Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 43"

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Kapitel 43
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In dem man aus Vergnügen Geld zusammenlegt, um einen Geburtstag zu feiern,
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_43|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_43|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
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und unerfüllte Liebe dazu führt, eine Handvoll Erde als Räucherwerk darzubringen
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= Kapitel 43 =
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== 闲取乐偶攒金庆寿 ==
 
=== 不了情暂撮土为香 ===
 
  
'''Zu müßigem Zeitvertreib wird für eine große Geburtstagsfeier gesammelt,aus unvergänglichem Gefühl wird ein bescheidenes Weihrauchopfer gebracht.'''
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Dame König [王夫人]<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, wörtl. „Dame König". Schatzjades Mutter.</ref> hatte erfahren, dass die Herzoginmutter [贾母]<ref>Chin. 贾母 Jiǎmǔ, wörtl. „Mutter Kaufmann". Oberhaupt der Familie, auch „Alte Herrin" genannt.</ref> sich an jenem Tag im Garten der Großen Anschauung nur ein wenig erkältet hatte und keineswegs ernsthaft krank war. Nachdem man den Arzt gerufen hatte und sie zwei Dosen Medizin eingenommen hatte, war sie bereits wieder genesen. Beruhigt ließ Dame König nun Phönixglanz [王熙凤]<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Glänzender Phönix aus dem Hause Wang". Haushälterin der Familie Kaufmann.</ref> zu sich kommen, um mit ihr zu besprechen, was alles für Aufrecht Kaufmann [贾政]<ref>Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann/Gerecht". Schatzjades strenger Vater.</ref> vorbereitet und ihm zugeschickt werden sollte. Gerade berieten sie miteinander, als eine Botin der Herzoginmutter erschien und sie zu sich bat. Eilig begab sich Dame König mit Phönixglanz hinüber. Dame König erkundigte sich: „Geht es Euch inzwischen wieder besser?"
  
Als Dame Wang erfuhr, daß die Herzoginmutter von keiner ernsten Krankheit befallen war, sondern sich nur ein wenig im Garten erkältet hatte, aber nun, nachdem der Arzt dagewesen war und sie ein paarmal Medizin eingenommen hatte, wieder genesen sei, ließ sie Hsi-fëng zu sich kommen und ordnete an, was sie für Djia Dschëng vorbereiten sollte, um es ihm zu schicken.
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Die Herzoginmutter erwiderte: „Heute fühle ich mich schon viel wohler. Von der Fasanenkükensuppe, die ihr mir vorhin geschickt habt, habe ich probiert – sie ist wirklich wohlschmeckend. Auch zwei Stück Fleisch habe ich gegessen, und das hat mir sehr gut getan."
Eben beratschlagten sie miteinander, da kam eine Botin der Herzoginmutter, die sie zu sich bitten ließ. Rasch ging Dame Wang mit Hsi-fëng zusammen hinüber und fragte die Herzoginmutter: „Geht es Euch wieder besser?“
 
„Heute ist mir schon wieder viel wohler“, bestätigte die Herzoginmutter. „Von der Fasanenkükensuppe, die ihr mir schicktet, habe ich gekostet. Sie ist wohlschmeckend. Auch zwei Stücken Fleisch habe ich gegessen, und das hat mir gut getan.“
 
Lächelnd erklärte ihr Dame Wang: „Es war eine Gabe von Hsi-fëng, ein Zeichen ihrer kindlichen Ehrerbietung und ein Beweis dafür, daß Eure ständige Liebe für sie nicht verschwendet ist.“
 
Die Herzoginmutter nickte lächelnd und sagte: „Es ist schön, daß sie daran gedacht hat. Wenn noch roher Fasan da ist, möchte ich ein paar Häppchen davon in heißem Fett gebacken haben. Leicht gesalzen, werden sie gut zur nüchternen Reissuppe schmecken. Die Fleischbrühe schmeckt zwar auch, aber sie paßt nicht dazu.“
 
Hsi-fëng sagte rasch jawohl und schickte jemanden in die Küche, um den Auftrag zu übermitteln.
 
Lächelnd sagte nun die Herzoginmutter zu Dame Wang: „Ich habe dich aus keinem anderen Grund herbitten lassen als dem, daß Hsi-fëng am zweiten Geburtstag hat. Schon in den letzten beiden Jahren hatte ich eine Geburtstagsfeier für sie ausrichten wollen, aber jedesmal, wenn es soweit war, kam etwas Wichtiges dazwischen, und die Feier fiel ins Wasser. Diesmal sind wir alle beisammen, und es kann wohl auch nichts dazwischenkommen. Darum wollen wir uns alle gemeinsam einen vergnügten Tag machen!“
 
„Daran hatte ich auch schon gedacht“, stimmte Dame Wang lächelnd zu. „Wenn es Euch freut, alte gnädige Frau, sollten wir jetzt darüber beraten und einen Entschluß fassen!“
 
Lächelnd fuhr die Herzoginmutter fort: „Egal, wessen Geburtstag es war, hat in den vergangenen Jahren stets jeder einzeln seine Geschenke gemacht. Aber das ist alltäglich und zeugt von keinem Zusammenhalt in der Familie. Diesmal möchte ich etwas Neues vorschlagen. Es wird beweisen, daß wir einander nicht fremd sind, und etwas zum Lachen haben werden wir auch.“
 
Rasch pflichtete Dame Wang ihr bei: „Wie Ihr es für richtig haltet, so soll es sein!“
 
Wieder fuhr die Herzoginmutter lächelnd fort: „Ich finde, wir sollten es den einfachen Leuten nachmachen – jeder zahlt einen Beitrag, und alles, was dabei zusammenkommt, wird für das Fest verbraucht. Muß das nicht Spaß machen?“
 
„Ganz gewiß!“ bestätigte Dame Wang lächelnd. „Nur verstehe ich nicht, auf welche Weise die Beiträge zusammengebracht werden sollen.“
 
Bei diesen Worten geriet die Herzoginmutter sogleich in eine noch freudigere Stimmung, und sie befahl, nicht nur Tante Hsüä und Dame Hsing zu holen, sondern auch die Mädchen und Bau-yü, außerdem Djia Dschëns Frau aus dem anderen Anwesen und schließlich auch noch die Frau von Lai Da und die Frauen der übrigen angesehenen Verwalter.
 
Als die Sklavenfrauen und -mädchen sahen, in welch fröhlicher Laune die Herzoginmutter war, wurden auch sie vergnügt. Sogleich eilten sie geschäftig los, um die Einladungen und Befehle zu übermitteln, und in weniger Zeit, als man sie braucht, um eine Schale Reis zu essen, hatte sich jung und alt, hoch und niedrig versammelt, und das Zimmer war gedrängt voll. Nur Tante Hsüä saß der Herzoginmutter gegenüber, Dame Hsing und Dame Wang saßen auf Stühlen nahe der Tür, Bau-tschai und die anderen Mädchen machten es sich zu fünft oder sechst auf dem Ofenbett bequem, Bau-yü aber schmiegte sich an die Herzoginmutter. Alle übrigen standen dicht an dicht.
 
Rasch befahl die Herzoginmutter, ein paar Schemel zu holen, damit Lai Das Mutter und einige andere geachtete alte Ammen sich setzen konnten. Denn nach den Bräuchen der Familie Djia genossen alte Leute vom Gesinde, die schon unter der vorigen Generation gedient hatten, größere Achtung als die jungen Herrschaften. Darum blieben Frau You, Hsi-fëng und einige andere unbekümmert stehen, während sich Lai Das Mutter und drei, vier weitere alte Ammen, Entschuldigungen murmelnd, auf den Schemeln niederließen.
 
Nun trug die Herzoginmutter mit lächelnder Miene alles vor, was eben besprochen worden war, und es gab niemanden, der sich an dem Spaß nicht beteiligen mochte. Wer sich mit Hsi-fëng gut stand, wollte es aus Anhänglichkeit tun, und wer Angst vor ihr hatte, war froh, sich einschmeicheln zu können. Zumal es sich jeder leisten konnte, etwas zu geben. Darum erklärten sich alle fröhlich mit dem Vorschlag einverstanden, kaum daß er gemacht war.
 
Als erste verkündete die Herzoginmutter: „Ich gebe zwanzig Liang.“
 
Lächelnd sagte darauf Tante Hsüä: „Ich schließe mich an und gebe ebenfalls zwanzig.“
 
„Wir wagen es nicht, uns der alten gnädigen Frau gleichzustellen“, erklärten Dame Hsing und Dame Wang. „Wir stehen eine Stufe niedriger und geben je sechzehn Liang.“
 
„Und wir stehen noch eine Stufe niedriger und geben je zwölf“, sagten daraufhin lächelnd Frau You und Li Wan.
 
„Du bist Witwe und hast keinen eigenen Hausstand“, wandte sich die Herzoginmutter sofort an Li Wan. „Wie könnten wir von dir solches Geld verlangen, ich werde es für dich zahlen!“
 
Aber lächelnd mischte sich jetzt Hsi-fëng mit den Worten ein: „Anstatt Euch hinreißen zu lassen, solltet Ihr erst einmal rechnen, alte gnädige Frau, ehe Ihr das übernehmt. Es sind ohnehin schon zwei Anteile, die zu Euren Lasten gehen, und wenn Ihr jetzt noch die zwölf Liang für die Schwägerin zahlen wollt, freut Ihr Euch wohl in dem Augenblick, wo Ihr es sagt, aber ein Weilchen später werdet Ihr es schon bereuen, und ganz zum Schluß werdet Ihr sagen: ‚So viel Geld für diese Hsi-fëng!‘ Dann werdet Ihr mit irgendeinem Trick dafür sorgen, daß ich sang- und klanglos das Drei- oder Vierfache eines Anteils dazuschießen muß, und ich bilde mir noch etwas darauf ein!“
 
Alle lachten darüber, und die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Was meinst du denn, wie wir es machen sollten?“
 
„Mein Geburtstag ist noch nicht heran, und schon bekomme ich mehr, als mir zu meinem Glück zuträglich ist“, sagte Hsi-fëng. „Mir ist wirklich nicht wohl bei dem Gedanken, daß ich selber nichts beisteuern darf und nur alle in Unruhe versetze. Darum ist es das beste, ich übernehme den Anteil der Schwägerin, und wenn dann der Tag gekommen ist, esse ich dafür ein bißchen mehr. Das würde mir ein größeres Glück bedeuten.“
 
Dame Hsing und die anderen sagten: „Sie hat ganz recht!“ Daraufhin gab die Herzoginmutter nach. Hsi-fëng aber fuhr lächelnd fort: „Ich möchte noch etwas sagen. Mir scheint, wenn die alte Ahne zwanzig Liang gibt und dazu noch die beiden Anteile für Dai-yü und Bau-yü übernimmt, und die Frau Tante gibt ebenfalls zwanzig Liang und übernimmt dazu den Anteil für Bau-tschai, so ist das ganz gerecht. Wenn aber die beiden gnädigen Frauen nur jeweils sechzehn Liang geben und für niemand anders einen Anteil übernehmen, ist das nicht sehr gerecht. Da wird die alte Ahne übervorteilt.“
 
Sofort sagte die Herzoginmutter mit lächelnder Miene: „Meine Hsi-fëng steht auf meiner Seite. Was sie da sagt, stimmt haargenau. Wenn ich sie nicht hätte, hätte ich wieder einmal das Nachsehen gehabt.“
 
„Alte Ahne, Ihr müßt Bau-yü und Dai-yü an die beiden gnädigen Frauen abtreten“, schlug Hsi-fëng lächelnd vor. „Ob sie nun viel für sie zahlen oder wenig, auf jeden Fall übernehmen sie je einen zusätzlichen Anteil, darauf kommt es an.“
 
„Das ist nur gerecht, so wird es gemacht!“ stimmte die Herzoginmutter sofort zu.
 
Da stand jedoch Lai Das Mutter auf, um lächelnd zu erklären: „Das ist Verrat, und ich muß mich für die beiden gnädigen Frauen ärgern. Die junge Herrin ist die Schwiegertochter der einen und die Nichte der anderen, aber sie stellt sich nicht auf die Seite von Schwiegermutter oder Tante, sondern auf die von jemand anders. So wird aus der Schwiegertochter eine Fremde und aus der leiblichen Nichte eine angeheiratete.“
 
Die Herzoginmutter und alle anderen lachten darüber laut heraus, Lai Das Mutter aber fragte: „Wenn die jungen Herrinnen je zwölf Liang geben, müssen wir natürlich eine Stufe niedriger stehen, nicht wahr?“
 
„Kommt nicht in Frage!“ entschied die Herzoginmutter. „Zwar müßtet ihr eine Stufe niedriger stehen, ich weiß aber, daß ihr alle reiche Leute seid. Euer Stand mag geringer sein, aber Geld habt ihr mehr als sie. Darum kann es nicht anders sein, als daß ihr genausoviel gebt wie sie auch.“
 
Als die alten Ammen das hörten, sagten sie rasch jawohl.
 
„Die Fräulein brauchen nur ihren guten Willen zu zeigen, indem jede ein Monatsgeld spendet“, fuhr die Herzoginmutter fort. Dann wandte sie sich zu Yüan-yang um und sagte: „Auch ihr solltet euch zusammentun und beraten, wieviel ihr gebt.“
 
Yüan-yang sagte: „Jawohl!“ und kam bald darauf mit Ping-örl, Hsi-jën, Tsai-hsia und ein paar kleineren Sklavenmädchen wieder. Einige von ihnen wollten zwei Liang, andere ein Liang geben.
 
„Willst du etwa deiner Herrin nichts weiter zum Geburtstag schenken, daß du dich hier anschließt?“ wollte die Herzoginmutter von Ping-örl wissen.
 
Lächelnd erwiderte Ping-örl: „Ein persönliches Geschenk habe ich außerdem. Das hier ist eine gemeinsame Sache, zu der ich auch meinen Beitrag leisten muß.“
 
„Du bist doch ein gutes Kind!“ lobte die Herzoginmutter lächelnd.
 
„Hoch und niedrig sind jetzt vollzählig vertreten, nur die beiden Nebenfrauen fehlen noch“, erinnerte Hsi-fëng die Herzoginmutter mit lächelnder Miene. „Wir müssen sie fragen, ob auch sie etwas beisteuern. Die Sitte verlangt, daß sie berücksichtigt werden. Andernfalls könnten sie denken, daß wir sie geringschätzen.“
 
„Aber ja!“ sagte die Herzoginmutter sofort. „Wie konnten wir sie nur vergessen! Wahrscheinlich hatten sie keine Zeit zu kommen. Eine der Mägde soll sie fragen gehen!“
 
Während sie das sagte, ging schon ein Sklavenmädchen los und kam nach geraumer Zeit mit dem Bescheid wieder: „Sie geben jede zwei Liang.“
 
Fröhlich sagte die Herzoginmutter: „Nehmt Schreibpinsel und Tuschereibstein und rechnet zusammen, wieviel das insgesamt ergibt!“
 
Frau You aber zankte indessen leise mit Hsi-fëng: „Dir werde ich helfen, du unersättliches Spitzbein! So viele Muttchen und Tantchen legen ihr Silber zusammen, um deinen Geburtstag auszurichten, und dir ist das immer noch nicht genug. Wozu mußtest du auch noch diese armen Weiber mit ins Spiel bringen?“
 
„Red keinen Unsinn!“ erwiderte Hsi-fëng ebenso leise und mit lächelnder Miene. „Mit dir rechne ich ab, wenn wir draußen sind! Wer sagt, daß die beiden arm sind? Wenn sie Geld haben, stecken sie es anderen zu. Da ist es besser, wir nehmen es ihnen ab und machen uns einen vergnügten Tag damit!“
 
Inzwischen war die Summe zusammengezählt, und es hatten sich mehr als einhundertfünfzig Liang ergeben.
 
„Das können wir für Theater und Wein an einem Tag nicht verbrauchen“, gab die Herzoginmutter zu bedenken.
 
„Da wir keine Gäste einladen, wird die Weintafel nicht viel kosten, dann reicht das Geld für zwei oder drei Tage“, erklärte ihr Frau You. „Vor allem kostet uns die Therateraufführung kein Geld, das sparen wir ein.“
 
„Hsi-fëng soll sagen, welche Truppe sie mag, und die lassen wir kommen“, entschied die Herzoginmutter.
 
„Unsere Familientruppe habe ich über. Geben wir lieber ein bißchen Geld aus und hören uns eine andere Truppe an!“ bat Hsi-fëng.
 
