Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 19"

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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 19)
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= 第十九回 =
 
== 情切切良宵花解语 ==
 
=== 意绵绵静日玉生香 ===
 
==== Zu traulicher Nachtstunde spricht Hsi-jën ein ernstes Wort, in stiller Nachmittagszeit entströmt Dai-yü ein süßer Duft. ====
 
  
 
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! style="width:50%" | 中文原文 (庚辰本)
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung
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! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)
 
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  黛玉聽了,翻身爬起來,按著寶玉笑道:「我把你爛了嘴的!我就知道你是編我呢。」說著,便擰的寶玉連連央告,說:「好妹妹,饒我罷,再不敢了!我因為聞你香,忽然想起這個故典來。」黛玉笑道:「饒罵了人,還說是故典呢。」
 
  黛玉聽了,翻身爬起來,按著寶玉笑道:「我把你爛了嘴的!我就知道你是編我呢。」說著,便擰的寶玉連連央告,說:「好妹妹,饒我罷,再不敢了!我因為聞你香,忽然想起這個故典來。」黛玉笑道:「饒罵了人,還說是故典呢。」
 
  一語未了,只見寶釵走來,笑問:「誰說故典呢?我也聽聽。」黛玉忙讓坐,笑道:「你瞧瞧,有誰!他饒罵了人,還說是故典。」寶釵笑道:「原來是寶兄弟,怨不得他,他肚子里的故典原多。只是可惜一件,凡該用故典之時,他偏就忘了。有今日記得的,前兒夜裡的芭蕉詩就該記得。眼面前的倒想不起來,別人冷的那樣,你急的只出汗。這會子偏又有記性了。」黛玉聽了笑道:「阿彌陀佛!到底是我的好姐姐,你一般也遇見對子了。可知一還一報,不爽不錯的。」剛說到這裡,只聽寶玉房中一片聲嚷,吵鬧起來。正是——
 
  一語未了,只見寶釵走來,笑問:「誰說故典呢?我也聽聽。」黛玉忙讓坐,笑道:「你瞧瞧,有誰!他饒罵了人,還說是故典。」寶釵笑道:「原來是寶兄弟,怨不得他,他肚子里的故典原多。只是可惜一件,凡該用故典之時,他偏就忘了。有今日記得的,前兒夜裡的芭蕉詩就該記得。眼面前的倒想不起來,別人冷的那樣,你急的只出汗。這會子偏又有記性了。」黛玉聽了笑道:「阿彌陀佛!到底是我的好姐姐,你一般也遇見對子了。可知一還一報,不爽不錯的。」剛說到這裡,只聽寶玉房中一片聲嚷,吵鬧起來。正是——
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==注释==
 
