Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 62"

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Kapitel 62
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Xiangfluss-Wolke [湘云] schläft betrunken auf einer Steinbank zwischen Päonienblüten
<span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">1</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">11</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">21</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">31</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">41</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">51</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">61</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">62</span> &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_63|<span style="color: #FFD700;">63</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_64|<span style="color: #FFD700;">64</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_65|<span style="color: #FFD700;">65</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_66|<span style="color: #FFD700;">66</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_67|<span style="color: #FFD700;">67</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_68|<span style="color: #FFD700;">68</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_69|<span style="color: #FFD700;">69</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_70|<span style="color: #FFD700;">70</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">71</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">81</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">91</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">101</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">111</span>]] &middot; [[Hongloumeng|<span style="color: #FFD700;">&larr; Inhalt</span>]]
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Duftkastanies bestickter Rock wird beim Blumenspiel beschmutzt
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Friedchen [平儿] kam heraus und wies Frau Lin Zhixiao an: „Aus großen Angelegenheiten mache man kleine, aus kleinen gar keine — das ist die Art eines gedeihenden Hauses. Wenn man bei jeder Kleinigkeit gleich mit Glockengeläut und Trommelschlag ein großes Aufheben macht, ist das keine vernünftige Weise. Bringt jetzt Mutter und Tochter zurück; sie sollen wie zuvor ihren Dienst versehen. Die Frau des Qin Xian schickt ebenfalls wieder zurück. Es braucht von dieser Sache nicht mehr gesprochen zu werden. Nur soll man täglich sorgfältig Wache halten." Damit stand sie auf und ging. Frau Lius Mutter und Tochter kotzten eilig vor ihr nieder. Frau Lin brachte sie zurück in den Garten und erstattete Seidenweiß Pflaume [李纨] und Erkundefrühling [探春] Bericht; beide sagten: „Wir haben es zur Kenntnis genommen. Wenn alles erledigt ist, umso besser."
== 憨湘云醉眠芍药裀 / 呆香菱情解石榴裙 ==
 
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=== Kapitel 62 ===
 
Wolke vom Xiang-Fluss [湘云] schläft betrunken auf einer Steinbank zwischen Päonienblüten
 
Xianglings bestickter Rock wird beim Blumenspiel beschmutzt
 
 
 
Friedchen [平儿] kam heraus und wies Frau Lin Zhixiao an: „Aus großen Angelegenheiten mache man kleine, aus kleinen gar keine — das ist die Art eines gedeihenden Hauses. Wenn man bei jeder Kleinigkeit gleich mit Glockengeläut und Trommelschlag ein großes Aufheben macht, ist das keine vernünftige Weise. Bringt jetzt Mutter und Tochter zurück; sie sollen wie zuvor ihren Dienst versehen. Die Frau des Qin Xian schickt ebenfalls wieder zurück. Es braucht von dieser Sache nicht mehr gesprochen zu werden. Nur soll man täglich sorgfältig Wache halten." Damit stand sie auf und ging. Frau Lius Mutter und Tochter kotzten eilig vor ihr nieder. Frau Lin brachte sie zurück in den Garten und erstattete Li Schleierfrau [李纨] und Spürfrühling [探春] Bericht; beide sagten: „Wir haben es zur Kenntnis genommen. Wenn alles erledigt ist, umso besser."
 
  
 
Schachspielerin [司棋] und die anderen hatten sich umsonst in Aufregung versetzt. Die Frau des Qin Xian aber, die endlich eine Gelegenheit gefunden hatte, sich einzuschleichen, hatte gerade einen halben Tag lang triumphiert. In der Küche war sie eifrig damit beschäftigt gewesen, Gerätschaften, Reis, Getreide, Kohle und dergleichen in Empfang zu nehmen, und hatte dabei allerlei Fehlbestände aufgedeckt: „Beim Rundkornreis fehlen zwei Shi <ref>altes Hohlmaß, ca. 100 Liter</ref>, beim Alltagsreis ist ein Monat zu viel ausgegeben worden, und auch bei der Kohle stimmen die Zahlen nicht." Gleichzeitig hatte sie Geschenke für Frau Lin Zhixiao vorbereiten lassen — heimlich einen Korb Kohle, fünfhundert Pfund Brennholz und eine Traglast Rundkornreis — und draußen durch Neffen und Nichten zum Haus der Familie Lin schicken lassen. Ferner bereitete sie Geschenke für die Buchhaltung vor und richtete einige Gerichte her, um ihre neuen Kolleginnen zu bewirten, wobei sie sagte: „Nun, da ich hier bin, bin ich ganz auf Ihre Unterstützung angewiesen. Von nun an sind wir eine Familie. Wo ich nicht aufpassen kann, helft mir bitte alle." Mitten in diesem Trubel kam plötzlich jemand und sagte: „Sieh zu, dass du nach dem Frühstück verschwindest. Die Schwägerin Liu war schuldlos; man hat ihr die Verwaltung wieder übertragen." Als die Frau des Qin Xian dies hörte, fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Entmutigt, mit hängendem Kopf, strich sie augenblicklich die Flaggen und verstummte die Trommeln; sie packte ihre Sachen und ging. Die Geschenke an andere waren umsonst verschwendet; obendrein musste sie von ihrem eigenen Besitz die aufgedeckten Fehlbestände ersetzen. Selbst Schachspielerin war so verärgert, dass sie sich kaum fassen konnte, doch es war nichts mehr zu machen.
 
Schachspielerin [司棋] und die anderen hatten sich umsonst in Aufregung versetzt. Die Frau des Qin Xian aber, die endlich eine Gelegenheit gefunden hatte, sich einzuschleichen, hatte gerade einen halben Tag lang triumphiert. In der Küche war sie eifrig damit beschäftigt gewesen, Gerätschaften, Reis, Getreide, Kohle und dergleichen in Empfang zu nehmen, und hatte dabei allerlei Fehlbestände aufgedeckt: „Beim Rundkornreis fehlen zwei Shi <ref>altes Hohlmaß, ca. 100 Liter</ref>, beim Alltagsreis ist ein Monat zu viel ausgegeben worden, und auch bei der Kohle stimmen die Zahlen nicht." Gleichzeitig hatte sie Geschenke für Frau Lin Zhixiao vorbereiten lassen — heimlich einen Korb Kohle, fünfhundert Pfund Brennholz und eine Traglast Rundkornreis — und draußen durch Neffen und Nichten zum Haus der Familie Lin schicken lassen. Ferner bereitete sie Geschenke für die Buchhaltung vor und richtete einige Gerichte her, um ihre neuen Kolleginnen zu bewirten, wobei sie sagte: „Nun, da ich hier bin, bin ich ganz auf Ihre Unterstützung angewiesen. Von nun an sind wir eine Familie. Wo ich nicht aufpassen kann, helft mir bitte alle." Mitten in diesem Trubel kam plötzlich jemand und sagte: „Sieh zu, dass du nach dem Frühstück verschwindest. Die Schwägerin Liu war schuldlos; man hat ihr die Verwaltung wieder übertragen." Als die Frau des Qin Xian dies hörte, fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Entmutigt, mit hängendem Kopf, strich sie augenblicklich die Flaggen und verstummte die Trommeln; sie packte ihre Sachen und ging. Die Geschenke an andere waren umsonst verschwendet; obendrein musste sie von ihrem eigenen Besitz die aufgedeckten Fehlbestände ersetzen. Selbst Schachspielerin war so verärgert, dass sie sich kaum fassen konnte, doch es war nichts mehr zu machen.
  
Die Konkubine Zhao hatte sich die ganze Zeit in Angst befunden, weil Caiyun ihr heimlich so viele Dinge zugesteckt hatte und Yuchuan'er den Streit darüber angefacht hatte; sie fürchtete, man könnte der Sache auf den Grund gehen, und horchte jeden Tag schweißnass nach Neuigkeiten. Da kam Caiyun und sagte: „Schatzjade [宝玉] hat alles auf sich genommen; von nun an gibt es keine Schwierigkeiten mehr." Erst da beruhigte sich die Konkubine Zhao. Doch Kaufmann Unheil [贾环], als er davon hörte, wurde misstrauisch. Er holte alle Dinge hervor, die Caiyun ihm heimlich geschenkt hatte, und warf sie Caiyun ins Gesicht: „Du doppelzüngiges Ding! Ich will das alles nicht. Wenn du nicht mit Schatzjade unter einer Decke stecktest, warum sollte er sich für dich einsetzen? Wenn du die Kühnheit hattest, mir die Sachen zu geben, hättest du es keinem Menschen verraten sollen. Da du es ihm nun doch erzählt hast, macht es keinen Spaß mehr, die Sachen zu behalten." Caiyun erschrak, schwor Stein und Bein, weinte gar und erklärte sich auf alle erdenkliche Weise, doch Kaufmann Unheil wollte ihr partout nicht glauben und sagte: „Wenn ich nicht unsere frühere Zuneigung berücksichtigen würde, ginge ich zur Zweiten Schwägerin und sagte: ‚Caiyun hat es gestohlen und mir gegeben, ich wage es nicht anzunehmen.' Denk einmal darüber nach." Damit schleuderte er seine Hand los und ging hinaus. Konkubine Zhao schimpfte aufgebracht: „Du undankbarer Wurm, du Madenherz, du Unglücksbrut!" Caiyun weinte sich vor Zorn die Augen aus. Konkubine Zhao tröstete sie auf jede Weise: „Gutes Kind, er hat dein treues Herz verkannt — das sehe ich wohl. Lass mich die Sachen aufbewahren; in ein paar Tagen wird er von selbst zur Besinnung kommen." Damit wollte sie die Sachen einsammeln. Doch Caiyun packte alles trotzig zusammen, und als niemand es sah, ging sie in den Garten und warf alles in den Fluss — was sank, sank; was trieb, trieb davon. In der Nacht weinte sie vor Zorn still unter ihrer Decke.
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Die Nebenfrau Zhao hatte sich die ganze Zeit in Angst befunden, weil Farbwölkchen ihr heimlich so viele Dinge zugesteckt hatte und Jadearmreif den Streit darüber angefacht hatte; sie fürchtete, man könnte der Sache auf den Grund gehen, und horchte jeden Tag schweißnass nach Neuigkeiten. Da kam Farbwölkchen und sagte: „Schatzjade [宝玉] hat alles auf sich genommen; von nun an gibt es keine Schwierigkeiten mehr." Erst da beruhigte sich die Nebenfrau Zhao. Doch Unheil Kaufmann [贾环], als er davon hörte, wurde misstrauisch. Er holte alle Dinge hervor, die Farbwölkchen ihm heimlich geschenkt hatte, und warf sie Farbwölkchen ins Gesicht: „Du doppelzüngiges Ding! Ich will das alles nicht. Wenn du nicht mit Schatzjade unter einer Decke stecktest, warum sollte er sich für dich einsetzen? Wenn du die Kühnheit hattest, mir die Sachen zu geben, hättest du es keinem Menschen verraten sollen. Da du es ihm nun doch erzählt hast, macht es keinen Spaß mehr, die Sachen zu behalten." Farbwölkchen erschrak, schwor Stein und Bein, weinte gar und erklärte sich auf alle erdenkliche Weise, doch Unheil Kaufmann wollte ihr partout nicht glauben und sagte: „Wenn ich nicht unsere frühere Zuneigung berücksichtigen würde, ginge ich zur Zweiten Schwägerin und sagte: ‚Farbwölkchen hat es gestohlen und mir gegeben, ich wage es nicht anzunehmen.' Denk einmal darüber nach." Damit schleuderte er seine Hand los und ging hinaus. Nebenfrau Zhao schimpfte aufgebracht: „Du undankbarer Wurm, du Madenherz, du Unglücksbrut!" Farbwölkchen weinte sich vor Zorn die Augen aus. Nebenfrau Zhao tröstete sie auf jede Weise: „Gutes Kind, er hat dein treues Herz verkannt — das sehe ich wohl. Lass mich die Sachen aufbewahren; in ein paar Tagen wird er von selbst zur Besinnung kommen." Damit wollte sie die Sachen einsammeln. Doch Farbwölkchen packte alles trotzig zusammen, und als niemand es sah, ging sie in den Garten und warf alles in den Fluss — was sank, sank; was trieb, trieb davon. In der Nacht weinte sie vor Zorn still unter ihrer Decke.
  
Unterdessen war Schatzjades Geburtstag herangekommen. Es stellte sich heraus, dass auch Schatzzither [宝琴] an diesem selben Tag Geburtstag hatte — beide teilten das gleiche Datum. Da Frau Wang nicht zu Hause war, feierte man nicht so festlich wie in früheren Jahren. Nur der daoistische Meister Zhang schickte vier Geschenke und tauschte das Namensamulett <ref>Ein Brauch, bei dem der Meister als „Adoptivvater" des Kindes ein schützendes Amulett überreicht</ref>; aus einigen Mönchsklöstern und Nonnenkonventen kamen Opferspitzen, Bilder des Gottes der Langlebigkeit, Memorialtafeln und ein neues Schutzschloss des Geburtssterns für das laufende Jahr. Die Geschichtenerzählerinnen, die regelmäßig ins Haus kamen, gratulierten zum Geburtstag. Aus dem Hause König Fliederranke <ref>Frau Wangs Bruder, ein hoher Beamter</ref> kam wie immer ein Satz Kleidung, ein Paar Schuhe mit Strümpfen, hundert Langlebigkeitspfirsiche und hundert Bündel feiner silberfädiger Nudeln. Von Tante Schnee [薛姨妈] kam etwas weniger. Von den übrigen Hausbewohnern schickte Frau You wie stets ein Paar Schuhe mit Strümpfen; Phönixglanz [熙凤] schenkte einen in Palastmanier gearbeiteten vierseitigen Harmonie-Beutel mit einem goldenen Langlebigkeitsgott darin und einem persischen Spielzeug. In alle Tempel wurden Leute geschickt, um Almosen zu verteilen. Für Schatzzither gab es noch eigene Geschenke, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Unter den Schwestern schenkte man sich ganz ungezwungen — die eine gab einen Fächer, eine andere ein Schriftzeichen, wieder eine ein Bild oder ein Gedicht — alles nur, um dem Anlass Genüge zu tun.
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Unterdessen war Schatzjades Geburtstag herangekommen. Es stellte sich heraus, dass auch Kostbarzither Schnee an diesem selben Tag Geburtstag hatte — beide teilten das gleiche Datum. Da Dame König nicht zu Hause war, feierte man nicht so festlich wie in früheren Jahren. Nur der daoistische Meister Zhang schickte vier Geschenke und tauschte das Namensamulett <ref>Ein Brauch, bei dem der Meister als „Adoptivvater" des Kindes ein schützendes Amulett überreicht</ref>; aus einigen Mönchsklöstern und Nonnenkonventen kamen Opferspitzen, Bilder des Gottes der Langlebigkeit, Memorialtafeln und ein neues Schutzschloss des Geburtssterns für das laufende Jahr. Die Geschichtenerzählerinnen, die regelmäßig ins Haus kamen, gratulierten zum Geburtstag. Aus dem Hause Fliederranke König <ref>Dame Königs Bruder, ein hoher Beamter</ref> kam wie immer ein Satz Kleidung, ein Paar Schuhe mit Strümpfen, hundert Langlebigkeitspfirsiche und hundert Bündel feiner silberfädiger Nudeln. Von Tante Schnee [薛姨妈] kam etwas weniger. Von den übrigen Hausbewohnern schickte Dame Sonders wie stets ein Paar Schuhe mit Strümpfen; Phönixglanz [熙凤] schenkte einen in Palastmanier gearbeiteten vierseitigen Harmonie-Beutel mit einem goldenen Langlebigkeitsgott darin und einem persischen Spielzeug. In alle Tempel wurden Leute geschickt, um Almosen zu verteilen. Für Kostbarzither Schnee gab es noch eigene Geschenke, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Unter den Schwestern schenkte man sich ganz ungezwungen — die eine gab einen Fächer, eine andere ein Schriftzeichen, wieder eine ein Bild oder ein Gedicht — alles nur, um dem Anlass Genüge zu tun.
  
An diesem Tag stand Schatzjade früh auf, wusch und kämmte sich, legte Kappe und Gürtel an und ging in den Vorderen Saal, wo Li Gui und vier, fünf andere bereits Räucherwerk und Kerzen für Himmel und Erde aufgestellt hatten. Schatzjade entzündete den Weihrauch. Nach Vollzug der Zeremonie, dem Teetrankopfer und dem Verbrennen der Papiergaben begab er sich in den Ahnentempel und die Ahnenhalle des Ningfu <ref>das östliche Palais der Kaufmann-Familie</ref>, vollzog dort die Riten, trat auf die Mondterrasse hinaus und verbeugte sich in der Ferne vor der Alten Herrin, Kaufmann Aufrecht, Frau Wang und den anderen. Dann ging er der Reihe nach zu Frau Yous Obergemächern, vollzog die Riten, saß ein Weilchen und kehrte ins Rongfu zurück. Zuerst besuchte er Tante Schnee, die ihn dringlich festhielt; dann traf er Xue Ke, dem er ebenfalls seine Aufwartung machte, bevor er endlich in den Garten trat. Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] folgten ihm, ein kleines Mädchen trug die Filzunterlage. Von Li Schleierfraus Gemach angefangen, besuchte er der Reihe nach alle Älteren. Dann ging er wieder aus dem Zweiten Tor hinaus und machte bei seinen vier Ammen — Li, Zhao, Zhang und Wang — seine Aufwartung, bevor er zurückkehrte. Obwohl alle ihm den Kowtow erweisen wollten, nahm er ihn nicht an. Zurück im Zimmer, kamen Dufthauch [袭人] und die anderen nur, um ihm ein Wort des Glückwunsches zu sagen. Frau Wang hatte nämlich verfügt, dass junge Leute keine Ehrerbietungen entgegennehmen sollten, da dies das Glück und die Lebenskraft mindere — daher kniete niemand nieder.
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An diesem Tag stand Schatzjade früh auf, wusch und kämmte sich, legte Kappe und Gürtel an und ging in den Vorderen Saal, wo Li Gui und vier, fünf andere bereits Räucherwerk und Kerzen für Himmel und Erde aufgestellt hatten. Schatzjade entzündete den Weihrauch. Nach Vollzug der Zeremonie, dem Teetrankopfer und dem Verbrennen der Papiergaben begab er sich in den Ahnentempel und die Ahnenhalle des Ningfu <ref>das östliche Palais der Kaufmann-Familie</ref>, vollzog dort die Riten, trat auf die Mondterrasse hinaus und verbeugte sich in der Ferne vor der Alten Herrin, Aufrecht Kaufmann, Dame König und den anderen. Dann ging er der Reihe nach zu Dame Sonderss Obergemächern, vollzog die Riten, saß ein Weilchen und kehrte ins Rongfu zurück. Zuerst besuchte er Tante Schnee, die ihn dringlich festhielt; dann traf er Xue Ke, dem er ebenfalls seine Aufwartung machte, bevor er endlich in den Garten trat. Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] folgten ihm, ein kleines Mädchen trug die Filzunterlage. Von Seidenweiß Pflaumes Gemach angefangen, besuchte er der Reihe nach alle Älteren. Dann ging er wieder aus dem Zweiten Tor hinaus und machte bei seinen vier Ammen — Li, Zhao, Zhang und Wang — seine Aufwartung, bevor er zurückkehrte. Obwohl alle ihm den Kowtow erweisen wollten, nahm er ihn nicht an. Zurück im Zimmer, kamen Dufthauch [袭人] und die anderen nur, um ihm ein Wort des Glückwunsches zu sagen. Dame König hatte nämlich verfügt, dass junge Leute keine Ehrerbietungen entgegennehmen sollten, da dies das Glück und die Lebenskraft mindere — daher kniete niemand nieder.
  
Nach einer Weile kamen Kaufmann Unheil, Jia Lan und andere. Dufthauch hielt sie eilig zurück, sie setzten sich kurz hin und gingen dann. Schatzjade sagte lachend, er sei müde vom vielen Herumgehen, und ließ sich aufs Bett sinken. Er hatte erst eine halbe Tasse Tee getrunken, als von draußen lautes Geschnatter und Gelächter einer ganzen Schar Mädchen zu hören war, die hereinkam: Es waren Cuimo, Xiaoluo, Cuilu, Ruhua, Zhuan'er — Xing Xiuyans Zofe —, die Amme mit der kleinen Qiaojie auf dem Arm, Cailuan, Xiuluan — acht oder neun Personen insgesamt, alle mit roten Filzdecken in den Armen, lachend. Sie riefen: „Die Geburtstagsgratulanten haben schon die Tür eingerannt — schnell bringt uns Nudeln zu essen!" Gerade als sie hereinkamen, erschienen auch Spürfrühling, Wolke vom Xiang-Fluss, Schatzzither, Xiuyan und Bewahrfrühling [惜春]. Schatzjade eilte ihnen lachend entgegen: „Ich wage es kaum, euch zu bemühen — schnell bereitet guten Tee!" Im Zimmer gab es das übliche höfliche Hin und Her, dann nahm jeder Platz. Dufthauch und die anderen brachten Tee; man hatte gerade den ersten Schluck genommen, da kam auch Friedchen, herausgeputzt wie eine blühende Blume. Schatzjade eilte ihr entgegen und lachte: „Ich war vorhin an Schwester Fengs Tür; man sagte mir, sie sei drinnen, und ich konnte sie nicht sehen. Ich habe dann jemanden hineingeschickt, um Schwester einzuladen." Friedchen lachte: „Ich war gerade dabei, deiner Schwester beim Frisieren zu helfen und konnte nicht herauskommen. Als ich dann hörte, dass du mich auch eingeladen hattest, fühlte ich mich dessen nicht würdig und bin eigens hergekommen, um dir den Kowtow zu machen." Schatzjade lachte: „Ich bin dessen auch nicht würdig." Dufthauch hatte im Vorzimmer bereits einen Sitz vorbereitet und lud sie ein. Friedchen machte einen Knicks; Schatzjade verbeugte sich unablässig. Friedchen kniete nieder; Schatzjade kniete ebenfalls eilig nieder; Dufthauch half ihnen schnell auf. Friedchen machte noch einen Knicks; Schatzjade erwiderte mit einer Verbeugung. Dufthauch schob Schatzjade lachend an: „Mach noch eine Verbeugung!" Schatzjade sagte: „Es ist doch schon vorbei — warum noch eine Verbeugung?" Dufthauch lachte: „Das war ihre Geburtstagsgratulation für dich. Heute ist aber auch ihr Geburtstag, also solltest auch du ihr gratulieren." Als Schatzjade das hörte, freute er sich und verbeugte sich eilig: „Ach, heute ist ja auch Schwesterchens Geburtstag!" Friedchen erwiderte unablässig mit Knicksen. Wolke vom Xiang-Fluss zog Schatzzither und Xiuyan heran und sagte: „Ihr vier solltet euch gegenseitig gratulieren — den ganzen Tag lang!" Spürfrühling fragte eilig: „Ach, Schwester Xing hat auch heute? Das hatte ich ganz vergessen!" Sie befahl hastig ihrem Mädchen: „Geh zur Zweiten Herrin und sag ihr, sie solle schnell noch ein Geschenk nachholen, dasselbe wie für Fräulein Qin, und es zum Zimmer des Zweiten Fräuleins bringen lassen." Das Mädchen ging. Xiuyan, da Wolke vom Xiang-Fluss es geradeheraus gesagt hatte, musste nun wohl oder übel in den verschiedenen Gemächern ihre Aufwartung machen.
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Nach einer Weile kamen Unheil Kaufmann, Orchidee Kaufmann und andere. Dufthauch hielt sie eilig zurück, sie setzten sich kurz hin und gingen dann. Schatzjade sagte lachend, er sei müde vom vielen Herumgehen, und ließ sich aufs Bett sinken. Er hatte erst eine halbe Tasse Tee getrunken, als von draußen lautes Geschnatter und Gelächter einer ganzen Schar Mädchen zu hören war, die hereinkam: Es waren Cuimo, Xiaoluo, Cuilu, Ruhua, Zhuan'er — Xing Höhlennebel Strafes Zofe —, die Amme mit der kleinen Qiaojie auf dem Arm, Cailuan, Xiuluan — acht oder neun Personen insgesamt, alle mit roten Filzdecken in den Armen, lachend. Sie riefen: „Die Geburtstagsgratulanten haben schon die Tür eingerannt — schnell bringt uns Nudeln zu essen!" Gerade als sie hereinkamen, erschienen auch Erkundefrühling, Xiangfluss-Wolke, Kostbarzither Schnee, Höhlennebel Strafe und Bedauerfrühling [惜春]. Schatzjade eilte ihnen lachend entgegen: „Ich wage es kaum, euch zu bemühen — schnell bereitet guten Tee!" Im Zimmer gab es das übliche höfliche Hin und Her, dann nahm jeder Platz. Dufthauch und die anderen brachten Tee; man hatte gerade den ersten Schluck genommen, da kam auch Friedchen, herausgeputzt wie eine blühende Blume. Schatzjade eilte ihr entgegen und lachte: „Ich war vorhin an Schwester Fengs Tür; man sagte mir, sie sei drinnen, und ich konnte sie nicht sehen. Ich habe dann jemanden hineingeschickt, um Schwester einzuladen." Friedchen lachte: „Ich war gerade dabei, deiner Schwester beim Frisieren zu helfen und konnte nicht herauskommen. Als ich dann hörte, dass du mich auch eingeladen hattest, fühlte ich mich dessen nicht würdig und bin eigens hergekommen, um dir den Kowtow zu machen." Schatzjade lachte: „Ich bin dessen auch nicht würdig." Dufthauch hatte im Vorzimmer bereits einen Sitz vorbereitet und lud sie ein. Friedchen machte einen Knicks; Schatzjade verbeugte sich unablässig. Friedchen kniete nieder; Schatzjade kniete ebenfalls eilig nieder; Dufthauch half ihnen schnell auf. Friedchen machte noch einen Knicks; Schatzjade erwiderte mit einer Verbeugung. Dufthauch schob Schatzjade lachend an: „Mach noch eine Verbeugung!" Schatzjade sagte: „Es ist doch schon vorbei — warum noch eine Verbeugung?" Dufthauch lachte: „Das war ihre Geburtstagsgratulation für dich. Heute ist aber auch ihr Geburtstag, also solltest auch du ihr gratulieren." Als Schatzjade das hörte, freute er sich und verbeugte sich eilig: „Ach, heute ist ja auch Schwesterchens Geburtstag!" Friedchen erwiderte unablässig mit Knicksen. Xiangfluss-Wolke zog Kostbarzither Schnee und Höhlennebel Strafe heran und sagte: „Ihr vier solltet euch gegenseitig gratulieren — den ganzen Tag lang!" Erkundefrühling fragte eilig: „Ach, Schwester Xing hat auch heute? Das hatte ich ganz vergessen!" Sie befahl hastig ihrem Mädchen: „Geh zur Zweiten Herrin und sag ihr, sie solle schnell noch ein Geschenk nachholen, dasselbe wie für Fräulein Qin, und es zum Zimmer des Zweiten Fräuleins bringen lassen." Das Mädchen ging. Höhlennebel Strafe, da Xiangfluss-Wolke es geradeheraus gesagt hatte, musste nun wohl oder übel in den verschiedenen Gemächern ihre Aufwartung machen.
  
