Difference between revisions of "Jing Shanhai/zh-de/Part 3"
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| 看罢丹墟遗址, 再去看" 霸王鞭" 。二人骑车东去, 到钱湾渔港向南一瞥就看到了。那里, 岸边礁石向海中延伸, 节节相连, 渐渐变细, 像一条长鞭。吴小蒿编《隅城文史》时看过资料, 得知这霸王鞭退潮时露出来, 亮鞭于海天之间; 涨潮时隐人水中, 只显一道幽幽的鞭影。当地人传说, 这是楚霸王当年遗落在这里的一根鞭子。 | | 看罢丹墟遗址, 再去看" 霸王鞭" 。二人骑车东去, 到钱湾渔港向南一瞥就看到了。那里, 岸边礁石向海中延伸, 节节相连, 渐渐变细, 像一条长鞭。吴小蒿编《隅城文史》时看过资料, 得知这霸王鞭退潮时露出来, 亮鞭于海天之间; 涨潮时隐人水中, 只显一道幽幽的鞭影。当地人传说, 这是楚霸王当年遗落在这里的一根鞭子。 | ||
| − | | Das Mittagessen ließ Wu Xiaohao an ein Internetwort denken, das ihre Tochter im Tagebuch benutzte: „großes Kalzium-Essen“. Was sie in Erstaunen versetzte: Die meisten Meeresfrüchte wurden roh gegessen – Seegurken in Scheiben geschnitten, Garnelen in Stücke geschnitten, Herzmuscheln gerade aus der Schale – alles mit Essig gegessen. Eine große Schüssel blaugrüne Garnelen, noch vom Alkohol betäubt, streckten und krümmten ihre Beine – aber He Chengshou schnappte sie mit den Stäbchen und steckte sie in den Mund. Als Wu Xiaohao sich nicht traute, die Stäbchen auszustrecken, lachte He Chengshou: „Du bist zu ängstlich! Mit dieser Einstellung – wie willst du harmonisch mit den Massen zusammenleben?“ Als er das so sagte, musste Wu Xiaohao notgedrungen eine Garnele nehmen. Kaum hatte sie sie zum Mund geführt, streckte die Garnele plötzlich ihren Körper. Als sie diesen Todeskampf spürte, wurde Wu Xiaohao übel, sie legte sie hastig zurück auf den Teller, hielt sich den Mund. Wan Yufeng streichelte Wu Xiaohaos Schulter: „Frau Vize-Bürgermeisterin Wu, Schwester Wu, wenn Sie rohes Essen nicht gewohnt sind, servieren wir Ihnen gekochtes. Gestern rief der Bürgermeister extra an, heute sollten wir für Sie die ‚Drei Fischer-Spezialitäten' zubereiten.“ Damit rief sie zur Tür: „Zweiter Bruder, die Drei Fischer-Spezialitäten, Auftritt!“ Der von ihr als „Zweiter Bruder“ gerufene Mann war der Dorfbuchhalter. Er kam lächelnd mit Falten im Gesicht, brachte nacheinander drei Fische auf Tellern. He Chengshou zeigte mit den Stäbchen darauf und sagte zu Wu Xiaohao: „Kopf der Schwarzmaulbrasse, Schwanz des Gelbschwanzmakrele, Bauch des Silbermesserfischs. Früher liebten Fischer diese drei Teile am meisten, heute, um dich zu begrüßen, habe ich extra die Ostwind-Schwiegertochter gebeten, alles vorzubereiten.“ Wu Xiaohao fragte erstaunt: „Begrüßung? Haben Sekretär Zhou und du mich gestern nicht schon begrüßt?“ He Chengshou sagte: „Gestern war das Parteikomitee der Gemeinde, heute ist die Gemeinderegierung. Da kommt so eine talentierte Kollegin, als Bürgermeister muss ich doch extra eine Begrüßung arrangieren, oder? Komm, die Gemeinderegierung | + | | Das Mittagessen ließ Wu Xiaohao an ein Internetwort denken, das ihre Tochter im Tagebuch benutzte: „großes Kalzium-Essen“. Was sie in Erstaunen versetzte: Die meisten Meeresfrüchte wurden roh gegessen – Seegurken in Scheiben geschnitten, Garnelen in Stücke geschnitten, Herzmuscheln gerade aus der Schale – alles mit Essig gegessen. Eine große Schüssel blaugrüne Garnelen, noch vom Alkohol betäubt, streckten und krümmten ihre Beine – aber He Chengshou schnappte sie mit den Stäbchen und steckte sie in den Mund. Als Wu Xiaohao sich nicht traute, die Stäbchen auszustrecken, lachte He Chengshou: „Du bist zu ängstlich! Mit dieser Einstellung – wie willst du harmonisch mit den Massen zusammenleben?“ Als er das so sagte, musste Wu Xiaohao notgedrungen eine Garnele nehmen. Kaum hatte sie sie zum Mund geführt, streckte die Garnele plötzlich ihren Körper. Als sie diesen Todeskampf spürte, wurde Wu Xiaohao übel, sie legte sie hastig zurück auf den Teller, hielt sich den Mund. Wan Yufeng streichelte Wu Xiaohaos Schulter: „Frau Vize-Bürgermeisterin Wu, Schwester Wu, wenn Sie rohes Essen nicht gewohnt sind, servieren wir Ihnen gekochtes. Gestern rief der Bürgermeister extra an, heute sollten wir für Sie die ‚Drei Fischer-Spezialitäten' zubereiten.“ Damit rief sie zur Tür: „Zweiter Bruder, die Drei Fischer-Spezialitäten, Auftritt!“ Der von ihr als „Zweiter Bruder“ gerufene Mann war der Dorfbuchhalter. Er kam lächelnd mit Falten im Gesicht, brachte nacheinander drei Fische auf Tellern. He Chengshou zeigte mit den Stäbchen darauf und sagte zu Wu Xiaohao: „Kopf der Schwarzmaulbrasse, Schwanz des Gelbschwanzmakrele, Bauch des Silbermesserfischs. Früher liebten Fischer diese drei Teile am meisten, heute, um dich zu begrüßen, habe ich extra die Ostwind-Schwiegertochter gebeten, alles vorzubereiten.“ Wu Xiaohao fragte erstaunt: „Begrüßung? Haben Sekretär Zhou und du mich gestern nicht schon begrüßt?“ He Chengshou sagte: „Gestern war das Parteikomitee der Gemeinde, heute ist die Gemeinderegierung. Da kommt so eine talentierte Kollegin, als Bürgermeister muss ich doch extra eine Begrüßung arrangieren, oder? Komm, die Gemeinderegierung Kaipo begrüßt dich, trink dieses Glas!“ Angesichts des vom Bürgermeister erhobenen Glases musste Wu Xiaohao notgedrungen ihr eigenes nehmen und anstoßen, nippte leicht. He Chengshou hielt sein Glas hoch, zeigte auf sie: „So eine Pflaumenschauspielerin, sag mal? Den Alkohol, den ich dir einschenke, wagst du nicht zu trinken?“ Wu Xiaohao bat: „Bürgermeister, ich kann nicht trinken, bitte hab Verständnis.“ He Chengshou verzog das Gesicht: „Wu Xiaohao, ich sage dir feierlich: Kader, die für Sicherheit zuständig sind, müssen sich immer dem Unsicheren stellen. Aber, jedoch, kurzum: Wenn du dieses Glas trinkst, garantiere ich, der alte Cheng, dir Sicherheit!“ Als sie das hörte, regte sich etwas in Wu Xiaohaos Herzen. Gestern bei der gemeinsamen Sitzung der Parteikomitee- und Regierungsführung der Gemeinde hatte Sekretär Zhou Bin verkündet, die neu angetretene stellvertretende Bürgermeisterin Wu Xiaohao sei für Kultur und Sicherheit zuständig. Abends rief sie Qu Weixing, den Direktor der Bezirkskultur- und Sportbehörde, an – er war Absolvent der Literaturwissenschaft der Shandong-Universität, zwei Klassen über ihr – und fragte diesen Studienältesten, wie man diese beiden Arbeiten machen solle. Qu Weixing sagte: „Kultur ist einfach, wir besprechen das zusammen. Aber Sicherheit ist kein Spaß, du sitzt die ganze Zeit auf einem Pulverfass, ein kleiner Fehler und etwas passiert. Sobald etwas passiert, wirst du untersucht, bestraft – ich erschrecke dich nicht – die Möglichkeit des Gefängnisses besteht. Dass Zhou Bin eine Frau für Sicherheit zuständig macht, ist nicht fair.“ Wu Xiaohao schlief die ganze Nacht nicht gut. Sie erinnerte sich an einige von den Medien berichtete Fälle – tatsächlich wurden in manchen Orten bei schweren Sicherheitsunfällen die zuständigen Leiter wegen Pflichtverletzung zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie dachte: Ich habe die Prüfung für stellvertretende Abteilungsleiterin bestanden, bin als stellvertretende Bürgermeisterin nach Kaipo gekommen – sollte das dazu dienen, einen Fuß ins Gefängnis zu setzen? Als sie hörte, der Bürgermeister würde ihr Sicherheit garantieren, wenn sie dieses Glas trinke, beschloss Wu Xiaohao entschlossen, den Alkohol hinunterzukippen. Normalerweise trank sie selten, wenn doch, höchstens zwei bis drei Liang – diesmal opferte sie sich für die Sicherheit. Sie hob das Glas zum Mund, trank einen Schluck, noch einen Schluck, das Gesicht voller Schmerz. Den letzten Rest trank sie hinunter und hustete mehrmals. He Chengshou hob ihr den Daumen: „Gut, Xiao Wu ist eine gute Genossin! Du bist sicher!“ Dabei verzog er das Gesicht und trank auch sein Glas leer. Wu Xiaohao bemerkte: Als He Chengshou den Kopf zurücklegte, ragte sein großes Kinn hervor und enthüllte links und rechts je zwei lange, schmale Flecken, erschreckend deutlich sichtbar. Als sie so starrte, sagte Wan Yufeng: „Worauf starrst du? Er hat Kiemen. Die Kiemenmensch-Vorfahren der Kiemeninsel hatten alle degenerierte Fischkiemen, Shouji ist einer von ihnen.“ Wu Xiaohao war wieder „großes Kalzium“-erstaunt. Sie streckte die Hand aus, um genauer zu untersuchen, aber He Chengshou schlug ihre Hand weg, presste das Kinn fest gegen die Brust, sagte mürrisch: „Was schaust du an! Kiemenmenschen sind nur eine Legende.“ Li Yanmi sagte: „Der Bürgermeister He kann wirklich lange unter Wasser bleiben, ohne zum Luftholen hochzukommen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.“ He Chengshou funkelte ihn an: „Lao Li, erzähl keinen Unsinn! He, zur Begrüßung von Frau Vize-Bürgermeisterin Wu – warum schenkt ihr alle ihr keinen Alkohol ein?“ Was dann passierte, war furchtbar: Li Yanmi, Li Dabiao, Wan Yufeng, der Fahrer des Bürgermeisters, Meister Zhang – alle brachten ihr reihum einen Toast. Sie wagte nicht, die Gläser ganz zu leeren, aber selbst jedes Mal ein bisschen zu trinken war unerträglich. Sie stellte das Glas ab, winkte ab: „Fertig, fertig, ich bin heute völlig fertig!“ Aber He Chengshou klatschte seine beiden großen Hände laut zusammen: „He, Intellektuelle müssen sich doch mit Arbeitern und Bauern verbinden! Um es im Jargon von vor dreißig Jahren zu sagen: Wir sind alle arme und untere Mittelfischer, du musst mit uns tiefe proletarische Gefühle aufbauen!“ Wu Xiaohao machte abwehrende Handbewegungen: „Gefühle kann man nicht erzwingen. Trinkt ihr, ich trinke jedenfalls nicht mehr.“ Wan Yufeng sagte: „Wenn du nicht trinkst, musst du essen. Es kommt noch Besseres.“ Durch den alkoholvernebelten Blick sah Wu Xiaohao den Buchhalter einen Teller mit Kraken bringen – sie waren nicht groß, aber alle lebendig, streckten ihre Saugnäpfe-bewehrten Tentakel. He Chengshou nahm mit den Stäbchen einen, hielt ihn Wu Xiaohao vors Gesicht: „Roh gegessener Krake, probier mal.“ Wu Xiaohao wehrte hastig mit der Hand ab: „Zu gruselig, ich traue mich nicht!“ He Chengshou sagte: „Was ist daran gruselig? Ostwind-Schwiegertochter, zeig es ihr.“ Wan Yufeng sagte „Gut“, nahm einen und hielt ihn an den Mund. Die Tentakel des Kraken hafteten fest an ihren Lippen, manche Tentakel drangen sogar in ihren Mund. Wu Xiaohao konnte wirklich nicht mehr zusehen, stand auf, rannte in den Hof, musste sich wegen unsicherer Schritte an einem Granatapfelbaum festhalten. Auch Xiao Xue kam heraus, sagte leise: „Wirklich Wahnsinn.“ Er erzählte Wu Xiaohao, ursprünglich habe es auf der Kiemeninsel dieses Gericht nicht gegeben, in ganz Yucheng nicht – Wan Yufeng habe es aus einer TV-Serie gelernt. Sie mache es für Bürgermeister He, und Bürgermeister He habe Gefallen daran gefunden. Sie sagten, nachdem man den Kraken hineingesteckt habe, kitzelten die Tentakel in der Speiseröhre, extrem lustvolles Gefühl. Wu Xiaohao winkte hastig ab: „Sag nichts mehr, mir wird übel!“ Xiao Xue ging zur Toilette und kam nicht zurück. Wu Xiaohao wollte nicht hineingehen, setzte sich benommen auf einen Steinhocker unter dem Granatapfelbaum. Sie bemerkte nur, wie der Baumschatten an ihren Füßen wanderte, kleine Ameisen hin und her liefen. Sie schaute nach oben – das Ameisennest war in einem Baumloch, Ameisen gingen ein und aus, geschäftig. Wu Xiaohao dachte plötzlich: Kaipo ist ein Granatapfelbaum, Ameisen sind soziale Insekten, seit gestern bin ich dieser „Ameisenkolonie“ beigetreten. Ob in diesem Baumloch vor mir auch ein Festmahl stattfindet? Wenn Ameisen trinken, sind sie auch so rot im Gesicht? Bei der weiteren Beobachtung der Ameisen schien keine einzige unsicher auf den Beinen oder rot im Gesicht zu sein. Nach unbekannter Zeit hörte sie nur den Bürgermeister sagen: „Gehen wir, gehen wir.“ Sie drehte den Kopf – die Trinker kamen aus dem Haus. Bürgermeister He hatte sich überhaupt nicht verändert, ging genauso energisch, mit lauter Stimme. Li Yanmi hatte sein sonst braves Aussehen abgelegt, grinste nur noch. Li Dabiao steckte sich aus unerfindlichem Grund beim Gehen Zigaretten hinter beide Ohren, zwei auf jeder Seite, legte noch mehr darauf. Wan Yufeng kam heraus und stürzte sofort auf Wu Xiaohao zu, hielt sie in alkoholgeschwängertem Atem fest: „Du hast den rohen Kraken nicht probiert, so ein tolles Gefühl nicht zu erleben ist ein großer Verlust im Leben.“ Wu Xiaohao wollte sich nicht mit ihr befassen, befreite sich aus ihrer Umarmung, wankte taumelnd zum Hoftor. Am Anleger verabschiedete sich Wu Xiaohao von den Dorfkadern, stieg mit He Chengshou und den anderen ins Schnellboot. Das Schnellboot verließ den Anleger. Wu Xiaohao saß mit dem Bürgermeister in der letzten Sitzreihe. Sie fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, senkte den Kopf: „Bürgermeister, ich bin betrunken, entschuldigung.“ He Chengshou sagte: „Einmal richtig betrunken zu sein, lässt dich mit allen verschmelzen.“ Wu Xiaohao drehte das Gesicht zu ihm: „Warum bist du nicht betrunken?“ He Chengshou lachte laut: „Ich habe ein Alkoholleck, tausend Gläser machen mich nicht betrunken.“ „Wo ist dein Alkoholleck?“ He Chengshou zeigte mit dem Gesicht zur Seite, deutete unter den linken Unterkieferknochen. Wu Xiaohao schaute genau hin – unter seinem breiten Unterkiefer waren zwei lila Flecken, feucht schimmernd. Wu Xiaohao sagte erstaunt: „Du bist wirklich ein Kiemenmensch.“ Gerade als sie staunte, erschien plötzlich eine große Hand vor ihrem Gesicht, fünf Finger, drei gestreckt, zwei gekrümmt. Hinter dieser Hand war Bürgermeister Hes ölig glänzendes Lächeln. Die gekrümmten, zu einem Ring verbundenen Daumen und Mittelfinger sprangen plötzlich auseinander. Als der Mittelfinger hochschnellte, traf es ihre Stirn mit einem „Plopp“. Dieser Schmerz strahlte wie ein elektrischer Strom in ihr ganzes Gehirn, übertrug sich auf alle Organe. |
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| 吴小蒿走近霸王鞭, 被它的气势深深震撼: 波涛汹涌, 它安然若素; 鸥鸟起落, 它无动于衷。郭默向她讲, 霸王鞭是一块凶险之地, 当地人没有敢上的。外地人不知好歹,看到这里景象别致, 兴致勃勃上去拍照或者捡牡蛎,一不小心就会落水, 落水后很难爬上来, 每年这里都有人死掉。看着礁石上刻的" 霸王鞭”三字,吴小蒿怵然生悸。 | | 吴小蒿走近霸王鞭, 被它的气势深深震撼: 波涛汹涌, 它安然若素; 鸥鸟起落, 它无动于衷。郭默向她讲, 霸王鞭是一块凶险之地, 当地人没有敢上的。外地人不知好歹,看到这里景象别致, 兴致勃勃上去拍照或者捡牡蛎,一不小心就会落水, 落水后很难爬上来, 每年这里都有人死掉。看着礁石上刻的" 霸王鞭”三字,吴小蒿怵然生悸。 | ||
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| 她看见, 那道礁石到了岸边, 还是呈凸起状, 延伸出两百多米, 竟然到了很大的一座庭院门口, 门上方挂了一块匾, 上面写着" 神佑集团" 四个大字。她见过一些集团公司总部, 但没有一个是在这种大院里。她问郭默神佑集团老板是谁, 郭默用冷眼向那边一瞅, 压低声音说: “‘虎盗’!” 吴小蒿不明白, 郭默告诉她, 虎鲨是鲨鱼中最凶猛的一种, 神佑集团老总慕平川, 像虎鲨一样凶狠, 当地人就给他起了这么个外号。 | | 她看见, 那道礁石到了岸边, 还是呈凸起状, 延伸出两百多米, 竟然到了很大的一座庭院门口, 门上方挂了一块匾, 上面写着" 神佑集团" 四个大字。她见过一些集团公司总部, 但没有一个是在这种大院里。她问郭默神佑集团老板是谁, 郭默用冷眼向那边一瞅, 压低声音说: “‘虎盗’!” 吴小蒿不明白, 郭默告诉她, 虎鲨是鲨鱼中最凶猛的一种, 神佑集团老总慕平川, 像虎鲨一样凶狠, 当地人就给他起了这么个外号。 | ||
| − | | Abends rief Wu Xiaohao in ihrem Quartier ihre beste Freundin Zhen Yueyue an und erzählte ihr von den Erlebnissen des Tages. Zhen Yueyue sagte am Telefon mit schadenfreudiger Genugtuung: „Gut, gut, wer hat dich aufs Land geschickt, wer sagte, du hättest hohe Ideale und große Ambitionen, wer wollte das gute Leben nicht haben und musste dreißig Kilometer aus der Stadt ziehen, um diese stellvertretende Bürgermeisterin zu werden. Warte ab, es dauert nicht lange, dann bist du eine nach Alkohol stinkende, fluchende Funktionärin, vielleicht wälzt du dich sogar mit stinkenden Fischern im Bett – nein, im Sandstrand. Ich warne dich, bring mir bloß kein retrogrades Baby mit Fischkiemen, ich traue mich nicht hinzuschauen, mir wird schlecht!“ Als Wu Xiaohao das hörte, zitterte die Hand, die das Handy hielt. Sie atmete tief ein, sagte im gewohnten Scherz-Ton mit Yueyue: „Chefin, dass du mein Aufs-Land-Gehen nicht unterstützt, heißt nicht, dass du mich so beleidigen musst, das ist zu gemein, oder?“ „Schwiegermutter? Früher ja, künftig nicht unbedingt. Wenn es so weitergeht – ungleiches Paar...“ Wu Xiaohaos Herz begann zu zittern. Sie legte einfach auf, ließ sich aufs Bett fallen, seufzte lang: „Ach...“ Vor zwei Monaten hatte Wu Xiaohao die Ausschreibung der Organisationsabteilung des Bezirkskomitees gesehen – Rekrutierung von stellvertretenden Abteilungsleitern für Gemeinden. Sie beschloss, sich zu bewerben. Diese Entscheidung stieß auf Widerstand vieler – Ehemann, Kind, beste Freundin, niemand stimmte zu. In vieler Leute Augen war die Arbeit beim Bezirkskonsultativrat für eine Frau ideal – jedes Jahr ein Heft Kulturgeschichte herausgeben, entspannt und ruhig, nach Feierabend Hausarbeit, das Kind betreuen, ein kleines Leben mit Rhythmus führen. Dass ihr Ehemann You Haoliang dagegen war, kümmerte sie nicht, denn sie wollte von ihm wegkommen, sie hatte die Qual, die er ihr über zehn Jahre zugefügt hatte, wirklich satt. Dass das Kind, das in der dritten Grundschulklasse war, dagegen war, erwartete sie – Mutter und Tochter hingen aneinander, Trennung würde wehtun. Sie dachte: Zum Glück liebt You Haoliang das Kind sehr, mit seiner Betreuung kann ich beruhigt sein, das Kind wird mich später verstehen. Aber sie hatte nicht erwartet, dass Yueyues Worte so heftig wären. Nach dem Universitätsabschluss kam Wu Xiaohao nach | + | | Abends rief Wu Xiaohao in ihrem Quartier ihre beste Freundin Zhen Yueyue an und erzählte ihr von den Erlebnissen des Tages. Zhen Yueyue sagte am Telefon mit schadenfreudiger Genugtuung: „Gut, gut, wer hat dich aufs Land geschickt, wer sagte, du hättest hohe Ideale und große Ambitionen, wer wollte das gute Leben nicht haben und musste dreißig Kilometer aus der Stadt ziehen, um diese stellvertretende Bürgermeisterin zu werden. Warte ab, es dauert nicht lange, dann bist du eine nach Alkohol stinkende, fluchende Funktionärin, vielleicht wälzt du dich sogar mit stinkenden Fischern im Bett – nein, im Sandstrand. Ich warne dich, bring mir bloß kein retrogrades Baby mit Fischkiemen, ich traue mich nicht hinzuschauen, mir wird schlecht!“ Als Wu Xiaohao das hörte, zitterte die Hand, die das Handy hielt. Sie atmete tief ein, sagte im gewohnten Scherz-Ton mit Yueyue: „Chefin, dass du mein Aufs-Land-Gehen nicht unterstützt, heißt nicht, dass du mich so beleidigen musst, das ist zu gemein, oder?“ „Schwiegermutter? Früher ja, künftig nicht unbedingt. Wenn es so weitergeht – ungleiches Paar...“ Wu Xiaohaos Herz begann zu zittern. Sie legte einfach auf, ließ sich aufs Bett fallen, seufzte lang: „Ach...“ Vor zwei Monaten hatte Wu Xiaohao die Ausschreibung der Organisationsabteilung des Bezirkskomitees gesehen – Rekrutierung von stellvertretenden Abteilungsleitern für Gemeinden. Sie beschloss, sich zu bewerben. Diese Entscheidung stieß auf Widerstand vieler – Ehemann, Kind, beste Freundin, niemand stimmte zu. In vieler Leute Augen war die Arbeit beim Bezirkskonsultativrat für eine Frau ideal – jedes Jahr ein Heft Kulturgeschichte herausgeben, entspannt und ruhig, nach Feierabend Hausarbeit, das Kind betreuen, ein kleines Leben mit Rhythmus führen. Dass ihr Ehemann You Haoliang dagegen war, kümmerte sie nicht, denn sie wollte von ihm wegkommen, sie hatte die Qual, die er ihr über zehn Jahre zugefügt hatte, wirklich satt. Dass das Kind, das in der dritten Grundschulklasse war, dagegen war, erwartete sie – Mutter und Tochter hingen aneinander, Trennung würde wehtun. Sie dachte: Zum Glück liebt You Haoliang das Kind sehr, mit seiner Betreuung kann ich beruhigt sein, das Kind wird mich später verstehen. Aber sie hatte nicht erwartet, dass Yueyues Worte so heftig wären. Nach dem Universitätsabschluss kam Wu Xiaohao nach Yucheng und lernte einige Freundinnen kennen, darunter ein paar, mit denen sie Herz und Seele teilen konnte. Nach Feierabend oder sonntags mit besten Freundinnen shoppen gehen, ein Café finden und über Zeiten plaudern, oder mit ihnen ins Umland fahren, einen landschaftlich schönen Ort finden, dort spielen, ein Picknick machen und fröhlich zurückkehren – das waren die wunderbarsten, geschmackvollsten Erlebnisse in Wu Xiaohaos Leben. Wu Xiaohaos beste Freundin war Zhen Yueyue. Diese Person stammte aus einer Jinan-Intellektuellenfamilie mittleren Ranges, ihr Großvater war Mitarbeiter des Provinzkulturgeschichte-Museums, die Eltern arbeiteten beide in Kulturabteilungen. Nach dem Universitätsabschluss sehnte sie sich nach dem Leben am Meer, kam erst nach Yucheng zur Bibliothek. Zhen Yueyue war eine „graugestufte kleine Dame“, Wu Xiaohao bewunderte ihre von innen kommende Vornehmheit und Eleganz, liebte den Umgang mit ihr, sprach oft mit ihr von Herzen, erzählte ihr alles, was sie erlebt hatte. Auch Zhen Yueyue war Wu Xiaohao gegenüber offen, bei Sorgen kam sie immer zu ihr. Einmal saßen sie in einem Café, sprachen so gut, dass sie die Hände über den Tisch hielten, sich in die Augen schauten, stumm vor Rührung. Wu Xiaohao dachte oft: Im Leben einen Seelenverwandten zu haben, genügt – wirklich. Sie erfuhr, in Yucheng gab es einen Volksbrauch: Für Kinder Pateneltern finden, um fehlende Fünf-Elemente-Verbindungen im Schicksal der Kinder zu ergänzen, die Elternpaare wurden dann Schwiegerfamilien, pflegten engen Kontakt. Wenn man Schwiegerfamilie nannte, hatte das schon die Bedeutung von Heiratsverbindung – bei Familien mit je einem Jungen und einem Mädchen machte man oft scherzhaft Witze über die Kinder, um die Familienbeziehung zu vertiefen. Vor zwei Jahren, als Zhen Yueyues Sohn und Wu Xiaohaos Tochter fröhlich zusammen spielten, sagte Zhen Yueyue: „Lasst uns dem lokalen Brauch folgen und Schwiegerfamilien werden.“ Wu Xiaohao sagte: „Gut, ich bin sehr gerne Fa Bu Ers Schwiegermutter.