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Kapitel 70
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林黛玉重建桃花社 / 史湘云偶填柳絮词
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Kajaljade gründet die Pfirsichblüten-Dichtgesellschaft neu; Xiangfluss-Wolke dichtet ein Weidenkätzchen-Lied
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Es wird erzählt, dass Kette Kaufmann<ref>Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, zweiter Sohn von Begnadigung Kaufmann.</ref> sich sieben Tage und Nächte lang im Birnenblütenhof aufhielt, wo Mönche und Taoisten ununterbrochen buddhistische Zeremonien abhielten. Dann rief ihn die Herzoginmutter<ref>Herzoginmutter: Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die alte Matriarchin des Kaufmann-Hauses.</ref> zu sich und ordnete an, die Verstorbene solle auf keinen Fall im Familientempel beigesetzt werden. Kette Kaufmann hatte keine Wahl und musste sich erneut mit dem Mönch Shijue besprechen. Man wählte einen Grabplatz oberhalb der Grablege von Dritter Schwester You und ließ die Erde aufbrechen, um die Tote zu bestatten. Am Tag der Beisetzung erschienen lediglich einige Sippenmitglieder, das Ehepaar König Xin sowie Dame Sonders mit ihrer Schwiegertochter. Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, die gewiefte Ehefrau von Kette Kaufmann.</ref> kümmerte sich um nichts und ließ ihn alles selbst erledigen.
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= Kapitel 70 =
 
== 林黛玉重建桃花社 / 史湘云偶填柳絮词 ==
 
=== Kajaljade gründet die Pfirsichblüten-Dichtgesellschaft neu; Wolkenschwinge dichtet ein Weidenkätzchen-Lied ===
 
 
 
Es wird erzählt, dass Kaufmann Jadeschale<ref>Kaufmann Jadeschale: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, zweiter Sohn von Kaufmann Begnadigung.</ref> sich sieben Tage und Nächte lang im Birnenblütenhof aufhielt, wo Mönche und Taoisten ununterbrochen buddhistische Zeremonien abhielten. Dann rief ihn die Herzoginmutter<ref>Herzoginmutter: Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die alte Matriarchin des Kaufmann-Hauses.</ref> zu sich und ordnete an, die Verstorbene solle auf keinen Fall im Familientempel beigesetzt werden. Kaufmann Jadeschale hatte keine Wahl und musste sich erneut mit dem Mönch Shijue besprechen. Man wählte einen Grabplatz oberhalb der Grablege von Dritter Schwester You und ließ die Erde aufbrechen, um die Tote zu bestatten. Am Tag der Beisetzung erschienen lediglich einige Sippenmitglieder, das Ehepaar Wang Xin sowie Frau You mit ihrer Schwiegertochter. Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, die gewiefte Ehefrau von Kaufmann Jadeschale.</ref> kümmerte sich um nichts und ließ ihn alles selbst erledigen.
 
  
 
Da überdies das Jahresende nahte und sich die verschiedensten Angelegenheiten wie Igelstacheln häuften, kam auch noch Lin Zhixiao mit einer Namensliste herein. Es waren insgesamt acht unverheiratete junge Burschen von fünfundzwanzig Jahren, die heiraten und einen eigenen Haushalt gründen sollten, und man wartete darauf, dass drinnen die zur Entlassung anstehenden Mägde für die Zuordnung bestimmt würden.
 
Da überdies das Jahresende nahte und sich die verschiedensten Angelegenheiten wie Igelstacheln häuften, kam auch noch Lin Zhixiao mit einer Namensliste herein. Es waren insgesamt acht unverheiratete junge Burschen von fünfundzwanzig Jahren, die heiraten und einen eigenen Haushalt gründen sollten, und man wartete darauf, dass drinnen die zur Entlassung anstehenden Mägde für die Zuordnung bestimmt würden.
  
Phönixglanz las die Liste durch und ging zuerst zur Herzoginmutter und Frau Wang<ref>Frau Wang: Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, Ehefrau von Kaufmann Aufrecht.</ref>, um nachzufragen. Man beriet gemeinsam, und obwohl es einige gab, die eigentlich zugeteilt werden sollten, hatte jede einen besonderen Grund dagegen: Als Erste hatte Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, die treue Leibmagd der Herzoginmutter.</ref> geschworen, nicht zu gehen. Seit jenem Tag hatte sie kein Wort mehr mit Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, der Hauptheld des Romans.</ref> gewechselt und trug weder prächtigen Schmuck noch aufwendige Kleidung. Als alle sahen, wie fest ihr Entschluss war, mochte niemand sie drängen.
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Phönixglanz las die Liste durch und ging zuerst zur Herzoginmutter und Dame König<ref>Dame König: Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, Ehefrau von Aufrecht Kaufmann.</ref>, um nachzufragen. Man beriet gemeinsam, und obwohl es einige gab, die eigentlich zugeteilt werden sollten, hatte jede einen besonderen Grund dagegen: Als Erste hatte Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, die treue Leibmagd der Herzoginmutter.</ref> geschworen, nicht zu gehen. Seit jenem Tag hatte sie kein Wort mehr mit Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, der Hauptheld des Romans.</ref> gewechselt und trug weder prächtigen Schmuck noch aufwendige Kleidung. Als alle sahen, wie fest ihr Entschluss war, mochte niemand sie drängen.
  
Als Zweite war Bernstein [琥珀] krank und kam diesmal nicht in Frage. Farbenwolke [彩云] hatte sich kürzlich mit Kaufmann Huan [贾环] überworfen und litt ebenfalls an einer unheilbaren Krankheit. Nur die gröberen Hauptmägde aus Phönixglanz' und Li Wans [李纨] Haushalten wurden entlassen, alle übrigen waren noch zu jung. Man befahl den jungen Burschen, sich draußen selbst Frauen zu suchen.
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Als Zweite war Bernstein [琥珀] krank und kam diesmal nicht in Frage. Farbwölkchen hatte sich kürzlich mit Unheil Kaufmann überworfen und litt ebenfalls an einer unheilbaren Krankheit. Nur die gröberen Hauptmägde aus Phönixglanz' und Seidenweiß Pflaumes [李纨] Haushalten wurden entlassen, alle übrigen waren noch zu jung. Man befahl den jungen Burschen, sich draußen selbst Frauen zu suchen.
  
Nun hatte sich in der vergangenen Zeit, da Phönixglanz krank gewesen war und Li Wan sowie Erkunderin [探春] die Haushaltsführung übernommen hatten und keine freie Minute fanden, und da dann Neujahr und die Festtage folgten und unzählige Dinge zu erledigen waren, die Dichtgesellschaft einfach aufgelöst. Jetzt war es zwar Mitte des Frühlings, und man hätte Zeit gehabt, doch Schatzjade war wegen Liuxiangliáns kaltem Verschwinden, wegen Dritter Schwester Yous Selbstentleibung mit dem Schwert, wegen Zweiter Schwester Yous Goldtod und wegen Liuwuers Erkrankung — ein Kummer folgte dem anderen, und müßige Sorgen und grundloser Groll türmten sich ohne Unterlass — so durcheinander geraten, dass sein Ausdruck wie benommen wirkte, seine Worte oft verwirrt waren und er an einer Art Geistesverwirrung zu leiden schien. Dufthauch [袭人] und die anderen erschraken so sehr, dass sie es nicht wagten, der Herzoginmutter davon zu berichten, und ihn stattdessen auf hunderterlei Weise zum Spielen und Lachen zu bewegen suchten.
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Nun hatte sich in der vergangenen Zeit, da Phönixglanz krank gewesen war und Seidenweiß Pflaume sowie Erkundefrühling die Haushaltsführung übernommen hatten und keine freie Minute fanden, und da dann Neujahr und die Festtage folgten und unzählige Dinge zu erledigen waren, die Dichtgesellschaft einfach aufgelöst. Jetzt war es zwar Mitte des Frühlings, und man hätte Zeit gehabt, doch Schatzjade war wegen Liuxiangliáns kaltem Verschwinden, wegen Dritter Schwester Yous Selbstentleibung mit dem Schwert, wegen Zweiter Schwester Yous Goldtod und wegen Liuwuers Erkrankung — ein Kummer folgte dem anderen, und müßige Sorgen und grundloser Groll türmten sich ohne Unterlass — so durcheinander geraten, dass sein Ausdruck wie benommen wirkte, seine Worte oft verwirrt waren und er an einer Art Geistesverwirrung zu leiden schien. Dufthauch [袭人] und die anderen erschraken so sehr, dass sie es nicht wagten, der Herzoginmutter davon zu berichten, und ihn stattdessen auf hunderterlei Weise zum Spielen und Lachen zu bewegen suchten.
  
 
An diesem Morgen war er gerade aufgewacht, als er aus dem Vorzimmer unablässiges kicherndes und gackerndes Gelächter hörte. Dufthauch sagte lachend: „Geh schnell hinaus und rette sie! Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] haben Xiongnu [芳官/雄奴] gepackt und kitzeln ihn durch!" Als Schatzjade das hörte, warf er rasch seinen graugehäuteten Pelzmantel über und ging hinaus, um nachzusehen. Er sah die drei: Die Bettdecken waren noch nicht zusammengelegt, die Oberkleider noch nicht angezogen. Heitermuster trug nur ein kleines, lauchgrünes Jäckchen aus schimmernder Seide, ein rotes Unterhemd und rote Pantoffeln, das Haar offen hängend, und saß rittlings auf Xiongnu. Moschusmond hatte ein rotes Brustband aus Seide an und war in ein altes Gewand gehüllt und kitzelte Xiongnu unter den Rippen. Xiongnu lag auf dem Kang, trug ein enganliegendes Jäckchen mit Blumenmuster, rote Hosen und grüne Strümpfe und strampelte mit beiden Füßen, vor Lachen kaum noch Luft bekommend.
 
An diesem Morgen war er gerade aufgewacht, als er aus dem Vorzimmer unablässiges kicherndes und gackerndes Gelächter hörte. Dufthauch sagte lachend: „Geh schnell hinaus und rette sie! Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] haben Xiongnu [芳官/雄奴] gepackt und kitzeln ihn durch!" Als Schatzjade das hörte, warf er rasch seinen graugehäuteten Pelzmantel über und ging hinaus, um nachzusehen. Er sah die drei: Die Bettdecken waren noch nicht zusammengelegt, die Oberkleider noch nicht angezogen. Heitermuster trug nur ein kleines, lauchgrünes Jäckchen aus schimmernder Seide, ein rotes Unterhemd und rote Pantoffeln, das Haar offen hängend, und saß rittlings auf Xiongnu. Moschusmond hatte ein rotes Brustband aus Seide an und war in ein altes Gewand gehüllt und kitzelte Xiongnu unter den Rippen. Xiongnu lag auf dem Kang, trug ein enganliegendes Jäckchen mit Blumenmuster, rote Hosen und grüne Strümpfe und strampelte mit beiden Füßen, vor Lachen kaum noch Luft bekommend.
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Schatzjade eilte lachend herbei und rief: „Zwei Große überfallen einen Kleinen — lasst mich helfen!" Damit kletterte er auch aufs Bett und begann Heitermuster zu kitzeln. Heitermuster war an der kitzligen Stelle getroffen, ließ lachend Xiongnu los und wehrte sich gegen Schatzjade. Xiongnu nutzte die Gelegenheit und drückte Heitermuster nieder, um sie unter den Rippen zu kitzeln. Dufthauch rief lachend: „Passt auf, dass ihr euch nicht erkältet!" Aber die vier, die sich ineinander verwickelt hatten, boten einen komischen Anblick.
 
Schatzjade eilte lachend herbei und rief: „Zwei Große überfallen einen Kleinen — lasst mich helfen!" Damit kletterte er auch aufs Bett und begann Heitermuster zu kitzeln. Heitermuster war an der kitzligen Stelle getroffen, ließ lachend Xiongnu los und wehrte sich gegen Schatzjade. Xiongnu nutzte die Gelegenheit und drückte Heitermuster nieder, um sie unter den Rippen zu kitzeln. Dufthauch rief lachend: „Passt auf, dass ihr euch nicht erkältet!" Aber die vier, die sich ineinander verwickelt hatten, boten einen komischen Anblick.
  
Da kam plötzlich Biyue [碧月], eine Magd, die Li Wan geschickt hatte. „Gestern Abend hat unsere Herrin hier ein Taschentuch vergessen. Ist es vielleicht noch hier?" Kleine Schwalbe [小燕] sagte: „Ja, ja, ja! Ich habe es vom Boden aufgehoben, wusste aber nicht, wem es gehört. Ich habe es gerade gewaschen, es hängt draußen zum Trocknen und ist noch nicht trocken."
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Da kam plötzlich Biyue [碧月], eine Magd, die Seidenweiß Pflaume geschickt hatte. „Gestern Abend hat unsere Herrin hier ein Taschentuch vergessen. Ist es vielleicht noch hier?" Kleine Schwalbe [小燕] sagte: „Ja, ja, ja! Ich habe es vom Boden aufgehoben, wusste aber nicht, wem es gehört. Ich habe es gerade gewaschen, es hängt draußen zum Trocknen und ist noch nicht trocken."
  
