Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 81"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 81) |
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ||
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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| + | 第八十一回 | ||
| + | 占旺相四美钓游鱼 | ||
| + | 奉严词两番入家塾 | ||
且说迎春归去之后,邢夫人像没有这事。倒是王夫人抚养了一场,却甚是伤感,在房中自己叹息了一会。只见宝玉走来请安,看见王夫人脸上似有泪痕,也不敢坐,只在旁边站着。王夫人叫他坐下,宝玉才捱上炕来,就在王夫人身旁坐了。 | 且说迎春归去之后,邢夫人像没有这事。倒是王夫人抚养了一场,却甚是伤感,在房中自己叹息了一会。只见宝玉走来请安,看见王夫人脸上似有泪痕,也不敢坐,只在旁边站着。王夫人叫他坐下,宝玉才捱上炕来,就在王夫人身旁坐了。 | ||
王夫人见他呆呆的瞅着,似有欲言不言的光景,便道:“你又为什么这样呆呆的?”宝玉道:“并不为什么,只是昨儿听见二姐姐这种光景,我实在替他受不得。虽不敢告诉老太太,却这两夜只是睡不着。我想咱们这样人家的姑娘,那里受得这样的委屈?况且二姐姐是个最懦弱的人,向来不会和人拌嘴,偏偏儿的遇见这样没人心的东西,竟一点儿不知道女人的苦处。”说着,几乎滴下泪来。 | 王夫人见他呆呆的瞅着,似有欲言不言的光景,便道:“你又为什么这样呆呆的?”宝玉道:“并不为什么,只是昨儿听见二姐姐这种光景,我实在替他受不得。虽不敢告诉老太太,却这两夜只是睡不着。我想咱们这样人家的姑娘,那里受得这样的委屈?况且二姐姐是个最懦弱的人,向来不会和人拌嘴,偏偏儿的遇见这样没人心的东西,竟一点儿不知道女人的苦处。”说着,几乎滴下泪来。 | ||
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应试选举──即通过科举考试方式选拔人才。 | 应试选举──即通过科举考试方式选拔人才。 | ||
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| − | + | Einundachtzigstes Kapitel | |
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| − | + | Vier Schönheiten angeln fröhlich Fische und lesen dabei ihr Glück, | |
| − | + | Strenge Worte nötigen zu doppeltem Eintritt in die Hausschule | |
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| − | + | Wie berichtet, kümmerte sich Xing Furen nach Willkommensfrühling<ref>Willkommensfrühling: Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommener Frühling".</ref>s Rückkehr zu ihrem Ehemann nicht weiter um die Sache, als wäre nichts geschehen. Doch Wang Furen, die Willkommensfrühling aufgezogen hatte, war tief betrübt; sie saß allein in ihrem Zimmer und seufzte vor sich hin. Da kam Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> herein, um sie zu begrüßen. Als er sah, dass ihr Gesicht Tränenspuren trug, wagte er nicht, sich zu setzen, und blieb neben ihr stehen. Wang Furen bat ihn, sich zu setzen, und Schatzjade rückte auf den Kang<ref>Kang: Beheizbare Schlaf- und Sitzplattform aus Ziegeln, typisch für nordchinesische Häuser.</ref> hinauf und ließ sich an ihrer Seite nieder. | |
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| − | + | Wang Furen bemerkte, wie er sie mit leerem Blick anstarrte und offenbar etwas sagen wollte, ohne es herauszubringen, und sprach: „Warum starrst du wieder so vor dich hin?" Schatzjade erwiderte: „Es ist nichts Besonderes. Nur als ich gestern von der Lage der zweiten Schwester hörte, konnte ich es kaum für sie ertragen. Ich wagte zwar nicht, es der Großmutter zu erzählen, doch in den letzten beiden Nächten habe ich kein Auge zugetan. Wenn ich bedenke, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren solche Kränkungen erdulden muss! Zumal die zweite Schwester von Natur aus überaus zaghaft ist und sich nie mit jemandem gestritten hat — und nun ausgerechnet auf ein so herzloses Wesen trifft, das nicht das Geringste vom Leid einer Frau versteht." Dabei kamen ihm beinahe die Tränen. | |
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| − | + | Wang Furen sagte: „Daran lässt sich nichts ändern. Wie das Sprichwort sagt: ‚Eine verheiratete Tochter ist wie ausgegossenes Wasser.' Was soll ich da tun?" Schatzjade entgegnete: „Gestern Nacht habe ich mir einen Plan überlegt: Wir könnten es der Großmutter erklären und die zweite Schwester zurückholen lassen. Sie könnte wieder in der Ziling-Insel wohnen, und wir Geschwister würden wieder zusammen essen und spielen, statt dass sie den Zorn dieses Taugenichtses Sun erdulden muss. Wenn er kommt, um sie abzuholen, lassen wir sie einfach nicht gehen; kommt er hundertmal, halten wir sie hundertmal zurück. Wir sagen einfach, es sei der Wille der Großmutter. Wäre das nicht wunderbar?" | |
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| − | + | Als Wang Furen dies hörte, wusste sie nicht, ob sie lachen oder sich ärgern sollte, und sprach: „Da kommt wieder dein kindischer Unsinn! Ein Mädchen muss eines Tages heiraten. Wenn sie in ein anderes Haus geht, kann sich die Herkunftsfamilie nicht darum kümmern; man kann nur hoffen, dass ihr Schicksal gut ist: Trifft sie es gut, ist es gut; trifft sie es schlecht, lässt sich nichts machen. Hast du noch nie gehört: ‚Heiratest du einen Hahn, folge dem Hahn; heiratest du einen Hund, folge dem Hund'? Nicht jede kann wie deine älteste Schwester kaiserliche Gemahlin werden! Außerdem ist deine zweite Schwester eine junge Ehefrau, und der Schwiegersohn Sun ist auch noch ein junger Mann; jeder hat seinen eigenen Charakter. Am Anfang gibt es natürlich Reibereien. Nach ein paar Jahren, wenn man sich aneinander gewöhnt hat und Kinder da sind, wird alles besser. Du darfst vor der Großmutter kein einziges Wort davon fallen lassen — wenn ich davon erfahre, gibt es Ärger! Nun geh und tu etwas Vernünftiges, statt hier Unsinn zu reden." | |
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| − | + | Schatzjade wagte darauf nichts mehr zu erwidern. Er saß noch eine Weile, dann ging er lustlos hinaus. Mit einem Bauch voll aufgestauter Bedrückung, die er nirgends ablassen konnte, schlenderte er in den Garten und ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon. Kaum hatte er die Tür durchschritten, brach er in lautes Weinen aus. | |
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| − | + | Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> hatte gerade ihre Morgentoilette beendet und erschrak bei diesem Anblick. Sie fragte: „Was ist denn geschehen? Mit wem hast du dich gestritten?" Sie fragte mehrmals. Schatzjade lag mit gesenktem Kopf auf dem Tisch und schluchzte so heftig, dass er kein Wort herausbrachte. Kajaljade setzte sich auf ihren Stuhl und starrte ihn eine Weile an, dann fragte sie: „Hat sich jemand anderes mit dir gestritten, oder habe ich dich beleidigt?" Schatzjade winkte ab: „Nichts von beidem, nichts von beidem." Kajaljade fragte: „Warum bist du dann so betrübt?" Schatzjade sagte: „Ich denke nur, es wäre besser, wir würden alle so früh wie möglich sterben. Am Leben zu sein hat wirklich keinen Sinn!" Als Kajaljade diese Worte hörte, erschrak sie noch mehr: „Was redest du da! Bist du wirklich verrückt geworden?" | |
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| + | Schatzjade erwiderte: „Ich bin nicht verrückt. Wenn ich es dir erzähle, wird es auch dich traurig machen. Du hast doch neulich gesehen und gehört, wie die zweite Schwester zurückkam und was sie erzählte. Ich frage mich, warum ein Mensch heiraten muss, wenn er erwachsen wird, nur um dann in einem fremden Haus solches Leid zu erdulden. Erinnerst du dich noch, als wir die Begonien-Dichtergesellschaft gründeten? Wie wir zusammen dichteten und einander bewirteten — wie fröhlich das war! Jetzt ist Schwester Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.</ref> wieder zu Hause, selbst Duftkastanie kann nicht mehr herüberkommen, und die zweite Schwester ist verheiratet. All die Vertrauten sind nicht mehr beisammen, und so sieht es nun aus. Ich wollte eigentlich zur Großmutter gehen und die zweite Schwester zurückholen lassen, doch Mama hat es nicht erlaubt und mich kindisch und wirr genannt, sodass ich nichts mehr zu sagen wagte. In kurzer Zeit hat sich der Garten schon so sehr verändert. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren sein wird. Darum wird mir unwillkürlich immer schwerer ums Herz." Als Kajaljade diese Worte vernahm, senkte sie allmählich den Kopf, zog sich langsam auf den Kang zurück, sagte kein Wort, seufzte leise und legte sich nach innen hin. | ||
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| + | Purpurkuckuck<ref>Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".</ref> kam gerade mit Tee herein und wunderte sich über die beiden, als Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".</ref> eintrat. Sie sah Schatzjade und sprach: „Hier bist du also, Zweiter Herr! Die Großmutter lässt nach dir rufen. Ich habe mir schon gedacht, dass du hier bist." Kajaljade hörte, dass es Dufthauch war, richtete sich auf und bot ihr einen Platz an. Kajaljades Augen waren bereits vom Weinen ganz rot. Schatzjade bemerkte es und sagte: „Schwester, was ich eben sagte, war nur dummes Gerede. Du musst dir keine Sorgen machen. Wenn du an meine Worte denkst, dann achte umso mehr auf deine Gesundheit. Ruh dich ein wenig aus. Drüben bei der Großmutter wird nach mir gerufen; ich schaue kurz vorbei und komme gleich wieder." Damit ging er hinaus. Dufthauch fragte Kajaljade leise: „Was hattet ihr beide wieder?" Kajaljade antwortete: „Er ist wegen seiner zweiten Schwester traurig. Mir haben vorhin nur die Augen gejuckt, und ich habe sie gerieben — es war nichts weiter." Dufthauch sagte nichts mehr, eilte Schatzjade nach, und beide gingen auseinander. Schatzjade begab sich zur Herzoginmutter hinüber, doch die Großmutter hielt bereits ihren Mittagsschlaf, und so kehrte er in den Hof der Roten Freude zurück. | ||
