Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 81"

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Einundachtzigstes Kapitel
 
Einundachtzigstes Kapitel
  
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Strenge Worte nötigen zu doppeltem Eintritt in die Hausschule
 
Strenge Worte nötigen zu doppeltem Eintritt in die Hausschule
  
Wie berichtet, kümmerte sich Xing Furen nach Willkommensfrühling<ref>Willkommensfrühling: Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommener Frühling".</ref> [迎春]s Rückkehr zu ihrem Ehemann nicht weiter um die Sache, als wäre nichts geschehen. Doch Wang Furen, die Willkommensfrühling aufgezogen hatte, war tief betrübt; sie saß allein in ihrem Zimmer und seufzte vor sich hin. Da kam Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> [宝玉] herein, um sie zu begrüßen. Als er sah, dass ihr Gesicht Tränenspuren trug, wagte er nicht, sich zu setzen, und blieb neben ihr stehen. Wang Furen bat ihn, sich zu setzen, und Schatzjade rückte auf den Kang<ref>Kang: Beheizbare Schlaf- und Sitzplattform aus Ziegeln, typisch für nordchinesische Häuser.</ref> hinauf und ließ sich an ihrer Seite nieder.
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Wie berichtet, kümmerte sich Frau Strafe nach Willkommensfrühling<ref>Willkommensfrühling: Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommener Frühling".</ref>s Rückkehr zu ihrem Ehemann nicht weiter um die Sache, als wäre nichts geschehen. Doch Frau König, die Willkommensfrühling aufgezogen hatte, war tief betrübt; sie saß allein in ihrem Zimmer und seufzte vor sich hin. Da kam Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> herein, um sie zu begrüßen. Als er sah, dass ihr Gesicht Tränenspuren trug, wagte er nicht, sich zu setzen, und blieb neben ihr stehen. Frau König bat ihn, sich zu setzen, und Schatzjade rückte auf den Kang<ref>Kang: Beheizbare Schlaf- und Sitzplattform aus Ziegeln, typisch für nordchinesische Häuser.</ref> hinauf und ließ sich an ihrer Seite nieder.
  
Wang Furen bemerkte, wie er sie mit leerem Blick anstarrte und offenbar etwas sagen wollte, ohne es herauszubringen, und sprach: „Warum starrst du wieder so vor dich hin?" Schatzjade erwiderte: „Es ist nichts Besonderes. Nur als ich gestern von der Lage der zweiten Schwester hörte, konnte ich es kaum für sie ertragen. Ich wagte zwar nicht, es der Großmutter zu erzählen, doch in den letzten beiden Nächten habe ich kein Auge zugetan. Wenn ich bedenke, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren solche Kränkungen erdulden muss! Zumal die zweite Schwester von Natur aus überaus sanftmütig ist und sich nie mit jemandem gestritten hat — und nun ausgerechnet auf ein so herzloses Wesen trifft, das nicht das Geringste vom Leid einer Frau versteht." Dabei kamen ihm beinahe die Tränen.
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Frau König bemerkte, wie er sie mit leerem Blick anstarrte und offenbar etwas sagen wollte, ohne es herauszubringen, und sprach: „Warum starrst du wieder so vor dich hin?" Schatzjade erwiderte: „Es ist nichts Besonderes. Nur als ich gestern von der Lage der zweiten Schwester hörte, konnte ich es kaum für sie ertragen. Ich wagte zwar nicht, es der Großmutter zu erzählen, doch in den letzten beiden Nächten habe ich kein Auge zugetan. Wenn ich bedenke, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren solche Kränkungen erdulden muss! Zumal die zweite Schwester von Natur aus überaus zaghaft ist und sich nie mit jemandem gestritten hat — und nun ausgerechnet auf ein so herzloses Wesen trifft, das nicht das Geringste vom Leid einer Frau versteht." Dabei kamen ihm beinahe die Tränen.
  
Wang Furen sagte: „Daran lässt sich nichts ändern. Wie das Sprichwort sagt: ‚Eine verheiratete Tochter ist wie ausgegossenes Wasser.' Was soll ich da tun?" Schatzjade entgegnete: „Gestern Nacht habe ich mir einen Plan überlegt: Wir könnten es der Großmutter erklären und die zweite Schwester zurückholen lassen. Sie könnte wieder in der Ziling-Insel wohnen, und wir Geschwister würden wieder zusammen essen und spielen, statt dass sie den Zorn dieses Taugenichtses Sun erdulden muss. Wenn er kommt, um sie abzuholen, lassen wir sie einfach nicht gehen; kommt er hundertmal, halten wir sie hundertmal zurück. Wir sagen einfach, es sei der Wille der Großmutter. Wäre das nicht wunderbar?"
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Frau König sagte: „Daran lässt sich nichts ändern. Wie das Sprichwort sagt: ‚Eine verheiratete Tochter ist wie ausgegossenes Wasser.' Was soll ich da tun?" Schatzjade entgegnete: „Gestern Nacht habe ich mir einen Plan überlegt: Wir könnten es der Großmutter erklären und die zweite Schwester zurückholen lassen. Sie könnte wieder in der Ziling-Insel wohnen, und wir Geschwister würden wieder zusammen essen und spielen, statt dass sie den Zorn dieses Taugenichtses Sun erdulden muss. Wenn er kommt, um sie abzuholen, lassen wir sie einfach nicht gehen; kommt er hundertmal, halten wir sie hundertmal zurück. Wir sagen einfach, es sei der Wille der Großmutter. Wäre das nicht wunderbar?"
  
Als Wang Furen dies hörte, wusste sie nicht, ob sie lachen oder sich ärgern sollte, und sprach: „Da kommt wieder dein kindischer Unsinn! Ein Mädchen muss eines Tages heiraten. Wenn sie in ein anderes Haus geht, kann sich die Herkunftsfamilie nicht darum kümmern; man kann nur hoffen, dass ihr Schicksal gut ist: Trifft sie es gut, ist es gut; trifft sie es schlecht, lässt sich nichts machen. Hast du noch nie gehört: ‚Heiratest du einen Hahn, folge dem Hahn; heiratest du einen Hund, folge dem Hund'? Nicht jede kann wie deine älteste Schwester kaiserliche Gemahlin werden! Außerdem ist deine zweite Schwester eine junge Ehefrau, und der Schwiegersohn Sun ist auch noch ein junger Mann; jeder hat seinen eigenen Charakter. Am Anfang gibt es natürlich Reibereien. Nach ein paar Jahren, wenn man sich aneinander gewöhnt hat und Kinder da sind, wird alles besser. Du darfst vor der Großmutter kein einziges Wort davon fallen lassen — wenn ich davon erfahre, gibt es Ärger! Nun geh und tu etwas Vernünftiges, statt hier Unsinn zu reden."
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Als Frau König dies hörte, wusste sie nicht, ob sie lachen oder sich ärgern sollte, und sprach: „Da kommt wieder dein kindischer Unsinn! Ein Mädchen muss eines Tages heiraten. Wenn sie in ein anderes Haus geht, kann sich die Herkunftsfamilie nicht darum kümmern; man kann nur hoffen, dass ihr Schicksal gut ist: Trifft sie es gut, ist es gut; trifft sie es schlecht, lässt sich nichts machen. Hast du noch nie gehört: ‚Heiratest du einen Hahn, folge dem Hahn; heiratest du einen Hund, folge dem Hund'? Nicht jede kann wie deine älteste Schwester kaiserliche Gemahlin werden! Außerdem ist deine zweite Schwester eine junge Ehefrau, und der Schwiegersohn Sun ist auch noch ein junger Mann; jeder hat seinen eigenen Charakter. Am Anfang gibt es natürlich Reibereien. Nach ein paar Jahren, wenn man sich aneinander gewöhnt hat und Kinder da sind, wird alles besser. Du darfst vor der Großmutter kein einziges Wort davon fallen lassen — wenn ich davon erfahre, gibt es Ärger! Nun geh und tu etwas Vernünftiges, statt hier Unsinn zu reden."
  
 
Schatzjade wagte darauf nichts mehr zu erwidern. Er saß noch eine Weile, dann ging er lustlos hinaus. Mit einem Bauch voll aufgestauter Bedrückung, die er nirgends ablassen konnte, schlenderte er in den Garten und ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon. Kaum hatte er die Tür durchschritten, brach er in lautes Weinen aus.
 
Schatzjade wagte darauf nichts mehr zu erwidern. Er saß noch eine Weile, dann ging er lustlos hinaus. Mit einem Bauch voll aufgestauter Bedrückung, die er nirgends ablassen konnte, schlenderte er in den Garten und ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon. Kaum hatte er die Tür durchschritten, brach er in lautes Weinen aus.
  
Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> [黛玉] hatte gerade ihre Morgentoilette beendet und erschrak bei diesem Anblick. Sie fragte: „Was ist denn geschehen? Mit wem hast du dich gestritten?" Sie fragte mehrmals. Schatzjade lag mit gesenktem Kopf auf dem Tisch und schluchzte so heftig, dass er kein Wort herausbrachte. Kajaljade setzte sich auf ihren Stuhl und starrte ihn eine Weile an, dann fragte sie: „Hat sich jemand anderes mit dir gestritten, oder habe ich dich beleidigt?" Schatzjade winkte ab: „Nichts von beidem, nichts von beidem." Kajaljade fragte: „Warum bist du dann so betrübt?" Schatzjade sagte: „Ich denke nur, es wäre besser, wir würden alle so früh wie möglich sterben. Am Leben zu sein hat wirklich keinen Sinn!" Als Kajaljade diese Worte hörte, erschrak sie noch mehr: „Was redest du da! Bist du wirklich verrückt geworden?"
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Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> hatte gerade ihre Morgentoilette beendet und erschrak bei diesem Anblick. Sie fragte: „Was ist denn geschehen? Mit wem hast du dich gestritten?" Sie fragte mehrmals. Schatzjade lag mit gesenktem Kopf auf dem Tisch und schluchzte so heftig, dass er kein Wort herausbrachte. Kajaljade setzte sich auf ihren Stuhl und starrte ihn eine Weile an, dann fragte sie: „Hat sich jemand anderes mit dir gestritten, oder habe ich dich beleidigt?" Schatzjade winkte ab: „Nichts von beidem, nichts von beidem." Kajaljade fragte: „Warum bist du dann so betrübt?" Schatzjade sagte: „Ich denke nur, es wäre besser, wir würden alle so früh wie möglich sterben. Am Leben zu sein hat wirklich keinen Sinn!" Als Kajaljade diese Worte hörte, erschrak sie noch mehr: „Was redest du da! Bist du wirklich verrückt geworden?"
  
Schatzjade erwiderte: „Ich bin nicht verrückt. Wenn ich es dir erzähle, wird es auch dich traurig machen. Du hast doch neulich gesehen und gehört, wie die zweite Schwester zurückkam und was sie erzählte. Ich frage mich, warum ein Mensch heiraten muss, wenn er erwachsen wird, nur um dann in einem fremden Haus solches Leid zu erdulden. Erinnerst du dich noch, als wir die Begonien-Dichtergesellschaft gründeten? Wie wir zusammen dichteten und einander bewirteten — wie fröhlich das war! Jetzt ist Schwester Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.</ref> wieder zu Hause, selbst Xiangling kann nicht mehr herüberkommen, und die zweite Schwester ist verheiratet. All die Vertrauten sind nicht mehr beisammen, und so sieht es nun aus. Ich wollte eigentlich zur Großmutter gehen und die zweite Schwester zurückholen lassen, doch Mama hat es nicht erlaubt und mich kindisch und wirr genannt, sodass ich nichts mehr zu sagen wagte. In kurzer Zeit hat sich der Garten schon so sehr verändert. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren sein wird. Darum wird mir unwillkürlich immer schwerer ums Herz." Als Kajaljade diese Worte vernahm, senkte sie allmählich den Kopf, zog sich langsam auf den Kang zurück, sagte kein Wort, seufzte leise und legte sich nach innen hin.
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Schatzjade erwiderte: „Ich bin nicht verrückt. Wenn ich es dir erzähle, wird es auch dich traurig machen. Du hast doch neulich gesehen und gehört, wie die zweite Schwester zurückkam und was sie erzählte. Ich frage mich, warum ein Mensch heiraten muss, wenn er erwachsen wird, nur um dann in einem fremden Haus solches Leid zu erdulden. Erinnerst du dich noch, als wir die Begonien-Dichtergesellschaft gründeten? Wie wir zusammen dichteten und einander bewirteten — wie fröhlich das war! Jetzt ist Schwester Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.</ref> wieder zu Hause, selbst Duftkastanie kann nicht mehr herüberkommen, und die zweite Schwester ist verheiratet. All die Vertrauten sind nicht mehr beisammen, und so sieht es nun aus. Ich wollte eigentlich zur Großmutter gehen und die zweite Schwester zurückholen lassen, doch Mama hat es nicht erlaubt und mich kindisch und wirr genannt, sodass ich nichts mehr zu sagen wagte. In kurzer Zeit hat sich der Garten schon so sehr verändert. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren sein wird. Darum wird mir unwillkürlich immer schwerer ums Herz." Als Kajaljade diese Worte vernahm, senkte sie allmählich den Kopf, zog sich langsam auf den Kang zurück, sagte kein Wort, seufzte leise und legte sich nach innen hin.
  