Biyue sah die vier beim Herumtollen und lachte: „Hier ist es aber lustig! Am frühen Morgen schon kichert und kreischt ihr und tobt zusammen herum." Schatzjade lachte: „Bei euch sind doch auch genug Leute — warum spielt ihr nicht?" Biyue antwortete: „Unsere Herrin spielt nicht und hält auch die beiden Nebenfrauen und Fräulein Qin [宝琴] mit fest. Jetzt ist Fräulein Qin auch noch zur Herzoginmutter gegangen, und es ist noch einsamer geworden. Wenn die beiden Nebenfrauen nach diesem Jahr gehen und nächsten Winter fort sind, wird es noch stiller. Schaut euch doch mal Fräulein Schnees [宝钗] Haushalt an — seit Xianglings [香菱] Weggang ist es viel kühler geworden, und Fräulein Wolke [湘云] steht ganz allein da."
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Biyue sah die vier beim Herumtollen und lachte: „Hier ist es aber lustig! Am frühen Morgen schon kichert und kreischt ihr und tobt zusammen herum." Schatzjade lachte: „Bei euch sind doch auch genug Leute — warum spielt ihr nicht?" Biyue antwortete: „Unsere Herrin spielt nicht und hält auch die beiden Nebenfrauen und Fräulein Qin [宝琴] mit fest. Jetzt ist Fräulein Qin auch noch zur Herzoginmutter gegangen, und es ist noch einsamer geworden. Wenn die beiden Nebenfrauen nach diesem Jahr gehen und nächsten Winter fort sind, wird es noch stiller. Schaut euch doch mal Fräulein Schnees [宝钗] Haushalt an — seit Duftkastanies [香菱] Weggang ist es viel kühler geworden, und Fräulein Wolke [湘云] steht ganz allein da."
  
Noch während sie sprach, schickte Wolkenschwinge<ref>Wolkenschwinge: Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine lebhafte, fröhliche und dichtbegabte Cousine.</ref> [史湘云] ihre Magd Jadegras [翠缕] herüber, um auszurichten: „Bitte den Zweiten Herrn, schnell herauszukommen und schöne Gedichte zu betrachten." Als Schatzjade das hörte, fragte er eilig: „Wo gibt es schöne Gedichte?" Jadegras lachte: „Die Fräuleins sind alle am Duftende-Quelle-Pavillon [沁芳亭]. Wenn du hingehst, wirst du es erfahren."
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Noch während sie sprach, schickte Xiangfluss-Wolke<ref>Xiangfluss-Wolke: Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine lebhafte, fröhliche und dichtbegabte Cousine.</ref> [史湘云] ihre Magd Jadegras [翠缕] herüber, um auszurichten: „Bitte den Zweiten Herrn, schnell herauszukommen und schöne Gedichte zu betrachten." Als Schatzjade das hörte, fragte er eilig: „Wo gibt es schöne Gedichte?" Jadegras lachte: „Die Fräuleins sind alle am Duftende-Quelle-Pavillon [沁芳亭]. Wenn du hingehst, wirst du es erfahren."
  
Als Schatzjade das hörte, wusch und kämmte er sich eilig und ging hinaus. Tatsächlich saßen Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, die empfindsame Cousine von Schatzjade.</ref>, Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, die tugendhafte und kluge Tochter der Tante Schnee.</ref> [薛宝钗], Wolkenschwinge, Schatzharfe [宝琴] und Erkunderin dort und hielten ein Gedicht in der Hand. Als sie ihn kommen sahen, sagten alle lachend: „Und jetzt bist du immer noch nicht aufgestanden! Unsere Dichtgesellschaft hat sich ein ganzes Jahr lang nicht getroffen, und niemand hat sich darum bemüht, sie wieder aufleben zu lassen. Jetzt, im Frühling, wenn sich alles erneuert, wäre der richtige Zeitpunkt, sie wieder neu ins Leben zu rufen!"
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Als Schatzjade das hörte, wusch und kämmte er sich eilig und ging hinaus. Tatsächlich saßen Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, die empfindsame Cousine von Schatzjade.</ref>, Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, die tugendhafte und kluge Tochter der Tante Schnee.</ref> [薛宝钗], Xiangfluss-Wolke, Schatzharfe [宝琴] und Erkundefrühling dort und hielten ein Gedicht in der Hand. Als sie ihn kommen sahen, sagten alle lachend: „Und jetzt bist du immer noch nicht aufgestanden! Unsere Dichtgesellschaft hat sich ein ganzes Jahr lang nicht getroffen, und niemand hat sich darum bemüht, sie wieder aufleben zu lassen. Jetzt, im Frühling, wenn sich alles erneuert, wäre der richtige Zeitpunkt, sie wieder neu ins Leben zu rufen!"
  
Wolkenschwinge lachte: „Als die Dichtgesellschaft gegründet wurde, war es Herbst — das verhieß kein Gedeihen. Jetzt aber, wo alles dem Frühling entgegenstrebt, stehen alle Zeichen auf Wachstum und Blüte. Und da dieses Pfirsichblütengedicht so schön ist, sollten wir die Meerzapfengesellschaft in eine Pfirsichblütengesellschaft umwandeln!"
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Xiangfluss-Wolke lachte: „Als die Dichtgesellschaft gegründet wurde, war es Herbst — das verhieß kein Gedeihen. Jetzt aber, wo alles dem Frühling entgegenstrebt, stehen alle Zeichen auf Wachstum und Blüte. Und da dieses Pfirsichblütengedicht so schön ist, sollten wir die Meerzapfengesellschaft in eine Pfirsichblütengesellschaft umwandeln!"
  
Schatzjade hörte zu, nickte und sagte: „Sehr gut." Dann drängte er, das Gedicht sehen zu dürfen. Die anderen sagten: „Lasst uns jetzt gleich zur Reisduftbäuerin [稻香老农, Li Wan] gehen und alles gemeinsam beschließen." Damit standen alle auf und gingen zusammen zum Reisduftdorf [稻香村].
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Schatzjade hörte zu, nickte und sagte: „Sehr gut." Dann drängte er, das Gedicht sehen zu dürfen. Die anderen sagten: „Lasst uns jetzt gleich zur Reisduftbäuerin [稻香老农, Seidenweiß Pflaume] gehen und alles gemeinsam beschließen." Damit standen alle auf und gingen zusammen zum Reisduftdorf [稻香村].
  
 
Während Schatzjade neben den anderen herging, las er auf dem Blatt den „Wandel der Pfirsichblüten":
 
Während Schatzjade neben den anderen herging, las er auf dem Blatt den „Wandel der Pfirsichblüten":
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Schatzjade lachte: „Das ist gewiss richtig. Aber ich weiß, dass die ältere Schwester der jüngeren niemals solch traurige Verse erlaubt hätte, und die jüngere Schwester, obwohl sie das Talent dazu besitzt, würde sie gewiss nicht schreiben. Das ist nicht wie bei Schwester Lin, die selbst Trennung und Trauer erfahren hat und darum solch klagende Töne anstimmt." Alle lachten, als sie das hörten.
 
Schatzjade lachte: „Das ist gewiss richtig. Aber ich weiß, dass die ältere Schwester der jüngeren niemals solch traurige Verse erlaubt hätte, und die jüngere Schwester, obwohl sie das Talent dazu besitzt, würde sie gewiss nicht schreiben. Das ist nicht wie bei Schwester Lin, die selbst Trennung und Trauer erfahren hat und darum solch klagende Töne anstimmt." Alle lachten, als sie das hörten.
  
Man hatte das Reisduftdorf bereits erreicht, und als man Li Wan das Gedicht zeigte, lobte diese es natürlich überschwänglich. Als man auf die Dichtgesellschaft zu sprechen kam, beschloss man gemeinsam: „Morgen ist der zweite Tag des dritten Monats — dann gründen wir die Gesellschaft neu, benennen die ‚Meerzapfengesellschaft' in ‚Pfirsichblütengesellschaft' um, und Kajaljade wird die Gesellschaftsleiterin. Morgen nach dem Mittagessen versammeln wir uns alle im Bambushain."
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Man hatte das Reisduftdorf bereits erreicht, und als man Seidenweiß Pflaume das Gedicht zeigte, lobte diese es natürlich überschwänglich. Als man auf die Dichtgesellschaft zu sprechen kam, beschloss man gemeinsam: „Morgen ist der zweite Tag des dritten Monats — dann gründen wir die Gesellschaft neu, benennen die ‚Meerzapfengesellschaft' in ‚Pfirsichblütengesellschaft' um, und Kajaljade wird die Gesellschaftsleiterin. Morgen nach dem Mittagessen versammeln wir uns alle im Bambushain."
  
 
Man begann gleich, Themen festzulegen. Kajaljade schlug vor: „Schreibt alle ein Pfirsichblütengedicht mit hundert Reimpaaren." Schatzspange wandte ein: „Das geht nicht. Es gibt seit jeher die meisten Pfirsichblütengedichte. Was man auch schreibt, es wird in ein altes Muster fallen — das lässt sich nicht mit deinem Gedicht im alten Stil vergleichen. Wir müssen uns etwas anderes überlegen."
 
Man begann gleich, Themen festzulegen. Kajaljade schlug vor: „Schreibt alle ein Pfirsichblütengedicht mit hundert Reimpaaren." Schatzspange wandte ein: „Das geht nicht. Es gibt seit jeher die meisten Pfirsichblütengedichte. Was man auch schreibt, es wird in ein altes Muster fallen — das lässt sich nicht mit deinem Gedicht im alten Stil vergleichen. Wir müssen uns etwas anderes überlegen."
  
Noch während sie sprachen, wurde gemeldet: „Die Tante Onkelfrau ist gekommen. Die Fräuleins möchten bitte herauskommen, um ihre Aufwartung zu machen." Also gingen alle nach vorn, um Wang Zitengs Gemahlin zu begrüßen, und man unterhielt sich mit ihr. Nachdem man gemeinsam gespeist hatte, begleitete man sie in den Garten und zeigte ihr alles. Erst nach dem Abendessen, als die Laternen angezündet wurden, ging sie.
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Noch während sie sprachen, wurde gemeldet: „Die Tante Onkelfrau ist gekommen. Die Fräuleins möchten bitte herauskommen, um ihre Aufwartung zu machen." Also gingen alle nach vorn, um König Zitengs Gemahlin zu begrüßen, und man unterhielt sich mit ihr. Nachdem man gemeinsam gespeist hatte, begleitete man sie in den Garten und zeigte ihr alles. Erst nach dem Abendessen, als die Laternen angezündet wurden, ging sie.
  
Am nächsten Tag war Erkunderins Geburtstag. Yuanchun [元春] hatte schon am frühen Morgen zwei kleine Eunuchen mit einigen Spielzeugen geschickt. Auch die gesamte Familie brachte Geburtstagsgeschenke, das versteht sich von selbst. Nach dem Mittagessen zog Erkunderin ihre Festkleidung an und ging überall hin, um sich zu bedanken.
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Am nächsten Tag war Erkundefrühlings Geburtstag. Yuanchun [元春] hatte schon am frühen Morgen zwei kleine Eunuchen mit einigen Spielzeugen geschickt. Auch die gesamte Familie brachte Geburtstagsgeschenke, das versteht sich von selbst. Nach dem Mittagessen zog Erkundefrühling ihre Festkleidung an und ging überall hin, um sich zu bedanken.
  
Kajaljade sagte lachend zu den anderen: „Meine Gesellschaftsgründung kommt schon wieder ungelegen — ich habe ganz vergessen, dass diese Tage ihr Geburtstag ist. Auch wenn kein Fest mit Wein und Theater gefeiert wird, muss man sie doch den ganzen Tag bei der Herzoginmutter und Frau Wang Gesellschaft leisten lassen. Wie soll man da freie Zeit finden?" Darum verschob man es auf den fünften Tag.
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Kajaljade sagte lachend zu den anderen: „Meine Gesellschaftsgründung kommt schon wieder ungelegen — ich habe ganz vergessen, dass diese Tage ihr Geburtstag ist. Auch wenn kein Fest mit Wein und Theater gefeiert wird, muss man sie doch den ganzen Tag bei der Herzoginmutter und Dame König Gesellschaft leisten lassen. Wie soll man da freie Zeit finden?" Darum verschob man es auf den fünften Tag.
  