“ Zhen Yueyue glaubte an den Buddhismus, ihr Ehemann hieß Fa Yi, also gaben sie ihrem Sohn den Namen Fa Bu Er. Die beiden erzählten es ihren Ehemännern, beide Männer stimmten zu. Fa Yi war ein Mann aus einer Literaten-Familie, malte freudig für diesen Anlass ein Bild: Darauf ritten zwei Kinder auf Bambuspferden und spielten, daneben zwei Ehepaare, die Gläser erhoben und lächelten, dazu ein Scherzgedicht: „Zwei Kinder auf Bambuspferden, auf und ab. Vier Gläser stoßen an, Schwiegerfamilien sind glücklich.“ Vor einem Monat vereinbarte Zhen Yueyue mit ihr, zusammen die Haare zu färben. Die beiden gingen zum Schönheitssalon, ließen beide ihre Haare aschblond färben, nur die Frisuren waren unterschiedlich – Yueyue hatte Mittelscheitel mit unordentlichen großen Locken; Wu Xiaohao mochte kurzes Haar, bekam einen Pilzkopf. Jetzt, im Quartier der Gemeinde Kaipo, dachte Wu Xiaohao an die Worte „ungleiches Paar“ und raufte sich den Pilzkopf zu einem Hühnernest. Sie dachte: Obwohl Yueyues Worte scherzhaft gemeint waren, war ihre Schlagkraft dennoch groß. Für Wu Xiaohao waren beste Freundinnen wie Yueyue in ihrem Leben wie eine Quelle süßen Wassers in der Wüste, wie eine frische Brise im Nebel. Yueyue zu verlieren wäre ein großer Verlust in ihrem Leben. Jedoch wollte Wu Xiaohao wirklich nicht mehr in ihrer alten Arbeitsstelle Tag für Tag vergeuden. Ursprünglich gab sie beim Bezirkskonsultativrat die „Kulturgeschichte Yucheng“ heraus, war eine ruhige Büroangestellte – dann kam plötzlich ein unzuverlässiger Direktor. Direktor Chu, ehemaliger Direktor eines Amtes, wurde mit vierundfünfzig zum Direktor des Kultur- und Geschichtsbüros des Konsultativrats ernannt. Am ersten Arbeitstag sagte er seinen beiden Untergebenen, er liebe Kulturarbeit nicht, sei auch nicht gut im Schreiben – die Organisation habe ihn hierher „versetzt“, wo er nicht hingehöre. Deshalb trank er nach der Arbeit jeden Tag Tee, prahlte, erzählte von seinen Taten als Direktor, welche großen Verdienste er hatte. Wu Xiaohao wollte nicht zuhören, vertiefte sich in die Kulturgeschichte, arbeitete mühsam daran – aber als sie es Direktor Chu zeigte, sagte er: „Wozu dieses Zeug machen? Bringt es wirtschaftlichen Nutzen?“ Wu Xiaohao war sprachlos, ihre Motivation sank stark. Aber die bereits erstellten Bücher sollten doch veröffentlicht werden? Direktor Chu wollte jedoch nicht zum Finanzamt gehen, um Geld zu holen: „Ich, der alte Chu, habe früher jährlich Millionen verteilt, von allen Seiten kamen Leute zu mir – jetzt soll ich anderen am Kinn wackeln? Niemals!“ Deshalb gab das Bezirkskonsultativrat ursprünglich jedes Jahr eine Ausgabe der „Kulturgeschichte Yucheng“ heraus – nach Direktor Chus Amtsantritt drei Jahre lang keine. Wu Xiaohao streichelte die Manuskripte, in die sie Herzblut gesteckt hatte, war entmutigt, beschloss zu gehen. Sie dachte: Selbst wenn ich an einer Mittelschule unterrichte, hätte ich Erfolgserlebnisse – was soll das hier? Meine beste Zeit – soll ich sie damit verbringen, einem gescheiterten Politiker Tee nachzuschenken, sein Gejammer anzuhören? Nein, niemals! An der Universität war Wu Xiaohao oft bewegt von den von Lehrern erzählten, in Geschichtsbüchern aufgezeichneten edlen Menschen und Patrioten. Besonders als Professor Fang einmal über das China vor hundert Jahren sprach – von Wind und Regen geschüttelt, die Menschen am Ende – da suchten viele Einsichtige, Idealisten nach Chinas Weg, viele opferten ihr Leben. Als Wu Xiaohao das hörte, liefen ihr Tränen übers Gesicht. Sie dachte: Das Leben ist kurz, vergeht wie ein weißes Pferd, kann man in diesem kurzen Sprung der Welt eine Veränderung geben? „Aufstieg und Fall des Landes, jeder ist verantwortlich“ – ich bin kein Mann, nur eine gewöhnliche kleine Frau, aber ich will kein gewöhnliches Leben führen. Zu dieser Zeit sah sie die Rekrutierungsankündigung der Organisationsabteilung des Bezirkskomitees und beschloss sofort, sich zu bewerben. Letzte Woche Mittwoch wurde die Liste der Angenommenen veröffentlicht – sie war dabei. |
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| 吴小蒿端详一下, 发现这座豪宅建在霸王鞭的把柄处, 更能显示主人的强悍与威风。她问:” 你进去看过? " 郭默扭头看着海上:” 进去一回, 就不想再去了。" " 为什么? " " 咳… …吴镇长, 咱们走吧。"吴小蒿便知道, 在这座豪华大院里, 储存着郭默的一份难以言说的经历。 | | 吴小蒿端详一下, 发现这座豪宅建在霸王鞭的把柄处, 更能显示主人的强悍与威风。她问:” 你进去看过? " 郭默扭头看着海上:” 进去一回, 就不想再去了。" " 为什么? " " 咳… …吴镇长, 咱们走吧。"吴小蒿便知道, 在这座豪华大院里, 储存着郭默的一份难以言说的经历。 | ||
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| 6 离开霸王鞭,郭默带吴小蒿向西面的山区奔去,说她已经和石屋村郑书记说好了, 看了那里的" 香山遗美" , 在村里吃饭。 | | 6 离开霸王鞭,郭默带吴小蒿向西面的山区奔去,说她已经和石屋村郑书记说好了, 看了那里的" 香山遗美" , 在村里吃饭。 | ||
| − | | Wu Xiaohao beging einen großen Fehler. An jenem Morgen erhielt sie einen Anruf von Liu Dalou, dem Direktor des Partei- und Regierungsbüros der Gemeinde – Bezirksvorsteher Wen komme nach | + | | Wu Xiaohao beging einen großen Fehler. An jenem Morgen erhielt sie einen Anruf von Liu Dalou, dem Direktor des Partei- und Regierungsbüros der Gemeinde – Bezirksvorsteher Wen komme nach Kaipo zur Untersuchung, Sekretär und Bürgermeister hätten den Bezirksvorsteher bereits an der Grenze abgeholt, alle Kader auf Abteilungsleiterebene sollten sofort vor das Gebäude kommen, um ihn zu begrüßen. Wu Xiaohao eilte hinunter, sah über zehn Kader nacheinander herunterkommen, alle standen dort. Nach einigen Minuten fuhr das Auto des Sekretärs und Bürgermeisters durch das Tor, dahinter ein nagelneuer Luxus-Geländewagen. Das Auto des Sekretärs und Bürgermeisters parkte westlich vom Tor, dieser Wagen hielt genau vor Wu Xiaohao an. Wu Xiaohao dachte: Ich sollte dem Bezirksvorsteher aktiv die Autotür öffnen, und streckte lächelnd die Hand aus. In diesem Moment rannte Zhou Bin vom Auto her zu ihr, rief ihr leise zu: „Wu Xiaohao, was machst du da?“ Wu Xiaohao zog hastig die Hand zurück. Zhou Bin griff nach dem Türgriff, öffnete die Tür des Bezirksvorstehers, verbeugte sich, strahlte übers ganze Gesicht: „Bezirksvorsteher, bitte steigen Sie aus.“ Wu Xiaohao erkannte sofort, dass sie falsch gehandelt hatte. Ja, was wolltest du tun? Welche Qualifikation hast du, die Autotür zu öffnen? Unter aller Augen – wenn du das machst, denken die Leute, du willst dich beim Bezirksvorsteher einschmeicheln. Sie trat zurück, das Gesicht hochrot. Der Bezirksvorsteher ging unter Begleitung der Kaipo-Kader ins Konferenzzimmer, hörte Sekretär Zhou Bins Bericht zu. Wu Xiaohao war abwesend, hörte nicht, was der Sekretär berichtete, nur dessen Tadel hallte in ihren Ohren wie eine Glocke. Aber innerlich war sie nicht überzeugt. Um Führungskräften die Autotür zu öffnen, braucht man Qualifikation? Braucht man strikte Rangordnung, darf die „Regeln“ nicht überschreiten? Diese Amtsbräuche – heute hatte sie eine Lektion bekommen. Nach Zhou Bins Bericht nickte Bezirksvorsteher Wen: „Gut, lasst uns hinuntergehen und schauen.“ Der Bezirksvorsteher verließ unter Begleitung der beiden Kaipo-Führungskräfte das kleine Konferenzzimmer, verließ den Hof. Kader ohne Qualifikation zur Begleitung gingen entweder zurück ins Büro oder zu ihren betreuten Dörfern oder Orten. Wu Xiaohao wollte ursprünglich die Direktorin der Kulturstation bitten, Kulturstätten zu besichtigen, aber jetzt hatte sie keine Stimmung mehr, ging einfach ins Büro zurück und setzte sich. Sie wusste, heute würde das heiße Gesprächsthema unter den Kaipo-Kadern sein, dass sie die Autotür öffnen wollte. Ihre Vermutung erwies sich als richtig. Nach einer Weile kam eine Frau mittleren Alters herein, das Gesicht voller Empörung: „Frau Vize-Bürgermeisterin Wu, ich hörte von meinem alten Lai, der Sekretär hat Sie gerade zurechtgewiesen?“ Wu Xiaohao stand auf und fragte: „Darf ich fragen, wie Sie heißen?“ Die Frau sagte: „Mein Name ist Hao, Hao Juan, stellvertretende Direktorin des Familienplanungsbüros, Lai Chunxiang ist mein Mann.“ Wu Xiaohao wusste nun – der Vorsitzende des Gemeinde-Volkskongresses Lai hatte ihrer Blamage seiner Frau erzählt. Wu Xiaohao stand auf, lächelte sie gezwungen an: „Wer hat mich geheißen, die Regeln nicht zu kennen?“ Hao Juan hob eine Hand und wedelte heftig: „Was für beschissene Regeln! Dieser Zhou hat zu viele Allüren! Sie als Frau und Neuankömmling – er beschämt Sie öffentlich, gibt es so eine Führungskraft?“ Sie bemerkte, dass beim Sprechen Hao Juans Lippen sich zu dichten Falten verzogen, sodass der Mund wie zwei Mopptücher aussah. Hao Juans Worte drückten wirklich Wu Xiaohaos Kummer im Herzen aus. Aber sie wusste, die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Gemeinde waren komplex verschlungen, sie durfte nicht unbedacht antworten, zeigte auf einen Stuhl gegenüber, bat Hao Juan, sich zu setzen. Hao Juan setzte sich und sagte weiter: „Der Sekretär ist unmöglich, dich als Frau hier unterzubringen – warum ausgerechnet in diesem Quartier!“ Wu Xiaohao war gestern zur Anmeldung gekommen, Direktor Liu Dalou hatte sie zu einem Zimmer hinter dem Bürogebäude geführt, sagte, das sei ihr Quartier, außerdem, früher habe hier ein stellvertretender Bürgermeister gewohnt, der sei im Rentenalter nach Hause gegangen. Sie sah das Zimmer sauber geputzt, dachte nicht weiter nach, legte ihr Bettzeug ab. Sie fragte Hao Juan: „Was ist mit dem Zimmer?“ Hao Juan sagte: „Dort hat ein Toter gewohnt.“ „Was?“ Wu Xiaohaos Kopfhaut kribbelte, sie fragte dringend nach. Hao Juan erzählte ihr: Etwa 1980-irgendwas sei ein Parteisekretär geschickt worden, ein gerade graduierter gut aussehender Universitätsstudent. Der Parteisekretär wollte seine Schreibfähigkeit testen, ließ ihn am ersten Abend eine Rede schreiben, die der Sekretär am nächsten Tag bei der Mobilisierungsversammlung für die Dreifach-Produktion nutzen wollte. Am nächsten Morgen stellte der Sekretär fest, dass der Sekretär ihm die Rede nicht gebracht hatte, ließ jemanden sie holen. Der Mann klopfte an die Tür, aber der Sekretär antwortete nicht, ging zurück und meldete es dem Sekretär. Der Sekretär rief mehrere Leute zusammen, sie klopften und riefen, aber drinnen gab es keine Reaktion. Gezwungenermaßen befahl der Sekretär, die Tür aufzubrechen. Als alle hineingingen, entdeckten sie, dass der Sekretär sich am hinteren Fenster erhängt hatte, auf dem Schreibtisch lagen zusammengeknüllte Papiere. Aufgemacht – auf jedem Papier standen nur drei Zeichen „Genossen“ plus ein Doppelpunkt. Wu Xiaohao bekam eine Gänsehaut. Sie sah undeutlich am hinteren Fenster ihres Quartiers einen jungen Mann hängen. Hao Juan machte eine Geste: „Leute mit Sekretärs-Herkunft gibt es zwei Arten: Eine wird von anderen zu Tode gequält, die andere quält andere zu Tode. Dieser oben gestorbene Kerl hatte gerade Dienst angetreten, kannte die Situation überhaupt nicht, der Sekretär ließ ihn eine Rede schreiben, er war besonders gesichtsbewusst, nahm notgedrungen ein Seil und beendete sich selbst. Die andere Art – lange als Sekretär, jahrelange Schwiegersohn wird zur Schwiegermutter, dann quält man Untergebene, unser Sekretär Zhou ist genau so einer.“ Wu Xiaohao wusste, Sekretär Zhou Bin war früher stellvertretender Direktor des Bezirkskomitee-Büros, zuständig für Schriftarbeit, war ein Meister im Verfassen von Materialien, gewöhnliche Texte fanden kaum seine Anerkennung. Sie fragte: „Er ist hier nicht mehr speziell für Schriftarbeit zuständig, wie quält er noch Untergebene?“ |
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| 刚走到半路,吴小蒿的手机响了。她让郭默把车停下, 掏出手机接听,原来是党政办主任刘大楼告诉她, 书记午后两点半要找她谈话。她想, 书记找我谈什么呢? 十有八九是开车门那件事。她心里像塞了一把乱草, 糟乱不堪。 | | 刚走到半路,吴小蒿的手机响了。她让郭默把车停下, 掏出手机接听,原来是党政办主任刘大楼告诉她, 书记午后两点半要找她谈话。她想, 书记找我谈什么呢? 十有八九是开车门那件事。她心里像塞了一把乱草, 糟乱不堪。 | ||
| − | | Halbgeschlossene Augen und Missstände: Die Bürokratie dreht ihre Mühlräder. Direktor Liu vom Büro schreibt einen Entwurf, aber dem Sekretär gefällt er nicht. Er lässt ihn immer wieder überarbeiten, bis Liu völlig erschöpft ist. Direktor Liu hat sich anderen gegenüber beklagt: Manchmal, wenn er bis Mitternacht an Dokumenten arbeitet und geistig am Ende ist, möchte er wirklich seinem Vorgänger folgen und sich erhängen. Nicht nur er – viele sagen, dass ihre Dokumente beim Sekretär immer wieder abgelehnt werden, und sie nicht mehr weiterleben wollen. „Welche Art von Dokumenten schreiben die Leute denn?“ „Jeder muss schreiben – Arbeitsberichte, Zusammenfassungen, alle paar Tage muss wieder etwas eingereicht werden. Schau, Gemeindekader sollten sich auf praktische Arbeit konzentrieren, warum so viele Dokumente? Aber Sekretär Zhou sagt, egal wie gut die Arbeit ist, sie muss sich in geschriebenen Worten niederschlagen. Die Fähigkeit mit dem Stift ist die wichtigste Fähigkeit eines Kaders. Er hat sogar einen Slogan aufgestellt, wie hieß er noch? Ach ja: 'Schrift ist wichtiger als der Himmel'.“ Als Wu Xiaohao dies hörte, musste sie an zwei Verse des Qing-Literaten und Historikers Zhao Yi denken: „Mit einem Federkiel die drei Reiche erschaffend, wird er zur Säule, die Himmel und Erde trägt.“ Sie kannte den Spruch „Schrift ist wichtiger als der Himmel“ bereits und dachte: Unter Gelehrten mag dies angebracht sein, um die extreme Wichtigkeit guten Schreibens zu betonen, aber als Slogan für Basiskader klingt es doch etwas absurd. | + | | Halbgeschlossene Augen und Missstände: Die Bürokratie dreht ihre Mühlräder. Direktor Liu vom Büro schreibt einen Entwurf, aber dem Sekretär gefällt er nicht. Er lässt ihn immer wieder überarbeiten, bis Liu völlig erschöpft ist. Direktor Liu hat sich anderen gegenüber beklagt: Manchmal, wenn er bis Mitternacht an Dokumenten arbeitet und geistig am Ende ist, möchte er wirklich seinem Vorgänger folgen und sich erhängen. Nicht nur er – viele sagen, dass ihre Dokumente beim Sekretär immer wieder abgelehnt werden, und sie nicht mehr weiterleben wollen. „Welche Art von Dokumenten schreiben die Leute denn?“ „Jeder muss schreiben – Arbeitsberichte, Zusammenfassungen, alle paar Tage muss wieder etwas eingereicht werden. Schau, Gemeindekader sollten sich auf praktische Arbeit konzentrieren, warum so viele Dokumente? Aber Sekretär Zhou sagt, egal wie gut die Arbeit ist, sie muss sich in geschriebenen Worten niederschlagen. Die Fähigkeit mit dem Stift ist die wichtigste Fähigkeit eines Kaders. Er hat sogar einen Slogan aufgestellt, wie hieß er noch? Ach ja: 'Schrift ist wichtiger als der Himmel'.“ Als Wu Xiaohao dies hörte, musste sie an zwei Verse des Qing-Literaten und Historikers Zhao Yi denken: „Mit einem Federkiel die drei Reiche erschaffend, wird er zur Säule, die Himmel und Erde trägt.“ Sie kannte den Spruch „Schrift ist wichtiger als der Himmel“ bereits und dachte: Unter Gelehrten mag dies angebracht sein, um die extreme Wichtigkeit guten Schreibens zu betonen, aber als Slogan für Basiskader klingt es doch etwas absurd. Hao Juan fuhr fort: Das ist noch nicht alles. Er verlangt auch, dass in den Berichten der übergeordneten Stellen und in den Medien regelmäßig Nachrichten aus Kaipo erscheinen. Er hat ein Belohnungssystem eingeführt: Für eine Veröffentlichung in zentralen Medien gibt es zehntausend Yuan Prämie, auf Provinzebene fünftausend, auf Stadtebene eintausend. Sag mal, du hast jahrelang in der Stadt gearbeitet, kennst du nicht Medienkontakte? Hilf mir doch, einen Artikel zu platzieren. Sie zog ein auf kleinstmögliche Größe gefaltetes Blatt Druckpapier aus der Tasche hervor. Erst jetzt verstand Wu Xiaohao den wahren Grund für Hao Juans Besuch. Sie nahm den Text entgegen und entfaltete ihn. Es war eine Halbjahres-Zusammenfassung der Familienplanungsarbeit in Kaipo, in der sie keine besonderen Höhepunkte finden konnte. Aber sie wollte Hao Juan nicht direkt ablehnen und sagte: „Direktorin Ban, ich habe früher in der politischen Konsultativkonferenz des Bezirks gearbeitet und habe nicht viele Kontakte zu Medienleuten. Wenn ich in die Stadt zurückkehre, werde ich versuchen, es über jemanden an die Zeitung weiterzuleiten, damit sie einen Blick darauf werfen.“ Hao Juan faltete die Hände und verbeugte sich wiederholt: „Danke, Bürgermeisterin Wu, vielen Dank!“ Nach dem Dank begann Hao Juan über ihren Ehemann zu sprechen. Sie erzählte: Vor drei Jahren wurde der damalige Sekretär Chen befördert und versetzt. Ihr Mann hätte Chens Nachfolger werden sollen – er war schließlich seit acht Jahren stellvertretender Sekretär, wer sonst sollte es sein? Doch unerwartet fiel Zhou Bin wie aus heiterem Himmel herein, und ihr Mann musste sich mit dem macht- und einkommenslosen Posten des Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses zufriedengeben. Bei Nachforschungen stellte sich heraus, dass Zhou Bin unbedingt auf die Basisebene wollte, um sich für eine Beförderung zum stellvertretenden Abteilungsleiter zu qualifizieren. Er hatte sich bei den Führungskräften angebiedert und kam so nach Kaipo. Dieser Mensch ist sehr ehrgeizig. Was hat er seit seiner Ankunft getan? Verschönerungsprojekte und Schreibkram... Wu Xiaohao wurde unruhig. Sie konnte Hao Juan nicht länger zuhören – zu viel Kontakt mit solchen tratschenden Beamtinnen würde sie in einen Strudel von Klatsch und Tratsch ziehen, aus dem sie sich nicht mehr befreien könnte. Sie sagte: „Direktorin Ban, entschuldige bitte, ich kann nicht länger mit dir reden. Ich muss mit Stationsleiterin Guo Mo ausgehen.“ Hao Juans Gesicht zeigte einen rätselhaften Ausdruck: „Du gehst mit ihr aus? Sie ist die große Vertraute des Sekretärs. Wenn du dich gut mit ihr stellst, stellst du dich gut mit dem Sekretär.“ Wu Xiaohao wurde etwas ärgerlich: „Was willst du damit sagen? Ich bin für Kultur zuständig, unsere Beziehung ist rein beruflich, nichts weiter.“ Hao Juan hatte offensichtlich vor, ihr Herz auszuschütten: „Gerade weil du für die Kulturstation zuständig bist, musst du sie verstehen. Diese Frau ist eine Fischertochter. Dass sie Stationsleiterin werden konnte, liegt nicht nur daran, dass sie singen kann, sondern auch daran, dass sie mit den Führungskräften auf eine bestimmte Weise umgeht.“ Dabei zwinkerte sie Wu Xiaohao zu. Wu Xiaohao wollte dieses Gerede nicht länger hören und rief Guo Mo an: „Xiao Mo, lass uns gehen.“ Sie stand auf und ging nach draußen. Hao Juan folgte ihr bis zur Tür und flüsterte Wu Xiaohao zu: „Ich vertraue dir, deshalb sage ich dir das alles. Erzähl es bloß niemandem weiter.“ |
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| 郭默说:”吴镇长, 书记找你谈话, 你顺便给我美言几句。我干文化站站长五年了, 一直兢兢业业, 咱们镇的文化工作在全区名列前茅, 可是书记老是批评我, 也不知为啥。” | | 郭默说:”吴镇长, 书记找你谈话, 你顺便给我美言几句。我干文化站站长五年了, 一直兢兢业业, 咱们镇的文化工作在全区名列前茅, 可是书记老是批评我, 也不知为啥。” | ||
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| 吴小蒿根据这话判断:郝娟上午讲郭默,纯属虚构。如果郭默和书记有一腿, 她不会这样求我。吴小蒿就说:” 好的。不过, 我初来乍到, 跟书记不熟, 咱们一起努力, 把文化这一摊子搞好吧。” | | 吴小蒿根据这话判断:郝娟上午讲郭默,纯属虚构。如果郭默和书记有一腿, 她不会这样求我。吴小蒿就说:” 好的。不过, 我初来乍到, 跟书记不熟, 咱们一起努力, 把文化这一摊子搞好吧。” | ||