Purpurkuckuck<ref>Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".</ref> kam gerade mit Tee herein und wunderte sich über die beiden, als Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".</ref> [袭人] eintrat. Sie sah Schatzjade und sprach: „Hier bist du also, Zweiter Herr! Die Großmutter lässt nach dir rufen. Ich habe mir schon gedacht, dass du hier bist." Kajaljade hörte, dass es Dufthauch war, richtete sich auf und bot ihr einen Platz an. Kajaljades Augen waren bereits vom Weinen ganz rot. Schatzjade bemerkte es und sagte: „Schwester, was ich eben sagte, war nur dummes Gerede. Du musst dir keine Sorgen machen. Wenn du an meine Worte denkst, dann achte umso mehr auf deine Gesundheit. Ruh dich ein wenig aus. Drüben bei der Großmutter wird nach mir gerufen; ich schaue kurz vorbei und komme gleich wieder." Damit ging er hinaus. Dufthauch fragte Kajaljade leise: „Was hattet ihr beide wieder?" Kajaljade antwortete: „Er ist wegen seiner zweiten Schwester traurig. Mir haben vorhin nur die Augen gejuckt, und ich habe sie gerieben — es war nichts weiter." Dufthauch sagte nichts mehr, eilte Schatzjade nach, und beide gingen auseinander. Schatzjade begab sich zu die Herzoginmutter [贾母] hinüber, doch die Großmutter hielt bereits ihren Mittagsschlaf, und so kehrte er in den Yihong-Hof zurück.
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Purpurkuckuck<ref>Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".</ref> kam gerade mit Tee herein und wunderte sich über die beiden, als Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".</ref> eintrat. Sie sah Schatzjade und sprach: „Hier bist du also, Zweiter Herr! Die Großmutter lässt nach dir rufen. Ich habe mir schon gedacht, dass du hier bist." Kajaljade hörte, dass es Dufthauch war, richtete sich auf und bot ihr einen Platz an. Kajaljades Augen waren bereits vom Weinen ganz rot. Schatzjade bemerkte es und sagte: „Schwester, was ich eben sagte, war nur dummes Gerede. Du musst dir keine Sorgen machen. Wenn du an meine Worte denkst, dann achte umso mehr auf deine Gesundheit. Ruh dich ein wenig aus. Drüben bei der Großmutter wird nach mir gerufen; ich schaue kurz vorbei und komme gleich wieder." Damit ging er hinaus. Dufthauch fragte Kajaljade leise: „Was hattet ihr beide wieder?" Kajaljade antwortete: „Er ist wegen seiner zweiten Schwester traurig. Mir haben vorhin nur die Augen gejuckt, und ich habe sie gerieben — es war nichts weiter." Dufthauch sagte nichts mehr, eilte Schatzjade nach, und beide gingen auseinander. Schatzjade begab sich zur Herzoginmutter hinüber, doch die Großmutter hielt bereits ihren Mittagsschlaf, und so kehrte er in den Hof der Roten Freude zurück.
  
 
Am Nachmittag, als Schatzjade von seinem Mittagsschlaf erwachte, langweilte er sich fürchterlich und griff aufs Geratewohl nach einem Buch. Dufthauch sah, dass er las, und eilte, ihm Tee zu bringen. Das Buch, das Schatzjade in der Hand hielt, waren die „Alten Yuefu-Lieder". Er blätterte darin und stieß auf Cao Mengdes „Beim Wein soll man singen — wie lange währt das Menschenleben?", und unwillkürlich stach es ihn ins Herz. Er legte das Buch beiseite und nahm ein anderes; es war eine Sammlung aus der Jin-Dynastie. Nachdem er einige Seiten durchgeblättert hatte, klappte er das Buch plötzlich zu, stützte das Kinn in die Hand und saß mit abwesendem Blick da. Dufthauch kam mit dem Tee und fragte bei seinem Anblick: „Warum liest du nicht weiter?" Schatzjade antwortete nicht, nahm den Tee, trank einen Schluck und stellte ihn hin. Dufthauch konnte sich keinen Reim darauf machen und stand nur neben ihm und starrte ihn an. Plötzlich stand Schatzjade auf und murmelte vor sich hin: „Wie herrlich — ‚sich in ungezügelter Freiheit jenseits aller Formen bewegen'!" Dufthauch musste lachen und wagte doch nicht zu fragen; sie riet ihm nur: „Wenn du keine Lust hast, das zu lesen, geh doch lieber ein wenig im Garten spazieren, statt dir hier vor Langeweile noch eine Krankheit zuzuziehen." Schatzjade antwortete zerstreut mit einem Ja und ging, noch immer ganz in Gedanken versunken, nach draußen.
 
Am Nachmittag, als Schatzjade von seinem Mittagsschlaf erwachte, langweilte er sich fürchterlich und griff aufs Geratewohl nach einem Buch. Dufthauch sah, dass er las, und eilte, ihm Tee zu bringen. Das Buch, das Schatzjade in der Hand hielt, waren die „Alten Yuefu-Lieder". Er blätterte darin und stieß auf Cao Mengdes „Beim Wein soll man singen — wie lange währt das Menschenleben?", und unwillkürlich stach es ihn ins Herz. Er legte das Buch beiseite und nahm ein anderes; es war eine Sammlung aus der Jin-Dynastie. Nachdem er einige Seiten durchgeblättert hatte, klappte er das Buch plötzlich zu, stützte das Kinn in die Hand und saß mit abwesendem Blick da. Dufthauch kam mit dem Tee und fragte bei seinem Anblick: „Warum liest du nicht weiter?" Schatzjade antwortete nicht, nahm den Tee, trank einen Schluck und stellte ihn hin. Dufthauch konnte sich keinen Reim darauf machen und stand nur neben ihm und starrte ihn an. Plötzlich stand Schatzjade auf und murmelte vor sich hin: „Wie herrlich — ‚sich in ungezügelter Freiheit jenseits aller Formen bewegen'!" Dufthauch musste lachen und wagte doch nicht zu fragen; sie riet ihm nur: „Wenn du keine Lust hast, das zu lesen, geh doch lieber ein wenig im Garten spazieren, statt dir hier vor Langeweile noch eine Krankheit zuzuziehen." Schatzjade antwortete zerstreut mit einem Ja und ging, noch immer ganz in Gedanken versunken, nach draußen.
  
Bald gelangte er zum Qinfang-Pavillon. Doch er sah nur eine öde Szenerie — die Menschen fortgegangen, die Räume leer. Er ging weiter zum Hengwu-Hof: Der Duft der Kräuter war noch da wie eh und je, doch Türen und Fenster waren geschlossen. Als er um das Ouxiang-Gartenhaus herumkam, sah er in der Ferne einige Gestalten, die sich an das Geländer in der Nähe des Liaoxu-Ufers lehnten, und ein paar kleine Dienstmädchen, die auf dem Boden kauerten und nach etwas suchten. Schatzjade schlich sich leise hinter den künstlichen Felsen und lauschte. Jemand sagte: „Ob er wohl an die Oberfläche kommt?" — es klang wie Li Wens Stimme. Eine andere lachte: „Gut! Er ist untergetaucht. Ich wusste doch, dass er nicht hochkommt." Das war Spürfrühling<ref>Spürfrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling".</ref> [探春]s Stimme. Wieder eine andere sprach: „Ja, richtig. Schwester, beweg dich nicht, warte nur ab — er kommt auf jeden Fall hoch." Und noch eine rief: „Da kommt er!" Die beiden letzten Stimmen gehörten Li Qi und Xing Xiuyan.
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Bald gelangte er zum Qinfang-Pavillon. Doch er sah nur eine öde Szenerie — die Menschen fortgegangen, die Räume leer. Er ging weiter zum Hengwu-Hof: Der Duft der Kräuter war noch da wie eh und je, doch Türen und Fenster waren geschlossen. Als er um das Ouxiang-Gartenhaus herumkam, sah er in der Ferne einige Gestalten, die sich an das Geländer in der Nähe des Liaoxu-Ufers lehnten, und ein paar kleine Dienstmädchen, die auf dem Boden kauerten und nach etwas suchten. Schatzjade schlich sich leise hinter den künstlichen Felsen und lauschte. Jemand sagte: „Ob er wohl an die Oberfläche kommt?" — es klang wie Muster Pflaumes Stimme. Eine andere lachte: „Gut! Er ist untergetaucht. Ich wusste doch, dass er nicht hochkommt." Das war Erkundefrühling<ref>Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling".</ref>s Stimme. Wieder eine andere sprach: „Ja, richtig. Schwester, beweg dich nicht, warte nur ab — er kommt auf jeden Fall hoch." Und noch eine rief: „Da kommt er!" Die beiden letzten Stimmen gehörten Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe.
  
Schatzjade konnte nicht widerstehen, hob ein Steinchen auf und warf es ins Wasser — platsch! Alle vier erschraken und riefen: „Wer macht denn solche Streiche? Hat uns einen Schreck eingejagt!" Schatzjade sprang lachend hinter dem Felsen hervor und rief: „Was für ein Vergnügen! Warum habt ihr mich nicht gerufen?" Spürfrühling sagte: „Ich wusste, es kann nur der Zweite Bruder sein, der so ungezogen ist! Da gibt es nichts zu reden — du musst mir meinen Fisch ersetzen: Gerade eben kam einer herangeschwommen, ich hatte ihn fast am Haken, und du hast ihn verscheucht." Schatzjade lachte: „Ihr amüsiert euch hier ohne mich — eigentlich müsste ich euch bestrafen." Alle lachten eine Weile.
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Schatzjade konnte nicht widerstehen, hob ein Steinchen auf und warf es ins Wasser — platsch! Alle vier erschraken und riefen: „Wer macht denn solche Streiche? Hat uns einen Schreck eingejagt!" Schatzjade sprang lachend hinter dem Felsen hervor und rief: „Was für ein Vergnügen! Warum habt ihr mich nicht gerufen?" Erkundefrühling sagte: „Ich wusste, es kann nur der Zweite Bruder sein, der so ungezogen ist! Da gibt es nichts zu reden — du musst mir meinen Fisch ersetzen: Gerade eben kam einer herangeschwommen, ich hatte ihn fast am Haken, und du hast ihn verscheucht." Schatzjade lachte: „Ihr amüsiert euch hier ohne mich — eigentlich müsste ich euch bestrafen." Alle lachten eine Weile.
  
Schatzjade sprach: „Lasst uns alle angeln und herausfinden, wer das meiste Glück hat: Wer einen Fisch fängt, hat dieses Jahr Glück; wer keinen fängt, hat Pech. Wer fängt zuerst an?" Spürfrühling bot Li Wen den Vortritt an, doch die lehnte ab. Spürfrühling lachte: „Dann fange ich eben an." Zu Schatzjade gewandt sagte sie: „Zweiter Bruder, wenn du mir noch einmal die Fische verscheuchst, lass ich das nicht durchgehen." Schatzjade erwiderte: „Vorhin wollte ich euch nur erschrecken. Jetzt angel nur in Ruhe."
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Schatzjade sprach: „Lasst uns alle angeln und herausfinden, wer das meiste Glück hat: Wer einen Fisch fängt, hat dieses Jahr Glück; wer keinen fängt, hat Pech. Wer fängt zuerst an?" Erkundefrühling bot Muster Pflaume den Vortritt an, doch die lehnte ab. Erkundefrühling lachte: „Dann fange ich eben an." Zu Schatzjade gewandt sagte sie: „Zweiter Bruder, wenn du mir noch einmal die Fische verscheuchst, lass ich das nicht durchgehen." Schatzjade erwiderte: „Vorhin wollte ich euch nur erschrecken. Jetzt angel nur in Ruhe."
  
Spürfrühling warf die Seidenschnur aus, und noch ehe zehn Sätze gesprochen waren, hatte schon ein Weidenblatt-Schnellfisch den Haken verschluckt und die Pose heruntergezogen. Spürfrühling zog die Rute hoch, schwenkte den Fisch zu Boden — er zappelte noch heftig. Shishu fing ihn auf dem ganzen Boden mit beiden Händen ein und setzte ihn in einen kleinen Porzellantopf mit klarem Wasser.
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Erkundefrühling warf die Seidenschnur aus, und noch ehe zehn Sätze gesprochen waren, hatte schon ein Weidenblatt-Schnellfisch den Haken verschluckt und die Pose heruntergezogen. Erkundefrühling zog die Rute hoch, schwenkte den Fisch zu Boden — er zappelte noch heftig. Shishu fing ihn auf dem ganzen Boden mit beiden Händen ein und setzte ihn in einen kleinen Porzellantopf mit klarem Wasser.
  
Spürfrühling reichte die Angel an Li Wen weiter. Li Wen ließ die Schnur hinab, spürte einen Ruck, riss die Rute hoch — doch der Haken war leer. Sie versuchte es noch einmal, und nach einer Weile ruckte die Schnur wieder; sie zog hoch — wieder ein leerer Haken. Li Wen untersuchte den Haken und sah, dass er sich nach innen gebogen hatte. Sie lachte: „Kein Wunder, dass nichts anbeißt!" Eilig ließ sie Suyun den Haken richten und einen neuen Köder aufstecken und das Schilfplättchen befestigen. Nachdem sie die Schnur eine Weile im Wasser hängen ließ, sank die Pose direkt unter — sie riss die Angel hoch, und da hing ein zwei Zoll langer kleiner Karauschenfisch.
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Erkundefrühling reichte die Angel an Muster Pflaume weiter. Muster Pflaume ließ die Schnur hinab, spürte einen Ruck, riss die Rute hoch — doch der Haken war leer. Sie versuchte es noch einmal, und nach einer Weile ruckte die Schnur wieder; sie zog hoch — wieder ein leerer Haken. Muster Pflaume untersuchte den Haken und sah, dass er sich nach innen gebogen hatte. Sie lachte: „Kein Wunder, dass nichts anbeißt!" Eilig ließ sie Suyun den Haken richten und einen neuen Köder aufstecken und das Schilfplättchen befestigen. Nachdem sie die Schnur eine Weile im Wasser hängen ließ, sank die Pose direkt unter — sie riss die Angel hoch, und da hing ein zwei Zoll langer kleiner Karauschenfisch.
  
