Difference between revisions of "Xue Mo Desert Daughters/de/Chapter 14"

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Sie erschauerte und dachte: Wann wird es endlich Tag? Lanlan sagte: Komm lieber wieder nach innen, ich bin draußen gewöhnt. Yinger weigerte sich: Du bist auch aus Fleisch und Blut. Lanlan umarmte sie fest und sagte: Lass uns lieber reden. Wenn wir jetzt einschlafen, könnten wir im Schlaf erfrieren. Yinger sagte: Einverstanden. Doch als sie wirklich sprechen wollten, fiel ihnen nichts ein, und sie suchten sich planlos Themen zusammen. Nach einer Weile fanden beide es langweilig.
 
Sie erschauerte und dachte: Wann wird es endlich Tag? Lanlan sagte: Komm lieber wieder nach innen, ich bin draußen gewöhnt. Yinger weigerte sich: Du bist auch aus Fleisch und Blut. Lanlan umarmte sie fest und sagte: Lass uns lieber reden. Wenn wir jetzt einschlafen, könnten wir im Schlaf erfrieren. Yinger sagte: Einverstanden. Doch als sie wirklich sprechen wollten, fiel ihnen nichts ein, und sie suchten sich planlos Themen zusammen. Nach einer Weile fanden beide es langweilig.
  
Ringsum war alles stockfinster; auch das Herz war von Schwärze durchtränkt. Der Regen hatte etwas nachgelassen. Lanlan sagte: Komm, zünden wir die Sturmlaterne an. Sie zog ihr Unterhemd aus und bat Yinger, den Regen abzuhalten – sie befürchtete, dass Regentropfen auf dem heißen Lampenschirm das Glas zersprengen könnten. Lanlan tastete im Dunkeln nach der Sturmlaterne und suchte dann eine ganze Weile, bis sie das Feuerzeug fand. Gasfeuerzeuge waren wirklich großartig – ein Funke, und in der Nacht leuchtete ein Lichtball auf. Allerdings kostete es einige Mühe, die Flamme in die Laterne zu bringen. Das Feuerzeug war zu dick, um an den Docht der Sturmlaterne heranzukommen. Schließlich drehte Yinger etwas Kamelhaar zusammen, tränkte es mit Petroleum und brachte die Sturmlaterne zum Leuchten.
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Ringsum war alles stockfinster; auch das Herz war von Schwärze durchtränkt. Der Regen hatte etwas nachgelassen. Lanlan sagte: Komm, zünden wir die Sturmlaterne an. Sie zog ihr Unterhemd aus und bat Yinger, den Regen abzuhalten – sie befürchtete, dass Regentropfen auf dem heißen Lampenschirm das Glas zersprengen könnten. Lanlan tastete im Dunkeln nach der Sturmlaterne und suchte dann eine ganze Weile, bis sie das Feuerzeug fand. Gasfeuerzeuge waren wirklich großartig – ein Funke, und in der Nacht leuchtete ein Lichtball auf. Allerdings kostete es einige Mühe, die Flamme in die Sturmlaterne zu bringen. Das Feuerzeug war zu dick, um an den Docht der Sturmlaterne heranzukommen. Schließlich drehte Yinger etwas Kamelhaar zusammen, tränkte es mit Petroleum und brachte die Sturmlaterne zum Leuchten.
  
 
Licht war wunderbar. Yinger spürte sofort Wärme. Sie warf das regenabweisende Unterhemd weg, beugte sich vor und stellte die Sturmlaterne an ihre Brust, sodass der Regen nicht auf die Lampe fallen konnte. Trotz des widerlichen Petroleumgeruchs war Yinger glücklich. Sie stellte fest, dass die Sturmlaterne nicht nur beleuchten, sondern auch wärmen konnte. Sie legte die Hand auf das Blech des Glaszylinders, und ein warmer Strom verwandelte sich in etwas Lebendiges – erst kroch er in die Handfläche, dann den Arm entlang ins Herz. Sie rief: Lanlan, komm schnell, wir wärmen uns!
 
Licht war wunderbar. Yinger spürte sofort Wärme. Sie warf das regenabweisende Unterhemd weg, beugte sich vor und stellte die Sturmlaterne an ihre Brust, sodass der Regen nicht auf die Lampe fallen konnte. Trotz des widerlichen Petroleumgeruchs war Yinger glücklich. Sie stellte fest, dass die Sturmlaterne nicht nur beleuchten, sondern auch wärmen konnte. Sie legte die Hand auf das Blech des Glaszylinders, und ein warmer Strom verwandelte sich in etwas Lebendiges – erst kroch er in die Handfläche, dann den Arm entlang ins Herz. Sie rief: Lanlan, komm schnell, wir wärmen uns!
  
Die Sturmlaterne war wunderbar. Die Wärme war zwar begrenzt, aber es war immerhin Wärme. Die Schwägerinnen beugten sich vor, schirmten zugleich die Laterne ab und wärmten sich. Nach einer Weile stellten sie fest, dass die Hände zwar nicht mehr froren, der Körper aber, der sich vom Kamelrücken entfernt hatte, zu zittern begann. Yinger bemerkte zufällig, dass Regentropfen auf dem Lampenschirm zuerst einen nassen Fleck bildeten und dann allmählich verdampften. Sie sagte: Keine Sorge, der Schirm ist nicht zu heiß, er wird nicht zerspringen. Lanlan berührte versuchsweise den Schirm und wollte die Hand danach nicht mehr wegnehmen.
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Die Sturmlaterne war wunderbar. Die Wärme war zwar begrenzt, aber es war immerhin Wärme. Die Schwägerinnen beugten sich vor, schirmten zugleich die Sturmlaterne ab und wärmten sich. Nach einer Weile stellten sie fest, dass die Hände zwar nicht mehr froren, der Körper aber, der sich vom Kamelrücken entfernt hatte, zu zittern begann. Yinger bemerkte zufällig, dass Regentropfen auf dem Lampenschirm zuerst einen nassen Fleck bildeten und dann allmählich verdampften. Sie sagte: Keine Sorge, der Schirm ist nicht zu heiß, er wird nicht zerspringen. Lanlan berührte versuchsweise den Schirm und wollte die Hand danach nicht mehr wegnehmen.
  
 
So lehnten sie sich wieder mit dem Rücken ans Kamel – Yinger umfasste das Blech, Lanlan den Glasschirm – und sie verspürten ein himmlisches Wohlbehagen.
 
So lehnten sie sich wieder mit dem Rücken ans Kamel – Yinger umfasste das Blech, Lanlan den Glasschirm – und sie verspürten ein himmlisches Wohlbehagen.

Revision as of 12:21, 8 April 2026

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Lanlans Körper schwankte, ihre Schritte waren unsicher; sie zerrte den Kamelkopf immer wieder nach unten. Yinger ahnte Unheil: Wenn ihnen die Kraft ausging, drohte die Gefahr, lebendig im Treibsand begraben zu werden.

Plötzlich sah sie, wie Lanlan die Kamelzügel fallen ließ und sich auf den Sand setzte. Es sah aus wie „Sich-Querstellen“ – auch „den toten Hund spielen“ genannt.

Das war die Geheimwaffe der Frauen von Liangzhou. Liangzhou hatte einige landesweit berühmte Justizirrtümer hervorgebracht, und die spätere Rehabilitation war den Frauen zu verdanken, die „den toten Hund spielten“. Als alle Eingaben und Beschwerden im Nichts versickert waren, gingen die Frauen hin und klammerten sich an die Beine des Parteisekretärs – und so wurden die Fälle rehabilitiert. Wollte Lanlan diese Taktik etwa gegen den Himmel einsetzen? Gerade als Yinger sich wunderte, hörte sie Lanlan rufen: Schnell, leg dich hin! Yinger zögerte noch, da war der Treibsand schon über die Knöchel gestiegen. Lanlan rief nochmals: Schnell, leg dich hin! Yinger verstand und ließ sich fallen. Der Treibsand wogte unter ihr. Sie bewegte vorsichtig den Körper und trieb tatsächlich auf dem Treibsand.

Das Kamel aber stand stumpf da. Lanlan rief mehrmals, doch das Kamel reagierte nicht. Der Treibsand nutzte die Gelegenheit und kroch heran, überflutete bald die Sohlen, dann die Unterschenkel. Lanlan rief: „Nieder! Nieder!“ – der Befehl für das Kamel, sich zu legen. Doch das Kamel war vor Schreck erstarrt. Kurz darauf sah Yinger, die mit dem Treibsand abtrieb, dass der Sand bald bis zum Bauch des Kamels reichte.

Der Regen prasselte weiter, doch im Westen wurde es heller. Gen Westen blickend verwandelten sich die Regenvorhänge in Rauchschwaden, die von der Wüste gen Himmel stiegen. Anderswo war alles verschwommen, als hätte sich ein Teil des Regens in Dampf verwandelt. Yinger war es gleichgültig. Ihr Herz wurde leichter, denn das Gefühl, vom Treibsand getragen zu werden, war wunderbar – fast vergleichbar mit dem Schwimmen auf einer Sanddüne. Sie stellte fest, dass der Treibsand gar nicht so furchtbar war; sein spezifisches Gewicht war höher als das von Sole – selbst wenn er sie hätte ertränken wollen, wäre er dazu nicht imstande gewesen.

Allerdings – an einer sehr steilen Düne, bei einer Sturzflut etwa, wäre es anders. Dann würde der Treibsand wie ein Erdrutsch Häuser zerdrücken und Bäume verschütten, und er könnte nach Belieben wüten.