| − | | Kaum hatte Wu Xiaohao das Bürogebäude verlassen, sah sie Guo Mo auf einem Motorrad vom Kulturzentrum am hinteren Ende des Geländes heranfahren. Das Motorrad war uralt, machte ohrenbetäubenden Lärm, und der blaue Rauch, der aus dem Auspuff quoll, war deutlich sichtbar. Guo Mo hielt an, auf ihrem hübschen Gesicht ein Lächeln: „Bürgermeisterin Wu, du hast ein Auto zu Hause, bringst es aber nicht nach | + | | Kaum hatte Wu Xiaohao das Bürogebäude verlassen, sah sie Guo Mo auf einem Motorrad vom Kulturzentrum am hinteren Ende des Geländes heranfahren. Das Motorrad war uralt, machte ohrenbetäubenden Lärm, und der blaue Rauch, der aus dem Auspuff quoll, war deutlich sichtbar. Guo Mo hielt an, auf ihrem hübschen Gesicht ein Lächeln: „Bürgermeisterin Wu, du hast ein Auto zu Hause, bringst es aber nicht nach Kaipo. Jetzt muss ich dich mit diesem Schrotthaufen herumfahren.“ Wu Xiaohao schwang ein Bein über den Rücksitz: „Wenn ich das Auto hierher bringe, wie soll mein Kind dann zur Schule kommen? Ich muss es meinem Mann überlassen.“ „Dann kauf doch ein zweites.“ „Wie soll das gehen? Ich zahle noch einen Hypothekenkredit ab.“ Guo Mo sagte: „Dass du eine Wohnung in der Stadt hast, ist doch auch eine Art Glück. Wir wohnen hier in kostenlosen Gemeindewohnungen, aber unsere Kinder leiden darunter. Die Grundschulen auf dem Land haben eine so schlechte Unterrichtsqualität. In welchem Zeitalter leben wir, und die Lehrer unterrichten immer noch im lokalen Dialekt – das bringt mich um! Lass uns erst das Stele anschauen. Halt dich fest, los geht's.“ Wu Xiaohao ließ sich von Guo Mo fahren, aus dem Regierungsgelände hinaus. Guo Mo trug keinen Helm, ihr langes Haar wehte und streifte Wu Xiaohaos Gesicht. Als sie an Hao Juans Worte dachte, empfand Wu Xiaohao keine Sympathie für die Frau vor ihr. Das Haar, das über ihr Gesicht strich, fühlte sich wie etwas an, das sie als „Beleidigung“ bezeichnen würde. Sie erinnerte sich daran, in Geschichtsbüchern gelesen zu haben, dass es in der Jin-Dynastie einen General namens Guo Mo gegeben hatte, der als Gouverneur von Jiangzhou diente. Wang Xizhi war auch Gouverneur von Jiangzhou gewesen und hatte einen guten Ruf hinterlassen, aber jener Guo Mo hatte eine schlechte Bilanz und starb eines unnatürlichen Todes. Sie fragte Guo Mo, warum sie diesen Namen bekommen habe. Guo Mo sagte: „Als ich klein war, konnte ich gut reden und singen. Mein Vater war genervt und gab mir diesen Namen, damit ich ein wenig schweigen würde. Aber als ich groß wurde, konnte ich trotzdem nicht schweigen, haha.“ Während sie so fuhren, hob Guo Mo plötzlich eine Hand und winkte wiederholt zu einem Wohngebäude: „Bruder Niu, hallo!“ Wu Xiaohao schaute hinauf, sah aber niemanden am Gebäude, und fragte verwirrt: „Wen rufst du denn?“ Guo Mo hielt das Motorrad an und zeigte zum Gebäude hinauf: „Schau, da ist doch 'Bruder Niu'! Ich mag seine Art sehr und grüße ihn jedes Mal, wenn ich hier vorbeikomme.“ Erst jetzt bemerkte Wu Xiaohao, dass aus einem Fenster im sechsten Stock ein gelber Kuhkopf herausragte. Die Kuh kümmerte sich nicht um Guo Mo, sie kaute wieder und schaute in die Ferne, während Speichel aus ihrem Maul tropfte, der beinahe auf Wu Xiaohaos Gesicht gefallen wäre. Sie fragte erstaunt: „Wie kann man im sechsten Stock eine Kuh halten? Wie ist sie da hochgekommen?“ Guo Mo sagte: „In Bauernhochhäusern gibt es alles Mögliche. Angeblich gibt es welche, die Schafe halten, Schweine halten, Hühner und Enten halten. Diese Familie hat im Frühling das Kalb mit einem Flaschenzug hochgezogen, und jetzt ist es groß geworden.“ Wu Xiaohao fragte: „Wie kommt es wieder runter?“ Guo Mo sagte: „Keine Ahnung.“ Sie zeigte auf die Gebäude: „Diese drei Häuser sind Sekretär Zhous Meisterwerk. Vor zwei Jahren ließ er, um Kaipo die nicht-landwirtschaftliche Bevölkerung zu vergrößern und aus einem Dorf eine Gemeinde zu machen, zwei nahegelegene Dörfer abreißen und die Dorfbewohner hier konzentrieren. Alle nennen sie 'Bauernhochhäuser'. Die Dorfbewohner in den Hochhäusern haben viele Unannehmlichkeiten, sie müssen weit laufen, um ihre Felder zu erreichen.“ Wu Xiaohao schaute zu „Bruder Niu“ hinauf und sah, wie er immer noch in die Ferne starrte. Sie dachte: Du sehnst dich wohl nach den grünen Wiesen und deinen Gefährten auf dem Berg, nicht wahr? Als sie das Dorf Kaipo erreichten, wurde das Gelände immer höher, bis es schließlich zu einem kleinen Hügel wurde, auf dem einige Kiefern wuchsen. Nach einer kurzen Strecke zeigte Guo Mo auf den Straßenrand: „Dort ist es.“ Wu Xiaohao stieg ab und sah ein Erdnussfeld am Straßenrand, an dessen Rand eine Stele aus blauem Stein stand. Guo Mo erzählte Wu Xiaohao, dass nach den Worten der alten Leute der alte Ulmenbaum hier einst so dick und hoch gewesen sei, dass seine Krone eine halbe Mu Land bedecken konnte. In den 1950er Jahren, als die Versorgungsgenossenschaft von Kaipo gegründet wurde, schlug jemand vor, den Ulmenbaum zu fällen und aus den Brettern Ladentheken zu machen. Eine Gruppe von Leuten kam zum Fällen, aber nachdem sie ein paar Mal gesägt hatten, floss aus der Wunde Blut, und sie flohen erschrocken. Der Direktor der Genossenschaft glaubte es nicht und sagte, das sei kein Blut, sondern nur Baumsaft. Er sägte selbst, einen ganzen Tag lang, bis der Baum endlich gefällt war. Sie zerlegten ihn in breite, dicke Bretter und legten sie auf die gemauerten Ladentheken. Als sie klein war, ging sie zur Genossenschaft einkaufen und berührte die über einen Meter breiten Theken, wobei sie sich vorstellte, wie dick dieser Ulmenbaum gewesen sein musste. Wu Xiaohao hatte bereits im Ortsnamenbuch der Yucheng gelesen, dass Kaipo seinen Namen von den Ulmen hatte, die hier früher wuchsen. Sie fragte Guo Mo, ob es in Kaipo noch Ulmen gäbe. Guo Mo sagte nein. Die Forstverwaltung hatte im gesamten Gemeindegebiet eine Bestandsaufnahme gemacht – nicht ein einziger Baum war übrig. Weil das Holz so wertvoll war, waren alle gefällt worden. Nach der Fällung des letzten alten Ulmenbaums blieb nur noch diese Stele übrig. Wu Xiaohao war schmerzlich berührt und trat näher, um die Stele zu betrachten. Sie war in der Mitte zerbrochen und mit Zement wieder zusammengefügt worden. Glücklicherweise war die Inschrift noch vollständig – ein Fünf-Zeilen-Gedicht: *Wer pflanzte einst diesen Baum, Der Zeit und Ewigkeit überdauert? Im Konfuzius-Hain steht der heilige Baum, Im staubigen Meer wandelt er Menschenherzen. Oft betrachte ich die Yin und Yang von Himmel und Erde, Gelehrte folgen dem Schatten der Ulme, Runde Blätter tränenbenetzt am Gewand.* Darunter stand: „Im dreiundzwanzigsten Jahr der Daoguang-Ära, im späten Herbst, von Shen Yao, Bildungsbeauftragter der Yucheng, nach dem Gedicht von Shi Runzhang über die von Zigong gepflanzte Ulme.“ Als sie die Unterschrift las, erinnerte sie sich plötzlich: Im dritten Studienjahr war die gesamte Klasse mit dem Zug nach Qufu gefahren, um den Konfuziustempel, die Konfuzius-Residenz und den Konfuzius-Friedhof zu besichtigen. Vor dem Grab des Konfuzius hatte sie die „von Zigong gepflanzte Ulme“ gesehen, aber das war nur ein Stück versteinertes Holz. Der Führer hatte erklärt, dass die Ulme ein heiliger Baum sei – der Stamm gerade, die Zweige regelmäßig, ein Vorbild für alle Bäume. Damals hatte sie das Holzstück ehrfürchtig betrachtet. Sie erinnerte sich auch, dass dort eine weitere Stele mit einem Lobgedicht stand, aber dessen Inhalt hatte sie vergessen. Sie suchte auf Baidu mit ihrem Handy und fand das Gedicht des berühmten Dichters der frühen Qing-Zeit, Shi Runzhang, über die von Zigong gepflanzte Ulme: |
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| 走了一会儿平路,再驶上一条山道,吴小蒿感觉到海拔高度不断增加。车子停在山腰, 郭默说, 这就是香山, 海拔一百八十六米, 摩崖石刻就在上面。吴小蒿一转脸, 看见了远处的大海和海中的鲤岛, 就问郭默, 这里离海有多远。郭默说, 十二公里。这片山区, 被称作" 楷坡镇的青藏高原" 。 | | 走了一会儿平路,再驶上一条山道,吴小蒿感觉到海拔高度不断增加。车子停在山腰, 郭默说, 这就是香山, 海拔一百八十六米, 摩崖石刻就在上面。吴小蒿一转脸, 看见了远处的大海和海中的鲤岛, 就问郭默, 这里离海有多远。郭默说, 十二公里。这片山区, 被称作" 楷坡镇的青藏高原" 。 | ||
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| 郭默带吴小蒿走进办公室, 见几个中年男人正在里面抽烟。一个四十来岁的站起来, 对郭默笑着说:“哎哟, 大歌星来了, 快坐! " 郭默说:“歌星算什么? 我把吴镇长带来了! 人家是凭本事考上的副科级干部, 周一才来咱镇报到。" 她向吴小蒿介绍, 那人是这个村的书记, 叫郑立前。 | | 郭默带吴小蒿走进办公室, 见几个中年男人正在里面抽烟。一个四十来岁的站起来, 对郭默笑着说:“哎哟, 大歌星来了, 快坐! " 郭默说:“歌星算什么? 我把吴镇长带来了! 人家是凭本事考上的副科级干部, 周一才来咱镇报到。" 她向吴小蒿介绍, 那人是这个村的书记, 叫郑立前。 | ||
| − | | Guo Mo fragte: „Was bedeutet dieses Gedicht? Ich verstehe es nicht.“ Wu Xiaohao erklärte es ihr ausführlich: Das Gedicht stamme von Shen Yao, dem Bildungsbeauftragten der | + | | Guo Mo fragte: „Was bedeutet dieses Gedicht? Ich verstehe es nicht.“ Wu Xiaohao erklärte es ihr ausführlich: Das Gedicht stamme von Shen Yao, dem Bildungsbeauftragten der Yucheng in der Qing-Dynastie, und sei nach dem Gedicht von Shi Runzhang verfasst worden. Dieser Mann habe die von Zigong gepflanzte Ulme in Qufu verehrt und gehofft, mit der konfuzianischen Lehre die Menschenherzen zu wandeln, aber er habe unüberwindbare Schwierigkeiten gespürt und sei sehr enttäuscht gewesen. Unter diesem großen Ulmenbaum habe er gesessen und beim Anblick der fallenden Blätter Tränen vergossen. Während sie erzählte, stellte sie sich die Szene vor: Im Herbstwind, bei fallenden Blättern, sitzt ein alter Gelehrter mit großen Ambitionen unter dem Baum, traurig und besorgt um die Moral der Welt. Guo Mo sagte: „Oh, dieser Mensch war ziemlich gefühlvoll.“ Diese Bemerkung ließ Wu Xiaohao nicht wissen, ob sie lachen oder weinen sollte. Guo Mo zeigte auf einen Hügel: „Heute haben wir nicht genug Zeit, wir können nicht mehr zum Guaxin'ao hinaufgehen.“ „Guaxin'ao? Was bedeutet das?“ Guo Mo erklärte, dass früher die Fischer, wenn sie aufs Meer hinausfuhren, wenn sie das Dorf nicht mehr sehen konnten, auffällige Landmarken als Orientierungspunkte nutzten. Wenn die Fischer aus Kaipo von ihrer Fahrt zurückkehrten und diesen kleinen Hügel aus dem Meer auftauchen sahen, wussten sie, dass sie bald zu Hause waren, und konnten sich beruhigen. Deshalb nannten sie diesen Hügel „Guaxin'ao“ – was bedeutet, dass ihr Herz dort aufgehängt war. Wu Xiaohao betrachtete den Hügel und dachte: Was für ein schöner Name, originell und treffend. Das nächste Ziel war die Dan-Ruine. Die beiden verließen Kaipo und fuhren sieben bis acht Kilometer nach Nordosten. Der mehrere hundert Meter breite Liu-Fluss erschien vor ihnen, beide Ufer waren von Schilf in ein purpurrotes Violett getaucht. Wenn man nach Osten zur Flussmündung blickte, konnte man das schwarze Watt und die blaue Meeresoberfläche sehen. Sie überquerten die Brücke und fuhren nach Westen. Am Dorfeingang hielt Guo Mo vor einer großen Steinplatte an. Wu Xiaohao stieg ab und sah, dass in der Mitte der Platte die vier großen Schriftzeichen „Dan-Ruine“ eingraviert waren, darüber stand „Nationale Schlüsselstätte für Kulturgüterschutz“ und darunter „Verkündet vom Staatsrat der Volksrepublik China am 25. Mai 2006, errichtet von der Volksregierung der Provinz Shandong.“ In der Nähe waren Felder zu sehen – hoher Mais und niedriges Erdnusslaub. Zweihundert Meter entfernt standen einige Bauernhäuser, unter einem Baum saßen ein paar alte Frauen und unterhielten sich. Wu Xiaohao wusste bereits von dieser Stätte aus der Longshan-Periode der Dawenkou-Kultur, hatte sie aber noch nie besucht. Im städtischen Museum hatte sie die zahlreichen dort ausgegrabenen Ton- und Jadegeräte gesehen, einige schwarze Keramikbecher glänzten wie neue und repräsentierten das höchste handwerkliche Niveau der prähistorischen chinesischen Keramikherstellung. Während ihres Studiums an der Shandong-Universität hatte Professor Fang Zhiming in einer Vorlesung von seinen Erfahrungen bei der archäologischen Arbeit an der Dan-Ruine erzählt. Als er von der Entdeckung eines Jadebretts sprach, beschrieb er mit beiden Händen gestikulierend, voller Begeisterung, und diese Gesten und Ausdrücke waren Wu Xiaohao noch lebhaft in Erinnerung. Peinlicherweise war sie in ihren acht Jahren in der Yucheng nie hierher gekommen. Wu Xiaohao fragte, wo die Kulturschicht der Dan-Ruine sei. Guo Mo zeigte ringsum und erklärte, unter dem Dan-Dorf und den umliegenden Feldern lägen überall kulturelle Überreste, insgesamt über vierzigtausend Quadratmeter. Während der Volkskommunenzeit wollte die Führung, weil hier überwiegend schwarze Erde war, dass alle Dörfer der Kommune Menschen schickten, um sie als Dünger abzutragen. Glücklicherweise griffen die Kreisbehörden ein und stoppten das Vorhaben. Wenn im Dorf für Hausfundamente gegraben wurde, fand man oft Tonscherben, manchmal sogar Jadeperlen. Ein vollständig erhaltener schwarzer Hochbecherbecher aus muschelförmiger Keramik wurde dem städtischen Museum übergeben und wurde dort zum Hauptschatz. Nicht weit entfernt gab es einen frisch ausgehobenen Wassergraben. Im Querschnitt war unter der Ackerkrume tatsächlich eine dicke Kulturschicht zu sehen, schwarze Erde, in der überall Tonscherben verstreut waren. Es gab auch einige rote Erdklumpen, die eindeutig gebrannt worden waren. Wu Xiaohao verstand: Dies war ein Keramik-Werkstattgelände von vor viertausend Jahren. Der Ort hieß Dan-Dorf und die Ruine Dan-Ruine wahrscheinlich wegen dieser verlassenen alten Öfen. Guo Mo hob ein winziges grauschwarzes Objekt vom Boden auf, nicht größer als ein Fingernagel, und reichte es Wu Xiaohao: „Das ist eine Tonscherbe von damals.“ Wu Xiaohao betrachtete es – das Objekt hatte abgerundete Kanten, eine poröse Textur, zweifellos hatte es Jahrtausende überdauert. Sie fragte sich: Ist dies ein Stück von einem Ritualgefäß oder von einem Alltagsgegenstand? Hatte es Wasser enthalten? Getreide? Oder Wein? Wu Xiaohao hatte an der Universität chinesische Geschichte studiert und war besonders an der prähistorischen Zeit interessiert. Oft stellte sie sich vor: Wie genau hatte sich die Menschheit nach der Trennung von den Affen Schritt für Schritt zur Zivilisation entwickelt? Doch die Bücher erzählten davon, abgesehen von Mythen, nur Legenden. Zum Glück gab es Archäologen, die aus der Wildnis, unter der Erdoberfläche, die Überreste prähistorischer Menschen ausgruben und sie zum Sprechen brachten. In China hatten sie eine Reihe von Fundstätten mit kulturellen Ablagerungen freigelegt, und so entstanden die Hetao-Kultur, die Yangshao-Kultur, die Dawenkou-Kultur, die Longshan-Kultur... Von diesen Kulturtypen respektierte Wu Xiaohao die Longshan-Kultur am meisten. Die repräsentative Fundstätte der Longshan-Kultur lag einige Dutzend Kilometer östlich von Jinan, und Wu Xiaohao hatte während ihres Studiums dort Praktikum gemacht. Wissenschaftler gingen davon aus, dass die Longshan-Kultur-Zeit der legendären Periode der Fünf Kaiser entsprach. Damals gab es zehntausend Staaten im Land China, und der Gelbe Kaiser, Zhuanxu, Ku, Yao und Shun beeindruckten durch ihre Tugend und Fähigkeiten die Welt, und alle Meere waren friedlich. In dieser Zeit begann die chinesische Nation sich zu formen, und die östliche Zivilisation begann ihr großes Kapitel. Nach der Besichtigung der Dan-Ruine ging es weiter zum „Peitsche des Hegemons“. Die beiden fuhren nach Osten, und als sie südlich des Fischereihafens Walbucht ankamen, sahen sie ihn sofort. Dort erstreckte sich vom Strand aus ein Riff ins Meer hinaus, Abschnitt für Abschnitt verbunden, allmählich schmaler werdend, wie ein langer Peitschenstiel. Wu Xiaohao hatte beim Lesen von „Historische Schriften der Yucheng“ ein Dokument gesehen und erfahren, dass diese Hegemon-Peitsche bei Ebbe aus dem Wasser auftauchte, sich zwischen Meer und Himmel erstreckte; bei Flut versank sie im Wasser und hinterließ nur einen dunklen Schatten. Die Einheimischen erzählten sich, dies sei eine Peitsche, die der König von Chu hier einst verloren hatte. Wu Xiaohao näherte sich der Hegemon-Peitsche und war von ihrer Ausstrahlung tief beeindruckt: Wellen brandeten, aber sie blieb ruhig; die Gezeiten stiegen und fielen, aber sie blieb unbewegt. Guo Mo erzählte ihr, die Hegemon-Peitsche sei ein gefährlicher Ort, die Einheimischen wagten sich nicht hinauf. Auswärtige kannten die Gefahr nicht, sahen die außergewöhnliche Landschaft, kletterten begeistert hinauf, um Fotos zu machen oder Muscheln zu sammeln, und wenn sie unvorsichtig waren, fielen sie ins Wasser. Einmal im Wasser, war es sehr schwer, wieder herauszuklettern, und jedes Jahr gab es hier Opfer. Beim Anblick der drei in den Felsen gemeißelten Schriftzeichen „Hegemon-Peitsche“ spürte Wu Xiaohao plötzlich einen Schauer. Sie sah, dass das Riff am Ende des Strandes immer noch die Form einer Peitsche behielt und sich über zweihundert Meter hinaus erstreckte, bis es direkt zu einem großen Anwesen führte. Über dem Tor hing eine Tafel mit den vier Schriftzeichen „Shenyou-Gruppe“. Sie hatte Hauptquartiere einiger Konzerne gesehen, aber keines befand sich in einem solchen Gehöft. Sie fragte Guo Mo, wer der Chef der Shenyou-Gruppe sei. Guo Mo zeigte mit dem Kinn dorthin und flüsterte: „Hu Xie.“ Wu Xiaohao verstand nicht. Guo Mo erklärte, Hu Xie sei die wildeste Haiart, und der Generaldirektor der Shenyou-Gruppe, Huang Pingchuan, sei wie ein Tigerhai – brutal und grausam, deshalb hätten die Einheimischen ihm diesen Spitznamen gegeben. Wu Xiaohao betrachtete alles genau und stellte fest, dass dieses prächtige Anwesen am Griff der Hegemon-Peitsche gebaut war, was die Wildheit und Dominanz seines Besitzers noch mehr zur Geltung brachte. Sie fragte: „Warst du schon mal drinnen?“ Guo Mo drehte den Kopf und schaute aufs Meer: „Einmal, und ich will nicht mehr daran denken.“ „Warum?“ „Ach... Bürgermeisterin Wu, lass uns gehen.“ Wu Xiaohao verstand, dass in diesem prächtigen Anwesen eine schwer auszusprechende Erfahrung für Guo Mo verborgen lag. Nachdem sie die Hegemon-Peitsche verlassen hatten, fuhr Guo Mo mit Wu Xiaohao in die westlichen Berge und sagte, sie habe bereits mit Sekretär Zheng vom Shihu-Dorf gesprochen. Nach der Besichtigung der „Duftenden Berg-Reliquien“ würden sie im Dorf essen. Kaum waren sie auf die Landstraße gefahren, klingelte Wu Xiaohaos Handy. Sie ließ Guo Mo anhalten, holte ihr Handy heraus und nahm den Anruf entgegen. Es war Direktor Liu Dajie vom Partei- und Regierungsbüro, der ihr mitteilte, dass der Sekretär sie um halb drei zum Gespräch bitten wolle. Sie dachte: Was will der Sekretär von mir? Wahrscheinlich geht es um die Autotür-Sache. Ihr Herz war wie von wildem Gras überwuchert, durcheinander und unruhig. Guo Mo sagte: „Bürgermeisterin Wu, wenn der Sekretär mit dir spricht, leg bitte ein gutes Wort für mich ein. Ich bin seit fünf Jahren Kulturstationsleiterin, arbeite gewissenhaft, und unsere kulturelle Arbeit in der Gemeinde steht bezirksweit an erster Stelle. Aber Sekretär Zhou kritisiert mich ständig, ich weiß nicht warum.“ Aufgrund dieser Worte schloss Wu Xiaohao: Hao Juans Gerede über Guo Mo war reine Erfindung. Wenn Guo Mo wirklich eine Affäre mit dem Sekretär hätte, würde sie nicht so um Fürsprache bitten. Wu Xiaohao sagte hastig: „Gut. Allerdings bin ich gerade erst angekommen und kenne den Sekretär noch nicht gut. Lass uns gemeinsam daran arbeiten, den Kulturbereich gut zu führen.“ Nach einer Weile Fahrt auf flachem Gelände bogen sie auf eine Bergstraße ein, und Wu Xiaohao spürte, wie die Höhe stetig zunahm. Sie hielten am Berghang, und Guo Mo erklärte, dies sei der Duftende Berg mit einer Höhe von einhundertsechsundachtzig Metern, und die Mogao-Steininschrift befinde sich oben. Wu Xiaohao drehte sich um und sah in der Ferne das Meer und die Kiemeninsel. Sie fragte erstaunt Guo Mo, wie weit es bis zum Meer sei. Guo Mo antwortete: Zwölf Kilometer. Dieses Berggebiet werde als das „tibetische Hochplateau von Kaipo“ bezeichnet. Das Geräusch von Gongs und Trommeln drang aus dem Dorf. Guo Mo runzelte die Stirn: „Was ist das für ein furchtbares Gedröhne? Klingt ja schrecklich!“ Wu Xiaohao hörte, dass die Gongs und Trommeln nicht gut koordiniert waren, keinen Rhythmus hatten und chaotisch klangen. Sie fragte: „Warum spielen sie Gongs und Trommeln?“ Guo Mo sagte: „Keine Ahnung.“ Guo Mo führte Wu Xiaohao ein paar Dutzend Meter weiter, bis sie zu einer Felswand kamen. Die Felswand war über zwanzig Meter hoch, unten befand sich eine große Höhle. Über dem Höhleneingang waren die vier großen Zeichen „Duftender Berg – Verbleibende Schönheit“ in Yan-Stil-Kalligraphie eingraviert, mit der Unterschrift „Geschrieben von Landrat Zheng Li der Yucheng im zehnten Jahr der Kangxi-Ära“. Die rote Farbe in den vertieften Schriftzeichen war vollständig abgeblättert, fleckig und schmutzig. Wu Xiaohao hatte bereits in der „Kreischronik der Yucheng“ gelesen: Ein Bauer lebte in einer Steinhöhle am Duftenden Berg. Eines Tages kam ein Gast vorbei, dessen Esel eine Ladung Silber trug. Der Bauer bewahrte es für ihn auf. Plötzlich kam ein Beamter auf der Suche, sagte, das Silber sei Diebesgut, und verlangte es zurück. Der Bauer gab alles zurück. Der Gast dankte mit Gold, aber der Bauer lehnte entschieden ab. Als Landrat Zheng Li davon erfuhr, schrieb er „Duftender Berg – Verbleibende Schönheit“ als Auszeichnung. Sie traten ein und sahen, dass die Steinhöhle außen eng und innen weit war, die Steinwände schwarz verrußt. In der Mitte befand sich ein steinerner Ofen, darauf Türen und Fenster, und dahinter waren Räume abgeteilt mit steinernen Betten. Wu Xiaohao dachte: Die Bauern des Shihu-Dorfes lebten an einem solch einfachen Ort und bewahrten dennoch die traditionelle Tugend – das ist wirklich großartig. Sie fragte sich auch: Warum war der Esel mit dem Silber hierher gelaufen? Sie ging zur Ostwand und schaute hinunter, entdeckte unten eine Landstraße von Nord nach Süd – das war die Hauptverkehrsstraße von der Yucheng nach Nordosten. Wahrscheinlich hatte der Besitzer des Esels auf halber Strecke Pause gemacht und das Tier nicht gut festgebunden, sodass es sich losgerissen hatte und auf den Berg gelaufen war. Guo Mo sagte: „Lass uns zur Dorfverwaltung zum Essen gehen.“ Die beiden gingen den steilen Bergweg hinunter ins Dorf. Zu diesem Zeitpunkt erklangen die Gongs und Trommeln erneut, diesmal mit klarer Trennung von Yin und Yang, voller Variationen und sehr schön anzuhören. Die beiden kamen zum Gelände der Dorfverwaltung und sahen dort eine Gruppe alter Männer Gongs und Trommeln spielen, daneben standen ein paar junge Leute. Ein hagerer alter Mann in einem grünen Hemd, mit zwei auseinanderstehenden Vorderzähnen, spielte die Hauptrolle. Beim Trommeln leuchteten seine Augen, er war äußerst aufgeregt, das grüne Hemd flatterte, und er wurde zu einem alten Stachelschwein. Guo Mo führte Wu Xiaohao ins Büro, wo einige Männer mittleren Alters rauchten. Ein etwa Vierzigjähriger stand auf und sagte lächelnd zu Guo Mo: „Oh, die große Sängerin ist da, setz dich doch!“ Guo Mo sagte: „Was bedeutet schon Sängerin? Ich habe Bürgermeisterin Wu mitgebracht! Sie ist eine stellvertretende Abteilungsleiterin, die ihre Position durch echte Fähigkeiten erlangt hat und erst am Montag in Kaipo angekommen ist.“ Sie stellte vor, dass dieser Mann der Sekretär des Dorfes sei und Zheng Liqian heiße. Wu Xiaohao fragte, warum draußen Gongs und Trommeln gespielt würden. Zheng Liqian warf einen Blick in den Hof: „Diese alten Männer behaupten, sie könnten es.“ Er erzählte Wu Xiaohao, dass heute Nachmittag jemand im Dorf heirate und die Braut abgeholt werden müsse, aber alle jungen Leute seien nicht zu Hause, und es seien nicht genug Leute für die Gongs und Trommeln gefunden worden. Mit Mühe und Not hätten sie ein paar Halbwüchsige zusammengebracht, die die öffentlichen Gongs und Trommeln des Dorfes zum Üben herausholten, aber die Klänge seien völlig durcheinander. Mehrere alte Männer, die Gongs und Trommeln spielen konnten, seien vorbeigekommen und hätten gesagt, sie würden ihnen etwas vorspielen, und nun hätten sie Feuer gefangen. Der alte Mann, der trommelte, sei der Anführer hier, genannt „Alter Hua Gu“, weil er besondere Variationen trommeln könne. Wu Xiaohao hatte schon gehört, dass früher die Menschen in der Yucheng Hochzeiten am Abend feierten, aber in der Stadt hatte sich die Sitte auf den Morgen verlegt. Sie hatte nicht gedacht, dass im Berggebiet die alte Tradition noch bestand. Sie schaute den Alten Hua Gu an und sagte: „Sie spielen so gut, das muss doch einen Namen haben?