„Diese ganze Sache soll Dschëns Frau übernehmen!“ ordnete die Herzoginmutter an. „Hsi-fëng soll damit nicht die geringste Sorge haben und den Tag nur genießen. Erst dann ist es ein richtiger Geburtstag.“
 
Frau You sagte: „Jawohl!“, und nachdem man noch ein Weilchen geplaudert hatte, gingen nach und nach alle fort, weil sie merkten, daß die Herzoginmutter müde war.
 
Frau You begleitete erst Dame Hsing und Dame Wang hinaus, dann ging sie zu Hsi-fëng, um mit ihr zu beraten, wie sie den Geburtstag gestalten sollte.
 
„Mich mußt du nicht fragen“, sagte Hsi-fëng. „Richte dich ganz danach, was der alten gnädigen Frau gefällt, und damit basta.“
 
„Du Biest hast aber auch ein unverschämtes Glück!“ sagte Frau You dann lächelnd. „Ich hatte mich gefragt, warum wir alle herüberkommen sollten, und dann ging es einzig und allein darum. Nicht genug damit, daß ich Geld loswerde, habe ich auch noch den ganzen Ärger am Hals. Womit wirst du mir das danken?“
 
„Red keinen Blödsinn!“ wies Hsi-fëng sie lächelnd zurecht. „Habe vielleicht ich dich gerufen? Warum also sollte ich dir danken? Wenn dir der Ärger zuviel ist, mußt du der alten gnädigen Frau sagen, sie soll jemand anders beauftragen, das ist alles.“
 
„Sieh einer an, wie sie sich aufführt!“ sagte Frau You lächelnd darauf. „Halt an dich, rate ich dir. Wenn du dich weiter so aufbläst, wirst du noch platzen.“
 
Nachdem die beiden noch ein Weilchen miteinander gesprochen hatten, gingen auch sie auseinander.
 
Am nächsten Tag wurde Silber ins Ning-guo-Anwesen gebracht, als Frau You nach dem Aufstehen eben dabei war, sich zu frisieren und zu waschen. „Wer hat das gebracht?“ fragte sie.
 
„Tante Lin“, antworteten die Sklavenmädchen.
 
„Sie soll herkommen!“ befahl Frau You.
 
Die Sklavenmädchen gingen also in die Gesindestube und riefen Lin Dschï-hsiaus Frau. Als sie herübergekommen war, ließ Frau You sie auf einer Fußbank Platz nehmen, und während sie eifrig in ihrer Toilette fortfuhr, fragte sie: „Wieviel Silber ist in dem Päckchen?“
 
„Dies ist nur das Silber, das wir von der Dienerschaft zusammengelegt haben“, berichtete Lin Dschï-hsiaus Frau. „Das von der alten gnädigen Frau und den gnädigen Frauen ist nicht mit dabei.“
 
Als sie das eben sagte, meldeten die Sklavenmädchen: „Die gnädige Frau und die gnädige Frau Tante von drüben haben Botinnen mit ihren Beiträgen geschickt.“
 
Lachend schimpfte Frau You: „Ihr kleinen Spitzbeine achtet wieder mal nur auf die Nebensächlichkeiten! Gestern war die alte gnädige Frau in fröhlicher Stimmung, nur deshalb hat sie gesagt, wir wollten nach Art der kleinen Leute Silber zusammenlegen. Das habt ihr euch eingeprägt und nehmt es jetzt wortwörtlich. Wollt ihr euch das Silber wohl bald geben lassen und den Botinnen Tee anbieten, ehe ihr sie wieder wegschickt?!“
 
Rasch sagten die Sklavenmädchen jawohl und brachten dann zwei Päckchen Silber herein, in denen auch die Beiträge für Bau-tschai und Dai-yü mit enthalten waren.
 
„Wessen Anteile fehlen jetzt noch?“ fragte Frau You.
 
„Es fehlen die Anteile der alten gnädigen Frau, der zweiten gnädigen Frau, der gnädigen Fräulein und die der Mägde“, gab Lin Dschï-hsiaus Frau Auskunft.
 
„Und was ist mit dem Anteil für die erste junge gnädige Frau?“ fragte Frau You.
 
„Wenn Ihr hinüberkommt, junge Herrin, bekommt Ihr das Geld von der zweiten jungen gnädigen Frau. Sie hat alles beisammen“, erwiderte Lin Dschï-hsiaus Frau.
 
Während sie das sagte, hatte Frau You ihre Toilette beendet und befahl, nach dem Wagen zu sehen. Bald darauf war sie im Jung-guo-Anwesen und begab sich zuerst zu Hsi-fëng, die das Silber schon fertig verpackt hatte und eben jemanden damit losschicken wollte.
 
„Sind alle Beiträge beisammen?“ fragte Frau You.
 
„Ja, alle“, erwiderte Hsi-fëng lächelnd. „Trag das Silber nur rasch fort! Wenn etwas verlorengeht, will ich nichts damit zu tun haben.“
 
„Ich habe so meine Zweifel“, sagte Frau You, ebenfalls lächelnd. „Ich möchte es in deiner Gegenwart nachprüfen.“ Und schon zählte sie die Beiträge durch und entdeckte, daß der für Li Wan nicht dabei war.
 
„Wußte ich doch, daß du etwas im Schilde führst!“ sagte sie lächelnd. „Wieso fehlt das Silber für deine Schwägerin?“
 
„Ja, ist denn das immer noch nicht genug?“ fragte Hsi-fëng und lächelte dabei. „Was macht es schon, daß ein Anteil fehlt? Im Falle, daß das Silber nicht reicht, kann ich ihn dir immer noch geben!“
 
„Gestern vor den Leuten hast du dich aufgespielt, und heute kommst du mir so“, warf Frau You ihr vor. „Aber das lasse ich dir nicht durchgehen. Ich sage es der alten gnädigen Frau!“
 
„Bist du aber scharf!“ sagte Hsi-fëng, immer noch lächelnd. „Bei der nächsten Gelegenheit werde ich auch so peinlich genau sein. Aber dann beklag dich nicht!“
 
„Also hast du doch Angst!“ stellte Frau You, ebenfalls lächelnd, fest. „Wenn du dich nicht immer so ehrerbietig mir gegenüber verhalten hättest, würde ich dir das wirklich nicht durchgehen lassen.“ Bei diesen Worten suchte sie Ping-örls Anteil heraus und sagte dann: „Komm her, Ping-örl, und nimm dein Silber zurück! Wenn es nachher fehlen sollte, lege ich es aus meiner Tasche zu.“
 
Ping-örl hatte ihre Absicht durchschaut, darum sagte sie: „Nehmt es nur, junge Herrin, und gebt es mir als Belohnung wieder, falls etwa übrigbliebt. Kommt das nicht auf dasselbe heraus?“
 
„Also darf nur deine Herrin ihre Stellung mißbrauchen, ich aber darf niemand bevorzugen?“ fragte Frau You lächelnd.
 
Notgedrungen nahm jetzt Ping-örl ihr Silber wieder an sich, Frau You aber fuhr fort: „Raffiniert geht deine Herrin vor, um sich Geld zu verschaffen! Aber wie will sie das alles ausgeben? Was sie nicht ausgeben kann, wird sie mit ins Grab nehmen!“
 
Mit diesen Worten ging Frau You hinaus und begab sich zur Herzoginmutter, wo sie zuerst ihren Gruß entbot und ein paar Belanglosigkeiten äußerte, ehe sie zu Yüan-yang ins Zimmer trat, um sich mit ihr zu beraten. Denn sie wollte sich ganz nach Yüan-yangs Vorschlägen richten, um das Wohlgefallen der Herzoginmutter zu erregen. Als alles besprochen war und Frau You sich zum Gehen wandte, gab sie Yüan-yang ihre zwei Liang Silber zurück und sagte: „Wir können das nicht alles ausgeben!“
 
Damit ging sie hinaus und begab sich nun zu Dame Wang, um auch mit ihr ein Weilchen zu plaudern und dann, nachdem Dame Wang in ihre Betstube gegangen war, auch Tsai-yün ihren Beitrag zurückzugeben. Und da Hsi-fëng nicht dabei war, gab sie auch den Nebenfrauen Dschau und Dschou ihr Silber wieder. Als die beiden es nicht anzunehmen wagten, redete Frau You ihnen zu: „Euch geht es doch jämmerlich genug, woher solltet ihr überflüssiges Geld haben? Falls Hsi-fëng davon erfährt, werde ich dafür geradestehen.“
 
Erst nach diesen Worten nahmen die beiden das Silber mit tausend- und zehntausendfachem Dank an. Frau You aber ging geradewegs hinaus, stieg in ihren Wagen und fuhr wieder nach Hause. Mehr soll hier von ihr nicht die Rede sein.
 
Ehe man es sich versah, war der zweite Tag des neunten Monats gekommen. Alle im Garten hatten erfahren, daß Frau You für Zerstreuungen jeglicher Art gesorgt hatte. Nicht nur Schauspieler würden dasein, auch an Gaukler und Geschichtenerzähler hatte sie gedacht, damit jeder sich vergnügen und amüsieren konnte. Da sagte Li Wan zu den Mädchen: „Heute ist der feste Tag für unseren Begonienbund, das wollen wir nicht vergessen! Aber Bau-yü ist nicht hier, wahrscheinlich ist er nur auf lärmende Unterhaltung aus und hat die edleren Dinge aus seinem Gedächtnis gestrichen.“ Damit befahl sie einem Sklavenmädchen: „Geh und sieh nach, was er macht, und bitte ihn schnell hierher!“
 
Erst nach geraumer Zeit kam das Sklavenmädchen wieder und meldete: „Schwester Hua sagt, er habe das Anwesen schon am frühen Morgen verlassen.“
 
„Aber das gibt es doch nicht“, sagten alle verwundert. „Das Mädchen ist ja dumm und kann sich nicht verständlich machen.“ Also bekam Tsuee-mo den Auftrag, sich noch einmal erkundigen zu gehen. Als sie wiederkam, berichtete sie: „Er ist wirklich ausgeritten. Er hat gesagt, ein Freund sei gestorben, und er wolle einen Beileidsbesuch machen.“
 
„Das ist auf keinen Fall wahr“, erklärte Tan-tschun, „und was auch immer sein möge, er hat kein Recht, heute auszugehen. Ruft Hsi-jën her, ich werde sie befragen!“
 
Während sie das eben sagte, trat Hsi-jën bereits ein, und Li Wan sagte: „Egal, was er hat, er hätte heute nicht ausgehen dürfen! Erstens ist der Geburtstag der zweiten jungen Herrin, auf den sich die alte gnädige Frau so gefreut hat und für den hoch und niedrig aus beiden Anwesen Geld zusammenlegte, und da läuft er fort. Zweitens ist heute der Tag für unser erstes reguläres Dichtertreffen, und er ist heimlich fortgegangen, ohne sich freigeben zu lassen.“
 
Seufzend erwiderte Hsi-jën: „Gestern Abend sagte er, er habe heute in aller Frühe etwas Dringendes zu erledigen. Er wolle zum Prinzen Bee-djing reiten und dann schnell wieder zurückkommen. Ich habe ihm geraten, nicht fortzureiten, aber er wollte einfach nicht hören. Heute Morgen ist er dann früh aufgestanden und hat sich weiße Trauerkleidung geben lassen, die er angezogen hat. Wer weiß, ob nicht vielleicht im Hause des Prinzen eine wichtige Nebenfrau gestorben ist.“
 
„Wenn es so ist, mußte er natürlich hinreiten, trotzdem darf er das Wiederkommen nicht vergessen“, sagten Li Wan und die anderen. Dann entschieden sie: „Wir schreiben unsere Gedichte, und wenn er zurückkommt, wird er bestraft!“
 
Während sie das eben sagte, kamen Botinnen von der Herzoginmutter, die sie zu sich bitten ließ. Also gingen sie hinüber, und Hsi-jën berichtete, was mit Bau-yü war. Ärgerlich befahl die Herzoginmutter, Bau-yü solle geholt werden.
 
In Wirklichkeit war es so, daß Bau-yü sich heimlich etwas vorgenommen hatte und deshalb am Tag zuvor Ming-yän befahl: „Morgen in aller Frühe will ich ausreiten, warte am hinteren Tor mit zwei Pferden! Ich will nicht, daß jemand anders mitkommt! Li Guee sagst du, ich sei in der Residenz des Prinzen Bee-djing, und wenn jemand nach mir suchen wolle, solle er ihn davon abhalten und sagen, ich wäre beim Prinzen aufgehalten worden und würde ganz bestimmt kommen.“
 
Ming-yän hatte sich keinen Vers darauf machen können und die Botschaft so bestellt, wie sie ihm aufgetragen war.
 
Heute hatte er wirklich in aller Frühe zwei Pferde ans hintere Gartentor geführt und dort gewartet. Als es hell wurde, sah er Bau-yü ganz in Weiß aus dem Tor treten und wortlos aufs Pferd steigen. Dann beugte er sich vor und ritt in leichtem Trab auf der Straße davon. So blieb Ming-yän nichts anderes übrig, als ebenfalls aufzusitzen und dem Pferd die Peitsche überzuziehen. Nachdem er Bau-yü eingeholt hatte, fragte er: „Wohin reiten wir?“
 
„Wohin führt die Straße?“ erkundigte sich Bau-yü.
 
„Zum nördlichen Stadttor hinaus“, gab Ming-yän Auskunft. „Gleich vor dem Tor ist es totenstill, dort kann man sich nirgends vergnügen.“
 
„Eine stille Gegend ist gerade das, was ich möchte“, erwiderte Bau-yü kopfnickend und schlug auf sein Pferd ein.
 
Nur wenige Biegungen, dann hatten sie das Stadttor passiert. Ming-yän, der sich nun erst recht keinen Rat mehr wußte, hielt sich dicht hinter Bau-yü. Erst als sie sieben oder acht Li ohne Aufenthalt getrabt waren und die menschlichen Behausungen nach und nach spärlicher wurden, zügelte Bau-yü sein Pferd und wandte sich nach Ming-yän um mit der Frage: „Kann man hier Räucherwerk kaufen?“
 
„Räucherwerk wird es schon geben“, antwortete Ming-yän, „es fragt sich bloß, was für welches.“
 
Bau-yü dachte nach, dann sagte er: „Es kommt nichts anderes in Frage als Sandelholz, Zitronellaweihrauch und Lakaholz.“
 
„So etwas wird hier kaum zu bekommen sein“, erwiderte Ming-yän lächelnd. Und als er dann sah, was für ein bekümmertes Gesicht Bau-yü machte, fragte er: „Wozu braucht Ihr das Räucherwerk? Ich weiß doch, daß Ihr immer ein bißchen davon lose in Eurem Gürteltäschchen tragt. Warum seht Ihr nicht nach?“
 
Dieser Hinweis brachte Bau-yü zur Besinnung. Er griff unter sein Gewand und holte das Täschchen hervor, in dem er dann zwei kleine Stücken Adlerholz fand, und das machte ihn wieder froh. Nur schien ihm, dies sei nicht ehrerbietig genug. Dann aber fand er, Räucherholz, das er selber bei sich getragen hatte, sei noch besser als gekauftes, und fragte nach Räucherkessel und Holzkohle.
 
„Das schlagt Euch aus dem Kopf!“ sagte Ming-yän. „Woher wollen wir das in dieser Einöde nehmen? Warum habt Ihr nicht eher gesagt, was Ihr braucht, dann hätte ich es mitbringen können. Wäre das nicht einfacher gewesen?“
 
„Dummer Kerl!“ schimpfte Bau-yü. „Wenn wir es hätten mitbringen können, hätte ich ja nicht so wild zu traben brauchen.“
 
Ming-yän überlegte ein Weilchen, dann sagte er freudestrahlend: „Ich habe eine Idee! Ich weiß ja nicht, was Ihr vorhabt, aber ich vermute, Ihr braucht noch mehr. Aber das ist kein Problem. Wenn wir noch zwei Li weiter reiten, kommen wir zum Kloster der Wassergöttin.“
 
„Hier liegt das Kloster der Wassergöttin? Um so besser“, sagte Bau-yü darauf. „Wir reiten hin!“ Damit trieb er sein Pferd an und ritt weiter. Gleichzeitig wandte er den Kopf nach Ming-yän um und sagte noch: „Die Nonnen von dort kommen schon seit langem zu uns ins Haus. Wenn wir jetzt bei ihnen vorsprechen, um uns einen Räucherkessel zu borgen, werden sie bestimmt nichts dagegen haben.“
 
„Ganz abgesehen davon, daß sie von uns unterstützt werden, würde man uns auch in keinem anderen Tempel abweisen, wenn wir um einen Räucherkessel bitten, auch wenn uns dort niemand kennt“, meinte Ming-yän. „Nur das eine wundert mich: Ihr hattet immer solchen Abscheu vor dem Kloster der Wassergöttin, heute dagegen scheint es Euch sehr lieb zu sein.“
 
„Das liegt daran, daß es mir stets zuwider war, wenn profane Leute ohne Grund und Ursache Götter verehren und Tempel errichten“, erklärte ihm Bau-yü. „Irgendwelche reichen alten Männer und törichten Frauen hören von einer Gottheit und errichten ihr einen Tempel, um sie darin anzubeten, ohne zu wissen, wer diese Gottheit ist. Sie erfahren nur in einer inoffiziellen Geschichtsdarstellung davon oder in einem Roman und nehmen das für bare Münze.
 
