Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 89"

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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 89)
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Wie berichtet, saß Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref> gerade grübelnd da, als sie die Nachricht des kleinen Mädchens erschreckte. Hastig fragte sie: „Was für eine Amtssache?" Das Mädchen sagte: „Ich weiß es nicht. Eben kam ein Diener vom zweiten Tor herein und meldete dem gnädigen Herrn etwas Dringendes." Phönixglanz hörte, dass es das Ministerium für Öffentliche Arbeiten betraf, und beruhigte sich ein wenig. Sie sagte: „Geh zurück und bestelle der Gnädigen Frau, dass der Zweite Herr gestern Abend Geschäfte außerhalb der Stadt hatte und nicht zurückgekommen ist. Man möge zunächst den Ersten Herrn Zhen rufen." Das Mädchen ging.
 
Wie berichtet, saß Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref> gerade grübelnd da, als sie die Nachricht des kleinen Mädchens erschreckte. Hastig fragte sie: „Was für eine Amtssache?" Das Mädchen sagte: „Ich weiß es nicht. Eben kam ein Diener vom zweiten Tor herein und meldete dem gnädigen Herrn etwas Dringendes." Phönixglanz hörte, dass es das Ministerium für Öffentliche Arbeiten betraf, und beruhigte sich ein wenig. Sie sagte: „Geh zurück und bestelle der Gnädigen Frau, dass der Zweite Herr gestern Abend Geschäfte außerhalb der Stadt hatte und nicht zurückgekommen ist. Man möge zunächst den Ersten Herrn Zhen rufen." Das Mädchen ging.
  
Herrlichkeit Kaufmann<ref>Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit".</ref> kam, sprach mit dem Ministerialbeamten und berichtete dann Wang Furen: „Das Ministerium meldet: Gestern ging eine Eingabe des Oberflussinspektors ein — in Henan ist der Fluss an mehreren Stellen durchgebrochen und hat einige Präfekturen und Kreise überschwemmt. Es werden Staatsgelder benötigt, um Deiche und Stadtmauern zu reparieren. Die Beamten des Ministeriums müssen nun alles überwachen und schickten deshalb einen Boten zum gnädigen Herrn." Damit zog er sich zurück. Als Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> nach Hause kam, wurde ihm alles berichtet. Von da an bis in den Winter hatte Aufrecht Kaufmann täglich zu tun und war oft im Ministerium. Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref>s Studien wurden allmählich nachlässiger, doch aus Furcht, Aufrecht Kaufmann könnte es bemerken, wagte er nicht, der Schule fernzubleiben, und ging auch zu Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> seltener.
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Herrlichkeit Kaufmann<ref>Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit".</ref> kam, sprach mit dem Ministerialbeamten und berichtete dann Frau König: „Das Ministerium meldet: Gestern ging eine Eingabe des Oberflussinspektors ein — in Henan ist der Fluss an mehreren Stellen durchgebrochen und hat einige Präfekturen und Kreise überschwemmt. Es werden Staatsgelder benötigt, um Deiche und Stadtmauern zu reparieren. Die Beamten des Ministeriums müssen nun alles überwachen und schickten deshalb einen Boten zum gnädigen Herrn." Damit zog er sich zurück. Als Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> nach Hause kam, wurde ihm alles berichtet. Von da an bis in den Winter hatte Aufrecht Kaufmann täglich zu tun und war oft im Ministerium. Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref>s Studien wurden allmählich nachlässiger, doch aus Furcht, Aufrecht Kaufmann könnte es bemerken, wagte er nicht, der Schule fernzubleiben, und ging auch zu Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> seltener.
  
 
Es war Mitte des zehnten Monats. Schatzjade stand auf und wollte zur Schule. Das Wetter war plötzlich kalt geworden. Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".</ref> hatte bereits ein Bündel Kleidung bereitgelegt und sagte: „Es ist heute sehr kalt — nimm morgens und abends lieber etwas Wärmeres." Sie holte ein Stück heraus und half Schatzjade hinein. Ein weiteres wickelte sie ein und gab es einem kleinen Mädchen, die es Beiming übergab: „Wenn der Zweite Herr sich umziehen will, halte alles bereit." Beiming sagte zu und folgte Schatzjade mit dem Filzbündel.
 
Es war Mitte des zehnten Monats. Schatzjade stand auf und wollte zur Schule. Das Wetter war plötzlich kalt geworden. Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".</ref> hatte bereits ein Bündel Kleidung bereitgelegt und sagte: „Es ist heute sehr kalt — nimm morgens und abends lieber etwas Wärmeres." Sie holte ein Stück heraus und half Schatzjade hinein. Ein weiteres wickelte sie ein und gab es einem kleinen Mädchen, die es Beiming übergab: „Wenn der Zweite Herr sich umziehen will, halte alles bereit." Beiming sagte zu und folgte Schatzjade mit dem Filzbündel.
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Am Abend bat Schatzjade Dairu um einen Tag Urlaub wegen Unwohlsein. Dairu, selbst ein alter Mann, der nur der Gesellschaft einiger Kinder wegen Schule hielt und selbst oft kränkelte, ließ sich gern einen Schüler weniger sorgen; zumal er wusste, dass Aufrecht Kaufmann beschäftigt und die Herzoginmutter nachsichtig war — so nickte er.
 
Am Abend bat Schatzjade Dairu um einen Tag Urlaub wegen Unwohlsein. Dairu, selbst ein alter Mann, der nur der Gesellschaft einiger Kinder wegen Schule hielt und selbst oft kränkelte, ließ sich gern einen Schüler weniger sorgen; zumal er wusste, dass Aufrecht Kaufmann beschäftigt und die Herzoginmutter nachsichtig war — so nickte er.
  
Schatzjade kehrte direkt nach Hause zurück, begrüßte die Herzoginmutter und Wang Furen mit der gleichen Erklärung — natürlich glaubte man ihm. Er saß kurz und ging dann in den Garten. Im Hof der Roten Freude<ref>Hof der Roten Freude (怡红院): „Hof der Roten Freude", Schatzjades Wohnsitz im Garten der Großen Anschauung.</ref> war er nicht so heiter und gesprächig wie sonst, sondern legte sich angezogen auf den Kang. Dufthauch fragte: „Das Abendessen ist fertig — willst du jetzt essen oder später?" Schatzjade sagte: „Ich esse nichts, mir ist unwohl. Esst ihr."
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Schatzjade kehrte direkt nach Hause zurück, begrüßte die Herzoginmutter und Frau König mit der gleichen Erklärung — natürlich glaubte man ihm. Er saß kurz und ging dann in den Garten. Im Hof der Roten Freude<ref>Hof der Roten Freude (怡红院): „Hof der Roten Freude", Schatzjades Wohnsitz im Garten der Großen Anschauung.</ref> war er nicht so heiter und gesprächig wie sonst, sondern legte sich angezogen auf den Kang. Dufthauch fragte: „Das Abendessen ist fertig — willst du jetzt essen oder später?" Schatzjade sagte: „Ich esse nichts, mir ist unwohl. Esst ihr."
  
 
Dufthauch sagte: „Dann solltest du wenigstens das Kleid ausziehen. Das Stück verträgt keine grobe Behandlung." Schatzjade: „Muss nicht sein." Dufthauch: „Es geht nicht nur um den feinen Stoff — sieh dir die Näharbeit an! Die sollte man nicht ruinieren!" Diese Worte trafen Schatzjades wunden Punkt. Er seufzte: „Dann nimm es und verwahre es gut. Ich werde es nie wieder tragen." Er stand auf und zog es aus. Als Dufthauch es nehmen wollte, hatte er es bereits selbst zusammengelegt. Dufthauch fragte verwundert: „Seit wann ist der Zweite Herr so sorgfältig?" Schatzjade antwortete nicht. Als er fertig war, fragte er: „Wo ist das Tuch, in das es eingewickelt war?" Moschusmond<ref>Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".</ref> reichte es eilig herüber und ließ ihn selbst einpacken, wobei sie Dufthauch hinter seinem Rücken zuzwinkerte und kicherte.
 