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| + | Am Nachmittag, als Schatzjade von seinem Mittagsschlaf erwachte, langweilte er sich fürchterlich und griff aufs Geratewohl nach einem Buch. Dufthauch sah, dass er las, und eilte, ihm Tee zu bringen. Das Buch, das Schatzjade in der Hand hielt, waren die „Alten Yuefu-Lieder". Er blätterte darin und stieß auf Cao Mengdes „Beim Wein soll man singen — wie lange währt das Menschenleben?", und unwillkürlich stach es ihn ins Herz. Er legte das Buch beiseite und nahm ein anderes; es war eine Sammlung aus der Jin-Dynastie. Nachdem er einige Seiten durchgeblättert hatte, klappte er das Buch plötzlich zu, stützte das Kinn in die Hand und saß mit abwesendem Blick da. Dufthauch kam mit dem Tee und fragte bei seinem Anblick: „Warum liest du nicht weiter?" Schatzjade antwortete nicht, nahm den Tee, trank einen Schluck und stellte ihn hin. Dufthauch konnte sich keinen Reim darauf machen und stand nur neben ihm und starrte ihn an. Plötzlich stand Schatzjade auf und murmelte vor sich hin: „Wie herrlich — ‚sich in ungezügelter Freiheit jenseits aller Formen bewegen'!" Dufthauch musste lachen und wagte doch nicht zu fragen; sie riet ihm nur: „Wenn du keine Lust hast, das zu lesen, geh doch lieber ein wenig im Garten spazieren, statt dir hier vor Langeweile noch eine Krankheit zuzuziehen." Schatzjade antwortete zerstreut mit einem Ja und ging, noch immer ganz in Gedanken versunken, nach draußen. | ||
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| + | Bald gelangte er zum Qinfang-Pavillon. Doch er sah nur eine öde Szenerie — die Menschen fortgegangen, die Räume leer. Er ging weiter zum Hengwu-Hof: Der Duft der Kräuter war noch da wie eh und je, doch Türen und Fenster waren geschlossen. Als er um das Ouxiang-Gartenhaus herumkam, sah er in der Ferne einige Gestalten, die sich an das Geländer in der Nähe des Liaoxu-Ufers lehnten, und ein paar kleine Dienstmädchen, die auf dem Boden kauerten und nach etwas suchten. Schatzjade schlich sich leise hinter den künstlichen Felsen und lauschte. Jemand sagte: „Ob er wohl an die Oberfläche kommt?" — es klang wie Muster Pflaumes Stimme. Eine andere lachte: „Gut! Er ist untergetaucht. Ich wusste doch, dass er nicht hochkommt." Das war Erkundefrühling<ref>Erkundefrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling".</ref>s Stimme. Wieder eine andere sprach: „Ja, richtig. Schwester, beweg dich nicht, warte nur ab — er kommt auf jeden Fall hoch." Und noch eine rief: „Da kommt er!" Die beiden letzten Stimmen gehörten Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe. | ||
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| + | Schatzjade konnte nicht widerstehen, hob ein Steinchen auf und warf es ins Wasser — platsch! Alle vier erschraken und riefen: „Wer macht denn solche Streiche? Hat uns einen Schreck eingejagt!" Schatzjade sprang lachend hinter dem Felsen hervor und rief: „Was für ein Vergnügen! Warum habt ihr mich nicht gerufen?" Erkundefrühling sagte: „Ich wusste, es kann nur der Zweite Bruder sein, der so ungezogen ist! Da gibt es nichts zu reden — du musst mir meinen Fisch ersetzen: Gerade eben kam einer herangeschwommen, ich hatte ihn fast am Haken, und du hast ihn verscheucht." Schatzjade lachte: „Ihr amüsiert euch hier ohne mich — eigentlich müsste ich euch bestrafen." Alle lachten eine Weile. | ||
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| + | Schatzjade sprach: „Lasst uns alle angeln und herausfinden, wer das meiste Glück hat: Wer einen Fisch fängt, hat dieses Jahr Glück; wer keinen fängt, hat Pech. Wer fängt zuerst an?" Erkundefrühling bot Muster Pflaume den Vortritt an, doch die lehnte ab. Erkundefrühling lachte: „Dann fange ich eben an." Zu Schatzjade gewandt sagte sie: „Zweiter Bruder, wenn du mir noch einmal die Fische verscheuchst, lass ich das nicht durchgehen." Schatzjade erwiderte: „Vorhin wollte ich euch nur erschrecken. Jetzt angel nur in Ruhe." | ||
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| + | Erkundefrühling warf die Seidenschnur aus, und noch ehe zehn Sätze gesprochen waren, hatte schon ein Weidenblatt-Schnellfisch den Haken verschluckt und die Pose heruntergezogen. Erkundefrühling zog die Rute hoch, schwenkte den Fisch zu Boden — er zappelte noch heftig. Shishu fing ihn auf dem ganzen Boden mit beiden Händen ein und setzte ihn in einen kleinen Porzellantopf mit klarem Wasser. | ||
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| + | Erkundefrühling reichte die Angel an Muster Pflaume weiter. Muster Pflaume ließ die Schnur hinab, spürte einen Ruck, riss die Rute hoch — doch der Haken war leer. Sie versuchte es noch einmal, und nach einer Weile ruckte die Schnur wieder; sie zog hoch — wieder ein leerer Haken. Muster Pflaume untersuchte den Haken und sah, dass er sich nach innen gebogen hatte. Sie lachte: „Kein Wunder, dass nichts anbeißt!" Eilig ließ sie Suyun den Haken richten und einen neuen Köder aufstecken und das Schilfplättchen befestigen. Nachdem sie die Schnur eine Weile im Wasser hängen ließ, sank die Pose direkt unter — sie riss die Angel hoch, und da hing ein zwei Zoll langer kleiner Karauschenfisch. | ||
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| + | Muster Pflaume lachte: „Schatzjade, jetzt angel du." Schatzjade antwortete: „Lasst lieber erst die dritte Schwester und Schwester Strafe angeln, dann bin ich dran." Höhlennebel Strafe sagte nichts. Prachtamt Pflaume meinte: „Schatzjade, angel du zuerst." Da stieg eine Blase auf dem Wasser auf. Erkundefrühling sagte: „Hört auf mit der Höflichkeit! Seht, die Fische sind alle drüben bei der dritten Schwester — los, angel schnell!" Prachtamt Pflaume nahm lachend die Rute und fing tatsächlich sofort einen Fisch. Danach fing auch Höhlennebel Strafe einen. Dann reichten sie die Rute zurück an Erkundefrühling, die sie Schatzjade gab. | ||
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| + | Schatzjade verkündete: „Ich will es machen wie Jiang Taigong!" Er stieg zum Steinufer hinab, setzte sich an den Teichrand und begann zu angeln. Doch die Fische im Wasser sahen seinen Schatten und flohen allesamt anderswohin. Schatzjade schwenkte seine Angel und wartete lange, aber die Schnur rührte sich nicht. Gerade als ein Fisch am Rand des Wassers Blasen blies, ruckte Schatzjade an der Rute und verscheuchte ihn prompt. Ungeduldig rief Schatzjade: „Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt, und ausgerechnet der Fisch hat es nicht eilig — was soll ich da machen? Lieber Fisch, komm doch endlich! Hab ein Einsehen mit mir!" Die vier Mädchen lachten schallend. Kaum hatte er ausgesprochen, zuckte die Schnur leicht. Überglücklich riss Schatzjade mit aller Kraft die Angel hoch und schlug dabei die Rute an den Stein, worauf sie in zwei Stücke zerbrach, die Schnur riss und der Haken verschwand. Die anderen lachten nur noch mehr. Erkundefrühling sagte: „So einen Tolpatsch wie dich gibt es wirklich nicht noch einmal." | ||
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| + | Noch während sie sprachen, kam Moschusmond<ref>Moschusmond: Chin. 麝月 Shèyuè, wörtl. „Moschusmond".</ref> außer Atem herbeigelaufen und rief: „Zweiter Herr, die Großmutter ist wach und lässt Euch sofort kommen!" Alle fünf erschraken. Erkundefrühling fragte Moschusmond: „Was will die Großmutter vom Zweiten Bruder?" Moschusmond antwortete: „Ich weiß es auch nicht. Ich habe nur gehört, dass irgendetwas aufgeflogen sei und die Großmutter Schatzjade befragen will, und die Zweite Schwägerin Lian soll es auch untersuchen." Schatzjade erschrak und starrte eine Weile vor sich hin: „Wer weiß, welches Dienstmädchen nun wieder Ärger bekommen hat." Erkundefrühling sprach: „Was immer es ist, Zweiter Bruder, geh schnell. Wenn es Neuigkeiten gibt, schick Moschusmond her, um es uns mitzuteilen." Damit ging sie mit Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe davon. | ||
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| + | Schatzjade kam in die Gemächer der Herzoginmutter. Dort saß Wang Furen bei der Großmutter, und beide spielten Mahjong. Als Schatzjade sah, dass nichts Beunruhigendes vorlag, fiel ihm die Hälfte seiner Angst vom Herzen. Die Herzoginmutter sah ihn hereinkommen und fragte: „Als du vor zwei Jahren krank warst und schließlich ein verrückter Mönch und ein hinkender Daoist dich heilten — erinnerst du dich, wie es dir während der Krankheit ergangen ist?" Schatzjade überlegte eine Weile und sagte: „Ich erinnere mich, dass mir, als ich gerade stand, wie aus dem Nichts jemand einen Knüppel über den Kopf schlug, sodass mir die Augen schwarz wurden und ich das ganze Zimmer voller Dämonen mit grünen Fratzen und Reißzähnen sah, die Messer und Knüppel schwangen. Als ich auf dem Kang lag, fühlte es sich an, als hätte man mir mehrere eiserne Reifen um den Kopf gelegt. Danach war der Schmerz so groß, dass ich gar nichts mehr wahrnahm. Als es mir besserging, erinnere ich mich an ein goldenes Leuchten in der Halle, das bis auf mein Bett strahlte. Alle Dämonen flohen erschrocken davon und verschwanden. Mein Kopf schmerzte nicht mehr, und im Geist wurde mir wieder klar." die Herzoginmutter wandte sich an Wang Furen: „Das klingt ja fast genauso." | ||
