Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 54"

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Kapitel 54
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Die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".</ref> entlarvt Geschichten als Lügen — Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".</ref> imitiert die Zungenakrobatik der Geschichtenerzählerinnen
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Es wird erzählt, dass Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit".</ref> und Kette Kaufmann<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, „Jadekette Kaufmann".</ref> heimlich große Körbe voll Münzen hatten bereitstellen lassen. Als sie hörten, wie die Herzoginmutter „Belohnt ihn!" rief, befahlen auch sie ihren Dienern, eilends Münzen auf die Bühne zu streuen. Es klirrte und klimperte über die ganze Bühne, und die Herzoginmutter war hocherfreut.
  
Die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".</ref> entlarvt Geschichten als Lügen — Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „König Phönixglanz".</ref> imitiert die Zungenakrobatik der Geschichtenerzählerinnen
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Dann erhoben sich die beiden, und ein Diener reichte Kette Kaufmann rasch eine frisch gefüllte, warme Silberkanne. Er folgte Herrlichkeit Kaufmann ins Innere der Halle. Herrlichkeit Kaufmann trat zuerst an Tante Lis Tisch, verbeugte sich, nahm ihren Weinbecher, drehte sich um, und Kette Kaufmann schenkte sogleich ein. Danach traten sie an Tante Schnee<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē".</ref>s Tisch und schenkten auch ihr ein.
  
Es wird erzählt, dass Kaufmann Juwel<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, „Kaufmann Juwel/Kostbarkeit".</ref> und Kaufmann Kette<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, „Kaufmann Jadekette".</ref> heimlich große Körbe voll Münzen hatten bereitstellen lassen. Als sie hörten, wie die Herzoginmutter „Belohnt ihn!" rief, befahlen auch sie ihren Dienern, eilends Münzen auf die Bühne zu streuen. Es klirrte und klimperte über die ganze Bühne, und die Herzoginmutter war hocherfreut.
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Beide Damen erhoben sich lächelnd und sagten: „Bitte setzt Euch doch, ihr jungen Herren! Wozu diese Förmlichkeiten?" Daraufhin standen — mit Ausnahme von Dame Strafe<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Strafe".</ref> und Dame König<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".</ref> — alle Gäste von ihren Plätzen auf und traten in dienstfertiger Haltung zur Seite.
  
Dann erhoben sich die beiden, und ein Diener reichte Kaufmann Kette rasch eine frisch gefüllte, warme Silberkanne. Er folgte Kaufmann Juwel ins Innere der Halle. Kaufmann Juwel trat zuerst an Tante Lis Tisch, verbeugte sich, nahm ihren Weinbecher, drehte sich um, und Kaufmann Kette schenkte sogleich ein. Danach traten sie an Tante Schnee<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē".</ref>s Tisch und schenkten auch ihr ein.
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Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann traten vor die Ruhebank der Herzoginmutter. Da die Bank niedrig war, knieten sie sich nieder: Herrlichkeit Kaufmann hielt vorne den Becher, Kette Kaufmann dahinter die Kanne. Obwohl nur die beiden den Wein einschenkten, waren auch Unheil Kaufmann<ref>Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Unheil Kaufmann/Kreis".</ref> und die anderen jüngeren Männer in der vorgeschriebenen Rangfolge hinter ihnen eingetreten und knieten sich nun ebenfalls nieder, als sie die beiden knien sahen.
  
Beide Damen erhoben sich lächelnd und sagten: „Bitte setzt Euch doch, ihr jungen Herren! Wozu diese Förmlichkeiten?" Daraufhin standen — mit Ausnahme von Dame Xing<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Xing".</ref> und Dame Wang<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame Wang".</ref> — alle Gäste von ihren Plätzen auf und traten in dienstfertiger Haltung zur Seite.
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Auch Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade".</ref> kniete eilig nieder. Xiangji<ref>Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke".</ref> stieß ihn verstohlen an und flüsterte lächelnd: „Warum kniest du denn jetzt auch? Wenn schon, dann geh doch lieber selber eine Runde einschenken, das wäre doch viel besser!"
  
Kaufmann Juwel und Kaufmann Kette traten vor die Ruhebank der Herzoginmutter. Da die Bank niedrig war, knieten sie sich nieder: Kaufmann Juwel hielt vorne den Becher, Kaufmann Kette dahinter die Kanne. Obwohl nur die beiden den Wein einschenkten, waren auch Jia Huan<ref>Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Kaufmann Ring/Kreis".</ref> und die anderen jüngeren Männer in der vorgeschriebenen Rangfolge hinter ihnen eingetreten und knieten sich nun ebenfalls nieder, als sie die beiden knien sahen.
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Schatzjade flüsterte lächelnd zurück: „Warte, gleich werde ich einschenken." Erst als die beiden ihr Einschenken beendet hatten und sich erhoben, stand auch er wieder auf. Anschließend schenkten sie auch Dame Strafe und Dame König ein.
  
Auch Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Kaufmann Schatz-Jade".</ref> kniete eilig nieder. Xiangji<ref>Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Wolke vom Xiang-Fluss".</ref> stieß ihn verstohlen an und flüsterte lächelnd: „Warum kniest du denn jetzt auch? Wenn schon, dann geh doch lieber selber eine Runde einschenken, das wäre doch viel besser!"
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Herrlichkeit Kaufmann fragte lächelnd: „Und wie steht es mit den Schwestern?"
  
Schatzjade flüsterte lächelnd zurück: „Warte, gleich werde ich einschenken." Erst als die beiden ihr Einschenken beendet hatten und sich erhoben, stand auch er wieder auf. Anschließend schenkten sie auch Dame Xing und Dame Wang ein.
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Die Herzoginmutter und die anderen sagten: „Geht ihr nur! Dann fühlen sie sich weniger befangen." Erst danach zogen sich Herrlichkeit Kaufmann und sein Gefolge zurück.
 
 
Kaufmann Juwel fragte lächelnd: „Und wie steht es mit den Schwestern?"
 
 
 
Die Herzoginmutter und die anderen sagten: „Geht ihr nur! Dann fühlen sie sich weniger befangen." Erst danach zogen sich Kaufmann Juwel und sein Gefolge zurück.
 
  
 
Es war noch nicht die zweite Nachtwache, und auf der Bühne wurden gerade acht Akte aus dem Stück „Die Acht Pflichtgetreuen" [Anm.: Bayi ji] gegeben, darunter die „Laternenszene". Mitten im lebhaftesten Treiben stand Schatzjade vom Tisch auf und wollte hinausgehen.
 
Es war noch nicht die zweite Nachtwache, und auf der Bühne wurden gerade acht Akte aus dem Stück „Die Acht Pflichtgetreuen" [Anm.: Bayi ji] gegeben, darunter die „Laternenszene". Mitten im lebhaftesten Treiben stand Schatzjade vom Tisch auf und wollte hinausgehen.
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Die Herzoginmutter rief: „Wohin willst du? Draußen fliegen die Feuerwerkskörper wild umher, pass auf, dass kein brennendes Papier auf dich herabfällt!" Schatzjade erwiderte: „Ich gehe nicht weit, nur kurz hinaus und komme gleich zurück." Die Herzoginmutter befahl den alten Dienerinnen, gut auf ihn achtzugeben.
 
Die Herzoginmutter rief: „Wohin willst du? Draußen fliegen die Feuerwerkskörper wild umher, pass auf, dass kein brennendes Papier auf dich herabfällt!" Schatzjade erwiderte: „Ich gehe nicht weit, nur kurz hinaus und komme gleich zurück." Die Herzoginmutter befahl den alten Dienerinnen, gut auf ihn achtzugeben.
  
So ging Schatzjade hinaus, begleitet nur von Moschusmond<ref>Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond".</ref>, Qiuwen und einigen kleinen Dienstmädchen. Da bemerkte die Herzoginmutter: „Wo ist eigentlich Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, "die Angreifende/der Dufthauch".</ref>? Sie gibt sich neuerdings auch schon wichtig und schickt nur die kleinen Mädchen mit."
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So ging Schatzjade hinaus, begleitet nur von Moschusmond<ref>Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond".</ref>, Herbstmuster und einigen kleinen Dienstmädchen. Da bemerkte die Herzoginmutter: „Wo ist eigentlich Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, "die Angreifende/der Dufthauch".</ref>? Sie gibt sich neuerdings auch schon wichtig und schickt nur die kleinen Mädchen mit."
  
Dame Wang erhob sich eilig und erwiderte lächelnd: „Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, und da sie sich noch in der frischen Trauerzeit befindet, konnte sie nicht nach vorne kommen."
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Dame König erhob sich eilig und erwiderte lächelnd: „Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, und da sie sich noch in der frischen Trauerzeit befindet, konnte sie nicht nach vorne kommen."
  
 
Die Herzoginmutter hörte das und nickte, sagte dann aber lächelnd: „Wer seiner Herrschaft dient, der kann sich solche Trauerbräuche nicht leisten. Wenn sie immer noch mir diente, wäre sie dann jetzt etwa auch nicht hier? Weil wir zu nachgiebig gewesen sind und genügend andere zur Verfügung hatten, hat sich niemand darum gekümmert, und so ist es zur Gewohnheit geworden."
 
Die Herzoginmutter hörte das und nickte, sagte dann aber lächelnd: „Wer seiner Herrschaft dient, der kann sich solche Trauerbräuche nicht leisten. Wenn sie immer noch mir diente, wäre sie dann jetzt etwa auch nicht hier? Weil wir zu nachgiebig gewesen sind und genügend andere zur Verfügung hatten, hat sich niemand darum gekümmert, und so ist es zur Gewohnheit geworden."
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Als Schatzjade das hörte, drehte er sich rasch um und flüsterte Moschusmond und den anderen zu: „Wer hätte gedacht, dass auch sie hier ist! Wenn ich jetzt hineingehe, wird sie sich ärgern und gehen. Kommt, wir kehren lieber um und lassen die beiden in Ruhe miteinander reden. Dufthauch hat sich allein gegrämt, und Mandarinenentes Besuch kommt ihr gerade recht." Damit schlichen sie leise wieder hinaus.
 
Als Schatzjade das hörte, drehte er sich rasch um und flüsterte Moschusmond und den anderen zu: „Wer hätte gedacht, dass auch sie hier ist! Wenn ich jetzt hineingehe, wird sie sich ärgern und gehen. Kommt, wir kehren lieber um und lassen die beiden in Ruhe miteinander reden. Dufthauch hat sich allein gegrämt, und Mandarinenentes Besuch kommt ihr gerade recht." Damit schlichen sie leise wieder hinaus.
  
Schatzjade ging hinter einen Felsen, blieb stehen und schürzte seine Kleider auf. Moschusmond und Qiuwen blieben stehen, wandten sich ab und sagten lächelnd: „Hock dich erst hin, bevor du die Hosen aufbindest, damit dir der Wind nicht auf den Bauch bläst!" Die beiden kleinen Dienstmädchen, die hinterherkamen, begriffen, dass es um ein kleines Geschäft ging, und eilten zur Teeküche voraus, um heißes Wasser vorzubereiten.
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Schatzjade ging hinter einen Felsen, blieb stehen und schürzte seine Kleider auf. Moschusmond und Herbstmuster blieben stehen, wandten sich ab und sagten lächelnd: „Hock dich erst hin, bevor du die Hosen aufbindest, damit dir der Wind nicht auf den Bauch bläst!" Die beiden kleinen Dienstmädchen, die hinterherkamen, begriffen, dass es um ein kleines Geschäft ging, und eilten zur Teeküche voraus, um heißes Wasser vorzubereiten.
  
 
Kaum hatte sich Schatzjade umgedreht und war zurückgekommen, da begegneten ihnen zwei Dienerinnen. „Wer ist da?" fragten sie.
 
Kaum hatte sich Schatzjade umgedreht und war zurückgekommen, da begegneten ihnen zwei Dienerinnen. „Wer ist da?" fragten sie.
  
Qiuwen sagte: „Schatzjade ist hier. Passt auf, dass ihr ihn nicht mit eurem Geschrei erschreckt!"
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Herbstmuster sagte: „Schatzjade ist hier. Passt auf, dass ihr ihn nicht mit eurem Geschrei erschreckt!"
  
 
Die Dienerinnen lachten sogleich und sagten: „Wir wussten es nicht! Am Feiertag richtet man noch ein Unglück an. Die Fräulein haben gewiss in diesen Tagen viel gearbeitet."
 
Die Dienerinnen lachten sogleich und sagten: „Wir wussten es nicht! Am Feiertag richtet man noch ein Unglück an. Die Fräulein haben gewiss in diesen Tagen viel gearbeitet."
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Die Frauen antworteten: „Speisen, die die alte Ahne den Fräulein Jin und Hua zu essen schickt."
 
Die Frauen antworteten: „Speisen, die die alte Ahne den Fräulein Jin und Hua zu essen schickt."
  
Qiuwen lachte: „Man spielt doch ‚Die Acht Pflichtgetreuen' und nicht ‚Die Zauberdose' [Anm.: Hunyuanhe] — woher kommt da plötzlich eine ‚Goldblumen-Göttin'?" [Anm.: Wortspiel mit den Namen Jin und Hua.]
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Herbstmuster lachte: „Man spielt doch ‚Die Acht Pflichtgetreuen' und nicht ‚Die Zauberdose' [Anm.: Hunyuanhe] — woher kommt da plötzlich eine ‚Goldblumen-Göttin'?" [Anm.: Wortspiel mit den Namen Jin und Hua.]
  
Schatzjade befahl lächelnd: „Macht mal auf, ich möchte sehen, was drin ist!" Qiuwen und Moschusmond traten schnell heran und hoben die Deckel der beiden Schachteln. Die Frauen duckten sich eilig nieder. Schatzjade sah, dass in beiden Schachteln auserlesene Früchte und Speisen von der Festtafel lagen, nickte kurz und ging weiter. Moschusmond und Qiuwen warfen rasch die Deckel wieder drauf und folgten ihm.
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Schatzjade befahl lächelnd: „Macht mal auf, ich möchte sehen, was drin ist!" Herbstmuster und Moschusmond traten schnell heran und hoben die Deckel der beiden Schachteln. Die Frauen duckten sich eilig nieder. Schatzjade sah, dass in beiden Schachteln auserlesene Früchte und Speisen von der Festtafel lagen, nickte kurz und ging weiter. Moschusmond und Herbstmuster warfen rasch die Deckel wieder drauf und folgten ihm.
  
