanzigmonatiger Schwangerschaft zur Welt gebracht wurde? Oder war er mit im Krieg und hat seinem Herrn das Leben gerettet? Deine Herrin ist wirklich sonderbar, daß sie von mir verlangt, ich solle neue Maßstäbe setzen, damit sie als Wohltäterin dasteht. Auf Kosten der gnädigen Frau hat sie gut wohltätig sein. Sag ihr, ich wage es nicht, den Betrag zu erhöhen oder zu kürzen und unbegründete Entscheidungen zu treffen. Wenn sie etwas zulegen möchte und großzügig sein will, soll sie warten, bis sie gesund ist und wieder den Haushalt führt. Dann mag sie zahlen, soviel sie will.“
 
Schon beim Hereinkommen hatte Ping-örl halbwegs begriffen, daß etwas nicht in Ordnung war, und als sie jetzt diese Worte vernahm, wurde ihr die Sache um so klarer. Angesichts des Zorns, der Tan-tschun noch aus den Augen leuchtete, wagte sie nicht, sich genauso zu verhalten wie sonst, wenn Tan-tschun fröhlich war. Darum blieb sie schweigend und in dienstfertiger Haltung ein wenig abseits stehen.
 
Inzwischen kam auch Bau-tschai aus den Räumen von Dame Wang herüber, und Tan-tschun stand rasch auf, um ihr einen Platz anzubieten. Aber noch ehe sie den Mund aufgemacht hatten, um etwas zu sagen, kam wieder eine Sklavenfrau herein, die etwas berichten wollte, und eben brachten auch drei, vier kleinere Sklavenmädchen eine Waschschüssel, Tücher, einen Handspiegel und andere Toilettenartikel für Tan-tschun, weil sie geweint hatte.
 
Da Tan-tschun mit untergeschlagenen Beinen auf der niedrigen Ruhebank saß, trat das Sklavenmädchen mit der Waschschüssel vor sie hin, ließ sich vor ihr auf die Knie nieder und hielt die Schüssel in die Höhe. Auch die anderen Sklavenmädchen knieten sich hin und streckten Tan-tschun die Tücher, den Spiegel, das Rouge und den Puder entgegen.
 
Ping-örl, die Dai-schu nirgends entdecken konnte, trat ebenfalls rasch mit heran, krempelte Tan-tschun die Ärmel auf, streifte ihr die Armreife ab und breitete ein großes Handtuch über ihr Gewand, um es damit zu schützen. Jetzt erst griff Tan-tschun in die Schüssel und begann sich zu waschen. Da sagte die Sklavenfrau: „Junge gnädige Frau und gnädiges Fräulein, ich soll Euch melden, die Familienschule verlangt die diesjährigen Gelder für die jungen Herren Huan und Lan.“
 
„Hast du es so eilig?“ erwiderte Ping-örl anstelle von Tan-tschun. „Siehst du nicht, daß sich das gnädige Fräulein eben wäscht? Anstatt hinauszugehen und dort zu warten, platzt du hier los. Würdest du dich vor der zweiten jungen Herrin auch so aufdringlich benehmen? Das gnädige Fräulein selbst mag wohl großzügig sein, aber wenn ich drüben der zweiten jungen Herrin berichte, wie wenig das gnädige Fräulein in euren Augen gilt, geht es euch allen schlecht. Aber dann macht mir keine Vorwürfe!“
 
Erschrocken setzte die Sklavenfrau ein Lächeln auf und entschuldigte sich: „Ich war unachtsam!“ Dann zog sie sich rasch nach draußen zurück.
 
Tan-tschun, die inzwischen beim Schminken war, lächelte Ping-örl kühl an und sagte: „Du bist ein wenig zu spät gekommen. Es hat noch etwas Besseres gegeben. Selbst eine altgediente Frau wie Wu Hsin-dëngs Eheweib ist hier erschienen, ohne sich vorher die notwendige Klarheit verschafft zu haben, und wollte uns an der Nase herumführen. Als wir sie dann befragten, hatte sie sogar noch die Stirn zu behaupten, an Präzedenzfälle könne sie sich nicht erinnern. Ich glaube, wenn sie deiner Herrin etwas zu melden hätte und sagte, sie könne sich an nichts erinnern und müsse erst nachsehen lassen, dann würde deine Herrin wohl nicht die Geduld aufbringen, sie erst auf die Suche gehen zu lassen.“
 
Sofort erwiderte Ping-örl mit lächelnder Miene: „Wenn so etwas auch nur ein einziges Mal passiert wäre, hätte sie ihr aber ganz schnell die Sehnen aus den Beinen gerissen0, das kann ich Euch versichern. Ihr dürft denen nichts glauben, Fräulein. Sie sehen, die junge Herrin hier ist ein Bodhisattwa, und auch Ihr seid ein liebes junges Fräulein, da bringen sie es fertig, ihren Nutzen daraus ziehen zu wollen und es sich bequem zu machen, und lügen Euch frech ins Gesicht.“ Dann sagte sie in Richtung der Tür: „Benehmt euch nur weiter so rüpelhaft! Wenn die junge gnädige Frau gesund ist, sprechen wir uns wieder!“
 
Lächelnd antworteten die Sklavenfrauen: „Ihr seid doch ein verständiger Mensch, Fräulein! Wie das Sprichwort sagt, ‚Jeder muß die eigene Zeche bezahlen.‘ Wir würden es doch nicht wagen, das gnädige Fräulein zu hintergehen. Hübsch und zart, wie das gnädige Fräulein ist, würden wir es verdienen, daß unsere Knochen nach unserm Tod unbegraben vermodern, wenn wir das gnädige Fräulein ernsthaft erzürnen wollten!“
 
  
Djia Huan (rechts) und sein Onkel mütterlicherseits Dschau Guo-dji. Aus: Jinyuyuan 1889b.
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„Gut, daß ihr das wißt!“ erwiderte Ping-örl mit frostiger Stimme. Dann wandte sie sich wieder Tan-tschun zu und sagte lächelnd: „Ihr wißt ja, wieviel die zweite junge Herrin zu tun hat, Fräulein. Da kann sie sich nicht um alles kümmern, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sie manches außer acht gelassen hat. ‚Der Zuschauer sieht, was der Spieler nicht merkt‘, wie man sagt. Als Unbeteiligter ist Euch in den letzten Jahren vielleicht manches aufgefallen, wofür man die Mittel kürzen oder erhöhen müßte, ohne daß es die zweite junge Herrin getan hat. Wenn Ihr das jetzt tut, ist es zum einen im Interesse der gnädigen Frau, zum andern wäre es ein Beweis Eurer Freundschaft gegenübermeiner jungen Herrin...“
 
Noch ehe sie ausreden konnte, fielen ihr Bau-tschai und Li Wan lachend ins Wort und sagten: „Was für ein prächtiges Mädchen! Es ist wirklich kein Wunder, daß Schwägerin Hsi-fëng ausgerechnet sie so gern mag! – Du meinst also, wir sollten jetzt Kürzungen oder Erhöhungen erwägen, die bisher nicht möglich gewesen sind? Da sollst du nicht enttäuscht werden!“
 
Lächelnd sagte auch Tan-tschun: „Eben fehlte mir jemand, an dem ich die Wut, die ich im Bauch habe, auslassen könnte, und ich hatte mir schon ihre Herrin dafür ausgesucht, aber nachdem sie jetzt hier hereingeplatzt ist und diese Sachen gesagt hat, habe ich keine Lust mehr dazu.“ Dann rief sie die Sklavenfrau von vorhin herein und fragte: „Zu welchem Zweck werden die Jahresgelder für die jungen Herren Huan und Lan in der Familienschule verwendet?“
 
„Jeder von ihnen hat einen Aufwand von acht Liang Silber für den Imbiß, der in der Schule gereicht wird, sowie zum Kauf von Schreibwaren“, gab die Sklavin Auskunft.
 
„Für den Aufwand der jungen Herren bekommt jeder Haushalt ein Monatsgeld“, sagte Tan-tschun. „Für Huan bekommt Nebenfrau Dschau zwei Liang, für Bau-yü bekommt Hsi-jën zwei Liang aus den Räumen der alten gnädigen Frau, und für Lan bekommt sie die ältere junge Herrin. Warum müssen noch einmal acht Liang für jeden an die Schule gezahlt werden? Gehen sie vielleicht um dieser acht Liang Silber willen zur Schule? Ab sofort wird dieser Posten gestrichen! – Ping-örl! Wenn du nach Hause kommst, bestellst du deiner Herrin, was ich gesagt habe, diese Zahlung muß unbedingt abgeschafft werden.“
 
„Sie hätte längst abgeschaft sein sollen“, erklärte Ping-örl eifrig und lächelte dabei. „Schon Ende des Jahres hatte die junge Herrin sie abschaffen wollen, aber weil zum Jahreswechsel so viel zu tun war, hat sie es vergessen.“
 
Die Sklavenfrau sagte notgedrungen jawohl und ging fort.
 
Jetzt brachten Sklavinnen aus dem Garten des Großen Anblicks Speiseschachteln mit dem Essen. Längst hatten Dai-schu und Su-yün einen kleinen Eßtisch hereingetragen, und Ping-örl beteiligte sich nun eilfertig am Auftragen der Speisen.
 
„Wenn du alles gesagt hast, was zu sagen war, geh jetzt!“ forderte Tan-tschun sie auf. „Was scharwenzelt du hier noch herum?“
 
Doch Ping-örl erwiderte lächelnd: „Ich habe nichts anderes zu tun. Die zweite junge Herrin hat mich zum einen hierher geschickt, um ihre Worte zu übermitteln, zum anderen, weil sie meinte, hier sei zu wenig Personal. Darum sollte ich den anderen Mägden helfen, die junge Herrin und das gnädige Fräulein zu bedienen.“
 
„Warum ist nicht auch das Essen für Fräulein Bau-tschai gebracht worden, damit wir gemeinsam essen können?“ erkundigte sich Tan-tschun jetzt.
 
Kaum hatten die Sklavenmädchen das gehört, gingen sie hinaus zu den Sklavenfrauen, die draußen im Säulengang standen, und befahlen: „Fräulein Bau-tschai ißt heute hier, laßt ihr Essen bringen!“
 
Als Tan-tschun das hörte, sagte sie laut: „Kommandiert hier nicht sinnlos herum! Das sind alles Verwalterfrauen, die für wichtigere Dinge verantwortlich sind, und ihr wollt sie das Essen und den Tee holen lassen, ohne einen Unterschied zwischen hoch und niedrig zu machen. Ping-örl steht hier herum, sie kann Bescheid sagen gehen.“
 
„Jawohl!“ sagte Ping-örl ohne Zögern und ging hinaus. Dort faßten die Sklavenfrauen sie sogleich an der Hand und sagten leise und mit lächelnder Miene: „Ihr braucht nicht zu gehen, Fräulein, wir haben eben schon jemand hingeschickt.“ Zugleich staubten sie mit ihren Taschentüchern die steinerne Plattform des Hauses ab und luden Ping-örl ein: „Ihr müßt müde sein vom langen Stehen, Fräulein. Ruht Euch hier im Schatten ein wenig aus!“
 
Als Ping-örl sich anschickte, Platz zu nehmen, reichten ihr zwei alte Sklavinnen aus der Teeküche ein Sitzkissen zum Unterlegen und sagten dazu: „Die Steine sind kühl, das Kissen ist ganz sauber. Setzt Euch ein Weilchen darauf, Fräulein!“
 
„Vielen Dank!“ sagte Ping-örl sofort und lächelte. Dann brachte ihr eine andere Sklavin eine Schale feinen, frischen Tee heraus und erklärte dazu ebenfalls leise und mit lächelnder Miene: „Das ist nicht unser gewöhnlicher Tee, den haben wir für die gnädigen Fräulein gebrüht. Erfrischt Euch ein wenig daran, Fräulein!“
 
Rasch beugte Ping-örl sich vor, um ihr die Schale abzunehmen, dann wies sie mit der Hand auf die Frauen und sagte leise zu ihnen: „Ihr seid aber auch zu dreist! Sie ist ein gnädiges Fräulein und tut sich weder wichtig, noch ist sie jähzornig. Es geht um ihre Würde. Ihr aber behandelt sie verächtlich und seid beleidigend zu ihr. Wenn ihr sie wirklich dazu bringt, daß sie in Zorn gerät, wird es von ihr nur heißen, sie sei grob geworden, und damit basta, ihr aber handelt euch etwas ein, was ihr nicht verkraften könnt. Wenn sie sich aufspielen würde, müßte die gnädige Frau ihr schon einige Zugeständnisse machen, dann könnte sich auch die zweite junge Herrin nicht erlauben, etwas dagegen einzuwenden. So frech, wie ihr sie zu verachten wagt, ist das nichts anderes, als wenn ein Hühnerei gegen einen Stein schlägt.“
 
„Wie hätten wir es gewagt, frech zu ihr zu sein?!“ verteidigten sich die Sklavenfrauen sofort. „An allem war nur Nebenfrau Dschau schuld.“
 
„Schluß damit, gute Frauen!“ sprach Ping-örl leise weiter. „‚Wenn die Mauer einstürzt, schieben alle mit.‘ Nebenfrau Dschau handelt wirklich unüberlegt, aber was auch passiert, immer wird sie beschuldigt. Meint ihr, ich hätte in all den Jahren nicht bemerkt, wie überheblich und rücksichtslos ihr stets seid? Wenn sich die zweite junge Herrin auch nur die kleinste Verfehlung hätte zuschulden kommen lassen, hättet ihr sie doch zu Fall gebracht. Und wenn man euch nur die Gelegenheit gibt, bringt ihr sie in Schwierigkeiten, wo ihr nur könnt.
 