An diesem Morgen, nachdem alle Schwestern in den Gemächern beim Frühstück aufgewartet hatten, traf ein Brief von Kaufmann Aufrecht [贾政] ein. Schatzjade erkundigte sich nach seinem Befinden, faltete den Brief mit den Grüßen an die Herzoginmutter auseinander und las ihr vor. Es waren nur die üblichen Grußformeln und die Mitteilung, dass er um die Mitte des sechsten Monats in die Hauptstadt zurückkehren werde. Die übrigen Familienbriefe und Geschäftsmitteilungen wurden von Kaufmann Jadeschale und Frau Wang gelesen.
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An diesem Morgen, nachdem alle Schwestern in den Gemächern beim Frühstück aufgewartet hatten, traf ein Brief von Aufrecht Kaufmann [贾政] ein. Schatzjade erkundigte sich nach seinem Befinden, faltete den Brief mit den Grüßen an die Herzoginmutter auseinander und las ihr vor. Es waren nur die üblichen Grußformeln und die Mitteilung, dass er um die Mitte des sechsten Monats in die Hauptstadt zurückkehren werde. Die übrigen Familienbriefe und Geschäftsmitteilungen wurden von Kette Kaufmann und Dame König gelesen.
  
Als alle hörten, dass er im sechsten oder siebten Monat zurückkommen würde, freuten sich alle über die Maßen. Doch gerade in diesen Tagen war Wang Zitengs Tochter dem Sohn des Fürsten von Baoning zur Frau versprochen worden, und die Hochzeit war für den zehnten Tag des fünften Monats angesetzt. Phönixglanz war wieder mit den Vorbereitungen beschäftigt und drei bis fünf Tage am Stück nicht zu Hause.
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Als alle hörten, dass er im sechsten oder siebten Monat zurückkommen würde, freuten sich alle über die Maßen. Doch gerade in diesen Tagen war König Zitengs Tochter dem Sohn des Fürsten von Baoning zur Frau versprochen worden, und die Hochzeit war für den zehnten Tag des fünften Monats angesetzt. Phönixglanz war wieder mit den Vorbereitungen beschäftigt und drei bis fünf Tage am Stück nicht zu Hause.
  
An diesem Tag kam Wang Zitengs Gemahlin erneut, um Phönixglanz abzuholen und zugleich alle Nichten und Neffen zu einem vergnüglichen Tag einzuladen. Die Herzoginmutter und Frau Wang befahlen Schatzjade, Erkunderin, Kajaljade und Schatzspange, zusammen mit Phönixglanz mitzugehen. Niemand wagte zu widersprechen, und so gingen alle in ihre Zimmer, um sich neu zu schmücken. Die fünf verabschiedeten sich und verbrachten den Tag dort. Erst bei Laternenschein kamen sie zurück.
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An diesem Tag kam König Zitengs Gemahlin erneut, um Phönixglanz abzuholen und zugleich alle Nichten und Neffen zu einem vergnüglichen Tag einzuladen. Die Herzoginmutter und Dame König befahlen Schatzjade, Erkundefrühling, Kajaljade und Schatzspange, zusammen mit Phönixglanz mitzugehen. Niemand wagte zu widersprechen, und so gingen alle in ihre Zimmer, um sich neu zu schmücken. Die fünf verabschiedeten sich und verbrachten den Tag dort. Erst bei Laternenschein kamen sie zurück.
  
Als Schatzjade den Hof der Freude am Roten [怡红院] betrat, ruhte er sich eine halbe Stunde aus. Dufthauch nutzte die Gelegenheit und riet ihm, sich ein wenig zu sammeln und in seiner freien Zeit die Bücher zu ordnen, um sich vorzubereiten. Schatzjade zählte an den Fingern und sagte: „Es ist noch früh genug."
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Als Schatzjade den Hof der Roten Freude [怡红院] betrat, ruhte er sich eine halbe Stunde aus. Dufthauch nutzte die Gelegenheit und riet ihm, sich ein wenig zu sammeln und in seiner freien Zeit die Bücher zu ordnen, um sich vorzubereiten. Schatzjade zählte an den Fingern und sagte: „Es ist noch früh genug."
  
 
Dufthauch erwiderte: „Die Bücher sind das Erste und die Schriftübungen das Zweite. Wenn es dann soweit ist, hast du vielleicht die Bücher, aber wo sind dann deine Schriftproben?" Schatzjade lachte: „Ich habe doch oft welche geschrieben — sind die nicht alle aufgehoben worden?"
 
Dufthauch erwiderte: „Die Bücher sind das Erste und die Schriftübungen das Zweite. Wenn es dann soweit ist, hast du vielleicht die Bücher, aber wo sind dann deine Schriftproben?" Schatzjade lachte: „Ich habe doch oft welche geschrieben — sind die nicht alle aufgehoben worden?"
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Als die Herzoginmutter das hörte, freute sie sich sehr und befahl: „Von nun an schreibe und lies nur nach Herzenslust. Du brauchst nicht herauszukommen, wenn du nicht willst. Geh und sage es auch deiner Mutter."
 
Als die Herzoginmutter das hörte, freute sie sich sehr und befahl: „Von nun an schreibe und lies nur nach Herzenslust. Du brauchst nicht herauszukommen, wenn du nicht willst. Geh und sage es auch deiner Mutter."
  
Schatzjade ging zu Frau Wang und erklärte es ihr. Frau Wang sagte: „Im letzten Moment das Schwert zu wetzen, nützt auch nichts mehr. Wenn er sich jetzt so aufregt — hätte er jeden Tag ein wenig geschrieben und gelesen, wie viel ließe sich da noch schaffen! Dieses Hetzen wird ihn nur wieder krank machen."
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Schatzjade ging zu Dame König und erklärte es ihr. Dame König sagte: „Im letzten Moment das Schwert zu wetzen, nützt auch nichts mehr. Wenn er sich jetzt so aufregt — hätte er jeden Tag ein wenig geschrieben und gelesen, wie viel ließe sich da noch schaffen! Dieses Hetzen wird ihn nur wieder krank machen."
  
Schatzjade beteuerte, es sei nicht so schlimm. Auch die Herzoginmutter sorgte sich, er könne sich krank hetzen. Da sagten Erkunderin und Schatzspange lachend: „Die Herzoginmutter braucht sich nicht zu sorgen. Die Bücher können wir ihm zwar nicht abnehmen, aber die Schriftübungen schon. Wenn jede von uns jeden Tag eine Seite für ihn abschreibt, kommen wir über diese Hürde. Erstens wird der Herr Vater bei seiner Rückkehr nicht böse, und zweitens macht er sich nicht krank vor Aufregung."
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Schatzjade beteuerte, es sei nicht so schlimm. Auch die Herzoginmutter sorgte sich, er könne sich krank hetzen. Da sagten Erkundefrühling und Schatzspange lachend: „Die Herzoginmutter braucht sich nicht zu sorgen. Die Bücher können wir ihm zwar nicht abnehmen, aber die Schriftübungen schon. Wenn jede von uns jeden Tag eine Seite für ihn abschreibt, kommen wir über diese Hürde. Erstens wird der Herr Vater bei seiner Rückkehr nicht böse, und zweitens macht er sich nicht krank vor Aufregung."
  
 
Die Herzoginmutter hörte das und freute sich grenzenlos.
 
Die Herzoginmutter hörte das und freute sich grenzenlos.
  
Kajaljade hatte nämlich gehört, dass Kaufmann Aufrecht bei seiner Rückkehr gewiss nach Schatzjades Fortschritten fragen werde, und fürchtete, dass Schatzjade sein Herz zu sehr an andere Dinge hängte und zur Zeit der Prüfung Nachteile erleiden würde. Deshalb tat sie selbst so, als interessiere sie sich nicht dafür, rief die Dichtgesellschaft nicht ein und versuchte auch nicht, ihn mit äußeren Dingen abzulenken.
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Kajaljade hatte nämlich gehört, dass Aufrecht Kaufmann bei seiner Rückkehr gewiss nach Schatzjades Fortschritten fragen werde, und fürchtete, dass Schatzjade sein Herz zu sehr an andere Dinge hängte und zur Zeit der Prüfung Nachteile erleiden würde. Deshalb tat sie selbst so, als interessiere sie sich nicht dafür, rief die Dichtgesellschaft nicht ein und versuchte auch nicht, ihn mit äußeren Dingen abzulenken.
  
Erkunderin und Schatzspange übten jeden Tag eine Seite Regelschrift für Schatzjade, und Schatzjade selbst legte sich ebenfalls ins Zeug und schrieb mal zweihundert, mal dreihundert Zeichen am Tag. Bis Ende des dritten Monats hatte man wieder eine beträchtliche Anzahl zusammengebracht. An diesem Tag rechnete man durch: Noch fünfzig Seiten fehlten, und man käme gerade so über die Runden.
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Erkundefrühling und Schatzspange übten jeden Tag eine Seite Regelschrift für Schatzjade, und Schatzjade selbst legte sich ebenfalls ins Zeug und schrieb mal zweihundert, mal dreihundert Zeichen am Tag. Bis Ende des dritten Monats hatte man wieder eine beträchtliche Anzahl zusammengebracht. An diesem Tag rechnete man durch: Noch fünfzig Seiten fehlten, und man käme gerade so über die Runden.
  
 
Da kam unerwartet Purpurkuckuck [紫鹃] herein und brachte Schatzjade eine Schriftrolle. Als er sie öffnete, waren es auf altem, öligem Bambuspapier sorgfältig abgeschriebene Fliegenkopf-Miniaturschrift im Stil von Zhong You und Wang Xizhi, und die Handschrift glich seiner eigenen bis aufs Haar. Schatzjade war so erfreut, dass er Purpurkuckuck eine tiefe Verbeugung machte und dann persönlich hinging, um sich zu bedanken.
 
Da kam unerwartet Purpurkuckuck [紫鹃] herein und brachte Schatzjade eine Schriftrolle. Als er sie öffnete, waren es auf altem, öligem Bambuspapier sorgfältig abgeschriebene Fliegenkopf-Miniaturschrift im Stil von Zhong You und Wang Xizhi, und die Handschrift glich seiner eigenen bis aufs Haar. Schatzjade war so erfreut, dass er Purpurkuckuck eine tiefe Verbeugung machte und dann persönlich hinging, um sich zu bedanken.
  
Auch Wolkenschwinge und Schatzharfe hatten je einige Seiten abgeschrieben und ihm geschenkt. Obwohl die Gesamtzahl nicht ganz die erforderliche Menge erreichte, genügte es doch zum Durchkommen. Schatzjade war beruhigt und begann daraufhin, die Bücher, die er lesen sollte, noch einmal durchzuarbeiten.
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Auch Xiangfluss-Wolke und Schatzharfe hatten je einige Seiten abgeschrieben und ihm geschenkt. Obwohl die Gesamtzahl nicht ganz die erforderliche Menge erreichte, genügte es doch zum Durchkommen. Schatzjade war beruhigt und begann daraufhin, die Bücher, die er lesen sollte, noch einmal durchzuarbeiten.
  
Gerade als er Tag für Tag fleißig lernte, kam es dazu, dass die Küste in der Nähe des Meeres von einer Sturmflut heimgesucht wurde, die mehrere Bezirke verwüstete. Die Provinzbeamten reichten Berichte ein, und auf kaiserlichen Befehl wurde Kaufmann Aufrecht angewiesen, auf seinem Rückweg die Hilfsmaßnahmen und Rechnungen zu überprüfen. So gerechnet, würde er erst gegen Winterende zurückkehren. Als Schatzjade davon hörte, legte er Bücher und Schriftübungen sofort wieder beiseite und trieb sich wie zuvor müßig umher.
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Gerade als er Tag für Tag fleißig lernte, kam es dazu, dass die Küste in der Nähe des Meeres von einer Sturmflut heimgesucht wurde, die mehrere Bezirke verwüstete. Die Provinzbeamten reichten Berichte ein, und auf kaiserlichen Befehl wurde Aufrecht Kaufmann angewiesen, auf seinem Rückweg die Hilfsmaßnahmen und Rechnungen zu überprüfen. So gerechnet, würde er erst gegen Winterende zurückkehren. Als Schatzjade davon hörte, legte er Bücher und Schriftübungen sofort wieder beiseite und trieb sich wie zuvor müßig umher.
  
Es war Spätfrühling, und Wolkenschwinge langweilte sich. Als sie die Weidenkätzchen im Wind tanzen sah, dichtete sie spontan ein kleines Lied nach der Melodie „Wie ein Traum":
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Es war Spätfrühling, und Xiangfluss-Wolke langweilte sich. Als sie die Weidenkätzchen im Wind tanzen sah, dichtete sie spontan ein kleines Lied nach der Melodie „Wie ein Traum":
  
 
Ist es Stickgarn, das zerfasert fällt?
 
Ist es Stickgarn, das zerfasert fällt?
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Sie war mit ihrem Werk zufrieden, schrieb es auf ein Blatt Papier und zeigte es Schatzspange. Dann ging sie zu Kajaljade. Kajaljade las es und sagte lachend: „Gut! Frisch und reizvoll. Aber das könnte ich nicht."
 
Sie war mit ihrem Werk zufrieden, schrieb es auf ein Blatt Papier und zeigte es Schatzspange. Dann ging sie zu Kajaljade. Kajaljade las es und sagte lachend: „Gut! Frisch und reizvoll. Aber das könnte ich nicht."
  
