Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 46"

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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 46)
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= 第四十六回 =
 
== 尷尬人難免尷尬事 / 鴛鴦女誓絕鴛鴦偶 ==
 
=== In peinlicher Lage geraten peinliche Dinge unvermeidlich; Das Mandarinenenten-Maedchen schwoert, kein Mandarinenenten-Paar zu werden ===
 
==== In peinlicher Lage geraten peinliche Dinge unvermeidlich; Das Mandarinenenten-Maedchen schwoert, kein Mandarinenenten-Paar zu werden ====
 
  
 
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! style="width:50%" | 中文原文 (庚辰本)
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung
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! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)
 
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  探春有心的人,想王夫人雖有委曲,如何敢辯;薛姨媽也是親姊妹,自然也不好辯的;寶釵也不便為姨母辯;李紈、鳳姐、寶玉一概不敢辯;這正用著女孩兒之時,迎春老實,惜春小,因此窗外聽了一聽,便走進來陪笑向賈母道:「這事與太太什麼相干?老太太想一想,也有大伯子要收屋裡的人,小嬸子如何知道?便知道,也推不知道。」猶未說完,賈母笑道:「可是我老糊塗了!姨太太別笑話我。你這個姐姐他極孝順我,不象我那大太太一味怕老爺,婆婆跟前不過應景兒。可是委屈了他。」薛姨媽只答應「是」,又說:「老太太偏心,多疼小兒子媳婦,也是有的。」賈母道:「不偏心!」因又說道:「寶玉,我錯怪了你娘,你怎麼也不提我,看著你娘受委屈?」寶玉笑道:「我偏著娘說大爺大娘不成?通共一個不是,我娘在這裡不認,卻推誰去?我倒要認是我的不是,老太太又不信。」賈母笑道: 「這也有理。你快給你娘跪下,你說太太別委屈了,老太太有年紀了,看著寶玉罷。」寶玉聽了,忙走過去,便跪下要說;王夫人忙笑著拉他起來,說:「快起來,快起來,斷乎使不得。終不成你替老太太給我賠不是不成?」寶玉聽說,忙站起來。賈母又笑道:「鳳姐兒也不提我。」鳳姐兒笑道:「我倒不派老太太的不是,老太太倒尋上我了?」賈母聽了,與眾人都笑道:「這可奇了!倒要聽聽這不是。」鳳姐兒道:「誰教老太太會調理人,調理的水蔥兒似的,怎麼怨得人要?我幸虧是孫子媳婦,若是孫子,我早要了,還等到這會子呢。」賈母笑道:「這倒是我的不是了?」鳳姐兒笑道:「自然是老太太的不是了。」賈母笑道:「這樣,我也不要了,你帶了去罷!」鳳姐兒道:「等著修了這輩子,來生托生男人,我再要罷。」賈母笑道:「你帶了去,給璉兒放在屋裡,看你那沒臉的公公還要不要了!」鳳姐兒道:「璉兒不配,就只配我和平兒這一對燒糊了的卷子和他混罷。」說的眾人都笑起來了。丫鬟回說:「大太太來了。」王夫人忙迎了出去。要知端的
 
  探春有心的人,想王夫人雖有委曲,如何敢辯;薛姨媽也是親姊妹,自然也不好辯的;寶釵也不便為姨母辯;李紈、鳳姐、寶玉一概不敢辯;這正用著女孩兒之時,迎春老實,惜春小,因此窗外聽了一聽,便走進來陪笑向賈母道:「這事與太太什麼相干?老太太想一想,也有大伯子要收屋裡的人,小嬸子如何知道?便知道,也推不知道。」猶未說完,賈母笑道:「可是我老糊塗了!姨太太別笑話我。你這個姐姐他極孝順我,不象我那大太太一味怕老爺,婆婆跟前不過應景兒。可是委屈了他。」薛姨媽只答應「是」,又說:「老太太偏心,多疼小兒子媳婦,也是有的。」賈母道:「不偏心!」因又說道:「寶玉,我錯怪了你娘,你怎麼也不提我,看著你娘受委屈?」寶玉笑道:「我偏著娘說大爺大娘不成?通共一個不是,我娘在這裡不認,卻推誰去?我倒要認是我的不是,老太太又不信。」賈母笑道: 「這也有理。你快給你娘跪下,你說太太別委屈了,老太太有年紀了,看著寶玉罷。」寶玉聽了,忙走過去,便跪下要說;王夫人忙笑著拉他起來,說:「快起來,快起來,斷乎使不得。終不成你替老太太給我賠不是不成?」寶玉聽說,忙站起來。賈母又笑道:「鳳姐兒也不提我。」鳳姐兒笑道:「我倒不派老太太的不是,老太太倒尋上我了?」賈母聽了,與眾人都笑道:「這可奇了!倒要聽聽這不是。」鳳姐兒道:「誰教老太太會調理人,調理的水蔥兒似的,怎麼怨得人要?我幸虧是孫子媳婦,若是孫子,我早要了,還等到這會子呢。」賈母笑道:「這倒是我的不是了?」鳳姐兒笑道:「自然是老太太的不是了。」賈母笑道:「這樣,我也不要了,你帶了去罷!」鳳姐兒道:「等著修了這輩子,來生托生男人,我再要罷。」賈母笑道:「你帶了去,給璉兒放在屋裡,看你那沒臉的公公還要不要了!」鳳姐兒道:「璉兒不配,就只配我和平兒這一對燒糊了的卷子和他混罷。」說的眾人都笑起來了。丫鬟回說:「大太太來了。」王夫人忙迎了出去。要知端的
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==注释==
 