Oft genug war sie nahe daran, euren Zungen zum Opfer zu fallen. Alle sagen, sie sei hart, und ihr hättet Angst vor ihr. Dabei weiß ich, daß man wahrlich nicht sagen kann, sie hätte im Grunde ihres Herzens nicht ebenfalls Angst vor euch. Schon als wir neulich davon sprachen, stellten wir fest, daß hier nicht mehr alles im Lot ist und daß es mit Sicherheit noch den einen oder anderen Skandal geben wird. Das dritte junge Fräulein ist noch ein Mädchen, und ihr seht sie alle scheel an, aber sie ist die einzige unter den Schwägerinnen, vor der die zweite junge Herrin einigen Respekt hat. Wenn ihr sie nicht ernst nehmt, ...“
 
Weiter war sie noch nicht gekommen, als plötzlich Tjiu-wën in den Hof trat. Rasch begrüßten die Sklavinnen sie und forderten sie auf: „Ruht Euch ebenfalls etwas aus, Fräulein! Drinnen essen sie gerade. Wartet besser, bis sie damit fertig sind, ehe Ihr hineingeht, um zu berichten, was Ihr wollt.“
 
„Wie könnt ihr mich mit euch gleichsetzen?“ fragte Tjiu-wën lächelnd. „Warum sollte ich warten müssen?“ Schon wollte sie einfach ins Haus treten, da rief Ping-örl sie an: „Komm zurück!“
 
Tjiu-wën wandte den Kopf, und als sie Ping-örl erblickte, fragte sie lächelnd: „Wie denn, mußtest du hier den äußeren Wachdienst übernehmen?“ Dann machte sie kehrt und setzte sich zu Ping-örl auf das Kissen.
 
„Was sollst du melden?“ erkundigte sich Ping-örl mit leiser Stimme.
 
„Ich soll fragen, wann wir endlich das monatliche Silber für Bau-yü und unser Monatsgeld bekommen“, erwiderte Tjiu-wën.
 
„Auch eine Wichtigkeit!“ meinte Ping-örl. „Geh schnell wieder zu Hsi-jën und bestelle ihr, ich hätte gesagt, sie solle heute nichts melden lassen, egal, was es ist. Wenn sie eine Sache melden läßt, wird man ihr die eine Sache abschlagen, und wenn sie hundert melden läßt, dann hundert.“
 
„Warum das?“ wollte Tjiu-wën wissen.
 
Rasch erklärte ihr Ping-örl mit Hilfe der Sklavenfrauen den Grund und fügte dann hinzu: „Sie lauert nur darauf, daß jemand Angesehenes mit etwas Wesentlichem kommt, um ein Exempel zu statuieren, das allen andern zur Warnung dient. Wollt ausgerechnet Ihr es sein, die es trifft? Wenn du jetzt hineingehst, und sie will das Exempel an Euch statuieren, dann sind ihr die alte gnädige Frau und die gnädige Frau dabei im Wege. Läßt sie Euch aber ungeschoren, dann wird es heißen, sie sei parteiisch, und wer sich auf die Macht der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau stützen kann, vor dem habe sie Angst und rühre ihn nicht an, nur wer schwach sei, müsse als erster leiden. Glaub mir, sie wird sogar der zweiten jungen Herrin ein paar Sachen abschlagen, nur um den Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen.“
 
Als Tjiu-wën das hörte, ließ sie die Zunge aus dem Mund hängen, dann sagte sie lächelnd: „Ein Glück, daß du hier warst, Schwester Ping-örl, sonst hätte ich mich schön in die Nesseln gesetzt! Ich will nur gleich drüben Bescheid sagen gehen!“ Mit diesen Worten stand sie auf und ging weg.
 
Dann wurde Bau-tschais Essen gebracht, und Ping-örl ging rasch wieder hinein, um bei Tisch aufzuwarten. Nebenfrau Dschau war inzwischen gegangen, und die drei saßen auf der hölzernen Ruhebank und aßen, in der Mitte mit dem Blick nach Süden Bau-tschai, daneben mit dem Blick nach Westen Tan-tschun und mit dem Blick nach Osten Li Wan. Alle Sklavenfrauen standen draußen im Säulengang und warteten still, im Innenraum aber waren nur noch die vertrautesten Sklavenmädchen, die auch sonst ständig um die drei waren, und bedienten sie. Es wagte sich niemand anders hinein.
 
Verstohlen berieten sich draußen die Sklavenfrauen: „Wir sollten uns vorsehen und keine unlauteren Pläne schmieden! Selbst Wus Frau hat sich vorhin eine Abfuhr geholt. Genießen wir vielleicht mehr Ansehen als sie?!“ So flüsterten sie miteinander und warteten, daß die Mahlzeit zu Ende ging, damit sie ihre Berichte erstatten konnten. Drinnen aber war es mucksmäuschenstill, keine Schüssel klirrte, keine Eßstäbchen klapperten.
 
Dann sahen sie, wie ein Sklavenmädchen den Türvorhang in die Höhe hob und zwei andere den Tisch herausbrachten. Längst standen auch drei Sklavenmädchen aus der Teeküche mit drei Waschschüsseln bereit, die sie jetzt, als sie sahen, daß der Eßtisch herausgebracht wurde, hineintrugen. Ein Weilchen später kamen sie mit den Schüsseln und mit Mundspülkummen wieder heraus, und nun trugen Dai-schu, Su-yün und Ying-örl je ein Tablett mit einem Deckelschälchen voll Tee hinein. Als sie wieder herauskamen, befahl Dai-schu den kleineren Sklavenmädchen: „Wartet drinnen ordentlich auf! Wenn wir vom Essen zurückkommen, lösen wir euch ab. Lauft nicht wieder heimlich weg, um irgendwo herumzusitzen!“
 
Jetzt erst wagten sich die Sklavenfrauen langsam wieder hinein und erstatteten der Rangfolge gemäß eine nach der anderen Bericht. Dabei wagten sie nicht mehr, so geringschätzig und nachlässig zu sein wie zuvor. Dadurch verrauchte bei Tan-tschun allmählich der Zorn, und sie sagte zu Ping-örl: „Ich habe etwas Wichtiges auf dem Herzen, was ich schon lange mit deiner jungen Herrin besprechen wollte, eben fällt es mir glücklicherweise wieder ein. Komm also schnell wieder hierher, sobald du gegessen hast! Fräulein Bau-tschai ist auch hier, da können wir zu viert darüber beraten, und dann kannst du es deiner jungen Herrin in allen Einzelheiten vortragen und sie fragen, ob es sich verwirklichen läßt oder nicht.“
 
Ping-örl sagte: „Jawohl!“ und ging nach Hause. Hier fragte Hsi-fëng sie: „Warum bist du die ganze Zeit weg gewesen?“ Und Ping-örl erzählte ihr lächelnd Punkt für Punkt, was sie erlebt hatte.
 
„Das ist gut, das ist gut!“ sagte Hsi-fëng daraufhin lächelnd: „Tan-tschun ist ein gutes Mädchen. Schade nur, daß ihr kein gutes Los beschieden ist, weil sie nicht aus dem Bauch der gnädigen Frau zur Welt gekommen ist.“
 
„Ihr redet aber auch Unsinn, junge Herrin“, sagte Ping-örl lächelnd. „Auch wenn nicht die gnädige Frau sie geboren hat, wird es doch wohl niemand wagen, Fräulein Tan-tschun geringer zu schätzen als die übrigen Töchter des Hauses.“
 
„Was weißt du schon davon!“ sagte Hsi-fëng mit einem Seufzer. „Obwohl die Kinder von Nebenfrauen gleichwertig sind, so ist doch ein Unterschied zwischen Töchtern und Söhnen, der sich zeigen wird, wenn Tan-tschun einmal verlobt wird. Heutzutage gibt es respektlose Menschen, die sich erkundigen, ob ein Mädchen die Tochter der Hauptfrau oder einer Nebenfrau ist, und die die Tochter einer Nebenfrau zumeist nicht wollen.
 
Dabei weiß ein jeder, daß bei uns, ganz zu schweigen von den Töchtern der Nebenfrauen, selbst die Mägde noch etwas Besseres sind als anderer Leute Fräulein. Wer weiß, welchem Pechvogel es einmal beschieden ist, sein Glück zu verspielen, weil er einen Unterschied zwischen den Töchtern von Hauptfrauen und von Nebenfrauen macht, und welcher Glückspilz Tan-tschun einmal bekommt, weil er diesen Unterschied nicht macht!“
 
Dann fuhr sie, wieder lächelnd, fort: „Wie viele Sparmaßnahmen habe ich in den letzten Jahren erdacht! Es gibt wohl niemanden hier bei uns, der mich nicht heimlich deswegen haßte. Aber es ist nun einmal nicht zu ändern, ich ‚reite auf dem Rücken des Tigers‘0, und wenn ich auch etwas einsichtiger bin, darf ich doch nicht so dumm sein, jetzt lockerzulassen. Zumal unsere Ausgaben groß, unsere Einnahmen aber gering sind.
 
Alle wichtigen und unwichtigen Dinge regeln sich nach den Grundsätzen, wie sie von den Ahnen überkommen sind, obwohl die Einnahmen eines Jahres nicht mehr dieselben sind wie früher. Aber wenn ich noch mehr spare, werden wir von den Leuten ausgelacht. Es würde die alte gnädige Frau und die gnädige Frau kränken, und das Gesinde würde murren, ich sei geizig. Und doch wird, wenn wir nicht bald einen Weg finden, um zu sparen, in ein paar Jahren unser ganzer Besitz aufgebraucht sein.“
 
„Damit habt Ihr vollkommen recht“, bestätigte Ping-örl. „Für drei, vier gnädige Fräulein und zwei, drei junge Herren sowie für die alte gnädige Frau werden noch große Summen gebraucht.“
 
„Das habe ich alles schon überdacht“, nahm wieder Hsi-fëng lächelnd das Wort. „Dafür wird es reichen. Wenn Bau-yü einmal heiratet und Fräulein Lin einen Mann bekommt, braucht unser Familienvermögen nicht angegriffen zu werden, denn die alte gnädige Frau hat ihren eigenen Besitz, auf den sie hierfür zurückgreifen wird. Fräulein Ying-tschun gehört zum älteren gnädigen Herrn drüben und zählt deshalb auch nicht mit. Es bleiben also noch drei oder vier Fräulein.
 
Wenn im Höchstfall zehntausend Liang Silber für jedes von ihnen anfallen und einfach dadurch gespart wird, daß man die Kosten für die Hochzeit des jungen Herrn Huan auf dreitausend Liang beschränkt, dann kommen wir aus. Wenn es mit der alten gnädigen Frau einmal soweit ist, werden nur noch Kleinigkeiten gebraucht, die uns alles in allem vielleicht drei- bis fünftausend Liang kosten, sonst ist schon alles für sie vorbereitet. Wenn wir also nur jetzt noch etwas sparsamer leben, werden wir auch in Zukunft immer unser Auskommen haben. Ich habe nur Angst, daß ein paar unvorhergesehene Ereignisse dazwischenkommen könnten. Dann wären wir übel dran. Aber wir wollen uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, ehe es soweit ist! Iß jetzt erst einmal, und dann hör dir an, was sie beratschlagen wollen!
 
Die Sache trifft sich gut für mich, denn ich mache mir Sorgen, weil ich keine geeignete Stütze habe. Bau-yü ist zwar da, aber er ist nicht der passende Kandidat für diesen Posten. Selbst wenn ich ihn weichmachen würde, hätte ich von ihm keinen Nutzen. Die ältere junge Herrin ist eine Heilige und würde mir auch nichts nützen, Fräulein Ying-tschun erst recht nicht, außerdem gehört sie nicht zu unserem Haushalt. Fräulein Hsi-tschun ist zu jung, der kleine Herr Lan ist noch jünger, und der junge Herr Huan ist einfach ein frierendes Kätzchen, das gern bereit ist, sich das Fell zu versengen, wenn es nur in den Herd oder ins Ofenloch kriechen kann. Da sind wahrhaftig zwei Kinder aus dem Bauch einer Mutter geboren worden, zwischen denen ein himmelweiter Unterschied klafft! Sooft ich auch daran denke, abfinden kann ich mich damit nicht.
 
Dann haben wir noch Fräulein Lin und Fräulein Bau-tschai. Sie wären nicht schlecht geeignet, aber sie gehören ausgerechnet zur Verwandtschaft über die weibliche Linie und können deshalb nicht gut den Haushalt führen. Außerdem gleicht die eine einer gemalten Schönheit auf einer Seidenlaterne, die der erste Windstoß kaputt macht, und die andere hat es sich zur Regel gemacht, den Mund nur aufzutun, wenn etwas sie selber betrifft, und sonst auf alle Fragen durch Kopfschütteln zu zeigen, sie wisse von nichts, so daß man sich an sie schlecht wenden kann. So bleibt einzig Fräulein Tan-tschun übrig, bei der Herz und Mund auf dem rechten Fleck sitzen. Außerdem gehört sie voll zu unserem Haushalt, und die gnädige Frau hat sie gern. Sie macht zwar immer ein gleichgültiges Gesicht, aber daran ist nur dieses alte Stück, die Nebenfrau Dschau, schuld.
 