 
Schatzjade sagte lächelnd: „Diese beiden Frauen sind nett und können mit Leuten umgehen. Sie selbst sind Tag für Tag auf den Beinen und sagen trotzdem, ihr hättet es in diesen Tagen schwer. Sie gehören nicht zu denen, die ständig nur sich selbst loben."
 
Schatzjade sagte lächelnd: „Diese beiden Frauen sind nett und können mit Leuten umgehen. Sie selbst sind Tag für Tag auf den Beinen und sagen trotzdem, ihr hättet es in diesen Tagen schwer. Sie gehören nicht zu denen, die ständig nur sich selbst loben."
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Im Säulengang hinter der Gästehalle warteten bereits die beiden kleinen Dienstmädchen: Eine hielt ein Waschbecken in den Händen, die andere trug ein Handtuch und hatte ein Fläschchen mit wohlriechendem Öl dabei. Sie warteten schon geraume Zeit.
 
Im Säulengang hinter der Gästehalle warteten bereits die beiden kleinen Dienstmädchen: Eine hielt ein Waschbecken in den Händen, die andere trug ein Handtuch und hatte ein Fläschchen mit wohlriechendem Öl dabei. Sie warteten schon geraume Zeit.
  
Qiuwen steckte prüfend die Hand ins Becken und sagte: „Je älter du wirst, desto nachlässiger! Wo hast du dieses kalte Wasser her?"
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Herbstmuster steckte prüfend die Hand ins Becken und sagte: „Je älter du wirst, desto nachlässiger! Wo hast du dieses kalte Wasser her?"
  
 
Das kleine Mädchen lachte: „Fräulein, schaut Euch doch das Wetter an! Aus Angst, das Wasser könnte kalt werden, habe ich es extra kochend heiß eingefüllt, und trotzdem ist es schon abgekühlt."
 
Das kleine Mädchen lachte: „Fräulein, schaut Euch doch das Wetter an! Aus Angst, das Wasser könnte kalt werden, habe ich es extra kochend heiß eingefüllt, und trotzdem ist es schon abgekühlt."
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Die Alte erwiderte: „Junge Dame, das ist für den Tee der alten Ahne! Geh selber welches holen, das wird dir nicht die Füße abreißen."
 
Die Alte erwiderte: „Junge Dame, das ist für den Tee der alten Ahne! Geh selber welches holen, das wird dir nicht die Füße abreißen."
  
Qiuwen fuhr sie an: „Ganz gleich, für wen es bestimmt ist — wenn Ihr es nicht hergebt, gieße ich kurzerhand den Tee der alten Ahne ins Waschbecken, damit er sich die Hände wäscht!" Die Alte drehte sich um, erkannte Qiuwen und hob sofort die Kanne, um heißes Wasser einzugießen.
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Herbstmuster fuhr sie an: „Ganz gleich, für wen es bestimmt ist — wenn Ihr es nicht hergebt, gieße ich kurzerhand den Tee der alten Ahne ins Waschbecken, damit er sich die Hände wäscht!" Die Alte drehte sich um, erkannte Herbstmuster und hob sofort die Kanne, um heißes Wasser einzugießen.
  
„Genug!" sagte Qiuwen. „In Eurem Alter solltet Ihr es besser wissen. Jeder sieht doch, dass das Wasser für die alte Ahne ist — wer keinen Anspruch darauf hat, würde es auch nie verlangen."
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„Genug!" sagte Herbstmuster. „In Eurem Alter solltet Ihr es besser wissen. Jeder sieht doch, dass das Wasser für die alte Ahne ist — wer keinen Anspruch darauf hat, würde es auch nie verlangen."
  
 
Die Alte lachte entschuldigend: „Mir flimmert es vor den Augen, ich hatte Euch nicht erkannt."
 
Die Alte lachte entschuldigend: „Mir flimmert es vor den Augen, ich hatte Euch nicht erkannt."
  
Schatzjade wusch sich die Hände. Das kleine Mädchen goss ihm etwas von dem Duftöl auf die Handfläche, und er rieb sich die Hände ein. Moschusmond und Qiuwen nutzten ebenfalls das warme Wasser, wuschen sich die Hände und rieben sie ein. Dann folgten sie Schatzjade hinein.
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Schatzjade wusch sich die Hände. Das kleine Mädchen goss ihm etwas von dem Duftöl auf die Handfläche, und er rieb sich die Hände ein. Moschusmond und Herbstmuster nutzten ebenfalls das warme Wasser, wuschen sich die Hände und rieben sie ein. Dann folgten sie Schatzjade hinein.
  
Schatzjade ließ sich eine Kanne warmen Wein geben und schenkte als erstes Tante Li und Tante Schnee ein. Beide baten ihn, sich zu setzen, doch die Herzoginmutter sagte: „Er ist noch klein, lasst ihn ruhig einschenken! Aber alle müssen ihren Becher leeren!" Mit diesen Worten trank sie ihren eigenen Becher leer. Dame Xing und Dame Wang beeilten sich ebenfalls, ihre Becher zu leeren, und baten die beiden Damen, ihrem Beispiel zu folgen. Tante Schnee und Tante Li mussten wohl oder übel austrinken.
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Schatzjade ließ sich eine Kanne warmen Wein geben und schenkte als erstes Tante Li und Tante Schnee ein. Beide baten ihn, sich zu setzen, doch die Herzoginmutter sagte: „Er ist noch klein, lasst ihn ruhig einschenken! Aber alle müssen ihren Becher leeren!" Mit diesen Worten trank sie ihren eigenen Becher leer. Dame Strafe und Dame König beeilten sich ebenfalls, ihre Becher zu leeren, und baten die beiden Damen, ihrem Beispiel zu folgen. Tante Schnee und Tante Li mussten wohl oder übel austrinken.
  
 
Dann befahl die Herzoginmutter Schatzjade: „Schenke jetzt auch allen deinen Schwestern ein, schön der Reihe nach! Aber achte darauf, dass jede ihren Becher leert."
 
Dann befahl die Herzoginmutter Schatzjade: „Schenke jetzt auch allen deinen Schwestern ein, schön der Reihe nach! Aber achte darauf, dass jede ihren Becher leert."
  
„Jawohl!" sagte Schatzjade und schenkte allen der Rangfolge nach ein. Als er zu Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Wald Kajal-Jade".</ref> kam, wollte sie gerade nicht trinken, nahm den Becher, führte ihn an Schatzjades Lippen, und Schatzjade trank ihn in einem Zug leer.
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„Jawohl!" sagte Schatzjade und schenkte allen der Rangfolge nach ein. Als er zu Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".</ref> kam, wollte sie gerade nicht trinken, nahm den Becher, führte ihn an Schatzjades Lippen, und Schatzjade trank ihn in einem Zug leer.
  
 
„Danke!" sagte Kajaljade lächelnd, und Schatzjade füllte ihren Becher wieder auf.
 
„Danke!" sagte Kajaljade lächelnd, und Schatzjade füllte ihren Becher wieder auf.
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„Ich weiß", lachte Phönixglanz. „Ich wollte dich nur daran erinnern."
 
„Ich weiß", lachte Phönixglanz. „Ich wollte dich nur daran erinnern."
  
Nachdem Schatzjade im Inneren der Halle allen eingeschenkt hatte — nur Kaufmann Herrlichkeit<ref>Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, „Kaufmann Herrlichkeit/Hibiskus".</ref>' Frau wurde von den Dienstmädchen bedient —, ging er wieder hinaus in den Säulengang und schenkte auch Kaufmann Juwel und den anderen Männern ein. Er setzte sich eine Weile zu ihnen und kehrte dann auf seinen alten Platz zurück.
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Nachdem Schatzjade im Inneren der Halle allen eingeschenkt hatte — nur Hibiskus Kaufmann<ref>Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, „Herrlichkeit Kaufmann/Hibiskus".</ref>' Frau wurde von den Dienstmädchen bedient —, ging er wieder hinaus in den Säulengang und schenkte auch Herrlichkeit Kaufmann und den anderen Männern ein. Er setzte sich eine Weile zu ihnen und kehrte dann auf seinen alten Platz zurück.
  
 
Bald darauf wurde Suppe serviert, und anschließend kamen die Yuanxiao [Anm.: gefüllte Klebreisbällchen, traditionelle Speise zum Laternenfest]. Die Herzoginmutter befahl, den kleinen Schauspielern eine Pause zu gönnen: „Die armen Kinder! Gebt ihnen erst heiße Suppe und warme Speisen, dann sollen sie weiterspielen." Sie ließ ihnen auch Obst und Yuanxiao bringen.
 
Bald darauf wurde Suppe serviert, und anschließend kamen die Yuanxiao [Anm.: gefüllte Klebreisbällchen, traditionelle Speise zum Laternenfest]. Die Herzoginmutter befahl, den kleinen Schauspielern eine Pause zu gönnen: „Die armen Kinder! Gebt ihnen erst heiße Suppe und warme Speisen, dann sollen sie weiterspielen." Sie ließ ihnen auch Obst und Yuanxiao bringen.
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„Das klingt nicht schlecht", sagte die Herzoginmutter. „Was ist der Inhalt? Erzählt erst einmal ungefähr die Ausgangslage, und wenn sie mir gefällt, hören wir weiter."
 
„Das klingt nicht schlecht", sagte die Herzoginmutter. „Was ist der Inhalt? Erzählt erst einmal ungefähr die Ausgangslage, und wenn sie mir gefällt, hören wir weiter."
  
Eine der Erzählerinnen begann: „In dieser Geschichte lebte gegen Ende der Tang-Dynastie ein Beamter im Ruhestand, der aus Jinling stammte und Wang Zhong hieß. Unter zwei Kaisern hatte er als Kanzler gedient und sich dann zur Ruhe gesetzt. Er hatte nur einen einzigen Sohn, der hieß Wang Xifeng."
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Eine der Erzählerinnen begann: „In dieser Geschichte lebte gegen Ende der Tang-Dynastie ein Beamter im Ruhestand, der aus Jinling stammte und König Zhong hieß. Unter zwei Kaisern hatte er als Kanzler gedient und sich dann zur Ruhe gesetzt. Er hatte nur einen einzigen Sohn, der hieß König Phönixglanz."
  
 
Alle brachen in Gelächter aus. Die Herzoginmutter lachte: „Da hat doch glatt einer denselben Namen wie unser Phönixglanz-Mädchen!" Eine Dienerin stieß die Erzählerin sogleich an: „Das ist der Name unserer zweiten jungen gnädigen Frau! Hüte deine Zunge!"
 
Alle brachen in Gelächter aus. Die Herzoginmutter lachte: „Da hat doch glatt einer denselben Namen wie unser Phönixglanz-Mädchen!" Eine Dienerin stieß die Erzählerin sogleich an: „Das ist der Name unserer zweiten jungen gnädigen Frau! Hüte deine Zunge!"
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Die Erzählerin fuhr fort: „In jenem Jahr schickte der alte Herr Wang seinen Sohn in die Hauptstadt zur Beamtenprüfung. Unterwegs geriet der junge Mann in einen heftigen Regen und fand Unterschlupf in einem Dorf. Dort wohnte ebenfalls ein Beamter im Ruhestand namens Li, ein alter Freund des Herrn Wang, der den jungen Mann aufnahm und ihm sein Bibliothekszimmer als Quartier überließ. Herr Li hatte keinen Sohn, nur eine einzige Tochter namens Chuluan — ‚Phönixküken' —, die in Zitherspiel, Schach, Kalligraphie und Malerei gleichermaßen bewandert war."
 
Die Erzählerin fuhr fort: „In jenem Jahr schickte der alte Herr Wang seinen Sohn in die Hauptstadt zur Beamtenprüfung. Unterwegs geriet der junge Mann in einen heftigen Regen und fand Unterschlupf in einem Dorf. Dort wohnte ebenfalls ein Beamter im Ruhestand namens Li, ein alter Freund des Herrn Wang, der den jungen Mann aufnahm und ihm sein Bibliothekszimmer als Quartier überließ. Herr Li hatte keinen Sohn, nur eine einzige Tochter namens Chuluan — ‚Phönixküken' —, die in Zitherspiel, Schach, Kalligraphie und Malerei gleichermaßen bewandert war."
  
„Da die Geschichte ‚Der Phönix wirbt um die Phönisin' heißt", unterbrach die Herzoginmutter, „braucht ihr gar nicht weiter zu erzählen. Ich habe schon erraten: Natürlich will dieser Wang Xifeng das Fräulein Chuluan zur Frau nehmen."
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„Da die Geschichte ‚Der Phönix wirbt um die Phönisin' heißt", unterbrach die Herzoginmutter, „braucht ihr gar nicht weiter zu erzählen. Ich habe schon erraten: Natürlich will dieser König Phönixglanz das Fräulein Chuluan zur Frau nehmen."
  
 
Die Erzählerin lachte: „Da hat die alte Ahne diese Geschichte wohl schon einmal gehört."
 
Die Erzählerin lachte: „Da hat die alte Ahne diese Geschichte wohl schon einmal gehört."
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Mehrere alte Dienerinnen antworteten eilig: „Die dritte!"
 
Mehrere alte Dienerinnen antworteten eilig: „Die dritte!"
  
„Kein Wunder, dass mir so kalt geworden ist", sagte die Herzoginmutter. Sogleich brachten die Dienstmädchen zusätzliche Kleidungsstücke. Dame Wang stand auf und sagte lächelnd: „Wie wäre es, wenn Ihr Euch ins geheizte Hinterzimmer auf das Ofenbett setzt, alte Ahne? Diese beiden Anverwandten sind keine Fremden, wir begleiten Euch."
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„Kein Wunder, dass mir so kalt geworden ist", sagte die Herzoginmutter. Sogleich brachten die Dienstmädchen zusätzliche Kleidungsstücke. Dame König stand auf und sagte lächelnd: „Wie wäre es, wenn Ihr Euch ins geheizte Hinterzimmer auf das Ofenbett setzt, alte Ahne? Diese beiden Anverwandten sind keine Fremden, wir begleiten Euch."
  
