Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 47"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 47) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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誰知賈珍等席上忽然不見了他兩個,各處尋找不見。有人說:「恍惚出北門去了。」薛蟠的小廝們素日是懼他的,他吩咐不許跟去,誰還敢找去?後來還是賈珍不放心,命賈蓉帶著小廝們尋蹤問跡的直找出北門,下橋二里多路,忽見葦坑邊薛蟠的馬拴在那裡。眾人都道:「可好了!有馬必有人。」一齊來至馬前,只聽葦中有人呻吟。大家忙走來一看,只見薛蟠衣衫零碎,面目腫破,沒頭沒臉,遍身內外,滾的似個泥豬一般。賈蓉心內已猜著九分了,忙下馬令人攙了出來,笑道:「薛大叔天天調情,今兒調到葦子坑裡來了。必定是龍王爺也愛上你風流,要你招駙馬去,你就碰到龍犄角上了。」薛蟠羞的恨沒地縫兒鑽不進去,那裡爬的上馬去?賈蓉只得命人趕到關廂里雇了一乘小轎子,薛蟠坐了,一齊進城。賈蓉還要抬往賴家去赴席,薛蟠百般央告,又命他不要告訴人,賈蓉方依允了,讓他各自回家。賈蓉仍往賴家回覆賈珍,並說方纔形景。賈珍也知為湘蓮所打,也笑道:「他須得吃個虧才好。」至晚散了,便來問候。薛蟠自在卧房將養,推病不見。 | 誰知賈珍等席上忽然不見了他兩個,各處尋找不見。有人說:「恍惚出北門去了。」薛蟠的小廝們素日是懼他的,他吩咐不許跟去,誰還敢找去?後來還是賈珍不放心,命賈蓉帶著小廝們尋蹤問跡的直找出北門,下橋二里多路,忽見葦坑邊薛蟠的馬拴在那裡。眾人都道:「可好了!有馬必有人。」一齊來至馬前,只聽葦中有人呻吟。大家忙走來一看,只見薛蟠衣衫零碎,面目腫破,沒頭沒臉,遍身內外,滾的似個泥豬一般。賈蓉心內已猜著九分了,忙下馬令人攙了出來,笑道:「薛大叔天天調情,今兒調到葦子坑裡來了。必定是龍王爺也愛上你風流,要你招駙馬去,你就碰到龍犄角上了。」薛蟠羞的恨沒地縫兒鑽不進去,那裡爬的上馬去?賈蓉只得命人趕到關廂里雇了一乘小轎子,薛蟠坐了,一齊進城。賈蓉還要抬往賴家去赴席,薛蟠百般央告,又命他不要告訴人,賈蓉方依允了,讓他各自回家。賈蓉仍往賴家回覆賈珍,並說方纔形景。賈珍也知為湘蓮所打,也笑道:「他須得吃個虧才好。」至晚散了,便來問候。薛蟠自在卧房將養,推病不見。 | ||
賈母等回來各自歸家時,薛姨媽與寶釵見香菱哭得眼睛腫了。問其原故,忙趕來瞧薛蟠時,臉上身上雖有傷痕,並未傷筋動骨。薛姨媽又是心疼,又是發恨,罵一回薛蟠,又罵一回柳湘蓮,意欲告訴王夫人,遣人尋拿柳湘蓮。寶釵忙勸道:「這不是什麼大事,不過他們一處吃酒,酒後反臉常情。誰醉了,多挨幾下子打,也是有的。況且咱們家無法無天,也是人所共知的。媽不過是心疼的緣故。要出氣也容易,等三五天哥哥養好了出的去時,那邊珍大爺璉二爺這乾人也未必白丟開了,自然備個東道,叫了那個人來,當著眾人替哥哥賠不是認罪就是了。如今媽先當件大事告訴眾人,倒顯得媽偏心溺愛,縱容他生事招人,今兒偶然吃了一次虧,媽就這樣興師動眾,倚著親戚之勢欺壓常人。」薛姨媽聽了道:「我的兒,到底是你想的到,我一時氣糊塗了。」寶釵笑道:「這才好呢。他又不怕媽,又不聽人勸,一天縱似一天,吃過兩三個虧,他倒罷了。」薛蟠睡在炕上痛罵柳湘蓮,又命小廝們去拆他的房子,打死他,和他打官司。薛姨媽禁住小廝們,只說柳湘蓮一時酒後放肆,如今酒醒,後悔不及,懼罪逃走了。薛蟠聽見如此說了,要知端的 | 賈母等回來各自歸家時,薛姨媽與寶釵見香菱哭得眼睛腫了。問其原故,忙趕來瞧薛蟠時,臉上身上雖有傷痕,並未傷筋動骨。薛姨媽又是心疼,又是發恨,罵一回薛蟠,又罵一回柳湘蓮,意欲告訴王夫人,遣人尋拿柳湘蓮。寶釵忙勸道:「這不是什麼大事,不過他們一處吃酒,酒後反臉常情。誰醉了,多挨幾下子打,也是有的。況且咱們家無法無天,也是人所共知的。媽不過是心疼的緣故。要出氣也容易,等三五天哥哥養好了出的去時,那邊珍大爺璉二爺這乾人也未必白丟開了,自然備個東道,叫了那個人來,當著眾人替哥哥賠不是認罪就是了。如今媽先當件大事告訴眾人,倒顯得媽偏心溺愛,縱容他生事招人,今兒偶然吃了一次虧,媽就這樣興師動眾,倚著親戚之勢欺壓常人。」薛姨媽聽了道:「我的兒,到底是你想的到,我一時氣糊塗了。」寶釵笑道:「這才好呢。他又不怕媽,又不聽人勸,一天縱似一天,吃過兩三個虧,他倒罷了。」薛蟠睡在炕上痛罵柳湘蓮,又命小廝們去拆他的房子,打死他,和他打官司。薛姨媽禁住小廝們,只說柳湘蓮一時酒後放肆,如今酒醒,後悔不及,懼罪逃走了。薛蟠聽見如此說了,要知端的 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 47 | |
| − | + | Der törichte Becken Schnee [薛蟠]<ref>Chin. 薛蟠 Xuē Pán, älterer Bruder von Schatzspange, bekannt für seinen zügellosen Lebenswandel.</ref> erleidet außerhalb der Stadtmauern eine tüchtige Tracht Prügel. Der kühne Xianglotus Weide<ref>Chin. 柳湘莲 Liǔ Xiānglián. 柳 liǔ „Weide“; 湘莲 xiānglián „Lotus am Xiang-Fluss“. Chin. 柳湘莲 Liǔ Xiānglián, ein junger Mann aus gutem Hause, begabt in Kampfkünsten und Theaterkunst.</ref> straft einen Wüstling und macht sich aus dem Staub. | |
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| − | + | Es wird erzählt, dass Dame König<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén. Ehefrau von Aufrecht Kaufmann, Mutter von Schatzjade.</ref>, als sie hörte, Dame Strafe<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén. Ehefrau von Begnadigung Kaufmann.</ref> sei gekommen, ihr eilig entgegenging. Dame Strafe wusste noch nicht, dass die Herzoginmutter [贾母]<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die älteste und ranghöchste Person der Kaufmann-Familie.</ref> bereits von der Sache mit Mandarinenente [鸳鸯]<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente“. Erste Kammerzofe der Herzoginmutter. Mandarinenenten gelten in China als Symbol ehelicher Treue.</ref> erfahren hatte, und kam eigentlich, um Neuigkeiten einzuholen. Doch als sie durch das Hoftor trat, hatten ihr schon einige Mütterchen zugeflüstert, was geschehen war. Sie wollte wieder umkehren, aber man hatte drinnen bereits bemerkt, dass sie da war, und Dame König kam ihr auch schon entgegen. So blieb ihr nichts anderes übrig, als einzutreten und zunächst der Herzoginmutter ihre Aufwartung zu machen. Die Herzoginmutter sagte kein einziges Wort, und Dame Strafe selbst war von Scham und Reue erfüllt. | |
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| − | + | Phönixglanz [王熙凤]<ref>Chin. 凤姐 Fèngjie (vollst. 王熙凤 Wáng Xīfèng), wörtl. „Phönix-Glanz“. Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.</ref> hatte sich unter einem Vorwand rechtzeitig davongemacht. Mandarinenente war in ihre eigene Kammer zurückgekehrt, um sich dort zu grämen. Tante Schnee [薛姨妈]<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee“. Mutter von Schatzspange und Becken Schnee, Schwester von Dame König.</ref>, Dame König und die anderen hatten sich nach und nach zurückgezogen, um Dame Strafe das Gesicht zu wahren. Dame Strafe traute sich nicht zu gehen. | |
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| − | + | Als die Herzoginmutter sah, dass niemand mehr da war, sprach sie: „Ich höre, du bist gekommen, um für deinen Mann um ein Mädchen zu werben. Das nenne ich brav – ganz nach den drei Gehorsamkeiten und den vier Tugenden! Nur übertreibst du es ein wenig mit der Tugendhaftigkeit. Ihr habt inzwischen Söhne und Enkel genug. Und du fürchtest ihn immer noch so, dass du ihm nicht einmal ein Wort der Ermahnung sagen kannst, sondern ihn nach Belieben sein Unwesen treiben lässt!“ | |
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| − | + | Dame Strafe lief feuerrot an und erwiderte: „Ich habe es mehrmals versucht, aber er wollte nicht hören. Die Ahnherrin weiß ja, wie es ist – mir blieb nichts anderes übrig.“ | |
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| − | + | Die Herzoginmutter sagte: „Wenn er dich zwingen würde, jemanden umzubringen, würdest du das dann auch tun? Denk doch einmal nach! Deine Schwägerin ist von Natur aus gewissenhaft, aber von schwacher Gesundheit und ständig krank. Von oben bis unten – um wen kümmert sie sich nicht? Und obwohl du als Schwiegertochter ihr zur Hand gehst, hast auch du den ganzen Tag zu tun – kaum legst du den Rechen hin, greifst du zum Besen. Ich selbst habe mich von den meisten Angelegenheiten zurückgezogen. Wenn die beiden einmal etwas übersehen, ist da noch Mandarinenente – das Kind ist aufmerksam und denkt noch an meine Angelegenheiten. Was ich brauche, besorgt sie; was fehlt, lässt sie ergänzen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Ohne Mandarinenente würden diese Mutter und Schwiegertochter, drinnen und draußen, bei großen und kleinen Dingen, hier und da einmal etwas übersehen. Soll ich etwa in meinem Alter wieder selbst jede Kleinigkeit regeln? Oder soll ich Tag für Tag rechnen und bei euch Sachen einfordern? | |
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| − | + | Mein ganzer Haushalt ist so gut wie leer, sie ist die Einzige, die mir geblieben ist – und sie ist auch schon etwas älter. Erstens kennt sie meine Launen und Gewohnheiten. Zweitens kommt sie mit den Herrschaften gut aus und bettelt nicht bei dieser Dame um Kleider oder bei jener Herrin um Geld. Deshalb vertraut man ihr seit Jahren – von deiner Schwägerin und deiner Schwiegertochter angefangen bis hinunter zu den Geringsten. Nicht nur ich kann mich auf sie stützen, auch deine Schwägerin und Schwiegertochter haben es leichter mit ihr. Solange ich sie habe, komme ich selbst dann nicht zu kurz, wenn meine Schwiegertöchter oder Enkelschwiegertöchter einmal etwas übersehen, und brauche mich nicht zu ärgern. | |
| − | Die | + | |
| − | + | Wenn sie nun aber fort ist – wen wollt ihr mir dann stattdessen geben? Selbst wenn ihr mir ein Mädchen bringt, das aus Perlen gemacht ist – wenn es nicht reden kann, nützt es nichts! Ich war gerade im Begriff, jemandem zu deinem Mann zu schicken: Was für ein Mädchen er auch möchte, ich habe das Geld – er soll sich ruhig für achttausend oder achtzehntausend eins kaufen, nur dieses eine Mädchen kann er nicht haben. Lasst sie mir noch ein paar Jahre dienen, das rechne ich ihm ebenso hoch an, wie wenn er mir Tag und Nacht selbst aufwarten und seine Kindespflicht erfüllen würde. Dass du gerade hereinkommst, trifft sich gut – geh du hin und sag es ihm, das ist noch besser.“ | |
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| − | + | Kaum hatte sie das gesagt, befahl sie den Dienerinnen: „Bittet Tante Schnee und die jungen Damen zu mir, damit wir plaudern können. Eben waren wir noch so fröhlich – warum sind plötzlich alle davon?“ | |
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| − | + | Die Mädchen eilten los, und die Eingeladenen kamen rasch zurück – nur Tante Schnee sagte zu dem Mädchen: „Ich bin doch gerade erst wieder hier gewesen! Was soll ich denn noch dort? Sag einfach, ich schlafe schon.“ | |
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| − | + | Das Mädchen bettelte: „Ach, liebe gute Frau Tante, allerliebste Tante-Ahnherrin! Unsere Ahnherrin ist noch böse, und wenn Ihr nicht kommt, nimmt das kein Ende. Tut es wenigstens für uns! Wenn Ihr nicht laufen mögt, trage ich Euch auf dem Rücken hin!“ | |
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| − | + | Tante Schnee lachte: „Du kleines Geistchen, wovor hast du denn Angst? Es gibt ein paar Schimpfwörter, und dann ist es vorbei.“ Dennoch ging sie mit dem Mädchen hinüber. | |
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| − | „Ich habe | + | Die Herzoginmutter bat sie sogleich, Platz zu nehmen, und sagte dann lächelnd: „Lasst uns Karten spielen! Tante Schnees Karten sind nicht sehr gut – wir setzen uns zusammen, und Phönixglanz soll uns nicht übers Ohr hauen.“ |
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| − | + | Tante Schnee lachte: „Ganz recht! Ahnherrin, passt ein wenig auf meine Karten auf! Spielen wir zu viert, oder nehmen wir noch jemanden dazu?“ | |
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| − | + | Dame König lachte: „Natürlich nur zu viert.“ | |
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| − | + | Phönixglanz sagte: „Wenn noch eine dazukommt, wird es lustiger.“ | |
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| − | + | Die Herzoginmutter sagte: „Ruft Mandarinenente her! Sie soll neben mir an meiner linken Seite sitzen. Tante Schnee hat schlechte Augen – Mandarinenente kann unsere beiden Hände im Auge behalten.“ | |
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| − | + | Phönixglanz seufzte und sagte zu Erkundefrühling [探春]<ref>Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin“. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.</ref>: „Ihr mit eurer Gelehrsamkeit solltet lieber Wahrsagen lernen!“ | |
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| − | + | Erkundefrühling sagte: „Was soll denn das? Statt dich jetzt zusammenzureißen und der Ahnherrin ein paar Kupfermünzen abzugewinnen, willst du dir die Zukunft weissagen lassen?“ | |
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| − | + | Phönixglanz erwiderte: „Ich möchte mir wahrsagen lassen, wie viel ich heute verlieren soll! Dass ich gewinnen könnte – daran ist gar nicht zu denken! Seht nur: Die Partie hat noch nicht einmal begonnen, und schon sind links und rechts die Hinterhalte gelegt.“ | |
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| − | + | Die Herzoginmutter und Tante Schnee lachten beide. | |
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| − | Die Herzoginmutter lachte so, | + | Bald kam Mandarinenente und setzte sich neben die Herzoginmutter auf deren linke Seite; neben Mandarinenente saß Phönixglanz. Man legte den roten Filz aus, mischte die Karten und begann das Spiel. Nach einer Weile sah Mandarinenente, dass das Blatt der Herzoginmutter fast vollständig war – es fehlte nur noch eine Zwei-Scheiben-Karte. Sie gab Phönixglanz ein heimliches Zeichen. Phönixglanz war gerade am Zug und zögerte absichtlich eine ganze Weile, bevor sie lachend sagte: „Diese Karte steckt bestimmt bei der Tante. Wenn ich sie nicht ausspielen will, geht gar nichts mehr.“ |