Dufthauch sagte: „Dann solltest du wenigstens das Kleid ausziehen. Das Stück verträgt keine grobe Behandlung." Schatzjade: „Muss nicht sein." Dufthauch: „Es geht nicht nur um den feinen Stoff — sieh dir die Näharbeit an! Die sollte man nicht ruinieren!" Diese Worte trafen Schatzjades wunden Punkt. Er seufzte: „Dann nimm es und verwahre es gut. Ich werde es nie wieder tragen." Er stand auf und zog es aus. Als Dufthauch es nehmen wollte, hatte er es bereits selbst zusammengelegt. Dufthauch fragte verwundert: „Seit wann ist der Zweite Herr so sorgfältig?" Schatzjade antwortete nicht. Als er fertig war, fragte er: „Wo ist das Tuch, in das es eingewickelt war?" Moschusmond<ref>Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".</ref> reichte es eilig herüber und ließ ihn selbst einpacken, wobei sie Dufthauch hinter seinem Rücken zuzwinkerte und kicherte.
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In der Tat hatte Kajaljade ihren Entschluss gefasst: Von nun an würde sie ihren Körper absichtlich zugrunde richten. Essen und Trinken nahm sie kaum noch zu sich und verringerte beides täglich. Wenn Schatzjade von der Schule kam, erkundigte er sich zwar regelmäßig, doch Kajaljade wusste tausend Dinge zu sagen und wagte doch nichts — sie war älter geworden und konnte nicht mehr wie als Kind mit zärtlichem Scherz locken. Alles, was sie auf dem Herzen hatte, blieb unausgesprochen. Schatzjade wiederum wollte ihr die Wahrheit sagen und sie beruhigen, fürchtete aber, Kajaljade könnte zornig werden und die Krankheit verschlimmern. So beschränkten sich beide bei ihren Treffen auf oberflächliche Trostworte — wahrhaftig: je inniger verbunden, desto entfremdeter.
 
In der Tat hatte Kajaljade ihren Entschluss gefasst: Von nun an würde sie ihren Körper absichtlich zugrunde richten. Essen und Trinken nahm sie kaum noch zu sich und verringerte beides täglich. Wenn Schatzjade von der Schule kam, erkundigte er sich zwar regelmäßig, doch Kajaljade wusste tausend Dinge zu sagen und wagte doch nichts — sie war älter geworden und konnte nicht mehr wie als Kind mit zärtlichem Scherz locken. Alles, was sie auf dem Herzen hatte, blieb unausgesprochen. Schatzjade wiederum wollte ihr die Wahrheit sagen und sie beruhigen, fürchtete aber, Kajaljade könnte zornig werden und die Krankheit verschlimmern. So beschränkten sich beide bei ihren Treffen auf oberflächliche Trostworte — wahrhaftig: je inniger verbunden, desto entfremdeter.
  
Zwar sorgten sich die Herzoginmutter, Wang Furen und andere um Kajaljade und ließen Ärzte kommen, doch sie dachten nur an ihre üblichen Beschwerden und ahnten nichts von ihrer Herzkrankheit. Purpurkuckuck und die anderen durchschauten es, wagten aber nichts zu sagen. So verringerte Kajaljade ihr Essen Tag für Tag. Nach einem halben Monat wurde ihr Verdauungsvermögen immer schwächer, und schließlich konnte sie nicht einmal mehr Reisbrei zu sich nehmen. Alles, was Kajaljade tagsüber hörte, schien ihr von Schatzjades Heirat zu handeln; jeder aus dem Hof der Roten Freude, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, schien ihr so auszusehen, als bereiteten sie Schatzjades Hochzeit vor. Wenn Tante Schnee<ref>Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses".</ref> zu Besuch kam und Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.</ref> nicht mitbrachte, steigerte sich Kajaljades Argwohn noch mehr. Sie lehnte jeden Besuch ab, wollte keine Medizin nehmen und wünschte sich nur, schnell zu sterben. Im Schlaf hörte sie ständig jemanden „Zweite Herrin Bao" rufen. Ein einziger Argwohn wuchs zum Schlangenspiegelbild. Eines Tages hörte sie gänzlich auf zu essen — nicht einen Reiskorn nahm sie mehr zu sich. Kraftlos und fast atemlos lag sie dem Tode nahe.
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Zwar sorgten sich die Herzoginmutter, Frau König und andere um Kajaljade und ließen Ärzte kommen, doch sie dachten nur an ihre üblichen Beschwerden und ahnten nichts von ihrer Herzkrankheit. Purpurkuckuck und die anderen durchschauten es, wagten aber nichts zu sagen. So verringerte Kajaljade ihr Essen Tag für Tag. Nach einem halben Monat wurde ihr Verdauungsvermögen immer schwächer, und schließlich konnte sie nicht einmal mehr Reisbrei zu sich nehmen. Alles, was Kajaljade tagsüber hörte, schien ihr von Schatzjades Heirat zu handeln; jeder aus dem Hof der Roten Freude, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, schien ihr so auszusehen, als bereiteten sie Schatzjades Hochzeit vor. Wenn Tante Schnee<ref>Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses".</ref> zu Besuch kam und Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.</ref> nicht mitbrachte, steigerte sich Kajaljades Argwohn noch mehr. Sie lehnte jeden Besuch ab, wollte keine Medizin nehmen und wünschte sich nur, schnell zu sterben. Im Schlaf hörte sie ständig jemanden „Zweite Herrin Bao" rufen. Ein einziger Argwohn wuchs zum Schlangenspiegelbild. Eines Tages hörte sie gänzlich auf zu essen — nicht einen Reiskorn nahm sie mehr zu sich. Kraftlos und fast atemlos lag sie dem Tode nahe.
  
 
Wie es um Kajaljades Leben stand, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.
 
Wie es um Kajaljades Leben stand, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 91 · 101 · 111