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Erst als die vierte Nachtwache zu Ende ging, schlief also Dai-yü allmählich ein. Und mehr ist einstweilen von ihr nicht zu berichten.
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Kapitel 46
Hsi-fëng aber, die von Dame Hsing gerufen worden war und nicht wußte, worum es ging, zog sich rasch um, stieg in den Wagen und fuhr hinüber. Dame Hsing schickte alle Bedienten aus dem Raum, dann sagte sie leise: „Ich habe dich nur deshalb extra kommen lassen, weil ich in einer Klemme stecke, in die mich der gnädige Herr gebracht hat. Ich weiß nicht, was ich machen soll, deshalb möchte ich mich erst einmal mit dir beraten.  
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Der gnädige Herr hat sich in Yüan-yang aus den Räumen der alten gnädigen Frau verguckt und möchte sie zur Nebenfrau haben. Darum hat er mich beauftragt, sie von der alten gnädigen Frau für ihn zu verlangen. Wie mir scheint, ist das eine ganz normale Sache, aber ich fürchte, die alte gnädige Frau wird Yüan-yang nicht hergeben wollen. Weißt du nicht einen Rat?“
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Wer in der Klemme steckt, dem bleiben peinliche Auftritte nicht erspart — Mandarinenente<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente“. Erste Kammerzofe der Herzoginmutter. Mandarinenenten gelten in China als Symbol ehelicher Treue.</ref> schwört, nie ein Mandarinenenten-Paar zu bilden
„Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch an so etwas nicht die Zähne ausbeißen“, erwiderte Hsi-fëng rasch. „Ohne Yüan-yang bekommt die alte gnädige Frau keinen Bissen herunter. Wie würde sie sich da von ihr trennen wollen?! Außerdem hat die alte gnädige Frau, wenn das Gespräch darauf kam, schon oft gefragt, wozu sich der gnädige Herr, der doch schon in die Jahre kommt, immer noch links und rechts Nebenfrauen nimmt. Zum einen mache er die Mädchen unglücklich, und zum anderen schade er seiner Gesundheit. Und anstatt seinen Posten ordentlich zu versehen, trinke er den ganzen Tag Wein mit seinen Nebenfrauen. Hört sich das für Euch so an, als ob sie den gnädigen Herrn sehr mag?
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Aber nicht genug damit, daß es ungewiß ist, ob er einem Zusammen­prall noch entgehen kann, stochert er dem Tiger mit einem Strohhalm in den Nasenlöchern herum. Seid mir nicht böse, gnädige Frau, aber ich wage das nicht zu übernehmen. Nicht nur, daß es keinen Sinn hat, es kommt nur Ärger dabei heraus. Wenn der gnädige Herr in seinem Alter so unpassende Dinge tut, müßtet Ihr ihm gut zureden. Schließlich ist es doch etwas anderes, als wenn ein Jüngerer so etwas macht. Da stört es nicht. Aber wie will er, der so einen Haufen Brüder, Neffen, Söhne und Enkel hat, den Leuten noch ins Gesicht sehen, wenn er sich dermaßen aufführt?“
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Erst gegen Ende der vierten Nachtwache schlief Kajaljade [黛玉]<ref>Chin. 黛玉 Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade“. Lin Daiyu, eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Romans.</ref> allmählich ein. Mehr ist von ihr einstweilen nicht zu berichten.
„In anderen großen Familien haben die Söhne vielfach drei Nebenfrau­en und vier Beischläferinnen, und ausgerechnet wir dürfen das nicht?“ fragte Dame Hsing mit kühlem Lächeln. „Außerdem wird er sich sowieso kaum da­nach richten, was ich ihm rate. Aber die alte gnädige Frau wird es schlecht ablehnen können, wenn ihr ältester Sohn, der schon einen grauen Bart hat und ein Amt bekleidet, ihre Lieblingsmagd zu seiner Konkubine machen möchte.
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Ich habe dich kommen lassen, um mich mit dir zu beraten, du aber überhäufst mich mit Vorwürfen. Wollte ich denn dich schicken, um mit der alten gnädigen Frau zu sprechen? Zureden soll ich ihm, sagst du. Kennst du seinen Charakter immer noch nicht? Nicht nur, daß er sich nicht zureden läßt, als erstes würde er mir böse sein.“
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Nun soll erzählt werden, dass Phönixglanz [凤姐]<ref>Chin. 凤姐 Fèngjie (vollst. 王熙凤 Wáng Xīfèng), wörtl. „Phönix-Glanz“. Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.</ref>, die von Frau Strafe [邢夫人] gerufen worden war und nicht wusste, worum es ging, sich rasch umkleidete und im Wagen hinüberfuhr. Frau Strafe schickte alle Bediensteten aus dem Zimmer und sagte dann leise zu Phönixglanz: „Ich habe dich nicht wegen einer Belanglosigkeit kommen lassen. Es gibt da eine heikle Angelegenheit: Der gnädige Herr [贾赦] hat mich damit beauftragt, aber ich weiß nicht, was ich machen soll, und wollte mich erst einmal mit dir beraten. Der gnädige Herr hat ein Auge auf Mandarinenente [鸳鸯] geworfen, die Dienerin der Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die älteste und ranghöchste Person der Kaufmann-Familie.</ref>, und möchte sie als Nebenfrau in sein Haus nehmen. Er hat mich gebeten, sie bei der Herzoginmutter für ihn zu erbitten. Ich denke mir, so etwas kommt ja häufig vor, aber ich fürchte, die Herzoginmutter wird sie nicht hergeben wollen. Weißt du einen Rat?“
Hsi-fëng wußte, daß Dame Hsing, von Natur aus dumm und halsstarrig, um ihrer Sicherheit willen Djia Schë in allen Dinge Gehorsam leistete und sich damit begnügte, Besitz und Reichtum anzuhäufen. Alle Familienangele­gen­heiten, ob groß oder klein, ließ sie Djia Schë allein entscheiden, die Ein- und Auszahlungen jedoch gingen durch ihre Hände. Und den ungewöhn­li­chen Geiz, den sie dabei an den Tag legte, begründete sie damit, daß Djia Schë ein Verschwender sei, was sie durch Sparsamkeit wett machen müsse. Weder auf ihre Kinder noch auf ihre Sklavinnen stützte sie sich, und sie ließ sich auch kein Wort von ihnen sagen.
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Als Hsi-fëng hörte, was Dame Hsing ihr zur Antwort gab, erkannte sie, daß sie wieder einmal ihre Mucken hatte und daß es zwecklos war, ihr zuzureden. Darum setzte sie schnell ein Lächeln auf und erwiderte: „Ihr habt ganz recht, gnädige Frau. Wie alt bin ich schon, und was weiß ich schon richtig einzuschätzen! Nicht nur eine Magd, selbst den größten Schatz würde die alte gnädige Frau ihrem Sohn geben. Wem sonst! Wie sollte man dem Glauben schenken, was sie mir unter vier Augen gesagt hat! Ich bin wirklich ein dummes Ding.  
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Als Phönixglanz das hörte, sagte sie rasch: „Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch an diesem Nagel lieber nicht die Zähne ausbeißen. Ohne Mandarinenente bekommt die Herzoginmutter [贾母] keinen Bissen herunter — wie sollte sie sich von ihr trennen wollen? Zudem hat die Herzoginmutter schon oft im Gespräch gesagt, der gnädige Herr sei jetzt in die Jahre gekommen, und wozu er sich immer noch links und rechts Nebenfrauen halte. Er mache nur die Mädchen unglücklich. Anstatt auf seine Gesundheit zu achten und sein Amt ordentlich zu versehen, trinke er den ganzen Tag mit seinen Nebenfrauen. Klingt das so, als ob die Herzoginmutter den gnädigen Herrn sehr schätzt? Jetzt, wo man froh sein sollte, einem Zusammenstoß noch aus dem Weg gehen zu können, will man dem Tiger mit einem Strohhalm in die Nasenlöcher stochern! Seid mir nicht böse, gnädige Frau, aber ich wage das nicht zu übernehmen. Es hat offensichtlich keinen Sinn, und man holt sich nur Ärger. Der gnädige Herr ist jetzt in dem Alter, wo er solche Dinge lassen sollte — Ihr müstet ihm zureden. Das ist etwas anderes als bei einem jungen Mann, da schadet es nicht. Aber mit diesem ganzen Haufen von Brüdern, Neffen, Söhnen und Enkeln solch ein Aufsehen zu machen — wie will er da noch den Leuten ins Gesicht sehen?“
Auch wenn der junge Herr Liän einmal etwas falsch gemacht hat, so daß ihn der gnädige Herr und die gnädige Frau vor Wut am liebsten auf der Stelle erschlagen hätten, war doch alles wieder gut, sobald sie ihm nur ins Gesicht sahen, und sie hätten ihm geschenkt, was ihnen lieb und teuer ist. Genauso wird jetzt natürlich die alte gnädige Frau den gnädigen Herrn behandeln.  
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Mir schien, die alte gnädige Frau sei heute bei guter Laune, wenn Ihr also Yüan-yang von ihr verlangen wollt, dann verlangt sie jetzt! Ich werde vorfahren und die alte gnädige Frau zum Lachen bringen. Wenn Ihr dann kommt, gehe ich unter dem Vorwand hinaus, ich wolle nicht stören, und nehme auch die anderen mit, die im Zimmer sind. So könnt ihr in Ruhe mit der alten gnädigen Frau sprechen. Wenn sie dem gnädigen Herrn Yüan-yang überläßt, ist es gut, und wenn nicht, macht es auch nichts, weil niemand anders davon erfährt.“
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Frau Strafe sagte mit kühlem Lächeln: „In anderen großen Familien haben die Herren drei Nebenfrauen und vier Konkubinen — warum sollen ausgerechnet wir das nicht dürfen? Selbst wenn ich ihm zurede, wird er sich kaum danach richten. Und wenn der älteste Sohn, der schon einen graün Bart hat und ein Amt bekleidet, das Lieblingsmädchen seiner Mutter zur Nebenfrau machen will — wie kann man das wohl abschlagen? Ich habe dich kommen lassen, um mich mit dir zu beraten, und du überhäuflst mich gleich mit Vorwürfen. Habe ich denn gesagt, du sollst hingehen und mit ihr reden? Natürlich gehe ich selbst. Du sagst, ich solle ihm zureden — kennst du denn sein Temperament immer noch nicht? Wenn man ihm zuredet, wird er erst recht nicht hören, und als Erstes wird er mir böse.“
Als Dame Hsing diese Worte hörte, wurde sie wieder froh und sagte: „Ich hatte nicht die Absicht, zuerst die alte gnädige Frau zu fragen, denn wenn sie nein sagt, ist die Sache geplatzt. Ich wollte zunächst einmal in aller Stille mit Yüan-yang sprechen. Sie wird sich zwar genieren, aber wenn ich ihr alles erklärt habe, wird sie natürlich nichts einzuwenden haben, und damit ist die Sache entschieden. Dann erst spreche ich mit der alten gnädigen Frau, und selbst wenn sie nicht mag, kann sie nichts machen, weil Yüan-yang einverstanden ist. ‚Wer gehen will, läßt sich nicht aufhalten‘, sagt man. So wird es bstimmt gelingen.“
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„Ihr seid wirklich ein geschickter Stratege, gnädige Frau!“, schmeichelte Hsi-fëng lächelnd. „Dieser Plan ist einfach unfehlbar. Nicht nur Yüan-yang, auch jede andere möchte gern hochkommen und etwas aus sich machen. Wer würde nicht gern eine halbe Herrin werden, anstatt eine Magd zu bleiben und eines Tages mit einem Diener verheiratet zu werden!
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Phönixglanz wusste, dass Frau Strafe von Natur aus eigensinnig und beschränkt war. Sie kannte nur das eine: Begnadigung Kaufmann [贾赦]<ref>Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, wörtl. „Begnadigung Kaufmann“. Der ältere Sohn der Herzoginmutter.</ref> in allem zu Willen zu sein, um ihre eigene Position zu sichern, und darüber hinaus Besitz und Reichtum an sich zu raffen. Alle Familienangelegenheiten, ob groß oder klein, überließ sie Begnadigung Kaufmann. Nur wo es um Geld ging, behielt sie die Zügel in der Hand und war dann von ungewöhnlichem Geiz — unter dem Vorwand, Kaufmann Begnaadigungen sei ein Verschwender und sie müsse durch Sparsamkeit ausgleichen, was er vergeude. Auf keines ihrer Kinder oder Dienstboten stützte sie sich, und keinem hörte sie zu. Als Phönixglanz nun diese Worte hörte, wusste sie, dass Frau Strafe wieder ihren Starrsinn an den Tag legte und dass Zureden keinen Sinn hatte. Deshalb setzte sie rasch ein Lächeln auf und sagte: „Ihr habt völlig recht, gnädige Frau. Wie alt bin ich denn schon, und was verstehe ich davon, was wichtig und was unwichtig ist? Vor den Eltern braucht man gar nicht erst zu fragen — nicht nur ein Dienstmädchen, selbst den kostbarsten Schatz würde man dem gnädigen Herrn geben, wem denn sonst? Was einem hinter dem Rücken gesagt wird, darauf darf man nichts geben! Ich bin wirklich ein Dummkopf. Wenn Kette Kaufmann [贾琏]<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kette Kaufmann“. Sohn von Begnadigung Kaufmann, Ehemann von Phönixglanz.</ref> etwas angestellt hat, sind der gnädige Herr und die gnädige Frau so wütend, dass sie ihn am liebsten auf der Stelle erschlagen würden. Aber kaum sehen sie ihn, ist alles vergessen, und sie beschenken ihn mit dem, was ihnen am liebsten ist. Genauso wird natürlich die Herzoginmutter den gnädigen Herrn behandeln. Meiner Meinung nach ist die Herzoginmutter heute guter Laune wenn Ihr Mandarinenente erbitten wollt, dann tut es heute gleich! Ich fahre voraus und bringe die Herzoginmutter zum Lachen. Sobald Ihr dann kommt, ziehe ich mich unter einem Vorwand zurück und nehme auch die übrigen Anwesenden mit hinaus, damit Ihr in Ruhe mit der Herzoginmutter sprechen könnt. Willigt sie ein, umso besser; willigt sie nicht ein, macht es auch nichts, weil niemand sonst davon erfährt.“
„Eben das ist es, was ich meine“, sagte Dame Hsing und lächelte ebenfalls. „Nicht nur Yüan-yang, auch jede von den verantwortlichen Mägden wäre gern dazu bereit. Fahr du nur schon hinüber, verrate aber kein Wort! Wenn ich zu Abend gegessen habe, komme ich nach.“
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„Mit Yüan-yang ist nicht zu spaßen“, überlegte Hsi-fëng indessen still bei sich. „Und was man auch immer sagen mag, es ist nicht sicher, daß sie wirklich einverstanden ist. Wenn ich vorfahre und die gnädige Frau nachkommt, will das nichts besagen, sofern Yüan-yang nur zustimmt. Stimmt sie aber nicht zu, wird die gnädige Frau – mißtrauisch, wie sie ist – argwöhnen, ich hätte etwas verraten, und wird sich wer weiß wie aufspielen. Wenn sie sehen muß, daß ich recht hatte, wird ihre Scham zu Wut werden, und diese Wut wird sie an mir auslassen. Das wäre unangenehm. Darum ist es das beste, wir fahren zusammen hinüber. Dann ist es egal, ob Yüan-yang zustimmt oder nicht, auf mich kann kein Verdacht fallen.“
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Als Frau Strafe diese Worte hörte, wurde sie wieder froh und sagte: „Mein Plan war eigentlich, zuerst nicht die Herzoginmutter zu fragen. Wenn die Herzoginmutter nein sagt, ist die Sache gestorben. Ich wollte zuerst leise und unauffällig mit Mandarinenente reden. Sie wird sich zwar genieren, aber wenn ich ihr alles erkläre, wird sie natürlich nichts einzuwenden haben, und die Sache ist beschlossen. Dann erst spreche ich mit der Herzoginmutter. Selbst wenn die Herzoginmutter nicht einverstanden ist — Mandarinenente ist ja bereits einverstanden, und wie das Sprichwort sagt: ‚Wer gehen will, lässt sich nicht halten.So wird es ganz bestimmt gelingen.“
Nachdem sie diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte sie lächelnd: „Als ich vorhin losfahren wollte, wurden mir eben aus dem Hause meines Onkels zwei Körbe Wachteln gebracht. Ich hatte befohlen, sie in Öl zu backen, und dachte, ich käme noch zurecht, sie Euch zum Abendessen herzuschicken. Und als ich hier zum Tor hereinkam, sah ich, wie die Dienerknaben einen Wagen hinausbrachten. Sie sagten, es sei Euer Wagen, der einen Riß habe, und sie wollten ihn zur Reparatur schaffen. Da wäre es doch gut, wenn Ihr mit in meinen Wagen steigt, und wir fahren gemeinsam hinüber!
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Als Dame Hsing das hörte, rief sie nach ihren Sklavinnen, um sich umzuziehen, und rasch ging ihr Hsi-fëng dabei zur Hand. Dann setzten sich Schwiegermutter und Schwiegertochter zusammen in den Wagen und fuhren hinüber. Dort angekommen, sagte Hsi-fëng: „Es wäre unangenehm, wenn ich Euch zur alten gnädigen Frau begleiten und sie fragen würde, warum wir gemeinsam kämen. Darum ist es besser, Ihr geht vor, und ich komme nach, wenn ich meine Ausgehkleider abgelegt habe.“
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Ihr seid wahrlich eine kluge Strategin, gnädige Frau! Dieser Plan ist hundertfach sicher. Nicht nur Mandarinenente — wer würde nicht gern aufsteigen und es zu etwas bringen? Wer würde nicht lieber eine halbe Herrin werden, als Dienstmädchen zu bleiben und eines Tages mit einem Knecht verheiratet zu werden?
Dame Hsing fand es vernünftig, was Hsi-fëng sagte, und ging allein zur Herzoginmutter. Nachdem sie ein Weilchen mit ihr geplaudert hatte, gab sie vor, Dame Wang besuchen zu wollen, und ging durch die Hintertür hinaus. Als sie an Yüan-yangs Schlafraum vorbeikam, sah sie, daß Yüan-yang dasaß und mit einer Nadelarbeit beschäftigt war. Beim Anblick von Dame Hsing stand sie rasch auf.
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Lächelnd sprach Dame Hsing sie an: „Was machst du da? Laß mich einmal sehen! Deine Muster werden immer besser.“ Mit diesen Worten nahm sie ihr die Nadelarbeit aus der Hand, sah sie sich an und lobte sie in einem fort. Dann legte sie die Arbeit hin und musterte Yüan-yang von Kopf bis Fuß. Sie sah, daß sie eine abgetragene Jacke aus zartlila Seide und eine Überweste aus dunkelblauem Atlas trug, die mit andersfarbiger Borte eingefaßt war, und unten herum einen blaßgrünen Rock. Ihre Taille war zart, ihr Rücken schmal, das Gesicht oval wie ein Entenei, die Haare schwarz und ölglänzend, die Nase setzte hoch an, und beide Wangen waren leicht mit Sommersprossen gesprenkelt.
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Frau Strafe sagte lächelnd: „Genau das meine ich. Nicht nur Mandarinenente — auch jede der leitenden Mägde wäre gern dazu bereit. Fahr du nur voraus, aber verrate kein Sterbenswort! Sobald ich zu Abend gegessen habe, komme ich nach.“
Als Yüan-yang sich dermaßen beäugt sah, fühlte sie sich unangenehm berührt und bekam einen Schreck. „Was macht Ihr um diese Stunde hier, gnädige Frau?“ fragte sie lächelnd.
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Dame Hsing warf ihren Begleiterinnen einen Blick zu, und sie gingen hinaus. Dann setzte sie sich hin, faßte nach Yüan-yangs Hand und sagte lächelnd: „Ich komme extra, um dir eine frohe Botschaft zu bringen.“
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Phönixglanz überlegte insgeheim: „Mandarinenente ist eine, mit der nicht zu spaßen ist. Auch wenn man so redet, ist keineswegs sicher, dass sie einverstanden ist. Wenn ich vorausfahre und die gnädige Frau nachkommt — stimmt Mandarinenente zu, ist alles gut. Stimmt sie aber nicht zu, wird die gnädige Frau argwöhnen — misstrauisch wie sie ist , ich hätte etwas verraten und Mandarinenente zum Widerstand angestiftet. Dann wird ihre Beschämung zu Wut, und sie lässt es an mir aus. Das wäre äußerst unangenehm. Besser, wir fahren gemeinsam hinüber. Ob Mandarinenente einverstanden ist oder nicht, auf mich kann dann kein Verdacht fallen.“
Bei diesen Worten ahnte Yüan-yang schon zu drei Zehnteln, worum es ging, und unwillkürlich wurde sie rot. Sie senkte den Kopf, sprach kein Wort und hörte, wie Dame Hsing weiter sagte: „Du weißt, daß der gnädige Herr niemand hat, auf den er sich verlassen kann. Er würde gern jemand kaufen, doch es ist zu befürchten, daß man bei den Händlern nichts Sauberes bekommt. Außerdem kann man nicht wissen, was so eine für Mängel hat. Man nimmt sie ins Haus, und nach drei Tagen fängt sie dann an, verrückt zu spielen.
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Also haben wir uns im ganzen Anwesen unter den Töchtern der Fa­mi­lien­sklaven  umgesehen,  um eine zu uns  zu nehmen,  aber wir konnten  nie-
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Nachdem sie diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte sie lächelnd: „Als ich vorhin losfahren wollte, schickte die Tante meiner Mutter [Anm.: im Originaltext 舅母, die Frau des Onkels mütterlicherseits] eben zwei Körbe Wachteln. Ich habe angeordnet, sie in Öl zu backen, und wollte sie Euch eigentlich noch rechtzeitig zum Abendessen schicken lassen. Als ich hier zum Tor hereinkam, sah ich die Diener einen Wagen hinaustragen. Sie sagten, Euer Wagen habe eine aufgegangene Naht und werde zur Reparatur gebracht. Da wäre es doch das Einfachste, Ihr steigt zu mir in den Wagen, und wir fahren gemeinsam hinüber.
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Frau Strafe hörte das und befahl sofort, ihr die Kleider zum Wechseln zu bringen. Phönixglanz half ihr eilfertig beim Umkleiden, und dann fuhren die beiden zusammen im Wagen davon. Unterwegs sagte Phönixglanz: „Wenn Ihr zur Herzoginmutter geht und ich Euch begleite, könnte die Herzoginmutter fragen, warum wir gemeinsam kommen — das wäre ungünstig. Besser, Ihr geht voraus, und ich komme nach, sobald ich mich umgezogen habe.“
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Frau Strafe fand das vernünftig und ging allein zur Herzoginmutter. Nachdem sie eine Weile geplaudert hatte, gab sie vor, Wang Furen [王夫人] besuchen zu wollen, und ging durch die Hintertür hinaus. So kam sie an Mandarinenentes Schlafkammer vorbei. Mandarinenente saß drinnen bei ihrer Näharbeit. Als sie Frau Strafe erblickte, stand sie eilig auf.
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Frau Strafe sagte lächelnd: „Was machst du da? Lass mich sehen! Deine Stickereien werden immer schöner.“ Dabei nahm sie Mandarinenente die Handarbeit ab, betrachtete sie und lobte sie in einem fort. Dann legte sie die Arbeit beiseite und musterte Mandarinenente von Kopf bis Fuß. Sie sah, dass sie eine halbgetragene Jacke in zartem Lotusrosa aus Seide trug, darüber eine Überweste aus dunklem Satin mit kontrastierenden Bordüren, und unten einen blassgrünen Rock. Ihre Taille war schlank, ihr Rücken schmal, das Gesicht oval wie ein Entenei, das Haar schwarz und ölglänzend, die Nase hoch und fein, und auf beiden Wangen zeigten sich ein paar zarte Sommersprossen.
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Als sich Mandarinenente so beäugt sah, wurde es ihr selbst peinlich, und im Herzen stieg ein Verdacht in ihr auf. Sie fragte lächelnd: „Gnädige Frau, was führt Euch denn zu dieser ungewöhnlichen Stunde hierher?“
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Frau Strafe gab ihren Begleiterinnen einen Wink, und sie zogen sich zurück. Dann setzte sie sich, fasste Mandarinenentes Hand und sagte lächelnd: „Ich komme eigens, um dir frohe Botschaft zu bringen.“
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Als Mandarinenente das hörte, ahnte sie schon zu drei Zehnteln, worum es ging. Unwillkürlich wurde sie rot, senkte den Kopf und sagte kein Wort. Da fuhr Frau Strafe fort: „Du weißt doch, dass der gnädige Herr niemand an seiner Seite hat, auf den er sich verlassen kann. Er würde gern eine Frau kaufen, aber er fürchtet, dass die Mädchen von den Händlern nicht sauber und anständig sind und man nicht weiß, welche Mängel sie mitbringen. Man nimmt sie ins Haus, und nach zwei, drei Tagen fängt sie an, Unfug zu treiben. Deshalb hat man unter sämtlichen Töchtern der Hausdienerfamilien im ganzen Anwesen eine auswählen wollen — aber keine war gut genug: Entweder stimmte das Aussehen nicht, oder der Charakter war schlecht; hatte man den einen Vorzug, fehlte der andere. Nachdem man so ein halbes Jahr lang nüchtere Auswahl gehalten hat, bist du als die Allerbeste unter allen Mädchen übriggeblieben. Aussehen, Betragen, Sanftmut und Zuverlässigkeit — alles ist vorhanden. Der gnädige Herr beabsichtigt, die Herzoginmutter zu bitten, dich zu uns zu geben und als Nebenfrau aufzunehmen. Du bist ja nicht zu vergleichen mit einer neu Gekauften von draußen — sobald du bei uns einziehst, wirst du ausstaffiert, als Nebenfrau anerkannt und genießt Ansehen und Ehre. Du bist doch ein ehrgeizig Mensch, und wie das Sprichwort sagt: ‚Gold kann nur gegen Gold getauscht werden.‘ Wer hätte gedacht, dass der gnädige Herr gerade dich erwählt! Jetzt kannst du dir deinen langgehegten ehrgeizigen Wunsch erfüllen und allen, die auf dich herabsehen, den Mund stopfen. Komm mit mir zur Herzoginmutter!“
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Bei diesen Worten ergriff sie Mandarinenentes Hand und wollte aufbrechen. Doch Mandarinenente errötete, entzog ihr die Hand und ging nicht mit.
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Frau Strafe, die glaubte, Mandarinenente geniere sich, sagte: „Es ist doch nichts Peinliches dabei. Du brauchst gar nichts zu sagen — folge mir einfach.“
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Doch Mandarinenente hielt den Kopf gesenkt und rüherete sich nicht von der Stelle.
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Als Frau Strafe das sah, sagte sie: „Willst du etwa nicht? Wenn du wirklich nicht willst, bist du ein dummes Ding! Da verzichtest du darauf, Herrin zu werden, und ziehst es vor, Dienstmädchen zu bleiben! In zwei, drei Jahren wirst du mit irgendeinem Knecht verheiratet und bist nach wie vor eine Sklavin. Komm mit uns! Du kennst doch meinen Charakter — ich bin gutmütig und keine, die andere nicht gewahren lässt. Auch der gnädige Herr behandelt euch gut. In ein, zwei Jahren, wenn du ein Kind zur Welt gebracht hast, stehst du auf gleicher Stufe mit mir. Wen immer du im Haushalt befehligen willst — wer wagte es, sich dir zu widersetzen? Die Gelegenheit, eine Herrin zu werden, liegt vor dir — wenn du sie verstreichen lässt, kommt die Reue zu spät.“
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Mandarinenente hielt weiter den Kopf gesenkt und schwieg. Frau Strafe fuhr fort: „Du warst doch sonst immer so frank und frei — warum bist du jetzt so verschlossen? Wenn dir etwas nicht passt, sag es mir nur — ich sorge dafür, dass alles nach deinen Wünschen geschieht.“
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Mandarinenente schwieg weiter. Frau Strafe sagte lächelnd: „Wahrscheinlich hast du Vater und Mutter und willst nicht selbst etwas sagen, weil es dir peinlich ist. Du willst warten, bis sie dich fragen — das ist verständlich. Ich werde mich also an sie wenden und sie herbitten, damit sie mit dir reden. Was du sagen willst, sag es ihnen.“ Damit stand sie auf und begab sich in Phönixglanz‚ Räume.
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Phönixglanz hatte sich längst umgezogen. Da niemand sonst im Zimmer war, hatte sie die Sache Friedchen [平儿]<ref>Chin. 平儿 Píng’ér, wörtl. „Friedchen“. Phönixglanz’ erste Kammerzofe und Vertraute.</ref> erzählt. Friedchen schüttelte den Kopf und sagte lächelnd: „Meiner Meinung nach wird das nichts. Wenn wir unter uns sind und über sie reden, hat sie nach allem, was man von ihr weiß, ganz sicher nicht die Absicht einzuwilligen. Aber warten wir es ab.“
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Phönixglanz sagte: „Die gnädige Frau wird bestimmt hierher kommen, um sich mit mir zu beraten. Wenn Mandarinenente einwilligt, gibt es nichts zu besprechen. Willigt sie aber nicht ein und hat sich die gnädige Frau eine Abfuhr geholt, dann wäre es ihr vor euch peinlich — das würde ihr Gesicht verletzen. Sag den Leuten, sie sollen die Wachteln in Öl backen und ein paar Beilagen dazu vorbereiten. Du aber geh inzwischen irgendwo spazieren und komm erst zurück, wenn du schätzt, dass sie fort ist.“
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Friedchen hörte das, gab den Auftrag wie üblich an die Dienerinnen weiter und schlenderte dann seelenruhig in den Garten hinüber.
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Unterdessen sagte sich Mandarinenente, als sie Frau Strafe fortgehen sah: Die geht bestimmt zu Phönixglanz, um sich zu beraten, und dann schickt man jemanden zu mir — besser, ich verschwinde. Also suchte sie Bernstein [琥珀]<ref>Chin. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein“. Eine Kammerzofe der Herzoginmutter.</ref> auf und sagte: „Wenn die Herzoginmutter nach mir fragt, sag ihr, mir sei nicht wohl, ich hätte kein Frühstück gegessen und sei in den Garten gegangen, käme aber bald zurück.“ Bernstein versprach es.
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So kam auch Mandarinenente in den Garten und streifte überall umher, bis sie unversehens auf Friedchen stieß. Da niemand in der Nähe war, sagte Friedchen lächelnd: „Da kommt ja die neue Nebenfrau!“
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Mandarinenente wurde rot und sagte: „So ist das also! Ihr habt euch wohl alle verschworen, über mich zu bestimmen! Warte nur, ich gehe zu deiner Herrin und mache Krawall!“
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Friedchen bereute sofort ihre unbedachten Worte. Sie fasste Mandarinenente bei der Hand und zog sie unter einen Ahornbaum, wo sie sich auf einen Felsen setzten. Dann erzählte sie ihr ausführlich und ohne etwas auszulassen, wie Phönixglanz bei Frau Strafe gewesen war und was besprochen und gesagt worden war.
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Mandarinenente errötete und sagte mit bitterem Lächeln zu Friedchen: „Weil wir so eng befreundet sind — denk nur an Dufthauch [袭人]<ref>Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Die Überraschende“ (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an“). Schatzjades erste Kammerzofe.</ref>, Bernstein, Reinwolke [素云]<ref>Chin. 素云 Sùyún, wörtl. „Reine Wolke“. Kammerzofe von Frau Li.</ref>, Purpurkuckuck [紫鹃]<ref>Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck“. Kajaljades Kammerzofe.</ref>, Buntwolke [彩霞]<ref>Chin. 彩霞 Cǎixiá, wörtl. „Bunte Wolke“. Ein Dienstmädchen.</ref>, Jadearmbband [玉钏儿], Moschusmond [麝月]<ref>Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschus-Mond“. Eine von Schatzjades Kammerzofen.</ref>, Tintenjadegrüen [翠墨], und Jadering [翠缕], die dem Fräulein Shi [史湘云] gefolgt ist, Lieblich [可人] und Goldarmband [金钏]<ref>Chin. 金钏 Jīnchuàn, wörtl. „Gold-Armreif“. Verstorbene Kammerzofe, Schwester von Jadearmband.</ref>, die beide gestorben sind, und die fortgegangene Scharlachschnee [茜雪]<ref>Chin. 茜雪 Qiànxuě, wörtl. „Scharlach-Schnee“. Eine ehemalige Dienerin Schatzjades.</ref>, und dazu du und ich — was haben wir von klein auf nicht alles miteinander geteilt, was haben wir nicht alles zusammen getan! Jetzt sind wir alle groß geworden, und jede geht ihrer eigenen Wege, aber in meinem Herzen ist alles wie früher: Was ich denke und was mich beschäftigt, verberge ich nicht vor euch. Deshalb sage ich dir etwas, das du vorerst in deinem Herzen bewahren und nicht der jungen Herrin weitersagen sollst: Nicht nur, dass mich der ältere gnädige Herr zur Nebenfrau nehmen will — selbst wenn die gnädige Frau jetzt auf der Stelle stüerbe und er mich mit drei Heiratsvermittlern und sechs Zeugen als Hauptfrau heiraten wollte, ich könnte nicht dorthin gehen!“
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Friedchen wollte gerade lächelnd antworten, da erscholl hinter dem Felsen ein prustendes Lachen: „Was für ein schamloses Ding! Wie kannst du nur so reden, ohne rot zu werden!“ Die beiden erschraken, sprangen auf und spähten hinter den Felsen. Es war niemand anders als Dufthauch, die lächelnd hervortrat und fragte: „Was ist denn los? Erzählt mir alles!“
