Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 71"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 71) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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且說鴛鴦一徑回來,剛至園門前,只見角門虛掩,猶未上閂。此時園內無人來往,只有該班的房內燈光掩映,微月半天。鴛鴦又不曾有個作伴的,也不曾提燈籠,獨自一個,腳步又輕,所以該班的人皆不理會。偏生又要小解,因下了甬路,尋微草處,行至一湖山石後大桂樹陰下來。剛轉過石後,只聽一陣衣衫響,嚇了一驚不小。定睛一看,只見是兩個人在那裡,見他來了,便想往石後樹叢藏躲。鴛鴦眼尖,趁月色見準一個穿紅裙子梳鬅頭高大豐壯身材的,是迎春房裡的司棋。鴛鴦只當他和別的女孩子也在此方便,見自己來了,故意藏躲恐嚇著耍,因便笑叫道:「司棋你不快出來,嚇著我,我就喊起來當賊拿了。這麼大丫頭了,沒個黑家白日的只是頑不夠。」這本是鴛鴦的戲語,叫他出來。誰知他賊人膽虛,只當鴛鴦已看見他的首尾了,生恐叫喊起來使眾人知覺更不好,且素日鴛鴦又和自己親厚不比別人,便從樹後跑出來,一把拉住鴛鴦,便雙膝跪下,只說:「好姐姐,千萬別嚷!」鴛鴦反不知因何,忙拉他起來,笑問道:「這是怎麼說?」司棋滿臉紅脹,又流下淚來。鴛鴦再一回想,那一個人影恍惚象個小廝,心下便猜疑了八九,自己反羞的面紅耳赤,又怕起來。因定了一會,忙悄問:「那個是誰?」司棋復跪下道:「是我姑舅兄弟。」鴛鴦啐了一口,道:「要死,要死。」司棋又回頭悄道:「你不用藏著,姐姐已看見了,快出來磕頭。」那小廝聽了,只得也從樹後爬出來,磕頭如搗蒜。鴛鴦忙要回身,司棋拉住苦求,哭道:「我們的性命,都在姐姐身上,只求姐姐超生要緊!」鴛鴦道: 「你放心,我橫豎不告訴一個人就是了。」一語未了,只聽角門上有人說道:「金姑娘已出去了,角門上鎖罷。」鴛鴦正被司棋拉住,不得脫身,聽見如此說,便接聲道:「我在這裡有事,且略住手,我出來了。」司棋聽了,只得鬆手讓他去了── | 且說鴛鴦一徑回來,剛至園門前,只見角門虛掩,猶未上閂。此時園內無人來往,只有該班的房內燈光掩映,微月半天。鴛鴦又不曾有個作伴的,也不曾提燈籠,獨自一個,腳步又輕,所以該班的人皆不理會。偏生又要小解,因下了甬路,尋微草處,行至一湖山石後大桂樹陰下來。剛轉過石後,只聽一陣衣衫響,嚇了一驚不小。定睛一看,只見是兩個人在那裡,見他來了,便想往石後樹叢藏躲。鴛鴦眼尖,趁月色見準一個穿紅裙子梳鬅頭高大豐壯身材的,是迎春房裡的司棋。鴛鴦只當他和別的女孩子也在此方便,見自己來了,故意藏躲恐嚇著耍,因便笑叫道:「司棋你不快出來,嚇著我,我就喊起來當賊拿了。這麼大丫頭了,沒個黑家白日的只是頑不夠。」這本是鴛鴦的戲語,叫他出來。誰知他賊人膽虛,只當鴛鴦已看見他的首尾了,生恐叫喊起來使眾人知覺更不好,且素日鴛鴦又和自己親厚不比別人,便從樹後跑出來,一把拉住鴛鴦,便雙膝跪下,只說:「好姐姐,千萬別嚷!」鴛鴦反不知因何,忙拉他起來,笑問道:「這是怎麼說?」司棋滿臉紅脹,又流下淚來。鴛鴦再一回想,那一個人影恍惚象個小廝,心下便猜疑了八九,自己反羞的面紅耳赤,又怕起來。因定了一會,忙悄問:「那個是誰?」司棋復跪下道:「是我姑舅兄弟。」鴛鴦啐了一口,道:「要死,要死。」司棋又回頭悄道:「你不用藏著,姐姐已看見了,快出來磕頭。」那小廝聽了,只得也從樹後爬出來,磕頭如搗蒜。鴛鴦忙要回身,司棋拉住苦求,哭道:「我們的性命,都在姐姐身上,只求姐姐超生要緊!」鴛鴦道: 「你放心,我橫豎不告訴一個人就是了。」一語未了,只聽角門上有人說道:「金姑娘已出去了,角門上鎖罷。」鴛鴦正被司棋拉住,不得脫身,聽見如此說,便接聲道:「我在這裡有事,且略住手,我出來了。」司棋聽了,只得鬆手讓他去了── | ||
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| − | + | Einundsiebzigstes Kapitel | |
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| − | + | Wer auf Risse sinnt, erzeugt absichtlich Risse; | |
| − | + | Das Mandarinenentenmädchen trifft unversehens auf ein Mandarinentenpaar | |
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| − | + | Es wird erzählt, dass Aufrecht Kaufmann <ref>贾政</ref> nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt alle seine Amtsgeschäfte erledigt hatte und einen Monat Urlaub zur Erholung zu Hause gewährt bekam. Da er im Alter voranschritt, die Pflichten schwer und der Körper schwach waren, und da er nach mehrjähriger Abwesenheit, die ihn von seinen engsten Angehörigen getrennt hatte, nun froh in den Schoß der Familie zurückgekehrt war, fühlte er sich grenzenlos glücklich. So vernachlässigte er nun alle Angelegenheiten, groß wie klein, noch mehr als zuvor und widmete sich nur noch der Lektüre. Wenn er der Bücher überdrüssig wurde, spielte er mit seinen Hausgästen Schach und trank Wein, oder er plauderte tagsüber in den inneren Gemächern mit Mutter und Ehefrau über die Freuden, die Heim und Familie gewähren. | |
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| − | + | Da in diesem Jahr am dritten Tag des achten Monats der achtzigste Geburtstag der Herzoginmutter <ref>贾母</ref> war und alle Verwandten und Freunde kommen würden, so dass der Platz für die Festtafeln nicht ausreichen konnte, beriet sich Aufrecht Kaufmann rechtzeitig mit Begnadigung Kaufmann <ref>贾赦</ref>, Herrlichkeit Kaufmann <ref>贾珍</ref> und Kette Kaufmann <ref>贾琏</ref>. Man kam überein, dass vom achtundzwanzigsten Tag des siebenten Monats bis zum fünften Tag des achten Monats im Prunkwille-Anwesen <ref>荣国府</ref> und im Stillfriede-Anwesen <ref>宁国府</ref> zugleich gefeiert werden sollte. Im Stillfriede-Anwesen sollten die männlichen Gäste empfangen werden, im Prunkwille-Anwesen die weiblichen. Im Garten der Großen Anschauung <ref>大观园</ref> wurden der Brokatbestückte Turm <ref>缀锦阁</ref> und die Halle des Vortrefflichen Schattens <ref>嘉荫堂</ref> sowie einige weitere große Räumlichkeiten als Rückzugsorte hergerichtet. | |
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| − | + | Für den achtundzwanzigsten waren kaiserliche Schwäger und Schwiegersöhne, Prinzen und Herzöge, Prinzessinnen und Fürstinnen, königliche Gemahlinnen sowie Mütter und Hauptfrauen hoher Beamter geladen. Für den neunundzwanzigsten die Vorsitzenden des Thronsekretariats, die Leiter der Ministerien und des kaiserlichen Haushalts, die Gouverneure und Militärgouverneure der einzelnen Provinzen sowie deren Hauptfrauen. Für den dreißigsten dann weitere Beamte mit ihren Gemahlinnen sowie nahe und ferne Verwandte und Freunde mit deren Frauen. | |
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| − | + | Am ersten Tag gab Begnadigung Kaufmann sein Fest im Familienkreis, am zweiten Aufrecht Kaufmann, am dritten Herrlichkeit Kaufmann gemeinsam mit Kette Kaufmann. Am vierten wurde ein Familienfest auf Kosten aller Sippenmitglieder – groß und klein, vornehm und gering – gegeben, am fünften schließlich ein Fest, das von Lai Da, Lin Zhixiao und den übrigen Verwaltern beider Anwesen gemeinsam finanziert wurde. | |
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| − | + | Von der ersten Dekade des siebenten Monats an wurden in stetiger Folge Geschenke gebracht. Vom Ritenministerium wurden auf allerhöchsten Befehl als Geschenke des Kaisers ein Glückwunschzepter aus Gold und Jade, vier Längen bunter Brokat, vier Ringe aus Gold und Jade sowie fünfhundert Liang Silber aus der kaiserlichen Schatzkammer überbracht. Außerdem schickte Yuanchun <ref>元春</ref> durch die Eunuchen eine Goldstatuette des Gottes der Langlebigkeit, einen Krückstock aus Adlerholz, eine Gebetsschnur aus Duftholzperlen, eine Dose „Weihrauch des Glücks und der Langlebigkeit", ein Paar Goldbarren, vier Paar Silberbarren, zwölf Stücke bunten Brokat und vier jadene Becher. | |
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| − | + | Auch unter den Familien der Prinzen kaiserlichen Geblüts und der kaiserlichen Schwiegersöhne sowie aller höheren und niederen Zivil- und Militärbeamten, mit denen die Kaufmanns <ref>贾家</ref> Umgang pflegten, war keine, die nicht ihre Gaben geschickt hätte. Diese können hier nicht alle aufgezählt werden. | |
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| − | + | In der Haupthalle war ein großer Tisch aufgestellt, mit rotem Filz bedeckt, auf dem alle feinen Geschenke ausgebreitet wurden, damit die Herzoginmutter sie in Augenschein nehmen konnte. Am ersten und zweiten Tag kam sie noch freudig herüber und betrachtete alles, aber dann hatte sie genug davon, wollte nichts mehr sehen und sagte nur: „Sagt dem Phönixglanz-Mädchen <ref>凤丫头</ref>, sie soll es verwahren! Ich schaue es mir ein andermal an, wenn mir langweilig ist." | |
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| − | + | Am achtundzwanzigsten Tag des siebenten Monats erstrahlten beide Anwesen im Schmuck der Laternen und Seidenrosetten. An den Setzschirmen prangten Phönixbilder, auf den Sitzkissen leuchteten Lotosmuster. Die Musik von Flöten und Trommeln drang hinaus in die Straßen und Gassen. | |
| − | + | ||
| − | + | Im Stillfriede-Anwesen erschienen an diesem Tag nur der Fürst von Beijìng <ref>北静王</ref>, der Vizekönig von Nan'an <ref>南安郡王</ref>, der kaiserliche Schwiegersohn Yongchang <ref>永昌驸马</ref>, der Prinz Leshan <ref>乐善郡王</ref> sowie die Träger einiger Erbtitel befreundeter Herzogs- und Fürstenhäuser. Im Prunkwille-Anwesen kamen die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an, die Gemahlin des Fürsten von Beijìng sowie die Hauptfrauen der befreundeten Herzöge und Fürsten. | |
| − | + | ||
| − | + | Im vollen Festschmuck, wie er ihrem jeweiligen Rang entsprach, gingen die Herzoginmutter und alle anderen zum Empfang entgegen. Nachdem man einander begrüßt hatte, wurden die Gäste zunächst in die Halle des Vortrefflichen Schattens im Garten der Großen Anschauung geführt. Erst nachdem sie hier Tee getrunken und sich frisch gemacht hatten, verließen sie den Garten und begaben sich in die Halle der Üppigen Glückwünsche <ref>荣庆堂</ref>, um ihre Gratulationen darzubringen und dann zu Tisch zu gehen. Hierbei zierte man sich lange, ehe endlich alle Platz genommen hatten. | |
| − | Da | + | |
| − | + | An den beiden Ehrentischen saßen die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an und die Gemahlin des Fürsten von Beijìng, an den übrigen Tischen der Rangfolge nach abwärts die Frauen der Herzöge und Fürsten. Am ersten Tisch zur Linken saßen als begleitende Ehrengäste die Frau des Fürsten Jinxiang <ref>锦乡侯</ref> und die des Grafen Linchang <ref>临昌伯</ref>, und erst am ersten Tisch zur Rechten war der Platz der Herzoginmutter. Hinter ihr standen, angeführt von Dame Hsing <ref>邢夫人</ref> und Dame König <ref>王夫人</ref>, Dame Sonders <ref>尤氏</ref> und Phönixglanz <ref>王熙凤</ref> mit den anderen jungen Frauen der Familie in keilförmiger Formation, um aufzuwarten. | |
| − | + | ||
| − | + | Außerhalb der Bambusvorhänge waren unter der Aufsicht der Frauen von Lin Zhixiao und Lai Da Sklavenfrauen angetreten, um die Speisen und den Wein hereinzureichen. Hinter den Setzschirmen waren unter dem Kommando von Zhou Ruis Frau Sklavenmädchen postiert, um etwaige Aufträge entgegenzunehmen. Das Gefolge der Gäste war von weiteren Sklavenfrauen fortgeführt worden, um anderswo bewirtet zu werden. | |
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| − | + | Alsbald betraten die Schauspieler die Bühne, um zuerst ihre Glückwünsche auszusprechen. Vor der Bühne traten zwölf Sklavenjungen in gleichartiger Aufmachung an, die noch zu klein waren, um ihr Haar wachsen zu lassen. Einen Augenblick später erschien am Fuße der Treppe ein weiterer kleiner Sklavenjunge mit dem Repertoirezettel und reichte ihn einer Sklavenfrau, deren Aufgabe es war, Meldungen weiterzuleiten. Erst aus ihren Händen empfing ihn Lin Zhixiaos Frau, legte ihn auf ein kleines Tablett und trat damit durch die Tür, um ihn an die Nebenfrau Peifeng <ref>佩凤</ref> zu übergeben, die zu Dame Sonderss Bedienung gehörte. | |
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| − | + | Aus Peifengs Händen nahm Dame Sonders das Tablett entgegen und trug den Zettel darauf zu den Ehrentischen, wo die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an sich erst ein Weilchen höflich zierte, ehe sie eine Szene mit glückverheißendem Titel auswählte. Nachdem sich auch die Gemahlin des Fürsten von Beijìng eine Zeitlang geziert hatte, suchte sie ebenfalls eine Szene aus. Anschließend machten auch alle anderen Gäste dieselben Umstände und sagten, man solle nur nach Belieben einige gute Szenen bestimmen und spielen lassen. | |
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| − | + | Als nach kurzer Zeit schon die vierte Speise aufgetragen und die Suppe gereicht worden war, verteilte das Gefolge der Gäste die Belohnungen für die Schauspieler. Nachdem sich alle frisch gemacht hatten, kehrten sie in den Garten zurück, wo feiner Tee serviert wurde. | |
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| + | Nun erkundigte sich die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an nach Schatzjade <ref>贾宝玉</ref>, und die Herzoginmutter gab lächelnd Auskunft: „Heute wird in mehreren Tempeln das Sutra zum Erhalt der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens verlesen, und er nimmt daran teil." | ||
| + | |||
| + | Als nach den jungen Mädchen gefragt wurde, sagte die Herzoginmutter, wiederum lächelnd: „Die einen sind krank, die anderen schwächlich, außerdem sind sie scheu gegenüber Fremden. Darum habe ich ihnen gesagt, sie sollen meine Räume beaufsichtigen. Und da genug Schauspieltruppen im Hause sind, habe ich eine davon hinübergeschickt, damit sie bei mir in der Halle vor unseren Mädchen und ihren Kusinen aus den Familien ihrer Tanten etwas vorführt." | ||
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| + | „Wenn das so ist", sagte die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an, „lasst sie doch durch jemanden herüberbitten!" | ||
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| + | Also wandte die Herzoginmutter den Kopf nach Phönixglanz und befahl ihr, sie solle Wolkenmädchen <ref>史湘云</ref>, Schatzspange <ref>薛宝钗</ref> und Kajaljade <ref>林黛玉</ref> herüberholen. „Außer diesen bringst du nur das dritte Fräulein zu ihrer Begleitung mit!" setzte sie hinzu. | ||
| + | |||
| + | Phönixglanz ging in die Räume der Herzoginmutter hinüber, wo die Mädchen gerade Naschwerk knabberten und dem Theaterspiel zusahen. Auch Schatzjade war gerade von seinem Tempelbesuch zurückgekommen. Als Phönixglanz ihre Bestellung ausgerichtet hatte, folgten Schatzspange und ihre Schwester Schatzharfe <ref>宝琴</ref>, Kajaljade, Erkundefrühling <ref>探春</ref> und Wolkenmädchen – fünf Personen – in den Garten, wo sie die Besucherinnen begrüßten und sich nach ihrem Befinden erkundigten. | ||
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| + | Einige Besucherinnen waren mit den Mädchen bereits bekannt, manche sahen sie zum ersten Mal, aber alle lobten sie ohne Ende. Am vertrautesten war die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an mit Wolkenmädchen, darum warf sie ihr lächelnd vor: „Da bist du hier im Hause, aber anstatt herüberzukommen, wenn du hörst, ich sei zu Besuch, wartest du, bis ich dich holen lasse! Morgen werde ich mit deinem Onkel deswegen abrechnen!" | ||
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| + | Nun fasste sie mit der einen Hand Erkundefrühling, mit der anderen Schatzspange, erkundigte sich nach ihrem Alter und lobte sie gleich noch einmal in einem fort. Dann ließ sie die beiden wieder los, fasste stattdessen Kajaljade und Schatzharfe bei den Händen, musterte sie sorgfältig und spendete auch ihnen höchstes Lob. „Ihr seid alle so lieb", sagte sie lächelnd, „dass ich nicht weiß, wen von euch ich am meisten loben soll!" | ||
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| + | Es hatte bereits jemand fünf Satz Geschenke zurechtgemacht, die von der verwitweten Nebenfrau bereitgehalten worden waren, und jedes der Mädchen bekam einen goldenen und einen jadenen Fingerring sowie eine Armkette aus Duftholzperlen. „Lacht bitte nicht über das wertlose Zeug!" bat die verwitwete Nebenfrau. „Nehmt es und schenkt es euren Mägden!" | ||
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| + | Sofort verbeugten sich die fünf Mädchen und bedankten sich. Auch von der Gemahlin des Fürsten von Beijìng bekamen sie fünferlei Geschenke. Was die übrigen gaben, braucht nicht im Einzelnen erläutert zu werden. | ||
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| + | Nach dem Teetrinken spazierten alle ein wenig durch den Garten, und dann bat die Herzoginmutter sie an die Tafel zurück. Aber die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an entschuldigte sich, sie fühle sich nicht recht wohl. „Nicht zu kommen wäre nicht recht gewesen", sagte sie, „aber jetzt müsst Ihr schon gestatten, dass ich mich verabschiede." | ||
| + | |||
| + | Die Herzoginmutter konnte sie nicht gut nötigen und begleitete sie deshalb nach einigem höflichen Hinundher bis zum Gartentor, wo jene in ihre Sänfte stieg und sich forttragen ließ. Die Gemahlin des Fürsten von Beijìng blieb noch ein Weilchen, dann nahm auch sie Abschied. Von den anderen blieben manche bis zum Schluss, manche auch nicht. | ||
| + | |||
