Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 17"

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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 17)
 
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= 第十七回 =
 
== 大观园试才题对额 ==
 
=== 荣国府归省庆元宵 ===
 
==== Beim Zusammenstellen von Parallelinschriften wird im Garten des Großen Anblicks eine Talentprobe vorgenommen. ====
 
  
 
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! style="width:50%" | 中文原文 (庚辰本)
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung
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! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)
 
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  說著,引人進入房內。只見這幾間房內收拾的與別處不同,竟分不出間隔來的,原來四面皆是雕空玲瓏木板,或「流雲百蝠」,或「歲寒三友」,或山水人物,或翎毛花卉,或集錦,或博古,或File:Wan fu wan shou.png,各種花樣,皆是名手雕鏤,五彩銷金嵌寶的。一隔一隔,或有貯書處,或有設鼎處,或安置筆硯處,或供花設瓶、安放盆景處,其隔各式各樣,或天圓地方,或葵花蕉葉,或連環半壁。真是花團錦簇,剔透玲瓏。倏爾五色紗糊就,竟系小窗;倏爾彩綾輕覆,竟系幽戶。且滿牆滿壁,皆系隨依古董玩器之形摳成的槽子。諸如琴、劍、懸瓶、桌屏之類,雖懸於壁,卻都是與壁相平的。眾人都道:「好精緻想頭!難為怎麼想來?」
 
  說著,引人進入房內。只見這幾間房內收拾的與別處不同,竟分不出間隔來的,原來四面皆是雕空玲瓏木板,或「流雲百蝠」,或「歲寒三友」,或山水人物,或翎毛花卉,或集錦,或博古,或File:Wan fu wan shou.png,各種花樣,皆是名手雕鏤,五彩銷金嵌寶的。一隔一隔,或有貯書處,或有設鼎處,或安置筆硯處,或供花設瓶、安放盆景處,其隔各式各樣,或天圓地方,或葵花蕉葉,或連環半壁。真是花團錦簇,剔透玲瓏。倏爾五色紗糊就,竟系小窗;倏爾彩綾輕覆,竟系幽戶。且滿牆滿壁,皆系隨依古董玩器之形摳成的槽子。諸如琴、劍、懸瓶、桌屏之類,雖懸於壁,卻都是與壁相平的。眾人都道:「好精緻想頭!難為怎麼想來?」
 
  原來賈政等走了進來,未進兩層,便都迷了舊路,左瞧也有門可通,右瞧又有窗暫隔,及到了跟前,又被一架書擋住。回頭再走,又有窗紗明透,門徑可行;及至門前,忽見迎面也進來了一群人,都與自己形相一樣,——卻是一架玻璃大鏡相照。及轉過鏡去,益發見門子多了。賈珍笑道:「老爺隨我來。從這門出去,便是後院,從後院出去,倒比先近了。」說著,又轉了兩層紗廚錦隔,果得一門出去,院中滿架薔薇、寶相。轉過花障,則見清溪前阻。眾人吒異:「這股水又是從何而來?」賈珍遙指道:「原從那閘起流至那洞口,從東北山坳里引到那村莊里,又開一道岔口,引到西南上,共總流到這裡,仍舊合在一處,從那牆下出去。」眾人聽了,都道:「神妙之極!」說著,忽見大山阻路。眾人都道:「迷了路了。」賈珍笑道:「隨我來。」仍在前導引,眾人隨他,直由山腳邊忽一轉,便是平坦寬闊大路,豁然大門前見。眾人都道:「有趣,有趣,真搜神奪巧之至也!」於是大家出來。那寶玉一心只記掛著裡邊,又不見賈政吩咐,少不得跟到書房。賈政忽想起他來,方喝道:「你還不去?難道還逛不足!也不想逛了這半日,老太太必懸掛著。快進去,疼你也白疼了。」寶玉聽說,方退了出來。
 
  原來賈政等走了進來,未進兩層,便都迷了舊路,左瞧也有門可通,右瞧又有窗暫隔,及到了跟前,又被一架書擋住。回頭再走,又有窗紗明透,門徑可行;及至門前,忽見迎面也進來了一群人,都與自己形相一樣,——卻是一架玻璃大鏡相照。及轉過鏡去,益發見門子多了。賈珍笑道:「老爺隨我來。從這門出去,便是後院,從後院出去,倒比先近了。」說著,又轉了兩層紗廚錦隔,果得一門出去,院中滿架薔薇、寶相。轉過花障,則見清溪前阻。眾人吒異:「這股水又是從何而來?」賈珍遙指道:「原從那閘起流至那洞口,從東北山坳里引到那村莊里,又開一道岔口,引到西南上,共總流到這裡,仍舊合在一處,從那牆下出去。」眾人聽了,都道:「神妙之極!」說著,忽見大山阻路。眾人都道:「迷了路了。」賈珍笑道:「隨我來。」仍在前導引,眾人隨他,直由山腳邊忽一轉,便是平坦寬闊大路,豁然大門前見。眾人都道:「有趣,有趣,真搜神奪巧之至也!」於是大家出來。那寶玉一心只記掛著裡邊,又不見賈政吩咐,少不得跟到書房。賈政忽想起他來,方喝道:「你還不去?難道還逛不足!也不想逛了這半日,老太太必懸掛著。快進去,疼你也白疼了。」寶玉聽說,方退了出來。
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==注释==
 