中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

第八十九回 人亡物在公子填词 蛇影杯弓颦卿绝粒 却说凤姐正自起来纳闷,忽听见小丫头这话,又唬了一跳,连忙又问:“什么官事?”小丫头道:“也不知道。刚才二门上小厮回进来,回老爷有要紧的官事,所以太太叫我请二爷来了。”凤姐听了工部里的事,才把心略略的放下。因说道:“你回去回太太,就说二爷昨日晚上出城有事没有回来,打发人先回珍大爷去罢。”那丫头答应着去了。 一时,贾珍过来,见了部里的人,问明了。进来见了王夫人,回道:“部中来报:昨日总河奏到,河南一带决了河口,湮没了几府州县。又要开销国帑,修理城工,工部司官又有一番照料,所以部里特来报知老爷的。”说完退出。及贾政回家来,回明。从此,直到冬间,贾政天天有事,常在衙门里。宝玉的功课也渐渐松了,只是怕贾政觉察出来,不敢不常在学房里去念书,连黛玉处也不敢常去。 那时已到十月中旬,宝玉起来,要往学房中去。这日天气陡寒,只见袭人早已打点出一包衣裳,向宝玉道:“今日天气很冷,早晚宁可暖些。”说着,把衣裳拿出来,给宝玉挑了一件穿。又包了一件,叫小丫头拿出,交给焙茗,嘱咐道:“天气冷,二爷要换时,好生预备着。”焙茗答应了,抱着毡包,跟着宝玉自去。 宝玉到了学房中,做了自己的功课,忽听得纸窗呼喇喇一派风声。代儒道:“天气又变了。”把风门推开一看,只见西北上一层层的黑云,渐渐往东南扑上来。焙茗走进来回宝玉道:“二爷,天气冷了,再添些衣裳罢。”宝玉点点头儿。只见焙茗拿进一件衣裳来,宝玉不看则已,看了时神已痴了。那些小学生都巴着眼瞧。却原是晴雯所补的那件雀金裘。宝玉道:“怎么拿这一件来?是谁给你的?”焙茗道:“是里头姑娘们包出来的。”宝玉道:“我身上不大冷,且不穿呢,包上罢。”代儒只当宝玉可惜这件衣裳,却也心里喜他知道俭省。焙茗道:“二爷穿上罢。着了冷,又是奴才的不是了,二爷只当疼奴才罢。”宝玉无奈,只得穿上,呆呆的对着书坐着。代儒也只当他看书,不甚理会。 晚间放学时,宝玉便向代儒托病告假一天。代儒本来上年纪的人,也不过伴着几个孩子解闷儿,时常也八病九痛的,乐得去一个,少操一分心;况且明知贾政事忙,贾母溺爱:便点点头儿。 宝玉一径回来,见过贾母、王夫人,也是这么说,自然没有不信的。略坐一坐,便回园中去了。见了袭人等,也不似往日有说有笑的,便和衣躺在炕上。袭人道:“晚饭预备下了,这会儿吃,还是等一等儿?”宝玉道:“我不吃了,心里不舒服。你们吃去罢。” 袭人道:“那么着,你也该把这件衣裳换下来了。这个东西,那里禁得住揉搓?”宝玉道:“不用换。”袭人道:“倒也不但是娇嫩物儿,你瞧瞧那上头的针线,也不该这么糟蹋他呀!”宝玉听了这话,正碰在他心坎儿上,叹了一口气道:“那么着,你就收起来,给我包好了,我也总不穿他了。”说着,站起来脱下。袭人才过来接时,宝玉已经自己叠起。袭人道:“二爷怎么今日这样勤谨起来了?”宝玉也不答言,叠好了,便问:“包这个的包袱呢?”麝月连忙递过来,让他自己包好,回头和袭人挤着眼儿笑。 宝玉也不理会,自己坐着,无精打彩。猛听架上钟响,自己低头看了看表针,已指到酉初二刻了。一时,小丫头点上灯来。袭人道:“你不吃饭,喝半碗热粥儿罢。别净饿着,看仔细饿上虚火来,那又是我们的累赘了。”宝玉摇摇头儿说:“还不大饿,强吃了倒不受用。”袭人道:“既这么着,就索性早些歇着罢。”于是袭人、麝月铺设好了,宝玉也就歇下,翻来覆去,只睡不着。将及黎明,反矇眬睡去,有一顿饭时,早又醒了。 此时袭人、麝月也都起来。袭人道:“昨夜听着你翻腾到五更天,我也不敢问你。后来我就睡着了,不知到底你睡着了没有?”宝玉道:“也睡了一睡,不知怎么就醒了。”袭人道:“你没有什么不受用?”宝玉道:“没有,只是心上发烦。” 袭人道:“今日学房里去不去?”宝玉道:“我昨儿已经告了一天假了,今儿我要想园里逛一天,散散心,只是怕冷。你叫他们收拾一间屋子,备了一炉香,搁下纸墨笔砚,你们只管干你们的,我自己静坐半天才好,别叫他们来搅我。”麝月接着道:“二爷要静静儿的用工夫,谁敢来搅?”袭人道:“这么着很好:也省得着了凉;自己坐坐,心神也不散。”因又问:“你既懒怠吃饭,今日吃什么,早说,好传给厨房里去。”宝玉道:“还是随便罢,不必闹的大惊小怪的。倒是要几个果子搁在那屋里,借点果子香。”袭人道:“那个屋里好?别的都不大干净,只有晴雯起先住的那一间,因一向无人,还干净,就是清冷些。”宝玉道:“不妨,把火盆挪过去就是了。”袭人答应了。 正说着,只见一个小丫头端了一个茶盘儿:一个碗,一双牙箸,递给麝月道:“这是刚才花姑娘要的,厨房里老婆子送了来了。”麝月接了一看,却是一碗燕窝汤,便问袭人道:“这是姐姐要的么?”袭人笑道:“昨夜二爷没吃饭,又翻腾了一夜,想来今儿早起心里必是发空的,所以我告诉小丫头们,叫厨房里做了这个来的。”袭人一面叫小丫头放桌儿。麝月打发宝玉喝了,漱了口。只见秋纹走来说道:“那屋里已经收拾妥了,但等着一时炭劲过了,二爷再进去罢。”宝玉点头,只是一腔心事,懒怠说话。 一时,小丫头来请,说:“笔砚都安放妥当了。”宝玉道:“知道了。”又一个小丫头回道:“早饭得了,二爷在那里吃?”宝玉道:“就拿了来罢,不必累赘了。”小丫头答应了自去,一时端上饭来。宝玉笑了一笑,向麝月、袭人道:“我心里闷得很,自己吃,只怕又吃不下去;不如你们两个同我一块儿吃,或者吃的香甜,我也多吃些。”麝月笑道:“这是二爷的高兴,我们可不敢。”袭人道:“其实也使得,我们一处喝酒,也不止今日。只是偶然替你解闷儿还使得,若认真这样,还有什么规矩体统呢?”说着,三人坐下:宝玉在上首,袭人、麝月两个打横陪着。 吃了饭,小丫头端上漱口茶来,两个看着撤了下去。宝玉因端着茶,默默如有所思。又坐了一坐,便问道:“那屋里收拾妥了么?”麝月道:“头里就回过了,这会子又问。” 宝玉略坐了一坐,便过这间屋子来。亲自点了一炷香,摆上些果品,便叫人出去,关上门。外面袭人等都静悄无声。宝玉拿了一幅泥金角花的粉红笺出来,口中祝了几句,便提起笔来写道: 怡红主人焚付晴姐知之:酌茗清香,庶几来飨。 其词云: 随身伴,独自意绸缪。谁料风波平地起,顿教躯命即时休。孰与话轻柔? 东逝水,无复向西流。想像更无怀梦草,添衣还见翠云裘。脉脉使人愁。 写毕,就在香上点个火,焚化了。静静儿等着,直待一炷香点尽了,才开门出来。袭人道:“怎么出来了?想来又闷的慌了?”宝玉笑了一笑,假说道:“我原是心里烦,才找个清静地方儿坐坐。这会子好了,还要外头走走去呢。” 说着,一径出来,到了潇湘馆里,在院里问道:“林妹妹在家里呢么?”紫鹃接应道:“是谁?”掀帘看时,笑道:“原来是宝二爷。姑娘在屋里呢,请二爷到屋里坐着。”宝玉同着紫鹃走进来。黛玉却在里间呢,说道:“紫鹃,请二爷屋里坐罢。”宝玉走到里间门口,看见新写的一副紫墨色泥金云龙笺的小对,上写着: 绿窗明月在,青史古人空。 宝玉看见,笑了一笑,走入门去,笑问道:“妹妹做什么呢?”黛玉站起来,迎了两步,笑着让道:“请坐。我在这里写经,只剩得两行了,等写完了,再说话儿。”因叫雪雁倒茶。宝玉道:“你别动,只管写。” 说着,一面看见中间挂着一幅单条:上面画着一个嫦娥,带着一个侍者;又一个女仙,也有一个侍者,捧着一个长长儿的衣囊似的。二人身旁边略有些云护,别无点缀,全仿李龙眠白描笔意。上有“斗寒图”三字,用八分书写着。宝玉道:“妹妹这幅《斗寒图》可是新挂上的?”黛玉道:“可不是。昨日他们收拾屋子,我想起来,拿出来叫他们挂上的。”宝玉道:“是什么出处?”黛玉笑道:“眼前熟的很的,还要问人?”宝玉笑道:“我一时想不起,妹妹告诉我罢。”黛玉道:“岂不闻‘青女素娥俱耐冷,月中霜里斗婵娟’ ?”宝玉道:“是啊!这个实在新奇雅致,却好此时拿出来挂。” 说着,又东瞧瞧,西走走。雪雁沏了茶来,宝玉吃着。又等了一会子,黛玉经才写完,站起来道:“简慢了。”宝玉笑道:“妹妹还是这么客气。”但见黛玉身上穿着月白绣花小毛皮袄,加上银鼠坎肩;头上挽着随常云髻,簪上一枝赤金扁簪,别无花朵;腰下系着杨妃色绣花绵裙。真比如: 亭亭玉树临风立,冉冉香莲带露开。 宝玉因问道:“妹妹这两日弹琴来着没有?”黛玉道:“两日没弹了。因为写字已经觉得手冷,那里还去弹琴?”宝玉道:“不弹也罢了。我想琴虽是清高之品,却不是好东西,从没有弹琴的弹出富贵寿考来的,只有弹出忧思怨乱来的;再者,弹琴也得心里记谱,未免费心。依我说,妹妹身子又单弱,不操这心也罢了。”黛玉抿着嘴儿笑。 宝玉指着壁上道:“这张琴可就是么?怎么这么短?”黛玉笑道:“这张琴不是短,因我小时学抚的时候,别的琴都够不着,因此特地做起来的。虽不是焦尾枯桐,这鹤山、凤尾还配得齐整,龙池、雁足高下还相宜。你看这断纹不是牛旄似的么?所以音韵也还清越。” 宝玉道:“妹妹这几天来做诗没有?”黛玉道:“自结社以后,没大做。”宝玉笑道:“你别瞒我。我听见你吟的什么‘不可慑,素心何如天上月’,你搁在琴里,觉得音响分外的响亮。有的没的?”黛玉道:“你怎么听见了?”宝玉道:“我那一天从蓼风轩来听见的,又恐怕打断你的清韵,所以静听了一会,就走了。我正要问你:前路是平韵,到末了儿忽转了仄韵,是个什么意思?”黛玉道:“这是人心自然之音,做到那里就到那里,原没有一定的。”宝玉道:“原来如此。可惜我不知音,枉听了一会子。”黛玉道:“古来知音人能有几个?” 宝玉听了,又觉得出言冒失了,又怕寒了黛玉的心。坐了一坐,心里像有许多话,却再无可讲的。黛玉因方才的话也是冲口而出,此时回想,觉得太冷淡些,也就无话。宝玉一发打量黛玉设疑,遂讪讪的站起来说道:“妹妹坐着罢,我还要到三妹妹那里瞧瞧去呢。”黛玉道:“你若见了三妹妹,替我问候一声罢。”