| + | Da die Herzoginmutter von den Anstrengungen des Tages erschöpft war, empfing sie die Besucherinnen des nächsten Tages nicht persönlich, und an ihrer statt mussten sich Dame Hsing und Dame König mit ihnen abgeben. Als die jungen Männer aus den befreundeten Familien erschienen, um der Herzoginmutter ihre Geburtstagsgrüße zu entbieten, wurden sie in die Halle geführt, um sich dort zu verbeugen, und erwidert wurden diese Verbeugungen durch Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann, die die Besucher anschließend ins Stillfriede-Anwesen zu Tisch führten. Aber davon soll hier nicht weiter die Rede sein. | ||
| + | |||
| + | Dame Sonders ging an all diesen Tagen nicht ins andere Anwesen hinüber. Tagsüber betreute sie die Besucherinnen, und nachts schlief sie im Garten der Großen Anschauung in Seidenweiß Pflaumes Räumen. Eines Abends sagte die Herzoginmutter, nachdem Dame Sonders ihr beim Abendessen aufgewartet hatte: „Ihr seid alle müde, und auch ich bin müde. Darum seht zu, dass ihr etwas zu essen bekommt, und dann legt euch schlafen. Morgen müssen wir wieder früh aufstehen, um den Trubel über uns ergehen zu lassen." | ||
| + | |||
| + | Dame Sonders sagte: „Jawohl!" und zog sich zurück. Dann begab sie sich in die Räume von Phönixglanz, um zu essen. Phönixglanz selbst war gerade im zweistöckigen Speichergebäude, um die Leute zu beaufsichtigen, die einen neu geschenkten Setzschirm wegstellten, und so befand sich in ihren Räumen nur Friedchen <ref>平儿</ref>, damit beschäftigt, Phönixglanz' Kleider zusammenzulegen. | ||
| + | |||
| + | Also fragte Dame Sonders: „Hat eure junge Herrin schon gegessen?" | ||
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| + | „Würden wir Euch nicht hergebeten haben, junge gnädige Frau, wenn wir schon gegessen hätten?" fragte Friedchen lächelnd zurück. | ||
| + | |||
| + | „Wenn das so ist, werde ich zusehen, dass ich anderswo etwas zu essen finde", sagte Dame Sonders, ebenfalls lächelnd. „Ich halte es vor Hunger nicht mehr aus." Und damit wandte sie sich zum Gehen. | ||
| + | |||
| + | „Bleibt doch bitte, junge gnädige Frau!" forderte Friedchen sie rasch lächelnd auf. „Hier ist Gebäck. Damit könnt Ihr Euch ein wenig stärken, und nachher kommt Ihr zum Essen wieder!" | ||
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| + | „So beschäftigt, wie ihr hier seid, gehe ich lieber in den Garten und falle den Mädchen zur Last", sagte Dame Sonders und ging nun wirklich hinaus. Da Friedchen sie nicht zu halten vermochte, musste sie ihr wohl oder übel ihren Willen lassen. | ||
| + | |||
| + | Dame Sonders ging geradewegs zum Garten, wobei sie feststellen musste, dass sowohl das Haupttor als auch die Nebentore noch nicht geschlossen waren. Auch brannten noch überall die bunten Laternen. Darum wandte sie den Kopf und befahl einem ihrer kleinen Sklavenmädchen, die diensthabenden Frauen zu rufen. Das Mädchen ging in die Wachstube, aber hier war nicht die Spur eines Menschen. Also kehrte sie zu Dame Sonders zurück, um dies zu melden. Darauf befahl ihr Dame Sonders, eine von den Verwalterinnen zu holen. | ||
| + | |||
| + | Das Mädchen sagte: „Jawohl!" und ging hinaus zu der Plattform außerhalb des Innentors, wo die Verwalterinnen ihren Versammlungs- und Beratungsplatz hatten. Aber auch hier fand sie nur zwei alte Sklavenfrauen vor, die damit beschäftigt waren, Gemüse und Obst in Portionen zu teilen. Sie fragte: „Welche der Verwalterinnen ist hier? Die junge gnädige Frau aus dem Ostanwesen hat ihr auf der Stelle etwas zu sagen." | ||
| + | |||
| + | Die beiden Alten waren ganz in ihr Geschäft vertieft, und außerdem hörten sie, es handle sich nur um die junge gnädige Frau aus dem anderen Anwesen. Darum nahmen sie die Sache nicht weiter ernst und antworteten: „Die Verwalterfrauen sind eben nach Hause gegangen." | ||
| + | |||
| + | „Dann geht ihr zu einer von ihnen nach Hause und holt sie!" verlangte das Mädchen. | ||
| + | |||
| + | „Wir haben hier nur aufzupassen und niemanden zu holen", erwiderten die Alten. „Wenn ihr wollt, dass sie geholt wird, müsst ihr jemanden beauftragen, der dazu da ist, Bestellungen auszurichten." | ||
| + | |||
| + | „Also, ... also, das ist ja Aufruhr!" empörte sich das Mädchen. „Wieso wollt ihr sie nicht holen? So könnt ihr mit jemandem umgehen, der hier neu ist, aber nicht mit mir! Wer holt sie denn sonst, wenn nicht ihr?! Wenn ihr hört, es gibt etwas zu verdienen, oder eine der Verwalterfrauen soll ein Geschenk bekommen, dann reißt ihr euch darum, sie zu holen, und würdet am liebsten noch mit dem Schwanz wedeln. Jetzt aber wisst ihr nicht, wer wer ist. Würdet ihr genauso antworten, wenn ihr die Gattin des jungen Herrn Lián jemanden holen solltet?" | ||
| + | |||
| + | Die beiden Frauen hatten zuvor Wein getrunken, außerdem hatte das Sklavenmädchen mit seinen Worten an einen wunden Punkt gerührt, und die Scham darüber brachte die beiden in Zorn. Deshalb erwiderten sie: „Dass du dich nicht schämst, solchen Unsinn zu schwatzen! Schließlich ist es unsere Sache, ob wir jemanden holen oder nicht, und dich geht das gar nichts an. Außerdem brauchst du uns hier nicht madig zu machen. Denk einmal daran, wie sich deine Eltern vor euren eigenen Verwaltern noch viel mehr lieb Kind zu machen verstehen als wir! Oder hältst du uns vielleicht für blind? Es heißt: ‚Klares Wasser, Nudeln drin – du isst, und ich sehe es.' <ref>Sprichwort, das bedeutet: Jeder kann sehen, was der andere tut.</ref> Jeder soll nur hübsch vor der eigenen Tür kehren! Wenn du das Zeug dazu hast, kannst du eure Leute drüben ausschmieren, aber bei uns bist du an der falschen Adresse!" | ||
| + | |||
| + | Das Sklavenmädchen war blass geworden vor Zorn. „Gut, gut, das will ich mir merken!" sagte es. Und damit machte es kehrt und ging zum Gartentor zurück, um Dame Sonders davon zu unterrichten. | ||
| + | |||
| + | Aber Dame Sonders war inzwischen längst in den Garten hineingegangen, wo sie Dufthauch <ref>袭人</ref>, Schatzharfe und Wolkenmädchen traf, die mit zwei Nonnen aus dem Ksitigarbha-Kloster <ref>地藏庵</ref> plauderten und sich von ihnen Geschichten erzählen ließen. Als Dame Sonders sagte, sie sei hungrig, gingen sie mit ihr zum Hof der Roten Freude <ref>怡红院</ref>, wo Dufthauch einen Imbiss – sowohl Fleischspeisen als auch fleischlose Gerichte – auftun ließ und Dame Sonders im Vorraum servierte. | ||
| + | |||
| + | Die beiden Nonnen tranken mit Schatzharfe und Wolkenmädchen zusammen Tee und erzählten weiter ihre Geschichten. Da trat das kleine Sklavenmädchen herein, das sich auf die Suche nach Dame Sonders gemacht hatte, und berichtete wutentbrannt in aller Ausführlichkeit, was es von den beiden alten Sklavenfrauen hatte anhören müssen. | ||
| + | |||
| + | „Wer waren die beiden?" erkundigte sich Dame Sonders sofort mit verächtlichem Lächeln. | ||
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| + | „Nicht doch!" mischten sich die beiden Nonnen ein, und mit ihnen auch Schatzharfe und Wolkenmädchen, die befürchteten, Dame Sonders könnte sich aufregen. „Bestimmt hat sie sich verhört!" | ||
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| + | Dann stießen die beiden Nonnen das kleine Sklavenmädchen an und sagten lächelnd: „Du bist aber hitzig, Kind! Du hättest es doch nicht melden müssen, was die beiden dummen alten Weiber gesagt haben. Tagelang hat deine Herrin ihren kostbaren Leib strapazieren müssen, jetzt hat sie noch keinen Schluck getrunken und keinen Happen gegessen, und es war uns erst zur Hälfte gelungen, sie mit unseren Scherzen wieder aufzuheitern. Da kommst du und erzählst solche Sachen!" | ||
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| + | Dufthauch fasste das kleine Sklavenmädchen schnell bei der Hand, um es hinauszuführen, und redete ihm lächelnd zu: „Ruh dich draußen erst mal ein bisschen aus, Schwesterchen! Ich werde gleich jemanden nach den Verwalterinnen schicken!" | ||
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| + | „Lass nicht nach den Verwalterinnen schicken, sondern nach diesen beiden Alten!" verlangte Dame Sonders. „Und dann lass Phönixglanz von drüben holen!" | ||
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| + | Lächelnd erklärte Dufthauch: „Ich werde sie herbitten!" | ||
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| + | „Nein!" sagte Dame Sonders. „Du gehst mir nicht!" | ||
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| + | Sofort erhoben sich die beiden Nonnen von ihren Plätzen und sagten lächelnd: „Ihr wart doch sonst immer großmütig, junge gnädige Frau. Und meint Ihr nicht, dass es Gerede geben würde, wenn Ihr ausgerechnet zum Geburtstag der alten Ahne wütend werdet?" Auch Schatzharfe und Wolkenmädchen redeten mit lächelndem Gesicht begütigend auf Dame Sonders ein. | ||
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| + | „Wenn nicht der Geburtstag der alten gnädigen Frau wäre, würde ich auf keinen Fall nachgeben", erklärte Dame Sonders. „Aber so mag es hingehen." | ||
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| + | Inzwischen hatte Dufthauch schon ein Sklavenmädchen zum Gartentor geschickt, um jemanden zu holen, und dieses Mädchen stieß auf niemand anderen als auf Zhou Ruis Frau <ref>周瑞家的</ref>. Also erzählte sie ihr den ganzen Vorfall. Zhou Ruis Frau war zwar nicht in der Verwaltung tätig, aber da sie als langjährige Sklavin, die Dame König mit in die Ehe gebracht hatte, einiges Ansehen genoss und sich durch geschickte Schmeicheleien bei der gesamten Herrschaft beliebt gemacht hatte, nahm sie die Sache sofort in die Hand. | ||
| + | |||
| + | Als sie sich angehört hatte, was vorgefallen war, lief sie spornstreichs zum Hof der Roten Freude, trat hier mit schnellem Schritt ins Haus und versicherte dabei lautstark: „Es ist unerhört, wie man Euch so erzürnen konnte, junge gnädige Frau! Bei uns sind jetzt Sitten eingerissen, die einfach nicht zu ertragen sind. Und wie zum Tort musste ausgerechnet ich nicht dabeisein. Wäre ich dabeigewesen, dann hätte ich den beiden auf der Stelle ein paar Ohrfeigen verpasst, und in ein paar Tagen hätte ich mit ihnen abgerechnet." | ||
| + | |||
| + | Lächelnd blickte Dame Sonders sie an und sagte: „Gut, dass du da bist, Schwester Zhou! Entscheide du, ob das richtig ist: Um diese Zeit stehen die Tore noch weit offen, und die Laternen brennen noch hell. Alles mögliche Volk kann hier ein- und ausgehen. Was, wenn etwas passiert? Deshalb wollte ich den Diensthabenden sagen, sie sollten die Lampen ausblasen und die Tore zumachen. Dann aber stellte sich heraus, dass keine Menschenseele zur Stelle war." | ||
| + | |||
| + | „Ist das die Möglichkeit?" empörte sich Zhou Ruis Frau. „Neulich erst hat unsere zweite junge Herrin <ref>Erkundefrühling</ref> angeordnet, in diesen Tagen, wo so viel Trubel herrscht und so ein gemischtes Volk im Anwesen ist, sollten die Tore geschlossen und die Lampen gelöscht werden, sobald es Abend wird, und niemand, der nicht in den Garten gehört, sollte noch eingelassen werden. Und nun war einfach niemand da! Wenn die Feiern erst zu Ende sind, werden wohl einige Leute Schläge bekommen müssen!" | ||
| + | |||
| + | Nun erzählte Dame Sonders noch, was ihr das Sklavenmädchen berichtet hatte, und Zhou Ruis Frau sagte: „Regt Euch nicht auf, junge gnädige Frau! Wenn das Fest vorüber ist, werde ich den Verwalterinnen sagen, sie sollen die beiden tüchtig durchklopfen lassen. Und dann sollen sie sich auch erkundigen, wer denen beigebracht hat zu sagen, jeder solle hübsch vor der eigenen Tür kehren. Die Lampen zu löschen und das Haupttor wie die Nebentore zu schließen habe ich schon angeordnet." | ||
| + | |||
| + | Während es noch aufgeregt hin- und herging, erschien eine Botin von Phönixglanz, um Dame Sonders zum Essen zu bitten. Diese aber fertigte die Sklavin ab: „Ich habe keinen Hunger, eben erst habe ich etwas Gebäck gegessen! Deine Herrin soll bitte allein essen!" | ||
| + | |||
| + | Zhou Ruis Frau, die einige Zeit später hinausging, erstattete Phönixglanz über den Vorfall Bericht und setzte dann noch hinzu: „Die beiden Alten gehören zu den Verwalterinnen. Sooft wir mit ihnen sprechen, führen sie sich auf wie bissige Hunde. Wenn Ihr sie nicht verwarnt und belehrt, ist das für die Ehre der älteren jungen Herrin unerträglich." | ||
| + | |||
| + | „Dann schreib die beiden namentlich auf, und wenn die Feiern vorüber sind, soll man sie gefesselt in das andere Anwesen hinüberbringen, wo meine Schwägerin ihnen nach eigenem Ermessen eine Belehrung erteilen soll. Ob sie ihnen ein paar Schläge gibt oder Gnade walten lässt und ihnen verzeiht, liegt ganz bei ihr", entschied Phönixglanz. „Was ist da schon groß dabei?" | ||
| + | |||
| + | Zhou Ruis Frau hatte begierig auf jedes Wort gelauscht, denn sie war auf diese Frauen schon lange böse. Als sie Phönixglanz' Gehöft wieder verlassen hatte, gab sie einem Sklavenjungen den Auftrag, Lin Zhixiaos Frau über Phönixglanz' Anordnung zu unterrichten und ihr zu sagen, sie solle unverzüglich die ältere junge Herrin aufsuchen. Außerdem gab sie sofort jemandem den Befehl, die beiden alten Sklavenfrauen zu binden und unter Bewachung im Pferdestall einzusperren. | ||
| + | |||
| + | Lin Zhixiaos Frau wusste natürlich nicht, was es jetzt, da schon die Lampen brannten, noch zu erledigen gab, aber sie stieg rasch in den Wagen und kam angefahren. Zuerst wollte sie zu Phönixglanz. Aber als sie vom Innentor aus Bescheid geben ließ, erschien ein Sklavenmädchen, um ihr zu sagen: „Meine Herrin hat sich gerade schlafen gelegt. Die ältere junge Herrin ist im Garten, geht nur zu ihr!" | ||
| + | |||
| + | Also begab sich Lin Zhixiaos Frau in den Garten zum Reisduftdorf <ref>稻香村</ref>. Als die Sklavenmädchen sie drinnen anmeldeten, tat es Dame Sonders leid, dass man sie herbemüht hatte, deshalb rief sie sie schnell herein und sagte ihr lächelnd: „Ich hatte nur nach dir gefragt, weil ich jemanden suchte und niemanden finden konnte. Wer hat dich jetzt rufen lassen, da du schon fort warst? Den Weg hast du umsonst gemacht, denn es war weiter nichts Wichtiges, und die Sache hat sich schon erledigt." | ||
| + | |||
| + | Ebenfalls lächelnd, erwiderte Lin Zhixiaos Frau: „Die zweite junge Herrin hat jemanden geschickt, um mich holen zu lassen, und wie es hieß, wolltet Ihr mir etwas sagen." | ||
| + | |||
| + | „Nicht doch!" erklärte Dame Sonders lächelnd. „Ich wusste nicht, dass du schon fort warst, und hatte vergeblich nach dir gefragt. Irgendjemand muss das unnötigerweise Schwägerin Phönixglanz erzählt haben, wahrscheinlich war es Schwester Zhou. Fahr nur wieder nach Hause und ruh dich aus! Es war nichts Besonderes." | ||
| + | |||
| + | Seidenweiß Pflaume <ref>李纨</ref> wollte noch erklären, was sich zugetragen hatte, doch Dame Sonders hinderte sie daran. Angesichts dieser Umstände hatte Lin Zhixiaos Frau keine andere Wahl, als den Garten wieder zu verlassen. Dabei führte ihr der Zufall Nebenfrau Zhao <ref>赵姨娘</ref> in den Weg, die lächelnd zu ihr sagte: „Ei, ei, Schwägerin! Was machst du denn noch hier, anstatt zu Hause zu sitzen und dich auszuruhen?" | ||
| + | |||
| + | Lächelnd erklärte ihr Lin Zhixiaos Frau den Grund – so und so sei es gewesen, und es sei dies eine merkwürdige Geschichte. | ||
| + | |||
| + | Nun hatte Nebenfrau Zhao größte Freude daran, solcherlei Dinge genau auszuforschen, und stand stets auf gutem Fuß mit den Frauen von der Verwaltung, um sich mit ihnen auszutauschen, damit sie umso besser ihre Ränke spinnen konnte. Über den Vorfall wusste sie schon zu acht, neun Zehnteln Bescheid, und als sie jetzt Lin Zhixiaos Frau hörte, erzählte sie dieser den genauen Hergang. | ||