Innerlich gilt Fräulein Tan-tschun der gnädigen Frau genausoviel wie Bau-yü, ganz im Unterschied zum jungen Herrn Huan, der es einem wirklich schwer macht, ihn gern zu haben, und den ich längst hinausgeworfen hätte, wenn es nach mir ginge. Wenn Fräulein Tan-tschun jetzt so einen Plan hegt, sollten wir uns zusammentun und einander helfen, dann bin ich nicht mehr auf mich allein gestellt. Vom Standpunkt der Allgemeinheit aus und nach allem, was Anstand und Güte verlangen, brauchen wir uns durch ihre Hilfe ein bißchen weniger das Hirn zu zermartern, und die Sache der gnädigen Frau hat einigen Nutzen dadurch.
 
Von meinem eigenen egoistischen Standpunkt aus gesehen, ist es so, daß ich ein wenig zu hart gewesen bin und deshalb in den Hintergrund treten und abwarten muß. Wollte ich den Leuten weiter so zusetzen, würde das ihren Haß auf die Spitze treiben, und hinter jedem Lächeln von ihnen würde dann ein Dolch lauern. Mit dir zusammen habe ich nur vier Augen und zwei Köpfe, ein unachtsamer Augenblick, und ich bin verloren. Wenn in dieser kritischen Situation nach außen hin sie in Erscheinung tritt, wird der Haß, den die Leute gegen uns hegen, allmählich verfliegen.
 
Und noch etwas muß ich dir sagen, weil du dich wohl trotz deiner Klugheit innerlich nicht dazu durchringen kannst. Sie ist zwar ein Mädchen, aber sie begreift alles und jedes, nur daß sie mit ihren Worten zurückhaltend ist. Sie kann auch besser lesen und schreiben als ich, was sie noch brauchbarer macht. Nun weißt du ja, daß ein Sprichwort sagt, ‚Willst du eine Räuberbande fangen, mußt du als erstes den Hauptmann fassen.‘ Wenn sie jetzt neue Regelungen einzuführen versucht, wird sie unweigerlich bei mir den Anfang machen. Wenn sie also einen Wunsch von mir zurückweist, darfst du nicht mit ihr streiten, du mußt vielmehr um so demütiger sein und ihr recht geben. Auf gar keinen Fall darfst du dir Gedanken darüber machen, daß es meinem Ansehen schadet. Wenn du auch nur ein Wort gegen sie sagst, ist das Unglück da, ...“
 
Ohne sie ausreden zu lassen, sagte Ping-örl lächelnd: „Du hältst einen aber auch für zu dumm! Eben habe ich schon danach gehandelt, und jetzt belehrst du mich noch.“
 
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Hsi-fëng: „Ich dachte, in deinem Herzen wie in deinen Augen sei nur für mich und niemand anders Platz, und deshalb ginge es nicht ohne diese Belehrung. Aber vor lauter Eifer hast du mich wieder einmal einfach geduzt.“
 
„Ich habe dich absichtlich geduzt“, erklärte Ping-örl. „Und wenn es dir nicht paßt, dann gib mir nur Ohrfeigen dafür. Als ob mein Gesicht noch nicht wüßte, wie das ist!“
 
„Wie oft wirst du mir das noch vorhalten, du kleines Spitzbein?“ sagte Hsi-fëng lächelnd. „Obwohl ich so krank bin, mußt du mich ärgern. Aber komm, setz dich zu mir! Jetzt kommt sowieso niemand zu uns, da können wir auch gemeinsam essen!“
 
Im selben Moment traten Fëng-örl und ein paar andere kleine Sklavenmädchen in den Raum und stellten ein flaches, kleines Tischchen auf das Ofenbett. Hsi-fëng aß nur eine nüchterne Reissuppe mit Schwalbennestern und ein paar erlesene Kleinigkeiten. Die alltäglichen Speisen, die sie beanspruchen durfte, hatte sie abbestellt. Für Ping-örl setzte Fëng-örl die vier Gerichte, die ihr zustanden, auf das Tischchen und füllte ihr Reis in die Schale.
 
Dann kniete sich Ping-örl mit einem Bein auf das Ofenbett und blieb mit dem anderen auf dem Boden stehen. So leistete sie Hsi-fëng beim Essen Gesellschaft, und erst als sie sie noch beim Händewaschen und Mundspülen bedient hatte, ging sie wieder zu Tan-tschun hinüber. Doch dort fand sie den Hof still und menschenleer.
 
Wer wissen will, wie das kam, ...
 
 
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Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

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中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

且說元宵已過,只因當今以孝治天下,目下宮中有一位太妃欠安,故各嬪妃皆為之減膳謝妝,不獨不能省親,亦且將宴樂俱免。故榮府今歲元宵亦無燈謎之集。

  剛將年事忙過,鳳姐便小月了。在家一月,不能理事,天天兩三個太醫用藥。鳳姐自恃強壯,雖不出門,然籌畫計算,想起什麼事來,便命平兒去回王夫人,任人諫勸,他只不聽。王夫人便覺失了膀臂,一個人能有多少精血,凡有了大事,自己主張;將家中瑣碎之事,一應都暫令李紈協理。李紈是個尚德不尚才的,未免逞縱了下人。王夫人便命探春合同李紈裁處,只說過了一月,鳳姐將息好了,仍交與他。誰知鳳姐稟賦氣血不足,兼年幼不知保養,平生爭強鬥志,心力使虧,故雖係小月,竟着實虧虛下來,一月之後,復添了下紅之症。他雖不肯說出來,眾人看他面目黃瘦,便知失於調養,不令他操心。他自己也怕成了大症,遺笑於人,便想偷空調養,恨不得一時複舊如常。誰知一時难痊,調養到八九月間,纔漸漸的起複過來,下紅也漸漸止了。此是後話。

  如今且說目今王夫人見他如此,探春與李紈驟難卸事,園中人多,又恐失於照管,因又特請了寶釵來,托他各處小心,「老婆子們不中用,得空兒就鬥牌吃酒,白日裡睡覺,夜裡鬥牌,我都知道的。鳳丫頭在外頭,他們還有個懼怕,如今他們又該取便了。好孩子,你還是個妥當的人,你兄弟妹妹們又小,我又沒工夫,你替我辛苦兩天,照看照看。凡有想不到的事,你來告訴我,別等老太太問出來,我沒話回。那些人不好了,你只管說。他們不聽,你來告訴我。別弄出大事來才好。」寶釵聽說只得答應了。