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| + | Da kam auch Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref> herein, begrüßte die Herzoginmutter und dann Wang Furen und fragte: „Was wollte die Alte Ahnin mich fragen?" die Herzoginmutter sprach: „Erinnerst du dich noch, wie es war, als du damals von dem Zauber befallen wurdest?" Phönixglanz lachte: „So genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich spürte nur, wie mein Körper nicht mehr mir selbst gehorchte, als würde mich jemand zerren und stoßen und als sollte ich Menschen umbringen. Was mir in die Hände kam, das packte ich; was mir begegnete, das schlug ich tot. Eigentlich war ich völlig erschöpft, aber ich konnte nicht aufhören." die Herzoginmutter fragte: „Und als du gesund wurdest?" Phönixglanz sagte: „Als es mir besserging, war es, als hätte jemand in der Luft ein paar Worte gesprochen, aber ich erinnere mich nicht, was." die Herzoginmutter nickte: „So sieht es also aus — es war wirklich sie. Beider Krankheitserscheinungen stimmen mit dem gerade Beschriebenen überein. Dieses alte Weib hatte wirklich ein bösartiges Herz! Schatzjade hat sie doch sogar als Patin anerkannt. Dagegen waren der Mönch und der Daoist — Amitabha! — die wahren Retter von Schatzjades Leben. Nur haben wir uns noch nicht bei ihnen bedankt." | ||
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| + | Phönixglanz fragte: „Wie kommt die Alte Ahnin auf unsere damalige Krankheit zu sprechen?" die Herzoginmutter antwortete: „Frag deine Tante — ich mag es nicht nochmal erzählen." Wang Furen sprach: „Vorhin kam der Herr herein und erzählte, dass Schatzjades Patin tatsächlich ein durch und durch verdorbenes Weib war, die schwarze Magie betrieb. Jetzt ist die Sache aufgeflogen: Sie wurde von der Kaiserlichen Garde ergriffen und an das Strafministerium überstellt, wo sie zum Tode verurteilt werden soll. Vor einigen Tagen wurde sie angezeigt. Ein gewisser Pan Sanbao besaß ein Haus, das er dem Pfandhaus gegenüber verkauft hatte. Pan Sanbao verlangte immer höhere Aufschläge, die das Pfandhaus nicht mehr zu zahlen bereit war. Da bestach Pan Sanbao diese alte Hexe. Weil sie häufig im Pfandhaus verkehrte und die Frauen des Hauses ihr alle vertrauten, wendete sie eine ihrer Künste an: Plötzlich wurden die Frauen von einem bösen Leiden befallen, und im Haus brach das reinste Chaos aus. Da trat sie auf und erklärte, sie könne die Krankheit heilen. Sie verbrannte Geisterpferde und Papiergeld, und tatsächlich besserte es sich. Dann verlangte sie von den Frauen des Hauses mehr als zehn Tael Silber. Doch der Himmel hat Augen, und es kam zur Enthüllung: Eines Tages, als sie es eilig hatte nach Hause zu kommen, verlor sie ein in Seide gewickeltes Bündel. Die Leute vom Pfandhaus hoben es auf und fanden darin viele Papierfiguren und vier Kugeln stark duftenden Weihrauchs. Während sie sich noch wunderten, kam die Alte zurück, um das Bündel zu suchen. Sie packten sie, durchsuchten sie und fanden ein Kästchen mit folgenden Dingen: aus Elfenbein geschnitzte Figuren eines Mannes und einer Frau, beide nackt; zwei nackte Dämonenkönige; und sieben zinnoberrote Sticknadeln. Sofort wurde sie zur Kaiserlichen Garde gebracht, und unter Verhör gestand sie Geheimnisse zahlreicher Beamtenfamilien und vornehmer Damen und Fräulein. Daraufhin wurde ihre Wohnung durchsucht: Man fand zahlreiche Tonnachbildungen von Schreckensgöttern, mehrere Kästchen mit Betäubungsweihrauch; in einem Hinterzimmer hinter dem Kang hing eine Siebensternlaterne, und unter der Laterne standen mehrere Strohpuppen: einigen war ein eiserner Reif um den Kopf gelegt, anderen steckten Nägel in der Brust, wieder anderen war eine Kette um den Hals gebunden. In einer Truhe lagen unzählige Papierfiguren und darunter mehrere Kontobücher, in denen verzeichnet war, bei welcher Familie ein Fluch erprobt worden war, wie viel Silber noch ausstehe und wie viel Geld für Öl und Weihrauch empfangen worden sei — unzählige Summen." | ||
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| + | Phönixglanz sagte: „Unsere damalige Krankheit war gewiss ihr Werk! Ich erinnere mich, dass die alte Hexe danach mehrfach bei Zhao Yiniang war und Silber verlangte; als sie mich sah, veränderten sich Miene und Farbe ihres Gesichts, und ihre Augen glotzten wie die eines schwarzen Huhns. Anfangs rätselte ich immerzu, ohne den Grund zu finden. Jetzt, da die Rede darauf kommt, erweist sich, dass alles seine Ursache hatte. Aber als Haushälterin macht man sich natürlich Feinde, da kann ich es den Leuten nicht verübeln, dass sie es auf mich abgesehen hatten. Doch was hat Schatzjade jemandem getan, dass man es über sich brachte, ihm so Giftiges anzutun?" die Herzoginmutter erwiderte: „Wer weiß — vielleicht hat sie uns beiden den Fluch aufgeladen, weil ich Schatzjade bevorzuge und Huan nicht?" | ||
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| + | Wang Furen sprach: „Die Alte ist bereits verurteilt, und es wäre unmöglich, sie zur Konfrontation herzuschaffen. Ohne Konfrontation wird Zhao Yiniang gewiss nichts zugeben. Und die Sache ist zu schwerwiegend — wenn es nach außen dringt, wäre es unangemessen. Lass sie sich selbst ins Verderben reiten; früher oder später kommt alles von allein ans Licht." die Herzoginmutter meinte: „Da hast du recht. Ohne Beweis lässt sich nichts mit Sicherheit sagen. Doch Buddha und die Bodhisattvas sehen alles klar — haben die beiden heute nicht doch ihr Auskommen? Genug, was vergangen ist, ist vergangen. Phönixglanz, du brauchst nicht weiter davon zu sprechen. Heute bleibt ihr beide, du und deine Tante, hier bei mir zum Abendessen." Dann rief sie Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente".</ref>, Hupo und die anderen, das Essen aufzutragen. Phönixglanz beeilte sich lachend: „Wie kommt es, dass die Alte Ahnin sich persönlich Sorgen macht?" Auch Wang Furen musste lächeln. Draußen warteten bereits einige Dienerinnen. Phönixglanz schickte schnell ein kleines Mädchen los: „Sag in der Küche, dass ich und die Gnädige Frau bei der Alten Ahnin speisen." | ||
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| + | Währenddessen kam Yuchuan herein und sagte zu Wang Furen: „Der gnädige Herr sucht etwas und bittet die Gnädige Frau, nach dem Essen der Alten Ahnin selbst danach zu schauen." die Herzoginmutter sprach: „Geh nur — vielleicht hat dein Mann etwas Dringendes." | ||
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| + | Wang Furen nahm ihren Abschied, ließ Phönixglanz bei der Großmutter und zog sich zurück. In ihren Gemächern plauderte sie mit Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> und fand den gesuchten Gegenstand. Aufrecht Kaufmann fragte: „Ist Willkommensfrühling schon zurückgekehrt? Wie geht es ihr im Hause Sun?" Wang Furen erwiderte: „Willkommensfrühling war ein einziges Tränenmeer. Der Schwiegersohn Sun soll unerhört brutal sein!" Darauf schilderte sie, was Willkommensfrühling erzählt hatte. Aufrecht Kaufmann seufzte: „Ich wusste von Anfang an, dass es keine gute Partie war. Aber der Ältere Herr hatte es bereits beschlossen — da konnte ich nichts tun. Willkommensfrühling muss eben einiges an Unrecht erdulden." Wang Furen sagte: „Sie ist ja noch eine junge Ehefrau; man kann nur hoffen, dass es in Zukunft besser wird." Dabei musste sie unwillkürlich lächeln. | ||
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| + | Aufrecht Kaufmann fragte: „Worüber lachst du?" Wang Furen antwortete: „Ich muss über Schatzjade lachen, der heute Morgen eigens herkam und lauter kindische Sachen redete." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was hat er gesagt?" Wang Furen erzählte lachend Schatzjades Worte. Auch Aufrecht Kaufmann konnte nicht umhin zu lachen. Dann wurde er ernst und sprach: „Da du Schatzjade erwähnst — mir ist gerade eine Sache eingefallen. Dieses Kind den ganzen Tag im Garten herumtollen zu lassen, ist kein Zustand. Mädchen, die nichts einbringen, gehören ohnehin in ein anderes Haus. Aber wenn ein Sohn nichts taugt, sind die Folgen schwerwiegend. Neulich hat jemand mir einen Lehrer empfohlen — ein Mann von vorzüglicher Gelehrsamkeit und tadellosem Charakter, ebenfalls aus dem Süden. Doch ich fürchte, ein Lehrer aus dem Süden ist zu nachsichtig. Unsere Stadtkinder sind alle frech wie die Teufel: schlau genug, um sich durchzumogeln, und dabei unverschämt. Wenn der Lehrer es nicht übers Herz bringt, streng zu sein und den Schüler nur wie ein Baby verhätschelt, ist am Ende alles umsonst. Darum haben die Alten lieber niemanden von außen engagiert, sondern jemanden aus der eigenen Familie für die Hausschule gewählt — jemanden in reifem Alter und mit ein wenig Bildung. Zwar ist Großonkel Ru kein überragender Gelehrter, aber er versteht es, die Jungen in Schach zu halten und geht nicht nachlässig zu Werke. Ich denke, Schatzjade müßig herumsitzen zu lassen, taugt nichts. Am besten schicken wir ihn wieder in die Hausschule zum Lernen." Wang Furen stimmte zu: „Der gnädige Herr hat ganz recht. Seit Ihr in der Provinz wart und er ständig krank war, sind mehrere Jahre vergeudet worden. Wenn er jetzt wenigstens in der Hausschule den Stoff wiederholt, wäre das schon etwas." Aufrecht Kaufmann nickte, und sie plauderten noch über dies und jenes. | ||
