Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 43"
(DE4 (Woesler 4. Aufl.): Kapitel 43 mit Navigation und Fussnoten) |
(DE4 Korrektur-Update Kap. 43) |
||
| (One intermediate revision by the same user not shown) | |||
| Line 1: | Line 1: | ||
| − | + | Kapitel 43 | |
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | + | In dem man aus Vergnügen Geld zusammenlegt, um einen Geburtstag zu feiern, | |
| − | + | und unerfüllte Liebe dazu führt, eine Handvoll Erde als Räucherwerk darzubringen | |
| − | |||
| − | + | --- | |
| − | + | Dame König [王夫人]<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, wörtl. „Dame König". Schatzjades Mutter.</ref> hatte erfahren, dass die Herzoginmutter [贾母]<ref>Chin. 贾母 Jiǎmǔ, wörtl. „Mutter Kaufmann". Oberhaupt der Familie, auch „Alte Herrin" genannt.</ref> sich an jenem Tag im Garten der Großen Anschauung nur ein wenig erkältet hatte und keineswegs ernsthaft krank war. Nachdem man den Arzt gerufen hatte und sie zwei Dosen Medizin eingenommen hatte, war sie bereits wieder genesen. Beruhigt ließ Dame König nun Phönixglanz [王熙凤]<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Glänzender Phönix aus dem Hause Wang". Haushälterin der Familie Kaufmann.</ref> zu sich kommen, um mit ihr zu besprechen, was alles für Aufrecht Kaufmann [贾政]<ref>Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann/Gerecht". Schatzjades strenger Vater.</ref> vorbereitet und ihm zugeschickt werden sollte. Gerade berieten sie miteinander, als eine Botin der Herzoginmutter erschien und sie zu sich bat. Eilig begab sich Dame König mit Phönixglanz hinüber. Dame König erkundigte sich: „Geht es Euch inzwischen wieder besser?" | |
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | Dame | ||
Die Herzoginmutter erwiderte: „Heute fühle ich mich schon viel wohler. Von der Fasanenkükensuppe, die ihr mir vorhin geschickt habt, habe ich probiert – sie ist wirklich wohlschmeckend. Auch zwei Stück Fleisch habe ich gegessen, und das hat mir sehr gut getan." | Die Herzoginmutter erwiderte: „Heute fühle ich mich schon viel wohler. Von der Fasanenkükensuppe, die ihr mir vorhin geschickt habt, habe ich probiert – sie ist wirklich wohlschmeckend. Auch zwei Stück Fleisch habe ich gegessen, und das hat mir sehr gut getan." | ||
| − | Dame | + | Dame König sagte lächelnd: „Das war ein Geschenk von Phönixglanz für die alte gnädige Frau. Es zeigt ihre aufrichtige kindliche Ehrerbietung und beweist, dass Eure beständige Zuneigung zu ihr nicht vergeudet ist." |
Die Herzoginmutter nickte lächelnd und sagte: „Es ist rührend, dass sie daran gedacht hat. Wenn noch rohes Fasanenfleisch da ist, soll man noch ein paar Stückchen in heißem Fett knusprig backen. Leicht gesalzen schmecken sie herrlich zur Reissuppe. Die Brühe war zwar gut, aber zu einer dünnen Reissuppe passt sie nicht." | Die Herzoginmutter nickte lächelnd und sagte: „Es ist rührend, dass sie daran gedacht hat. Wenn noch rohes Fasanenfleisch da ist, soll man noch ein paar Stückchen in heißem Fett knusprig backen. Leicht gesalzen schmecken sie herrlich zur Reissuppe. Die Brühe war zwar gut, aber zu einer dünnen Reissuppe passt sie nicht." | ||
| Line 24: | Line 16: | ||
Phönixglanz bejahte sogleich und schickte jemanden in die Küche, um den Auftrag weiterzugeben. | Phönixglanz bejahte sogleich und schickte jemanden in die Küche, um den Auftrag weiterzugeben. | ||
| − | Nun sagte die Herzoginmutter lächelnd zu Dame | + | Nun sagte die Herzoginmutter lächelnd zu Dame König: „Ich habe dich nicht ohne Grund herbitten lassen. Am Zweiten hat die junge Phönix Geburtstag. In den letzten beiden Jahren wollte ich schon eine Geburtstagsfeier für sie ausrichten, aber jedes Mal kam kurz vorher etwas Wichtiges dazwischen, und die Sache verlief im Sand. Dieses Jahr sind alle beisammen, und es dürfte wohl auch nichts dazwischenkommen. Da sollten wir uns alle gemeinsam einen recht vergnügten Tag machen!" |
| − | Dame | + | Dame König erwiderte lächelnd: „Daran habe auch ich schon gedacht. Wenn die alte gnädige Frau so fröhlich ist – warum beschließen wir es nicht gleich?" |
Die Herzoginmutter fuhr lächelnd fort: „In den vergangenen Jahren hat jeder, ganz gleich wessen Geburtstag es war, immer einzeln sein Geschenk überreicht. Das ist einerseits sehr gewöhnlich, andererseits wirkt es, als stünde man sich nicht besonders nah. Diesmal möchte ich etwas Neues vorschlagen, das sowohl Zusammengehörigkeit beweist als auch Heiterkeit verspricht." | Die Herzoginmutter fuhr lächelnd fort: „In den vergangenen Jahren hat jeder, ganz gleich wessen Geburtstag es war, immer einzeln sein Geschenk überreicht. Das ist einerseits sehr gewöhnlich, andererseits wirkt es, als stünde man sich nicht besonders nah. Diesmal möchte ich etwas Neues vorschlagen, das sowohl Zusammengehörigkeit beweist als auch Heiterkeit verspricht." | ||
| − | Dame | + | Dame König beeilte sich zu versichern: „Wie immer Ihr es für richtig haltet, so soll es geschehen!" |
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Ich finde, wir sollten es den einfachen Leuten nachmachen – jeder steuert einen Beitrag bei, und was zusammenkommt, wird für das Fest verwendet. Was meint ihr, wäre das nicht amüsant?" | Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Ich finde, wir sollten es den einfachen Leuten nachmachen – jeder steuert einen Beitrag bei, und was zusammenkommt, wird für das Fest verwendet. Was meint ihr, wäre das nicht amüsant?" | ||
| − | Dame | + | Dame König erwiderte lächelnd: „Das ist eine vortreffliche Idee! Nur wüsste ich gern, wie die Beiträge eingezogen werden sollen." |
| − | Bei diesen Worten geriet die Herzoginmutter in noch freudigere Stimmung. Sogleich schickte sie Boten aus, um Tante Schnee [薛姨妈] und Dame | + | Bei diesen Worten geriet die Herzoginmutter in noch freudigere Stimmung. Sogleich schickte sie Boten aus, um Tante Schnee [薛姨妈]<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Xue/Schnee". Mutter von Schatzspange.</ref> und Dame Strafe [邢夫人]<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, wörtl. „Dame Strafe". Ehefrau von Zwielicht Kaufmann (贾赦).</ref> einzuladen, ließ außerdem die Mädchen und Schatzjade [贾宝玉]<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann Jade". Hauptfigur des Romans.</ref> rufen sowie aus dem Ning-Guo-Anwesen Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit". Oberhaupt des Osthauses der Familie Kaufmann.</ref>s [贾珍] Frau, ferner die Frau von Lai Da und andere angesehene Verwalterinnen mit Rang und Ansehen. |
| − | Als die Dienstmädchen und Bediensteten sahen, wie prächtig die Herzoginmutter gelaunt war, wurden auch sie fröhlich. Eilig schwärmten sie nach allen Seiten aus, die einen um Einladungen zu überbringen, die anderen um Befehle weiterzugeben. In weniger Zeit, als man braucht, um eine Schale Reis zu essen, hatte sich jung und alt, hoch und niedrig versammelt, und das Zimmer war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur Tante Schnee saß der Herzoginmutter gegenüber. Dame | + | Als die Dienstmädchen und Bediensteten sahen, wie prächtig die Herzoginmutter gelaunt war, wurden auch sie fröhlich. Eilig schwärmten sie nach allen Seiten aus, die einen um Einladungen zu überbringen, die anderen um Befehle weiterzugeben. In weniger Zeit, als man braucht, um eine Schale Reis zu essen, hatte sich jung und alt, hoch und niedrig versammelt, und das Zimmer war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur Tante Schnee saß der Herzoginmutter gegenüber. Dame Strafe und Dame König hatten auf zwei Stühlen unmittelbar an der Tür Platz genommen. Schatzspange [薛宝钗]<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Xue Kostbare Haarspange". Schatzjades spätere Ehefrau.</ref> und die anderen Mädchen, fünf oder sechs an der Zahl, saßen auf dem Kang [Anm.: dem heizbaren Ruhebett]. Schatzjade schmiegte sich an die Herzoginmutter. Alle übrigen standen dicht gedrängt im Raum. |
| − | Rasch befahl die Herzoginmutter, ein paar kleine Hocker zu bringen, damit Lai Das Mutter und einige andere betagte und angesehene alte Ammen sich setzen konnten. Im Hause Kaufmann herrschte nämlich die Sitte, dass alte Bedienstete, die schon der Elterngeneration gedient hatten, noch mehr Achtung genossen als die jungen Herrschaften. Darum blieben | + | Rasch befahl die Herzoginmutter, ein paar kleine Hocker zu bringen, damit Lai Das Mutter und einige andere betagte und angesehene alte Ammen sich setzen konnten. Im Hause Kaufmann herrschte nämlich die Sitte, dass alte Bedienstete, die schon der Elterngeneration gedient hatten, noch mehr Achtung genossen als die jungen Herrschaften. Darum blieben Dame Sonders [尤氏] und Phönixglanz ohne Weiteres stehen, während sich Lai Das Mutter und drei oder vier weitere alte Ammen mit einem Wort der Entschuldigung auf die Hocker niederließen. |
Die Herzoginmutter trug nun lächelnd alles vor, was eben besprochen worden war. Es gab niemanden unter den Anwesenden, der sich an dem Spaß nicht hätte beteiligen wollen. Die einen standen Phönixglanz nahe und taten es gern aus Zuneigung, die anderen fürchteten sie und waren froh, sich bei ihr einschmeicheln zu können. Und da es sich alle leisten konnten, erklärten sich sämtliche Anwesenden freudig einverstanden, kaum dass der Vorschlag gemacht war. | Die Herzoginmutter trug nun lächelnd alles vor, was eben besprochen worden war. Es gab niemanden unter den Anwesenden, der sich an dem Spaß nicht hätte beteiligen wollen. Die einen standen Phönixglanz nahe und taten es gern aus Zuneigung, die anderen fürchteten sie und waren froh, sich bei ihr einschmeicheln zu können. Und da es sich alle leisten konnten, erklärten sich sämtliche Anwesenden freudig einverstanden, kaum dass der Vorschlag gemacht war. | ||
| Line 48: | Line 40: | ||
Tante Schnee sagte lächelnd: „Ich schließe mich der alten gnädigen Frau an – ebenfalls zwanzig Liang." | Tante Schnee sagte lächelnd: „Ich schließe mich der alten gnädigen Frau an – ebenfalls zwanzig Liang." | ||
| − | Dame | + | Dame Strafe und Dame König sagten lächelnd: „Wir wagen es nicht, uns der alten gnädigen Frau gleichzustellen, und stehen natürlich eine Stufe niedriger. Sechzehn Liang von jeder von uns." |
| − | + | Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume [李纨] sagten ebenfalls lächelnd: „Wir stehen wiederum eine Stufe niedriger – je zwölf Liang." | |
| − | Sogleich wandte sich die Herzoginmutter an | + | Sogleich wandte sich die Herzoginmutter an Seidenweiß Pflaume: „Du bist Witwe ohne eigenen Hausstand. Wie könnten wir solches Geld von dir verlangen! Ich zahle deinen Anteil." |
