Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 25"

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Kapitel 25
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Der Hexenfluch des Teufelspaars — Ein aussätziger Mönch und ein lahmer Daoist heilen mit geheimnisvollen Kräften
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_25|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE (Woesler)</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_25|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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= Kapitel 25 =
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Es wird erzählt, dass Rotjädchen traumverloren und in sehnsüchtigem Sinnieren im Halbschlaf versunken war und Efeu Kaufmann begegnete, der sie an der Hand nehmen wollte. Sie drehte sich um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle und erwachte erschrocken — da wusste sie, dass es nur ein Traum gewesen war. So wälzte sie sich die ganze Nacht schlaflos hin und her. Am nächsten Morgen in der Frühe stand sie auf, und schon kamen einige Dienstmädchen, um sie zum Putzen und Fegen abzuholen und Waschwasser zu bringen. Rotjädchen kämmte und wusch sich nicht einmal richtig, raffte nur ihr Haar flüchtig vor dem Spiegel zusammen, wusch die Hände, band ein Schweißtuch um die Taille und machte sich ans Saubermachen. Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz".</ref> seinerseits hatte Rotjädchen am Vortag bemerkt und sie im Sinn behalten. Er hätte sie gerne namentlich herbeirufen und einsetzen wollen, scheute sich jedoch: erstens, um Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, „die Überraschende".</ref> und die anderen nicht zu kränken; zweitens wusste er nicht, was für ein Charakter Rotjädchen war — war sie gut, dann mochte es gehen, war sie aber nicht gut, wäre es schwierig geworden, sie wieder fortzuschicken. So saß er trübsinnig da, stand früh auf, machte sich aber nicht zurecht, sondern saß nur da und grübelte. Schließlich öffnete er das Fenster und spähte durch das Gaze-Gitter nach draußen, wo er etliche Dienstmädchen sah, die den Boden fegten — alle geschminkt und gepudert, mit Blumen und Weidengrün im Haar —, nur die von gestern war nicht dabei. Schatzjade schlüpfte in die Pantoffeln und schlenderte zur Tür hinaus, tat so, als betrachte er Blumen, schaute hier und dort, und als er den Blick hob, sah er am südwestlichen Wandelgang jemanden an der Balustrade lehnen. Leider verdeckte ein Hortensienstrauch davor die Sicht. Er machte noch ein paar Schritte — und tatsächlich, es war das Mädchen von gestern, ganz in Gedanken versunken. Er wollte auf sie zugehen, doch es schickte sich nicht. Gerade als er noch überlegte, kam Bihen und rief ihn zum Waschen. Er musste hineingehen. Davon sei nicht weiter die Rede.
  
== Der Hexenfluch des Teufelspaars Ein aussätziger Mönch und ein lahmer Daoist heilen mit geheimnisvollen Kräften ==
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Nun sei erzählt, wie Rotjädchen noch ganz in Gedanken versunken dastand, als sie plötzlich sah, dass Dufthauch ihr zuwinkte. Sie ging hin. Dufthauch lachte: „Unsere Sprühkanne ist noch nicht hergebracht worden. Geh doch zur Schwester Lin hinüber und leih dir ihre aus." Rotjädchen bejahte und machte sich auf den Weg zum Xiaoxiang-Pavillon. Gerade als sie die Cuiyan-Brücke betrat und aufblickte, sah sie auf dem Hügel oben überall Vorhänge aufgespannt und erinnerte sich, dass heute Handwerker zum Bäumepflanzen drinnen waren. Sie drehte sich um und blickte da sah sie in der Ferne eine Gruppe von Leuten, die die Erde umgruben, und Efeu Kaufmann saß auf einem Felsstein dort oben. Rotjädchen wollte hingehen, wagte es aber nicht. Betrübt holte sie die Sprühkanne aus dem Xiaoxiang-Pavillon und ging lustlos in ihr Zimmer zurück. Die anderen dachten, ihr sei unwohl, und kümmerten sich nicht weiter.
  
Es wird erzählt, dass Hongyu traumverloren und in sehnsüchtigem Sinnieren im Halbschlaf versunken war und Jia Yun begegnete, der sie an der Hand nehmen wollte. Sie drehte sich um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle und erwachte erschrocken — da wusste sie, dass es nur ein Traum gewesen war. So wälzte sie sich die ganze Nacht schlaflos hin und her. Am nächsten Morgen in der Frühe stand sie auf, und schon kamen einige Dienstmädchen, um sie zum Putzen und Fegen abzuholen und Waschwasser zu bringen. Hongyu kämmte und wusch sich nicht einmal richtig, raffte nur ihr Haar flüchtig vor dem Spiegel zusammen, wusch die Hände, band ein Schweißtuch um die Taille und machte sich ans Saubermachen. Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz".</ref> seinerseits hatte Hongyu am Vortag bemerkt und sie im Sinn behalten. Er hätte sie gerne namentlich herbeirufen und einsetzen wollen, scheute sich jedoch: erstens, um Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, „die Überraschende".</ref> und die anderen nicht zu kränken; zweitens wusste er nicht, was für ein Charakter Hongyu war — war sie gut, dann mochte es gehen, war sie aber nicht gut, wäre es schwierig geworden, sie wieder fortzuschicken. So saß er trübsinnig da, stand früh auf, machte sich aber nicht zurecht, sondern saß nur da und grübelte. Schließlich öffnete er das Fenster und spähte durch das Gaze-Gitter nach draußen, wo er etliche Dienstmädchen sah, die den Boden fegten — alle geschminkt und gepudert, mit Blumen und Weidengrün im Haar —, nur die von gestern war nicht dabei. Schatzjade schlüpfte in die Pantoffeln und schlenderte zur Tür hinaus, tat so, als betrachte er Blumen, schaute hier und dort, und als er den Blick hob, sah er am südwestlichen Wandelgang jemanden an der Balustrade lehnen. Leider verdeckte ein Hortensienstrauch davor die Sicht. Er machte noch ein paar Schritte — und tatsächlich, es war das Mädchen von gestern, ganz in Gedanken versunken. Er wollte auf sie zugehen, doch es schickte sich nicht. Gerade als er noch überlegte, kam Bihen und rief ihn zum Waschen. Er musste hineingehen. Davon sei nicht weiter die Rede.
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Im Nu war ein Tag vergangen. Der nächste Tag war zufällig der Geburtstag von Frau Fliederranke König [王子腾] [Anm.: Dame Königs Bruder]. Dort hatte man jemanden geschickt, um Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ , Matriarchin der Kaufmann-Familie.</ref> und Dame König einzuladen. Da Dame König sah, dass Herzoginmutter sich nicht wohlzufühlen schien, ging sie auch nicht. Dafür fuhren Tante Schnee [薛姨妈], Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Strahlender Phönix".</ref>, die Schwestern des Hauses, Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz-Haarspange".</ref> und Schatzjade alle gemeinsam hin und kehrten erst am Abend zurück.
  
Nun sei erzählt, wie Hongyu noch ganz in Gedanken versunken dastand, als sie plötzlich sah, dass Dufthauch ihr zuwinkte. Sie ging hin. Dufthauch lachte: „Unsere Sprühkanne ist noch nicht hergebracht worden. Geh doch zur Schwester Lin hinüber und leih dir ihre aus." Hongyu bejahte und machte sich auf den Weg zum Xiaoxiang-Pavillon. Gerade als sie die Cuiyan-Brücke betrat und aufblickte, sah sie auf dem Hügel oben überall Vorhänge aufgespannt und erinnerte sich, dass heute Handwerker zum Bäumepflanzen drinnen waren. Sie drehte sich um und blickte — da sah sie in der Ferne eine Gruppe von Leuten, die die Erde umgruben, und Jia Yun saß auf einem Felsstein dort oben. Hongyu wollte hingehen, wagte es aber nicht. Betrübt holte sie die Sprühkanne aus dem Xiaoxiang-Pavillon und ging lustlos in ihr Zimmer zurück. Die anderen dachten, ihr sei unwohl, und kümmerten sich nicht weiter.
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Es traf sich, dass Dame König den kleinen Unheil Kaufmann nach der Schule zu sich rief und ihn das Jinggang-Mantra [Anm.: Diamant-Sutra] abschreiben ließ, damit er es rezitiere. Unheil Kaufmann saß auf Dame Königs Kang, ließ Licht anzünden und schrieb in wichtigtuerischer Manier. Mal rief er Caiyun, sie solle ihm eine Tasse Tee einschenken, mal wollte er Yuchuan'er den Docht der Kerze putzen lassen, mal behauptete er, Goldarmreif werfe einen Schatten auf die Lampe. Die Dienerinnen mochten ihn alle nicht leiden und ignorierten ihn. Nur Buntschimmer hatte ein wenig Sympathie für ihn und brachte ihm eine Tasse Tee. Da Dame König gerade mit jemandem sprach, flüsterte sie Unheil Kaufmann zu: „Benimm dich doch etwas, warum willst du dich überall unbeliebt machen?" Unheil Kaufmann sagte: „Das weiß ich auch schon. Du brauchst mich nicht zu täuschen. Jetzt bist du gut Freund mit Schatzjade und kümmerst dich nicht um mich — das habe ich längst bemerkt." Buntschimmer biss sich auf die Lippen, tippte ihm mit dem Finger auf den Kopf und sagte: „Du Undankbarer! Der Hund beißt Lü Dongbin und erkennt kein gutes Herz!"
  
Im Nu war ein Tag vergangen. Der nächste Tag war zufällig der Geburtstag von Frau König Fliederranke [王子腾] [Anm.: Frau Wangs Bruder]. Dort hatte man jemanden geschickt, um Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, Matriarchin der Kaufmann-Familie.</ref> und Frau Wang einzuladen. Da Frau Wang sah, dass Herzoginmutter sich nicht wohlzufühlen schien, ging sie auch nicht. Dafür fuhren Tante Schnee [薛姨妈], Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Strahlender Phönix".</ref>, die Schwestern des Hauses, Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz-Haarspange".</ref> und Schatzjade alle gemeinsam hin und kehrten erst am Abend zurück.
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Während die beiden noch sprachen, kam Phönixglanz herein und begrüßte Dame König. Dame König fragte sie nach dem Fest — wer alles dagewesen sei, ob die Theaterstücke gut gewesen seien, wie das Essen war, und dergleichen mehr. Kaum hatten sie ein paar Worte gewechselt, kam auch Schatzjade herein. Nachdem er Dame König regelrecht begrüßt und ein paar pflichtschuldige Worte gesagt hatte, ließ er sich den Stirnschmuck abnehmen, zog das Zeremonialgewand aus, streifte die Stiefel ab und rollte sich mit einem Satz in Dame Königs Arme. Dame König streichelte und liebkoste ihn überall. Schatzjade umschlang Dame Königs Hals und erzählte dies und das. Dame König sagte: „Mein Kind, du hast wieder zu viel Wein getrunken, dein Gesicht glüht ja. Hör auf, dich zu reiben und zu drücken, sonst wird dir der Wein zu Kopf steigen. Leg dich lieber dort eine Weile still hin." Damit ließ sie ein Kissen bringen. Schatzjade legte sich hinter Dame König nieder und rief Buntschimmer, sie solle ihm den Rücken klopfen. Schatzjade scherzte mit Buntschimmer, doch Buntschimmer reagierte kühl und kaum. Ihre Augen wanderten immer wieder zu Unheil Kaufmann hinüber. Schatzjade nahm ihre Hand und lachte: „Gute Schwester, schenk mir doch auch ein wenig Aufmerksamkeit!" Dabei zog er an ihrer Hand. Buntschimmer entzog sie ihm: „Lass das! Wenn du nicht aufhörst, rufe ich!"
  
Es traf sich, dass Frau Wang den kleinen Kaufmann Unheil nach der Schule zu sich rief und ihn das Jinggang-Mantra [Anm.: Diamant-Sutra] abschreiben ließ, damit er es rezitiere. Kaufmann Unheil saß auf Frau Wangs Kang, ließ Licht anzünden und schrieb in wichtigtuerischer Manier. Mal rief er Caiyun, sie solle ihm eine Tasse Tee einschenken, mal wollte er Yuchuan'er den Docht der Kerze putzen lassen, mal behauptete er, Goldarmreif werfe einen Schatten auf die Lampe. Die Dienerinnen mochten ihn alle nicht leiden und ignorierten ihn. Nur Caixia hatte ein wenig Sympathie für ihn und brachte ihm eine Tasse Tee. Da Frau Wang gerade mit jemandem sprach, flüsterte sie Kaufmann Unheil zu: „Benimm dich doch etwas, warum willst du dich überall unbeliebt machen?" Kaufmann Unheil sagte: „Das weiß ich auch schon. Du brauchst mich nicht zu täuschen. Jetzt bist du gut Freund mit Schatzjade und kümmerst dich nicht um mich — das habe ich längst bemerkt." Caixia biss sich auf die Lippen, tippte ihm mit dem Finger auf den Kopf und sagte: „Du Undankbarer! Der Hund beißt Lü Dongbin und erkennt kein gutes Herz!"
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Während die beiden noch scherzten, hatte Unheil Kaufmann alles gehört. Da er Schatzjade ohnehin schon hasste und ihn jetzt auch noch mit Buntschimmer tändeln sah, kochte in seinem Herzen ein giftiger Groll hoch. Offen wagte er nichts zu sagen, doch insgeheim sann er auf Rache — nur fand er keine Gelegenheit. Jetzt, da sie so nahe beisammen saßen, beschloss er, heißes Öl zu benutzen, um Schatzjade die Augen auszubrennen. Er tat absichtlich so, als rutsche ihm die Hand aus, und schob die ganze ölgefüllte Kerze auf Schatzjades Gesicht. Schatzjade schrie „Au!" auf, und im ganzen Zimmer erschraken alle. Man schob eilig die Stehlampe heran und holte aus dem Vor- und Hinterzimmer drei oder vier Lampen herbei. Bei Licht sah man, dass Schatzjades ganzes Gesicht voller Öl war. Dame König war gleichermaßen besorgt und wütend. Während sie Leute anwies, Schatzjade abzuwischen, schalt sie Unheil Kaufmann. Phönixglanz eilte mit zwei, drei Schritten aufs Kang und half Schatzjade, sich sauber zu machen, und lachte dabei: „Der Dritte ist immer noch so tolpatschig wie ein aufgescheuchtes Huhn — ich hab doch gesagt, er taugt nicht für feine Gesellschaft. Tante Zhao sollte ihn wirklich besser erziehen!" Dieses eine Wort erinnerte Dame König. Statt Unheil Kaufmann zu schelten, rief sie Tante Zhao zu sich und schimpfte: „Da hast du so ein schwarzherziges, unerzogenes Ding aufgezogen, und du kümmerst dich nicht darum! Wie oft habe ich schon beide Augen zugedrückt, und ihr werdet immer dreister!"
  