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| + | Am nächsten Morgen, als Schatzjade aufstand und seine Toilette beendet hatte, überbrachten die Diener die Botschaft: „Der gnädige Herr wünscht den Zweiten Herrn zu sprechen." Schatzjade richtete eilig seine Kleider und begab sich in Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer. Nach der Begrüßung blieb er stehen. Aufrecht Kaufmann sprach: „Was hast du in letzter Zeit an Studien betrieben? Ein paar Seiten Schönschrift sind noch keine Leistung. Ich sehe, dass du in den letzten Jahren noch nachlässiger geworden bist als früher. Überdies höre ich ständig, dass du dich krank meldest, um dem Unterricht fernzubleiben. Bist du jetzt wieder ganz gesund? Und ich höre, dass du Tag für Tag im Garten mit deinen Schwestern herumtolst und dich sogar mit den Dienstmädchen vergnügst, während du deine eigentlichen Pflichten vollständig vernachlässigst. Selbst wenn du ein paar Verse zusammenreimst — was ist schon dabei? Bei den Beamtenprüfungen kommt es auf die Prosadichtung an, und auf diesem Gebiet hast du keinerlei Übung. Ich sage dir: Von heute an ist es verboten, Gedichte und Parallelverse zu schreiben! Du wirst dich ausschließlich den Achtgliedrigen Aufsätzen widmen. Ich gebe dir ein Jahr: Wenn du keinerlei Fortschritte machst, brauchst du gar nicht mehr zu studieren — und ich verzichte auf einen solchen Sohn!" Dann rief er Li Gui herbei: „Morgen früh soll Beiming Schatzjade begleiten, seine Bücher zusammenpacken und alles herbringen, damit ich es durchsehe. Dann bringe ich ihn persönlich in die Hausschule." Barsch befahl er Schatzjade: „Geh! Morgen früh erscheinst du bei mir." | ||
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| + | Schatzjade hörte dies und wusste lange nichts zu erwidern. Er kehrte in den Hof der Roten Freude zurück. Dufthauch wartete ungeduldig auf Nachricht; als sie hörte, er solle seine Bücher holen, freute sie sich sogar. Doch Schatzjade wollte unbedingt sofort eine Nachricht an die Herzoginmutter schicken, damit sie einschreite. Die Großmutter ließ Schatzjade zu sich kommen und sagte: „Geh nur beruhigt. Lass deinen Vater nicht böse werden. Sollte man dich zu hart rannehmen, bin ich noch da!" Schatzjade konnte nichts machen. Er ging zurück und trug den Mädchen auf: „Weckt mich morgen früh — der Vater will mich in die Hausschule bringen!" Dufthauch und die anderen sagten zu, und Dufthauch und Moschusmond wechselten sich die ganze Nacht ab, um rechtzeitig zu wachen. | ||
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| + | Am nächsten Morgen in aller Frühe weckte Dufthauch Schatzjade; er wusch sich und kleidete sich um. Sie schickte ein kleines Mädchen los, Beiming zum Warten am zweiten Tor zu bestellen, wo er Bücher und Schreibzeug bereithielt. Dufthauch trieb ihn noch zweimal an, und Schatzjade ging schließlich hinaus zu Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer, wo er sich zunächst erkundigte, ob der gnädige Herr schon erschienen sei. Ein Diener im Arbeitszimmer antwortete: „Gerade eben kam ein literarischer Berater, um den gnädigen Herrn zu sprechen; drinnen hieß es, der Herr sei noch bei der Morgentoilette. Der Berater wurde gebeten, draußen zu warten." | ||
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| + | Schatzjade hörte es und beruhigte sich ein wenig. Eilig begab er sich zu Aufrecht Kaufmann hinüber, und gerade in dem Moment sandte Aufrecht Kaufmann jemanden, um ihn zu rufen. Schatzjade folgte hinein. Aufrecht Kaufmann erteilte noch einige Anweisungen, dann nahm er Schatzjade mit, stieg in den Wagen, und mit Beiming, der die Bücher trug, fuhren sie zur Hausschule. Schon war jemand vorausgeeilt und hatte Jia Dairu gemeldet: „Der gnädige Herr kommt!" Dairu erhob sich. Aufrecht Kaufmann war bereits eingetreten und begrüßte Dairu respektvoll. Dairu nahm seine Hand und erkundigte sich nach seinem Befinden, dann fragte er: „Geht es der Alten Ahnin in letzter Zeit gut?" Auch Schatzjade trat vor und begrüßte ihn. Aufrecht Kaufmann blieb stehen und bat Dairu, sich zu setzen, ehe er sich selbst niederließ. | ||
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| + | Aufrecht Kaufmann sprach: „Ich habe ihn heute persönlich hergebracht, weil ich eine ernste Bitte habe. Dieses Kind ist nicht mehr klein; es muss endlich die Prüfungsaufsätze erlernen, die ein Mann für Ansehen und Karriere braucht. Zu Hause treibt er nur Unfug mit den Jungen. Obwohl er ein paar Verse kennt, ist das nur wildgewordenes Geschwätz — und selbst wenn es gut wäre, handelte es sich um nichts als ‚Wind, Wolken, Mond und Tau', ohne den geringsten Bezug zu den wahren Aufgaben des Lebens." Dairu antwortete: „Seinem Äußeren nach macht er einen durchaus anständigen Eindruck, und an Begabung fehlt es ihm auch nicht. Warum nur will er nicht lernen und denkt nur ans Herumtollen? Dichtung ist an sich kein verwerfliches Studium — nur sollte man damit warten, bis man es zu etwas gebracht hat." Aufrecht Kaufmann nickte: „Genau so ist es. Im Augenblick bitte ich nur darum, dass er liest, den Stoff erklären kann und Aufsätze schreibt. Sollte er den Unterricht nicht befolgen, so bitte ich den Großonkel, ihn mit aller Strenge zu erziehen, damit es nicht bei bloßem Schein bleibt und sein Leben nicht vergeudet wird." Er stand auf, verbeugte sich noch einmal, plauderte ein wenig und verabschiedete sich. Dairu geleitete ihn bis zur Tür und sagte: „Grüßen Sie die Alte Ahnin ehrerbietig von mir." Aufrecht Kaufmann sagte es zu, stieg in den Wagen und fuhr davon. | ||
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| + | Dairu kehrte zurück und sah Schatzjade an seinem Platz in der südwestlichen Ecke am Fenster sitzen, wo ein kleiner Tisch aus Rosenholz stand. Rechts waren zwei alte Lehrbücher aufgestapelt, dazu ein schmales Heft mit Musteraufsätzen; Beiming hatte Pinsel, Tusche, Papier und Tuschstein in der Schublade verstaut. Dairu sprach: „Schatzjade, ich hörte, du warst vor einiger Zeit krank. Bist du nun vollständig genesen?" Schatzjade stand auf und antwortete: „Ja, vollständig." Dairu fuhr fort: „Nun, dann wird es Zeit, dass du dich ernsthaft an die Arbeit machst. Dein Vater setzt große Hoffnungen in dich, und das von ganzem Herzen. Am besten gehst du den Stoff, den du früher durchgenommen hast, von Anfang an noch einmal durch. Jeden Morgen wird wiederholt, nach dem Essen wird geschrieben, am Nachmittag erkläre ich dir den Stoff, dann liest du ein paar Musteraufsätze — das genügt." | ||
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| + | Schatzjade antwortete mit einem „Ja", setzte sich wieder und blickte sich unwillkürlich um. Von Jin Rongs Leuten waren einige nicht mehr da, dafür waren einige neue kleine Schüler hinzugekommen — alle von überaus plumper und gewöhnlicher Art. Da fiel ihm Liebglocke Minne ein, und er dachte, dass es jetzt nicht einen einzigen Gefährten gab, dem er sein Herz öffnen konnte. Wehmut überkam ihn, aber er wagte nichts zu sagen und schaute nur still und bedrückt in seine Bücher. | ||
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| + | Dairu sprach zu Schatzjade: „Da es dein erster Tag ist, lasse ich dich heute früher nach Hause gehen. Aber morgen wird ein Kapitel durchgesprochen. Doch du bist ja nicht begriffsstutzig — morgen sollst du mir erst einmal ein oder zwei Kapitel erklären, damit ich höre, wie weit du bist. Dann weiß ich, woran wir ansetzen müssen." Bei diesen Worten pochte Schatzjades Herz vor Aufregung. | ||
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| + | Wie er am nächsten Tag seinen Stoff darlegte, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren. | ||
| − | + | <references /> | |
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| − | + | Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). | |
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Revision as of 19:30, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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第八十一回 占旺相四美钓游鱼 奉严词两番入家塾 且说迎春归去之后,邢夫人像没有这事。倒是王夫人抚养了一场,却甚是伤感,在房中自己叹息了一会。只见宝玉走来请安,看见王夫人脸上似有泪痕,也不敢坐,只在旁边站着。王夫人叫他坐下,宝玉才捱上炕来,就在王夫人身旁坐了。 王夫人见他呆呆的瞅着,似有欲言不言的光景,便道:“你又为什么这样呆呆的?”宝玉道:“并不为什么,只是昨儿听见二姐姐这种光景,我实在替他受不得。虽不敢告诉老太太,却这两夜只是睡不着。我想咱们这样人家的姑娘,那里受得这样的委屈?况且二姐姐是个最懦弱的人,向来不会和人拌嘴,偏偏儿的遇见这样没人心的东西,竟一点儿不知道女人的苦处。”说着,几乎滴下泪来。 王夫人道:“这也是没法儿的事。俗语说的:‘嫁出去的女孩儿,泼出去的水。’叫我能怎么样呢?”宝玉道:“我昨儿夜里倒想了一个主意:咱们索性回明了老太太,把二姐姐接回来,还叫他紫菱洲住着,仍旧我们姐妹弟兄们一块儿吃,一块儿玩,省得受孙家那混账行子的气。等他来接,咱们硬不叫他去;由他接一百回,咱们留一百回。只说是老太太的主意。这个岂不好呢?” 王夫人听了,又好笑,又好恼,说道:“你又发了呆气了,混说的是什么?大凡做了女孩儿,终久是要出门子的。嫁到人家去,娘家那里顾得?也只好看他自己的命运:碰的好就好,碰的不好也就没法儿。你难道没听见人说‘嫁鸡随鸡,嫁狗随狗’?那里个个都像你大姐姐做娘娘呢!况且你二姐姐是新媳妇,孙姑爷也还是年轻的人,各人有各人的脾气,新来乍到,自然要有些扭别的。过几年,大家摸着脾气儿,生儿长女以后,那就好了。你断断不许在老太太跟前说起半个字,我知道了是不依你的。快去干你的去罢,别在这里混说了。” 说的宝玉也不敢作声,坐了一会,无精打彩的出来了。憋着一肚子闷气,无处可泄,走到园中,一径往潇湘馆来。刚进了门,便放声大哭起来。 黛玉正在梳洗才毕,见宝玉这个光景,倒唬了一跳,问:“是怎么了?合谁怄了气了?”连问几声。宝玉低着头,伏在桌子上,呜呜咽咽,哭的说不出话来。黛玉便在椅子上怔怔的瞅着他,一会子问道:“到底是别人合你怄了气了,还是我得罪了你呢?”宝玉摇手道:“都不是,都不是。”黛玉道:“那么着,为什么这么伤心起来?”宝玉道:“我只想着,咱们大家越早些死的越好,活着真真没有趣儿!”黛玉听了这话,更觉惊讶,道:“这是什么话!你真正发了疯了不成?” 宝玉道:“也并不是我发疯,我告诉你,你也不能不伤心。前儿二姐姐回来的样子和那些话,你也都听见看见了。我想人到了大的时候,为什么要嫁?嫁出去,受人家这般苦楚。还记得咱们初结海棠社的时候,大家吟诗做东道,那时候何等热闹!如今宝姐姐家去了,连香菱也不能过来,二姐姐又出了门子了:几个知心知意的人都不在一处,弄得这样光景。我原打算去告诉老太太,接二姐姐回来,谁知太太不依,倒说我呆,混说,我又不敢言语。这不多几时,你瞧瞧,园中光景已经大变了。若再过几年,又不知怎么样了。故此,越想不由的人心里难受起来。”黛玉听了这番言语,把头渐渐的低了下去,身子渐渐的退至炕上,一言不发,叹了口气,便向里躺下去了。 紫鹃刚拿进茶来,见他两个这样,正在纳闷,只见袭人来了,进来看见宝玉,便道:“二爷在这里呢么?老太太那里叫呢。我估量着二爷就是在这里。”黛玉听见是袭人,便欠身起来让坐。黛玉的两个眼圈儿已经哭的通红了。宝玉看见,道:“妹妹,我刚才说的,不过是些呆话,你也不用伤心了。要想我的话时,身子更要保重才好。你歇歇儿罢,老太太那边叫我,我看看去就来。”说着,往外走了。袭人悄问黛玉道:“你两个人又为什么?”黛玉道:“他为他二姐姐伤心。我是刚才眼睛发痒揉的,并不为什么。”袭人也不言语,忙跟了宝玉出来,各自散了。宝玉来到贾母那边,贾母却已经歇晌,只得回到怡红院。 到了午后,宝玉睡了中觉起来,甚觉无聊,随手拿了一本书看。袭人见他看书,忙去沏茶伺候。谁知宝玉拿的那本书却是《古乐府》,随手翻来,正看见曹孟德“对酒当歌,人生几何”一首,不觉刺心。因放下这一本,又拿一本看时,却是晋文,翻了几页,忽然把书掩上,托着腮,只管痴痴的坐着。袭人倒了茶来,见他这般光景,便道:“你为什么又不看了?”