Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 53"
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Herrlichkeit Kaufmann antwortete mit einem verbindlichen Lächeln: „Heute war das Silber nicht im Zeremonialministerium abzuholen, sondern wurde über die Schatzkammer des Kaiserlichen Amtes für Opfergaben ausgegeben, weshalb ich erst dorthin musste. Die Beamten vom Amt für Opfergaben ließen Euch grüßen, Vater. Sie sagten, sie hätten Euch seit langem nicht gesehen und dächten immer an Euch." | Herrlichkeit Kaufmann antwortete mit einem verbindlichen Lächeln: „Heute war das Silber nicht im Zeremonialministerium abzuholen, sondern wurde über die Schatzkammer des Kaiserlichen Amtes für Opfergaben ausgegeben, weshalb ich erst dorthin musste. Die Beamten vom Amt für Opfergaben ließen Euch grüßen, Vater. Sie sagten, sie hätten Euch seit langem nicht gesehen und dächten immer an Euch." | ||
| − | Herrlichkeit Kaufmann lachte: „An mich denken sie? Jetzt, wo das Jahresende naht, denken sie nicht an mich, sondern an meine Geschenke oder an Einladungen zu Theater und Wein!" Dabei betrachtete er den gelben Stoffbeutel, auf dem ein Siegelstempel prangte mit den vier großen Schriftzeichen: „Durch Kaiserliche Gnade auf ewig gewährt". Auf der anderen Seite befand sich der Stempel der Opferverwaltung des Zeremonialministeriums, und daneben stand eine Zeile kleiner Zeichen: „Jia Yan, Herzog Ning-guo, und Jia Yuan, Herzog Rong-guo — kaiserlich auf ewig gewährte Spenden zum Neujahrsopfer, insgesamt zwei Anteile, als Reinsilber soundso viele Liang. Im soundsovielten Jahr, soundsovielten Monat und Tag von | + | Herrlichkeit Kaufmann lachte: „An mich denken sie? Jetzt, wo das Jahresende naht, denken sie nicht an mich, sondern an meine Geschenke oder an Einladungen zu Theater und Wein!" Dabei betrachtete er den gelben Stoffbeutel, auf dem ein Siegelstempel prangte mit den vier großen Schriftzeichen: „Durch Kaiserliche Gnade auf ewig gewährt". Auf der anderen Seite befand sich der Stempel der Opferverwaltung des Zeremonialministeriums, und daneben stand eine Zeile kleiner Zeichen: „Jia Yan, Herzog Ning-guo, und Jia Yuan, Herzog Rong-guo — kaiserlich auf ewig gewährte Spenden zum Neujahrsopfer, insgesamt zwei Anteile, als Reinsilber soundso viele Liang. Im soundsovielten Jahr, soundsovielten Monat und Tag von Hibiskus Kaufmann, Hauptmann der Palastwache, Anwärter auf einen Gardistenposten, persönlich in Empfang genommen. Diensthabender Amtsassistent Soundso." Darunter stand eine Paraphe in roter Tusche. |
Nachdem Herrlichkeit Kaufmann gegessen, sich Hände und Mund gewaschen und Stiefel und Kopfbedeckung gewechselt hatte, befahl er Herrlichkeit Kaufmann, das Silber zu nehmen und ihm zu folgen. Zuerst berichteten sie der Herzoginmutter und Dame König, dann gingen sie auf die andere Seite und erstatteten auch Begnadigung Kaufmann<ref>Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, „Begnadigung Kaufmann".</ref> und Dame Strafe Meldung, ehe sie nach Hause zurückkehrten. Dort nahm Herrlichkeit Kaufmann das Silber heraus und befahl, den leeren Beutel im großen Weihrauchkessel des Ahnentempels zu verbrennen. Dann sagte er zu Herrlichkeit Kaufmann: „Geh hinüber und frage die Frau deines Onkels Kette, ob die Termine für die Neujahrsbankette schon feststehen. Wenn ja, lass dir im Schreibzimmer eine genaue Aufstellung machen, damit wir bei unseren Einladungen keine Überschneidungen haben. Letztes Jahr haben wir nicht aufgepasst, und es gab bei mehreren Familien Dopplungen. Die Leute müssen gedacht haben, dass die beiden Anwesen sich abgesprochen und zum Schein Einladungen verschickt hätten, um Kosten zu sparen." | Nachdem Herrlichkeit Kaufmann gegessen, sich Hände und Mund gewaschen und Stiefel und Kopfbedeckung gewechselt hatte, befahl er Herrlichkeit Kaufmann, das Silber zu nehmen und ihm zu folgen. Zuerst berichteten sie der Herzoginmutter und Dame König, dann gingen sie auf die andere Seite und erstatteten auch Begnadigung Kaufmann<ref>Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, „Begnadigung Kaufmann".</ref> und Dame Strafe Meldung, ehe sie nach Hause zurückkehrten. Dort nahm Herrlichkeit Kaufmann das Silber heraus und befahl, den leeren Beutel im großen Weihrauchkessel des Ahnentempels zu verbrennen. Dann sagte er zu Herrlichkeit Kaufmann: „Geh hinüber und frage die Frau deines Onkels Kette, ob die Termine für die Neujahrsbankette schon feststehen. Wenn ja, lass dir im Schreibzimmer eine genaue Aufstellung machen, damit wir bei unseren Einladungen keine Überschneidungen haben. Letztes Jahr haben wir nicht aufgepasst, und es gab bei mehreren Familien Dopplungen. Die Leute müssen gedacht haben, dass die beiden Anwesen sich abgesprochen und zum Schein Einladungen verschickt hätten, um Kosten zu sparen." | ||
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Am Abend wurden vor allen Buddhastatuen und Herdgottbildern Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Im Hof von Dame Königs Hauptgemach wurden Papierbilder für Himmel und Erde aufgestellt, Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Auch am Haupttor des Gartens der Großen Anschauung hingen große, helle Hornlaternen, und überall leuchteten die Wegelaternen. Jedermann, ob hoch oder niedrig, war in bunte Festkleidung gehüllt. Die ganze Nacht über vernahm man Stimmengewirr, Gelächter und Geplauder, und Feuerwerkskörper und Raketen krachten und zischten ohne Unterlass. | Am Abend wurden vor allen Buddhastatuen und Herdgottbildern Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Im Hof von Dame Königs Hauptgemach wurden Papierbilder für Himmel und Erde aufgestellt, Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Auch am Haupttor des Gartens der Großen Anschauung hingen große, helle Hornlaternen, und überall leuchteten die Wegelaternen. Jedermann, ob hoch oder niedrig, war in bunte Festkleidung gehüllt. Die ganze Nacht über vernahm man Stimmengewirr, Gelächter und Geplauder, und Feuerwerkskörper und Raketen krachten und zischten ohne Unterlass. | ||
| − | Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begab sich die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge in vollem Ornat und mit allen Ranginsignien abermals in den Kaiserpalast zur Neujahrs-Gratulationscour und beglückwünschte zugleich | + | Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begab sich die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge in vollem Ornat und mit allen Ranginsignien abermals in den Kaiserpalast zur Neujahrs-Gratulationscour und beglückwünschte zugleich Urfrühling zu ihrem Geburtstag. Nachdem man am Bankett teilgenommen hatte und zurückgekehrt war, brachte man im Stillfriede-Anwesen noch einmal ein Opfer vor den Ahnentafeln dar und empfing anschließend zu Hause die Neujahrsgrüße. Danach wechselte die Herzoginmutter ihre Kleidung und ruhte sich aus. Keinen der zur Gratulation erschienenen Verwandten und Freunde empfing sie. Nur mit Tante Schnee<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē".</ref> und Tante Li plauderte sie gemütlich, oder sie spielte mit Schatzjade, Kostbarzither Schnee, Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".</ref>, Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".</ref> und den anderen Mädchen Dame- oder Dominospiele. |
Dame König und Phönixglanz dagegen waren Tag für Tag unermüdlich damit beschäftigt, Gäste zum Neujahrsmahl zu bewirten. In der Halle und im Hof wurde Theater gespielt und Wein getrunken, und die Verwandten und Freunde kamen in nicht abreißendem Strom. Sieben oder acht Tage dauerte der Trubel, bis er endlich vorüber war — und schon rückte das Laternenfest näher. In beiden Anwesen wurden prächtige Laternen aufgehängt und bunte Schmuckbänder gespannt. Am elften Tag lud Begnadigung Kaufmann die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge ein, am folgenden Tag Herrlichkeit Kaufmann. Bei jedem verbrachte sie einen halben Tag in ungezwungener Unterhaltung. Dame König und Phönixglanz wurden unterdessen Tag für Tag von verschiedenen Familien zum Neujahrsmahl eingeladen — das aufzuzählen würde kein Ende nehmen. | Dame König und Phönixglanz dagegen waren Tag für Tag unermüdlich damit beschäftigt, Gäste zum Neujahrsmahl zu bewirten. In der Halle und im Hof wurde Theater gespielt und Wein getrunken, und die Verwandten und Freunde kamen in nicht abreißendem Strom. Sieben oder acht Tage dauerte der Trubel, bis er endlich vorüber war — und schon rückte das Laternenfest näher. In beiden Anwesen wurden prächtige Laternen aufgehängt und bunte Schmuckbänder gespannt. Am elften Tag lud Begnadigung Kaufmann die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge ein, am folgenden Tag Herrlichkeit Kaufmann. Bei jedem verbrachte sie einen halben Tag in ungezwungener Unterhaltung. Dame König und Phönixglanz wurden unterdessen Tag für Tag von verschiedenen Familien zum Neujahrsmahl eingeladen — das aufzuzählen würde kein Ende nehmen. | ||