Wolkenschwinge lachte: „Bei all unseren Gesellschaftstreffen haben wir noch nie Lieder gedichtet. Warum rufst du nicht morgen ein Treffen zum Liederdichten ein — das wäre einmal etwas anderes und ganz erfrischend!" Als Kajaljade das hörte, packte sie plötzlich die Begeisterung, und sie sagte: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag! Ich werde sie sofort einladen." Damit ließ sie einige Sorten Obst und Gebäck vorbereiten und schickte zugleich Boten zu allen Eingeladenen.
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Xiangfluss-Wolke lachte: „Bei all unseren Gesellschaftstreffen haben wir noch nie Lieder gedichtet. Warum rufst du nicht morgen ein Treffen zum Liederdichten ein — das wäre einmal etwas anderes und ganz erfrischend!" Als Kajaljade das hörte, packte sie plötzlich die Begeisterung, und sie sagte: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag! Ich werde sie sofort einladen." Damit ließ sie einige Sorten Obst und Gebäck vorbereiten und schickte zugleich Boten zu allen Eingeladenen.
  
 
Währenddessen legten die beiden Freundinnen als Thema Weidenkätzchen fest und bestimmten mehrere verschiedene Liedmelodien, die sie auf ein Blatt schrieben und an die Wand hefteten.
 
Währenddessen legten die beiden Freundinnen als Thema Weidenkätzchen fest und bestimmten mehrere verschiedene Liedmelodien, die sie auf ein Blatt schrieben und an die Wand hefteten.
  
Als die anderen kamen und es sahen — das Thema war Weidenkätzchen, und jede sollte in einer anderen kurzen Liedmelodie dichten —, lasen sie auch Wolkenschwinges Lied und lobten es eine Weile. Schatzjade lachte: „Im Liederdichten sind wir weniger geübt, aber wir müssen uns trotzdem etwas zusammenreimen." Also zogen alle Lose.
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Als die anderen kamen und es sahen — das Thema war Weidenkätzchen, und jede sollte in einer anderen kurzen Liedmelodie dichten —, lasen sie auch Xiangfluss-Wolkes Lied und lobten es eine Weile. Schatzjade lachte: „Im Liederdichten sind wir weniger geübt, aber wir müssen uns trotzdem etwas zusammenreimen." Also zogen alle Lose.
  
Schatzspange zog „Am Ufer des Flusses" [临江仙], Schatzharfe „Mond über dem Westfluss" [西江月], Erkunderin „Melodie aus Nanke" [南柯子], Kajaljade „Tang Duoling" [唐多令] und Schatzjade „Schmetterling liebt die Blume" [蝶恋花].
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Schatzspange zog „Am Ufer des Flusses" [临江仙], Schatzharfe „Mond über dem Westfluss" [西江月], Erkundefrühling „Melodie aus Nanke" [南柯子], Kajaljade „Tang Duoling" [唐多令] und Schatzjade „Schmetterling liebt die Blume" [蝶恋花].
  
 
Purpurkuckuck entzündete eine Stange Süßtraumräucherstäbchen, und alle versanken in Nachdenken. Bald hatte Kajaljade etwas und schrieb es nieder. Gleich darauf waren auch Schatzharfe und Schatzspange fertig. Nachdem die drei geschrieben hatten, schauten sie sich gegenseitig die Verse an. Schatzspange lachte: „Lasst mich erst eure fertig lesen, dann zeige ich meines."
 
Purpurkuckuck entzündete eine Stange Süßtraumräucherstäbchen, und alle versanken in Nachdenken. Bald hatte Kajaljade etwas und schrieb es nieder. Gleich darauf waren auch Schatzharfe und Schatzspange fertig. Nachdem die drei geschrieben hatten, schauten sie sich gegenseitig die Verse an. Schatzspange lachte: „Lasst mich erst eure fertig lesen, dann zeige ich meines."
  
Erkunderin rief lachend: „Oh weh! Wie schnell brennt das Räucherstäbchen heute herunter — nur noch drei Zehntel sind übrig! Ich habe erst die Hälfte!" Dann fragte sie, ob Schatzjade schon fertig sei. Schatzjade hatte zwar einiges geschrieben, war aber selbst unzufrieden, hatte alles wieder ausgestrichen und wollte neu beginnen. Als er sich umdrehte und das Räucherstäbchen ansah, war es fast niedergebrannt.
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Erkundefrühling rief lachend: „Oh weh! Wie schnell brennt das Räucherstäbchen heute herunter — nur noch drei Zehntel sind übrig! Ich habe erst die Hälfte!" Dann fragte sie, ob Schatzjade schon fertig sei. Schatzjade hatte zwar einiges geschrieben, war aber selbst unzufrieden, hatte alles wieder ausgestrichen und wollte neu beginnen. Als er sich umdrehte und das Räucherstäbchen ansah, war es fast niedergebrannt.
  
Li Wan lachte: „Das zählt als verloren. Die Halbe von der Bananenschwester soll sie immerhin aufschreiben." Als Erkunderin das hörte, schrieb sie eilig auf. Die anderen schauten — es war nur die Hälfte einer „Melodie aus Nanke":
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Seidenweiß Pflaume lachte: „Das zählt als verloren. Die Halbe von der Bananenschwester soll sie immerhin aufschreiben." Als Erkundefrühling das hörte, schrieb sie eilig auf. Die anderen schauten — es war nur die Hälfte einer „Melodie aus Nanke":
  
 
Lose hängen feine Fäden,
 
Lose hängen feine Fäden,
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nach Ost und West, nach Süd und Nord mag jedes treiben, sonder Schranken.
 
nach Ost und West, nach Süd und Nord mag jedes treiben, sonder Schranken.
  
Li Wan lachte: „Das lässt sich doch gut fortsetzen — warum machst du nicht weiter?" Schatzjade sah, dass das Räucherstäbchen erloschen war, gab bereitwillig seine Niederlage zu und weigerte sich, etwas Halbherziges abzuliefern. Er legte den Pinsel hin und ging hinüber, um diese halbe Strophe zu betrachten. Als er sah, dass sie unvollendet war, regte sich gerade dadurch sein Ehrgeiz, und er nahm den Pinsel und setzte fort:
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Seidenweiß Pflaume lachte: „Das lässt sich doch gut fortsetzen — warum machst du nicht weiter?" Schatzjade sah, dass das Räucherstäbchen erloschen war, gab bereitwillig seine Niederlage zu und weigerte sich, etwas Halbherziges abzuliefern. Er legte den Pinsel hin und ging hinüber, um diese halbe Strophe zu betrachten. Als er sah, dass sie unvollendet war, regte sich gerade dadurch sein Ehrgeiz, und er nahm den Pinsel und setzte fort:
  
 
Fällt sie, so traure nicht, mein Freund,
 
Fällt sie, so traure nicht, mein Freund,
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der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor.
 
der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor.
  
Wolkenschwinge lachte als Erste: „Wunderbar, dieses ‚der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor'! Allein diese Zeile übertrifft alle anderen." Dann lasen sie weiter:
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Xiangfluss-Wolke lachte als Erste: „Wunderbar, dieses ‚der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor'! Allein diese Zeile übertrifft alle anderen." Dann lasen sie weiter:
  
 
In Bienenschwärmen, Schmetterlingsgeschwadern bunt.
 
In Bienenschwärmen, Schmetterlingsgeschwadern bunt.
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trägt er mich hinauf zu den Wolken!
 
trägt er mich hinauf zu den Wolken!
  
Alle schlugen auf den Tisch und riefen begeistert: „Wahrhaftig, großartig gewendet! Natürlich in Kraft und Schwung — dieses Lied gebührt der erste Platz. In wehmütiger Innigkeit muss man der Herrin vom Xiaoxiang den Vorrang lassen, in anmutiger Zierlichkeit der Kissennebelschönen [枕霞, Wolkenschwinge], und die kleine Schnee [Schatzharfe] sowie die Bananengästin [蕉客, Erkunderin] sind heute durchgefallen und müssen bestraft werden."
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Alle schlugen auf den Tisch und riefen begeistert: „Wahrhaftig, großartig gewendet! Natürlich in Kraft und Schwung — dieses Lied gebührt der erste Platz. In wehmütiger Innigkeit muss man der Herrin vom Xiaoxiang den Vorrang lassen, in anmutiger Zierlichkeit der Kissennebelschönen [枕霞, Xiangfluss-Wolke], und die kleine Schnee [Schatzharfe] sowie die Bananengästin [蕉客, Erkundefrühling] sind heute durchgefallen und müssen bestraft werden."
  
Schatzharfe lachte: „Wir nehmen unsere Strafe hin — aber was geschieht mit dem, der ein leeres Blatt abgegeben hat?" Li Wan sagte: „Keine Eile — den bestrafen wir erst recht schwer. Beim nächsten Mal dient es als Beispiel."
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Schatzharfe lachte: „Wir nehmen unsere Strafe hin — aber was geschieht mit dem, der ein leeres Blatt abgegeben hat?" Seidenweiß Pflaume sagte: „Keine Eile — den bestrafen wir erst recht schwer. Beim nächsten Mal dient es als Beispiel."
  
 
Noch war das Wort nicht zu Ende gesprochen, als draußen am Fenster auf dem Bambus ein Geräusch ertönte, als wäre ein Fensterladen umgekippt, und alle erschraken. Als die Mägde hinausgingen, um nachzusehen, rief eine Magd draußen vor dem Vorhang: „Ein großer Schmetterlings-Drachen hat sich in der Bambusspitze verfangen!"
 
Noch war das Wort nicht zu Ende gesprochen, als draußen am Fenster auf dem Bambus ein Geräusch ertönte, als wäre ein Fensterladen umgekippt, und alle erschraken. Als die Mägde hinausgingen, um nachzusehen, rief eine Magd draußen vor dem Vorhang: „Ein großer Schmetterlings-Drachen hat sich in der Bambusspitze verfangen!"
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Die Mägde lachten: „Was für ein hübscher Drachen! Wer weiß, wem die Schnur gerissen ist — holt ihn herunter!" Als Schatzjade und die anderen das hörten, kamen sie alle heraus, um ihn zu betrachten. Schatzjade lachte: „Ich kenne diesen Drachen. Das ist der von Fräulein Jiaohong [娇红] aus dem Hof des Großen Herrn. Nehmt ihn herunter und bringt ihn ihr zurück."
 
Die Mägde lachten: „Was für ein hübscher Drachen! Wer weiß, wem die Schnur gerissen ist — holt ihn herunter!" Als Schatzjade und die anderen das hörten, kamen sie alle heraus, um ihn zu betrachten. Schatzjade lachte: „Ich kenne diesen Drachen. Das ist der von Fräulein Jiaohong [娇红] aus dem Hof des Großen Herrn. Nehmt ihn herunter und bringt ihn ihr zurück."
  
Purpurkuckuck lachte: „Als gäbe es auf der ganzen Welt nicht zwei gleiche Drachen und nur sie hätte einen solchen! Mir ist es egal, ich nehme ihn mir." Erkunderin sagte: „Purpurkuckuck wird auch knauserig! Ihr habt doch selbst welche. Jetzt einen aufzulesen, den jemand hat fliegen lassen — fürchtet ihr euch nicht vor dem bösen Omen?"
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Purpurkuckuck lachte: „Als gäbe es auf der ganzen Welt nicht zwei gleiche Drachen und nur sie hätte einen solchen! Mir ist es egal, ich nehme ihn mir." Erkundefrühling sagte: „Purpurkuckuck wird auch knauserig! Ihr habt doch selbst welche. Jetzt einen aufzulesen, den jemand hat fliegen lassen — fürchtet ihr euch nicht vor dem bösen Omen?"
  
 
Kajaljade lachte: „Ganz recht! Man weiß ja nicht, wer sein Unglück damit hat fliegen lassen wollen. Werft ihn schnell hinaus! Holt unsere eigenen heraus, dann lassen auch wir unser Unglück fliegen!" Als Purpurkuckuck das hörte, befahl sie den kleinen Mägden, den Drachen hinauszubringen und den diensthabenden Frauen am Gartentor zu geben, damit sie ihn zurückgeben könnten, falls jemand danach suchen sollte.
 
Kajaljade lachte: „Ganz recht! Man weiß ja nicht, wer sein Unglück damit hat fliegen lassen wollen. Werft ihn schnell hinaus! Holt unsere eigenen heraus, dann lassen auch wir unser Unglück fliegen!" Als Purpurkuckuck das hörte, befahl sie den kleinen Mägden, den Drachen hinauszubringen und den diensthabenden Frauen am Gartentor zu geben, damit sie ihn zurückgeben könnten, falls jemand danach suchen sollte.
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Schatzjade geriet auch in Begeisterung und schickte eine kleine Magd nach Hause mit dem Auftrag: „Hol den großen Fisch, den mir Verwalterin Lai Da gestern geschenkt hat." Das Mädchen war lange fort und kam mit leeren Händen zurück. Lachend sagte es: „Fräulein Heitermuster hat ihn gestern schon fliegen lassen."
 