| − | Phönixglanz mischte sich sofort lächelnd ein: „Alte gnädige Frau, lasst Euch nicht von der Begeisterung fortreißen, sondern rechnet erst einmal nach, ehe Ihr solche Zusagen macht! Auf Eurem Konto stehen ohnehin schon zwei Anteile, und nun wollt Ihr auch noch zwölf Liang für die Schwägerin übernehmen. In diesem Augenblick sagt Ihr es mit frohem Herzen, aber ein Weilchen später bereut Ihr es schon. Und am Ende heißt es: 'Das ist alles nur wegen dieser Phönix!' Dann denkt Ihr Euch irgendeinen | + | Phönixglanz mischte sich sofort lächelnd ein: „Alte gnädige Frau, lasst Euch nicht von der Begeisterung fortreißen, sondern rechnet erst einmal nach, ehe Ihr solche Zusagen macht! Auf Eurem Konto stehen ohnehin schon zwei Anteile, und nun wollt Ihr auch noch zwölf Liang für die Schwägerin übernehmen. In diesem Augenblick sagt Ihr es mit frohem Herzen, aber ein Weilchen später bereut Ihr es schon. Und am Ende heißt es: 'Das ist alles nur wegen dieser Phönix!' Dann denkt Ihr Euch irgendeinen schlaün Trick aus und sorgt dafür, dass ich sang- und klanglos das Drei- oder Vierfache eines Anteils aus eigener Tasche drauflege, und dabei bilde ich mir auch noch etwas darauf ein!" |
Alle lachten. Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Und was schlägst du vor?" | Alle lachten. Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Und was schlägst du vor?" | ||
| Line 60: | Line 52: | ||
Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Mein Geburtstag ist noch gar nicht da, und schon bin ich mit so viel Ehre beschenkt, dass es mir nicht mehr wohl dabei ist. Ich kann nicht einen einzigen Kupfer beisteuern und bringe damit so viele Leute in Aufregung – das ist mir wirklich unangenehm. Am besten übernehme ich den Anteil der Schwägerin. Und wenn dann der Tag gekommen ist, esse ich dafür etwas mehr. Das wäre für mich das größte Glück." | Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Mein Geburtstag ist noch gar nicht da, und schon bin ich mit so viel Ehre beschenkt, dass es mir nicht mehr wohl dabei ist. Ich kann nicht einen einzigen Kupfer beisteuern und bringe damit so viele Leute in Aufregung – das ist mir wirklich unangenehm. Am besten übernehme ich den Anteil der Schwägerin. Und wenn dann der Tag gekommen ist, esse ich dafür etwas mehr. Das wäre für mich das größte Glück." | ||
| − | Dame | + | Dame Strafe und die anderen sagten: „So ist es nur recht." Daraufhin lenkte die Herzoginmutter ein. |
| − | Phönixglanz aber fuhr lächelnd fort: „Ich habe noch etwas zu sagen. Es scheint mir so, dass die alte Ahne selbst zwanzig Liang gibt und dazu noch die Anteile für Schwester Kajaljade<ref> | + | Phönixglanz aber fuhr lächelnd fort: „Ich habe noch etwas zu sagen. Es scheint mir so, dass die alte Ahne selbst zwanzig Liang gibt und dazu noch die Anteile für Schwester Kajaljade [林黛玉]<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald-Kajaljade". Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.</ref> und Bruder Schatzjade [贾宝玉] übernimmt. Die Frau Tante gibt ebenfalls zwanzig Liang und übernimmt dazu den Anteil für Schwester Schatzspange – das ist ganz gerecht. Wenn aber die beiden gnädigen Frauen jeweils nur sechzehn Liang geben und für niemanden sonst aufkommen, dann ist das weniger gerecht. Dann ist die alte Ahne übervorteilt!" |
| − | Die Herzoginmutter sagte sogleich lächelnd: „Meine Phönix steht auf meiner Seite! Was sie sagt, ist vollkommen richtig. Ohne sie hätte man mich wieder einmal übers Ohr | + | Die Herzoginmutter sagte sogleich lächelnd: „Meine Phönix steht auf meiner Seite! Was sie sagt, ist vollkommen richtig. Ohne sie hätte man mich wieder einmal übers Ohr gehaün." |
Phönixglanz schlug lächelnd vor: „Alte Ahne, Ihr müsst die beiden Kinder den zwei gnädigen Frauen zuteilen, je eines einer, und sie den Anteil übernehmen lassen, ob viel oder wenig." | Phönixglanz schlug lächelnd vor: „Alte Ahne, Ihr müsst die beiden Kinder den zwei gnädigen Frauen zuteilen, je eines einer, und sie den Anteil übernehmen lassen, ob viel oder wenig." | ||
| Line 80: | Line 72: | ||
Als die alten Ammen das hörten, sagten sie rasch: „Jawohl!" | Als die alten Ammen das hörten, sagten sie rasch: „Jawohl!" | ||
| − | Die Herzoginmutter fuhr fort: „Die Fräulein brauchen nur ihre gute Gesinnung zu zeigen – jede spendet ein Monatsgeld, das genügt." Dann wandte sie sich um und rief Mandarinenente<ref> | + | Die Herzoginmutter fuhr fort: „Die Fräulein brauchen nur ihre gute Gesinnung zu zeigen – jede spendet ein Monatsgeld, das genügt." Dann wandte sie sich um und rief Mandarinenente [鸳鸯]<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Treue Leibdienerin der Herzoginmutter.</ref> herbei: „Auch ihr solltet euch zu einigen zusammentun und beraten, was ihr beitragen könnt." |
| − | Mandarinenente sagte: „Jawohl!" und kam kurze Zeit später mit Friedchen [平儿], Dufthauch<ref> | + | Mandarinenente sagte: „Jawohl!" und kam kurze Zeit später mit Friedchen [平儿]<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' treue Kammerzofe.</ref>, Dufthauch [袭人]<ref>Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die Angreifende/Überraschende" (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an"). Schatzjades erste Kammerzofe.</ref>, Buntwolke [彩霞] und einigen kleineren Dienstmädchen zurück. Manche von ihnen wollten zwei Liang geben, andere ein Liang. |
Die Herzoginmutter fragte Friedchen: „Willst du denn deiner Herrin kein eigenes Geburtstagsgeschenk machen? Warum bist du hier mit dabei?" | Die Herzoginmutter fragte Friedchen: „Willst du denn deiner Herrin kein eigenes Geburtstagsgeschenk machen? Warum bist du hier mit dabei?" | ||
| Line 98: | Line 90: | ||
Die Herzoginmutter sagte erfreut: „Bringt Schreibpinsel und Tuschstein her und rechnet aus, wie viel das insgesamt ergibt!" | Die Herzoginmutter sagte erfreut: „Bringt Schreibpinsel und Tuschstein her und rechnet aus, wie viel das insgesamt ergibt!" | ||
| − | Unterdessen schalt | + | Unterdessen schalt Dame Sonders leise Phönixglanz: „Du unersättliches Spitzbein! So viele Tanten und Mütterchen legen ihr Silber zusammen, um dir den Geburtstag auszurichten, und dir ist das immer noch nicht genug. Musst du auch noch diese zwei armen Bitterkürbisse mit hineinziehen?" |
Phönixglanz erwiderte ebenso leise und lächelnd: „Red keinen Unsinn! Warte nur, bis wir hier draußen sind, dann rechne ich mit dir ab! Warum sollen die beiden denn arm sein? Wenn sie Geld haben, stecken sie es nur anderen zu. Da ist es besser, wir nehmen es uns und machen uns einen vergnügten Tag damit." | Phönixglanz erwiderte ebenso leise und lächelnd: „Red keinen Unsinn! Warte nur, bis wir hier draußen sind, dann rechne ich mit dir ab! Warum sollen die beiden denn arm sein? Wenn sie Geld haben, stecken sie es nur anderen zu. Da ist es besser, wir nehmen es uns und machen uns einen vergnügten Tag damit." | ||
| Line 106: | Line 98: | ||
Die Herzoginmutter sagte: „Für einen einzigen Tag Theater und Wein wird das nicht aufzubrauchen sein." | Die Herzoginmutter sagte: „Für einen einzigen Tag Theater und Wein wird das nicht aufzubrauchen sein." | ||
| − | + | Dame Sonders erwiderte: „Da wir keine Gäste einladen und nicht viele Festtafeln brauchen, reicht das Geld für zwei oder drei Tage. Vor allem kostet uns die Theateraufführung nichts – das sparen wir ein." | |
Die Herzoginmutter sagte: „Phönix soll sagen, welche Truppe sie mag, und die lassen wir kommen." | Die Herzoginmutter sagte: „Phönix soll sagen, welche Truppe sie mag, und die lassen wir kommen." | ||
| Line 114: | Line 106: | ||
Die Herzoginmutter entschied: „Die ganze Angelegenheit übergebe ich Juwels Frau. Phönix soll sich nicht im Geringsten darum kümmern müssen und den Tag einfach genießen. Erst dann ist es ein richtiger Geburtstag." | Die Herzoginmutter entschied: „Die ganze Angelegenheit übergebe ich Juwels Frau. Phönix soll sich nicht im Geringsten darum kümmern müssen und den Tag einfach genießen. Erst dann ist es ein richtiger Geburtstag." | ||
| − | + | Dame Sonders sagte: „Jawohl!" Man plauderte noch eine Weile, und als alle merkten, dass die Herzoginmutter müde wurde, gingen sie nach und nach fort. | |
| − | + | Dame Sonders begleitete Dame Strafe und Dame König hinaus, dann begab sie sich zu Phönixglanz, um mit ihr zu besprechen, wie die Feier gestaltet werden sollte. | |
Phönixglanz sagte: „Mich brauchst du gar nicht zu fragen. Richte dich ganz nach dem, was der alten gnädigen Frau gefällt, und damit basta." | Phönixglanz sagte: „Mich brauchst du gar nicht zu fragen. Richte dich ganz nach dem, was der alten gnädigen Frau gefällt, und damit basta." | ||
| − | + | Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Du Biest hast aber auch wirklich unverschämtes Glück! Ich hatte mich schon gefragt, warum wir alle herübergerufen wurden, und dann ging es einzig und allein um diese Sache. Nicht genug, dass ich Geld beisteuern muss, soll ich auch noch die ganze Mühe auf mich nehmen. Wie willst du dich bei mir bedanken?" | |
Phönixglanz wies sie lächelnd zurecht: „Rede keinen Unsinn! Habe etwa ich dich hergerufen? Warum also sollte ich mich bedanken? Wenn dir die Mühe zu viel ist, geh zur alten gnädigen Frau und bitte sie, jemand anderen zu beauftragen – das ist alles." | Phönixglanz wies sie lächelnd zurecht: „Rede keinen Unsinn! Habe etwa ich dich hergerufen? Warum also sollte ich mich bedanken? Wenn dir die Mühe zu viel ist, geh zur alten gnädigen Frau und bitte sie, jemand anderen zu beauftragen – das ist alles." | ||
| − | + | Dame Sonders entgegnete lächelnd: „Sieh einer an, wie sie sich aufbläht! Rate ich dir, halt dich ein wenig zurück. Wenn der Krug zu voll ist, läuft er über." | |
Nachdem die beiden noch ein Weilchen miteinander geredet hatten, gingen auch sie auseinander. | Nachdem die beiden noch ein Weilchen miteinander geredet hatten, gingen auch sie auseinander. | ||
| − | Am nächsten Tag wurde das Silber ins Ning-Guo-Anwesen gebracht, als | + | Am nächsten Tag wurde das Silber ins Ning-Guo-Anwesen gebracht, als Dame Sonders gerade erst aufgestanden war und sich frisierte und wusch. Sie fragte, wer es gebracht habe. Die Dienstmädchen antworteten: „Tante Lin." |
| − | + | Dame Sonders befahl, sie hereinzurufen. Das Mädchen ging in die Dienstbotenstube und holte die Frau von Lin Zhixiao [林之孝] herüber. Dame Sonders ließ sie auf einer Fußbank Platz nehmen, fuhr eifrig mit ihrer Toilette fort und fragte dabei: „Wie viel Silber ist in dem Päckchen?" | |
Die Frau von Lin Zhixiao berichtete: „Dies ist nur das Silber, das wir vom Personal zusammengelegt haben. Die Beiträge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frauen sind noch nicht dabei." | Die Frau von Lin Zhixiao berichtete: „Dies ist nur das Silber, das wir vom Personal zusammengelegt haben. Die Beiträge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frauen sind noch nicht dabei." | ||
| Line 136: | Line 128: | ||