Li Wen lachte: „Schatzjade, jetzt angel du." Schatzjade antwortete: „Lasst lieber erst die dritte Schwester und Schwester Xing angeln, dann bin ich dran." Xiuyan sagte nichts. Li Qi meinte: „Schatzjade, angel du zuerst." Da stieg eine Blase auf dem Wasser auf. Spürfrühling sagte: „Hört auf mit der Höflichkeit! Seht, die Fische sind alle drüben bei der dritten Schwester — los, angel schnell!" Li Qi nahm lachend die Rute und fing tatsächlich sofort einen Fisch. Danach fing auch Xiuyan einen. Dann reichten sie die Rute zurück an Spürfrühling, die sie Schatzjade gab.
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Muster Pflaume lachte: „Schatzjade, jetzt angel du." Schatzjade antwortete: „Lasst lieber erst die dritte Schwester und Schwester Strafe angeln, dann bin ich dran." Höhlennebel Strafe sagte nichts. Prachtamt Pflaume meinte: „Schatzjade, angel du zuerst." Da stieg eine Blase auf dem Wasser auf. Erkundefrühling sagte: „Hört auf mit der Höflichkeit! Seht, die Fische sind alle drüben bei der dritten Schwester — los, angel schnell!" Prachtamt Pflaume nahm lachend die Rute und fing tatsächlich sofort einen Fisch. Danach fing auch Höhlennebel Strafe einen. Dann reichten sie die Rute zurück an Erkundefrühling, die sie Schatzjade gab.
  
Schatzjade verkündete: „Ich will es machen wie Jiang Taigong!" Er stieg zum Steinufer hinab, setzte sich an den Teichrand und begann zu angeln. Doch die Fische im Wasser sahen seinen Schatten und flohen allesamt anderswohin. Schatzjade schwenkte seine Angel und wartete lange, aber die Schnur rührte sich nicht. Gerade als ein Fisch am Rand des Wassers Blasen blies, ruckte Schatzjade an der Rute und verscheuchte ihn prompt. Ungeduldig rief Schatzjade: „Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt, und ausgerechnet der Fisch hat es nicht eilig — was soll ich da machen? Lieber Fisch, komm doch endlich! Hab ein Einsehen mit mir!" Die vier Mädchen lachten schallend. Kaum hatte er ausgesprochen, zuckte die Schnur leicht. Überglücklich riss Schatzjade mit aller Kraft die Angel hoch und schlug dabei die Rute an den Stein, worauf sie in zwei Stücke zerbrach, die Schnur riss und der Haken verschwand. Die anderen lachten nur noch mehr. Spürfrühling sagte: „So einen Tolpatsch wie dich gibt es wirklich nicht noch einmal."
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Schatzjade verkündete: „Ich will es machen wie Jiang Taigong!" Er stieg zum Steinufer hinab, setzte sich an den Teichrand und begann zu angeln. Doch die Fische im Wasser sahen seinen Schatten und flohen allesamt anderswohin. Schatzjade schwenkte seine Angel und wartete lange, aber die Schnur rührte sich nicht. Gerade als ein Fisch am Rand des Wassers Blasen blies, ruckte Schatzjade an der Rute und verscheuchte ihn prompt. Ungeduldig rief Schatzjade: „Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt, und ausgerechnet der Fisch hat es nicht eilig — was soll ich da machen? Lieber Fisch, komm doch endlich! Hab ein Einsehen mit mir!" Die vier Mädchen lachten schallend. Kaum hatte er ausgesprochen, zuckte die Schnur leicht. Überglücklich riss Schatzjade mit aller Kraft die Angel hoch und schlug dabei die Rute an den Stein, worauf sie in zwei Stücke zerbrach, die Schnur riss und der Haken verschwand. Die anderen lachten nur noch mehr. Erkundefrühling sagte: „So einen Tolpatsch wie dich gibt es wirklich nicht noch einmal."
  
Noch während sie sprachen, kam Moschusmond<ref>Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".</ref> [麝月] außer Atem herbeigelaufen und rief: „Zweiter Herr, die Großmutter ist wach und lässt Euch sofort kommen!" Alle fünf erschraken. Spürfrühling fragte Moschusmond: „Was will die Großmutter vom Zweiten Bruder?" Moschusmond antwortete: „Ich weiß es auch nicht. Ich habe nur gehört, dass irgendetwas aufgeflogen sei und die Großmutter Schatzjade befragen will, und die Zweite Schwägerin Lian soll es auch untersuchen." Schatzjade erschrak und starrte eine Weile vor sich hin: „Wer weiß, welches Dienstmädchen nun wieder Ärger bekommen hat." Spürfrühling sprach: „Was immer es ist, Zweiter Bruder, geh schnell. Wenn es Neuigkeiten gibt, schick Moschusmond her, um es uns mitzuteilen." Damit ging sie mit Li Wen, Li Qi und Xiuyan davon.
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Noch während sie sprachen, kam Moschusmond<ref>Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".</ref> außer Atem herbeigelaufen und rief: „Zweiter Herr, die Großmutter ist wach und lässt Euch sofort kommen!" Alle fünf erschraken. Erkundefrühling fragte Moschusmond: „Was will die Großmutter vom Zweiten Bruder?" Moschusmond antwortete: „Ich weiß es auch nicht. Ich habe nur gehört, dass irgendetwas aufgeflogen sei und die Großmutter Schatzjade befragen will, und die Zweite Schwägerin Lian soll es auch untersuchen." Schatzjade erschrak und starrte eine Weile vor sich hin: „Wer weiß, welches Dienstmädchen nun wieder Ärger bekommen hat." Erkundefrühling sprach: „Was immer es ist, Zweiter Bruder, geh schnell. Wenn es Neuigkeiten gibt, schick Moschusmond her, um es uns mitzuteilen." Damit ging sie mit Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe davon.
  
Schatzjade kam zu die Herzoginmutters Gemächern. Dort saß Wang Furen bei der Großmutter, und beide spielten Karten. Als Schatzjade sah, dass nichts Beunruhigendes vorlag, fiel ihm die Hälfte seiner Angst vom Herzen. die Herzoginmutter sah ihn hereinkommen und fragte: „Als du vor zwei Jahren krank warst und schließlich ein verrückter Mönch und ein hinkender Daoist dich heilten — erinnerst du dich, wie es dir während der Krankheit ergangen ist?" Schatzjade überlegte eine Weile und sagte: „Ich erinnere mich, dass mir, als ich gerade stand, wie aus dem Nichts jemand einen Knüppel über den Kopf schlug, sodass mir die Augen schwarz wurden und ich das ganze Zimmer voller Dämonen mit grünen Fratzen und Reißzähnen sah, die Messer und Knüppel schwangen. Als ich auf dem Kang lag, fühlte es sich an, als hätte man mir mehrere eiserne Reifen um den Kopf gelegt. Danach war der Schmerz so groß, dass ich gar nichts mehr wahrnahm. Als es mir besserging, erinnere ich mich an ein goldenes Leuchten in der Halle, das bis auf mein Bett strahlte. Alle Dämonen flohen erschrocken davon und verschwanden. Mein Kopf schmerzte nicht mehr, und im Geist wurde mir wieder klar." die Herzoginmutter wandte sich an Wang Furen: „Das klingt ja fast genauso."
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Schatzjade kam in die Gemächer der Herzoginmutter. Dort saß Frau König bei der Großmutter, und beide spielten Mahjong. Als Schatzjade sah, dass nichts Beunruhigendes vorlag, fiel ihm die Hälfte seiner Angst vom Herzen. Die Herzoginmutter sah ihn hereinkommen und fragte: „Als du vor zwei Jahren krank warst und schließlich ein verrückter Mönch und ein hinkender Daoist dich heilten — erinnerst du dich, wie es dir während der Krankheit ergangen ist?" Schatzjade überlegte eine Weile und sagte: „Ich erinnere mich, dass mir, als ich gerade stand, wie aus dem Nichts jemand einen Knüppel über den Kopf schlug, sodass mir die Augen schwarz wurden und ich das ganze Zimmer voller Dämonen mit grünen Fratzen und Reißzähnen sah, die Messer und Knüppel schwangen. Als ich auf dem Kang lag, fühlte es sich an, als hätte man mir mehrere eiserne Reifen um den Kopf gelegt. Danach war der Schmerz so groß, dass ich gar nichts mehr wahrnahm. Als es mir besserging, erinnere ich mich an ein goldenes Leuchten in der Halle, das bis auf mein Bett strahlte. Alle Dämonen flohen erschrocken davon und verschwanden. Mein Kopf schmerzte nicht mehr, und im Geist wurde mir wieder klar." die Herzoginmutter wandte sich an Frau König: „Das klingt ja fast genauso."
  
Da kam auch Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref> [熙凤] herein, begrüßte die Herzoginmutter und dann Wang Furen und fragte: „Was wollte die Alte Ahnin mich fragen?" die Herzoginmutter sprach: „Erinnerst du dich noch, wie es war, als du damals von dem Zauber befallen wurdest?" Phönixglanz lachte: „So genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich spürte nur, wie mein Körper nicht mehr mir selbst gehorchte, als würde mich jemand zerren und stoßen und als sollte ich Menschen umbringen. Was mir in die Hände kam, das packte ich; was mir begegnete, das schlug ich tot. Eigentlich war ich völlig erschöpft, aber ich konnte nicht aufhören." die Herzoginmutter fragte: „Und als du gesund wurdest?" Phönixglanz sagte: „Als es mir besserging, war es, als hätte jemand in der Luft ein paar Worte gesprochen, aber ich erinnere mich nicht, was." die Herzoginmutter nickte: „So sieht es also aus — es war wirklich sie. Beider Krankheitserscheinungen stimmen mit dem gerade Beschriebenen überein. Dieses alte Weib hatte wirklich ein bösartiges Herz! Schatzjade hat sie doch sogar als Patin anerkannt. Dagegen waren der Mönch und der Daoist — Amitabha! — die wahren Retter von Schatzjades Leben. Nur haben wir uns noch nicht bei ihnen bedankt."
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Da kam auch Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref> herein, begrüßte die Herzoginmutter und dann Frau König und fragte: „Was wollte die Alte Ahnin mich fragen?" die Herzoginmutter sprach: „Erinnerst du dich noch, wie es war, als du damals von dem Zauber befallen wurdest?" Phönixglanz lachte: „So genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich spürte nur, wie mein Körper nicht mehr mir selbst gehorchte, als würde mich jemand zerren und stoßen und als sollte ich Menschen umbringen. Was mir in die Hände kam, das packte ich; was mir begegnete, das schlug ich tot. Eigentlich war ich völlig erschöpft, aber ich konnte nicht aufhören." die Herzoginmutter fragte: „Und als du gesund wurdest?" Phönixglanz sagte: „Als es mir besserging, war es, als hätte jemand in der Luft ein paar Worte gesprochen, aber ich erinnere mich nicht, was." die Herzoginmutter nickte: „So sieht es also aus — es war wirklich sie. Beider Krankheitserscheinungen stimmen mit dem gerade Beschriebenen überein. Dieses alte Weib hatte wirklich ein bösartiges Herz! Schatzjade hat sie doch sogar als Patin anerkannt. Dagegen waren der Mönch und der Daoist — Amitabha! — die wahren Retter von Schatzjades Leben. Nur haben wir uns noch nicht bei ihnen bedankt."
  