Yinger wischte sich den Regen aus dem Gesicht und drehte den Kopf zum Kamel. Das Kamel schaute sie hilflos an. Yinger dachte: Wahrscheinlich hat der Treibsand seine Beine festgesaugt, und es steckt fest. Es half nichts – man musste es dem Schicksal überlassen. Immerhin zeigte sich am Himmel ein Lichtschimmer, und im Westen schimmerte ein schwaches Rot durch.

An einer etwas flacheren Stelle hielten die beiden an. Yinger versuchte, sich aufzusetzen, und stellte fest, dass man auch im Sitzen nicht einsank. Sie war auch zu müde, um sich zu bewegen. In der Panik vorhin hatte sich die Kälte zurückgezogen. Jetzt kehrte sie zurück, und die Zähne klapperten. An den bloßen Armen stand eine blaugrüne Gänsehaut, farblich Lanlans Gesicht nicht unähnlich. Sie dachte: Wenn es die ganze Nacht regnete, würden sie erfrieren. Sie hatten zwar ein Feuerzeug, aber wo sollten sie trockenes Holz finden?

Yinger dachte: Das war wahrhaftig eine Leidensreise des Lebens. Auf dem Hinweg hatte es Hoffnung gegeben, doch Raubtiere und erbarmungslose Sonne waren ihnen wie Schatten gefolgt.

Das Leben war zu einer Seifenblase geworden, die im Wind tanzte und jederzeit zu platzen drohte. Auf dem Rückweg war die Hoffnung dahin, der Traum zerbrochen, und übrig blieben nur Erschöpfung und Wunden am ganzen Körper. Dieser eisige Regen und die Kälte waren zu ihrem eigenen Schatten geworden. … Und der Ort, zu dem sie jetzt unterwegs waren, war einer, bei dessen bloßem Gedanken ihr die Knie weich wurden. Es gab wirklich nichts mehr zu erhoffen.

Eine Weile in Benommenheit, dann setzte sich Yinger auf. Das Rot am Westberg war verschwunden, der Regen hatte etwas nachgelassen. Auch der Treibsand war fort. Lanlan war zusammengesunken auf dem Sand eingeschlafen. Aus Angst, sie könnte sich erkälten, weckte Yinger sie. Beide sprachen kein Wort; sie saßen eine Weile stumm da und krochen dann zum Kamel. Als sie nah genug waren, sahen sie, dass die Beine des Kamels völlig vom Sand begraben waren. Lanlan zerrte ein paar Mal am Zügel. Das Kamel bewegte sich, wollte aufstehen, schien aber zu schwach dafür.

Die beiden riefen ein paar Mal, das Kamel reckte den Hals und drehte sich, doch die Beine rührten sich nicht. Der Kampf des Körpers gegen die Kälte hatte alle Energie aufgezehrt; beide waren am Ende ihrer Kräfte. Lanlan sagte: Lassen wir es. Wir übernachten hier und befreien morgen seine Beine.

Es gab ohnehin oben keinen Platz zum Ausruhen. So aßen sie noch etwas vom regendurchweichten klebrigen Fladenbrot und gaben dem Kamel Salz. Bei seinem Kauen – knarsch, knarsch – lehnten sich die beiden an den Kamelkörper und schliefen ein.

66

Irgendwann wurde Yinger von der Kälte geweckt. Der Bergwind blies scharf wie kaltes fließendes Wasser. Es regnete noch, aber viel weniger. Nur die Nässe der Kleidung war schwer zu ertragen; wo man am Kamelkörper lehnte, gab es noch etwas Wärme, doch überall sonst drang die Kälte bis auf die Knochen. Yingers Hals tat sehr weh, und sie zitterte stoßweise. Sie dachte: Wenn ich mich erkälte, ist das gar nicht gut. Sie rieb sich die Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger, drückte die Schläfen und streckte die Fingergelenke. Sie dachte: Bloß nicht krank werden. Wenn ich krank werde, mache ich Lanlan Schwierigkeiten.

Dann dachte sie: Herrgott, selbst wenn du mich sterben lassen willst, muss ich wenigstens warten, bis ich zu Hause bin. Wenn mir jetzt etwas zustößt, belaste ich Lanlan. Obwohl sie nicht wirklich an die Vajravarahi glaubte, betete sie dennoch.

Lanlan nieste laut und wachte auf. Sie tastete sich heran, setzte sich in Yingers Schoß und lehnte sich fest an sie. Yinger verstand, dass Lanlan sie vor der Kälte schützen wollte, und war etwas verlegen. Lanlan sagte: Irgendjemand muss dem Wind trotzen, egal wer. Yinger sagte: Gut, wir wechseln uns ab mit dem Warmhalten. Da Lanlan vorn und das Kamel hinten war, wurde Yinger etwas wärmer. Sie drückte Lanlan fest an sich, wie eine Mutter ihr Baby hält. So konnte Lanlans Rücken etwas wärmer bleiben.

Es war sehr dunkel, keine Sterne zu sehen. Die Regentropfen waren kleiner als zuvor, aber dicht. Das Wasser in ihren Gesichtern trocknete nie. Immerhin übertrug sich die Körperwärme des Kamels auf Yinger. Nachdem Yinger sich eine Weile gewärmt hatte, ließ sie Lanlan sich an den Kamelrücken lehnen und hielt sie ihrerseits fest. Lanlan wollte nicht, konnte sich aber gegen Yingers Dickköpfigkeit nicht durchsetzen. Yinger dachte: Vielleicht ist das, was man „aufeinander angewiesen sein“ nennt.

In der Ferne zeigten sich noch Blitze, und man konnte leises Donnergrollen hören. Das Kamel stieß schwaches Stöhnen aus, wie ein Sterbender, der den letzten Atem aushauchte. Vorn und hinten konnte man sich abwechselnd wärmen, doch der Hintern auf dem Sand war eiskalt. Lanlan sagte: Jetzt wünsche ich mir nicht mal mehr einen warmen Kang – ein Strohballen würde genügen. Yinger lächelte bitter.

Lanlan sagte: Ich habe festgestellt, dass du mir in diesem Leben am nächsten stehst. Vater und Mutter sind mir zwar auch nahe, aber sie sind sie und ich bin ich. Sie können nicht in mein Herz eindringen und können mich nicht begleiten. Du aber hast mit mir Leben und Tod durchgestanden; du kannst mich nicht im Stich lassen, und ich kann dich nicht im Stich lassen. Ist das nicht die engste Verbundenheit? Yinger sagte: Mir geht es genauso. Wenn ich es recht bedenke, hat der Himmel es gar nicht so schlecht mit uns gemeint – er hat uns einander als Gefährtinnen gegeben. Selbst wenn wir sterben, sind wir keine einsamen Geister. Auf dieser Welt gibt es wer weiß wie viele einsame Geister, die einsam leben und einsam sterben.

Lanlan sagte: Hör auf, ständig vom Tod zu reden. Dieser Körper aus Fleisch mag eine Last sein, doch er ist auch ein großer Schatz. Durch ihn wird man Buddha, durch ihn wird man Patriarch. Ohne ihn bist du nur ein Windstoß und kannst nichts vollbringen. Yinger sagte: Aber manchmal, wenn dieser Körper verkommt, verkommt auch der Mensch. Wenn du nicht verkommen willst, musst du erst diesen Körper loswerden. Lanlan sagte: Was redest du da? Sie seufzte tief und sagte: Yinger, versprich mir eines – wir haben schon Leben und Tod durchgemacht, und selbst die Schakale, so wild sie waren, konnten uns nicht das Leben entreißen. Was auch immer uns begegnet, wir müssen weiterleben. Denk bitte nicht ans Sterben, ja?

Yinger schwieg und seufzte. Erst nach einer langen Weile sagte sie: Manchmal denke ich, das Menschsein ist wirklich sinnlos. Ein paar Jahrzehnte mehr zu leben heißt nur, ein paar Jahrzehnte länger ein Ochse zu sein. Am Ende verwandelt man sich von einem frischen, klaren Mädchen in eine geschwätzige, nervige Schwiegermutter – was soll daran gut sein?

Lanlan sagte: Das kommt darauf an, wie man es betrachtet. Wer nur dahinvegetiert, dem fehlt natürlich der Sinn. Aber wer den geistigen Weg geht? Hast du vom Lama Thang Tong gehört? Er war ein Meister der Shangpa-Kagyü-Tradition und verwandte sein ganzes Leben darauf, Brücken zu bauen. Damals musste man sich an Seilen über den Fluss hangeln, und jedes Jahr ertranken hundert Leute. Vor dem Brückenbau war Thang Tong nur ein gewöhnlicher Lama. Danach wurde er ein großer Heiliger – man sagte, sein Verdienst leuchtete wie Sonne und Mond.

Yinger sagte: Dass andere so viel vollbringen, liegt daran, dass sie große Kraft besitzen. Wie du und ich – wir heißen zwar Menschen, sind aber nicht einmal einem etwas Drachen wert. Ich will auch keine Heilige sein. Ich will nur wie ein Mensch leben, ein klein bisschen freier, meine eigenen Gedanken denken, Arbeit tun, die ich gern tue, und eine Hoffnung bewahren. Stattdessen ist es, als wäre ich in eine Schakalsgrube gefallen – der eine will reißen, der andere nagen, alle wollen dich in die Jauchegrube zerren, alle wollen deinen Körper schwärzen. Und wenn du einen Moment unachtsam bist, schwärzen sie nicht nur den Körper, sondern auch das Herz. Manchmal kann man eben nicht einfach tun, was man will. Wenn ein riesiger Mühlstein sich dreht und du unvorsichtig rollst, kannst du ins Mühlenauge geraten und wirst zu Staub gemahlen. – Bei diesen Worten wurde Lanlan still. Im Stillen dachte sie: War das Ziel der Übung nicht gerade, aus diesem Mühlstein herauszuspringen und das Herz vor dem Geschwärztwerden zu bewahren? Doch sie wusste nicht, wie sie das erklären sollte, und sagte daher nichts.