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Als Tjin Dschung tot war, weinte Bau-yü unaufhörlich, und es kostete Li Guee und die anderen viel Mühe, bis sie ihn so weit getröstet hatten, daß er endlich damit innehielt.
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Kapitel 17
Tief betrübt kehrte er nach Hause zurück. Die Herzoginmutter spendete nicht nur ein Mehrfaches von zehn Liang Silber, sondern auch Trauergeschenke, Bau-yü aber brannte Opfergaben aus Papier ab, und sieben Tage später wurde der Sarg übergeführt und begraben. Weiter ist davon nichts zu berichten. Bau-yü sehnte sich Tag für Tag nach seinem toten Freund, aber was sollte er machen!
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Im Garten der Großen Anschauung wird bei der Namensvergabe das Talent geprüft —
Einige Zeit darauf kam eines Tages Djia Dschën zu Djia Dschëng , um ihm zu melden: „Alle Arbeiten im Garten sind abgeschlossen, und der alte gnädige Herr hat ihn sich angesehen. Seht auch Ihr ihn bitte an, damit wir ändern, was jetzt noch nicht in Ordnung ist, und dann können die Namenstafeln und Inschriften entworfen werden.“
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Im Prunkwille-Anwesen wird der Heimatbesuch der kaiserlichen Konkubine vorbereitet
„Mit den Namen und Inschriften hat es seine Schwierigkeit“, sagte Djia Dschëng nach einigem Überlegen. „Eigentlich müßten wir die kaiserliche Nebenfrau bitten, sie festzulegen. Aber sie wird sicher nicht bereit sein, auf gut Glück etwas auszudenken, ohne die einzelnen Stellen mit eigenen Augen gesehen zu haben. Warten wir aber damit, bis sie den Garten besucht, so wirken die Szenerien, Häuser und Pavillons ohne Inschriften leer und uninteressant. Wenn auch Blumen und Bäume, Berge und Wasser vorhanden sind, kommen sie doch nicht zur Geltung.“
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„Ihr habt ganz recht, alter Herr!“ bemerkten seine Schützlinge, die ihm zur Seite standen, lächelnd: „Wir haben einen bescheidenen Vorschlag dazu. Da die Inschriften weder fehlen dürfen noch festgelegt werden können, sollte man für jeden Ort zwei, drei oder vier Schriftzeichen auswählen, die wenigstens oberflächlich dem jeweiligen Sinn entsprechen, und Laternen damit beschriften, die man nebeneinander aufhängt. Wenn dann die kaiserliche Nebenfrau kommt, bittet Ihr sie, die Inschriften festzulegen. Wird man auf diese Weise nicht beiden Zwecken gerecht?“
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„Das ist nicht verkehrt“, sagte Djia Dschëng. „Wir wollen uns den Garten jetzt ansehen gehen und die Inschriften entwerfen. Wenn sie etwas taugen, nehmen wir sie, und wenn nicht, bitten wir noch Yü-tsun her, damit er etwas vorschlägt.“ Lächelnd sagten die anderen darauf: „Bestimmt sind schon die Vorschläge ausgezeichnet, die Ihr heute machen werdet, alter Herr, und wir brauchen nicht auf Yü-tsun zu warten.
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Aber Djia Dschëng erwiderte lächelnd: „Ihr wißt ja nicht, daß ich von klein auf nur Mittelmäßiges geleistet habe, wenn es darum ging, Vögel und Blumen, Berge und Wasser zu besingen. Jetzt bin ich alt und habe meinen Geist an amtlichen Schriftstücken erschöpft, da ist mir die leichte Literatur noch fremder geworden. Wenn mir überhaupt etwas einfällt, ist es mit Sicherheit so dumm und hölzern, daß die Blumen und Bäume, Häuser und Pavillons dadurch bestimmt nicht zur Geltung kommen. Und alles, was nicht den Kern der Sache trifft, ist ganz und gar sinnlos.“
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Ein Gedicht sagt:
„Keine Bange!“ redeten ihm seine Schützlinge zu. „Wir sehen uns den Garten gemeinsam an und überlegen auch gemeinsam. Jeder schlägt vor, was er kann, das Beste behalten wir bei, das Schlechte wird verworfen, dann wird es schon gehen.“
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Pracht und Glanz sind wohl beneidenswert,
„Ein ausgezeichneter Gedanke!“ lobte Djia Dschëng. „Wie schön, daß heute so mildes Wetter ist, gehen wir also zusammen spazieren!“ Damit erhob er sich und ging den anderen voran. Djia Dschën aber eilte in den Garten voraus, um dort allen Bescheid zu sagen.
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doch der Abschied ist schwer zu ertragen.
Gerade heute war Bau-yü, der sich noch immer um Tjin Dschung grämte, von der Herzoginmutter in den Garten geschickt worden, um sich dort zu zerstreuen. Doch kaum war er eingetreten, kam ihm Djia Dschën entgegen und sagte lächelnd: „Bist du immer noch hier? Gleich kommt der alte Herr!“
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Man erwirbt sich leeren Ruhm,
Als Bau-yü das hörte, verließ er mit Ammen, Sklavinnen und Sklaven zusammen schnell wie ein flüchtiger Rauch den Garten, aber als er eben um eine Ecke bog, lief er Djia Dschëng direkt in die Arme. Sich zu verstecken war es schon zu spät, also blieb er am Wegrand stehen. Nun hatte unlängst der Schulleiter Djia Dschëng gegenüber erwähnt, Bau-yü verstünde sich bestens darauf, Parallelsätze zu bilden, und wenn er auch faul sei, scheine er doch ein ungewöhnliches Talent zu besitzen. Da ihn jetzt der Zufall hierher geführt hatte, befahl Djia Dschëng ihm mitzukommen. Bau-yü wußte zwar nicht, worum es ging, aber es blieb ihm keine andere Wahl, als zu folgen.
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doch wer erkennt die Bitterkeit dahinter?
Als sie ans Gartentor kamen, erblickten sie Djia Dschën, der an der Spitze zahlreicher Verantwortlicher dort Aufstellung genommen hatte. „Laß alle Torflügel schließen!“ befahl Djia Dschëng. „Wir wollen erst sehen, wie es von außen aussieht, ehe wir hineingehen.“
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Djia Dschën befahl jemandem, die Tore zu schließen, und Djia Dschëng stellte sich in Positur, um das Torgebäude zu betrachten. Es hatte eine Breite von fünf Säulenzwischenräumen, das Dach war mit Halbzylinderziegeln gedeckt und hatte einen abgerundeten First. Die Tür- und Fenstergitter waren in neuartigen Formen fein geschnitzt und waren weder rot noch weiß bemalt. Alle Wände waren aus feinsten Ziegeln gemauert, und in die Plattform aus weißem Stein war ein Passionsblumenmuster gehauen. Nach links und rechts zog sich, so weit der Blick reichte, eine schneeweiß getünchte Mauer hin, die auf Steinen ruhte, die gestreift waren wie ein Tigerfell und sich der Geländeform anpaßten. Das Ganze ähnelte durchaus nicht der üppigen Pracht, wie ein vulgärer Geschmack sie hervorbringt. Erfreut darüber, befahl Djia Dschëng nunmehr, das Tor wieder zu öffnen. Dahinter versperrte ihnen ein grüner Berg den Weg.
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Liebglocke Minne war gestorben, und Schatzjade<ref>Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans, Enkel der Herzoginmutter.</ref> [宝玉] weinte unaufhörlich. Edelstein Pflaume und die anderen brauchten eine halbe Ewigkeit, um ihn zu beruhigen, bis er endlich innehielt. Auf dem Heimweg war er noch immer schmerzerfüllt und traurig. Die Herzoginmutter<ref>Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – ältestes und ranghöchstes Familienmitglied, Großmutter von Schatzjade.</ref> [贾母] steuerte etliche Dutzend Liang Silber bei, bereitete außerdem Trauergeschenke vor, und Schatzjade verbrannte Papiergeld am Grab. Nach sieben Tagen wurde der Sarg überführt und begraben, und mehr ist darüber nicht zu berichten. Nur Schatzjade sehnte sich Tag für Tag nach seinem toten Freund und trauerte um ihn, doch was hätte er tun können!
„Welch schöner Berg!“ sagten Djia Dschëngs Schützlinge.
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„Ohne diesen Berg würden gleich vom Eingang aus alle Szenerien des Gartens zu sehen sein, und das wäre uninteressant“, sagte Djia Dschëng. „Das ist wahr“, sagten seine Begleiter. „Aber darauf konnte nur jemand kommen, der Ideen im Kopf hat.“
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Es vergingen einige Tage, bis eines Morgens Herrlichkeit Kaufmann<ref>Herrlichkeit Kaufmann (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Haus-Ning-Zweigs der Kaufmann-Familie.</ref> [贾珍] und andere zu Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade, strenger Konfuzianer und hoher Beamter.</ref> [贾政] kamen, um zu melden: „Alle Arbeiten im Garten sind fertiggestellt, der ältere Herr hat ihn sich bereits angesehen. Nun wartet man nur noch darauf, dass Ihr, Herr, ebenfalls einen Blick darauf werft. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, kann man es noch ändern, und dann können die Namenstafeln und Parallelsprüche geschrieben werden.“
Im Weitergehen erblickten sie hohe weiße Felsen, die aussahen wie böse Geister und wilde Tiere. Moospolster wuchsen darauf, und Schlingpflanzen bedeckten sie. Nur mit Mühe war ein schmaler gewundener Pfad dazwischen zu erkennen. „Wir wollen diesem Pfad folgen und nachher auf der anderen Seite hinausgehen, denn nur so bekommen wir alles zu sehen“, schlug Djia Dschëng vor und befahl Djia Dschën, voranzugehen und sie zu führen. Dann betrat er, auf Bau-yü gestützt, den Bergpfad.
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Als er den Kopf hob, erblickte er einen spiegelglatten weißen Stein, der für eine Inschrift gedacht schien. Lächelnd wandte Djia Dschëng sich um und sagte: „Seht Euch diese Stelle an, meine Herren! Welchen Namen könnte man dafür am besten wählen?“
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Aufrecht Kaufmann hörte dies, überlegte eine Weile und sagte: „Mit den Namenstafeln und Parallelsprüchen hat es seine Schwierigkeit. Eigentlich sollte man die Kaiserliche Konkubine bitten, die Inschriften zu bestimmen. Doch wenn sie die Örtlichkeiten nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird sie wohl kaum bereit sein, auf gut Glück etwas zu ersinnen. Warteten wir hingegen mit den Inschriften, bis sie den Garten besucht, so wirkten all die großartigen Szenerien mit ihren unzähligen Pavillons und Lauben ohne Schriftzeichen leer und fade. Selbst vorhandene Blumen, Weiden, Berge und Wasser könnten so nicht zur Geltung kommen.“
„Geschichtetes Grün“, schlug einer vor. „Brokatberg“, sagte ein anderer. „Schöner als der Hsiang-lu-Berg“, „Ein Dschung-nanim kleinen“... So wurden Dutzende verschiedener Namen genannt, aber da alle längst begriffen hatten, daß Djia Dschëng prüfen wollte, welche Fortschritte Bau-yü bei seinen Studien gemacht hatte, brachten sie nur banale Klischees vor. Auch Bau-yü vermutete nun, daß sein Vater eine Prüfung im Sinn hatte.
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Seine Schützlinge, die neben ihm standen, antworteten lächelnd: „Eure Einschätzung ist ganz richtig, alter Herr. Wir haben einen bescheidenen Vorschlag: Die Namenstafeln und Parallelsprüche dürfen keinesfalls fehlen, doch können sie auch nicht endgültig festgelegt werden. Am besten wählt man für jeden Ort gemäß seiner Szenerie zwei, drei oder vier Schriftzeichen, die ungefähr den Sinn treffen, und stellt vorläufig Laternen mit diesen Aufschriften auf. Wenn dann die Kaiserliche Konkubine kommt, bittet man sie, die endgültigen Namen zu bestimmen. Wäre das nicht beiden Zwecken dienlich?“
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Aufrecht Kaufmann und die anderen hörten dies und sagten: „Das ist ein guter Gedanke. Gehen wir heute den Garten anschauen und verfassen einfach Inschriften. Was taugt, nehmen wir; was nicht taugt — nun, dann bitten wir Jia Regendorf her und lassen ihn neue Vorschläge machen.“
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Die Schützlinge lachten: „Sobald Ihr heute, alter Herr, etwas festlegt, wird es gewiss vortrefflich sein. Wozu sollte man auf Regendorf warten?
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Aufrecht Kaufmann erwiderte lächelnd: „Ihr wisst nicht, dass ich von Kindesbeinen an nur Mittelmäßiges geleistet habe, wenn es um Gedichte über Vögel und Blumen, Berge und Wasser ging. Jetzt, wo ich alt bin und amtliche Schriften mich in Beschlag nehmen, bin ich in der leichten, dem Vergnügen dienenden Literatur noch ungeübter geworden. Was ich auch zusammenbringe — es wird mit Sicherheit so verstaubt und hölzern sein, dass es Blumen und Weiden, Häusern und Pavillons eher schadet, als dass es ihnen gerecht wird. Und alles, was den Kern der Sache nicht trifft, ist überflüssig.“
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Die Schützlinge lachten: „Das ist kein Grund zur Sorge. Wir gehen alle gemeinsam hin, sehen uns den Garten an, jeder schlägt vor, was er kann, das Beste wird bewahrt, das Schlechte gestrichen — das geht bestimmt.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ganz richtig. Und wie schön, dass heute solch mildes Wetter ist! Gehen wir also alle zusammen.
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Damit erhob er sich und ging den anderen voran.
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Herrlichkeit Kaufmann eilte voraus in den Garten, um alle dort zu benachrichtigen. Es traf sich, dass Schatzjade gerade in diesen Tagen, weil er Liebglocke Minne nachtrauerte und sich nicht zu trösten wusste, häufig von der Herzoginmutter in den Garten geschickt worden war, um sich dort zu zerstreuen. Auch an diesem Tag war er gerade erst dort eingetreten, als er plötzlich Herrlichkeit Kaufmann auf sich zukommen sah, der ihm lächelnd zurief: „Du bist immer noch hier? Der Herr kommt gleich!“
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Als Schatzjade das hörte, rannte er mit seinen Ammen und kleinen Dienern wie ein flüchtiger Rauch aus dem Garten. Doch kaum war er um die Ecke gebogen, kam ihm Aufrecht Kaufmann mit seinen Gästen entgegen. Es war zu spät, um sich zu verstecken, und so blieb er an der Seite stehen.
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Nun hatte Aufrecht Kaufmann unlängst vom Schulleiter gehört, Schatzjade habe ein besonderes Talent für Parallelsprüche: Obwohl er nicht gern lese, scheine er doch eine gewisse eigenwillige Begabung zu besitzen. Als er nun zufällig auf Schatzjade stieß, befahl er ihm, mitzukommen. Schatzjade wusste zwar nicht, worum es ging, musste aber gehorchen.
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Als Aufrecht Kaufmann ans Gartentor kam, sah er Herrlichkeit Kaufmann an der Spitze zahlreicher Aufseher dort warten. Aufrecht Kaufmann befahl: „Schließt erst alle Tore, wir wollen von außen schauen, ehe wir hineingehen.“
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Herrlichkeit Kaufmann ließ die Tore schließen. Aufrecht Kaufmann betrachtete zunächst mit prüfendem Blick das Haupttor. Es hatte eine Breite von fünf Säulenzwischenräumen, das Dach war mit Halbzylinderziegeln gedeckt und hatte einen abgerundeten First. Die Tür- und Fenstergitter waren allesamt fein geschnitzt in neuartigen Mustern, ohne rote oder weiße Bemalung. Die Wände bestanden durchweg aus wassergeschliffenen Ziegeln, und die Plattform aus weißem Stein war mit Passionsblumenmustern verziert. Nach links und rechts erstreckte sich, so weit das Auge reichte, eine schneeweiße Mauer auf einem Sockel aus gestreiftem Tigerstein, der sich den Geländeformen anpasste. All dies hatte nichts von der vulgären Pracht reicher Leute und gefiel ihm auf Anhieb. Er befahl, die Tore zu öffnen. Dahinter versperrte ein grüner Felsrücken den Blick.
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„Welch schöner Berg, welch schöner Berg!“ riefen die Schützlinge aus.
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ohne diesen Berg würde man gleich beim Eintreten den ganzen Garten überblicken — das wäre doch langweilig.
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Die Begleiter sagten: „Ganz richtig. Nur wer Berge und Täler in der Brust trägt, kann auf so etwas kommen.“
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Im Weitergehen erblickten sie aufragende weiße Felsen — manche wie Gespenster geformt, manche wie wilde Tiere — die kreuz und quer dastanden. Moospolster bedeckten sie, Schlingpflanzen umrankten sie, und dazwischen war kaum ein schmaler Pfad zu erkennen.
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Lasst uns diesem kleinen Pfad folgen und auf der anderen Seite hinausgehen, dann können wir alles sehen.“
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Er befahl Herrlichkeit Kaufmann voranzugehen, stützte sich auf Schatzjade und betrat den gewundenen Bergpfad. Als er den Kopf hob, erblickte er oben am Fels einen spiegelglatten weißen Stein — genau die richtige Stelle für eine Inschrift.
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Er wandte sich lächelnd um und sagte: „Meine Herren, seht Euch dies an! Welchen Namen würdet Ihr hier vorschlagen?“
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Die Begleiter machten verschiedene Vorschläge: Einer sagte „Geschichtetes Grün“, ein anderer „Brokatfels“, wieder einer „Schöner als der Räucherbecken-Berg“ und noch einer „Ein Zhongnan-Gebirge im Kleinen“. So kamen Dutzende von Vorschlägen zusammen. In Wirklichkeit hatten alle längst begriffen, dass Aufrecht Schatz Kaufmannjades Lernfortschritte prüfen wollte, und brachten deshalb absichtlich nur Gewöhnliches vor. Auch Schatzjade durchschaute die Absicht.
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Aufrecht Kaufmann hörte sich alles an, wandte sich dann um und befahl Schatzjade, einen Vorschlag zu machen.
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Schatzjade sagte: „Ich habe einmal gehört, die Alten sagten: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen, besser einen alten Text drucken als einen neuen schnitzen.’ Zudem ist dies hier kein Hauptgipfel und keine der eigentlichen Szenerien, sondern nur der erste Schritt auf dem Weg hinein. Am besten schreibt man einfach den alten Vers ‘Auf gewundenem Pfad zu verborgenen Stätten’ [曲径通幽处] hierher — das wirkt würdevoll und großzügig.“
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Alle lobten: „Ganz vorzüglich! Der junge Herr hat große Begabung und weitreichendes Talent, ganz anders als wir, die wir uns an den Büchern dummgelesen haben.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Lobt ihn nicht unverdient. Er ist noch jung und breitet das Wenige, das er weiß, zehnfach aus, um damit anzugeben. Das ist zum Lachen, nichts weiter. Die endgültige Wahl verschieben wir auf später.“
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Damit traten sie durch die Felsengrotte. Schöne Bäume ragten üppig empor, seltene Blumen leuchteten in prächtigen Farben, und ein klarer Bach schlängelte sich aus dem Dickicht hervor und verlor sich zwischen den Steinen. Nach einigen Schritten weiter nach Norden öffnete sich eine ebene, weite Fläche. Zu beiden Seiten ragten Gebäude hoch in den Himmel, deren verzierte Dachfirste und geschmückte Balustraden zwischen Felsen und Baumwipfeln verborgen lagen. Blickte man hinunter, so leuchtete der klare Bach wie Schnee, Steinstufen schienen durch die Wolken zu steigen, ein Geländer aus weißem Stein fasste den Teich ein, und eine Brücke mit drei Bögen, deren Tierköpfe Wasser spien, führte darüber. Auf der Brücke stand ein Pavillon.
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Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter stiegen hinauf, lehnten sich ans Geländer, setzten sich und er fragte: „Meine Herren, wie würdet Ihr diesen Ort benennen?“
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Die Begleiter sagten: „Ouyang Xiu [欧阳修] schrieb einst in seiner ‘Notiz über den Pavillon des trunkenen Alten’: ‘Dort steht ein Pavillon, als hätte er Flügel’ [有亭翼然]. Man sollte ihn ‘Wie Geflügelt’ [翼然] nennen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „‘Wie Geflügelt’ ist wohl schön, doch da dieser Pavillon über dem Wasser errichtet ist, sollte sich auch die Inschrift aufs Wasser beziehen. Meiner bescheidenen Meinung nach heißt es bei Ouyang Xiu auch ‘zwischen den beiden Gipfeln ergießt sich ein Bach’ — man sollte das Zeichen ‘ergießen’ [治] verwenden.“
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Ein Gast sagte: „Ganz recht, ganz recht! ‘Sich Ergießende Jade’ [泻玉] wäre wunderbar.“
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Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach. Als er aufsah, bemerkte er Schatzjade, der daneben stand, und befahl ihm lächelnd, auch etwas vorzuschlagen.
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Schatzjade antwortete rasch: „Was Ihr soeben erwogen habt, Vater, ist gewiss richtig. Doch wenn man der Sache auf den Grund geht, war das Zeichen ‘ergießen’ für Ouyang Xius Brauerquelle [酿泉] wohl passend, doch für diesen Quell hier scheint es nicht ganz angemessen. Zumal dies der Wohnsitz für den Besuch der Kaiserlichen Konkubine ist — solche Texte fallen unter das Hofreglement, und dafür sind solche Ausdrücke doch zu grob und unedel. Man müsste etwas Feinsinnigeres und Zurückhaltenderes finden.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Was sagt Ihr dazu, meine Herren? Vorhin haben alle etwas Neues ersonnen, da sagte er, Altes zitieren sei besser. Jetzt haben wir Altes zitiert, und er sagt, es sei grob und unpassend. Also sag mir, was du vorschlägst!“
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Schatzjade sagte: „Statt ‘Sich Ergießende Jade’ wäre ‘Durchtränkt mit Duft’ [沁芳] besser — das ist neuartig und elegant.“
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Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und nickte schweigend. Alle beeilten sich, ihm beizupflichten, und lobten Schatzjades außergewöhnliches Talent.
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Zwei Schriftzeichen für die Tafel sind leicht. Nun verfasse noch einen siebensilbigen Parallelspruch dazu.“
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Als Schatzjade dies hörte, stellte er sich im Pavillon auf, blickte nach allen vier Seiten, und als ihm die Eingebung kam, sprach er:
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„Ringsum am Deich leihen Weiden ihr dreifaches Grün,
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jenseits des Ufers spenden Blumen ihren einzigartigen Duft.“
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[绕堤柳借三篙翠,隔岸花分一脉香。]
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Aufrecht Kaufmann nickte lächelnd. Die Begleiter priesen es in höchsten Tönen.
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So verließen sie den Pavillon und gingen um den Teich herum. Jeden Berg, jeden Stein, jede Blume, jeden Baum betrachteten sie aufmerksam. Plötzlich erblickten sie eine weiß getünchte Mauer, hinter der einige Gebäude von Hunderten dicht stehender Bambusrohre beschattet wurden.
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„Was für ein herrlicher Ort!“ riefen alle.
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Sie traten ein. Gleich am Eingang begann ein Wandelgang mit vielen Windungen, vor der Treppe war ein Steinpflasterweg angelegt. Oben standen zwei, drei kleine Häuser, eines offen und zwei verborgen, drinnen alles passend zum Raum mit Betten, Tischen und Stühlen ausgestattet. Aus dem Innenraum führte eine kleine Tür in den Hinterhof, wo große Birnbäume und Bananenstauden wuchsen. Dort gab es noch zwei winzige Nebenräume. Unter der Hofmauer war eine Öffnung, durch die ein Quell in einen kaum fußbreiten Graben floss, der das Wasser durch die Mauer in den Hof leitete. Der Graben führte um die Treppe und ums Haus herum zum Vorderhof, schlängelte sich durch den Bambus und floss hinaus.
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort ist nicht übel. Wenn man hier in einer Mondnacht am Fenster seine Bücher lesen könnte, hätte man sein Leben nicht umsonst gelebt.“ Bei diesen Worten sah er Schatzjade an, und dieser senkte erschrocken den Kopf. Die Gäste lenkten schnell ab und sagten: „Die Namenstafel hier sollte vier Schriftzeichen tragen.“
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Aufrecht Kaufmann fragte lächelnd: „Welche vier?“
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Einer sagte: „Tradition vom Fluss Qi [淇水遗风].“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Zu gewöhnlich.“
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Ein anderer schlug vor: „Spuren des Sui-Gartens [睢园遗迹].“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ebenfalls zu gewöhnlich.“
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Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Lasst doch lieber Bruder Schatzjade etwas vorschlagen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Bevor er etwas Eigenes vorschlägt, kritisiert er erst andere — man sieht, welch leichtfertiger Mensch er ist.“
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Die Gäste sagten: „Er urteilt völlig zu Recht, was soll man dagegen einwenden?“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ermuntert ihn nicht auch noch!“ Dann wandte er sich an Schatzjade: „Heute will ich dir deinen Übermut durchgehen lassen. Urteile also zuerst und bringe dann einen eigenen Vorschlag. War von dem Gesagten etwas brauchbar?“
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Schatzjade antwortete: „Nichts davon scheint mir angemessen.“
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Aufrecht Kaufmann fragte mit kühlem Lächeln: „Und warum nicht?“
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Schatzjade sagte: „Dies ist der erste Ort, den die Kaiserliche Konkubine bei ihrem Besuch aufsuchen wird. Die Inschrift muss daher eine Huldigung sein. Wenn es vier Schriftzeichen sein sollen, gibt es bereits ein passables altes Zitat, man braucht nichts Neues zu ersinnen.“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Sind ‘Fluss Qi’ und ‘Sui-Garten’ etwa nichts Altes?“
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Schatzjade sagte: „Das ist zu abgegriffen. Besser wäre ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’ [有凤来仪].“
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Alle riefen begeistert ihren Beifall. Aufrecht Kaufmann nickte und sagte: „Du Tier, du Tier! Man kann wohl sagen: ‘Durch ein Röhrchen sehen und mit einer Muschel messen’ [管窥螠测]. Nun verfasse noch einen Parallelspruch.“
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Schatzjade rezitierte:
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„Grün steigt der Rauch vom Tee im Jaderäucherwerk,
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kühl sind vom Schachspiel noch die Finger am Fenster.“
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[宝鼎茶闲烟尚绿,幽窗棋罢指犹凉。]
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Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Auch nichts Besonderes.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.
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Er wollte gerade weitergehen, als ihm etwas einfiel, und er fragte Herrlichkeit Kaufmann: „Die Gebäude und das Mobiliar — Tische und Stühle — sind vorhanden. Aber wie steht es mit Vorhängen, Gardinen, Ausstattungsgegenständen und Antiquitäten? Ist alles für jeden Ort passend zusammengestellt?“
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Herrlichkeit Kaufmann berichtete: „An Ausstattung ist schon vieles hinzugekommen und wird natürlich rechtzeitig passend aufgestellt. Was Vorhänge und Gardinen betrifft — gestern hörte ich Bruder Jadeschale [贾琮] sagen, sie seien noch nicht vollständig. Als die Bauarbeiten begannen, wurden gleich Grundrisse gezeichnet, Maße genommen und die Aufträge nach draußen vergeben. Ich glaube, gestern kam die Hälfte davon an.“
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Aufrecht Kaufmann erkannte, dass dies nicht Herrlichkeit Kaufmanns Verantwortungsbereich war, und ließ Kette Kaufmann [贾琮] holen. Als dieser kam, fragte Aufrecht Kaufmann, wie viele Sorten es insgesamt sein müssten, wie viele bereits eingetroffen seien und wie viele noch fehlten.
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Kette Kaufmann zog einen zusammengefalteten Notizzettel aus seinem Stiefelschaft, überflog ihn und berichtete: „Seidene Vorhänge aller Art — insgesamt einhundertzwanzig Stück. Gestern kamen achtzig, vierzig fehlen noch. Türvorhänge zweihundert Stück, die sind gestern alle eingetroffen. Dazu zweihundert Türvorhänge aus rotem Orang-Utan-Filz, zweihundert aus rotlackiertem Goldfaden-Bambus, zweihundert aus schwarzlackiertem Bambus und zweihundert aus fünffarbig geknüpftem Blumenmuster — von jeder Sorte ist die Hälfte da, bis zum Herbst wird alles vollständig sein. Stuhlhüllen, Tischverkleidungen, Bettumrandungen und Tischtücher — jeweils eintausendzweihundert Stück — sind ebenfalls bereits vorhanden.“
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Während sie im Gehen miteinander sprachen, versperrte plötzlich ein grüner Berg ihren Weg. Dahinter, halb verborgen in einer Talsenke, erhob sich eine niedrige Mauer aus gelbem Lehm, oben mit Reisstroh bedeckt. Hunderte von Aprikosenbäumen standen dort, deren Blüten wie sprühendes Feuer und dampfende Morgenwolken leuchteten. Innerhalb der Mauer lagen einige strohgedeckte Häuser. Außerhalb wuchsen Maulbeerbäume, Ulmen, Hibiskus und Seidenspinnereichen — junge Bäumchen, deren Zweige sich dem Gelände folgend zu einem doppelten grünen Flechtzaun verflochten. Vor dem Zaun, am Fuß des Berges, befand sich ein Dorfbrunnen mit Hebebaum und Winde. Weiter unten erstreckten sich in ordentlichen Beeten endlose Felder mit feinem Gemüse und blühenden Kräutern.
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort hat etwas für sich. Zwar ist alles künstlich angelegt, doch beim Anblick überkommt mich unwillkürlich der Wunsch, mich aufs Land zurückzuziehen und Bauer zu werden. Gehen wir hinein und rasten!“
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Er wollte gerade durch das Tor im Flechtzaun treten, als er am Wegesrand einen Stein entdeckte, der ebenfalls für eine Inschrift vorgesehen war.
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Die Begleiter lachten: „Wie schön, wie schön! Hätte man hier eine Inschriftentafel aufgehängt, wäre die ländliche Stimmung dahin. Dieser Stein aber verleiht dem Ganzen noch mehr Charakter. Nur ein Vers von Fan Chengda [范石湖] könnte ihm gerecht werden.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann schlagt etwas vor, meine Herren!“
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Die Begleiter sagten: „Euer Sohn bemerkte vorhin: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen.’ Für diesen Ort ist ein alter Spruch höchst treffend. Am besten schreibt man einfach ‘Aprikosenblütendorf’ [杏花村].“
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Aufrecht Kaufmann hörte dies, wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann und sagte: „Danke für die Anregung! Hier ist alles wunderbar, nur fehlt noch ein Weinwimpel. Lass morgen einen anfertigen — nicht prunkvoll, sondern im Stil einer richtigen Dorfschenke — und mit einer Bambusstange in einem Baumwipfel befestigen.“
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Herrlichkeit Kaufmann sagte zu und fügte hinzu: „Hier sollte man auch keine seltenen Vögel halten, sondern nur Gänse, Enten und Hühner — das würde viel besser passen.“
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Aufrecht Kaufmann und alle Begleiter sagten: „Noch besser!“
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Aufrecht Kaufmann sagte weiter: „‘Aprikosenblütendorf’ ist zwar schön, aber es gibt diesen Ortsnamen schon. Der eigentliche Name muss erst erbeten werden.“
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Die Gäste sagten: „Richtig. Was für einen vorläufigen Namen wählt man?“
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Alle überlegten. Schatzjade aber konnte nicht länger warten und platzte heraus, ohne den Befehl seines Vaters abzuwarten: „In einem alten Gedicht heißt es: ‘Vom Wipfel der roten Aprikose hängt eine Weinflagge herab’ [红杏梢头挂酒旗]. Wie wäre es mit ‘Der Aprikosenvorhang in der Ferne’ [杏帘在望]?“
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Alle sagten: „Wunderbar, dieses ‘in der Ferne’! Und es spielt versteckt auf ‘Aprikosenblütendorf’ an.“
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Schatzjade sagte mit kühlem Lächeln: „Wenn man das Dorf ‘Aprikosenblüte’ nennte, wäre das der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Es gibt doch auch den alten Vers: ‘Am Flechtzaun überm Wasser duften die Reisblüten’ [柴门临水稻花香]. Wie wäre es einfach mit ‘Reisduftdorf’ [稻香村]?“
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Alle brachen in begeisterten Beifall aus und klatschten in die Hände: „Wunderbar!“
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Aufrecht Kaufmann aber rief zornig: „Du unwissender Taugenichts! Du kennst ein paar alte Dichter und erinnerst dich an ein paar allbekannte Verse, und schon wagst du es, dich vor deinen Älteren aufzuspielen! Deinen Unsinn von vorhin habe ich dich nur erzählen lassen, um dein Urteilsvermögen zu testen und uns etwas zum Lachen zu geben — und du hast das ernst genommen!“
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Damit führte er die Gesellschaft in eines der strohgedeckten Häuser. Drinnen: papierbespannte Fenster, ein Holzlager — von Reichtum und Vornehmheit keine Spur. Aufrecht Kaufmann war im Herzen höchst zufrieden, doch er blickte streng auf Schatzjade und fragte: „Wie gefällt es dir hier?“
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Die Begleiter stießen Schatzjade heimlich an und soufflierten ihm, er solle sagen, es sei schön. Doch Schatzjade hörte nicht auf sie und antwortete unumwunden: „Lange nicht so gut wie ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dummer Kerl! Du weißt nur rotlackierte Säulen und buntbemalte Balken zu schätzen, für die Schönheit der Einfachheit und Zurückgezogenheit hast du keinen Sinn. Das ist die Folge davon, dass du die Bücher nicht studierst!“
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Schatzjade erwiderte rasch: „Ihr belehrt mich zu Recht, Vater. Doch die Alten sprachen häufig von ‘Natürlichkeit’ [天然]. Ich frage mich, was sie damit meinten.“
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Da Schatzjade so stur blieb, schüttelten die Begleiter den Kopf über seine Verstocktheit und sagten rasch: „Alles andere verstehst du, nur ‘natürlich’ nicht? ‘Natürlich’ heißt: was der Himmel von sich aus hervorbringt und nicht von Menschenhand geschaffen ist.“
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Schatzjade sagte: „Na also! Hier ist ein Bauernhof hingestellt, offensichtlich künstlich angelegt und zusammengezwungen. In der Nähe kein Nachbardorf, im Umkreis keine Stadtmauer. Der Berg dahinter gehört zu keinem Gebirgszug, das Wasser davor hat keine Quelle. Oben keine Pagode eines verborgenen Klosters, unten keine Brücke zu einem Markt. Einsam ragt er empor — keineswegs eine ‘Große Anschauung’. Wie könnte er sich mit dem vorigen Ort messen, der natürliche Ordnung besitzt und natürlichen Geist atmet? Dort sind zwar auch Bambus gepflanzt und Quellen geleitet, doch das wirkt nicht aufgezwungen. Was die Alten ein ‘natürliches Bild’ nannten, bezieht sich gerade darauf, dass man nicht gewaltsam aus der falschen Stelle die richtige macht und nicht künstlich einen Berg aufhäuft, wo keiner sein sollte. Hundert Verfeinerungen helfen nicht, wenn sie einander widersprechen ...“
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Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, brüllte Aufrecht Kaufmann zornig: „Schafft ihn hinaus!“ Doch kaum war Schatzjade draußen, rief er schon: „Komm zurück!“ und befahl ihm, einen Parallelspruch zu verfassen: „Wenn er nichts taugt, bekommst du Schläge auf den Mund!“
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Schatzjade hatte keine Wahl und rezitierte:
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„Am frischen Wasser, das da steigt, wäscht man die Stoffe aus,
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in guten Wolken, die da duften, pflückt der Gelehrte seinen Beifuß.“
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[新涨绿添浣葛处,好云香护采芹人。]
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Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Noch schlechter.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.
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Sie gingen um den Berg herum, durch Blumen und Weiden, an Steinen entlang und an Quellen vorbei, durch eine Laube mit Kletterdistelrosen, in ein Spalier aus chinesischem Jasmin, über einen Pfingstrosenpavillon und durch ein Pfingstrosenbeet, in einen Wildrosenhof und hinaus aus einer Bananenstauden-Bucht. Nach vielen Windungen und Biegungen hörten sie plötzlich das Plätschern von Wasser, das aus einer Felsgrotte quoll. Oben hingen Efeu und Kriechpflanzen herab, unten trieben gefallene Blüten auf dem Wasser.
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Alle riefen: „Was für eine Szenerie, was für eine Szenerie!“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Meine Herren, welchen Namen schlagt Ihr vor?“
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Sie sagten: „Darüber braucht man gar nicht mehr nachzudenken — es sind genau die drei Zeichen ‘Quelle des Pfirsichblütenlands’ [武陵源].“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Wieder zu wörtlich. Und außerdem abgenutzt.“
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Die Begleiter lachten: „Dann nehmen wir eben ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ [秦人旧舍].“
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Schatzjade sagte: „Das ist noch schlimmer. ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ spielt auf Flucht vor dem Chaos an — wie kann man das hier verwenden? Besser wäre ‘Wasserknöterich-Sandbank und Blütenbach’ [蓼汀花溬].“
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Aufrecht Kaufmann hörte dies und kritisierte es noch schärfer als Unsinn.
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Als sie nun in die Felsengrotte am Wasser eintreten wollten, fiel ihnen auf, dass kein Boot da war. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Es gibt vier Lotosboote und ein Sitzboot, aber sie sind noch nicht fertig.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Schade, da können wir nicht hinein.“
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Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Über den Bergpfad kann man ebenfalls dorthin gelangen.“
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Daraufhin ging er voran, und alle folgten ihm, sich an Ranken festhaltend und an Bäumen abstützend. Jenseits des Berges trieben noch mehr gefallene Blüten auf dem noch klareren Wasser, das sich in anmutigen Windungen dahinschlängelte. Am Ufer standen zwei Reihen Trauerweiden, dazwischen Pfirsich- und Aprikosenbäume, die den Himmel verbargen und keinen Sonnenstrahl hindurchließen — nicht ein Stäubchen fand sich hier.
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Plötzlich erschien unter den Weiden eine kleine Brücke mit rotem Geländer. Sie überquerten sie und kamen zu einem frischen, kühlen Gebäude mit wassergeschliffenen Ziegelwänden und hübsch verzierten Dachziegeln. Die Ausläufer des Hauptberges reichten durch die Mauer hindurch.
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dieses Gebäude hier ist ziemlich nichtssagend.“ Doch als er durch das Tor trat, ragte plötzlich ein gewaltiger, durchbrochener Zierfelsen vor ihm auf, von allen Seiten von kleineren Steinen umgeben, die sämtliche Gebäude dahinter verbargen. Kein einziger Baum oder Strauch war zu sehen. Dafür wuchsen überall seltsame Kräuter: manche rankend, manche kletternd, manche vom Dachfirst herabhängend, manche durch Felsspalten wachsend, manche sich um Dachtraufen und Pfeiler windend, über Stufen und Treppen kriechend. Einige wiegten sich wie grüne Bänder, andere wanden sich wie goldene Seile, manche trugen Beeren, rot wie Zinnober, andere Blüten wie goldene Osmanthusblüten. Ein Duft, stärker als jedes Blumenaroma, erfüllte die Luft.
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Aufrecht Kaufmann lachte und sagte: „Das ist reizvoll! Nur kann ich die meisten nicht erkennen.“
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Manche sagten: „Das ist Efeu und Glyzinie.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Efeu und Glyzinien duften nicht so.“
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Schatzjade sagte: „In der Tat nicht. Unter diesen Pflanzen sind zwar auch Glyzinien und Efeu. Aber die duftenden sind Angelikawurz und Melilotus-Gras [杜若蕡芜], jenes dürfte Iris sein [茍兰], dieses wohl Kudzu [清葛], das dort ist Goldschirmkraut [金簦草], dies hier Jadekletterrose [玉蓐藤]. Das Rote ist sicher Purpurwolkengras [紫芸], und das Grüne ist bestimmt Blauer Kalmus [青芷]. In Werken wie dem ‘Lied der Klage’ [离骚] und der ‘Literarischen Anthologie’ [文选] werden allerlei solcher seltsamen Kräuter erwähnt — manche heißen Huona, Jiangru, manche Lunzu, Zijiang, dann gibt es noch Steinsegel, Wasserkiefer, Fuliu und dergleichen, auch welche namens Grüner Keim, und dann Roter Pfeffer, Miwu und Fenglian. Nach all den Jahrhunderten können die Menschen sie nicht mehr erkennen und haben ihnen nach ihrer Form neue Namen gegeben, die allmählich von den alten abwichen — das kommt durchaus vor.“
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Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, fuhr Aufrecht Kaufmann ihn an: „Wer hat dich gefragt?“ Schatzjade erschrak und wich zurück, wagte nichts mehr zu sagen.
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Aufrecht Kaufmann bemerkte auf beiden Seiten überdachte Wandelgänge und folgte ihnen. Da erschienen fünf helle Hallen, die von einem Vordach verbunden waren, mit Galerien an allen vier Seiten, grünen Fenstern und geölten Wänden — alles noch eleganter als die vorherigen Orte.
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Aufrecht Kaufmann seufzte: „In dieser Halle könnte man Tee kochen und Zither spielen, ohne zusätzlich Räucherwerk zu verbrennen. Dieser Bau übertrifft alle Erwartungen. Ihr müsst unbedingt einen schönen neuen Namen dafür finden, meine Herren, damit er ihm gerecht wird.“
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Die Begleiter sagten lächelnd: „Nichts passt besser als ‘Orchideenwind und Duftgrastau’ [兰风惠露].“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Diese vier Zeichen mögen genügen. Und der Parallelspruch?“
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Einer sagte: „Ich habe mir einen ausgedacht, bitte korrigiert ihn.“ Er rezitierte:
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„Moschusduft und Orchideennebel im Hof der Abendsonne,
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Angelikaduft weht über die Insel des Mondlichts.“
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[麝兰芳霽斜阳院,杜若香飘明月洲。]
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Die Begleiter sagten: „Schön ist es schon, nur das Wort ‘Abendsonne’ ist unpassend.“
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Der Mann sagte: „Ein alter Dichter schrieb: ‘Mit Händen voll Angelikagras beweint man die sinkende Sonne.’“
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Die Begleiter sagten: „Zu melancholisch, zu melancholisch!“
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Ein anderer sagte: „Ich habe auch einen Parallelspruch, bitte beurteilt ihn.“ Er rezitierte:
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„Drei Pfade im Duftwind wiegen die Jadeorchideen,
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ein Hof im Mondlicht bescheint die goldenen Iris.“
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[三径香风飘玉惠,一庭明月照金兰。]
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Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach, als wollte er selbst etwas vorschlagen. Da bemerkte er Schatzjade, der schweigend daneben stand, und fuhr ihn an: „Warum sagst du jetzt nichts, wo du etwas sagen solltest? Muss man dich vielleicht erst darum bitten?“
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Schatzjade antwortete: „Hier gibt es weder ‘Moschus und Orchideen’ noch ‘Mondlicht’ oder ‘Inseln und Auen’. Wenn man so beim Offensichtlichen bleibt, kann man zweihundert Parallelsprüche schreiben, und es wird nie genug sein.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Wer zwingt dich denn, genau diese Wörter zu verwenden?“
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Schatzjade sagte: „Dann würde ich für die Tafel die vier Zeichen ‘Reine Frische von Melilotus und Kalmus’ [蕡芷清芬] vorschlagen. Und als Parallelspruch:
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‘Ein Gedicht über Kardamom verfasst — noch blüht der Verse Pracht,
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im Schlaf der Teerosen gewiegt — auch Träume duften lind.’
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[吟成豆蒻诗犹艳,睡足茶縣梦亦香。]“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Das ist nach der Vorlage ‘Mit Bananenblättern beschrieben, die Schrift noch grün’ — nichts Besonderes.“
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Die Gäste sagten: „Li Bais Gedicht über den Phönixterrassenturm folgte gänzlich dem Vorbild des Gelben-Kranich-Turms — es kommt nur darauf an, dass man geschickt nachahmt. Wenn man diesen Parallelspruch genau betrachtet, ist er sogar noch feinsinniger und lebendiger als ‘Mit Bananenblättern beschrieben’. Es ist eher so, als sei jener Vers diesem hier nachempfunden.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lachend: „So ein Unsinn!“
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Damit gingen sie weiter. Bald erblickten sie eine mächtige, emporragende Halle mit hohen Stockwerken, allseits umgeben von glänzenden Palästen, verbunden durch geschwungene Wandelgänge. Grüne Kiefern streiften die Dachtraufen, Magnolien umrankten die Stufen, goldene Drachen- und bunte Fabelverzierungen leuchteten.
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Das ist die Haupthalle. Nur etwas zu prunkvoll.“
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Alle sagten: „So muss es sein. Obwohl die Kaiserliche Konkubine Sparsamkeit schätzt und von Natur aus schlichte Eleganz dem Überfluss vorzieht, gebieten die Etikette ihres heutigen Ranges dies — es ist nicht zu viel.“
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Im Weitergehen erschien plötzlich ein Torbogen aus Jade, umwunden von Drachen und geschützten Fabelwesen, kunstvoll gemeißelt.
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Welche Inschrift schlagt Ihr hier vor?“
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Die Begleiter sagten: „Es müsste ‘Penglai-Feenland’ [蓬莱仙境] heißen.“
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Aufrecht Kaufmann schüttelte schweigend den Kopf. Schatzjade, als er diesen Ort sah, fühlte plötzlich eine Regung im Herzen — es war, als hätte er ihn schon einmal gesehen, doch er konnte sich nicht erinnern, wann und wo. Aufrecht Kaufmann befahl ihm, etwas vorzuschlagen, doch Schatzjade war so in seine Gedanken an die vergangene Szenerie versunken, dass er gar nicht bei der Sache war.
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Die Begleiter, die seine Geistesabwesenheit nicht verstanden, glaubten, er sei nach dem halben Tag der Prüfung erschöpft und sein Talent aufgebraucht. Sie fürchteten, weiteres Drängen könnte zu etwas Unangenehmem führen, und redeten rasch auf Aufrecht Kaufmann ein: „Genug, genug! Morgen kann er noch etwas vorschlagen.“
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Auch Aufrecht Kaufmann sorgte sich, die Herzoginmutter könne unruhig werden, und sagte mit spöttischem Lächeln: „Da hat es dieses Tier doch tatsächlich einmal nicht gekonnt. Gut, ich gebe dir einen Tag Frist. Wenn du morgen noch immer nichts kannst, werde ich nicht nachsichtig sein. Dies ist ein wichtiger Ort — streng dich an!“
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Damit führte er die Gesellschaft hinaus und sah sich noch einmal um. Seit dem Eingang hatten sie erst fünf oder sechs Zehntel des Gartens besichtigt. Zudem kam ein Bote mit einer Nachricht von Regendorf.
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Den Rest können wir nicht mehr besuchen. Aber wir sollten wenigstens auf der anderen Seite hinausgehen, um auch den Rest wenigstens im Vorbeigehen zu sehen.“
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Er führte die Gesellschaft weiter und kam zu einer großen Brücke, über die das Wasser wie ein kristallener Vorhang hinabstürzte. Diese Brücke war nämlich die Schleuse, durch die das Wasser vom Fluss draußen hereingeleitet wurde.
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Wie heißt diese Schleuse?“
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Schatzjade sagte: „Dies ist die Hauptquelle des ‘Durchtränkt-mit-Duft’-Baches, also könnte man sie ‘Durchtränkt-mit-Duft-Schleuse’ [沁芳闸] nennen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Unsinn! Gerade das Wort ‘Durchtränkt mit Duft’ darf hier nicht verwendet werden.“
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So gingen sie weiter und kamen an klaren Hallen und strohgedeckten Hütten vorbei, an aufgeschichteten Steinen und zu Fenstern geflochtenen Blumenranken, an einem buddhistischen Nonnenkloster am Fuß eines Berges und an einer daoistischen Einsiedelei im Wald, an langen Wandelgängen und gewundenen Grotten, an viereckigen und runden Pavillons. Aufrecht Kaufmann betrat keinen davon.
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Nachdem ihm die Beine schmerzten, kam plötzlich ein weiterer Gebäudekomplex in Sicht. Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Hier müssen wir hineingehen und uns ausruhen.“
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Er führte die Gesellschaft an Pfirsichblüten vorbei und durch ein Mondtor aus Bambus- und Blumengeflecht. Dahinter umschloss eine weiße Mauer einen von grünen Trauerweiden umgebenen Hof. Sie traten ein — auf beiden Seiten verbanden Wandelgänge die Gebäude. Im Hof waren einige Ziersteine aufgestellt, auf der einen Seite wuchsen Bananenstauden, auf der anderen stand ein Zierapfelbaum [西府海棠], dessen Krone sich wie ein Schirm wölbte, mit herabfallenden grünen Ranken und zinnoberroten Blüten.
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Alle lobten: „Was für eine prächtige Blume! Wir haben schon viele Zieräpfel gesehen, aber nie einen so schönen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dies ist ein sogenannter ‘Mädchenapfel’ [女儿棠], eine ausländische Sorte. Die Legende sagt, er stamme aus dem ‘Land der Frauen’, wo er besonders üppig wachse — freilich ein absurdes Gerücht.“
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Die Begleiter lachten: „Mag es auch unglaubwürdig sein — warum hat sich der Name so lange gehalten?“
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Schatzjade sagte: „Vermutlich haben Dichter und Literaten die Blüte so genannt, weil ihr Rot dem aufgetragenen Rouge gleicht und ihre zarte Schwäche an eine sich aufstützende Kranke erinnert — beides ganz im Stile einer Frauengemachs-Ästhetik. Irgendwann haben dann vulgäre Menschen von der Welt diese Bezeichnung aufgegriffen und sie mit erfundenen Geschichten in Volkschroniken belegt. So wurde aus volkstümlicher Überlieferung erst Gewohnheit und dann vermeintliche Wahrheit.“
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Alle nickten bewundernd.
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Sie setzten sich auf eine Bank unter dem Vordach. Aufrecht Kaufmann fragte: „Welchen frischen Namen denkt Ihr Euch für diesen Ort aus?“
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Ein Gast sagte: „‘Bananenkranich’ [蕉鹤] — das wäre passend.“
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Ein anderer sagte: „‘Erhabener Glanz in bunten Farben’ [崇光泛彩] — das wäre besser.“
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Aufrecht Kaufmann und die Begleiter sagten: „Schön, ‘Erhabener Glanz in bunten Farben’!“
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Schatzjade sagte auch: „Wunderbar.“ Dann seufzte er: „Nur schade.“
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Alle fragten: „Was ist denn schade?“
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Schatzjade sagte: „Hier stehen Bananenstauden und Zieräpfel nebeneinander — die versteckte Bedeutung enthält die Zeichen ‘Rot’ und ‘Grün’. Sagt man nur ‘Banane’, kommt der Zierapfel nicht vor; sagt man nur ‘Zierapfel’, fehlt die Banane. Ohne Banane geht es nicht, ohne Zierapfel erst recht nicht.“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Und was schlägst du vor?“
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Schatzjade sagte: „Ich würde vorschlagen: ‘Roter Duft, grüner Jade’ [红香绿玉] — dann ist beides berücksichtigt.“
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Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Taugt nichts, taugt nichts!“
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Damit führte er die Gesellschaft ins Gebäude. Die Räume waren ganz anders eingerichtet als die bisherigen — man konnte gar keine Zimmerwände ausmachen, denn an allen vier Seiten standen durchbrochen geschnitzte Holzwände mit den verschiedensten Motiven: ‘Fließende Wolken und hundert Fledermäuse’, ‘Die drei Freunde der kalten Jahreszeit’, Landschaften und Figuren, Vögel und Blumen, zusammengesetzte Muster und gelehrte Altertümer, ‘Zehntausendfaches Glück und Langlebigkeit’ — alles von Meisterhand geschnitzt und mit fünffarbigem Gold und eingelassenen Edelsteinen verziert. Zwischen den einzelnen Abschnitten gab es Büchernischen, Stellen für Räuchergefäße, Plätze für Pinsel und Tusche, für Blumenvasen und Topflandschaften. Die Formen der Öffnungen waren alle verschieden: rund wie der Himmel und eckig wie die Erde, wie Sonnenblumenblätter oder Bananenblätter, als verschlungene Ringe oder Halbmonde. Es war ein einziges Fest für die Augen, durchsichtig und zierlich. Bald erblickte man fünffarbige Gaze — und es war ein kleines Fenster; bald sah man bunte Seide — und es war eine verborgene Tür. Die gesamten Wände waren mit Nischen versehen, die der Form von Antiquitäten und Kostbarkeiten folgten: Zithern, Schwerter, hängende Vasen und Tischparavents — alles an der Wand befestigt, doch bündig mit der Wandfläche.
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Alle sagten: „Wie kunstvoll ausgedacht! Wie kommt man nur auf solche Ideen?“
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Als Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter eintraten, hatten sie nach zwei Raumabschnitten bereits die Orientierung verloren. Links schien eine Tür hindurchzuführen, rechts versperrte ein Fenster den Weg; ging man darauf zu, stand ein Bücherregal im Weg. Beim Umkehren sah man wieder durchscheinendes Gaze-Fenster und einen begehbaren Durchgang, doch vor der Tür kam ihnen plötzlich eine Gruppe Menschen entgegen, die genauso aussahen wie sie selbst — es war ein großer Spiegel aus Glas. Als sie um den Spiegel herumgingen, wurden die Durchgänge nur noch zahlreicher.
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Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir, Herr. Durch diese Tür kommt man in den Hinterhof, und von dort ist der Ausgang näher als der Weg zurück.“
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Nach zwei weiteren Durchgängen durch Gaze-Vorhänge und Brokat-Trennwände fanden sie tatsächlich eine Tür zum Hinterhof, der voller Wildrosenranken und Hagebutten war. Als sie um die Blumenwand bogen, versperrte ein klarer Bach den Weg.
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Alle fragten erstaunt: „Woher kommt dieses Wasser?“
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Herrlichkeit Kaufmann zeigte in die Ferne: „Es fließt von der Schleuse dort durch jene Grottenöffnung, wird im Nordosten um den Berg ins Dorf geleitet, dann teilt es sich und fließt nach Südwesten, bis es hier wieder zusammenkommt und durch die Mauer nach draußen abfließt.“
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Alle sagten: „Genial, genial!“
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Plötzlich versperrte ein großer Berg den Weg. Alle riefen: „Wir haben uns verirrt!“ Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir!“ Er ging voran, und als sie am Fuß des Berges eine Biegung machten, lag plötzlich ein weiter, ebener Weg vor ihnen, und das große Haupttor kam in Sicht.
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Alle sagten: „Was für ein Vergnügen! Wahrlich ein Meisterwerk der Gestaltungskunst!“ Damit gingen sie alle hinaus.
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Schatzjade jedoch dachte noch immer an das Innere des Gartens und wartete auf eine Anweisung seines Vaters. Da er keine erhielt, folgte er ihm notgedrungen bis ins Arbeitszimmer. Dort fiel es Aufrecht Kaufmann plötzlich ein und er fuhr ihn an: „Du bist noch immer hier? Hast du nicht genug gesehen? Denkst du nicht daran, dass die Großmutter sich Sorgen macht? Geh sofort hinein! Sie verwöhnt dich ganz umsonst.“
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Als Schatzjade das hörte, zog er sich erleichtert zurück.
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[Ende des siebzehnten Kapitels]
  