Spürfrühling sagte lachend: „Es ist schon amüsant — zwölf Monate im Jahr, und jeden Monat gibt es mehrere Geburtstage. Bei so vielen Menschen kommt es zu solchen Zufällen: drei am selben Tag, zwei am selben Tag. Sogar der Neujahrstag wird nicht verschont — die älteste Schwester <ref>Urfrühling</ref> hat ihn für sich beansprucht. Kein Wunder, dass sie so großes Glück hat — ihr Geburtstag kommt allen zuvor. Es ist auch zugleich der Geburtstag des Urgroßvaters. Nach dem Laternenfest kommen die Alte Herrin und Schwester Bao <ref>Schatzspange [宝钗</ref>] — Mutter und Tochter treffen es zufällig. Am ersten des dritten Monats ist die Gnädige Frau dran, am neunten der Zweite Bruder Lian. Im zweiten Monat hat niemand Geburtstag." Dufthauch sagte: „Am zwölften des zweiten Monats ist Fräulein Lin — wie kann niemand sein? Nur ist sie eben nicht von unserem Haus." Spürfrühling lachte: „Was ist nur mit meinem Gedächtnis!" Schatzjade zeigte lachend auf Dufthauch: „Sie und die Jüngere Schwester Lin haben am gleichen Tag Geburtstag, deshalb erinnert sie sich." Spürfrühling lachte: „Ach so, ihr beiden habt am selben Tag! Jedes Jahr macht ihr uns nicht einmal einen einzigen Kowtow. Und Friedchens Geburtstag wussten wir auch nicht — das erfahren wir erst jetzt." Friedchen lachte: „Wir stehen ja nur auf der Namensliste der Dienerschaft; wir haben weder das Glück, Geburtstagsglückwünsche zu empfangen, noch den Rang, Geschenke entgegenzunehmen — wozu also Aufhebens machen? Da feiert man lieber still. Heute hat er es nun doch ausgeplaudert — wenn die Fräulein in ihre Zimmer zurückgehen, komme ich noch zum Gratulieren." Spürfrühling lachte: „Wir wollen dich auch nicht behelligen. Nur möchte ich heute unbedingt deinen Geburtstag feiern, sonst habe ich kein ruhiges Gewissen." Schatzjade, Wolke vom Xiang-Fluss und alle anderen stimmten einstimmig zu. Spürfrühling wies ihr Mädchen an: „Geh und sag der Herrin, wir alle zusammen haben gesagt, dass wir Friedchen heute den ganzen Tag nicht herauslassen. Wir haben auch alle zusammengelegt, um ihren Geburtstag zu feiern." Das Mädchen ging lachend davon. Nach einer Weile kam es zurück und sagte: „Die Zweite Herrin lässt sagen: Vielen Dank, dass die Fräulein ihr die Ehre erweisen. Sie möchte nur wissen, was es zu essen gibt; wenn man nur die Zweite Herrin nicht vergisst, wird sie kommen und sie nicht belästigen." Alle lachten.
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Erkundefrühling sagte lachend: „Es ist schon amüsant — zwölf Monate im Jahr, und jeden Monat gibt es mehrere Geburtstage. Bei so vielen Menschen kommt es zu solchen Zufällen: drei am selben Tag, zwei am selben Tag. Sogar der Neujahrstag wird nicht verschont — die älteste Schwester <ref>Urfrühling</ref> hat ihn für sich beansprucht. Kein Wunder, dass sie so großes Glück hat — ihr Geburtstag kommt allen zuvor. Es ist auch zugleich der Geburtstag des Urgroßvaters. Nach dem Laternenfest kommen die Alte Herrin und Schwester Bao <ref>Schatzspange [宝钗</ref>] — Mutter und Tochter treffen es zufällig. Am ersten des dritten Monats ist die Gnädige Frau dran, am neunten der Zweite Bruder Lian. Im zweiten Monat hat niemand Geburtstag." Dufthauch sagte: „Am zwölften des zweiten Monats ist Fräulein Lin — wie kann niemand sein? Nur ist sie eben nicht von unserem Haus." Erkundefrühling lachte: „Was ist nur mit meinem Gedächtnis!" Schatzjade zeigte lachend auf Dufthauch: „Sie und die Jüngere Schwester Lin haben am gleichen Tag Geburtstag, deshalb erinnert sie sich." Erkundefrühling lachte: „Ach so, ihr beiden habt am selben Tag! Jedes Jahr macht ihr uns nicht einmal einen einzigen Kowtow. Und Friedchens Geburtstag wussten wir auch nicht — das erfahren wir erst jetzt." Friedchen lachte: „Wir stehen ja nur auf der Namensliste der Dienerschaft; wir haben weder das Glück, Geburtstagsglückwünsche zu empfangen, noch den Rang, Geschenke entgegenzunehmen — wozu also Aufhebens machen? Da feiert man lieber still. Heute hat er es nun doch ausgeplaudert — wenn die Fräulein in ihre Zimmer zurückgehen, komme ich noch zum Gratulieren." Erkundefrühling lachte: „Wir wollen dich auch nicht behelligen. Nur möchte ich heute unbedingt deinen Geburtstag feiern, sonst habe ich kein ruhiges Gewissen." Schatzjade, Xiangfluss-Wolke und alle anderen stimmten einstimmig zu. Erkundefrühling wies ihr Mädchen an: „Geh und sag der Herrin, wir alle zusammen haben gesagt, dass wir Friedchen heute den ganzen Tag nicht herauslassen. Wir haben auch alle zusammengelegt, um ihren Geburtstag zu feiern." Das Mädchen ging lachend davon. Nach einer Weile kam es zurück und sagte: „Die Zweite Herrin lässt sagen: Vielen Dank, dass die Fräulein ihr die Ehre erweisen. Sie möchte nur wissen, was es zu essen gibt; wenn man nur die Zweite Herrin nicht vergisst, wird sie kommen und sie nicht belästigen." Alle lachten.
  
Spürfrühling sagte: „Es trifft sich gut, dass heute die Innenküche kein Essen vorbereitet; alles, die Nudeln und das Gemüse, wird von der Außenküche erledigt. Wir können also zusammenlegen und Frau Liu beauftragen, alles zu übernehmen, und es hier drinnen zubereiten lassen — das wäre doch praktisch." Alle stimmten zu. Spürfrühling schickte einerseits jemanden zu Li Schleierfrau und Schatzspange, um sie zu fragen, andererseits ließ sie Frau Liu hereinrufen und wies sie an, in der Innenküche schnell zwei Tische mit Speisen und Wein herzurichten. Frau Liu verstand nicht, was der Anlass war, und sagte, die Außenküche habe doch alles vorbereitet. Spürfrühling lachte: „Du weißt es ja noch nicht — heute ist Fräulein Friedchens Geburtstag! Was die Außenküche vorbereitet, ist für die Offiziellen da oben. Jetzt haben wir privat zusammengelegt und wollen eigens für Fräulein Friedchen zwei Tische vorbereiten, um sie zu bewirten. Du brauchst nur die feinsten und ausgefallensten Gerichte auszuwählen; die Rechnung reichst du bei mir ein." Frau Liu lachte: „Ach, heute ist also auch Fräulein Friedchens Geburtstag — das wusste ich gar nicht!" Damit machte sie vor Friedchen einen Kowtow; Friedchen zog sie erschrocken hoch. Frau Liu eilte davon, um das Festessen vorzubereiten.
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Erkundefrühling sagte: „Es trifft sich gut, dass heute die Innenküche kein Essen vorbereitet; alles, die Nudeln und das Gemüse, wird von der Außenküche erledigt. Wir können also zusammenlegen und Frau Liu beauftragen, alles zu übernehmen, und es hier drinnen zubereiten lassen — das wäre doch praktisch." Alle stimmten zu. Erkundefrühling schickte einerseits jemanden zu Seidenweiß Pflaume und Schatzspange, um sie zu fragen, andererseits ließ sie Frau Liu hereinrufen und wies sie an, in der Innenküche schnell zwei Tische mit Speisen und Wein herzurichten. Frau Liu verstand nicht, was der Anlass war, und sagte, die Außenküche habe doch alles vorbereitet. Erkundefrühling lachte: „Du weißt es ja noch nicht — heute ist Fräulein Friedchens Geburtstag! Was die Außenküche vorbereitet, ist für die Offiziellen da oben. Jetzt haben wir privat zusammengelegt und wollen eigens für Fräulein Friedchen zwei Tische vorbereiten, um sie zu bewirten. Du brauchst nur die feinsten und ausgefallensten Gerichte auszuwählen; die Rechnung reichst du bei mir ein." Frau Liu lachte: „Ach, heute ist also auch Fräulein Friedchens Geburtstag — das wusste ich gar nicht!" Damit machte sie vor Friedchen einen Kowtow; Friedchen zog sie erschrocken hoch. Frau Liu eilte davon, um das Festessen vorzubereiten.
  
Hier lud Spürfrühling noch Schatzjade ein, und alle gingen zusammen in den Saal, um Nudeln zu essen. Als Li Schleierfrau und Schatzspange vollzählig erschienen waren, schickte man auch nach Tante Schnee und Kajaljade [黛玉]. Da das Wetter mild war und Kajaljades Krankheit sich gebessert hatte, kam auch sie. Es war ein prachtvolles Bild — der Saal war voller Menschen.
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Hier lud Erkundefrühling noch Schatzjade ein, und alle gingen zusammen in den Saal, um Nudeln zu essen. Als Seidenweiß Pflaume und Schatzspange vollzählig erschienen waren, schickte man auch nach Tante Schnee und Kajaljade [黛玉]. Da das Wetter mild war und Kajaljades Krankheit sich gebessert hatte, kam auch sie. Es war ein prachtvolles Bild — der Saal war voller Menschen.
  
Xue Ke schickte noch Tücher, Fächer, Weihrauch und Seide als Geburtstagsgeschenke für Schatzjade. Schatzjade ging daraufhin zu ihm, um ihn beim Nudelessen zu begleiten. Beide Familien hatten Geburtstagswein bereitet und beschenkten sich gegenseitig. Zur Mittagszeit trank Schatzjade noch zwei Becher Wein mit Xue Ke. Schatzspange kam mit Schatzzither herüber, um Xue Ke die Riten zu erweisen und ihm einzuschenken. Dann ermahnte Schatzspange Xue Ke: „Den Wein von zu Hause brauchst du nicht mehr herüberschicken zu lassen — diese Förmlichkeit können wir uns sparen. Lade einfach die Angestellten zum Trinken ein. Bruder Bao und ich gehen wieder hinein; wir müssen noch Gäste bewirten und können dir nicht länger Gesellschaft leisten." Xue Ke beeilte sich zu sagen: „Schwester und Bruder mögen nur gehen — die Angestellten dürften ohnehin gleich kommen." Schatzjade entschuldigte sich eilig und ging mit seinen Schwestern zurück.
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Xue Ke schickte noch Tücher, Fächer, Weihrauch und Seide als Geburtstagsgeschenke für Schatzjade. Schatzjade ging daraufhin zu ihm, um ihn beim Nudelessen zu begleiten. Beide Familien hatten Geburtstagswein bereitet und beschenkten sich gegenseitig. Zur Mittagszeit trank Schatzjade noch zwei Becher Wein mit Xue Ke. Schatzspange kam mit Kostbarzither Schnee herüber, um Xue Ke die Riten zu erweisen und ihm einzuschenken. Dann ermahnte Schatzspange Xue Ke: „Den Wein von zu Hause brauchst du nicht mehr herüberschicken zu lassen — diese Förmlichkeit können wir uns sparen. Lade einfach die Angestellten zum Trinken ein. Bruder Bao und ich gehen wieder hinein; wir müssen noch Gäste bewirten und können dir nicht länger Gesellschaft leisten." Xue Ke beeilte sich zu sagen: „Schwester und Bruder mögen nur gehen — die Angestellten dürften ohnehin gleich kommen." Schatzjade entschuldigte sich eilig und ging mit seinen Schwestern zurück.
  
 
Kaum waren sie durch das Ecktor getreten, befahl Schatzspange einer Dienerin, die Tür abzuschließen, und nahm den Schlüssel an sich. Schatzjade sagte hastig: „Warum diese Tür abschließen? Es gehen doch nicht so viele Leute hier durch. Zudem sind die Tante, die Schwester und die jüngere Schwester alle drinnen — wenn jemand etwas von zu Hause holen muss, ist das doch umständlich." Schatzspange lachte: „Vorsicht ist besser als Nachsicht. Schau dir doch eure Seite an — all die Vorfälle der letzten Tage! Von unserer Seite war niemand betroffen — das zeigt doch, wie wirkungsvoll das Verschließen dieser Tür ist. Wenn sie offen stünde, könnten jene Leute die Abkürzung nehmen und hier durchlaufen — wen sollte man dann aufhalten? Lieber schließen wir ab; dann sind auch Mama und ich eingeschränkt, und niemand geht hier durch. Wenn dann etwas passiert, kann man es wenigstens nicht den Leuten von dieser Seite zur Last legen." Schatzjade lachte: „Da weiß also auch die Schwester von den Diebstählen bei uns in letzter Zeit?" Schatzspange lachte: „Du kennst nur die zwei Sachen mit dem Rosenwasser und dem Fulingcreme-Zucker — die kamen nur ans Licht, weil Personen verwickelt waren. Wären nicht Personen verwickelt gewesen, wüsstest du nicht einmal von diesen beiden. Aber es gibt noch einige Dinge, die bedeutender sind als diese beiden. Wenn sie künftig nicht ans Tageslicht kommen, ist es aller Glück; kommen sie heraus, werden noch viele Leute drinnen mit hineingezogen. Du kümmerst dich ja auch sonst nicht um solche Dinge, darum sage ich es dir. Friedchen ist ein kluger Mensch; ihr habe ich es neulich auch gesagt — eben weil ihre Herrin nicht draußen sein kann, musste ich sie ins Bild setzen. Wenn nichts herauskommt, lassen wir alle gern die Hände davon. Kommt es aber heraus, hat sie bereits einen Plan im Kopf und weiß, wie vorzugehen ist, sodass keine Unschuldigen leiden. Hör einfach auf mich: Sei künftig aufmerksam und vorsichtig — und erzähle das keinem zweiten Menschen."
 
Kaum waren sie durch das Ecktor getreten, befahl Schatzspange einer Dienerin, die Tür abzuschließen, und nahm den Schlüssel an sich. Schatzjade sagte hastig: „Warum diese Tür abschließen? Es gehen doch nicht so viele Leute hier durch. Zudem sind die Tante, die Schwester und die jüngere Schwester alle drinnen — wenn jemand etwas von zu Hause holen muss, ist das doch umständlich." Schatzspange lachte: „Vorsicht ist besser als Nachsicht. Schau dir doch eure Seite an — all die Vorfälle der letzten Tage! Von unserer Seite war niemand betroffen — das zeigt doch, wie wirkungsvoll das Verschließen dieser Tür ist. Wenn sie offen stünde, könnten jene Leute die Abkürzung nehmen und hier durchlaufen — wen sollte man dann aufhalten? Lieber schließen wir ab; dann sind auch Mama und ich eingeschränkt, und niemand geht hier durch. Wenn dann etwas passiert, kann man es wenigstens nicht den Leuten von dieser Seite zur Last legen." Schatzjade lachte: „Da weiß also auch die Schwester von den Diebstählen bei uns in letzter Zeit?" Schatzspange lachte: „Du kennst nur die zwei Sachen mit dem Rosenwasser und dem Fulingcreme-Zucker — die kamen nur ans Licht, weil Personen verwickelt waren. Wären nicht Personen verwickelt gewesen, wüsstest du nicht einmal von diesen beiden. Aber es gibt noch einige Dinge, die bedeutender sind als diese beiden. Wenn sie künftig nicht ans Tageslicht kommen, ist es aller Glück; kommen sie heraus, werden noch viele Leute drinnen mit hineingezogen. Du kümmerst dich ja auch sonst nicht um solche Dinge, darum sage ich es dir. Friedchen ist ein kluger Mensch; ihr habe ich es neulich auch gesagt — eben weil ihre Herrin nicht draußen sein kann, musste ich sie ins Bild setzen. Wenn nichts herauskommt, lassen wir alle gern die Hände davon. Kommt es aber heraus, hat sie bereits einen Plan im Kopf und weiß, wie vorzugehen ist, sodass keine Unschuldigen leiden. Hör einfach auf mich: Sei künftig aufmerksam und vorsichtig — und erzähle das keinem zweiten Menschen."
  
Während sie so sprachen, gelangten sie an den Qinfang-Pavillon <ref>‚Pavillon des durchdringenden Dufts'</ref>. Dort sahen sie Dufthauch, Xiangling, Daishu, Suyun, Heitermuster, Moschusmond, Fangguan, Ruiguan, Ouguan und etwa zehn andere, die den Fischen zuschauten und sich vergnügten. Als sie die Ankommenden sahen, riefen sie: „Im Päonien-Gatter ist alles vorbereitet — kommt schnell zum Festmahl!" Schatzspange und die anderen gingen mit ihnen gemeinsam zum Hongxiangpu <ref>‚Rotes Duft-Beet'</ref>, dem kleinen, dreijochigen, offenen Pavillon inmitten der Päonienbeete. Sogar Frau You war eingeladen worden und schon da; alle waren versammelt, nur Friedchen fehlte noch.
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Während sie so sprachen, gelangten sie an den Qinfang-Pavillon <ref>‚Pavillon des durchdringenden Dufts'</ref>. Dort sahen sie Dufthauch, Duftkastanie, Daishu, Suyun, Heitermuster, Moschusmond, Duftblümchen, Ruiguan, Lotoswürzlein und etwa zehn andere, die den Fischen zuschauten und sich vergnügten. Als sie die Ankommenden sahen, riefen sie: „Im Päonien-Gatter ist alles vorbereitet — kommt schnell zum Festmahl!" Schatzspange und die anderen gingen mit ihnen gemeinsam zum Hongxiangpu <ref>‚Rotes Duft-Beet'</ref>, dem kleinen, dreijochigen, offenen Pavillon inmitten der Päonienbeete. Sogar Dame Sonders war eingeladen worden und schon da; alle waren versammelt, nur Friedchen fehlte noch.
  
 
Friedchen war nämlich hinausgegangen, denn aus den Familien Lai, Lin und anderen kamen Geburtstagsgeschenke in rascher Folge. Dienstboten aller Ränge — oberer, mittlerer und unterer — kamen in großer Zahl, um zu gratulieren und Geschenke zu bringen. Friedchen war damit beschäftigt, Trinkgelder auszugeben und sich zu bedanken, und berichtete gleichzeitig jedes Geschenk einzeln Phönixglanz — einige behielt man, andere lehnte man ab, wieder andere nahm man an und verschenkte sie sogleich weiter. Nachdem sie eine Weile geschäftig gewesen war, wartete sie noch, bis Phönixglanz ihre Nudeln gegessen hatte, wechselte dann die Kleidung und kam in den Garten.
 
Friedchen war nämlich hinausgegangen, denn aus den Familien Lai, Lin und anderen kamen Geburtstagsgeschenke in rascher Folge. Dienstboten aller Ränge — oberer, mittlerer und unterer — kamen in großer Zahl, um zu gratulieren und Geschenke zu bringen. Friedchen war damit beschäftigt, Trinkgelder auszugeben und sich zu bedanken, und berichtete gleichzeitig jedes Geschenk einzeln Phönixglanz — einige behielt man, andere lehnte man ab, wieder andere nahm man an und verschenkte sie sogleich weiter. Nachdem sie eine Weile geschäftig gewesen war, wartete sie noch, bis Phönixglanz ihre Nudeln gegessen hatte, wechselte dann die Kleidung und kam in den Garten.
  
Kaum hatte sie den Garten betreten, kamen einige Mädchen, um sie abzuholen, und zusammen gingen sie zum Hongxiangpu. Dort waren die Tische mit Schildpattgeschirr gedeckt und die Sitzpolster mit Lotosblumenmuster ausgelegt. Alle lachten: „Das Geburtstagskind ist vollzählig!" Oben sollten vier Sitze den vier Geburtstagskindern vorbehalten sein, doch alle vier weigerten sich. Tante Schnee sagte: „Ich bin alt und passe nicht in eure Runde; ich fühle mich befangen. Lieber lege ich mich draußen im Saal gemütlich hin — das wäre angenehmer. Ich kann ohnehin nicht viel essen und trinke kaum Wein; wenn ich Platz mache, ist es für die anderen bequemer." Frau You und die anderen bestanden darauf, doch Schatzspange sagte: „Das geht schon in Ordnung. Mama soll es sich im Saal bequem machen — man kann ihr von dem, was sie gern isst, etwas hinüberschicken, dann ist sie zufriedener. Außerdem ist dort vorne niemand, und sie kann ein Auge darauf haben." Spürfrühling und die anderen lachten: „Wenn es so ist — Gehorsam ist besser als Höflichkeit." Also begleiteten sie sie zum Beratungssaal, sahen zu, wie die Mädchen einen Brokatpolster, Rückenlehne und Kissen auflegten, und ermahnte sie: „Massiert der Tante ordentlich die Beine, und wenn sie Tee oder Wasser will, drückt euch nicht davor. Nachher wird Essen gebracht — wenn die Tante gegessen hat, bekommt ihr den Rest. Nur geht nicht von hier weg!" Die kleinen Mädchen antworteten alle brav.
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Kaum hatte sie den Garten betreten, kamen einige Mädchen, um sie abzuholen, und zusammen gingen sie zum Hongxiangpu. Dort waren die Tische mit Schildpattgeschirr gedeckt und die Sitzpolster mit Lotosblumenmuster ausgelegt. Alle lachten: „Das Geburtstagskind ist vollzählig!" Oben sollten vier Sitze den vier Geburtstagskindern vorbehalten sein, doch alle vier weigerten sich. Tante Schnee sagte: „Ich bin alt und passe nicht in eure Runde; ich fühle mich befangen. Lieber lege ich mich draußen im Saal gemütlich hin — das wäre angenehmer. Ich kann ohnehin nicht viel essen und trinke kaum Wein; wenn ich Platz mache, ist es für die anderen bequemer." Dame Sonders und die anderen bestanden darauf, doch Schatzspange sagte: „Das geht schon in Ordnung. Mama soll es sich im Saal bequem machen — man kann ihr von dem, was sie gern isst, etwas hinüberschicken, dann ist sie zufriedener. Außerdem ist dort vorne niemand, und sie kann ein Auge darauf haben." Erkundefrühling und die anderen lachten: „Wenn es so ist — Gehorsam ist besser als Höflichkeit." Also begleiteten sie sie zum Beratungssaal, sahen zu, wie die Mädchen einen Brokatpolster, Rückenlehne und Kissen auflegten, und ermahnte sie: „Massiert der Tante ordentlich die Beine, und wenn sie Tee oder Wasser will, drückt euch nicht davor. Nachher wird Essen gebracht — wenn die Tante gegessen hat, bekommt ihr den Rest. Nur geht nicht von hier weg!" Die kleinen Mädchen antworteten alle brav.
  
Spürfrühling und die anderen kehrten zurück. Schließlich einigte man sich, dass Schatzzither und Xiuyan oben saßen, Friedchen mit dem Gesicht nach Westen und Schatzjade nach Osten. Spürfrühling hatte auch Mandarinenente [鸳鸯] <ref>die Lieblingszofe der Alten Herrin</ref> eingeladen, und die beiden saßen nebeneinander, ihnen gegenüber als Gastgeberinnen. Am westlichen Tisch saßen Schatzspange, Kajaljade, Wolke vom Xiang-Fluss, Willkommensfrühling und Bewahrfrühling, und man zog noch Xiangling und Yuchuan'er als Beigesellinnen hinzu. Am dritten Tisch saßen Frau You und Li Schleierfrau, die noch Dufthauch und Caiyun zu sich holten. Am vierten Tisch saßen Purpurkuckuck, Ying'er, Heitermuster, Xiaoluo, Schachspielerin und andere. Nun wollten Spürfrühling und die anderen noch das Zeremonielle des Einschenkens durchführen, aber die vier Geburtstagskinder sagten alle: „Wenn wir so weitermachen, sitzen wir den ganzen Tag nur bei den Förmlichkeiten!" Also ließ man es sein. Zwei Geschichtenerzählerinnen wollten zur Geburtstagsfeier ein Erzähllied vortragen, doch alle sagten: „Wir haben keine Lust, euch wilde Geschichten zuzuhören — geht in den Saal und unterhaltet die Tante!" Gleichzeitig wählte man verschiedene Speisen aus und ließ sie Tante Schnee bringen.
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Erkundefrühling und die anderen kehrten zurück. Schließlich einigte man sich, dass Kostbarzither Schnee und Höhlennebel Strafe oben saßen, Friedchen mit dem Gesicht nach Westen und Schatzjade nach Osten. Erkundefrühling hatte auch Mandarinenente [鸳鸯] <ref>die Lieblingszofe der Alten Herrin</ref> eingeladen, und die beiden saßen nebeneinander, ihnen gegenüber als Gastgeberinnen. Am westlichen Tisch saßen Schatzspange, Kajaljade, Xiangfluss-Wolke, Willkommensfrühling und Bedauerfrühling, und man zog noch Duftkastanie und Jadearmreif als Beigesellinnen hinzu. Am dritten Tisch saßen Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume, die noch Dufthauch und Farbwölkchen zu sich holten. Am vierten Tisch saßen Purpurkuckuck, Ying'er, Heitermuster, Xiaoluo, Schachspielerin und andere. Nun wollten Erkundefrühling und die anderen noch das Zeremonielle des Einschenkens durchführen, aber die vier Geburtstagskinder sagten alle: „Wenn wir so weitermachen, sitzen wir den ganzen Tag nur bei den Förmlichkeiten!" Also ließ man es sein. Zwei Geschichtenerzählerinnen wollten zur Geburtstagsfeier ein Erzähllied vortragen, doch alle sagten: „Wir haben keine Lust, euch wilde Geschichten zuzuhören — geht in den Saal und unterhaltet die Tante!" Gleichzeitig wählte man verschiedene Speisen aus und ließ sie Tante Schnee bringen.
  
