Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 88"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 88) |
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) | ||
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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| + | 第八十八回 | ||
| + | 博庭欢宝玉赞孤儿 | ||
| + | 正家法贾珍鞭悍仆 | ||
却说惜春正在那里揣摩棋谱,忽听院内有人叫彩屏,不是别人,却是鸳鸯的声儿。彩屏出来,同着鸳鸯进来。那鸳鸯却带着一个小丫头,提了一个小黄绢包儿。惜春笑问道:“什么事?”鸳鸯道:“老太太因明年八十一岁,是个暗九,许下一场九昼夜的功德,发心要写三千六百五十零一部《金刚经》。这已发出外面人写了。但是俗说《金刚经》就像那道家的符壳,《心经》才算是符胆。故此《金刚经》内必要插着《心经》,更有功德。老太太因《心经》是更要紧的,观自在又是女菩萨,所以要几个亲丁奶奶、姑娘们写上三百六十五部,如此又虔诚,又洁净。咱们家中除了二奶奶:头一宗他当家没有空儿,二宗他也写不上来,其馀会写字的,不论写得多少,连东府珍大奶奶、姨娘们都分了去,本家里头自不用说。”惜春听了,点头道:“别的我做不来,若要写经,我最信心的。你搁下,喝茶罢。” | 却说惜春正在那里揣摩棋谱,忽听院内有人叫彩屏,不是别人,却是鸳鸯的声儿。彩屏出来,同着鸳鸯进来。那鸳鸯却带着一个小丫头,提了一个小黄绢包儿。惜春笑问道:“什么事?”鸳鸯道:“老太太因明年八十一岁,是个暗九,许下一场九昼夜的功德,发心要写三千六百五十零一部《金刚经》。这已发出外面人写了。但是俗说《金刚经》就像那道家的符壳,《心经》才算是符胆。故此《金刚经》内必要插着《心经》,更有功德。老太太因《心经》是更要紧的,观自在又是女菩萨,所以要几个亲丁奶奶、姑娘们写上三百六十五部,如此又虔诚,又洁净。咱们家中除了二奶奶:头一宗他当家没有空儿,二宗他也写不上来,其馀会写字的,不论写得多少,连东府珍大奶奶、姨娘们都分了去,本家里头自不用说。”惜春听了,点头道:“别的我做不来,若要写经,我最信心的。你搁下,喝茶罢。” | ||
鸳鸯才将那小包儿搁在桌上,同惜春坐下。彩屏倒了一锺茶来。惜春笑问道:“你写不写?”鸳鸯道:“姑娘又说笑话了。那几年还好,这三四年来,姑娘还见我拿了拿笔儿么?”惜春道:“这却是有功德的。”鸳鸯道:“我也有一件事:向来伏侍老太太安歇后,自己念念米佛,已经念了三年多了。我把这个米收好,等老太太做功德的时候,我将他衬在里头供佛施食,也是我一点诚心。”惜春道:“这样说来,老太太做了观音,你就是龙女了。”鸳鸯道:“那里跟得上这个分儿?却是除了老太太,别的也伏侍不来,不晓得前世什么缘分儿。”说着要走,叫小丫头把小绢包打开,拿出来道:“这素纸一扎是写《心经》的。”又拿起一子儿藏香道:“这是叫写经时点着写的。”惜春都应了。 | 鸳鸯才将那小包儿搁在桌上,同惜春坐下。彩屏倒了一锺茶来。惜春笑问道:“你写不写?”鸳鸯道:“姑娘又说笑话了。那几年还好,这三四年来,姑娘还见我拿了拿笔儿么?”惜春道:“这却是有功德的。”鸳鸯道:“我也有一件事:向来伏侍老太太安歇后,自己念念米佛,已经念了三年多了。我把这个米收好,等老太太做功德的时候,我将他衬在里头供佛施食,也是我一点诚心。”惜春道:“这样说来,老太太做了观音,你就是龙女了。”鸳鸯道:“那里跟得上这个分儿?却是除了老太太,别的也伏侍不来,不晓得前世什么缘分儿。”说着要走,叫小丫头把小绢包打开,拿出来道:“这素纸一扎是写《心经》的。”又拿起一子儿藏香道:“这是叫写经时点着写的。”惜春都应了。 | ||
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顶门壮户──顶门:本义为用木棒从里将门顶住。引申为撑持门户。 壮户:光耀门第。 语或本“枨门柱户”,出自汉·王褒《僮约》(见《初学记》卷一九、《古文苑》卷一七、《太平御览》卷五九八):“犬吠当起,惊告邻里,枨门柱户,上楼击鼓,荷盾曳矛,还落三周。”(枨门、柱户:同义词。用木棒从里顶住门。枨:古代门两旁竖的木柱。这里用作动词。柱:木柱。这里用作动词。)又见《艺文类聚》卷三五,文略异:“犬吠当起,惊告邻里,抢门柱户,上楼击柝,持盾曳矛,环落三周。”(抢:通“撑”。) 意谓撑持门户,光耀门第。 | 顶门壮户──顶门:本义为用木棒从里将门顶住。引申为撑持门户。 壮户:光耀门第。 语或本“枨门柱户”,出自汉·王褒《僮约》(见《初学记》卷一九、《古文苑》卷一七、《太平御览》卷五九八):“犬吠当起,惊告邻里,枨门柱户,上楼击鼓,荷盾曳矛,还落三周。”(枨门、柱户:同义词。用木棒从里顶住门。枨:古代门两旁竖的木柱。这里用作动词。柱:木柱。这里用作动词。)又见《艺文类聚》卷三五,文略异:“犬吠当起,惊告邻里,抢门柱户,上楼击柝,持盾曳矛,环落三周。”(抢:通“撑”。) 意谓撑持门户,光耀门第。 | ||
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| − | + | Achtundachtzigstes Kapitel | |
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| − | + | Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> erfreut die Großmutter und lobt den Waisenknaben, | |
| − | + | Herrlichkeit Kaufmann<ref>Herrlichkeit Kaufmann: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit".</ref> stellt die Hausordnung her und lässt den frechen Diener peitschen | |
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| − | + | Wie berichtet, studierte Bedauerfrühling<ref>Bedauerfrühling: Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrter Frühling".</ref> gerade ein Go-Lehrbuch, als im Hof jemand nach Caiping rief — es war niemand anders als Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente".</ref>. Caiping ging hinaus und kam mit Mandarinenente herein. Diese hatte ein kleines Mädchen bei sich, das ein gelbes Seidenpäckchen trug. Bedauerfrühling fragte lachend: „Was gibt es?" Mandarinenente erklärte: „Die Alte Ahnin wird nächstes Jahr einundachtzig — eine ‚verborgene Neun'. Sie hat gelobt, eine neun Tage und neun Nächte dauernde Andacht abzuhalten und dreitausendsechshunderteinundfünfzig Abschriften des Diamant-Sutra<ref>Diamant-Sutra (金刚经, Jīngāng Jīng): Eines der wichtigsten Sutras des Mahāyāna-Buddhismus, häufig als Verdienst für Verstorbene oder zum Schutz abgeschrieben.</ref> schreiben zu lassen. Diese werden bereits draußen abgeschrieben. Doch man sagt, das Diamant-Sutra sei wie die äußere Hülle eines daoistischen Talismans, und das Herz-Sutra<ref>Herz-Sutra (心经, Xīnjīng): Das kürzeste und am häufigsten rezitierte Sutra des Mahāyāna-Buddhismus.</ref> sei erst der eigentliche Kern. Darum muss in jedes Diamant-Sutra ein Herz-Sutra eingelegt werden — das bringt noch mehr Verdienst. Da die Alte Ahnin das Herz-Sutra für besonders wichtig hält und Guanyin zudem eine weibliche Bodhisattva ist, möchte sie, dass die weiblichen Verwandten und Fräulein des Hauses dreihundertfünfundsechzig Abschriften schreiben — das ist zugleich frommer und sauberer. Außer der Zweiten Herrin — erstens hat sie als Haushälterin keine Zeit, zweitens kann sie auch nicht so gut schreiben — soll jede, die schreiben kann, nach Vermögen beitragen: die Erste Herrin Zhen vom Osthaus, die Nebenfrauen, und natürlich erst recht alle hier im Haus." Bedauerfrühling nickte: „Anderes kann ich nicht, aber Sutras abschreiben — dafür brenne ich! Leg es hin und trink Tee." | |
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| − | + | Mandarinenente legte das Päckchen auf den Tisch und setzte sich zu Bedauerfrühling. Caiping brachte Tee. Bedauerfrühling fragte lachend: „Schreibst du auch?" Mandarinenente sagte: „Das Fräulein scherzt! In den letzten drei, vier Jahren — hat das Fräulein mich jemals einen Pinsel in die Hand nehmen sehen?" Bedauerfrühling sagte: „Es wäre ein großes Verdienst." Mandarinenente erwiderte: „Ich habe allerdings etwas anderes: Seit ich die Alte Ahnin zur Nachtruhe gebettet habe, spreche ich jedes Mal meine Reisgebete — schon seit über drei Jahren. Den Reis hebe ich sorgfältig auf, und wenn die Alte Ahnin ihre Andacht hält, will ich ihn als Opfergabe für den Buddha beifügen — das ist mein aufrichtiger Beitrag." Bedauerfrühling sagte: „So gesehen ist die Alte Ahnin die Guanyin, und du bist das Drachenmädchen." Mandarinenente sagte: „So weit reiche ich nicht! Nur weiß ich: Außer der Alten Ahnin könnte ich niemandem dienen — was für ein Schicksal aus einem früheren Leben mich an sie bindet, weiß ich nicht." Sie wollte gehen und ließ das kleine Mädchen das Seidenpäckchen öffnen: „Dieser Stapel reines Papier ist zum Abschreiben des Herz-Sutra." Dann hielt sie ein Bündel tibetischen Weihrauch hoch: „Den soll man beim Schreiben anzünden." Bedauerfrühling nahm alles an. | |
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| − | + | Mandarinenente verabschiedete sich und ging mit dem kleinen Mädchen zur Herzoginmutters Gemächern zurück, wo sie Bericht erstattete. Die Herzoginmutter spielte gerade mit Seidenweiß Pflaume<ref>Seidenweiß Pflaume: Chin. 李纨 Lǐ Wán, wörtl. „Frau im Schleiertuch".</ref> Backgammon. Mandarinenente schaute von der Seite zu. Seidenweiß Pflaume hatte Glück mit dem Würfel und schlug der Großmutter gleich mehrere Steine herunter. Mandarinenente musste lachen und hielt sich den Mund zu. | |
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| − | + | Da kam Schatzjade herein, in jeder Hand einen kleinen Käfig aus feinem Bambus, in denen einige Grashüpfer saßen. Er sagte: „Ich habe gehört, die Großmutter schläft nachts schlecht — da bringe ich ihr diese zur Unterhaltung." die Herzoginmutter lachte: „Nur weil dein Vater nicht zu Hause ist, erlaubst du dir solche Streiche!" Schatzjade lachte: „Ich habe doch gar keine Streiche gemacht!" die Herzoginmutter fragte: „Wenn du keine Streiche machst, warum bist du dann nicht in der Schule beim Lesen, sondern bringst solches Zeug?" Schatzjade erklärte: „Die habe ich nicht selbst gefangen! Neulich hat der Lehrer Huan und Lan Gegenpaare bilden lassen. Huan konnte es nicht, und ich habe ihm heimlich eingeflüstert. Als er die Antwort vortrug, lobte der Lehrer ihn. Aus Dankbarkeit hat er mir diese Grashüpfer gekauft, und ich bringe sie der Großmutter." die Herzoginmutter sagte: „Lernt er denn nicht jeden Tag? Warum kann er kein Gegenpaar finden? Wenn nicht, soll der Großonkel Ru ihm auf den Mund schlagen — ob ihm das nicht peinlich wäre! Du hast es auch nicht leicht gehabt — erinnerst du dich, wie du dich gefürchtet hast wie ein Gespenst, wenn dein Vater dich Gedichte und Lieder aufsagen ließ? Und jetzt sprichst du große Worte! Dieser Huan ist noch unfähiger — lässt sich die Arbeit von anderen machen und besticht sie dann dafür. So ein kleiner Junge treibt schon solche Ränke und schämt sich nicht — wer weiß, was aus dem noch wird!" Das ganze Zimmer lachte. | |
