Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 85"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 85) |
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ||
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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| + | 第八十五回 | ||
| + | 贾存周报升郎中任 | ||
| + | 薛文起复惹放流刑 | ||
话说赵姨娘正在屋里抱怨贾环,只听贾环在外间屋里发话道:“我不过弄倒了药铞子,洒了一点子药,那丫头子又没就死了,值的他也骂我,你也骂我,赖我心坏,把我往死里糟蹋?等着我明儿还要那小丫头子的命呢!看你们怎么着?只叫他们隄防着就是了。”那赵姨娘赶忙从里间出来,捂住他的嘴,说道:“你还只管信口胡唚,还叫人家先要了你的命呢!”娘儿两个吵了一回。赵姨娘听见凤姐的话,越想越气,也不着人来安慰凤姐一声儿。过了几天,巧姐儿也好了。因此,两边结怨比从前更加一层了。 | 话说赵姨娘正在屋里抱怨贾环,只听贾环在外间屋里发话道:“我不过弄倒了药铞子,洒了一点子药,那丫头子又没就死了,值的他也骂我,你也骂我,赖我心坏,把我往死里糟蹋?等着我明儿还要那小丫头子的命呢!看你们怎么着?只叫他们隄防着就是了。”那赵姨娘赶忙从里间出来,捂住他的嘴,说道:“你还只管信口胡唚,还叫人家先要了你的命呢!”娘儿两个吵了一回。赵姨娘听见凤姐的话,越想越气,也不着人来安慰凤姐一声儿。过了几天,巧姐儿也好了。因此,两边结怨比从前更加一层了。 | ||
一日,林之孝进来回道:“今日是北静郡王生日,请老爷的示下。”贾政吩咐道:“只按向年旧例办了,回大老爷知道,送去就是了。”林之孝答应了,自去办理。 | 一日,林之孝进来回道:“今日是北静郡王生日,请老爷的示下。”贾政吩咐道:“只按向年旧例办了,回大老爷知道,送去就是了。”林之孝答应了,自去办理。 | ||
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刀笔先生——指讼师。 刀笔:古代的两种书写工具。古人在竹简上记事,写错时就用刀刮去重写,故以代指记载文字,又引申为诉讼案牍。语本《战国策·秦策五》:“臣少为秦刀笔,以长官而守小官,未尝为兵首。”这里的“刀笔”是“刀笔吏”的简称,即掌管刑狱的官吏。引申以指包揽词讼、舞文弄法的讼师。 | 刀笔先生——指讼师。 刀笔:古代的两种书写工具。古人在竹简上记事,写错时就用刀刮去重写,故以代指记载文字,又引申为诉讼案牍。语本《战国策·秦策五》:“臣少为秦刀笔,以长官而守小官,未尝为兵首。”这里的“刀笔”是“刀笔吏”的简称,即掌管刑狱的官吏。引申以指包揽词讼、舞文弄法的讼师。 | ||
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| − | + | Fünfundachtzigstes Kapitel | |
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| − | + | Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> wird zum Ministerialrat befördert, | |
| − | + | Becken Schnee provoziert erneut eine Verbannungsstrafe | |
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| − | + | Wie berichtet, schimpfte Zhao Yiniang in ihrem Zimmer auf Unheil Kaufmann<ref>Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil/Plage".</ref>, als man aus dem Nebenraum Huans Stimme hörte: „Ich habe doch bloß den Medizintopf umgestoßen und ein bisschen Arznei verschüttet — das Mädchen ist doch nicht daran gestorben! Und trotzdem beschimpft sie mich, und du beschimpfst mich auch; ihr behauptet, ich hätte ein böses Herz, und wollt mich zu Tode quälen! Wartet nur, morgen werde ich der kleinen Göre den Garaus machen! Mal sehen, was ihr dann tut! Die sollen sich nur in Acht nehmen!" Zhao Yiniang stürzte aus dem Innenzimmer und hielt ihm den Mund zu: „Hör auf, solchen Unsinn von dir zu geben — sonst holen die sich noch zuerst deinen Kopf!" Mutter und Sohn zankten eine Weile. Zhao Yiniang war durch Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref>s Worte nur noch wütender geworden und schickte nicht einmal jemanden, um Phönixglanz zu besänftigen. Nach ein paar Tagen wurde Qiaojie wieder gesund. So war der Groll zwischen den beiden Seiten noch um eine Schicht tiefer geworden als zuvor. | |
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| − | + | Eines Tages kam Lin Zhixiao herein und meldete: „Heute ist der Geburtstag des Prinzen von Beijing<ref>Der Prinz von Beijing (北静王): Ein wohlwollender Verbündeter der Kaufmann-Familie am kaiserlichen Hof.</ref>. Bitte um die Anweisungen des gnädigen Herrn." Aufrecht Kaufmann befahl: „Richtet es wie in den Vorjahren her, informiert den Ersten Herrn und lasst es hinschicken." Lin Zhixiao sagte „Ja" und ging, alles vorzubereiten. | |
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| − | + | Kurz darauf kam Begnadigung Kaufmann herüber und besprach sich mit Aufrecht Kaufmann; sie nahmen Herrlichkeit Kaufmann<ref>Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit".</ref>, Kette Kaufmann<ref>Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale".</ref> und Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> mit, um dem Prinzen von Beijing zum Geburtstag zu gratulieren. Die anderen waren gleichmütig, doch Schatzjade, der des Prinzen edle Erscheinung und würdevolles Auftreten seit jeher bewunderte, konnte es kaum erwarten, ihn wiederzusehen. Eilig wechselte er die Kleider und fuhr mit den anderen zur Residenz des Prinzen. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann reichten ihre Visitenkarten ein und warteten auf die Einladung. | |
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| − | + | Bald kam ein Eunuch heraus, der eine Gebetskette zwischen den Fingern drehte. Als er Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann sah, lachte er: „Wie geht es den beiden Herren?" Beide erwiderten eilig den Gruß, und die drei jüngeren Verwandten grüßten ebenfalls. Der Eunuch sagte: „Der Prinz bittet herein." So folgten die fünf dem Eunuch in die Residenz. Nach zwei Torbögen und um eine Halle herum erreichten sie das innere Palasttor. Am Tor blieben alle stehen; der Eunuch ging allein hinein, um den Prinzen zu melden. Die kleinen Eunuchen am Tor begrüßten sie respektvoll. | |
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| − | + | Bald kam der Eunuch zurück und sagte nur: „Bitte." Die fünf folgten ehrerbietig. Der Prinz von Beijing, im Festgewand, empfing sie bereits unter dem Säulengang am Hallentor. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann traten als Erste vor zur Begrüßung, danach Zhen, Lian und Schatzjade. Der Prinz nahm Schatzjade gesondert bei der Hand und sagte: „Ich habe dich lange nicht gesehen und oft an dich gedacht." Dann fragte er lachend: „Ist dein Jadestein wohl?" Schatzjade verneigte sich halb und antwortete: „Dank der Gnade Eurer Hoheit ist alles wohl." Der Prinz sagte: „Da du heute hier bist, habe ich leider keine besonderen Delikatessen, aber wir können miteinander plaudern." Eunuchen hoben den Vorhang. Der Prinz sagte „Bitte", ging aber selbst zuerst hinein, und Begnadigung Kaufmann und die anderen folgten in gebückter Haltung. Begnadigung Kaufmann bat den Prinzen, ihre Verbeugung anzunehmen; der Prinz sprach bescheidene Worte. Begnadigung Kaufmann aber kniete bereits nieder, und nach ihm verbeugten sich Aufrecht Kaufmann und die anderen der Reihe nach. | |
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| − | + | Begnadigung Kaufmann und die anderen zogen sich ehrerbietig zurück. Der Prinz wies die Eunuchen an, sie bei den übrigen Gästen unterzubringen und gut zu bewirten. Nur Schatzjade behielt er bei sich zum Gespräch und bot ihm einen Sitzplatz an. Schatzjade dankte mit einem Kniefall, setzte sich auf ein besticktes Kissen an der Tür und sprach mit dem Prinzen über Studien und Aufsatzschreiben. Der Prinz zeigte sich sehr wohlwollend und ließ ihm Tee reichen. Dann sagte er: „Gestern erschien der Provinzgouverneur Wu zur kaiserlichen Audienz und erwähnte deinen Herrn Vater. Während seiner Amtszeit als Bildungsintendant habe er stets gerecht gehandelt, und alle Kandidaten hätten ihn zutiefst respektiert. Bei der Audienz habe auch der Kaiser danach gefragt, und Wu habe ihn wärmstens empfohlen — ein glücksverheißendes Zeichen für deinen Herrn Vater." Schatzjade stand sofort auf, hörte den Bericht bis zum Ende an und antwortete erst dann: „Dies verdanken wir der Gnade Eurer Hoheit und der Güte des Herrn Wu." | |
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| − | + | Da meldete ein kleiner Eunuch: „Draußen danken die Herren und Beamten dem Prinzen für das Festbankett." Er reichte die Dankeskarten und Grüße herein. Der Prinz warf einen kurzen Blick darauf und gab sie dem Eunuchen zurück; lächelnd sagte er: „Ich habe verstanden — sagt ihnen Dank für die Mühe." Der Eunuch fügte hinzu: „Das Sonderessen, das der Prinz für Schatzjade angeordnet hat, ist bereit." Der Prinz befahl dem Eunuchen, Schatzjade in einen besonders hübschen kleinen Hof zu führen, wo er in Begleitung speiste. Anschließend kehrte Schatzjade zurück und dankte. Der Prinz sprach noch einige freundliche Worte und sagte dann lachend: „Als ich neulich deinen Jadestein sah, fand ich ihn reizvoll. Zu Hause habe ich nach dem Muster einen anfertigen lassen. Da du heute hier bist, nimm ihn doch gleich als Spielzeug mit." Er ließ einen kleinen Eunuchen das Stück holen und reichte es Schatzjade persönlich. Schatzjade nahm es ehrfürchtig entgegen, dankte noch einmal und zog sich zurück. Der Prinz ließ zwei kleine Eunuchen ihn hinausgeleiten, und er fuhr mit Begnadigung Kaufmann und den anderen nach Hause zurück. Begnadigung Kaufmann begrüßte die Herzoginmutter und ging dann seines Weges. | |
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| − | + | Aufrecht Kaufmann begrüßte mit seinen drei Begleitern die Großmutter und berichtete, wen sie in der Residenz getroffen hatten. Schatzjade erzählte Aufrecht Kaufmann auch von Gouverneur Wus Empfehlung bei der Audienz. Aufrecht Kaufmann sagte: „Dieser Herr Wu ist ein alter Bekannter, ein Mann unseres Schlages und von aufrechtem Charakter." Nach ein paar weiteren Worten sagte die Herzoginmutter: „Geht euch ausruhen." | |
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| − | + | Aufrecht Kaufmann ging hinaus; Zhen, Lian und Schatzjade folgten ihm bis zur Tür. Aufrecht Kaufmann sagte: „Geht alle zurück und leistet der Großmutter Gesellschaft." Damit zog er sich in sein Zimmer zurück. Kaum hatte er sich gesetzt, kam ein kleines Mädchen und meldete: „Draußen bittet Lin Zhixiao den gnädigen Herrn um ein Wort." Dabei überreichte sie eine rote Visitenkarte mit dem Namen des Gouverneurs Wu. Aufrecht Kaufmann verstand, dass Wu einen Besuch abstattete, und ließ Lin Zhixiao hereinrufen. Aufrecht Kaufmann ging unter das Vordach, und Lin Zhixiao meldete: „Heute hat der Gouverneur Wu seinen Besuch gemacht; ich habe ihn empfangen. Außerdem habe ich erfahren, dass im Ministerium für Öffentliche Arbeiten ein Posten als Ministerialrat frei geworden ist, und sowohl draußen als auch im Ministerium heißt es, der gnädige Herr stehe auf der Vorschlagsliste." Aufrecht Kaufmann sagte: „Abwarten." Lin Zhixiao berichtete noch einige Dinge und ging dann. | |