Schatzjade sagte: „Einfach nur so zu sitzen, ist langweilig — wir sollten ein Trinkspiel spielen." Die einen sagten, dieses Spiel sei gut, die anderen jenes. Kajaljade sagte: „Ich schlage vor, wir nehmen Pinsel und Tusche, schreiben alle Spiele auf, rollen sie zu Losen zusammen und ziehen eins heraus — welches gezogen wird, das spielen wir." Alle fanden das ausgezeichnet. Man holte ein Set Pinsel, Tusche und Blumenpapier. Xiangling hatte in letzter Zeit Gedichte studiert und übte täglich das Schreiben; als sie die Schreibutensilien sah, konnte sie sich nicht zurückhalten, stand sofort auf und sagte: „Ich schreibe!" Alle überlegten eine Weile und kamen auf etwa zehn Spiele, die sie diktierten und die Xiangling eins nach dem anderen aufschrieb, zusammenrollte und in eine Vase warf. Spürfrühling ließ Friedchen ziehen. Friedchen rührte darin und zog mit den Essstäbchen eins heraus. Man öffnete es — darauf stand: „Shefu" <ref>‚Rätsel verstecken und erraten', ein altes, anspruchsvolles literarisches Trinkspiel</ref>. Schatzspange lachte: „Da habt ihr den Urahn aller Trinkspiele herausgezogen! Das Shefu gibt es seit dem Altertum; die ursprüngliche Form ist verloren gegangen, und dies ist eine spätere Fassung — schwieriger als alle anderen Spiele. Die Hälfte hier kann es nicht. Besser, wir vernichten das Los und ziehen ein anderes, das für jeden etwas bietet." Spürfrühling lachte: „Was einmal gezogen ist, kann man nicht vernichten. Wir ziehen jetzt noch eins; wenn das für jedermann geeignet ist, spielen jene das, und wir spielen Shefu." Dann ließ sie Dufthauch ziehen, und es war: „Muzhang" <ref>‚Daumenkrieg', das bekannte Fingerspiel</ref>. Wolke vom Xiang-Fluss sagte lachend: „Das ist kurz und bündig — ganz nach meinem Geschmack! Ich spiele nicht dieses Shefu — das ist ja zum Einschlafen langweilig. Ich gehe Fingerschnalzen!" Spürfrühling sagte: „Nur sie bringt die Ordnung durcheinander — Schwester Bao, bestrafe sie schnell mit einem Becher!" Schatzspange ließ sich nicht bitten und flößte Wolke vom Xiang-Fluss einen Becher ein.
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Schatzjade sagte: „Einfach nur so zu sitzen, ist langweilig — wir sollten ein Trinkspiel spielen." Die einen sagten, dieses Spiel sei gut, die anderen jenes. Kajaljade sagte: „Ich schlage vor, wir nehmen Pinsel und Tusche, schreiben alle Spiele auf, rollen sie zu Losen zusammen und ziehen eins heraus — welches gezogen wird, das spielen wir." Alle fanden das ausgezeichnet. Man holte ein Set Pinsel, Tusche und Blumenpapier. Duftkastanie hatte in letzter Zeit Gedichte studiert und übte täglich das Schreiben; als sie die Schreibutensilien sah, konnte sie sich nicht zurückhalten, stand sofort auf und sagte: „Ich schreibe!" Alle überlegten eine Weile und kamen auf etwa zehn Spiele, die sie diktierten und die Duftkastanie eins nach dem anderen aufschrieb, zusammenrollte und in eine Vase warf. Erkundefrühling ließ Friedchen ziehen. Friedchen rührte darin und zog mit den Essstäbchen eins heraus. Man öffnete es — darauf stand: „Shefu" <ref>‚Rätsel verstecken und erraten', ein altes, anspruchsvolles literarisches Trinkspiel</ref>. Schatzspange lachte: „Da habt ihr den Urahn aller Trinkspiele herausgezogen! Das Shefu gibt es seit dem Altertum; die ursprüngliche Form ist verloren gegangen, und dies ist eine spätere Fassung — schwieriger als alle anderen Spiele. Die Hälfte hier kann es nicht. Besser, wir vernichten das Los und ziehen ein anderes, das für jeden etwas bietet." Erkundefrühling lachte: „Was einmal gezogen ist, kann man nicht vernichten. Wir ziehen jetzt noch eins; wenn das für jedermann geeignet ist, spielen jene das, und wir spielen Shefu." Dann ließ sie Dufthauch ziehen, und es war: „Muzhang" <ref>‚Daumenkrieg', das bekannte Fingerspiel</ref>. Xiangfluss-Wolke sagte lachend: „Das ist kurz und bündig — ganz nach meinem Geschmack! Ich spiele nicht dieses Shefu — das ist ja zum Einschlafen langweilig. Ich gehe Fingerschnalzen!" Erkundefrühling sagte: „Nur sie bringt die Ordnung durcheinander — Schwester Bao, bestrafe sie schnell mit einem Becher!" Schatzspange ließ sich nicht bitten und flößte Xiangfluss-Wolke einen Becher ein.
  
Spürfrühling sagte: „Ich trinke einen Becher — ich bin die Spielleiterin und brauche nichts zu erklären; hört einfach auf meine Anweisungen." Sie ließ die Spielwürfel und den Würfelbecher bringen. „Von Schwester Qin angefangen wird der Reihe nach gewürfelt; wer die gleiche Zahl hat, die beiden spielen Shefu." Schatzzither warf eine Drei. Xiuyan, Schatzjade und die anderen warfen alle andere Zahlen; erst Xiangling warf ebenfalls eine Drei. Schatzzither lachte: „Es muss sich auf etwas hier im Raum beziehen — wenn es auf etwas draußen geht, wäre das zu weit hergeholt." Spürfrühling sagte: „Selbstverständlich. Wer es dreimal nicht errät, trinkt einen Strafbecher. Du versteckst, sie errät." Schatzzither überlegte einen Moment und sagte das Zeichen „alt" (老 lǎo). Xiangling, die in diesem Spiel nicht geübt war, konnte auf die Schnelle nichts finden; sie sah sich im ganzen Raum um, fand aber kein Sprichwort, das mit „alt" zusammenhing. Wolke vom Xiang-Fluss hatte als Erste zugehört und sah sich nun auch eifrig um; plötzlich bemerkte sie über dem Türsturz die drei Zeichen „Hongxiangpu" (Rotes Duft-Beet) und wusste, dass Schatzzither das Zeichen „pu" (Garten) meinte — aus dem Confucius-Ausspruch „Ich bin nicht so gut wie ein alter Gärtner" (吾不如老圃). Da Xiangling es nicht erraten konnte und die Trommeln zur Eile mahnten, zog Wolke vom Xiang-Fluss heimlich an Xianglings Ärmel und flüsterte ihr zu, sie solle „Medizin" (藥 yào) sagen <ref>藥 reimt als Anspielung auf 芍 (Päonie), da der Saal im Päoniengarten steht</ref>. Kajaljade aber hatte es gesehen und rief: „Bestraft sie schnell — da wird wieder heimlich weitergegeben!" Alle erfuhren es sofort, und man bestrafte Wolke vom Xiang-Fluss mit einem weiteren Becher. Wolke vom Xiang-Fluss schlug verärgert mit den Essstäbchen auf Kajaljades Hand. Dann wurde auch Xiangling mit einem Becher bestraft. Als Nächstes hatten Schatzspange und Spürfrühling dieselbe Augenzahl. Spürfrühling versteckte das Zeichen „Mensch" (人 rén). Schatzspange lachte: „Dieses ‚Mensch' ist aber reichlich vage." Spürfrühling lachte: „Ich füge ein Zeichen hinzu — zwei versteckte für einen Ratetipp, dann ist es nicht mehr vage." Darauf sagte sie das Zeichen „Fenster" (窗 chuāng). Schatzspange überlegte; da sie auf dem Tisch Huhn sah, erriet sie, dass Spürfrühling die beiden Begriffe „Hühnerfenster" (雞窗) und „Hühnermann" (雞人, der Hahn-Rufbeamte) verwendete, und riet auf „Sitzstange" (塒 shí) <ref>aus dem Shijing: „Das Huhn geht auf die Sitzstange" 雞棲於塒</ref>. Spürfrühling erkannte, dass Schatzspange richtig geraten hatte, und beide lachten; jede trank einen Schluck aus ihrem Türbecher.
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Erkundefrühling sagte: „Ich trinke einen Becher — ich bin die Spielleiterin und brauche nichts zu erklären; hört einfach auf meine Anweisungen." Sie ließ die Spielwürfel und den Würfelbecher bringen. „Von Schwester Qin angefangen wird der Reihe nach gewürfelt; wer die gleiche Zahl hat, die beiden spielen Shefu." Kostbarzither Schnee warf eine Drei. Höhlennebel Strafe, Schatzjade und die anderen warfen alle andere Zahlen; erst Duftkastanie warf ebenfalls eine Drei. Kostbarzither Schnee lachte: „Es muss sich auf etwas hier im Raum beziehen — wenn es auf etwas draußen geht, wäre das zu weit hergeholt." Erkundefrühling sagte: „Selbstverständlich. Wer es dreimal nicht errät, trinkt einen Strafbecher. Du versteckst, sie errät." Kostbarzither Schnee überlegte einen Moment und sagte das Zeichen „alt" (老 lǎo). Duftkastanie, die in diesem Spiel nicht geübt war, konnte auf die Schnelle nichts finden; sie sah sich im ganzen Raum um, fand aber kein Sprichwort, das mit „alt" zusammenhing. Xiangfluss-Wolke hatte als Erste zugehört und sah sich nun auch eifrig um; plötzlich bemerkte sie über dem Türsturz die drei Zeichen „Hongxiangpu" (Rotes Duft-Beet) und wusste, dass Kostbarzither Schnee das Zeichen „pu" (Garten) meinte — aus dem Confucius-Ausspruch „Ich bin nicht so gut wie ein alter Gärtner" (吾不如老圃). Da Duftkastanie es nicht erraten konnte und die Trommeln zur Eile mahnten, zog Xiangfluss-Wolke heimlich an Duftkastanies Ärmel und flüsterte ihr zu, sie solle „Medizin" (藥 yào) sagen <ref>藥 reimt als Anspielung auf 芍 (Päonie), da der Saal im Päoniengarten steht</ref>. Kajaljade aber hatte es gesehen und rief: „Bestraft sie schnell — da wird wieder heimlich weitergegeben!" Alle erfuhren es sofort, und man bestrafte Xiangfluss-Wolke mit einem weiteren Becher. Xiangfluss-Wolke schlug verärgert mit den Essstäbchen auf Kajaljades Hand. Dann wurde auch Duftkastanie mit einem Becher bestraft. Als Nächstes hatten Schatzspange und Erkundefrühling dieselbe Augenzahl. Erkundefrühling versteckte das Zeichen „Mensch" (人 rén). Schatzspange lachte: „Dieses ‚Mensch' ist aber reichlich vage." Erkundefrühling lachte: „Ich füge ein Zeichen hinzu — zwei versteckte für einen Ratetipp, dann ist es nicht mehr vage." Darauf sagte sie das Zeichen „Fenster" (窗 chuāng). Schatzspange überlegte; da sie auf dem Tisch Huhn sah, erriet sie, dass Erkundefrühling die beiden Begriffe „Hühnerfenster" (雞窗) und „Hühnermann" (雞人, der Hahn-Rufbeamte) verwendete, und riet auf „Sitzstange" (塒 shí) <ref>aus dem Shijing: „Das Huhn geht auf die Sitzstange" 雞棲於塒</ref>. Erkundefrühling erkannte, dass Schatzspange richtig geraten hatte, und beide lachten; jede trank einen Schluck aus ihrem Türbecher.
  
Wolke vom Xiang-Fluss konnte nicht länger warten und rief schon mit Schatzjade „Drei!" und „Fünf!" und warf die Finger. Drüben riefen auch Frau You und Mandarinenente über den Tisch hinweg „Sieben!" und „Acht!" und spielten ebenfalls. Friedchen und Dufthauch bildeten ein weiteres Paar; es klirrte und klapperte nur so von den Armreifen an ihren Handgelenken. Bald hatte Wolke vom Xiang-Fluss gegen Schatzjade gewonnen, Dufthauch gegen Friedchen, und Frau You gegen Mandarinenente. Die drei Verlierer mussten eine „Weinoberfläche" und einen „Weinboden" liefern <ref>‚Weinoberfläche': ein literarisches Zitat vor dem Trinken; ‚Weinboden': ein Spruch nach dem Trinken</ref>. Wolke vom Xiang-Fluss legte fest: „Die ‚Weinoberfläche' muss einen Satz aus einem klassischen Text, einen Vers aus einem alten Gedicht, einen Namen aus dem Dominospiel, einen Namen einer Opernmelodie und einen Satz aus dem Staatskalender enthalten — alles zusammen zu einem sinnvollen Satz verbunden. Der ‚Weinboden' muss der Name einer Frucht oder eines Gemüses sein, das etwas mit Menschen zu tun hat." Alle lachten: „Nur ihre Spielregeln sind so umständlich wie ihre Reden, aber es hat durchaus seinen Reiz." Man trieb Schatzjade, schnell zu beginnen. Schatzjade lachte: „Wer hat so etwas je gesagt — lasst mich wenigstens nachdenken!" Kajaljade sagte: „Trink noch einen Becher mehr, ich sage es für dich." Schatzjade trank tatsächlich, und dann hörte er Kajaljade sagen:
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Xiangfluss-Wolke konnte nicht länger warten und rief schon mit Schatzjade „Drei!" und „Fünf!" und warf die Finger. Drüben riefen auch Dame Sonders und Mandarinenente über den Tisch hinweg „Sieben!" und „Acht!" und spielten ebenfalls. Friedchen und Dufthauch bildeten ein weiteres Paar; es klirrte und klapperte nur so von den Armreifen an ihren Handgelenken. Bald hatte Xiangfluss-Wolke gegen Schatzjade gewonnen, Dufthauch gegen Friedchen, und Dame Sonders gegen Mandarinenente. Die drei Verlierer mussten eine „Weinoberfläche" und einen „Weinboden" liefern <ref>‚Weinoberfläche': ein literarisches Zitat vor dem Trinken; ‚Weinboden': ein Spruch nach dem Trinken</ref>. Xiangfluss-Wolke legte fest: „Die ‚Weinoberfläche' muss einen Satz aus einem klassischen Text, einen Vers aus einem alten Gedicht, einen Namen aus dem Dominospiel, einen Namen einer Opernmelodie und einen Satz aus dem Staatskalender enthalten — alles zusammen zu einem sinnvollen Satz verbunden. Der ‚Weinboden' muss der Name einer Frucht oder eines Gemüses sein, das etwas mit Menschen zu tun hat." Alle lachten: „Nur ihre Spielregeln sind so umständlich wie ihre Reden, aber es hat durchaus seinen Reiz." Man trieb Schatzjade, schnell zu beginnen. Schatzjade lachte: „Wer hat so etwas je gesagt — lasst mich wenigstens nachdenken!" Kajaljade sagte: „Trink noch einen Becher mehr, ich sage es für dich." Schatzjade trank tatsächlich, und dann hörte er Kajaljade sagen:
  
 
  Abendrot und einsame Wildgans fliegen gemeinsam empor;
 
  Abendrot und einsame Wildgans fliegen gemeinsam empor;
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Nach dem Spiel sagten auch Mandarinenente, Dufthauch und die anderen je ein Sprichwort mit dem Zeichen „Langlebigkeit" (壽) darin — was hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden kann.
 
Nach dem Spiel sagten auch Mandarinenente, Dufthauch und die anderen je ein Sprichwort mit dem Zeichen „Langlebigkeit" (壽) darin — was hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden kann.
  
Alle spielten der Reihe nach wild durcheinander. Dann hatten oben Wolke vom Xiang-Fluss und Schatzzither dieselbe Augenzahl, und Li Schleierfrau und Xiuyan ebenfalls. Li Schleierfrau versteckte das Zeichen „Kürbisflasche" (瓢 piáo), Xiuyan riet „grün" (綠 lǜ) <ref>Aus dem Vers „Eine Kürbisflasche an der grünen Wand" bzw. dem Sprichwort „leere grüne Kürbisflasche"</ref>. Die beiden verstanden sich und tranken je einen Schluck. Wolke vom Xiang-Fluss aber verlor beim Fingerspiel und wurde zur „Weinoberfläche" und zum „Weinboden" aufgefordert. Schatzzither lachte: „Bitte den Herrn in seinen eigenen Kessel!" <ref>Anspielung auf die Tang-Geschichte der Verfolgung des Rebellenanführers</ref>. Alle lachten und sagten: „Der Ausdruck passt perfekt!" Wolke vom Xiang-Fluss sprach:
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Alle spielten der Reihe nach wild durcheinander. Dann hatten oben Xiangfluss-Wolke und Kostbarzither Schnee dieselbe Augenzahl, und Seidenweiß Pflaume und Höhlennebel Strafe ebenfalls. Seidenweiß Pflaume versteckte das Zeichen „Kürbisflasche" (瓢 piáo), Höhlennebel Strafe riet „grün" (綠 lǜ) <ref>Aus dem Vers „Eine Kürbisflasche an der grünen Wand" bzw. dem Sprichwort „leere grüne Kürbisflasche"</ref>. Die beiden verstanden sich und tranken je einen Schluck. Xiangfluss-Wolke aber verlor beim Fingerspiel und wurde zur „Weinoberfläche" und zum „Weinboden" aufgefordert. Kostbarzither Schnee lachte: „Bitte den Herrn in seinen eigenen Kessel!" <ref>Anspielung auf die Tang-Geschichte der Verfolgung des Rebellenanführers</ref>. Alle lachten und sagten: „Der Ausdruck passt perfekt!" Xiangfluss-Wolke sprach:
  
 
  Tosend und donnernd brausend;
 
  Tosend und donnernd brausend;
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  Ungeeignet zum Reisen.
 
  Ungeeignet zum Reisen.
  
Alle lachten: „Was für ein herzzerreißender Unsinn! Kein Wunder, dass sie dieses Spiel vorgeschlagen hat — absichtlich, um alle zum Lachen zu bringen!" Dann wollte man ihren Weinboden hören. Wolke vom Xiang-Fluss trank ihren Wein, nahm ein Stück Entenfleisch zum Kauen und entdeckte in der Schüssel einen halben Entenkopf, den sie herausfischte, um das Hirn zu essen. Alle drängten sie: „Hör auf, nur zu essen — sag endlich deinen Spruch!" Wolke vom Xiang-Fluss hielt den Entenkopf mit den Essstäbchen hoch und sprach:
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Alle lachten: „Was für ein herzzerreißender Unsinn! Kein Wunder, dass sie dieses Spiel vorgeschlagen hat — absichtlich, um alle zum Lachen zu bringen!" Dann wollte man ihren Weinboden hören. Xiangfluss-Wolke trank ihren Wein, nahm ein Stück Entenfleisch zum Kauen und entdeckte in der Schüssel einen halben Entenkopf, den sie herausfischte, um das Hirn zu essen. Alle drängten sie: „Hör auf, nur zu essen — sag endlich deinen Spruch!" Xiangfluss-Wolke hielt den Entenkopf mit den Essstäbchen hoch und sprach:
  
 
  Dieser Entenkopf (yatou) ist nicht jenes Dienstmädchen (yatou);
 
  Dieser Entenkopf (yatou) ist nicht jenes Dienstmädchen (yatou);
 
  Woher nähme die Magd wohl Osmanthusöl für ihr Haar?
 
  Woher nähme die Magd wohl Osmanthusöl für ihr Haar?
  
Alle brachen in noch lauteres Gelächter aus. Heitermuster, Xiaoluo, Ying'er und eine ganze Schar kamen herbei und riefen: „Fräulein Yun macht sich über uns lustig! Bestraft sie schnell mit einem Becher! Wieso sollten ausgerechnet wir Osmanthusöl verwenden? Im Gegenteil, jede von uns sollte ein Fläschchen Osmanthusöl bekommen!" Kajaljade lachte: „Sie würde euch gern ein Fläschchen Öl geben, fürchtet aber, dabei in einen Diebstahlsprozess verwickelt zu werden." <ref>Anspielung auf den gerade erst beigelegten Diebstahl des Rosenwassers.</ref> Die anderen beachteten es nicht weiter, aber Schatzjade verstand sofort und senkte den Kopf. Caiyun, die ein schlechtes Gewissen hatte, wurde unwillkürlich rot. Schatzspange warf Kajaljade schnell einen verstohlenen Blick zu. Kajaljade bereute ihren Versprecher — sie hatte eigentlich Schatzjade necken wollen, doch dabei vergessen, dass sie Caiyun damit bloßstellte. Hastig lenkte sie mit einer Runde Spielen und Fingerwerfen ab.
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Alle brachen in noch lauteres Gelächter aus. Heitermuster, Xiaoluo, Ying'er und eine ganze Schar kamen herbei und riefen: „Fräulein Yun macht sich über uns lustig! Bestraft sie schnell mit einem Becher! Wieso sollten ausgerechnet wir Osmanthusöl verwenden? Im Gegenteil, jede von uns sollte ein Fläschchen Osmanthusöl bekommen!" Kajaljade lachte: „Sie würde euch gern ein Fläschchen Öl geben, fürchtet aber, dabei in einen Diebstahlsprozess verwickelt zu werden." <ref>Anspielung auf den gerade erst beigelegten Diebstahl des Rosenwassers.</ref> Die anderen beachteten es nicht weiter, aber Schatzjade verstand sofort und senkte den Kopf. Farbwölkchen, die ein schlechtes Gewissen hatte, wurde unwillkürlich rot. Schatzspange warf Kajaljade schnell einen verstohlenen Blick zu. Kajaljade bereute ihren Versprecher — sie hatte eigentlich Schatzjade necken wollen, doch dabei vergessen, dass sie Farbwölkchen damit bloßstellte. Hastig lenkte sie mit einer Runde Spielen und Fingerwerfen ab.
  
Dann hatten Schatzjade und Schatzspange dieselbe Augenzahl. Schatzspange versteckte das Zeichen „Schatz" (寶 bǎo). Schatzjade überlegte und erkannte, dass Schatzspange scherzhaft auf sein Tonglingyu <ref>den Jade des Numinosen Verstehens, den Schatzjade um den Hals trägt</ref> anspielte. Er lachte: „Schwester macht sich lustig über mich, aber ich habe es erraten. Schwester möge nicht böse sein — es ist das Zeichen aus Schwesterchens Name, nämlich ‚Haarnadel' (釵 chāi)." Alle fragten: „Wie das?" Schatzjade sagte: „Sie sagte ‚Schatz' (寶), und darunter folgt natürlich ‚Jade' (玉). Ich rate ‚Haarnadel' (釵), und in einem alten Gedicht heißt es: ‚Die Jadehaarnadel zerbricht, die rote Kerze erkalt' — trifft das nicht zu?" Wolke vom Xiang-Fluss sagte: „Diese Verwendung aktueller Anspielungen geht nicht — beide sollten bestraft werden!" Xiangling sagte eilig: „Es ist nicht nur eine aktuelle Anspielung — es gibt auch einen klassischen Beleg!" Wolke vom Xiang-Fluss sagte: „‚Schatzjade' als zwei Zeichen zusammen haben keinen klassischen Beleg; das steht vielleicht auf Neujahrssprüchen, aber in der Dichtung und den kanonischen Schriften findet es sich nicht." Xiangling sagte: „Neulich, als ich die fünfsilbrigen Regelgedichte von Cen Jiazhou <ref>Cen Shen, Tang-Dichter</ref> las, fand ich den Vers: ‚Diese Gegend ist reich an Edelsteinen' (此鄉多寶玉). Wie konntest du das vergessen? Und dann las ich ein Sieben-Zeichen-Quartett von Li Yishan <ref>Li Shangyin, Tang-Dichter</ref>, in dem steht: ‚Die Juwelenhaarnadel verstaubt Tag für Tag' (寶釵無日不生塵). Da musste ich noch lachen, dass beider Namen tatsächlich in Tang-Gedichten stehen!" Alle lachten: „Das hat sie doch schachmatt gesetzt — schnell einen Strafbecher!" Wolke vom Xiang-Fluss hatte nichts mehr zu sagen und musste trinken. Dann ging es weiter — Paare bildeten sich und spielten Shefu oder Fingerwerfen. Weil die Alte Herrin und Frau Wang nicht zu Hause waren, gab es keine Aufsicht, und so vergnügte man sich nach Herzenslust: man rief und schrie, lachte und lärmte. Der ganze Saal war ein Wirbel von Rot und Grün, ein Schimmern von Jade und Perlen — wahrhaftig ein rauschendes Fest. Nachdem man eine Weile gespielt hatte, stand man auf, um sich die Beine zu vertreten. Plötzlich war Wolke vom Xiang-Fluss verschwunden. Man dachte, sie sei nach draußen gegangen und werde gleich wiederkommen; doch je länger man wartete, desto weniger war von ihr zu sehen. Man schickte Leute in alle Richtungen, um sie zu suchen — vergeblich.
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Dann hatten Schatzjade und Schatzspange dieselbe Augenzahl. Schatzspange versteckte das Zeichen „Schatz" (寶 bǎo). Schatzjade überlegte und erkannte, dass Schatzspange scherzhaft auf sein Tonglingyu <ref>den Jade des Numinosen Verstehens, den Schatzjade um den Hals trägt</ref> anspielte. Er lachte: „Schwester macht sich lustig über mich, aber ich habe es erraten. Schwester möge nicht böse sein — es ist das Zeichen aus Schwesterchens Name, nämlich ‚Haarnadel' (釵 chāi)." Alle fragten: „Wie das?" Schatzjade sagte: „Sie sagte ‚Schatz' (寶), und darunter folgt natürlich ‚Jade' (玉). Ich rate ‚Haarnadel' (釵), und in einem alten Gedicht heißt es: ‚Die Jadehaarnadel zerbricht, die rote Kerze erkalt' — trifft das nicht zu?" Xiangfluss-Wolke sagte: „Diese Verwendung aktueller Anspielungen geht nicht — beide sollten bestraft werden!" Duftkastanie sagte eilig: „Es ist nicht nur eine aktuelle Anspielung — es gibt auch einen klassischen Beleg!" Xiangfluss-Wolke sagte: „‚Schatzjade' als zwei Zeichen zusammen haben keinen klassischen Beleg; das steht vielleicht auf Neujahrssprüchen, aber in der Dichtung und den kanonischen Schriften findet es sich nicht." Duftkastanie sagte: „Neulich, als ich die fünfsilbrigen Regelgedichte von Cen Jiazhou <ref>Cen Shen, Tang-Dichter</ref> las, fand ich den Vers: ‚Diese Gegend ist reich an Edelsteinen' (此鄉多寶玉). Wie konntest du das vergessen? Und dann las ich ein Sieben-Zeichen-Quartett von Li Yishan <ref>Li Shangyin, Tang-Dichter</ref>, in dem steht: ‚Die Juwelenhaarnadel verstaubt Tag für Tag' (寶釵無日不生塵). Da musste ich noch lachen, dass beider Namen tatsächlich in Tang-Gedichten stehen!" Alle lachten: „Das hat sie doch schachmatt gesetzt — schnell einen Strafbecher!" Xiangfluss-Wolke hatte nichts mehr zu sagen und musste trinken. Dann ging es weiter — Paare bildeten sich und spielten Shefu oder Fingerwerfen. Weil die Alte Herrin und Dame König nicht zu Hause waren, gab es keine Aufsicht, und so vergnügte man sich nach Herzenslust: man rief und schrie, lachte und lärmte. Der ganze Saal war ein Wirbel von Rot und Grün, ein Schimmern von Jade und Perlen — wahrhaftig ein rauschendes Fest. Nachdem man eine Weile gespielt hatte, stand man auf, um sich die Beine zu vertreten. Plötzlich war Xiangfluss-Wolke verschwunden. Man dachte, sie sei nach draußen gegangen und werde gleich wiederkommen; doch je länger man wartete, desto weniger war von ihr zu sehen. Man schickte Leute in alle Richtungen, um sie zu suchen — vergeblich.
  