宝玉答应着,便出来了。 黛玉送至屋门口,自己回来,闷闷的坐着,心里想道:“宝玉近来说话,半吐半吞,忽冷忽热,也不知他是什么意思?”正想着,紫鹃走来道:“姑娘,经不写了?我把笔砚都收好了?”黛玉道:“不写了,收起去罢。”说着,自己走到里间屋里,床上歪着,慢慢地细想。紫鹃进来问道:“姑娘喝碗茶罢。”黛玉道:“不吃呢。我略歪歪罢,你们自己去罢。” 紫鹃答应着出来,只见雪雁一个人在那里发呆。紫鹃走到他跟前,问道:“你这会子也有了什么心事了么?”雪雁只顾发呆,倒被他唬了一跳,因说道:“你别嚷,今日我听见了一句话,我告诉你听,奇不奇?你可别言语。” 说着,往屋里努嘴儿。因自己先行,点着头儿,叫紫鹃同他出来,到门外平台底下,悄悄儿的道:“姐姐,你听见了么?宝玉定了亲了。”紫鹃听见,唬了一跳,说道:“这是那里来的话?只怕不真罢?”雪雁道:“怎么不真?别人大概都知道,就只咱们没听见。”紫鹃道:“你在那里听来的?”雪雁道:“我听见侍书说的,是个什么知府家,家资也好,人才也好。” 紫鹃正听时,只听见黛玉咳嗽了一声,似乎起来的光景。紫鹃恐怕他出来听见,便拉了雪雁,摇摇手儿。往里望望,不见动静,才又悄悄儿的问道:“他到底怎么说来着?”雪雁道:“前儿不是叫我到三姑娘那里去道谢吗?三姑娘不在屋里,只有侍书在那里。大家坐着,无意中说起宝二爷淘气来,他说:‘宝二爷怎么好?只会玩儿,全不像大人的样子,已经说亲了,还是这么呆头呆脑。’我问他定了没有,他说是定了,是个什么王大爷做媒的。那王大爷是东府里的亲戚,所以也不用打听,一说就成了。”紫鹃侧着头想了一想:“这句话奇!”又问道:“怎么家里没有人说起?”雪雁道:“侍书也说了的,是老太太的意思:若一说起,恐怕宝玉野了心,所以都不提起。侍书告诉了我,又叮咛:‘千万不可露风说出来,知道是我多嘴。’”把手往里一指:“所以他面前也不提。今日是你问起,我不犯瞒你。” 正说到这里,只听鹦鹉叫唤,学着说:“姑娘回来了,快倒茶来。”倒把紫鹃、雪雁唬了一跳。回头并不见有人,便骂了鹦鹉一声。走进屋内,只见黛玉喘吁吁的刚坐在椅子上。紫鹃搭讪着问茶问水。黛玉问道:“你们两个那里去了?再叫不出一个人来。”说着,便走到炕边,将身子一歪,仍旧倒在炕上,往里躺下,叫把帐儿撩下。紫鹃、雪雁答应出去,他两个心里疑惑方才的话只怕被他听了去了,只好大家不提。 谁知黛玉一腔心事,又窃听了紫鹃、雪雁的话,虽不很明白,已听得了七八分,如同将身撂在大海里一般。思前想后,竟应了前日梦中之谶,千愁万恨,堆上心来。左右打算:“不如早些死了,免得眼见了意外的事情,那时反倒无趣。”又想到自己没了爹娘的苦:“自今以后,把身子一天一天的糟蹋起来,一年半载,少不得身登清净。”打定了主意,被也不盖,衣也不添,竟是合眼装睡。 紫鹃和雪雁来伺候几次,不见动静,又不好叫唤。晚饭都不吃。点灯以后,紫鹃掀开帐子,见已睡着了,被窝都蹬在脚后。怕他着了凉,轻轻儿拿来盖上。黛玉也不动,单待他出去,仍然褪下。 那紫鹃只管问雪雁:“今儿的话到底是真的是假的?”雪雁道:“怎么不真?”紫鹃道:“侍书怎么知道的?”雪雁道:“是小红那里听来的。”紫鹃道:“头里咱们说话,只怕姑娘听见了:你看刚才的神情,大有原故。今日以后,咱们倒别提这件事了。”说着,两个人也收拾要睡。紫鹃进来看时,只见黛玉被窝又蹬下来,复又给他轻轻盖上。一宿晚景不提。 次日,黛玉清早起来,也不叫人,独自一个呆呆的坐着。紫鹃醒来,看见黛玉已起,便惊问道:“姑娘怎么这样早?”黛玉道:“可不是,睡得早,所以醒得早。”紫鹃连忙起来,叫醒雪雁,伺候梳洗。那黛玉对着镜子,只管呆呆的自看。看了一会,那珠泪儿断断连连,早已湿透了罗帕。正是: 瘦影正临春水照,卿须怜我我怜卿。 紫鹃在旁也不敢劝,只怕倒把闲话勾引起旧恨来。迟了好一会,黛玉才随便梳洗了,那眼中泪渍,终是不干。 又自坐了一会,叫紫鹃道:“你把藏香点上。”紫鹃道:“姑娘,你睡也没睡得几时,如何点香?不是要写经?”黛玉点点头儿。紫鹃道:“姑娘今日醒得太早,这会子又写经,只怕太劳神了罢?”黛玉道:“不怕,早完了早好。况且我也并不是为经,倒借着写字,解解闷儿。以后你们见了我的字迹,就算见了我的面儿了。”说着,那泪直流下来。紫鹃听了这话,不但不能再劝,连自己也撑不住滴下泪来。 原来黛玉立定主意:自此以后,有意糟蹋身子,茶饭无心,每日渐减下来。宝玉下学时,也常抽空问候。只是黛玉虽有万千言语,自知年纪已大,又不便似小时可以柔情挑逗,所以满腔心事,只是说不出来。宝玉欲将实言安慰,又恐黛玉生嗔,反添病症。两个人见了面,只得用浮言劝慰,真真是亲极反疏了。 那黛玉虽有贾母、王夫人等怜恤,不过请医调治,只说黛玉常病,那里知他的心病。紫鹃等虽知其意,也不敢说。从此,一天一天的减。到半月之后,肠胃日薄一日,果然粥都不能吃了。黛玉日间听见的话,都似宝玉娶亲的话;看见怡红院中的人,无论上下,也像宝玉娶亲的光景。薛姨妈来看,黛玉不见宝钗,越发起疑心。索性不要人来看望,也不肯吃药,只要速死。睡梦之中,常听见有人叫“宝二奶奶”的。一片疑心,竟成蛇影。一日,竟是绝粒,粥也不喝,恹恹一息,垂毙殆尽。 未知黛玉性命如何,且看下回分解。 蛇影杯弓颦卿绝粒──蛇影杯弓:亦称“杯弓蛇影”。 语本两个近似的故事:其一见于汉·应劭《风俗通义·卷九·怪神·世间多有见怪惊怪以自伤者》:“予之祖父郴,为汲令,以夏至日见主簿杜宣,因赐酒。时北壁上有悬赤弩照于杯,形如蛇,宣畏恶之,然不敢不饮。其日便得胸腹痛切,妨损饮食,大用羸露,攻治万端,不为愈。后郴因事过,至宣家窥视,问其变故,云:‘畏此蛇,蛇入腹中。’郴还听事,思惟良久,顾见悬弩,曰:‘必是也。’则使门下史将铃下侍徐扶辇载宣,于故处设酒,杯中故复有蛇,因谓宣:‘此壁上弩影耳,非有他怪。’宣遂解,甚夷怿,由是瘳平。”其二见于《晋书·乐广传》:“(广)累迁侍中、河南尹……尝有亲客,久阔不复来,广问其故。答曰:‘前在坐,蒙赐酒,方欲饮,见杯中有蛇,意甚恶之,既饮而疾。’于时河南听事壁上有角,漆画作蛇,广意杯中蛇即角影也。复置酒于前处,谓客曰:‘酒中复有所见不?’答曰:‘所见如初。’广乃告其所以。客豁然意解,沉疴顿愈。”(角:指以角装饰的弓。)清·袁枚《随园随笔·古书所载不同》:“杯中蛇影,《世说》以为乐广事,《风俗通》以为主簿杜宣事。”(按:《世说》当为《晋书》之误。)意谓因将酒杯中的弓影误作了蛇,以为自己吞入了蛇,以至疑心生病,久病不愈。引申以比喻疑神疑鬼,心中恐惧。这里借喻林黛玉因风闻贾宝玉定了亲事,便觉得种种迹象都是贾宝玉定了亲事的旁证。 颦卿:指林黛玉。 绝粒:粒米不进,绝食。​ 孰与话轻柔──谁来安慰你? 孰:谁。 话:用作动词,相当于“说”。 轻柔:温柔。引申为安慰人的话。​ “东逝水”二句──以向东流的水不可能回头向西流,比喻晴雯死而不能复生。​ “想像”句──怀梦草:见于东汉·郭宪《洞冥记》卷三:“有梦草,似蒲,色红,昼缩入地,夜则出。亦名怀梦,怀其叶则知梦之吉凶,立验也。帝(指汉武帝)思李夫人之容(李夫人已死),不可得。朔(指东方朔)乃献一枝,帝怀之,夜果梦李夫人。因改曰怀梦草。” 这句以“怀梦草”借喻贾宝玉连想梦到晴雯都做不到。​ 绿窗明月在,青史古人空──青史:即史书。因上古用青竹片记事,故称。 这两句出自唐·崔颢《题沈隐侯八咏楼》诗:“梁日东阳守,为楼望越中。绿窗明月在,青史古人空。江静闻山狖,川长数塞鸿。登临白云晚,流恨此遗风。”这两句是说明月将永存,而人生短暂,即使青史留名,也是徒有虚名。​ 李龙眠──名公麟,字伯时,晚号龙眠居士。北宋舒州(今安徽舒城)人。熙宁中进士及第,官至朝奉郎。工诗文,尤以画著名,其不着色素描画最为出色。​ 八分书——汉字书体名。唐·李绰《尚书故实》曰:“八分书起于汉时王次仲。”而《太平广记》曰:“按八分者,秦时人上谷王次仲所作也。”关于八分书命名的来由也众说纷纭,而以唐·张怀瓘《书断上》中的说法较多认同,他认为以其字体“若‘八’字分散”,故名。​ “青女”二句──青女:神话传说中主管霜雪的女神。见于《淮南子·天文训》:“至秋三月,地气不藏,乃收其杀,百虫蛰伏,静居闭户,青女乃出,以降霜雪。”高诱注:“青女,天神,青霄玉女,主霜雪也。” 素娥:即嫦娥。 斗婵娟:比美丽。 这二句出自唐·李商隐《霜月》诗:“初闻征雁已无蝉,百尺楼高(一作“南”)水接天。青女素娥俱耐冷,月中霜里斗婵娟。”因《斗寒图》正是根据这两句诗的意境而画,故为这幅画的出处。​ 杨妃色——粉红色。 杨妃:即“醉杨妃”。牡丹花名品之一,其花粉红色。​ 亭亭玉树临风立──亭亭:直立挺拔貌。 玉树:神话传说中的仙树。见《淮南子·墬形训》:“(昆仑山)上有木禾,其修五寻。珠树、玉树、璇树、不死树在其西。” 此句语本“亭亭玉立”,出自唐·于邵《杨侍郎写真赞》(见《文苑英华》卷七八三):“仙状秀出,丹青写似,亭亭玉立,峨峨岳峙。”意谓人像玉树在风中挺立。多形容美女身材修长挺拔。​ 焦尾枯桐——典出《后汉书·蔡邕传》:“吴人有烧桐以爨者,邕闻火烈之声,知其良木,因请而裁为琴,果有美音,而其尾犹焦,故时人名曰‘焦尾琴’焉。”后即以“焦尾枯桐”或“焦尾琴”、“焦尾”泛指良琴。​ 鹤山、凤尾、龙池、雁足——皆为古琴部位的美称。 鹤山:亦称“琴岳”、“临岳”。即琴弦靠上边的支架,因其突起如山,故称。 凤尾:亦称“凤腿”。即古琴尾端,因其形似凤尾而得名。 龙池:即古琴底部琴面上的第二个孔洞(第一个孔洞名凤沼),孔下即为空洞,故以“龙池”形容。 雁足:即琴弦靠下边的两个支架,因其形似雁足,故称。​ 断纹、牛旄──断纹:琴面髹漆经久而出现的裂纹。 牛旄:牦牛尾。形容琴面裂纹。 行家以为琴面出现断纹如牛旄者为好琴。​