| − | + | ||
| − | + | Tante Schnee sagte: „Ich habe deine Karte gar nicht.“ | |
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| − | „Ich | + | Phönixglanz erwiderte: „Ich werde nachher nachschauen!“ |
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| − | Als | + | Tante Schnee sagte: „Schau ruhig nach. Spiel jetzt erst einmal aus, damit ich sehe, was es ist.“ |
| − | + | ||
| − | + | Phönixglanz legte die Karte vor Tante Schnee hin. Als Tante Schnee sah, dass es die Zwei-Scheiben war, lachte sie: „Die brauche ich nicht besonders – aber ich fürchte, die Ahnherrin hat damit gewonnen!“ | |
| − | „Wenn es | + | |
| − | + | Phönixglanz rief lachend: „Oh, ich habe mich verspielt!“ | |
| − | + | ||
| − | Alle | + | Die Herzoginmutter lachte so sehr, dass sie ihre Karten auf den Tisch warf, und sagte: „Wage ja nicht, sie zurückzunehmen! Wer hat dir denn gesagt, du sollst falsch spielen?“ |
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| − | + | Phönixglanz sagte: „Deshalb hätte ich mir die Zukunft weissagen lassen sollen! Ich habe sie selbst ausgespielt – wem soll ich da die Schuld geben!“ | |
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| − | + | Die Herzoginmutter lachte: „Stimmt! Du solltest dir eine Ohrfeige geben und dich bei dir selbst beklagen!“ | |
| − | „Kommt schnell | + | |
| − | Dame | + | Dann wandte sie sich lächelnd an Tante Schnee: „Ich bin nicht kleinlich und gierig nach Geld – es geht nur um das glückverheißende Omen!“ |
| − | Bei der Herzoginmutter spielte man noch bis zum Abendessen Karten. | + | |
| − | + | Tante Schnee lachte: „Natürlich! Wer käme auf den dummen Gedanken, die Ahnherrin sei geldgierig?“ | |
| − | + | ||
| − | In der äußeren Halle saßen | + | Phönixglanz zählte gerade ihr Geld und sagte, als sie das hörte, während sie die Münzen wieder auf die Schnur fädelte, zu allen lachend: „Das reicht mir! Es geht ihr angeblich gar nicht ums Gewinnen, sondern nur um das glückverheißende Omen. Aber ich Kleinliche zähle natürlich sofort nach dem Verlieren mein Geld – also lasst mich das mal schnell wegpacken.“ |
| − | + | ||
| − | + | Die Herzoginmutter ließ gewöhnlich Mandarinenente für sie die Karten mischen. Da sie gerade mit Tante Schnee plauderte und scherzte und Mandarinenente keine Anstalten machte, sagte die Herzoginmutter: „Bist du etwa beleidigt, dass du nicht einmal die Karten für mich mischst?“ | |
| − | Lai Das Sohn Lai | + | |
| − | Lai | + | Mandarinenente nahm die Karten und sagte lachend: „Die zweite Herrin gibt kein Geld her.“ |
| − | Damit | + | |
| − | + | Die Herzoginmutter sagte: „Wenn sie kein Geld hergibt, hat sie eben Glück.“ Dann befahl sie einem kleinen Dienstmädchen: „Hol ihre ganze Schnur Münzen her!“ | |
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| − | + | Das Mädchen brachte sie tatsächlich und legte sie neben die Herzoginmutter. Phönixglanz lachte: „Schenkt sie mir doch! Ich erstatte den genauen Betrag zurück.“ | |
| − | Ich ärgere mich nur, | + | |
| − | + | Tante Schnee lachte: „Da sieht man, wie kleinlich die Phönixglanz ist – dabei ist es doch nur ein Spiel!“ | |
| − | + | ||
| + | Phönixglanz stand auf, fasste Tante Schnee am Arm und zeigte lachend mit dem Finger auf die Holzschatulle, in der die Herzoginmutter gewöhnlich ihr Geld aufbewahrte: „Tante, schaut mal – in der Schatulle da weiß man gar nicht, wie viel sie mir schon abgenommen hat! Diese eine Schnur Münzen reicht noch nicht einmal für eine halbe Stunde, dann ruft das Geld da drinnen schon nach ihr. Sobald auch diese Schnur dort hineingewandert ist, brauchen wir nicht mehr zu spielen, die Laune der Ahnherrin ist wieder gut, und sie findet etwas Wichtiges, mit dem sie mich beauftragt.“ | ||
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| + | Bevor sie fertig war, hatte sie die Herzoginmutter und alle anderen zum Lachen gebracht. Gerade kam Friedchen [平儿]<ref>Chin. 平儿 Píng’ér, wörtl. „Friedchen“. Phönixglanz’ erste Kammerzofe und Vertraute.</ref>, die fürchtete, das Geld reiche nicht, und brachte noch eine Schnur Münzen. | ||
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| + | Phönixglanz sagte: „Leg sie nicht vor mich hin – leg sie gleich dort zu den anderen bei der Ahnherrin! Dann geht alles auf einmal rein, und man spart sich die doppelte Mühe – die Münzen in der Schatulle brauchen nicht zweimal die Hand auszustrecken.“ | ||
| + | |||
| + | Die Herzoginmutter lachte so sehr, dass ihr die Karten über den ganzen Tisch fielen, schubste Mandarinenente und rief: „Reiß ihr schnell den Mund ab!“ | ||
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| + | Friedchen legte das Geld ab, lachte ein Weilchen mit, und kehrte dann zurück. Vor dem Hoftor traf sie auf Kette Kaufmann [贾琏]<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kette Kaufmann“. Sohn von Begnadigung Kaufmann, Ehemann von Phönixglanz.</ref>, der fragte: „Wo ist die gnädige Frau? Der gnädige Herr schickt mich, sie zu holen.“ | ||
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| + | Friedchen antwortete lächelnd: „Sie ist bei der Ahnherrin und steht dort seit einer halben Ewigkeit, ohne sich vom Fleck zu rühren. Lass es lieber bleiben! Die Ahnherrin war den halben Tag lang böse, und erst jetzt, dank der Unterhaltungskünste der zweiten Herrin, hat sich ihre Laune ein wenig gebessert.“ | ||
| + | |||
| + | Kette Kaufmann sagte: „Ich gehe hinüber und sage, ich wolle die Ahnherrin fragen, ob sie am Vierzehnten zur Familie Lai fährt, damit ich die Sänfte vorbereiten kann. Gleichzeitig bitte ich die gnädige Frau herüber und bringe die Ahnherrin zum Lachen – ist das nicht gut?“ | ||
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| + | Friedchen lachte: „Ich würde dir raten, nicht hinzugehen. Die ganze Familie, einschließlich der gnädigen Frau und Schatzjade [贾宝玉]<ref>Chin. 宝玉 Bǎoyù (vollst. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade“. Der männliche Hauptprotagonist des Romans.</ref>, hat es abbekommen – und jetzt willst du dich auch noch ins Netz stürzen?“ | ||
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| + | Kette Kaufmann sagte: „Es ist doch schon vorbei – da wird sie nicht nochmals darauf zurückkommen! Außerdem hat es mit mir gar nichts zu tun. Und dann: Der gnädige Herr hat mir persönlich befohlen, die gnädige Frau zu holen. Wenn ich jemand anders schicke und er es erfährt – er ist ohnehin schon schlecht gelaunt, das wäre ein gefundener Vorwand, seinen Ärger an mir auszulassen.“ Damit ging er los. Friedchen sah ein, dass er recht hatte, und folgte ihm. | ||
| + | |||
| + | Als Kette Kaufmann die Haupthalle betrat, machte er leise Schritte und spähte vorsichtig in den Innenraum. Er sah Dame Strafe immer noch dastehen. Phönixglanz mit ihren scharfen Augen bemerkte ihn zuerst und gab ihm mit einem Blick zu verstehen, nicht hereinzukommen. Dann gab sie auch Dame Strafe ein Zeichen. Da Dame Strafe aber nicht einfach verschwinden konnte, goss sie eine Schale Tee ein und stellte sie vor der Herzoginmutter ab. | ||
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| + | Als sich die Herzoginmutter umdrehte, hatte Kette Kaufmann nicht schnell genug den Kopf eingezogen. Die Herzoginmutter fragte: „Wer ist da draußen? Es sah aus, als ob ein Junge den Kopf hereingestreckt hätte.“ | ||
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| + | Phönixglanz stand rasch auf: „Mir war auch so, als hätte ich einen Schatten gesehen – lasst mich nachschauen.“ Während sie das sagte, ging sie zur Tür. | ||
| + | |||
| + | Kette Kaufmann eilte hinein, verbeugte sich lächelnd und sagte: „Ich wollte nur fragen, ob die Ahnherrin am Vierzehnten ausfahrt, damit ich die Sänfte vorbereiten kann.“ | ||
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| + | Die Herzoginmutter sagte: „Wenn es das ist, warum bist du dann nicht hereingekommen, sondern treibst dich draußen wie ein Gespenst herum?“ | ||
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| + | Kette Kaufmann erwiderte lächelnd: „Als ich sah, dass die Ahnherrin Karten spielt, wagte ich nicht, Euch zu stören, und wollte nur meine Frau herausbitten, um sie zu fragen.“ | ||
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| + | Die Herzoginmutter sagte: „Ist es denn so dringend? Warte, bis sie nach Hause kommt, dann kannst du sie fragen, so viel du willst! Seit wann bist du so rücksichtsvoll? Ich weiß nicht, ob du als Zuträger oder als Spion gekommen bist – dieses Herumschleichen hat mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt, du niederträchtiger Kerl! Deine Frau spielt mit mir Karten, da hast du noch einen halben Tag Zeit – geh nach Hause und überleg dir mit der Frau von Bao Er wieder was gegen deine Frau!“ | ||
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| + | Alle lachten. Mandarinenente sagte lachend: „Das war die Frau von Bao Er [鲍二], Ahnherrin – woher kommt denn jetzt eine Frau von Zhao Er?“ | ||
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| + | Die Herzoginmutter lachte ebenfalls: „Stimmt! Wie soll ich mir merken, wer auf dem Arm getragen wird und wer auf dem Rücken! Wenn ich an diese Dinge denke, kocht die Galle hoch. Als ich als junge Frau eines Urenkels in diese Familie kam, ist das zusammen mit heute vierundfünfzig Jahre her. Alles, was an erschreckenden, seltsamen und abenteuerlichen Dingen vorkommen kann, habe ich erlebt – aber so etwas ist mir zum ersten Mal begegnet! Willst du nicht endlich verschwinden?“ | ||
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| + | Kette Kaufmann wagte kein Wort zu erwidern und zog sich eilig zurück. Friedchen stand draußen am Fenster und flüsterte lachend: „Hab ich‚s nicht gesagt? Du wolltest nicht hören – und jetzt bist du ins Netz gegangen.“ | ||
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| + | Gerade als sie das sagte, kam auch Dame Strafe heraus. Kette Kaufmann sagte: „Alles hat der gnädige Herr angerichtet, und jetzt müssen die gnädige Frau und ich es ausbaden!“ | ||
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| + | Dame Strafe fuhr ihn an: „Du undankbarer, pflichtloser, schändlicher Kerl! Dass dich der Blitz treffe! Andere Leute würden für ihren Vater sterben, und du beschwerst dich schon über ein paar Worte! Benimm dich gefälligst! Er ist seit Tagen wütend – pass auf, dass er dich nicht verprügelt!“ | ||
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| + | Kette Kaufmann sagte: „Kommt schnell hinüber, gnädige Frau! Es ist schon eine ganze Weile her, dass er mich geschickt hat, Euch zu holen.“ Er begleitete seine Mutter hinüber. | ||
| + | |||
| + | Dame Strafe berichtete Begnadigung Kaufmann [贾赦]<ref>Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, wörtl. „Begnadigung Kaufmann“. Der ältere Sohn der Herzoginmutter.</ref> in knappen Worten, was sich zugetragen hatte. Dieser wusste sich keinen Rat mehr, und vor Beschämung ließ er sich als krank entschuldigen und wagte nicht mehr, der Herzoginmutter unter die Augen zu treten. Er schickte nur noch Dame Strafe und Kette Kaufmann jeden Tag hinüber, um der Herzoginmutter seine Grüße zu entbieten. Zugleich ließ er überall nach einem Mädchen suchen und kaufte sich schließlich für achthundert Liang Silber eine Siebzehnjährige namens Yanhong, die er als Nebenfrau aufnahm. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. | ||