Während die beiden noch sprachen, kam Phönixglanz herein und begrüßte Frau Wang. Frau Wang fragte sie nach dem Fest — wer alles dagewesen sei, ob die Theaterstücke gut gewesen seien, wie das Essen war, und dergleichen mehr. Kaum hatten sie ein paar Worte gewechselt, kam auch Schatzjade herein. Nachdem er Frau Wang regelrecht begrüßt und ein paar pflichtschuldige Worte gesagt hatte, ließ er sich den Stirnschmuck abnehmen, zog das Zeremonialgewand aus, streifte die Stiefel ab und rollte sich mit einem Satz in Frau Wangs Arme. Frau Wang streichelte und liebkoste ihn überall. Schatzjade umschlang Frau Wangs Hals und erzählte dies und das. Frau Wang sagte: „Mein Kind, du hast wieder zu viel Wein getrunken, dein Gesicht glüht ja. Hör auf, dich zu reiben und zu drücken, sonst wird dir der Wein zu Kopf steigen. Leg dich lieber dort eine Weile still hin." Damit ließ sie ein Kissen bringen. Schatzjade legte sich hinter Frau Wang nieder und rief Caixia, sie solle ihm den Rücken klopfen. Schatzjade scherzte mit Caixia, doch Caixia reagierte kühl und kaum. Ihre Augen wanderten immer wieder zu Kaufmann Unheil hinüber. Schatzjade nahm ihre Hand und lachte: „Gute Schwester, schenk mir doch auch ein wenig Aufmerksamkeit!" Dabei zog er an ihrer Hand. Caixia entzog sie ihm: „Lass das! Wenn du nicht aufhörst, rufe ich!"
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Tante Zhao hatte zwar im Stillen immer Eifersucht auf Phönixglanz und Schatzjade gehegt, wagte es aber nie zu zeigen. Jetzt, da Unheil Kaufmann Ärger gemacht hatte und sie diese Schelte erdulden musste, schluckte sie nicht nur stumm, sondern musste auch noch hingehen und Schatzjade versorgen helfen. Man sah, dass auf Schatzjades linker Wange eine Reihe von Blasen aufgestiegen war, doch glücklicherweise waren die Augen verschont geblieben. Dame König sah es mit Schmerz und bangte zugleich, was sie morgen Herzoginmutter antworten sollte, wenn diese danach fragte. In ihrer Aufregung schalt sie Tante Zhao erneut. Dann tröstete sie Schatzjade und ließ Salbe zum Abschwellen auftragen. Schatzjade sagte: „Es schmerzt ein wenig, aber es ist nicht schlimm. Wenn morgen die alte Großmutter fragt, sagt einfach, ich hätte mich selbst verbrannt." Phönixglanz lachte: „Selbst wenn du sagst, du hättest dich selbst verbrannt, werden die Leute gescholten, warum sie nicht besser aufgepasst haben. Wie auch immer, es gibt ohnehin Ärger — sag morgen, was du willst." Dame König ließ Schatzjade sicher in sein Zimmer zurückbringen. Dufthauch und die anderen erschraken gewaltig, als sie ihn so sahen.
 
 
Während die beiden noch scherzten, hatte Kaufmann Unheil alles gehört. Da er Schatzjade ohnehin schon hasste und ihn jetzt auch noch mit Caixia tändeln sah, kochte in seinem Herzen ein giftiger Groll hoch. Offen wagte er nichts zu sagen, doch insgeheim sann er auf Rache — nur fand er keine Gelegenheit. Jetzt, da sie so nahe beisammen saßen, beschloss er, heißes Öl zu benutzen, um Schatzjade die Augen auszubrennen. Er tat absichtlich so, als rutsche ihm die Hand aus, und schob die ganze ölgefüllte Kerze auf Schatzjades Gesicht. Schatzjade schrie „Au!" auf, und im ganzen Zimmer erschraken alle. Man schob eilig die Stehlampe heran und holte aus dem Vor- und Hinterzimmer drei oder vier Lampen herbei. Bei Licht sah man, dass Schatzjades ganzes Gesicht voller Öl war. Frau Wang war gleichermaßen besorgt und wütend. Während sie Leute anwies, Schatzjade abzuwischen, schalt sie Kaufmann Unheil. Phönixglanz eilte mit zwei, drei Schritten aufs Kang und half Schatzjade, sich sauber zu machen, und lachte dabei: „Der Dritte ist immer noch so tolpatschig wie ein aufgescheuchtes Huhn — ich hab doch gesagt, er taugt nicht für feine Gesellschaft. Tante Zhao sollte ihn wirklich besser erziehen!" Dieses eine Wort erinnerte Frau Wang. Statt Kaufmann Unheil zu schelten, rief sie Tante Zhao zu sich und schimpfte: „Da hast du so ein schwarzherziges, unerzogenes Ding aufgezogen, und du kümmerst dich nicht darum! Wie oft habe ich schon beide Augen zugedrückt, und ihr werdet immer dreister!"
 
 
 
Tante Zhao hatte zwar im Stillen immer Eifersucht auf Phönixglanz und Schatzjade gehegt, wagte es aber nie zu zeigen. Jetzt, da Kaufmann Unheil Ärger gemacht hatte und sie diese Schelte erdulden musste, schluckte sie nicht nur stumm, sondern musste auch noch hingehen und Schatzjade versorgen helfen. Man sah, dass auf Schatzjades linker Wange eine Reihe von Blasen aufgestiegen war, doch glücklicherweise waren die Augen verschont geblieben. Frau Wang sah es mit Schmerz und bangte zugleich, was sie morgen Herzoginmutter antworten sollte, wenn diese danach fragte. In ihrer Aufregung schalt sie Tante Zhao erneut. Dann tröstete sie Schatzjade und ließ Salbe zum Abschwellen auftragen. Schatzjade sagte: „Es schmerzt ein wenig, aber es ist nicht schlimm. Wenn morgen die alte Großmutter fragt, sagt einfach, ich hätte mich selbst verbrannt." Phönixglanz lachte: „Selbst wenn du sagst, du hättest dich selbst verbrannt, werden die Leute gescholten, warum sie nicht besser aufgepasst haben. Wie auch immer, es gibt ohnehin Ärger — sag morgen, was du willst." Frau Wang ließ Schatzjade sicher in sein Zimmer zurückbringen. Dufthauch und die anderen erschraken gewaltig, als sie ihn so sahen.
 
  
 
Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal-Jade".</ref> hatte bemerkt, dass Schatzjade den ganzen Tag auswärts war, und langweilte sich ohne Gesprächspartner. Am Abend hatte sie bereits zwei- oder dreimal jemanden herüberschicken lassen, um zu fragen, ob er schon zurück sei. Gerade war er endlich zurück — und da diese Verbrennung! Kajaljade eilte herbei. Als sie Schatzjade sah, der gerade in den Spiegel schaute und seine ganze linke Gesichtshälfte mit Salbe bedeckt hatte, hielt sie es für sehr schlimm und fragte hastig, wie es passiert sei, und wollte nachsehen. Schatzjade bedeckte sein Gesicht, winkte mit der Hand, sie solle hinausgehen, und wollte sie nicht hinsehen lassen — er kannte ihre Empfindlichkeit und wusste, dass sie so etwas nicht ertrug. Kajaljade kannte ihre eigene Eigenart auch und wusste, dass Schatzjade fürchtete, sie würde es ekelhaft finden. Deshalb lachte sie: „Lass mich doch sehen, wo du dich verbrannt hast — was gibt es da zu verbergen?" Damit drängte sie sich heran, nahm seinen Hals in beide Hände und besah sich die Stelle. Sie fragte, ob es sehr schmerze. Schatzjade sagte: „Es schmerzt nicht sehr. In ein, zwei Tagen ist es verheilt." Kajaljade saß eine Weile und ging dann bedrückt in ihr Zimmer zurück. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Tag besuchte Schatzjade Herzoginmutter und behauptete, er habe sich selbst verbrannt. Natürlich schimpfte Herzoginmutter die Dienerschaft trotzdem ordentlich aus.
 
Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal-Jade".</ref> hatte bemerkt, dass Schatzjade den ganzen Tag auswärts war, und langweilte sich ohne Gesprächspartner. Am Abend hatte sie bereits zwei- oder dreimal jemanden herüberschicken lassen, um zu fragen, ob er schon zurück sei. Gerade war er endlich zurück — und da diese Verbrennung! Kajaljade eilte herbei. Als sie Schatzjade sah, der gerade in den Spiegel schaute und seine ganze linke Gesichtshälfte mit Salbe bedeckt hatte, hielt sie es für sehr schlimm und fragte hastig, wie es passiert sei, und wollte nachsehen. Schatzjade bedeckte sein Gesicht, winkte mit der Hand, sie solle hinausgehen, und wollte sie nicht hinsehen lassen — er kannte ihre Empfindlichkeit und wusste, dass sie so etwas nicht ertrug. Kajaljade kannte ihre eigene Eigenart auch und wusste, dass Schatzjade fürchtete, sie würde es ekelhaft finden. Deshalb lachte sie: „Lass mich doch sehen, wo du dich verbrannt hast — was gibt es da zu verbergen?" Damit drängte sie sich heran, nahm seinen Hals in beide Hände und besah sich die Stelle. Sie fragte, ob es sehr schmerze. Schatzjade sagte: „Es schmerzt nicht sehr. In ein, zwei Tagen ist es verheilt." Kajaljade saß eine Weile und ging dann bedrückt in ihr Zimmer zurück. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Tag besuchte Schatzjade Herzoginmutter und behauptete, er habe sich selbst verbrannt. Natürlich schimpfte Herzoginmutter die Dienerschaft trotzdem ordentlich aus.
  
Einen Tag später kam Schatzjades Patengroßmutter, die Nonne Ma Daobo, in die Rong-Guo-Residenz, um ihre Aufwartung zu machen. Als sie Schatzjade sah, erschrak sie gewaltig. Nachdem sie erfahren hatte, es sei eine Verbrennung, seufzte sie kopfschüttelnd, malte mit dem Finger ein Zeichen auf Schatzjades Gesicht und murmelte Beschwörungsformeln, dann sagte sie: „Es wird bestimmt besser. Das war nur ein flüchtiges Unglück." Dann wandte sie sich an Herzoginmutter: „Die verehrte Herrin und Bodhisattva weiß es nicht: Die buddhistischen Schriften lehren, dass bei den Söhnen vornehmer Familien, sobald sie geboren werden, viele böse Geister sie heimlich begleiten. Bei der ersten Gelegenheit kneifen sie hier, zwicken dort, werfen bei Tisch die Reisschale um oder geben dem Kind einen Stoß — darum werden viele Kinder großer Häuser nicht erwachsen." Herzoginmutter hörte das und fragte eilig: „Gibt es dafür irgendein Gegenmittel in der buddhistischen Lehre?" Ma Daobo erwiderte: „Das ist gar nicht schwer. Man braucht nur gute Werke für das Kind zu tun. Außerdem lehrt die Schrift, dass es im Westen einen großen Bodhisattva des Strahlenden Lichts gibt, der alle dunklen und bösen Geister erleuchtet. Wer ihm fromm opfert, kann Kinder und Enkel auf ewig in Frieden und Ruhe bewahren, frei von Schrecken und Heimsuchung." Herzoginmutter fragte: „Wie bringt man diesem Bodhisattva seine Verehrung dar?" Ma Daobo sagte: „Es ist nicht viel — außer Räucherwerk und Kerzen braucht man nur jeden Tag etwas mehr Öl für eine große Meereslampe. Diese Meereslampe ist die leibhaftige Erscheinung des Bodhisattva und darf Tag und Nacht nicht verlöschen." Herzoginmutter fragte: „Wieviel Öl braucht man pro Tag und Nacht? Sag es mir klar, dann will ich dieses gute Werk tun." Ma Daobo hörte das und lachte: „Das ist nicht festgelegt — ganz nach dem Herzenswunsch des frommen Spenders. In unserem Tempel stiften mehrere Fürstinnen und Adelige: Die Gemahlin des Nan'an-Fürsten hat das größte Gelübde und gibt achtundvierzig Jin Öl und ein Jin Docht pro Tag — ihre Meereslampe ist kaum kleiner als ein Bottich; die Frau des Jintian-Marquis gibt am Tag vierundzwanzig Jin Öl, was die nächste Stufe ist; und dann gibt es noch einige, die fünf Jin, drei Jin oder auch nur ein Jin geben — alles ist gut. Und arme Leute, die sich das nicht leisten können, auch vier Liang oder ein halbes Jin, selbst das reicht, um für sie zu leuchten." Herzoginmutter hörte das und überlegte. Ma Daobo fuhr fort: „Noch etwas: Wenn man für Eltern oder ältere Verwandte stiftet, darf man ruhig mehr geben. Aber wenn es wie jetzt der Fall ist — die Herrin stiftet für Schatzjade —, darf man nicht zu viel geben, sonst könnte der junge Herr das Glück nicht tragen, und es würde ihm schaden. Nicht das Geld zum Fenster hinauswerfen: Höchstens sieben Jin, mindestens fünf Jin, das ist genau richtig." Herzoginmutter sagte: „Gut, dann mach es mit fünf Jin pro Tag, monatlich pauschal zum Abholen." Ma Daobo sprach einen „Amitabha, barmherziger Bodhisattva". Herzoginmutter befahl auch noch: „Von nun an, wenn Schatzjade ausgeht, gebt seinen Dienern ein paar Schnüre Münzen mit, damit er unterwegs Mönchen, Daoisten und Bedürftigen etwas schenken kann." Damit wurde das erledigt. Ma Daobo saß noch eine Weile, machte dann die Runde durch die verschiedenen Höfe und Zimmer, um überall ihre Aufwartung zu machen.
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Einen Tag später kam Schatzjades Patengroßmutter, die Nonne die Daoistin Ma<ref>Chin. 马道婆 Mǎ Dàopó. 道婆 dàopó „taoistische Wandernonne“ — in Wahrheit eine Hexe und Betrügerin.</ref>, in die Prunkwille-Anwesen, um ihre Aufwartung zu machen. Als sie Schatzjade sah, erschrak sie gewaltig. Nachdem sie erfahren hatte, es sei eine Verbrennung, seufzte sie kopfschüttelnd, malte mit dem Finger ein Zeichen auf Schatzjades Gesicht und murmelte Beschwörungsformeln, dann sagte sie: „Es wird bestimmt besser. Das war nur ein flüchtiges Unglück." Dann wandte sie sich an Herzoginmutter: „Die verehrte Herrin und Bodhisattva weiß es nicht: Die buddhistischen Schriften lehren, dass bei den Söhnen vornehmer Familien, sobald sie geboren werden, viele böse Geister sie heimlich begleiten. Bei der ersten Gelegenheit kneifen sie hier, zwicken dort, werfen bei Tisch die Reisschale um oder geben dem Kind einen Stoß — darum werden viele Kinder großer Häuser nicht erwachsen." Herzoginmutter hörte das und fragte eilig: „Gibt es dafür irgendein Gegenmittel in der buddhistischen Lehre?" die Daoistin Ma erwiderte: „Das ist gar nicht schwer. Man braucht nur gute Werke für das Kind zu tun. Außerdem lehrt die Schrift, dass es im Westen einen großen Bodhisattva des Strahlenden Lichts gibt, der alle dunklen und bösen Geister erleuchtet. Wer ihm fromm opfert, kann Kinder und Enkel auf ewig in Frieden und Ruhe bewahren, frei von Schrecken und Heimsuchung." Herzoginmutter fragte: „Wie bringt man diesem Bodhisattva seine Verehrung dar?" die Daoistin Ma sagte: „Es ist nicht viel — außer Räucherwerk und Kerzen braucht man nur jeden Tag etwas mehr Öl für eine große Meereslampe. Diese Meereslampe ist die leibhaftige Erscheinung des Bodhisattva und darf Tag und Nacht nicht verlöschen." Herzoginmutter fragte: „Wieviel Öl braucht man pro Tag und Nacht? Sag es mir klar, dann will ich dieses gute Werk tun." die Daoistin Ma hörte das und lachte: „Das ist nicht festgelegt — ganz nach dem Herzenswunsch des frommen Spenders. In unserem Tempel stiften mehrere Fürstinnen und Adelige: Die Gemahlin des Nan'an-Fürsten hat das größte Gelübde und gibt achtundvierzig Jin Öl und ein Jin Docht pro Tag — ihre Meereslampe ist kaum kleiner als ein Bottich; die Frau des Jintian-Marquis gibt am Tag vierundzwanzig Jin Öl, was die nächste Stufe ist; und dann gibt es noch einige, die fünf Jin, drei Jin oder auch nur ein Jin geben — alles ist gut. Und arme Leute, die sich das nicht leisten können, auch vier Liang oder ein halbes Jin, selbst das reicht, um für sie zu leuchten." Herzoginmutter hörte das und überlegte. die Daoistin Ma fuhr fort: „Noch etwas: Wenn man für Eltern oder ältere Verwandte stiftet, darf man ruhig mehr geben. Aber wenn es wie jetzt der Fall ist — die Herrin stiftet für Schatzjade —, darf man nicht zu viel geben, sonst könnte der junge Herr das Glück nicht tragen, und es würde ihm schaden. Nicht das Geld zum Fenster hinauswerfen: Höchstens sieben Jin, mindestens fünf Jin, das ist genau richtig." Herzoginmutter sagte: „Gut, dann mach es mit fünf Jin pro Tag, monatlich pauschal zum Abholen." die Daoistin Ma sprach einen „Amitabha, barmherziger Bodhisattva". Herzoginmutter befahl auch noch: „Von nun an, wenn Schatzjade ausgeht, gebt seinen Dienern ein paar Schnüre Münzen mit, damit er unterwegs Mönchen, Daoisten und Bedürftigen etwas schenken kann." Damit wurde das erledigt. die Daoistin Ma saß noch eine Weile, machte dann die Runde durch die verschiedenen Höfe und Zimmer, um überall ihre Aufwartung zu machen.
  