  時屆孟春,黛玉又犯了嗽疾。湘雲亦因時氣所感,亦卧病於蘅蕪苑,一天醫葯不斷。探春同李紈相住間隔,二人近日同事,不比往年,來往回話人等亦不便,故二人議定:每日早晨皆到園門口南邊的三間小花廳上去會齊辦事,吃過早飯於午錯方回房。這三間廳原系預備省親之時眾執事太監起坐之處,故省親之後也用不著了,每日只有婆子們上夜。如今天已和暖,不用十分修飾,只不過略略的鋪陳了,便可他二人起坐。這廳上也有一匾,題著「輔仁諭德」四字,家下俗呼皆只叫「議事廳」兒。如今他二人每日卯正至此,午正方散。凡一應執事媳婦等來往回話者,絡繹不絕。   眾人先聽見李紈獨辦,各各心中暗喜,以為李紈素日原是個厚道多恩無罰的,自然比鳳姐兒好搪塞。便添了一個探春,也都想著不過是個未出閨閣的青年小姐,且素日也最平和恬淡,因此都不在意,比鳳姐兒前更懈怠了許多。只三四日後,幾件事過手,漸覺探春精細處不讓鳳姐,只不過是言語安靜,性情和順而已。可巧連日有王公侯伯世襲官員十幾處,皆系榮寧非親即友或世交之家,或有升遷,或有黜降,或有婚喪紅白等事,王夫人賀弔迎送,應酬不暇,前邊更無人。他二人便一日皆在廳上起坐。寶釵便一日在上房監察,至王夫人回方散。每於夜間針線暇時,臨寢之先,坐了小轎帶領園中上夜人等各處巡察一次。他三人如此一理,更覺比鳳姐兒當差時倒更謹慎了些。因而裡外下人都暗中抱怨說:「剛剛的倒了一個『巡海夜叉』,又添了三個 『鎮山太歲』,越性連夜裡偷著吃酒頑的工夫都沒了。」   這日王夫人正是往錦鄉侯府去赴席,李紈與探春早已梳洗,伺候出門去後,回至廳上坐了。剛吃茶時,只見吳新登的媳婦進來回說:「趙姨娘的兄弟趙國基昨日死了。昨日回過太太,太太說知道了,叫回姑娘奶奶來。」說畢,便垂手旁侍,再不言語。彼時來回話者不少,都打聽他二人辦事如何:若辦得妥當,大家則安個畏懼之心;若少有嫌隙不當之處,不但不畏伏,出二門還要編出許多笑話來取笑。吳新登的媳婦心中已有主意,若是鳳姐前,他便早已獻勤說出許多主意,又查出許多舊例來任鳳姐兒揀擇施行。如今他藐視李紈老實,探春是青年的姑娘,所以只說出這一句話來,試他二人有何主見。探春便問李紈。李紈想了一想,便道:「前兒襲人的媽死了,聽見說賞銀四十兩。這也賞他四十兩罷了。」吳新登家的聽了,忙答應了是,接了對牌就走。探春道:「你且回來。」吳新登家的只得回來。探春道:「你且別支銀子。我且問你:那幾年老太太屋裡的幾位老姨奶奶,也有家裡的也有外頭的這兩個分別。家裡的若死了人是賞多少,外頭的死了人是賞多少,你且說兩個我們聽聽。」一問,吳新登家的便都忘了,忙陪笑回說:「這也不是什麼大事,賞多少誰還敢爭不成?」探春笑道:「這話胡鬧。依我說,賞一百倒好。若不按例,別說你們笑話,明兒也難見你二奶奶。」吳新登家的笑道:「既這麼說,我查舊帳去,此時卻記不得。」探春笑道:「你辦事辦老了的,還記不得,倒來難我們。你素日回你二奶奶也現查去?若有這道理,鳳姐姐還不算利害,也就是算寬厚了!還不快找了來我瞧。再遲一日,不說你們粗心,反象我們沒主意了。」吳新登家的滿面通紅,忙轉身出來。眾媳婦們都伸舌頭,這裡又回別的事。   一時,吳家的取了舊賬來。探春看時,兩個家裡的賞過皆二十兩,兩個外頭的皆賞過四十兩。外還有兩個外頭的,一個賞過一百兩,一個賞過六十兩。這兩筆底下皆有原故:一個是隔省遷父母之柩,外賞六十兩;一個是現買葬地,外賞二十兩。探春便遞與李紈看了。探春便說:「給他二十兩銀子。把這帳留下,我們細看看。」吳新登家的去了。   忽見趙姨娘進來,李紈探春忙讓坐。趙姨娘開口便說道:「這屋裡的人都踩下我的頭去還罷了。姑娘你也想一想,該替我出氣才是。」一面說,一面眼淚鼻涕哭起來。探春忙道:「姨娘這話說誰,我竟不解。誰踩姨娘的頭?說出來我替姨娘出氣。」趙姨娘道:「姑娘現踩我,我告訴誰!」探春聽說,忙站起來,說道:「我並不敢。」李紈也站起來勸。趙姨娘道:「你們請坐下,聽我說。我這屋裡熬油似的熬了這麼大年紀,又有你和你兄弟,這會子連襲人都不如了,我還有什麼臉?連你也沒臉面,別說我了!」探春笑道:「原來為這個。我說我並不敢犯法違理。」一面便坐了,拿帳翻與趙姨娘看,又念與他聽,又說道:「這是祖宗手裡舊規矩,人人都依著,偏我改了不成?也不但襲人,將來環兒收了外頭的,自然也是同襲人一樣。這原不是什麼爭大爭小的事,講不到有臉沒臉的話上。他是太太的奴才,我是按著舊規矩辦。說辦的好,領祖宗的恩典、太太的恩典;若說辦的不均,那是他糊塗不知福,也只好憑他抱怨去。太太連房子賞了人,我有什麼有臉之處;一文不賞,我也沒什麼沒臉之處。依我說,太太不在家,姨娘安靜些養神罷了,何苦只要操心。太太滿心疼我,因姨娘每每生事,幾次寒心。我但凡是個男人,可以出得去,我必早走了,立一番事業,那時自有我一番道理。偏我是女孩兒家,一句多話也沒有我亂說的。太太滿心裡都知道。如今因看重我,才叫我照管家務,還沒有做一件好事,姨娘倒先來作踐我。倘或太太知道了,怕我為難不叫我管,那才正經沒臉,連姨娘也真沒臉!」一面說,一面不禁滾下淚來。趙姨娘沒了別話答對,便說道:「太太疼你,你越發拉扯拉扯我們。你只顧討太太的疼,就把我們忘了。」探春道:「我怎麼忘了?叫我怎麼拉扯?這也問你們各人,那一個主子不疼出力得用的人?那一個好人用人拉扯的?」李紈在旁只管勸說:「姨娘別生氣。也怨不得姑娘,他滿心裡要拉扯,口裡怎麼說的出來。」探春忙道:「這大嫂子也糊塗了。我拉扯誰?誰家姑娘們拉扯奴才了?他們的好歹,你們該知道,與我什麼相干。」趙姨娘氣的問道:「誰叫你拉扯別人去了?你不當家我也不來問你。你如今現說一是一,說二是二。如今你舅舅死了,你多給了二三十兩銀子,難道太太就不依你?分明太太是好太太,都是你們尖酸刻薄,可惜太太有恩無處使。姑娘放心,這也使不著你的銀子。明兒等出了閣,我還想你額外照看趙家呢。如今沒有長羽毛,就忘了根本,只揀高枝兒飛去了!」探春沒聽完,已氣的臉白氣噎,抽抽咽咽的一面哭,一面問道:「誰是我舅舅?我舅舅年下才升了九省檢點,那裡又跑出一個舅舅來?我倒素習按理尊敬,越發敬出這些親戚來了。既這麼說,環兒出去為什麼趙國基又站起來,又跟他上學?為什麼不拿出舅舅的款來?何苦來,誰不知道我是姨娘養的,必要過兩三個月尋出由頭來,徹底來翻騰一陣,生怕人不知道,故意的表白表白。也不知誰給誰沒臉?幸虧我還明白,但凡糊塗不知理的,早急了。」李紈急的只管勸,趙姨娘只管還嘮叨。   忽聽有人說:「二奶奶打發平姑娘說話來了。」趙姨娘聽說,方把口止住。只見平兒進來,趙姨娘忙陪笑讓坐,又忙問:「你奶奶好些?我正要瞧去,就只沒得空兒。」李紈見平兒進來,因問他來做什麼。平兒笑道:「奶奶說,趙姨奶奶的兄弟沒了,恐怕奶奶和姑娘不知有舊例,若照常例,只得二十兩。如今請姑娘裁奪著,再添些也使得。」探春早已拭去淚痕,忙說道:「又好好的添什麼,誰又是二十四個月養下來的?不然也是那出兵放馬背著主子逃出命來過的人不成?你主子真個倒巧,叫我開了例,他做好人,拿著太太不心疼的錢,樂的做人情。你告訴他,我不敢添減,混出主意。他添他施恩,等他好了出來,愛怎麼添了去。」平兒一來時已明白了對半,今聽這一番話,越發會意,見探春有怒色,便不敢以往日喜樂之時相待,只一邊垂手默侍。   時值寶釵也從上房中來,探春等忙起身讓坐。未及開言,又有一個媳婦進來回事。因探春才哭了,便有三四個小丫鬟捧了沐盆、巾帕、靶鏡物來。此時探春因盤膝坐在矮板榻上,那捧盆的丫鬟走至跟前,便雙膝跪下,高捧沐盆;那兩個小丫鬟,也都在旁屈膝捧著巾帕並靶鏡脂粉之飾。平兒見侍書不在這裡,便忙上來與探春輓袖卸鐲,又接過一條大手巾來,將探春面前衣襟掩了。探春方伸手向面盆中盥沐。那媳婦便回道:「回奶奶姑娘,家學里支環爺和蘭哥兒的一年公費。」平兒先道:「你忙什麼!你睜著眼看見姑娘洗臉,你不出去伺候著,先說話來。二奶奶跟前你也這麼沒眼色來著?姑娘雖然恩寬,我去回了二奶奶,只說你們眼裡都沒姑娘,你們都吃了虧,可別怨我。」唬的那個媳婦忙陪笑道:「我粗心了。」一面說,一面忙退出去。   探春一面勻臉,一面向平兒冷笑道:「你遲了一步,還有可笑的:連吳姐姐這麼個辦老了事的,也不查清楚了,就來混我們。幸虧我們問他,他竟有臉說忘了。我說他回你主子事也忘了再找去?我料著你那主子未必有耐性兒等他去找。」平兒忙笑道:「他有這一次,管包腿上的筋早折了兩根。姑娘別信他們。那是他們瞅著大奶奶是個菩薩,姑娘又是個靦腆小姐,固然是托懶來混。」說著,又向門外說道:「你們只管撒野,等奶奶大安了,咱們再說。」門外的眾媳婦都笑道:「姑娘,你是個最明白的人,俗語說,『一人作罪一人當』,我們並不敢欺蔽小姐。如今小姐是嬌客,若認真惹惱了,死無葬身之地。」平兒冷笑道:「你們明白就好了。」 又陪笑向探春道:「姑娘知道二奶奶本來事多,那裡照看的這些,保不住不忽略。俗語說『旁觀者清』,這幾年姑娘冷眼看著,或有該添該減的去處二奶奶沒行到,姑娘竟一添減,頭一件於太太的事有益,第二件也不枉姑娘待我們奶奶的情義了。」話未說完,寶釵李紈皆笑道:「好丫頭,真怨不得鳳丫頭偏疼他!本來無可添減的事,如今聽你一說,倒要找出兩件來斟酌斟酌,不辜負你這話。」探春笑道:「我一肚子氣,沒人煞性子,正要拿他奶奶出氣去,偏他碰了來,說了這些話,叫我也沒了主意了。」一面說,一面叫進方纔那媳婦來問:「環爺和蘭哥兒家學里這一年的銀子,是做那一項用的?」那媳婦便回說:「一年學里吃點心或者買紙筆,每位有八兩銀子的使用。」探春道:「凡爺們的使用,都是各屋領了月錢的。環哥的是姨娘領二兩,寶玉的是老太太屋裡襲人領二兩,蘭哥兒的是大奶奶屋裡領。怎麼學里每人又多這八兩?原來上學去的是為這八兩銀子!從今兒起,把這一項蠲了。平兒,回去告訴你奶奶,我的話,把這一條務必免了。」平兒笑道: 「早就該免。舊年奶奶原說要免的,因年下忙,就忘了。」那個媳婦只得答應著去了。就有大觀園中媳婦捧了飯盒來。   侍書素雲早已抬過一張小飯桌來,平兒也忙著上菜。探春笑道:「你說完了話乾你的去罷,在這裡忙什麼。」平兒笑道:「我原沒事的。二奶奶打發了我來,一則說話,二則恐這裡人不方便,原是叫我幫著妹妹們伏侍奶奶姑娘的。」探春因問:「寶姑娘的飯怎麼不端來一處吃?」丫鬟們聽說,忙出至檐外命媳婦去說:「寶姑娘如今在廳上一處吃,叫他們把飯送了這裡來。」探春聽說,便高聲說道:「你別混支使人!那都是辦大事的管家娘子們,你們支使他要飯要茶的,連個高低都不知道!平兒這裡站著,你叫叫去。」   平兒忙答應了一聲出來。那些媳婦們都忙悄悄的拉住笑道:「那裡用姑娘去叫,我們已有人叫去了。」一面說,一面用手帕撣石磯上說:「姑娘站了半天乏了,這太陽影里且歇歇。」平兒便坐下。又有茶房裡的兩個婆子拿了個坐褥鋪下,說:「石頭冷,這是極乾凈的,姑娘將就坐一坐兒罷。」平兒忙陪笑道:「多謝。」一個又捧了一碗精緻新茶出來,也悄悄笑說:「這不是我們的常用茶,原是伺候姑娘們的,姑娘且潤一潤罷。」平兒忙欠身接了,因指眾媳悄悄說道:「你們太鬧的不象了。他是個姑娘家,不肯發威動怒,這是他尊重,你們就藐視欺負他。果然招他動了大氣,不過說他個粗糙就完了,你們就現吃不了的虧。他撒個嬌兒,太太也得讓他一二分,二奶奶也不敢怎樣。你們就這麼大膽子小看他,可是雞蛋往石頭上碰。」眾人都忙道:「我們何嘗敢大膽了,都是趙姨奶奶鬧的。」平兒也悄悄的說: 「罷了,好奶奶們。『牆倒眾人推』,那趙姨奶奶原有些倒三不著兩,有了事就都賴他。你們素日那眼裡沒人,心術利害,我這幾年難道還不知道?二奶奶若是略差一點兒的,早被你們這些奶奶治倒了。饒這麼著,得一點空兒,還要難他一難,好幾次沒落了你們的口聲。眾人都道他利害,你們都怕他,惟我知道他心裡也就不算不怕你們呢。前兒我們還議論到這裡,再不能依頭順尾,必有兩場氣生。那三姑娘雖是個姑娘,你們都橫看了他。二奶奶這些大姑子小姑子裡頭,也就只單畏他五分。你們這會子倒不把他放在眼裡了。」   正說著,只見秋紋走來。眾媳婦忙趕著問好,又說:「姑娘也且歇一歇,裡頭擺飯呢。等撤下飯桌子,再回話去。」秋紋笑道:「我比不得你們,我那裡等得。」 說著便直要上廳去。平兒忙叫:「快回來。」秋紋回頭見了平兒,笑道:「你又在這裡充什麼外圍的防護?」一面回身便坐在平兒褥上。平兒悄問:「回什麼?」秋紋道:「問一問寶玉的月錢我們的月錢多早晚才領。」平兒道:「這什麼大事。你快回去告訴襲人,說我的話,憑有什麼事今兒都別回。若回一件,管駁一件;回一百件,管駁一百件。」秋紋聽了,忙問:「這是為什麼了?」平兒與眾媳婦等都忙告訴他原故,又說:「正要找幾件利害事與有體面的人開例作法子,鎮壓與眾人作榜樣呢。何苦你們先來碰在這釘子上。你這一去說了,他們若拿你們也作一二件榜樣,又礙著老太太、太太;若不拿著你們作一二件,人家又說偏一個向一個,仗著老太太、太太威勢的就怕,也不敢動,只拿著軟的作鼻子頭。你聽聽罷,二奶奶的事,他還要駁兩件,才壓的眾人口聲呢。」秋紋聽了,伸舌笑道:「幸而平姐姐在這裡,沒的臊一鼻子灰。我趕早知會他們去。」說著,便起身走了。   接著寶釵的飯至,平兒忙進來伏侍。那時趙姨娘已去,三人在板床上吃飯。寶釵面南,探春面西,李紈面東。眾媳婦皆在廊下靜候,裡頭只有他們緊跟常侍的丫鬟伺候,別人一概不敢擅入。這些媳婦們都悄悄的議論說:「大家省事罷,別安著沒良心的主意。連吳大娘才都討了沒意思,咱們又是什麼有臉的。」他們一邊悄議,等飯完回事。只覺裡面鴉雀無聲,並不聞碗箸之聲。一時只見一個丫鬟將簾櫳高揭,又有兩個將桌抬出。茶房內早有三個丫頭捧著三沐盆水,見飯桌已出,三人便進去了。一回又捧出沐盆並漱盂來,方有侍書、素雲、鶯兒三個,每人用茶盤捧了三蓋碗茶進去。一時等他三人出來,侍書命小丫頭子:「好生伺候著,我們吃飯來換你們,別又偷坐著去。」眾媳婦們方慢慢的一個一個的安分回事,不敢如先前輕慢疏忽了。   探春氣方漸平,因向平兒道:「我有一件大事,早要和你奶奶商議,如今可巧想起來。你吃了飯快來。寶姑娘也在這裡,咱們四個人商議了,再細細問你奶奶可行可止。」平兒答應回去。   鳳姐因問為何去了這一日,平兒便笑著將方纔的原故細細說與他聽了。鳳姐兒笑道:「好,好,好,好個三姑娘!我說他不錯。只可惜他命薄,沒托生在太太肚里。」平兒笑道:「奶奶也說糊塗話了。他便不是太太養的,難道誰敢小看他,不與別的一樣看了?」鳳姐兒嘆道:「你那裡知道,雖然庶出一樣,女兒卻比不得男人,將來攀親時,如今有一種輕狂人,先要打聽姑娘是正出是庶出,多有為庶出不要的。殊不知別說庶出,便是我們的丫頭,比人家的小姐還強呢。將來不知那個沒造化的挑庶正誤了事呢,也不知那個有造化的不挑庶正的得了去。」說著,又向平兒笑道:「你知道,我這幾年生了多少省儉的法子,一家子大約也沒個不背地裡恨我的。我如今也是騎上老虎了。雖然看破些,無奈一時也難寬放;二則家裡出去的多,進來的少。凡百大小事仍是照著老祖宗手裡的規矩,卻一年進的產業又不及先時。多省儉了,外人又笑話,老太太、太太也受委屈,家下人也抱怨刻薄;若不趁早兒料理省儉之計,再幾年就都賠盡了。」平兒道:「可不是這話!將來還有三四位姑娘,還有兩三個小爺,一位老太太,這幾件大事未完呢。」風姐兒笑道:「我也慮到這裡,倒也夠了:寶玉和林妹妹他兩個一娶一嫁,可以使不著官中的錢,老太太自有梯己拿出來。二姑娘是大老爺那邊的,也不算。剩下三四個,滿破著每人花上一萬銀子。環哥娶親有限,花上三千兩銀子,不拘那裡省一抿子也就夠了。老太太事出來,一應都是全了的,不過零星雜項,便費也滿破三五千兩。如今再儉省些,陸續也就夠了。只怕如今平空又生出一兩件事來,可就了不得了。──咱們且別慮後事,你且吃了飯,快聽他商議什麼。這正碰了我的機會,我正愁沒個膀臂。雖有個寶玉,他又不是這裡頭的貨,縱收伏了他也不中用。大奶奶是個佛爺,也不中用。二姑娘更不中用,亦且不是這屋裡的人。四姑娘小呢。蘭小子更小。環兒更是個燎毛的小凍貓子,只等有熱竈火坑讓他鑽去罷。真真一個娘肚子里跑出這個天懸地隔的兩個人來,我想到這裡就不伏。再者林丫頭和寶姑娘他兩個倒好,偏又都是親戚,又不好管咱家務事。況且一個是美人燈兒,風吹吹就壞了;一個是拿定了主意,『不乾己事不張口,一問搖頭三不知』,也難十分去問他。倒只剩了三姑娘一個,心裡嘴裡都也來的,又是咱家的正人,太太又疼他,雖然面上淡淡的,皆因是趙姨娘那老東西鬧的,心裡卻是和寶玉一樣呢。比不得環兒,實在令人難疼,要依我的性早攆出去了。如今他既有這主意,正該和他協同,大家做個膀臂,我也不孤不獨了。按正理,天理良心上論,咱們有他這個人幫著,咱們也省些心,於太太的事也有些益。若按私心藏姦上論,我也太行毒了,也該抽頭退步。回頭看了看,再要窮追苦克,人恨極了,暗地裡笑裡藏刀,咱們兩個才四個眼睛,兩個心,一時不防,倒弄壞了。趁著緊溜之中,他出頭一料理,眾人就把往日咱們的恨暫可解了。還有一件,我雖知你極明白,恐怕你心裡輓不過來,如今囑咐你:他雖是姑娘家,心裡卻事事明白,不過是言語謹慎;他又比我知書識字,更厲害一層了。如今俗語『擒賊必先擒王』,他如今要作法開端,一定是先拿我開端。倘或他要駁我的事,你可別分辯,你只越恭敬,越說駁的是才好。千萬別想著怕我沒臉,和他一犟,就不好了。」平兒不等說完,便笑道:「你太把人看糊塗了。我才已經行在先,這會子又反囑咐我。」鳳姐兒笑道:「我是恐怕你心裡眼裡只有了我,一概沒有別人之故,不得不囑咐。既已行在先,更比我明白了。你又急了,滿口裡『你』『我』起來。」平兒道:「偏說『你』!你不依,這不是嘴巴子,再打一頓。難道這臉上還沒嘗過的不成!」鳳姐兒笑道:「你這小蹄子,要掂多少過子才罷。看我病的這樣,還來慪我。過來坐下,橫豎沒人來,咱們一處吃飯是正經。」   說著,豐兒等三四個小丫頭子進來放小炕桌。鳳姐只吃燕窩粥,兩碟子精緻小菜,每日分例菜已暫減去。豐兒便將平兒的四樣分例菜端至桌上,與平兒盛了飯來。平兒屈一膝於炕沿之上,半身猶立於炕下,陪鳳姐兒吃了飯,伏侍漱盥。漱畢,囑咐了豐兒些話,方往探春處來。只見院中寂靜,人已散出。要知端的