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An den Querbalken zwischen den Säulen hing je ein großer, aus buntem Glas gefertigter Kronleuchter mit drei Girlanden und fünf Leuchtern, an denen Seidenquasten baumelten. Vor jedem Esstisch stand ein lackierter Kerzenständer in Form eines umgestülpten Lotosblattes aus geschliffenem Cloisonne, in dem eine Zierkerze brannte. Die Lotosblätter waren an beweglichen Gelenken befestigt und so nach außen gedreht worden, dass alles Licht auf die Bühne fiel, so dass die Aufführung besonders klar zu sehen war. | An den Querbalken zwischen den Säulen hing je ein großer, aus buntem Glas gefertigter Kronleuchter mit drei Girlanden und fünf Leuchtern, an denen Seidenquasten baumelten. Vor jedem Esstisch stand ein lackierter Kerzenständer in Form eines umgestülpten Lotosblattes aus geschliffenem Cloisonne, in dem eine Zierkerze brannte. Die Lotosblätter waren an beweglichen Gelenken befestigt und so nach außen gedreht worden, dass alles Licht auf die Bühne fiel, so dass die Aufführung besonders klar zu sehen war. | ||
| − | Sämtliche Fenstereinsätze und Türflügel waren herausgenommen, und in den Öffnungen hingen bunte Quastenlaternen verschiedenster Art. Die Balken des Säulengangs und die Wandelgänge zu beiden Seiten waren mit Laternen aus Widderhorn, Glas, Seidengaze, Drahtgeflecht überhängt — teils gestickt, teils gemalt, teils aufgeschichtet, teils geschnitzt, manche aus Seide, manche aus Papier. Im Säulengang standen weitere Tische, an denen Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann, | + | Sämtliche Fenstereinsätze und Türflügel waren herausgenommen, und in den Öffnungen hingen bunte Quastenlaternen verschiedenster Art. Die Balken des Säulengangs und die Wandelgänge zu beiden Seiten waren mit Laternen aus Widderhorn, Glas, Seidengaze, Drahtgeflecht überhängt — teils gestickt, teils gemalt, teils aufgeschichtet, teils geschnitzt, manche aus Seide, manche aus Papier. Im Säulengang standen weitere Tische, an denen Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann, Unheil Kaufmann<ref>Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Unheil Kaufmann/Kreis".</ref>, Jia Cong, Herrlichkeit Kaufmann, Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Ling, Jia Chang und andere saßen. |
Die Herzoginmutter hatte zwar Boten geschickt, um sämtliche Sippenangehörigen einzuladen, Männer wie Frauen. Doch manche waren alt geworden und hatten keine Lust an lärmenden Vergnügungen; andere hatten niemanden, der inzwischen das Haus hüten konnte; wieder andere lagen krank und siech darnieder und konnten nicht kommen, so gerne sie gewollt hätten; manche neideten den Verwandten ihren Reichtum und schämten sich der eigenen Armut; einige sogar hassten und fürchteten Phönixglanz und blieben aus trotzigem Stolz fern; und wieder andere waren schüchtern und menschenscheu und trauten sich nicht zu kommen. So waren von all der zahlreichen Verwandtschaft als einzige weibliche Gäste nur Frau Lou, Jia Juns Mutter, mit ihrem Sohn erschienen; unter den Männern waren es lediglich Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Chang und Jia Ling, die alle unter Phönixglanz' Kommando arbeiteten. So war die Sippe zwar nicht vollzählig versammelt, doch für eine kleine Familienfeier konnte man es durchaus lebhaft nennen. | Die Herzoginmutter hatte zwar Boten geschickt, um sämtliche Sippenangehörigen einzuladen, Männer wie Frauen. Doch manche waren alt geworden und hatten keine Lust an lärmenden Vergnügungen; andere hatten niemanden, der inzwischen das Haus hüten konnte; wieder andere lagen krank und siech darnieder und konnten nicht kommen, so gerne sie gewollt hätten; manche neideten den Verwandten ihren Reichtum und schämten sich der eigenen Armut; einige sogar hassten und fürchteten Phönixglanz und blieben aus trotzigem Stolz fern; und wieder andere waren schüchtern und menschenscheu und trauten sich nicht zu kommen. So waren von all der zahlreichen Verwandtschaft als einzige weibliche Gäste nur Frau Lou, Jia Juns Mutter, mit ihrem Sohn erschienen; unter den Männern waren es lediglich Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Chang und Jia Ling, die alle unter Phönixglanz' Kommando arbeiteten. So war die Sippe zwar nicht vollzählig versammelt, doch für eine kleine Familienfeier konnte man es durchaus lebhaft nennen. | ||
Latest revision as of 19:36, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說寶玉見晴雯將雀裘補完,已使的力盡神危,忙命小丫頭子來替他捶著,彼此捶打了一會歇下。沒一頓飯的工夫,天已大亮,且不出門,只叫快傳大夫。一時王太醫來了,診了脈,疑惑說道:「昨日已好了些,今日如何反虛微浮縮起來,敢是吃多了飲食?不然就是勞了神思。外感卻倒清了,這汗後失於調養,非同小可。一面說,一面出去開了藥方進來。寶玉看時,已將疏散驅邪諸藥減去了,倒添了茯苓、地黃、當歸等益神養血之劑。寶玉忙命人煎去,一面嘆說:「這怎麼處!倘或有個好歹,都是我的罪孽。」晴雯睡在枕上(口害)道:「好太爺!你乾你的去罷!那裡就得癆病了。」寶玉無奈,只得去了。至下半天,說身上不好就回來了。晴雯此症雖重,幸虧他素習是個使力不使心的;再者素習飲食清淡,饑飽無傷。這賈宅中的風俗秘法,無論上下,只一略有些傷風咳嗽,總以凈餓為主,次則服藥調養。故於前日一病時,凈餓了兩三日,又謹慎服藥調治,如今勞碌了些,又加倍培養了幾日,便漸漸的好了。近日園中姊妹皆各在房中吃飯,炊爨飲食亦便,寶玉自能變法要湯要羹調停,不必細說。 襲人送母殯後,業已回來,麝月便將平兒所說宋媽墜兒一事,並晴雯攆逐出去等話,一一也曾回過寶玉。襲人也沒別說,只說太性急了些。只因李紈亦因時氣感冒;邢夫人又正害火眼,迎春岫煙皆過去朝夕侍藥;李嬸之弟又接了李嬸和李紋李綺家去住幾日;寶玉又見襲人常常思母含悲,晴雯猶未大愈:因此詩社之日,皆未有人作興,便空了幾社。 當下已是臘月,離年日近,王夫人與鳳姐治辦年事。王子騰升了九省都檢點,賈雨村補授了大司馬,協理軍機參贊朝政,不題。 且說賈珍那邊,開了宗祠,著人打掃,收拾供器,請神主,又打掃上房,以備懸供遺真影像。此時榮寧二府內外上下,皆是忙忙碌碌。這日寧府中尤氏正起來同賈蓉之妻打點送賈母這邊針線禮物,正值丫頭捧了一茶盤押歲錁子進來,回說:「興兒回奶奶,前兒那一包碎金子共是一百五十三兩六錢七分,裡頭成色不等,共總傾了二百二十個錁子。」說著遞上去。尤氏看了看,只見也有梅花式的,也有海棠式的,也有筆錠如意的,也有八寶聯春的。尤氏命:「收起這個來,叫他把銀錁子快快交了進來。」丫鬟答應去了。 一時賈珍進來吃飯,賈蓉之妻迴避了。賈珍因問尤氏:「咱們春祭的恩賞可領了不曾?」尤氏道:「今兒我打發蓉兒關去了。」賈珍道:「咱們家雖不等這幾兩銀子使,多少是皇上天恩。早關了來,給那邊老太太見過,置了祖宗的供,上領皇上的恩,下則是托祖宗的福。咱們那怕用一萬銀子供祖宗,到底不如這個又體面,又是沾恩錫福的。除咱們這樣一二家之外,那些世襲窮官兒家,若不仗著這銀子,拿什麼上供過年?真正皇恩浩大,想的周到。」尤氏道:「正是這話。」 二人正說著,只見人回:「哥兒來了。」 賈珍便命叫他進來。只見賈蓉捧了一個小黃布口袋進來。賈珍道:「怎麼去了這一日。」賈蓉陪笑回說:「今兒不在禮部關領,又分在光祿寺庫上,因又到了光祿寺才領了下來。光祿寺的官兒們都說問父親好,多日不見,都著實想念。」賈珍笑道:「他們那裡是想我。這又到了年下了,不是想我的東西,就是想我的戲酒了。」 一面說,一面瞧那黃布口袋,上有印就是「皇恩永錫」四個大字,那一邊又有禮部祠祭司的印記,又寫著一行小字,道是「寧國公賈演榮國公賈源恩賜永遠春祭賞共二分,凈折銀若干兩,某年月日龍禁尉候補侍衛賈蓉當堂領訖,值年寺丞某人」,下面一個硃筆花押。 賈珍吃過飯,盥漱畢,換了靴帽,命賈蓉捧著銀子跟了來,回過賈母王夫人,又至這邊回過賈赦邢夫人,方回家去,取出銀子,命將口袋向宗祠大爐內焚了。又命賈蓉道:「你去問問你璉二嬸子,正月里請吃年酒的日子擬了沒有。若擬定了,叫書房裡明白開了單子來,咱們再請時,就不能重犯了。舊年不留心重了幾家,不說咱們不留神,倒象兩宅商議定了送虛情怕費事一樣。」賈蓉忙答應了過去。一時,拿了請人吃年酒的日期單子來了。賈珍看了,命交與賴升去看了,請人別重這上頭日子。因在廳上看著小廝們抬圍屏,擦抹几案金銀供器。只見小廝手裡拿著個稟帖並一篇帳目,回說:「黑山村的烏莊頭來了。」 賈珍道:「這個老砍頭的今兒才來。」說著,賈蓉接過稟帖和帳目,忙展開捧著,賈珍倒背著兩手,向賈蓉手內只看紅稟帖上寫著:「門下莊頭烏進孝叩請爺、奶奶萬福金安,並公子小姐金安。新春大喜大福,榮貴平安,加官進祿,萬事如意。」賈珍笑道:「莊家人有些意思。」賈蓉也忙笑說:「別看文法,只取個吉利罷了。」一面忙展開單子看時,只見上面寫著:「大鹿三十隻,獐子五十隻,狍子五十隻,暹豬二十個,湯豬二十個,龍豬二十個,野豬二十個,家臘豬二十個,野羊二十個,青羊二十個,家湯羊二十個,家風羊二十個,鱘鰉魚二個,各色雜魚二百斤,活雞、鴨、鵝各二百隻,風雞、鴨、鵝二百隻,野雞、兔子各二百對,熊掌二十對,鹿筋二十斤,海參五十斤,鹿舌五十條,牛舌五十條,蟶乾二十斤,榛、松、桃、杏穰各二口袋,大對蝦五十對,乾蝦二百斤,銀霜炭上等選用一千斤、中等二千斤,柴炭三萬斤,御田胭脂米二石,碧糯五十斛,白糯五十斛,粉粳五十斛,雜色粱谷各五十斛,下用常米一千石,各色乾菜一車,外賣粱谷、牲口各項之銀共折銀二千五百兩。外門下孝敬哥兒姐兒頑意:活鹿兩對,活白兔四對,黑兔四對,活錦雞兩對,西洋鴨兩對。」 賈珍便命帶進他來。一時,只見烏進孝進來,只在院內磕頭請安。賈珍命人拉他起來,笑說:「你還硬朗。」烏進孝笑回:「托爺的福,還能走得動。」賈珍道:「你兒子也大了,該叫他走走也罷了。」烏進孝笑道:「不瞞爺說,小的們走慣了,不來也悶的慌。他們可不是都願意來見見天子腳下世面?他們到底年輕,怕路上有閃失,再過幾年就可放心了。」賈珍道:「你走了幾日?」烏進孝道:「回爺的話,今年雪大,外頭都是四五尺深的雪,前日忽然一暖一化,路上竟難走的很,耽擱了幾日。雖走了一個月零兩日,因日子有限了,怕爺心焦,可不趕著來了。」賈珍道:「我說呢,怎麼今兒才來。我才看那單子上,今年你這老貨又來打擂臺來了。」烏進孝忙進前了兩步,回道:「回爺說,今年年成實在不好。從三月下雨起,接接連連直到八月,竟沒有一連晴過五日。九月里一場碗大的雹子,方近一千三百裡地,連人帶房並牲口糧食,打傷了上千上萬的,所以才這樣。小的並不敢說謊。」賈珍皺眉道:「我算定了你至少也有五千兩銀子來,這夠作什麼的!如今你們一共只剩了八九個莊子,今年倒有兩處報了旱澇,你們又打擂臺,真真是又教別過年了。」烏進孝道:「爺的這地方還算好呢!我兄弟離我那裡只一百多里,誰知竟大差了。他現管著那府里八處莊地,比爺這邊多著幾倍,今年也只這些東西,不過多二三千兩銀子,也是有饑荒打呢。」賈珍道:「正是呢,我這邊都可,已沒有什麼外項大事,不過是一年的費用費些。我受些委屈就省些。再者年例送人請人,我把臉皮厚些,可省些也就完了。比不得那府里,這幾年添了許多花錢的事,一定不可免是要花的,卻又不添些銀子產業。這一二年倒賠了許多,不和你們要,找誰去!」烏進孝笑道:「那府里如今雖添了事,有去有來,娘娘和萬歲爺豈不賞的!」賈珍聽了,笑向賈蓉等道:「你們聽,他這話可笑不可笑?」賈蓉等忙笑道:「你們山坳海沿子上的人,那裡知道這道理。娘娘難道把皇上的庫給了我們不成!他心裡縱有這心,他也不能作主。豈有不賞之理,按時到節不過是些彩緞古董頑意兒。縱賞銀子,不過一百兩金子,才值了一千兩銀子,夠一年的什麼?這二年那一年不多賠出幾千銀子來!頭一年省親連蓋花園子,你算算那一註共花了多少,就知道了。再兩年再一回省親,只怕就精窮了。」賈珍笑道:「所以他們莊家老實人,外明不知里暗的事。黃柏木作磬槌子──外頭體面裡頭苦。」賈蓉又笑向賈珍道: 「果真那府里窮了。前兒我聽見鳳姑娘和鴛鴦悄悄商議,要偷出老太太的東西去當銀子呢。」賈珍笑道:「那又是你鳳姑娘的鬼,那裡就窮到如此。他必定是見去路太多了,實在賠的狠了,不知又要省那一項的錢,先設此法使人知道,說窮到如此了。我心裡卻有一個算盤,還不至如此田地。」說著,命人帶了烏進孝出去,好生待他,不在話下。 這裡賈珍吩咐將方纔各物,留出供祖的來,將各樣取了些,命賈蓉送過榮府里。然後自己留了家中所用的,餘者派出等例來,一分一分的堆在月臺下,命人將族中的子侄喚來與他們。接著榮國府也送了許多供祖之物及與賈珍之物。賈珍看著收拾完備供器,靸著鞋,披著猞猁猻大裘,命人在廳柱下石磯上太陽中鋪了一個大狼皮褥子,負暄閑看各子弟們來領取年物。因見賈芹亦來領物,賈珍叫他過來,說道:「你作什麼也來了?誰叫你來的?」賈芹垂手回說:「聽見大爺這裡叫我們領東西,我沒等人去就來了。」賈珍道:「我這東西,原是給你那些閑著無事的無進益的小叔叔兄弟們的。那二年你閑著,我也給過你的。你如今在那府里管事,家廟裡管和尚道士們,一月又有你的分例外,這些和尚的分例銀子都從你手裡過,你還來取這個,太也貪了!你自己瞧瞧,你穿的象個手裡使錢辦事的?先前說你沒進益,如今又怎麼了?比先倒不象了。」賈芹道:「我家裡原人口多,費用大。」賈珍冷笑道:「你還支吾我。你在家廟裡乾的事,打諒我不知道呢。你到了那裡自然是爺了,沒人敢違拗你。你手裡又有了錢,離著我們又遠,你就為王稱霸起來,夜夜招聚匪類賭錢,養老婆小子。這會子花的這個形象,你還敢領東西來?領不成東西,領一頓馱水棍去才罷。等過了年,我必和你璉二叔說,換回你來。」賈芹紅了臉,不敢答應。人回:「北府水王爺送了字聯、荷包來了。」賈珍聽說,忙命賈蓉出去款待,「只說我不在家。」賈蓉去了,這裡賈珍看著領完東西,回房與尤氏吃畢晚飯,一宿無話。