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Nachdem Yüan-tschun in den Kaiserpalast zurückgekehrt war, wurde sie am folgenden Tag vom Kaiser empfangen und bedankte sich für seine Huld. Gleichzeitig berichtete sie ihm über ihren Elternbesuch, und des Kaisers Drachenantlitz war hocherfreut. Er beschenkte Djia Dschëng wie auch die Väter der übrigen Nebenfrauen mit buntem Brokat, Gold und Silber sowie anderen Gaben aus den kaiserlichen Speichern. Aber davon muß nicht im einzelnen erzählt werden.
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Kapitel 19
Im Jung-guo- und im Ning-guo-Anwesen war durch die Anstrengungen der letzten Tage jedermann müde und erschöpft. Aber erst einmal mußten jetzt zwei, drei Tage lang im Garten alle Ausstattungsstücke wieder eingesammelt werden. Die meisten Sorgen und die schwerste Bürde hatte dabei Hsi-fëng. Alle anderen konnten sich vielleicht heimlich eine Ruhepause verschaffen, nur sie kam nicht frei. Auch war sie von Natur aus ehrgeizig und wollte sich von niemandem etwas nachsagen lassen. Also riß sie sich zusammen und tat so, als ob gar nichts wäre.
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In zärtlicher Innigkeit spricht in einer schönen Nacht die Blume —
Die allergrößte Muße aber hatte Bau-yü, und ausgerechnet heute war am frühen Morgen Hsi-jëns Mutter gekommen, um der Herzoginmutter zu melden, sie hole Hsi-jën nach Hause, damit sie mit der Familie den Neujahrstee trinken könne. Hsi-jën konnte erst am Abend wieder zurück sein, deshalb hatte Bau-yü nur die übrigen Sklavenmädchen, mit denen er zum Zeitvertreib Würfel spielte. Da kamen, als er lustlos im Zimmer beim Spiel saß, andere Sklavenmädchen mit der Meldung, Herr Dschën aus dem Ostanwesen lasse zu einer Theatervorführung und zur Laternenschau hinüberbitten.
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In sanfter Zuneigung duftet an einem stillen Tag die Jade
Als Bau-yü das hörte, befahl er, man solle ihn umkleiden, und als er dann losgehen wollte, wurde eben eine süße Cremespeise gebracht, die Yüan-tschun ihm schicken ließ. Da Bau-yü wußte, daß letztens Hsi-jën Geschmack daran gefunden hatte, befahl er, man solle sie ihr aufheben. Nachdem er sich dann bei der Herzoginmutter abgemeldet hatte, begab er sich ins Ning-guo-Anwesen hinüber, um dort die Theaterschau anzusehen. Wider Erwarten wurden aber bei Djia Dschën nur Stücke gespielt wie „Ding-lang findet seinen Vater“, „Huang Bo-yang führt Geister in die Schlacht“, „Sun Wu-kungstiftet Unruhe im Himmel“ und „Djiang Dsï-ya bringt Feldherren um und verteilt Götterlehen“, in denen unversehens mal Götter und Teufel, mal Ungeheuer und Gespenster auftraten. Fahnenschwenkende Prozessionen zogen vorüber, und unter Gebeten wurde Weihrauch verbrannt. Der Lärm der Becken und Trommeln und der Schreie und Rufe drang weit über die Gasse hinaus, und auf der Straße sagte jedermann anerkennend: „Was für ein lebhaftes Spiel! Nirgendwo sonst kann es das geben!“
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Angesichts dieses unerträglichen Prunks und Tumults hielt es Bau-yü nicht lange aus und begann, überall müßig umherzustreifen. Zuerst ging er in die inneren Gemächer, wo er ein Weilchen mit Frau You und den Sklavenmädchen und Nebenfrauen plauderte und scherzte. Dann ging er wieder zum Innentor hinaus, und da Frau You dachte, er ginge das Theaterspiel anzusehen, kümmerte sie sich nicht weiter um ihn. Djia Dschën, Djia Liän und Hsüä Pan aber hatten nichts anderes im Sinn, als Weinrunden auszuknobeln und sich auf hunderterlei Art zu vergnügen, deshalb machten sie sich um Bau-yü keine Gedanken, und als er nicht wieder auftauchte, meinten sie, er müsse noch in den inneren Gemächern sein. So unterließen sie es, sich nach ihm zu erkundigen.
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Von Bau-yüs Sklaven aber hatten die älteren, weil sie wußten, Bau-yü würde bis zum Abend bleiben, wenn er einmal hier war, die Gelegenheit wahrgenommen – die einen, um sich zu Glücksspielen zusammenzutun, die anderen, um zu Freunden oder Verwandten zu gehen und mit ihnen den Neujahrstee zu trinken, und wieder andere sogar, um Freudenhäuser oder Weinstuben aufzusuchen. So waren sie alle auseinandergelaufen, um sich erst am Abend wieder einzufinden. Die jüngeren aber waren ins Theatergebäude geschlüpft, um sich am Tumult des Spiels zu ergötzen.
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Als Bau-yü sah, daß er ganz allein war, kam ihm der Gedanke, daß hier in einem kleinen Bibliotheksraum immer das Bild einer schönen Frau gehangen hatte, das sehr lebendig gemalt war, und er sagte sich, die Frau müsse sich an so einem Tag, wo alles vergnügt war, sicher sehr einsam fühlen, darum wollte er zu ihr gehen, um sie zu trösten. Als er sich mit diesem Gedanken der Bibliothek genähert hatte und eben vor dem Fenster stand, hörte er plötzlich von drinnen ein Stöhnen. Erschrocken fuhr er zurück und fragte sich: ‚Ist die Schöne etwa lebendig geworden?‘ Dann aber faßte er Mut, machte mit der Zungenspitze ein Loch ins Fensterpapier und schaute hinein. Da war nicht das Bild lebendig geworden, sondern Ming-yän preßte sich auf ein Mädchen und war mit der Sache beschäftigt, über die Bau-yü von der Fee Warnendes Trugbild belehrt worden war.
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Urfrühling<ref>Urfrühling (元春, Yuánchūn) – Kaiserliche Konkubine, älteste Schwester von Schatzjade.</ref> [元春] kehrte in den Palast zurück. Am nächsten Tag wurde sie vom Kaiser empfangen, dankte für die Gnade und berichtete über den Familienbesuch. Der Kaiser war hoch erfreut und stiftete weitere Seiden, Gold und Silber aus der kaiserlichen Schatzkammer für Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade.</ref> [贾政] und die Familienmitglieder. Davon ist nichts weiter zu berichten.
Bau-yü konnte nicht an sich halten. „Was ist denn das?rief er laut, stieß mit einem Fußtritt die Tür auf und ging hinein, so daß die beiden erschrocken auseinanderfuhren und vor Angst schlotterten. Als Ming-yän erkannte, daß es Bau-yü war, kniete er rasch nieder und bat in einem fort um Gnade.
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„Schöne Sachen treibst du hier am hellichten Tag“, sagte Bau-yü. „Wenn Herr Dschën davon erfährt, geht es dir an den Kragen!Dabei musterte er das Sklavenmädchen und stellte fest, daß sie zwar keine Schönheit war, aber doch recht sauber aussah und durchaus etwas Anziehendes hatte. Jetzt glühte sie vor Scham bis an die Ohren, hielt den Kopf gesenkt und brachte kein Wort hervor. Da stampfte Bau-yü mit dem Fuß auf und fragte: „Willst du nicht endlich fortlaufen?
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In den beiden Palästen Prachtglanz [荣] und Stillfriede-Anwesen [宁] hatten alle tagein, tagaus ihre ganze Kraft aufgewendet — wahrlich, jeder war erschöpft und jeder müde. Das Zusammenräumen aller Einrichtungsgegenstände und Utensilien im Garten dauerte noch zwei bis drei Tage.
Seine Worte brachten das Mädchen wieder zur Besinnung, und schnell wie im Flug lief sie hinaus. Bau-yü stürzte ihr nach und rief: „Hab keine Angst, ich verrate niemand davon!“ Aufgeregt rief Ming-yän von drinnen: „Kleiner Ahnherr! Auf diese Weise verratet Ihr es mit Sicherheit!“
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„Wie alt ist das Mädchen?“ fragte Bau-yü ihn dann.
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Phönixglanz<ref>Phönixglanz (王熙凤, Wáng Xīfèng) – Verwalterin des Haushalts der Kaufmann-Familie.</ref> [熙凤] hatte die meisten Aufgaben und die schwerste Last. Andere konnten sich vielleicht hier und da ausruhen, sie aber konnte sich keinen Augenblick freimachen. Außerdem war sie von Natur aus ehrgeizig und wollte keinen Tadel auf sich ziehen, sodass sie sich zusammenriss und sich nicht anmerken ließ, wie erschöpft sie war.
„Älter als sechzehn oder siebzehn kann sie nicht sein“, erwiderte Ming-yän.
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„Wenn du sie nicht einmal nach ihrem Alter gefragt hast, weißt du doch sonst erst recht nichts von ihr“, sagte Bau-yü. „Wie man sieht, wäre es besser gewesen, sie hätte dich nicht kennengelernt. Schade um sie!“ Dann fragte er: „Und wie heißt sie?“
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Schatzjade<ref>Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans.</ref> [宝玉] dagegen hatte am allerwenigsten zu tun und die meiste freie Zeit. An diesem Morgen kam nun gerade die Mutter von Dufthauch<ref>Dufthauch (袭人, Xīrén) – Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> [袭人] persönlich, um bei der Herzoginmutter<ref>Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – Großmutter von Schatzjade.</ref> [贾母] Bescheid zu geben, dass sie Dufthauch für den Tag nach Hause holen wolle, um den Neujahrstee zu trinken. Dufthauch würde erst am Abend zurückkehren. So blieb Schatzjade allein mit den Mädchen zurück und vertrieb sich die Zeit mit Würfelspielen und Brettspielpartien. Da er keine rechte Lust daran fand, kam plötzlich ein Mädchen und meldete: „Der Herr Herrlichkeit Kaufmann<ref>Herrlichkeit Kaufmann (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Ning-Guo-Zweigs.</ref> [贾珍] aus dem Ostpalast lässt fragen, ob Ihr nicht herüberkommen möchtet, um Theater zu sehen und Feuerwerk anzuschauen.
„Das ist eine Geschichte für sich“, sagte Ming-yän lachend, „und so ungewöhnlich, daß niemand sie sich ausdenken könnte. Wie sie erzählte, hat ihre Mutter, als sie mit ihr schwanger ging, im Traum ein Stück Brokat bekommen, dessen buntes Muster die Motive Reichtum und Vornehmheit sowie ein Band aus verschlungenen Hakenkreuzenzeigte. Darum hat sie ihre Tochter Wan-örl – ‚Hakenkreuzchen‘ – genannt.“
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„Das ist wirklich ungewöhnlich“, sagte Bau-yü lächelnd. „Gewiß wird sie noch ihr Glück machen.“ Nach diesen Worten versank er in Nachdenken.
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Schatzjade hörte das und ließ sich umkleiden. Gerade als er losgehen wollte, schickte Urfrühling gedämpften Milchrahm [酥酪] aus dem Palast. Schatzjade erinnerte sich, dass Dufthauch dieses Gericht beim letzten Mal besonders gern gegessen hatte, und befahl, es für Dufthauch aufzuheben. Dann meldete er sich bei der Herzoginmutter ab und ging hinüber zum Theater.
„Warum seht Ihr Euch die schönen Theaterstücke nicht an, junger Herr?“ fragte Ming-yän.
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„Ich habe sie mir ja eine ganze Weile angesehen“, sagte Bau-yü, „aber es war schrecklich langweilig. Darum ging ich spazieren, und dabei bin ich auf Euch gestoßen. Aber was machen wir jetzt am besten?“
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Im Ostpalast bei Herrlichkeit Kaufmann wurde gerade „Ding Lang erkennt seinen Vater“ gespielt, dazu „Huang Boyang stellt die Geisterarmee auf“, und dann noch „Der Affenkönig randaliert im Himmlischen Palast“ und „Jiang Ziya köpft die Generäle und versiegelt die Götter“ — lauter solche Stücke. Geister und Dämonen wuselten durcheinander, plötzlich sprangen Ungeheuer hervor, dann wieder wurden Fahnen geschwenkt und Prozessionen abgehalten, Gongs und Trommeln lärmten und Geschrei hallte bis in die Gassen. Alle Leute auf der Straße priesen: „Was für ein prächtiges Theater! Das hat sonst niemand zu bieten!“
Lachend erwiderte Ming-yän: „Niemand wird etwas davon merken, darum will ich Euch heimlich vor die Stadt führen, und dort gehen wir spazieren. Dann kommen wir hierher zurück, und die andern werden nichts davon erfahren!
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„Das ist nicht das Richtige“, sagte Bau-yü. „Wir müßten aufpassen, daß wir nicht von Bettlern entführt werden. Und wenn die andern doch etwas von der Sache erfahren, gibt es Ärger. Das beste ist, wir bleiben hier in der Nähe, dann sind wir schneller wieder zurück!
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Schatzjade fand das Treiben unerträglich lärmend und vulgär, blieb nur kurz sitzen und ging dann umher. Zürst besuchte er drinnen Dame Sonders [尤氏] und die Konkubinen und Mädchen und plauderte eine Weile, dann ging er wieder durch das zweite Tor hinaus. Dame Sonders und die anderen nahmen an, er wolle wieder zum Theater, und kümmerten sich nicht weiter um ihn. Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann [贾琏], Xü Pan [薛蟠] und die anderen waren mit Trinkspielenen und Scherzen beschäftigt und beachteten ihn ebenfalls nicht. Selbst wenn er einmal fehlte, nahmen sie an, er sei nach drinnen gegangen, und fragten nicht nach.
„Aber zu wem wollen wir hier in der Nähe gehen? Das ist die Schwierigkeit“, wandte Ming-yän ein.
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Lächelnd erwiderte Bau-yü: „Ich finde, wir sollten Schwester Hua besuchen und nachsehen, was sie zu Hause treibt.“
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Was die kleinen Diener betraf, die Schatzjade begleiteten: Die älteren wussten, dass er den ganzen Abend bleiben würde, und machten sich heimlich davon — manche zum Glücksspiel, manche zu Verwandten zum Neujahrstee, manche zu Freudenhäusern oder Trinkgelagen. Die jüngeren stürzten sich ins Theaterhaus, um die Aufführungen aus der Nähe zu sehen.
„Richtig!“ sagte Ming-yän. „Sie hatte ich ganz vergessen. Aber wenn die andern davon erfahrten, werden sie sagen, ich hätte Euch auf Abwege geführt, und werden mich schlagen.
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Aber Bau-yü beruhigte ihn: „Ich bin ja auch noch da!
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Schatzjade, nun ganz allein, dachte bei sich: „Hier gibt es doch dieses kleine Arbeitszimmer, in dem ein Bild einer wunderschönen Dame hängt, das äußerst lebendig gemalt ist. Bei all dem Trubel heute ist es dort sicher ruhig, und die schöne Dame ist bestimmt einsam — ich sollte hingehen und sie ein wenig trösten.“ Mit diesem Gedanken ging er zum Arbeitszimmer.
Daraufhin holte Ming-yän das Pferd, und sie gingen zum Hintertor hinaus. Glücklicherweise wohnte Hsi-jëns Familie nicht weit entfernt, es war nur ein halbes Li, und so standen sie schon im Handumdrehen vor dem Tor. Zuerst ging Ming-yän allein hinein und rief nach Hsi-jëns älterem Bruder Hua Dsï-fang.
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Hsi-jëns Mutter hatte außer Hsi-jën noch ein paar Nichten eingeladen, und sie knabberten eben Naschwerk zum Tee, als draußen jemand rief: „Bruder Hua!“
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Kaum war er ans Fenster getreten, hörte er drinnen ein Stöhnen. Schatzjade erschrak: Sollte die schöne Dame im Bild lebendig geworden sein? Mutig leckte er ein Loch in das Fensterpapier und spähte hinein. Das Gemälde war unberührt, doch er sah seinen Diener Mingyan [茗烟], der ein Mädchen festhielt und sich mit ihr in jener Kunst übte, die Schatzjade einst im Traumland der Feengöttin gelernt hatte. Schatzjade konnte nicht anders als laut zu rufen: „Das darf doch nicht wahr sein!Er trat die Tür auf und stürzte hinein. Die beiden erschraken zu Tode und sprangen auseinander.
Verwundert ging Hua Dsï-fang hinaus und erblickte dort Herrn und Diener. Er war vor Schreck ganz verwirrt und half Bau-yü rasch vom Pferd. Dann rief er noch vom Hof aus: „Der junge Herr Bau-yü ist gekommen!“ Für die anderen ging das noch an, Hsi-jën aber, die nicht wußte, was sie davon halten sollte, lief rasch hinaus, ging Bau-yü entgegen, faßte ihn am Arm und fragte: „Wie kommst du denn hierher?“
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„Ich hatte so schreckliche Langeweile“, erwiderte Bau-yü lächelnd, „da bin ich gekommen, um zu sehen, was du hier machst.“
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Mingyan erkannte Schatzjade und kniete sofort nieder und flehte um Vergebung. Schatzjade sagte: „Am hellichten Tag! Wenn Herrlichkeit Kaufmann davon erfährt, bist du tot oder lebendig?
Hsi-jën fiel ein Stein vom Herzen, und nach einem Seufzer der Erleichterung sagte sie lächelnd: „Was fällt dir nur ein? Was willst du nun hier?“ Dann wandte sie sich zu Ming-yän und fragte: „Wen habt ihr noch mit dabei?“
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Lächelnd gab ihr Ming-yän zur Antwort: „Kein Mensch weiß etwas davon. Wir sind nur zu zweit.“
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Er betrachtete das Mädchen: Sie war zwar nicht besonders hübsch, hatte aber eine helle Haut und gewissen Liebreiz. Vor Scham war sie rot bis hinter die Ohren und hielt den Kopf gesenkt, ohne ein Wort zu sagen.
Als Hsi-jën das hörte, bekam sie einen Schreck und sagte: „Was soll denn das heißen? Wenn ihr nun jemand getroffen hättet, oder der gnädige Herr hätte euch gesehen? Außerdem wimmelt es auf der Straße von Menschen, Pferden, Wagen und Sänften. Wie leicht hätte euch etwas zustoßen können! Ihr seid ja wirklich mehr als tapfer! Aber natürlich bist du der Anstifter, Ming-yän! Wenn ich zurück bin, sage ich es den Ammen, und dann setzt es Schläge!“
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Worauf Ming-yän trotzig den Mund verzog und sagte: „Mit Schelte und Schlägen hat mir der junge Herr befohlen, ihn herzuführen, und jetzt wird mir die Schuld in die Schuhe geschoben. Dabei habe ich noch gesagt, wir sollten besser nicht gehen. Wenn nicht anders, kehren wir wieder um!
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Schatzjade stampfte mit dem Fuß auf: „Lauf noch nicht weg!Mit einem Mal besinnte sich das Mädchen und rannte wie der Blitz davon. Schatzjade rief ihr nach: „Hab keine Angst! Ich verrate niemanden!“ Mingyan rief hinterher: „Herr! So wie Ihr das sagt, habt Ihr es gerade allen erzählt!“
Rasch legte sich Hua Dsï-fang ins Mittel und sagte: „Wenn ihr schon einmal hier seid, brauchen wir auch nicht mehr lange darüber zu streiten. Aber unser ärmliches Haus ist eng und schmutzig. Wie kann der junge Herr wohl hier Platz nehmen!Inzwischen war auch Hsi-jëns Mutter herausgekommen, und nun faßte Hsi-jën Bau-yü an der Hand und führte ihn hinein. Im Zimmer erblickte Bau-yü ein paar Mädchen, die bei seinem Eintritt verschämt die Köpfe senkten.
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Hua Dsï-fang und seine Mutter hatten tausend Befürchtungen, Bau-yü könnte frieren, darum nötigten sie ihn, er solle auf dem Ofenbett Platz nehmen, begannen ein Extratischchen mit Näschereien zu richten und gossen ihm rasch vom besten Tee ein. Aber lächelnd warf Hsi-jën ein: „Ihr braucht euch keine Mühe zu geben, ich weiß doch Bescheid. Auch das Naschwerk ist überflüssig. Er kann nicht wahllos alles mögliche essen.“ Bei diesen Worten legte sie ihr eigenes Sitzkissen für Bau-yü aufs Ofenbett, schob ihm ihren Fußofen unter die Füße und nahm dann zwei pflaumenblütenförmige Duftstofftäfelchen aus ihrer Gürteltasche, öffnete den Deckel ihres Handöfchens, zündete die Täfelchen darin an, machte den Deckel wieder zu und schob Bau-yü das Öfchen in den Brustausschnitt. Dann goß sie Tee in ihre eigene Tasse und reichte diese Bau-yü.
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Schatzjade fragte: „Wie alt ist das Mädchen?“
Inzwischen brachten ihre Mutter und ihr Bruder das Tischchen, das sie zierlich mit Naschwerk gedeckt hatten. Hsi-jën sah, daß Bau-yü nichts davon essen würde, und sagte lächelnd zu ihm: „Der Anstand verlangt, daß du auch etwas ißt, wenn du schon einmal hier bist. Darum mußt du wohl oder übel wenigstens davon kosten, damit du wirklich bei uns zu Besuch gewesen bist.“ Damit nahm sie ein paar Zirbelnüsse vom Teller, blies die Häutchen davon ab und reichte sie Bau-yü auf einem Taschentuch.
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Bau-yü, der sah, daß Hsi-jëns Augen gerötet waren und daß Tränenspuren über ihr gepudertes Gesicht liefen, fragte leise: „Warum hast du geweint?“
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Mingyan sagte: „Höchstens sechzehn oder siebzehn.“
„Warum sollte ich geweint haben?“ gab sie lächelnd zurück. „Ich hatte etwas ins Auge bekommen und habe es gerieben.“
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Da Bau-yü eine dunkelrote Robe mit hufförmigen Manschetten trug, die mit vierklauigen goldenen Drachen bestickt und mit Fuchsklaue gefüttert war, und darüber eine mit Quasten verzierte und mit Zobelfell gefütterte azuritblaue Überjacke, fragte Hsi-jën jetzt: „Hat denn niemand gefragt, wo du hingehst, wenn du dich extra frisch angezogen hast, um hierher zu kommen?“
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Schatzjade sagte: „Du hast nicht einmal nach ihrem Alter gefragt — natürlich weißt du auch sonst nichts über sie. Man sieht, sie hat dich ganz umsonst kennengelernt. Wie bedauerlich, wie bedauerlich!“ Dann fragte er: „Wie heißt sie?“
„Das hatte ich angezogen, um bei Herrn Dschën eine Theatervorführung anzusehen“, gab Bau-yü lächelnd zur Antwort.
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Hsi-jën nickte, dann sagte sie: „Bleib ein Weilchen sitzen und geh dann wieder! Das hier ist nicht der richtige Ort für dich.“
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Mingyan lachte laut: „Wenn ich Euch den Namen sage, ist es eine lange Geschichte! Wirklich seltsam und kurios — man könnte es nicht erfinden. Ihre Mutter hat bei ihrer Geburt einen Traum gehabt: Sie träumte, sie beküme ein Stück Brokat geschenkt, auf dem ein Muster mit fünffarbigen 'Reichstum-und-Glück-ohne-Ende'-Blumen zu sehen war. Deshalb heißt das Mädchen Wan'er [万儿, 'Zehntausend'].“
„Am schönsten wäre es, wenn du gleich mitkämst“, sagte Bau-yü. „Ich habe auch etwas Gutes für dich aufheben lassen.“
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Hsi-jën lächelte verstohlen darüber, bevor sie sagte: „Nicht so laut! Was sollen die andern denken, wenn sie das hören?“ Dann streckte sie ihre Hand aus, nahm Bau-yü den beseelten Jadestein ab, den er um den Hals trug, und sagte lächelnd zu ihren Kusinen: „Hier, seht ihn euch an! Immer, wenn davon die Rede war, habt ihr gemeint, es wäre wunder was, und wolltet ihn gerne sehen. Heute nun könnt ihr ihn nach Herzenslust anschauen. Was ist denn nun groß daran?Damit reichte sie ihnen den Stein, und als ihn alle der Reihe nach angesehen hatten, hängte sie ihn Bau-yü wieder um. Dann befahl sie ihrem Bruder, er solle gehen, um eine kleine Sänfte oder einen Wagen zu mieten, und Bau-yü nach Hause bringen.
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Schatzjade hörte das und sagte lächelnd: „Das ist wirklich kurios. Bestimmt hat sie noch ein glückliches Schicksal vor sich.“ Dann versank er in Gedanken.
„Er kann doch auch reiten, und ich begleite ihn“, sagte Hua Dsï-fang.
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„Darum geht es ja nicht“, erklärte Hsi-jën. „Es ist nur, damit ihn unterwegs niemand sieht.“
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Mingyan fragte: „Warum schaut Ihr Euch nicht das schöne Theater an?“
Also ging Hua Dsï-fang rasch fort und holte eine kleine Sänfte. Niemand von den anderen wagte es, Bau-yü zum Bleiben aufzufordern, und so begleiteten sie ihn alle hinaus. Hsi-jën steckte Ming-yän noch etwas von dem Naschwerk zu, gab ihm ein wenig Geld, für das er sich Feuerwerkskörper kaufen sollte, und schärfte ihm ein: „Sag nur keinem Menschen etwas, denn du bist selber nicht unschuldig!Dann begleitete sie Bau-yü bis vor das Tor, sah zu, wie er in die Sänfte stieg, und ließ die Vorhänge herab. Hua Dsï-fang und Ming-yän führten zu zweit Bau-yüs Pferd hinterher.
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Als sie am Ning-guo-Anwesen waren, befahl Ming-yän den Sänftenträgern zu halten und sagte zu Hua Dsï-fang: „Ich muß erst ein Weilchen mit dem Herrn hier ins Ostanwesen gehen, ehe wir zu uns hinüber können, sonst schöpft noch jemand Verdacht!
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Schatzjade sagte: „Ich habe eine Weile zugesehen, aber es langweilte mich so. Deshalb bin ich herausgegangen, um mich umzusehen — und bin auf euch gestoßen. Was machen wir jetzt?“
Hua Dsï-fang fand es vernünftig, was er sagte, darum hob er Bau-yü rasch aus der Sänfte und half ihm aufs Pferd. „Hab Dank für die Mühe!sagte Bau-yü lächelnd und ritt dann zum Hintertor hinein. Weiter soll davon nicht die Rede sein.
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Nachdem Bau-yü aus seinem Zimmer fortgegangen war, hatten sich die Sklavenmädchen dort noch ausgelassener vergnügt. Die einen würfelten, die anderen spielten Domino, und der ganze Fußboden war mit den ausgekauten Schalen von Melonenkernen bedeckt. Und ausgerechnet jetzt mußte Amme Li auf ihren Stock gestützt hereinkommen, um ihren Gruß zu entbieten und nach Bau-yü zu sehen.
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Mingyan grinste: „Was haltet Ihr davon ich führe Euch heimlich vor die Stadt, wir machen einen Spaziergang und sind rechtzeitig wieder zurück. Keiner wird etwas merken.“
Als sie feststellte, daß Bau-yü nicht zu Hause war und die Sklavenmädchen unbekümmert weiterspielten, war sie zutiefst empört und sagte mit einem Seufzer: „Seitdem ich nicht mehr hier bin und nicht so oft komme, habt ihr überhaupt keinen Anstand mehr. Die anderen Ammen wagen euch nichts zu sagen, und Bau-yü ist so eine große Leuchte, daß sein Licht überallhin fällt, nur nicht vor seine eigenen Füße. Andern wirft er vor, sie seien schmutzig, aber was ihr aus seinem Zimmer macht, spottet jeder Beschreibung!“
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Die Mädchen wußten nur zu gut, daß Bau-yü es damit nicht sehr genau nahm, außerdem war Amme Li wegen ihres Alters aus dem Dienst geschieden und weggezogen, so daß sie ihnen nichts mehr zu sagen hatte, darum spielten sie unbeirrt weiter und kümmerten sich nicht um die Worte der Alten. Amme Li aber erkundigte sich, wieviel Bau-yü gegessen habe, wann er schlafen gegangen sei und ähnliches mehr.
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Schatzjade sagte: „Nicht gut! Wenn uns Bettler erwischen, ist es schlimm genug. Und wenn die anderen es erfahren, gibt es Ärger. Besser, wir gehen zu einem Ort, den wir kennen, dann können wir schnell zurück sein.
Die Mädchen gaben nur beiläufig darauf Antwort und eine sagte: „So ein garstiges altes Ding!“
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„Das ist wohl Creme hier in dem Schälchen?“ fragte Amme Li jetzt. „Warum habt ihr mir das nicht bringen lassen? Ich werde es essen!“ Bei diesen Worten griff sie nach einem Löffel, und schon begann sie zu essen.
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Mingyan sagte: „Ein vertrauter Ort — aber wo? Das ist schwierig.
„Rühr das nicht an!“ sagte eines der Mädchen. „Bau-yü hat gesagt, es soll für Hsi-jën aufgehoben werden. Wenn er zurückkommt und es wieder Ärger gibt, mußt du ihm selbst eingestehen, daß du daran gewesen bist, damit wir nicht mit hineingezogen werden!“
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Als Amme Li das hörte, war sie zornig und beschämt zugleich. „Ich glaube nicht, daß Bau-yü so ein schlechter Mensch ist“, sagte sie. „Nicht nur so ein Schälchen Kuhmilch, auch teurere Sachen müßte er mir gönnen. Kann er denn Hsi-jën besser behandeln als mich? Und wird er denn, nachdem er so groß geworden ist, nicht daran denken, daß er mit meiner Milch aufgezogen wurde, die sich aus meinem Blut gebildet hat? Und da soll er sich aufregen, nur weil ich jetzt so ein Schälchen Kuhmilch esse? Nun will ich es gerade essen, um zu sehen, was daraus wird! Ihr haltet Hsi-jën für wer weiß was, dabei ist sie nichts weiter als ein dummes Ding, das ich selber ausgebildet habe.Und damit aß sie die Cremespeise trotzig auf.
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Schatzjade lächelte: „Ich habe eine Idee! Gehen wir zu deiner Blumen-Schwester — schauen wir, was sie zu Hause treibt.“
„Die andern wissen sich nicht richtig auszudrücken, kein Wunder, daß Ihr da in Zorn geratet, alte Frau“, sagte jetzt ein anderes Sklavenmädchen. „Bau-yü schickt Euch doch ständig etwas, um Euch seine kindliche Ehrerbietung zu bezeugen, da wird ihm auch das nichts ausmachen!
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„Ihr braucht gar nicht mir schönzutun“, erwiderte Amme Li. „Ihr meint wohl, ich wüßte nicht, wie damals wegen des Tees Tjiän-hsüä hinausgeworfen wurde? Wenn mir Bau-yü morgen wieder eine Schuld zuspricht, werde ich kommen und sie auf mich nehmen!“
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Mingyan lachte: „Richtig, richtig! Die hatte ich ganz vergessen.“ Dann überlegte er: „Wenn die anderen es herausbekommen und sagen, ich hätte den jungen Herren irregeführt — dann werde ich verhauen!
Mit diesen Worten ging sie wütend hinaus.
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Bald darauf kam Bau-yü zurück und befahl, man solle Hsi-jën abholen. Als er sah, daß Tjing-wën auf dem Bett lag, ohne sich zu rühren, fragte er: „Ist sie etwa krank? Wenn nicht, hat sie bestimmt im Spiel verloren!
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Schatzjade lächelte: „Keine Sorge, ich bin ja da.Mingyan hörte das, sattelte ein Pferd, und die beiden verließen den Palast durch die Hintertür.
„Zuerst hatte sie gewonnen“, gab ihm Tjiu-wën Auskunft. „Doch dann kam Amme Li, und vor lauter Verwirrung verlor sie. Da hat sie sich vor Wut schlafen gelegt.“
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„Aber du wirst doch einen anderen Horizont haben als Amme Li!“ sagte Bau-yü lächelnd zu Tjing-wën. „Laß sie machen, was sie will, und kümmer dich nicht darum!
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Glücklicherweise wohnte Dufthauchs Familie nicht weit entfernt — kaum eine halbe Meile. Im Handumdrehen waren sie da. Mingyan ging voraus und rief nach Dufthauchs Bruder Hua Zifang [花自芳]. Dufthauchs Mutter hatte Dufthauch zusammen mit einigen Nichten und Cousinen zum Neujahrstee nach Hause geholt, und sie assen gerade Obst und Tee. Als sie draußen jemanden „Bruder Hua!“ rufen hörten, stürmte Hua Zifang hinaus und sah die beiden — er erschrak zutiefst. Hastig hob er Schatzjade vom Pferd und rief ins Haus: „Der junge Herr Schatzjade ist da!“
Bei diesen Worten kam eben Hsi-jën herein, und nachdem sie einander begrüßt hatten, fragte sie Bau-yü, wo er gegessen habe und wann er zurückgekommen sei. Dann richtete sie den übrigen Mädchen Grüße von ihrer Mutter und ihren Kusinen aus. Nachdem sie sich umgezogen und ihren Schmuck abgelegt hatte, befahl Bau-yü, die Cremespeise zu holen, aber die Mädchen berichteten, Amme Li habe sie aufgegessen.k und befahl, man solle Hsi-jën abholen. Als er sah, daß Tjing-wën auf dem Bett lag, ohne sich zu rühren, fragte er: „Ist sie etwa krank? Wenn nicht, hat sie bestimmt im Spiel verloren!
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„Zuerst hatte sie gewonnen“, gab ihm Tjiu-wën Auskunft. „Doch dann kam Amme Li, und vor lauter Verwirrung verlor sie. Da hat sie sich vor Wut schlafen gelegt.“
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Während die anderen das vielleicht mit Fassung aufnahmen, stürmte Dufthauch erschrocken hinaus, ergriff Schatzjades Hand und fragte: „Wie kommst du hierher?“
„Aber du wirst doch einen anderen Horizont haben als Amme Li!“ sagte Bau-yü lächelnd zu Tjing-wën. „Laß sie machen, was sie will, und kümmer dich nicht darum!
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Bei diesen Worten kam eben Hsi-jën herein, und nachdem sie einander begrüßt hatten, fragte sie Bau-yü, wo er gegessen habe und wann er zurückgekommen sei. Dann richtete sie den übrigen Mädchen Grüße von ihrer Mutter und ihren Kusinen aus. Nachdem sie sich umgezogen und ihren Schmuck abgelegt hatte, befahl Bau-yü, die Cremespeise zu holen, aber die Mädchen berichteten, Amme Li habe sie aufgegessen. Gerade als Bau-yü etwas dazu sagen wollte, griff Hsi-jën lächelnd mit den Worten ein: „Ach, Cremespeise war es also, was du für mich aufheben ließest! Schönen Dank, daß du daran gedacht hast, aber als ich letztens davon aß, hat sie wohl gut geschmeckt, hinterher jedoch hatte ich schöne Bauchschmerzen, und mir wurde erst besser,  als ich sie wieder  von mir gegeben hatte. Gut, daß sie sie  
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Schatzjade lächelte: „Mir war so langweilig, da wollte ich sehen, was du so treibst.“
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Dufthauch, nun beruhigt, seufzte und sagte lächelnd: „Was du dir wieder einfallen lässt! Aber was soll schon passieren?“ Dann fragte sie Mingyan: „Wer ist sonst noch mitgekommen?“
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Mingyan grinste: „Sonst weiß niemand etwas — nur wir beide.“
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Dufthauch erschrak erneut: „Das geht doch nicht! Stellt Euch vor, jemandem zu begegnen oder gar dem Herren! Auf der Straße drängen sich die Menschen, Wagen und Sänften überall — wenn etwas passiert, ist das noch ein Spaß? Ihr habt beide einen Mut, der größer ist als ein Scheffelgefäss. Das hat bestimmt Mingyan eingefädelt — wenn wir zurück sind, sage ich den Ammen Bescheid, dann gibt es Schläge!“
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Mingyan protestierte: „Der junge Herr hat mich gescholten und geschlagen, bis ich ihn herführte, und jetzt schiebt er alles auf mich! Am besten gehen wir gleich wieder zurück.
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Hua Zifang beschwichtigte: „Nun ist er schon mal da, es hat keinen Sinn, sich aufzuregen. Nur — unsere Strohhütte ist so eng und schmutzig, wie soll der junge Herr sich hier setzen?
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Auch Dufthauchs Mutter kam eilig heraus, um Schatzjade zu begrüssen. Dufthauch führte Schatzjade hinein. Schatzjade sah drei oder fünf junge Mädchen, die bei seinem Eintritt verschämt den Kopf senkten. Hua Zifang und seine Mutter fürchteten, Schatzjade könne frieren, ließen ihn aufs beheizte Kanglager steigen und stellten hastig Obst auf. Dufthauch sagte lächelnd: „Macht euch nicht unnötig Mühe ich weiß, was er braucht. Obst braucht Ihr nicht aufzutragen, und er darf auch nicht wahllos etwas essen.“
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Sie holte ihr eigenes Sitzkissen und breitete es auf dem Kang aus, damit Schatzjade sich setzte. Sie stellte ihren eigenen Fußwärmer hin, nahm zwei Pflaumenduft-Räucherpastillen aus ihrem Beutel, öffnete ihren Handwärmer, legte sie hinein und stellte ihn Schatzjade in den Arm. Dann goss sie Tee in ihre eigene Tasse und reichte ihn Schatzjade.
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Währenddessen hatten Mutter und Bruder bereits ordentlich einen ganzen Tisch mit Obst aufgedeckt. Dufthauch sah, dass nichts davon für Schatzjade geeignet war, und sagte lächelnd: „Da du nun schon hier bist, kannst du nicht mit leeren Händen gehen. Probier wenigstens ein wenig — das gehört sich so, wenn du schon einmal bei mir zu Hause bist.“ Sie nahm einige Pinienkerne, blies die dünnen Häutchen ab und reichte sie Schatzjade auf einem Taschentuch.