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Die drei setzten sich auf den Felsen, und Friedchen wiederholte alles, was sie eben Mandarinenente erzählt hatte.
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Dufthauch sagte: „Eigentlich gehört es sich nicht, dass Leute wie wir so etwas sagen, aber der ältere gnädige Herr ist wirklich zu lüsternn! Sobald eine auch nur ein halbwegs hübsches Gesicht hat, lässt er die Finger nicht von ihr.“
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Friedchen sagte: „Da du nicht willst, sage ich dir ein Mittel, wie du die Sache ganz ohne Umstände erledigen kannst.“
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„Was für ein Mittel? Sag es!“ verlangte Mandarinenente.
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Friedchen sagte lächelnd: „Du brauchst nur zur Herzoginmutter zu gehen und zu sagen, du seist bereits dem Zweiten Jungen Herrn Kette Kaufmann [贾琏] versprochen. Dann kann der ältere gnädige Herr dich schlecht noch für sich verlangen.“
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Mandarinenente spuckte aus und schimpfte: „Was für ein Unsinn! Und du sagst das auch noch! Hat deine Herrin neulich nicht genau solchen Blödsinn geredet? Und nun bewahrheitet es sich auch noch!“
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Dufthauch sagte lächelnd: „Da ihr beide nicht wollt, werde ich zur Herzoginmutter gehen und ihr sagen, sie solle erklären, Mandarinenente sei bereits Schatzjade [宝玉]<ref>Chin. 宝玉 Bǎoyù (vollst. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade“. Der männliche Hauptprotagonist des Romans.</ref> versprochen. Dann wird der ältere gnädige Herr seine Hoffnung aufgeben.“
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Mandarinenente, vor Wut, Scham und Erregung zugleich, schimpfte: „Ihr beiden Spitzbübinnen sollt keines guten Todes sterben! Da hat man einen Kummer und vertraut ihn euch an, weil man meint, ihr wärt verständige Menschen, die einem einen Rat geben könnten, und statt dessen wechselt ihr euch ab, um mich zum Narren zu halten! Ihr bildet euch ein, eure Zukunft sei sicher und ihr würdet eines Tages Nebenfrauen sein — aber meiner Meinung nach geht auf dieser Welt nicht alles nach Wunsch. Darum haltet euch lieber zurück und übertreibt eure Freude nicht!“
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Als die beiden sahen, wie aufgebracht Mandarinenente war, redeten sie ihr lächelnd gut zu: „Liebe Schwester, nimm es nicht so tragisch! Wir sind von klein auf wie leibliche Schwestern — es war nur ein kleiner Scherz, wo niemand zuhört. Sag uns, was du vorhast, damit wir beruhigt sind.“
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Mandarinenente sagte: „Was für ein Vorhaben! Ich gehe einfach nicht hin, und damit basta.“
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Friedchen schüttelte den Kopf: „Du gehst nicht hin — aber ob man dich in Ruhe lässt, ist eine andere Frage. Du kennst das Temperament des älteren gnädigen Herrn. Zwar bist du eine Dienerin der Herzoginmutter, und im Augenblick wagt er nichts gegen dich. Aber du kannst ja wohl nicht dein ganzes Leben bei der Herzoginmutter bleiben. Wenn du später einmal in seine Hände fällst, sieht es böse aus.“
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Mandarinenente sagte mit bitterem Lächeln: „Solange die Herzoginmutter lebt, bleibe ich keinen einzigen Tag von ihr getrennt. Und wenn die Herzoginmutter eines Tages ins Paradies eingeht, hat er immerhin noch drei Jahre Traür zu halten. Es gibt ja wohl niemanden, der sich eine Nebenfrau nimmt, kaum dass seine Mutter gestorben ist! Nach den drei Jahren, wer weiß, wie die Dinge dann liegen — darüber reden wir dann. Wenn es zum Äußersten kommt, schneide ich mir das Haar ab und werde Nonne. Und wenn auch das nicht reicht, bleibt immer noch der Tod. Mein ganzes Leben keinen Mann heiraten — was wäre schon dabei? Es wäre nur umso sauberer!“
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Friedchen und Dufthauch sagten lächelnd: „Dieses Spitzbein hat wirklich keine Scham! Ihr Mund redet einfach drauflos!“
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Mandarinenente sagte: „Wenn es einmal so weit ist, was macht da noch ein bisschen Scham? Wenn ihr mir nicht glaubt, wartet nur ab! Die gnädige Frau hat vorhin gesagt, sie wolle meine Eltern aufsuchen — die mag sie mal in Nanjing suchen gehen!“
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Friedchen sagte: „Deine Eltern sind in Nanjing, wo sie das dortige Haus hüten, und sind nicht mit heraufgekommen, aber früher oder später wird man sie finden. Und hier sind immer noch dein älterer Bruder und deine Schwägerin. Schade, dass du als Tochter einer Hausdienerfamilie hier geboren bist — nicht wie wir beide, die wir ganz allein hier sind.“
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Mandarinenente sagte: „Was schadet es schon, im Haus geboren zu sein? ‘Man kann ein Rind nicht zum Saufen zwingen, indem man ihm den Kopf ins Wasser drückt!‚ Ich will nicht — werden sie deshalb meine Eltern umbringen?“
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Während sie noch sprach, sahen sie Mandarinenentes Schwägerin herankommen. Dufthauch sagte: „Da deine Eltern nicht erreichbar sind, hat man bestimmt mit deiner Schwägerin gesprochen.“
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Mandarinenente sagte: „Diese Hure muss überall ihre Finger im Spiel haben! [Anm.: Der Ausdruck 九国贩骆驝的 — wörtlich ‘eine Kameltreiberin, die in neun Ländern handelt‚ — bedeutet: eine, die überall mitmischt] Sobald sie davon gehört hat, läuft sie natürlich hin und macht sich dienstbar!“
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Während sie noch sprach, stand die Schwägerin schon vor ihr und sagte lächelnd: „Überall habe ich dich gesucht, und hier steckst du! Komm mit, ich muss mit dir reden.“
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Friedchen und Dufthauch boten ihr rasch einen Platz an. Die Schwägerin sagte: „Bleibt nur sitzen, Fräulein. Ich möchte nur ein Wort mit meiner Schwägerin reden.“
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Friedchen und Dufthauch taten, als wüssten sie von nichts, und sagten lächelnd: „Was gibt es denn so Eiliges? Wir spielen gerade Rätsel raten — wer gewinnt, darf dem anderen eine Backpfeife geben. Lass sie noch dieses Rätsel lösen, dann kann sie gehen.“
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Mandarinenente sagte: „Was willst du? Sag es.“
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Die Schwägerin sagte lächelnd: „Komm nur mit! Dort erzähle ich es dir — es ist auf jeden Fall etwas Schönes.“
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Mandarinenente sagte: „Etwa das, was die ältere gnädige Frau dir gesagt hat?“
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Die Schwägerin sagte lächelnd: „Wenn du es schon weißt, warum sträubst du dich noch? Komm schnell, ich erzähle dir alles genau — es ist ein riesengroßes Glück!“
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Als Mandarinenente das hörte, stand sie auf, spuckte ihrer Schwägerin mit voller Wucht ins Gesicht, richtete den Finger auf sie und schimpfte: „Halt dein dreckiges Maul und mach, dass du wegkommst, das wäre das Klüegste! Was für ‘etwas Schönes‚! Etwas Schönes wäre ein Adlerbild von Kaiser Huizong [Anm.: Song-Kaiser Huizong, berühmt für seine Vogelmalerei] oder ein Pferdebild von Zhao Mengfu [Anm.: Zhao Ziang, berühmt als Pferdemaler] — das wären ‘schöne Malereien‚! Und was für ein ‘Glück‚! Von Glück kann man sprechen, wenn bei den Pocken die Pusteln schön reifen [Anm.: Wortspiel — 喜事 ‘Glück/Freude‚ wird gleichlautend mit ‘Pockenpusteln‚ verglichen; als die Pocken bei Kindern gut abheilten, war das ein Anlass zur Freude] — das wäre wirklich ein Glück! Kein Wunder, dass ihr vor Neid platzt, wenn jemandes Tochter Nebenfrau wird und die ganze Sippschaft dann dank ihrer tyrannisch und willkürlich herumstolziert, als wäret ihr alle Nebenfrauen geworden! Das hat dir so in die Augen gestochen, dass du mich jetzt auch ins Elend stürzen willst! Wenn es mir gut geht, spielt ihr euch als ‘Verwandte‚ auf und nennt euch stolz die Schwager. Wenn mir das Glück aber nicht hold ist und ich in Ungnade falle, zieht ihr eure Schildkrötenhälse ein und lasst mich allein sehen, wo ich bleibe!“
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Während sie so sprach und weinte, hielten Friedchen und Dufthauch sie fest und redeten ihr gut zu.
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Die Schwägerin, der es peinlich wurde, sagte: „Ob du willst oder nicht, darüber lässt sich ja reden. Aber deshalb brauchst du nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Wie das Sprichwort sagt: ‘Vor Kleinen spricht man nicht von Kleinem.‚ Wenn du mich beschimpfst, wage ich nichts zu erwidern. Aber die beiden Fräulein hier haben dir nichts getan — wenn du daürnd von ‘Nebenfrau‚ dies und ‘Nebenfrau‚ das redest, wie steht das für sie da?“
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Dufthauch und Friedchen sagten rasch: „So dürft Ihr nicht reden! Sie hat nicht von uns gesprochen, also solltet auch Ihr nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Hat denn irgendeine gnädige Frau oder ein gnädiger Herr beschlossen, uns zu Nebenfrauen zu machen? Wir zwei haben auch keine Eltern oder Brüder hier im Haus, die sich auf uns stützen und tyrannisch aufspielen. Sie weiß schon, wen sie beschimpft — wir haben keinen Grund, es auf uns zu beziehen.“
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Mandarinenente sagte: „Als ich sie beschimpft habe, war es ihr peinlich, und weil sie nicht mehr wusste, wohin mit ihrer Scham, hat sie versucht, euch beide gegen mich aufzuhetzen. Zum Glück seid ihr vernünftig genug! In meiner Wut habe ich nicht mehr unterschieden, und genau in diese Lücke wollte sie stoßen.“
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Jetzt wurde es der Schwägerin zu dumm, und sie ging wütend fort.
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Mandarinenente war noch immer so aufgebracht, dass sie weiterschimpfte. Erst nach einer Weile guten Zuredens von Friedchen und Dufthauch beruhigte sie sich. Friedchen fragte Dufthauch: „Wo hast du dich denn versteckt? Wir haben dich gar nicht gesehen.“
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Dufthauch sagte: „Ich war bei Bedauerfrühling [惜春]<ref>Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Frühlings-Bewahrerin“. Jüngste Tochter von Herrlichkeit Kaufmann.</ref>, um nach Schatzjade zu sehen. Aber ich kam einen Moment zu spät — er war schon nach Hause gegangen, hieß es. Ich wunderte mich, dass ich ihm nicht begegnet war, und wollte ihn bei Fräulein Kajaljade suchen, da traf ich jemand von ihr, der sagte, er sei auch nicht dort gewesen. Gerade fragte ich mich, ob er den Garten verlassen habe, da kamst du von dort drüben. Ich habe mich hinter einen Baum gedrückt, und du hast mich nicht gesehen. Dann kam auch sie. Ich bin hinter dem Baum hervor zum Felsen geschlüpft. Ich sah, wie ihr euch unterhalten habt — aber ihr habt mich auch mit vier Augen nicht bemerkt...“
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Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da ertöente hinter ihnen eine Stimme: „Euch hat sie mit vier Augen nicht gesehen? Und ihr habt mich mit sechs Augen nicht gesehen!“ Die drei erschraken heftig, drehten sich um und sahen — niemand anders als Schatzjade [宝玉], der lächelnd herankaim.
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Dufthauch sagte als Erste lächelnd: „Da habe ich dich lang und breit gesucht! Wo kommst du her?“
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Schatzjade sagte lächelnd: „Als ich bei Bedauerfrühling herauskam, sah ich dich mir entgegenkommen und wusste sofort, du suchst mich. Da habe ich mich versteckt, um dich hereinzulegen. Ich sah, wie du mit gesenktem Kopf an mir vorbeigingst, ins Haus tratest und gleich wieder herauskamst und jeden fragtest, der dir begegnete. Ich war sehr amüsiiert und wollte warten, bis du wieder herankamst, um dir einen Schreck einzujagen. Aber dann sah ich, wie auch du dich versteeckt hast, und wusste, dass auch du jemanden anführen wolltest. Ich streckte den Kopf vor und sah die beiden dort. Also bin ich um dich herum geschlichen, und als du hervortratest, schlüpfte ich in dein Versteck.“
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Friedchen sagte lächelnd: „Wenn wir dahinter noch weitersuchen, finden wir vielleicht noch zwei weitere Versteckte!“
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Schatzjade lachte: „Nein, mehr gibt es wirklich nicht.“
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Mandarinenente, die wusste, dass Schatzjade alles mit angehört hatte, legte sich bäuchlings auf den Felsen und stellte sich schlafend. Schatzjade stupste sie an und sagte lächelnd: „Auf dem Stein ist es kalt! Gehen wir nach drinnen — dort kannst du viel besser schlafen.“ Er zog Mandarinenente hoch und bat auch Friedchen, mitzukommen und Tee zu trinken. Als auch Friedchen und Dufthauch Mandarinenente zuredeten, stand sie schließlich auf, und die vier gingen gemeinsam zum Hof der Roten Freude [怡红院].
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Schatzjade hatte in der Tat das ganze Gespräech mit angehört und war innerlich keineswegs froh darüber. Stumm lag er auf seinem Bett ausgestreckt und ließ die drei im Vorzimmer miteinander plaudern und scherzen.
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Inzwischen hatte Frau Strafe Phönixglanz nach Mandarinenentes Eltern gefragt. Phönixglanz berichtete: „Ihr Vater heißt Jin Cai [金彩]. Das Ehepaar hütet die Häuser in Nanjing und ist so gut wie nie in die Hauptstadt heraufgekommen. Ihr älterer Bruder Jin Wenxiang [金文翔] ist gegenwärtig Einkäufeer für die Herzoginmutter. Seine Frau leitet die Wäscherei bei der Herzoginmutter.“
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Frau Strafe ließ also Mandarinenentes Schwägerin, Jin Wenxiangs Frau, rufen und erklärte ihr die Sache ausführlich. Die Schwägerin war natürlich höcherfreut und machte sich freudestrahlend auf die Suche nach Mandarinenente, fest davon überzeugt, dass ein einziges Wort genügen würde. Doch stattdessen wurde sie von Mandarinenente heftig abgekanzelt, und auch Dufthauch und Friedchen sagten ihr die Meinung.
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Beschämt und verärgert kam sie zurück und sagte zu Frau Strafe: „Es hat keinen Zweck. Sie hat mich sogar beschimpft.“ Weil Phönixglanz daneben stand, wagte sie nicht, Friedchen zu erwähnen, sondern sagte nur: „Auch Dufthauch hat ihr beigestanden und mich geschmächt. Sie haben allerhand ungehöriges Zeug geredet, das man vor den Herrschaften nicht wiederholen kann. Die gnädige Frau sollte sich mit dem gnädigen Herrn beraten und lieber eine Nebenfrau kaufen. Dieses kleine Biest hat offenbar nicht so viel Glück, und wir sind auch nicht dafür geschaffen.“
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Frau Strafe sagte: „Was hat Dufthauch damit zu tun? Woher wusste sie überhaupt davon?“ Dann fragte sie: „Wer war sonst noch dabei?“
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Die Schwägerin sagte: „Fräulein Friedchen.“
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Phönixglanz sagte sofort: „Du hättest ihr eine Ohrfeige geben sollen! Kaum bin ich aus dem Haus, geht sie spazieren. Wenn ich heimkomme, ist kein Schatten von ihr zu finden! Bestimmt hat sie auch irgendetwas gesagt.“
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Die Schwägerin sagte: „Fräulein Friedchen war nicht direkt dabei. Von weitem sah es so aus, als wäre sie es, aber ganz sicher bin ich nicht — das war nur meine Vermutung.“
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Phönixglanz befahl: „Schnell, holt sie her! Sagt ihr, ich bin zurück, die gnädige Frau ist auch hier, und sie soll kommen und uns helfen.“ Sogleich trat Feng’er [丰儿] vor und berichtete: „Fräulein Kajaljade hat drei- bis viermal nach ihr schicken lassen, bis sie schließlich gegangen ist. Sobald die gnädige Frau heimkam, habe ich sie hingeschickt. Fräulein Kajaljade lässt bestellen: ‘Sagt eurer Herrin, ich brauche sie für etwas.‚“
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Erst da gab Phönixglanz Ruhe, sagte aber noch absichtlich: „Jeden Tag braucht sie sie — was gibt es denn daürnd zu tun?“
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Frau Strafe, die nun keinen Ausweg mehr sah, aß etwas, fuhr nach Hause zurück und erzählte am Abend Begnadigung Kaufmann, was geschehen war.
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Begnadigung Kaufmann überlegte einen Moment, dann ließ er sofort Kette Kaufmann [贾琏] rufen und befahl: „In Nanjing hüten nicht nur die Jins die Häuser — es gibt mehrere Familien dort. Lass Jin Cai unverzüglich heraufkommen!“
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Kette Kaufmann berichtete: „Im letzten Brief aus Nanjing stand, Jin Cai habe einen Schleimfluss erlitten und sei nicht mehr bei Sinnen [Anm.: eine schwere Erkrankung, vermutlich ein Schlaganfall]. Man hat ihm drüben bereits das Sargeld überwiesen. Ob er noch lebt oder tot ist, weiß ich nicht. Aber selbst wenn er lebt, ist er geistig verwirrt — es hätte keinen Sinn, ihn herbeizurufen. Seine Frau ist obendrein taub.“
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Begnadigung Kaufmann schrie wütend auf und fluchte: „Du nichtswürdiges Stück! Natürlich weißt ausgerechnet du alles ganz genau! Hinaus mit dir!“
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Erschrocken zog sich Kette Kaufmann zurück. Kurz darauf befahl Begnadigung Kaufmann, Jin Wenxiang zu holen. Kette Kaufmann wartete im äußeren Arbeitszimmer und wagte weder nach Hause zu gehen noch seinem Vater erneut unter die Augen zu treten. Er konnte nur lauschen. Bald hörte er, wie Jin Wenxiang kam und von den Dienerjungen sofort ins Innere geführt wurde. Erst nach einer Zeit, die lang genug gewesen wäre, um fünf, sechs Schalen Reis zu essen, kam er wieder heraus und ging fort. Kette Kaufmann wagte zunächst nicht nachzufragen. Erst eine Weile später erkundigte er sich und erfuhr, Begnadigung Kaufmann habe sich schlafen gelegt. Da ging er in seine eigenen Räume hinüber, und erst als ihm Phönixglanz am Abend alles erklärte, verstand er, worum es ging.
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Mandarinenente fand in jener Nacht keinen Schlaf. Am nächsten Tag bat ihr Bruder die Herzoginmutter, seine Schwester auf einen Besuch nach Hause mitnehmen zu dürfen. Die Herzoginmutter willigte ein und befahl Mandarinenente zu gehen. Mandarinenente wollte nicht, aber aus Furcht, die Herzoginmutter könnte Verdacht schöpfen, fügte sie sich widerwillig.
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Ihr Bruder übermittelte ihr Kaufmann Begnaadigungen Worte und malte ihr aus, wie ehrenvoll das wäre und wie sie als Nebenfrau den Haushalt leiten würde. Doch Mandarinenente biss die Zähne zusammen und lehnte ab. Ihrem Bruder blieb nichts anderes übrig, als zu Begnadigung Kaufmann zurückzukehren und ihm Bericht zu erstatten.
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Begnadigung Kaufmann geriet in Wut und erklärte: „Hör mir genau zu und lass es ihr durch deine Frau ausrichten! Sage ihr in meinem Namen: ‘Seit alters her steht die schöne Mondfrau Chang’e auf junge Burschen.‚ Sie verachtet mich bestimmt, weil ich alt bin. Wahrscheinlich hat sie ein Auge auf einen der jungen Herren geworfen — vermutlich auf Schatzjade, vielleicht auch auf Kette Kaufmann. Wenn das wirklich so ist, soll sie sich das schnellstens aus dem Kopf schlagen! Nachdem ich sie gewollt habe und sie mich zurückgewiesen hat — wer würde es dann noch wagen, sie zu nehmen? Das ist das eine. Zum zweiten meint sie wohl, weil die Herzoginmutter sie gern hat, werde man sie eines Tages nach draußen als Hauptfrau verheiraten. Aber sie soll sich gut überlegen: An wen immer sie auch verheiratet wird, sie wird meiner Hand nicht entkommen. Nur wenn sie stirbt oder lebenslang unverheiratet bleibt, gebe ich mich geschlagen! Andernfalls soll sie sich rechtzeitig eines Besseren besinnen — es wäre nur zu ihrem Vorteil.“
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Bei jedem Satz, den Begnadigung Kaufmann sprach, antwortete Jin Wenxiang mit einem „Jawohl“. Begnadigung Kaufmann fuhr fort: „Versuch nicht, mich hinters Licht zu führen! Morgen schicke ich noch einmal die gnädige Frau zu Mandarinenente. Wenn ihr es ihr gesagt habt und sie nicht einwilligt, trifft euch keine Schuld. Stimmt sie dann aber doch zu — dann nimm deinen Kopf in Acht!“
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Jin Wenxiang sagte eilig wieder und wieder jawohl, zog sich zurück und ging nach Hause. Ohne erst seine Frau als Übermittlerin einzuschalten, richtete er Mandarinenente Kaufmann Begnaadigungen Worte persönlich und direkt aus.
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Mandarinenente war so empöert, dass ihr zunächst die Worte fehlten. Nachdem sie einen Moment nachgedacht hatte, sagte sie: „Angenommen, ich bin einverstanden — dann müsst ihr mich zur Herzoginmutter begleiten und es ihr melden.“
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Bruder und Schwägerin hörten das und glaubten, sie habe es sich überlegt. Vor Freude wussten sie nicht ein noch aus. Sofort brachte die Schwägerin Mandarinenente zur Herzoginmutter hinauf.
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Es traf sich, dass gerade Wang Furen, Tante Schnee [薛姨妈]<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee“. Mutter von Schatzspange und Becken Schnee, Schwester von Dame König.</ref>, Seidenweiß Pflaume [李纨]<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán. Witwe des früh verstorbenen Herrlichkeit Kaufmann, Vorsteherin des Gartens.</ref>, Phönixglanz, Schatzspange [宝钗]<ref>Chin. 宝钗 Bǎochāi (vollst. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange“. Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren.</ref> und die anderen Schwestern sowie einige der führenden und angesehenen Verwalterinnen bei der Herzoginmutter versammelt waren, um sie zu unterhalten.
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Mandarinenente freute sich unbaändig über dieses glückliche Zusammentreffen. Sie zog ihre Schwägerin mit vor die Herzoginmutter, fiel auf die Knie und berichtete unter Tränen: wie Frau Strafe zu ihr gekommen war und was sie gesagt hatte, wie dann ihre Schwägerin sie im Garten aufsuchte und was sie sagte, und was heute ihr Bruder ausgerichtet hatte. „Weil ich nicht eingewilligt habe“, fuhr sie fort, „hat der ältere gnädige Herr rundheraus behauptet, ich sei in Schatzjade verliebt oder aber ich wartete darauf, nach draußen verheiratet zu werden. Selbst wenn ich in den Himmel fluchtete, würde ich mein Leben lang seiner Rache nicht entgehen. Doch ich habe meinen Entschluss gefasst, und ich erkläre vor allen Anwesenden: Nicht nur ‘Schatzjade‚ — selbst wenn einer ‘Schatzgold‚ oder ‘Schatzsilber‚ oder ‘Schatzhimmelskönig‚ oder ‘Schatzkaiser‚ hieße — ich werde nie und nimmer einen Mann heiraten, und damit Schluss! Und selbst wenn die Herzoginmutter mich dazu zwingt, bringe ich mich eher mit einem Messerstrich um, als dass ich gehorche! Wenn ich Glück habe, sterbe ich vor der Herzoginmutter. Wenn ich Pech habe und es mir bestimmt ist, als Bettlerin zu leben, dann diene ich der Herzoginmutter, bis sie ins Paradies eingeht. Danach aber will ich weder zu meinen Eltern noch zu meinem Bruder. Entweder bringe ich mich um oder schneide mir das Haar ab und werde Nonne! Wenn ich das nicht ehrlich meine und mich nur sträube, um später andere Pläne zu verfolgen, dann sollen Himmel und Erde, Götter und Geister, Sonne und Mond Zeugen sein — dann soll aus meiner Kehle eine Eiterbeule wachsen und mich bei lebendigem Leibe verfaulen und zu Brei zersetzen lassen, hier an dieser Stelle!“
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Wie sich zeigte, hatte sie bei ihrem Eintreten eine Schere im Ärmel verborgen. Während sie nun die letzten Worte sprach, löste sie sich mit der linken Hand das Haar und begann mit der rechten Hand zu schneiden. Eilig stürzten die Dienerinnen und Mägde herbei, um sie festzuhalten, doch sie hatte schon eine halbe Strähne abgeschnitten. Zum Glück war ihr Haar ungewöhnlich dicht und sie hatte es nicht ganz durchschneiden können. Rasch steckte man ihr das Haar wieder hoch.
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Die Herzoginmutter aber bebte am ganzen Leib vor Zorn und stieß hervor: „Sie ist die einzige zuverlässige Person, die mir noch geblieben ist, und um die soll ich auch noch gebracht werden!“ Ihr Blick fiel auf Wang Furen, und an diese gewandt fuhr sie fort: „Ihr macht mir alle etwas vor! Nach außen zeigt ihr Ehrerbietung, insgeheim aber stellt ihr eure Berechnungen an. Alles Gute, was ich habe, wollt ihr mir wegnehmen, ob Sachen oder Menschen! Jetzt ist mir nur noch dieses Mädchen geblieben. Und weil ihr seht, dass ich sie gern habe, kann euch das natürlich nicht gefallen, also schafft ihr sie mir vom Hals, damit ihr mit mir machen könnt, was ihr wollt!“
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Wang Furen hatte sich rasch erhoben und wagte kein Wort zu erwidern. Tante Schnee konnte, als sie sah, dass sogar Wang Furen beschuldigt wurde, schwerlich etwas Beschwichtigendes sagen. Seidenweiß Pflaume hatte die Schwestern aus dem Zimmer geführt, sobald Mandarinenente ihre Klage vorbrachte.
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Erkundefrühling [探春]<ref>Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin“. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.</ref>, die ein scharfsinniger Mensch war, überlegte: Wang Furen wird Unrecht getan, doch sie wagt sich nicht zu verteidigen. Tante Schnee als ihre leibliche Schwester kann sie auch schlecht in Schutz nehmen. Schatzspange kann nicht für ihre Tante eintreten. Seidenweiß Pflaume, Phönixglanz und Schatzjade wagen ebensowenig etwas zu sagen. Hier muss ein Mädchen auftreten! Aber Willkommenfrühling [迎春]<ref>Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Frühlings-Willkommene“. Zweite Tochter von Begnadigung Kaufmann.</ref> ist zu arglos, Bedauerfrühling [惜春] noch zu klein. Also lauschte sie einen Moment am Fenster, trat dann wieder ein und sagte lächelnd zur Herzoginmutter: „Was hat denn die gnädige Frau damit zu tun? Überlegt doch einmal selbst, Herzoginmutter! Gibt es das wohl, dass die Frau des jüngeren Bruders es erfährt, wenn der ältere Schwager eine Nebenfrau nehmen will? Und selbst wenn sie es wüsste, könnte sie sich nur unwissend stellen...“
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Noch bevor sie ausgesprochen hatte, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Du hast recht! Ich werde wirklich schon wirr im Kopf vor Alter! Lacht nicht über mich, liebe Frau Schnee! Eure Schwester ist mir aufrichtig ergeben — nicht wie meine andere Schwiegertochter, die vor lauter Angst vor ihrem Mann mir gegenüber nur nach dem Munde redet. Ich habe Eurer Schwester Unrecht getan.“
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Tante Schnee sagte nur „Jawohl“ und fügte dann hinzu: „Vielleicht seid Ihr ein wenig voreingenommen zugunsten der Frau Eures jüngeren Sohnes — auch so etwas kommt vor.“
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Die Herzoginmutter sagte: „Ich bin nicht voreingenommen!“ Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Schatzjade, ich habe deiner Mutter Unrecht getan — warum hast du nichts gesagt und zugesehen, wie sie gekränkt wurde?“
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Schatzjade sagte lächelnd: „Hätte ich mich etwa auf die Seite meiner Mutter stellen und den älteren Onkel und die ältere Tante beschuldigen sollen? Im Grunde bleibt der Fehler bestehen: Wenn meine Mutter ihn hier nicht auf sich nimmt, wem soll sie ihn denn zuschieben? Und wenn ich gesagt hätte, es sei mein Fehler, hättet Ihr mir auch nicht geglaubt.“
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Das stimmt allerdings. Knie jetzt schnell vor deiner Mutter nieder und sag: ‘Gnädige Frau, seid nicht gekränkt! Die Herzoginmutter ist schon in die Jahre gekommen — habt Nachsicht um Schatziades willen!‚“
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Schatzjade ging tatsächlich eilig hinüber und kniete nieder, wollte gerade sprechen, da zog Wang Furen ihn lächelnd hoch und sagte: „Steh auf, steh auf! Das geht wirklich nicht! Du kannst dich nicht an Stelle der Herzoginmutter bei mir entschuldigen!“
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Schatzjade stand auf. Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Auch Phönixglanz hat mich nicht darauf aufmerksam gemacht.“
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich habe der Herzoginmutter gar keinen Fehler vorgeworfen, und jetzt sucht sie einen bei mir!“
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Die Herzoginmutter sagte, und alle lachten mit: „Das wäre ja seltsam! Ich möchte doch hören, was für ein Fehler das sein soll.“
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Phönixglanz sagte: „Warum musstet Ihr das Mädchen so gut aufziehen, dass sie schön wurde wie eine frische Frühlingszwiebel? Da wundert Ihr Euch noch, dass jemand sie haben will? Ein Glück, dass ich nur die Frau Eures Enkels bin und nicht Euer Enkel! Sonst hätte ich sie schon längst für mich beansprucht und nicht bis heute gewartet.“
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Das also soll mein Fehler sein?“
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Natürlich ist es Euer Fehler!“
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Dann will ich sie auch nicht mehr. Nimm du sie!“
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Phönixglanz sagte: „Wenn ich mich in diesem Leben so vervollkommne, dass ich im nächsten als Mann wiedergeboren werde, komme ich sie holen.“
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Dann nimm sie für Kette Kaufmann, und gib sie ihm als Nebenfrau! Dann möchte ich sehen, ob dein schamloser Schwiegervater sie immer noch für sich verlangt!“
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Phönixglanz sagte: „Kette Kaufmann ist ihrer nicht würdig. Für ihn sind nur solche angebrannten Fladen wie ich und Friedchen gut genug, dass er mit uns auskommen kann.“
  
Yüan-yang. Aus: Gai Qi 1879.
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Alle brachen in Gelächter aus. Da meldete ein Dienstmädchen: „Die ältere gnädige Frau ist gekommen.“ Wang Furen eilte ihr rasch entgegen. Was weiter geschah —
mand Ordentliches finden. Entweder war ihr Aussehen nicht gut oder ihr Charakter, und wer den einen Vorzug hatte, dem fehlte ein anderer. So haben wir ein halbes Jahr lang ganz nüchtern unter allen Mädchen gewählt, und du warst die Beste von allen. Aussehen, Betragen, Sanftmut und Zuverlässigkeit, alles ist vorhanden.
 
Darum wollten wir die alte gnädige Frau bitten, daß du zu uns kommst. Du wirst es natürlich besser haben als eine, die man neu gekauft hat. Sobald du bei uns im Hause bist und dein Gesicht zurechtgemacht ist, wird man dich Nebenfrau nennen, und du wirst Ansehen und Ehre genießen. Du bist doch ein ehrgeiziger Mensch, und wie das Sprichwort sagt, „Gold kann man nur gegen Gold eintauschen.“ Nachdem jetzt der gnädige Herr an dir Gefallen gefunden hat, kann sich alles erfüllen, was du dir mit stolzem Sinn und strebsamem Herzen erträumt hast, und allen, die dich verachten, wird der Mund gestopft. Also komm mit mir zur alten gnädigen Frau!“
 
Bei diesen Worten griff sie wieder nach Yüan-yangs Hand und wollte losgehen. Yüan-yang aber errötete, zog ihre Hand zurück und ging nicht mit.
 
In der Annahme, daß sich Yüan-yang geniere, sagte Dame Hsing: „Es ist doch nichts Peinliches dabei, du brauchst nicht einmal etwas zu sagen. Nur mitkommen mußt du.“
 
Aber Yüan-yang senkte den Kopf und rührte sich nicht.
 
„Willst du etwa nicht?“ fragte Dame Hsing. „Wenn du wirklich nicht willst, bist du einfach ein dummes Ding, das lieber eine Magd bleibt, als eine Herrin zu werden. Über kurz oder lang würdest du mit einem Diener verheiratet werden und eine Sklavin bleiben. Also komm mit! Du weißt, daß ich einen friedfertigen Charakter habe und kein Mensch bin, der andere nicht gewähren läßt. Auch der gnädige Herr behandelt Euch gut. Und wenn du übers Jahr erst ein Kindchen hast, stehst du auf einer Stufe mit mir. Niemand im Haus wird es wagen, deinen Befehlen nicht Folge zu leisten, beinahe wie eine Herrin würdest du sein. Wenn du aber jetzt die Gelegenheit ungenutzt verstreichen läßt, wird deine Reue zu spät kommen.“
 
Yüan-yang hielt weiter den Kopf gesenkt und sagte kein Wort. Da fuhr Dame Hsing wieder fort: „Du warst doch sonst immer geradeheraus, warum bist du jetzt so verstockt? Wenn dir etwas nicht paßt, dann sag es mir nur, und ich werde dafür sorgen, daß alles nach deinen Wünschen geschieht.“
 
Als Yüan-yang weiter schwieg, setzte Dame Hsing lächelnd hinzu: „Wahrscheinlich hast du Vater und Mutter und möchtest nicht selber reden, weil dir das peinlich ist. Deshalb möchtest du warten, bis sie dich fragen. Das ist natürlich ganz in der Ordnung. Also werde ich mich an sie wenden, damit sie mit dir sprechen. Und wenn du etwas sagen möchtest, dann sag es nur ihnen!“
 
Mit diesen Worten ging sie fort und begab sich in die Räume von Hsi-fëng.
 
Hsi-fëng hatte sich längst umgezogen, und weil sonst niemand anwesend war, erzählte sie die Sache Ping-örl. Ping-örl schüttelte den Kopf und sagte lächelnd: „Meiner Meinung nach geht das noch lange nicht in Ordnung. Nach dem, was sie geäußert hat, wenn wir unter uns waren, wird sie zu so etwas nicht bereit sein. Aber warten wir‘s ab!“
 
„Bestimmt wird die gnädige Frau hierher kommen, um sich mit mir zu beraten“, sagte Hsi-fëng. „Wenn sie Yüan-yangs Zustimmung hat, ist nichts weiter dabei, aber wenn nicht und sie hat sich eine Abfuhr geholt, dann muß deine Gegenwart ihr peinlich sein. Also sag Bescheid, man solle die Wachteln zubereiten und noch ein paar andere Gerichte dazu, was eben da ist, damit wir essen können. Du aber geh irgendwo spazieren und komm erst wieder, wenn man vermuten kann, daß sie fort ist!“
 
Ping-örl gab den Auftrag wie üblich an die Sklavenfrauen weiter und schlenderte dann unbekümmert in den Garten hinüber.
 
Unterdessen sagte sich Yüan-yang, als Dame Hsing fortging, sie werde sich bestimmt mit Hsi-fëng beraten gehen, und es würden andere kommen, um mit ihr zu sprechen, weshalb es das beste sei, von hier zu verschwinden. Also suchte sie Hu-po und bat sie: „Wenn die alte gnädige Frau nach mir fragt, sagst du, mir sei nicht wohl und ich hätte kein Frühstück gegessen. Jetzt sei ich im Garten und käme dann wieder.“
 
Hu-po versprach es, und so begab sich Yüan-yang in den Garten, wo sie überall umherstreifte, bis sie unverhofft Ping-örl in die Arme lief. Da niemand weiter dabei war, sagte Ping-örl lächelnd: „Da kommt ja die neue Nebenfrau!“
 
Yüan-yang wurde rot und erwiderte: „So ist das also! Ihr habt euch wohl alle abgesprochen, über mich zu bestimmen? Warte nur, wenn ich zu deiner Herrin gehe und Krach schlage!“
 
Ping-örl bereute, daß ihr diese Worte entschlüpft waren. Sie faßte Yüan-yang bei der Hand und zog sie mit sich zu einem Felsbrocken unter einem Ahornbaum, wo sie Platz nahmen. Dann erzählte sie Yüan-yang freimütig den Hergang, wie Hsi-fëng bei Dame Hsing gewesen war und was sie besprochen hatten.
 
Wieder wurde Yüan-yang rot und sagte mit verächtlichem Lächeln: „Das also ist unsere Freundschaft! Was hatten wir Hsi-jën, Hu-po, Su-yün, Dsï-djüan, Tsai-hsia, Yü-tschuan, Schë-yüä und Tsuee-mo, auch Tsuee-lü, die Fräulein Schï gefolgt ist, Kë-jën und Djin-tschuan, die beide tot sind, Tjiän-hsüä, die fortgegangen ist, und schließlich dir von klein auf nicht alles anvertraut und mit euch geteilt! Aber jetzt sind alle groß geworden, und jede geht ihre eigenen Wege.
 
Aber ich fühle noch genauso wie früher und verheimliche euch nicht, was ich denke und tue. Darum will ich dir auch das noch ans Herz legen, was du aber nicht der jungen Herrin weitersagen darfst: Nie – nicht jetzt, wo mich der gnädige Herr zu seiner Nebenfrau machen will, und selbst dann nicht, wenn die gnädige Frau stürbe und er mich mit drei Vermittlern und sechs Zeugen zu seiner Hauptfrau machen wollte – niemals wäre ich dazu bereit!“
 
Gerade wollte Ping-örl ihr lächelnd eine Antwort geben, als hinter dem Felsbrocken jemand auflachte und sagte: „Schamloses Ding! Wie kannst du so etwas sagen!“
 
Erschrocken fuhren die beiden herum, dann standen sie rasch auf und schauten hinter den Felsen. Da war es niemand anders als Hsi-jën, die ihnen lächelnd entgegentrat und fragte: „Worum geht es denn? Das müßt ihr mir erzählen!“
 
Sie setzten sich zu dritt auf den Felsbrocken, dann wiederholte Ping-örl noch einmal, was sie eben Yüan-yang berichtet hatte.
 
Als Hsi-jën die Geschichte gehört hatte, sagte sie: „Also wirklich! Auch wenn unsereins das nicht sagen dürfte, aber der ältere gnädige Herr ist weibstoll! Wenn eine auch nur einigermaßen gut aussieht, läßt er nicht die Finger von ihr.“
 
„Wenn du ihn nicht willst, werde ich dir ein Mittel sagen, wie du ihn ohne viel Umstände los wirst“, bot Ping-örl an.
 
„Und was ist das für ein Mittel?“ fragte Yüan-yang. „Sag es mir!“
 
„Sprich mit der alten gnädigen Frau und laß sie sagen, sie wolle dich bereits dem jungen Herrn Liän geben“, sagte Ping-örl lächelnd, „dann kann der ältere gnädige Herr dich schlecht für sich verlangen.“
 
„Pfui! Was bist du nur für ein Biest!“ schimpfte Yüan-yang und spuckte aus. „Neulich hat schon deine Herrin so einen Unfug geredet, und heute fängst du auch damit an.“
 
„Wenn du sie beide nicht willst, werde ich mit der alten gnädigen Frau sprechen, damit sie sagt, sie habe dich bereits Bau-yü versprochen“, schlug Hsi-jën jetzt lächelnd vor. „Dann wird der ältere gnädige Herr genauso davon ablassen.“
 
Wütend, beschämt und erregt schimpfte Yüan-yang: „Ihr beiden Spitzbeine sollt keines guten Todes sterben! Da hat man einen Kummer und vertraut ihn euch an, weil man meint, ihr wärt ordentliche Leute, die einem aus der Klemme helfen, und statt dessen macht ihr euch lustig über einen. Ihr meint, eure Zukunft sei gesichert, und eines Tages würdet ihr beide Nebenfrauen sein, aber mir scheint, es geht nicht alles nach Wunsch auf dieser Welt. Darum haltet euch ein bißchen zurück und freut euch nicht zu sehr!“
 
Als die beiden sahen, wie Yüan-yang sich ereiferte, redeten sie ihr lächelnd zu: „Du mußt nicht an uns zweifeln! Von klein auf sind wir wie leibliche Schwestern miteinander und erlauben uns nur einmal einen Spaß, wenn sonst niemand dabei ist. Sag uns, was du machen willst, damit wir beruhigt sind!“
 
„Was soll ich groß machen?“ fragte Yüan-yang. „Ich gehe nicht zu ihm, und damit basta!“
 
Kopfschüttelnd gab ihr Ping-örl zu bedenken: „Wenn du nicht zu ihm gehst, wird er dich kaum in Ruhe lassen. Du kennst ja seine Art. Zwar dienst du in den Räumen der alten gnädigen Frau, und er kann dir einstweilen nichts anhaben, aber du kannst ja auch nicht dein Leben lang bei der alten gnädigen Frau bleiben. Wenn du später einmal fort willst und fällst ihm dann in die Hände, sieht es böse für dich aus.“
 
Mit verächtlichem Lächeln gab Yüan-yang zur Antwort: „Solange die alte gnädige Frau lebt, bleibe ich bei ihr. Und wenn sie eines Tages ins Paradies eingeht, muß er jedenfalls drei Jahre in Trauer leben. So etwas gibt es ja nicht, daß jemand eine Nebenfrau nimmt, kaum daß seine Mutter gestorben ist. Und was einmal sein wird, wenn die drei Jahre um sind, werden wir dann sehen! Schlimmstenfalls schneide ich mir das Haar ab und werde Nonne. Auch der Tod ist nicht zu verachten. Was würde es schon ausmachen, wenn ich mein ganzes Leben lang keinen Mann bekäme? Froh und sorglos würde ich sein!“
 
Lächelnd erwiderten Ping-örl und Hsi-jën: „Dieses Spitzbein kennt wirklich keine Scham! Sie redet, was ihr gerade in den Sinn kommt.“
 
„Was macht schon das bißchen Schmach, wenn es nun einmal so weit gekommen ist?“ fragte Yüan-yang. „Wenn ihr mir nicht glaubt, dann wartet‘s nur ab! Vorhin hat die gnädige Frau gesagt, sie wolle mit meinen Eltern sprechen. Das möchte ich sehen, wie sie nach Nan-djing fährt!
 
„Deine Eltern sind nicht mit hergekommen, weil sie in Nan-djing den dortigen Hausbesitz hüten“, sagte Ping-örl. „Aber eines Tages wird die Herrin sie doch finden. Außerdem sind dein älterer Bruder und deine Schwägerin mit hier. Es ist ein Pech, daß du im Hause geboren bist und nicht allein hier bist wie wir beide.“
 
„Und was hat es zu bedeuten, daß ich im Hause geboren bin?“ wollte Yüan-yang wissen. „‚Wenn das Rind nicht saufen will, drückt man ihm den Kopf mit Gewalt nieder‘, ja? Können sie etwa meine Eltern umbringen, wenn ich ihn nicht mag?“
 
Als sie das eben sagte, sahen sie Yüan-yangs Schwägerin kommen, und Hsi-jën äußerte die Vermutung: „Bestimmt haben sie mit deiner Schwägerin gesprochen, weil deine Eltern nicht zu erreichen sind.“
 
„Überall muß diese Hure ihre Finger im Spiel haben!“ schimpfte Yüan-yang. „Natürlich möchte sie ihnen gefällig sein, kaum daß sie von der Sache gehört hat!“
 
Während sie das eben sagte, stand ihre Schwägerin auch schon vor ihr und sprach sie lächelnd an: „Deshalb also konnte ich dich dort nicht finden, weil du hierher gelaufen bist! Komm mit, ich habe mit dir zu reden!“
 
Ping-örl und Hsi-jën baten rasch, sie solle doch Platz nehmen, aber die Frau erwiderte: „Bleibt nur sitzen! Ich muß ihr etwas sagen.“
 
Ping-örl und Hsi-jën taten so, als ob sie von nichts wüßten, und fragten: „Was gibt es denn so Dringendes? Wir raten hier Rätsel, und wer gewinnt, darf Backpfeifen hauen. Laßt sie bleiben, bis wir das letzte heraus haben!“
 
Yüan-yang aber sagte: „Was willst du? Sag es mir nur!“
 
Lächelnd erwiderte ihre Schwägerin: „Komm nur mit! Ich sage es dir, wenn wir dort sind. Auf jeden Fall ist es etwas Schönes!“
 
„Ist es das, was dir die ältere gnädige Frau gesagt hat?“ wollte Yüan-yang wissen.
 
„Was sträubst du dich noch, wenn du es schon weißt?“ fragte die Schwägerin. „Komm schnell mit, damit ich dir alles genau erzählen kann. Das ist doch ein riesengroßes Glück!“
 
Als Yüan-yang diese Worte vernahm, stand sie auf und spuckte ihrer Schwägerin mit voller Wucht ins Gesicht. Dann richtete sie ihren Finger gegen sie und schimpfte: „Halt dein dreckiges Maul und verschwinde, das wäre das beste für dich! Was heißt hier ‚etwas Schönes‘? Etwas Schönes wäre ein Adlerbild des Sung-Kaisers Huee-dsungoder ein Pferdebild von Dschau Dsï-ang.Was heißt hier ‚Glück‘? Von Glück kann man sprechen, wenn man die Pocken übersteht.
 
Kein Wunder, daß ihr neidisch seid, wenn jemandes Tochter zur Nebenfrau gemacht wird und die ganze Familie sich nun mit ihrer Hilfe tyrannisch und eigenmächtig gebärdet, als ob sie alle Nebenfrauen wären. Das ist dir so vertraut, daß du auch mich ins Elend stoßen möchtest. Wenn ich Gefallen finde, könnt ihr euch großartig als Verwandte aufspielen, und wenn ich keinen Gefallen finde, zieht ihr einfach eure Schildkrötenhälse ein, und ich kann sehen, wo ich bleibe.“
 
Während sie das sagte, liefen ihr die Tränen herab, Ping-örl und Hsi-jën aber hielten sie zurück und redeten ihr gut zu.
 
Der Schwägerin war die Sache peinlich, und so sagte sie: „Ob du willst oder nicht, mußt du entscheiden. Aber deshalb brauchst du nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Und wie das Sprichwort sagt: ,In Gegenwart von Kleinwüchsigen spricht man nicht über Zwerge.‘ Wenn du mich beschimpfst, wage ich nichts zu erwidern. Die beiden Fräulein aber haben dir nichts getan, glaubst du, es sei ihnen angenehm, wenn du dich hier des langen und breiten über Nebenfrauen ausläßt?“
 
Rasch sagten Hsi-jën und Ping-örl: „So etwas dürft Ihr nicht sagen! Von uns hat sie nicht gesprochen, also solltet auch Ihr nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Wer will denn uns zu Nebenfrauen erheben? Wir haben auch gar keine Eltern und Geschwister hier im Hause, die sich auf uns stützen könnten, um sich tyrannisch und eigenmächtig aufzuspielen. Sie weiß schon, über wen sie schimpft, und wir haben keinen Grund, sie zu verdächtigen.“
 
„Es war ihr peinlich, daß ich sie beschimpft habe“, sagte Yüan-yang, „und um davon abzulenken, wollte sie euch gegen mich aufstacheln. Ein Glück, daß ihr so verständig seid! In meiner Aufregung habe ich keine Unterschiede gemacht, und das war es, wo sie einhaken wollte.“
 
Jetzt wurde es ihrer Schwägerin zuviel, und sie ging wütend fort. Yüan-yang aber war so erregt, daß sie weiterschimpfte, und erst als Ping-örl und Hsi-jën ihr noch eine Weile gut zugeredet hatten, ließ sie davon ab.
 
„Wozu hattest du dich eigentlich dort versteckt?“ erkundigte sich Ping-örl jetzt bei Hsi-jën. „Wir hatten dich gar nicht gesehen.“
 
„Ich war zu Fräulein Hsi-tschun gegangen, um unsern jungen Herrn zu suchen, kam aber einen Augenblick zu spät. Man sagte, er sei schon nach Hause gegangen“, erklärte Hsi-jën. „Ich wunderte mich, daß ich ihn nicht getroffen hatte, und wollte zu Fräulein Lin gehen, um ihn dort zu suchen. Aber dann traf ich jemand aus ihren Räumen und erfuhr, daß er dort nicht gewesen ist. Als ich mich eben fragte, ob er vielleicht den Garten verlassen hat, sah ich dich kommen und habe mich versteckt, ohne daß du es bemerktest. Dann kam auch noch sie, und ich huschte von dem Baum dort hinter den Felsen. Ich habe euch beobachtet, als ihr euch unterhieltet, ihr aber habt mich auch mit vier Augen nicht gesehen...“
 
Sie hatte noch nicht ausgesprochen, als plötzlich hinter ihnen jemand sagte: „Dich haben sie mit vier Augen nicht gesehen, aber mich habt ihr auch mit sechs Augen nicht gesehen!“
 
Alle drei fuhren vor Schreck zusammen, und als sie sich umwandten, sahen sie, daß es niemand anders war als Bau-yü.
 
„Da kann ich dich lange suchen!“ sagte Hsi-jën lächelnd. „Wo warst du?“
 
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Bau-yü: „Als ich bei Hsi-tschun wegging, kamst du mir entgegen, und ich konnte mir denken, daß du mich holen wolltest. Da habe ich mich versteckt, um dich anzuführen, und habe zugesehen, wie du mit gesenktem Kopf an mir vorbeikamst, ins Haus gingst, wieder herauskamst und schließlich jemand fragtest, der dir entgegenkam. Ich habe mich schön amüsiert und wollte warten, bis du wieder heran bist, um dir einen Schreck einzujagen, aber dann sah ich, wie auch du dich versteckt hast, und wußte, daß du ebenfalls jemand anführen wolltest. Als ich den Kopf hervorstreckte, sah ich die beiden, darum habe ich einen Bogen gemacht, bis ich hinter dir war, und als du vorgekommen bist, bin ich in dein Versteck geschlüpft.“
 
„Wenn wir nachsehen gehen, finden wir vielleicht noch zwei, die sich dort versteckt haben!“ unterbrach ihn Ping-örl lächelnd.
 
Aber Bau-yü versicherte: „Weiter ist niemand da!“
 
Inzwischen sagte sich Yüan-yang, daß Bau-yü alles gehört haben mußte, darum legte sie sich auf den Felsbrocken und stellte sich schlafend. Bau-yü stieß sie an und sagte lächelnd: „Auf dem Stein ist es kalt. Gehen wir ins Haus, und du schläfst dort! Ist das nicht besser?“ Damit zog er Yüan-yang in die Höhe und bat auch Ping-örl, mitzukommen und Tee zu trinken. Aber erst als auch Ping-örl und Hsi-jën auf Yüan-yang einredeten, sie solle doch mitkommen, stand sie auf, und nun gingen sie zu viert zum Hof der Freude am Roten.
 
Bau-yü hatte wirklich die ganze Auseinandersetzung mit angehört und war alles andere als froh darüber. Darum streckte er sich stumm auf seinem Bett aus und ließ die drei im Vorzimmer miteinander plaudern.
 
Inzwischen hatte sich Dame Hsing bei Hsi-fëng nach Yüan-yangs Eltern erkundigt.
 
„Ihr Vater heißt Djin Tsai“, gab Hsi-fëng Auskunft. „Zusammen mit seiner Frau hütet er die Häuser in Nan-djing und kommt seit jeher nur selten in die Hauptstadt. Ihr älterer Bruder heißt Djin Wën-hsiang und ist jetzt Einkäufer für die alte gnädige Frau, ihre Schwägerin aber steht bei der alten gnädigen Frau den Wäscherinnen vor.“
 
Daraufhin hatte Dame Hsing befohlen, Yüan-yangs Schwägerin zu rufen, und hatte ihr alles genau erklärt. Die Schwägerin war natürlich begeistert und hatte sich freudestrahlend auf die Suche nach Yüan-yang gemacht. Sie hatte nichts anderes geglaubt, als daß Yüan-yang auf Anhieb einverstanden sein würde, aber dann war sie von Yüan-yang mit Vorwürfen überhäuft worden, und auch Hsi-jën und Ping-örl hatten ihr die Meinung gesagt.
 
So kam sie beschämt wieder zurück und sagte zu Dame Hsing: „Es hat keinen Zweck gehabt. Im Gegenteil, sie hat mich beschimpft.“ Weil Hsi-fëng anwesend war, wagte sie nicht, Ping-örl zu erwähnen, und fügte nur hinzu: „Auch Hsi-jën hat ihr beigestanden und hat mich geschmäht. Sie hat mir viele ungezogene Sachen gesagt, die ich vor den Herrschaften nicht wiederholen kann. Ihr solltet Euch mit dem gnädigen Herrn beraten und doch besser eine Nebenfrau kaufen. Dieses kleine Spitzbein hat so ein großes Glück nicht verdient, und auch wir sind nicht dafür geboren!“
 
„Was hat Hsi-jën damit zu tun, und woher wußte sie überhaupt davon?“ fragte Dame Hsing. Dann fügte sie hinzu: „Wer war außer ihr noch dabei?“
 
„Fräulein Ping-örl“, erwiderte Yüan-yangs Schwägerin.
 