| + | |||
| + | „Das war es also!" sagte Lin Zhixiaos Frau darauf lächelnd. „Aber das ist doch kaum einen Furz wert! Wenn die junge Herrin gnädig ist, wird sie nichts weiter sagen, und selbst wenn sie engherzig sein sollte, gibt es ein paar Schläge dafür, mehr nicht." | ||
| + | |||
| + | „Schwerwiegend ist die Sache wahrhaftig nicht, meine Schwägerin", sagte Nebenfrau Zhao darauf. „Aber man sieht doch daran, dass sie ein bisschen gar zu hemmungslos sind. Da lassen sie dich extra herholen, um sich offen über dich lustig zu machen und dich an der Nase herumzuführen. Aber fahr jetzt nur nach Hause und ruh dich aus! Morgen ist wieder viel zu tun. Deshalb will ich dich auch nicht noch zum Tee einladen." | ||
| + | |||
| + | Damit war das Gespräch beendet, und Lin Zhixiaos Frau wollte schon hinausgehen, als am Nebentor die Töchter der beiden Sklavenfrauen von vorhin auf sie zutraten und weinend baten, sie möge ein gutes Wort für ihre Mütter einlegen. | ||
| + | |||
| + | „Ihr seid ganz schön dumm", sagte Lin Zhixiaos Frau darauf lächelnd zu ihnen, „wer hat denn eure Mütter geheißen, erst zu trinken und dann solchen Unsinn zu reden, dass ein Skandal daraus wurde? Und ich habe nicht einmal davon gewusst. Die zweite junge Herrin hat Leute geschickt, um sie zu binden, und selbst mir hat man Vorwürfe gemacht. Wie käme ich also dazu, für sie zu bitten?" | ||
| + | |||
| + | Aber die beiden Sklavenmädchen waren erst sieben oder acht Jahre alt und verstanden die Zusammenhänge nicht. Darum bettelten sie schluchzend weiter und trieben Lin Zhixiaos Frau damit so in die Enge, dass sie schließlich sagte: „Ihr dummen Dinger! Den richtigen Weg lasst ihr außer Acht, stattdessen belästigt ihr mich. Du da, deine ältere Schwester ist doch jetzt dem Sohn von Tante Fei, der alten Magd der gnädigen Frau von drüben, zur Frau gegeben worden. Geh also hinüber und erzähl die Sache deiner Schwester, damit ihre Schwiegermutter mit der gnädigen Frau spricht, dann ist alles erledigt!" | ||
| + | |||
| + | Nun wusste die eine, was sie zu tun hatte, aber die andere flehte weiter, bis Lin Zhixiaos Frau ausspuckte und schimpfte: „Dummes Gör! Wenn sie hinübergeht und mit ihrer Schwester spricht, ist doch alles gut. Wieso sollte man nur ihre Mutter laufen lassen, deine Mutter dagegen unbedingt schlagen?" Mit diesen Worten stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon. | ||
| + | |||
| + | Das kleine Mädchen ging dann wirklich zu seiner Schwester, und diese sprach mit der alten Fei <ref>费婆子</ref>. Die alte Fei war von Dame Hsing als Sklavenmädchen mit in die Ehe gebracht worden und hatte früher auch einiges gegolten. Aber weil Dame Hsing in der letzten Zeit bei der Herzoginmutter nicht mehr hoch im Kurs stand, hatte auch ihr gesamtes Gefolge an Macht eingebüßt, und jeder, der auf Aufrecht Kaufmanns Seite über ein bisschen Ansehen verfügte, belauerte die Leute aus Begnadigung Kaufmanns Haushalt argwöhnisch wie ein Tiger. | ||
| + | |||
| + | Die alte Fei machte gern von den Vorrechten Gebrauch, die ihr aufgrund ihres Alters zustanden, nutzte die Machtstellung von Dame Hsing für sich aus, und wenn sie Wein getrunken hatte, pflegte sie wüst zu zanken, um sich Luft zu machen. Als sie jetzt bei so einem großartigen Anlass wie dem Geburtstag der Herzoginmutter tatenlos zusehen musste, wie andere bei der Erledigung von Sonderaufträgen ihren Witz und ihr Talent einsetzten und ein großes Gewese darum machten, war sie schon längst verärgert, hatte andeutungsweise geschimpft und mit haltlosen Behauptungen für Unruhe gesorgt. Doch in Aufrecht Kaufmanns Haushalt nahm niemand sie für voll. | ||
| + | |||
| + | Die Nachricht, dass die Schwiegermutter ihres Sohnes auf Befehl von Zhou Ruis Frau in Fesseln gelegt worden sei, goss nun erst recht Öl ins Feuer. Mutig geworden durch den Wein, den sie genossen hatte, wies die alte Fei mit der Hand in Richtung der Trennmauer zwischen den beiden Gehöften und schimpfte dabei, was das Zeug hielt. | ||
| + | |||
| + | Dann ging sie zu Dame Hsing und sagte, die Schwiegermutter ihres Sohnes habe durchaus nichts verbrochen. „Nur ein müßiges kleines Wortgefecht mit einer Magd der jungen gnädigen Frau aus dem anderen Anwesen hat sie gehabt", beteuerte sie, „doch auf Betreiben von Zhou Ruis Frau hat unsere eigene junge Herrin sie gefesselt in den Pferdestall sperren lassen, und nach dem Fest soll sie sogar geschlagen werden. Dabei ist sie eine Frau von weit über siebzig Jahren. Ich bitte Euch, gnädige Frau, sprecht mit der zweiten jungen Herrin, damit sie ihr dies eine Mal noch verzeiht!" | ||
| + | |||
| + | Schon nach der Schlappe, die sie in der Sache mit Mandarinenente <ref>鸳鸯</ref> hatte einstecken müssen, musste Dame Hsing erleben, wie sie von der Herzoginmutter immer kühler behandelt wurde, während Phönixglanz ein höheres Ansehen genoss als sie. Und als jetzt die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an dagewesen war und die Mädchen hatte sehen wollen, hatte die Herzoginmutter zwar Erkundefrühling rufen lassen, aber Willkommensfrühling <ref>迎春</ref> hatte sie behandelt, als gäbe es sie gar nicht. Deshalb war Dame Hsing schon längst verärgert und missmutig, ohne dass sie es auch nur hätte zeigen dürfen. | ||
| + | |||
| + | Außerdem war Dame Hsing von kleinen Leuten umgeben, die ihre Missgunst und ihren Groll nicht zu äußern wagten und deshalb nur im Verborgenen Gerüchte in Umlauf setzten, Reibereien verursachten und bemüht waren, ihre Herrin aufzustacheln. Anfangs hatten sie sich nur über die Sklaven aus dem anderen Haushalt beklagt, dann waren sie allmählich auch über Phönixglanz hergezogen. „Sie schmeichelt sich nur bei der alten gnädigen Frau ein, um Macht zu gewinnen und für ihr eigenes Glück zu sorgen", sagten sie. „Der junge Herr Lián aber wird von ihr gegängelt, und die zweite gnädige Frau wird von ihr aufgehetzt, damit sie Euch als der eigentlichen gnädigen Frau den schuldigen Respekt verweigert." | ||
| + | |||
| + | Zu guter Letzt hatten sie sich sogar an Dame König herangewagt und behauptet: „Dass die alte gnädige Frau Euch nicht mag, liegt nur daran, dass sie von der zweiten gnädigen Frau und von der Frau des zweiten jungen Herrn gegen Euch aufgehetzt wird." | ||
| + | |||
| + | Mochte Dame Hsing auch ein Herz aus Eisen und eine Galle aus Bronze haben – sie war und blieb doch eine Frau, und so waren ihre Gedanken unvermeidlich nicht ganz frei von Missgunst. Darum war Phönixglanz ihr in jüngster Zeit zutiefst verhasst, und als sie jetzt von dem neuesten Vorfall erfuhr, fragte sie nicht viel danach, wer im Recht war und wer im Unrecht, und sagte nichts weiter dazu. | ||
| + | |||
| + | Am nächsten Morgen, als Dame Hsing in aller Frühe hinüberging, um der Herzoginmutter ihren Gruß zu entbieten, war bereits die ganze Sippe versammelt und hatte Platz genommen, um die Theatervorführung zu sehen. Die Herzoginmutter war in bester Laune, und weil heute niemand von der entfernteren Verwandtschaft anwesend war, sondern nur die Kinder und Kindeskinder aus der eigenen Sippe, erschien sie in bequemer Kleidung und alltäglichem Schmuck, um in der Halle die Geburtstagsgrüße zu empfangen. | ||
| + | |||
| + | Mitten im Raum stand eine einzige Ruhebank, komplett mit Kissen, Polstern und Fußbank versehen. Darauf machte es sich die Herzoginmutter bequem. Rings um die Ruhebank standen gleichartige niedrige Schemel, auf denen die Mädchen Schatzspange, Schatzharfe, Kajaljade, Wolkenmädchen, Willkommensfrühling, Erkundefrühling und Bedauerfrühling <ref>惜春</ref> sie umgaben. Kaufmann Biàns <ref>贾琚</ref> Mutter hatte auch ihre Tochter Xiluan <ref>喜鸾</ref> mitgebracht, ebenso Qiong Kaufmanns Mutter ihre Tochter Sijie <ref>四姐儿</ref>, und weitere Großnichten der Herzoginmutter aus anderen Zweigen der Sippe waren ebenfalls da, insgesamt an die zwanzig Mädchen verschiedenen Alters. | ||
| + | |||
| + | Aber die Herzoginmutter fand nur an Xiluan und Sijie Gefallen, die hübsch gewachsen waren und sich in Redeweise und Betragen von der Menge abhoben, weshalb sie den beiden befahl, näher zu kommen und sich bei ihr vor der Ruhebank zu setzen. Schatzjade aber saß mit auf der Ruhebank zu Füßen der Herzoginmutter und klopfte ihr die Beine. | ||
| + | |||
| + | Am Ehrentisch war Tante Schnee <ref>薛姨妈</ref> platziert, zu beiden Seiten aber saß die gesamte weibliche Verwandtschaft in der Reihenfolge der Familienzweige und Generationen. Außerhalb der Bambusvorhänge saßen im Säulengang beiderseits vor der Halle die männlichen Sippenangehörigen, ebenfalls nach der Rangfolge geordnet. | ||
| + | |||
| + | Zuerst entboten die weiblichen Gäste gruppenweise den zeremoniellen Gruß, dann erst die männlichen. Die Herzoginmutter lehnte derweilen lässig auf ihrer Ruhebank, und ehe sie durch jemanden sagen ließ: „Ihr könnt auf die Zeremonie verzichten!", hatten schon alle den Gruß vollzogen. Anschließend waren unter Lai Das Führung die Männer vom Gesinde an der Reihe, und sie knieten vom Zeremonialtor bis vor die Halle. Nachdem alle ihre Stirnaufschläge gemacht hatten, folgten die Sklavenfrauen, dann die Sklavenmädchen aus den einzelnen Wohngebäuden. Das Ganze dauerte so lange wie zwei, drei Mahlzeiten. | ||
| + | |||
| + | Als Nächstes wurden zahlreiche Käfige mit Vögeln gebracht, denen dann im Hof die Freiheit gegeben wurde. Und als Begnadigung Kaufmann mit seinen Helfern zusammen das Opfergeld für den Himmel, für die Erde und für den Stern der Langlebigkeit <ref>寿星</ref> verbrannt hatte, begannen das Theaterspiel und das Weintrinken. | ||
| + | |||
| + | In ihre Räume zog sich die Herzoginmutter nicht vor Ende des Hauptteils der Vorführung zurück, um sich auszuruhen, wobei sie die anderen aufforderte, es sich bequem zu machen. Außerdem beauftragte sie Phönixglanz, sie solle Xiluan und Sijie für ein paar Tage dabehalten, ehe sie wieder nach Hause zurückkehrten. Also ging Phönixglanz hinaus, um mit den Müttern der beiden zu sprechen, und da diese stets Wohltaten von ihr empfangen hatten, bedurfte es kaum eines Wortes. Auch die beiden Mädchen waren gern damit einverstanden, sich im Garten zu vergnügen, und so gingen sie zur Nacht nicht mit fort. | ||
| + | |||
| + | Als die Gesellschaft am Abend auseinanderging, trat Dame Hsing vor aller Augen mit lächelnder Miene an Phönixglanz heran und sagte: „Wie ich gehört habe, hast du dich gestern Abend geärgert und hast die Frau des Verwalters Zhou losgeschickt, um zwei alte Frauen in Fesseln legen zu lassen, weil sie irgendetwas verbrochen haben. Eigentlich dürfte ich natürlich nicht für sie bitten, aber ich sage mir, heute hat die alte gnädige Frau ihren Ehrentag, und an einem solchen Tag pflegt jeder, selbst wenn er sonst böse ist, Geld und Reis zu verteilen, um den Armen und Alten zu helfen. Bei uns dagegen fängt man an, die Leute zu quälen. Nicht um meinetwillen, aber um der alten gnädigen Frau willen lass die beiden laufen!" Nachdem sie das gesagt hatte, stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon. | ||
| + | |||
| + | Als Phönixglanz diese Worte anhören musste, noch dazu in Gegenwart so vieler Zeugen, wusste sie im ersten Moment vor Scham und Zorn nicht, was sie tun sollte. Blau angelaufen vor unterdrückter Wut, wandte sie den Kopf nach Lai Das Frau und sagte lächelnd: „Was heißt denn das? Weil sich gestern einige unserer Leute gegen meine Schwägerin aus dem anderen Anwesen vergangen haben und ich Angst hatte, sie könnte das übelnehmen, habe ich es einfach ihr überlassen, die beiden auf freien Fuß zu setzen, denn sie hatten sich ja nicht gegen mich vergangen. Wer hat denn da wieder so einen flinken Zuträger gehabt?" | ||
| + | |||
| + | Jetzt wollte Dame König wissen, worum es ging, und lächelnd berichtete Phönixglanz über den Vorfall vom vergangenen Tag. | ||
| + | |||
| + | „Davon habe ja nicht einmal ich etwas gewusst", erklärte Dame Sonders staunend und lächelte ebenfalls. „Du bist wirklich zu weit gegangen." | ||
| + | |||
| + | „Da es um deine Ehre ging, wollte ich, dass du ihnen eine Belehrung erteilst. Das ist nicht mehr, als die Etikette verlangt", verteidigte sich Phönixglanz. „Wenn umgekehrt ich bei euch drüben beleidigt werde, wirst du mir ja den Schuldigen ebenfalls ausliefern, um mir Genugtuung zu geben. Diese Form darf schließlich nicht verletzt werden, egal um was für einen guten Sklaven es sich handelt. Wer weiß, wer da wieder hinübergelaufen ist, um seinen Diensteifer zu beweisen, und jetzt wird eine Staatsaffäre daraus gemacht." | ||
| + | |||
| + | „Aber deine Schwiegermutter hat recht", sagte Dame König. „Und schließlich ist auch die Frau deines Vetters Zhēn keine Fremde, so dass diese leeren Förmlichkeiten nicht nötig sind. Das Wichtigste ist, dass die alte gnädige Frau Geburtstag hat, darum müssen die beiden freigelassen werden." Und schon wandte sie den Kopf und befahl jemandem, die beiden alten Sklavenfrauen freizulassen. | ||
| + | |||
| + | Ohne dass Phönixglanz es wollte, wurden ihre Empörung und ihre Beschämung immer größer, je länger sie über die Sache nachdachte, doch unversehens verwandelte sich ihr Ärger in Kummer, und schon begannen ihr die Tränen herunterzulaufen. Vor Ärger ging sie in ihre Räume, um sich dort auszuweinen, ohne dass jemand es bemerkte. Aber ausgerechnet jetzt musste die Herzoginmutter Bernstein <ref>琥珀</ref> zu ihr schicken, um auszurichten, sie wolle sie sofort sprechen. | ||
| + | |||
| + | Als Bernstein sah, dass Phönixglanz weinte, sagte sie verwundert: „Nanu, was ist Euch denn? Eben war doch noch alles gut. Ihr werdet drüben dringend erwartet." | ||
| + | |||
| + | Rasch wischte sich Phönixglanz die Tränen ab, wusch sich das Gesicht, versah es erneut mit Rouge und Puder, und dann erst ging sie mit Bernstein zusammen hinüber. | ||
| + | |||
| + | Die Herzoginmutter fragte: „Wie viele Setzschirme waren unter den Geschenken, die ich bekommen habe?" | ||
| + | |||
| + | Phönixglanz antwortete: „Insgesamt waren es sechzehn, zwölf große und vier kleine Ofenbettschirme. Erste Qualität war aber nur einer, ein großer aus zwölf Teilen, der von der Familie Zhēn <ref>甄家</ref> aus dem Süden kam. Auf der einen Seite zeigt er auf dunkelrotem Grund ein Seidenwebbild zum Thema ‚Das ganze Bett voller Amtstafeln' <ref>满床笏</ref>, auf der anderen Seite ist mit Blattgold die ‚Hundert-Langlebigkeit-Darstellung' <ref>百寿图</ref> aufgemalt. Ganz annehmbar war ansonsten nur ein gläserner Wandschirm, den die Wus, die Familie des Admirals der Guangdong-See, geschickt haben." | ||
| + | |||
| + | „Dann heb mir diese beiden auf und stell sie gut weg – ich werde sie weiterverschenken!" befahl die Herzoginmutter, und Phönixglanz sagte: „Jawohl!" | ||
| + | |||
| + | Da trat plötzlich Mandarinenente <ref>鸳鸯</ref> heran und starrte Phönixglanz unverwandt ins Gesicht, bis die Herzoginmutter fragte: „Warum schaust du sie so an? Kennst du sie nicht mehr?" | ||
| + | |||
| + | Lächelnd erwiderte Mandarinenente: „Ich wundere mich nur, dass ihre Augen geschwollen sind, darum habe ich sie angesehen." | ||
| + | |||
| + | Als die Herzoginmutter das hörte, ließ sie Phönixglanz näher treten und schaute sie mit zusammengekniffenen Augen ebenfalls an. „Die Augen haben gejuckt, deshalb habe ich sie gerieben, und davon sind sie ein bisschen geschwollen", sagte Phönixglanz lächelnd. | ||
| + | |||
| + | „Habt Ihr Euch auch nicht wieder einmal über jemanden ärgern müssen?" fragte Mandarinenente. | ||
| + | |||