In diesem Kloster zum Beispiel wird die Fee des Luo-Flusses verehrt, darum heißt es auch das Kloster der Wassergöttin. Dabei hat es eine Fee des Luo-Flusses nie gegeben, sie ist nichts weiter als ein Hirngespinst von Tsau Dsï-djiän<ref>Ehrenname des Dichters Tsau Dschï (vgl. o., Anm. zu S. 6: Dsï-djiän). Das Poem von der Fee des Luo-Flusses ist eine seiner bekanntesten Dichtungen.</ref>. Diese Dummköpfe aber haben ein Götterbild formen lassen und bringen ihm Opfer dar. Doch heute paßt es zu meinem Vorhaben, darum will ich Gebrauch davon machen.“
 
Über diesem Gespräch waren sie längst am Kloster angelangt. Die alte Äbtissin wunderte sich über Bau-yüs unverhofften Besuch nicht weniger, als wenn ein lebendiger Drache vom Himmel gefallen wäre. Rasch trat sie heraus, um ihn zu begrüßen, dann befahl sie einer bejahrten Klosterdienerin, sich um die Pferde zu kümmern.
 
Bau-yü trat in die Tempelhalle, doch anstatt vor dem Standbild der Fee niederzuknien, schaute er es sich einfach an. Obwohl es nur eine Tonfigur war, hatte sie doch etwas von der ‚Gestalt einer aufgeschreckten Wildgans‘<ref>Dieser und die drei folgenden Ausdrücke stammen aus Tsau Dschïs Poem.</ref> und der ‚Haltung eines schwimmenden Drachens‘, der ‚Grazie einer Lotosblume inmitten grüner Wellen‘ und der ‚Schönheit der Morgensonne zwischen schillernden Wolken‘ an sich. Und ohne daß Bau-yü dessen gewahr wurde, begannen ihm die Tränen herabzulaufen.
 
Als ihm die Äbtissin Tee vorsetzte, bat Bau-yü um einen Räucherkessel. Da ging die Äbtissin wieder fort, und als sie nach längerer Zeit endlich wiederkam, brachte sie ihm auch Weihrauch, Kerzen und Opferpapier mit.
 
„Davon brauche ich nichts!“ sagte Bau-yü und gab Ming-yän den Befehl, den Räucherkessel in den hinteren Klosterhof zu tragen und dort einen sauberen Platz zu suchen. Als er keinen fand, schlug Ming-yän vor: „Wie wäre es dort auf dem Steinpflaster am Brunnen?“
 
Bau-yü nickte und trat näher. Als Ming-yän den Räucherkessel abgestellt hatte, trat er beiseite, Bau-yü aber holte das Räucherholz hervor und steckte es in Brand. Mit Tränen in den Augen machte er eine leichte Verbeugung, dann wandte er sich um und befahl Ming-yän, den Räucherkessel wieder wegzuräumen.
 
Ming-yän sagte: „Jawohl!“, doch anstatt den Kessel wegzunehmen, kniete er rasch nieder und schlug mehrmals hintereinander mit der Stirn auf den Boden. Dazu sprach er: „Ich, Ming-yän, diene schon so viele Jahre meinem jungen Herrn und weiß von allem, was in seinem Herzen vorgeht. Nur über das heutige Opfer hat er mir nichts gesagt, und ich wage auch nicht, ihn danach zu fragen. Aber ich denke mir, die abgeschiedene Seele, die dieses Opfer empfängt, muß – wenn ich auch ihren Namen nicht weiß – ein außerordentlich kluges und wunderschönes Mädchen gewesen sein, das auf Erden wie auch im Himmel nicht seinesgleichen hat.
 
Da mein junger Herr sein Geheimnis nicht preisgeben kann, will ich an seiner Statt beten: Wenn du duftige Seele Gefühl und Empfinden hast, mußt du meinen jungen Herrn als deinen besten Freund trotz der Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten öfter einmal besuchen kommen! Und sorge auch im Jenseits dafür, daß mein junger Herr beim nächsten Mal als Mädchen wiedergeboren wird, das unter euresgleichen leben kann, und nicht als ein dummes, bärtiges Wesen!“
 
Nachdem er zu Ende gesprochen hatte, vollzog er noch ein paar Stirnaufschläge, ehe er sich endlich wieder aufrappelte.  Bau-yü, der zugehört
 
hatte, mußte schon lachen, ehe Ming-yän ausgesprochen hatte. Er gab ihm einen Fußtritt und befahl: „Schluß mit dem Unsinn! Wenn die Leute dich hören, werden sie uns auslachen.“
 
Als Ming-yän aufgestanden war und sich den Räucherkessel gegriffen hatte, sagte er im Weggehen zu Bau-yü: „Ich hatte der Äbtissin gesagt, daß Ihr noch nichts gegessen habt und daß sie etwas für Euch zurechtmachen soll, so gut es eben geht. Also seht zu, daß Ihr etwas davon eßt! Ich weiß, daß bei uns heute ein großes Fest gefeiert wird und daß es dabei hoch hergeht. Verbringt Ihr nur den Tag hier in Stille und Abgeschiedenheit, dann habt Ihr Eurer Anstandspflicht Genüge getan. Es geht doch aber nicht an, daß Ihr nun gar nichts eßt!“
 
„Warum sollte ich nicht von den Klosterspeisen kosten, wenn ich schon keinen Geburtstagswein trinke!“ gab Bau-yü zurück.
 
„So ist es recht!“ lobte Ming-yän. „Aber da ist noch etwas. Man wird sich Sorgen machen, weil wir hier sind. Wenn sich niemand um Euch sorgte, spräche nichts dagegen, erst spät in die Stadt zurückzureiten. So aber müßt Ihr an den Heimweg denken! Dann werden zum einen die alte gnädige Frau und die gnädige Frau beruhigt sein, zum anderen ist ja nun Eure Anstandspflicht erfüllt, und Ihr könnt zu Hause Theater sehen und Wein trinken.
 
Nicht weil das Euer Wunsch wäre, sondern nur, um Euren Eltern Gesellschaft zu leisten und Eurer Sohnespflicht Genüge zu tun. Auch die Seele der Toten, der Euer Opfer galt, wird keine Ruhe finden, wenn Ihr ihretwegen nicht daran denkt, wie sich die alte gnädige Frau und die die gnädige Frau um Euch sorgen. Was meint Ihr dazu?“
 
„Ich weiß schon, was dich drückt“, erwiderte Bau-yü lächelnd. „Du machst dir Sorgen, weil du mein einziger Begleiter bist und Angst hast, dafür geradestehen zu müssen, wenn wir nach Hause kommen. Nur deshalb kommst du mir mit so großartigen Prinzipien.
 
Aber ich bin ja nur hergekommen, um diese Anstandspflicht zu erfüllen und dann wieder heimzureiten, wo ich Wein trinken und Theater sehen will. Wann hätte ich gesagt, ich wolle den ganzen Tag nicht in die Stadt zurück? Meinen Vorsatz habe ich verwirklicht, und jetzt reiten wir schnell zurück, damit alle beruhigt sind. Ist dann nicht beiden Seiten Genüge getan?“
 
„Um so besser!“ sagte Ming-yän nur noch, dann traten sie in die Meditationshalle, wo die Äbtissin wirklich einen Tisch mit Klosterspeisen hergerichtet hatte. Wahllos aß Bau-yü einiges davon, und auch Ming-yän bediente sich, dann stiegen sie auf die Pferde und ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren.
 
„Reitet zu, junger Herr, und haltet die Zügel straffer, das Pferd ist nicht viel geritten worden“, mahnte Ming-yän. Und während er das sagte, hatten sie schon das Stadttor passiert, um dann wieder durch das hintere Tor in das Anwesen zu gelangen.
 
Als Bau-yü eilig den Hof der Freude am Roten betrat, waren weder Hsi-jën noch die anderen Sklavenmädchen in den Zimmern. Nur ein paar alte Frauen hielten hier Wache. Beim Anblick von Bau-yü strahlten sie über das ganze Gesicht und sagten: „Buddha Amitabha! Da seid Ihr ja endlich, junger Herr! Fräulein Hua war schon ganz verrückt vor Aufregung. Drüben geht man eben zu Tisch. Beeilt Euch nur!“
 
Schnell legte Bau-yü die Trauerkleider ab, suchte sich selbst die farbigen Festgewänder hervor und zog sie über. „Wo gibt es das Festessen?“ fragte er.
 
„In der neuen Gästehalle“, erwiderten die Sklavinnen.
 
Bau-yü ging schnurstracks hinüber und hörte schon von weitem Musik und Gesang. Als er eben an die Durchgangshalle kam, erblickte er dort Yü-tschuan, die einsam unter dem Dachvorsprung saß und weinte. Aber kaum hatte sie Bau-yü gesehen, hörte sie damit auf und sagte: „Da ist ja der Phönix! Geh nur schnell hinein! Noch ein bißchen später, und hier hätte alles kopfgestanden.“
 
Lächelnd forderte Bau-yü sie auf: „Rate mal, wo ich gewesen bin!“
 
Aber Yü-tschuan antwortete nicht und wischte sich nur stumm die Tränen ab.
 
Rasch trat Bau-yü in die Halle und begrüßte die Herzoginmutter und Dame Wang. Alle Anwesenden freuten sich so, als ob wirklich ein Phönix erschienen wäre. Inzwischen beeilte sich Bau-yü, vor Hsi-fëng seine Verbeugung zu machen. Die Herzoginmutter und Dame Wang aber warfen ihm vor, er wisse nicht, was er tue.
 
„Warum konntest du nicht einen Ton sagen und mußtest heimlich fortlaufen?“ fragten sie. „Das ist wirklich unerhört. Wenn du das noch einmal machst, sagen wir es dem gnädigen Herrn, wenn er wiederkommt, und er wird dich schlagen!“ Dann schimpften sie auf die Sklavenjungen aus seiner Begleitung: „Ihr hört natürlich nur auf ihn, und wohin er befiehlt, dahin folgt ihr ihm, ohne auch nur jemand Bescheid zu sagen.“ Dann wieder fragten sie Bau-yü: „Wo warst du nun eigentlich? Hast du etwas gegessen? Hat dich etwas erschreckt?“
 
Bau-yü erwiderte nur: „Gestern ist eine Lieblingskonkubine des Prinzen Bee-djing verstorben, da war ich kondolieren. Der Prinz hat so geweint, daß ich ihn nicht einfach im Stich lassen und sofort wiederkommen konnte. Deswegen bin ich etwas länger geblieben.“
 
„Wenn du in Zukunft noch einmal heimlich ausgehst, ohne uns vorher Bescheid zu geben, werde ich deinem Vater ganz gewiß sagen, er solle dich schlagen!“ drohte die Herzoginmutter, und Bau-yü versprach, er wolle es nicht wieder tun.
 
Dann wollte die Herzoginmutter die Sklavenjungen aus Bau-yüs Begleitung durchprügeln lassen, aber rasch legten sich alle ins Mittel und redeten ihr zu: „Macht Euch nicht so viel Sorgen, alte gnädige Frau! Er ist ja wieder da, darum sollten wir uns beruhigen und wieder vergnügt sein!“
 
Die Herzoginmutter war nur aus Sorge so ärgerlich geworden, und als sie Bau-yü jetzt wiederhatte, war sie mehr als froh. Ihr Zorn verging, und sie rührte nicht weiter an die Sache. Im Gegenteil, sie fürchtete, Bau-yü könnte sich vielleicht nicht wohl fühlen oder nicht satt zu essen bekommen haben, oder er könnte unterwegs etwas erlebt haben, was ihn erchreckte, deshalb hätschelte sie ihn auf hunderterlei Weise, und auch Hsi-jën kam herüber, um ihm aufzuwarten.
 
Dann widmeten sich alle wieder der Theateraufführung. Gegeben wurde die ,Dornenhaarnadel‘<ref>Bekanntes Bühnenstück, das von Trennung und Wiedervereinigung zweier Liebender erzählt.</ref>. Die Herzoginmutter und Tante Hsüä waren so gerührt über das Stück, daß sie Tränen vergossen, während von den übrigen Zuschauern die einen seufzten und die anderen fluchten.
 
Wer wissen will, wie es weiterging, muß das nächste Kapitel lesen.
 