„Eine Ohrfeige hättest du ihr geben sollen!“ sagte Hsi-fëng sofort. „Kaum daß ich das Haus verlasse, geht sie spazieren. Als ich zurückkam, war kein Schatten von ihr zu entdecken. Bestimmt hat auch sie Yüan-yang beigestanden! Was hat sie gesagt?“
 
„Fräulein Ping-örl war nicht direkt mit dabei“, schränkte Yüan-yangs Schwägerin ein. „Von weitem sah es so aus, als ob sie es wäre, aber genau konnte ich sie nicht erkennen. Ich habe das nur vermutet.“
 
Hsi-fëng aber befahl: „Geht sie schnell holen! Sagt ihr, ich sei zurück, auch die gnädige Frau sei hier, und sie müsse uns einen Gefallen tun.“
 
Rasch trat Fëng-örl vor und berichtete: „Fräulein Lin hatte drei oder vier Mal jemand geschickt, um sie zu sich zu bitten, bis sie dann gegangen ist. Sobald Ihr zu Hause wart, wollte ich sie holen, aber Fräulein Lin hat gesagt: ‚Bestell deiner Herrin, daß ich sie für etwas brauche!‘“
 
Jetzt erst gab Hsi-fëng Ruhe, bemerkte aber noch: „Was ist das nur, wozu sie sie jeden Tag braucht?“
 
Dame Hsing, die nun nichts weiter tun konnte, aß etwas, dann begab sie sich nach Hause zurück und erzählte am Abend Djia Schë, was sich ereignet hatte.
 
Djia Schë dachte kurz nach, dann ließ er Djia Liän rufen und befahl: „Um in Nan-djing die Häuser zu hüten, ist nicht nur die eine Familie dort. Laß sofort Djin Tsai hierher kommen!“
 
„Im letzten Brief aus Nan-djing stand, Djin Tsai sei infolge von Schleimfluß nicht mehr bei Sinnen“, berichtete Djia Liän. „Das Silber für seinen Sarg ist schon angewiesen. Ob er jetzt noch am Leben ist, weiß ich nicht. Aber selbst dann hätte es keinen Zweck, ihn herkommen zu lassen, denn er ist nicht mehr von dieser Welt. Seine Frau aber ist taub.“
 
Djia Schë schrie vor Wut auf, als er das hörte. Dann schimpfte er: „Nichtswürdiges Sträflingspack! Du weißt das natürlich ganz genau! Raus mit dir!“
 
Verwirrt zog sich Djia Liän zurück. Als Djia Schë kurz darauf befahl, Djin Wën-hsiang zu holen, wartete Djia Liän im äußeren Bibliothekszimmer und wagte nicht, nach Hause zu gehen. Ebensowenig wollte er erneut vor seinen Vater treten. So blieb ihm weiter nichts übrig, als zu lauschen, und bald hörte er, wie Djin Wën-hsiang kam und sofort von den Sklavenjungen hineingeführt wurde. Erst nach einer Zeit, in der man fünf, sechs Schalen Reis hätte essen können, kam er wieder heraus und ging fort.Tsai sei infolge von Schleimfluß nicht mehr bei Sinnen“, berichtete Djia Liän. „Das Silber für seinen Sarg ist schon angewiesen. Ob er jetzt noch am Leben ist, weiß ich nicht. Aber selbst dann hätte es keinen Zweck, ihn herkommen zu lassen, denn er ist nicht mehr von dieser Welt. Seine Frau aber ist taub.“
 
Djia Schë schrie vor Wut auf, als er das hörte. Dann schimpfte er: „Nichtswürdiges Sträflingspack! Du weißt das natürlich ganz genau! Raus mit dir!“
 
Verwirrt zog sich Djia Liän zurück. Als Djia Schë kurz darauf befahl, Djin Wën-hsiang zu holen, wartete Djia Liän im äußeren Bibliothekszimmer und wagte nicht, nach Hause zu gehen. Ebensowenig wollte er erneut vor seinen Vater treten. So blieb ihm weiter nichts übrig, als zu lauschen, und bald hörte er, wie Djin Wën-hsiang kam und sofort von den Sklavenjungen hineingeführt wurde. Erst nach einer Zeit, in der man fünf, sechs Schalen Reis hätte essen können, kam er wieder heraus und ging fort. Noch traute sich Djia Liän nicht, nachzufragen, und als er es nach einiger Zeit tat, erfuhr er, Djia Schë habe sich schlafen gelegt. Nun ging er in seine Räume hinüber, und erst als ihm Hsi-fëng alles erklärte, verstand er, worum es ging.
 
Yüan-yang fand in dieser Nacht keinen Schlaf. Am nächsten Morgen bat ihr Bruder die Herzoginmutter, sie zu sich nach Hause auf Urlaub nehmen zu dürfen. Die Herzoginmutter stimmte zu und befahl Yüan-yang zu gehen. Yüan-yang wollte zwar nicht, aber da sie Angst hatte, die Herzoginmutter könne einen Verdacht schöpfen, mußte sie notgedrungen folgen.
 
Ihr Bruder konnte nichts anderes tun, als ihr Djia Schës Worte zu wiederholen, und malte ihr aus, welche Ehre es für sie wäre und wie sie den Haushalt leiten würde, wenn sie erst Nebenfrau wäre. Aber Yüan-yang biß die Zähne zusammen und lehnte ab.
 
Da blieb ihrem Bruder keine andere Wahl, als wieder zu Djia Schë zu gehen und ihm dies zu berichten.
 
Wütend erklärte Djia Schë: „Hör zu, was ich dir sage, und laß es ihr von deiner Frau überbringen! Schöne Frauen mögen von alters her junge Burschen. Sicher verachtet sie mich, weil ich alt bin, und schmachtet nach den jungen Herrn. Wahrscheinlich hat sie sich in Bau-yü vergafft, vielleicht aber auch in Djia Liän. Wenn das wirklich so ist, soll sie sich das nur aus dem Kopf schlagen! Wer würde es wagen, sie noch zu nehmen, nachdem ich sie gewollt habe und sie mich abgewiesen hat! Das ist das eine.
 
Zum anderen meint sie wohl, weil die alte gnädige Frau sie gern hat, wer­de sie sie natürlich nach draußen verheiraten, so daß sie jemandes Haupt­frau wird. Aber sie soll sich einmal gut überlegen, ob sie mir wohl entgehen kann, egal wen sie auch heiraten wird. Wenn sie nicht gerade stirbt oder ihr Leben lang ledig bleibt, werde ich sie schon unterkriegen. Sonst aber ist es das beste für sie, sich rechtzeitig zu besinnen und Vernunft anzunehmen.“
 
Bei jedem Satz, den Djia Schë sprach, hatte Djin Wën-hsiang „Ja­wohl!“ gesagt. Jetzt fuhr Djia Schë fort: „Versuch nicht, mich anzuführen! Morgen schicke ich noch einmal die gnädige Frau zu Yüan-yang. Wenn Ihr ihr alles gesagt habt, und sie will nicht, trifft Euch keine Schuld. Wenn sie dann aber doch noch ja sagt, mußt du deinen Kopf in acht nehmen!“
 
Wieder sagte Djin Wën-hsiang ein um das andere Mal jawohl, dann zog er sich zurück und ging nach Hause. Er bemühte nicht erst seine Frau, sondern richtete Yüan-yang selbst aus, was Djia Schë ihm gesagt hatte.
 
Zuerst brachte Yüan-yang vor Empörung kein Wort heraus, dann aber sag­te sie nach einigem Nachdenken: „Nehmen wir an, ich bin einverstanden, dann müßt ihr mit mir zur alten gnädigen Frau gehen, um sie davon zu unterrichten.“
 
Als ihr Bruder und seine Frau das hörten, glaubten sie, Yüan-yang habe es sich überlegt, und wußten vor Freude nicht ein noch aus. Sofort ging die Schwägerin mit Yüan-yang zur Herzoginmutter. Hier waren eben Dame Wang, Tante Hsüä, Li Wan, Hsi-fëng, Bau-tschai und die Mädchen des Hauses versammelt, dazu noch einige Verwalterinnen und angesehene Sklavenfrauen, um die Herzoginmutter zu unterhalten.
 
Erfreut über dieses Zusammentreffen, zog Yüan-yang ihre Schwägerin mit vor die Herzoginmutter, dann fiel sie auf die Knie nieder und berichtete unter Tränen, was Dame Hsing ihr gesagt hatte, was ihre Schwägerin im Garten gesagt hatte und was schließlich ihr Bruder gesagt hatte. Dann fuhr sie fort: „Weil ich nicht einverstanden war, hat der ältere gnädige Herr rundweg behauptet, ich sei in Bau-yü verliebt oder aber ich wartete darauf, nach draußen verheiratet zu werden. Aber selbst wenn ich bis in den Himmel flüch­tete, würde ich mein Lebtag seiner Rache nicht entgehen.
 
Doch mein Entschluß steht fest, und ich erkläre vor allen Leuten: Nicht nur Bau-yü, auch keinen Gold- oder Silberjüngling, keinen Himmelskönig und keinen Jadekaiser, niemand werde ich heiraten, und damit Schluß! Und wenn die alte gnädige Frau mich dazu zwingen will, bringe ich mich eher um, als daß ich gehorche.
 
Wenn ich Glück habe, sterbe ich früher als die alte gnädige Frau, und wenn ich Pech habe und weiterleben muß, dann diene ich der alten gnädigen Frau, bis sie ins Paradies eingeht. Danach aber will ich weder bei meinen Eltern leben noch bei meinem älteren Bruder. Entweder bringe ich mich um, oder schneide mir das Haar ab und werde Nonne.
 
Wenn ich das nicht ehrlich meinen sollte und mich nur sträube, um später andere Pläne zu verfolgen, sollen Himmel und Erde, Götter und Geister mich strafen! Im Licht der Sonne und des Mondes soll eine Eiterbeule aus meiner Kehle wachsen, an der ich auf der Stelle zu Mus verfaule!“
 
Als Yüan-yang hereingekommen war, hatte sie eine Schere im Ärmel verborgen gehalten. Jetzt löste sie sich bei den letzten Worten mit der Linken das Haar und schnitt mit der Rechten drauflos. Rasch traten die Sklavenfrauen und -mädchen näher, um sie festzuhalten, aber schon hatte sie eine Strähne zur Hälfte durchschnitten. Doch glücklicherweise war ihr Haar sehr dicht, und sie hatte es auch nicht geschafft, alles durchzuschneiden, so daß man es ihr rasch wieder hochstecken konnte.
 
Die Herzoginmutter aber bebte vor Wut und stieß hervor: „Sie ist der einzige zuverlässige Mensch, der mir geblieben ist, und um den soll ich auch noch gebracht werden!“ Ihr Blick fiel auf Dame Wang, und an diese gewandt, fuhr sie fort: „Ihr macht mir alle etwas vor! Nach außen zeigt ihr kindliche Ergebenheit, heimlich aber stellt ihr eure Berechnungen an. Alle guten Sachen, die ich habe, müßt ihr mir wegnehmen, und alle guten Leute auch, bis mir nur so ein Mädchen geblieben ist. Und wo ihr seht, daß ich gut zu ihr bin, paßt euch das natürlich nicht, und ihr wollt sie weg haben, damit ihr mit mir machen könnt, was ihr wollt!“
 
Dame Wang hatte sich rasch erhoben und wagte kein Wort zu erwidern. Tante Hsüä konnte, als sie sehen mußte, wie selbst Dame Wang verdächtigt wurde, schlecht etwas Begütigendes sagen. Li Wan hatte die Mädchen des Hauses hinausgeführt, sobald Yüan-yang ihre Klage vorbrachte. Tan-tschun war verständig genug, um sich zu sagen, daß Dame Wang sich natürlich nicht zu verteidigen wagte, wenn sie so geschmäht wurde, und daß Tante Hsüä als ihre leibliche Schwester sie auch nicht gut in Schutz nehmen konnte, ebensowenig wie Bau-tschai imstande war, für ihre Tante einzutreten, während Li Wan, Hsi-fëng und Bau-yü sich auch nicht trauen durften, etwas zu sagen. Ein Mädchen mußte das tun! Aber Ying-tschun war zu naiv und Hsi-tschun noch zu klein. Darum hörte sie noch einen Moment durch das Fenster zu, dann ging sie wieder hinein und sagte lächelnd zur Herzoginmutter: „Was hat die gnädige Frau damit zu tun? Überlegt doch selbst, alte gnädige Frau! Woher soll sie es wissen, wenn ihr älterer Schwager eine Nebenfrau nehmen will? Und selbst wenn sie es wußte, konnte sie gar nicht anders, als sich unwissend zu stellen...“
 
Noch ehe sie ausgesprochen hatte, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Du hast recht! Ich verdumme schon mit dem Alter. – Lacht nicht über mich, Frau Hsüä! Eure Schwester ist mir kindlich treu ergeben, nicht wie meine andere Schwiegertochter, die in ständiger Furcht vor ihrem Mann lebt und mir nur nach dem Munde redet. Ich habe Eure Schwester gekränkt!“
 
Tante Hsüä sagte nur ja, dann aber fügte sie hinzu: „Vielleicht seid Ihr vor­eingenommen zugunsten der Frau Eures jüngeren Sohnes, auch so etwas gibt es ja.“
 
„Ich bin nicht voreingenommen“, erwiderte die Herzoginmutter. Dann fragte sie: „Bau-yü, warum hast du nichts gesagt, als ich deine Mutter zu unrecht verdächtigt habe, sondern hast zugesehen, wie sie gekränkt wurde?“
 
„Hätte ich mich vielleicht auf die Seite meiner Mutter gegen Onkel und Tante stellen sollen?“ fragte Bau-yü lächelnd zurück. „Der Fehler bleibt ja bestehen, und wenn meine Mutter ihn nicht auf sich genommen hätte, wem hätte sie ihn dann zuschieben sollen? Und wenn ich gesagt hätte, es sei mein Fehler gewesen, hättet Ihr mir auch nicht geglaubt.“
 
„Das stimmt“, sagte die Herzoginmutter lächelnd. „Knie schnell vor deiner Mutter nieder und sag: ‚Ihr müßt nicht gekränkt sein, gnädige Frau! Die alte gnädige Frau ist nicht mehr die Jüngste. Hört auf um Bau-yüs willen!‘“
 
Wirklich ging Bau-yü rasch hinüber, kniete nieder und wollte schon sprechen, als Dame Wang ihn lächelnd wieder hochzog und sagte: „Steh auf, steh auf! Das geht doch nun wirklich nicht! Du kannst dich nicht für die alte gnädige Frau bei mir entschuldigen.“
 
Also stand Bau-yü wieder auf, inzwischen aber sagte die Herzoginmut­ter lächelnd: „Hsi-fëng! Du hast mich auch nicht darauf aufmerksam ge­macht.“
 
Lächelnd entgegnete Hsi-fëng: „Euren Fehler habe ich Euch nicht vorgeworfen, und jetzt findet Ihr an mir etwas auszusetzen!“
 
„Merkwürdig! Ich möchte wissen, was das für ein Fehler sein soll!“ sagte die Herzoginmutter, und alle anderen pflichteten ihr bei.
 
„Warum mußtet Ihr Euch so gut darauf verstehen, das Mädchen heranzuziehen, daß sie schön wird wie eine Simse?!“ sagte Hsi-fëng. „Und da wundert Ihr Euch noch, daß jemand sie haben möchte! Ein Glück, daß ich die Frau Eures Enkels bin und nicht Euer Enkel. Sonst hätte ich sie schon längst haben wollen und hätte nicht bis heute damit gewartet.“
 
„Das also soll mein Fehler sein?“ fragte die Herzoginmutter lächelnd.
 
„Natürlich ist es das!“ erwiderte Hsi-fëng.
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889b.
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== Anmerkungen ==
„Dann will ich sie auch nicht mehr“, sagte die Herzoginmutter. „Nimm du sie zu dir!“
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<references />
„Wenn ich mich in diesem Leben so weit vervollkommne, daß ich im nächsten als Mann wiedergeboren werde, komme ich sie mir holen“, versprach Hsi-fëng.
 
„Dann nimm sie für Liän mit!“ schlug ihr die Herzoginmutter vor. „Ich möchte doch sehen, ob dein schamloser Schwiegervater sie dann immer noch für sich verlangt!“
 
„Für Liän ist sie nichts“, beharrte Hsi-fëng. „Für ihn sind nur angebrannte Fladen etwas wie ich und Ping-örl, um mit ihnen auszukommen.“
 
Alle brachen darüber in Gelächter aus, als die Sklavenmädchen meldeten: „Die ältere gnädige Frau ist da.“
 
Rasch ging Dame Wang ihr nach draußen entgegen, und wer wissen will, wie es weiterging, ...
 
 
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Revision as of 19:29, 28 April 2026

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中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

話說林黛玉直到四更將闌,方漸漸的睡去,暫且無話。如今且說鳳姐兒因見邢夫人叫他,不知何事,忙另穿戴了一番,坐車過來。邢夫人將房內人遣出,悄向鳳姐兒道:「叫你來不為別事,有一件為難的事,老爺托我,我不得主意,先和你商議。老爺因看上了老太太的鴛鴦,要他在房裡,叫我和老太太討去。我想這倒平常有的事,只是怕老太太不給,你可有法子?」鳳姐兒聽了,忙道:「依我說,竟別碰這個釘子去。老太太離了鴛鴦,飯也吃不下去的,那裡就捨得了?況且平日說起閑話來,老太太常說,老爺如今上了年紀,作什麼左一個小老婆右一個小老婆放在屋裡,沒的耽誤了人家。放著身子不保養,官兒也不好生作去,成日家和小老婆喝酒。太太聽這話,很喜歡老爺呢?這會子迴避還恐迴避不及,倒拿草棍兒戳老虎的鼻子眼兒去了!太太別惱,我是不敢去的。明放著不中用,而且反招出沒意思來。老爺如今上了年紀,行事不妥,太太該勸才是。比不得年輕,作這些事無礙。如今兄弟、侄兒、兒子、孫子一大群,還這麼鬧起來,怎樣見人呢?」邢夫人冷笑道: 「大家子三房四妾的也多,偏咱們就使不得?我勸了也未必依。就是老太太心愛的丫頭,這麼鬍子蒼白了又作了官的一個大兒子,要了作房裡人,也未必好駁回的。我叫了你來,不過商議商議,你先派上了一篇不是。也有叫你去的理?自然是我說去。你倒說我不勸,你還不知道那性子的,勸不成,先和我惱了。」

  鳳姐兒知道邢夫人稟性愚犟(註:蒙本此作「拙」),只知承順賈赦以自保,次則婪取財貨為自得,家下一應大小事務,俱由賈赦擺佈。凡出入銀錢事務,一經他手,便克嗇異常,以賈赦浪費為名,「須得我就中儉省,方可償補」,兒女奴僕,一人不靠,一言不聽的。如今又聽邢夫人如此的話,便知他又弄左性,勸了不中用,連忙陪笑說道:「太太這話說的極是。我能活了多大,知道什麼輕重?想來父母跟前,別說一個丫頭,就是那麼大的活寶貝,不給老爺給誰?背地裡的話那裡信得?我竟是個呆子。璉二爺或有日得了不是,老爺太太恨的那樣,恨不得立刻拿來一下子打死;及至見了面,也罷了,依舊拿著老爺太太心愛的東西賞他。如今老太太待老爺,自然也是那樣了。依我說,老太太今兒喜歡,要討今兒就討去。我先過去哄著老太太發笑,等太太過去了,我搭訕著走開,把屋子裡的人我也帶開,太太好和老太太說的。給了更好,不給也沒妨礙,眾人也不知道。」邢夫人見他這般說,便又喜歡起來,又告訴他道:「我的主意先不和老太太要。老太太要說不給,這事便死了。我心裡想著先悄悄的和鴛鴦說。他雖害臊,我細細的告訴了他,他自然不言語,就妥了。那時再和老太太說,老太太雖不依,擱不住他願意,常言『人去不中留』,自然這就妥了。」鳳兒姐笑道:「到底是太太有智謀,這是千妥萬妥的。別說是鴛鴦,憑他是誰,那一個不想巴高望上,不想出頭的?這半個主子不做,倒願意做個丫頭,將來配個小子就完了。」邢夫人笑道:「正是這個話了。別說鴛鴦,就是那些執事的大丫頭,誰不願意這樣呢。你先過去,別露一點風聲,我吃了晚飯就過來。」

  鳳姐兒暗想:「鴛鴦素習是個可惡的,雖如此說,保不嚴他就願意。我先過去了,太太后過去,若他依了便沒話說;倘或不依,太太是多疑的人,只怕就疑我走了風聲,使他拿腔作勢的。那時太太又見了應了我的話,羞惱變成怒,拿我出起氣來,倒沒意思。不如同著一齊過去了,他依也罷,不依也罷,就疑不到我身上了。」想畢,因笑道:「方纔臨來,舅母那邊送了兩籠子鵪鶉,我吩咐他們炸了,原要趕太太晚飯上送過來的。我才進大門時,見小子們抬車,說太太的車拔了縫,拿去收拾去了。不如這會子坐了我的車一齊過去倒好。」邢夫人聽了,便命人來換衣服。鳳姐忙著伏侍了一回,娘兒兩個坐車過來。鳳姐兒又說道:「太太過老太太那裡去,我若跟了去,老太太若問起我過去作什麼的,倒不好。不如太太先去,我脫了衣裳再來。」

  邢夫人聽了有理,便自往賈母處,和賈母說了一回閑話,便出來假托往王夫人房裡去,從後門出去,打鴛鴦的卧房前過。只見鴛鴦正然坐在那裡做針線,見了邢夫人,忙站起來。邢夫人笑道:「做什麼呢?我瞧瞧,你扎的花兒越發好了。」一面說,一面便接他手內的針線瞧了一瞧,只管贊好。放下針線,又渾身打量。只見他穿著半新的藕合色的綾襖,青緞掐牙背心,下面水綠裙子。蜂腰削背,鴨蛋臉面,烏油頭髮,高高的鼻子,兩邊腮上微微的幾點雀斑。鴛鴦見這般看他,自己倒不好意思起來,心裡便覺詫異,因笑問道:「太太,這會子不早不晚的,過來做什麼?」邢夫人使個眼色兒,跟的人退出。邢夫人便坐下,拉著鴛鴦的手笑道:「我特來給你道喜來了。」鴛鴦聽了,心中已猜著三分,不覺紅了臉,低了頭不發一言。聽邢夫人道:「你知道你老爺跟前竟沒有個可靠的人,心裡再要買一個,又怕那些人牙子家出來的不乾不凈,也不知道毛病兒,買了來家,三日兩日,又要肏鬼弔猴的。因滿府里要挑一個家生女兒收了,又沒個好的:不是模樣兒不好,就是性子不好,有了這個好處,沒了那個好處。因此冷眼選了半年,這些女孩子裡頭,就只你是個尖兒,模樣兒,行事作人,溫柔可靠,一概是齊全的。意思要和老太太討了你去,收在屋裡。你比不得外頭新買的,你這一進去了,進門就開了臉,就封你姨娘,又體面,又尊貴。你又是個要強的人,俗語說的,『金子終得金子換』,誰知竟被老爺看重了你。如今這一來,你可遂了素日誌大心高的願了,也堵一堵那些嫌你的人的嘴。跟了我回老太太去!」說著拉了他的手就要走。鴛鴦紅了臉,奪手不行。邢夫人知他害臊,因又說道:「這有什麼臊處?你又不用說話,只跟著我就是了。」鴛鴦只低了頭不動身。邢夫人見他這般,便又說道:「難道你不願意不成?若果然不願意,可真是個傻丫頭了。放著主子奶奶不作,倒願意作丫頭!三年二年,不過配上個小子,還是奴才。你跟了我們去,你知道我的性子又好,又不是那不容人的人。老爺待你們又好。過一年半載,生下個一男半女,你就和我並肩了。家裡的人你要使喚誰,誰還不動?現成主子不做去,錯過這個機會,後悔就遲了。」鴛鴦只管低了頭,仍是不語。邢夫人又道:「你這麼個響快人,怎麼又這樣積粘起來?有什麼不稱心之處,只管說與我,我管你遂心如意就是了。」鴛鴦仍不語。邢夫人又笑道:「想必你有老子娘,你自己不肯說話,怕臊。你等他們問你,這也是理。讓我問他們去,叫他們來問你,有話只管告訴他們。」說畢,便往鳳姐兒房中來。