Schatzjade geriet auch in Begeisterung und schickte eine kleine Magd nach Hause mit dem Auftrag: „Hol den großen Fisch, den mir Verwalterin Lai Da gestern geschenkt hat." Das Mädchen war lange fort und kam mit leeren Händen zurück. Lachend sagte es: „Fräulein Heitermuster hat ihn gestern schon fliegen lassen."
  
Schatzjade rief: „Ich habe ihn noch nicht ein einziges Mal steigen lassen!" Erkunderin lachte: „Immerhin hat sie dein Unglück für dich fliegen lassen." Schatzjade sagte: „Na gut. Dann bringt den großen Krebs!" Die Magd ging und kam mit mehreren Leuten zurück, die einen Schönheitsdrachen und eine Haspel trugen. „Fräulein Dufthauch lässt ausrichten, den Krebs habe sie gestern dem Dritten Herrn [贾环] gegeben. Diesen hier hat Verwalterin Lin gerade erst gebracht — lasst diesen steigen."
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Schatzjade rief: „Ich habe ihn noch nicht ein einziges Mal steigen lassen!" Erkundefrühling lachte: „Immerhin hat sie dein Unglück für dich fliegen lassen." Schatzjade sagte: „Na gut. Dann bringt den großen Krebs!" Die Magd ging und kam mit mehreren Leuten zurück, die einen Schönheitsdrachen und eine Haspel trugen. „Fräulein Dufthauch lässt ausrichten, den Krebs habe sie gestern dem Dritten Herrn [贾环] gegeben. Diesen hier hat Verwalterin Lin gerade erst gebracht — lasst diesen steigen."
  
Schatzjade betrachtete ihn genau — der Schönheitsdrachen war äußerst kunstvoll gearbeitet. Erfreut befahl er, ihn steigen zu lassen. Inzwischen hatte auch Erkunderin ihren holen lassen, und Jadtusche war mit einigen kleinen Mägden auf dem Hügel drüben schon beim Steigenlassen. Schatzharfe befahl ebenfalls, ihre große rote Fledermaus zu holen. Auch Schatzspange war in Hochstimmung und ließ ihren holen — es war eine Kette von sieben großen Wildgänsen, und alle wurden in die Luft gelassen.
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Schatzjade betrachtete ihn genau — der Schönheitsdrachen war äußerst kunstvoll gearbeitet. Erfreut befahl er, ihn steigen zu lassen. Inzwischen hatte auch Erkundefrühling ihren holen lassen, und Jadtusche war mit einigen kleinen Mägden auf dem Hügel drüben schon beim Steigenlassen. Schatzharfe befahl ebenfalls, ihre große rote Fledermaus zu holen. Auch Schatzspange war in Hochstimmung und ließ ihren holen — es war eine Kette von sieben großen Wildgänsen, und alle wurden in die Luft gelassen.
  
 
Nur Schatzjades Schönheitsdrachen wollte nicht steigen. Schatzjade sagte, die Mägde könnten nicht damit umgehen, und versuchte es selbst eine halbe Stunde lang, aber der Drachen stieg nur bis Dachhöhe und fiel wieder herunter. Vor Aufregung brach Schatzjade der Schweiß aus, und alle lachten.
 
Nur Schatzjades Schönheitsdrachen wollte nicht steigen. Schatzjade sagte, die Mägde könnten nicht damit umgehen, und versuchte es selbst eine halbe Stunde lang, aber der Drachen stieg nur bis Dachhöhe und fiel wieder herunter. Vor Aufregung brach Schatzjade der Schweiß aus, und alle lachten.
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Bald darauf brachten die Mägde noch viele verschiedenartig gestaltete Drachen, und man spielte eine Weile. Purpurkuckuck lachte: „Diesmal ist der Wind stark — Fräulein, kommt und lasst ihn los!" Als Kajaljade das hörte, stützte sie ihre Hand mit einem Taschentuch, gab einmal kräftig Zug, und tatsächlich war der Wind stark. Sie übernahm die Haspel und ließ, der Zugkraft des Drachens folgend, die Haspel los. Ein reißendes Rattern ertönte, und im Nu war die Schnur der Haspel abgelaufen.
 
Bald darauf brachten die Mägde noch viele verschiedenartig gestaltete Drachen, und man spielte eine Weile. Purpurkuckuck lachte: „Diesmal ist der Wind stark — Fräulein, kommt und lasst ihn los!" Als Kajaljade das hörte, stützte sie ihre Hand mit einem Taschentuch, gab einmal kräftig Zug, und tatsächlich war der Wind stark. Sie übernahm die Haspel und ließ, der Zugkraft des Drachens folgend, die Haspel los. Ein reißendes Rattern ertönte, und im Nu war die Schnur der Haspel abgelaufen.
  
Kajaljade lud die anderen ein, ihre Drachen loszulassen. Alle lachten: „Jede hat ihren eigenen — bitte, fang du an!" Kajaljade lachte: „Loslassen macht zwar Spaß, aber es tut mir doch leid." Li Wan sagte: „Drachensteigen ist doch für dieses Vergnügen da. Darum sagt man auch, man lässt sein Unglück fliegen. Du solltest umso mehr loslassen — nimm deine Krankheitswurzeln alle mit fort!"
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Kajaljade lud die anderen ein, ihre Drachen loszulassen. Alle lachten: „Jede hat ihren eigenen — bitte, fang du an!" Kajaljade lachte: „Loslassen macht zwar Spaß, aber es tut mir doch leid." Seidenweiß Pflaume sagte: „Drachensteigen ist doch für dieses Vergnügen da. Darum sagt man auch, man lässt sein Unglück fliegen. Du solltest umso mehr loslassen — nimm deine Krankheitswurzeln alle mit fort!"
  
 
Purpurkuckuck lachte: „Unser Fräulein wird immer geiziger! Jedes Jahr lässt sie ein paar steigen, und jetzt tut ihr das Herz plötzlich weh. Wenn das Fräulein nicht loslässt, dann lasse ich los." Damit nahm sie Schneegans [雪雁] eine kleine silberne Schere westlicher Machart aus der Hand, setzte sie direkt an der Haspelwurzel an, so dass nicht ein Fingerbreit Schnur übrig blieb, und — ratsch! — schnitt sie durch. Lachend rief sie: „Damit fliegt auch die Krankheit mitsamt allen Wurzeln davon!"
 
Purpurkuckuck lachte: „Unser Fräulein wird immer geiziger! Jedes Jahr lässt sie ein paar steigen, und jetzt tut ihr das Herz plötzlich weh. Wenn das Fräulein nicht loslässt, dann lasse ich los." Damit nahm sie Schneegans [雪雁] eine kleine silberne Schere westlicher Machart aus der Hand, setzte sie direkt an der Haspelwurzel an, so dass nicht ein Fingerbreit Schnur übrig blieb, und — ratsch! — schnitt sie durch. Lachend rief sie: „Damit fliegt auch die Krankheit mitsamt allen Wurzeln davon!"
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Schatzjade sagte: „Schade, dass man nicht weiß, wo er herunterkommt. Fällt er dort, wo Menschen wohnen, und finden Kinder ihn, so ist es noch gut. Fällt er aber in einer wüsten, menschenleeren Gegend nieder, fühle ich seine Einsamkeit mit. Bei dem Gedanken will ich auch meinen loslassen, damit die beiden Gefährten füreinander haben." Also schnitt auch er die Schnur durch und ließ seinen Drachen genauso fliegen.
 
Schatzjade sagte: „Schade, dass man nicht weiß, wo er herunterkommt. Fällt er dort, wo Menschen wohnen, und finden Kinder ihn, so ist es noch gut. Fällt er aber in einer wüsten, menschenleeren Gegend nieder, fühle ich seine Einsamkeit mit. Bei dem Gedanken will ich auch meinen loslassen, damit die beiden Gefährten füreinander haben." Also schnitt auch er die Schnur durch und ließ seinen Drachen genauso fliegen.
  
Gerade wollte Erkunderin ihre Phönixschnur durchschneiden, da entdeckte sie am Himmel noch einen zweiten Phönix und sagte: „Von wem der wohl stammt?" Alle lachten: „Warte noch mit dem Abschneiden! Es sieht so aus, als wollten sie sich miteinander verheddern."
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Gerade wollte Erkundefrühling ihre Phönixschnur durchschneiden, da entdeckte sie am Himmel noch einen zweiten Phönix und sagte: „Von wem der wohl stammt?" Alle lachten: „Warte noch mit dem Abschneiden! Es sieht so aus, als wollten sie sich miteinander verheddern."
  
Tatsächlich kam der andere Phönix immer näher und verstrickte sich mit Erkunderins Phönix. Man wollte die Schnur einholen, doch der andere Besitzer tat dasselbe. Noch während sie im Gerangel waren, tauchte ein riesiger, türflügelgroßer, kunstvoll gearbeiteter Doppelfreude-Drachen mit Rasselpeitsche auf, dessen Klang am Himmel wie Glockengeläut dröhnte, und näherte sich ebenfalls.
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Tatsächlich kam der andere Phönix immer näher und verstrickte sich mit Erkundefrühlings Phönix. Man wollte die Schnur einholen, doch der andere Besitzer tat dasselbe. Noch während sie im Gerangel waren, tauchte ein riesiger, türflügelgroßer, kunstvoll gearbeiteter Doppelfreude-Drachen mit Rasselpeitsche auf, dessen Klang am Himmel wie Glockengeläut dröhnte, und näherte sich ebenfalls.
  
 
Alle lachten: „Der will sich wohl auch verheddern! Holt die Schnur nicht ein — wenn sich alle drei verknoten, ist es erst richtig lustig!" Und tatsächlich verschlang sich der Doppelfreudedrachen mit den beiden Phönixen. Man zerrte und ruckte von drei Seiten, doch plötzlich rissen alle Schnüre zugleich, und die drei Drachen segelten schwankend davon.
 
Alle lachten: „Der will sich wohl auch verheddern! Holt die Schnur nicht ein — wenn sich alle drei verknoten, ist es erst richtig lustig!" Und tatsächlich verschlang sich der Doppelfreudedrachen mit den beiden Phönixen. Man zerrte und ruckte von drei Seiten, doch plötzlich rissen alle Schnüre zugleich, und die drei Drachen segelten schwankend davon.

Revision as of 19:30, 28 April 2026

Kapitel 70 林黛玉重建桃花社 / 史湘云偶填柳絮词 Kajaljade gründet die Pfirsichblüten-Dichtgesellschaft neu; Xiangfluss-Wolke dichtet ein Weidenkätzchen-Lied

Es wird erzählt, dass Kette Kaufmann[1] sich sieben Tage und Nächte lang im Birnenblütenhof aufhielt, wo Mönche und Taoisten ununterbrochen buddhistische Zeremonien abhielten. Dann rief ihn die Herzoginmutter[2] zu sich und ordnete an, die Verstorbene solle auf keinen Fall im Familientempel beigesetzt werden. Kette Kaufmann hatte keine Wahl und musste sich erneut mit dem Mönch Shijue besprechen. Man wählte einen Grabplatz oberhalb der Grablege von Dritter Schwester You und ließ die Erde aufbrechen, um die Tote zu bestatten. Am Tag der Beisetzung erschienen lediglich einige Sippenmitglieder, das Ehepaar König Xin sowie Dame Sonders mit ihrer Schwiegertochter. Phönixglanz[3] kümmerte sich um nichts und ließ ihn alles selbst erledigen.

Da überdies das Jahresende nahte und sich die verschiedensten Angelegenheiten wie Igelstacheln häuften, kam auch noch Lin Zhixiao mit einer Namensliste herein. Es waren insgesamt acht unverheiratete junge Burschen von fünfundzwanzig Jahren, die heiraten und einen eigenen Haushalt gründen sollten, und man wartete darauf, dass drinnen die zur Entlassung anstehenden Mägde für die Zuordnung bestimmt würden.

Phönixglanz las die Liste durch und ging zuerst zur Herzoginmutter und Dame König[4], um nachzufragen. Man beriet gemeinsam, und obwohl es einige gab, die eigentlich zugeteilt werden sollten, hatte jede einen besonderen Grund dagegen: Als Erste hatte Mandarinenente[5] geschworen, nicht zu gehen. Seit jenem Tag hatte sie kein Wort mehr mit Schatzjade[6] gewechselt und trug weder prächtigen Schmuck noch aufwendige Kleidung. Als alle sahen, wie fest ihr Entschluss war, mochte niemand sie drängen.

Als Zweite war Bernstein [琥珀] krank und kam diesmal nicht in Frage. Farbwölkchen hatte sich kürzlich mit Unheil Kaufmann überworfen und litt ebenfalls an einer unheilbaren Krankheit. Nur die gröberen Hauptmägde aus Phönixglanz' und Seidenweiß Pflaumes [李纨] Haushalten wurden entlassen, alle übrigen waren noch zu jung. Man befahl den jungen Burschen, sich draußen selbst Frauen zu suchen.