Phönixglanz fragte: „Wie kommt die Alte Ahnin auf unsere damalige Krankheit zu sprechen?" die Herzoginmutter antwortete: „Frag deine Tante — ich mag es nicht nochmal erzählen." Wang Furen sprach: „Vorhin kam der Herr herein und erzählte, dass Schatzjades Patin tatsächlich ein durch und durch verdorbenes Weib war, die schwarze Magie betrieb. Jetzt ist die Sache aufgeflogen: Sie wurde von der Kaiserlichen Garde ergriffen und an das Strafministerium überstellt, wo sie zum Tode verurteilt werden soll. Vor einigen Tagen wurde sie angezeigt. Ein gewisser Pan Sanbao besaß ein Haus, das er dem Pfandhaus gegenüber verkauft hatte. Pan Sanbao verlangte immer höhere Aufschläge, die das Pfandhaus nicht mehr zu zahlen bereit war. Da bestach Pan Sanbao diese alte Hexe. Weil sie häufig im Pfandhaus verkehrte und die Frauen des Hauses ihr alle vertrauten, wendete sie eine ihrer Künste an: Plötzlich wurden die Frauen von einem bösen Leiden befallen, und im Haus brach das reinste Chaos aus. Da trat sie auf und erklärte, sie könne die Krankheit heilen. Sie verbrannte Geisterpferde und Papiergeld, und tatsächlich besserte es sich. Dann verlangte sie von den Frauen des Hauses mehr als zehn Tael Silber. Doch der Himmel hat Augen, und es kam zur Enthüllung: Eines Tages, als sie es eilig hatte nach Hause zu kommen, verlor sie ein in Seide gewickeltes Bündel. Die Leute vom Pfandhaus hoben es auf und fanden darin viele Papierfiguren und vier Kugeln stark duftenden Weihrauchs. Während sie sich noch wunderten, kam die Alte zurück, um das Bündel zu suchen. Sie packten sie, durchsuchten sie und fanden ein Kästchen mit folgenden Dingen: aus Elfenbein geschnitzte Figuren eines Mannes und einer Frau, beide nackt; zwei nackte Dämonenkönige; und sieben zinnoberrote Sticknadeln. Sofort wurde sie zur Kaiserlichen Garde gebracht, und unter Verhör gestand sie Geheimnisse zahlreicher Beamtenfamilien und vornehmer Damen und Fräulein. Daraufhin wurde ihre Wohnung durchsucht: Man fand zahlreiche Tonnachbildungen von Schreckensgöttern, mehrere Kästchen mit Betäubungsweihrauch; in einem Hinterzimmer hinter dem Kang hing eine Siebensternlaterne, und unter der Laterne standen mehrere Strohpuppen: einigen war ein eiserner Reif um den Kopf gelegt, anderen steckten Nägel in der Brust, wieder anderen war eine Kette um den Hals gebunden. In einer Truhe lagen unzählige Papierfiguren und darunter mehrere Kontobücher, in denen verzeichnet war, bei welcher Familie ein Fluch erprobt worden war, wie viel Silber noch ausstehe und wie viel Geld für Öl und Weihrauch empfangen worden sei — unzählige Summen."
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Phönixglanz fragte: „Wie kommt die Alte Ahnin auf unsere damalige Krankheit zu sprechen?" die Herzoginmutter antwortete: „Frag deine Tante — ich mag es nicht nochmal erzählen." Frau König sprach: „Vorhin kam der Herr herein und erzählte, dass Schatzjades Patin tatsächlich ein durch und durch verdorbenes Weib war, die schwarze Magie betrieb. Jetzt ist die Sache aufgeflogen: Sie wurde von der Kaiserlichen Garde ergriffen und an das Strafministerium überstellt, wo sie zum Tode verurteilt werden soll. Vor einigen Tagen wurde sie angezeigt. Ein gewisser Pan Sanbao besaß ein Haus, das er dem Pfandhaus gegenüber verkauft hatte. Pan Sanbao verlangte immer höhere Aufschläge, die das Pfandhaus nicht mehr zu zahlen bereit war. Da bestach Pan Sanbao diese alte Hexe. Weil sie häufig im Pfandhaus verkehrte und die Frauen des Hauses ihr alle vertrauten, wendete sie eine ihrer Künste an: Plötzlich wurden die Frauen von einem bösen Leiden befallen, und im Haus brach das reinste Chaos aus. Da trat sie auf und erklärte, sie könne die Krankheit heilen. Sie verbrannte Geisterpferde und Papiergeld, und tatsächlich besserte es sich. Dann verlangte sie von den Frauen des Hauses mehr als zehn Tael Silber. Doch der Himmel hat Augen, und es kam zur Enthüllung: Eines Tages, als sie es eilig hatte nach Hause zu kommen, verlor sie ein in Seide gewickeltes Bündel. Die Leute vom Pfandhaus hoben es auf und fanden darin viele Papierfiguren und vier Kugeln stark duftenden Weihrauchs. Während sie sich noch wunderten, kam die Alte zurück, um das Bündel zu suchen. Sie packten sie, durchsuchten sie und fanden ein Kästchen mit folgenden Dingen: aus Elfenbein geschnitzte Figuren eines Mannes und einer Frau, beide nackt; zwei nackte Dämonenkönige; und sieben zinnoberrote Sticknadeln. Sofort wurde sie zur Kaiserlichen Garde gebracht, und unter Verhör gestand sie Geheimnisse zahlreicher Beamtenfamilien und vornehmer Damen und Fräulein. Daraufhin wurde ihre Wohnung durchsucht: Man fand zahlreiche Tonnachbildungen von Schreckensgöttern, mehrere Kästchen mit Betäubungsweihrauch; in einem Hinterzimmer hinter dem Kang hing eine Siebensternlaterne, und unter der Laterne standen mehrere Strohpuppen: einigen war ein eiserner Reif um den Kopf gelegt, anderen steckten Nägel in der Brust, wieder anderen war eine Kette um den Hals gebunden. In einer Truhe lagen unzählige Papierfiguren und darunter mehrere Kontobücher, in denen verzeichnet war, bei welcher Familie ein Fluch erprobt worden war, wie viel Silber noch ausstehe und wie viel Geld für Öl und Weihrauch empfangen worden sei — unzählige Summen."
  
 
Phönixglanz sagte: „Unsere damalige Krankheit war gewiss ihr Werk! Ich erinnere mich, dass die alte Hexe danach mehrfach bei Zhao Yiniang war und Silber verlangte; als sie mich sah, veränderten sich Miene und Farbe ihres Gesichts, und ihre Augen glotzten wie die eines schwarzen Huhns. Anfangs rätselte ich immerzu, ohne den Grund zu finden. Jetzt, da die Rede darauf kommt, erweist sich, dass alles seine Ursache hatte. Aber als Haushälterin macht man sich natürlich Feinde, da kann ich es den Leuten nicht verübeln, dass sie es auf mich abgesehen hatten. Doch was hat Schatzjade jemandem getan, dass man es über sich brachte, ihm so Giftiges anzutun?" die Herzoginmutter erwiderte: „Wer weiß — vielleicht hat sie uns beiden den Fluch aufgeladen, weil ich Schatzjade bevorzuge und Huan nicht?"
 
Phönixglanz sagte: „Unsere damalige Krankheit war gewiss ihr Werk! Ich erinnere mich, dass die alte Hexe danach mehrfach bei Zhao Yiniang war und Silber verlangte; als sie mich sah, veränderten sich Miene und Farbe ihres Gesichts, und ihre Augen glotzten wie die eines schwarzen Huhns. Anfangs rätselte ich immerzu, ohne den Grund zu finden. Jetzt, da die Rede darauf kommt, erweist sich, dass alles seine Ursache hatte. Aber als Haushälterin macht man sich natürlich Feinde, da kann ich es den Leuten nicht verübeln, dass sie es auf mich abgesehen hatten. Doch was hat Schatzjade jemandem getan, dass man es über sich brachte, ihm so Giftiges anzutun?" die Herzoginmutter erwiderte: „Wer weiß — vielleicht hat sie uns beiden den Fluch aufgeladen, weil ich Schatzjade bevorzuge und Huan nicht?"
  
Wang Furen sprach: „Die Alte ist bereits verurteilt, und es wäre unmöglich, sie zur Konfrontation herzuschaffen. Ohne Konfrontation wird Zhao Yiniang gewiss nichts zugeben. Und die Sache ist zu schwerwiegend — wenn es nach außen dringt, wäre es unangemessen. Lass sie sich selbst ins Verderben reiten; früher oder später kommt alles von allein ans Licht." die Herzoginmutter meinte: „Da hast du recht. Ohne Beweis lässt sich nichts mit Sicherheit sagen. Doch Buddha und die Bodhisattvas sehen alles klar — haben die beiden heute nicht doch ihr Auskommen? Genug, was vergangen ist, ist vergangen. Phönixglanz, du brauchst nicht weiter davon zu sprechen. Heute bleibt ihr beide, du und deine Tante, hier bei mir zum Abendessen." Dann rief sie Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente".</ref>, Hupo und die anderen, das Essen aufzutragen. Phönixglanz beeilte sich lachend: „Wie kommt es, dass die Alte Ahnin sich persönlich Sorgen macht?" Auch Wang Furen musste lächeln. Draußen warteten bereits einige Dienerinnen. Phönixglanz schickte schnell ein kleines Mädchen los: „Sag in der Küche, dass ich und die Gnädige Frau bei der Alten Ahnin speisen."
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Frau König sprach: „Die Alte ist bereits verurteilt, und es wäre unmöglich, sie zur Konfrontation herzuschaffen. Ohne Konfrontation wird Zhao Yiniang gewiss nichts zugeben. Und die Sache ist zu schwerwiegend — wenn es nach außen dringt, wäre es unangemessen. Lass sie sich selbst ins Verderben reiten; früher oder später kommt alles von allein ans Licht." die Herzoginmutter meinte: „Da hast du recht. Ohne Beweis lässt sich nichts mit Sicherheit sagen. Doch Buddha und die Bodhisattvas sehen alles klar — haben die beiden heute nicht doch ihr Auskommen? Genug, was vergangen ist, ist vergangen. Phönixglanz, du brauchst nicht weiter davon zu sprechen. Heute bleibt ihr beide, du und deine Tante, hier bei mir zum Abendessen." Dann rief sie Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente".</ref>, Hupo und die anderen, das Essen aufzutragen. Phönixglanz beeilte sich lachend: „Wie kommt es, dass die Alte Ahnin sich persönlich Sorgen macht?" Auch Frau König musste lächeln. Draußen warteten bereits einige Dienerinnen. Phönixglanz schickte schnell ein kleines Mädchen los: „Sag in der Küche, dass ich und die Gnädige Frau bei der Alten Ahnin speisen."
  
Währenddessen kam Yuchuan herein und sagte zu Wang Furen: „Der gnädige Herr sucht etwas und bittet die Gnädige Frau, nach dem Essen der Alten Ahnin selbst danach zu schauen." die Herzoginmutter sprach: „Geh nur — vielleicht hat dein Mann etwas Dringendes."
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Währenddessen kam Yuchuan herein und sagte zu Frau König: „Der gnädige Herr sucht etwas und bittet die Gnädige Frau, nach dem Essen der Alten Ahnin selbst danach zu schauen." die Herzoginmutter sprach: „Geh nur — vielleicht hat dein Mann etwas Dringendes."
  
Wang Furen nahm ihren Abschied, ließ Phönixglanz bei der Großmutter und zog sich zurück. In ihren Gemächern plauderte sie mit Kaufmann Aufrecht<ref>Kaufmann Aufrecht: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> [贾政] und fand den gesuchten Gegenstand. Kaufmann Aufrecht fragte: „Ist Willkommensfrühling schon zurückgekehrt? Wie geht es ihr im Hause Sun?" Wang Furen erwiderte: „Willkommensfrühling war ein einziges Tränenmeer. Der Schwiegersohn Sun soll unerhört brutal sein!" Darauf schilderte sie, was Willkommensfrühling erzählt hatte. Kaufmann Aufrecht seufzte: „Ich wusste von Anfang an, dass es keine gute Partie war. Aber der Ältere Herr hatte es bereits beschlossen — da konnte ich nichts tun. Willkommensfrühling muss eben einiges an Unrecht erdulden." Wang Furen sagte: „Sie ist ja noch eine junge Ehefrau; man kann nur hoffen, dass es in Zukunft besser wird." Dabei musste sie unwillkürlich lächeln.
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Frau König nahm ihren Abschied, ließ Phönixglanz bei der Großmutter und zog sich zurück. In ihren Gemächern plauderte sie mit Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> und fand den gesuchten Gegenstand. Aufrecht Kaufmann fragte: „Ist Willkommensfrühling schon zurückgekehrt? Wie geht es ihr im Hause Sun?" Frau König erwiderte: „Willkommensfrühling war ein einziges Tränenmeer. Der Schwiegersohn Sun soll unerhört brutal sein!" Darauf schilderte sie, was Willkommensfrühling erzählt hatte. Aufrecht Kaufmann seufzte: „Ich wusste von Anfang an, dass es keine gute Partie war. Aber der Ältere Herr hatte es bereits beschlossen — da konnte ich nichts tun. Willkommensfrühling muss eben einiges an Unrecht erdulden." Frau König sagte: „Sie ist ja noch eine junge Ehefrau; man kann nur hoffen, dass es in Zukunft besser wird." Dabei musste sie unwillkürlich lächeln.
  
Kaufmann Aufrecht fragte: „Worüber lachst du?" Wang Furen antwortete: „Ich muss über Schatzjade lachen, der heute Morgen eigens herkam und lauter kindische Sachen redete." Kaufmann Aufrecht fragte: „Was hat er gesagt?" Wang Furen erzählte lachend Schatzjades Worte. Auch Kaufmann Aufrecht konnte nicht umhin zu lachen. Dann wurde er ernst und sprach: „Da du Schatzjade erwähnst — mir ist gerade eine Sache eingefallen. Dieses Kind den ganzen Tag im Garten herumtollen zu lassen, ist kein Zustand. Mädchen, die nichts einbringen, gehören ohnehin in ein anderes Haus. Aber wenn ein Sohn nichts taugt, sind die Folgen schwerwiegend. Neulich hat jemand mir einen Lehrer empfohlen — ein Mann von vorzüglicher Gelehrsamkeit und tadellosem Charakter, ebenfalls aus dem Süden. Doch ich fürchte, ein Lehrer aus dem Süden ist zu nachsichtig. Unsere Stadtkinder sind alle frech wie die Teufel: schlau genug, um sich durchzumogeln, und dabei unverschämt. Wenn der Lehrer es nicht übers Herz bringt, streng zu sein und den Schüler nur wie ein Baby verhätschelt, ist am Ende alles umsonst. Darum haben die Alten lieber niemanden von außen engagiert, sondern jemanden aus der eigenen Familie für die Hausschule gewählt — jemanden in reifem Alter und mit ein wenig Bildung. Zwar ist Großonkel Ru kein überragender Gelehrter, aber er versteht es, die Jungen in Schach zu halten und geht nicht nachlässig zu Werke. Ich denke, Schatzjade müßig herumsitzen zu lassen, taugt nichts. Am besten schicken wir ihn wieder in die Hausschule zum Lernen." Wang Furen stimmte zu: „Der gnädige Herr hat ganz recht. Seit Ihr in der Provinz wart und er ständig krank war, sind mehrere Jahre vergeudet worden. Wenn er jetzt wenigstens in der Hausschule den Stoff wiederholt, wäre das schon etwas."  Kaufmann Aufrecht nickte, und sie plauderten noch über dies und jenes.
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Worüber lachst du?" Frau König antwortete: „Ich muss über Schatzjade lachen, der heute Morgen eigens herkam und lauter kindische Sachen redete." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was hat er gesagt?" Frau König erzählte lachend Schatzjades Worte. Auch Aufrecht Kaufmann konnte nicht umhin zu lachen. Dann wurde er ernst und sprach: „Da du Schatzjade erwähnst — mir ist gerade eine Sache eingefallen. Dieses Kind den ganzen Tag im Garten herumtollen zu lassen, ist kein Zustand. Mädchen, die nichts einbringen, gehören ohnehin in ein anderes Haus. Aber wenn ein Sohn nichts taugt, sind die Folgen schwerwiegend. Neulich hat jemand mir einen Lehrer empfohlen — ein Mann von vorzüglicher Gelehrsamkeit und tadellosem Charakter, ebenfalls aus dem Süden. Doch ich fürchte, ein Lehrer aus dem Süden ist zu nachsichtig. Unsere Stadtkinder sind alle frech wie die Teufel: schlau genug, um sich durchzumogeln, und dabei unverschämt. Wenn der Lehrer es nicht übers Herz bringt, streng zu sein und den Schüler nur wie ein Baby verhätschelt, ist am Ende alles umsonst. Darum haben die Alten lieber niemanden von außen engagiert, sondern jemanden aus der eigenen Familie für die Hausschule gewählt — jemanden in reifem Alter und mit ein wenig Bildung. Zwar ist Großonkel Ru kein überragender Gelehrter, aber er versteht es, die Jungen in Schach zu halten und geht nicht nachlässig zu Werke. Ich denke, Schatzjade müßig herumsitzen zu lassen, taugt nichts. Am besten schicken wir ihn wieder in die Hausschule zum Lernen." Frau König stimmte zu: „Der gnädige Herr hat ganz recht. Seit Ihr in der Provinz wart und er ständig krank war, sind mehrere Jahre vergeudet worden. Wenn er jetzt wenigstens in der Hausschule den Stoff wiederholt, wäre das schon etwas."  Aufrecht Kaufmann nickte, und sie plauderten noch über dies und jenes.
  