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| − | + | Die Herzoginmutter fragte weiter: „Und der kleine Lan? Hat er seine Aufgabe geschafft? Jetzt hätte Huan ihm helfen müssen — Lan ist ja jünger. Nicht wahr?" Schatzjade lachte: „Er hat keine Hilfe gebraucht — er hat es selbst gemacht." die Herzoginmutter sagte: „Das glaube ich nicht — wenn, dann hast du auch da nachgeholfen. Du bist mir einer! Aus der Hammelherde ragt ein Kamel hervor — du bist der Größte und schreibst nun auch schon Aufsätze!" Schatzjade lachte: „Er hat es wirklich selbst gemacht! Der Lehrer hat ihn sogar gelobt und gesagt, aus dem werde einmal etwas Großes. Wenn die Großmutter mir nicht glaubt, lass ihn doch herkommen und prüfe ihn selbst." die Herzoginmutter sagte: „Wenn das stimmt, freue ich mich wirklich. Ich fürchte nur, dass du schummelst. Wenn er es wirklich selbst geschrieben hat, kann aus dem Jungen etwas werden." Dabei blickte sie Seidenweiß Pflaume an und dachte an Herrlichkeit Kaufmann. Sie fuhr fort: „Dann ist dein älterer Bruder nicht umsonst gestorben, und deine ältere Schwägerin hat ihn nicht umsonst großgezogen. Eines Tages wird er das Haus seines Vaters stützen und ehren." Dabei konnte sie die Tränen nicht zurückhalten. | |
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| − | + | Seidenweiß Pflaume war von diesen Worten tief gerührt, doch da die Großmutter schon traurig war, hielt sie sich zurück und tröstete lächelnd: „Das ist alles der gesammelte Segen der Alten Ahnin. Wir stehen unter ihrem Schutz. Wenn der Junge den Erwartungen der Alten Ahnin gerecht wird, ist das unser Glück. Warum trauert die Alte Ahnin, statt sich zu freuen?" Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Onkel Bao, lob ihn morgen nicht so überschwänglich. Er ist noch ein kleines Kind — was weiß er schon? Du meinst es nur gut, aber er versteht das nicht. Mit der Zeit wird er übermütig, und dann kann er keine Fortschritte mehr machen." die Herzoginmutter nickte: „Deine Schwägerin hat recht. Er ist noch so klein — treib ihn nicht zu hart an. Kleine Kinder sind scheu; wenn man sie zu sehr bedrängt, werden sie noch krank, und dann war all deine Mühe umsonst." Bei diesen Worten konnte Seidenweiß Pflaume ihre Tränen nicht mehr halten und wischte sie eilig weg. | |
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| − | + | Da kamen Unheil Kaufmann<ref>Unheil Kaufmann: Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil/Plage".</ref> und Orchidee Kaufmann herein, um die Großmutter zu begrüßen. Orchidee Kaufmann grüßte auch seine Mutter und stellte sich neben die Herzoginmutter. Die Großmutter sagte: „Ich habe gerade von deinem Onkel gehört, dass du ein gutes Gegenpaar gemacht hast und der Lehrer dich gelobt hat." Orchidee Kaufmann sagte nichts und lächelte nur verschämt. Mandarinenente kam und meldete: „Das Abendessen ist angerichtet." die Herzoginmutter sagte: „Holt die Tante." Hupo schickte sogleich jemanden zu Wang Furen, um Tante Schnee<ref>Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses".</ref> zu bitten. Schatzjade und Unheil Kaufmann zogen sich zurück. Suyun und die kleinen Mädchen räumten das Backgammonbrett weg. Seidenweiß Pflaume wartete, um der Großmutter beim Essen aufzuwarten; Orchidee Kaufmann stand neben seiner Mutter. Die Herzoginmutter sagte: „Ihr beiden esst mit mir." Seidenweiß Pflaume sagte zu. Man trug auf. Ein Mädchen kam zurück und meldete: „Die Gnädige Frau lässt der Alten Ahnin ausrichten: Die Tante kommt und geht in letzter Zeit und konnte sich nicht melden; heute ist sie nach dem Essen nach Hause gefahren." die Herzoginmutter ließ Orchidee Kaufmann neben sich Platz nehmen, und alle aßen gemeinsam. | |
| − | + | Als die Herzoginmutter gerade mit dem Essen fertig war und, den Mund gespült, auf dem Bett lag und plauderte, kam ein kleines Mädchen und flüsterte Hupo etwas zu. Hupo meldete: „Der Erste Herr aus dem Osthaus lässt einen guten Abend wünschen." die Herzoginmutter sagte: „Sagt ihm: Er ist von der Hausverwaltung erschöpft; er soll sich ausruhen. Ich weiß Bescheid." Über die Mädchen und Dienerinnen wurde Herrlichkeit Kaufmann informiert, und er zog sich zurück. | |
| − | + | Am nächsten Tag ging Herrlichkeit Kaufmann hinüber, um verschiedene Angelegenheiten zu regeln. Die Pförtnerdiener meldeten nacheinander einige Dinge. Einer meldete: „Der Gutsverwalter hat Obst gebracht." Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Wo ist die Liste?" Der Diener reichte sie eilig herein. Es waren Saisonfrüchte, dazu einiges Gemüse und Wild. Herrlichkeit Kaufmann las die Liste und fragte: „Wer verwaltet das normalerweise?" Man antwortete: „Zhou Rui." Herrlichkeit Kaufmann rief Zhou Rui: „Zähl alles nach der Liste durch und lass es nach drinnen bringen. Ich mache eine Kopie der Lieferliste für den Abgleich." Dann befahl er: „Sag der Küche, sie soll den Speiseplan um einige Posten ergänzen und dem Gutsverwalter wie üblich eine Mahlzeit und Geld geben." | |
| − | + | Zhou Rui sagte zu. Während man die Lieferung in Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref>s Hof brachte und die Bücher mit dem Obst ordnungsgemäß übergab, ging Zhou Rui hinaus und kam bald zurück zu Herrlichkeit Kaufmann: „Das vorhin gelieferte Obst — hat der Erste Herr die Menge überprüft?" Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Wann hätte ich Zeit, das zu zählen? Ich habe dir die Liste gegeben — zähl du nach." Zhou Rui sagte: „Ich habe nachgezählt: es fehlt nichts, aber es ist auch nichts übrig. Da der Erste Herr die Kopie behalten hat, sollte man den Boten fragen, ob die Liste stimmt." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Was soll das? Es sind doch nur ein paar Früchte — was gibt es da Wichtiges? Ich habe dich nicht verdächtigt." | |
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| − | + | Da kam Bao Er herbeigelaufen, machte einen Kotau und sagte: „Bitte lasst mich wieder draußen arbeiten wie früher." Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Was ist denn schon wieder los bei euch?" Bao Er sagte: „Ich komme hier drinnen nicht zu Wort." Herrlichkeit Kaufmann: „Wer verlangt, dass du hier redest?" Bao Er: „Was soll ich hier als Aufpasser herumstehen?" Zhou Rui mischte sich ein: „Ich verwalte hier die Pacht, die Gutserträge und die Ein- und Ausgaben — jedes Jahr mehrere zehntausend Tael<ref>Tael (两, Liǎng): Traditionelle chinesische Gewichts- und Silberwährungseinheit, ca. 37,3 Gramm.</ref>. Weder der gnädige Herr noch die gnädigen Damen haben je etwas beanstandet, geschweige denn solche Kleinigkeiten. Wenn man Bao Er glaubt, hätten wir Diener den ganzen Grundbesitz veruntreut." Herrlichkeit Kaufmann überlegte: „Bao Er muss sich hier gestritten haben — am besten schicke ich ihn weg." Er sagte zu Bao Er: „Verschwinde!" Und zu Zhou Rui: „Du brauchst auch nichts weiter zu sagen — mach deine Arbeit." Beide gingen. | |
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| − | + | Herrlichkeit Kaufmann ruhte sich gerade im Arbeitszimmer aus, als draußen am Tor ein Tumult losbrach. Er schickte jemanden nachsehen; der Bote kam zurück: „Bao Er prügelt sich mit Zhou Ruis Adoptivsohn." Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Wer ist Zhou Ruis Adoptivsohn?" Der Pförtner antwortete: „Er heißt He San, ein nichtsnutziger Kerl, der zu Hause jeden Tag trinkt und Streit sucht. Er lungert ständig am Tor herum. Als er den Zank zwischen Bao Er und Zhou Rui hörte, mischte er sich ein." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Das ist unerhört! Bindet Bao Er und diesen He San zusammen fest! Und Zhou Rui?" Der Pförtner: „Der war schon weg, als die Prügelei anfing." Herrlichkeit Kaufmann befahl: „Holt ihn her! So weit kommt es noch!" Alle liefen los. Gerade kam auch Kette Kaufmann<ref>Kette Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale".</ref> zurück. Herrlichkeit Kaufmann erzählte ihm alles. Kette Kaufmann rief: „Unerhört!" Man schickte noch mehr Leute, Zhou Rui zu holen. Der wusste, dass er nicht entkommen konnte, und kam. Herrlichkeit Kaufmann befahl: „Alle fesseln!" Kette Kaufmann sprach zu Zhou Rui: „Euer vorheriger Streit wäre nicht so schlimm gewesen — der Erste Herr hatte es beigelegt. Warum dann draußen noch eine Schlägerei? Die Schlägerei allein wäre schon unerhört genug, aber ihr bringt auch noch einen streunenden Bastard namens He San ins Spiel! Und statt sie in Schach zu halten, bist du einfach verschwunden." Er trat Zhou Rui ein paar Mal. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Zhou Rui allein zu bestrafen genügt nicht!" Er befahl, Bao Er und He San je fünfzig Peitschenhiebe zu geben und hinauszuwerfen. Danach besprach er mit Kette Kaufmann die eigentlichen Geschäfte. | |