Aus: Jinyuyuan 1889a.
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== Anmerkungen ==
Jetzt wandte sich Djia Dschëng wirklich an Bau-yü und befahl ihm, etwas vorzuschlagen. „Bei den Alten heißt es: ‚Lieber etwas Bekanntes zitieren als etwas Neues ersinnen, besser einen alten Text aufs neue drucken als einen neuen zusammenstellen‘“, sagte Bau-yü. „Außerdem ist dies hier keiner der Hauptgipfel und keine der eigentlichen Szenerien, sondern nur der Anfang des Weges. Deshalb ist es das beste, einfach zu schreiben ‚Auf gewundenem Pfad zu verborgenen Stätten‘.Dieses Zitat hat etwas Würdevolles.“
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<references />
„Ganz hervorragend!“ lobten die Begleiter. „Der junge Herr ist hochtalentiert und allseitig beschlagen, ganz anders als wir, die wir uns an den Büchern dummgelesen haben.“
 
„Ihr dürft ihn nicht so unverdient loben“, sagte Djia Dschëng. „Er ist noch klein und bringt das Wenige, das er weiß, überall zur Geltung. Aber damit macht er sich ja nur lächerlich. Über die Vorschläge entscheiden wir später!“
 
Damit traten sie durch eine Grotte und erblickten schattig-grüne erlesene Bäume und prächtig-bunte seltene Blumen. Ein klarer Wasserlauf, der gewunden aus dem Dickicht trat, verlor sich zwischen den Felsen. Ein paar Schritte weiter nach Norden öffnete sich eine weite ebene Fläche. Auf beiden Seiten ragten hohe Gebäude zum Himmel auf, deren verzierte Dächer und geschmückte Balustraden zwischen Felsen und Bäumen verborgen waren. Von oben gesehen, leuchtete der klare Bach wie Schnee, die Stufen zwischen den Felsen schienen durch die Wolken zu führen. Ein Geländer aus weißem Stein faßte einen Teich ein, und eine Brücke mit drei Bögen, die mit Tierköpfen geschmückt war, führte darüber hinweg. Auf der Brücke stand ein Pavillon, in dem sich Djia Dschëng mit seinen Begleitern hinsetzte. Dann fragte er: „Wie würdet Ihr diesen Platz nennen?“
 
„In Ouyang Hsius‚Notiz über den Pavillon des trunkenen Alten‘ heißt es: ‚Dort steht ein Pavillon, der ist wie geflügelt.‘ Darum sollte man diesen Platz nennen ‚Wie geflügelt‘“, schlugen sie vor.
 
„‚Wie geflügelt‘ ist wohl gut“, sagte Djia Dschëng, „aber dieser Pavillon ist über dem Wasser erbaut, darum muß sich auch die Inschrift auf das Wasser beziehen. Mir scheint, da es bei Ouyang Hsiu auch heißt ‚Ein Bächlein rinnt zwischen zwei Gipfeln hervor‘, sollte man das Wort ‚rinnen‘ verwenden.“
 
„Ausgezeichnet!“ sagte einer seiner Schützlinge. „Der Name ‚Rinnender Jade‘ wäre schön.“
 
Djia Dschëng strich sich über den Bart und dachte nach. Dann hob er den Kopf, und sein Blick fiel auf Bau-yü, der wartend am Rande stand. Lächelnd befahl er ihm, ebenfalls einen Vorschlag zu machen.
 
„Eure Erwägung war schon recht“, erwiderte Bau-yü rasch. „Aber wenn man die Sache überdenkt, ist das Wort ‚rinnen‘ wohl für die Brauerquelle bei Ouyang Hsiu angebracht, nicht aber für diesen Quell. Noch dazu ist dies die Stätte für den Besuch einer kaiserlichen Nebenfrau, und so fallen die Namen unter das Reglement, das für Hofgedichte gilt. Da sind diese Wörter wohl zu grob und unedel. Man müßte etwas ausdenken, was feinsinniger ist.“
 
„Wie findet Ihr das?“ fragte Djia Dschëng. „Als sich vorhin alle etwas Neues ausgedacht hatten, sagt er, es sei besser, etwas Altes zu zitieren. Und nachdem wir jetzt Altes zitiert haben, sagt er, es sei grob und unpassend. – Sag mir einmal, was du vorschlagen würdest!“
 
„Besser als ‚Rinnender Jade‘ wäre wohl ‚Durchtränkt mit Duft‘, das ist neuartig und elegant“, sagte Bau-yü.
 