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| − | + | Zhen, Lian und Schatzjade gingen zurück. Nur Schatzjade ging zur Großmutter und erzählte ausführlich, wie der Prinz ihn behandelt hatte. Er zeigte auch den nachgemachten Jadestein vor, und alle besahen ihn lachend. Die Herzoginmutter ließ ihn aufbewahren: „Heb ihn gut auf und verlier ihn nicht." Dann fragte sie: „Deinen eigenen Stein trägst du doch ordentlich, ja? Verwechsle die beiden nicht." Schatzjade nahm seinen eigenen vom Hals und sagte: „Hier ist meiner — den verliere ich doch nicht! Die beiden sind so verschieden, wie soll man sie verwechseln? Aber ich wollte der Großmutter etwas erzählen: Neulich abends, als ich schlafen ging und den Stein abnahm und im Betthimmel aufhängte, hat er plötzlich geleuchtet! Der ganze Betthimmel war rot." die Herzoginmutter sagte: „Schon wieder Unsinn! Die Ränder des Betthimmels sind rot, und das Kerzenlicht lässt sie leuchten — natürlich sieht es rot aus." Schatzjade sagte: „Nein! Die Lampe war schon aus, das ganze Zimmer pechschwarz — und trotzdem konnte man ihn sehen!" Xing Furen und Wang Furen lächelten hinter vorgehaltener Hand. Phönixglanz sagte: „Das ist das Vorzeichen einer frohen Botschaft." Schatzjade fragte: „Was für eine frohe Botschaft?" die Herzoginmutter sagte: „Das verstehst du nicht. Heute war ein langer Tag — geh dich ausruhen und rede hier keinen Unsinn mehr." Schatzjade blieb noch einen Moment stehen und kehrte dann in den Garten zurück. | |
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| + | Hier fragte die Herzoginmutter: „Übrigens — habt ihr Tante Schnee<ref>Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses".</ref> besucht und die Sache angesprochen?" Wang Furen antwortete: „Wir wollten schon längst hingehen, doch weil Phönixglanz wegen Qiaojies Krankheit verhindert war, haben wir es zwei Tage aufgeschoben und sind erst heute gegangen. Wir haben es ihr erzählt; die Tante war durchaus einverstanden, sagte nur, Pan sei gerade nicht zu Hause, und da der Vater gestorben sei, müsse sie es mit ihm besprechen, ehe man weitergehe." die Herzoginmutter sagte: „Das sind vernünftige Worte. Dann soll vorerst niemand davon sprechen. Warten wir, bis drüben alles besprochen ist." | ||
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| + | Genug von den Heiratsgesprächen der Herzoginmutter. Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück und erzählte Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".</ref>: „Die Großmutter und Schwester Phönixglanz haben vorhin so vieldeutig gesprochen — ich weiß nicht, was sie meinten." Dufthauch dachte nach und lächelte: „Das kann ich auch nicht erraten. Aber sag — war das Fräulein Lin dabei, als die Rede darauf kam?" Schatzjade sagte: „Das Fräulein Lin hat gerade eine Krankheit hinter sich — sie war in letzter Zeit gar nicht bei der Großmutter." Während sie sprachen, hörte man nebenan Moschusmond<ref>Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".</ref> und Herbstmuster streiten. Dufthauch fragte: „Was zankt ihr schon wieder?" Moschusmond sagte: „Wir haben Karten gespielt. Wenn sie gewonnen hat, kassiert sie mein Geld; wenn sie verloren hat, will sie nicht zahlen. Und dann hat sie mir auch noch mein ganzes Geld weggenommen!" Schatzjade lachte: „Ein paar Kupfer — was macht das schon? Ihr Dummköpfe, hört auf damit!" Beide setzten einen Schmollmund auf und trollten sich. Dufthauch brachte Schatzjade ins Bett. | ||
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| + | Dufthauch aber wusste nach Schatzjades Worten sehr wohl, dass es um eine Verlobung für Schatzjade ging. Da sie fürchtete, dass er wieder in seine Schwärmereien verfiel und wer weiß was für unsinnige Reden von sich gäbe, tat sie unwissend. Doch im Stillen war dies die Sache, die sie am meisten beschäftigte. Nachts, im Bett liegend, fasste sie einen Plan: „Am besten gehe ich zu Purpurkuckuck<ref>Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".</ref> und schaue, ob sie etwas weiß." | ||
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| + | Am nächsten Morgen schickte sie Schatzjade in die Schule, richtete sich selbst her und schlenderte zum Xiaoxiang-Pavillon. Purpurkuckuck war gerade dabei, Blumen zu pflücken. Als sie Dufthauch kommen sah, lachte sie: „Schwester, komm herein und setz dich." Dufthauch fragte: „Was pflückst du da? Wo ist das Fräulein?" Purpurkuckuck sagte: „Das Fräulein hat sich gerade gewaschen und wartet darauf, dass ihre Medizin warm wird." Während sie sprach, gingen beide hinein. Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> saß da und las ein Buch. Dufthauch lächelte: „Kein Wunder, dass das Fräulein sich so anstrengt — kaum aufgestanden, schon beim Lesen! Wenn unser Zweiter Herr Bao so fleißig lesen würde wie das Fräulein, das wäre herrlich!" Kajaljade legte lächelnd das Buch beiseite. Schneegans kam mit einem kleinen Tablett, darauf ein Schälchen Medizin und ein Glas Wasser; ein kleines Mädchen folgte mit Spucknapf und Spülschale. | ||
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| + | Dufthauch war eigentlich gekommen, um Kajaljades Stimmung zu erkunden, fand aber keinen Anknüpfungspunkt. Dann überlegte sie, dass Kajaljade überaus feinfühlig war — wenn sie ungeschickt forschte und sie verletzte, wäre das schlimm. Nach kurzem Sitzen verabschiedete sie sich mit einer Ausrede. Kurz vor dem Tor des Hofes der Roten Freude sah sie zwei Personen dastehen und hielt inne. Eine von ihnen hatte sie schon bemerkt und lief herbei — es war Chuyao. Dufthauch fragte: „Was machst du hier?" Chuyao sagte: „Eben kam der Zweite Herr Yun mit einem Brief, den er unserem Zweiten Herrn Bao zeigen wollte, und wartet auf Antwort." Dufthauch sagte: „Der Zweite Herr Bao geht jeden Tag in die Schule — weißt du das nicht? Was wartest du noch?" Chuyao grinste: „Ich hab es ihm gesagt, aber er meinte, er solle es dem Fräulein ausrichten und auf deren Antwort warten." | ||
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| + | Dufthauch wollte gerade etwas sagen, als die zweite Person langsam heranschlenderte — es war Efeu Kaufmann, der linkisch auf sie zukam. Dufthauch erkannte ihn und sagte schnell zu Chuyao: „Sag ihm Bescheid; wenn der Zweite Herr zurückkommt, zeig es ihm." Efeu Kaufmann hatte eigentlich mit Dufthauch reden wollen — aus dem Wunsch nach Nähe –, wagte es aber nicht, voreilig zu sein, und ging daher langsam. Als er nahe genug war, sprach Dufthauch schon diese Worte, und er konnte schlecht näherkommen. Dufthauch hatte sich schon umgedreht und ging zurück. Efeu Kaufmann musste enttäuscht abziehen und verließ mit Chuyao das Anwesen. | ||
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| + | Am Abend, als Schatzjade zurückkam, berichtete Dufthauch: „Heute kam der kleine Yun Zweiter in die Galerie." Schatzjade fragte: „Was wollte er?" Dufthauch: „Er hatte einen Brief." Schatzjade: „Wo ist er? Lass mich sehen." Moschusmond holte ihn vom Bücherregal im Innenzimmer. Schatzjade las die Aufschrift: „Ehrerbietige Zuschrift an den Onkel." Schatzjade sagte: „Seit wann erkennt der Junge mich nicht mehr als Vater an?" Dufthauch: „Wie meinst du?" Schatzjade: „Vor zwei Jahren, als er mir die weißen Begonien brachte, nannte er mich ‚Vater'; jetzt schreibt er ‚Onkel' — erkennt er mich etwa nicht mehr an?" Dufthauch: „Er schämt sich nicht, und du schämst dich auch nicht! Er ist so groß und erkennt dich, so klein wie du bist, als Vater an — das ist doch schamlos. Du hast ja nicht einmal …" Dabei errötete sie und lächelte leicht. Schatzjade merkte es und sagte: „Das ist allerdings schwierig. Wie das Sprichwort sagt: ‚Der Mönch hat keine Kinder, und doch hat er viele fromme Söhne.' Ich fand ihn einfach pfiffig und sympathisch, deshalb habe ich es zugelassen. Wenn er nicht will — mir liegt auch nichts daran." Damit öffnete er den Brief. Dufthauch lachte: „Dieser kleine Yun hat was Hinterlistiges — mal will er Leute sehen, mal versteckt er sich — kein ehrlicher Charakter!" | ||
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| + | Schatzjade las nur den Brief und beachtete Dufthauchs Worte nicht. Dufthauch sah, wie er bald die Stirn runzelte, bald lächelte, bald den Kopf schüttelte und schließlich ungeduldig wurde. Als er fertig gelesen hatte, fragte sie: „Was steht drin?" Schatzjade antwortete nicht und riss den Brief in Stücke. Dufthauch wagte bei diesem Anblick nicht weiterzufragen und sagte nur: „Willst du nach dem Essen noch lesen?" Schatzjade sagte: „Dieser Yun ist ein hoffnungsloser Fall!" Dufthauch bemerkte, dass seine Antwort gar nicht zur Frage passte, und fragte lächelnd: „Was war es denn?" Schatzjade: „Ach, vergiss ihn! Lass uns essen. Danach gehe ich schlafen — mir ist ganz unruhig zumute." Dann rief er ein kleines Mädchen, das ihm Feuer brachte, und verbrannte die zerrissenen Papierstücke. | ||
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| + | Man deckte auf. Schatzjade saß nur starr da. Dufthauch überredete und lockte ihn, bis er ein paar Bissen aß und dann aufhörte. Trübsinnig legte er sich aufs Bett. Plötzlich liefen ihm Tränen übers Gesicht. Dufthauch und Moschusmond wussten nicht, was sie davon halten sollten. Moschusmond sagte: „Eben war noch alles in Ordnung — und jetzt das! Wegen irgendeinem Yun und seinem albernen Brief, von dem niemand weiß, wovon er handelt, benimmt er sich wie ein Narr — bald weint er, bald lacht er. Wenn das so weitergeht, wie soll man das aushalten?" Dabei wurde auch sie traurig. Dufthauch konnte sich das Lachen kaum verkneifen und beschwichtigte: „Gute Schwester, ärger ihn nicht noch mehr. Einer reicht schon. Hat denn der Briefinhalt etwas mit dir zu tun?" Moschusmond empörte sich: „Red keinen Unsinn! Woher weißt du, was für Unsinn in dem Brief stand? Zieh das nicht auf andere! Wenn schon, dann hat der Brief eher mit dir zu tun!" Noch ehe Dufthauch antworten konnte, lachte Schatzjade vom Bett her laut auf, richtete sich auf, schüttelte seine Kleider und sagte: „Lasst uns schlafen. Hört auf zu streiten — morgen muss ich früh aufstehen zum Lernen." Damit legte er sich hin und schlief ein. Die Nacht verging ohne Zwischenfälle. | ||
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| + | Am nächsten Morgen stand Schatzjade auf, richtete sich her und machte sich auf den Weg zur Schule. Am Hoftor fiel ihm plötzlich etwas ein. Er bat Beiming zu warten, eilte zurück und rief: „Schwester Moschusmond!" Moschusmond kam heraus: „Warum bist du zurück?" Schatzjade sagte: „Wenn Yun heute kommt, sag ihm, er soll hier keinen Unsinn machen. Sonst melde ich es der Großmutter und dem Vater." Moschusmond sagte „Ja", und Schatzjade ging. Kaum war er draußen, kam Efeu Kaufmann aufgeregt hereingestürmt. Als er Schatzjade sah, begrüßte er ihn eilig: „Onkel, ich gratuliere!" Schatzjade dachte, es ginge um die gestrige Sache, und sagte: „Du bist wirklich zu voreilig. Ohne Rücksicht darauf, ob jemand Sorgen hat oder nicht, kommst du einfach hereingeplatzt." Efeu Kaufmann lachte verbindlich: „Onkel glaubt es nicht? Geh nur und schau — die Leute sind schon da, vor unserer Hauptpforte!" Schatzjade wurde immer aufgeregter: „Wovon redest du?" | ||