Eben sagte sie das, als die Dienstmädchen meldeten: „Die gnädige Frau und die gnädige Frau Tante aus dem Rong-Guo-Anwesen haben Boten mit ihren Beiträgen geschickt." | Eben sagte sie das, als die Dienstmädchen meldeten: „Die gnädige Frau und die gnädige Frau Tante aus dem Rong-Guo-Anwesen haben Boten mit ihren Beiträgen geschickt." | ||
| − | + | Dame Sonders schalt die Mädchen lachend: „Ihr kleinen Spitzbeine merkt euch auch nur die unwichtigen Dinge! Gestern war die alte gnädige Frau bei guter Laune und hat zum Spaß gesagt, wir sollten es den kleinen Leuten nachmachen und Silber zusammenlegen. Das habt ihr euch gemerkt und nehmt es nun für bare Münze. Lasst das Silber schnell hereinbringen, bewirtet die Botinnen mit Tee und schickt sie dann zurück!" | |
Die Mädchen sagten eilig: „Jawohl!" und brachten zwei Päckchen herein, in denen auch die Beiträge für Schatzspange und Kajaljade enthalten waren. | Die Mädchen sagten eilig: „Jawohl!" und brachten zwei Päckchen herein, in denen auch die Beiträge für Schatzspange und Kajaljade enthalten waren. | ||
| − | + | Dame Sonders fragte: „Wessen Anteile fehlen noch?" | |
Die Frau von Lin Zhixiao gab Auskunft: „Es fehlen die Beiträge der alten gnädigen Frau, der gnädigen Frauen, der Fräulein und die der Dienstmädchen." | Die Frau von Lin Zhixiao gab Auskunft: „Es fehlen die Beiträge der alten gnädigen Frau, der gnädigen Frauen, der Fräulein und die der Dienstmädchen." | ||
| − | + | Dame Sonders fragte: „Und was ist mit dem Anteil der ersten jungen Herrin?" | |
Die Frau von Lin Zhixiao erwiderte: „Wenn Ihr hinüberkommt, bekommt Ihr das Geld von der zweiten jungen Herrin. Bei ihr ist alles beisammen." | Die Frau von Lin Zhixiao erwiderte: „Wenn Ihr hinüberkommt, bekommt Ihr das Geld von der zweiten jungen Herrin. Bei ihr ist alles beisammen." | ||
| − | Unterdessen hatte | + | Unterdessen hatte Dame Sonders ihre Toilette beendet und befahl, den Wagen anzuspannen. Bald darauf traf sie im Rong-Guo-Anwesen ein und begab sich zuerst zu Phönixglanz. Diese hatte das Silber bereits eingewickelt und wollte es eben fortschicken lassen. |
| − | „Sind alle Beiträge beisammen?" fragte | + | „Sind alle Beiträge beisammen?" fragte Dame Sonders. |
Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Alles da. Nimm es schnell mit, und wenn etwas verloren geht, will ich nichts damit zu tun haben." | Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Alles da. Nimm es schnell mit, und wenn etwas verloren geht, will ich nichts damit zu tun haben." | ||
| − | + | Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich traü der Sache nicht ganz. Ich möchte es in deiner Gegenwart nachzählen." Und tatsächlich zählte sie Stück für Stück durch, stellte aber fest, dass Seidenweiß Pflaumes Anteil fehlte. | |
| − | + | Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich wusste doch, dass du wieder etwas im Schilde führst! Wieso fehlt der Anteil deiner Schwägerin?" | |
Phönixglanz erwiderte lächelnd: „All das Silber reicht noch immer nicht? Wenn ein Anteil fehlt, ist das doch nicht schlimm. Falls das Geld nicht reicht, gebe ich ihn dir nach." | Phönixglanz erwiderte lächelnd: „All das Silber reicht noch immer nicht? Wenn ein Anteil fehlt, ist das doch nicht schlimm. Falls das Geld nicht reicht, gebe ich ihn dir nach." | ||
| − | + | Dame Sonders hielt dagegen: „Gestern vor all den Leuten hast du die Großzügige gespielt, und heute versuchst du, mich zu betrügen. Das lasse ich dir nicht durchgehen! Ich werde es der alten gnädigen Frau sagen!" | |
Phönixglanz sagte lächelnd: „Du lässt nicht mit dir spaßen! Aber wenn es das nächste Mal etwas gibt, werde auch ich es 'peinlich genau mit Soll und Haben' nehmen. Dann beklag dich nicht!" | Phönixglanz sagte lächelnd: „Du lässt nicht mit dir spaßen! Aber wenn es das nächste Mal etwas gibt, werde auch ich es 'peinlich genau mit Soll und Haben' nehmen. Dann beklag dich nicht!" | ||
| − | + | Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Also hast du doch Angst! Wenn du dich mir nicht stets so ehrerbietig verhalten hättest, würde ich dir das wirklich nicht durchgehen lassen." Mit diesen Worten suchte sie Friedchens Anteil heraus und sagte: „Friedchen, komm her und nimm dein Silber zurück! Falls das Geld nicht reichen sollte, lege ich es für dich drauf." | |
Friedchen hatte ihre Absicht durchschaut und sagte daher: „Nehmt es ruhig, junge Herrin! Wenn etwas übrig bleibt, schenkt es mir dann." | Friedchen hatte ihre Absicht durchschaut und sagte daher: „Nehmt es ruhig, junge Herrin! Wenn etwas übrig bleibt, schenkt es mir dann." | ||
| − | + | Dame Sonders sagte lächelnd: „Nur deine Herrin darf also betrügen, aber mir ist es nicht erlaubt, jemandem einen Gefallen zu tun?" | |
Friedchen nahm widerstrebend ihr Silber zurück. | Friedchen nahm widerstrebend ihr Silber zurück. | ||
| − | + | Dame Sonders fuhr fort: „Sieh dir an, wie raffgierig deine Herrin ist, um an solches Geld zu kommen! Wie will sie das alles nur ausgeben? Was sie nicht ausgeben kann, wird sie mit ins Grab nehmen!" | |
| − | Während sie das sagte, ging | + | Während sie das sagte, ging Dame Sonders hinaus und begab sich zunächst zur Herzoginmutter. Sie begrüßte sie ehrerbietig, wechselte ein paar Worte und ging dann zu Mandarinenente ins Zimmer, um sich mit ihr zu beraten. Sie wollte ganz nach Mandarinenentes Vorschlägen handeln, um der Herzoginmutter zu gefallen. Als alles besprochen war, gab Dame Sonders beim Gehen auch Mandarinenente ihre zwei Liang Silber zurück und sagte: „Das können wir doch gar nicht alles ausgeben!" |
| − | Damit ging sie hinaus und begab sich zu Dame | + | Damit ging sie hinaus und begab sich zu Dame König, mit der sie ebenfalls ein Weilchen plauderte. Als Dame König in ihre Gebetsstube gegangen war, gab sie auch Buntwolke [彩云] ihren Beitrag zurück. Und da Phönixglanz nicht zugegen war, gab sie bei dieser Gelegenheit auch den Nebenfrauen Zhou und Zhao ihr Silber wieder. Die beiden wagten zunächst nicht, es anzunehmen, aber Dame Sonders redete ihnen zu: „Ihr Armen habt es schwer genug. Woher sollt ihr überflüssiges Geld nehmen? Falls Phönix davon erfährt, stehe ich dafür gerade." |
| − | Erst nach diesen Worten nahmen die beiden das Silber an, überschwänglich dankend. | + | Erst nach diesen Worten nahmen die beiden das Silber an, überschwänglich dankend. Dame Sonders ging geradewegs hinaus, bestieg ihren Wagen und fuhr nach Hause. Mehr soll hier nicht von ihr die Rede sein. |
| − | Ehe man sich versah, war der zweite Tag des neunten Monats gekommen. Alle im Garten hatten erfahren, dass | + | Ehe man sich versah, war der zweite Tag des neunten Monats gekommen. Alle im Garten hatten erfahren, dass Dame Sonders alles überaus festlich vorbereitet hatte. Es sollte nicht nur Theater geben, sondern auch Gaukler und Geschichtenerzähler beiderlei Geschlechts. Alles machte sich bereit, sich nach Herzenslust zu vergnügen. |
| − | + | Seidenweiß Pflaume sagte zu den Mädchen: „Heute ist der reguläre Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft – das dürfen wir nicht vergessen! Schatzjade ist auch noch nicht da. Wahrscheinlich interessiert ihn nur das laute Vergnügen, und die feinen Dinge hat er bereits vergessen." Damit schickte sie ein Dienstmädchen los: „Geh nachsehen, was er treibt, und bitte ihn schnell hierher!" | |
Das Mädchen war eine ganze Weile fort und kam dann mit der Meldung zurück: „Schwester Hua [Anm.: Dufthauch] sagt, er sei schon heute früh ausgegangen." | Das Mädchen war eine ganze Weile fort und kam dann mit der Meldung zurück: „Schwester Hua [Anm.: Dufthauch] sagt, er sei schon heute früh ausgegangen." | ||
| Line 188: | Line 180: | ||
Alle waren verwundert und sagten: „Das kann doch nicht sein, dass er ausgegangen ist! Das Mädchen ist wohl nicht ganz bei Verstand und weiß nicht, was sie redet." Also schickte man Grüntusch [翠墨] hin, um sich zu erkundigen. Als Grüntusch zurückkam, berichtete sie: „Es stimmt wirklich, er ist ausgegangen! Er sagte, ein Freund sei gestorben, und er wolle einen Beileidsbesuch machen." | Alle waren verwundert und sagten: „Das kann doch nicht sein, dass er ausgegangen ist! Das Mädchen ist wohl nicht ganz bei Verstand und weiß nicht, was sie redet." Also schickte man Grüntusch [翠墨] hin, um sich zu erkundigen. Als Grüntusch zurückkam, berichtete sie: „Es stimmt wirklich, er ist ausgegangen! Er sagte, ein Freund sei gestorben, und er wolle einen Beileidsbesuch machen." | ||
| − | + | Erkundefrühling sagte: „Das ist auf keinen Fall wahr. Was auch immer der Grund sein mag – es gibt kein Recht, heute auszugehen. Ruf Dufthauch her, ich will sie befragen!" | |
Kaum hatte sie das gesagt, trat Dufthauch [袭人] bereits ein. | Kaum hatte sie das gesagt, trat Dufthauch [袭人] bereits ein. | ||
| − | + | Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Was auch immer er zu tun haben mag, er hätte heute nicht ausgehen dürfen! Erstens ist der Geburtstag der zweiten jungen Herrin, auf den die alte gnädige Frau sich so gefreut hat und für den alle aus beiden Anwesen Geld zusammengelegt haben – und er verschwindet einfach! Zweitens ist heute der erste ordentliche Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft, und er hat sich heimlich davongemacht, ohne sich freistellen zu lassen!" | |
| − | Dufthauch seufzte und erwiderte: „Gestern Abend hat er gesagt, er müsse heute in aller Frühe etwas Dringendes erledigen und zum Palast des Prinzen Beifriede [北静王] reiten, aber er werde sogleich wieder zurückkommen. Ich habe ihm geraten, nicht zu gehen, aber er ließ sich nicht davon abbringen. Heute Morgen stand er dann früh auf und verlangte weiße | + | Dufthauch seufzte und erwiderte: „Gestern Abend hat er gesagt, er müsse heute in aller Frühe etwas Dringendes erledigen und zum Palast des Prinzen Beifriede [北静王] reiten, aber er werde sogleich wieder zurückkommen. Ich habe ihm geraten, nicht zu gehen, aber er ließ sich nicht davon abbringen. Heute Morgen stand er dann früh auf und verlangte weiße Traürkleidung. Vermutlich ist im Hause des Prinzen eine wichtige Nebenfrau gestorben." |
| − | + | Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Wenn es wirklich so ist, musste er natürlich hinreiten. Aber jetzt müsste er eigentlich schon wieder da sein." Dann berieten sie sich: „Wir schreiben einfach unsere Gedichte, und wenn er zurückkommt, wird er bestraft!" | |
Gerade als sie das sagten, hatte die Herzoginmutter schon Boten geschickt, um alle zu sich bitten zu lassen. Also gingen sie hinüber. Dufthauch berichtete der Herzoginmutter, was es mit Schatzjade auf sich hatte. Die Herzoginmutter war ungehalten und befahl, Schatzjade solle geholt werden. | Gerade als sie das sagten, hatte die Herzoginmutter schon Boten geschickt, um alle zu sich bitten zu lassen. Also gingen sie hinüber. Dufthauch berichtete der Herzoginmutter, was es mit Schatzjade auf sich hatte. Die Herzoginmutter war ungehalten und befahl, Schatzjade solle geholt werden. | ||