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| − | + | Die Dienerschaft tuschelte hinter vorgehaltener Hand: Manche sagten, Herrlichkeit Kaufmann decke seine Günstlinge; andere meinten, er könne nicht vermitteln; wieder andere nannten ihn selbst keinen guten Charakter: „Erinnert euch an die hässliche Affäre mit den Schwestern You — war es nicht Herrlichkeit Kaufmann, der Bao Er dem Zweiten Herrn als Diener zuschob? Jetzt findet er Bao Er nicht mehr brauchbar — bestimmt hat sich Bao Ers Frau nicht genug um ihn gekümmert." Viele Mäuler, viele Meinungen. | |
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| − | + | Was Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref> betrifft: Seit er im Ministerium für Öffentliche Arbeiten das Siegel führte, hatten einige seiner Diener ordentlich verdient. Efeu Kaufmann hörte davon und wollte auch etwas abbekommen. Er sprach draußen mit einigen Baumeistern, vereinbarte Provisionen und kaufte modische Stickereigeschenke, um sich bei Phönixglanz einzuschmeicheln. | |
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| − | + | Phönixglanz war in ihrem Zimmer, als Mädchen meldeten: „Der Erste und der Zweite Herr sind wütend und lassen draußen Leute verprügeln." Phönixglanz fragte sich, was los war. Gerade wollte sie jemanden schicken, als Kette Kaufmann hereinkam und alles erzählte. Phönixglanz sagte: „Die Sache selbst ist nicht so schwerwiegend, aber solche Sitten dürfen nicht einreißen. Im Moment sind wir noch auf dem Höhepunkt unseres Wohlstands, und die Diener wagen es schon, sich zu prügeln; wenn später die jüngere Generation das Sagen hat, werden sie völlig außer Kontrolle geraten. Vor zwei Jahren habe ich im Osthaus mit eigenen Augen gesehen, wie Jiao Da sich volllaufen ließ, unter der Treppe lag und alle beschimpfte — ohne Rücksicht auf Rang und Stand, alles in einen Topf werfend. Er mag Verdienste haben, aber zwischen Herr und Diener sollte ein Mindestmaß an Anstand herrschen. Die Erste Herrin Zhen — ich sage es ungern — ist zu gutmütig; sie hat jeden so verwöhnt, dass keiner mehr zu bändigen ist. Und jetzt dieser Bao Er. Ich habe gehört, er war euer und des Ersten Herrn Vertrauensmann — warum wird er dann heute geschlagen?" Bei diesen Worten spürte Kette Kaufmann den Stich, wurde verlegen und versuchte abzulenken. Er murmelte etwas von Geschäften und ging. | |
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| − | + | Xiaohong kam herein und meldete: „Der Zweite Herr Yun möchte die Herrin sprechen." Phönixglanz überlegte: „Was will der schon wieder?" Dann sagte sie: „Lass ihn herein." Xiaohong ging hinaus und blickte Efeu Kaufmann mit einem leichten Lächeln an. Efeu Kaufmann trat eilig einen Schritt näher und fragte: „Fräulein, habt Ihr mich angekündigt?" Xiaohong errötete: „Ich sehe nur, dass der Zweite Herr viel zu tun hat." Efeu Kaufmann: „Wann hatte ich je so viel zu tun, dass ich das Fräulein im Inneren bemühen müsste? Damals, als das Fräulein im Zimmer des Zweiten Onkels Bao war, da habe ich Euch …" Xiaohong fürchtete, jemand könnte sie sehen, und unterbrach: „Das Seidentuch, das ich Euch damals getauscht habe — habt Ihr es gesehen?" Efeu Kaufmann hätte diesen Satz nicht glücklicher hören können; er wollte gerade antworten, als ein kleines Mädchen von drinnen herauskam. Efeu Kaufmann ging hastig neben Xiaohong hinein. Seite an Seite, in geringem Abstand, flüsterte er: „Wenn ich wieder herauskomme — bringst du mich hinaus, und ich erzähle dir etwas Lustiges." Xiaohong wurde knallrot, warf ihm einen Blick zu, antwortete aber nicht. Am Eingang zu Phönixglanzs Gemächern ging sie allein hinein und meldete sich. Dann kam sie heraus, hob den Vorhang, winkte mit der Hand und sagte absichtlich laut: „Die Herrin bittet den Zweiten Herrn Yun herein!" | |
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| − | + | Efeu Kaufmann lächelte, folgte ihr ins Zimmer, begrüßte Phönixglanz und sagte: „Meine Mutter lässt grüßen." Phönixglanz erwiderte den Gruß. „Was führt dich her?" Efeu Kaufmann erklärte: „Der Neffe hat die frühere Güte der Tante nie vergessen und denkt ständig daran. Er wollte ihr schon immer etwas schenken, fürchtete aber, die Tante könnte zu viel hineindeuten. Da jetzt das Doppelneunfest naht, habe ich eine Kleinigkeit mitgebracht. Die Tante hat natürlich alles — es ist nur mein bescheidener Ausdruck der Dankbarkeit. Wenn die Tante ihn nur nicht verschmäht." Phönixglanz lächelte: „Setz dich und sag, was du zu sagen hast." Efeu Kaufmann setzte sich seitlich und legte das Geschenk auf den Nebentisch. | |
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| − | + | Phönixglanz sagte: „Du bist kein reicher Mensch — warum gibst du Geld aus? Ich brauche es nicht. Sag mir lieber, was du wirklich im Sinn hast — ehrlich." Efeu Kaufmann sagte: „Nichts weiter als Dankbarkeit gegenüber der Tante." Dabei lächelte er. Phönixglanz sagte: „So geht das nicht. Ich weiß, dass du knapp bei Kasse bist — warum sollte ich dir unnötig Geld abknöpfen? Wenn du willst, dass ich das Geschenk annehme, musst du mir vorher reinen Wein einschenken. Wenn du herumdruckst und halb hinterm Berg hältst, nehme ich es nicht an." | |
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| − | + | Efeu Kaufmann konnte nicht anders, stand auf und erklärte verlegen lächelnd: „Es ist wirklich kein unverschämter Wunsch. Neulich hörte ich, der gnädige Herr leite den Bau der kaiserlichen Grabanlage. Ich habe ein paar Freunde, die schon etliche Bauprojekte durchgeführt haben — alles sehr zuverlässig. Wenn die Tante beim gnädigen Herrn ein gutes Wort einlegen könnte, damit man mir ein oder zwei Aufträge gibt, werde ich die Güte der Tante nie vergessen. Und wenn es Arbeit im Haus gibt, kann ich der Tante auch von Nutzen sein." | |
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| + | Phönixglanz antwortete: „Bei anderen Dingen könnte ich schon ein Wort mitreden. Aber Behördenangelegenheiten — da wird oben alles von den Ministerialbeamten bestimmt, und unten machen es die Schreiber und Amtsboten. Da kann ein Außenstehender sich kaum einschalten. Selbst die eigenen Hausleute können nur den gnädigen Herrn begleiten; und dein Onkel geht auch nur wegen der eigenen Familienangelegenheiten hin — er kann keine offiziellen Aufträge vergeben. Was das Haus betrifft: Hier drückt man an einem Ende und hebt am anderen, und selbst der Erste Herr Zhen kann die Leute kaum im Zaum halten. Du bist zu jung und zu niedrig im Rang — wie willst du mit diesen Leuten fertig werden? Außerdem nähert sich die Arbeit im Ministerium ohnehin dem Ende — es ist mehr Leerlauf als Arbeit. Was kannst du zu Hause nicht alles tun — bist du ohne diesen Auftrag etwa am Verhungern? Das sage ich dir ehrlich — geh heim und denk darüber nach. Deinen guten Willen habe ich zur Kenntnis genommen. Aber nimm die Sachen wieder mit und gib sie dorthin zurück, wo du sie herbekommen hast." | ||
| + | Gerade da kam die Amme mit einer Schar Mädchen und brachte Qiaojie herein. Das Mädchen war prächtig gekleidet und hatte allerlei Spielzeug in den Händen; lachend lief sie zu Phönixglanz und plapperte. Efeu Kaufmann stand auf und sagte mit strahlendem Lächeln: „Ist das die große Schwester? Willst du nicht ein schönes Spielzeug?" Qiaojie brach sofort in Geschrei aus. Efeu Kaufmann wich zurück. Phönixglanz tröstete: „Liebling, hab keine Angst" und nahm Qiaojie auf den Arm: „Das ist dein großer Bruder Yun — warum tust du so fremd?" Efeu Kaufmann sagte schmeichelnd: „Die kleine Schwester ist wunderschön — die wird einmal großes Glück haben." Qiaojie blickte sich nach Efeu Kaufmann um und fing wieder an zu weinen — mehrmals hintereinander. | ||
| + | Efeu Kaufmann konnte nicht länger bleiben, stand auf und verabschiedete sich. Phönixglanz sagte: „Nimm die Sachen mit." Efeu Kaufmann bat: „Nicht einmal diese Kleinigkeit?" Phönixglanz antwortete: „Wenn du sie nicht mitnimmst, lasse ich sie zu dir nach Hause bringen. Yun, stell dich nicht so an — du bist doch kein Fremder. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, schicke ich nach dir. Aber ohne konkreten Anlass kann ich nichts tun — da helfen keine Geschenke." Efeu Kaufmann sah, dass Phönixglanz unnachgiebig war, und sagte errötend: „Dann bringe ich das nächste Mal etwas Brauchbares als Geschenk." Phönixglanz rief Xiaohong: „Nimm die Sachen und begleite den Herrn Yun hinaus." | ||