  鳳姐兒早換了衣服,因房內無人,便將此話告訴了平兒。平兒也搖頭笑道:「據我看,此事未必妥。平常我們背著人說起話來,聽他那主意,未必是肯的。也只說著瞧罷了。」鳳姐兒道:「太太必來這屋裡商議。依了還可,若不依,白討個臊,當著你們,豈不臉上不好看。你說給他們炸鵪鶉,再有什麼配幾樣,預備吃飯。你且別處逛逛去,估量著去了再來。」平兒聽說,照樣傳給婆子們,便逍遙自在的往園子里來。

  這裡鴛鴦見邢夫人去了,必在鳳姐兒房裡商議去了,必定有人來問他的,不如躲了這裡,因找了琥珀說道:「老太太要問我,只說我病了,沒吃早飯,往園子里逛逛就來。」琥珀答應了。鴛鴦也往園子里來,各處游玩,不想正遇見平兒。平兒因見無人,便笑道:「新姨娘來了!」鴛鴦聽了,便紅了臉,說道:「怪道你們串通一氣來算計我!等著我和你主子鬧去就是了。」平兒聽了,自悔失言,便拉他到楓樹底下,坐在一塊石上,越性把方纔鳳姐過去回來所有的形景言詞始末原由告訴與他。鴛鴦紅了臉,向平兒冷笑道:「這是咱們好,比如襲人、琥珀、素雲、紫鵑、彩霞、玉釧兒、麝月、翠墨,跟了史姑娘去的翠縷,死了的可人和金釧,去了的茜雪,連上你我,這十來個人,從小兒什麼話兒不說?什麼事兒不作?這如今因都大了,各自乾各自的去了,然我心裡仍是照舊,有話有事,並不瞞你們。這話我且放在你心裡,且別和二奶奶說:別說大老爺要我做小老婆,就是太太這會子死了,他三媒六聘的娶我去作大老婆,我也不能去。」

  平兒方欲笑答,只聽山石背後哈哈的笑道:「好個沒臉的丫頭,虧你不怕牙磣。」二人聽了不免吃了一驚,忙起身向山石背後找尋,不是別個,卻是襲人笑著走了出來問:「什麼事情?告訴我。」說著,三人坐在石上。平兒又把方纔的話說與襲人聽道:「真真這話論理不該我們說,這個大老爺太好色了,略平頭正臉的,他就不放手了。」平兒道:「你既不願意,我教你個法子,不用費事就完了。」鴛鴦道:「什麼法子?你說來我聽。」平兒笑道:「你只和老太太說,就說已經給了璉二爺了,大老爺就不好要了。」鴛鴦啐道:「什麼東西!你還說呢!前兒你主子不是這麼混說的?誰知應到今兒了!」襲人笑道:「他們兩個都不願意,我就和老太太說,叫老太太說把你已經許了寶玉了,大老爺也就死了心了。」鴛鴦又是氣,又是臊,又是急,因罵道:「兩個蹄子不得好死的!人家有為難的事,拿著你們當正經人,告訴你們與我排解排解,你們倒替換著取笑兒。你們自為都有了結果了,將來都是做姨娘的。據我看,天下的事未必都遂心如意。你們且收著些兒,別忒樂過了頭兒!」二人見他急了,忙陪笑央告道:「好姐姐,別多心,咱們從小兒都是親姊妹一般,不過無人處偶然取個笑兒。你的主意告訴我們知道,也好放心。」鴛鴦道:「什麼主意!我只不去就完了。」平兒搖頭道:「你不去未必得干休。大老爺的性子你是知道的。雖然你是老太太房裡的人,此刻不敢把你怎麼樣,將來難道你跟老太太一輩子不成?也要出去的。那時落了他的手,倒不好了。」鴛鴦冷笑道:「老太太在一日,我一日不離這裡;若是老太太歸西去了,他橫豎還有三年的孝呢,沒個娘才死了他先納小老婆的!等過三年,知道又是怎麼個光景,那時再說。縱到了至急為難,我剪了頭髮作姑子去;不然,還有一死。一輩子不嫁男人,又怎麼樣?樂得乾凈呢!」平兒襲人笑道:「真這蹄子沒了臉,越發信口兒都說出來了。」鴛鴦道:「事到如此,臊一會怎麼樣!你們不信,慢慢的看著就是了。太太才說了,找我老子娘去。我看他南京找去!」平兒道:「你的父母都在南京看房子,沒上來,終久也尋的著。現在還有你哥哥嫂子在這裡。可惜你是這裡的的家生女兒,不如我們兩個人是單在這裡。」鴛鴦道:「家生女兒怎麼樣?『牛不吃水強按頭』?我不願意,難道殺我的老子娘不成?」

  正說著,只見他嫂子從那邊走來。襲人道:「當時找不著你的爹娘,一定和你嫂子說了。」鴛鴦道:「這個娼婦專管是個『九國販駱駝的』,聽了這話,他有個不奉承去的!」說話之間,已來到跟前。他嫂子笑道:「那裡沒找到,姑娘跑了這裡來!你跟了我來,我和你說話。」平兒襲人都忙讓坐。他嫂子說:「姑娘們請坐,我找我們姑娘說句話。」 襲人平兒都裝不知道,笑道:「什麼話這樣忙?我們這裡猜謎兒贏手批子打呢,等猜了這個再去。」鴛鴦道:「什麼話?你說罷。」他嫂子笑道:「你跟我來,到那裡我告訴你,橫豎有好話兒。」鴛鴦道:「可是大太太和你說的那話?」他嫂子笑道:「姑娘既知道,還奈何我!快來,我細細的告訴你可是天大的喜事。」鴛鴦聽說,立起身來,照他嫂子臉上下死勁啐了一口,指著他罵道:「你快夾著屄嘴離了這裡,好多著呢!什麼『好話』!宋徽宗的鷹,趙子昂的馬,都是好畫兒。什麼 『喜事』!狀元痘兒灌的漿兒又滿是喜事。怪道成日家羡慕人家女兒作了小老婆了,一家子都仗著他橫行霸道的,一家子都成了小老婆了!看的眼熱了,也把我送在火坑裡去。我若得臉呢,你們外頭橫行霸道,自己就封自己是舅爺了。我若不得臉敗了時,你們把忘八脖子一縮,生死由我。」一面說,一面哭,平兒襲人攔著勸。他嫂子臉上下不來,因說道:「願意不願意,你也好說,不犯著牽三掛四的。俗語說,『當著矮人,別說矮話』。姑奶奶罵我,我不敢還言;這二位姑娘並沒惹著你,小老婆長小老婆短,大家臉上怎麼過得去?」襲人平兒忙道:「你倒別這麼說,他也並不是說我們,你倒別牽三掛四的。你聽見那位太太、太爺們封我們做小老婆?況且我們兩個也沒有爹娘哥哥兄弟在這門子里仗著我們橫行霸道的。他罵的人自有他罵的,我們犯不著多心。」鴛鴦道:「他見我罵了他,他臊了,沒的蓋臉,又拿話挑唆你們兩個,幸虧你們兩個明白。原是我急了,也沒分別出來,他就挑出這個空兒來。」他嫂子自覺沒趣,賭氣去了。

  鴛鴦氣得還罵,平兒襲人勸他一回,方纔罷了。平兒因問襲人道:「你在那裡藏著做甚麼的?我們竟沒看見你。」襲人道:「我因為往四姑娘房裡瞧我們寶二爺去的,誰知遲了一步,說是來家裡來了。我疑惑怎麼不遇見呢,想要往林姑娘家裡找去,又遇見他的人說也沒去。我這裡正疑惑是出園子去了,可巧你從那裡來了,我一閃,你也沒看見。後來他又來了。我從這樹後頭走到山子石後,我卻見你兩個說話來了,誰知你們四個眼睛沒見我。」

  一語未了,又聽身後笑道:「四個眼睛沒見你?你們六個眼睛竟沒見我!」三人唬了一跳,回身一看,不是別個,正是寶玉走來。襲人先笑道:「叫我好找,你那裡來?」寶玉笑道:「我從四妹妹那裡出來,迎頭看見你來了,我就知道是找我去的,我就藏了起來哄你。看你低著頭過去了,進了院子就出來了,逢人就問。我在那裡好笑,只等你到了跟前唬你一跳的,後來見你也藏藏躲躲的,我就知道也是要哄人了。我探頭往前看了一看,卻是他兩個,所以我就繞到你身後。你出去,我就躲在你躲的那裡了。」平兒笑道:「咱們再往後找找去,只怕還找出兩個人來也未可知。」寶玉笑道:「這可再沒了。」鴛鴦已知話俱被寶玉聽了,只伏在石頭上裝睡。寶玉推他笑道:「這石頭上冷,咱們回房裡去睡,豈不好?」說著拉起鴛鴦來,又忙讓平兒來家坐吃茶。平兒和襲人都勸鴛鴦走,鴛鴦方立起身來,四人竟往怡紅院來。寶玉將方纔的話俱已聽見,心中自然不快,只默默的歪在床上,任他三人在外間說笑。

  那邊邢夫人因問鳳姐兒鴛鴦的父母,鳳姐因回說:「他爹的名字叫金彩,兩口子都在南京看房子,從不大上京。他哥哥金文翔,現在是老太太那邊的買辦。他嫂子也是老太太那邊漿洗的頭兒。」邢夫人便令人叫了他嫂子金文翔媳婦來,細細說與他。金家媳婦自是喜歡,興興頭頭找鴛鴦,只望一說必妥,不想被鴛鴦搶白一頓,又被襲人平兒說了幾句,羞惱回來,便對邢夫人說:「不中用,他倒罵了我一場。」因鳳姐兒在旁,不敢提平兒,只說:「襲人也幫著他搶白我,也說了許多不知好歹的話,回不得主子的。太太和老爺商議再買罷。諒那小蹄子也沒有這麼大福,我們也沒有這麼大造化。」邢夫人聽了,因說道:「又與襲人什麼相干?他們如何知道的?」又問:「還有誰在跟前?」金家的道:「還有平姑娘。」鳳姐兒忙道:「你不該拿嘴巴子打他回來?我一齣了門,他就逛去了;回家來連一個影兒也摸不著他!他必定也幫著說什麼呢!」金家的道:「平姑娘沒在跟前,遠遠的看著倒象是他,可也不真切,不過是我白忖度。」鳳姐便命人去:「快打了他來,告訴他我來家了,太太也在這裡,請他來幫個忙兒。」豐兒忙上來回道:「林姑娘打發了人下請字請了三四次,他才去了。奶奶一進門我就叫他去的。林姑娘說:『告訴你奶奶,我煩他有事呢。』」鳳姐兒聽了方罷,故意的還說:「天天煩他,有些什麼事!」

  邢夫人無計,吃了飯回家,晚間告訴了賈赦。賈赦想了一想,即刻叫賈璉來說:「南京的房子還有人看著,不止一家,即刻叫上金彩來。」賈璉回道:「上次南京信來,金彩已經得了痰迷心竅,那邊連棺材銀子都賞了,不知如今是死是活,便是活著,人事不知,叫來也無用。他老婆子又是個聾子。」賈赦聽了,喝了一聲,又罵:「下流囚攮的,偏你這麼知道,還不離了我這裡!」唬得賈璉退出,一時又叫傳金文翔。賈璉在外書房伺候著,又不敢家去,又不敢見他父親,只得聽著。一時金文翔來了,小幺兒們直帶入二門裡去,隔了五六頓飯的工夫才出來去了。賈璉暫且不敢打聽,隔了一會,又打聽賈赦睡了,方纔過來。至晚間鳳姐兒告訴他,方纔明白。

  鴛鴦一夜沒睡,至次日,他哥哥回賈母接他家去逛逛,賈母允了,命他出去。鴛鴦意欲不去,只怕賈母疑心,只得勉強出來。他哥哥只得將賈赦的話說與他,又許他怎麼體面,又怎麼當家作姨娘。鴛鴦只咬定牙不願意。他哥哥無法,少不得去回覆了賈赦。賈赦怒起來,因說道:「我這話告訴你,叫你女人向他說去,就說我的話:『自古嫦娥愛少年』,他必定嫌我老了,大約他戀著少爺們,多半是看上了寶玉,只怕也有賈璉。果有此心,叫他早早歇了心,我要他不來,此後誰還敢收?此是一件。第二件,想著老太太疼他,將來自然往外聘作正頭夫妻去。叫他細想,憑他嫁到誰家去,也難出我的手心。除非他死了,或是終身不嫁男人,我就伏了他!若不然時,叫他趁早回心轉意,有多少好處。」賈赦說一句,金文翔應一聲「是」。賈赦道:「你別哄我,我明兒還打發你太太過去問鴛鴦,你們說了,他不依,便沒你們的不是。若問他,他再依了,仔細你的腦袋!」

  金文翔忙應了又應,退出回家,也不等得告訴他女人轉說,竟自已對面說了這話。把個鴛鴦氣的無話可回,想了一想,便說道:「便願意去,也須得你們帶了我回聲老太太去。」他哥嫂聽了,只當回想過來,都喜之不勝。他嫂子即刻帶了他上來見賈母。

  可巧王夫人、薛姨媽、李紈、鳳姐兒、寶釵等姊妹並外頭的幾個執事有頭臉的媳婦,都在賈母跟前湊趣兒呢。鴛鴦喜之不盡,拉了他嫂子,到賈母跟前跪下,一行哭,一行說,把邢夫人怎麼來說,園子里他嫂子又如何說,今兒他哥哥又如何說,「因為不依,方纔大老爺越性說我戀著寶玉,不然要等著往外聘,我到天上,這一輩子也跳不出他的手心去,終久要報仇。我是橫了心的,當著眾人在這裡,我這一輩子莫說是『寶玉』,便是『寶金』『寶銀』『寶天王』『寶皇帝』,橫豎不嫁人就完了!就是老太太逼著我,我一刀子抹死了,也不能從命!若有造化,我死在老太太之先;若沒造化,該討吃的命,伏侍老太太歸了西,我也不跟著我老子娘哥哥去,我或是尋死,或是剪了頭髮當尼姑去!若說我不是真心,暫且拿話來支吾,日後再圖別的,天地鬼神,日頭月亮照著嗓子,從嗓子裡頭長疔爛了出來,爛化成醬在這裡!」原來他一進來時,便袖了一把剪子,一面說著,一面左手打開頭髮,右手便鉸。眾婆娘丫鬟忙來拉住,已剪下半綹來了。眾人看時,幸而他的頭髮極多,鉸的不透,連忙替他輓上。賈母聽了,氣的渾身亂戰,口內只說:「我通共剩了這麼一個可靠的人,他們還要來算計!」因見王夫人在旁,便向王夫人道:「你們原來都是哄我的!外頭孝敬,暗地裡盤算我。有好東西也來要,有好人也要,剩了這麼個毛丫頭,見我待他好了,你們自然氣不過,弄開了他,好擺弄我!」王夫人忙站起來,不敢還一言。薛姨媽見連王夫人怪上,反不好勸的了。李紈一聽見鴛鴦的話,早帶了姊妹們出去。

  探春有心的人,想王夫人雖有委曲,如何敢辯;薛姨媽也是親姊妹,自然也不好辯的;寶釵也不便為姨母辯;李紈、鳳姐、寶玉一概不敢辯;這正用著女孩兒之時,迎春老實,惜春小,因此窗外聽了一聽,便走進來陪笑向賈母道:「這事與太太什麼相干?老太太想一想,也有大伯子要收屋裡的人,小嬸子如何知道?便知道,也推不知道。」猶未說完,賈母笑道:「可是我老糊塗了!姨太太別笑話我。你這個姐姐他極孝順我,不象我那大太太一味怕老爺,婆婆跟前不過應景兒。可是委屈了他。」薛姨媽只答應「是」,又說:「老太太偏心,多疼小兒子媳婦,也是有的。」賈母道:「不偏心!」因又說道:「寶玉,我錯怪了你娘,你怎麼也不提我,看著你娘受委屈?」寶玉笑道:「我偏著娘說大爺大娘不成?通共一個不是,我娘在這裡不認,卻推誰去?我倒要認是我的不是,老太太又不信。」賈母笑道: 「這也有理。你快給你娘跪下,你說太太別委屈了,老太太有年紀了,看著寶玉罷。」寶玉聽了,忙走過去,便跪下要說;王夫人忙笑著拉他起來,說:「快起來,快起來,斷乎使不得。終不成你替老太太給我賠不是不成?」寶玉聽說,忙站起來。賈母又笑道:「鳳姐兒也不提我。」鳳姐兒笑道:「我倒不派老太太的不是,老太太倒尋上我了?」賈母聽了,與眾人都笑道:「這可奇了!倒要聽聽這不是。」鳳姐兒道:「誰教老太太會調理人,調理的水蔥兒似的,怎麼怨得人要?我幸虧是孫子媳婦,若是孫子,我早要了,還等到這會子呢。」賈母笑道:「這倒是我的不是了?」鳳姐兒笑道:「自然是老太太的不是了。」賈母笑道:「這樣,我也不要了,你帶了去罷!」鳳姐兒道:「等著修了這輩子,來生托生男人,我再要罷。」賈母笑道:「你帶了去,給璉兒放在屋裡,看你那沒臉的公公還要不要了!」鳳姐兒道:「璉兒不配,就只配我和平兒這一對燒糊了的卷子和他混罷。」說的眾人都笑起來了。丫鬟回說:「大太太來了。」王夫人忙迎了出去。要知端的

  

注释

Kapitel 46

Wer in der Klemme steckt, dem bleiben peinliche Auftritte nicht erspart — Mandarinenente[1] schwört, nie ein Mandarinenenten-Paar zu bilden

Erst gegen Ende der vierten Nachtwache schlief Kajaljade [黛玉][2] allmählich ein. Mehr ist von ihr einstweilen nicht zu berichten.

Nun soll erzählt werden, dass Phönixglanz [凤姐][3], die von Frau Strafe [邢夫人] gerufen worden war und nicht wusste, worum es ging, sich rasch umkleidete und im Wagen hinüberfuhr. Frau Strafe schickte alle Bediensteten aus dem Zimmer und sagte dann leise zu Phönixglanz: „Ich habe dich nicht wegen einer Belanglosigkeit kommen lassen. Es gibt da eine heikle Angelegenheit: Der gnädige Herr [贾赦] hat mich damit beauftragt, aber ich weiß nicht, was ich machen soll, und wollte mich erst einmal mit dir beraten. Der gnädige Herr hat ein Auge auf Mandarinenente [鸳鸯] geworfen, die Dienerin der Herzoginmutter[4], und möchte sie als Nebenfrau in sein Haus nehmen. Er hat mich gebeten, sie bei der Herzoginmutter für ihn zu erbitten. Ich denke mir, so etwas kommt ja häufig vor, aber ich fürchte, die Herzoginmutter wird sie nicht hergeben wollen. Weißt du einen Rat?“

Als Phönixglanz das hörte, sagte sie rasch: „Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch an diesem Nagel lieber nicht die Zähne ausbeißen. Ohne Mandarinenente bekommt die Herzoginmutter [贾母] keinen Bissen herunter — wie sollte sie sich von ihr trennen wollen? Zudem hat die Herzoginmutter schon oft im Gespräch gesagt, der gnädige Herr sei jetzt in die Jahre gekommen, und wozu er sich immer noch links und rechts Nebenfrauen halte. Er mache nur die Mädchen unglücklich. Anstatt auf seine Gesundheit zu achten und sein Amt ordentlich zu versehen, trinke er den ganzen Tag mit seinen Nebenfrauen. Klingt das so, als ob die Herzoginmutter den gnädigen Herrn sehr schätzt? Jetzt, wo man froh sein sollte, einem Zusammenstoß noch aus dem Weg gehen zu können, will man dem Tiger mit einem Strohhalm in die Nasenlöcher stochern! Seid mir nicht böse, gnädige Frau, aber ich wage das nicht zu übernehmen. Es hat offensichtlich keinen Sinn, und man holt sich nur Ärger. Der gnädige Herr ist jetzt in dem Alter, wo er solche Dinge lassen sollte — Ihr müstet ihm zureden. Das ist etwas anderes als bei einem jungen Mann, da schadet es nicht. Aber mit diesem ganzen Haufen von Brüdern, Neffen, Söhnen und Enkeln solch ein Aufsehen zu machen — wie will er da noch den Leuten ins Gesicht sehen?“

Frau Strafe sagte mit kühlem Lächeln: „In anderen großen Familien haben die Herren drei Nebenfrauen und vier Konkubinen — warum sollen ausgerechnet wir das nicht dürfen? Selbst wenn ich ihm zurede, wird er sich kaum danach richten. Und wenn der älteste Sohn, der schon einen graün Bart hat und ein Amt bekleidet, das Lieblingsmädchen seiner Mutter zur Nebenfrau machen will — wie kann man das wohl abschlagen? Ich habe dich kommen lassen, um mich mit dir zu beraten, und du überhäuflst mich gleich mit Vorwürfen. Habe ich denn gesagt, du sollst hingehen und mit ihr reden? Natürlich gehe ich selbst. Du sagst, ich solle ihm zureden — kennst du denn sein Temperament immer noch nicht? Wenn man ihm zuredet, wird er erst recht nicht hören, und als Erstes wird er mir böse.“

Phönixglanz wusste, dass Frau Strafe von Natur aus eigensinnig und beschränkt war. Sie kannte nur das eine: Begnadigung Kaufmann [贾赦][5] in allem zu Willen zu sein, um ihre eigene Position zu sichern, und darüber hinaus Besitz und Reichtum an sich zu raffen. Alle Familienangelegenheiten, ob groß oder klein, überließ sie Begnadigung Kaufmann. Nur wo es um Geld ging, behielt sie die Zügel in der Hand und war dann von ungewöhnlichem Geiz — unter dem Vorwand, Kaufmann Begnaadigungen sei ein Verschwender und sie müsse durch Sparsamkeit ausgleichen, was er vergeude. Auf keines ihrer Kinder oder Dienstboten stützte sie sich, und keinem hörte sie zu. Als Phönixglanz nun diese Worte hörte, wusste sie, dass Frau Strafe wieder ihren Starrsinn an den Tag legte und dass Zureden keinen Sinn hatte. Deshalb setzte sie rasch ein Lächeln auf und sagte: „Ihr habt völlig recht, gnädige Frau. Wie alt bin ich denn schon, und was verstehe ich davon, was wichtig und was unwichtig ist? Vor den Eltern braucht man gar nicht erst zu fragen — nicht nur ein Dienstmädchen, selbst den kostbarsten Schatz würde man dem gnädigen Herrn geben, wem denn sonst? Was einem hinter dem Rücken gesagt wird, darauf darf man nichts geben! Ich bin wirklich ein Dummkopf. Wenn Kette Kaufmann [贾琏][6] etwas angestellt hat, sind der gnädige Herr und die gnädige Frau so wütend, dass sie ihn am liebsten auf der Stelle erschlagen würden. Aber kaum sehen sie ihn, ist alles vergessen, und sie beschenken ihn mit dem, was ihnen am liebsten ist. Genauso wird natürlich die Herzoginmutter den gnädigen Herrn behandeln. Meiner Meinung nach ist die Herzoginmutter heute guter Laune — wenn Ihr Mandarinenente erbitten wollt, dann tut es heute gleich! Ich fahre voraus und bringe die Herzoginmutter zum Lachen. Sobald Ihr dann kommt, ziehe ich mich unter einem Vorwand zurück und nehme auch die übrigen Anwesenden mit hinaus, damit Ihr in Ruhe mit der Herzoginmutter sprechen könnt. Willigt sie ein, umso besser; willigt sie nicht ein, macht es auch nichts, weil niemand sonst davon erfährt.“