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| + | In diesem Moment erhob sich draußen ein Geschrei. Efeu Kaufmann sagte: „Hörst du, Onkel? Das sind sie!" Schatzjade war immer verwirrter. Eine Stimme rief: „Ihr Leute habt keine Manieren! Was ist das für ein Ort, dass ihr hier so herumbrüllt!" Eine andere antwortete: „Wer kann denn etwas dafür, dass der gnädige Herr befördert worden ist? Natürlich kommen wir gratulieren! Andere Familien wünschen sich so einen Anlass und bekommen ihn nicht!" Da verstand Schatzjade: Aufrecht Kaufmann war zum Ministerialrat befördert worden, und die Leute kamen, um Glückwünsche zu überbringen. Erfreut wollte er eilen, doch Efeu Kaufmann rief ihm nach: „Freut sich der Onkel? Wenn dann auch noch die Verlobung zustande kommt, ist es ein doppeltes Glück!" Schatzjade wurde rot und spuckte aus: „Pfui! Du unverschämter Kerl! Mach, dass du fortkommst!" Efeu Kaufmann errötete: „Was ist denn dabei? Ich sehe doch, dass der Herr Onkel …" Schatzjade blickte finster: „Was sieht er?" Efeu Kaufmann brach den Satz ab und wagte nicht weiterzureden. | ||
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| + | Schatzjade eilte in die Hausschule. Dairu lachte ihn an: „Ich habe gerade gehört, dass dein Herr Vater befördert wurde — und du bist trotzdem gekommen?" Schatzjade erwiderte höflich: „Ich bin nur kurz hereingekommen, um den Großonkel zu begrüßen, und gehe dann zum Herrn Vater." Dairu sagte: „Heute brauchst du nicht hierher — ich gebe dir einen Tag frei. Aber geh nicht in den Garten zum Spielen. Du bist kein Kind mehr; wenn du auch noch nicht viel ausrichten kannst, solltest du deinen älteren Cousins folgen und von ihnen lernen." | ||
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| + | Schatzjade sagte „Ja" und ging zurück. Am zweiten Tor empfing ihn Li Gui lachend: „Da ist der Zweite Herr! Ich wollte gerade in die Schule, um Euch abzuholen." Schatzjade fragte: „Wer hat dich geschickt?" Li Gui antwortete: „Die Alte Ahnin hat jemanden in den Garten geschickt, um den Zweiten Herrn zu suchen; die Mädchen dort sagten, er sei in der Schule. Die Alte Ahnin hat mich losgeschickt, um Euch ein paar Tage freizunehmen. Es soll auch Theater gespielt werden zur Feier. Und da seid Ihr schon!" Schatzjade ging hinein. Im ganzen Hof trugen Mädchen und Dienerinnen strahlende Gesichter; als sie ihn sahen, lachten sie: „Da kommt der Zweite Herr endlich! Geht schnell hinein und gratuliert der Alten Ahnin!" | ||
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| + | Schatzjade trat lachend ein. Kajaljade saß links neben die Herzoginmutter, rechts Xiangfluss-Wolke<ref>Xiangfluss-Wolke: Chin. 湘云 Xiāngyún, wörtl. „Wolke des Xiang-Flusses".</ref>; auf dem Boden standen Xing Furen und Wang Furen. Erkundefrühling<ref>Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling".</ref>, Bedauerfrühling<ref>Bedauerfrühling: Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrter Frühling".</ref>, Seidenweiß Pflaume<ref>Seidenweiß Pflaume: Chin. 李纨 Lǐ Wán, wörtl. „Frau im Schleiertuch".</ref>, Phönixglanz, Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume, Höhlennebel Strafe und alle Schwestern waren im Zimmer — nur Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.</ref>, Kostbarzither Schnee und Willkommensfrühling<ref>Willkommensfrühling: Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommener Frühling".</ref> fehlten. Schatzjade war so glücklich, dass ihm die Worte fehlten. Er gratulierte eilig der Großmutter, dann Xing und Wang Furen und begrüßte alle Schwestern der Reihe nach. Dann wandte er sich lächelnd an Kajaljade: „Wie geht es der Schwester? Viel besser?" Kajaljade lächelte leicht: „Viel besser. Ich hörte, auch dem Zweiten Bruder war unwohl — ist er genesen?" Schatzjade sagte: „Ja, neulich nachts hatte ich plötzlich Herzschmerzen. In den letzten Tagen bin ich gerade wieder in die Schule gegangen und konnte nicht bei der Schwester vorbeischauen." Noch ehe er ausgesprochen hatte, wandte Kajaljade sich schon um und begann ein Gespräch mit Erkundefrühling. | ||
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| + | Phönixglanz stand daneben und lachte: „Ihr zwei benehmt euch, als wärt ihr nicht jeden Tag zusammen! Wie Gäste, so voller Höflichkeitsfloskeln — das ist wohl das, was man ‚sich gegenseitig wie Gäste achten' nennt." Alle lachten. Kajaljade wurde knallrot; sie wollte etwas sagen und wollte auch nichts sagen. Nach einem Moment brachte sie heraus: „Du verstehst gar nichts!" Das Gelächter wurde noch lauter. | ||
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| + | Phönixglanz merkte zu spät, dass ihre Worte unüberlegt waren. Gerade wollte sie ablenken, als Schatzjade plötzlich zu Kajaljade sagte: „Schwester Lin, stell dir vor, dieser vorlaute Yun …" Kaum hatte er den Satz begonnen, bemerkte er seinen Fehler und verstummte. Alle lachten wieder: „Wie kommt er denn jetzt darauf?" Kajaljade verstand es auch nicht und lächelte verlegen mit. Schatzjade suchte nach einem Gesprächsthema und fragte: „Vorhin hörte ich, dass jemand eine Theatervorstellung schenken will — für wann?" Alle sahen ihn belustigt an. Phönixglanz sagte: „Du hast es doch draußen gehört — warum fragst du uns?" Schatzjade nutzte die Gelegenheit: „Dann gehe ich hinaus und erkundige mich." die Herzoginmutter sagte: „Lauf nicht nach draußen: Erstens werden die Gratulanten dich auslachen; zweitens kommt dein Vater heute Abend in bester Stimmung zurück, und wenn er dich sieht, wird er wieder böse." Schatzjade sagte „Ja" und ging hinaus. | ||
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| + | Hier fragte die Herzoginmutter Phönixglanz: „Wer hat von einer Theatervorstellung gesprochen?" Phönixglanz antwortete: „Vom Haus des Zweiten Onkels heißt es, übermorgen sei ein günstiger Tag, und man wolle eine neue, junge Theatertruppe schicken, um der Alten Ahnin und dem gnädigen Herrn zu gratulieren." Dann lachte sie: „Nicht nur ist es ein günstiger Tag — es ist auch ein guter Tag: Übermorgen ist nämlich noch …" Dabei blickte sie lächelnd zu Kajaljade. Kajaljade lächelte ebenfalls. Wang Furen sagte: „Genau! Übermorgen ist auch der Geburtstag der Nichte!" die Herzoginmutter überlegte und lachte: „Man sieht, wie alt und vergesslich ich geworden bin! Zum Glück habe ich meine Phönixglanz als ‚Zeremonienmeisterin'. Da trifft sich alles wunderbar: Sein Onkel feiert ihn und die Beförderung, und dein Onkel richtet dir deinen Geburtstag aus — ist das nicht großartig!" Alle lachten und sagten: „Was immer die Alte Ahnin sagt, klingt wie aus einem gelehrten Buch — kein Wunder, dass sie so großes Glück hat!" Da kam Schatzjade herein; als er dies hörte, hüpfte er vor Freude. | ||
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| + | Man speiste gemeinsam bei der Herzoginmutter — es war ein fröhliches Mahl, das keiner weiteren Beschreibung bedarf. Nach dem Essen kehrte Aufrecht Kaufmann von der Dankzeremonie zurück, verneigte sich im Ahnentempel und kam dann, um vor der Herzoginmutter niederzuknien. Nach ein paar Worten im Stehen ging er hinaus, um Besucher zu empfangen. | ||
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| + | In den folgenden Tagen kamen und gingen Verwandte und Clanmitglieder unablässig; Wagen und Pferde füllten die Straße, Würdenträger drängten sich im Saal. Wahrhaftig: | ||
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| + | Wenn die Blume in voller Pracht steht, schwärmen Bienen und Schmetterlinge; | ||
| + | Wenn der Mond im Vollglanz leuchtet, weitet sich Himmel und Meer. | ||
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| + | So vergingen zwei Tage, und der Festtag war gekommen. Am frühen Morgen hatte König Zisheng mit Verwandten bereits eine Theatertruppe geschickt. Vor der Herzoginmutter Haupthalle wurde eine Bühne errichtet. Draußen saßen die Herren in Amtsgewändern bei ihren Gästen; an die zehn Tische mit Festmahl waren für die Gratulanten aufgedeckt. Drinnen, da es eine neue Truppe war und die Herzoginmutter guter Laune war, hatte man hinter der Halle eine gläserne Bühnenwand aufgestellt und ebenfalls Festtafeln gedeckt. Am Ehrenplatz saß Tante Schnee mit Wang Furen und Kostbarzither Schnee als Begleiterinnen; gegenüber saß die Großmutter mit Xing Furen und Höhlennebel Strafe. Unten waren noch zwei Tische frei, und die Herzoginmutter rief: „Beeilt euch!" | ||
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| + | Da kam Phönixglanz mit den Mädchen herein, die alle Kajaljade umringten. Kajaljade hatte einige neue Kleidungsstücke angelegt und sah aus wie Chang'e, herabgestiegen aus dem Mond — mit verschämtem Lächeln trat sie heraus und begrüßte die Anwesenden. Xiangfluss-Wolke, Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume wollten ihr den Ehrenplatz überlassen, doch Kajaljade lehnte ab. Die Herzoginmutter lachte: „Heute darfst du dich dort setzen." Tante Schnee stand auf und fragte: „Hat das Fräulein Lin heute auch einen freudigen Anlass?" die Herzoginmutter lachte: „Es ist ihr Geburtstag." Tante Schnee rief: „Ach! Das habe ich ganz vergessen!" Sie trat heran und sagte: „Verzeiht meine Vergesslichkeit. Nachher soll Kostbarzither Schnee dem Fräulein zum Geburtstag gratulieren." Kajaljade lächelte: „Das ist zu viel der Ehre." Alle nahmen Platz. | ||
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| + | Kajaljade blickte sich um und bemerkte, dass einzig Schatzspange fehlte. Sie fragte: „Geht es Schwester Schatzspange gut? Warum kommt sie nicht?" Tante Schnee antwortete: „Sie wollte eigentlich kommen, aber es war niemand da, der das Haus hütet." Kajaljade errötete und lächelte: „Aber die Tante hat doch jetzt die Schwägerin im Haus — warum muss dann Schwester Schatzspange aufpassen? Wahrscheinlich hat sie einfach keine Lust auf so viel Trubel. Ich vermisse sie wirklich." Tante Schnee lachte: „Wie nett, dass du an sie denkst. Sie denkt auch oft an euch Mädchen. Demnächst bringe ich sie mit, damit ihr euch alle wiedersehen könnt." | ||