| − | + | Efeu Kaufmann dachte im Gehen: „Die Leute sagen, die Zweite Herrin sei streng — und wirklich: Kein Spalt, keine Lücke, wie mit dem Meißel geschnitten. Kein Wunder, dass sie keinen Nachwuchs hat. Und diese Qiaojie — die benimmt sich, als wäre ich ihr Feind aus einem früheren Leben. Wirklich Pech! Der ganze Tag umsonst." | |
| − | + | Xiaohong sah, dass Efeu Kaufmann mit leeren Händen ging, und war ebenfalls enttäuscht. Sie trug die Sachen hinaus. Efeu Kaufmann nahm das Päckchen, öffnete es, wählte zwei Stücke aus und reichte sie heimlich Xiaohong. Xiaohong nahm sie nicht an: „Das geht nicht, Zweiter Herr — wenn die Herrin davon erfährt, stehen wir alle schlecht da." Efeu Kaufmann: „Bewahr sie gut auf — wovor hast du Angst? Wer sollte davon erfahren? Wenn du sie nicht willst, ist das, als hieltest du mich für minderwertig." Xiaohong lächelte leicht und nahm sie entgegen: „Wer braucht denn deine Sachen? Als ob die etwas wert wären!" Bei diesem Satz wurde sie wieder rot. Efeu Kaufmann lachte: „Mir geht es auch nicht um die Sachen — und die Sachen sind ohnehin nichts Besonderes." | |
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| − | + | Plaudernd waren die beiden am zweiten Tor angelangt. Efeu Kaufmann steckte den Rest in seinen Ärmel. Xiaohong drängte: „Geh jetzt. Wenn du etwas brauchst, komm ruhig zu mir. Ich bin jetzt in diesem Hof — das ist kein Umweg." Efeu Kaufmann nickte: „Die Zweite Herrin ist zu streng — ich kann unmöglich oft kommen. Was ich vorhin sagen wollte, weißt du im Herzen. Wenn ich Gelegenheit habe, erzähle ich es dir." Xiaohong errötete: „Geh jetzt. Komm ruhig auch sonst mal vorbei. Du machst dich selbst zum Fremden." Efeu Kaufmann sagte: „Verstanden." Damit ging er durch das Hoftor. Xiaohong stand an der Tür und sah ihm nach, bis er verschwunden war, dann kehrte sie zurück. | |
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| − | + | Phönixglanz ließ das Abendessen vorbereiten und fragte: „Habt ihr den Brei gekocht?" Die Mädchen fragten nach und meldeten: „Ja, er ist fertig." Phönixglanz sagte: „Macht ein, zwei Schüsseln von den eingelegten Südfrüchten zurecht." Qiutong sagte zu und wies die Mädchen an. | |
| − | + | Friedchen<ref>Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedliche".</ref> kam lachend herein: „Ich hab es fast vergessen: Heute Mittag, als die Herrin oben bei der Alten Ahnin war, kam jemand aus dem Wassermondkloster und bat die Herrin um zwei Flaschen eingelegtes Südgemüse und um ein paar Monatsgehälter im Vorschuss; die Äbtissin sei krank. Ich fragte die Klosterfrau: ‚Was fehlt der Äbtissin?' Sie erzählte: ‚Seit vier, fünf Tagen. Neulich nachts haben einige der kleinen Novizen und Novizinnen beim Schlafen die Lampe nicht ausgeblasen. Die Äbtissin hat es mehrmals gesagt, aber sie hörten nicht. Mitten in der Nacht, nach der dritten Nachtwache, brannte immer noch Licht. Die Äbtissin ging selbst hin und blies alle Lampen aus. Zurück auf ihrem Kang sah sie zwei Gestalten — einen Mann und eine Frau — auf dem Bett sitzen. Sie fragte, wer sie seien, da warfen sie ihr eine Schlinge um den Hals. Sie schrie um Hilfe. Alle kamen mit Lichtern angelaufen — sie lag am Boden, Schaum vor dem Mund. Zum Glück wurde sie gerettet. Seitdem kann sie nichts essen und bat daher um eingelegtes Gemüse.' Da die Herrin nicht im Zimmer war, habe ich ihr nichts gegeben und sie weggeschickt. Als ich eben die Rede von südlichem Gemüse hörte, fiel es mir wieder ein — sonst hätte ich es vergessen." | |
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| − | + | Phönixglanz hielt kurz inne und sagte: „Südgemüse haben wir noch — schickt ihr etwas. Das Silber — sag dem jungen Qin, er soll es in ein paar Tagen abholen." Da kam Xiaohong herein und meldete: „Der Zweite Herr lässt ausrichten: Er hat heute Abend Geschäfte außerhalb der Stadt und kommt nicht nach Hause. Er schickt Bescheid." Phönixglanz sagte: „Gut." | |
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| − | Das | + | Da hörte man ein kleines Mädchen aus dem Hinterhaus atemlos hereingerannt kommen. Draußen empfing sie Friedchen; ein paar andere Mädchen flüsterten miteinander. Phönixglanz rief: „Was tuschelt ihr?" Friedchen sagte: „Die Kleine hat Angst und redet von Geistern." Phönixglanz fragte: „Welche?" Das Mädchen kam herein. Phönixglanz fragte: „Was für Geistergeschichten?" Das Mädchen erzählte: „Ich bin gerade nach hinten gegangen, um den Kohlemann zu rufen. In den drei leeren Zimmern hörte ich es klappern und knarren — ich dachte, es seien Katzen oder Ratten. Dann hörte ich ein ‚Aaah', wie wenn jemand seufzt. Da habe ich mich gefürchtet und bin gerannt." Phönixglanz schimpfte: „Unsinn! In meinem Haus wird nicht von Geistern und Gespenstern geredet! Ich habe noch nie an so etwas geglaubt. Raus mit dir!" Das Mädchen verschwand. |
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| − | + | Phönixglanz ließ Caiming die Tagesausgaben abgleichen. Es war fast die zweite Nachtwache. Man ruhte noch ein Weilchen, plauderte ein wenig, und dann ging jeder schlafen. Auch Phönixglanz legte sich nieder. | |
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| − | + | Gegen die dritte Nachtwache lag Phönixglanz im Halbschlaf, als sie plötzlich eine Gänsehaut überlief. Sie fuhr hoch, und je länger sie lag, desto unheimlicher wurde ihr. Sie rief Friedchen und Qiutong, ihr Gesellschaft zu leisten. Die beiden verstanden nicht, was los war. Qiutong hatte sich mit Phönixglanz nie gut verstanden; nachdem Kette Kaufmann sie wegen der Sache mit Zweitschwester Sonders vernachlässigte, hatte Phönixglanz sie wieder um sich geschart, und nun war es äußerlich ruhig — aber innerlich war Qiutong lange nicht so aufrichtig wie Friedchen. Als sie Phönixglanzs Unwohlsein sah, brachte sie ihr pflichtgemäß Tee. Phönixglanz trank einen Schluck und sagte: „Danke dir. Geh schlafen — Friedchen allein genügt." Doch Qiutong wollte sich dienstbeflissen zeigen: „Wenn die Herrin nicht schlafen kann, wechseln wir uns eben ab." Während sie sprach, schlief Phönixglanz ein. Friedchen und Qiutong sahen, dass Phönixglanz schlief; in der Ferne krähte ein Hahn. Beide legten sich angekleidet kurz hin. Schon wurde es hell, und sie sprangen auf, um Phönixglanz bei der Morgentoilette zu helfen. | |
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| − | + | Phönixglanz war durch die nächtlichen Vorfälle unruhig und verwirrt, doch ihr Stolz ließ sie sich nichts anmerken, und sie raffte sich auf. Grübelnd saß sie da, als ein kleines Mädchen im Hof nach Friedchen rief. Friedchen antwortete. Das Mädchen hob den Vorhang: Wang Furen habe jemanden geschickt, um Kette Kaufmann zu suchen; draußen sei eine dringende Amtssache zu klären, Aufrecht Kaufmann sei gerade ausgegangen, und die Gnädige Frau bitte den Zweiten Herrn, sofort zu kommen. Phönixglanz erschrak. | |
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| − | + | Was es war, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren. | |
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| + | <references /> | ||
| − | + | Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). | |
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Revision as of 19:30, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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第八十八回 博庭欢宝玉赞孤儿 正家法贾珍鞭悍仆 却说惜春正在那里揣摩棋谱,忽听院内有人叫彩屏,不是别人,却是鸳鸯的声儿。彩屏出来,同着鸳鸯进来。那鸳鸯却带着一个小丫头,提了一个小黄绢包儿。惜春笑问道:“什么事?”鸳鸯道:“老太太因明年八十一岁,是个暗九,许下一场九昼夜的功德,发心要写三千六百五十零一部《金刚经》。这已发出外面人写了。但是俗说《金刚经》就像那道家的符壳,《心经》才算是符胆。故此《金刚经》内必要插着《心经》,更有功德。老太太因《心经》是更要紧的,观自在又是女菩萨,所以要几个亲丁奶奶、姑娘们写上三百六十五部,如此又虔诚,又洁净。咱们家中除了二奶奶:头一宗他当家没有空儿,二宗他也写不上来,其馀会写字的,不论写得多少,连东府珍大奶奶、姨娘们都分了去,本家里头自不用说。”惜春听了,点头道:“别的我做不来,若要写经,我最信心的。你搁下,喝茶罢。” 鸳鸯才将那小包儿搁在桌上,同惜春坐下。彩屏倒了一锺茶来。惜春笑问道:“你写不写?”鸳鸯道:“姑娘又说笑话了。那几年还好,这三四年来,姑娘还见我拿了拿笔儿么?”惜春道:“这却是有功德的。”鸳鸯道:“我也有一件事:向来伏侍老太太安歇后,自己念念米佛,已经念了三年多了。我把这个米收好,等老太太做功德的时候,我将他衬在里头供佛施食,也是我一点诚心。”惜春道:“这样说来,老太太做了观音,你就是龙女了。”鸳鸯道:“那里跟得上这个分儿?却是除了老太太,别的也伏侍不来,不晓得前世什么缘分儿。”说着要走,叫小丫头把小绢包打开,拿出来道:“这素纸一扎是写《心经》的。”又拿起一子儿藏香道:“这是叫写经时点着写的。”惜春都应了。 鸳鸯遂辞了出来,同小丫头来至贾母房中,回了一遍。看见贾母与李纨打双陆,鸳鸯旁边瞧着。李纨的骰子好,掷下去,把老太太的锤打下了好几个去。鸳鸯抿着嘴儿笑。 忽见宝玉进来,手中提了两个细篾丝的小笼子,笼内有几个蝈蝈儿,说道:“我听说老太太夜里睡不着,我给老太太留下解解闷。”贾母笑道:“你别瞅着你老子不在家,你只管淘气。”宝玉笑道:“我没有淘气。”贾母道:“你没淘气,不在学房里念书,为什么又弄这个东西呢?”宝玉道:“不是我自己弄的。前儿因师父叫环儿和兰儿对对子,环儿对不来,我悄悄的告诉了他。他说了,师父喜欢,夸了他两句。他感激我的情,买了来孝敬我的,我才拿了来孝敬老太太的。”贾母道:“他没有天天念书么,为什么对不上来?对不上来,就叫你儒太爷打他的嘴巴子,看他臊不臊?你也够受了,不记得你老子在家时,一叫做诗做词,唬的倒像个小鬼儿似的?这会子又说嘴了。那环儿小子更没出息,求人替做了,就变着方法儿打点人。这么点子孩子就闹鬼闹神的,也不害臊,赶大了还不知是个什么东西呢!”说的满屋子人都笑了。 