 
Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Wenn schon, dann gehen wir alle zusammen hinein. Da ist es doch auch warm."
 
Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Wenn schon, dann gehen wir alle zusammen hinein. Da ist es doch auch warm."
  
„Ich fürchte nur, es wird dort nicht genug Platz sein", wandte Dame Wang ein.
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„Ich fürchte nur, es wird dort nicht genug Platz sein", wandte Dame König ein.
  
 
„Ich habe eine Idee", sagte die Herzoginmutter lächelnd. „Wir brauchen die vielen Tische nicht mehr. Stellen wir einfach zwei oder drei zusammen und setzen uns alle dicht beieinander — das ist gemütlicher und wärmer zugleich!"
 
„Ich habe eine Idee", sagte die Herzoginmutter lächelnd. „Wir brauchen die vielen Tische nicht mehr. Stellen wir einfach zwei oder drei zusammen und setzen uns alle dicht beieinander — das ist gemütlicher und wärmer zugleich!"
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„Ja, das wird lustig!" riefen alle und erhoben sich von ihren Plätzen. Die Dienerinnen räumten rasch die Reste ab, stellten im Innenraum drei große Tische in einer Reihe zusammen und deckten mit frischem Naschwerk und Speisen auf.
 
„Ja, das wird lustig!" riefen alle und erhoben sich von ihren Plätzen. Die Dienerinnen räumten rasch die Reste ab, stellten im Innenraum drei große Tische in einer Reihe zusammen und deckten mit frischem Naschwerk und Speisen auf.
  
„Jetzt wollen wir nicht so förmlich sein", sagte die Herzoginmutter. „Setzt euch, wie ich es sage." Sie bat Tante Schnee und Tante Li, in der Mitte am Ehrenplatz Platz zu nehmen, setzte sich selbst mit dem Gesicht nach Westen und ließ Baoqin, Kajaljade und Xiangji sich dicht neben ihr platzieren. Zu Schatzjade sagte sie: „Du setzt dich neben deine Mutter!" So wurde er zwischen Dame Xing und Dame Wang genommen. Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schnee Schatz-Spange".</ref> und die anderen Mädchen saßen auf der Westseite. Am unteren Ende schlossen sich Frau Lou mit Jia Jun an, dann Frau You<ref>Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Frau You".</ref> und Frau Li<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".</ref> mit Jia Lan zwischen sich. Am Stirnende ganz unten saß Kaufmann Herrlichkeits Frau.
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„Jetzt wollen wir nicht so förmlich sein", sagte die Herzoginmutter. „Setzt euch, wie ich es sage." Sie bat Tante Schnee und Tante Li, in der Mitte am Ehrenplatz Platz zu nehmen, setzte sich selbst mit dem Gesicht nach Westen und ließ Kostbarzither Schnee, Kajaljade und Xiangji sich dicht neben ihr platzieren. Zu Schatzjade sagte sie: „Du setzt dich neben deine Mutter!" So wurde er zwischen Dame Strafe und Dame König genommen. Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".</ref> und die anderen Mädchen saßen auf der Westseite. Am unteren Ende schlossen sich Frau Lou mit Jia Jun an, dann Dame Sonders<ref>Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Dame Sonders".</ref> und Frau Li<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".</ref> mit Orchidee Kaufmann zwischen sich. Am Stirnende ganz unten saß Herrlichkeit Kaufmanns Frau.
  
 
Dann sagte die Herzoginmutter: „Juwel, geh mit deinen Brüdern nach Hause! Ich lege mich bald schlafen."
 
Dann sagte die Herzoginmutter: „Juwel, geh mit deinen Brüdern nach Hause! Ich lege mich bald schlafen."
  
Kaufmann Juwel bestätigte eilig und wollte mit allen zusammen noch einmal hereintreten. Die Herzoginmutter rief: „Geht nur, kommt nicht extra herein! Wir haben uns gerade erst hingesetzt, und alles steht schon wieder auf. Geh schlafen — morgen stehen noch große Dinge bevor!"
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Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und wollte mit allen zusammen noch einmal hereintreten. Die Herzoginmutter rief: „Geht nur, kommt nicht extra herein! Wir haben uns gerade erst hingesetzt, und alles steht schon wieder auf. Geh schlafen — morgen stehen noch große Dinge bevor!"
  
Kaufmann Juwel bestätigte eilig und sagte noch lächelnd: „Darf Herrlichkeit hierbleiben und den Wein einschenken?"
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Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und sagte noch lächelnd: „Darf Herrlichkeit hierbleiben und den Wein einschenken?"
  
 
Die Herzoginmutter lachte: „Richtig, an ihn hatte ich gar nicht gedacht."
 
Die Herzoginmutter lachte: „Richtig, an ihn hatte ich gar nicht gedacht."
  
Kaufmann Juwel sagte „Jawohl!" und führte Kaufmann Kette und die anderen hinaus. Die beiden waren natürlich erleichtert und froh. Sie ließen Jia Cong und Jia Huang nach Hause bringen und luden einander ein, „Freude zu suchen und Lächeln zu kaufen" [Anm.: Euphemismus für einen Besuch im Vergnügungsviertel]. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.
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Herrlichkeit Kaufmann sagte „Jawohl!" und führte Kette Kaufmann und die anderen hinaus. Die beiden waren natürlich erleichtert und froh. Sie ließen Jia Cong und Unheil Kaufmanng nach Hause bringen und luden einander ein, „Freude zu suchen und Lächeln zu kaufen" [Anm.: Euphemismus für einen Besuch im Vergnügungsviertel]. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.
  
 
Drinnen sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Eben dachte ich noch, dass bei all dem Vergnügen kein einziges Ehepaar unter uns weilt — dabei hatte ich Herrlichkeit ganz vergessen. Nun ist es vollständig. Herrlichkeit, setz dich neben deine Frau, dann sind wir alle vereint und die Familie beisammen!"
 
Drinnen sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Eben dachte ich noch, dass bei all dem Vergnügen kein einziges Ehepaar unter uns weilt — dabei hatte ich Herrlichkeit ganz vergessen. Nun ist es vollständig. Herrlichkeit, setz dich neben deine Frau, dann sind wir alle vereint und die Familie beisammen!"
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Eine Dienerin meldete, dass weitergespielt werden sollte. Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Gerade unterhalten wir uns so angeregt unter uns Frauen, da soll der Lärm wieder losgehen! Außerdem tun mir die Kinder leid, wenn sie so spät in der Nacht noch frieren müssen. Schickt sie zur Ruhe! Lasst stattdessen unsere eigenen Mädchen rufen — die sollen hier auf der Bühne zwei Szenen aufführen, und die kleine Truppe schaut zu."
 
Eine Dienerin meldete, dass weitergespielt werden sollte. Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Gerade unterhalten wir uns so angeregt unter uns Frauen, da soll der Lärm wieder losgehen! Außerdem tun mir die Kinder leid, wenn sie so spät in der Nacht noch frieren müssen. Schickt sie zur Ruhe! Lasst stattdessen unsere eigenen Mädchen rufen — die sollen hier auf der Bühne zwei Szenen aufführen, und die kleine Truppe schaut zu."
  
Die Dienerin bestätigte, ging hinaus und schickte sofort jemanden in den Daguan-Garten, um die Haustruppe zu holen, während am Innentor die Diener bereitstanden. Die Diener gingen zum Bühnengebäude und führten alle erwachsenen Mitglieder der Theatertruppe hinaus; nur die Kinder blieben.
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Die Dienerin bestätigte, ging hinaus und schickte sofort jemanden in den Garten der Großen Anschauung, um die Haustruppe zu holen, während am Innentor die Diener bereitstanden. Die Diener gingen zum Bühnengebäude und führten alle erwachsenen Mitglieder der Theatertruppe hinaus; nur die Kinder blieben.
  
 
Kurze Zeit später kam die Lehrmeisterin vom Birnendufthof mit Wenguan und den elf anderen Mädchen durch das Seitentor des Wandelgangs. Alte Dienerinnen trugen einige weiche Bündel hinterher — da keine Zeit gewesen war, die Kostümtruhen herbeizuschaffen, hatte man in aller Eile nur die Kostüme für die drei bis fünf Szenen eingepackt, von denen man wusste, dass die Herzoginmutter sie gerne sah.
 
Kurze Zeit später kam die Lehrmeisterin vom Birnendufthof mit Wenguan und den elf anderen Mädchen durch das Seitentor des Wandelgangs. Alte Dienerinnen trugen einige weiche Bündel hinterher — da keine Zeit gewesen war, die Kostümtruhen herbeizuschaffen, hatte man in aller Eile nur die Kostüme für die drei bis fünf Szenen eingepackt, von denen man wusste, dass die Herzoginmutter sie gerne sah.
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Die Herzoginmutter rief eine Dienerin herbei und trug ihr auf, Wenguan und ihren Mädchen zu sagen, sie sollten noch den ‚Laternenmond' [Anm.: Dengyue yuan] spielen. Die Dienerin ging hinaus.
 
Die Herzoginmutter rief eine Dienerin herbei und trug ihr auf, Wenguan und ihren Mädchen zu sagen, sie sollten noch den ‚Laternenmond' [Anm.: Dengyue yuan] spielen. Die Dienerin ging hinaus.
  
Unterdessen schenkten Kaufmann Herrlichkeit und seine Frau allen eine Runde Wein ein. Phönixglanz, die bemerkt hatte, dass die Herzoginmutter bestens gelaunt war, schlug lächelnd vor: „Solange die Geschichtenerzählerinnen noch hier sind — wie wäre es, wenn sie die Trommel schlagen, wir einen Pflaumenzweig herumreichen und das Trinkspiel ‚Frühlingslaune steigt bis in die Brauen' spielen?"
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Unterdessen schenkten Herrlichkeit Kaufmann und seine Frau allen eine Runde Wein ein. Phönixglanz, die bemerkt hatte, dass die Herzoginmutter bestens gelaunt war, schlug lächelnd vor: „Solange die Geschichtenerzählerinnen noch hier sind — wie wäre es, wenn sie die Trommel schlagen, wir einen Pflaumenzweig herumreichen und das Trinkspiel ‚Frühlingslaune steigt bis in die Brauen' spielen?"
  
 
Die Herzoginmutter lachte: „Ein schönes Spiel! Es passt zur Jahreszeit und zur Stimmung." Sofort ließ sie eine schwarzlackierte Trommel mit Messingnägeln bringen und den Geschichtenerzählerinnen übergeben. Von einem der Tische ließ sie einen Zweig roter Pflaumenblüten holen. „Wer den Zweig in der Hand hält, wenn die Trommel schweigt", sagte die Herzoginmutter, „trinkt einen Becher und muss auch etwas zum Besten geben."
 
Die Herzoginmutter lachte: „Ein schönes Spiel! Es passt zur Jahreszeit und zur Stimmung." Sofort ließ sie eine schwarzlackierte Trommel mit Messingnägeln bringen und den Geschichtenerzählerinnen übergeben. Von einem der Tische ließ sie einen Zweig roter Pflaumenblüten holen. „Wer den Zweig in der Hand hält, wenn die Trommel schweigt", sagte die Herzoginmutter, „trinkt einen Becher und muss auch etwas zum Besten geben."
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Nachdem die Musik verklungen und das Spiel auf der Bühne beendet war, ließ die Herzoginmutter Wenguan und den anderen Mädchen Suppen, Speisen und Obst bringen. Dann befahl sie, mit der Trommel zu beginnen.
 
Nachdem die Musik verklungen und das Spiel auf der Bühne beendet war, ließ die Herzoginmutter Wenguan und den anderen Mädchen Suppen, Speisen und Obst bringen. Dann befahl sie, mit der Trommel zu beginnen.
  
Die Geschichtenerzählerinnen waren geübt darin: Mal schlugen sie schnell, mal langsam — bald wie das letzte Tröpfeln einer Wasseruhr, bald wie das Prasseln ausgeschütteter Bohnen, bald wie das Galoppieren aufgeschreckter Pferde, bald wie ein Blitz, der aufzuckt und sogleich verlischt. War der Trommelschlag langsam, so wanderte auch der Pflaumenzweig langsam; war er schnell, so flog der Zweig von Hand zu Hand. Und ausgerechnet als der Zweig in der Hand der Herzoginmutter war, verstummte die Trommel. Alle lachten laut auf, und Kaufmann Herrlichkeit eilte herbei, um der Herzoginmutter einen Becher einzuschenken.
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Die Geschichtenerzählerinnen waren geübt darin: Mal schlugen sie schnell, mal langsam — bald wie das letzte Tröpfeln einer Wasseruhr, bald wie das Prasseln ausgeschütteter Bohnen, bald wie das Galoppieren aufgeschreckter Pferde, bald wie ein Blitz, der aufzuckt und sogleich verlischt. War der Trommelschlag langsam, so wanderte auch der Pflaumenzweig langsam; war er schnell, so flog der Zweig von Hand zu Hand. Und ausgerechnet als der Zweig in der Hand der Herzoginmutter war, verstummte die Trommel. Alle lachten laut auf, und Herrlichkeit Kaufmann eilte herbei, um der Herzoginmutter einen Becher einzuschenken.
  
 
„Natürlich kommt die alte Ahne als Erste in den Genuss", sagten alle, „und durch Euer Glück fällt auch für uns etwas ab!"
 
„Natürlich kommt die alte Ahne als Erste in den Genuss", sagten alle, „und durch Euer Glück fällt auch für uns etwas ab!"
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„Die Witze der alten Ahne sind noch besser und zahlreicher als die von Phönixglanz! Schenkt uns doch einen, damit auch wir etwas zu lachen haben!"
 
„Die Witze der alten Ahne sind noch besser und zahlreicher als die von Phönixglanz! Schenkt uns doch einen, damit auch wir etwas zu lachen haben!"
  