| Line 202: | Line 194: | ||
In Wirklichkeit hatte Schatzjade heimlich etwas im Sinn gehabt und am Vortag seinem Diener Räucherjunge [茗烟] befohlen: „Morgen in aller Frühe will ich ausreiten. Halte zwei Pferde am Hintertor bereit und warte dort auf mich. Niemand sonst soll mitkommen! Sage Li Gui [李贵], ich sei zum Palast des Prinzen Beifriede geritten. Falls jemand nach mir suchen will, soll er ihn davon abhalten und sagen, ich werde im Palast aufgehalten und komme bestimmt bald zurück." | In Wirklichkeit hatte Schatzjade heimlich etwas im Sinn gehabt und am Vortag seinem Diener Räucherjunge [茗烟] befohlen: „Morgen in aller Frühe will ich ausreiten. Halte zwei Pferde am Hintertor bereit und warte dort auf mich. Niemand sonst soll mitkommen! Sage Li Gui [李贵], ich sei zum Palast des Prinzen Beifriede geritten. Falls jemand nach mir suchen will, soll er ihn davon abhalten und sagen, ich werde im Palast aufgehalten und komme bestimmt bald zurück." | ||
| − | Räucherjunge hatte sich keinen Reim darauf machen können, aber er hatte die Botschaft pflichtgemäß ausgerichtet. Heute in aller Frühe hatte er wirklich zwei Pferde an das Hintertor des Gartens geführt und dort gewartet. Als es hell wurde, sah er Schatzjade ganz in weiße | + | Räucherjunge hatte sich keinen Reim darauf machen können, aber er hatte die Botschaft pflichtgemäß ausgerichtet. Heute in aller Frühe hatte er wirklich zwei Pferde an das Hintertor des Gartens geführt und dort gewartet. Als es hell wurde, sah er Schatzjade ganz in weiße Traürkleidung gehüllt aus dem Seitentor treten. Ohne ein Wort zu sagen, schwang er sich in den Sattel, beugte sich vor und trabte die Straße entlang davon. Räucherjunge blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls aufzusitzen, die Peitsche zu schwingen und ihm nachzujagen. Als er ihn eingeholt hatte, fragte er: „Wohin reiten wir?" |
Schatzjade fragte: „Wohin führt diese Straße?" | Schatzjade fragte: „Wohin führt diese Straße?" | ||
| Line 232: | Line 224: | ||
Räucherjunge erwiderte: „Ganz gleich, ob der Tempel von uns unterstützt wird oder nicht – selbst in einem völlig fremden Tempel würde man uns eine Räucherschale nicht verweigern. Nur eines wundert mich: Sonst verabscheut der junge Herr dieses Kloster der Wassergöttin. Warum ist es ihm heute so willkommen?" | Räucherjunge erwiderte: „Ganz gleich, ob der Tempel von uns unterstützt wird oder nicht – selbst in einem völlig fremden Tempel würde man uns eine Räucherschale nicht verweigern. Nur eines wundert mich: Sonst verabscheut der junge Herr dieses Kloster der Wassergöttin. Warum ist es ihm heute so willkommen?" | ||
| − | Schatzjade erklärte: „Mir war schon immer zuwider, wie diese ungebildeten Leute ohne Sinn und Verstand Götter anbeten und Tempel errichten. Irgendwelche reichen alten Männer und törichten Frauen hören, es gebe da eine Gottheit, und schon | + | Schatzjade erklärte: „Mir war schon immer zuwider, wie diese ungebildeten Leute ohne Sinn und Verstand Götter anbeten und Tempel errichten. Irgendwelche reichen alten Männer und törichten Frauen hören, es gebe da eine Gottheit, und schon baün sie einen Tempel, um sie zu verehren, ohne zu wissen, wer diese Gottheit überhaupt ist. Sie lesen es in irgendeiner inoffiziellen Geschichtsdarstellung oder in einem Roman und halten es für wahr. In diesem Kloster zum Beispiel wird die Göttin des Luo-Flusses verehrt, daher der Name 'Kloster der Wassergöttin'. Doch eine Göttin des Luo-Flusses hat es nie gegeben – das war nur eine Erfindung von Cao Zijian [Anm.: Cao Zhi, 192-232, der berühmte Dichter der Drei Reiche, verfasste die 'Ode an die Göttin des Luo-Flusses']. Diese Dummköpfe aber haben ein Götterbild formen lassen und beten es an. Doch heute passt es zu meinem Vorhaben, darum will ich es nutzen." |
Über diesen Worten waren sie längst am Kloster angelangt. Die alte Äbtissin war über Schatzjades unerwarteten Besuch nicht weniger verblüfft, als hätte sich ein lebendiger Drache vom Himmel herabgelassen. Eilig trat sie heraus, um ihn zu begrüßen, und wies eine alte Tempeldienerin an, sich um die Pferde zu kümmern. | Über diesen Worten waren sie längst am Kloster angelangt. Die alte Äbtissin war über Schatzjades unerwarteten Besuch nicht weniger verblüfft, als hätte sich ein lebendiger Drache vom Himmel herabgelassen. Eilig trat sie heraus, um ihn zu begrüßen, und wies eine alte Tempeldienerin an, sich um die Pferde zu kümmern. | ||
| Line 268: | Line 260: | ||
Dann stiegen sie auf die Pferde und ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren. Räucherjunge rief von hinten: „Der junge Herr möge behutsam reiten! Das Pferd ist wenig geritten – haltet die Zügel straff!" | Dann stiegen sie auf die Pferde und ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren. Räucherjunge rief von hinten: „Der junge Herr möge behutsam reiten! Das Pferd ist wenig geritten – haltet die Zügel straff!" | ||
| − | Während er das noch sagte, hatten sie bereits das Stadttor passiert und ritten wieder durch das Hintertor in das Anwesen ein. Eilig kamen sie zum Hof der Freude | + | Während er das noch sagte, hatten sie bereits das Stadttor passiert und ritten wieder durch das Hintertor in das Anwesen ein. Eilig kamen sie zum Hof der Roten Freude [怡红院]. Dufthauch und die anderen Mädchen waren nicht in den Räumen, nur ein paar alte Frauen hielten Wache. Als sie ihn erblickten, strahlten sie übers ganze Gesicht und riefen: „Amitabha Buddha sei Dank! Da seid Ihr endlich! Schwester Hua war schon ganz außer sich vor Aufregung! Oben wird gerade getafelt – beeilt Euch, junger Herr!" |
| − | Schatzjade legte eilig die weißen | + | Schatzjade legte eilig die weißen Traürkleider ab, suchte sich selbst festliche Gewänder heraus und zog sie an. Er fragte, wo getafelt werde. Die alten Frauen antworteten: „In der neugebauten großen Blumenhalle." |
Schatzjade ging schnurstracks dorthin. Schon von Weitem drangen Musik und Gesang an sein Ohr. Gerade als er an der Durchgangshalle ankam, sah er Jadeschelle [玉钏儿], die einsam unter dem Dachvorsprung saß und weinte. Als sie ihn kommen sah, wischte sie sich die Tränen ab und sagte: „Der Phönix ist endlich da! Geht schnell hinein! Noch ein bisschen später, und hier wäre alles drunter und drüber gegangen." | Schatzjade ging schnurstracks dorthin. Schon von Weitem drangen Musik und Gesang an sein Ohr. Gerade als er an der Durchgangshalle ankam, sah er Jadeschelle [玉钏儿], die einsam unter dem Dachvorsprung saß und weinte. Als sie ihn kommen sah, wischte sie sich die Tränen ab und sagte: „Der Phönix ist endlich da! Geht schnell hinein! Noch ein bisschen später, und hier wäre alles drunter und drüber gegangen." | ||
| Line 278: | Line 270: | ||
Jadeschelle antwortete nicht und wischte sich nur stumm die Tränen ab. | Jadeschelle antwortete nicht und wischte sich nur stumm die Tränen ab. | ||
| − | Eilig trat Schatzjade in die Halle, grüßte die Herzoginmutter und Dame | + | Eilig trat Schatzjade in die Halle, grüßte die Herzoginmutter und Dame König und alle anderen. Die Anwesenden freuten sich wahrhaftig, als wäre ein Phönix erschienen. Rasch beeilte sich Schatzjade, vor Phönixglanz seine Verbeugung zum Geburtstag zu machen. |
| − | Die Herzoginmutter und Dame | + | Die Herzoginmutter und Dame König schalten ihn, er wisse nicht, was sich gehöre: „Wie konntest du einfach fortlaufen, ohne ein Wort zu sagen? Das ist wirklich unerhört! Wenn du das noch einmal tust, werden wir es deinem Vater sagen, sobald er nach Hause kommt, und er wird dich durchprügeln!" |
Dann schimpften sie auf die Diener, die ihn begleitet hatten: Sie hörten nur auf ihn und folgten ihm, wohin er befahl, ohne auch nur jemandem Bescheid zu geben! | Dann schimpften sie auf die Diener, die ihn begleitet hatten: Sie hörten nur auf ihn und folgten ihm, wohin er befahl, ohne auch nur jemandem Bescheid zu geben! | ||
| Line 296: | Line 288: | ||
Die Herzoginmutter war nur aus Sorge so zornig gewesen. Nun, da sie Schatzjade vor sich sah, war sie mehr als froh. Ihr Ärger verflog, und sie ließ die Sache auf sich beruhen. Im Gegenteil – sie fürchtete, er könnte sich unwohl fühlen oder unterwegs nicht satt geworden sein oder etwas Erschreckendes erlebt haben, und so hätschelte und umsorgte sie ihn auf hunderterlei Weise. Auch Dufthauch kam eilig herüber, um ihm aufzuwarten. | Die Herzoginmutter war nur aus Sorge so zornig gewesen. Nun, da sie Schatzjade vor sich sah, war sie mehr als froh. Ihr Ärger verflog, und sie ließ die Sache auf sich beruhen. Im Gegenteil – sie fürchtete, er könnte sich unwohl fühlen oder unterwegs nicht satt geworden sein oder etwas Erschreckendes erlebt haben, und so hätschelte und umsorgte sie ihn auf hunderterlei Weise. Auch Dufthauch kam eilig herüber, um ihm aufzuwarten. | ||
| − | Dann wandten sich alle wieder dem Theaterspiel zu. Gegeben wurde das Stück „Die Dornenhaarnadel" [荆钗记, Anm.: ein berühmtes Theaterstück der Yuan- und Ming-Zeit über treue Liebe und Trennung]. Die Herzoginmutter und Tante Schnee waren so gerührt, dass sie Tränen | + | Dann wandten sich alle wieder dem Theaterspiel zu. Gegeben wurde das Stück „Die Dornenhaarnadel" [荆钗记, Anm.: ein berühmtes Theaterstück der Yuan- und Ming-Zeit über treue Liebe und Trennung]. Die Herzoginmutter und Tante Schnee waren so gerührt, dass sie Tränen vergoßen. Die einen seufzten, die anderen fluchten. |
Wer wissen will, wie es weiterging, muss das nächste Kapitel lesen. | Wer wissen will, wie es weiterging, muss das nächste Kapitel lesen. | ||
| − | + | ||
<references /> | <references /> | ||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
| − | |||
Latest revision as of 19:29, 28 April 2026
Kapitel 43
In dem man aus Vergnügen Geld zusammenlegt, um einen Geburtstag zu feiern, und unerfüllte Liebe dazu führt, eine Handvoll Erde als Räucherwerk darzubringen
---
Dame König [王夫人][1] hatte erfahren, dass die Herzoginmutter [贾母][2] sich an jenem Tag im Garten der Großen Anschauung nur ein wenig erkältet hatte und keineswegs ernsthaft krank war. Nachdem man den Arzt gerufen hatte und sie zwei Dosen Medizin eingenommen hatte, war sie bereits wieder genesen. Beruhigt ließ Dame König nun Phönixglanz [王熙凤][3] zu sich kommen, um mit ihr zu besprechen, was alles für Aufrecht Kaufmann [贾政][4] vorbereitet und ihm zugeschickt werden sollte. Gerade berieten sie miteinander, als eine Botin der Herzoginmutter erschien und sie zu sich bat. Eilig begab sich Dame König mit Phönixglanz hinüber. Dame König erkundigte sich: „Geht es Euch inzwischen wieder besser?"