| + | |||
| + | Bei der Herzoginmutter spielte man noch bis zum Abendessen Karten. Die nächsten ein, zwei Tage vergingen ohne besondere Vorkommnisse. | ||
| + | |||
| + | Im Nu war der Vierzehnte herangekommen. In aller Frühe erschien Lai Das Frau, um die Einladung zu erneuern. Die Herzoginmutter war bester Laune und fuhr mit Dame König, Tante Schnee, Schatzjade und den jungen Damen zu Lai Das Garten, wo sie einen halben Tag verbrachten. Der Garten konnte zwar mit dem Garten der Großen Anschauung nicht mithalten, war aber sauber und geräumig. Mit seinen Quellen und Felsen, Wäldchen und Bäumen, Turmgebäuden und Pavillons hatte er durchaus einige sehenswerte Partien. | ||
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| + | In der äußeren Halle saßen Becken Schnee, Herrlichkeit Kaufmann [贾珍]<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Herrlichkeit Kaufmann“. Oberhaupt des östlichen Stillfriede-Zweigs der Kaufmann-Familie.</ref>, Kette Kaufmann, Hibiskus Kaufmann [贾蓉]<ref>Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, wörtl. „Hibiskus Kaufmann“. Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.</ref> sowie einige nahe Verwandte; die entfernteren waren nicht gekommen, ebenso wenig Begnadigung Kaufmann. Lai Das Familie hatte auch einige amtierende Beamte und Söhne angesehener Häuser als Begleitung eingeladen. | ||
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| + | Unter ihnen war auch Xianglotus Weide [柳湘莲]. Becken Schnee hatte ihn schon einmal gesehen und seither nicht mehr vergessen können. Er hatte in Erfahrung gebracht, dass Xianglotus Weide mit großer Leidenschaft Theater spielte und stets die Rollen junger Männer und Frauen in Liebesdramen übernahm. Da verwechselte er ihn irrtümlich mit einem leichtfertigen Burschen und brannte darauf, seine Bekanntschaft zu machen, hatte aber bisher keine Gelegenheit gehabt. Als er ihn heute wiedertraf, war er außer sich vor Freude. | ||
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| + | Auch Herrlichkeit Kaufmann und die anderen bewunderten Xianglotus Weides Namen. Nachdem der Wein ihnen Mut gemacht hatte, baten sie ihn, zwei Szenen zu spielen. Als er von der Bühne herunterkam, setzten sie sich mit ihm zusammen, fragten ihn nach diesem und jenem und plauderten über alles Mögliche. | ||
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| + | Xianglotus Weide stammte aus gutem Hause, hatte es aber beim Studieren zu nichts gebracht. Seine Eltern waren früh verstorben. Sein Charakter war offen und edelmütig, er kümmerte sich nicht um Kleinigkeiten und war ein großer Freund von Lanzen- und Schwertübungen, Glücksspiel und Wein, verkehrte in Freudenhäusern und machte gern Musik – er ließ nichts aus. Da er jung und gut aussehend war, hielten ihn alle, die seinen Stand nicht kannten, für einen Schauspieler. | ||
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| + | Lai Das Sohn, Lai Shangrong, war seit langem mit ihm befreundet und hatte ihn deshalb heute zur Gesellschaft eingeladen. Als nun nach dem Wein die meisten sich noch beherrschen konnten, verfiel einzig Becken Schnee wieder in seinen alten Fehler. Xianglotus Weide ärgerte sich innerlich schon längst und wollte bei der ersten Gelegenheit verschwinden. Aber Lai Shangrong hielt ihn um keinen Preis fest und sagte: „Eben hat mir der zweite junge Herr Schatzjade aufgetragen, dir zu sagen: Als du vorhin hereinkamst, hat er dich zwar gesehen, aber vor all den Leuten konnte er nicht gut mit dir sprechen. Du sollst nach dem Fest noch nicht gehen, er möchte noch mit dir reden. Wenn du unbedingt fort willst, warte wenigstens, bis ich ihn geholt habe. Wenn ihr euch gesehen habt, kannst du gehen, und ich habe meine Pflicht getan.“ | ||
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| + | Damit schickte er einen Burschen hinein, um unauffällig eine Dienerin zu beauftragen, den zweiten jungen Herrn Schatzjade herauszubitten. Der Bursche war noch nicht einmal so lange fort, wie man für eine Schale Tee braucht, da kam Schatzjade tatsächlich heraus. | ||
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| + | Lai Shangrong sagte lächelnd zu Schatzjade: „Da habt Ihr ihn, lieber Onkel! Ich muss mich um die Gäste kümmern.“ Damit ging er. | ||
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| + | Schatzjade zog Xianglotus Weide in ein kleines Bibliothekszimmer neben der Halle und fragte ihn: „Warst du in letzter Zeit an Qin Zhongs [秦钟] Grab?“ | ||
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| + | Xianglotus Weide erwiderte: „Natürlich! Neulich waren wir ein paar Leute auf der Falkenjagd, nur zwei Li von seinem Grab entfernt. Da dachte ich, bei den vielen Regenfällen dieses Sommers wird das Grab wohl gelitten haben. Also machte ich mich von den anderen los und ritt hin, um nachzusehen. Tatsächlich war es an einer Stelle eingesunken. Zu Hause besorgte ich mir ein paar hundert Kupfermünzen, und am dritten Tag ritt ich in aller Frühe wieder hinaus, heuerte zwei Leute an und ließ das Grab herrichten.“ | ||
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| + | Schatzjade sagte: „Ach, daher! Letzten Monat, als in unserem Teich im Garten der Großen Anschauung die Lotoskapseln reif waren, habe ich zehn Stück gepflückt und Mingren [茗烟] hinausgeschickt, um sie am Grab als Opfer darzubringen. Als er zurückkam, fragte ich, ob der Regen das Grab beschädigt habe. Er sagte, es sei nicht nur nicht beschädigt, sondern sogar besser in Stand als zuvor. Da dachte ich mir, einer unserer Freunde müsse es hergerichtet haben. | ||
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| + | Ich ärgere mich nur, dass ich Tag für Tag zu Hause eingesperrt bin und in nichts mein eigener Herr sein darf. Sobald jemand von meinen Plänen erfährt, hält mich der eine zurück und rät mir der andere ab – ich kann nur reden, aber nichts tun. Und obwohl ich Geld habe, darf ich es nicht so ausgeben, wie ich möchte.“ | ||
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| + | Xianglotus Weide tröstete ihn: „Um diese Sache brauchst du dich nicht zu kümmern. Draußen bin ich da – Hauptsache, du denkst in deinem Herzen an ihn. Am ersten des zehnten Monats habe ich bereits alles vorbereitet für den Grabbesuch. Du weißt, ich bin arm wie eine Kirchenmaus, zu Hause habe ich keinen Heller auf der hohen Kante. Wenn mir doch einmal ein paar Münzen in die Hände fallen, gebe ich sie sofort wieder aus. Deshalb habe ich rechtzeitig diesen Betrag beiseitegelegt, damit ich nicht mit leeren Händen dastehe.“ | ||
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| + | Schatzjade sagte: „Gerade deswegen wollte ich Mingren zu dir schicken. Aber du bist so selten zu Hause – unsteter als Entengrütze auf dem Wasser, nie an einem festen Ort.“ | ||
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| + | Xianglotus Weide sagte: „Dafür brauchst du mich nicht zu suchen. Jeder tut, was er kann. Bald will ich sowieso verreisen und erst in drei bis fünf Jahren zurückkommen.“ | ||
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| + | Schatzjade fragte erschrocken: „Warum das?“ | ||
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| + | Xianglotus Weide lachte kühl: „Du kennst mein Herz nicht. Wenn die Zeit kommt, wirst du es von selbst verstehen. Für heute will ich mich verabschieden.“ | ||
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| + | Schatzjade wandte ein: „Mit Mühe und Not haben wir uns einmal getroffen. Bleib doch bis zum Abend – wäre das nicht schöner?“ | ||
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| + | Xianglotus Weide erwiderte: „Dein Vetter mütterlicherseits hat sich immer noch nicht geändert. Wenn ich länger bleibe, gibt es unvermeidlich Ärger. Es ist besser, ich gehe ihm aus dem Weg.“ | ||
| + | |||
| + | Schatzjade überlegte einen Moment und sagte dann: „Da hast du wohl recht. Aber wenn du wirklich eine weite Reise antreten willst, musst du mir vorher unbedingt Bescheid sagen. Auf keinen Fall darfst du dich einfach davonstehlen!“ Bei diesen Worten liefen ihm Tränen über die Wangen. | ||
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| + | Xianglotus Weide sagte: „Natürlich verabschiede ich mich. Nur erzähle niemandem davon!“ Er stand auf und fügte hinzu: „Geh du wieder hinein, du brauchst mich nicht hinauszubegleiten.“ | ||
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| + | Damit verließ er das Bibliothekszimmer. Als er gerade am Tor anlangte, hörte er Becken Schnee dort herumbrüllen: „Wer hat den kleinen Liu weggehen lassen?“ | ||
| + | |||
| + | Als Xianglotus Weide das hörte, sprühten vor Wut Funken vor seinen Augen, und er hätte Becken Schnee am liebsten mit einem Faustschlag niedergestreckt. Doch dann besann er sich: Eine Schlägerei nach dem Weintrinken würde Lai Shangrongs Ansehen schaden. Also bezwang er sich. | ||
| + | |||
| + | Als Becken Schnee ihn plötzlich erblickte, freute er sich, als hätte er einen kostbaren Schatz gefunden. Torkelnd kam er näher, packte ihn am Arm und sagte lächelnd: „Brüderchen, wohin willst du denn?“ | ||
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| + | Xianglotus Weide erwiderte: „Nur kurz raus, ich bin gleich wieder da.“ | ||
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| + | Becken Schnee bettelte: „Guter Bruder, wenn du weg bist, ist hier kein Spaß mehr! Bleib doch ein Weilchen, dann sehe ich, dass du mich gern hast. Was auch immer du Dringendes zu erledigen hast – überlass es deinem großen Bruder. Keine Sorge! Mit einem Bruder wie mir kannst du Beamter werden und reich – das ist alles kein Problem!“ | ||
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| + | Xianglotus Weide sah dieses widerliche Benehmen und war gleichermaßen wütend wie angewidert. Doch er hatte bereits einen Plan geschmiedet. Er zog Becken Schnee an einen abgelegenen Ort und fragte lächelnd: „Meinst du es wirklich ernst mit mir, oder tust du nur so?“ | ||
| + | |||
| + | Als Becken Schnee das hörte, hüpfte ihm das Herz vor Freude. Mit schrägem Blick und dummem Grinsen sagte er: „Wie kannst du so etwas fragen, Brüderchen? Wenn ich nicht aufrichtig bin, will ich auf der Stelle vor deinen Augen tot umfallen!“ | ||
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| + | Xianglotus Weide erwiderte: „Wenn das so ist – hier ist es nicht bequem. Wir bleiben noch ein Weilchen, dann gehe ich vor, und du folgst mir zu meiner Wohnung. Dort können wir die ganze Nacht durchzechen. Ich habe auch zwei ganz vorzügliche junge Burschen da, die noch nie vor die Tür gekommen sind. Du brauchst keinen einzigen Diener mitzubringen – bei mir ist für alles gesorgt.“ | ||
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| + | Becken Schnee war vor Freude halb nüchtern geworden: „Ist das auch wirklich wahr?“ | ||
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| + | Xianglotus Weide sagte: „Was denn! Man öffnet dir sein Herz, und du glaubst es nicht?“ | ||
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| + | Becken Schnee beeilte sich lachend: „Natürlich glaube ich dir! Ich bin ja nicht blöd! Nur – ich kenne den Weg nicht. Wenn du vorausreitest, wo soll ich dich finden?“ | ||
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| + | Xianglotus Weide erklärte: „Meine Wohnung liegt außerhalb des Nordtores. Traust du dich, eine Nacht außerhalb der Stadt zu verbringen, fern von zu Hause?“ | ||