宝玉也不答言,接过茶来,喝了一口,便放下了。袭人一时摸不着头脑,也只管站在旁边,呆呆的看着他。忽见宝玉站起来,嘴里咕咕哝哝的说道:“好一个‘放浪形骸之外’!”袭人听了,又好笑,又不敢问他,只得劝道:“你若不爱看这些书,不如还到园里逛逛,也省得闷出毛病来。”那宝玉一面口中答应,只管出着神,往外走了。 一时走到沁芳亭,但见萧疏景象,人去房空。又来至蘅芜院,更是香草依然,门窗掩闭。转过藕香榭来,远远的只见几个人在蓼溆一带阑干上靠着,有几个小丫头蹲在地下找东西。宝玉轻轻的走在假山背后听着。只听一个说道:“看他洑上来不洑上来。”好似李纹的语音。一个笑道:“好!下去了。我知道他不上来的。”这个却是探春的声音。一个又道:“是了。姐姐你别动,只管等着,他横竖上来。”一个又说:“上来了。”这两个是李绮、邢岫烟的声儿。 宝玉忍不住,拾了一块小砖头儿,往那水里一撂,咕咚一声。四个人都唬了一跳,惊讶道:“这是谁这么促狭?唬了我们一跳。”宝玉笑着从山子后直跳出来,笑道:“你们好乐啊!怎么不叫我一声儿?”探春道:“我就知道再不是别人,必是二哥哥这么淘气。没什么说的,你好好儿的赔我们的鱼罢:刚才一个鱼上来,刚刚儿的要钓着,叫你唬跑了。”宝玉笑道:“你们在这里玩,竟不找我,我还要罚你们呢。”大家笑了一会。 宝玉道:“咱们大家今儿钓鱼,占占谁的运气好:看谁钓得着,就是他今年的运气好;钓不着,就是他今年运气不好。咱们谁先钓?”探春便让李纹,李纹不肯。探春笑道:“这样就是我先钓。”回头向宝玉说道:“二哥哥,你再赶走了我的鱼,我可不依了。”宝玉道:“头里原是我要唬你们玩,这会子你只管钓罢。” 探春把丝绳抛下,没十来句话的工夫,就有一个杨叶窜儿吞着钩子,把漂儿坠下去。探春把竿一挑,往地下一撩,却是活迸的。侍书在满地上乱抓,两手捧着,搁在小磁坛内,清水养着。 探春把钓竿递与李纹。李纹也把钓竿垂下,但觉丝儿一动,忙挑起来,却是个空钩子。又垂下去半晌,钩丝一动,又挑起来,还是空钩子。李纹把那钩子拿上来一瞧,原来往里钩了。李纹笑道:“怪不得钓不着。”忙叫素云把钩子敲好了,换上新虫子,上边贴好了苇片儿。垂下去一会儿,见苇片直沉下去,急忙提起来,倒是一个二寸长的鲫瓜儿。 李纹笑着道:“宝哥哥钓罢。”宝玉道:“索性三妹妹和邢妹妹钓了,我再钓。”岫烟却不答言。只见李绮道:“宝哥哥先钓罢。”说着,水面上起了一个泡儿。探春道:“不必尽着让了,你看那鱼都在三妹妹那边呢,还是三妹妹快着钓罢。”李绮笑着接了钓竿儿,果然沉下去就钓了一个。然后岫烟也钓着了一个,随将竿子仍旧递给探春,探春才递与宝玉。 宝玉道:“我是要做姜太公的。”便走下石矶,坐在池边钓起来。岂知那水里的鱼看见人影儿,都躲到别处去了。宝玉抡着钓竿等了半天,那钓丝儿动也不动。刚有一个鱼儿在水边吐沫,宝玉把竿子一晃,又唬走了。急的宝玉道:“我最是个性儿急的人,他偏性儿慢,这可怎么样呢?好鱼儿,快来罢,你也成全成全我呢!”说的四人都笑了。一言未了,只见钓丝微微一动。宝玉喜极,满怀用力往上一兜,把钓竿往石上一碰,折作两段,丝也振断了,钩子也不知往那里去了。众人越发笑起来。探春道:“再没见像你这样卤人。” 正说着,只见麝月慌慌张张的跑来说:“二爷,老太太醒了,叫你快去呢。”五个人都唬了一跳。探春便问麝月道:“老太太叫二爷什么事?”麝月道:“我也不知道。就只听见说是什么闹破了,叫宝玉来问,还要叫琏二奶奶一块儿查问呢。”吓得宝玉发了一会呆,说道:“不知又是那个丫头遭了瘟了。”探春道:“不知什么事,二哥哥你快去。有什么信儿,先叫麝月来告诉我们一声儿。”说着便同李纹、李绮、岫烟走了。 宝玉走到贾母房中,只见王夫人陪着贾母摸牌。宝玉看见无事,才把心放下了一半。贾母见他进来,便问道:“你前年那一次得病的时候,后来亏了一个疯和尚和个瘸道士治好了的。那会子病里,你觉得是怎么样?”宝玉想了一会道:“我记得得病的时候儿,好好的站着,倒像背地里有人把我拦头一棍,疼的眼睛前头漆黑,看见满屋子里都是些青面獠牙、拿刀举棒的恶鬼。躺在炕上,觉着脑袋上加了几个脑箍似的。以后便疼的任什么也不知道了。到好的时候,又记得堂屋里一片金光,直照到我床上来,那些鬼都跑着躲避,就不见了。我的头也不疼了,心上也就清楚了。”贾母告诉王夫人道:“这个样儿也就差不多了。” 说着,凤姐也进来了,见了贾母,又回身见过了王夫人,说道:“老祖宗要问我什么?”贾母道:“你那年中了邪的时候儿,你还记得么?”凤姐儿笑道:“我也不很记得了。但觉自己身子不由自主,倒像有什么人拉拉扯扯,要我杀人才好。有什么拿什么,见什么杀什么,自己原觉很乏,只是不能住手。”贾母道:“好的时候儿呢?”凤姐道:“好的时候,好像空中有人说了几句话似的,却不记得说什么来着。”贾母道:“这么看起来,竟是他了。他姐儿两个病中的光景,合才说的一样。这老东西竟这样坏心!宝玉枉认了他做干妈。倒是这个和尚、道人,阿弥陀佛!才是救宝玉性命的。只是没有报答他。” 凤姐道:“怎么老太太想起我们的病来呢?”贾母道:“你问你太太去,我懒怠说。”王夫人道:“才刚老爷进来,说起宝玉的干妈竟是个混账东西,邪魔外道的。如今闹破了,被锦衣府拿住,送入刑部监,要问死罪的了。前几天被人告发的。那个人叫做什么潘三保,有一所房子,卖给斜对过当铺里。这房子加了几倍价钱,潘三保还要加,当铺里那里还肯。潘三保便买嘱了这老东西。因他常到当铺里去,那当铺里人的内眷都和他好的,他就使了个法儿,叫人家的内人便得了邪病,家翻宅乱起来。他又去说,这个病他能治,就用些神马、纸钱烧献了,果然见效。他又向人家内眷们要了十几两银子。岂知老佛爷有眼,应该败露了:这一天急要回去,掉了一个绢包儿。当铺里人捡起来一看,里头有许多纸人,还有四丸子很香的香。正诧异着呢,那老东西倒回来找这绢包儿。这里的人就把他拿住,身边一搜,搜出一个匣子,里面有:象牙刻的一男一女,不穿衣裳;光着身子的两个魔王;还有七根朱红绣花针。立时送到锦衣府去,问出许多官员家大户太太、姑娘们的隐情事来。所以知会了营里,把他家中一抄:抄出好些泥塑的煞神,几匣子闹香;炕背后空屋子里挂着一盏七星灯,灯下有几个草人:有头上戴着脑箍的,有胸前穿着钉子的,有项上拴着锁子的;柜子里无数纸人儿,底下几篇小账,上面记着某家验过,应找银若干,得人家油钱香分也不计其数。” 凤姐道:“咱们的病,一准是他:我记得咱们病后,那老妖精向赵姨娘那里来过几次,和赵姨娘讨银子;见了我,就脸上变貌变色,两眼黧鸡似的。我当初还猜了几遍,总不知什么原故。如今说起来,却原来都是有因的。但只我在这里当家,自然惹人恨怨,怪不得别人治我;宝玉可合人有什么仇呢,忍得下这么毒手?”贾母道:“焉知不因我疼宝玉,不疼环儿,竟给你们种了毒了呢?” 王夫人道:“这老货已经问了罪,决不好叫他来对证。没有对证,赵姨娘那里肯认账?事情又大,闹出来,外面也不雅。等他自作自受,少不得要自己败露的。”贾母道:“你这话说的也是,这样事没有对证,也难作准。只是佛爷菩萨看的真,他们姐儿两个如今又比谁不济了呢?罢了,过去的事,凤哥儿也不必提了。今日你合你太太,都在我这边吃了晚饭再过去罢。”遂叫鸳鸯、琥珀等传饭。凤姐赶忙笑道:“怎么老祖宗倒操起心来?”王夫人也笑了。只见外头几个媳妇伺候。凤姐连忙告诉小丫头子传饭:“我合太太都跟着老太太吃。” 正说着,只见玉钏儿走来,对王夫人道:“老爷要找一件什么东西,请太太伺候了老太太的饭完了,自己去找一找呢。”贾母道:“你去罢,保不住你老爷有要紧的事。” 王夫人答应着,便留下凤姐儿伺候,自己退了出来。回至房中,合贾政说了些闲话,把东西找出来了。贾政便问道:“迎儿已经回去了?他在孙家怎么样?”王夫人道:“迎丫头一肚子眼泪,说孙姑爷凶横的了不得!”因把迎春的话述了一遍。贾政叹道:“我原知不是对头,无奈大老爷已说定了,叫我也没法。不过迎丫头受些委屈罢了。”王夫人道:“这还是新媳妇,只指望他以后好了便好。”说着,嗤的一笑。 贾政道:“笑什么?”王夫人道:“我笑宝玉儿早起,特特的到这屋里来,说的都是些小孩子话。”贾政道:“他说什么?”王夫人把宝玉的言语笑述了一遍。贾政也忍不住的笑。因又说道:“你提宝玉,我正想起一件事来了:这孩子天天放在园里,也不是事。生女儿不得济,还是别人家的人;生儿若不济事,关系非浅。前日倒有人和我提起一位先生来,学问人品都是极好的,也是南边人。但我想南边先生,性情最是和平。咱们城里的孩子,个个踢天弄井,鬼聪明倒是有的,可以搪塞就搪塞过去了,胆子又大。先生再要不肯给没脸,一日哄哥儿似的,没的白耽误了。所以老辈子不肯请外头的先生,只在本家择出有年纪再有点学问的请来掌家塾。如今儒大太爷虽学问也只中平,但还弹压的住这些小孩子们,不至以颟顸了事。我想宝玉闲着总不好,不如仍旧叫他家塾中读书去罢了。”王夫人道:“老爷说的很是。自从老爷外任去了,他又常病,竟耽搁了好几年。如今且在家学里温习温习,也是好的。”贾政点头,又说些闲话,不提。 且说宝玉次日起来,梳洗已毕,早有小厮们传进话来说:“老爷叫二爷说话。”宝玉忙整理了衣裳,来至贾政书房中,请了安,站着。贾政道:“你近来作些什么功课?虽有几篇字,也算不得什么。我看你近来的光景,越发比头几年散荡了;况且每每听见你推病,不肯念书。如今可大好了。我还听见你天天在园子里和姊妹们玩玩笑笑,甚至和那些丫头们混闹,把自己的正经事总丢在脑袋后头。就是做得几句诗词,也并不怎么样,有什么稀罕处?比如应试选举,到底以文章为主,你这上头倒没有一点儿工夫。我可嘱咐你:自今日起,再不许做诗、做对的了,单要习学八股文章。限你一年,若毫无长进,你也不用念书了,我也不愿有你这样的儿子了。”遂叫李贵来,说:“明儿一早,传焙茗跟了宝玉去收拾应念的书籍,一齐拿过来我看看,亲自送他到家学里去。”喝命宝玉:“去罢!明日起早来见我。” 宝玉听了,半日竟无一言可答,因回到怡红院来。袭人正在着急听信,见说取书,倒也喜欢。独是宝玉要人即刻送信给贾母,欲叫拦阻。贾母得信,便命人叫过宝玉来,告诉他说:“只管放心先去,别叫你老子生气。有什么难为你,有我呢!”宝玉没法,只得回来,嘱咐了丫头们:“明日早早叫我,老爷要等着送我到家学里去呢。”袭人等答应了,同麝月两个倒替着醒了一夜。 次日一早,袭人便叫醒宝玉,梳洗了,换了衣裳。打发小丫头子传了焙茗在二门上伺候,拿着书籍等物。袭人又催了两遍,宝玉只得出来,过贾政书房中来,先打听老爷过来了没有。书房中小厮答应:“方才一位清客相公请老爷回话,里边说梳洗呢,命清客相公出去候着去了。” 宝玉听了,心里稍稍安顿,连忙到贾政这边来。恰好贾政着人来叫,宝玉便跟着进去。贾政不免又吩咐几句话,带了宝玉,上了车,焙茗拿着书籍,一直到家塾中来。早有人先抢一步回代儒说:“老爷来了。”代儒站起身来,贾政早已走入,向代儒请了安。代儒拉着手问了好,又问:“老太太近日安么?”宝玉过来也请了安。贾政站着,请代儒坐了,然后坐下。 贾政道:“我今日自己送他来,因要求托一番。这孩子年纪也不小了,到底要学个成人的举业,才是终身立身成名之事。如今他在家中,只是和些孩子们混闹。虽懂得几句诗词,也是胡诌乱道的;就是好了,也不过是风云月露,与一生的正事毫无关涉。”代儒道:“我看他相貌也还体面,灵性也还去得,为什么不念书,只是心野贪玩?诗词一道,不是学不得的,只要发达了以后,再学还不迟呢。”贾政道:“原是如此。目今只求叫他读书、讲书、作文章。倘或不听教训,还求太爷认真的管教管教他,才不至有名无实的,白耽误了他的一世。”说毕站起来,又作了一个揖,然后说了些闲话,才辞了出去。代儒送至门首,说:“老太太前替我问好请安罢。”贾政答应着,自己上车去了。 代儒回身进来,看见宝玉在西南角靠窗户摆着一张花梨小桌,右边堆下两套旧书,薄薄儿的一本文章,叫焙茗将纸墨笔砚都搁在抽屉里藏着。代儒道:“宝玉,我听见说你前儿有病,如今可大好了?”宝玉站起来道:“大好了。”代儒道:“如今论起来,你可也该用功了。你父亲望你成人,恳切的很。你且把从前念过的书打头儿理一遍。每日早起理书,饭后写字,晌午讲书,念几遍文章就是了。” 宝玉答应了个“是”,回身坐下时,不免四面一看。见昔时金荣辈不见了几个,又添了几个小学生,都是些粗俗异常的。忽然想起秦钟来,如今没有一个做得伴、说句知心话儿的。心上凄然不乐,却不敢作声,只是闷着看书。 代儒告诉宝玉道:“今日头一天,早些放你家去罢。明日要讲书了。但是你又不是很愚夯的,明日我倒要你先讲一两章书我听,试试你近来的功课何如,我才晓得你到怎么个分儿上头。”说的宝玉心中乱跳。 欲知明日讲解何如,且听下回分解。 占旺相──占:占卜。 旺相:阴阳家术语。即以五行金木水火土与四季春夏秋冬相配,而每季中五行之盛衰又以旺、相、休、囚、死表示。如春季为木旺、火相、水休、金囚、土死。以此来推算人的八字。八字逢旺、相为“得时”,逢囚、死为“失时”。故“旺相”也可指好运气。 《古乐府》──乐府诗总集名。元代左克明编。共十卷。收录范围上自上古,下迄隋朝。 曹孟德“对酒当歌,人生几何”一首──即曹操(字孟德)的《短歌行》。其头四句是:“对酒当歌,人生几何。譬如朝露,去日苦多。”这里以其开头两句代指篇名。因这首诗悲叹人生短暂,苦多乐少,尤与贾宝玉此时的心情吻合,故觉“刺心”。 放浪形骸之外──晋·王羲之的名篇《兰亭序》中的一句。与此句相关的文字是:“夫人之相与,俯仰一世。或取诸怀抱,悟言一室之内;或因寄所托,放浪形骸之外。”这里说的是为人处世之道:或与人交往周旋,相互切磋;或独来独往,不受任何约束。“放浪形骸”即指后者,故贾宝玉极为欣赏。 要做姜太公——即愿者上钩之意。 姜太公即太公望吕尚,姓姜,字子牙,俗称姜太公。辅佐周武王伐纣灭殷,封于齐地,成为齐国的始祖。相传其发迹之前,曾在渭水上以无饵直钩并在离水面三尺之上钓鱼,说:“负命者上钩来!”(见《武王伐纣平话》卷中)故谚语有“姜太公钓鱼,愿者上钩”。这里即取此意以取笑。 神马——亦称“月光马”。即在纸上画的神像。清·富察敦崇《燕京岁时记·月光马儿》:“京师谓神像为神马儿,不敢斥言神也。月光马儿者,以纸为之。” 魔王——亦称“天魔”。佛教原指欲界第六天“他化自在天”之主波旬,常率眷属到人间破坏佛道。见南朝梁·宝林《破魔露布文》:“故魔王波旬,植愚根于旷始,积迷心于妄境。”后多泛指恶魔之王。《楞严经》卷六:“如不断淫,必落魔道:上品魔王,中品魔民,下品魔女。” 闹香——即闷香。相传是一种能使人闻之而暂时昏迷的毒香,常被坏人用为作案的工具。 七星灯——专用以祭神佛的油灯。因同一灯盏里有七个灯芯,点燃后有七点灯火,象征北斗七星,故称。 不得济——按旧俗女儿出嫁后没有赡养父母的义务,故称“不得济”(得不到奉养),“还是别人家的人”。 颟顸(mān hā n嫚酣) ——糊里糊涂,马马虎虎。 应试选举──即通过科举考试方式选拔人才。 |
Einundachtzigstes Kapitel Vier Schönheiten angeln fröhlich Fische und lesen dabei ihr Glück, Strenge Worte nötigen zu doppeltem Eintritt in die Hausschule Wie berichtet, kümmerte sich Xing Furen nach Willkommensfrühling[1]s Rückkehr zu ihrem Ehemann nicht weiter um die Sache, als wäre nichts geschehen. Doch Wang Furen, die Willkommensfrühling aufgezogen hatte, war tief betrübt; sie saß allein in ihrem Zimmer und seufzte vor sich hin. Da kam Schatzjade[2] herein, um sie zu begrüßen. Als er sah, dass ihr Gesicht Tränenspuren trug, wagte er nicht, sich zu setzen, und blieb neben ihr stehen. Wang Furen bat ihn, sich zu setzen, und Schatzjade rückte auf den Kang[3] hinauf und ließ sich an ihrer Seite nieder. Wang Furen bemerkte, wie er sie mit leerem Blick anstarrte und offenbar etwas sagen wollte, ohne es herauszubringen, und sprach: „Warum starrst du wieder so vor dich hin?" Schatzjade erwiderte: „Es ist nichts Besonderes. Nur als ich gestern von der Lage der zweiten Schwester hörte, konnte ich es kaum für sie ertragen. Ich wagte zwar nicht, es der Großmutter zu erzählen, doch in den letzten beiden Nächten habe ich kein Auge zugetan. Wenn ich bedenke, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren solche Kränkungen erdulden muss! Zumal die zweite Schwester von Natur aus überaus zaghaft ist und sich nie mit jemandem gestritten hat — und nun ausgerechnet auf ein so herzloses Wesen trifft, das nicht das Geringste vom Leid einer Frau versteht." Dabei kamen ihm beinahe die Tränen. Wang Furen sagte: „Daran lässt sich nichts ändern. Wie das Sprichwort sagt: ‚Eine verheiratete Tochter ist wie ausgegossenes Wasser.' Was soll ich da tun?" Schatzjade entgegnete: „Gestern Nacht habe ich mir einen Plan überlegt: Wir könnten es der Großmutter erklären und die zweite Schwester zurückholen lassen. Sie könnte wieder in der Ziling-Insel wohnen, und wir Geschwister würden wieder zusammen essen und spielen, statt dass sie den Zorn dieses Taugenichtses Sun erdulden muss. Wenn er kommt, um sie abzuholen, lassen wir sie einfach nicht gehen; kommt er hundertmal, halten wir sie hundertmal zurück. Wir sagen einfach, es sei der Wille der Großmutter. Wäre das nicht wunderbar?" Als Wang Furen dies hörte, wusste sie nicht, ob sie lachen oder sich ärgern sollte, und sprach: „Da kommt wieder dein kindischer Unsinn! Ein Mädchen muss eines Tages heiraten. Wenn sie in ein anderes Haus geht, kann sich die Herkunftsfamilie nicht darum kümmern; man kann nur hoffen, dass ihr Schicksal gut ist: Trifft sie es gut, ist es gut; trifft sie es schlecht, lässt sich nichts machen. Hast du noch nie gehört: ‚Heiratest du einen Hahn, folge dem Hahn; heiratest du einen Hund, folge dem Hund'? Nicht jede kann wie deine älteste Schwester kaiserliche Gemahlin werden! Außerdem ist deine zweite Schwester eine junge Ehefrau, und der Schwiegersohn Sun ist auch noch ein junger Mann; jeder hat seinen eigenen Charakter. Am Anfang gibt es natürlich Reibereien. Nach ein paar Jahren, wenn man sich aneinander gewöhnt hat und Kinder da sind, wird alles besser. Du darfst vor der Großmutter kein einziges Wort davon fallen lassen — wenn