Schließlich kam sie in Tante Zhaos Zimmer. Die beiden begrüßten einander, und Tante Zhao ließ ein kleines Dienstmädchen Tee bringen. Ma Daobo sah einige Stoffreste und Satinstücke auf dem Kang liegen — Tante Zhao war gerade dabei, Schuhe zu bekleben. Ma Daobo sagte: „Mir fehlt gerade Schuhstoff. Zhao-Schwester, wenn du ein paar Stücke Satin übrig hast, ganz gleich welche Farbe, gib mir zwei Stücke für Schuhe." Tante Zhao seufzte: „Sieh dich um — ist da noch ein ordentliches Stück dabei? Die guten Stoffe kommen nie zu mir. Was übrig bleibt, liegt alles hier. Wenn du es nicht verschmähst, such dir zwei Stücke aus." Ma Daobo tat es tatsächlich, wählte zwei Stücke und steckte sie in den Ärmel.
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Schließlich kam sie in Tante Zhaos Zimmer. Die beiden begrüßten einander, und Tante Zhao ließ ein kleines Dienstmädchen Tee bringen. die Daoistin Ma sah einige Stoffreste und Satinstücke auf dem Kang liegen — Tante Zhao war gerade dabei, Schuhe zu bekleben. die Daoistin Ma sagte: „Mir fehlt gerade Schuhstoff. Zhao-Schwester, wenn du ein paar Stücke Satin übrig hast, ganz gleich welche Farbe, gib mir zwei Stücke für Schuhe." Tante Zhao seufzte: „Sieh dich um — ist da noch ein ordentliches Stück dabei? Die guten Stoffe kommen nie zu mir. Was übrig bleibt, liegt alles hier. Wenn du es nicht verschmähst, such dir zwei Stücke aus." die Daoistin Ma tat es tatsächlich, wählte zwei Stücke und steckte sie in den Ärmel.
  
Tante Zhao fragte: „Neulich habe ich fünfhundert Münzen geschickt, um vor dem Medizinkönig zu opfern — hast du sie bekommen?" Ma Daobo sagte: „Längst habe ich für dich geopfert." Tante Zhao seufzte: „Amitabha! Wenn ich nur etwas mehr Mittel hätte, würde ich ständig opfern. Nur habe ich den guten Willen, aber nicht die Kraft." Ma Daobo sagte: „Hab nur Geduld. Wenn einmal der kleine Huan groß ist und einen Beamtenposten bekommt — was für gute Werke könntest du dann erst tun!" Tante Zhao schnaubte durch die Nase und sagte: „Ach, lass es sein! Rede nicht mehr davon. So wie es jetzt steht — können wir Mutter und Sohn mit irgendeinem hier mithalten? Da ist Schatzjade, den alle behandeln, als sei ein lebendiger Drache geboren. Er ist ja noch ein Kind, hübsch anzusehen, und die Erwachsenen mögen ihn ein wenig mehr — das ginge noch an. Aber ich kann diese Person dort nicht ausstehen!" Bei diesen Worten streckte sie zwei Finger aus. Ma Daobo verstand und fragte: „Meinst du die Zweite Frau Lian?" Tante Zhao erschrak und wedelte hastig mit der Hand, ging zur Tür und hob den Vorhang, um nach draußen zu spähen — niemand war da. Dann kam sie zurück und flüsterte Ma Daobo zu: „Um Himmels willen! Wenn man von dieser Person spricht — wenn sie nicht das ganze Familienvermögen zu ihrer Elternfamilie verschafft, will ich kein Mensch mehr sein!"
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Tante Zhao fragte: „Neulich habe ich fünfhundert Münzen geschickt, um vor dem Medizinkönig zu opfern — hast du sie bekommen?" die Daoistin Ma sagte: „Längst habe ich für dich geopfert." Tante Zhao seufzte: „Amitabha! Wenn ich nur etwas mehr Mittel hätte, würde ich ständig opfern. Nur habe ich den guten Willen, aber nicht die Kraft." die Daoistin Ma sagte: „Hab nur Geduld. Wenn einmal der kleine Huan groß ist und einen Beamtenposten bekommt — was für gute Werke könntest du dann erst tun!" Tante Zhao schnaubte durch die Nase und sagte: „Ach, lass es sein! Rede nicht mehr davon. So wie es jetzt steht — können wir Mutter und Sohn mit irgendeinem hier mithalten? Da ist Schatzjade, den alle behandeln, als sei ein lebendiger Drache geboren. Er ist ja noch ein Kind, hübsch anzusehen, und die Erwachsenen mögen ihn ein wenig mehr — das ginge noch an. Aber ich kann diese Person dort nicht ausstehen!" Bei diesen Worten streckte sie zwei Finger aus. die Daoistin Ma verstand und fragte: „Meinst du die Zweite Frau Lian?" Tante Zhao erschrak und wedelte hastig mit der Hand, ging zur Tür und hob den Vorhang, um nach draußen zu spähen — niemand war da. Dann kam sie zurück und flüsterte die Daoistin Ma zu: „Um Himmels willen! Wenn man von dieser Person spricht — wenn sie nicht das ganze Familienvermögen zu ihrer Elternfamilie verschafft, will ich kein Mensch mehr sein!"
  
Ma Daobo sondierte vorsichtig: „Das brauche ich dir nicht zu erzählen — alle sehen es. Ich wundere mich nur, dass ihr das auf sich beruhen lasst — recht klug eigentlich." Tante Zhao sagte: „Ach, meine Liebe! Wenn wir es nicht auf sich beruhen ließen — wer würde ihr denn etwas tun können?" Ma Daobo schnaubte durch die Nase, schwieg eine halbe Ewigkeit und sagte: „Ich will ja nichts Sündhaftes sagen, aber ihr habt kein Talent! — Natürlich kann man anderen keinen Vorwurf machen. Offen wagt ihr nichts, aber heimlich — da hätte man sie schon längst erledigt, statt bis heute zu warten!" Tante Zhao hörte, dass da Sinn dahinter steckte, und freute sich insgeheim. Sie sagte: „Was meinst du mit heimlich erledigen? Ich hätte durchaus die Absicht dazu, nur fehlt mir eine fähige Person. Wenn du mir ein Mittel verrätst, belohne ich dich reichlich." Ma Daobo hörte, dass die Sache zusammenpasste, stellte sich aber absichtlich zögerlich: „Amitabha! Frag mich nicht, ich verstehe von solchen Dingen nichts. Sünde, Sünde!" Tante Zhao sagte: „Jetzt tust du wieder so! Du bist doch immer die Erste, die Bedürftigen hilft. Willst du tatenlos zusehen, wie man uns Mutter und Sohn zugrunde richtet? Fürchtest du etwa, ich würde mich nicht erkenntlich zeigen?" Ma Daobo sagte: „Wenn du sagst, ich brächte es nicht übers Herz, euch leiden zu sehen — das geht noch an. Aber von Belohnung brauche ich nichts zu hören. Selbst wenn du mich belohnen wolltest — was hättest du schon, das mich bewegen könnte?" Tante Zhao sagte: „Was für ein kluger Mensch du bist — und jetzt tust du dumm! Wenn dein Trick funktioniert und diese zwei beseitigt sind, gehört das ganze Familienvermögen natürlich meinem Huan. Was könntest du dann nicht haben?" Ma Daobo senkte den Kopf, schwieg lange und sagte: „Und wenn die Sache geglückt ist und ich keinen Beweis habe — kümmerst du dich dann noch um mich?" Tante Zhao sagte: „Das ist doch einfach. Zwar habe ich gerade nicht viel in der Hand, aber ich habe ein paar Liang Silber zusammengespart und noch einige Kleidungsstücke und Haarnadeln. Nimm das erst einmal mit. Den Rest schreibe ich dir als Schuldschein — Bürgen wirst du auch finden, und dann zahle ich alles." Ma Daobo sagte: „Wirklich?" Tante Zhao sagte: „Wie könnte ich da lügen?" Damit rief sie eine Vertraute Dienstmagd heran, flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr. Die Magd ging hinaus und kam nach einer Weile mit einem Schuldschein über fünfhundert Liang zurück. Tante Zhao drückte ihren Fingerabdruck darauf, ging zum Schrank und holte ihr gesamtes Erspartes heraus, zeigte es Ma Daobo und sagte: „Das nimmst du erst einmal mit für Räucherwerk und Opfergaben — ist es recht?" Ma Daobo sah das blinkende weiße Silber, dazu den Schuldschein, und ohne lang zu zögern, griff sie gierig nach dem Silber und steckte es ein, nahm dann den Schuldschein. Aus dem Hosenbund kramte sie lange herum und zog schließlich zehn papiergeschnittene Dämonen mit blauen Gesichtern und weißem Haar hervor sowie zwei Papierfiguren. Sie reichte alles Tante Zhao und wisperte: „Schreib auf die zwei Papierfiguren die Geburtsdaten der beiden, dann steck beide Figuren samt den fünf Dämonen jeweils unter ihr Bett — fertig! Ich werde zu Hause den Zauber wirken, und die Wirkung wird sich zeigen. Nur — hab keine Angst!" Gerade hatte sie das gesagt, da kam ein Mädchen von Frau Wang und suchte: „Ist die Gnädige Frau hier? Die Herrin wartet." Die beiden trennten sich. Davon sei nicht weiter die Rede.
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die Daoistin Ma sondierte vorsichtig: „Das brauche ich dir nicht zu erzählen — alle sehen es. Ich wundere mich nur, dass ihr das auf sich beruhen lasst — recht klug eigentlich." Tante Zhao sagte: „Ach, meine Liebe! Wenn wir es nicht auf sich beruhen ließen — wer würde ihr denn etwas tun können?" die Daoistin Ma schnaubte durch die Nase, schwieg eine halbe Ewigkeit und sagte: „Ich will ja nichts Sündhaftes sagen, aber ihr habt kein Talent! — Natürlich kann man anderen keinen Vorwurf machen. Offen wagt ihr nichts, aber heimlich — da hätte man sie schon längst erledigt, statt bis heute zu warten!" Tante Zhao hörte, dass da Sinn dahinter steckte, und freute sich insgeheim. Sie sagte: „Was meinst du mit heimlich erledigen? Ich hätte durchaus die Absicht dazu, nur fehlt mir eine fähige Person. Wenn du mir ein Mittel verrätst, belohne ich dich reichlich." die Daoistin Ma hörte, dass die Sache zusammenpasste, stellte sich aber absichtlich zögerlich: „Amitabha! Frag mich nicht, ich verstehe von solchen Dingen nichts. Sünde, Sünde!" Tante Zhao sagte: „Jetzt tust du wieder so! Du bist doch immer die Erste, die Bedürftigen hilft. Willst du tatenlos zusehen, wie man uns Mutter und Sohn zugrunde richtet? Fürchtest du etwa, ich würde mich nicht erkenntlich zeigen?" die Daoistin Ma sagte: „Wenn du sagst, ich brächte es nicht übers Herz, euch leiden zu sehen — das geht noch an. Aber von Belohnung brauche ich nichts zu hören. Selbst wenn du mich belohnen wolltest — was hättest du schon, das mich bewegen könnte?" Tante Zhao sagte: „Was für ein kluger Mensch du bist — und jetzt tust du dumm! Wenn dein Trick funktioniert und diese zwei beseitigt sind, gehört das ganze Familienvermögen natürlich meinem Huan. Was könntest du dann nicht haben?" die Daoistin Ma senkte den Kopf, schwieg lange und sagte: „Und wenn die Sache geglückt ist und ich keinen Beweis habe — kümmerst du dich dann noch um mich?" Tante Zhao sagte: „Das ist doch einfach. Zwar habe ich gerade nicht viel in der Hand, aber ich habe ein paar Liang Silber zusammengespart und noch einige Kleidungsstücke und Haarnadeln. Nimm das erst einmal mit. Den Rest schreibe ich dir als Schuldschein — Bürgen wirst du auch finden, und dann zahle ich alles." die Daoistin Ma sagte: „Wirklich?" Tante Zhao sagte: „Wie könnte ich da lügen?" Damit rief sie eine Vertraute Dienstmagd heran, flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr. Die Magd ging hinaus und kam nach einer Weile mit einem Schuldschein über fünfhundert Liang zurück. Tante Zhao drückte ihren Fingerabdruck darauf, ging zum Schrank und holte ihr gesamtes Erspartes heraus, zeigte es die Daoistin Ma und sagte: „Das nimmst du erst einmal mit für Räucherwerk und Opfergaben — ist es recht?" die Daoistin Ma sah das blinkende weiße Silber, dazu den Schuldschein, und ohne lang zu zögern, griff sie gierig nach dem Silber und steckte es ein, nahm dann den Schuldschein. Aus dem Hosenbund kramte sie lange herum und zog schließlich zehn papiergeschnittene Dämonen mit blauen Gesichtern und weißem Haar hervor sowie zwei Papierfiguren. Sie reichte alles Tante Zhao und wisperte: „Schreib auf die zwei Papierfiguren die Geburtsdaten der beiden, dann steck beide Figuren samt den fünf Dämonen jeweils unter ihr Bett — fertig! Ich werde zu Hause den Zauber wirken, und die Wirkung wird sich zeigen. Nur — hab keine Angst!" Gerade hatte sie das gesagt, da kam ein Mädchen von Dame König und suchte: „Ist die Gnädige Frau hier? Die Herrin wartet." Die beiden trennten sich. Davon sei nicht weiter die Rede.
  