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| + | Becken Schnee strahlte: „Wenn ich dich habe, wozu brauche ich dann noch ein Zuhause?“ | ||
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| + | Xianglotus Weide sagte: „Gut, ich warte an der Brücke außerhalb des Nordtores auf dich. Jetzt gehen wir zurück an den Tisch und trinken Wein. Wenn du siehst, dass ich gegangen bin, kommst du nach – dann fällt es keinem auf.“ | ||
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| + | Becken Schnee willigte hastig ein. So kehrten beide zur Gesellschaft zurück und tranken weiter. Becken Schnee konnte es kaum erwarten und ließ kein Auge von Xianglotus Weide. In Gedanken wurde ihm immer wohler, und er leerte eine Kanne nach der anderen, ohne dass ihn jemand nötigen musste. Ehe er sich‘s versah, war er zu acht oder neun Zehnteln betrunken. | ||
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| + | Xianglotus Weide stand auf und schlüpfte unbemerkt hinaus. Vor dem Tor befahl er seinem Burschen Xingnu: „Geh du schon nach Hause! Ich habe noch etwas vor der Stadt zu erledigen und komme nach.“ | ||
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| + | Damit schwang er sich aufs Pferd und ritt geradewegs zum Nordtor hinaus, wo er auf der Brücke auf Becken Schnee wartete. Es dauerte nicht einmal so lange, wie man für eine Schale Reis braucht, da kam Becken Schnee auf einem großen Pferd angaloppiert. Sein Mund stand offen, seine Augen quollen hervor, und sein Kopf pendelte wie eine Rattertrommel hin und her, während er nach allen Seiten starrte. | ||
| + | |||
| + | Als er an Xianglotus Weide vorbeiritt, sah er nur in die Ferne und achtete nicht auf das, was vor seiner Nase war, so dass er glatt an ihm vorübertrabte. Xianglotus Weide musste lachen und ärgerte sich zugleich. Er ließ sein Pferd laufen und folgte ihm. Als Becken Schnee merkte, dass die Häuser immer spärlicher wurden, hielt er an und wendete sein Pferd, um noch einmal zu suchen. Kaum hatte er sich umgedreht, erblickte er Xianglotus Weide vor sich und strahlte, als hätte er einen Schatz gefunden: „Ich wusste doch, dass auf dich Verlass ist!“ | ||
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| + | Xianglotus Weide sagte lächelnd: „Schnell, reit weiter! Pass auf, dass uns niemand folgt – das wäre unangenehm.“ Damit trieb er sein Pferd an. Becken Schnee folgte ihm dicht auf den Fersen. | ||
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| + | Als Xianglotus Weide sah, dass die Gegend menschenleer war und vor ihnen ein mit Schilf bewachsener Tümpel lag, stieg er ab, band sein Pferd an einen Baum und sagte lächelnd zu Becken Schnee: „Steig ab! Zuerst legen wir einen Schwur ab – wer sein Herz ändert oder etwas ausplaudert, an dem soll sich der Schwur erfüllen.“ | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee grinste: „Das ist vernünftig.“ Er stieg eilig vom Pferd, band es ebenfalls an einen Baum, kniete nieder und sprach: „Wenn ich jemals mein Herz ändere oder es jemandem erzähle, soll der Himmel mich strafen und die Erde mich...“ | ||
| + | |||
| + | Noch bevor er den Satz beenden konnte, hörte er es „Wumm!“ machen – ein Schlag wie ein Eisenhammer sauste auf seinen Nacken nieder. Ihm wurde schwarz vor Augen, goldene Sterne tanzten, und ehe er sich‚s versah, lag er am Boden. | ||
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| + | Xianglotus Weide trat vor ihn hin und sah ihn sich an. Da er erkannte, dass Becken Schnee ein schwerfälliger Kerl war, der Prügel nicht gewohnt war, schlug er ihm nur mit drei Zehnteln seiner Kraft ein paarmal ins Gesicht. Sogleich war das Gesicht so bunt wie die Auslage eines Obstladens. | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee versuchte, sich aufzurappeln, aber Xianglotus Weide versetzte ihm zwei Tritte mit der Stiefelspitze, und er lag wieder am Boden. „Wir waren uns doch einig!“, jammerte er. „Wenn du nicht wolltest, hättest du es doch einfach sagen können! Warum hast du mich hierher gelockt und schlägst mich?“ Dabei schimpfte er wüst. | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide rief: „Dir werde ich zeigen, du blinder Tropf, wer Herr Liu ist! Statt mich um Verzeihung zu bitten, beleidigst du mich noch! Dich totzuschlagen wäre sinnlos – aber eine ordentliche Lektion will ich dir erteilen!“ Er holte seine Reitpeitsche und zog sie Becken Schnee dreißig-, vierzigmal über Rücken und Schienbeine. | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee, inzwischen schon halb nüchtern, konnte den Schmerz nicht mehr unterdrücken und stöhnte laut. | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide höhnte: „Ist das alles? Ich dachte, du verträgst Prügel!“ Dann packte er Xue Pans linkes Bein und zerrte ihn ein paar Schritte durch die Pfütze im Schilf, bis er über und über mit Schlamm bedeckt war. „Weißt du jetzt, wer ich bin?“, fragte er. | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee antwortete nicht und stöhnte nur, das Gesicht im Dreck. Xianglotus Weide warf die Peitsche hin und bearbeitete ihn mit Faustschlägen. Becken Schnee wälzte sich schreiend und brüllte: „Du brichst mir die Rippen! Ich weiß, dass du ein anständiger Mensch bist – ich habe fälschlich auf das Gerede anderer gehört!“ | ||
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| + | Xianglotus Weide sagte: „Lass die anderen aus dem Spiel! Red von dem, was jetzt ist!“ | ||
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| + | Becken Schnee sagte: „Jetzt gibt es nichts zu sagen. Du bist ein anständiger Mensch, und ich war im Unrecht.“ | ||
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| + | Xianglotus Weide sagte: „Noch ein bisschen demütiger, dann vergebe ich dir!“ | ||
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| + | Becken Schnee stöhnte: „Guter Bruder...“ | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide versetzte ihm einen Faustschlag. | ||
| + | |||
| + | „Au!“, schrie Becken Schnee. „Guter großer Bruder...“ | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide schlug gleich noch zweimal. | ||
| + | |||
| + | „Au! Au!“, schrie Becken Schnee. „Guter gnädiger Herr, vergebt mir blindem Narren! Von nun an werde ich Euch ehren und fürchten!“ | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide befahl: „Trink zwei Schluck von dem Wasser!“ | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee hörte es und verzog das Gesicht: „Aber das Wasser ist so dreckig! Wie soll ich das hinunterbringen?“ | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide hob die Faust. | ||
| + | |||
| + | „Ich trinke, ich trinke!“, rief Becken Schnee hastig, beugte den Kopf hinunter und schlürfte einen Mundvoll zwischen den Schilfwurzeln. Noch bevor er es hinunterschlucken konnte, machte es „Würg!“ – und alles, was er vorhin gegessen und getrunken hatte, kam wieder heraus. | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide sagte: „Du widerliches Ding, friss alles auf, dann vergebe ich dir!“ | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee warf sich verzweifelt auf die Knie und stieß unaufhörlich mit der Stirn auf den Boden: „Habt doch Erbarmen! Das bringe ich nicht herunter, und wenn ich sterben müsste!“ | ||
| + | |||
| + | Xianglotus Weide sagte: „Du stinkst ja so, dass einem übel wird!“ Damit ließ er Becken Schnee liegen, band sein Pferd los, stieg auf und ritt davon. | ||
| + | |||
| + | Als Becken Schnee sah, dass Xianglotus Weide fort war, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Er bereute, den Mann so falsch eingeschätzt zu haben. Er wollte aufstehen, aber der ganze Körper tat ihm höllisch weh. | ||
| + | |||
| + | Nun war es bei Tisch aufgefallen, dass die beiden plötzlich verschwunden waren. Man suchte überall, fand sie aber nicht. Jemand meinte, sie seien „wohl zum Nordtor hinausgeritten“. Xue Pans Burschen fürchteten sich zu sehr vor ihm, um ihm gegen seinen Befehl nachzugehen. Schließlich schickte Herrlichkeit Kaufmann, der sich Sorgen machte, Hibiskus Kaufmann mit einigen Burschen auf die Suche. | ||
| + | |||
| + | Als sie zum Nordtor hinausgeritten waren, die Brücke hinter sich ließen und noch gute zwei Li weiterkamen, sahen sie plötzlich Xue Pans Pferd an einem Baum am Schilfrand angebunden. „Gott sei Dank!“, riefen alle. „Wo ein Pferd ist, da ist auch ein Reiter.“ | ||
| + | |||
| + | Als sie näher kamen, hörten sie jemanden im Schilf stöhnen. Sie eilten hin und erblickten Becken Schnee mit zerrissenen Kleidern, zerschlagenem, geschwollenem Gesicht, von oben bis unten wie ein Schlammchwein, das sich im Dreck gewälzt hat. | ||
| + | |||
| + | Hibiskus Kaufmann konnte sich den Hergang zu neunzig Prozent zusammenreimen. Rasch stieg er ab, ließ Becken Schnee aufrichten und sagte lachend: „Onkel Xue! Immer auf der Jagd nach Liebesabenteuern – und heute hat es Euch bis in den Schilfgraben verschlagen! Bestimmt hat der Drachenkönig Gefallen an Eurer Eleganz gefunden und wollte Euch zum Schwiegersohn nehmen – nur seid Ihr leider gegen seine Drachenhörner gestoßen!“ | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee hätte vor Scham am liebsten im Boden versinken mögen. An Reiten war natürlich nicht zu denken, so ließ Hibiskus Kaufmann eine kleine Sänfte vom Stadttor holen, in die Becken Schnee hineingesetzt wurde. Zusammen fuhren sie in die Stadt zurück. | ||
| + | |||
| + | Hibiskus Kaufmann wollte Becken Schnee noch zurück zu Lai Das Fest bringen, aber Becken Schnee bat und bettelte inständig und beschwor ihn, niemandem davon zu erzählen. Hibiskus Kaufmann gab schließlich nach und ließ ihn nach Hause bringen, während er selbst zu Lai Da zurückkehrte, um Herrlichkeit Kaufmann Bericht zu erstatten und ihm die ganze Geschichte zu erzählen. | ||
| + | |||
| + | Herrlichkeit Kaufmann konnte sich denken, dass Xianglotus Weide Becken Schnee verprügelt hatte, und sagte schmunzelnd: „Das ist ihm gegönnt – er musste mal eine Lektion bekommen.“ | ||
| + | |||
| + | Am Abend, als das Fest vorüber war, kam Herrlichkeit Kaufmann, um Becken Schnee einen Besuch abzustatten. Becken Schnee aber lag im Schlafzimmer und ließ sich unter dem Vorwand einer Krankheit entschuldigen. | ||
| + | |||
| + | Als die Herzoginmutter und die anderen zurückkamen und jeder sich in seine Räume begab, entdeckten Tante Schnee und Schatzspange [薛宝钗]<ref>Chin. 宝钗 Bǎochāi (vollst. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange“. Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren.</ref>, dass Duftkastanie [香菱]<ref>Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftkastanie“. Konkubine von Becken Schnee, ehemals Zhen Heldenlotus.</ref> so geweint hatte, dass ihre Augen ganz geschwollen waren. Nachdem sie den Grund erfahren hatten, eilten sie zu Becken Schnee. Er hatte zwar Wunden im Gesicht und am Körper, aber Knochen und Sehnen waren unversehrt. | ||
| + | |||
| + | Tante Schnee war gleichermaßen von Mitleid und Zorn ergriffen. Sie schimpfte abwechselnd auf Becken Schnee und auf Xianglotus Weide und wollte Dame König benachrichtigen, damit man Leute aussandte, um Xianglotus Weide zu fassen. | ||
| + | |||