  
== Anmerkungen ==
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Dame König sagte lächelnd: „Das war ein Geschenk von Phönixglanz für die alte gnädige Frau. Es zeigt ihre aufrichtige kindliche Ehrerbietung und beweist, dass Eure beständige Zuneigung zu ihr nicht vergeudet ist."
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Die Herzoginmutter nickte lächelnd und sagte: „Es ist rührend, dass sie daran gedacht hat. Wenn noch rohes Fasanenfleisch da ist, soll man noch ein paar Stückchen in heißem Fett knusprig backen. Leicht gesalzen schmecken sie herrlich zur Reissuppe. Die Brühe war zwar gut, aber zu einer dünnen Reissuppe passt sie nicht."
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Phönixglanz bejahte sogleich und schickte jemanden in die Küche, um den Auftrag weiterzugeben.
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Nun sagte die Herzoginmutter lächelnd zu Dame König: „Ich habe dich nicht ohne Grund herbitten lassen. Am Zweiten hat die junge Phönix Geburtstag. In den letzten beiden Jahren wollte ich schon eine Geburtstagsfeier für sie ausrichten, aber jedes Mal kam kurz vorher etwas Wichtiges dazwischen, und die Sache verlief im Sand. Dieses Jahr sind alle beisammen, und es dürfte wohl auch nichts dazwischenkommen. Da sollten wir uns alle gemeinsam einen recht vergnügten Tag machen!"
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Dame König erwiderte lächelnd: „Daran habe auch ich schon gedacht. Wenn die alte gnädige Frau so fröhlich ist – warum beschließen wir es nicht gleich?"
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Die Herzoginmutter fuhr lächelnd fort: „In den vergangenen Jahren hat jeder, ganz gleich wessen Geburtstag es war, immer einzeln sein Geschenk überreicht. Das ist einerseits sehr gewöhnlich, andererseits wirkt es, als stünde man sich nicht besonders nah. Diesmal möchte ich etwas Neues vorschlagen, das sowohl Zusammengehörigkeit beweist als auch Heiterkeit verspricht."
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Dame König beeilte sich zu versichern: „Wie immer Ihr es für richtig haltet, so soll es geschehen!"
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Ich finde, wir sollten es den einfachen Leuten nachmachen – jeder steuert einen Beitrag bei, und was zusammenkommt, wird für das Fest verwendet. Was meint ihr, wäre das nicht amüsant?"
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Dame König erwiderte lächelnd: „Das ist eine vortreffliche Idee! Nur wüsste ich gern, wie die Beiträge eingezogen werden sollen."
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Bei diesen Worten geriet die Herzoginmutter in noch freudigere Stimmung. Sogleich schickte sie Boten aus, um Tante Schnee [薛姨妈]<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Xue/Schnee". Mutter von Schatzspange.</ref> und Dame Strafe [邢夫人]<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, wörtl. „Dame Strafe". Ehefrau von Zwielicht Kaufmann (贾赦).</ref> einzuladen, ließ außerdem die Mädchen und Schatzjade [贾宝玉]<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann Jade". Hauptfigur des Romans.</ref> rufen sowie aus dem Ning-Guo-Anwesen Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit". Oberhaupt des Osthauses der Familie Kaufmann.</ref>s [贾珍] Frau, ferner die Frau von Lai Da und andere angesehene Verwalterinnen mit Rang und Ansehen.
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Als die Dienstmädchen und Bediensteten sahen, wie prächtig die Herzoginmutter gelaunt war, wurden auch sie fröhlich. Eilig schwärmten sie nach allen Seiten aus, die einen um Einladungen zu überbringen, die anderen um Befehle weiterzugeben. In weniger Zeit, als man braucht, um eine Schale Reis zu essen, hatte sich jung und alt, hoch und niedrig versammelt, und das Zimmer war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur Tante Schnee saß der Herzoginmutter gegenüber. Dame Strafe und Dame König hatten auf zwei Stühlen unmittelbar an der Tür Platz genommen. Schatzspange [薛宝钗]<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Xue Kostbare Haarspange". Schatzjades spätere Ehefrau.</ref> und die anderen Mädchen, fünf oder sechs an der Zahl, saßen auf dem Kang [Anm.: dem heizbaren Ruhebett]. Schatzjade schmiegte sich an die Herzoginmutter. Alle übrigen standen dicht gedrängt im Raum.
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Rasch befahl die Herzoginmutter, ein paar kleine Hocker zu bringen, damit Lai Das Mutter und einige andere betagte und angesehene alte Ammen sich setzen konnten. Im Hause Kaufmann herrschte nämlich die Sitte, dass alte Bedienstete, die schon der Elterngeneration gedient hatten, noch mehr Achtung genossen als die jungen Herrschaften. Darum blieben Dame Sonders [尤氏] und Phönixglanz ohne Weiteres stehen, während sich Lai Das Mutter und drei oder vier weitere alte Ammen mit einem Wort der Entschuldigung auf die Hocker niederließen.
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Die Herzoginmutter trug nun lächelnd alles vor, was eben besprochen worden war. Es gab niemanden unter den Anwesenden, der sich an dem Spaß nicht hätte beteiligen wollen. Die einen standen Phönixglanz nahe und taten es gern aus Zuneigung, die anderen fürchteten sie und waren froh, sich bei ihr einschmeicheln zu können. Und da es sich alle leisten konnten, erklärten sich sämtliche Anwesenden freudig einverstanden, kaum dass der Vorschlag gemacht war.
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Als Erste verkündete die Herzoginmutter: „Ich gebe zwanzig Liang [Anm.: Silberunzen]."
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Tante Schnee sagte lächelnd: „Ich schließe mich der alten gnädigen Frau an – ebenfalls zwanzig Liang."
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Dame Strafe und Dame König sagten lächelnd: „Wir wagen es nicht, uns der alten gnädigen Frau gleichzustellen, und stehen natürlich eine Stufe niedriger. Sechzehn Liang von jeder von uns."
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Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume [李纨] sagten ebenfalls lächelnd: „Wir stehen wiederum eine Stufe niedriger – je zwölf Liang."
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Sogleich wandte sich die Herzoginmutter an Seidenweiß Pflaume: „Du bist Witwe ohne eigenen Hausstand. Wie könnten wir solches Geld von dir verlangen! Ich zahle deinen Anteil."
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Phönixglanz mischte sich sofort lächelnd ein: „Alte gnädige Frau, lasst Euch nicht von der Begeisterung fortreißen, sondern rechnet erst einmal nach, ehe Ihr solche Zusagen macht! Auf Eurem Konto stehen ohnehin schon zwei Anteile, und nun wollt Ihr auch noch zwölf Liang für die Schwägerin übernehmen. In diesem Augenblick sagt Ihr es mit frohem Herzen, aber ein Weilchen später bereut Ihr es schon. Und am Ende heißt es: 'Das ist alles nur wegen dieser Phönix!' Dann denkt Ihr Euch irgendeinen schlaün Trick aus und sorgt dafür, dass ich sang- und klanglos das Drei- oder Vierfache eines Anteils aus eigener Tasche drauflege, und dabei bilde ich mir auch noch etwas darauf ein!"
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Alle lachten. Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Und was schlägst du vor?"
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Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Mein Geburtstag ist noch gar nicht da, und schon bin ich mit so viel Ehre beschenkt, dass es mir nicht mehr wohl dabei ist. Ich kann nicht einen einzigen Kupfer beisteuern und bringe damit so viele Leute in Aufregung – das ist mir wirklich unangenehm. Am besten übernehme ich den Anteil der Schwägerin. Und wenn dann der Tag gekommen ist, esse ich dafür etwas mehr. Das wäre für mich das größte Glück."
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Dame Strafe und die anderen sagten: „So ist es nur recht." Daraufhin lenkte die Herzoginmutter ein.
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Phönixglanz aber fuhr lächelnd fort: „Ich habe noch etwas zu sagen. Es scheint mir so, dass die alte Ahne selbst zwanzig Liang gibt und dazu noch die Anteile für Schwester Kajaljade [林黛玉]<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald-Kajaljade". Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.</ref> und Bruder Schatzjade [贾宝玉] übernimmt. Die Frau Tante gibt ebenfalls zwanzig Liang und übernimmt dazu den Anteil für Schwester Schatzspange – das ist ganz gerecht. Wenn aber die beiden gnädigen Frauen jeweils nur sechzehn Liang geben und für niemanden sonst aufkommen, dann ist das weniger gerecht. Dann ist die alte Ahne übervorteilt!"
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Die Herzoginmutter sagte sogleich lächelnd: „Meine Phönix steht auf meiner Seite! Was sie sagt, ist vollkommen richtig. Ohne sie hätte man mich wieder einmal übers Ohr gehaün."
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Phönixglanz schlug lächelnd vor: „Alte Ahne, Ihr müsst die beiden Kinder den zwei gnädigen Frauen zuteilen, je eines einer, und sie den Anteil übernehmen lassen, ob viel oder wenig."
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Die Herzoginmutter sagte sofort: „Das ist ganz gerecht! So wird es gemacht!"
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Da erhob sich Lai Das Mutter und sagte lächelnd: „Das ist ja Verrat! Ich muss mich empören für die beiden gnädigen Frauen! Auf der einen Seite ist sie Schwiegertochter, auf der anderen Seite leibliche Nichte – und anstatt sich auf die Seite ihrer Schwiegermutter oder ihrer Tante zu stellen, hält sie zu anderen. Aus der Schwiegertochter wird eine Fremde, und aus der leiblichen Nichte eine angeheiratete!"
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Die Herzoginmutter und alle anderen brachen in schallendes Gelächter aus.
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Lai Das Mutter fragte daraufhin: „Wenn die jungen Herrinnen zwölf Liang geben, müssen wir natürlich eine Stufe niedriger stehen, nicht wahr?"
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Die Herzoginmutter entschied: „Kommt nicht in Frage! Dem Rang nach müsstet ihr zwar eine Stufe niedriger stehen, aber ich weiß, dass ihr alle wohlhabende Leute seid. Euer Stand mag geringer sein, aber Geld habt ihr mehr als sie. Darum müsst ihr genau so viel geben wie sie."
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Als die alten Ammen das hörten, sagten sie rasch: „Jawohl!"
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Die Herzoginmutter fuhr fort: „Die Fräulein brauchen nur ihre gute Gesinnung zu zeigen – jede spendet ein Monatsgeld, das genügt." Dann wandte sie sich um und rief Mandarinenente [鸳鸯]<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Treue Leibdienerin der Herzoginmutter.</ref> herbei: „Auch ihr solltet euch zu einigen zusammentun und beraten, was ihr beitragen könnt."
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Mandarinenente sagte: „Jawohl!" und kam kurze Zeit später mit Friedchen [平儿]<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' treue Kammerzofe.</ref>, Dufthauch [袭人]<ref>Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die Angreifende/Überraschende" (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an"). Schatzjades erste Kammerzofe.</ref>, Buntwolke [彩霞] und einigen kleineren Dienstmädchen zurück. Manche von ihnen wollten zwei Liang geben, andere ein Liang.
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Die Herzoginmutter fragte Friedchen: „Willst du denn deiner Herrin kein eigenes Geburtstagsgeschenk machen? Warum bist du hier mit dabei?"
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Friedchen erwiderte lächelnd: „Mein persönliches Geschenk habe ich gesondert besorgt. Dies hier ist die gemeinsame Angelegenheit, zu der auch ich meinen Beitrag leisten sollte."
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Die Herzoginmutter lobte lächelnd: „Das ist ein braves Mädchen!"
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Nun sind alle vertreten, von oben bis unten. Nur die beiden Nebenfrauen fehlen noch. Man sollte sie fragen, ob auch sie etwas beisteuern wollen. Es gehört sich, sie zu berücksichtigen, sonst könnten sie sich geringgeschätzt fühlen."
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Die Herzoginmutter rief sofort: „Aber natürlich! Wie konnten wir sie nur vergessen! Sie hatten wohl keine Zeit herzukommen. Schickt ein Mädchen, das bei ihnen nachfragt!"
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Während sie das sagte, war schon ein Dienstmädchen losgelaufen. Nach geraumer Zeit kam es mit dem Bescheid zurück: „Jede von ihnen gibt zwei Liang."
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Die Herzoginmutter sagte erfreut: „Bringt Schreibpinsel und Tuschstein her und rechnet aus, wie viel das insgesamt ergibt!"
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Unterdessen schalt Dame Sonders leise Phönixglanz: „Du unersättliches Spitzbein! So viele Tanten und Mütterchen legen ihr Silber zusammen, um dir den Geburtstag auszurichten, und dir ist das immer noch nicht genug. Musst du auch noch diese zwei armen Bitterkürbisse mit hineinziehen?"
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Phönixglanz erwiderte ebenso leise und lächelnd: „Red keinen Unsinn! Warte nur, bis wir hier draußen sind, dann rechne ich mit dir ab! Warum sollen die beiden denn arm sein? Wenn sie Geld haben, stecken sie es nur anderen zu. Da ist es besser, wir nehmen es uns und machen uns einen vergnügten Tag damit."
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Inzwischen war zusammengerechnet worden: Insgesamt waren es einhundertfünfzig Liang und noch etwas darüber.
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Die Herzoginmutter sagte: „Für einen einzigen Tag Theater und Wein wird das nicht aufzubrauchen sein."
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Dame Sonders erwiderte: „Da wir keine Gäste einladen und nicht viele Festtafeln brauchen, reicht das Geld für zwei oder drei Tage. Vor allem kostet uns die Theateraufführung nichts – das sparen wir ein."
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Die Herzoginmutter sagte: „Phönix soll sagen, welche Truppe sie mag, und die lassen wir kommen."
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Phönixglanz erwiderte: „Unsere eigene Haustruppe habe ich schon satt gehört. Lieber geben wir ein paar Münzen aus und lassen eine andere Truppe kommen!"
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Die Herzoginmutter entschied: „Die ganze Angelegenheit übergebe ich Juwels Frau. Phönix soll sich nicht im Geringsten darum kümmern müssen und den Tag einfach genießen. Erst dann ist es ein richtiger Geburtstag."
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Dame Sonders sagte: „Jawohl!" Man plauderte noch eine Weile, und als alle merkten, dass die Herzoginmutter müde wurde, gingen sie nach und nach fort.
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Dame Sonders begleitete Dame Strafe und Dame König hinaus, dann begab sie sich zu Phönixglanz, um mit ihr zu besprechen, wie die Feier gestaltet werden sollte.
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Phönixglanz sagte: „Mich brauchst du gar nicht zu fragen. Richte dich ganz nach dem, was der alten gnädigen Frau gefällt, und damit basta."
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Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Du Biest hast aber auch wirklich unverschämtes Glück! Ich hatte mich schon gefragt, warum wir alle herübergerufen wurden, und dann ging es einzig und allein um diese Sache. Nicht genug, dass ich Geld beisteuern muss, soll ich auch noch die ganze Mühe auf mich nehmen. Wie willst du dich bei mir bedanken?"
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Phönixglanz wies sie lächelnd zurecht: „Rede keinen Unsinn! Habe etwa ich dich hergerufen? Warum also sollte ich mich bedanken? Wenn dir die Mühe zu viel ist, geh zur alten gnädigen Frau und bitte sie, jemand anderen zu beauftragen – das ist alles."
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Dame Sonders entgegnete lächelnd: „Sieh einer an, wie sie sich aufbläht! Rate ich dir, halt dich ein wenig zurück. Wenn der Krug zu voll ist, läuft er über."
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Nachdem die beiden noch ein Weilchen miteinander geredet hatten, gingen auch sie auseinander.
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Am nächsten Tag wurde das Silber ins Ning-Guo-Anwesen gebracht, als Dame Sonders gerade erst aufgestanden war und sich frisierte und wusch. Sie fragte, wer es gebracht habe. Die Dienstmädchen antworteten: „Tante Lin."
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Dame Sonders befahl, sie hereinzurufen. Das Mädchen ging in die Dienstbotenstube und holte die Frau von Lin Zhixiao [林之孝] herüber. Dame Sonders ließ sie auf einer Fußbank Platz nehmen, fuhr eifrig mit ihrer Toilette fort und fragte dabei: „Wie viel Silber ist in dem Päckchen?"
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Die Frau von Lin Zhixiao berichtete: „Dies ist nur das Silber, das wir vom Personal zusammengelegt haben. Die Beiträge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frauen sind noch nicht dabei."
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Eben sagte sie das, als die Dienstmädchen meldeten: „Die gnädige Frau und die gnädige Frau Tante aus dem Rong-Guo-Anwesen haben Boten mit ihren Beiträgen geschickt."
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Dame Sonders schalt die Mädchen lachend: „Ihr kleinen Spitzbeine merkt euch auch nur die unwichtigen Dinge! Gestern war die alte gnädige Frau bei guter Laune und hat zum Spaß gesagt, wir sollten es den kleinen Leuten nachmachen und Silber zusammenlegen. Das habt ihr euch gemerkt und nehmt es nun für bare Münze. Lasst das Silber schnell hereinbringen, bewirtet die Botinnen mit Tee und schickt sie dann zurück!"
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Die Mädchen sagten eilig: „Jawohl!" und brachten zwei Päckchen herein, in denen auch die Beiträge für Schatzspange und Kajaljade enthalten waren.
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Dame Sonders fragte: „Wessen Anteile fehlen noch?"
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Die Frau von Lin Zhixiao gab Auskunft: „Es fehlen die Beiträge der alten gnädigen Frau, der gnädigen Frauen, der Fräulein und die der Dienstmädchen."
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Dame Sonders fragte: „Und was ist mit dem Anteil der ersten jungen Herrin?"
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Die Frau von Lin Zhixiao erwiderte: „Wenn Ihr hinüberkommt, bekommt Ihr das Geld von der zweiten jungen Herrin. Bei ihr ist alles beisammen."
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Unterdessen hatte Dame Sonders ihre Toilette beendet und befahl, den Wagen anzuspannen. Bald darauf traf sie im Rong-Guo-Anwesen ein und begab sich zuerst zu Phönixglanz. Diese hatte das Silber bereits eingewickelt und wollte es eben fortschicken lassen.
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„Sind alle Beiträge beisammen?" fragte Dame Sonders.
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Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Alles da. Nimm es schnell mit, und wenn etwas verloren geht, will ich nichts damit zu tun haben."
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Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich traü der Sache nicht ganz. Ich möchte es in deiner Gegenwart nachzählen." Und tatsächlich zählte sie Stück für Stück durch, stellte aber fest, dass Seidenweiß Pflaumes Anteil fehlte.
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Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich wusste doch, dass du wieder etwas im Schilde führst! Wieso fehlt der Anteil deiner Schwägerin?"
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Phönixglanz erwiderte lächelnd: „All das Silber reicht noch immer nicht? Wenn ein Anteil fehlt, ist das doch nicht schlimm. Falls das Geld nicht reicht, gebe ich ihn dir nach."
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Dame Sonders hielt dagegen: „Gestern vor all den Leuten hast du die Großzügige gespielt, und heute versuchst du, mich zu betrügen. Das lasse ich dir nicht durchgehen! Ich werde es der alten gnädigen Frau sagen!"
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Du lässt nicht mit dir spaßen! Aber wenn es das nächste Mal etwas gibt, werde auch ich es 'peinlich genau mit Soll und Haben' nehmen. Dann beklag dich nicht!"
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Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Also hast du doch Angst! Wenn du dich mir nicht stets so ehrerbietig verhalten hättest, würde ich dir das wirklich nicht durchgehen lassen." Mit diesen Worten suchte sie Friedchens Anteil heraus und sagte: „Friedchen, komm her und nimm dein Silber zurück! Falls das Geld nicht reichen sollte, lege ich es für dich drauf."
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Friedchen hatte ihre Absicht durchschaut und sagte daher: „Nehmt es ruhig, junge Herrin! Wenn etwas übrig bleibt, schenkt es mir dann."
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Dame Sonders sagte lächelnd: „Nur deine Herrin darf also betrügen, aber mir ist es nicht erlaubt, jemandem einen Gefallen zu tun?"
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Friedchen nahm widerstrebend ihr Silber zurück.
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Dame Sonders fuhr fort: „Sieh dir an, wie raffgierig deine Herrin ist, um an solches Geld zu kommen! Wie will sie das alles nur ausgeben? Was sie nicht ausgeben kann, wird sie mit ins Grab nehmen!"