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Schatzjade bemerkte, dass Dufthauchs Augen leicht gerötet waren und ihre Haut sanft glänzte. Er fragte leise: „Warum hast du geweint?“
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Dufthauch lächelte: „Ich habe nicht geweint — mir ist nur etwas ins Auge gekommen, und ich habe gerieben.“ Damit war die Sache übergangen.
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Schatzjade trug seine große rote Goldbrokat-Pelzjacke mit dem Drachenmuster, darüber einen schieferblauen Zobelpelzmantel. Dufthauch sagte: „Du bist extra zum Hierkommnen in neue Kleidung geschlüpft — haben sie dich nicht gefragt, wohin du gehst?“
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Schatzjade lächelte: „Ich habe sie zum Theatersehen bei Bruder Herrlichkeit Kaufmann angezogen.
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Dufthauch nickte. „Setz dich noch ein wenig und dann geh zurück — dies ist kein Ort für dich.“
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Schatzjade lächelte: „Am besten wärst du ganz zu Hause geblieben, dann hätte ich dir etwas Gutes aufheben können.“
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Dufthauch flüsterte lächelnd: „Sag das leise — wenn die anderen es hören, was sollen sie denken?“
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Dann nahm sie ihm den Wunderstein [通灵玉] von der Brust und zeigte ihn ihren Schwestern: „Schaut euch den mal an! Ihr habt immer davon gehört und euch gewünscht, ihn zu sehen — heute könnt ihr ihn euch gründlich anschauen. Schaut ihn an und wundert euch nicht mehr über Raritäten — am Ende ist es auch nur so ein Ding.Sie reichte ihn herum, hängte ihn dann Schatzjade wieder um und befahl ihrem Bruder, eine kleine Sänfte oder einen Wagen zu mieten, um Schatzjade zurückzubringen.
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Hua Zifang sagte: „Ich bringe ihn auf dem Pferd zurück, das reicht.
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Dufthauch sagte: „Das Pferd wäre kein Problem, aber er könnte jemandem begegnen.“
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Hua Zifang mietete eine kleine Sänfte. Man verabschiedete sich von Schatzjade, und Dufthauch drückte Mingyan Obst in die Hand und gab ihm Geld für Feuerwerk. Sie ermahnte ihn: „Erzähl niemandem davon — sonst bist du auch dran.Sie begleitete Schatzjade bis vor die Tür, sah zu, wie er in die Sänfte stieg, und ließ den Vorhang herunter. Hua Zifang und Mingyan führten das Pferd und folgten.
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In der Straße des Stillfriede-Palastes ließ Mingyan anhalten und sagte zu Hua Zifang: „Ich muss mit dem jungen Herren noch ein wenig im Ostpalast herumlaufen, damit es so aussieht, als wären wir dort gewesen — sonst werden die Leute misstrauisch.“ Hua Zifang stimmte zu, hob Schatzjade aus der Sänfte und half ihm aufs Pferd. Schatzjade sagte lächelnd: „Du hast dir Mühe gemacht.So ritten sie durch die Hintertür zurück in den Ostpalast. Mehr ist davon nicht zu berichten.
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Unterdessen hatten die Mädchen in Schatzjades Zimmer, da ihr Herr fort war, sich erst recht ausgelassen vergnügt: Manche spielten Brettspiele, manche warfen Würfel, überall lagen Kürbiskernschalen auf dem Boden. Da humpelte die alte Amme Li [李嬷嬷] auf ihrem Stock herein, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie Schatzjade nicht antraf und die Mädchen nur herumalberten, konnte sie sich nicht zurückhalten.
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„Seit ich nicht mehr so oft herkomme“, seufzte sie, „seid ihr völlig zugellos geworden! Die anderen Ammen trauen sich erst recht nicht, euch etwas zu sagen. Schatzjade ist wie eine mannshohe Laterne — er sieht bei anderen die Flecken, aber nicht seine eigenen. Er meckert immer, andere seien schmutzig, dabei ist das hier sein eigenes Zimmer, und er lässt euch alles verwüsten — das hat keinen Stil!“
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Die Mädchen wussten genau, dass Schatzjade auf solche Dinge keinen Wert legte, und außerdem war die alte Li langst aus dem Dienst entlassen — sie hatte keine Macht mehr über sie. Also spielten sie einfach weiter und beachteten sie nicht. Die alte Li fragte noch, wie viel Schatzjade beim Essen ässe und wann er schlafen gehe. Die Mädchen gaben beliebige Antworten. Einer murmelte: „Was für eine lästige alte Schachtel!“
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Dann entdeckte die alte Li eine zugedeckte Schale: „Was ist da drin? Milchrahm? Warum hat man mir den nicht gebracht? Dann esse ich ihn eben selbst!“ Sie nahm den Löffel und wollte zugreifen.
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Ein Mädchen sagte: „Finger weg! Der ist für Dufthauch aufgehoben — wenn Ihr den esst, gibt es wieder Ärger. Das müssst Ihr dann selbst verantworten und dürft es nicht auf uns schieben!“
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Die alte Li hörte das und sagte wütend und beschämt: „Ich glaube nicht, dass er so schlecht geworden ist! Selbst wenn ich eine Schale Milch esse — ist das nicht mein gutes Recht? Ist Dufthauch ihm etwa wichtiger als ich? Hat er vergessen, wie er gross geworden ist? Mein Blut wurde zu Milch, und mit dieser Milch ist er so gross geworden, und jetzt soll ich nicht einmal eine Schale Milch essen dürfen? Ich esse sie trotzdem — sehen wir, was passiert! Was denkt ihr alle über Dufthauch? Die ist ein kleines Mädchen, das ich selbst großgezogen habe — was für ein feines Ding soll sie denn sein!
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Trotzig ass sie den gesamten Milchrahm auf.
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Ein anderes Mädchen sagte beschwichtigend: „Die anderen können nicht reden — kein Wunder, dass Ihr aufgebracht seid. Schatzjade schickt Euch doch regelmässig Sachen und erweist Euch die Ehre — er würde doch nie wegen so etwas böse werden.“
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Die alte Li sagte: „Versucht nicht, mich mit eurem Fuchscharme zu beschwichtigen! Glaubt ihr, ich wisse nicht über die Sache mit dem Tee und Qianxü [茜雪] Bescheid? Wenn es noch einmal Ärger gibt, komme ich zurück und mache reinen Tisch!“ Damit ging sie verargert davon.
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Nach einer Weile kehrte Schatzjade zurück und ließ Dufthauch abholen. Da kam Heitermuster [晴雯] — sie lag auf dem Bett und rührte sich nicht. Schatzjade fragte: „Bist du krank? Oder hast du verloren?
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Qiuwen [秋纹] sagte: „Sie hat sogar gewonnen. Aber dann kam die alte Amme Li und hat alles durcheinandergebracht, und sie hat sich vor Ärger hingelegt.“
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Schatzjade lächelte: „Lass sie in Ruhe, nimm es ihr nicht übel.Bald darauf kam Dufthauch zurück.
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Schatzjade ließ den Milchrahm bringen. Die Mädchen meldeten: „Die alte Amme Li hat ihn aufgegessen.
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Schatzjade wollte gerade etwas sagen, da sagte Dufthauch schnell lächelnd: „So ist das also — es war doch für mich aufgehoben! Vielen Dank für die Mühe! Als ich ihn neulich ass, schmeckte er zwar gut, aber danach bekam ich furchtbare Bauchschmerzen und musste alles wieder von mir geben. Dass sie ihn gegessen hat, ist besser — hier stehenzulassen wäre Verschwendung gewesen. Eigentlich hätte ich gern gedörrte Kastanien — schälst du mir welche? Ich richte derweil das Bett.“
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Schatzjade glaubte ihr, vergass den Milchrahm und begann, Kastanien zu schälen. Als niemand sonst im Zimmer war, fragte er Dufthauch lächelnd: „Wer war eigentlich das Mädchen in Rot heute? Eine Verwandte von dir?“
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Dufthauch sagte: „Das ist meine Cousine mütterlicherseits.“
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Schatzjade seufzte zwei Mal. Dufthauch sagte: „Was seufzt du? Ich weiß, was du denkst. Du findest, sie sei zu hübsch, um Rot zu tragen.
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Schatzjade lächelte: „Nein, nein! Wenn nicht einmal sie Rot tragen darf, wer dann? Ich habe nur geseufzt, weil sie wirklich ausgesprochen hübsch ist — wie schade, dass sie nicht bei uns im Hause lebt.
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Dufthauch sagte kühl lächelnd: „Nur weil ich eine Sklavin bin, müssen meine Verwandten noch lange keine Sklavinnen sein. Sollte man etwa extra die hübschesten Mädchen aussuchen, um sie in Euer Haus zu bringen?“
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Schatzjade sagte hastig: „Da hast du mich falsch verstanden! Wenn ich sage, sie sollte bei uns sein, meint das doch nicht als Sklavin — als Verwandte wäre es doch auch möglich!“
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Dufthauch sagte: „Das wäre für sie nicht standesgemäss.
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Schatzjade sprach nicht weiter und schälte nur still seine Kastanien.
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Dufthauch lächelte: „Warum sagst du nichts mehr? Habe ich dich etwa beleidigt? Wenn du willst, kannst du sie ja für ein paar Liang Silber kaufen.“
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Schatzjade lächelte: „Was du da sagst — wie soll ich darauf antworten? Ich wollte sie doch nur loben, weil sie hübsch ist und hierhergehört in ein solch prächtiges Haus — nicht, dass jemand wie ich es verdient, hier zu leben.“
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Dufthauch sagte: „Obwohl sie nicht so ein Glück hat, wurde sie durchaus verwöhnt — der Augapfel meiner Tante und meines Onkels. Sie ist jetzt siebzehn, und die Mitgift ist schon komplett — nächstes Jahr heiratet sie.“
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Schatzjade hörte das Wort „heiraten“ und seufzte abermals zweimal. Gerade als ihn betrübte Stimmung überkam, seufzte auch Dufthauch: „Seit ich hierher kam, waren meine Geschwister und ich nie beisammen. Jetzt, wo ich zurückgehen würde, wären sie alle schon weg.“
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Schatzjade spürte, dass in diesen Worten mehr steckte, erschrak und ließ die Kastanien fallen: „Wie meinst du das — du willst zurück?“
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Dufthauch sagte: „Heute habe ich gehört, wie meine Mutter und mein Bruder besprachen, dass sie mich noch ein Jahr durchhalten lassen wollen und mich dann freikaufen.“
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Schatzjade war wie erstarrt und fragte: „Warum wollen sie dich freikaufen?“
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Dufthauch sagte: „Was für eine seltsame Frage! Ich bin doch keine hier Geborene — meine ganze Familie lebt woanders. Ich bin hier allein — wie soll das auf Dauer gehen?“
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Schatzjade sagte: „Ich werde dich nicht gehen lassen.“
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Dufthauch sagte: „So etwas hat es noch nie gegeben. Selbst im Kaiserpalast gibt es Regeln: Alle paar Jahre wird ausgewählt, alle paar Jahre wird aufgenommen — niemand wird für immer behalten. Von dir gar nicht zu reden!“
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Schatzjade überlegte — das war tatsächlich richtig. Dann sagte er: „Die Herzoginmutter wird dich auch nicht gehen lassen.“
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Dufthauch sagte: „Warum nicht? Wenn ich wirklich unersetzlich wäre und die Herzoginmutter und die Herrin mich unbedingt behalten wollten — vielleicht ginge es, wenn man meiner Familie mehr Silber gäibe. Aber ich bin doch nur ein gewöhnlicher Mensch; es gibt viele, die besser sind als ich. Seit ich klein war, diente ich zürst der Herzoginmutter, dann Fräulein Shi [史大姑娘] und jetzt dir. Wenn meine Familie mich freikaufen will, ist es nur recht und billig. Wahrscheinlich wird man nicht einmal den Kaufpreis zurückverlangen. Und was meinen Dienst an dir betrifft — das ist meine Pflicht, keine besondere Leistung. Wenn ich gehe, kommen andere, die genauso gut sind.“
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Schatzjade hörte das — es gab gründliche Argumente für ihr Gehen, aber keinen für ihr Bleiben — und wurde immer besorgter. „Trotzdem“, sagte er, „ich werde alles tun, um dich zu behalten. Ich bitte die Herzoginmutter, mit deiner Mutter zu sprechen und ihr reichlich Silber zu geben — dann wird sie es sich nicht zu sagen trauen.“
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Dufthauch sagte: „Meine Mutter würde natürlich nicht wagen, sich zu widersetzen. Man braucht nicht einmal freundlich zu sein oder Geld zu geben — auch ohne das würde sie gehorchen. Aber unsere Familie hat solche Dinge nie mit Gewalt durchgesetzt. Man kann alles kaufen, was einem gefällt, da kommen die Verkäufer nicht zu kurz. Aber mich ohne Grund hierbehalten, dir ohne Nutzen und uns als Familie auseinanderreißen — das werden die Herzoginmutter und die Herrin niemals tun.“
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Schatzjade hörte das, dachte lange nach und sagte schließlich: „Deinen Worten nach bist du also fest entschlossen zu gehen?“
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Dufthauch sagte: „Fest entschlossen.“
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Schatzjade hörte das und dachte bei sich: „So jemand — und so undankbar und gleichgültig!“ Er seufzte: „Hätte ich gewusst, dass alle gehen würden, hätte ich sie nie hierher kommen lassen. Am Ende bleibe ich als einsamer Geist zurück.“ Verargert legte er sich ins Bett.
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In Wirklichkeit hatte Dufthauch zu Hause, als sie hörte, dass ihre Mutter und ihr Bruder sie freikaufen wollten, gesagt, sie werde lieber sterben als zurückzugehen. „Damals, als ihr nichts zu essen hattet und ich das einzige war, das noch ein paar Liang Silber wert war — hätte ich euch nicht erlaubt, mich zu verkaufen, wärst du wohl zusehen müssen, wie Vater und Mutter verhungerten. Jetzt habe ich glücklicherweise ein gutes Haus gefunden, wo ich esse und mich kleide wie die Herrschaften, ohne tagein, tagaus geschlagen zu werden. Und jetzt, wo ihr euch finanziell erholt habt, wollt ihr mich freikaufen? Wenn ihr wirklich noch in Not wäret und mich zurückholtet, um noch ein paar Münzen mehr herauszuschlagen — gut. Aber es geht euch doch nicht schlecht! Tut so, als wäre ich gestorben, und denkt nie wieder daran, mich freizukaufen!“
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So hatte sie geweint und getobt, bis ihre Mutter und ihr Bruder einlenkten. Außerdem war es ein endgültiger Verkauf mit festem Vertrag, und man wusste, dass die Kaufmann-Familie gütherzig und grosszügig war. Im Grunde genommen, so überlegte man, würde die Familie auf Bitten hin wahrscheinlich sogar den Kaufpreis erlassen. Zweitens behandelte die Familie Kaufmann ihre Dienstboten nie schlecht — es gab mehr Gnade als Strenge. Die persönlichen Mädchen der Herrschaften wurden sogar noch besser behandelt als die übrige Dienerschaft — manche Töchter aus armen Familien wurden nicht so wertgeschätzt wie sie. So gaben Mutter und Bruder den Freikauf auf.
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Dann kam Schatzjades Besuch, und als sie sein inniges Verhalten sahen, wurde ihnen alles noch klarer. Nun war der Stein endgültig gefallen, und an Freikauf dachte niemand mehr.
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Zurück zu Dufthauch: Sie kannte Schatzjades eigenwilligen Charakter von Kindheit an — seine Wildheit und Sturheit übertrafen alle anderen Knaben, und dazu hatte er noch einige tausend seltsame und unerklärliche Eigenheiten. In letzter Zeit, verwöhnt von der Herzoginmutter und nicht streng genug von den Eltern erzogen, wurde er nur noch zügelloser und eigensinniger. Am wenigsten liebte er ernsthafte Beschäftigung. Jedes Mal, wenn sie ihn ermahnen wollte, wusste sie, dass er nicht zuhören würde. Heute bot sich durch die Sache mit dem Freikauf die Gelegenheit, ihn mit einer List zu prufen — seine Gefühle auszuloten und seinen Stolz zu dämpfen, um ihm dann Ermahnungen zu erteilen.
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Als sie sah, dass er sich schweigend ins Bett legte und offenbar litt, wusste sie: Seine Gefühle waren zu stark, sein Trotz gebrochen. Die Kastanien hatte sie eigentlich gar nicht gewollt — sie hatte sie nur als Vorwand benutzt, damit Schatzjade nicht wegen des Milchrahms Ärger machte, wie beim Vorfall mit Qianxüs Tee. Sie ließ die kleinen Mädchen die Kastanien aufessen, ging dann zu Schatzjade und schob ihn sanft an.
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Schatzjades Gesicht war tränennass. Dufthauch lächelte: „Das ist doch kein Grund zum Weinen! Wenn du mich wirklich behalten willst, gehe ich natürlich nicht.“
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Schatzjade hörte, dass auch diese Worte ihre tiefere Bedeutung hatten, und sagte: „Sag mir, was ich tun soll, damit du bleibst. Ich weiß selbst nicht mehr, was ich sagen kann.“
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Dufthauch lächelte: „Was wir einander an Gutem getan haben, brauche ich nicht aufzuzählen. Aber heute, wenn du mich wirklich behalten willst, hängt das nicht davon ab. Ich nenne dir drei Bedingungen. Wenn du sie erfüllst, zeigst du mir, dass es dir ernst ist, und dann bleibe ich — selbst wenn man mir ein Messer an die Kehle hielt.“
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Schatzjade lächelte eilig: „Nenn sie! Was es auch ist, ich erfülle alles! Liebe Schwester, liebe allerliebste Schwester — nenn sie, und würden es zwei- oder dreihundert sein, ich würde sie alle erfüllen! Ich bitte nur, dass ihr auf mich aufpasst und bei mir bleibt, bis ich eines Tages zu fliegender Asche werde — nein, Asche wäre noch zu gut, die hat noch Form und Gestalt und Bewusstsein — bis ich zu einem Hauch dünnen Rauches werde, den der Wind verweht, dann könnt ihr euch nicht mehr um mich kümmern, und ich kann mich nicht mehr um euch kümmern. Dann, erst dann, dürft ihr gehen, wohin ihr wollt.“
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Bevor er ausgesprochen hatte, hielt Dufthauch ihm den Mund zu: „Hör auf, hör auf! Wir wollen dich doch gerade von solchen Reden abbringen, und du redest nur noch schlimmer!“
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Schatzjade sagte eilig: „Ich sage es nie wieder!“
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Dufthauch sagte: „Das ist die erste Sache, die du ändern musst.“
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Schatzjade sagte: „Geändert! Wenn ich es noch einmal sage, kneif mir die Lippen zusammen! Was noch?“
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Dufthauch sagte: „Zweitens: Ob du wirklich gern Bücher liest oder nur so tust — vor deinem Vater oder vor anderen musst du aufhören, alles zu kritisieren und zu verspötten. Tu wenigstens so, als läsest du gern, dann ärgert sich dein Vater weniger und du stehst vor den Leuten besser da. Er denkt sich: Unsere Familie liest seit Generationen, und seit du da bist, hat er gehofft, du würdest auch gern lesen — und nun bist du nicht nur desinteressiert, sondern redest hinter seinem Rücken auch noch solchen Unsinn! Alle, die fleissig studieren und vorwärtskommen, nennst du 'Gehaltsschlürfer' [禄蠹]. Und du sagst, außer 'Die lichte Tugend erhellen' [明明德] gebe es keine wahren Bücher — alles andere seien Fehlinterpretationen der alten Meister. Kein Wunder, dass dein Vater wütend wird und dich ständig verhauen will. Und was sollen die Leute von dir denken?“
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Schatzjade lächelte: „Nie wieder! Das war Unsinn aus meiner Kindheit, als ich nichts verstand. Jetzt traue ich mich nicht mehr, so zu reden. Was noch?“
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Dufthauch sagte: „Drittens: Hör auf, Mönche und Daoisten zu verspotten und herumzualbern mit Rouge und Puder. Und das Allerwichtigste — hör auf, den Mädchen den Lippenstift vom Mund zu lecken! Diese Vorliebe für Rot muss aufhören!“
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Schatzjade sagte: „Alles geändert, alles geändert! Was noch? Sag schnell!“
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Dufthauch lächelte: „Mehr gibt es nicht. Achte einfach in allen Dingen mehr auf dich und handle nicht so nach Lust und Laune — das ist alles. Wenn du das alles befolgst, könnte man mich nicht einmal mit einer Sänfte mit acht Trägern hier wegschaffen!“
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Schatzjade lächelte: „Wenn du lange genug hier bleibst, wirst du irgendwann auch noch eine Sänfte mit acht Trägern bekommen!“
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Dufthauch sagte kühl: „Dafür habe ich keine Verwendung. Selbst wenn ich das Glück hätte — den Grund dafür gäbe es nicht. Und selbst wenn ich darin sässe, wäre es ohne Vergnügen.“
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Während sie noch sprachen, kam Qiuwen herein und sagte: „Es ist bald drei Uhr nachts — Ihr solltet schlafen. Vorhin hat die Herzoginmutter eine Amme geschickt, um nachzufragen, und ich habe gesagt, Ihr schlaft schon.“
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Schatzjade ließ sich die Uhr bringen — tatsächlich, der Zeiger stand auf halb elf. Sie wuschen sich, zogen sich um und gingen zu Bett. Nichts weiter in dieser Nacht.
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Am nächsten Morgen fühlte sich Dufthauch schwer, hatte Kopfschmerzen, geschwollene Augen und Fieber an allen Gliedern. Anfangs hielt sie noch durch, doch dann konnte sie nicht mehr und legte sich angekleidet aufs Kanglager. Schatzjade meldete es sofort der Herzoginmutter und ließ einen Arzt kommen, der sagte: „Nichts weiter als eine Erkältung. Ein oder zwei Dosen Medizin zum Schwitzen, und es geht ihr besser.“ Er schrieb ein Rezept, und der Arzt ging. Die Medizin wurde geholt, gekocht und eingenommen, und Dufthauch deckte sich zu, um auszuschwitzen. Schatzjade ging daraufhin zu Kajaljade<ref>Kajaljade (林黛玉, Lín Dàiyù) – Cousine und Seelenverwandte von Schatzjade.</ref> [黛玉], um nach ihr zu sehen.
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Kajaljade ruhte sich gerade auf ihrem Bett aus. Die Mädchen waren alle draußen, und es war ganz still im Zimmer. Schatzjade hob den bestickten Seidenvorhang, trat ins innere Gemach und sah Kajaljade auf dem Bett liegen. Er ging zu ihr und schob sie sanft an: „Liebe Schwester, du hast gerade gegessen und legst dich schon wieder hin?“
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Kajaljade, geweckt, sah Schatzjade und sagte: „Geh und amüsier dich woanders. Letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen, und mein ganzer Körper tut weh.“
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Schatzjade sagte: „Schmerzen sind eine Kleinigkeit, aber wenn du dir vom Schlafen eine Krankheit holst, ist das schlimm. Ich vertreibe dir die Langeweile, und wenn die Müdigkeit vergeht, ist alles gut.“
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Kajaljade schloss die Augen und sagte: „Ich bin nicht müde — ich ruhe mich nur ein wenig aus. Geh woanders hin und amüsier dich und komm später wieder.“
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Schatzjade schob sie an: „Wohin soll ich gehen? Bei anderen langweile ich mich immer.“
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Kajaljade öffnete die Augen und lachte: „Wenn du schon hier bleiben willst, dann setz dich drüben brav hin und lass uns reden.“
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Schatzjade sagte: „Ich will mich auch hinlegen.“
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Kajaljade sagte: „Dann leg dich hin.“
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Schatzjade sagte: „Wir haben kein Kopfkissen — lass uns ein Kissen teilen.“
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Kajaljade sagte: „Unsinn! Draußen liegen doch Kissen — hol dir eins.“
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Schatzjade ging hinaus, sah sich um, kam zurück und lächelte: „Dieses will ich nicht — wer weiß, welche schmutzige alte Frau darauf gelegen hat.“
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Kajaljade öffnete die Augen, setzte sich auf und lächelte: „Du bist wirklich mein 'Himmlischer Plagegeist' [天魔星]! Nimm dieses hier.“ Sie schob ihr eigenes Kissen zu Schatzjade hinüber, holte sich ein anderes und legte sich ihm gegenüber hin.
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Kajaljade bemerkte auf Schatzjades linker Wange einen blutunterlaufenen Fleck, so gross wie ein Knopf. Sie beugte sich vor, betastete ihn und fragte: „Wessen Fingernägel haben dich denn da gekratzt?“
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Schatzjade wich aus und lächelte: „Das ist kein Kratzer — vorhin habe ich ihnen Rougepaste angerüht und muss etwas abbekommen haben.“ Er suchte ein Taschentuch, um es abzuwischen. Kajaljade nahm ihr eigenes Tuch und wischte es für ihn ab. Dabei sagte sie: „Schon wieder so etwas! Wenn du es schon tust — musst du es dann auch noch zeigen? Wenn Onkel es nicht sieht, erzählen es andere als lustige Neuigkeit weiter und petzen es ihm — und dann gibt es wieder unnötig Ärger.“
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Schatzjade hatte gar nicht zugehört. Er roch nur einen feinen Duft, der aus Kajaljades Ärmel stieg und einem ganz schwindelig werden ließ. Er ergriff ihren Ärmel und wollte nachsehen, was darin verborgen war.
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Kajaljade lächelte: „Im kalten zehnten Monat — wer trägt da Duftsäckchen?“
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Schatzjade lächelte: „Wenn dem so ist — woher kommt dann dieser Duft?“
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Kajaljade sagte: „Ich weiß es auch nicht. Vielleicht hat sich der Duft aus dem Schrank auf die Kleider übertragen.“
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Schatzjade schüttelte den Kopf: „Das glaube ich nicht. Dieser Duft ist seltsam — er kommt nicht von Duftkugeln, Duftbeuteln oder Räucherpastillen.“
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Kajaljade sagte kühl lächelnd: „Habe ich vielleicht auch einen 'Wahren Menschen' oder 'Arhat', der mir besonderen Weihrauch gibt? Selbst wenn — ich habe keinen älteren Bruder, der mir Blumen und Puder und Cremes herstellt. Ich habe nur den gewöhnlichen Duft, sonst nichts.“
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Schatzjade lächelte: „Was auch immer ich sage, du ziehst sofort solche Vergleiche. Wenn ich dich nicht ein wenig massregle, wirst du es nie lassen. Ab heute kenne ich keine Gnade mehr!“ Er richtete sich auf, hauchte sich zweimal in die Hände und begann, Kajaljade an den Seiten und unter den Achseln zu kitzeln.
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Kajaljade war von Natur aus äußerst kitzlig. Sobald Schatzjades Hände sie berühürten, wand sie sich vor Lachen und keuchte: „Schatzjade! Wenn du nicht aufhörst, werde ich böse!“
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Schatzjade hielt inne und fragte lächelnd: „Sagst du noch einmal solche Sachen oder nicht?“
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Kajaljade lächelte: „Nie wieder!“ Während sie sich das Haar richtete, sagte sie: „Ich habe seltenen Duft — hast du 'warmen Duft' [暖香]?“
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Schatzjade verstand nicht und fragte: „Was für ein 'warmer Duft'?“
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Kajaljade schüttelte den Kopf, seufzte und lächelte: „Dummkopf, Dummkopf! Du hast einen Jade-Stein, und prompt hat jemand ein Goldgeschmeide, das dazu passt. Jemand hat 'kalten Duft' [冷香] — und du hast keinen 'warmen Duft' als Gegenstück?“
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Da erst verstand Schatzjade die Anspielung auf Schatzspanges goldenes Amulett und ihren 'kalten Duft'. Er lächelte: „Eben noch hast du um Gnade gebeten, und jetzt redest du noch schärfer!“ Er streckte wieder die Hände aus.
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Kajaljade rief lächelnd: „Lieber Bruder, ich traue mich nicht mehr!“
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Schatzjade lächelte: „Gut, ich verzeihe dir — aber lass mich deinen Ärmel riechen.“ Er zog ihren Ärmel an sein Gesicht und roch unaufhörlich daran.
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Kajaljade zog ihre Hand zurück: „Jetzt solltest du aber gehen.“
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Schatzjade lächelte: „Gehen? Unmöglich! Lass uns hier friedlich liegen und plaudern.“ Er legte sich wieder hin. Kajaljade legte sich ebenfalls hin und bedeckte ihr Gesicht mit dem Taschentuch. Schatzjade plapperte dies und das, doch Kajaljade antwortete nicht. Er fragte sie, in welchem Alter sie nach Peking gekommen sei, was sie unterwegs gesehen habe, welche Sehenswürdigkeiten es in Yangzhou gäbe. Kajaljade schwieg beharrlich.
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Schatzjade fürchtete, sie könne vom Schlafen krank werden, und versuchte sie mit einer Geschichte wachzuhalten: „Oh je! In eurem Amtsgebäude von Yangzhou hat sich eine große Begebenheit zugetragen — weißt du davon?“
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Kajaljade, die an seinem ernsten Tonfall glaubte, es sei etwas Wirkliches, fragte: „Was denn?“
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Schatzjade hielt sein Lachen zurück und fabulierte drauflos: „In Yangzhou gibt es einen Dai-Berg [黛山], auf dem liegt eine Lin-Höhle [林子洞].“
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Kajaljade lächelte: „Das ist schon gelogen — so einen Berg gibt es nicht.“
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Schatzjade sagte: „Es gibt unzählige Berge und Gewässer auf der Welt — die kannst du nicht alle kennen. Lass mich erst ausreden, dann kritisiere!“
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Kajaljade sagte: „Erzähl weiter.“
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Schatzjade fabulierte: „In der Lin-Höhle lebte eine Schar Ratten-Geister. Am siebten Tag des zwölften Monats nahm die Rattenmutter auf ihrem Thron Platz und verkündete: 'Morgen ist der achte, und alle Leute auf der Welt kochen das Laba-Reisbreiporgridge. In unserer Höhle fehlt es an Früchten — wir müssen die Gelegenheit nutzen und einige rauben!' Sie zog einen Befehlspfeil und sandte eine geschickte kleine Ratte zum Kundschaften. Nach einer Weile kam die Ratte zurück und meldete: 'Ich habe überall Erkundigungen eingeholt — im Tempel am Fuß des Berges gibt es am meisten Reis und Früchte.' Die Rattenmutter fragte: 'Wie viele Sorten Reis? Wie viele Sorten Früchte?' Die kleine Ratte sagte: 'Reis und Bohnen in Hülle und Fülle, nicht zu zählen. Früchte gibt es fünf Sorten: erstens rote Datteln, zweitens Kastanien, drittens Erdnüsse, viertens Wasserkastanien, fünftens Taro.' Die Rattenmutter war hoch erfreut und entsandte sofort Ratten. Eine übernahm den Reis, eine die Bohnen, jede bekam ihren Auftrag. Nur die süsser Taro war noch übrig. Sie zog einen Befehlspfeil und fragte: 'Wer stiehlt den süssen Taro?' Eine winzig kleine, schwächliche Ratte meldete sich: 'Ich möchte den süssen Taro stehlen!' Die Rattenmutter und alle anderen Ratten fanden sie zu klein und schwach und wollten sie nicht schicken. Aber die kleine Ratte sagte: 'Ich bin zwar klein und schwach, doch meine Zauberkräfte sind grenzenlos, meine Zunge gewandt und meine List tief. Ich werde es geschickter anstellen als sie alle.' Die anderen Ratten fragten: 'Wie denn geschickter?' Die kleine Ratte sagte: 'Ich stehle nicht einfach direkt. Ich verwandle mich selbst in einen süssen Taro, rolle mich unter die anderen Taros, und niemand sieht oder hört etwas. Dann transportiere ich sie heimlich mit meiner Teilungskunst ab — Stück für Stück, bis alles fort ist. Ist das nicht geschickter als plumpes Stehlen?' Alle Ratten lobten: 'Wunderbar, wunderbar! Aber wie verwandelst du dich? Zeig es uns erst!' Die kleine Ratte lächelte: 'Nichts leichter als das! Seht her!' Sie schüttelte sich und rief: 'Verwandlung!' — und verwandelte sich in ein bildhüsches, wunderschönes junges Fräulein. Alle Ratten riefen lächelnd: 'Falsch verwandelt, falsch verwandelt! Du solltest dich in eine Frucht verwandeln, nicht in ein Fräulein!' Die kleine Ratte nahm wieder ihre wahre Gestalt an und lächelte: 'Ihr habt eben keine Ahnung! Ihr kennt nur die Frucht namens süssen Taro [香芋], aber wisst ihr nicht, dass die Tochter des Salzsteuer-Inspektors Lin [林] der wahre süsse Jade-Schatz [香玉] ist?'“
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Kajaljade sprang auf, drückte Schatzjade aufs Bett und rief lächelnd: „So ein unverschämter Mund! Ich hab es doch gewusst, dass du mich veralberst!“ Sie kniff ihn, bis Schatzjade um Gnade flehte: „Liebe Schwester, verzeih mir! Ich werde es nie wieder tun! Weil ich deinen Duft gerochen habe, ist mir plötzlich diese Anekdote eingefallen.“
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Kajaljade sagte lächelnd: „Erst beschimpft er einen, und dann nennt er es auch noch 'Anekdote'!“
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Kaum hatte sie das gesagt, kam Schatzspange<ref>Schatzspange (薛宝钗, Xuē Bǎochāi) – Cousine von Schatzjade.</ref> herein und fragte lächelnd: „Wer erzählt hier Anekdoten? Ich möchte auch zuhören.“
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Kajaljade bat sie herein und lächelte: „Sieh dir das an! Er hat mich beleidigt und nennt es eine Anekdote!“
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Schatzspange lächelte: „Das ist eben unser Bruder Schatzjade — kein Wunder. Er hat so viele Anekdoten im Kopf. Nur leider: Wenn er sie braucht, vergisst er sie. Neulich Nacht bei dem Bananengedicht hätte er sich erinnern sollen — aber was direkt vor ihm lag, fiel ihm nicht ein. Andere froren, und er schwitzte vor Aufregung. Und jetzt hat er plötzlich wieder ein Gedächtnis!“
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Kajaljade sagte lächelnd: „Amitabha Buddha! Endlich kommt auch meine liebe Schwester mal dran! Wie man sieht: Es gibt Vergeltung auf der Welt, und sie ist präzise wie eine Waage!“
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Gerade als sie dies sagte, hörte man aus Schatzjades Zimmer lautes Geschrei und Gezanke. Was war geschehen?
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[Ende des neunzehnten Kapitels]
  