“ Ein alter Mann mit grauen Haaren neben ihm sagte, sie spielten „Ein Jin ergibt zwei Liang“. Guo Mos Augen leuchteten auf: „Das ist also 'Ein Jin ergibt zwei Liang'? Ich kenne dieses Schlagzeugstück, habe es aber noch nie gehört.“ Sie holte ihr Handy heraus und filmte an der Tür. Am Tor entstand Lärm, Guo Mo hörte auf zu filmen und rief laut: „Wessen Ziege ist das?“ Wu Xiaohao schaute hin und sah eine Frau mittleren Alters, die eine Ziege am Tor führte. Die Ziege wollte nicht hineingehen, stemmte alle vier Beine in den Boden und zog nach hinten. Hinter der Frau riefen mehrere Kinder im Chor: „Dienstziege, Dienstziege! Wenn ein Beamter kommt, wird sie geschlachtet!“ Die alten Männer hörten nicht mehr auf, „Ein Jin ergibt zwei Liang“ zu spielen, sondern schlugen mit düsteren Gesichtern auf die Gongs und Trommeln in einem eintönigen Rhythmus, als würden sie den Rufen der Kinder Nachdruck verleihen. „Dienstziege?“ Wu Xiaohao verstand überhaupt nicht. Der Sekretär schwieg. Guo Mo erklärte ihr: Die Ziegen des Shihu-Dorfes liefen auf den Bergen herum, fraßen den ganzen Tag chinesische Kräuter und tranken Quellwasser, hatten gutes Fleisch, und Führungskräfte von oben kamen besonders gern hierher, um Ziegenfleisch zu essen. Sekretär Zheng hielt zu Hause immer eine bereit, und wenn Führungskräfte kamen, wurde sie geschlachtet. Wenn eine weg war, wurde eine neue gekauft, immer stand eine für die Führungskräfte bereit. Weil immer eine Ziege im Haus war wie im Dienst, hieß sie Dienstziege. Dabei machte sie ein Grimassen: „Danke, Bürgermeisterin Wu, heute esse ich dank dir eine Dienstziege.“ Dann rief sie der Frau zu: „Schwägerin, danke!“ Wu Xiaohao war entsetzt. Normalerweise aß sie gern Ziegenfleisch, aber die Geschichte der Dienstziege erfüllte sie mit Widerwillen. Sie schaute die Ziege an, die bereits von Sekretär Zhengs Frau zur Küchentür gezerrt und an einem Flaschenbaum festgebunden worden war, und immer noch kläglich schrie. Wu Xiaohao sagte zu Guo Mo: „Wir essen nicht hier.“ Damit ging sie in den Hof hinaus. Guo Mo warf Sekretär Zheng einen Blick zu, Sekretär Zheng lief hinaus und sagte: „Bürgermeisterin Wu, du bist zum ersten Mal im Shihu-Dorf, du kannst doch nicht mit leerem Magen gehen!“ Wu Xiaohao sagte: „Wir essen, wenn wir zurückgehen. Ich werde wiederkommen. Die 'Duftender Berg – Verbleibende Schönheit', die in den Felsen gemeißelt ist, und die 'Duftender Berg-Klänge', die die alten Leute spielen, das alles lässt sich nutzen. Aber lass bitte deine Frau keine Dienstziege mehr schlachten!“ Guo Mo fuhr Wu Xiaohao aus dem Dorf hinaus, drehte den Kopf und sagte laut: „Bürgermeisterin Wu, ob du isst oder nicht isst – auf ihrer Rechnung wird trotzdem vermerkt, dass sie uns bewirtet haben!“ Wu Xiaohao sagte: „Egal, was sie aufschreiben, wir haben ein reines Gewissen!“ Um halb drei kam Wu Xiaohao pünktlich zur Tür des Sekretärsbüros. Die Tür war angelehnt, sie klopfte und trat ein, wollte die Tür schließen, aber der Sekretär sagte mit ernster Miene: „Lass die Tür offen.“ Wu Xiaohao verstand, der Sekretär tat dies, um jeden Verdacht zu vermeiden: Ein Gespräch mit einer Genossin mit offener Tür – so klar wie Tofu aus Bohnen – durchsichtig und eindeutig. Das Haar des Sekretärs war im Verhältnis 2:8 gekämmt, jede Strähne perfekt in Ordnung. Er zeigte auf einen Stuhl gegenüber dem Obstschrank, und Wu Xiaohao setzte sich dorthin. Sie begann von sich aus: „Sekretär, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Heute Morgen hätte ich dem Bezirksleiter nicht die Autotür öffnen sollen.“ Zhou Tian zog seine Augenbrauen hoch, schaute Wu Xiaohao an und sagte langsam: „Bürgermeisterin Wu, das ist nicht nur eine Frage des Türöffnens, das betrifft politische Regeln. Du nimmst die Hauptführungskraft der Gemeinde nicht ernst, du willst dich vor dem Bezirksleiter profilieren...“ Wu Xiaohao konnte sich nicht zurückhalten und widersprach: „Sekretär, wo habe ich politische Regeln missachtet? Wo habe ich die Hauptführungskraft nicht ernst genommen? Ich kannte die Sitte nicht, ich wusste es nicht. Das Auto stand genau vor mir, ich wollte instinktiv die Tür öffnen...“ „Ob du die Sitte kanntest oder nicht, du musst gründlich darüber nachdenken. Das darf nicht noch einmal vorkommen.“ Wu Xiaohao nickte. Sekretär Zhou nahm seine Brille ab, zog ein Taschentuch aus der Schachtel auf dem Tisch, wischte die Gläser und sagte: „Bürgermeisterin Wu, die 'Drei Fischerspezialitäten' auf der Kiemeninsel waren wohl sehr lecker?“ Wu Xiaohao wurde sofort wachsam. Sie verstand, dass der Sekretär bereits von ihrem Ausflug zur Kiemeninsel mit dem Gemeindeleiter gehört hatte. Sie bereute, dass sie nicht mit dem Gemeindeleiter dorthin hätte gehen sollen und unterwegs seinen zweideutigen Gesten ausgesetzt war. Aber sie wusste, dass sie die zweideutigen Handlungen des Gemeindeleiters dem Sekretär nicht erzählen konnte, das würde die Sache nur verschlimmern. Sie verteidigte sich: „Der Gemeindeleiter wollte mit mir die Fischereisicherheit überprüfen, also ging ich mit. Ich hatte nicht erwartet, dass sie uns abends so großzügig bewirten würden.“ Zhou Tian schaute sie mit tiefgründigem Blick an: „Du hast noch viel nicht erwartet. 'Fischereisicherheit überprüfen'? Bist du selbst sicher? Du bist eine Genossin, eine stellvertretende Abteilungsleiterin, die der Bezirk gerade erst eingestellt hat, ich muss Verantwortung für dich übernehmen. Ich ermahne dich ausdrücklich, du musst dich selbst zu schätzen wissen und Distanz zu gewissen Personen mit zweifelhaften Absichten halten.“ Wu Xiaohao senkte demütig den Kopf: „Danke, Sekretär, ich verstehe. Ich werde in Zukunft aufpassen.“ Als sie aus dem Büro des Sekretärs kam, saß sie in ihrem eigenen Büro und dachte nach. Jetzt wurde klar: Das Türöffnen war eine Kleinigkeit, mit dem Gemeindeleiter zur Kiemeninsel zu gehen war die große Sache. Sie hatte schon gehört, dass die beiden Hauptverantwortlichen auf Gemeindeebene sich selten nicht stritten, bei Kaipo war es wahrscheinlich genauso. Ich bin gerade erst angekommen und habe dem Sekretär bereits den Eindruck vermittelt, ich sei vom Gemeindeleiter auf seine Seite gezogen worden. Wie soll das weitergehen? Am Abend hatte Wu Xiaohao keine Lust, in die Kantine zu gehen, und ging zu ihrem Wohnheim zurück, legte sich aufs Bett und dachte noch immer über die Kritik des Sekretärs nach, über alle Erlebnisse seit ihrer Ankunft in Kaipo. Sie dachte: Die Gemeinde ist wirklich zu kompliziert, komplizierter als ich mir vorgestellt hatte. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind wie ein Sumpf, die Regeln zahlreich. Als Neuankömmling, vorsichtig und zögernd, macht man schnell Fehler. Ach, Wu Xiaohao, du bist eben ein kleines Gräslein, das noch nicht viel Wind und Regen erlebt hat. Sie schaute aus dem Fenster, es war bereits dunkel geworden, und im Vorhang erschien ein hängender Schatten. Oh, das ist die junge Sekretärin, die hier vor Jahren Selbstmord beging. Ihr ganzer Körper zitterte, die Haare standen ihr zu Berge, sie schaltete hastig das Licht ein. Das ganze Zimmer war hell, der Schatten verschwunden. Ach, der Schatten war nur Einbildung, ich muss mich nicht fürchten. Ihre Tochter rief plötzlich an und flüsterte: „Mama, You Haoliang ist betrunken!“ Wu Xiaohao schaute auf ihre Uhr, es war halb neun. Sie hörte am Telefon, wie You Haoliang betrunken „Mein 1997“ sang, mit verengter Kehle wie ein Literat von damals. Ihr Herz kochte, sie sagte sofort: „Schätzchen, ich will You Haoliang nicht singen hören. Sag mir, ist er trinken gegangen, was hast du gegessen?“ Diandian sagte: „Er hat mir essen mitgebracht, als er zurückkam. Einen großen Krabbenburger und eine Tüte getrocknete Fischstreifen, so lecker!“ You Haoliangs Gesang wurde plötzlich lauter, wahrscheinlich sang er nah am Telefon: „Lass mich in die geschäftige Welt gehen, gib mir ein großes rotes Siegel...“ You Haoliang hatte damals diese beiden Zeilen des Lieds gesungen und Wu Xiaohao angefleht, mit ihm zum Standesamt zu gehen und die Heiratsurkunde zu holen. Als You Haoliang diese beiden Zeilen sang, näherte er sein Gesicht ihrem an, und die beiden Augenfalten wurden noch schmaler. Jetzt tauchten diese Szenen wieder vor Wu Xiaohaos Augen auf, sie konnte es wirklich nicht ertragen und legte auf. „You Haoliang“ ist ein Wortspiel mit „You Haoliang“ (有眼珠), was „hat Augäpfel“ bedeutet. You Haoliang war mittelgroß, mit durchschnittlichem Aussehen. Sein markantestes Merkmal waren zwei Falten auf seinem runden Gesicht. Weil seine Augen Schlitze waren, als könnten sie sich nicht öffnen, gab es in der Oberschule heftige Debatten unter den Mitschülern: Manche sagten, er habe Augäpfel, andere sagten, er habe keine. Damals hatte You Haoliang bereits begonnen, Wu Xiaohao den Hof zu machen. Eine Mitschülerin fragte sie, ob, wenn You Haoliang ihr seine Zuneigung gestand, seine Augen nicht strahlten und man die Augäpfel sehen konnte. Nach sorgfältiger Erinnerung schüttelte Wu Xiaohao den Kopf, denn damals lächelte You Haoliang immer noch, die Augenschlitze wurden noch schmaler. So gaben die Mitschüler ihm den ironischen Spitznamen „You Haoliang“. Wu Xiaohao hatte nie You Haoliangs Augäpfel gesehen. Nachdem die beiden eine intime Beziehung hatten, hätte sie die Gelegenheit gehabt, seine Augenschlitze zu öffnen und hineinzuschauen, aber sie fürchtete, dass sie beim Öffnen noch abstoßenderen Inhalt sehen würde. Normalerweise nannte sie ihn neckisch „You Haoliang“, und er antwortete lächelnd: „Ich habe doch Augäpfel, sonst hätte ich dich doch nicht bemerkt?“ Als ihre Tochter vier Jahre alt war, entwickelte sie einen „Forschergeist“ und hatte einmal die Augenschlitze ihres Vaters geöffnet und erforscht, mit dem Ergebnis, dass er Augäpfel hatte. Von da an rief sie fröhlich „You Haoliang“. Als Wu Xiaohao zum ersten Mal You Haoliangs Vater traf, stellte sie fest, dass Vater und Sohn wie aus einer Form gegossen waren. Später hatte Diandian einmal ihre Großmutter gefragt, ob Opa Augäpfel habe, und Oma lachte: „Keine Ahnung, jedenfalls habe ich in vierzig Jahren mit deinem Großvater nie seine Augäpfel gesehen.“ Diandian wollte gerade ihre künstlerische Fantasie ausleben, als Opa sie unterbrach und laut rief: „Wer sagt, ich habe keine Augäpfel? Wenn ich keine Augäpfel hätte, hätte ich in meiner Jugend Verbrecher verfolgen und mit einem Schuss treffen können?“ Wu Xiaohaos Schwiegervater hieß You Dalian, war Kriminalpolizist, ein ausgezeichneter Schütze. Bei der Verhinderung eines Mordverbrechens hatte er den Messerangreifer mit einem Schuss niedergestreckt. Er stieg bis zum Polizeichef und stellvertretenden Landrat auf. Nach seiner Pensionierung war er immer noch wie zu Amtszeiten, sein Gesicht trug Strenge und Gefährlichkeit. Wenn er durch die Straßen spazierte, runzelte er oft die Stirn und richtete seine Augenschlitze auf diverse Missstände. Wenn er junge Leute herumhängen sah, sagte er wütend: „Wenn ich noch Macht hätte, würde ich euch schon zurechtstutzen!“ Wenn er Mädchen sah, die zu durchsichtig oder freizügig gekleidet waren, spuckte er verächtlich auf den Boden. Vor einigen Jahren erzählte ihre Schwiegermutter Wu Xiaohao, der alte Mann habe auf der Straße eine neue Frisur gesehen, bei der die Koteletten nicht an den Seiten waren, sondern vorne, und sei nach Hause gegangen und wütend geworden: „Diese jungen Leute halten beide Hände an ihre Oberschenkel – sehen sie nicht aus wie Vergewaltiger?“ You Haoliang war You Dalians einziger Sohn, hatte das Aussehen seines Vaters geerbt, aber nicht seine Vorlieben – er liebte nicht Militär, sondern Kunst. In der Highschool umwarb er Wu Xiaohao wie verrückt, sodass seine Noten stark sanken und er die Universität nicht schaffte. You Dalian war wütend und verprügelte seinen Sohn gründlich. Der Sohn wollte nicht zu Hause bleiben, und der Vater, der gerade stellvertretender Landrat war, konnte es nicht länger ansehen. Er sprach mit dem Polizeichef, und You Haoliang wurde Hilfspolizist bei der Verkehrspolizei. Dieser You Haoliang missbrauchte bei der Arbeit seine Macht und vollstreckte willkürlich. Einmal hielt er ein ordnungsgemäß fahrendes Auto an. Er wollte die Papiere des Fahrers sehen, der Fahrer lächelte ihn an und zeigte auf den Rücksitz: „Landrat Wang sitzt im Auto.“ You Haoliang streckte seinen Fuß aus: „Welche Familie hat nicht einen Landrat?“ „Welche Familie hat nicht einen Landrat?“ Diese Anekdote verbreitete sich schnell im ganzen Kreis. Einige Leute, die You Haoliangs Hintergrund kannten, diskutierten: Anscheinend hat You Haoliang doch keine Augäpfel. Als diese Geschichte You Dalian zu Ohren kam, rügte er seinen Sohn wegen der Blamage. Unerwartet verschwand sein Sohn am nächsten Tag und kam drei Tage nicht nach Hause. Der stellvertretende Landrat You ließ das Polizeipräsidium suchen, und die Antwort kam schnell: You Haoliang war bereits nach Guangdong gegangen. Von diesem Zeitpunkt an war Wu Xiaohao, die gerade ihr erstes Studienjahr an der Universität abgeschlossen hatte, vollständig zu einem Solo geworden. |
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| 吴小蒿问外面敲锣打鼓干啥,郑立前向院子里瞅一眼: " 这帮老汉,谝他们有能耐。"他告诉吴小蒿, 今天下午村里有人结婚, 要去接新娘, 可是年轻人都不在家, 敲锣鼓找不齐人。好不容易找来几个半大小子, 把村里公有的响器拿出来操练, 敲出的声音乱七八糟。会弄响器的几个老汉过来说敲给他们听听, 就在这里敲起来了。打鼓的老汉是这帮人的头头儿, 外号" 老花鼓" , 因为他能把鼓点敲出花儿来。 | | 吴小蒿问外面敲锣打鼓干啥,郑立前向院子里瞅一眼: " 这帮老汉,谝他们有能耐。"他告诉吴小蒿, 今天下午村里有人结婚, 要去接新娘, 可是年轻人都不在家, 敲锣鼓找不齐人。好不容易找来几个半大小子, 把村里公有的响器拿出来操练, 敲出的声音乱七八糟。会弄响器的几个老汉过来说敲给他们听听, 就在这里敲起来了。打鼓的老汉是这帮人的头头儿, 外号" 老花鼓" , 因为他能把鼓点敲出花儿来。 | ||
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| 7 两点半,吴小蒿准时来到书记办公室门口。门虚掩着,她敲敲门进去,顺手把门关闭, 书记却一脸严肃地说" 不要关门。" | | 7 两点半,吴小蒿准时来到书记办公室门口。门虚掩着,她敲敲门进去,顺手把门关闭, 书记却一脸严肃地说" 不要关门。" | ||
| − | | Danach konnte Wu Xiaohao diese Angelegenheit nie „regeln“, konnte sich nie von You Haoliang befreien. Denn You Haoliang gab ihr zwei Optionen: weiter zusammenleben und in Frieden bleiben; oder sich trennen, und es würde Blut an der Shandong-Universität fließen. Wu Xiaohao zitterte vor Angst und wählte die Geduld. Sie ertrug es bis zum Abschluss, bestand die Prüfung für | + | | Danach konnte Wu Xiaohao diese Angelegenheit nie „regeln“, konnte sich nie von You Haoliang befreien. Denn You Haoliang gab ihr zwei Optionen: weiter zusammenleben und in Frieden bleiben; oder sich trennen, und es würde Blut an der Shandong-Universität fließen. Wu Xiaohao zitterte vor Angst und wählte die Geduld. Sie ertrug es bis zum Abschluss, bestand die Prüfung für Yucheng und registrierte ihre Ehe mit You Haoliang. Am Neujahrstag 2003 veranstaltete die You-Familie im Regierungsgästehaus des Kreises Pingchang eine prächtige Hochzeitsfeier für sie. Der Moderator bat das Brautpaar, das Geheimnis ihrer erfolgreichen Liebesgeschichte zu verraten. You Haoliang ging auf die Bühne, zwinkerte mit einem Auge und antwortete arrogant: „Sobald ich daran dachte, eine schöne Universitätsabsolventin zur Frau zu bekommen, hatte ich unendliche Kraft und unendliche Mittel!“ |
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| 吴小蓄明白, 书记这是为了避嫌: 与女同志谈话, 要让别人知道是小葱拌豆腐一一一清二白。书记的头发作二八开梳, 理得一丝不苟。他向桌子对面的一把椅子指了指吴, 小蓄便到那里坐下了。 | | 吴小蓄明白, 书记这是为了避嫌: 与女同志谈话, 要让别人知道是小葱拌豆腐一一一清二白。书记的头发作二八开梳, 理得一丝不苟。他向桌子对面的一把椅子指了指吴, 小蓄便到那里坐下了。 | ||
Latest revision as of 12:00, 8 April 2026
| 中文 (Original) | Deutsch (Übersetzung) |
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| 吴小蒿在大学读中国古代史, 对史前时代特感兴趣。她经常独自遐想: 人猿握别之后, 人类到底是怎样一步步走人文明的? 然而, 书上告诉人们的, 除了神话就是传说。幸亏那些考古学者, 从荒野中, 从地表下, 将史前人类的遗留物寻出,让它们说话。在中国, 他们发掘了一系列文化堆积遗址,于是就有了河套文化、仰韶文化、大汶口文化、龙山文化… … 在这些文化类型中, 吴小蒿最尊崇龙山文化。龙山文化的代表性遗址在济南东边几十公里, 吴小蒿大学期间曾去那儿实习过。据学者推断,龙山文化时代相当于传说中的五帝时期。当时中华大地上万邦林立,黄帝、颛顼、帝喾、尧、舜、凭借他们的德行与才能, 威仪天下, 四海咸服。就在这个时期, 华夏民族开始生成, 东方文明拉开了大幕。 | - - - |
| 看罢丹墟遗址, 再去看" 霸王鞭" 。二人骑车东去, 到钱湾渔港向南一瞥就看到了。那里, 岸边礁石向海中延伸, 节节相连, 渐渐变细, 像一条长鞭。吴小蒿编《隅城文史》时看过资料, 得知这霸王鞭退潮时露出来, 亮鞭于海天之间; 涨潮时隐人水中, 只显一道幽幽的鞭影。当地人传说, 这是楚霸王当年遗落在这里的一根鞭子。 | Das Mittagessen ließ Wu Xiaohao an ein Internetwort denken, das ihre Tochter im Tagebuch benutzte: „großes Kalzium-Essen“. Was sie in Erstaunen versetzte: Die meisten Meeresfrüchte wurden roh gegessen – Seegurken in Scheiben geschnitten, Garnelen in Stücke geschnitten, Herzmuscheln gerade aus der Schale – alles mit Essig gegessen. Eine große Schüssel blaugrüne Garnelen, noch vom Alkohol betäubt, streckten und krümmten ihre Beine – aber He Chengshou schnappte sie mit den Stäbchen und steckte sie in den Mund. Als Wu Xiaohao sich nicht traute, die Stäbchen auszustrecken, lachte He Chengshou: „Du bist zu ängstlich! Mit dieser Einstellung – wie willst du harmonisch mit den Massen zusammenleben?“ Als er das so sagte, musste Wu Xiaohao notgedrungen eine Garnele nehmen. Kaum hatte sie sie zum Mund geführt, streckte die Garnele plötzlich ihren Körper. Als sie diesen Todeskampf spürte, wurde Wu Xiaohao übel, sie legte sie hastig zurück auf den Teller, hielt sich den Mund. Wan Yufeng streichelte Wu Xiaohaos Schulter: „Frau Vize-Bürgermeisterin Wu, Schwester Wu, wenn Sie rohes Essen nicht gewohnt sind, servieren wir Ihnen gekochtes. Gestern rief der Bürgermeister extra an, heute sollten wir für Sie die ‚Drei Fischer-Spezialitäten' zubereiten.“ Damit rief sie zur Tür: „Zweiter Bruder, die Drei Fischer-Spezialitäten, Auftritt!“ Der von ihr als „Zweiter Bruder“ gerufene Mann war der Dorfbuchhalter. Er kam lächelnd mit Falten im Gesicht, brachte nacheinander drei Fische auf Tellern. He Chengshou zeigte mit den Stäbchen darauf und sagte zu Wu Xiaohao: „Kopf der Schwarzmaulbrasse, Schwanz des Gelbschwanzmakrele, Bauch des Silbermesserfischs. Früher liebten Fischer diese drei Teile am meisten, heute, um dich zu begrüßen, habe ich extra die Ostwind-Schwiegertochter gebeten, alles vorzubereiten.“ Wu Xiaohao fragte erstaunt: „Begrüßung? Haben Sekretär Zhou und du mich gestern nicht schon begrüßt?“ He Chengshou sagte: „Gestern war das Parteikomitee der Gemeinde, heute ist die Gemeinderegierung. Da kommt so eine talentierte Kollegin, als Bürgermeister muss ich doch extra eine Begrüßung arrangieren, oder? Komm, die Gemeinderegierung Kaipo begrüßt dich, trink dieses Glas!“ Angesichts des vom Bürgermeister erhobenen Glases musste Wu Xiaohao notgedrungen ihr eigenes nehmen und anstoßen, nippte leicht. He Chengshou hielt sein Glas hoch, zeigte auf sie: „So eine Pflaumenschauspielerin, sag mal? Den Alkohol, den ich dir einschenke, wagst du nicht zu trinken?“ Wu Xiaohao bat: „Bürgermeister, ich kann nicht trinken, bitte hab Verständnis.“ He Chengshou verzog das Gesicht: „Wu Xiaohao, ich sage dir feierlich: Kader, die für Sicherheit zuständig sind, müssen sich immer dem Unsicheren stellen. Aber, jedoch, kurzum: Wenn du dieses Glas trinkst, garantiere ich, der alte Cheng, dir Sicherheit!“ Als sie das hörte, regte sich etwas in Wu Xiaohaos Herzen. Gestern bei der gemeinsamen Sitzung der Parteikomitee- und Regierungsführung der Gemeinde hatte Sekretär Zhou Bin verkündet, die neu angetretene stellvertretende Bürgermeisterin Wu Xiaohao sei für Kultur und Sicherheit zuständig. Abends rief sie Qu Weixing, den Direktor der Bezirkskultur- und Sportbehörde, an – er war Absolvent der Literaturwissenschaft der Shandong-Universität, zwei Klassen über ihr – und fragte diesen Studienältesten, wie man diese beiden Arbeiten machen solle. Qu Weixing sagte: „Kultur ist einfach, wir besprechen das zusammen. Aber Sicherheit ist kein Spaß, du sitzt die ganze Zeit auf einem Pulverfass, ein kleiner Fehler und etwas passiert. Sobald etwas passiert, wirst du untersucht, bestraft – ich erschrecke dich nicht – die Möglichkeit des Gefängnisses besteht. Dass Zhou Bin eine Frau für Sicherheit zuständig macht, ist nicht fair.“ Wu Xiaohao schlief die ganze Nacht nicht gut. Sie erinnerte sich an einige von den Medien berichtete Fälle – tatsächlich wurden in manchen Orten bei schweren Sicherheitsunfällen die zuständigen Leiter wegen Pflichtverletzung zu Gefängnisstrafen verurteilt. Sie dachte: Ich habe die Prüfung für stellvertretende Abteilungsleiterin bestanden, bin als stellvertretende Bürgermeisterin nach Kaipo gekommen – sollte das dazu dienen, einen Fuß ins Gefängnis zu setzen? Als sie hörte, der Bürgermeister würde ihr Sicherheit garantieren, wenn sie dieses Glas trinke, beschloss Wu Xiaohao entschlossen, den Alkohol hinunterzukippen. Normalerweise trank sie selten, wenn doch, höchstens zwei bis drei Liang – diesmal opferte sie sich für die Sicherheit. Sie hob das Glas zum Mund, trank einen Schluck, noch einen Schluck, das Gesicht voller Schmerz. Den letzten Rest trank sie hinunter und hustete mehrmals. He Chengshou hob ihr den Daumen: „Gut, Xiao Wu ist eine gute Genossin! Du bist sicher!“ Dabei verzog er das Gesicht und trank auch sein Glas leer. Wu Xiaohao bemerkte: Als He Chengshou den Kopf zurücklegte, ragte sein großes Kinn hervor und enthüllte links und rechts je zwei lange, schmale Flecken, erschreckend deutlich sichtbar. Als sie so starrte, sagte Wan Yufeng: „Worauf starrst du? Er hat Kiemen. Die Kiemenmensch-Vorfahren der Kiemeninsel hatten alle degenerierte Fischkiemen, Shouji ist einer von ihnen.“ Wu Xiaohao war wieder „großes Kalzium“-erstaunt. Sie streckte die Hand aus, um genauer zu untersuchen, aber He Chengshou schlug ihre Hand weg, presste das Kinn fest gegen die Brust, sagte mürrisch: „Was schaust du an! Kiemenmenschen sind nur eine Legende.