Da kamen Frau Lin Zhixiao und einige ältere Dienerinnen, teils aus Sorge, es könnte ein dienstlicher Anlass bestehen, teils aus Furcht, die jungen Mädchen könnten in Abwesenheit Frau Wangs die Autorität Spürfrühlings und der anderen nicht respektieren und sich hemmungslos betrinken. Spürfrühling, die ihre Absicht sofort durchschaute, lachte: „Ihr kommt wieder, um nach uns zu sehen, weil ihr uns nicht traut. Wir haben nicht übermäßig getrunken — wir haben uns nur vergnügt und den Wein nur als Vorwand genommen. Ihr Mütter braucht euch keine Sorgen zu machen." Li Schleierfrau und Frau You lachten ebenfalls: „Geht nur und ruht euch aus — wir lassen sie bestimmt nicht zu viel trinken." Frau Lin Zhixiao und die anderen lachten: „Wir wissen schon — selbst wenn die Alte Herrin die Fräulein zum Trinken auffordert, trinken die Fräulein kaum. Natürlich, wenn die Damen nicht zu Hause sind, wird nur gespielt. Wir kamen nur, um zu hören, ob es etwas gibt. Außerdem: Der Tag ist lang, und nachdem die Fräulein eine Weile gespielt haben, sollten sie ein paar Kleinigkeiten zu sich nehmen. Gewöhnlich essen sie ja nicht viel Verschiedenes; wenn sie nun ein oder zwei Becher Wein trinken, ohne genug zu essen, könnte es ihnen schaden." Spürfrühling lachte: „Da haben die Mütter recht — wir wollen gerade essen." Sie wandte sich um und bat, Gebäck zu bringen. Die Mädchen gehorchten und bestellten es eilig. Spürfrühling lud lächelnd ein: „Geht und ruht euch aus, oder geht zu Tante drüben und plaudert mit ihr. Wir schicken euch gleich Wein." Frau Lin Zhixiao und die anderen lehnten lächelnd ab: „Wir wagen es nicht, das anzunehmen." Sie standen noch eine Weile und zogen sich dann zurück. Friedchen befühlte ihre Wangen und lachte: „Mein Gesicht ist ganz heiß — ich schäme mich, von ihnen gesehen zu werden. Ich meine, wir sollten aufhören, ehe sie noch einmal kommen — das wäre doch peinlich." Spürfrühling lachte: „Macht nichts — solange wir nicht im Ernst trinken, ist es gut."
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Da kamen Frau Lin Zhixiao und einige ältere Dienerinnen, teils aus Sorge, es könnte ein dienstlicher Anlass bestehen, teils aus Furcht, die jungen Mädchen könnten in Abwesenheit Dame Königs die Autorität Erkundefrühlings und der anderen nicht respektieren und sich hemmungslos betrinken. Erkundefrühling, die ihre Absicht sofort durchschaute, lachte: „Ihr kommt wieder, um nach uns zu sehen, weil ihr uns nicht traut. Wir haben nicht übermäßig getrunken — wir haben uns nur vergnügt und den Wein nur als Vorwand genommen. Ihr Mütter braucht euch keine Sorgen zu machen." Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders lachten ebenfalls: „Geht nur und ruht euch aus — wir lassen sie bestimmt nicht zu viel trinken." Frau Lin Zhixiao und die anderen lachten: „Wir wissen schon — selbst wenn die Alte Herrin die Fräulein zum Trinken auffordert, trinken die Fräulein kaum. Natürlich, wenn die Damen nicht zu Hause sind, wird nur gespielt. Wir kamen nur, um zu hören, ob es etwas gibt. Außerdem: Der Tag ist lang, und nachdem die Fräulein eine Weile gespielt haben, sollten sie ein paar Kleinigkeiten zu sich nehmen. Gewöhnlich essen sie ja nicht viel Verschiedenes; wenn sie nun ein oder zwei Becher Wein trinken, ohne genug zu essen, könnte es ihnen schaden." Erkundefrühling lachte: „Da haben die Mütter recht — wir wollen gerade essen." Sie wandte sich um und bat, Gebäck zu bringen. Die Mädchen gehorchten und bestellten es eilig. Erkundefrühling lud lächelnd ein: „Geht und ruht euch aus, oder geht zu Tante drüben und plaudert mit ihr. Wir schicken euch gleich Wein." Frau Lin Zhixiao und die anderen lehnten lächelnd ab: „Wir wagen es nicht, das anzunehmen." Sie standen noch eine Weile und zogen sich dann zurück. Friedchen befühlte ihre Wangen und lachte: „Mein Gesicht ist ganz heiß — ich schäme mich, von ihnen gesehen zu werden. Ich meine, wir sollten aufhören, ehe sie noch einmal kommen — das wäre doch peinlich." Erkundefrühling lachte: „Macht nichts — solange wir nicht im Ernst trinken, ist es gut."
  
Gerade da kam ein kleines Mädchen lachend herbeigelaufen: „Fräulein, kommt schnell und schaut nach Fräulein Yun! Sie hat sich betrunken, und weil sie Abkühlung suchte, ist sie hinten auf dem Felsenberg auf einer Steinbank eingeschlafen!" Als alle das hörten, sagten sie lachend: „Pst, keinen Lärm!" Sie gingen hin, um nachzusehen, und fanden tatsächlich Wolke vom Xiang-Fluss auf einer Steinbank an einem verborgenen Platz hinter den Felsen schlafend, versunken in duftende Träume<ref>Diese berühmte Szene — Wolke vom Xiang-Fluss schlafend zwischen Päonienblüten — gehört zu den ikonischen Bildern des Romans und wurde unzählige Male in der chinesischen Malerei dargestellt.</ref>. Ringsum waren Päonienblüten auf ihren ganzen Körper herabgefallen — auf Kopf, Gesicht und Kleid, überall rote, duftende Blütenblätter in wirrem Durcheinander. Der Fächer in ihrer Hand lag auf dem Boden, halb von herabgefallenen Blüten bedeckt. Ein Schwarm Bienen und Schmetterlinge summte dicht um sie herum. Sie hatte ein Taschentuch aus Haifischhaut genommen, ein Bündel Päonienblätter darin eingewickelt und als Kissen benutzt. Alle sahen es an und waren gleichzeitig entzückt und belustigt. Sie kamen eilig heran, rüttelten sie, riefen sie und stützten sie. Wolke vom Xiang-Fluss murmelte noch im Schlaf Trinkspielverse, undeutlich vor sich hin lallend:
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Gerade da kam ein kleines Mädchen lachend herbeigelaufen: „Fräulein, kommt schnell und schaut nach Fräulein Yun! Sie hat sich betrunken, und weil sie Abkühlung suchte, ist sie hinten auf dem Felsenberg auf einer Steinbank eingeschlafen!" Als alle das hörten, sagten sie lachend: „Pst, keinen Lärm!" Sie gingen hin, um nachzusehen, und fanden tatsächlich Xiangfluss-Wolke auf einer Steinbank an einem verborgenen Platz hinter den Felsen schlafend, versunken in duftende Träume<ref>Diese berühmte Szene — Xiangfluss-Wolke schlafend zwischen Päonienblüten — gehört zu den ikonischen Bildern des Romans und wurde unzählige Male in der chinesischen Malerei dargestellt.</ref>. Ringsum waren Päonienblüten auf ihren ganzen Körper herabgefallen — auf Kopf, Gesicht und Kleid, überall rote, duftende Blütenblätter in wirrem Durcheinander. Der Fächer in ihrer Hand lag auf dem Boden, halb von herabgefallenen Blüten bedeckt. Ein Schwarm Bienen und Schmetterlinge summte dicht um sie herum. Sie hatte ein Taschentuch aus Haifischhaut genommen, ein Bündel Päonienblätter darin eingewickelt und als Kissen benutzt. Alle sahen es an und waren gleichzeitig entzückt und belustigt. Sie kamen eilig heran, rüttelten sie, riefen sie und stützten sie. Xiangfluss-Wolke murmelte noch im Schlaf Trinkspielverse, undeutlich vor sich hin lallend:
  
 
  Duftend die Quelle und klar der Wein;
 
  Duftend die Quelle und klar der Wein;
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  Passend zum Empfang lieber Freunde.
 
  Passend zum Empfang lieber Freunde.
  
Alle rüttelten sie lachend und sagten: „Wach schnell auf und komm essen! Wenn du auf dieser feuchten Steinbank schläfst, wirst du noch krank!" Wolke vom Xiang-Fluss öffnete langsam ihre herbstklaren Augen, sah die Versammelten und blickte an sich herab; da erst bemerkte sie, dass sie betrunken war. Eigentlich war sie hergekommen, um sich an der Kühle zu erfrischen; doch weil sie zwei Strafbecher zu viel getrunken hatte und ihre zarte Gestalt den Wein nicht vertrug, war sie eingeschlafen. Im Herzen war sie beschämt. Hastig stand sie auf und ging mühsam mit den anderen zum Hongxiangpu. Sie wusch sich das Gesicht und trank zwei Tassen starken Tee. Spürfrühling befahl sofort, den Nüchternheitsstein <ref>Chin. 醒酒石 xǐngjiǔ shí — ein kühler Stein, den man in den Mund nimmt oder an die Stirn hält, um schneller nüchtern zu werden.</ref> zu bringen und ihn ihr in den Mund zu stecken. Dann ließ sie sie noch etwas säuerliche Suppe trinken, und erst danach ging es ihr etwas besser.
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Alle rüttelten sie lachend und sagten: „Wach schnell auf und komm essen! Wenn du auf dieser feuchten Steinbank schläfst, wirst du noch krank!" Xiangfluss-Wolke öffnete langsam ihre herbstklaren Augen, sah die Versammelten und blickte an sich herab; da erst bemerkte sie, dass sie betrunken war. Eigentlich war sie hergekommen, um sich an der Kühle zu erfrischen; doch weil sie zwei Strafbecher zu viel getrunken hatte und ihre zarte Gestalt den Wein nicht vertrug, war sie eingeschlafen. Im Herzen war sie beschämt. Hastig stand sie auf und ging mühsam mit den anderen zum Hongxiangpu. Sie wusch sich das Gesicht und trank zwei Tassen starken Tee. Erkundefrühling befahl sofort, den Nüchternheitsstein <ref>Chin. 醒酒石 xǐngjiǔ shí — ein kühler Stein, den man in den Mund nimmt oder an die Stirn hält, um schneller nüchtern zu werden.</ref> zu bringen und ihn ihr in den Mund zu stecken. Dann ließ sie sie noch etwas säuerliche Suppe trinken, und erst danach ging es ihr etwas besser.
  
Anschließend wählte man einige Schalen Obst und Speisen aus und schickte sie Phönixglanz. Phönixglanz schickte ebenfalls einige Sachen herüber. Schatzspange und die anderen aßen ihr Gebäck; manche saßen, manche standen, manche betrachteten draußen die Blumen, manche lehnten am Geländer und schauten den Fischen zu — jeder vergnügte sich und plauderte auf seine Weise. Spürfrühling spielte mit Schatzzither Schach; Schatzspange und Xiuyan sahen der Partie zu. Kajaljade und Schatzjade standen unter einem Blumenstrauch und tuschelten leise miteinander — niemand wusste, was sie sagten. Da kamen Frau Lin Zhixiao und eine Gruppe Frauen mit einer jungen Frau herein. Die junge Frau hatte ein betrübtes, ängstliches Gesicht, wagte nicht, in den Saal zu treten, sondern kniete schon an der Treppe nieder und schlug vernehmlich den Kopf auf den Boden. Spürfrühling war gerade von einem gegnerischen Stein umzingelt worden; sie rechnete hin und her, kam aber nur auf zwei Augen, musste also aufgeben. Ihre Augen waren starr auf das Schachbrett gerichtet, eine Hand griff in die Dose und klapperte mit den Steinen, in Gedanken versunken. Frau Lin Zhixiao stand schon eine ganze Weile da. Erst als Spürfrühling den Kopf wandte, um nach Tee zu fragen, bemerkte sie sie und fragte: „Was gibt es?" Frau Lin Zhixiao deutete auf die Frau und sagte: „Das ist die Mutter von Cai'er, dem kleinen Mädchen aus dem Zimmer des Vierten Fräuleins <ref>Bewahrfrühling</ref>. Sie gehört zum Gartenpersonal. Ihr Mundwerk ist ganz übel; eben habe ich sie befragt, und was sie sagte, wage ich dem Fräulein gar nicht zu berichten — man sollte sie einfach hinauswerfen." Spürfrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Ersten Herrin?" Frau Lin Zhixiao sagte: „Eben ist die Erste Herrin schon zum Saal hinüber zur Frau Tante gegangen; ich habe sie auf dem Weg gesehen und es ihr schon berichtet. Sie sagte, ich solle es dem Fräulein melden." Spürfrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Zweiten Herrin?" Friedchen sagte: „Es schadet nichts, auch nicht zu gehen; ich sage es ihr, wenn ich zurückkomme." Spürfrühling nickte: „Wenn es so ist, jagt sie hinaus. Wenn die Gnädige Frau zurückkommt, wird man endgültig entscheiden." Damit wandte sie sich wieder dem Schachspiel zu. Frau Lin Zhixiao führte die Frau fort — davon sei hier nicht weiter die Rede.
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Anschließend wählte man einige Schalen Obst und Speisen aus und schickte sie Phönixglanz. Phönixglanz schickte ebenfalls einige Sachen herüber. Schatzspange und die anderen aßen ihr Gebäck; manche saßen, manche standen, manche betrachteten draußen die Blumen, manche lehnten am Geländer und schauten den Fischen zu — jeder vergnügte sich und plauderte auf seine Weise. Erkundefrühling spielte mit Kostbarzither Schnee Schach; Schatzspange und Höhlennebel Strafe sahen der Partie zu. Kajaljade und Schatzjade standen unter einem Blumenstrauch und tuschelten leise miteinander — niemand wusste, was sie sagten. Da kamen Frau Lin Zhixiao und eine Gruppe Frauen mit einer jungen Frau herein. Die junge Frau hatte ein betrübtes, ängstliches Gesicht, wagte nicht, in den Saal zu treten, sondern kniete schon an der Treppe nieder und schlug vernehmlich den Kopf auf den Boden. Erkundefrühling war gerade von einem gegnerischen Stein umzingelt worden; sie rechnete hin und her, kam aber nur auf zwei Augen, musste also aufgeben. Ihre Augen waren starr auf das Schachbrett gerichtet, eine Hand griff in die Dose und klapperte mit den Steinen, in Gedanken versunken. Frau Lin Zhixiao stand schon eine ganze Weile da. Erst als Erkundefrühling den Kopf wandte, um nach Tee zu fragen, bemerkte sie sie und fragte: „Was gibt es?" Frau Lin Zhixiao deutete auf die Frau und sagte: „Das ist die Mutter von Cai'er, dem kleinen Mädchen aus dem Zimmer des Vierten Fräuleins <ref>Bedauerfrühling</ref>. Sie gehört zum Gartenpersonal. Ihr Mundwerk ist ganz übel; eben habe ich sie befragt, und was sie sagte, wage ich dem Fräulein gar nicht zu berichten — man sollte sie einfach hinauswerfen." Erkundefrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Ersten Herrin?" Frau Lin Zhixiao sagte: „Eben ist die Erste Herrin schon zum Saal hinüber zur Frau Tante gegangen; ich habe sie auf dem Weg gesehen und es ihr schon berichtet. Sie sagte, ich solle es dem Fräulein melden." Erkundefrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Zweiten Herrin?" Friedchen sagte: „Es schadet nichts, auch nicht zu gehen; ich sage es ihr, wenn ich zurückkomme." Erkundefrühling nickte: „Wenn es so ist, jagt sie hinaus. Wenn die Gnädige Frau zurückkommt, wird man endgültig entscheiden." Damit wandte sie sich wieder dem Schachspiel zu. Frau Lin Zhixiao führte die Frau fort — davon sei hier nicht weiter die Rede.
  
 
Kajaljade und Schatzjade standen unter den Blumen, und obwohl sie einander fernstanden, verstanden sie sich wortlos. Kajaljade sagte: „Eure dritte Schwester ist wirklich ein kluges Mädchen. Obwohl man ihr die Verwaltung anvertraut hat, geht sie keinen Schritt über ihre Befugnisse hinaus. Eine andere hätte sich längst als Herrscherin aufgespielt." Schatzjade sagte: „Du weißt ja nicht — als du krank warst, hat sie einige wichtige Sachen durchgesetzt. Der Garten wurde aufgeteilt und Verantwortlichen zugewiesen; jetzt darf man nicht einmal mehr ein Gras zu viel pflücken. Sie hat auch mehrere überflüssige Ausgaben gestrichen und dabei mich und Schwester Feng als Exempel benutzt, um andere zu disziplinieren. Sie ist eine, die im Stillen wohl kalkuliert — das geht weit über bloße Klugheit hinaus." Kajaljade sagte: „So muss es sein. In unserem Haus wird auch zu viel ausgegeben. Obwohl ich mich nicht um die Verwaltung kümmere, habe ich in müßigen Stunden oft für euch nachgerechnet: Es wird mehr ausgegeben als eingenommen. Wenn man jetzt nicht spart, wird man bald in Schwierigkeiten geraten." Schatzjade lachte: „Wie auch immer es ausgehen mag — uns beiden wird es an nichts fehlen." Als Kajaljade das hörte, drehte sie sich um und ging in den Saal, um mit Schatzspange zu plaudern und zu lachen.
 
Kajaljade und Schatzjade standen unter den Blumen, und obwohl sie einander fernstanden, verstanden sie sich wortlos. Kajaljade sagte: „Eure dritte Schwester ist wirklich ein kluges Mädchen. Obwohl man ihr die Verwaltung anvertraut hat, geht sie keinen Schritt über ihre Befugnisse hinaus. Eine andere hätte sich längst als Herrscherin aufgespielt." Schatzjade sagte: „Du weißt ja nicht — als du krank warst, hat sie einige wichtige Sachen durchgesetzt. Der Garten wurde aufgeteilt und Verantwortlichen zugewiesen; jetzt darf man nicht einmal mehr ein Gras zu viel pflücken. Sie hat auch mehrere überflüssige Ausgaben gestrichen und dabei mich und Schwester Feng als Exempel benutzt, um andere zu disziplinieren. Sie ist eine, die im Stillen wohl kalkuliert — das geht weit über bloße Klugheit hinaus." Kajaljade sagte: „So muss es sein. In unserem Haus wird auch zu viel ausgegeben. Obwohl ich mich nicht um die Verwaltung kümmere, habe ich in müßigen Stunden oft für euch nachgerechnet: Es wird mehr ausgegeben als eingenommen. Wenn man jetzt nicht spart, wird man bald in Schwierigkeiten geraten." Schatzjade lachte: „Wie auch immer es ausgehen mag — uns beiden wird es an nichts fehlen." Als Kajaljade das hörte, drehte sie sich um und ging in den Saal, um mit Schatzspange zu plaudern und zu lachen.
  
Schatzjade wollte gerade gehen, als Dufthauch mit einem kleinen, ineinander verschlungenen Lacktablett in der Hand kam, darauf ordentlich zwei Tassen frischer Tee. Sie fragte: „Wo ist sie hin? Ich habe gesehen, dass ihr beiden eine ganze Weile keinen Tee getrunken habt, und eigens zwei Tassen gebracht — und nun ist sie weg." Schatzjade sagte: „Da drüben ist sie — bring ihr eine hin." Er nahm sich selbst eine Tasse. Dufthauch trug die andere hin, doch Kajaljade war bei Schatzspange, und es gab nur eine Tasse. Also sagte sie: „Wer von euch durstig ist, nehme sie zuerst; ich hole noch eine." Schatzspange lachte: „Ich bin gar nicht durstig — ich möchte nur einen Schluck zum Mundspülen." Damit nahm sie zuerst die Tasse, trank einen Schluck und reichte die Hälfte Kajaljade. Dufthauch lachte: „Ich hole noch eine." Kajaljade lachte: „Du weißt doch, bei meiner Krankheit hat der Arzt mir verboten, viel Tee zu trinken. Diese halbe Tasse reicht vollkommen — wie aufmerksam von dir." Damit trank sie die Tasse leer und stellte sie ab. Dufthauch kam, um Schatzjades Tasse abzuholen. Schatzjade fragte: „Wo ist Fangguan die ganze Zeit? Ich habe sie nirgends gesehen." Dufthauch sah sich um und sagte: „Eben war sie noch hier mit einigen anderen beim Blumenspiel — jetzt ist sie verschwunden."
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Schatzjade wollte gerade gehen, als Dufthauch mit einem kleinen, ineinander verschlungenen Lacktablett in der Hand kam, darauf ordentlich zwei Tassen frischer Tee. Sie fragte: „Wo ist sie hin? Ich habe gesehen, dass ihr beiden eine ganze Weile keinen Tee getrunken habt, und eigens zwei Tassen gebracht — und nun ist sie weg." Schatzjade sagte: „Da drüben ist sie — bring ihr eine hin." Er nahm sich selbst eine Tasse. Dufthauch trug die andere hin, doch Kajaljade war bei Schatzspange, und es gab nur eine Tasse. Also sagte sie: „Wer von euch durstig ist, nehme sie zuerst; ich hole noch eine." Schatzspange lachte: „Ich bin gar nicht durstig — ich möchte nur einen Schluck zum Mundspülen." Damit nahm sie zuerst die Tasse, trank einen Schluck und reichte die Hälfte Kajaljade. Dufthauch lachte: „Ich hole noch eine." Kajaljade lachte: „Du weißt doch, bei meiner Krankheit hat der Arzt mir verboten, viel Tee zu trinken. Diese halbe Tasse reicht vollkommen — wie aufmerksam von dir." Damit trank sie die Tasse leer und stellte sie ab. Dufthauch kam, um Schatzjades Tasse abzuholen. Schatzjade fragte: „Wo ist Duftblümchen die ganze Zeit? Ich habe sie nirgends gesehen." Dufthauch sah sich um und sagte: „Eben war sie noch hier mit einigen anderen beim Blumenspiel — jetzt ist sie verschwunden."
  