Kapitel 55 Erkundefrühling[1] zeigt ihre Klugheit bei der Aufdeckung alter Missstände und verwaltet nun den Haushalt. Phönixglanz[2] enthüllt im Gespräch die Sorgen um die Zukunft der Familie.

Das Laternenfest war nun vorüber. Da der gegenwärtige Kaiser sein Reich nach dem Grundsatz der Pietät regierte und eine kaiserliche Gemahlin im Palast erkrankt war, mussten sich alle Nebenfrauen und Konkubinen des Hofes in Speise und Schmuck einschränken. Es waren nicht nur keine Elternbesuche möglich, auch alle Festlichkeiten und Vergnügungen waren abgesagt worden. Daher fand auch im Kaufmann-Palast in diesem Jahr kein Laternenrätsel-Fest statt.

Kaum waren die Geschäftigkeiten des Jahreswechsels vorüber, da erlitt Phönixglanz eine Fehlgeburt. Sie musste sich einen Monat lang schonen und konnte den Haushalt nicht führen. Täglich kamen zwei oder drei Leibärzte, um sie zu behandeln. Phönixglanz vertraute jedoch auf ihre kräftige Konstitution, und obwohl sie das Haus nicht verließ, plante und rechnete sie wie gewöhnlich. Sobald ihr etwas einfiel, schickte sie Friedchen[3] los, um es Dame König[4] berichten zu lassen. Alles Zureden war vergeblich, sie hörte auf niemanden.

Dame König fühlte sich ihrer wichtigsten Stütze beraubt. Wie weit reichte schon die Kraft eines einzelnen Menschen! Grundlegende Entscheidungen traf sie selbst; alle kleineren Angelegenheiten des Haushalts überließ sie vorübergehend Frau Li[5]. Seidenweiß Pflaume war jedoch jemand, der Tugend über Tüchtigkeit stellte, und so war es unvermeidlich, dass die Bediensteten unter ihrer Führung tun und lassen konnten, was sie wollten. Darum befahl Dame König, dass Erkundefrühling gemeinsam mit Seidenweiß Pflaume die Geschäfte führen solle. In einem Monat, so hieß es, wenn Phönixglanz wieder genesen sei, werde ihr alles wieder übergeben.

Niemand konnte freilich ahnen, dass Phönixglanz von Natur aus über zu wenig Lebenskraft verfügte. Verschlimmert wurde dies noch dadurch, dass sie sich seit ihrer Jugend nie Schonung gegönnt hatte. Ihr Leben lang wollte sie die Erste und die Klügste sein und hatte dadurch ihre Kräfte weiter aufgezehrt. So entwickelte sich die eigentlich harmlose Fehlgeburt zu einer echten Entkräftung, und nach einem Monat kamen noch Unterleibsblutungen hinzu. Phönixglanz sprach zwar nicht darüber, doch ihr fahles, abgemagertes Gesicht verriet jedem, dass sie sich nicht die nötige Schonung gönnte. Darum befahl man ihr, sich zu pflegen und ihren Geist nicht zu strapazieren. Auch Phönixglanz selbst bekam Angst, es könne zu einer ernsten Erkrankung kommen, die sie zum Gespött der Leute machen würde. Daher entschloss sie sich, die freie Zeit zur Genesung zu nutzen, und wünschte sich nichts sehnlicher, als über Nacht wieder die Alte zu sein. Doch wer hätte gedacht, dass es bis zum achten oder neunten Monat dauern würde, ehe es ihr nach beständiger Behandlung und größter Schonung allmählich besser ging und auch die Blutungen langsam aufhörten! Doch das ist ein Vorgriff.

Zunächst muss erzählt werden, was nun geschah. Als Dame König sah, wie es um Phönixglanz bestellt war und dass Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume ihre zusätzlichen Aufgaben so bald nicht würden abgeben können, und da im Garten viele Bewohner lebten und die Aufsicht zu fehlen drohte, ließ sie eigens Schatzspange[6] zu sich rufen und bat sie, überall ein wachsames Auge zu haben. „Die alten Frauen sind zu nichts nütze“, sagte sie. "Sobald sie Freizeit haben, spielen sie Karten und trinken Wein. Am Tage schlafen sie, und in der Nacht treiben sie ihr Unwesen. Das alles ist mir bekannt. Solange Phönixglanz draußen aufpasste, hatten sie noch ein wenig Angst; jetzt aber werden sie sich erst recht gehen lassen. Du bist ein verlässliches Kind. Dein Bruder und deine Schwestern sind noch klein, und ich habe keine Zeit. Nimm die Mühe ein paar Tage lang auf dich und führe die Aufsicht. Wenn etwas Unerwartetes geschieht, komm zu mir und berichte es. Warte nicht, bis die Herzoginmutter[7] danach fragt und ich keine Antwort weiß. Wenn jemand etwas nicht recht macht, sag es ihm. Hört er nicht, dann komm zu mir. Auf keinen Fall darf etwas Schlimmes geschehen!“ Schatzspange hatte keine andere Wahl, als zuzustimmen.

Es war bereits der Beginn des Frühlings. Kajaljade[8] litt wieder an ihrem Husten. Auch Xiangji[9] hatte sich eine Erkältung zugezogen und lag krank im Haselwurzpark darnieder; den ganzen Tag über nahm sie Medizin.

Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume wohnten in einiger Entfernung voneinander. Da sie nun gemeinsame Aufgaben hatten, war es nicht mehr wie in früheren Zeiten, als sie sich nur gegenseitig besuchten; auch für die Dienstboten, die Berichte zu erstatten hatten, war es umständlich. Daher hatten sich die beiden verständigt: Jeden Morgen wollten sie sich in der kleinen Halle mit drei Säulenzwischenräumen südlich des Gartentors treffen, um gemeinsam die Geschäfte zu führen. Dort nahmen sie auch ihr Frühstück ein und kehrten erst zur Mittagszeit in ihre Gemächer zurück.

Diese Halle war ursprünglich als Aufenthaltsraum für die diensthabenden Eunuchen während des kaiserlichen Elternbesuchs eingerichtet worden und war seither nicht mehr benutzt worden; nur nachts hielten dort ein paar alte Frauen Wache. Da es nun schon wärmer war, bedurfte es keiner großen Herrichtung; ein paar einfache Einrichtungsgegenstände genügten, und die beiden konnten dort ihren Dienst versehen. In der Halle hing eine Inschriftentafel mit den vier Zeichen „Die Menschlichkeit fördern, durch Tugend erziehen“, doch im Volksmund nannte man sie nur die "Beratungshalle“. Hier erschienen die beiden nun täglich um sechs Uhr morgens und gingen um die Mittagszeit. Während der ganzen Zeit riss der Strom der Verwalterinnen und Dienstfrauen nicht ab, die kamen, um Berichte zu erstatten und Anweisungen entgegenzunehmen.

Als die Bediensteten zunächst gehört hatten, dass Seidenweiß Pflaume den Haushalt allein führen werde, hatten sich alle insgeheim gefreut, denn Seidenweiß Pflaume stand im Ruf, gütig und großzügig zu sein und niemanden zu bestrafen — sie würde gewiss leichter zu täuschen sein als Phönixglanz. Auch als man dann von Erkundefrühlings Ernennung erfuhr, dachten alle, sie sei nur ein junges Mädchen, das seine Kammern noch nie verlassen habe, dazu friedfertig und zurückhaltend von Natur. Darum machten sie sich keine Gedanken und faulenzten noch viel mehr als zu Zeiten von Phönixglanz. Doch nach drei oder vier Tagen, als Erkundefrühling bereits einige Entscheidungen getroffen hatte, wurde ihnen allmählich klar, dass ihre Gründlichkeit der von Phönixglanz in nichts nachstand — nur dass ihre Sprache ruhiger und ihr Charakter ausgeglichener waren.

Nun wollte es der Zufall, dass sich tagelang hintereinander in über zehn Familien von Prinzen, Herzögen und Erbbeamten, mit denen die Kaufmann-Familie entweder verwandt oder befreundet war, Beförderungen, Degradierungen, Hochzeiten oder Todesfälle ereigneten, sodass Dame König mit Gratulationen und Kondolenzen, Empfängen und Abschiedsbesuchen mehr als genug beschäftigt war und sich um den Haushalt nicht kümmern konnte. So sassen nun Erkundefrühling und Seidenweiß Pflaume den ganzen Tag in der Halle. Schatzspange ihrerseits beaufsichtigte tagsüber die Räume von Dame König und kam erst heim, wenn jene zurückkehrte. Am Abend unterbrach sie ihre Nadelarbeit, um sich vor dem Zubettgehen in einer kleinen Sänfte, begleitet von den Nachtwächterinnen, durch den ganzen Garten tragen zu lassen und alles zu kontrollieren.

Unter diesem Dreigestirn ging es noch strenger zu als unter der alleinigen Herrschaft von Phönixglanz. Im Innen- wie im Außenbereich murrte das Gesinde heimlich: „Kaum sind wir den einen Wachteufel los, der auf dem Meer patrouillierte, bekommen wir gleich drei Jupitergötter, die die Berge behüten. Nicht einmal zum heimlichen Trinken und Spielen hat man nachts noch Zeit!“

An diesem Tag war Dame König zu einem Festessen im Palast des Fürsten von Jinxiang eingeladen. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling hatten sich schon am frühen Morgen zurechtgemacht, Dame König beim Aufbruch assistiert und waren danach in die Halle gegangen. Sie hatten sich gerade hingesetzt und tranken Tee, als Wu Xindengs Frau hereinkam und meldete: "Zhao Guoji, der Bruder der Nebenfrau Zhao, ist gestern verstorben. Ich habe es gestern der gnädigen Frau gemeldet, und die gnädige Frau hat gesagt, sie wisse Bescheid, ich solle es dem gnädigen Fräulein und der jungen Herrin berichten.“ Damit ließ sie die Arme hängen, verharrte in dienstfertiger Haltung am Rand und sagte kein Wort mehr.

Zu dieser Zeit waren etliche Frauen anwesend, die Berichte zu erstatten hatten, und alle warteten gespannt darauf, wie die beiden entscheiden würden. Würde die Entscheidung angemessen ausfallen, würden alle Respekt empfinden. Würde es jedoch auch nur den geringsten Anlass zum Einwand geben, würden sie nicht nur keinen Respekt zeigen, sondern nach dem Verlassen des Innentors auch noch allerlei Witze darüber reißen.

Wu Xindengs Frau hatte natürlich ihre eigene Vorstellung davon, was zu tun war. Hätte Phönixglanz vor ihr gesessen, hätte sie längst ihren Eifer unter Beweis gestellt, mehrere Vorschläge gemacht und allerhand alte Präzedenzfälle herausgesucht, unter denen Phönixglanz hätte wählen können. Nun aber blickte sie auf Seidenweiß Pflaume herab, die ihr zu einfältig erschien, und auf Erkundefrühling ebenso, weil diese nur ein junges Fräulein war. Darum hatte sie absichtlich nur diesen einen Satz gesagt, um die beiden auf die Probe zu stellen.

Erkundefrühling fragte Frau Li. Seidenweiß Pflaume dachte einen Moment nach und sagte dann: „Als neulich Dufthauch[10]s Mutter starb, hat man, wie ich gehört habe, vierzig Liang Silber ausgezahlt. Dann lasst uns hier ebenfalls vierzig Liang geben, und damit basta.“

Wu Xindengs Frau hörte das, sagte eilig „Jawohl!“, nahm die Anweisungsmarke entgegen und wollte gehen.