“ Li Yanmi sagte: „Der Bürgermeister He kann wirklich lange unter Wasser bleiben, ohne zum Luftholen hochzukommen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.“ He Chengshou funkelte ihn an: „Lao Li, erzähl keinen Unsinn! He, zur Begrüßung von Frau Vize-Bürgermeisterin Wu – warum schenkt ihr alle ihr keinen Alkohol ein?“ Was dann passierte, war furchtbar: Li Yanmi, Li Dabiao, Wan Yufeng, der Fahrer des Bürgermeisters, Meister Zhang – alle brachten ihr reihum einen Toast. Sie wagte nicht, die Gläser ganz zu leeren, aber selbst jedes Mal ein bisschen zu trinken war unerträglich. Sie stellte das Glas ab, winkte ab: „Fertig, fertig, ich bin heute völlig fertig!“ Aber He Chengshou klatschte seine beiden großen Hände laut zusammen: „He, Intellektuelle müssen sich doch mit Arbeitern und Bauern verbinden! Um es im Jargon von vor dreißig Jahren zu sagen: Wir sind alle arme und untere Mittelfischer, du musst mit uns tiefe proletarische Gefühle aufbauen!“ Wu Xiaohao machte abwehrende Handbewegungen: „Gefühle kann man nicht erzwingen. Trinkt ihr, ich trinke jedenfalls nicht mehr.“ Wan Yufeng sagte: „Wenn du nicht trinkst, musst du essen. Es kommt noch Besseres.“ Durch den alkoholvernebelten Blick sah Wu Xiaohao den Buchhalter einen Teller mit Kraken bringen – sie waren nicht groß, aber alle lebendig, streckten ihre Saugnäpfe-bewehrten Tentakel. He Chengshou nahm mit den Stäbchen einen, hielt ihn Wu Xiaohao vors Gesicht: „Roh gegessener Krake, probier mal.“ Wu Xiaohao wehrte hastig mit der Hand ab: „Zu gruselig, ich traue mich nicht!“ He Chengshou sagte: „Was ist daran gruselig? Ostwind-Schwiegertochter, zeig es ihr.“ Wan Yufeng sagte „Gut“, nahm einen und hielt ihn an den Mund. Die Tentakel des Kraken hafteten fest an ihren Lippen, manche Tentakel drangen sogar in ihren Mund. Wu Xiaohao konnte wirklich nicht mehr zusehen, stand auf, rannte in den Hof, musste sich wegen unsicherer Schritte an einem Granatapfelbaum festhalten. Auch Xiao Xue kam heraus, sagte leise: „Wirklich Wahnsinn.“ Er erzählte Wu Xiaohao, ursprünglich habe es auf der Kiemeninsel dieses Gericht nicht gegeben, in ganz Yucheng nicht – Wan Yufeng habe es aus einer TV-Serie gelernt. Sie mache es für Bürgermeister He, und Bürgermeister He habe Gefallen daran gefunden. Sie sagten, nachdem man den Kraken hineingesteckt habe, kitzelten die Tentakel in der Speiseröhre, extrem lustvolles Gefühl. Wu Xiaohao winkte hastig ab: „Sag nichts mehr, mir wird übel!“ Xiao Xue ging zur Toilette und kam nicht zurück. Wu Xiaohao wollte nicht hineingehen, setzte sich benommen auf einen Steinhocker unter dem Granatapfelbaum. Sie bemerkte nur, wie der Baumschatten an ihren Füßen wanderte, kleine Ameisen hin und her liefen. Sie schaute nach oben – das Ameisennest war in einem Baumloch, Ameisen gingen ein und aus, geschäftig. Wu Xiaohao dachte plötzlich: Kaipo ist ein Granatapfelbaum, Ameisen sind soziale Insekten, seit gestern bin ich dieser „Ameisenkolonie“ beigetreten. Ob in diesem Baumloch vor mir auch ein Festmahl stattfindet? Wenn Ameisen trinken, sind sie auch so rot im Gesicht? Bei der weiteren Beobachtung der Ameisen schien keine einzige unsicher auf den Beinen oder rot im Gesicht zu sein. Nach unbekannter Zeit hörte sie nur den Bürgermeister sagen: „Gehen wir, gehen wir.“ Sie drehte den Kopf – die Trinker kamen aus dem Haus. Bürgermeister He hatte sich überhaupt nicht verändert, ging genauso energisch, mit lauter Stimme. Li Yanmi hatte sein sonst braves Aussehen abgelegt, grinste nur noch. Li Dabiao steckte sich aus unerfindlichem Grund beim Gehen Zigaretten hinter beide Ohren, zwei auf jeder Seite, legte noch mehr darauf. Wan Yufeng kam heraus und stürzte sofort auf Wu Xiaohao zu, hielt sie in alkoholgeschwängertem Atem fest: „Du hast den rohen Kraken nicht probiert, so ein tolles Gefühl nicht zu erleben ist ein großer Verlust im Leben.“ Wu Xiaohao wollte sich nicht mit ihr befassen, befreite sich aus ihrer Umarmung, wankte taumelnd zum Hoftor. Am Anleger verabschiedete sich Wu Xiaohao von den Dorfkadern, stieg mit He Chengshou und den anderen ins Schnellboot. Das Schnellboot verließ den Anleger. Wu Xiaohao saß mit dem Bürgermeister in der letzten Sitzreihe. Sie fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, senkte den Kopf: „Bürgermeister, ich bin betrunken, entschuldigung.“ He Chengshou sagte: „Einmal richtig betrunken zu sein, lässt dich mit allen verschmelzen.“ Wu Xiaohao drehte das Gesicht zu ihm: „Warum bist du nicht betrunken?“ He Chengshou lachte laut: „Ich habe ein Alkoholleck, tausend Gläser machen mich nicht betrunken.“ „Wo ist dein Alkoholleck?“ He Chengshou zeigte mit dem Gesicht zur Seite, deutete unter den linken Unterkieferknochen. Wu Xiaohao schaute genau hin – unter seinem breiten Unterkiefer waren zwei lila Flecken, feucht schimmernd. Wu Xiaohao sagte erstaunt: „Du bist wirklich ein Kiemenmensch.“ Gerade als sie staunte, erschien plötzlich eine große Hand vor ihrem Gesicht, fünf Finger, drei gestreckt, zwei gekrümmt. Hinter dieser Hand war Bürgermeister Hes ölig glänzendes Lächeln. Die gekrümmten, zu einem Ring verbundenen Daumen und Mittelfinger sprangen plötzlich auseinander. Als der Mittelfinger hochschnellte, traf es ihre Stirn mit einem „Plopp“. Dieser Schmerz strahlte wie ein elektrischer Strom in ihr ganzes Gehirn, übertrug sich auf alle Organe. |
| 吴小蒿走近霸王鞭, 被它的气势深深震撼: 波涛汹涌, 它安然若素; 鸥鸟起落, 它无动于衷。郭默向她讲, 霸王鞭是一块凶险之地, 当地人没有敢上的。外地人不知好歹,看到这里景象别致, 兴致勃勃上去拍照或者捡牡蛎,一不小心就会落水, 落水后很难爬上来, 每年这里都有人死掉。看着礁石上刻的" 霸王鞭”三字,吴小蒿怵然生悸。 | - - - |
| 她看见, 那道礁石到了岸边, 还是呈凸起状, 延伸出两百多米, 竟然到了很大的一座庭院门口, 门上方挂了一块匾, 上面写着" 神佑集团" 四个大字。她见过一些集团公司总部, 但没有一个是在这种大院里。她问郭默神佑集团老板是谁, 郭默用冷眼向那边一瞅, 压低声音说: “‘虎盗’!” 吴小蒿不明白, 郭默告诉她, 虎鲨是鲨鱼中最凶猛的一种, 神佑集团老总慕平川, 像虎鲨一样凶狠, 当地人就给他起了这么个外号。 | Abends rief Wu Xiaohao in ihrem Quartier ihre beste Freundin Zhen Yueyue an und erzählte ihr von den Erlebnissen des Tages. Zhen Yueyue sagte am Telefon mit schadenfreudiger Genugtuung: „Gut, gut, wer hat dich aufs Land geschickt, wer sagte, du hättest hohe Ideale und große Ambitionen, wer wollte das gute Leben nicht haben und musste dreißig Kilometer aus der Stadt ziehen, um diese stellvertretende Bürgermeisterin zu werden. Warte ab, es dauert nicht lange, dann bist du eine nach Alkohol stinkende, fluchende Funktionärin, vielleicht wälzt du dich sogar mit stinkenden Fischern im Bett – nein, im Sandstrand. Ich warne dich, bring mir bloß kein retrogrades Baby mit Fischkiemen, ich traue mich nicht hinzuschauen, mir wird schlecht!“ Als Wu Xiaohao das hörte, zitterte die Hand, die das Handy hielt. Sie atmete tief ein, sagte im gewohnten Scherz-Ton mit Yueyue: „Chefin, dass du mein Aufs-Land-Gehen nicht unterstützt, heißt nicht, dass du mich so beleidigen musst, das ist zu gemein, oder?“ „Schwiegermutter? Früher ja, künftig nicht unbedingt. Wenn es so weitergeht – ungleiches Paar...“ Wu Xiaohaos Herz begann zu zittern. Sie legte einfach auf, ließ sich aufs Bett fallen, seufzte lang: „Ach...“ Vor zwei Monaten hatte Wu Xiaohao die Ausschreibung der Organisationsabteilung des Bezirkskomitees gesehen – Rekrutierung von stellvertretenden Abteilungsleitern für Gemeinden. Sie beschloss, sich zu bewerben. Diese Entscheidung stieß auf Widerstand vieler – Ehemann, Kind, beste Freundin, niemand stimmte zu. In vieler Leute Augen war die Arbeit beim Bezirkskonsultativrat für eine Frau ideal – jedes Jahr ein Heft Kulturgeschichte herausgeben, entspannt und ruhig, nach Feierabend Hausarbeit, das Kind betreuen, ein kleines Leben mit Rhythmus führen. Dass ihr Ehemann You Haoliang dagegen war, kümmerte sie nicht, denn sie wollte von ihm wegkommen, sie hatte die Qual, die er ihr über zehn Jahre zugefügt hatte, wirklich satt. Dass das Kind, das in der dritten Grundschulklasse war, dagegen war, erwartete sie – Mutter und Tochter hingen aneinander, Trennung würde wehtun. Sie dachte: Zum Glück liebt You Haoliang das Kind sehr, mit seiner Betreuung kann ich beruhigt sein, das Kind wird mich später verstehen. Aber sie hatte nicht erwartet, dass Yueyues Worte so heftig wären. Nach dem Universitätsabschluss kam Wu Xiaohao nach Yucheng und lernte einige Freundinnen kennen, darunter ein paar, mit denen sie Herz und Seele teilen konnte. Nach Feierabend oder sonntags mit besten Freundinnen shoppen gehen, ein Café finden und über Zeiten plaudern, oder mit ihnen ins Umland fahren, einen landschaftlich schönen Ort finden, dort spielen, ein Picknick machen und fröhlich zurückkehren – das waren die wunderbarsten, geschmackvollsten Erlebnisse in Wu Xiaohaos Leben. Wu Xiaohaos beste Freundin war Zhen Yueyue. Diese Person stammte aus einer Jinan-Intellektuellenfamilie mittleren Ranges, ihr Großvater war Mitarbeiter des Provinzkulturgeschichte-Museums, die Eltern arbeiteten beide in Kulturabteilungen. Nach dem Universitätsabschluss sehnte sie sich nach dem Leben am Meer, kam erst nach Yucheng zur Bibliothek. Zhen Yueyue war eine „graugestufte kleine Dame“, Wu Xiaohao bewunderte ihre von innen kommende Vornehmheit und Eleganz, liebte den Umgang mit ihr, sprach oft mit ihr von Herzen, erzählte ihr alles, was sie erlebt hatte. Auch Zhen Yueyue war Wu Xiaohao gegenüber offen, bei Sorgen kam sie immer zu ihr. Einmal saßen sie in einem Café, sprachen so gut, dass sie die Hände über den Tisch hielten, sich in die Augen schauten, stumm vor Rührung. Wu Xiaohao dachte oft: Im Leben einen Seelenverwandten zu haben, genügt – wirklich. Sie erfuhr, in Yucheng gab es einen Volksbrauch: Für Kinder Pateneltern finden, um fehlende Fünf-Elemente-Verbindungen im Schicksal der Kinder zu ergänzen, die Elternpaare wurden dann Schwiegerfamilien, pflegten engen Kontakt. Wenn man Schwiegerfamilie nannte, hatte das schon die Bedeutung von Heiratsverbindung – bei Familien mit je einem Jungen und einem Mädchen machte man oft scherzhaft Witze über die Kinder, um die Familienbeziehung zu vertiefen. Vor zwei Jahren, als Zhen Yueyues Sohn und Wu Xiaohaos Tochter fröhlich zusammen spielten, sagte Zhen Yueyue: „Lasst uns dem lokalen Brauch folgen und Schwiegerfamilien werden.“ Wu Xiaohao sagte: „Gut, ich bin sehr gerne Fa Bu Ers Schwiegermutter.“ Zhen Yueyue glaubte an den Buddhismus, ihr Ehemann hieß Fa Yi, also gaben sie ihrem Sohn den Namen Fa Bu Er. Die beiden erzählten es ihren Ehemännern, beide Männer stimmten zu. Fa Yi war ein Mann aus einer Literaten-Familie, malte freudig für diesen Anlass ein Bild: Darauf ritten zwei Kinder auf Bambuspferden und spielten, daneben zwei Ehepaare, die Gläser erhoben und lächelten, dazu ein Scherzgedicht: „Zwei Kinder auf Bambuspferden, auf und ab. Vier Gläser stoßen an, Schwiegerfamilien sind glücklich.“ Vor einem Monat vereinbarte Zhen Yueyue mit ihr, zusammen die Haare zu färben. Die beiden gingen zum Schönheitssalon, ließen beide ihre Haare aschblond färben, nur die Frisuren waren unterschiedlich – Yueyue hatte Mittelscheitel mit unordentlichen großen Locken; Wu Xiaohao mochte kurzes Haar, bekam einen Pilzkopf. Jetzt, im Quartier der Gemeinde Kaipo, dachte Wu Xiaohao an die Worte „ungleiches Paar“ und raufte sich den Pilzkopf zu einem Hühnernest. Sie dachte: Obwohl Yueyues Worte scherzhaft gemeint waren, war ihre Schlagkraft dennoch groß. Für Wu Xiaohao waren beste Freundinnen wie Yueyue in ihrem Leben wie eine Quelle süßen Wassers in der Wüste, wie eine frische Brise im Nebel. Yueyue zu verlieren wäre ein großer Verlust in ihrem Leben. Jedoch wollte Wu Xiaohao wirklich nicht mehr in ihrer alten Arbeitsstelle Tag für Tag vergeuden. Ursprünglich gab sie beim Bezirkskonsultativrat die „Kulturgeschichte Yucheng“ heraus, war eine ruhige Büroangestellte – dann kam plötzlich ein unzuverlässiger Direktor. Direktor Chu, ehemaliger Direktor eines Amtes, wurde mit vierundfünfzig zum Direktor des Kultur- und Geschichtsbüros des Konsultativrats ernannt. Am ersten Arbeitstag sagte er seinen beiden Untergebenen, er liebe Kulturarbeit nicht, sei auch nicht gut im Schreiben – die Organisation habe ihn hierher „versetzt“, wo er nicht hingehöre. Deshalb trank er nach der Arbeit jeden Tag Tee, prahlte, erzählte von seinen Taten als Direktor, welche großen Verdienste er hatte. Wu Xiaohao wollte nicht zuhören, vertiefte sich in die Kulturgeschichte, arbeitete mühsam daran – aber als sie es Direktor Chu zeigte, sagte er: „Wozu dieses Zeug machen? Bringt es wirtschaftlichen Nutzen?“ Wu Xiaohao war sprachlos, ihre Motivation sank stark. Aber die bereits erstellten Bücher sollten doch veröffentlicht werden? Direktor Chu wollte jedoch nicht zum Finanzamt gehen, um Geld zu holen: „Ich, der alte Chu, habe früher jährlich Millionen verteilt, von allen Seiten kamen Leute zu mir – jetzt soll ich anderen am Kinn wackeln? Niemals!“ Deshalb gab das Bezirkskonsultativrat ursprünglich jedes Jahr eine Ausgabe der „Kulturgeschichte Yucheng“ heraus – nach Direktor Chus Amtsantritt drei Jahre lang keine. Wu Xiaohao streichelte die Manuskripte, in die sie Herzblut gesteckt hatte, war entmutigt, beschloss zu gehen. Sie dachte: Selbst wenn ich an einer Mittelschule unterrichte, hätte ich Erfolgserlebnisse – was soll das hier? Meine beste Zeit – soll ich sie damit verbringen, einem gescheiterten Politiker Tee nachzuschenken, sein Gejammer anzuhören? Nein, niemals! An der Universität war Wu Xiaohao oft bewegt von den von Lehrern erzählten, in Geschichtsbüchern aufgezeichneten edlen Menschen und Patrioten. Besonders als Professor Fang einmal über das China vor hundert Jahren sprach – von Wind und Regen geschüttelt, die Menschen am Ende – da suchten viele Einsichtige, Idealisten nach Chinas Weg, viele opferten ihr Leben. Als Wu Xiaohao das hörte, liefen ihr Tränen übers Gesicht. Sie dachte: Das Leben ist kurz, vergeht wie ein weißes Pferd, kann man in diesem kurzen Sprung der Welt eine Veränderung geben? „Aufstieg und Fall des Landes, jeder ist verantwortlich“ – ich bin kein Mann, nur eine gewöhnliche kleine Frau, aber ich will kein gewöhnliches Leben führen. Zu dieser Zeit sah sie die Rekrutierungsankündigung der Organisationsabteilung des Bezirkskomitees und beschloss sofort, sich zu bewerben. Letzte Woche Mittwoch wurde die Liste der Angenommenen veröffentlicht – sie war dabei. |
| 吴小蒿端详一下, 发现这座豪宅建在霸王鞭的把柄处, 更能显示主人的强悍与威风。她问:” 你进去看过? " 郭默扭头看着海上:” 进去一回, 就不想再去了。" " 为什么? " " 咳… …吴镇长, 咱们走吧。"吴小蒿便知道, 在这座豪华大院里, 储存着郭默的一份难以言说的经历。 | - - - |
| 6 离开霸王鞭,郭默带吴小蒿向西面的山区奔去,说她已经和石屋村郑书记说好了, 看了那里的" 香山遗美" , 在村里吃饭。 | Wu Xiaohao beging einen großen Fehler. An jenem Morgen erhielt sie einen Anruf von Liu Dalou, dem Direktor des Partei- und Regierungsbüros der Gemeinde – Bezirksvorsteher Wen komme nach Kaipo zur Untersuchung, Sekretär und Bürgermeister hätten den Bezirksvorsteher bereits an der Grenze abgeholt, alle Kader auf Abteilungsleiterebene sollten sofort vor das Gebäude kommen, um ihn zu begrüßen. Wu Xiaohao eilte hinunter, sah über zehn Kader nacheinander herunterkommen, alle standen dort. Nach einigen Minuten fuhr das Auto des Sekretärs und Bürgermeisters durch das Tor, dahinter ein nagelneuer Luxus-Geländewagen. Das Auto des Sekretärs und Bürgermeisters parkte westlich vom Tor, dieser Wagen hielt genau vor Wu Xiaohao an. Wu Xiaohao dachte: Ich sollte dem Bezirksvorsteher aktiv die Autotür öffnen, und streckte lächelnd die Hand aus. In diesem Moment rannte Zhou Bin vom Auto her zu ihr, rief ihr leise zu: „Wu Xiaohao, was machst du da?“ Wu Xiaohao zog hastig die Hand zurück. Zhou Bin griff nach dem Türgriff, öffnete die Tür des Bezirksvorstehers, verbeugte sich, strahlte übers ganze Gesicht: „Bezirksvorsteher, bitte steigen Sie aus.“ Wu Xiaohao erkannte sofort, dass sie falsch gehandelt hatte. Ja, was wolltest du tun? Welche Qualifikation hast du, die Autotür zu öffnen? Unter aller Augen – wenn du das machst, denken die Leute, du willst dich beim Bezirksvorsteher einschmeicheln. Sie trat zurück, das Gesicht hochrot. Der Bezirksvorsteher ging unter Begleitung der Kaipo-Kader ins Konferenzzimmer, hörte Sekretär Zhou Bins Bericht zu. Wu Xiaohao war abwesend, hörte nicht, was der Sekretär berichtete, nur dessen Tadel hallte in ihren Ohren wie eine Glocke. Aber innerlich war sie nicht überzeugt. Um Führungskräften die Autotür zu öffnen, braucht man Qualifikation? Braucht man strikte Rangordnung, darf die „Regeln“ nicht überschreiten? Diese Amtsbräuche – heute hatte sie eine Lektion bekommen. Nach Zhou Bins Bericht nickte Bezirksvorsteher Wen: „Gut, lasst uns hinuntergehen und schauen.“ Der Bezirksvorsteher verließ unter Begleitung der beiden Kaipo-Führungskräfte das kleine Konferenzzimmer, verließ den Hof. Kader ohne Qualifikation zur Begleitung gingen entweder zurück ins Büro oder zu ihren betreuten Dörfern oder Orten. Wu Xiaohao wollte ursprünglich die Direktorin der Kulturstation bitten, Kulturstätten zu besichtigen, aber jetzt hatte sie keine Stimmung mehr, ging einfach ins Büro zurück und setzte sich. Sie wusste, heute würde das heiße Gesprächsthema unter den Kaipo-Kadern sein, dass sie die Autotür öffnen wollte. Ihre Vermutung erwies sich als richtig. Nach einer Weile kam eine Frau mittleren Alters herein, das Gesicht voller Empörung: „Frau Vize-Bürgermeisterin Wu, ich hörte von meinem alten Lai, der Sekretär hat Sie gerade zurechtgewiesen?“ Wu Xiaohao stand auf und fragte: „Darf ich fragen, wie Sie heißen?“ Die Frau sagte: „Mein Name ist Hao, Hao Juan, stellvertretende Direktorin des Familienplanungsbüros, Lai Chunxiang ist mein Mann.“ Wu Xiaohao wusste nun – der Vorsitzende des Gemeinde-Volkskongresses Lai hatte ihrer Blamage seiner Frau erzählt. Wu Xiaohao stand auf, lächelte sie gezwungen an: „Wer hat mich geheißen, die Regeln nicht zu kennen?“ Hao Juan hob eine Hand und wedelte heftig: „Was für beschissene Regeln! Dieser Zhou hat zu viele Allüren! Sie als Frau und Neuankömmling – er beschämt Sie öffentlich, gibt es so eine Führungskraft?“ Sie bemerkte, dass beim Sprechen Hao Juans Lippen sich zu dichten Falten verzogen, sodass der Mund wie zwei Mopptücher aussah. Hao Juans Worte drückten wirklich Wu Xiaohaos Kummer im Herzen aus. Aber sie wusste, die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Gemeinde waren komplex verschlungen, sie durfte nicht unbedacht antworten, zeigte auf einen Stuhl gegenüber, bat Hao Juan, sich zu setzen. Hao Juan setzte sich und sagte weiter: „Der Sekretär ist unmöglich, dich als Frau hier unterzubringen – warum ausgerechnet in diesem Quartier!“ Wu Xiaohao war gestern zur Anmeldung gekommen, Direktor Liu Dalou hatte sie zu einem Zimmer hinter dem Bürogebäude geführt, sagte, das sei ihr Quartier, außerdem, früher habe hier ein stellvertretender Bürgermeister gewohnt, der sei im Rentenalter nach Hause gegangen. Sie sah das Zimmer sauber geputzt, dachte nicht weiter nach, legte ihr Bettzeug ab. Sie fragte Hao Juan: „Was ist mit dem Zimmer?“ Hao Juan sagte: „Dort hat ein Toter gewohnt.“ „Was?“ Wu Xiaohaos Kopfhaut kribbelte, sie fragte dringend nach. Hao Juan erzählte ihr: Etwa 1980-irgendwas sei ein Parteisekretär geschickt worden, ein gerade graduierter gut aussehender Universitätsstudent. Der Parteisekretär wollte seine Schreibfähigkeit testen, ließ ihn am ersten Abend eine Rede schreiben, die der Sekretär am nächsten Tag bei der Mobilisierungsversammlung für die Dreifach-Produktion nutzen wollte. Am nächsten Morgen stellte der Sekretär fest, dass der Sekretär ihm die Rede nicht gebracht hatte, ließ jemanden sie holen. Der Mann klopfte an die Tür, aber der Sekretär antwortete nicht, ging zurück und meldete es dem Sekretär. Der Sekretär rief mehrere Leute zusammen, sie klopften und riefen, aber drinnen gab es keine Reaktion. Gezwungenermaßen befahl der Sekretär, die Tür aufzubrechen. Als alle hineingingen, entdeckten sie, dass der Sekretär sich am hinteren Fenster erhängt hatte, auf dem Schreibtisch lagen zusammengeknüllte Papiere. Aufgemacht – auf jedem Papier standen nur drei Zeichen „Genossen“ plus ein Doppelpunkt. Wu Xiaohao bekam eine Gänsehaut. Sie sah undeutlich am hinteren Fenster ihres Quartiers einen jungen Mann hängen. Hao Juan machte eine Geste: „Leute mit Sekretärs-Herkunft gibt es zwei Arten: Eine wird von anderen zu Tode gequält, die andere quält andere zu Tode. Dieser oben gestorbene Kerl hatte gerade Dienst angetreten, kannte die Situation überhaupt nicht, der Sekretär ließ ihn eine Rede schreiben, er war besonders gesichtsbewusst, nahm notgedrungen ein Seil und beendete sich selbst. Die andere Art – lange als Sekretär, jahrelange Schwiegersohn wird zur Schwiegermutter, dann quält man Untergebene, unser Sekretär Zhou ist genau so einer.“ Wu Xiaohao wusste, Sekretär Zhou Bin war früher stellvertretender Direktor des Bezirkskomitee-Büros, zuständig für Schriftarbeit, war ein Meister im Verfassen von Materialien, gewöhnliche Texte fanden kaum seine Anerkennung. Sie fragte: „Er ist hier nicht mehr speziell für Schriftarbeit zuständig, wie quält er noch Untergebene?“ |