Nun sei erzählt, wie Kajaljade, da Schatzjade in diesen Tagen wegen der Verbrennung nicht ausging, häufig bei ihm vorbeischaute und sie zusammen plauderten. An diesem Tag hatte sie nach dem Essen zwei Seiten in einem Buch gelesen, fühlte sich gelangweilt und stickte dann eine Weile mit Purpurkuckuck und Xueyan, was sie aber auch ermüdete. So lehnte sie sich an den Türrahmen und sah hinaus, betrachtete die neuen Bambussprösslinge am Fuß der Treppe und schlenderte schließlich unwillkürlich aus dem Hoftor. Mit einem Blick in den Garten sah sie niemanden, nur Blumenglanz und Weidenschatten, Vogelgesang und Bachgemurmel. Kajaljade ging ziellos weiter und landete im Yihong-Hof. Dort sah sie einige Dienstmädchen, die Wasser schöpften und auf dem Wandelgang ihre Spottvögel im Bad beobachteten. Drinnen hörte sie Gelächter. Als Kajaljade eintrat, sah sie Li Schleierfrau [李纨], Phönixglanz und Schatzspange, die alle schon hier waren. Als sie sie sahen, lachten alle: „Noch eine dazu!" Kajaljade lachte: „Heute sind alle vollzählig — wer hat die Einladung geschrieben?" Phönixglanz sagte: „Neulich habe ich dir zwei Fläschchen Tee geschickt — wo warst du da?" Kajaljade lachte: „Oh, ganz vergessen, vielen Dank!" Phönixglanz fragte weiter: „Hast du ihn probiert? War er gut?" Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Im Prinzip ganz passabel, nur fand ich ihn nicht besonders gut — ich weiß nicht, wie er anderen schmeckt." Schatzspange sagte: „Der Geschmack ist leicht, nur die Farbe ist etwas blass." Phönixglanz sagte: „Das ist siamesischer Tributtee. Mir schmeckt er auch nicht besonders — nicht so gut wie mein täglicher Tee." Kajaljade sagte: „Mir schmeckt er. Was habt ihr nur für einen Gaumen?" Schatzjade sagte: „Wenn er dir wirklich schmeckt, nimm meinen Anteil dazu." Phönixglanz lachte: „Wenn du ihn magst — ich habe noch welchen." Kajaljade sagte: „Wirklich? Dann schicke ich gleich ein Mädchen, um ihn zu holen." Phönixglanz sagte: „Nicht nötig, ich schicke ihn her. Ich habe morgen sowieso noch etwas von dir zu erbitten und schicke beides zusammen." Kajaljade lachte: „Hört nur! Kaum hat man ein Schlückchen von ihrem Tee getrunken, schon will sie einen kommandieren!" Phönixglanz lachte: „Komm, bitte ich dich, und du redest solches Zeug — Tee hier, Wasser da! Da du schon unseren Tee getrunken hast, warum heiratest du nicht in unsere Familie ein?" Alle lachten.
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Nun sei erzählt, wie Kajaljade, da Schatzjade in diesen Tagen wegen der Verbrennung nicht ausging, häufig bei ihm vorbeischaute und sie zusammen plauderten. An diesem Tag hatte sie nach dem Essen zwei Seiten in einem Buch gelesen, fühlte sich gelangweilt und stickte dann eine Weile mit Purpurkuckuck und Schneegans, was sie aber auch ermüdete. So lehnte sie sich an den Türrahmen und sah hinaus, betrachtete die neuen Bambussprösslinge am Fuß der Treppe und schlenderte schließlich unwillkürlich aus dem Hoftor. Mit einem Blick in den Garten sah sie niemanden, nur Blumenglanz und Weidenschatten, Vogelgesang und Bachgemurmel. Kajaljade ging ziellos weiter und landete im Yihong-Hof. Dort sah sie einige Dienstmädchen, die Wasser schöpften und auf dem Wandelgang ihre Spottvögel im Bad beobachteten. Drinnen hörte sie Gelächter. Als Kajaljade eintrat, sah sie Seidenweiß Pflaume [李纨], Phönixglanz und Schatzspange, die alle schon hier waren. Als sie sie sahen, lachten alle: „Noch eine dazu!" Kajaljade lachte: „Heute sind alle vollzählig — wer hat die Einladung geschrieben?" Phönixglanz sagte: „Neulich habe ich dir zwei Fläschchen Tee geschickt — wo warst du da?" Kajaljade lachte: „Oh, ganz vergessen, vielen Dank!" Phönixglanz fragte weiter: „Hast du ihn probiert? War er gut?" Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Im Prinzip ganz passabel, nur fand ich ihn nicht besonders gut — ich weiß nicht, wie er anderen schmeckt." Schatzspange sagte: „Der Geschmack ist leicht, nur die Farbe ist etwas blass." Phönixglanz sagte: „Das ist siamesischer Tributtee. Mir schmeckt er auch nicht besonders — nicht so gut wie mein täglicher Tee." Kajaljade sagte: „Mir schmeckt er. Was habt ihr nur für einen Gaumen?" Schatzjade sagte: „Wenn er dir wirklich schmeckt, nimm meinen Anteil dazu." Phönixglanz lachte: „Wenn du ihn magst — ich habe noch welchen." Kajaljade sagte: „Wirklich? Dann schicke ich gleich ein Mädchen, um ihn zu holen." Phönixglanz sagte: „Nicht nötig, ich schicke ihn her. Ich habe morgen sowieso noch etwas von dir zu erbitten und schicke beides zusammen." Kajaljade lachte: „Hört nur! Kaum hat man ein Schlückchen von ihrem Tee getrunken, schon will sie einen kommandieren!" Phönixglanz lachte: „Komm, bitte ich dich, und du redest solches Zeug — Tee hier, Wasser da! Da du schon unseren Tee getrunken hast, warum heiratest du nicht in unsere Familie ein?" Alle lachten.
  
Kajaljade wurde rot im Gesicht, sagte kein Wort und drehte den Kopf weg. Li Schleierfrau lachte zu Schatzspange gewandt: „Unsere Zweite Schwägerin hat wirklich einen feinen Humor!" Kajaljade sagte: „Was für ein Humor — nichts als freches, gemeines Geschwätz, das einem auf die Nerven geht." Damit spuckte sie einmal aus.
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Kajaljade wurde rot im Gesicht, sagte kein Wort und drehte den Kopf weg. Seidenweiß Pflaume lachte zu Schatzspange gewandt: „Unsere Zweite Schwägerin hat wirklich einen feinen Humor!" Kajaljade sagte: „Was für ein Humor — nichts als freches, gemeines Geschwätz, das einem auf die Nerven geht." Damit spuckte sie einmal aus.
  
Phönixglanz lachte: „Träum weiter! Wenn du unsere Schwiegertochter wärst — was würde dir fehlen?" Sie zeigte auf Schatzjade: „Sieh ihn dir an — passt die Person nicht? Der Rang nicht? Das Vermögen nicht? In welcher Hinsicht würde er dich beschämen?" Kajaljade stand auf und wollte gehen. Schatzspange rief: „Pin'er, sei nicht beleidigt! Komm zurück und setz dich. Wenn du gehst, ist es erst recht peinlich." Damit stand sie auf und hielt sie fest. Gerade kamen Tante Zhao und die Zhou-Konkubine herein, um nach Schatzjade zu sehen. Li Schleierfrau, Schatzspange und Schatzjade boten beiden einen Platz an. Nur Phönixglanz plauderte weiter mit Kajaljade und würdigte die beiden keines Blickes. Schatzspange wollte gerade etwas sagen, da kam ein Dienstmädchen von Frau Wang und meldete: „Die Tante ist gekommen — die Gnädigen Frauen und Fräulein werden hinausgebeten." Li Schleierfrau hörte das, rief eilig Phönixglanz und die anderen, und sie gingen davon. Auch Tante Zhao und die Zhou-Konkubine verabschiedeten sich von Schatzjade. Schatzjade sagte: „Ich kann nicht mit hinausgehen. Sagt der Tante bitte, sie möge nicht hereinkommen." Dann sagte er: „Schwester Lin, bleib noch einen Moment, ich möchte dir etwas sagen." Phönixglanz hörte das, wandte sich um und lachte zu Kajaljade: „Da will jemand mit dir reden!" Damit gab sie Kajaljade einen kleinen Schubs nach innen und ging mit Li Schleierfrau davon.
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Phönixglanz lachte: „Träum weiter! Wenn du unsere Schwiegertochter wärst — was würde dir fehlen?" Sie zeigte auf Schatzjade: „Sieh ihn dir an — passt die Person nicht? Der Rang nicht? Das Vermögen nicht? In welcher Hinsicht würde er dich beschämen?" Kajaljade stand auf und wollte gehen. Schatzspange rief: „Pin'er, sei nicht beleidigt! Komm zurück und setz dich. Wenn du gehst, ist es erst recht peinlich." Damit stand sie auf und hielt sie fest. Gerade kamen Tante Zhao und die Zhou-Konkubine herein, um nach Schatzjade zu sehen. Seidenweiß Pflaume, Schatzspange und Schatzjade boten beiden einen Platz an. Nur Phönixglanz plauderte weiter mit Kajaljade und würdigte die beiden keines Blickes. Schatzspange wollte gerade etwas sagen, da kam ein Dienstmädchen von Dame König und meldete: „Die Tante ist gekommen — die Gnädigen Frauen und Fräulein werden hinausgebeten." Seidenweiß Pflaume hörte das, rief eilig Phönixglanz und die anderen, und sie gingen davon. Auch Tante Zhao und die Zhou-Konkubine verabschiedeten sich von Schatzjade. Schatzjade sagte: „Ich kann nicht mit hinausgehen. Sagt der Tante bitte, sie möge nicht hereinkommen." Dann sagte er: „Schwester Lin, bleib noch einen Moment, ich möchte dir etwas sagen." Phönixglanz hörte das, wandte sich um und lachte zu Kajaljade: „Da will jemand mit dir reden!" Damit gab sie Kajaljade einen kleinen Schubs nach innen und ging mit Seidenweiß Pflaume davon.
  
Schatzjade hielt Kajaljade am Ärmel und konnte nur grinsen — er hatte tausend Dinge im Herzen, doch kein Wort kam über seine Lippen. Kajaljade war längst knallrot im Gesicht und wollte sich losreißen. Da schrie Schatzjade plötzlich „Au!" und rief: „Mein Kopf! Was für Kopfschmerzen!" Kajaljade sagte: „Geschieht dir recht! Amitabha!" Plötzlich schrie Schatzjade laut: „Ich sterbe!" Er sprang hoch — sein Körper flog drei oder vier Fuß in die Höhe —, und er brüllte und schrie wirres Zeug. Kajaljade und die Dienstmädchen erschraken zu Tode und liefen, um Frau Wang, Herzoginmutter und die anderen zu benachrichtigen. Auch Frau König Fliederranke war gerade zu Besuch. Als sie alle herbeieilten, tobte Schatzjade noch schlimmer — er schwang Messer und Stöcke und drohte sich umzubringen. Das ganze Haus stand kopf. Herzoginmutter und Frau Wang zitterten vor Angst und weinten laut. Da kam auch die Meldung: auch Phönixglanz sei verrückt geworden — mit einem blitzenden Hackmesser stürze sie durch den Garten, schlage auf Hühner, Hunde und Menschen ein. Alle waren außer sich. Die Frau des Zhou Rui eilte mit ein paar kräftigen Mägden herbei, hielt sie fest, entwand ihr das Messer und trug sie zurück in ihr Zimmer. Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, Phönixglanz' Kammerzofe.</ref> und Feng'er weinten bitterlich. Kaufmann Aufrecht und die anderen waren ratlos — kümmerte man sich um die eine Seite, konnte man die andere nicht im Stich lassen.
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Schatzjade hielt Kajaljade am Ärmel und konnte nur grinsen — er hatte tausend Dinge im Herzen, doch kein Wort kam über seine Lippen. Kajaljade war längst knallrot im Gesicht und wollte sich losreißen. Da schrie Schatzjade plötzlich „Au!" und rief: „Mein Kopf! Was für Kopfschmerzen!" Kajaljade sagte: „Geschieht dir recht! Amitabha!" Plötzlich schrie Schatzjade laut: „Ich sterbe!" Er sprang hoch — sein Körper flog drei oder vier Fuß in die Höhe —, und er brüllte und schrie wirres Zeug. Kajaljade und die Dienstmädchen erschraken zu Tode und liefen, um Dame König, Herzoginmutter und die anderen zu benachrichtigen. Auch Frau Fliederranke König war gerade zu Besuch. Als sie alle herbeieilten, tobte Schatzjade noch schlimmer — er schwang Messer und Stöcke und drohte sich umzubringen. Das ganze Haus stand kopf. Herzoginmutter und Dame König zitterten vor Angst und weinten laut. Da kam auch die Meldung: auch Phönixglanz sei verrückt geworden — mit einem blitzenden Hackmesser stürze sie durch den Garten, schlage auf Hühner, Hunde und Menschen ein. Alle waren außer sich. Die Frau des Zhou Rui eilte mit ein paar kräftigen Mägden herbei, hielt sie fest, entwand ihr das Messer und trug sie zurück in ihr Zimmer. Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, Phönixglanz' Kammerzofe.</ref> und Feng'er weinten bitterlich. Aufrecht Kaufmann und die anderen waren ratlos — kümmerte man sich um die eine Seite, konnte man die andere nicht im Stich lassen.
  
Alle gerieten in Panik, nur Schnee Becken war noch zehnmal geschäftiger als alle anderen: Er fürchtete, Tante Schnee könnte in der Menge umgestoßen werden; er fürchtete, Schatzspange könnte von fremden Männern angestarrt werden; er fürchtete, Xiangling könnte belästigt werden — da er wusste, dass Kaufmann Juwel<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Ning-Hauses.</ref> und seinesgleichen Liebhaber der Weiblichkeit waren. In all seiner Hektik fiel sein Blick auf Kajaljade, deren anmutige Schönheit ihn auf der Stelle schmelzen ließ.
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Alle gerieten in Panik, nur Becken Schnee war noch zehnmal geschäftiger als alle anderen: Er fürchtete, Tante Schnee könnte in der Menge umgestoßen werden; er fürchtete, Schatzspange könnte von fremden Männern angestarrt werden; er fürchtete, Duftkastanie könnte belästigt werden — da er wusste, dass Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Stillfriede-Anwesenes.</ref> und seinesgleichen Liebhaber der Weiblichkeit waren. In all seiner Hektik fiel sein Blick auf Kajaljade, deren anmutige Schönheit ihn auf der Stelle schmelzen ließ.
  