Yinger tauschte mit Lanlan den Platz und fühlte sich sofort, als wäre sie in eine Eiskammer gestürzt. Der Wind wehte ihr direkt ins Herz, scheinbar ohne jedes Hindernis.

Sie erschauerte und dachte: Wann wird es endlich Tag? Lanlan sagte: Komm lieber wieder nach innen, ich bin draußen gewöhnt. Yinger weigerte sich: Du bist auch aus Fleisch und Blut. Lanlan umarmte sie fest und sagte: Lass uns lieber reden. Wenn wir jetzt einschlafen, könnten wir im Schlaf erfrieren. Yinger sagte: Einverstanden. Doch als sie wirklich sprechen wollten, fiel ihnen nichts ein, und sie suchten sich planlos Themen zusammen. Nach einer Weile fanden beide es langweilig.

Ringsum war alles stockfinster; auch das Herz war von Schwärze durchtränkt. Der Regen hatte etwas nachgelassen. Lanlan sagte: Komm, zünden wir die Sturmlaterne an. Sie zog ihr Unterhemd aus und bat Yinger, den Regen abzuhalten – sie befürchtete, dass Regentropfen auf dem heißen Lampenschirm das Glas zersprengen könnten. Lanlan tastete im Dunkeln nach der Sturmlaterne und suchte dann eine ganze Weile, bis sie das Feuerzeug fand. Gasfeuerzeuge waren wirklich großartig – ein Funke, und in der Nacht leuchtete ein Lichtball auf. Allerdings kostete es einige Mühe, die Flamme in die Sturmlaterne zu bringen. Das Feuerzeug war zu dick, um an den Docht der Sturmlaterne heranzukommen. Schließlich drehte Yinger etwas Kamelhaar zusammen, tränkte es mit Petroleum und brachte die Sturmlaterne zum Leuchten.

Licht war wunderbar. Yinger spürte sofort Wärme. Sie warf das regenabweisende Unterhemd weg, beugte sich vor und stellte die Sturmlaterne an ihre Brust, sodass der Regen nicht auf die Lampe fallen konnte. Trotz des widerlichen Petroleumgeruchs war Yinger glücklich. Sie stellte fest, dass die Sturmlaterne nicht nur beleuchten, sondern auch wärmen konnte. Sie legte die Hand auf das Blech des Glaszylinders, und ein warmer Strom verwandelte sich in etwas Lebendiges – erst kroch er in die Handfläche, dann den Arm entlang ins Herz. Sie rief: Lanlan, komm schnell, wir wärmen uns!

Die Sturmlaterne war wunderbar. Die Wärme war zwar begrenzt, aber es war immerhin Wärme. Die Schwägerinnen beugten sich vor, schirmten zugleich die Sturmlaterne ab und wärmten sich. Nach einer Weile stellten sie fest, dass die Hände zwar nicht mehr froren, der Körper aber, der sich vom Kamelrücken entfernt hatte, zu zittern begann. Yinger bemerkte zufällig, dass Regentropfen auf dem Lampenschirm zuerst einen nassen Fleck bildeten und dann allmählich verdampften. Sie sagte: Keine Sorge, der Schirm ist nicht zu heiß, er wird nicht zerspringen. Lanlan berührte versuchsweise den Schirm und wollte die Hand danach nicht mehr wegnehmen.

So lehnten sie sich wieder mit dem Rücken ans Kamel – Yinger umfasste das Blech, Lanlan den Glasschirm – und sie verspürten ein himmlisches Wohlbehagen.

Lanlan regulierte die Flammengröße je nach der Hitze, die ihre Hände aushielten: Wenn der Schirm nicht mehr warm genug war, drehte sie den Docht höher; wenn die Hand die Hitze nicht mehr ertrug, drehte sie ihn herunter. Die Wärme der Flamme war zwar auch begrenzt, doch beide waren sehr zufrieden.

Allmählich wurde es hell, und die Schwägerinnen aßen Fladenbrot mit wildem Schnittlauch. Sie versuchten, das Kamel hochzuziehen, stellten aber fest, dass die Sogkraft des nassen Sandes immer noch sehr stark war und das Kamel aus eigener Kraft die Beine nicht herausbekam. Lanlan sagte: Wenn niemand zu Hilfe kommt, wird dieses Kamel verdursten und verhungern. Wenn man es bedachte, war der Treibsand eigentlich gar nicht so schrecklich – man durfte nur nicht mit dem ganzen Körper darin versinken. Versank man, und die Sonne trocknete einen – dann war man Trockenfleisch.

Nachdem die beiden lange gegraben und den nassen Sand um die Kamelbeine entfernt hatten, trieben sie es mit ein paar Rufen aus der Grube. Kaum befreit, stieß das Kamel vor Freude ein paar Laute aus. Yinger sah, dass das meiste Salz auf dem Kamelrücken vom Regen aufgelöst war – die Fasersäcke waren platt. Sie empfand kein Bedauern; nach Leben und Tod, nach Wind und Regen hatte sie vieles gelassen betrachten gelernt. Ob das Ermüdung des Herzens war oder Altern, jedenfalls war das Herz stumpf geworden; selbst Himmel und Erde bewegende Dinge schienen keine Dinge mehr zu sein. Auch gut – meistens konnte dein Herz nur dich selbst quälen; die Welt ändern konnte es nicht. Da war es besser, das Herz stumpf bleiben zu lassen.

Später sagte Lanlan, dass sie in jener kalten, feuchten Nacht nur wegen der Sturmlaterne nicht erfroren waren.

67

Yinger und Lanlan kehrten ins Dorf zurück, ohne großes Aufsehen zu erregen. Die Herzen der Menschen waren vom Gold besetzt. Shuangfu hatte mit über zehn Leuten in den Sandbuchten am Weißen Tigerpass Goldgruben eröffnet. Am Anfang glaubte niemand, dass es an dieser Stelle Gold geben könnte. Als Shuangfu Sandarbeiter anwerben wollte, zeigten die Leute wenig Interesse. Doch als tatsächlich Gold gefunden wurde, gerieten die Dorfbewohner in Aufruhr. Wer etwas Kapital hatte – wie etwa Zhao San – eröffnete ebenfalls eine Goldgrube. Es hieß, Shuangfus Frau habe früher verkündet, alle Gruben unter ihrem Namen verkaufen zu wollen, und hatte damit Scharen von „Goldsüchtigen“ angelockt. Der Maschinenlärm brandete wie die Flut und wühlte zusammen mit Geschichten über Gold und die Stadt die Herzen der Menschen auf. Niemand kümmerte sich um die Geschichte zweier schwacher Frauen.

Nur Laoshun trauerte tagelang. Solch ein prächtiges Kamel, das zum Zuchtkamel getaugt hätte, war den Schakalen zum Fraß geworden. Der Schmerz wühlte ständig in seinem Herzen. Doch er betrauerte es nur heimlich; kein Wort kam über seine Lippen. Er ließ Lanlan und die andere nur für das Kamelhaar aufkommen, erwähnte aber sein eigenes Kamel nicht mehr. In seinen Augen war dies ein weiteres Unglück, das der Himmel geschickt hatte, und er würde es allein tragen – wie konnte er zwei schwache Frauen beschuldigen, die dem Rachen der Schakale entkommen waren?

Kurz nach der Rückkehr ging Lanlan wieder in die Vajravarahi-Höhle. Diesmal wollte sie längere Zeit bleiben. Sie hielt wieder eine Buddha-Klausur ab, um Körper und Geist zu reinigen – sieben Tage und sieben Nächte. Sie ließ alle weltlichen Angelegenheiten hinter sich und konzentrierte sich allein auf das Training des Vajravarahi-Mantras. In der Thangka-Darstellung stand die Vajravarahi auf einer Lotosblüte, über ihrem Kopf das Sonnen-Mond-Rad, in den Händen heilige Gegenstände.

Dieses Bild war hochsymbolisch: Die Lotosblüte symbolisierte Reinheit und Unbeflecktheit, der Mond stand für Barmherzigkeit, die Sonne für Weisheit. Jedes Symbol, so illusorisch es auch sein mochte, hatte als letztes Ziel, den Übenden selbst zum Guten an sich zu machen.

Die Höhle war nicht groß; bei jeder Klausurwoche fanden nur sieben bis acht Personen Platz. Während dieser Zeit durfte niemand die Klausur verlassen (außer zum Toilettengang), niemand durfte hinein (außer dem Essenbringer), niemand durfte sprechen (außer dem Lehrenden), und erst recht durfte niemand umherschweifen.

Bei dieser Rückkehr hatte Mengzi inzwischen Yuer geheiratet, und Yingers Status hatte sich deutlich verändert. Sie war nicht mehr die Schwiegertochter der Familie Chen, sondern die Stellvertreterin der Familie Bai geworden. Die Schwiegermutter rechnete ihr alle offenen Schulden der Familie Bai an. Yinger fühlte ständig ein Augenpaar im Rücken, das ihr in den Rücken stach. Obwohl es keinen offenen Streit gab, war die höfliche Distanziertheit der Schwiegermutter noch schwerer zu ertragen.