"Halt, komm zurück!“, befahl Erkundefrühling.

Notgedrungen kehrte Wu Xindengs Frau um.

„Hol noch kein Silber“, fuhr Erkundefrühling fort. "Erst will ich dich etwas fragen: Bei den alten Nebenfrauen in den Gemächern der Herzoginmutter wurde stets unterschieden zwischen denen, die aus dem Haus stammten, und denen, die von draußen kamen. Wie viel wurde gegeben, wenn bei einer von hier jemand starb, und wie viel bei einer von draußen? Nenne mir ein paar Beispiele.“

Auf diese Frage hin wollte sich Wu Xindengs Frau plötzlich an nichts erinnern können und sagte eilfertig mit aufgesetztem Lächeln: „Das ist doch keine so wichtige Angelegenheit. Wer würde es wagen, über die Höhe zu streiten?“

Erkundefrühling lachte: "Das ist Unsinn! Nach mir ginge es, hundert Liang zu geben. Aber wenn ich mich nicht an die bestehenden Regeln halte, werden nicht nur die Leute über mich lachen — ich könnte auch der zweiten jungen Herrin künftig nicht mehr ins Gesicht sehen.“

Wu Xindengs Frau sagte lächelnd: „Wenn dem so ist, werde ich die alten Rechnungsbücher nachschlagen. Im Augenblick kann ich mich nicht erinnern.“

Erkundefrühling lachte: "Du führst seit Jahren diesen Dienst und kannst dich nicht erinnern, aber uns willst du in die Enge treiben? Sagst du etwa auch deiner zweiten jungen Herrin, du müsstest erst nachschlagen? Wenn das so wäre, dann wäre Phönixglanz ja gar nicht so streng, sondern geradezu nachsichtig! Also beeil dich und bring mir die Unterlagen, damit ich sie selbst ansehen kann. Wenn die Sache auch nur um einen Tag verzögert wird, dann heißt es nicht, ihr wäret nachlässig gewesen, sondern wir hätten keine eigene Meinung.“

Wu Xindengs Frau war über und über rot geworden. Hastig machte sie kehrt und ging hinaus. Die Verwalterinnen draußen reckten verblüfft die Zunge heraus. Inzwischen wurden andere Angelegenheiten vorgetragen.

Bald darauf kam Wu Xindengs Frau mit den alten Rechnungsbüchern zurück. Erkundefrühling sah sie durch und fand: In zwei Fällen, in denen die Nebenfrau aus dem Haus stammte, waren jeweils zwanzig Liang gezahlt worden; in zwei Fällen, in denen sie von außerhalb kam, jeweils vierzig Liang. Daneben gab es noch zwei Zahlungen an Frauen von außerhalb — einmal hundert Liang und einmal sechzig Liang. Bei beiden war ein besonderer Grund vermerkt: Im einen Fall waren die sechzig Liang zusätzlich für die Überführung der Elternsärge in eine andere Provinz gewährt worden, im anderen die zwanzig Liang zusätzlich für den Kauf einer Grabstätte. Erkundefrühling reichte die Unterlagen an Seidenweiß Pflaume weiter, dann sagte sie: „Gebt ihm zwanzig Liang Silber. Die Bücher lasst hier, wir werden sie uns noch genauer ansehen.“

Wu Xindengs Frau ging fort. Da kam plötzlich Nebenfrau Zhao herein. Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling boten ihr eilig einen Platz an, doch kaum dass sie sich gesetzt hatte, brach sie schon los: "Alle Leute in diesem Haus trampeln auf meinem Kopf herum — das mag ja noch hingehen. Aber Ihr, Fräulein, solltet doch ein wenig nachdenken und mir zu meinem Recht verhelfen!“ Bei diesen Worten begann sie hemmungslos zu weinen.

„Ich verstehe nicht, was Ihr meint, Tante“, erwiderte Erkundefrühling sofort. "Wer trampelt auf Euch herum? Sagt es mir, und ich werde Euch zu Eurem Recht verhelfen.“

Nebenfrau Zhao antwortete: „Ihr selbst seid es, die auf mir herumtrampelt! Bei wem soll ich mich also beschweren?“

Sofort sprang Erkundefrühling auf und sagte: "Ich würde so etwas niemals wagen!“

Auch Seidenweiß Pflaume stand auf, um zu beschwichtigen. Nebenfrau Zhao aber fuhr fort: „Setzt Euch doch und hört mich an! Ich bin in diesem Haus alt geworden, habe mich mein ganzes Leben lang abgerackert, habe Euch und Euren Bruder zur Welt gebracht — und jetzt bin ich nicht einmal so viel wert wie Dufthauch! Was bleibt mir da noch an Ansehen? Nicht einmal Ihr habt noch ein Gesicht, von mir ganz zu schweigen!“

Erkundefrühling lächelte: "So ist das also. Ich sage Euch: Ich bin nicht der Mensch, der gegen Recht und Vorschrift verstößt.“ Damit setzte sie sich wieder, nahm die Rechnungsbücher und blätterte sie Nebenfrau Zhao hin, las ihr daraus vor und sagte: „Das sind die alten Regelungen, die von den Ahnen auf uns gekommen sind. Jeder hält sich daran — soll ausgerechnet ich sie ändern? Das betrifft nicht nur Dufthauch. Wenn Huan einmal eine Nebenfrau von draußen nimmt, wird für sie selbstverständlich dasselbe gelten. Da gibt es nichts zu streiten, und von Gesichtsverlust kann keine Rede sein. Dufthauch ist eine Dienerin der gnädigen Frau, und ich handle nach den überlieferten Vorschriften. Wer sagt, es sei gut so, der genießt die Gnade der Ahnen und die Güte der gnädigen Frau. Wer es ungerecht findet, der ist dumm und weiß sein Glück nicht zu schätzen — soll er nur grollen!

Wenn die gnädige Frau jemandem das ganze Haus schenkt, gewinne ich dadurch kein Ansehen, und wenn sie jemandem keinen einzigen Heller gibt, verliere ich auch keines. Wenn die gnädige Frau nicht zu Hause ist, tätet Ihr besser daran, Euch auszuruhen und Eure Kräfte zu schonen, anstatt Euch unnötig aufzuregen. Die gnädige Frau liebt mich von ganzem Herzen, doch weil Ihr, Tante, immer wieder Unruhe stiftet, war sie schon mehrmals bitter enttäuscht. Wäre ich doch nur ein Mann! Ich hätte längst das Haus verlassen, stünde auf eigenen Beinen und lebte nach meinen eigenen Grundsätzen. Aber weil ich ein Mädchen bin, steht es mir nicht zu, auch nur ein einziges unbedachtes Wort zu sagen. Das weiß die gnädige Frau ganz genau. Und eben weil sie mich schätzt, hat sie mich beauftragt, den Haushalt mit zu führen. Noch ehe ich auch nur eine einzige gute Tat vollbringen konnte, kommt Ihr und zieht mich in den Schmutz! Was, wenn die gnädige Frau davon erfährt und meint, die Sache sei mir zu unangenehm, und mir den Posten wieder abnimmt? Dann ist mein Ansehen wirklich dahin — und Eures genauso!“

Während sie sprach, liefen ihr unwillkürlich Tränen über das Gesicht.

Nebenfrau Zhao wusste nichts Besseres zu erwidern als: "Wenn die gnädige Frau Euch so liebt, müsstet Ihr uns doch erst recht unter die Arme greifen. Aber Ihr denkt nur daran, Euch bei der gnädigen Frau einzuschmeicheln, und habt uns ganz vergessen.“

Erkundefrühling entgegnete: „Wie habe ich Euch vergessen? Und wie soll ich Euch unter die Arme greifen? Fragt Euch doch selbst: Welche Herrschaft liebt nicht die Bediensteten, die tüchtig und nützlich sind? Und welcher aufrechte Mensch ist auf die Fürsprache anderer angewiesen?“

Seidenweiß Pflaume versuchte von der Seite her unablässig zu beschwichtigen und sagte: "Seid nicht böse, Tante. Man darf es dem Fräulein nicht verübeln — sie ist ja im Herzen ganz darauf bedacht, Euch zu helfen, nur aussprechen kann sie es nicht.“

Sofort protestierte Erkundefrühling: „Auch die Schwägerin redet nun Unsinn! Wen will ich denn unterstützen? In welcher Familie werden die Sklaven von den Fräulein des Hauses unterstützt? Ob es ihnen gut oder schlecht ergeht — das solltet Ihr wissen. Was hat das mit mir zu tun?“

Wütend sagte Nebenfrau Zhao: "Niemand verlangt von Euch, andere zu unterstützen! Wenn Ihr nicht den Haushalt führen würdet, wäre ich erst gar nicht zu Euch gekommen. Ihr habt doch jetzt das Sagen! Wenn Ihr mir für das Begräbnis Eures Onkels zwanzig oder dreißig Liang mehr gebt — meint Ihr wirklich, die gnädige Frau hätte etwas dagegen? Die gnädige Frau ist wahrhaftig eine gütige Herrin! Ihr seid es, die hartherzig und knauserig seid. Es ist Euch leid, dass die Güte der gnädigen Frau nicht zur Geltung kommt! Und es ist ja nicht Euer eigenes Silber! Ich hatte gehofft, wenn Ihr einmal verheiratet seid, würdet Ihr Euch um die Familie Zhao besonders gut kümmern. Aber Ihr habt vergessen, woher Ihr kommt, noch ehe Euch die Federn gewachsen sind, und wollt nur noch hoch hinaus!“

Noch ehe die letzten Worte verklungen waren, war Erkundefrühling vor Zorn bleich geworden und rang schluchzend nach Atem: „Wer ist mein Onkel? Mein Onkel ist zu Neujahr zum Oberbefehlshaber von neun Provinzen aufgestiegen — wo kommt auf einmal ein weiterer Onkel her? Ich habe mich stets respektvoll verhalten, wie es sich gehört, und zum Dank dafür wird mir nun solche Verwandtschaft angehängt! Wenn Zhao Guoji mein Onkel gewesen wäre — warum stand er dann jedes Mal auf, wenn Huan den Raum verließ? Warum begleitete er ihn zur Schule? Warum kehrte er da nicht den Onkel heraus?

Wozu muss das alles sein? Jeder weiß doch, dass ich von Euch, einer Nebenfrau, geboren bin. Warum müsst Ihr alle paar Monate einen Vorwand suchen, alles gründlich aufzurühren, als hättet Ihr Angst, irgend jemand könnte es vergessen haben, und deshalb müsstet Ihr es wieder und wieder herausschreien? Ein Glück nur, dass ich vernünftig genug bin! Wäre ich dumm und unverständig, hätte ich schon längst die Geduld verloren.“

Während Seidenweiß Pflaume in ihrer Aufregung weiterzubeschwichtigen versuchte und Nebenfrau Zhao immer weiter palaverte, hörte man plötzlich jemanden melden: "Die zweite junge Herrin schickt Fräulein Friedchen mit einer Mitteilung.“

Jetzt endlich hielt Nebenfrau Zhao den Mund. Im nächsten Augenblick trat Friedchen ein. Sofort setzte Nebenfrau Zhao ein Lächeln auf, bot Friedchen einen Sitz an und fragte eilfertig: „Geht es deiner Herrin schon etwas besser? Eben wollte ich sie besuchen, kam aber nicht dazu.“

Seidenweiß Pflaume sah Friedchen kommen und fragte: "Was führt dich her?“

Friedchen erwiderte lächelnd: „Die junge gnädige Frau hat gesagt, da jetzt der Bruder von Nebenfrau Zhao verstorben ist, könnten die Herrin und das Fräulein vielleicht nicht über die alten Regelungen Bescheid wissen. Nach dem üblichen Brauch sind nur zwanzig Liang vorgesehen. Sie bittet das Fräulein, nach eigenem Ermessen etwas draufzulegen, wenn sie es für angemessen hält.“

Erkundefrühling hatte sich längst die Tränen abgewischt und erwiderte sogleich: "Warum ohne Grund etwas drauflegen? War der Verstorbene etwa ein Wunder, das nach vierundzwanzigmonatiger Schwangerschaft zur Welt kam? Oder war er ein Held, der im Krieg seinem Herrn das Leben rettete? Deine Herrin ist wirklich sonderbar — sie will, dass ich den Präzedenzfall schaffe, damit sie als die Wohltäterin dasteht. Mit dem Geld der gnädigen Frau lässt sich schön großzügig sein! Sag ihr: Ich wage es nicht, eigenmächtig etwas zu kürzen oder draufzulegen. Wenn sie etwas zulegen und Gnade walten lassen möchte, soll sie warten, bis sie genesen ist und wieder den Haushalt führt — dann mag sie zahlen, so viel sie will.“

Friedchen hatte schon beim Eintreten die Lage halb durchschaut, und bei diesen Worten war ihr alles klar. Da Erkundefrühling noch immer zornig dreinblickte, wagte sie nicht, sich so ungezwungen zu verhalten wie sonst in fröhlichen Zeiten, und blieb still und dienstfertig an der Seite stehen.

Gerade kam auch Schatzspange aus den Räumen von Dame König herüber. Erkundefrühling und die anderen standen eilig auf und boten ihr einen Platz an. Noch bevor jemand etwas sagen konnte, kam wieder eine Verwalterfrau herein, um etwas zu berichten. Da Erkundefrühling soeben geweint hatte, brachten drei oder vier kleine Dienstmädchen eine Waschschüssel, Tücher, einen Handspiegel und Toilettenartikel.