贾母又问道:“兰小子呢,做上来了没有?这该环儿替他了,他又比他小了。是不是?”宝玉笑道:“他倒没有,却是自己对的。”贾母道:“我不信,不然就也是你闹了鬼了。如今你还了得,羊群里跑出骆驼来了——就只你大,你又会做文章了。”宝玉笑道:“实在是他作的,师父还夸他明儿一定有大出息呢。老太太不信,就打发人叫了他来,亲自试试,老太太就知道了。”贾母道:“果然这么着,我才喜欢。我不过怕你撒谎。既是他做的,这孩子明儿大概还有一点儿出息。”因看着李纨,又想起贾珠来,又说:“这也不枉你大哥哥死了,你大嫂子拉扯他一场。日后也替你大哥哥顶门壮户。”说到这里,不禁泪下。 李纨听了这话,却也动心,只是贾母已经伤心,自己连忙忍住泪,笑劝道:“这是老祖宗的馀德,我们托着老祖宗的福罢咧。只要他应的了老祖宗的话,就是我们的造化了。老祖宗看着也喜欢,怎么倒伤起心来呢?”因又回头向宝玉道:“宝叔叔明儿别这么夸他,他多大孩子,知道什么?你不过是爱惜他的意思,他那里懂得?一来二去,眼大心肥,那里还能够有长进呢?”贾母道:“你嫂子这也说的是。就只他还太小呢,也别逼紧了他。小孩子胆儿小,一时逼急了,弄出点子毛病来,书倒念不成,把你的工夫都白糟蹋了。”贾母说到这里,李纨却忍不住扑簌簌掉下泪来,连忙擦了。 只见贾环、贾兰也都进来给贾母请了安。贾兰又见过他母亲,然后过来,在贾母旁边侍立。贾母道:“我刚才听见你叔叔说你对的好对子,师父夸你来着。”贾兰也不言语,只管抿着嘴儿笑。鸳鸯过来说道:“请示老太太,晚饭伺候下了。”贾母道:“请你姨太太去罢。”琥珀接着便叫人去王夫人那边请薛姨妈。这里宝玉、贾环退出。素云和小丫头们过来把双陆收起。李纨尚等着伺候贾母的晚饭,贾兰便跟着他母亲站着。贾母道:“你们娘儿两个跟着我吃罢。”李纨答应了。一时,摆上饭来。丫鬟回来禀道:“太太叫回老太太:姨太太这几天浮来暂去,不能过来回老太太,今日饭后家去了。”于是贾母叫贾兰在身旁边坐下,大家吃饭,不必细言。 却说贾母刚吃完了饭,盥漱了,歪在床上说闲话儿。只见小丫头子告诉琥珀,琥珀过来回贾母道:“东府大爷请晚安来了。”贾母道:“你们告诉他:如今他办理家务乏乏的,叫他歇着去罢。我知道了。”小丫头告诉老婆子们,老婆子才告诉贾珍,贾珍然后退出。 到了次日,贾珍过来料理诸事,门上小厮陆续回了几件事。又一个小厮回道:“庄头送果子来了。”贾珍道:“单子呢?”那小厮连忙呈上。贾珍看时,上面写着不过是时鲜果品,还夹带菜蔬、野味若干在内。贾珍看完,问:“向来经管的是谁?”门上的回道:“是周瑞。”便叫周瑞:“照账点清,送往里头交代。等我把来账抄下一个底子,留着好对。”又叫:“告诉厨房,把下菜中添几宗,给送果子的来人,照常赏饭给钱。” 周瑞答应了,一面叫人搬至凤姐儿院子里去,又把庄上的账和果子交代明白。出去了一会儿,又进来回贾珍道:“才刚来的果子,大爷曾点过数目没有?”贾珍道:“我那里有工夫点这个呢?给了你账,你照账点就是了。”周瑞道:“小的曾点过,也没有少,也不能多出来。大爷既留下底子,再叫送果子来的人,问问他这账是真的假的。”贾珍道:“这是怎么说?不过是几个果子罢咧,有什么要紧?我又没有疑你。” 说着,只见鲍二走来磕了一个头,说道:“求大爷原旧放小的在外头伺候罢。”贾珍道:“你们这又是怎么着?”鲍二道:“奴才在这里又说不上话来。”贾珍道:“谁叫你说话?”鲍二道:“何苦来在这里做眼睛珠儿?”周瑞接口道:“奴才在这里经管地租庄子银钱出入,每年也有三五十万来往,老爷、太太、奶奶们从没有说过话的,何况这些零星东西?若照鲍二说起来,爷们家里的田地、房产都被奴才们弄完了。”贾珍想道:“必是鲍二在这里拌嘴,不如叫他出去。”因向鲍二说道:“快滚罢。”又告诉周瑞说:“你也不用说了,你干你的事罢。”二人各自散了。 贾珍正在书房里歇着,听见门上闹的翻江搅海。叫人去查问,回来说道:“鲍二和周瑞的干儿子打架。”贾珍道:“周瑞的干儿子是谁?”门上的回道:“他叫何三,本来是个没味儿的,天天在家里吃酒闹事,常来门上坐着。听见鲍二和周瑞拌嘴,他就插在里头。”贾珍道:“这却可恶!把鲍二和那个什么何三给我一块儿捆起来。周瑞呢?”门上的回道:“打架时,他先走了。”贾珍道:“给我拿了来。这还了得了!”众人答应了。正嚷着,贾琏也回来了,贾珍便告诉了一遍。贾琏道:“这还了得!”又添了人去拿周瑞。周瑞知道躲不过,也找到了。贾珍便叫:“都捆上。”贾琏便向周瑞道:“你们前头的话也不要紧,大爷说开了,很是了,为什么外头又打架?你们打架已经使不得,又弄个野杂种什么何三来闹。你不压伏压伏他们,倒竟走了。”就把周瑞踢了几脚。贾珍道:“单打周瑞不中用。”喝命人把鲍二和何三各人打了五十鞭子,撵了出去,方和贾琏两个商量正事。 下人背地里便生出许多议论来:也有说贾珍护短的;也有说不会调停的;也有说他本不是好人:“前儿尤家姐妹弄出许多丑事来,那鲍二不是他调停着二爷叫了来的吗?这会子又嫌鲍二不济事,必是鲍二的女人伏侍不到了。”人多嘴杂,纷纷不一。 却说贾政自从在工部掌印,家人中尽有发财的。那贾芸听见了,也要插手弄一点事儿,便在外头说了几个工头,讲了成数,便买了些时新绣货,要走凤姐儿的门子。 凤姐正在屋里,听见丫头们说:“大爷、二爷都生了气,在外头打人呢。”凤姐听了,不知何故。正要叫人去问问,只见贾琏已进来了,把外面的事告诉了一遍。凤姐道:“事情虽不要紧,但这风俗儿断不可长。此刻还算咱们家里正旺的时候儿,他们就敢打架;以后小辈儿们当了家,他们越发难制伏了。前年我在东府里,亲眼见过焦大吃的烂醉,躺在台阶子底下骂人,不管上上下下,一混汤子的混骂。他虽是有过功的人,到底主子奴才的名分,也要存点体统儿才好。珍大奶奶不是我说,是个老实头,个个人都叫他养得无法无天的。如今又弄出一个什么鲍二。我还听见是你和珍大爷得用的人,为什么今儿又打他呢?”贾琏听了这话刺心,便觉讪讪的,拿话来支开,借有事,说着就走了。 小红进来回道:“芸二爷在外头要见奶奶。”凤姐一想:“他又来做什么?”便道:“叫他进来罢。”小红出来,瞅着贾芸微微一笑。贾芸赶忙凑近一步,问道:“姑娘替我回了没有?”小红红了脸,说道:“我就是见二爷的事多。”贾芸道:“何曾有多少事能到里头来劳动姑娘呢?就是那一年姑娘在宝二叔房里,我才和姑娘……”小红怕人撞见,不等说完,连忙问道:“那年我换给二爷的一块绢子,二爷见了没有?”那贾芸听了这句话,喜的心花俱开,才要说话,只见一个小丫头从里面出来,贾芸连忙同着小红往里走。两个人一左一右,相离不远,贾芸悄悄的道:“回来我出来,还是你送出我来,我告诉你,还有笑话儿呢。”小红听了,把脸飞红,瞅了贾芸一眼,也不答言。和他到了凤姐门口,自己先进去回了。然后出来,掀起帘子点手儿,口中却故意说道:“奶奶请芸二爷进来呢。” 贾芸笑了一笑,跟着他走进房来,见了凤姐儿,请了安,并说:“母亲叫问好。”凤姐也问了他母亲好。凤姐道:“你来有什么事?”贾芸道:“侄儿从前承婶娘疼爱,心上时刻想着,总过意不去,欲要孝敬婶娘,又怕婶娘多想。如今重阳时候,略备了一点儿东西。婶娘这里那一件没有呢?不过是侄儿一点孝心。只怕婶娘不赏脸。”凤姐儿笑道:“有话坐下说。”贾芸才侧身坐了,连忙将东西捧着,搁在旁边桌上。 凤姐又道:“你不是什么有馀的人,何苦又去花钱?我又不等着使。你今儿来意,是怎么个想头儿,你倒是实说。”贾芸道:“并没有别的想头儿,不过感念婶娘的恩惠,过意不去罢咧。”说着,微微的笑了。凤姐道:“不是这么说。你手里窄,我很知道,我何苦白白儿使你的?你要我收下这个东西,须先和我说明白了;要是这么含着骨头露着肉的,我倒不收。” 贾芸没法儿,只得站起来,陪着笑儿说道:“并不是有什么妄想。前几日听见老爷总办陵工,侄儿有几个朋友办过好些工程,极妥当的,要求婶娘在老爷跟前提一提。办得一两种,侄儿再忘不了婶娘的恩典。若是家里用得着侄儿,也能给婶娘出力。” 凤姐道:“若是别的,我却可以作主。至于衙门里的事,上头呢,都是堂官、司员定的;底下呢,都是那些书办、衙役们办的。别人只怕插不上手。连自己的家人,也不过跟着老爷伏侍伏侍;就是你二叔去,亦只是为的是各自家里的事,他也并不能搀越公事。论家事,这里是踩一头儿,撬一头儿的,连珍大爷还弹压不住。你的年纪儿又轻,辈数儿又小,那里缠的清这些人呢?况且衙门里头的事,差不多儿也要完了,不过吃饭瞎跑。你在家里什么事作不得,难道没了这碗饭吃不成?我这是实在话,你自己回去想想就知道了。你的情意,我已经领了。把东西快拿回去,是那里弄来的,仍旧给人家送了去罢。” 正说着,只见奶妈子一大起,带了巧姐儿进来。那巧姐儿身上穿得锦团花簇,手里拿着好些玩意儿,笑嘻嘻走到凤姐身边学舌。贾芸一见,便站起来,笑盈盈的赶着说道:“这就是大妹妹么?你要什么好东西不要?”那巧姐儿便哑的一声哭了。贾芸连忙退下。凤姐道:“乖乖不怕。”连忙将巧姐揽在怀里,道:“这是你芸大哥哥,怎么认起生来了?”贾芸道:“妹妹生得好相貌,将来又是个有大造化的。”那巧姐儿回头把贾芸一瞧,又哭起来,叠连几次。 贾芸看这光景坐不住,便起身告辞要走。凤姐道:“你把东西带了去罢。”贾芸道:“这一点子,婶娘还不赏脸?”凤姐道:“你不带去,我便叫人送到你家去。芸哥儿,你不要这么着,你又不是外人。我这里有机会,少不得打发人去叫你,没有事也没法儿,不在乎这些东东西西上的。”贾芸看见凤姐执意不受,只得红着脸道:“既这么着,我再找得用的东西来孝敬婶娘罢。”凤姐儿便叫小红:“拿了东西,跟着送出芸哥去。” 贾芸走着,一面心中想道:“人说二奶奶利害,果然利害:一点儿都不漏缝,真正斩钉截铁,怪不得没有后世。这巧姐儿更怪,见了我好像前世的冤家似的。真正晦气!白闹了这么一天。” 小红见贾芸没得彩头,也不高兴,拿着东西跟出来。贾芸接过来,打开包儿,拣了两件,悄悄的递给小红。小红不接,嘴里说道:“二爷别这么着,看奶奶知道了,大家倒不好看。”贾芸道:“你好生收着罢,怕什么,那里就知道了呢?你若不要,就是瞧不起我了。”小红微微一笑,才接过来,说道:“谁要你这些东西?算什么呢?”说了这句话,把脸又飞红了。贾芸也笑道:“我也不是为东西,况且那东西也算不了什么。” 说着话儿,两个已走到二门口。贾芸把下剩的仍旧揣在怀内。小红催着贾芸道:“你先去罢。有什么事情,只管来找我。我如今在这院里了,又不隔手。”贾芸点点头儿,说道:“二奶奶太利害,我可惜不能常来。刚才我说的话,你横竖心里明白,得了空儿再告诉你罢。”小红满脸羞红,说道:“你去罢,明儿也常来走走。谁叫你和他生疏呢?”贾芸道:“知道了。”贾芸说着,出了院门。这里小红站在门口,怔怔的看他去远了,才回来了。 却说凤姐在屋里吩咐预备晚饭,因又问道:“你们熬了粥了没有?”丫鬟们连忙去问,回来回道:“预备了。”凤姐道:“你们把那南边来的糟东西弄一两碟来罢。”秋桐答应了,叫丫头们伺候。 平儿走来笑道:“我倒忘了:今儿晌午,奶奶在上头老太太那边的时候,水月庵的师父打发人来,要向奶奶讨两瓶南小菜,还要支用几个月的月钱,说是身上不受用。我问那道婆来着:‘师父怎么不受用?’他说:‘四五天了。前儿夜里,因那些小沙弥、小道士里头有几个女孩子睡觉没有吹灯,他说了几次不听。那一夜看见他们三更以后灯还点着呢,他便叫他们吹灯,个个都睡着了,没有人答应,只得自己亲自起来给他们吹灭了。回到炕上,只见有两个人:一男一女,坐在炕上。他赶着问是谁,那里把一根绳子往他脖子上一套,他便叫起人来。众人听见,点上灯火,一齐赶来,已经躺在地下,满口吐白沫子。幸亏救醒了。此时还不能吃东西,所以叫来寻些小菜儿的。’我因奶奶不在屋里,不便给他。我说:‘奶奶此时没有空儿,在上头呢,回来告诉。’便打发他回去了。才刚听见说起南菜,方想起来了,不然就忘了。” 凤姐听了,呆了一呆,说道:“南菜不是还有呢?叫人送些去就是了。那银子,过一天叫芹哥来领就是了。”又见小红进来回道:“才刚二爷差人来,说是今晚城外有事,不能回来,先通知一声。”凤姐道:“是了。” 说着,只听见小丫头从后面喘吁吁的嚷着,直跑到院子里来。外面平儿接着,还有几个丫头们,咕咕唧唧的说话。凤姐道:“你们说什么呢?”平儿道:“小丫头子有些胆怯,说鬼话。”凤姐说:“那一个?”小丫头进来。问道:“什么鬼话?”那丫头道:“我才刚到后边去叫打杂儿的添煤,只听得三间空屋子里哗喇哗喇的响,我还道是猫儿、耗子。又听得‘嗳’的一声,像个人出气儿的似的。我害怕,就跑回来了。”凤姐骂道:“胡说!我这里断不兴说神说鬼,我从来不信这些个话,快滚出去罢。”那小丫头出去了。 凤姐便叫彩明将一天零碎日用账对过一遍。时已将近二更,大家又歇了一会,略说些闲话,遂叫各人安歇去罢。凤姐也睡下了。 将近三更,凤姐似睡不睡,觉得身上寒毛一乍,自己惊醒了,越躺着越发起渗来,因叫平儿、秋桐过来作伴。二人也不解何意。那秋桐本来不顺凤姐,后来贾琏因尤二姐之事,不大爱惜他了,凤姐又笼络他,如今倒也安静,只是心里比平儿差多了,外面情儿。今见凤姐不受用,只得端上茶来。凤姐喝了一口道:“难为你。睡去罢,只留平儿在这里就够了。”秋桐却要献勤儿,因说道:“奶奶睡不着,倒是我们两个轮流坐坐也使得。”凤姐一面说,一面睡着了。平儿、秋桐看见凤姐已睡,只听得远远的鸡声叫了,二人方都穿着衣裳略躺了一躺,就天亮了,连忙起来伏侍凤姐梳洗。 凤姐因夜中之事,心神恍惚不宁,只是一味要强,仍然扎挣起来。正坐着纳闷,忽听个小丫头子在院里问道:“平姑娘在屋里么?”平儿答应了一声。那小丫头掀起帘子进来,却是王夫人打发过来来找贾琏,说:“外头有人回要紧的官事,老爷才出了门,太太叫快请二爷过去呢。”凤姐听见,唬了一跳。 未知何事,下回分解。 博庭欢──指博取贾母的喜欢。 庭:“庭闱”的省略。原指父母的居室,引申以代指父母。这里又引申以指祖母。 暗九——“九”为数的极限。《素问》:“天地之至数,始于一,终于九焉。”旧俗迷信,以为“九”为不吉利的数字。凡为“九”的倍数,均谓之“暗九”,而八十一为九九相乘之数,暗藏九个“九”,故以为最不吉利,因而以施舍经书祈福免祸。 “但是俗说”二句──《金刚经》又名《金刚般若波罗密经》、《能断金刚般若波罗密多经》。《心经》又名《般若波罗密多心经》、《摩诃般若波罗密大明咒经》等。两书都是从《大般若经》中抽取出来的,由于《心经》较之《金刚经》更为重要,故将《金刚经》比作“符壳”(符箓的图形),而将《心经》比作“符胆”(符箓的精义)。 观自在——观世音菩萨的别名。相传其满怀慈悲之心,且不必受难者求救,自己即能观机往救,不论远近,故称。 念米佛——念佛时以米记数,念一声佛,数一粒米。据说人吃了这种米,可以消灾免祸。 龙女──据《法华经·提婆达多品》载:娑竭罗龙王之女,年八岁即虔诚信佛,虽为女身,不能出家为僧,仍百折不挠,终于变成了男子,立地成佛。这里戏喻鸳鸯只要虔心修炼,也可由女变男,立地成佛。 一子儿藏香── 一子儿:一束。 藏香:西藏所产的一种线香,原料为檀香、芸香、艾等,颜色分黑、黄两种,多用于敬佛。 双陆——古代博戏之一。其玩法略近于当今之跳棋:双方各有棒槌形马子十六(一说十五)枚,布于特制盘中,而以掷骰的点数为所走步数,先入宫者为胜。明·谢肇淛《五杂俎·人部二》:“双陆,一名握槊……曰双陆者,子随骰行,若得双陆,则无不胜也。又名长行,又名波罗塞戏。其法以先归宫为胜;亦有任人打子(吃子),布满他宫,使其无所归者,谓之‘无梁’,不成则反负矣。胜负全在骰子,而行止之间,贵善用之。其制有北双陆、广州双陆、南番、东夷之异。《事始》以为陈思王(曹植)制,不知何据。”一说传自印度,也不知何据。 顶门壮户──顶门:本义为用木棒从里将门顶住。引申为撑持门户。 壮户:光耀门第。 语或本“枨门柱户”,出自汉·王褒《僮约》(见《初学记》卷一九、《古文苑》卷一七、《太平御览》卷五九八):“犬吠当起,惊告邻里,枨门柱户,上楼击鼓,荷盾曳矛,还落三周。”(枨门、柱户:同义词。用木棒从里顶住门。枨:古代门两旁竖的木柱。这里用作动词。柱:木柱。这里用作动词。)又见《艺文类聚》卷三五,文略异:“犬吠当起,惊告邻里,抢门柱户,上楼击柝,持盾曳矛,环落三周。”(抢:通“撑”。) 意谓撑持门户,光耀门第。 |
Achtundachtzigstes Kapitel Schatzjade[1] erfreut die Großmutter und lobt den Waisenknaben, Herrlichkeit Kaufmann[2] stellt die Hausordnung her und lässt den frechen Diener peitschen Wie berichtet, studierte Bedauerfrühling[3] gerade ein Go-Lehrbuch, als im Hof jemand nach Caiping rief — es war niemand anders als Mandarinenente[4]. Caiping ging hinaus und kam mit Mandarinenente herein. Diese hatte ein kleines Mädchen bei sich, das ein gelbes Seidenpäckchen trug. Bedauerfrühling fragte lachend: „Was gibt es?" Mandarinenente erklärte: „Die Alte Ahnin wird nächstes Jahr einundachtzig — eine ‚verborgene Neun'. Sie hat gelobt, eine neun Tage und neun Nächte dauernde Andacht abzuhalten und dreitausendsechshunderteinundfünfzig Abschriften des Diamant-Sutra[5] schreiben zu lassen. Diese werden bereits draußen abgeschrieben. Doch man sagt, das Diamant-Sutra sei wie die äußere Hülle eines daoistischen Talismans, und das Herz-Sutra[6] sei erst der eigentliche Kern. Darum muss in jedes Diamant-Sutra ein Herz-Sutra eingelegt werden — das bringt noch mehr Verdienst. Da die Alte Ahnin das Herz-Sutra für besonders wichtig hält und Guanyin zudem eine weibliche Bodhisattva ist, möchte sie, dass die weiblichen Verwandten und Fräulein des Hauses dreihundertfünfundsechzig Abschriften schreiben — das ist zugleich frommer und sauberer. Außer der Zweiten Herrin — erstens hat sie als Haushälterin keine Zeit, zweitens kann sie auch nicht so gut schreiben — soll jede, die schreiben kann, nach Vermögen beitragen: die Erste Herrin Zhen vom Osthaus, die Nebenfrauen, und natürlich erst recht alle hier im Haus." Bedauerfrühling nickte: „Anderes kann ich nicht, aber Sutras abschreiben — dafür brenne ich! Leg es hin und trink