Ling-guan. Aus:  Gai Qi 1879.
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== Anmerkungen ==
ge­ges­sen hat, sie hätte nur umsonst hier gestanden und wäre noch schlecht geworden. Das einzige, was ich essen möchte, sind getrocknete Kastanien. Schäl mir welche, und ich gehe derweilen das Bett machen!“
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<references />
Bau-yü zweifelte nicht an dem, was sie sagte, und ließ die Sache mit der Cremespeise auf sich beruhen. Er holte Kastanien und begann sie im Schein der Lampe zu schälen. Als er sah, daß niemand weiter im Zimmer war, fragte er Hsi-jën lächelnd: „Wer waren denn heute die Mädchen in Rot?“
 
„Das waren zwei Kusinen von seiten der Schwester meiner Mutter“, gab Hsi-jën Auskunft, und Bau-yü seufzte bewundernd.
 
„Warum seufzt du?“ fragte Hsi-jën. „Ach, ich verstehe schon, was du meinst. Du fragst dich, wie sie dazu kommen, sich in Rot zu kleiden.“
 
„Nicht doch, nicht doch“, wehrte Bau-yü ab. „Wenn sie sich nicht in Rot kleiden dürften, wer dann? Ich meinte nur, es ist schade, daß wir solche schönen Mädchen nicht hier bei uns haben können.“
 
„Mag ich immerhin als Sklavin leben müssen“, erwiderte Hsi-jën darauf mit einem kühlen Lächeln, „aber müssen deshalb etwa auch alle meine Verwandten Sklaven werden? Und die schönsten Mädchen müssen es auch noch sein, die du haben willst!“
 
„Du traust mir wieder mal nur das Schlimmste zu“, sagte Bau-yü rasch. „Wenn ich sage, ich möchte sie hier bei uns haben, muß das ja nicht unbedingt heißen, ich will sie als Sklavinnen haben? Kann es nicht heißen, als Verwandte?“
 
„Dafür kommen sie dann wohl doch nicht in Frage“, sagte Hsi-jën.
 
Jetzt wollte Bau-yü das Gespräch nicht mehr fortsetzen und schälte stumm die Kastanien.
 
„Warum sagst du denn nichts mehr?“ fragte Hsi-jën lächelnd. „Wahrscheinlich habe ich dich mit meinen unüberlegten Worten gekränkt. Geh doch einfach morgen hin und kauf sie für ein paar Liang Silber!“
 
„Was sollte ich dir noch antworten?“ sagte Bau-yü wieder lächelnd. „Ich habe die Mädchen nur gelobt und fand, sie seien gerade die richtigen, um hier in diesen Hallen und Höfen zu leben anstelle von uns schmutzigen Dingern.“
 
„Dieses Glück haben sie zwar nicht“, sagte Hsi-jën, „aber sie sind doch von klein auf verzärtelt worden und sind die Lieblinge meines Onkels und meiner Tante. Jetzt sind sie siebzehn Jahre alt, und Aussteuer jeglicher Art liegt für sie schon bereit. Nächstes Jahr werden sie heiraten.“
 
Als Bau-yü das Wort ‚heiraten‘ hörte, seufzte er unwillkürlich auf, und es war ihm offensichtlich nicht wohl dabei zumute. Dann aber hörte er, wie auch Hsi-jën seufzte, bevor sie weitersprach. „Nun habe ich all die Jahre, die ich hier bin, nicht mit meinen Kusinen zusammen sein können“, sagte sie, „und jetzt, wo ich nach Hause zurückkehre, gehen sie alle fort.“
 
Bau-yü merkte, daß etwas mehr in diesen Worten steckte, und bekam einen Schreck. Rasch legte er die Kastanien aus der Hand und fragte: „Was heißt das, du kehrst nach Hause zurück?“
 
„Heute hörte ich, wie meine Mutter mit meinem Bruder darüber sprach, ich solle noch ein Jahr aushalten, und nächstes Jahr würden sie mich dann freikaufen“, antwortete Hsi-jën.
 
Als Bau-yü das hörte, geriet er noch mehr in Verwirrung und fragte: „Warum wollen sie dich freikaufen?“
 
„Du fragst aber auch komisch“, sagte Hsi-jën. „Ich bin doch nicht bei euch als Sklavin geboren. Meine ganze Familie lebt woanders, und ich allein lebe hier bei euch, das ist doch nichts auf die Dauer.“
 
„Und wenn ich dich nicht gehen lasse?“ fragte Bau-yü.
 
„Das gibt es ja nicht“, erwiderte Hsi-jën, „selbst im Kaiserpalast gilt die feststehende Regel, daß alle paar Jahre Palastmädchen ausgewählt werden und für einige Jahre in den Palast kommen. Keine wird dort auf ewig festgehalten, geschweige denn hier bei euch.“
 
Bau-yü dachte darüber nach und sagte sich, daß sie recht hatte. Dennoch fuhr er fort: „Und wenn die alte gnädige Frau dich nicht gehen läßt?“
 
„Warum sollte sie das tun?“ fragte Hsi-jën. „Ja, wenn ich etwas ganz Besonderes wäre und die alte gnädige Frau oder die gnädige Frau fänden so großen Gefallen an mir, daß sie mich auf keinen Fall fortlassen wollten, könnten sie meiner Familie vielleicht noch ein paar Liang Silber geben und mich hier behalten. So etwas mag es schon geben. Aber ich bin ja nur ein ganz gewöhnliches Mädchen, und bessere gibt es noch und noch.
 
Als ich als kleines Kind hierher zur alten gnädigen Frau kam, bediente ich erst jahrelang Fräulein Schï. Jetzt bediene ich dich auch schon seit mehreren Jahren, und nun ist es wohl Zeit, daß meine Familie mich freikauft. Ich glaube, man wird vielleicht nicht einmal Geld für mich verlangen, sondern mich aus Gnade freigeben. Daß man mich nicht gehen läßt, weil ich dir gut gedient habe, kann wohl nicht sein, denn gut zu dienen gehört nun einmal dazu und ist keine besondere Leistung. Und wenn ich weg bin, kommt an meiner Statt eine andere, die genausogut ist wie ich. So ist es ja nicht, daß es ohne mich nicht ginge!“
 
Als Bau-yü das hörte, erkannte er, daß alles dafür sprach, daß Hsi-jën fortgehen würde, und nichts dafür, daß sie bliebe. So wurde seine innere Unruhe noch größer, und er sagte: „Ich glaube trotzdem, daß die alte gnädige Frau, wenn ich dich unbedingt behalten möchte, bestimmt mit deiner Mutter reden und ihr so viel Silber geben wird, daß es ihr peinlich sein würde, dich nach Hause zu holen.“
 
„Meine Mutter würde sicher nicht wagen, sich darauf zu versteifen“, erwiderte Hsi-jën, „zumal wenn man sich gütlich mit ihr einigt und ihr reichlich Silber gibt. Doch selbst dann, wenn man nicht mit ihr redete und ihr gar kein Geld böte, würde sie bestimmt nachgeben, wenn man mich wirklich unbedingt hier behalten wollte. Aber deine Familie hat noch nie auf ihre Macht und Vornehmheit gebaut, um auf Tyrannenart zu handeln.
 
Das ist auch etwas anderes als mit einem Gegenstand, für den man den zehnfachen Preis bezahlt, weil man ihn unbedingt haben will. Dann hat der Verkäufer keinen Nachteil davon, und die Sache mag angehen. Wenn man aber mich ohne Grund und Ursache hier behalten würde, brächte dir das keinen Vorteil, unsere Familie aber würde auseinandergerissen. So etwas machen die alte gnädige Frau und die gnädige Frau bestimmt nicht.“
 
Bau-yü dachte lange über diese Worte nach, ehe er sagte: „Dann gehst du also ganz bestimmt?“
 
„Ja“, antwortete Hsi-jën.
 
„Wer hätte gedacht, daß ein Mensch wie sie so kaltherzig und treulos sein kann!“ dachte Bau-yü still bei sich. Dann sagte er mit einem Seufzer: „Hätte ich früher gewußt, daß du fortgehen willst, dann hätte ich dich nicht zu mir genommen. Zum Schluß bleibe ich zurück wie ein armes Waisenkind.“ Mit diesen Worten legte er sich wütend aufs Bett.
 
In Wirklichkeit hatte Hsi-jën, als sie zu Hause von der Absicht ihrer Mutter und ihres Bruders hörte, sie freizukaufen, erklärt, sie wolle bis an ihr Lebensende nicht wieder zurückkommen. Und sie hatte hinzugesetzt: „Als ihr damals nichts zu essen hattet, war ich das einzige, was noch ein paar Liang Silber einbringen konnte. Hättet ihr mich nicht verkauft, hätte ich zusehen müssen, wie Vater und Mutter verhungerten. Zum Glück bin ich zu Leuten gekommen, wo ich dasselbe Essen und dieselbe Kleidung habe wie die Herrschaften und wo es nicht Schläge am Morgen und Schelte am Abend gibt.
 
Außerdem habt ihr die Familie trotz Vaters Tod wieder in die Höhe gebracht. Ich würde es ja verstehen, wenn es euch noch immer schlecht ginge und wenn ihr mich freikaufen wolltet, um mich wieder zu verkaufen und etwas dabei herauszuschlagen. Aber es geht euch ja nicht schlecht. Wozu also wollt ihr mich freikaufen? Stellt euch einfach vor, ich sei tot, und schlagt euch eure Absicht aus dem Kopf!“ Anschließend hatte sie noch eine Weile geweint und getrotzt.
 
Hsi-jëns Mutter und Bruder mußten einsehen, daß Hsi-jëns Vorsatz unerschütterlich war und daß sie bestimmt nicht nach Hause zurückkommen würde. Außerdem lautete der Kaufvertrag für Hsi-jën auf Lebenszeit, und sie hatten sich einfach auf die Güte und die Großzügigkeit der Familie Djia verlassen, in der Gewißheit, daß sie Hsi-jën auf ihre Bitte hin bestimmt freilassen und wahrscheinlich sogar auf die Rückzahlung des Kaufpreises verzichten würde. So etwas gab ja.
 
Ansonsten war im Hause der Djias das Gesinde nie schlecht behandelt worden und erfuhr viel Güte und wenig Strenge. Gerade die Sklavenmädchen, die in den Räumen der alten und jungen Herrschaften aufwarteten, hatten es besser als das übrige Hausgesinde. Kein junges Mädchen aus armer Familie konnte so viel Achtung genießen wie sie. Deshalb waren Hsi-jëns Mutter und Bruder von dem Gedanken, Hsi-jën freizukaufen, wieder abgekommen. Als dann plötzlich Bau-yü erschienen war und sich zeigte, wie er und Hsi-jën zueinander standen, war Hsi-jëns Mutter und Bruder noch einiges klar geworden, was sie vorher nicht geahnt hatten. Deshalb war ihnen ein Stein vom Herzen gefallen, und sie hatten ihren Plan endgültig aufgegeben.
 
Was Hsi-jën betrifft, so hatte sie von klein auf beobachtet, daß Bau-yü einen sonderbaren Charakter besaß, daß seine Launen und Torheiten alles übertrafen, was man von anderen Kindern kannte, und daß er obendrein noch ein paar höchst merkwürdige Unarten hatte, auf die man nicht näher eingehen kann. Auf Grund der Schwäche, die seine Großmutter für ihn hegte, konnten ihn in der letzten Zeit auch seine Eltern nicht sehr streng halten, und so war er noch ungebärdiger geworden, ließ seinen Neigungen freien Lauf und haßte nichts mehr als die Beschäftigung mit ernsthaften Dingen.
 
Immer wieder hatte Hsi-jën ihm Vorhaltungen machen wollen, aber vermutlich hätte er nicht darauf gehört. Nachdem heute die Rede davon gewesen war, sie freizukaufen, hatte Hsi-jën zuerst mit einer List Bau-yüs Gefühle auf die Probe stellen und seinen Übermut dämpfen wollen, damit sie ihm anschließend desto besser Verhaltensmaßregeln erteilen konnte.
 
Als er sich jetzt ohne ein weiteres Wort hinlegte, wußte sie, daß ihm die Sache naheging und daß er bereits weich geworden war. Auf Kastanien hatte Hsi-jën durchaus keinen Appetit gehabt. Nur weil sie befürchtete, wegen der Cremespeise könnte sich etwas Ähnliches ereignen wie damals mit Tjiän-hsüä wegen des Tees, hatte sie Bau-yü mit Hilfe der Kastanien davon abhalten wollen, die Sache weiter zu verfolgen. Jetzt befahl sie den kleineren Sklavenmädchen, sie sollten sich die Kastanien nehmen und aufessen. Anschließend trat sie zu Bau-yü ans Bett und stieß ihn an. Sein Gesicht war voller Tränenspuren.
 
„Warum grämst du dich?“ fragte Hsi-jën. „Wenn du mich wirklich behalten willst, gehe ich natürlich nicht fort.“
 
Bau-yü merkte, daß mehr dahinter stecken mußte, als sie sagte, darum bat er: „Dann verrate mir, wie ich dich halten kann! Ich selbst wüßte es nicht zu sagen.“
 
„Zwischen uns haben wir immer alles leicht regeln können“, sagte Hsi-jën lächelnd. „Darüber brauchen wir nicht zu reden. Wenn du mich bei dir behalten möchtest, geht es um etwas anderes. Ich will dir zwei, drei Dinge nennen, und wenn du sie mir versprichst, weiß ich, daß du mich wirklich weiter bei dir haben willst. Und dann gehe ich von hier nicht fort, auch wenn man mir das Messer an die Kehle setzt.“
 
„Dann sag es nur schnell, ich verspreche dir alles!“ versicherte Bau-yü sofort. „Liebe Schwester, meine liebste, beste Schwester! Nicht nur zwei oder drei, auch zweihundert oder dreihundert Dinge will ich dir versprechen. Nur die eine Bitte habe ich, daß ihr gemeinsam bei mir bleibt und euch um mich sorgt, bis ich eines Tages zu Asche geworden bin, nein – Asche hat auch noch Form und Gestalt und Bewußtsein – bis ich zu Rauch geworden bin, den ein Lufthauch zerstreuen kann. Dann habt ihr keine Sorgen mehr mit mir, und auch ich kann mich um euch nicht mehr kümmern. Dann ziehe ich meines Weges, und auch ihr könnt gehen, wohin ihr wollt...“
 
Hier hielt ihm Hsi-jën vor Aufregung den Mund zu und sagte: „Gerade will ich dir deswegen Vorhaltungen machen, da schwatzt du um so wilder drauf los!“
 
„Nie wieder sage ich so etwas!“ versprach Bau-yü rasch.
 
„Das wäre das erste, worin du dich ändern mußt“, sagte Hsi-jën.
 
„Ich ändere mich!“ versprach Bau-yü. „Wenn ich noch einmal so etwas sage, kneifst du mir in die Lippen! Was noch?“
 
„Das zweite ist folgendes“, fuhr Hsi-jën fort. „Egal, ob du wirklich gern studierst oder es nur vorgibst, in Gegenwart des gnädigen Herrn und vor den Leuten darfst du nicht alles nur bemängeln und tadeln, sondern mußt so tun, als ob du gern studiertest. Dann braucht sich dein Vater weniger zu ärgern, und vor den Leuten kann er sich brüsten. Er sagt sich, daß in eurer Familie Generation für Generation die Schriften studiert wurden, während du nicht nur nicht lernen willst, was ihm schon genug Ärger und Scham verursacht, du mußt auch noch in seiner Gegenwart und hinter seinem Rücken deine dummen Reden führen. Alle, die studieren und voranzukommen suchen, nennst du ‚Postenjäger‘. Dann behauptest du, alle Bücher außer dem einen, das ‚die klare Tugend offenbart‘,seien von Leuten zusammengeschmiert, die unfähig waren, die Schriften des Heiligenzu verstehen. Bei solchen Reden ist es kein Wunder, wenn dein Vater sich ärgert und dich immer wieder schlägt. Und was sollen die Leute von dir denken!“
 
„Ich werde es nicht mehr sagen!“ versprach Bau-yü lächelnd. „Das habe ich einfach so dahingesagt, als ich noch klein war und nicht wußte, wie hoch der Himmel ist und wie tief die Erde. Jetzt sage ich es nicht mehr. Was hast du noch?“
 
„Dann darfst du nicht mehr die buddhistischen und dauistischen Mönche schmähen“, verlangte Hsi-jën. „Du mußt die Finger von Schminke und Puder lassen, und was noch wichtiger ist, du darfst den Mädchen nicht mehr die Schminke von den Lippen schlecken und allem nachjagen, was rot ist.“
 
„Das ändere ich!“ versprach Bau-yü wieder. „Was hast du noch? Sag es nur schnell!“
 
„Weiter habe ich nichts“, sagte Hsi-jën lächelnd. „Wenn du nur an alle Dinge mit ein wenig Überlegung herangehst und nicht einfach deinen Trieben freien Lauf läßt, ist alles in Ordnung. Und wenn du wirklich alles hältst, was du mir jetzt versprochen hast, bringt man mich auch in einer Sänfte mit acht Trägern nicht von hier fort.“
 
„Wenn du für immer hier bleibst, findet sich auch eine Sänfte mit acht Trägern für dich“, prophezeite Bau-yü lächelnd.
 