Die Herzoginmutter lachte: „Wirklich, ich kenne keinen neuen, der besonders komisch wäre. Aber ich muss wohl mein dickes Fell zusammennehmen und es versuchen." Und sie erzählte: „Es war einmal eine Familie, die zehn Söhne großzog und zehn Schwiegertöchter ins Haus nahm. Doch nur die zehnte Schwiegertochter war klug und redegewandt, die Schwiegereltern hatten sie am liebsten und sagten den lieben langen Tag, die neun anderen seien nicht respektvoll genug. Die neun fühlten sich ungerecht behandelt und berieten miteinander: ‚Im Herzen sind wir den Schwiegereltern ergeben, aber wir haben nicht so ein flinkes Mundwerk wie die Kleine. Darum loben die alten Leute nur sie. Wem sollen wir unser Leid klagen?' Die älteste hatte einen Einfall und schlug vor: ‚Gehen wir morgen in den Tempel des Höllenkönigs und brennen dort Weihrauch ab! Dann fragen wir den Höllenkönig, warum er bei unserer Geburt nur der Kleinen ein so flinkes Mundwerk gegeben und uns alle dumm gemacht hat.' Die anderen fanden das gut, und am nächsten Tag gingen alle neun in den Tempel und brannten Weihrauch ab. Dann schliefen sie unter dem Opfertisch ein, und ihre neun Seelen warteten auf den Höllenkönig. Sie warteten und warteten, links warteten sie, rechts warteten sie, aber er kam nicht. Schon wurden sie ungeduldig, da erschien auf einer Wolke und mit einem Purzelbaum der Affenkönig Sun Wukong [Anm.: die berühmte Figur aus der ‚Reise nach Westen']. Als er die neun Seelen erblickte, hob er seine Goldreif-Eisenstange und wollte zuschlagen. Erschrocken warfen sich die neun auf die Knie und baten um Gnade. Sun Wukong fragte, was los sei, und die neun erzählten ihm alles haarklein. Sun Wukong stampfte mit dem Fuß auf, seufzte und sagte: ‚Gut, dass ihr mich getroffen habt! Selbst wenn der Höllenkönig gekommen wäre, hätte er euch den Grund nicht erklären können.' Die neun baten: ‚Erbarmt Euch, großer Heiliger, dann wird es uns besser gehen!' Sun Wukong lachte: ‚Das ist nicht weiter schwierig. An dem Tag, als ihr zehn Schwägerinnen ins Leben geschickt wurdet, war ich zufällig gerade beim Höllenkönig und habe auf den Boden gepinkelt, und eure kleine Schwägerin hat davon geleckt. Wenn ihr auch so redegewandt sein wollt — zu pinkeln habe ich genug. Ich pinkle noch einmal, und ihr leckt es auf, dann ist alles in Ordnung!'"
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Die Herzoginmutter lachte: „Wirklich, ich kenne keinen neuen, der besonders komisch wäre. Aber ich muss wohl mein dickes Fell zusammennehmen und es versuchen." Und sie erzählte: „Es war einmal eine Familie, die zehn Söhne großzog und zehn Schwiegertöchter ins Haus nahm. Doch nur die zehnte Schwiegertochter war klug und redegewandt, die Schwiegereltern hatten sie am liebsten und sagten den lieben langen Tag, die neun anderen seien nicht respektvoll genug. Die neun fühlten sich ungerecht behandelt und berieten miteinander: ‚Im Herzen sind wir den Schwiegereltern ergeben, aber wir haben nicht so ein flinkes Mundwerk wie die Kleine. Darum loben die alten Leute nur sie. Wem sollen wir unser Leid klagen?' Die älteste hatte einen Einfall und schlug vor: ‚Gehen wir morgen in den Tempel des Höllenkönigs und brennen dort Weihrauch ab! Dann fragen wir den Höllenkönig, warum er bei unserer Geburt nur der Kleinen ein so flinkes Mundwerk gegeben und uns alle dumm gemacht hat.' Die anderen fanden das gut, und am nächsten Tag gingen alle neun in den Tempel und brannten Weihrauch ab. Dann schliefen sie unter dem Opfertisch ein, und ihre neun Seelen warteten auf den Höllenkönig. Sie warteten und warteten, links warteten sie, rechts warteten sie, aber er kam nicht. Schon wurden sie ungeduldig, da erschien auf einer Wolke und mit einem Purzelbaum der Affenkönig Sun Wukong [Anm.: die berühmte Figur aus der ‚Reise nach Westen']. Als er die neun Seelen erblickte, hob er seine Goldarmreif-Eisenstange und wollte zuschlagen. Erschrocken warfen sich die neun auf die Knie und baten um Gnade. Sun Wukong fragte, was los sei, und die neun erzählten ihm alles haarklein. Sun Wukong stampfte mit dem Fuß auf, seufzte und sagte: ‚Gut, dass ihr mich getroffen habt! Selbst wenn der Höllenkönig gekommen wäre, hätte er euch den Grund nicht erklären können.' Die neun baten: ‚Erbarmt Euch, großer Heiliger, dann wird es uns besser gehen!' Sun Wukong lachte: ‚Das ist nicht weiter schwierig. An dem Tag, als ihr zehn Schwägerinnen ins Leben geschickt wurdet, war ich zufällig gerade beim Höllenkönig und habe auf den Boden gepinkelt, und eure kleine Schwägerin hat davon geleckt. Wenn ihr auch so redegewandt sein wollt — zu pinkeln habe ich genug. Ich pinkle noch einmal, und ihr leckt es auf, dann ist alles in Ordnung!'"
  
 
Damit hatte die Herzoginmutter ihre Geschichte beendet, und alle brachen in schallendes Gelächter aus.
 
Damit hatte die Herzoginmutter ihre Geschichte beendet, und alle brachen in schallendes Gelächter aus.
Line 268: Line 259:
 
Phönixglanz lachte: „Zum Glück haben wir alle ein dummes Mundwerk — sonst hätten wir wohl auch Affenurin geleckt!"
 
Phönixglanz lachte: „Zum Glück haben wir alle ein dummes Mundwerk — sonst hätten wir wohl auch Affenurin geleckt!"
  
Frau You und Frau Lou deuteten lachend auf Frau Li und sagten: „Wer von uns hier hat wohl Affenurin geleckt? Die soll nicht so tun, als ginge sie das nichts an!"
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Dame Sonders und Frau Lou deuteten lachend auf Frau Li und sagten: „Wer von uns hier hat wohl Affenurin geleckt? Die soll nicht so tun, als ginge sie das nichts an!"
  
 
Tante Schnee meinte lächelnd: „Bei einem Witz kommt es nicht darauf an, ob er gut oder schlecht ist — wenn er nur treffend ist, muss man lachen."
 
Tante Schnee meinte lächelnd: „Bei einem Witz kommt es nicht darauf an, ob er gut oder schlecht ist — wenn er nur treffend ist, muss man lachen."
Line 280: Line 271:
 
Noch bevor sie fertig war, lachten alle schon und sagten: „Hört nur, wie sie plappert! Wen will sie wohl wieder hochnehmen?"
 
Noch bevor sie fertig war, lachten alle schon und sagten: „Hört nur, wie sie plappert! Wen will sie wohl wieder hochnehmen?"
  
Frau You sagte lächelnd: „Wenn du mich meinst, zerreiße ich dir den Mund!"
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Dame Sonders sagte lächelnd: „Wenn du mich meinst, zerreiße ich dir den Mund!"
  
 
Phönixglanz stand auf, schlug die Hände zusammen und sagte lachend: „Man gibt sich solche Mühe, etwas zu erzählen, und ihr redet dazwischen! Dann erzähle ich eben nichts mehr!"
 
Phönixglanz stand auf, schlug die Hände zusammen und sagte lachend: „Man gibt sich solche Mühe, etwas zu erzählen, und ihr redet dazwischen! Dann erzähle ich eben nichts mehr!"
Line 304: Line 295:
 
Phönixglanz sagte lächelnd: „Draußen ist es schon vier Uhr. Mir scheint, die alte Ahne ist müde. Wir sollten es auch halten wie ‚die tauben Männer mit dem Böller — und auseinandergehen'!"
 
Phönixglanz sagte lächelnd: „Draußen ist es schon vier Uhr. Mir scheint, die alte Ahne ist müde. Wir sollten es auch halten wie ‚die tauben Männer mit dem Böller — und auseinandergehen'!"
  
Frau You und die anderen pressten ihre Taschentücher vor den Mund und bogen sich vor und zurück vor Lachen. Mit dem Finger auf Phönixglanz deutend, sagten sie: „Dieses Ding hat wirklich ein loses Mundwerk!"
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Dame Sonders und die anderen pressten ihre Taschentücher vor den Mund und bogen sich vor und zurück vor Lachen. Mit dem Finger auf Phönixglanz deutend, sagten sie: „Dieses Ding hat wirklich ein loses Mundwerk!"
  
 
Die Herzoginmutter lachte: „Unser Phönixglanz-Mädchen wird wirklich immer schlimmer!" Dann sagte sie: „Aber da sie nun einmal das Feuerwerk erwähnt hat — lasst uns tatsächlich jetzt welches abbrennen, dann werden wir wieder nüchtern."
 
Die Herzoginmutter lachte: „Unser Phönixglanz-Mädchen wird wirklich immer schlimmer!" Dann sagte sie: „Aber da sie nun einmal das Feuerwerk erwähnt hat — lasst uns tatsächlich jetzt welches abbrennen, dann werden wir wieder nüchtern."
  
Kaum hatte Kaufmann Herrlichkeit das gehört, eilte er hinaus und baute mit den Dienern im Hof die Feuerwerksgestelle auf. All diese Feuerwerkskörper waren Tributgeschenke aus verschiedenen Landesteilen. Sie waren zwar nicht groß, aber äußerst kunstvoll gefertigt, mit allerlei Motiven verziert und mit bunten Knallkörpern durchmischt.
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Kaum hatte Herrlichkeit Kaufmann das gehört, eilte er hinaus und baute mit den Dienern im Hof die Feuerwerksgestelle auf. All diese Feuerwerkskörper waren Tributgeschenke aus verschiedenen Landesteilen. Sie waren zwar nicht groß, aber äußerst kunstvoll gefertigt, mit allerlei Motiven verziert und mit bunten Knallkörpern durchmischt.
  
 
Kajaljade, von Natur aus zart besaitet, konnte das Krachen nicht ertragen, und die Herzoginmutter nahm sie in ihre Arme. Tante Schnee schloss Xiangji in die Arme, die aber lachend sagte: „Ich fürchte mich nicht."
 
Kajaljade, von Natur aus zart besaitet, konnte das Krachen nicht ertragen, und die Herzoginmutter nahm sie in ihre Arme. Tante Schnee schloss Xiangji in die Arme, die aber lachend sagte: „Ich fürchte mich nicht."
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Schatzspange und die anderen lachten: „Sie brennt am liebsten selber die größten Böller ab — warum sollte sie sich vor so etwas fürchten?"
 
Schatzspange und die anderen lachten: „Sie brennt am liebsten selber die größten Böller ab — warum sollte sie sich vor so etwas fürchten?"
  
Dame Wang nahm Schatzjade an ihre Brust. Phönixglanz klagte lächelnd: „Und mich hat keiner lieb!"
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Dame König nahm Schatzjade an ihre Brust. Phönixglanz klagte lächelnd: „Und mich hat keiner lieb!"
  
Frau You lachte: „Ich bin doch da! Ich nehme dich in den Arm. Schämst du dich nicht, Kind! Kaum hörst du, dass Feuerwerk abgebrannt wird, benimmst du dich, als hättest du Bienenhonig gegessen [Anm.: wörtl. ‚Bienendreck'; Redensart für übermütige Ausgelassenheit], und wirst wieder übermütig."
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Dame Sonders lachte: „Ich bin doch da! Ich nehme dich in den Arm. Schämst du dich nicht, Kind! Kaum hörst du, dass Feuerwerk abgebrannt wird, benimmst du dich, als hättest du Bienenhonig gegessen [Anm.: wörtl. ‚Bienendreck'; Redensart für übermütige Ausgelassenheit], und wirst wieder übermütig."
  
 
Phönixglanz lachte: „Wartet nur, bis wir hier fertig sind! Dann werde ich im Garten selber Feuerwerk abbrennen — ich mache das noch besser als die Jungen!"
 
Phönixglanz lachte: „Wartet nur, bis wir hier fertig sind! Dann werde ich im Garten selber Feuerwerk abbrennen — ich mache das noch besser als die Jungen!"
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„Nein, der geht gerade noch", sagte die Herzoginmutter. Sogleich wurden die Reste abgeräumt und draußen verschiedene feine kleine Schüsseln aufgetragen. Jeder aß davon nach Lust und Laune. Nachdem man sich mit Tee den Mund gespült hatte, ging man auseinander.
 
„Nein, der geht gerade noch", sagte die Herzoginmutter. Sogleich wurden die Reste abgeräumt und draußen verschiedene feine kleine Schüsseln aufgetragen. Jeder aß davon nach Lust und Laune. Nachdem man sich mit Tee den Mund gespült hatte, ging man auseinander.
  
Am Morgen des Siebzehnten begab man sich noch einmal ins Ning-guo-Anwesen, vollzog die letzten Riten, half den Ahnentempel zu verschließen und die Ahnenporträts abzunehmen und zu verwahren. Dann kehrte man zurück. An diesem Tag lud Tante Schnee zum Neujahrsmahl ein. Am Achtzehnten folgte Lai Da, am Neunzehnten Lai Sheng aus dem Ning-guo-Anwesen, am Zwanzigsten Lin Zhixiao, am Einundzwanzigsten Shan Daliang und am Zweiundzwanzigsten Wu Xindeng.
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Am Morgen des Siebzehnten begab man sich noch einmal ins Stillfriede-Anwesen, vollzog die letzten Riten, half den Ahnentempel zu verschließen und die Ahnenporträts abzunehmen und zu verwahren. Dann kehrte man zurück. An diesem Tag lud Tante Schnee zum Neujahrsmahl ein. Am Achtzehnten folgte Lai Da, am Neunzehnten Lai Sheng aus dem Stillfriede-Anwesen, am Zwanzigsten Lin Zhixiao, am Einundzwanzigsten Shan Daliang und am Zweiundzwanzigsten Wu Xindeng.
  