Die Herzoginmutter erwiderte: „Heute fühle ich mich schon viel wohler. Von der Fasanenkükensuppe, die ihr mir vorhin geschickt habt, habe ich probiert – sie ist wirklich wohlschmeckend. Auch zwei Stück Fleisch habe ich gegessen, und das hat mir sehr gut getan."
Dame König sagte lächelnd: „Das war ein Geschenk von Phönixglanz für die alte gnädige Frau. Es zeigt ihre aufrichtige kindliche Ehrerbietung und beweist, dass Eure beständige Zuneigung zu ihr nicht vergeudet ist."
Die Herzoginmutter nickte lächelnd und sagte: „Es ist rührend, dass sie daran gedacht hat. Wenn noch rohes Fasanenfleisch da ist, soll man noch ein paar Stückchen in heißem Fett knusprig backen. Leicht gesalzen schmecken sie herrlich zur Reissuppe. Die Brühe war zwar gut, aber zu einer dünnen Reissuppe passt sie nicht."
Phönixglanz bejahte sogleich und schickte jemanden in die Küche, um den Auftrag weiterzugeben.
Nun sagte die Herzoginmutter lächelnd zu Dame König: „Ich habe dich nicht ohne Grund herbitten lassen. Am Zweiten hat die junge Phönix Geburtstag. In den letzten beiden Jahren wollte ich schon eine Geburtstagsfeier für sie ausrichten, aber jedes Mal kam kurz vorher etwas Wichtiges dazwischen, und die Sache verlief im Sand. Dieses Jahr sind alle beisammen, und es dürfte wohl auch nichts dazwischenkommen. Da sollten wir uns alle gemeinsam einen recht vergnügten Tag machen!"
Dame König erwiderte lächelnd: „Daran habe auch ich schon gedacht. Wenn die alte gnädige Frau so fröhlich ist – warum beschließen wir es nicht gleich?"
Die Herzoginmutter fuhr lächelnd fort: „In den vergangenen Jahren hat jeder, ganz gleich wessen Geburtstag es war, immer einzeln sein Geschenk überreicht. Das ist einerseits sehr gewöhnlich, andererseits wirkt es, als stünde man sich nicht besonders nah. Diesmal möchte ich etwas Neues vorschlagen, das sowohl Zusammengehörigkeit beweist als auch Heiterkeit verspricht."
Dame König beeilte sich zu versichern: „Wie immer Ihr es für richtig haltet, so soll es geschehen!"
Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Ich finde, wir sollten es den einfachen Leuten nachmachen – jeder steuert einen Beitrag bei, und was zusammenkommt, wird für das Fest verwendet. Was meint ihr, wäre das nicht amüsant?"
Dame König erwiderte lächelnd: „Das ist eine vortreffliche Idee! Nur wüsste ich gern, wie die Beiträge eingezogen werden sollen."
Bei diesen Worten geriet die Herzoginmutter in noch freudigere Stimmung. Sogleich schickte sie Boten aus, um Tante Schnee [薛姨妈][5] und Dame Strafe [邢夫人][6] einzuladen, ließ außerdem die Mädchen und Schatzjade [贾宝玉][7] rufen sowie aus dem Ning-Guo-Anwesen Herrlichkeit Kaufmann[8]s [贾珍] Frau, ferner die Frau von Lai Da und andere angesehene Verwalterinnen mit Rang und Ansehen.
Als die Dienstmädchen und Bediensteten sahen, wie prächtig die Herzoginmutter gelaunt war, wurden auch sie fröhlich. Eilig schwärmten sie nach allen Seiten aus, die einen um Einladungen zu überbringen, die anderen um Befehle weiterzugeben. In weniger Zeit, als man braucht, um eine Schale Reis zu essen, hatte sich jung und alt, hoch und niedrig versammelt, und das Zimmer war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur Tante Schnee saß der Herzoginmutter gegenüber. Dame Strafe und Dame König hatten auf zwei Stühlen unmittelbar an der Tür Platz genommen. Schatzspange [薛宝钗][9] und die anderen Mädchen, fünf oder sechs an der Zahl, saßen auf dem Kang [Anm.: dem heizbaren Ruhebett]. Schatzjade schmiegte sich an die Herzoginmutter. Alle übrigen standen dicht gedrängt im Raum.
Rasch befahl die Herzoginmutter, ein paar kleine Hocker zu bringen, damit Lai Das Mutter und einige andere betagte und angesehene alte Ammen sich setzen konnten. Im Hause Kaufmann herrschte nämlich die Sitte, dass alte Bedienstete, die schon der Elterngeneration gedient hatten, noch mehr Achtung genossen als die jungen Herrschaften. Darum blieben Dame Sonders [尤氏] und Phönixglanz ohne Weiteres stehen, während sich Lai Das Mutter und drei oder vier weitere alte Ammen mit einem Wort der Entschuldigung auf die Hocker niederließen.
Die Herzoginmutter trug nun lächelnd alles vor, was eben besprochen worden war. Es gab niemanden unter den Anwesenden, der sich an dem Spaß nicht hätte beteiligen wollen. Die einen standen Phönixglanz nahe und taten es gern aus Zuneigung, die anderen fürchteten sie und waren froh, sich bei ihr einschmeicheln zu können. Und da es sich alle leisten konnten, erklärten sich sämtliche Anwesenden freudig einverstanden, kaum dass der Vorschlag gemacht war.
Als Erste verkündete die Herzoginmutter: „Ich gebe zwanzig Liang [Anm.: Silberunzen]."
Tante Schnee sagte lächelnd: „Ich schließe mich der alten gnädigen Frau an – ebenfalls zwanzig Liang."
Dame Strafe und Dame König sagten lächelnd: „Wir wagen es nicht, uns der alten gnädigen Frau gleichzustellen, und stehen natürlich eine Stufe niedriger. Sechzehn Liang von jeder von uns."
Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume [李纨] sagten ebenfalls lächelnd: „Wir stehen wiederum eine Stufe niedriger – je zwölf Liang."
Sogleich wandte sich die Herzoginmutter an Seidenweiß Pflaume: „Du bist Witwe ohne eigenen Hausstand. Wie könnten wir solches Geld von dir verlangen! Ich zahle deinen Anteil."
Phönixglanz mischte sich sofort lächelnd ein: „Alte gnädige Frau, lasst Euch nicht von der Begeisterung fortreißen, sondern rechnet erst einmal nach, ehe Ihr solche Zusagen macht! Auf Eurem Konto stehen ohnehin schon zwei Anteile, und nun wollt Ihr auch noch zwölf Liang für die Schwägerin übernehmen. In diesem Augenblick sagt Ihr es mit frohem Herzen, aber ein Weilchen später bereut Ihr es schon. Und am Ende heißt es: 'Das ist alles nur wegen dieser Phönix!' Dann denkt Ihr Euch irgendeinen schlaün Trick aus und sorgt dafür, dass ich sang- und klanglos das Drei- oder Vierfache eines Anteils aus eigener Tasche drauflege, und dabei bilde ich mir auch noch etwas darauf ein!"
Alle lachten. Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Und was schlägst du vor?"
Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Mein Geburtstag ist noch gar nicht da, und schon bin ich mit so viel Ehre beschenkt, dass es mir nicht mehr wohl dabei ist. Ich kann nicht einen einzigen Kupfer beisteuern und bringe damit so viele Leute in Aufregung – das ist mir wirklich unangenehm. Am besten übernehme ich den Anteil der Schwägerin. Und wenn dann der Tag gekommen ist, esse ich dafür etwas mehr. Das wäre für mich das größte Glück."
Dame Strafe und die anderen sagten: „So ist es nur recht." Daraufhin lenkte die Herzoginmutter ein.
Phönixglanz aber fuhr lächelnd fort: „Ich habe noch etwas zu sagen. Es scheint mir so, dass die alte Ahne selbst zwanzig Liang gibt und dazu noch die Anteile für Schwester Kajaljade [林黛玉][10] und Bruder Schatzjade [贾宝玉] übernimmt. Die Frau Tante gibt ebenfalls zwanzig Liang und übernimmt dazu den Anteil für Schwester Schatzspange – das ist ganz gerecht. Wenn aber die beiden gnädigen Frauen jeweils nur sechzehn Liang geben und für niemanden sonst aufkommen, dann ist das weniger gerecht. Dann ist die alte Ahne übervorteilt!"
Die Herzoginmutter sagte sogleich lächelnd: „Meine Phönix steht auf meiner Seite! Was sie sagt, ist vollkommen richtig. Ohne sie hätte man mich wieder einmal übers Ohr gehaün."