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Während sie das sagte, ging Dame Sonders hinaus und begab sich zunächst zur Herzoginmutter. Sie begrüßte sie ehrerbietig, wechselte ein paar Worte und ging dann zu Mandarinenente ins Zimmer, um sich mit ihr zu beraten. Sie wollte ganz nach Mandarinenentes Vorschlägen handeln, um der Herzoginmutter zu gefallen. Als alles besprochen war, gab Dame Sonders beim Gehen auch Mandarinenente ihre zwei Liang Silber zurück und sagte: „Das können wir doch gar nicht alles ausgeben!"
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Damit ging sie hinaus und begab sich zu Dame König, mit der sie ebenfalls ein Weilchen plauderte. Als Dame König in ihre Gebetsstube gegangen war, gab sie auch Buntwolke [彩云] ihren Beitrag zurück. Und da Phönixglanz nicht zugegen war, gab sie bei dieser Gelegenheit auch den Nebenfrauen Zhou und Zhao ihr Silber wieder. Die beiden wagten zunächst nicht, es anzunehmen, aber Dame Sonders redete ihnen zu: „Ihr Armen habt es schwer genug. Woher sollt ihr überflüssiges Geld nehmen? Falls Phönix davon erfährt, stehe ich dafür gerade."
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Erst nach diesen Worten nahmen die beiden das Silber an, überschwänglich dankend. Dame Sonders ging geradewegs hinaus, bestieg ihren Wagen und fuhr nach Hause. Mehr soll hier nicht von ihr die Rede sein.
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Ehe man sich versah, war der zweite Tag des neunten Monats gekommen. Alle im Garten hatten erfahren, dass Dame Sonders alles überaus festlich vorbereitet hatte. Es sollte nicht nur Theater geben, sondern auch Gaukler und Geschichtenerzähler beiderlei Geschlechts. Alles machte sich bereit, sich nach Herzenslust zu vergnügen.
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Seidenweiß Pflaume sagte zu den Mädchen: „Heute ist der reguläre Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft – das dürfen wir nicht vergessen! Schatzjade ist auch noch nicht da. Wahrscheinlich interessiert ihn nur das laute Vergnügen, und die feinen Dinge hat er bereits vergessen." Damit schickte sie ein Dienstmädchen los: „Geh nachsehen, was er treibt, und bitte ihn schnell hierher!"
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Das Mädchen war eine ganze Weile fort und kam dann mit der Meldung zurück: „Schwester Hua [Anm.: Dufthauch] sagt, er sei schon heute früh ausgegangen."
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Alle waren verwundert und sagten: „Das kann doch nicht sein, dass er ausgegangen ist! Das Mädchen ist wohl nicht ganz bei Verstand und weiß nicht, was sie redet." Also schickte man Grüntusch [翠墨] hin, um sich zu erkundigen. Als Grüntusch zurückkam, berichtete sie: „Es stimmt wirklich, er ist ausgegangen! Er sagte, ein Freund sei gestorben, und er wolle einen Beileidsbesuch machen."
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Erkundefrühling sagte: „Das ist auf keinen Fall wahr. Was auch immer der Grund sein mag – es gibt kein Recht, heute auszugehen. Ruf Dufthauch her, ich will sie befragen!"
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Kaum hatte sie das gesagt, trat Dufthauch [袭人] bereits ein.
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Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Was auch immer er zu tun haben mag, er hätte heute nicht ausgehen dürfen! Erstens ist der Geburtstag der zweiten jungen Herrin, auf den die alte gnädige Frau sich so gefreut hat und für den alle aus beiden Anwesen Geld zusammengelegt haben – und er verschwindet einfach! Zweitens ist heute der erste ordentliche Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft, und er hat sich heimlich davongemacht, ohne sich freistellen zu lassen!"
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Dufthauch seufzte und erwiderte: „Gestern Abend hat er gesagt, er müsse heute in aller Frühe etwas Dringendes erledigen und zum Palast des Prinzen Beifriede [北静王] reiten, aber er werde sogleich wieder zurückkommen. Ich habe ihm geraten, nicht zu gehen, aber er ließ sich nicht davon abbringen. Heute Morgen stand er dann früh auf und verlangte weiße Traürkleidung. Vermutlich ist im Hause des Prinzen eine wichtige Nebenfrau gestorben."
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Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Wenn es wirklich so ist, musste er natürlich hinreiten. Aber jetzt müsste er eigentlich schon wieder da sein." Dann berieten sie sich: „Wir schreiben einfach unsere Gedichte, und wenn er zurückkommt, wird er bestraft!"
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Gerade als sie das sagten, hatte die Herzoginmutter schon Boten geschickt, um alle zu sich bitten zu lassen. Also gingen sie hinüber. Dufthauch berichtete der Herzoginmutter, was es mit Schatzjade auf sich hatte. Die Herzoginmutter war ungehalten und befahl, Schatzjade solle geholt werden.
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In Wirklichkeit hatte Schatzjade heimlich etwas im Sinn gehabt und am Vortag seinem Diener Räucherjunge [茗烟] befohlen: „Morgen in aller Frühe will ich ausreiten. Halte zwei Pferde am Hintertor bereit und warte dort auf mich. Niemand sonst soll mitkommen! Sage Li Gui [李贵], ich sei zum Palast des Prinzen Beifriede geritten. Falls jemand nach mir suchen will, soll er ihn davon abhalten und sagen, ich werde im Palast aufgehalten und komme bestimmt bald zurück."
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Räucherjunge hatte sich keinen Reim darauf machen können, aber er hatte die Botschaft pflichtgemäß ausgerichtet. Heute in aller Frühe hatte er wirklich zwei Pferde an das Hintertor des Gartens geführt und dort gewartet. Als es hell wurde, sah er Schatzjade ganz in weiße Traürkleidung gehüllt aus dem Seitentor treten. Ohne ein Wort zu sagen, schwang er sich in den Sattel, beugte sich vor und trabte die Straße entlang davon. Räucherjunge blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls aufzusitzen, die Peitsche zu schwingen und ihm nachzujagen. Als er ihn eingeholt hatte, fragte er: „Wohin reiten wir?"
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Schatzjade fragte: „Wohin führt diese Straße?"
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Räucherjunge antwortete: „Dies ist die große Straße zum Nordtor hinaus. Draußen vor der Stadt ist es totenstill, und es gibt nichts, was Vergnügen böte."
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Als Schatzjade das hörte, nickte er und sagte: „Eine stille Gegend ist gerade das, was ich brauche." Damit schlug er noch kräftiger auf sein Pferd ein, und im Nu hatten sie zwei Biegungen hinter sich und waren aus dem Stadttor hinaus. Räucherjunge wusste sich noch weniger einen Rat und folgte ihm dicht auf den Fersen.
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Sie galoppierten sieben oder acht Li [Anm.: ca. drei bis vier Kilometer] in einem Stück, und die menschlichen Behausungen wurden immer spärlicher. Endlich zügelte Schatzjade sein Pferd, wandte sich nach Räucherjunge um und fragte: „Kann man hier Räucherwerk kaufen?"
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Räucherjunge erwiderte: „Räucherwerk gibt es schon, nur fragt sich, welche Sorte."
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Schatzjade überlegte und sagte: „Anderes Räucherholz taugt nicht. Es müssen drei Sorten sein: Sandelholz, Zitronella und Lakaholz."
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Räucherjunge lachte: „Diese drei sind kaum zu bekommen!"
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Schatzjade machte ein bedrücktes Gesicht. Räucherjunge sah seine Verlegenheit und fragte: „Wozu braucht Ihr das Räucherwerk? Ich weiß doch, dass der junge Herr stets loses Räucherholz in seinem kleinen Gürtelbeutel bei sich trägt. Warum seht Ihr nicht einmal nach?"
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Dieser Hinweis brachte Schatzjade auf den Gedanken. Er griff hinter sich unter sein Gewand und holte ein kleines Beutelchen hervor. Als er darin tastete, fand er tatsächlich zwei Stückchen feines Adlerholz [Anm.: Aloeholz, eines der kostbarsten Räucherhölzer]. Er freute sich, meinte aber: „Es ist nur nicht ganz so ehrerbietig." Dann überlegte er, dass Räucherholz, das er persönlich bei sich getragen hatte, noch besser sei als gekauftes.
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Also fragte er nach einer Räucherschale und Holzkohle. Räucherjunge sagte: „Das ist nun wirklich aussichtslos! Wo sollen wir das in dieser Einöde hernehmen? Wenn Ihr so etwas braucht, hättet Ihr es vorher sagen sollen. Dann hätte ich es mitbringen können."
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Schatzjade schimpfte: „Dummkopf! Wenn wir es hätten mitbringen können, hätte ich nicht so verzweifelt losgaloppieren müssen."
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Räucherjunge dachte eine Weile nach und sagte dann freudestrahlend: „Ich habe eine Idee, aber ich weiß nicht, ob sie dem jungen Herrn gefällt. Ich vermute, Ihr braucht nicht nur das Räucherwerk, sondern auch anderes. Das lässt sich hier draußen alles nicht beschaffen. Wenn wir noch zwei Li weiterreiten, kommen wir zum Kloster der Wassergöttin [水仙庵]."
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Schatzjade fragte aufgeregt: „Das Kloster der Wassergöttin liegt hier? Umso besser! Reiten wir hin!" Damit trieb er sein Pferd an und ritt weiter, wobei er sich nach Räucherjunge umwandte und sagte: „Die Nonne vom Kloster der Wassergöttin kommt doch immer zu uns ins Haus. Wenn wir dort einkehren und uns eine Räucherschale borgen, wird sie gewiss nichts dagegen haben."
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Räucherjunge erwiderte: „Ganz gleich, ob der Tempel von uns unterstützt wird oder nicht – selbst in einem völlig fremden Tempel würde man uns eine Räucherschale nicht verweigern. Nur eines wundert mich: Sonst verabscheut der junge Herr dieses Kloster der Wassergöttin. Warum ist es ihm heute so willkommen?"
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Schatzjade erklärte: „Mir war schon immer zuwider, wie diese ungebildeten Leute ohne Sinn und Verstand Götter anbeten und Tempel errichten. Irgendwelche reichen alten Männer und törichten Frauen hören, es gebe da eine Gottheit, und schon baün sie einen Tempel, um sie zu verehren, ohne zu wissen, wer diese Gottheit überhaupt ist. Sie lesen es in irgendeiner inoffiziellen Geschichtsdarstellung oder in einem Roman und halten es für wahr. In diesem Kloster zum Beispiel wird die Göttin des Luo-Flusses verehrt, daher der Name 'Kloster der Wassergöttin'. Doch eine Göttin des Luo-Flusses hat es nie gegeben – das war nur eine Erfindung von Cao Zijian [Anm.: Cao Zhi, 192-232, der berühmte Dichter der Drei Reiche, verfasste die 'Ode an die Göttin des Luo-Flusses']. Diese Dummköpfe aber haben ein Götterbild formen lassen und beten es an. Doch heute passt es zu meinem Vorhaben, darum will ich es nutzen."
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Über diesen Worten waren sie längst am Kloster angelangt. Die alte Äbtissin war über Schatzjades unerwarteten Besuch nicht weniger verblüfft, als hätte sich ein lebendiger Drache vom Himmel herabgelassen. Eilig trat sie heraus, um ihn zu begrüßen, und wies eine alte Tempeldienerin an, sich um die Pferde zu kümmern.
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Schatzjade betrat den Tempel, fiel aber nicht vor dem Bildnis der Göttin des Luo-Flusses nieder, sondern betrachtete es nur eingehend. Obgleich es nur aus Ton geformt war, besaß es doch wahrlich etwas von der „leichtfüßigen Anmut einer aufgeschreckten Wildgans" und der „geschmeidigen Grazie eines schwimmenden Drachens", von der „Reinheit einer Lotosblüte über grünen Wellen" und dem „Strahlen der Morgensonne zwischen schillernden Wolken" [Anm.: Zitate aus Cao Zhis berühmter „Ode an die Göttin des Luo-Flusses"]. Ohne es zu bemerken, begannen Schatzjade die Tränen herunterzulaufen.
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Die alte Äbtissin reichte ihm Tee. Schatzjade bat sie um eine Räucherschale. Die Nonne entfernte sich und kam nach geraumer Zeit nicht nur mit einer Räucherschale zurück, sondern hatte auch Räucherwerk, Opferkerzen und Papiergeld vorbereitet.
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Schatzjade sagte: „Von alldem brauche ich nichts." Er befahl Räucherjunge, die Schale nach hinten in den Klosterhof zu tragen und dort einen sauberen Platz zu suchen. Doch ein solcher war nicht zu finden.
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Räucherjunge schlug vor: „Wie wäre es auf dem Brunnenrand dort?"
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Schatzjade nickte. Gemeinsam gingen sie zum Brunnenrand und stellten die Schale darauf ab. Räucherjunge trat zur Seite.
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Schatzjade zog das Räucherholz hervor und entzündete es. Mit Tränen in den Augen machte er eine halbe Verbeugung, wandte sich dann um und befahl, die Schale wieder fortzuräumen.
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Räucherjunge sagte: „Jawohl!", doch anstatt die Schale wegzunehmen, kniete er rasch nieder und schlug mehrmals mit der Stirn auf den Boden. Dabei sprach er folgendes Gebet: „Ich, Räucherjunge, diene dem jungen Herrn nun schon so viele Jahre. Von allem, was in seinem Herzen vorgeht, weiß ich. Nur über dieses heutige Opfer hat er mir nichts gesagt, und ich wage auch nicht, danach zu fragen. Doch denke ich mir, die abgeschiedene Seele, die dieses Opfer empfängt, muss – auch wenn ich ihren Namen nicht kenne – ein einzigartiges Wesen gewesen sein, wie es auf Erden kein zweites und im Himmel kein gleiches gibt, von höchster Klugheit und vollendeter Schönheit. Da mein junger Herr sein Geheimnis nicht preisgeben kann, will ich an seiner Statt beten: Wenn du, duftende Seele, Empfindung besitzt und dein schöner Geist zärtliches Mitgefühl kennt, dann besuche meinen jungen Herrn trotz der Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten als seine beste Freundin von Zeit zu Zeit! Und sorge im Jenseits dafür, dass mein junger Herr im nächsten Leben als Mädchen wiedergeboren wird und in eurer Mitte leben kann, anstatt abermals als so ein bärtiger, trüber Erdensohn!"
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Als er geendet hatte, schlug er noch einige Male mit der Stirn auf den Boden und erhob sich dann.
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Schatzjade hatte, noch ehe Räucherjunge ausgeredet hatte, nicht mehr an sich halten können und losgelacht. Er gab ihm einen Fußtritt und sagte: „Hör auf mit dem Unsinn! Wenn die Leute dich hören, werden sie uns auslachen."
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Räucherjunge stand auf, nahm die Räucherschale und sagte im Gehen zu Schatzjade: „Ich habe der Äbtissin schon gesagt, dass der junge Herr noch nichts gegessen hat, und sie gebeten, etwas herzurichten. Der junge Herr sollte wenigstens ein wenig davon essen. Ich weiß, dass bei uns daheim heute ein großes Fest stattfindet und es hoch hergeht. Der junge Herr hat sich deshalb hierher zurückgezogen. Einen Tag in Stille und Abgeschiedenheit zu verbringen – damit ist der Pflicht Genüge getan. Aber gar nichts zu essen, das geht beim besten Willen nicht."
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Schatzjade erwiderte: „Wenn ich schon keinen Geburtstagswein trinke, was spricht dagegen, hier ein wenig von einfacher Klosterkost zu essen?"
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Räucherjunge sagte: „Das ist vernünftig. Aber noch etwas: Nun, da wir einmal hier sind, wird sich zu Hause jemand Sorgen machen. Wenn sich niemand sorgte, könnte es ruhig auch spät werden mit der Rückkehr in die Stadt. Aber wenn sich jemand sorgt, muss der junge Herr in die Stadt zurückkehren. Erstens sind dann die alte gnädige Frau und die gnädige Frau beruhigt. Zweitens habt Ihr Eurer Pflicht Genüge getan, weiter als bis hierher geht sie nicht. Und wenn Ihr dann zu Hause Theater seht und Wein trinkt, so ist es nicht Euer eigener Wunsch, sondern nur Begleitung der Eltern als Ausdruck kindlicher Pietät. Wenn aber der junge Herr nur um dieses Opfers willen die Sorge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau vergisst, dann wird auch die abgeschiedene Seele, der das Opfer galt, keine Ruhe finden. Was meint der junge Herr zu meinen Worten?"
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Schatzjade erwiderte lächelnd: „Ich habe deine Absicht schon erraten. Du hast Angst, weil du allein mit mir hier draußen bist und bei der Rückkehr die Verantwortung tragen müsstest. Deshalb kommst du mir mit diesen großen Grundsätzen. Aber ich bin doch nur hergekommen, um dieser Pflicht zu genügen, und will dann zurückreiten, um Wein zu trinken und Theater zu sehen. Wann hätte ich gesagt, ich wolle den ganzen Tag nicht in die Stadt zurück? Mein Herzenswunsch ist erfüllt, und nun reiten wir schnell heim, damit alle beruhigt sind. Ist dann nicht nach beiden Seiten Genüge getan?"
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Räucherjunge sagte: „Umso besser!"
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Damit kamen sie in die Meditationshalle, wo die Äbtissin tatsächlich einen Tisch mit Klosterspeisen hergerichtet hatte. Schatzjade aß ein wenig davon, auch Räucherjunge bediente sich.
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Dann stiegen sie auf die Pferde und ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren. Räucherjunge rief von hinten: „Der junge Herr möge behutsam reiten! Das Pferd ist wenig geritten – haltet die Zügel straff!"
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Während er das noch sagte, hatten sie bereits das Stadttor passiert und ritten wieder durch das Hintertor in das Anwesen ein. Eilig kamen sie zum Hof der Roten Freude [怡红院]. Dufthauch und die anderen Mädchen waren nicht in den Räumen, nur ein paar alte Frauen hielten Wache. Als sie ihn erblickten, strahlten sie übers ganze Gesicht und riefen: „Amitabha Buddha sei Dank! Da seid Ihr endlich! Schwester Hua war schon ganz außer sich vor Aufregung! Oben wird gerade getafelt – beeilt Euch, junger Herr!"
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Schatzjade legte eilig die weißen Traürkleider ab, suchte sich selbst festliche Gewänder heraus und zog sie an. Er fragte, wo getafelt werde. Die alten Frauen antworteten: „In der neugebauten großen Blumenhalle."
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Schatzjade ging schnurstracks dorthin. Schon von Weitem drangen Musik und Gesang an sein Ohr. Gerade als er an der Durchgangshalle ankam, sah er Jadeschelle [玉钏儿], die einsam unter dem Dachvorsprung saß und weinte. Als sie ihn kommen sah, wischte sie sich die Tränen ab und sagte: „Der Phönix ist endlich da! Geht schnell hinein! Noch ein bisschen später, und hier wäre alles drunter und drüber gegangen."
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Schatzjade sagte lächelnd: „Rate mal, wo ich gewesen bin!"
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Jadeschelle antwortete nicht und wischte sich nur stumm die Tränen ab.
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Eilig trat Schatzjade in die Halle, grüßte die Herzoginmutter und Dame König und alle anderen. Die Anwesenden freuten sich wahrhaftig, als wäre ein Phönix erschienen. Rasch beeilte sich Schatzjade, vor Phönixglanz seine Verbeugung zum Geburtstag zu machen.
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Die Herzoginmutter und Dame König schalten ihn, er wisse nicht, was sich gehöre: „Wie konntest du einfach fortlaufen, ohne ein Wort zu sagen? Das ist wirklich unerhört! Wenn du das noch einmal tust, werden wir es deinem Vater sagen, sobald er nach Hause kommt, und er wird dich durchprügeln!"
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Dann schimpften sie auf die Diener, die ihn begleitet hatten: Sie hörten nur auf ihn und folgten ihm, wohin er befahl, ohne auch nur jemandem Bescheid zu geben!
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Dann fragten sie ihn, wo er denn nun wirklich gewesen sei, ob er etwas gegessen habe und ob ihm etwas zugestoßen sei.
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Schatzjade erwiderte nur: „Eine Lieblingsnebenfrau des Prinzen Beifriede ist gestern gestorben. Ich wollte ihm mein Beileid aussprechen. Er weinte so untröstlich, dass ich ihn nicht einfach im Stich lassen und sofort zurückkommen konnte. Darum bin ich etwas länger geblieben."
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Die Herzoginmutter sagte: „Wenn du in Zukunft noch einmal heimlich ausgehst, ohne uns vorher Bescheid zu geben, lasse ich deinen Vater dich ganz gewiss durchprügeln!"
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Schatzjade versprach es.
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Dann wollte die Herzoginmutter die Diener aus seinem Gefolge bestrafen lassen, doch sogleich legten sich alle ins Mittel und redeten ihr zu: „Macht Euch keine Sorgen mehr, alte gnädige Frau! Er ist ja wieder da. Wir sollten uns beruhigen und wieder fröhlich sein!"
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Die Herzoginmutter war nur aus Sorge so zornig gewesen. Nun, da sie Schatzjade vor sich sah, war sie mehr als froh. Ihr Ärger verflog, und sie ließ die Sache auf sich beruhen. Im Gegenteil – sie fürchtete, er könnte sich unwohl fühlen oder unterwegs nicht satt geworden sein oder etwas Erschreckendes erlebt haben, und so hätschelte und umsorgte sie ihn auf hunderterlei Weise. Auch Dufthauch kam eilig herüber, um ihm aufzuwarten.
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Dann wandten sich alle wieder dem Theaterspiel zu. Gegeben wurde das Stück „Die Dornenhaarnadel" [荆钗记, Anm.: ein berühmtes Theaterstück der Yuan- und Ming-Zeit über treue Liebe und Trennung]. Die Herzoginmutter und Tante Schnee waren so gerührt, dass sie Tränen vergoßen. Die einen seufzten, die anderen fluchten.
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Wer wissen will, wie es weiterging, muss das nächste Kapitel lesen.
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<references />