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| + | Die Mädchen kamen und schenkten Wein ein und servierten die Speisen. Draußen hatte die Vorstellung begonnen; die ersten ein, zwei Stücke waren naturgemäß Glückwunschspiele. Beim dritten Stück erschienen goldene Knaben und Jadejungfrauen mit Fahnen und Standarten und führten eine kleine Darstellerin in einem Federgewand aus Regenbogenfarben herein, einen schwarzen Schleier über dem Kopf. Sie sang ein paar Zeilen und ging ab. Niemand kannte das Stück. Von draußen hörte man: „Das ist die ‚Himmelfahrt' aus dem neuen Stück ‚Aufzeichnungen aus dem Reiperlenpalast'. Die kleine Darstellerin spielt Chang'e: Einst auf die Erde gefallen, wäre sie fast einem Mann zur Frau gegeben worden; doch dank der Erleuchtung durch Guanyin starb sie unverheiratet. Nun steigt sie zum Mondpalast empor. Hört, wie es im Lied heißt: ‚Die Menschen preisen Liebe und Leidenschaft — doch wissen sie, wie leicht Herbstmond und Frühlingsblüte vergehen? Beinahe hätte man den Palast des Weiten Kühlen vergessen.'" Das vierte Stück war „Kleie essen". Das fünfte zeigte Bodhidharma, der mit seinem Schüler den Fluss überquerte und in seine Heimat zurückkehrte — mit wunderbaren Luftspiegelungen, recht prächtig anzusehen. | ||
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| + | Alle waren in bester Stimmung, als plötzlich ein Diener der Familie Xue schweißüberströmt hereinstürzte und zu Xue Ke sagte: „Zweiter Herr, kommt schnell nach Hause! Und sagt auch drinnen der Gnädigen Frau Bescheid — zu Hause ist etwas Dringendes geschehen." Xue Ke fragte: „Was ist los?" Der Diener sagte: „Zu Hause erzähle ich es." Xue Ke ging, ohne sich zu verabschieden. Als Tante Schnee drinnen die Nachricht von den Mädchen hörte, wurde sie totenbleich, stand sofort auf, nahm Kostbarzither Schnee mit, sagte nur ein hastiges Wort des Abschieds und stieg in den Wagen. Drinnen wie draußen herrschte Bestürzung. Die Herzoginmutter sagte: „Schickt jemanden hinterher und erkundigt euch, was passiert ist — das geht uns alle an." Alle sagten: „Ja." | ||
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| + | Genug vom Theater bei den Jias. Tante Schnee kam zu Hause an und sah zwei Gerichtsdiener am zweiten Tor stehen, begleitet von einigen Pfandhaus-Angestellten, die sagten: „Jetzt, wo die Gnädige Frau da ist, wird sich alles regeln lassen." Kaum hatte sie es gehört, trat Tante Schnee auch schon ein. Die Gerichtsdiener sahen das große Gefolge aus Männern und Frauen, das eine ältere Dame umringte, und erkannten sie als Becken Schnees Mutter. Angesichts dieses Aufgebots wagten sie nichts zu sagen und ließen sie ehrerbietig passieren. | ||
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| + | Tante Schnee ging durch den Saal nach hinten und hörte schon von weitem jemanden laut weinen — es war Goldosmanthus. Tante Schnee eilte herbei; Schatzspange kam ihr entgegen, das Gesicht tränenverschmiert, und sagte: „Mama hat es gehört — bitte nicht aufregen, das Handeln ist jetzt wichtig." Tante Schnee und Schatzspange gingen ins Zimmer. Da Tante Schnee schon beim Hereinkommen von den Dienern das Wichtigste erfahren hatte, zitterte sie am ganzen Leib und fragte weinend: „Wen hat er umgebracht?" Die Diener antworteten: „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Einzelheiten. Egal wen — wenn einer tot ist, muss dafür gebüßt werden. Beraten wir, was zu tun ist." Tante Schnee brach in Tränen aus: „Was gibt es da noch zu beraten?" | ||
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| + | Die Diener sagten: „Nach unserer Meinung sollte man heute Nacht Geld zusammenpacken und den Zweiten Herrn losschicken, damit er den Ersten Herrn trifft. Dort muss ein erfahrener Winkeladvokat gefunden werden; gegen eine ordentliche Summe wird er zunächst die Todesstrafe abwenden. Danach kann man die Kaufmann-Familie bitten, bei den höheren Behörden ein gutes Wort einzulegen. Und die Gerichtsdiener draußen — die Gnädige Frau sollte ihnen ein paar Tael geben, damit wir freie Hand haben." | ||
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| + | Tante Schnee sagte: „Sucht die Familie des Toten auf, bietet Geld für die Bestattung und eine Unterstützungsrente an; wenn der Kläger die Anklage fallen lässt, beruhigt sich die Sache." Hinter dem Vorhang meldete sich Schatzspange: „Mama, das geht nicht! Bei solchen Sachen macht Geld alles nur schlimmer. Die Diener haben recht." Tante Schnee weinte wieder: „Ich will auch sterben! Ich fahre dorthin, sehe ihn noch einmal und sterbe mit ihm — dann ist alles vorbei." | ||
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| + | Schatzspange drängte und beschwichtigte gleichzeitig und rief hinter dem Vorhang: „Geht schnell mit dem Zweiten Herrn und handelt!" Die Mädchen stützten Tante Schnee und führten sie herein. Xue Ke ging nach draußen. Schatzspange rief ihm nach: „Schickt sofort einen Boten mit jeder Neuigkeit! Ihr anderen draußen — kümmert euch!" Xue Ke antwortete und ging. | ||
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| + | Kaum hatte Schatzspange die Mutter beruhigt, als Goldosmanthus die Gelegenheit nutzte, Duftkastanie zu packen und sie anzuschreien: „Immer habt ihr damit geprahlt, dass euer Haus schon einmal einen Totschlag begangen hat und es keinerlei Folgen hatte, und so seid ihr nach Peking gekommen. Jetzt habt ihr ihn angestiftet, wirklich jemanden totzuschlagen! Im Alltag protzt ihr ständig mit eurem Geld, eurer Macht und euren vornehmen Verwandten — und jetzt seid ihr genauso in Panik! Wenn der Herr am Ende nicht zurückkommt, geht ihr alle eurer Wege und lasst mich allein leiden!" Dabei heulte sie von Neuem. Tante Schnee hörte es und wurde vor Wut ohnmächtig. Schatzspange wusste sich keinen Rat. | ||
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| + | Mitten in dem Chaos hatte Wang Furen bereits eine ältere Dienerin herübergeschickt, um sich zu erkundigen. Schatzspange wusste im Stillen, dass sie der Kaufmann-Familie angehörte — doch erstens war noch nichts offiziell, und zweitens war es ein Notfall. So sagte sie der Dienerin: „Im Moment kennen wir die Einzelheiten noch nicht. Wir wissen nur, dass mein Bruder draußen jemanden im Streit getötet hat und vom Kreisgericht festgenommen wurde. Wie das Urteil ausfällt, wissen wir noch nicht. Der Zweite Herr ist gerade losgegangen, um sich zu erkundigen. Wenn wir sichere Nachricht haben, schicke ich sofort Nachricht hinüber. Danke der Gnädigen Frau für ihre Anteilnahme — in Zukunft werden wir die Hilfe der Herren drüben noch sehr nötig haben." Die Dienerin sagte zu und ging. | ||
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| + | Tante Schnee und Schatzspange warteten voller Angst. Nach zwei Tagen kam ein Diener mit einem Brief zurück und übergab ihn einem kleinen Mädchen. Schatzspange öffnete ihn und las: | ||
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| + | „Großer Bruders Totschlag ist ein unbeabsichtigter — kein vorsätzlicher Mord. Heute früh habe ich unter meinem Namen eine ergänzende Eingabe eingereicht; sie ist noch nicht beschieden. Großer Bruders erste Aussage war sehr ungünstig. Wenn die Eingabe genehmigt wird und bei der nächsten Vernehmung die Aussage zum Besseren gewendet werden kann, besteht Hoffnung auf ein Überleben. Holt schnell weitere fünfhundert Tael Silber aus dem Pfandhaus. Bitte nicht zögern! Gnädige Frau möge sich beruhigen. Alles Weitere beim Diener." | ||
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| + | Schatzspange las alles Tante Schnee vor. Diese trocknete ihre Tränen und sagte: „Demnach steht es also auf Messers Schneide zwischen Tod und Leben." Schatzspange sagte: „Mama, weine jetzt nicht. Lass den Diener hereinkommen und erzählen, dann wissen wir mehr." Sie schickte ein kleines Mädchen, den Diener hereinzurufen. Tante Schnee fragte: „Erzähle mir genau, was mit dem Ersten Herrn passiert ist." Der Diener sagte: „An dem Abend habe ich gehört, wie der Erste Herr es dem Zweiten Herrn erzählte — da bin ich vor Schreck ganz wirr geworden." | ||
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| + | Was der Diener berichtete, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren. | ||
| − | + | <references /> | |
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| − | + | Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). | |
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Revision as of 19:30, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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第八十五回 贾存周报升郎中任 薛文起复惹放流刑 话说赵姨娘正在屋里抱怨贾环,只听贾环在外间屋里发话道:“我不过弄倒了药铞子,洒了一点子药,那丫头子又没就死了,值的他也骂我,你也骂我,赖我心坏,把我往死里糟蹋?等着我明儿还要那小丫头子的命呢!看你们怎么着?只叫他们隄防着就是了。”那赵姨娘赶忙从里间出来,捂住他的嘴,说道:“你还只管信口胡唚,还叫人家先要了你的命呢!”娘儿两个吵了一回。赵姨娘听见凤姐的话,越想越气,也不着人来安慰凤姐一声儿。过了几天,巧姐儿也好了。因此,两边结怨比从前更加一层了。 一日,林之孝进来回道:“今日是北静郡王生日,请老爷的示下。”贾政吩咐道:“只按向年旧例办了,回大老爷知道,送去就是了。”林之孝答应了,自去办理。 不一时,贾赦过来,同贾政商议,带了贾珍、贾琏、宝玉去给北静王拜寿。别人还不理论,惟有宝玉素日仰慕北静王的容貌威仪,巴不得常见才好,遂连忙换了衣服,跟着来到北府。贾赦、贾政递了职名候谕。 不多时,里面出来了一个太监,手里掐着数珠儿。见了贾赦、贾政,笑嘻嘻的说道:“二位老爷好?”贾赦、贾政也都赶忙问好,他兄弟三人也过来问了好。那太监道:“王爷叫请进去呢。”于是爷儿五个跟着那太监进入府中。过了两层门,转过一层殿去,里面方是内宫门。刚到门前,大家站住,那太监先进去回王爷去了。这里门上小太监都迎着问了好。 一时,那太监出来,说了个“请”字,爷儿五个肃敬跟入。只见北静郡王穿着礼服,已迎到殿门廊下。贾赦、贾政先上来请安,挨次便是珍、琏、宝玉请安。那北静郡王单拉着宝玉道:“我久不见你,很惦记你。”因又笑问道:“你那块玉好?”宝玉躬着身打着一半千儿回道:“蒙王爷福庇,都好。”北静王道:“今日你来,没有什么好东西给你吃的,倒是大家说说话儿罢。”说着,几个老公打起帘子。北静王说:“请。”自己却先进去,然后贾赦等都躬着身跟进去。先是贾赦请北静王受礼,北静王也说了两句谦辞。那贾赦早已跪下,次及贾政等挨次行礼,自不必说。 那贾赦等复肃敬退出。北静王吩咐太监等让在众戚旧一处,好生款待。却单留宝玉在这里说话儿,又赏了坐。宝玉又磕头谢了恩,在挨门边绣墩上侧坐,说了一回读书作文诸事。北静王甚加爱惜,又赏了茶。因说道:“昨儿巡抚吴大人来陛见,说起令尊翁前任学政时,秉公办事,凡属生童,俱心服之至。他陛见时,万岁爷也曾问过,他也十分保举,可知是令尊翁的喜兆。”宝玉连忙站起,听毕这一段话,才回启道:“此是王爷的恩典,吴大人的盛情。” 正说着,小太监进来回道:“外面诸位大人老爷都在前殿谢王爷赏宴。”说着,呈上谢宴并请午安的片子来。北静王略看了看,仍递给小太监,笑了一笑,说道:“知道了,劳动他们。”那小太监又回道:“这贾宝玉,王爷单赏的饭预备了。”北静王便命那太监带了宝玉,到一所极小巧精致的院里,派人陪着吃了饭,又过来谢了恩。北静王又说了些好话儿,忽然笑说道:“我前次见你那块玉倒有趣儿,回来说了个式样,叫他们也作了一块来。今日你来得正好,就给你带回去玩罢。”因命小太监取来,亲手递给宝玉。宝玉接过来捧着,又谢了,然后退出。北静王又命两个小太监跟出来,才同着贾赦等回来了。贾赦见过贾母,便各自回去了。 这里贾政带着他三人请过了贾母的安,又说了些府里遇见什么人。宝玉又回了贾政,吴大人陛见保举的话。贾政道:“这吴大人,本来咱们相好,也是我辈中人,还倒是有骨气的。”又说了几句闲话儿,贾母便叫:“歇着去罢。” 贾政退出,珍、琏、宝玉都跟到门口。贾政道:“你们都回去陪老太太坐着去罢。”说着便回房去。