Als Frau Strafe diese Worte hörte, wurde sie wieder froh und sagte: „Mein Plan war eigentlich, zuerst nicht die Herzoginmutter zu fragen. Wenn die Herzoginmutter nein sagt, ist die Sache gestorben. Ich wollte zuerst leise und unauffällig mit Mandarinenente reden. Sie wird sich zwar genieren, aber wenn ich ihr alles erkläre, wird sie natürlich nichts einzuwenden haben, und die Sache ist beschlossen. Dann erst spreche ich mit der Herzoginmutter. Selbst wenn die Herzoginmutter nicht einverstanden ist — Mandarinenente ist ja bereits einverstanden, und wie das Sprichwort sagt: ‚Wer gehen will, lässt sich nicht halten.‘ So wird es ganz bestimmt gelingen.“

Phönixglanz sagte lächelnd: „Ihr seid wahrlich eine kluge Strategin, gnädige Frau! Dieser Plan ist hundertfach sicher. Nicht nur Mandarinenente — wer würde nicht gern aufsteigen und es zu etwas bringen? Wer würde nicht lieber eine halbe Herrin werden, als Dienstmädchen zu bleiben und eines Tages mit einem Knecht verheiratet zu werden?“

Frau Strafe sagte lächelnd: „Genau das meine ich. Nicht nur Mandarinenente — auch jede der leitenden Mägde wäre gern dazu bereit. Fahr du nur voraus, aber verrate kein Sterbenswort! Sobald ich zu Abend gegessen habe, komme ich nach.“

Phönixglanz überlegte insgeheim: „Mandarinenente ist eine, mit der nicht zu spaßen ist. Auch wenn man so redet, ist keineswegs sicher, dass sie einverstanden ist. Wenn ich vorausfahre und die gnädige Frau nachkommt — stimmt Mandarinenente zu, ist alles gut. Stimmt sie aber nicht zu, wird die gnädige Frau argwöhnen — misstrauisch wie sie ist —, ich hätte etwas verraten und Mandarinenente zum Widerstand angestiftet. Dann wird ihre Beschämung zu Wut, und sie lässt es an mir aus. Das wäre äußerst unangenehm. Besser, wir fahren gemeinsam hinüber. Ob Mandarinenente einverstanden ist oder nicht, auf mich kann dann kein Verdacht fallen.“

Nachdem sie diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte sie lächelnd: „Als ich vorhin losfahren wollte, schickte die Tante meiner Mutter [Anm.: im Originaltext 舅母, die Frau des Onkels mütterlicherseits] eben zwei Körbe Wachteln. Ich habe angeordnet, sie in Öl zu backen, und wollte sie Euch eigentlich noch rechtzeitig zum Abendessen schicken lassen. Als ich hier zum Tor hereinkam, sah ich die Diener einen Wagen hinaustragen. Sie sagten, Euer Wagen habe eine aufgegangene Naht und werde zur Reparatur gebracht. Da wäre es doch das Einfachste, Ihr steigt zu mir in den Wagen, und wir fahren gemeinsam hinüber.“

Frau Strafe hörte das und befahl sofort, ihr die Kleider zum Wechseln zu bringen. Phönixglanz half ihr eilfertig beim Umkleiden, und dann fuhren die beiden zusammen im Wagen davon. Unterwegs sagte Phönixglanz: „Wenn Ihr zur Herzoginmutter geht und ich Euch begleite, könnte die Herzoginmutter fragen, warum wir gemeinsam kommen — das wäre ungünstig. Besser, Ihr geht voraus, und ich komme nach, sobald ich mich umgezogen habe.“

Frau Strafe fand das vernünftig und ging allein zur Herzoginmutter. Nachdem sie eine Weile geplaudert hatte, gab sie vor, Wang Furen [王夫人] besuchen zu wollen, und ging durch die Hintertür hinaus. So kam sie an Mandarinenentes Schlafkammer vorbei. Mandarinenente saß drinnen bei ihrer Näharbeit. Als sie Frau Strafe erblickte, stand sie eilig auf.

Frau Strafe sagte lächelnd: „Was machst du da? Lass mich sehen! Deine Stickereien werden immer schöner.“ Dabei nahm sie Mandarinenente die Handarbeit ab, betrachtete sie und lobte sie in einem fort. Dann legte sie die Arbeit beiseite und musterte Mandarinenente von Kopf bis Fuß. Sie sah, dass sie eine halbgetragene Jacke in zartem Lotusrosa aus Seide trug, darüber eine Überweste aus dunklem Satin mit kontrastierenden Bordüren, und unten einen blassgrünen Rock. Ihre Taille war schlank, ihr Rücken schmal, das Gesicht oval wie ein Entenei, das Haar schwarz und ölglänzend, die Nase hoch und fein, und auf beiden Wangen zeigten sich ein paar zarte Sommersprossen.

Als sich Mandarinenente so beäugt sah, wurde es ihr selbst peinlich, und im Herzen stieg ein Verdacht in ihr auf. Sie fragte lächelnd: „Gnädige Frau, was führt Euch denn zu dieser ungewöhnlichen Stunde hierher?“

Frau Strafe gab ihren Begleiterinnen einen Wink, und sie zogen sich zurück. Dann setzte sie sich, fasste Mandarinenentes Hand und sagte lächelnd: „Ich komme eigens, um dir frohe Botschaft zu bringen.“

Als Mandarinenente das hörte, ahnte sie schon zu drei Zehnteln, worum es ging. Unwillkürlich wurde sie rot, senkte den Kopf und sagte kein Wort. Da fuhr Frau Strafe fort: „Du weißt doch, dass der gnädige Herr niemand an seiner Seite hat, auf den er sich verlassen kann. Er würde gern eine Frau kaufen, aber er fürchtet, dass die Mädchen von den Händlern nicht sauber und anständig sind und man nicht weiß, welche Mängel sie mitbringen. Man nimmt sie ins Haus, und nach zwei, drei Tagen fängt sie an, Unfug zu treiben. Deshalb hat man unter sämtlichen Töchtern der Hausdienerfamilien im ganzen Anwesen eine auswählen wollen — aber keine war gut genug: Entweder stimmte das Aussehen nicht, oder der Charakter war schlecht; hatte man den einen Vorzug, fehlte der andere. Nachdem man so ein halbes Jahr lang nüchtere Auswahl gehalten hat, bist du als die Allerbeste unter allen Mädchen übriggeblieben. Aussehen, Betragen, Sanftmut und Zuverlässigkeit — alles ist vorhanden. Der gnädige Herr beabsichtigt, die Herzoginmutter zu bitten, dich zu uns zu geben und als Nebenfrau aufzunehmen. Du bist ja nicht zu vergleichen mit einer neu Gekauften von draußen — sobald du bei uns einziehst, wirst du ausstaffiert, als Nebenfrau anerkannt und genießt Ansehen und Ehre. Du bist doch ein ehrgeizig Mensch, und wie das Sprichwort sagt: ‚Gold kann nur gegen Gold getauscht werden.‘ Wer hätte gedacht, dass der gnädige Herr gerade dich erwählt! Jetzt kannst du dir deinen langgehegten ehrgeizigen Wunsch erfüllen und allen, die auf dich herabsehen, den Mund stopfen. Komm mit mir zur Herzoginmutter!“

Bei diesen Worten ergriff sie Mandarinenentes Hand und wollte aufbrechen. Doch Mandarinenente errötete, entzog ihr die Hand und ging nicht mit.

Frau Strafe, die glaubte, Mandarinenente geniere sich, sagte: „Es ist doch nichts Peinliches dabei. Du brauchst gar nichts zu sagen — folge mir einfach.“

Doch Mandarinenente hielt den Kopf gesenkt und rüherete sich nicht von der Stelle.

Als Frau Strafe das sah, sagte sie: „Willst du etwa nicht? Wenn du wirklich nicht willst, bist du ein dummes Ding! Da verzichtest du darauf, Herrin zu werden, und ziehst es vor, Dienstmädchen zu bleiben! In zwei, drei Jahren wirst du mit irgendeinem Knecht verheiratet und bist nach wie vor eine Sklavin. Komm mit uns! Du kennst doch meinen Charakter — ich bin gutmütig und keine, die andere nicht gewahren lässt. Auch der gnädige Herr behandelt euch gut. In ein, zwei Jahren, wenn du ein Kind zur Welt gebracht hast, stehst du auf gleicher Stufe mit mir. Wen immer du im Haushalt befehligen willst — wer wagte es, sich dir zu widersetzen? Die Gelegenheit, eine Herrin zu werden, liegt vor dir — wenn du sie verstreichen lässt, kommt die Reue zu spät.“

Mandarinenente hielt weiter den Kopf gesenkt und schwieg. Frau Strafe fuhr fort: „Du warst doch sonst immer so frank und frei — warum bist du jetzt so verschlossen? Wenn dir etwas nicht passt, sag es mir nur — ich sorge dafür, dass alles nach deinen Wünschen geschieht.“

Mandarinenente schwieg weiter. Frau Strafe sagte lächelnd: „Wahrscheinlich hast du Vater und Mutter und willst nicht selbst etwas sagen, weil es dir peinlich ist. Du willst warten, bis sie dich fragen — das ist verständlich. Ich werde mich also an sie wenden und sie herbitten, damit sie mit dir reden. Was du sagen willst, sag es ihnen.“ Damit stand sie auf und begab sich in Phönixglanz‚ Räume.

Phönixglanz hatte sich längst umgezogen. Da niemand sonst im Zimmer war, hatte sie die Sache Friedchen [平儿][7] erzählt. Friedchen schüttelte den Kopf und sagte lächelnd: „Meiner Meinung nach wird das nichts. Wenn wir unter uns sind und über sie reden, hat sie nach allem, was man von ihr weiß, ganz sicher nicht die Absicht einzuwilligen. Aber warten wir es ab.“

Phönixglanz sagte: „Die gnädige Frau wird bestimmt hierher kommen, um sich mit mir zu beraten. Wenn Mandarinenente einwilligt, gibt es nichts zu besprechen. Willigt sie aber nicht ein und hat sich die gnädige Frau eine Abfuhr geholt, dann wäre es ihr vor euch peinlich — das würde ihr Gesicht verletzen. Sag den Leuten, sie sollen die Wachteln in Öl backen und ein paar Beilagen dazu vorbereiten. Du aber geh inzwischen irgendwo spazieren und komm erst zurück, wenn du schätzt, dass sie fort ist.“

Friedchen hörte das, gab den Auftrag wie üblich an die Dienerinnen weiter und schlenderte dann seelenruhig in den Garten hinüber.

Unterdessen sagte sich Mandarinenente, als sie Frau Strafe fortgehen sah: Die geht bestimmt zu Phönixglanz, um sich zu beraten, und dann schickt man jemanden zu mir — besser, ich verschwinde. Also suchte sie Bernstein [琥珀][8] auf und sagte: „Wenn die Herzoginmutter nach mir fragt, sag ihr, mir sei nicht wohl, ich hätte kein Frühstück gegessen und sei in den Garten gegangen, käme aber bald zurück.“ Bernstein versprach es.

So kam auch Mandarinenente in den Garten und streifte überall umher, bis sie unversehens auf Friedchen stieß. Da niemand in der Nähe war, sagte Friedchen lächelnd: „Da kommt ja die neue Nebenfrau!“

Mandarinenente wurde rot und sagte: „So ist das also! Ihr habt euch wohl alle verschworen, über mich zu bestimmen! Warte nur, ich gehe zu deiner Herrin und mache Krawall!“

Friedchen bereute sofort ihre unbedachten Worte. Sie fasste Mandarinenente bei der Hand und zog sie unter einen Ahornbaum, wo sie sich auf einen Felsen setzten. Dann erzählte sie ihr ausführlich und ohne etwas auszulassen, wie Phönixglanz bei Frau Strafe gewesen war und was besprochen und gesagt worden war.

Mandarinenente errötete und sagte mit bitterem Lächeln zu Friedchen: „Weil wir so eng befreundet sind — denk nur an Dufthauch [袭人][9], Bernstein, Reinwolke [素云][10], Purpurkuckuck [紫鹃][11], Buntwolke [彩霞][12], Jadearmbband [玉钏儿], Moschusmond [麝月][13], Tintenjadegrüen [翠墨], und Jadering [翠缕], die dem Fräulein Shi [史湘云] gefolgt ist, Lieblich [可人] und Goldarmband [金钏][14], die beide gestorben sind, und die fortgegangene Scharlachschnee [茜雪][15], und dazu du und ich — was haben wir von klein auf nicht alles miteinander geteilt, was haben wir nicht alles zusammen getan! Jetzt sind wir alle groß geworden, und jede geht ihrer eigenen Wege, aber in meinem Herzen ist alles wie früher: Was ich denke und was mich beschäftigt, verberge ich nicht vor euch. Deshalb sage ich dir etwas, das du vorerst in deinem Herzen bewahren und nicht der jungen Herrin weitersagen sollst: Nicht nur, dass mich der ältere gnädige Herr zur Nebenfrau nehmen will — selbst wenn die gnädige Frau jetzt auf der Stelle stüerbe und er mich mit drei Heiratsvermittlern und sechs Zeugen als Hauptfrau heiraten wollte, ich könnte nicht dorthin gehen!“

Friedchen wollte gerade lächelnd antworten, da erscholl hinter dem Felsen ein prustendes Lachen: „Was für ein schamloses Ding! Wie kannst du nur so reden, ohne rot zu werden!“ Die beiden erschraken, sprangen auf und spähten hinter den Felsen. Es war niemand anders als Dufthauch, die lächelnd hervortrat und fragte: „Was ist denn los? Erzählt mir alles!“

Die drei setzten sich auf den Felsen, und Friedchen wiederholte alles, was sie eben Mandarinenente erzählt hatte.

Dufthauch sagte: „Eigentlich gehört es sich nicht, dass Leute wie wir so etwas sagen, aber der ältere gnädige Herr ist wirklich zu lüsternn! Sobald eine auch nur ein halbwegs hübsches Gesicht hat, lässt er die Finger nicht von ihr.“

Friedchen sagte: „Da du nicht willst, sage ich dir ein Mittel, wie du die Sache ganz ohne Umstände erledigen kannst.“

„Was für ein Mittel? Sag es!“ verlangte Mandarinenente.

Friedchen sagte lächelnd: „Du brauchst nur zur Herzoginmutter zu gehen und zu sagen, du seist bereits dem Zweiten Jungen Herrn Kette Kaufmann [贾琏] versprochen. Dann kann der ältere gnädige Herr dich schlecht noch für sich verlangen.“

Mandarinenente spuckte aus und schimpfte: „Was für ein Unsinn! Und du sagst das auch noch! Hat deine Herrin neulich nicht genau solchen Blödsinn geredet? Und nun bewahrheitet es sich auch noch!“

Dufthauch sagte lächelnd: „Da ihr beide nicht wollt, werde ich zur Herzoginmutter gehen und ihr sagen, sie solle erklären, Mandarinenente sei bereits Schatzjade [宝玉][16] versprochen. Dann wird der ältere gnädige Herr seine Hoffnung aufgeben.“

Mandarinenente, vor Wut, Scham und Erregung zugleich, schimpfte: „Ihr beiden Spitzbübinnen sollt keines guten Todes sterben! Da hat man einen Kummer und vertraut ihn euch an, weil man meint, ihr wärt verständige Menschen, die einem einen Rat geben könnten, und statt dessen wechselt ihr euch ab, um mich zum Narren zu halten! Ihr bildet euch ein, eure Zukunft sei sicher und ihr würdet eines Tages Nebenfrauen sein — aber meiner Meinung nach geht auf dieser Welt nicht alles nach Wunsch. Darum haltet euch lieber zurück und übertreibt eure Freude nicht!“

Als die beiden sahen, wie aufgebracht Mandarinenente war, redeten sie ihr lächelnd gut zu: „Liebe Schwester, nimm es nicht so tragisch! Wir sind von klein auf wie leibliche Schwestern — es war nur ein kleiner Scherz, wo niemand zuhört. Sag uns, was du vorhast, damit wir beruhigt sind.“

Mandarinenente sagte: „Was für ein Vorhaben! Ich gehe einfach nicht hin, und damit basta.“

Friedchen schüttelte den Kopf: „Du gehst nicht hin — aber ob man dich in Ruhe lässt, ist eine andere Frage. Du kennst das Temperament des älteren gnädigen Herrn. Zwar bist du eine Dienerin der Herzoginmutter, und im Augenblick wagt er nichts gegen dich. Aber du kannst ja wohl nicht dein ganzes Leben bei der Herzoginmutter bleiben. Wenn du später einmal in seine Hände fällst, sieht es böse aus.“

Mandarinenente sagte mit bitterem Lächeln: „Solange die Herzoginmutter lebt, bleibe ich keinen einzigen Tag von ihr getrennt. Und wenn die Herzoginmutter eines Tages ins Paradies eingeht, hat er immerhin noch drei Jahre Traür zu halten. Es gibt ja wohl niemanden, der sich eine Nebenfrau nimmt, kaum dass seine Mutter gestorben ist! Nach den drei Jahren, wer weiß, wie die Dinge dann liegen — darüber reden wir dann. Wenn es zum Äußersten kommt, schneide ich mir das Haar ab und werde Nonne. Und wenn auch das nicht reicht, bleibt immer noch der Tod. Mein ganzes Leben keinen Mann heiraten — was wäre schon dabei? Es wäre nur umso sauberer!“

Friedchen und Dufthauch sagten lächelnd: „Dieses Spitzbein hat wirklich keine Scham! Ihr Mund redet einfach drauflos!“

Mandarinenente sagte: „Wenn es einmal so weit ist, was macht da noch ein bisschen Scham? Wenn ihr mir nicht glaubt, wartet nur ab! Die gnädige Frau hat vorhin gesagt, sie wolle meine Eltern aufsuchen — die mag sie mal in Nanjing suchen gehen!“

Friedchen sagte: „Deine Eltern sind in Nanjing, wo sie das dortige Haus hüten, und sind nicht mit heraufgekommen, aber früher oder später wird man sie finden. Und hier sind immer noch dein älterer Bruder und deine Schwägerin. Schade, dass du als Tochter einer Hausdienerfamilie hier geboren bist — nicht wie wir beide, die wir ganz allein hier sind.“

Mandarinenente sagte: „Was schadet es schon, im Haus geboren zu sein? ‘Man kann ein Rind nicht zum Saufen zwingen, indem man ihm den Kopf ins Wasser drückt!‚ Ich will nicht — werden sie deshalb meine Eltern umbringen?“

Während sie noch sprach, sahen sie Mandarinenentes Schwägerin herankommen. Dufthauch sagte: „Da deine Eltern nicht erreichbar sind, hat man bestimmt mit deiner Schwägerin gesprochen.“

Mandarinenente sagte: „Diese Hure muss überall ihre Finger im Spiel haben! [Anm.: Der Ausdruck 九国贩骆驝的 — wörtlich ‘eine Kameltreiberin, die in neun Ländern handelt‚ — bedeutet: eine, die überall mitmischt] Sobald sie davon gehört hat, läuft sie natürlich hin und macht sich dienstbar!“

Während sie noch sprach, stand die Schwägerin schon vor ihr und sagte lächelnd: „Überall habe ich dich gesucht, und hier steckst du! Komm mit, ich muss mit dir reden.“

Friedchen und Dufthauch boten ihr rasch einen Platz an. Die Schwägerin sagte: „Bleibt nur sitzen, Fräulein. Ich möchte nur ein Wort mit meiner Schwägerin reden.“

Friedchen und Dufthauch taten, als wüssten sie von nichts, und sagten lächelnd: „Was gibt es denn so Eiliges? Wir spielen gerade Rätsel raten — wer gewinnt, darf dem anderen eine Backpfeife geben. Lass sie noch dieses Rätsel lösen, dann kann sie gehen.“

Mandarinenente sagte: „Was willst du? Sag es.“

Die Schwägerin sagte lächelnd: „Komm nur mit! Dort erzähle ich es dir — es ist auf jeden Fall etwas Schönes.“

Mandarinenente sagte: „Etwa das, was die ältere gnädige Frau dir gesagt hat?“

Die Schwägerin sagte lächelnd: „Wenn du es schon weißt, warum sträubst du dich noch? Komm schnell, ich erzähle dir alles genau — es ist ein riesengroßes Glück!“

Als Mandarinenente das hörte, stand sie auf, spuckte ihrer Schwägerin mit voller Wucht ins Gesicht, richtete den Finger auf sie und schimpfte: „Halt dein dreckiges Maul und mach, dass du wegkommst, das wäre das Klüegste! Was für ‘etwas Schönes‚! Etwas Schönes wäre ein Adlerbild von Kaiser Huizong [Anm.: Song-Kaiser Huizong, berühmt für seine Vogelmalerei] oder ein Pferdebild von Zhao Mengfu [Anm.: Zhao Ziang, berühmt als Pferdemaler] — das wären ‘schöne Malereien‚! Und was für ein ‘Glück‚! Von Glück kann man sprechen, wenn bei den Pocken die Pusteln schön reifen [Anm.: Wortspiel — 喜事 ‘Glück/Freude‚ wird gleichlautend mit ‘Pockenpusteln‚ verglichen; als die Pocken bei Kindern gut abheilten, war das ein Anlass zur Freude] — das wäre wirklich ein Glück! Kein Wunder, dass ihr vor Neid platzt, wenn jemandes Tochter Nebenfrau wird und die ganze Sippschaft dann dank ihrer tyrannisch und willkürlich herumstolziert, als wäret ihr alle Nebenfrauen geworden! Das hat dir so in die Augen gestochen, dass du mich jetzt auch ins Elend stürzen willst! Wenn es mir gut geht, spielt ihr euch als ‘Verwandte‚ auf und nennt euch stolz die Schwager. Wenn mir das Glück aber nicht hold ist und ich in Ungnade falle, zieht ihr eure Schildkrötenhälse ein und lasst mich allein sehen, wo ich bleibe!“

Während sie so sprach und weinte, hielten Friedchen und Dufthauch sie fest und redeten ihr gut zu.

Die Schwägerin, der es peinlich wurde, sagte: „Ob du willst oder nicht, darüber lässt sich ja reden. Aber deshalb brauchst du nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Wie das Sprichwort sagt: ‘Vor Kleinen spricht man nicht von Kleinem.‚ Wenn du mich beschimpfst, wage ich nichts zu erwidern. Aber die beiden Fräulein hier haben dir nichts getan — wenn du daürnd von ‘Nebenfrau‚ dies und ‘Nebenfrau‚ das redest, wie steht das für sie da?“

Dufthauch und Friedchen sagten rasch: „So dürft Ihr nicht reden! Sie hat nicht von uns gesprochen, also solltet auch Ihr nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Hat denn irgendeine gnädige Frau oder ein gnädiger Herr beschlossen, uns zu Nebenfrauen zu machen? Wir zwei haben auch keine Eltern oder Brüder hier im Haus, die sich auf uns stützen und tyrannisch aufspielen. Sie weiß schon, wen sie beschimpft — wir haben keinen Grund, es auf uns zu beziehen.“

Mandarinenente sagte: „Als ich sie beschimpft habe, war es ihr peinlich, und weil sie nicht mehr wusste, wohin mit ihrer Scham, hat sie versucht, euch beide gegen mich aufzuhetzen. Zum Glück seid ihr vernünftig genug! In meiner Wut habe ich nicht mehr unterschieden, und genau in diese Lücke wollte sie stoßen.“

Jetzt wurde es der Schwägerin zu dumm, und sie ging wütend fort.