Und diese Höflichkeit begann sich in eine andere Sprache zu verwandeln.

Es war spät in der Nacht, das Kind schlief immer noch nicht. Die Schwiegermutter hatte es mehrmals versucht, doch das Kind schrie und weinte. Tagsüber ließ es sich noch von Großvater und Großmutter halten, doch bei Nacht erkannte es niemanden mehr. Also nahm Yinger das Kind und ging ins kleine Zimmer zurück. Der Gedanke an Yuers Krankheit machte sie auch für sie traurig.

Im Bauch tat es etwas weh, nicht stark, ein dumpfes Unwohlsein. Yinger stieg vom Kang, zog die Schuhe an und ging in den Hof, um sich zu erleichtern. Der Hof war still, alles Vertraute verschwamm in der Nacht. Alle Wärme, die sie früher empfunden hatte, war fort; kühle Kälte sickerte ins Herz.

Sie erinnerte sich, dass Lingguan einst gesagt hatte, Liebe sei ein Gefühl. Als sie das gehört hatte, war sie noch lange wehmütig gewesen – wie konnte die heilige, süße Liebe nur ein Gefühl sein? Doch jetzt, im Nachhinein – was sonst als ein Gefühl? Der Hof war noch derselbe Hof, das Haus noch dasselbe Haus. Früher schien die Sonne stets auf den Hof, und da waren Geplauder, Gelächter, Harmonie, Wohlstand, Lebhaftigkeit. Jetzt war das alles fort. Als hätte Lingguan mit seinem Fortgehen dem Hof die Seele entzogen. Übrig war nur eine alte, hässliche, stinkende Hülle.

Auch die kleine Stube war kalt und öde geworden, durchdrungen von unheimlicher Kälte. Obwohl sie den Kang geheizt hatte, konnte sie die Kälte nicht vertreiben. Diese Kälte war bis in die Knochen gedrungen. Sie war nicht mehr die Yinger von einst. Und dieses Zuhause war auch nicht mehr das Zuhause von einst. War am Ende wirklich alles im Leben nur ein Gefühl? Und dann dachte sie: Waren nicht auch Leben und Tod nur ein Gefühl? Dieser Körper – was hatte er mehr als ein Leichnam, wenn nicht das Fühlen?

Zurück in der kleinen Stube, streichelte sie die zarten Wangen des Kindes, und die Wärme im Herzen wogte leise auf. Dank dieser Wärme hatte sie viele einsame Nächte überstanden. Eine Frau brauchte eine Hoffnung im Herzen – mal war es der Geliebte, mal das Kind, mal etwas anderes. Ohne Hoffnung gab es keinen Grund mehr zu leben.

Plötzlich gab es im Nebenzimmer, der Studierstube, ein Geräusch. Jemand schlüpfte in die Schuhe und schlich auf Zehenspitzen hinaus. Yinger wusste, es war die Schwiegermutter, und wusste auch, dass sie zum Hoftor ging, um nachzusehen, ob das Schloss aufgebrochen war, und ob die umgelegte Leiter nicht ans Hausdach gelehnt worden war.

Sie verstand: Die Schwiegermutter fürchtete, sie könnte mit dem Kind fliehen.

Die Schritte gingen tatsächlich zum Hoftor; die Schlosskette klimperte einmal. Im Hof tappte es eine Weile, dann wurde es still.

Plötzlich schossen Yinger Tränen in die Augen. Sie wollte sie zurückhalten, doch die Tränen ließen sich nicht bändigen und quollen immer wieder hervor. Es gab wirklich keinen Grund mehr zu leben. Sie dachte: So alt geworden, und noch wie eine Diebin bewacht. Als sie daran dachte, wie sie voller Hoffnung in jener Regennacht hierhergelaufen war, ihre Eltern verletzt hatte, nur für ihren winzigen Traum – und jetzt wurde sie wie eine Diebin bewacht. Es gab wirklich keinen Grund mehr zu leben.

Auch die paar Stoffballen in der Truhe waren herausgenommen worden – na, dann eben herausgenommen. Sie wollte nicht kleinlich sein. Sie war die Jüngere, den Älteren etwas zukommen zu lassen war nur recht. Aber man hätte wenigstens fragen können, oder es offen genommen, wenn sie zu Hause war – nicht heimlich „nehmen“, während sie bei den Eltern war. Das war nicht recht, Mutter. Die eine Mutter tat Unrechtes, die andere Mutter ebenso.

Diese „Mütter“ – wie engstirnig sie waren. Ein nadelspitzengroßer Vorteil, und schon waren sie keine Mütter mehr. Mutter, ach! Wie beschmutzt war das Wort „Mutter“ nur.

Sie blickte zur Staubabdeckung an der Decke – die schien unberührt. In einer Vertiefung dahinter lag ein Stück Opium. Es war besorgt worden, als Mentou krank war, für den Notfall, wenn die Schmerzmittel ausgingen. In vielen benommenen Momenten hatte sie es schlucken wollen, doch jedes Mal riss das Kind sie zurück in die Wirklichkeit.

Sie riss das Staubpapier auf, nahm das Päckchen herunter und steckte es in die Innentasche ihres Unterhemds. Sie dachte: Irgendwann würde sie es vielleicht brauchen.

Liebe war ihr Grund zu leben. Wenn sie nicht sauber leben konnte, wollte sie lieber sauber sterben.

Das Herz schmerzte gepeinigt. Auch gut – mit diesem Schmerz hatte sie wenigstens ein Gefühl des Lebendigseins. Sie fühlte sich ständig wie ein Gespenst, das im Traum umherirrte. Die dunkle Nacht hatte Körper und Herz aufgelöst. Die Nacht hatte in ihrem Leben einen Kreislauf vollendet: Anfangs war die Nacht die Nacht und sie war sie, ohne Verbindung. Dann hatte sie Lingguan getroffen, und die Nacht hatte süß-berauschende Szenen bekommen, die warme Wellen in ihrem Herzen aufwühlten. Danach wurde die Nacht wieder zur Nacht, und sie wurde darin eingelegt. Die Nacht wurde außergewöhnlich lang; sie harrte und harrte, ohne dass der fahle Schimmer am östlichen Horizont erschien.

Im Traum trieb sie stets an fremden Orten umher – schwarzer Himmel, schwarze Erde, schwarzes Herz. Auch ihren Liebsten konnte sie nicht mehr erträumen. Wie gern hätte sie von ihm geträumt, doch er betrat einfach nicht ihren Traum – da half nichts. Einsame Menschen träumten auch einsam, ohne Gefährten. Im Traum gab es keine Wege, keine Sonne, keinen Wind, keinen Regen – nur graues Fremdes und graue Empfindungen, und sie trieb im Grauen umher, bald hierhin, bald dorthin, bald auf, bald ab – ein Gespenst. Der Liebste schimmerte zwar noch im Herzen, doch verschwommen, nicht mehr so klar wie einst. Auch gut – alles wurde undeutlich, auch das „Ich“ wurde undeutlich. Doch die Einsamkeit war hellwach und lärmte, zerrte zusammen mit dem Treiben der „Mütter“ am Herzen.

Es gab wirklich keinen Grund mehr zu leben.

Das Herz war erschöpft bis zum Äußersten – wie ein endloser Nachtweg ohne Laterne zum Leuchten, ohne Sterne zur Orientierung, ohne Wind und Regen, nur Totenstille, nicht einmal die eigenen Schritte hörbar. Es heißt, nach dem Tod müsse man alle Fußspuren, die man in der Welt der Lebenden hinterlassen hat, auflesen, um wiedergeboren zu werden. Sie war wahrhaftig schon wie ein Geist, der auf dem langen Nachtweg nach den von der Zeit vergrabenen Fußspuren suchte. Die vielen Szenen im Kopf waren wie mit Wasser bespritzte alte Gemälde – vergilbt. Was sie einst bewegt hatte, bewegte sie nicht mehr; was sie einst gequält hatte, quälte sie nicht mehr. Als blätterte sie durch ein Album, das sie nichts anging, ab und zu umblätternd, während das Herz in Einsamkeit getränkt lag, kaum noch von Wellen bewegt.

Doch sie wusste: Diese kleine Stube würde sie am Ende verlassen müssen. Und diesen Hof. Und das schon vergilbte Gefühl …

Doch sie – um nichts in der Welt wollte sie fortgehen!

68

Baifu kam zu Besuch, mit verlegenem, unbehaglichem Gesicht. Seit dem Raub beim letzten Mal war es sein erster Besuch.

An jenem Tag war er mit ein paar Leuten in den Hof gestürmt, hatte ohne ein Wort Yinger gepackt und mitgeschleppt. Das war bei Tauschehen ein übliches Schauspiel. Doch das Kind hatte Lanlans Mutter an sich gerissen. Baifus Leute hatten es nicht mit Gewalt genommen. Gewalt hätte Tote gefordert, denn Laoshun hatte mit einem Häckselmesser am Tor gestanden, das Gesicht finster, und gesagt: „Die Erwachsene nehmt ihr mit, meinetwegen. Aber das Kind bleibt! Sonst müsste ich euch die Köpfe abschlagen, wenn ich noch als Mensch gelten möchte!“

Einer sagte: „Schon gut, es bleibt! Baifu, dieses Kind brauchst du nicht zu fordern. Wenn die Leute ihren Stammhalter behalten wollen, ist das ihr gutes Recht. Dass ein Sohn der Mutter folgt, ist auch Recht. Was mehr Recht ist, mag das Gericht entscheiden.“ So blieb das Kind.