至次日,更比往日忙,都不必細說。 已到了臘月二十九日了,各色齊備,兩府中都換了門神、聯對、掛牌,新油了桃符,煥然一新。寧國府從大門、儀門、大廳、暖閣、內廳、內三門、內儀門並內塞門,直到正堂,一路正門大開,兩邊階下一色朱紅大高照,點的兩條金龍一般。次日,由賈母有誥封者,皆按品級著朝服,先坐八人大轎,帶領著眾人進宮朝賀,行禮領宴畢回來,便到寧國府暖閣下轎。諸子弟有未隨入朝者,皆在寧府門前排班伺候,然後引入宗祠。且說寶琴是初次,一面細細留神打諒這宗祠,原來寧府西邊另一個院子,黑油柵欄內五間大門,上懸一塊匾,寫著是「賈氏宗祠」四個字,旁書「衍聖公孔繼宗書」。兩旁有一副長聯,寫道是: 肝腦塗地,兆姓賴保育之恩; 功名貫天,百代仰蒸嘗之盛。 亦衍聖公所書。進入院中,白石甬路,兩邊皆是蒼松翠柏。月臺上設著青銅古銅鼎彞等器。抱廈前上面懸一九龍金匾,寫道是:「星輝輔弼」。乃先皇御筆。兩邊一副對聯,寫道是: 勛業有光昭日月,功名無間及兒孫。 亦是御筆。五間正殿前懸一鬧龍填青匾,寫道是:「慎終追遠」。旁邊一副對聯,寫道是: 已後兒孫承福德,至今黎庶念榮寧。 俱是御筆。裡邊香燭輝煌,錦帳繡幕,雖列著神主,卻看不真切。只見賈府人分昭穆排班立定:賈敬主祭,賈赦陪祭,賈珍獻爵,賈璉賈琮獻帛,寶玉捧香,賈菖賈菱展拜墊,守焚池。青衣樂奏,三獻爵,拜興畢,焚帛奠酒。禮畢,樂止,退出。眾人圍隨賈母至正堂上,影前錦幔高掛,彩屏張護,香燭輝煌。上面正居中懸著寧榮二祖遺像,皆是披蟒腰玉;兩邊還有幾軸列祖遺影。賈荇賈芷等從內儀門挨次列站,直到正堂廊下。檻外方是賈敬賈赦,檻內是各女眷。眾家人小廝皆在儀門之外。每一道菜至,傳至儀門,賈荇賈芷等便接了,按次傳至階上賈敬手中。賈蓉系長房長孫,獨他隨女眷在檻內,每賈敬捧菜至,傳於賈蓉,賈蓉便傳於他妻子,又傳於鳳姐尤氏諸人,直傳至供桌前,方傳於王夫人。王夫人傳於賈母,賈母方捧放在桌上。邢夫人在供桌之西,東向立,同賈母供放。直至將菜飯湯點酒菜傳完,賈蓉方退出下階,歸入賈芹階位之首。凡從文旁之名者,賈敬為首;下則從玉者,賈珍為首;再下從草頭者,賈蓉為首;左昭右穆,男東女西;俟賈母拈香下拜,眾人方一齊跪下,將五間大廳,三間抱廈,內外廊檐,階上階下兩丹墀內,花軒錦簇,塞的無一些空地。鴉雀無聞,只聽鏗鏘叮噹,金鈴玉佩微微搖曳之聲,並起跪靴履颯沓之響。一時禮畢,賈敬賈赦等便忙退出,至榮府專候與賈母行禮。 尤氏上房地下早已襲地鋪滿紅氈,當地放著象鼻三足鰍沿鎏金琺琅大火盆,正面炕上鋪新猩紅氈子,設著大紅彩繡雲龍捧壽的靠背引枕,外另黑狐皮的袱子搭在上面,大白狐皮坐褥,請賈母上去坐了。兩邊又鋪皮褥,讓賈母一輩的兩三個妯娌坐了。這邊橫頭排插之後小炕上,也鋪了皮褥,讓邢夫人等坐了。地下兩面相對十二張雕漆椅上,都是一色灰鼠椅搭小褥,每一張椅下一個大銅腳爐,讓寶琴等姊妹坐了。尤氏用茶盤親捧茶與賈母,蓉妻捧與眾老祖母,然後尤氏又捧與邢夫人等,蓉妻又捧與眾姊妹。鳳姐李紈等只在地下伺候。茶畢,邢夫人等便先起身來侍賈母。賈母吃茶,與老妯娌閑話了兩三句,便命看轎,鳳姐兒忙上去輓起來。尤氏笑回說:「已經預備下老太太的晚飯。每年都不肯賞些體面用過晚飯過去,果然我們就不及鳳丫頭不成?」鳳姐兒攙著賈母笑道:「老祖宗快走,咱們家去吃去,別理他。」賈母笑道:「你這裡供著祖宗,忙的什麼似的,那裡還擱得住鬧。況且每年我不吃,你們也要送去的。不如還送了來,我吃不了留著明兒再吃,豈不多吃些。」說的眾人都笑了。又吩咐他:」好生派妥當人夜裡看香火,不是大意得的。」尤氏答應了。一面走出來至暖閣前上了轎。尤氏等閃過屏風,小廝們才領轎夫,請了轎出大門。尤氏亦隨邢夫人等同至榮府。 這裡轎出大門,這一條街上,東一邊合面設列著寧國公的儀仗執事樂器,西一邊合面設列著榮國公的儀仗執事樂器,來往行人皆屏退不從此過。一時來至榮府,也是大門正廳直開到底。如今便不在暖閣下轎了,過了大廳,便轉彎向西,至賈母這邊正廳上下轎。眾人圍隨同至賈母正室之中,亦是錦裀繡屏,煥然一新。當地火盆內焚著松柏香、百合草。賈母歸了座,老嬤嬤來回:「老太太們來行禮。」賈母忙又起身要迎,只見兩三個老妯娌已進來了。大家輓手,笑了一回,讓了一回。吃茶去後,賈母只送至內儀門便回來,歸正坐。賈敬賈赦等領諸子弟進來。賈母笑道:「一年價難為你們,不行禮罷。」一面說著,一面男一起,女一起,一起一起俱行過了禮。左右兩旁設下交椅,然後又按長幼挨次歸坐受禮。兩府男婦小廝丫鬟亦按差役上中下行禮畢,散押歲錢、荷包、金銀錁,擺上合歡宴來。男東女西歸坐,獻屠蘇酒、合歡湯、吉祥果、如意糕畢,賈母起身進內間更衣,眾人方各散出。那晚各處佛堂竈王前焚香上供,王夫人正房院內設著天地紙馬香供,大觀園正門上也挑著大明角燈,兩溜高照,各處皆有路燈。上下人等,皆打扮的花團錦簇,一夜人聲嘈雜,語笑喧闐,爆竹起火,絡繹不絕。 至次日五鼓,賈母等又按品大妝,擺全副執事進宮朝賀,兼祝元春千秋。領宴回來,又至寧府祭過列祖,方回來受禮畢,便換衣歇息。所有賀節來的親友一概不會,只和薛姨媽李嬸二人說話取便,或者同寶玉、寶琴、釵、玉等姊妹趕圍棋抹牌作戲。王夫人與鳳姐是天天忙著請人吃年酒,那邊廳上院內皆是戲酒,親友絡繹不絕,一連忙了七八日才完了。早又元宵將近,寧榮二府皆張燈結彩。十一日是賈赦請賈母等,次日賈珍又請,賈母皆去隨便領了半日。王夫人和鳳姐兒連日被人請去吃年酒,不能勝記。 至十五日之夕,賈母便在大花廳上命擺幾席灑,定一班小戲,滿掛各色佳燈,帶領榮寧二府各子侄孫男孫媳等家宴。賈敬素不茹酒,也不去請他,於後十七日祖祀已完,他便仍出城去修養。便這幾日在家內,亦是靜室默處,一概無聽無聞,不在話下。賈赦略領了賈母之賜,也便告辭而去。賈母知他在此彼此不便,也就隨他去了。賈赦自到家中與眾門客賞燈吃酒,自然是笙歌聒耳,錦繡盈眸,其取便快樂另與這邊不同。 這邊賈母花廳之上共擺了十來席。每一席旁邊設一几,几上設爐瓶三事,焚著御賜百合宮香。又有八寸來長四五寸寬二三寸高的點著山石佈滿青苔的小盆景,俱是新鮮花卉。又有小洋漆茶盤,內放著舊窯茶杯並十錦小茶弔,裡面泡著上等名茶。一色皆是紫檀透雕,嵌著大紅紗透繡花卉並草字詩詞的瓔珞。原來繡這瓔珞的也是個姑蘇女子,名喚慧娘。因他亦是書香宦門之家,他原精於書畫,不過偶然繡一兩件針線作耍,並非市賣之物。凡這屏上所繡之花卉,皆仿的是唐、宋、元、明各名家的折枝花卉,故其格式配色皆從雅,本來非一味濃艷匠工可比。每一枝花側皆用古人題此花之舊句,或詩詞歌賦不一,皆用黑絨繡出草字來,且字跡勾踢、轉折、輕重、連斷皆與筆草無異,亦不比市繡字跡板強可恨。他不仗此技獲利,所以天下雖知,得者甚少,凡世宦富貴之家,無此物者甚多,當今便稱為「慧繡」。竟有世俗射利者,近日仿其針跡,愚人獲利。偏這慧娘命夭,十八歲便死了,如今竟不能再得一件的了。凡所有之家,縱有一兩件,皆珍藏不用。有那一干翰林文魔先生們,因深惜「慧繡」之佳,便說這「繡」字不能盡其妙,這樣筆跡說一「繡」字,反似乎唐突了,便大家商議了,將「繡」字便隱去,換了一個「紋」字,所以如今都稱為「慧紋」。若有一件真「慧紋」之物,價則無限。賈府之榮,也只有兩三件,上年將那兩件已進了上,目下只剩這一副瓔珞,一共十六扇,賈母愛如珍寶,不入在請客各色陳設之內,只留在自己這邊,高興擺酒時賞玩。又有各色舊窯小瓶中都點綴著「歲寒三友」「玉堂富貴」等鮮花草。 上面兩席是李嬸薛姨媽二位。賈母於東邊設一透雕夔龍護屏矮足短榻,靠背引枕皮褥俱全。榻之上一頭又設一個極輕巧洋漆描金小几,几上放著茶弔、茶碗、漱盂、洋巾之類,又有一個眼鏡匣子。賈母歪在榻上,與眾人說笑一回,又自取眼鏡向戲臺上照一回,又向薛姨媽李嬸笑說:「恕我老了,骨頭疼,放肆,容我歪著相陪罷。」因又命琥珀坐在榻上,拿著美人拳捶腿。榻下並不擺席面,只有一張高几,卻設著瓔珞花瓶香爐等物。外另設一精緻小高桌,設著酒盃匙箸,將自己這一席設於榻旁,命寶琴、湘雲、黛玉、寶玉四人坐著。每一饌一果來,先捧與賈母看了,喜則留在小桌上嘗一嘗,仍撤了放在他四人席上,只算他四人是跟著賈母坐。故下面方是邢夫人王夫人之位,再下便是尤氏、李紈、鳳姐、賈蓉之妻。西邊一路便是寶釵、李紋、李綺、岫煙、迎春姊妹等。兩邊大梁上,掛著一對聯三聚五玻璃芙蓉彩穗燈。每一席前豎一柄漆乾倒垂荷葉,葉上有燭信插著彩燭。這荷葉乃是鏨琺琅的,活信可以扭轉,如今皆將荷葉扭轉向外,將燈影逼住全向外照,看戲分外真切。窗格門戶一齊摘下,全掛彩穗各種宮燈。廊檐內外及兩邊游日棚,將各色羊角、玻璃、戳紗、料絲、或繡、或畫、或堆、或摳、或絹、或紙諸燈掛滿。廊上幾席,便是賈珍、賈璉、賈環、賈琮、賈蓉、賈芹、賈芸、賈菱、賈菖等。 賈母也賈母也曾差人去請眾族中男女,奈他們或有年邁懶於熱鬧的;或有家內沒有人不便來的;或有疾病淹纏,欲來竟不能來的;或有一等妒富愧貧不來的;甚至於有一等憎畏鳳姐之為人而賭氣不來的;或有羞手羞腳,不慣見人,不敢來的:因此族眾雖多,女客來者只不過賈菌之母婁氏帶了賈菌來了,男子只有賈芹、賈芸、賈菖、賈菱四個現是在鳳姐麾下辦事的來了。當下人雖不全,在家庭間小宴中,數來也算是熱鬧的了。當又有林之孝之妻帶了六個媳婦,抬了三張炕桌,每一張上搭著一條紅氈,氈上放著選凈一般大新出局的銅錢,用大紅彩繩串著,每二人搭一張,共三張。林之孝家的指示將那兩張擺至薛姨媽李嬸的席下,將一張送至賈母榻下來。賈母便說:「放在當地罷。」這媳婦們都素知規矩的,放下桌子,一併將錢都打開,將彩繩抽去,散堆在桌上。正唱《西樓•樓會》這出將終,於叔夜因賭氣去了,那文豹便發科諢道:「你賭氣去了,恰好今日正月十五,榮國府中老祖宗家宴,待我騎了這馬,趕進去討些果子吃是要緊的。」說畢,引的賈母等都笑了。薛姨媽等都說:「好個鬼頭孩子,可憐見的。」鳳姐便說:「這孩子才九歲了。」賈母笑說:「難為他說的巧。」便說了一個「賞」字。早有三個媳婦已經手下預備下簸籮,聽見一個「賞」字,走上去向桌上的散錢堆內,每人便撮了一簸籮,走出來向戲臺說:「老祖宗、姨太太、親家太太賞文豹買果子吃的!」說著,向臺上便一撒,只聽豁啷啷滿台的錢響。賈珍賈璉已命小廝們抬了大簸籮的錢來,暗暗的預備在那裡。聽見賈母一賞,要知端的-- |
Kapitel 53 Im Stillfriede-Anwesen feiert man das Neujahrs-Opfer im Ahnentempel — Im Prunkwille-Anwesen erfreut man sich am Laternenfest mit einem Familienfest Es wird erzählt, dass Schatzjade[1] sah, wie Heitermuster[2] nach dem Ausbessern des Pfauenfedermantels völlig erschöpft und entkräftet war. Eilig ließ er die kleineren Dienstmädchen kommen, um sie zu massieren. Nachdem sie einander eine Weile geklopft und massiert hatten, legten sich alle wieder hin. Noch war keine Mahlzeit vergangen, da war es bereits heller Tag. Schatzjade ging nicht aus dem Haus und ließ sogleich nach dem Arzt schicken. Bald darauf kam Arzt König. Nachdem er den Puls gefühlt hatte, sagte er stirnrunzelnd: „Gestern hatte sich ihr Zustand schon gebessert, warum ist der Puls heute so schwach und flatternd geworden? Hat sie vielleicht zu viel gegessen? Oder sich geistig überanstrengt? Die äußere Erkältung ist zwar abgeklungen, aber wenn man nach dem Schwitzen die Pflege vernachlässigt, ist das keine Kleinigkeit." Während er so sprach, ging er hinaus, schrieb ein neues Rezept und kam damit zurück. Als Schatzjade es ansah, bemerkte er, dass die zerstreuenden und austreibenden Arzneien gestrichen und stattdessen Poria [Anm.: ein Heilpilz, chin. fuling], Rehmannia [Anm.: chin. dihuang], Angelikawurzel [Anm.: chin. danggui] und andere blutaufbauende und geistkräftigende Mittel hinzugefügt worden waren. Eilig ließ Schatzjade die Medizin abkochen und seufzte dabei: „Was soll nur werden! Wenn ihr etwas zustößt, dann trage ich allein die Schuld." Heitermuster hustete auf ihrem Kissen und rief: „Ach, mein guter Herr! Geht nur Eurer Wege! Ich werde schon nicht an der Schwindsucht sterben." Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu gehen. Am Nachmittag kehrte er schon zurück mit der Begründung, er fühle sich unwohl. Heitermusters Krankheit war zwar schwer, doch zum Glück war sie von Natur aus jemand, der den Körper und nicht den Geist strapazierte. Auch pflegte sie stets mäßig zu essen und zu trinken, ohne sich je den Magen zu verderben. Im Hause Kaufmann herrschte der Brauch, dass jedermann, ob hoch oder niedrig, bei der geringsten Erkältung oder dem leisesten Husten zuallererst streng fastete und erst danach mit Medizin behandelt und gepflegt wurde. So hatte Heitermuster gleich zu Beginn ihrer Krankheit zwei oder drei Tage gehungert und dabei gewissenhaft ihre Arznei genommen. Nachdem sie sich nun überanstrengt hatte, pflegte man sie erst recht besonders sorgfältig, und allmählich ging es ihr wieder besser. Da in jüngster Zeit alle Schwestern im Garten einzeln in ihren Räumen aßen und das Kochen dadurch leichter zu bewerkstelligen war, konnte Schatzjade nach Belieben Suppen und Brühen bestellen. Davon braucht nicht im Einzelnen berichtet zu werden. Nachdem Dufthauch[3] von der Beerdigung ihrer Mutter zurückgekehrt war, hatte Moschusmond[4] ihr bereits alles erzählt, was Friedchen[5] über die Amme Song und Zhuier berichtet hatte und wie Heitermuster Zhuier hinausgeworfen hatte. Schatzjade hatte sie ebenfalls darüber unterrichtet. Dufthauch bemerkte nur, das sei ein wenig vorschnell gewesen. Da inzwischen auch Frau Li[6] an einer Erkältung litt, Dame Strafe[7] an einer Augenentzündung erkrankt war und Willkommensfrühling[8] mit Xiuyan täglich zu ihr ging, um sie morgens und abends mit Medizin zu versorgen, da ferner Tante Lis jüngerer Bruder Tante Li mitsamt Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume zu einem mehrtägigen Besuch abgeholt hatte und da Schatzjade obendrein sah, wie Dufthauch immer noch um ihre Mutter trauerte und Heitermuster noch nicht ganz genesen war — aus all diesen Gründen fand sich niemand, der den Dichterklub am festgesetzten Tag hätte einberufen wollen, und so fielen mehrere Treffen aus. Es war inzwischen der zwölfte Monat geworden, das Jahresende rückte näher, und Dame König[9] traf gemeinsam mit Phönixglanz[10] die Vorbereitungen für das Neujahrsfest. König Ziteng wurde zum Oberbefehlshaber der Garnisonen von neun Provinzen befördert, und Jia Regendorf erhielt den Posten des Kriegsministers und wirkte fortan als Berater in Militärangelegenheiten und Staatsgeschäften mit. Aber davon braucht nicht weiter die Rede zu sein. Drüben im Stillfriede-Anwesen ließ Herrlichkeit Kaufmann[11] den Ahnentempel öffnen und ausräumen, die Opfergeräte herrichten und die Ahnentafeln aufstellen. Auch die Haupthalle ließ er reinigen, damit dort die Ahnenporträts aufgehängt werden konnten. Im ganzen Rong-guo- und Stillfriede-Anwesen, innen wie außen, oben wie unten, herrschte geschäftiges Treiben. An diesem Tag war Dame Sonders[12] im Stillfriede-Anwesen gerade aufgestanden und mit Hibiskus Kaufmann[13]' Frau dabei, Nadelarbeiten und Geschenke für die Herzoginmutter[14] zusammenzustellen, als ein Dienstmädchen ein Tablett mit kleinen Goldbarren hereinbrachte und meldete: „Xinger lässt ausrichten, gnädige Frau: Das Paket Bruchgold enthielt einhundertdreiundfünfzig Liang, sechs Qian und sieben Fen. Der Feingehalt war unterschiedlich. Insgesamt wurden daraus zweihundertundzwanzig Barren gegossen." Damit reichte sie das Tablett hinauf. Dame Sonders betrachtete die Barren: Manche hatten die Form von Pflaumenblüten, andere die von Zieräpfeln, wieder andere glichen kleinen Glückwunschzeptern, und einige trugen das Muster der Acht Kostbarkeiten im Frühling. Dame Sonders befahl: „Verwahrt diese und sagt ihm, er solle die Silberbarren rasch bringen!" Das Dienstmädchen bestätigte und ging hinaus. Bald darauf kam Herrlichkeit Kaufmann zum Essen herein, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau zog sich zurück. Herrlichkeit Kaufmann fragte Dame Sonders: „Ist die kaiserliche Spende für unser Neujahrsopfer schon abgeholt worden?" „Heute habe ich Herrlichkeit geschickt, sie zu holen", erwiderte Dame Sonders. „Nicht dass unsere Familie auf die paar Liang Silber angewiesen wäre", sagte Herrlichkeit Kaufmann, „aber es ist immerhin die Gnade des Kaisers. Sobald es abgeholt ist, zeigen wir es drüben der Herzoginmutter und kaufen dafür Opfergaben für die Ahnen. Von oben empfangen wir die kaiserliche Gnade, von unten danken wir dem Segen der Vorfahren. Selbst wenn wir zehntausend Liang Silber für das Ahnenopfer ausgäben, wäre das nicht so ehrenvoll, wie es mit diesem Gnadengeschenk zu tun. Abgesehen von ein, zwei Familien wie der unseren — all jene verarmten Familien von erblichen Beamten, woher nähmen sie das Geld für die Neujahrsopfer, wenn sie sich nicht auf dieses Silber stützen könnten? Wahrlich, die Gnade des Kaisers ist gewaltig, und er denkt an alles." „Genau so ist es", bestätigte Dame Sonders. Während die beiden noch sprachen, wurde gemeldet: „Der junge Herr ist da." Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn hereinrufen, und Herrlichkeit Kaufmann trat mit einem kleinen Beutel aus gelbem Stoff ein, den er mit beiden Händen trug. „Warum hat das den ganzen Tag gedauert?" fragte Herrlichkeit Kaufmann. Herrlichkeit Kaufmann antwortete mit einem verbindlichen Lächeln: „Heute war das Silber nicht im Zeremonialministerium abzuholen, sondern wurde über die Schatzkammer des Kaiserlichen Amtes für Opfergaben ausgegeben, weshalb ich erst dorthin musste. Die Beamten vom Amt für Opfergaben ließen Euch grüßen, Vater. Sie sagten, sie hätten Euch seit langem nicht gesehen und dächten immer an Euch." Herrlichkeit Kaufmann lachte: „An mich denken sie? Jetzt, wo das Jahresende naht, denken sie nicht an mich, sondern an meine Geschenke oder an Einladungen zu Theater und Wein!" Dabei betrachtete er den gelben Stoffbeutel, auf dem ein Siegelstempel prangte mit den vier großen Schriftzeichen: „Durch Kaiserliche Gnade auf ewig gewährt". Auf der anderen Seite befand sich der Stempel der Opferverwaltung des Zeremonialministeriums, und daneben stand eine Zeile kleiner Zeichen: „Jia Yan, Herzog Ning-guo, und Jia Yuan, Herzog Rong-guo — kaiserlich auf ewig gewährte Spenden zum Neujahrsopfer, insgesamt zwei Anteile, als Reinsilber soundso viele Liang. Im soundsovielten Jahr, soundsovielten Monat und Tag von Hibiskus Kaufmann, Hauptmann der Palastwache, Anwärter auf einen Gardistenposten, persönlich in Empfang genommen. Diensthabender Amtsassistent Soundso." Darunter stand eine Paraphe in roter Tusche. Nachdem Herrlichkeit Kaufmann gegessen, sich Hände und Mund gewaschen und Stiefel und Kopfbedeckung gewechselt hatte, befahl er Herrlichkeit Kaufmann, das Silber zu nehmen und ihm zu folgen. Zuerst berichteten sie der Herzoginmutter und Dame König, dann gingen sie auf die andere Seite und erstatteten auch Begnadigung Kaufmann[15] und Dame Strafe Meldung, ehe sie nach Hause zurückkehrten. Dort nahm Herrlichkeit Kaufmann das Silber heraus und befahl, den leeren Beutel im großen Weihrauchkessel des Ahnentempels zu verbrennen. Dann sagte er zu Herrlichkeit Kaufmann: „Geh hinüber und frage die Frau deines Onkels Kette, ob die Termine für die Neujahrsbankette schon feststehen. Wenn ja, lass dir im Schreibzimmer eine genaue Aufstellung machen, damit wir bei unseren Einladungen keine Überschneidungen haben. Letztes Jahr haben wir nicht aufgepasst, und es gab bei mehreren Familien Dopplungen. Die Leute müssen gedacht haben, dass die beiden Anwesen sich abgesprochen und zum Schein Einladungen verschickt hätten, um Kosten zu sparen." Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und ging hinüber. Nach kurzer Zeit kehrte er mit der Terminliste zurück. Herrlichkeit Kaufmann sah sie durch und befahl, sie an Lai Sheng weiterzugeben, damit dieser darauf achte, dass die Einladungen nicht auf dieselben Tage fielen. Dann ging er in die Halle hinaus und beaufsichtigte die Diener, die Stellwände trugen und Tische sowie goldene und silberne Opfergeräte polierten. Da kam ein Diener mit einem Brief und einer Aufstellung und meldete: „Der Dorfverwalter Wu aus dem Schwarzbergdorf ist angekommen." „Jetzt erst kommt er, der alte Galgenstrick!" rief Herrlichkeit Kaufmann. Herrlichkeit Kaufmann nahm Brief und Liste entgegen und entfaltete zuerst den Brief. Herrlichkeit Kaufmann, die Hände auf dem Rücken verschränkt, blickte in Herrlichkeit Kaufmann' Hände und las auf dem roten Briefpapier: „Kniefällig wünscht Euer Dorfverwalter Wu Jinxiao dem Herrn und der gnädigen Frau zehntausendfaches Glück und goldene Gesundheit, ebenso den jungen Herren und Fräulein goldene Gesundheit. Möge das neue Jahr Euch Glück und Segen in Fülle bringen, Frieden und Wohlergehen, Beförderung und Gehaltserhöhung, und mögen sich all Eure Wünsche erfüllen!" Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Die Leute auf dem Lande haben schon ihren eigenen Stil!" Auch Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu lächeln und sagte: „Achtet nicht auf die Formulierung — Hauptsache, es bringt Glück!" Dann entfaltete er eilig die Liste, auf der stand: „Hirsche — dreißig Stück; Moschustiere — fünfzig Stück; Rehe — fünfzig Stück; Siam-Schweine — zwanzig Stück; gebrühte Schweine — zwanzig Stück; Drachenschweine — zwanzig Stück; Wildschweine — zwanzig Stück; gesalzene und getrocknete Hausschweine — zwanzig Stück; Wildschafe — zwanzig Stück; Gorale — zwanzig Stück; gebrühte Hammel — zwanzig Stück; getrocknete Hammel — zwanzig Stück; Störe — zwei Stück; verschiedene Fische — zweihundert Jin; lebende Hühner, Enten und Gänse — je zweihundert Stück; getrocknete Hühner, Enten und Gänse — zweihundert Stück; Fasane und Hasen — je zweihundert Paar; Bärentatzen — zwanzig Paar; Hirschsehnen — zwanzig Jin; Seegurken — fünfzig Jin; Hirschzungen — fünfzig Stück; Rinderzungen — fünfzig Stück; getrocknete Scheidenmuscheln — zwanzig Jin; Haselnusskerne, Zirbelnusskerne, Pfirsichkerne, Aprikosenkerne — je zwei Säcke; große Hummer — fünfzig Paar; getrocknete Garnelen — zweihundert Jin; Silberfrost-Holzkohle erstklassig — eintausend Jin, mittlere Güte — zweitausend Jin; gewöhnliche Holzkohle — dreißigtausend Jin; Reis von den Kaiserlichen Feldern, zinnoberroter Klebreis — zwei Dan; grüner Klebreis — fünfzig Hu; weißer Klebreis — fünfzig Hu; feiner weißer Reis — fünfzig Hu; verschiedene Hirse- und Getreidesorten — je fünfzig Hu; gewöhnlicher Reis zum täglichen Gebrauch — eintausend Dan; verschiedenerlei Dörrgemüse — eine Wagenladung; Erlös aus dem Verkauf von Getreide und Vieh — insgesamt zweitausendfünfhundert Liang Silber. Ferner als Geschenk für die jungen Herren und Fräulein zum Vergnügen: lebende Hirsche — zwei Paar; lebende weiße Kaninchen — vier Paar; schwarze Kaninchen — vier Paar; lebende Goldfasane — zwei Paar; europäische Enten — zwei Paar." Herrlichkeit Kaufmann befahl, Wu hereinzuführen. Bald darauf trat Wu Jinxiao in den Hof, kniete nieder und schlug die Stirn auf den Boden. Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn aufrichten und sagte lächelnd: „Du bist also noch rüstig." Ebenfalls lächelnd erwiderte Wu Jinxiao: „Dank Eurer Fürsorge, Herr, kann ich mich noch bewegen." „Deine Söhne sind doch schon groß", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Du hättest sie schicken können." „Ich will Euch nichts verhehlen, Herr", sagte Wu Jinxiao lächelnd. „Ich bin es gewohnt, den Weg zu machen, und würde mich zu Tode langweilen, wenn ich nicht käme. Die Söhne würden natürlich auch gerne einmal die Welt zu Füßen des Kaisers sehen. Aber sie sind noch jung, und ich fürchte, es könnte ihnen unterwegs etwas zustoßen. In ein paar Jahren kann ich sie ruhigen Gewissens schicken." „Wie viele Tage warst du unterwegs?" fragte Herrlichkeit Kaufmann. „Um Euch Bericht zu erstatten, Herr: Der Schnee war dieses Jahr besonders tief", antwortete Wu Jinxiao. „Draußen auf dem Land lag er vier bis fünf Chi hoch. Vor ein paar Tagen wurde es plötzlich warm und der Schnee schmolz, die Wege waren kaum passierbar, und ich verlor einige Tage. Insgesamt war ich einen Monat und zwei Tage unterwegs. Da die Zeit knapp wurde und ich Euch keine Sorgen machen wollte, Herr, habe ich mich beeilt." „Da dachte ich mir doch", sagte Herrlichkeit Kaufmann, „warum er erst jetzt kommt. Ich habe gerade deine Liste angesehen — du willst dich also wieder mit uns anlegen, Alter!" Eilig trat Wu Jinxiao zwei Schritte näher und sagte: „Lasst mich berichten, Herr! Die Ernte war dieses Jahr wirklich schlecht. Vom dritten Monat an hat es in einem fort geregnet, ununterbrochen bis in den achten Monat hinein, es gab nicht fünf sonnige Tage am Stück. Im neunten Monat hagelten Eiskörner so groß wie Suppenschüsseln herab, auf einer Fläche von fast eintausenddreihundert Li im Geviert, und Menschen, Häuser, Vieh und Getreide wurden zu Tausenden und Abertausenden geschädigt. Das sind die Gründe, Herr. Ich lüge wahrhaftig nicht." Herrlichkeit Kaufmann runzelte die Stirn: „Ich hatte fest mit mindestens fünftausend Liang Silber von dir gerechnet. Was soll man mit dem hier anfangen! Von den acht oder neun Dörfern, die uns noch geblieben sind, haben dieses Jahr gleich zwei Dürre oder Überschwemmung gemeldet, und ihr wollt euch auch noch mit uns anlegen. Da will man uns wohl das Neujahrsfeiern ganz verbieten!" Wu Jinxiao erwiderte: „Euer Gebiet ist ja noch vergleichsweise gut dran, Herr! Mein Bruder wohnt nur gut hundert Li von mir entfernt, und bei dem sieht es viel schlimmer aus. Er verwaltet für das andere Anwesen drüben acht Dörfer, die ein Mehrfaches Eurer Ländereien umfassen, aber auch er konnte dieses Jahr nicht mehr abliefern — nur zwei- bis dreitausend Liang Silber mehr. Auch dort hat die Not zugeschlagen." „Eben", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Bei uns hier geht es noch einigermaßen, wir haben keine großen Sonderausgaben, nur die laufenden Kosten. Wenn es mir schlechter geht, spare ich eben ein wenig mehr. Außerdem kann ich bei den jährlichen Geschenken und Einladungen etwas dreister kürzen, dann ist der Fall erledigt. Aber drüben im anderen Anwesen sieht es anders aus. Dort sind in den letzten Jahren allerlei unumgängliche Mehrausgaben hinzugekommen, während das Einkommen keineswegs gestiegen ist. In den letzten ein, zwei Jahren haben sie empfindlich zuschießen müssen. Wenn wir es nicht von euch verlangen, von wem dann?" Wu Jinxiao meinte lächelnd: „Im anderen Anwesen sind die Ausgaben zwar gestiegen, aber es geht doch hin und her. Die Kaiserliche Gemahlin und Seine Majestät werden doch gewiss Geschenke machen!" Als Herrlichkeit Kaufmann das hörte, wandte er sich lachend an Herrlichkeit Kaufmann und die anderen: „Habt ihr das gehört? Ist das nicht zum Lachen?" Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu antworten: „Ihr Leute aus den Bergen und von der Meeresküste versteht eben nichts von diesen Dingen. Soll uns die Kaiserliche Gemahlin etwa die kaiserlichen Schatzhäuser schenken? Selbst wenn sie es wollte, könnte sie das nicht eigenmächtig entscheiden. Natürlich gibt es Geschenke — zu den Feiertagen etwas farbige Seide, Antiquitäten und Spielereien. Und wenn es einmal Gold gibt, sind es höchstens hundert Liang Gold, das entspricht gerade mal eintausend Liang Silber. Was sind das schon für ein ganzes Jahr? In den letzten beiden Jahren haben sie jedes Jahr mehrere tausend Liang draufgelegt! Rechne doch einmal zusammen, was allein der Heimbesuch im ersten Jahr gekostet hat, einschließlich des neugebauten Gartens — dann weißt du Bescheid. Noch ein, zwei solcher Besuche, und sie sind völlig ruiniert." Herrlichkeit Kaufmann fügte lächelnd hinzu: „Deshalb sage ich ja: Die Leute auf dem Lande sind ehrlich und haben keine Ahnung, was sich hinter den Kulissen abspielt. Wie sagt das Sprichwort? 'Der Klöppel aus Gelbholz — außen glänzend, innen bitter.'" Herrlichkeit Kaufmann wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann: „Drüben im anderen Anwesen muss es tatsächlich schlecht stehen. Neulich habe ich gehört, wie Tante Phönixglanz heimlich mit Mandarinenente[16] besprach, etwas von den Habseligkeiten der Herzoginmutter zu entwenden und beim Pfandleiher zu versetzen." Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Das ist wieder einer von Phönixglanz' Tricks. So arm sind sie bestimmt noch nicht. Sie hat sicher gesehen, dass die Ausgaben zu hoch und die Zuschüsse zu groß geworden sind, und weiß nicht, wo sie noch sparen soll. Also hat sie diese Geschichte in Umlauf gebracht, damit alle denken, es sei wirklich so schlimm. Ich aber habe meine eigene Rechnung im Kopf und weiß, dass es so weit noch nicht gekommen ist." Damit befahl er, Wu Jinxiao hinauszugeleiten und gut zu bewirten. Davon braucht nicht weiter die Rede zu sein. Herrlichkeit Kaufmann ordnete an, von den eben eingetroffenen Gütern einen Teil für das Ahnenopfer zurückzulegen und von jeder Sorte etwas auszuwählen, das Herrlichkeit Kaufmann ins Prunkwille-Anwesen bringen sollte. Nach Abzug des eigenen Haushaltsbedarfs wurde der Rest in Portionen aufgeteilt, wie es dem jeweiligen Rang entsprach, und auf der Terrasse aufgestapelt. Dann ließ er alle Söhne und Neffen der Sippe zusammenrufen, damit sie ihre Anteile abholten. Auch aus dem Prunkwille-Anwesen traf bald darauf eine Sendung von Opfergaben und Geschenken für Herrlichkeit Kaufmann ein. Nachdem Herrlichkeit Kaufmann die Aufstellung der Opfergeräte bis zuletzt überwacht hatte, schlüpfte er in bequeme Pantoffeln, warf sich einen weiten Luchsfellmantel um und ließ sich am Fuß einer Hallensäule auf dem steinernen Sockel ein großes Wolfsfell in die Sonne breiten, um es sich in der Winterwärme bequem zu machen und den jungen Sippenangehörigen beim Abholen ihrer Neujahrsgaben zuzusehen. Als er sah, dass auch Jia Qin kam, um etwas abzuholen, rief er ihn herbei und sagte: „Was willst du hier? Wer hat dich geschickt?" Jia Qin stand mit unterwürfig herabhängenden Händen da und erwiderte: „Ich hörte, Ihr hättet alle herrufen lassen, um die Gaben in Empfang zu nehmen, gnädiger Herr. Da bin ich gekommen, ohne eine persönliche Einladung abzuwarten." „Diese Sachen sind für diejenigen deiner Onkel und Vettern bestimmt, die keinen Posten und keine Verdienstmöglichkeit haben", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „In den beiden Jahren, als du noch nichts zu tun hattest, habe ich dir auch welche gegeben. Aber jetzt hast du eine Stellung drüben im anderen Anwesen und bist im Familienkloster für die buddhistischen und daoistischen Mönche und Nonnen zuständig. Du bekommst nicht nur dein monatliches Gehalt, auch die Gelder für die Mönche gehen durch deine Hände. Und jetzt kommst du noch, um dir hier etwas zu holen? Du bist wirklich zu gierig! Und schau dich nur an! So kleidet sich einer, der Geld verwaltet und Verantwortung trägt? Früher hast du dich beklagt, du hättest keine Einnahmequelle — und jetzt siehst du noch schlimmer aus als damals?" „Mein Haushalt ist groß, und die Ausgaben sind hoch", versuchte Jia Qin sich zu rechtfertigen. Herrlichkeit Kaufmann lachte kalt: „Du willst mir auch noch Ausreden auftischen? Meinst du, ich wüsste nicht, was du im Familienkloster treibst? Dort spielst du natürlich den großen Herrn, und keiner wagt, dir zu widersprechen. Da du Geld in der Hand hast und weit genug von uns weg bist, führst du dich wie ein König auf, versammelst Nacht für Nacht Gesindel um dich zum Glücksspiel, hältst dir Frauen und Lustknaben. Und so heruntergekommen, wie du jetzt aussiehst, wagst du es noch, hier aufzukreuzen und Geschenke zu holen? Statt Geschenke solltest du eine ordentliche Tracht Prügel bekommen. Warte nur! Nach Neujahr werde ich mit deinem Onkel Kette reden, damit er dich ablöst!" Jia Qin stand mit hochrotem Gesicht da und wagte nichts zu erwidern. Da meldete ein Diener: „Aus dem Palast des Prinzen Beifang vom nördlichen Fürstenhaus sind Spruchbänder und Glückstäschchen geschickt worden." „Geh hinaus und empfange die Boten", sagte Herrlichkeit Kaufmann zu Herrlichkeit