Man rief Priester, Exorzisten und Schamanen herbei, doch nichts half. Tage und Nächte vergingen; Schatzjade und Phönixglanz lagen im Fieberwahn auf dem Bett, am ganzen Körper glühend wie Kohlen, und redeten nichts als Irrsinn. Nachts wagte sich niemand in ihre Nähe. Man brachte beide in Frau Wangs oberes Zimmer; nachts hielten Jia Yun und die Diener abwechselnd Wache. Herzoginmutter, Frau Wang, Frau Xing und Tante Schnee wichen nicht von der Seite und weinten nur.
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Man rief Priester, Exorzisten und Schamanen herbei, doch nichts half. Tage und Nächte vergingen; Schatzjade und Phönixglanz lagen im Fieberwahn auf dem Bett, am ganzen Körper glühend wie Kohlen, und redeten nichts als Irrsinn. Nachts wagte sich niemand in ihre Nähe. Man brachte beide in Dame Königs oberes Zimmer; nachts hielten Efeu Kaufmann und die Diener abwechselnd Wache. Herzoginmutter, Dame König, Frau Strafe und Tante Schnee wichen nicht von der Seite und weinten nur.
  
Kaufmann Begnadigung<ref>Kaufmann Begnadigung: Chin. 贾赦 Jiǎ Shè. 赦 shè bedeutet „Begnadigung".</ref> [贾赦] und Kaufmann Aufrecht fürchteten, Herzoginmutter könnte sich krank weinen. Tag und Nacht brannten die Lichter, und das ganze Haus war in Aufruhr. Kaufmann Begnadigung suchte überall nach Mönchen und Daoisten. Kaufmann Aufrecht, der keine Wirkung sah, war zutiefst bekümmert und wandte sich an Kaufmann Begnadigung: „Die Zahl der Kinder ist vom Himmel bestimmt und nicht durch Menschenhand zu erzwingen. Ihre Krankheit kam unerwartet, und hunderterlei Behandlungen blieben ohne Erfolg. Wenn es der Wille des Himmels ist, müssen wir sie lassen." Kaufmann Begnadigung hörte gar nicht hin und trieb seine Bemühungen weiter. Drei Tage vergingen so. Phönixglanz und Schatzjade lagen auf dem Bett, und selbst der Atem wurde schwächer. Die ganze Familie war in Panik, man hielt sie für verloren und bereitete bereits Totenkleider und Grabbeigaben vor. Herzoginmutter, Frau Wang, Kaufmann Jadeschale, Friedchen und Dufthauch weinten Tag und Nacht und vergaßen Essen und Schlaf. Tante Zhao und Kaufmann Unheil dagegen frohlockten insgeheim.
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Begnadigung Kaufmann [贾赦] und Aufrecht Kaufmann fürchteten, Herzoginmutter könnte sich krank weinen. Tag und Nacht brannten die Lichter, und das ganze Haus war in Aufruhr. Begnadigung Kaufmann suchte überall nach Mönchen und Daoisten. Aufrecht Kaufmann, der keine Wirkung sah, war zutiefst bekümmert und wandte sich an Begnadigung Kaufmann: „Die Zahl der Kinder ist vom Himmel bestimmt und nicht durch Menschenhand zu erzwingen. Ihre Krankheit kam unerwartet, und hunderterlei Behandlungen blieben ohne Erfolg. Wenn es der Wille des Himmels ist, müssen wir sie lassen." Begnadigung Kaufmann hörte gar nicht hin und trieb seine Bemühungen weiter. Drei Tage vergingen so. Phönixglanz und Schatzjade lagen auf dem Bett, und selbst der Atem wurde schwächer. Die ganze Familie war in Panik, man hielt sie für verloren und bereitete bereits Totenkleider und Grabbeigaben vor. Herzoginmutter, Dame König, Kette Kaufmann, Friedchen und Dufthauch weinten Tag und Nacht und vergaßen Essen und Schlaf. Tante Zhao und Unheil Kaufmann dagegen frohlockten insgeheim.
  
Am vierten Morgen, als Herzoginmutter und die anderen gerade weinend um Schatzjade standen, öffnete Schatzjade plötzlich die Augen und sagte: „Von heute an gehöre ich nicht mehr zu eurer Familie! Macht mich fertig und lasst mich gehen!" Herzoginmutter war, als risse man ihr das Herz heraus. Tante Zhao trat an ihre Seite und sagte beschwichtigend: „Die Alte Großmutter braucht sich nicht so zu grämen. Der junge Herr ist nicht mehr zu retten — ziehen wir ihm besser die Totenkleider an, damit er früher hinübergehen kann, das erspart ihm auch das Leiden. Wenn man ihn nicht loslässt und dieser letzte Atem nicht aufhört, leidet er auch drüben." Kaum hatte sie das gesagt, da spuckte Herzoginmutter ihr mitten ins Gesicht und schimpfte: „Was für eine faulzüngige Schandvettel! Wer hat dich gebeten, hier deinen Senf dazuzugeben! Woher willst du wissen, dass er drüben leidet? Woher willst du wissen, dass er nicht mehr zu retten ist? Du wünschst dir seinen Tod — was hättest du davon? Träum weiter! Wenn er stirbt, fordere ich von euch sein Leben! Seid ihr es nicht gewesen, die ihn ständig zum Schreiben und Lernen gehetzt haben, bis ihm der Mut gebrochen war, und er vor seinem Vater wie ein Mäuschen vor der Katze zittert? Seid ihr es nicht, ihr verdorbenen Weiber, die das angestiftet haben? Jetzt, wo ihr ihn in den Tod getrieben habt, seid ihr zufrieden — aber ich verschone keine von euch!" Dabei schimpfte und weinte sie. Kaufmann Aufrecht hörte das nebenan, und es schnitt ihm noch tiefer ins Herz. Er wies Tante Zhao zurecht und versuchte selbst, die Mutter zu trösten. Da kam jemand und meldete: „Die beiden Särge sind fertig, der Herr möge hinauskommen und sie prüfen." Herzoginmutter hörte das, als gieße man Öl ins Feuer, und rief: „Wer hat die Särge bestellt?" In einem fort schrie sie: „Holt den Sargmacher her und schlagt ihn tot!"
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Am vierten Morgen, als Herzoginmutter und die anderen gerade weinend um Schatzjade standen, öffnete Schatzjade plötzlich die Augen und sagte: „Von heute an gehöre ich nicht mehr zu eurer Familie! Macht mich fertig und lasst mich gehen!" Herzoginmutter war, als risse man ihr das Herz heraus. Tante Zhao trat an ihre Seite und sagte beschwichtigend: „Die Alte Großmutter braucht sich nicht so zu grämen. Der junge Herr ist nicht mehr zu retten — ziehen wir ihm besser die Totenkleider an, damit er früher hinübergehen kann, das erspart ihm auch das Leiden. Wenn man ihn nicht loslässt und dieser letzte Atem nicht aufhört, leidet er auch drüben." Kaum hatte sie das gesagt, da spuckte Herzoginmutter ihr mitten ins Gesicht und schimpfte: „Was für eine faulzüngige Schandvettel! Wer hat dich gebeten, hier deinen Senf dazuzugeben! Woher willst du wissen, dass er drüben leidet? Woher willst du wissen, dass er nicht mehr zu retten ist? Du wünschst dir seinen Tod — was hättest du davon? Träum weiter! Wenn er stirbt, fordere ich von euch sein Leben! Seid ihr es nicht gewesen, die ihn ständig zum Schreiben und Lernen gehetzt haben, bis ihm der Mut gebrochen war, und er vor seinem Vater wie ein Mäuschen vor der Katze zittert? Seid ihr es nicht, ihr verdorbenen Weiber, die das angestiftet haben? Jetzt, wo ihr ihn in den Tod getrieben habt, seid ihr zufrieden — aber ich verschone keine von euch!" Dabei schimpfte und weinte sie. Aufrecht Kaufmann hörte das nebenan, und es schnitt ihm noch tiefer ins Herz. Er wies Tante Zhao zurecht und versuchte selbst, die Mutter zu trösten. Da kam jemand und meldete: „Die beiden Särge sind fertig, der Herr möge hinauskommen und sie prüfen." Herzoginmutter hörte das, als gieße man Öl ins Feuer, und rief: „Wer hat die Särge bestellt?" In einem fort schrie sie: „Holt den Sargmacher her und schlagt ihn tot!"
  
Gerade als alles drunter und drüber ging, hörte man plötzlich aus der Ferne den Klang eines Holzfisches und eine Stimme, die psalmodierte: „Namo, Bodhisattva der Entsühnung! Wo Menschen krank und Häuser in Aufruhr, wo Gefahr droht oder böse Geister hausen — wir können heilen und helfen!" Herzoginmutter und Frau Wang hielten es nicht mehr aus und ließen sie sofort hereinbitten. Kaufmann Aufrecht war zwar nicht begeistert, doch wie konnte er Herzoginmutters Wort widersprechen? Es kam ihm auch seltsam vor, dass man sie in solcher Tiefe des Hauses so deutlich hören konnte. Er ließ sie hereinbitten. Alle sahen sich um — es waren ein Mönch mit einem kahlgeschorenen, aussätzigen Kopf und ein Daoist mit einem lahmen Fuß.
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Gerade als alles drunter und drüber ging, hörte man plötzlich aus der Ferne den Klang eines Holzfisches und eine Stimme, die psalmodierte: „Namo, Bodhisattva der Entsühnung! Wo Menschen krank und Häuser in Aufruhr, wo Gefahr droht oder böse Geister hausen — wir können heilen und helfen!" Herzoginmutter und Dame König hielten es nicht mehr aus und ließen sie sofort hereinbitten. Aufrecht Kaufmann war zwar nicht begeistert, doch wie konnte er Herzoginmutters Wort widersprechen? Es kam ihm auch seltsam vor, dass man sie in solcher Tiefe des Hauses so deutlich hören konnte. Er ließ sie hereinbitten. Alle sahen sich um — es waren ein Mönch mit einem kahlgeschorenen, aussätzigen Kopf und ein Daoist mit einem lahmen Fuß.
  
 
Der Mönch sah so aus:
 
Der Mönch sah so aus:
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Im Penglai-Land, am Schwachen Wasser weit.
 
Im Penglai-Land, am Schwachen Wasser weit.
  
Kaufmann Aufrecht fragte: „In welchem Tempel praktiziert ihr beide?" Der Mönch lachte: „Der Herr brauche nicht viele Worte. Da wir hörten, dass in Eurem Hause die Menschen krank sind, kamen wir eigens, um zu helfen." Kaufmann Aufrecht fragte: „Tatsächlich sind zwei Personen von bösen Geistern befallen. Habt ihr Zauberwasser oder Talismane?" Der Daoist lachte: „In Eurem Hause befindet sich bereits ein Schatz von weltweiter Seltenheit — warum fragt Ihr da noch nach unseren Zaubermitteln?" Kaufmann Aufrecht wurde hellhörig und sagte: „Mein Sohn kam zwar mit einem Jadestück zur Welt, auf dem steht, es könne böse Geister vertreiben, doch es hat offenbar keine Wirkung." Der Mönch sagte: „Ihr wisst nicht um die wunderbare Kraft dieses Gegenstands. Nur weil er jetzt von Sinnesfreuden und Habgier betäubt ist, wirkt er nicht mehr. Gebt ihn uns heraus, wir werden Gebete über ihn sprechen — dann wird er wohl wirken."
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Aufrecht Kaufmann fragte: „In welchem Tempel praktiziert ihr beide?" Der Mönch lachte: „Der Herr brauche nicht viele Worte. Da wir hörten, dass in Eurem Hause die Menschen krank sind, kamen wir eigens, um zu helfen." Aufrecht Kaufmann fragte: „Tatsächlich sind zwei Personen von bösen Geistern befallen. Habt ihr Zauberwasser oder Talismane?" Der Daoist lachte: „In Eurem Hause befindet sich bereits ein Schatz von weltweiter Seltenheit — warum fragt Ihr da noch nach unseren Zaubermitteln?" Aufrecht Kaufmann wurde hellhörig und sagte: „Mein Sohn kam zwar mit einem Jadestück zur Welt, auf dem steht, es könne böse Geister vertreiben, doch es hat offenbar keine Wirkung." Der Mönch sagte: „Ihr wisst nicht um die wunderbare Kraft dieses Gegenstands. Nur weil er jetzt von Sinnesfreuden und Habgier betäubt ist, wirkt er nicht mehr. Gebt ihn uns heraus, wir werden Gebete über ihn sprechen — dann wird er wohl wirken."
  
Kaufmann Aufrecht nahm den Jadestein von Schatzjades Hals und reichte ihn den beiden. Der Mönch nahm ihn in die Hand, hielt ihn auf der Handfläche und seufzte tief: „Seit dem Abschied am Gipfel des Grünen Kamms sind dreizehn Jahre vergangen! Wie rasch eilt die irdische Zeit, der Staub des Schicksals füllt die Tage, als seien sie ein Fingerschnipp! Wie beneidenswert waren deine Tugenden einst:
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Aufrecht Kaufmann nahm den Jadestein von Schatzjades Hals und reichte ihn den beiden. Der Mönch nahm ihn in die Hand, hielt ihn auf der Handfläche und seufzte tief: „Seit dem Abschied am Gipfel des Grünen Kamms sind dreizehn Jahre vergangen! Wie rasch eilt die irdische Zeit, der Staub des Schicksals füllt die Tage, als seien sie ein Fingerschnipp! Wie beneidenswert waren deine Tugenden einst:
  
 
Nicht gebunden an den Himmel, nicht an die Erde,
 
Nicht gebunden an den Himmel, nicht an die Erde,
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Sind die Schulden aufgewogen, folgt die Trennung, kein Vermiss."
 
Sind die Schulden aufgewogen, folgt die Trennung, kein Vermiss."
  
Damit rieb er das Jadestück noch einmal, sprach einige rätselhafte Worte und gab es Kaufmann Aufrecht zurück mit den Worten: „Dieses Ding hat seine Kraft wiedererlangt. Man darf es nicht entweihen. Hängt es an den Türsturz des Schlafgemachs, bringt die beiden Kranken in dasselbe Zimmer, und außer leiblicher Mutter und Ehefrau darf keine fremde Person sie berühren. In dreiunddreißig Tagen werden sie genesen und sein wie zuvor." Kaum gesagt, wandte er sich um und ging. Kaufmann Aufrecht wollte sie noch zum Tee bitten und ihnen Geschenke geben, doch die beiden waren bereits verschwunden. Herzoginmutter schickte noch Leute hinterher, doch von ihnen war keine Spur zu finden. Man musste ihren Worten folgen und brachte die beiden Kranken in Frau Wangs Schlafzimmer unter und hängte den Jadestein an die Tür. Frau Wang wachte persönlich und ließ niemand anderen herein.
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Damit rieb er das Jadestück noch einmal, sprach einige rätselhafte Worte und gab es Aufrecht Kaufmann zurück mit den Worten: „Dieses Ding hat seine Kraft wiedererlangt. Man darf es nicht entweihen. Hängt es an den Türsturz des Schlafgemachs, bringt die beiden Kranken in dasselbe Zimmer, und außer leiblicher Mutter und Ehefrau darf keine fremde Person sie berühren. In dreiunddreißig Tagen werden sie genesen und sein wie zuvor." Kaum gesagt, wandte er sich um und ging. Aufrecht Kaufmann wollte sie noch zum Tee bitten und ihnen Geschenke geben, doch die beiden waren bereits verschwunden. Herzoginmutter schickte noch Leute hinterher, doch von ihnen war keine Spur zu finden. Man musste ihren Worten folgen und brachte die beiden Kranken in Dame Königs Schlafzimmer unter und hängte den Jadestein an die Tür. Dame König wachte persönlich und ließ niemand anderen herein.
  