Am nächsten Morgen, als Schatzjade aufstand und seine Toilette beendet hatte, überbrachten die Diener die Botschaft: „Der gnädige Herr wünscht den Zweiten Herrn zu sprechen." Schatzjade richtete eilig seine Kleider und begab sich in Kaufmann Aufrechts Arbeitszimmer. Nach der Begrüßung blieb er stehen. Kaufmann Aufrecht sprach: „Was hast du in letzter Zeit an Studien betrieben? Ein paar Seiten Schönschrift sind noch keine Leistung. Ich sehe, dass du in den letzten Jahren noch nachlässiger geworden bist als früher. Überdies höre ich ständig, dass du dich krank meldest, um dem Unterricht fernzubleiben. Bist du jetzt wieder ganz gesund? Und ich höre, dass du Tag für Tag im Garten mit deinen Schwestern herumtolst und dich sogar mit den Dienstmädchen vergnügst, während du deine eigentlichen Pflichten vollständig vernachlässigst. Selbst wenn du ein paar Verse zusammenreimst — was ist schon dabei? Bei den Beamtenprüfungen kommt es auf die Prosadichtung an, und auf diesem Gebiet hast du keinerlei Übung. Ich sage dir: Von heute an ist es verboten, Gedichte und Parallelverse zu schreiben! Du wirst dich ausschließlich den Achtgliedrigen Aufsätzen widmen. Ich gebe dir ein Jahr: Wenn du keinerlei Fortschritte machst, brauchst du gar nicht mehr zu studieren — und ich verzichte auf einen solchen Sohn!" Dann rief er Li Gui herbei: „Morgen früh soll Beiming Schatzjade begleiten, seine Bücher zusammenpacken und alles herbringen, damit ich es durchsehe. Dann bringe ich ihn persönlich in die Hausschule." Barsch befahl er Schatzjade: „Geh! Morgen früh erscheinst du bei mir."
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Am nächsten Morgen, als Schatzjade aufstand und seine Toilette beendet hatte, überbrachten die Diener die Botschaft: „Der gnädige Herr wünscht den Zweiten Herrn zu sprechen." Schatzjade richtete eilig seine Kleider und begab sich in Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer. Nach der Begrüßung blieb er stehen. Aufrecht Kaufmann sprach: „Was hast du in letzter Zeit an Studien betrieben? Ein paar Seiten Schönschrift sind noch keine Leistung. Ich sehe, dass du in den letzten Jahren noch nachlässiger geworden bist als früher. Überdies höre ich ständig, dass du dich krank meldest, um dem Unterricht fernzubleiben. Bist du jetzt wieder ganz gesund? Und ich höre, dass du Tag für Tag im Garten mit deinen Schwestern herumtolst und dich sogar mit den Dienstmädchen vergnügst, während du deine eigentlichen Pflichten vollständig vernachlässigst. Selbst wenn du ein paar Verse zusammenreimst — was ist schon dabei? Bei den Beamtenprüfungen kommt es auf die Prosadichtung an, und auf diesem Gebiet hast du keinerlei Übung. Ich sage dir: Von heute an ist es verboten, Gedichte und Parallelverse zu schreiben! Du wirst dich ausschließlich den Achtgliedrigen Aufsätzen widmen. Ich gebe dir ein Jahr: Wenn du keinerlei Fortschritte machst, brauchst du gar nicht mehr zu studieren — und ich verzichte auf einen solchen Sohn!" Dann rief er Li Gui herbei: „Morgen früh soll Beiming Schatzjade begleiten, seine Bücher zusammenpacken und alles herbringen, damit ich es durchsehe. Dann bringe ich ihn persönlich in die Hausschule." Barsch befahl er Schatzjade: „Geh! Morgen früh erscheinst du bei mir."
  
Schatzjade hörte dies und wusste lange nichts zu erwidern. Er kehrte in den Yihong-Hof zurück. Dufthauch wartete ungeduldig auf Nachricht; als sie hörte, er solle seine Bücher holen, freute sie sich sogar. Doch Schatzjade wollte unbedingt sofort eine Nachricht an die Herzoginmutter schicken, damit sie einschreite. Die Großmutter ließ Schatzjade zu sich kommen und sagte: „Geh nur beruhigt. Lass deinen Vater nicht böse werden. Sollte man dich zu hart rannehmen, bin ich noch da!" Schatzjade konnte nichts machen. Er ging zurück und trug den Mädchen auf: „Weckt mich morgen früh — der Vater will mich in die Hausschule bringen!" Dufthauch und die anderen sagten zu, und Dufthauch und Moschusmond wechselten sich die ganze Nacht ab, um rechtzeitig zu wachen.
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Schatzjade hörte dies und wusste lange nichts zu erwidern. Er kehrte in den Hof der Roten Freude zurück. Dufthauch wartete ungeduldig auf Nachricht; als sie hörte, er solle seine Bücher holen, freute sie sich sogar. Doch Schatzjade wollte unbedingt sofort eine Nachricht an die Herzoginmutter schicken, damit sie einschreite. Die Großmutter ließ Schatzjade zu sich kommen und sagte: „Geh nur beruhigt. Lass deinen Vater nicht böse werden. Sollte man dich zu hart rannehmen, bin ich noch da!" Schatzjade konnte nichts machen. Er ging zurück und trug den Mädchen auf: „Weckt mich morgen früh — der Vater will mich in die Hausschule bringen!" Dufthauch und die anderen sagten zu, und Dufthauch und Moschusmond wechselten sich die ganze Nacht ab, um rechtzeitig zu wachen.
  
Am nächsten Morgen in aller Frühe weckte Dufthauch Schatzjade; er wusch sich und kleidete sich um. Sie schickte ein kleines Mädchen los, Beiming zum Warten am zweiten Tor zu bestellen, wo er Bücher und Schreibzeug bereithielt. Dufthauch trieb ihn noch zweimal an, und Schatzjade ging schließlich hinaus zu Kaufmann Aufrechts Arbeitszimmer, wo er sich zunächst erkundigte, ob der gnädige Herr schon erschienen sei. Ein Diener im Arbeitszimmer antwortete: „Gerade eben kam ein literarischer Berater, um den gnädigen Herrn zu sprechen; drinnen hieß es, der Herr sei noch bei der Morgentoilette. Der Berater wurde gebeten, draußen zu warten."
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Am nächsten Morgen in aller Frühe weckte Dufthauch Schatzjade; er wusch sich und kleidete sich um. Sie schickte ein kleines Mädchen los, Beiming zum Warten am zweiten Tor zu bestellen, wo er Bücher und Schreibzeug bereithielt. Dufthauch trieb ihn noch zweimal an, und Schatzjade ging schließlich hinaus zu Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer, wo er sich zunächst erkundigte, ob der gnädige Herr schon erschienen sei. Ein Diener im Arbeitszimmer antwortete: „Gerade eben kam ein literarischer Berater, um den gnädigen Herrn zu sprechen; drinnen hieß es, der Herr sei noch bei der Morgentoilette. Der Berater wurde gebeten, draußen zu warten."
  
Schatzjade hörte es und beruhigte sich ein wenig. Eilig begab er sich zu Kaufmann Aufrecht hinüber, und gerade in dem Moment sandte Kaufmann Aufrecht jemanden, um ihn zu rufen. Schatzjade folgte hinein. Kaufmann Aufrecht erteilte noch einige Anweisungen, dann nahm er Schatzjade mit, stieg in den Wagen, und mit Beiming, der die Bücher trug, fuhren sie zur Hausschule. Schon war jemand vorausgeeilt und hatte Jia Dairu gemeldet: „Der gnädige Herr kommt!" Dairu erhob sich. Kaufmann Aufrecht war bereits eingetreten und begrüßte Dairu respektvoll. Dairu nahm seine Hand und erkundigte sich nach seinem Befinden, dann fragte er: „Geht es der Alten Ahnin in letzter Zeit gut?" Auch Schatzjade trat vor und begrüßte ihn. Kaufmann Aufrecht blieb stehen und bat Dairu, sich zu setzen, ehe er sich selbst niederließ.
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Schatzjade hörte es und beruhigte sich ein wenig. Eilig begab er sich zu Aufrecht Kaufmann hinüber, und gerade in dem Moment sandte Aufrecht Kaufmann jemanden, um ihn zu rufen. Schatzjade folgte hinein. Aufrecht Kaufmann erteilte noch einige Anweisungen, dann nahm er Schatzjade mit, stieg in den Wagen, und mit Beiming, der die Bücher trug, fuhren sie zur Hausschule. Schon war jemand vorausgeeilt und hatte Jia Dairu gemeldet: „Der gnädige Herr kommt!" Dairu erhob sich. Aufrecht Kaufmann war bereits eingetreten und begrüßte Dairu respektvoll. Dairu nahm seine Hand und erkundigte sich nach seinem Befinden, dann fragte er: „Geht es der Alten Ahnin in letzter Zeit gut?" Auch Schatzjade trat vor und begrüßte ihn. Aufrecht Kaufmann blieb stehen und bat Dairu, sich zu setzen, ehe er sich selbst niederließ.
  
Kaufmann Aufrecht sprach: „Ich habe ihn heute persönlich hergebracht, weil ich eine ernste Bitte habe. Dieses Kind ist nicht mehr klein; es muss endlich die Prüfungsaufsätze erlernen, die ein Mann für Ansehen und Karriere braucht. Zu Hause treibt er nur Unfug mit den Jungen. Obwohl er ein paar Verse kennt, ist das nur wildgewordenes Geschwätz — und selbst wenn es gut wäre, handelte es sich um nichts als ‚Wind, Wolken, Mond und Tau', ohne den geringsten Bezug zu den wahren Aufgaben des Lebens." Dairu antwortete: „Seinem Äußeren nach macht er einen durchaus anständigen Eindruck, und an Begabung fehlt es ihm auch nicht. Warum nur will er nicht lernen und denkt nur ans Herumtollen? Dichtung ist an sich kein verwerfliches Studium — nur sollte man damit warten, bis man es zu etwas gebracht hat." Kaufmann Aufrecht nickte: „Genau so ist es. Im Augenblick bitte ich nur darum, dass er liest, den Stoff erklären kann und Aufsätze schreibt. Sollte er den Unterricht nicht befolgen, so bitte ich den Großonkel, ihn mit aller Strenge zu erziehen, damit es nicht bei bloßem Schein bleibt und sein Leben nicht vergeudet wird." Er stand auf, verbeugte sich noch einmal, plauderte ein wenig und verabschiedete sich. Dairu geleitete ihn bis zur Tür und sagte: „Grüßen Sie die Alte Ahnin ehrerbietig von mir." Kaufmann Aufrecht sagte es zu, stieg in den Wagen und fuhr davon.
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Aufrecht Kaufmann sprach: „Ich habe ihn heute persönlich hergebracht, weil ich eine ernste Bitte habe. Dieses Kind ist nicht mehr klein; es muss endlich die Prüfungsaufsätze erlernen, die ein Mann für Ansehen und Karriere braucht. Zu Hause treibt er nur Unfug mit den Jungen. Obwohl er ein paar Verse kennt, ist das nur wildgewordenes Geschwätz — und selbst wenn es gut wäre, handelte es sich um nichts als ‚Wind, Wolken, Mond und Tau', ohne den geringsten Bezug zu den wahren Aufgaben des Lebens." Dairu antwortete: „Seinem Äußeren nach macht er einen durchaus anständigen Eindruck, und an Begabung fehlt es ihm auch nicht. Warum nur will er nicht lernen und denkt nur ans Herumtollen? Dichtung ist an sich kein verwerfliches Studium — nur sollte man damit warten, bis man es zu etwas gebracht hat." Aufrecht Kaufmann nickte: „Genau so ist es. Im Augenblick bitte ich nur darum, dass er liest, den Stoff erklären kann und Aufsätze schreibt. Sollte er den Unterricht nicht befolgen, so bitte ich den Großonkel, ihn mit aller Strenge zu erziehen, damit es nicht bei bloßem Schein bleibt und sein Leben nicht vergeudet wird." Er stand auf, verbeugte sich noch einmal, plauderte ein wenig und verabschiedete sich. Dairu geleitete ihn bis zur Tür und sagte: „Grüßen Sie die Alte Ahnin ehrerbietig von mir." Aufrecht Kaufmann sagte es zu, stieg in den Wagen und fuhr davon.
  