Als Schatzjade das hörte, eilte er in sein Zimmer. Dort lag Fangguan tatsächlich mit dem Gesicht zur Wand auf dem Bett und schlief. Schatzjade rüttelte sie: „Hör auf zu schlafen! Lass uns draußen spielen — gleich gibt es Essen." Fangguan sagte: „Ihr trinkt alle Wein und kümmert euch nicht um mich — da habe ich mich einen halben Tag gelangweilt und bin eben schlafen gegangen." Schatzjade zog sie hoch und lachte: „Heute Abend trinken wir zu Hause noch — und dann sage ich Schwester Dufthauch, dass sie dich mit an den Tisch nimmt. Was sagst du dazu?" Fangguan sagte: „Wenn Ouguan und Ruiguan nicht mit nach oben gehen, stehe ich allein da, und das ist auch nicht gut. Außerdem bin ich die Nudeln nicht gewöhnt, und heute Morgen habe ich auch nicht richtig gegessen. Eben war ich hungrig und habe schon der Schwägerin Liu gesagt, sie solle mir eine Schale Suppe und eine halbe Schale Rundkornreis bringen; ich esse hier und bin fertig. Wenn es heute Abend Wein gibt, dann darf mich keiner einschränken — ich will nach Herzenslust trinken, bis ich genug habe. Früher zu Hause habe ich zwei bis drei Pfund guten Huiquan-Wein getrunken! Seit ich dieses elende Gewerbe gelernt habe und sie sagten, es verderbe die Stimme, habe ich seit Jahren keinen Tropfen mehr gesehen. Heute breche ich das Fasten!" Schatzjade sagte: „Das ist leicht zu machen."
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Als Schatzjade das hörte, eilte er in sein Zimmer. Dort lag Duftblümchen tatsächlich mit dem Gesicht zur Wand auf dem Bett und schlief. Schatzjade rüttelte sie: „Hör auf zu schlafen! Lass uns draußen spielen — gleich gibt es Essen." Duftblümchen sagte: „Ihr trinkt alle Wein und kümmert euch nicht um mich — da habe ich mich einen halben Tag gelangweilt und bin eben schlafen gegangen." Schatzjade zog sie hoch und lachte: „Heute Abend trinken wir zu Hause noch — und dann sage ich Schwester Dufthauch, dass sie dich mit an den Tisch nimmt. Was sagst du dazu?" Duftblümchen sagte: „Wenn Lotoswürzlein und Ruiguan nicht mit nach oben gehen, stehe ich allein da, und das ist auch nicht gut. Außerdem bin ich die Nudeln nicht gewöhnt, und heute Morgen habe ich auch nicht richtig gegessen. Eben war ich hungrig und habe schon der Schwägerin Liu gesagt, sie solle mir eine Schale Suppe und eine halbe Schale Rundkornreis bringen; ich esse hier und bin fertig. Wenn es heute Abend Wein gibt, dann darf mich keiner einschränken — ich will nach Herzenslust trinken, bis ich genug habe. Früher zu Hause habe ich zwei bis drei Pfund guten Huiquan-Wein getrunken! Seit ich dieses elende Gewerbe gelernt habe und sie sagten, es verderbe die Stimme, habe ich seit Jahren keinen Tropfen mehr gesehen. Heute breche ich das Fasten!" Schatzjade sagte: „Das ist leicht zu machen."
  
Gerade kam tatsächlich jemand von Frau Liu mit einem Speisenkasten. Xiaoyan nahm ihn entgegen und öffnete ihn: Darin war eine Schale Garnelen-Bällchen-Suppe mit Hühnerhaut, eine Schale in Reiswein gedämpfte Ente, ein Teller eingelegte Gänsebrust und ein Teller mit vier Sahne-Piniennuss-Blätterteigrollen, dazu eine große Schale dampfenden, schimmernden grünen Rundkornreises aus duftenden Reisterrassen. Xiaoyan stellte alles auf den Tisch, holte Beilagen und Essstäbchen und schöpfte eine Schale Reis. Fangguan sagte: „Alles so fettig und ölig — wer isst denn so etwas!" Sie goss sich nur Suppe über den Reis und aß eine Schale, nahm zwei Stücke eingelegte Gans und hörte auf. Schatzjade roch daran und fand, es duftet feiner als gewöhnlich; also aß er eine Blätterteigrolle und bat auch Xiaoyan, sich eine halbe Schale Reis zu nehmen, Suppe darüber zu gießen — es schmeckte köstlich. Xiaoyan und Fangguan lachten beide. Nach dem Essen wollte Xiaoyan den Rest zurückbringen. Schatzjade sagte: „Iss du es auf — wenn es nicht reicht, lass noch mehr bringen." Xiaoyan sagte: „Nicht nötig, das reicht. Vorhin hat Schwester Moschusmond uns zwei Teller Gebäck gegeben; wenn ich jetzt noch dies esse, brauche ich nichts mehr." Sie stellte sich an den Tisch und aß alles auf. Zwei Blätterteigrollen legte sie beiseite und sagte: „Die sind für meine Mutter. Heute Abend zum Weintrinken gebt mir bitte zwei Schalen Wein, das reicht." Schatzjade lachte: „Du magst also auch Wein? Dann trinken wir heute Abend ordentlich miteinander! Schwester Dufthauch und Schwester Heitermuster vertragen auch einiges, möchten aber gewöhnlich nicht. Heute brechen wir alle das Fasten! Ach, noch etwas — ich wollte es dir sagen und hab es glatt vergessen; jetzt fällt es mir ein: Kümmere dich in Zukunft ganz um Fangguan. Wenn sie etwas versäumt, weis sie darauf hin — Dufthauch kann nicht auf alle aufpassen." Xiaoyan sagte: „Ich weiß Bescheid, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Aber was wird nun aus Wu'er?" Schatzjade sagte: „Sag Frau Liu, sie soll sie morgen direkt hereinkommen lassen. Ich sage den Leuten Bescheid, und die Sache ist erledigt." Fangguan hörte das und lachte: „Das ist wirklich vernünftig." Xiaoyan rief zwei kleine Mädchen herein, die beim Händewaschen und Teeeinschenken halfen; sie selbst räumte das Geschirr auf, übergab es der Dienerin, wusch sich die Hände und ging zu Frau Liu — davon sei hier nicht weiter die Rede.
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Gerade kam tatsächlich jemand von Frau Liu mit einem Speisenkasten. Xiaoyan nahm ihn entgegen und öffnete ihn: Darin war eine Schale Garnelen-Bällchen-Suppe mit Hühnerhaut, eine Schale in Reiswein gedämpfte Ente, ein Teller eingelegte Gänsebrust und ein Teller mit vier Sahne-Piniennuss-Blätterteigrollen, dazu eine große Schale dampfenden, schimmernden grünen Rundkornreises aus duftenden Reisterrassen. Xiaoyan stellte alles auf den Tisch, holte Beilagen und Essstäbchen und schöpfte eine Schale Reis. Duftblümchen sagte: „Alles so fettig und ölig — wer isst denn so etwas!" Sie goss sich nur Suppe über den Reis und aß eine Schale, nahm zwei Stücke eingelegte Gans und hörte auf. Schatzjade roch daran und fand, es duftet feiner als gewöhnlich; also aß er eine Blätterteigrolle und bat auch Xiaoyan, sich eine halbe Schale Reis zu nehmen, Suppe darüber zu gießen — es schmeckte köstlich. Xiaoyan und Duftblümchen lachten beide. Nach dem Essen wollte Xiaoyan den Rest zurückbringen. Schatzjade sagte: „Iss du es auf — wenn es nicht reicht, lass noch mehr bringen." Xiaoyan sagte: „Nicht nötig, das reicht. Vorhin hat Schwester Moschusmond uns zwei Teller Gebäck gegeben; wenn ich jetzt noch dies esse, brauche ich nichts mehr." Sie stellte sich an den Tisch und aß alles auf. Zwei Blätterteigrollen legte sie beiseite und sagte: „Die sind für meine Mutter. Heute Abend zum Weintrinken gebt mir bitte zwei Schalen Wein, das reicht." Schatzjade lachte: „Du magst also auch Wein? Dann trinken wir heute Abend ordentlich miteinander! Schwester Dufthauch und Schwester Heitermuster vertragen auch einiges, möchten aber gewöhnlich nicht. Heute brechen wir alle das Fasten! Ach, noch etwas — ich wollte es dir sagen und hab es glatt vergessen; jetzt fällt es mir ein: Kümmere dich in Zukunft ganz um Duftblümchen. Wenn sie etwas versäumt, weis sie darauf hin — Dufthauch kann nicht auf alle aufpassen." Xiaoyan sagte: „Ich weiß Bescheid, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Aber was wird nun aus Wu'er?" Schatzjade sagte: „Sag Frau Liu, sie soll sie morgen direkt hereinkommen lassen. Ich sage den Leuten Bescheid, und die Sache ist erledigt." Duftblümchen hörte das und lachte: „Das ist wirklich vernünftig." Xiaoyan rief zwei kleine Mädchen herein, die beim Händewaschen und Teeeinschenken halfen; sie selbst räumte das Geschirr auf, übergab es der Dienerin, wusch sich die Hände und ging zu Frau Liu — davon sei hier nicht weiter die Rede.
  
Schatzjade ging hinaus, um im Hongxiangpu die Schwestern aufzusuchen; Fangguan folgte ihm mit Tuch und Fächer. Kaum waren sie aus dem Hoftor, kamen Dufthauch und Heitermuster Hand in Hand zurück. Schatzjade fragte: „Wo wollt ihr hin?" Dufthauch sagte: „Das Essen ist angerichtet — wir kommen, um dich zum Essen zu holen." Schatzjade erzählte ihnen lachend, dass er eben schon gegessen hatte. Dufthauch lachte: „Ich sag ja immer, du isst wie eine Katze — wenn du etwas Duftendes riechst, willst du es haben. Essen aus einem fremden Topf schmeckt immer besser. Aber du solltest trotzdem hinaufgehen und den anderen wenigstens ein bisschen Gesellschaft leisten." Heitermuster tippte Fangguan mit dem Finger auf die Stirn und sagte: „Du bist eine richtige kleine Verführerin — wann bist du nur davongeschlichen, um zu essen? Ihr zwei habt euch wohl heimlich verabredet, ohne uns ein Wort zu sagen!" Dufthauch lachte: „Es war purer Zufall — von Verabredung kann keine Rede sein." Heitermuster sagte: „Wenn das so ist, braucht ihr uns ja gar nicht mehr. Morgen gehen wir alle, und Fangguan allein reicht völlig." Dufthauch lachte: „Wir alle können gehen — nur du nicht." Heitermuster sagte: „Gerade ich muss als Erste gehen — ich bin faul und dumm, habe ein schlechtes Temperament und bin zu nichts nutze." Dufthauch lachte: „Wenn jemand wieder ein Loch in die Pfauenfederjacke brennt — wer flickt es dann, wenn du weg bist? Hör auf, mir etwas vorzuspielen. Wenn ich dich um eine Arbeit bitte, bist du so faul, dass du keine Nadel quer und keinen Faden längs bewegst. Es ist ja auch nicht meine Privatarbeit, worum ich dich bitte — es ist alles für ihn, und trotzdem willst du nichts tun. Aber als ich ein paar Tage fort war, warst du todkrank und hast eine ganze Nacht lang, ohne an dein Leben zu denken, die Jacke für ihn geflickt — was war denn das für ein Grund? Sag schon, lach nicht nur stumm — damit ist niemandem gedient." Lachend und plaudernd kamen sie in den Saal. Tante Schnee war auch da. Alle setzten sich der Reihe nach zum Essen. Schatzjade tränkte nur eine halbe Schale Reis mit Tee und aß pro forma. Nach dem Essen trank man Tee, plauderte und scherzte.
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Schatzjade ging hinaus, um im Hongxiangpu die Schwestern aufzusuchen; Duftblümchen folgte ihm mit Tuch und Fächer. Kaum waren sie aus dem Hoftor, kamen Dufthauch und Heitermuster Hand in Hand zurück. Schatzjade fragte: „Wo wollt ihr hin?" Dufthauch sagte: „Das Essen ist angerichtet — wir kommen, um dich zum Essen zu holen." Schatzjade erzählte ihnen lachend, dass er eben schon gegessen hatte. Dufthauch lachte: „Ich sag ja immer, du isst wie eine Katze — wenn du etwas Duftendes riechst, willst du es haben. Essen aus einem fremden Topf schmeckt immer besser. Aber du solltest trotzdem hinaufgehen und den anderen wenigstens ein bisschen Gesellschaft leisten." Heitermuster tippte Duftblümchen mit dem Finger auf die Stirn und sagte: „Du bist eine richtige kleine Verführerin — wann bist du nur davongeschlichen, um zu essen? Ihr zwei habt euch wohl heimlich verabredet, ohne uns ein Wort zu sagen!" Dufthauch lachte: „Es war purer Zufall — von Verabredung kann keine Rede sein." Heitermuster sagte: „Wenn das so ist, braucht ihr uns ja gar nicht mehr. Morgen gehen wir alle, und Duftblümchen allein reicht völlig." Dufthauch lachte: „Wir alle können gehen — nur du nicht." Heitermuster sagte: „Gerade ich muss als Erste gehen — ich bin faul und dumm, habe ein schlechtes Temperament und bin zu nichts nutze." Dufthauch lachte: „Wenn jemand wieder ein Loch in die Pfauenfederjacke brennt — wer flickt es dann, wenn du weg bist? Hör auf, mir etwas vorzuspielen. Wenn ich dich um eine Arbeit bitte, bist du so faul, dass du keine Nadel quer und keinen Faden längs bewegst. Es ist ja auch nicht meine Privatarbeit, worum ich dich bitte — es ist alles für ihn, und trotzdem willst du nichts tun. Aber als ich ein paar Tage fort war, warst du todkrank und hast eine ganze Nacht lang, ohne an dein Leben zu denken, die Jacke für ihn geflickt — was war denn das für ein Grund? Sag schon, lach nicht nur stumm — damit ist niemandem gedient." Lachend und plaudernd kamen sie in den Saal. Tante Schnee war auch da. Alle setzten sich der Reihe nach zum Essen. Schatzjade tränkte nur eine halbe Schale Reis mit Tee und aß pro forma. Nach dem Essen trank man Tee, plauderte und scherzte.
  
Draußen hatten Xiaoluo, Xiangling, Fangguan, Ruiguan, Ouguan, Douguan und vier, fünf andere den ganzen Garten durchstreift. Sie pflückten Blumen und Gräser, setzten sich mitten in einen Haufen Blumen und spielten das Blumenspiel <ref>ein Spiel, bei dem man Pflanzen nennt, deren Namen zusammengesetzte Wörter ergeben</ref>. Die eine sagte: „Ich habe eine Guanyin-Weide." Eine andere sagte: „Ich habe eine Luohan-Kiefer." Wieder eine: „Ich habe einen Junzi-Bambus." <ref>‚Bambus des Edlen'</ref> Die nächste: „Ich habe eine Meirenjiao." <ref>‚Schöne-Frauen-Banane'</ref> Eine: „Ich habe ein Xingxingcui." <ref>‚Sternengrün'</ref> Eine andere: „Ich habe eine Yueyuehong." <ref>‚Monat für Monat rot', die Monatsrose</ref> Eine: „Ich habe eine Päonienblüte vom Päonienpavillon." <ref>Anspielung auf das berühmte Drama ‚Mudanting' von Tang Xianzu</ref> Eine andere: „Ich habe eine Wollmispel-Frucht aus der ‚Geschichte der Laute'." <ref>Anspielung auf die Oper ‚Pipaji'</ref> Douguan sagte: „Ich habe eine Geschwisterblume." Da wusste niemand mehr etwas. Xiangling aber sagte: „Ich habe eine Eheleute-Orchidee." Douguan sagte: „Von einer Eheleute-Orchidee habe ich noch nie gehört." Xiangling erklärte: „Bei einer Lan-Orchidee sitzt nur eine Blüte am Stängel, bei einer Hui-Orchidee mehrere. Wenn zwei Stängel einer Hui-Orchidee Blüten in verschiedener Höhe tragen, nennt man das Brüder-Orchidee; wenn sie Kopf an Kopf blühen, heißt das Eheleute-Orchidee. Meine hier blüht Kopf an Kopf — was stimmt daran nicht?" Douguan hatte nichts mehr einzuwenden; sie stand auf und sagte spöttisch: „Und wenn die zwei Blüten verschieden groß sind, ist das eine Vater-und-Sohn-Orchidee, ja? Und wenn sie in verschiedene Richtungen schauen, eine Feinde-Orchidee, was? Dein Mann ist seit über einem halben Jahr verreist, und du sehnst dich so sehr nach dem, was Eheleute miteinander treiben, dass du dir auch noch Eheleute-Orchideen ausdenkst. Schämst du dich nicht!" Xiangling errötete, stand hastig auf und wollte Douguan kneifen, dabei lachend schimpfend: „Du freches kleines Ding mit deinem verdorbenen Mundwerk! Das ist ja pures Fiebergeschwätz!" Als Douguan sah, dass Xiangling aufstehen wollte, ließ sie das natürlich nicht zu und drückte sie mit dem ganzen Körper nieder. Sie wandte den Kopf zu Ruiguan und den anderen und bat lachend: „Kommt und helft mir, sie in ihr Lügenmaul zu kneifen!" Die beiden wälzten sich im Gras. Die anderen klatschten lachend in die Hände und warnten nur: „Vorsicht, da ist eine Pfütze! Wie schade um ihren neuen Rock!" Douguan wandte den Kopf und erblickte tatsächlich eine Lache Regenwasser — aber Xianglings Rock war schon zur Hälfte davon besudelt. Beschämt riss sich Douguan von Xiangling los und lief davon. Die anderen wollten sich vor Lachen ausschütten; aber aus Angst, Xiangling würde ihren Zorn an ihnen auslassen, liefen sie lachend auseinander.
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Draußen hatten Xiaoluo, Duftkastanie, Duftblümchen, Ruiguan, Lotoswürzlein, Douguan und vier, fünf andere den ganzen Garten durchstreift. Sie pflückten Blumen und Gräser, setzten sich mitten in einen Haufen Blumen und spielten das Blumenspiel <ref>ein Spiel, bei dem man Pflanzen nennt, deren Namen zusammengesetzte Wörter ergeben</ref>. Die eine sagte: „Ich habe eine Guanyin-Weide." Eine andere sagte: „Ich habe eine Luohan-Kiefer." Wieder eine: „Ich habe einen Junzi-Bambus." <ref>‚Bambus des Edlen'</ref> Die nächste: „Ich habe eine Meirenjiao." <ref>‚Schöne-Frauen-Banane'</ref> Eine: „Ich habe ein Xingxingcui." <ref>‚Sternengrün'</ref> Eine andere: „Ich habe eine Yueyuehong." <ref>‚Monat für Monat rot', die Monatsrose</ref> Eine: „Ich habe eine Päonienblüte vom Päonienpavillon." <ref>Anspielung auf das berühmte Drama ‚Mudanting' von Tang Xianzu</ref> Eine andere: „Ich habe eine Wollmispel-Frucht aus der ‚Geschichte der Laute'." <ref>Anspielung auf die Oper ‚Pipaji'</ref> Douguan sagte: „Ich habe eine Geschwisterblume." Da wusste niemand mehr etwas. Duftkastanie aber sagte: „Ich habe eine Eheleute-Orchidee." Douguan sagte: „Von einer Eheleute-Orchidee habe ich noch nie gehört." Duftkastanie erklärte: „Bei einer Lan-Orchidee sitzt nur eine Blüte am Stängel, bei einer Hui-Orchidee mehrere. Wenn zwei Stängel einer Hui-Orchidee Blüten in verschiedener Höhe tragen, nennt man das Brüder-Orchidee; wenn sie Kopf an Kopf blühen, heißt das Eheleute-Orchidee. Meine hier blüht Kopf an Kopf — was stimmt daran nicht?" Douguan hatte nichts mehr einzuwenden; sie stand auf und sagte spöttisch: „Und wenn die zwei Blüten verschieden groß sind, ist das eine Vater-und-Sohn-Orchidee, ja? Und wenn sie in verschiedene Richtungen schauen, eine Feinde-Orchidee, was? Dein Mann ist seit über einem halben Jahr verreist, und du sehnst dich so sehr nach dem, was Eheleute miteinander treiben, dass du dir auch noch Eheleute-Orchideen ausdenkst. Schämst du dich nicht!" Duftkastanie errötete, stand hastig auf und wollte Douguan kneifen, dabei lachend schimpfend: „Du freches kleines Ding mit deinem verdorbenen Mundwerk! Das ist ja pures Fiebergeschwätz!" Als Douguan sah, dass Duftkastanie aufstehen wollte, ließ sie das natürlich nicht zu und drückte sie mit dem ganzen Körper nieder. Sie wandte den Kopf zu Ruiguan und den anderen und bat lachend: „Kommt und helft mir, sie in ihr Lügenmaul zu kneifen!" Die beiden wälzten sich im Gras. Die anderen klatschten lachend in die Hände und warnten nur: „Vorsicht, da ist eine Pfütze! Wie schade um ihren neuen Rock!" Douguan wandte den Kopf und erblickte tatsächlich eine Lache Regenwasser — aber Duftkastanies Rock war schon zur Hälfte davon besudelt. Beschämt riss sich Douguan von Duftkastanie los und lief davon. Die anderen wollten sich vor Lachen ausschütten; aber aus Angst, Duftkastanie würde ihren Zorn an ihnen auslassen, liefen sie lachend auseinander.
  
Xiangling stand auf und blickte an sich herab. Sie sah, wie die grüne Brühe an ihrem Rock herunterlief. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz. Gerade da kam Schatzjade, der die Mädchen beim Blumenspiel gesehen und selbst einige Blumen und Gräser gesammelt hatte, um mitzuspielen. Als er plötzlich sah, dass alle davongelaufen waren und nur noch Xiangling mit gesenktem Kopf an ihrem Rock herumzupfte, fragte er: „Warum sind sie alle weggelaufen?" Xiangling sagte: „Ich hatte eine Eheleute-Orchidee, und weil sie es nicht kannten, sagten sie, ich hätte mir das ausgedacht. Darüber sind wir ins Zanken gekommen, und sie haben mir meinen neuen Rock verdorben." Schatzjade stampfte klagend mit dem Fuß auf: „Wenn es euer Haus wäre, könntet ihr hundert solcher Stücke am Tag verderben, ohne dass es der Rede wert wäre. Aber erstens ist der Stoff von Fräulein Qin mitgebracht worden, und Schwester Bao und du hatten jede nur einen; ihrer ist noch gut, und deiner ist schon schmutzig — wie unwürdig gegenüber ihrer Aufmerksamkeit! Zweitens: Die Tante ist eine alte Frau mit losem Mundwerk — und dabei höre ich sie auch so schon immer sagen, ihr versteht nichts vom Haushalten und macht nur alles kaputt, statt euer Glück zu schätzen. Wenn die Tante das sieht, gibt es wieder Ärger." Xiangling traf das mitten ins Herz, und statt betrübt zu sein, freute sie sich sogar und sagte lachend: „Genau das ist es! Obwohl ich einige neue Röcke habe, ist keiner wie dieser hier. Wenn ich einen gleichen hätte, könnte ich ihn schnell umziehen — das wäre gut. Den Rest besprechen wir später." Schatzjade sagte: „Beweg dich nicht! Steh nur still — sonst werden auch Unterkleid, Kniehosen und Schuhe schmutzig. Ich habe eine Idee: Dufthauch hat letzten Monat einen Rock genäht, der genau so aussieht wie dieser; weil sie noch in Trauer ist, trägt sie ihn nicht. Man könnte ihn dir schenken, damit du dich umziehst — was meinst du?" Xiangling lachte und schüttelte den Kopf: „Das geht nicht. Wenn die anderen davon hören, wäre es unangenehm." Schatzjade sagte: „Was ist daran zu fürchten? Wenn die Trauer vorbei ist und sie etwas Hübsches haben möchte, darfst du ihr dann etwa nichts anderes schenken? So bist du doch sonst im Umgang! Außerdem ist es nichts Heimliches — man braucht es nur Schwester Bao zu sagen. Die einzige Sorge ist, dass die Tante sich ärgern könnte." Xiangling überlegte; es leuchtete ihr ein, und sie nickte lachend: „Dann also so — enttäusche mich nicht. Ich warte auf dich; aber lass sie es unbedingt persönlich bringen."
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Duftkastanie stand auf und blickte an sich herab. Sie sah, wie die grüne Brühe an ihrem Rock herunterlief. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz. Gerade da kam Schatzjade, der die Mädchen beim Blumenspiel gesehen und selbst einige Blumen und Gräser gesammelt hatte, um mitzuspielen. Als er plötzlich sah, dass alle davongelaufen waren und nur noch Duftkastanie mit gesenktem Kopf an ihrem Rock herumzupfte, fragte er: „Warum sind sie alle weggelaufen?" Duftkastanie sagte: „Ich hatte eine Eheleute-Orchidee, und weil sie es nicht kannten, sagten sie, ich hätte mir das ausgedacht. Darüber sind wir ins Zanken gekommen, und sie haben mir meinen neuen Rock verdorben." Schatzjade stampfte klagend mit dem Fuß auf: „Wenn es euer Haus wäre, könntet ihr hundert solcher Stücke am Tag verderben, ohne dass es der Rede wert wäre. Aber erstens ist der Stoff von Fräulein Qin mitgebracht worden, und Schwester Bao und du hatten jede nur einen; ihrer ist noch gut, und deiner ist schon schmutzig — wie unwürdig gegenüber ihrer Aufmerksamkeit! Zweitens: Die Tante ist eine alte Frau mit losem Mundwerk — und dabei höre ich sie auch so schon immer sagen, ihr versteht nichts vom Haushalten und macht nur alles kaputt, statt euer Glück zu schätzen. Wenn die Tante das sieht, gibt es wieder Ärger." Duftkastanie traf das mitten ins Herz, und statt betrübt zu sein, freute sie sich sogar und sagte lachend: „Genau das ist es! Obwohl ich einige neue Röcke habe, ist keiner wie dieser hier. Wenn ich einen gleichen hätte, könnte ich ihn schnell umziehen — das wäre gut. Den Rest besprechen wir später." Schatzjade sagte: „Beweg dich nicht! Steh nur still — sonst werden auch Unterkleid, Kniehosen und Schuhe schmutzig. Ich habe eine Idee: Dufthauch hat letzten Monat einen Rock genäht, der genau so aussieht wie dieser; weil sie noch in Trauer ist, trägt sie ihn nicht. Man könnte ihn dir schenken, damit du dich umziehst — was meinst du?" Duftkastanie lachte und schüttelte den Kopf: „Das geht nicht. Wenn die anderen davon hören, wäre es unangenehm." Schatzjade sagte: „Was ist daran zu fürchten? Wenn die Trauer vorbei ist und sie etwas Hübsches haben möchte, darfst du ihr dann etwa nichts anderes schenken? So bist du doch sonst im Umgang! Außerdem ist es nichts Heimliches — man braucht es nur Schwester Bao zu sagen. Die einzige Sorge ist, dass die Tante sich ärgern könnte." Duftkastanie überlegte; es leuchtete ihr ein, und sie nickte lachend: „Dann also so — enttäusche mich nicht. Ich warte auf dich; aber lass sie es unbedingt persönlich bringen."
  