| + | „Wer würde sich trauen, mich zu ärgern?" fragte Phönixglanz zurück. „Und selbst wenn ich mich geärgert hätte, würde ich an so einem Tag nicht wagen zu weinen." | ||
| + | |||
| + | „Eben!" sagte die Herzoginmutter. „Ich will gerade zu Abend essen. Du wirst mir dabei Gesellschaft leisten und isst dann mit Zhēns Frau zusammen, was übrigbleibt. Ihr beide sollt gemeinsam mit den beiden Äbtissinnen hier ‚Buddha-Bohnen' für mich auslesen, damit auch ihr euch ein langes Leben sichern könnt. Neulich haben es die Mädchen zusammen mit Schatzjade gemacht, und heute seid ihr an der Reihe, damit es nicht heißt, ich bevorzugte jemanden." | ||
| + | |||
| + | Während sie das sagte, wurde der Tisch als Erstes mit Fastenspeisen gedeckt, die von den beiden Nonnen verzehrt wurden, und dann erst wurden Fleischgerichte aufgetragen. Nachdem die Herzoginmutter sich satt gegessen hatte, wurden die Reste in den Vorraum hinausgetragen. Hier aßen Dame Sonders und Phönixglanz schon, als die Herzoginmutter befahl, man solle auch noch Xiluan und Sijie rufen. | ||
| + | |||
| + | Erst als die vier mit dem Essen fertig waren und sich die Hände gewaschen hatten und nachdem Weihrauch angezündet worden war, wurde ein Shēng <ref>升, Hohlmaß</ref> Bohnen hereingebracht. Die Nonnen sprachen ein Gebet, und anschließend wurden die Bohnen einzeln verlesen und in einen Korb getan, und bei jeder einzelnen Bohne wurde der Name Buddhas angerufen. Am nächsten Tag würde daraus Brei gekocht werden, um an einer Straßenkreuzung an die Passanten verteilt zu werden. Zum Schluss hörte sich die Herzoginmutter, die sich bequem auf ihrem Ruhesitz ausgestreckt hatte, noch ein paar buddhistische Erbauungsgeschichten von Ursache und Vergeltung an, die ihr die beiden Nonnen erzählten. | ||
| + | |||
| + | Von Bernstein wusste Mandarinenente inzwischen längst, dass Phönixglanz geweint hatte, und von Friedchen hatte sie sich auch den Grund dafür sagen lassen. Nachdem am Abend alle fort waren, berichtete sie: „Die zweite junge gnädige Frau hat doch geweint. Sie ist vor allen Leuten von der gnädigen Frau des älteren Herrn gekränkt worden." | ||
| + | |||
| + | Als die Herzoginmutter nach den näheren Umständen fragte, erzählte Mandarinenente den ganzen Hergang. Darauf sagte die Herzoginmutter: „Daran zeigt sich, dass Phönixglanz weiß, was sich gehört. Kann man denn, nur weil ich Geburtstag habe, zulassen, dass die Sklaven ungestraft sämtliche Herrschaften unserer Sippe beleidigen? Nur weil die gnädige Frau des älteren Herrn immer gleich aufbraust, aber nicht durchzugreifen wagt, wollte sie heute einmal ein Exempel statuieren und hat Phönixglanz absichtlich vor allen Leuten gekränkt..." | ||
| + | |||
| + | Während sie das eben sagte, kam Schatzharfe zur Tür herein, und so musste sie das Thema fallenlassen. Stattdessen fragte sie: „Wo warst du?" | ||
| + | |||
| + | „Wir haben alle zusammen im Garten bei Schwester Lin <ref>Kajaljade</ref> geplaudert", gab Schatzharfe Auskunft. | ||
| + | |||
| + | Da fiel der Herzoginmutter plötzlich etwas ein, und sofort rief sie eine alte Sklavenfrau herein, um ihr aufzutragen: „Geh in den Garten und schärfe dort allen das Folgende ein: Die beiden Mädchen, die ich zu Besuch hierbehalten habe, sind zwar arm, aber sie sind nichts anderes als die Mädchen unseres Hauses, darum soll sich jedermann aufmerksam um sie kümmern. Ich weiß, dass bei uns Männer und Frauen ‚ein Herz haben, das nur für die Reichen schlägt, und zwei Augen, die nur die Vornehmen sehen'. Darum würden sie die beiden wohl kaum für voll nehmen. Aber wenn es irgendjemand wagt, sie geringzuschätzen, und ich erfahre davon, lasse ich das nicht durchgehen." | ||
| + | |||
| + | Als die Alte „Jawohl!" gesagt hatte und eben gehen wollte, erbot sich Mandarinenente: „Ich werde gehen, um das auszurichten. Wer würde auf sie schon hören!" Und mit diesen Worten begab sie sich geradewegs in den Garten. | ||
| + | |||
| + | Zuerst ging sie ins Reisduftdorf, aber Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders waren nicht da. Auf Mandarinenentes Frage erklärten die Mägde: „Sie sind beide beim dritten Fräulein." | ||
| + | |||
| + | Da machte Mandarinenente kehrt und ging in die Halle des Grüns am Morgen <ref>晓翠堂</ref>. Tatsächlich fand sie hier alle Gartenbewohnerinnen bei einem fröhlichen Plausch. Als man sie kommen sah, fragten alle lachend: „Was machst du denn um diese Zeit noch hier?" Und man bot ihr einen Platz an. | ||
| + | |||
| + | Mandarinenente lachte: „Darf ich nicht auch ein wenig spazieren gehen?" Dann überbrachte sie, was die Herzoginmutter gesagt hatte. | ||
| + | |||
| + | Rasch hatte sich Seidenweiß Pflaume erhoben, um die Botschaft stehend anzuhören, und ließ dann aus jedem Gartenhaus eine der verantwortlichen Mägde holen, damit diese es allen zur Kenntnis brachten. | ||
| + | |||
| + | Dame Sonders sagte lächelnd: „Die alte gnädige Frau denkt auch wirklich an alles! Wir sind jung und kräftig, aber selbst vereint würden zehn von uns an sie nicht heranreichen." | ||
| + | |||
| + | Seidenweiß Pflaume bekräftigte: „Phönixglanz-Mädchen versucht mit seiner Teufelsschläue, ihr Schritt zu halten, aber wir bringen das nicht fertig." | ||
| + | |||
| + | Mandarinenente sagte: „Hört auf und lasst sie aus dem Spiel! Sie ist auch nur ein armes Ding. Zwar hat sie sich in all den Jahren vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau kein einziges Mal etwas zuschulden kommen lassen, aber insgeheim hat sie nicht wenige beleidigt. Alles in allem ist es nicht leicht, sich als Mensch zu benehmen. Wenn man zu aufrichtig ist und nicht anpassungsfähig, werfen einem die Schwiegereltern vor, man sei einfältig, und die Hausleute haben keinen Respekt vor einem. Passt man sich aber an, dann macht man es den einen recht und den anderen unrecht. Bei uns im Haus ist es noch besser gekommen. Diese frischgebackenen ‚Herrinnen' mit der Knechtsmarkierung, die alles haben, was ihr Herz begehrt, und schon selbst nicht mehr wissen, was sie wollen – bei der geringsten Unzufriedenheit wetzen sie heimlich die Zunge und stiften Unheil. Nur weil ich Angst habe, es könnte die alte gnädige Frau aufregen, wage ich nicht, ihr auch nur das Geringste zu erzählen. Wenn ich bloß den Mund auftun würde, hätte hier kein Mensch mehr friedliche Tage. Ich dürfte das nicht vor Euch sagen, drittes Fräulein, aber wenn die alte gnädige Frau Schatzjade bevorzugt und heimlich deswegen gegrollt wird, lässt man das noch angehen – es heißt eben, sie habe eine Schwäche für ihn. Aber wenn die alte gnädige Frau Euch bevorzugt, muss ich auch hören, das sei nicht recht. Ist das nicht lachhaft?" | ||
| + | |||
| + | Erkundefrühling lächelte: „Dumme Menschen gibt es viele, wie könnte man sie alle ernst nehmen? Das eine sage ich euch: Einfache Leute mit kleiner Familie haben es besser. Sie leben zwar etwas ärmlicher, aber doch höchst vergnüglich, und so geht es allen gut. Leute wie wir leben in großer Familie, und Außenstehende denken, uns Fräuleins, die wir tausend oder zehntausend Liang Silber mitbekommen, müsse es wer weiß wie gut gehen. Wie können sie ahnen, dass es bei uns unsagbaren Kummer gibt und dass es hier schlimmer zugeht als bei ihnen selber!" | ||
| + | |||
| + | Schatzjade warf ein: „Nicht jeder macht sich solche unnötigen Sorgen wie du. Immer wieder habe ich dir gesagt: Hör nicht auf das profane Geschwätz und denk auch nicht an diese profanen Dinge, sondern schätze den Reichtum und genieße den Glanz. Das ist das einzig Wahre. Du hast es noch besser als unsereiner, der dieses ungetrübte Glück nicht genießen darf und sich stattdessen dem schmutzigen Getriebe der Welt stellen muss." | ||
| + | |||
| + | Dame Sonders hielt ihm entgegen: „Es ist aber auch nicht jeder wie du und macht sich überhaupt keine Gedanken. Du tollst nur mit deinen Schwestern und Kusinen herum. Wenn du Hunger hast, isst du, und wenn du müde bist, schläfst du. Auch in ein paar Jahren wird es mit dir noch genauso sein. Die Zukunft ist dir doch ganz einerlei." | ||
| + | |||
| + | Schatzjade lachte: „Ein Tag, den ich mit meinen Schwestern und Kusinen verbringen kann, ist immerhin ein Tag. Wenn ich tot bin, ist es vorbei. Was heißt also Zukunft?" | ||
| + | |||
| + | Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten lachend: „So ein Unsinn wieder einmal! Nehmen wir an, du machst wirklich keine Karriere und bleibst bis an dein Lebensende hier in der Familie – werden denn die Mädchen auch niemals das Haus verlassen?" | ||
| + | |||
| + | Dame Sonders setzte lächelnd hinzu: „Kein Wunder, wenn die Leute sagen, er sei nur dem Äußeren nach erwachsen. Er ist wirklich dumm und töricht." | ||
| + | |||
| + | Schatzjade lachte: „Des Menschen Schicksal ist ungewiss. Vielleicht sterbe ich heute oder morgen, dieses oder nächstes Jahr. Aber dann habe ich doch mein Leben nach meinen Wünschen gelebt." | ||
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| + | „Er redet wieder einmal irre, wir dürfen nicht länger mit ihm streiten!" fielen die anderen ein. „Etwas anderes als Torheiten und Verrücktheiten bekommen wir sowieso nicht von ihm zu hören." | ||
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| + | Xiluan sagte lachend: „Zweiter Bruder, so darfst du nicht reden! Wenn meine Schwestern wirklich alle verheiratet sind, wird es der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau bestimmt langweilig. Dann komme ich und leiste dir Gesellschaft!" | ||
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| + | Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders lachten: „Fängst du auch an, Unsinn zu schwatzen? Wirst du etwa nicht heiraten? Wen willst du einlullen mit diesen Worten?" | ||
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| + | Daraufhin ließ Xiluan den Kopf sinken. Da schon die Nachtwache geschlagen wurde, ging jeder in seine Räume, um sich schlafen zu legen. Von den einzelnen Personen soll hier nicht weiter die Rede sein. | ||
| + | |||
| + | Mandarinenente machte sich auf den Rückweg und kam gerade zum Gartenausgang, als sie dort eines der Nebentore nur angelehnt fand und den Türbalken noch nicht vorgelegt. Um diese Zeit war im Garten niemand mehr unterwegs, lediglich aus der Wachstube leuchtete abgeblendeter Lampenschein, und der Himmel war vom schwachen Halbmond nur matt beleuchtet. | ||
| + | |||
| + | Mandarinenente hatte keine Begleiterin bei sich und auch keine Laterne. Allein, mit leichtem Schritt, wurde sie von den Nachtwachen nicht bemerkt. Da sie ein kleines Bedürfnis hatte, verließ sie den gepflasterten Weg und ging über den Rasen auf einen mächtigen Kassiabaum hinter den künstlichen Felsen zu, der einen breiten Schatten warf. | ||
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| + | Kaum war sie um den Felsvorsprung gebogen, hörte sie plötzlich das Rascheln von Kleidern, was ihr einen gewaltigen Schreck einjagte. Bei näherem Hinsehen bemerkte sie zwei Gestalten, die sich, als sie sich entdeckt sahen, zwischen den Bäumen und Sträuchern verstecken wollten. Aber Mandarinenente hatte scharfe Augen und erkannte im Mondlicht an dem roten Rock, dem losen Haarknoten und der großen, kräftigen Figur, dass eine der beiden Gestalten Siqi <ref>司棋</ref> sein musste, die in Yingchuns Räumen diente. | ||
| + | |||
| + | Mandarinenente nahm an, Siqi habe mit einem anderen Mädchen hier dasselbe Geschäft wie sie verrichten wollen und sich nun, als sie sie gesehen hatte, absichtlich versteckt, um ihr aus Schabernack einen Schreck einzujagen. Darum rief sie lachend: „Siqi, wenn du nicht sofort vorkommst, sondern mich erschreckst, dann schreie ich um Hilfe und lasse dich als Einbrecher festnehmen! So ein großes Mädchen und muss noch Tag und Nacht kindische Spiele treiben, ohne je genug zu bekommen!" | ||
| + | |||
| + | Mandarinenentes Worte waren nur als Scherz gemeint. Aber Siqi war ängstlich wie alle Missetäter und glaubte nicht anders, als dass Mandarinenente alles durchschaut hätte. Da sie befürchtete, wenn Mandarinenente riefe, würden alle davon erfahren, und weil andererseits Mandarinenente ihr gegenüber stets freundlich und gütig gewesen war, stürzte sie aus ihrem Versteck hervor, fasste Mandarinenente bei den Händen, ließ sich auf die Knie fallen und flehte: „Bloß nicht rufen, gute Schwester!" | ||
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| + | Mandarinenente, die keinen Grund für so ein Benehmen sah, half ihr sofort wieder auf und fragte lächelnd: „Was soll denn das heißen?" | ||
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| + | Da wurde Siqis ganzes Gesicht rot, und Tränen strömten ihr herab. Mandarinenente erinnerte sich plötzlich, dass der zweite Schatten mehr wie der eines jungen Burschen ausgesehen hatte, und konnte sich die Sache schon zu acht oder neun Zehnteln zusammenreimen. Vor Scham wurde sie selbst rot bis über die Ohren, und zugleich bekam sie Angst. Aber sie fasste sich und fragte hastig und leise: „Wer ist er?" | ||
| + | |||
| + | Siqi kniete erneut vor ihr nieder und sagte: „Es ist mein Vetter mütterlicherseits." | ||
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| + | Mandarinenente spuckte aus und schimpfte: „Sterben solltest du dafür!" | ||
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| + | Siqi wandte den Kopf und rief mit gedämpfter Stimme: „Du brauchst dich nicht mehr zu verstecken. Die Schwester hat dich schon gesehen. Komm schnell heraus und mach einen Kotau vor ihr!" | ||
| + | |||
| + | Notgedrungen kam der Sklavenjunge hinter dem Baum hervorgekrochen und begann so eifrig mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen, als stampfe er im Mörser Knoblauch. | ||
| + | |||
| + | Eilig wandte sich Mandarinenente ab, aber Siqi klammerte sich an ihr fest und flehte unter Tränen: „Unser Schicksal liegt in deinen Händen, große Schwester! Ich bitte dich nur um eines: Schenk uns das Leben!" | ||
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| + | „Du kannst unbesorgt sein!" versprach Mandarinenente. „Ich erzähle auf keinen Fall jemandem davon, dann wird es schon in Ordnung gehen." | ||
| + | |||
| + | Das hatte sie kaum gesagt, als vom Tor her die Stimme einer Wächterin zu hören war: „Das Fräulein Jin <ref>金姑娘</ref> muss schon hinausgegangen sein. Schließen wir also ab!" | ||
| − | + | Mandarinenente, die sich nicht schnell genug aus Siqis Umklammerung losmachen konnte, rief sofort: „Ich bin noch hier drüben! Wartet einen Augenblick, ich komme gleich!" | |
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| − | + | Nach diesen Worten musste Siqi wohl oder übel loslassen und Mandarinenente gehen lassen – | |