Nun hatte sich in der vergangenen Zeit, da Phönixglanz krank gewesen war und Seidenweiß Pflaume sowie Erkundefrühling die Haushaltsführung übernommen hatten und keine freie Minute fanden, und da dann Neujahr und die Festtage folgten und unzählige Dinge zu erledigen waren, die Dichtgesellschaft einfach aufgelöst. Jetzt war es zwar Mitte des Frühlings, und man hätte Zeit gehabt, doch Schatzjade war wegen Liuxiangliáns kaltem Verschwinden, wegen Dritter Schwester Yous Selbstentleibung mit dem Schwert, wegen Zweiter Schwester Yous Goldtod und wegen Liuwuers Erkrankung — ein Kummer folgte dem anderen, und müßige Sorgen und grundloser Groll türmten sich ohne Unterlass — so durcheinander geraten, dass sein Ausdruck wie benommen wirkte, seine Worte oft verwirrt waren und er an einer Art Geistesverwirrung zu leiden schien. Dufthauch [袭人] und die anderen erschraken so sehr, dass sie es nicht wagten, der Herzoginmutter davon zu berichten, und ihn stattdessen auf hunderterlei Weise zum Spielen und Lachen zu bewegen suchten.

An diesem Morgen war er gerade aufgewacht, als er aus dem Vorzimmer unablässiges kicherndes und gackerndes Gelächter hörte. Dufthauch sagte lachend: „Geh schnell hinaus und rette sie! Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] haben Xiongnu [芳官/雄奴] gepackt und kitzeln ihn durch!" Als Schatzjade das hörte, warf er rasch seinen graugehäuteten Pelzmantel über und ging hinaus, um nachzusehen. Er sah die drei: Die Bettdecken waren noch nicht zusammengelegt, die Oberkleider noch nicht angezogen. Heitermuster trug nur ein kleines, lauchgrünes Jäckchen aus schimmernder Seide, ein rotes Unterhemd und rote Pantoffeln, das Haar offen hängend, und saß rittlings auf Xiongnu. Moschusmond hatte ein rotes Brustband aus Seide an und war in ein altes Gewand gehüllt und kitzelte Xiongnu unter den Rippen. Xiongnu lag auf dem Kang, trug ein enganliegendes Jäckchen mit Blumenmuster, rote Hosen und grüne Strümpfe und strampelte mit beiden Füßen, vor Lachen kaum noch Luft bekommend.

Schatzjade eilte lachend herbei und rief: „Zwei Große überfallen einen Kleinen — lasst mich helfen!" Damit kletterte er auch aufs Bett und begann Heitermuster zu kitzeln. Heitermuster war an der kitzligen Stelle getroffen, ließ lachend Xiongnu los und wehrte sich gegen Schatzjade. Xiongnu nutzte die Gelegenheit und drückte Heitermuster nieder, um sie unter den Rippen zu kitzeln. Dufthauch rief lachend: „Passt auf, dass ihr euch nicht erkältet!" Aber die vier, die sich ineinander verwickelt hatten, boten einen komischen Anblick.

Da kam plötzlich Biyue [碧月], eine Magd, die Seidenweiß Pflaume geschickt hatte. „Gestern Abend hat unsere Herrin hier ein Taschentuch vergessen. Ist es vielleicht noch hier?" Kleine Schwalbe [小燕] sagte: „Ja, ja, ja! Ich habe es vom Boden aufgehoben, wusste aber nicht, wem es gehört. Ich habe es gerade gewaschen, es hängt draußen zum Trocknen und ist noch nicht trocken."

Biyue sah die vier beim Herumtollen und lachte: „Hier ist es aber lustig! Am frühen Morgen schon kichert und kreischt ihr und tobt zusammen herum." Schatzjade lachte: „Bei euch sind doch auch genug Leute — warum spielt ihr nicht?" Biyue antwortete: „Unsere Herrin spielt nicht und hält auch die beiden Nebenfrauen und Fräulein Qin [宝琴] mit fest. Jetzt ist Fräulein Qin auch noch zur Herzoginmutter gegangen, und es ist noch einsamer geworden. Wenn die beiden Nebenfrauen nach diesem Jahr gehen und nächsten Winter fort sind, wird es noch stiller. Schaut euch doch mal Fräulein Schnees [宝钗] Haushalt an — seit Duftkastanies [香菱] Weggang ist es viel kühler geworden, und Fräulein Wolke [湘云] steht ganz allein da."

Noch während sie sprach, schickte Xiangfluss-Wolke[7] [史湘云] ihre Magd Jadegras [翠缕] herüber, um auszurichten: „Bitte den Zweiten Herrn, schnell herauszukommen und schöne Gedichte zu betrachten." Als Schatzjade das hörte, fragte er eilig: „Wo gibt es schöne Gedichte?" Jadegras lachte: „Die Fräuleins sind alle am Duftende-Quelle-Pavillon [沁芳亭]. Wenn du hingehst, wirst du es erfahren."

Als Schatzjade das hörte, wusch und kämmte er sich eilig und ging hinaus. Tatsächlich saßen Kajaljade[8], Schatzspange[9] [薛宝钗], Xiangfluss-Wolke, Schatzharfe [宝琴] und Erkundefrühling dort und hielten ein Gedicht in der Hand. Als sie ihn kommen sahen, sagten alle lachend: „Und jetzt bist du immer noch nicht aufgestanden! Unsere Dichtgesellschaft hat sich ein ganzes Jahr lang nicht getroffen, und niemand hat sich darum bemüht, sie wieder aufleben zu lassen. Jetzt, im Frühling, wenn sich alles erneuert, wäre der richtige Zeitpunkt, sie wieder neu ins Leben zu rufen!"

Xiangfluss-Wolke lachte: „Als die Dichtgesellschaft gegründet wurde, war es Herbst — das verhieß kein Gedeihen. Jetzt aber, wo alles dem Frühling entgegenstrebt, stehen alle Zeichen auf Wachstum und Blüte. Und da dieses Pfirsichblütengedicht so schön ist, sollten wir die Meerzapfengesellschaft in eine Pfirsichblütengesellschaft umwandeln!"

Schatzjade hörte zu, nickte und sagte: „Sehr gut." Dann drängte er, das Gedicht sehen zu dürfen. Die anderen sagten: „Lasst uns jetzt gleich zur Reisduftbäuerin [稻香老农, Seidenweiß Pflaume] gehen und alles gemeinsam beschließen." Damit standen alle auf und gingen zusammen zum Reisduftdorf [稻香村].

Während Schatzjade neben den anderen herging, las er auf dem Blatt den „Wandel der Pfirsichblüten":

Draußen vor dem Vorhang weht der Ostwind zart, die Pfirsichblüten blühen vor der Tür. Dahinter sitzt die Schöne, schmückt sich kaum, nur ein Vorhang trennt sie von den Blüten hier.

Der Ostwind hebt den Vorhang, will sie sehn, die Blüten spähen, doch er rollt sich nicht. Die Pfirsichblüten draußen blühn wie je, doch drinnen ist die Frau noch blasser als ihr Licht.

Die Blüten fühlen Mitleid, werden traurig auch, durch den Vorhang dringt die Botschaft mit dem Wind. Der Wind durchweht den Seidenvorhang, Blüten füllen den Hof, vor dem Hof macht Frühlingsfarbe das Herz verwund'.

Im moosbedeckten Hof steht das Tor nur angelehnt, an der Balustrade lehnt einsam die Gestalt. Sie weint im Ostwind an der Brüstung still, im roten Rock steht sie bei Pfirsichblüten, kalt.

Die Blütenblätter wirbeln bunt herab, frisch rot erblüht, in tiefem Grün das Laub. In Nebel eingehüllt, in Dunst versiegelt, tausend Bäume stehn, sie färben Turm und Wand in rotes Trüb.

Der Himmelsweber riss das Mandarinentenbrokattuch, vom Frühlingsrausch erwachend, schiebt sie das Korallenkissen fort. Die Zofe bringt das goldne Becken Wasser dar, im Duftquell spiegelt sich der Schminke kühler Ort.

Die Schminke glänzt — wem gleicht sie am Gesicht? Der Blüte Farbe und des Menschen Tränen sind's. Vergleicht man Tränen mit der Pfirsichblüte gar — die Träne fließt beständig, doch die Blüte strahlt beschwingt.

Mit tränenden Augen schaut sie Blüten an, die Träne trocknet bald, und ist die Träne trocken, welkt im Lenz die Blüte auch. Die welke Blüte birgt die welke Frau, die Blüte fällt, die Frau ermattet — Dämmerung bricht ein. Ein Kuckucksruf — der Frühling ist dahin, einsam der Vorhang, leer der Mondesschein.

Schatzjade las es und lobte es nicht mit Worten, doch Tränen rollten ihm die Wangen herab. Er wusste sogleich, dass es von Kajaljade stammte, und eben darum weinte er. Aus Angst, die anderen könnten es bemerken, wischte er sich schnell die Augen. Dann fragte er: „Wie seid ihr daran gekommen?"

Schatzharfe lachte: „Rate doch, wer es geschrieben hat!" Schatzjade lachte: „Natürlich das Manuskript der Herrin vom Bambushain [潇湘子]." Schatzharfe lachte: „Dabei habe ich es doch geschrieben!" Schatzjade lachte: „Das glaube ich nicht. Dieser Ton, dieser Ausdruck unterscheidet sich völlig vom Stil der Bewohnerin des Duftkrautgartens [蘅芜, Schatzspange]. Darum glaube ich es nicht."

Schatzspange lachte: „Deswegen verstehst du eben nichts davon. Hatte denn Du Fu [杜工部] etwa nur Verse wie ‚Zwei Herbste schon blühen die Astern — Tränen ferner Tage'? Er hatte ebenso ‚Rot platzt der Regen, fett die Pflaume' und ‚Wasserpflanzen, windgetrieben, grüne Bänder lang' — durchaus reizvolle Zeilen!"

Schatzjade lachte: „Das ist gewiss richtig. Aber ich weiß, dass die ältere Schwester der jüngeren niemals solch traurige Verse erlaubt hätte, und die jüngere Schwester, obwohl sie das Talent dazu besitzt, würde sie gewiss nicht schreiben. Das ist nicht wie bei Schwester Lin, die selbst Trennung und Trauer erfahren hat und darum solch klagende Töne anstimmt." Alle lachten, als sie das hörten.

Man hatte das Reisduftdorf bereits erreicht, und als man Seidenweiß Pflaume das Gedicht zeigte, lobte diese es natürlich überschwänglich. Als man auf die Dichtgesellschaft zu sprechen kam, beschloss man gemeinsam: „Morgen ist der zweite Tag des dritten Monats — dann gründen wir die Gesellschaft neu, benennen die ‚Meerzapfengesellschaft' in ‚Pfirsichblütengesellschaft' um, und Kajaljade wird die Gesellschaftsleiterin. Morgen nach dem Mittagessen versammeln wir uns alle im Bambushain."

Man begann gleich, Themen festzulegen. Kajaljade schlug vor: „Schreibt alle ein Pfirsichblütengedicht mit hundert Reimpaaren." Schatzspange wandte ein: „Das geht nicht. Es gibt seit jeher die meisten Pfirsichblütengedichte. Was man auch schreibt, es wird in ein altes Muster fallen — das lässt sich nicht mit deinem Gedicht im alten Stil vergleichen. Wir müssen uns etwas anderes überlegen."

Noch während sie sprachen, wurde gemeldet: „Die Tante Onkelfrau ist gekommen. Die Fräuleins möchten bitte herauskommen, um ihre Aufwartung zu machen." Also gingen alle nach vorn, um König Zitengs Gemahlin zu begrüßen, und man unterhielt sich mit ihr. Nachdem man gemeinsam gespeist hatte, begleitete man sie in den Garten und zeigte ihr alles. Erst nach dem Abendessen, als die Laternen angezündet wurden, ging sie.

Am nächsten Tag war Erkundefrühlings Geburtstag. Yuanchun [元春] hatte schon am frühen Morgen zwei kleine Eunuchen mit einigen Spielzeugen geschickt. Auch die gesamte Familie brachte Geburtstagsgeschenke, das versteht sich von selbst. Nach dem Mittagessen zog Erkundefrühling ihre Festkleidung an und ging überall hin, um sich zu bedanken.

Kajaljade sagte lachend zu den anderen: „Meine Gesellschaftsgründung kommt schon wieder ungelegen — ich habe ganz vergessen, dass diese Tage ihr Geburtstag ist. Auch wenn kein Fest mit Wein und Theater gefeiert wird, muss man sie doch den ganzen Tag bei der Herzoginmutter und Dame König Gesellschaft leisten lassen. Wie soll man da freie Zeit finden?" Darum verschob man es auf den fünften Tag.