| + | Doch Schatzspange riet ihr sofort davon ab: „Das ist doch keine ernste Angelegenheit! Sie haben zusammen getrunken und sind sich dann nach dem Wein in die Haare geraten – das kommt doch vor. Wenn einer betrunken ist und ein paar Schläge einstecken muss, ist das nichts Besonderes. Außerdem weiß jedermann, wie wild und rücksichtslos unser Pan sich benimmt. Aus Euch spricht nur das Mitleid, Mutter. Es ist ja auch leicht, die Sache zu regeln: In ein paar Tagen, wenn Pan wieder auf den Beinen ist, werden Herr Juwel und Herr Kette von drüben das bestimmt nicht auf sich beruhen lassen. Sie werden ein Essen geben, den Mann einladen und ihn vor allen Leuten dazu bringen, sich bei Pan zu entschuldigen – und damit ist der Fall erledigt. | ||
| + | |||
| + | Wenn Ihr aber jetzt großes Aufheben davon macht und es jedermann erzählt, sieht es so aus, als wärt Ihr voreingenommen und blind in Eurer Mutterliebe, als hättet Ihr ihn immer gewähren lassen, Streit zu suchen und die Leute herauszufordern. Jetzt, wo er zum ersten Mal eine Niederlage einstecken muss, mobilisiert Ihr Himmel und Erde und nutzt die Macht der Verwandtschaft, um einfache Leute zu unterdrücken.“ | ||
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| + | Tante Schnee sagte: „Du hast recht, mein Kind. Vor lauter Wut war ich ganz von Sinnen.“ | ||
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| + | Schatzspange lächelte: „So ist es sogar ganz gut. Er hat weder Respekt vor Euch, noch hört er auf Ratschläge. Er wird von Tag zu Tag schlimmer. Wenn er noch zwei-, dreimal so eine Lektion bekommt, hört er vielleicht damit auf.“ | ||
| − | + | Becken Schnee lag auf dem Ofenbett und schimpfte lautstark auf Xianglotus Weide. Er befahl den Burschen, sie sollten dessen Haus niederreißen, ihn totschlagen und ihn vor Gericht zerren. Tante Schnee hielt die Burschen zurück und erklärte, Xianglotus Weide habe sich im Rausch daneben benommen, alles bereut, als er wieder nüchtern geworden sei, und sei aus Furcht vor Strafe geflohen. | |
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| − | + | Als Becken Schnee das hörte, legte sich sein Ärger allmählich. Was dann weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt. | |
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| − | + | == Anmerkungen == | |
| − | + | <references /> | |
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Revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
|---|---|
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話說王夫人聽見邢夫人來了,連忙迎了出去。邢夫人猶不知賈母已知鴛鴦之事,正還要來打聽信息,進了院門,早有幾個婆子悄悄的回了他,他方知道。待要回去,裡面已知,又見王夫人接了出來,少不得進來,先與賈母請安,賈母一聲兒不言語,自己也覺得愧悔。鳳姐兒早指一事迴避了。鴛鴦也自回房去生氣。薛姨媽王夫人等恐礙著邢夫人的臉面,也都漸漸的退了。邢夫人且不敢出去。 賈母見無人,方說道:「我聽見你替你老爺說媒來了。你倒也三從四德,只是這賢慧也太過了!你們如今也是孫子兒子滿眼了,你還怕他,勸兩句都使不得,還由著你老爺性兒鬧。」邢夫人滿面通紅,回道:「我勸過幾次不依。老太太還有什麼不知道呢,我也是不得已兒。」賈母道:「他逼著你殺人,你也殺去?如今你也想想,你兄弟媳婦本來老實,又生得多病多痛,上上下下那不是他操心?你一個媳婦雖然幫著,也是天天丟下笆兒弄掃帚。凡百事情,我如今都自己減了。他們兩個就有一些不到的去處,有鴛鴦,那孩子還心細些,我的事情他還想著一點子,該要去的,他就要了來,該添什麼,他就度空兒告訴他們添了。鴛鴦再不這樣,他娘兒兩個,裡頭外頭,大的小的,那裡不忽略一件半件,我如今反倒自己操心去不成?還是天天盤算和你們要東西去?我這屋裡有的沒的,剩了他一個,年紀也大些,我凡百的脾氣性格兒他還知道些。二則他還投主子們的緣法,也並不指著我和這位太太要衣裳去,又和那位奶奶要銀子去。所以這幾年一應事情,他說什麼,從你小嬸和你媳婦起,以至家下大大小小,沒有不信的。所以不單我得靠,連你小嬸媳婦也都省心。我有了這麼個人,便是媳婦和孫子媳婦有想不到的,我也不得缺了,也沒氣可生了。這會子他去了,你們弄個什麼人來我使?你們就弄他那麼一個真珠的人來,不會說話也無用。我正要打發人和你老爺說去,他要什麼人,我這裡有錢,叫他只管一萬八千的買,就只這個丫頭不能。留下他伏侍我幾年,就比他日夜伏侍我盡了孝的一般。你來的也巧,你就去說,更妥當了。」 說畢,命人來:「請了姨太太你姑娘們來說個話兒。才高興,怎麼又都散了!」丫頭們忙答應著去了。眾人忙趕的又來。只有薛姨媽向丫鬟道:「我才來了,又作什麼去?你就說我睡了覺了。」那丫頭道:「好親親的姨太太,姨祖宗!我們老太太生氣呢,你老人家不去,沒個開交了,只當疼我們罷。你老人家嫌乏,我背了你老人家去。」薛姨媽道:「小鬼頭兒,你怕些什麼?不過罵幾句完了。」說著,只得和這小丫頭子走來。賈母忙讓坐,又笑道:「咱們鬥牌罷。姨太太的牌也生,咱們一處坐著,別叫鳳姐兒混了我們去。」薛姨媽笑道:「正是呢,老太太替我看著些兒。就是咱們娘兒四個鬥呢,還是再添個呢?」王夫人笑道:「可不只四個。」鳳姐兒道:「再添一個人熱鬧些。」賈母道:「叫鴛鴦來,叫他在這下手裡坐著。姨太太眼花了,咱們兩個的牌都叫他瞧著些兒。」鳳姐兒嘆了一聲,向探春道:「你們知書識字的,倒不學算命!」探春道:「這又奇了。這會子你倒不打點精神贏老太太幾個錢,又想算命。」鳳姐兒道: 「我正要算算命今兒該輸多少呢,我還想贏呢!你瞧瞧,場子沒上,左右都埋伏下了。」說的賈母薛姨媽都笑起來。 一時鴛鴦來了,便坐在賈母下手,鴛鴦之下便是鳳姐兒。鋪下紅氈,洗牌告幺,五人起牌。鬥了一回,鴛鴦見賈母的牌已十嚴,只等一張二餅,便遞了暗號與鳳姐兒。鳳姐兒正該發牌,便故意躊躇了半晌,笑道:「我這一張牌定在姨媽手裡扣著呢。我若不發這一張,再頂不下來的。」薛姨媽道:「我手裡並沒有你的牌。」 鳳姐兒道:「我回來是要查的。」薛姨媽道:「你只管查。你且發下來,我瞧瞧是張什麼。」鳳姐兒便送在薛姨媽跟前。薛姨媽一看是個二餅,便笑道:「我倒不稀罕他,只怕老太太滿了。」鳳姐兒聽了,忙笑道:「我發錯了。」賈母笑的已擲下牌來,說:「你敢拿回去!誰叫你錯的不成?」鳳姐兒道:「可是我要算一算命呢。這是自己發的,也怨埋伏!」賈母笑道:「可是呢,你自己該打著你那嘴,問著你自己才是。」又向薛姨媽笑道:「我不是小器愛贏錢,原是個彩頭兒。」薛姨媽笑道:「可不是這樣,那裡有那樣糊塗人說老太太愛錢呢?」鳳姐兒正數著錢,聽了這話,忙又把錢穿上了,向眾人笑道;「夠了我的了。竟不為贏錢,單為贏彩頭兒。我到底小器,輸了就數錢,快收起來罷。」賈母規矩是鴛鴦代洗牌,因和薛姨媽說笑,不見鴛鴦動手,賈母道:「你怎麼惱了,連牌也不替我洗。」鴛鴦拿起牌來,笑道:「二奶奶不給錢。」賈母道:「他不給錢,那是他交運了。」便命小丫頭子:「把他那一弔錢都拿過來。」小丫頭子真就拿了,擱在賈母旁邊。鳳姐兒笑道:「賞我罷,我照數兒給就是了。」薛姨媽笑道:「果然是鳳丫頭小器,不過是頑兒罷了。」鳳姐聽說,便站起來,拉著薛姨媽,回頭指著賈母素日放錢的一個木匣子笑道:「姨媽瞧瞧,那個裡頭不知頑了我多少去了。這一弔錢頑不了半個時辰,那裡頭的錢就招手兒叫他了。只等把這一弔也叫進去了,牌也不用鬥了,老祖宗的氣也平了,又有正經事差我辦去了。」話說未完,引的賈母眾人笑個不住。偏有平兒怕錢不夠,又送了一弔來。鳳姐兒道:「不用放在我跟前,也放在老太太的那一處罷。一齊叫進去倒省事,不用做兩次,叫箱子里的錢費事。」賈母笑的手裡的牌撒了一桌子,推著鴛鴦,叫:「快撕他的嘴!」 平兒依言放下錢,也笑了一回,方回來。至院門前遇見賈璉,問他:「太太在那裡呢?老爺叫我請過去呢。」平兒忙笑道:「在老太太跟前呢,站了這半日還沒動呢。趁早兒丟開手罷。老太太生了半日氣,這會子虧二奶奶湊了半日趣兒,才略好了些。」賈璉道:「我過去只說討老太太的示下,十四往賴大家去不去,好預備轎子的。又請了太太,又湊了趣兒,豈不好?」平兒笑道:「依我說,你竟不去罷。合家子連太太寶玉都有了不是,這會子你又填限去了。」賈璉道:「已經完了,難道還找補不成?況且與我又無干。二則老爺親自吩咐我請太太的,這會子我打發了人去,倘或知道了,正沒好氣呢,指著這個拿我出氣罷。」說著就走。平兒見他說得有理,也便跟了過來。 賈璉到了堂屋裡,便把腳步放輕了,往裡間探頭,只見邢夫人站在那裡。鳳姐兒眼尖,先瞧見了,使眼色兒不命他進來,又使眼色與邢夫人。邢夫人不便就走,只得倒了一碗茶來,放在賈母跟前。賈母一回身,賈璉不防,便沒躲伶俐。賈母便問:「外頭是誰?倒象個小子一伸頭。」鳳姐兒忙起身說:「我也恍惚看見一個人影兒,讓我瞧瞧去。」一面說,一面起身出來。賈璉忙進去,陪笑道:「打聽老太太十四可出門?好預備轎子。」賈母道:「既這麼樣,怎麼不進來?又作鬼作神的。」賈璉陪笑道:「見老太太玩牌,不敢驚動,不過叫媳婦出來問問。」賈母道:「就忙到這一時,等他家去,你問多少問不得?那一遭兒你這麼小心來著!又不知是來作耳報神的,也不知是來作探子的,鬼鬼祟祟的,倒唬了我一跳。什麼好下流種子!你媳婦和我頑牌呢,還有半日的空兒,你家去再和那趙二家的商量治你媳婦去罷!」說著,眾人都笑了。鴛鴦笑道:「鮑二家的,老祖宗又拉上趙二家的。」賈母也笑道:「可是,我那裡記得什麼抱著背著的,提起這些事來,不由我不生氣!我進了這門子作重孫子媳婦起,到如今我也有了重孫子媳婦了,連頭帶尾五十四年,憑著大驚大險千奇百怪的事,也經了些,從沒經過這些事。還不離了我這裡呢!」 賈璉一聲兒不敢說,忙退了出來。平兒站在窗外悄悄的笑道:「我說著你不聽,到底碰在網裡了。」正說著,只見邢夫人也出來,賈璉道:「都是老爺鬧的,如今都搬在我和太太身上。」邢夫人道:「我把你沒孝心雷打的下流種子!人家還替老子死呢,白說了幾句,你就抱怨了。你還不好好的呢,這幾日生氣,仔細他捶你。」賈璉道:「太太快過去罷,叫我來請了好半日了。」說著,送他母親出來過那邊去。 邢夫人將方纔的話只略說了幾 ,賈赦無法,又含愧,自此便告病, 不敢見賈母,只打發邢夫人及賈璉每日過去請安。只得又各處遣人購求尋覓,終究費了八百兩銀子買了一個十七歲的女孩子來,名喚嫣紅,收在屋內。不在話下。 這裡鬥了半日牌,吃晚飯才罷。此一二日間無話。 展眼到了十四日,黑早,賴大的媳婦又進來請。賈母高興,便帶了王夫人薛姨媽及寶玉姊妹等,到賴大花園中坐了半日。那花園雖不及大觀園,卻也十分齊整寬闊,泉石林木,樓閣亭軒,也有好幾處驚人駭目的。外面廳上,薛蟠、賈珍、賈璉、賈蓉並幾個近族的,很遠的也沒來,賈赦也沒來。賴大家內也請了幾個現任的官長並幾個世家子弟作陪。因其中有柳湘蓮,薛蟠自上次會過一次,已念念不忘。又打聽他最喜串戲,且串的都是生旦風月戲文,不免錯會了意,誤認他作了風月子弟,正要與他相交,恨沒有個引進,這日可巧遇見,竟覺無可不可。且賈珍等也慕他的名,酒蓋住了臉,就求他串了兩出戲。下來,移席和他一處坐著,問長問短,說此說彼。 那柳湘蓮原是世家子弟,讀書不成,父母早喪,素性爽俠,不拘細事,酷好耍槍舞劍,賭博吃酒,以至眠花卧柳,吹笛彈箏,無所不為。因他年紀又輕,生得又美,不知他身分的人,卻誤認作優伶一類。那賴大之子賴尚榮與他素習交好,故他今日請來作陪。不想酒後別人猶可,獨薛蟠又犯了舊病。他心中早已不快,得便意欲走開完事,無奈賴尚榮死也不放。賴尚榮又說:「方纔寶二爺又囑咐我,才一進門雖見了,只是人多不好說話,叫我囑咐你散的時候別走,他還有話說呢。你既一定要去,等我叫出他來,你兩個見了再走,與我無干。」說著,便命小廝們到裡頭找一個老婆子,悄悄告訴「請出寶二爺來。」那小廝去了沒一盞茶時,果見寶玉出來了。賴尚榮向寶玉笑道:「好叔叔,把他交給你,我張羅人去了。」說著,一徑去了。 寶玉便拉了柳湘蓮到廳側小書房中坐下,問他這幾日可到秦鐘的墳上去了。湘蓮道:「怎麼不去?前日我們幾個人放鷹去,離他墳上還有二里,我想今年夏天的雨水勤,恐怕他的墳站不住。我背著眾人,走去瞧了一瞧,果然又動了一點子。回家來就便弄了幾百錢,第三日一早出去,雇了兩個人收拾好了。」寶玉道:「怪道呢,上月我們大觀園的池子裡頭結了蓮蓬,我摘了十個,叫茗煙出去到墳上供他去,回來我也問他可被雨沖壞了沒有。他說不但不沖,且比上回又新了些。我想著,不過是這幾個朋友新築了。我只恨我天天圈在家裡,一點兒做不得主,行動就有人知道,不是這個攔就是那個勸的,能說不能行。雖然有錢,又不由我使。」湘蓮道:「這個事也用不著你操心,外頭有我,你只心裡有了就是。眼前十月初一,我已經打點下上墳的花消。你知道我一貧如洗,家裡是沒的積聚,縱有幾個錢來,隨手就光的,不如趁空兒留下這一分,省得到了跟前扎煞手。」寶玉道:「我也正為這個要打發茗煙找你,你又不大在家,知道你天天萍蹤浪跡,沒個一定的去處。」湘蓮道:「這也不用找我。這個事不過各盡其道。眼前我還要出門去走走,外頭逛個三年五載再回來。」寶玉聽了,忙問道:「這是為何?」柳湘蓮冷笑道:「你不知道我的心事,等到跟前你自然知道。我如今要別過了。」寶玉道:「好容易會著,晚上同散豈不好?」湘蓮道:「你那令姨表兄還是那樣,再坐著未免有事,不如我迴避了倒好。」寶玉想了一想,道:「既是這樣,倒是迴避他為是。只是你要果真遠行,必須先告訴我一聲,千萬別悄悄的去了。」說著便滴下淚來。柳湘蓮道:「自然要辭的。你只別和別人說就是。」說著便站起來要走,又道:「你們進去,不必送我。」 一面說,一面出了書房。剛至大門前,早遇見薛蟠在那裡亂嚷亂叫說:「誰放了小柳兒走了!」柳湘蓮聽了,火星亂迸,恨不得一拳打死,復思酒後揮拳,又礙著賴尚榮的臉面,只得忍了又忍。薛蟠忽見他走出來,如得了珍寶,忙趔趄著上來一把拉住,笑道:「我的兄弟,你往那裡去了?」湘蓮道:「走走就來。」薛蟠笑道:「好兄弟,你一去都沒興了,好歹坐一坐,你就疼我了。憑你有什麼要緊的事,交給哥,你只別忙,有你這個哥,你要做官發財都容易。」湘蓮見他如此不堪,心中又恨又愧,早生一計,便拉他到避人之處,笑道:「你真心和我好,假心和我好呢?」薛蟠聽這話,喜的心癢難撓,乜斜著眼忙笑道:「好兄弟,你怎麼問起我這話來?我要是假心,立刻死在眼前!」湘蓮道:「既如此,這裡不便。等坐一坐,我先走,你隨後出來,跟到我下處,咱們替另喝一夜酒。我那裡還有兩個絕好的孩子,從沒出門。你可連一個跟的人也不用帶,到了那裡,伏侍的人都是現成的。」薛蟠聽如此說,喜得酒醒了一半,說:「果然如此?」湘蓮道:「如何!人拿真心待你,你倒不信了!」薛蟠忙笑道:「我又不是呆子,怎麼有個不信的呢!既如此,我又不認得,你先去了,我在那裡找你?」湘蓮道:「我這下處在北門外頭,你可捨得家,城外住一夜去?」薛蟠笑道:「有了你,我還要家做什麼!」湘蓮道:「既如此,我在北門外頭橋上等你。咱們席上且吃酒去。你看我走了之後你再走,他們就不留心了。」薛蟠聽了,連忙答應。於是二人復又入席,飲了一回。那薛蟠難熬,只拿眼看湘蓮,心內越想越樂,左一壺右一壺,並不用人讓,自己便吃了又吃,不覺酒已八九分了。 湘蓮便起身出來,瞅人不防去了,至門外,命小廝杏奴:「先家去罷,我到城外就來。」說畢,已跨馬直出北門,橋上等候薛蟠。沒頓飯時工夫,只見薛蟠騎著一匹大馬,遠遠的趕了來,張著嘴,瞪著眼,頭似撥浪鼓一般不住左右亂瞧。及至從湘蓮馬前過去,只顧望遠處瞧,不曾留心近處,反踩過去了。湘蓮又是笑,又是恨,便也撒馬隨後趕來。薛蟠往前看時,漸漸人煙稀少,便又圈馬回來再找,不想一回頭見了湘蓮,如獲奇珍,忙笑道:「我說你是個再不失信的。」湘蓮笑道: 「快往前走,仔細人看見跟了來,就不便了。」說著,先就撒馬前去,薛蟠也緊緊跟來。 湘蓮見前面人跡已稀,且有一帶葦塘,便下馬,將馬拴在樹上,向薛蟠笑道:「你下來,咱們先設個誓,日後要變了心,告訴人去的,便應了誓。」薛蟠笑道: 「這話有理。」連忙下了馬,也拴在樹上,便跪下說道:「我要日久變心,告訴人去的,天誅地滅!」一語未了,只聽「嘡」的一聲,頸後好似鐵鎚砸下來,只覺得一陣黑,滿眼金星亂迸,身不由己,便倒下來。湘蓮走上來瞧瞧,知道他是個笨家,不慣捱打,只使了三分氣力,向他臉上拍了幾下,登時便開了果子鋪。薛蟠先還要掙挫起來,又被湘蓮用腳尖點了兩點,仍舊跌倒,口內說道:「原是兩家情願,你不依,只好說,為什麼哄出我來打我?」一面說,一面亂罵。湘蓮道:「我把你瞎了眼的,你認認柳大爺是誰!你不說哀求,你還傷我!我打死你也無益,只給你個利害罷。」說著,便取了馬鞭過來,從背至脛,打了三四十下。薛蟠酒已醒了大半,覺得疼痛難禁,不禁有「噯喲」之聲。湘蓮冷笑道:「也只如此!我只當你是不怕打的。」一面說,一面又把薛蟠的左腿拉起來,朝葦中濘泥處拉了幾步,滾的滿身泥水,又問道:「你可認得我了?」薛蟠不應,只伏著哼哼。湘蓮又擲下鞭子,用拳頭向他身上擂了幾下。薛蟠便亂滾亂叫,說:「肋條折了。我知道你是正經人,因為我錯聽了旁人的話了。」湘蓮道:「不用拉別人,你只說現在的。」薛蟠道:「現在沒什麼說的。不過你是個正經人,我錯了。」湘蓮道:「還要說軟些才饒你。」薛蟠哼哼著道:「好兄弟。」湘蓮便又一拳。薛蟠「噯喲」了一聲道:「好哥哥。」湘蓮又連兩拳。薛蟠忙「噯喲」叫道:「好老爺,饒了我這沒眼睛的瞎子罷!從今以後我敬你怕你了。」湘漣道:「你把那水喝兩口!」薛蟠一面聽了,一面皺眉道:「那水髒得很,怎麼喝得下去!」湘蓮舉拳就打。薛蟠忙道:「我喝,喝。」說著,只得俯頭向葦根下喝了一口,猶未咽下去,只聽「哇」的一聲,把方纔吃的東西都吐了出來。湘蓮道:「好髒東西,你快吃盡了饒你。」薛蟠聽了,叩頭不迭道:「好歹積陰功饒我罷!這至死不能吃的。」湘蓮道:「這樣氣息,倒薰壞了我。」說著丟了薛蟠,便牽馬認鐙去了。這裡薛蟠見他已去,心內方放下心來,後悔自己不該誤認了人。待要掙挫起來,無奈遍身疼痛難禁。 誰知賈珍等席上忽然不見了他兩個,各處尋找不見。有人說:「恍惚出北門去了。」薛蟠的小廝們素日是懼他的,他吩咐不許跟去,誰還敢找去?後來還是賈珍不放心,命賈蓉帶著小廝們尋蹤問跡的直找出北門,下橋二里多路,忽見葦坑邊薛蟠的馬拴在那裡。眾人都道:「可好了!有馬必有人。」一齊來至馬前,只聽葦中有人呻吟。大家忙走來一看,只見薛蟠衣衫零碎,面目腫破,沒頭沒臉,遍身內外,滾的似個泥豬一般。賈蓉心內已猜著九分了,忙下馬令人攙了出來,笑道:「薛大叔天天調情,今兒調到葦子坑裡來了。必定是龍王爺也愛上你風流,要你招駙馬去,你就碰到龍犄角上了。」薛蟠羞的恨沒地縫兒鑽不進去,那裡爬的上馬去?賈蓉只得命人趕到關廂里雇了一乘小轎子,薛蟠坐了,一齊進城。賈蓉還要抬往賴家去赴席,薛蟠百般央告,又命他不要告訴人,賈蓉方依允了,讓他各自回家。賈蓉仍往賴家回覆賈珍,並說方纔形景。賈珍也知為湘蓮所打,也笑道:「他須得吃個虧才好。」至晚散了,便來問候。薛蟠自在卧房將養,推病不見。 賈母等回來各自歸家時,薛姨媽與寶釵見香菱哭得眼睛腫了。問其原故,忙趕來瞧薛蟠時,臉上身上雖有傷痕,並未傷筋動骨。薛姨媽又是心疼,又是發恨,罵一回薛蟠,又罵一回柳湘蓮,意欲告訴王夫人,遣人尋拿柳湘蓮。寶釵忙勸道:「這不是什麼大事,不過他們一處吃酒,酒後反臉常情。誰醉了,多挨幾下子打,也是有的。況且咱們家無法無天,也是人所共知的。媽不過是心疼的緣故。要出氣也容易,等三五天哥哥養好了出的去時,那邊珍大爺璉二爺這乾人也未必白丟開了,自然備個東道,叫了那個人來,當著眾人替哥哥賠不是認罪就是了。如今媽先當件大事告訴眾人,倒顯得媽偏心溺愛,縱容他生事招人,今兒偶然吃了一次虧,媽就這樣興師動眾,倚著親戚之勢欺壓常人。」薛姨媽聽了道:「我的兒,到底是你想的到,我一時氣糊塗了。」寶釵笑道:「這才好呢。他又不怕媽,又不聽人勸,一天縱似一天,吃過兩三個虧,他倒罷了。」薛蟠睡在炕上痛罵柳湘蓮,又命小廝們去拆他的房子,打死他,和他打官司。薛姨媽禁住小廝們,只說柳湘蓮一時酒後放肆,如今酒醒,後悔不及,懼罪逃走了。薛蟠聽見如此說了,要知端的
注释 |
Kapitel 47 Der törichte Becken Schnee [薛蟠][1] erleidet außerhalb der Stadtmauern eine tüchtige Tracht Prügel. Der kühne Xianglotus Weide[2] straft einen Wüstling und macht sich aus dem Staub. Es wird erzählt, dass Dame König[3], als sie hörte, Dame Strafe[4] sei gekommen, ihr eilig entgegenging. Dame Strafe wusste noch nicht, dass die Herzoginmutter [贾母][5] bereits von der Sache mit Mandarinenente [鸳鸯][6] erfahren hatte, und kam eigentlich, um Neuigkeiten einzuholen. Doch als sie durch das Hoftor trat, hatten ihr schon einige Mütterchen zugeflüstert, was geschehen war. Sie wollte wieder umkehren, aber man hatte drinnen bereits bemerkt, dass sie da war, und Dame König kam ihr auch schon entgegen. So blieb ihr nichts anderes übrig, als einzutreten und zunächst der Herzoginmutter ihre Aufwartung zu machen. Die Herzoginmutter sagte kein einziges Wort, und Dame Strafe selbst war von Scham und Reue erfüllt. Phönixglanz [王熙凤][7] hatte sich unter einem Vorwand rechtzeitig davongemacht. Mandarinenente war in ihre eigene Kammer zurückgekehrt, um sich dort zu grämen. Tante Schnee [薛姨妈][8], Dame König und die anderen hatten sich nach und nach zurückgezogen, um Dame Strafe das Gesicht zu wahren. Dame Strafe traute sich nicht zu gehen. Als die Herzoginmutter sah, dass niemand mehr da war, sprach sie: „Ich höre, du bist gekommen, um für deinen Mann um ein Mädchen zu werben. Das nenne ich brav – ganz nach den drei Gehorsamkeiten und den vier Tugenden! Nur übertreibst du es ein wenig mit der Tugendhaftigkeit. Ihr habt inzwischen Söhne und Enkel genug. Und du fürchtest ihn immer noch so, dass du ihm nicht einmal ein Wort der Ermahnung sagen kannst, sondern ihn nach Belieben sein Unwesen treiben lässt!“ Dame Strafe lief feuerrot an und erwiderte: „Ich habe es mehrmals versucht, aber er wollte nicht hören. Die Ahnherrin weiß ja, wie es ist – mir blieb nichts anderes übrig.