Kaufmann. „Sag ihnen, ich sei nicht zu Hause." Herrlichkeit Kaufmann ging. Herrlichkeit Kaufmann blieb sitzen, bis alle Gaben abgeholt waren, dann kehrte er in seine Gemächer zurück und aß mit Dame Sonders zu Abend. Von der Nacht ist nichts Besonderes zu berichten. Am nächsten Tag gab es noch mehr zu tun als zuvor, aber auch das braucht nicht im Einzelnen erzählt zu werden. So kam der neunundzwanzigste Tag des zwölften Monats. Alles war in bester Ordnung. In beiden Anwesen hatte man die Türgötterbilder und Spruchbänder ausgetauscht, die Pfirsichholz-Schutzamulette frisch geölt — alles erstrahlte in neuem Glanz. Im Stillfriede-Anwesen standen von der Hauptpforte über das Zeremonientor, die große Halle, den geheizten Raum, die innere Halle, das innere dritte Tor, das innere Zeremonientor und das Blendtor bis hin zur Haupthalle alle mittleren Türflügel sperrangelweit offen. Auf beiden Seiten der Treppen brannten in einer Reihe große zinnoberrote Kerzen, deren Flammen wie zwei feurige goldene Drachen leuchteten. Am nächsten Tag legten die Herzoginmutter und alle mit einem offiziellen Rang belehnten Familienmitglieder ihre Audienzgewänder nach Rangordnung an und ließen sich in Sänften mit acht Trägern zur Neujahrs-Gratulationscour in den Kaiserpalast tragen. Nachdem sie dort die Riten vollzogen und am Bankett teilgenommen hatten, ließen sie sich zum Stillfriede-Anwesen tragen und stiegen am geheizten Wohnhaus aus den Sänften. Diejenigen Söhne und Neffen, die nicht mit bei Hofe gewesen waren, standen am Tor des Stillfriede-Anwesens Spalier und erwarteten die Rückkehrer, um sie anschließend in den Ahnentempel zu geleiten. Kostbarzither Schnee, die zum ersten Mal hier war, hielt aufmerksam Ausschau und betrachtete alles genau. Der Ahnentempel befand sich in einem gesonderten Hof westlich des Stillfriede-Anwesens. Hinter einem schwarz lackierten Holzgitter lagen fünf mächtige Torgebäude, über denen eine Tafel mit der Aufschrift „Ahnentempel der Kaufmann-Familie" prangte. In kleinerer Schrift stand daneben: „Geschrieben von Kong Jizong, Herzog Yansheng". Zu beiden Seiten hing ein langes Parallelsatzpaar: „Mit Leib und Leben dankt das zahlreiche Volk dem Beschützer seine Gnade; Bis an den Himmel reichen die Verdienste, hundert Generationen ehren das Opfer." Auch dieses war vom Herzog Yansheng geschrieben. Man trat durch das Tor in den Hof. Ein Weg aus weißen Steinplatten führte zwischen alten Kiefern und Zypressen hindurch. Auf der steinernen Terrasse standen alte Bronzegefäße verschiedener Formen. Am Vorbau der Tempelhalle hing eine mit neun goldenen Drachen geschmückte Tafel: „Sternengleich glänzende Stützen des Throns." Sie war vom vorherigen Kaiser eigenhändig geschrieben. Daneben hing ein Parallelsatzpaar: „Wie Sonne und Mond erstrahlen die Verdienste und Taten, Auf Söhne und Enkel erstreckt sich der Ruhm und die Ehre." Auch dies war kaiserliche Handschrift. An der fünf Jian breiten Haupthalle hing eine blau grundierte Tafel mit sich windenden Drachen und der Aufschrift: „In Ehrfurcht der Vorfahren gedenken." Und das Parallelsatzpaar lautete: „Die Nachfahren erben Tugend und Glück, Das Volk preist das Stillfriede-Anwesen wie auch Rong." Alles war in kaiserlicher Handschrift. Im Inneren der Halle loderten Weihrauch und Kerzen, bunte Seidenvorhänge und gestickte Behänge waren aufgespannt. Hinter den Vorhängen waren die Ahnentafeln zu erkennen, doch nicht deutlich zu lesen. Nun stellten sich alle Kaufmann-Angehörigen in der vorgeschriebenen Ordnung des zhao und mu auf. Jia Jing leitete die Hauptzeremonie; Begnadigung Kaufmann assistierte; Herrlichkeit Kaufmann reichte den Opferbecher; Kette Kaufmann[17] und Jia Cong überreichten die Seidenstücke; Schatzjade trug den Weihrauch; Jia Chang und Jia Ling breiteten die Gebetsteppiche aus und hüteten das Feuerbecken. Schwarzgekleidete Musikanten spielten, der Opferbecher wurde dreimal dargebracht, und alle verneigten sich und erhoben sich wieder. Die Seidenstücke wurden verbrannt und der Wein auf die Erde gegossen. Als die Zeremonie beendet war, verstummte die Musik, und alle verließen den Tempel. Im Gefolge der Herzoginmutter begab man sich zur Haupthalle, in der die Ahnenporträts hingen. Hinter bunten Seidenvorhängen und bestickten Wandschirmen brannten Weihrauch und Kerzen in hellem Glanz. An der Mitterwand hingen die Bilder der beiden Gründungsahnen — des Herzogs Ning-guo und des Herzogs Rong-guo —, beide in drachenbestickten Gewändern und mit Jadegürteln dargestellt. Daneben hingen noch einige Porträts weiterer Vorfahren. Von Jia Xing und Jia Zhi angefangen, standen die Sippenangehörigen dicht an dicht vom inneren Zeremonientor bis zur Hallentür aufgereiht. Draußen vor der Türschwelle standen Jia Jing und Begnadigung Kaufmann; drinnen standen die weiblichen Angehörigen. Die gesamte Dienerschaft wartete vor dem Zeremonientor. Jedes Gericht des Opfermahls wurde am Zeremonientor entgegengenommen, von Jia Xing und Jia Zhi weitergereicht und gelangte so die Treppe hinauf bis zu Jia Jing. Er übergab es an Herrlichkeit Kaufmann, der als ältester Enkel der Hauptlinie als einziger Mann zusammen mit den Frauen innerhalb der Schwelle stand. Von ihm empfing es seine Frau, die es an Phönixglanz und Dame Sonders weitergab. Durch die Hände aller Frauen gelangte es bis zu Dame König. Dame König reichte es der Herzoginmutter, und erst die Herzoginmutter stellte es auf den Opfertisch. Dame Strafe stand an der Westseite des Opfertischs mit dem Gesicht nach Osten und assistierte der Herzoginmutter beim Aufstellen der Speisen. Als sämtliche Gerichte, Reis, Suppen, Naschwerk, Wein und Tee durchgereicht worden waren, verließ auch Herrlichkeit Kaufmann die Halle, stieg die Stufen hinab und stellte sich an die Spitze der Gruppe von Jia Qin. Alle Angehörigen der Schrift-Generation standen unter der Führung von Jia Jing; darunter folgten die der Jade-Generation unter der Führung von Herrlichkeit Kaufmann; und noch eine Generation tiefer die der Gras-Generation unter Herrlichkeit Kaufmann' Führung. Links standen die Älteren, rechts die Jüngeren; die Männer im Osten, die Frauen im Westen. Als die Herzoginmutter den Weihrauch entzündete und niederkniete, knieten alle zugleich nieder. Die fünf Hauptsäle, die drei Vorbauten, die Säulengänge innen und außen, die Stufen und Terrassen — alles war dicht gedrängt voller buntgekleideter Menschen, ohne auch nur einen freien Fleck. Es herrschte lautlose Stille; man hörte nur das leise Klingen der goldenen Glöckchen und jadenen Gürtelgehänge und das scharrende Geräusch der Stiefel beim Knien und Aufstehen. Bald war die Zeremonie beendet. Jia Jing und Begnadigung Kaufmann zogen sich eilig mit den übrigen Männern zurück und begaben sich ins Prunkwille-Anwesen, um dort die Herzoginmutter zu erwarten und ihr den zeremoniellen Gruß zu entbieten. In Dame Sonderss Hauptgemach war der Boden bereits mit rotem Filz ausgelegt. In der Mitte des Raumes stand ein großes Kohlenbecken aus vergoldetem Cloisonne-Email, dessen drei Füße Elefantenrüsseln nachgebildet waren und dessen Rand wie ein Schlammgrundel-Rücken gewölbt war. Auf dem Ofenbett lag eine neue purpurrote Filzmatte, darauf rote, bunt bestickte Rücken- und Armkissen mit dem Motiv von Drachen in Wolken, die das Zeichen shou — „Langes Leben" — emporhielten. Darüber war eine Decke aus schwarzem Fuchsfell gebreitet, und als Sitzkissen lag ein weißes Fuchsfell bereit. Die Herzoginmutter wurde gebeten, dort Platz zu nehmen. Zu beiden Seiten wurden weitere Fellkissen ausgelegt, damit die alten Damen aus der Generation der Herzoginmutter sich setzen konnten. Auf dem seitlich abgetrennten kleinen Ofenbett hinter dem Raumteiler wurden ebenfalls Fellkissen bereitet, und dort nahmen Dame Strafe und die anderen Frauen ihrer Generation Platz. Auf der freien Fläche im Raum standen sich in zwei Reihen zwölf geschnitzte Lackstühle gegenüber, alle einheitlich mit Sitzkissen aus grauem Eichhörnchenfell bezogen. An jedem Stuhl stand ein großes Messingfußöfchen. Hier nahmen Kostbarzither Schnee und die anderen jungen Damen Platz. Dame Sonders reichte der Herzoginmutter persönlich den Tee auf einem Tablett, während Herrlichkeit Kaufmanns Frau den übrigen alten Damen einschenkte. Danach bediente Dame Sonders Dame Strafe und die anderen, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau reichte den jungen Mädchen den Tee. Phönixglanz und Frau Li standen ehrfürchtig bereit, um zu bedienen. Als der Tee getrunken war, erhoben sich Dame Strafe und die anderen sogleich, um der Herzoginmutter weiter aufzuwarten. Die Herzoginmutter trank ihren Tee, wechselte zwei oder drei Worte