Als Schatzjade das hörte, freute er sich ungemein, versprach alles und eilte zurück. Im Gehen sann er bei sich: „Wie schade um ein solches Mädchen — keine Eltern, hat sogar ihren eigenen Familiennamen vergessen, wurde entführt und musste ausgerechnet an diesen Tyrannen <ref>Schnee Becken [薛蟠</ref>, Schatzspanges gewalttätiger Bruder] verkauft werden." Dann dachte er noch an den Tag neulich, als auch Friedchens Schicksal ihm so unerwartet aufgefallen war — und heute kam nun dieses noch unerwartetere Ereignis dazu. Vertieft in wirre Gedanken kam er in sein Zimmer, nahm Dufthauch beiseite und erzählte ihr alles. Xiangling war ein Mensch, den jedermann liebte und bemitleidete. Dufthauch war von Natur aus großzügig und zudem seit jeher mit Xiangling befreundet. Kaum hatte sie die Nachricht gehört, öffnete sie die Truhe, nahm den Rock heraus, faltete ihn ordentlich und ging mit Schatzjade los, um Xiangling zu suchen. Die stand immer noch an derselben Stelle und wartete. Dufthauch lachte: „Ich sage ja immer, du treibst es zu bunt — du musst erst eine Geschichte anstellen!" Xiangling errötete und lachte: „Vielen Dank, Schwester! Wer hätte gedacht, dass diese boshaften Gören so gemein sein würden." Damit nahm sie den Rock entgegen, breitete ihn aus und sah: Er war tatsächlich derselbe wie ihrer. Dann hieß sie Schatzjade, sich umzudrehen, griff kreuzweise nach hinten, band den verschmutzten Rock ab und legte den neuen an. Dufthauch sagte: „Gib mir den schmutzigen; ich nehme ihn mit, reinige ihn und bringe ihn dir dann. Wenn du ihn zurücknimmst und man sieht ihn, gibt es Fragen." Xiangling sagte: „Liebe Schwester, nimm ihn mit und gib ihn irgendeiner Schwester. Da ich jetzt diesen habe, brauche ich den anderen nicht mehr." Dufthauch sagte: „Du bist aber großzügig!" Xiangling machte eilig einen Knicks zum Dank; Dufthauch nahm den schmutzigen Rock und ging.
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Als Schatzjade das hörte, freute er sich ungemein, versprach alles und eilte zurück. Im Gehen sann er bei sich: „Wie schade um ein solches Mädchen — keine Eltern, hat sogar ihren eigenen Familiennamen vergessen, wurde entführt und musste ausgerechnet an diesen Tyrannen <ref>Becken Schnee [薛蟠</ref>, Schatzspanges gewalttätiger Bruder] verkauft werden." Dann dachte er noch an den Tag neulich, als auch Friedchens Schicksal ihm so unerwartet aufgefallen war — und heute kam nun dieses noch unerwartetere Ereignis dazu. Vertieft in wirre Gedanken kam er in sein Zimmer, nahm Dufthauch beiseite und erzählte ihr alles. Duftkastanie war ein Mensch, den jedermann liebte und bemitleidete. Dufthauch war von Natur aus großzügig und zudem seit jeher mit Duftkastanie befreundet. Kaum hatte sie die Nachricht gehört, öffnete sie die Truhe, nahm den Rock heraus, faltete ihn ordentlich und ging mit Schatzjade los, um Duftkastanie zu suchen. Die stand immer noch an derselben Stelle und wartete. Dufthauch lachte: „Ich sage ja immer, du treibst es zu bunt — du musst erst eine Geschichte anstellen!" Duftkastanie errötete und lachte: „Vielen Dank, Schwester! Wer hätte gedacht, dass diese boshaften Gören so gemein sein würden." Damit nahm sie den Rock entgegen, breitete ihn aus und sah: Er war tatsächlich derselbe wie ihrer. Dann hieß sie Schatzjade, sich umzudrehen, griff kreuzweise nach hinten, band den verschmutzten Rock ab und legte den neuen an. Dufthauch sagte: „Gib mir den schmutzigen; ich nehme ihn mit, reinige ihn und bringe ihn dir dann. Wenn du ihn zurücknimmst und man sieht ihn, gibt es Fragen." Duftkastanie sagte: „Liebe Schwester, nimm ihn mit und gib ihn irgendeiner Schwester. Da ich jetzt diesen habe, brauche ich den anderen nicht mehr." Dufthauch sagte: „Du bist aber großzügig!" Duftkastanie machte eilig einen Knicks zum Dank; Dufthauch nahm den schmutzigen Rock und ging.
  
Xiangling sah, wie Schatzjade auf dem Boden hockte und die Eheleute-Orchidee und die Zwillingsblüten-Wassernuss <ref>eine Frucht, die wie zusammengewachsene Zwillinge aussieht — auch eine Anspielung auf eheliche Verbundenheit</ref> mit einem Stöckchen eine kleine Grube auskratzte. Erst streute er herabgefallene Blütenblätter als Unterlage hinein, dann bettete er Orchidee und Wassernuss sorgfältig darauf und deckte sie mit weiteren Blüten zu; schließlich häufelte er Erde darüber und machte alles glatt. Xiangling nahm seine Hand und lachte: „Was soll das denn schon wieder? Kein Wunder, dass alle sagen, du führst immer geheimnisvoll seltsame Dinge auf, die einem die Haut kräuseln! Sieh nur deine Hände — ganz schmutzig von Erde und Moos! Geh schnell und wasch sie!" Schatzjade lachte, stand auf und ging sich die Hände waschen; Xiangling ging ebenfalls davon. Die beiden waren schon einige Schritte weit auseinander, als Xiangling sich umdrehte und Schatzjade zurückrief. Schatzjade wusste nicht, was sie noch zu sagen hatte, und kam mit beiden erdigen Händen lachend zurück: „Was gibt es?" Xiangling lachte nur. Gerade kam ihr Mädchen Zhen'er und sagte: „Die Zweite Herrin wartet auf dich und möchte mit dir sprechen." Erst da sagte Xiangling zu Schatzjade: „Die Sache mit dem Rock — erzähle das bloß nicht deinem Bruder <ref>Schnee Becken</ref>!" Damit drehte sie sich um und ging. Schatzjade lachte: „Ja, bin ich denn verrückt — soll ich etwa meinen Kopf in den Rachen des Tigers stecken?" Damit ging auch er sich die Hände waschen.
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Duftkastanie sah, wie Schatzjade auf dem Boden hockte und die Eheleute-Orchidee und die Zwillingsblüten-Wassernuss <ref>eine Frucht, die wie zusammengewachsene Zwillinge aussieht — auch eine Anspielung auf eheliche Verbundenheit</ref> mit einem Stöckchen eine kleine Grube auskratzte. Erst streute er herabgefallene Blütenblätter als Unterlage hinein, dann bettete er Orchidee und Wassernuss sorgfältig darauf und deckte sie mit weiteren Blüten zu; schließlich häufelte er Erde darüber und machte alles glatt. Duftkastanie nahm seine Hand und lachte: „Was soll das denn schon wieder? Kein Wunder, dass alle sagen, du führst immer geheimnisvoll seltsame Dinge auf, die einem die Haut kräuseln! Sieh nur deine Hände — ganz schmutzig von Erde und Moos! Geh schnell und wasch sie!" Schatzjade lachte, stand auf und ging sich die Hände waschen; Duftkastanie ging ebenfalls davon. Die beiden waren schon einige Schritte weit auseinander, als Duftkastanie sich umdrehte und Schatzjade zurückrief. Schatzjade wusste nicht, was sie noch zu sagen hatte, und kam mit beiden erdigen Händen lachend zurück: „Was gibt es?" Duftkastanie lachte nur. Gerade kam ihr Mädchen Zhen'er und sagte: „Die Zweite Herrin wartet auf dich und möchte mit dir sprechen." Erst da sagte Duftkastanie zu Schatzjade: „Die Sache mit dem Rock — erzähle das bloß nicht deinem Bruder <ref>Becken Schnee</ref>!" Damit drehte sie sich um und ging. Schatzjade lachte: „Ja, bin ich denn verrückt — soll ich etwa meinen Kopf in den Rachen des Tigers stecken?" Damit ging auch er sich die Hände waschen.
  
 
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.
 
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.
 
 
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== Anmerkungen ==
 
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<div style="text-align: center; font-size: 0.9em; color: #666; margin-top: 20px;">
 
''Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本).''
 
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Revision as of 19:29, 28 April 2026

Kapitel 62 Xiangfluss-Wolke [湘云] schläft betrunken auf einer Steinbank zwischen Päonienblüten Duftkastanies bestickter Rock wird beim Blumenspiel beschmutzt

Friedchen [平儿] kam heraus und wies Frau Lin Zhixiao an: „Aus großen Angelegenheiten mache man kleine, aus kleinen gar keine — das ist die Art eines gedeihenden Hauses. Wenn man bei jeder Kleinigkeit gleich mit Glockengeläut und Trommelschlag ein großes Aufheben macht, ist das keine vernünftige Weise. Bringt jetzt Mutter und Tochter zurück; sie sollen wie zuvor ihren Dienst versehen. Die Frau des Qin Xian schickt ebenfalls wieder zurück. Es braucht von dieser Sache nicht mehr gesprochen zu werden. Nur soll man täglich sorgfältig Wache halten." Damit stand sie auf und ging. Frau Lius Mutter und Tochter kotzten eilig vor ihr nieder. Frau Lin brachte sie zurück in den Garten und erstattete Seidenweiß Pflaume [李纨] und Erkundefrühling [探春] Bericht; beide sagten: „Wir haben es zur Kenntnis genommen. Wenn alles erledigt ist, umso besser."

Schachspielerin [司棋] und die anderen hatten sich umsonst in Aufregung versetzt. Die Frau des Qin Xian aber, die endlich eine Gelegenheit gefunden hatte, sich einzuschleichen, hatte gerade einen halben Tag lang triumphiert. In der Küche war sie eifrig damit beschäftigt gewesen, Gerätschaften, Reis, Getreide, Kohle und dergleichen in Empfang zu nehmen, und hatte dabei allerlei Fehlbestände aufgedeckt: „Beim Rundkornreis fehlen zwei Shi [1], beim Alltagsreis ist ein Monat zu viel ausgegeben worden, und auch bei der Kohle stimmen die Zahlen nicht." Gleichzeitig hatte sie Geschenke für Frau Lin Zhixiao vorbereiten lassen — heimlich einen Korb Kohle, fünfhundert Pfund Brennholz und eine Traglast Rundkornreis — und draußen durch Neffen und Nichten zum Haus der Familie Lin schicken lassen. Ferner bereitete sie Geschenke für die Buchhaltung vor und richtete einige Gerichte her, um ihre neuen Kolleginnen zu bewirten, wobei sie sagte: „Nun, da ich hier bin, bin ich ganz auf Ihre Unterstützung angewiesen. Von nun an sind wir eine Familie. Wo ich nicht aufpassen kann, helft mir bitte alle." Mitten in diesem Trubel kam plötzlich jemand und sagte: „Sieh zu, dass du nach dem Frühstück verschwindest. Die Schwägerin Liu war schuldlos; man hat ihr die Verwaltung wieder übertragen." Als die Frau des Qin Xian dies hörte, fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Entmutigt, mit hängendem Kopf, strich sie augenblicklich die Flaggen und verstummte die Trommeln; sie packte ihre Sachen und ging. Die Geschenke an andere waren umsonst verschwendet; obendrein musste sie von ihrem eigenen Besitz die aufgedeckten Fehlbestände ersetzen. Selbst Schachspielerin war so verärgert, dass sie sich kaum fassen konnte, doch es war nichts mehr zu machen.

Die Nebenfrau Zhao hatte sich die ganze Zeit in Angst befunden, weil Farbwölkchen ihr heimlich so viele Dinge zugesteckt hatte und Jadearmreif den Streit darüber angefacht hatte; sie fürchtete, man könnte der Sache auf den Grund gehen, und horchte jeden Tag schweißnass nach Neuigkeiten. Da kam Farbwölkchen und sagte: „Schatzjade [宝玉] hat alles auf sich genommen; von nun an gibt es keine Schwierigkeiten mehr." Erst da beruhigte sich die Nebenfrau Zhao. Doch Unheil Kaufmann [贾环], als er davon hörte, wurde misstrauisch. Er holte alle Dinge hervor, die Farbwölkchen ihm heimlich geschenkt hatte, und warf sie Farbwölkchen ins Gesicht: „Du doppelzüngiges Ding! Ich will das alles nicht. Wenn du nicht mit Schatzjade unter einer Decke stecktest, warum sollte er sich für dich einsetzen? Wenn du die Kühnheit hattest, mir die Sachen zu geben, hättest du es keinem Menschen verraten sollen. Da du es ihm nun doch erzählt hast, macht es keinen Spaß mehr, die Sachen zu behalten." Farbwölkchen erschrak, schwor Stein und Bein, weinte gar und erklärte sich auf alle erdenkliche Weise, doch Unheil Kaufmann wollte ihr partout nicht glauben und sagte: „Wenn ich nicht unsere frühere Zuneigung berücksichtigen würde, ginge ich zur Zweiten Schwägerin und sagte: ‚Farbwölkchen hat es gestohlen und mir gegeben, ich wage es nicht anzunehmen.' Denk einmal darüber nach." Damit schleuderte er seine Hand los und ging hinaus. Nebenfrau Zhao schimpfte aufgebracht: „Du undankbarer Wurm, du Madenherz, du Unglücksbrut!" Farbwölkchen weinte sich vor Zorn die Augen aus. Nebenfrau Zhao tröstete sie auf jede Weise: „Gutes Kind, er hat dein treues Herz verkannt — das sehe ich wohl. Lass mich die Sachen aufbewahren; in ein paar Tagen wird er von selbst zur Besinnung kommen." Damit wollte sie die Sachen einsammeln. Doch Farbwölkchen packte alles trotzig zusammen, und als niemand es sah, ging sie in den Garten und warf alles in den Fluss — was sank, sank; was trieb, trieb davon. In der Nacht weinte sie vor Zorn still unter ihrer Decke.

Unterdessen war Schatzjades Geburtstag herangekommen. Es stellte sich heraus, dass auch Kostbarzither Schnee an diesem selben Tag Geburtstag hatte — beide teilten das gleiche Datum. Da Dame König nicht zu Hause war, feierte man nicht so festlich wie in früheren Jahren. Nur der daoistische Meister Zhang schickte vier Geschenke und tauschte das Namensamulett [2]; aus einigen Mönchsklöstern und Nonnenkonventen kamen Opferspitzen, Bilder des Gottes der Langlebigkeit, Memorialtafeln und ein neues Schutzschloss des Geburtssterns für das laufende Jahr. Die Geschichtenerzählerinnen, die regelmäßig ins Haus kamen, gratulierten zum Geburtstag. Aus dem Hause Fliederranke König [3] kam wie immer ein Satz Kleidung, ein Paar Schuhe mit Strümpfen, hundert Langlebigkeitspfirsiche und hundert Bündel feiner silberfädiger Nudeln. Von Tante Schnee [薛姨妈] kam etwas weniger. Von den übrigen Hausbewohnern schickte Dame Sonders wie stets ein Paar Schuhe mit Strümpfen; Phönixglanz [熙凤] schenkte einen in Palastmanier gearbeiteten vierseitigen Harmonie-Beutel mit einem goldenen Langlebigkeitsgott darin und einem persischen Spielzeug. In alle Tempel wurden Leute geschickt, um Almosen zu verteilen. Für Kostbarzither Schnee gab es noch eigene Geschenke, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Unter den Schwestern schenkte man sich ganz ungezwungen — die eine gab einen Fächer, eine andere ein Schriftzeichen, wieder eine ein Bild oder ein Gedicht — alles nur, um dem Anlass Genüge zu tun.

An diesem Tag stand Schatzjade früh auf, wusch und kämmte sich, legte Kappe und Gürtel an und ging in den Vorderen Saal, wo Li Gui und vier, fünf andere bereits Räucherwerk und Kerzen für Himmel und Erde aufgestellt hatten. Schatzjade entzündete den Weihrauch. Nach Vollzug der Zeremonie, dem Teetrankopfer und dem Verbrennen der Papiergaben begab er sich in den Ahnentempel und die Ahnenhalle des Ningfu [4], vollzog dort die Riten, trat auf die Mondterrasse hinaus und verbeugte sich in der Ferne vor der Alten Herrin, Aufrecht Kaufmann, Dame König und den anderen. Dann ging er der Reihe nach zu Dame Sonderss Obergemächern, vollzog die Riten, saß ein Weilchen und kehrte ins Rongfu zurück. Zuerst besuchte er Tante Schnee, die ihn dringlich festhielt; dann traf er Xue Ke, dem er ebenfalls seine Aufwartung machte, bevor er endlich in den Garten trat. Heitermuster [晴雯] und Moschusmond [麝月] folgten ihm, ein kleines Mädchen trug die Filzunterlage. Von Seidenweiß Pflaumes Gemach angefangen, besuchte er der Reihe nach alle Älteren. Dann ging er wieder aus dem Zweiten Tor hinaus und machte bei seinen vier Ammen — Li, Zhao, Zhang und Wang — seine Aufwartung, bevor er zurückkehrte. Obwohl alle ihm den Kowtow erweisen wollten, nahm er ihn nicht an. Zurück im Zimmer, kamen Dufthauch [袭人] und die anderen nur, um ihm ein Wort des Glückwunsches zu sagen. Dame König hatte nämlich verfügt, dass junge Leute keine Ehrerbietungen entgegennehmen sollten, da dies das Glück und die Lebenskraft mindere — daher kniete niemand nieder.

Nach einer Weile kamen Unheil Kaufmann, Orchidee Kaufmann und andere. Dufthauch hielt sie eilig zurück, sie setzten sich kurz hin und gingen dann. Schatzjade sagte lachend, er sei müde vom vielen Herumgehen, und ließ sich aufs Bett sinken. Er hatte erst eine halbe Tasse Tee getrunken, als von draußen lautes Geschnatter und Gelächter einer ganzen Schar Mädchen zu hören war, die hereinkam: Es waren Cuimo, Xiaoluo, Cuilu, Ruhua, Zhuan'er — Xing Höhlennebel Strafes Zofe —, die Amme mit der kleinen Qiaojie auf dem Arm, Cailuan, Xiuluan — acht oder neun Personen insgesamt, alle mit roten Filzdecken in den Armen, lachend. Sie riefen: „Die Geburtstagsgratulanten haben schon die Tür eingerannt — schnell bringt uns Nudeln zu essen!" Gerade als sie hereinkamen, erschienen auch Erkundefrühling, Xiangfluss-Wolke, Kostbarzither Schnee, Höhlennebel Strafe und Bedauerfrühling [惜春]. Schatzjade eilte ihnen lachend entgegen: „Ich wage es kaum, euch zu bemühen — schnell bereitet guten Tee!" Im Zimmer gab es das übliche höfliche Hin und Her, dann nahm jeder Platz. Dufthauch und die anderen brachten Tee; man hatte gerade den ersten Schluck genommen, da kam auch Friedchen, herausgeputzt wie eine blühende Blume. Schatzjade eilte ihr entgegen und lachte: „Ich war vorhin an Schwester Fengs Tür; man sagte mir, sie sei drinnen, und ich konnte sie nicht sehen. Ich habe dann jemanden hineingeschickt, um Schwester einzuladen." Friedchen lachte: „Ich war gerade dabei, deiner Schwester beim Frisieren zu helfen und konnte nicht herauskommen. Als ich dann hörte, dass du mich auch eingeladen hattest, fühlte ich mich dessen nicht würdig und bin eigens hergekommen, um dir den Kowtow zu machen." Schatzjade lachte: „Ich bin dessen auch nicht würdig." Dufthauch hatte im Vorzimmer bereits einen Sitz vorbereitet und lud sie ein. Friedchen machte einen Knicks; Schatzjade verbeugte sich unablässig. Friedchen kniete nieder; Schatzjade kniete ebenfalls eilig nieder; Dufthauch half ihnen schnell auf. Friedchen machte noch einen Knicks; Schatzjade erwiderte mit einer Verbeugung. Dufthauch schob Schatzjade lachend an: „Mach noch eine Verbeugung!" Schatzjade sagte: „Es ist doch schon vorbei — warum noch eine Verbeugung?" Dufthauch lachte: „Das war ihre Geburtstagsgratulation für dich. Heute ist aber auch ihr Geburtstag, also solltest auch du ihr gratulieren." Als Schatzjade das hörte, freute er sich und verbeugte sich eilig: „Ach, heute ist ja auch Schwesterchens Geburtstag!" Friedchen erwiderte unablässig mit Knicksen. Xiangfluss-Wolke zog Kostbarzither Schnee und Höhlennebel Strafe heran und sagte: „Ihr vier solltet euch gegenseitig gratulieren — den ganzen Tag lang!" Erkundefrühling fragte eilig: „Ach, Schwester Xing hat auch heute? Das hatte ich ganz vergessen!" Sie befahl hastig ihrem Mädchen: „Geh zur Zweiten Herrin und sag ihr, sie solle schnell noch ein Geschenk nachholen, dasselbe wie für Fräulein Qin, und es zum Zimmer des Zweiten Fräuleins bringen lassen." Das Mädchen ging. Höhlennebel Strafe, da Xiangfluss-Wolke es geradeheraus gesagt hatte, musste nun wohl oder übel in den verschiedenen Gemächern ihre Aufwartung machen.

Erkundefrühling sagte lachend: „Es ist schon amüsant — zwölf Monate im Jahr, und jeden Monat gibt es mehrere Geburtstage. Bei so vielen Menschen kommt es zu solchen Zufällen: drei am selben Tag, zwei am selben Tag. Sogar der Neujahrstag wird nicht verschont — die älteste Schwester [5] hat ihn für sich beansprucht. Kein Wunder, dass sie so großes Glück hat — ihr Geburtstag kommt allen zuvor. Es ist auch zugleich der Geburtstag des Urgroßvaters. Nach dem Laternenfest kommen die Alte Herrin und Schwester Bao [6]] — Mutter und Tochter treffen es zufällig. Am ersten des dritten Monats ist die Gnädige Frau dran, am neunten der Zweite Bruder Lian. Im zweiten Monat hat niemand Geburtstag." Dufthauch sagte: „Am zwölften des zweiten Monats ist Fräulein Lin — wie kann niemand sein? Nur ist sie eben nicht von unserem Haus." Erkundefrühling lachte: „Was ist nur mit meinem Gedächtnis!" Schatzjade zeigte lachend auf Dufthauch: „Sie und die Jüngere Schwester Lin haben am gleichen Tag Geburtstag, deshalb erinnert sie sich." Erkundefrühling lachte: „Ach so, ihr beiden habt am selben Tag! Jedes Jahr macht ihr uns nicht einmal einen einzigen Kowtow. Und Friedchens Geburtstag wussten wir auch nicht — das erfahren wir erst jetzt." Friedchen lachte: „Wir stehen ja nur auf der Namensliste der Dienerschaft; wir haben weder das Glück, Geburtstagsglückwünsche zu empfangen, noch den Rang, Geschenke entgegenzunehmen — wozu also Aufhebens machen? Da feiert man lieber still. Heute hat er es nun doch ausgeplaudert — wenn die Fräulein in ihre Zimmer zurückgehen, komme ich noch zum Gratulieren." Erkundefrühling lachte: „Wir wollen dich auch nicht behelligen. Nur möchte ich heute unbedingt deinen Geburtstag feiern, sonst habe ich kein ruhiges Gewissen." Schatzjade, Xiangfluss-Wolke und alle anderen stimmten einstimmig zu. Erkundefrühling wies ihr Mädchen an: „Geh und sag der Herrin, wir alle zusammen haben gesagt, dass wir Friedchen heute den ganzen Tag nicht herauslassen. Wir haben auch alle zusammengelegt, um ihren Geburtstag zu feiern." Das Mädchen ging lachend davon. Nach einer Weile kam es zurück und sagte: „Die Zweite Herrin lässt sagen: Vielen Dank, dass die Fräulein ihr die Ehre erweisen. Sie möchte nur wissen, was es zu essen gibt; wenn man nur die Zweite Herrin nicht vergisst, wird sie kommen und sie nicht belästigen." Alle lachten.

Erkundefrühling sagte: „Es trifft sich gut, dass heute die Innenküche kein Essen vorbereitet; alles, die Nudeln und das Gemüse, wird von der Außenküche erledigt. Wir können also zusammenlegen und Frau Liu beauftragen, alles zu übernehmen, und es hier drinnen zubereiten lassen — das wäre doch praktisch." Alle stimmten zu. Erkundefrühling schickte einerseits jemanden zu Seidenweiß Pflaume und Schatzspange, um sie zu fragen, andererseits ließ sie Frau Liu hereinrufen und wies sie an, in der Innenküche schnell zwei Tische mit Speisen und Wein herzurichten. Frau Liu verstand nicht, was der Anlass war, und sagte, die Außenküche habe doch alles vorbereitet. Erkundefrühling lachte: „Du weißt es ja noch nicht — heute ist Fräulein Friedchens Geburtstag! Was die Außenküche vorbereitet, ist für die Offiziellen da oben. Jetzt haben wir privat zusammengelegt und wollen eigens für Fräulein Friedchen zwei Tische vorbereiten, um sie zu bewirten. Du brauchst nur die feinsten und ausgefallensten Gerichte auszuwählen; die Rechnung reichst du bei mir ein." Frau Liu lachte: „Ach, heute ist also auch Fräulein Friedchens Geburtstag — das wusste ich gar nicht!" Damit machte sie vor Friedchen einen Kowtow; Friedchen zog sie erschrocken hoch. Frau Liu eilte davon, um das Festessen vorzubereiten.

Hier lud Erkundefrühling noch Schatzjade ein, und alle gingen zusammen in den Saal, um Nudeln zu essen. Als Seidenweiß Pflaume und Schatzspange vollzählig erschienen waren, schickte man auch nach Tante Schnee und Kajaljade [黛玉]. Da das Wetter mild war und Kajaljades Krankheit sich gebessert hatte, kam auch sie. Es war ein prachtvolles Bild — der Saal war voller Menschen.