 
Dairu kehrte zurück und sah Schatzjade an seinem Platz in der südwestlichen Ecke am Fenster sitzen, wo ein kleiner Tisch aus Rosenholz stand. Rechts waren zwei alte Lehrbücher aufgestapelt, dazu ein schmales Heft mit Musteraufsätzen; Beiming hatte Pinsel, Tusche, Papier und Tuschstein in der Schublade verstaut. Dairu sprach: „Schatzjade, ich hörte, du warst vor einiger Zeit krank. Bist du nun vollständig genesen?" Schatzjade stand auf und antwortete: „Ja, vollständig." Dairu fuhr fort: „Nun, dann wird es Zeit, dass du dich ernsthaft an die Arbeit machst. Dein Vater setzt große Hoffnungen in dich, und das von ganzem Herzen. Am besten gehst du den Stoff, den du früher durchgenommen hast, von Anfang an noch einmal durch. Jeden Morgen wird wiederholt, nach dem Essen wird geschrieben, am Nachmittag erkläre ich dir den Stoff, dann liest du ein paar Musteraufsätze — das genügt."
 
Dairu kehrte zurück und sah Schatzjade an seinem Platz in der südwestlichen Ecke am Fenster sitzen, wo ein kleiner Tisch aus Rosenholz stand. Rechts waren zwei alte Lehrbücher aufgestapelt, dazu ein schmales Heft mit Musteraufsätzen; Beiming hatte Pinsel, Tusche, Papier und Tuschstein in der Schublade verstaut. Dairu sprach: „Schatzjade, ich hörte, du warst vor einiger Zeit krank. Bist du nun vollständig genesen?" Schatzjade stand auf und antwortete: „Ja, vollständig." Dairu fuhr fort: „Nun, dann wird es Zeit, dass du dich ernsthaft an die Arbeit machst. Dein Vater setzt große Hoffnungen in dich, und das von ganzem Herzen. Am besten gehst du den Stoff, den du früher durchgenommen hast, von Anfang an noch einmal durch. Jeden Morgen wird wiederholt, nach dem Essen wird geschrieben, am Nachmittag erkläre ich dir den Stoff, dann liest du ein paar Musteraufsätze — das genügt."
  
Schatzjade antwortete mit einem „Ja", setzte sich wieder und blickte sich unwillkürlich um. Von Jin Rongs Leuten waren einige nicht mehr da, dafür waren einige neue kleine Schüler hinzugekommen — alle von überaus plumper und gewöhnlicher Art. Da fiel ihm Qin Zhong ein, und er dachte, dass es jetzt nicht einen einzigen Gefährten gab, dem er sein Herz öffnen konnte. Wehmut überkam ihn, aber er wagte nichts zu sagen und schaute nur still und bedrückt in seine Bücher.
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Schatzjade antwortete mit einem „Ja", setzte sich wieder und blickte sich unwillkürlich um. Von Jin Rongs Leuten waren einige nicht mehr da, dafür waren einige neue kleine Schüler hinzugekommen — alle von überaus plumper und gewöhnlicher Art. Da fiel ihm Liebglocke Minne ein, und er dachte, dass es jetzt nicht einen einzigen Gefährten gab, dem er sein Herz öffnen konnte. Wehmut überkam ihn, aber er wagte nichts zu sagen und schaute nur still und bedrückt in seine Bücher.
  
 
Dairu sprach zu Schatzjade: „Da es dein erster Tag ist, lasse ich dich heute früher nach Hause gehen. Aber morgen wird ein Kapitel durchgesprochen. Doch du bist ja nicht begriffsstutzig — morgen sollst du mir erst einmal ein oder zwei Kapitel erklären, damit ich höre, wie weit du bist. Dann weiß ich, woran wir ansetzen müssen." Bei diesen Worten pochte Schatzjades Herz vor Aufregung.
 
Dairu sprach zu Schatzjade: „Da es dein erster Tag ist, lasse ich dich heute früher nach Hause gehen. Aber morgen wird ein Kapitel durchgesprochen. Doch du bist ja nicht begriffsstutzig — morgen sollst du mir erst einmal ein oder zwei Kapitel erklären, damit ich höre, wie weit du bist. Dann weiß ich, woran wir ansetzen müssen." Bei diesen Worten pochte Schatzjades Herz vor Aufregung.

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Einundachtzigstes Kapitel

Vier Schönheiten angeln fröhlich Fische und lesen dabei ihr Glück, Strenge Worte nötigen zu doppeltem Eintritt in die Hausschule

Wie berichtet, kümmerte sich Frau Strafe nach Willkommensfrühling[1]s Rückkehr zu ihrem Ehemann nicht weiter um die Sache, als wäre nichts geschehen. Doch Frau König, die Willkommensfrühling aufgezogen hatte, war tief betrübt; sie saß allein in ihrem Zimmer und seufzte vor sich hin. Da kam Schatzjade[2] herein, um sie zu begrüßen. Als er sah, dass ihr Gesicht Tränenspuren trug, wagte er nicht, sich zu setzen, und blieb neben ihr stehen. Frau König bat ihn, sich zu setzen, und Schatzjade rückte auf den Kang[3] hinauf und ließ sich an ihrer Seite nieder.

Frau König bemerkte, wie er sie mit leerem Blick anstarrte und offenbar etwas sagen wollte, ohne es herauszubringen, und sprach: „Warum starrst du wieder so vor dich hin?" Schatzjade erwiderte: „Es ist nichts Besonderes. Nur als ich gestern von der Lage der zweiten Schwester hörte, konnte ich es kaum für sie ertragen. Ich wagte zwar nicht, es der Großmutter zu erzählen, doch in den letzten beiden Nächten habe ich kein Auge zugetan. Wenn ich bedenke, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren solche Kränkungen erdulden muss! Zumal die zweite Schwester von Natur aus überaus zaghaft ist und sich nie mit jemandem gestritten hat — und nun ausgerechnet auf ein so herzloses Wesen trifft, das nicht das Geringste vom Leid einer Frau versteht." Dabei kamen ihm beinahe die Tränen.

Frau König sagte: „Daran lässt sich nichts ändern. Wie das Sprichwort sagt: ‚Eine verheiratete Tochter ist wie ausgegossenes Wasser.' Was soll ich da tun?" Schatzjade entgegnete: „Gestern Nacht habe ich mir einen Plan überlegt: Wir könnten es der Großmutter erklären und die zweite Schwester zurückholen lassen. Sie könnte wieder in der Ziling-Insel wohnen, und wir Geschwister würden wieder zusammen essen und spielen, statt dass sie den Zorn dieses Taugenichtses Sun erdulden muss. Wenn er kommt, um sie abzuholen, lassen wir sie einfach nicht gehen; kommt er hundertmal, halten wir sie hundertmal zurück. Wir sagen einfach, es sei der Wille der Großmutter. Wäre das nicht wunderbar?"

Als Frau König dies hörte, wusste sie nicht, ob sie lachen oder sich ärgern sollte, und sprach: „Da kommt wieder dein kindischer Unsinn! Ein Mädchen muss eines Tages heiraten. Wenn sie in ein anderes Haus geht, kann sich die Herkunftsfamilie nicht darum kümmern; man kann nur hoffen, dass ihr Schicksal gut ist: Trifft sie es gut, ist es gut; trifft sie es schlecht, lässt sich nichts machen. Hast du noch nie gehört: ‚Heiratest du einen Hahn, folge dem Hahn; heiratest du einen Hund, folge dem Hund'? Nicht jede kann wie deine älteste Schwester kaiserliche Gemahlin werden! Außerdem ist deine zweite Schwester eine junge Ehefrau, und der Schwiegersohn Sun ist auch noch ein junger Mann; jeder hat seinen eigenen Charakter. Am Anfang gibt es natürlich Reibereien. Nach ein paar Jahren, wenn man sich aneinander gewöhnt hat und Kinder da sind, wird alles besser. Du darfst vor der Großmutter kein einziges Wort davon fallen lassen — wenn ich davon erfahre, gibt es Ärger! Nun geh und tu etwas Vernünftiges, statt hier Unsinn zu reden."

Schatzjade wagte darauf nichts mehr zu erwidern. Er saß noch eine Weile, dann ging er lustlos hinaus. Mit einem Bauch voll aufgestauter Bedrückung, die er nirgends ablassen konnte, schlenderte er in den Garten und ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon. Kaum hatte er die Tür durchschritten, brach er in lautes Weinen aus.

Kajaljade[4] hatte gerade ihre Morgentoilette beendet und erschrak bei diesem Anblick. Sie fragte: „Was ist denn geschehen? Mit wem hast du dich gestritten?" Sie fragte mehrmals. Schatzjade lag mit gesenktem Kopf auf dem Tisch und schluchzte so heftig, dass er kein Wort herausbrachte. Kajaljade setzte sich auf ihren Stuhl und starrte ihn eine Weile an, dann fragte sie: „Hat sich jemand anderes mit dir gestritten, oder habe ich dich beleidigt?" Schatzjade winkte ab: „Nichts von beidem, nichts von beidem." Kajaljade fragte: „Warum bist du dann so betrübt?" Schatzjade sagte: „Ich denke nur, es wäre besser, wir würden alle so früh wie möglich sterben. Am Leben zu sein hat wirklich keinen Sinn!" Als Kajaljade diese Worte hörte, erschrak sie noch mehr: „Was redest du da! Bist du wirklich verrückt geworden?"

Schatzjade erwiderte: „Ich bin nicht verrückt. Wenn ich es dir erzähle, wird es auch dich traurig machen. Du hast doch neulich gesehen und gehört, wie die zweite Schwester zurückkam und was sie erzählte. Ich frage mich, warum ein Mensch heiraten muss, wenn er erwachsen wird, nur um dann in einem fremden Haus solches Leid zu erdulden. Erinnerst du dich noch, als wir die Begonien-Dichtergesellschaft gründeten? Wie wir zusammen dichteten und einander bewirteten — wie fröhlich das war! Jetzt ist Schwester Schatzspange[5] wieder zu Hause, selbst Duftkastanie kann nicht mehr herüberkommen, und die zweite Schwester ist verheiratet. All die Vertrauten sind nicht mehr beisammen, und so sieht es nun aus. Ich wollte eigentlich zur Großmutter gehen und die zweite Schwester zurückholen lassen, doch Mama hat es nicht erlaubt und mich kindisch und wirr genannt, sodass ich nichts mehr zu sagen wagte. In kurzer Zeit hat sich der Garten schon so sehr verändert. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren sein wird. Darum wird mir unwillkürlich immer schwerer ums Herz." Als Kajaljade diese Worte vernahm, senkte sie allmählich den Kopf, zog sich langsam auf den Kang zurück, sagte kein Wort, seufzte leise und legte sich nach innen hin.

Purpurkuckuck[6] kam gerade mit Tee herein und wunderte sich über die beiden, als Dufthauch[7] eintrat. Sie sah Schatzjade und sprach: „Hier bist du also, Zweiter Herr! Die Großmutter lässt nach dir rufen. Ich habe mir schon gedacht, dass du hier bist." Kajaljade hörte, dass es Dufthauch war, richtete sich auf und bot ihr einen Platz an. Kajaljades Augen waren bereits vom Weinen ganz rot. Schatzjade bemerkte es und sagte: „Schwester, was ich eben sagte, war nur dummes Gerede. Du musst dir keine Sorgen machen. Wenn du an meine Worte denkst, dann achte umso mehr auf deine Gesundheit. Ruh dich ein wenig aus. Drüben bei der Großmutter wird nach mir gerufen; ich schaue kurz vorbei und komme gleich wieder." Damit ging er hinaus. Dufthauch fragte Kajaljade leise: „Was hattet ihr beide wieder?" Kajaljade antwortete: „Er ist wegen seiner zweiten Schwester traurig. Mir haben vorhin nur die Augen gejuckt, und ich habe sie gerieben — es war nichts weiter." Dufthauch sagte nichts mehr, eilte Schatzjade nach, und beide gingen auseinander. Schatzjade begab sich zur Herzoginmutter hinüber, doch die Großmutter hielt bereits ihren Mittagsschlaf, und so kehrte er in den Hof der Roten Freude zurück.

Am Nachmittag, als Schatzjade von seinem Mittagsschlaf erwachte, langweilte er sich fürchterlich und griff aufs Geratewohl nach einem Buch. Dufthauch sah, dass er las, und eilte, ihm Tee zu bringen. Das Buch, das Schatzjade in der Hand hielt, waren die „Alten Yuefu-Lieder". Er blätterte darin und stieß auf Cao Mengdes „Beim Wein soll man singen — wie lange währt das Menschenleben?", und unwillkürlich stach es ihn ins Herz. Er legte das Buch beiseite und nahm ein anderes; es war eine Sammlung aus der Jin-Dynastie. Nachdem er einige Seiten durchgeblättert hatte, klappte er das Buch plötzlich zu, stützte das Kinn in die Hand und saß mit abwesendem Blick da. Dufthauch kam mit dem Tee und fragte bei seinem Anblick: „Warum liest du nicht weiter?" Schatzjade antwortete nicht, nahm den Tee, trank einen Schluck und stellte ihn hin. Dufthauch konnte sich keinen Reim darauf machen und stand nur neben ihm und starrte ihn an. Plötzlich stand Schatzjade auf und murmelte vor sich hin: „Wie herrlich — ‚sich in ungezügelter Freiheit jenseits aller Formen bewegen'!" Dufthauch musste lachen und wagte doch nicht zu fragen; sie riet ihm nur: „Wenn du keine Lust hast, das zu lesen, geh doch lieber ein wenig im Garten spazieren, statt dir hier vor Langeweile noch eine Krankheit zuzuziehen." Schatzjade antwortete zerstreut mit einem Ja und ging, noch immer ganz in Gedanken versunken, nach draußen.