mit den alten Damen und befahl dann, die Sänfte zu holen. Sogleich trat Phönixglanz vor und half ihr auf. Dame Sonders sagte lächelnd: „Das Abendessen für die alte Ahne steht bereit. Jedes Jahr verweigert Ihr uns die Ehre, hier zu essen, bevor Ihr heimkehrt. Sind wir denn wirklich so viel unwürdiger als unser Phönixglanz-Mädchen?" Phönixglanz stützte die Herzoginmutter und sagte lächelnd: „Kommt nur schnell, alte Ahne, wir essen bei uns! Kümmert Euch nicht um sie!" Die Herzoginmutter lachte: „Ihr habt hier das Ahnenopfer zu versorgen und seid beschäftigter, als ich es mir vorstellen kann — wie solltet ihr euch auch noch mit mir Plage abgeben? Außerdem habt ihr mir jedes Jahr, wenn ich nicht hier gegessen habe, die Speisen hinübergeschickt. Schickt sie mir nur auch diesmal! Was ich heute nicht schaffe, hebe ich mir für morgen auf, und so esse ich am Ende mehr, als wenn ich hier bliebe." Alle lachten. Dann ermahnte die Herzoginmutter Dame Sonders noch: „Beauftragt unbedingt zuverlässige Leute, über Nacht nach dem Weihrauch und den Kerzen zu sehen! Damit ist nicht zu spaßen." Dame Sonders bestätigte es. Man ging hinaus zum geheizten Wohngebäude, wo die Herzoginmutter in ihre Sänfte stieg. Dame Sonders und die anderen traten hinter den Wandschirm, und erst dann ließen die Diener die Sänftenträger kommen und die Sänfte durch das Haupttor hinaustragen. Dame Sonders schloss sich Dame Strafe an und ließ sich ebenfalls ins Prunkwille-Anwesen tragen. Auf der Straße vor dem Haupttor waren auf der Ostseite die Insignien, Zeremonialgeräte und Musikinstrumente des Herzogs Ning-guo und auf der Westseite die des Herzogs Rong-guo aufgestellt. Alle Passanten wichen ehrfürchtig aus und mieden die Straße. Im Prunkwille-Anwesen standen ebenfalls alle Tore und Hallen bis zum Ende weit offen. Man stieg aber nicht am Hauptwohngebäude aus der Sänfte, sondern ließ sich von der großen Halle nach Westen bis zur Haupthalle in den Gemächern der Herzoginmutter tragen und stieg dort aus. Im Gefolge vieler Begleiterinnen betrat man den Hauptraum, in dem ebenfalls seidene Bezüge und gestickte Wandschirme in frischem Glanz erstrahlten. Im Kohlenbecken brannten Kiefern- und Zypressenweihrauch zusammen mit wohlriechendem Gras. Kaum hatte sich die Herzoginmutter gesetzt, meldete eine alte Dienerin: „Die alten gnädigen Frauen kommen, ihre Aufwartung zu machen." Die Herzoginmutter erhob sich eilig, ihnen entgegenzugehen. Schon traten zwei oder drei alte Schwägerinnen ein, man fasste sich an den Händen, lachte und plauderte eine Weile, ließ einander Platz nehmen und trank gemeinsam Tee. Dann gingen sie wieder, und die Herzoginmutter begleitete sie nur bis zum inneren Zeremonientor und kehrte dann auf ihren Platz zurück. Nun traten Jia Jing und Begnadigung Kaufmann an der Spitze aller Söhne und Neffen herein. Die Herzoginmutter rief lächelnd: „Das ganze Jahr über seid ihr euch euretwegen genug bemüht worden — lasst die Formalitäten!" Doch schon knieten Männer und Frauen, nach Geschlechtern getrennt, Gruppe um Gruppe vor ihr nieder und vollzogen ihre Verbeugungen. Danach nahmen alle der Rangfolge gemäß auf den Faltstühlen zu beiden Seiten Platz und empfingen ihrerseits die Grüße der Jüngeren. Nachdem auch sämtliche Diener und Dienerinnen beider Anwesen nach ihrer Stellung der Reihe nach ihre Verbeugungen vollzogen hatten, wurden Neujahrsgelder, Glückstäschchen und kleine Gold- und Silberbarren verteilt. Dann wurde das Vereinigungsmahl aufgetragen. Die Männer saßen im Osten, die Frauen im Westen. Nachdem der „übelabwehrende Wein", die „Suppe der frohen Vereinigung", die „Glücksfrüchte" und der „Kuchen der Wunscherfüllung" gereicht worden waren, stand die Herzoginmutter auf und ging in ihre inneren Gemächer, um sich umzukleiden. Die anderen zerstreuten sich. Am Abend wurden vor allen Buddhastatuen und Herdgottbildern Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Im Hof von Dame Königs Hauptgemach wurden Papierbilder für Himmel und Erde aufgestellt, Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Auch am Haupttor des Gartens der Großen Anschauung hingen große, helle Hornlaternen, und überall leuchteten die Wegelaternen. Jedermann, ob hoch oder niedrig, war in bunte Festkleidung gehüllt. Die ganze Nacht über vernahm man Stimmengewirr, Gelächter und Geplauder, und Feuerwerkskörper und Raketen krachten und zischten ohne Unterlass. Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begab sich die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge in vollem Ornat und mit allen Ranginsignien abermals in den Kaiserpalast zur Neujahrs-Gratulationscour und beglückwünschte zugleich Urfrühling zu ihrem Geburtstag. Nachdem man am Bankett teilgenommen hatte und zurückgekehrt war, brachte man im Stillfriede-Anwesen noch einmal ein Opfer vor den Ahnentafeln dar und empfing anschließend zu Hause die Neujahrsgrüße. Danach wechselte die Herzoginmutter ihre Kleidung und ruhte sich aus. Keinen der zur Gratulation erschienenen Verwandten und Freunde empfing sie. Nur mit Tante Schnee[18] und Tante Li plauderte sie gemütlich, oder sie spielte mit Schatzjade, Kostbarzither Schnee, Schatzspange[19], Kajaljade[20] und den anderen Mädchen Dame- oder Dominospiele. Dame König und Phönixglanz dagegen waren Tag für Tag unermüdlich damit beschäftigt, Gäste zum Neujahrsmahl zu bewirten. In der Halle und im Hof wurde Theater gespielt und Wein getrunken, und die Verwandten und Freunde kamen in nicht abreißendem Strom. Sieben oder acht Tage dauerte der Trubel, bis er endlich vorüber war — und schon rückte das Laternenfest näher. In beiden Anwesen wurden prächtige Laternen aufgehängt und bunte Schmuckbänder gespannt. Am elften Tag lud Begnadigung Kaufmann die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge ein, am folgenden Tag Herrlichkeit Kaufmann. Bei jedem verbrachte sie einen halben Tag in ungezwungener Unterhaltung. Dame König und Phönixglanz wurden unterdessen Tag für Tag von verschiedenen Familien zum Neujahrsmahl eingeladen — das aufzuzählen würde kein Ende nehmen. Am Abend des Fünfzehnten ließ die Herzoginmutter in der großen Gästehalle mehrere Weintafeln aufstellen, eine kleine Theatertruppe engagieren und überall schöne Laternen aufhängen, um ihre Söhne, Neffen, Enkel und deren Frauen zu einem Familienfest zu versammeln. Jia Jing, der grundsätzlich keinen Wein trank, wurde nicht eingeladen. Am Siebzehnten, als sämtliche Ahnenopfer beendet waren, kehrte er wieder in sein Kloster vor der Stadt zurück, um sich seinen daoistischen Übungen zu widmen. Auch in den wenigen Tagen, die er im Kreise der Familie verbracht hatte, hielt er sich in stillen Räumen auf, schweigsam und zurückgezogen, ohne von irgendwelchen Vorgängen Kenntnis zu nehmen. Aber davon braucht nicht weiter berichtet zu werden. Begnadigung Kaufmann nahm nur kurz die Geschenke der Herzoginmutter entgegen und bat dann, sich entfernen zu dürfen. Die Herzoginmutter wusste, dass seine Anwesenheit beiden Seiten Unbehagen bereitete, und ließ ihn gewähren. Zu Hause angekommen, ergötzte er sich mit seinen ständigen Hausgästen am Laternenschein und am Wein. Natürlich erfreuten Musik und Gesang seine Ohren und der Glanz von Brokat und Stickereien seine Augen — seine Art der Vergnügung war eine ganz andere als die bei der Herzoginmutter. In der Gästehalle der Herzoginmutter waren an die zehn Tafeln aufgestellt. Neben jedem Esstisch stand ein niedriger Beistelltisch mit einer dreiteiligen Räuchergarnitur, in der „Hundert-Düfte-Palastweihrauch" brannte, ein kaiserliches Geschenk. Ferner standen dort winzige Felslandschaften in Schalen von etwa acht Zoll Länge, vier bis fünf Zoll Breite und zwei bis drei Zoll Höhe, mit Moos bewachsen und mit frischen Blumen geschmückt. Daneben befanden sich kleine Teebretter in ausländischer Lackarbeit, darin altehrwürdige Teeschalen und kleine verschnörkelte Teekannen mit bestem Tee. Die Setzschirme an allen Tischen waren einheitlich aus durchbrochenem Sandelholz geschnitzt und mit roter Seidengaze bespannt, auf die Blumen und Gedichte in Grasschrift gestickt waren. Diese Stickereien stammten von einem Mädchen namens Huiniang aus Suzhou. Da sie aus einer Familie von Gelehrten und Beamten kam, beherrschte sie Malerei und Kalligraphie in Vollendung und stickte nur gelegentlich ein oder zwei Stücke zum eigenen Vergnügen — keineswegs zum Verkauf. Alle auf den Setzschirmen gestickten Blumen waren den Bildern berühmter Meister der Tang-, Song-, Yuan- und Ming-Dynastien nachempfunden, weshalb sie in Gestaltung und Farbgebung von erlesener Eleganz waren — nichts gemein mit den grellen, handwerksmäßigen Arbeiten gewöhnlicher