Phönixglanz schlug lächelnd vor: „Alte Ahne, Ihr müsst die beiden Kinder den zwei gnädigen Frauen zuteilen, je eines einer, und sie den Anteil übernehmen lassen, ob viel oder wenig."
Die Herzoginmutter sagte sofort: „Das ist ganz gerecht! So wird es gemacht!"
Da erhob sich Lai Das Mutter und sagte lächelnd: „Das ist ja Verrat! Ich muss mich empören für die beiden gnädigen Frauen! Auf der einen Seite ist sie Schwiegertochter, auf der anderen Seite leibliche Nichte – und anstatt sich auf die Seite ihrer Schwiegermutter oder ihrer Tante zu stellen, hält sie zu anderen. Aus der Schwiegertochter wird eine Fremde, und aus der leiblichen Nichte eine angeheiratete!"
Die Herzoginmutter und alle anderen brachen in schallendes Gelächter aus.
Lai Das Mutter fragte daraufhin: „Wenn die jungen Herrinnen zwölf Liang geben, müssen wir natürlich eine Stufe niedriger stehen, nicht wahr?"
Die Herzoginmutter entschied: „Kommt nicht in Frage! Dem Rang nach müsstet ihr zwar eine Stufe niedriger stehen, aber ich weiß, dass ihr alle wohlhabende Leute seid. Euer Stand mag geringer sein, aber Geld habt ihr mehr als sie. Darum müsst ihr genau so viel geben wie sie."
Als die alten Ammen das hörten, sagten sie rasch: „Jawohl!"
Die Herzoginmutter fuhr fort: „Die Fräulein brauchen nur ihre gute Gesinnung zu zeigen – jede spendet ein Monatsgeld, das genügt." Dann wandte sie sich um und rief Mandarinenente [鸳鸯][11] herbei: „Auch ihr solltet euch zu einigen zusammentun und beraten, was ihr beitragen könnt."
Mandarinenente sagte: „Jawohl!" und kam kurze Zeit später mit Friedchen [平儿][12], Dufthauch [袭人][13], Buntwolke [彩霞] und einigen kleineren Dienstmädchen zurück. Manche von ihnen wollten zwei Liang geben, andere ein Liang.
Die Herzoginmutter fragte Friedchen: „Willst du denn deiner Herrin kein eigenes Geburtstagsgeschenk machen? Warum bist du hier mit dabei?"
Friedchen erwiderte lächelnd: „Mein persönliches Geschenk habe ich gesondert besorgt. Dies hier ist die gemeinsame Angelegenheit, zu der auch ich meinen Beitrag leisten sollte."
Die Herzoginmutter lobte lächelnd: „Das ist ein braves Mädchen!"
Phönixglanz sagte lächelnd: „Nun sind alle vertreten, von oben bis unten. Nur die beiden Nebenfrauen fehlen noch. Man sollte sie fragen, ob auch sie etwas beisteuern wollen. Es gehört sich, sie zu berücksichtigen, sonst könnten sie sich geringgeschätzt fühlen."
Die Herzoginmutter rief sofort: „Aber natürlich! Wie konnten wir sie nur vergessen! Sie hatten wohl keine Zeit herzukommen. Schickt ein Mädchen, das bei ihnen nachfragt!"
Während sie das sagte, war schon ein Dienstmädchen losgelaufen. Nach geraumer Zeit kam es mit dem Bescheid zurück: „Jede von ihnen gibt zwei Liang."
Die Herzoginmutter sagte erfreut: „Bringt Schreibpinsel und Tuschstein her und rechnet aus, wie viel das insgesamt ergibt!"
Unterdessen schalt Dame Sonders leise Phönixglanz: „Du unersättliches Spitzbein! So viele Tanten und Mütterchen legen ihr Silber zusammen, um dir den Geburtstag auszurichten, und dir ist das immer noch nicht genug. Musst du auch noch diese zwei armen Bitterkürbisse mit hineinziehen?"
Phönixglanz erwiderte ebenso leise und lächelnd: „Red keinen Unsinn! Warte nur, bis wir hier draußen sind, dann rechne ich mit dir ab! Warum sollen die beiden denn arm sein? Wenn sie Geld haben, stecken sie es nur anderen zu. Da ist es besser, wir nehmen es uns und machen uns einen vergnügten Tag damit."
Inzwischen war zusammengerechnet worden: Insgesamt waren es einhundertfünfzig Liang und noch etwas darüber.
Die Herzoginmutter sagte: „Für einen einzigen Tag Theater und Wein wird das nicht aufzubrauchen sein."
Dame Sonders erwiderte: „Da wir keine Gäste einladen und nicht viele Festtafeln brauchen, reicht das Geld für zwei oder drei Tage. Vor allem kostet uns die Theateraufführung nichts – das sparen wir ein."
Die Herzoginmutter sagte: „Phönix soll sagen, welche Truppe sie mag, und die lassen wir kommen."
Phönixglanz erwiderte: „Unsere eigene Haustruppe habe ich schon satt gehört. Lieber geben wir ein paar Münzen aus und lassen eine andere Truppe kommen!"
Die Herzoginmutter entschied: „Die ganze Angelegenheit übergebe ich Juwels Frau. Phönix soll sich nicht im Geringsten darum kümmern müssen und den Tag einfach genießen. Erst dann ist es ein richtiger Geburtstag."
Dame Sonders sagte: „Jawohl!" Man plauderte noch eine Weile, und als alle merkten, dass die Herzoginmutter müde wurde, gingen sie nach und nach fort.
Dame Sonders begleitete Dame Strafe und Dame König hinaus, dann begab sie sich zu Phönixglanz, um mit ihr zu besprechen, wie die Feier gestaltet werden sollte.
Phönixglanz sagte: „Mich brauchst du gar nicht zu fragen. Richte dich ganz nach dem, was der alten gnädigen Frau gefällt, und damit basta."
Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Du Biest hast aber auch wirklich unverschämtes Glück! Ich hatte mich schon gefragt, warum wir alle herübergerufen wurden, und dann ging es einzig und allein um diese Sache. Nicht genug, dass ich Geld beisteuern muss, soll ich auch noch die ganze Mühe auf mich nehmen. Wie willst du dich bei mir bedanken?"
Phönixglanz wies sie lächelnd zurecht: „Rede keinen Unsinn! Habe etwa ich dich hergerufen? Warum also sollte ich mich bedanken? Wenn dir die Mühe zu viel ist, geh zur alten gnädigen Frau und bitte sie, jemand anderen zu beauftragen – das ist alles."
Dame Sonders entgegnete lächelnd: „Sieh einer an, wie sie sich aufbläht! Rate ich dir, halt dich ein wenig zurück. Wenn der Krug zu voll ist, läuft er über."
Nachdem die beiden noch ein Weilchen miteinander geredet hatten, gingen auch sie auseinander.
Am nächsten Tag wurde das Silber ins Ning-Guo-Anwesen gebracht, als Dame Sonders gerade erst aufgestanden war und sich frisierte und wusch. Sie fragte, wer es gebracht habe. Die Dienstmädchen antworteten: „Tante Lin."
Dame Sonders befahl, sie hereinzurufen. Das Mädchen ging in die Dienstbotenstube und holte die Frau von Lin Zhixiao [林之孝] herüber. Dame Sonders ließ sie auf einer Fußbank Platz nehmen, fuhr eifrig mit ihrer Toilette fort und fragte dabei: „Wie viel Silber ist in dem Päckchen?"
Die Frau von Lin Zhixiao berichtete: „Dies ist nur das Silber, das wir vom Personal zusammengelegt haben. Die Beiträge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frauen sind noch nicht dabei."
Eben sagte sie das, als die Dienstmädchen meldeten: „Die gnädige Frau und die gnädige Frau Tante aus dem Rong-Guo-Anwesen haben Boten mit ihren Beiträgen geschickt."
Dame Sonders schalt die Mädchen lachend: „Ihr kleinen Spitzbeine merkt euch auch nur die unwichtigen Dinge! Gestern war die alte gnädige Frau bei guter Laune und hat zum Spaß gesagt, wir sollten es den kleinen Leuten nachmachen und Silber zusammenlegen. Das habt ihr euch gemerkt und nehmt es nun für bare Münze. Lasst das Silber schnell hereinbringen, bewirtet die Botinnen mit Tee und schickt sie dann zurück!"
Die Mädchen sagten eilig: „Jawohl!" und brachten zwei Päckchen herein, in denen auch die Beiträge für Schatzspange und Kajaljade enthalten waren.
Dame Sonders fragte: „Wessen Anteile fehlen noch?"
Die Frau von Lin Zhixiao gab Auskunft: „Es fehlen die Beiträge der alten gnädigen Frau, der gnädigen Frauen, der Fräulein und die der Dienstmädchen."
Dame Sonders fragte: „Und was ist mit dem Anteil der ersten jungen Herrin?"
Die Frau von Lin Zhixiao erwiderte: „Wenn Ihr hinüberkommt, bekommt Ihr das Geld von der zweiten jungen Herrin. Bei ihr ist alles beisammen."
Unterdessen hatte Dame Sonders ihre Toilette beendet und befahl, den Wagen anzuspannen. Bald darauf traf sie im Rong-Guo-Anwesen ein und begab sich zuerst zu Phönixglanz. Diese hatte das Silber bereits eingewickelt und wollte es eben fortschicken lassen.
„Sind alle Beiträge beisammen?" fragte Dame Sonders.
Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Alles da. Nimm es schnell mit, und wenn etwas verloren geht, will ich nichts damit zu tun haben."
Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich traü der Sache nicht ganz. Ich möchte es in deiner Gegenwart nachzählen." Und tatsächlich zählte sie Stück für Stück durch, stellte aber fest, dass Seidenweiß Pflaumes Anteil fehlte.
Dame Sonders sagte lächelnd: „Ich wusste doch, dass du wieder etwas im Schilde führst! Wieso fehlt der Anteil deiner Schwägerin?"
Phönixglanz erwiderte lächelnd: „All das Silber reicht noch immer nicht? Wenn ein Anteil fehlt, ist das doch nicht schlimm. Falls das Geld nicht reicht, gebe ich ihn dir nach."
Dame Sonders hielt dagegen: „Gestern vor all den Leuten hast du die Großzügige gespielt, und heute versuchst du, mich zu betrügen. Das lasse ich dir nicht durchgehen! Ich werde es der alten gnädigen Frau sagen!"
Phönixglanz sagte lächelnd: „Du lässt nicht mit dir spaßen! Aber wenn es das nächste Mal etwas gibt, werde auch ich es 'peinlich genau mit Soll und Haben' nehmen. Dann beklag dich nicht!"
Dame Sonders erwiderte lächelnd: „Also hast du doch Angst! Wenn du dich mir nicht stets so ehrerbietig verhalten hättest, würde ich dir das wirklich nicht durchgehen lassen." Mit diesen Worten suchte sie Friedchens Anteil heraus und sagte: „Friedchen, komm her und nimm dein Silber zurück! Falls das Geld nicht reichen sollte, lege ich es für dich drauf."
Friedchen hatte ihre Absicht durchschaut und sagte daher: „Nehmt es ruhig, junge Herrin! Wenn etwas übrig bleibt, schenkt es mir dann."
Dame Sonders sagte lächelnd: „Nur deine Herrin darf also betrügen, aber mir ist es nicht erlaubt, jemandem einen Gefallen zu tun?"
Friedchen nahm widerstrebend ihr Silber zurück.
Dame Sonders fuhr fort: „Sieh dir an, wie raffgierig deine Herrin ist, um an solches Geld zu kommen! Wie will sie das alles nur ausgeben? Was sie nicht ausgeben kann, wird sie mit ins Grab nehmen!"