Neunundachtzigstes Kapitel

Die Verstorbene ist fort, doch die Dinge sind noch da — der junge Herr dichtet ein Lied, Schlangenspiegelung im Becher — Fräulein Pin hört auf zu essen

Wie berichtet, saß Phönixglanz[1] gerade grübelnd da, als sie die Nachricht des kleinen Mädchens erschreckte. Hastig fragte sie: „Was für eine Amtssache?" Das Mädchen sagte: „Ich weiß es nicht. Eben kam ein Diener vom zweiten Tor herein und meldete dem gnädigen Herrn etwas Dringendes." Phönixglanz hörte, dass es das Ministerium für Öffentliche Arbeiten betraf, und beruhigte sich ein wenig. Sie sagte: „Geh zurück und bestelle der Gnädigen Frau, dass der Zweite Herr gestern Abend Geschäfte außerhalb der Stadt hatte und nicht zurückgekommen ist. Man möge zunächst den Ersten Herrn Zhen rufen." Das Mädchen ging.

Herrlichkeit Kaufmann[2] kam, sprach mit dem Ministerialbeamten und berichtete dann Frau König: „Das Ministerium meldet: Gestern ging eine Eingabe des Oberflussinspektors ein — in Henan ist der Fluss an mehreren Stellen durchgebrochen und hat einige Präfekturen und Kreise überschwemmt. Es werden Staatsgelder benötigt, um Deiche und Stadtmauern zu reparieren. Die Beamten des Ministeriums müssen nun alles überwachen und schickten deshalb einen Boten zum gnädigen Herrn." Damit zog er sich zurück. Als Aufrecht Kaufmann[3] nach Hause kam, wurde ihm alles berichtet. Von da an bis in den Winter hatte Aufrecht Kaufmann täglich zu tun und war oft im Ministerium. Schatzjade[4]s Studien wurden allmählich nachlässiger, doch aus Furcht, Aufrecht Kaufmann könnte es bemerken, wagte er nicht, der Schule fernzubleiben, und ging auch zu Kajaljade[5] seltener.

Es war Mitte des zehnten Monats. Schatzjade stand auf und wollte zur Schule. Das Wetter war plötzlich kalt geworden. Dufthauch[6] hatte bereits ein Bündel Kleidung bereitgelegt und sagte: „Es ist heute sehr kalt — nimm morgens und abends lieber etwas Wärmeres." Sie holte ein Stück heraus und half Schatzjade hinein. Ein weiteres wickelte sie ein und gab es einem kleinen Mädchen, die es Beiming übergab: „Wenn der Zweite Herr sich umziehen will, halte alles bereit." Beiming sagte zu und folgte Schatzjade mit dem Filzbündel.

In der Schule erledigte Schatzjade seine Aufgaben, als plötzlich ein Windstoß gegen die Papierfenster klatschte. Dairu sagte: „Das Wetter schlägt schon wieder um." Er öffnete die Windtür — im Nordwesten türmten sich Wolkenberge und wälzten sich nach Südosten. Beiming kam herein: „Zweiter Herr, es wird kalt — zieht Euch etwas über." Schatzjade nickte. Beiming brachte ein Kleidungsstück herein. Schatzjade schaute hin — und erstarrte. Auch die kleinen Schüler rissen die Augen auf. Es war der Goldbrokat-Fasanenpelz, den Heitermuster[7] einst geflickt hatte. Schatzjade fragte: „Warum hast du ausgerechnet den mitgebracht? Wer hat ihn dir gegeben?" Beiming: „Die Mädchen drinnen haben ihn eingepackt." Schatzjade sagte: „Mir ist nicht so kalt — ich ziehe ihn lieber nicht an. Pack ihn wieder ein." Dairu dachte, Schatzjade wolle das Kleidungsstück schonen, und freute sich über seine Sparsamkeit. Beiming bat: „Zieht ihn doch an, Zweiter Herr. Wenn Ihr Euch erkältet, bin ich schuld. Tut es mir zuliebe." Schatzjade musste ihn widerwillig anziehen und saß dann reglos und geistesabwesend vor seinen Büchern. Dairu dachte, er lese, und ließ ihn in Ruhe.

Am Abend bat Schatzjade Dairu um einen Tag Urlaub wegen Unwohlsein. Dairu, selbst ein alter Mann, der nur der Gesellschaft einiger Kinder wegen Schule hielt und selbst oft kränkelte, ließ sich gern einen Schüler weniger sorgen; zumal er wusste, dass Aufrecht Kaufmann beschäftigt und die Herzoginmutter nachsichtig war — so nickte er.