ich davon erfahre, gibt es Ärger! Nun geh und tu etwas Vernünftiges, statt hier Unsinn zu reden." Schatzjade wagte darauf nichts mehr zu erwidern. Er saß noch eine Weile, dann ging er lustlos hinaus. Mit einem Bauch voll aufgestauter Bedrückung, die er nirgends ablassen konnte, schlenderte er in den Garten und ging geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon. Kaum hatte er die Tür durchschritten, brach er in lautes Weinen aus. Kajaljade[4] hatte gerade ihre Morgentoilette beendet und erschrak bei diesem Anblick. Sie fragte: „Was ist denn geschehen? Mit wem hast du dich gestritten?" Sie fragte mehrmals. Schatzjade lag mit gesenktem Kopf auf dem Tisch und schluchzte so heftig, dass er kein Wort herausbrachte. Kajaljade setzte sich auf ihren Stuhl und starrte ihn eine Weile an, dann fragte sie: „Hat sich jemand anderes mit dir gestritten, oder habe ich dich beleidigt?" Schatzjade winkte ab: „Nichts von beidem, nichts von beidem." Kajaljade fragte: „Warum bist du dann so betrübt?" Schatzjade sagte: „Ich denke nur, es wäre besser, wir würden alle so früh wie möglich sterben. Am Leben zu sein hat wirklich keinen Sinn!" Als Kajaljade diese Worte hörte, erschrak sie noch mehr: „Was redest du da! Bist du wirklich verrückt geworden?" Schatzjade erwiderte: „Ich bin nicht verrückt. Wenn ich es dir erzähle, wird es auch dich traurig machen. Du hast doch neulich gesehen und gehört, wie die zweite Schwester zurückkam und was sie erzählte. Ich frage mich, warum ein Mensch heiraten muss, wenn er erwachsen wird, nur um dann in einem fremden Haus solches Leid zu erdulden. Erinnerst du dich noch, als wir die Begonien-Dichtergesellschaft gründeten? Wie wir zusammen dichteten und einander bewirteten — wie fröhlich das war! Jetzt ist Schwester Schatzspange[5] wieder zu Hause, selbst Duftkastanie kann nicht mehr herüberkommen, und die zweite Schwester ist verheiratet. All die Vertrauten sind nicht mehr beisammen, und so sieht es nun aus. Ich wollte eigentlich zur Großmutter gehen und die zweite Schwester zurückholen lassen, doch Mama hat es nicht erlaubt und mich kindisch und wirr genannt, sodass ich nichts mehr zu sagen wagte. In kurzer Zeit hat sich der Garten schon so sehr verändert. Wer weiß, wie es in ein paar Jahren sein wird. Darum wird mir unwillkürlich immer schwerer ums Herz." Als Kajaljade diese Worte vernahm, senkte sie allmählich den Kopf, zog sich langsam auf den Kang zurück, sagte kein Wort, seufzte leise und legte sich nach innen hin. Purpurkuckuck[6] kam gerade mit Tee herein und wunderte sich über die beiden, als Dufthauch[7] eintrat. Sie sah Schatzjade und sprach: „Hier bist du also, Zweiter Herr! Die Großmutter lässt nach dir rufen. Ich habe mir schon gedacht, dass du hier bist." Kajaljade hörte, dass es Dufthauch war, richtete sich auf und bot ihr einen Platz an. Kajaljades Augen waren bereits vom Weinen ganz rot. Schatzjade bemerkte es und sagte: „Schwester, was ich eben sagte, war nur dummes Gerede. Du musst dir keine Sorgen machen. Wenn du an meine Worte denkst, dann achte umso mehr auf deine Gesundheit. Ruh dich ein wenig aus. Drüben bei der Großmutter wird nach mir gerufen; ich schaue kurz vorbei und komme gleich wieder." Damit ging er hinaus. Dufthauch fragte Kajaljade leise: „Was hattet ihr beide wieder?" Kajaljade antwortete: „Er ist wegen seiner zweiten Schwester traurig. Mir haben vorhin nur die Augen gejuckt, und ich habe sie gerieben — es war nichts weiter." Dufthauch sagte nichts mehr, eilte Schatzjade nach, und beide gingen auseinander. Schatzjade begab sich zur Herzoginmutter hinüber, doch die Großmutter hielt bereits ihren Mittagsschlaf, und so kehrte er in den Hof der Roten Freude zurück. Am Nachmittag, als Schatzjade von seinem Mittagsschlaf erwachte, langweilte er sich fürchterlich und griff aufs Geratewohl nach einem Buch. Dufthauch sah, dass er las, und eilte, ihm Tee zu bringen. Das Buch, das Schatzjade in der Hand hielt, waren die „Alten Yuefu-Lieder". Er blätterte darin und stieß auf Cao Mengdes „Beim Wein soll man singen — wie lange währt das Menschenleben?", und unwillkürlich stach es ihn ins Herz. Er legte das Buch beiseite und nahm ein anderes; es war eine Sammlung aus der Jin-Dynastie. Nachdem er einige Seiten durchgeblättert hatte, klappte er das Buch plötzlich zu, stützte das Kinn in die Hand und saß mit abwesendem Blick da. Dufthauch kam mit dem Tee und fragte bei seinem Anblick: „Warum liest du nicht weiter?" Schatzjade antwortete nicht, nahm den Tee, trank einen Schluck und stellte ihn hin. Dufthauch konnte sich keinen Reim darauf machen und stand nur neben ihm und starrte ihn an. Plötzlich stand Schatzjade auf und murmelte vor sich hin: „Wie herrlich — ‚sich in ungezügelter Freiheit jenseits aller Formen bewegen'!" Dufthauch musste lachen und wagte doch nicht zu fragen; sie riet ihm nur: „Wenn du keine Lust hast, das zu lesen, geh doch lieber ein wenig im Garten spazieren, statt dir hier vor Langeweile noch eine Krankheit zuzuziehen." Schatzjade antwortete zerstreut mit einem Ja und ging, noch immer ganz in Gedanken versunken, nach draußen. Bald gelangte er zum Qinfang-Pavillon. Doch er sah nur eine öde Szenerie — die Menschen fortgegangen, die Räume leer. Er ging weiter zum Hengwu-Hof: Der Duft der Kräuter war noch da wie eh und je, doch Türen und Fenster waren geschlossen. Als er um das Ouxiang-Gartenhaus herumkam, sah er in der Ferne einige Gestalten, die sich an das Geländer in der Nähe des Liaoxu-Ufers lehnten, und ein paar kleine Dienstmädchen, die auf dem Boden kauerten und nach etwas suchten. Schatzjade schlich sich leise hinter den künstlichen Felsen und lauschte. Jemand sagte: „Ob er wohl an die Oberfläche kommt?" — es klang wie Muster Pflaumes Stimme. Eine andere lachte: „Gut! Er ist untergetaucht. Ich wusste doch, dass er nicht hochkommt." Das war Erkundefrühling[8]s Stimme. Wieder eine andere sprach: „Ja, richtig. Schwester, beweg dich nicht, warte nur ab — er kommt auf jeden Fall hoch." Und noch eine rief: „Da kommt er!" Die beiden letzten Stimmen gehörten Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe. Schatzjade konnte nicht widerstehen, hob ein Steinchen auf und warf es ins Wasser — platsch! Alle vier erschraken und riefen: „Wer macht denn solche Streiche? Hat uns einen Schreck eingejagt!" Schatzjade sprang lachend hinter dem Felsen hervor und rief: „Was für ein Vergnügen! Warum habt ihr mich nicht gerufen?" Erkundefrühling sagte: „Ich wusste, es kann nur der Zweite Bruder sein, der so ungezogen ist! Da gibt es nichts zu reden — du musst mir meinen Fisch ersetzen: Gerade eben kam einer herangeschwommen, ich hatte ihn fast am Haken, und du hast ihn verscheucht." Schatzjade lachte: „Ihr amüsiert euch hier ohne mich — eigentlich müsste ich euch bestrafen." Alle lachten eine Weile. Schatzjade sprach: „Lasst uns alle angeln und herausfinden, wer das meiste Glück hat: Wer einen Fisch fängt, hat dieses Jahr Glück; wer keinen fängt, hat Pech. Wer fängt zuerst an?" Erkundefrühling bot Muster Pflaume den Vortritt an, doch die lehnte ab. Erkundefrühling lachte: „Dann fange ich eben an." Zu Schatzjade gewandt sagte sie: „Zweiter Bruder, wenn du mir noch einmal die Fische verscheuchst, lass ich das nicht durchgehen." Schatzjade erwiderte: „Vorhin wollte ich euch nur erschrecken. Jetzt angel nur in Ruhe." Erkundefrühling warf die Seidenschnur aus, und noch ehe zehn Sätze gesprochen waren, hatte schon ein Weidenblatt-Schnellfisch den Haken verschluckt und die Pose heruntergezogen. Erkundefrühling zog die Rute hoch, schwenkte den Fisch zu Boden — er zappelte noch heftig. Shishu fing ihn auf dem ganzen Boden mit beiden Händen ein und setzte ihn in einen kleinen Porzellantopf mit klarem Wasser. Erkundefrühling reichte die Angel an Muster Pflaume weiter. Muster Pflaume ließ die Schnur hinab, spürte einen Ruck, riss die Rute hoch — doch der Haken war leer. Sie versuchte es noch einmal, und nach einer Weile ruckte die Schnur wieder; sie zog hoch — wieder ein leerer Haken. Muster Pflaume untersuchte den Haken und sah, dass er sich nach innen gebogen hatte. Sie lachte: „Kein Wunder, dass nichts anbeißt!" Eilig ließ sie Suyun den Haken richten und einen neuen Köder aufstecken und das Schilfplättchen befestigen. Nachdem sie die Schnur eine Weile im Wasser hängen ließ, sank die Pose direkt unter — sie riss die Angel hoch, und da hing ein zwei Zoll langer kleiner Karauschenfisch. Muster Pflaume lachte: „Schatzjade, jetzt angel du." Schatzjade antwortete: „Lasst lieber erst die dritte Schwester und Schwester Strafe angeln, dann bin ich dran." Höhlennebel Strafe sagte nichts. Prachtamt Pflaume meinte: „Schatzjade, angel du zuerst." Da stieg eine Blase auf dem Wasser auf. Erkundefrühling sagte: „Hört auf mit der Höflichkeit! Seht, die Fische sind alle drüben bei der dritten Schwester — los, angel schnell!" Prachtamt Pflaume nahm lachend die Rute und fing tatsächlich sofort einen Fisch. Danach fing auch Höhlennebel Strafe einen. Dann reichten sie die Rute zurück an Erkundefrühling, die sie Schatzjade gab. Schatzjade verkündete: „Ich will es machen wie Jiang Taigong!" Er stieg zum Steinufer hinab, setzte sich an den Teichrand und begann zu angeln. Doch die Fische im Wasser sahen seinen Schatten und flohen allesamt anderswohin. Schatzjade schwenkte seine Angel