“ Die Herzoginmutter sagte: „Wenn er dich zwingen würde, jemanden umzubringen, würdest du das dann auch tun? Denk doch einmal nach! Deine Schwägerin ist von Natur aus gewissenhaft, aber von schwacher Gesundheit und ständig krank. Von oben bis unten – um wen kümmert sie sich nicht? Und obwohl du als Schwiegertochter ihr zur Hand gehst, hast auch du den ganzen Tag zu tun – kaum legst du den Rechen hin, greifst du zum Besen. Ich selbst habe mich von den meisten Angelegenheiten zurückgezogen. Wenn die beiden einmal etwas übersehen, ist da noch Mandarinenente – das Kind ist aufmerksam und denkt noch an meine Angelegenheiten. Was ich brauche, besorgt sie; was fehlt, lässt sie ergänzen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Ohne Mandarinenente würden diese Mutter und Schwiegertochter, drinnen und draußen, bei großen und kleinen Dingen, hier und da einmal etwas übersehen. Soll ich etwa in meinem Alter wieder selbst jede Kleinigkeit regeln? Oder soll ich Tag für Tag rechnen und bei euch Sachen einfordern? Mein ganzer Haushalt ist so gut wie leer, sie ist die Einzige, die mir geblieben ist – und sie ist auch schon etwas älter. Erstens kennt sie meine Launen und Gewohnheiten. Zweitens kommt sie mit den Herrschaften gut aus und bettelt nicht bei dieser Dame um Kleider oder bei jener Herrin um Geld. Deshalb vertraut man ihr seit Jahren – von deiner Schwägerin und deiner Schwiegertochter angefangen bis hinunter zu den Geringsten. Nicht nur ich kann mich auf sie stützen, auch deine Schwägerin und Schwiegertochter haben es leichter mit ihr. Solange ich sie habe, komme ich selbst dann nicht zu kurz, wenn meine Schwiegertöchter oder Enkelschwiegertöchter einmal etwas übersehen, und brauche mich nicht zu ärgern. Wenn sie nun aber fort ist – wen wollt ihr mir dann stattdessen geben? Selbst wenn ihr mir ein Mädchen bringt, das aus Perlen gemacht ist – wenn es nicht reden kann, nützt es nichts! Ich war gerade im Begriff, jemandem zu deinem Mann zu schicken: Was für ein Mädchen er auch möchte, ich habe das Geld – er soll sich ruhig für achttausend oder achtzehntausend eins kaufen, nur dieses eine Mädchen kann er nicht haben. Lasst sie mir noch ein paar Jahre dienen, das rechne ich ihm ebenso hoch an, wie wenn er mir Tag und Nacht selbst aufwarten und seine Kindespflicht erfüllen würde. Dass du gerade hereinkommst, trifft sich gut – geh du hin und sag es ihm, das ist noch besser.“ Kaum hatte sie das gesagt, befahl sie den Dienerinnen: „Bittet Tante Schnee und die jungen Damen zu mir, damit wir plaudern können. Eben waren wir noch so fröhlich – warum sind plötzlich alle davon?“ Die Mädchen eilten los, und die Eingeladenen kamen rasch zurück – nur Tante Schnee sagte zu dem Mädchen: „Ich bin doch gerade erst wieder hier gewesen! Was soll ich denn noch dort? Sag einfach, ich schlafe schon.“ Das Mädchen bettelte: „Ach, liebe gute Frau Tante, allerliebste Tante-Ahnherrin! Unsere Ahnherrin ist noch böse, und wenn Ihr nicht kommt, nimmt das kein Ende. Tut es wenigstens für uns! Wenn Ihr nicht laufen mögt, trage ich Euch auf dem Rücken hin!“ Tante Schnee lachte: „Du kleines Geistchen, wovor hast du denn Angst? Es gibt ein paar Schimpfwörter, und dann ist es vorbei.“ Dennoch ging sie mit dem Mädchen hinüber. Die Herzoginmutter bat sie sogleich, Platz zu nehmen, und sagte dann lächelnd: „Lasst uns Karten spielen! Tante Schnees Karten sind nicht sehr gut – wir setzen uns zusammen, und Phönixglanz soll uns nicht übers Ohr hauen.“ Tante Schnee lachte: „Ganz recht! Ahnherrin, passt ein wenig auf meine Karten auf! Spielen wir zu viert, oder nehmen wir noch jemanden dazu?“ Dame König lachte: „Natürlich nur zu viert.“ Phönixglanz sagte: „Wenn noch eine dazukommt, wird es lustiger.“ Die Herzoginmutter sagte: „Ruft Mandarinenente her! Sie soll neben mir an meiner linken Seite sitzen. Tante Schnee hat schlechte Augen – Mandarinenente kann unsere beiden Hände im Auge behalten.“ Phönixglanz seufzte und sagte zu Erkundefrühling [探春][9]: „Ihr mit eurer Gelehrsamkeit solltet lieber Wahrsagen lernen!“ Erkundefrühling sagte: „Was soll denn das? Statt dich jetzt zusammenzureißen und der Ahnherrin ein paar Kupfermünzen abzugewinnen, willst du dir die Zukunft weissagen lassen?“ Phönixglanz erwiderte: „Ich möchte mir wahrsagen lassen, wie viel ich heute verlieren soll! Dass ich gewinnen könnte – daran ist gar nicht zu denken! Seht nur: Die Partie hat noch nicht einmal begonnen, und schon sind links und rechts die Hinterhalte gelegt.“ Die Herzoginmutter und Tante Schnee lachten beide. Bald kam Mandarinenente und setzte sich neben die Herzoginmutter auf deren linke Seite; neben Mandarinenente saß Phönixglanz. Man legte den roten Filz aus, mischte die Karten und begann das Spiel. Nach einer Weile sah Mandarinenente, dass das Blatt der Herzoginmutter fast vollständig war – es fehlte nur noch eine Zwei-Scheiben-Karte. Sie gab Phönixglanz ein heimliches Zeichen. Phönixglanz war gerade am Zug und zögerte absichtlich eine ganze Weile, bevor sie lachend sagte: „Diese Karte steckt bestimmt bei der Tante. Wenn ich sie nicht ausspielen will, geht gar nichts mehr.“ Tante Schnee sagte: „Ich habe deine Karte gar nicht.“ Phönixglanz erwiderte: „Ich werde nachher nachschauen!“ Tante Schnee sagte: „Schau ruhig nach. Spiel jetzt erst einmal aus, damit ich sehe, was es ist.“ Phönixglanz legte die Karte vor Tante Schnee hin. Als Tante Schnee sah, dass es die Zwei-Scheiben war, lachte sie: „Die brauche ich nicht besonders – aber ich fürchte, die Ahnherrin hat damit gewonnen!“ Phönixglanz rief lachend: „Oh, ich habe mich verspielt!“ Die Herzoginmutter lachte so sehr, dass sie ihre Karten auf den Tisch warf, und sagte: „Wage ja nicht, sie zurückzunehmen! Wer hat dir denn gesagt, du sollst falsch spielen?“ Phönixglanz sagte: „Deshalb hätte ich mir die Zukunft weissagen lassen sollen! Ich habe sie selbst ausgespielt – wem soll ich da die Schuld geben!“ Die Herzoginmutter lachte: „Stimmt! Du solltest dir eine Ohrfeige geben und dich bei dir selbst beklagen!“ Dann wandte sie sich lächelnd an Tante Schnee: „Ich bin nicht kleinlich und gierig nach Geld – es geht nur um das glückverheißende Omen!“ Tante Schnee lachte: „Natürlich! Wer käme auf den dummen Gedanken, die Ahnherrin sei geldgierig?“ Phönixglanz zählte gerade ihr Geld und sagte, als sie das hörte, während sie die Münzen wieder auf die Schnur fädelte, zu allen lachend: „Das reicht mir! Es geht ihr angeblich gar nicht ums Gewinnen, sondern nur um das glückverheißende Omen. Aber ich Kleinliche zähle natürlich sofort nach dem Verlieren mein Geld – also lasst mich das mal schnell wegpacken.“ Die Herzoginmutter ließ gewöhnlich Mandarinenente für sie die Karten mischen. Da sie gerade mit Tante Schnee plauderte und scherzte und Mandarinenente keine Anstalten machte, sagte die Herzoginmutter: „Bist du etwa beleidigt, dass du nicht einmal die Karten für mich mischst?“ Mandarinenente nahm die Karten und sagte lachend: „Die zweite Herrin gibt kein Geld her.“ Die Herzoginmutter sagte: „Wenn sie kein Geld hergibt, hat sie eben Glück.“ Dann befahl sie einem kleinen Dienstmädchen: „Hol ihre ganze Schnur Münzen her!“ Das Mädchen brachte sie tatsächlich und legte sie neben die Herzoginmutter. Phönixglanz lachte: „Schenkt sie mir doch! Ich erstatte den genauen Betrag zurück.“ Tante Schnee lachte: „Da sieht man, wie kleinlich die Phönixglanz ist – dabei ist es doch nur ein Spiel!“ Phönixglanz stand auf, fasste Tante Schnee am Arm und zeigte lachend mit dem Finger auf die Holzschatulle, in der die Herzoginmutter gewöhnlich ihr Geld aufbewahrte: „Tante, schaut mal – in der Schatulle da weiß man gar nicht, wie viel sie mir schon abgenommen hat! Diese eine Schnur Münzen reicht noch nicht einmal für eine halbe Stunde, dann ruft das Geld da drinnen schon nach ihr. Sobald auch diese Schnur dort hineingewandert ist, brauchen wir nicht mehr zu spielen, die Laune der Ahnherrin ist wieder gut, und sie findet etwas Wichtiges, mit dem sie mich beauftragt.“ Bevor sie fertig war, hatte sie die Herzoginmutter und alle anderen zum Lachen gebracht. Gerade kam Friedchen [平儿][10], die fürchtete, das Geld reiche nicht, und brachte noch eine Schnur Münzen. Phönixglanz sagte: „Leg sie nicht vor mich hin – leg sie gleich dort zu den anderen bei der Ahnherrin! Dann geht alles auf einmal rein, und man spart sich die doppelte Mühe – die Münzen in der Schatulle brauchen nicht zweimal die Hand auszustrecken.“ Die Herzoginmutter lachte so sehr, dass ihr die Karten über den ganzen Tisch fielen, schubste Mandarinenente und rief: „Reiß ihr schnell den Mund ab!“ Friedchen legte das Geld ab, lachte ein Weilchen mit, und kehrte dann zurück. Vor dem Hoftor traf sie auf Kette Kaufmann [贾琏][11], der fragte: „Wo ist die gnädige Frau? Der gnädige Herr schickt mich, sie zu holen.“ Friedchen antwortete lächelnd: „Sie ist bei der Ahnherrin und steht dort seit einer halben Ewigkeit, ohne sich vom Fleck zu rühren. Lass es lieber bleiben! Die Ahnherrin war den halben Tag lang böse, und erst jetzt, dank der Unterhaltungskünste der zweiten Herrin, hat sich ihre Laune ein wenig gebessert.“ Kette Kaufmann sagte: „Ich gehe hinüber und sage, ich wolle die Ahnherrin fragen, ob sie am Vierzehnten zur Familie Lai fährt, damit ich die Sänfte vorbereiten kann. Gleichzeitig bitte ich die gnädige Frau herüber und bringe die Ahnherrin zum Lachen – ist das nicht gut?“ Friedchen lachte: „Ich würde dir raten, nicht hinzugehen. Die ganze Familie, einschließlich der gnädigen Frau und Schatzjade [贾宝玉][12], hat es abbekommen – und jetzt willst du dich auch noch ins Netz stürzen?“ Kette Kaufmann sagte: „Es ist doch schon vorbei – da wird sie nicht nochmals darauf zurückkommen! Außerdem hat es mit mir gar nichts zu tun. Und dann: Der gnädige Herr hat mir persönlich befohlen, die gnädige Frau zu holen. Wenn ich jemand anders schicke und er es erfährt – er ist ohnehin schon schlecht gelaunt, das wäre ein gefundener Vorwand, seinen Ärger an mir auszulassen.“ Damit ging er los. Friedchen sah ein, dass er recht hatte, und folgte ihm. Als Kette Kaufmann die Haupthalle betrat, machte er leise Schritte und spähte vorsichtig in den Innenraum. Er sah Dame Strafe immer noch dastehen. Phönixglanz mit ihren scharfen Augen bemerkte ihn zuerst und gab ihm mit einem Blick zu verstehen, nicht hereinzukommen. Dann gab sie auch Dame Strafe ein Zeichen. Da Dame Strafe aber nicht einfach verschwinden konnte, goss sie eine Schale Tee ein und stellte sie vor der Herzoginmutter ab. Als sich die Herzoginmutter umdrehte, hatte Kette Kaufmann nicht schnell genug den Kopf eingezogen. Die Herzoginmutter fragte: „Wer ist da draußen? Es sah aus, als ob ein Junge den Kopf hereingestreckt hätte.“ Phönixglanz stand rasch auf: „Mir war auch so, als hätte ich einen Schatten gesehen – lasst mich nachschauen.“ Während sie das sagte, ging sie zur Tür. Kette Kaufmann eilte hinein, verbeugte sich lächelnd und sagte: „Ich wollte nur fragen, ob die Ahnherrin am Vierzehnten ausfahrt, damit ich die Sänfte vorbereiten kann.“ Die Herzoginmutter sagte: „Wenn es das ist, warum bist du dann nicht hereingekommen, sondern treibst dich draußen wie ein Gespenst herum?“ Kette Kaufmann erwiderte lächelnd: „Als ich sah, dass die Ahnherrin Karten spielt, wagte ich nicht, Euch zu stören, und wollte nur meine Frau herausbitten, um sie zu fragen.