Bald gelangte er zum Qinfang-Pavillon. Doch er sah nur eine öde Szenerie — die Menschen fortgegangen, die Räume leer. Er ging weiter zum Hengwu-Hof: Der Duft der Kräuter war noch da wie eh und je, doch Türen und Fenster waren geschlossen. Als er um das Ouxiang-Gartenhaus herumkam, sah er in der Ferne einige Gestalten, die sich an das Geländer in der Nähe des Liaoxu-Ufers lehnten, und ein paar kleine Dienstmädchen, die auf dem Boden kauerten und nach etwas suchten. Schatzjade schlich sich leise hinter den künstlichen Felsen und lauschte. Jemand sagte: „Ob er wohl an die Oberfläche kommt?" — es klang wie Muster Pflaumes Stimme. Eine andere lachte: „Gut! Er ist untergetaucht. Ich wusste doch, dass er nicht hochkommt." Das war Erkundefrühling[8]s Stimme. Wieder eine andere sprach: „Ja, richtig. Schwester, beweg dich nicht, warte nur ab — er kommt auf jeden Fall hoch." Und noch eine rief: „Da kommt er!" Die beiden letzten Stimmen gehörten Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe.

Schatzjade konnte nicht widerstehen, hob ein Steinchen auf und warf es ins Wasser — platsch! Alle vier erschraken und riefen: „Wer macht denn solche Streiche? Hat uns einen Schreck eingejagt!" Schatzjade sprang lachend hinter dem Felsen hervor und rief: „Was für ein Vergnügen! Warum habt ihr mich nicht gerufen?" Erkundefrühling sagte: „Ich wusste, es kann nur der Zweite Bruder sein, der so ungezogen ist! Da gibt es nichts zu reden — du musst mir meinen Fisch ersetzen: Gerade eben kam einer herangeschwommen, ich hatte ihn fast am Haken, und du hast ihn verscheucht." Schatzjade lachte: „Ihr amüsiert euch hier ohne mich — eigentlich müsste ich euch bestrafen." Alle lachten eine Weile.

Schatzjade sprach: „Lasst uns alle angeln und herausfinden, wer das meiste Glück hat: Wer einen Fisch fängt, hat dieses Jahr Glück; wer keinen fängt, hat Pech. Wer fängt zuerst an?" Erkundefrühling bot Muster Pflaume den Vortritt an, doch die lehnte ab. Erkundefrühling lachte: „Dann fange ich eben an." Zu Schatzjade gewandt sagte sie: „Zweiter Bruder, wenn du mir noch einmal die Fische verscheuchst, lass ich das nicht durchgehen." Schatzjade erwiderte: „Vorhin wollte ich euch nur erschrecken. Jetzt angel nur in Ruhe."

Erkundefrühling warf die Seidenschnur aus, und noch ehe zehn Sätze gesprochen waren, hatte schon ein Weidenblatt-Schnellfisch den Haken verschluckt und die Pose heruntergezogen. Erkundefrühling zog die Rute hoch, schwenkte den Fisch zu Boden — er zappelte noch heftig. Shishu fing ihn auf dem ganzen Boden mit beiden Händen ein und setzte ihn in einen kleinen Porzellantopf mit klarem Wasser.

Erkundefrühling reichte die Angel an Muster Pflaume weiter. Muster Pflaume ließ die Schnur hinab, spürte einen Ruck, riss die Rute hoch — doch der Haken war leer. Sie versuchte es noch einmal, und nach einer Weile ruckte die Schnur wieder; sie zog hoch — wieder ein leerer Haken. Muster Pflaume untersuchte den Haken und sah, dass er sich nach innen gebogen hatte. Sie lachte: „Kein Wunder, dass nichts anbeißt!" Eilig ließ sie Suyun den Haken richten und einen neuen Köder aufstecken und das Schilfplättchen befestigen. Nachdem sie die Schnur eine Weile im Wasser hängen ließ, sank die Pose direkt unter — sie riss die Angel hoch, und da hing ein zwei Zoll langer kleiner Karauschenfisch.

Muster Pflaume lachte: „Schatzjade, jetzt angel du." Schatzjade antwortete: „Lasst lieber erst die dritte Schwester und Schwester Strafe angeln, dann bin ich dran." Höhlennebel Strafe sagte nichts. Prachtamt Pflaume meinte: „Schatzjade, angel du zuerst." Da stieg eine Blase auf dem Wasser auf. Erkundefrühling sagte: „Hört auf mit der Höflichkeit! Seht, die Fische sind alle drüben bei der dritten Schwester — los, angel schnell!" Prachtamt Pflaume nahm lachend die Rute und fing tatsächlich sofort einen Fisch. Danach fing auch Höhlennebel Strafe einen. Dann reichten sie die Rute zurück an Erkundefrühling, die sie Schatzjade gab.

Schatzjade verkündete: „Ich will es machen wie Jiang Taigong!" Er stieg zum Steinufer hinab, setzte sich an den Teichrand und begann zu angeln. Doch die Fische im Wasser sahen seinen Schatten und flohen allesamt anderswohin. Schatzjade schwenkte seine Angel und wartete lange, aber die Schnur rührte sich nicht. Gerade als ein Fisch am Rand des Wassers Blasen blies, ruckte Schatzjade an der Rute und verscheuchte ihn prompt. Ungeduldig rief Schatzjade: „Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt, und ausgerechnet der Fisch hat es nicht eilig — was soll ich da machen? Lieber Fisch, komm doch endlich! Hab ein Einsehen mit mir!" Die vier Mädchen lachten schallend. Kaum hatte er ausgesprochen, zuckte die Schnur leicht. Überglücklich riss Schatzjade mit aller Kraft die Angel hoch und schlug dabei die Rute an den Stein, worauf sie in zwei Stücke zerbrach, die Schnur riss und der Haken verschwand. Die anderen lachten nur noch mehr. Erkundefrühling sagte: „So einen Tolpatsch wie dich gibt es wirklich nicht noch einmal."

Noch während sie sprachen, kam Moschusmond[9] außer Atem herbeigelaufen und rief: „Zweiter Herr, die Großmutter ist wach und lässt Euch sofort kommen!" Alle fünf erschraken. Erkundefrühling fragte Moschusmond: „Was will die Großmutter vom Zweiten Bruder?" Moschusmond antwortete: „Ich weiß es auch nicht. Ich habe nur gehört, dass irgendetwas aufgeflogen sei und die Großmutter Schatzjade befragen will, und die Zweite Schwägerin Lian soll es auch untersuchen." Schatzjade erschrak und starrte eine Weile vor sich hin: „Wer weiß, welches Dienstmädchen nun wieder Ärger bekommen hat." Erkundefrühling sprach: „Was immer es ist, Zweiter Bruder, geh schnell. Wenn es Neuigkeiten gibt, schick Moschusmond her, um es uns mitzuteilen." Damit ging sie mit Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe davon.

Schatzjade kam in die Gemächer der Herzoginmutter. Dort saß Frau König bei der Großmutter, und beide spielten Mahjong. Als Schatzjade sah, dass nichts Beunruhigendes vorlag, fiel ihm die Hälfte seiner Angst vom Herzen. Die Herzoginmutter sah ihn hereinkommen und fragte: „Als du vor zwei Jahren krank warst und schließlich ein verrückter Mönch und ein hinkender Daoist dich heilten — erinnerst du dich, wie es dir während der Krankheit ergangen ist?" Schatzjade überlegte eine Weile und sagte: „Ich erinnere mich, dass mir, als ich gerade stand, wie aus dem Nichts jemand einen Knüppel über den Kopf schlug, sodass mir die Augen schwarz wurden und ich das ganze Zimmer voller Dämonen mit grünen Fratzen und Reißzähnen sah, die Messer und Knüppel schwangen. Als ich auf dem Kang lag, fühlte es sich an, als hätte man mir mehrere eiserne Reifen um den Kopf gelegt. Danach war der Schmerz so groß, dass ich gar nichts mehr wahrnahm. Als es mir besserging, erinnere ich mich an ein goldenes Leuchten in der Halle, das bis auf mein Bett strahlte. Alle Dämonen flohen erschrocken davon und verschwanden. Mein Kopf schmerzte nicht mehr, und im Geist wurde mir wieder klar." die Herzoginmutter wandte sich an Frau König: „Das klingt ja fast genauso."

Da kam auch Phönixglanz[10] herein, begrüßte die Herzoginmutter und dann Frau König und fragte: „Was wollte die Alte Ahnin mich fragen?" die Herzoginmutter sprach: „Erinnerst du dich noch, wie es war, als du damals von dem Zauber befallen wurdest?" Phönixglanz lachte: „So genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich spürte nur, wie mein Körper nicht mehr mir selbst gehorchte, als würde mich jemand zerren und stoßen und als sollte ich Menschen umbringen. Was mir in die Hände kam, das packte ich; was mir begegnete, das schlug ich tot. Eigentlich war ich völlig erschöpft, aber ich konnte nicht aufhören." die Herzoginmutter fragte: „Und als du gesund wurdest?" Phönixglanz sagte: „Als es mir besserging, war es, als hätte jemand in der Luft ein paar Worte gesprochen, aber ich erinnere mich nicht, was." die Herzoginmutter nickte: „So sieht es also aus — es war wirklich sie. Beider Krankheitserscheinungen stimmen mit dem gerade Beschriebenen überein. Dieses alte Weib hatte wirklich ein bösartiges Herz! Schatzjade hat sie doch sogar als Patin anerkannt. Dagegen waren der Mönch und der Daoist — Amitabha! — die wahren Retter von Schatzjades Leben. Nur haben wir uns noch nicht bei ihnen bedankt."

Phönixglanz fragte: „Wie kommt die Alte Ahnin auf unsere damalige Krankheit zu sprechen?" die Herzoginmutter antwortete: „Frag deine Tante — ich mag es nicht nochmal erzählen." Frau König sprach: „Vorhin kam der Herr herein und erzählte, dass Schatzjades Patin tatsächlich ein durch und durch verdorbenes Weib war, die schwarze Magie betrieb. Jetzt ist die Sache aufgeflogen: Sie wurde von der Kaiserlichen Garde ergriffen und an das Strafministerium überstellt, wo sie zum Tode verurteilt werden soll. Vor einigen Tagen wurde sie angezeigt. Ein gewisser Pan Sanbao besaß ein Haus, das er dem Pfandhaus gegenüber verkauft hatte. Pan Sanbao verlangte immer höhere Aufschläge, die das Pfandhaus nicht mehr zu zahlen bereit war. Da bestach Pan Sanbao diese alte Hexe. Weil sie häufig im Pfandhaus verkehrte und die Frauen des Hauses ihr alle vertrauten, wendete sie eine ihrer Künste an: Plötzlich wurden die Frauen von einem bösen Leiden befallen, und im Haus brach das reinste Chaos aus. Da trat sie auf und erklärte, sie könne die Krankheit heilen. Sie verbrannte Geisterpferde und Papiergeld, und tatsächlich besserte es sich. Dann verlangte sie von den Frauen des Hauses mehr als zehn Tael Silber. Doch der Himmel hat Augen, und es kam zur Enthüllung: Eines Tages, als sie es eilig hatte nach Hause zu kommen, verlor sie ein in Seide gewickeltes Bündel. Die Leute vom Pfandhaus hoben es auf und fanden darin viele Papierfiguren und vier Kugeln stark duftenden Weihrauchs. Während sie sich noch wunderten, kam die Alte zurück, um das Bündel zu suchen. Sie packten sie, durchsuchten sie und fanden ein Kästchen mit folgenden Dingen: aus Elfenbein geschnitzte Figuren eines Mannes und einer Frau, beide nackt; zwei nackte Dämonenkönige; und sieben zinnoberrote Sticknadeln. Sofort wurde sie zur Kaiserlichen Garde gebracht, und unter Verhör gestand sie Geheimnisse zahlreicher Beamtenfamilien und vornehmer Damen und Fräulein. Daraufhin wurde ihre Wohnung durchsucht: Man fand zahlreiche Tonnachbildungen von Schreckensgöttern, mehrere Kästchen mit Betäubungsweihrauch; in einem Hinterzimmer hinter dem Kang hing eine Siebensternlaterne, und unter der Laterne standen mehrere Strohpuppen: einigen war ein eiserner Reif um den Kopf gelegt, anderen steckten Nägel in der Brust, wieder anderen war eine Kette um den Hals gebunden. In einer Truhe lagen unzählige Papierfiguren und darunter mehrere Kontobücher, in denen verzeichnet war, bei welcher Familie ein Fluch erprobt worden war, wie viel Silber noch ausstehe und wie viel Geld für Öl und Weihrauch empfangen worden sei — unzählige Summen."

Phönixglanz sagte: „Unsere damalige Krankheit war gewiss ihr Werk! Ich erinnere mich, dass die alte Hexe danach mehrfach bei Zhao Yiniang war und Silber verlangte; als sie mich sah, veränderten sich Miene und Farbe ihres Gesichts, und ihre Augen glotzten wie die eines schwarzen Huhns. Anfangs rätselte ich immerzu, ohne den Grund zu finden. Jetzt, da die Rede darauf kommt, erweist sich, dass alles seine Ursache hatte. Aber als Haushälterin macht man sich natürlich Feinde, da kann ich es den Leuten nicht verübeln, dass sie es auf mich abgesehen hatten. Doch was hat Schatzjade jemandem getan, dass man es über sich brachte, ihm so Giftiges anzutun?" die Herzoginmutter erwiderte: „Wer weiß — vielleicht hat sie uns beiden den Fluch aufgeladen, weil ich Schatzjade bevorzuge und Huan nicht?"