| 刚走到半路,吴小蒿的手机响了。她让郭默把车停下, 掏出手机接听,原来是党政办主任刘大楼告诉她, 书记午后两点半要找她谈话。她想, 书记找我谈什么呢? 十有八九是开车门那件事。她心里像塞了一把乱草, 糟乱不堪。 | Halbgeschlossene Augen und Missstände: Die Bürokratie dreht ihre Mühlräder. Direktor Liu vom Büro schreibt einen Entwurf, aber dem Sekretär gefällt er nicht. Er lässt ihn immer wieder überarbeiten, bis Liu völlig erschöpft ist. Direktor Liu hat sich anderen gegenüber beklagt: Manchmal, wenn er bis Mitternacht an Dokumenten arbeitet und geistig am Ende ist, möchte er wirklich seinem Vorgänger folgen und sich erhängen. Nicht nur er – viele sagen, dass ihre Dokumente beim Sekretär immer wieder abgelehnt werden, und sie nicht mehr weiterleben wollen. „Welche Art von Dokumenten schreiben die Leute denn?“ „Jeder muss schreiben – Arbeitsberichte, Zusammenfassungen, alle paar Tage muss wieder etwas eingereicht werden. Schau, Gemeindekader sollten sich auf praktische Arbeit konzentrieren, warum so viele Dokumente? Aber Sekretär Zhou sagt, egal wie gut die Arbeit ist, sie muss sich in geschriebenen Worten niederschlagen. Die Fähigkeit mit dem Stift ist die wichtigste Fähigkeit eines Kaders. Er hat sogar einen Slogan aufgestellt, wie hieß er noch? Ach ja: 'Schrift ist wichtiger als der Himmel'.“ Als Wu Xiaohao dies hörte, musste sie an zwei Verse des Qing-Literaten und Historikers Zhao Yi denken: „Mit einem Federkiel die drei Reiche erschaffend, wird er zur Säule, die Himmel und Erde trägt.“ Sie kannte den Spruch „Schrift ist wichtiger als der Himmel“ bereits und dachte: Unter Gelehrten mag dies angebracht sein, um die extreme Wichtigkeit guten Schreibens zu betonen, aber als Slogan für Basiskader klingt es doch etwas absurd. Hao Juan fuhr fort: Das ist noch nicht alles. Er verlangt auch, dass in den Berichten der übergeordneten Stellen und in den Medien regelmäßig Nachrichten aus Kaipo erscheinen. Er hat ein Belohnungssystem eingeführt: Für eine Veröffentlichung in zentralen Medien gibt es zehntausend Yuan Prämie, auf Provinzebene fünftausend, auf Stadtebene eintausend. Sag mal, du hast jahrelang in der Stadt gearbeitet, kennst du nicht Medienkontakte? Hilf mir doch, einen Artikel zu platzieren. Sie zog ein auf kleinstmögliche Größe gefaltetes Blatt Druckpapier aus der Tasche hervor. Erst jetzt verstand Wu Xiaohao den wahren Grund für Hao Juans Besuch. Sie nahm den Text entgegen und entfaltete ihn. Es war eine Halbjahres-Zusammenfassung der Familienplanungsarbeit in Kaipo, in der sie keine besonderen Höhepunkte finden konnte. Aber sie wollte Hao Juan nicht direkt ablehnen und sagte: „Direktorin Ban, ich habe früher in der politischen Konsultativkonferenz des Bezirks gearbeitet und habe nicht viele Kontakte zu Medienleuten. Wenn ich in die Stadt zurückkehre, werde ich versuchen, es über jemanden an die Zeitung weiterzuleiten, damit sie einen Blick darauf werfen.“ Hao Juan faltete die Hände und verbeugte sich wiederholt: „Danke, Bürgermeisterin Wu, vielen Dank!“ Nach dem Dank begann Hao Juan über ihren Ehemann zu sprechen. Sie erzählte: Vor drei Jahren wurde der damalige Sekretär Chen befördert und versetzt. Ihr Mann hätte Chens Nachfolger werden sollen – er war schließlich seit acht Jahren stellvertretender Sekretär, wer sonst sollte es sein? Doch unerwartet fiel Zhou Bin wie aus heiterem Himmel herein, und ihr Mann musste sich mit dem macht- und einkommenslosen Posten des Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Volkskongresses zufriedengeben. Bei Nachforschungen stellte sich heraus, dass Zhou Bin unbedingt auf die Basisebene wollte, um sich für eine Beförderung zum stellvertretenden Abteilungsleiter zu qualifizieren. Er hatte sich bei den Führungskräften angebiedert und kam so nach Kaipo. Dieser Mensch ist sehr ehrgeizig. Was hat er seit seiner Ankunft getan? Verschönerungsprojekte und Schreibkram... Wu Xiaohao wurde unruhig. Sie konnte Hao Juan nicht länger zuhören – zu viel Kontakt mit solchen tratschenden Beamtinnen würde sie in einen Strudel von Klatsch und Tratsch ziehen, aus dem sie sich nicht mehr befreien könnte. Sie sagte: „Direktorin Ban, entschuldige bitte, ich kann nicht länger mit dir reden. Ich muss mit Stationsleiterin Guo Mo ausgehen.“ Hao Juans Gesicht zeigte einen rätselhaften Ausdruck: „Du gehst mit ihr aus? Sie ist die große Vertraute des Sekretärs. Wenn du dich gut mit ihr stellst, stellst du dich gut mit dem Sekretär.“ Wu Xiaohao wurde etwas ärgerlich: „Was willst du damit sagen? Ich bin für Kultur zuständig, unsere Beziehung ist rein beruflich, nichts weiter.“ Hao Juan hatte offensichtlich vor, ihr Herz auszuschütten: „Gerade weil du für die Kulturstation zuständig bist, musst du sie verstehen. Diese Frau ist eine Fischertochter. Dass sie Stationsleiterin werden konnte, liegt nicht nur daran, dass sie singen kann, sondern auch daran, dass sie mit den Führungskräften auf eine bestimmte Weise umgeht.“ Dabei zwinkerte sie Wu Xiaohao zu. Wu Xiaohao wollte dieses Gerede nicht länger hören und rief Guo Mo an: „Xiao Mo, lass uns gehen.“ Sie stand auf und ging nach draußen. Hao Juan folgte ihr bis zur Tür und flüsterte Wu Xiaohao zu: „Ich vertraue dir, deshalb sage ich dir das alles. Erzähl es bloß niemandem weiter.“ |
| 郭默说:”吴镇长, 书记找你谈话, 你顺便给我美言几句。我干文化站站长五年了, 一直兢兢业业, 咱们镇的文化工作在全区名列前茅, 可是书记老是批评我, 也不知为啥。” | - - - |
| 吴小蒿根据这话判断:郝娟上午讲郭默,纯属虚构。如果郭默和书记有一腿, 她不会这样求我。吴小蒿就说:” 好的。不过, 我初来乍到, 跟书记不熟, 咱们一起努力, 把文化这一摊子搞好吧。” | Kaum hatte Wu Xiaohao das Bürogebäude verlassen, sah sie Guo Mo auf einem Motorrad vom Kulturzentrum am hinteren Ende des Geländes heranfahren. Das Motorrad war uralt, machte ohrenbetäubenden Lärm, und der blaue Rauch, der aus dem Auspuff quoll, war deutlich sichtbar. Guo Mo hielt an, auf ihrem hübschen Gesicht ein Lächeln: „Bürgermeisterin Wu, du hast ein Auto zu Hause, bringst es aber nicht nach Kaipo. Jetzt muss ich dich mit diesem Schrotthaufen herumfahren.“ Wu Xiaohao schwang ein Bein über den Rücksitz: „Wenn ich das Auto hierher bringe, wie soll mein Kind dann zur Schule kommen? Ich muss es meinem Mann überlassen.“ „Dann kauf doch ein zweites.“ „Wie soll das gehen? Ich zahle noch einen Hypothekenkredit ab.“ Guo Mo sagte: „Dass du eine Wohnung in der Stadt hast, ist doch auch eine Art Glück. Wir wohnen hier in kostenlosen Gemeindewohnungen, aber unsere Kinder leiden darunter. Die Grundschulen auf dem Land haben eine so schlechte Unterrichtsqualität. In welchem Zeitalter leben wir, und die Lehrer unterrichten immer noch im lokalen Dialekt – das bringt mich um! Lass uns erst das Stele anschauen. Halt dich fest, los geht's.“ Wu Xiaohao ließ sich von Guo Mo fahren, aus dem Regierungsgelände hinaus. Guo Mo trug keinen Helm, ihr langes Haar wehte und streifte Wu Xiaohaos Gesicht. Als sie an Hao Juans Worte dachte, empfand Wu Xiaohao keine Sympathie für die Frau vor ihr. Das Haar, das über ihr Gesicht strich, fühlte sich wie etwas an, das sie als „Beleidigung“ bezeichnen würde. Sie erinnerte sich daran, in Geschichtsbüchern gelesen zu haben, dass es in der Jin-Dynastie einen General namens Guo Mo gegeben hatte, der als Gouverneur von Jiangzhou diente. Wang Xizhi war auch Gouverneur von Jiangzhou gewesen und hatte einen guten Ruf hinterlassen, aber jener Guo Mo hatte eine schlechte Bilanz und starb eines unnatürlichen Todes. Sie fragte Guo Mo, warum sie diesen Namen bekommen habe. Guo Mo sagte: „Als ich klein war, konnte ich gut reden und singen. Mein Vater war genervt und gab mir diesen Namen, damit ich ein wenig schweigen würde. Aber als ich groß wurde, konnte ich trotzdem nicht schweigen, haha.“ Während sie so fuhren, hob Guo Mo plötzlich eine Hand und winkte wiederholt zu einem Wohngebäude: „Bruder Niu, hallo!“ Wu Xiaohao schaute hinauf, sah aber niemanden am Gebäude, und fragte verwirrt: „Wen rufst du denn?“ Guo Mo hielt das Motorrad an und zeigte zum Gebäude hinauf: „Schau, da ist doch 'Bruder Niu'! Ich mag seine Art sehr und grüße ihn jedes Mal, wenn ich hier vorbeikomme.“ Erst jetzt bemerkte Wu Xiaohao, dass aus einem Fenster im sechsten Stock ein gelber Kuhkopf herausragte. Die Kuh kümmerte sich nicht um Guo Mo, sie kaute wieder und schaute in die Ferne, während Speichel aus ihrem Maul tropfte, der beinahe auf Wu Xiaohaos Gesicht gefallen wäre. Sie fragte erstaunt: „Wie kann man im sechsten Stock eine Kuh halten? Wie ist sie da hochgekommen?“ Guo Mo sagte: „In Bauernhochhäusern gibt es alles Mögliche. Angeblich gibt es welche, die Schafe halten, Schweine halten, Hühner und Enten halten. Diese Familie hat im Frühling das Kalb mit einem Flaschenzug hochgezogen, und jetzt ist es groß geworden.“ Wu Xiaohao fragte: „Wie kommt es wieder runter?“ Guo Mo sagte: „Keine Ahnung.“ Sie zeigte auf die Gebäude: „Diese drei Häuser sind Sekretär Zhous Meisterwerk. Vor zwei Jahren ließ er, um Kaipo die nicht-landwirtschaftliche Bevölkerung zu vergrößern und aus einem Dorf eine Gemeinde zu machen, zwei nahegelegene Dörfer abreißen und die Dorfbewohner hier konzentrieren. Alle nennen sie 'Bauernhochhäuser'. Die Dorfbewohner in den Hochhäusern haben viele Unannehmlichkeiten, sie müssen weit laufen, um ihre Felder zu erreichen.“ Wu Xiaohao schaute zu „Bruder Niu“ hinauf und sah, wie er immer noch in die Ferne starrte. Sie dachte: Du sehnst dich wohl nach den grünen Wiesen und deinen Gefährten auf dem Berg, nicht wahr? Als sie das Dorf Kaipo erreichten, wurde das Gelände immer höher, bis es schließlich zu einem kleinen Hügel wurde, auf dem einige Kiefern wuchsen. Nach einer kurzen Strecke zeigte Guo Mo auf den Straßenrand: „Dort ist es.“ Wu Xiaohao stieg ab und sah ein Erdnussfeld am Straßenrand, an dessen Rand eine Stele aus blauem Stein stand. Guo Mo erzählte Wu Xiaohao, dass nach den Worten der alten Leute der alte Ulmenbaum hier einst so dick und hoch gewesen sei, dass seine Krone eine halbe Mu Land bedecken konnte. In den 1950er Jahren, als die Versorgungsgenossenschaft von Kaipo gegründet wurde, schlug jemand vor, den Ulmenbaum zu fällen und aus den Brettern Ladentheken zu machen. Eine Gruppe von Leuten kam zum Fällen, aber nachdem sie ein paar Mal gesägt hatten, floss aus der Wunde Blut, und sie flohen erschrocken. Der Direktor der Genossenschaft glaubte es nicht und sagte, das sei kein Blut, sondern nur Baumsaft. Er sägte selbst, einen ganzen Tag lang, bis der Baum endlich gefällt war. Sie zerlegten ihn in breite, dicke Bretter und legten sie auf die gemauerten Ladentheken. Als sie klein war, ging sie zur Genossenschaft einkaufen und berührte die über einen Meter breiten Theken, wobei sie sich vorstellte, wie dick dieser Ulmenbaum gewesen sein musste. Wu Xiaohao hatte bereits im Ortsnamenbuch der Yucheng gelesen, dass Kaipo seinen Namen von den Ulmen hatte, die hier früher wuchsen. Sie fragte Guo Mo, ob es in Kaipo noch Ulmen gäbe. Guo Mo sagte nein. Die Forstverwaltung hatte im gesamten Gemeindegebiet eine Bestandsaufnahme gemacht – nicht ein einziger Baum war übrig. Weil das Holz so wertvoll war, waren alle gefällt worden. Nach der Fällung des letzten alten Ulmenbaums blieb nur noch diese Stele übrig. Wu Xiaohao war schmerzlich berührt und trat näher, um die Stele zu betrachten. Sie war in der Mitte zerbrochen und mit Zement wieder zusammengefügt worden. Glücklicherweise war die Inschrift noch vollständig – ein Fünf-Zeilen-Gedicht: *Wer pflanzte einst diesen Baum, Der Zeit und Ewigkeit überdauert? Im Konfuzius-Hain steht der heilige Baum, Im staubigen Meer wandelt er Menschenherzen. Oft betrachte ich die Yin und Yang von Himmel und Erde, Gelehrte folgen dem Schatten der Ulme, Runde Blätter tränenbenetzt am Gewand.* Darunter stand: „Im dreiundzwanzigsten Jahr der Daoguang-Ära, im späten Herbst, von Shen Yao, Bildungsbeauftragter der Yucheng, nach dem Gedicht von Shi Runzhang über die von Zigong gepflanzte Ulme.“ Als sie die Unterschrift las, erinnerte sie sich plötzlich: Im dritten Studienjahr war die gesamte Klasse mit dem Zug nach Qufu gefahren, um den Konfuziustempel, die Konfuzius-Residenz und den Konfuzius-Friedhof zu besichtigen. Vor dem Grab des Konfuzius hatte sie die „von Zigong gepflanzte Ulme“ gesehen, aber das war nur ein Stück versteinertes Holz. Der Führer hatte erklärt, dass die Ulme ein heiliger Baum sei – der Stamm gerade, die Zweige regelmäßig, ein Vorbild für alle Bäume. Damals hatte sie das Holzstück ehrfürchtig betrachtet. Sie erinnerte sich auch, dass dort eine weitere Stele mit einem Lobgedicht stand, aber dessen Inhalt hatte sie vergessen. Sie suchte auf Baidu mit ihrem Handy und fand das Gedicht des berühmten Dichters der frühen Qing-Zeit, Shi Runzhang, über die von Zigong gepflanzte Ulme: |
| 走了一会儿平路,再驶上一条山道,吴小蒿感觉到海拔高度不断增加。车子停在山腰, 郭默说, 这就是香山, 海拔一百八十六米, 摩崖石刻就在上面。吴小蒿一转脸, 看见了远处的大海和海中的鲤岛, 就问郭默, 这里离海有多远。郭默说, 十二公里。这片山区, 被称作" 楷坡镇的青藏高原" 。 | Aus welchem Jahr stammt dieser Pfosten, |
| 有敲锣打鼓的声音从村中传出。郭默皱眉道:” 这是怎么鼓捣的? 难听死了! "吴小蒿听见, 那些响器配合得不好, 没有劲头, 节奏也乱。她问: " 敲锣打鼓干什么? " 郭默说" 不知道。” | Die zerbrochene Stele bleibt bis heute. |
| 郭默领着吴小蒿往高处走了几十米, 就到了一处悬崖。悬崖高二十多米, 下面有一个凹进去的大洞。洞口上方,刻着" 香山遗美" 四个颜体正楷大字,落款为"康熙十年隅城县令郑理题" , 阴文沟槽里的红漆脱落殆尽,斑斑驳驳。 | Gemeinsam schauen wir den Schatten des einzelnen Baums, |
| 吴小蒿早就看过《隅城县志》 , 上面记载:“三户农人居于香山石屋, 某日, 有一骡至此, 负囊皆白银, 农人坚守之。忽有仓皇来寻者, 言标识悉符,尽数归还。谢以金, 坚辞弗受。县令郑理得知, 题‘ 香山遗美' 以褒彰。" | Noch sehen wir die Herzen der Menschen von einst. |
| 进去看看, 见石屋外高内矮, 石壁被烟熏得乌黑。中间有一堵石墙, 墙上有门洞窗洞, 里面隔出几间, 有石桌石床。吴小蒿想, 石屋村的先人住在这样简陋的地方,仍保持着传统美德,真了不起。她又想, 当年那头骤子,为何会驮着银子到这里来呢? 她走到东面的高处张望一下, 发现山下有一条南北大路, 那是从隅城去苏北的主要通道。很可能是骡子的主人中途休息,没把牲口拴牢, 它就挣脱束缚跑到山上来了。 | Erlebt hat er Wind und Frost über Jahrhunderte, |
| 郭默说:“咱们到村委吃饭去。” 二人沿着坡度很大的山路去了村里。此时, 锣鼓声再度响起, 却节奏分明, 带了许多花样, 十分好听。 | Grenzenlos sind Himmel und Erde in Dunkelheit. |
| 二人来到村部大院, 只见里面一群老汉在敲打响器, 旁边站了几个年轻人。一位黑瘦老汉, 穿一领蓑衣, 抡两支鼓槌, 是个核心角色。他打鼓时两眼放光, 极其兴奋,蓑衣毛随之抖动,让自己成了一只老刺猬。 | Tausend Jahre – eine Träne am Gewand. |
| 郭默带吴小蒿走进办公室, 见几个中年男人正在里面抽烟。一个四十来岁的站起来, 对郭默笑着说:“哎哟, 大歌星来了, 快坐! " 郭默说:“歌星算什么? 我把吴镇长带来了! 人家是凭本事考上的副科级干部, 周一才来咱镇报到。" 她向吴小蒿介绍, 那人是这个村的书记, 叫郑立前。 | Guo Mo fragte: „Was bedeutet dieses Gedicht? Ich verstehe es nicht.“ Wu Xiaohao erklärte es ihr ausführlich: Das Gedicht stamme von Shen Yao, dem Bildungsbeauftragten der Yucheng in der Qing-Dynastie, und sei nach dem Gedicht von Shi Runzhang verfasst worden. Dieser Mann habe die von Zigong gepflanzte Ulme in Qufu verehrt und gehofft, mit der konfuzianischen Lehre die Menschenherzen zu wandeln, aber er habe unüberwindbare Schwierigkeiten gespürt und sei sehr enttäuscht gewesen. Unter diesem großen Ulmenbaum habe er gesessen und beim Anblick der fallenden Blätter Tränen vergossen. Während sie erzählte, stellte sie sich die Szene vor: Im Herbstwind, bei fallenden Blättern, sitzt ein alter Gelehrter mit großen Ambitionen unter dem Baum, traurig und besorgt um die Moral der Welt. Guo Mo sagte: „Oh, dieser Mensch war ziemlich gefühlvoll.“ Diese Bemerkung ließ Wu Xiaohao nicht wissen, ob sie lachen oder weinen sollte. Guo Mo zeigte auf einen Hügel: „Heute haben wir nicht genug Zeit, wir können nicht mehr zum Guaxin'ao hinaufgehen.“ „Guaxin'ao? Was bedeutet das?“ Guo Mo erklärte, dass früher die Fischer, wenn sie aufs Meer hinausfuhren, wenn sie das Dorf nicht mehr sehen konnten, auffällige Landmarken als Orientierungspunkte nutzten. Wenn die Fischer aus Kaipo von ihrer Fahrt zurückkehrten und diesen kleinen Hügel aus dem Meer auftauchen sahen, wussten sie, dass sie bald zu Hause waren, und konnten sich beruhigen. Deshalb nannten sie diesen Hügel „Guaxin'ao“ – was bedeutet, dass ihr Herz dort aufgehängt war. Wu Xiaohao betrachtete den Hügel und dachte: Was für ein schöner Name, originell und treffend. Das nächste Ziel war die Dan-Ruine. Die beiden verließen Kaipo und fuhren sieben bis acht Kilometer nach Nordosten. Der mehrere hundert Meter breite Liu-Fluss erschien vor ihnen, beide Ufer waren von Schilf in ein purpurrotes Violett getaucht. Wenn man nach Osten zur Flussmündung blickte, konnte man das schwarze Watt und die blaue Meeresoberfläche sehen. Sie überquerten die Brücke und fuhren nach Westen. Am Dorfeingang hielt Guo Mo vor einer großen Steinplatte an. Wu Xiaohao stieg ab und sah, dass in der Mitte der Platte die vier großen Schriftzeichen „Dan-Ruine“ eingraviert waren, darüber stand „Nationale Schlüsselstätte für Kulturgüterschutz“ und darunter „Verkündet vom Staatsrat der Volksrepublik China am 25. Mai 2006, errichtet von der Volksregierung der Provinz Shandong.“ In der Nähe waren Felder zu sehen – hoher Mais und niedriges Erdnusslaub. Zweihundert Meter entfernt standen einige Bauernhäuser, unter einem Baum saßen ein paar alte Frauen und unterhielten sich. Wu Xiaohao wusste bereits von dieser Stätte aus der Longshan-Periode der Dawenkou-Kultur, hatte sie aber noch nie besucht. Im städtischen Museum hatte sie die zahlreichen dort ausgegrabenen Ton- und Jadegeräte gesehen, einige schwarze Keramikbecher glänzten wie neue und repräsentierten das höchste handwerkliche Niveau der prähistorischen chinesischen Keramikherstellung. Während ihres Studiums an der Shandong-Universität hatte Professor Fang Zhiming in einer Vorlesung von seinen Erfahrungen bei der archäologischen Arbeit an der Dan-Ruine erzählt. Als er von der Entdeckung eines Jadebretts sprach, beschrieb er mit beiden Händen gestikulierend, voller Begeisterung, und diese Gesten und Ausdrücke waren Wu Xiaohao noch lebhaft in Erinnerung. Peinlicherweise war sie in ihren acht Jahren in der Yucheng nie hierher gekommen. Wu Xiaohao fragte, wo die Kulturschicht der Dan-Ruine sei. Guo Mo zeigte ringsum und erklärte, unter dem Dan-Dorf und den umliegenden Feldern lägen überall kulturelle Überreste, insgesamt über vierzigtausend Quadratmeter. Während der Volkskommunenzeit wollte die Führung, weil hier überwiegend schwarze Erde war, dass alle Dörfer der Kommune Menschen schickten, um sie als Dünger abzutragen. Glücklicherweise griffen die Kreisbehörden ein und stoppten das Vorhaben. Wenn im Dorf für Hausfundamente gegraben wurde, fand man oft Tonscherben, manchmal sogar Jadeperlen. Ein vollständig erhaltener schwarzer Hochbecherbecher aus muschelförmiger Keramik wurde dem städtischen Museum übergeben und wurde dort zum Hauptschatz. Nicht weit entfernt gab es einen frisch ausgehobenen Wassergraben. Im Querschnitt war unter der Ackerkrume tatsächlich eine dicke Kulturschicht zu sehen, schwarze Erde, in der überall Tonscherben verstreut waren. Es gab auch einige rote Erdklumpen, die eindeutig gebrannt worden waren. Wu Xiaohao verstand: Dies war ein Keramik-Werkstattgelände von vor viertausend Jahren. Der Ort hieß Dan-Dorf und die Ruine Dan-Ruine wahrscheinlich wegen dieser verlassenen alten Öfen. Guo Mo hob ein winziges grauschwarzes Objekt vom Boden auf, nicht größer als ein Fingernagel, und reichte es Wu Xiaohao: „Das ist eine Tonscherbe von damals.“ Wu Xiaohao betrachtete es – das Objekt hatte abgerundete Kanten, eine poröse Textur, zweifellos hatte es Jahrtausende überdauert. Sie fragte sich: Ist dies ein Stück von einem Ritualgefäß oder von einem Alltagsgegenstand? Hatte es Wasser enthalten? Getreide? Oder Wein? Wu Xiaohao hatte an der Universität chinesische Geschichte studiert und war besonders an der prähistorischen Zeit interessiert. Oft stellte sie sich vor: Wie genau hatte sich die Menschheit nach der Trennung von den Affen Schritt für Schritt zur Zivilisation entwickelt? Doch die Bücher erzählten davon, abgesehen von Mythen, nur Legenden. Zum Glück gab es Archäologen, die aus der Wildnis, unter der Erdoberfläche, die Überreste prähistorischer Menschen ausgruben und sie zum Sprechen brachten. In China hatten sie eine Reihe von Fundstätten mit kulturellen Ablagerungen freigelegt, und so entstanden die Hetao-Kultur, die Yangshao-Kultur, die Dawenkou-Kultur, die Longshan-Kultur... Von diesen Kulturtypen respektierte Wu Xiaohao die Longshan-Kultur am meisten. Die repräsentative Fundstätte der Longshan-Kultur lag einige Dutzend Kilometer östlich von Jinan, und Wu Xiaohao hatte während ihres Studiums dort Praktikum gemacht. Wissenschaftler gingen davon aus, dass die Longshan-Kultur-Zeit der legendären Periode der Fünf Kaiser entsprach. Damals gab es zehntausend Staaten im Land China, und der Gelbe Kaiser, Zhuanxu, Ku, Yao und Shun beeindruckten durch ihre Tugend und Fähigkeiten die Welt, und alle Meere waren friedlich. In dieser Zeit begann die chinesische Nation sich zu formen, und die östliche Zivilisation begann ihr großes Kapitel. Nach der Besichtigung der Dan-Ruine ging es weiter zum „Peitsche des Hegemons“. Die beiden fuhren nach Osten, und als sie südlich des Fischereihafens Walbucht ankamen, sahen sie ihn sofort. Dort erstreckte sich vom Strand aus ein Riff ins Meer hinaus, Abschnitt für Abschnitt verbunden, allmählich schmaler werdend, wie ein langer Peitschenstiel. Wu Xiaohao hatte beim Lesen von „Historische Schriften der Yucheng“ ein Dokument gesehen und erfahren, dass diese Hegemon-Peitsche bei Ebbe aus dem Wasser auftauchte, sich zwischen Meer und Himmel erstreckte; bei Flut versank sie im Wasser und hinterließ nur einen dunklen Schatten. Die Einheimischen erzählten sich, dies sei eine Peitsche, die der König von Chu hier einst verloren hatte. Wu Xiaohao näherte sich der Hegemon-Peitsche und war von ihrer Ausstrahlung tief beeindruckt: Wellen brandeten, aber sie blieb ruhig; die Gezeiten stiegen und fielen, aber sie blieb unbewegt. Guo Mo erzählte ihr, die Hegemon-Peitsche sei ein gefährlicher Ort, die Einheimischen wagten sich nicht hinauf. Auswärtige kannten die Gefahr nicht, sahen die außergewöhnliche Landschaft, kletterten begeistert hinauf, um Fotos zu machen oder Muscheln zu sammeln, und wenn sie unvorsichtig waren, fielen sie ins Wasser. Einmal im Wasser, war es sehr schwer, wieder herauszuklettern, und jedes Jahr gab es hier Opfer. Beim Anblick der drei in den Felsen gemeißelten Schriftzeichen „Hegemon-Peitsche“ spürte Wu Xiaohao plötzlich einen Schauer. Sie sah, dass das Riff am Ende des Strandes immer noch die Form einer Peitsche behielt und sich über zweihundert Meter hinaus erstreckte, bis es direkt zu einem großen Anwesen führte. Über dem Tor hing eine Tafel mit den vier Schriftzeichen „Shenyou-Gruppe“. Sie hatte Hauptquartiere einiger Konzerne gesehen, aber keines befand sich in einem solchen Gehöft. Sie fragte Guo Mo, wer der Chef der Shenyou-Gruppe sei. Guo Mo zeigte mit dem Kinn dorthin und flüsterte: „Hu Xie.