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Revision as of 19:30, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說賈政回京之後,諸事完畢,賜假一月在家歇息。因年景漸老,事重身衰,又近因在外幾年,骨肉離異,今得晏然復聚於庭室,自覺喜幸不盡。一應大小事務一概益發付於度外,只是看書,悶了便與清客們下棋吃酒,或日間在裡面母子夫妻共敘天倫庭闈之樂。 因今歲八月初三日乃賈母八旬之慶,又因親友全來,恐筵宴排設不開,便早同賈赦及賈珍賈璉等商議,議定於七月二十八日起至八月初五日止榮寧兩處齊開筵宴,寧國府中單請官客,榮國府中單請堂客,大觀園中收拾出綴錦閣並嘉蔭堂等幾處大地方來作退居。二十八日請皇親駙馬王公諸公主郡主王妃國君太君夫人等,二十九日便是閣下都府督鎮及誥命等,三十日便是諸官長及誥命並遠近親友及堂客。初一日是賈赦的家宴,初二日是賈政,初三日是賈珍賈璉,初四日是賈府中合族長幼大小共湊的家宴。初五日是賴大林之孝等家下管事人等共湊一日。自七月上旬,送壽禮者便絡繹不絕。禮部奉旨:欽賜金玉如意一柄,彩緞四端,金玉環四個,帑銀五百兩。元春又命太監送出金壽星一尊,沉香拐一隻,伽南珠一串,福壽香一盒,金錠一對,銀錠四對,彩緞十二匹,玉杯四隻。餘者自親王駙馬以及大小文武官員之家凡所來往者,莫不有禮,不能勝記。堂屋內設下大桌案,鋪了紅氈,將凡所有精細之物都擺上,請賈母過目。賈母先一二日還高興過來瞧瞧,後來煩了,也不過目,只說:「叫鳳丫頭收了,改日悶了再瞧。」 至二十八日,兩府中俱懸燈結彩,屏開鸞鳳,褥設芙蓉,笙簫鼓樂之音,通衢越巷。寧府中本日只有北靜王、南安郡王、永昌駙馬、樂善郡王並幾個世交公侯應襲,榮府中南安王太妃、北靜王妃並幾位世交公侯誥命。賈母等皆是按品大妝迎接。大家廝見,先請入大觀園內嘉蔭堂,茶畢更衣,方出至榮慶堂上拜壽入席。大家謙遜半日,方纔入席。上面兩席是南北王妃,下面依敘,便是眾公侯誥命。左邊下手一席,陪客是錦鄉侯誥命與臨昌伯誥命,右邊下手一席,方是賈母主位。邢夫人王夫人帶領尤氏、鳳姐並族中幾個媳婦,兩溜雁翅站在賈母身後侍立。林之孝賴大家的帶領眾媳婦都在竹簾外面侍候上菜上酒,周瑞家的帶領幾個丫鬟在圍屏後侍候呼喚。凡跟來的人,早又有人別處管待去了。一時臺上參了場,臺下一色十二個未留髮的小廝侍候。須臾,一小廝捧了戲單至階下,先遞與回事的媳婦。這媳婦接了,才遞與林之孝家的,用一小茶盤托上,挨身入簾來遞與尤氏的侍妾佩鳳。佩鳳接了才奉與尤氏。尤氏托著走至上席,南安太妃謙讓了一回,點了一齣吉慶戲文,然後又謙讓了一回,北靜王妃也點了一齣。眾人又讓了一回,命隨便揀好的唱罷了。少時,菜已四獻,湯始一道,跟來各家的放了賞。大家便更衣復入園來,另獻好茶。 南安太妃因問寶玉,賈母笑道:「今日幾處廟裡念『保安延壽經』,他跪經去了。」又問眾小姐們,賈母笑道:「他們姊妹們病的病,弱的弱,見人靦腆,所以叫他們給我看屋子去了。有的是小戲子,傳了一班在那邊廳上陪著他姨娘家姊妹們也看戲呢。」南安太妃笑道:「既這樣,叫人請來。」賈母回頭命鳳姐兒去把史、薛、林帶來,「再只叫你三妹妹陪著來罷。」鳳姐答應了,來至賈母這邊,只見他姊妹們正吃果子看戲,寶玉也才從廟裡跪經回來。鳳姐兒說了話。寶釵姊妹與黛玉探春湘雲五人來至園中,大家見了,不過請安問好讓坐等事。眾人中也有見過的,還有一兩家不曾見過的,都齊聲誇贊不絕。其中湘雲最熟,南安太妃因笑道:「你在這裡,聽見我來了還不出來,還只等請去。我明兒和你叔叔算帳。」因一手拉著探春,一手拉著寶釵,問幾歲了,又連聲誇贊。因又鬆了他兩個,又拉著黛玉寶琴,也著實細看,極誇一回。又笑道:「都是好的,你不知叫我誇那一個的是。」早有人將備用禮物打點出五分來:金玉戒指各五個,腕香珠五串。南安太妃笑道: 「你姊妹們別笑話,留著賞丫頭們罷。」五人忙拜謝過。北靜王妃也有五樣禮物,餘者不必細說。 吃了茶,園中略逛了一逛,賈母等因又讓入席。南安太妃便告辭,說身上不快,「今日若不來,實在使不得,因此恕我竟先要告別了。」賈母等聽說,也不便強留,大家又讓了一回,送至園門,坐轎而去。接著北靜王妃略坐一坐也就告辭了。餘者也有終席的,也有不終席的。 賈母勞乏了一日,次日便不會人,一應都是邢夫人王夫人管待。有那些世家子弟拜壽的,只到廳上行禮,賈赦、賈政、賈珍等還禮管待,至寧府坐席。不在話下。 這幾日,尤氏晚間也不回那府里去,白日間待客,晚間在園內李氏房中歇宿。這日晚間伏侍過賈母晚飯後,賈母因說:「你們也乏了,我也乏了,早些尋一點子吃的歇歇去。明兒還要起早鬧呢。」尤氏答應著退了出來,到鳳姐兒房裡來吃飯。鳳姐兒在樓上看著人收送禮的新圍屏,只有平兒在房裡與鳳姐兒疊衣服。尤氏因問:「你們奶奶吃了飯了沒有?」平兒笑道:「吃飯豈不請奶奶去的。」尤氏笑道:「既這樣,我別處找吃的去。餓的我受不得了。」說著就走。平兒忙笑道:「奶奶請回來。這裡有點心,且點補一點兒,回來再吃飯。」尤氏笑道:「你們忙的這樣,我園裡和他姊妹們鬧去。」一面說,一面就走。平兒留不住,只得罷了。 且說尤氏一徑來至園中,只見園中正門與各處角門仍未關,猶吊著各色彩燈,因回頭命小丫頭叫該班的女人。那丫鬟走入班房中,竟沒一個人影,回來回了尤氏。尤氏便命傳管家的女人。這丫頭應了便出去,到二門外鹿頂內,乃是管事的女人議事取齊之所。到了這裡,只有兩個婆子分菜果呢。因問:「那一位奶奶在這裡?東府奶奶立等一位奶奶,有話吩咐。」這兩個婆子只顧分菜果,又聽見是東府里的奶奶,不大在心上,因就回說:「管家奶奶們才散了。」小丫頭道:「散了,你們家裡傳他去。」婆子道:「我們只管看屋子,不管傳人。姑娘要傳人再派傳人的去。」小丫頭聽了道:「噯呀,噯呀,這可反了!怎麼你們不傳去?你哄那新來了的,怎麼哄起我來了!素日你們不傳誰傳去!這會子打聽了梯己信兒,或是賞了那位管家奶奶的東西,你們爭著狗顛兒似的傳去的,不知誰是誰呢。璉二奶奶要傳,你們可也這麼回?」這兩個婆子一則吃了酒,二則被這丫頭揭挑著弊病,便羞激怒了,因回口道:「扯你的臊!我們的事,傳不傳不與你相干!你不用揭挑我們,你想想,你那老子娘在那邊管家爺們跟前比我們還更會溜呢。什麼『清水下雜面,你吃我也見』的事,各家門,另家戶,你有本事,排場你們那邊人去。我們這邊,你們還早些呢!」丫頭聽了,氣白了臉,因說道:「好,好,這話說的好!」一面轉身進來回話。 尤氏已早入園來,因遇見了襲人、寶琴、湘雲三人同著地藏庵的兩個姑子正說故事頑笑,尤氏因說餓了,先到怡紅院,襲人裝了幾樣葷素點心出來與尤氏吃。兩個姑子、寶琴、湘雲等都吃茶,仍說故事。那小丫頭子一徑找了來,氣狠狠的把方纔的話都說了出來。尤氏聽了,冷笑道:「這是兩個什麼人?」兩個姑子並寶琴湘雲等聽了,生怕尤氏生氣,忙勸說:「沒有的事,必是這一個聽錯了。」兩個姑子笑推這丫頭道:「你這孩子好性氣,那糊塗老嬤嬤們的話,你也不該來回才是。咱們奶奶萬金之軀,勞乏了幾日,黃湯辣水沒吃,咱們哄他歡喜一會還不得一半兒,說這些話做什麼。」襲人也忙笑拉出他去,說:「好妹子,你且出去歇歇,我打發人叫他們去。」尤氏道:「你不要叫人,你去就叫這兩個婆子來,到那邊把他們家的鳳兒叫來。」襲人笑道:「我請去。」尤氏道:「偏不要你去。」兩個姑子忙立起身來,笑道:「奶奶素日寬洪大量,今日老祖宗千秋,奶奶生氣,豈不惹人談論。」寶琴湘雲二人也都笑勸。尤氏道:「不為老太太的千秋,我斷不依。且放著就是了。」 說話之間,襲人早又遣了一個丫頭去到園門外找人,可巧遇見周瑞家的,這小丫頭子就把這話告訴周瑞家的。周瑞家的雖不管事,因他素日仗著是王夫人的陪房,原有些體面,心性乖滑,專管各處獻勤討好,所以各處房裡的主人都喜歡他。他今日聽了這話,忙的便跑入怡紅院來,一面飛走,一面口內說:「氣壞了奶奶了,可了不得!我們家裡,如今慣的太不堪了。偏生我不在跟前,若在跟前,且打給他們幾個耳刮子,再等過了這幾日算帳。」尤氏見了他,也便笑道:「周姐姐你來,有個理你說說。這早晚門還大開著,明燈蠟燭,出入的人又雜,倘有不防的事,如何使得?因此叫該班的人吹燈關門。誰知一個人芽兒也沒有。」周瑞家的道: 「這還了得!前兒二奶奶還吩咐了他們,說這幾日事多人雜,一晚就關門吹燈,不是園裡人不許放進去。今兒就沒了人。這事過了這幾日,必要打幾個才好。」尤氏又說小丫頭子的話。周瑞家的道:「奶奶不要生氣,等過了事,我告訴管事的打他個臭死。只問他們,誰叫他們說這『各家門各家戶』的話!我已經叫他們吹了燈,關上正門和角門子。」正亂著,只見鳳姐兒打發人來請吃飯。尤氏道:「我也不餓了,才吃了幾個餑餑,請你奶奶自吃罷。」 一時周瑞家的得便出去,便把方纔的事回了鳳姐,又說:「這兩個婆婆就是管家奶奶,時常我們和他說話,都似狠蟲一般。奶奶若不戒飭,大奶奶臉上過不去。」鳳姐道:「既這麼著,記上兩個人的名字,等過了這幾日,捆了送到那府里憑大嫂子開發,或是打幾下子,或是開恩饒了他們,隨他去就是了,什麼大事。」 周瑞家的聽了,巴不得一聲兒,素日因與這幾個人不睦,出來了便命一個小廝到林之孝家傳鳳姐的話,立刻叫林之孝家的進來見大奶奶,一面又傳人立刻捆起這兩個婆子來,交到馬圈裡派人看守。 林之孝家的不知有什麼事,此時已經點燈,忙坐車進來,先見鳳姐。至二門上傳進話去,丫頭們出來說:「奶奶才歇了。大奶奶在園裡,叫大娘見了大奶奶就是了。」林之孝家的只得進園來到稻香村,丫鬟們回進去,尤氏聽了反過意不去,忙喚進他來,因笑向他道:「我不過為找人找不著因問你,你既去了,也不是什麼大事,誰又把你叫進來,倒要你白跑一遭。不大的事,已經撒開手了。」林之孝家的也笑道:「二奶奶打發人傳我,說奶奶有話吩咐。」尤氏笑道:「這是那裡的話,只當你沒去,白問你。這是誰又多事告訴了鳳丫頭,大約周姐姐說的。家去歇著罷,沒有什麼大事。」李紈又要說原故,尤氏反攔住了。林之孝家的見如此,只得便回身出園去。可巧遇見趙姨娘,姨娘因笑道:「噯喲喲,我的嫂子!這會子還不家去歇歇,還跑些什麼?」林之孝家的便笑說何曾不家去的,如此這般進來了。又是個齊頭故事。趙姨娘原是好察聽這些事的,且素日又與管事的女人們扳厚,互相連絡,好作首尾。方纔之事,已竟聞得八九,聽林之孝家的如此說,便恁般如此告訴了林之孝家的一遍,林之孝家的聽了,笑道:「原來是這事,也值一個屁!開恩呢,就不理論,心窄些兒,也不過打幾下子就完了。」趙姨娘道:「我的嫂子,事雖不大,可見他們太張狂了些。巴巴的傳進你來,明明戲弄你,頑算你。快歇歇去,明兒還有事呢,也不留你吃茶去。」 說畢,林之孝家的出來,到了側門前,就有方纔兩個婆子的女兒上來哭著求情。林之孝家的笑道:「你這孩子好糊塗,誰叫你娘吃酒混說了,惹出事來,連我也不知道。二奶奶打發人捆他,連我還有不是呢。我替誰討請去。」這兩個小丫頭子才七八歲,原不識事,只管哭啼求告。纏的林之孝家的沒法,因說道:「糊塗東西!你放著門路不去,卻纏我來。你姐姐現給了那邊太太作陪房費大娘的兒子,你走過去告訴你姐姐,叫親家娘和太太一說,什麼完不了的事!」一語提醒了一個,那一個還求。林之孝家的啐道:「糊塗攮的!他過去一說,自然都完了。沒有個單放了他媽,又只打你媽的理。」說畢,上車去了。 這一個小丫頭果然過來告訴了他姐姐,和費婆子說了。這費婆子原是邢夫人的陪房,起先也曾興過時,只因賈母近來不大作興邢夫人,所以連這邊的人也減了威勢。凡賈政這邊有些體面的人,那邊各各皆虎視耽耽。這費婆子常倚老賣老,仗著邢夫人,常吃些酒,嘴裡胡罵亂怨的出氣。如今賈母慶壽這樣大事,乾看著人家逞才賣技辦事,呼幺喝六弄手腳,心中早已不自在,指雞罵狗,閑言閑語的亂鬧。這邊的人也不和他較量。如今聽了周瑞家的捆了他親家,越發火上澆油,仗著酒興,指著隔斷的牆大罵了一陣,便走上來求邢夫人,說他親家並沒什麼不是,「不過和那府里的大奶奶的小丫頭白鬥了兩句話,周瑞家的便調唆了咱家二奶奶捆到馬圈裡,等過了這兩日還要打。求太太──我那親家娘也是七八十歲的老婆子──和二奶奶說聲,饒他這一次罷。」邢夫人自為要鴛鴦之後討了沒意思,後來見賈母越發冷淡了他,鳳姐的體面反勝自己,且前日南安太妃來了,要見他姊妹,賈母又只令探春出來,迎春竟似有如無,自己心內早已怨忿不樂,只是使不出來。又值這一干小人在側,他們心內嫉妒挾怨之事不敢施展,便背地裡造言生事,調撥主人。先不過是告那邊的奴才,後來漸次告到鳳姐「只哄著老太太喜歡了他好就中作威作福,轄治著璉二爺,調唆二太太,把這邊的正經太太倒不放在心上。」後來又告到王夫人,說:「老太太不喜歡太太,都是二太太和璉二奶奶調唆的。」邢夫人縱是鐵心銅膽的人,婦女家終不免生些嫌隙之心,近日因此著實惡絕鳳姐。今聽瞭如此一篇話,也不說長短。 至次日一早,見過賈母,眾族人中到齊,坐席開戲。賈母高興,又見今日無遠親,都是自己族中子侄輩,只便衣常妝出來,堂上受禮。當中獨設一榻,引枕靠背腳踏俱全,自己歪在榻上。榻之前後左右,皆是一色的小矮凳,寶釵、寶琴、黛玉、湘雲、迎春、探春、惜春姊妹等圍繞。因賈㻞之母也帶了女兒喜鸞,賈瓊之母也帶了女兒四姐兒,還有幾房的孫女兒,大小共有二十來個。賈母獨見喜鸞和四姐兒生得又好,說話行事與眾不同,心中喜歡,便命他兩個也過來榻前同坐。寶玉卻在榻上腳下與賈母捶腿。首席便是薛姨媽,下邊兩溜皆順著房頭輩數下去。簾外兩廊都是族中男客,也依次而坐。 先是那女客一起一起行禮,後方是男客行禮。賈母歪在榻上,只命人說「免了罷」,早已都行完了。然後賴大等帶領眾人,從儀門直跪至大廳上,磕頭禮畢,又是眾家下媳婦,然後各房的丫鬟,足鬧了兩三頓飯時。然後又抬了許多雀籠來,在當院中放了生。賈赦等焚過了天地壽星紙,方開戲飲酒。直到歇了中台,賈母方進來歇息,命他們取便,因命鳳姐兒留下喜鸞四姐兒頑兩日再去。鳳姐兒出來便和他母親說,他兩個母親素日都承鳳姐的照顧,也巴不得一聲兒。他兩個也願意在園內頑耍,至晚便不回家了。 邢夫人直至晚間散時,當著許多人陪笑和鳳姐求情說:「我聽見昨兒晚上二奶奶生氣,打發周管家的娘子捆了兩個老婆子,可也不知犯了什麼罪。論理我不該討情,我想老太太好日子,發狠的還舍錢舍米,周貧濟老,咱們家先倒折磨起人家來了。不看我的臉,權且看老太太,竟放了他們罷。」說畢,上車去了。鳳姐聽了這話,又當著許多人,又羞又氣,一時抓尋不著頭腦,憋得臉紫漲,回頭向賴大家的等笑道: 「這是那裡的話。昨兒因為這裡的人得罪了那府里的大嫂子,我怕大嫂子多心,所以盡讓他發放,並不為得罪了我。這又是誰的耳報神這麼快。」王夫人因問為什麼事,鳳姐兒笑將昨日的事說了。尤氏也笑道:「連我並不知道。你原也太多事了。」鳳姐兒道:「我為你臉上過不去,所以等你開發,不過是個禮。就如我在你那裡有人得罪了我,你自然送了來盡我。憑他是什麼好奴才,到底錯不過這個禮去。這又不知誰過去沒的獻勤兒,這也當一件事情去說。」王夫人道:「你太太說的是。就是珍哥兒媳婦也不是外人,也不用這些虛禮。老太太的千秋要緊,放了他們為是。」說著,回頭便命人去放了那兩個婆子。鳳姐由不得越想越氣越愧,不覺的灰心轉悲,滾下淚來。因賭氣回房哭泣,又不使人知覺。偏是賈母打發了琥珀來叫立等說話。琥珀見了,詫異道:「好好的,這是什麼原故?那裡立等你呢。」鳳姐聽了,忙擦乾了淚,洗面另施了脂粉,方同琥珀過來。 賈母因問道:「前兒這些人家送禮來的共有幾家有圍屏?」鳳姐兒道:「共有十六家有圍屏,十二架大的,四架小的炕屏。內中只有江南甄家一架大屏十二扇,大紅緞子緙絲『滿床笏』,一面是泥金『百壽圖』的,是頭等的。還有粵海將軍鄔家一架玻璃的還罷了。」賈母道:「既這樣,這兩架別動,好生擱著,我要送人的。」鳳姐兒答應了。鴛鴦忽過來向鳳姐兒面上只管瞧,引的賈母問說:「你不認得他?只管瞧什麼。」鴛鴦笑道:「怎麼他的眼腫腫的,所以我詫異,只管看。」賈母聽說,便叫進前來,也覷著眼看。鳳姐笑道:「才覺的一陣癢癢,揉腫了些。」鴛鴦笑道: 「別又是受了誰的氣了不成?」鳳姐道:「誰敢給我氣受,便受了氣,老太太好日子,我也不敢哭的。」賈母道:「正是呢。我正要吃晚飯,你在這裡打發我吃,剩下的你就和珍兒媳婦吃了。你兩個在這裡幫著兩個師傅替我揀佛豆兒,你們也積積壽,前兒你姊妹們和寶玉都揀了,如今也叫你們揀揀,別說我偏心。」說話時,先擺上一桌素的來。兩個姑子吃了,然後才擺上葷的,賈母吃畢,抬出外間。尤氏鳳姐兒二人正吃,賈母又叫把喜鸞四姐兒二人也叫來,跟他二人吃畢,洗了手,點上香,捧過一升豆子來。兩個姑子先念了佛偈,然後一個一個的揀在一個簸籮內,每揀一個,念一聲佛。明日煮熟了,令人在十字街結壽緣。賈母歪著聽兩個姑子又說些佛家的因果善事。 鴛鴦早已聽見琥珀說鳳姐哭之事,又和平兒前打聽得原故。晚間人散時,便回說:「二奶奶還是哭的,那邊大太太當著人給二奶奶沒臉。」賈母因問為什麼原故,鴛鴦便將原故說了。賈母道:「這才是鳳丫頭知禮處,難道為我的生日由著奴才們把一族中的主子都得罪了也不管罷。這是太太素日沒好氣,不敢發作,所以今兒拿著這個作法子,明是當著眾人給鳳兒沒臉罷了。」正說著,只見寶琴等進來,也就不說了。賈母因問:「你在那裡來?」寶琴道:「在園裡林姐姐屋裡大家說話的。」賈母忽想起一事來,忙喚一個老婆子來,吩咐他:「到園裡各處女人們跟前囑咐囑咐,留下的喜姐兒和四姐兒雖然窮,也和家裡的姑娘們是一樣,大家照看經心些。我知道咱們家的男男女女都是『一個富貴心,兩隻體面眼』,未必把他兩個放在眼裡。有人小看了他們,我聽見可不依。」婆子應了方要走時,鴛鴦道:「我說去罷。他們那裡聽他的話。」說著,便一徑往園子來。 先到稻香村中,李紈與尤氏都不在這裡。問丫鬟們,說「都在三姑娘那裡呢。」鴛鴦回身又來至曉翠堂,果見那園中人都在那裡說笑。見他來了,都笑說:「你這會子又跑來做什麼?」又讓他坐。鴛鴦笑道:「不許我也逛逛麽?」於是把方纔的話說了一遍。李紈忙起身聽了,就叫人把各處的頭兒喚了一個來。令他們傳與諸人知道。不在話下。這裡尤氏笑道:「老太太也太想的到,實在我們年輕力壯的人捆上十個也趕不上。」李紈道:「鳳丫頭仗著鬼聰明兒,還離腳蹤兒不遠。咱們是不能的了。」鴛鴦道:「罷喲,還提鳳丫頭虎丫頭呢,他也可憐見兒的。雖然這幾年沒有在老太太、太太跟前有個錯縫兒,暗裡也不知得罪了多少人。總而言之,為人是難作的:若太老實了沒有個機變,公婆又嫌太老實了,家裡人也不怕;若有些機變,未免又治一經損一經。如今咱們家裡更好,新出來的這些底下奴字號的奶奶們,一個個心滿意足,都不知要怎麼樣才好,少有不得意,不是背地裡咬舌根,就是挑三窩四的。我怕老太太生氣,一點兒也不肯說。不然我告訴出來,大家別過太平日子。這不是我當著三姑娘說,老太太偏疼寶玉,有人背地裡怨言還罷了,算是偏心。如今老太太偏疼你,我聽著也是不好。這可笑不可笑?」探春笑道:「糊塗人多,那裡較量得許多。我說倒不如小人家人少,雖然寒素些,倒是歡天喜地,大家快樂。我們這樣人家人多,外頭看著我們不知千金萬金小姐,何等快樂,殊不知我們這裡說不出來的煩難,更利害。」寶玉道:「誰都象三妹妹好多心。事事我常勸你,總別聽那些俗語,想那俗事,只管安富尊榮才是。比不得我們沒這清福,該應濁鬧的。」尤氏道:「誰都像你,真是一心無掛礙,只知道和姊妹們頑笑,餓了吃,困了睡,再過幾年,不過還是這樣,一點後事也不慮。」寶玉笑道:「我能夠和姊妹們過一日是一日,死了就完了。什麼後事不後事。」李紈等都笑道:「這可又是胡說。就算你是個沒出息的,終老在這裡,難道他姊妹們都不出門的?」尤氏笑道:「怨不得人都說他是假長了一個胎子,究竟是個又傻又呆的。」寶玉笑道:「人事莫定,知道誰死誰活。倘或我在今日明日,今年明年死了,也算是遂心一輩子了。」眾人不等說完,便說:「可是又瘋了,別和他說話才好。若和他說話,不是呆話就是瘋話。」喜鸞因笑道:「二哥哥,你別這樣說,等這裡姐姐們果然都出了閣,橫豎老太太、太太也寂寞,我來和你作伴兒。」李紈尤氏等都笑道:「姑娘也別說呆話,難道你是不出門的?這話哄誰。」說的喜鸞低了頭。當下已是起更時分,大家各自歸房安歇,眾人都且不提。 且說鴛鴦一徑回來,剛至園門前,只見角門虛掩,猶未上閂。此時園內無人來往,只有該班的房內燈光掩映,微月半天。鴛鴦又不曾有個作伴的,也不曾提燈籠,獨自一個,腳步又輕,所以該班的人皆不理會。偏生又要小解,因下了甬路,尋微草處,行至一湖山石後大桂樹陰下來。剛轉過石後,只聽一陣衣衫響,嚇了一驚不小。定睛一看,只見是兩個人在那裡,見他來了,便想往石後樹叢藏躲。鴛鴦眼尖,趁月色見準一個穿紅裙子梳鬅頭高大豐壯身材的,是迎春房裡的司棋。鴛鴦只當他和別的女孩子也在此方便,見自己來了,故意藏躲恐嚇著耍,因便笑叫道:「司棋你不快出來,嚇著我,我就喊起來當賊拿了。這麼大丫頭了,沒個黑家白日的只是頑不夠。」這本是鴛鴦的戲語,叫他出來。誰知他賊人膽虛,只當鴛鴦已看見他的首尾了,生恐叫喊起來使眾人知覺更不好,且素日鴛鴦又和自己親厚不比別人,便從樹後跑出來,一把拉住鴛鴦,便雙膝跪下,只說:「好姐姐,千萬別嚷!」鴛鴦反不知因何,忙拉他起來,笑問道:「這是怎麼說?」司棋滿臉紅脹,又流下淚來。鴛鴦再一回想,那一個人影恍惚象個小廝,心下便猜疑了八九,自己反羞的面紅耳赤,又怕起來。因定了一會,忙悄問:「那個是誰?」司棋復跪下道:「是我姑舅兄弟。」鴛鴦啐了一口,道:「要死,要死。」司棋又回頭悄道:「你不用藏著,姐姐已看見了,快出來磕頭。」那小廝聽了,只得也從樹後爬出來,磕頭如搗蒜。鴛鴦忙要回身,司棋拉住苦求,哭道:「我們的性命,都在姐姐身上,只求姐姐超生要緊!」鴛鴦道: 「你放心,我橫豎不告訴一個人就是了。」一語未了,只聽角門上有人說道:「金姑娘已出去了,角門上鎖罷。」鴛鴦正被司棋拉住,不得脫身,聽見如此說,便接聲道:「我在這裡有事,且略住手,我出來了。」司棋聽了,只得鬆手讓他去了── |
Einundsiebzigstes Kapitel Wer auf Risse sinnt, erzeugt absichtlich Risse; Das Mandarinenentenmädchen trifft unversehens auf ein Mandarinentenpaar Es wird erzählt, dass Aufrecht Kaufmann [1] nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt alle seine Amtsgeschäfte erledigt hatte und einen Monat Urlaub zur Erholung zu Hause gewährt bekam. Da er im Alter voranschritt, die Pflichten schwer und der Körper schwach waren, und da er nach mehrjähriger Abwesenheit, die ihn von seinen engsten Angehörigen getrennt hatte, nun froh in den Schoß der Familie zurückgekehrt war, fühlte er sich grenzenlos glücklich. So vernachlässigte er nun alle Angelegenheiten, groß wie klein, noch mehr als zuvor und widmete sich nur noch der Lektüre. Wenn er der Bücher überdrüssig wurde, spielte er mit seinen Hausgästen Schach und trank Wein, oder er plauderte tagsüber in den inneren Gemächern mit Mutter und Ehefrau über die Freuden, die Heim und Familie gewähren. Da in diesem Jahr am dritten Tag des achten Monats der achtzigste Geburtstag der Herzoginmutter [2] war und alle Verwandten und Freunde kommen würden, so dass der Platz für die Festtafeln nicht ausreichen konnte, beriet sich Aufrecht Kaufmann rechtzeitig mit Begnadigung Kaufmann [3], Herrlichkeit Kaufmann [4] und Kette Kaufmann [5]. Man kam überein, dass vom achtundzwanzigsten Tag des siebenten Monats bis zum fünften Tag des achten Monats im Prunkwille-Anwesen [6] und im Stillfriede-Anwesen [7] zugleich gefeiert werden sollte. Im Stillfriede-Anwesen sollten die männlichen Gäste empfangen werden, im Prunkwille-Anwesen die weiblichen. Im Garten der Großen Anschauung [8] wurden der Brokatbestückte Turm [9] und die Halle des Vortrefflichen Schattens [10] sowie einige weitere große Räumlichkeiten als Rückzugsorte hergerichtet. Für den achtundzwanzigsten waren kaiserliche Schwäger und Schwiegersöhne, Prinzen und Herzöge, Prinzessinnen und Fürstinnen, königliche Gemahlinnen sowie Mütter und Hauptfrauen hoher Beamter geladen. Für den neunundzwanzigsten die Vorsitzenden des Thronsekretariats, die Leiter der Ministerien und des kaiserlichen Haushalts, die Gouverneure und Militärgouverneure der einzelnen Provinzen sowie deren Hauptfrauen. Für den dreißigsten dann weitere Beamte mit ihren Gemahlinnen sowie nahe und ferne Verwandte und Freunde mit deren Frauen. Am ersten Tag gab Begnadigung Kaufmann sein Fest im Familienkreis, am zweiten Aufrecht Kaufmann, am dritten Herrlichkeit Kaufmann gemeinsam mit Kette Kaufmann. Am vierten wurde ein Familienfest auf Kosten aller Sippenmitglieder – groß und klein, vornehm und gering – gegeben, am fünften schließlich ein Fest, das von Lai Da, Lin Zhixiao und den übrigen Verwaltern beider Anwesen gemeinsam finanziert wurde. Von der ersten Dekade des siebenten Monats an wurden in stetiger Folge Geschenke gebracht. Vom Ritenministerium wurden auf allerhöchsten Befehl als Geschenke des Kaisers ein Glückwunschzepter aus Gold und Jade, vier Längen bunter Brokat, vier Ringe aus Gold und Jade sowie fünfhundert Liang Silber aus der kaiserlichen Schatzkammer überbracht. Außerdem schickte Yuanchun [11] durch die Eunuchen eine Goldstatuette des Gottes der Langlebigkeit, einen Krückstock aus Adlerholz, eine Gebetsschnur aus Duftholzperlen, eine Dose „Weihrauch des Glücks und der Langlebigkeit", ein Paar Goldbarren, vier Paar Silberbarren, zwölf Stücke bunten Brokat und vier jadene Becher. Auch unter den Familien der Prinzen kaiserlichen Geblüts und der kaiserlichen Schwiegersöhne sowie aller höheren und niederen Zivil- und Militärbeamten, mit denen die Kaufmanns [12] Umgang pflegten, war keine, die nicht ihre Gaben geschickt hätte. Diese können hier nicht alle aufgezählt werden. In der Haupthalle war ein großer Tisch aufgestellt, mit rotem Filz bedeckt, auf dem alle feinen Geschenke ausgebreitet wurden, damit die Herzoginmutter sie in Augenschein nehmen konnte. Am ersten und zweiten Tag kam sie noch freudig herüber und betrachtete alles, aber dann hatte sie genug davon, wollte nichts mehr sehen und sagte nur: „Sagt dem Phönixglanz-Mädchen [13], sie soll es verwahren! Ich schaue es mir ein andermal an, wenn mir langweilig ist." Am achtundzwanzigsten Tag des siebenten Monats erstrahlten beide Anwesen im Schmuck der Laternen und Seidenrosetten. An den Setzschirmen prangten Phönixbilder, auf den Sitzkissen leuchteten Lotosmuster. Die Musik von Flöten und Trommeln drang hinaus in die Straßen und Gassen. Im Stillfriede-Anwesen erschienen an diesem Tag nur der Fürst von Beijìng [14], der Vizekönig von Nan'an [15], der kaiserliche Schwiegersohn Yongchang [16], der Prinz Leshan [17] sowie die Träger einiger Erbtitel befreundeter Herzogs- und Fürstenhäuser. Im Prunkwille-Anwesen kamen die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an, die Gemahlin des Fürsten von Beijìng sowie die Hauptfrauen der befreundeten Herzöge und Fürsten. Im vollen Festschmuck, wie er ihrem jeweiligen Rang entsprach, gingen die Herzoginmutter und alle anderen zum Empfang entgegen. Nachdem man einander begrüßt hatte, wurden die Gäste zunächst in die Halle des Vortrefflichen Schattens im Garten der Großen Anschauung geführt. Erst nachdem sie hier Tee getrunken und sich frisch gemacht hatten, verließen sie den Garten und begaben sich in die Halle der Üppigen Glückwünsche [18], um ihre Gratulationen darzubringen und dann zu Tisch zu gehen. Hierbei zierte man sich lange, ehe endlich alle Platz genommen hatten. An den beiden Ehrentischen saßen die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an und die Gemahlin des Fürsten von Beijìng, an den übrigen Tischen der Rangfolge nach abwärts die Frauen der Herzöge und Fürsten. Am ersten Tisch zur Linken saßen als begleitende Ehrengäste die Frau des Fürsten Jinxiang [19] und die des Grafen Linchang [20], und erst am ersten Tisch zur Rechten war der Platz der Herzoginmutter. Hinter ihr standen, angeführt von Dame Hsing [21] und Dame König [22], Dame Sonders [23] und Phönixglanz [24] mit den anderen jungen Frauen der Familie in keilförmiger Formation, um aufzuwarten. Außerhalb der Bambusvorhänge waren unter der Aufsicht der Frauen von Lin Zhixiao und Lai Da Sklavenfrauen angetreten, um die Speisen und den Wein hereinzureichen. Hinter den Setzschirmen waren unter dem Kommando von Zhou Ruis Frau Sklavenmädchen postiert, um etwaige Aufträge entgegenzunehmen. Das Gefolge der Gäste war von weiteren Sklavenfrauen fortgeführt worden, um anderswo bewirtet zu werden. Alsbald betraten die Schauspieler die Bühne, um zuerst ihre Glückwünsche auszusprechen. Vor der Bühne traten zwölf Sklavenjungen in gleichartiger Aufmachung an, die noch zu klein waren, um ihr Haar wachsen zu lassen. Einen Augenblick später erschien am Fuße der Treppe ein weiterer kleiner Sklavenjunge mit dem Repertoirezettel und reichte ihn einer Sklavenfrau, deren Aufgabe es war, Meldungen weiterzuleiten. Erst aus ihren Händen empfing ihn Lin Zhixiaos Frau, legte ihn auf ein kleines Tablett und trat damit durch die Tür, um ihn an die Nebenfrau Peifeng [25] zu übergeben, die zu Dame Sonderss Bedienung gehörte. Aus Peifengs Händen nahm Dame Sonders das Tablett entgegen und trug