Xue Ke schickte noch Tücher, Fächer, Weihrauch und Seide als Geburtstagsgeschenke für Schatzjade. Schatzjade ging daraufhin zu ihm, um ihn beim Nudelessen zu begleiten. Beide Familien hatten Geburtstagswein bereitet und beschenkten sich gegenseitig. Zur Mittagszeit trank Schatzjade noch zwei Becher Wein mit Xue Ke. Schatzspange kam mit Kostbarzither Schnee herüber, um Xue Ke die Riten zu erweisen und ihm einzuschenken. Dann ermahnte Schatzspange Xue Ke: „Den Wein von zu Hause brauchst du nicht mehr herüberschicken zu lassen — diese Förmlichkeit können wir uns sparen. Lade einfach die Angestellten zum Trinken ein. Bruder Bao und ich gehen wieder hinein; wir müssen noch Gäste bewirten und können dir nicht länger Gesellschaft leisten." Xue Ke beeilte sich zu sagen: „Schwester und Bruder mögen nur gehen — die Angestellten dürften ohnehin gleich kommen." Schatzjade entschuldigte sich eilig und ging mit seinen Schwestern zurück.

Kaum waren sie durch das Ecktor getreten, befahl Schatzspange einer Dienerin, die Tür abzuschließen, und nahm den Schlüssel an sich. Schatzjade sagte hastig: „Warum diese Tür abschließen? Es gehen doch nicht so viele Leute hier durch. Zudem sind die Tante, die Schwester und die jüngere Schwester alle drinnen — wenn jemand etwas von zu Hause holen muss, ist das doch umständlich." Schatzspange lachte: „Vorsicht ist besser als Nachsicht. Schau dir doch eure Seite an — all die Vorfälle der letzten Tage! Von unserer Seite war niemand betroffen — das zeigt doch, wie wirkungsvoll das Verschließen dieser Tür ist. Wenn sie offen stünde, könnten jene Leute die Abkürzung nehmen und hier durchlaufen — wen sollte man dann aufhalten? Lieber schließen wir ab; dann sind auch Mama und ich eingeschränkt, und niemand geht hier durch. Wenn dann etwas passiert, kann man es wenigstens nicht den Leuten von dieser Seite zur Last legen." Schatzjade lachte: „Da weiß also auch die Schwester von den Diebstählen bei uns in letzter Zeit?" Schatzspange lachte: „Du kennst nur die zwei Sachen mit dem Rosenwasser und dem Fulingcreme-Zucker — die kamen nur ans Licht, weil Personen verwickelt waren. Wären nicht Personen verwickelt gewesen, wüsstest du nicht einmal von diesen beiden. Aber es gibt noch einige Dinge, die bedeutender sind als diese beiden. Wenn sie künftig nicht ans Tageslicht kommen, ist es aller Glück; kommen sie heraus, werden noch viele Leute drinnen mit hineingezogen. Du kümmerst dich ja auch sonst nicht um solche Dinge, darum sage ich es dir. Friedchen ist ein kluger Mensch; ihr habe ich es neulich auch gesagt — eben weil ihre Herrin nicht draußen sein kann, musste ich sie ins Bild setzen. Wenn nichts herauskommt, lassen wir alle gern die Hände davon. Kommt es aber heraus, hat sie bereits einen Plan im Kopf und weiß, wie vorzugehen ist, sodass keine Unschuldigen leiden. Hör einfach auf mich: Sei künftig aufmerksam und vorsichtig — und erzähle das keinem zweiten Menschen."

Während sie so sprachen, gelangten sie an den Qinfang-Pavillon [7]. Dort sahen sie Dufthauch, Duftkastanie, Daishu, Suyun, Heitermuster, Moschusmond, Duftblümchen, Ruiguan, Lotoswürzlein und etwa zehn andere, die den Fischen zuschauten und sich vergnügten. Als sie die Ankommenden sahen, riefen sie: „Im Päonien-Gatter ist alles vorbereitet — kommt schnell zum Festmahl!" Schatzspange und die anderen gingen mit ihnen gemeinsam zum Hongxiangpu [8], dem kleinen, dreijochigen, offenen Pavillon inmitten der Päonienbeete. Sogar Dame Sonders war eingeladen worden und schon da; alle waren versammelt, nur Friedchen fehlte noch.

Friedchen war nämlich hinausgegangen, denn aus den Familien Lai, Lin und anderen kamen Geburtstagsgeschenke in rascher Folge. Dienstboten aller Ränge — oberer, mittlerer und unterer — kamen in großer Zahl, um zu gratulieren und Geschenke zu bringen. Friedchen war damit beschäftigt, Trinkgelder auszugeben und sich zu bedanken, und berichtete gleichzeitig jedes Geschenk einzeln Phönixglanz — einige behielt man, andere lehnte man ab, wieder andere nahm man an und verschenkte sie sogleich weiter. Nachdem sie eine Weile geschäftig gewesen war, wartete sie noch, bis Phönixglanz ihre Nudeln gegessen hatte, wechselte dann die Kleidung und kam in den Garten.

Kaum hatte sie den Garten betreten, kamen einige Mädchen, um sie abzuholen, und zusammen gingen sie zum Hongxiangpu. Dort waren die Tische mit Schildpattgeschirr gedeckt und die Sitzpolster mit Lotosblumenmuster ausgelegt. Alle lachten: „Das Geburtstagskind ist vollzählig!" Oben sollten vier Sitze den vier Geburtstagskindern vorbehalten sein, doch alle vier weigerten sich. Tante Schnee sagte: „Ich bin alt und passe nicht in eure Runde; ich fühle mich befangen. Lieber lege ich mich draußen im Saal gemütlich hin — das wäre angenehmer. Ich kann ohnehin nicht viel essen und trinke kaum Wein; wenn ich Platz mache, ist es für die anderen bequemer." Dame Sonders und die anderen bestanden darauf, doch Schatzspange sagte: „Das geht schon in Ordnung. Mama soll es sich im Saal bequem machen — man kann ihr von dem, was sie gern isst, etwas hinüberschicken, dann ist sie zufriedener. Außerdem ist dort vorne niemand, und sie kann ein Auge darauf haben." Erkundefrühling und die anderen lachten: „Wenn es so ist — Gehorsam ist besser als Höflichkeit." Also begleiteten sie sie zum Beratungssaal, sahen zu, wie die Mädchen einen Brokatpolster, Rückenlehne und Kissen auflegten, und ermahnte sie: „Massiert der Tante ordentlich die Beine, und wenn sie Tee oder Wasser will, drückt euch nicht davor. Nachher wird Essen gebracht — wenn die Tante gegessen hat, bekommt ihr den Rest. Nur geht nicht von hier weg!" Die kleinen Mädchen antworteten alle brav.

Erkundefrühling und die anderen kehrten zurück. Schließlich einigte man sich, dass Kostbarzither Schnee und Höhlennebel Strafe oben saßen, Friedchen mit dem Gesicht nach Westen und Schatzjade nach Osten. Erkundefrühling hatte auch Mandarinenente [鸳鸯] [9] eingeladen, und die beiden saßen nebeneinander, ihnen gegenüber als Gastgeberinnen. Am westlichen Tisch saßen Schatzspange, Kajaljade, Xiangfluss-Wolke, Willkommensfrühling und Bedauerfrühling, und man zog noch Duftkastanie und Jadearmreif als Beigesellinnen hinzu. Am dritten Tisch saßen Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume, die noch Dufthauch und Farbwölkchen zu sich holten. Am vierten Tisch saßen Purpurkuckuck, Ying'er, Heitermuster, Xiaoluo, Schachspielerin und andere. Nun wollten Erkundefrühling und die anderen noch das Zeremonielle des Einschenkens durchführen, aber die vier Geburtstagskinder sagten alle: „Wenn wir so weitermachen, sitzen wir den ganzen Tag nur bei den Förmlichkeiten!" Also ließ man es sein. Zwei Geschichtenerzählerinnen wollten zur Geburtstagsfeier ein Erzähllied vortragen, doch alle sagten: „Wir haben keine Lust, euch wilde Geschichten zuzuhören — geht in den Saal und unterhaltet die Tante!" Gleichzeitig wählte man verschiedene Speisen aus und ließ sie Tante Schnee bringen.

Schatzjade sagte: „Einfach nur so zu sitzen, ist langweilig — wir sollten ein Trinkspiel spielen." Die einen sagten, dieses Spiel sei gut, die anderen jenes. Kajaljade sagte: „Ich schlage vor, wir nehmen Pinsel und Tusche, schreiben alle Spiele auf, rollen sie zu Losen zusammen und ziehen eins heraus — welches gezogen wird, das spielen wir." Alle fanden das ausgezeichnet. Man holte ein Set Pinsel, Tusche und Blumenpapier. Duftkastanie hatte in letzter Zeit Gedichte studiert und übte täglich das Schreiben; als sie die Schreibutensilien sah, konnte sie sich nicht zurückhalten, stand sofort auf und sagte: „Ich schreibe!" Alle überlegten eine Weile und kamen auf etwa zehn Spiele, die sie diktierten und die Duftkastanie eins nach dem anderen aufschrieb, zusammenrollte und in eine Vase warf. Erkundefrühling ließ Friedchen ziehen. Friedchen rührte darin und zog mit den Essstäbchen eins heraus. Man öffnete es — darauf stand: „Shefu" [10]. Schatzspange lachte: „Da habt ihr den Urahn aller Trinkspiele herausgezogen! Das Shefu gibt es seit dem Altertum; die ursprüngliche Form ist verloren gegangen, und dies ist eine spätere Fassung — schwieriger als alle anderen Spiele. Die Hälfte hier kann es nicht. Besser, wir vernichten das Los und ziehen ein anderes, das für jeden etwas bietet." Erkundefrühling lachte: „Was einmal gezogen ist, kann man nicht vernichten. Wir ziehen jetzt noch eins; wenn das für jedermann geeignet ist, spielen jene das, und wir spielen Shefu." Dann ließ sie Dufthauch ziehen, und es war: „Muzhang" [11]. Xiangfluss-Wolke sagte lachend: „Das ist kurz und bündig — ganz nach meinem Geschmack! Ich spiele nicht dieses Shefu — das ist ja zum Einschlafen langweilig. Ich gehe Fingerschnalzen!" Erkundefrühling sagte: „Nur sie bringt die Ordnung durcheinander — Schwester Bao, bestrafe sie schnell mit einem Becher!" Schatzspange ließ sich nicht bitten und flößte Xiangfluss-Wolke einen Becher ein.

Erkundefrühling sagte: „Ich trinke einen Becher — ich bin die Spielleiterin und brauche nichts zu erklären; hört einfach auf meine Anweisungen." Sie ließ die Spielwürfel und den Würfelbecher bringen. „Von Schwester Qin angefangen wird der Reihe nach gewürfelt; wer die gleiche Zahl hat, die beiden spielen Shefu." Kostbarzither Schnee warf eine Drei. Höhlennebel Strafe, Schatzjade und die anderen warfen alle andere Zahlen; erst Duftkastanie warf ebenfalls eine Drei. Kostbarzither Schnee lachte: „Es muss sich auf etwas hier im Raum beziehen — wenn es auf etwas draußen geht, wäre das zu weit hergeholt." Erkundefrühling sagte: „Selbstverständlich. Wer es dreimal nicht errät, trinkt einen Strafbecher. Du versteckst, sie errät." Kostbarzither Schnee überlegte einen Moment und sagte das Zeichen „alt" (老 lǎo). Duftkastanie, die in diesem Spiel nicht geübt war, konnte auf die Schnelle nichts finden; sie sah sich im ganzen Raum um, fand aber kein Sprichwort, das mit „alt" zusammenhing. Xiangfluss-Wolke hatte als Erste zugehört und sah sich nun auch eifrig um; plötzlich bemerkte sie über dem Türsturz die drei Zeichen „Hongxiangpu" (Rotes Duft-Beet) und wusste, dass Kostbarzither Schnee das Zeichen „pu" (Garten) meinte — aus dem Confucius-Ausspruch „Ich bin nicht so gut wie ein alter Gärtner" (吾不如老圃). Da Duftkastanie es nicht erraten konnte und die Trommeln zur Eile mahnten, zog Xiangfluss-Wolke heimlich an Duftkastanies Ärmel und flüsterte ihr zu, sie solle „Medizin" (藥 yào) sagen [12]. Kajaljade aber hatte es gesehen und rief: „Bestraft sie schnell — da wird wieder heimlich weitergegeben!" Alle erfuhren es sofort, und man bestrafte Xiangfluss-Wolke mit einem weiteren Becher. Xiangfluss-Wolke schlug verärgert mit den Essstäbchen auf Kajaljades Hand. Dann wurde auch Duftkastanie mit einem Becher bestraft. Als Nächstes hatten Schatzspange und Erkundefrühling dieselbe Augenzahl. Erkundefrühling versteckte das Zeichen „Mensch" (人 rén). Schatzspange lachte: „Dieses ‚Mensch' ist aber reichlich vage." Erkundefrühling lachte: „Ich füge ein Zeichen hinzu — zwei versteckte für einen Ratetipp, dann ist es nicht mehr vage." Darauf sagte sie das Zeichen „Fenster" (窗 chuāng). Schatzspange überlegte; da sie auf dem Tisch Huhn sah, erriet sie, dass Erkundefrühling die beiden Begriffe „Hühnerfenster" (雞窗) und „Hühnermann" (雞人, der Hahn-Rufbeamte) verwendete, und riet auf „Sitzstange" (塒 shí) [13]. Erkundefrühling erkannte, dass Schatzspange richtig geraten hatte, und beide lachten; jede trank einen Schluck aus ihrem Türbecher.

Xiangfluss-Wolke konnte nicht länger warten und rief schon mit Schatzjade „Drei!" und „Fünf!" und warf die Finger. Drüben riefen auch Dame Sonders und Mandarinenente über den Tisch hinweg „Sieben!" und „Acht!" und spielten ebenfalls. Friedchen und Dufthauch bildeten ein weiteres Paar; es klirrte und klapperte nur so von den Armreifen an ihren Handgelenken. Bald hatte Xiangfluss-Wolke gegen Schatzjade gewonnen, Dufthauch gegen Friedchen, und Dame Sonders gegen Mandarinenente. Die drei Verlierer mussten eine „Weinoberfläche" und einen „Weinboden" liefern [14]. Xiangfluss-Wolke legte fest: „Die ‚Weinoberfläche' muss einen Satz aus einem klassischen Text, einen Vers aus einem alten Gedicht, einen Namen aus dem Dominospiel, einen Namen einer Opernmelodie und einen Satz aus dem Staatskalender enthalten — alles zusammen zu einem sinnvollen Satz verbunden. Der ‚Weinboden' muss der Name einer Frucht oder eines Gemüses sein, das etwas mit Menschen zu tun hat." Alle lachten: „Nur ihre Spielregeln sind so umständlich wie ihre Reden, aber es hat durchaus seinen Reiz." Man trieb Schatzjade, schnell zu beginnen. Schatzjade lachte: „Wer hat so etwas je gesagt — lasst mich wenigstens nachdenken!" Kajaljade sagte: „Trink noch einen Becher mehr, ich sage es für dich." Schatzjade trank tatsächlich, und dann hörte er Kajaljade sagen:

Abendrot und einsame Wildgans fliegen gemeinsam empor;
Im scharfen Wind am Fluss unter dem Himmel — der Trauergesang der Wildgans;
Aber es ist eine Gans mit gebrochenem Fuß;
Sie ruft, dass es einem neunfach die Eingeweide umwendet;
Dies ist: „Die Wildgänse kommen als Gäste."

Alle lachten und sagten: „Diese Kette hat wirklich ihren Reiz." Kajaljade nahm eine Haselnuss und sagte als Weinboden:

Die Haselnuss hat nichts zu tun mit dem Waschbrett hinter der Mauer;
Woher kommt das Klopfen von zehntausend Häusern, die Kleider waschen?

Nach dem Spiel sagten auch Mandarinenente, Dufthauch und die anderen je ein Sprichwort mit dem Zeichen „Langlebigkeit" (壽) darin — was hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden kann.

Alle spielten der Reihe nach wild durcheinander. Dann hatten oben Xiangfluss-Wolke und Kostbarzither Schnee dieselbe Augenzahl, und Seidenweiß Pflaume und Höhlennebel Strafe ebenfalls. Seidenweiß Pflaume versteckte das Zeichen „Kürbisflasche" (瓢 piáo), Höhlennebel Strafe riet „grün" (綠 lǜ) [15]. Die beiden verstanden sich und tranken je einen Schluck. Xiangfluss-Wolke aber verlor beim Fingerspiel und wurde zur „Weinoberfläche" und zum „Weinboden" aufgefordert. Kostbarzither Schnee lachte: „Bitte den Herrn in seinen eigenen Kessel!" [16]. Alle lachten und sagten: „Der Ausdruck passt perfekt!" Xiangfluss-Wolke sprach:

Tosend und donnernd brausend;
Zwischen den Klippen türmen sich Wellen bis zum Himmel;
Man braucht eine Eisenkette, um das einsame Boot festzumachen;
Gerade in einen Sturm über dem ganzen Fluss geraten;
Ungeeignet zum Reisen.

Alle lachten: „Was für ein herzzerreißender Unsinn! Kein Wunder, dass sie dieses Spiel vorgeschlagen hat — absichtlich, um alle zum Lachen zu bringen!" Dann wollte man ihren Weinboden hören. Xiangfluss-Wolke trank ihren Wein, nahm ein Stück Entenfleisch zum Kauen und entdeckte in der Schüssel einen halben Entenkopf, den sie herausfischte, um das Hirn zu essen. Alle drängten sie: „Hör auf, nur zu essen — sag endlich deinen Spruch!" Xiangfluss-Wolke hielt den Entenkopf mit den Essstäbchen hoch und sprach:

Dieser Entenkopf (yatou) ist nicht jenes Dienstmädchen (yatou);
Woher nähme die Magd wohl Osmanthusöl für ihr Haar?

Alle brachen in noch lauteres Gelächter aus. Heitermuster, Xiaoluo, Ying'er und eine ganze Schar kamen herbei und riefen: „Fräulein Yun macht sich über uns lustig! Bestraft sie schnell mit einem Becher! Wieso sollten ausgerechnet wir Osmanthusöl verwenden? Im Gegenteil, jede von uns sollte ein Fläschchen Osmanthusöl bekommen!" Kajaljade lachte: „Sie würde euch gern ein Fläschchen Öl geben, fürchtet aber, dabei in einen Diebstahlsprozess verwickelt zu werden." [17] Die anderen beachteten es nicht weiter, aber Schatzjade verstand sofort und senkte den Kopf. Farbwölkchen, die ein schlechtes Gewissen hatte, wurde unwillkürlich rot. Schatzspange warf Kajaljade schnell einen verstohlenen Blick zu. Kajaljade bereute ihren Versprecher — sie hatte eigentlich Schatzjade necken wollen, doch dabei vergessen, dass sie Farbwölkchen damit bloßstellte. Hastig lenkte sie mit einer Runde Spielen und Fingerwerfen ab.

Dann hatten Schatzjade und Schatzspange dieselbe Augenzahl. Schatzspange versteckte das Zeichen „Schatz" (寶 bǎo). Schatzjade überlegte und erkannte, dass Schatzspange scherzhaft auf sein Tonglingyu [18] anspielte. Er lachte: „Schwester macht sich lustig über mich, aber ich habe es erraten. Schwester möge nicht böse sein — es ist das Zeichen aus Schwesterchens Name, nämlich ‚Haarnadel' (釵 chāi)." Alle fragten: „Wie das?" Schatzjade sagte: „Sie sagte ‚Schatz' (寶), und darunter folgt natürlich ‚Jade' (玉). Ich rate ‚Haarnadel' (釵), und in einem alten Gedicht heißt es: ‚Die Jadehaarnadel zerbricht, die rote Kerze erkalt' — trifft das nicht zu?" Xiangfluss-Wolke sagte: „Diese Verwendung aktueller Anspielungen geht nicht — beide sollten bestraft werden!" Duftkastanie sagte eilig: „Es ist nicht nur eine aktuelle Anspielung — es gibt auch einen klassischen Beleg!" Xiangfluss-Wolke sagte: „‚Schatzjade' als zwei Zeichen zusammen haben keinen klassischen Beleg; das steht vielleicht auf Neujahrssprüchen, aber in der Dichtung und den kanonischen Schriften findet es sich nicht." Duftkastanie sagte: „Neulich, als ich die fünfsilbrigen Regelgedichte von Cen Jiazhou [19] las, fand ich den Vers: ‚Diese Gegend ist reich an Edelsteinen' (此鄉多寶玉). Wie konntest du das vergessen? Und dann las ich ein Sieben-Zeichen-Quartett von Li Yishan [20], in dem steht: ‚Die Juwelenhaarnadel verstaubt Tag für Tag' (寶釵無日不生塵). Da musste ich noch lachen, dass beider Namen tatsächlich in Tang-Gedichten stehen!" Alle lachten: „Das hat sie doch schachmatt gesetzt — schnell einen Strafbecher!" Xiangfluss-Wolke hatte nichts mehr zu sagen und musste trinken. Dann ging es weiter — Paare bildeten sich und spielten Shefu oder Fingerwerfen. Weil die Alte Herrin und Dame König nicht zu Hause waren, gab es keine Aufsicht, und so vergnügte man sich nach Herzenslust: man rief und schrie, lachte und lärmte. Der ganze Saal war ein Wirbel von Rot und Grün, ein Schimmern von Jade und Perlen — wahrhaftig ein rauschendes Fest. Nachdem man eine Weile gespielt hatte, stand man auf, um sich die Beine zu vertreten. Plötzlich war Xiangfluss-Wolke verschwunden. Man dachte, sie sei nach draußen gegangen und werde gleich wiederkommen; doch je länger man wartete, desto weniger war von ihr zu sehen. Man schickte Leute in alle Richtungen, um sie zu suchen — vergeblich.

Da kamen Frau Lin Zhixiao und einige ältere Dienerinnen, teils aus Sorge, es könnte ein dienstlicher Anlass bestehen, teils aus Furcht, die jungen Mädchen könnten in Abwesenheit Dame Königs die Autorität Erkundefrühlings und der anderen nicht respektieren und sich hemmungslos betrinken. Erkundefrühling, die ihre Absicht sofort durchschaute, lachte: „Ihr kommt wieder, um nach uns zu sehen, weil ihr uns nicht traut. Wir haben nicht übermäßig getrunken — wir haben uns nur vergnügt und den Wein nur als Vorwand genommen. Ihr Mütter braucht euch keine Sorgen zu machen." Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders lachten ebenfalls: „Geht nur und ruht euch aus — wir lassen sie bestimmt nicht zu viel trinken." Frau Lin Zhixiao und die anderen lachten: „Wir wissen schon — selbst wenn die Alte Herrin die Fräulein zum Trinken auffordert, trinken die Fräulein kaum. Natürlich, wenn die Damen nicht zu Hause sind, wird nur gespielt. Wir kamen nur, um zu hören, ob es etwas gibt. Außerdem: Der Tag ist lang, und nachdem die Fräulein eine Weile gespielt haben, sollten sie ein paar Kleinigkeiten zu sich nehmen. Gewöhnlich essen sie ja nicht viel Verschiedenes; wenn sie nun ein oder zwei Becher Wein trinken, ohne genug zu essen, könnte es ihnen schaden." Erkundefrühling lachte: „Da haben die Mütter recht — wir wollen gerade essen." Sie wandte sich um und bat, Gebäck zu bringen. Die Mädchen gehorchten und bestellten es eilig. Erkundefrühling lud lächelnd ein: „Geht und ruht euch aus, oder geht zu Tante drüben und plaudert mit ihr. Wir schicken euch gleich Wein." Frau Lin Zhixiao und die anderen lehnten lächelnd ab: „Wir wagen es nicht, das anzunehmen." Sie standen noch eine Weile und zogen sich dann zurück. Friedchen befühlte ihre Wangen und lachte: „Mein Gesicht ist ganz heiß — ich schäme mich, von ihnen gesehen zu werden. Ich meine, wir sollten aufhören, ehe sie noch einmal kommen — das wäre doch peinlich." Erkundefrühling lachte: „Macht nichts — solange wir nicht im Ernst trinken, ist es gut."

Gerade da kam ein kleines Mädchen lachend herbeigelaufen: „Fräulein, kommt schnell und schaut nach Fräulein Yun! Sie hat sich betrunken, und weil sie Abkühlung suchte, ist sie hinten auf dem Felsenberg auf einer Steinbank eingeschlafen!" Als alle das hörten, sagten sie lachend: „Pst, keinen Lärm!" Sie gingen hin, um nachzusehen, und fanden tatsächlich Xiangfluss-Wolke auf einer Steinbank an einem verborgenen Platz hinter den Felsen schlafend, versunken in duftende Träume[21]. Ringsum waren Päonienblüten auf ihren ganzen Körper herabgefallen — auf Kopf, Gesicht und Kleid, überall rote, duftende Blütenblätter in wirrem Durcheinander. Der Fächer in ihrer Hand lag auf dem Boden, halb von herabgefallenen Blüten bedeckt. Ein Schwarm Bienen und Schmetterlinge summte dicht um sie herum. Sie hatte ein Taschentuch aus Haifischhaut genommen, ein Bündel Päonienblätter darin eingewickelt und als Kissen benutzt. Alle sahen es an und waren gleichzeitig entzückt und belustigt. Sie kamen eilig heran, rüttelten sie, riefen sie und stützten sie. Xiangfluss-Wolke murmelte noch im Schlaf Trinkspielverse, undeutlich vor sich hin lallend:

Duftend die Quelle und klar der Wein;
Im Jadebecher glänzt Bernsteinlicht;
Getrunken bis der Mond über den Pflaumenzweigen steht;
Trunken nach Hause geleitet;
Passend zum Empfang lieber Freunde.