Tee." Mandarinenente legte das Päckchen auf den Tisch und setzte sich zu Bedauerfrühling. Caiping brachte Tee. Bedauerfrühling fragte lachend: „Schreibst du auch?" Mandarinenente sagte: „Das Fräulein scherzt! In den letzten drei, vier Jahren — hat das Fräulein mich jemals einen Pinsel in die Hand nehmen sehen?" Bedauerfrühling sagte: „Es wäre ein großes Verdienst." Mandarinenente erwiderte: „Ich habe allerdings etwas anderes: Seit ich die Alte Ahnin zur Nachtruhe gebettet habe, spreche ich jedes Mal meine Reisgebete — schon seit über drei Jahren. Den Reis hebe ich sorgfältig auf, und wenn die Alte Ahnin ihre Andacht hält, will ich ihn als Opfergabe für den Buddha beifügen — das ist mein aufrichtiger Beitrag." Bedauerfrühling sagte: „So gesehen ist die Alte Ahnin die Guanyin, und du bist das Drachenmädchen." Mandarinenente sagte: „So weit reiche ich nicht! Nur weiß ich: Außer der Alten Ahnin könnte ich niemandem dienen — was für ein Schicksal aus einem früheren Leben mich an sie bindet, weiß ich nicht." Sie wollte gehen und ließ das kleine Mädchen das Seidenpäckchen öffnen: „Dieser Stapel reines Papier ist zum Abschreiben des Herz-Sutra." Dann hielt sie ein Bündel tibetischen Weihrauch hoch: „Den soll man beim Schreiben anzünden." Bedauerfrühling nahm alles an. Mandarinenente verabschiedete sich und ging mit dem kleinen Mädchen zur Herzoginmutters Gemächern zurück, wo sie Bericht erstattete. Die Herzoginmutter spielte gerade mit Seidenweiß Pflaume[7] Backgammon. Mandarinenente schaute von der Seite zu. Seidenweiß Pflaume hatte Glück mit dem Würfel und schlug der Großmutter gleich mehrere Steine herunter. Mandarinenente musste lachen und hielt sich den Mund zu. Da kam Schatzjade herein, in jeder Hand einen kleinen Käfig aus feinem Bambus, in denen einige Grashüpfer saßen. Er sagte: „Ich habe gehört, die Großmutter schläft nachts schlecht — da bringe ich ihr diese zur Unterhaltung." die Herzoginmutter lachte: „Nur weil dein Vater nicht zu Hause ist, erlaubst du dir solche Streiche!" Schatzjade lachte: „Ich habe doch gar keine Streiche gemacht!" die Herzoginmutter fragte: „Wenn du keine Streiche machst, warum bist du dann nicht in der Schule beim Lesen, sondern bringst solches Zeug?" Schatzjade erklärte: „Die habe ich nicht selbst gefangen! Neulich hat der Lehrer Huan und Lan Gegenpaare bilden lassen. Huan konnte es nicht, und ich habe ihm heimlich eingeflüstert. Als er die Antwort vortrug, lobte der Lehrer ihn. Aus Dankbarkeit hat er mir diese Grashüpfer gekauft, und ich bringe sie der Großmutter." die Herzoginmutter sagte: „Lernt er denn nicht jeden Tag? Warum kann er kein Gegenpaar finden? Wenn nicht, soll der Großonkel Ru ihm auf den Mund schlagen — ob ihm das nicht peinlich wäre! Du hast es auch nicht leicht gehabt — erinnerst du dich, wie du dich gefürchtet hast wie ein Gespenst, wenn dein Vater dich Gedichte und Lieder aufsagen ließ? Und jetzt sprichst du große Worte! Dieser Huan ist noch unfähiger — lässt sich die Arbeit von anderen machen und besticht sie dann dafür. So ein kleiner Junge treibt schon solche Ränke und schämt sich nicht — wer weiß, was aus dem noch wird!" Das ganze Zimmer lachte. Die Herzoginmutter fragte weiter: „Und der kleine Lan? Hat er seine Aufgabe geschafft? Jetzt hätte Huan ihm helfen müssen — Lan ist ja jünger. Nicht wahr?" Schatzjade lachte: „Er hat keine Hilfe gebraucht — er hat es selbst gemacht." die Herzoginmutter sagte: „Das glaube ich nicht — wenn, dann hast du auch da nachgeholfen. Du bist mir einer! Aus der Hammelherde ragt ein Kamel hervor — du bist der Größte und schreibst nun auch schon Aufsätze!" Schatzjade lachte: „Er hat es wirklich selbst gemacht! Der Lehrer hat ihn sogar gelobt und gesagt, aus dem werde einmal etwas Großes. Wenn die Großmutter mir nicht glaubt, lass ihn doch herkommen und prüfe ihn selbst." die Herzoginmutter sagte: „Wenn das stimmt, freue ich mich wirklich. Ich fürchte nur, dass du schummelst. Wenn er es wirklich selbst geschrieben hat, kann aus dem Jungen etwas werden." Dabei blickte sie Seidenweiß Pflaume an und dachte an Herrlichkeit Kaufmann. Sie fuhr fort: „Dann ist dein älterer Bruder nicht umsonst gestorben, und deine ältere Schwägerin hat ihn nicht umsonst großgezogen. Eines Tages wird er das Haus seines Vaters stützen und ehren." Dabei konnte sie die Tränen nicht zurückhalten. Seidenweiß Pflaume war von diesen Worten tief gerührt, doch da die Großmutter schon traurig war, hielt sie sich zurück und tröstete lächelnd: „Das ist alles der gesammelte Segen der Alten Ahnin. Wir stehen unter ihrem Schutz. Wenn der Junge den Erwartungen der Alten Ahnin gerecht wird, ist das unser Glück. Warum trauert die Alte Ahnin, statt sich zu freuen?" Dann wandte sie sich an Schatzjade: „Onkel Bao, lob ihn morgen nicht so überschwänglich. Er ist noch ein kleines Kind — was weiß er schon? Du meinst es nur gut, aber er versteht das nicht. Mit der Zeit wird er übermütig, und dann kann er keine Fortschritte mehr machen." die Herzoginmutter nickte: „Deine Schwägerin hat recht. Er ist noch so klein — treib ihn nicht zu hart an. Kleine Kinder sind scheu; wenn man sie zu sehr bedrängt, werden sie noch krank, und dann war all deine Mühe umsonst." Bei diesen Worten konnte Seidenweiß Pflaume ihre Tränen nicht mehr halten und wischte sie eilig weg. Da kamen Unheil Kaufmann[8] und Orchidee Kaufmann herein, um die Großmutter zu begrüßen. Orchidee Kaufmann grüßte auch seine Mutter und stellte sich neben die Herzoginmutter. Die Großmutter sagte: „Ich habe gerade von deinem Onkel gehört, dass du ein gutes Gegenpaar gemacht hast und der Lehrer dich gelobt hat." Orchidee Kaufmann sagte nichts und lächelte nur verschämt. Mandarinenente kam und meldete: „Das Abendessen ist angerichtet." die Herzoginmutter sagte: „Holt die Tante." Hupo schickte sogleich jemanden zu Wang Furen, um Tante Schnee[9] zu bitten. Schatzjade und Unheil Kaufmann zogen sich zurück. Suyun und die kleinen Mädchen räumten das Backgammonbrett weg. Seidenweiß Pflaume wartete, um der Großmutter beim Essen aufzuwarten; Orchidee Kaufmann stand neben seiner Mutter. Die Herzoginmutter sagte: „Ihr beiden esst mit mir." Seidenweiß Pflaume sagte zu. Man trug auf. Ein Mädchen kam zurück und meldete: „Die Gnädige Frau lässt der Alten Ahnin ausrichten: Die Tante kommt und geht in letzter Zeit und konnte sich nicht melden; heute ist sie nach dem Essen nach Hause gefahren." die Herzoginmutter ließ Orchidee Kaufmann neben sich Platz nehmen, und alle aßen gemeinsam. Als die Herzoginmutter gerade mit dem Essen fertig war und, den Mund gespült, auf dem Bett lag und plauderte, kam ein kleines Mädchen und flüsterte Hupo etwas zu. Hupo meldete: „Der Erste Herr aus dem Osthaus lässt einen guten Abend wünschen." die Herzoginmutter sagte: „Sagt ihm: Er ist von der Hausverwaltung erschöpft; er soll sich ausruhen. Ich weiß Bescheid." Über die Mädchen und Dienerinnen wurde Herrlichkeit Kaufmann informiert, und er zog sich zurück. Am nächsten Tag ging Herrlichkeit Kaufmann hinüber, um verschiedene Angelegenheiten zu regeln. Die Pförtnerdiener meldeten nacheinander einige Dinge. Einer meldete: „Der Gutsverwalter hat Obst gebracht." Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Wo ist die Liste?" Der Diener reichte sie eilig herein. Es waren Saisonfrüchte, dazu einiges Gemüse und Wild. Herrlichkeit Kaufmann las die Liste und fragte: „Wer verwaltet das normalerweise?" Man antwortete: „Zhou Rui." Herrlichkeit Kaufmann rief Zhou Rui: „Zähl alles nach der Liste durch und lass es nach drinnen bringen. Ich mache eine Kopie der Lieferliste für den Abgleich." Dann befahl er: „Sag der Küche, sie soll den Speiseplan um einige Posten ergänzen und dem Gutsverwalter wie üblich eine Mahlzeit und Geld geben." Zhou Rui sagte zu. Während man die Lieferung in Phönixglanz[10]s Hof brachte und die Bücher mit dem Obst ordnungsgemäß übergab, ging Zhou Rui hinaus und kam bald zurück zu Herrlichkeit Kaufmann: „Das vorhin gelieferte Obst — hat der Erste Herr die Menge überprüft?" Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Wann hätte ich Zeit, das zu zählen? Ich habe dir die Liste gegeben — zähl du nach." Zhou Rui sagte: „Ich habe nachgezählt: es fehlt nichts, aber es ist auch nichts übrig. Da der Erste Herr die Kopie behalten hat, sollte man den Boten fragen, ob die Liste stimmt." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Was soll das? Es sind doch nur ein paar Früchte — was gibt es da Wichtiges? Ich habe dich nicht verdächtigt." Da kam Bao Er herbeigelaufen, machte einen Kotau und sagte: „Bitte lasst mich wieder draußen arbeiten wie früher." Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Was ist denn schon wieder los bei euch?" Bao Er sagte: „Ich komme hier drinnen nicht zu Wort." Herrlichkeit Kaufmann: „Wer verlangt, dass du hier redest?" Bao Er: „Was soll ich hier als Aufpasser herumstehen?" Zhou Rui mischte sich ein: „Ich verwalte hier die Pacht, die Gutserträge und die Ein- und Ausgaben — jedes Jahr mehrere zehntausend Tael[11]. Weder der gnädige Herr noch die gnädigen Damen haben je etwas beanstandet, geschweige denn solche Kleinigkeiten. Wenn man Bao Er glaubt, hätten wir Diener den ganzen Grundbesitz veruntreut." Herrlichkeit Kaufmann überlegte: „Bao Er muss sich hier gestritten haben — am besten schicke ich ihn weg." Er sagte zu Bao Er: „Verschwinde!" Und zu Zhou Rui: „Du brauchst auch nichts weiter zu sagen — mach deine Arbeit." Beide gingen. Herrlichkeit Kaufmann ruhte sich gerade im Arbeitszimmer aus, als draußen am Tor ein Tumult losbrach. Er schickte jemanden nachsehen; der Bote kam zurück: „Bao Er prügelt sich mit Zhou Ruis Adoptivsohn." Herrlichkeit Kaufmann fragte: „Wer ist Zhou Ruis Adoptivsohn?" Der Pförtner antwortete: „Er heißt He San, ein nichtsnutziger Kerl, der zu Hause jeden Tag trinkt und Streit sucht. Er lungert ständig am Tor herum. Als er den Zank zwischen Bao Er und Zhou Rui hörte, mischte er sich ein." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Das ist unerhört! Bindet Bao Er und diesen He San zusammen fest! Und Zhou Rui?" Der Pförtner: „Der war schon weg, als die Prügelei anfing." Herrlichkeit Kaufmann befahl: „Holt ihn her! So weit kommt es noch!" Alle liefen los. Gerade kam auch Kette Kaufmann[12] zurück. Herrlichkeit Kaufmann erzählte ihm alles. Kette Kaufmann rief: „Unerhört!" Man schickte noch mehr Leute, Zhou Rui zu holen. Der wusste, dass er nicht entkommen konnte, und kam. Herrlichkeit Kaufmann befahl: „Alle fesseln!" Kette Kaufmann sprach zu Zhou Rui: „Euer vorheriger Streit wäre nicht so schlimm gewesen — der Erste Herr hatte es beigelegt. Warum dann draußen noch eine Schlägerei? Die Schlägerei allein wäre schon unerhört genug, aber ihr bringt auch noch einen streunenden Bastard namens He San ins Spiel! Und statt sie in Schach zu halten, bist du einfach verschwunden." Er trat Zhou Rui ein paar Mal. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Zhou Rui allein zu bestrafen genügt nicht!" Er befahl, Bao Er und He San je fünfzig Peitschenhiebe zu geben und hinauszuwerfen. Danach besprach er mit Kette Kaufmann die eigentlichen Geschäfte. Die Dienerschaft tuschelte hinter vorgehaltener Hand: Manche sagten, Herrlichkeit Kaufmann decke seine Günstlinge; andere meinten, er könne nicht vermitteln; wieder andere nannten ihn selbst keinen guten Charakter: „Erinnert euch an die hässliche Affäre mit den Schwestern You — war es nicht Herrlichkeit Kaufmann, der Bao Er dem Zweiten Herrn als Diener zuschob? Jetzt findet er Bao Er nicht mehr brauchbar — bestimmt hat sich Bao Ers Frau nicht genug um ihn gekümmert." Viele Mäuler, viele Meinungen. Was Aufrecht Kaufmann[13] betrifft: Seit er im Ministerium für Öffentliche Arbeiten das Siegel führte, hatten einige seiner Diener ordentlich verdient. Efeu Kaufmann hörte davon und wollte auch etwas abbekommen. Er sprach draußen mit einigen Baumeistern, vereinbarte Provisionen und kaufte modische Stickereigeschenke, um sich bei Phönixglanz einzuschmeicheln. Phönixglanz war in ihrem Zimmer, als Mädchen meldeten: „Der Erste und der Zweite Herr sind wütend und lassen draußen Leute verprügeln." Phönixglanz fragte sich, was los war. Gerade wollte sie jemanden schicken, als Kette Kaufmann hereinkam und alles erzählte. Phönixglanz sagte: „Die Sache selbst ist nicht so schwerwiegend, aber solche Sitten dürfen nicht einreißen. Im Moment sind wir noch auf dem Höhepunkt unseres Wohlstands, und die Diener wagen es schon, sich zu prügeln; wenn später die jüngere Generation das Sagen hat, werden sie völlig außer Kontrolle geraten. Vor zwei Jahren habe ich im Osthaus mit eigenen Augen gesehen, wie Jiao Da sich volllaufen ließ, unter der Treppe lag und alle beschimpfte — ohne Rücksicht auf Rang und Stand, alles in einen Topf werfend. Er mag Verdienste haben, aber zwischen Herr und Diener sollte ein Mindestmaß an Anstand herrschen. Die Erste Herrin Zhen — ich sage es ungern — ist zu gutmütig; sie hat jeden so verwöhnt, dass keiner mehr zu bändigen ist. Und jetzt dieser Bao Er. Ich habe gehört, er war euer und des Ersten Herrn Vertrauensmann — warum wird er dann heute geschlagen?" Bei diesen Worten spürte Kette Kaufmann den Stich, wurde verlegen und versuchte abzulenken. Er murmelte etwas von Geschäften und ging. Xiaohong kam herein und meldete: „Der Zweite Herr Yun möchte die Herrin sprechen." Phönixglanz überlegte: „Was will der schon wieder?" Dann sagte sie: „Lass ihn herein." Xiaohong ging hinaus und blickte Efeu Kaufmann mit einem leichten Lächeln an. Efeu Kaufmann trat eilig einen Schritt näher und fragte: „Fräulein, habt Ihr mich angekündigt?" Xiaohong errötete: „Ich sehe nur, dass der Zweite Herr viel zu tun hat." Efeu Kaufmann: „Wann hatte ich je so viel zu tun, dass ich das Fräulein im Inneren bemühen müsste? Damals, als das Fräulein im Zimmer des Zweiten Onkels Bao war, da habe ich Euch …" Xiaohong fürchtete, jemand könnte sie sehen, und unterbrach: „Das Seidentuch, das ich Euch damals getauscht habe — habt Ihr es gesehen?" Efeu Kaufmann hätte diesen Satz nicht glücklicher hören können; er wollte gerade antworten, als ein kleines Mädchen von drinnen herauskam. Efeu Kaufmann ging hastig neben Xiaohong hinein. Seite an Seite, in geringem Abstand, flüsterte er: „Wenn ich wieder herauskomme — bringst du mich hinaus, und ich erzähle dir etwas Lustiges." Xiaohong wurde knallrot, warf ihm einen Blick zu, antwortete aber nicht. Am Eingang zu Phönixglanzs Gemächern ging sie allein hinein und meldete sich. Dann kam sie heraus, hob den Vorhang, winkte mit der Hand und sagte absichtlich laut: „Die Herrin bittet den Zweiten Herrn Yun herein!" Efeu Kaufmann lächelte, folgte ihr ins Zimmer, begrüßte Phönixglanz und sagte: „Meine Mutter lässt grüßen." Phönixglanz erwiderte den Gruß. „Was führt dich her?" Efeu Kaufmann erklärte: „Der Neffe hat die frühere Güte der Tante nie vergessen und denkt ständig daran. Er wollte ihr schon immer etwas schenken, fürchtete aber, die Tante könnte zu viel hineindeuten. Da jetzt das Doppelneunfest naht, habe ich eine Kleinigkeit mitgebracht. Die Tante hat natürlich alles — es ist nur mein bescheidener Ausdruck der Dankbarkeit. Wenn die Tante ihn nur nicht verschmäht." Phönixglanz lächelte: „Setz dich und sag, was du zu sagen hast." Efeu Kaufmann setzte sich seitlich und legte das Geschenk auf den Nebentisch. Phönixglanz sagte: „Du bist kein reicher Mensch — warum gibst du Geld aus? Ich brauche es nicht. Sag mir lieber, was du wirklich im Sinn hast — ehrlich." Efeu Kaufmann sagte: „Nichts weiter als Dankbarkeit gegenüber der Tante." Dabei lächelte er. Phönixglanz sagte: „So geht das nicht. Ich weiß, dass du knapp bei Kasse bist — warum sollte ich dir unnötig Geld abknöpfen? Wenn du willst, dass ich das Geschenk annehme, musst du mir vorher reinen Wein einschenken. Wenn du herumdruckst und halb hinterm Berg hältst, nehme ich es nicht an." Efeu Kaufmann konnte nicht anders, stand auf und erklärte verlegen lächelnd: „Es ist wirklich kein unverschämter Wunsch. Neulich hörte ich, der gnädige Herr leite den Bau der kaiserlichen Grabanlage. Ich habe ein paar Freunde, die schon etliche Bauprojekte durchgeführt haben — alles sehr zuverlässig. Wenn die Tante beim gnädigen Herrn ein gutes Wort einlegen könnte, damit man mir ein oder zwei Aufträge gibt, werde ich die Güte der Tante nie vergessen. Und wenn es Arbeit im Haus gibt, kann ich der Tante auch von Nutzen sein." Phönixglanz antwortete: „Bei anderen Dingen könnte ich schon ein Wort mitreden. Aber Behördenangelegenheiten — da wird oben alles von den Ministerialbeamten bestimmt, und unten machen es die Schreiber und Amtsboten. Da kann ein Außenstehender sich kaum einschalten. Selbst die eigenen Hausleute können nur den gnädigen Herrn begleiten; und dein Onkel geht auch nur wegen der eigenen Familienangelegenheiten hin — er kann keine offiziellen Aufträge vergeben. Was das Haus betrifft: Hier