Um jeden Verdacht zu vermeiden, ging Baifu diesmal zuerst in die Studierstube und sagte zu Lanlans Mutter: „Großmutter, Mutter ist krank geworden und hat mich geschickt, die Schwägerin zu holen. Sie bleibt ein paar Tage und kommt dann wieder.“ Mengzis Mutter wusste, dass das „kommt dann wieder“ nur eine Beruhigungspille war, doch sie durchschaute es nicht offen und fragte nur: „Was für eine Krankheit?“

Baifu sagte: „Weiß nicht, irgendein Knoten im Bauch, noch nicht untersucht.“

Lanlans Mutter lachte innerlich kalt und dachte: Wenn du schon lügst, dann erfinde wenigstens eine andere Krankheit! Dieser „Knoten im Bauch“ war offenkundig nur heiße Luft. Obwohl sie innerlich kalt lachte, ging sie das Spiel mit und sagte: „Oh je, das ist kein gutes Zeichen. Mein Onkel hatte auch einen Knoten im Bauch – er brüllte wie ein Ochse, einen Monat lang, bis er starb. Deine Mutter hat doch nicht etwa so eine Krankheit?“

Dann verfluchte sie im Stillen diese alte Hexe – die sollte ruhig so eine Krankheit bekommen.

Baifu war arglos und konnte die Hintergedanken von Lanlans Mutter nicht durchschauen. Er sagte: „Das wohl nicht. Mama ist ja ein guter Mensch und hat nichts Übles getan – wie sollte sie so eine böse Krankheit bekommen?“

Unbeabsichtigt traf er damit den wunden Punkt von Lanlans Mutter. Denn Mentou war an Leberkrebs gestorben, mit einem basketballgroßen Knoten im Bauch, einer typischen bösartigen Erkrankung. Nach Baifus Logik hätte er also Übles getan. Doch sie konnte ihren Ärger nicht zeigen und sagte: „Krankheiten sind unberechenbar. Gute Menschen bekommen böse Krankheiten, und böse Menschen bleiben gesund – das lässt sich schwer sagen.“ Baifu, der keine Konversation beherrschte, fragte nur: „Großmutter, lassen Sie die Schwägerin mitkommen oder nicht?“

„Aber natürlich –“, Lanlans Mutter zog die Silben in die Länge, „sie scheißt kein Gold und pisst kein Silber, warum sollte ich sie hierbehalten?“

Tatsächlich machte ihr Yingers Anwesenheit ständig Sorgen. Sie fürchtete immer, Yinger würde eine günstige Gelegenheit nutzen, das Kind schnappen und zu ihren Eltern flüchten. Jedes Mal, wenn sie ausging, gab sie tausend Anweisungen, stellte Wachen auf und Posten – und ihr Herz hüpfte ihr trotzdem in den Hals.

Nachts schlief sie noch unruhiger. Ein Windstoß, ein Türknarren, und schon glaubte sie, Yinger wolle sich hinausschleichen. Das Kind war ihres – wenn Yinger es zu den Eltern brächte, wäre es schwerer zurückzubekommen, als den Himmel zu erklimmen. Tagelang auf heißen Kohlen – Körper und Geist waren erschöpft.

Manchmal dachte sie: Soll sie doch zu ihren Eltern gehen. Doch Yinger war ordentlich vermählt und verheiratet – wie konnte man sie verjagen? Beim letzten Mal hatte sie sogar erwogen, als Geist verkleidet Yinger zu erschrecken, damit sie aus Angst zu ihren Eltern flüchtete. Doch kaum hatte sie das erwähnt, verpasste Laoshun ihr eine heftige Standpauke. Es schien, als wäre das Wankelmütigste auf der Welt das menschliche Herz. Noch vor kurzem hatte sie gefürchtet, Yinger könnte gehen, und alles darangesetzt, sie zu halten. Jetzt fürchtete sie, Yinger könnte nicht gehen.

Baifu atmete erleichtert auf – er hatte befürchtet, die Familie Chen würde es ihm schwer machen. Seit dem letzten Raubversuch hatte er immer Angst gehabt und sich nicht hingetraut, aus Furcht vor Mengzis Rache. Doch seine Mutter hatte ihn gedrängt – wenn die Wut frisch sei, könne Mengzi ihm vielleicht zusetzen. Jetzt, wo die Sache abgekühlt war, hätte Mengzi zwar noch die Absicht, aber nicht mehr die Tatkraft. Außerdem gab es niemand anderen, den man hätte schicken können. Xu den Pockennarbigen zu schicken – da hätte Laoshun mit ihm Streit angefangen. Selbst zu gehen wäre Nadel gegen Nadelkopf gewesen, ein Wortgefecht mit der Schwiegermutter unvermeidlich. Nach langem Überlegen blieb Baifu die beste Wahl – er war schließlich der legitime Schwiegersohn der Familie Chen, das ließ sich nach allen Regeln vertreten. Doch Baifu hatte hinter dem Rücken seiner Mutter ein Messer eingesteckt, für den Fall, dass Mengzi ihn bedränge – dann würde er das Messer sprechen lassen. Doch die Dinge liefen überraschend glatt. Kaum hatte er den Mund aufgemacht, hatte die „Großmutter“ zugestimmt. Also sagte er: „Mama sagt, wir sollen Panpan mitnehmen. Sie vermisst das Kind.“

Lanlans Mutter lachte kalt: „Das Mädchen zu nehmen kann ich nicht aufhalten. Aber das Kind mitnehmen – nicht im Traum.“

Baifu sagte: „Mama will nur das Kind sehen, weiter nichts.“ Lanlans Mutter verzog den Mund, zog die Stimme lang und rief: „Yinger, pack deine Sachen, dein Bruder ist hier, deine Mama hat ihn geschickt.“ Dann sagte sie zu Baifu: „Über das Kind – halt den Mund. Wenn du nochmal davon anfängst, werde ich wütend.“

Yinger schossen plötzlich Tränen in die Augen.

Kaum war Baifu aufgetaucht, wusste sie, wozu er gekommen war. Und sie wusste auch, dass die Schwiegermutter auf diesen Tag gewartet hatte. Sie hatte längst bemerkt, dass sie in diesem Haus überflüssig geworden war. Alles hatte sich wie ein Zaubertrick verwandelt, blitzschnell.

Panpan schaute seine Mama mit seinen großen schwarzen Bohnenaugen an, als spürte auch er etwas. Der Abschied durch den Tod war vorüber; nun kam der Abschied im Leben.

Offensichtlich hatte sie keine Chance, das Kind aus diesem Haus mitzunehmen. Als risse man ihr lebendiges Fleisch vom Herzen – Yinger wischte sich die Tränen ab.

Ob die Mutter wirklich oder nur zum Schein krank war, spielte keine Rolle. Alles war nur ein Vorwand. Der, der sie holte, war ein Vorwand; die, die sie gehen ließ, ebenfalls. Jeder brauchte diesen Vorwand – stillschweigendes Einverständnis. Doch Yinger verstand nun endgültig: In der Familie Chen konnte sie nicht mehr bleiben.

Wie gern hätte sie in dieser vertrauten kleinen Stube den Rest ihres Lebens verbracht. Dieser vertraute Hof, diese vertraute Umgebung, dieses vertraute Gefühl – sie konnte es nicht vergessen, nicht loslassen; es ließ sie immer wieder in benommenen Momenten an eine Hoffnung denken. Welch ein armseliger kleiner Wunsch – ihn zu verwirklichen war schwerer, als den Schakalen zu entkommen.

Alles, was ihr schwindelndes Glück gebracht hatte, war in die Ferne gerückt. Nah war nur noch das Kind. Es war fast ihr ganzes Leben geworden. Doch sie wusste: Der Abschied im Leben war unausweichlich geworden.

Gierig blickte sie eine Weile auf das Kind, gierig küsste sie es, gierig ließ sie sich von seinen schwarzen Bohnenaugen anlachen, gierig verweilte ihr Blick, gierig flossen die Tränen. Auch Tränen vergießen zu können war ein Glück.

Panpan, mein Panpan, Hoffnung meines Lebens. Ich hatte gehofft, dieser Name würde mir wirklich Hoffnung bringen, doch am Ende war auch das vergebens. In diesem nicht langen Leben war ich schon so oft enttäuscht worden: gehofft, die Prüfung zu bestehen und in die große Welt hinauszugehen; gehofft auf eine aufrichtige Liebe; gehofft auf ein warmes Ende; gehofft auf ein friedliches Bewahren; gehofft, ein Leben lang still zu leben. Alle Hoffnungen waren schließlich zu Rauch geworden und davongetrieben. Jetzt musste sie auch noch Panpan verlassen.

Yinger drückte das Kind an sich und küsste es heftig. Tränen liefen über das Gesicht des Kindes.

Mühsam blickte sie sich im Zimmer um. Diese vertraute kleine Stube, die schöne Erinnerungen hervorgebracht hatte, musste sie am Ende auch verlassen. Sie hätte so gern die himmelblaue Jacke mitgenommen. Und das Kopftuch … Doch schließlich wandte sie den Blick ab. Sie wusste, die Schwiegermutter war engherzig und schätzte gerade solche kleinen Dinge – also ließ sie es. … Doch das Herz konnte nicht loslassen, und so zog sie die himmelblaue Jacke an. Sie war kein feiner Stoff, doch das Beste, was ihr Leben ihr beschert hatte.