Latest revision as of 19:29, 28 April 2026

Kapitel 43

In dem man aus Vergnügen Geld zusammenlegt, um einen Geburtstag zu feiern, und unerfüllte Liebe dazu führt, eine Handvoll Erde als Räucherwerk darzubringen

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Dame König [王夫人][1] hatte erfahren, dass die Herzoginmutter [贾母][2] sich an jenem Tag im Garten der Großen Anschauung nur ein wenig erkältet hatte und keineswegs ernsthaft krank war. Nachdem man den Arzt gerufen hatte und sie zwei Dosen Medizin eingenommen hatte, war sie bereits wieder genesen. Beruhigt ließ Dame König nun Phönixglanz [王熙凤][3] zu sich kommen, um mit ihr zu besprechen, was alles für Aufrecht Kaufmann [贾政][4] vorbereitet und ihm zugeschickt werden sollte. Gerade berieten sie miteinander, als eine Botin der Herzoginmutter erschien und sie zu sich bat. Eilig begab sich Dame König mit Phönixglanz hinüber. Dame König erkundigte sich: „Geht es Euch inzwischen wieder besser?"

Die Herzoginmutter erwiderte: „Heute fühle ich mich schon viel wohler. Von der Fasanenkükensuppe, die ihr mir vorhin geschickt habt, habe ich probiert – sie ist wirklich wohlschmeckend. Auch zwei Stück Fleisch habe ich gegessen, und das hat mir sehr gut getan."

Dame König sagte lächelnd: „Das war ein Geschenk von Phönixglanz für die alte gnädige Frau. Es zeigt ihre aufrichtige kindliche Ehrerbietung und beweist, dass Eure beständige Zuneigung zu ihr nicht vergeudet ist."

Die Herzoginmutter nickte lächelnd und sagte: „Es ist rührend, dass sie daran gedacht hat. Wenn noch rohes Fasanenfleisch da ist, soll man noch ein paar Stückchen in heißem Fett knusprig backen. Leicht gesalzen schmecken sie herrlich zur Reissuppe. Die Brühe war zwar gut, aber zu einer dünnen Reissuppe passt sie nicht."

Phönixglanz bejahte sogleich und schickte jemanden in die Küche, um den Auftrag weiterzugeben.

Nun sagte die Herzoginmutter lächelnd zu Dame König: „Ich habe dich nicht ohne Grund herbitten lassen. Am Zweiten hat die junge Phönix Geburtstag. In den letzten beiden Jahren wollte ich schon eine Geburtstagsfeier für sie ausrichten, aber jedes Mal kam kurz vorher etwas Wichtiges dazwischen, und die Sache verlief im Sand. Dieses Jahr sind alle beisammen, und es dürfte wohl auch nichts dazwischenkommen. Da sollten wir uns alle gemeinsam einen recht vergnügten Tag machen!"

Dame König erwiderte lächelnd: „Daran habe auch ich schon gedacht. Wenn die alte gnädige Frau so fröhlich ist – warum beschließen wir es nicht gleich?"

Die Herzoginmutter fuhr lächelnd fort: „In den vergangenen Jahren hat jeder, ganz gleich wessen Geburtstag es war, immer einzeln sein Geschenk überreicht. Das ist einerseits sehr gewöhnlich, andererseits wirkt es, als stünde man sich nicht besonders nah. Diesmal möchte ich etwas Neues vorschlagen, das sowohl Zusammengehörigkeit beweist als auch Heiterkeit verspricht."

Dame König beeilte sich zu versichern: „Wie immer Ihr es für richtig haltet, so soll es geschehen!"

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Ich finde, wir sollten es den einfachen Leuten nachmachen – jeder steuert einen Beitrag bei, und was zusammenkommt, wird für das Fest verwendet. Was meint ihr, wäre das nicht amüsant?"

Dame König erwiderte lächelnd: „Das ist eine vortreffliche Idee! Nur wüsste ich gern, wie die Beiträge eingezogen werden sollen."

Bei diesen Worten geriet die Herzoginmutter in noch freudigere Stimmung. Sogleich schickte sie Boten aus, um Tante Schnee [薛姨妈][5] und Dame Strafe [邢夫人][6] einzuladen, ließ außerdem die Mädchen und Schatzjade [贾宝玉][7] rufen sowie aus dem Ning-Guo-Anwesen Herrlichkeit Kaufmann[8]s [贾珍] Frau, ferner die Frau von Lai Da und andere angesehene Verwalterinnen mit Rang und Ansehen.

Als die Dienstmädchen und Bediensteten sahen, wie prächtig die Herzoginmutter gelaunt war, wurden auch sie fröhlich. Eilig schwärmten sie nach allen Seiten aus, die einen um Einladungen zu überbringen, die anderen um Befehle weiterzugeben. In weniger Zeit, als man braucht, um eine Schale Reis zu essen, hatte sich jung und alt, hoch und niedrig versammelt, und das Zimmer war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur Tante Schnee saß der Herzoginmutter gegenüber. Dame Strafe und Dame König hatten auf zwei Stühlen unmittelbar an der Tür Platz genommen. Schatzspange [薛宝钗][9] und die anderen Mädchen, fünf oder sechs an der Zahl, saßen auf dem Kang [Anm.: dem heizbaren Ruhebett]. Schatzjade schmiegte sich an die Herzoginmutter. Alle übrigen standen dicht gedrängt im Raum.

Rasch befahl die Herzoginmutter, ein paar kleine Hocker zu bringen, damit Lai Das Mutter und einige andere betagte und angesehene alte Ammen sich setzen konnten. Im Hause Kaufmann herrschte nämlich die Sitte, dass alte Bedienstete, die schon der Elterngeneration gedient hatten, noch mehr Achtung genossen als die jungen Herrschaften. Darum blieben Dame Sonders [尤氏] und Phönixglanz ohne Weiteres stehen, während sich Lai Das Mutter und drei oder vier weitere alte Ammen mit einem Wort der Entschuldigung auf die Hocker niederließen.

Die Herzoginmutter trug nun lächelnd alles vor, was eben besprochen worden war. Es gab niemanden unter den Anwesenden, der sich an dem Spaß nicht hätte beteiligen wollen. Die einen standen Phönixglanz nahe und taten es gern aus Zuneigung, die anderen fürchteten sie und waren froh, sich bei ihr einschmeicheln zu können. Und da es sich alle leisten konnten, erklärten sich sämtliche Anwesenden freudig einverstanden, kaum dass der Vorschlag gemacht war.

Als Erste verkündete die Herzoginmutter: „Ich gebe zwanzig Liang [Anm.: Silberunzen]."

Tante Schnee sagte lächelnd: „Ich schließe mich der alten gnädigen Frau an – ebenfalls zwanzig Liang."

Dame Strafe und Dame König sagten lächelnd: „Wir wagen es nicht, uns der alten gnädigen Frau gleichzustellen, und stehen natürlich eine Stufe niedriger. Sechzehn Liang von jeder von uns."

Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume [李纨] sagten ebenfalls lächelnd: „Wir stehen wiederum eine Stufe niedriger – je zwölf Liang."

Sogleich wandte sich die Herzoginmutter an Seidenweiß Pflaume: „Du bist Witwe ohne eigenen Hausstand. Wie könnten wir solches Geld von dir verlangen! Ich zahle deinen Anteil."

Phönixglanz mischte sich sofort lächelnd ein: „Alte gnädige Frau, lasst Euch nicht von der Begeisterung fortreißen, sondern rechnet erst einmal nach, ehe Ihr solche Zusagen macht! Auf Eurem Konto stehen ohnehin schon zwei Anteile, und nun wollt Ihr auch noch zwölf Liang für die Schwägerin übernehmen. In diesem Augenblick sagt Ihr es mit frohem Herzen, aber ein Weilchen später bereut Ihr es schon. Und am Ende heißt es: 'Das ist alles nur wegen dieser Phönix!' Dann denkt Ihr Euch irgendeinen schlaün Trick aus und sorgt dafür, dass ich sang- und klanglos das Drei- oder Vierfache eines Anteils aus eigener Tasche drauflege, und dabei bilde ich mir auch noch etwas darauf ein!"

Alle lachten. Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Und was schlägst du vor?"

Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Mein Geburtstag ist noch gar nicht da, und schon bin ich mit so viel Ehre beschenkt, dass es mir nicht mehr wohl dabei ist. Ich kann nicht einen einzigen Kupfer beisteuern und bringe damit so viele Leute in Aufregung – das ist mir wirklich unangenehm. Am besten übernehme ich den Anteil der Schwägerin. Und wenn dann der Tag gekommen ist, esse ich dafür etwas mehr. Das wäre für mich das größte Glück."

Dame Strafe und die anderen sagten: „So ist es nur recht." Daraufhin lenkte die Herzoginmutter ein.

Phönixglanz aber fuhr lächelnd fort: „Ich habe noch etwas zu sagen. Es scheint mir so, dass die alte Ahne selbst zwanzig Liang gibt und dazu noch die Anteile für Schwester Kajaljade [林黛玉][10] und Bruder Schatzjade [贾宝玉] übernimmt. Die Frau Tante gibt ebenfalls zwanzig Liang und übernimmt dazu den Anteil für Schwester Schatzspange – das ist ganz gerecht. Wenn aber die beiden gnädigen Frauen jeweils nur sechzehn Liang geben und für niemanden sonst aufkommen, dann ist das weniger gerecht. Dann ist die alte Ahne übervorteilt!"

Die Herzoginmutter sagte sogleich lächelnd: „Meine Phönix steht auf meiner Seite! Was sie sagt, ist vollkommen richtig. Ohne sie hätte man mich wieder einmal übers Ohr gehaün."

Phönixglanz schlug lächelnd vor: „Alte Ahne, Ihr müsst die beiden Kinder den zwei gnädigen Frauen zuteilen, je eines einer, und sie den Anteil übernehmen lassen, ob viel oder wenig."

Die Herzoginmutter sagte sofort: „Das ist ganz gerecht! So wird es gemacht!"

Da erhob sich Lai Das Mutter und sagte lächelnd: „Das ist ja Verrat! Ich muss mich empören für die beiden gnädigen Frauen! Auf der einen Seite ist sie Schwiegertochter, auf der anderen Seite leibliche Nichte – und anstatt sich auf die Seite ihrer Schwiegermutter oder ihrer Tante zu stellen, hält sie zu anderen. Aus der Schwiegertochter wird eine Fremde, und aus der leiblichen Nichte eine angeheiratete!"

Die Herzoginmutter und alle anderen brachen in schallendes Gelächter aus.

Lai Das Mutter fragte daraufhin: „Wenn die jungen Herrinnen zwölf Liang geben, müssen wir natürlich eine Stufe niedriger stehen, nicht wahr?"

Die Herzoginmutter entschied: „Kommt nicht in Frage! Dem Rang nach müsstet ihr zwar eine Stufe niedriger stehen, aber ich weiß, dass ihr alle wohlhabende Leute seid. Euer Stand mag geringer sein, aber Geld habt ihr mehr als sie. Darum müsst ihr genau so viel geben wie sie."