刚坐了一坐,只见一个小丫头回道:“外面林之孝请老爷回话。”说着递上个红单帖来,写着吴巡抚的名字。贾政知道来拜,便叫小丫头叫林之孝进来。贾政出至廊檐下,林之孝进来回道:“今日巡抚吴大人来拜,奴才回了去了。再,奴才还听见说,现今工部出了一个郎中缺,外头人和部里都吵嚷是老爷拟正呢。”贾政道:“瞧罢咧。”林之孝又回了几句话,才出去了。 且说珍、琏、宝玉三人回去,独有宝玉到贾母那边,一面述说北静王待他的光景,并拿出那块玉来,大家看着,笑了一会。贾母因命人:“给他收起去罢,别丢了。”因问:“你那块玉好生带着罢,别闹混了。”宝玉便在项上摘下来说:“这不是我那一块玉,那里就掉了呢?比起来,两块玉差远着呢,那里混得过?我正要告诉老太太:前儿晚上我睡的时候,把玉摘下来挂在帐子里,他竟放起光来了,满帐子都是红的。”贾母说道:“又胡说了。帐子的檐子是红的,火光照着,自然红是有的。”宝玉道:“不是。那时候灯已灭了,屋里都漆黑的了,还看的见他呢。”邢、王二夫人抿着嘴笑。凤姐道:“这是喜信发动了。”宝玉道:“什么喜信?”贾母道:“你不懂得。今儿个闹了一天,你去歇歇儿去罢,别在这里说呆话了。”宝玉又站了一会儿,才回园中去了。 这里贾母问道:“正是,你们去看姨太太,说起这事来没有?”王夫人道:“本来就要去看,因凤丫头为巧姐儿病着,耽搁了两天,今儿才去的。这事我们告诉了,他姨妈倒也十分愿意,只说蟠儿这时候不在家,目今他父亲没了,只得和他商量商量再办。”贾母道:“这也是情理的话。既这么样,大家先别提起,等姨太太那边商量定了再说。” 不说贾母处谈论亲事。且说宝玉回到自己房中,告诉袭人道:“老太太和凤姐姐方才说话,含含糊糊,不知是什么意思。”袭人想了想,笑了一笑道:“这个我也猜不着。但只刚才说这些话时,林姑娘在跟前没有?”宝玉道:“林姑娘才病起来,这些时何曾到老太太那边去呢?”正说着,只听外间屋里麝月与秋纹拌嘴。袭人道:“你两个又闹什么?”麝月道:“我们两个斗牌,他赢了我的钱,他拿了去;他输了钱,就不肯拿出来。这也罢了,他倒把我的钱都抢了去了。”宝玉笑道:“几个钱,什么要紧?傻东西,不许闹了。”说的两个人都咕嘟着嘴,坐着去了。”这里袭人打发宝玉睡下,不提。 却说袭人听了宝玉方才的话,也明知是给宝玉提亲的事,因恐宝玉每有痴想,这一提起,不知又招出他多少呆话来,所以故作不知。自己心上却也是头一件关切的事。夜间躺着,想了个主意:“不如去见见紫鹃,看他有什么动静,自然就知道了。” 次日一早起来,打发宝玉上了学,自己梳洗了,便慢慢的去到潇湘馆来。只见紫鹃正在那里掐花儿呢,见袭人进来,便笑嘻嘻的道:“姐姐屋里坐着。”袭人道:“坐着。妹妹掐花儿呢吗?姑娘呢?”紫鹃道:“姑娘才梳洗完了,等着温药呢。”紫鹃一面说着,一面同袭人进来,见黛玉正在那里拿着一本书看。袭人陪着笑道:“姑娘怨不得劳神,起来就看书。我们宝二爷念书,若能像姑娘这样,岂不好了呢!”黛玉笑着把书放下。雪雁已拿着个小茶盘里托着一锺药、一锺水,小丫头在后面捧着痰盒、漱盂,进来。 原来袭人来时,要探探口气,坐了一会,无处入话。又想着黛玉最是心多,探不成消息,再惹着了他,倒是不好。又坐了坐,搭讪着辞了出来了。将到怡红院门口,只见两个人在那里站着呢,袭人不便往前走。那一个早看见了,连忙跑过来。袭人一看,却是锄药,因问:“你作什么?”锄药道:“刚才芸二爷来了,拿了个帖儿,说给咱们宝二爷瞧的,在这里候信。”袭人道:“宝二爷天天上学,你难道不知道?还候什么信呢?”锄药笑道:“我告诉他了,他叫告诉姑娘,听姑娘的信呢。” 袭人正要说话,只见那一个也慢慢的蹭过来了,细看时就是贾芸,溜溜湫湫往这边来了。袭人见是贾芸,连忙向锄药道:“你告诉说知道了,回来给宝二爷瞧罢。”那贾芸原要过来和袭人说话,无非亲近之意,又不敢造次,只得慢慢踱来。相离不远,不想袭人说出这话,自己也不好再往前走,只好站住。这里袭人已掉背脸往回里去了。贾芸只得怏怏而回,同锄药出去了。 晚间宝玉回房,袭人便回道:“今日廊下小芸二爷来了。”宝玉道:“作什么?”袭人道:“他还有个帖儿呢。”宝玉道:“在那里?拿来我看看。”麝月便走去,在里间屋里书槅子上头拿了来。宝玉接过看时,上面皮儿上写着“叔父大人安禀”。宝玉道:“这孩子怎么又不认我作父亲了?”袭人道:“怎么?”宝玉道:“前年他送我白海棠时,称我作‘父亲大人’,今日这帖子封皮上写着‘叔父’,可不是又不认了么?”袭人道:“他也不害臊,你也不害臊。他那么大了,倒认你这么大儿的作父亲,可不是他不害臊?你正经连个……”刚说到这里,脸一红,微微的一笑。宝玉也觉得了,便道:“这倒难讲。俗语说:‘和尚无儿,孝子多着呢。’只是我看着他还伶俐,得人心儿,才这么着。他不愿意,我还不稀罕呢。”说着,一面拆那帖儿。袭人也笑道:“那小芸二爷也有些鬼头鬼脑的,什么时候又要看人,什么时候又躲躲藏藏的,可知也是个心术不正的货!” 宝玉只顾拆开看那字儿,也不理会袭人这些话。袭人见他看那字儿,皱一会眉,又笑一笑儿,又摇摇头儿,后来光景竟不大耐烦起来。袭人等他看完了,问道:“是什么事情?”宝玉也不答言,把那帖子已经撕作几段。袭人见这般光景,也不便再问,便问宝玉:“吃了饭,还看书不看?”宝玉道:“可笑芸儿这孩子,竟这样的混账!”袭人见他所答非所问,便微微的笑着问道:“到底是什么事?”宝玉道:“问他作什么?咱们吃饭罢。吃了饭歇着罢,心里闹的怪烦的。”说着,叫小丫头子点了一个火儿来,把那撕的帖儿烧了。 一时,小丫头们摆上饭来,宝玉只是怔怔的坐着。袭人连哄带怄,催着吃了一口儿饭,便搁下了,仍是闷闷的歪在床上。一时间,忽然掉下泪来。此时袭人、麝月都摸不着头脑。麝月道:“好好儿的,这又是为什么?都是什么芸儿雨儿的,不知什么事,弄了这么个浪帖子来,惹的这么傻了的似的,哭一会子,笑一会子。要天长日久闹起这闷葫芦来,可叫人怎么受呢!”说着,竟伤起心来。袭人旁边由不得要笑,便劝道:“好妹妹,你也别怄人了。他一个人就够受了,你又这么着。他那帖子上的事,难道与你相干?”麝月道:“你混说起来了。知道他帖儿上写的是什么混账话?你混往人身上扯。要那么说,他帖儿上只怕倒与你相干呢。”袭人还未答言,只听宝玉在床上扑哧的一声笑了,爬起来,抖了抖衣裳,说:“咱们睡觉罢,别闹了,明日我还起早念书呢。”说着便躺下睡了。一宿无话。 次日,宝玉起来,梳洗了,便往家塾里去。走出院门,忽然想起,叫焙茗略等,急忙转身回来叫:“麝月姐姐呢?”麝月答应着出来,问道:“怎么又回来了?”宝玉道:“今日芸儿要来了,告诉他别在这里闹;再闹,我就回老太太和老爷去了。”麝月答应了,宝玉才转身去了。刚往外走着,只见贾芸慌慌张张往里来,看见宝玉,连忙请安,说:“叔叔大喜了!”那宝玉估量着是昨日那件事,便说道:“你也太冒失了,不管人心里有事没事,只管来搅。”贾芸陪笑道:“叔叔不信,只管瞧去,人都来了,在咱们大门口呢。”宝玉越发急了,说:“这是那里的话?” 正说着,只听外边一片声嚷起来。贾芸道:“叔叔听,这不是?”宝玉越发心里狐疑起来。只听一个人嚷道:“你们这些人好没规矩,这是什么地方,你们在这里混嚷!”那人答道:“谁叫老爷升了官呢,怎么不叫我们来吵喜呢。别人家盼着吵还不能呢。”宝玉听了,才知道是贾政升了郎中了,人来报喜的,心中自是甚喜。连忙要走时,贾芸赶着说道:“叔叔乐不乐?叔叔的亲事要再成了,不用说,是两层喜了。”宝玉红了脸,啐了一口道:“呸!没趣儿的东西!还不快走呢。”贾芸把脸红了,道:“这有什么的,我看你老人家就不……”宝玉沉着脸道:“就不什么?”贾芸未及说完,也不敢言语了。 宝玉连忙来到家塾中,只见代儒笑着说道:“我才刚听见你老爷升了,你今日还来了么?”宝玉陪笑道:“过来见了太爷,好到老爷那边去。”代儒道:“今日不必来了,放你一天假罢。可不许回园子里玩去。你年纪不小了,虽不能办事,也当跟着你大哥他们学学才是。” 宝玉答应着回来。刚走到二门口,只见李贵走来迎着,旁边站住,笑道,“二爷来了么?奴才才要到学里请去。”宝玉笑道:“谁说的?”李贵道:“老太太才打发人到园里去找二爷,那边的姑娘们说二爷学里去了。刚才老太太打发人出来,叫奴才去给二爷告几天假。听说还要唱戏贺喜呢。二爷就来了。”说着,宝玉自己进来。进了二门,只见满院里丫头、老婆都是笑容满面,见他来了,笑道:“二爷这早晚才来,还不快进去给老太太道喜去呢。” 宝玉笑着进了房门,只见黛玉挨着贾母左边坐着呢,右边是湘云,地下邢、王二夫人。探春、惜春、李纨、凤姐、李纹、李绮、邢岫烟一干姐妹都在屋里,只不见宝钗、宝琴、迎春三人。宝玉此时喜的无话可说,忙给贾母道了喜,又给邢、王二夫人道喜,一一见了众姐妹。便向黛玉笑道:“妹妹身体可大好了?”黛玉也微笑道:“大好了。听见说二哥哥身上也欠安,好了么?”宝玉道:“可不是。我那日夜里忽然心里疼起来,这几天刚好些就上学去了,也没能过去看妹妹。”黛玉不等他说完,早扭过头和探春说话去了。 凤姐在地下站着,笑道:“你两个那里像天天在一块儿的?倒像是客,有这么些套话,可是人说的‘相敬如宾’了。”说的大家都一笑。黛玉满脸飞红,又不好说,又不好不说,迟了一会儿,才说道:“你懂得什么!”众人越发笑了。 凤姐一时回过味来,才知道自己出言冒失。正要拿话岔开时,只见宝玉忽然向黛玉道:“林妹妹,你瞧芸儿这种冒失鬼……”说了这一句,方想起来,便不言语了。招的大家又都笑起来,说:“这从那里说起?”黛玉也摸不着头脑,也跟着讪讪的笑。宝玉无可搭讪,因又说道:“可是刚才我听见有人要送戏,说是几儿?”大家都瞅着他笑。凤姐儿道:“你在外头听见,你来告诉我们,你这会子问谁呢?”宝玉得便说道:“我外头再去问问去。”贾母道:“别跑到外头去:头一件,看报喜的笑话;第二件,你老子今日大喜,回来碰见你,又该生气了。”宝玉答应了个“是”,才出来了。 这里贾母因问凤姐:“谁说送戏的话?”凤姐道:“说是二舅舅那边说,后儿日子好,送一班新出的小戏儿,给老太太、老爷、太太贺喜。”因又笑着说道:“不但日子好,还是好日子呢:后日还是……”却瞅着黛玉笑。黛玉也微笑。王夫人因道:“可是呢!后日还是外甥女儿的好生日呢。”贾母想了一想,也笑道:“可见我如今老了,什么事都糊涂了。亏了有我这凤丫头,是我个给事中。既这么着,很好:他舅舅家给他们贺喜,你舅舅家就给你做生日,岂不好呢!”说的大家都笑起来,说道:“老祖宗说句话儿,都是上篇上论的,怎么怨得有这么大福气呢!”说着,宝玉进来,听见这些话,越发乐的手舞足蹈了。 一时,大家都在贾母这边吃饭,甚是热闹,自不必说。饭后,贾政谢恩回来,给宗祠里磕了头,便来给贾母磕头,站着说了几句话,便出去拜客去了。 这里接连着亲戚、族中的人,来来去去,闹闹攘攘,车马填门,貂蝉满坐。真个是: 花到正开蜂蝶闹,月逢十足海天宽。 如此两日,已是庆贺之期。这日一早,王子胜和亲戚家已送过一班戏来,就在贾母正厅前搭起戏台。外头爷们都穿着公服陪侍。亲戚来贺的,约有十馀桌酒。里面为着是新戏,又见贾母高兴,便将琉璃戏屏隔在后厦,里面也摆下酒席。上首薛姨妈一桌,是王夫人、宝琴陪着;对面老太太一桌,是邢夫人、岫烟陪着。下面尚空两桌,贾母叫他们快来。 一会儿,只见凤姐领着众丫头,都簇拥着黛玉来了。那黛玉略换了几件新鲜衣服,打扮得宛如嫦娥下界,含羞带笑的出来见了众人。湘云、李纹、李绮都让他上首坐,黛玉只是不肯。贾母笑道:“今日你坐了罢。”薛姨妈站起来问道:“今日林姑娘也有喜事么?”贾母笑道:“是他的生日。”薛姨妈道:“咳!我倒忘了。”走过来说道:“恕我健忘。回来叫宝琴过来拜姐姐的寿。”黛玉笑说:“不敢。”大家坐了。 那黛玉留神一看,独不见宝钗,便问道:“宝姐姐可好么?为什么不过来?”薛姨妈道:“他原该来的,只因无人看家,所以不来。”黛玉红着脸,微笑道:“姨妈那里又添了大嫂子,怎么倒用宝姐姐看起家来?大约是他怕人多热闹懒怠来罢?我倒怪想他的。”薛姨妈笑道:“难得你惦记他。他也常想你们姐儿们。过一天,我叫他来大家叙叙。” 说着,丫头们上来斟酒上菜。外面已开戏了,出场自然是一两出吉庆戏文。及至第三出,只见金童玉女,旗幡宝幢,引着一个霓裳羽衣的小旦,头上披着一条黑帕,唱了几句儿进去了。众皆不知。听见外面人说:“这是新打的《蕊珠记》里的《冥升》。小旦扮的是嫦娥,前因堕落人寰,几乎给人为配,幸亏观音点化,他就未嫁而逝。此时升引月宫。不听见曲里头唱的:‘人间只道风情好,那知道秋月春花容易抛。几乎不把广寒宫忘却了。’”第四出是《吃糠》。第五出是达摩带着徒弟过江回去,正扮出些海市蜃楼,好不热闹。 众人正在高兴时,忽见薛家的人满头汗闯进来,向薛蝌说道:“二爷快回去,一并里头回明太太也请回去,家里有要紧事。”薛蝌道:“什么事?”家人道:“家去说罢。”薛蝌也不及告辞就走了。薛姨妈见里头丫头传进话去,更骇得面如土色,即忙起身,带着宝琴,别了一声,即刻上车回去了。弄得内外愕然。贾母道:“咱们这里打发人跟过去听听,到底是什么事,大家都关切的。”众人答应了个“是”。 不说贾府依旧唱戏。单说薛姨妈回去,只见有两个衙役站在二门口,几个当铺里伙计陪着,说:“太太回来,自有道理。”正说着,薛姨妈已进来了。那衙役们见跟从着许多男妇,簇拥着一位老太太,便知是薛蟠之母。看见这个势派,也不敢怎么,只得垂手侍立,让薛姨妈进去了。 那薛姨妈走到厅房后面,早听见有人大哭,却是金桂。薛姨妈赶忙走来,只见宝钗迎出来,满面泪痕,见了薛姨妈,便道:“妈妈听见了,先别着急,办事要紧。”薛姨妈同宝钗进了屋子,因为头里进门时,已经走着听见家人说了,吓的战战兢兢的了,一面哭着,因问:“到底是合谁?”只见家人回道:“太太此时且不必问那些底细,凭他是谁,打死了总是要偿命的,且商量怎么办才好。”薛姨妈哭了出来道:“还有什么商议?”家人道:“依小的们的主见:今夜打点银两,同着二爷赶去,和大爷见了面,就在那里访一个有斟酌的刀笔先生,许他些银子,先把死罪撕掳开,回来再求贾府去上司衙门说情。还有外面的衙役,太太先拿出几两银子来,打发了他们,我们好赶着办事。” 薛姨妈道:“你们找着那家子,许他发送银子,再给他些养济银子,原告不追,事情就缓了。”宝钗在帘内说道:“妈妈,使不得。这些事,越给钱越闹的凶,倒是刚才小厮说的话是。”薛姨妈又哭道:“我也不要命了,赶到那里见他一面,同他死在一处就完了。” 宝钗急的一面劝,一面在帘子里叫人:“快同二爷办去罢。”丫头们搀进薛姨妈来。薛蝌才往外走,宝钗道:“有什么信,打发人即刻寄了来。你们只管在外头照料。”薛蝌答应着去了。 这宝钗方劝薛姨妈,那里金桂趁空儿抓住香菱,又和他嚷道:“平常你们只管夸你们家里打死了人,一点事也没有,就进京来了的,如今撺掇的真打死人了。平日里只讲有钱有势,有好亲戚,这时候我看着也是吓的慌手慌脚的了。大爷明儿有个好歹儿不能回来时,你们各自干你们的去了,撂下我一个人受罪。”说着,又大哭起来。这里薛姨妈听见,越发气的发昏。宝钗急的没法。 正闹着,只见贾府中王夫人早打发大丫头过来打听来了。宝钗虽心知自己是贾府的人了,一则尚未提明,二则事急之时,只得向那大丫头道:“此时事情头尾尚未明白,就只听见说我哥哥在外头打死了人,被县里拿了去了,也不知怎么定罪呢。刚才二爷才去打听去了,一半日得了准信,赶着就给那边太太送信去。你先回去道谢太太惦记着,底下我们还有多少仰仗那边爷们的地方呢。”那丫头答应着去了。 薛姨妈和宝钗在家抓摸不着。过了两日,只见小厮回来,拿了一封书,交给小丫头拿进来。宝钗拆开看时,书内写着: 大哥人命是误伤,不是故杀。今早用蝌出名,补了一张呈纸进去,尚未批出。大哥前头口供甚是不好。待此纸批准后,再录一堂,能够翻供得好,便可得生了。快向当铺内再取银五百两来使用,千万莫迟。并请太太放心。馀事问小厮。 宝钗看了,一一念给薛姨妈听了。薛姨妈拭着眼泪说道:“这么看起来,竟是死活不定了。”宝钗道:“妈妈先别伤心,等着叫进小厮来,问明了再说。”一面打发小丫头把小厮叫进来。薛姨妈便问小厮道:“你把大爷的事细说与我听听。”小厮道:“我那一天晚上听见大爷和二爷说的,把我唬糊涂了。” 未知小厮说出什么话来,下回分解。 拟正──代理或试用官员改为正式任命。 车马填门──语出三国吴·谢承《后汉书·张霸传附张楷》(见《太平御览》卷四八四、卷八二八引):“张楷字公超,治《严氏春秋》、《古文尚书》,门徒皆造问焉,车马填门。”又见通行本《后汉书·张霸传附张楷》,文作:“楷字公超,通《严氏春秋》、《古文尚书》,门徒常百人。宾客慕之,自父党夙儒,偕造门焉。车马填街,徒从无所止,黄门及贵戚之家,皆起舍巷次,以候过客往来之利。”意谓车马塞满了门庭。形容宾客众多。 貂蝉——即貂尾和金蝉,两者都是汉代皇帝侍从官员的冠饰,引申为达官显贵。 旗幡宝幢──泛指仙人出行时的仪仗。这里指嫦娥出行时的仪仗。 幡:长幅下垂的旗。 幢:下垂的筒形旗。 《蕊珠记》──不详。仅知元代庚吉甫著有《蕊珠宫》(一名《秋月蕊珠宫》),但已失传,其内容不详。这里的《蕊珠记·冥升》可能是高鹗杜撰,其用意在于利用黛玉生日之际,以嫦娥“未嫁而逝”,暗示黛玉的结局。 《吃糠》──当指元末高明撰南戏《琵琶记》第二十一出《糟糠自厌》。此出叙蔡伯喈中状元后被牛丞相强招为婿,其妻赵五娘在家历尽艰辛,侍奉公婆。似隐寓贾母等人强行为宝玉与宝钗订婚,拆散了宝玉与黛玉这一对恋人。 达摩带着徒弟过江回去──当指明代张凤翼撰传奇《祝发记》第二十四出《达摩渡江》。此出叙禅宗始祖达摩法力无边,折芦苇为舟,以此渡江,点化了徐孝克。似隐寓贾宝玉将出家为僧的结局。 刀笔先生——指讼师。 刀笔:古代的两种书写工具。古人在竹简上记事,写错时就用刀刮去重写,故以代指记载文字,又引申为诉讼案牍。语本《战国策·秦策五》:“臣少为秦刀笔,以长官而守小官,未尝为兵首。”这里的“刀笔”是“刀笔吏”的简称,即掌管刑狱的官吏。引申以指包揽词讼、舞文弄法的讼师。 |
Fünfundachtzigstes Kapitel Aufrecht Kaufmann[1] wird zum Ministerialrat befördert, Becken Schnee provoziert erneut eine Verbannungsstrafe Wie berichtet, schimpfte Zhao Yiniang in ihrem Zimmer auf Unheil Kaufmann[2], als man aus dem Nebenraum Huans Stimme hörte: „Ich habe doch bloß den Medizintopf umgestoßen und ein bisschen Arznei verschüttet — das Mädchen ist doch nicht daran gestorben! Und trotzdem beschimpft sie mich, und du beschimpfst mich auch; ihr behauptet, ich hätte ein böses Herz, und wollt mich zu Tode quälen! Wartet nur, morgen werde ich der kleinen Göre den Garaus machen! Mal sehen, was ihr dann tut! Die sollen sich nur in Acht nehmen!" Zhao Yiniang stürzte aus dem Innenzimmer und hielt ihm den Mund zu: „Hör auf, solchen Unsinn von dir zu geben — sonst holen die sich noch zuerst deinen Kopf!" Mutter und Sohn zankten eine Weile. Zhao Yiniang war durch Phönixglanz[3]s Worte nur noch wütender geworden und schickte nicht einmal jemanden, um Phönixglanz zu besänftigen. Nach ein paar Tagen wurde Qiaojie wieder gesund. So war der Groll zwischen den beiden Seiten noch um eine Schicht tiefer geworden als zuvor. Eines Tages kam Lin Zhixiao herein und meldete: „Heute ist der Geburtstag des Prinzen von Beijing[4]. Bitte um die Anweisungen des gnädigen Herrn." Aufrecht Kaufmann befahl: „Richtet es wie in den Vorjahren her, informiert den Ersten Herrn und lasst es hinschicken." Lin Zhixiao sagte „Ja" und ging, alles vorzubereiten. Kurz darauf kam Begnadigung Kaufmann herüber und besprach sich mit Aufrecht Kaufmann; sie nahmen Herrlichkeit Kaufmann[5], Kette Kaufmann[6] und Schatzjade[7] mit, um dem Prinzen von Beijing zum Geburtstag zu gratulieren. Die anderen waren gleichmütig, doch Schatzjade, der des Prinzen edle Erscheinung und würdevolles Auftreten seit jeher bewunderte, konnte es kaum erwarten, ihn wiederzusehen. Eilig wechselte er die Kleider und fuhr mit den anderen zur Residenz des Prinzen. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann reichten ihre Visitenkarten ein und warteten auf die Einladung. Bald kam ein Eunuch heraus, der eine Gebetskette zwischen den Fingern drehte. Als er Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann sah, lachte er: „Wie geht es den beiden Herren?" Beide erwiderten eilig den Gruß, und die drei jüngeren Verwandten grüßten ebenfalls. Der Eunuch sagte: „Der Prinz bittet herein." So folgten die fünf dem Eunuch in die Residenz. Nach zwei Torbögen und um eine Halle herum erreichten sie das innere Palasttor. Am Tor blieben alle stehen; der Eunuch ging allein hinein, um den Prinzen zu melden. Die kleinen Eunuchen am Tor begrüßten sie respektvoll. Bald kam der Eunuch zurück und sagte nur: „Bitte." Die fünf folgten ehrerbietig. Der Prinz von Beijing, im Festgewand, empfing sie bereits unter dem Säulengang am Hallentor. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann traten als Erste vor zur Begrüßung, danach Zhen, Lian und Schatzjade. Der Prinz nahm Schatzjade gesondert bei der Hand und sagte: „Ich habe dich lange nicht gesehen und oft an dich gedacht." Dann fragte er lachend: „Ist dein Jadestein wohl?" Schatzjade verneigte sich halb und antwortete: „Dank der Gnade Eurer Hoheit ist alles wohl." Der Prinz sagte: „Da du heute hier bist, habe ich leider keine besonderen Delikatessen, aber wir können miteinander plaudern." Eunuchen hoben den Vorhang. Der Prinz sagte „Bitte", ging aber selbst zuerst hinein, und Begnadigung Kaufmann und die anderen folgten in gebückter Haltung. Begnadigung Kaufmann bat den Prinzen, ihre Verbeugung anzunehmen; der Prinz sprach bescheidene Worte. Begnadigung Kaufmann aber kniete bereits nieder, und nach ihm verbeugten sich Aufrecht Kaufmann und die anderen der Reihe nach. Begnadigung Kaufmann und die anderen zogen sich ehrerbietig zurück. Der Prinz wies die Eunuchen an, sie bei den übrigen Gästen unterzubringen und gut zu bewirten. Nur Schatzjade behielt er bei sich zum Gespräch und bot ihm einen Sitzplatz an. Schatzjade dankte mit einem Kniefall, setzte sich auf ein besticktes Kissen an der Tür und sprach mit dem Prinzen über Studien und Aufsatzschreiben. Der Prinz zeigte sich sehr wohlwollend und ließ ihm Tee reichen. Dann sagte er: „Gestern erschien der Provinzgouverneur Wu zur kaiserlichen Audienz und erwähnte deinen Herrn Vater. Während seiner Amtszeit als Bildungsintendant habe er stets gerecht gehandelt, und alle Kandidaten hätten ihn zutiefst respektiert. Bei der Audienz habe auch der Kaiser danach gefragt, und Wu habe ihn wärmstens empfohlen — ein glücksverheißendes Zeichen für deinen Herrn Vater." Schatzjade stand sofort auf, hörte den Bericht bis zum Ende an und antwortete erst dann: „Dies verdanken wir der Gnade Eurer Hoheit und der Güte des Herrn Wu." Da meldete ein kleiner Eunuch: „Draußen danken die Herren und Beamten dem Prinzen für das Festbankett." Er reichte die Dankeskarten und Grüße herein. Der Prinz warf einen kurzen Blick darauf und gab sie dem Eunuchen zurück; lächelnd sagte er: „Ich habe verstanden — sagt ihnen Dank für die Mühe." Der Eunuch fügte hinzu: „Das Sonderessen, das der Prinz für Schatzjade angeordnet hat, ist bereit." Der Prinz befahl dem Eunuchen, Schatzjade in einen besonders hübschen kleinen Hof zu führen, wo er in Begleitung speiste. Anschließend kehrte Schatzjade zurück und dankte. Der Prinz sprach noch einige freundliche Worte und sagte dann lachend: „Als ich neulich deinen Jadestein sah, fand ich ihn reizvoll. Zu Hause habe ich nach dem Muster einen anfertigen lassen. Da du heute hier bist, nimm ihn doch gleich als Spielzeug mit." Er ließ einen kleinen Eunuchen das Stück holen und reichte es Schatzjade persönlich. Schatzjade nahm es ehrfürchtig entgegen, dankte noch einmal und zog sich zurück. Der Prinz ließ zwei kleine Eunuchen ihn hinausgeleiten, und er fuhr mit Begnadigung Kaufmann und den anderen nach Hause zurück. Begnadigung Kaufmann begrüßte die Herzoginmutter und ging dann seines Weges. Aufrecht Kaufmann begrüßte mit seinen drei Begleitern die Großmutter und berichtete, wen sie in der Residenz getroffen hatten. Schatzjade erzählte Aufrecht Kaufmann auch von Gouverneur Wus Empfehlung bei der Audienz. Aufrecht Kaufmann sagte: „Dieser Herr Wu ist ein alter Bekannter, ein Mann unseres Schlages und von aufrechtem Charakter." Nach ein paar weiteren Worten sagte die Herzoginmutter: „Geht euch ausruhen." Aufrecht Kaufmann ging hinaus; Zhen, Lian und Schatzjade folgten ihm bis zur Tür. Aufrecht Kaufmann sagte: „Geht alle zurück und leistet der Großmutter Gesellschaft." Damit zog er sich in sein Zimmer zurück. Kaum hatte er sich gesetzt, kam ein kleines Mädchen und meldete: „Draußen bittet Lin Zhixiao den gnädigen Herrn um ein Wort." Dabei überreichte sie eine rote Visitenkarte mit dem Namen des Gouverneurs Wu. Aufrecht Kaufmann verstand, dass Wu einen Besuch abstattete, und ließ Lin Zhixiao hereinrufen. Aufrecht Kaufmann ging unter das Vordach, und Lin Zhixiao meldete: „Heute hat der Gouverneur Wu seinen Besuch gemacht; ich habe ihn empfangen. Außerdem habe ich erfahren, dass im Ministerium für Öffentliche Arbeiten ein Posten als Ministerialrat frei geworden ist, und sowohl draußen als auch im Ministerium heißt es, der gnädige Herr stehe auf der Vorschlagsliste." Aufrecht Kaufmann sagte: „Abwarten." Lin Zhixiao berichtete noch einige Dinge und ging dann. Zhen, Lian und Schatzjade gingen zurück. Nur Schatzjade ging zur Großmutter und erzählte ausführlich, wie der Prinz ihn behandelt hatte. Er zeigte auch den nachgemachten Jadestein vor, und alle besahen ihn lachend. Die Herzoginmutter ließ ihn aufbewahren: „Heb ihn gut auf und verlier ihn nicht." Dann fragte sie: „Deinen eigenen Stein trägst du doch ordentlich, ja? Verwechsle die beiden nicht." Schatzjade nahm seinen eigenen vom Hals und sagte: „Hier ist meiner — den verliere ich doch nicht! Die beiden sind so verschieden, wie soll man sie verwechseln? Aber ich wollte der Großmutter etwas erzählen: Neulich abends, als ich schlafen ging und den Stein abnahm und im Betthimmel aufhängte, hat er plötzlich geleuchtet! Der ganze Betthimmel war rot." die Herzoginmutter sagte: „Schon wieder Unsinn! Die Ränder des Betthimmels sind rot, und das Kerzenlicht lässt sie leuchten — natürlich sieht es rot aus." Schatzjade sagte: „Nein! Die Lampe war schon aus, das ganze Zimmer pechschwarz — und trotzdem konnte man ihn sehen!" Xing Furen und Wang Furen lächelten hinter vorgehaltener Hand. Phönixglanz sagte: „Das ist das Vorzeichen einer frohen Botschaft." Schatzjade fragte: „Was für eine frohe Botschaft?" die Herzoginmutter sagte: „Das verstehst du nicht. Heute war ein langer Tag — geh dich ausruhen und rede hier keinen Unsinn mehr." Schatzjade blieb noch einen Moment stehen und kehrte dann in den Garten zurück. Hier fragte die Herzoginmutter: „Übrigens — habt ihr Tante Schnee[8] besucht und die Sache angesprochen?" Wang Furen antwortete: „Wir wollten schon längst hingehen, doch weil Phönixglanz wegen Qiaojies Krankheit verhindert war, haben wir es zwei Tage aufgeschoben und sind erst heute gegangen. Wir haben es ihr erzählt; die Tante war durchaus einverstanden, sagte nur, Pan sei gerade nicht zu Hause, und da der Vater gestorben sei, müsse sie es mit ihm besprechen, ehe man weitergehe." die Herzoginmutter sagte: „Das sind vernünftige Worte. Dann soll vorerst niemand davon sprechen. Warten wir, bis drüben alles besprochen ist." Genug von den Heiratsgesprächen der Herzoginmutter. Schatzjade kehrte in sein Zimmer zurück und erzählte Dufthauch[9]: „Die Großmutter und Schwester Phönixglanz haben vorhin so vieldeutig gesprochen — ich weiß nicht, was sie meinten." Dufthauch dachte nach und lächelte: „Das kann ich auch nicht erraten. Aber sag — war das Fräulein Lin dabei, als die Rede darauf kam?" Schatzjade sagte: „Das Fräulein Lin hat gerade eine Krankheit hinter sich — sie war in letzter Zeit gar nicht bei der Großmutter." Während sie sprachen, hörte man nebenan Moschusmond[10] und Herbstmuster streiten. Dufthauch fragte: „Was zankt ihr schon wieder?" Moschusmond sagte: „Wir haben Karten gespielt. Wenn sie gewonnen hat, kassiert sie mein Geld; wenn sie verloren hat, will sie nicht zahlen. Und dann hat sie mir auch noch mein ganzes Geld weggenommen!" Schatzjade lachte: „Ein paar Kupfer — was macht das schon? Ihr Dummköpfe, hört auf damit!" Beide setzten einen Schmollmund auf und trollten sich. Dufthauch brachte Schatzjade ins Bett. Dufthauch aber wusste nach Schatzjades Worten sehr wohl, dass es um eine Verlobung für Schatzjade ging. Da sie fürchtete, dass er wieder in seine Schwärmereien verfiel und wer weiß was für unsinnige Reden von sich gäbe, tat sie unwissend. Doch im Stillen war dies die Sache, die sie am meisten beschäftigte. Nachts, im Bett liegend, fasste sie einen Plan: „Am besten gehe ich zu Purpurkuckuck[11] und schaue, ob sie etwas weiß." Am nächsten Morgen schickte sie Schatzjade in die Schule, richtete sich selbst her und schlenderte zum Xiaoxiang-Pavillon. Purpurkuckuck war gerade dabei, Blumen zu pflücken. Als sie Dufthauch kommen sah, lachte sie: „Schwester, komm herein und setz dich." Dufthauch fragte: „Was pflückst du da? Wo ist das Fräulein?" Purpurkuckuck sagte: „Das Fräulein hat sich gerade gewaschen und wartet darauf, dass ihre Medizin warm wird." Während sie sprach, gingen beide hinein. Kajaljade[12] saß da und las ein Buch. Dufthauch lächelte: „Kein Wunder, dass das Fräulein sich so anstrengt — kaum aufgestanden, schon beim Lesen! Wenn unser Zweiter Herr Bao so fleißig lesen würde wie das Fräulein, das wäre herrlich!" Kajaljade legte lächelnd das Buch beiseite. Schneegans kam mit einem kleinen Tablett, darauf ein Schälchen Medizin und ein Glas Wasser; ein kleines Mädchen folgte mit Spucknapf und Spülschale. Dufthauch war eigentlich gekommen, um Kajaljades Stimmung zu erkunden, fand aber keinen Anknüpfungspunkt. Dann überlegte sie, dass Kajaljade überaus feinfühlig war — wenn sie ungeschickt forschte und sie verletzte, wäre das schlimm. Nach kurzem Sitzen verabschiedete sie sich mit einer Ausrede. Kurz vor dem Tor des Hofes der Roten Freude sah sie zwei Personen dastehen und hielt inne. Eine von ihnen hatte sie schon bemerkt und lief herbei — es war Chuyao. Dufthauch fragte: „Was machst du hier?" Chuyao sagte: „Eben kam der Zweite Herr Yun mit einem Brief, den er unserem Zweiten Herrn Bao zeigen wollte, und wartet auf Antwort." Dufthauch sagte: „Der Zweite Herr Bao geht jeden Tag in die Schule — weißt du das nicht? Was wartest du noch?" Chuyao grinste: „Ich hab es ihm gesagt, aber er meinte, er solle es dem Fräulein ausrichten und auf deren Antwort warten." Dufthauch wollte gerade etwas sagen, als die zweite Person langsam heranschlenderte — es war Efeu Kaufmann, der linkisch auf sie zukam. Dufthauch erkannte ihn und sagte schnell zu Chuyao: „Sag ihm Bescheid; wenn der Zweite Herr zurückkommt, zeig es ihm." Efeu Kaufmann hatte eigentlich mit Dufthauch reden wollen — aus dem Wunsch nach Nähe –, wagte es aber nicht, voreilig zu sein, und ging daher langsam. Als er nahe genug war, sprach Dufthauch schon diese Worte, und er konnte schlecht