Am Abend begannen die beiden tatsächlich allmählich aufzuwachen und klagten über Hunger. Herzoginmutter und Frau Wang freuten sich wie über einen wiedergefundenen Schatz. Man kochte sogleich Reisbrühe, die beide tranken. Ihre Lebensgeister kehrten langsam zurück, die bösen Geister wichen. Die ganze Familie atmete auf. Li Schleierfrau, die drei Schwestern des Hauses, Schatzspange, Kajaljade, Friedchen, Dufthauch und die anderen warteten im Vorzimmer auf Nachricht. Als sie hörten, dass die Kranken Reisbrühe getrunken hatten und bei Sinnen waren, sprach Kajaljade als Erste ein „Amitabha". Schatzspange wandte den Kopf und sah sie lange an, dann kicherte sie. Niemand verstand warum. Bewahrfrühling fragte: „Schwester Bao, warum lachst du?" Schatzspange lachte: „Ich lache über den Buddha Amitabha — er hat so viel zu tun! Einerseits muss er Sutren lehren und das Dharma verkünden und alle Wesen erlösen; dann, weil Schatzjade und Schwester Phönixglanz krank waren, muss er Räucherwerk empfangen und Gelübde einlösen, Segen spenden und Unheil abwenden; und jetzt, da sie kaum ein wenig besser sind, muss er sich auch noch um Schwester Lins Heirat kümmern! Ist das nicht zum Lachen?" Kajaljade wurde rot, spuckte aus und sagte: „Ihr seid alle verdorben! Ihr wisst nicht, wie ihr sterben werdet! Statt von guten Menschen zu lernen, lernt ihr nur von diesen Klatschmäulern mit ihren giftigen Zungen!" Dabei rauschte sie empört durch den Vorhang hinaus.
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Am Abend begannen die beiden tatsächlich allmählich aufzuwachen und klagten über Hunger. Herzoginmutter und Dame König freuten sich wie über einen wiedergefundenen Schatz. Man kochte sogleich Reisbrühe, die beide tranken. Ihre Lebensgeister kehrten langsam zurück, die bösen Geister wichen. Die ganze Familie atmete auf. Seidenweiß Pflaume, die drei Schwestern des Hauses, Schatzspange, Kajaljade, Friedchen, Dufthauch und die anderen warteten im Vorzimmer auf Nachricht. Als sie hörten, dass die Kranken Reisbrühe getrunken hatten und bei Sinnen waren, sprach Kajaljade als Erste ein „Amitabha". Schatzspange wandte den Kopf und sah sie lange an, dann kicherte sie. Niemand verstand warum. Bedauerfrühling fragte: „Schwester Bao, warum lachst du?" Schatzspange lachte: „Ich lache über den Buddha Amitabha — er hat so viel zu tun! Einerseits muss er Sutren lehren und das Dharma verkünden und alle Wesen erlösen; dann, weil Schatzjade und Schwester Phönixglanz krank waren, muss er Räucherwerk empfangen und Gelübde einlösen, Segen spenden und Unheil abwenden; und jetzt, da sie kaum ein wenig besser sind, muss er sich auch noch um Schwester Lins Heirat kümmern! Ist das nicht zum Lachen?" Kajaljade wurde rot, spuckte aus und sagte: „Ihr seid alle verdorben! Ihr wisst nicht, wie ihr sterben werdet! Statt von guten Menschen zu lernen, lernt ihr nur von diesen Klatschmäulern mit ihren giftigen Zungen!" Dabei rauschte sie empört durch den Vorhang hinaus.
  
 
Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel.
 
Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel.
  
 
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== Anmerkungen ==
 
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''Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本).''
 
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Latest revision as of 19:35, 28 April 2026

Kapitel 25

Der Hexenfluch des Teufelspaars — Ein aussätziger Mönch und ein lahmer Daoist heilen mit geheimnisvollen Kräften

Es wird erzählt, dass Rotjädchen traumverloren und in sehnsüchtigem Sinnieren im Halbschlaf versunken war und Efeu Kaufmann begegnete, der sie an der Hand nehmen wollte. Sie drehte sich um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle und erwachte erschrocken — da wusste sie, dass es nur ein Traum gewesen war. So wälzte sie sich die ganze Nacht schlaflos hin und her. Am nächsten Morgen in der Frühe stand sie auf, und schon kamen einige Dienstmädchen, um sie zum Putzen und Fegen abzuholen und Waschwasser zu bringen. Rotjädchen kämmte und wusch sich nicht einmal richtig, raffte nur ihr Haar flüchtig vor dem Spiegel zusammen, wusch die Hände, band ein Schweißtuch um die Taille und machte sich ans Saubermachen. Schatzjade[1] seinerseits hatte Rotjädchen am Vortag bemerkt und sie im Sinn behalten. Er hätte sie gerne namentlich herbeirufen und einsetzen wollen, scheute sich jedoch: erstens, um Dufthauch[2] und die anderen nicht zu kränken; zweitens wusste er nicht, was für ein Charakter Rotjädchen war — war sie gut, dann mochte es gehen, war sie aber nicht gut, wäre es schwierig geworden, sie wieder fortzuschicken. So saß er trübsinnig da, stand früh auf, machte sich aber nicht zurecht, sondern saß nur da und grübelte. Schließlich öffnete er das Fenster und spähte durch das Gaze-Gitter nach draußen, wo er etliche Dienstmädchen sah, die den Boden fegten — alle geschminkt und gepudert, mit Blumen und Weidengrün im Haar —, nur die von gestern war nicht dabei. Schatzjade schlüpfte in die Pantoffeln und schlenderte zur Tür hinaus, tat so, als betrachte er Blumen, schaute hier und dort, und als er den Blick hob, sah er am südwestlichen Wandelgang jemanden an der Balustrade lehnen. Leider verdeckte ein Hortensienstrauch davor die Sicht. Er machte noch ein paar Schritte — und tatsächlich, es war das Mädchen von gestern, ganz in Gedanken versunken. Er wollte auf sie zugehen, doch es schickte sich nicht. Gerade als er noch überlegte, kam Bihen und rief ihn zum Waschen. Er musste hineingehen. Davon sei nicht weiter die Rede.

Nun sei erzählt, wie Rotjädchen noch ganz in Gedanken versunken dastand, als sie plötzlich sah, dass Dufthauch ihr zuwinkte. Sie ging hin. Dufthauch lachte: „Unsere Sprühkanne ist noch nicht hergebracht worden. Geh doch zur Schwester Lin hinüber und leih dir ihre aus." Rotjädchen bejahte und machte sich auf den Weg zum Xiaoxiang-Pavillon. Gerade als sie die Cuiyan-Brücke betrat und aufblickte, sah sie auf dem Hügel oben überall Vorhänge aufgespannt und erinnerte sich, dass heute Handwerker zum Bäumepflanzen drinnen waren. Sie drehte sich um und blickte — da sah sie in der Ferne eine Gruppe von Leuten, die die Erde umgruben, und Efeu Kaufmann saß auf einem Felsstein dort oben. Rotjädchen wollte hingehen, wagte es aber nicht. Betrübt holte sie die Sprühkanne aus dem Xiaoxiang-Pavillon und ging lustlos in ihr Zimmer zurück. Die anderen dachten, ihr sei unwohl, und kümmerten sich nicht weiter.

Im Nu war ein Tag vergangen. Der nächste Tag war zufällig der Geburtstag von Frau Fliederranke König [王子腾] [Anm.: Dame Königs Bruder]. Dort hatte man jemanden geschickt, um Herzoginmutter[3] und Dame König einzuladen. Da Dame König sah, dass Herzoginmutter sich nicht wohlzufühlen schien, ging sie auch nicht. Dafür fuhren Tante Schnee [薛姨妈], Phönixglanz[4], die Schwestern des Hauses, Schatzspange[5] und Schatzjade alle gemeinsam hin und kehrten erst am Abend zurück.

Es traf sich, dass Dame König den kleinen Unheil Kaufmann nach der Schule zu sich rief und ihn das Jinggang-Mantra [Anm.: Diamant-Sutra] abschreiben ließ, damit er es rezitiere. Unheil Kaufmann saß auf Dame Königs Kang, ließ Licht anzünden und schrieb in wichtigtuerischer Manier. Mal rief er Caiyun, sie solle ihm eine Tasse Tee einschenken, mal wollte er Yuchuan'er den Docht der Kerze putzen lassen, mal behauptete er, Goldarmreif werfe einen Schatten auf die Lampe. Die Dienerinnen mochten ihn alle nicht leiden und ignorierten ihn. Nur Buntschimmer hatte ein wenig Sympathie für ihn und brachte ihm eine Tasse Tee. Da Dame König gerade mit jemandem sprach, flüsterte sie Unheil Kaufmann zu: „Benimm dich doch etwas, warum willst du dich überall unbeliebt machen?" Unheil Kaufmann sagte: „Das weiß ich auch schon. Du brauchst mich nicht zu täuschen. Jetzt bist du gut Freund mit Schatzjade und kümmerst dich nicht um mich — das habe ich längst bemerkt." Buntschimmer biss sich auf die Lippen, tippte ihm mit dem Finger auf den Kopf und sagte: „Du Undankbarer! Der Hund beißt Lü Dongbin und erkennt kein gutes Herz!"

Während die beiden noch sprachen, kam Phönixglanz herein und begrüßte Dame König. Dame König fragte sie nach dem Fest — wer alles dagewesen sei, ob die Theaterstücke gut gewesen seien, wie das Essen war, und dergleichen mehr. Kaum hatten sie ein paar Worte gewechselt, kam auch Schatzjade herein. Nachdem er Dame König regelrecht begrüßt und ein paar pflichtschuldige Worte gesagt hatte, ließ er sich den Stirnschmuck abnehmen, zog das Zeremonialgewand aus, streifte die Stiefel ab und rollte sich mit einem Satz in Dame Königs Arme. Dame König streichelte und liebkoste ihn überall. Schatzjade umschlang Dame Königs Hals und erzählte dies und das. Dame König sagte: „Mein Kind, du hast wieder zu viel Wein getrunken, dein Gesicht glüht ja. Hör auf, dich zu reiben und zu drücken, sonst wird dir der Wein zu Kopf steigen. Leg dich lieber dort eine Weile still hin." Damit ließ sie ein Kissen bringen. Schatzjade legte sich hinter Dame König nieder und rief Buntschimmer, sie solle ihm den Rücken klopfen. Schatzjade scherzte mit Buntschimmer, doch Buntschimmer reagierte kühl und kaum. Ihre Augen wanderten immer wieder zu Unheil Kaufmann hinüber. Schatzjade nahm ihre Hand und lachte: „Gute Schwester, schenk mir doch auch ein wenig Aufmerksamkeit!" Dabei zog er an ihrer Hand. Buntschimmer entzog sie ihm: „Lass das! Wenn du nicht aufhörst, rufe ich!"

Während die beiden noch scherzten, hatte Unheil Kaufmann alles gehört. Da er Schatzjade ohnehin schon hasste und ihn jetzt auch noch mit Buntschimmer tändeln sah, kochte in seinem Herzen ein giftiger Groll hoch. Offen wagte er nichts zu sagen, doch insgeheim sann er auf Rache — nur fand er keine Gelegenheit. Jetzt, da sie so nahe beisammen saßen, beschloss er, heißes Öl zu benutzen, um Schatzjade die Augen auszubrennen. Er tat absichtlich so, als rutsche ihm die Hand aus, und schob die ganze ölgefüllte Kerze auf Schatzjades Gesicht. Schatzjade schrie „Au!" auf, und im ganzen Zimmer erschraken alle. Man schob eilig die Stehlampe heran und holte aus dem Vor- und Hinterzimmer drei oder vier Lampen herbei. Bei Licht sah man, dass Schatzjades ganzes Gesicht voller Öl war. Dame König war gleichermaßen besorgt und wütend. Während sie Leute anwies, Schatzjade abzuwischen, schalt sie Unheil Kaufmann. Phönixglanz eilte mit zwei, drei Schritten aufs Kang und half Schatzjade, sich sauber zu machen, und lachte dabei: „Der Dritte ist immer noch so tolpatschig wie ein aufgescheuchtes Huhn — ich hab doch gesagt, er taugt nicht für feine Gesellschaft. Tante Zhao sollte ihn wirklich besser erziehen!" Dieses eine Wort erinnerte Dame König. Statt Unheil Kaufmann zu schelten, rief sie Tante Zhao zu sich und schimpfte: „Da hast du so ein schwarzherziges, unerzogenes Ding aufgezogen, und du kümmerst dich nicht darum! Wie oft habe ich schon beide Augen zugedrückt, und ihr werdet immer dreister!"

Tante Zhao hatte zwar im Stillen immer Eifersucht auf Phönixglanz und Schatzjade gehegt, wagte es aber nie zu zeigen. Jetzt, da Unheil Kaufmann Ärger gemacht hatte und sie diese Schelte erdulden musste, schluckte sie nicht nur stumm, sondern musste auch noch hingehen und Schatzjade versorgen helfen. Man sah, dass auf Schatzjades linker Wange eine Reihe von Blasen aufgestiegen war, doch glücklicherweise waren die Augen verschont geblieben. Dame König sah es mit Schmerz und bangte zugleich, was sie morgen Herzoginmutter antworten sollte, wenn diese danach fragte. In ihrer Aufregung schalt sie Tante Zhao erneut. Dann tröstete sie Schatzjade und ließ Salbe zum Abschwellen auftragen. Schatzjade sagte: „Es schmerzt ein wenig, aber es ist nicht schlimm. Wenn morgen die alte Großmutter fragt, sagt einfach, ich hätte mich selbst verbrannt." Phönixglanz lachte: „Selbst wenn du sagst, du hättest dich selbst verbrannt, werden die Leute gescholten, warum sie nicht besser aufgepasst haben. Wie auch immer, es gibt ohnehin Ärger — sag morgen, was du willst." Dame König ließ Schatzjade sicher in sein Zimmer zurückbringen. Dufthauch und die anderen erschraken gewaltig, als sie ihn so sahen.