Baifu trat ein und flüsterte: „Mama sagt, du sollst mitnehmen, was du brauchst. Was dir gefällt, das nimm mit.“

Yinger runzelte angewidert die Stirn. Beide „Mamas“ waren so. In ihren Augen waren Dinge immer wichtiger als Menschen. …

Was mir gefällt? Ich kann das Beste mitnehmen? Mein höchstes Gut, meine Liebe – wie gern würde ich dich nehmen und mit dir die Welt durchwandern, und wäre es als Bettlerin, es wäre himmlischer als bei Unsterblichen. Doch wo bist du jetzt? Wenn es einen Gott gäbe, wenn Gott mir eine einzige Wahl ließe, wählte ich dich. Reichtum, Ehre, hohen Ruf – all das nicht. Doch in diesem Leben habe ich nicht ein einziges Mal nach meinem eigenen Herzen wählen dürfen. Nicht ein einziges Mal. Dieses Leben – umsonst gelebt.

Umsonst gelebt. Yingers Blick verschwamm.

Baifu sagte: „Mama sagt, Kleider sollst du gleich anziehen. Stoff wickelst du um die Taille.“

Yinger quollen Tränen aus den Augen. Sie verstand: Mama meinte die paar Stoffballen, die auf dem Boden ihrer Truhe lagen. In den Augen der Schwiegermutter zählte nur das. In den Augen der Mutter auch nur das. Beide Mütter sahen nur die Dinge, nicht den Menschen. Das Beste auf der Welt sollte doch der Mensch sein! Lingguan, du Unmensch – du bist aus demselben Holz geschnitzt wie sie, weißt du das? Keine Karriere der Welt kommt gegen diesen lebendigen Menschen an, du Unmensch! Dieser Körper wird bald von der Welt verschwunden sein. Wo ist dann deine Karriere? Wo dein Ideal? Warum hast du nicht diesen lebendigen Körper, dieses lebendige Herz umarmt und ein berauschend schönes Schicksal daraus gemacht?

Denk nicht mehr daran. Was vorbei ist, soll vorbei sein.

Yinger kämmte sich flüchtig, blickte in den Spiegel und sah ein abgezehrtes Gesicht. Sie seufzte, legte den Spiegel hin, legte den Kamm hin, küsste das Kind, biss die Zähne zusammen und sagte: „Gehen wir.“

„Einfach so gehen? Hörst du nicht auf Mama?“, sagte Baifu.

Yinger hatte bereits die Tür durchschritten.

Die Schwiegermutter hatte sich längst wie vor einer Belagerung am Tor postiert. Als sie Yinger mit leeren Händen herauskommen sah, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Yinger sagte: „Mutter, ich gehe dann.“ Die Schwiegermutter sagte: „Geh nur, geh.“ Yinger dachte: Warum sagst du nicht „komm bald wieder“? Doch die Mutter hatte ihre Gründe. Yinger strich sich die vom Wind ins Gesicht gewehte Haarsträhne zurecht und ging zum Tor hinaus.

Leb wohl, Hof. Leb wohl, kleine Stube.

Kaum draußen, lief Yinger das Gesicht voller Tränen. Baifu schob sein Fahrrad hinterher. Das Fahrrad klapperte, und viele Blicke folgten ihnen. Jemand fragte: „Yinger, besuchst du deine Eltern? Warum hast du das Kind nicht dabei?“ Yinger murmelte irgendetwas und ging weiter.

Dieses abgelegene Dorf, dieser allgegenwärtige Staub – bei der Ankunft so, beim Gehen ebenso. Doch Yinger hatte sich verändert. Bei der Ankunft war sie ein Mädchen gewesen, beim Gehen eine Witwe. Bei der Ankunft war ihr Herz naiv, beim Gehen hatte es Stürme überstanden. Nur eines war gleich geblieben: Bei der Ankunft – Ohnmacht; beim Gehen – auch Ohnmacht.

Sie erinnerte sich, auch damals bei der Ankunft war es Herbst gewesen. Jener klapprige Bus hatte sie geladen und sie vom Mädchen zur Ehefrau gemacht.

An jenem Tag wehte der Wind, wirbelte Staub auf und verschleierte den Weg vor ihr. Sie erinnerte sich, es war wie ein Traum gewesen. Und war dieser Moment nicht auch ein Traum? Das Dorf, der gelbe Sand, die Ölweidenbäume – alles war zu Traumbildern geworden. Deutlich war nur die Wunde im Herzen, die unversehens immer wieder aufriss.

Yinger dachte an jene Regennacht, als sie Hals über Kopf geflohen war. In jener Nacht hatte sie geglaubt, wenn sie nur ins Haus des Ehemanns zurückkäme, hätte sie ihr Leben gerettet. Wer hätte gedacht, dass sie doch wieder dorthin zurückmüsste. Selbst hierher gerannt, musste sie nun selbst wieder zurück. Mutter, jetzt bist du wohl zufrieden. Diesmal hast du mich nicht geraubt – ich gehe von allein zurück. Da wirst du wohl ein zufriedenes Lächeln zeigen.

„Steig auf“, sagte Baifu.

Yinger sprang auf den Gepäckträger. Der Wind blies ihr die Haare ins Gesicht. Lass sie doch wehen. So sah sie wohl aus wie das, was die Mutter einen „zerzausten wilden Geist“ nannte. Von mir aus, Mutter – solange du glücklich bist, bin ich alles. Das Menschenleben hat keine feste Form: bald gewinnt man, bald verliert man, bald Mensch, bald Geist. Von mir aus, Mutter, von mir aus.

Ohne Kind wäre es besser – keine Bindung, keine Sorge, alles ginge. Dieses Kind war zum Strick geworden. Allerdings – die Schwiegermutter behandelte das Kind wie ihren Augapfel, da brauchte sie sich keine Sorgen zu machen. Die Mutter hatte ihr geraten, das Kind gerichtlich einzufordern, doch Yinger brachte das nicht übers Herz. Die Familie hatte schon einmal den Abschied durch den Tod erlitten – ihr nun auch noch den Abschied im Leben aufzuzwingen, das brachte Yinger nicht übers Herz. Obwohl sie wusste, dass das Gesetz auf ihrer Seite war, brachte sie es nicht übers Herz. Zudem – das Kind in den Händen der Schwiegermutter zu wissen, beruhigte sie vollkommen.

O große Wüste, die in ihren Wellen unendliche Geheimnisse barg! O milder Wüstenwind mit seinem vertrauten Geruch! O kleine, niedrige und doch unendlich schöne Gehöfte! O Ölweidenbäume mit den krummen Stämmen und der unerschöpflichen Lebenskraft – lebt wohl!

69

Yinger sollte heiraten.

Wie ein Stein, der den Berg hinunterrollt, hatte sie keine Macht mehr über sich. Das Bild in ihrem Herzen war durchaus schön gewesen, doch der Wind des Schicksals hatte es zerblasen – klirrend und krachend, ein Trümmerfeld.

Das Elternhaus hatte zwei große rote Seidendecken bereitgestellt und zwei rotlackierte Holztruhen. Die Mutter hatte die Dorffrauen gebeten, Einlegesohlen und Kissen für sie anzufertigen. Dies war ihre „Mitgift“, die sie in die Familie Zhao begleiten würde.

Das sogenannte große Lebensereignis war in der Praxis ganz einfach: etwas Fleisch schneiden, Gemüse kaufen, Gäste einladen, eine Urkunde besorgen – in den Augen der Zhao-Familie war die Heiratsurkunde unwichtig, aber sie hatten sie längst für Yinger ausstellen lassen –, dann ein Fahrzeug mieten, sie hinüberbringen, und sobald sie die Hochzeitskammer betrat, waren Tatsachen geschaffen.

Tatsachen schaffen war der beste Weg – das wusste auch die Mutter. Deshalb hatten sie, während Yinger noch bei der Schwiegerfamilie war, bereits alle Formalitäten erledigt. Verlobung und Hochzeitsgeleit erfolgten in einem Schritt. Die Familie Zhao brachte zehntausend Yuan in Scheinen.

Der Himmel war strahlend klar. Eine einzige große weiße Wolke trieb über den fernen Bergen. Nur diese eine, sehr weiß, und sie verdeckte die Sonne nicht; im Gegenteil, sie schmückte den klaren Himmel. Alle Verwandten waren gekommen, alle hocherfreut. Sie waren alle zufrieden mit dem Ergebnis dieser Wiederverheiratung.

Dieser Zhao San war schließlich ein wohlhabender Mann. Da strahlten auch die Verwandten mit. Schon am frühen Morgen waren sie da. Gleich bei der Ankunft entrichteten sie ihr „Geldgeschenk“, meist hundert Yuan. Allein an Geldgeschenken hatte das Elternhaus einige tausend Yuan eingenommen. Die Mutter lachte so breit, dass ihre Augen verschwanden.

Yinger saß stumpf da. Sie weinte nicht; sie saß nur auf der Kangkante, das Gesicht stumpf, das Herz stumpf.

Die Tränen flossen nur, wenn niemand zusah. Diese Tränen gehörten ihr allein. Sie flossen in den Mund, sie schluckte sie selbst; sie fielen ins Herz, sie litt allein; wurde sie davon krank, ertrug sie es allein. Anderen gegenüber schwieg Yinger. Worte waren nutzlos. Keine Worte konnten die Ohnmacht im Herzen ausdrücken. Sie hegte keine Hoffnung mehr für die Zukunft.

Es war wirklich ausweglos. Dieses Schicksal – so übermächtig und so ausweglos. Die Trägheit riss sie mit, nein – verschlang sie und jagte mit ihr davon. Im Nu war sie schon am nächsten Abhang. Was ihr bevorstand, war ein erneutes Hinunterrollen.