“ Wu Xiaohao verstand nicht. Guo Mo erklärte, Hu Xie sei die wildeste Haiart, und der Generaldirektor der Shenyou-Gruppe, Huang Pingchuan, sei wie ein Tigerhai – brutal und grausam, deshalb hätten die Einheimischen ihm diesen Spitznamen gegeben. Wu Xiaohao betrachtete alles genau und stellte fest, dass dieses prächtige Anwesen am Griff der Hegemon-Peitsche gebaut war, was die Wildheit und Dominanz seines Besitzers noch mehr zur Geltung brachte. Sie fragte: „Warst du schon mal drinnen?“ Guo Mo drehte den Kopf und schaute aufs Meer: „Einmal, und ich will nicht mehr daran denken.“ „Warum?“ „Ach... Bürgermeisterin Wu, lass uns gehen.“ Wu Xiaohao verstand, dass in diesem prächtigen Anwesen eine schwer auszusprechende Erfahrung für Guo Mo verborgen lag. Nachdem sie die Hegemon-Peitsche verlassen hatten, fuhr Guo Mo mit Wu Xiaohao in die westlichen Berge und sagte, sie habe bereits mit Sekretär Zheng vom Shihu-Dorf gesprochen. Nach der Besichtigung der „Duftenden Berg-Reliquien“ würden sie im Dorf essen. Kaum waren sie auf die Landstraße gefahren, klingelte Wu Xiaohaos Handy. Sie ließ Guo Mo anhalten, holte ihr Handy heraus und nahm den Anruf entgegen. Es war Direktor Liu Dajie vom Partei- und Regierungsbüro, der ihr mitteilte, dass der Sekretär sie um halb drei zum Gespräch bitten wolle. Sie dachte: Was will der Sekretär von mir? Wahrscheinlich geht es um die Autotür-Sache. Ihr Herz war wie von wildem Gras überwuchert, durcheinander und unruhig. Guo Mo sagte: „Bürgermeisterin Wu, wenn der Sekretär mit dir spricht, leg bitte ein gutes Wort für mich ein. Ich bin seit fünf Jahren Kulturstationsleiterin, arbeite gewissenhaft, und unsere kulturelle Arbeit in der Gemeinde steht bezirksweit an erster Stelle. Aber Sekretär Zhou kritisiert mich ständig, ich weiß nicht warum.“ Aufgrund dieser Worte schloss Wu Xiaohao: Hao Juans Gerede über Guo Mo war reine Erfindung. Wenn Guo Mo wirklich eine Affäre mit dem Sekretär hätte, würde sie nicht so um Fürsprache bitten. Wu Xiaohao sagte hastig: „Gut. Allerdings bin ich gerade erst angekommen und kenne den Sekretär noch nicht gut. Lass uns gemeinsam daran arbeiten, den Kulturbereich gut zu führen.“ Nach einer Weile Fahrt auf flachem Gelände bogen sie auf eine Bergstraße ein, und Wu Xiaohao spürte, wie die Höhe stetig zunahm. Sie hielten am Berghang, und Guo Mo erklärte, dies sei der Duftende Berg mit einer Höhe von einhundertsechsundachtzig Metern, und die Mogao-Steininschrift befinde sich oben. Wu Xiaohao drehte sich um und sah in der Ferne das Meer und die Kiemeninsel. Sie fragte erstaunt Guo Mo, wie weit es bis zum Meer sei. Guo Mo antwortete: Zwölf Kilometer. Dieses Berggebiet werde als das „tibetische Hochplateau von Kaipo“ bezeichnet. Das Geräusch von Gongs und Trommeln drang aus dem Dorf. Guo Mo runzelte die Stirn: „Was ist das für ein furchtbares Gedröhne? Klingt ja schrecklich!“ Wu Xiaohao hörte, dass die Gongs und Trommeln nicht gut koordiniert waren, keinen Rhythmus hatten und chaotisch klangen. Sie fragte: „Warum spielen sie Gongs und Trommeln?“ Guo Mo sagte: „Keine Ahnung.“ Guo Mo führte Wu Xiaohao ein paar Dutzend Meter weiter, bis sie zu einer Felswand kamen. Die Felswand war über zwanzig Meter hoch, unten befand sich eine große Höhle. Über dem Höhleneingang waren die vier großen Zeichen „Duftender Berg – Verbleibende Schönheit“ in Yan-Stil-Kalligraphie eingraviert, mit der Unterschrift „Geschrieben von Landrat Zheng Li der Yucheng im zehnten Jahr der Kangxi-Ära“. Die rote Farbe in den vertieften Schriftzeichen war vollständig abgeblättert, fleckig und schmutzig. Wu Xiaohao hatte bereits in der „Kreischronik der Yucheng“ gelesen: Ein Bauer lebte in einer Steinhöhle am Duftenden Berg. Eines Tages kam ein Gast vorbei, dessen Esel eine Ladung Silber trug. Der Bauer bewahrte es für ihn auf. Plötzlich kam ein Beamter auf der Suche, sagte, das Silber sei Diebesgut, und verlangte es zurück. Der Bauer gab alles zurück. Der Gast dankte mit Gold, aber der Bauer lehnte entschieden ab. Als Landrat Zheng Li davon erfuhr, schrieb er „Duftender Berg – Verbleibende Schönheit“ als Auszeichnung. Sie traten ein und sahen, dass die Steinhöhle außen eng und innen weit war, die Steinwände schwarz verrußt. In der Mitte befand sich ein steinerner Ofen, darauf Türen und Fenster, und dahinter waren Räume abgeteilt mit steinernen Betten. Wu Xiaohao dachte: Die Bauern des Shihu-Dorfes lebten an einem solch einfachen Ort und bewahrten dennoch die traditionelle Tugend – das ist wirklich großartig. Sie fragte sich auch: Warum war der Esel mit dem Silber hierher gelaufen? Sie ging zur Ostwand und schaute hinunter, entdeckte unten eine Landstraße von Nord nach Süd – das war die Hauptverkehrsstraße von der Yucheng nach Nordosten. Wahrscheinlich hatte der Besitzer des Esels auf halber Strecke Pause gemacht und das Tier nicht gut festgebunden, sodass es sich losgerissen hatte und auf den Berg gelaufen war. Guo Mo sagte: „Lass uns zur Dorfverwaltung zum Essen gehen.“ Die beiden gingen den steilen Bergweg hinunter ins Dorf. Zu diesem Zeitpunkt erklangen die Gongs und Trommeln erneut, diesmal mit klarer Trennung von Yin und Yang, voller Variationen und sehr schön anzuhören. Die beiden kamen zum Gelände der Dorfverwaltung und sahen dort eine Gruppe alter Männer Gongs und Trommeln spielen, daneben standen ein paar junge Leute. Ein hagerer alter Mann in einem grünen Hemd, mit zwei auseinanderstehenden Vorderzähnen, spielte die Hauptrolle. Beim Trommeln leuchteten seine Augen, er war äußerst aufgeregt, das grüne Hemd flatterte, und er wurde zu einem alten Stachelschwein. Guo Mo führte Wu Xiaohao ins Büro, wo einige Männer mittleren Alters rauchten. Ein etwa Vierzigjähriger stand auf und sagte lächelnd zu Guo Mo: „Oh, die große Sängerin ist da, setz dich doch!“ Guo Mo sagte: „Was bedeutet schon Sängerin? Ich habe Bürgermeisterin Wu mitgebracht! Sie ist eine stellvertretende Abteilungsleiterin, die ihre Position durch echte Fähigkeiten erlangt hat und erst am Montag in Kaipo angekommen ist.“ Sie stellte vor, dass dieser Mann der Sekretär des Dorfes sei und Zheng Liqian heiße. Wu Xiaohao fragte, warum draußen Gongs und Trommeln gespielt würden. Zheng Liqian warf einen Blick in den Hof: „Diese alten Männer behaupten, sie könnten es.“ Er erzählte Wu Xiaohao, dass heute Nachmittag jemand im Dorf heirate und die Braut abgeholt werden müsse, aber alle jungen Leute seien nicht zu Hause, und es seien nicht genug Leute für die Gongs und Trommeln gefunden worden. Mit Mühe und Not hätten sie ein paar Halbwüchsige zusammengebracht, die die öffentlichen Gongs und Trommeln des Dorfes zum Üben herausholten, aber die Klänge seien völlig durcheinander. Mehrere alte Männer, die Gongs und Trommeln spielen konnten, seien vorbeigekommen und hätten gesagt, sie würden ihnen etwas vorspielen, und nun hätten sie Feuer gefangen. Der alte Mann, der trommelte, sei der Anführer hier, genannt „Alter Hua Gu“, weil er besondere Variationen trommeln könne. Wu Xiaohao hatte schon gehört, dass früher die Menschen in der Yucheng Hochzeiten am Abend feierten, aber in der Stadt hatte sich die Sitte auf den Morgen verlegt. Sie hatte nicht gedacht, dass im Berggebiet die alte Tradition noch bestand. Sie schaute den Alten Hua Gu an und sagte: „Sie spielen so gut, das muss doch einen Namen haben?“ Ein alter Mann mit grauen Haaren neben ihm sagte, sie spielten „Ein Jin ergibt zwei Liang“. Guo Mos Augen leuchteten auf: „Das ist also 'Ein Jin ergibt zwei Liang'? Ich kenne dieses Schlagzeugstück, habe es aber noch nie gehört.“ Sie holte ihr Handy heraus und filmte an der Tür. Am Tor entstand Lärm, Guo Mo hörte auf zu filmen und rief laut: „Wessen Ziege ist das?“ Wu Xiaohao schaute hin und sah eine Frau mittleren Alters, die eine Ziege am Tor führte. Die Ziege wollte nicht hineingehen, stemmte alle vier Beine in den Boden und zog nach hinten. Hinter der Frau riefen mehrere Kinder im Chor: „Dienstziege, Dienstziege! Wenn ein Beamter kommt, wird sie geschlachtet!“ Die alten Männer hörten nicht mehr auf, „Ein Jin ergibt zwei Liang“ zu spielen, sondern schlugen mit düsteren Gesichtern auf die Gongs und Trommeln in einem eintönigen Rhythmus, als würden sie den Rufen der Kinder Nachdruck verleihen. „Dienstziege?“ Wu Xiaohao verstand überhaupt nicht. Der Sekretär schwieg. Guo Mo erklärte ihr: Die Ziegen des Shihu-Dorfes liefen auf den Bergen herum, fraßen den ganzen Tag chinesische Kräuter und tranken Quellwasser, hatten gutes Fleisch, und Führungskräfte von oben kamen besonders gern hierher, um Ziegenfleisch zu essen. Sekretär Zheng hielt zu Hause immer eine bereit, und wenn Führungskräfte kamen, wurde sie geschlachtet. Wenn eine weg war, wurde eine neue gekauft, immer stand eine für die Führungskräfte bereit. Weil immer eine Ziege im Haus war wie im Dienst, hieß sie Dienstziege. Dabei machte sie ein Grimassen: „Danke, Bürgermeisterin Wu, heute esse ich dank dir eine Dienstziege.“ Dann rief sie der Frau zu: „Schwägerin, danke!“ Wu Xiaohao war entsetzt. Normalerweise aß sie gern Ziegenfleisch, aber die Geschichte der Dienstziege erfüllte sie mit Widerwillen. Sie schaute die Ziege an, die bereits von Sekretär Zhengs Frau zur Küchentür gezerrt und an einem Flaschenbaum festgebunden worden war, und immer noch kläglich schrie. Wu Xiaohao sagte zu Guo Mo: „Wir essen nicht hier.“ Damit ging sie in den Hof hinaus. Guo Mo warf Sekretär Zheng einen Blick zu, Sekretär Zheng lief hinaus und sagte: „Bürgermeisterin Wu, du bist zum ersten Mal im Shihu-Dorf, du kannst doch nicht mit leerem Magen gehen!“ Wu Xiaohao sagte: „Wir essen, wenn wir zurückgehen. Ich werde wiederkommen. Die 'Duftender Berg – Verbleibende Schönheit', die in den Felsen gemeißelt ist, und die 'Duftender Berg-Klänge', die die alten Leute spielen, das alles lässt sich nutzen. Aber lass bitte deine Frau keine Dienstziege mehr schlachten!“ Guo Mo fuhr Wu Xiaohao aus dem Dorf hinaus, drehte den Kopf und sagte laut: „Bürgermeisterin Wu, ob du isst oder nicht isst – auf ihrer Rechnung wird trotzdem vermerkt, dass sie uns bewirtet haben!“ Wu Xiaohao sagte: „Egal, was sie aufschreiben, wir haben ein reines Gewissen!“ Um halb drei kam Wu Xiaohao pünktlich zur Tür des Sekretärsbüros. Die Tür war angelehnt, sie klopfte und trat ein, wollte die Tür schließen, aber der Sekretär sagte mit ernster Miene: „Lass die Tür offen.“ Wu Xiaohao verstand, der Sekretär tat dies, um jeden Verdacht zu vermeiden: Ein Gespräch mit einer Genossin mit offener Tür – so klar wie Tofu aus Bohnen – durchsichtig und eindeutig. Das Haar des Sekretärs war im Verhältnis 2:8 gekämmt, jede Strähne perfekt in Ordnung. Er zeigte auf einen Stuhl gegenüber dem Obstschrank, und Wu Xiaohao setzte sich dorthin. Sie begann von sich aus: „Sekretär, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Heute Morgen hätte ich dem Bezirksleiter nicht die Autotür öffnen sollen.“ Zhou Tian zog seine Augenbrauen hoch, schaute Wu Xiaohao an und sagte langsam: „Bürgermeisterin Wu, das ist nicht nur eine Frage des Türöffnens, das betrifft politische Regeln. Du nimmst die Hauptführungskraft der Gemeinde nicht ernst, du willst dich vor dem Bezirksleiter profilieren...“ Wu Xiaohao konnte sich nicht zurückhalten und widersprach: „Sekretär, wo habe ich politische Regeln missachtet? Wo habe ich die Hauptführungskraft nicht ernst genommen? Ich kannte die Sitte nicht, ich wusste es nicht. Das Auto stand genau vor mir, ich wollte instinktiv die Tür öffnen...“ „Ob du die Sitte kanntest oder nicht, du musst gründlich darüber nachdenken. Das darf nicht noch einmal vorkommen.“ Wu Xiaohao nickte. Sekretär Zhou nahm seine Brille ab, zog ein Taschentuch aus der Schachtel auf dem Tisch, wischte die Gläser und sagte: „Bürgermeisterin Wu, die 'Drei Fischerspezialitäten' auf der Kiemeninsel waren wohl sehr lecker?“ Wu Xiaohao wurde sofort wachsam. Sie verstand, dass der Sekretär bereits von ihrem Ausflug zur Kiemeninsel mit dem Gemeindeleiter gehört hatte. Sie bereute, dass sie nicht mit dem Gemeindeleiter dorthin hätte gehen sollen und unterwegs seinen zweideutigen Gesten ausgesetzt war. Aber sie wusste, dass sie die zweideutigen Handlungen des Gemeindeleiters dem Sekretär nicht erzählen konnte, das würde die Sache nur verschlimmern. Sie verteidigte sich: „Der Gemeindeleiter wollte mit mir die Fischereisicherheit überprüfen, also ging ich mit. Ich hatte nicht erwartet, dass sie uns abends so großzügig bewirten würden.“ Zhou Tian schaute sie mit tiefgründigem Blick an: „Du hast noch viel nicht erwartet. 'Fischereisicherheit überprüfen'? Bist du selbst sicher? Du bist eine Genossin, eine stellvertretende Abteilungsleiterin, die der Bezirk gerade erst eingestellt hat, ich muss Verantwortung für dich übernehmen. Ich ermahne dich ausdrücklich, du musst dich selbst zu schätzen wissen und Distanz zu gewissen Personen mit zweifelhaften Absichten halten.“ Wu Xiaohao senkte demütig den Kopf: „Danke, Sekretär, ich verstehe. Ich werde in Zukunft aufpassen.“ Als sie aus dem Büro des Sekretärs kam, saß sie in ihrem eigenen Büro und dachte nach. Jetzt wurde klar: Das Türöffnen war eine Kleinigkeit, mit dem Gemeindeleiter zur Kiemeninsel zu gehen war die große Sache. Sie hatte schon gehört, dass die beiden Hauptverantwortlichen auf Gemeindeebene sich selten nicht stritten, bei Kaipo war es wahrscheinlich genauso. Ich bin gerade erst angekommen und habe dem Sekretär bereits den Eindruck vermittelt, ich sei vom Gemeindeleiter auf seine Seite gezogen worden. Wie soll das weitergehen? Am Abend hatte Wu Xiaohao keine Lust, in die Kantine zu gehen, und ging zu ihrem Wohnheim zurück, legte sich aufs Bett und dachte noch immer über die Kritik des Sekretärs nach, über alle Erlebnisse seit ihrer Ankunft in Kaipo. Sie dachte: Die Gemeinde ist wirklich zu kompliziert, komplizierter als ich mir vorgestellt hatte. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind wie ein Sumpf, die Regeln zahlreich. Als Neuankömmling, vorsichtig und zögernd, macht man schnell Fehler. Ach, Wu Xiaohao, du bist eben ein kleines Gräslein, das noch nicht viel Wind und Regen erlebt hat. Sie schaute aus dem Fenster, es war bereits dunkel geworden, und im Vorhang erschien ein hängender Schatten. Oh, das ist die junge Sekretärin, die hier vor Jahren Selbstmord beging. Ihr ganzer Körper zitterte, die Haare standen ihr zu Berge, sie schaltete hastig das Licht ein. Das ganze Zimmer war hell, der Schatten verschwunden. Ach, der Schatten war nur Einbildung, ich muss mich nicht fürchten. Ihre Tochter rief plötzlich an und flüsterte: „Mama, You Haoliang ist betrunken!“ Wu Xiaohao schaute auf ihre Uhr, es war halb neun. Sie hörte am Telefon, wie You Haoliang betrunken „Mein 1997“ sang, mit verengter Kehle wie ein Literat von damals. Ihr Herz kochte, sie sagte sofort: „Schätzchen, ich will You Haoliang nicht singen hören. Sag mir, ist er trinken gegangen, was hast du gegessen?“ Diandian sagte: „Er hat mir essen mitgebracht, als er zurückkam. Einen großen Krabbenburger und eine Tüte getrocknete Fischstreifen, so lecker!“ You Haoliangs Gesang wurde plötzlich lauter, wahrscheinlich sang er nah am Telefon: „Lass mich in die geschäftige Welt gehen, gib mir ein großes rotes Siegel...“ You Haoliang hatte damals diese beiden Zeilen des Lieds gesungen und Wu Xiaohao angefleht, mit ihm zum Standesamt zu gehen und die Heiratsurkunde zu holen. Als You Haoliang diese beiden Zeilen sang, näherte er sein Gesicht ihrem an, und die beiden Augenfalten wurden noch schmaler. Jetzt tauchten diese Szenen wieder vor Wu Xiaohaos Augen auf, sie konnte es wirklich nicht ertragen und legte auf. „You Haoliang“ ist ein Wortspiel mit „You Haoliang“ (有眼珠), was „hat Augäpfel“ bedeutet. You Haoliang war mittelgroß, mit durchschnittlichem Aussehen. Sein markantestes Merkmal waren zwei Falten auf seinem runden Gesicht. Weil seine Augen Schlitze waren, als könnten sie sich nicht öffnen, gab es in der Oberschule heftige Debatten unter den Mitschülern: Manche sagten, er habe Augäpfel, andere sagten, er habe keine. Damals hatte You Haoliang bereits begonnen, Wu Xiaohao den Hof zu machen. Eine Mitschülerin fragte sie, ob, wenn You Haoliang ihr seine Zuneigung gestand, seine Augen nicht strahlten und man die Augäpfel sehen konnte. Nach sorgfältiger Erinnerung schüttelte Wu Xiaohao den Kopf, denn damals lächelte You Haoliang immer noch, die Augenschlitze wurden noch schmaler. So gaben die Mitschüler ihm den ironischen Spitznamen „You Haoliang“. Wu Xiaohao hatte nie You Haoliangs Augäpfel gesehen. Nachdem die beiden eine intime Beziehung hatten, hätte sie die Gelegenheit gehabt, seine Augenschlitze zu öffnen und hineinzuschauen, aber sie fürchtete, dass sie beim Öffnen noch abstoßenderen Inhalt sehen würde. Normalerweise nannte sie ihn neckisch „You Haoliang“, und er antwortete lächelnd: „Ich habe doch Augäpfel, sonst hätte ich dich doch nicht bemerkt?“ Als ihre Tochter vier Jahre alt war, entwickelte sie einen „Forschergeist“ und hatte einmal die Augenschlitze ihres Vaters geöffnet und erforscht, mit dem Ergebnis, dass er Augäpfel hatte. Von da an rief sie fröhlich „You Haoliang“. Als Wu Xiaohao zum ersten Mal You Haoliangs Vater traf, stellte sie fest, dass Vater und Sohn wie aus einer Form gegossen waren. Später hatte Diandian einmal ihre Großmutter gefragt, ob Opa Augäpfel habe, und Oma lachte: „Keine Ahnung, jedenfalls habe ich in vierzig Jahren mit deinem Großvater nie seine Augäpfel gesehen.“ Diandian wollte gerade ihre künstlerische Fantasie ausleben, als Opa sie unterbrach und laut rief: „Wer sagt, ich habe keine Augäpfel? Wenn ich keine Augäpfel hätte, hätte ich in meiner Jugend Verbrecher verfolgen und mit einem Schuss treffen können?“ Wu Xiaohaos Schwiegervater hieß You Dalian, war Kriminalpolizist, ein ausgezeichneter Schütze. Bei der Verhinderung eines Mordverbrechens hatte er den Messerangreifer mit einem Schuss niedergestreckt. Er stieg bis zum Polizeichef und stellvertretenden Landrat auf. Nach seiner Pensionierung war er immer noch wie zu Amtszeiten, sein Gesicht trug Strenge und Gefährlichkeit. Wenn er durch die Straßen spazierte, runzelte er oft die Stirn und richtete seine Augenschlitze auf diverse Missstände. Wenn er junge Leute herumhängen sah, sagte er wütend: „Wenn ich noch Macht hätte, würde ich euch schon zurechtstutzen!“ Wenn er Mädchen sah, die zu durchsichtig oder freizügig gekleidet waren, spuckte er verächtlich auf den Boden. Vor einigen Jahren erzählte ihre Schwiegermutter Wu Xiaohao, der alte Mann habe auf der Straße eine neue Frisur gesehen, bei der die Koteletten nicht an den Seiten waren, sondern vorne, und sei nach Hause gegangen und wütend geworden: „Diese jungen Leute halten beide Hände an ihre Oberschenkel – sehen sie nicht aus wie Vergewaltiger?“ You Haoliang war You Dalians einziger Sohn, hatte das Aussehen seines Vaters geerbt, aber nicht seine Vorlieben – er liebte nicht Militär, sondern Kunst. In der Highschool umwarb er Wu Xiaohao wie verrückt, sodass seine Noten stark sanken und er die Universität nicht schaffte. You Dalian war wütend und verprügelte seinen Sohn gründlich. Der Sohn wollte nicht zu Hause bleiben, und der Vater, der gerade stellvertretender Landrat war, konnte es nicht länger ansehen. Er sprach mit dem Polizeichef, und You Haoliang wurde Hilfspolizist bei der Verkehrspolizei. Dieser You Haoliang missbrauchte bei der Arbeit seine Macht und vollstreckte willkürlich. Einmal hielt er ein ordnungsgemäß fahrendes Auto an. Er wollte die Papiere des Fahrers sehen, der Fahrer lächelte ihn an und zeigte auf den Rücksitz: „Landrat Wang sitzt im Auto.“ You Haoliang streckte seinen Fuß aus: „Welche Familie hat nicht einen Landrat?“ „Welche Familie hat nicht einen Landrat?“ Diese Anekdote verbreitete sich schnell im ganzen Kreis. Einige Leute, die You Haoliangs Hintergrund kannten, diskutierten: Anscheinend hat You Haoliang doch keine Augäpfel. Als diese Geschichte You Dalian zu Ohren kam, rügte er seinen Sohn wegen der Blamage. Unerwartet verschwand sein Sohn am nächsten Tag und kam drei Tage nicht nach Hause. Der stellvertretende Landrat You ließ das Polizeipräsidium suchen, und die Antwort kam schnell: You Haoliang war bereits nach Guangdong gegangen. Von diesem Zeitpunkt an war Wu Xiaohao, die gerade ihr erstes Studienjahr an der Universität abgeschlossen hatte, vollständig zu einem Solo geworden. |