den Zettel darauf zu den Ehrentischen, wo die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an sich erst ein Weilchen höflich zierte, ehe sie eine Szene mit glückverheißendem Titel auswählte. Nachdem sich auch die Gemahlin des Fürsten von Beijìng eine Zeitlang geziert hatte, suchte sie ebenfalls eine Szene aus. Anschließend machten auch alle anderen Gäste dieselben Umstände und sagten, man solle nur nach Belieben einige gute Szenen bestimmen und spielen lassen. Als nach kurzer Zeit schon die vierte Speise aufgetragen und die Suppe gereicht worden war, verteilte das Gefolge der Gäste die Belohnungen für die Schauspieler. Nachdem sich alle frisch gemacht hatten, kehrten sie in den Garten zurück, wo feiner Tee serviert wurde. Nun erkundigte sich die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an nach Schatzjade [26], und die Herzoginmutter gab lächelnd Auskunft: „Heute wird in mehreren Tempeln das Sutra zum Erhalt der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens verlesen, und er nimmt daran teil." Als nach den jungen Mädchen gefragt wurde, sagte die Herzoginmutter, wiederum lächelnd: „Die einen sind krank, die anderen schwächlich, außerdem sind sie scheu gegenüber Fremden. Darum habe ich ihnen gesagt, sie sollen meine Räume beaufsichtigen. Und da genug Schauspieltruppen im Hause sind, habe ich eine davon hinübergeschickt, damit sie bei mir in der Halle vor unseren Mädchen und ihren Kusinen aus den Familien ihrer Tanten etwas vorführt." „Wenn das so ist", sagte die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an, „lasst sie doch durch jemanden herüberbitten!" Also wandte die Herzoginmutter den Kopf nach Phönixglanz und befahl ihr, sie solle Wolkenmädchen [27], Schatzspange [28] und Kajaljade [29] herüberholen. „Außer diesen bringst du nur das dritte Fräulein zu ihrer Begleitung mit!" setzte sie hinzu. Phönixglanz ging in die Räume der Herzoginmutter hinüber, wo die Mädchen gerade Naschwerk knabberten und dem Theaterspiel zusahen. Auch Schatzjade war gerade von seinem Tempelbesuch zurückgekommen. Als Phönixglanz ihre Bestellung ausgerichtet hatte, folgten Schatzspange und ihre Schwester Schatzharfe [30], Kajaljade, Erkundefrühling [31] und Wolkenmädchen – fünf Personen – in den Garten, wo sie die Besucherinnen begrüßten und sich nach ihrem Befinden erkundigten. Einige Besucherinnen waren mit den Mädchen bereits bekannt, manche sahen sie zum ersten Mal, aber alle lobten sie ohne Ende. Am vertrautesten war die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an mit Wolkenmädchen, darum warf sie ihr lächelnd vor: „Da bist du hier im Hause, aber anstatt herüberzukommen, wenn du hörst, ich sei zu Besuch, wartest du, bis ich dich holen lasse! Morgen werde ich mit deinem Onkel deswegen abrechnen!" Nun fasste sie mit der einen Hand Erkundefrühling, mit der anderen Schatzspange, erkundigte sich nach ihrem Alter und lobte sie gleich noch einmal in einem fort. Dann ließ sie die beiden wieder los, fasste stattdessen Kajaljade und Schatzharfe bei den Händen, musterte sie sorgfältig und spendete auch ihnen höchstes Lob. „Ihr seid alle so lieb", sagte sie lächelnd, „dass ich nicht weiß, wen von euch ich am meisten loben soll!" Es hatte bereits jemand fünf Satz Geschenke zurechtgemacht, die von der verwitweten Nebenfrau bereitgehalten worden waren, und jedes der Mädchen bekam einen goldenen und einen jadenen Fingerring sowie eine Armkette aus Duftholzperlen. „Lacht bitte nicht über das wertlose Zeug!" bat die verwitwete Nebenfrau. „Nehmt es und schenkt es euren Mägden!" Sofort verbeugten sich die fünf Mädchen und bedankten sich. Auch von der Gemahlin des Fürsten von Beijìng bekamen sie fünferlei Geschenke. Was die übrigen gaben, braucht nicht im Einzelnen erläutert zu werden. Nach dem Teetrinken spazierten alle ein wenig durch den Garten, und dann bat die Herzoginmutter sie an die Tafel zurück. Aber die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an entschuldigte sich, sie fühle sich nicht recht wohl. „Nicht zu kommen wäre nicht recht gewesen", sagte sie, „aber jetzt müsst Ihr schon gestatten, dass ich mich verabschiede." Die Herzoginmutter konnte sie nicht gut nötigen und begleitete sie deshalb nach einigem höflichen Hinundher bis zum Gartentor, wo jene in ihre Sänfte stieg und sich forttragen ließ. Die Gemahlin des Fürsten von Beijìng blieb noch ein Weilchen, dann nahm auch sie Abschied. Von den anderen blieben manche bis zum Schluss, manche auch nicht. Da die Herzoginmutter von den Anstrengungen des Tages erschöpft war, empfing sie die Besucherinnen des nächsten Tages nicht persönlich, und an ihrer statt mussten sich Dame Hsing und Dame König mit ihnen abgeben. Als die jungen Männer aus den befreundeten Familien erschienen, um der Herzoginmutter ihre Geburtstagsgrüße zu entbieten, wurden sie in die Halle geführt, um sich dort zu verbeugen, und erwidert wurden diese Verbeugungen durch Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann, die die Besucher anschließend ins Stillfriede-Anwesen zu Tisch führten. Aber davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Dame Sonders ging an all diesen Tagen nicht ins andere Anwesen hinüber. Tagsüber betreute sie die Besucherinnen, und nachts schlief sie im Garten der Großen Anschauung in Seidenweiß Pflaumes Räumen. Eines Abends sagte die Herzoginmutter, nachdem Dame Sonders ihr beim Abendessen aufgewartet hatte: „Ihr seid alle müde, und auch ich bin müde. Darum seht zu, dass ihr etwas zu essen bekommt, und dann legt euch schlafen. Morgen müssen wir wieder früh aufstehen, um den Trubel über uns ergehen zu lassen." Dame Sonders sagte: „Jawohl!" und zog sich zurück. Dann begab sie sich in die Räume von Phönixglanz, um zu essen. Phönixglanz selbst war gerade im zweistöckigen Speichergebäude, um die Leute zu beaufsichtigen, die einen neu geschenkten Setzschirm wegstellten, und so befand sich in ihren Räumen nur Friedchen [32], damit beschäftigt, Phönixglanz' Kleider zusammenzulegen. Also fragte Dame Sonders: „Hat eure junge Herrin schon gegessen?" „Würden wir Euch nicht hergebeten haben, junge gnädige Frau, wenn wir schon gegessen hätten?" fragte Friedchen lächelnd zurück. „Wenn das so ist, werde ich zusehen, dass ich anderswo etwas zu essen finde", sagte Dame Sonders, ebenfalls lächelnd. „Ich halte es vor Hunger nicht mehr aus." Und damit wandte sie sich zum Gehen. „Bleibt doch bitte, junge gnädige Frau!" forderte Friedchen sie rasch lächelnd auf. „Hier ist Gebäck. Damit könnt Ihr Euch ein wenig stärken, und nachher kommt Ihr zum Essen wieder!" „So beschäftigt, wie ihr hier seid, gehe ich lieber in den Garten und falle den Mädchen zur Last", sagte Dame Sonders und ging nun wirklich hinaus. Da Friedchen sie nicht zu halten vermochte, musste sie ihr wohl oder übel ihren Willen lassen. Dame Sonders ging geradewegs zum Garten, wobei sie feststellen musste, dass sowohl das Haupttor als auch die Nebentore noch nicht geschlossen waren. Auch brannten noch überall die bunten Laternen. Darum wandte sie den Kopf und befahl einem ihrer kleinen Sklavenmädchen, die diensthabenden Frauen zu rufen. Das Mädchen ging in die Wachstube, aber hier war nicht die Spur eines Menschen. Also kehrte sie zu Dame Sonders zurück, um dies zu melden. Darauf befahl ihr Dame Sonders, eine von den Verwalterinnen zu holen. Das Mädchen sagte: „Jawohl!" und ging hinaus zu der Plattform außerhalb des Innentors, wo die Verwalterinnen ihren Versammlungs- und Beratungsplatz hatten. Aber auch hier fand sie nur zwei alte Sklavenfrauen vor, die damit beschäftigt waren, Gemüse und Obst in Portionen zu teilen. Sie fragte: „Welche der Verwalterinnen ist hier? Die junge gnädige Frau aus dem Ostanwesen hat ihr auf der Stelle etwas zu sagen." Die beiden Alten waren ganz in ihr Geschäft vertieft, und außerdem hörten sie, es handle sich nur um die junge gnädige Frau aus dem anderen Anwesen. Darum nahmen sie die Sache nicht weiter ernst und antworteten: „Die Verwalterfrauen sind eben nach Hause gegangen." „Dann geht ihr zu einer von ihnen nach Hause und holt sie!" verlangte das Mädchen. „Wir haben hier nur aufzupassen und niemanden zu holen", erwiderten die Alten. „Wenn ihr wollt, dass sie geholt wird, müsst ihr jemanden beauftragen, der dazu da ist, Bestellungen auszurichten." „Also, ... also, das ist ja Aufruhr!" empörte sich das Mädchen. „Wieso wollt ihr sie nicht holen? So könnt ihr mit jemandem umgehen, der hier neu ist, aber nicht mit mir! Wer holt sie denn sonst, wenn nicht ihr?! Wenn ihr hört, es gibt etwas zu verdienen, oder eine der Verwalterfrauen soll ein Geschenk bekommen, dann reißt ihr euch darum, sie zu holen, und würdet am liebsten noch mit dem Schwanz wedeln. Jetzt aber wisst ihr nicht, wer wer ist. Würdet ihr genauso antworten, wenn ihr die Gattin des jungen Herrn Lián jemanden holen solltet?" Die beiden Frauen hatten zuvor Wein getrunken, außerdem hatte das Sklavenmädchen mit seinen Worten an einen wunden Punkt gerührt, und die Scham darüber brachte die beiden in Zorn. Deshalb erwiderten sie: „Dass du dich nicht schämst, solchen Unsinn zu schwatzen! Schließlich ist es unsere Sache, ob wir jemanden holen oder nicht, und dich geht das gar nichts an. Außerdem brauchst du uns hier nicht madig zu machen. Denk einmal daran, wie sich deine Eltern vor euren eigenen Verwaltern noch viel mehr lieb Kind zu machen verstehen als wir! Oder hältst du uns vielleicht für blind? Es heißt: ‚Klares Wasser, Nudeln drin – du isst, und ich sehe es.' [33] Jeder soll nur hübsch vor der eigenen Tür kehren! Wenn du das Zeug dazu hast, kannst du eure Leute drüben ausschmieren, aber bei uns bist du an der falschen Adresse!" Das Sklavenmädchen war blass geworden vor Zorn. „Gut, gut, das will ich mir merken!" sagte es. Und damit machte es kehrt und ging zum Gartentor zurück, um Dame Sonders davon zu unterrichten. Aber Dame Sonders war inzwischen längst in den Garten hineingegangen, wo sie Dufthauch [34], Schatzharfe und Wolkenmädchen traf, die mit zwei Nonnen aus dem Ksitigarbha-Kloster [35] plauderten und sich von ihnen Geschichten erzählen ließen. Als Dame Sonders sagte, sie sei hungrig, gingen sie mit ihr zum Hof der Roten Freude [36], wo Dufthauch einen Imbiss – sowohl Fleischspeisen als auch fleischlose Gerichte – auftun ließ und Dame Sonders im Vorraum servierte. Die beiden Nonnen tranken mit Schatzharfe und Wolkenmädchen zusammen Tee und erzählten weiter ihre Geschichten. Da trat das kleine Sklavenmädchen herein, das sich auf die Suche nach Dame Sonders gemacht hatte, und berichtete wutentbrannt in aller Ausführlichkeit, was es von den beiden alten Sklavenfrauen hatte anhören müssen. „Wer waren die beiden?" erkundigte sich Dame Sonders sofort mit verächtlichem Lächeln. „Nicht doch!" mischten sich die beiden Nonnen ein, und mit ihnen auch Schatzharfe und Wolkenmädchen, die befürchteten, Dame Sonders könnte sich aufregen. „Bestimmt hat sie sich verhört!" Dann stießen die beiden Nonnen das kleine Sklavenmädchen an und sagten lächelnd: „Du bist aber hitzig, Kind! Du hättest es doch nicht melden müssen, was die beiden dummen alten Weiber gesagt haben. Tagelang hat deine Herrin ihren kostbaren Leib strapazieren müssen, jetzt hat sie noch keinen Schluck getrunken und keinen Happen gegessen, und es war uns erst zur Hälfte gelungen, sie mit unseren Scherzen wieder aufzuheitern. Da kommst du und erzählst solche Sachen!" Dufthauch fasste das kleine Sklavenmädchen schnell bei der Hand, um es hinauszuführen, und redete ihm lächelnd zu: „Ruh dich draußen erst mal ein bisschen aus, Schwesterchen! Ich werde gleich jemanden nach den Verwalterinnen schicken!" „Lass nicht nach den Verwalterinnen schicken, sondern nach diesen beiden Alten!" verlangte Dame Sonders. „Und dann lass Phönixglanz von drüben holen!" Lächelnd erklärte Dufthauch: „Ich werde sie herbitten!" „Nein!" sagte Dame Sonders. „Du gehst mir nicht!" Sofort erhoben sich die beiden Nonnen von ihren Plätzen und sagten lächelnd: „Ihr wart doch sonst immer großmütig, junge gnädige Frau. Und meint Ihr nicht, dass es Gerede geben würde, wenn Ihr ausgerechnet zum Geburtstag der alten Ahne wütend werdet?" Auch Schatzharfe und Wolkenmädchen redeten mit lächelndem Gesicht begütigend auf Dame Sonders ein. „Wenn nicht der Geburtstag der alten gnädigen Frau wäre, würde ich auf keinen Fall nachgeben", erklärte Dame Sonders. „Aber so mag es hingehen." Inzwischen hatte Dufthauch schon ein Sklavenmädchen zum Gartentor geschickt, um jemanden zu holen, und dieses Mädchen stieß auf niemand anderen als auf Zhou Ruis Frau [37]. Also erzählte sie ihr den ganzen Vorfall. Zhou Ruis Frau war zwar nicht in der Verwaltung tätig, aber da sie als langjährige Sklavin, die Dame König mit in die Ehe gebracht hatte, einiges Ansehen genoss und sich durch geschickte Schmeicheleien bei der gesamten Herrschaft beliebt gemacht hatte, nahm sie die Sache sofort in die Hand. Als sie sich angehört hatte, was vorgefallen war, lief sie spornstreichs zum Hof der Roten Freude, trat hier mit schnellem Schritt ins Haus und versicherte dabei lautstark: „Es ist unerhört, wie man Euch so erzürnen konnte, junge gnädige Frau! Bei uns sind jetzt Sitten eingerissen, die einfach nicht zu ertragen sind. Und wie zum Tort musste ausgerechnet ich nicht dabeisein. Wäre ich dabeigewesen, dann hätte ich den beiden auf der Stelle ein paar Ohrfeigen verpasst, und in ein paar Tagen hätte ich mit ihnen abgerechnet." Lächelnd blickte Dame Sonders sie an und sagte: „Gut, dass du da bist, Schwester Zhou! Entscheide du, ob das richtig ist: Um diese Zeit stehen die Tore noch weit offen, und die Laternen brennen noch hell. Alles mögliche Volk kann hier ein- und ausgehen. Was, wenn etwas passiert? Deshalb wollte ich den Diensthabenden sagen, sie sollten die Lampen ausblasen und die Tore zumachen. Dann aber stellte sich heraus, dass keine Menschenseele zur Stelle war." „Ist das die Möglichkeit?" empörte sich Zhou Ruis Frau. „Neulich erst hat unsere zweite junge Herrin [38] angeordnet, in diesen Tagen, wo so viel Trubel herrscht und so ein gemischtes Volk im Anwesen ist, sollten die Tore geschlossen und die Lampen gelöscht werden, sobald es Abend wird, und niemand, der nicht in den Garten gehört, sollte noch eingelassen werden. Und nun war einfach niemand da! Wenn die Feiern erst zu Ende sind, werden wohl einige Leute Schläge bekommen müssen!" Nun erzählte Dame Sonders noch, was ihr das Sklavenmädchen berichtet hatte, und Zhou Ruis Frau sagte: „Regt Euch nicht auf, junge gnädige Frau! Wenn das Fest vorüber ist, werde ich den Verwalterinnen sagen, sie sollen die beiden tüchtig durchklopfen lassen. Und dann sollen sie sich auch erkundigen, wer denen beigebracht hat zu sagen, jeder solle hübsch vor der eigenen Tür kehren. Die Lampen zu löschen und das Haupttor wie die Nebentore zu schließen habe ich schon angeordnet." Während es noch aufgeregt hin- und herging, erschien eine Botin von Phönixglanz, um Dame Sonders zum Essen zu bitten. Diese aber fertigte die Sklavin ab: „Ich habe keinen Hunger, eben erst habe ich etwas Gebäck gegessen! Deine Herrin soll bitte allein essen!" Zhou Ruis Frau, die einige Zeit später hinausging, erstattete Phönixglanz über den Vorfall Bericht und setzte dann noch hinzu: „Die beiden Alten gehören zu den Verwalterinnen. Sooft wir mit ihnen sprechen, führen sie sich auf wie bissige Hunde. Wenn Ihr sie nicht verwarnt und belehrt, ist das für die Ehre der älteren