„Zwei Schriftzeichen für eine Inschrift machen keine Schwierigkeiten“, sagte Djia Dschëng jetzt. „Bilde auch noch einen Parallelsatz dazu!“
 
Da nahm Bau-yü in dem Pavillon Aufstellung, blickte sich nach allen vier Seiten um, und als ihm die Eingebung kam, sprach er:
 
„Ringsum am Deich leihen Weiden ihr Grün,
 
jenseits vom Land spenden Blumen den Duft.“
 
Djia Dschëng nickte nur lächelnd, die Begleiter aber fanden kein Ende mit ihrem Lob.
 
Nun verließen sie den Pavillon und gingen auf die andere Seite des Teiches. Jeder Berg, jeder Fels, jede Blume und jeder Baum, alles wurde aufmerksam betrachtet. Endlich erblickten sie eine weißgetünchte Mauer, die ein Gebäude, das hinter unzähligen Bambushalmen versteckt lag, umschloß.
 
„Welch schöner Ort!“ riefen alle aus und traten durchs Tor. Von hieraus führte ein Wandelgang im Zickzack hinein, vor der Plattform war alles mit Steinen gepflastert. Das Gebäude darauf maß drei Säulenzwischenräume, in einen Raum führte die Tür, die anderen hatten nach außen nur Fenster. Drinnen war alles den Raumverhältnissen entsprechend mit Betten, Tischen und Stühlen ausgestattet. Vom Innenraum führte eine kleine Tür in den Hinterhof, wo große blühende Birnbäume und Bananenstauden wuchsen. Außerdem gab es hier noch zwei winzige Anbauten. Durch eine Öffnung unter der Hofmauer ergoß sich ein Quell in einen Graben, der nicht breiter war als ein Tschï. Er führte vor der Plattform um das Haus herum in den Vorderhof, schlängelte sich durch den Bambushain und floß hinaus.
 
„Hier ist es nicht schlecht“, sagte Djia Dschëng. „Wenn man hier in einer Mondnacht am Fenster seine Bücher lesen könnte, brauchte man sich nicht zu beklagen, man habe sein Leben sinnlos vertan.“ Nach diesen Worten warf er Bau-yü einen Blick zu, und dieser senkte erschrocken den Kopf. Aber rasch verwendeten sich die Gäste für ihn. Dann sagten sie: „Hier müßte eine Inschrift aus vier Schriftzeichen angebracht werden.“
 
„Und welche vier Schriftzeichen sollten das sein?“ fragte Djia Dschëng lächelnd.
 
„Ein Restchen der Landschaft am Tji“,schlug einer vor.
 
„Zu gewöhnlich“, wandte Djia Dschëng ein.
 
„Edle Spuren des Gartens Suee“,empfahl ein anderer.
 
„Ebenfalls zu gewöhnlich“, entschied Djia Dschëng.
 
„Das beste ist, Vetter Bau-yü schlägt etwas vor“, warf Djia Dschën ein.
 
„Bevor er etwas vorschlägt, läßt er sich über die andern aus, und man sieht, wie leichtfertig sein Urteil ist“, sagte Djia Dschëng.
 
„Er urteilt nur zu gerecht“, sagten die Begleiter. „Es ist nichts dagegen einzuwenden.“
 
„Ihr dürft ihm nicht einfach alles nachsehen“, sagte Djia Dschëng rasch. Dann fuhr er, an Bau-yü gewandt, fort: „Heute wollen wir dir deinen Unsinn durchgehen lassen. Also gib zuerst dein Urteil ab und dann bring etwas Eigenes vor! War etwas von dem zu gebrauchen, was eben vorgeschlagen wurde?“
 
„Mir erscheint nichts davon angemessen“, antwortete Bau-yü.
 
„Und warum nicht?“ fragte Djia Dschëng mit spöttischem Lächeln.
 
„Dies ist das erste Gebäude, das die kaiserliche Nebenfrau aufsuchen wird“, sagte Bau-yü. „Deshalb muß die Inschrift eine Huldigung sein. Und wenn sie aus vier Schriftzeichen bestehen soll, gibt es schon ein klassisches Zitat. Man muß also nichts Neues schaffen.“
 
„Die Landschaft am Tji und der Garten Suee sind wohl nichts Klassisches?“ fragte Djia Dschëng.
 
„Das ist zu abgegriffen“, sagte Bau-yü. „Besser ist ‚Ein Phönix kommt zu Besuch‘.“
 
Alle äußerten stürmisch ihren Beifall. Auch Djia Dschëng nickte, aber dann sagte er: „Welch enger Blick! Nun noch einen Parallelsatz dazu!“
 
Und Bau-yü rezitierte:
 
„Grün steigt der Dunst vom Teekessel auf,
 
kühl sind vom Schachspiel die Finger.“
 
„Daran kann ich nichts Besonderes finden“, sagte Djia Dschëng kopfschüttelnd und trat an der Spitze seiner Begleiter hinaus. Als er eben losgehen wollte, fiel ihm plötzlich etwas ein, und er fragte Djia Dschën: „Die Häuser sind fertig, Tische und Stühle stehen auch darin, aber was ist mit Vorhängen und Matten, Raumschmuck und Antiquitäten? Ist davon auch für jeden Ort etwas da?“
 
„Von der Ausstattung ist schon vieles beisammen“, berichtete Djia Dschën. „Natürlich wird alles rechtzeitig aufgestellt, wie es sich gehört. Die Vorhänge und Matten sind noch nicht komplett, wie ich gestern von Vetter Liän hörte. Gleich als der Bau begann und die Pläne gezeichnet wurden, hat man dafür Maß genommen und die Aufträge vergeben. Ich glaube, gestern ist die Hälfte davon angekommen.“
 
Djia Dschëng hatte herausgehört, daß dies nicht Djia Dschëns Sache war, darum befahl er jemandem, Djia Liän zu holen. Nachdem dieser eingetroffen war, fragte Djia Dschëng, wie viele Sorten Matten und Vorhänge es sein müßten, wie viele schon da seien und wie viele noch fehlten.
 
Als Djia Liän die Frage hörte, zog er seine Brieftasche aus dem Stiefelschaft, holte einen Notizzettel daraus hervor, den er überflog, und dann meldete er: „Von den verschiedensten seidenen Vorhängen werden insgesamt einhundertzwanzig Stück gebraucht, davon sind gestern achtzig Stück gekommen, vierzig Stück fehlen noch. An Türvorhängen aus Bambus sind es zweihundert Stück, diese sind gestern alle eingetroffen. Dazu kommen noch zweihundert Türvorhänge aus Filz, zweihundert aus rotlackiertem Bambus und zweihundert mit bunten Blumenmustern. Von jeder Sorte haben wir schon die Hälfte bekommen, und im Herbst werden sie vollzählig sein. An Stuhltüchern, Tischverkleidungen, Bettumrandungen und Tischhüllen sind es eintausendzweihundert Stück, und auch diese sind bereits vorhanden.“
 
Während sie so im Gehen miteinander sprachen, versperrte plötzlich ein dunkler Berg ihren Weg. Sie gingen um ihn herum und erblickten halb verborgen eine niedrige gelbe Lehmmauer, die oben mit Reisstroh belegt war. Hunderte blühender Aprikosenbäume leuchteten wie loderndes Feuer oder flammende Morgenwolken. Innerhalb der Mauer standen einige strohgedeckte Häuser, außerhalb derselben aber wuchsen junge Maulbeerbäume, Ulmen, Roseneibische und Seidenspinnereichen, deren Zweige so miteinander verwoben waren, daß sie einen doppelten grünen Flechtzaun bildeten. Noch vor diesem Zaun lag am Fuße des Berges ein Dorfbrunnen mit Hebebaum, Winde und dergleichen. Weiter unten erstreckten sich endlose Felder, auf denen Gemüse grünte und blühte.
 
„Das lasse ich mir gefallen!“ sagte Djia Dschëng lächelnd. „Es ist zwar alles künstlich angelegt, aber doch erweckt der Anblick in mir den Wunsch, mich aufs Land zurückzuziehen und Bauer zu werden. Aber gehen wir hinein, um zu rasten!“
 
Da erblickten sie plötzlich, als sie eben durch das Tor des Flechtzauns treten wollten, am Wegesrand einen Stein, der ebenfalls für eine Inschrift vorgesehen sein mußte. „Wie schön, wie schön!“ riefen alle aus. „Hätte man hier eine Inschriftentafel aufgehängt, wäre die ländliche Stimmung wie weggeblasen, durch den Stein aber gewinnt sie noch. Hierzu paßt nur ein Vers von Fan Tschëng-da.“
 
„Also schlagt etwas vor!“ forderte Djia Dschëng sie auf.
 
Da sagte jemand: „Euer Sohn hat vorhin bemerkt: ‚Lieber etwas Bekanntes zitieren als etwas Neues ersinnen.‘ Für diesen Platz hier ist ein alter Ausspruch höchst treffend. Nichts könnte besser sein, als einfach zu schreiben ‚Aprikosenblütendorf‘.“
 
Lächelnd wandte sich Djia Dschëng an Djia Dschën und sagte: „Das bringt mich auf den Gedanken, daß diesem Ort zu seiner Vollkommenheit noch das Zeichen einer Weinschenke fehlt. Laß doch morgen eins anfertigen! Aber es darf nicht etwa prunkvoll aussehen, es muß eine Form haben, wie sie draußen auf dem Lande üblich ist. Du läßt es mit einem Bambusstab in einem Baumwipfel anbringen!“
 
Djia Dschën versprach es und sagte dann: „Hier können auch keine anderen Vögel gehalten werden als Gänse, Enten, Hühner und dergleichen, damit alles miteinander harmoniert.“
 
„Ausgezeichnet!“ lobten Djia Dschëng und seine Begleiter. Dann aber erläuterte Djia Dschëng: „‚Aprikosenblütendorf‘ ist wohl sehr schön, aber den Namen gibt es schon. Deshalb müßten wir erst eine Genehmigung dafür erbitten.“
 
„Richtig!“ sagten seine Schützlinge. „Aber welchen erdachten Namen könnte man wählen?“
 
Alle grübelten darüber nach, Bau-yü aber konnte seine Ungeduld nicht bezähmen, und ohne auf einen Befehl von Djia Dschëng zu warten, platzte er heraus: „In einem alten Gedicht heißt es ‚Vom Wipfel der Aprikose eine Weinflagge winkt.‘Deshalb wäre es hier das beste zu sagen ‚Zwischen Aprikosen eine Weinflagge sich zeigt.‘“
 
„Nicht schlecht!“ sagten alle. „Und es spielt auf das Aprikosenblütendorf an.“
 
„Wollte man es ‚Aprikosenblütendorf‘ nennen, wäre das der Gipfel der Geschmacklosigkeit“, sagte Bau-yü mit kühlem Lächeln. „In einem anderen alten Gedicht heißt es ‚Am Flechtzaun überm Wasser die Reisblüten duften.‘Wäre es nicht schön, ‚Reisduftdorf‘ zu sagen?“
 
„Ein hervorragender Name!“ stimmten alle begeistert zu und klatschten in die Hände. Djia Dschëng aber fuhr Bau-yü an: „Du unwissender Tropf! Da kennst du ein paar alte Dichter und hast ein paar allbekannte Verse im Kopf, und schon wagst du es, dich vor Älteren aufzuspielen. Deinen Unsinn habe ich dich nur erzählen lassen, um dich auf die Probe zu stellen und damit wir etwas zum Lachen haben. Du hast das wohl ernst genommen?“
 
Damit führte er die Gesellschaft in eines der strohgedeckten Häuser. Drinnen erblickten sie papierbespannte Fenster und hölzerne Ruhebänke, von Reichtum und Vornehmheit keine Spur. Djia Dschëng, froh gestimmt durch diesen Anblick, wandte sich zu Bau-yü und fragte: „Wie gefällt es dir hier?“
 
Rasch stießen die Begleiter Bau-yü an und soufflierten ihm, er solle sagen, es sei schön hier. Bau-yü aber ließ sich dadurch nicht beirren und antwortete: „Lange nicht so gut wie in den Räumen ‚Ein Phönix kommt zu Besuch‘.“
 
„Dummer Kerl!“ sagte Djia Dschëng. „Dir gefällt nur die widerliche Pracht rotlackierter Säulen und buntbemalter Balken, für Einfachheit und Zurückgezogenheit hast du keinen Sinn. Das kommt davon, daß du nicht die Schriften studierst.“
 
„Ihr belehrt mich zu Recht“, erwiderte Bau-yü rasch. „Aber was hat es mit dem Ausdruck ‚natürlich‘ auf sich, den die Alten häufig gebrauchten?“
 
Angesichts von Bau-yüs Verhalten fragten sich die Begleiter, warum er so unverbesserlich töricht sei, und auf seine Frage nach dem Wort ‚natürlich‘ sagten sie rasch: „Alles versteht Ihr, und was ‚natürlich‘ heißt, nicht? ‚Natürlich‘ heißt, was von Natur aus ist und nicht von Menschenhand geschaffen.“
 
„Aha!“ sagte Bau-yü. „Und wenn hier ein Bauernhof liegt, sieht man doch ganz klar, daß er willkürlich angelegt ist. Es gibt kein Dorf in der Nachbarschaft und keine Stadt in der Nähe. Der Berg dahinter gehört zu keinem Gebirge, und das Wasser davor entspringt keiner Quelle. Keine Pagode eines versteckten Klosters erhebt sich darüber, keine Brücke zu einem Markt steht davor. Einsam und verloren liegt er da und bietet keinen großartigen Anblick.
 
Wie könnte er sich mit dem vorigen Ort messen, der ein natürliches Aussehen hat und einen natürlichen Geist atmet? Sicher ist auch dort der Bambus angepflanzt und der Quell hingeleitet, aber das geht doch nicht bis zur Entstellung. Bei dem, was die Alten ein ‚natürliches Bild‘ nannten, geht es ja gerade darum, daß man nicht gewaltsam aus der falschen Stelle die richtige macht und einen Berg dort aufhäuft, wo keiner ist. So erhält man zwar hunderterlei verfeinerte Elemente, aber sie vertragen sich nicht miteinander...“
 
Noch ehe er ausgeredet hatte, rief Djia Dschëng zornig: „Hinaus!“ Aber als er eben ging, befahl er ihm schon wieder, zurückzukommen und einen Parallelsatz zu bilden. „Wenn er nichts wird, schlage ich dir für beides auf den Mund!“ drohte er.
 
So blieb Bau-yü keine Wahl, und er rezitierte:
 
„Frischespendendes Wasser erfüllt die Bucht,
 
wo man Bohnenfasern wäscht.
 
Glückverheißende Wolken umgeben den Mann,
 
der Rebdoldenblätter pflückt.“
 
„Es wird immer schlimmer“, sagte Djia Dschëng kopfschüttelnd und führte seine Gäste hinaus. Sie bogen um einen Berghang, gingen zwischen Blumen und Weiden dahin, an Felsen und Quellen vorbei, unter einem Rosenspalier und einer Laube aus Kletterrosen hindurch, an einem Strauchpäoniengarten vorüber, zu einem Hof mit Wildrosen hinein und durch eine Einfriedung mit Bananstauden hinaus. Hin und her, kreuz und quer führte sie der Weg. Plötzlich hörten sie Wasser rauschen, das sich aus einer Grotte ergoß. Von oben hingen Schlingpflanzen darüber, unten schwammen Blütenblätter darin.
 
„Welch schöne Szenerie!“ riefen alle, und Djia Dschëng fragte: „Wie wollt Ihr sie nennen?“
 
„Da gibt es nichts zu überlegen“, wurde ihm geantwortet. „Der Name ‚Quelle von Wu-ling‘paßt ganz genau.“
 
„Wieder etwas, was es schon gibt“, wandte Djia Dschëng lächelnd ein.
 
„Dann eben ‚Die alte Heimstatt der Leute aus Tjin‘“, lautete ein anderer Vorschlag.
 
„Das ist ja noch anstößiger“, sagte Bau-yü. „‚Die alte Heimstatt der Leute aus Tjin‘ spricht von der Flucht aus Wirren. Das kommt doch nicht in Frage. Was könnte besser sein als ‚Knöterichstrand und Blumengestade‘?“
 
Djia Dschëng bezeichnete das erst recht als Unsinn. Dann wollte er in die Grotte hineinfahren und erkundigte sich, ob es hier Boote gebe.
 
„Hierher kommen vier Boote zum Lotosblumenpflücken und eine Barke“, berichtete Djia Dschën. „Aber sie sind noch nicht fertig.“
 
„Schade“, sagte Djia Dschëng, „dann können wir nicht hinein.“
 
„Man kommt auch von oben über einen Pfad hinein“, erklärte Djia Dschën und setzte sich an die Spitze des Zuges. Sich an Schlingpflanzen und Bäumen haltend, gingen sie weiter. Hier schwammen noch mehr abgefallene Blüten, und das Wasser war klarer. Weit und gewunden floß es dahin. Am Rande des Teiches wuchsen zwei Reihen Trauerweiden. Mit Pfirsich- und Aprikosenbäumen vermengt, verdeckten sie den Himmel und hielten die Sonne ab. Kein Staub war hier zu sehen. Dann zeigte sich plötzlich im Schatten der Weiden eine gewundene hölzerne Brücke mit rotem Geländer, an derem anderen Ende zahlreiche Wege sich trafen. Hier erblickten sie ein sauberes ziegelgedecktes Haus, das von einer Backsteinmauer umgeben war, die ebenfalls mit Ziegeln gedeckt und mit Blumen bewachsen war. Ausläufer des Hauptgipfels der Berge zogen sich bis durch die Mauer hindurch.
 
„Welche Geschmacklosigkeit, hier ein Haus zu bauen!“ sagte Djia Dschëng.
 
Als sie dann durch das Tor traten, ragte plötzlich ein bizarrer Felsen vor ihnen auf, der von allen Seiten mit weiteren Felsbrocken umgeben war und das ganze Gebäude vor ihren Blicken verbarg. Kein einziger blühender Baum wuchs hier, nur zahllose seltsame Gewächse. Sie rankten und sprossen, hingen von den Felsspitzen herab, wuchsen aus den Spalten heraus, ja selbst von der Dachtraufe hingen sie, um die Säulen wanden sie sich, und über die Treppenstufen breiteten sie sich aus. Sie glichen flatternden grünen Bändern und zusammengerollten goldenen Stricken. Manche Früchte sahen aus wie roter Zinnober, manche Knospen wie Duftblüten aus Gold. Mit ihrem Geruch konnte sich kein Blumenduft messen.
 
„Das hat Geschmack!“ sagte Djia Dschëng unwillkürlich. „Nur kenne ich kaum welche von den Pflanzen.“
 
„Es sind Kletterfeige und Glyzine“, sagte jemand von den Begleitern.
 
„Kletterfeige und Glyzine haben nicht so einen fremdartigen Duft“, erwiderte Djia Dschëng.
 
„Sie sind es wirklich nicht“, sagte jetzt Bau-yü. „Kletterfeige und Glyzine sind zwar auch darunter, aber was da so duftet, sind Galgant und Haselwurz. Das Rote ist natürlich Purpurraute und das Grüne bestimmt Bärenklau. In den Büchern Li-sauund Wën-hsüangibt es merkwürdige Pflanzen mit solchen Namen wie huo-na und djiang-tan, lun-dsu und dsï-djiang. Andere heißen schï-fan, schuee-sung, fu-liu oder lü-ti, wieder andere dan-djiau, mi-wu und fëng-liän. Aber nach so langer Zeit und so großen Veränderungen weiß niemand mehr, was das ist, darum haben die Pflanzen andere Namen bekommen, die ihrer Form entsprechen. Es kommt auch vor, daß sich die Bezeichnung allmählich verändert hat...“
 
Noch ehe er ausgesprochen hatte, herrschte Djia Dschëng ihn an: „Dich hat keiner gefragt!“
 
Erschrocken fuhr Bau-yü zurück und wagte nichts mehr zu sagen.
 
Djia Dschëng hatte gesehen, daß auf beiden Seiten ein gedeckter Gang entlangführte. Durch diesen ging er jetzt hinein und erblickte ein Haus, das fünf Säulenzwischenräume breit war und ein Dach mit abgerundetem First hatte. Auf allen vier Seiten war es von Säulengängen umgeben. Mit seinen grünen Fenstern und den lackierten Wänden wirkte es ungleich edler als die vorigen Gebäude.
 
„Wenn man hier Tee brüht und die Zither spielt, braucht man nicht einmal Weihrauch abzubrennen“, bemerkte Djia Dschëng mit einem Seufzer. „Diese Anlage ist so etwas Außergewöhnliches, daß Ihr für ihre Inschriftentafel ein gelungenes neuartiges Motto finden müßt, um dem gerecht zu werden.“
 
„Dann paßt nichts besser als ‚Orchideenwind und Lilientau‘“, sagte einer der Begleiter.
 
„Dabei wird es wohl bleiben müssen“, sagte Djia Dschëng. „Wie ist es mit einem Parallelsatz?“
 
„Ich habe einen erdacht“, sagte jemand, „aber die andern müssen mich verbessern!“ Und er rezitierte:
 
„Moschushauch zieht durch den abendlich sonnigen Hof,
 
Galgantduft weht über die mondhelle Insel.“
 
„Gut ist das schon“, sagten seine Gefährten, „nur das ‚abendlich sonnig‘ paßt nicht hierher.“
 
„Aber es heißt doch in einem alten Gedicht ‚Die Rotalgen in meinen Händen weinen im Abendsonnenschein‘“, erwiderte er darauf.
 
„Zu traurig, zu traurig!“ hielten sie ihm vor.
 