„Auf die lege ich gar keinen Wert“, gab Hsi-jën mit kühlem Lächeln zurück. „Sie steht mir ja gar nicht zu, selbst wenn ich Glück habe. Und was ist überhaupt so spannend daran?“
 
In diesem Augenblick kam Tjiu-wën herein und sagte: „Die dritte Nachtwache bricht bald an, ihr müßt euch schlafen legen! Eben hat die alte gnädige Frau eine Amme herübergeschickt, die sich danach erkundigen sollte, und ich habe gesagt, Bau-yü schläft schon.“
 
Bau-yü befahl ihr, ihm die Uhr zu reichen, und tatsächlich wiesen die Zeiger schon auf zehn. Also wusch er sich noch einmal und spülte sich den Mund. Dann zog er sich aus und legte sich schlafen. Weiter soll davon nicht die Rede sein.
 
Als es am nächsten Morgen hell wurde und Hsi-jën aufstand, fühlte sie sich am ganzen Körper unwohl. Der Kopf tat ihr weh, die Augen schienen geschwollen, und die vier Gliedmaßen waren heiß wie Feuer. Zuerst versuchte sie noch, sich zusammenzunehmen, aber dann wurde es zuviel für sie, und sie hatte nur noch den Wunsch zu schlafen. Also legte sie sich in ihren Sachen aufs Ofenbett.
 
Bau-yü ging sofort zur Herzoginmutter, um ihr dies zu melden. Sie ließ einen Arzt holen, der Hsi-jën untersuchte und dann erklärte, sie habe sich lediglich erkältet und werde wieder gesund sein, wenn sie ein, zwei Portionen Medizin eingenommen habe. Als er sein Rezept geschrieben hatte und fortgegangen war, befahl Bau-yü, die Zutaten zu holen und den Trank zu kochen. Nachdem Hsi-jën dann davon getrunken hatte, ordnete er an, man solle sie gut zudecken, damit sie tüchtig schwitzte, dann ging er zu Dai-yü hinüber.
 
Dai-yü hielt eben Mittagsruhe. Ihre Sklavenmädchen waren weggegangen, und in den Räumen war es ganz still. Als Bau-yü den weichen, gestickten Türvorhang aufhob und ins Innengemach trat, fand er Dai-yü dort schlafend. Rasch trat er an ihr Bett, stieß sie an und weckte sie mit den Worten: „Kusinchen, eben erst hast du gegessen, und nun schläfst du schon wieder!“
 
Als Dai-yü erkannte, daß es Bau-yü war, sagte sie: „Geh lieber draußen spazieren! Ich lag gestern die ganze Nacht wach und habe mich heute noch nicht ausschlafen können. Alles tut mir weh.“
 
„Das ist nicht so schlimm“, sagte Bau-yü, „aber wenn du jetzt schläfst, könntest du krank werden, und das wäre dann wirklich schlimm. Ich werde dich wachhalten, und alles ist wieder gut!“
 
Dai-yü schloß die Augen und sagte: „Ich will ja nicht schlafen, ich will mich nur ein wenig ausruhen. Geh ein Weilchen woandershin und komm dann wieder!“
 
Bau-yü stieß sie noch einmal an und sagte: „Wohin soll ich denn gehen? Alle andern sind mir zuwider.“
 
„Schön“, sagte Dai-yü lachend. „Wenn du unbedingt hier bleiben willst, setz dich brav dorthin, und wir unterhalten uns!“
 
„Ich will mich auch hinlegen!“ verlangte Bau-yü.
 
„Dann leg dich hin!“ gab Dai-yü nach.
 
„Es ist aber kein Kissen für mich da“, sagte Bau-yü. „legen wir uns zusammen auf eins!“
 
„Unsinn!“ protestierte Dai-yü. „Draußen sind genug Kissen. Hol dir eins und leg dich darauf!“
 
Bau-yü ging in den Vorraum hinaus, sah sich um und kam wieder. „Diese Kissen mag ich nicht“, erklärte er lächelnd. „Wer weiß, welchem schmutzigen alten Weib sie gehören!“
 
Dai-yü öffnete die Augen, setzte sich auf und sagte lächelnd: „Du bist wirklich ein Quälgeist! Bitte, leg dich auf mein Kissen!“ Damit schob sie Bau-yü das Kissen hin, auf dem sie gelegen hatte, stand auf und holte sich ein anderes, dann legte sie sich wieder hin.
 
Als sie jetzt beide nebeneinander auf der Seite lagen und sich anblickten, entdeckte Dai-yü einen knopfgroßen Blutfleck auf Bau-yüs linker Wange. Sie rückte näher, um ihn genauer anzusehen, strich mit dem Finger darüber und fragte: „Wessen Fingernagel hat denn hier wieder seine Spur hinterlassen?“
 
Bau-yü rückte ein Stück ab, verbarg sein Gesicht und sagte lachend: „Das ist kein Kratzer. Sicher habe ich mir das angeschmiert, als ich vorhin für die Mädchen Schminke mischte.“ Und er suchte nach einem Taschentuch, um den Fleck wegzuwischen.
 
Da nahm Dai-yü ihr eigenes Taschentuch, rieb ihm den Fleck weg und sagte: „Konntest du es wieder einmal nicht lassen? Du kannst es ja ruhig machen, aber mußt du unbedingt ein Zeichen davon mit dir herumtragen? Wenn es auch der Onkel nicht sieht, sehen es doch andere und erzählen es als Neuigkeit weiter, bis es jemand dem Onkel zuträgt, um sich einzuschmeicheln. Und dann haben wir alle den Ärger davon, weil es bei uns nicht ordentlich zugeht.“
 
Bau-yü hatte, anstatt ihr zuzuhören, nur auf den feinen Geruch geachtet, der aus Dai-yüs Ärmel kam und der ihm die Sinne berauschte und den Körper erschlaffen ließ. Jetzt zog er den Ärmel zu sich heran und wollte sehen, was sie darin hatte.
 
„Wer trägt denn bei Frost und Kälte noch Duftstoffe in den Kleidern?“ wies ihn Dai-yü zurecht.
 
„Woher kommt dann dieser Duft?“ fragte Bau-yü.
 
„Ich weiß es selber nicht“, erwiderte Dai-yü. „Vielleicht duftet es in der Truhe so, oder die Sachen sind geräuchert worden.“
 
Aber Bau-yü schüttelte den Kopf. „Das ist es bestimmt nicht“, sagte er. „Es duftet so eigenartig wie keine Tabletten, Kügelchen oder Riechbeutel duften.“
 
„Ja, kenne ich vielleicht einen heiligen Arhat, der mir Duftstoffe schenken kann?“ fragte Dai-yü mit kühlem Lächeln. „Und wenn ich wirklich einmal etwas Seltenes bekomme, habe ich doch keinen lieben Bruder, der es mir mit Blüten und Knospen, Reif oder Schnee zubereiten würde. Alles, was ich habe, sind nur ganz gewöhnliche Duftstoffe.“
 
Lächelnd hielt ihr Bau-yü vor: „Mußt du immer wieder damit anfangen, kaum daß ich einen Satz sage? Ich will dir einen Denkzettel geben, damit du es nicht vergißt. Von jetzt an kenne ich keine Gnade mehr!“ Damit richtete er sich auf, hauchte ein paarmal in seine Hände, und dann streckte er sie aus und begann Dai-yü in den Achselhöhlen und unter den Rippen zu kitzeln.
 
Kitzlig, wie sie war, bekam Dai-yü vor Lachen kaum Luft und stieß mühsam hervor: „Bau-yü, wenn du nicht aufhörst, werde ich böse!“
 
Lachend hielt Bau-yü damit inne und fragte: „Wirst du noch einmal damit anfangen?“
 
„Ich will es nie wieder tun!“ versprach sie lächelnd und brachte ihr Schläfenhaar in Ordnung, um dann fortzufahren: „Ich habe also einen eigenartigen Duft, aber hast du auch einen warmen Duft?“
 
Bau-yü verstand nicht, was sie damit meinte, und fragte: „Was denn für einen warmen Duft?“
 
Dai-yü nickte lächelnd und sagte dann: „Du Dummkopf! Du hast einen Jade, und jemand anders hat ein Pendant aus Gold dazu. Wenn dieser Jemand einen kalten Duft hat, mußt du dann nicht als Pendant dazu einen warmen Duft haben?“
 
Jetzt hatte er verstanden, worauf sie anspielte, darum sagte er: „Eben erst mußtest du um Gnade bitten, und jetzt redest du schlimmer als zuvor.“ Und schon streckte er wieder die Hände nach ihr aus.
 
„Liebster Vetter, ich will es nie wieder tun!“ versprach Dai-yü rasch.
 
„Begnadigt ist begnadigt“, sagte Bau-yü, „aber laß mich noch einmal an deinem Ärmel schnuppern!“ Und schon zog er sich den Ärmel über das Gesicht, sog den Duft ein und hörte nicht eher damit auf, bis Dai-yü ihm den Ärmel wegzog und sagte: „Jetzt mußt du aber gehen!“
 
„Nein“, sagte Bau-yü. „Wir wollen ganz gesittet daliegen und miteinander plaudern!“ Mit diesen Worten legte er sich wieder hin.
 
Auch Dai-yü streckte sich wieder auf dem Bett aus, deckte aber ihr Gesicht mit einem Taschentuch zu. Bau-yü versuchte krampfhaft, sie mit allen möglichen Phantastereien zu unterhalten, aber sie reagierte nicht darauf. Also begann er, ihr Fragen zu stellen: Mit wieviel Jahren sie in die Hauptstadt gekommen sei, was sie unterwegs gesehen habe, was es in Yang-dschou für Sehenswürdigkeiten, Sitten und Gebräuche gebe und so weiter. Dai-yü aber antwortete nicht darauf.
 
Aus Furcht, sie könnte einschlafen und sich eine Krankheit zuziehen, entschloß sich Bau-yü, sie anzuführen. „Ach, sag einmal!“, begann er, „weißt du eigentlich von der Sache, die sich bei euch im Amtshaus in Yang-dschou zugetragen hat?“
 
„Was war denn da?“ erkundigte sich Dai-yü, die an seiner Stimme hörte, daß ihm die Frage wichtig sein mußte und daß er ganz ernsthaft sprach.
 
Bau-yü verbiß sich das Lachen und flunkerte frisch drauflos: „In Yang-dschou gibt es einen Dai-Berg und in dem Berg eine Höhle, die Lin-Höhle heißt.“
 
„Du lügst ja“, sagte Dai-yü, „von so einem Berg habe ich nie gehört.“
 
„Es gibt so viele Berge und Flüsse auf der Welt“, erwiderte Bau-yü. „Wie willst du sie alle kennen? Warte mit deinen Einwänden, bis ich fertig bin!“
 
„Dann erzähl weiter!“ forderte Dai-yü ihn auf.
 
Also fuhr Bau-yü in seiner Lügengeschichte fort: „In der Lin-Höhle lebte eine Horde Rattengeister. Einmal, am siebenten Tag des zwölften Monats, bestieg der alte Ratterich den Thron, um mit den Seinen Rat zu halten. ‚Morgen‘, sagte er, ‚ist der achte Tag des zwölften Monats, und alle Leute kochen ihren Brei.Wir aber sind mit Reis und Früchten knapp in der Höhle und müßten etwas stehlen gehen!‘ Dann holte er einen Kommandopfeil hervor und schickte eine tüchtige kleine Ratte als Kundschafter aus. Eine Weile später war sie wieder da und berichtete: ‚Ich habe mich überall erkundigt und umgesehen. Am meisten Reis und Früchte gibt es in dem Tempel am Fuße des Berges.‘ ‚Wieviel ist von allem da?‘ wollte der alte Ratterich wissen. ‚Mit Reis und Bohnen sind ganze Speicher gefüllt, so daß man kaum weiß, wieviel es ist‘, sagte die kleine Ratte. ‚Früchte aber gibt es fünferlei: rote Jujuben, Edelkastanien, Erdnüsse, Wassernüsse und süße Taros.‘
 
Der alte Ratterich freute sich und musterte sogleich seine Horde, um zu sehen, wen er schicken könne. Er griff einen Kommandopfeil und fragte: ‚Wer geht Reis stehlen?‘ Eine Ratte griff nach dem Pfeil und ging los. Er nahm einen zweiten Pfeil und fragte: ‚Wer geht Bohnen stehlen?‘ Eine andere Ratte griff nach dem Pfeil und ging ebenfalls los. So ging es weiter, bis nur noch eine Ratte gebraucht wurde, um süße Taros zu stehlen. Also griff der alte Ratterich wieder einen Kommandopfeil und fragte: ‚Wer geht süße Taros stehlen?‘
 
Da meldete sich eine ganz kleine, schwache Ratte und sagte: ‚Ich gehe!‘ Der alte Ratterich und die übrigen Ratten sahen sie an und meinten, sie werde zu furchtsam, ungeübt und schwach dafür sein, darum wollten sie sie nicht gehen lassen. Aber die kleine Ratte sagte: ‚Ich bin zwar jung an Jahren und schwach an Kräften, aber meine magischen Fähigkeiten sind unbegrenzt, mein Mund ist schlagfertig, und meine List ist tiefgründig. Wenn ich gehen darf, werde ich noch raffinierter stehlen als die andern!‘
 
‚Wie willst du das anstellen?‘ fragten alle sofort. ‚Ich werde nicht einfach stehlen, wie die andern es tun‘, sagte die kleine Ratte. ‚Ich schüttle mich und verwandle mich dabei in einen Taro. Wenn ich mich dann unter die andern Taros mische, kann mich kein Mensch erkennen. Dann vervielfache ich mich und trage die Taros weg, bis sie alle sind. Ist das nicht raffinierter als einfaches Stehlen?‘‚Tatsächlich!‘sagten die andern Ratten. ‚Aber wie machst du das, wenn du dich verwandelst? Führ es uns einmal vor!‘‚Das ist nicht schwer‘, sagte die kleine Ratte. ‚Paßt auf!‘ Damit schüttelte sie sich und sagte: ‚Ich will verwandelt sein!‘, und schon verwandelte sie sich in ein wunderschönes junges Fräulein.
 
‚Du hast es falsch gemacht!‘ riefen die andern Ratten lachend aus. ‚Du hast doch gesagt, du willst dich in einen süßen Taro verwandeln, warum hast du dich da in ein junges Fräulein verwandelt?‘ Die kleine Ratte verwandelte sich wieder zurück und sagte schmunzelnd: ‚Ihr habt ja keine Ahnung! Ihr wißt nur, daß Taros süß sind, aber daß das süßeste Früchtchen die Tochter des Salzinspektors Lin ist, wißt ihr nicht!‘“
 
Als Dai-yü das hörte, drehte sie sich um, richtete sich auf und drückte Bau-yü aufs Bett nieder. „Warte, du Lügenmaul! Wußte ich doch, daß du mich anführst!“ Und damit kniff sie ihn, bis Bau-yü bat: „Kusinchen, hab Gnade mit mir! Ich will es nie wieder tun! Mir ist diese Stelle aus den Klassikern eingefallen, als ich deinen süßen Duft gerochen habe.“
 
„Was?“ sagte Dai-yü. „Du beschimpfst mich einfach, und dann behauptest du noch, das sei eine Stelle aus den Klassikern?“
 
Sie hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da trat Bau-tschai herein und fragte: „Wer zitiert hier aus den Klassikern? Das möchte ich auch hören!“
 
Rasch bot ihr Dai-yü einen Platz an und sagte lächelnd: „Da schau ihn dir an! Erst hat er mich beschimpft, und jetzt behauptet er, das sei aus den Klassikern.“
 
„Ach, Vetter Bau-yü war das!“ sagte Bau-tschai. „Kein Wunder! Er steckt ja voller klassischer Zitate. Schade ist nur das eine, daß er sie nämlich immer dann gerade vergißt, wenn er sie benutzen müßte. Heute fällt ihm etwas ein, aber als er neulich in der Nacht ein Gedicht über Bananenblätter brauchte, ist er auf das nächstliegende nicht gekommen. Allen andern war kalt, aber er hat sogar geschwitzt vor Aufregung. Heute ist ihm also das Gedächtnis wiedergekommen!“
 
„Buddha Amitabha!“ lachte Dai-yü. „Du bist wirklich meine gute Kusine. Jetzt hat er seinen Gegner gefunden, und es wird ihm nichts geschenkt. Alles trifft genau ins Schwarze.“
 
Als sie das eben sagte, war aus Bau-yüs Zimmer plötzlich Lärm und Geschrei zu hören.
 
 
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Revision as of 19:29, 28 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 91 · 101 · 111