Mandarinenente war noch immer so aufgebracht, dass sie weiterschimpfte. Erst nach einer Weile guten Zuredens von Friedchen und Dufthauch beruhigte sie sich. Friedchen fragte Dufthauch: „Wo hast du dich denn versteckt? Wir haben dich gar nicht gesehen.“

Dufthauch sagte: „Ich war bei Bedauerfrühling [惜春][17], um nach Schatzjade zu sehen. Aber ich kam einen Moment zu spät — er war schon nach Hause gegangen, hieß es. Ich wunderte mich, dass ich ihm nicht begegnet war, und wollte ihn bei Fräulein Kajaljade suchen, da traf ich jemand von ihr, der sagte, er sei auch nicht dort gewesen. Gerade fragte ich mich, ob er den Garten verlassen habe, da kamst du von dort drüben. Ich habe mich hinter einen Baum gedrückt, und du hast mich nicht gesehen. Dann kam auch sie. Ich bin hinter dem Baum hervor zum Felsen geschlüpft. Ich sah, wie ihr euch unterhalten habt — aber ihr habt mich auch mit vier Augen nicht bemerkt...“

Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da ertöente hinter ihnen eine Stimme: „Euch hat sie mit vier Augen nicht gesehen? Und ihr habt mich mit sechs Augen nicht gesehen!“ Die drei erschraken heftig, drehten sich um und sahen — niemand anders als Schatzjade [宝玉], der lächelnd herankaim.

Dufthauch sagte als Erste lächelnd: „Da habe ich dich lang und breit gesucht! Wo kommst du her?“

Schatzjade sagte lächelnd: „Als ich bei Bedauerfrühling herauskam, sah ich dich mir entgegenkommen und wusste sofort, du suchst mich. Da habe ich mich versteckt, um dich hereinzulegen. Ich sah, wie du mit gesenktem Kopf an mir vorbeigingst, ins Haus tratest und gleich wieder herauskamst und jeden fragtest, der dir begegnete. Ich war sehr amüsiiert und wollte warten, bis du wieder herankamst, um dir einen Schreck einzujagen. Aber dann sah ich, wie auch du dich versteeckt hast, und wusste, dass auch du jemanden anführen wolltest. Ich streckte den Kopf vor und sah die beiden dort. Also bin ich um dich herum geschlichen, und als du hervortratest, schlüpfte ich in dein Versteck.“

Friedchen sagte lächelnd: „Wenn wir dahinter noch weitersuchen, finden wir vielleicht noch zwei weitere Versteckte!“

Schatzjade lachte: „Nein, mehr gibt es wirklich nicht.“

Mandarinenente, die wusste, dass Schatzjade alles mit angehört hatte, legte sich bäuchlings auf den Felsen und stellte sich schlafend. Schatzjade stupste sie an und sagte lächelnd: „Auf dem Stein ist es kalt! Gehen wir nach drinnen — dort kannst du viel besser schlafen.“ Er zog Mandarinenente hoch und bat auch Friedchen, mitzukommen und Tee zu trinken. Als auch Friedchen und Dufthauch Mandarinenente zuredeten, stand sie schließlich auf, und die vier gingen gemeinsam zum Hof der Roten Freude [怡红院].

Schatzjade hatte in der Tat das ganze Gespräech mit angehört und war innerlich keineswegs froh darüber. Stumm lag er auf seinem Bett ausgestreckt und ließ die drei im Vorzimmer miteinander plaudern und scherzen.

Inzwischen hatte Frau Strafe Phönixglanz nach Mandarinenentes Eltern gefragt. Phönixglanz berichtete: „Ihr Vater heißt Jin Cai [金彩]. Das Ehepaar hütet die Häuser in Nanjing und ist so gut wie nie in die Hauptstadt heraufgekommen. Ihr älterer Bruder Jin Wenxiang [金文翔] ist gegenwärtig Einkäufeer für die Herzoginmutter. Seine Frau leitet die Wäscherei bei der Herzoginmutter.“

Frau Strafe ließ also Mandarinenentes Schwägerin, Jin Wenxiangs Frau, rufen und erklärte ihr die Sache ausführlich. Die Schwägerin war natürlich höcherfreut und machte sich freudestrahlend auf die Suche nach Mandarinenente, fest davon überzeugt, dass ein einziges Wort genügen würde. Doch stattdessen wurde sie von Mandarinenente heftig abgekanzelt, und auch Dufthauch und Friedchen sagten ihr die Meinung.

Beschämt und verärgert kam sie zurück und sagte zu Frau Strafe: „Es hat keinen Zweck. Sie hat mich sogar beschimpft.“ Weil Phönixglanz daneben stand, wagte sie nicht, Friedchen zu erwähnen, sondern sagte nur: „Auch Dufthauch hat ihr beigestanden und mich geschmächt. Sie haben allerhand ungehöriges Zeug geredet, das man vor den Herrschaften nicht wiederholen kann. Die gnädige Frau sollte sich mit dem gnädigen Herrn beraten und lieber eine Nebenfrau kaufen. Dieses kleine Biest hat offenbar nicht so viel Glück, und wir sind auch nicht dafür geschaffen.“

Frau Strafe sagte: „Was hat Dufthauch damit zu tun? Woher wusste sie überhaupt davon?“ Dann fragte sie: „Wer war sonst noch dabei?“

Die Schwägerin sagte: „Fräulein Friedchen.“

Phönixglanz sagte sofort: „Du hättest ihr eine Ohrfeige geben sollen! Kaum bin ich aus dem Haus, geht sie spazieren. Wenn ich heimkomme, ist kein Schatten von ihr zu finden! Bestimmt hat sie auch irgendetwas gesagt.“

Die Schwägerin sagte: „Fräulein Friedchen war nicht direkt dabei. Von weitem sah es so aus, als wäre sie es, aber ganz sicher bin ich nicht — das war nur meine Vermutung.“

Phönixglanz befahl: „Schnell, holt sie her! Sagt ihr, ich bin zurück, die gnädige Frau ist auch hier, und sie soll kommen und uns helfen.“ Sogleich trat Feng’er [丰儿] vor und berichtete: „Fräulein Kajaljade hat drei- bis viermal nach ihr schicken lassen, bis sie schließlich gegangen ist. Sobald die gnädige Frau heimkam, habe ich sie hingeschickt. Fräulein Kajaljade lässt bestellen: ‘Sagt eurer Herrin, ich brauche sie für etwas.‚“

Erst da gab Phönixglanz Ruhe, sagte aber noch absichtlich: „Jeden Tag braucht sie sie — was gibt es denn daürnd zu tun?“

Frau Strafe, die nun keinen Ausweg mehr sah, aß etwas, fuhr nach Hause zurück und erzählte am Abend Begnadigung Kaufmann, was geschehen war.

Begnadigung Kaufmann überlegte einen Moment, dann ließ er sofort Kette Kaufmann [贾琏] rufen und befahl: „In Nanjing hüten nicht nur die Jins die Häuser — es gibt mehrere Familien dort. Lass Jin Cai unverzüglich heraufkommen!“

Kette Kaufmann berichtete: „Im letzten Brief aus Nanjing stand, Jin Cai habe einen Schleimfluss erlitten und sei nicht mehr bei Sinnen [Anm.: eine schwere Erkrankung, vermutlich ein Schlaganfall]. Man hat ihm drüben bereits das Sargeld überwiesen. Ob er noch lebt oder tot ist, weiß ich nicht. Aber selbst wenn er lebt, ist er geistig verwirrt — es hätte keinen Sinn, ihn herbeizurufen. Seine Frau ist obendrein taub.“

Begnadigung Kaufmann schrie wütend auf und fluchte: „Du nichtswürdiges Stück! Natürlich weißt ausgerechnet du alles ganz genau! Hinaus mit dir!“

Erschrocken zog sich Kette Kaufmann zurück. Kurz darauf befahl Begnadigung Kaufmann, Jin Wenxiang zu holen. Kette Kaufmann wartete im äußeren Arbeitszimmer und wagte weder nach Hause zu gehen noch seinem Vater erneut unter die Augen zu treten. Er konnte nur lauschen. Bald hörte er, wie Jin Wenxiang kam und von den Dienerjungen sofort ins Innere geführt wurde. Erst nach einer Zeit, die lang genug gewesen wäre, um fünf, sechs Schalen Reis zu essen, kam er wieder heraus und ging fort. Kette Kaufmann wagte zunächst nicht nachzufragen. Erst eine Weile später erkundigte er sich und erfuhr, Begnadigung Kaufmann habe sich schlafen gelegt. Da ging er in seine eigenen Räume hinüber, und erst als ihm Phönixglanz am Abend alles erklärte, verstand er, worum es ging.

Mandarinenente fand in jener Nacht keinen Schlaf. Am nächsten Tag bat ihr Bruder die Herzoginmutter, seine Schwester auf einen Besuch nach Hause mitnehmen zu dürfen. Die Herzoginmutter willigte ein und befahl Mandarinenente zu gehen. Mandarinenente wollte nicht, aber aus Furcht, die Herzoginmutter könnte Verdacht schöpfen, fügte sie sich widerwillig.

Ihr Bruder übermittelte ihr Kaufmann Begnaadigungen Worte und malte ihr aus, wie ehrenvoll das wäre und wie sie als Nebenfrau den Haushalt leiten würde. Doch Mandarinenente biss die Zähne zusammen und lehnte ab. Ihrem Bruder blieb nichts anderes übrig, als zu Begnadigung Kaufmann zurückzukehren und ihm Bericht zu erstatten.

Begnadigung Kaufmann geriet in Wut und erklärte: „Hör mir genau zu und lass es ihr durch deine Frau ausrichten! Sage ihr in meinem Namen: ‘Seit alters her steht die schöne Mondfrau Chang’e auf junge Burschen.‚ Sie verachtet mich bestimmt, weil ich alt bin. Wahrscheinlich hat sie ein Auge auf einen der jungen Herren geworfen — vermutlich auf Schatzjade, vielleicht auch auf Kette Kaufmann. Wenn das wirklich so ist, soll sie sich das schnellstens aus dem Kopf schlagen! Nachdem ich sie gewollt habe und sie mich zurückgewiesen hat — wer würde es dann noch wagen, sie zu nehmen? Das ist das eine. Zum zweiten meint sie wohl, weil die Herzoginmutter sie gern hat, werde man sie eines Tages nach draußen als Hauptfrau verheiraten. Aber sie soll sich gut überlegen: An wen immer sie auch verheiratet wird, sie wird meiner Hand nicht entkommen. Nur wenn sie stirbt oder lebenslang unverheiratet bleibt, gebe ich mich geschlagen! Andernfalls soll sie sich rechtzeitig eines Besseren besinnen — es wäre nur zu ihrem Vorteil.“

Bei jedem Satz, den Begnadigung Kaufmann sprach, antwortete Jin Wenxiang mit einem „Jawohl“. Begnadigung Kaufmann fuhr fort: „Versuch nicht, mich hinters Licht zu führen! Morgen schicke ich noch einmal die gnädige Frau zu Mandarinenente. Wenn ihr es ihr gesagt habt und sie nicht einwilligt, trifft euch keine Schuld. Stimmt sie dann aber doch zu — dann nimm deinen Kopf in Acht!“

Jin Wenxiang sagte eilig wieder und wieder jawohl, zog sich zurück und ging nach Hause. Ohne erst seine Frau als Übermittlerin einzuschalten, richtete er Mandarinenente Kaufmann Begnaadigungen Worte persönlich und direkt aus.

Mandarinenente war so empöert, dass ihr zunächst die Worte fehlten. Nachdem sie einen Moment nachgedacht hatte, sagte sie: „Angenommen, ich bin einverstanden — dann müsst ihr mich zur Herzoginmutter begleiten und es ihr melden.“

Bruder und Schwägerin hörten das und glaubten, sie habe es sich überlegt. Vor Freude wussten sie nicht ein noch aus. Sofort brachte die Schwägerin Mandarinenente zur Herzoginmutter hinauf.

Es traf sich, dass gerade Wang Furen, Tante Schnee [薛姨妈][18], Seidenweiß Pflaume [李纨][19], Phönixglanz, Schatzspange [宝钗][20] und die anderen Schwestern sowie einige der führenden und angesehenen Verwalterinnen bei der Herzoginmutter versammelt waren, um sie zu unterhalten.

Mandarinenente freute sich unbaändig über dieses glückliche Zusammentreffen. Sie zog ihre Schwägerin mit vor die Herzoginmutter, fiel auf die Knie und berichtete unter Tränen: wie Frau Strafe zu ihr gekommen war und was sie gesagt hatte, wie dann ihre Schwägerin sie im Garten aufsuchte und was sie sagte, und was heute ihr Bruder ausgerichtet hatte. „Weil ich nicht eingewilligt habe“, fuhr sie fort, „hat der ältere gnädige Herr rundheraus behauptet, ich sei in Schatzjade verliebt oder aber ich wartete darauf, nach draußen verheiratet zu werden. Selbst wenn ich in den Himmel fluchtete, würde ich mein Leben lang seiner Rache nicht entgehen. Doch ich habe meinen Entschluss gefasst, und ich erkläre vor allen Anwesenden: Nicht nur ‘Schatzjade‚ — selbst wenn einer ‘Schatzgold‚ oder ‘Schatzsilber‚ oder ‘Schatzhimmelskönig‚ oder ‘Schatzkaiser‚ hieße — ich werde nie und nimmer einen Mann heiraten, und damit Schluss! Und selbst wenn die Herzoginmutter mich dazu zwingt, bringe ich mich eher mit einem Messerstrich um, als dass ich gehorche! Wenn ich Glück habe, sterbe ich vor der Herzoginmutter. Wenn ich Pech habe und es mir bestimmt ist, als Bettlerin zu leben, dann diene ich der Herzoginmutter, bis sie ins Paradies eingeht. Danach aber will ich weder zu meinen Eltern noch zu meinem Bruder. Entweder bringe ich mich um oder schneide mir das Haar ab und werde Nonne! Wenn ich das nicht ehrlich meine und mich nur sträube, um später andere Pläne zu verfolgen, dann sollen Himmel und Erde, Götter und Geister, Sonne und Mond Zeugen sein — dann soll aus meiner Kehle eine Eiterbeule wachsen und mich bei lebendigem Leibe verfaulen und zu Brei zersetzen lassen, hier an dieser Stelle!“

Wie sich zeigte, hatte sie bei ihrem Eintreten eine Schere im Ärmel verborgen. Während sie nun die letzten Worte sprach, löste sie sich mit der linken Hand das Haar und begann mit der rechten Hand zu schneiden. Eilig stürzten die Dienerinnen und Mägde herbei, um sie festzuhalten, doch sie hatte schon eine halbe Strähne abgeschnitten. Zum Glück war ihr Haar ungewöhnlich dicht und sie hatte es nicht ganz durchschneiden können. Rasch steckte man ihr das Haar wieder hoch.

Die Herzoginmutter aber bebte am ganzen Leib vor Zorn und stieß hervor: „Sie ist die einzige zuverlässige Person, die mir noch geblieben ist, und um die soll ich auch noch gebracht werden!“ Ihr Blick fiel auf Wang Furen, und an diese gewandt fuhr sie fort: „Ihr macht mir alle etwas vor! Nach außen zeigt ihr Ehrerbietung, insgeheim aber stellt ihr eure Berechnungen an. Alles Gute, was ich habe, wollt ihr mir wegnehmen, ob Sachen oder Menschen! Jetzt ist mir nur noch dieses Mädchen geblieben. Und weil ihr seht, dass ich sie gern habe, kann euch das natürlich nicht gefallen, also schafft ihr sie mir vom Hals, damit ihr mit mir machen könnt, was ihr wollt!“

Wang Furen hatte sich rasch erhoben und wagte kein Wort zu erwidern. Tante Schnee konnte, als sie sah, dass sogar Wang Furen beschuldigt wurde, schwerlich etwas Beschwichtigendes sagen. Seidenweiß Pflaume hatte die Schwestern aus dem Zimmer geführt, sobald Mandarinenente ihre Klage vorbrachte.

Erkundefrühling [探春][21], die ein scharfsinniger Mensch war, überlegte: Wang Furen wird Unrecht getan, doch sie wagt sich nicht zu verteidigen. Tante Schnee als ihre leibliche Schwester kann sie auch schlecht in Schutz nehmen. Schatzspange kann nicht für ihre Tante eintreten. Seidenweiß Pflaume, Phönixglanz und Schatzjade wagen ebensowenig etwas zu sagen. Hier muss ein Mädchen auftreten! Aber Willkommenfrühling [迎春][22] ist zu arglos, Bedauerfrühling [惜春] noch zu klein. Also lauschte sie einen Moment am Fenster, trat dann wieder ein und sagte lächelnd zur Herzoginmutter: „Was hat denn die gnädige Frau damit zu tun? Überlegt doch einmal selbst, Herzoginmutter! Gibt es das wohl, dass die Frau des jüngeren Bruders es erfährt, wenn der ältere Schwager eine Nebenfrau nehmen will? Und selbst wenn sie es wüsste, könnte sie sich nur unwissend stellen...“

Noch bevor sie ausgesprochen hatte, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Du hast recht! Ich werde wirklich schon wirr im Kopf vor Alter! Lacht nicht über mich, liebe Frau Schnee! Eure Schwester ist mir aufrichtig ergeben — nicht wie meine andere Schwiegertochter, die vor lauter Angst vor ihrem Mann mir gegenüber nur nach dem Munde redet. Ich habe Eurer Schwester Unrecht getan.“

Tante Schnee sagte nur „Jawohl“ und fügte dann hinzu: „Vielleicht seid Ihr ein wenig voreingenommen zugunsten der Frau Eures jüngeren Sohnes — auch so etwas kommt vor.“

Die Herzoginmutter sagte: „Ich bin nicht voreingenommen!“ Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Schatzjade, ich habe deiner Mutter Unrecht getan — warum hast du nichts gesagt und zugesehen, wie sie gekränkt wurde?“

Schatzjade sagte lächelnd: „Hätte ich mich etwa auf die Seite meiner Mutter stellen und den älteren Onkel und die ältere Tante beschuldigen sollen? Im Grunde bleibt der Fehler bestehen: Wenn meine Mutter ihn hier nicht auf sich nimmt, wem soll sie ihn denn zuschieben? Und wenn ich gesagt hätte, es sei mein Fehler, hättet Ihr mir auch nicht geglaubt.“

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Das stimmt allerdings. Knie jetzt schnell vor deiner Mutter nieder und sag: ‘Gnädige Frau, seid nicht gekränkt! Die Herzoginmutter ist schon in die Jahre gekommen — habt Nachsicht um Schatziades willen!‚“

Schatzjade ging tatsächlich eilig hinüber und kniete nieder, wollte gerade sprechen, da zog Wang Furen ihn lächelnd hoch und sagte: „Steh auf, steh auf! Das geht wirklich nicht! Du kannst dich nicht an Stelle der Herzoginmutter bei mir entschuldigen!“

Schatzjade stand auf. Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Auch Phönixglanz hat mich nicht darauf aufmerksam gemacht.“

Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich habe der Herzoginmutter gar keinen Fehler vorgeworfen, und jetzt sucht sie einen bei mir!“

Die Herzoginmutter sagte, und alle lachten mit: „Das wäre ja seltsam! Ich möchte doch hören, was für ein Fehler das sein soll.“

Phönixglanz sagte: „Warum musstet Ihr das Mädchen so gut aufziehen, dass sie schön wurde wie eine frische Frühlingszwiebel? Da wundert Ihr Euch noch, dass jemand sie haben will? Ein Glück, dass ich nur die Frau Eures Enkels bin und nicht Euer Enkel! Sonst hätte ich sie schon längst für mich beansprucht und nicht bis heute gewartet.“

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Das also soll mein Fehler sein?“

Phönixglanz sagte lächelnd: „Natürlich ist es Euer Fehler!“

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Dann will ich sie auch nicht mehr. Nimm du sie!“

Phönixglanz sagte: „Wenn ich mich in diesem Leben so vervollkommne, dass ich im nächsten als Mann wiedergeboren werde, komme ich sie holen.“

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Dann nimm sie für Kette Kaufmann, und gib sie ihm als Nebenfrau! Dann möchte ich sehen, ob dein schamloser Schwiegervater sie immer noch für sich verlangt!“

Phönixglanz sagte: „Kette Kaufmann ist ihrer nicht würdig. Für ihn sind nur solche angebrannten Fladen wie ich und Friedchen gut genug, dass er mit uns auskommen kann.“

Alle brachen in Gelächter aus. Da meldete ein Dienstmädchen: „Die ältere gnädige Frau ist gekommen.“ Wang Furen eilte ihr rasch entgegen. Was weiter geschah —

Anmerkungen

  1. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente“. Erste Kammerzofe der Herzoginmutter. Mandarinenenten gelten in China als Symbol ehelicher Treue.
  2. Chin. 黛玉 Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade“. Lin Daiyu, eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Romans.
  3. Chin. 凤姐 Fèngjie (vollst. 王熙凤 Wáng Xīfèng), wörtl. „Phönix-Glanz“. Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.
  4. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die älteste und ranghöchste Person der Kaufmann-Familie.
  5. Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, wörtl. „Begnadigung Kaufmann“. Der ältere Sohn der Herzoginmutter.
  6. Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kette Kaufmann“. Sohn von Begnadigung Kaufmann, Ehemann von Phönixglanz.
  7. Chin. 平儿 Píng’ér, wörtl. „Friedchen“. Phönixglanz’ erste Kammerzofe und Vertraute.
  8. Chin. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein“. Eine Kammerzofe der Herzoginmutter.
  9. Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Die Überraschende“ (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an“). Schatzjades erste Kammerzofe.
  10. Chin. 素云 Sùyún, wörtl. „Reine Wolke“. Kammerzofe von Frau Li.
  11. Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck“. Kajaljades Kammerzofe.
  12. Chin. 彩霞 Cǎixiá, wörtl. „Bunte Wolke“. Ein Dienstmädchen.
  13. Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschus-Mond“. Eine von Schatzjades Kammerzofen.
  14. Chin. 金钏 Jīnchuàn, wörtl. „Gold-Armreif“. Verstorbene Kammerzofe, Schwester von Jadearmband.
  15. Chin. 茜雪 Qiànxuě, wörtl. „Scharlach-Schnee“. Eine ehemalige Dienerin Schatzjades.
  16. Chin. 宝玉 Bǎoyù (vollst. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade“. Der männliche Hauptprotagonist des Romans.
  17. Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Frühlings-Bewahrerin“. Jüngste Tochter von Herrlichkeit Kaufmann.
  18. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee“. Mutter von Schatzspange und Becken Schnee, Schwester von Dame König.
  19. Chin. 李纨 Lǐ Wán. Witwe des früh verstorbenen Herrlichkeit Kaufmann, Vorsteherin des Gartens.
  20. Chin. 宝钗 Bǎochāi (vollst. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange“. Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren.
  21. Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin“. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.
  22. Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Frühlings-Willkommene“. Zweite Tochter von Begnadigung Kaufmann.