jungen Herrin unerträglich." „Dann schreib die beiden namentlich auf, und wenn die Feiern vorüber sind, soll man sie gefesselt in das andere Anwesen hinüberbringen, wo meine Schwägerin ihnen nach eigenem Ermessen eine Belehrung erteilen soll. Ob sie ihnen ein paar Schläge gibt oder Gnade walten lässt und ihnen verzeiht, liegt ganz bei ihr", entschied Phönixglanz. „Was ist da schon groß dabei?" Zhou Ruis Frau hatte begierig auf jedes Wort gelauscht, denn sie war auf diese Frauen schon lange böse. Als sie Phönixglanz' Gehöft wieder verlassen hatte, gab sie einem Sklavenjungen den Auftrag, Lin Zhixiaos Frau über Phönixglanz' Anordnung zu unterrichten und ihr zu sagen, sie solle unverzüglich die ältere junge Herrin aufsuchen. Außerdem gab sie sofort jemandem den Befehl, die beiden alten Sklavenfrauen zu binden und unter Bewachung im Pferdestall einzusperren. Lin Zhixiaos Frau wusste natürlich nicht, was es jetzt, da schon die Lampen brannten, noch zu erledigen gab, aber sie stieg rasch in den Wagen und kam angefahren. Zuerst wollte sie zu Phönixglanz. Aber als sie vom Innentor aus Bescheid geben ließ, erschien ein Sklavenmädchen, um ihr zu sagen: „Meine Herrin hat sich gerade schlafen gelegt. Die ältere junge Herrin ist im Garten, geht nur zu ihr!" Also begab sich Lin Zhixiaos Frau in den Garten zum Reisduftdorf [39]. Als die Sklavenmädchen sie drinnen anmeldeten, tat es Dame Sonders leid, dass man sie herbemüht hatte, deshalb rief sie sie schnell herein und sagte ihr lächelnd: „Ich hatte nur nach dir gefragt, weil ich jemanden suchte und niemanden finden konnte. Wer hat dich jetzt rufen lassen, da du schon fort warst? Den Weg hast du umsonst gemacht, denn es war weiter nichts Wichtiges, und die Sache hat sich schon erledigt." Ebenfalls lächelnd, erwiderte Lin Zhixiaos Frau: „Die zweite junge Herrin hat jemanden geschickt, um mich holen zu lassen, und wie es hieß, wolltet Ihr mir etwas sagen." „Nicht doch!" erklärte Dame Sonders lächelnd. „Ich wusste nicht, dass du schon fort warst, und hatte vergeblich nach dir gefragt. Irgendjemand muss das unnötigerweise Schwägerin Phönixglanz erzählt haben, wahrscheinlich war es Schwester Zhou. Fahr nur wieder nach Hause und ruh dich aus! Es war nichts Besonderes." Seidenweiß Pflaume [40] wollte noch erklären, was sich zugetragen hatte, doch Dame Sonders hinderte sie daran. Angesichts dieser Umstände hatte Lin Zhixiaos Frau keine andere Wahl, als den Garten wieder zu verlassen. Dabei führte ihr der Zufall Nebenfrau Zhao [41] in den Weg, die lächelnd zu ihr sagte: „Ei, ei, Schwägerin! Was machst du denn noch hier, anstatt zu Hause zu sitzen und dich auszuruhen?" Lächelnd erklärte ihr Lin Zhixiaos Frau den Grund – so und so sei es gewesen, und es sei dies eine merkwürdige Geschichte. Nun hatte Nebenfrau Zhao größte Freude daran, solcherlei Dinge genau auszuforschen, und stand stets auf gutem Fuß mit den Frauen von der Verwaltung, um sich mit ihnen auszutauschen, damit sie umso besser ihre Ränke spinnen konnte. Über den Vorfall wusste sie schon zu acht, neun Zehnteln Bescheid, und als sie jetzt Lin Zhixiaos Frau hörte, erzählte sie dieser den genauen Hergang. „Das war es also!" sagte Lin Zhixiaos Frau darauf lächelnd. „Aber das ist doch kaum einen Furz wert! Wenn die junge Herrin gnädig ist, wird sie nichts weiter sagen, und selbst wenn sie engherzig sein sollte, gibt es ein paar Schläge dafür, mehr nicht." „Schwerwiegend ist die Sache wahrhaftig nicht, meine Schwägerin", sagte Nebenfrau Zhao darauf. „Aber man sieht doch daran, dass sie ein bisschen gar zu hemmungslos sind. Da lassen sie dich extra herholen, um sich offen über dich lustig zu machen und dich an der Nase herumzuführen. Aber fahr jetzt nur nach Hause und ruh dich aus! Morgen ist wieder viel zu tun. Deshalb will ich dich auch nicht noch zum Tee einladen." Damit war das Gespräch beendet, und Lin Zhixiaos Frau wollte schon hinausgehen, als am Nebentor die Töchter der beiden Sklavenfrauen von vorhin auf sie zutraten und weinend baten, sie möge ein gutes Wort für ihre Mütter einlegen. „Ihr seid ganz schön dumm", sagte Lin Zhixiaos Frau darauf lächelnd zu ihnen, „wer hat denn eure Mütter geheißen, erst zu trinken und dann solchen Unsinn zu reden, dass ein Skandal daraus wurde? Und ich habe nicht einmal davon gewusst. Die zweite junge Herrin hat Leute geschickt, um sie zu binden, und selbst mir hat man Vorwürfe gemacht. Wie käme ich also dazu, für sie zu bitten?" Aber die beiden Sklavenmädchen waren erst sieben oder acht Jahre alt und verstanden die Zusammenhänge nicht. Darum bettelten sie schluchzend weiter und trieben Lin Zhixiaos Frau damit so in die Enge, dass sie schließlich sagte: „Ihr dummen Dinger! Den richtigen Weg lasst ihr außer Acht, stattdessen belästigt ihr mich. Du da, deine ältere Schwester ist doch jetzt dem Sohn von Tante Fei, der alten Magd der gnädigen Frau von drüben, zur Frau gegeben worden. Geh also hinüber und erzähl die Sache deiner Schwester, damit ihre Schwiegermutter mit der gnädigen Frau spricht, dann ist alles erledigt!" Nun wusste die eine, was sie zu tun hatte, aber die andere flehte weiter, bis Lin Zhixiaos Frau ausspuckte und schimpfte: „Dummes Gör! Wenn sie hinübergeht und mit ihrer Schwester spricht, ist doch alles gut. Wieso sollte man nur ihre Mutter laufen lassen, deine Mutter dagegen unbedingt schlagen?" Mit diesen Worten stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon. Das kleine Mädchen ging dann wirklich zu seiner Schwester, und diese sprach mit der alten Fei [42]. Die alte Fei war von Dame Hsing als Sklavenmädchen mit in die Ehe gebracht worden und hatte früher auch einiges gegolten. Aber weil Dame Hsing in der letzten Zeit bei der Herzoginmutter nicht mehr hoch im Kurs stand, hatte auch ihr gesamtes Gefolge an Macht eingebüßt, und jeder, der auf Aufrecht Kaufmanns Seite über ein bisschen Ansehen verfügte, belauerte die Leute aus Begnadigung Kaufmanns Haushalt argwöhnisch wie ein Tiger. Die alte Fei machte gern von den Vorrechten Gebrauch, die ihr aufgrund ihres Alters zustanden, nutzte die Machtstellung von Dame Hsing für sich aus, und wenn sie Wein getrunken hatte, pflegte sie wüst zu zanken, um sich Luft zu machen. Als sie jetzt bei so einem großartigen Anlass wie dem Geburtstag der Herzoginmutter tatenlos zusehen musste, wie andere bei der Erledigung von Sonderaufträgen ihren Witz und ihr Talent einsetzten und ein großes Gewese darum machten, war sie schon längst verärgert, hatte andeutungsweise geschimpft und mit haltlosen Behauptungen für Unruhe gesorgt. Doch in Aufrecht Kaufmanns Haushalt nahm niemand sie für voll. Die Nachricht, dass die Schwiegermutter ihres Sohnes auf Befehl von Zhou Ruis Frau in Fesseln gelegt worden sei, goss nun erst recht Öl ins Feuer. Mutig geworden durch den Wein, den sie genossen hatte, wies die alte Fei mit der Hand in Richtung der Trennmauer zwischen den beiden Gehöften und schimpfte dabei, was das Zeug hielt. Dann ging sie zu Dame Hsing und sagte, die Schwiegermutter ihres Sohnes habe durchaus nichts verbrochen. „Nur ein müßiges kleines Wortgefecht mit einer Magd der jungen gnädigen Frau aus dem anderen Anwesen hat sie gehabt", beteuerte sie, „doch auf Betreiben von Zhou Ruis Frau hat unsere eigene junge Herrin sie gefesselt in den Pferdestall sperren lassen, und nach dem Fest soll sie sogar geschlagen werden. Dabei ist sie eine Frau von weit über siebzig Jahren. Ich bitte Euch, gnädige Frau, sprecht mit der zweiten jungen Herrin, damit sie ihr dies eine Mal noch verzeiht!" Schon nach der Schlappe, die sie in der Sache mit Mandarinenente [43] hatte einstecken müssen, musste Dame Hsing erleben, wie sie von der Herzoginmutter immer kühler behandelt wurde, während Phönixglanz ein höheres Ansehen genoss als sie. Und als jetzt die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an dagewesen war und die Mädchen hatte sehen wollen, hatte die Herzoginmutter zwar Erkundefrühling rufen lassen, aber Willkommensfrühling [44] hatte sie behandelt, als gäbe es sie gar nicht. Deshalb war Dame Hsing schon längst verärgert und missmutig, ohne dass sie es auch nur hätte zeigen dürfen. Außerdem war Dame Hsing von kleinen Leuten umgeben, die ihre Missgunst und ihren Groll nicht zu äußern wagten und deshalb nur im Verborgenen Gerüchte in Umlauf setzten, Reibereien verursachten und bemüht waren, ihre Herrin aufzustacheln. Anfangs hatten sie sich nur über die Sklaven aus dem anderen Haushalt beklagt, dann waren sie allmählich auch über Phönixglanz hergezogen. „Sie schmeichelt sich nur bei der alten gnädigen Frau ein, um Macht zu gewinnen und für ihr eigenes Glück zu sorgen", sagten sie. „Der junge Herr Lián aber wird von ihr gegängelt, und die zweite gnädige Frau wird von ihr aufgehetzt, damit sie Euch als der eigentlichen gnädigen Frau den schuldigen Respekt verweigert." Zu guter Letzt hatten sie sich sogar an Dame König herangewagt und behauptet: „Dass die alte gnädige Frau Euch nicht mag, liegt nur daran, dass sie von der zweiten gnädigen Frau und von der Frau des zweiten jungen Herrn gegen Euch aufgehetzt wird." Mochte Dame Hsing auch ein Herz aus Eisen und eine Galle aus Bronze haben – sie war und blieb doch eine Frau, und so waren ihre Gedanken unvermeidlich nicht ganz frei von Missgunst. Darum war Phönixglanz ihr in jüngster Zeit zutiefst verhasst, und als sie jetzt von dem neuesten Vorfall erfuhr, fragte sie nicht viel danach, wer im Recht war und wer im Unrecht, und sagte nichts weiter dazu. Am nächsten Morgen, als Dame Hsing in aller Frühe hinüberging, um der Herzoginmutter ihren Gruß zu entbieten, war bereits die ganze Sippe versammelt und hatte Platz genommen, um die Theatervorführung zu sehen. Die Herzoginmutter war in bester Laune, und weil heute niemand von der entfernteren Verwandtschaft anwesend war, sondern nur die Kinder und Kindeskinder aus der eigenen Sippe, erschien sie in bequemer Kleidung und alltäglichem Schmuck, um in der Halle die Geburtstagsgrüße zu empfangen. Mitten im Raum stand eine einzige Ruhebank, komplett mit Kissen, Polstern und Fußbank versehen. Darauf machte es sich die Herzoginmutter bequem. Rings um die Ruhebank standen gleichartige niedrige Schemel, auf denen die Mädchen Schatzspange, Schatzharfe, Kajaljade, Wolkenmädchen, Willkommensfrühling, Erkundefrühling und Bedauerfrühling [45] sie umgaben. Kaufmann Biàns [46] Mutter hatte auch ihre Tochter Xiluan [47] mitgebracht, ebenso Qiong Kaufmanns Mutter ihre Tochter Sijie [48], und weitere Großnichten der Herzoginmutter aus anderen Zweigen der Sippe waren ebenfalls da, insgesamt an die zwanzig Mädchen verschiedenen Alters. Aber die Herzoginmutter fand nur an Xiluan und Sijie Gefallen, die hübsch gewachsen waren und sich in Redeweise und Betragen von der Menge abhoben, weshalb sie den beiden befahl, näher zu kommen und sich bei ihr vor der Ruhebank zu setzen. Schatzjade aber saß mit auf der Ruhebank zu Füßen der Herzoginmutter und klopfte ihr die Beine. Am Ehrentisch war Tante Schnee [49] platziert, zu beiden Seiten aber saß die gesamte weibliche Verwandtschaft in der Reihenfolge der Familienzweige und Generationen. Außerhalb der Bambusvorhänge saßen im Säulengang beiderseits vor der Halle die männlichen Sippenangehörigen, ebenfalls nach der Rangfolge geordnet. Zuerst entboten die weiblichen Gäste gruppenweise den zeremoniellen Gruß, dann erst die männlichen. Die Herzoginmutter lehnte derweilen lässig auf ihrer Ruhebank, und ehe sie durch jemanden sagen ließ: „Ihr könnt auf die Zeremonie verzichten!", hatten schon alle den Gruß vollzogen. Anschließend waren unter Lai Das Führung die Männer vom Gesinde an der Reihe, und sie knieten vom Zeremonialtor bis vor die Halle. Nachdem alle ihre Stirnaufschläge gemacht hatten, folgten die Sklavenfrauen, dann die Sklavenmädchen aus den einzelnen Wohngebäuden. Das Ganze dauerte so lange wie zwei, drei Mahlzeiten. Als Nächstes wurden zahlreiche Käfige mit Vögeln gebracht, denen dann im Hof die Freiheit gegeben wurde. Und als Begnadigung Kaufmann mit seinen Helfern zusammen das Opfergeld für den Himmel, für die Erde und für den Stern der Langlebigkeit [50] verbrannt hatte, begannen das Theaterspiel und das Weintrinken. In ihre Räume zog sich die Herzoginmutter nicht vor Ende des Hauptteils der Vorführung zurück, um sich auszuruhen, wobei sie die anderen aufforderte, es sich bequem zu machen. Außerdem beauftragte sie Phönixglanz, sie solle Xiluan und Sijie für ein paar Tage dabehalten, ehe sie wieder nach Hause zurückkehrten. Also ging Phönixglanz hinaus, um mit den Müttern der beiden zu sprechen, und da diese stets Wohltaten von ihr empfangen hatten, bedurfte es kaum eines Wortes. Auch die beiden Mädchen waren gern damit einverstanden, sich im Garten zu vergnügen, und so gingen sie zur Nacht nicht mit fort. Als die Gesellschaft am Abend auseinanderging, trat Dame Hsing vor aller Augen mit lächelnder Miene an Phönixglanz heran und sagte: „Wie ich gehört habe, hast du dich gestern Abend geärgert und hast die Frau des Verwalters Zhou losgeschickt, um zwei alte Frauen in Fesseln legen zu lassen, weil sie irgendetwas verbrochen haben. Eigentlich dürfte ich natürlich nicht für sie bitten, aber ich sage mir, heute hat die alte gnädige Frau ihren Ehrentag, und an einem solchen Tag pflegt jeder, selbst wenn er sonst böse ist, Geld und Reis zu verteilen, um den Armen und Alten zu helfen. Bei uns dagegen fängt man an, die Leute zu quälen. Nicht um meinetwillen, aber um der alten gnädigen Frau willen lass die beiden laufen!" Nachdem sie das gesagt hatte, stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon. Als Phönixglanz diese Worte anhören musste, noch dazu in Gegenwart so vieler Zeugen, wusste sie im ersten Moment vor Scham und Zorn nicht, was sie tun sollte. Blau angelaufen vor unterdrückter Wut, wandte sie den Kopf nach Lai Das Frau und sagte lächelnd: „Was heißt denn das? Weil sich gestern einige unserer Leute gegen meine Schwägerin aus dem anderen Anwesen vergangen haben und ich Angst hatte, sie könnte das übelnehmen, habe ich es einfach ihr überlassen, die beiden auf freien Fuß zu setzen, denn sie hatten sich ja nicht gegen mich vergangen. Wer hat denn da wieder so einen flinken Zuträger gehabt?" Jetzt wollte Dame König wissen, worum es ging, und lächelnd berichtete Phönixglanz über den Vorfall vom vergangenen Tag. „Davon habe ja nicht einmal ich etwas gewusst", erklärte Dame Sonders staunend und lächelte ebenfalls. „Du bist wirklich zu weit gegangen." „Da es um deine Ehre ging, wollte ich, dass du ihnen eine Belehrung erteilst. Das ist nicht mehr, als die Etikette verlangt", verteidigte sich Phönixglanz. „Wenn umgekehrt ich bei euch drüben beleidigt werde, wirst du mir ja den Schuldigen ebenfalls ausliefern, um mir Genugtuung zu geben. Diese Form darf schließlich nicht verletzt werden, egal um was für einen guten Sklaven es sich handelt. Wer weiß, wer da wieder hinübergelaufen ist, um seinen Diensteifer zu beweisen, und jetzt wird eine Staatsaffäre daraus gemacht." „Aber deine Schwiegermutter hat recht", sagte Dame König. „Und schließlich ist auch die Frau deines Vetters Zhēn keine Fremde, so dass diese leeren Förmlichkeiten nicht nötig sind. Das Wichtigste ist, dass die alte gnädige Frau Geburtstag hat, darum müssen die beiden freigelassen werden." Und schon wandte sie den Kopf und befahl jemandem, die beiden alten Sklavenfrauen freizulassen. Ohne dass Phönixglanz es wollte, wurden