Schatzjade kehrte direkt nach Hause zurück, begrüßte die Herzoginmutter und Frau König mit der gleichen Erklärung — natürlich glaubte man ihm. Er saß kurz und ging dann in den Garten. Im Hof der Roten Freude[8] war er nicht so heiter und gesprächig wie sonst, sondern legte sich angezogen auf den Kang. Dufthauch fragte: „Das Abendessen ist fertig — willst du jetzt essen oder später?" Schatzjade sagte: „Ich esse nichts, mir ist unwohl. Esst ihr."

Dufthauch sagte: „Dann solltest du wenigstens das Kleid ausziehen. Das Stück verträgt keine grobe Behandlung." Schatzjade: „Muss nicht sein." Dufthauch: „Es geht nicht nur um den feinen Stoff — sieh dir die Näharbeit an! Die sollte man nicht ruinieren!" Diese Worte trafen Schatzjades wunden Punkt. Er seufzte: „Dann nimm es und verwahre es gut. Ich werde es nie wieder tragen." Er stand auf und zog es aus. Als Dufthauch es nehmen wollte, hatte er es bereits selbst zusammengelegt. Dufthauch fragte verwundert: „Seit wann ist der Zweite Herr so sorgfältig?" Schatzjade antwortete nicht. Als er fertig war, fragte er: „Wo ist das Tuch, in das es eingewickelt war?" Moschusmond[9] reichte es eilig herüber und ließ ihn selbst einpacken, wobei sie Dufthauch hinter seinem Rücken zuzwinkerte und kicherte.

Schatzjade beachtete es nicht und saß niedergeschlagen da. Die Uhr auf dem Regal schlug; er sah auf seine Taschenuhr — schon Viertel nach fünf. Bald brachte ein Mädchen Licht. Dufthauch sagte: „Wenn du nicht essen willst, trink wenigstens eine halbe Schale heiße Reissuppe. Hungern ist nicht gut — wenn sich Leerlaufhitze einstellt, müssen wir es ausbaden." Schatzjade schüttelte den Kopf: „Ich habe noch keinen richtigen Hunger — wenn ich mich zwinge, wird mir nur schlecht." Dufthauch: „Dann geh lieber gleich schlafen." Dufthauch und Moschusmond richteten das Bett, und Schatzjade legte sich hin. Er wälzte sich hin und her und konnte nicht einschlafen. Erst gegen Morgen döste er kurz ein, doch nach nicht mehr als der Dauer einer Mahlzeit war er schon wieder wach.

Dufthauch und Moschusmond waren ebenfalls aufgestanden. Dufthauch sagte: „Ich habe gehört, wie du dich bis zum fünften Nachtwächtersignal gewälzt hast. Ich wagte nicht zu fragen. Dann bin ich selbst eingeschlafen — hast du schließlich doch geschlafen?" Schatzjade: „Kurz. Ich weiß nicht, warum ich so früh aufgewacht bin." Dufthauch: „Fehlt dir etwas?" Schatzjade: „Nein, ich bin nur unruhig im Herzen."

Dufthauch fragte: „Gehst du heute in die Schule?" Schatzjade: „Ich habe gestern schon einen Tag Urlaub genommen. Heute möchte ich im Garten spazieren und mich ein wenig zerstreuen, aber es ist so kalt. Richtet mir ein Zimmer her, mit einem Räuchergefäß, Papier, Tusche, Pinsel und Tuschstein. Ihr könnt eure Sachen machen — ich möchte einen halben Tag still für mich sitzen. Schickt mir niemanden herein." Moschusmond sagte: „Wenn der Zweite Herr in Ruhe arbeiten will, wer würde ihn stören?" Dufthauch meinte: „Das ist sehr gut — so erkältest du dich auch nicht, und ein wenig Stille sammelt den Geist." Dann fragte sie: „Wenn du keine Lust auf Essen hast — was soll die Küche machen? Sag es früh." Schatzjade: „Etwas Einfaches, kein großes Aufheben. Legt nur ein paar Früchte in das Zimmer — ihres Duftes wegen." Dufthauch: „Welches Zimmer soll es sein? Die meisten sind nicht sauber genug. Nur das, wo Heitermuster früher wohnte — da kommt niemand hin, es ist noch sauber, nur etwas kalt." Schatzjade: „Macht nichts — stellt den Kohleofen hinüber." Dufthauch sagte zu.

Während sie sprachen, brachte ein kleines Mädchen eine Schale auf einem Tablett und reichte sie Moschusmond: „Die Blumen-Schwester hat das eben bestellt — die Köchin hat es geschickt." Moschusmond nahm es entgegen — eine Schale Schwalbennestersuppe. Sie fragte Dufthauch: „Hast du das bestellt?" Dufthauch lachte: „Gestern Abend hat der Zweite Herr nichts gegessen und sich die ganze Nacht gewälzt — heute Morgen muss er sich doch leer fühlen. Deshalb habe ich die Mädchen in die Küche geschickt." Dufthauch ließ ein Tischchen aufstellen; Moschusmond half Schatzjade beim Trinken und Mundspülen. Da kam Herbstmuster: „Das Zimmer ist fertig — wartet aber, bis die erste Kohlehitze verflogen ist, ehe der Zweite Herr hineingeht." Schatzjade nickte; sein Herz war voll, doch er mochte nicht reden.

Nach einer Weile kam ein kleines Mädchen und meldete: „Pinsel und Tusche sind aufgestellt." Schatzjade: „Gut." Ein anderes Mädchen: „Das Frühstück ist fertig — wo soll es serviert werden?" Schatzjade: „Bringt es einfach her, ohne Umstände." Das Mädchen ging, und bald wurde aufgetragen. Schatzjade lächelte Moschusmond und Dufthauch an: „Mir ist so schwer ums Herz — allein essen, fürchte ich, bringe ich nichts hinunter. Esst ihr beide mit mir, vielleicht bekomme ich dann auch mehr Appetit." Moschusmond lachte: „Das ist der Wunsch des Zweiten Herrn — wir wagen es nicht." Dufthauch sagte: „Eigentlich geht das schon — wir haben ja auch zusammen Wein getrunken. Nur wenn du dich einmal aufheitern willst, ist es vertretbar; aber aus Gewohnheit wäre es gegen alle Ordnung." Die drei setzten sich: Schatzjade oben, Dufthauch und Moschusmond an den Seiten.

Nach dem Essen brachte ein Mädchen Spültee; die beiden räumten ab. Schatzjade hielt seine Teetasse und versank in Gedanken. Nach einer Weile fragte er: „Ist das Zimmer fertig?" Moschusmond: „Das habe ich doch vorhin schon gemeldet — und du fragst noch einmal."

Schatzjade saß noch einen Moment, dann ging er in das Zimmer hinüber. Er zündete persönlich eine Räucherstange an, stellte Obst auf und schickte alle hinaus. Er schloss die Tür. Draußen verhielten sich Dufthauch und die anderen mucksmäuschenstill. Schatzjade nahm einen Bogen rosa Briefpapier mit goldenen Eckverzierungen hervor, murmelte einige Worte des Gebets, dann schrieb er:

Der Herr des Hofes der Roten Freude verbrennt dies zur Kenntnis der Schwester Heitermuster: Tee und Duft seien dir dargebracht, auf dass du kommst und dich daran erfreust.

Sein Gedicht lautete:

Treue Gefährtin — einsam sinne ich dir nach. Wer hätte gedacht, ein Sturm bricht über ebener Erde los, Und jählings wird dein Lebenslicht gelöscht! Wer flüstert nun zarte Worte?

Nach Osten fließt das Wasser — nie kehrt es gen Westen. Selbst im Traum kann ich dein Bild nicht mehr schaffen; Doch beim Aufhängen des Pelzes seh ich das Brokat der Regenwolken. Stille Sehnsucht — sie macht mich traurig.

Als er fertig geschrieben hatte, hielt er das Papier an den Weihrauch und verbrannte es. Still wartend, bis die Räucherstange herabgebrannt war, öffnete er die Tür und trat hinaus. Dufthauch fragte: „Schon fertig? War dir wohl wieder langweilig?" Schatzjade lächelte und log: „Ich hatte es nur im Herzen, und wollte ein stilles Plätzchen. Jetzt ist mir besser. Ich möchte noch ein wenig draußen spazieren."