Bei manchen dieser Feiern war die Herzoginmutter dabei, bei manchen nicht. Manchmal blieb sie, bis die anderen Gäste gingen, manchmal kehrte sie nach einem halben Tag oder gar nach einer Stunde schon zurück. An den Feiern, zu denen Verwandte und Freunde einluden oder erschienen, nahm die Herzoginmutter nie teil, weil sie die steife Atmosphäre nicht mochte; das überließ sie Dame Xing, Dame Wang und Phönixglanz.
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Bei manchen dieser Feiern war die Herzoginmutter dabei, bei manchen nicht. Manchmal blieb sie, bis die anderen Gäste gingen, manchmal kehrte sie nach einem halben Tag oder gar nach einer Stunde schon zurück. An den Feiern, zu denen Verwandte und Freunde einluden oder erschienen, nahm die Herzoginmutter nie teil, weil sie die steife Atmosphäre nicht mochte; das überließ sie Dame Strafe, Dame König und Phönixglanz.
  
Auch Schatzjade besuchte einzig das Fest bei Wang Ziteng; bei allen anderen behauptete er, die Herzoginmutter habe ihn bei sich behalten, um ihr Gesellschaft zu leisten. So folgte die Herzoginmutter mit Vergnügen nur den Einladungen von Hausangehörigen, wo sie sich ungezwungen geben konnte.
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Auch Schatzjade besuchte einzig das Fest bei König Ziteng; bei allen anderen behauptete er, die Herzoginmutter habe ihn bei sich behalten, um ihr Gesellschaft zu leisten. So folgte die Herzoginmutter mit Vergnügen nur den Einladungen von Hausangehörigen, wo sie sich ungezwungen geben konnte.
  
 
Doch genug der müßigen Worte. Das Laternenfest war vorüber —
 
Doch genug der müßigen Worte. Das Laternenfest war vorüber —
  
 
<references />
 
<references />

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel 54

Die Herzoginmutter[1] entlarvt Geschichten als Lügen — Phönixglanz[2] imitiert die Zungenakrobatik der Geschichtenerzählerinnen

Es wird erzählt, dass Herrlichkeit Kaufmann[3] und Kette Kaufmann[4] heimlich große Körbe voll Münzen hatten bereitstellen lassen. Als sie hörten, wie die Herzoginmutter „Belohnt ihn!" rief, befahlen auch sie ihren Dienern, eilends Münzen auf die Bühne zu streuen. Es klirrte und klimperte über die ganze Bühne, und die Herzoginmutter war hocherfreut.

Dann erhoben sich die beiden, und ein Diener reichte Kette Kaufmann rasch eine frisch gefüllte, warme Silberkanne. Er folgte Herrlichkeit Kaufmann ins Innere der Halle. Herrlichkeit Kaufmann trat zuerst an Tante Lis Tisch, verbeugte sich, nahm ihren Weinbecher, drehte sich um, und Kette Kaufmann schenkte sogleich ein. Danach traten sie an Tante Schnee[5]s Tisch und schenkten auch ihr ein.

Beide Damen erhoben sich lächelnd und sagten: „Bitte setzt Euch doch, ihr jungen Herren! Wozu diese Förmlichkeiten?" Daraufhin standen — mit Ausnahme von Dame Strafe[6] und Dame König[7] — alle Gäste von ihren Plätzen auf und traten in dienstfertiger Haltung zur Seite.

Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann traten vor die Ruhebank der Herzoginmutter. Da die Bank niedrig war, knieten sie sich nieder: Herrlichkeit Kaufmann hielt vorne den Becher, Kette Kaufmann dahinter die Kanne. Obwohl nur die beiden den Wein einschenkten, waren auch Unheil Kaufmann[8] und die anderen jüngeren Männer in der vorgeschriebenen Rangfolge hinter ihnen eingetreten und knieten sich nun ebenfalls nieder, als sie die beiden knien sahen.

Auch Schatzjade[9] kniete eilig nieder. Xiangji[10] stieß ihn verstohlen an und flüsterte lächelnd: „Warum kniest du denn jetzt auch? Wenn schon, dann geh doch lieber selber eine Runde einschenken, das wäre doch viel besser!"

Schatzjade flüsterte lächelnd zurück: „Warte, gleich werde ich einschenken." Erst als die beiden ihr Einschenken beendet hatten und sich erhoben, stand auch er wieder auf. Anschließend schenkten sie auch Dame Strafe und Dame König ein.

Herrlichkeit Kaufmann fragte lächelnd: „Und wie steht es mit den Schwestern?"

Die Herzoginmutter und die anderen sagten: „Geht ihr nur! Dann fühlen sie sich weniger befangen." Erst danach zogen sich Herrlichkeit Kaufmann und sein Gefolge zurück.

Es war noch nicht die zweite Nachtwache, und auf der Bühne wurden gerade acht Akte aus dem Stück „Die Acht Pflichtgetreuen" [Anm.: Bayi ji] gegeben, darunter die „Laternenszene". Mitten im lebhaftesten Treiben stand Schatzjade vom Tisch auf und wollte hinausgehen.

Die Herzoginmutter rief: „Wohin willst du? Draußen fliegen die Feuerwerkskörper wild umher, pass auf, dass kein brennendes Papier auf dich herabfällt!" Schatzjade erwiderte: „Ich gehe nicht weit, nur kurz hinaus und komme gleich zurück." Die Herzoginmutter befahl den alten Dienerinnen, gut auf ihn achtzugeben.

So ging Schatzjade hinaus, begleitet nur von Moschusmond[11], Herbstmuster und einigen kleinen Dienstmädchen. Da bemerkte die Herzoginmutter: „Wo ist eigentlich Dufthauch[12]? Sie gibt sich neuerdings auch schon wichtig und schickt nur die kleinen Mädchen mit."

Dame König erhob sich eilig und erwiderte lächelnd: „Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, und da sie sich noch in der frischen Trauerzeit befindet, konnte sie nicht nach vorne kommen."

Die Herzoginmutter hörte das und nickte, sagte dann aber lächelnd: „Wer seiner Herrschaft dient, der kann sich solche Trauerbräuche nicht leisten. Wenn sie immer noch mir diente, wäre sie dann jetzt etwa auch nicht hier? Weil wir zu nachgiebig gewesen sind und genügend andere zur Verfügung hatten, hat sich niemand darum gekümmert, und so ist es zur Gewohnheit geworden."

Phönixglanz trat eilig lächelnd vor und sagte: „Selbst wenn sie keine Trauer hätte — heute Abend muss jemand den Garten bewachen. Laternen, Kerzen und Feuerwerkskörper sind höchst gefährlich. Sobald hier Theater gespielt wird, schleichen sich die Leute aus dem Garten herüber, um zuzugucken. Dufthauch ist gewissenhaft und kann überall nach dem Rechten sehen. Außerdem — wenn das Fest hier vorbei ist und Bruder Schatzjade nach Hause geht, soll alles bereitstehen: das Bettzeug vorgewärmt, Tee und heißes Wasser bereit. Wenn sie auch noch hier wäre, würde sich niemand darum kümmern, und er käme in ein kaltes Bett und fände nichts Rechtes vor. Deshalb habe ich ihr gesagt, sie brauche nicht zu kommen, sondern solle nur das Haus hüten. Wenn das Fest dann vorbei ist und alles bereit steht, brauchen wir uns hier keine Sorgen zu machen, und zugleich wahrt sie ihre Trauerform — ist das nicht dreifach vorteilhaft? Wenn die alte Ahne sie dennoch haben will, lasse ich sie sofort rufen."

Die Herzoginmutter hörte das und sagte schnell: „Du hast ganz recht, du hast umsichtiger gedacht als ich. Ruft sie ja nicht! Aber wann ist ihre Mutter denn gestorben? Warum weiß ich nichts davon?"

Phönixglanz lachte: „Neulich ist Dufthauch persönlich bei Euch gewesen und hat es Euch berichtet, alte Ahne. Habt Ihr es denn vergessen?"

Die Herzoginmutter dachte nach und sagte dann lächelnd: „Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Mein Gedächtnis wird wirklich schlecht."

Die anderen lachten alle und sagten: „Wie sollte sich die alte Ahne an so etwas erinnern!"

Die Herzoginmutter seufzte und sagte: „Wenn ich bedenke, wie sie mich von klein auf bedient hat, dann Xiangji bedient hat und schließlich diesem Teufel Schatzjade zugeteilt wurde, der sie nun all die Jahre geplagt hat — und dabei ist sie nicht einmal eine bei uns geborene Haussklavin und hat keine großen Gnadenerweise von uns empfangen. Als ihre Mutter starb, wollte ich ihr ein paar Liang Silber für die Beerdigung geben, und dann habe ich es vergessen."

„Vor einigen Tagen hat die gnädige Frau ihr vierzig Liang Silber geschenkt", sagte Phönixglanz. „Das war ganz angemessen."

Die Herzoginmutter nickte: „Na, das geht gerade noch. Übrigens ist Mandarinenente[13]s Mutter auch vor kurzem gestorben, aber da ihre Eltern beide im Süden leben, habe ich sie nicht nach Hause geschickt, um Trauer zu halten. Jetzt sollen die beiden einander Gesellschaft leisten." Und sie befahl den alten Dienerinnen, Obst, Speisen und Naschwerk zu den beiden hinüberzubringen.

Hupo sagte lächelnd: „Da braucht Ihr nicht mehr zu warten — Mandarinenente ist schon längst bei ihr drüben."

Damit wandten sich alle wieder dem Wein und dem Theaterspiel zu.

Unterdessen war Schatzjade geradewegs in den Garten gegangen. Als die alten Begleitfrauen sahen, dass er nach Hause ging, folgten sie ihm nicht weiter, sondern setzten sich in die Teeküche am Gartentor, um sich am Feuer zu wärmen, heimlich Wein zu trinken und mit den Teeköchinnen Karten zu spielen.

Als Schatzjade seinen Hof betrat, brannten zwar überall die Laternen hell, doch es war kein Menschenlaut zu hören. Moschusmond sagte: „Schlafen sie etwa schon? Schleichen wir uns leise hinein und erschrecken sie!" Also gingen alle auf Zehenspitzen und schlichen sich um die Spiegelwand. Da sahen sie, wie Dufthauch mit einer zweiten Person auf dem Ofenbett lehnte, einander gegenüber, während am anderen Ende zwei oder drei alte Ammen vor sich hin dösten.

Schatzjade glaubte, die beiden schliefen, und wollte gerade eintreten, als er plötzlich hörte, wie Mandarinenente seufzte und sagte: „Ja, man kann wirklich nie wissen, wie die Dinge sich fügen auf dieser Welt. Du bist ganz allein hier bei der Familie, deine Eltern sind draußen, und jedes Jahr sind sie bald im Osten, bald im Westen unterwegs, ohne festen Aufenthalt. Man hätte meinen sollen, du könntest sie nicht zu Grabe tragen. Und nun ist deine Mutter ausgerechnet hier gestorben, und du konntest ihr doch noch das letzte Geleit geben."

Dufthauch erwiderte: „Genau das habe ich auch nicht erwartet — dass ich beim Ableben meiner Eltern zugegen sein könnte. Die gnädige Frau hat mir sogar vierzig Liang Silber geschenkt. Damit zeigt sie immerhin, dass sie meine Aufzucht nicht vergessen hat. Ich sollte mir keine weitergehenden Wünsche erlauben."

Als Schatzjade das hörte, drehte er sich rasch um und flüsterte Moschusmond und den anderen zu: „Wer hätte gedacht, dass auch sie hier ist! Wenn ich jetzt hineingehe, wird sie sich ärgern und gehen. Kommt, wir kehren lieber um und lassen die beiden in Ruhe miteinander reden. Dufthauch hat sich allein gegrämt, und Mandarinenentes Besuch kommt ihr gerade recht." Damit schlichen sie leise wieder hinaus.

Schatzjade ging hinter einen Felsen, blieb stehen und schürzte seine Kleider auf. Moschusmond und Herbstmuster blieben stehen, wandten sich ab und sagten lächelnd: „Hock dich erst hin, bevor du die Hosen aufbindest, damit dir der Wind nicht auf den Bauch bläst!" Die beiden kleinen Dienstmädchen, die hinterherkamen, begriffen, dass es um ein kleines Geschäft ging, und eilten zur Teeküche voraus, um heißes Wasser vorzubereiten.

Kaum hatte sich Schatzjade umgedreht und war zurückgekommen, da begegneten ihnen zwei Dienerinnen. „Wer ist da?" fragten sie.

Herbstmuster sagte: „Schatzjade ist hier. Passt auf, dass ihr ihn nicht mit eurem Geschrei erschreckt!"

Die Dienerinnen lachten sogleich und sagten: „Wir wussten es nicht! Am Feiertag richtet man noch ein Unglück an. Die Fräulein haben gewiss in diesen Tagen viel gearbeitet."

Damit waren sie näher gekommen, und Moschusmond fragte: „Was tragt ihr da?"

Die Frauen antworteten: „Speisen, die die alte Ahne den Fräulein Jin und Hua zu essen schickt."

Herbstmuster lachte: „Man spielt doch ‚Die Acht Pflichtgetreuen' und nicht ‚Die Zauberdose' [Anm.: Hunyuanhe] — woher kommt da plötzlich eine ‚Goldblumen-Göttin'?" [Anm.: Wortspiel mit den Namen Jin und Hua.]

Schatzjade befahl lächelnd: „Macht mal auf, ich möchte sehen, was drin ist!" Herbstmuster und Moschusmond traten schnell heran und hoben die Deckel der beiden Schachteln. Die Frauen duckten sich eilig nieder. Schatzjade sah, dass in beiden Schachteln auserlesene Früchte und Speisen von der Festtafel lagen, nickte kurz und ging weiter. Moschusmond und Herbstmuster warfen rasch die Deckel wieder drauf und folgten ihm.

Schatzjade sagte lächelnd: „Diese beiden Frauen sind nett und können mit Leuten umgehen. Sie selbst sind Tag für Tag auf den Beinen und sagen trotzdem, ihr hättet es in diesen Tagen schwer. Sie gehören nicht zu denen, die ständig nur sich selbst loben."