| 吴小蒿问外面敲锣打鼓干啥,郑立前向院子里瞅一眼: " 这帮老汉,谝他们有能耐。"他告诉吴小蒿, 今天下午村里有人结婚, 要去接新娘, 可是年轻人都不在家, 敲锣鼓找不齐人。好不容易找来几个半大小子, 把村里公有的响器拿出来操练, 敲出的声音乱七八糟。会弄响器的几个老汉过来说敲给他们听听, 就在这里敲起来了。打鼓的老汉是这帮人的头头儿, 外号" 老花鼓" , 因为他能把鼓点敲出花儿来。 | Eigentlich hatte sie gehofft, nach dem Studium weit weg von zu Hause und fern von You Haoliang zu sein, und fühlte, wie sich ihr Horizont weitete und sie Befreiung erfuhr. Die Geschichtsabteilung der Shandong-Universität war landesweit sehr renommiert. In den 1950er Jahren hatten dort acht berühmte Gelehrte gelehrt, die man die „acht Pfeiler“ nannte. Mehrere von Wu Xiaohaos Professoren waren Schüler und Enkelschüler dieser „acht Pfeiler“. Nach dieser Zählung gehörte Wu Xiaohaos Altersgruppe zur Generation der Urenkel. Die Professoren nannten sie scherzhaft „kleine Fohlen“. Wu Xiaohao fühlte sich tatsächlich wie ein junges Fohlen, das von der Lu-Ebene ausgebrochen war, um auf den weiten Wiesen des Wissens zu grasen und zu galoppieren, ohne jede Einschränkung. An vielen Morgen und Nachmittagen saß sie im kleinen Wäldchen östlich des Geisteswissenschaftsgebäudes und las, genoss die sanfte Herbstbrise, lauschte dem leisen Rascheln der Blätter und fühlte sich so glücklich, dass sie am liebsten gesungen hätte. Das Geisteswissenschaftsgebäude neben dem Wäldchen erschien ihr wie ein Tempel, denn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es dort nicht nur die „acht Pfeiler“ der Geschichtsabteilung, sondern auch die „vier großen Vajras“ der Literaturwissenschaft – alles bedeutende Persönlichkeiten. Viele ihrer Schüler und Enkelschüler waren ebenfalls herausragende Akademiker geworden. Sie dachte: Ich muss mich hart anstrengen und sie zum Vorbild nehmen, um eine hervorragende Studentin zu werden. Mein Vater hat mich immer als Gras betrachtet – ich muss ihm zeigen, dass ich zu einem Baum heranwachsen kann! |
| 吴小蒿早就听说, 过去隅城人在傍晚娶亲, 但现在城里人已经改在了上午, 没想到山里的风俗依旧。她看着那位老花鼓说: “他们敲得这么好, 应该有名堂吧?" 旁边一个头发花白的老汉说”他们敲的叫《斤求两》。" 郭默眼睛一亮: " 这就是《斤求两》呀? 我知道这个打击乐牌子, 但是从没听过。” 说罢, 就拿出手机到门口录像。 | Das kleine Wäldchen lag nicht nur nahe beim Geisteswissenschaftsgebäude, sondern auch bei der Bibliothek. Viele Kommilitonen kamen hierher zum Lesen, und es gab auch Pärchen, die eng beieinandersaßen und flüsterten. Wu Xiaohao beneidete sie – eine reine Liebe während der Universitätszeit erleben zu können. Wie anders war ihre Situation, wo sie für das Studium ihren Körper verkauft hatte. Sie dachte: You Haoliang hat achttausend Yuan für mein Studium bezahlt, zwischen uns ist schon geschehen, was geschehen ist – er müsste doch zufrieden sein und mich gehen lassen, oder? Sie träumte sogar davon, nach ihrer Ankunft an der Shandong-Universität vollständig mit der You-Familie brechen und ein völlig neues Leben beginnen zu können. Die Shandong-Universität vergab Stipendien, die man bei guten Leistungen erhalten konnte – das Essen wäre kein Problem mehr. Die Shandong-Universität war eine nationale Schlüsseluniversität mit hohen Zulassungsstandards; alle, die aufgenommen wurden, waren außergewöhnlich intelligent und fleißig. Als Wu Xiaohao die klugen und attraktiven Kommilitonen sah, war ihr Herz mehr als einmal in Aufruhr. |
| 大门口有小孩聒噪, 郭默停止录像, 嘟哝道:" 谁捣乱呢?” 吴小蒿一看,原来有个中年女人牵着一头羊出现在院门口。那羊不愿进来, 四蹄抵地, 直往后退。女人身后, 有几个小孩齐声叫喊:" 值班羊, 值班羊, 当官的一来就开膛! “ | An einem Frühlingstag im zweiten Studienjahr ging sie zum Pappelwäldchen, um zu lesen. Plötzlich hörte sie in der Nähe ein Stöhnen. Als sie sich umdrehte, sah sie einen Studenten mit buschigen Augenbrauen und großen Augen, der mit der Faust gegen einen Baumstamm schlug, als wäre er sehr aufgewühlt. Der Student bemerkte sie ebenfalls, hielt sein Buch hoch und zeigte ihr den Umschlag: „Hey, hast du das gelesen? Ist es gut?“ Als er sah, dass sie es nicht klar erkennen konnte, kam er zu ihr und setzte sich neben sie: „‚Kreuzung' – eine Dokumentation der drei großen Befreiungen des Denkens im modernen China. Es bringt einen wirklich zum Kochen! Ich empfehle dir auch, es zu lesen!“ Wu Xiaohao nickte zustimmend. Der Student stellte sich vor: Er war Jahrgang 1996 und hieß Liu Jingji, kam aus Qingdao. Wu Xiaohao fragte, warum er Liu Jingji heiße – ob er große Ambitionen habe, das Land zu regieren und das Volk zu retten. Liu Jingji lachte laut: „Falsch! 1978 fand das Dritte Plenum statt, bei dem beschlossen wurde, den Schwerpunkt der Arbeit auf den wirtschaftlichen Aufbau zu verlagern, richtig? Mein Vater war Lehrer, wollte mit der Zeit gehen und gab mir diesen Namen. Aber jetzt habe ich tatsächlich Ambitionen entwickelt. Ich plane, fleißig zu studieren, an Lü Buwei als Vorbild zu denken, über viele Fragen nachzudenken, und in tausend Jahren eine hohe Position zu erreichen, um das Land zu regieren und das Volk zu retten!“ Wu Xiaohao war von seinen Emotionen angesteckt und sagte aufrichtig: „Ich wünsche dir Erfolg!“ Liu Jingji dankte ihr und fragte nach ihrem Namen. Wu Xiaohao antwortete ehrlich. Liu Jingji sah sie an: „Ich vermute, du kommst vom Land, sonst würdest du nicht ‚kleines Gras' heißen.“ Wu Xiaohao sagte: „Du hast richtig geraten. Aber ich möchte nicht mein Leben lang kleines Gras bleiben, sondern zu einem Baum heranwachsen. Du willst das Land regieren – das wäre wie ein Stützpfeiler der Nation zu sein. Wenn ich zu einem großen Baum heranwachse, möchte ich nur etwas erreichen und mein Leben nicht verschwenden.“ Liu Jingji klopfte gegen die Pappel neben ihm: „Gut! Lass diesen Baum Zeuge sein – in zwanzig Jahren werden wir unsere Träume verwirklicht haben!“ Wu Xiaohao nickte, legte ihre Hand auf den Baum, schaute zum hohen Kronendach hinauf, und Tränen strömten ihr über die Gesichter. |
| 那帮老汉此时不再演奏《斤求两》 , 而是脸色阴沉, 将锣鼓敲出单调的节奏, 像在给小孩子的叫喊助威。 | Sie lieh sich ebenfalls ein Exemplar von „Kreuzung“ aus der Bibliothek und ihr Horizont erweiterte sich, ihr Wissen wuchs. Der Autor verwendete 320.000 Zeichen, um die Geschichte der Befreiung des Denkens während der zwanzig Jahre Reform und Öffnung darzustellen und zeigte erschütternde Konfrontationen. Beim Lesen schlug ihr Herz heftig, sie streichelte das Buch und dachte: Das ist Geschichte, Geschichte, die unsere Generation durchlebt! Was wird in weiteren zwanzig Jahren aus China werden? Kann ich als Erwachsene an der Schaffung von Geschichte teilnehmen? |
| " 值班羊?”吴小蒿大惑不解。 | Das war im Frühling 1998, Wu Xiaohaos zwanzigster Frühling, der schönste Frühling ihres Lebens. Sie und Liu Jingji trafen sich oft in jenem Wäldchen, saßen einander gegenüber, unterhielten sich, sprachen über das, was sie gerade lasen, über die Bücher, die sie studierten, über Geschichte, über die Gegenwart, manchmal bis spät in den Abend. Frische Gedanken funkelten mit dem Sternenlicht; keimende Gefühle wuchsen mit dem Gras und den Bäumen. Mehrmals, kurz vor der Schließung der Schlafsäle, begleitete Liu Jingji sie bis zum Mädchenwohnheim. Als sie sich umdrehte, sah sie, wie seine Augen im Lampenlicht schimmerten, und sie spürte den Drang, in seine Arme zu laufen. Aber sie wagte es nicht – sie wusste, dass sie es nicht verdiente. |
| 书记嘿嘿不语。郭默笑着向她解释:" 石屋村的羊满山跑, 整天吃中草药, 喝山泉水,长了一身好肉,上级领导特别喜欢到这里吃羊。郑书记就在家里养上一只, 等到来了领导就把它杀掉, 再去买一只, 为领导准备着。家里始终有一只羊, 就跟值班一样, 所以叫值班羊。" 说到这里, 她做个鬼脸," 谢谢吴镇长, 俺跟着你沾光, 今天吃上值班羊啦。" 说罢又朝那女人喊, "嫂子, 谢谢你哈! “ | An einem weiteren Nachmittag trafen sie sich wieder im Pappelwäldchen. Gerade als sie sich angeregt unterhielten, trat plötzlich jemand von hinten heran und schlug Liu Jingji mit einer Faust ins Gesicht: „Verdammt, du wagst es, sie anzubaggern?“ Es war You Haoliang. Liu Jingji stand auf und fragte Wu Xiaohao mit verwirrtem Gesicht: „Ist er dein Freund?“ Wu Xiaohao wagte nicht, ihn anzusehen, packte nur mit rotem Kopf You Haoliang fest und verhinderte, dass er Liu Jingji weiter verletzte. You Haoliang versuchte wieder, Wu Xiaohao zu schlagen: „Ich bezahle dein Studium, und du flirtest hier mit Männern herum!“ Inzwischen hatten sich einige Leute versammelt. Wu Xiaohao war zutiefst beschämt und zog ihn schnell zum Campustor hinaus. |
| 吴小蒿大窘。她平时是喜欢吃羊肉的, 但是值班羊的故事让她生出罪恶感。看看那羊,已经被郑书记的老婆拽到厨房门口,拴到了一棵枣树上,依旧咩咩惨叫。 | An jenem Abend konnte sie nicht zum Campus zurückkehren. You Haoliang sagte, er habe Arbeit gefunden und werde dauerhaft in Jinan bleiben. Seine Arbeit war als Hilfspolizist, arrangiert durch einen alten Untergebenen seines Vaters. Wu Xiaohao protestierte: „Die Universität hat Regeln, ich kann nicht außerhalb wohnen.“ You Haoliang sagte: „Nein, ich habe hier auch Regeln – du musst jeden Abend hier bei mir erscheinen, sonst mache ich dich fertig!“ |
| 吴小蒿对郭默说:" 咱们不在这里吃了。" 说罢走到院里。郭默瞅一眼郑书记, 郑书记追出说:"吴镇长你第一次到石屋村, 不能空着肚子走吧?”吴小蒿说: “我们回去吃。我还会来的, 你们这里刻在山崖上的‘ 香山遗美' , 老人们敲出的‘ 香山遗音' 都可以做做文章。不过, 你再也不要让嫂子牵出值班羊! “ | „Dich fertigmachen“ bedeutete im südlichen Lu-Dialekt, jemanden zu verstümmeln, zu einem Krüppel zu machen. |
| 郭默载着吴小蒿走出村子, 扭过头大声说: “吴镇长, 你不吃白不吃。咱们现在饿着肚子走掉,他们的账上照样记着招待咱俩! “ | Wu Xiaohao kannte You Haoliangs Charakter – er meinte, was er sagte – und musste jeden Abend den Campus verlassen, um in einem gemieteten Haus in Kuiliuzhuang mit ihm zusammenzuleben. Von da an musste Wu Xiaohao das Getuschel ihrer Mitbewohnerinnen hinter ihrem Rücken ertragen und den Schmerz, nicht mehr von Herzen mit Liu Jingji sprechen zu können. Liu Jingji hatte sie einmal nach dem Unterricht abgefangen, sie beiseite genommen und gefragt, warum sie ihm nicht früher gesagt habe, dass sie schon einen Freund habe. Wu Xiaohao sagte nur „Es tut mir leid“ und rannte in eine Ecke des Campus, um an der Wand zu weinen. Sie versäumte sogar Professor Fang Zhimings Qin-Han-Geschichte-Vorlesung. Als Professor Fang später fragte, warum sie gefehlt hatte, fand sie, dass Professor Fang ein guter Mensch war, dem sie vertrauen konnte, und schrieb ihm einen langen Brief, in dem sie ihm ihre ganze Lebensgeschichte und ihr Schicksal erzählte. Am Ende schrieb sie: „Menschen sind arm, aber Haare lang; Pferde sind mager, aber Mähnen lang – ich bin ein Beispiel dafür. Professor, bitte verachten Sie mich!“ Am nächsten Tag hielt Professor Fang sie nach dem Unterricht zurück und führte im leeren Klassenzimmer ein langes Gespräch mit ihr. Er sagte: „Studentin Xiaohao, danke für dein Vertrauen. Wie könnte ich dich verachten? Ich komme auch vom Land, ich kenne die Hilflosigkeit der Armut, ich verstehe die Schwierigkeiten in verzweifelten Situationen. Lieber wie Jade zerbrechen als wie eine Dachziegel heil bleiben – das ist sicherlich respektabel, aber Demütigungen ertragen, um für die Zukunft zu kämpfen – ist das nicht auch eine Lebensstrategie? Gou Jian, Han Xin, Sima Qian – ohne das Wort ‚Geduld' hätten sie keine großartigen Geschichten hinterlassen, wären nicht in Geschichtsbüchern erschienen. In all den Jahren habe ich viele Kinder aus armen Familien gesehen. Sie alle konnten schließlich Schwierigkeiten überwinden und ihr Studium abschließen, und nach dem Eintritt in die Gesellschaft hatten sie verschiedene Erfolge. Wenn sie auf ihren Lebensweg zurückblicken und sich fragen, warum sie durchhalten konnten, würden viele sicherlich an das Wort ‚Geduld' denken. Aber...“ Professor Fang hielt inne, sah Wu Xiaohao direkt in die Augen und sagte: „Geduld ist nur eine Option im Umgang mit schwierigen Situationen; Widerstand ist eine andere – das ist auch ein Weg, sich selbst zu verwirklichen. Studentin Xiaohao, ich sage dir mit allem Ernst: Wenn du dich für Widerstand entscheidest und dich entschlossen von deinem Freund trennen willst, unterstütze ich dich moralisch und kann dich auch finanziell unterstützen.“ |
| 吴小蒿说:" 不管他们怎么记, 咱们问心无愧就行!” | Wu Xiaohao brach in Tränen aus und konnte nach langem Schluchzen nur sagen: „Dass Sie das sagen, Professor, ist mir genug... Ich werde meine Angelegenheiten selbst regeln, ich kann Sie nicht damit belästigen...“ |
| 7 两点半,吴小蒿准时来到书记办公室门口。门虚掩着,她敲敲门进去,顺手把门关闭, 书记却一脸严肃地说" 不要关门。" | Danach konnte Wu Xiaohao diese Angelegenheit nie „regeln“, konnte sich nie von You Haoliang befreien. Denn You Haoliang gab ihr zwei Optionen: weiter zusammenleben und in Frieden bleiben; oder sich trennen, und es würde Blut an der Shandong-Universität fließen. Wu Xiaohao zitterte vor Angst und wählte die Geduld. Sie ertrug es bis zum Abschluss, bestand die Prüfung für Yucheng und registrierte ihre Ehe mit You Haoliang. Am Neujahrstag 2003 veranstaltete die You-Familie im Regierungsgästehaus des Kreises Pingchang eine prächtige Hochzeitsfeier für sie. Der Moderator bat das Brautpaar, das Geheimnis ihrer erfolgreichen Liebesgeschichte zu verraten. You Haoliang ging auf die Bühne, zwinkerte mit einem Auge und antwortete arrogant: „Sobald ich daran dachte, eine schöne Universitätsabsolventin zur Frau zu bekommen, hatte ich unendliche Kraft und unendliche Mittel!“ |
| 吴小蓄明白, 书记这是为了避嫌: 与女同志谈话, 要让别人知道是小葱拌豆腐一一一清二白。书记的头发作二八开梳, 理得一丝不苟。他向桌子对面的一把椅子指了指吴, 小蓄便到那里坐下了。 | |
| 她主动开口道" 书记,我向你检讨,上午不该给区长开车门。" 周斌将两条眉毛高高撑起, 看着吴小苗说道"吴镇长,这不仅仅是一个开车门的问题, 这涉及政治规矩问题。你不把本镇主要领导放在眼里, 想在区长面前表现自己… … " | |
| 吴小蓄忍不住开口反驳" 书记,我哪敢蔑视政治规矩? 更不敢不把主要领导放在眼里。我是不懂, 真的不懂。正好车子停在我的跟前, 我就顺手要去打开… … " " 不管懂还是不懂,你都要好好反思, 下不为例。" | |
| 吴小吉点了点头。周书记摘下眼镜, 从桌上纸盒里抽出一张纸, 一边低头擦着一边说:"吴镇长跟, 岛的‘ 渔家三绝' 很好吃吧7 " | |
| 吴小富立即警觉起来。她明白,她和镇长一起去鲸岛的事, 书记已经听说了。她正后悔不该跟着镇长去那里, 回程遭遇他的弹击。但她知道, 镇长的暧昧举动, 是不能告诉书记的, 那样会把事情弄得更糟, 就辩解道" 镇长要带我去检查渔业安全, 我就跟着去了, 没想到, 岛上会那样隆重招待我们。" | |
| 看看窗外,天已经黑了,恍惚中出现一个吊着的人影儿。哦, 那是当年吊死在这里的那个年轻秘书呀。她全身发抖,汗毛直竖, 急忙拇亮电灯。 | |
| 满屋光明, 那个影子不见了。唉, 影子是我想象出来的, 不用怕。 | |
| 女儿突然打来电话, 小声道:” 老妈, 由眼珠喝醉啦! “ 吴小蒿看看手表,时间是八点半。她在电话里听到, 由浩亮正带着醉意唱《我的1 997》 , 捏细了嗓门学当年的艾敬。她心里翻江倒海, 立即说:” 宝贝儿, 我可不想听由眼珠唱歌。我问你,他出去喝酒,你是怎么吃的? “点点说:"他带饭回来给我呀。一个大螃蟹, 一包鲅鱼水饺, 可好吃啦! " 由眼珠的歌声突然变大, 估计是凑近手机唱的:” 让我去那花花世界吧, 给我盖上大红章… … " 由眼珠当年经常唱着两这句歌词, 央求吴小蒿与他一起去领结婚证。由眼珠唱这两句时, 将脸凑近她的脸, 两道眼缝儿眯得细而又细。现在这些镜头在吴小蒿眼前重现,让她实在无法忍受, 她只好把电话挂了。 | |
| 由浩亮身材中等, 相貌中等, 最突出的特点是白白的胖脸上有两道眼缝儿。因为眼睛呈缝状, 似乎睁不开, 读高中的时候曾引起同学们的激烈争论, 有人说他有眼珠, 有人说他没眼珠。那时由浩亮已经开始追求吴小蒿,有女同学问她, 由浩亮向她表达爱意的时候, 是不是两眼放光, 能看到眼珠。吴小蒿经过仔细回忆,摇了摇头, 因为在那个时候, 由浩亮还是笑眯眯的, 眼缝儿更细。于是, 由浩亮就被同学起了个带反讽意味的绰号" 由眼珠" 。 | |
| 吴小蒿一直没见过由浩亮的眼珠。二人有了亲密关系之后, 她是有机会扒开他的眼缝儿察看一番的, 但她担心扒开之后, 会看到更加可怕的内容。平时,她经常叫他" 由眼珠”,他笑眯眯地答应,说:”我就是有眼珠嘛,不然能看中你? “ | |
| 女儿四岁时产生" 科研" 冲动, 曾扒开爸爸的眼皮探寻过, 结论是" 有眼珠" 。于是, 她就频繁地喊起了" 由眼珠" 。 | |
| 吴小蒿当年第一次见到由浩亮的父亲, 发现爷儿俩像一个模子里出来的。后来点点曾经问过奶奶, 爷爷有没有眼珠, 奶奶笑道:” 不知道, 反正我跟了你爷爷四十多年, 从来没见过他的眼珠子。"点点就扒爷爷的眼皮, 爷爷却不让, 大声嚷嚷:” 谁说我没眼珠子? 我没眼珠子, 年轻的时候能追捕犯罪分子, 一枪打他个狗抢屎? “ | |
| 吴小蒿的公公叫由大联, 刑警出身,枪法很准, 曾经在制止一起凶杀案件时, 一枪把持刀行凶者撂倒。他官至公安局局长、副县长,退休后还像在位的时候, 脸上带着怒气与杀气。他上街溜达, 经常将眉头拧紧, 将眼缝儿对准一些不良现象。看到小伙子流里流气, 他便恨恨地说:” 我要是还有权,看我怎么扎古(修理、整治)你!” 看到女孩穿得太透太露,他愤愤地往地上吐唾沫。几年前婆婆悄悄告诉吴小蒿, 说老头子看到大街上兴起了一种裤子, 裤兜不在两边,在前边, 回家气得骂:” 那些小丫头, 都把两手插在大腿根, 这不是诱导犯罪吗? " | |
| 由浩亮是由大联的独子, 继承了父亲的相貌, 却没继承父亲的爱好, 不爱武装爱红装。他上高中时疯狂追求吴小蒿, 致使成绩严重滑坡, 没有考上大学。由大联气坏了, 把儿子狠狠揍了一顿。儿子闲居在家, 正当着副县长的父亲实在看不下去,就和公安局局长说了一声,让 他去交警队当辅警。这个由浩亮, 上班时狐假虎威, 胡乱执法。有一回, 一辆轿车在大街上正常行驶, 却被他叫停。他要看驾驶员的证件, 驾驶员向他一笑, 指了指后座"王县长在车上。" 由浩亮将嘴一撇:” 谁家没个县长?” | |
| " 谁家没个县长" , 这段子很快在全县流传。一些知道由浩亮绰号的人便议论看: 来, 由眼珠还是没眼珠。这事后来传到由大联耳朵里,他骂儿子胡闹, 给自己丢人。想不到儿子第二天却不见了, 一连三天没有回家。由副县长让公安局查一查, 那边很快报告: 由浩亮已经去了济南。 | |
| 从那时开始, 吴小蒿刚刚过了大半年的大学生活, 完全成为另一种模样。 | |
| 本来, 入学后远离家乡, 远离由眼珠,她觉得天宽地阔, 得到了解脱。山东大学历史专业在全国很有名, 20 世纪50 年代有八位著名学者在那里任教, 被人称作" 八马同槽" 。吴小蒿的老师, 有好几个是" 八马" 的徒子徒孙,按辈分算起来, 吴小蒿这个年龄段的学生应是曾徒孙。老师笑称他们是" 小马驹" , 吴小蒿也觉得自己是一匹从鲁南平原蹄出来的马驹子, 到广阔的知识园地里吃草, 撒欢, 无拘无束。有好多个清晨与下午, 她坐在文史楼东面的小树林里读书, 享受着悠悠的早秋小风, 听着树叶的簌簌轻语, 幸福得直想哭。树林旁边的文史楼, 在她眼里像圣殿一样, 因为20 世纪上半叶,那里面不只有历史系的" 八马同槽" , 还有文学系的" 四大金刚" , 都是在全国响当当的人物。他们的徒子徒孙, 也有好多学界俊彦。她想, 我一定刻苦努力, 以他们为楷模, 做一个优秀学子。父亲一直拿我当蒿草, 我一定要长成树给他看看! | |
| 小树林, 不只靠近文史楼, 还靠近图书馆。许多同学都到这里读书, 常有一对对情侣并肩坐着窃窃私语。吴小蒿羡慕他们, 能在大学里谈一场纯真的恋爱, 哪像自己, 为了学费把身体卖掉。她想, 用了由眼珠八千块钱交学费, 我跟他已经那样了, 他应该知足了吧? 应该放弃我了吧? 她甚至幻想, 自己到山大后能够彻底与由家一刀两断,开启全新的人生。山大有奖学金, 只要成绩优秀就能享受, 以后吃饭不成问题。山大是全国重点大学, 录取分数线相当高,凡是考进来的都是智商过人者。吴小蒿见到那些既聪明又帅气的学兄学弟, 不止一次地心旌摇动。 | |
| 入学第二年的一个春日, 她去杨树林里坐着读书, 突然听见近处有咚咚的响声, 扭头一看,原来是一位浓眉大眼的男生在用拳头捶打树干, 像是很激动。男生也注意到了她, 将书一举亮出封面:” 哎, 这书你看过吗? " 见她看不清楚, 他便走过来坐到她身边说, " 《跃升》 , 当代中国三次思想解放实录, 真叫人热血沸腾, 建议你也看看, " 吴小蒿点头答应。那男生自我介绍一番, 他是1996 级的, 叫刘经济, 青岛人。吴小蒿问这位学兄为何叫刘经济, 是不是抱负宏大, 要经邦济世。 | |
| 刘经济哈哈大笑: “错啦! 1 97 8 年三中全会召开, 不是要把工作重心转移到经济建设上来吗? 我爸当老师, 赶时髦, 就给我起了这么个名字。不过, 我现在真是萌生了野心, 打算好好读书,以史为鉴,多多思考一些问题,若干年后登上高位,经邦济世! "吴小蒿深受他的情绪感染, 由衷地说:” 祝你成功! " 刘经济道一声谢, 问她叫什么, 吴小蒿如实以告。刘经济看着她说:” 我猜想, 你是从农村来的, 不然不会叫小蒿。" 吴小蒿说: ”让你猜对了。不过, 我不想一辈子做小蒿, 想长成一棵树。你要经邦济世, 那是国家栋梁。我长成大树, 只是想有点儿作为, 不虚度今生。” 刘经济拍打着身边的杨树干说:“好! 让这棵树做见证, 二十年后, 咱们实现梦想! " 吴小蒿点点头, 将手贴到树上, 仰望着高高的树冠, 热泪涌流。 | |
| 她也去图书馆借来一本《跃升》 , 果然开眼界, 长知识。作者用三十二万字的篇幅,梳理了改革开放二十年来的思想解放史,展示了惊心动魄的一次次交锋。她读时心潮激荡, 抚摸着书本想, 这就是历史, 我们这代人经过的历史! 再过二十年中国会怎样? 我作为一个成年人,能不能参与历史的创造? | |
| 那是1998 年的春天, 是吴小蒿二十岁的春天, 她平生感觉最美的春天。她和刘经济经常在那个树林里对坐, 交谈, 谈听的课, 谈读的书, 谈历史, 谈当今, 有时候一直谈到晚上。新鲜的见解, 伴着星光的闪耀而闪耀;萌发的感情, 随着草木的生长而生长。有几次快到宿舍关灯的时间了, 刘经济将她送到女生楼下。她回头看看, 刘经济的眼睛反映着灯光熠熠闪亮, 她有一种扑向他的冲动。但是, 她不敢, 她知道自己不配。 | |
| 又一个下午, 他们再次去杨树林相聚, 正谈得投机, 身后突然有人蹿来,一拳打到刘经济的胸脯上:” 我的老婆, 你也敢搞? " 原来是由浩亮来了。刘经济站起身来, 带着满脸疑惑问吴小蒿:” 他是你男朋友? " 吴小蒿不敢看他,只是面红耳赤地扯住由浩亮, 不让他再伤害刘经济。由浩亮又抡拳去打吴小蒿:” 老子供你念书, 你倒在这里勾搭男人! " 这时他们身边围了一些人, 吴小蒿羞愧不堪, 急忙拉上他往校门外走去。 | |
| 那天晚上, 她没能回校。由眼珠说, 他已经找到工作, 要长期住在济南了。他的工作还是辅警, 是他父亲的一个老部下安排的。吴小蒿说:” 学校有纪律, 我不能在校外住。" 由眼珠说:” 不行, 老子这里也有纪律, 你必须每天晚上到我这里报到, 不然我残你! “ | |
| 残你, 在鲁南方言中是揍你、让你残废的意思。 | |
| 吴小蒿知道由眼珠的性格,敢说敢做,只好每天晚上溜出校园,去甸柳庄的一座民宅与他同居。从那时开始, 吴小蒿只能忍受着室友们在她背后的议论, 忍受着再也不能与刘经济倾心畅谈的痛苦。刘经济曾在下课后与她相遇, 将她叫到一边问, 为何不早告诉他已经有了男朋友。吴小蒿说一声:“对不起” , 跑到校园的一个角落面壁哭泣, 连下面方治铭老师的一堂课都没能去听。方老师后来问吴小蒿为什么缺他的课, 她觉得方老师人品好, 值得信赖, 就写了一封长信递给他, 将自己的身世与遭遇原原本本全都讲了。最后她写道:” 人穷志短, 马瘦毛长, 小蒿就是一例。老师, 你鄙视我吧! " | |
| 第二天, 方老师下课后叫住她, 在空无他人的教室里与她进行了一次长谈。他说:”小蒿同学, 感谢你对我的信任。我怎么会鄙视你? 我也是从农村出来的, 知道贫穷下的无奈, 理解困境中的苟且。宁为玉碎不为瓦全,固然让人敬重, 忍辱含垢以图未来, 何尝不是人生智慧? 勾践、韩信、司马迁, 如果不懂一个‘ 忍' 字, 也成不了千秋佳话, 上不了历史课本。这些年来, 我见过的寒门子弟有许许多多,他们最终都能克服困难完成学业,踏上社会之后各有成就。如果他们回首人生来路, 追问自己为何能够走下来, 好多人肯定会想到‘ 忍辱' 二字。但是… … " 方老师停顿一下, 两眼直盯着吴小蒿说, " 忍辱,只是面对困境的选项之一; 反抗, 则是另外的一项, 那也是成就自己的一条道。小蒿同学, 我郑重地告诉你, 你如果选择反抗, 想坚决摆脱你男朋友, 道义上我支持,经济上我也可以资助。” | |
| 吴小蒿泪水涝沱, 哽咽半天才说出这么两句:” 有老师这话, 我就知足了…… 我的事情我自己处理, 不能麻烦老师…… “ | |
| 此后, 吴小蒿一直没能"处理" 好这事, 没能摆脱由眼珠。因为由眼珠给她的选项是这么两个: 继续同居, 相安无事; 如果分手, 血洒山大。吴小蒿不寒而栗, 只好选择了忍。忍到毕业, 考到隅城, 与由眼珠登记结婚。2003年元旦, 由家在平畴县政府招待所为他俩隆重举行婚礼, 主持人让新郎讲讲恋爱成功的秘籍, 由浩亮眯弯了眼缝儿, 自豪地回答:” 一想到能找大学毕业的漂亮女生做老婆, 我就有无穷无尽的力量, 有无穷无尽的手段! “ | |
| 那一刻, 吴小蒿的心间迸出这样两个词组: 无穷无尽的耻辱, 无穷无尽的痛苦。 | |
| 9 突然有汽笛声传来,深沉而悠长。吴小蒿想,这响声肯定来自钱湾渔港, 它代表了什么意思? 可能是有的渔民在禁渔期憋屈了许久, 按捺不住出海的冲动, 在深夜里闹出动静, 表达情绪吧? | |
| 汽笛声让吴小蒿也有了一股强烈的冲动。她想, 现在我也是楷坡的一个海民, 我也整装待发。虽然大海凶险, 虽然我缺乏经验, 但我不怕。我要让自己迅速适应, 要让自己快快成长。 | |
| 她想读一会儿书再睡, 就从抽屉里拿出了一本。那书厚如砖头, 书名是《历史上的今天》 , 是她平时最爱读的, 也是最常用的。 | |
| 今天是8 月29 日,她翻到书上的" 8 月29 日”,看到第一条是" 1482 年中英《江宁( 南京) 条约》签订" , 就读了起来。这一段历史她虽然很熟悉, 但每次读, 都能感受到鸦片战争的硝烟刚刚散尽, 英国战舰" 康华丽" 号上那种让中国人无比屈辱的肃杀气氛。 | |
| 她读完这本书, 心血来潮, 将自己的阅读感受写成一篇文章, 题目叫《历史的另一种面貌一一读〈历史上的今天〉有感》。写完, 她给两位老师看。教世界上古史的康无为教授将她批评了一通, 说她走了歪门邪道, 甚至是走火入魔。历史是一门科学, 而科学不能搞得花里胡哨。更严重的是, 吴小蒿同学犯了逻辑错误——历史是没有今天的, 历史永远是昨天和前天。吴小蒿不服, 心想, 老师你偷换了概念, 这本书上的" 今天" ,只是一个日期的标记, 并不是你理解的正在进行中的" 今天" 。 | |
| 幸喜,教中国古代史的方治铭教授赞赏她的文章, 说他一直提倡发散性思维, 不要被教科书所束缚, 不要被老师的讲授所束缚。方老师还将她的这篇文章推荐给一家青年报, 很快发表出来, 让同学们对吴小蒿刮目相看。 | |
| 文章发表之后, 吴小蒿将那本《历史上的今天》归还图书馆, 自己去书店买来一本,经常重读。读到某一天某一个历史事件,她往往再去看相关资料, 将这段历史的来龙去脉搞个清楚, 进而搞清楚它对历史进程的影响, 在历史上做何评价。这样也能促进学习, 因而她的专业课成绩门门都是优秀。 | |
| 有一天, 吴小蒿再次心血来潮, 决定将个人的大事也记到这本书上。哪一天自己经历了什么重要的事情, 她就找到书上的那一天, 在空白处记录下来。这个记法, 比写日记更有意思。譬如说, 大三那年4 月底, 班里全体同学坐火车去曲阜参观, 加深了对儒家文化的理解, 回济南后她在《历史上的今天》的4 月20 日里记下" 在老师带领下去曲阜瞻仰三孔" , 再看书上, 中国和外国在这一天发生的大事有"429 年祖冲之诞生" " 1934 年中共中央提出《抗日救国六大纲领》 " " 1981 年浙江桐乡发现原始社会氏族社会村落遗址" " 1930 年印度白沙瓦城爆发反英起义" " 1972 年美国‘ 阿波罗16 号' 宇宙飞船在月球着陆" " 1996 年八国核安全首脑会议召开”等等。 | |
| 一位室友发现了她的记录, 说她想名垂青史。吴小蒿说: “我哪有那份野心? 我是想, 人类史是由个人史组成的, 尽管我命若草芥, 就像我的名字一样, 是一棵小小的蒿草, 但如果把自己的经历记下来, 也能折射时代, 反映历史。" 于是, 她继续保持这个习惯。 | |
| 吴小蒿对《历史上的今天》痴迷,对教科书上的历史也是痴迷。她想,我来到这个世界上, 即使寿终正寝也只有短短的几十年, 但我能读历史专业,让目光扫描上下五千年, 去审视人类所历经的变化、所创造的文明、所犯下的错误, 进而思考其中的得与失, 探讨一些规律性的东西, 给后人以借鉴,这是多大的造化! 所以, 方教授鼓励她报考考古专业研究生, 而且主动提出收她为徒, 这让她十分感动。她在最后一个学期焚膏继晷, 刻苦攻读, 打算顺顺利利考上, 成为方老师的门生。然而, 由浩亮坚决反对她考研, 说父母需要他们回去养老,父亲已经给吴小蒿联系好了,让她去平畴一中教书。吴小蒿知道, 到了那里, 她就陷入由家编织的牢笼,只能老老实实当由家的媳妇, 受他们的摆布。她一想到当过副县长的准公公脸上一天到晚挂着怒容,好像随时随地要教训别人, 心里就有一万分不甘。 | |
| 有一天晚上, 由浩亮在他们租住的平房小院里指着墙角说:” 你不是打算去考古吗? 如果不听我的, 我就让别人到这里考古。" 吴小蒿问:” 你什么意思? " 由浩亮恶狠狠地说:”把你深埋地下,让后人挖出来看, 看是哪个朝代的死人骨头! “ | |
| 吴小蒿当即晕倒。醒来时她已经光溜溜地躺在床上, 由浩亮正趴在她身上复习旧课。她不配合, 流泪推拒, 由浩亮一边动粗一边道: “没我们家供养, 你吴小蒿能上大学? 你上完大学不回去报答, 还想读研? 你忘恩负义! 你痴心妄想! “ | |
| 吴小蒿痛哭一夜, 决定妥协。她向由浩亮讲, 放弃考研, 考隅城市的公务员,那儿离平畴县城近, 看望老人也方便。由浩亮与家人商量一番,也做了妥协, 同意吴小蒿去隅城。吴小蒿明白, 在虚荣心特强的准公公眼里, 隅城虽然是区, 但是在安澜城区, 儿媳妇等于在市里工作, 能给他家争光。 | |
| 读罢" 8 月29 日" 的所有条目, 吴小蒿觉得有必要在今天也记下自己的一条, 于是拿起笔, 在书页空白处记下: | |
| 2012年因随镇长去鳃岛、想为区长开车门,被书记严厉批评 | |
| 10 白天,镇政府大院来人住,一到傍晚就变得冷清。书记虽然有宿舍,但下班后多是回城, 据说老婆有抑郁症, 儿子正读高中, 需要照顾。镇长虽然住在楷坡, 但他的私宅离镇政府挺远。家在城里的还有十来个人, 有的坐大巴, 有的拼车, 每天当" 走读干部" 。吴小蒿不愿来回跑, 觉得每天奔波六十公里, 实在太累。安检办有一辆小面包车, 李言密每天开着它回城, 曾邀吴小蒿同行, 被她拒绝。她想, 那是一辆公车, 我虽然分管安全, 但这也不能成为坐车的理由。 | |
| 其实, 她不回城, 常住楷坡, 是想享受一份解脱感。从读高中开始, 由浩亮就像一团树胶, 整天粘住她不放, 直到把她追到手。婚后, 二人又因为观念上的分歧, 冲突不断。由浩亮没有正式工作,就注册了一个公司, 在市里租房挂出牌子, 整天投机钻营, 想利用父亲的人脉关系挣钱。市里、区里, 有几个干部是由大联的老部下, 由浩亮就厚着脸皮找他们,让他们牵线搭桥揽工程, 揽到之后转包给别人。 | |
| 请客时, 由浩亮往往让吴小蒿作陪,为那些官员、商人敬酒夹菜。有人见吴小蒿漂亮, 把持不住自己, 借酒盖脸, 疯言疯语。有一个局长比吴小蒿大二十多岁, 竟然对她叫起了" 妹妹" 。有人觉得, 为由浩亮拉项目, 他的媳妇应该兴高采烈才对, 然而吴小蒿高兴不起来,坐成一个冷美人,让酒宴上的气氛急剧降温。回家后, 由浩亮骂吴小蒿,说她不会夫唱妇随, 端着个臭架子, 不愿为家庭为孩子谋福利。吴小蒿说: “我上班挣工资, 难道不是为家庭为孩子谋福利? 我是堂堂正正的公务员,不能给你当陪酒女!" 由浩亮很生气, 就出手残她, 拳脚交加。被逼无奈, 吴小蒿再去给他陪客, 但说话稍多一点儿, 笑容稍甜一点儿, 回家后由浩亮又说她" 在男人面前发贱" , 照样残她。 | |
| 吴小蒿也不是一昧地逆来顺受。在家暴发生时, 她曾经报过警。然而等警察来到时, 由眼珠马上换上一副笑脸, 向警察检讨, 向老婆道歉, 说自己是一时冲动, 没控制住情绪, 以后坚决改正。警察见他这个样子, 批评他几句,让他俩搞好夫妻关系, 保持家庭和谐, 就回派出所了。可是过一段时间,由眼珠故态复萌,又会残她。吴小蒿也曾想到离婚, 与闺密月月谈过这事,月月坚决支持她,说身为知识女性,岂能这样受人欺侮? 吴小蒿鼓足勇气,向由眼珠摊牌, 由眼珠却打出了孩子这张牌, 声称如果离婚, 点点必须归他,并且再也不会让吴小蒿见到点点。一想到这个结局, 吴小蒿就肝肠寸断, 痛苦至极。因为她太爱女儿了, 离开了女儿, 她可能会丧失活下去的勇气。让她纠结的还有, 由眼珠也疼爱孩子, 而且擅长做饭, 点点跟她爸很亲。面对这种情势, 吴小蒿只好选择了忍。忍了几年, 还是受不了, 就选择了逃一一下乡任职。 | |
| 来楷坡之后好了, 她工作一天, 晚上悠闲清静, 可以看书, 上网, 浏览朋友圈消息, 与熟人聊天。当然, 她每天还要和女儿通话, 了解女儿的情况, 表达她的关爱。 |