ihre Empörung und ihre Beschämung immer größer, je länger sie über die Sache nachdachte, doch unversehens verwandelte sich ihr Ärger in Kummer, und schon begannen ihr die Tränen herunterzulaufen. Vor Ärger ging sie in ihre Räume, um sich dort auszuweinen, ohne dass jemand es bemerkte. Aber ausgerechnet jetzt musste die Herzoginmutter Bernstein [51] zu ihr schicken, um auszurichten, sie wolle sie sofort sprechen. Als Bernstein sah, dass Phönixglanz weinte, sagte sie verwundert: „Nanu, was ist Euch denn? Eben war doch noch alles gut. Ihr werdet drüben dringend erwartet." Rasch wischte sich Phönixglanz die Tränen ab, wusch sich das Gesicht, versah es erneut mit Rouge und Puder, und dann erst ging sie mit Bernstein zusammen hinüber. Die Herzoginmutter fragte: „Wie viele Setzschirme waren unter den Geschenken, die ich bekommen habe?" Phönixglanz antwortete: „Insgesamt waren es sechzehn, zwölf große und vier kleine Ofenbettschirme. Erste Qualität war aber nur einer, ein großer aus zwölf Teilen, der von der Familie Zhēn [52] aus dem Süden kam. Auf der einen Seite zeigt er auf dunkelrotem Grund ein Seidenwebbild zum Thema ‚Das ganze Bett voller Amtstafeln' [53], auf der anderen Seite ist mit Blattgold die ‚Hundert-Langlebigkeit-Darstellung' [54] aufgemalt. Ganz annehmbar war ansonsten nur ein gläserner Wandschirm, den die Wus, die Familie des Admirals der Guangdong-See, geschickt haben." „Dann heb mir diese beiden auf und stell sie gut weg – ich werde sie weiterverschenken!" befahl die Herzoginmutter, und Phönixglanz sagte: „Jawohl!" Da trat plötzlich Mandarinenente [55] heran und starrte Phönixglanz unverwandt ins Gesicht, bis die Herzoginmutter fragte: „Warum schaust du sie so an? Kennst du sie nicht mehr?" Lächelnd erwiderte Mandarinenente: „Ich wundere mich nur, dass ihre Augen geschwollen sind, darum habe ich sie angesehen." Als die Herzoginmutter das hörte, ließ sie Phönixglanz näher treten und schaute sie mit zusammengekniffenen Augen ebenfalls an. „Die Augen haben gejuckt, deshalb habe ich sie gerieben, und davon sind sie ein bisschen geschwollen", sagte Phönixglanz lächelnd. „Habt Ihr Euch auch nicht wieder einmal über jemanden ärgern müssen?" fragte Mandarinenente. „Wer würde sich trauen, mich zu ärgern?" fragte Phönixglanz zurück. „Und selbst wenn ich mich geärgert hätte, würde ich an so einem Tag nicht wagen zu weinen." „Eben!" sagte die Herzoginmutter. „Ich will gerade zu Abend essen. Du wirst mir dabei Gesellschaft leisten und isst dann mit Zhēns Frau zusammen, was übrigbleibt. Ihr beide sollt gemeinsam mit den beiden Äbtissinnen hier ‚Buddha-Bohnen' für mich auslesen, damit auch ihr euch ein langes Leben sichern könnt. Neulich haben es die Mädchen zusammen mit Schatzjade gemacht, und heute seid ihr an der Reihe, damit es nicht heißt, ich bevorzugte jemanden." Während sie das sagte, wurde der Tisch als Erstes mit Fastenspeisen gedeckt, die von den beiden Nonnen verzehrt wurden, und dann erst wurden Fleischgerichte aufgetragen. Nachdem die Herzoginmutter sich satt gegessen hatte, wurden die Reste in den Vorraum hinausgetragen. Hier aßen Dame Sonders und Phönixglanz schon, als die Herzoginmutter befahl, man solle auch noch Xiluan und Sijie rufen. Erst als die vier mit dem Essen fertig waren und sich die Hände gewaschen hatten und nachdem Weihrauch angezündet worden war, wurde ein Shēng [56] Bohnen hereingebracht. Die Nonnen sprachen ein Gebet, und anschließend wurden die Bohnen einzeln verlesen und in einen Korb getan, und bei jeder einzelnen Bohne wurde der Name Buddhas angerufen. Am nächsten Tag würde daraus Brei gekocht werden, um an einer Straßenkreuzung an die Passanten verteilt zu werden. Zum Schluss hörte sich die Herzoginmutter, die sich bequem auf ihrem Ruhesitz ausgestreckt hatte, noch ein paar buddhistische Erbauungsgeschichten von Ursache und Vergeltung an, die ihr die beiden Nonnen erzählten. Von Bernstein wusste Mandarinenente inzwischen längst, dass Phönixglanz geweint hatte, und von Friedchen hatte sie sich auch den Grund dafür sagen lassen. Nachdem am Abend alle fort waren, berichtete sie: „Die zweite junge gnädige Frau hat doch geweint. Sie ist vor allen Leuten von der gnädigen Frau des älteren Herrn gekränkt worden." Als die Herzoginmutter nach den näheren Umständen fragte, erzählte Mandarinenente den ganzen Hergang. Darauf sagte die Herzoginmutter: „Daran zeigt sich, dass Phönixglanz weiß, was sich gehört. Kann man denn, nur weil ich Geburtstag habe, zulassen, dass die Sklaven ungestraft sämtliche Herrschaften unserer Sippe beleidigen? Nur weil die gnädige Frau des älteren Herrn immer gleich aufbraust, aber nicht durchzugreifen wagt, wollte sie heute einmal ein Exempel statuieren und hat Phönixglanz absichtlich vor allen Leuten gekränkt..." Während sie das eben sagte, kam Schatzharfe zur Tür herein, und so musste sie das Thema fallenlassen. Stattdessen fragte sie: „Wo warst du?" „Wir haben alle zusammen im Garten bei Schwester Lin [57] geplaudert", gab Schatzharfe Auskunft. Da fiel der Herzoginmutter plötzlich etwas ein, und sofort rief sie eine alte Sklavenfrau herein, um ihr aufzutragen: „Geh in den Garten und schärfe dort allen das Folgende ein: Die beiden Mädchen, die ich zu Besuch hierbehalten habe, sind zwar arm, aber sie sind nichts anderes als die Mädchen unseres Hauses, darum soll sich jedermann aufmerksam um sie kümmern. Ich weiß, dass bei uns Männer und Frauen ‚ein Herz haben, das nur für die Reichen schlägt, und zwei Augen, die nur die Vornehmen sehen'. Darum würden sie die beiden wohl kaum für voll nehmen. Aber wenn es irgendjemand wagt, sie geringzuschätzen, und ich erfahre davon, lasse ich das nicht durchgehen." Als die Alte „Jawohl!" gesagt hatte und eben gehen wollte, erbot sich Mandarinenente: „Ich werde gehen, um das auszurichten. Wer würde auf sie schon hören!" Und mit diesen Worten begab sie sich geradewegs in den Garten. Zuerst ging sie ins Reisduftdorf, aber Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders waren nicht da. Auf Mandarinenentes Frage erklärten die Mägde: „Sie sind beide beim dritten Fräulein." Da machte Mandarinenente kehrt und ging in die Halle des Grüns am Morgen [58]. Tatsächlich fand sie hier alle Gartenbewohnerinnen bei einem fröhlichen Plausch. Als man sie kommen sah, fragten alle lachend: „Was machst du denn um diese Zeit noch hier?" Und man bot ihr einen Platz an. Mandarinenente lachte: „Darf ich nicht auch ein wenig spazieren gehen?" Dann überbrachte sie, was die Herzoginmutter gesagt hatte. Rasch hatte sich Seidenweiß Pflaume erhoben, um die Botschaft stehend anzuhören, und ließ dann aus jedem Gartenhaus eine der verantwortlichen Mägde holen, damit diese es allen zur Kenntnis brachten. Dame Sonders sagte lächelnd: „Die alte gnädige Frau denkt auch wirklich an alles! Wir sind jung und kräftig, aber selbst vereint würden zehn von uns an sie nicht heranreichen." Seidenweiß Pflaume bekräftigte: „Phönixglanz-Mädchen versucht mit seiner Teufelsschläue, ihr Schritt zu halten, aber wir bringen das nicht fertig." Mandarinenente sagte: „Hört auf und lasst sie aus dem Spiel! Sie ist auch nur ein armes Ding. Zwar hat sie sich in all den Jahren vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau kein einziges Mal etwas zuschulden kommen lassen, aber insgeheim hat sie nicht wenige beleidigt. Alles in allem ist es nicht leicht, sich als Mensch zu benehmen. Wenn man zu aufrichtig ist und nicht anpassungsfähig, werfen einem die Schwiegereltern vor, man sei einfältig, und die Hausleute haben keinen Respekt vor einem. Passt man sich aber an, dann macht man es den einen recht und den anderen unrecht. Bei uns im Haus ist es noch besser gekommen. Diese frischgebackenen ‚Herrinnen' mit der Knechtsmarkierung, die alles haben, was ihr Herz begehrt, und schon selbst nicht mehr wissen, was sie wollen – bei der geringsten Unzufriedenheit wetzen sie heimlich die Zunge und stiften Unheil. Nur weil ich Angst habe, es könnte die alte gnädige Frau aufregen, wage ich nicht, ihr auch nur das Geringste zu erzählen. Wenn ich bloß den Mund auftun würde, hätte hier kein Mensch mehr friedliche Tage. Ich dürfte das nicht vor Euch sagen, drittes Fräulein, aber wenn die alte gnädige Frau Schatzjade bevorzugt und heimlich deswegen gegrollt wird, lässt man das noch angehen – es heißt eben, sie habe eine Schwäche für ihn. Aber wenn die alte gnädige Frau Euch bevorzugt, muss ich auch hören, das sei nicht recht. Ist das nicht lachhaft?" Erkundefrühling lächelte: „Dumme Menschen gibt es viele, wie könnte man sie alle ernst nehmen? Das eine sage ich euch: Einfache Leute mit kleiner Familie haben es besser. Sie leben zwar etwas ärmlicher, aber doch höchst vergnüglich, und so geht es allen gut. Leute wie wir leben in großer Familie, und Außenstehende denken, uns Fräuleins, die wir tausend oder zehntausend Liang Silber mitbekommen, müsse es wer weiß wie gut gehen. Wie können sie ahnen, dass es bei uns unsagbaren Kummer gibt und dass es hier schlimmer zugeht als bei ihnen selber!" Schatzjade warf ein: „Nicht jeder macht sich solche unnötigen Sorgen wie du. Immer wieder habe ich dir gesagt: Hör nicht auf das profane Geschwätz und denk auch nicht an diese profanen Dinge, sondern schätze den Reichtum und genieße den Glanz. Das ist das einzig Wahre. Du hast es noch besser als unsereiner, der dieses ungetrübte Glück nicht genießen darf und sich stattdessen dem schmutzigen Getriebe der Welt stellen muss." Dame Sonders hielt ihm entgegen: „Es ist aber auch nicht jeder wie du und macht sich überhaupt keine Gedanken. Du tollst nur mit deinen Schwestern und Kusinen herum. Wenn du Hunger hast, isst du, und wenn du müde bist, schläfst du. Auch in ein paar Jahren wird es mit dir noch genauso sein. Die Zukunft ist dir doch ganz einerlei." Schatzjade lachte: „Ein Tag, den ich mit meinen Schwestern und Kusinen verbringen kann, ist immerhin ein Tag. Wenn ich tot bin, ist es vorbei. Was heißt also Zukunft?" Seidenweiß Pflaume und die anderen sagten lachend: „So ein Unsinn wieder einmal! Nehmen wir an, du machst wirklich keine Karriere und bleibst bis an dein Lebensende hier in der Familie – werden denn die Mädchen auch niemals das Haus verlassen?" Dame Sonders setzte lächelnd hinzu: „Kein Wunder, wenn die Leute sagen, er sei nur dem Äußeren nach erwachsen. Er ist wirklich dumm und töricht." Schatzjade lachte: „Des Menschen Schicksal ist ungewiss. Vielleicht sterbe ich heute oder morgen, dieses oder nächstes Jahr. Aber dann habe ich doch mein Leben nach meinen Wünschen gelebt." „Er redet wieder einmal irre, wir dürfen nicht länger mit ihm streiten!" fielen die anderen ein. „Etwas anderes als Torheiten und Verrücktheiten bekommen wir sowieso nicht von ihm zu hören." Xiluan sagte lachend: „Zweiter Bruder, so darfst du nicht reden! Wenn meine Schwestern wirklich alle verheiratet sind, wird es der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau bestimmt langweilig. Dann komme ich und leiste dir Gesellschaft!" Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders lachten: „Fängst du auch an, Unsinn zu schwatzen? Wirst du etwa nicht heiraten? Wen willst du einlullen mit diesen Worten?" Daraufhin ließ Xiluan den Kopf sinken. Da schon die Nachtwache geschlagen wurde, ging jeder in seine Räume, um sich schlafen zu legen. Von den einzelnen Personen soll hier nicht weiter die Rede sein. Mandarinenente machte sich auf den Rückweg und kam gerade zum Gartenausgang, als sie dort eines der Nebentore nur angelehnt fand und den Türbalken noch nicht vorgelegt. Um diese Zeit war im Garten niemand mehr unterwegs, lediglich aus der Wachstube leuchtete abgeblendeter Lampenschein, und der Himmel war vom schwachen Halbmond nur matt beleuchtet. Mandarinenente hatte keine Begleiterin bei sich und auch keine Laterne. Allein, mit leichtem Schritt, wurde sie von den Nachtwachen nicht bemerkt. Da sie ein kleines Bedürfnis hatte, verließ sie den gepflasterten Weg und ging über den Rasen auf einen mächtigen Kassiabaum hinter den künstlichen Felsen zu, der einen breiten Schatten warf. Kaum war sie um den Felsvorsprung gebogen, hörte sie plötzlich das Rascheln von Kleidern, was ihr einen gewaltigen Schreck einjagte. Bei näherem Hinsehen bemerkte sie zwei Gestalten, die sich, als sie sich entdeckt sahen, zwischen den Bäumen und Sträuchern verstecken wollten. Aber Mandarinenente hatte scharfe Augen und erkannte im Mondlicht an dem roten Rock, dem losen Haarknoten und der großen, kräftigen Figur, dass eine der beiden Gestalten Siqi [59] sein musste, die in Yingchuns Räumen diente. Mandarinenente nahm an, Siqi habe mit einem anderen Mädchen hier dasselbe Geschäft wie sie verrichten wollen und sich nun, als sie sie gesehen hatte, absichtlich versteckt, um ihr aus Schabernack einen Schreck einzujagen. Darum rief sie lachend: „Siqi, wenn du nicht sofort vorkommst, sondern mich erschreckst, dann schreie ich um Hilfe und lasse dich als Einbrecher festnehmen! So ein großes Mädchen und muss noch Tag und Nacht kindische Spiele treiben, ohne je genug zu bekommen!" Mandarinenentes Worte waren nur als Scherz gemeint. Aber Siqi war ängstlich wie alle Missetäter und glaubte nicht anders, als dass Mandarinenente alles durchschaut hätte. Da sie befürchtete, wenn Mandarinenente riefe, würden alle davon erfahren, und weil andererseits Mandarinenente ihr gegenüber stets freundlich und gütig gewesen war, stürzte sie aus ihrem Versteck hervor, fasste Mandarinenente bei den Händen, ließ sich auf die Knie fallen und flehte: „Bloß nicht rufen, gute Schwester!" Mandarinenente, die keinen Grund für so ein Benehmen sah, half ihr sofort wieder auf und fragte lächelnd: „Was soll denn das heißen?" Da wurde Siqis ganzes Gesicht rot, und Tränen strömten ihr herab. Mandarinenente erinnerte sich plötzlich, dass der zweite Schatten mehr wie der eines jungen Burschen ausgesehen hatte, und konnte sich die Sache schon zu acht oder neun Zehnteln zusammenreimen. Vor Scham wurde sie selbst rot bis über die Ohren, und zugleich bekam sie Angst. Aber sie fasste sich und fragte hastig und leise: „Wer ist er?" Siqi kniete erneut vor ihr nieder und sagte: „Es ist mein Vetter mütterlicherseits." Mandarinenente spuckte aus und schimpfte: „Sterben solltest du dafür!" Siqi wandte den Kopf und rief mit gedämpfter Stimme: „Du brauchst dich nicht mehr zu verstecken. Die Schwester hat dich schon gesehen. Komm schnell heraus und mach einen Kotau vor ihr!" Notgedrungen kam der Sklavenjunge hinter dem Baum hervorgekrochen und begann so eifrig mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen, als stampfe er im Mörser Knoblauch. Eilig wandte sich Mandarinenente ab, aber Siqi klammerte sich an ihr fest und flehte unter Tränen: „Unser Schicksal liegt in deinen Händen, große Schwester! Ich bitte dich nur um eines: Schenk uns das Leben!" „Du kannst unbesorgt sein!" versprach Mandarinenente. „Ich erzähle auf keinen Fall jemandem davon, dann wird es schon in Ordnung gehen." Das hatte sie kaum gesagt, als vom Tor her die Stimme einer Wächterin zu hören war: „Das Fräulein Jin [60] muss schon hinausgegangen sein. Schließen wir also ab!" Mandarinenente, die sich nicht schnell genug aus Siqis Umklammerung losmachen konnte, rief sofort: „Ich bin noch hier drüben! Wartet einen Augenblick, ich komme gleich!" Nach diesen Worten musste Siqi wohl oder übel loslassen und Mandarinenente gehen lassen –
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