Kajaljade[6] hatte bemerkt, dass Schatzjade den ganzen Tag auswärts war, und langweilte sich ohne Gesprächspartner. Am Abend hatte sie bereits zwei- oder dreimal jemanden herüberschicken lassen, um zu fragen, ob er schon zurück sei. Gerade war er endlich zurück — und da diese Verbrennung! Kajaljade eilte herbei. Als sie Schatzjade sah, der gerade in den Spiegel schaute und seine ganze linke Gesichtshälfte mit Salbe bedeckt hatte, hielt sie es für sehr schlimm und fragte hastig, wie es passiert sei, und wollte nachsehen. Schatzjade bedeckte sein Gesicht, winkte mit der Hand, sie solle hinausgehen, und wollte sie nicht hinsehen lassen — er kannte ihre Empfindlichkeit und wusste, dass sie so etwas nicht ertrug. Kajaljade kannte ihre eigene Eigenart auch und wusste, dass Schatzjade fürchtete, sie würde es ekelhaft finden. Deshalb lachte sie: „Lass mich doch sehen, wo du dich verbrannt hast — was gibt es da zu verbergen?" Damit drängte sie sich heran, nahm seinen Hals in beide Hände und besah sich die Stelle. Sie fragte, ob es sehr schmerze. Schatzjade sagte: „Es schmerzt nicht sehr. In ein, zwei Tagen ist es verheilt." Kajaljade saß eine Weile und ging dann bedrückt in ihr Zimmer zurück. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Tag besuchte Schatzjade Herzoginmutter und behauptete, er habe sich selbst verbrannt. Natürlich schimpfte Herzoginmutter die Dienerschaft trotzdem ordentlich aus.

Einen Tag später kam Schatzjades Patengroßmutter, die Nonne die Daoistin Ma[7], in die Prunkwille-Anwesen, um ihre Aufwartung zu machen. Als sie Schatzjade sah, erschrak sie gewaltig. Nachdem sie erfahren hatte, es sei eine Verbrennung, seufzte sie kopfschüttelnd, malte mit dem Finger ein Zeichen auf Schatzjades Gesicht und murmelte Beschwörungsformeln, dann sagte sie: „Es wird bestimmt besser. Das war nur ein flüchtiges Unglück." Dann wandte sie sich an Herzoginmutter: „Die verehrte Herrin und Bodhisattva weiß es nicht: Die buddhistischen Schriften lehren, dass bei den Söhnen vornehmer Familien, sobald sie geboren werden, viele böse Geister sie heimlich begleiten. Bei der ersten Gelegenheit kneifen sie hier, zwicken dort, werfen bei Tisch die Reisschale um oder geben dem Kind einen Stoß — darum werden viele Kinder großer Häuser nicht erwachsen." Herzoginmutter hörte das und fragte eilig: „Gibt es dafür irgendein Gegenmittel in der buddhistischen Lehre?" die Daoistin Ma erwiderte: „Das ist gar nicht schwer. Man braucht nur gute Werke für das Kind zu tun. Außerdem lehrt die Schrift, dass es im Westen einen großen Bodhisattva des Strahlenden Lichts gibt, der alle dunklen und bösen Geister erleuchtet. Wer ihm fromm opfert, kann Kinder und Enkel auf ewig in Frieden und Ruhe bewahren, frei von Schrecken und Heimsuchung." Herzoginmutter fragte: „Wie bringt man diesem Bodhisattva seine Verehrung dar?" die Daoistin Ma sagte: „Es ist nicht viel — außer Räucherwerk und Kerzen braucht man nur jeden Tag etwas mehr Öl für eine große Meereslampe. Diese Meereslampe ist die leibhaftige Erscheinung des Bodhisattva und darf Tag und Nacht nicht verlöschen." Herzoginmutter fragte: „Wieviel Öl braucht man pro Tag und Nacht? Sag es mir klar, dann will ich dieses gute Werk tun." die Daoistin Ma hörte das und lachte: „Das ist nicht festgelegt — ganz nach dem Herzenswunsch des frommen Spenders. In unserem Tempel stiften mehrere Fürstinnen und Adelige: Die Gemahlin des Nan'an-Fürsten hat das größte Gelübde und gibt achtundvierzig Jin Öl und ein Jin Docht pro Tag — ihre Meereslampe ist kaum kleiner als ein Bottich; die Frau des Jintian-Marquis gibt am Tag vierundzwanzig Jin Öl, was die nächste Stufe ist; und dann gibt es noch einige, die fünf Jin, drei Jin oder auch nur ein Jin geben — alles ist gut. Und arme Leute, die sich das nicht leisten können, auch vier Liang oder ein halbes Jin, selbst das reicht, um für sie zu leuchten." Herzoginmutter hörte das und überlegte. die Daoistin Ma fuhr fort: „Noch etwas: Wenn man für Eltern oder ältere Verwandte stiftet, darf man ruhig mehr geben. Aber wenn es wie jetzt der Fall ist — die Herrin stiftet für Schatzjade —, darf man nicht zu viel geben, sonst könnte der junge Herr das Glück nicht tragen, und es würde ihm schaden. Nicht das Geld zum Fenster hinauswerfen: Höchstens sieben Jin, mindestens fünf Jin, das ist genau richtig." Herzoginmutter sagte: „Gut, dann mach es mit fünf Jin pro Tag, monatlich pauschal zum Abholen." die Daoistin Ma sprach einen „Amitabha, barmherziger Bodhisattva". Herzoginmutter befahl auch noch: „Von nun an, wenn Schatzjade ausgeht, gebt seinen Dienern ein paar Schnüre Münzen mit, damit er unterwegs Mönchen, Daoisten und Bedürftigen etwas schenken kann." Damit wurde das erledigt. die Daoistin Ma saß noch eine Weile, machte dann die Runde durch die verschiedenen Höfe und Zimmer, um überall ihre Aufwartung zu machen.

Schließlich kam sie in Tante Zhaos Zimmer. Die beiden begrüßten einander, und Tante Zhao ließ ein kleines Dienstmädchen Tee bringen. die Daoistin Ma sah einige Stoffreste und Satinstücke auf dem Kang liegen — Tante Zhao war gerade dabei, Schuhe zu bekleben. die Daoistin Ma sagte: „Mir fehlt gerade Schuhstoff. Zhao-Schwester, wenn du ein paar Stücke Satin übrig hast, ganz gleich welche Farbe, gib mir zwei Stücke für Schuhe." Tante Zhao seufzte: „Sieh dich um — ist da noch ein ordentliches Stück dabei? Die guten Stoffe kommen nie zu mir. Was übrig bleibt, liegt alles hier. Wenn du es nicht verschmähst, such dir zwei Stücke aus." die Daoistin Ma tat es tatsächlich, wählte zwei Stücke und steckte sie in den Ärmel.

Tante Zhao fragte: „Neulich habe ich fünfhundert Münzen geschickt, um vor dem Medizinkönig zu opfern — hast du sie bekommen?" die Daoistin Ma sagte: „Längst habe ich für dich geopfert." Tante Zhao seufzte: „Amitabha! Wenn ich nur etwas mehr Mittel hätte, würde ich ständig opfern. Nur habe ich den guten Willen, aber nicht die Kraft." die Daoistin Ma sagte: „Hab nur Geduld. Wenn einmal der kleine Huan groß ist und einen Beamtenposten bekommt — was für gute Werke könntest du dann erst tun!" Tante Zhao schnaubte durch die Nase und sagte: „Ach, lass es sein! Rede nicht mehr davon. So wie es jetzt steht — können wir Mutter und Sohn mit irgendeinem hier mithalten? Da ist Schatzjade, den alle behandeln, als sei ein lebendiger Drache geboren. Er ist ja noch ein Kind, hübsch anzusehen, und die Erwachsenen mögen ihn ein wenig mehr — das ginge noch an. Aber ich kann diese Person dort nicht ausstehen!" Bei diesen Worten streckte sie zwei Finger aus. die Daoistin Ma verstand und fragte: „Meinst du die Zweite Frau Lian?" Tante Zhao erschrak und wedelte hastig mit der Hand, ging zur Tür und hob den Vorhang, um nach draußen zu spähen — niemand war da. Dann kam sie zurück und flüsterte die Daoistin Ma zu: „Um Himmels willen! Wenn man von dieser Person spricht — wenn sie nicht das ganze Familienvermögen zu ihrer Elternfamilie verschafft, will ich kein Mensch mehr sein!"

die Daoistin Ma sondierte vorsichtig: „Das brauche ich dir nicht zu erzählen — alle sehen es. Ich wundere mich nur, dass ihr das auf sich beruhen lasst — recht klug eigentlich." Tante Zhao sagte: „Ach, meine Liebe! Wenn wir es nicht auf sich beruhen ließen — wer würde ihr denn etwas tun können?" die Daoistin Ma schnaubte durch die Nase, schwieg eine halbe Ewigkeit und sagte: „Ich will ja nichts Sündhaftes sagen, aber ihr habt kein Talent! — Natürlich kann man anderen keinen Vorwurf machen. Offen wagt ihr nichts, aber heimlich — da hätte man sie schon längst erledigt, statt bis heute zu warten!" Tante Zhao hörte, dass da Sinn dahinter steckte, und freute sich insgeheim. Sie sagte: „Was meinst du mit heimlich erledigen? Ich hätte durchaus die Absicht dazu, nur fehlt mir eine fähige Person. Wenn du mir ein Mittel verrätst, belohne ich dich reichlich." die Daoistin Ma hörte, dass die Sache zusammenpasste, stellte sich aber absichtlich zögerlich: „Amitabha! Frag mich nicht, ich verstehe von solchen Dingen nichts. Sünde, Sünde!" Tante Zhao sagte: „Jetzt tust du wieder so! Du bist doch immer die Erste, die Bedürftigen hilft. Willst du tatenlos zusehen, wie man uns Mutter und Sohn zugrunde richtet? Fürchtest du etwa, ich würde mich nicht erkenntlich zeigen?" die Daoistin Ma sagte: „Wenn du sagst, ich brächte es nicht übers Herz, euch leiden zu sehen — das geht noch an. Aber von Belohnung brauche ich nichts zu hören. Selbst wenn du mich belohnen wolltest — was hättest du schon, das mich bewegen könnte?" Tante Zhao sagte: „Was für ein kluger Mensch du bist — und jetzt tust du dumm! Wenn dein Trick funktioniert und diese zwei beseitigt sind, gehört das ganze Familienvermögen natürlich meinem Huan. Was könntest du dann nicht haben?" die Daoistin Ma senkte den Kopf, schwieg lange und sagte: „Und wenn die Sache geglückt ist und ich keinen Beweis habe — kümmerst du dich dann noch um mich?" Tante Zhao sagte: „Das ist doch einfach. Zwar habe ich gerade nicht viel in der Hand, aber ich habe ein paar Liang Silber zusammengespart und noch einige Kleidungsstücke und Haarnadeln. Nimm das erst einmal mit. Den Rest schreibe ich dir als Schuldschein — Bürgen wirst du auch finden, und dann zahle ich alles." die Daoistin Ma sagte: „Wirklich?" Tante Zhao sagte: „Wie könnte ich da lügen?" Damit rief sie eine Vertraute Dienstmagd heran, flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr. Die Magd ging hinaus und kam nach einer Weile mit einem Schuldschein über fünfhundert Liang zurück. Tante Zhao drückte ihren Fingerabdruck darauf, ging zum Schrank und holte ihr gesamtes Erspartes heraus, zeigte es die Daoistin Ma und sagte: „Das nimmst du erst einmal mit für Räucherwerk und Opfergaben — ist es recht?" die Daoistin Ma sah das blinkende weiße Silber, dazu den Schuldschein, und ohne lang zu zögern, griff sie gierig nach dem Silber und steckte es ein, nahm dann den Schuldschein. Aus dem Hosenbund kramte sie lange herum und zog schließlich zehn papiergeschnittene Dämonen mit blauen Gesichtern und weißem Haar hervor sowie zwei Papierfiguren. Sie reichte alles Tante Zhao und wisperte: „Schreib auf die zwei Papierfiguren die Geburtsdaten der beiden, dann steck beide Figuren samt den fünf Dämonen jeweils unter ihr Bett — fertig! Ich werde zu Hause den Zauber wirken, und die Wirkung wird sich zeigen. Nur — hab keine Angst!" Gerade hatte sie das gesagt, da kam ein Mädchen von Dame König und suchte: „Ist die Gnädige Frau hier? Die Herrin wartet." Die beiden trennten sich. Davon sei nicht weiter die Rede.

Nun sei erzählt, wie Kajaljade, da Schatzjade in diesen Tagen wegen der Verbrennung nicht ausging, häufig bei ihm vorbeischaute und sie zusammen plauderten. An diesem Tag hatte sie nach dem Essen zwei Seiten in einem Buch gelesen, fühlte sich gelangweilt und stickte dann eine Weile mit Purpurkuckuck und Schneegans, was sie aber auch ermüdete. So lehnte sie sich an den Türrahmen und sah hinaus, betrachtete die neuen Bambussprösslinge am Fuß der Treppe und schlenderte schließlich unwillkürlich aus dem Hoftor. Mit einem Blick in den Garten sah sie niemanden, nur Blumenglanz und Weidenschatten, Vogelgesang und Bachgemurmel. Kajaljade ging ziellos weiter und landete im Yihong-Hof. Dort sah sie einige Dienstmädchen, die Wasser schöpften und auf dem Wandelgang ihre Spottvögel im Bad beobachteten. Drinnen hörte sie Gelächter. Als Kajaljade eintrat, sah sie Seidenweiß Pflaume [李纨], Phönixglanz und Schatzspange, die alle schon hier waren. Als sie sie sahen, lachten alle: „Noch eine dazu!" Kajaljade lachte: „Heute sind alle vollzählig — wer hat die Einladung geschrieben?" Phönixglanz sagte: „Neulich habe ich dir zwei Fläschchen Tee geschickt — wo warst du da?" Kajaljade lachte: „Oh, ganz vergessen, vielen Dank!" Phönixglanz fragte weiter: „Hast du ihn probiert? War er gut?" Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Im Prinzip ganz passabel, nur fand ich ihn nicht besonders gut — ich weiß nicht, wie er anderen schmeckt." Schatzspange sagte: „Der Geschmack ist leicht, nur die Farbe ist etwas blass." Phönixglanz sagte: „Das ist siamesischer Tributtee. Mir schmeckt er auch nicht besonders — nicht so gut wie mein täglicher Tee." Kajaljade sagte: „Mir schmeckt er. Was habt ihr nur für einen Gaumen?" Schatzjade sagte: „Wenn er dir wirklich schmeckt, nimm meinen Anteil dazu." Phönixglanz lachte: „Wenn du ihn magst — ich habe noch welchen." Kajaljade sagte: „Wirklich? Dann schicke ich gleich ein Mädchen, um ihn zu holen." Phönixglanz sagte: „Nicht nötig, ich schicke ihn her. Ich habe morgen sowieso noch etwas von dir zu erbitten und schicke beides zusammen." Kajaljade lachte: „Hört nur! Kaum hat man ein Schlückchen von ihrem Tee getrunken, schon will sie einen kommandieren!" Phönixglanz lachte: „Komm, bitte ich dich, und du redest solches Zeug — Tee hier, Wasser da! Da du schon unseren Tee getrunken hast, warum heiratest du nicht in unsere Familie ein?" Alle lachten.