Stickerinnen. Neben jeder Blüte war ein alter Vers oder ein Gedichtzitat gestickt, das sich auf die jeweilige Blume bezog — bald aus einem Gedicht, bald aus einem Lied, bald aus einem Prosagedicht. Alles war in schwarzem Seidengarn in Grasschrift gestickt, und jeder Haken und jede Wendung, jeder leichte und jeder kräftige Strich war mit dem Pinsel nicht zu unterscheiden — ganz anders als die steifen, leblosen Zeichen gewöhnlicher Stickschrift. Da Huiniang nicht darauf aus war, aus ihrer Kunst Gewinn zu schlagen, waren ihre Arbeiten zwar in der ganzen Welt berühmt, doch nur wenige hatten je ein Stück erworben. Unter den reichen und vornehmen Familien gab es unzählig viele, die keines besaßen. Man nannte ihre Arbeiten die „Hui-Stickereien". Freilich hatten sich in jüngster Zeit gewinnhungrige Nachahmer gefunden, die ihren Stil kopierten und Unwissende damit betrogen. Doch Huiniang selbst war vom Schicksal nicht begünstigt gewesen: Sie starb mit nur achtzehn Jahren, und seither war es unmöglich, noch ein neues Stück von ihr zu bekommen. Wer eines oder zwei besaß, hütete sie als Kostbarkeit und wagte nicht, sie zu verwenden. Einige Literaten und Gelehrte aus der Kaiserlichen Akademie hatten voller Bewunderung befunden, das Wort „Stickerei" werde der Vollkommenheit dieser Werke nicht gerecht — es sei geradezu respektlos, solche Kalligraphie als „gestickt" zu bezeichnen. Nach gemeinsamer Beratung kamen sie überein, das Zeichen „Stickerei" durch das Zeichen „Muster" zu ersetzen, und so sprach man fortan von „Hui-Mustern". Ein echtes Stück „Hui-Muster" war von unschätzbarem Wert. Selbst das Haus Kaufmann hatte bei all seinem Reichtum nur zwei oder drei Stücke besessen; zwei davon hatte man im vergangenen Jahr dem Kaiser zum Geschenk gemacht, so dass nur noch dieser eine Satz von sechzehn kleinen Setzschirmen übrig war. Die Herzoginmutter hütete ihn wie einen Schatz und zählte ihn nicht zu den Ausstattungsstücken, die bei Einladungen aufgestellt wurden. Nur wenn sie selbst bei guter Laune in ihren eigenen Räumen ein Festmahl gab, holte sie die Setzschirme hervor. Daneben standen noch kleine Vasen aus alten Werkstätten, in denen „die drei Freunde der kalten Jahreszeit", „Reichtum und Vornehmheit in jadenen Hallen" und andere frische Blumen und Gräser prangten. An den beiden Ehrentischen saßen Tante Li und Tante Schnee. Für sich selbst hatte die Herzoginmutter auf der Ostseite vor einem niedrigen Wandschirm mit durchbrochenen Drachenschnitzereien eine kurze Ruhebank aufstellen lassen, mit Rückenpolster, Armstütze und Felldecke. An einem Ende der Bank stand ein zierliches, federleichtes Tischchen in ausländischer Lackarbeit mit Goldmalerei, darauf Teekanne, Teeschale, Spülkumme und Handtücher sowie ein Brillenetui. Die Herzoginmutter lehnte sich bequem auf der Bank zurück und plauderte zunächst eine Weile mit allen. Dann nahm sie die Brille heraus und betrachtete damit das Spiel auf der Bühne. Anschließend wandte sie sich lächelnd an Tante Schnee und Tante Li: „Verzeiht, dass ich alt bin und mir die Knochen wehtun. Ich muss Euch in dieser nachlässigen Haltung Gesellschaft leisten." Und sie befahl Hupo, sich neben sie auf die Bank zu setzen und ihr mit einem Maßagehämmerchen die Beine zu klopfen. Vor der Ruhebank der Herzoginmutter stand kein Esstisch, nur ein hoher Teetisch mit einem der Setzschirme, einer Blumenvase und einem Räuchergefäß. Daneben stand ein zweites, zierliches kleines Tischchen mit Weinbecher, Löffel und Essstäbchen. Ihren eigentlichen Esstisch hatte die Herzoginmutter neben ihre Ruhebank rücken lassen und dort Kostbarzither Schnee, Xiangji[21], Kajaljade und Schatzjade platziert. Immer wenn ein neues Gericht oder eine neue Frucht aufgetragen wurde, zeigte man es zunächst der Herzoginmutter; gefiel es ihr, behielt sie es auf ihrem Tischchen und kostete davon, ließ es dann aber sogleich an die vier weiterreichen. So saßen diese vier gewissermaßen an der Seite der Herzoginmutter mit. An den nachfolgenden Tischen saßen Dame Strafe und Dame König, danach Dame Sonders, Frau Li, Phönixglanz und Herrlichkeit Kaufmanns Frau. Auf der Westseite saßen in einer Reihe Schatzspange, Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume, Xiuyan, Willkommensfrühling und ihre Schwestern. An den Querbalken zwischen den Säulen hing je ein großer, aus buntem Glas gefertigter Kronleuchter mit drei Girlanden und fünf Leuchtern, an denen Seidenquasten baumelten. Vor jedem Esstisch stand ein lackierter Kerzenständer in Form eines umgestülpten Lotosblattes aus geschliffenem Cloisonne, in dem eine Zierkerze brannte. Die Lotosblätter waren an beweglichen Gelenken befestigt und so nach außen gedreht worden, dass alles Licht auf die Bühne fiel, so dass die Aufführung besonders klar zu sehen war. Sämtliche Fenstereinsätze und Türflügel waren herausgenommen, und in den Öffnungen hingen bunte Quastenlaternen verschiedenster Art. Die Balken des Säulengangs und die Wandelgänge zu beiden Seiten waren mit Laternen aus Widderhorn, Glas, Seidengaze, Drahtgeflecht überhängt — teils gestickt, teils gemalt, teils aufgeschichtet, teils geschnitzt, manche aus Seide, manche aus Papier. Im Säulengang standen weitere Tische, an denen Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann, Unheil Kaufmann[22], Jia Cong, Herrlichkeit Kaufmann, Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Ling, Jia Chang und andere saßen. Die Herzoginmutter hatte zwar Boten geschickt, um sämtliche Sippenangehörigen einzuladen, Männer wie Frauen. Doch manche waren alt geworden und hatten keine Lust an lärmenden Vergnügungen; andere hatten niemanden, der inzwischen das Haus hüten konnte; wieder andere lagen krank und siech darnieder und konnten nicht kommen, so gerne sie gewollt hätten; manche neideten den Verwandten ihren Reichtum und schämten sich der eigenen Armut; einige sogar hassten und fürchteten Phönixglanz und blieben aus trotzigem Stolz fern; und wieder andere waren schüchtern und menschenscheu und trauten sich nicht zu kommen. So waren von all der zahlreichen Verwandtschaft als einzige weibliche Gäste nur Frau Lou, Jia Juns Mutter, mit ihrem Sohn erschienen; unter den Männern waren es lediglich Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Chang und Jia Ling, die alle unter Phönixglanz' Kommando arbeiteten. So war die Sippe zwar nicht vollzählig versammelt, doch für eine kleine Familienfeier konnte man es durchaus lebhaft nennen. Da kam Lin Zhixiaos Frau mit sechs Dienerinnen, die drei niedrige Tischchen trugen. Auf jedem lag ein roter Filzstreifen, und darauf türmten sich frisch aus der Münzanstalt gelieferte, gleichmäßig große Kupfermünzen, aufgezogen auf leuchtend rote Seidenschnüre. Je zwei Frauen trugen ein Tischchen. Auf Lin Zhixiaos Frau Anweisung sollten zwei Tischchen vor Tante Schnees und Tante Lis Plätze gestellt werden und eines vor die Ruhebank der Herzoginmutter. „Stellt sie alle in die Mitte!" befahl die Herzoginmutter. Die Dienerinnen, die mit den Gepflogenheiten des Hauses vertraut waren, stellten die Tischchen dort ab, zogen die Seidenschnüre heraus und schütteten die Münzen zu losen Haufen auf. Auf der Bühne ging gerade „Die Begegnung im Turm" aus dem Stück „Westturm" zu Ende, und als die Figur des Yu Shuye wütend die Bühne verließ, improvisierte der Darsteller des Dieners Wenbao einen Scherz: „Na, du läufst weg? Aber heute ist der fünfzehnte des ersten Monats, und im Prunkwille-Anwesen gibt die alte Ahne gerade ein Familienfest! Ich nehme dein Pferd, reite hinüber und hole mir ein paar Süßigkeiten — das ist doch wohl wichtiger!" Die Herzoginmutter und alle Anwesenden brachen in Gelächter aus. Tante Schnee und die anderen sagten: „Was für ein aufgewecktes Kerlchen, der Kleine!" Phönixglanz bemerkte: „Der Junge ist erst neun Jahre alt." Die Herzoginmutter lobte lächelnd: „Geschickt hat er das ausgedacht!" und sagte nur ein Wort: „Belohnt ihn!" Längst standen drei Dienerinnen mit Körben bereit. Als sie das Wort „Belohnt!" vernahmen, traten sie an die Münztische, füllten jede ihren Korb mit einer Handvoll loser Münzen und riefen an der Bühne: „Die alte Ahne, die gnädige Frau Tante und die Frau Verwandte schenken Wenbao Geld, damit er sich Süßigkeiten kaufen kann!" Damit schütteten sie die Münzen auf die Bühne, dass es nur so klirrte und klapperte. Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann hatten ihre Diener inzwischen heimlich noch größere Körbe voll Münzen bereitstellen lassen. Als die Herzoginmutter den Befehl zum Belohnen gab — doch wer wissen will, was weiter geschah, der lese das nächste Kapitel.
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