Moschusmond erwiderte: „Die Netten sind wirklich nett, aber die Ungehobelten sind auch wirklich ungehobelt."

Schatzjade lachte: „Ihr seid kluge Mädchen. Habt Nachsicht mit denen, die plump und ungelenk sind, dann ist alles in Ordnung."

Bei diesen Worten kamen sie am Gartentor an. Die alten Begleitfrauen hatten zwar Wein getrunken und Karten gespielt, aber zwischendurch immer wieder nach draußen geschaut. Als sie Schatzjade kommen sahen, schlossen sie sich ihm wieder an.

Im Säulengang hinter der Gästehalle warteten bereits die beiden kleinen Dienstmädchen: Eine hielt ein Waschbecken in den Händen, die andere trug ein Handtuch und hatte ein Fläschchen mit wohlriechendem Öl dabei. Sie warteten schon geraume Zeit.

Herbstmuster steckte prüfend die Hand ins Becken und sagte: „Je älter du wirst, desto nachlässiger! Wo hast du dieses kalte Wasser her?"

Das kleine Mädchen lachte: „Fräulein, schaut Euch doch das Wetter an! Aus Angst, das Wasser könnte kalt werden, habe ich es extra kochend heiß eingefüllt, und trotzdem ist es schon abgekühlt."

Gerade als sie das sagte, kam eine alte Dienerin mit einer Kanne voll kochendem Wasser vorbei. Das kleine Mädchen bat: „Liebe Oma, gießt mir doch bitte etwas heißes Wasser zu!"

Die Alte erwiderte: „Junge Dame, das ist für den Tee der alten Ahne! Geh selber welches holen, das wird dir nicht die Füße abreißen."

Herbstmuster fuhr sie an: „Ganz gleich, für wen es bestimmt ist — wenn Ihr es nicht hergebt, gieße ich kurzerhand den Tee der alten Ahne ins Waschbecken, damit er sich die Hände wäscht!" Die Alte drehte sich um, erkannte Herbstmuster und hob sofort die Kanne, um heißes Wasser einzugießen.

„Genug!" sagte Herbstmuster. „In Eurem Alter solltet Ihr es besser wissen. Jeder sieht doch, dass das Wasser für die alte Ahne ist — wer keinen Anspruch darauf hat, würde es auch nie verlangen."

Die Alte lachte entschuldigend: „Mir flimmert es vor den Augen, ich hatte Euch nicht erkannt."

Schatzjade wusch sich die Hände. Das kleine Mädchen goss ihm etwas von dem Duftöl auf die Handfläche, und er rieb sich die Hände ein. Moschusmond und Herbstmuster nutzten ebenfalls das warme Wasser, wuschen sich die Hände und rieben sie ein. Dann folgten sie Schatzjade hinein.

Schatzjade ließ sich eine Kanne warmen Wein geben und schenkte als erstes Tante Li und Tante Schnee ein. Beide baten ihn, sich zu setzen, doch die Herzoginmutter sagte: „Er ist noch klein, lasst ihn ruhig einschenken! Aber alle müssen ihren Becher leeren!" Mit diesen Worten trank sie ihren eigenen Becher leer. Dame Strafe und Dame König beeilten sich ebenfalls, ihre Becher zu leeren, und baten die beiden Damen, ihrem Beispiel zu folgen. Tante Schnee und Tante Li mussten wohl oder übel austrinken.

Dann befahl die Herzoginmutter Schatzjade: „Schenke jetzt auch allen deinen Schwestern ein, schön der Reihe nach! Aber achte darauf, dass jede ihren Becher leert."

„Jawohl!" sagte Schatzjade und schenkte allen der Rangfolge nach ein. Als er zu Kajaljade[14] kam, wollte sie gerade nicht trinken, nahm den Becher, führte ihn an Schatzjades Lippen, und Schatzjade trank ihn in einem Zug leer.

„Danke!" sagte Kajaljade lächelnd, und Schatzjade füllte ihren Becher wieder auf.

Phönixglanz trat lächelnd heran und sagte: „Schatzjade, trink keinen kalten Wein! Sonst zittern dir morgen die Hände, und du kannst weder schreiben noch den Bogen spannen."

Eilig beteuerte Schatzjade: „Ich habe keinen kalten Wein getrunken."

„Ich weiß", lachte Phönixglanz. „Ich wollte dich nur daran erinnern."

Nachdem Schatzjade im Inneren der Halle allen eingeschenkt hatte — nur Hibiskus Kaufmann[15]' Frau wurde von den Dienstmädchen bedient —, ging er wieder hinaus in den Säulengang und schenkte auch Herrlichkeit Kaufmann und den anderen Männern ein. Er setzte sich eine Weile zu ihnen und kehrte dann auf seinen alten Platz zurück.

Bald darauf wurde Suppe serviert, und anschließend kamen die Yuanxiao [Anm.: gefüllte Klebreisbällchen, traditionelle Speise zum Laternenfest]. Die Herzoginmutter befahl, den kleinen Schauspielern eine Pause zu gönnen: „Die armen Kinder! Gebt ihnen erst heiße Suppe und warme Speisen, dann sollen sie weiterspielen." Sie ließ ihnen auch Obst und Yuanxiao bringen.

Als das Spiel unterbrochen war, ließen die alten Dienerinnen zwei Geschichtenerzählerinnen herein, die regelmäßig ins Haus kamen. Man stellte ihnen zwei Hocker hin und reichte ihnen eine dreisaitige Laute und eine Pipa [Anm.: chin. Laute].

Die Herzoginmutter fragte Tante Li und Tante Schnee, was sie hören wollten, und beide antworteten: „Ganz gleich, alles ist uns recht."

Die Herzoginmutter fragte die Erzählerinnen: „Habt ihr in letzter Zeit etwas Neues im Repertoire?"

Die beiden Frauen antworteten: „Ja, wir haben eine neue Geschichte aus der Zeit des Endes der Tang-Dynastie und der Fünf Dynastien."

„Wie heißt sie?" fragte die Herzoginmutter.

„'Der Phönix wirbt um die Phönisin'", lautete die Antwort.

„Das klingt nicht schlecht", sagte die Herzoginmutter. „Was ist der Inhalt? Erzählt erst einmal ungefähr die Ausgangslage, und wenn sie mir gefällt, hören wir weiter."

Eine der Erzählerinnen begann: „In dieser Geschichte lebte gegen Ende der Tang-Dynastie ein Beamter im Ruhestand, der aus Jinling stammte und König Zhong hieß. Unter zwei Kaisern hatte er als Kanzler gedient und sich dann zur Ruhe gesetzt. Er hatte nur einen einzigen Sohn, der hieß König Phönixglanz."

Alle brachen in Gelächter aus. Die Herzoginmutter lachte: „Da hat doch glatt einer denselben Namen wie unser Phönixglanz-Mädchen!" Eine Dienerin stieß die Erzählerin sogleich an: „Das ist der Name unserer zweiten jungen gnädigen Frau! Hüte deine Zunge!"

Die Herzoginmutter lachte: „Nur zu, erzähl weiter!"

Die Erzählerin stand hastig auf und entschuldigte sich: „Wir haben den Tod verdient! Wir wussten nicht, dass es der Vorname der gnädigen Frau ist."

Phönixglanz lachte: „Wovor habt ihr Angst? Erzählt nur weiter! Gleiche Vor- und Nachnamen gibt es genug."

Die Erzählerin fuhr fort: „In jenem Jahr schickte der alte Herr Wang seinen Sohn in die Hauptstadt zur Beamtenprüfung. Unterwegs geriet der junge Mann in einen heftigen Regen und fand Unterschlupf in einem Dorf. Dort wohnte ebenfalls ein Beamter im Ruhestand namens Li, ein alter Freund des Herrn Wang, der den jungen Mann aufnahm und ihm sein Bibliothekszimmer als Quartier überließ. Herr Li hatte keinen Sohn, nur eine einzige Tochter namens Chuluan — ‚Phönixküken' —, die in Zitherspiel, Schach, Kalligraphie und Malerei gleichermaßen bewandert war."

„Da die Geschichte ‚Der Phönix wirbt um die Phönisin' heißt", unterbrach die Herzoginmutter, „braucht ihr gar nicht weiter zu erzählen. Ich habe schon erraten: Natürlich will dieser König Phönixglanz das Fräulein Chuluan zur Frau nehmen."

Die Erzählerin lachte: „Da hat die alte Ahne diese Geschichte wohl schon einmal gehört."

Alle sagten: „Was hat die alte Ahne nicht schon alles gehört! Und selbst wenn nicht — erraten kann sie es trotzdem."

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Diese Geschichten folgen alle ein und demselben Schema. Immer geht es um ein ‚edles Fräulein' und einen ‚begabten Jüngling', und langweiliger kann es gar nicht sein. Da werden die Töchter aus guter Familie als so zügellos dargestellt und sollen dennoch ‚edle Fräulein' sein — das hat ja nicht die Spur von Wahrscheinlichkeit! Immer stammen sie aus einer Gelehrtenfamilie, und wenn der Vater nicht Minister ist, dann Kanzler. Sie haben eine Tochter, die sie wie einen Augapfel hüten, und diese Tochter ist in Literatur und Riten bewandert, weiß schlechthin alles und ist obendrein eine einmalige Schönheit. Aber kaum erblickt sie einen hübschen Mann — ob Verwandter oder Freund —, denkt sie sofort ans Heiraten, vergisst ihre Eltern, vergisst ihre Erziehung und benimmt sich weder wie ein Mensch noch wie ein Tier. Was ist daran ‚edel'? Selbst wenn sie noch so gebildet wäre — bei solchem Betragen verdient sie das Wort nicht. Würde ein gebildeter Mann zum Räuber werden, würde das Gesetz dann sagen: ‚Er ist ja so begabt, darum lassen wir ihn ungestraft'? Natürlich nicht! So stopfen sich die Verfasser dieser Geschichten selbst den Mund.

Außerdem: Wenn es sich angeblich um die Tochter einer alten Beamtenfamilie handelt, in der alle lesen und schreiben können und die Riten beherrschen — sogar die Herrin des Hauses —, dann hat solch eine Familie natürlich genug Personal, Ammen und Dienstmädchen, die das Fräulein umgeben. Warum ist dann in diesen Geschichten, wenn so etwas passiert, das Fräulein immer nur mit einer einzigen Vertrauten allein? Denkt einmal nach! Wo sind denn all die anderen? Da passt vorne und hinten nichts zusammen!"

Alle lachten und sagten: „Jetzt hat die alte Ahne alle diese Geschichten als Lügen entlarvt!"

Die Herzoginmutter fuhr lächelnd fort: „Die Sache hat ihre Gründe. Die einen, die sich solche Geschichten ausdenken, neiden den reichen Familien ihren Wohlstand, oder sie haben eine Bitte abgewiesen bekommen — darum erfinden sie solche Geschichten, um diese Familien zu beschmutzen. Andere wieder haben selbst zu viele solcher Geschichten gelesen und sind davon betört; auch sie wünschen sich ein ‚edles Fräulein' und schreiben darum selbst eine Geschichte, um sich daran zu ergötzen. Was verstehen solche Leute denn von den Sitten und Gebräuchen alter Beamtenfamilien! Von den großen Familien in den Geschichten gar nicht zu reden — nehmen wir nur eine mittelständische Familie wie die unsere: Selbst bei uns käme so etwas in Wirklichkeit nicht vor, geschweige denn bei den wirklich großen Häusern! Man sieht, dass alles frei erlogen ist. Darum haben wir bei uns nie erlaubt, dass solche Geschichten erzählt werden, und unsere Mädchen verstehen dieses Gerede auch gar nicht. In den letzten Jahren bin ich alt geworden, und die Mädchen wohnen weit von mir entfernt. Wenn mir einmal langweilig ist, lasse ich mir ein paar Sätze davon vortragen, aber sobald die Mädchen kommen, wird sofort aufgehört."

Tante Li und Tante Schnee sagten beide lächelnd: „Das ist genau die rechte Regel für eine große Familie. Auch bei uns bekommen die Kinder solche zweifelhaften Geschichten nicht zu hören."

Phönixglanz trat mit dem Weinkrug heran und sagte lächelnd: „Schluss jetzt, Schluss! Der Wein wird kalt. Trinkt erst einen Schluck, alte Ahne, um Euch die Kehle anzufeuchten, und dann könnt Ihr weiter Lügen aufdecken! Diese heutige Folge sollte man ‚Die Geschichte von den entlarvten Lügen' nennen. Sie spielt in der heutigen Dynastie, an diesem Ort, in diesem Jahr, in diesem Monat, an diesem Tag, zu dieser Stunde. Doch mit einem Mund kann man nicht zwei Geschichten gleichzeitig erzählen — wie man sagt: ‚Blühen die Blumen an zwei Zweigen, erzähle man zunächst von einem.' Ob Wahrheit oder Lüge, das lassen wir einstweilen dahingestellt — wenden wir uns lieber den Leuten zu, die am Laternenglanz und am Theaterspiel ihre Freude haben! Wie wäre es, alte Ahne — lasst diese beiden Anverwandten erst noch einen Becher Wein trinken und zwei Theaterszenen ansehen, und dann könnt Ihr von den Lügen aller Zeiten weitererzählen!"

Während sie einschenkte und lächelnd redete, hatten sich alle bereits vor Lachen ausgeschüttet, noch bevor sie fertig war. Auch die beiden Geschichtenerzählerinnen konnten sich nicht mehr halten und sagten: „Was für ein flinkes Mundwerk hat die gnädige Frau! Wenn Ihr Euch aufs Geschichtenerzählen verlegen würdet, könnten wir glatt verhungern."

Tante Schnee mahnte lächelnd: „Sei nicht so ausgelassen! Draußen sitzt noch jemand, es ist nicht wie sonst."