An diesem Morgen, nachdem alle Schwestern in den Gemächern beim Frühstück aufgewartet hatten, traf ein Brief von Aufrecht Kaufmann [贾政] ein. Schatzjade erkundigte sich nach seinem Befinden, faltete den Brief mit den Grüßen an die Herzoginmutter auseinander und las ihr vor. Es waren nur die üblichen Grußformeln und die Mitteilung, dass er um die Mitte des sechsten Monats in die Hauptstadt zurückkehren werde. Die übrigen Familienbriefe und Geschäftsmitteilungen wurden von Kette Kaufmann und Dame König gelesen.

Als alle hörten, dass er im sechsten oder siebten Monat zurückkommen würde, freuten sich alle über die Maßen. Doch gerade in diesen Tagen war König Zitengs Tochter dem Sohn des Fürsten von Baoning zur Frau versprochen worden, und die Hochzeit war für den zehnten Tag des fünften Monats angesetzt. Phönixglanz war wieder mit den Vorbereitungen beschäftigt und drei bis fünf Tage am Stück nicht zu Hause.

An diesem Tag kam König Zitengs Gemahlin erneut, um Phönixglanz abzuholen und zugleich alle Nichten und Neffen zu einem vergnüglichen Tag einzuladen. Die Herzoginmutter und Dame König befahlen Schatzjade, Erkundefrühling, Kajaljade und Schatzspange, zusammen mit Phönixglanz mitzugehen. Niemand wagte zu widersprechen, und so gingen alle in ihre Zimmer, um sich neu zu schmücken. Die fünf verabschiedeten sich und verbrachten den Tag dort. Erst bei Laternenschein kamen sie zurück.

Als Schatzjade den Hof der Roten Freude [怡红院] betrat, ruhte er sich eine halbe Stunde aus. Dufthauch nutzte die Gelegenheit und riet ihm, sich ein wenig zu sammeln und in seiner freien Zeit die Bücher zu ordnen, um sich vorzubereiten. Schatzjade zählte an den Fingern und sagte: „Es ist noch früh genug."

Dufthauch erwiderte: „Die Bücher sind das Erste und die Schriftübungen das Zweite. Wenn es dann soweit ist, hast du vielleicht die Bücher, aber wo sind dann deine Schriftproben?" Schatzjade lachte: „Ich habe doch oft welche geschrieben — sind die nicht alle aufgehoben worden?"

Dufthauch sagte: „Natürlich habe ich sie aufgehoben. Als du gestern nicht zu Hause warst, habe ich sie herausgenommen und gezählt — es sind gerade mal fünfzig oder sechzig Stück. In drei oder vier Jahren nur so wenige Blätter? Meiner Meinung nach solltest du ab morgen alle anderen Gedanken ablegen und jeden Tag fleißig einige Blätter Schönschrift üben, um die Lücken zu füllen. Es muss zwar nicht für jeden Tag eines da sein, aber im Großen und Ganzen sollte es passabel aussehen."

Als Schatzjade das hörte, sichtete er hastig selbst alles noch einmal und erkannte, dass es wirklich nicht ausreichte. Also sagte er: „Ab morgen schreibe ich jeden Tag hundert Zeichen, dann passt es." Man sprach noch eine Weile und legte sich dann schlafen.

Am nächsten Tag stand er auf, wusch sich, kämmte sich und setzte sich unter das Fenster, rieb die Tusche an und begann in schöner Regelschrift Vorlagen abzuschreiben. Als die Herzoginmutter ihn nicht erscheinen sah, dachte sie, er sei krank, und schickte sofort jemanden, um nachzufragen. Schatzjade ging daraufhin, ihr seinen Morgengruß darzubringen, und erklärte, er habe am frühen Morgen mit dem Schreiben begonnen und sei deshalb spät gekommen.

Als die Herzoginmutter das hörte, freute sie sich sehr und befahl: „Von nun an schreibe und lies nur nach Herzenslust. Du brauchst nicht herauszukommen, wenn du nicht willst. Geh und sage es auch deiner Mutter."

Schatzjade ging zu Dame König und erklärte es ihr. Dame König sagte: „Im letzten Moment das Schwert zu wetzen, nützt auch nichts mehr. Wenn er sich jetzt so aufregt — hätte er jeden Tag ein wenig geschrieben und gelesen, wie viel ließe sich da noch schaffen! Dieses Hetzen wird ihn nur wieder krank machen."

Schatzjade beteuerte, es sei nicht so schlimm. Auch die Herzoginmutter sorgte sich, er könne sich krank hetzen. Da sagten Erkundefrühling und Schatzspange lachend: „Die Herzoginmutter braucht sich nicht zu sorgen. Die Bücher können wir ihm zwar nicht abnehmen, aber die Schriftübungen schon. Wenn jede von uns jeden Tag eine Seite für ihn abschreibt, kommen wir über diese Hürde. Erstens wird der Herr Vater bei seiner Rückkehr nicht böse, und zweitens macht er sich nicht krank vor Aufregung."

Die Herzoginmutter hörte das und freute sich grenzenlos.

Kajaljade hatte nämlich gehört, dass Aufrecht Kaufmann bei seiner Rückkehr gewiss nach Schatzjades Fortschritten fragen werde, und fürchtete, dass Schatzjade sein Herz zu sehr an andere Dinge hängte und zur Zeit der Prüfung Nachteile erleiden würde. Deshalb tat sie selbst so, als interessiere sie sich nicht dafür, rief die Dichtgesellschaft nicht ein und versuchte auch nicht, ihn mit äußeren Dingen abzulenken.

Erkundefrühling und Schatzspange übten jeden Tag eine Seite Regelschrift für Schatzjade, und Schatzjade selbst legte sich ebenfalls ins Zeug und schrieb mal zweihundert, mal dreihundert Zeichen am Tag. Bis Ende des dritten Monats hatte man wieder eine beträchtliche Anzahl zusammengebracht. An diesem Tag rechnete man durch: Noch fünfzig Seiten fehlten, und man käme gerade so über die Runden.

Da kam unerwartet Purpurkuckuck [紫鹃] herein und brachte Schatzjade eine Schriftrolle. Als er sie öffnete, waren es auf altem, öligem Bambuspapier sorgfältig abgeschriebene Fliegenkopf-Miniaturschrift im Stil von Zhong You und Wang Xizhi, und die Handschrift glich seiner eigenen bis aufs Haar. Schatzjade war so erfreut, dass er Purpurkuckuck eine tiefe Verbeugung machte und dann persönlich hinging, um sich zu bedanken.

Auch Xiangfluss-Wolke und Schatzharfe hatten je einige Seiten abgeschrieben und ihm geschenkt. Obwohl die Gesamtzahl nicht ganz die erforderliche Menge erreichte, genügte es doch zum Durchkommen. Schatzjade war beruhigt und begann daraufhin, die Bücher, die er lesen sollte, noch einmal durchzuarbeiten.

Gerade als er Tag für Tag fleißig lernte, kam es dazu, dass die Küste in der Nähe des Meeres von einer Sturmflut heimgesucht wurde, die mehrere Bezirke verwüstete. Die Provinzbeamten reichten Berichte ein, und auf kaiserlichen Befehl wurde Aufrecht Kaufmann angewiesen, auf seinem Rückweg die Hilfsmaßnahmen und Rechnungen zu überprüfen. So gerechnet, würde er erst gegen Winterende zurückkehren. Als Schatzjade davon hörte, legte er Bücher und Schriftübungen sofort wieder beiseite und trieb sich wie zuvor müßig umher.

Es war Spätfrühling, und Xiangfluss-Wolke langweilte sich. Als sie die Weidenkätzchen im Wind tanzen sah, dichtete sie spontan ein kleines Lied nach der Melodie „Wie ein Traum":

Ist es Stickgarn, das zerfasert fällt? Es rollt den halben Vorhang duftend auf. Mit zarter Hand pflückt sie es selbst — vergeblich lässt sie Kuckuck klagen, Schwalbe neiden. Halt ein, halt ein! Lass nicht den Frühlingsglanz von dannen scheiden!

Sie war mit ihrem Werk zufrieden, schrieb es auf ein Blatt Papier und zeigte es Schatzspange. Dann ging sie zu Kajaljade. Kajaljade las es und sagte lachend: „Gut! Frisch und reizvoll. Aber das könnte ich nicht."

Xiangfluss-Wolke lachte: „Bei all unseren Gesellschaftstreffen haben wir noch nie Lieder gedichtet. Warum rufst du nicht morgen ein Treffen zum Liederdichten ein — das wäre einmal etwas anderes und ganz erfrischend!" Als Kajaljade das hörte, packte sie plötzlich die Begeisterung, und sie sagte: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag! Ich werde sie sofort einladen." Damit ließ sie einige Sorten Obst und Gebäck vorbereiten und schickte zugleich Boten zu allen Eingeladenen.

Währenddessen legten die beiden Freundinnen als Thema Weidenkätzchen fest und bestimmten mehrere verschiedene Liedmelodien, die sie auf ein Blatt schrieben und an die Wand hefteten.

Als die anderen kamen und es sahen — das Thema war Weidenkätzchen, und jede sollte in einer anderen kurzen Liedmelodie dichten —, lasen sie auch Xiangfluss-Wolkes Lied und lobten es eine Weile. Schatzjade lachte: „Im Liederdichten sind wir weniger geübt, aber wir müssen uns trotzdem etwas zusammenreimen." Also zogen alle Lose.

Schatzspange zog „Am Ufer des Flusses" [临江仙], Schatzharfe „Mond über dem Westfluss" [西江月], Erkundefrühling „Melodie aus Nanke" [南柯子], Kajaljade „Tang Duoling" [唐多令] und Schatzjade „Schmetterling liebt die Blume" [蝶恋花].

Purpurkuckuck entzündete eine Stange Süßtraumräucherstäbchen, und alle versanken in Nachdenken. Bald hatte Kajaljade etwas und schrieb es nieder. Gleich darauf waren auch Schatzharfe und Schatzspange fertig. Nachdem die drei geschrieben hatten, schauten sie sich gegenseitig die Verse an. Schatzspange lachte: „Lasst mich erst eure fertig lesen, dann zeige ich meines."

Erkundefrühling rief lachend: „Oh weh! Wie schnell brennt das Räucherstäbchen heute herunter — nur noch drei Zehntel sind übrig! Ich habe erst die Hälfte!" Dann fragte sie, ob Schatzjade schon fertig sei. Schatzjade hatte zwar einiges geschrieben, war aber selbst unzufrieden, hatte alles wieder ausgestrichen und wollte neu beginnen. Als er sich umdrehte und das Räucherstäbchen ansah, war es fast niedergebrannt.

Seidenweiß Pflaume lachte: „Das zählt als verloren. Die Halbe von der Bananenschwester soll sie immerhin aufschreiben." Als Erkundefrühling das hörte, schrieb sie eilig auf. Die anderen schauten — es war nur die Hälfte einer „Melodie aus Nanke":

Lose hängen feine Fäden, Vergeblich spinnen sich die Ranken. Nicht binden noch halten lässt es sich — nach Ost und West, nach Süd und Nord mag jedes treiben, sonder Schranken.

Seidenweiß Pflaume lachte: „Das lässt sich doch gut fortsetzen — warum machst du nicht weiter?" Schatzjade sah, dass das Räucherstäbchen erloschen war, gab bereitwillig seine Niederlage zu und weigerte sich, etwas Halbherziges abzuliefern. Er legte den Pinsel hin und ging hinüber, um diese halbe Strophe zu betrachten. Als er sah, dass sie unvollendet war, regte sich gerade dadurch sein Ehrgeiz, und er nahm den Pinsel und setzte fort:

Fällt sie, so traure nicht, mein Freund, fliegt sie herbei, so weiß ich selbst Bescheid. Wenn Lerche trauert und der Schmetterling ermattet, kehrt späte Blütezeit — selbst wenn im nächsten Lenz wir uns wiedersehn, trennt uns ein ganzes Jahr an Zeit.

Alle lachten: „Deinen eigenen Teil bringst du nicht zustande, und hier fällt dir plötzlich etwas ein! Selbst wenn es gut ist, zählt es nicht." Dann lasen sie Kajaljades „Tang Duoling":

Puder fällt am Blütenstrand, Duft verwelkt am Schwalbenbau. Knäuel um Knäuel, Paar an Paar zu Ballen. Treibend wie ein Menschenleben, zart und flüchtig, in leerer Zärtlichkeit von Eleganz und Glanz zu lallen.

Selbst Gras und Bäume kennen Gram, die Jugend wird vor der Zeit weiß und grau. Ach, wer sammelt, wer verwirft in diesem Leben? Dem Ostwind angetraut — der Frühling kümmert's nicht, treibt, wie ihr wollt! Wer könnte bleiben, wer sich widersetzen?