Er ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon und rief im Hof: „Ist Schwester Lin zu Hause?" Purpurkuckuck[10] antwortete: „Wer ist da?" Sie hob den Vorhang und lachte: „Der Zweite Herr Bao! Das Fräulein ist drinnen — bitte herein." Schatzjade ging mit Purpurkuckuck hinein. Kajaljade war im Hinterzimmer und rief: „Purpurkuckuck, lass den Zweiten Herrn hereinkommen." Schatzjade sah an der Tür zum Hinterzimmer ein neues Paar Spruchbänder aus purpurschwarzer Goldwolken-Drachenseide hängen:

Grünes Fenster, heller Mond — sie sind noch da; Die alten Weisen in den Annalen — sie sind nur noch Leere.

Schatzjade lächelte, trat ein und fragte: „Was macht die Schwester?" Kajaljade stand auf, kam ihm zwei Schritte entgegen und bot ihm lächelnd einen Platz an: „Ich bin beim Sutra-Abschreiben — nur noch zwei Zeilen. Wenn ich fertig bin, plaudern wir." Sie rief Schneegans, Tee zu bringen. Schatzjade sagte: „Beweg dich nicht, schreib nur weiter."

Er sah ein Rollbild an der Wand hängen: darauf eine Chang'e mit einer Dienerin und eine weitere Göttin mit einer Dienerin, die einen langen Kleiderbeutel trug. Um beide Gestalten zog sich leichte Wolkenwatte, sonst war kein Schmuck zu sehen — ganz im Stil der weißen Tuschezeichnungen des Li Longmian. Darüber stand in eleganter Kanzleischrift: „Bild des Frostgefechts". Schatzjade fragte: „Schwester, dieses ‚Bild des Frostgefechts' — hast du es erst kürzlich aufgehängt?" Kajaljade: „Ja. Gestern beim Aufräumen fiel es mir ein, und ich ließ es aufhängen." Schatzjade: „Was ist die Vorlage?" Kajaljade lachte: „Das kennst du doch bestens — und fragst noch!" Schatzjade lachte: „Mir fällt es gerade nicht ein — sag es mir." Kajaljade: „Kennst du nicht den Vers: ‚Reiffee und Mondgöttin trotzen beide der Kälte, im Mond und im Frost wetteifern sie an Schönheit'?" Schatzjade rief: „Ja, richtig! Das ist wirklich originell und geschmackvoll — und genau zur rechten Jahreszeit aufgehängt."

Er schaute sich noch ein wenig um. Schneegans brachte Tee. Schatzjade trank und wartete, bis Kajaljade fertig geschrieben hatte. Sie stand auf: „Verzeiht die Unhöflichkeit." Schatzjade lachte: „Immer noch so förmlich, Schwester." Er betrachtete Kajaljade: Sie trug ein weißes, mit Blumen besticktes Pelzjäckchen und darüber eine Weste aus Silberfuchsfell; das Haar war in einem einfachen Wolkenknoten hochgesteckt, mit nur einer schlichten Goldnadel und keinem Blumenschmuck; um die Hüften einen rosafarbenen bestickten Wattrock. Wahrlich:

Wie ein Jadebaum, schlank im Winde stehend, Wie eine duftende Lotosblüte, sanft im Tau sich öffnend.

Schatzjade fragte: „Hast du in den letzten Tagen Zither gespielt?" Kajaljade: „Seit zwei Tagen nicht. Vom Schreiben allein werden die Hände schon kalt — wo soll da noch Zither gespielt werden?" Schatzjade: „Vielleicht ist es auch besser so. Die Zither mag ein erhabenes Instrument sein, aber kein gutes: Noch nie hat jemand sich Reichtum, Rang und langes Leben erspielt — nur Kummer, Sehnsucht und Leid. Außerdem muss man sich die Noten merken, was anstrengend ist. Du bist ohnehin zart — erspare dir die Mühe." Kajaljade lächelte.

Schatzjade deutete auf die Wand: „Ist das deine Zither? Warum ist sie so kurz?" Kajaljade lachte: „Sie ist nicht kurz. Als ich klein war und spielen lernte, reichten meine Arme für gewöhnliche Zithern nicht aus, deshalb ließ man diese anfertigen. Zwar ist es kein verkohltes Paulownia-Holz, aber der Kranichberg und der Phönixschwanz sind gut proportioniert, und der Drachenteich und die Gänsefüße passen in der Höhe zusammen. Sieh dir die Risse an — sehen sie nicht aus wie Yakhaare? Deshalb ist auch der Klang klar und rein."

Schatzjade fragte: „Hast du in letzter Zeit Gedichte geschrieben?" Kajaljade: „Seit der Dichtergesellschaft kaum." Schatzjade lachte: „Täusch mich nicht. Ich habe gehört, wie du etwas sangst von ‚nicht zu erschrecken, das reine Herz — wie der Mond am Himmel'. Du hast es in die Zithermelodie eingebettet, und der Klang war besonders durchdringend. Stimmt das?" Kajaljade fragte: „Wie hast du das gehört?" Schatzjade: „Neulich kam ich von der Liaofeng-Veranda und hörte es. Ich wollte deine klare Melodie nicht stören und lauschte still eine Weile, dann ging ich. Nur eines wollte ich fragen: Die ersten Strophen standen im ebenen Ton, und am Ende wechseltest du plötzlich in den schrägen — was bedeutet das?" Kajaljade: „Das ist der natürliche Klang des Herzens. Man dichtet, wohin der Geist einen führt — eine feste Regel gibt es nicht." Schatzjade: „Ach so. Schade, dass ich kein musikalisches Ohr habe — da habe ich umsonst zugehört." Kajaljade sagte: „Seit alten Zeiten — wie viele wahre Kenner hat es je gegeben?"

Schatzjade merkte, dass seine Worte wieder unbedacht waren, und fürchtete, Kajaljades Herz zu verletzen. Er saß eine Weile; tausend Worte lagen ihm auf der Zunge, doch er fand nichts mehr zu sagen. Auch Kajaljade bereute ihren Satz — er war ihr entschlüpft und klang im Nachhinein zu kühl. Schatzjade vermutete, Kajaljade hege einen Vorbehalt, und stand verlegen auf: „Schwester, bleib sitzen. Ich möchte noch bei der Dritten Schwester vorbeischauen." Kajaljade: „Wenn du sie siehst, grüß sie von mir." Schatzjade sagte zu und ging.

Kajaljade kehrte an die Tür zurück und setzte sich grübelnd hin: „In letzter Zeit redet Schatzjade so halb und halb, bald kalt, bald warm — was meint er nur?" Da kam Purpurkuckuck: „Fräulein, schreibt Ihr nicht weiter? Soll ich die Schreibsachen wegräumen?" Kajaljade: „Ich schreibe nicht mehr — räum es weg." Sie ging ins Hinterzimmer und legte sich aufs Bett, um in aller Stille nachzudenken. Purpurkuckuck kam herein: „Fräulein, trinkt eine Schale Tee." Kajaljade: „Ich möchte nicht. Ich ruhe mich nur ein wenig aus — geht."

Purpurkuckuck trat hinaus und sah Schneegans allein vor sich hin starren. Sie trat neben sie: „Hast du jetzt auch etwas, das dich beschäftigt?" Schneegans hatte sie nicht kommen sehen und erschrak. Dann sagte sie: „Psst! Heute habe ich etwas gehört — ich erzähl es dir, es ist wirklich merkwürdig! Aber sag kein Wort." Sie wies mit dem Kinn zur Tür, ging voraus und winkte Purpurkuckuck mit, hinauszukommen. Auf der Terrasse vor der Tür flüsterte sie: „Schwester, hast du gehört? Schatzjade ist verlobt!"

Purpurkuckuck erschrak: „Woher kommt das? Ist das auch wahr?" Schneegans: „Und ob! Alle wissen es anscheinend, nur wir haben nichts gehört." Purpurkuckuck: „Von wem hast du es?" Schneegans: „Von Shishu. Es soll eine Präfektenfamilie sein — wohlhabend, das Mädchen schön."

Purpurkuckuck wollte mehr hören, als Kajaljade drinnen hustete, als stünde sie auf. Purpurkuckuck fürchtete, sie könnte herauskommen, zog Schneegans am Ärmel und legte den Finger auf die Lippen. Sie spähte hinein — nichts rührte sich. Leise fragte sie weiter: „Was hat Shishu genau gesagt?" Schneegans berichtete: „Neulich schickte mich das Fräulein zum Dritten Fräulein, um sich zu bedanken. Das Dritte Fräulein war nicht da, nur Shishu. Wir saßen herum und kamen zufällig auf Schatzjades Ungezogenheit zu sprechen. Shishu sagte: ‚Was soll aus dem Zweiten Herrn Bao werden? Er spielt nur und benimmt sich nicht wie ein Erwachsener — und dabei ist er schon verlobt und trotzdem noch so verträumt.' Ich fragte, ob es feststehe. Sie sagte ja — ein gewisser Herr Wang habe vermittelt. Dieser Herr Wang sei ein Verwandter des Osthauses, und so habe man nicht lange fragen müssen — auf den ersten Antrag sei es schon beschlossen gewesen."