Dann sagte ein anderer: „Ich habe auch einen Parallelsatz, Ihr müßt ihn beurteilen!“ Und er rezitierte:
 
„Im Garten weht der Duft um die Jadelilien,
 
im Hof scheint der Mond auf die Goldorchideen.“
 
Djia Dschëng strich sich schweigend den Bart und wollte selbst einen Parallelsatz vortragen, aber als er den Kopf hob, fiel sein Blick auf Bau-yü, der am Rande stand und sich nicht zu mucksen wagte.g. „Wie ist es mit einem Parallelsatz?“
 
„Ich habe einen erdacht“, sagte jemand, „aber die andern müssen mich verbessern!“ Und er rezitierte:
 
„Moschushauch zieht durch den abendlich sonnigen Hof,
 
Galgantduft weht über die mondhelle Insel.“
 
„Gut ist das schon“, sagten seine Gefährten, „nur das ‚abendlich sonnig‘ paßt nicht hierher.“
 
„Aber es heißt doch in einem alten Gedicht ‚Die Rotalgen in meinen Händen weinen im Abendsonnenschein‘“, erwiderte er darauf.
 
„Zu traurig, zu traurig!“ hielten sie ihm vor.
 
Dann sagte ein anderer: „Ich habe auch einen Parallelsatz, Ihr müßt ihn beurteilen!“ Und er rezitierte:
 
„Im Garten weht der Duft um die Jadelilien,
 
im Hof scheint der Mond auf die Goldorchideen.“
 
Djia Dschëng strich sich schweigend den Bart und wollte selbst einen Parallelsatz vortragen, aber als er den Kopf hob, fiel sein Blick auf Bau-yü, der am Rande stand und sich nicht zu mucksen wagte. „Warum schweigst du, wenn du reden sollst?“ fuhr er ihn an. „Willst du vielleicht warten, bis man dich um Belehrung bittet, oder was?“
 
„Es gibt hier weder Moschusduft noch einen hellen Mond oder etwas in der Art einer Insel“, begann Bau-yü. „Wenn man es so anfängt, kann man Hunderte von Parallelsätzen bilden und ist immer noch nicht fertig.“
 
„Wer drückt dir denn den Nacken nieder und zwingt dich, diese Wörter zu gebrauchen?“ fragte Djia Dschëng.
 
„Wenn dem so ist“, sagte Bau-yü, „ist das beste für die Inschriftentafel ‚Reiner Duft von Haselwurz und Bärenklau‘, als Parallelsatz aber
 
‚Dichtet man inmitten von Kardamom,
 
scheint das Talent zu erblühen;
 
schläft man unter dem Rosenstrauch,
 
wird auch der Traum noch duftig.‘“
 
„Das hast du doch der Zeile nachgebildet ‚Schreibt man unter Bananenblättern, scheint die Schrift zu ergrünen.‘Was ist daran schon bemerkenswert?“ fragte Djia Dschëng lächelnd.
 
„Als Li Tai-bodie ‚Phönixterrasse‘ schrieb, hat er sie ganz dem ‚Turm des Gelben Kranichs‘nachgebildet, aber sie ist besser als das Original“, sagten Djia Dschëngs Schützlinge. „Wenn man den Parallelsatz von eben genauer betrachtet, erscheint er noch feiner und lebensvoller als die Zeile vom Schreiben unter Bananenblättern, ja diese ist gleichsam seinem Satz nachgebildet.“
 
„Wo gibt‘s denn so etwas?“ fragte Djia Dschëng lächelnd darauf.
 
Nach diesen Worten gingen alle wieder hinaus und erblickten nach kurzem Fußweg mehrstöckige Hallen und hohe Türme, die von allen Seiten wie Paläste aus Jade wirkten und oben und unten durch gewundene Gänge und Galerien miteinander verbunden waren. Grüne Kiefern fegten die Dachtraufen, Jadegeländer umgaben die Plattformen. Golden glänzten die Tiermasken, bunt leuchteten die Drachenköpfe.
 
„Dies sind die Hauptgebäude“, sagte Djia Dschëng. „Sie sind nur ein wenig zu prächtig.“
 
„Sie müssen so sein“, entgegneten seine Begleiter. „Die kaiserliche Nebenfrau schätzt zwar die Bescheidenheit und verabscheut von Natur aus jeden Aufwand, aber ihrem jetzigen Rang gemäß verlangt die Etikette es so, wie es ist, und nichts ist daran übertrieben.“
 
Bei diesen Worten waren sie weitergegangen und standen jetzt vor einem steinernen Schmucktor, das oben mit Drachen verziert und fein behauen war.
 
„Welche Inschrift könnte man hier anbringen?“ fragte Djia Dschëng.
 
„Am besten ‚Feenreich Pëng-lai‘“ schlugen seine Begleiter vor. Djia Dschëng schüttelte den Kopf, ohne etwas zu sagen.
 
Kaum hatte Bau-yü diesen Ort erblickt, regte sich etwas in seinem Herzen, und er begann zu grübeln. Ihm schien, er müßte das alles schon einmal gesehen haben, aber er kam nicht darauf, wann das gewesen sein könnte. Jetzt befahl ihm Djia Dschëng, eine Inschrift zu entwerfen, aber Bau-yüs Gedanken waren so tief in der Vergangenheit versunken, daß er nichts davon hörte. Djia Dschëngs Schützlinge, die nicht wußten, was in Bau-yü vorging, glaubten nicht anders, als daß sein Talent und seine Dichtergabe durch die Anstrengungen dieses halben Tages erschöpft seien und daß er durch weiteres Drängen den Kopf verlieren könnte oder daß ein Unglück daraus entstehen würde, womit keinem gedient sei, darum rieten sie rasch: „Genug, genug! Soll er die Inschrift morgen entwerfen!“
 
Djia Dschëng seinerseits hatte die Befürchtung, die Herzoginmutter könnte sich Sorgen machen, darum sagte er mit spöttischem Lächeln: „Kommt auch für dich einmal der Augenblick, wo du nicht mehr weiterweißt! Also gut, ich gebe dir einen Tag Zeit. Aber wenn es morgen immer noch nicht geht, kenne ich keine Gnade. Dies ist ein wichtiger Ort, die Inschrift dafür will sorgfältig durchdacht sein.“ Mit diesen Worten führte er die Gesellschaft weiter, um die Besichtigung fortzusetzen, denn vom Eingangstor bis hierher hatten sie erst fünf oder sechs Zehntel des Ganzen gesehen. Aber da wurde eben gemeldet, Djia Yü-tsun habe jemanden geschickt, um etwas auszurichten.
 
„Da können wir die übrigen Stellen nicht mehr besichtigen“, sagte Djia Dschëng lächelnd. „Dennoch wollen wir dort entlang hinausgehen, denn wenn wir uns auch nichts genau ansehen können, wollen wir doch einen Blick darauf werfen!“ Und damit setzte er sich wieder an die Spitze des Zuges.
 
Als sie an eine große Brücke kamen, sahen sie, wie das Wasser gleich einem kristallenen Vorhang darunter hereinströmte. Hier war das Wehr, das die Wasserläufe des Gartens mit dem Fluß verband.
 
„Wie soll dieses Wehr heißen?“ fragte Djia Dschëng.
 
„Hierher kommt das Wasser ‚Durchtränkt mit Duft‘, darum müßte es ‚Duftgetränktes Wehr‘ heißen“, sagte Bau-yü.
 
„Unsinn!“ erwiderte Djia Dschëng. „Gerade ‚duftgetränkt‘ soll es nicht heißen.“
 
Sie gingen weiter an schmucken Häusern und strohgedeckten Hütten vorbei, an Mauern aus Stein und an durchbrochenen Hecken aus blühenden Sträuchern, an einem versteckten Nonnenkloster am Fuße eines Berges und an einer entlegenen Einsiedelei inmitten eines Waldes, an langen Wandelgängen und an verschlungenen Grotten, an eckigen Hallen und runden Pavillons. Aber nirgends konnte Djia Dschëng es sich leisten einzutreten. Weil aber nach dem langen Herumlaufen ohne eine Pause allen die Beine schmerzten und eben wieder ein Gehöft auftauchte, schlug Djia Dschëng vor: „Hier wollen wir hineingehen, um ein wenig zu rasten!“
 
Damit führte er sie um einen blühenden Pfirsichbaum mit gefüllten Blüten herum und durch ein kreisrundes Mondtor in einem mit Blumen bewachsenen Flechtzaun aus Bambus hindurch. Dahinter erblickten sie eine weißgetünchte Mauer und grüne Trauerweiden. Innerhalb der Mauer zogen sich auf beiden Seiten gedeckte Wandelgänge hin, und der Hof war mit mehreren Felsbrocken verziert. Auf seiner einen Seite wuchsen Bananenstauden, auf der anderen ein Zierapfelbaum, der gewachsen war wie ein Schirm. Seine Zweige waren wie grüne Seide, die Blüten wie roter Zinnober.
 
„Welch herrliche Blüten!“ rief alles begeistert aus. „Wir haben schon viele Zierapfelbäume gesehen, aber so etwas nie!“
 
„Er heißt Mädchen-Zierapfel und ist eine ausländische Sorte“, erläuterte Djia Dschëng. „Der Volksmund behauptet, er komme aus dem Amazonenreich und dort sei diese Sorte weit verbreitet. Aber das ist haltloses Geschwätz.“
 
„Aber wenn das nicht belegt ist, wie konnte sich dann der Name durch die Zeiten erhalten?“ fragten seine Begleiter.
 
„Wahrscheinlich hat ein Dichter ihn so genannt, weil die Blüten rot sind wie Schminke und durch ihre Zartheit mädchenhaft wirken“, sagte Bau-yü. „Ein einfacher Mann, der den Namen hörte, mag eine Erwähnung in einem inoffiziellen Geschichtswerkals Beleg angesehen haben, und unwissende Schwätzer verbreiteten die Sache weiter, bis jedermann sie für wahr hielt.“ Alle lobten diese Erklärung, und während sie sich weiter unterhielten, nahmen sie auf Ruhebänken in einem Anbau Platz.
 
„Habt Ihr ein paar Schriftzeichen für eine originelle Inschrift parat?“ fragte Djia Dschëng.
 
„Bananen und Kraniche“, schlug jemand vor.
 
„Besser wäre ‚Erhabener Glanz, fließende Pracht‘“ sagte ein anderer.
 
„Nicht schlecht, nicht schlecht“, lobten Djia Dschëng und der Rest der Gesellschaft.
 
„Ausgezeichnet“, sagte auch Bau-yü, fügte dann aber seufzend hinzu: „Schade ist es trotzdem.“
 
„Wieso schade?“ fragten alle.
 
„Wenn hier Bananenstauden und ein Zierapfelbaum wachsen, legt das die Wörter ‚rot‘ und ‚grün‘ nahe“, erwiderte Bau-yü. „Spricht man nur von den Zierapfelblüten, fehlen die Bananen, und umgekehrt fehlen die Zierapfelblüten, wenn man nur von den Bananen spricht. Die Zierapfelblüten dürfen aber nicht fehlen und noch weniger die Bananen.“
 
„Was würdest du also vorschlagen?“ fragte Djia Dschëng.
 
„Ich finde, es ist alles enthalten, wenn man sagt ‚Roter Duft und grüner Jade‘“ antwortete Bau-yü.
 
„Nicht gut“, sagte Djia Dschëng und schüttelte den Kopf. „Gar nicht gut.“ Und mit diesen Worten führte er die Gesellschaft ins Haus.
 
Hier stellten sie fest, daß es anders eingerichtet war als die übrigen Gebäude, die sie gesehen hatten. Das Haus war nicht in einzelne Räume unterteilt, es gab nur zierlich geschnitzte Trennwände, die Muster zeigten wie Fledermäuse zwischen Wolken,die drei Freunde der kalten Jahreszeit,Landschaften und Figuren, Vögel und Blumen, Ziergegenstände und Antiquitäten oder die stilisierten Schriftzeichen ‚zehntausendfaches Glück und ewiges Leben‘. Alles war von Meisterhand geschnitzt, farbig bemalt, vergoldet und mit Jade eingelegt. In diesen Trennwänden waren Stellen ausgespart, um Bücher abzulegen, Bronzegefäße aufzustellen, Schreibzeug unterzubringen oder Vasen und Topflandschaften zu plazieren. Die Trennwände selbst waren von unterschiedlicher Gestalt – rund wie der Himmel,quadratisch wie die Erde, sonnenblumen- oder bananenblattförmig oder aber wie miteinander verschlungene Ringe und halbierte runde Jadescheiben.
 
Es war wirklich eine üppige Pracht, zugleich aber fein und erlesen. Hier ein Fensterchen, beklebt mit bunter Gaze, dort ein Durchgang, hinter einem farbigen Vorhang verborgen. In allen Wänden aber fanden sich Vertiefungen in der Form von Antiquitäten wie Zithern, Schwertern, Vasen und kleinen Setzschirmen, so daß die Gegenstände, die darin hingen, nicht aus der Wand hervortraten.
 
„Welch schöner Einfall!“ lobten alle. „Wer mag sich das ausgedacht haben?“
 
Djia Dschëng war mit seinen Begleitern noch nicht weit gekommen, als sie sich verlaufen hatten. Auf der linken Seite war eine Tür, durch die sie gehen konnten, rechts im Hintergrund ein Fenster. Aber als sie sich zu der Tür wandten, versperrte ihnen plötzlich eine Stellage mit Büchern den Weg, also machten sie kehrt und erblickten den Weg zu einer anderen Tür, auf den das Licht durch ein weiteres Gazefenster fiel. Im Näherkommen sahen sie plötzlich, wie ihnen eine Gruppe von Leuten entgegenkam, die genauso aussahen wie sie selbst, und da merkten sie, daß es ein großer Glasspiegel war, der ihr Bild zurückwarf. Sie gingen um den Spiegel herum, aber da war eine Vielzahl von Türen.
 
„Folgt mir, gnädiger Herr!“ sagte Djia Dschën lächelnd. „Hier führt eine Tür auf den Hinterhof, und von dort haben wir es ein Stück näher.“ Damit bog er um zwei gazebespannte Trennwände, und hier war tatsächlich eine Tür, durch die sie hinauskamen. Im Hof fanden sie ein Spalier duftender Rosen, und als sie um die Blütenhecke gebogen waren, lag ein grünes Bächlein vor ihnen.
 
„Woher kommt denn das Wasser hier?“ fragten alle verwundert. Djia Dschën wies mit der Hand in die Ferne und erklärte: „Vom Wehr fließt es zur Grotte, dann wird es durch das Tal im Nordosten zum Bauernhof geführt, dort zweigt ein Arm davon nach Südwesten ab. Hier nun vereinigt es sich wieder und fließt dort unter der Mauer hinaus.“
 
„Genial!“ sagten alle, und als sie das eben sagten, stellten sie plötzlich fest, daß ihnen ein Berg den Weg versperrte. „Wir haben uns verlaufen“, sagten sie. Djia Dschën aber forderte sie lächelnd auf: „Folgt mir nur!“ und schritt voran. Alle gingen hinter ihm her, und kaum daß sie um den Fuß des Berges gebogen waren, lag ein glatter breiter Weg vor ihnen. Weiter vorn war das Tor ungehindert zu sehen.
 
„Wie interessant!“ sagten alle. „Das ist wirklich der Gipfel an Einfallsreichtum.“ Und damit gingen sie hinaus.
 
Bau-yü sehnte sich von ganzem Herzen in seine Zimmer zurück, da er aber von Djia Dschëng keinerlei Anweisung erhielt, ging er notgedrungen bis in die Bibliothek mit. Dort fiel Djia Dschëng seine Anwesenheit plötzlich wieder auf, und er fuhr ihn an: „Willst du nicht endlich verschwinden? Bist du immer noch nicht genug herumgelaufen? Du kannst dir wohl nicht denken, daß sich die alte gnädige Frau um dich sorgt, wenn du so lange weg bleibst? Also geh jetzt hinein! Für nichts und wieder nichts hat sie dich so gern.“
 
 
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Latest revision as of 19:29, 28 April 2026

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中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

詩曰:豪華雖足羡,離別卻難堪。博得虛名在,誰人識苦甘?

  話說秦鐘既死,寶玉痛哭不已,李貴等好容易勸解半日方住,歸時猶是凄惻哀痛。賈母幫了幾十兩銀子,外又備奠儀,寶玉去吊紙。七日後便送殯掩埋了,別無記述。只有寶玉日日思慕感悼,然亦無可如何了。   又不知歷過幾日何時,這日賈珍等來回賈政:「園內工程俱已告竣,大老爺已瞧過了,只等老爺瞧了,或有不妥之處,再行改造,好題匾額對聯的。」賈政聽了,沉思一回,說道:「這匾額對聯倒是一件難事。論理該請貴妃賜題才是,然貴妃若不親睹其景,大約亦必不肯妄擬;若直待貴妃游幸過再請題,偌大景緻,若干亭榭,無字標題,也覺寥落無趣,任有花柳山水,也斷不能生色。」眾清客在旁笑答道:「老世翁所見極是。如今我們有個愚見:各處匾額對聯斷不可少,亦斷不可定名。如今且按其景緻,或兩字、三字、四字,虛合其意,擬了出來,暫且做出燈匾聯懸了。待貴妃游幸時,再請定名,豈不兩全?」賈政等聽了,都道:「所見不差。我們今日且看看去,只管題了,若妥當便用;不妥時,然後將雨村請來,令他再擬。」眾人笑道:「老爺今日一擬定佳,何必又待雨村。」賈政笑道:「你們不知,我自幼於花鳥山水題詠上就平平;如今上了年紀,且案牘紛煩,於這怡情悅性文章上更生疏了,縱擬了出來,不免迂腐古板,反不能使花柳園亭生色,似不妥協,反沒意思。」眾清客笑道:「這也無妨。我們大家看了公擬,各舉其長,優則存之,劣則刪也,未為不可。」賈政道:「此論極是。且喜今日天氣和暖,大家去逛逛。」說著起身,引眾人前往。   賈珍先去園中知會眾人。可巧近日寶玉因思念秦鐘,憂戚不盡,賈母常命人帶他到園中來戲耍。此時亦才進去,忽見賈珍走來,向他笑道:「你還不出去,老爺就來了。」寶玉聽了,帶著奶娘小廝們,一溜煙就出園來。方轉過彎,頂頭賈政引眾客來了,躲之不及,只得一邊站了。賈政近日因聞得塾掌稱讚寶玉專能對對聯,雖不喜讀書,偏倒有些歪才情似的,今日偶然撞見這機會,便命他跟來。寶玉只得隨往,尚不知何意。   賈政剛至園門前,只見賈珍帶領許多執事人來,一旁侍立。賈政道:「你且把園門都關上,我們先瞧了外面再進去。」賈珍聽說,命人將門關了。賈政先秉正看門。只見正門五間,上面桶瓦泥鰍脊;那門欄窗隔,皆是細雕新鮮花樣,並無朱粉塗飾;一色水磨群牆,下面白石台磯,鑿成西番草花樣。左右一望,皆雪白粉牆,下面虎皮石,隨勢砌去,果然不落富麗俗套,自是歡喜。遂命開門,只見迎門一帶翠嶂擋在前面。眾清客都道:「好山,好山!」賈政道:「非此一山,一進來園中所有之景悉入目中,則有何趣。」眾人道:「極是。非胸中大有邱壑,焉想及此。」說著,往前一望,見白石崚嶒,或如鬼怪,或如猛獸,縱橫拱立,上面苔蘚成斑,藤蘿掩映,其中微露羊腸小徑,賈政道:「我們就從此小徑游去,回來由那一邊出去,方可遍覽。」   說畢,命賈珍在前引導,自己扶了寶玉,逶迤進入山口。抬頭忽見山上有鏡面白石一塊,正是迎面留題處。賈政回頭笑道:「諸公請看,此處題以何名方妙?」眾人聽說,也有說該題「疊翠」二字,也有說該題「錦嶂」的,又有說「賽香爐」的,又有說「小終南」的,種種名色,不止幾十個。原來眾客心中早知賈政要試寶玉的功業進益何如,只將些俗套來敷衍。寶玉亦料定此意。賈政聽了,便回頭命寶玉擬來。寶玉道:「嘗聞古人有云:『編新不如述舊,刻古終勝雕今。』況此處並非主山正景,原無可題之處,不過是探景一進步耳。莫如直書『曲徑通幽處』這舊句舊詩在上,倒還大方氣派。」眾人聽了,都贊道:「是極!二世兄天分高,才情遠,不似我們讀腐了書的。」賈政笑道:「不可謬獎。他年小,不過以一知充十知用,取笑罷了。再俟選擬。」   說著,進入石洞來,只見佳木籠蔥,奇花熌灼,一帶清流,從花木深處曲折瀉於石隙之下。再進數步,漸向北邊,平坦寬豁,兩邊飛樓插空,雕甍繡檻,皆隱於山坳樹杪之間。俯而視之,則清溪瀉雪,石磴穿雲,白石為欄,環抱池沿,石橋三港,獸面銜吐。橋上有亭。賈政與諸人上了亭子,倚欄坐了,因問:「諸公以何題此?」諸人都道:「當日歐陽公《醉翁亭記》有云:『有亭翼然。』就名『翼然』。」賈政笑道:「『翼然』雖佳,但此亭壓水而成,還須偏於水題方稱。依我拙裁,歐陽公之『瀉出於兩峰之間』,竟用他這一個『瀉』字。」有一客道:「是極,是極。竟是『瀉玉』二字妙。」賈政拈髯尋思,因抬頭見寶玉侍側,便笑命他也擬一個來。寶玉聽說,連忙回道:「老爺方纔所議已是。但是如今追究了去,似乎當日歐陽公題釀泉用一『瀉』字則妥,今日此泉若亦用『瀉』字,則覺不妥。況此處雖為省親駐蹕別墅,亦當入於應制之例,用此等字眼,亦覺粗陋不雅。求再擬較此蘊藉含蓄者。」賈政笑道:「諸公聽此論若如?方纔眾人編新,你又說不如述古;如今我們述古,你又說粗陋不妥。你且說你的來我聽。」寶玉道:「有用『瀉玉』二字,則莫若『沁芳』二字,豈不新雅?」賈政拈髯點頭不語。眾人都忙迎合,贊寶玉才情不凡。賈政道:「匾上二字容易,再作一副七言對聯來。」寶玉聽說,立於亭上,四顧一望,便機上心來,乃念道:

    繞堤柳借三篙翠,     隔岸花分一脈香。

  賈政聽了,點頭微笑。眾人先稱讚不已。   於是出亭過池,一山一石,一花一木,莫不著意觀覽。忽抬頭看見前面一帶粉垣,裡面數楹修舍,有千百竿翠竹遮映。眾人都道:「好個所在!」於是大家進入,只見入門便是曲折游廊,階下石子漫成甬路。上面小小兩三間房舍,一明兩暗,裡面都是合著地步打就的床幾椅案。從裡間房內又得一小門,出去則是後院,有大株梨花兼著芭蕉。又有兩間小小退步。後院牆下忽開一隙,得泉一派,開溝僅尺許,灌入牆內,繞階緣屋至前院,盤旋竹下而出。   賈政笑道:「這一處還罷了。若能月夜坐此窗下讀書,不枉虛生一世。」說畢,看著寶玉,唬的寶玉忙垂了頭。眾客忙用話開釋,又說道:「此處的匾該題四個字。」賈政笑問:「那四字?」一個道是「淇水遺風。」賈政道:「俗。」又一個是「睢園遺跡」 。賈政道:「也俗。」賈珍笑道:「還是寶兄弟擬一個來。」賈政道:「他未曾作,先要議論人家的好歹,可見就是個輕薄人。」眾客道:「議論的極是,其奈他何。」賈政道:「休如此縱了他。」因命他道:「今日任你狂為亂道,先設議論來,然後方許你作。方纔眾人說的,可有使得的?」寶玉見問,答道:「都似不妥。」賈政冷笑道:「怎麼不妥?」寶玉道:「這是第一處行幸之處,必須頌聖方可。若用四字的匾,又有古人現成的,何必再作。」賈政道:「難道『淇水』『睢園』不是古人的?」寶玉道:「這太板腐了。莫若『有鳳來儀』四字。」眾人都哄然叫妙。賈政點頭道:「畜生,畜生,可謂『管窺蠡測』矣。」因命:「再題一聯來。」寶玉便念道:

    寶鼎茶閒煙尚綠,     幽窗棋罷指猶涼。

  賈政搖頭說道:「也未見長。」說畢,引眾人出來。   方欲走時,忽又想起一事來,因問賈珍道:「這些院落房宇並几案桌椅都算有了,還有那些帳幔帘子並陳設玩器古董,可也都是一處一處合式配就的?」賈珍回道:「那陳設的東西早已添了許多,自然臨期合式陳設。帳幔帘子,昨日聽見璉兄弟說,還不全。那原是一起工程之時就畫了各處的圖樣,量準尺寸,就打發人辦去的。想必昨日得了一半。」賈政聽了,便知此事不是賈珍的首尾,便令人去喚賈璉。   一時賈璉趕來。賈政問他共有幾種,現今得了幾種,尚欠幾種。賈璉見問,忙向靴桶取靴掖內裝的一個紙折略節來,看了一看,回道:「妝蟒繡堆、刻絲彈墨並各色綢綾大小幔子一百二十架,昨日得了八十架,下欠四十架。帘子二百掛,昨日俱得了。外有猩猩氈簾二百掛,金絲藤紅漆竹簾二百掛,墨漆竹簾二百掛,五彩線絡盤花簾二百掛,每樣得了一半,也不過秋天都全了。椅搭、桌圍、床裙、桌套,每分一千二百件,也有了。」   一面走,一面說,倏爾青山斜阻。轉過山懷中,隱隱露出一帶黃泥築就牆,牆頭上皆稻莖掩護。有幾百株杏花,如噴火蒸霞一般。裡面數楹茅屋。外面卻是桑、 榆、槿、柘,各色樹稚新條,隨其曲折,編就兩溜青籬。籬外山坡之下,有一土井,旁有桔槔轆轤之屬。下面分畦列畝,佳蔬菜花,漫然無際。   賈政笑道:「倒是此處有些道理。固然系人力穿鑿,此時一見,未免勾引起我歸農之意。我們且進去歇息歇息。」說畢,方欲進籬門去,忽見路旁有一石碣,亦為留題之備。眾人笑道:「更妙,更妙!此處若懸匾待題,則田舍家風一洗盡矣。立此一碣,又覺生色許多,非范石湖田家之詠不足以盡其妙。」賈政道:「諸公請題。」眾人道:「方纔世兄有云,『編新不如述舊』,此處古人已道盡矣,莫若直書『杏花村』妙極。」賈政聽了,笑向賈珍道:「正虧提醒了我。此處都妙極,只是還少一個酒幌,明日竟作一個,不必華麗,就依外面村莊的式樣作來,用竹竿挑在樹梢。」賈珍答應了,又回道:「此處竟還不可養別的雀鳥,只是買些鵝鴨雞類,才都相稱了。」賈政與眾人都道:「更妙。」賈政又向眾人道:「『杏花村』固佳,只是犯了正名,村名直待請名方可。」眾客都道:「是呀。如今虛的,便是什麼字樣好?」大家想著,寶玉卻等不得了,也不等賈政的命,便說道:「舊詩云:『紅杏梢頭掛酒旗。』如今莫若『杏簾在望』四字。」眾人都道:「好個『在望』!又暗合『杏花村』意。」寶玉冷笑道:「村名若用『杏花』二字,則俗陋不堪了。又有古人詩雲:『柴門臨水稻花香。』何不就用『稻香村』的妙?」眾人聽了,亦發哄聲拍手道:「妙!」賈政一聲喝斷:「無知的業障!你能知道幾個古人,能記得幾首熟詩,也敢在老先生前賣弄!你方纔那些胡說的,不過是試你的清濁,取笑而已,你就認真了!」說著,引眾人步入茆堂,裡面紙窗木榻,富貴氣象一洗皆盡。賈政心中自是喜歡,卻瞅寶玉道:「此處如何?」眾人見問,都忙悄悄的推寶玉,教他說好。寶玉不聽人言,便應聲道:「不及『有鳳來儀 』多矣。」賈政聽了道:「無知的蠢物!你只知朱樓畫棟,惡賴富麗為佳,那裡知道這清幽氣象。終是不讀書之過!」寶玉忙答道:「老爺教訓的固是,但古人常云『天然』二字,不知何意?」   眾人見寶玉牛心,都怪他獃痴不改。今見問「天然」二字,眾人忙道:「別的都明白,為何連『天然』不知?『天然』者,天之自然而有,非人力之所成也。」寶玉道:「卻又來!此處置一田莊,分明見得人力穿鑿扭捏而成。遠無鄰村,近不負郭,背山山無脈,臨水水無源,高無隱寺之塔,下無通市之橋,峭然孤出,似非大觀。爭似先處有自然之理,得自然之氣,雖種竹引泉,亦不傷於穿鑿。古人雲『天然圖畫』四字,正畏非其地而強為其地,非其山而強為其山,雖百般精而終不相宜……」未及說完,賈政氣的喝命:「叉出去!」剛出去,又喝命:「回來!」命再題一聯:「若不通,一併打嘴!」寶玉只得念道:

    新漲綠添浣葛處,     好雲香護採芹人。

  賈政聽了,搖頭說:「更不好。」一面引人出來,轉過山坡,穿花度柳,撫石依泉,過了茶蘼架,再入木香棚,越牡丹亭,度芍藥圃,入薔薇院,出芭蕉 塢,盤旋曲折。忽聞水聲潺湲,瀉出石洞,上則蘿薜倒垂,下則落花浮蕩。眾人都道:「好景,好景!」賈政道:「諸公題以何名?」眾人道:「再不必擬了,恰恰乎是『武陵源』三個字。」賈政笑道:「又落實了,而且陳舊。」眾人笑道:「不然就用『秦人舊舍』四字也罷了。」寶玉道:「這越發過露了。『秦人舊舍』說避亂之意,如何使得?莫若『蓼汀花漵』四字。」賈政聽了,更批胡說。   於是要進港洞時,又想起有船無船。賈珍道:「採蓮船共四隻,座船一隻,如今尚未造成。」賈政笑道:「可惜不得入了。」賈珍道:「從山上盤道亦可進去。」 說畢,在前導引,大家攀藤撫樹過去。只見水上落花愈多,其水愈清,溶溶蕩蕩,曲折縈迂。池邊兩行垂柳,雜著桃杏,遮天蔽日,真無一些塵土。忽見柳陰中又露出一個折帶朱欄板橋來,Template:~Template:*度過橋去,諸路可通,便見一所清涼瓦舍,一色水磨磚牆,清瓦花堵。那大主山所分之脈,皆穿牆而過。   賈政道:「此處這所房子,無味的很。」因而步入門時,忽迎面突出插天的大玲瓏山石來,四面群繞各式石塊,竟把裡面所有房屋悉皆遮住,而且一株花木也無。只見許多異草:或有牽藤的,或有引蔓的,或垂山巔,或穿石隙,甚至垂檐繞柱,縈砌盤階,或如翠帶飄搖,或如金繩盤屈,或實若丹砂,或花如金桂,味芬氣馥,非花香之可比。賈政不禁笑道:「有趣!只是不大認識。」有的說:「是薜荔藤蘿。」 政道:「薜荔藤蘿不得如此異香。」寶玉道:「果然不是。這些之中也有藤蘿薜荔。那香的是杜若蘅蕪,那一種大約是茝蘭,這一種大約是清葛,那一種是金簦草,這一種是玉蕗藤,紅的自然是紫芸,綠的定是青芷。想來《離騷》《文選》等書上所有的那些異草,也有叫作什麼藿蒳姜蕁的,也有叫什麼綸組紫絳的,還有石帆、水松、扶留等樣,又有叫作什麼綠荑的,還有什麼丹椒、蘼蕪、風連。如今年深歲改,人不能識,故皆象形奪名,漸漸的喚差了,也是有的。」未及說完,賈政喝道:「誰問你來!」唬的寶玉倒退,不敢再說。   賈政因見兩邊俱是超手游廊,便順著游廊步入。只見上面五間清廈連著卷棚,四面出廊,綠窗油壁,更比前幾處清雅不同。賈政嘆道:「此軒中煮茶操琴,亦不必再焚香矣。此造已出意外,諸公必有佳作新題以顏其額,方不負此。」眾人笑道:「再莫若『蘭風蕙露』貼切了。」賈政道:「也只好用這四字。其聯若何?」一人道:「我倒想了一對,大家批削改正。」念道是:

    麝蘭芳靄斜陽院,     杜若香飄明月洲。

  眾人道:「妙則妙矣,只是『斜陽』二字不妥。」那人道:「古人詩雲:『蘼蕪滿手泣斜暉』。」眾人道:「頹喪,頹喪 」又一人道:「我也有一聯,諸公評閱評閱。」因念道:

    三徑香風飄玉蕙,     一庭明月照金蘭。

  賈政拈髯沉吟,意欲也題一聯。忽抬頭見寶玉在旁不敢則聲,因喝道:「怎麼你應說話時又不說了?還要等人請教你不成!」寶玉聽說,便回道:「此處並沒有什麼『蘭麝』、『明月』、『洲渚』之類,若要這樣著跡說來,就題二百聯也不能完。」賈政道:「誰按著你的頭,叫你必定說這些字樣呢?」寶玉道:「如此說,匾上則莫若『蘅芷清芬』四字。對聯則是:

    吟成豆蔻诗猶艷,     睡足荼蘼夢亦香。

  賈政笑道:「這是套的『書成蕉葉文猶綠』,不足為奇。」眾客道:「李太白『鳳凰台』之作,全套『黃鶴樓』,只要套得妙。如今細評起來,方纔這一聯,竟比『書成蕉葉』尤覺幽嫻活潑。視『書成』之句,竟似套此而來。」賈政笑說:「豈有此理!」   說著,大家出來。行不多遠,則見崇閣巍峨,層樓高起,面面琳宮合抱,迢迢復道縈紆,青松拂檐,玉蘭繞砌,金輝獸面,彩煥螭頭。賈政道:「這是正殿了。只是太富麗了些。」眾人都道:「要如此方是。雖然貴妃崇尚節儉,天性惡繁悅樸,然今日之尊,禮儀如此,不為過也。」一面說,一面走,只見正面現出一座玉石牌坊來,上面龍蟠螭護,玲瓏鑿就。賈政道:「此處書以何文?」眾人道:「必是『蓬萊仙境』方妙。」賈政搖頭不語。寶玉見了這個所在,心中忽有所動,尋思起來,倒像在那裡曾見過的一般,卻一時想不起那年那月日的事了。賈政又命他作題,寶玉只顧細思前景,全無心於此了。眾人不知其意,只當他受了這半日的折磨,精神耗散,才盡辭窮了;再要考難逼迫,著了急,或生出事來,倒不便。遂忙都勸賈政:「罷,罷,明日再題罷了。」賈政心中也怕賈母不放心,遂冷笑道:「你這畜生,也竟有不能之時了。也罷,限你一日,明日若再不能,我定不饒。這是要緊之處,更要好生作來!」   說著,引人出來,再一觀望,原來自進門起,所行至此,才游了十之五六。又值人來回,有雨村處遣人來回話。賈政笑道:「此數處不能游了。雖如此,到底從那一邊出去,縱不能細觀,也可稍覽。」說著,引眾客行來,至一大橋前,水如晶簾一般奔入。原來這橋便是通外河之閘,引泉而入者。賈政因問:「此閘何名?」寶玉道:「此乃沁芳泉之正源,就名『沁芳閘』。」賈政道:「胡說!偏不用『沁芳』二字。」   於是一路行來,或清堂茅舍,或堆石為垣,或編花為牖,或山下得幽尼佛寺,或林中藏女道丹房,或長廊曲洞,或方廈圓亭,賈政皆不及進去。因說半日腿酸,未嘗歇息,忽又見前面又露出一所院落來,賈政笑道:「到此可要進去歇息歇息了。」說著,一徑引人繞著碧桃花,穿過一層竹籬花障編就的月洞門,俄見粉牆環護,綠柳周垂。賈政與眾人進去,一入門,兩邊都是游廊相接。院中點襯幾塊山石,一邊種著數本芭蕉;那一邊乃是一顆西府海棠,其勢若傘,綠垂碧縷,葩吐丹砂。眾人贊道:「好花,好花!從來也見過許多海棠,那裡有這樣妙的。」賈政道:「這叫作『女兒棠』,乃是外國之種。俗傳系出『女兒國』中,雲彼國此種最盛,亦荒唐不經之說罷了。」眾人笑道:「然雖不經,如何此名傳久了?」寶玉道:「大約騷人詠士,以花之色紅暈若施脂,輕弱似扶病,大近乎閨閣風度,所以以『女兒』命名。想因被世間俗惡聽了,他便以野史纂入為證,以俗傳俗,以訛傳訛,都認真了。」眾人都搖身贊妙。   一面說話,一面都在廊外抱廈下打就的榻上坐了。賈政因問:「想幾個什麼新鮮字來題此?」一客道:「『蕉鶴』二字最妙。」又一個道:「『崇光泛彩』方妙。」賈政與眾人都道:「好個『崇光泛彩』!」寶玉也道:「妙極。」又嘆:「只是可惜了。」眾人問:「如何可惜?」寶玉道:「此處蕉棠兩植,其意暗蓄『紅』『綠』二字在內。若只說蕉,則棠無著落;若只說棠,蕉亦無著落。固有蕉無棠不可,有棠無蕉更不可。」賈政道:「依你如何?」寶玉道:「依我,題『紅香綠玉』四字,方兩全其妙。」賈政搖頭道:「不好,不好!」   說著,引人進入房內。只見這幾間房內收拾的與別處不同,竟分不出間隔來的,原來四面皆是雕空玲瓏木板,或「流雲百蝠」,或「歲寒三友」,或山水人物,或翎毛花卉,或集錦,或博古,或File:Wan fu wan shou.png,各種花樣,皆是名手雕鏤,五彩銷金嵌寶的。一隔一隔,或有貯書處,或有設鼎處,或安置筆硯處,或供花設瓶、安放盆景處,其隔各式各樣,或天圓地方,或葵花蕉葉,或連環半壁。真是花團錦簇,剔透玲瓏。倏爾五色紗糊就,竟系小窗;倏爾彩綾輕覆,竟系幽戶。且滿牆滿壁,皆系隨依古董玩器之形摳成的槽子。諸如琴、劍、懸瓶、桌屏之類,雖懸於壁,卻都是與壁相平的。眾人都道:「好精緻想頭!難為怎麼想來?」   原來賈政等走了進來,未進兩層,便都迷了舊路,左瞧也有門可通,右瞧又有窗暫隔,及到了跟前,又被一架書擋住。回頭再走,又有窗紗明透,門徑可行;及至門前,忽見迎面也進來了一群人,都與自己形相一樣,——卻是一架玻璃大鏡相照。及轉過鏡去,益發見門子多了。賈珍笑道:「老爺隨我來。從這門出去,便是後院,從後院出去,倒比先近了。」說著,又轉了兩層紗廚錦隔,果得一門出去,院中滿架薔薇、寶相。轉過花障,則見清溪前阻。眾人吒異:「這股水又是從何而來?」賈珍遙指道:「原從那閘起流至那洞口,從東北山坳里引到那村莊里,又開一道岔口,引到西南上,共總流到這裡,仍舊合在一處,從那牆下出去。」眾人聽了,都道:「神妙之極!」說著,忽見大山阻路。眾人都道:「迷了路了。」賈珍笑道:「隨我來。」仍在前導引,眾人隨他,直由山腳邊忽一轉,便是平坦寬闊大路,豁然大門前見。眾人都道:「有趣,有趣,真搜神奪巧之至也!」於是大家出來。那寶玉一心只記掛著裡邊,又不見賈政吩咐,少不得跟到書房。賈政忽想起他來,方喝道:「你還不去?難道還逛不足!也不想逛了這半日,老太太必懸掛著。快進去,疼你也白疼了。」寶玉聽說,方退了出來。

  

注释

Kapitel 17 Im Garten der Großen Anschauung wird bei der Namensvergabe das Talent geprüft — Im Prunkwille-Anwesen wird der Heimatbesuch der kaiserlichen Konkubine vorbereitet

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Ein Gedicht sagt: Pracht und Glanz sind wohl beneidenswert, doch der Abschied ist schwer zu ertragen. Man erwirbt sich leeren Ruhm, doch wer erkennt die Bitterkeit dahinter?

Liebglocke Minne war gestorben, und Schatzjade[1] [宝玉] weinte unaufhörlich. Edelstein Pflaume und die anderen brauchten eine halbe Ewigkeit, um ihn zu beruhigen, bis er endlich innehielt. Auf dem Heimweg war er noch immer schmerzerfüllt und traurig. Die Herzoginmutter[2] [贾母] steuerte etliche Dutzend Liang Silber bei, bereitete außerdem Trauergeschenke vor, und Schatzjade verbrannte Papiergeld am Grab. Nach sieben Tagen wurde der Sarg überführt und begraben, und mehr ist darüber nicht zu berichten. Nur Schatzjade sehnte sich Tag für Tag nach seinem toten Freund und trauerte um ihn, doch was hätte er tun können!

Es vergingen einige Tage, bis eines Morgens Herrlichkeit Kaufmann[3] [贾珍] und andere zu Aufrecht Kaufmann[4] [贾政] kamen, um zu melden: „Alle Arbeiten im Garten sind fertiggestellt, der ältere Herr hat ihn sich bereits angesehen. Nun wartet man nur noch darauf, dass Ihr, Herr, ebenfalls einen Blick darauf werft. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, kann man es noch ändern, und dann können die Namenstafeln und Parallelsprüche geschrieben werden.“

Aufrecht Kaufmann hörte dies, überlegte eine Weile und sagte: „Mit den Namenstafeln und Parallelsprüchen hat es seine Schwierigkeit. Eigentlich sollte man die Kaiserliche Konkubine bitten, die Inschriften zu bestimmen. Doch wenn sie die Örtlichkeiten nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird sie wohl kaum bereit sein, auf gut Glück etwas zu ersinnen. Warteten wir hingegen mit den Inschriften, bis sie den Garten besucht, so wirkten all die großartigen Szenerien mit ihren unzähligen Pavillons und Lauben ohne Schriftzeichen leer und fade. Selbst vorhandene Blumen, Weiden, Berge und Wasser könnten so nicht zur Geltung kommen.“

Seine Schützlinge, die neben ihm standen, antworteten lächelnd: „Eure Einschätzung ist ganz richtig, alter Herr. Wir haben einen bescheidenen Vorschlag: Die Namenstafeln und Parallelsprüche dürfen keinesfalls fehlen, doch können sie auch nicht endgültig festgelegt werden. Am besten wählt man für jeden Ort gemäß seiner Szenerie zwei, drei oder vier Schriftzeichen, die ungefähr den Sinn treffen, und stellt vorläufig Laternen mit diesen Aufschriften auf. Wenn dann die Kaiserliche Konkubine kommt, bittet man sie, die endgültigen Namen zu bestimmen. Wäre das nicht beiden Zwecken dienlich?“

Aufrecht Kaufmann und die anderen hörten dies und sagten: „Das ist ein guter Gedanke. Gehen wir heute den Garten anschauen und verfassen einfach Inschriften. Was taugt, nehmen wir; was nicht taugt — nun, dann bitten wir Jia Regendorf her und lassen ihn neue Vorschläge machen.“

Die Schützlinge lachten: „Sobald Ihr heute, alter Herr, etwas festlegt, wird es gewiss vortrefflich sein. Wozu sollte man auf Regendorf warten?“

Aufrecht Kaufmann erwiderte lächelnd: „Ihr wisst nicht, dass ich von Kindesbeinen an nur Mittelmäßiges geleistet habe, wenn es um Gedichte über Vögel und Blumen, Berge und Wasser ging. Jetzt, wo ich alt bin und amtliche Schriften mich in Beschlag nehmen, bin ich in der leichten, dem Vergnügen dienenden Literatur noch ungeübter geworden. Was ich auch zusammenbringe — es wird mit Sicherheit so verstaubt und hölzern sein, dass es Blumen und Weiden, Häusern und Pavillons eher schadet, als dass es ihnen gerecht wird. Und alles, was den Kern der Sache nicht trifft, ist überflüssig.“

Die Schützlinge lachten: „Das ist kein Grund zur Sorge. Wir gehen alle gemeinsam hin, sehen uns den Garten an, jeder schlägt vor, was er kann, das Beste wird bewahrt, das Schlechte gestrichen — das geht bestimmt.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ganz richtig. Und wie schön, dass heute solch mildes Wetter ist! Gehen wir also alle zusammen.“

Damit erhob er sich und ging den anderen voran.