Die Blumenlieder – sie war zu müde, sie zu singen. Sie sang Blumenlieder nur, wenn intensive Gefühle im Herzen überliefen. Jetzt war im Herzen nur Stumpfheit, nur Ohnmacht – nicht einmal Verzweiflung. Diese dichte Stumpfheit hatte alles verschluckt.

Die Mutter wuselte geschäftig umher. Die Mutter war zufrieden und hielt die Stumpfheit für Einwilligung. Das war die Sache der Mutter. Die Verwandten staunten über ihre Gelassenheit – das war die Sache der Verwandten. Die roten Mitgifttruhen leuchteten grell – das war die Sache der Truhen. Die Welt war die Welt, und Yinger war Yinger. Die Welt konnte Yingers Körper mitreißen, aber nicht ihr Herz.

Die Verwandten saßen in der Studierstube beim Essen; lautes Gerede und Gelächter. Die Bewirtung im Elternhaus war schlicht – nur um den Hunger zu stillen.

Gleich würde der Wagen der Familie Zhao kommen. Sie würden in großem Pomp hinfahren. Die Gastgeber würden sie empfangen wie göttliche Wesen. Dann gäbe es sieben Schüsseln und acht Teller, und sie könnten nach Herzenslust schlemmen.

Der Vater brachte eine Schüssel Eintopf herein und reichte sie Yinger; sie solle sich ordentlich satt essen. Drüben gäbe es keine Zeit – erst die Zeremonie, dann das Zuprosten, dann das Necken in der Hochzeitskammer, da käme man kaum zum Essen. Yinger antwortete nicht. Der Vater sagte nichts mehr, stellte schüchtern die Schüssel auf den Kangtisch und ging hinaus.

Aus der Studierstube drang die laute Stimme der Mutter: „Esst, esst! Ohne Verschwägerung sind wir zwei Familien, mit Verschwägerung eine.

Tut nicht so bescheiden. Wenn es nicht schmeckt, dann esst euch wenigstens satt, bleibt bloß nicht hungrig.“ Eine Stimme sagte: „Wovon satt werden? Wenn wir uns hier vollessen, wo sollen wir drüben das Festmahl noch unterbringen? Die haben Seegurken und Fisch und alles!“ Die Mutter lachte: „Oh je, wie könnte ich mich mit dem Schwiegersohn messen? Wenn der sich ein Haar ausrupft, ist es dicker als mein Oberschenkel. Ich könnte nicht mal ein Haar auf einen Teller bringen.“ Einer sagte: „Ach was! Kaum ist das Mädchen drüben, ist sie die Herrin. Wenn sie dich nur ein bisschen mitzieht, wirst du fett!“ Ein anderer sagte: „Stimmt – vergiss uns arme Verwandte dann bloß nicht!“

Ein Zimmer voller Scherze und Gelächter.

Yinger nahm den Spiegel und schaute hinein. Das Gesicht war zwar immer noch gelblich, aber im Widerschein des großen roten Brautkleids wirkte es frischer als gewöhnlich. Sie wunderte sich – warum fehlte jener herzzerreißende Schmerz? Es war nur eine gewisse Stumpfheit. Diese Stumpfheit hatte sie vorher nie gekannt. Auch gut – wenn du stumpf bist, dann sei stumpf. Seltsam war nur, dass auch Lingguan zu einem blassen Schatten verblasst war.

Dafür war das Stück Opium sehr deutlich; am Körper getragen, lächelte es ihr ständig zu.

Die neuen Wagen kamen. Ein großer Bus, ein Kleinbus, eine Limousine. An allen Spiegeln hingen leuchtend rote Bettbezüge, grell rot. Yinger war noch nie in einer Limousine gesessen. Beim letzten Mal, als Mentou sie geheiratet hatte, war es ein Lastwagen gewesen – Gäste hinten auf der Ladefläche, sie im Führerhaus. Das Gefühl damals war dasselbe wie jetzt. Es war offenkundig die größte Angelegenheit ihres Lebens, und doch kam es ihr vor, als ginge es sie nichts an.

Sie stieg ein. Die Polster der Limousine waren sehr weich; Yinger fühlte sich einsinken. Die Dorfbewohner kamen alle zum Schauen. Kinder rannten aufgeregt hin und her und riefen. Groß und Klein waren hocherfreut. Es war schließlich ein freudiges Ereignis – warum nicht lachen? Die Mutter begrüßte fröhlich die Leute und brachte dann ein Bündel Trockennudeln. Sie reichte es Yinger und sagte: „Das ist das ‚gekochte alte Essen’. Zu Hause angekommen, musst du es unbedingt essen.“

Yinger wusste: Diese Nudeln standen für das Lebensglück, das ihr vom Schicksal bestimmt war – darauf durfte man nicht verzichten. Die begleitende Schwägerin nahm sie eilig entgegen. „Ich weiß, ich weiß“, sagte sie.

Der Wagen fuhr los. Die Dorfbewohner wichen eilig an den Straßenrand. Staubwolken stiegen hinter den Wagen auf und verschlangen das Dorf und seine Bewohner. Doch die Sonne konnte nicht verschlungen werden – sie schrie noch immer am Himmel. Im Summen der Sonne erreichten die Wagen die Hauptstraße.

Diese Straße war nicht die, auf der die Wagen gekommen waren. Hochzeitswagen durften nicht den gleichen Weg zurückfahren und schon gar nicht unterwegs anhalten. Beim letzten Mal mit Mentou war der Hochzeitswagen unterwegs liegengeblieben, und Mentou hatte Yinger auf halber Strecke zurückgelassen. Das schien so lang her zu sein und zugleich,

als geschähe es gerade jetzt. Damals, im Hochzeitswagen, war sie ein Mädchen gewesen, das in die Ehe ging. Jetzt war sie eine Witwe auf dem Weg zur Wiederverheiratung. Dazwischen lagen wohl einige Jahre? Warum kam es ihr vor, als hätte sie nur einmal geblinzelt? Abgesehen von den Liebeswirren mit dem Liebsten und dem Leid, das Mentou gebracht hatte, war alles leer und vergeblich. Das Leben war seltsam – eine so lange und so wichtige Lebensspanne, und in der Rückschau nur ein paar Bruchstücke.

Im Wagen ertönte ein fröhliches Lied. Eine Frau sang: „Im Leben gibt es viele Erinnerungen, solange in deinen Erinnerungen ein Platz für mich ist.“ Was nützte es, im Herzen zu sein? Besser, das Herz wäre leer. Stumpf sein – das war das Beste. Wäre sie nicht stumpf, wer wüsste, was für ein klägliches Bild sie jetzt abgäbe. Stumpf – es blieb nur die Stumpfheit.

Am großen Tor der Familie Zhao erwartete sie eine Menschentraube. Als die Hochzeitswagen vorfuhren, knallte ein Feuerwerkshagel los, und ein großes Feuer wurde entzündet. Beim letzten Mal hatte es kein großes Feuer gegeben, nur ein Kohlebecken am Eingang und einen Wassereimer; das Fahrzeug sollte nach Osten wenden. Nach dem Aussteigen ging sie erst durchs Feuer, dann durchs Wasser, dann zu den Leuten. Trotzdem war dann alles schiefgegangen. Feuer und Wasser hatten kein Glück gebracht.

Die begleitende Schwägerin führte Yinger um den Scheiterhaufen – dreimal herum, dann durchs Hoftor. Kaum drinnen, streute jemand Mehl über ihren Kopf – das bedeutete „Zusammenbleiben bis ins hohe Alter“. Das Mehl rieselte herab und färbte das große rote Brautkleid an einigen Stellen weiß. Weiß war weiß – Yinger kümmerte sich nicht darum.

Im Hof waren viele Leute, viele Tische, viele Stühle, viele Stimmen, viele Augen – die Blicke woben ein Netz. Yinger durchquerte das Netz und betrat die Hochzeitskammer. Hinter ihr rief Baifus Stimme: „Mit so wenig Geld wollt ihr einen Bettler abspeisen?“ Das war einer seiner seltenen Momente der Selbstsicherheit in den letzten Jahren. Yinger wusste: Baifu verlangte das Truhengeld. Wenn die Gastgeber die Mitgifttruhen hineintrugen, mussten sie Baifu zuerst Truhengeld geben. War es zu wenig, stand er nicht auf. Die Gastgeber legten nach, immer weiter, bis Baifu mit der Summe zufrieden war. Erst dann erhob er sich, und erst dann stiegen die Begleitgäste klappernd aus.

Das Hochzeitszimmer war geräumig – viel großzügiger als das, was Mentou damals eingerichtet hatte. An der Decke hingen bunte Plastikgirlanden, an den Wänden bunte Bilder, auf dem Bett bunte Bettwäsche. Dazu Tisch und Sofa – alles sehr großzügig. Auf dem Tisch dröhnte ein großes Kassettengerät. Normalerweise hasste Yinger laute Geräusche. Heute war das Herz stumpf – mach es ruhig noch lauter, es ist egal.

Der Dicke in blauer Uniform – das war Zhao San. Yinger warf einen flüchtigen Blick auf ihn und sah nur ein ölglänzendes Gesicht und eine Knollennase. Sonst blieb kein Eindruck … ach ja, die Stimme war sehr laut, scheinbar noch lauter als Baifus Prahlerei nach einem Spielgewinn. Das war normal – Reiche waren alle so. Früher hatte die Mutter diese Art Stimme verabscheut und als „anmaßend“ bezeichnet. Jetzt mochte sie sie und lobte sie als „männlich“.