Purpurkuckuck legte den Kopf schief und überlegte: „Merkwürdig!" Dann fragte sie: „Warum hat bei uns zu Hause niemand davon gesprochen?" Schneegans: „Shishu hat das auch erklärt: Es sei der Wille der Alten Ahnin. Wenn man darüber rede, könnte Schatzjade vor lauter Aufregung verrückt spielen; deshalb schweigen alle. Shishu hat es mir erzählt und mich dringend ermahnt: ‚Lass ja nichts verlauten — sonst heißt es, ich plaudere.' " Sie wies auf die Tür: „Deshalb habe ich auch vor ihr nichts gesagt. Heute hast du gefragt — da konnte ich es dir nicht verschweigen."

Gerade da schrie der Papagei: „Das Fräulein ist zurück! Schnell, bringt Tee!" Purpurkuckuck und Schneegans erschraken. Sie blickten sich um — niemand war da. Sie schimpften den Papagei aus, gingen hinein und sahen Kajaljade keuchend auf einem Stuhl sitzen. Purpurkuckuck versuchte unbefangen nach Tee und Wasser zu fragen. Kajaljade fragte: „Wo wart ihr beide? Man ruft und ruft, und keine Menschenseele kommt." Damit ging sie zum Kang, ließ sich fallen, drehte sich zur Wand und rief: „Lasst den Vorhang herunter." Purpurkuckuck und Schneegans taten es. Beide ahnten, dass Kajaljade ihr Gespräch belauscht haben könnte, doch keine wagte, das Thema zu berühren.

Tatsächlich hatte Kajaljade, die ohnehin voller Sorgen war, das geflüsterte Gespräch der beiden teilweise aufgeschnappt. Zwar hatte sie nicht alles verstanden, doch sieben oder acht Zehntel reichten aus: Es war, als hätte man sie in ein tiefes Meer geworfen. Sie dachte hin und her — es stimmte genau mit der Weissagung ihres Traums überein. Tausend Sorgen, zehntausend Groll türmten sich in ihr auf. Sie überlegte: „Lieber früh sterben, als mitansehen zu müssen, wie das Unerwartete geschieht — das wäre noch bitterer." Dann dachte sie an ihre Verwaistheit: „Von heute an werde ich meinen Körper Tag für Tag zugrunde richten. In einem Jahr oder einem halben ist der reine Himmel erreicht." Mit diesem Entschluss deckte sie sich nicht zu, legte keine zusätzliche Kleidung an, schloss die Augen und tat, als schliefe sie.

Purpurkuckuck und Schneegans kamen mehrmals herein, doch nichts regte sich, und sie wagten nicht zu rufen. Auch das Abendessen blieb unberührt. Nachdem die Lampen angezündet waren, schob Purpurkuckuck den Bettvorhang beiseite: Kajaljade schien zu schlafen, doch die Decke war ans Fußende getreten. Aus Angst vor Erkältung legte Purpurkuckuck sie behutsam wieder auf. Kajaljade rührte sich nicht. Kaum war Purpurkuckuck hinaus, streifte Kajaljade die Decke wieder ab.

Purpurkuckuck fragte Schneegans immer wieder: „War das heute die Wahrheit oder nicht?" Schneegans: „Natürlich!" Purpurkuckuck: „Woher weiß Shishu das?" Schneegans: „Von Xiaohong." Purpurkuckuck: „Ich fürchte, das Fräulein hat unser Gespräch gehört — hast du ihr Verhalten eben gesehen? Da steckt etwas dahinter. Von heute an dürfen wir das Thema nicht mehr erwähnen." Beide machten sich fertig zum Schlafen. Purpurkuckuck ging noch einmal nachsehen — die Decke war schon wieder abgetreten. Leise legte sie sie wieder auf. Der Rest der Nacht verging.

Am nächsten Morgen war Kajaljade ganz früh aufgestanden und saß allein und stumm da. Purpurkuckuck wachte auf und erschrak: „Fräulein, warum so früh?" Kajaljade: „Kein Wunder — ich bin früh eingeschlafen, also wache ich früh auf." Purpurkuckuck weckte Schneegans, und beide halfen bei der Morgentoilette. Kajaljade saß vor dem Spiegel und starrte ihr Spiegelbild an. Nach einer Weile flossen die Perlentränen unaufhörlich und durchtränkten das Seidentuch. Wahrlich:

Der hagere Schatten spiegelt sich im Frühlingswasser: Du solltest mich bemitleiden — ich bemitleide dich.

Purpurkuckuck wagte nicht zu trösten, aus Furcht, durch beiläufige Worte alte Wunden aufzureißen. Erst nach langer Zeit machte sich Kajaljade flüchtig zurecht; doch die Tränenspuren in ihren Augen trockneten nicht.

Wieder saß sie eine Weile, dann rief sie: „Purpurkuckuck, zünd Weihrauch an." Purpurkuckuck: „Fräulein, Ihr habt kaum geschlafen — wozu jetzt Weihrauch? Wollt Ihr Sutras abschreiben?" Kajaljade nickte. Purpurkuckuck: „Das Fräulein ist heute so früh aufgewacht und will jetzt auch noch Sutras schreiben — ist das nicht zu anstrengend?" Kajaljade sagte: „Keine Angst — je früher ich fertig bin, desto besser. Eigentlich geht es mir gar nicht um die Sutras — ich möchte mir durch das Schreiben die Zeit vertreiben. Wenn ihr später meine Schriftzüge seht, ist es, als säht ihr mich selbst." Bei diesen Worten liefen ihr die Tränen ungehindert herunter. Purpurkuckuck konnte nun nicht mehr trösten; sie selbst konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.

In der Tat hatte Kajaljade ihren Entschluss gefasst: Von nun an würde sie ihren Körper absichtlich zugrunde richten. Essen und Trinken nahm sie kaum noch zu sich und verringerte beides täglich. Wenn Schatzjade von der Schule kam, erkundigte er sich zwar regelmäßig, doch Kajaljade wusste tausend Dinge zu sagen und wagte doch nichts — sie war älter geworden und konnte nicht mehr wie als Kind mit zärtlichem Scherz locken. Alles, was sie auf dem Herzen hatte, blieb unausgesprochen. Schatzjade wiederum wollte ihr die Wahrheit sagen und sie beruhigen, fürchtete aber, Kajaljade könnte zornig werden und die Krankheit verschlimmern. So beschränkten sich beide bei ihren Treffen auf oberflächliche Trostworte — wahrhaftig: je inniger verbunden, desto entfremdeter.

Zwar sorgten sich die Herzoginmutter, Frau König und andere um Kajaljade und ließen Ärzte kommen, doch sie dachten nur an ihre üblichen Beschwerden und ahnten nichts von ihrer Herzkrankheit. Purpurkuckuck und die anderen durchschauten es, wagten aber nichts zu sagen. So verringerte Kajaljade ihr Essen Tag für Tag. Nach einem halben Monat wurde ihr Verdauungsvermögen immer schwächer, und schließlich konnte sie nicht einmal mehr Reisbrei zu sich nehmen. Alles, was Kajaljade tagsüber hörte, schien ihr von Schatzjades Heirat zu handeln; jeder aus dem Hof der Roten Freude, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, schien ihr so auszusehen, als bereiteten sie Schatzjades Hochzeit vor. Wenn Tante Schnee[11] zu Besuch kam und Schatzspange[12] nicht mitbrachte, steigerte sich Kajaljades Argwohn noch mehr. Sie lehnte jeden Besuch ab, wollte keine Medizin nehmen und wünschte sich nur, schnell zu sterben. Im Schlaf hörte sie ständig jemanden „Zweite Herrin Bao" rufen. Ein einziger Argwohn wuchs zum Schlangenspiegelbild. Eines Tages hörte sie gänzlich auf zu essen — nicht einen Reiskorn nahm sie mehr zu sich. Kraftlos und fast atemlos lag sie dem Tode nahe.

Wie es um Kajaljades Leben stand, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.

  1. Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".
  2. Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit".
  3. Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".
  4. Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.
  5. Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".
  6. Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".
  7. Heitermuster: Chin. 晴雯 Qíngwén, wörtl. „Heiteres Wolkenmuster".
  8. Hof der Roten Freude (怡红院): „Hof der Roten Freude", Schatzjades Wohnsitz im Garten der Großen Anschauung.
  9. Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".
  10. Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".
  11. Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses".
  12. Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.

Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).