中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

話說賈妃回宮,次日見駕謝恩,並回奏歸省之事,龍顏甚悅,又發內帑彩緞金銀等物,以賜賈政及各椒房等員,不必細說。   且說榮寧二府中連日用盡心力,真是人人力倦,各各神疲,又將園中一應陳設動用之物收拾了兩三天方完。第一個鳳姐事多任重,別人或可偷安躲靜,獨他是不能脫得的;二則本性要強,不肯落人褒貶,只扎掙著與無事的人一樣。第一個寶玉是極無事最閒暇的。偏這日一早,襲人的母親又親來回過賈母,接襲人家去吃年茶,晚間才得回來。因此,寶玉只和眾丫頭們擲骰子趕圍棋作戲。正在房內頑的沒興頭,忽見丫頭們來回說:「東府珍大爺來請過去看戲、放花燈。」寶玉聽了,便命換衣裳。才要去時,忽又有賈妃賜出糖蒸酥酪來;寶玉想上次襲人喜吃此物,便命留與襲人了。自己回過賈母,過去看戲。   誰想賈珍這邊唱的是《丁郎認父》、《黃伯央大擺陰魂陣》,更有《孫行者大鬧天宮》、《姜子牙斬將封神》等類的戲文。倏爾神鬼亂出,忽又妖魔畢露,甚至於揚幡過會,號佛行香,鑼鼓喊叫之聲聞於巷外。滿街之人個個都贊:「好熱鬧戲,別人家斷不能有的。」寶玉見那繁華熱鬧到如此不堪的田地,只略坐了一坐,便走開各處閒耍。先是進內去和尤氏和丫鬟姬妾說笑了一回,便出二門來。尤氏等仍料他出來看戲,遂也不曾照管。賈珍、賈璉、薛蟠等只顧猜枚行令,百般作樂,也不理論,縱一時不見他在座,只道在裡邊去了,故也不問。至於跟寶玉的小廝們,那年紀大些的,知寶玉這一來了,必是晚上才散,因此偷空也有去會賭的,也有往親友家去吃年茶的,更有或嫖或飲,都私散了,待晚間再來;那些小的,都鑽進戲房裡瞧熱鬧去了。   寶玉見一個人沒有,因想「這裡素日有個小書房,名……,內曾掛著一軸美人,極畫的得神。今日這般熱鬧,想那裡自然……那美人也自然是寂寞的,須得我去望慰他一回。」想著,便往書房裡來。剛到窗前,聞得房內有呻吟之韻。寶玉倒唬了一跳:敢是美人活了不成?乃乍著膽子,舔破窗紙,向內一看,那軸美人卻不曾活,卻是茗煙按著一個女孩子,也幹那警幻所訓之事。寶玉禁不住大叫:「了不得!」一腳踹進門去,將那兩個唬開了,抖衣而顫。   茗煙見是寶玉,忙跪求不迭。寶玉道:「青天白日,這是怎麼說。珍大爺知道,你是死是活?」一面看那丫頭,雖不標緻,倒還白淨,些微亦動人處,羞的面紅耳赤,低首無言。寶玉跺腳道:「還不快跑!」一語提醒了那丫頭,飛也似去了。寶玉又趕出去,叫道:「你別怕,我是不告訴人的。」急的茗煙在後叫:「祖宗,這是分明告訴人了!」寶玉因問:「那丫頭十幾歲了?」茗煙道:「大不過十六七歲了。」寶玉道:「連他的歲屬也不問問,別的自然越發不知了。可見他白認得你了。可憐,可憐!」又問:「名字叫什麼?」茗煙大笑道:「若說出名字來話長,真真新鮮奇文,竟是寫不出來的。據他說,他母親養他的時節做了一個夢,夢見得了一匹錦,上面是五色富貴萬不斷頭的花樣,所以他的名字叫作萬兒。」寶玉聽了笑道:「真也新奇,想必他將來有些造化。」說著,沉思一會。   茗煙因問:「二爺為何不看這樣的好戲?」寶玉道:「看了半日,怪煩的,出來逛逛,就遇見你們了。這會子作什麼呢?」茗煙嘻嘻笑道:「這會子沒人知道,我悄悄的引二爺往城外逛逛去,一會子再往這裡來,他們就不知道了。」寶玉道:「不好,仔細花子拐了去。便是他們知道了,又鬧大了,不如往熟近些的地方去,還可就來。」茗煙道:「熟近地方,誰家可去?這卻難了。」寶玉笑道:「依我的主意,咱們竟找你花大姐姐去,瞧他在家作什麼呢。」茗煙笑道:「好,好!倒忘了他家。」又道:「若他們知道了,說我引著二爺胡走,要打我呢?」寶玉笑道:「有我呢。」茗煙聽說,拉了馬,二人從後門就走了。   幸而襲人家不遠,不過一半里路程,展眼已到門前。茗煙先進去叫襲人之兄花自芳。此時襲人之母接了襲人與幾個外甥女兒、幾個侄女兒來家,正吃果茶。聽見外面有人叫「花大哥」,花自芳忙出去看時,見是他主僕兩個,唬的驚疑不止,連忙抱下寶玉來,至院內嚷道:「寶二爺來了!」別人聽見還可,襲人聽了,也不知為何,忙跑出來迎著寶玉,一把拉著問:「你怎麼來了?」寶玉笑道:「我怪悶的,來瞧瞧你作什麼呢。」襲人聽了,才放下心來,嗐了一聲,笑道:「你也忒胡鬧了,可作什麼來呢!」一面又問茗煙:「還有誰跟來?」茗煙笑道:「別人都不知道,就只我們兩個。」襲人聽了,復又驚慌,說道:「這還了得!倘或碰見了人,或是遇見了老爺,街上人擠車碰,馬轎紛紛的,若有個閃失,也是頑得的!你們的膽子比斗還大。都是茗煙調唆的,回去我定告訴嬤嬤們打你。」茗煙撅了嘴道:「二爺罵著打著,叫我引了來,這會子推到我身上。我說別來罷,不然我們還去罷。」花自芳忙勸:「罷了,已是來了,也不用多說了。只是茅檐草舍,又窄又臟,爺怎麼坐呢?」   襲人之母也早迎了出來。襲人拉著寶玉進去。寶玉見房中三五個女孩兒,見他進來,都低了頭,羞慚慚的。花自芳母子兩個百般怕寶玉冷,又讓他上炕,又忙另擺果桌,又忙倒好茶。襲人笑道:「你們不用白忙,我自然知道。果子也不用擺,也不敢亂給東西吃。」一面說,一面將自己的坐褥拿了鋪在一個炕上,寶玉坐了;用自己的腳爐墊了腳,向荷包內取出兩個梅花香餅兒來,又將自己的手爐掀開焚上,仍蓋好,放與寶玉懷內;然後將自己的茶杯斟了茶,送與寶玉。彼時他母兄已是忙另齊齊整整擺上一桌子果品來。襲人見總無可吃之物,因笑道:「既來了,沒有空去之理,好歹嘗一點兒,也是來我家一趟。」說著,便拈了幾個松子穰,吹去細皮,用手帕托著送與寶玉。   寶玉看見襲人兩眼微紅,粉光融滑,因悄問襲人:「好好的哭什麼?」襲人笑道:「何嘗哭,才迷了眼揉的。」因此便遮掩過了。當下寶玉穿著大紅金蟒狐腋箭袖,外罩石青貂裘排穗褂。襲人道:「你特為往這裡來又換新服,他們就不問你往那去的?」寶玉笑道:「珍大哥那裡去看戲換的。」襲人點頭。又道:「坐一坐就回去罷,這個地方不是你來的。」寶玉笑道:「你就家去才好呢,我還替你留著好東西呢。」襲人悄笑道:「悄悄的,叫他們聽著什麼意思。」一面又伸手從寶玉項上將通靈玉摘了下來,向他姊妹們笑道:「你們見識見識。時常說起來都當希罕,恨不能一見,今兒可儘力瞧了。再瞧什麼希罕物兒,也不過是這麼個東西。」說畢,遞與他們傳看了一遍,仍與寶玉掛好。又命他哥哥去或雇一乘小轎,或雇一輛小車,送寶玉回去。花自芳道:「有我送去,騎馬也不妨了。」襲人道:「不為不妨,為的是碰見人。」   花自芳忙去雇了一頂小轎來,眾人也不敢相留,只得送寶玉出去。襲人又抓果子與茗煙,又把些錢與他買花炮放,教他:「不可告訴人,連你也有不是。」一直送寶玉至門前,看著上轎,放下轎簾。花、茗二人牽馬跟隨。來至寧府街,茗煙命住轎,向花自芳道:「須等我同二爺還到東府里混一混,才過去的,不然人家就疑惑了。」花自芳聽說有理,忙將寶玉抱出轎來,送上馬去。寶玉笑說:「倒難為你了。」於是仍進後門來。俱不在話下。   卻說寶玉自出了門,他房中這些丫鬟們都越發恣意的頑笑,也有趕圍棋的,也有擲骰抹牌的,磕了一地瓜子皮。偏奶母李嬤嬤拄拐進來請安,瞧瞧寶玉,見寶玉不在家,丫鬟們只顧玩鬧,十分看不過。因嘆道:「只從我出去了,不大進來,你們越發沒了樣兒了,別的媽媽們越不敢說你們了。那寶玉是個丈八的燈臺——照見人家,照不見自家的。只知嫌人家臟,這是他的屋子,由著你們糟蹋,越不成體統了。」這些丫頭們明知寶玉不講究這些,二則李嬤嬤已是告老解事出去的了,如今管不著他們。因此只顧頑,並不理他。那李嬤嬤還只管問「寶玉如今一頓吃多少飯」、「什麼時候睡覺」等語。丫頭們總胡亂答應。有的說:「好一個討厭的老貨!」   李嬤嬤又問道:「這蓋碗里是酥酪,怎不送與我去?我就吃了罷」說畢,拿匙就吃。一個丫頭道:「快別動!那是說了給襲人留著的,回來又惹氣了。你老人家自己承認,別帶累我們受氣。」李嬤嬤聽了,又氣又愧,便說道:「我不信他這樣壞了。別說我吃了一碗牛奶,就是再比這個值錢的,也是應該的。難道待襲人比我還重?難道他不想想怎麼長大了?我的血變的奶,吃的長這麼大,如今我吃他一碗牛奶,他就生氣了?我偏吃了,看怎麼樣!你們看襲人不知怎樣,那是我手裡調理出來的毛丫頭,什麼阿物兒!」一面說,一面賭氣將酥酪吃盡。又一丫頭笑道:「他們不會說話,怨不得你老人家生氣。寶玉還時常送東西孝敬你老去,豈有為這個不自在的。」李嬤嬤道:「你們也不必妝狐媚子哄我,打量上次為茶攆茜雪的事我不知道呢。明兒有了不是,我再來領!」說著,賭氣去了。   少時,寶玉回來,命人去接襲人。只見晴雯躺在床上不動,寶玉因問:「敢是病了?再不然輸了?」秋紋道:「他倒是贏的。誰知李老奶奶來了,混輸了,他氣的睡去了。」寶玉笑道:「你別和他一般見識,由他去就是了。」 說著,襲人已來,彼此相見。襲人又問寶玉何處吃飯,多早晚回來,又代母妹問諸同伴姊妹好。一時換衣卸妝。寶玉命取酥酪來,丫鬟們回說:「李奶奶吃了。」寶玉才要說話,襲人便忙笑說道:「原來是留的這個,多謝費心。前兒我吃的時候好吃,吃過了好肚子疼,足鬧的吐了才好。他吃了倒好,擱在這裡倒白糟蹋了。我只想風乾栗子吃,你替我剝栗子,我去鋪炕。」   寶玉聽了信以為真,方把酥酪丟開,取栗子來,自向燈前檢剝。一面見眾人不在房中,乃笑問襲人道:「今兒那個穿紅的是你什麼人?」襲人道:「那是我兩姨妹子。」寶玉聽了,讚歎了兩聲。襲人道:「嘆什麼?我知道你心裡的緣故,想是說他那裡配紅的。」寶玉笑道:「不是,不是。那樣的不配穿紅的,誰還敢穿。我因為見他實在好的很,怎麼也得他在咱們家就好了。」襲人冷笑道:「我一個人是奴才命罷了,難道連我的親戚都是奴才命不成?定還要揀實在好的丫頭才往你家來?」寶玉聽了,忙笑道:「你又多心了。我說往咱們家來,必定是奴才不成?說親戚就使不得?」襲人道:「那也搬配不上。」寶玉便不肯再說,只是剝粟子。襲人笑道:「怎麼不言語了?想是我才冒撞沖犯了你?明兒賭氣花幾兩銀子買他們進來就是了。」寶玉笑道:「你說的話,怎麼叫我答言呢。我不過是贊他好,正配生在這深堂大院里,沒的我們這種濁物倒生在這裡。」襲人道:「他雖沒這造化,倒也是嬌生慣養的呢,我姨爹姨娘的寶貝。如今十七歲,各樣的嫁妝都齊備了,明年就出嫁。」   寶玉聽了「出嫁」二字,不禁又嗐了兩聲。正是不自在,又聽襲人嘆道:「只從我來這幾年,姊妹們都不得在一處。如今我要回去了,他們又都去了。」寶玉聽這話內有文章,不覺一驚,忙丟下粟子,問道:「怎麼,你如今要回去了?」襲人道:「我今兒聽見我媽和哥哥商議,教我再耐煩一年,明年他們上來,就贖我出去的呢。」寶玉聽了這話,越發怔了,因問:「為什麼要贖你?」襲人道:「這話奇了!我又比不得是這裡的家生子兒,一家子都在別處,獨我一個人在這裡,怎麼是個了局?」寶玉道:「我不叫你去也難。」襲人道:「從來沒這道理。便是朝廷宮裡,也有個定例,或幾年一選,幾年一入,也沒有個長遠留下人的理,別說你了!」   寶玉想一想,果然有理。又道:「老太太不放你也難。」襲人道:「為什麼不放?我果然是個最難得的,或者感動了老太太、太太,必不放我出去的,設或多給我們家幾兩銀子,留下我,然或有之;其實我又不過是個平常的人,比我強的多而且多。自我從小兒來了,跟著老太太,先服侍了史大姑娘幾年,如今又服侍了你幾年。如今我們家來贖,正是該叫去的,只怕連身價也不要,就開恩叫我去呢。要說為服侍的你好,不叫我去,斷然沒有的事。那服侍的好,是分內應當的,不是什麼奇功。我去了,仍舊有好的來了,不是沒了我就不成事。」寶玉聽了這些話,竟是有去的理,無留的理,心內越發急了,因又道:「雖然如此說,我只一心留下你,不怕老太太不和你母親說。多多給你母親些銀子,他也不好意思接你了。」襲人道:「我媽自然不敢強。且漫說和他好說,又多給銀子;就便不和他好說,一個錢也不給,安心要強留下我,他也不敢不依。但只是咱們家從沒有干過這倚勢仗貴霸道的事。這比不得別的東西,因為你喜歡,加十倍利弄了來給你,那賣的人不得吃虧,可以行得。如今無故平空留下我,於你又無益,反叫我們骨肉分離,這件事,老太太、太太斷不肯行的。」寶玉聽了,思忖半晌,乃說道:「依你說,你是去定了?」襲人道:「去定了。」寶玉聽了,自思道:「誰知這樣一個人,這樣薄情無義。」乃嘆道:「早知道都是要去的,我就不該弄了來,臨了剩了我一個孤鬼兒。」說著,便賭氣上床睡去了。   原來襲人在家,聽見他母兄要贖他回去,他就說至死也不回去的。又說:「當日原是你們沒飯吃,就剩我還值幾兩銀子,若不叫你們賣,沒有個看著老子娘餓死的理。如今幸而賣到這個地方,吃穿和主子一樣,又不朝打暮罵。況且如今爹雖沒了,你們卻又整理的家成業就,復了元氣。若果然還艱難,把我贖出來,再多掏澄幾個錢,也還罷了,其實又不難了。這會子又贖我作什麼?權當我死了,再不必起贖我的念頭!」因此哭鬧了一陣。   他母兄見他這般堅執,自然必不出來的了。況且原是賣倒的死契,明仗著賈宅是慈善寬厚之家,不過求一求,只怕身價銀一併賞了這是有的事呢。二則,賈府中從不曾作踐下人,只有恩多威少的。且凡老少房中所有親侍的女孩子們,更比待家下眾人不同,平常寒薄人家的小姐,也不能那樣尊重的。因此,他母子兩個也就死心不贖了。次後忽然寶玉去了,他二個又是那般景況,他母子二人心下更明白了,越發石頭落了地,而且是意外之想,彼此放心,再無贖念了。   如今且說襲人自幼見寶玉性格異常,其淘氣憨頑自是出於眾小兒之外,更有幾件千奇百怪口不能言的毛病兒。近來仗著祖母溺愛,父母亦不能十分嚴緊拘管,更覺放蕩弛縱,任性恣情,最不喜務正。每欲勸時,料不能聽,今日可巧有贖身之論,故先用騙詞,以探其情,以壓其氣,然後好下箴規。今見他默默睡去了,知其情有不忍,氣已餒墮。自己原不想栗子吃的,只因怕為酥酪又生事故,亦如茜雪之茶等事,是以假以栗子為由,混過寶玉不提就完了。於是命小丫頭子們將栗子拿去吃了,自己來推寶玉。只見寶玉淚痕滿面,襲人便笑道:「這有什麼傷心的,你果然留我,我自然不出去了。」寶玉見這話有文章,便說道:「你倒說說,我還要怎麼留你,我自己也難說了。」襲人笑道:「咱們素日好處,再不用說。但今日你安心留我,不在這上頭。我另說出三件事來,你果然依了我,就是你真心留我了,刀擱在脖子上,我也是不出去的了。」   寶玉忙笑道:「你說,那幾件?我都依你。好姐姐,好親姐姐,別說兩三件,就是兩三百件,我也依。只求你們同看著我,守著我,等我有一日化成了飛灰,——飛灰還不好,灰還有形有跡,還有知識。」「等我化成一股輕煙,風一吹便散了的時候,你們也管不得我,我也顧不得你們了。那時憑我去,我也憑你們愛那裡去就去了。」話未說完,急的襲人忙握他的嘴,說:「好好的,正為勸你這些,倒更說的狠了。」寶玉忙說道:「再不說這話了。」襲人道:「這是頭一件要改的。」寶玉道:「改了。再要說,你就擰嘴。還有什麼?」   襲人道:「第二件,你真喜讀書也罷,假喜也罷,只是在老爺跟前或在別人跟前,你別隻管批駁誚謗,只作出個喜讀書的樣子來,也教老爺少生些氣,在人前也好說嘴。他心裡想著,我家代代念書,只從有了你,不承望你不喜讀書,已經他心裡又氣又惱了。而且背前背後亂說那些混話,凡讀書上進的人,你就起個名字叫作『祿蠹』;又說只除『明明德』外無書,都是前人自己不能解聖人之書,便另出己意,混編纂出來的。這些話,你怎麼怨得老爺不氣?不時時打你。叫別人怎麼想你?」寶玉笑道:「再不說了。那原是那小時不知天高地厚,信口胡說,如今再不敢說了。還有什麼?」   襲人道:「再不許毀僧謗道,調脂弄粉。還有更要緊的一件,再不許吃人嘴上擦的胭脂了,與那愛紅的毛病兒。」寶玉道:「都改,都改。再有什麼,快說。」襲人笑道:「再也沒有了。只是百事檢點些,不任意任情的就是了。你若果都依了,便拿八人轎也抬不出我去了。」寶玉笑道:「你在這裡長遠了,不怕沒八人轎你坐。」襲人冷笑道:「這我可不希罕的。有那個福氣,沒有那個道理。縱坐了,也沒甚趣。」   二人正說著,只見秋紋走進來,說:「快三更了,該睡了。方纔老太太打發嬤嬤來問,我答應睡了。」寶玉命取表來看時,果然針已指到亥正,方從新盥漱,寬衣安歇,不在話下。   至次日清晨,襲人起來,便覺身體發重,頭疼目脹,四肢火熱。先時還扎掙的住,次後捱不住,只要睡著,因而和衣躺在炕上。寶玉忙回了賈母,傳醫診視,說道:「不過偶感風寒,吃一兩劑藥疏散疏散就好了。」開方去後,令人取藥來煎好,剛服下去,命他蓋上被渥汗,寶玉自去黛玉房中來看視。   彼時黛玉自在床上歇午,丫鬟們皆出去自便,滿屋內靜悄悄的。寶玉揭起繡線軟簾,進入裡間,只見黛玉睡在那裡,忙走上來推他道:「好妹妹,才吃了飯,又睡覺。」將黛玉喚醒。黛玉見是寶玉,因說道:「你且出去逛逛,我前兒鬧了一夜,今兒還沒有歇過來,渾身酸疼。」寶玉道:「酸疼事小,睡出來的病大。我替你解悶兒,混過困去就好了。」黛玉只合著眼,說道:「我不困,只略歇歇兒,你且別處去鬧會子再來。」寶玉推他道:「我往那裡去呢,見了別人就怪膩的。」   黛玉聽了,嗤的一聲笑道:「你既要在這裡,那邊去老老實實的坐著,咱們說話兒。」寶玉道:「我也歪著。」黛玉道:「你就歪著。」寶玉道:「沒有枕頭,咱們在一個枕頭上。」黛玉道:「放屁!外面不是枕頭?拿一個來枕著。」寶玉出至外間,看了一看,回來笑道:「那個我不要,也不知是那個臟婆子的。」黛玉聽了,睜開眼,起身笑道:「真真你就是我命中的『天魔星』!請枕這一個。」說著,將自己枕的推與寶玉,又起身將自己的再拿了一個來,自己枕了,二人對面躺下。   黛玉因看見寶玉左邊腮上有鈕扣大小的一塊血漬,便欠身湊近前來,以手撫之細看,又道:「這又是誰的指甲刮破了?」寶玉側身,一面躲,一面笑道:「不是刮的,只怕是才剛替他們淘漉胭脂膏子,蹭上了一點兒。」說著,便找手帕子要揩拭。黛玉便用自己的帕子替他揩拭了,口內說道:「你又干這些事了。干也罷了,必定還要帶出幌子來。便是舅舅看不見,別人看見了,又當奇事新鮮話兒去學舌討好兒,吹到舅舅耳朵里,又該大家不乾淨惹氣。」   寶玉總未聽見這些話,只聞得一股幽香,卻是從黛玉袖中發出,聞之令人醉魂酥骨。寶玉一把便將黛玉的袖子拉住,要瞧籠著何物。黛玉笑道:「冬寒十月,誰帶什麼香呢。」寶玉笑道:「既然如此,這香是從那裡來的?」黛玉道:「連我也不知道。想必是柜子裡頭的香氣,衣服上熏染的也未可知。」寶玉搖頭道:「未必。這香的氣味奇怪,不是那些香餅子、香毬子、香袋子的香。」黛玉冷笑道:「難道我也有什麼『羅漢』『真人』給我些香不成?便是得了奇香,也沒有親哥哥親兄弟弄了花兒、朵兒、霜兒、雪兒替我炮製。我有的是那些俗香罷了!」   寶玉笑道:「凡我說一句,你就拉上這麼些,不給你個利害,也不知道,從今兒可不饒你了。」說著翻身起來,將兩隻手呵了兩口,便伸手向黛玉膈肢窩內兩脅下亂撓。黛玉素性觸癢不禁,寶玉兩手伸來亂撓,便笑的喘不過氣來,口裡說:「寶玉!你再鬧,我就惱了。」寶玉方住了手,笑問道:「你還說這些不說了?」黛玉笑道:「再不敢了。」一面理鬢笑道:「我有奇香,你有『暖香』沒有?」   寶玉見問,一時解不來,因問:「什麼『暖香』?」黛玉點頭嘆笑道:「蠢才,蠢才!你有玉,人家就有金來配你;人家有『冷香』,你就沒有『暖香』去配?」寶玉方聽出來。寶玉笑道:「方纔求饒,如今更說狠了。」說著,又去伸手。黛玉忙笑道:「好哥哥,我可不敢了。」寶玉笑道:「饒便饒你,只把袖子我聞一聞。」說著,便拉了袖子籠在面上,聞個不住。黛玉奪了手道:「這可該去了。」寶玉笑道:「去,不能。咱們斯斯文文的躺著說話兒。」說著,復又倒下。黛玉也倒下,用手帕子蓋上臉。寶玉有一搭沒一搭的說些鬼話,黛玉總不理。寶玉問他幾歲上京,路上見何景緻古跡,揚州有何遺跡故事,土俗民風。黛玉只不答。   寶玉只怕他睡出病來,便哄他道:「噯喲!你們揚州衙門裡有一件大故事,你可知道?」黛玉見他說的鄭重,且又正言厲色,只當是真事,因問:「什麼事?」寶玉見問,便忍著笑順口謅道:「揚州有一座黛山,山上有個林子洞。」黛玉笑道:「這就扯謊,自來也沒聽見這山。」寶玉道:「天下山水多著呢,你那裡知道這些不成。等我說完了,你再批評。」黛玉道:「你且說。」寶玉又謅道:「林子洞里原來有群耗子精。那一年臘月初七日,老耗子升座議事,因說:『明日是臘八,世上人都熬臘八粥。如今我們洞中果品短少,須得趁此打劫些來方妙。』乃拔令箭一枝,遣一能幹小耗前去打聽。一時小耗回報:『各處察訪打聽已畢,惟有山下廟裡果米最多。』老耗問:『米有幾樣?果有幾品?』小耗道:『米豆成倉,不可勝記。果品有五種:一紅棗,二栗子,三落花生,四菱角,五香芋。』老耗聽了大喜,即時點耗前去。乃拔令箭問:『誰去偷米?』一耗便接令去偷米。又拔令箭問:『誰去偷豆?』又一耗接令去偷豆。然後一一的都各領令去了。只剩了香芋一種,因又拔令箭問:『誰去偷香芋?』只見一個極小極弱的小耗應道:『我願去偷香芋。』老耗和眾耗見他這樣,恐不諳練,且怯懦無力,都不准他去。小耗道:『我雖年小身弱,卻是法術無邊,口齒伶俐,機謀深遠。此去管比他們偷的還巧呢。」眾耗忙問:『如何比他們巧呢?』小耗道:『我不學他們直偷。我只搖身一變,也變成個香芋,滾在香芋堆里,使人看不出,聽不見,卻暗暗的用分身法搬運,漸漸的就搬運盡了。豈不比直偷硬取的巧些?』眾耗聽了,都道:『妙卻妙,只是不知怎麼個變法?你先變個我們瞧瞧。』小耗聽了,笑道:『這個不難,等我變來。』說畢,搖身說『變』,竟變了一個最標緻美貌的一位小姐。眾耗忙笑說:『變錯了,變錯了。原說變果子的,如何變出小姐來?』小耗現形笑道:「我說你們沒見世面,只認得這果子是香芋,卻不知鹽課林老爺的小姐才是真正的香玉呢。』」   黛玉聽了,翻身爬起來,按著寶玉笑道:「我把你爛了嘴的!我就知道你是編我呢。」說著,便擰的寶玉連連央告,說:「好妹妹,饒我罷,再不敢了!我因為聞你香,忽然想起這個故典來。」黛玉笑道:「饒罵了人,還說是故典呢。」   一語未了,只見寶釵走來,笑問:「誰說故典呢?我也聽聽。」黛玉忙讓坐,笑道:「你瞧瞧,有誰!他饒罵了人,還說是故典。」寶釵笑道:「原來是寶兄弟,怨不得他,他肚子里的故典原多。只是可惜一件,凡該用故典之時,他偏就忘了。有今日記得的,前兒夜裡的芭蕉詩就該記得。眼面前的倒想不起來,別人冷的那樣,你急的只出汗。這會子偏又有記性了。」黛玉聽了笑道:「阿彌陀佛!到底是我的好姐姐,你一般也遇見對子了。可知一還一報,不爽不錯的。」剛說到這裡,只聽寶玉房中一片聲嚷,吵鬧起來。正是——

     

注释

Kapitel 19 In zärtlicher Innigkeit spricht in einer schönen Nacht die Blume — In sanfter Zuneigung duftet an einem stillen Tag die Jade

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Urfrühling[1] [元春] kehrte in den Palast zurück. Am nächsten Tag wurde sie vom Kaiser empfangen, dankte für die Gnade und berichtete über den Familienbesuch. Der Kaiser war hoch erfreut und stiftete weitere Seiden, Gold und Silber aus der kaiserlichen Schatzkammer für Aufrecht Kaufmann[2] [贾政] und die Familienmitglieder. Davon ist nichts weiter zu berichten.

In den beiden Palästen Prachtglanz [荣] und Stillfriede-Anwesen [宁] hatten alle tagein, tagaus ihre ganze Kraft aufgewendet — wahrlich, jeder war erschöpft und jeder müde. Das Zusammenräumen aller Einrichtungsgegenstände und Utensilien im Garten dauerte noch zwei bis drei Tage.

Phönixglanz[3] [熙凤] hatte die meisten Aufgaben und die schwerste Last. Andere konnten sich vielleicht hier und da ausruhen, sie aber konnte sich keinen Augenblick freimachen. Außerdem war sie von Natur aus ehrgeizig und wollte keinen Tadel auf sich ziehen, sodass sie sich zusammenriss und sich nicht anmerken ließ, wie erschöpft sie war.