Phönixglanz lachte: „Draußen ist nur der junge Herr Juwel. Wir sind doch Vetter und Kusine und haben von klein auf zusammen Unfug getrieben, bis wir erwachsen waren! Seit ich verheiratet bin, habe ich mir eine ganze Menge Regeln auferlegt. Aber selbst wenn wir nicht von Kindheit an Geschwister wären und nur als Onkel und Nichte verbunden — in den ‚Vierundzwanzig Mustern kindlicher Pflichterfüllung' [Anm.: Ershisi xiao, ein konfuzianisches Grundwerk] gibt es doch die Geschichte vom ‚Herumtollen in bunten Kleidern' [Anm.: bānyi xìcǎi, Geschichte des alten Laolaizi, der sich als Kind verkleidete, um seine betagten Eltern zum Lachen zu bringen]. Wenn jene es nicht schaffen, herzukommen und die alte Ahne zum Lachen zu bringen, und ich mich hier mühsam abmühe, die alte Ahne zum Lachen zu bringen, damit sie ein bisschen mehr isst und alle sich freuen — dann sollten mir doch alle dankbar sein, statt mich auszulachen!"

Die Herzoginmutter lachte: „Sie hat ganz recht. In den letzten beiden Tagen habe ich kein einziges Mal richtig herzhaft gelacht. Erst dank ihr habe ich mich eben einmal richtig sattgelacht und fühle mich gleich wohler. Ich will noch einen Becher trinken." Sie trank von ihrem Wein und befahl Schatzjade: „Schenke deiner Schwester auch einen Becher ein!"

Phönixglanz lachte: „Nicht nötig, ich nehme mir einfach ein Schlückchen von der Langlebigkeit der alten Ahne!" Damit ergriff sie den Becher der Herzoginmutter, trank den halben Rest aus und reichte den Becher einer Dienerin. Ein anderer, in warmem Wasser vorgehaltener Becher wurde heraufgereicht. Daraufhin wurden auch an allen anderen Tischen die gebrauchten Becher gegen vorgewärmte ausgetauscht und frischer Wein eingeschenkt. Dann kehrte alles auf seine Plätze zurück.

Die Geschichtenerzählerinnen fragten: „Wenn die alte Ahne unsere Geschichte nicht hören möchte — sollen wir vielleicht eine Melodie spielen?"

„Gut", sagte die Herzoginmutter. „Spielt mir zu zweit den ‚Befehl des Generals'!"

Die beiden stimmten die Saiten und begannen zu spielen.

Nach einer Weile fragte die Herzoginmutter: „Welche Nachtwache haben wir?"

Mehrere alte Dienerinnen antworteten eilig: „Die dritte!"

„Kein Wunder, dass mir so kalt geworden ist", sagte die Herzoginmutter. Sogleich brachten die Dienstmädchen zusätzliche Kleidungsstücke. Dame König stand auf und sagte lächelnd: „Wie wäre es, wenn Ihr Euch ins geheizte Hinterzimmer auf das Ofenbett setzt, alte Ahne? Diese beiden Anverwandten sind keine Fremden, wir begleiten Euch."

Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Wenn schon, dann gehen wir alle zusammen hinein. Da ist es doch auch warm."

„Ich fürchte nur, es wird dort nicht genug Platz sein", wandte Dame König ein.

„Ich habe eine Idee", sagte die Herzoginmutter lächelnd. „Wir brauchen die vielen Tische nicht mehr. Stellen wir einfach zwei oder drei zusammen und setzen uns alle dicht beieinander — das ist gemütlicher und wärmer zugleich!"

„Ja, das wird lustig!" riefen alle und erhoben sich von ihren Plätzen. Die Dienerinnen räumten rasch die Reste ab, stellten im Innenraum drei große Tische in einer Reihe zusammen und deckten mit frischem Naschwerk und Speisen auf.

„Jetzt wollen wir nicht so förmlich sein", sagte die Herzoginmutter. „Setzt euch, wie ich es sage." Sie bat Tante Schnee und Tante Li, in der Mitte am Ehrenplatz Platz zu nehmen, setzte sich selbst mit dem Gesicht nach Westen und ließ Kostbarzither Schnee, Kajaljade und Xiangji sich dicht neben ihr platzieren. Zu Schatzjade sagte sie: „Du setzt dich neben deine Mutter!" So wurde er zwischen Dame Strafe und Dame König genommen. Schatzspange[16] und die anderen Mädchen saßen auf der Westseite. Am unteren Ende schlossen sich Frau Lou mit Jia Jun an, dann Dame Sonders[17] und Frau Li[18] mit Orchidee Kaufmann zwischen sich. Am Stirnende ganz unten saß Herrlichkeit Kaufmanns Frau.

Dann sagte die Herzoginmutter: „Juwel, geh mit deinen Brüdern nach Hause! Ich lege mich bald schlafen."

Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und wollte mit allen zusammen noch einmal hereintreten. Die Herzoginmutter rief: „Geht nur, kommt nicht extra herein! Wir haben uns gerade erst hingesetzt, und alles steht schon wieder auf. Geh schlafen — morgen stehen noch große Dinge bevor!"

Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und sagte noch lächelnd: „Darf Herrlichkeit hierbleiben und den Wein einschenken?"

Die Herzoginmutter lachte: „Richtig, an ihn hatte ich gar nicht gedacht."

Herrlichkeit Kaufmann sagte „Jawohl!" und führte Kette Kaufmann und die anderen hinaus. Die beiden waren natürlich erleichtert und froh. Sie ließen Jia Cong und Unheil Kaufmanng nach Hause bringen und luden einander ein, „Freude zu suchen und Lächeln zu kaufen" [Anm.: Euphemismus für einen Besuch im Vergnügungsviertel]. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.

Drinnen sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Eben dachte ich noch, dass bei all dem Vergnügen kein einziges Ehepaar unter uns weilt — dabei hatte ich Herrlichkeit ganz vergessen. Nun ist es vollständig. Herrlichkeit, setz dich neben deine Frau, dann sind wir alle vereint und die Familie beisammen!"

Eine Dienerin meldete, dass weitergespielt werden sollte. Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Gerade unterhalten wir uns so angeregt unter uns Frauen, da soll der Lärm wieder losgehen! Außerdem tun mir die Kinder leid, wenn sie so spät in der Nacht noch frieren müssen. Schickt sie zur Ruhe! Lasst stattdessen unsere eigenen Mädchen rufen — die sollen hier auf der Bühne zwei Szenen aufführen, und die kleine Truppe schaut zu."

Die Dienerin bestätigte, ging hinaus und schickte sofort jemanden in den Garten der Großen Anschauung, um die Haustruppe zu holen, während am Innentor die Diener bereitstanden. Die Diener gingen zum Bühnengebäude und führten alle erwachsenen Mitglieder der Theatertruppe hinaus; nur die Kinder blieben.

Kurze Zeit später kam die Lehrmeisterin vom Birnendufthof mit Wenguan und den elf anderen Mädchen durch das Seitentor des Wandelgangs. Alte Dienerinnen trugen einige weiche Bündel hinterher — da keine Zeit gewesen war, die Kostümtruhen herbeizuschaffen, hatte man in aller Eile nur die Kostüme für die drei bis fünf Szenen eingepackt, von denen man wusste, dass die Herzoginmutter sie gerne sah.

Die alten Dienerinnen führten Wenguan und die anderen hinein. Nach der Begrüßung standen sie mit gesenkten Händen da.

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Nicht einmal in diesem großen Festmonat hat euch euer Meister freigelassen, damit ihr etwas spazieren gehen könnt! Was werdet ihr uns zeigen? Von den acht Akten der ‚Acht Pflichtgetreuen' tut mir jetzt noch der Kopf weh — spielt lieber etwas Ruhigeres! Seht her, die gnädige Frau Tante Schnee und die gnädige Frau Tante Li haben selbst Theatertruppen bei sich zu Hause und haben schon wer weiß wie viele gute Aufführungen gesehen. Auch die jungen Damen dort haben bessere Stücke und bessere Melodien gehört als unsere Mädchen. Und die kleine Truppe, die heute Abend aufgetreten ist, gehört einem berühmten Kenner — obwohl es Kinder sind, spielen sie besser als manche Erwachsenentruppe. Ihr dürft uns also nicht blamieren und müsst schon etwas Neues bieten! Fangguan soll die Szene ‚Auf den Spuren des Traums' [Anm.: Xunmeng, aus dem Mudanting/Pfingstrosenpavillon von Tang Xianzu] singen. Als Begleitung nur die Streichgeige und die Bambusflöte — Mundorgel und Querflöte werden nicht gebraucht."

Wenguan sagte lächelnd: „Da habt Ihr recht. Unsere Aufführungen können natürlich den Augen der gnädigen Frauen und Fräulein nicht genügen. Sie sollen nur hören, wie wir mit dem Mund umgehen können und was unsere Kehlen hergeben."

„Genau das meinte ich", bestätigte die Herzoginmutter lächelnd.

Tante Li und Tante Schnee sagten erfreut: „Was für ein kluges Kind! Es macht sich zusammen mit der alten Ahne über uns lustig."

Die Herzoginmutter lachte: „Bei uns wird das Theaterspielen nur als privates Vergnügen betrieben, und sie treten nicht auswärts für Geld auf, darum entsprechen die Aufführungen nicht ganz dem modernen Stil." Dann fügte sie hinzu: „Kuiguan soll die Szene ‚Huiming überbringt den Brief' [Anm.: Huiming xiaoshu, aus dem Xixiangji/Westzimmer] vortragen, sie braucht sich auch nicht zu schminken. Diese beiden Szenen genügen, damit unsere Gäste etwas Ungewöhnliches hören. Aber wehe, sie sparen an Kraft — das dulde ich nicht!"

Wenguan und die Mädchen gingen hinaus, kleideten sich rasch um und erschienen auf der Bühne. Zuerst gaben sie ‚Auf den Spuren des Traums', dann ‚Huiming überbringt den Brief'. Alle lauschten lautlos. Anschließend sagte Tante Schnee lächelnd: „Wirklich bewundernswert! Ich habe schon Hunderte von Theatertruppen erlebt, aber noch nie eine, die den Gesang nur mit der Bambusflöte begleitet."

Die Herzoginmutter erwiderte: „Das gibt es durchaus. In dem Stück ‚Westturm' [Anm.: Xilou ji], das wir vorhin gesehen haben, wird das Lied ‚Klarer Himmel am Chu-Fluss' [Anm.: Chujiang qing] oft mit einer Flöte vom Darsteller der Jünglingsrolle begleitet. Aber dass längere Passagen so begleitet werden, ist tatsächlich selten. Es hängt eben davon ab, ob die Herrschaft Geschmack hat oder nicht — etwas wirklich Außergewöhnliches ist das nicht."

Dann deutete sie auf Xiangji und fuhr fort: „Als ich so alt war wie sie jetzt, hatte ihr Großvater eine kleine Theatertruppe, zu der eigens ein Zitherspieler gehörte. Szenen wie ‚Der Zither lauschen' aus dem ‚Westzimmer' [Anm.: Xixiangji], ‚Liebeswerben mit der Zither' aus dem ‚Jadehaarpfeil' [Anm.: Yuzan ji] und ‚Achtzehn Weisen zur Barbarenschalmei' aus der ‚Neuen Geschichte von der Laute' [Anm.: Xu Pipaji, Thema der Cai Wenji] klangen so echt, als wäre es Wirklichkeit. Was war das erst im Vergleich zu dem hier!"

Alle sagten: „Das muss wirklich etwas ganz Besonderes gewesen sein!"

Die Herzoginmutter rief eine Dienerin herbei und trug ihr auf, Wenguan und ihren Mädchen zu sagen, sie sollten noch den ‚Laternenmond' [Anm.: Dengyue yuan] spielen. Die Dienerin ging hinaus.

Unterdessen schenkten Herrlichkeit Kaufmann und seine Frau allen eine Runde Wein ein. Phönixglanz, die bemerkt hatte, dass die Herzoginmutter bestens gelaunt war, schlug lächelnd vor: „Solange die Geschichtenerzählerinnen noch hier sind — wie wäre es, wenn sie die Trommel schlagen, wir einen Pflaumenzweig herumreichen und das Trinkspiel ‚Frühlingslaune steigt bis in die Brauen' spielen?"

Die Herzoginmutter lachte: „Ein schönes Spiel! Es passt zur Jahreszeit und zur Stimmung." Sofort ließ sie eine schwarzlackierte Trommel mit Messingnägeln bringen und den Geschichtenerzählerinnen übergeben. Von einem der Tische ließ sie einen Zweig roter Pflaumenblüten holen. „Wer den Zweig in der Hand hält, wenn die Trommel schweigt", sagte die Herzoginmutter, „trinkt einen Becher und muss auch etwas zum Besten geben."

Phönixglanz sagte lächelnd: „Mir scheint, wer hat schon solches Talent wie die alte Ahne, die alles kann, was verlangt wird? Wir anderen können nichts dergleichen, da wäre es doch langweilig. Wenn es sowohl Gebildete als auch Ungebildete erfreuen soll, ist es am besten, der Verlierer erzählt einen Witz!"

Alle wussten, dass gerade Phönixglanz sich ausgezeichnet aufs Witzeerzählen verstand und stets einen unerschöpflichen Vorrat an frischen, komischen Geschichten parat hatte. Als sie das hörten, freuten sich nicht nur die Tischgäste, sondern auch sämtliche Dienstboten, ob alt oder jung. Die kleinen Dienstmädchen liefen sogar hinaus und riefen ihre Freundinnen herbei: „Kommt schnell, die zweite junge gnädige Frau erzählt wieder Witze!" Und bald war das Zimmer gedrängt voll von Dienstmädchen.

Nachdem die Musik verklungen und das Spiel auf der Bühne beendet war, ließ die Herzoginmutter Wenguan und den anderen Mädchen Suppen, Speisen und Obst bringen. Dann befahl sie, mit der Trommel zu beginnen.

Die Geschichtenerzählerinnen waren geübt darin: Mal schlugen sie schnell, mal langsam — bald wie das letzte Tröpfeln einer Wasseruhr, bald wie das Prasseln ausgeschütteter Bohnen, bald wie das Galoppieren aufgeschreckter Pferde, bald wie ein Blitz, der aufzuckt und sogleich verlischt. War der Trommelschlag langsam, so wanderte auch der Pflaumenzweig langsam; war er schnell, so flog der Zweig von Hand zu Hand. Und ausgerechnet als der Zweig in der Hand der Herzoginmutter war, verstummte die Trommel. Alle lachten laut auf, und Herrlichkeit Kaufmann eilte herbei, um der Herzoginmutter einen Becher einzuschenken.