näherkommen. Dufthauch hatte sich schon umgedreht und ging zurück. Efeu Kaufmann musste enttäuscht abziehen und verließ mit Chuyao das Anwesen. Am Abend, als Schatzjade zurückkam, berichtete Dufthauch: „Heute kam der kleine Yun Zweiter in die Galerie." Schatzjade fragte: „Was wollte er?" Dufthauch: „Er hatte einen Brief." Schatzjade: „Wo ist er? Lass mich sehen." Moschusmond holte ihn vom Bücherregal im Innenzimmer. Schatzjade las die Aufschrift: „Ehrerbietige Zuschrift an den Onkel." Schatzjade sagte: „Seit wann erkennt der Junge mich nicht mehr als Vater an?" Dufthauch: „Wie meinst du?" Schatzjade: „Vor zwei Jahren, als er mir die weißen Begonien brachte, nannte er mich ‚Vater'; jetzt schreibt er ‚Onkel' — erkennt er mich etwa nicht mehr an?" Dufthauch: „Er schämt sich nicht, und du schämst dich auch nicht! Er ist so groß und erkennt dich, so klein wie du bist, als Vater an — das ist doch schamlos. Du hast ja nicht einmal …" Dabei errötete sie und lächelte leicht. Schatzjade merkte es und sagte: „Das ist allerdings schwierig. Wie das Sprichwort sagt: ‚Der Mönch hat keine Kinder, und doch hat er viele fromme Söhne.' Ich fand ihn einfach pfiffig und sympathisch, deshalb habe ich es zugelassen. Wenn er nicht will — mir liegt auch nichts daran." Damit öffnete er den Brief. Dufthauch lachte: „Dieser kleine Yun hat was Hinterlistiges — mal will er Leute sehen, mal versteckt er sich — kein ehrlicher Charakter!" Schatzjade las nur den Brief und beachtete Dufthauchs Worte nicht. Dufthauch sah, wie er bald die Stirn runzelte, bald lächelte, bald den Kopf schüttelte und schließlich ungeduldig wurde. Als er fertig gelesen hatte, fragte sie: „Was steht drin?" Schatzjade antwortete nicht und riss den Brief in Stücke. Dufthauch wagte bei diesem Anblick nicht weiterzufragen und sagte nur: „Willst du nach dem Essen noch lesen?" Schatzjade sagte: „Dieser Yun ist ein hoffnungsloser Fall!" Dufthauch bemerkte, dass seine Antwort gar nicht zur Frage passte, und fragte lächelnd: „Was war es denn?" Schatzjade: „Ach, vergiss ihn! Lass uns essen. Danach gehe ich schlafen — mir ist ganz unruhig zumute." Dann rief er ein kleines Mädchen, das ihm Feuer brachte, und verbrannte die zerrissenen Papierstücke. Man deckte auf. Schatzjade saß nur starr da. Dufthauch überredete und lockte ihn, bis er ein paar Bissen aß und dann aufhörte. Trübsinnig legte er sich aufs Bett. Plötzlich liefen ihm Tränen übers Gesicht. Dufthauch und Moschusmond wussten nicht, was sie davon halten sollten. Moschusmond sagte: „Eben war noch alles in Ordnung — und jetzt das! Wegen irgendeinem Yun und seinem albernen Brief, von dem niemand weiß, wovon er handelt, benimmt er sich wie ein Narr — bald weint er, bald lacht er. Wenn das so weitergeht, wie soll man das aushalten?" Dabei wurde auch sie traurig. Dufthauch konnte sich das Lachen kaum verkneifen und beschwichtigte: „Gute Schwester, ärger ihn nicht noch mehr. Einer reicht schon. Hat denn der Briefinhalt etwas mit dir zu tun?" Moschusmond empörte sich: „Red keinen Unsinn! Woher weißt du, was für Unsinn in dem Brief stand? Zieh das nicht auf andere! Wenn schon, dann hat der Brief eher mit dir zu tun!" Noch ehe Dufthauch antworten konnte, lachte Schatzjade vom Bett her laut auf, richtete sich auf, schüttelte seine Kleider und sagte: „Lasst uns schlafen. Hört auf zu streiten — morgen muss ich früh aufstehen zum Lernen." Damit legte er sich hin und schlief ein. Die Nacht verging ohne Zwischenfälle. Am nächsten Morgen stand Schatzjade auf, richtete sich her und machte sich auf den Weg zur Schule. Am Hoftor fiel ihm plötzlich etwas ein. Er bat Beiming zu warten, eilte zurück und rief: „Schwester Moschusmond!" Moschusmond kam heraus: „Warum bist du zurück?" Schatzjade sagte: „Wenn Yun heute kommt, sag ihm, er soll hier keinen Unsinn machen. Sonst melde ich es der Großmutter und dem Vater." Moschusmond sagte „Ja", und Schatzjade ging. Kaum war er draußen, kam Efeu Kaufmann aufgeregt hereingestürmt. Als er Schatzjade sah, begrüßte er ihn eilig: „Onkel, ich gratuliere!" Schatzjade dachte, es ginge um die gestrige Sache, und sagte: „Du bist wirklich zu voreilig. Ohne Rücksicht darauf, ob jemand Sorgen hat oder nicht, kommst du einfach hereingeplatzt." Efeu Kaufmann lachte verbindlich: „Onkel glaubt es nicht? Geh nur und schau — die Leute sind schon da, vor unserer Hauptpforte!" Schatzjade wurde immer aufgeregter: „Wovon redest du?" In diesem Moment erhob sich draußen ein Geschrei. Efeu Kaufmann sagte: „Hörst du, Onkel? Das sind sie!" Schatzjade war immer verwirrter. Eine Stimme rief: „Ihr Leute habt keine Manieren! Was ist das für ein Ort, dass ihr hier so herumbrüllt!" Eine andere antwortete: „Wer kann denn etwas dafür, dass der gnädige Herr befördert worden ist? Natürlich kommen wir gratulieren! Andere Familien wünschen sich so einen Anlass und bekommen ihn nicht!" Da verstand Schatzjade: Aufrecht Kaufmann war zum Ministerialrat befördert worden, und die Leute kamen, um Glückwünsche zu überbringen. Erfreut wollte er eilen, doch Efeu Kaufmann rief ihm nach: „Freut sich der Onkel? Wenn dann auch noch die Verlobung zustande kommt, ist es ein doppeltes Glück!" Schatzjade wurde rot und spuckte aus: „Pfui! Du unverschämter Kerl! Mach, dass du fortkommst!" Efeu Kaufmann errötete: „Was ist denn dabei? Ich sehe doch, dass der Herr Onkel …" Schatzjade blickte finster: „Was sieht er?" Efeu Kaufmann brach den Satz ab und wagte nicht weiterzureden. Schatzjade eilte in die Hausschule. Dairu lachte ihn an: „Ich habe gerade gehört, dass dein Herr Vater befördert wurde — und du bist trotzdem gekommen?" Schatzjade erwiderte höflich: „Ich bin nur kurz hereingekommen, um den Großonkel zu begrüßen, und gehe dann zum Herrn Vater." Dairu sagte: „Heute brauchst du nicht hierher — ich gebe dir einen Tag frei. Aber geh nicht in den Garten zum Spielen. Du bist kein Kind mehr; wenn du auch noch nicht viel ausrichten kannst, solltest du deinen älteren Cousins folgen und von ihnen lernen." Schatzjade sagte „Ja" und ging zurück. Am zweiten Tor empfing ihn Li Gui lachend: „Da ist der Zweite Herr! Ich wollte gerade in die Schule, um Euch abzuholen." Schatzjade fragte: „Wer hat dich geschickt?" Li Gui antwortete: „Die Alte Ahnin hat jemanden in den Garten geschickt, um den Zweiten Herrn zu suchen; die Mädchen dort sagten, er sei in der Schule. Die Alte Ahnin hat mich losgeschickt, um Euch ein paar Tage freizunehmen. Es soll auch Theater gespielt werden zur Feier. Und da seid Ihr schon!" Schatzjade ging hinein. Im ganzen Hof trugen Mädchen und Dienerinnen strahlende Gesichter; als sie ihn sahen, lachten sie: „Da kommt der Zweite Herr endlich! Geht schnell hinein und gratuliert der Alten Ahnin!" Schatzjade trat lachend ein. Kajaljade saß links neben die Herzoginmutter, rechts Xiangfluss-Wolke[13]; auf dem Boden standen Xing Furen und Wang Furen. Erkundefrühling[14], Bedauerfrühling[15], Seidenweiß Pflaume[16], Phönixglanz, Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume, Höhlennebel Strafe und alle Schwestern waren im Zimmer — nur Schatzspange[17], Kostbarzither Schnee und Willkommensfrühling[18] fehlten. Schatzjade war so glücklich, dass ihm die Worte fehlten. Er gratulierte eilig der Großmutter, dann Xing und Wang Furen und begrüßte alle Schwestern der Reihe nach. Dann wandte er sich lächelnd an Kajaljade: „Wie geht es der Schwester? Viel besser?" Kajaljade lächelte leicht: „Viel besser. Ich hörte, auch dem Zweiten Bruder war unwohl — ist er genesen?" Schatzjade sagte: „Ja, neulich nachts hatte ich plötzlich Herzschmerzen. In den letzten Tagen bin ich gerade wieder in die Schule gegangen und konnte nicht bei der Schwester vorbeischauen." Noch ehe er ausgesprochen hatte, wandte Kajaljade sich schon um und begann ein Gespräch mit Erkundefrühling. Phönixglanz stand daneben und lachte: „Ihr zwei benehmt euch, als wärt ihr nicht jeden Tag zusammen! Wie Gäste, so voller Höflichkeitsfloskeln — das ist wohl das, was man ‚sich gegenseitig wie Gäste achten' nennt." Alle lachten. Kajaljade wurde knallrot; sie wollte etwas sagen und wollte auch nichts sagen. Nach einem Moment brachte sie heraus: „Du verstehst gar nichts!" Das Gelächter wurde noch lauter. Phönixglanz merkte zu spät, dass ihre Worte unüberlegt waren. Gerade wollte sie ablenken, als Schatzjade plötzlich zu Kajaljade sagte: „Schwester Lin, stell dir vor, dieser vorlaute Yun …" Kaum hatte er den Satz begonnen, bemerkte er seinen Fehler und verstummte. Alle lachten wieder: „Wie kommt er denn jetzt darauf?" Kajaljade verstand es auch nicht und lächelte verlegen mit. Schatzjade suchte nach einem Gesprächsthema und fragte: „Vorhin hörte ich, dass jemand eine Theatervorstellung schenken will — für wann?" Alle sahen ihn belustigt an. Phönixglanz sagte: „Du hast es doch draußen gehört — warum fragst du uns?" Schatzjade nutzte die Gelegenheit: „Dann gehe ich hinaus und erkundige mich." die Herzoginmutter sagte: „Lauf nicht nach draußen: Erstens werden die Gratulanten dich auslachen; zweitens kommt dein Vater heute Abend in bester Stimmung zurück, und wenn er dich sieht, wird er wieder böse." Schatzjade sagte „Ja" und ging hinaus. Hier fragte die Herzoginmutter Phönixglanz: „Wer hat von einer Theatervorstellung gesprochen?" Phönixglanz antwortete: „Vom Haus des Zweiten Onkels heißt es, übermorgen sei ein günstiger Tag, und man wolle eine neue, junge Theatertruppe schicken, um der Alten Ahnin und dem gnädigen Herrn zu gratulieren." Dann lachte sie: „Nicht nur ist es ein günstiger Tag — es ist auch ein guter Tag: Übermorgen ist nämlich noch …" Dabei blickte sie lächelnd zu Kajaljade. Kajaljade lächelte ebenfalls. Wang Furen sagte: „Genau! Übermorgen ist auch der Geburtstag der Nichte!" die Herzoginmutter überlegte und lachte: „Man sieht, wie alt und vergesslich ich geworden bin! Zum Glück habe ich meine Phönixglanz als ‚Zeremonienmeisterin'. Da trifft sich alles wunderbar: Sein Onkel feiert ihn und die Beförderung, und dein Onkel richtet dir deinen Geburtstag aus — ist das nicht großartig!" Alle lachten und sagten: „Was immer die Alte Ahnin sagt, klingt wie aus einem gelehrten Buch — kein Wunder, dass sie so großes Glück hat!" Da kam Schatzjade herein; als er dies hörte, hüpfte er vor Freude. Man speiste gemeinsam bei der