Herrlichkeit Kaufmann eilte voraus in den Garten, um alle dort zu benachrichtigen. Es traf sich, dass Schatzjade gerade in diesen Tagen, weil er Liebglocke Minne nachtrauerte und sich nicht zu trösten wusste, häufig von der Herzoginmutter in den Garten geschickt worden war, um sich dort zu zerstreuen. Auch an diesem Tag war er gerade erst dort eingetreten, als er plötzlich Herrlichkeit Kaufmann auf sich zukommen sah, der ihm lächelnd zurief: „Du bist immer noch hier? Der Herr kommt gleich!“

Als Schatzjade das hörte, rannte er mit seinen Ammen und kleinen Dienern wie ein flüchtiger Rauch aus dem Garten. Doch kaum war er um die Ecke gebogen, kam ihm Aufrecht Kaufmann mit seinen Gästen entgegen. Es war zu spät, um sich zu verstecken, und so blieb er an der Seite stehen.

Nun hatte Aufrecht Kaufmann unlängst vom Schulleiter gehört, Schatzjade habe ein besonderes Talent für Parallelsprüche: Obwohl er nicht gern lese, scheine er doch eine gewisse eigenwillige Begabung zu besitzen. Als er nun zufällig auf Schatzjade stieß, befahl er ihm, mitzukommen. Schatzjade wusste zwar nicht, worum es ging, musste aber gehorchen.

Als Aufrecht Kaufmann ans Gartentor kam, sah er Herrlichkeit Kaufmann an der Spitze zahlreicher Aufseher dort warten. Aufrecht Kaufmann befahl: „Schließt erst alle Tore, wir wollen von außen schauen, ehe wir hineingehen.“

Herrlichkeit Kaufmann ließ die Tore schließen. Aufrecht Kaufmann betrachtete zunächst mit prüfendem Blick das Haupttor. Es hatte eine Breite von fünf Säulenzwischenräumen, das Dach war mit Halbzylinderziegeln gedeckt und hatte einen abgerundeten First. Die Tür- und Fenstergitter waren allesamt fein geschnitzt in neuartigen Mustern, ohne rote oder weiße Bemalung. Die Wände bestanden durchweg aus wassergeschliffenen Ziegeln, und die Plattform aus weißem Stein war mit Passionsblumenmustern verziert. Nach links und rechts erstreckte sich, so weit das Auge reichte, eine schneeweiße Mauer auf einem Sockel aus gestreiftem Tigerstein, der sich den Geländeformen anpasste. All dies hatte nichts von der vulgären Pracht reicher Leute und gefiel ihm auf Anhieb. Er befahl, die Tore zu öffnen. Dahinter versperrte ein grüner Felsrücken den Blick.

„Welch schöner Berg, welch schöner Berg!“ riefen die Schützlinge aus.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ohne diesen Berg würde man gleich beim Eintreten den ganzen Garten überblicken — das wäre doch langweilig.“

Die Begleiter sagten: „Ganz richtig. Nur wer Berge und Täler in der Brust trägt, kann auf so etwas kommen.“

Im Weitergehen erblickten sie aufragende weiße Felsen — manche wie Gespenster geformt, manche wie wilde Tiere — die kreuz und quer dastanden. Moospolster bedeckten sie, Schlingpflanzen umrankten sie, und dazwischen war kaum ein schmaler Pfad zu erkennen.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Lasst uns diesem kleinen Pfad folgen und auf der anderen Seite hinausgehen, dann können wir alles sehen.“

Er befahl Herrlichkeit Kaufmann voranzugehen, stützte sich auf Schatzjade und betrat den gewundenen Bergpfad. Als er den Kopf hob, erblickte er oben am Fels einen spiegelglatten weißen Stein — genau die richtige Stelle für eine Inschrift.

Er wandte sich lächelnd um und sagte: „Meine Herren, seht Euch dies an! Welchen Namen würdet Ihr hier vorschlagen?“

Die Begleiter machten verschiedene Vorschläge: Einer sagte „Geschichtetes Grün“, ein anderer „Brokatfels“, wieder einer „Schöner als der Räucherbecken-Berg“ und noch einer „Ein Zhongnan-Gebirge im Kleinen“. So kamen Dutzende von Vorschlägen zusammen. In Wirklichkeit hatten alle längst begriffen, dass Aufrecht Schatz Kaufmannjades Lernfortschritte prüfen wollte, und brachten deshalb absichtlich nur Gewöhnliches vor. Auch Schatzjade durchschaute die Absicht.

Aufrecht Kaufmann hörte sich alles an, wandte sich dann um und befahl Schatzjade, einen Vorschlag zu machen.

Schatzjade sagte: „Ich habe einmal gehört, die Alten sagten: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen, besser einen alten Text drucken als einen neuen schnitzen.’ Zudem ist dies hier kein Hauptgipfel und keine der eigentlichen Szenerien, sondern nur der erste Schritt auf dem Weg hinein. Am besten schreibt man einfach den alten Vers ‘Auf gewundenem Pfad zu verborgenen Stätten’ [曲径通幽处] hierher — das wirkt würdevoll und großzügig.“

Alle lobten: „Ganz vorzüglich! Der junge Herr hat große Begabung und weitreichendes Talent, ganz anders als wir, die wir uns an den Büchern dummgelesen haben.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Lobt ihn nicht unverdient. Er ist noch jung und breitet das Wenige, das er weiß, zehnfach aus, um damit anzugeben. Das ist zum Lachen, nichts weiter. Die endgültige Wahl verschieben wir auf später.“

Damit traten sie durch die Felsengrotte. Schöne Bäume ragten üppig empor, seltene Blumen leuchteten in prächtigen Farben, und ein klarer Bach schlängelte sich aus dem Dickicht hervor und verlor sich zwischen den Steinen. Nach einigen Schritten weiter nach Norden öffnete sich eine ebene, weite Fläche. Zu beiden Seiten ragten Gebäude hoch in den Himmel, deren verzierte Dachfirste und geschmückte Balustraden zwischen Felsen und Baumwipfeln verborgen lagen. Blickte man hinunter, so leuchtete der klare Bach wie Schnee, Steinstufen schienen durch die Wolken zu steigen, ein Geländer aus weißem Stein fasste den Teich ein, und eine Brücke mit drei Bögen, deren Tierköpfe Wasser spien, führte darüber. Auf der Brücke stand ein Pavillon.

Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter stiegen hinauf, lehnten sich ans Geländer, setzten sich und er fragte: „Meine Herren, wie würdet Ihr diesen Ort benennen?“

Die Begleiter sagten: „Ouyang Xiu [欧阳修] schrieb einst in seiner ‘Notiz über den Pavillon des trunkenen Alten’: ‘Dort steht ein Pavillon, als hätte er Flügel’ [有亭翼然]. Man sollte ihn ‘Wie Geflügelt’ [翼然] nennen.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „‘Wie Geflügelt’ ist wohl schön, doch da dieser Pavillon über dem Wasser errichtet ist, sollte sich auch die Inschrift aufs Wasser beziehen. Meiner bescheidenen Meinung nach heißt es bei Ouyang Xiu auch ‘zwischen den beiden Gipfeln ergießt sich ein Bach’ — man sollte das Zeichen ‘ergießen’ [治] verwenden.“

Ein Gast sagte: „Ganz recht, ganz recht! ‘Sich Ergießende Jade’ [泻玉] wäre wunderbar.“

Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach. Als er aufsah, bemerkte er Schatzjade, der daneben stand, und befahl ihm lächelnd, auch etwas vorzuschlagen.

Schatzjade antwortete rasch: „Was Ihr soeben erwogen habt, Vater, ist gewiss richtig. Doch wenn man der Sache auf den Grund geht, war das Zeichen ‘ergießen’ für Ouyang Xius Brauerquelle [酿泉] wohl passend, doch für diesen Quell hier scheint es nicht ganz angemessen. Zumal dies der Wohnsitz für den Besuch der Kaiserlichen Konkubine ist — solche Texte fallen unter das Hofreglement, und dafür sind solche Ausdrücke doch zu grob und unedel. Man müsste etwas Feinsinnigeres und Zurückhaltenderes finden.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Was sagt Ihr dazu, meine Herren? Vorhin haben alle etwas Neues ersonnen, da sagte er, Altes zitieren sei besser. Jetzt haben wir Altes zitiert, und er sagt, es sei grob und unpassend. Also sag mir, was du vorschlägst!“

Schatzjade sagte: „Statt ‘Sich Ergießende Jade’ wäre ‘Durchtränkt mit Duft’ [沁芳] besser — das ist neuartig und elegant.“

Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und nickte schweigend. Alle beeilten sich, ihm beizupflichten, und lobten Schatzjades außergewöhnliches Talent.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Zwei Schriftzeichen für die Tafel sind leicht. Nun verfasse noch einen siebensilbigen Parallelspruch dazu.“

Als Schatzjade dies hörte, stellte er sich im Pavillon auf, blickte nach allen vier Seiten, und als ihm die Eingebung kam, sprach er:

„Ringsum am Deich leihen Weiden ihr dreifaches Grün, jenseits des Ufers spenden Blumen ihren einzigartigen Duft.“ [绕堤柳借三篙翠,隔岸花分一脉香。]

Aufrecht Kaufmann nickte lächelnd. Die Begleiter priesen es in höchsten Tönen.

So verließen sie den Pavillon und gingen um den Teich herum. Jeden Berg, jeden Stein, jede Blume, jeden Baum betrachteten sie aufmerksam. Plötzlich erblickten sie eine weiß getünchte Mauer, hinter der einige Gebäude von Hunderten dicht stehender Bambusrohre beschattet wurden.

„Was für ein herrlicher Ort!“ riefen alle.

Sie traten ein. Gleich am Eingang begann ein Wandelgang mit vielen Windungen, vor der Treppe war ein Steinpflasterweg angelegt. Oben standen zwei, drei kleine Häuser, eines offen und zwei verborgen, drinnen alles passend zum Raum mit Betten, Tischen und Stühlen ausgestattet. Aus dem Innenraum führte eine kleine Tür in den Hinterhof, wo große Birnbäume und Bananenstauden wuchsen. Dort gab es noch zwei winzige Nebenräume. Unter der Hofmauer war eine Öffnung, durch die ein Quell in einen kaum fußbreiten Graben floss, der das Wasser durch die Mauer in den Hof leitete. Der Graben führte um die Treppe und ums Haus herum zum Vorderhof, schlängelte sich durch den Bambus und floss hinaus.

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort ist nicht übel. Wenn man hier in einer Mondnacht am Fenster seine Bücher lesen könnte, hätte man sein Leben nicht umsonst gelebt.“ Bei diesen Worten sah er Schatzjade an, und dieser senkte erschrocken den Kopf. Die Gäste lenkten schnell ab und sagten: „Die Namenstafel hier sollte vier Schriftzeichen tragen.“

Aufrecht Kaufmann fragte lächelnd: „Welche vier?“

Einer sagte: „Tradition vom Fluss Qi [淇水遗风].“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Zu gewöhnlich.“

Ein anderer schlug vor: „Spuren des Sui-Gartens [睢园遗迹].“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ebenfalls zu gewöhnlich.“

Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Lasst doch lieber Bruder Schatzjade etwas vorschlagen.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Bevor er etwas Eigenes vorschlägt, kritisiert er erst andere — man sieht, welch leichtfertiger Mensch er ist.“

Die Gäste sagten: „Er urteilt völlig zu Recht, was soll man dagegen einwenden?“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ermuntert ihn nicht auch noch!“ Dann wandte er sich an Schatzjade: „Heute will ich dir deinen Übermut durchgehen lassen. Urteile also zuerst und bringe dann einen eigenen Vorschlag. War von dem Gesagten etwas brauchbar?“

Schatzjade antwortete: „Nichts davon scheint mir angemessen.“

Aufrecht Kaufmann fragte mit kühlem Lächeln: „Und warum nicht?“

Schatzjade sagte: „Dies ist der erste Ort, den die Kaiserliche Konkubine bei ihrem Besuch aufsuchen wird. Die Inschrift muss daher eine Huldigung sein. Wenn es vier Schriftzeichen sein sollen, gibt es bereits ein passables altes Zitat, man braucht nichts Neues zu ersinnen.“

Aufrecht Kaufmann fragte: „Sind ‘Fluss Qi’ und ‘Sui-Garten’ etwa nichts Altes?“

Schatzjade sagte: „Das ist zu abgegriffen. Besser wäre ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’ [有凤来仪].“

Alle riefen begeistert ihren Beifall. Aufrecht Kaufmann nickte und sagte: „Du Tier, du Tier! Man kann wohl sagen: ‘Durch ein Röhrchen sehen und mit einer Muschel messen’ [管窥螠测]. Nun verfasse noch einen Parallelspruch.“

Schatzjade rezitierte:

„Grün steigt der Rauch vom Tee im Jaderäucherwerk, kühl sind vom Schachspiel noch die Finger am Fenster.“ [宝鼎茶闲烟尚绿,幽窗棋罢指犹凉。]

Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Auch nichts Besonderes.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.

Er wollte gerade weitergehen, als ihm etwas einfiel, und er fragte Herrlichkeit Kaufmann: „Die Gebäude und das Mobiliar — Tische und Stühle — sind vorhanden. Aber wie steht es mit Vorhängen, Gardinen, Ausstattungsgegenständen und Antiquitäten? Ist alles für jeden Ort passend zusammengestellt?“

Herrlichkeit Kaufmann berichtete: „An Ausstattung ist schon vieles hinzugekommen und wird natürlich rechtzeitig passend aufgestellt. Was Vorhänge und Gardinen betrifft — gestern hörte ich Bruder Jadeschale [贾琮] sagen, sie seien noch nicht vollständig. Als die Bauarbeiten begannen, wurden gleich Grundrisse gezeichnet, Maße genommen und die Aufträge nach draußen vergeben. Ich glaube, gestern kam die Hälfte davon an.“

Aufrecht Kaufmann erkannte, dass dies nicht Herrlichkeit Kaufmanns Verantwortungsbereich war, und ließ Kette Kaufmann [贾琮] holen. Als dieser kam, fragte Aufrecht Kaufmann, wie viele Sorten es insgesamt sein müssten, wie viele bereits eingetroffen seien und wie viele noch fehlten.

Kette Kaufmann zog einen zusammengefalteten Notizzettel aus seinem Stiefelschaft, überflog ihn und berichtete: „Seidene Vorhänge aller Art — insgesamt einhundertzwanzig Stück. Gestern kamen achtzig, vierzig fehlen noch. Türvorhänge zweihundert Stück, die sind gestern alle eingetroffen. Dazu zweihundert Türvorhänge aus rotem Orang-Utan-Filz, zweihundert aus rotlackiertem Goldfaden-Bambus, zweihundert aus schwarzlackiertem Bambus und zweihundert aus fünffarbig geknüpftem Blumenmuster — von jeder Sorte ist die Hälfte da, bis zum Herbst wird alles vollständig sein. Stuhlhüllen, Tischverkleidungen, Bettumrandungen und Tischtücher — jeweils eintausendzweihundert Stück — sind ebenfalls bereits vorhanden.“

Während sie im Gehen miteinander sprachen, versperrte plötzlich ein grüner Berg ihren Weg. Dahinter, halb verborgen in einer Talsenke, erhob sich eine niedrige Mauer aus gelbem Lehm, oben mit Reisstroh bedeckt. Hunderte von Aprikosenbäumen standen dort, deren Blüten wie sprühendes Feuer und dampfende Morgenwolken leuchteten. Innerhalb der Mauer lagen einige strohgedeckte Häuser. Außerhalb wuchsen Maulbeerbäume, Ulmen, Hibiskus und Seidenspinnereichen — junge Bäumchen, deren Zweige sich dem Gelände folgend zu einem doppelten grünen Flechtzaun verflochten. Vor dem Zaun, am Fuß des Berges, befand sich ein Dorfbrunnen mit Hebebaum und Winde. Weiter unten erstreckten sich in ordentlichen Beeten endlose Felder mit feinem Gemüse und blühenden Kräutern.

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort hat etwas für sich. Zwar ist alles künstlich angelegt, doch beim Anblick überkommt mich unwillkürlich der Wunsch, mich aufs Land zurückzuziehen und Bauer zu werden. Gehen wir hinein und rasten!“

Er wollte gerade durch das Tor im Flechtzaun treten, als er am Wegesrand einen Stein entdeckte, der ebenfalls für eine Inschrift vorgesehen war.

Die Begleiter lachten: „Wie schön, wie schön! Hätte man hier eine Inschriftentafel aufgehängt, wäre die ländliche Stimmung dahin. Dieser Stein aber verleiht dem Ganzen noch mehr Charakter. Nur ein Vers von Fan Chengda [范石湖] könnte ihm gerecht werden.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann schlagt etwas vor, meine Herren!“

Die Begleiter sagten: „Euer Sohn bemerkte vorhin: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen.’ Für diesen Ort ist ein alter Spruch höchst treffend. Am besten schreibt man einfach ‘Aprikosenblütendorf’ [杏花村].“

Aufrecht Kaufmann hörte dies, wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann und sagte: „Danke für die Anregung! Hier ist alles wunderbar, nur fehlt noch ein Weinwimpel. Lass morgen einen anfertigen — nicht prunkvoll, sondern im Stil einer richtigen Dorfschenke — und mit einer Bambusstange in einem Baumwipfel befestigen.“

Herrlichkeit Kaufmann sagte zu und fügte hinzu: „Hier sollte man auch keine seltenen Vögel halten, sondern nur Gänse, Enten und Hühner — das würde viel besser passen.“

Aufrecht Kaufmann und alle Begleiter sagten: „Noch besser!“

Aufrecht Kaufmann sagte weiter: „‘Aprikosenblütendorf’ ist zwar schön, aber es gibt diesen Ortsnamen schon. Der eigentliche Name muss erst erbeten werden.“

Die Gäste sagten: „Richtig. Was für einen vorläufigen Namen wählt man?“

Alle überlegten. Schatzjade aber konnte nicht länger warten und platzte heraus, ohne den Befehl seines Vaters abzuwarten: „In einem alten Gedicht heißt es: ‘Vom Wipfel der roten Aprikose hängt eine Weinflagge herab’ [红杏梢头挂酒旗]. Wie wäre es mit ‘Der Aprikosenvorhang in der Ferne’ [杏帘在望]?“

Alle sagten: „Wunderbar, dieses ‘in der Ferne’! Und es spielt versteckt auf ‘Aprikosenblütendorf’ an.“

Schatzjade sagte mit kühlem Lächeln: „Wenn man das Dorf ‘Aprikosenblüte’ nennte, wäre das der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Es gibt doch auch den alten Vers: ‘Am Flechtzaun überm Wasser duften die Reisblüten’ [柴门临水稻花香]. Wie wäre es einfach mit ‘Reisduftdorf’ [稻香村]?“

Alle brachen in begeisterten Beifall aus und klatschten in die Hände: „Wunderbar!“

Aufrecht Kaufmann aber rief zornig: „Du unwissender Taugenichts! Du kennst ein paar alte Dichter und erinnerst dich an ein paar allbekannte Verse, und schon wagst du es, dich vor deinen Älteren aufzuspielen! Deinen Unsinn von vorhin habe ich dich nur erzählen lassen, um dein Urteilsvermögen zu testen und uns etwas zum Lachen zu geben — und du hast das ernst genommen!“

Damit führte er die Gesellschaft in eines der strohgedeckten Häuser. Drinnen: papierbespannte Fenster, ein Holzlager — von Reichtum und Vornehmheit keine Spur. Aufrecht Kaufmann war im Herzen höchst zufrieden, doch er blickte streng auf Schatzjade und fragte: „Wie gefällt es dir hier?“

Die Begleiter stießen Schatzjade heimlich an und soufflierten ihm, er solle sagen, es sei schön. Doch Schatzjade hörte nicht auf sie und antwortete unumwunden: „Lange nicht so gut wie ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dummer Kerl! Du weißt nur rotlackierte Säulen und buntbemalte Balken zu schätzen, für die Schönheit der Einfachheit und Zurückgezogenheit hast du keinen Sinn. Das ist die Folge davon, dass du die Bücher nicht studierst!“

Schatzjade erwiderte rasch: „Ihr belehrt mich zu Recht, Vater. Doch die Alten sprachen häufig von ‘Natürlichkeit’ [天然]. Ich frage mich, was sie damit meinten.“

Da Schatzjade so stur blieb, schüttelten die Begleiter den Kopf über seine Verstocktheit und sagten rasch: „Alles andere verstehst du, nur ‘natürlich’ nicht? ‘Natürlich’ heißt: was der Himmel von sich aus hervorbringt und nicht von Menschenhand geschaffen ist.“

Schatzjade sagte: „Na also! Hier ist ein Bauernhof hingestellt, offensichtlich künstlich angelegt und zusammengezwungen. In der Nähe kein Nachbardorf, im Umkreis keine Stadtmauer. Der Berg dahinter gehört zu keinem Gebirgszug, das Wasser davor hat keine Quelle. Oben keine Pagode eines verborgenen Klosters, unten keine Brücke zu einem Markt. Einsam ragt er empor — keineswegs eine ‘Große Anschauung’. Wie könnte er sich mit dem vorigen Ort messen, der natürliche Ordnung besitzt und natürlichen Geist atmet? Dort sind zwar auch Bambus gepflanzt und Quellen geleitet, doch das wirkt nicht aufgezwungen. Was die Alten ein ‘natürliches Bild’ nannten, bezieht sich gerade darauf, dass man nicht gewaltsam aus der falschen Stelle die richtige macht und nicht künstlich einen Berg aufhäuft, wo keiner sein sollte. Hundert Verfeinerungen helfen nicht, wenn sie einander widersprechen ...“

Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, brüllte Aufrecht Kaufmann zornig: „Schafft ihn hinaus!“ Doch kaum war Schatzjade draußen, rief er schon: „Komm zurück!“ und befahl ihm, einen Parallelspruch zu verfassen: „Wenn er nichts taugt, bekommst du Schläge auf den Mund!“

Schatzjade hatte keine Wahl und rezitierte:

„Am frischen Wasser, das da steigt, wäscht man die Stoffe aus, in guten Wolken, die da duften, pflückt der Gelehrte seinen Beifuß.“ [新涨绿添浣葛处,好云香护采芹人。]

Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Noch schlechter.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.