Kajaljade wurde rot im Gesicht, sagte kein Wort und drehte den Kopf weg. Seidenweiß Pflaume lachte zu Schatzspange gewandt: „Unsere Zweite Schwägerin hat wirklich einen feinen Humor!" Kajaljade sagte: „Was für ein Humor — nichts als freches, gemeines Geschwätz, das einem auf die Nerven geht." Damit spuckte sie einmal aus.

Phönixglanz lachte: „Träum weiter! Wenn du unsere Schwiegertochter wärst — was würde dir fehlen?" Sie zeigte auf Schatzjade: „Sieh ihn dir an — passt die Person nicht? Der Rang nicht? Das Vermögen nicht? In welcher Hinsicht würde er dich beschämen?" Kajaljade stand auf und wollte gehen. Schatzspange rief: „Pin'er, sei nicht beleidigt! Komm zurück und setz dich. Wenn du gehst, ist es erst recht peinlich." Damit stand sie auf und hielt sie fest. Gerade kamen Tante Zhao und die Zhou-Konkubine herein, um nach Schatzjade zu sehen. Seidenweiß Pflaume, Schatzspange und Schatzjade boten beiden einen Platz an. Nur Phönixglanz plauderte weiter mit Kajaljade und würdigte die beiden keines Blickes. Schatzspange wollte gerade etwas sagen, da kam ein Dienstmädchen von Dame König und meldete: „Die Tante ist gekommen — die Gnädigen Frauen und Fräulein werden hinausgebeten." Seidenweiß Pflaume hörte das, rief eilig Phönixglanz und die anderen, und sie gingen davon. Auch Tante Zhao und die Zhou-Konkubine verabschiedeten sich von Schatzjade. Schatzjade sagte: „Ich kann nicht mit hinausgehen. Sagt der Tante bitte, sie möge nicht hereinkommen." Dann sagte er: „Schwester Lin, bleib noch einen Moment, ich möchte dir etwas sagen." Phönixglanz hörte das, wandte sich um und lachte zu Kajaljade: „Da will jemand mit dir reden!" Damit gab sie Kajaljade einen kleinen Schubs nach innen und ging mit Seidenweiß Pflaume davon.

Schatzjade hielt Kajaljade am Ärmel und konnte nur grinsen — er hatte tausend Dinge im Herzen, doch kein Wort kam über seine Lippen. Kajaljade war längst knallrot im Gesicht und wollte sich losreißen. Da schrie Schatzjade plötzlich „Au!" und rief: „Mein Kopf! Was für Kopfschmerzen!" Kajaljade sagte: „Geschieht dir recht! Amitabha!" Plötzlich schrie Schatzjade laut: „Ich sterbe!" Er sprang hoch — sein Körper flog drei oder vier Fuß in die Höhe —, und er brüllte und schrie wirres Zeug. Kajaljade und die Dienstmädchen erschraken zu Tode und liefen, um Dame König, Herzoginmutter und die anderen zu benachrichtigen. Auch Frau Fliederranke König war gerade zu Besuch. Als sie alle herbeieilten, tobte Schatzjade noch schlimmer — er schwang Messer und Stöcke und drohte sich umzubringen. Das ganze Haus stand kopf. Herzoginmutter und Dame König zitterten vor Angst und weinten laut. Da kam auch die Meldung: auch Phönixglanz sei verrückt geworden — mit einem blitzenden Hackmesser stürze sie durch den Garten, schlage auf Hühner, Hunde und Menschen ein. Alle waren außer sich. Die Frau des Zhou Rui eilte mit ein paar kräftigen Mägden herbei, hielt sie fest, entwand ihr das Messer und trug sie zurück in ihr Zimmer. Friedchen[8] und Feng'er weinten bitterlich. Aufrecht Kaufmann und die anderen waren ratlos — kümmerte man sich um die eine Seite, konnte man die andere nicht im Stich lassen.

Alle gerieten in Panik, nur Becken Schnee war noch zehnmal geschäftiger als alle anderen: Er fürchtete, Tante Schnee könnte in der Menge umgestoßen werden; er fürchtete, Schatzspange könnte von fremden Männern angestarrt werden; er fürchtete, Duftkastanie könnte belästigt werden — da er wusste, dass Herrlichkeit Kaufmann[9] und seinesgleichen Liebhaber der Weiblichkeit waren. In all seiner Hektik fiel sein Blick auf Kajaljade, deren anmutige Schönheit ihn auf der Stelle schmelzen ließ.

Man rief Priester, Exorzisten und Schamanen herbei, doch nichts half. Tage und Nächte vergingen; Schatzjade und Phönixglanz lagen im Fieberwahn auf dem Bett, am ganzen Körper glühend wie Kohlen, und redeten nichts als Irrsinn. Nachts wagte sich niemand in ihre Nähe. Man brachte beide in Dame Königs oberes Zimmer; nachts hielten Efeu Kaufmann und die Diener abwechselnd Wache. Herzoginmutter, Dame König, Frau Strafe und Tante Schnee wichen nicht von der Seite und weinten nur.

Begnadigung Kaufmann [贾赦] und Aufrecht Kaufmann fürchteten, Herzoginmutter könnte sich krank weinen. Tag und Nacht brannten die Lichter, und das ganze Haus war in Aufruhr. Begnadigung Kaufmann suchte überall nach Mönchen und Daoisten. Aufrecht Kaufmann, der keine Wirkung sah, war zutiefst bekümmert und wandte sich an Begnadigung Kaufmann: „Die Zahl der Kinder ist vom Himmel bestimmt und nicht durch Menschenhand zu erzwingen. Ihre Krankheit kam unerwartet, und hunderterlei Behandlungen blieben ohne Erfolg. Wenn es der Wille des Himmels ist, müssen wir sie lassen." Begnadigung Kaufmann hörte gar nicht hin und trieb seine Bemühungen weiter. Drei Tage vergingen so. Phönixglanz und Schatzjade lagen auf dem Bett, und selbst der Atem wurde schwächer. Die ganze Familie war in Panik, man hielt sie für verloren und bereitete bereits Totenkleider und Grabbeigaben vor. Herzoginmutter, Dame König, Kette Kaufmann, Friedchen und Dufthauch weinten Tag und Nacht und vergaßen Essen und Schlaf. Tante Zhao und Unheil Kaufmann dagegen frohlockten insgeheim.

Am vierten Morgen, als Herzoginmutter und die anderen gerade weinend um Schatzjade standen, öffnete Schatzjade plötzlich die Augen und sagte: „Von heute an gehöre ich nicht mehr zu eurer Familie! Macht mich fertig und lasst mich gehen!" Herzoginmutter war, als risse man ihr das Herz heraus. Tante Zhao trat an ihre Seite und sagte beschwichtigend: „Die Alte Großmutter braucht sich nicht so zu grämen. Der junge Herr ist nicht mehr zu retten — ziehen wir ihm besser die Totenkleider an, damit er früher hinübergehen kann, das erspart ihm auch das Leiden. Wenn man ihn nicht loslässt und dieser letzte Atem nicht aufhört, leidet er auch drüben." Kaum hatte sie das gesagt, da spuckte Herzoginmutter ihr mitten ins Gesicht und schimpfte: „Was für eine faulzüngige Schandvettel! Wer hat dich gebeten, hier deinen Senf dazuzugeben! Woher willst du wissen, dass er drüben leidet? Woher willst du wissen, dass er nicht mehr zu retten ist? Du wünschst dir seinen Tod — was hättest du davon? Träum weiter! Wenn er stirbt, fordere ich von euch sein Leben! Seid ihr es nicht gewesen, die ihn ständig zum Schreiben und Lernen gehetzt haben, bis ihm der Mut gebrochen war, und er vor seinem Vater wie ein Mäuschen vor der Katze zittert? Seid ihr es nicht, ihr verdorbenen Weiber, die das angestiftet haben? Jetzt, wo ihr ihn in den Tod getrieben habt, seid ihr zufrieden — aber ich verschone keine von euch!" Dabei schimpfte und weinte sie. Aufrecht Kaufmann hörte das nebenan, und es schnitt ihm noch tiefer ins Herz. Er wies Tante Zhao zurecht und versuchte selbst, die Mutter zu trösten. Da kam jemand und meldete: „Die beiden Särge sind fertig, der Herr möge hinauskommen und sie prüfen." Herzoginmutter hörte das, als gieße man Öl ins Feuer, und rief: „Wer hat die Särge bestellt?" In einem fort schrie sie: „Holt den Sargmacher her und schlagt ihn tot!"

Gerade als alles drunter und drüber ging, hörte man plötzlich aus der Ferne den Klang eines Holzfisches und eine Stimme, die psalmodierte: „Namo, Bodhisattva der Entsühnung! Wo Menschen krank und Häuser in Aufruhr, wo Gefahr droht oder böse Geister hausen — wir können heilen und helfen!" Herzoginmutter und Dame König hielten es nicht mehr aus und ließen sie sofort hereinbitten. Aufrecht Kaufmann war zwar nicht begeistert, doch wie konnte er Herzoginmutters Wort widersprechen? Es kam ihm auch seltsam vor, dass man sie in solcher Tiefe des Hauses so deutlich hören konnte. Er ließ sie hereinbitten. Alle sahen sich um — es waren ein Mönch mit einem kahlgeschorenen, aussätzigen Kopf und ein Daoist mit einem lahmen Fuß.

Der Mönch sah so aus:

Nase wie hängende Galle, Brauen überlang, Augen wie strahlende Sterne, Schatzesglanz, Flickenkutte, Strohsandalen, ohne Spur, Schmutzig und zerlumpt, den Grind am Schädel nur.

Und der Daoist:

Ein Fuß hoch, ein Fuß tief, Am ganzen Leib durchnässt und voller Schmutz. Fragst du ihn, wo sein Zuhause liegt: Im Penglai-Land, am Schwachen Wasser weit.

Aufrecht Kaufmann fragte: „In welchem Tempel praktiziert ihr beide?" Der Mönch lachte: „Der Herr brauche nicht viele Worte. Da wir hörten, dass in Eurem Hause die Menschen krank sind, kamen wir eigens, um zu helfen." Aufrecht Kaufmann fragte: „Tatsächlich sind zwei Personen von bösen Geistern befallen. Habt ihr Zauberwasser oder Talismane?" Der Daoist lachte: „In Eurem Hause befindet sich bereits ein Schatz von weltweiter Seltenheit — warum fragt Ihr da noch nach unseren Zaubermitteln?" Aufrecht Kaufmann wurde hellhörig und sagte: „Mein Sohn kam zwar mit einem Jadestück zur Welt, auf dem steht, es könne böse Geister vertreiben, doch es hat offenbar keine Wirkung." Der Mönch sagte: „Ihr wisst nicht um die wunderbare Kraft dieses Gegenstands. Nur weil er jetzt von Sinnesfreuden und Habgier betäubt ist, wirkt er nicht mehr. Gebt ihn uns heraus, wir werden Gebete über ihn sprechen — dann wird er wohl wirken."

Aufrecht Kaufmann nahm den Jadestein von Schatzjades Hals und reichte ihn den beiden. Der Mönch nahm ihn in die Hand, hielt ihn auf der Handfläche und seufzte tief: „Seit dem Abschied am Gipfel des Grünen Kamms sind dreizehn Jahre vergangen! Wie rasch eilt die irdische Zeit, der Staub des Schicksals füllt die Tage, als seien sie ein Fingerschnipp! Wie beneidenswert waren deine Tugenden einst:

Nicht gebunden an den Himmel, nicht an die Erde, Im Herzen weder Freud noch Leid und keine Beschwerde; Doch seit der Läuterung zum geistdurchdrungenen Stein Suchst du im Menschenreich den Streit und den Schein.

Wie beklagenswert ist nun dein Los:

Puderflecken, Schminkespuren trüben deinen Schatzesglanz, In der seidenen Kammer Tag und Nacht gefangen ganz. Aus dem tiefen Rausch erwacht man einst gewiss, Sind die Schulden aufgewogen, folgt die Trennung, kein Vermiss."

Damit rieb er das Jadestück noch einmal, sprach einige rätselhafte Worte und gab es Aufrecht Kaufmann zurück mit den Worten: „Dieses Ding hat seine Kraft wiedererlangt. Man darf es nicht entweihen. Hängt es an den Türsturz des Schlafgemachs, bringt die beiden Kranken in dasselbe Zimmer, und außer leiblicher Mutter und Ehefrau darf keine fremde Person sie berühren. In dreiunddreißig Tagen werden sie genesen und sein wie zuvor." Kaum gesagt, wandte er sich um und ging. Aufrecht Kaufmann wollte sie noch zum Tee bitten und ihnen Geschenke geben, doch die beiden waren bereits verschwunden. Herzoginmutter schickte noch Leute hinterher, doch von ihnen war keine Spur zu finden. Man musste ihren Worten folgen und brachte die beiden Kranken in Dame Königs Schlafzimmer unter und hängte den Jadestein an die Tür. Dame König wachte persönlich und ließ niemand anderen herein.

Am Abend begannen die beiden tatsächlich allmählich aufzuwachen und klagten über Hunger. Herzoginmutter und Dame König freuten sich wie über einen wiedergefundenen Schatz. Man kochte sogleich Reisbrühe, die beide tranken. Ihre Lebensgeister kehrten langsam zurück, die bösen Geister wichen. Die ganze Familie atmete auf. Seidenweiß Pflaume, die drei Schwestern des Hauses, Schatzspange, Kajaljade, Friedchen, Dufthauch und die anderen warteten im Vorzimmer auf Nachricht. Als sie hörten, dass die Kranken Reisbrühe getrunken hatten und bei Sinnen waren, sprach Kajaljade als Erste ein „Amitabha". Schatzspange wandte den Kopf und sah sie lange an, dann kicherte sie. Niemand verstand warum. Bedauerfrühling fragte: „Schwester Bao, warum lachst du?" Schatzspange lachte: „Ich lache über den Buddha Amitabha — er hat so viel zu tun! Einerseits muss er Sutren lehren und das Dharma verkünden und alle Wesen erlösen; dann, weil Schatzjade und Schwester Phönixglanz krank waren, muss er Räucherwerk empfangen und Gelübde einlösen, Segen spenden und Unheil abwenden; und jetzt, da sie kaum ein wenig besser sind, muss er sich auch noch um Schwester Lins Heirat kümmern! Ist das nicht zum Lachen?" Kajaljade wurde rot, spuckte aus und sagte: „Ihr seid alle verdorben! Ihr wisst nicht, wie ihr sterben werdet! Statt von guten Menschen zu lernen, lernt ihr nur von diesen Klatschmäulern mit ihren giftigen Zungen!" Dabei rauschte sie empört durch den Vorhang hinaus.

Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel.

  1. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz".
  2. Chin. 袭人 Xírén, „die Überraschende".
  3. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, Matriarchin der Kaufmann-Familie.
  4. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Strahlender Phönix".
  5. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz-Haarspange".
  6. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal-Jade".
  7. Chin. 马道婆 Mǎ Dàopó. 道婆 dàopó „taoistische Wandernonne“ — in Wahrheit eine Hexe und Betrügerin.
  8. Chin. 平儿 Píng'ér, Phönixglanz' Kammerzofe.
  9. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Stillfriede-Anwesenes.