Als die alten Ammen das hörten, sagten sie rasch: „Jawohl!"

Die Herzoginmutter fuhr fort: „Die Fräulein brauchen nur ihre gute Gesinnung zu zeigen – jede spendet ein Monatsgeld, das genügt." Dann wandte sie sich um und rief Mandarinenente [鸳鸯][11] herbei: „Auch ihr solltet euch zu einigen zusammentun und beraten, was ihr beitragen könnt."

Mandarinenente sagte: „Jawohl!" und kam kurze Zeit später mit Friedchen [平儿][12], Dufthauch [袭人][13], Buntwolke [彩霞] und einigen kleineren Dienstmädchen zurück. Manche von ihnen wollten zwei Liang geben, andere ein Liang.

Die Herzoginmutter fragte Friedchen: „Willst du denn deiner Herrin kein eigenes Geburtstagsgeschenk machen? Warum bist du hier mit dabei?"

Friedchen erwiderte lächelnd: „Mein persönliches Geschenk habe ich gesondert besorgt. Dies hier ist die gemeinsame Angelegenheit, zu der auch ich meinen Beitrag leisten sollte."

Die Herzoginmutter lobte lächelnd: „Das ist ein braves Mädchen!"

Phönixglanz sagte lächelnd: „Nun sind alle vertreten, von oben bis unten. Nur die beiden Nebenfrauen fehlen noch. Man sollte sie fragen, ob auch sie etwas beisteuern wollen. Es gehört sich, sie zu berücksichtigen, sonst könnten sie sich geringgeschätzt fühlen."

Die Herzoginmutter rief sofort: „Aber natürlich! Wie konnten wir sie nur vergessen! Sie hatten wohl keine Zeit herzukommen. Schickt ein Mädchen, das bei ihnen nachfragt!"

Während sie das sagte, war schon ein Dienstmädchen losgelaufen. Nach geraumer Zeit kam es mit dem Bescheid zurück: „Jede von ihnen gibt zwei Liang."

Die Herzoginmutter sagte erfreut: „Bringt Schreibpinsel und Tuschstein her und rechnet aus, wie viel das insgesamt ergibt!"

Unterdessen schalt Dame Sonders leise Phönixglanz: „Du unersättliches Spitzbein! So viele Tanten und Mütterchen legen ihr Silber zusammen, um dir den Geburtstag auszurichten, und dir ist das immer noch nicht genug. Musst du auch noch diese zwei armen Bitterkürbisse mit hineinziehen?"

Phönixglanz erwiderte ebenso leise und lächelnd: „Red keinen Unsinn! Warte nur, bis wir hier draußen sind, dann rechne ich mit dir ab! Warum sollen die beiden denn arm sein? Wenn sie Geld haben, stecken sie es nur anderen zu. Da ist es besser, wir nehmen es uns und machen uns einen vergnügten Tag damit."

Inzwischen war zusammengerechnet worden: Insgesamt waren es einhundertfünfzig Liang und noch etwas darüber.

Die Herzoginmutter sagte: „Für einen einzigen Tag Theater und Wein wird das nicht aufzubrauchen sein."

Dame Sonders erwiderte: „Da wir keine Gäste einladen und nicht viele Festtafeln brauchen, reicht das Geld für zwei oder drei Tage. Vor allem kostet uns die Theateraufführung nichts – das sparen wir ein."

Die Herzoginmutter sagte: „Phönix soll sagen, welche Truppe sie mag, und die lassen wir kommen."

Phönixglanz erwiderte: „Unsere eigene Haustruppe habe ich schon satt gehört. Lieber geben wir ein paar Münzen aus und lassen eine andere Truppe kommen!"

Die Herzoginmutter entschied: „Die ganze Angelegenheit übergebe ich Juwels Frau. Phönix soll sich nicht im Geringsten darum kümmern müssen und den Tag einfach genießen. Erst dann ist es ein richtiger Geburtstag."

Dame Sonders sagte: „Jawohl!" Man plauderte noch eine Weile, und als alle merkten, dass die Herzoginmutter müde wurde, gingen sie nach und nach fort.

Dame Sonders begleitete Dame Strafe und Dame König hinaus, dann begab sie sich zu Phönixglanz, um mit ihr zu besprechen, wie die Feier gestaltet werden sollte.

Phönixglanz sagte: „Mich brauchst du gar nicht zu fragen. Richte dich ganz nach dem, was der alten gnädigen Frau gefällt, und damit basta."

Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Du Biest hast aber auch wirklich unverschämtes Glück! Ich hatte mich schon gefragt, warum wir alle herübergerufen wurden, und dann ging es einzig und allein um diese Sache. Nicht genug, dass ich Geld beisteuern muss, soll ich auch noch die ganze Mühe auf mich nehmen. Wie willst du dich bei mir bedanken?"

Phönixglanz wies sie lächelnd zurecht: „Rede keinen Unsinn! Habe etwa ich dich hergerufen? Warum also sollte ich mich bedanken? Wenn dir die Mühe zu viel ist, geh zur alten gnädigen Frau und bitte sie, jemand anderen zu beauftragen – das ist alles."

Dame Sonders entgegnete lächelnd: „Sieh einer an, wie sie sich aufbläht! Rate ich dir, halt dich ein wenig zurück. Wenn der Krug zu voll ist, läuft er über."

Nachdem die beiden noch ein Weilchen miteinander geredet hatten, gingen auch sie auseinander.

Am nächsten Tag wurde das Silber ins Ning-Guo-Anwesen gebracht, als Dame Sonders gerade erst aufgestanden war und sich frisierte und wusch. Sie fragte, wer es gebracht habe. Die Dienstmädchen antworteten: „Tante Lin."

Dame Sonders befahl, sie hereinzurufen. Das Mädchen ging in die Dienstbotenstube und holte die Frau von Lin Zhixiao [林之孝] herüber. Dame Sonders ließ sie auf einer Fußbank Platz nehmen, fuhr eifrig mit ihrer Toilette fort und fragte dabei: „Wie viel Silber ist in dem Päckchen?"

Die Frau von Lin Zhixiao berichtete: „Dies ist nur das Silber, das wir vom Personal zusammengelegt haben. Die Beiträge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frauen sind noch nicht dabei."

Eben sagte sie das, als die Dienstmädchen meldeten: „Die gnädige Frau und die gnädige Frau Tante aus dem Rong-Guo-Anwesen haben Boten mit ihren Beiträgen geschickt."

Dame Sonders schalt die Mädchen lachend: „Ihr kleinen Spitzbeine merkt euch auch nur die unwichtigen Dinge! Gestern war die alte gnädige Frau bei guter Laune und hat zum Spaß gesagt, wir sollten es den kleinen Leuten nachmachen und Silber zusammenlegen. Das habt ihr euch gemerkt und nehmt es nun für bare Münze. Lasst das Silber schnell hereinbringen, bewirtet die Botinnen mit Tee und schickt sie dann zurück!"

Die Mädchen sagten eilig: „Jawohl!" und brachten zwei Päckchen herein, in denen auch die Beiträge für Schatzspange und Kajaljade enthalten waren.

Dame Sonders fragte: „Wessen Anteile fehlen noch?"

Die Frau von Lin Zhixiao gab Auskunft: „Es fehlen die Beiträge der alten gnädigen Frau, der gnädigen Frauen, der Fräulein und die der Dienstmädchen."

Dame Sonders fragte: „Und was ist mit dem Anteil der ersten jungen Herrin?"

Die Frau von Lin Zhixiao erwiderte: „Wenn Ihr hinüberkommt, bekommt Ihr das Geld von der zweiten jungen Herrin. Bei ihr ist alles beisammen."

Unterdessen hatte Dame Sonders ihre Toilette beendet und befahl, den Wagen anzuspannen. Bald darauf traf sie im Rong-Guo-Anwesen ein und begab sich zuerst zu Phönixglanz. Diese hatte das Silber bereits eingewickelt und wollte es eben fortschicken lassen.

„Sind alle Beiträge beisammen?" fragte Dame Sonders.

Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Alles da. Nimm es schnell mit, und wenn etwas verloren geht, will ich nichts damit zu tun haben."

Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich traü der Sache nicht ganz. Ich möchte es in deiner Gegenwart nachzählen." Und tatsächlich zählte sie Stück für Stück durch, stellte aber fest, dass Seidenweiß Pflaumes Anteil fehlte.

Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich wusste doch, dass du wieder etwas im Schilde führst! Wieso fehlt der Anteil deiner Schwägerin?"

Phönixglanz erwiderte lächelnd: „All das Silber reicht noch immer nicht? Wenn ein Anteil fehlt, ist das doch nicht schlimm. Falls das Geld nicht reicht, gebe ich ihn dir nach."

Dame Sonders hielt dagegen: „Gestern vor all den Leuten hast du die Großzügige gespielt, und heute versuchst du, mich zu betrügen. Das lasse ich dir nicht durchgehen! Ich werde es der alten gnädigen Frau sagen!"

Phönixglanz sagte lächelnd: „Du lässt nicht mit dir spaßen! Aber wenn es das nächste Mal etwas gibt, werde auch ich es 'peinlich genau mit Soll und Haben' nehmen. Dann beklag dich nicht!"

Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Also hast du doch Angst! Wenn du dich mir nicht stets so ehrerbietig verhalten hättest, würde ich dir das wirklich nicht durchgehen lassen." Mit diesen Worten suchte sie Friedchens Anteil heraus und sagte: „Friedchen, komm her und nimm dein Silber zurück! Falls das Geld nicht reichen sollte, lege ich es für dich drauf."

Friedchen hatte ihre Absicht durchschaut und sagte daher: „Nehmt es ruhig, junge Herrin! Wenn etwas übrig bleibt, schenkt es mir dann."

Dame Sonders sagte lächelnd: „Nur deine Herrin darf also betrügen, aber mir ist es nicht erlaubt, jemandem einen Gefallen zu tun?"

Friedchen nahm widerstrebend ihr Silber zurück.

Dame Sonders fuhr fort: „Sieh dir an, wie raffgierig deine Herrin ist, um an solches Geld zu kommen! Wie will sie das alles nur ausgeben? Was sie nicht ausgeben kann, wird sie mit ins Grab nehmen!"

Während sie das sagte, ging Dame Sonders hinaus und begab sich zunächst zur Herzoginmutter. Sie begrüßte sie ehrerbietig, wechselte ein paar Worte und ging dann zu Mandarinenente ins Zimmer, um sich mit ihr zu beraten. Sie wollte ganz nach Mandarinenentes Vorschlägen handeln, um der Herzoginmutter zu gefallen. Als alles besprochen war, gab Dame Sonders beim Gehen auch Mandarinenente ihre zwei Liang Silber zurück und sagte: „Das können wir doch gar nicht alles ausgeben!"

Damit ging sie hinaus und begab sich zu Dame König, mit der sie ebenfalls ein Weilchen plauderte. Als Dame König in ihre Gebetsstube gegangen war, gab sie auch Buntwolke [彩云] ihren Beitrag zurück. Und da Phönixglanz nicht zugegen war, gab sie bei dieser Gelegenheit auch den Nebenfrauen Zhou und Zhao ihr Silber wieder. Die beiden wagten zunächst nicht, es anzunehmen, aber Dame Sonders redete ihnen zu: „Ihr Armen habt es schwer genug. Woher sollt ihr überflüssiges Geld nehmen? Falls Phönix davon erfährt, stehe ich dafür gerade."

Erst nach diesen Worten nahmen die beiden das Silber an, überschwänglich dankend. Dame Sonders ging geradewegs hinaus, bestieg ihren Wagen und fuhr nach Hause. Mehr soll hier nicht von ihr die Rede sein.

Ehe man sich versah, war der zweite Tag des neunten Monats gekommen. Alle im Garten hatten erfahren, dass Dame Sonders alles überaus festlich vorbereitet hatte. Es sollte nicht nur Theater geben, sondern auch Gaukler und Geschichtenerzähler beiderlei Geschlechts. Alles machte sich bereit, sich nach Herzenslust zu vergnügen.

Seidenweiß Pflaume sagte zu den Mädchen: „Heute ist der reguläre Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft – das dürfen wir nicht vergessen! Schatzjade ist auch noch nicht da. Wahrscheinlich interessiert ihn nur das laute Vergnügen, und die feinen Dinge hat er bereits vergessen." Damit schickte sie ein Dienstmädchen los: „Geh nachsehen, was er treibt, und bitte ihn schnell hierher!"

Das Mädchen war eine ganze Weile fort und kam dann mit der Meldung zurück: „Schwester Hua [Anm.: Dufthauch] sagt, er sei schon heute früh ausgegangen."

Alle waren verwundert und sagten: „Das kann doch nicht sein, dass er ausgegangen ist! Das Mädchen ist wohl nicht ganz bei Verstand und weiß nicht, was sie redet." Also schickte man Grüntusch [翠墨] hin, um sich zu erkundigen. Als Grüntusch zurückkam, berichtete sie: „Es stimmt wirklich, er ist ausgegangen! Er sagte, ein Freund sei gestorben, und er wolle einen Beileidsbesuch machen."

Erkundefrühling sagte: „Das ist auf keinen Fall wahr. Was auch immer der Grund sein mag – es gibt kein Recht, heute auszugehen. Ruf Dufthauch her, ich will sie befragen!"

Kaum hatte sie das gesagt, trat Dufthauch [袭人] bereits ein.

Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Was auch immer er zu tun haben mag, er hätte heute nicht ausgehen dürfen! Erstens ist der Geburtstag der zweiten jungen Herrin, auf den die alte gnädige Frau sich so gefreut hat und für den alle aus beiden Anwesen Geld zusammengelegt haben – und er verschwindet einfach! Zweitens ist heute der erste ordentliche Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft, und er hat sich heimlich davongemacht, ohne sich freistellen zu lassen!"

Dufthauch seufzte und erwiderte: „Gestern Abend hat er gesagt, er müsse heute in aller Frühe etwas Dringendes erledigen und zum Palast des Prinzen Beifriede [北静王] reiten, aber er werde sogleich wieder zurückkommen. Ich habe ihm geraten, nicht zu gehen, aber er ließ sich nicht davon abbringen. Heute Morgen stand er dann früh auf und verlangte weiße Traürkleidung. Vermutlich ist im Hause des Prinzen eine wichtige Nebenfrau gestorben."

Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Wenn es wirklich so ist, musste er natürlich hinreiten. Aber jetzt müsste er eigentlich schon wieder da sein." Dann berieten sie sich: „Wir schreiben einfach unsere Gedichte, und wenn er zurückkommt, wird er bestraft!"

Gerade als sie das sagten, hatte die Herzoginmutter schon Boten geschickt, um alle zu sich bitten zu lassen. Also gingen sie hinüber. Dufthauch berichtete der Herzoginmutter, was es mit Schatzjade auf sich hatte. Die Herzoginmutter war ungehalten und befahl, Schatzjade solle geholt werden.

In Wirklichkeit hatte Schatzjade heimlich etwas im Sinn gehabt und am Vortag seinem Diener Räucherjunge [茗烟] befohlen: „Morgen in aller Frühe will ich ausreiten. Halte zwei Pferde am Hintertor bereit und warte dort auf mich. Niemand sonst soll mitkommen! Sage Li Gui [李贵], ich sei zum Palast des Prinzen Beifriede geritten. Falls jemand nach mir suchen will, soll er ihn davon abhalten und sagen, ich werde im Palast aufgehalten und komme bestimmt bald zurück."

Räucherjunge hatte sich keinen Reim darauf machen können, aber er hatte die Botschaft pflichtgemäß ausgerichtet. Heute in aller Frühe hatte er wirklich zwei Pferde an das Hintertor des Gartens geführt und dort gewartet. Als es hell wurde, sah er Schatzjade ganz in weiße Traürkleidung gehüllt aus dem Seitentor treten. Ohne ein Wort zu sagen, schwang er sich in den Sattel, beugte sich vor und trabte die Straße entlang davon. Räucherjunge blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls aufzusitzen, die Peitsche zu schwingen und ihm nachzujagen. Als er ihn eingeholt hatte, fragte er: „Wohin reiten wir?"

Schatzjade fragte: „Wohin führt diese Straße?"

Räucherjunge antwortete: „Dies ist die große Straße zum Nordtor hinaus. Draußen vor der Stadt ist es totenstill, und es gibt nichts, was Vergnügen böte."

Als Schatzjade das hörte, nickte er und sagte: „Eine stille Gegend ist gerade das, was ich brauche." Damit schlug er noch kräftiger auf sein Pferd ein, und im Nu hatten sie zwei Biegungen hinter sich und waren aus dem Stadttor hinaus. Räucherjunge wusste sich noch weniger einen Rat und folgte ihm dicht auf den Fersen.