Sie gingen um den Berg herum, durch Blumen und Weiden, an Steinen entlang und an Quellen vorbei, durch eine Laube mit Kletterdistelrosen, in ein Spalier aus chinesischem Jasmin, über einen Pfingstrosenpavillon und durch ein Pfingstrosenbeet, in einen Wildrosenhof und hinaus aus einer Bananenstauden-Bucht. Nach vielen Windungen und Biegungen hörten sie plötzlich das Plätschern von Wasser, das aus einer Felsgrotte quoll. Oben hingen Efeu und Kriechpflanzen herab, unten trieben gefallene Blüten auf dem Wasser.

Alle riefen: „Was für eine Szenerie, was für eine Szenerie!“

Aufrecht Kaufmann fragte: „Meine Herren, welchen Namen schlagt Ihr vor?“

Sie sagten: „Darüber braucht man gar nicht mehr nachzudenken — es sind genau die drei Zeichen ‘Quelle des Pfirsichblütenlands’ [武陵源].“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Wieder zu wörtlich. Und außerdem abgenutzt.“

Die Begleiter lachten: „Dann nehmen wir eben ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ [秦人旧舍].“

Schatzjade sagte: „Das ist noch schlimmer. ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ spielt auf Flucht vor dem Chaos an — wie kann man das hier verwenden? Besser wäre ‘Wasserknöterich-Sandbank und Blütenbach’ [蓼汀花溬].“

Aufrecht Kaufmann hörte dies und kritisierte es noch schärfer als Unsinn.

Als sie nun in die Felsengrotte am Wasser eintreten wollten, fiel ihnen auf, dass kein Boot da war. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Es gibt vier Lotosboote und ein Sitzboot, aber sie sind noch nicht fertig.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Schade, da können wir nicht hinein.“

Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Über den Bergpfad kann man ebenfalls dorthin gelangen.“

Daraufhin ging er voran, und alle folgten ihm, sich an Ranken festhaltend und an Bäumen abstützend. Jenseits des Berges trieben noch mehr gefallene Blüten auf dem noch klareren Wasser, das sich in anmutigen Windungen dahinschlängelte. Am Ufer standen zwei Reihen Trauerweiden, dazwischen Pfirsich- und Aprikosenbäume, die den Himmel verbargen und keinen Sonnenstrahl hindurchließen — nicht ein Stäubchen fand sich hier.

Plötzlich erschien unter den Weiden eine kleine Brücke mit rotem Geländer. Sie überquerten sie und kamen zu einem frischen, kühlen Gebäude mit wassergeschliffenen Ziegelwänden und hübsch verzierten Dachziegeln. Die Ausläufer des Hauptberges reichten durch die Mauer hindurch.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dieses Gebäude hier ist ziemlich nichtssagend.“ Doch als er durch das Tor trat, ragte plötzlich ein gewaltiger, durchbrochener Zierfelsen vor ihm auf, von allen Seiten von kleineren Steinen umgeben, die sämtliche Gebäude dahinter verbargen. Kein einziger Baum oder Strauch war zu sehen. Dafür wuchsen überall seltsame Kräuter: manche rankend, manche kletternd, manche vom Dachfirst herabhängend, manche durch Felsspalten wachsend, manche sich um Dachtraufen und Pfeiler windend, über Stufen und Treppen kriechend. Einige wiegten sich wie grüne Bänder, andere wanden sich wie goldene Seile, manche trugen Beeren, rot wie Zinnober, andere Blüten wie goldene Osmanthusblüten. Ein Duft, stärker als jedes Blumenaroma, erfüllte die Luft.

Aufrecht Kaufmann lachte und sagte: „Das ist reizvoll! Nur kann ich die meisten nicht erkennen.“

Manche sagten: „Das ist Efeu und Glyzinie.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Efeu und Glyzinien duften nicht so.“

Schatzjade sagte: „In der Tat nicht. Unter diesen Pflanzen sind zwar auch Glyzinien und Efeu. Aber die duftenden sind Angelikawurz und Melilotus-Gras [杜若蕡芜], jenes dürfte Iris sein [茍兰], dieses wohl Kudzu [清葛], das dort ist Goldschirmkraut [金簦草], dies hier Jadekletterrose [玉蓐藤]. Das Rote ist sicher Purpurwolkengras [紫芸], und das Grüne ist bestimmt Blauer Kalmus [青芷]. In Werken wie dem ‘Lied der Klage’ [离骚] und der ‘Literarischen Anthologie’ [文选] werden allerlei solcher seltsamen Kräuter erwähnt — manche heißen Huona, Jiangru, manche Lunzu, Zijiang, dann gibt es noch Steinsegel, Wasserkiefer, Fuliu und dergleichen, auch welche namens Grüner Keim, und dann Roter Pfeffer, Miwu und Fenglian. Nach all den Jahrhunderten können die Menschen sie nicht mehr erkennen und haben ihnen nach ihrer Form neue Namen gegeben, die allmählich von den alten abwichen — das kommt durchaus vor.“

Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, fuhr Aufrecht Kaufmann ihn an: „Wer hat dich gefragt?“ Schatzjade erschrak und wich zurück, wagte nichts mehr zu sagen.

Aufrecht Kaufmann bemerkte auf beiden Seiten überdachte Wandelgänge und folgte ihnen. Da erschienen fünf helle Hallen, die von einem Vordach verbunden waren, mit Galerien an allen vier Seiten, grünen Fenstern und geölten Wänden — alles noch eleganter als die vorherigen Orte.

Aufrecht Kaufmann seufzte: „In dieser Halle könnte man Tee kochen und Zither spielen, ohne zusätzlich Räucherwerk zu verbrennen. Dieser Bau übertrifft alle Erwartungen. Ihr müsst unbedingt einen schönen neuen Namen dafür finden, meine Herren, damit er ihm gerecht wird.“

Die Begleiter sagten lächelnd: „Nichts passt besser als ‘Orchideenwind und Duftgrastau’ [兰风惠露].“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Diese vier Zeichen mögen genügen. Und der Parallelspruch?“

Einer sagte: „Ich habe mir einen ausgedacht, bitte korrigiert ihn.“ Er rezitierte:

„Moschusduft und Orchideennebel im Hof der Abendsonne, Angelikaduft weht über die Insel des Mondlichts.“ [麝兰芳霽斜阳院,杜若香飘明月洲。]

Die Begleiter sagten: „Schön ist es schon, nur das Wort ‘Abendsonne’ ist unpassend.“

Der Mann sagte: „Ein alter Dichter schrieb: ‘Mit Händen voll Angelikagras beweint man die sinkende Sonne.’“

Die Begleiter sagten: „Zu melancholisch, zu melancholisch!“

Ein anderer sagte: „Ich habe auch einen Parallelspruch, bitte beurteilt ihn.“ Er rezitierte:

„Drei Pfade im Duftwind wiegen die Jadeorchideen, ein Hof im Mondlicht bescheint die goldenen Iris.“ [三径香风飘玉惠,一庭明月照金兰。]

Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach, als wollte er selbst etwas vorschlagen. Da bemerkte er Schatzjade, der schweigend daneben stand, und fuhr ihn an: „Warum sagst du jetzt nichts, wo du etwas sagen solltest? Muss man dich vielleicht erst darum bitten?“

Schatzjade antwortete: „Hier gibt es weder ‘Moschus und Orchideen’ noch ‘Mondlicht’ oder ‘Inseln und Auen’. Wenn man so beim Offensichtlichen bleibt, kann man zweihundert Parallelsprüche schreiben, und es wird nie genug sein.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Wer zwingt dich denn, genau diese Wörter zu verwenden?“

Schatzjade sagte: „Dann würde ich für die Tafel die vier Zeichen ‘Reine Frische von Melilotus und Kalmus’ [蕡芷清芬] vorschlagen. Und als Parallelspruch:

‘Ein Gedicht über Kardamom verfasst — noch blüht der Verse Pracht, im Schlaf der Teerosen gewiegt — auch Träume duften lind.’ [吟成豆蒻诗犹艳,睡足茶縣梦亦香。]“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Das ist nach der Vorlage ‘Mit Bananenblättern beschrieben, die Schrift noch grün’ — nichts Besonderes.“

Die Gäste sagten: „Li Bais Gedicht über den Phönixterrassenturm folgte gänzlich dem Vorbild des Gelben-Kranich-Turms — es kommt nur darauf an, dass man geschickt nachahmt. Wenn man diesen Parallelspruch genau betrachtet, ist er sogar noch feinsinniger und lebendiger als ‘Mit Bananenblättern beschrieben’. Es ist eher so, als sei jener Vers diesem hier nachempfunden.“

Aufrecht Kaufmann sagte lachend: „So ein Unsinn!“

Damit gingen sie weiter. Bald erblickten sie eine mächtige, emporragende Halle mit hohen Stockwerken, allseits umgeben von glänzenden Palästen, verbunden durch geschwungene Wandelgänge. Grüne Kiefern streiften die Dachtraufen, Magnolien umrankten die Stufen, goldene Drachen- und bunte Fabelverzierungen leuchteten.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Das ist die Haupthalle. Nur etwas zu prunkvoll.“

Alle sagten: „So muss es sein. Obwohl die Kaiserliche Konkubine Sparsamkeit schätzt und von Natur aus schlichte Eleganz dem Überfluss vorzieht, gebieten die Etikette ihres heutigen Ranges dies — es ist nicht zu viel.“

Im Weitergehen erschien plötzlich ein Torbogen aus Jade, umwunden von Drachen und geschützten Fabelwesen, kunstvoll gemeißelt.

Aufrecht Kaufmann fragte: „Welche Inschrift schlagt Ihr hier vor?“

Die Begleiter sagten: „Es müsste ‘Penglai-Feenland’ [蓬莱仙境] heißen.“

Aufrecht Kaufmann schüttelte schweigend den Kopf. Schatzjade, als er diesen Ort sah, fühlte plötzlich eine Regung im Herzen — es war, als hätte er ihn schon einmal gesehen, doch er konnte sich nicht erinnern, wann und wo. Aufrecht Kaufmann befahl ihm, etwas vorzuschlagen, doch Schatzjade war so in seine Gedanken an die vergangene Szenerie versunken, dass er gar nicht bei der Sache war.

Die Begleiter, die seine Geistesabwesenheit nicht verstanden, glaubten, er sei nach dem halben Tag der Prüfung erschöpft und sein Talent aufgebraucht. Sie fürchteten, weiteres Drängen könnte zu etwas Unangenehmem führen, und redeten rasch auf Aufrecht Kaufmann ein: „Genug, genug! Morgen kann er noch etwas vorschlagen.“

Auch Aufrecht Kaufmann sorgte sich, die Herzoginmutter könne unruhig werden, und sagte mit spöttischem Lächeln: „Da hat es dieses Tier doch tatsächlich einmal nicht gekonnt. Gut, ich gebe dir einen Tag Frist. Wenn du morgen noch immer nichts kannst, werde ich nicht nachsichtig sein. Dies ist ein wichtiger Ort — streng dich an!“

Damit führte er die Gesellschaft hinaus und sah sich noch einmal um. Seit dem Eingang hatten sie erst fünf oder sechs Zehntel des Gartens besichtigt. Zudem kam ein Bote mit einer Nachricht von Regendorf.

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Den Rest können wir nicht mehr besuchen. Aber wir sollten wenigstens auf der anderen Seite hinausgehen, um auch den Rest wenigstens im Vorbeigehen zu sehen.“

Er führte die Gesellschaft weiter und kam zu einer großen Brücke, über die das Wasser wie ein kristallener Vorhang hinabstürzte. Diese Brücke war nämlich die Schleuse, durch die das Wasser vom Fluss draußen hereingeleitet wurde.

Aufrecht Kaufmann fragte: „Wie heißt diese Schleuse?“

Schatzjade sagte: „Dies ist die Hauptquelle des ‘Durchtränkt-mit-Duft’-Baches, also könnte man sie ‘Durchtränkt-mit-Duft-Schleuse’ [沁芳闸] nennen.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Unsinn! Gerade das Wort ‘Durchtränkt mit Duft’ darf hier nicht verwendet werden.“

So gingen sie weiter und kamen an klaren Hallen und strohgedeckten Hütten vorbei, an aufgeschichteten Steinen und zu Fenstern geflochtenen Blumenranken, an einem buddhistischen Nonnenkloster am Fuß eines Berges und an einer daoistischen Einsiedelei im Wald, an langen Wandelgängen und gewundenen Grotten, an viereckigen und runden Pavillons. Aufrecht Kaufmann betrat keinen davon.

Nachdem ihm die Beine schmerzten, kam plötzlich ein weiterer Gebäudekomplex in Sicht. Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Hier müssen wir hineingehen und uns ausruhen.“

Er führte die Gesellschaft an Pfirsichblüten vorbei und durch ein Mondtor aus Bambus- und Blumengeflecht. Dahinter umschloss eine weiße Mauer einen von grünen Trauerweiden umgebenen Hof. Sie traten ein — auf beiden Seiten verbanden Wandelgänge die Gebäude. Im Hof waren einige Ziersteine aufgestellt, auf der einen Seite wuchsen Bananenstauden, auf der anderen stand ein Zierapfelbaum [西府海棠], dessen Krone sich wie ein Schirm wölbte, mit herabfallenden grünen Ranken und zinnoberroten Blüten.

Alle lobten: „Was für eine prächtige Blume! Wir haben schon viele Zieräpfel gesehen, aber nie einen so schönen.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dies ist ein sogenannter ‘Mädchenapfel’ [女儿棠], eine ausländische Sorte. Die Legende sagt, er stamme aus dem ‘Land der Frauen’, wo er besonders üppig wachse — freilich ein absurdes Gerücht.“

Die Begleiter lachten: „Mag es auch unglaubwürdig sein — warum hat sich der Name so lange gehalten?“

Schatzjade sagte: „Vermutlich haben Dichter und Literaten die Blüte so genannt, weil ihr Rot dem aufgetragenen Rouge gleicht und ihre zarte Schwäche an eine sich aufstützende Kranke erinnert — beides ganz im Stile einer Frauengemachs-Ästhetik. Irgendwann haben dann vulgäre Menschen von der Welt diese Bezeichnung aufgegriffen und sie mit erfundenen Geschichten in Volkschroniken belegt. So wurde aus volkstümlicher Überlieferung erst Gewohnheit und dann vermeintliche Wahrheit.“

Alle nickten bewundernd.

Sie setzten sich auf eine Bank unter dem Vordach. Aufrecht Kaufmann fragte: „Welchen frischen Namen denkt Ihr Euch für diesen Ort aus?“

Ein Gast sagte: „‘Bananenkranich’ [蕉鹤] — das wäre passend.“

Ein anderer sagte: „‘Erhabener Glanz in bunten Farben’ [崇光泛彩] — das wäre besser.“

Aufrecht Kaufmann und die Begleiter sagten: „Schön, ‘Erhabener Glanz in bunten Farben’!“

Schatzjade sagte auch: „Wunderbar.“ Dann seufzte er: „Nur schade.“

Alle fragten: „Was ist denn schade?“

Schatzjade sagte: „Hier stehen Bananenstauden und Zieräpfel nebeneinander — die versteckte Bedeutung enthält die Zeichen ‘Rot’ und ‘Grün’. Sagt man nur ‘Banane’, kommt der Zierapfel nicht vor; sagt man nur ‘Zierapfel’, fehlt die Banane. Ohne Banane geht es nicht, ohne Zierapfel erst recht nicht.“

Aufrecht Kaufmann fragte: „Und was schlägst du vor?“

Schatzjade sagte: „Ich würde vorschlagen: ‘Roter Duft, grüner Jade’ [红香绿玉] — dann ist beides berücksichtigt.“

Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Taugt nichts, taugt nichts!“

Damit führte er die Gesellschaft ins Gebäude. Die Räume waren ganz anders eingerichtet als die bisherigen — man konnte gar keine Zimmerwände ausmachen, denn an allen vier Seiten standen durchbrochen geschnitzte Holzwände mit den verschiedensten Motiven: ‘Fließende Wolken und hundert Fledermäuse’, ‘Die drei Freunde der kalten Jahreszeit’, Landschaften und Figuren, Vögel und Blumen, zusammengesetzte Muster und gelehrte Altertümer, ‘Zehntausendfaches Glück und Langlebigkeit’ — alles von Meisterhand geschnitzt und mit fünffarbigem Gold und eingelassenen Edelsteinen verziert. Zwischen den einzelnen Abschnitten gab es Büchernischen, Stellen für Räuchergefäße, Plätze für Pinsel und Tusche, für Blumenvasen und Topflandschaften. Die Formen der Öffnungen waren alle verschieden: rund wie der Himmel und eckig wie die Erde, wie Sonnenblumenblätter oder Bananenblätter, als verschlungene Ringe oder Halbmonde. Es war ein einziges Fest für die Augen, durchsichtig und zierlich. Bald erblickte man fünffarbige Gaze — und es war ein kleines Fenster; bald sah man bunte Seide — und es war eine verborgene Tür. Die gesamten Wände waren mit Nischen versehen, die der Form von Antiquitäten und Kostbarkeiten folgten: Zithern, Schwerter, hängende Vasen und Tischparavents — alles an der Wand befestigt, doch bündig mit der Wandfläche.

Alle sagten: „Wie kunstvoll ausgedacht! Wie kommt man nur auf solche Ideen?“

Als Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter eintraten, hatten sie nach zwei Raumabschnitten bereits die Orientierung verloren. Links schien eine Tür hindurchzuführen, rechts versperrte ein Fenster den Weg; ging man darauf zu, stand ein Bücherregal im Weg. Beim Umkehren sah man wieder durchscheinendes Gaze-Fenster und einen begehbaren Durchgang, doch vor der Tür kam ihnen plötzlich eine Gruppe Menschen entgegen, die genauso aussahen wie sie selbst — es war ein großer Spiegel aus Glas. Als sie um den Spiegel herumgingen, wurden die Durchgänge nur noch zahlreicher.

Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir, Herr. Durch diese Tür kommt man in den Hinterhof, und von dort ist der Ausgang näher als der Weg zurück.“

Nach zwei weiteren Durchgängen durch Gaze-Vorhänge und Brokat-Trennwände fanden sie tatsächlich eine Tür zum Hinterhof, der voller Wildrosenranken und Hagebutten war. Als sie um die Blumenwand bogen, versperrte ein klarer Bach den Weg.

Alle fragten erstaunt: „Woher kommt dieses Wasser?“

Herrlichkeit Kaufmann zeigte in die Ferne: „Es fließt von der Schleuse dort durch jene Grottenöffnung, wird im Nordosten um den Berg ins Dorf geleitet, dann teilt es sich und fließt nach Südwesten, bis es hier wieder zusammenkommt und durch die Mauer nach draußen abfließt.“

Alle sagten: „Genial, genial!“

Plötzlich versperrte ein großer Berg den Weg. Alle riefen: „Wir haben uns verirrt!“ Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir!“ Er ging voran, und als sie am Fuß des Berges eine Biegung machten, lag plötzlich ein weiter, ebener Weg vor ihnen, und das große Haupttor kam in Sicht.

Alle sagten: „Was für ein Vergnügen! Wahrlich ein Meisterwerk der Gestaltungskunst!“ Damit gingen sie alle hinaus.

Schatzjade jedoch dachte noch immer an das Innere des Gartens und wartete auf eine Anweisung seines Vaters. Da er keine erhielt, folgte er ihm notgedrungen bis ins Arbeitszimmer. Dort fiel es Aufrecht Kaufmann plötzlich ein und er fuhr ihn an: „Du bist noch immer hier? Hast du nicht genug gesehen? Denkst du nicht daran, dass die Großmutter sich Sorgen macht? Geh sofort hinein! Sie verwöhnt dich ganz umsonst.“

Als Schatzjade das hörte, zog er sich erleichtert zurück.

[Ende des siebzehnten Kapitels]

Anmerkungen

  1. Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans, Enkel der Herzoginmutter.
  2. Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – ältestes und ranghöchstes Familienmitglied, Großmutter von Schatzjade.
  3. Herrlichkeit Kaufmann (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Haus-Ning-Zweigs der Kaufmann-Familie.
  4. Aufrecht Kaufmann (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade, strenger Konfuzianer und hoher Beamter.