und wartete lange, aber die Schnur rührte sich nicht. Gerade als ein Fisch am Rand des Wassers Blasen blies, ruckte Schatzjade an der Rute und verscheuchte ihn prompt. Ungeduldig rief Schatzjade: „Ich bin der ungeduldigste Mensch der Welt, und ausgerechnet der Fisch hat es nicht eilig — was soll ich da machen? Lieber Fisch, komm doch endlich! Hab ein Einsehen mit mir!" Die vier Mädchen lachten schallend. Kaum hatte er ausgesprochen, zuckte die Schnur leicht. Überglücklich riss Schatzjade mit aller Kraft die Angel hoch und schlug dabei die Rute an den Stein, worauf sie in zwei Stücke zerbrach, die Schnur riss und der Haken verschwand. Die anderen lachten nur noch mehr. Erkundefrühling sagte: „So einen Tolpatsch wie dich gibt es wirklich nicht noch einmal." Noch während sie sprachen, kam Moschusmond[9] außer Atem herbeigelaufen und rief: „Zweiter Herr, die Großmutter ist wach und lässt Euch sofort kommen!" Alle fünf erschraken. Erkundefrühling fragte Moschusmond: „Was will die Großmutter vom Zweiten Bruder?" Moschusmond antwortete: „Ich weiß es auch nicht. Ich habe nur gehört, dass irgendetwas aufgeflogen sei und die Großmutter Schatzjade befragen will, und die Zweite Schwägerin Lian soll es auch untersuchen." Schatzjade erschrak und starrte eine Weile vor sich hin: „Wer weiß, welches Dienstmädchen nun wieder Ärger bekommen hat." Erkundefrühling sprach: „Was immer es ist, Zweiter Bruder, geh schnell. Wenn es Neuigkeiten gibt, schick Moschusmond her, um es uns mitzuteilen." Damit ging sie mit Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume und Höhlennebel Strafe davon. Schatzjade kam in die Gemächer der Herzoginmutter. Dort saß Wang Furen bei der Großmutter, und beide spielten Mahjong. Als Schatzjade sah, dass nichts Beunruhigendes vorlag, fiel ihm die Hälfte seiner Angst vom Herzen. Die Herzoginmutter sah ihn hereinkommen und fragte: „Als du vor zwei Jahren krank warst und schließlich ein verrückter Mönch und ein hinkender Daoist dich heilten — erinnerst du dich, wie es dir während der Krankheit ergangen ist?" Schatzjade überlegte eine Weile und sagte: „Ich erinnere mich, dass mir, als ich gerade stand, wie aus dem Nichts jemand einen Knüppel über den Kopf schlug, sodass mir die Augen schwarz wurden und ich das ganze Zimmer voller Dämonen mit grünen Fratzen und Reißzähnen sah, die Messer und Knüppel schwangen. Als ich auf dem Kang lag, fühlte es sich an, als hätte man mir mehrere eiserne Reifen um den Kopf gelegt. Danach war der Schmerz so groß, dass ich gar nichts mehr wahrnahm. Als es mir besserging, erinnere ich mich an ein goldenes Leuchten in der Halle, das bis auf mein Bett strahlte. Alle Dämonen flohen erschrocken davon und verschwanden. Mein Kopf schmerzte nicht mehr, und im Geist wurde mir wieder klar." die Herzoginmutter wandte sich an Wang Furen: „Das klingt ja fast genauso." Da kam auch Phönixglanz[10] herein, begrüßte die Herzoginmutter und dann Wang Furen und fragte: „Was wollte die Alte Ahnin mich fragen?" die Herzoginmutter sprach: „Erinnerst du dich noch, wie es war, als du damals von dem Zauber befallen wurdest?" Phönixglanz lachte: „So genau erinnere ich mich nicht mehr. Ich spürte nur, wie mein Körper nicht mehr mir selbst gehorchte, als würde mich jemand zerren und stoßen und als sollte ich Menschen umbringen. Was mir in die Hände kam, das packte ich; was mir begegnete, das schlug ich tot. Eigentlich war ich völlig erschöpft, aber ich konnte nicht aufhören." die Herzoginmutter fragte: „Und als du gesund wurdest?" Phönixglanz sagte: „Als es mir besserging, war es, als hätte jemand in der Luft ein paar Worte gesprochen, aber ich erinnere mich nicht, was." die Herzoginmutter nickte: „So sieht es also aus — es war wirklich sie. Beider Krankheitserscheinungen stimmen mit dem gerade Beschriebenen überein. Dieses alte Weib hatte wirklich ein bösartiges Herz! Schatzjade hat sie doch sogar als Patin anerkannt. Dagegen waren der Mönch und der Daoist — Amitabha! — die wahren Retter von Schatzjades Leben. Nur haben wir uns noch nicht bei ihnen bedankt." Phönixglanz fragte: „Wie kommt die Alte Ahnin auf unsere damalige Krankheit zu sprechen?" die Herzoginmutter antwortete: „Frag deine Tante — ich mag es nicht nochmal erzählen." Wang Furen sprach: „Vorhin kam der Herr herein und erzählte, dass Schatzjades Patin tatsächlich ein durch und durch verdorbenes Weib war, die schwarze Magie betrieb. Jetzt ist die Sache aufgeflogen: Sie wurde von der Kaiserlichen Garde ergriffen und an das Strafministerium überstellt, wo sie zum Tode verurteilt werden soll. Vor einigen Tagen wurde sie angezeigt. Ein gewisser Pan Sanbao besaß ein Haus, das er dem Pfandhaus gegenüber verkauft hatte. Pan Sanbao verlangte immer höhere Aufschläge, die das Pfandhaus nicht mehr zu zahlen bereit war. Da bestach Pan Sanbao diese alte Hexe. Weil sie häufig im Pfandhaus verkehrte und die Frauen des Hauses ihr alle vertrauten, wendete sie eine ihrer Künste an: Plötzlich wurden die Frauen von einem bösen Leiden befallen, und im Haus brach das reinste Chaos aus. Da trat sie auf und erklärte, sie könne die Krankheit heilen. Sie verbrannte Geisterpferde und Papiergeld, und tatsächlich besserte es sich. Dann verlangte sie von den Frauen des Hauses mehr als zehn Tael Silber. Doch der Himmel hat Augen, und es kam zur Enthüllung: Eines Tages, als sie es eilig hatte nach Hause zu kommen, verlor sie ein in Seide gewickeltes Bündel. Die Leute vom Pfandhaus hoben es auf und fanden darin viele Papierfiguren und vier Kugeln stark duftenden Weihrauchs. Während sie sich noch wunderten, kam die Alte zurück, um das Bündel zu suchen. Sie packten sie, durchsuchten sie und fanden ein Kästchen mit folgenden Dingen: aus Elfenbein geschnitzte Figuren eines Mannes und einer Frau, beide nackt; zwei nackte Dämonenkönige; und sieben zinnoberrote Sticknadeln. Sofort wurde sie zur Kaiserlichen Garde gebracht, und unter Verhör gestand sie Geheimnisse zahlreicher Beamtenfamilien und vornehmer Damen und Fräulein. Daraufhin wurde ihre Wohnung durchsucht: Man fand zahlreiche Tonnachbildungen von Schreckensgöttern, mehrere Kästchen mit Betäubungsweihrauch; in einem Hinterzimmer hinter dem Kang hing eine Siebensternlaterne, und unter der Laterne standen mehrere Strohpuppen: einigen war ein eiserner Reif um den Kopf gelegt, anderen steckten Nägel in der Brust, wieder anderen war eine Kette um den Hals gebunden. In einer Truhe lagen unzählige Papierfiguren und darunter mehrere Kontobücher, in denen verzeichnet war, bei welcher Familie ein Fluch erprobt worden war, wie viel Silber noch ausstehe und wie viel Geld für Öl und Weihrauch empfangen worden sei — unzählige Summen." Phönixglanz sagte: „Unsere damalige Krankheit war gewiss ihr Werk! Ich erinnere mich, dass die alte Hexe danach mehrfach bei Zhao Yiniang war und Silber verlangte; als sie mich sah, veränderten sich Miene und Farbe ihres Gesichts, und ihre Augen glotzten wie die eines schwarzen Huhns. Anfangs rätselte ich immerzu, ohne den Grund zu finden. Jetzt, da die Rede darauf kommt, erweist sich, dass alles seine Ursache hatte. Aber als Haushälterin macht man sich natürlich Feinde, da kann ich es den Leuten nicht verübeln, dass sie es auf mich abgesehen hatten. Doch was hat Schatzjade jemandem getan, dass man es über sich brachte, ihm so Giftiges anzutun?" die Herzoginmutter erwiderte: „Wer weiß — vielleicht hat sie uns beiden den Fluch aufgeladen, weil ich Schatzjade bevorzuge und Huan nicht?" Wang Furen sprach: „Die Alte ist bereits verurteilt, und es wäre unmöglich, sie zur Konfrontation herzuschaffen. Ohne Konfrontation wird Zhao Yiniang gewiss nichts zugeben. Und die Sache ist zu schwerwiegend — wenn es nach außen dringt, wäre es unangemessen. Lass sie sich selbst ins Verderben reiten; früher oder später kommt alles von allein ans Licht." die Herzoginmutter meinte: „Da hast du recht. Ohne Beweis lässt sich nichts mit Sicherheit sagen. Doch Buddha und die Bodhisattvas sehen alles klar — haben die beiden heute nicht doch ihr Auskommen? Genug, was vergangen ist, ist vergangen. Phönixglanz, du brauchst nicht weiter davon zu sprechen. Heute bleibt ihr beide, du und deine Tante, hier bei mir zum Abendessen." Dann rief sie Mandarinenente[11], Hupo und die anderen, das Essen aufzutragen. Phönixglanz beeilte sich lachend: „Wie kommt es, dass die Alte Ahnin sich persönlich Sorgen macht?" Auch Wang Furen musste lächeln. Draußen warteten bereits einige Dienerinnen. Phönixglanz schickte schnell ein kleines Mädchen los: „Sag in der Küche, dass ich und die Gnädige Frau bei der Alten Ahnin speisen." Währenddessen kam Yuchuan herein und sagte zu Wang Furen: „Der gnädige Herr sucht etwas und bittet die Gnädige Frau, nach dem Essen der Alten Ahnin selbst danach zu schauen." die Herzoginmutter sprach: „Geh nur — vielleicht hat dein Mann etwas Dringendes." Wang Furen nahm ihren Abschied, ließ Phönixglanz bei der Großmutter und zog sich zurück. In ihren Gemächern plauderte sie mit Aufrecht Kaufmann[12] und fand den gesuchten Gegenstand. Aufrecht Kaufmann fragte: „Ist Willkommensfrühling schon zurückgekehrt? Wie geht es ihr im Hause Sun?" Wang Furen erwiderte: „Willkommensfrühling war ein einziges Tränenmeer. Der Schwiegersohn Sun soll unerhört brutal sein!" Darauf schilderte sie, was Willkommensfrühling erzählt hatte. Aufrecht Kaufmann seufzte: „Ich wusste von Anfang an, dass es keine gute Partie war. Aber der Ältere Herr hatte es bereits beschlossen — da konnte ich nichts tun. Willkommensfrühling muss eben einiges an Unrecht erdulden." Wang Furen sagte: „Sie ist ja noch eine junge Ehefrau; man kann nur hoffen, dass es in Zukunft besser wird." Dabei musste sie unwillkürlich lächeln. Aufrecht Kaufmann fragte: „Worüber lachst du?" Wang Furen antwortete: „Ich muss über Schatzjade lachen, der heute Morgen eigens herkam und lauter kindische Sachen redete." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was hat er gesagt?" Wang Furen erzählte lachend Schatzjades Worte. Auch Aufrecht Kaufmann konnte nicht umhin zu lachen. Dann wurde er ernst und sprach: „Da du Schatzjade erwähnst — mir ist gerade eine Sache eingefallen. Dieses Kind den ganzen Tag im Garten herumtollen zu lassen, ist kein Zustand. Mädchen, die nichts einbringen, gehören ohnehin in ein anderes Haus. Aber wenn ein Sohn nichts taugt, sind die Folgen schwerwiegend. Neulich hat jemand mir einen Lehrer empfohlen — ein Mann von vorzüglicher Gelehrsamkeit und tadellosem Charakter, ebenfalls aus dem Süden. Doch ich fürchte, ein Lehrer aus dem Süden ist zu nachsichtig. Unsere Stadtkinder sind alle frech wie die Teufel: schlau genug, um sich durchzumogeln, und dabei unverschämt. Wenn der Lehrer es nicht übers Herz bringt, streng zu sein und den Schüler nur wie ein Baby verhätschelt, ist am Ende alles umsonst. Darum haben die Alten lieber niemanden von außen engagiert, sondern jemanden aus der eigenen Familie für die Hausschule gewählt — jemanden in reifem Alter und mit ein wenig Bildung. Zwar ist Großonkel Ru kein überragender Gelehrter, aber er versteht es, die Jungen in Schach zu halten und geht nicht nachlässig zu Werke. Ich denke, Schatzjade müßig herumsitzen zu lassen, taugt nichts. Am besten schicken wir ihn wieder in die Hausschule zum Lernen." Wang Furen stimmte zu: „Der gnädige Herr hat ganz recht. Seit Ihr in der Provinz wart und er ständig krank war, sind mehrere Jahre vergeudet worden. Wenn er jetzt wenigstens in der Hausschule den Stoff wiederholt, wäre das schon etwas." Aufrecht Kaufmann nickte, und sie plauderten noch über dies und jenes. Am nächsten Morgen, als Schatzjade aufstand und seine Toilette beendet hatte, überbrachten die Diener die Botschaft: „Der gnädige Herr wünscht den Zweiten Herrn zu sprechen." Schatzjade richtete eilig seine Kleider und begab sich in Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer. Nach der Begrüßung blieb er stehen. Aufrecht Kaufmann sprach: „Was hast du in letzter Zeit an Studien betrieben? Ein paar Seiten Schönschrift sind noch keine Leistung. Ich sehe, dass du in den letzten Jahren noch nachlässiger geworden bist als früher. Überdies höre ich ständig, dass du dich krank meldest, um dem Unterricht fernzubleiben. Bist du jetzt wieder ganz gesund? Und ich höre, dass du Tag für Tag im Garten mit deinen Schwestern herumtolst und dich sogar mit den Dienstmädchen vergnügst, während du deine eigentlichen Pflichten vollständig vernachlässigst. Selbst wenn du ein paar Verse zusammenreimst — was ist schon dabei? Bei den Beamtenprüfungen kommt es auf die Prosadichtung an, und auf diesem Gebiet hast du keinerlei Übung. Ich sage dir: Von heute an ist es verboten, Gedichte und Parallelverse zu schreiben! Du wirst dich ausschließlich den Achtgliedrigen Aufsätzen widmen. Ich gebe dir ein Jahr: Wenn du keinerlei Fortschritte machst, brauchst du gar nicht mehr zu studieren — und ich verzichte auf einen solchen Sohn!" Dann rief er Li Gui herbei: „Morgen früh soll Beiming Schatzjade begleiten, seine Bücher zusammenpacken und alles herbringen, damit ich es durchsehe. Dann bringe ich ihn persönlich in die Hausschule." Barsch befahl er Schatzjade: „Geh! Morgen früh erscheinst du bei mir." Schatzjade hörte dies und wusste lange nichts zu erwidern. Er kehrte in den Hof der Roten Freude zurück. Dufthauch wartete ungeduldig auf Nachricht; als sie hörte, er solle seine Bücher holen, freute sie sich sogar. Doch Schatzjade wollte unbedingt sofort eine Nachricht an die Herzoginmutter schicken, damit sie einschreite. Die Großmutter ließ Schatzjade zu sich kommen und sagte: „Geh nur beruhigt. Lass deinen Vater nicht böse werden. Sollte man dich zu hart rannehmen, bin ich noch da!" Schatzjade konnte nichts machen. Er ging zurück und trug den Mädchen auf: „Weckt mich morgen früh — der Vater will mich in die Hausschule bringen!" Dufthauch und die anderen sagten zu, und Dufthauch und Moschusmond wechselten sich die ganze Nacht ab, um rechtzeitig zu wachen. Am nächsten Morgen in aller Frühe weckte Dufthauch Schatzjade; er wusch sich und kleidete sich um. Sie schickte ein kleines Mädchen los, Beiming zum Warten am zweiten Tor zu bestellen, wo er Bücher und Schreibzeug bereithielt. Dufthauch trieb ihn noch zweimal an, und Schatzjade ging schließlich hinaus zu Aufrecht Kaufmanns Arbeitszimmer, wo er sich zunächst erkundigte, ob der gnädige Herr schon erschienen sei. Ein Diener im Arbeitszimmer antwortete: „Gerade eben kam ein literarischer Berater, um den gnädigen Herrn zu sprechen; drinnen hieß es, der Herr sei noch bei der Morgentoilette. Der Berater wurde gebeten, draußen zu warten." Schatzjade hörte es und beruhigte sich ein wenig. Eilig begab er sich zu Aufrecht Kaufmann hinüber, und gerade in dem Moment sandte Aufrecht Kaufmann jemanden, um ihn zu rufen. Schatzjade folgte hinein. Aufrecht Kaufmann erteilte noch einige Anweisungen, dann nahm er Schatzjade mit, stieg in den Wagen, und mit Beiming, der die Bücher trug, fuhren sie zur Hausschule. Schon war jemand vorausgeeilt und hatte Jia Dairu gemeldet: „Der gnädige Herr kommt!" Dairu erhob sich. Aufrecht Kaufmann war bereits eingetreten und begrüßte Dairu respektvoll. Dairu nahm seine Hand und erkundigte sich nach seinem Befinden, dann fragte er: „Geht es der Alten Ahnin in letzter Zeit gut?" Auch Schatzjade trat vor und begrüßte ihn. Aufrecht Kaufmann blieb stehen und bat Dairu, sich zu setzen, ehe er sich selbst niederließ. Aufrecht Kaufmann sprach: „Ich habe ihn heute persönlich hergebracht, weil ich eine ernste Bitte habe. Dieses Kind ist nicht mehr klein; es muss endlich die Prüfungsaufsätze erlernen, die ein Mann für Ansehen und Karriere braucht. Zu Hause treibt er nur Unfug mit den Jungen. Obwohl er ein paar Verse kennt, ist das nur wildgewordenes Geschwätz — und selbst wenn es gut wäre, handelte es sich um nichts als ‚Wind, Wolken, Mond und Tau', ohne den geringsten Bezug zu den wahren Aufgaben des Lebens." Dairu antwortete: „Seinem Äußeren nach macht er einen durchaus anständigen Eindruck, und an Begabung fehlt es ihm auch nicht. Warum nur will er nicht lernen und denkt nur ans Herumtollen? Dichtung ist an sich kein verwerfliches Studium — nur sollte man damit warten, bis man es zu etwas gebracht hat." Aufrecht Kaufmann nickte: „Genau so ist es. Im Augenblick bitte ich nur darum, dass er liest, den Stoff erklären kann und Aufsätze schreibt. Sollte er den Unterricht nicht befolgen, so bitte ich den Großonkel, ihn mit aller Strenge zu erziehen, damit es nicht bei bloßem Schein bleibt und sein Leben nicht vergeudet wird." Er stand auf, verbeugte sich noch einmal, plauderte ein wenig und verabschiedete sich. Dairu geleitete ihn bis zur Tür und sagte: „Grüßen Sie die Alte Ahnin ehrerbietig von mir." Aufrecht Kaufmann sagte es zu, stieg in den Wagen und fuhr davon. Dairu kehrte zurück und sah Schatzjade an seinem Platz in der südwestlichen Ecke am Fenster sitzen, wo ein kleiner Tisch aus Rosenholz stand. Rechts waren zwei alte Lehrbücher aufgestapelt, dazu ein schmales Heft mit Musteraufsätzen; Beiming hatte Pinsel, Tusche, Papier und Tuschstein in der Schublade verstaut. Dairu sprach: „Schatzjade, ich hörte, du warst vor einiger Zeit krank. Bist du nun vollständig genesen?" Schatzjade stand auf und antwortete: „Ja, vollständig." Dairu fuhr fort: „Nun, dann wird es Zeit, dass du dich ernsthaft an die Arbeit machst. Dein Vater setzt große Hoffnungen in dich, und das von ganzem Herzen. Am besten gehst du den Stoff, den du früher durchgenommen hast, von Anfang an noch einmal durch. Jeden Morgen wird wiederholt, nach dem Essen wird geschrieben, am Nachmittag erkläre ich dir den Stoff, dann liest du ein paar Musteraufsätze — das genügt." Schatzjade antwortete mit einem „Ja", setzte sich wieder und blickte sich unwillkürlich um. Von Jin Rongs Leuten waren einige nicht mehr da, dafür waren einige neue kleine Schüler hinzugekommen — alle von überaus plumper und gewöhnlicher Art. Da fiel ihm Liebglocke Minne ein, und er dachte, dass es jetzt nicht einen einzigen Gefährten gab, dem er sein Herz öffnen konnte. Wehmut überkam ihn, aber er wagte nichts zu sagen und schaute nur still und bedrückt in seine Bücher. Dairu sprach zu Schatzjade: „Da es dein erster Tag ist, lasse ich dich heute früher nach Hause gehen. Aber morgen wird ein Kapitel durchgesprochen. Doch du bist ja nicht begriffsstutzig — morgen sollst du mir erst einmal ein oder zwei Kapitel erklären, damit ich höre, wie weit du bist. Dann weiß ich, woran wir ansetzen müssen." Bei diesen Worten pochte Schatzjades Herz vor Aufregung. Wie er am nächsten Tag seinen Stoff darlegte, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). |