“ Die Herzoginmutter sagte: „Ist es denn so dringend? Warte, bis sie nach Hause kommt, dann kannst du sie fragen, so viel du willst! Seit wann bist du so rücksichtsvoll? Ich weiß nicht, ob du als Zuträger oder als Spion gekommen bist – dieses Herumschleichen hat mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt, du niederträchtiger Kerl! Deine Frau spielt mit mir Karten, da hast du noch einen halben Tag Zeit – geh nach Hause und überleg dir mit der Frau von Bao Er wieder was gegen deine Frau!“ Alle lachten. Mandarinenente sagte lachend: „Das war die Frau von Bao Er [鲍二], Ahnherrin – woher kommt denn jetzt eine Frau von Zhao Er?“ Die Herzoginmutter lachte ebenfalls: „Stimmt! Wie soll ich mir merken, wer auf dem Arm getragen wird und wer auf dem Rücken! Wenn ich an diese Dinge denke, kocht die Galle hoch. Als ich als junge Frau eines Urenkels in diese Familie kam, ist das zusammen mit heute vierundfünfzig Jahre her. Alles, was an erschreckenden, seltsamen und abenteuerlichen Dingen vorkommen kann, habe ich erlebt – aber so etwas ist mir zum ersten Mal begegnet! Willst du nicht endlich verschwinden?“ Kette Kaufmann wagte kein Wort zu erwidern und zog sich eilig zurück. Friedchen stand draußen am Fenster und flüsterte lachend: „Hab ich‚s nicht gesagt? Du wolltest nicht hören – und jetzt bist du ins Netz gegangen.“ Gerade als sie das sagte, kam auch Dame Strafe heraus. Kette Kaufmann sagte: „Alles hat der gnädige Herr angerichtet, und jetzt müssen die gnädige Frau und ich es ausbaden!“ Dame Strafe fuhr ihn an: „Du undankbarer, pflichtloser, schändlicher Kerl! Dass dich der Blitz treffe! Andere Leute würden für ihren Vater sterben, und du beschwerst dich schon über ein paar Worte! Benimm dich gefälligst! Er ist seit Tagen wütend – pass auf, dass er dich nicht verprügelt!“ Kette Kaufmann sagte: „Kommt schnell hinüber, gnädige Frau! Es ist schon eine ganze Weile her, dass er mich geschickt hat, Euch zu holen.“ Er begleitete seine Mutter hinüber. Dame Strafe berichtete Begnadigung Kaufmann [贾赦][13] in knappen Worten, was sich zugetragen hatte. Dieser wusste sich keinen Rat mehr, und vor Beschämung ließ er sich als krank entschuldigen und wagte nicht mehr, der Herzoginmutter unter die Augen zu treten. Er schickte nur noch Dame Strafe und Kette Kaufmann jeden Tag hinüber, um der Herzoginmutter seine Grüße zu entbieten. Zugleich ließ er überall nach einem Mädchen suchen und kaufte sich schließlich für achthundert Liang Silber eine Siebzehnjährige namens Yanhong, die er als Nebenfrau aufnahm. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Bei der Herzoginmutter spielte man noch bis zum Abendessen Karten. Die nächsten ein, zwei Tage vergingen ohne besondere Vorkommnisse. Im Nu war der Vierzehnte herangekommen. In aller Frühe erschien Lai Das Frau, um die Einladung zu erneuern. Die Herzoginmutter war bester Laune und fuhr mit Dame König, Tante Schnee, Schatzjade und den jungen Damen zu Lai Das Garten, wo sie einen halben Tag verbrachten. Der Garten konnte zwar mit dem Garten der Großen Anschauung nicht mithalten, war aber sauber und geräumig. Mit seinen Quellen und Felsen, Wäldchen und Bäumen, Turmgebäuden und Pavillons hatte er durchaus einige sehenswerte Partien. In der äußeren Halle saßen Becken Schnee, Herrlichkeit Kaufmann [贾珍][14], Kette Kaufmann, Hibiskus Kaufmann [贾蓉][15] sowie einige nahe Verwandte; die entfernteren waren nicht gekommen, ebenso wenig Begnadigung Kaufmann. Lai Das Familie hatte auch einige amtierende Beamte und Söhne angesehener Häuser als Begleitung eingeladen. Unter ihnen war auch Xianglotus Weide [柳湘莲]. Becken Schnee hatte ihn schon einmal gesehen und seither nicht mehr vergessen können. Er hatte in Erfahrung gebracht, dass Xianglotus Weide mit großer Leidenschaft Theater spielte und stets die Rollen junger Männer und Frauen in Liebesdramen übernahm. Da verwechselte er ihn irrtümlich mit einem leichtfertigen Burschen und brannte darauf, seine Bekanntschaft zu machen, hatte aber bisher keine Gelegenheit gehabt. Als er ihn heute wiedertraf, war er außer sich vor Freude. Auch Herrlichkeit Kaufmann und die anderen bewunderten Xianglotus Weides Namen. Nachdem der Wein ihnen Mut gemacht hatte, baten sie ihn, zwei Szenen zu spielen. Als er von der Bühne herunterkam, setzten sie sich mit ihm zusammen, fragten ihn nach diesem und jenem und plauderten über alles Mögliche. Xianglotus Weide stammte aus gutem Hause, hatte es aber beim Studieren zu nichts gebracht. Seine Eltern waren früh verstorben. Sein Charakter war offen und edelmütig, er kümmerte sich nicht um Kleinigkeiten und war ein großer Freund von Lanzen- und Schwertübungen, Glücksspiel und Wein, verkehrte in Freudenhäusern und machte gern Musik – er ließ nichts aus. Da er jung und gut aussehend war, hielten ihn alle, die seinen Stand nicht kannten, für einen Schauspieler. Lai Das Sohn, Lai Shangrong, war seit langem mit ihm befreundet und hatte ihn deshalb heute zur Gesellschaft eingeladen. Als nun nach dem Wein die meisten sich noch beherrschen konnten, verfiel einzig Becken Schnee wieder in seinen alten Fehler. Xianglotus Weide ärgerte sich innerlich schon längst und wollte bei der ersten Gelegenheit verschwinden. Aber Lai Shangrong hielt ihn um keinen Preis fest und sagte: „Eben hat mir der zweite junge Herr Schatzjade aufgetragen, dir zu sagen: Als du vorhin hereinkamst, hat er dich zwar gesehen, aber vor all den Leuten konnte er nicht gut mit dir sprechen. Du sollst nach dem Fest noch nicht gehen, er möchte noch mit dir reden. Wenn du unbedingt fort willst, warte wenigstens, bis ich ihn geholt habe. Wenn ihr euch gesehen habt, kannst du gehen, und ich habe meine Pflicht getan.“ Damit schickte er einen Burschen hinein, um unauffällig eine Dienerin zu beauftragen, den zweiten jungen Herrn Schatzjade herauszubitten. Der Bursche war noch nicht einmal so lange fort, wie man für eine Schale Tee braucht, da kam Schatzjade tatsächlich heraus. Lai Shangrong sagte lächelnd zu Schatzjade: „Da habt Ihr ihn, lieber Onkel! Ich muss mich um die Gäste kümmern.“ Damit ging er. Schatzjade zog Xianglotus Weide in ein kleines Bibliothekszimmer neben der Halle und fragte ihn: „Warst du in letzter Zeit an Qin Zhongs [秦钟] Grab?“ Xianglotus Weide erwiderte: „Natürlich! Neulich waren wir ein paar Leute auf der Falkenjagd, nur zwei Li von seinem Grab entfernt. Da dachte ich, bei den vielen Regenfällen dieses Sommers wird das Grab wohl gelitten haben. Also machte ich mich von den anderen los und ritt hin, um nachzusehen. Tatsächlich war es an einer Stelle eingesunken. Zu Hause besorgte ich mir ein paar hundert Kupfermünzen, und am dritten Tag ritt ich in aller Frühe wieder hinaus, heuerte zwei Leute an und ließ das Grab herrichten.“ Schatzjade sagte: „Ach, daher! Letzten Monat, als in unserem Teich im Garten der Großen Anschauung die Lotoskapseln reif waren, habe ich zehn Stück gepflückt und Mingren [茗烟] hinausgeschickt, um sie am Grab als Opfer darzubringen. Als er zurückkam, fragte ich, ob der Regen das Grab beschädigt habe. Er sagte, es sei nicht nur nicht beschädigt, sondern sogar besser in Stand als zuvor. Da dachte ich mir, einer unserer Freunde müsse es hergerichtet haben. Ich ärgere mich nur, dass ich Tag für Tag zu Hause eingesperrt bin und in nichts mein eigener Herr sein darf. Sobald jemand von meinen Plänen erfährt, hält mich der eine zurück und rät mir der andere ab – ich kann nur reden, aber nichts tun. Und obwohl ich Geld habe, darf ich es nicht so ausgeben, wie ich möchte.“ Xianglotus Weide tröstete ihn: „Um diese Sache brauchst du dich nicht zu kümmern. Draußen bin ich da – Hauptsache, du denkst in deinem Herzen an ihn. Am ersten des zehnten Monats habe ich bereits alles vorbereitet für den Grabbesuch. Du weißt, ich bin arm wie eine Kirchenmaus, zu Hause habe ich keinen Heller auf der hohen Kante. Wenn mir doch einmal ein paar Münzen in die Hände fallen, gebe ich sie sofort wieder aus. Deshalb habe ich rechtzeitig diesen Betrag beiseitegelegt, damit ich nicht mit leeren Händen dastehe.“ Schatzjade sagte: „Gerade deswegen wollte ich Mingren zu dir schicken. Aber du bist so selten zu Hause – unsteter als Entengrütze auf dem Wasser, nie an einem festen Ort.“ Xianglotus Weide sagte: „Dafür brauchst du mich nicht zu suchen. Jeder tut, was er kann. Bald will ich sowieso verreisen und erst in drei bis fünf Jahren zurückkommen.“ Schatzjade fragte erschrocken: „Warum das?“ Xianglotus Weide lachte kühl: „Du kennst mein Herz nicht. Wenn die Zeit kommt, wirst du es von selbst verstehen. Für heute will ich mich verabschieden.“ Schatzjade wandte ein: „Mit Mühe und Not haben wir uns einmal getroffen. Bleib doch bis zum Abend – wäre das nicht schöner?“ Xianglotus Weide erwiderte: „Dein Vetter mütterlicherseits hat sich immer noch nicht geändert. Wenn ich länger bleibe, gibt es unvermeidlich Ärger. Es ist besser, ich gehe ihm aus dem Weg.“ Schatzjade überlegte einen Moment und sagte dann: „Da hast du wohl recht. Aber wenn du wirklich eine weite Reise antreten willst, musst du mir vorher unbedingt Bescheid sagen. Auf keinen Fall darfst du dich einfach davonstehlen!“ Bei diesen Worten liefen ihm Tränen über die Wangen. Xianglotus Weide sagte: „Natürlich verabschiede ich mich. Nur erzähle niemandem davon!“ Er stand auf und fügte hinzu: „Geh du wieder hinein, du brauchst mich nicht hinauszubegleiten.“ Damit verließ er das Bibliothekszimmer. Als er gerade am Tor anlangte, hörte er Becken Schnee dort herumbrüllen: „Wer hat den kleinen Liu weggehen lassen?“ Als Xianglotus Weide das hörte, sprühten vor Wut Funken vor seinen Augen, und er hätte Becken Schnee am liebsten mit einem Faustschlag niedergestreckt. Doch dann besann er sich: Eine Schlägerei nach dem Weintrinken würde Lai Shangrongs Ansehen schaden. Also bezwang er sich. Als Becken Schnee ihn plötzlich erblickte, freute er sich, als hätte er einen kostbaren Schatz gefunden. Torkelnd kam er näher, packte ihn am Arm und sagte lächelnd: „Brüderchen, wohin willst du denn?“ Xianglotus Weide erwiderte: „Nur kurz raus, ich bin gleich wieder da.“ Becken Schnee bettelte: „Guter Bruder, wenn du weg bist, ist hier kein Spaß mehr! Bleib doch ein Weilchen, dann sehe ich, dass du mich gern hast. Was auch immer du Dringendes zu erledigen hast – überlass es deinem großen Bruder. Keine Sorge! Mit einem Bruder wie mir kannst du Beamter werden und reich – das ist alles kein Problem!“ Xianglotus Weide sah dieses widerliche Benehmen und war gleichermaßen wütend wie angewidert. Doch er hatte bereits einen Plan geschmiedet. Er zog Becken Schnee an einen abgelegenen Ort und fragte lächelnd: „Meinst du es wirklich ernst mit mir, oder tust du nur so?“ Als Becken Schnee das hörte, hüpfte ihm das Herz vor Freude. Mit schrägem Blick und dummem Grinsen sagte er: „Wie kannst du so etwas fragen, Brüderchen? Wenn ich nicht aufrichtig bin, will ich auf der Stelle vor deinen Augen tot umfallen!“ Xianglotus Weide erwiderte: „Wenn das so ist – hier ist es nicht bequem. Wir bleiben noch ein Weilchen, dann gehe ich vor, und du folgst mir zu meiner Wohnung. Dort können wir die ganze Nacht durchzechen. Ich habe auch zwei ganz vorzügliche junge Burschen da, die noch nie vor die Tür gekommen sind. Du brauchst keinen einzigen Diener mitzubringen – bei mir ist für alles gesorgt.“ Becken Schnee war vor Freude halb nüchtern geworden: „Ist das auch wirklich wahr?“ Xianglotus Weide sagte: „Was denn! Man öffnet dir sein Herz, und du glaubst es nicht?