Frau König sprach: „Die Alte ist bereits verurteilt, und es wäre unmöglich, sie zur Konfrontation herzuschaffen. Ohne Konfrontation wird Zhao Yiniang gewiss nichts zugeben. Und die Sache ist zu schwerwiegend — wenn es nach außen dringt, wäre es unangemessen. Lass sie sich selbst ins Verderben reiten; früher oder später kommt alles von allein ans Licht." die Herzoginmutter meinte: „Da hast du recht. Ohne Beweis lässt sich nichts mit Sicherheit sagen. Doch Buddha und die Bodhisattvas sehen alles klar — haben die beiden heute nicht doch ihr Auskommen? Genug, was vergangen ist, ist vergangen. Phönixglanz, du brauchst nicht weiter davon zu sprechen. Heute bleibt ihr beide, du und deine Tante, hier bei mir zum Abendessen." Dann rief sie Mandarinenente[11], Hupo und die anderen, das Essen aufzutragen. Phönixglanz beeilte sich lachend: „Wie kommt es, dass die Alte Ahnin sich persönlich Sorgen macht?" Auch Frau König musste lächeln. Draußen warteten bereits einige Dienerinnen. Phönixglanz schickte schnell ein kleines Mädchen los: „Sag in der Küche, dass ich und die Gnädige Frau bei der Alten Ahnin speisen."

Währenddessen kam Yuchuan herein und sagte zu Frau König: „Der gnädige Herr sucht etwas und bittet die Gnädige Frau, nach dem Essen der Alten Ahnin selbst danach zu schauen." die Herzoginmutter sprach: „Geh nur — vielleicht hat dein Mann etwas Dringendes."

Frau König nahm ihren Abschied, ließ Phönixglanz bei der Großmutter und zog sich zurück. In ihren Gemächern plauderte sie mit Aufrecht Kaufmann[12] und fand den gesuchten Gegenstand. Aufrecht Kaufmann fragte: „Ist Willkommensfrühling schon zurückgekehrt? Wie geht es ihr im Hause Sun?" Frau König erwiderte: „Willkommensfrühling war ein einziges Tränenmeer. Der Schwiegersohn Sun soll unerhört brutal sein!" Darauf schilderte sie, was Willkommensfrühling erzählt hatte. Aufrecht Kaufmann seufzte: „Ich wusste von Anfang an, dass es keine gute Partie war. Aber der Ältere Herr hatte es bereits beschlossen — da konnte ich nichts tun. Willkommensfrühling muss eben einiges an Unrecht erdulden." Frau König sagte: „Sie ist ja noch eine junge Ehefrau; man kann nur hoffen, dass es in Zukunft besser wird." Dabei musste sie unwillkürlich lächeln.

Aufrecht Kaufmann fragte: „Worüber lachst du?" Frau König antwortete: „Ich muss über Schatzjade lachen, der heute Morgen eigens herkam und lauter kindische Sachen redete." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was hat er gesagt?" Frau König erzählte lachend Schatzjades Worte. Auch Aufrecht Kaufmann konnte nicht umhin zu lachen. Dann wurde er ernst und sprach: „Da du Schatzjade erwähnst — mir ist gerade eine Sache eingefallen. Dieses Kind den ganzen Tag im Garten herumtollen zu lassen, ist kein Zustand. Mädchen, die nichts einbringen, gehören ohnehin in ein anderes Haus. Aber wenn ein Sohn nichts taugt, sind die Folgen schwerwiegend. Neulich hat jemand mir einen Lehrer empfohlen — ein Mann von vorzüglicher Gelehrsamkeit und tadellosem Charakter, ebenfalls aus dem Süden. Doch ich fürchte, ein Lehrer aus dem Süden ist zu nachsichtig. Unsere Stadtkinder sind alle frech wie die Teufel: schlau genug, um sich durchzumogeln, und dabei unverschämt. Wenn der Lehrer es nicht übers Herz bringt, streng zu sein und den Schüler nur wie ein Baby verhätschelt, ist am Ende alles umsonst. Darum haben die Alten lieber niemanden von außen engagiert, sondern jemanden aus der eigenen Familie für die Hausschule gewählt — jemanden in reifem Alter und mit ein wenig Bildung. Zwar ist Großonkel Ru kein überragender Gelehrter, aber er versteht es, die Jungen in Schach zu halten und geht nicht nachlässig zu Werke. Ich denke, Schatzjade müßig herumsitzen zu lassen, taugt nichts. Am besten schicken wir ihn wieder in die Hausschule zum Lernen." Frau König stimmte zu: „Der gnädige Herr hat ganz recht. Seit Ihr in der Provinz wart und er ständig krank war, sind mehrere Jahre vergeudet worden. Wenn er jetzt wenigstens in der Hausschule den Stoff wiederholt, wäre das schon etwas." Aufrecht Kaufmann nickte, und sie plauderten noch über dies und jenes.

Am nächsten Morgen, als Schatzjade aufstand und seine Toilette beendet hatte, überbrachten die Diener die Botschaft: „Der gnädige Herr wünscht den Zweiten Herrn zu sprechen." Schatzjade richtete eilig seine Kleider und begab sich in Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer. Nach der Begrüßung blieb er stehen. Aufrecht Kaufmann sprach: „Was hast du in letzter Zeit an Studien betrieben? Ein paar Seiten Schönschrift sind noch keine Leistung. Ich sehe, dass du in den letzten Jahren noch nachlässiger geworden bist als früher. Überdies höre ich ständig, dass du dich krank meldest, um dem Unterricht fernzubleiben. Bist du jetzt wieder ganz gesund? Und ich höre, dass du Tag für Tag im Garten mit deinen Schwestern herumtolst und dich sogar mit den Dienstmädchen vergnügst, während du deine eigentlichen Pflichten vollständig vernachlässigst. Selbst wenn du ein paar Verse zusammenreimst — was ist schon dabei? Bei den Beamtenprüfungen kommt es auf die Prosadichtung an, und auf diesem Gebiet hast du keinerlei Übung. Ich sage dir: Von heute an ist es verboten, Gedichte und Parallelverse zu schreiben! Du wirst dich ausschließlich den Achtgliedrigen Aufsätzen widmen. Ich gebe dir ein Jahr: Wenn du keinerlei Fortschritte machst, brauchst du gar nicht mehr zu studieren — und ich verzichte auf einen solchen Sohn!" Dann rief er Li Gui herbei: „Morgen früh soll Beiming Schatzjade begleiten, seine Bücher zusammenpacken und alles herbringen, damit ich es durchsehe. Dann bringe ich ihn persönlich in die Hausschule." Barsch befahl er Schatzjade: „Geh! Morgen früh erscheinst du bei mir."

Schatzjade hörte dies und wusste lange nichts zu erwidern. Er kehrte in den Hof der Roten Freude zurück. Dufthauch wartete ungeduldig auf Nachricht; als sie hörte, er solle seine Bücher holen, freute sie sich sogar. Doch Schatzjade wollte unbedingt sofort eine Nachricht an die Herzoginmutter schicken, damit sie einschreite. Die Großmutter ließ Schatzjade zu sich kommen und sagte: „Geh nur beruhigt. Lass deinen Vater nicht böse werden. Sollte man dich zu hart rannehmen, bin ich noch da!" Schatzjade konnte nichts machen. Er ging zurück und trug den Mädchen auf: „Weckt mich morgen früh — der Vater will mich in die Hausschule bringen!" Dufthauch und die anderen sagten zu, und Dufthauch und Moschusmond wechselten sich die ganze Nacht ab, um rechtzeitig zu wachen.

Am nächsten Morgen in aller Frühe weckte Dufthauch Schatzjade; er wusch sich und kleidete sich um. Sie schickte ein kleines Mädchen los, Beiming zum Warten am zweiten Tor zu bestellen, wo er Bücher und Schreibzeug bereithielt. Dufthauch trieb ihn noch zweimal an, und Schatzjade ging schließlich hinaus zu Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer, wo er sich zunächst erkundigte, ob der gnädige Herr schon erschienen sei. Ein Diener im Arbeitszimmer antwortete: „Gerade eben kam ein literarischer Berater, um den gnädigen Herrn zu sprechen; drinnen hieß es, der Herr sei noch bei der Morgentoilette. Der Berater wurde gebeten, draußen zu warten."

Schatzjade hörte es und beruhigte sich ein wenig. Eilig begab er sich zu Aufrecht Kaufmann hinüber, und gerade in dem Moment sandte Aufrecht Kaufmann jemanden, um ihn zu rufen. Schatzjade folgte hinein. Aufrecht Kaufmann erteilte noch einige Anweisungen, dann nahm er Schatzjade mit, stieg in den Wagen, und mit Beiming, der die Bücher trug, fuhren sie zur Hausschule. Schon war jemand vorausgeeilt und hatte Jia Dairu gemeldet: „Der gnädige Herr kommt!" Dairu erhob sich. Aufrecht Kaufmann war bereits eingetreten und begrüßte Dairu respektvoll. Dairu nahm seine Hand und erkundigte sich nach seinem Befinden, dann fragte er: „Geht es der Alten Ahnin in letzter Zeit gut?" Auch Schatzjade trat vor und begrüßte ihn. Aufrecht Kaufmann blieb stehen und bat Dairu, sich zu setzen, ehe er sich selbst niederließ.

Aufrecht Kaufmann sprach: „Ich habe ihn heute persönlich hergebracht, weil ich eine ernste Bitte habe. Dieses Kind ist nicht mehr klein; es muss endlich die Prüfungsaufsätze erlernen, die ein Mann für Ansehen und Karriere braucht. Zu Hause treibt er nur Unfug mit den Jungen. Obwohl er ein paar Verse kennt, ist das nur wildgewordenes Geschwätz — und selbst wenn es gut wäre, handelte es sich um nichts als ‚Wind, Wolken, Mond und Tau', ohne den geringsten Bezug zu den wahren Aufgaben des Lebens." Dairu antwortete: „Seinem Äußeren nach macht er einen durchaus anständigen Eindruck, und an Begabung fehlt es ihm auch nicht. Warum nur will er nicht lernen und denkt nur ans Herumtollen? Dichtung ist an sich kein verwerfliches Studium — nur sollte man damit warten, bis man es zu etwas gebracht hat." Aufrecht Kaufmann nickte: „Genau so ist es. Im Augenblick bitte ich nur darum, dass er liest, den Stoff erklären kann und Aufsätze schreibt. Sollte er den Unterricht nicht befolgen, so bitte ich den Großonkel, ihn mit aller Strenge zu erziehen, damit es nicht bei bloßem Schein bleibt und sein Leben nicht vergeudet wird." Er stand auf, verbeugte sich noch einmal, plauderte ein wenig und verabschiedete sich. Dairu geleitete ihn bis zur Tür und sagte: „Grüßen Sie die Alte Ahnin ehrerbietig von mir." Aufrecht Kaufmann sagte es zu, stieg in den Wagen und fuhr davon.

Dairu kehrte zurück und sah Schatzjade an seinem Platz in der südwestlichen Ecke am Fenster sitzen, wo ein kleiner Tisch aus Rosenholz stand. Rechts waren zwei alte Lehrbücher aufgestapelt, dazu ein schmales Heft mit Musteraufsätzen; Beiming hatte Pinsel, Tusche, Papier und Tuschstein in der Schublade verstaut. Dairu sprach: „Schatzjade, ich hörte, du warst vor einiger Zeit krank. Bist du nun vollständig genesen?" Schatzjade stand auf und antwortete: „Ja, vollständig." Dairu fuhr fort: „Nun, dann wird es Zeit, dass du dich ernsthaft an die Arbeit machst. Dein Vater setzt große Hoffnungen in dich, und das von ganzem Herzen. Am besten gehst du den Stoff, den du früher durchgenommen hast, von Anfang an noch einmal durch. Jeden Morgen wird wiederholt, nach dem Essen wird geschrieben, am Nachmittag erkläre ich dir den Stoff, dann liest du ein paar Musteraufsätze — das genügt."

Schatzjade antwortete mit einem „Ja", setzte sich wieder und blickte sich unwillkürlich um. Von Jin Rongs Leuten waren einige nicht mehr da, dafür waren einige neue kleine Schüler hinzugekommen — alle von überaus plumper und gewöhnlicher Art. Da fiel ihm Liebglocke Minne ein, und er dachte, dass es jetzt nicht einen einzigen Gefährten gab, dem er sein Herz öffnen konnte. Wehmut überkam ihn, aber er wagte nichts zu sagen und schaute nur still und bedrückt in seine Bücher.

Dairu sprach zu Schatzjade: „Da es dein erster Tag ist, lasse ich dich heute früher nach Hause gehen. Aber morgen wird ein Kapitel durchgesprochen. Doch du bist ja nicht begriffsstutzig — morgen sollst du mir erst einmal ein oder zwei Kapitel erklären, damit ich höre, wie weit du bist. Dann weiß ich, woran wir ansetzen müssen." Bei diesen Worten pochte Schatzjades Herz vor Aufregung.

Wie er am nächsten Tag seinen Stoff darlegte, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.

  1. Willkommensfrühling: Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommener Frühling".
  2. Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.
  3. Kang: Beheizbare Schlaf- und Sitzplattform aus Ziegeln, typisch für nordchinesische Häuser.
  4. Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".
  5. Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.
  6. Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".
  7. Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".
  8. Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling".
  9. Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".
  10. Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".
  11. Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente".
  12. Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".

Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).