Herzoginmutter — es war ein fröhliches Mahl, das keiner weiteren Beschreibung bedarf. Nach dem Essen kehrte Aufrecht Kaufmann von der Dankzeremonie zurück, verneigte sich im Ahnentempel und kam dann, um vor der Herzoginmutter niederzuknien. Nach ein paar Worten im Stehen ging er hinaus, um Besucher zu empfangen. In den folgenden Tagen kamen und gingen Verwandte und Clanmitglieder unablässig; Wagen und Pferde füllten die Straße, Würdenträger drängten sich im Saal. Wahrhaftig: Wenn die Blume in voller Pracht steht, schwärmen Bienen und Schmetterlinge; Wenn der Mond im Vollglanz leuchtet, weitet sich Himmel und Meer. So vergingen zwei Tage, und der Festtag war gekommen. Am frühen Morgen hatte König Zisheng mit Verwandten bereits eine Theatertruppe geschickt. Vor der Herzoginmutter Haupthalle wurde eine Bühne errichtet. Draußen saßen die Herren in Amtsgewändern bei ihren Gästen; an die zehn Tische mit Festmahl waren für die Gratulanten aufgedeckt. Drinnen, da es eine neue Truppe war und die Herzoginmutter guter Laune war, hatte man hinter der Halle eine gläserne Bühnenwand aufgestellt und ebenfalls Festtafeln gedeckt. Am Ehrenplatz saß Tante Schnee mit Wang Furen und Kostbarzither Schnee als Begleiterinnen; gegenüber saß die Großmutter mit Xing Furen und Höhlennebel Strafe. Unten waren noch zwei Tische frei, und die Herzoginmutter rief: „Beeilt euch!" Da kam Phönixglanz mit den Mädchen herein, die alle Kajaljade umringten. Kajaljade hatte einige neue Kleidungsstücke angelegt und sah aus wie Chang'e, herabgestiegen aus dem Mond — mit verschämtem Lächeln trat sie heraus und begrüßte die Anwesenden. Xiangfluss-Wolke, Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume wollten ihr den Ehrenplatz überlassen, doch Kajaljade lehnte ab. Die Herzoginmutter lachte: „Heute darfst du dich dort setzen." Tante Schnee stand auf und fragte: „Hat das Fräulein Lin heute auch einen freudigen Anlass?" die Herzoginmutter lachte: „Es ist ihr Geburtstag." Tante Schnee rief: „Ach! Das habe ich ganz vergessen!" Sie trat heran und sagte: „Verzeiht meine Vergesslichkeit. Nachher soll Kostbarzither Schnee dem Fräulein zum Geburtstag gratulieren." Kajaljade lächelte: „Das ist zu viel der Ehre." Alle nahmen Platz. Kajaljade blickte sich um und bemerkte, dass einzig Schatzspange fehlte. Sie fragte: „Geht es Schwester Schatzspange gut? Warum kommt sie nicht?" Tante Schnee antwortete: „Sie wollte eigentlich kommen, aber es war niemand da, der das Haus hütet." Kajaljade errötete und lächelte: „Aber die Tante hat doch jetzt die Schwägerin im Haus — warum muss dann Schwester Schatzspange aufpassen? Wahrscheinlich hat sie einfach keine Lust auf so viel Trubel. Ich vermisse sie wirklich." Tante Schnee lachte: „Wie nett, dass du an sie denkst. Sie denkt auch oft an euch Mädchen. Demnächst bringe ich sie mit, damit ihr euch alle wiedersehen könnt." Die Mädchen kamen und schenkten Wein ein und servierten die Speisen. Draußen hatte die Vorstellung begonnen; die ersten ein, zwei Stücke waren naturgemäß Glückwunschspiele. Beim dritten Stück erschienen goldene Knaben und Jadejungfrauen mit Fahnen und Standarten und führten eine kleine Darstellerin in einem Federgewand aus Regenbogenfarben herein, einen schwarzen Schleier über dem Kopf. Sie sang ein paar Zeilen und ging ab. Niemand kannte das Stück. Von draußen hörte man: „Das ist die ‚Himmelfahrt' aus dem neuen Stück ‚Aufzeichnungen aus dem Reiperlenpalast'. Die kleine Darstellerin spielt Chang'e: Einst auf die Erde gefallen, wäre sie fast einem Mann zur Frau gegeben worden; doch dank der Erleuchtung durch Guanyin starb sie unverheiratet. Nun steigt sie zum Mondpalast empor. Hört, wie es im Lied heißt: ‚Die Menschen preisen Liebe und Leidenschaft — doch wissen sie, wie leicht Herbstmond und Frühlingsblüte vergehen? Beinahe hätte man den Palast des Weiten Kühlen vergessen.'" Das vierte Stück war „Kleie essen". Das fünfte zeigte Bodhidharma, der mit seinem Schüler den Fluss überquerte und in seine Heimat zurückkehrte — mit wunderbaren Luftspiegelungen, recht prächtig anzusehen. Alle waren in bester Stimmung, als plötzlich ein Diener der Familie Xue schweißüberströmt hereinstürzte und zu Xue Ke sagte: „Zweiter Herr, kommt schnell nach Hause! Und sagt auch drinnen der Gnädigen Frau Bescheid — zu Hause ist etwas Dringendes geschehen." Xue Ke fragte: „Was ist los?" Der Diener sagte: „Zu Hause erzähle ich es." Xue Ke ging, ohne sich zu verabschieden. Als Tante Schnee drinnen die Nachricht von den Mädchen hörte, wurde sie totenbleich, stand sofort auf, nahm Kostbarzither Schnee mit, sagte nur ein hastiges Wort des Abschieds und stieg in den Wagen. Drinnen wie draußen herrschte Bestürzung. Die Herzoginmutter sagte: „Schickt jemanden hinterher und erkundigt euch, was passiert ist — das geht uns alle an." Alle sagten: „Ja." Genug vom Theater bei den Jias. Tante Schnee kam zu Hause an und sah zwei Gerichtsdiener am zweiten Tor stehen, begleitet von einigen Pfandhaus-Angestellten, die sagten: „Jetzt, wo die Gnädige Frau da ist, wird sich alles regeln lassen." Kaum hatte sie es gehört, trat Tante Schnee auch schon ein. Die Gerichtsdiener sahen das große Gefolge aus Männern und Frauen, das eine ältere Dame umringte, und erkannten sie als Becken Schnees Mutter. Angesichts dieses Aufgebots wagten sie nichts zu sagen und ließen sie ehrerbietig passieren. Tante Schnee ging durch den Saal nach hinten und hörte schon von weitem jemanden laut weinen — es war Goldosmanthus. Tante Schnee eilte herbei; Schatzspange kam ihr entgegen, das Gesicht tränenverschmiert, und sagte: „Mama hat es gehört — bitte nicht aufregen, das Handeln ist jetzt wichtig." Tante Schnee und Schatzspange gingen ins Zimmer. Da Tante Schnee schon beim Hereinkommen von den Dienern das Wichtigste erfahren hatte, zitterte sie am ganzen Leib und fragte weinend: „Wen hat er umgebracht?" Die Diener antworteten: „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Einzelheiten. Egal wen — wenn einer tot ist, muss dafür gebüßt werden. Beraten wir, was zu tun ist." Tante Schnee brach in Tränen aus: „Was gibt es da noch zu beraten?" Die Diener sagten: „Nach unserer Meinung sollte man heute Nacht Geld zusammenpacken und den Zweiten Herrn losschicken, damit er den Ersten Herrn trifft. Dort muss ein erfahrener Winkeladvokat gefunden werden; gegen eine ordentliche Summe wird er zunächst die Todesstrafe abwenden. Danach kann man die Kaufmann-Familie bitten, bei den höheren Behörden ein gutes Wort einzulegen. Und die Gerichtsdiener draußen — die Gnädige Frau sollte ihnen ein paar Tael geben, damit wir freie Hand haben." Tante Schnee sagte: „Sucht die Familie des Toten auf, bietet Geld für die Bestattung und eine Unterstützungsrente an; wenn der Kläger die Anklage fallen lässt, beruhigt sich die Sache." Hinter dem Vorhang meldete sich Schatzspange: „Mama, das geht nicht! Bei solchen Sachen macht Geld alles nur schlimmer. Die Diener haben recht." Tante Schnee weinte wieder: „Ich will auch sterben! Ich fahre dorthin, sehe ihn noch einmal und sterbe mit ihm — dann ist alles vorbei." Schatzspange drängte und beschwichtigte gleichzeitig und rief hinter dem Vorhang: „Geht schnell mit dem Zweiten Herrn und handelt!" Die Mädchen stützten Tante Schnee und führten sie herein. Xue Ke ging nach draußen. Schatzspange rief ihm nach: „Schickt sofort einen Boten mit jeder Neuigkeit! Ihr anderen draußen — kümmert euch!" Xue Ke antwortete und ging. Kaum hatte Schatzspange die Mutter beruhigt, als Goldosmanthus die Gelegenheit nutzte, Duftkastanie zu packen und sie anzuschreien: „Immer habt ihr damit geprahlt, dass euer Haus schon einmal einen Totschlag begangen hat und es keinerlei Folgen hatte, und so seid ihr nach Peking gekommen. Jetzt habt ihr ihn angestiftet, wirklich jemanden totzuschlagen! Im Alltag protzt ihr ständig mit eurem Geld, eurer Macht und euren vornehmen Verwandten — und jetzt seid ihr genauso in Panik! Wenn der Herr am Ende nicht zurückkommt, geht ihr alle eurer Wege und lasst mich allein leiden!" Dabei heulte sie von Neuem. Tante Schnee hörte es und wurde vor Wut ohnmächtig. Schatzspange wusste sich keinen Rat. Mitten in dem Chaos hatte Wang Furen bereits eine ältere Dienerin herübergeschickt, um sich zu erkundigen. Schatzspange wusste im Stillen, dass sie der Kaufmann-Familie angehörte — doch erstens war noch nichts offiziell, und zweitens war es ein Notfall. So sagte sie der Dienerin: „Im Moment kennen wir die Einzelheiten noch nicht. Wir wissen nur, dass mein Bruder draußen jemanden im Streit getötet hat und vom Kreisgericht festgenommen wurde. Wie das Urteil ausfällt, wissen wir noch nicht. Der Zweite Herr ist gerade losgegangen, um sich zu erkundigen. Wenn wir sichere Nachricht haben, schicke ich sofort Nachricht hinüber. Danke der Gnädigen Frau für ihre Anteilnahme — in Zukunft werden wir die Hilfe der Herren drüben noch sehr nötig haben." Die Dienerin sagte zu und ging. Tante Schnee und Schatzspange warteten voller Angst. Nach zwei Tagen kam ein Diener mit einem Brief zurück und übergab ihn einem kleinen Mädchen. Schatzspange öffnete ihn und las: „Großer Bruders Totschlag ist ein unbeabsichtigter — kein vorsätzlicher Mord. Heute früh habe ich unter meinem Namen eine ergänzende Eingabe eingereicht; sie ist noch nicht beschieden. Großer Bruders erste Aussage war sehr ungünstig. Wenn die Eingabe genehmigt wird und bei der nächsten Vernehmung die Aussage zum Besseren gewendet werden kann, besteht Hoffnung auf ein Überleben. Holt schnell weitere fünfhundert Tael Silber aus dem Pfandhaus. Bitte nicht zögern! Gnädige Frau möge sich beruhigen. Alles Weitere beim Diener." Schatzspange las alles Tante Schnee vor. Diese trocknete ihre Tränen und sagte: „Demnach steht es also auf Messers Schneide zwischen Tod und Leben." Schatzspange sagte: „Mama, weine jetzt nicht. Lass den Diener hereinkommen und erzählen, dann wissen wir mehr." Sie schickte ein kleines Mädchen, den Diener hereinzurufen. Tante Schnee fragte: „Erzähle mir genau, was mit dem Ersten Herrn passiert ist." Der Diener sagte: „An dem Abend habe ich gehört, wie der Erste Herr es dem Zweiten Herrn erzählte — da bin ich vor Schreck ganz wirr geworden." Was der Diener berichtete, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). |