Während sie das sagte, ging Dame Sonders hinaus und begab sich zunächst zur Herzoginmutter. Sie begrüßte sie ehrerbietig, wechselte ein paar Worte und ging dann zu Mandarinenente ins Zimmer, um sich mit ihr zu beraten. Sie wollte ganz nach Mandarinenentes Vorschlägen handeln, um der Herzoginmutter zu gefallen. Als alles besprochen war, gab Dame Sonders beim Gehen auch Mandarinenente ihre zwei Liang Silber zurück und sagte: „Das können wir doch gar nicht alles ausgeben!"
Damit ging sie hinaus und begab sich zu Dame König, mit der sie ebenfalls ein Weilchen plauderte. Als Dame König in ihre Gebetsstube gegangen war, gab sie auch Buntwolke [彩云] ihren Beitrag zurück. Und da Phönixglanz nicht zugegen war, gab sie bei dieser Gelegenheit auch den Nebenfrauen Zhou und Zhao ihr Silber wieder. Die beiden wagten zunächst nicht, es anzunehmen, aber Dame Sonders redete ihnen zu: „Ihr Armen habt es schwer genug. Woher sollt ihr überflüssiges Geld nehmen? Falls Phönix davon erfährt, stehe ich dafür gerade."
Erst nach diesen Worten nahmen die beiden das Silber an, überschwänglich dankend. Dame Sonders ging geradewegs hinaus, bestieg ihren Wagen und fuhr nach Hause. Mehr soll hier nicht von ihr die Rede sein.
Ehe man sich versah, war der zweite Tag des neunten Monats gekommen. Alle im Garten hatten erfahren, dass Dame Sonders alles überaus festlich vorbereitet hatte. Es sollte nicht nur Theater geben, sondern auch Gaukler und Geschichtenerzähler beiderlei Geschlechts. Alles machte sich bereit, sich nach Herzenslust zu vergnügen.
Seidenweiß Pflaume sagte zu den Mädchen: „Heute ist der reguläre Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft – das dürfen wir nicht vergessen! Schatzjade ist auch noch nicht da. Wahrscheinlich interessiert ihn nur das laute Vergnügen, und die feinen Dinge hat er bereits vergessen." Damit schickte sie ein Dienstmädchen los: „Geh nachsehen, was er treibt, und bitte ihn schnell hierher!"
Das Mädchen war eine ganze Weile fort und kam dann mit der Meldung zurück: „Schwester Hua [Anm.: Dufthauch] sagt, er sei schon heute früh ausgegangen."
Alle waren verwundert und sagten: „Das kann doch nicht sein, dass er ausgegangen ist! Das Mädchen ist wohl nicht ganz bei Verstand und weiß nicht, was sie redet." Also schickte man Grüntusch [翠墨] hin, um sich zu erkundigen. Als Grüntusch zurückkam, berichtete sie: „Es stimmt wirklich, er ist ausgegangen! Er sagte, ein Freund sei gestorben, und er wolle einen Beileidsbesuch machen."
Erkundefrühling sagte: „Das ist auf keinen Fall wahr. Was auch immer der Grund sein mag – es gibt kein Recht, heute auszugehen. Ruf Dufthauch her, ich will sie befragen!"
Kaum hatte sie das gesagt, trat Dufthauch [袭人] bereits ein.
Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Was auch immer er zu tun haben mag, er hätte heute nicht ausgehen dürfen! Erstens ist der Geburtstag der zweiten jungen Herrin, auf den die alte gnädige Frau sich so gefreut hat und für den alle aus beiden Anwesen Geld zusammengelegt haben – und er verschwindet einfach! Zweitens ist heute der erste ordentliche Versammlungstag unserer Dichtgesellschaft, und er hat sich heimlich davongemacht, ohne sich freistellen zu lassen!"
Dufthauch seufzte und erwiderte: „Gestern Abend hat er gesagt, er müsse heute in aller Frühe etwas Dringendes erledigen und zum Palast des Prinzen Beifriede [北静王] reiten, aber er werde sogleich wieder zurückkommen. Ich habe ihm geraten, nicht zu gehen, aber er ließ sich nicht davon abbringen. Heute Morgen stand er dann früh auf und verlangte weiße Traürkleidung. Vermutlich ist im Hause des Prinzen eine wichtige Nebenfrau gestorben."
Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten: „Wenn es wirklich so ist, musste er natürlich hinreiten. Aber jetzt müsste er eigentlich schon wieder da sein." Dann berieten sie sich: „Wir schreiben einfach unsere Gedichte, und wenn er zurückkommt, wird er bestraft!"
Gerade als sie das sagten, hatte die Herzoginmutter schon Boten geschickt, um alle zu sich bitten zu lassen. Also gingen sie hinüber. Dufthauch berichtete der Herzoginmutter, was es mit Schatzjade auf sich hatte. Die Herzoginmutter war ungehalten und befahl, Schatzjade solle geholt werden.
In Wirklichkeit hatte Schatzjade heimlich etwas im Sinn gehabt und am Vortag seinem Diener Räucherjunge [茗烟] befohlen: „Morgen in aller Frühe will ich ausreiten. Halte zwei Pferde am Hintertor bereit und warte dort auf mich. Niemand sonst soll mitkommen! Sage Li Gui [李贵], ich sei zum Palast des Prinzen Beifriede geritten. Falls jemand nach mir suchen will, soll er ihn davon abhalten und sagen, ich werde im Palast aufgehalten und komme bestimmt bald zurück."
Räucherjunge hatte sich keinen Reim darauf machen können, aber er hatte die Botschaft pflichtgemäß ausgerichtet. Heute in aller Frühe hatte er wirklich zwei Pferde an das Hintertor des Gartens geführt und dort gewartet. Als es hell wurde, sah er Schatzjade ganz in weiße Traürkleidung gehüllt aus dem Seitentor treten. Ohne ein Wort zu sagen, schwang er sich in den Sattel, beugte sich vor und trabte die Straße entlang davon. Räucherjunge blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls aufzusitzen, die Peitsche zu schwingen und ihm nachzujagen. Als er ihn eingeholt hatte, fragte er: „Wohin reiten wir?"
Schatzjade fragte: „Wohin führt diese Straße?"
Räucherjunge antwortete: „Dies ist die große Straße zum Nordtor hinaus. Draußen vor der Stadt ist es totenstill, und es gibt nichts, was Vergnügen böte."
Als Schatzjade das hörte, nickte er und sagte: „Eine stille Gegend ist gerade das, was ich brauche." Damit schlug er noch kräftiger auf sein Pferd ein, und im Nu hatten sie zwei Biegungen hinter sich und waren aus dem Stadttor hinaus. Räucherjunge wusste sich noch weniger einen Rat und folgte ihm dicht auf den Fersen.
Sie galoppierten sieben oder acht Li [Anm.: ca. drei bis vier Kilometer] in einem Stück, und die menschlichen Behausungen wurden immer spärlicher. Endlich zügelte Schatzjade sein Pferd, wandte sich nach Räucherjunge um und fragte: „Kann man hier Räucherwerk kaufen?"
Räucherjunge erwiderte: „Räucherwerk gibt es schon, nur fragt sich, welche Sorte."
Schatzjade überlegte und sagte: „Anderes Räucherholz taugt nicht. Es müssen drei Sorten sein: Sandelholz, Zitronella und Lakaholz."
Räucherjunge lachte: „Diese drei sind kaum zu bekommen!"
Schatzjade machte ein bedrücktes Gesicht. Räucherjunge sah seine Verlegenheit und fragte: „Wozu braucht Ihr das Räucherwerk? Ich weiß doch, dass der junge Herr stets loses Räucherholz in seinem kleinen Gürtelbeutel bei sich trägt. Warum seht Ihr nicht einmal nach?"
Dieser Hinweis brachte Schatzjade auf den Gedanken. Er griff hinter sich unter sein Gewand und holte ein kleines Beutelchen hervor. Als er darin tastete, fand er tatsächlich zwei Stückchen feines Adlerholz [Anm.: Aloeholz, eines der kostbarsten Räucherhölzer]. Er freute sich, meinte aber: „Es ist nur nicht ganz so ehrerbietig." Dann überlegte er, dass Räucherholz, das er persönlich bei sich getragen hatte, noch besser sei als gekauftes.
Also fragte er nach einer Räucherschale und Holzkohle. Räucherjunge sagte: „Das ist nun wirklich aussichtslos! Wo sollen wir das in dieser Einöde hernehmen? Wenn Ihr so etwas braucht, hättet Ihr es vorher sagen sollen. Dann hätte ich es mitbringen können."
Schatzjade schimpfte: „Dummkopf! Wenn wir es hätten mitbringen können, hätte ich nicht so verzweifelt losgaloppieren müssen."
Räucherjunge dachte eine Weile nach und sagte dann freudestrahlend: „Ich habe eine Idee, aber ich weiß nicht, ob sie dem jungen Herrn gefällt. Ich vermute, Ihr braucht nicht nur das Räucherwerk, sondern auch anderes. Das lässt sich hier draußen alles nicht beschaffen. Wenn wir noch zwei Li weiterreiten, kommen wir zum Kloster der Wassergöttin [水仙庵]."
Schatzjade fragte aufgeregt: „Das Kloster der Wassergöttin liegt hier? Umso besser! Reiten wir hin!" Damit trieb er sein Pferd an und ritt weiter, wobei er sich nach Räucherjunge umwandte und sagte: „Die Nonne vom Kloster der Wassergöttin kommt doch immer zu uns ins Haus. Wenn wir dort einkehren und uns eine Räucherschale borgen, wird sie gewiss nichts dagegen haben."
Räucherjunge erwiderte: „Ganz gleich, ob der Tempel von uns unterstützt wird oder nicht – selbst in einem völlig fremden Tempel würde man uns eine Räucherschale nicht verweigern. Nur eines wundert mich: Sonst verabscheut der junge Herr dieses Kloster der Wassergöttin. Warum ist es ihm heute so willkommen?"
Schatzjade erklärte: „Mir war schon immer zuwider, wie diese ungebildeten Leute ohne Sinn und Verstand Götter anbeten und Tempel errichten. Irgendwelche reichen alten Männer und törichten Frauen hören, es gebe da eine Gottheit, und schon baün sie einen Tempel, um sie zu verehren, ohne zu wissen, wer diese Gottheit überhaupt ist. Sie lesen es in irgendeiner inoffiziellen Geschichtsdarstellung oder in einem Roman und halten es für wahr. In diesem Kloster zum Beispiel wird die Göttin des Luo-Flusses verehrt, daher der Name 'Kloster der Wassergöttin'. Doch eine Göttin des Luo-Flusses hat es nie gegeben – das war nur eine Erfindung von Cao Zijian [Anm.: Cao Zhi, 192-232, der berühmte Dichter der Drei Reiche, verfasste die 'Ode an die Göttin des Luo-Flusses']. Diese Dummköpfe aber haben ein Götterbild formen lassen und beten es an. Doch heute passt es zu meinem Vorhaben, darum will ich es nutzen."
Über diesen Worten waren sie längst am Kloster angelangt. Die alte Äbtissin war über Schatzjades unerwarteten Besuch nicht weniger verblüfft, als hätte sich ein lebendiger Drache vom Himmel herabgelassen. Eilig trat sie heraus, um ihn zu begrüßen, und wies eine alte Tempeldienerin an, sich um die Pferde zu kümmern.