Sie galoppierten sieben oder acht Li [Anm.: ca. drei bis vier Kilometer] in einem Stück, und die menschlichen Behausungen wurden immer spärlicher. Endlich zügelte Schatzjade sein Pferd, wandte sich nach Räucherjunge um und fragte: „Kann man hier Räucherwerk kaufen?"

Räucherjunge erwiderte: „Räucherwerk gibt es schon, nur fragt sich, welche Sorte."

Schatzjade überlegte und sagte: „Anderes Räucherholz taugt nicht. Es müssen drei Sorten sein: Sandelholz, Zitronella und Lakaholz."

Räucherjunge lachte: „Diese drei sind kaum zu bekommen!"

Schatzjade machte ein bedrücktes Gesicht. Räucherjunge sah seine Verlegenheit und fragte: „Wozu braucht Ihr das Räucherwerk? Ich weiß doch, dass der junge Herr stets loses Räucherholz in seinem kleinen Gürtelbeutel bei sich trägt. Warum seht Ihr nicht einmal nach?"

Dieser Hinweis brachte Schatzjade auf den Gedanken. Er griff hinter sich unter sein Gewand und holte ein kleines Beutelchen hervor. Als er darin tastete, fand er tatsächlich zwei Stückchen feines Adlerholz [Anm.: Aloeholz, eines der kostbarsten Räucherhölzer]. Er freute sich, meinte aber: „Es ist nur nicht ganz so ehrerbietig." Dann überlegte er, dass Räucherholz, das er persönlich bei sich getragen hatte, noch besser sei als gekauftes.

Also fragte er nach einer Räucherschale und Holzkohle. Räucherjunge sagte: „Das ist nun wirklich aussichtslos! Wo sollen wir das in dieser Einöde hernehmen? Wenn Ihr so etwas braucht, hättet Ihr es vorher sagen sollen. Dann hätte ich es mitbringen können."

Schatzjade schimpfte: „Dummkopf! Wenn wir es hätten mitbringen können, hätte ich nicht so verzweifelt losgaloppieren müssen."

Räucherjunge dachte eine Weile nach und sagte dann freudestrahlend: „Ich habe eine Idee, aber ich weiß nicht, ob sie dem jungen Herrn gefällt. Ich vermute, Ihr braucht nicht nur das Räucherwerk, sondern auch anderes. Das lässt sich hier draußen alles nicht beschaffen. Wenn wir noch zwei Li weiterreiten, kommen wir zum Kloster der Wassergöttin [水仙庵]."

Schatzjade fragte aufgeregt: „Das Kloster der Wassergöttin liegt hier? Umso besser! Reiten wir hin!" Damit trieb er sein Pferd an und ritt weiter, wobei er sich nach Räucherjunge umwandte und sagte: „Die Nonne vom Kloster der Wassergöttin kommt doch immer zu uns ins Haus. Wenn wir dort einkehren und uns eine Räucherschale borgen, wird sie gewiss nichts dagegen haben."

Räucherjunge erwiderte: „Ganz gleich, ob der Tempel von uns unterstützt wird oder nicht – selbst in einem völlig fremden Tempel würde man uns eine Räucherschale nicht verweigern. Nur eines wundert mich: Sonst verabscheut der junge Herr dieses Kloster der Wassergöttin. Warum ist es ihm heute so willkommen?"

Schatzjade erklärte: „Mir war schon immer zuwider, wie diese ungebildeten Leute ohne Sinn und Verstand Götter anbeten und Tempel errichten. Irgendwelche reichen alten Männer und törichten Frauen hören, es gebe da eine Gottheit, und schon baün sie einen Tempel, um sie zu verehren, ohne zu wissen, wer diese Gottheit überhaupt ist. Sie lesen es in irgendeiner inoffiziellen Geschichtsdarstellung oder in einem Roman und halten es für wahr. In diesem Kloster zum Beispiel wird die Göttin des Luo-Flusses verehrt, daher der Name 'Kloster der Wassergöttin'. Doch eine Göttin des Luo-Flusses hat es nie gegeben – das war nur eine Erfindung von Cao Zijian [Anm.: Cao Zhi, 192-232, der berühmte Dichter der Drei Reiche, verfasste die 'Ode an die Göttin des Luo-Flusses']. Diese Dummköpfe aber haben ein Götterbild formen lassen und beten es an. Doch heute passt es zu meinem Vorhaben, darum will ich es nutzen."

Über diesen Worten waren sie längst am Kloster angelangt. Die alte Äbtissin war über Schatzjades unerwarteten Besuch nicht weniger verblüfft, als hätte sich ein lebendiger Drache vom Himmel herabgelassen. Eilig trat sie heraus, um ihn zu begrüßen, und wies eine alte Tempeldienerin an, sich um die Pferde zu kümmern.

Schatzjade betrat den Tempel, fiel aber nicht vor dem Bildnis der Göttin des Luo-Flusses nieder, sondern betrachtete es nur eingehend. Obgleich es nur aus Ton geformt war, besaß es doch wahrlich etwas von der „leichtfüßigen Anmut einer aufgeschreckten Wildgans" und der „geschmeidigen Grazie eines schwimmenden Drachens", von der „Reinheit einer Lotosblüte über grünen Wellen" und dem „Strahlen der Morgensonne zwischen schillernden Wolken" [Anm.: Zitate aus Cao Zhis berühmter „Ode an die Göttin des Luo-Flusses"]. Ohne es zu bemerken, begannen Schatzjade die Tränen herunterzulaufen.

Die alte Äbtissin reichte ihm Tee. Schatzjade bat sie um eine Räucherschale. Die Nonne entfernte sich und kam nach geraumer Zeit nicht nur mit einer Räucherschale zurück, sondern hatte auch Räucherwerk, Opferkerzen und Papiergeld vorbereitet.

Schatzjade sagte: „Von alldem brauche ich nichts." Er befahl Räucherjunge, die Schale nach hinten in den Klosterhof zu tragen und dort einen sauberen Platz zu suchen. Doch ein solcher war nicht zu finden.

Räucherjunge schlug vor: „Wie wäre es auf dem Brunnenrand dort?"

Schatzjade nickte. Gemeinsam gingen sie zum Brunnenrand und stellten die Schale darauf ab. Räucherjunge trat zur Seite.

Schatzjade zog das Räucherholz hervor und entzündete es. Mit Tränen in den Augen machte er eine halbe Verbeugung, wandte sich dann um und befahl, die Schale wieder fortzuräumen.

Räucherjunge sagte: „Jawohl!", doch anstatt die Schale wegzunehmen, kniete er rasch nieder und schlug mehrmals mit der Stirn auf den Boden. Dabei sprach er folgendes Gebet: „Ich, Räucherjunge, diene dem jungen Herrn nun schon so viele Jahre. Von allem, was in seinem Herzen vorgeht, weiß ich. Nur über dieses heutige Opfer hat er mir nichts gesagt, und ich wage auch nicht, danach zu fragen. Doch denke ich mir, die abgeschiedene Seele, die dieses Opfer empfängt, muss – auch wenn ich ihren Namen nicht kenne – ein einzigartiges Wesen gewesen sein, wie es auf Erden kein zweites und im Himmel kein gleiches gibt, von höchster Klugheit und vollendeter Schönheit. Da mein junger Herr sein Geheimnis nicht preisgeben kann, will ich an seiner Statt beten: Wenn du, duftende Seele, Empfindung besitzt und dein schöner Geist zärtliches Mitgefühl kennt, dann besuche meinen jungen Herrn trotz der Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten als seine beste Freundin von Zeit zu Zeit! Und sorge im Jenseits dafür, dass mein junger Herr im nächsten Leben als Mädchen wiedergeboren wird und in eurer Mitte leben kann, anstatt abermals als so ein bärtiger, trüber Erdensohn!"

Als er geendet hatte, schlug er noch einige Male mit der Stirn auf den Boden und erhob sich dann.

Schatzjade hatte, noch ehe Räucherjunge ausgeredet hatte, nicht mehr an sich halten können und losgelacht. Er gab ihm einen Fußtritt und sagte: „Hör auf mit dem Unsinn! Wenn die Leute dich hören, werden sie uns auslachen."

Räucherjunge stand auf, nahm die Räucherschale und sagte im Gehen zu Schatzjade: „Ich habe der Äbtissin schon gesagt, dass der junge Herr noch nichts gegessen hat, und sie gebeten, etwas herzurichten. Der junge Herr sollte wenigstens ein wenig davon essen. Ich weiß, dass bei uns daheim heute ein großes Fest stattfindet und es hoch hergeht. Der junge Herr hat sich deshalb hierher zurückgezogen. Einen Tag in Stille und Abgeschiedenheit zu verbringen – damit ist der Pflicht Genüge getan. Aber gar nichts zu essen, das geht beim besten Willen nicht."

Schatzjade erwiderte: „Wenn ich schon keinen Geburtstagswein trinke, was spricht dagegen, hier ein wenig von einfacher Klosterkost zu essen?"

Räucherjunge sagte: „Das ist vernünftig. Aber noch etwas: Nun, da wir einmal hier sind, wird sich zu Hause jemand Sorgen machen. Wenn sich niemand sorgte, könnte es ruhig auch spät werden mit der Rückkehr in die Stadt. Aber wenn sich jemand sorgt, muss der junge Herr in die Stadt zurückkehren. Erstens sind dann die alte gnädige Frau und die gnädige Frau beruhigt. Zweitens habt Ihr Eurer Pflicht Genüge getan, weiter als bis hierher geht sie nicht. Und wenn Ihr dann zu Hause Theater seht und Wein trinkt, so ist es nicht Euer eigener Wunsch, sondern nur Begleitung der Eltern als Ausdruck kindlicher Pietät. Wenn aber der junge Herr nur um dieses Opfers willen die Sorge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau vergisst, dann wird auch die abgeschiedene Seele, der das Opfer galt, keine Ruhe finden. Was meint der junge Herr zu meinen Worten?"

Schatzjade erwiderte lächelnd: „Ich habe deine Absicht schon erraten. Du hast Angst, weil du allein mit mir hier draußen bist und bei der Rückkehr die Verantwortung tragen müsstest. Deshalb kommst du mir mit diesen großen Grundsätzen. Aber ich bin doch nur hergekommen, um dieser Pflicht zu genügen, und will dann zurückreiten, um Wein zu trinken und Theater zu sehen. Wann hätte ich gesagt, ich wolle den ganzen Tag nicht in die Stadt zurück? Mein Herzenswunsch ist erfüllt, und nun reiten wir schnell heim, damit alle beruhigt sind. Ist dann nicht nach beiden Seiten Genüge getan?"

Räucherjunge sagte: „Umso besser!"

Damit kamen sie in die Meditationshalle, wo die Äbtissin tatsächlich einen Tisch mit Klosterspeisen hergerichtet hatte. Schatzjade aß ein wenig davon, auch Räucherjunge bediente sich.

Dann stiegen sie auf die Pferde und ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren. Räucherjunge rief von hinten: „Der junge Herr möge behutsam reiten! Das Pferd ist wenig geritten – haltet die Zügel straff!"

Während er das noch sagte, hatten sie bereits das Stadttor passiert und ritten wieder durch das Hintertor in das Anwesen ein. Eilig kamen sie zum Hof der Roten Freude [怡红院]. Dufthauch und die anderen Mädchen waren nicht in den Räumen, nur ein paar alte Frauen hielten Wache. Als sie ihn erblickten, strahlten sie übers ganze Gesicht und riefen: „Amitabha Buddha sei Dank! Da seid Ihr endlich! Schwester Hua war schon ganz außer sich vor Aufregung! Oben wird gerade getafelt – beeilt Euch, junger Herr!"

Schatzjade legte eilig die weißen Traürkleider ab, suchte sich selbst festliche Gewänder heraus und zog sie an. Er fragte, wo getafelt werde. Die alten Frauen antworteten: „In der neugebauten großen Blumenhalle."

Schatzjade ging schnurstracks dorthin. Schon von Weitem drangen Musik und Gesang an sein Ohr. Gerade als er an der Durchgangshalle ankam, sah er Jadeschelle [玉钏儿], die einsam unter dem Dachvorsprung saß und weinte. Als sie ihn kommen sah, wischte sie sich die Tränen ab und sagte: „Der Phönix ist endlich da! Geht schnell hinein! Noch ein bisschen später, und hier wäre alles drunter und drüber gegangen."

Schatzjade sagte lächelnd: „Rate mal, wo ich gewesen bin!"

Jadeschelle antwortete nicht und wischte sich nur stumm die Tränen ab.

Eilig trat Schatzjade in die Halle, grüßte die Herzoginmutter und Dame König und alle anderen. Die Anwesenden freuten sich wahrhaftig, als wäre ein Phönix erschienen. Rasch beeilte sich Schatzjade, vor Phönixglanz seine Verbeugung zum Geburtstag zu machen.

Die Herzoginmutter und Dame König schalten ihn, er wisse nicht, was sich gehöre: „Wie konntest du einfach fortlaufen, ohne ein Wort zu sagen? Das ist wirklich unerhört! Wenn du das noch einmal tust, werden wir es deinem Vater sagen, sobald er nach Hause kommt, und er wird dich durchprügeln!"

Dann schimpften sie auf die Diener, die ihn begleitet hatten: Sie hörten nur auf ihn und folgten ihm, wohin er befahl, ohne auch nur jemandem Bescheid zu geben!

Dann fragten sie ihn, wo er denn nun wirklich gewesen sei, ob er etwas gegessen habe und ob ihm etwas zugestoßen sei.

Schatzjade erwiderte nur: „Eine Lieblingsnebenfrau des Prinzen Beifriede ist gestern gestorben. Ich wollte ihm mein Beileid aussprechen. Er weinte so untröstlich, dass ich ihn nicht einfach im Stich lassen und sofort zurückkommen konnte. Darum bin ich etwas länger geblieben."

Die Herzoginmutter sagte: „Wenn du in Zukunft noch einmal heimlich ausgehst, ohne uns vorher Bescheid zu geben, lasse ich deinen Vater dich ganz gewiss durchprügeln!"

Schatzjade versprach es.

Dann wollte die Herzoginmutter die Diener aus seinem Gefolge bestrafen lassen, doch sogleich legten sich alle ins Mittel und redeten ihr zu: „Macht Euch keine Sorgen mehr, alte gnädige Frau! Er ist ja wieder da. Wir sollten uns beruhigen und wieder fröhlich sein!"

Die Herzoginmutter war nur aus Sorge so zornig gewesen. Nun, da sie Schatzjade vor sich sah, war sie mehr als froh. Ihr Ärger verflog, und sie ließ die Sache auf sich beruhen. Im Gegenteil – sie fürchtete, er könnte sich unwohl fühlen oder unterwegs nicht satt geworden sein oder etwas Erschreckendes erlebt haben, und so hätschelte und umsorgte sie ihn auf hunderterlei Weise. Auch Dufthauch kam eilig herüber, um ihm aufzuwarten.

Dann wandten sich alle wieder dem Theaterspiel zu. Gegeben wurde das Stück „Die Dornenhaarnadel" [荆钗记, Anm.: ein berühmtes Theaterstück der Yuan- und Ming-Zeit über treue Liebe und Trennung]. Die Herzoginmutter und Tante Schnee waren so gerührt, dass sie Tränen vergoßen. Die einen seufzten, die anderen fluchten.

Wer wissen will, wie es weiterging, muss das nächste Kapitel lesen.

  1. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, wörtl. „Dame König". Schatzjades Mutter.
  2. Chin. 贾母 Jiǎmǔ, wörtl. „Mutter Kaufmann". Oberhaupt der Familie, auch „Alte Herrin" genannt.
  3. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Glänzender Phönix aus dem Hause Wang". Haushälterin der Familie Kaufmann.
  4. Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann/Gerecht". Schatzjades strenger Vater.
  5. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Xue/Schnee". Mutter von Schatzspange.
  6. Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, wörtl. „Dame Strafe". Ehefrau von Zwielicht Kaufmann (贾赦).
  7. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann Jade". Hauptfigur des Romans.
  8. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit". Oberhaupt des Osthauses der Familie Kaufmann.
  9. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Xue Kostbare Haarspange". Schatzjades spätere Ehefrau.
  10. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald-Kajaljade". Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.
  11. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Treue Leibdienerin der Herzoginmutter.
  12. Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' treue Kammerzofe.
  13. Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die Angreifende/Überraschende" (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an"). Schatzjades erste Kammerzofe.