Alle lasen es, nickten und seufzten: „Allzu traurig! Gut ist es freilich." Dann lasen sie Schatzharfes „Mond über dem Westfluss":

Am Han-Palast vereinzelt, doch begrenzt, Am Sui-Damm Tupfer ohne Zahl. Drei Frühlinge Geschäft dem Ostwind dargebracht — wie Mondlicht und Pflaumenblüte: alles nur ein Traum. An wie vielen Höfen fallen rote Blüten? Wessen Haus umweht der Duftschneehauch? Von Süd bis Nord, ein und dasselbe Los — nur wer scheiden muss, dem wiegt der Gram so schwer.

Alle sagten lachend: „Ihr Ton ist wahrlich kraftvoll. ‚An wie vielen Höfen' und ‚Wessen Haus' — diese beiden Zeilen sind am schönsten!"

Schatzspange lachte: „Aber letztlich ist auch das zu trübsinnig. Ich denke mir, Weidenkätzchen sind von Natur leichte, wurzellose, haltlose Dinge. Doch nach meiner Auffassung sollte man sie gerade schön reden — erst dann fällt man nicht in die üblichen Muster. Darum habe ich etwas zusammengereimt, das euren Geschmack vielleicht nicht trifft." Alle lachten: „Sei nicht so bescheiden! Lasst uns lesen, es ist gewiss gut." So lasen sie ihr „Am Ufer des Flusses":

Vor der weißen Jadehalle tanzt der Frühling, der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor.

Xiangfluss-Wolke lachte als Erste: „Wunderbar, dieses ‚der Ostwind wirbelt alles gleichmäßig empor'! Allein diese Zeile übertrifft alle anderen." Dann lasen sie weiter:

In Bienenschwärmen, Schmetterlingsgeschwadern bunt. Wann je folgte es dem fließenden Wasser? Muss es denn im Blütenstaub vergehen? Zehntausend Fäden, tausend Ranken bleiben unverrückt, mag es sich scharen oder trennen nach Belieben. Lacht nicht, Jugendglanz, über das Fehlen jeder Wurzel — wenn guter Wind mir häufig Kraft verleiht, trägt er mich hinauf zu den Wolken!

Alle schlugen auf den Tisch und riefen begeistert: „Wahrhaftig, großartig gewendet! Natürlich in Kraft und Schwung — dieses Lied gebührt der erste Platz. In wehmütiger Innigkeit muss man der Herrin vom Xiaoxiang den Vorrang lassen, in anmutiger Zierlichkeit der Kissennebelschönen [枕霞, Xiangfluss-Wolke], und die kleine Schnee [Schatzharfe] sowie die Bananengästin [蕉客, Erkundefrühling] sind heute durchgefallen und müssen bestraft werden."

Schatzharfe lachte: „Wir nehmen unsere Strafe hin — aber was geschieht mit dem, der ein leeres Blatt abgegeben hat?" Seidenweiß Pflaume sagte: „Keine Eile — den bestrafen wir erst recht schwer. Beim nächsten Mal dient es als Beispiel."

Noch war das Wort nicht zu Ende gesprochen, als draußen am Fenster auf dem Bambus ein Geräusch ertönte, als wäre ein Fensterladen umgekippt, und alle erschraken. Als die Mägde hinausgingen, um nachzusehen, rief eine Magd draußen vor dem Vorhang: „Ein großer Schmetterlings-Drachen hat sich in der Bambusspitze verfangen!"

Die Mägde lachten: „Was für ein hübscher Drachen! Wer weiß, wem die Schnur gerissen ist — holt ihn herunter!" Als Schatzjade und die anderen das hörten, kamen sie alle heraus, um ihn zu betrachten. Schatzjade lachte: „Ich kenne diesen Drachen. Das ist der von Fräulein Jiaohong [娇红] aus dem Hof des Großen Herrn. Nehmt ihn herunter und bringt ihn ihr zurück."

Purpurkuckuck lachte: „Als gäbe es auf der ganzen Welt nicht zwei gleiche Drachen und nur sie hätte einen solchen! Mir ist es egal, ich nehme ihn mir." Erkundefrühling sagte: „Purpurkuckuck wird auch knauserig! Ihr habt doch selbst welche. Jetzt einen aufzulesen, den jemand hat fliegen lassen — fürchtet ihr euch nicht vor dem bösen Omen?"

Kajaljade lachte: „Ganz recht! Man weiß ja nicht, wer sein Unglück damit hat fliegen lassen wollen. Werft ihn schnell hinaus! Holt unsere eigenen heraus, dann lassen auch wir unser Unglück fliegen!" Als Purpurkuckuck das hörte, befahl sie den kleinen Mägden, den Drachen hinauszubringen und den diensthabenden Frauen am Gartentor zu geben, damit sie ihn zurückgeben könnten, falls jemand danach suchen sollte.

Die kleinen Mägde drinnen hatten das Wort „Drachensteigen" gehört und konnten es kaum erwarten. Sie machten sich mit Händen und Füßen daran, einen Schönheitsdrachen herauszuholen. Einige schleppten hohe Hocker herbei, andere banden die Schnurkreuze, wieder andere wickelten die Haspeln. Schatzspange und die anderen standen alle am Hoftor und befahlen den Mägden, draußen auf dem freien Platz die Drachen steigen zu lassen.

Schatzharfe lachte: „Deiner ist nicht besonders hübsch — der große Phönix mit den weichen Flügeln von der dritten Schwester ist schöner." Schatzspange lachte: „Allerdings!" Dann wandte sie sich lachend an Jadtusche [翠墨] und sagte: „Hol euren auch, dann lasst ihn steigen!" Jadtusche ging vergnügt los, um ihn zu holen.

Schatzjade geriet auch in Begeisterung und schickte eine kleine Magd nach Hause mit dem Auftrag: „Hol den großen Fisch, den mir Verwalterin Lai Da gestern geschenkt hat." Das Mädchen war lange fort und kam mit leeren Händen zurück. Lachend sagte es: „Fräulein Heitermuster hat ihn gestern schon fliegen lassen."

Schatzjade rief: „Ich habe ihn noch nicht ein einziges Mal steigen lassen!" Erkundefrühling lachte: „Immerhin hat sie dein Unglück für dich fliegen lassen." Schatzjade sagte: „Na gut. Dann bringt den großen Krebs!" Die Magd ging und kam mit mehreren Leuten zurück, die einen Schönheitsdrachen und eine Haspel trugen. „Fräulein Dufthauch lässt ausrichten, den Krebs habe sie gestern dem Dritten Herrn [贾环] gegeben. Diesen hier hat Verwalterin Lin gerade erst gebracht — lasst diesen steigen."

Schatzjade betrachtete ihn genau — der Schönheitsdrachen war äußerst kunstvoll gearbeitet. Erfreut befahl er, ihn steigen zu lassen. Inzwischen hatte auch Erkundefrühling ihren holen lassen, und Jadtusche war mit einigen kleinen Mägden auf dem Hügel drüben schon beim Steigenlassen. Schatzharfe befahl ebenfalls, ihre große rote Fledermaus zu holen. Auch Schatzspange war in Hochstimmung und ließ ihren holen — es war eine Kette von sieben großen Wildgänsen, und alle wurden in die Luft gelassen.

Nur Schatzjades Schönheitsdrachen wollte nicht steigen. Schatzjade sagte, die Mägde könnten nicht damit umgehen, und versuchte es selbst eine halbe Stunde lang, aber der Drachen stieg nur bis Dachhöhe und fiel wieder herunter. Vor Aufregung brach Schatzjade der Schweiß aus, und alle lachten.

Schatzjade warf den Drachen wütend auf den Boden und deutete mit dem Finger darauf: „Wäre es keine Schönheit, würde ich sie mit den Füßen zertrampeln!" Kajaljade lachte: „Das liegt an der Hauptschnur — sie ist nicht gut. Lass sie hinausbringen und von jemandem die Hauptschnur neu binden!" Schatzjade schickte jemanden los, um die Schnur neu binden zu lassen, und nahm sich inzwischen einen anderen Drachen zum Steigenlassen. Alle blickten hinauf: Die Drachen am Himmel waren schon hoch in die Lüfte gestiegen.

Bald darauf brachten die Mägde noch viele verschiedenartig gestaltete Drachen, und man spielte eine Weile. Purpurkuckuck lachte: „Diesmal ist der Wind stark — Fräulein, kommt und lasst ihn los!" Als Kajaljade das hörte, stützte sie ihre Hand mit einem Taschentuch, gab einmal kräftig Zug, und tatsächlich war der Wind stark. Sie übernahm die Haspel und ließ, der Zugkraft des Drachens folgend, die Haspel los. Ein reißendes Rattern ertönte, und im Nu war die Schnur der Haspel abgelaufen.

Kajaljade lud die anderen ein, ihre Drachen loszulassen. Alle lachten: „Jede hat ihren eigenen — bitte, fang du an!" Kajaljade lachte: „Loslassen macht zwar Spaß, aber es tut mir doch leid." Seidenweiß Pflaume sagte: „Drachensteigen ist doch für dieses Vergnügen da. Darum sagt man auch, man lässt sein Unglück fliegen. Du solltest umso mehr loslassen — nimm deine Krankheitswurzeln alle mit fort!"

Purpurkuckuck lachte: „Unser Fräulein wird immer geiziger! Jedes Jahr lässt sie ein paar steigen, und jetzt tut ihr das Herz plötzlich weh. Wenn das Fräulein nicht loslässt, dann lasse ich los." Damit nahm sie Schneegans [雪雁] eine kleine silberne Schere westlicher Machart aus der Hand, setzte sie direkt an der Haspelwurzel an, so dass nicht ein Fingerbreit Schnur übrig blieb, und — ratsch! — schnitt sie durch. Lachend rief sie: „Damit fliegt auch die Krankheit mitsamt allen Wurzeln davon!"

Der Drachen taumelte und schwankte und entfernte sich immer weiter. Bald war er nur noch so groß wie ein Hühnerei, einen Augenblick später nur noch ein schwarzer Punkt, und nach einem weiteren Augenblick war er verschwunden. Alle reckten die Hälse, kniffen die Augen zusammen und riefen: „Wie herrlich, wie herrlich!"

Schatzjade sagte: „Schade, dass man nicht weiß, wo er herunterkommt. Fällt er dort, wo Menschen wohnen, und finden Kinder ihn, so ist es noch gut. Fällt er aber in einer wüsten, menschenleeren Gegend nieder, fühle ich seine Einsamkeit mit. Bei dem Gedanken will ich auch meinen loslassen, damit die beiden Gefährten füreinander haben." Also schnitt auch er die Schnur durch und ließ seinen Drachen genauso fliegen.

Gerade wollte Erkundefrühling ihre Phönixschnur durchschneiden, da entdeckte sie am Himmel noch einen zweiten Phönix und sagte: „Von wem der wohl stammt?" Alle lachten: „Warte noch mit dem Abschneiden! Es sieht so aus, als wollten sie sich miteinander verheddern."

Tatsächlich kam der andere Phönix immer näher und verstrickte sich mit Erkundefrühlings Phönix. Man wollte die Schnur einholen, doch der andere Besitzer tat dasselbe. Noch während sie im Gerangel waren, tauchte ein riesiger, türflügelgroßer, kunstvoll gearbeiteter Doppelfreude-Drachen mit Rasselpeitsche auf, dessen Klang am Himmel wie Glockengeläut dröhnte, und näherte sich ebenfalls.

Alle lachten: „Der will sich wohl auch verheddern! Holt die Schnur nicht ein — wenn sich alle drei verknoten, ist es erst richtig lustig!" Und tatsächlich verschlang sich der Doppelfreudedrachen mit den beiden Phönixen. Man zerrte und ruckte von drei Seiten, doch plötzlich rissen alle Schnüre zugleich, und die drei Drachen segelten schwankend davon.

Alle klatschten in die Hände und lachten laut: „Wie lustig! Aber wem gehört wohl der Doppelfreudedrachen? Der hat sich ganz schön frech benommen!" Kajaljade sagte: „Meinen Drachen habe ich auch fliegen lassen, und ich bin müde — ich gehe mich ausruhen." Schatzspange sagte: „Wartet noch, bis auch wir unsere losgelassen haben, dann können wir alle auseinandergehen."

Nachdem man zugesehen hatte, wie auch die Schwestern ihre Drachen fliegen ließen, trennte man sich. Kajaljade ging in ihr Zimmer und legte sich hin, um zu ruhen.

Wer wissen will, wie es weiterging, erfahre es im nächsten Kapitel.

  1. Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, zweiter Sohn von Begnadigung Kaufmann.
  2. Herzoginmutter: Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die alte Matriarchin des Kaufmann-Hauses.
  3. Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, die gewiefte Ehefrau von Kette Kaufmann.
  4. Dame König: Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, Ehefrau von Aufrecht Kaufmann.
  5. Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, die treue Leibmagd der Herzoginmutter.
  6. Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, der Hauptheld des Romans.
  7. Xiangfluss-Wolke: Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine lebhafte, fröhliche und dichtbegabte Cousine.
  8. Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, die empfindsame Cousine von Schatzjade.
  9. Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, die tugendhafte und kluge Tochter der Tante Schnee.