Schatzjade[4] [宝玉] dagegen hatte am allerwenigsten zu tun und die meiste freie Zeit. An diesem Morgen kam nun gerade die Mutter von Dufthauch[5] [袭人] persönlich, um bei der Herzoginmutter[6] [贾母] Bescheid zu geben, dass sie Dufthauch für den Tag nach Hause holen wolle, um den Neujahrstee zu trinken. Dufthauch würde erst am Abend zurückkehren. So blieb Schatzjade allein mit den Mädchen zurück und vertrieb sich die Zeit mit Würfelspielen und Brettspielpartien. Da er keine rechte Lust daran fand, kam plötzlich ein Mädchen und meldete: „Der Herr Herrlichkeit Kaufmann[7] [贾珍] aus dem Ostpalast lässt fragen, ob Ihr nicht herüberkommen möchtet, um Theater zu sehen und Feuerwerk anzuschauen.“

Schatzjade hörte das und ließ sich umkleiden. Gerade als er losgehen wollte, schickte Urfrühling gedämpften Milchrahm [酥酪] aus dem Palast. Schatzjade erinnerte sich, dass Dufthauch dieses Gericht beim letzten Mal besonders gern gegessen hatte, und befahl, es für Dufthauch aufzuheben. Dann meldete er sich bei der Herzoginmutter ab und ging hinüber zum Theater.

Im Ostpalast bei Herrlichkeit Kaufmann wurde gerade „Ding Lang erkennt seinen Vater“ gespielt, dazu „Huang Boyang stellt die Geisterarmee auf“, und dann noch „Der Affenkönig randaliert im Himmlischen Palast“ und „Jiang Ziya köpft die Generäle und versiegelt die Götter“ — lauter solche Stücke. Geister und Dämonen wuselten durcheinander, plötzlich sprangen Ungeheuer hervor, dann wieder wurden Fahnen geschwenkt und Prozessionen abgehalten, Gongs und Trommeln lärmten und Geschrei hallte bis in die Gassen. Alle Leute auf der Straße priesen: „Was für ein prächtiges Theater! Das hat sonst niemand zu bieten!“

Schatzjade fand das Treiben unerträglich lärmend und vulgär, blieb nur kurz sitzen und ging dann umher. Zürst besuchte er drinnen Dame Sonders [尤氏] und die Konkubinen und Mädchen und plauderte eine Weile, dann ging er wieder durch das zweite Tor hinaus. Dame Sonders und die anderen nahmen an, er wolle wieder zum Theater, und kümmerten sich nicht weiter um ihn. Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann [贾琏], Xü Pan [薛蟠] und die anderen waren mit Trinkspielenen und Scherzen beschäftigt und beachteten ihn ebenfalls nicht. Selbst wenn er einmal fehlte, nahmen sie an, er sei nach drinnen gegangen, und fragten nicht nach.

Was die kleinen Diener betraf, die Schatzjade begleiteten: Die älteren wussten, dass er den ganzen Abend bleiben würde, und machten sich heimlich davon — manche zum Glücksspiel, manche zu Verwandten zum Neujahrstee, manche zu Freudenhäusern oder Trinkgelagen. Die jüngeren stürzten sich ins Theaterhaus, um die Aufführungen aus der Nähe zu sehen.

Schatzjade, nun ganz allein, dachte bei sich: „Hier gibt es doch dieses kleine Arbeitszimmer, in dem ein Bild einer wunderschönen Dame hängt, das äußerst lebendig gemalt ist. Bei all dem Trubel heute ist es dort sicher ruhig, und die schöne Dame ist bestimmt einsam — ich sollte hingehen und sie ein wenig trösten.“ Mit diesem Gedanken ging er zum Arbeitszimmer.

Kaum war er ans Fenster getreten, hörte er drinnen ein Stöhnen. Schatzjade erschrak: Sollte die schöne Dame im Bild lebendig geworden sein? Mutig leckte er ein Loch in das Fensterpapier und spähte hinein. Das Gemälde war unberührt, doch er sah seinen Diener Mingyan [茗烟], der ein Mädchen festhielt und sich mit ihr in jener Kunst übte, die Schatzjade einst im Traumland der Feengöttin gelernt hatte. Schatzjade konnte nicht anders als laut zu rufen: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Er trat die Tür auf und stürzte hinein. Die beiden erschraken zu Tode und sprangen auseinander.

Mingyan erkannte Schatzjade und kniete sofort nieder und flehte um Vergebung. Schatzjade sagte: „Am hellichten Tag! Wenn Herrlichkeit Kaufmann davon erfährt, bist du tot oder lebendig?“

Er betrachtete das Mädchen: Sie war zwar nicht besonders hübsch, hatte aber eine helle Haut und gewissen Liebreiz. Vor Scham war sie rot bis hinter die Ohren und hielt den Kopf gesenkt, ohne ein Wort zu sagen.

Schatzjade stampfte mit dem Fuß auf: „Lauf noch nicht weg!“ Mit einem Mal besinnte sich das Mädchen und rannte wie der Blitz davon. Schatzjade rief ihr nach: „Hab keine Angst! Ich verrate niemanden!“ Mingyan rief hinterher: „Herr! So wie Ihr das sagt, habt Ihr es gerade allen erzählt!“

Schatzjade fragte: „Wie alt ist das Mädchen?“

Mingyan sagte: „Höchstens sechzehn oder siebzehn.“

Schatzjade sagte: „Du hast nicht einmal nach ihrem Alter gefragt — natürlich weißt du auch sonst nichts über sie. Man sieht, sie hat dich ganz umsonst kennengelernt. Wie bedauerlich, wie bedauerlich!“ Dann fragte er: „Wie heißt sie?“

Mingyan lachte laut: „Wenn ich Euch den Namen sage, ist es eine lange Geschichte! Wirklich seltsam und kurios — man könnte es nicht erfinden. Ihre Mutter hat bei ihrer Geburt einen Traum gehabt: Sie träumte, sie beküme ein Stück Brokat geschenkt, auf dem ein Muster mit fünffarbigen 'Reichstum-und-Glück-ohne-Ende'-Blumen zu sehen war. Deshalb heißt das Mädchen Wan'er [万儿, 'Zehntausend'].“

Schatzjade hörte das und sagte lächelnd: „Das ist wirklich kurios. Bestimmt hat sie noch ein glückliches Schicksal vor sich.“ Dann versank er in Gedanken.

Mingyan fragte: „Warum schaut Ihr Euch nicht das schöne Theater an?“

Schatzjade sagte: „Ich habe eine Weile zugesehen, aber es langweilte mich so. Deshalb bin ich herausgegangen, um mich umzusehen — und bin auf euch gestoßen. Was machen wir jetzt?“

Mingyan grinste: „Was haltet Ihr davon — ich führe Euch heimlich vor die Stadt, wir machen einen Spaziergang und sind rechtzeitig wieder zurück. Keiner wird etwas merken.“

Schatzjade sagte: „Nicht gut! Wenn uns Bettler erwischen, ist es schlimm genug. Und wenn die anderen es erfahren, gibt es Ärger. Besser, wir gehen zu einem Ort, den wir kennen, dann können wir schnell zurück sein.“

Mingyan sagte: „Ein vertrauter Ort — aber wo? Das ist schwierig.“

Schatzjade lächelte: „Ich habe eine Idee! Gehen wir zu deiner Blumen-Schwester — schauen wir, was sie zu Hause treibt.“

Mingyan lachte: „Richtig, richtig! Die hatte ich ganz vergessen.“ Dann überlegte er: „Wenn die anderen es herausbekommen und sagen, ich hätte den jungen Herren irregeführt — dann werde ich verhauen!“

Schatzjade lächelte: „Keine Sorge, ich bin ja da.“ Mingyan hörte das, sattelte ein Pferd, und die beiden verließen den Palast durch die Hintertür.

Glücklicherweise wohnte Dufthauchs Familie nicht weit entfernt — kaum eine halbe Meile. Im Handumdrehen waren sie da. Mingyan ging voraus und rief nach Dufthauchs Bruder Hua Zifang [花自芳]. Dufthauchs Mutter hatte Dufthauch zusammen mit einigen Nichten und Cousinen zum Neujahrstee nach Hause geholt, und sie assen gerade Obst und Tee. Als sie draußen jemanden „Bruder Hua!“ rufen hörten, stürmte Hua Zifang hinaus und sah die beiden — er erschrak zutiefst. Hastig hob er Schatzjade vom Pferd und rief ins Haus: „Der junge Herr Schatzjade ist da!“

Während die anderen das vielleicht mit Fassung aufnahmen, stürmte Dufthauch erschrocken hinaus, ergriff Schatzjades Hand und fragte: „Wie kommst du hierher?“

Schatzjade lächelte: „Mir war so langweilig, da wollte ich sehen, was du so treibst.“

Dufthauch, nun beruhigt, seufzte und sagte lächelnd: „Was du dir wieder einfallen lässt! Aber was soll schon passieren?“ Dann fragte sie Mingyan: „Wer ist sonst noch mitgekommen?“

Mingyan grinste: „Sonst weiß niemand etwas — nur wir beide.“

Dufthauch erschrak erneut: „Das geht doch nicht! Stellt Euch vor, jemandem zu begegnen oder gar dem Herren! Auf der Straße drängen sich die Menschen, Wagen und Sänften überall — wenn etwas passiert, ist das noch ein Spaß? Ihr habt beide einen Mut, der größer ist als ein Scheffelgefäss. Das hat bestimmt Mingyan eingefädelt — wenn wir zurück sind, sage ich den Ammen Bescheid, dann gibt es Schläge!“

Mingyan protestierte: „Der junge Herr hat mich gescholten und geschlagen, bis ich ihn herführte, und jetzt schiebt er alles auf mich! Am besten gehen wir gleich wieder zurück.“

Hua Zifang beschwichtigte: „Nun ist er schon mal da, es hat keinen Sinn, sich aufzuregen. Nur — unsere Strohhütte ist so eng und schmutzig, wie soll der junge Herr sich hier setzen?“

Auch Dufthauchs Mutter kam eilig heraus, um Schatzjade zu begrüssen. Dufthauch führte Schatzjade hinein. Schatzjade sah drei oder fünf junge Mädchen, die bei seinem Eintritt verschämt den Kopf senkten. Hua Zifang und seine Mutter fürchteten, Schatzjade könne frieren, ließen ihn aufs beheizte Kanglager steigen und stellten hastig Obst auf. Dufthauch sagte lächelnd: „Macht euch nicht unnötig Mühe — ich weiß, was er braucht. Obst braucht Ihr nicht aufzutragen, und er darf auch nicht wahllos etwas essen.“

Sie holte ihr eigenes Sitzkissen und breitete es auf dem Kang aus, damit Schatzjade sich setzte. Sie stellte ihren eigenen Fußwärmer hin, nahm zwei Pflaumenduft-Räucherpastillen aus ihrem Beutel, öffnete ihren Handwärmer, legte sie hinein und stellte ihn Schatzjade in den Arm. Dann goss sie Tee in ihre eigene Tasse und reichte ihn Schatzjade.

Währenddessen hatten Mutter und Bruder bereits ordentlich einen ganzen Tisch mit Obst aufgedeckt. Dufthauch sah, dass nichts davon für Schatzjade geeignet war, und sagte lächelnd: „Da du nun schon hier bist, kannst du nicht mit leeren Händen gehen. Probier wenigstens ein wenig — das gehört sich so, wenn du schon einmal bei mir zu Hause bist.“ Sie nahm einige Pinienkerne, blies die dünnen Häutchen ab und reichte sie Schatzjade auf einem Taschentuch.

Schatzjade bemerkte, dass Dufthauchs Augen leicht gerötet waren und ihre Haut sanft glänzte. Er fragte leise: „Warum hast du geweint?“

Dufthauch lächelte: „Ich habe nicht geweint — mir ist nur etwas ins Auge gekommen, und ich habe gerieben.“ Damit war die Sache übergangen.

Schatzjade trug seine große rote Goldbrokat-Pelzjacke mit dem Drachenmuster, darüber einen schieferblauen Zobelpelzmantel. Dufthauch sagte: „Du bist extra zum Hierkommnen in neue Kleidung geschlüpft — haben sie dich nicht gefragt, wohin du gehst?“

Schatzjade lächelte: „Ich habe sie zum Theatersehen bei Bruder Herrlichkeit Kaufmann angezogen.“

Dufthauch nickte. „Setz dich noch ein wenig und dann geh zurück — dies ist kein Ort für dich.“

Schatzjade lächelte: „Am besten wärst du ganz zu Hause geblieben, dann hätte ich dir etwas Gutes aufheben können.“

Dufthauch flüsterte lächelnd: „Sag das leise — wenn die anderen es hören, was sollen sie denken?“

Dann nahm sie ihm den Wunderstein [通灵玉] von der Brust und zeigte ihn ihren Schwestern: „Schaut euch den mal an! Ihr habt immer davon gehört und euch gewünscht, ihn zu sehen — heute könnt ihr ihn euch gründlich anschauen. Schaut ihn an und wundert euch nicht mehr über Raritäten — am Ende ist es auch nur so ein Ding.“ Sie reichte ihn herum, hängte ihn dann Schatzjade wieder um und befahl ihrem Bruder, eine kleine Sänfte oder einen Wagen zu mieten, um Schatzjade zurückzubringen.

Hua Zifang sagte: „Ich bringe ihn auf dem Pferd zurück, das reicht.“

Dufthauch sagte: „Das Pferd wäre kein Problem, aber er könnte jemandem begegnen.“

Hua Zifang mietete eine kleine Sänfte. Man verabschiedete sich von Schatzjade, und Dufthauch drückte Mingyan Obst in die Hand und gab ihm Geld für Feuerwerk. Sie ermahnte ihn: „Erzähl niemandem davon — sonst bist du auch dran.“ Sie begleitete Schatzjade bis vor die Tür, sah zu, wie er in die Sänfte stieg, und ließ den Vorhang herunter. Hua Zifang und Mingyan führten das Pferd und folgten.

In der Straße des Stillfriede-Palastes ließ Mingyan anhalten und sagte zu Hua Zifang: „Ich muss mit dem jungen Herren noch ein wenig im Ostpalast herumlaufen, damit es so aussieht, als wären wir dort gewesen — sonst werden die Leute misstrauisch.“ Hua Zifang stimmte zu, hob Schatzjade aus der Sänfte und half ihm aufs Pferd. Schatzjade sagte lächelnd: „Du hast dir Mühe gemacht.“ So ritten sie durch die Hintertür zurück in den Ostpalast. Mehr ist davon nicht zu berichten.

Unterdessen hatten die Mädchen in Schatzjades Zimmer, da ihr Herr fort war, sich erst recht ausgelassen vergnügt: Manche spielten Brettspiele, manche warfen Würfel, überall lagen Kürbiskernschalen auf dem Boden. Da humpelte die alte Amme Li [李嬷嬷] auf ihrem Stock herein, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie Schatzjade nicht antraf und die Mädchen nur herumalberten, konnte sie sich nicht zurückhalten.

„Seit ich nicht mehr so oft herkomme“, seufzte sie, „seid ihr völlig zugellos geworden! Die anderen Ammen trauen sich erst recht nicht, euch etwas zu sagen. Schatzjade ist wie eine mannshohe Laterne — er sieht bei anderen die Flecken, aber nicht seine eigenen. Er meckert immer, andere seien schmutzig, dabei ist das hier sein eigenes Zimmer, und er lässt euch alles verwüsten — das hat keinen Stil!“

Die Mädchen wussten genau, dass Schatzjade auf solche Dinge keinen Wert legte, und außerdem war die alte Li langst aus dem Dienst entlassen — sie hatte keine Macht mehr über sie. Also spielten sie einfach weiter und beachteten sie nicht. Die alte Li fragte noch, wie viel Schatzjade beim Essen ässe und wann er schlafen gehe. Die Mädchen gaben beliebige Antworten. Einer murmelte: „Was für eine lästige alte Schachtel!“

Dann entdeckte die alte Li eine zugedeckte Schale: „Was ist da drin? Milchrahm? Warum hat man mir den nicht gebracht? Dann esse ich ihn eben selbst!“ Sie nahm den Löffel und wollte zugreifen.

Ein Mädchen sagte: „Finger weg! Der ist für Dufthauch aufgehoben — wenn Ihr den esst, gibt es wieder Ärger. Das müssst Ihr dann selbst verantworten und dürft es nicht auf uns schieben!“

Die alte Li hörte das und sagte wütend und beschämt: „Ich glaube nicht, dass er so schlecht geworden ist! Selbst wenn ich eine Schale Milch esse — ist das nicht mein gutes Recht? Ist Dufthauch ihm etwa wichtiger als ich? Hat er vergessen, wie er gross geworden ist? Mein Blut wurde zu Milch, und mit dieser Milch ist er so gross geworden, und jetzt soll ich nicht einmal eine Schale Milch essen dürfen? Ich esse sie trotzdem — sehen wir, was passiert! Was denkt ihr alle über Dufthauch? Die ist ein kleines Mädchen, das ich selbst großgezogen habe — was für ein feines Ding soll sie denn sein!“

Trotzig ass sie den gesamten Milchrahm auf.

Ein anderes Mädchen sagte beschwichtigend: „Die anderen können nicht reden — kein Wunder, dass Ihr aufgebracht seid. Schatzjade schickt Euch doch regelmässig Sachen und erweist Euch die Ehre — er würde doch nie wegen so etwas böse werden.“

Die alte Li sagte: „Versucht nicht, mich mit eurem Fuchscharme zu beschwichtigen! Glaubt ihr, ich wisse nicht über die Sache mit dem Tee und Qianxü [茜雪] Bescheid? Wenn es noch einmal Ärger gibt, komme ich zurück und mache reinen Tisch!“ Damit ging sie verargert davon.

Nach einer Weile kehrte Schatzjade zurück und ließ Dufthauch abholen. Da kam Heitermuster [晴雯] — sie lag auf dem Bett und rührte sich nicht. Schatzjade fragte: „Bist du krank? Oder hast du verloren?“

Qiuwen [秋纹] sagte: „Sie hat sogar gewonnen. Aber dann kam die alte Amme Li und hat alles durcheinandergebracht, und sie hat sich vor Ärger hingelegt.“

Schatzjade lächelte: „Lass sie in Ruhe, nimm es ihr nicht übel.“ Bald darauf kam Dufthauch zurück.

Schatzjade ließ den Milchrahm bringen. Die Mädchen meldeten: „Die alte Amme Li hat ihn aufgegessen.“

Schatzjade wollte gerade etwas sagen, da sagte Dufthauch schnell lächelnd: „So ist das also — es war doch für mich aufgehoben! Vielen Dank für die Mühe! Als ich ihn neulich ass, schmeckte er zwar gut, aber danach bekam ich furchtbare Bauchschmerzen und musste alles wieder von mir geben. Dass sie ihn gegessen hat, ist besser — hier stehenzulassen wäre Verschwendung gewesen. Eigentlich hätte ich gern gedörrte Kastanien — schälst du mir welche? Ich richte derweil das Bett.“

Schatzjade glaubte ihr, vergass den Milchrahm und begann, Kastanien zu schälen. Als niemand sonst im Zimmer war, fragte er Dufthauch lächelnd: „Wer war eigentlich das Mädchen in Rot heute? Eine Verwandte von dir?“

Dufthauch sagte: „Das ist meine Cousine mütterlicherseits.“

Schatzjade seufzte zwei Mal. Dufthauch sagte: „Was seufzt du? Ich weiß, was du denkst. Du findest, sie sei zu hübsch, um Rot zu tragen.“

Schatzjade lächelte: „Nein, nein! Wenn nicht einmal sie Rot tragen darf, wer dann? Ich habe nur geseufzt, weil sie wirklich ausgesprochen hübsch ist — wie schade, dass sie nicht bei uns im Hause lebt.“

Dufthauch sagte kühl lächelnd: „Nur weil ich eine Sklavin bin, müssen meine Verwandten noch lange keine Sklavinnen sein. Sollte man etwa extra die hübschesten Mädchen aussuchen, um sie in Euer Haus zu bringen?“

Schatzjade sagte hastig: „Da hast du mich falsch verstanden! Wenn ich sage, sie sollte bei uns sein, meint das doch nicht als Sklavin — als Verwandte wäre es doch auch möglich!“

Dufthauch sagte: „Das wäre für sie nicht standesgemäss.“

Schatzjade sprach nicht weiter und schälte nur still seine Kastanien.

Dufthauch lächelte: „Warum sagst du nichts mehr? Habe ich dich etwa beleidigt? Wenn du willst, kannst du sie ja für ein paar Liang Silber kaufen.“

Schatzjade lächelte: „Was du da sagst — wie soll ich darauf antworten? Ich wollte sie doch nur loben, weil sie hübsch ist und hierhergehört in ein solch prächtiges Haus — nicht, dass jemand wie ich es verdient, hier zu leben.“

Dufthauch sagte: „Obwohl sie nicht so ein Glück hat, wurde sie durchaus verwöhnt — der Augapfel meiner Tante und meines Onkels. Sie ist jetzt siebzehn, und die Mitgift ist schon komplett — nächstes Jahr heiratet sie.“

Schatzjade hörte das Wort „heiraten“ und seufzte abermals zweimal. Gerade als ihn betrübte Stimmung überkam, seufzte auch Dufthauch: „Seit ich hierher kam, waren meine Geschwister und ich nie beisammen. Jetzt, wo ich zurückgehen würde, wären sie alle schon weg.“

Schatzjade spürte, dass in diesen Worten mehr steckte, erschrak und ließ die Kastanien fallen: „Wie meinst du das — du willst zurück?“

Dufthauch sagte: „Heute habe ich gehört, wie meine Mutter und mein Bruder besprachen, dass sie mich noch ein Jahr durchhalten lassen wollen und mich dann freikaufen.“

Schatzjade war wie erstarrt und fragte: „Warum wollen sie dich freikaufen?“

Dufthauch sagte: „Was für eine seltsame Frage! Ich bin doch keine hier Geborene — meine ganze Familie lebt woanders. Ich bin hier allein — wie soll das auf Dauer gehen?“

Schatzjade sagte: „Ich werde dich nicht gehen lassen.“

Dufthauch sagte: „So etwas hat es noch nie gegeben. Selbst im Kaiserpalast gibt es Regeln: Alle paar Jahre wird ausgewählt, alle paar Jahre wird aufgenommen — niemand wird für immer behalten. Von dir gar nicht zu reden!“

Schatzjade überlegte — das war tatsächlich richtig. Dann sagte er: „Die Herzoginmutter wird dich auch nicht gehen lassen.“

Dufthauch sagte: „Warum nicht? Wenn ich wirklich unersetzlich wäre und die Herzoginmutter und die Herrin mich unbedingt behalten wollten — vielleicht ginge es, wenn man meiner Familie mehr Silber gäibe. Aber ich bin doch nur ein gewöhnlicher Mensch; es gibt viele, die besser sind als ich. Seit ich klein war, diente ich zürst der Herzoginmutter, dann Fräulein Shi [史大姑娘] und jetzt dir. Wenn meine Familie mich freikaufen will, ist es nur recht und billig. Wahrscheinlich wird man nicht einmal den Kaufpreis zurückverlangen. Und was meinen Dienst an dir betrifft — das ist meine Pflicht, keine besondere Leistung. Wenn ich gehe, kommen andere, die genauso gut sind.“

Schatzjade hörte das — es gab gründliche Argumente für ihr Gehen, aber keinen für ihr Bleiben — und wurde immer besorgter. „Trotzdem“, sagte er, „ich werde alles tun, um dich zu behalten. Ich bitte die Herzoginmutter, mit deiner Mutter zu sprechen und ihr reichlich Silber zu geben — dann wird sie es sich nicht zu sagen trauen.“

Dufthauch sagte: „Meine Mutter würde natürlich nicht wagen, sich zu widersetzen. Man braucht nicht einmal freundlich zu sein oder Geld zu geben — auch ohne das würde sie gehorchen. Aber unsere Familie hat solche Dinge nie mit Gewalt durchgesetzt. Man kann alles kaufen, was einem gefällt, da kommen die Verkäufer nicht zu kurz. Aber mich ohne Grund hierbehalten, dir ohne Nutzen und uns als Familie auseinanderreißen — das werden die Herzoginmutter und die Herrin niemals tun.“

Schatzjade hörte das, dachte lange nach und sagte schließlich: „Deinen Worten nach bist du also fest entschlossen zu gehen?“

Dufthauch sagte: „Fest entschlossen.“

Schatzjade hörte das und dachte bei sich: „So jemand — und so undankbar und gleichgültig!“ Er seufzte: „Hätte ich gewusst, dass alle gehen würden, hätte ich sie nie hierher kommen lassen. Am Ende bleibe ich als einsamer Geist zurück.“ Verargert legte er sich ins Bett.