drückt man an einem Ende und hebt am anderen, und selbst der Erste Herr Zhen kann die Leute kaum im Zaum halten. Du bist zu jung und zu niedrig im Rang — wie willst du mit diesen Leuten fertig werden? Außerdem nähert sich die Arbeit im Ministerium ohnehin dem Ende — es ist mehr Leerlauf als Arbeit. Was kannst du zu Hause nicht alles tun — bist du ohne diesen Auftrag etwa am Verhungern? Das sage ich dir ehrlich — geh heim und denk darüber nach. Deinen guten Willen habe ich zur Kenntnis genommen. Aber nimm die Sachen wieder mit und gib sie dorthin zurück, wo du sie herbekommen hast." Gerade da kam die Amme mit einer Schar Mädchen und brachte Qiaojie herein. Das Mädchen war prächtig gekleidet und hatte allerlei Spielzeug in den Händen; lachend lief sie zu Phönixglanz und plapperte. Efeu Kaufmann stand auf und sagte mit strahlendem Lächeln: „Ist das die große Schwester? Willst du nicht ein schönes Spielzeug?" Qiaojie brach sofort in Geschrei aus. Efeu Kaufmann wich zurück. Phönixglanz tröstete: „Liebling, hab keine Angst" und nahm Qiaojie auf den Arm: „Das ist dein großer Bruder Yun — warum tust du so fremd?" Efeu Kaufmann sagte schmeichelnd: „Die kleine Schwester ist wunderschön — die wird einmal großes Glück haben." Qiaojie blickte sich nach Efeu Kaufmann um und fing wieder an zu weinen — mehrmals hintereinander. Efeu Kaufmann konnte nicht länger bleiben, stand auf und verabschiedete sich. Phönixglanz sagte: „Nimm die Sachen mit." Efeu Kaufmann bat: „Nicht einmal diese Kleinigkeit?" Phönixglanz antwortete: „Wenn du sie nicht mitnimmst, lasse ich sie zu dir nach Hause bringen. Yun, stell dich nicht so an — du bist doch kein Fremder. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, schicke ich nach dir. Aber ohne konkreten Anlass kann ich nichts tun — da helfen keine Geschenke." Efeu Kaufmann sah, dass Phönixglanz unnachgiebig war, und sagte errötend: „Dann bringe ich das nächste Mal etwas Brauchbares als Geschenk." Phönixglanz rief Xiaohong: „Nimm die Sachen und begleite den Herrn Yun hinaus." Efeu Kaufmann dachte im Gehen: „Die Leute sagen, die Zweite Herrin sei streng — und wirklich: Kein Spalt, keine Lücke, wie mit dem Meißel geschnitten. Kein Wunder, dass sie keinen Nachwuchs hat. Und diese Qiaojie — die benimmt sich, als wäre ich ihr Feind aus einem früheren Leben. Wirklich Pech! Der ganze Tag umsonst." Xiaohong sah, dass Efeu Kaufmann mit leeren Händen ging, und war ebenfalls enttäuscht. Sie trug die Sachen hinaus. Efeu Kaufmann nahm das Päckchen, öffnete es, wählte zwei Stücke aus und reichte sie heimlich Xiaohong. Xiaohong nahm sie nicht an: „Das geht nicht, Zweiter Herr — wenn die Herrin davon erfährt, stehen wir alle schlecht da." Efeu Kaufmann: „Bewahr sie gut auf — wovor hast du Angst? Wer sollte davon erfahren? Wenn du sie nicht willst, ist das, als hieltest du mich für minderwertig." Xiaohong lächelte leicht und nahm sie entgegen: „Wer braucht denn deine Sachen? Als ob die etwas wert wären!" Bei diesem Satz wurde sie wieder rot. Efeu Kaufmann lachte: „Mir geht es auch nicht um die Sachen — und die Sachen sind ohnehin nichts Besonderes." Plaudernd waren die beiden am zweiten Tor angelangt. Efeu Kaufmann steckte den Rest in seinen Ärmel. Xiaohong drängte: „Geh jetzt. Wenn du etwas brauchst, komm ruhig zu mir. Ich bin jetzt in diesem Hof — das ist kein Umweg." Efeu Kaufmann nickte: „Die Zweite Herrin ist zu streng — ich kann unmöglich oft kommen. Was ich vorhin sagen wollte, weißt du im Herzen. Wenn ich Gelegenheit habe, erzähle ich es dir." Xiaohong errötete: „Geh jetzt. Komm ruhig auch sonst mal vorbei. Du machst dich selbst zum Fremden." Efeu Kaufmann sagte: „Verstanden." Damit ging er durch das Hoftor. Xiaohong stand an der Tür und sah ihm nach, bis er verschwunden war, dann kehrte sie zurück. Phönixglanz ließ das Abendessen vorbereiten und fragte: „Habt ihr den Brei gekocht?" Die Mädchen fragten nach und meldeten: „Ja, er ist fertig." Phönixglanz sagte: „Macht ein, zwei Schüsseln von den eingelegten Südfrüchten zurecht." Qiutong sagte zu und wies die Mädchen an. Friedchen[14] kam lachend herein: „Ich hab es fast vergessen: Heute Mittag, als die Herrin oben bei der Alten Ahnin war, kam jemand aus dem Wassermondkloster und bat die Herrin um zwei Flaschen eingelegtes Südgemüse und um ein paar Monatsgehälter im Vorschuss; die Äbtissin sei krank. Ich fragte die Klosterfrau: ‚Was fehlt der Äbtissin?' Sie erzählte: ‚Seit vier, fünf Tagen. Neulich nachts haben einige der kleinen Novizen und Novizinnen beim Schlafen die Lampe nicht ausgeblasen. Die Äbtissin hat es mehrmals gesagt, aber sie hörten nicht. Mitten in der Nacht, nach der dritten Nachtwache, brannte immer noch Licht. Die Äbtissin ging selbst hin und blies alle Lampen aus. Zurück auf ihrem Kang sah sie zwei Gestalten — einen Mann und eine Frau — auf dem Bett sitzen. Sie fragte, wer sie seien, da warfen sie ihr eine Schlinge um den Hals. Sie schrie um Hilfe. Alle kamen mit Lichtern angelaufen — sie lag am Boden, Schaum vor dem Mund. Zum Glück wurde sie gerettet. Seitdem kann sie nichts essen und bat daher um eingelegtes Gemüse.' Da die Herrin nicht im Zimmer war, habe ich ihr nichts gegeben und sie weggeschickt. Als ich eben die Rede von südlichem Gemüse hörte, fiel es mir wieder ein — sonst hätte ich es vergessen." Phönixglanz hielt kurz inne und sagte: „Südgemüse haben wir noch — schickt ihr etwas. Das Silber — sag dem jungen Qin, er soll es in ein paar Tagen abholen." Da kam Xiaohong herein und meldete: „Der Zweite Herr lässt ausrichten: Er hat heute Abend Geschäfte außerhalb der Stadt und kommt nicht nach Hause. Er schickt Bescheid." Phönixglanz sagte: „Gut." Da hörte man ein kleines Mädchen aus dem Hinterhaus atemlos hereingerannt kommen. Draußen empfing sie Friedchen; ein paar andere Mädchen flüsterten miteinander. Phönixglanz rief: „Was tuschelt ihr?" Friedchen sagte: „Die Kleine hat Angst und redet von Geistern." Phönixglanz fragte: „Welche?" Das Mädchen kam herein. Phönixglanz fragte: „Was für Geistergeschichten?" Das Mädchen erzählte: „Ich bin gerade nach hinten gegangen, um den Kohlemann zu rufen. In den drei leeren Zimmern hörte ich es klappern und knarren — ich dachte, es seien Katzen oder Ratten. Dann hörte ich ein ‚Aaah', wie wenn jemand seufzt. Da habe ich mich gefürchtet und bin gerannt." Phönixglanz schimpfte: „Unsinn! In meinem Haus wird nicht von Geistern und Gespenstern geredet! Ich habe noch nie an so etwas geglaubt. Raus mit dir!" Das Mädchen verschwand. Phönixglanz ließ Caiming die Tagesausgaben abgleichen. Es war fast die zweite Nachtwache. Man ruhte noch ein Weilchen, plauderte ein wenig, und dann ging jeder schlafen. Auch Phönixglanz legte sich nieder. Gegen die dritte Nachtwache lag Phönixglanz im Halbschlaf, als sie plötzlich eine Gänsehaut überlief. Sie fuhr hoch, und je länger sie lag, desto unheimlicher wurde ihr. Sie rief Friedchen und Qiutong, ihr Gesellschaft zu leisten. Die beiden verstanden nicht, was los war. Qiutong hatte sich mit Phönixglanz nie gut verstanden; nachdem Kette Kaufmann sie wegen der Sache mit Zweitschwester Sonders vernachlässigte, hatte Phönixglanz sie wieder um sich geschart, und nun war es äußerlich ruhig — aber innerlich war Qiutong lange nicht so aufrichtig wie Friedchen. Als sie Phönixglanzs Unwohlsein sah, brachte sie ihr pflichtgemäß Tee. Phönixglanz trank einen Schluck und sagte: „Danke dir. Geh schlafen — Friedchen allein genügt." Doch Qiutong wollte sich dienstbeflissen zeigen: „Wenn die Herrin nicht schlafen kann, wechseln wir uns eben ab." Während sie sprach, schlief Phönixglanz ein. Friedchen und Qiutong sahen, dass Phönixglanz schlief; in der Ferne krähte ein Hahn. Beide legten sich angekleidet kurz hin. Schon wurde es hell, und sie sprangen auf, um Phönixglanz bei der Morgentoilette zu helfen. Phönixglanz war durch die nächtlichen Vorfälle unruhig und verwirrt, doch ihr Stolz ließ sie sich nichts anmerken, und sie raffte sich auf. Grübelnd saß sie da, als ein kleines Mädchen im Hof nach Friedchen rief. Friedchen antwortete. Das Mädchen hob den Vorhang: Wang Furen habe jemanden geschickt, um Kette Kaufmann zu suchen; draußen sei eine dringende Amtssache zu klären, Aufrecht Kaufmann sei gerade ausgegangen, und die Gnädige Frau bitte den Zweiten Herrn, sofort zu kommen. Phönixglanz erschrak. Was es war, möge der geneigte Leser im folgenden Kapitel erfahren.
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). |