„Natürlich kommt die alte Ahne als Erste in den Genuss", sagten alle, „und durch Euer Glück fällt auch für uns etwas ab!"

Die Herzoginmutter lachte: „Der Wein macht mir nichts aus, aber mit dem Witz wird es schwierig."

„Die Witze der alten Ahne sind noch besser und zahlreicher als die von Phönixglanz! Schenkt uns doch einen, damit auch wir etwas zu lachen haben!"

Die Herzoginmutter lachte: „Wirklich, ich kenne keinen neuen, der besonders komisch wäre. Aber ich muss wohl mein dickes Fell zusammennehmen und es versuchen." Und sie erzählte: „Es war einmal eine Familie, die zehn Söhne großzog und zehn Schwiegertöchter ins Haus nahm. Doch nur die zehnte Schwiegertochter war klug und redegewandt, die Schwiegereltern hatten sie am liebsten und sagten den lieben langen Tag, die neun anderen seien nicht respektvoll genug. Die neun fühlten sich ungerecht behandelt und berieten miteinander: ‚Im Herzen sind wir den Schwiegereltern ergeben, aber wir haben nicht so ein flinkes Mundwerk wie die Kleine. Darum loben die alten Leute nur sie. Wem sollen wir unser Leid klagen?' Die älteste hatte einen Einfall und schlug vor: ‚Gehen wir morgen in den Tempel des Höllenkönigs und brennen dort Weihrauch ab! Dann fragen wir den Höllenkönig, warum er bei unserer Geburt nur der Kleinen ein so flinkes Mundwerk gegeben und uns alle dumm gemacht hat.' Die anderen fanden das gut, und am nächsten Tag gingen alle neun in den Tempel und brannten Weihrauch ab. Dann schliefen sie unter dem Opfertisch ein, und ihre neun Seelen warteten auf den Höllenkönig. Sie warteten und warteten, links warteten sie, rechts warteten sie, aber er kam nicht. Schon wurden sie ungeduldig, da erschien auf einer Wolke und mit einem Purzelbaum der Affenkönig Sun Wukong [Anm.: die berühmte Figur aus der ‚Reise nach Westen']. Als er die neun Seelen erblickte, hob er seine Goldarmreif-Eisenstange und wollte zuschlagen. Erschrocken warfen sich die neun auf die Knie und baten um Gnade. Sun Wukong fragte, was los sei, und die neun erzählten ihm alles haarklein. Sun Wukong stampfte mit dem Fuß auf, seufzte und sagte: ‚Gut, dass ihr mich getroffen habt! Selbst wenn der Höllenkönig gekommen wäre, hätte er euch den Grund nicht erklären können.' Die neun baten: ‚Erbarmt Euch, großer Heiliger, dann wird es uns besser gehen!' Sun Wukong lachte: ‚Das ist nicht weiter schwierig. An dem Tag, als ihr zehn Schwägerinnen ins Leben geschickt wurdet, war ich zufällig gerade beim Höllenkönig und habe auf den Boden gepinkelt, und eure kleine Schwägerin hat davon geleckt. Wenn ihr auch so redegewandt sein wollt — zu pinkeln habe ich genug. Ich pinkle noch einmal, und ihr leckt es auf, dann ist alles in Ordnung!'"

Damit hatte die Herzoginmutter ihre Geschichte beendet, und alle brachen in schallendes Gelächter aus.

Phönixglanz lachte: „Zum Glück haben wir alle ein dummes Mundwerk — sonst hätten wir wohl auch Affenurin geleckt!"

Dame Sonders und Frau Lou deuteten lachend auf Frau Li und sagten: „Wer von uns hier hat wohl Affenurin geleckt? Die soll nicht so tun, als ginge sie das nichts an!"

Tante Schnee meinte lächelnd: „Bei einem Witz kommt es nicht darauf an, ob er gut oder schlecht ist — wenn er nur treffend ist, muss man lachen."

Damit setzte das Trommeln wieder ein. Die kleinen Dienstmädchen aber wollten unbedingt einen von Phönixglanz' Witzen hören und hatten sich heimlich mit den Geschichtenerzählerinnen verabredet: Auf ein Husten hin sollte die Trommel verstummen. Bald machte der Zweig zweimal die Runde, und gerade als er in Phönixglanz' Hand lag, husteten die kleinen Mädchen absichtlich, und die Trommel schwieg.

„Erwischt!" riefen alle fröhlich. „Trink schnell deinen Wein und erzähl etwas Gutes, aber mach uns nicht so sehr zum Lachen, dass uns der Bauch wehtut!"

Phönixglanz dachte einen Moment nach und sagte dann lächelnd: „Es war einmal eine Familie, die feierte auch das Laternenfest am fünfzehnten des ersten Monats. Die ganze Familie vergnügte sich am Laternenglanz und trank Wein dazu, und es ging wahrhaft hoch her. Die Urgroßmutter, die Großmutter, die Schwiegermutter, die Schwiegertochter, die Frau des Enkels, die Frau des Urenkels, die eigentlichen Enkel, die Neffen-Enkel, die Urenkel, die Stief-Urenkel, die Klecker-und-Klapper-Enkel, die Enkeltöchter, die äußeren Enkeltöchter, die Cousinen-Enkeltöchter mütterlicherseits, die Cousinen-Enkeltöchter väterlicherseits ... ach je, ach je, es war wirklich hoch her!"

Noch bevor sie fertig war, lachten alle schon und sagten: „Hört nur, wie sie plappert! Wen will sie wohl wieder hochnehmen?"

Dame Sonders sagte lächelnd: „Wenn du mich meinst, zerreiße ich dir den Mund!"

Phönixglanz stand auf, schlug die Hände zusammen und sagte lachend: „Man gibt sich solche Mühe, etwas zu erzählen, und ihr redet dazwischen! Dann erzähle ich eben nichts mehr!"

Die Herzoginmutter sagte: „Erzähl nur weiter! Wie ging es weiter?"

Phönixglanz dachte nach und sagte dann lächelnd: „Weiter? Sie saßen alle beisammen, tranken die ganze Nacht Wein und gingen dann wieder auseinander."

Das hatte sie mit ernster Miene und unbewegtem Gesicht gesagt, dann schwieg sie. Alle starrten sie verblüfft an und warteten auf die Fortsetzung. Die Geschichte kam ihnen öde und fad vor. Xiangji schaute sie lange an.

Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich erzähle euch noch einen vom Laternenfest! Ein paar Leute trugen einen Böller, so groß wie ein Haus, vor die Stadt hinaus, um ihn dort abzubrennen. Mehr als zehntausend Menschen folgten ihnen, um zuzusehen. Einer davon war so ungeduldig, dass er es nicht abwarten konnte, und zündete heimlich mit einer Räucherkerze die Lunte an. ‚Pfffft!' machte es — alle lachten laut und liefen auseinander. Die Leute, die den Böller getragen hatten, schimpften auf den Verkäufer, er habe den Böller nicht fest genug gestopft, denn er sei ja schon zerfallen, bevor sie ihn überhaupt abgebrannt hätten!"

Xiangji fragte: „Hat er denn den Knall nicht gehört?"

Phönixglanz sagte: „Aber nein — er war ja taub."

Es dauerte einen Moment, bis sich alle die Sache vergegenwärtigt hatten, dann brachen sie in schallendes Gelächter aus. Und weil sie den ersten Witz ohne Schluss nicht vergessen hatten, fragten sie: „Und wie ging die erste Geschichte weiter? Du musst sie zu Ende erzählen!"

Phönixglanz schlug auf den Tisch und sagte: „Was seid ihr umständlich! Am nächsten Tag war der Sechzehnte — das Fest war vorbei, das neue Jahr war vorbei. Ich schaue gerade zu, wie die Leute alles aufräumen, und komme selbst nicht mehr nach — woher soll ich da wissen, wie es weitergeht!"

Alle lachten von neuem.

Phönixglanz sagte lächelnd: „Draußen ist es schon vier Uhr. Mir scheint, die alte Ahne ist müde. Wir sollten es auch halten wie ‚die tauben Männer mit dem Böller — und auseinandergehen'!"

Dame Sonders und die anderen pressten ihre Taschentücher vor den Mund und bogen sich vor und zurück vor Lachen. Mit dem Finger auf Phönixglanz deutend, sagten sie: „Dieses Ding hat wirklich ein loses Mundwerk!"

Die Herzoginmutter lachte: „Unser Phönixglanz-Mädchen wird wirklich immer schlimmer!" Dann sagte sie: „Aber da sie nun einmal das Feuerwerk erwähnt hat — lasst uns tatsächlich jetzt welches abbrennen, dann werden wir wieder nüchtern."

Kaum hatte Herrlichkeit Kaufmann das gehört, eilte er hinaus und baute mit den Dienern im Hof die Feuerwerksgestelle auf. All diese Feuerwerkskörper waren Tributgeschenke aus verschiedenen Landesteilen. Sie waren zwar nicht groß, aber äußerst kunstvoll gefertigt, mit allerlei Motiven verziert und mit bunten Knallkörpern durchmischt.

Kajaljade, von Natur aus zart besaitet, konnte das Krachen nicht ertragen, und die Herzoginmutter nahm sie in ihre Arme. Tante Schnee schloss Xiangji in die Arme, die aber lachend sagte: „Ich fürchte mich nicht."

Schatzspange und die anderen lachten: „Sie brennt am liebsten selber die größten Böller ab — warum sollte sie sich vor so etwas fürchten?"

Dame König nahm Schatzjade an ihre Brust. Phönixglanz klagte lächelnd: „Und mich hat keiner lieb!"

Dame Sonders lachte: „Ich bin doch da! Ich nehme dich in den Arm. Schämst du dich nicht, Kind! Kaum hörst du, dass Feuerwerk abgebrannt wird, benimmst du dich, als hättest du Bienenhonig gegessen [Anm.: wörtl. ‚Bienendreck'; Redensart für übermütige Ausgelassenheit], und wirst wieder übermütig."

Phönixglanz lachte: „Wartet nur, bis wir hier fertig sind! Dann werde ich im Garten selber Feuerwerk abbrennen — ich mache das noch besser als die Jungen!"

Während sie noch sprachen, wurde draußen eine Rakete nach der anderen gezündet: „Ein Himmel voller Sterne", „Neun Drachen steigen in die Wolken", „Ein Donnerschlag", „Zehnfaches Krachen im Flug" und viele andere Arten von kleinen Knallkörpern.

Anschließend erhielt die kleine Schauspielertruppe den Befehl, den „Lotosblütenfall" [Anm.: Lianhuala, eine Gattung volkstümlicher Darbietung mit Gesang und Tanz] vorzuführen, und eine Menge Kupfermünzen wurde auf die Bühne gestreut, damit sich die Kinder darum balgten — zur allgemeinen Belustigung.

Als dann wieder Suppe aufgetragen wurde, sagte die Herzoginmutter: „So lang, wie die Nacht ist, bekomme ich langsam Hunger."

Phönixglanz berichtete sogleich: „Es steht Reissuppe mit Entenfleisch bereit."

„Ich hätte lieber etwas Leichteres", sagte die Herzoginmutter.

Phönixglanz sagte eilig: „Wir haben auch Reisbrei mit Jujuben, der für die gnädigen Frauen als Fastenspeise vorbereitet wurde."

Die Herzoginmutter wandte ein: „Entweder fettig oder süß."

Phönixglanz bot weiter an: „Dann wäre noch Mandelmilchtee — aber der ist wohl auch zu süß."

„Nein, der geht gerade noch", sagte die Herzoginmutter. Sogleich wurden die Reste abgeräumt und draußen verschiedene feine kleine Schüsseln aufgetragen. Jeder aß davon nach Lust und Laune. Nachdem man sich mit Tee den Mund gespült hatte, ging man auseinander.

Am Morgen des Siebzehnten begab man sich noch einmal ins Stillfriede-Anwesen, vollzog die letzten Riten, half den Ahnentempel zu verschließen und die Ahnenporträts abzunehmen und zu verwahren. Dann kehrte man zurück. An diesem Tag lud Tante Schnee zum Neujahrsmahl ein. Am Achtzehnten folgte Lai Da, am Neunzehnten Lai Sheng aus dem Stillfriede-Anwesen, am Zwanzigsten Lin Zhixiao, am Einundzwanzigsten Shan Daliang und am Zweiundzwanzigsten Wu Xindeng.

Bei manchen dieser Feiern war die Herzoginmutter dabei, bei manchen nicht. Manchmal blieb sie, bis die anderen Gäste gingen, manchmal kehrte sie nach einem halben Tag oder gar nach einer Stunde schon zurück. An den Feiern, zu denen Verwandte und Freunde einluden oder erschienen, nahm die Herzoginmutter nie teil, weil sie die steife Atmosphäre nicht mochte; das überließ sie Dame Strafe, Dame König und Phönixglanz.

Auch Schatzjade besuchte einzig das Fest bei König Ziteng; bei allen anderen behauptete er, die Herzoginmutter habe ihn bei sich behalten, um ihr Gesellschaft zu leisten. So folgte die Herzoginmutter mit Vergnügen nur den Einladungen von Hausangehörigen, wo sie sich ungezwungen geben konnte.

Doch genug der müßigen Worte. Das Laternenfest war vorüber —

  1. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".
  2. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".
  3. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit".
  4. Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, „Jadekette Kaufmann".
  5. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē".
  6. Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Strafe".
  7. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".
  8. Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Unheil Kaufmann/Kreis".
  9. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade".
  10. Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke".
  11. Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond".
  12. Chin. 袭人 Xírén, "die Angreifende/der Dufthauch".
  13. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, "Mandarinenente".
  14. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".
  15. Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, „Herrlichkeit Kaufmann/Hibiskus".
  16. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".
  17. Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Dame Sonders".
  18. Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".