Erkundefrühling sass mit untergeschlagenen Beinen auf der niedrigen Ruhebank. Das Mädchen mit der Waschschüssel trat vor sie hin, kniete sich auf beide Knie nieder und hielt die Schüssel in die Höhe. Die beiden anderen Mädchen knieten ebenfalls nieder und reichten Tücher, Spiegel, Rouge und Puder dar. Da Dienstbuch nirgends zu sehen war, trat Friedchen eilig heran, krempelte Erkundefrühling die Ärmel hoch, streifte ihr die Armreife ab und breitete ein großes Handtuch über ihr Gewand, um es zu schützen. Erst dann streckte Erkundefrühling die Hände in die Schüssel und wusch sich.

Da begann die Verwalterfrau ihren Bericht: „Junge gnädige Frau und gnädiges Fräulein, die Familienschule verlangt die diesjährigen Unkosten für den jungen Herrn Huan und den jungen Herrn Lan.“

Friedchen ergriff als Erste das Wort: "Was soll die Eile? Siehst du denn nicht, dass sich das Fräulein gerade wäscht? Statt draußen zu warten, platzt du hier einfach herein! Würdest du dich vor der zweiten jungen Herrin auch so benehmen? Das Fräulein ist zwar nachsichtig, aber wenn ich drüben meiner Herrin berichte, dass ihr alle das Fräulein für nichts achtet, handelt ihr euch etwas ein. Dann macht mir aber keine Vorwürfe!“ Die Frau erschrak, setzte eilig ein Lächeln auf, entschuldigte sich — „Ich war unachtsam“ — und zog sich rasch nach draußen zurück.

Erkundefrühling war inzwischen beim Schminken und wandte sich mit einem kühlen Lächeln an Friedchen: "Du bist einen Schritt zu spät gekommen. Es gab noch etwas Lächerlicheres: Selbst eine so altgediente Frau wie Wu Xindengs Gattin erschien hier, ohne sich vorher Klarheit verschafft zu haben, und wollte uns an der Nase herumführen. Als wir sie dann befragten, hatte sie sogar noch die Stirn zu behaupten, sie könne sich an nichts erinnern. Wenn sie deiner Herrin etwas meldet und sagt, sie müsse erst nachschlagen — glaubst du, deine Herrin hätte die Geduld, darauf zu warten?“

Friedchen erwiderte lächelnd: „Wenn so etwas auch nur ein einziges Mal vorgekommen wäre, hätte ihr meine Herrin gewiss schon längst die Sehnen aus den Beinen gerissen! Glaubt ihnen nichts, Fräulein. Die sehen, dass die Herrin hier ein gutherziger Bodhisattva ist und das Fräulein ein zartes junges Mädchen, und schon versuchen sie, es sich bequem zu machen und euch frech ins Gesicht zu lügen.“ Dann rief sie in Richtung Tür: "Treibt es nur weiter so! Wenn die junge Herrin wieder gesund ist, sprechen wir uns!“

Die Verwalterinnen draußen erwiderten lächelnd: „Fräulein, Ihr seid doch ein verständiger Mensch! Wie das Sprichwort sagt: ›Jeder muss seine eigene Zeche zahlen.‹ Wir würden es niemals wagen, das Fräulein zu hintergehen. Das Fräulein ist so zart und vornehm — wenn wir es wahrhaft erzürnten, verdienten wir es, dass unsere Gebeine unbegraben vermodern.“

"Gut, dass ihr das wisst“, erwiderte Friedchen kühl. Dann wandte sie sich wieder lächelnd an Erkundefrühling: „Ihr wisst ja, Fräulein, wie viel die zweite junge Herrin zu tun hat. Da kann sie sich unmöglich um alles kümmern, und es ist nicht ausgeschlossen, dass manches übersehen worden ist. Wie man sagt: ›Der Zuschauer sieht klarer als der Spieler.‹ In den letzten Jahren habt Ihr mit kühlem Blick zugesehen — vielleicht ist Euch aufgefallen, wo Mittel hätten gekürzt oder aufgestockt werden sollen, ohne dass die zweite junge Herrin es getan hat. Wenn Ihr das jetzt tut, ist es erstens im Interesse der gnädigen Frau, und zweitens beweist Ihr damit die Freundschaft, die Ihr unserer jungen Herrin schon immer entgegengebracht habt.“

Noch bevor sie den Satz beendet hatte, fielen Schatzspange und Seidenweiß Pflaume lachend ein: "Was für ein prächtiges Mädchen! Es ist wirklich kein Wunder, dass Phönixglanz ausgerechnet sie so gernhat! Du meinst also, wir sollten uns jetzt ein paar Dinge vornehmen, die bisher nicht erledigt worden sind? Da sollst du nicht enttäuscht werden!“

Auch Erkundefrühling lächelte: „Ich hatte einen Bauch voll Wut und keinen, an dem ich sie auslassen konnte. Schon hatte ich mir ihre Herrin dafür ausgesucht — da platzt sie herein und sagt diese Dinge, sodass ich gar nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht.“ Dann rief sie die Verwalterfrau von vorhin herein und fragte: "Wofür werden die Jahresgelder für den jungen Herrn Huan und den jungen Herrn Lan in der Familienschule verwendet?“

Die Frau antwortete: „Jeder erhält acht Liang Silber im Jahr für den Imbiss in der Schule und für Schreibpinsel und Papier.“

Erkundefrühling sagte: "Für den Aufwand der jungen Herren bekommt jeder Haushalt ein Monatsgeld. Für Huan erhält Nebenfrau Zhao zwei Liang, für Schatzjade[11] erhält Dufthauch zwei Liang aus den Gemächern der Herzoginmutter, und für Lan bekommt sie die ältere junge Herrin. Warum werden dann noch einmal acht Liang pro Person an die Schule gezahlt? Gehen sie etwa nur wegen dieser acht Liang in die Schule? Ab sofort wird dieser Posten gestrichen! Friedchen, wenn du nach Hause kommst, bestelle deiner Herrin, was ich gesagt habe: Diese Zahlung muss unbedingt abgeschafft werden.“

Friedchen erwiderte lächelnd: „Sie hätte schon längst abgeschafft werden sollen. Gegen Jahresende hatte die junge Herrin sie streichen wollen, vergass es aber, weil um den Jahreswechsel so viel zu tun war.“

Die Verwalterfrau sagte notgedrungen "Jawohl“ und ging. Darauf brachten Dienerinnen aus dem Garten der Großen Anschauung Speisekästen mit dem Essen.

Dienstbuch und Suyun hatten längst einen kleinen Esstisch hereingetragen, und Friedchen half eilfertig beim Auftragen.

Erkundefrühling sagte lächelnd: „Wenn du alles gesagt hast, geh ruhig. Was machst du dich hier noch zu schaffen?“

Friedchen erwiderte lächelnd: "Ich habe weiter nichts zu tun. Die zweite junge Herrin hat mich zum einen hergeschickt, um die Mitteilung zu überbringen, zum anderen, weil sie meinte, hier sei zu wenig Personal — ich soll den Mädchen helfen, die junge Herrin und das Fräulein zu bedienen.“

Erkundefrühling fragte: „Warum hat man das Essen für Fräulein Schatzspange nicht gleich mitgebracht, damit wir zusammen essen können?“

Kaum hatten die Dienstmädchen das gehört, liefen sie hinaus zu den Verwalterinnen im Säulengang und riefen: "Fräulein Schatzspange isst heute hier mit — lasst ihr Essen herbringen!“

Als Erkundefrühling das hörte, sagte sie laut und bestimmt: „Kommandiert nicht so sinnlos herum! Das sind alles Verwalterfrauen, die für wichtige Angelegenheiten zuständig sind. Ihr schickt sie los, Essen und Tee zu holen, ohne den Unterschied zwischen hoch und niedrig zu kennen! Friedchen steht hier — sie kann Bescheid sagen gehen.“

Friedchen antwortete ohne Zögern "Jawohl“ und ging hinaus. Draußen fassten die Verwalterinnen sie sogleich am Arm, lächelten und flüsterten: „Fräulein, Ihr braucht nicht zu gehen. Wir haben bereits jemanden geschickt.“ Zugleich staubten sie mit ihren Taschentüchern eine Steinstufe ab und luden Friedchen ein: "Ihr steht nun schon so lange, Fräulein, setzt Euch doch ein wenig in den Schatten.“

Friedchen setzte sich. Zwei alte Frauen aus der Teeküche brachten ein Sitzkissen und legten es auf den Stein: „Der Stein ist kalt. Das Kissen ist ganz sauber — setzt Euch doch einen Moment darauf, Fräulein.“

Friedchen lächelte und dankte freundlich. Eine andere Frau brachte ihr eine Schale feinen, frischen Tee heraus und sagte leise und lächelnd: "Das ist nicht unser gewöhnlicher Tee, sondern der für die gnädigen Fräulein zubereitete. Erfrischt Euch ein wenig daran, Fräulein.“

Friedchen beugte sich eilig vor, um die Schale entgegenzunehmen, dann wies sie auf die Verwalterinnen und sagte leise: „Ihr treibt es wirklich zu weit. Sie ist ein Fräulein und tut sich weder wichtig, noch fährt sie aus der Haut — das ist ihre Würde. Aber ihr behandelt sie geringschätzig und tretet ihr zu nahe. Wenn ihr sie wirklich so weit treibt, dass sie in Zorn gerät — von ihr wird es nur heißen, sie sei ungehobelt gewesen, und damit ist es erledigt; ihr aber handelt euch etwas ein, was ihr nicht verkraften könnt. Wenn sie nur ein kleines Schmollen zeigt, muss selbst die gnädige Frau ihr nachgeben, und auch die zweite junge Herrin wagt nicht, etwas dagegen einzuwenden. Wenn ihr so frech seid, sie zu verachten, ist das nichts als ein Ei, das sich am Stein zerschlägt.“

Sofort verteidigten sich die Frauen: "Wie hätten wir es gewagt, frech zu sein! Das alles ist nur Nebenfrau Zhaos Schuld.“

Friedchen flüsterte weiter: „Lastt es gut sein, werte Damen! ›Wenn die Mauer einstürzt, schieben alle mit.‹ Nebenfrau Zhao handelt wirklich unüberlegt, aber immer wird alles ihr in die Schuhe geschoben. Meint ihr, ich hätte in all den Jahren nicht bemerkt, wie hochmütig und hinterhältig ihr seid? Wäre die zweite junge Herrin auch nur ein wenig angreifbarer, ihr hättet sie längst zu Fall gebracht. Und selbst so, wie es ist, lauert ihr auf jede Gelegenheit, um ihr Schwierigkeiten zu machen. Mehr als einmal wäre sie beinahe euren bösen Zungen zum Opfer gefallen.

Alle Welt sagt, sie sei streng, und ihr hättet Angst vor ihr. Doch ich allein weiß, dass man wahrlich nicht sagen kann, sie hätte in ihrem Herzen nicht auch Angst vor euch. Neulich erst haben wir darüber gesprochen und festgestellt, dass hier nicht mehr alles im Lot ist und es mit Sicherheit noch ein paar hässliche Szenen geben wird. Das dritte Fräulein ist zwar noch ein Mädchen, und ihr seht sie alle scheel an. Aber unter all den Schwägerinnen der zweiten jungen Herrin ist sie die Einzige, vor der meine Herrin wirklich einigen Respekt hat. Und ausgerechnet sie nehmt ihr jetzt nicht ernst.“

Kaum hatte sie das gesagt, erschien Herbstmuster im Hof. Die Verwalterinnen begrüßten sie eilig und sagten: "Ruht Euch ebenfalls ein wenig aus, Fräulein! Drinnen wird gerade gegessen. Wartet doch, bis der Tisch abgeräumt ist, bevor Ihr hineingeht.“

Herbstmuster sagte lächelnd: „Mich kann man nicht mit euch gleichsetzen. Warum sollte ich warten?“ Schon wollte sie schnurstracks in die Halle eintreten, als Friedchen rief: "Komm sofort zurück!“

Herbstmuster drehte sich um, erblickte Friedchen und lachte: „Was machst du hier draußen — spielst du den Wachposten?“ Dann setzte sie sich neben Friedchen auf das Kissen.

"Was willst du melden?“, fragte Friedchen leise.

„Ich wollte fragen, wann endlich das monatliche Silber für Schatzjade und unser Monatsgeld ausgezahlt werden“, antwortete Herbstmuster.

"Was für eine Wichtigkeit!“, meinte Friedchen. „Geh schnell zurück und sage Dufthauch, sie solle heute nichts melden lassen, gleich was es ist. Wenn sie eine Sache meldet, wird man ihr diese eine Sache abschlagen; meldet sie hundert, werden hundert abgeschlagen.“

"Warum das?“, wollte Herbstmuster wissen.

Friedchen und die Verwalterinnen erklärten ihr den Grund und fügten hinzu: „Man wartet geradezu darauf, dass jemand Gewichtiges mit etwas Wichtigem kommt, um ein Exempel zu statuieren und allen anderen eine Warnung zu erteilen. Wollt ausgerechnet ihr es sein, die es trifft? Wenn du jetzt hineingehst und sie das Exempel an euch statuieren will, stehen ihr die Herzoginmutter und die gnädige Frau im Weg. Lässt sie euch aber ungeschoren, dann heißt es, sie sei parteiisch — vor denen, die sich auf die Herzoginmutter und die gnädige Frau stützen können, habe sie Angst, nur an den Schwachen lasse sie alles aus. Glaub mir: Sie wird sogar der zweiten jungen Herrin ein paar Anordnungen aufheben, nur um den Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen.“

Herbstmuster ließ verblüfft die Zunge heraus, dann lachte sie: "Ein Glück, dass Schwester Friedchen hier war! Sonst hätte ich mir eine blutige Nase geholt. Ich sage lieber gleich drüben Bescheid!“ Damit stand sie auf und ging davon.