In Wirklichkeit hatte Dufthauch zu Hause, als sie hörte, dass ihre Mutter und ihr Bruder sie freikaufen wollten, gesagt, sie werde lieber sterben als zurückzugehen. „Damals, als ihr nichts zu essen hattet und ich das einzige war, das noch ein paar Liang Silber wert war — hätte ich euch nicht erlaubt, mich zu verkaufen, wärst du wohl zusehen müssen, wie Vater und Mutter verhungerten. Jetzt habe ich glücklicherweise ein gutes Haus gefunden, wo ich esse und mich kleide wie die Herrschaften, ohne tagein, tagaus geschlagen zu werden. Und jetzt, wo ihr euch finanziell erholt habt, wollt ihr mich freikaufen? Wenn ihr wirklich noch in Not wäret und mich zurückholtet, um noch ein paar Münzen mehr herauszuschlagen — gut. Aber es geht euch doch nicht schlecht! Tut so, als wäre ich gestorben, und denkt nie wieder daran, mich freizukaufen!“

So hatte sie geweint und getobt, bis ihre Mutter und ihr Bruder einlenkten. Außerdem war es ein endgültiger Verkauf mit festem Vertrag, und man wusste, dass die Kaufmann-Familie gütherzig und grosszügig war. Im Grunde genommen, so überlegte man, würde die Familie auf Bitten hin wahrscheinlich sogar den Kaufpreis erlassen. Zweitens behandelte die Familie Kaufmann ihre Dienstboten nie schlecht — es gab mehr Gnade als Strenge. Die persönlichen Mädchen der Herrschaften wurden sogar noch besser behandelt als die übrige Dienerschaft — manche Töchter aus armen Familien wurden nicht so wertgeschätzt wie sie. So gaben Mutter und Bruder den Freikauf auf.

Dann kam Schatzjades Besuch, und als sie sein inniges Verhalten sahen, wurde ihnen alles noch klarer. Nun war der Stein endgültig gefallen, und an Freikauf dachte niemand mehr.

Zurück zu Dufthauch: Sie kannte Schatzjades eigenwilligen Charakter von Kindheit an — seine Wildheit und Sturheit übertrafen alle anderen Knaben, und dazu hatte er noch einige tausend seltsame und unerklärliche Eigenheiten. In letzter Zeit, verwöhnt von der Herzoginmutter und nicht streng genug von den Eltern erzogen, wurde er nur noch zügelloser und eigensinniger. Am wenigsten liebte er ernsthafte Beschäftigung. Jedes Mal, wenn sie ihn ermahnen wollte, wusste sie, dass er nicht zuhören würde. Heute bot sich durch die Sache mit dem Freikauf die Gelegenheit, ihn mit einer List zu prufen — seine Gefühle auszuloten und seinen Stolz zu dämpfen, um ihm dann Ermahnungen zu erteilen.

Als sie sah, dass er sich schweigend ins Bett legte und offenbar litt, wusste sie: Seine Gefühle waren zu stark, sein Trotz gebrochen. Die Kastanien hatte sie eigentlich gar nicht gewollt — sie hatte sie nur als Vorwand benutzt, damit Schatzjade nicht wegen des Milchrahms Ärger machte, wie beim Vorfall mit Qianxüs Tee. Sie ließ die kleinen Mädchen die Kastanien aufessen, ging dann zu Schatzjade und schob ihn sanft an.

Schatzjades Gesicht war tränennass. Dufthauch lächelte: „Das ist doch kein Grund zum Weinen! Wenn du mich wirklich behalten willst, gehe ich natürlich nicht.“

Schatzjade hörte, dass auch diese Worte ihre tiefere Bedeutung hatten, und sagte: „Sag mir, was ich tun soll, damit du bleibst. Ich weiß selbst nicht mehr, was ich sagen kann.“

Dufthauch lächelte: „Was wir einander an Gutem getan haben, brauche ich nicht aufzuzählen. Aber heute, wenn du mich wirklich behalten willst, hängt das nicht davon ab. Ich nenne dir drei Bedingungen. Wenn du sie erfüllst, zeigst du mir, dass es dir ernst ist, und dann bleibe ich — selbst wenn man mir ein Messer an die Kehle hielt.“

Schatzjade lächelte eilig: „Nenn sie! Was es auch ist, ich erfülle alles! Liebe Schwester, liebe allerliebste Schwester — nenn sie, und würden es zwei- oder dreihundert sein, ich würde sie alle erfüllen! Ich bitte nur, dass ihr auf mich aufpasst und bei mir bleibt, bis ich eines Tages zu fliegender Asche werde — nein, Asche wäre noch zu gut, die hat noch Form und Gestalt und Bewusstsein — bis ich zu einem Hauch dünnen Rauches werde, den der Wind verweht, dann könnt ihr euch nicht mehr um mich kümmern, und ich kann mich nicht mehr um euch kümmern. Dann, erst dann, dürft ihr gehen, wohin ihr wollt.“

Bevor er ausgesprochen hatte, hielt Dufthauch ihm den Mund zu: „Hör auf, hör auf! Wir wollen dich doch gerade von solchen Reden abbringen, und du redest nur noch schlimmer!“

Schatzjade sagte eilig: „Ich sage es nie wieder!“

Dufthauch sagte: „Das ist die erste Sache, die du ändern musst.“

Schatzjade sagte: „Geändert! Wenn ich es noch einmal sage, kneif mir die Lippen zusammen! Was noch?“

Dufthauch sagte: „Zweitens: Ob du wirklich gern Bücher liest oder nur so tust — vor deinem Vater oder vor anderen musst du aufhören, alles zu kritisieren und zu verspötten. Tu wenigstens so, als läsest du gern, dann ärgert sich dein Vater weniger und du stehst vor den Leuten besser da. Er denkt sich: Unsere Familie liest seit Generationen, und seit du da bist, hat er gehofft, du würdest auch gern lesen — und nun bist du nicht nur desinteressiert, sondern redest hinter seinem Rücken auch noch solchen Unsinn! Alle, die fleissig studieren und vorwärtskommen, nennst du 'Gehaltsschlürfer' [禄蠹]. Und du sagst, außer 'Die lichte Tugend erhellen' [明明德] gebe es keine wahren Bücher — alles andere seien Fehlinterpretationen der alten Meister. Kein Wunder, dass dein Vater wütend wird und dich ständig verhauen will. Und was sollen die Leute von dir denken?“

Schatzjade lächelte: „Nie wieder! Das war Unsinn aus meiner Kindheit, als ich nichts verstand. Jetzt traue ich mich nicht mehr, so zu reden. Was noch?“

Dufthauch sagte: „Drittens: Hör auf, Mönche und Daoisten zu verspotten und herumzualbern mit Rouge und Puder. Und das Allerwichtigste — hör auf, den Mädchen den Lippenstift vom Mund zu lecken! Diese Vorliebe für Rot muss aufhören!“

Schatzjade sagte: „Alles geändert, alles geändert! Was noch? Sag schnell!“

Dufthauch lächelte: „Mehr gibt es nicht. Achte einfach in allen Dingen mehr auf dich und handle nicht so nach Lust und Laune — das ist alles. Wenn du das alles befolgst, könnte man mich nicht einmal mit einer Sänfte mit acht Trägern hier wegschaffen!“

Schatzjade lächelte: „Wenn du lange genug hier bleibst, wirst du irgendwann auch noch eine Sänfte mit acht Trägern bekommen!“

Dufthauch sagte kühl: „Dafür habe ich keine Verwendung. Selbst wenn ich das Glück hätte — den Grund dafür gäbe es nicht. Und selbst wenn ich darin sässe, wäre es ohne Vergnügen.“

Während sie noch sprachen, kam Qiuwen herein und sagte: „Es ist bald drei Uhr nachts — Ihr solltet schlafen. Vorhin hat die Herzoginmutter eine Amme geschickt, um nachzufragen, und ich habe gesagt, Ihr schlaft schon.“

Schatzjade ließ sich die Uhr bringen — tatsächlich, der Zeiger stand auf halb elf. Sie wuschen sich, zogen sich um und gingen zu Bett. Nichts weiter in dieser Nacht.

Am nächsten Morgen fühlte sich Dufthauch schwer, hatte Kopfschmerzen, geschwollene Augen und Fieber an allen Gliedern. Anfangs hielt sie noch durch, doch dann konnte sie nicht mehr und legte sich angekleidet aufs Kanglager. Schatzjade meldete es sofort der Herzoginmutter und ließ einen Arzt kommen, der sagte: „Nichts weiter als eine Erkältung. Ein oder zwei Dosen Medizin zum Schwitzen, und es geht ihr besser.“ Er schrieb ein Rezept, und der Arzt ging. Die Medizin wurde geholt, gekocht und eingenommen, und Dufthauch deckte sich zu, um auszuschwitzen. Schatzjade ging daraufhin zu Kajaljade[8] [黛玉], um nach ihr zu sehen.

Kajaljade ruhte sich gerade auf ihrem Bett aus. Die Mädchen waren alle draußen, und es war ganz still im Zimmer. Schatzjade hob den bestickten Seidenvorhang, trat ins innere Gemach und sah Kajaljade auf dem Bett liegen. Er ging zu ihr und schob sie sanft an: „Liebe Schwester, du hast gerade gegessen und legst dich schon wieder hin?“

Kajaljade, geweckt, sah Schatzjade und sagte: „Geh und amüsier dich woanders. Letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen, und mein ganzer Körper tut weh.“

Schatzjade sagte: „Schmerzen sind eine Kleinigkeit, aber wenn du dir vom Schlafen eine Krankheit holst, ist das schlimm. Ich vertreibe dir die Langeweile, und wenn die Müdigkeit vergeht, ist alles gut.“

Kajaljade schloss die Augen und sagte: „Ich bin nicht müde — ich ruhe mich nur ein wenig aus. Geh woanders hin und amüsier dich und komm später wieder.“

Schatzjade schob sie an: „Wohin soll ich gehen? Bei anderen langweile ich mich immer.“

Kajaljade öffnete die Augen und lachte: „Wenn du schon hier bleiben willst, dann setz dich drüben brav hin und lass uns reden.“

Schatzjade sagte: „Ich will mich auch hinlegen.“

Kajaljade sagte: „Dann leg dich hin.“

Schatzjade sagte: „Wir haben kein Kopfkissen — lass uns ein Kissen teilen.“

Kajaljade sagte: „Unsinn! Draußen liegen doch Kissen — hol dir eins.“

Schatzjade ging hinaus, sah sich um, kam zurück und lächelte: „Dieses will ich nicht — wer weiß, welche schmutzige alte Frau darauf gelegen hat.“

Kajaljade öffnete die Augen, setzte sich auf und lächelte: „Du bist wirklich mein 'Himmlischer Plagegeist' [天魔星]! Nimm dieses hier.“ Sie schob ihr eigenes Kissen zu Schatzjade hinüber, holte sich ein anderes und legte sich ihm gegenüber hin.

Kajaljade bemerkte auf Schatzjades linker Wange einen blutunterlaufenen Fleck, so gross wie ein Knopf. Sie beugte sich vor, betastete ihn und fragte: „Wessen Fingernägel haben dich denn da gekratzt?“

Schatzjade wich aus und lächelte: „Das ist kein Kratzer — vorhin habe ich ihnen Rougepaste angerüht und muss etwas abbekommen haben.“ Er suchte ein Taschentuch, um es abzuwischen. Kajaljade nahm ihr eigenes Tuch und wischte es für ihn ab. Dabei sagte sie: „Schon wieder so etwas! Wenn du es schon tust — musst du es dann auch noch zeigen? Wenn Onkel es nicht sieht, erzählen es andere als lustige Neuigkeit weiter und petzen es ihm — und dann gibt es wieder unnötig Ärger.“

Schatzjade hatte gar nicht zugehört. Er roch nur einen feinen Duft, der aus Kajaljades Ärmel stieg und einem ganz schwindelig werden ließ. Er ergriff ihren Ärmel und wollte nachsehen, was darin verborgen war.

Kajaljade lächelte: „Im kalten zehnten Monat — wer trägt da Duftsäckchen?“

Schatzjade lächelte: „Wenn dem so ist — woher kommt dann dieser Duft?“

Kajaljade sagte: „Ich weiß es auch nicht. Vielleicht hat sich der Duft aus dem Schrank auf die Kleider übertragen.“

Schatzjade schüttelte den Kopf: „Das glaube ich nicht. Dieser Duft ist seltsam — er kommt nicht von Duftkugeln, Duftbeuteln oder Räucherpastillen.“

Kajaljade sagte kühl lächelnd: „Habe ich vielleicht auch einen 'Wahren Menschen' oder 'Arhat', der mir besonderen Weihrauch gibt? Selbst wenn — ich habe keinen älteren Bruder, der mir Blumen und Puder und Cremes herstellt. Ich habe nur den gewöhnlichen Duft, sonst nichts.“

Schatzjade lächelte: „Was auch immer ich sage, du ziehst sofort solche Vergleiche. Wenn ich dich nicht ein wenig massregle, wirst du es nie lassen. Ab heute kenne ich keine Gnade mehr!“ Er richtete sich auf, hauchte sich zweimal in die Hände und begann, Kajaljade an den Seiten und unter den Achseln zu kitzeln.

Kajaljade war von Natur aus äußerst kitzlig. Sobald Schatzjades Hände sie berühürten, wand sie sich vor Lachen und keuchte: „Schatzjade! Wenn du nicht aufhörst, werde ich böse!“

Schatzjade hielt inne und fragte lächelnd: „Sagst du noch einmal solche Sachen oder nicht?“

Kajaljade lächelte: „Nie wieder!“ Während sie sich das Haar richtete, sagte sie: „Ich habe seltenen Duft — hast du 'warmen Duft' [暖香]?“

Schatzjade verstand nicht und fragte: „Was für ein 'warmer Duft'?“

Kajaljade schüttelte den Kopf, seufzte und lächelte: „Dummkopf, Dummkopf! Du hast einen Jade-Stein, und prompt hat jemand ein Goldgeschmeide, das dazu passt. Jemand hat 'kalten Duft' [冷香] — und du hast keinen 'warmen Duft' als Gegenstück?“

Da erst verstand Schatzjade die Anspielung auf Schatzspanges goldenes Amulett und ihren 'kalten Duft'. Er lächelte: „Eben noch hast du um Gnade gebeten, und jetzt redest du noch schärfer!“ Er streckte wieder die Hände aus.

Kajaljade rief lächelnd: „Lieber Bruder, ich traue mich nicht mehr!“

Schatzjade lächelte: „Gut, ich verzeihe dir — aber lass mich deinen Ärmel riechen.“ Er zog ihren Ärmel an sein Gesicht und roch unaufhörlich daran.

Kajaljade zog ihre Hand zurück: „Jetzt solltest du aber gehen.“

Schatzjade lächelte: „Gehen? Unmöglich! Lass uns hier friedlich liegen und plaudern.“ Er legte sich wieder hin. Kajaljade legte sich ebenfalls hin und bedeckte ihr Gesicht mit dem Taschentuch. Schatzjade plapperte dies und das, doch Kajaljade antwortete nicht. Er fragte sie, in welchem Alter sie nach Peking gekommen sei, was sie unterwegs gesehen habe, welche Sehenswürdigkeiten es in Yangzhou gäbe. Kajaljade schwieg beharrlich.

Schatzjade fürchtete, sie könne vom Schlafen krank werden, und versuchte sie mit einer Geschichte wachzuhalten: „Oh je! In eurem Amtsgebäude von Yangzhou hat sich eine große Begebenheit zugetragen — weißt du davon?“

Kajaljade, die an seinem ernsten Tonfall glaubte, es sei etwas Wirkliches, fragte: „Was denn?“

Schatzjade hielt sein Lachen zurück und fabulierte drauflos: „In Yangzhou gibt es einen Dai-Berg [黛山], auf dem liegt eine Lin-Höhle [林子洞].“

Kajaljade lächelte: „Das ist schon gelogen — so einen Berg gibt es nicht.“

Schatzjade sagte: „Es gibt unzählige Berge und Gewässer auf der Welt — die kannst du nicht alle kennen. Lass mich erst ausreden, dann kritisiere!“

Kajaljade sagte: „Erzähl weiter.“

Schatzjade fabulierte: „In der Lin-Höhle lebte eine Schar Ratten-Geister. Am siebten Tag des zwölften Monats nahm die Rattenmutter auf ihrem Thron Platz und verkündete: 'Morgen ist der achte, und alle Leute auf der Welt kochen das Laba-Reisbreiporgridge. In unserer Höhle fehlt es an Früchten — wir müssen die Gelegenheit nutzen und einige rauben!' Sie zog einen Befehlspfeil und sandte eine geschickte kleine Ratte zum Kundschaften. Nach einer Weile kam die Ratte zurück und meldete: 'Ich habe überall Erkundigungen eingeholt — im Tempel am Fuß des Berges gibt es am meisten Reis und Früchte.' Die Rattenmutter fragte: 'Wie viele Sorten Reis? Wie viele Sorten Früchte?' Die kleine Ratte sagte: 'Reis und Bohnen in Hülle und Fülle, nicht zu zählen. Früchte gibt es fünf Sorten: erstens rote Datteln, zweitens Kastanien, drittens Erdnüsse, viertens Wasserkastanien, fünftens Taro.' Die Rattenmutter war hoch erfreut und entsandte sofort Ratten. Eine übernahm den Reis, eine die Bohnen, jede bekam ihren Auftrag. Nur die süsser Taro war noch übrig. Sie zog einen Befehlspfeil und fragte: 'Wer stiehlt den süssen Taro?' Eine winzig kleine, schwächliche Ratte meldete sich: 'Ich möchte den süssen Taro stehlen!' Die Rattenmutter und alle anderen Ratten fanden sie zu klein und schwach und wollten sie nicht schicken. Aber die kleine Ratte sagte: 'Ich bin zwar klein und schwach, doch meine Zauberkräfte sind grenzenlos, meine Zunge gewandt und meine List tief. Ich werde es geschickter anstellen als sie alle.' Die anderen Ratten fragten: 'Wie denn geschickter?' Die kleine Ratte sagte: 'Ich stehle nicht einfach direkt. Ich verwandle mich selbst in einen süssen Taro, rolle mich unter die anderen Taros, und niemand sieht oder hört etwas. Dann transportiere ich sie heimlich mit meiner Teilungskunst ab — Stück für Stück, bis alles fort ist. Ist das nicht geschickter als plumpes Stehlen?' Alle Ratten lobten: 'Wunderbar, wunderbar! Aber wie verwandelst du dich? Zeig es uns erst!' Die kleine Ratte lächelte: 'Nichts leichter als das! Seht her!' Sie schüttelte sich und rief: 'Verwandlung!' — und verwandelte sich in ein bildhüsches, wunderschönes junges Fräulein. Alle Ratten riefen lächelnd: 'Falsch verwandelt, falsch verwandelt! Du solltest dich in eine Frucht verwandeln, nicht in ein Fräulein!' Die kleine Ratte nahm wieder ihre wahre Gestalt an und lächelte: 'Ihr habt eben keine Ahnung! Ihr kennt nur die Frucht namens süssen Taro [香芋], aber wisst ihr nicht, dass die Tochter des Salzsteuer-Inspektors Lin [林] der wahre süsse Jade-Schatz [香玉] ist?'“

Kajaljade sprang auf, drückte Schatzjade aufs Bett und rief lächelnd: „So ein unverschämter Mund! Ich hab es doch gewusst, dass du mich veralberst!“ Sie kniff ihn, bis Schatzjade um Gnade flehte: „Liebe Schwester, verzeih mir! Ich werde es nie wieder tun! Weil ich deinen Duft gerochen habe, ist mir plötzlich diese Anekdote eingefallen.“

Kajaljade sagte lächelnd: „Erst beschimpft er einen, und dann nennt er es auch noch 'Anekdote'!“

Kaum hatte sie das gesagt, kam Schatzspange[9] herein und fragte lächelnd: „Wer erzählt hier Anekdoten? Ich möchte auch zuhören.“

Kajaljade bat sie herein und lächelte: „Sieh dir das an! Er hat mich beleidigt und nennt es eine Anekdote!“

Schatzspange lächelte: „Das ist eben unser Bruder Schatzjade — kein Wunder. Er hat so viele Anekdoten im Kopf. Nur leider: Wenn er sie braucht, vergisst er sie. Neulich Nacht bei dem Bananengedicht hätte er sich erinnern sollen — aber was direkt vor ihm lag, fiel ihm nicht ein. Andere froren, und er schwitzte vor Aufregung. Und jetzt hat er plötzlich wieder ein Gedächtnis!“

Kajaljade sagte lächelnd: „Amitabha Buddha! Endlich kommt auch meine liebe Schwester mal dran! Wie man sieht: Es gibt Vergeltung auf der Welt, und sie ist präzise wie eine Waage!“

Gerade als sie dies sagte, hörte man aus Schatzjades Zimmer lautes Geschrei und Gezanke. Was war geschehen?

[Ende des neunzehnten Kapitels]

Anmerkungen

  1. Urfrühling (元春, Yuánchūn) – Kaiserliche Konkubine, älteste Schwester von Schatzjade.
  2. Aufrecht Kaufmann (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade.
  3. Phönixglanz (王熙凤, Wáng Xīfèng) – Verwalterin des Haushalts der Kaufmann-Familie.
  4. Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans.
  5. Dufthauch (袭人, Xīrén) – Schatzjades erste Kammerzofe.
  6. Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – Großmutter von Schatzjade.
  7. Herrlichkeit Kaufmann (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Ning-Guo-Zweigs.
  8. Kajaljade (林黛玉, Lín Dàiyù) – Cousine und Seelenverwandte von Schatzjade.
  9. Schatzspange (薛宝钗, Xuē Bǎochāi) – Cousine von Schatzjade.