Alle rüttelten sie lachend und sagten: „Wach schnell auf und komm essen! Wenn du auf dieser feuchten Steinbank schläfst, wirst du noch krank!" Xiangfluss-Wolke öffnete langsam ihre herbstklaren Augen, sah die Versammelten und blickte an sich herab; da erst bemerkte sie, dass sie betrunken war. Eigentlich war sie hergekommen, um sich an der Kühle zu erfrischen; doch weil sie zwei Strafbecher zu viel getrunken hatte und ihre zarte Gestalt den Wein nicht vertrug, war sie eingeschlafen. Im Herzen war sie beschämt. Hastig stand sie auf und ging mühsam mit den anderen zum Hongxiangpu. Sie wusch sich das Gesicht und trank zwei Tassen starken Tee. Erkundefrühling befahl sofort, den Nüchternheitsstein [22] zu bringen und ihn ihr in den Mund zu stecken. Dann ließ sie sie noch etwas säuerliche Suppe trinken, und erst danach ging es ihr etwas besser.

Anschließend wählte man einige Schalen Obst und Speisen aus und schickte sie Phönixglanz. Phönixglanz schickte ebenfalls einige Sachen herüber. Schatzspange und die anderen aßen ihr Gebäck; manche saßen, manche standen, manche betrachteten draußen die Blumen, manche lehnten am Geländer und schauten den Fischen zu — jeder vergnügte sich und plauderte auf seine Weise. Erkundefrühling spielte mit Kostbarzither Schnee Schach; Schatzspange und Höhlennebel Strafe sahen der Partie zu. Kajaljade und Schatzjade standen unter einem Blumenstrauch und tuschelten leise miteinander — niemand wusste, was sie sagten. Da kamen Frau Lin Zhixiao und eine Gruppe Frauen mit einer jungen Frau herein. Die junge Frau hatte ein betrübtes, ängstliches Gesicht, wagte nicht, in den Saal zu treten, sondern kniete schon an der Treppe nieder und schlug vernehmlich den Kopf auf den Boden. Erkundefrühling war gerade von einem gegnerischen Stein umzingelt worden; sie rechnete hin und her, kam aber nur auf zwei Augen, musste also aufgeben. Ihre Augen waren starr auf das Schachbrett gerichtet, eine Hand griff in die Dose und klapperte mit den Steinen, in Gedanken versunken. Frau Lin Zhixiao stand schon eine ganze Weile da. Erst als Erkundefrühling den Kopf wandte, um nach Tee zu fragen, bemerkte sie sie und fragte: „Was gibt es?" Frau Lin Zhixiao deutete auf die Frau und sagte: „Das ist die Mutter von Cai'er, dem kleinen Mädchen aus dem Zimmer des Vierten Fräuleins [23]. Sie gehört zum Gartenpersonal. Ihr Mundwerk ist ganz übel; eben habe ich sie befragt, und was sie sagte, wage ich dem Fräulein gar nicht zu berichten — man sollte sie einfach hinauswerfen." Erkundefrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Ersten Herrin?" Frau Lin Zhixiao sagte: „Eben ist die Erste Herrin schon zum Saal hinüber zur Frau Tante gegangen; ich habe sie auf dem Weg gesehen und es ihr schon berichtet. Sie sagte, ich solle es dem Fräulein melden." Erkundefrühling sagte: „Warum berichtet ihr es nicht der Zweiten Herrin?" Friedchen sagte: „Es schadet nichts, auch nicht zu gehen; ich sage es ihr, wenn ich zurückkomme." Erkundefrühling nickte: „Wenn es so ist, jagt sie hinaus. Wenn die Gnädige Frau zurückkommt, wird man endgültig entscheiden." Damit wandte sie sich wieder dem Schachspiel zu. Frau Lin Zhixiao führte die Frau fort — davon sei hier nicht weiter die Rede.

Kajaljade und Schatzjade standen unter den Blumen, und obwohl sie einander fernstanden, verstanden sie sich wortlos. Kajaljade sagte: „Eure dritte Schwester ist wirklich ein kluges Mädchen. Obwohl man ihr die Verwaltung anvertraut hat, geht sie keinen Schritt über ihre Befugnisse hinaus. Eine andere hätte sich längst als Herrscherin aufgespielt." Schatzjade sagte: „Du weißt ja nicht — als du krank warst, hat sie einige wichtige Sachen durchgesetzt. Der Garten wurde aufgeteilt und Verantwortlichen zugewiesen; jetzt darf man nicht einmal mehr ein Gras zu viel pflücken. Sie hat auch mehrere überflüssige Ausgaben gestrichen und dabei mich und Schwester Feng als Exempel benutzt, um andere zu disziplinieren. Sie ist eine, die im Stillen wohl kalkuliert — das geht weit über bloße Klugheit hinaus." Kajaljade sagte: „So muss es sein. In unserem Haus wird auch zu viel ausgegeben. Obwohl ich mich nicht um die Verwaltung kümmere, habe ich in müßigen Stunden oft für euch nachgerechnet: Es wird mehr ausgegeben als eingenommen. Wenn man jetzt nicht spart, wird man bald in Schwierigkeiten geraten." Schatzjade lachte: „Wie auch immer es ausgehen mag — uns beiden wird es an nichts fehlen." Als Kajaljade das hörte, drehte sie sich um und ging in den Saal, um mit Schatzspange zu plaudern und zu lachen.

Schatzjade wollte gerade gehen, als Dufthauch mit einem kleinen, ineinander verschlungenen Lacktablett in der Hand kam, darauf ordentlich zwei Tassen frischer Tee. Sie fragte: „Wo ist sie hin? Ich habe gesehen, dass ihr beiden eine ganze Weile keinen Tee getrunken habt, und eigens zwei Tassen gebracht — und nun ist sie weg." Schatzjade sagte: „Da drüben ist sie — bring ihr eine hin." Er nahm sich selbst eine Tasse. Dufthauch trug die andere hin, doch Kajaljade war bei Schatzspange, und es gab nur eine Tasse. Also sagte sie: „Wer von euch durstig ist, nehme sie zuerst; ich hole noch eine." Schatzspange lachte: „Ich bin gar nicht durstig — ich möchte nur einen Schluck zum Mundspülen." Damit nahm sie zuerst die Tasse, trank einen Schluck und reichte die Hälfte Kajaljade. Dufthauch lachte: „Ich hole noch eine." Kajaljade lachte: „Du weißt doch, bei meiner Krankheit hat der Arzt mir verboten, viel Tee zu trinken. Diese halbe Tasse reicht vollkommen — wie aufmerksam von dir." Damit trank sie die Tasse leer und stellte sie ab. Dufthauch kam, um Schatzjades Tasse abzuholen. Schatzjade fragte: „Wo ist Duftblümchen die ganze Zeit? Ich habe sie nirgends gesehen." Dufthauch sah sich um und sagte: „Eben war sie noch hier mit einigen anderen beim Blumenspiel — jetzt ist sie verschwunden."

Als Schatzjade das hörte, eilte er in sein Zimmer. Dort lag Duftblümchen tatsächlich mit dem Gesicht zur Wand auf dem Bett und schlief. Schatzjade rüttelte sie: „Hör auf zu schlafen! Lass uns draußen spielen — gleich gibt es Essen." Duftblümchen sagte: „Ihr trinkt alle Wein und kümmert euch nicht um mich — da habe ich mich einen halben Tag gelangweilt und bin eben schlafen gegangen." Schatzjade zog sie hoch und lachte: „Heute Abend trinken wir zu Hause noch — und dann sage ich Schwester Dufthauch, dass sie dich mit an den Tisch nimmt. Was sagst du dazu?" Duftblümchen sagte: „Wenn Lotoswürzlein und Ruiguan nicht mit nach oben gehen, stehe ich allein da, und das ist auch nicht gut. Außerdem bin ich die Nudeln nicht gewöhnt, und heute Morgen habe ich auch nicht richtig gegessen. Eben war ich hungrig und habe schon der Schwägerin Liu gesagt, sie solle mir eine Schale Suppe und eine halbe Schale Rundkornreis bringen; ich esse hier und bin fertig. Wenn es heute Abend Wein gibt, dann darf mich keiner einschränken — ich will nach Herzenslust trinken, bis ich genug habe. Früher zu Hause habe ich zwei bis drei Pfund guten Huiquan-Wein getrunken! Seit ich dieses elende Gewerbe gelernt habe und sie sagten, es verderbe die Stimme, habe ich seit Jahren keinen Tropfen mehr gesehen. Heute breche ich das Fasten!" Schatzjade sagte: „Das ist leicht zu machen."

Gerade kam tatsächlich jemand von Frau Liu mit einem Speisenkasten. Xiaoyan nahm ihn entgegen und öffnete ihn: Darin war eine Schale Garnelen-Bällchen-Suppe mit Hühnerhaut, eine Schale in Reiswein gedämpfte Ente, ein Teller eingelegte Gänsebrust und ein Teller mit vier Sahne-Piniennuss-Blätterteigrollen, dazu eine große Schale dampfenden, schimmernden grünen Rundkornreises aus duftenden Reisterrassen. Xiaoyan stellte alles auf den Tisch, holte Beilagen und Essstäbchen und schöpfte eine Schale Reis. Duftblümchen sagte: „Alles so fettig und ölig — wer isst denn so etwas!" Sie goss sich nur Suppe über den Reis und aß eine Schale, nahm zwei Stücke eingelegte Gans und hörte auf. Schatzjade roch daran und fand, es duftet feiner als gewöhnlich; also aß er eine Blätterteigrolle und bat auch Xiaoyan, sich eine halbe Schale Reis zu nehmen, Suppe darüber zu gießen — es schmeckte köstlich. Xiaoyan und Duftblümchen lachten beide. Nach dem Essen wollte Xiaoyan den Rest zurückbringen. Schatzjade sagte: „Iss du es auf — wenn es nicht reicht, lass noch mehr bringen." Xiaoyan sagte: „Nicht nötig, das reicht. Vorhin hat Schwester Moschusmond uns zwei Teller Gebäck gegeben; wenn ich jetzt noch dies esse, brauche ich nichts mehr." Sie stellte sich an den Tisch und aß alles auf. Zwei Blätterteigrollen legte sie beiseite und sagte: „Die sind für meine Mutter. Heute Abend zum Weintrinken gebt mir bitte zwei Schalen Wein, das reicht." Schatzjade lachte: „Du magst also auch Wein? Dann trinken wir heute Abend ordentlich miteinander! Schwester Dufthauch und Schwester Heitermuster vertragen auch einiges, möchten aber gewöhnlich nicht. Heute brechen wir alle das Fasten! Ach, noch etwas — ich wollte es dir sagen und hab es glatt vergessen; jetzt fällt es mir ein: Kümmere dich in Zukunft ganz um Duftblümchen. Wenn sie etwas versäumt, weis sie darauf hin — Dufthauch kann nicht auf alle aufpassen." Xiaoyan sagte: „Ich weiß Bescheid, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Aber was wird nun aus Wu'er?" Schatzjade sagte: „Sag Frau Liu, sie soll sie morgen direkt hereinkommen lassen. Ich sage den Leuten Bescheid, und die Sache ist erledigt." Duftblümchen hörte das und lachte: „Das ist wirklich vernünftig." Xiaoyan rief zwei kleine Mädchen herein, die beim Händewaschen und Teeeinschenken halfen; sie selbst räumte das Geschirr auf, übergab es der Dienerin, wusch sich die Hände und ging zu Frau Liu — davon sei hier nicht weiter die Rede.

Schatzjade ging hinaus, um im Hongxiangpu die Schwestern aufzusuchen; Duftblümchen folgte ihm mit Tuch und Fächer. Kaum waren sie aus dem Hoftor, kamen Dufthauch und Heitermuster Hand in Hand zurück. Schatzjade fragte: „Wo wollt ihr hin?" Dufthauch sagte: „Das Essen ist angerichtet — wir kommen, um dich zum Essen zu holen." Schatzjade erzählte ihnen lachend, dass er eben schon gegessen hatte. Dufthauch lachte: „Ich sag ja immer, du isst wie eine Katze — wenn du etwas Duftendes riechst, willst du es haben. Essen aus einem fremden Topf schmeckt immer besser. Aber du solltest trotzdem hinaufgehen und den anderen wenigstens ein bisschen Gesellschaft leisten." Heitermuster tippte Duftblümchen mit dem Finger auf die Stirn und sagte: „Du bist eine richtige kleine Verführerin — wann bist du nur davongeschlichen, um zu essen? Ihr zwei habt euch wohl heimlich verabredet, ohne uns ein Wort zu sagen!" Dufthauch lachte: „Es war purer Zufall — von Verabredung kann keine Rede sein." Heitermuster sagte: „Wenn das so ist, braucht ihr uns ja gar nicht mehr. Morgen gehen wir alle, und Duftblümchen allein reicht völlig." Dufthauch lachte: „Wir alle können gehen — nur du nicht." Heitermuster sagte: „Gerade ich muss als Erste gehen — ich bin faul und dumm, habe ein schlechtes Temperament und bin zu nichts nutze." Dufthauch lachte: „Wenn jemand wieder ein Loch in die Pfauenfederjacke brennt — wer flickt es dann, wenn du weg bist? Hör auf, mir etwas vorzuspielen. Wenn ich dich um eine Arbeit bitte, bist du so faul, dass du keine Nadel quer und keinen Faden längs bewegst. Es ist ja auch nicht meine Privatarbeit, worum ich dich bitte — es ist alles für ihn, und trotzdem willst du nichts tun. Aber als ich ein paar Tage fort war, warst du todkrank und hast eine ganze Nacht lang, ohne an dein Leben zu denken, die Jacke für ihn geflickt — was war denn das für ein Grund? Sag schon, lach nicht nur stumm — damit ist niemandem gedient." Lachend und plaudernd kamen sie in den Saal. Tante Schnee war auch da. Alle setzten sich der Reihe nach zum Essen. Schatzjade tränkte nur eine halbe Schale Reis mit Tee und aß pro forma. Nach dem Essen trank man Tee, plauderte und scherzte.

Draußen hatten Xiaoluo, Duftkastanie, Duftblümchen, Ruiguan, Lotoswürzlein, Douguan und vier, fünf andere den ganzen Garten durchstreift. Sie pflückten Blumen und Gräser, setzten sich mitten in einen Haufen Blumen und spielten das Blumenspiel [24]. Die eine sagte: „Ich habe eine Guanyin-Weide." Eine andere sagte: „Ich habe eine Luohan-Kiefer." Wieder eine: „Ich habe einen Junzi-Bambus." [25] Die nächste: „Ich habe eine Meirenjiao." [26] Eine: „Ich habe ein Xingxingcui." [27] Eine andere: „Ich habe eine Yueyuehong." [28] Eine: „Ich habe eine Päonienblüte vom Päonienpavillon." [29] Eine andere: „Ich habe eine Wollmispel-Frucht aus der ‚Geschichte der Laute'." [30] Douguan sagte: „Ich habe eine Geschwisterblume." Da wusste niemand mehr etwas. Duftkastanie aber sagte: „Ich habe eine Eheleute-Orchidee." Douguan sagte: „Von einer Eheleute-Orchidee habe ich noch nie gehört." Duftkastanie erklärte: „Bei einer Lan-Orchidee sitzt nur eine Blüte am Stängel, bei einer Hui-Orchidee mehrere. Wenn zwei Stängel einer Hui-Orchidee Blüten in verschiedener Höhe tragen, nennt man das Brüder-Orchidee; wenn sie Kopf an Kopf blühen, heißt das Eheleute-Orchidee. Meine hier blüht Kopf an Kopf — was stimmt daran nicht?" Douguan hatte nichts mehr einzuwenden; sie stand auf und sagte spöttisch: „Und wenn die zwei Blüten verschieden groß sind, ist das eine Vater-und-Sohn-Orchidee, ja? Und wenn sie in verschiedene Richtungen schauen, eine Feinde-Orchidee, was? Dein Mann ist seit über einem halben Jahr verreist, und du sehnst dich so sehr nach dem, was Eheleute miteinander treiben, dass du dir auch noch Eheleute-Orchideen ausdenkst. Schämst du dich nicht!" Duftkastanie errötete, stand hastig auf und wollte Douguan kneifen, dabei lachend schimpfend: „Du freches kleines Ding mit deinem verdorbenen Mundwerk! Das ist ja pures Fiebergeschwätz!" Als Douguan sah, dass Duftkastanie aufstehen wollte, ließ sie das natürlich nicht zu und drückte sie mit dem ganzen Körper nieder. Sie wandte den Kopf zu Ruiguan und den anderen und bat lachend: „Kommt und helft mir, sie in ihr Lügenmaul zu kneifen!" Die beiden wälzten sich im Gras. Die anderen klatschten lachend in die Hände und warnten nur: „Vorsicht, da ist eine Pfütze! Wie schade um ihren neuen Rock!" Douguan wandte den Kopf und erblickte tatsächlich eine Lache Regenwasser — aber Duftkastanies Rock war schon zur Hälfte davon besudelt. Beschämt riss sich Douguan von Duftkastanie los und lief davon. Die anderen wollten sich vor Lachen ausschütten; aber aus Angst, Duftkastanie würde ihren Zorn an ihnen auslassen, liefen sie lachend auseinander.

Duftkastanie stand auf und blickte an sich herab. Sie sah, wie die grüne Brühe an ihrem Rock herunterlief. Sie schimpfte wie ein Rohrspatz. Gerade da kam Schatzjade, der die Mädchen beim Blumenspiel gesehen und selbst einige Blumen und Gräser gesammelt hatte, um mitzuspielen. Als er plötzlich sah, dass alle davongelaufen waren und nur noch Duftkastanie mit gesenktem Kopf an ihrem Rock herumzupfte, fragte er: „Warum sind sie alle weggelaufen?" Duftkastanie sagte: „Ich hatte eine Eheleute-Orchidee, und weil sie es nicht kannten, sagten sie, ich hätte mir das ausgedacht. Darüber sind wir ins Zanken gekommen, und sie haben mir meinen neuen Rock verdorben." Schatzjade stampfte klagend mit dem Fuß auf: „Wenn es euer Haus wäre, könntet ihr hundert solcher Stücke am Tag verderben, ohne dass es der Rede wert wäre. Aber erstens ist der Stoff von Fräulein Qin mitgebracht worden, und Schwester Bao und du hatten jede nur einen; ihrer ist noch gut, und deiner ist schon schmutzig — wie unwürdig gegenüber ihrer Aufmerksamkeit! Zweitens: Die Tante ist eine alte Frau mit losem Mundwerk — und dabei höre ich sie auch so schon immer sagen, ihr versteht nichts vom Haushalten und macht nur alles kaputt, statt euer Glück zu schätzen. Wenn die Tante das sieht, gibt es wieder Ärger." Duftkastanie traf das mitten ins Herz, und statt betrübt zu sein, freute sie sich sogar und sagte lachend: „Genau das ist es! Obwohl ich einige neue Röcke habe, ist keiner wie dieser hier. Wenn ich einen gleichen hätte, könnte ich ihn schnell umziehen — das wäre gut. Den Rest besprechen wir später." Schatzjade sagte: „Beweg dich nicht! Steh nur still — sonst werden auch Unterkleid, Kniehosen und Schuhe schmutzig. Ich habe eine Idee: Dufthauch hat letzten Monat einen Rock genäht, der genau so aussieht wie dieser; weil sie noch in Trauer ist, trägt sie ihn nicht. Man könnte ihn dir schenken, damit du dich umziehst — was meinst du?" Duftkastanie lachte und schüttelte den Kopf: „Das geht nicht. Wenn die anderen davon hören, wäre es unangenehm." Schatzjade sagte: „Was ist daran zu fürchten? Wenn die Trauer vorbei ist und sie etwas Hübsches haben möchte, darfst du ihr dann etwa nichts anderes schenken? So bist du doch sonst im Umgang! Außerdem ist es nichts Heimliches — man braucht es nur Schwester Bao zu sagen. Die einzige Sorge ist, dass die Tante sich ärgern könnte." Duftkastanie überlegte; es leuchtete ihr ein, und sie nickte lachend: „Dann also so — enttäusche mich nicht. Ich warte auf dich; aber lass sie es unbedingt persönlich bringen."

Als Schatzjade das hörte, freute er sich ungemein, versprach alles und eilte zurück. Im Gehen sann er bei sich: „Wie schade um ein solches Mädchen — keine Eltern, hat sogar ihren eigenen Familiennamen vergessen, wurde entführt und musste ausgerechnet an diesen Tyrannen [31], Schatzspanges gewalttätiger Bruder] verkauft werden." Dann dachte er noch an den Tag neulich, als auch Friedchens Schicksal ihm so unerwartet aufgefallen war — und heute kam nun dieses noch unerwartetere Ereignis dazu. Vertieft in wirre Gedanken kam er in sein Zimmer, nahm Dufthauch beiseite und erzählte ihr alles. Duftkastanie war ein Mensch, den jedermann liebte und bemitleidete. Dufthauch war von Natur aus großzügig und zudem seit jeher mit Duftkastanie befreundet. Kaum hatte sie die Nachricht gehört, öffnete sie die Truhe, nahm den Rock heraus, faltete ihn ordentlich und ging mit Schatzjade los, um Duftkastanie zu suchen. Die stand immer noch an derselben Stelle und wartete. Dufthauch lachte: „Ich sage ja immer, du treibst es zu bunt — du musst erst eine Geschichte anstellen!" Duftkastanie errötete und lachte: „Vielen Dank, Schwester! Wer hätte gedacht, dass diese boshaften Gören so gemein sein würden." Damit nahm sie den Rock entgegen, breitete ihn aus und sah: Er war tatsächlich derselbe wie ihrer. Dann hieß sie Schatzjade, sich umzudrehen, griff kreuzweise nach hinten, band den verschmutzten Rock ab und legte den neuen an. Dufthauch sagte: „Gib mir den schmutzigen; ich nehme ihn mit, reinige ihn und bringe ihn dir dann. Wenn du ihn zurücknimmst und man sieht ihn, gibt es Fragen." Duftkastanie sagte: „Liebe Schwester, nimm ihn mit und gib ihn irgendeiner Schwester. Da ich jetzt diesen habe, brauche ich den anderen nicht mehr." Dufthauch sagte: „Du bist aber großzügig!" Duftkastanie machte eilig einen Knicks zum Dank; Dufthauch nahm den schmutzigen Rock und ging.

Duftkastanie sah, wie Schatzjade auf dem Boden hockte und die Eheleute-Orchidee und die Zwillingsblüten-Wassernuss [32] mit einem Stöckchen eine kleine Grube auskratzte. Erst streute er herabgefallene Blütenblätter als Unterlage hinein, dann bettete er Orchidee und Wassernuss sorgfältig darauf und deckte sie mit weiteren Blüten zu; schließlich häufelte er Erde darüber und machte alles glatt. Duftkastanie nahm seine Hand und lachte: „Was soll das denn schon wieder? Kein Wunder, dass alle sagen, du führst immer geheimnisvoll seltsame Dinge auf, die einem die Haut kräuseln! Sieh nur deine Hände — ganz schmutzig von Erde und Moos! Geh schnell und wasch sie!" Schatzjade lachte, stand auf und ging sich die Hände waschen; Duftkastanie ging ebenfalls davon. Die beiden waren schon einige Schritte weit auseinander, als Duftkastanie sich umdrehte und Schatzjade zurückrief. Schatzjade wusste nicht, was sie noch zu sagen hatte, und kam mit beiden erdigen Händen lachend zurück: „Was gibt es?" Duftkastanie lachte nur. Gerade kam ihr Mädchen Zhen'er und sagte: „Die Zweite Herrin wartet auf dich und möchte mit dir sprechen." Erst da sagte Duftkastanie zu Schatzjade: „Die Sache mit dem Rock — erzähle das bloß nicht deinem Bruder [33]!" Damit drehte sie sich um und ging. Schatzjade lachte: „Ja, bin ich denn verrückt — soll ich etwa meinen Kopf in den Rachen des Tigers stecken?" Damit ging auch er sich die Hände waschen.

Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.

  1. altes Hohlmaß, ca. 100 Liter
  2. Ein Brauch, bei dem der Meister als „Adoptivvater" des Kindes ein schützendes Amulett überreicht
  3. Dame Königs Bruder, ein hoher Beamter
  4. das östliche Palais der Kaufmann-Familie
  5. Urfrühling
  6. Schatzspange [宝钗
  7. ‚Pavillon des durchdringenden Dufts'
  8. ‚Rotes Duft-Beet'
  9. die Lieblingszofe der Alten Herrin
  10. ‚Rätsel verstecken und erraten', ein altes, anspruchsvolles literarisches Trinkspiel
  11. ‚Daumenkrieg', das bekannte Fingerspiel
  12. 藥 reimt als Anspielung auf 芍 (Päonie), da der Saal im Päoniengarten steht
  13. aus dem Shijing: „Das Huhn geht auf die Sitzstange" 雞棲於塒
  14. ‚Weinoberfläche': ein literarisches Zitat vor dem Trinken; ‚Weinboden': ein Spruch nach dem Trinken
  15. Aus dem Vers „Eine Kürbisflasche an der grünen Wand" bzw. dem Sprichwort „leere grüne Kürbisflasche"
  16. Anspielung auf die Tang-Geschichte der Verfolgung des Rebellenanführers
  17. Anspielung auf den gerade erst beigelegten Diebstahl des Rosenwassers.
  18. den Jade des Numinosen Verstehens, den Schatzjade um den Hals trägt
  19. Cen Shen, Tang-Dichter
  20. Li Shangyin, Tang-Dichter
  21. Diese berühmte Szene — Xiangfluss-Wolke schlafend zwischen Päonienblüten — gehört zu den ikonischen Bildern des Romans und wurde unzählige Male in der chinesischen Malerei dargestellt.
  22. Chin. 醒酒石 xǐngjiǔ shí — ein kühler Stein, den man in den Mund nimmt oder an die Stirn hält, um schneller nüchtern zu werden.
  23. Bedauerfrühling
  24. ein Spiel, bei dem man Pflanzen nennt, deren Namen zusammengesetzte Wörter ergeben
  25. ‚Bambus des Edlen'
  26. ‚Schöne-Frauen-Banane'
  27. ‚Sternengrün'
  28. ‚Monat für Monat rot', die Monatsrose
  29. Anspielung auf das berühmte Drama ‚Mudanting' von Tang Xianzu
  30. Anspielung auf die Oper ‚Pipaji'
  31. Becken Schnee [薛蟠
  32. eine Frucht, die wie zusammengewachsene Zwillinge aussieht — auch eine Anspielung auf eheliche Verbundenheit
  33. Becken Schnee