Männlich meinetwegen – Yinger kümmerte es nicht. Nur war ihr übel, und der Kopf war etwas benommen, als hätte sie zu viel Erkältungsmedizin genommen. Dieses Benommensein machte das Herz neblig. Alles vor den Augen hatte etwas Traumhaftes.

Auch die Hochzeitsfeier war festlicher als beim letzten Mal. Mehr Applaus, mehr Neckerei, mehr Zuschauer, mehr Bravorufe. Die Gastgeber falteten eine Filzdecke zu einem zwei Fuß großen Quadrat und stellten Braut und Bräutigam darauf. Yinger trat darauf. Zhao San hingegen zierte sich, was die Dorfleute zum Lachen brachte.

In der Menge war eine ehemalige Schulkameradin, die früher so klar und rein war, als lebte sie nicht von irdischer Nahrung. Jetzt lachte auch sie wie die Dorfleute – doch schließlich wurde alles neblig. Im Nebel unzählige aufgerissene Münder, unzählige weit aufgerissene Augen, unzählige laute Lacher, alle vom Summen der Sonne übertönt.

Nur hoffen, dass dieses Spektakel bald zu Ende war. Sie fühlte sich sehr müde, als hätte sie einen unendlich langen Weg zurückgelegt, von innen bis außen erschöpft. Sie wollte nur noch einschlafen, tausend Jahre lang. Schau, diese Augenlider klebten unbändig zusammen.

Alles wurde verschwommen. Doch das Stück Opium, das sie vor Verlassen der Hochzeitskammer geschluckt hatte, lächelte hellwach …

70

In den späteren Jahren dachte Lanlan oft: In welcher Stimmung mochte die sterbende Yinger an jenem Abend gewesen sein?

… Vermutlich hatte die Erschöpfung sich längst zu einem unlösbaren Netz verflochten. Im Netz lauerten hämische Lacher. Und das Heulen des Schicksals. Und … Verzweiflung … Stumpfsinn. Der Atem war zum Seidenfaden geworden – ein Faden, noch ein Faden, und noch einer – langsam, langsam abgespult. Drohte er nicht gleich zu reißen? … Der Himmel vor dem Fenster wälzte sich zu schwarzen Wolken. Himmel, willst du voller Kummer endlosen Trauerregen auf die Erde niederrinnen lassen? Wie kann ich dir meine Verzweiflung und meinen Kummer schicken?

Das Herz war eine einzige Ödnis. Alles war grauer Schatten geworden – vage und verschwommen, halb da, halb nicht.

Tränen fielen zärtlich und beständig, Schwall um Schwall. Ohne Unterlass rief sie jenen Namen, der ihr das Herz brach.

War diese dunkle, grausame Umgebung die Hölle? Schwarze Fliegen lachten im Dunkel kalt, magere Dämonen tanzten im Wind; am Ende des Kältestroms lag eine Höhle, und die Höhle war eine neidische Hexe.

… Mutter, warum bedrängst du mich so? Am liebsten würde ich meinen Leib zerschmettern und euch das Fleisch und Blut zurückschleudern, wie jenes Kind namens Nezha. Würdet ihr – wenn ihr das leuchtend rote Blut und das über den Boden verstreute Fleisch sähet – mich dann endlich verschonen? Oder würdet ihr mich weiter verfolgen?

Das Leben – zu Ende!

Mein Herz wird für immer verstummen – lacht ruhig! Ich höre das Blut fließen … fließe nur … Meine Seele welkt dahin, mein Leichnam erkaltet. In meinen todesstarren Augen – Opferlamm-Augen Gottes – liegt kein einziger Blumenstrauß.

Warum ist das Gefühl, das den Frühling so liebt, immer so zerbrechlich?

Schau, der Teufel zimmert mir gerade den Sarg. Rot lackiert … Zypressenholz angeblich, wertvoll und langlebig. Gut, dann lache ich eben. Schau, das Fleisch in meinem Gesicht bewegt sich … Kümmert euch nicht um meine Tränen, schaut nur auf das zuckende Fleisch … Was die paar Tränen betrifft – einmal gewischt, oder mit dem Ärmel, und sie sind unsichtbar. Ein Zypressensarg ist gut. Besser als Pappelholz … Besser als direkt in den Verbrennungsofen. Aber ist ein Zypressensarg etwa kein Sarg? Rot lackiert oder mit Drachen bemalt oder mit Phönixen verziert – er bleibt ein Sarg. Tot – was kümmert einen da noch der Sarg? Schönheit ist gleichgültig geworden. Liebe braucht man nicht mehr. Ein Sarg – ein Sarg enthält immer einen Haufen Knochen.

Ah, sie hörte das schwere Knarren des Sargdeckels, der sich öffnete.

Die Mutter sprang heraus. Bist du es? Mutter. … Bist du wirklich jene vom Herbstwind hin und her gewehte Gestalt? Bist du wirklich jenes weiße Haar, das mir jedes Mal Tränen entlockt? Bist du wirklich jene Lebenserfahrung, die sich unversehens in mein Herz ergoss? Bist du wirklich jener krumme alte Baum wie ein Ölweidenbaum? Bist du wirklich jene faltenübersäte und dennoch strahlend „Yinger –“ rufende … jene … Mutter?

Barfuß, tanzend, rufst du mir zu: „Komm herein! Liebes Kind! Hier drinnen ist ein Frühling, den ich eigenhändig für dich bereitet habe!“

Ja. Mutter, ich weiß, er ist aus Zypressenholz, rot lackiert, wertvoll, langlebig, warm, hübsch. Mutter, dann lache ich eben, ja? Schau, das Fleisch in meinem Gesicht bewegt sich wieder … Kümmere dich nicht um meine Tränen, schau nur auf das zuckende Fleisch … Was die Tränen betrifft – einmal gewischt, und sie sind fort. Ein Zypressensarg ist gut. Mutter, da ich meinen Leib nicht wie Nezha zerschmettern und das Gebein zurückgeben kann, bleibt mir wohl nur der Sarg. Danke, meine leidgeprüfte Mutter. Für dieses Zypressenholz hast du dir wieder Sorgen gemacht.

Obwohl ich weiß, dass dies die Hölle ohne Unterlass ist – ich trete dennoch freudig ein. Mutter, ich glaube deinen Worten, ich weiß, dass Mama es gut mit mir meint. Dann lass meine Seele sich selbst verfluchen.

Ich weiß: Ich, die das Nirvana nicht erlangen kann, habe nur noch die Auslöschung! In der Hölle ohne Unterlass werde ich erneut sterben.

… Warum ist der Schatten des Engels so selten? Warum ist das Lächeln des Teufels so häufig?

Warum liebe ich Blumen, doch niemand schenkt mir den Frühling? Warum bin ich dazu bestimmt, der Mond des Teufels zu sein? Warum ist Cao Xueqin, der dünne Reissuppe trank, zur Einsamkeit verdammt? Warum ging Tolstoi zu jener kleinen Bahnstation? Liebster, mein Liebster – im nächsten Leben sag es mir.

Der Sarg – er kommt näher.

Teufel, bitte sehr.

71

Über Yinger kursieren in Liangzhou viele Legenden.

Manche sagen, Yinger sei gestorben – sie habe jenen Herbst nicht überlebt. Diese Version schmerzt viele, doch sie entspricht dem wahren Leben. Ein Mensch wie sie konnte nicht in dieser Welt bleiben. Deshalb – so viele auch hofften, sie möge leben – wusste doch jeder, dass sie, die nach Vollkommenheit strebte, es in dieser Zeit schwer haben würde zu überleben … Diese Version stützt sich auf einen starken Beweis: Seither hat niemand in Shawan Yinger je wiedergesehen. Allerdings – niemand hat auch ihr Grab gefunden. Natürlich: Wäre sie so gestorben, hätte die Elternfamilie kein Grab gewollt.

Andere sagen, Yinger sei gerettet worden und die Ehe sei aufgelöst worden. An einem staubverhangenen Nachmittag habe sie, gezeichnet von allen Stürmen des Lebens, schließlich jene fahle Abenddämmerung hinter sich gelassen und auch jenes kleine Dorf, das sich in die Falten der Wüste duckte.

Diese Version gefällt den Leuten. In jener Zeit war dies die tröstlichste Erklärung. Alle sagten: Yinger könne ihrem Schicksal entkommen.

Alle sagten, Yinger habe Panpan mitgenommen und auch jenen Stoffballen, den die Schwiegermutter zurückgegeben habe – seltsamerweise hatten viele ihn bemerkt –, und sei aufgebrochen, ihre Hoffnung zu suchen. Alle sagten, wenn man Himmel und Erde durchkämmte, müsse man Lingguan doch finden. … Allerdings sorgten sich auch manche: Selbst wenn Yinger ihn wirklich fände – wäre der, den sie dann fände, noch der „Lingguan“, den sie suchte?

Alle sagten: Heutzutage hat sich alles verändert. Als Jungfrau losgezogen, als Ehefrau zurückgekehrt – wäre der wiedergefundene Lingguan dann noch Lingguan?

In Liangzhou gab es zu jener Zeit, abgesehen vom Weißen Tigerpass, wenig Gesprächsstoff. Doch dieses „Alle sagten“ verbreitete sich wie der Wind, als ginge die Sache einen selbst etwas an.

In der kleinen Stube, in der Yinger gelebt hatte, fand Lanlan ein Blatt Papier in Yingers Handschrift. Sie wusste nicht, ob Yinger es selbst geschrieben oder irgendwo abgeschrieben hatte –