“ Becken Schnee beeilte sich lachend: „Natürlich glaube ich dir! Ich bin ja nicht blöd! Nur – ich kenne den Weg nicht. Wenn du vorausreitest, wo soll ich dich finden?“ Xianglotus Weide erklärte: „Meine Wohnung liegt außerhalb des Nordtores. Traust du dich, eine Nacht außerhalb der Stadt zu verbringen, fern von zu Hause?“ Becken Schnee strahlte: „Wenn ich dich habe, wozu brauche ich dann noch ein Zuhause?“ Xianglotus Weide sagte: „Gut, ich warte an der Brücke außerhalb des Nordtores auf dich. Jetzt gehen wir zurück an den Tisch und trinken Wein. Wenn du siehst, dass ich gegangen bin, kommst du nach – dann fällt es keinem auf.“ Becken Schnee willigte hastig ein. So kehrten beide zur Gesellschaft zurück und tranken weiter. Becken Schnee konnte es kaum erwarten und ließ kein Auge von Xianglotus Weide. In Gedanken wurde ihm immer wohler, und er leerte eine Kanne nach der anderen, ohne dass ihn jemand nötigen musste. Ehe er sich‘s versah, war er zu acht oder neun Zehnteln betrunken. Xianglotus Weide stand auf und schlüpfte unbemerkt hinaus. Vor dem Tor befahl er seinem Burschen Xingnu: „Geh du schon nach Hause! Ich habe noch etwas vor der Stadt zu erledigen und komme nach.“ Damit schwang er sich aufs Pferd und ritt geradewegs zum Nordtor hinaus, wo er auf der Brücke auf Becken Schnee wartete. Es dauerte nicht einmal so lange, wie man für eine Schale Reis braucht, da kam Becken Schnee auf einem großen Pferd angaloppiert. Sein Mund stand offen, seine Augen quollen hervor, und sein Kopf pendelte wie eine Rattertrommel hin und her, während er nach allen Seiten starrte. Als er an Xianglotus Weide vorbeiritt, sah er nur in die Ferne und achtete nicht auf das, was vor seiner Nase war, so dass er glatt an ihm vorübertrabte. Xianglotus Weide musste lachen und ärgerte sich zugleich. Er ließ sein Pferd laufen und folgte ihm. Als Becken Schnee merkte, dass die Häuser immer spärlicher wurden, hielt er an und wendete sein Pferd, um noch einmal zu suchen. Kaum hatte er sich umgedreht, erblickte er Xianglotus Weide vor sich und strahlte, als hätte er einen Schatz gefunden: „Ich wusste doch, dass auf dich Verlass ist!“ Xianglotus Weide sagte lächelnd: „Schnell, reit weiter! Pass auf, dass uns niemand folgt – das wäre unangenehm.“ Damit trieb er sein Pferd an. Becken Schnee folgte ihm dicht auf den Fersen. Als Xianglotus Weide sah, dass die Gegend menschenleer war und vor ihnen ein mit Schilf bewachsener Tümpel lag, stieg er ab, band sein Pferd an einen Baum und sagte lächelnd zu Becken Schnee: „Steig ab! Zuerst legen wir einen Schwur ab – wer sein Herz ändert oder etwas ausplaudert, an dem soll sich der Schwur erfüllen.“ Becken Schnee grinste: „Das ist vernünftig.“ Er stieg eilig vom Pferd, band es ebenfalls an einen Baum, kniete nieder und sprach: „Wenn ich jemals mein Herz ändere oder es jemandem erzähle, soll der Himmel mich strafen und die Erde mich...“ Noch bevor er den Satz beenden konnte, hörte er es „Wumm!“ machen – ein Schlag wie ein Eisenhammer sauste auf seinen Nacken nieder. Ihm wurde schwarz vor Augen, goldene Sterne tanzten, und ehe er sich‚s versah, lag er am Boden. Xianglotus Weide trat vor ihn hin und sah ihn sich an. Da er erkannte, dass Becken Schnee ein schwerfälliger Kerl war, der Prügel nicht gewohnt war, schlug er ihm nur mit drei Zehnteln seiner Kraft ein paarmal ins Gesicht. Sogleich war das Gesicht so bunt wie die Auslage eines Obstladens. Becken Schnee versuchte, sich aufzurappeln, aber Xianglotus Weide versetzte ihm zwei Tritte mit der Stiefelspitze, und er lag wieder am Boden. „Wir waren uns doch einig!“, jammerte er. „Wenn du nicht wolltest, hättest du es doch einfach sagen können! Warum hast du mich hierher gelockt und schlägst mich?“ Dabei schimpfte er wüst. Xianglotus Weide rief: „Dir werde ich zeigen, du blinder Tropf, wer Herr Liu ist! Statt mich um Verzeihung zu bitten, beleidigst du mich noch! Dich totzuschlagen wäre sinnlos – aber eine ordentliche Lektion will ich dir erteilen!“ Er holte seine Reitpeitsche und zog sie Becken Schnee dreißig-, vierzigmal über Rücken und Schienbeine. Becken Schnee, inzwischen schon halb nüchtern, konnte den Schmerz nicht mehr unterdrücken und stöhnte laut. Xianglotus Weide höhnte: „Ist das alles? Ich dachte, du verträgst Prügel!“ Dann packte er Xue Pans linkes Bein und zerrte ihn ein paar Schritte durch die Pfütze im Schilf, bis er über und über mit Schlamm bedeckt war. „Weißt du jetzt, wer ich bin?“, fragte er. Becken Schnee antwortete nicht und stöhnte nur, das Gesicht im Dreck. Xianglotus Weide warf die Peitsche hin und bearbeitete ihn mit Faustschlägen. Becken Schnee wälzte sich schreiend und brüllte: „Du brichst mir die Rippen! Ich weiß, dass du ein anständiger Mensch bist – ich habe fälschlich auf das Gerede anderer gehört!“ Xianglotus Weide sagte: „Lass die anderen aus dem Spiel! Red von dem, was jetzt ist!“ Becken Schnee sagte: „Jetzt gibt es nichts zu sagen. Du bist ein anständiger Mensch, und ich war im Unrecht.“ Xianglotus Weide sagte: „Noch ein bisschen demütiger, dann vergebe ich dir!“ Becken Schnee stöhnte: „Guter Bruder...“ Xianglotus Weide versetzte ihm einen Faustschlag. „Au!“, schrie Becken Schnee. „Guter großer Bruder...“ Xianglotus Weide schlug gleich noch zweimal. „Au! Au!“, schrie Becken Schnee. „Guter gnädiger Herr, vergebt mir blindem Narren! Von nun an werde ich Euch ehren und fürchten!“ Xianglotus Weide befahl: „Trink zwei Schluck von dem Wasser!“ Becken Schnee hörte es und verzog das Gesicht: „Aber das Wasser ist so dreckig! Wie soll ich das hinunterbringen?“ Xianglotus Weide hob die Faust. „Ich trinke, ich trinke!“, rief Becken Schnee hastig, beugte den Kopf hinunter und schlürfte einen Mundvoll zwischen den Schilfwurzeln. Noch bevor er es hinunterschlucken konnte, machte es „Würg!“ – und alles, was er vorhin gegessen und getrunken hatte, kam wieder heraus. Xianglotus Weide sagte: „Du widerliches Ding, friss alles auf, dann vergebe ich dir!“ Becken Schnee warf sich verzweifelt auf die Knie und stieß unaufhörlich mit der Stirn auf den Boden: „Habt doch Erbarmen! Das bringe ich nicht herunter, und wenn ich sterben müsste!“ Xianglotus Weide sagte: „Du stinkst ja so, dass einem übel wird!“ Damit ließ er Becken Schnee liegen, band sein Pferd los, stieg auf und ritt davon. Als Becken Schnee sah, dass Xianglotus Weide fort war, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Er bereute, den Mann so falsch eingeschätzt zu haben. Er wollte aufstehen, aber der ganze Körper tat ihm höllisch weh. Nun war es bei Tisch aufgefallen, dass die beiden plötzlich verschwunden waren. Man suchte überall, fand sie aber nicht. Jemand meinte, sie seien „wohl zum Nordtor hinausgeritten“. Xue Pans Burschen fürchteten sich zu sehr vor ihm, um ihm gegen seinen Befehl nachzugehen. Schließlich schickte Herrlichkeit Kaufmann, der sich Sorgen machte, Hibiskus Kaufmann mit einigen Burschen auf die Suche. Als sie zum Nordtor hinausgeritten waren, die Brücke hinter sich ließen und noch gute zwei Li weiterkamen, sahen sie plötzlich Xue Pans Pferd an einem Baum am Schilfrand angebunden. „Gott sei Dank!“, riefen alle. „Wo ein Pferd ist, da ist auch ein Reiter.“ Als sie näher kamen, hörten sie jemanden im Schilf stöhnen. Sie eilten hin und erblickten Becken Schnee mit zerrissenen Kleidern, zerschlagenem, geschwollenem Gesicht, von oben bis unten wie ein Schlammchwein, das sich im Dreck gewälzt hat. Hibiskus Kaufmann konnte sich den Hergang zu neunzig Prozent zusammenreimen. Rasch stieg er ab, ließ Becken Schnee aufrichten und sagte lachend: „Onkel Xue! Immer auf der Jagd nach Liebesabenteuern – und heute hat es Euch bis in den Schilfgraben verschlagen! Bestimmt hat der Drachenkönig Gefallen an Eurer Eleganz gefunden und wollte Euch zum Schwiegersohn nehmen – nur seid Ihr leider gegen seine Drachenhörner gestoßen!“ Becken Schnee hätte vor Scham am liebsten im Boden versinken mögen. An Reiten war natürlich nicht zu denken, so ließ Hibiskus Kaufmann eine kleine Sänfte vom Stadttor holen, in die Becken Schnee hineingesetzt wurde. Zusammen fuhren sie in die Stadt zurück. Hibiskus Kaufmann wollte Becken Schnee noch zurück zu Lai Das Fest bringen, aber Becken Schnee bat und bettelte inständig und beschwor ihn, niemandem davon zu erzählen. Hibiskus Kaufmann gab schließlich nach und ließ ihn nach Hause bringen, während er selbst zu Lai Da zurückkehrte, um Herrlichkeit Kaufmann Bericht zu erstatten und ihm die ganze Geschichte zu erzählen. Herrlichkeit Kaufmann konnte sich denken, dass Xianglotus Weide Becken Schnee verprügelt hatte, und sagte schmunzelnd: „Das ist ihm gegönnt – er musste mal eine Lektion bekommen.“ Am Abend, als das Fest vorüber war, kam Herrlichkeit Kaufmann, um Becken Schnee einen Besuch abzustatten. Becken Schnee aber lag im Schlafzimmer und ließ sich unter dem Vorwand einer Krankheit entschuldigen. Als die Herzoginmutter und die anderen zurückkamen und jeder sich in seine Räume begab, entdeckten Tante Schnee und Schatzspange [薛宝钗][16], dass Duftkastanie [香菱][17] so geweint hatte, dass ihre Augen ganz geschwollen waren. Nachdem sie den Grund erfahren hatten, eilten sie zu Becken Schnee. Er hatte zwar Wunden im Gesicht und am Körper, aber Knochen und Sehnen waren unversehrt. Tante Schnee war gleichermaßen von Mitleid und Zorn ergriffen. Sie schimpfte abwechselnd auf Becken Schnee und auf Xianglotus Weide und wollte Dame König benachrichtigen, damit man Leute aussandte, um Xianglotus Weide zu fassen. Doch Schatzspange riet ihr sofort davon ab: „Das ist doch keine ernste Angelegenheit! Sie haben zusammen getrunken und sind sich dann nach dem Wein in die Haare geraten – das kommt doch vor. Wenn einer betrunken ist und ein paar Schläge einstecken muss, ist das nichts Besonderes. Außerdem weiß jedermann, wie wild und rücksichtslos unser Pan sich benimmt. Aus Euch spricht nur das Mitleid, Mutter. Es ist ja auch leicht, die Sache zu regeln: In ein paar Tagen, wenn Pan wieder auf den Beinen ist, werden Herr Juwel und Herr Kette von drüben das bestimmt nicht auf sich beruhen lassen. Sie werden ein Essen geben, den Mann einladen und ihn vor allen Leuten dazu bringen, sich bei Pan zu entschuldigen – und damit ist der Fall erledigt. Wenn Ihr aber jetzt großes Aufheben davon macht und es jedermann erzählt, sieht es so aus, als wärt Ihr voreingenommen und blind in Eurer Mutterliebe, als hättet Ihr ihn immer gewähren lassen, Streit zu suchen und die Leute herauszufordern. Jetzt, wo er zum ersten Mal eine Niederlage einstecken muss, mobilisiert Ihr Himmel und Erde und nutzt die Macht der Verwandtschaft, um einfache Leute zu unterdrücken.“ Tante Schnee sagte: „Du hast recht, mein Kind. Vor lauter Wut war ich ganz von Sinnen.“ Schatzspange lächelte: „So ist es sogar ganz gut. Er hat weder Respekt vor Euch, noch hört er auf Ratschläge. Er wird von Tag zu Tag schlimmer. Wenn er noch zwei-, dreimal so eine Lektion bekommt, hört er vielleicht damit auf.“ Becken Schnee lag auf dem Ofenbett und schimpfte lautstark auf Xianglotus Weide. Er befahl den Burschen, sie sollten dessen Haus niederreißen, ihn totschlagen und ihn vor Gericht zerren. Tante Schnee hielt die Burschen zurück und erklärte, Xianglotus Weide habe sich im Rausch daneben benommen, alles bereut, als er wieder nüchtern geworden sei, und sei aus Furcht vor Strafe geflohen. Als Becken Schnee das hörte, legte sich sein Ärger allmählich. Was dann weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt. Anmerkungen
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