Inzwischen wurde Schatzspanges Essen gebracht, und Friedchen ging wieder hinein, um bei Tisch aufzuwarten. Nebenfrau Zhao war mittlerweile gegangen. Die drei sassen auf der Holzbank und assen: Schatzspange in der Mitte mit dem Gesicht nach Süden, Erkundefrühling mit dem Gesicht nach Westen, Seidenweiß Pflaume mit dem Gesicht nach Osten. Alle Verwalterinnen standen draußen im Säulengang und warteten schweigend. Drinnen waren nur die engsten Vertrauten und ständigen Begleiterinnen der drei anwesend, um sie zu bedienen. Niemand sonst wagte hinein.

Draußen berieten sich die Verwalterinnen flüsternd: „Lastt uns lieber vernünftig sein und keine unlauteren Pläne schmieden. Selbst Frau Wu hat vorhin eine Abfuhr erhalten — welches Ansehen genießen wir denn erst?“ So tuschelten sie miteinander und warteten auf das Ende der Mahlzeit, um ihre Berichte erstatten zu können. Drinnen aber herrschte Totenstille; kein Schüsselklirren, kein Stäbchenklappern war zu vernehmen.

Dann sah man, wie ein Dienstmädchen den Türvorhang hochhob und zwei andere den Tisch heraustrugen. In der Teeküche standen längst drei Mädchen mit Waschschüsseln bereit; als der Tisch herausgetragen war, trugen sie die Schüsseln hinein. Bald darauf kamen sie mit den Schüsseln und Mundspülschalen wieder heraus. Nun trugen Dienstbuch, Suyun und Oriole je ein Tablett mit einem Deckelschälchen Tee hinein. Als sie wieder herauskamen, befahl Dienstbuch den kleineren Mädchen: "Wartet drinnen ordentlich auf! Wenn wir vom Essen zurückkommen, lösen wir euch ab. Schleicht euch nicht wieder heimlich davon, um irgendwo herumzusitzen!“

Erst jetzt wagten sich die Verwalterinnen langsam, eine nach der anderen, wieder hinein und erstatteten der Rangfolge gemäß ihre Berichte. Dabei wagten sie nicht mehr, so geringschätzig und nachlässig zu sein wie zuvor.

Erkundefrühlings Zorn war allmählich verraucht. Sie wandte sich an Friedchen und sagte: „Ich habe etwas Wichtiges auf dem Herzen, das ich schon lange mit deiner Herrin besprechen wollte. Heute fällt es mir glücklicherweise wieder ein. Iss schnell und komm dann wieder her. Fräulein Schatzspange ist auch hier — wir können zu viert darüber beraten und es dann deiner Herrin im Einzelnen vortragen, ob es sich verwirklichen lässt oder nicht.“

Friedchen sagte "Jawohl“ und ging nach Hause.

Phönixglanz fragte, warum sie den ganzen Tag fortgewesen sei, und Friedchen erzählte ihr lächelnd alles von Anfang bis Ende.

Phönixglanz lachte: „Gut, gut, gut! Ein gutes Mädchen, diese dritte Schwester! Ich habe immer gewusst, dass sie etwas taugt. Nur schade, dass ihr kein gutes Los beschieden ist — sie hätte aus dem Leib der gnädigen Frau zur Welt kommen sollen.“

Friedchen sagte lächelnd: "Nun redet auch Ihr Unsinn, junge Herrin. Auch wenn nicht die gnädige Frau sie geboren hat — wer würde es wagen, sie geringer zu schätzen als die anderen Töchter des Hauses?“

Phönixglanz seufzte: „Was weißt du schon! Obwohl die Kinder von Nebenfrauen dem Rang nach gleichgestellt sind, ist doch bei den Töchtern ein Unterschied, der sich bei der Verlobung zeigt. Heutzutage gibt es leichtfertige Menschen, die sich als Erstes erkundigen, ob ein Fräulein die Tochter der Hauptfrau oder einer Nebenfrau ist, und die eine Tochter der Nebenfrau zumeist verschmähen. Dabei weiß jeder, dass bei uns — ganz zu schweigen von den Töchtern der Nebenfrauen — selbst die Dienerinnen noch etwas Besseres sind als anderer Leute Fräulein. Wer weiß, welcher Pechvogel sein Glück verspielt, weil er zwischen Hauptfrau und Nebenfrau unterscheidet, und welcher Glückspilz Erkundefrühling einmal bekommt, weil er diesen Unterschied nicht macht!“

Dann fuhr Phönixglanz, wieder lächelnd, fort und wandte sich an Friedchen: "Du weißt ja, wie viele Sparmassnahmen ich in den letzten Jahren ersonnen habe. Es gibt wohl niemanden in der ganzen Familie, der mich deswegen nicht insgeheim hasst. Nun sitze ich einmal auf dem Tiger und muss weiterreiten — auch wenn ich manches klarer sehe als zuvor, kann ich es mir nicht leisten, jetzt lockerzulassen. Zumal unsere Ausgaben groß sind und die Einnahmen gering. Alle wichtigen und unwichtigen Dinge richten sich nach den Grundsätzen der Ahnen, obwohl die Einnahmen aus den Gütern bei weitem nicht mehr so hoch sind wie früher. Spare ich aber zu sehr, lachen die Leute, die Herzoginmutter und die gnädige Frau fühlen sich gekränkt, und das Gesinde beklagt sich über Geiz. Wenn wir jedoch nicht bald einen Weg zum Sparen finden, ist in wenigen Jahren unser ganzer Besitz aufgebraucht.“

Friedchen bestätigte: „So ist es. Drei oder vier Fräulein, zwei oder drei junge Herren und die Herzoginmutter — für all das werden noch große Summen gebraucht.“

Phönixglanz sagte lächelnd: "Das habe ich alles schon durchgerechnet; es wird wohl reichen. Wenn Schatzjade heiratet und Schwester Kajaljade einen Mann bekommt, brauchen wir dafür kein Geld aus der Familienkasse — die Herzoginmutter hat ihre eigenen Ersparnisse, die sie dafür aufwenden wird. Das zweite Fräulein Willkommensfrühling[12] gehört zum Haushalt des älteren Herrn und zählt daher nicht mit. Bleiben drei oder vier Fräulein. Rechnet man für jede höchstens zehntausend Liang, für die Hochzeit des jungen Herrn Huan höchstens dreitausend Liang — von irgendeiner Stelle lässt sich das schon einsparen. Wenn es mit der Herzoginmutter einmal so weit ist, ist das meiste schon vorbereitet; es bleiben nur Kleinigkeiten, die drei- bis fünftausend Liang kosten mögen. Wenn wir also jetzt noch etwas sparsamer leben, kommen wir aus. Ich fürchte nur, es könnten ein oder zwei unvorhergesehene Dinge dazwischenkommen — dann wären wir übel dran.

Aber lassen wir die Zukunft. Iss jetzt erst einmal und hör dir dann an, was sie beraten wollen! Die Sache kommt mir gerade recht, denn ich mache mir Sorgen, dass ich keine geeignete Stütze habe. Schatzjade ist zwar da, aber er taugt nicht für solche Aufgaben; selbst wenn ich ihn fügig machte, hätte ich keinen Nutzen von ihm. Die ältere junge Herrin Seidenweiß Pflaume ist eine Heilige und würde mir auch nichts nützen. Das zweite Fräulein Willkommensfrühling erst recht nicht, und sie gehört überdies nicht zu unserem Haushalt. Bedauerfrühling[13] ist zu jung, der kleine Herr Lan noch jünger. Und der junge Herr Huan ist nichts als ein frierendes Kätzchen, das sich gern das Fell versengt, wenn es nur in den Ofen kriechen kann. Da sind wahrhaftig zwei Kinder aus dem Leib derselben Mutter geboren, und zwischen ihnen klafft ein himmelweiter Unterschied! Sooft ich daran denke, kann ich mich nicht damit abfinden.

Dann haben wir noch Schwester Kajaljade und Fräulein Schatzspange. Beide wären nicht schlecht geeignet, aber ausgerechnet sie gehören zur Verwandtschaft und können deshalb nicht gut unseren Haushalt führen. Außerdem gleicht die eine einer gemalten Schönheit auf einer Papierlaterne — der erste Windstoß macht sie kaputt. Und die andere hat es sich zur Regel gemacht: ›Was mich nichts angeht, darüber rede ich nicht; wer mich fragt, dem schüttle ich dreimal den Kopf.‹ So kann man sich schlecht an sie wenden. Es bleibt einzig Erkundefrühling — bei der sind Herz und Mund am rechten Fleck. Außerdem gehört sie voll und ganz zu unserem Haushalt, und die gnädige Frau hat sie gern. Zwar macht sie immer ein gleichgültiges Gesicht, aber daran ist nur dieses alte Stück von einer Nebenfrau Zhao schuld.

Innerlich gilt Erkundefrühling der gnädigen Frau genauso viel wie Schatzjade — ganz im Unterschied zum jungen Herrn Huan, der es einem wirklich schwer macht, ihn gernzuhaben; wenn es nach mir ginge, hätte ich ihn längst hinausgeworfen. Da sie nun solche Pläne hat, sollten wir uns zusammentun und einander unterstützen — dann bin ich nicht mehr auf mich allein gestellt. Vom Standpunkt der Allgemeinheit aus und nach allem, was Anstand und Gewissen verlangen, brauchen wir uns durch ihre Hilfe weniger das Hirn zu zermartern, und die Sache der gnädigen Frau hat einigen Nutzen.

Von meinem eigenen, egoistischen Standpunkt aus ist es so, dass ich bisher wohl zu hart gewesen bin und deshalb in den Hintergrund treten und abwarten sollte. Setze ich den Leuten weiter so zu, treibe ich ihren Hass auf die Spitze, und hinter jedem Lächeln lauert dann ein Dolch. Wir beide zusammen haben nur vier Augen und zwei Köpfe — ein unachtsamer Augenblick, und wir sind verloren. Wenn in dieser heiklen Lage Erkundefrühling nach außen hin in Erscheinung tritt, wird der Hass, den die Leute gegen uns hegen, allmählich verfliegen.

Und noch etwas muss ich dir sagen: Sie ist zwar ein Mädchen, begreift aber alles und jedes — nur mit ihren Worten ist sie zurückhaltend. Und sie kann besser lesen und schreiben als ich, was sie noch tüchtiger macht. Nun heißt es im Sprichwort: ›Willst du die Bande fangen, fang zuerst den Anführer.‹ Wenn sie jetzt neue Maßstäbe setzen will, wird sie unweigerlich bei mir den Anfang machen. Wenn sie also eine meiner Anordnungen zurückweist, darfst du nicht widersprechen — du musst im Gegenteil umso demütiger sein und ihr recht geben. Auf gar keinen Fall darfst du dir Gedanken machen, ob mein Ansehen dadurch leidet. Wenn du auch nur ein einziges Wort gegen sie sagst, ist alles verdorben.“

Friedchen ließ sie gar nicht erst ausreden und sagte lächelnd: „Ihr haltet mich wirklich für zu dumm! Ich habe doch schon vorhin genau so gehandelt, und jetzt belehrt Ihr mich noch.“

Phönixglanz erwiderte lächelnd: "Ich fürchtete nur, in deinem Herzen und deinen Augen sei nur für mich Platz und für sonst niemanden — darum musste ich es noch einmal sagen. Aber da du schon danach gehandelt hast, bist du offenbar klüger als ich. Vor lauter Eifer hast du mich allerdings schon wieder einfach geduzt.“

Friedchen sagte: „Und ob ich ›du‹ sage! Wenn es dir nicht passt — hier sind meine Wangen. Schlag nur! Als ob sie noch nicht wüssten, wie sich das anfühlt!“

Phönixglanz lachte: "Du kleine Frechheit! Wie oft willst du mir das noch vorhalten? Obwohl ich so krank bin, musst du mich noch ärgern. Komm, setz dich her! Da ohnehin niemand kommt, können wir auch zusammen essen.“

In diesem Augenblick traten Fenger und drei oder vier andere Dienstmädchen herein und stellten ein kleines Tischchen auf das Ofenbett. Phönixglanz ass nur Schwalbennester-Reisbrei mit zwei Schälchen feiner Beilagen; ihre übliche Tagesration hatte sie bereits abbestellt. Fenger stellte Friedchens vier Portionen Essen auf das Tischchen und füllte ihr Reis in die Schale. Friedchen kniete sich mit einem Bein auf das Ofenbett und blieb mit dem anderen auf dem Boden stehen. So leistete sie Phönixglanz beim Essen Gesellschaft. Nachdem sie ihr auch noch beim Mundspülen und Händewaschen geholfen hatte, ermahnte sie Fenger noch mit einigen Worten und machte sich dann wieder auf den Weg zu Erkundefrühling. Im Hof dort war es still, die Leute hatten sich zerstreut.

Wer wissen will, wie es weiterging, ...

  1. Chin. 探春 Tànchūn, „Erkundefrühling".
  2. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".
  3. Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige".
  4. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".
  5. Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".
  6. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".
  7. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".
  8. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".
  9. Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke".
  10. Chin. 袭人 Xírén, "die Angreifende/der Dufthauch".
  11. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade".
  12. Chin. 迎春 Yíngchūn, „Willkommens-Frühling".
  13. Chin. 惜春 Xīchūn, „Bedaure-den-Frühling".