Schatzjade betrat den Tempel, fiel aber nicht vor dem Bildnis der Göttin des Luo-Flusses nieder, sondern betrachtete es nur eingehend. Obgleich es nur aus Ton geformt war, besaß es doch wahrlich etwas von der „leichtfüßigen Anmut einer aufgeschreckten Wildgans" und der „geschmeidigen Grazie eines schwimmenden Drachens", von der „Reinheit einer Lotosblüte über grünen Wellen" und dem „Strahlen der Morgensonne zwischen schillernden Wolken" [Anm.: Zitate aus Cao Zhis berühmter „Ode an die Göttin des Luo-Flusses"]. Ohne es zu bemerken, begannen Schatzjade die Tränen herunterzulaufen.
Die alte Äbtissin reichte ihm Tee. Schatzjade bat sie um eine Räucherschale. Die Nonne entfernte sich und kam nach geraumer Zeit nicht nur mit einer Räucherschale zurück, sondern hatte auch Räucherwerk, Opferkerzen und Papiergeld vorbereitet.
Schatzjade sagte: „Von alldem brauche ich nichts." Er befahl Räucherjunge, die Schale nach hinten in den Klosterhof zu tragen und dort einen sauberen Platz zu suchen. Doch ein solcher war nicht zu finden.
Räucherjunge schlug vor: „Wie wäre es auf dem Brunnenrand dort?"
Schatzjade nickte. Gemeinsam gingen sie zum Brunnenrand und stellten die Schale darauf ab. Räucherjunge trat zur Seite.
Schatzjade zog das Räucherholz hervor und entzündete es. Mit Tränen in den Augen machte er eine halbe Verbeugung, wandte sich dann um und befahl, die Schale wieder fortzuräumen.
Räucherjunge sagte: „Jawohl!", doch anstatt die Schale wegzunehmen, kniete er rasch nieder und schlug mehrmals mit der Stirn auf den Boden. Dabei sprach er folgendes Gebet: „Ich, Räucherjunge, diene dem jungen Herrn nun schon so viele Jahre. Von allem, was in seinem Herzen vorgeht, weiß ich. Nur über dieses heutige Opfer hat er mir nichts gesagt, und ich wage auch nicht, danach zu fragen. Doch denke ich mir, die abgeschiedene Seele, die dieses Opfer empfängt, muss – auch wenn ich ihren Namen nicht kenne – ein einzigartiges Wesen gewesen sein, wie es auf Erden kein zweites und im Himmel kein gleiches gibt, von höchster Klugheit und vollendeter Schönheit. Da mein junger Herr sein Geheimnis nicht preisgeben kann, will ich an seiner Statt beten: Wenn du, duftende Seele, Empfindung besitzt und dein schöner Geist zärtliches Mitgefühl kennt, dann besuche meinen jungen Herrn trotz der Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten als seine beste Freundin von Zeit zu Zeit! Und sorge im Jenseits dafür, dass mein junger Herr im nächsten Leben als Mädchen wiedergeboren wird und in eurer Mitte leben kann, anstatt abermals als so ein bärtiger, trüber Erdensohn!"
Als er geendet hatte, schlug er noch einige Male mit der Stirn auf den Boden und erhob sich dann.
Schatzjade hatte, noch ehe Räucherjunge ausgeredet hatte, nicht mehr an sich halten können und losgelacht. Er gab ihm einen Fußtritt und sagte: „Hör auf mit dem Unsinn! Wenn die Leute dich hören, werden sie uns auslachen."
Räucherjunge stand auf, nahm die Räucherschale und sagte im Gehen zu Schatzjade: „Ich habe der Äbtissin schon gesagt, dass der junge Herr noch nichts gegessen hat, und sie gebeten, etwas herzurichten. Der junge Herr sollte wenigstens ein wenig davon essen. Ich weiß, dass bei uns daheim heute ein großes Fest stattfindet und es hoch hergeht. Der junge Herr hat sich deshalb hierher zurückgezogen. Einen Tag in Stille und Abgeschiedenheit zu verbringen – damit ist der Pflicht Genüge getan. Aber gar nichts zu essen, das geht beim besten Willen nicht."
Schatzjade erwiderte: „Wenn ich schon keinen Geburtstagswein trinke, was spricht dagegen, hier ein wenig von einfacher Klosterkost zu essen?"
Räucherjunge sagte: „Das ist vernünftig. Aber noch etwas: Nun, da wir einmal hier sind, wird sich zu Hause jemand Sorgen machen. Wenn sich niemand sorgte, könnte es ruhig auch spät werden mit der Rückkehr in die Stadt. Aber wenn sich jemand sorgt, muss der junge Herr in die Stadt zurückkehren. Erstens sind dann die alte gnädige Frau und die gnädige Frau beruhigt. Zweitens habt Ihr Eurer Pflicht Genüge getan, weiter als bis hierher geht sie nicht. Und wenn Ihr dann zu Hause Theater seht und Wein trinkt, so ist es nicht Euer eigener Wunsch, sondern nur Begleitung der Eltern als Ausdruck kindlicher Pietät. Wenn aber der junge Herr nur um dieses Opfers willen die Sorge der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau vergisst, dann wird auch die abgeschiedene Seele, der das Opfer galt, keine Ruhe finden. Was meint der junge Herr zu meinen Worten?"
Schatzjade erwiderte lächelnd: „Ich habe deine Absicht schon erraten. Du hast Angst, weil du allein mit mir hier draußen bist und bei der Rückkehr die Verantwortung tragen müsstest. Deshalb kommst du mir mit diesen großen Grundsätzen. Aber ich bin doch nur hergekommen, um dieser Pflicht zu genügen, und will dann zurückreiten, um Wein zu trinken und Theater zu sehen. Wann hätte ich gesagt, ich wolle den ganzen Tag nicht in die Stadt zurück? Mein Herzenswunsch ist erfüllt, und nun reiten wir schnell heim, damit alle beruhigt sind. Ist dann nicht nach beiden Seiten Genüge getan?"
Räucherjunge sagte: „Umso besser!"
Damit kamen sie in die Meditationshalle, wo die Äbtissin tatsächlich einen Tisch mit Klosterspeisen hergerichtet hatte. Schatzjade aß ein wenig davon, auch Räucherjunge bediente sich.
Dann stiegen sie auf die Pferde und ritten den Weg zurück, den sie gekommen waren. Räucherjunge rief von hinten: „Der junge Herr möge behutsam reiten! Das Pferd ist wenig geritten – haltet die Zügel straff!"
Während er das noch sagte, hatten sie bereits das Stadttor passiert und ritten wieder durch das Hintertor in das Anwesen ein. Eilig kamen sie zum Hof der Roten Freude [怡红院]. Dufthauch und die anderen Mädchen waren nicht in den Räumen, nur ein paar alte Frauen hielten Wache. Als sie ihn erblickten, strahlten sie übers ganze Gesicht und riefen: „Amitabha Buddha sei Dank! Da seid Ihr endlich! Schwester Hua war schon ganz außer sich vor Aufregung! Oben wird gerade getafelt – beeilt Euch, junger Herr!"
Schatzjade legte eilig die weißen Traürkleider ab, suchte sich selbst festliche Gewänder heraus und zog sie an. Er fragte, wo getafelt werde. Die alten Frauen antworteten: „In der neugebauten großen Blumenhalle."
Schatzjade ging schnurstracks dorthin. Schon von Weitem drangen Musik und Gesang an sein Ohr. Gerade als er an der Durchgangshalle ankam, sah er Jadeschelle [玉钏儿], die einsam unter dem Dachvorsprung saß und weinte. Als sie ihn kommen sah, wischte sie sich die Tränen ab und sagte: „Der Phönix ist endlich da! Geht schnell hinein! Noch ein bisschen später, und hier wäre alles drunter und drüber gegangen."
Schatzjade sagte lächelnd: „Rate mal, wo ich gewesen bin!"
Jadeschelle antwortete nicht und wischte sich nur stumm die Tränen ab.
Eilig trat Schatzjade in die Halle, grüßte die Herzoginmutter und Dame König und alle anderen. Die Anwesenden freuten sich wahrhaftig, als wäre ein Phönix erschienen. Rasch beeilte sich Schatzjade, vor Phönixglanz seine Verbeugung zum Geburtstag zu machen.
Die Herzoginmutter und Dame König schalten ihn, er wisse nicht, was sich gehöre: „Wie konntest du einfach fortlaufen, ohne ein Wort zu sagen? Das ist wirklich unerhört! Wenn du das noch einmal tust, werden wir es deinem Vater sagen, sobald er nach Hause kommt, und er wird dich durchprügeln!"
Dann schimpften sie auf die Diener, die ihn begleitet hatten: Sie hörten nur auf ihn und folgten ihm, wohin er befahl, ohne auch nur jemandem Bescheid zu geben!
Dann fragten sie ihn, wo er denn nun wirklich gewesen sei, ob er etwas gegessen habe und ob ihm etwas zugestoßen sei.
Schatzjade erwiderte nur: „Eine Lieblingsnebenfrau des Prinzen Beifriede ist gestern gestorben. Ich wollte ihm mein Beileid aussprechen. Er weinte so untröstlich, dass ich ihn nicht einfach im Stich lassen und sofort zurückkommen konnte. Darum bin ich etwas länger geblieben."
Die Herzoginmutter sagte: „Wenn du in Zukunft noch einmal heimlich ausgehst, ohne uns vorher Bescheid zu geben, lasse ich deinen Vater dich ganz gewiss durchprügeln!"
Schatzjade versprach es.
Dann wollte die Herzoginmutter die Diener aus seinem Gefolge bestrafen lassen, doch sogleich legten sich alle ins Mittel und redeten ihr zu: „Macht Euch keine Sorgen mehr, alte gnädige Frau! Er ist ja wieder da. Wir sollten uns beruhigen und wieder fröhlich sein!"
Die Herzoginmutter war nur aus Sorge so zornig gewesen. Nun, da sie Schatzjade vor sich sah, war sie mehr als froh. Ihr Ärger verflog, und sie ließ die Sache auf sich beruhen. Im Gegenteil – sie fürchtete, er könnte sich unwohl fühlen oder unterwegs nicht satt geworden sein oder etwas Erschreckendes erlebt haben, und so hätschelte und umsorgte sie ihn auf hunderterlei Weise. Auch Dufthauch kam eilig herüber, um ihm aufzuwarten.
Dann wandten sich alle wieder dem Theaterspiel zu. Gegeben wurde das Stück „Die Dornenhaarnadel" [荆钗记, Anm.: ein berühmtes Theaterstück der Yuan- und Ming-Zeit über treue Liebe und Trennung]. Die Herzoginmutter und Tante Schnee waren so gerührt, dass sie Tränen vergoßen. Die einen seufzten, die anderen fluchten.
Wer wissen will, wie es weiterging, muss das nächste Kapitel lesen.
- ↑ Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, wörtl. „Dame König". Schatzjades Mutter.
- ↑ Chin. 贾母 Jiǎmǔ, wörtl. „Mutter Kaufmann". Oberhaupt der Familie, auch „Alte Herrin" genannt.
- ↑ Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Glänzender Phönix aus dem Hause Wang". Haushälterin der Familie Kaufmann.
- ↑ Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann/Gerecht". Schatzjades strenger Vater.
- ↑ Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Xue/Schnee". Mutter von Schatzspange.
- ↑ Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, wörtl. „Dame Strafe". Ehefrau von Zwielicht Kaufmann (贾赦).
- ↑ Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann Jade". Hauptfigur des Romans.
- ↑ Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit". Oberhaupt des Osthauses der Familie Kaufmann.
- ↑ Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Xue Kostbare Haarspange". Schatzjades spätere Ehefrau.
- ↑ Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald-Kajaljade". Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.
- ↑ Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Treue Leibdienerin der Herzoginmutter.
- ↑ Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' treue Kammerzofe.
- ↑ Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die Angreifende/Überraschende" (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an"). Schatzjades erste Kammerzofe.